Cap. II. Slpost. Kirche, tz. 28. Paulus. Leben. Lehre. 31
einer christlichen Literatur herrscht rabbinische Auslegung und Beweis-führung mit kühn verschlungenen Syllogismen, eine hochgespannte Ver-ständigkeit über dem tiefsinnigen, liebeglühenden Gemüth, ein Wogeneinander drängender Gedanken. In gedrungenen harten Sprachformenhat Paulus immer das rechte Wort für die verschiedenartigsten Zustände,bald streng überzeugend oder drohend, bald hinreißend durch Herzlichkeit,er selbst eine Mischung von Demuth und Selbstgefühl. Was seiner Naturnach Ergebniß verständiger Überlegung sein konnte, entschied sick, ihm alsdurch Offenbarung in Visionen, im Zusammenhange mit seiner gebrech-lichen Leibesbeschaffenheit.Er vor allen hat den letzten Willen Jesuvollzogen, mit dessen Lehre seine Lehre stimmt, wiefern sie ausgeht vonder Anerkennung Jesu als Messias eine durch gleiche nationale Voraus-setzungen bedingte Anschauung eines tiefen religiösen Geistes. Aber sieist zugleich selbständig in seinem eigenthümlichen Leben und Streben be-gründet/) In jenes war der Gegensatz einer Feindschaft wider Christusund des alleinigen Lebens für ihn aufs schärfste gefallen: Paulus erhobdiesen Gegensatz zur Allgemeinheit als ein Leben der mit Adam von Gottabgefalluen. durch den Gekreuzigten und Auferstandenen mit Gott ver-söhnten Menschheil; der Widerspruch eines Hingerichteten Messias fürdas jüdischeBewußtsein löstsich ihm in der Nothwendigkeit dieses sühnen-den Opfertodes, und das tiefe Gefühl der Sündhaftigkeit, mit dem seinEvangelium anhebt, wird zum Jubel der Erlösung. Unwillkürlich war erhingerissen worden zu Christus: er achtet im Gefühl der Nichtigkeit allerKreatur vor Gott das ewige Geschick des Menschen durch unvordenklichenRathschluß geordnet und erklärt sich dadurch das Räthsel einer zeitweiligenZurücksetzung desVolkesGottes vor dem Einkitte derHeiden insGottes-reich. Aber sein Streben galt der Befreiung des christlichen Geistes vomjüdischen Gesetz, kraft der Behauptung: ist das Gesetz nothwendig zumHeil, so ist Christus vergeblich gestorben. Weil der Mensch das Gesetz nichterfüllt hat, auch nach seiner natürlichen Beschaffenheit es gar nicht er-füllen kann, kommt aus den Werken des Gesetzes die Verdammniß, daherdie Rechtfertigung vor Gott nur in der Hingabe des Herzens an Christus,d. h. im Glauben allein gefunden werden kann, nicht durch die Ab-stammung von Abraham, nicht durch das Verdienst eigener Thaten, son-dern als freie Gnade Gottes; aber aus dem Glauben geht der neue Mensch,als mit Christus gestorben und auferstanden, nothwendig hervor. Pauluserkannte den alten Bund als eine göttliche, aber durch den neuen BundGottes mit der Menschheit in Christo sowol vollendete, als aufgehobeneSatzung. Wurden sonach die von ihm gegründeten Gemeinden demJudenthum gar nicht eingepflanzt, während sie doch als solche auch dem
H.3.876.H.1.2. Die Visionen in der AG.. wie die Seitenblicke dcrClementinen aufsolche, im allgemeinen bestätigt durch 2 6on. 12, 1-8. 5, 13. 1 6on. 14, 18. 4,
13. n) parel, P. u. Jesus. sJahrbb. f. deutsche Th. 858. H. I.f Lokstöäö äs 6-root,kauli oouvsisio xiascixuns Illsol. kauUims Ions. krön. 854.