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Die blosse Beschreibung führt die Worte van Manderüber den Altar in der Ordenskirche sofort in die Erinnerungzurück und weckt die Yermuthung, dass wir es mit demidentischen Werke zu thun haben. In der That könnenwir uns als Gegenstand der Schilderung für eine Johanniter-kirche nichts Passenderes denken als eine Legende aus demLeben Johannes des Täufers. Ob die Maasse des WienerBildes van Mander berechtigen konnten, von einem „grootstuck“ und „ooch groot“ Flügeln zu reden, ist freilichzweifelhaft, ebenso, ob das Begräbniss des Täufers als„mirakel “ aufgefasst werden kann. Bleibt die Beziehungder beiden Tafeln zu Geerit aufrecht, so haben wir unsdiesen als einen Maler zu denken, der unter dem EinflüsseQuentin Massys (also im 16. Jahrhunderte) malte und dessendunkle Farbentöne, gewöhnliche Gesichtstypen und starkeNasen treulich nachahmte. Ein auf der Rückseite derKreuzabnahme aufgestellter Zettel besagt, dass die Tafeleinst Karl I. von England gehört habe und von den hol-ländischen Generalstaaten nach der Restauration der Stuarts an Karl II. zurückgegeben worden sei. „Dieses ist daszweite Stück, das eine von fünf Bildern, welche dem Könige inSt. James von den Gesandten der Staaten überreicht wurden.“München Ein Triptychon in der Münchner Pinakothek 1 wird
Grablegung. < x °
gleichfalls auf den Namen Gerrits van Sint Jans geschrieben.Das Mittelbild enthält die Grablegung Christi, die Flügel:Christi Abschied von Maria und seine Auferstehung mitden Portraits der Donatoren. Das Bild mag aus dergleichen Zeit stammen, wie das Wiener Altarfragment, istaber entschieden eine schwächere Leistung.
Auch in der Galerie von Modena führt ein mächtigesGemälde den Namen Gerard van Harlem. Es stellt Christus
1 München , Pinak. Zweiter Saal.Nr. 84—86. Holz 4' 1" h. —3' li/ 2 '' br. Hie Flügel 4' 1" h. —1' 5" br. Auch die Nr. 87 und 90:
Christus am Oelberg und Pietawerden im Katalog auf Geraert vanHarlem zuriickgeführt.