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Wird die Erde aber in einer gewissen Entfernung vom Deiche aus einem Bezirke ge-nommen, so neunt man diesen die Deichgrube oder auch die Deichputte,
Die Gröfse der Böschungen wird aber nach dem verhältnifs, wie sich die Basisvon dem BÖschungstheil h e zu dessen verticalen Höhe verhält, ausgedruckt. Ist die-ses verhältnifs wie 2:1, so sagt man, die Böschung sey zwey schuh auf jedenschuh Hohe, oder zweyschuhig u. s. w.
§. 8. Die Grundsätze des Deichbaues bestehen vorzüglich in Folgendem : I. Innüchsicht der Flufsdeiche, insbesondere ihre Lage, nähe und stärke betreffend. Wennman nämlich bey der Anlage eines Deiches blofs auf Ersparnifs sein Augenmerk richten,müfste, und nicht auf die Beschaffenheit des Flusses, so wie auf des Stroms Anschwel-lungen und auf die Eisgänge, dann würde man freylich diejenige Deichlage oder Deich-linie für die zweckmäfsigste halten müssen, welche die kürzeste ist, dennoch dengröfsten Erdraum einschliefst, dem_ Deich die mehrste stärke giebt, und, um der Er-sparnifs willen, auf den höchsten Boden gelegt ist. Dieses ist aber in der Praxis keinallgemein anwendbarer, also kein hinreichender Grundsatz; sondern es mufs dieneichlinie, längs Flüssen, wo möglich dergestalt angeordnet werden, dafs l) derHauptdeich nicht so weit in den Bug derjenigen Serpentinen, die für den Lauf desrlusses nachtheilig sind (das sind solche, welche zu spitz sind, daher Eisstopfungenerzeugen, und die Geschwindigkeit, welche zur Reinhaltung des Flußbettes nöthigist, verringern) hineingelegt werde, so dafs er den hohen ström nach dem concavenund im Abbruch liegenden ufer hinüberdränge, folglich dessen Einsturz vermehre,2) Ist dem Deiche ein so grofses Vorland, als die öconomische Absicht, um welcherwillen der Deich angelegt wird, und die hydrotechnische Rücksicht auf den rlufs esgestatten, zu belassen. 3) Mufs zwischen zweyen gegenüberliegenden Deichen — oderzwichen einem Deiche und dem ihm gegenüberliegenden hohen ufer — der höchsteEisstrom oder eisfreye Strom vorüberfliefsen können, ohne dafs die profilstellen ober-halb eine Anschwellung oder Retardation des Stroms hervorbringen; ja, ohne dafs siedie Eismassen in ihrem Fortgange hemmen. 4) Kann man aber die kürzeste Linieund das höchste Terrain wählen, desto besser. Noch zweckmäfsiger ist es insonder-heit , wenn man bey der Deichlinie auch die Zufuhren aus denen Bezirken, worausdie peicherde genommen werden mufs, durch ihre Annäherung an diese Bezirke er-leichtern kann. 5) Allen andern Rücksichten mufs aber der Grundsatz vorgehen; dafsdie Deichweiten stets dergestalt situirt seyn, dafs sie keine Eisstopfungen und schädli-che Stromanschwellungen verursachen. Ist es also nöthig: längs einem Flusse neueBedeichungen vorzunehmen; hat man die Deichweiten, das sind die Entfernungen dergegeneinander überliegenden Deiche, zu bestimmen, so kann diefs folgendermassengeschehen: Die erste Methode ergiebt sich a) wenn die natürlichen Engen zwischenhohen die höchsten wasserstände übersteigenden ufern als ein Normal angenommenwerden, wobey jedoch zu bemerken ist, dafs die Geschwindigkeit in diesen Engen