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Braver Iaup, wie oft hab' ich dein gedacht!
Ein jäher Untergang drohte mir — ich versank all-mälich in den Wogen des Pflichtgefühls, die langsam spielendnach der Gränze mich lockten, wo preußische Uhlanen nndrcichStrüppliche Bajonette meiner warteten. Da erinnertestdu dich des alten Freundes, mit dessen Oheimen du invergangenen Jahren aus Dolche geschworen und gegen Despo-tismus conspirirt hattest; — von dem Sessel der "höchstenStaatsbehörde" (verzeihe mir, wenn ich den offiziellen Titeldes großherzoglich hessischen Ministeriums des Innern undder Justiz, des einzigen im Lande, vergessen haben sollte)reichtest du mir die rettende Hand! Du löstest die Kammerauf, bevor sie über meine Zulassung sich aussprechcn undmir die Garantie persönlicher Sicherheit in dem von dirregierten Statlein bieten konnte, und damit ja kein Zweifelüber bliebe, schriebst du als höchste Staatsbehörde meinenehemaligen Collegen, den Professoren in Gießen, daß ichein atheistisches, unmoralisches, unwissendes Gebräu der Höllesei, ausgespuckt vom Teufel und seiner Großmutter in dengrünen Garten des konstitutionellen Hessenlandes, um seineschönsten Blüthen zu beschmutzen, seine besten Früchte zuverderben. Du empfandest die Nothwendigkeit, dieß räudigeSchaf aus dem gutgesinnten Pferche der Landesuniversitätzu entfernen, die Pforten des konstitutionellen Kammer-tempels vor seinem Nahen zu schließen und Gensdarmenzu seiner Hütung aufzustellen.
Braver Iaup, wie dankbar hab' ich damalsdein gedacht!
Erlösung! Erlösung! jauchzte es durch alle meine Adern.Ich hätte Dahlmann umarmen und einen Kuß auf seine