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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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341
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Ende gefunden am 21. Juli zwischen Tonnere und Mont-bard ein, und bezog später, als alle Heere Cantonirungcnbezogen, die seinigen im Nievre- und Allier-Departement.

F.-M. Wrede ging von Nancy, über Gondzeville, Toul,dessen Commandanten er am 1. Juli vergeblich zur Uebergabedes Platzes aufforderte, Barleduc, Le Fresne, den befestigtenPunct Vitry le francaiS umgehend, nach Chalons für Marne,wo er am 5. Juli eintraf; diesen letzteren Ort hatte am 2.des russischen Generals Czernitscheff leichtes Corps genommen *).Am 6. wurde die Verbindung des bayerischen Heeres mit dempreußischen durch eine Streifpartie hergestellt. Blücher schrieban Wrede die Kapitulation von Paris und das Zurückziehender französischen Armee hinter die Loire und forderte den baye-rischen Heerführer auf, sich gegen die Loire zu bewegen undauf Gien vorzupoussiren. Wrede fand bei seinem weiteren

*) Carl von Nosliz führte damals die Avantgarde Czcrnitscheffs. Ineinem Briefe an General Bieth schilderte er den Kampf um Chalonsfolgend:Diese Stadt, ein Vereinigungspunct innerer Strcitkräfte,sperrte die Marne; General Rigaud commandirte darin einen schwachenTrupp vom Lumpengesindel, Gensd'arnieu und Artillerie, dessen Stärkeaber vorzüglich in dem bösen Geiste der Einwohner lag. Sechs Stun-den vor Czernitscheff voraus, griffen wir, als die erste Lerche sang,den Ort an, drangen durch denselben und erreichten den Feind auf derjenseitigen Höhe, wo der Weg nach Paris geht. Ehe die Soldatenihre Flucht zum Carree ordnen konnten, wurden sie auseinander ge-trieben, und eine flüchtige Colonne nach der andern eingeholt, zuletztder General selbst. Nach gethaner Arbeit ist gut ruhen, das heißt,der französische Wein soll in Chalons recht gut schmecken. Wiedereine Rechnung ohne Wirth! Die versprengten Infanteristen waren inmeinem Rücken, während ich mit schwacher Mannschaft engagirt war,wieder in die Stadt gerückt und hatten fünf von den umgeworfenenKanonen hingezogen, mit denen sie von Neuem den Ort vertheidigtenund mich aus den Gärten beschossen, wie ich mit 2 Kanonen, 13 Pnl-verkarren, 1 General, mehreren Offizieren nebst etlichen hundert Ge-fangenen einher marschire. In dem Augenblicke kommt Czernitscheffvon der andern Seite an; ich umgehe nun die Stadt, und ehe ichnoch an dem weiteren Gefechte Theil nehmen kann, ist das Thor vonCzernitscheff eingeschlagen, und nach einem kurzen, aber raschen Gefechtin der Stadt die Sache sogleich beendigt." Das letzterwähnte Ge-fecht war also:Der bayerische Major Hertling ließ eine seiner baye-rischen Chevaurlegers-Escadrons absitzen und gebrauchte sie als Schützengegen das verrammelte Chalons. Die Bayern, durch den übrigenTheil des Corps kräftig unterstützt, erbrachen mit tapferer Faust unterihren braven Führern, Hertling, Jtzstein, Miller, Pammer, Zehner, dasStadtthor und erstritten, mit den Waffen in der Hand, den Besitz derStadt selbst. Mehrere Feinde wurden niedergemacht, mehrere gefangen;den Bewohnern wurde starke Contribution auferlegt." (Die Feldzügein den Jahren 1812 bis 1815, von F. I. A. Schncidawind, 4. Bd.,S. 171.)