Buch 
9 (1834) Der Kanton Freiburg, historisch, geographisch, statistisch geschildert ... : ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende / herausgegeben von Franz Kuenlin
Entstehung
Seite
106
JPEG-Download
 

106

Ich schwieg, weil ma» einer angebeteten Schönen nichtgerne widerspricht, zumal das frciburgischc Patois sanfterisi, als unser Romansch oder das Ladiu der Engadiner ,obschon ich letzteres kernhafter und ausdrucksvoller finde, alsjenes, vielleicht auch blos aus Nationalstol; oder Vorurtheikfür meine Alpenthaler. Uebrigens fand ich die angekündigtenRcihenlieder sehr schön und originell, besonders wenn ich siean Elsbeths Arm boren konnte, was mir hin und wiedervergönnt war. Da ich meinen Aufenthalt in Freibnrg umeinige Menatc verlängern konnte, so war mir dies angeneh-mer, als der Garnisonsdienst in Lilie.

-Der 9. Brachmonat oder der Pfingsisonnkag des IahrS1777 ward mir stets unvergeßlich bleiben. Schön des Mor-gens-war die Luft schwul und schwer, der Himmel bewölkt,dte Sonnenstrahlen hin und wieder stechend und brennend.Von, Gebirge her murmelte von vier Uhr an der Donner;ein Windstoß schlenderte ein fürchterliches Gewitter über dieStadt; es war ungefähr nenn Uhr Abends; der Wettcrfirahlsiel auf das Pulvermagazin neben dem B ü rg e l n th o re.Blitzcsschnell erfolgte ein so heftiges Losplatzen von 8.70 Pnl-verfäßcnc,^, daß das Himmelsgeschütz zu verstummen schien.Hundert Fcnerschlünde auf ein Mal losgebrannt können nicht

einen so fnrchteclich erschütternden Knall verursachen.

Die Stadtmauer wurde durchgebrochen; das Bisenberg-kloster litt besonders; jedoch blieb die Lorektokapellc ver-schont; hingegen wurden in der Stadt selbst unzählige Fensterund Ziegel zerschlaget,, manche Häuser beschädiget und vieleManci,^ gespalten. Das Kloster zu Bisenberg war an ei-nigen Seiten dermaßen offen, daß man Wachen hinstelle»mußte, um die unbescheidenen Menschen abzuhalten, welchedie verschleierten und klansnrirken Nonne» begaffen wollten.

Am andern Tage verordnete der Narl>:Der Allerhöchstewolle durch seine unendliche Barmherzigkeit und der Fürbitkder Mnttergottes von Lorctto all solch' Unheil in s künftig,obwohl man eine schärfere Zuchtrnthe verdient, allergnädigstabwenden, und hiesigen löblichen Stand, sodann auch jed-weden Partikularen in seinem allgewaltigen Machtschutz inerwünschter Fröhlichkeit erhalten; um solches aber allcrdemü-thigst zu erwürben, solle anhcur eine solennische Prozessionangestellt, und zu dem End hin die ganze Bürgerschaft vonHans zu Hans geboten werden."

Dieser Feierlichkeit wohnte ich auch bei. Seither hatte siestets am Oster- oder Pfingstdicnstag statt.

Das Jahr l777 war für Freibnrg eben so verhangniß-schwer, als für mich. Das Wirthshaus zum weißen. Roß-lei >, war täglich und besonders jeden Abend stark besucht.Ich befand mich am 2.7. Juni ebenfalls mit mehreren Bekann-ten und einigen Freunden dort. ES war spar, als wir nachHause gingen, und Herrn Lenzbnrgcr bis in seine Wohnungbegleiteten. Kaum war ich eingeschlafen, als ich durch einenerstickenden Dampf und Ranch geweckt wurde, der in meineKammer drang. Ich warf mich eilig in die linentbehrlichsien