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Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
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Cap. II. Kirchenlehre. tz. 96. Pelagius. h. 97. Augustinus. 141

bardt, d. L. v. freien Willen u. s. Vrh. z. Gnade in gcsrb. Entw. Lpz. 863. Dgg: Baur,KGesch. B. II. S. 123.

K. 96. Pelagianismus und Augustinismus.

Die Freiheit des Menschen ist seine Abhängigkeit von Gott. In derReflexion treten beide Beziehungen aus einander. Die griechischen Kir-chenvater hatten gegen Montanisten und Manichäer die Freiheit hervor-gehoben als alle sittliche Zurechnung bedingend. Die lateinische Kirche, inTertullians montanistischer Richtung, stellte die Abhängigkeit voran undbetonte die Nothwendigkeit übernatürlicher Gnade wegen einer von AdamsSündenfalle fortwährenden Verschlechterung der menschlichen Natur, ohne-doch die Unschuld der Unmündigen oder die Freiheit der Mündigen zuleugnen. Pelagius und C ö l estius, fromme Mönche aus BritanniensBretagnef, durch die Einfälle der Barbaren 409 nach Rom, 411 nachAfrika verschlagen, erhoben im Interesse sittlicher Kräftigung die Freiheitdes Willens als der großen Gottesgabe, indem sie gegen die afrikanischeAnsicht bemerkten, daß durch Adams Fall die menschliche Natur keines-wegs verdorben sei, der Mensch also noch immer fähig die Gebote Gotteszu erfüllen, aber innerhalb der Kirche durch die göttliche Gnade zu seinerBeßrung gefördert und einer höhern Seligkeit imReiche Christi gewärtig.Augustinus sph durch diese Lehre in ihrer Folgerichtigkeit den Glau-ben an die Erlösung und an die alleinseligmachende Kirche gefährdet. Fürdiesen, eine schon vorhandene Richtung steigernd, trat er ein durch seineBehauptung der E rbsün de und Prädestination:Durch AdamsSündenfall ist die menschliche Natur, mit einer unendlichen Schuld be-lastet, unfähig zum Guten aus eigner Kraft. Daher nur die göttlicheGnade ohne des Menschen Zuthun durch die Kirche in einigen ein neuesLeben schafft, die göttliche Gerechtigkeit andre ihrem Verderben überläßt,also diese von Ewigkeit her zur Verdammniß bestimmt hat."

K. 97. Augustinus. 13. Nuv. 354-28. Aug. 43V.

I. Oxx. eäll. Leusälatiui, kai. 679-7VÜ. 11 I. I. srse. Olsitvuss ^.irtu. 7VV S8.121. k. I'un. 835-g. 11 1. 4. Lusoli, libror. tUirZ. leceiisus. I)orp. 826. Bossi-äiu«, Vita. u. IiMreulus Oxx. sum 432s in d. Ausgg. d. Werke. Das LebenAugu-stins von einem Ungenannten seä. Orumov, Lil. 832.s ist aus den Konfessionen und ausPossidius abgeschrieben. OsuuLätus, äs viiis illustr. e. 38.II. C. Biitdmann, d. h.Aug. Brl. 844. B. I. Lpz. 855. B. II. Bösttinger, B. I. Abth. 3. Bousoulat, Ilist. cls8. kni. 845. 3 1. übrs. v. Hurter, Schaffst. 845 ff. 2 B. A. Braune, Monnikau. Aug. Grimma84b. pst. Schaff, d. h. Aug. Brl. 854. A. Dörner, Aug. theol,System u. relgsphil. Anschauung. Brl. 873.

Aurelius Augustinus ist geboren zu Tagaste in Numidien, seineMutter Monica verwebte das Christenthum tief in seine Kindheit. Der17jährige Jüngling, als er in Karthago die römische Literatur studirte,ver'ank in die Freuden der Welt, bei lebendigem Interesse für das dra-maüsch Leidenschaftliche. Ciceros beredte Worte vom Werthe der Philo-sophie weckten wieder seine Sehnsucht nach etwas Gewissem und Ewigem.Die H. Schrift war zu einfach für seine glühende Phantasie. Durch dieVeiheißung der Manichäer, in freier Forschung der Vernunft die volle