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Geschichte der Englischen Revolution bis zum Tode Karls des Ersten : mit dem Portrait Karl's I / von Franz Guizot
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Verlegenheit der Jndependenten.

8. Buch.

rard's Aussage mit diesem Plane bekannt. Sofort entwarf man einePetition an das Parlament und legte sie diesem vor. Der kommunal-rath verlangte darin die Rückgabe der in Folge des letzten Aufstandesder City weggenommenen Ketten. Verlegung des Hauptquartiers derArmee und Uebertragung des Commando's über alle Streitkräfte Lon-don's und seiner Vorstädte an Skippon. Diese Bitten wurden aus derStelle bewilligt und am folgenden Morgen (28. April 1648) beschloßdas Unterhaus nach einer Verhandlung, über welche keine Urkunde auf-bewahrt worden ist, daß 1) die Grundform der Regierung des König,reichs unter einem Könige, den Lords und den Gemeinen, in nichts ab-geändert; 2) die dem Könige zu Hampton-Court gemachten Vorschlägeden Maßregeln, welche zur Herstellung des öffentlichen Friedens für drin-gend nothwendig erachtet würden, zu Grunde gelegt werden sollten; 3)ungeachtet des Beschlusses vom 3. Jan., der jede Adresse an den Königuntersagte, jedes Mitglied die Freiheit haben solle, Vorschläge für dasInteresse des Landes zu machen.

Cromwell befürchtete diesen gefährlichen Vorfall seit drei Wochenund suchte ihm vorzubeugen; im Namen der Führer der Armee und derPartei hatte er dem Communalrath (8. April) anbieten lassen, der Cityden Befehl über ihre Miliz und den Tower zurückzugeben und die an-geklagten Aldermen in Freiheit zu setzen, wenn sie sich verbindlich mache,nichts zu unternehmen, was dazu dienen könne, den bevorstehenden Ein-fall der Schotten zu unterstützen; man hatte indeß sein Anerbieten ab-gelehnt. Gezwungen, jeder Hoffnung auf eine friedliche Lösung zu ent-sagen, und zugleich den wachsenden Muth der Presbyterianer in derCity und ihre vermehrte Macht im Parlament wahrnehmend, fühlte ereine unwiderstehliche Begierde nach einem entscheidenden Schlage. Ereilte nach dem Hauptquartier, berief den Rath der Officicre zusammenund schlug vor, mit der Armee nach London zu marschiren, ihre sämmt-lichen Gegner aus dem Parlamente zu verjagen, kurz, sich im Namenaller Rechtlichgesinnken und des öffentlichen Wohls, des vollen Besitzesder Gewalt zu bemächtigen. Auf einen Augenblick wurde der Vorschlagbeifällig aufgenommen, aber ein so rauher Eingriff in die Rechte einesParlaments, das so lange der Abgott und Herr des Landes gewesen,mußte selbst die Verwegensten bedenklich machen; sie zauderten. Fair-fax , der über das, was er zu vollbringen im Begriff war, unruhig zuwerden begann, benutzte diese Stimmung, um gegen das dringende Ver-langen des Generallieutenants, der sofort die nöthigen Befehle ertheilenwollte, aufzutreten. Der Vorschlag wurde aufgegeben. Mißmnthigüber das zwiefache Scheitern seines Planes, der einen Partei durch seinStreben nach einem Vergleiche, der andern durch die Heftigkeit seiner