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Zweiter Band.
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(540 II. Kap. Die ital. biltl. Kunst im 15. Jalirli. B. Malerei.

Für eine strengere Durchbildung der Form waren, wie esscheint, Einflüsse von beiten der toscanischen Schule (zunächstbesonders durch Picro delln Fraucesca vermittelt), vornehmlichaber von Seiten der oberitalienischen Kunst wirksam. In diesemBetracht sind namentlich die Werke des Fiorenzo di Lorenzo anzuführen, welche in mehrfacher Beziehung an die Gemälde desMantegna, auch des Bart. Yivarini erinnern. Von ihm findensich mehrere Tafeln in der Sakristei von S. Francesco de Con-ventuali zu Perugia (1487); ein treffliches Madonnenbild imPalazzo Pubblico (über der Eingangsthür im Saal des Cadastronuovo); ein andres in einer Seitenkapelle von S. Agostino.

Gleichzeitig indess mit den ehengenannten, und auf eine be-deutsame Weise, kündigt sich das selbständige Streben der mn-brischen Schule in den Werken des Kiccolo Alunno von Fu-ligno an. Aus der alterthiimlichen Behandlungsweise der Siencsergeht dieser Meister allmälig zu einer volleren Durchbildung über.Ohne eine schöpferische Erfindungsgabe zu besitzen, wusste erseinen Gestalten doch etwas Gemüthlichcs, allgemein Ansprechen-des, seinen Frauen- und Engelsköpfen eine ungemeine Zart-heit, seinen männlichen Gestalten zuweilen einen ergreifendenErnst zu geben. Zu seinen früheren Werken gehören der llaupt-altar in der Franciskanerkirche zu Diruta (zwischen Perugia und Todi; vom Jahr 1458); ein Altar in der Brera von Mai­ land (1465); eine Darstellung der Verkündigung, voll der höch-sten , wunderbarsten Anmuth, in S. Maria Kuova zu Perugia (1466). Andere im Castell von S. Severino (1486), in S. Fran-cesco zu Gualdo (1471), im Hospital zu Arcevia bei Fuligno(1482), in der Hauptkirche von Nocera (1483, wiederum höchstbedeutend), in 8. Kiccolo zu Fulgino 1492, die Bilder derPredella des Hauptaltares im Pariser Museum, in la Bastiabei Assisi (1499, bereits von untergeordnetem Werth); u. a. m.

Vorzüglich unter dem Einfluss dieses Niccolo Alunno scheintder Hauptmeister der umbrischen Schule seine erste Ausbildungempfangen zu haben : Pi e t r o Van u cci aus Castclio della Pieve,gewöhnlich Pietro Perugino genannt, (geboren, nach der ge-wöhnlichen Annahme, im J. 1446, gest. 1524). ln seinen frühe-ren Bildern (die, als ihm angehörig, indess nur mit geringerSicherheit zu bestimmen sind) erscheint P. Perugino der Richtungjenes Meisters nahe verwandt, die sich zugleich mit einem stren-geren Formenstudium, im Sinne der Paduaner, verbindet. Späterbegab er sich nach Florenz , zu Andrea Verocchio, und eignetesich hier jene freie, auf naturalistischer Auffassung begründeteDurchbildung der Form an, in welcher die Florentiner ausge-zeichnet waren. Einige Arbeiten seiner mittleren Periode gebendafür ein charakteristisches Zeugniss; so eine Anbetung der Kö-nige in S. Maria Kuova zu Perugia und mehr noch ein Wand-bild, die Uebergabe der Schlüssel an Petrus vorstellend, in der