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Quadrats befinden sich vier Gehäuse für größere, und an den vier obern Kreuzvorsprüngen acht Gehäuse für klei-nere Figuren, indem jeder einzelne Vorsprung dadurch zwei Figurenplätze erhält, daß seine Ecken vermittelst des,in.das äußerste Viereck über Eck gestellten Quadrats weggenommen sind. Die Art letzterer Bildung ist in Figur 6(des Vorlegeblatts XV) in größerem Maaßstabe gezeigt, und findet sich sehr häufig bei Strebepfeilern angewendet.Die quadraturmäßige Anordnung des Grundrisses, besonders in seinem Mittelpunkte, tritt als solche auch ohneErklärung bedeutungsvoll hervor. Uebrigens gehört immerhin ein gründliches Studium dazu, um den Grundrißeiner so complicirten Gestaltung in Bezug auf den Aufriß vollständig zu verstehen. Zu diesem Behufe messeman die Grundrißdimensionen vergleichend mit den Breiten- oder Durchschnitts-Dimensionen des Aufrissesworaus sich ergiebt, welche Theile sich auf einander beziehen. Der Grundriß enthält aber den Durchschnitt desAufrisses nicht an einer bestimmten Stelle, sondern deßhalb in verschiedenen Höhen, um dadurch wenigstens daswichtigste deutlich machen zu können (indem die Durchschnitte sämmtlicher einzelnen Theile die Zeichnung des Grund-risses zu sehr verwirrt haben würden). Die Figurengehäuse sind im Grundrisse, und zwar die vier unteren an der,im Aufrisse mit 6 bezeichneten, Stelle, die acht oberen Figurenplätze aber an den, mit 6 markirten, Stellen durch-schnitten dargestellt; die vier Fialen, welche die acht obern Figurenplätze krönen (und von denen im Aufrisse dreierscheinen) sind an der, auf der rechten Seite des Aufrisses und Grundrisses mit K bezeichneten, Stelle im Grundrißdurchschnitten. Das im Grund - und Aufriß mit k k bezeichnete Mittelquadrat enthält im Grundriß denDurchschnitt des Leibes der ganzen mittleren Warengestaltung. Auch in Figur 5 ist ersichtlich, wie der einzelneTheil im Verhältniß zum Ganzen, z. B. die Fiale zu der Seite des Strebepfeilers, an welchem sie angebracht ist,über Eck steht. Außer der Eigenthümlichkeit des hierdurch sich ergebenden Formenwechsels ist noch eine andere,zu den malerischsten Bildungen führende Eigenschaft im gothischen Styl karakteriftisch, nämlich das Durch-wachsen einzelner Theile durcheinander. So treten die, an die Kreuzvorsprünge angelehnten, Fialen oberhalbder Wasserschläge dieser Vorspränge durchwachsend in ihrem vollen Umfange hervor. Der zur Figur 5 gegebeneGrundriß enthält übrigens die Elemente in sich, um den Aufriß noch in reicherer Formenentwicklung und zu nochbedeutenderer Höhe, als hier geschehen, erstrecken zu können. Die vier, den mittelsten, viereckigen Kern im Grundrißüber Eck umstellenden Fialen sind nämlich im Aufriß nicht ausgeführt, weil ihnen eine weit bedeutendereHöhe hätte gegeben werden müssen, als nach dem hier vorhandenen Raume möglich gewesen wäre. Die Entwick-lung des Aufrisses in letzterer Art mag zur Aufgabe dienen. Die ganze Gestaltung, wie sie hier steht, könnte auchzu einem einzelnen, freistehenden Monumente benützt werden, insofern der Grundriß auf allen vier Seiten gleichist; in diesem Falle würden passend auf den vier Seiten zwischen den größeren Figurengehäusen (an der hier mit tbezeichneten Stelle) Wappenschilde angebracht werden. In Bezug auf diese Anwendbarkeit für ein Monumenthabe ich auch den (des Raumes wegen abgebrochenen) Untertheil des Ganzen eingezogen, was außerdem theilsnicht passend wäre, theils aber auch nicht vorkommen könnte, indem, wenn man die ganze Gestaltung als taber-nakelartigen Thurmftrebepfeiler anwenden wollte, dieselbe auf der untern Aufrißlinie u k enden, und hier unter-halb mit dem Lhumviereck eine Fläche bilden, daher das oberste Gesims des Lhurmvierecks auf der Linie üb sichbefinden würde. Als Thurmstrebepfeiler betrachtet wäre aber jedenfalls das eine der vier untern, größeren Eckgehäuseüberflüßig, indem die in demselben, der einen Achtortseite des Thurmes gegenüber befindliche Figur unsichtbar seinwürde*). Zm Thurme Figur 28 des Vorlegeblattes IX sind einfache, aber im Gesammteindrucke doch ähnlichetabernakelartige Strebepfeiler aus dem Sechseck gegeben. Was die Art betrifft, wie solche Strebepfeiler sich aufihrer Rückseite (statt des hier überflüssigen Figurengehäuses) an das Vieleck des Thurmes anschließen, so wurdehierüber bereits oben bei Erklärung des Vorlegeblattes IX (besonders bei den Pfeilerconftructionen) das nöthigebemerkt. Die freistehenden vier Ecksäulen der untersten Figurengehäuse habe ich in Figur 5 stärker gestaltet, alses in der Regel bei den alten Werken der Fall ist, weil ich die, bei letzteren angebrachten, eisernen Querftangen,welche diese Ecksäulen an den Kapitälstellen mit den ihnen gegenüberstehenden Wandsäulen verbinden, vermeidenwollte. Auch sehen freistehende Säulen in der Wirklichkeit, gegen die Luft betrachtet, ohnehin leichter aus, als siein der Zeichnung, und auch in der That sind. Statt des hier glatt gelassenen Mitteltheils zwischen beiden Figuren-gehäusen karrn man die oberen Füllungsglieder bis herunter gehen lassen, so daß alsdann die wagrechteUnterbrechung bei t wegfällt. Die im Grundriß in den vier Kreuzecken zuschraffirten Theile (im rechten unternEcke mit r8, und die durch den Winkel 8 sich ergebende Aufrißlinie mit q bezeichnet) sollen nur andeuten daßman dieselben, da keine Eisenftangen angebracht sind, als massiven Stein stehen lassen kann, um den, mit Fialengekrönten, Obergehäusen der Figurenplätze zur Stütze zu dienen. Die viereckigen Postamente für die vier Figuren
*) Um diesen Satz zu verstehen, muß man sich das ganze Gmndrißvicrcck so situirt denken, wie die ähnlichen Grundrißvierccke der vier k .
Ecken der Tyurmgrundrisse der Figuren 25 und 20 des Äorlegeblattes H ^ ^ ^