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Die Befestigungskunst : hergeleitet aus der gegenwärtigen Art des Angriffs und der Vertheidigung, als Grundlage einer verbesserten Befestigungsmethode mit steter Rücksicht auf Staatsökonomie ... : nebst einem Anhang worin der Umriss der Fortification nach einer neuen Ansicht entworfen wird / von L. C. von Reiche
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Ein sehr Vortheilhaftes Geschütz, sowohl gegen die BelagerUngsbatterien, als auch gegen die Arbeitendes Feindes, ist in jeder Hinsicht das Wurfgeschütz aller Art, weil der Feind sich dagegen nicht decken kamtund weil es allerwärts angebracht und nicht leicht demvntirt werden kann. Man könnte die Wirkung desWurfgeschühes vielleicht noch erhöhen, wenn man die Bomben mit einer gewissen Anzahl kleiner Gewehrekugeln füllte, welches besonders gegen Truppen anzuwenden sein mögte.

Auch von dem kleinern Wurfgeschütze, den sogenannten Cohorniers, kann man in den Festungen,besonders gegen die Sappen, sehr vortheilhasten Gebrauch machen, da ein Mensch im Stande ist, sie zubedienen und zu transportiern.

Gegen einen förmlichen Angriff ist es zwar genug, die angegriffenen Fronten Und die Collaterastwerke derselben, mit der gehörigen Anzahl Geschütz zu versehen; allein sobald die übrigen Fronten nicht voll-kommen gegen einen gewaltsamen Angriff gesichert sind, so darf man sich daselbst nicht vom Geschütz entblö»ßen, besonders bei den Flanken, die den Hauptgraben bestreichen.

Auch das Terrain vor den nicht angegriffenen Fronten muß allerwärts durch Geschütz bestrickst»werden können, um die feindlichen Colonnen zu vertreiben, die etwa zu einem gewaltsamen Angriffe anrük«ken. Ist eine Festung durch Ueberschwemmungen, steile und hohe EscarpemenlS, nasse und tiefe Grabenu. s. w. gegen jede gewaltsame Unternehmung des Feindes gesichert, so kann man sehr viel Geschütz bei Ar<mirung derselben ersparen.

Man muß ferner eine gewisse Anzahl leichtes und mobiles Geschütz zum Gebrauche außerhalb derFestung haben, welches bei Ausfällen gebraucht wird. Das reitende Geschütz würde hierzu am besten passen.

Bei einer Festung, die vollständig und aufs beste armirt werden soll, hängt die Menge des Festungs-Geschützes, so wie auch die Placirung desselben, größtentheils von folgenden Umständen ab:a. Von der Beschaffenheit des umliegenden Terrains.

Von der Art des Angriffs und von der wahrscheinlichen Anlage der feindlichen Batterien.

Z. Von der Größe und Beschaffenheit der Festung und der angegriffenen Fronten insbesondere; und4. von der Anzahl, Größe und Lage der Collateralwerke, die zur Unterstützuug der angegriffenen Frontendienen können.

Wenn bei Armirung einer Festung diese Punkte gehörig berücksichtigt und ihnen entsprechend ver-fahren wird, so wird man jederzeit das richtigste Emplacement des Geschützes auffinden, so wie man auch,in Hinsicht der Anzahl, die genügendsten Bestimmungen erhalten wird.

In Hinsicht des Calibers ist bei Placirung des Geschützes zu merken, daß das transportabelste indie Außenwerke der angegriffenen Fronten, das schwerste aber dahin gestellt werden muß, wo es seinenStand am wenigsten zu verändern braucht. Auch dort, wo eine große Schußweite nöthig ist, z. B. aufden entferntesten Collateralwerken, ist das schwerste Geschütz auf seinem Platze, zumal da es hier am er-sten unverändert stehen bleibt. Bei richtiger Beurtheilung, wird man nach diesem Grundsätze, unter allenUmständen, das Emplacement des Geschützes, IN Hinsicht seines Calibers, bestimmt auffinden können.

Das Emplacement des Wurfgeschützes wird am vorthtilhaftcsien ausgemittelt, wenn man dabei dieErfahrung berücksichtigt,, daß bei den Bomben die Differenz der Wurfweiten jederzeit größer ist, als dieSeitenabweichung. Man wird daher den größten Effect erwarten können, wenn man einen Gegenstandnach seiner größten Ausdehnung bewirft, daher das Wmfgefchütz, welches gegen die feindlichen Approchen