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gern und einem Kreuz am Halse, aus Holz;wenn es je von R. ist, aus seiner frühernZeit. Die Dame sieht ein wenig prcziöse aus;doch ist ihre Haltung, auch die Legung der Händeeinfach, und ziemlich Raphaelisch 210).
5. Viel interessanter indessen ein anderes weibli-ches Bildnis' aus Holz. Ihr Kleid ist mit Pelz-werk besetzt. Man nennt es jetzt Raphaels For-nanna; mit welchem historischen Grund, ist unbe-kannt. Ob vielleicht dasjenige, von welchem (s. obenS. 25. u. Anm. 125.) vasän spricht 211)? Einigewollen es dem Giorgione zueignen. Wie dem Al-lem immer seyn mag: „In diesem Bilde" (heißtes bey Morgenstern) „ist nichts von idealischerSchönheit; die Formen sind ziemlich kräftig undvoll; aber es ist etwas recht Warmes, Herzigesin diesem Mädchen mit den dunkeln Augen unddem geschlossenen Munde des ein wenig rechts hin-geneigten Hauptes mit kastanienbraunem, geschei-teltem, zum Theil in Flechten gebundenen Haar,durch das sich ein einfaches Myrtenreis schlingt,dessen Lichter mit Gold ausgesetzt sind. Den schö-nen rechten Arm (nur den sieht man) legt sie anden Pelz, der sich über ihre rechte Schulter zieht.Den kleinen Finger ziert ein Ring, mit einem klei-nen Stern. Im Ohr hangt eine einzige Perle.Auf dem Bild die Jahrzahl 1512. weiter nichts 212).
6. Von dem berühmtesten von allen an dieserStelle, dem Sr. Johann in der Wüste, habenwir schon oben (S. 34— 3 S-) alles Nöthige bey-gebracht 2iz).
In der Gallerie dann befindet sich vor Allemaus, in dem bekannten Saale der Malerbildnisseauch das seinige. „Gemalt" (sagt Morgen-stern 214)) „schien mir's beynahe in der Art,und das Gesicht in ähnlichem Colorike, wie dasvon Einiacn ihm, von Andern dem Lionardo bey-gelegte Bildniß der Frau in der Tribune (Nr. 4.).Von den Wangen ist fast alle Nöthe geschwunden.Es sieht blaßgelblich aus; aber das hat wohl größ-tenteils die Zeit gethan. In dem Ganzen herrschteine unbeschreiblich edle Einfalt; in den Augensanfte Schwermuth; der Mund ist geschloffen, nichteben klein, aber von der anmutigsten Form, undwie mild! Das schlichte braune Haar bauscht sich,auf den schönen Nacken fallend, in eine eigne Wulst,die aber etwas Leichtes, Lustiges, doch wohlbe-grenztes hat. Mütze und Rock sind schwarz, nurein wenig vom Hemde als schmaler Faltenstrcifherüberragend. Es kann nichts einfacher seyn, alsdiese Tracht. Bey aller dieser Einfalt aber hatder so getragene Schwanenhals etwas »ngemcinEdles. Die Harmonie, die Stille, die leiseSchwermuth des höhern Gemüths in diesen Zügen,und die edle Art, wie der Jüngling mit jungfräu-
licher Seele daS auf diesem Hals, wie auf einerschönen Säule, ruhende liebliche Haupt trägt,hat für mich etwas unaussprechlich Rührendes 215)."
Der Hofrath Meyer in den Propyläen III.(r.) 38 . bemerkte, damals (1800.) wohl nichtohne Grund: „Was für ein Schicksal die be-rühmte Sammlung von Handzeichnungen in derGallerie zu Florenz in diesen letzten Zeiten betrof-fen haben mag, weiß man nicht bestimmt; aberes läßt sich mit nur zu großer Wahrscheinlichkeitvermuthen, daß sie zerstreut worden ist. In sol-chem Fall hat die Geschichte der neuern Kunst vonder Zeit ihrer Wiederherstellung an, einen uner-setzlichen Schaden erlitten." Allein zum Glück istdiese Vermuthung dennoch nicht eingetroffen. Dieunschätzbare Sammlung (in dem sogenannten Saalder Niobe aufbewahrt) blieb bis wenigstens i8oy.noch, unberührt. Dort sah sie um diese Zeit derPros. Morgenstern, und gab in seinem Tage-buch 2iü) namentlich von dem I.XXXII. Bandederselben, welcher nicht minder als 1--2. Blatter,theils unbestritten, theils angeblich von Raphaetenthalt, so wie noch von einigen andern im LLXXXII.Bande, ein mit so viel Sorgfalt verfaßtes Ver-zcichniß, als solches in sünsihalb Stunden zu ferti-gen nur möglich war. Dasselbe that schon früherder Hosrath Meyer selbst in der Zeitschrift Pro-metheus 217) mit 34. auserlesenen Nummerndes zuerst erwähnten Bandes I.XXXII.'und fügtenoch einige treffliche Bemerkungen über RaphaelsZeichnungen überhaupt hinzu. Ungefähr 20. ausdiesem Bande, nicht benannte fand schon Meyer,und Morgenstern wenigstens eben so viel (benannte)zweifelhaft. Wir nennen hier aus MorgensternsVerzeichniß (mit Hinzuthun dessen, was Meyerbemerkt) als zu dem Vorzüglichsten gehörig.
von Gedanken zu bekannten Gemäldendes Künstlers.
1. Aus der Pest bey den Philistern. Gruppeder todten Mutter mit dem Kinde, das von ih-rer Brust nicht lassen will, welches aber ein Mann,der sich die Nase zuhält, von ihr zu entfernensucht. Braun getuscht und mit der Feder. 74 - 213).Meyer nennt es bewundernswürdig, geistreich undund kräftig im Ausdrucke, und zahlt es zumBcßten.
Studium zum Propheten Iefafas, nebst einemdabey stehnden Knaben in St. Agosiino. InRothstein iol. Meyer nennt es leicht und sehrgeistreich.
3- Fünf Figuren aus einer Änderung der Mei-sen, die er, nach vafari für den Prior des Klo-sters vor Porta Pinti zu Florenz malte. Braun
-io) Ob das Bildniß eines unbekannten Frauenzimmers aus der Florentiner-Gallerie (welches Heinecke U-369. nennt) von Picchianti gestochen, das unfrige, oder das gleich folgende sey, ist uns unbekannl.
2»i) S. übrigens auch unten unsere Notizzeu über eine solche Fvrnarina iu der Gallerie Barberini zn Rom .
212) Gestochen hat dasselbe (-809.) R. Morghen. Pr. 30- Paoli, und vor der Schrift das Doppelte- S. Moregenstern >. c. S. 421—35.
2>S) Von einer alten Kopie desselben auf Holz, die sich noch vor 50. Jahren bey dem Senator Ricasoli zu St.Trinita zu Florenz befand, spricht D-cchi (kettele <u kiren-s s. c. 220.) und erzählt nämlich, daß einBischof dieses Geschlechts sie (er sagt nicht durch wen?) nach dem Urbilde habe fertigen lassen; mit demlustigen Hinzuthun, daß der erste Besitzer dieses letzter» (Franz Benintendi) sie nickt vor dem (einigen hätteunterscheiden können, ungeachtet sie - zur Hälfte kleiner war. Solche Albernheiten darf doch wahrhaftignur ein Welscher seinen Lesern aufbürden. S. Vnsnri ( Lcl. -t. Slsna I. V. x. zro. in der Note vonBottari)-
214) I. c. S. Z-7—7Z.
2tg) Gestochen ist dasselbe für's Galleriewerk, nach Campiglia'S Zeichnung, von G. M. Preißler, reckt gut.Einen frühern (selten gewordenen) Stick von I. I. Frey harte man verworfen. Eine wackere Covie nachdem Preißlerschen (vielleicht gar neu nach dem Urbilde gezeichnet, da hier der Hemdestreif mir einer einfachenStickerep erscheint) giebt der: «. liom sur'ü z. ig,».
2-6) I. (2.) 383-i-r.
217) V. I. H. 2. S. 39—46.
S'8) Diese und übrige hinten an gesetzte Zahlen bezeichnen die Nummer im l.xxxn. Bande der Zeichnungen.Nr. 2. n. 15. finden sich Im ^LXXXtt. Band-