Band 
Dritter Band.
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Der Tempelbau. 5i

Künste. Hiezu trat die Mahlerei auf den innern Wänden, durch Farben-zauber, und lebendige Naturnachahmung den Rang zu erkämpfen strebend.Bewundert das Artemisium von Ephesus und das Olympium in Athen , betetan vor den goldenen Colossen zu Olympia und im Parthenon , so wird docheine Helena des Zeuxis im Lacinischen Tempel der Juno, eine Anadyomeneim Aesculapium zu Cos, ein Jalysus zu Rhodus euer Gemüth auf eine nichtminder wundervolle Art anregen. Verwandt sind die drei Künste, und ihrGeist schöpft aus einem Born, jede leistet ein Unendliches, aber die Zau-berin Mahlerei, obwohl in geringem Massen auftretend, und auf den erstenAnblick weniger scheinbar, das Vollendetste.

Dessen ungeachtet blieb die Mahlerei in den Tempeln der Eildnereiuntergeordnet. Jene zierte nur die Wände; diese erhob sich in dem Haupt-bild, das dem Tempel den Namen gab. Gold und Elfenbein war in derblühendsten Zeit der Griechischen Kunst dafür das gesuchteste Material,und die Colossalität der Bilder füllte gleichsam die Gröfse der innernRäume: für mächtige Wirkung keine herrlichere Ansicht! Die gewöhn-lichem Materiale der Bildkunst waren Erz und Marmor. Der Vorzug inLetzterm war das kernhafte Weifs ohne Adern und Makel; im erstemscheint die Leberfarbe des Corinthischen Erzes den Rang über die frühemMischungen des Delischen und Aeginetisclien behauptet zu haben. DiePracht und die Zierden der Throne und der Fufsgestelle waren dem Haupt-bilde entsprechend. Aber nicht blofs Griechenland , auch Rom hatte seineTempelcolossen. Das Pantheon hatte deren nicht weniger als sieben, jedermit dem Untersatze an 40 Fufs Höhe. Von ähnlicher Gröfse mufste dieGöttin in dem Friedenstempel seyn, und nicht viel kleiner die Bilder indem Tempel der Venus und der Roma . Zu Caesarea liefs Herodes dasBild des Augustus in dem zu dessen Ehren erbauten Tempel nach demVorbilde des Jupiter zu Olympia und von nicht geringerer Gröfse aufstel-len, und neben ihm thronend die Roma, nach dem Vorbilde der Polycleti-schen Juno zu Argos. Noch wundervoller mufste das Bild des olympischenJupiter seyn, welches von Gold und Elfenbein der Kaiser Hadrian in demvon ihm vollendeten Tempel zu Athen setzen liefs: nach dem Tempelraumeberechnet vielleicht das Gröfste in der ganzen Hellas.

Nicht selten war die Hauptstatue noch mit andern gruppirt, wie Junomit Hebe, Aesculapius mit Hygea, Ceres mit Proserpina und Jacchus, Ne-ptun mit Ainphitrite, Apollo mit Schwester und Mutter u, s. w.

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