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Vierter Versuch [Textband]
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116 il. Abschnitt. II. Fragment.

kann nur, was er kann, und ist, was er ist. Er kann nur auf einen gewissen Grad steiget» undweiter nicht, und wem» man ihn mit der Unbarmherzigkeit eines ergrimmtet» Scharfrichters auf denTod geißelte. Jeder Mensch soll nach sich selbst gemessen werden: Was kann er, als er? Er in denUmstanden, in denen er ist? Nicht, was könnte ich in seiner Lage? O Menschen! Bruder! Ei-ues Vaters Kinder, wann wollt ihr einander billig beurtheilen? wann aufhöre»», von» EmpfinderAbstraktionen des kalte»» Denkers, vom kalten Denker warme Empfindungen zu fordern? zu erzwin-gen? wann vom Apfelbaum keine Birnen, vom Weinstock keine Aepfcl mehr verlangen? DerMensch ist Mensch, und kann nicht Engel seyn, weit»» cr's auch wünscht. Und so ist jeder Menschein eigen Ich und Selbst, und kann so wenig ei»» anderes Selbst »verden, als ei»» Engel. . . Z. E.ich kann nie zu dem unerschrockenen Muth eines Carls des XII. nie zur planmachenden Weisheiteitles Heideggers, uie zur algebraischen Fazilität eines Eulers nie zu»»» klassifizirendcn Genieeines Linnens gebildet »verden, so lange meine Stirn und meine Nase so luftig, locker, »»»knöchernund so umrissen ist, wie sie ist. In meinem Bezirke bin ich frey. In meinem Kreise kann ichwirket» wie ich »vill. Wenn ich ein Pfund empfange»» habe, so kann ich »licht wirken, »vie der, sozwey empfangen hat. Aber dieß Eine kann ich gut oder übel anwenden. Ein gewisses Maaß vonKraft ist mir gegeben, das ich gebrauchen und durch den Gebrauch vermehren, durch Nichtgebrauchvermindern, durch Mißbrauch verlieren kann aber nie kann ich mit diesem bestimmtenMaaß vor» Kraft das ausrichten, was sich mit einem doppelten eben so angewandten Maaße ausrich-ten ließe Fleiß kann dem Talente, das nicht fleißig ist, und Talent dem Genie, das keine Gele-genheit und Uebung hat sich zu entwickeln sehr nahe komme»», oder vielmehr nahezu komme»» schei-nen aber nie kann Fleiß Untalent zum Talent, oder Genie mache»». Jeder muß bleiben, werer ist. Er kann sich nur auf einen gewissen Grad vervollkommnen, ausbreiten, entwickeln. Jederist Fürst und Souverän», aber nur in seinem großen oder kleinen Fürstenthume. Er kanns an-baue»» , daß es so viel Ertrag giebt, als ein noch einmal so großes, das nicht angebaut wird. Abersein Fürstenthum kann er nicht erweitern, bis der Herr ihn» seines Nachbars »»»»angebautes Fürsten-thum schenkt, wenn das seinige ganz angebaut ist. Dieser Glaube an diese Freyheit und Nichts»eyheitdes Menschen ist's, der jeden demüthig und muthig, bescheiden und wirksam machen kann. Bis

hicher