Buch 
Pariser Rechenschaft / von Thomas Mann
Entstehung
Seite
110
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IIO IST DENN JETZT NICHT ALLES EINERLEI?

haben nicht ein Nägelchen zum Bau des Lebens bei-getragen, nicht ein Tranchen haben sie der Menschheitgetrocknet, wenn sie auch auf ihren Lippen stets dieArbeit am menschlichen Glücke führen ... aber welchblutbefleckte Sekte! ... Ich habe es ausgerechnet: inder Krim allein, in kurzen drei Monaten, waren es anMenschenfleisch, das ohne Gericht ohne Gericht!erschossen worden ist, achttausend Waggons, neun-tausend Waggons! Dreihundert Eisenbahnzüge! Hun-dertvierzigtausend Tonnen frischen Menschenfleisches,jungen Fleisches! Hundertzwanzigtausend Köpfe! Men-schenköpfe ! Auch die Menge von Blut habe ich aus-gerechnet, nach Eimern, wenn Sie ... gleich, ich habees in mein Taschenbuch ... hier .. . man könnte eineAlbuminfabrik darauf gründen ... für den Export nachEuropa ... Ach, ist denn jetzt nicht alles einer-lei! Schon Dostojewski hat von der Million Menschen-köpfe gesprochen, welche die kühnen Erdreister als Aus-gabe für das .Experiment' aus den menschlichen Vor-ratsspeichern buchen werden; aber er hat sich in derBuchführung geirrt: sie haben die Ausgaben um zweiMillionen überschritten und sie auch nicht aus derWeltenvorratskammer genommen, sondern aus derkleinen russischen Vorratskammer allein. So sieht esaus das .Experiment' I Die Erdreistung der aufrühre-rischen Laus, die mit blutunterlaufenen Augen dieLeere des Himmels erschaut hat! - Was aber, armerSchmeljow, hat der Weltkrieg, der eine bürgerliche Ver-anstaltung war, an Menschenfleisch gekostet, und wie-viel Albuminfabriken könnte man mit dem durch ihnverschütteten Blute gründen verschüttet durch Leute,die entweder den Himmel nicht leer sahen, sondern