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Das Haus Peter Behrens / mit einem Versuch über Kunst und Leben von Kurt Breysig
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greift noch störender in die Zirkel der öewohnheit und Bequemlichkeit ein. über manlerne von der Vergangenheit: was in Minnesänger-Zeiten edle frauen und empfäng-liche Künstler erdachten, um das Leben zarter, seine Senüsse bewußter, seine formenfeiner zu machen, ist heute fast schon in Dauern-Haus und Rrbeiter-Hütte eingedrungen,den höheren 5chichten vollend seit fahrhunderten zur /weiten Ratur geworden. Damalsaber, als diese Dinge neu waren, hat man sie sicher als sonderbar und thöricht empfundenund sie erst nach langer, ganze Menschen-Rlter hindurch dauernder Zelbst-Zucht erworben.

5o wenig uns heutigen in den 5inn kommen mag die kindlichen ölaudens-formenoder das 51ände- und Rdelswesen jener längst vergangenen Zeiten zu erneuern, so wenigdarf man eine Wiederholung des Versuches der Romantiker, die Kunst der 6otik nach-zuahmen, wünschen. Dennoch kann uns die Kultur jener jahrhunderte ein linderes lehren.Der dumpfe widerstand, den die öegenwart der emporsteigenden formen-kunst entgegen-gesetzt, liebt nichts hartnäckiger ins feld zu führen, als die künstlichkeit, die fantastik,die Unwirklichkeit ihrer Werke. Dun aber versetze man sich nur einen Rugenblick langin die öedanken der Menschen, vor deren Rügen zum ersten Mal eine gotische Kathedraleemporwuchs. Uns hat sich aus fast tausendjähriger Überlieferung und aus der 6ewöhnungder Netzhaut, die uns am meisten verhindert, RItes als neu zu empfinden, diese Dauweiseals etwas Mltägliches in den 5inn geprägt. In Wahrheit aber ist nie Dizarreres undUnerhörteres von einem Künstlersinn erdacht worden, als diese himmelangetürmten Ztein-gebirge mit der sinnverwirrenden fülle ihrer flächen und formen, dem kunstreichen wirrsalihrer 5trebebogen und Malen, ihrer Wimpergen und Lhurmstäde und dem Märchenzauberihrer dämmernden Dogengänge.

für die Kunst des Lebens aber weisen jene Zeiten noch in einem anderen Zinne dieDahn. 5ie hat damals den größten ihrer erfolge davongetragen, aber niemand darfsagen, wer diese junge Dildung eigentlich geschaffen hat. waren es die Männer? abersie wuchsen.ja in die Rauheit und Kampflust ihres Waffenhandwerks auf, waren es dieMeister der bildenden und redenden Künste? aber sie schilderten doch wohl nur, was sievor Rügen hatten. Zarte frauenhände hielten die fäden, aus denen damals das feineöespinnst eines neuen Lebens gewoben wurde. Damals hat sich in Wahrheit die erstegroße frauenbewegung vollzogen und vielleicht sind auch heute dem khrgeiz des anderenöeschlechts hier Ziele gesteckt, die mehr in der Richtung seines innersten Wesens liegen,als manches Männer-Werk, nach dem es trachtet. Über den Wettbewerb der Männerund der frauen hinaus reicht eine andere Erkenntnis. Lebens-Kunst ist ein Kultur-schaffen, an dem Lei! zu nehmen nicht Vorrecht eines Derufes ist. ks ist vielmehr dieRufgabe jedes einzelnen, der sich als Ztarken, als Ruserwählten empfindet. Und wennheute erst die frühesten, zartesten keime dessen, was da werden will, das helle Licht desLages grüßen, so ist es in unser RIler Hand gelegt, daß aus ihnen eine starke Dlumeerwachse, deren Dlüten noch nach einem neuen jahrtausend künftigen öeschlechtern Duftspenden, wie die Kunst und das Leben der 6otik unserer öegenwart.

piDfessoi- vf. Kutt SivullgöeUin.