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Allgemeine Betrachtungen.
auszudrücken. Alle Versuche, die man bis jetzt gemacht hat, um aus denAblagerungen und Auswaschungen der Gewässer, aus der Bildung derKorallenriffe und aus den Schwankungen des Bodens absolute Zahlen zugewinnen, haben zu keinen befriedigenden Resultaten geführt, weil in frühernZeiten die Verhältnisse anders gewesen sein können als jetzt und so derMaßstab, den wir mitbringen, vielleicht ein falscher ist. Immerhin kann eskeinem Zweifel unterliegen, daß es sich hier um sehr große Zahlen handelt.Mag auch die Annahme von Morlot, daß seit der Ablagerung der aus demEnde der Dilnvialzeit stammenden Schnttkegel von Clarcns am Genserseewenigstens 100,000 Jahre verflossen seien, auf zu unsicher!, Grundlagenruhen, so weisen doch zahlreiche Erscheinungen aus viele, viele Jahrtausendehin. Wir haben aber früher gesehen (S. 529), daß anch die diluviale Zeitselbst „»gemein lange gedauert haben müsse, es geht dieß aus dem Wachsenund Zurückgehen der Gletscher, aus der Ausbreitung der Findlinge überdas Tiefland, aus der Bildung der Flußbette, wie aus der Verbreitung derPflanzen und Thiere unzweifelhaft hervor. Es fordern diese so äußerst mannig-faltigen und merkwürdigen Erscheinungen durchaus einen großen, weiten Spiel-raum. Damit sind wir aber erst bei der tertiären Zeit angelangt. Durch diestnrmvolle Epoche, welche unsern Alpen ihr jetziges Relief gegeben, gelangenwir zur miocenen Periode. Bedenken wir, was Alles während dieser vonder marinen Melasse Basels bis zur Oeninger-Bildung vor sich gegangen,welche Schwankungen in den Niveauverhältnissen des Bodens und welcheUmbildungen in der ganzen Natur des Landes, so werden wir zugebenmüssen, daß solche Umgestaltungen sich nur im Lause vieler Jahrtausendevollziehen konnten. Und doch befinden wir uns hier noch aus einem Boden,wo die Naturwelt im großen Ganzen einen ähnlichen Charakter wie jetztgehabt hat. Blicken wir aber tiefer zurück, aus die Flysch- und Nummuliten-bildungen, auf die Kreidezeit und das Jurameer, auf die Trias- und Steiu-kohlenablagerungen, auf das Uebergangsgebirge und die uranfänglichen Zeiten,wo die Erde noch wüste und leer war, — so schwebt ein fremdartiges Bildum das andere an unserem geistigen Auge vorüber, etwa wie am Himmel inunermeßlichen Fernen Sterne hinter Sternen hervortauchen, und es entsinktuns der Muth, nach den Jahrzahlcn zu fragen, welche diese Zeitabständeausdrücken sollen. Wenn aber auch Zeit und Raum einem uferlosen Meerezu vergleichen, das in unendliche und unserem Geiste unfaßbare Fernen sichverliert, sind doch die Weltkörper, die sich in diesem Meere bewegen, end-liche Größen, und wie die Entfernungen wenigstens der nähern gemessenwerden können, so wird der menschliche Geist vielleicht einmal die Mittelentdecken, um die Zeitcutfcrnnngcn zu bestimmen, welche die Entwicklungsstufen