§. 47.
DAS LICHT ALS REIZ DES SEHNERVEN.
195
objcctives Licht gereizt wird — auch die Ilautiicrven können es werden —noch ist das objective Licht das einzige Reizmittel des Sehnerven. Dass esdas häufigste, und deshalb wichtigste ist, erklärt sich einfach aus der geschütztenLage des Sehnerven und der Netzhaut, die dem Lichte sehr leicht, mechanischenEindrücken und elektrischen Strömungen viel schwerer zugänglich sind. Dieseüberwiegende Häufigkeit und Wichtigkeit der Reizung durch objcctives Licht hatnun auch die Menschen bestimmt, denjenigen Theil der Aetherschwingungen,welcher Lichtempfindung zu erregen im Stande ist, mit dem Namen Licht zubelegen, welcher eigentlich nur der dadurch erregten Empfindung zukommensollte. Man schied die Sonnenstrahlen in Sonnenlicht und Sonnenwärme,nach den beiden Empfindungsweisen, welche sie zu erregen im Stande sind.
So lange die Menschen über die Natur ihrer Sinnesempfindungen nicht weiternachgedacht hatten, mussten sie geneigt sein, die Empfindungsqualitäten unmittel- *bar auf die äusseren Dinge zu übertragen, und so in den Sonnenstrahlen zwei,den zwei Empfindungen entsprechende Objecte vorauszusetzen. Mau wussteausserdem zunächst über die Sonnenstrahlen weiter nichts, als was die Em-pfindung aussagte, und man beobachtete neben solchen Strahlungen, bei denen,wie in den Sonnenstrahlen, die schneller schwingenden Wellenzüge überwiegen,die das Auge viel stärker affieiren als die Haut, andere, in denen die langsamerenOscillationcn iiberwiegen, und die die Haut kräftig, das Auge schwach oder garnicht aflicircn, so dass auch objectiv eine Trennung beider Agentien vorzukommenschien. Erst in der neuesten Zeit hat eine sorgfältige Untersuchung der vonunseren Nervenapparaten unabhängigen Eigenschaften der leuchtenden und nichtleuchtenden Wänncstrahlen die Physiker überzeugt, dass zwischen ihnen keinanderer Unterschied als der der Schwingungsdauer besteht, und hat dadurchdie Physik von dem Einflüsse, den die Sinnesempfindungen in diesem Falle solange unberechtigter Weise ausgeiibt hatten, befreit. Die nähere Besprechungdes objectiven Lichtes als Reizmittel der Netzhaut bleibt den nächstfolgendenParagraphen Vorbehalten.
Die Erscheinungen bei mechanischer Reizung des Selmervenapparatessind nach der Ausdehnung der Reizung verschieden. Bei einem plötzlichenSchlag oder Stoss auf das Auge entsteht ein blitzähnlich erscheinender undwieder verschwindender, oft sehr heller Lichtschein über das ganze Gesichtsfeldhin. Aelteren irrthiimlichen Ansichten dieser Erscheinung gegenüber mag hierhervorgehoben werden, dass, wenn dies im Dunkeln geschieht, ein anderer Beob-achter dabei in dem Auge des Getroffenen keine Spur von objeetivem Lichteerblickt, so lebhaft auch der subjcctive Blitz sein mag, und dass es ebensowenig möglich ist, durch diese subjective Erleuchtung des dunkeln Gesichtsfeldesirgend etwas von den wirklichen. Objecten der Aussenwelt zu erkennen L
Besser untersuchen lässt sich die Wirkung beschränkten Druckes. Wennman irgendwo am Rande der Augenhöhle mit einer stumpfen Spitze, z. B. derdes Fingernagels, gegen den Augapfel drückt, so entsteht eine Lichterscheinung,
1 Uelier einen gerichtlichen Fall, wo Jemand im Finstern einen Schlag auf das Autre bekommen und beidem dadurch erregten Lichtschein den Angreifer erkannt haben will, s. J. Müller, Archi\ für Anal. 183V. S. 140.
13 *