Buch 
Badisches Sagenbuch : die Sagen des Breisgaus und der Baar
Entstehung
Seite
290
JPEG-Download
 

290

mehrere Jahrhunderte umlaufen; das besagte Steinbildwerkbefindet sich noch immer an der alten Stelle; die Hauseigen-tümer sehen in demselben ein Pfand gegen Unfälle und würdensich um keinen Preis von ihm trennen.

L. Lgr.

--

Unglück kündende Rheinnixen.

In Breisach ist es förmlich sprichwörtlich geworden,daß der Rhein jedes Jahr feine Opfer fordere. Es bethätigtesich dies auch vor vielen, vielen Jahren in einem ganz be-sonderen Falle. Drei Mädchen, hübsche, blühende Jungfrauen,wollten im Rheine baden und begaben sich zu diesem Zweckezu einem Rheingießen unterhalb der Stadt. Solche Gießensind Rheinarme, welche sich vorn Vollrheiu abzweigen undspäter wieder in den Hauptstrom einmünden; sie bilden beihohem Wasserstande oft recht gefährliche, heimtückische, reißendeGewässer. Als nun die erste der drei Jungfrauen sich in dasWasser begeben hatte, fing sie an zu singen:

Wer will meine Freundin sein,

Der folge mir in Rhein hinein."

Die zweite folgte alsbald und stimmte in den Gesangein, worauf sich auch die dritte dazu gesellte. Alle drei reichtensich die Hände, bewegten sich, wie im Reigen, im Kreise undließen heitere Weisen erklingen. Doch sollte dies nicht langewähren, es wurden alle drei von einer mächtigen Welle er-faßt, in einen Strudel gezogen und gingen darin unter. DieErtrunkenen konnten nicht mehr aufgefunden werden, ihreLieder wurden aber von Zeit zu Zeit wieder gehört. Sobaldman den schmelzenden, einschmeichelnden Gesang vernimmt,darf darauf geschlossen werden, daß der Rhein wieder einOpfer verlangt und ihm auch ein solches balo daraus werdenwird. So wenigstens geschah es bis heute, wie das Volkerzählt. O, Lgr.