II. Geologisches. — Landverlust durch Wellen.
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c. Grösse des Landverlustes.
Einige Beispiele mögen zeigen, wie bedeutend sich an manchenKüstenstrecken das Eindringen des Meeres im Laufe der Jahre ge-staltete.
Bei Cranzkuhren, im Winkel zwischen kurischer Nehrung undSamland , wurde 1834 durch Vergleichung der verschiedenen Strand-linien, wie sie sich 1815, 1819, 1823 und 1834 dargestellt hattenund wie sie alle auf einer und derselben Karte eingetragen waren,für den Zeitraum 1819 bis 1834 ein Vordringen des Meeres umjährlich 6 Fuss, in Summa also um 90 Fuss konstatirt 1 ).
Von dem schon erwähnten Steilufer zwischen Hoff und KleinHorst, welches bei letzterem Orte ca. 70 Fuss hoch ist, fallen injedem Jahre grosse Stücke Erdreich von 8 bis 12 Fuss Länge und4 bis 6 Fuss Breite in die See, und 1821 erwähnte ein dortigerPrediger Dewitz, dass seit dem Jahre 1750 schon eine Breite von 138Fuss abgerissen worden und dass von dem Kirchhofe seit 1783 ca.20 Fuss verloren gegangen seien, weshalb 1812 ein neuer Kirchhofhabe angelegt werden müssen 2 ).
Auf der Insel Rügen leidet am meisten das frei und unge-schützt gelegene Wittower-Land. Hier schritt die See so drohendgegen den Leuchtthurm von Arkona vor, dass man das Ufer biszu einer ansehnlichen Höhe mit Felsblöcken bekleidet hat, um denWellen härteres Material entgegen zu setzen und den Thurm zuschützen. Ferner sind zwei Ortschaften, die auf einer alten hollän-dischen Karte noch als Gronower-Vitte und Tressower-Vitte be-zeichnet werden, verloren gegangen. Auch die Westküste vonWittow verliert, wahrscheinlich wegen der heftigen Strömungen derBinnengewässer, viel Terrain, obgleich sie nicht am offenen Meereliegt. So hat der von der Wittower Fähre nach dem Dorfe Wiekam Binnenstrande entlang führende Weg in dem Zeiträume von1760 bis 1820 zweimal weiter landeinwärts gelegt werden müssen,weil das hohe Ufer, über welches hin er führte, sich ablöste undin’s Wasser stürzte. Desgleichen ist der Landverlust an der Nord-und Ostseite des Rügenschen Landes Mönchgut sehr beträchtlich.
x ) Berendt, Geologie des kurischen Haffes und seiner Umgebung, Königs berg , 1869, S. 80.
2 ) Boll, zur Geognosie Mecklenburgs (19. Jahrgang des Archiv des Vereinsder Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg . Neubrandenburg , 1865, S. 172).
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