Buch 
Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenburg von den ältesten Zeiten an bis zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts ... / herausgegeben von J. C. W. Moehsen
Entstehung
Seite
80
JPEG-Download
 

6o Thurneissers Ankunft in der Mark,

fand, fein Llcht ünter den Scheffel zu setzen: sondern solches willig und gerne vorallen Leuten leuchten ließ. Churfürst Johann George, der im Januar 1571 dieRegierung angetreten hatte, kam im Frühjahr nach Frankfurt, um sich Huldigenzu lassen. Wie der Churfürst, von diesem Wundermann und ftknem unter derPresse befindlichen Buche, allerlei vorteilhafte Nachrichten hörte: so ließ er diegedrukte und einige ungedrukte Bogen Holen, um sich selbige vorlesen zu lassen.Thurnelsser, der in derDrukkerei wohnte, erfuhr solches bald: und war so einfältignicht, daß er nicht solte die Bogen, welche die Flüsse der Mark und deren unerkanteReichtümer betrafen, vor andern vorgeleget haben. Er Hatte diesen, so wie vielenanderen Flüssen, in allen Stükken mehr beigelegt, als er jemals m der Wahrheitbeweisen tonte. Er sagt im Plson S. z; 5. erster Ausgabe: Dis Wasser Sprewist etwas grünftrbig vnd lauter. Es führet in seinem Schlich Gold, vnd einschoene Glasur. Das Gold helt 2 z. Crat 4 gren. Der Polus wird bey seinemvrsprung erhebt ;o. Grad vnd Minuten." Er beschreibt mehrere Flüsse i«der Art, wie auch deren mineralische Bestandteile, und so gar ihre medizinischeWirkungen in Krankheiten. Man solte glauben: daß er die Mark, oder vielmehrdie ganze Welt, mit dem Distiüirkolben und dem Schmelztiegel in der Hand,durchgereiset märe, um alle Brunnen, Flüsse und Bäche und deren Bestandteilechymisch zu untersuchen; und daß er noch überdem fast bei jedem ein Lazarettzangelegt hätte, weil er deren medizinische Wirkungen in mancherlei Krankheiten,als geprüft und entschieden, bestimt. Er bringt sich aber in Verdacht: daß er beiseinen Beschreibungen mehr aus der Luft geholet, als er im Wasser gefunden hat.Selbst die moralischen Eigenschaften der märkischen Gewässer sind ihm nicht ver-borgen geblieben. Er sagt S. z6z: Die Hauel helt in jhr nichts besonders, einFischreich, schwer, vnd vngcsundt, faul Wasser, davon etliche Weiber die es trimken gar boese, scharpffe, vnd lügenhasslkge zungen vorkommen, den Leuten arges nachzureden." Kaffeegeftsschaften gab es zu der Zeit noch nicht; vermutlich ister zu Brandenburg, Havelberg oderPozdam, unter die Fischweiber gerathen: unddie hätte er an der Seine, an der Themse, und am Rhein nicht besser gesunden.Nüzlicher ist: daß er fast überal die bei den Brunnen und Flüssen waxendeKräuter,vnd öfters auch die Steinarten und andere Merkwirdigkeiten in einer jeden Gegend

ansü.tt.