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matische und physikalische* durch die enge Verknüpfung, inwelcher sie mit Astronomie und Physik steht, also durch dieAbhängigkeit ihres Studiums von gründlicher mathematischerBildung, in die eigene Stellung kommt, von den Geographennur als propädeutischer Theil, von den Astronomen und Phy-sikern aber nur als ein besonderer Abschnitt der Astronomieund Physik behandelt zu werden. Damit trat in der Geogra-phie selbst die Beziehung auf die Erde als Ganzes völlig in denHintergrund; und doch ist, wie schon Kant, ebenfalls ohnedass es gebührend beachtet wurde, ausgesprochen hat, geradediese Beziehung die „ architektonische Idee, ” ohne welche diereine Erdkunde nicht systematisch ausgebildet werden kann.„Alle Erdbeschreibung, sagt er (phys. Erdbeschr., Ausg. vonVollmer, I., 1, S. 10), muss von der Erdkugel, als der Ideedes Ganzen, anfangen und darauf stets Bezug haben.”
Ein ähnliches Schicksal hatte auch die geographische Betrach-tung der menschlichen Verhältnisse. Nach einer einseitigen Auf-fassung des Verhältnisses zwischen Volk und Land, also Menschund Erdboden, glaubte man, dass dasselbe durch die politischeGeographie erschöpft werde. Man sah also in dieser letztenden wahren wissenschaftlichen Typus der Geographie. Diese Ein-seitigkeit führte zu immer bestimmteren Auffassungen nach dieserSeite, bis sich endlich, durch Achenwall, in der Statistik diepolitische Geographie entschieden an die Staatswissenschaftenanschloss.
Hiermit war eigentlich die Geographie als solche aufgelöst.Zwar suchten die Geographen eine gewisse Summe wissenschaft-lichen Materials als ihr Eigenthum festzuhalten; allein sie un-terschieden sich, da sie mit dem Astronomen und Physikereinerseits, mit dem Staatsmann und Historiker anderseits, die-ses Material gemeinschaftlich hatten, von diesen nur durch einegeistlose Auffassung derselben Erscheinungen, welche die letz-tem mit Geist aufzufassen wussten. Das was man jetzt nochGeographie nennen konnte, war einem Körper zu vergleichen,aus dem die Seele entwichen ist. Zu verwundern ist es dahernicht, in dieser Periode die unwürdigsten Ansichten über dieseWissenschaft herrschen zu sehen (S. Allg. Geogr. Ephem., 1803».