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Geschichte der Altniederländischen Malerei / J[oseph] A[rch.] Crowe und G. B. Cavalcaselle ; Bearb. Von Anton Springer
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UNBEKANNTE WIRKSAMKEIT.

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Handwerker Zeitverträge ein, liessen sich durch strengeBedingungen binden und versprachen, da natürlich die Be-rufung auf ihre freie geniale Natur, die ihre eigenen Wegegehe, unverständlich gewesen wäre, ihre Arbeit ebenso gut,nicht schlechter und nicht besser auszuführen, wie in derKirche oder im Rathhaus ein bestimmtes und bekanntesWerk zeigte.

Als Probe, wie es in diesen Kreisen zuging, mag ge-nügen, aus dem Lehen des einen und des anderen Malerseinzelne Thatsachen mitzutheilen. Ohnehin können wirauf keine Bilder als Zeugnisse ihrer Kraft hinweisen, dadieselben entweder verloren sind oder in der Masse derWerkeunbekannter Meister in den Sammlungen verborgenliegen. Wir wählen einige Genfer Meister als Muster derganzen Gattung aus. Die zeichnenden Künste fanden inGent keine officielle Vertretung, wie dieses in Brüssel oderLöwen der Fall war, wo Männer wie Van der Weyden oderDierick Bouts von Amtswegen beschäftigt wurden. Gent besass wohl einen Stadtbaumeister (stede mets), einen Stadt-schmied (stede smet), aber keinen Stadtmaler (stede scildere).Die Lucasgilde war unter den 59 Zünften der Stadt diekleinste. In- ihr stossen wir ziemlich frühe im fünfzehntenJahrhundert auf folgende Maler: Willem Axpoele, JehanMartin und Nabor (Nabuchodonosor) Martin.

Wildem Axpoele war der Sohn eines Daniel Axpoele,welcher bereits 1375 in die Lucasgilde eingetreten war.Willem erhielt das Meisterrecht 1387 und wurde 1399 zumDechant gewählt. Mehrere Jahre (erst im 15. Jahrhundert)hielt er Gemeinschaft mit Jehan Martin. Dieser tratin die Zunft im Jahre 1420, wurde Geschworener in der-selben 1430 und Dechant 144849. Martin und Axpoelegingen 141920 einen Vertrag ein, die Eingangshalle imScepenhuus zu Gent neu auszumalen. AbgeblassteTemperabilder: die Grafen von Flandern , von Balduin mitdem Eisenarm bis auf Johann ohne Furcht , hatten die-