Cap. II. Kirchenlehre. §. 98. Semipelagianiömus. 143
sich darin, das eigne Selbst unbedingt hinzuwerfen, um allein von Got-tes Gnaden in Christo zu leben.
H. 98. Augustinismus und Semipelagianismus.
Der Streit hatte mit persönlichen Vorwürfen gegen Cölestiu s be-gonnen. Auf einer Synode zuKarthago s412s aus der Kirche gesto-ßen, begab er sich nach Ephesus und wurde daselbst zum Presbyter geweiht.Pelagius war nach Palästina gezogen, und wurde dort von Hier o-ny mus als Anhänger desOrigenes angefeindet, bisAugustin zuerst aufachtungsvolle Weise schriftlich und durch feinen Abgesandten Oro siusden Kampf gegen ihn eröffnet?. Auf der palästinischen Synode zu Di-o s p o l i s f415^, wo es zunächst der Behauptung des Pelagius galt, daßder Mensch ohne Sünde sein könne, verhinderte der Bischof JohannesvonJerusalem seine Verurtheilung. Aberdie afrikanische Kirche, durchAugu stin von der Gefahr überzeugt, welche durch Pelagius drohe, sprachauf den Synoden zu Mileve und Karthago s416s seine Verdam-mungaus, derJnuo cenzl beitrat. DefsenNachfolgerZosimuss417snam die Pelagianer mit gänzlicher Verkennung der Wichtigkeit des Strei-tes erst in seinen Schutz, und verdammte sie ebendeßhalb auch sLxistolatrsotoria 4 l 8f, als die afrikanische Kirche und der kaiserliche Hof dieseVerdammung forderten. Julianus von Eclanum und 18 andreBischöfe, als Pelagianer entsetzt und aus Italien vertrieben, flüchtetenmeist nach Constantinopel, wo Nestorius im Sinne der orientalischenKirche sie aufnam. Hierdurch gelang es, ihre Sache mit der seinen zuvermischen, so daß auf der allgemeinen Synode zu Ephesus s43Isauch die Pelagianer verdammt wurden. Doch die griechische Kirche hatan diesem Streite nie wahrhaft Theil genommen, und späterhin nur einevon Adams Fall ausgehende Schwäche der menschlichen Natur gelehrt.Aber auch die abendländische Kirche hat nie den ganzen Augustinismusinnerlich und aufrichtig angenommen. Augustin mußte noch hören, daßseine Lehre unter den Mönchen zu Massilia als neu, fittengefährlichund trostlos bestritten werdet) Von hier aus hat sich vornehmlich durchJohannes Cassianu s,^ den Jünger derWüste und desChrysostomus,eine vermittelnde Ansicht verbreitet, nach welcher durch Adams Fall die sitt-liche Kraft zwar erkrankt, aber nicht ersterben ist, daher die Gnade unddie Freiheit fortwährend neben einander das Heil bewirken, bald die Einebald die Andre anhebend. Diese Lehre, welche der Kirche ebensoviel zuge-stand als dem freien sittlichen Geiste, und ohne welche eine besondre Ver-dienstlichkeit des Klosterlebens nicht darzuthun schien, erlangte großen Bei-fall. Aber zu entschieden hatte sich die Kirche für Augustin ausgesprochen,
aj Nach den Berichten von Prosper und hilanus sin den Briefen Augustins Lx. 225u. 26s. Zur Widerlegung Ln§, äs krssäestinLtiorie 8anetoruiii u. äs Dons ksrss-vsiLLtins. b) vs Instituts Oosiwvioiriia I. XII. doUntiones Kalium XXIV.Incurii. 6Ir. -räv. Xsstor. I. VII. Oxx. sä. Xlaräns Salons, vuaei, 816. 3 1. -rast.Xtredati, 828. I. — ViAAöis, äe 4o. 6nss. 6mm. III. kost. 824 s. 4.