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Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg von den ältesten Zeiten an bis zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts ... / herausgegeben von J. C. W. Moehsen
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73 Thmneifsers Käntnisse in Wißenschastm

hielte; deren großer Werth und Nutzen bald hervorleuchten würde, wenn er sie nurbekant machen wolte. Die Einbildung, die er von sich, seinen Erfindungen undseinen Wissenschaften hatte, gab ihm eine gewisse Dreistigkeit, seine so wol wirklicheals eingebildete Verdienste geltend zu machen; und wie er merkte, daß das günstigeVorurteil des Churfürstlkchen Hofes zu Berlin ihm so wol imLande, als auswärtigbeförderlich war: so wußte er es gut zu nutzen, um sich große Einkünfte und Reich,tümer zu erwerben und seinen Ruhm noch weiter auszubreiten. Seine Thätigkeitrmd Wirksamkeit war darin überaus groß, und sein Kopf voller Projekte- Es fehlteihm aber, bei seinem großen Gedächtnis, an eben so großem Verstände, um sich inseinen Glüksumständen bis an sein Ende zu erhalten. Daher kam es, daß er ausUebereilung und Eigensin guten Rath nicht annahm, und sich zulezt um Ehre,Vermögen und alles brachte, was einem vernünftigen Manne am Herzen liegt.

Die mühsame Art, wie er seine Käntnisse erworben, und seine vermeinte neueErfindungen machten ihn gegen andere Gelehrte stolz. Denn er glaubte: keinanderer, der nicht eben so, wie er die Welt durchstrichen, und dieArznelwkssenschaftmit dergleichen Entdekkungen bereichert hätte; könte sich in Ansehung der Wissen,schaften mit ihm m Verglelchung setzen. Alle seine Schriften sind voll von seinemeigenen Ruhm, Personalien, Entdekkungen und Reisen rc., um der Welt seinenWehrt und Verdienste bekant zu machen; wovon er so überzeugt war, daß erdiejenigen, die nicht alles so einsahen, wie er, und ihn des Gegenteils überführten,für Feinde der Wahrheit und Widersacher hielt, die blos aus Eigensin und persön,lichem Haß ihren Beifal versagten. So unverständlich seine übrigen Schriftensind, so deutlich grob sind seine Streitschriften. Man darf nur den Titel der imlezten Abschm't dir. XIV. angeführten Schrift gegen den Professor Joel zuGryphs,walde, der ihn der Zauberei beschuldigt hatte, nachsehen, um sich davon zu über,zeugen. Die Schrift selbst ist ein Ausbund von ungezogenen Grobheiten. Erhatte sie, wie er selbst sagt, auf der Reise nach Basel, wenn er des Abends in dieHerberge gekommen, unter dem Geräusch der Fuhr, und Stalknechte geschrieben:und man muß ihm die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, daß er deren Ton mitseinem Styl volkommen erreicht habe. Wenn man auch viele unanständigeAusdrükke, mit den Sitten und dem gewöhnlichen Styl der Streitschriften seines

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