Schüler hineinmalen 141). So wurden sie nachden Niederlanden gesandt, und die Aufsicht überdie Arbeit der Teppichwirker einigen FlaniändischenKünstlern (namentlich Mich. Loxies und Bern .van Grley) aufgetragen, welche in Rom unterRaphael studirt hatten, und um diese Zeit wiederin ihr Vaterland zurückkehrten. Jeder von diesenCartons hatte einen breiten Rand, aus welchemeine Begebenheit aus dem Leben Leo X. in Helldun-kel dargestellt war. Die nach diesen Mustern gewirktenTapeten, welche bekanntlich alljährlich am Frohn-leichnamsfeste in den Vorhallen des Vatikans 142)aufgestellt, bann aber, während der Republikani-sirulig und Ausplünderung Roms, nebst den übri-gen Mobilien und heiligen Geräthschaften des Va-tikans, eine Beute der Französischen Commiffaire,und so nach allen Winden 143) zerstreut wurden,setzten durch ihre täuschende Wahrheit in Gestaltenund Farben alle Zuschauer in Erstaunen 144). Leohakte an dieselben, nach Vasan , die damals ungeheureSumme von 70,000. Scudi, nach pansmio (Vjts«le?ontiiici II. 495.) 50,000. Kronen verwandt,Aber, seltsam genug! die noch so weit kostbarernCartons ließ man in den Handen der FlandrischenArbeiter oder ihrer Ausseher, deren Nachkommensieben derselben erst im folgenden Jahrhundert, nachEngland an Carl I. verkauften 145). Nach dessenTode wurden sie, nebst seinen übrigen Kunstschä-tzcn versteigert; allein Cromwell hatte noch genugSinn, um solche seinem Varerlande zu erhalten,und gab Befehl, sie zu erstehen. Auch der sonstfür Alles verkäufliche Carl II. ließ sich noch zur
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rechten Stunde vpn seinem Großschatzmeistdr war-nen, dem Französischen Botschafter Bariüon denVerkauf derselben an Ludwig XIV. abzuschlagen.Indessen scheint man nachher nicht viel mehr darausgeachtet zu haben; und bald nach Wilhelm III. Thronbesteigung fand man sie zusammengerollt ineiner alten Kiste, jeden derselben in vier bis sn- fStreifen zerschnitten, wie die Lapetenwirker siezum Muster gebraucht hatten 146); übrigens abernicht sonderbar beschädigt; jetzt wurden sie mitmehr Sorgfalt aufbewahrt. Man zog sie auf Lein-wand , und besserte die wenigen bedürftigen Stellenvorsichtig aus. Der König Wilhelm und die Kö-nigin Maria ließen zu Hamptoncourt eine befon-dere Gallerie für sie bauen, wo sie ausgehängt, mitseidenen Teppichen bedeckt, und das Zimmer zu Win-terszeit eingeheilt wurde, um sie vor Feuchtigkeit zuschützen. Erst unter der jetzigen Regierung wurden sieauf eine Weile nach Windsor gebracht, um dieGemächer der Königin damit zu schmücken; dannaber wieder aufs neue nach Hamptconcourt zu-rückgestellt 147). Ursprünglich waren dieser Car-tons 19; denn so viele Tapeten sah man chmalsin Rom 143). Jetzt sind nur noch jene sieben inEngland vorhanden 149); die übrigen wahrschein-lich auf immer verloren 150). Zwar wurden nochgegen das Ende des XVII. Jahrhunderts mehrereBruchstücke derselben, so wie im Anfange des X VIII.ein beträchtliches von dpm Kindermorde, das abermit Oelfarbe überschmiert und verdorben war, wie-der aus den Niederlanden , und ebenfalls nach Eng-land gebracht. Dex altere Richardson hatte nach
i ji) Vielleicht richtige, aber denn doch — bloße Vermuthung von Richards«»? ill. 46-,. BeyVasart heißt esausdrücklich: «Sie waren ganz von seiner Hand gemalt"; was freylich von dem Hauptgegenstande ru verste-hen seyn mag.
-42) In 1797. rum letztenmal.
? 4 Z) Ach! nach welchen? Der einzige Fexnsrv (kllmisciis Stullisn III. 7.) erzählt uns: » Einer dieser Commißäre,ein Deutscher aus Schlesien, Namens Rösler, nahm sie für die Summe von 54,000, Rkhlr. als Entschädigungfür seine der italienischen Armee geleisteten Lieferungen an". Wohin solche später gerathen sind, ist ihm un-bekannt. Dagegen will Fisrillo (Äl. Schr. II.) wissen, daß solche vor einigen Jahren nach Paris gebrachtworden, was aber bisher durch keinerlev Französische Nachrichten bewährt ist. Noch neuere Berichte behaup-ten, daß solche unter der letzten Päbstlichen Regierung, wo nicht alle, doch die meisten, wieder zu Handengebracht worden.
> 44 ) llanzi (klcl. tsi-2. II. 67.) und vorzüglich Fernsrv (I-c. i,z.) bemerken, wie selbst der gemeine Mann zuRom , besonders einigt derselben (die Anbetung der Könige, Pauls Predigr an das Volk zu Athen , denTod des Ananias, vor allen andern aber den Kindermord) jedesmal wieder mit neuem Entzücken betrachtete,einander mit Lebhaftigkeit seine Gefühle mittheilte, und sich kaum davon losreißen konnte.
> 45 ) Sonderbar ist es, was schon Heinecke (ll. 352.) bemerkt, daß weder peacham, der doch in seinem:Lomplesk üentlemsn (4. k^onä. 6zg.) so Manches von Kunstwerken erzählt, noch Sandrart, der sich un-gefähr um die nämliche Zeit in England befand, von diesen Cartons (einerley Erwähnung thut.
146) Der ältere Richards«,» sah' sie noch in diesem Zustande,
t 4 ?) Bey Goede IV. 24. lesen wir (1802.) die weitern Wanderungen dieser Cartons, in den letzten zwanzigJahren, abermals aus einem Königlichen Schloß in das andere. Neuerdings befanden sie sich (wie wir obenim Terte gesehen), zu Hamptoncourt; von da wurden sie nach Buckinghamhouse gebracht, wo man sie zuTapeten gebrauchen wollte (?). Von dort versetzte man sie nach Windsor ; von da nach Frogmore, und vonhier wieder nach Windsor , wo sie aus einem Zimmer in das andere wanderten, mst) endlich dergestalt getrenntwurden, daß einige im alten Schlosse blieben, andere zur Ausschmückung der Wohnzimmer der Königin in dersogenannten Königms-Loge aufgestellt worden sind. In dem Präsentationszimmer des Königes im altenSchlosse befinden sich nämlich viere dieser Cartons: Der Tod des Ananias, die Blendung des Elymas,Paulus predigt zu Athen , und die Uebergabe der Schlüssel an Petrus. Von diesen ist der letztgenannte ambeßren erhalten, der zwevtletzte hingegen hat sehr gelitten, und mehrere Köpfe der Zuhörer sind fast ganz un-kenntlich geworden. Die übrigen zwey (?) Cartons hängen in genannter Loge der Königin. Tapeten, dienach denselben in ältern Tagen gewirkt worden, findet man in England mehrere; z. B. bey dem Grafen vonEreter in Vourleigh-houle. — Um dieselbe Zeit erwartete man neue Blätter nach diese» bewuuderungswürdigen Werken, von Holloway, nach sehr sorgfältigen Zeichnungen.
> 4 L) Eigentlich 27., da der Vethlehemitische Kindermord dreye derselben in sich faßte. So Fern«,w (irümiocke8 tu<l>«-r> m. 137—35.), der weder mehr noch minder derselben eine Reihe Jahre durch ausgestellt sah. Dereinzige Fisrill«, (Kl. Schrift. II. 23,.) spricht von- 5 .
l iö) Diese haben bekanntlich zum Gegenstand:
1. Den Fischzug Pelri. 2. Christus giebt St. Peter die Schlüssel. I. Die Heilung des Lahmen. 4. Toddes Ananias. 5. Elvmas» mit Blindheit gestraft. 6. Das Volk zu Lpstra will dem Paul und Varnabasopfern. 7. Paul predigt vor dem Volke zu Athen .
- 2 o) Die zwölf vermißten Cartons sind:
1. Der Kindermord. 2. Die Auferstehung Christi, z. DieAnbetung der Könige. ,4. Die Bekehr, des SauluS.5, Die Anbet. der Hirten, (>. Darbringn».« des Christkindes im Tempel. 7. Steinigung Stephan!. «. Chri-stus am Tische mit den Jüngern zu Emaus. g. Die Ausgießung des H. Geistes. -0. Die Himmelfahrt,n. Christus erscheint der Magdalena als Gärtner. 72. Christus erlöst die Seelen aus dem Limbus . Son-derbarist es indessen, daß Bottari nur von fünf solcher Tapeten, nach den eben genannten vermißten Car,tons (nämlich nach Nro . 7. z. 8 . 9. u. 70.) spricht, die sich (neben denen nach den sieben zu Hamptoncurl)in der Päpstlichen Garderobe befunden hätten", und welche, größer als die übrigen, auch wahrscheinlich vonandrer Hand gewirkt sepn solle».
Anh. zum VII. Hefr.
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