n88 Quesnoy.
Thon, Wachs «. s. f. zu arbeiten, und nichts alsKinder zu bilden wisse: Er ging seinen Wegnur um so viel sichrer fort. „Und" (heißt esbey Wareler) „was besonders ist, während daßPoußin auf sei« Luch den Styl antiker Statuenzu bringen suchte, so bemühete sich hingegen derFlandrer, seiner Sculptur die liebliche Weich-heit der Gemälde des Titian zu geben; undes war das Studium dieses letztem, wodurch eralle Bildhauer in der Kunst übertraf, die Kin-dernatur darzustellen. Ein kleiner Amor in Mar-mor von ihm wurde an den Prinz von Oraniengesandt. Diesem folgten zwey Basreliefs: Dieprofane Liebe, der die göttliche den Mund be-schließt, und: Ein Grupp Kinder, die sich miteiner Ziege balgen; hierauf, wieder in Basrelief ,der betrunkene Silen, dem die Nymphe das Ge-sicht mit Maulbeeren beschmiert, nach Virgil (Ekl.Vk ), der so wunderbar natürlich gerieth, daßbald jedermann Abgüsse davon haben wollte.Endlich erschien seine H. Susanna zu Loretto,an welche er mehrere Jahre Zeit verwandt, unddieselbe mit jeder ächten Schönheit des Alter-thums ausgestattet hatte. Sein Urbild dafür solldie Urania im Kapitol gewesen seyn, dem er aberin seinem Bilde einen ganz neuen Reitz verlieh.Diese Arbeit erwarb ihm den Auftrag, seinenAndreas für St. Peter zu verfertigen, dem, wiees heißt, Bernini's Neid unter den vier dortigenkoiossalischen Bildern die ungünstigste Stelle an-zuweisen wußte, nachdem er schon früher — sehrunglücklich davon geweißagt hatte, «Quesnoywerde aus seinem Heiligen ein großes Kind ma-chen. Diese 22 . Palmen hohe Statüe, unstreitigeine der ersten unter den Neuern, und die reifeFrucht eines fünfjährigen Studiums, wird durchdie Schönheit der Stellung, und den großenCharakter in dem mit der zartesten Andacht zumHimmel gerichteten Haupt des Heiligen, dannauch durch den edeln Styl in der Drapperie,auf immer ein Gegenstand der Bewunderung allerächten Künstler und Kenner seyn und bleiben,/iamlngo's frühen Tod durch das abscheulicheVerbrechen eines eigennützigen Bruders wollenwir hier nicht erzählen, sondern bloß bedauern.Von ihm. als Mensch und als Künstler, lesenwir bey d'Argensville und Wareler: „Der-selbe war von'der schönsten äußern Bildung, vondem angenehmsten Umgänge, und von einem sosanften Charakter, daß man ihn nur kennenmußte, um ihn zu lieben; selbst der Verdruß, denihm so oft Neid und Eifersucht verursachten,machten ihn nicht minder höflich und freundlichgegen jedermann. Nur mochte er nicht gernejemand in seiner Werkstatte um sich haben, seit-dem ein Mönch aus seiner Bekanntschaft, wäh,rend dem er an seinem St. Andreas arbeitete, das— Kreuz an dieser Bildsäule jämmerlich genugbekrittelt hatte. Von der Reinigkeit seiner Sittenzeugt wobt am Beßren, daß der ernste Poußinund der keusche Albano zugleich seine zärtlichstenFreunde waren. Seine Kunst liebte er über Al-les, und eine noch so mühevolle Arbeit war seineeinzige Lust. Auch pflegte er oft zu sagen:Diese Kunst kenne keine Schranken, und einBildhauer, der nur Eine Statüe wahrhaft Voll-ender, dürft sich rühmen, etwas Rechtes ausge-richtet zu haben. Er selbst hatte in dem, frey-lich kurzen Lauf seines Lebens nur zwey derglei-chen an das erwünschte Ziel gebracht. Uebcr-haupt waren alle seine Arbeiten nur die Fruchteiner langen Ueberlegung und einer Menge Stu-dien nach der Antike und nach der Natur. Mo-delle verfertigte er, nicht etwa bloß für dieganze Figur, sondern für jedes Glied derselben,so wie für jede Falte seiner Drapperieen. EinemFreund, der ihm einmal vorstellte, daß er dieKopie nach einer Antike, die er für ihn verfer-tigt hatte, nun sollte ruhen lassen, Er finde sievollkommen genug, antwortete der Künstler: „Duhast Recht, da du das Urbild nicht gesehen hast;ich aber muß mein Mögliches thun, die Figur
Queverdo.
diesem Urbild, oder vielmehr dem Bild ähn-lich zu machen, das ich von jenem im Ropfetrage", du (Quesnoy's Kinder dann schienenwirklich von der Hand der Grazien gebildet zuseyn, waren wie lebendig und beseelt, und ihnenmangelte nichts als die Sprache. Die Grübchenan den Knieen, Ellenbogen und Fingern, unddie schöne Rundung ihrer Wangen, geben ihneneine unnachahmliche Wahrheit. Seine kleinenWachsmodelle von dieser Art werden noch heutzu Tag eifrig gesucht, da er selbst diese mit dergrößten Sorgfalt ausfertigte. Dem Marmordann wußre er eine solche Weichheit zu geben,welche an seinen Kindern wirklich bisweilen derHandlung und starken Bewegung, unter welchener sie vorstellt, widerspricht. Seine Nachahmerhaben dies vollends dahin übertrieben, daß siedie Köpfe, Wangen, Hände, Unterleib und Füßeungemcssen fett halten, was ihnen dann, stattalles Andern, für Kindesnatur gelten sollte".Noch nennt d'Argensville am Schlüsse seinerBiographie unsers Künstlers (II. 49-6»-),neben den schon angezogenen, von seinen Wer-ken : Zu Rom die Engel am Baldachin bey St.Peter; in der Kirche dell' Anime, zwey Grab-mäler, nach seinen Modellen von Andern aus-geführt; zu St. Lorenz außer den Mauern denMedaillon des Pros. B. Gabrieli. Zu Neapel in der Apostelkirche, für die Kapelle des Kardi-nal Fllomarini, ein Engelconzert in einem seinerschönen Basreliefs. Bey dem Kardinal FranzBarberini (?) einen Christus und einen Madon-nenkopf bloß in gebrannter Erde, aber nachwärtsin Silber abgegossen. Bey dem Connetable Colon,na (?) ein Schreibezeug mit zwey allerliebsten Kin-dern. Zu Monaco im Bad des Pallastes einen Amorin Erzt. Im Pallasie zu Florenz ein lachendesKind; in demjenigen der Eonservatoren die Ver-zierungen der großen Saalthüren, (von einer sol-chen Hand lohnt es sich der Mühe, auch das min-der Bedeutende aufzuzählertt. Noch führt man vonihm ein Grupp, Apoll und Merkur in über halb le-bensgroßen Figuren an, die er für den MarcheseJustiniani gemacht, und, welche, nach Bellori'sZeugniß den Werth des Antinous im Belvedere sol-len (?) ausgewogen haben, und einen Christusan der Säule für einen H. Heßelin (Naitre üels cksmbre AUX söniers). Eins seiner schönstenBüsten ist dasjenige seines Gönners, des Prin-zen Moriz, Kardinals von Savoyen (r6Z5.).Endlich soll er auch zwey berühmte Antiken re-staurier haben: Einen Faun, dem Arme und Deinemangelten, ustd eine Minerva von orientalischemAlabaster, an welcher er einen geharnischten Kopf,nebst Händen und Füßen in Erzr ergänzte. — Gesto-chen nach ihm kennen wir vördcrst sieben antikeStatüen (nach seiner Zeichnung) von N. Cheva-lier. Dann, nach seinen eignen Arbeiten, seine»St. Andreas von I. Frezza in Bonani's H.I'. V. rZj. I'al». 95 . Eben dieselbe von C. G.Ambling, und einem Ungenannten in N- Lan-glois Verlage. Einen Merkur von Cl. Melanund I. G. Waldreich, und ein Basrelief mitKindern (wir sollten fast denken aus der königl.Preußischen Sammlung) von G. F. Schmidt. —S. auch L>. Mangius in den gegenwärtigenZusätzen.
«Questel ( ) Name eines uns sonst un-
bekannten Künstlers, nach welchem LombardBiidniß Pauls Petavius gestochen hat.
* (Queverdo (Franz Maria Jfldor). Ma-ler in Guache , Zeichner und Kupftretzer, geb. inBretagne r?,o. und j» spather» Jahren zu Pa ris wohnhaft. Von ihm kennt man verschiedeneBlätter, welche er mit Bertaux, Dambrün undLongueil für die Vo/aZe-j pitcciresgues U'ltalisdes Abts St. Non gestochen hat. Ferner nachfintier eignen Erfindung : Die Geschichte HeinrichlV. in Zol. (?); vier Kinderstücke: Usnsüss cieI'Hmour, und eine Landschaft mit einer Bauern-familie vor einer Strohhütre; dann Ansichten