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Vier Jahre in Spanien : die Carlisten, ihre Erhebung, ihr Kampf und ihr Untergang. Skizzen und Erinnerungen aus dem Bürgerkriege / von A. von Goeben
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am folgenden Morgen zu marschiern, plötzlich Mittags aus un-serm Thurme gezogen und eiligst mit starker Bedeckung nachMurviedro abgeführt, natürlich von den zusammenlaufenden Li-beralen möglichst insultirt und beschimpft.

Herrlich dehnt zwischen dem Meere und dem Gebirge, zweibis vier Meilen breit und etwa zwanzig lang, die Ebene sichaus, die unter dem Namen der Huerta des Fruchtgartensvon Valencia bekannt ist, so sorgfältig bebaut und so bis zumkleinsten Fleckchen benutzt, wie die am reichsten cultivirte Land-schaft in Deutschlands Auen es zu sein vermag. Die Nähedes Meeres verbreitet auch in den glühendsten Monaten desSommers wohlthätige Kühlung und befruchtende Feuchtigkeitüber diesen begünstigten Landstrich, die hohen Berge, welcheschützend ihn umgeben, halten die rauhen Winde der kaltenJahreszeit fern. Dazu hat die Sorgfalt des Landmannes durchCisternen und Canäle, die in unendlicher Menge die Felderdurchkreuzen, regelmäßige Bewässerung des Bodens geschaffen,seine Saaten gegen die dörrende Hitze der Sonne schützend.

Und diese Sorgfalt, so selten in Spanien, dem Lande derTrägheit, ist nicht unbelohnt geblieben. Die strotzenden Felder,die reichen Gärten zeugen von der Fruchtbarkeit des Landes, diereinlichen Dörfer, welche, dicht an einander gedrängt, in un-glaublicher Menge diese gesegneten Auen schmücken und mitihren weißen Kirchthürmen freundlich sich zu begrüßen scheinen,verkünden die Wohlhabenheit der Bewohner und zeigen, wasNatur vermag, wenn des Menschen ausdauernder Fleiß ihr zuHülfe kommt. Ware die ganze Halbinsel wie diese Huerta be-baut, so würde sie leicht die fünffache Zahl ihrer jetzigen Bewoh-ner ernähren. Zugleich vermannigfacht das Klima ausnehmenddie Produkte, so daß der erstaunte Fremde Alles dort bewundert,