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Unheimliches zu erkennen glaubte, was mir späterhin nie mehrauffallend war. Übrigens ist das Äußere desselben so oft ge-schildert worden, daß ich das oft Gesagte nur nochmals wieder-holen könnte; doch werde ich nie den Eindruck vergessen, welchendie Augen Cabrera's auf mich machten, diese dunkel glühendenAugen, die in unaufhörlicher Bewegung feurige Blitze entsen-den und, wohin sie sich sixiren, bis auf den tiefsten Grunddurchbohrend zu dringen scheinen. — Diejenigen, welche seiteinigen Jahren ihn nicht gesehen hatten, fanden ihn unendlichverändert und gealtert, Sorgen und rastloses Mühen hattenihren Stempel dem jugendlichen Antlitze aufgedrückt.
Ich ward von Cabrera auf nicht sehr schmeichelhafte Artempfangen, wozu mein Äußeres, wie es damals wohl choquirenkonnte, die Veranlassung gab. Schon durch meine Statur zogich stets die Aufmerksamkeit der Spanier auf mich, da sie all-gemein kräftig, aber untersetzt gebaut sind. Dazu war ich wahr-haft ausgemergelt durch die Leiden und Entbehrungen der furcht-baren Gefangenschaft in Cadix Easematten und die dadurchhervorgerufene Kränklichkeit, während die Gesundheit, welchekaum wiederzukehren begann, die Spuren des Elends in denhohlen Wangen und dem krankhaft bleichen Teint noch nichtzu verwischen vermochte.
Der lange Aufenthalt in jenen halbdunkeln, feuchten Räu-men, in denen wir zum Lesen selbst bei Tage des künstlichenLichtes uns bedienen mußten, hatte meine Augen so geschwächtund empfindlich gemacht, daß noch Monate lang nachher dasStrahlen der Mittagssonne, in jenen Landstrichen doppelt blen-dend, da sie rings von den weißen Häusern oder von grauglänzenden Felswänden zurückgeworfen wird, brennende Schmer-zen mir erregte. Ich pflegte deshalb die Augen durch blaue odergrüne Klappenbrillen gegen den widrigen Einfluß zu schützenund beging, wiewohl das Vorurtheil der einfachen Facciososgegen alles nicht der Natur Angemessene mir wohl bekannt war,