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denn er war in der letzten Stunde noch darauf bedacht, seinenTod zu einem Gewinn für seine arme Familie zu gestalten.Er bat die Ortsvorgesetzten, sie möchten die Gnade haben,seinen Kindern dasjenige Stück Wiese zu Eigentum zu über-lassen, welches er nach erfolgter Enthauptung noch durchlaufenwürde. Und so geschah es, er soll der Sage gemäß dadurchfür seine Hinterbliebenen ein tüchtiges Stück Land erworbenhaben, welches noch lange nach ihm bekannt wurde. Aberauch sein Gottesglaube wurde gleichzeitig geprüft, denn alssein Haupt gefallen war, konnte es sich ein Ratsverwandternicht versagen, dasselbe zu ergreifen und in das eine Ohr desHingerichteten die Frage zu rufen, ob er an den himmlischenBater glaube, worauf mit den Augen durch entsprechendeBewegungen die Bejahung ausgedrückt worden sein soll.
Q. Lgr.
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Wunderbare Verjchonung vonder Pest.
Als Deutschland wieder einmal von der Pest heimge-sucht wurde, wütete dieselbe auch in Breisach; sie dehnte sichhier schrittweise aus; begann in der Unterstadt, ergriff Hausum Haus und setzte ihren Weg schließlich gegen die Oberstadtfort. Die ärztliche Kunst und fromme Gebete schienen keineHilfe gewähren zu wollen und schon war die schrecklicheKrankheit bis zur halben Bergeshöhe angestiegen, als sieplötzlich einhielt und den Rest vollständig verschonte. Dort,oberhalb dem Windbruchthor oder Bürgerturm — in neuererZeit von manchen irrtümlich auch Hagenbachturm genannt —zeigte sich urplötzlich an der Seitenwand eines Hauses aufeinem Hinteren Mauerabsatze ein hl. Haupt nebst einer Hand.Niemand wußte, wie dieselben dorthin gekommen sind, aberein jeder konnte die Beobachtung machen und die Überzeugunggewinnen, daß dadurch dem Weitergreifen der gefürchtetenPestilenz ein Halt geboten wurde. Es sind seither schon