ZUSAMMENHANG D. VEGETATIONSGRENZEN MIT GLIMAT. YKIWIÄLTN. U. MIT D. ISODENGESTAI.TIJNO. 309
lindere sich bis zu sehr bedeutenden Höhen erstrecken. In diesen Hochlhälcm und aufden Abhängen in ihrer unmittelbaren Umgebung, welche sicli ebenfalls in sehr ge-schützter Lage befinden und noch an der günstigen Temperatur einer massenhaft erhobe-nen Gebirgsgruppe theilnehmen, bilden die Coniferen auf dem gleichmässiger geneigtenBoden dichtere Bestände und erreichen verhältnissmässig höhere Maxima 1 ).
Als eine Ausnahme von den bis jetzt angeführten Gesetzen der Vertheilung müssenwir das Auftreten der Buche 2 ) anführen; dieselbe steht in den nördlichen Alpen im allge-. meinen bei kälteren Isothermen als in den Cenlralalpen, in welchen sie überhaupt nichtsehr zahlreich auftrilt; auch in den Gruppen des Monte Rosa , im Wallis u. s. w. reicht sieweniger hoh als man erwarten sollte. Schon Mohl und andere haben auf diese Unter-schiede aufmerksam gemacht, und damit verglichen, dass die Buche in den östlichenTheilen Europas fehlt und so das continentale Clima zu fliehen scheint; jedoch erreichendie Unterschiede in der Vertheilung der Temperatur zwischen einzelnen Alpentheilen nieeinen so bedeutenden Grad, dass die Verbreitung der Buche unmittelbar darauf zurtick-geführt werden könnte; es dürften hier noch manche andere climatische Verhältnisse undtheilweise auQh die .Bodenbeschaffenheit von Einfluss sein; zugleich wird die Vegetationder Buche und der Laubbäume überhaupt durch die ausgedehnten Coniforenwaldungenbeeinträchtigt, und es können dadurch auch ihre Ilöhengrenzen Depressionen erleiden.
Am Südrande der Alpen und an den niederen Vorbergen desselben, die wir in derTabelle S. 506 noch nicht betrachteten, erreichen die Pllanzengrenzen keine sehr grossenabsoluten Höhen, obgleich die Temperatur in diesen Theilen sehr günstig ist; die ver-'schiedenen Vegetationsabstufungen treten also noch bei sehr warmen Isothermen ein. Alsbesonders ausgezeichnetes Beispiel dürfen wir die äussersle Getreidegrenze anführen, ob-wohl auch die anderen Grenzen dieselbe Erscheinung in ähnlicher Weise zeigen. DasMaximum der Getreidecultur von 4700 P. F. befindet sich hier bei +6,0° C., währendin den nördlichen Kalkalpen 5,1 , in den Centralalpen + 2 7, in der Gruppe des Monte-rosa 2,2° C. die entsprechenden Isothermen sind. Der Grund dieses tiefen Sinkens derPflanzengrenzen gegenüber den Isothermen, dürfte wohl im wesentlichen in der Gestaltdes öebirges zu suchen sein, welches hier verhältnissmässig sehr geringe Höhen erreicht,und durch seine freie Lage und den Mangel hoher Thalsohlen der Vegetation ungünstig ist.
Wenn wir bis jetzt A'orzüglich den Zusammenhang der Vegetationsgrenzen mit derTemperatur im Jahres- und in den Monats-Mitteln betrachteten, so waren dabei schonmanche andere Erscheinungen des Climas berücksichtigt, indem die Temperatur selbst
1) Es sei uns erlaubt, hier zu erinnern, dass diese Betrachtung sich zunächst auf das Zusam-menfallen der Coniferengrenzen mit bestimmten Isothermen bezieht, also nicht direct auf die absoluteHöhe dieser Grenzen. Sie reichen zwar in der Monterosagruppe absolut höher als in den Centralal-pen; da jedoch die Temperatur wegen der südlichen Lage etwas wärmer ist, so steigen sie den-noch nicht bis zu ebenso kalten Isothermen hinauf.
2) Ueber die Temperaturverhältnisse an der Grenze der Buche in verschiedenen Theilen Euro pas vergl. die lehrreiche Zusammenstellung in Schouw’s Pflanzengeographie 1823. S. 204; für die Alpen erhielt derselbe +4,69° C. mittl. Jahrestemperatur.