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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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PERSÖNLICHES TREIBEN.

die Tafeln in St. Maria nuova durch Abreibung und Reinigung,durch eine sogenannte Restauration gelitten haben. In ihremgegenwärtigen Zustande sind die Fleischtöne kalkig grauund auffallend roh aufgesetzt, auch ist der scharfe Contrastzwischen dein blassen Colorit der Frauen und dem röth-lichbraunen der Männer nichts weniger als angenehm. Ineinem Punkte allein erweist sich Hugo van der Goes alsder rechte Sohn der Niederlande . Alle Portraits erscheinen,verglichen mit den idealen Bildungen, vortrefflich, voll Lebenund Wahrheit . 1

Van Mander erzählt eine Anecdote, welche einiges Lichtauf die persönliche Natur unseres Meisters wirft. Hugo wurdevon heftiger Liebe zu einer schönen Genterin, der Tochtereines Jacob Weytens an der Muyder Brücke, ergriffen. ZumAndenken an die Geliebte wir wissen nicht, ob Sehn-sucht, ob Genussfreude ihm den Pinsel geführt malte erdie Begegnung Abigails mit David. Nicht die Abigail, dieda ging mit zweihundert Broten und zwei Legel Weins undfünf gekochten Schafen David entgegen, um dessen Zorngegen Nabal zu sänftigen, sondern dieAbigail, die nachNabals Tode mit fünf Dirnen auszog, sich mit David zuvermählen. Karel van Mander und Lucas de Heere, welchedas Bild (im Hause des Jacob Weytens vor dem Kaminein Oel gemalt) sahen, rühmen die Schönheit Abigails unddie Sittigkeit der Frauen, welche David begrüssten und hebenhervor, wie stattlich David (wohl des Malers Selbstportrait,wie er in Abigail die Geliebte abbildete) hoch zu Rossesich ausnalnn . 2

1 Florenz , St. Maria nuova. Holz.Lebensgrüsse. Der allgemeine Tonist jetzt kalt und grau. In der Car-nation sind die Lichter gelblich, die

Uebcrgänge rüthlich, die Schattenkalt grau. Das Ganze ist hart abersorgfältig modellirt; doch lässt freilichdie Abreibung der Flächen ein Ur-

tlieil über den ursprünglichen Farben-auftrag, der jetzt steif erscheint,nicht zu. Die Getvandfarben sindgleichfalls hart, mit Seliillertönenseliattirt. Abgebildet bei Förster (Benlcm. Bll. XI.J.

- Van Mander p. 203. eiUt. 1617.Bl. 127.