7. Buch.
Der König in Hampton-Court,
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war, sie für eine bessere Aussicht aufzugeben, hielt sich alle Wege zumGlück offen und lenkte jeden Tag in denjenigen ein, auf welchem ihmder Erfolg am größten oder schnellsten zu sein schien. Der König sei-nerseits, der von dem Zustande der Gemüther im Parlament und Heeregut unterrichtet war, gab seinen Unterhandlungen eine neue Wendung;er richtete sie weniger an die Partei, als an ihre Häupter und gab diesenvielmehr Aussichten auf persönliche Begünstigungen. als auf allgemeineZugeständnisse. Man bot Jreton die Statthalterschaft in Irland, Crom-well den Oberbefehl über das Heer und die Garde des Königs, den Ti-tel eines Grafen von Effex und den Hosenbandorden. Für ihre vor-nehmsten Freunde wurden Vortheile gleicher Art in Aussicht gestellt.Unterdessen sprachen zwei Royalisten, der Richter Jenkins und der Ka-valier Sir Lewis Dives, die mit Lilburne im Tower gefangen saßen,unablässig von dem, wie sie sagten, schon zwischen den Generälen unddem Hofe abgeschlossenen Vertrage, erzählten ihm dessen Bedingungen,reizten sein Mißtrauen und feuerten ihn an, es zu verbreiten. Die bloßeVermuthung eines solchen Handels mußte unter der Partei Verwir-rung erregen, während die Annahme desselben dem König die Unter-stützung der Häupter sicherte, oder diese selbst ohne Gewalt ließ.
Die beiden Generäle konnten diese Operationen nicht mißverste-hen. Sie hatten den König mit ihren Spionen umgeben; der OberstWhalley, der ihn mit seinem Regimente bewachte, war ein Vetter undGeschöpf Cromwell's; die geringfügigsten Umstände im Leben des Kö-nigs, seine Spaziergänge und Unterhaltungen, die Besuche und Schritteseiner Rathgeber, die Unbesonnenheiten seiner Diener wurden ihnen ge-nau berichtet, und mehr als einmal beklagten sie sich, daß von Hampton-Court ausgegangene und wie absichtlich verbreitete Gerüchte sie außerStand setzten, dem König in der Armee nützlich zu sein, indem sie dortihr Ansehen zu Grunde richteten. Jreton besonders. der von rauheremCharakter und gegen die Lüge weniger gleichgültig war, wurde darüberso unmuthig, daß er sich versucht fühlte, die Unterhandlungen abzubre-chen. Sie dauerten indessen fort und bald schien selbst das öffentlicheBenehmen der Generäle den Argwohn der Soldaten zu bestätigen. Ausdie dringenden Bitten der Schotten und um dem friedliebenden Publi-kum einige Genugthuung zu geben, hatte das Parlament beschlossen,dem Könige die in Newcastle gemachten Vorschläge noch einmal vorzu-legen. Die Grafen Lauderdale und Lanerk, die vor Kurzem in Hamp-ton Court angekommen waren, beschworen ihn von Neuem, sie anzuneh-men und sich endlich mit den Presbyterianern zu vereinigen, die alleinden aufrichtigen Wunsch hegten, ihn zu retten. Ueber diese Gefahr be-sorgt, verdoppelten Cromwell und Jreton ihre Betheuerungen und Ver-
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