Band 
Zweiter Band.
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Coreggio.

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§ 194 .

führt den Coreggio zu einer besonderen Behandlung seinerAufgaben und zu einer besonderen Auswahl derselben. Inseinen Darstellungen ist Alles Leben und Bewegung, selbstHumor, sogar in denjenigen, wo eine feierliche Ruhe vor-geschrieben zu sein scheint (z. B. den einfachen Altarbil-dern) ; es ist das überquellende Gefühl des Lebens, derDrang zu Lust und Liebe, der sich in allen seinen Gestal-ten ausspricht; es ist der heitere Scherz der Kinderwelt,die Wonne und Leidenschaft der irdischen, die Inbrunstder himmlischen Liebe, was er fast überall dargestellt hat.Selten tritt in seinen Werken der Schmerz in diese Weltder Freude ein; aber er ist um so tiefer, je lebendiger derKünstler sonst die Freude zu fühlen vermag.

Eine eigentliche Entfaltung schöner Formen tritt beiCoreggios Werken im Ganzen sehr wenig hervor; dieBeweglichkeit seiner Gestalten, welche ohne Rast die ver-schiedenartigsten perspectivischen Verkürzungen in diesemund jenem Theile des Gemäldes nöthig macht, steht damitin entschiedenem Widerspruch; ja die Lust an solchenperspectivischen Darstellungen geht bei ihm so weit, dasser selbst die Madonna, die in ruhiger Göttlichkeit auf ihremThrone sitzt, in der Regel aus der Tiefe gesehen darstellt,so dass in der Zeichnung ihre Kniee die Brust berühren.Aber statt der Form ist bei Coreggio ein anderes Elementder Schönheit vorherrschend dasjenige, welches mangewöhnüch unter dem Namen des Helldunkels bezeich-net; es ist das eigenthümliche Spiel von Licht und Schat-ten, welches über das Ganze seiner Werke wiederum eineharmonische Ruhe ausbreitet. Dies Element des Helldun-kels ist zunächst ebenfalls in jenem feineren Empfindungs-vermögen des Künstlers begründet, in jener lebhafterenBeweglichkeit, welche alle leiseren Spiele der Form ver-folgt und sie in einer weicheren Modellirung herzustellenweiss. Coreggio wusste Licht und Schatten in unendlicheGrade abzumessen, er wusste solcher Gestalt den höchstenGlanz hervorzubringen, ohne zu blenden, das tiefste Dunkel,