Ueber die Gefäßteile.
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gebrauchten. Der Stützpunkt (tülcrum), den wir am Fußehatten, ist am Halse nicht nötig. Deshalb sehen wir bei denGriechen ein Ornament, welches auf- und abwärts wirkt unddas man in beiden Bedeutungen nehmen kann.
Die Höhe des Halses steht gewöhnlich in umgekehrtem Ver-hältnis zur Oeffnung des Gefäßes an der Wurzel des Halses.Ein Bauch mit einer weiten Oeffnung, z. B. eine Urne, hateinen kurzen Hals, eine Flasche muß im Gegenteil einen hohenHals haben. Die Junktur zwischen dem Hals und Bauch istoft durch ein horizontales Band oder eine Zone in Malereioder Plastik angedeutet; sie umfaßt den Bauch an einer Stelle,wo die Durchschnittskurve des letzteren sich mehr zur horizontalenLinie neigt. Der Teil zwischen diesem Band und dem eigent-lichen Hals wird von den Franzosen vollst genannt. ImGriechischen ist es das Hypotrachelium. Dasselbe ist nicht eigent-lich ein Teil des Halses, es hat sein eigenes Prinzip der Orna-mentierung mit absteigenden Kanälen.
Weil zwischen dem Hals und Fuß eine Analogie besteht,im Gegensatz zu dem Bauch, welcher für sich existiert und keinPendant hat, so thun wir Wohl, ähnliche Farben rc. für denHals und Fuß zu gebrauchen, wie wir es an griechischen Vasen sehen.
Die Ausgüsse sind ein sehr wichtiger und interessanter Teildes Ganzen. Nichts charakterisiert das Gefäß individueller, nichtsgibt ihm mehr den Anschein einer organischen Schöpfung, alsdiese Zugabe von der Hand des Töpfers zu dem Produkt seinerTöpferscheibe.
Die Mannigfaltigkeit der Formen der Ausgüsse ist ohneGrenzen; es bestehen gewisse Gesetze der Zusammengehörigkeitund Beziehung zwischen den Ausgüssen, Hälsen und Henkeln,und zwischen diesen Teilen zusammen und dem Bauch, welcheviel leichter zu fühlen als zu erklären sind. Die Lippen sinddie einzigen Teile, wo das Innere eines zusammengesetzten Ge-fäßes im Zusammenhang mit dem Aeußeren erscheint. Dies gibt