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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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WEITERE ARBEITEN IN URBINO .

und harten Umrisse, die schlecht gezeichneten Hände undFüsse, der nichtssagende Faltenwurf der Gewänder, der dieFormen verhüllt, statt sie für das Auge deutlich zu ent-wickeln. Stickereien und Ornamente verwendet Justus nicht;doch offenbaren sich seine naturalistischen Neigungen inder Weinflasche in der Ecke und in dem Wasserbeckenmit der Kanne mitten im Vordergründe. Die Farbe istgrossentheils abgerieben; wo sie sich erhalten hat, zeigt sieeinen warm gelblichen Ton und einen dünnen Auftrag.

Der vortreffliche Florentiner Buchhändler und Humanistdes fünfzehnten Jahrhunderts, Vespasiano daBisticci , welcherdie Biographien berühmter Zeitgenossen so anschaulich undobjectiv schrieb, erwähnt in dem Leben des Herzogs Federigovon Urbino, dieser habe einen der Oelmaleroi kundigenMann aus Flandern herbeigerufen und mit zahlreichen Auf-trägen bedacht. Die Herzogin musste ihm zum Portraitsitzen, und auch die Phantasiebildnisse antiker Dichterund Gelehrten, mit welchen Federigo seinen Bibliotheksaalschmückte, wurden von ihm gemalt . 1 Der Name des Künst-lers wird nicht angeführt. Die Bildnisse selbst haben sicherhalten und sind nun theils in der Galerie Barberini inBom, theils im Campanamuseum im Louvre aufbewahrt . 2Nichts liegt näher als die Frage, ob wohl Justus von Gent ,der Schöpfer des letzten Abendmahls in S. Agata, dieseraus Flandern berufene Meister sei. Das letzte Abendmahlzeigt einen rein flandrischen, von italienischen Einflüssen

i Vite di uomini illustri del secoloXV. scritte da Vespasiano da Bistieci.Ausgabe von Bartoli. Florenz 1859.pag. 93.Per non trovare maostria suo modo in Italia , die sappessinocolorire in tavole a olio, mandö insinoin Eiandra, per trovare uuo maestrosolenne, e fello venire a Urbino , dovefece fare molte pitture di sua manosoleunissime; e massime in uno suoistudio, dove feee dipingere i filosofie poeti e dottori della Cliiesa cosi

greca come latina, fatti con unomaraviglioso artificio; e ritrassevi lasua Signoria al naturale, che non glimancava nulla se non lo spirito.

2 Die im Louvre bewahrten 15Bildnisse wechseln von 1.160.9UHöhe zu 0.55 0.76 Breite. Vgl.Crowe und Cavalcaselle , Geschichteder italienischen Malerei. D. A. III.336 und Reiset, Notice des tableauxdu Musee Napoleon III. Paris 1866.