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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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Pausen tropfte das Wasser zur Erde, und der Boden war mitleichtem Schlamme bedeckt, der nie trocknen sollte. Dabei dienteeine Pritsche zur gemeinschaftlichen Schlafstelle, und das Zim-mer trug ganz den Stempel der Militair-Gefängnisse, wie siein allen spanischen Casernen sich finden, auch wimmelte es na-türlich von Flöhen, die Tag und Nacht uns quälten. VonZeit zu Zeit ward es uns erlaubt, eine Stunde lang in demHofe spatzieren zu gehen, wo wir dann die Unglücksgefährtentrafen, welche in den andern oft noch schrecklicheren Gefängnis-sen schmachteten. Jeden Sonnabend war aber Communicationmit der Außenwelt, indem alle diejenigen, welche durch Furchtvor der Rache der Liberalen und den Insulten der National-Gardisten, welche die Wache in der Caserne hatten, sich nichtabschrecken ließen, uns sehen und sprechen durften, wobei einhölzernes Gitter sie von uns trennte.

^ Dennoch brachte ich die Wochen meines Aufenthaltes in

' Madrid so angenehm zu, wie unter solchen Verhältnissen irgendmöglich wurde. Ich hatte von der Heimath her Empfehlungenj in Madrid vorgefunden, wodurch ich, da Geld und Connexionen

^ dort umumschränkt herrschen, leicht die Erlaubniß erlangte, Al-

l lcs, was zur Verbesserung meiner Lage dienen konnte, herbeizu-

l schaffen und selbst Besuche in einem besondern Zimmer zu em-

j pfangen; auch den gefangenen Cameraden konnte ich so zuwei-

i len nützen. Daher bedauerte ich nur, den Aufenthalt in der

! Hauptstadt nicht zum Kennenlernen ihrer Merkwürdigkeiten be-

s nutzen zu dürfen. Wohl wäre es leicht gewesen und es wurden

l mir wiederholt deshalb Anerbietungen gemacht gegen Cau-

t tion die Stadt als Gefängniß angewiesen zu bekommen; doch

k würde ich mich nur unter steter Gefahr von Seiten des niedern

l und hohen Pöbels in den Straßen gezeigt haben; auch hielt ich

d für erbärmlich, meine Genossen in so trauriger Lage zu verlassen,

k um selbst der Freiheit mich zu erfreuen oder gar dem ihnen

drohenden Geschick mich zu entziehen. Denn auch ihr Leben