100 II. Geologisches. — Senkungsverh. an den heutigen Ostseeküsten.
Kohlenstellen und Stubben eines ehemaligen Waldes auf dem Grundeverschiedener Torfmoore des Memel -Deltas. Es geriethen also dieWälder, welche auf ehemals trockenem Boden wuchsen, in Folge derSenkung unter den Wasserspiegel des Haffs und, als letzteres theil-weise vertorfte, auf den Grund eines Torfmoors. Der Annahme,es seien die Bäume auf der Oberfläche des Torfmoors gewachsen,widerspricht das Vorkommen von Kohlenstellen auf dem Moor-grunde.
Aus sehr sorgfältigen Schätzungen Berendts geht hervor,dass diese Senkung bereits vor 2400 Jahren begonnen hat; dass sieaber noch wenigstens bis in das vorige Jahrhundert hinein gedauerthat, beweisen folgende Thatsachen 1 ):
1) das Auftreten von alten Eichen, Eschen und Obstbäumenin der nächsten Umgebung des Haffs ist sicher, theilweise sogardurch Kirchenbücher verbürgt, während jetzt die Anpflanzungsver-suche bei diesen Bäumen, wegen zu grosser Bodenfeuchtigkeit, dieeine Folge der Senkung ist, nicht mehr glücken.
2) Bei dem nördlich von der Windenburger Ecke hart amHaff-Ufer liegenden Gute Feilenhof befindet sich, soweit der Guts-garten reicht, ein Steinpflaster, welches gewöhnlich unter demWasserspiegel ist und nur bei ablandigem Winde sichtbar wird. DaFeilenhof erst 1585 angelegt wurde, so kann dies Steinpflaster alsein sicherer Beweis dafür angesehen werden, dass die Senkung bisin ziemlich neue Zeit hinein dauerte.
Allem Anscheine nach währt die säkulare Senkung am kurischenHaff auch in unsern Tagen noch fort. Wenigstens sprechen folgendeThatsachen dafür 2 ):
Im Jahre 1829 liess der Oberfischmeister Beerbohm den Haff-boden, welcher in Folge ablandigen Windes frei lag, pflügen, umSchilf darauf säen zu lassen, aber 1869 berichtet sein Sohn, dasseine Freilegung des Haffbodens nicht mehr eintrete, auch nicht,wenn günstige Winde lange geweht hätten.
In einem Prozesse der Dorfgemeinde Gilge mit dem Fiskus, inwelchem es sich darum handelte, wer auf den längs des Haffufersbefindlichen Rohrkampen und Binsenhorsten jagen dürfe, ward 1861auf Grund genauer Ortsuntersuchungen und Aussagen älterer Leuteentschieden, dass diese Rohrkampe und Binsenhorste auf ehemals
') Berendt, a. a. O. S. 74, 75.s ) Berendt, a. a. O. S. 75—77.