Band 
Erster Theil.
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Mensch diese Gestalt seines Wohnortes erkannt hatte, mußteihn seine Reugierde dahin fuhren, auch die Größe dieserKugel zu erforschen. Es ist daher wahrscheinlich, daß die er-sten Versuche zu diesem Zwecke zu gelangen, noch weit jen-seits der Zeiten fallen, deren Andenken uns die Geschichteaufbehalten hat, und daß ihre Resultate in den physischenund moralischen Revolutionen, welche die Erde seitdem er-fahren hat, zu Grunde gegangen sind. Ohne uns aber selbstbey jenen älteren unvollkommenen Messungen *) dieser Art,deren Andenken noch auf uns gekommen ist, aufzuhalten,bemerken wir nur, daß Snellius im Anfange des 17. Jahr-hunderts der erste war, der die jetzt noch gebräuchliche Me-thode vorgeschlagen und angewendet hat, und daß Picardim Jahre 1669 sie zuerst gehörig ausführte, indem er einenBogen des Meridians von 1° 23' zwischen Paris und Ami»ens maß, und daraus die Größe eines Grades zu 57057Toisen ableitete. Von 1683 bis 1718 wurden dieseOpera-tionen durch die beyden Cassini und Maraldi wiederhohlt, unddurch ganz Frankreich fortgesetzt. Da aber aus den letztenMessungen, die wahrscheinlich fehlerhaft waren, hervorging,daß die Erde keine vollkommene Kugel, sondern daß sie anihrem Aeguator abgeplattet sey, und da dieses Resultat mittheoretischen Gründen, von welchen wir später reden werden,und nach welchen die Erde nicht an ihrem Aequator, sondernan ihren Polen abgeplattet seyn sollte, im geraden Widersprü-che stand, so schickte die französische Regierung ihre vorzüg-lichsten Geometer: Bouguer und Condamine nach Peru ,Maupertuis und Elairaut aber nach Lappland . Die letzter»

*) Die vorzüglichsten dieser altern Messungen wurden ausgeführt vonEratosthencs um 250 und von Posidonius , dem Lehrer Ciceros ,70 Jahre vor unserer Zeitrechnung; ferner von dem Kalifen AlÄamon i. 1. 827 und endlich von Ferncl, einem sranzösischenArzte i. I. 1530.