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1. 21bt. Kap. VII.
je weiter der Beobachter selbst von dem Acqnator absteht, und mit diesem Ab-stande wächst auch die Ungleichheit der Tage und Nächte, bis endlich an denäußersten Grenzen dieser Zonen, unter den Polarkreisen, der längste Tag so wiedie längste Nacht volle 24 Stunden beträgt. In diesen beiden Zonen sind dievier Jahreszeiten, die in dem heißen Erdgnrtcl bloß in einem durch eine perio-dische Regenzeit unterbrochenen Sommer bestehen, deutlich unterschieden, aberimmer einander entgegengesetzt, so daß die nördliche Zone Frühling oderSommer hat, wenn in der südlichen Herbst oder Winter ist.
Den Bewohnern dieser Zonen ist immer ein Teil des Himmels in derNähe des ihnen entgegengesetzten Poles ganz verborgen oder unsichtbar, unddie ihnen noch auf- und untergehenden Gestirne beschreiben alle gegen die Ebenedes Horizontes schiefe Kreise. Der durch die Sonne hervorgerufene Schattenaller senkrechten Gegenstände fällt zur Mittagszeit in der nördlichen Zone immernach Norden und in der südlichen immer nach Süden.
In den kalten Zonen endlich geht die Sonne, wenn sie auf der dieser Zoneentgegengesetzten Seite des Aegnators steht und dem dieser Seite entsprechendenWendekreise nahe genug gekommen ist, nicht mehr auf und ebenso, wenn sie sichein halbes Jahr später dem diese Zone begrenzenden Wendekreise genügend ge-nähert hat, nicht mehr unter. Dann sieht man sie so wie die meisten dort sicht-baren Gestirne in ununterbrochenen Kreisen über dem Horizont herumgehen, diesich immer weniger gegen diesen hin neigen, bis sie endlich für den Mittelpunktdieser Zonen, für den Pol selbst, ganz mit dem Horizonte parallel werden.An der äußersten Grenze oder unter dem Polarkreise, dessen Breite (>6'ö° ist,dauert der längste Tag in: Sommer so wie die längste Nacht im Winter volle24 Stunden. Näher bei den Polen , unter der Breite von 07-3, 6G7, 72 4,78'2 und 83 - 8 Grad, beträgt diese größte Länge des Tages oder der Nachtin der angeführten Ordnung 1, 2, 3, 4 und 5 volle Monate, bis endlichunter den beiden Polen selbst die Sonne die eine Hälfte des Jahres über,und die andere unter dein Horizonte bleibt. Da für diese Zonen die Sonnesich nie hoch über den Horizont erhebt und daher die Strahlen derselben immernur sehr schief auf die Oberfläche der Erde fallen, so erreicht auch die mittlereTemperatur (§ 87) dieser Gegenden keinen beträchtlichen Grad, und diese Kältenimmt mit der Annäherung zu den beiden Polen schnell zu, bis sie endlich eineIntensität und Ausdauer erhält, die beinahe allem vegetabilischen und anima-lischen Leben feindlich entgegentritt. Für die wenigen Bewohner dieser mitewigem Schnee bedeckten Gegenden erscheint der eine Pol immer nahe beimZenithe, während ihnen die entgegengesetzte Hälfte des Himmels, in derenMitte der andere Pol ist, immer unsichtbar bleibt. Die Schatten endlich, welchedie von der Sonne beschienenen Körper werfen, gehen, wie die Sonne selbst,täglich durch alle Punkte des Horizontes um sie herum, daher auch die Be-wohner dieser Gegenden umschattige genannt werden.