Buch 
Die mittleren Hochländer des nördlichen Deutsch-Ost-Afrika : wissenschaftliche Ergebnisse der Irangi-Expedition 1896-1897 nebst kurzer Reisebeschreibung / im Auftrage der Irangi-Gesellschaft hrsg. von dem Führer der Expedition C. Waldemar Werther; unter Mitw. von Bruno Hassenstein ... et al.
Entstehung
Seite
26
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mit etwas Taturu-Blut wesentlich gegen jene verändert, sind intelligent, gewandt,mutig, kriegerisch, lebhaft in allen ihren Bewegungen und zeichnen sich durcheine grosse Auffassungsfähigkeit aus. Wir haben mit ihnen als mit einemStamme zu rechnen, der bei vorschreitender Zivilisation eine Zukunft habenwird. Der vorzüglichen Beschreibung Dr. Baumanns, die Gebräuche derWambugwe betreffend, will ich nur noch hinzufügen, dass ich unseren mittel-alterlichen Aberglauben an den Wärwolf dort vertreten gefunden habe, undzwar gelegentlich der Begebenheit, dass ein Mann von einem Leoparden an-gefallen wurde. Die Leute behaupteten mit einer felsenfesten Überzeugung,dass dieser Leopard kein Tier, sondern ein böser Zauberer gewesen sei, dersich in einen Leoparden verwandelt habe, denn das käme öfters vor, meintensie, brachten mir das Fell und verlangten von mir die Erklärung, ob sie inihrer Ansicht recht hätten oder nicht; ich müsste das wissen, da wir, dieEuropäer, ja so klug wären. Ich erklärte, erst einige Zeit mit mir selbst einSchauri machen zu müssen und verkündete dann nach einigen Stunden, dasssie sich diesmal geirrt hätten; dieser Leopard sei ein Leopard gewesen undkein Zauberer, womit die Mehrzahl der Besucher zufriedengestellt schien.Einige Nörgler waren allerdings dabei, wie ich an den zweifelnden Mienenzn erkennen glaubte.

Die Toten werden nicht in sondern neben der Tembe beerdigt; sodanngehen am nächsten Morgen die ganzen Anverwandten nach dem Kwou-Flussmehrere Stunden weit nach der Mündung zu, um dort unter Ceremonien dieKleider des Verstorbenen zu waschen. Zufällig starb am Tage unserer Ankunftder Bruder meines Führers Njai, den ich schon lange bei mir hatte, sodassich diese Gebräuche konstatieren konnte. Beim Einmarsch in das Land drehtesich Njai, der stets vor mir ging, plötzlich um mit den Worten:Da fliegtein schlechter Vogel vorbei! Bald nachdem wir bei Köthersheim Lager auf-geschlagen, kam er und sagte:Mein Bruder ist heute Morgen gestorben;habe ich Dir nicht den schlechten Vogel unterwegs gezeigt?

Der älteste Sohn pflegt bei den Wambugwe stets nach dem Grossvatergenannt zu werden, wie ich an mehreren Beispielen mich überzeugen und auchbestätigt hören konnte.

Köthersheim ist eine grosse Tembe, die ausser dem schwarzen Vertreterdes Herrn Köther mit seinen Leuten zur Zeit auch einen Griechen beherbergte,der sich später in Kondoa niederliess, um Geschäfte irgend welcher Art zubetreiben; unterirgend welcher verstehe ich, dass es ihm nicht daraufan kam, was für welche es waren. Wir fanden es indessen sehr zutraulich,dass er sich einstweilen in dem Besitztum seines vermutlichen Konkurrentenhäuslich eingerichtet hatte. Die sämtlichen Sultane sowie die Edlen derRepublik Wabwa wetteiferten darin, uns mit Geschenken zu überhäufen. Sobrachte Kutadu, trotzdem die Wambugwe infolge von Missernte nach Umburruund Ufiome wandern mussten, um für teures Vieh Getreide zu kaufen, alleinca. 80, wenn auch kleine, Körbchen mit Mehl, abgesehen von Ochsen, Eseln,Ziegen, Schafen etc.