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Erster Band.
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diesem Zwecke aufgestellten Scheibe. Sieht der Schütze, daß bey drey Schüssen die Kugelimmer rechts oder immer links gehet, so muß er das Korn etwas links oder rechts richten,und zwar nach wicderhohltem Schießen so lange, bis der Stutzen die Linse genau hält;wo sodann das Korn festgestellt, und der bey dem Einschießen gefundene richtige Stand-punct desselben durch einen feinen Strich, welcher mit einem Meißel, sowohl auf denLauf, als auch zugleich in das Korn eingehauen wird, bezeichnet. Ein gleiches Zeichenwird nach dem Einschießen auch bey dem Absehen gemacht.

Geht die Kugel bey den ersten drey Schüssen immer zu hoch, nähmlich über dasSchwarze der Scheibe, so ist dieses ein Zeichen, daß das Absehen zu hoch ist, und esmuß der Einschnitt desselben mit einer feinen Feile so lange vertieft werden, bis das Zielgetroffen wird. Trifft im Gegentheile die Kugel unter das Schwarze, dann ist das Kornzu hoch, und muß selbes nach und nach so viel abgefeilt werden, bis nach wiederhohltemSchießen das Ziel mehrmahl hinter einander getroffen wird.

Sechster Abschnitt.

Von den Luxus- und Jagd-Gewehrläufen.

Ein Soldat könnte sich in Friedenszeiten durch nichts eine bessere und nützlichere Un-terhaltung verschaffen, als durch die Jagd; wobey er so viele Gelegenheit findet, sich anStrapazen zu gewöhnen, sein Augenmaß in Erkenntniß des Terrains zu berichtigen, undseine Umsicht und List zu schärfen; Eigenschaften, welche er in Gegenwart des Feindes imhöchsten Grade besitzen soll. Und wirklich hat seit dem letztverflossenen Kriege, im Militär-Stande die Jagd so viele Verehrer und Liebhaber gefunden, daß man eine Abhandlungüber die Gewehre als unvollkommen ansehen müßte, wenn darin von den Jagdgewehrenkeine Erwähnung gemacht würde.

Ueberdieß sind die bürgerlichen Büchsenmacher so sorgfältig bemühet, immer neue Vor-richtungen an den Jagdgewehren anzubringen, daß, wenn man hierüber etwas zu sagenunterließe, dieselben am Ende glauben könnten, die Artillerie allein wolle von ihren Erzeu-gungen und Erfindungen keine Notitz nehmen, sondern, aus irrigem Selbstvertrauen, blind-lings bey den alten Gewohnheiten verbleiben.

Die Artillerie aber ist in der Kenntniß aller dieser Erfindungen. Ueberdieß melden sichbey derselben alle Augenblicke neue Proponentcn aus verschiedenen Classen, um ihre ver-meinten Verbesserungen auch bey den Kriegsgewehren einzuführen. Und wenn ihre dieß-fälligen Anträge von keinem Erfolge sind, so ist dieses kein Beweis, daß die angeblichenVerbesserungen und Erfindungen ohne Erörterung zurück gewiesen wurden; sondern daßselbe bey der Berathung entweder keine wesentlichen Vortheile versprachen, oder aus son-stig gegründeten Ursachen bey unseren Gewehren keine Anwendung finden konnten.

Alles, was zum Militär-Gebrauche dienen soll, muß sowohl in Hinsicht auf seine Be-köstigung, als auch rücksichtlich seines Gebrauches, so viel wie möglich, einfach seyn;denn kostet erstens ein Gewehr nur Einen Kreuzer mehr, so wird dieses bey so viel tausend