Band 
Zweyter Theil [5].
Seite
5040
JPEG-Download
 

§o4o Werdmüller.

Die Befestigungswerke der Stadt Zürich , unddie daselbst aus dem Limat-Fluß auf den soge-nannten Lindenhof Schuh hoch getriebeneWasserleitung, sind seine Arbeit, und würdigeDenkmale seines Ruhms. Er war ein großerLiebhaber und Kenner der Malerey; und seineeigene Versuche waren nicht schlecht. Sein er-richteter Kunstsaal, den er, vermittelst großer Un-kosten, mit Arbeiten der beßken alten und neuenMeister anfüllte, und der feine Geschmack, dendie dabey beobachtete Auswahl verräth, rechtfer-tigen das, was ich sage. Er war ein Beschützerund Vater würdiger Künstler; ihm haben wir dieschönen Gemälde und Zeichnungen von dem altenHaken zu verdanken, worauf Zürch itzt noch stolzist. Dieser große Landschaftmaler war gesinnet,die Gebirge des Schweizerlands zu zeichnen, ohnesich aufzuhalten; allein LVerdniüUer wußte ihndurch seine Gastfreyhcit und höfliches Bezeigengleichsam zu zwingen, eine geraume Zeit in Zürich zu bleiben". Füßli II. 90 91. Dieser wür-dige Mann st. 1878. Der Mathematiker MatthiasHirzgartuer zu Zürich hat eine Schrift: Oelectlo«liciptriLa corporum planetarum verorum, d.i. rc.(Franks. a.M. 164^- 4 R) ihm zugeeignet, und nenntihn:Des Großen-Raths, und der Bevestigungder Stadt Zürich verordneten Ingenieur".

Werdmüller (Heinrich). S. oben den Art.Conrad, u. s.f.

(Heinrich), Dildnißmaler in Oel undPastell, in der zweyten Hälfte des X VIII. Jahrh,geb. zu Zürch 17.. und gest. 1800 nicht ohne Ta-lente, welche aber ein etwas verschrobener Kopf,Eigendünkel, und dürftige Lage, besser auszubil-den ihn behinderten. Nach eigener Zeichnung,selbst geetzt (1764), kennt man von ihm dasBildniß des in den Tockenburgischen Landshändelnund dem darauf folgenden Bürgerkrieg berühmtgewordenen Obmann Joh. Ulrich Nabholzen vonZürch . Wenige Jahre vor seinem Tod erschienvon ihm (denn er hatte der Halbkenntnisse viele)eine kleine Wenig bedeutende Schrift über diefür den Künstler Viel bedeutende Wissenschaftder Perspektive.

-- (Jacob oder Johann Jacob), s. obenden Art. Conrad u,s.f.

* (Johann Rudolf), des VorstehndenGeorgs zweyter Sohn, anfangs zu andern Stu-dien angehalten, wofür er aber (unter Entschul-digung schwachen Gedächtnisses) wenig Lust be-zeigte, beschäftigte er sich unaufhörlich mit Zeich-nen und Entwürfen nach eigner Erfindung. Drei-Jahre lang nahm nun sein Vater selbst die ange-nehme Mühe auf sich, sein Lehrmeister zu seyn.Nach Abgüßen von Antiken und nach dem Lebenzu zeichnen, war der Weg, auf dem er ihnführte. Da der Fleiß bey dem Lernenden sichmit jedem Tag vermehrte, mehr als seiner Ge-sundheit zuträglich war, so ist kein Wunder, daßman unter diesen frühern Zeichnungen bereits vielefindet, die allen Glauben übersteigen, und die wür-dig sind, in den bcßte» Sammlungen aufbehalten zuwerden. Füßli II. 92. Hauptsächlich um sich inden Regeln des Colorits unterrichten zu lassen,genoß er nun drey andre Jahre der AnleitungConrad Meyers, und hatte in der Galerie seinesVaters die schönste Gelegenheit, sich auch in die-ser Rücksicht nach den beßten Meistern zu üben.Dort zog ihn Paul Verwiese besonders an; nachihm copirte er drey Bilder: Susanna im Garten,mit trefflicher Architektur, Merkur und Herse,und eine große Landschaft, welche nur geübteKenner von den Urbildern unterscheiden konnten.Werdmüller hatte nicht nöthig, seinen Unterhaltin seiner Arbeit zu suchen. Er hatte das Glück,seiner Neigung zu folgen; daher arbeitete er inallen Theilen der Kunst mit gleicher Lust und

Werdmüller.

Fleiß, und erwarb sich jn Allem gleiche Stärke.Geschichte, Bildnisse, Landschaften, Frucht- undBlumenstücke, waren ihm gleich geläufig. Ermachte Versuche in der Befestigungs-Kunst; undnach dem Zeugniß seines Vaters, der hierin einMeister war, brachte er es sehr weit. Nunregte sich die Lust zum Reisen bey ihm; er wolltezuerst die Niederlande besuchen, um (wie er sagte)mit Leuten von Stand und Vorzügen bekannt zuwerden, die schönen Kunstsammlungen zu betrach-ten, und überhaupt alle die Eigenschaften sich zuerwerben, die seinem Alter und seiner Geburt an-ständig wären. Sein Vater willigte mit Wider-willen in diese Reise. Endlich ließ er es ge-schehen. Der Ursachen seiner frühen Rückkehrgedenkt schon das Lex. Aufs Neue beschäftigte ersich nun mit Malen in Oel- und Wasserfarbe,mit Zeichnen und Pousstten, mit Erfindung selt-samer Feuer - und Wasserwerke. Zwey große Land-schaften, die er um diese Zeit nach Cl. Gelee co-pirt, waren abermals Meisterstücke. Dann abererwachte die für ihn so unglücklich gewordeneNeigung, zu reisen, wieder auf. Er wünschteFrankreich zu sehen, und einen seiner Vetter,Hauptmann in französischen Diensten und eben-falls großen Liebhaber der Malerey, dahin zu beglei-ten; allein sein Vater wollte keineswegs einwilligen,und jener, der ihn ohne desselben Erlaubniß nichtmitnehmen wollte, reifere allein ab. Rudolf,der seinem Verhängniß nicht entgehen konnte, setztesich in den Kopf, sich heimlich davonzumachen, undseinen Vetter einzuholen Er setzte sich des Abendsmit seinem Bedienten zu Pferde, ritt die ganzeNacht und den folgenden Tag seinem Vetter nach,konnte ihn aber nicht erreichen. Mißvergnügtüber seine fehlgeschlagene Hoffnung, wankcimüth'gin seinen Maaßnahmen, betrat er den Rückweg,mit dem Entschluß, eine bessere Gelegenheit abzu-warten. Er kam bey Nachtzeit bey der Stadt an;müde von der Reise, stieg er von seinem Ungari-schen weissen Pferde, und gab es seinem Bedien-ten, welcher vorausreitcn mußte. Ungefähr umhalb eilf Uhr kamen sie an den Sil Fluß, aufwelchem Holz in die Stadt geflößt wird. Dieserhat eine Brücke, und der Bediente war alldereilshierübergekommen. Allein N)erdmüller, vonVerdruß und Schlaf eingenommen, sah nur sei-nem weissen Pferde nach; er glaubte demselbenzu folgen, versehlte aber die Brücke, fiel in dendortigen Canal, und mußte da, alles Rufens un-geachtet, hültlos sein junges und ruhmvolles Le-ben, 29 I alt auf eine elende Weise beschließen.Mit wie viel Schmer; dieser Traucrfall jenes Hauserfüllte, kann man sich denken. Die ganze Stadtbeweinte diesen Jüngling wegen seiner Kunst, Lu-gend und Frömmigkeit ; eine ungewöhnliche MengeVolks von allen Ständen, foigte seiner Leichenach. Am End seiner Biographie stellt Füßli die in A). Fall gewohnten Betrachtungen an:Wenn er in Italien gewesen u. s.f. so wäre erein Maler von erster Große geworden". Wirhinwieder begnügen uns, zu bemerken, daß einigevon ihm übrig gebliebene Werke beweisen, daßer wirklich ein ausgezeichnetes Genie war, derdie Hülfsmittel zu seiner vollzähligen Ausbildungselber am Allerbeßten verstanden hätte. So ken-nen wir z. B. zwey Bilder von ihm in Oel ,welche beyde Adam und Eva im Paradiese (vorund nach dem Falle - zum Gegenstand haben, initt hohen Figuren von Poussinscher Reinheit; undhinwieder etliche Köpfe von Untcrdeamten in derFürcherschen Landvogtey Wädenschweil (welche seinVater bekleidet Karte) nach der Natur mit einerWahrheit gezeichnet und colorirk, die des größ-ten Meisters in dieser Gattung würdig wären,jene und diese in der Sammlung des H. AmtmannKellers zu Zürch ; und endlich erinnern wir uns,mehrere landschaftliche Zeichnung in Bistre vonihm gesehen zu haben, ohne Flüchtigkeit, mit einem