i? w j** jf w < 0 *-^ ?; -i w * >. r ty i^Jp: i y '.« s ’?:** * ^ ■ \'Jk r- * -- jU « JT^p ': i' ' > /tL'Mt 1'-. ^ ' #v:.w' ,1 fir 30 Z 2 > ° /t i ethics eth-bib 00100000847582 Die besten Futterpflanzen. -j -f c x ) " — Abbildungen und Beschreibungen derselben nebst ausführlichen Mngaben betreffend deren Kultur, ökonom. Werth, Samen-Gewinnung, -Verunreinigungen, -Verfälschungen re. Im Auftrag des Schwel;. Handels- und Landwlrthschaftsdepartements herausgegeben von Dr. 5. G. Stebler Borstand der schweizerischen Samen-Kontrolstation unter Mitwirkung von Dr. L. Schröter Assistent und Dozent der Botanik am eidgen. Polytechnikum in Zürich. I. Theil. OSU* 15 in Aaröendruck ansgeführken Tafeln und zahlreichen ^ddlischnitten. Wer«. Druck und Verlag von M. J. Wyß. 1883. 5v W 3 E'-: '• "’ r^' *r ’• ' S? J_* ' '■'(• » ‘'s < 1 Ai’«** '4<'i &».-. l ' •_• •' ^ . V*' : ' k>$-V-V m'^+rx **-Y* EsrfsiW-tSteft-. :.rxZ- Vorwort. Auf Veranlassung des „Schweizerischen landwirthschaftlichen Vereins" bewilligte die Bundesversammlung für das Jahr 1882 einen Kredit von 10,000 Franken für Hebung des Futterbaues. Nach dein Vorschlag einer Dreierkommission bestimmte das schweizerische Handels- und Landwirthschaftsdepartement, daß ein Theil dieser Summe zur Herausgabe eines populären Werkes mit guten farbigen Abbildungen der besten Futterpflanzen verwendet werde, und beauftragte den Unterzeichneten mit der Herausgabe desselben. Nachdem ich mir, zufolge dieses Auftrages, von verschiedenen Zeichnern Probezeichnungen hatte anfertigen lassen, setzte ich mich schließlich definitiv zur Anfertigung der farbigen Habitusbilder mit Herrn L. Schröter in Verbindung, der unter Anleitung seines Bruders, Herrn Dr. C. Schröter, im Lause des Jahres 18 Pflanzen nach der Natur zeichnete und malte, wovon in diesem Theil 15 enthalten sind. Herr Dr. C. Schröter selbst hatte die Güte, die analytischen Abbildungen, die aus den Tafeln mit 1, 2, 3 u. s. f. bezeichnet sind und den Werth des Werkes bedeutend erhöhen, zu zeichnen. Ebenso ist der zugehörige Text des allgemeinen und speziellen Theiles unter dem Titel „Botanische Beschreibung" von demselben verfaßt, in welchem nicht nur der Landwirth, sondern auch der Botaniker von Fach wichtige botanische Thatbestände in möglichster Kurze erörtert findet. Zum größten Theil ebenfalls von Herrn Dr. C. Schröter zusammengestellt sind die Angaben über geographische Verbreitung und Höhengrenzen. Der ganze übrige Text ist von dem Unterzeichneten verfaßt. Diesem ersten Theil wird im Laufe dieses Jahres ein zweiter folgen, in welchem weitere 15 der zunächst wichtigen Futterpflanzen in gleicher Weise behandelt werden. Ob das Werk dann noch weiter ausgedehnt werden soll, wird von dem Erfolg der früheren Theile und der Unterstützung des Bundes abhängen; denn ohne letztere wäre es unmöglich ein Werk von dieser Ausstattung und diesem Umfang sowohl in deutscher, als französischer Sprache zu dem beispiellos billigen Preise herauszugeben. Allerdings nahm man von vornherein nur 70 Druckseiten Text in Aussicht. Trotzdem dieser Umfang wesentlich überschritten wurde, ist der Verleger, Herr K. I. Wyß in Bern, gleichwohl von dem ursprünglichen Preis nicht abgegangen; möge ihm diese Opferwilligkeit durch einen großen Abnehmerkreis vergolten werden. Vor allem aber gebührt den Buudesbehörden, vorab dem Schweizerischen Handels- und Landwirthschaftsdepartement, Herrn Bundesrath Numa Droz, der Dank, welche dem Werke unentwegt ihre Unterstützung zu Theil werden ließen, trotzdem dasselbe von einer Seite als „unnützes Zeug" hart angefochten wurde. Wir unterbreiten die Arbeit dem wohlwollenden Urtheil des Publikums. Zürich, den 10. April 1883. Dr. I. G. Siebter. Inhalt Einleitung Allgemeiner Theil. Botanische Beschreibung: A. Bau der Gräser. B. Bau der Schmetterlingsblüthler. Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhengrenzcn.. Klima und Witterung. Boden.. Bodenerschöpfung und Düngung. Wuchs. Entwicklung. Ernte. Futterwcrth. Verunreinigungen und Verfälschungen des Samens. Beurtheilung des Samens. Saatquantum.. Vorfrucht, Vorbereitung, Saatzeit, Saat, Ueberfrucht, Unterbringung Spezieller Theil. - 1. Das englische Raygras / » 2. Das italienische Raygras-' . - 8. Das gemeine Knaulgras /. i 4. Der Wiesenschwingel /t - 5. Das französische Raygras/^. . 6. Der Goldhafer/'. • 7. Das wollige Honiggras / . . 8. Das Timothe- oder Wiesenlieschgras A » 9. Der Wiesenfuchsschwanz / . 10. Das Geruchgras. 11. Das Fioringras. 12. Der rothe Wiesenklee A . . . 13. Der Bastardklee . 14. Der Weißklee / ... . 15. Die Esparsette / ... ■ Anhang. Einleitung. Die Futterpflanzen sind ohne allen Zweifel in den vorgeschrittenen europäischen Ländern die wichtigsten Kulturgewächse. In den Gebirgsgegenden und Küstenstrichen, sowie auf den Inseln und Halbinseln der gemäßigten Zone, überhaupt in den Ländern mit feuchtem Klima ist der größt Theil des landwirthschastlich produktiven Bodens dem Futterbau gewidmet, und auch in den übrigen Gebieten geht man je länger je mehr zu dieser Kultur über. Nichtsdestoweniger befinden wir uns erst im Anfangsstadium der Entwicklung, da unsere praktischen Kenntnisse auf diesem Gebiete im Vergleich mit andern Zweigen der Pflanzenproduktion noch sehr beschränkt sind. Soll ein Fortschritt erzielt werden, so ist in erster Linie nothwendig, daß diesen so sehr vernachläßigten Kulturpflanzen größere Aufmerksamkeit geschenkt werde, denn gegenwärtig reicht das Wissen des gewöhnlichen Landmannes meist nicht einmal soweit, daß er die wichtigsten in Betracht kommenden Gräser nur dem Namen nach kennt, geschweige denn über deren Kultur und landwirthschaftlichen Werth Auskunft zu geben vermag. In diesem Werk haben wir uns die Aufgabe gestellt, in Bild und Wort das praktisch Wichtigste unserer gegenwärtigen Kenntnisse zusammenzustellen, und den Landwirth zu weiterer Beobachtung anzuspornen. Zwar können nicht alle Pflanzen hinreichend ausführlich besprochen werden, da der Raum hierzu zu eng gewesen wäre; es betrifft dieß namentlich den Nothklee und die Esparsette, bei welchen jedoch eine erschöpfende Darstellung am wenigsten nothwendig ist, da dieselben im Allgemeinen unter den Landwirthen hinsichtlich Kultur rc. am genauesten von allen Futterpflanzen bekannt sind. \ Früher, als die Bevölkerung im Allgemeinen eine weniger dichte war, machte sich das Bedürfniß eines rationellen Futterbaues nicht so sehr geltend. Mit Zunahme der Kultur vermehrten sich aber die Bedürfnisse nach menschlichen und thierischen Nahrungsmitteln, weßhalb man nach Mitteln und Wegen suchen mußte, wie der Futterertrag gesteigert werden könne, einerseits um mehr Fleisch und Milch, anderseits um mehr Dünger, mehr Getreide und mehr Brod zu produziren. Dieß war der Beweggrund, welcher im Jahre 1759 die ökonomische Gesellschaft zu Bern veranlaßte die Preisaufgabe über „Die beste Manier das Futter zu vermehren, durch Ansäung, es sehe fremder oder einheimischer Grasarten, nach der Verschiedenheit des Bodens" zu stellen *). In *) Der schweizerischen Gesellschaft in Bern Sammlungen von landwirthschaftlichen Dingen. I. Theil, I. Stück. Zürich 1760. Seite VIII. 2 ähnlicher Weise suchten andere landwirthschaftliche Gesellschaften, Regierungen und Private dem rationellen Fntterbau Eingang zu verschaffen, und wir können annehmen, daß nur diese Zeit die Einführung des Kunstfutterbaues in Mittel- und Nordeuropa vor sich ging. Durch die Errichtung der Eisenbahnen und Verbesserung der Verkehrsmittel sind wir aber wieder in ein anderes Stadium getreten. Infolge der Konkurrenz entfernter Länder haben die Getreidepreise mit den Produktionskosten nicht gleichen Schritt gehalten, so daß wir heute mehr wie je gezwungen sind, nach Bctriebs- methoden zu suchen, die unsern Landwirthschaftsbetrieb rentablen machen können, und allgemein ist man darüber einig, daß die Verbesserung des Futterbaues eines der hauptsächlichsten Mittel ist, dem Uebel zu steuern. In dem vorliegenden Werke haben wir uns die Aufgabe gestellt, den Landwirth mit dem Bau, dem Leben und der Kultur der wichtigsten Futterpflanzen bekannt zu niachen, ihn zum Selbstbevbachten anzuregen und so die Entwicklung des Futterbaues zu fordern. Die einzelnen Futterpflanzen behandeln wir nach folgendem Schema: 1. Benennung. 2. Geschichte der Kultur. 3. Landwirthschaftlicher Werth. 4. Botanische Beschreibung. 3. Abarten. 6. Geographische Verbreitung. 7. Standorte. 8. Höhengrenzen. 9. Ansprüche an Klima und Witterung. 10. Ansprüche an den Boden. 11. Bodenerschöpfung. 12. Düngung und Bewässerung. 13. Wuchs (Bestockung, Rasenbildung). 14. Entwicklung. 15. Ernte. 16. Ertrag und Nutzungsart. 17. Futterwerth. 18. Samengewinnung. 19. Samencrtrag. 20. Samenverunreinigungen. 21. Samenverfälschungen. 22. Samcnqualität. 23. Saatquantum. 24. Aussaat (Reinsaat und Mischungen). 25. Eventuell: Krankheiten und Pflege. Das ist der gewöhnliche Gang, den wir in den Eiuzelbeschreibungen eingeschlagen haben. Je nachdem es uns nothwendig schien, haben wir zu diesen Mittheilungen noch Ergänzungen gemacht. Um Wiederholungen thunlichst zu vermeiden, schicken wir einen allgemeinen Theil voraus, in welchem einerseits das für alle Pflanzen Gültige zusammengefaßt wird, anderseits zum Verständniß des Späteren Erklärungen gegeben werden. In diesem allgemeinen Theil schlagen wir den gleichen eben besprochenen Weg ein, wie für die Behandlung der einzelnen Pflanzen. Allgemeiner Theil. Botanische Beschreibung. A. Der Dau der Gräser. Der Körper der Gräser baut sich, wie der der meisten Blüthenpflanzen, aus Wurzel und blätter- und blüthentragendem Stengel auf. Die Wurzel der Gräser besteht nicht aus einer den Stengel direkt nach unten fortsetzenden Haupt- Wurzel, oder Pfahlwurzel und ihren Verzweigungen; aus deni Würzelchen des Keimlings geht allerdings eine solche hervor, aber sie stirbt sehr bald ab, und au ihre Stelle tritt ein Büschel von lauter gleichwerthigen Nebeuwurzeln, die seitlich aus dem untern Ende des Stengels hervorbrechen (Faserwurzel, Büschelwurzel); namentlich an den Stengelknoten, wo sie unter oder nahe der Erde liegen, treten solche Neben- wurzeln reichlich hervor. Der Stengel der Gräser wird Halm genannt; er ist meist krautig und hohl (solide Halme haben Halm. Mais, Moorhirse, AnckrapnAon-Arten; bei den Scheingräsern sSauergräsernss ist er stets solid). Die Stellen, an denen die Blätter entspringen, die Knoten, sind etwas angeschwollen und solid; dort durchsetzt eine Scheidewand den Stengel *). Die Gefäßbündel, die längs der hohlen Zwischenknoten (Jnter- nodien) einander parallel verlaufen, durchkreuzen sich im Knoten. Seitenzweige erzeugt der Halm nur au seiner Basis, aus der Achsel seiner untersten Blätter, d. h. unmittelbar über der Mitte der Einfügungsstelle des Blattes, also über dem Knoten innerhalb der Blattscheide (mit Ausnahme der im obern Halmtheil entspringenden Blüthenstandäste). _ Diese basalen Seitentriebe bedingen durch ihr verschiedenes Verhalten den Unterschied zwischen ein - Lebensdauer, jährigen und mehrjährigen (annuellen und perennirenden) Gräsern. Beiden erster» (die allerdings für den Futterbau wenig in Betracht fallen) kommen der Haupthalm und alle seine Seitentriebe innerhalb des Zeitraumes von 12 Monaten zur Blüthen- und Fruchtbildung und die Pflanze stirbt dann ab. Es kann in diesem Fall die ganze Entwicklung des Grases in einem Sommer sich abspielen: die Keimung im Frühjahr, die Fruchtreife im Sommer oder Herbst (Sommersaat), oder es vertheilt sich der Lebenscyclus auf zwei Kalenderjahre; die Keimung tritt im Herbst ein, über Winter ruht die junge Pflanze, um im Sommer des nächsten Jahres ihre Entwicklung zu vollenden (Wintersaat). Auch bei den ausdauernden (perennirenden) Gräsern haben wir einen Haupthalm und von diesem an seinem Grunde erzeugte Seitentriebe. Aber hier kommen die letzteren nicht in derselben Vegetationsperiode wie der erstere zur Blüthen- und Fruchtbildung, sondern sie überdauern in sterilem Zustand den Winter, um erst im folgenden Jahre sich wie der Hauptstamm zu verhalten, d. h. zu fruchten und abzusterben, nachdein sie ihrerseits durch Erzeugung von Seitentrieben für die Erhaltung der Pflanze für die folgende Vegetationsperiode gesorgt haben. . . ^ le Vsrdickung an den Knoten wird hauptsächlich bedingt durch eine Anschwellung der Basis der Blattscheide, nicht e Ha me , es märe daher genauer, von „Scheidenknoten", nicht von „Halmknoten" zu sprechen lwie Hackel in seiner Monographie der europäischen Fest„ca°Arten S. 2 hervorhebts. Auch die Fähigkeit des niedergeworfenen Halmes, durch eine Biegung im Knoten sich wieder aufzurichten, beruht auf ungleichseitigem Wachsthum der Sch-idenbasis, nicht des Halme?. 4 Wuchs. Fig. 2 stellt in schematicher Weise ein ausdauerndes Gras dar, wie es im Sommer 1882 aussieht: der Halm 1 stammt vom letzten Jahr und ist nur noch in abgestorbenen Resten vorhanden, Halm 2, ein basaler Seitentrieb von 1 (im Sommer 1881 als Laubtrieb vorhanden), hat diesen Sommer geschoßt und blüht; er hat an seiner Basis den Trieb 3 erzeugt, der in diesem Sommer kurz bleibt, ein steriles Blattbüschel darstellt, um im nächsten Jähr in den Halm zu schießen; an seinem Grunde sieht man schon die Knospe des Laubtriebes für 1883, die 1884 zur Blüthe kommen wird. Diese sterilen Blattbüschel (heurige Blattbüschel, Laubsproße, Seitentriebe, Erneuerungstriebe, Innovationen) sind ein sicheres Merkmal für ausdauernde Gräser*). Es kommen übrigens oft mehrere auseinander her- ^uu, ^ ^ __ .. vorgegangene Triebe in einem und demselben Jahre zur Halmbildung und damit zur Blüthe, namentlich Fig. 1 Fig. 2 wenn der erste Halm abgemäht wird. Außerdem ist unser Bild auch insofern schematisch, als in Wirklichkeit aus jedem Halmgrund stets mehrere Seitentriebe entstehen; die größere oder geringere Anzahl derselben bedingt die stärkere oder schwächere „Bestockun g" des Grases. Die unterirdischen Theile der auseinander hervorgehenden Triebe bleiben längere Zeit erhalten und bilden in ihrer Gesammtheit den Wurzelstock (Erdstock, Erdstamm, Rhizom) des ausdailerndeu Grases. Sie sind meist mit farblosen oder braungelb gefärbten spreitenlosen Niederblättern beseht, deren Scheide am Knoten keine Anschwellung besitzt. Auch die basalen oberirdischen Theile vor- oder vor-vorjähriger Halme bleiben oft in verwittertem Zustand stehen, und dienen, wie die sterilen Blattbüschel, als sicheres Erkennungszeichen des Ausdauerns. Wir können nach dem Wuchs die perennirendeu Gräser in die zwei allerdings nicht scharf geschiedenen Gruppen der hör st bildenden (oder rasigen) und der ausläufertreib enden trennen. Diese Verschiedenheit wird bedingt durch die geringere oder größere Länge der unterirdischen Theile der Triebe (der Glieder des Wurzelstocks). Wendet sich der Seitentrieb sofort nach oben, bleibt sein unterirdischer Theil ganz kurz, so stehen alle oberirdischen Theile dicht bei einander, das Gras bildet einen dichten Hoäft, sein Wuchs ist rasig **). Fig. 1. Verlaufen dagegen die Seitentriebe zuerst eine Strecke weit horizontal unter oder an der Erde hin, um sich dann erst aufwärts zu wenden, so erscheinen die oberirdischen Triebe des Grases von einander entfernt: das Gras bildet Ausläufer. Fig. 2. Es gibt übrigens alle llebergänge von dichtrasigem durch lockerrasigen zu ausläufertreibendem Wuchs. Die hör st bildenden Gräser unterscheiden sich untereinander in zwei Hinsichten: Die Seitentriebe entstehen, wie wir oben sahen, als Achselsproße der untern Halmblätter, innerhalb der Scheiden derselben. Ihr weiteres Verhalten ist nun verschieden: entweder wachsen sie innerhalb der Scheide ihres Mutterblattes nach :ben, dem Muttertrieb fest angedrückt (intravaginäle Seitentriebe nach Hackel) oder sie durchbrechen die Scheide gleich an ihrer Basis (extravaginale Seitentriebe). Bei allen ausläufertreibenden Gräsern sind die Laubtriebe selbstverständlich stets extravaginal. Man erkennt diese Unterschiede am lebenden Gras ganz leicht: bei solchen mit durchbrechendem Triebe sieht man an dem Halmgrunde stets eine Anzahl kleiner, bleicher, kegelförmiger, wagrecht abstehender Knospen, während man bei Gräsern mit umscheideten Trieben erst die untersten Scheiden des Muttertriebes entfernen muß, um die demselben fest angedrückten Seitenknospen zu finden ***). *) Noch junge Bliithentriebe einjähriger Gräser sind von ihnen dadurch zu unterscheiden, daß man bei ersteren beim Auseinanderfalten der Blätter im Innern die junge Anlage des BlUthenstandes findet. **) Jessen (Deutschlands Gräser und Getreidearten, Leipzig 1868) hebt ganz richtig hervor, daß der Name „rasenbildend" für diese Gräser unglücklich gewählt sei, indem dieselben nicht im Stande sind, einen „Rasen" im landwirthschastlichen Sinn, eine „Rasennarbe" zu bilden, die a-s den sich durchwachsenden und nach allen Richtungen verflochtenen langen unterirdischen Trieben ausläufertreibender Gräser sich erzeugt. ***) Selbst an getrocknetem Material oder an ältern Trieben, deren Mutterscheidc schon zerstört ist, kann man am Vorblatt (dem ersten spreitenlosen Scheidenblatt des Seitentriebes, das stets der Mutteraxe zugekehrt ist) intravaginales und extravaginales Wachsthum unterscheiden. Bei ersterm ist das Vorblatt stets sehr lang und deutlich zweikielig (durch den Druck zwischen Scheide und Mutteraxe, ganz analog wie die Vorspelze ss. unten)), bei letzterm ganz kurz und ohne Kiele. (Hacke!.) 5 Ein zweiter Punkt, in welchem sich die Horstbildenden Gräser von einander unterscheiden, ist das Vorkommen oder Fehlen einzelner verlängerter Wurzelstockglieder: Sind dieselben ausnahmslos kurz, so stehen alle obern Triebe des Horstes dicht bei einander, das Gras ist dicht rasig, außerdem stehen die Triebe alle ungefähr auf gleicher Höhe, das Gras bildet keine hohen Polster, sondern einen ebenen Horst (so z. B. das Knaulgras, der Wiesenschwingel k .). In andern Fällen sind aber die untersten Glieder einzelner Seitentriebe verlängert, während die Mehrzahl ganz kurz bleibt: der Gesammthorst setzt sich in diesem Fall. aus kleinen Theilhorsten zusammen, die durch nackte Rhizomglieder von einander getrennt sind; solche Gräser bilden einen dichten hohen, polsterförmigen Horst, wenn alle Seitentriebe sofort über ihrer Ursprungsstelle sich in scharfem Winkel nach oben wenden, wie namentlich beim wolligen Honiggras (mit extravaginalen Seitentrieben) und in weniger ausgesprochenem Maaße beim italienischen Rahgras (mit intravaginalen Seitentrieben). Sind dagegen die verlängerten Rhizomstücke horizontal oder schief aufrecht gerichtet, wie z. B. beim englischen Raygras, so erhalten wir einen lockern, ebenen Horst. Alle diese Verhältnisse sind für den landwirthschaftlichen Werth der Gräser von hoher Bedeutung, wie unten gezeigt werden wird (f. Seite 12). Die Blätter der Gräser entspringen an den Knoten, abwechselnd an zwei gegenüberliegenden Seiten des Halmes (alternirend-zweizeilige Stellung), bilden also zwei in einer Ebene liegende Reihen oder Zeilen (s. Fig. I). Die Länge der zwischen den Knoten liegenden Halmstücke, der Jnternvdien, ist nach Lage und Alter verschieden: im untern Theil des Halmes und an jungen Trieben sind sie kürzer, die Blätter also dort dichter gedrängt; im obern Theil des blühenden Halms sind sie verlängert, die Blätter also auseinander gerückt. Der untere Theil des Blattes ist zu einer den Halm röhrenförmig umgebenden Scheide entwickelt. In der Regel ist diese durch einen bis auf den Knoten reichenden Längsschlitz geöffnet; bei manchen Arten aber völlig geschlossen, so bei der weichen Trespe, dem Knaulgras (s. Tafel 3, Fig. 11). Die Ränder der offenen Scheide greifen meist etwas übereinander: die Scheiden sind gerollt. Den oberen Theil des Blattes bildet die lineale, von parallel verlaufenden Längsnerven durchzogene Spreite; zwischen den Nerven*) verlaufen Längssurchen („Rillen") von verschiedener Breite und Tiefe (s. die Ouer- rv .-■ ii**). Die Spreite ist meist flach ausgebreitet; bei Gräsern trockener Standorte aber oft auch längs der Mittelrippe gefaltet und nach innen zusamniengelegt; dabei sind gewöhnlich die nach außen gekehrten Unterseiten gewölbt, so daß das ganze Blatt chlindrisch („borstlich") erscheint. Der Unterschied zwischen flach ausgebreiteten und „borstlichen" Blättern ist am besten aus den beiden Querschnitten Fig. 3 und Fig. 5 zu ersehen; Mittelstufen zwischen beiden Fällen werden als „hohl- kehlig-offene Blätter" bezeichnet (Fig. 4). (Fig. 3 viel schwächer vergrößert als 4 und 5). Fig. 3-5 Blattquerschnitte. Fig. 3 Festuca pratensis > lm ' P ” b 1 ^ (nach Lund). Fig. 4 von Festuca rubra, Fig. 5 von Festuca weniger rauh anzufühlen, namentlich beun Durch- ovina (4 und 5 nach Hackel). ziehen zwischen den Fingern. Es rührt das von kleinen, hackig gekrümmten und stark verkieselten Bor- sprüngen der Oberhaut her; je nach der Richtung der gekrümmten Spitze derselben bezeichnet man die betreffenden Organe als rückwärts- oder vorwärtsrauh; ersteres, wenn beim Aufwärts streifen die Rauhigkeit gefühlt wird, jene Spitzen also abwärts gebogen sind, letzteres im umgekehrten Fall. Wichtig für die Unterscheidung der Gräser-Arten ist ferner die Knospen läge der Blattspreite, wie sie an den jüngsten Blättern der Laubtriebe zu beobachten ist. Sie ist entweder gefaltet oder gesollt. Im ersteren Falle ist das Blatt einfach längs der Mittelrippe zusammengelegt; je das ältere nimmt das nächstfolgende jüngere zwischen die Schenkel des Winkels, den die beiden Blatthälften miteinander bilden (Tafel 3, Fig. 11). Im letzteren Falle greifen die beiden Blattränder übereinander, das ganze Blatt ist in sich zusammengerollt; das ältere umgibt das jüngere tutenförmig (Tafel 2, Fig. 10). Man untersucht diese Verhältnisse entweder direkt an den jungen Blättern eines Laubtriebes, oder an einem schnitte durch die Blattspreiten aus Tafel 1 F>g. 3 Ng. 4 Fig. 5 *) Seltener über denselben; so beim Knaulgras, Taf. 3 Fig. 12. **) Diese Figuren sind der dänischen Abhandlung von Samsoe Lund entnommen: „Anleitung zur Kenntniß der Gräser im blüthenlosen Zustand", erschienen in der Zeitschrift: 0m Landbrugets Kulturplanter etc., Nr. 3. Kopenhagen 1882. Blätter. 6 Querschnitt durch einen solchen. Die gefaltete Knospenlage ist die seltenere: von Futtergräsern zeigt sie nur der behaarte Hafer, das Kammgras, das Knaulgras, der Schafschwingel, das englische Raygras und einige Rispengrasarten. Blatthäutchcn. An der Stelle, wo die Scheide in die Spreite übergeht, findet sich meist ein gleichsam die Fortsetzung der Jnnenhaut der Scheide bildendes dünnes durchsichtiges Ouerhäutchen, das Blatthäutchen oder die Ligula, welche zur Unterscheidung der Arten ein wichtiges Merkmal liefert (f. z. B. Tafel I, Fig II). Aehrchen. Die Blüthen der Gräser sind stets zu Aehrchen vereinigt. Ein solches zeigt folgenden Bau (s. Tafel 4, Fig. 1). An der Aehrchenaxe sitzen in abwechselnd zweizeiliger Stellung trockenhäutige, meist kahnförmig gestaltete kleine Blättchen. Die zwei (selten mehr oder weniger) untersten tragen keine Blüthen Klappen. in ihren Achseln, sind steril, und werden als Hüllspelzen oder Klappen bezeichnet (u. Kl. u. o. Kl. unserer Figuren). Sie stehen meist einander sehr nahe, aber doch nie beide genau auf gleicher Höhe. Welches die obere und welches die untere ist, erkennt man meist leicht daran, daß die Ränder der letztern die obere bedecken. Meist ist die untere etwas kleiner, selten sind beide genau gleich groß, und zeigen keine Deckung der Ränder (). Tafel 8, Fig. 1, und Tafel 9, Fig. 1). Spelzen. Die über den Klappen an der Aehrchenaxe folgenden Spelzen tragen in ihren Achseln die Blüthen. Die erste derselben (nämlich der Spelzen) steht senkrecht über der untern Klappe, die zweite über der obern u. s. f. In der Höhlung dieser untern, äußern oder Deckspelzen (in unseren Figuren überall mit u. 8p. bezeichnet) liegen bte Blüthen, bedeckt von je einer obern, inneren oder Vorspelze (o. 8p. unserer Figuren). Die Deckspelze hat meist einen kräftigen Mittelnerv; wo die Faltung der Spelze längs derselben eine scharfe ist, nennt man ihn Kiel. Häufig verlängert sich dieser Rückennerv über das Ende der Spelze hinaus als Granne (Gr. unserer Figuren). Die Abgangsstelle derselben ist eine verschiedene: bald wird sie erst an der Spitze der Spelze frei (endständige Granne, so z. B. beim italienischen Raygras, Tafel 2, Fig. 4), bald auf der Mitte des Rückens (rückenständige Granne, so z. B. beim Goldhafer, Tafel 6, Fig. 4), bald an der Basis der Spelze (grundständige Granne). Die Klappen tragen selten Grannen (ganz kurze z. B. beim Timothygras, Taf. 8, Fig. 1, lange beim Geruchgras Taf. 10, Fig. 6). Etwas anders gebaut ist die von der Deckspelze eingeschlossene obere oder Vorspelze. Sie steht der Deckspelze gegenüber, aber nicht an der Aehrchenaxe selbst, sondern an einer ganz kurzen, in der Achsel der Deckspelze entspringenden Seitenaxe, die in die Blüthe ausgeht (Blüthenaxe). Sie ist von viel zarterer Consistenz als die Deckspelze, besitzt keinen Rückenncrv, sondern allermeist nur zwei dem Rande genäherte Seitennerven, die zugleich zwei Kiele bilden, indem die außerhalb derselben liegenden Ränder der Vorspelze in scharfem Winkel nach unten geschlagen sind (s. z. B. Taf. 5, Fig. 3). Die Zahl der Blüthen eines Aehrchens ist sehr verschieden: einblüthig sind die Aehrchen des Timothygrases, des Wiesenfuchsschwanzes, Geruchgrases, Fioringrases (s. Taf. 8, 9, 10, 11); zwei- blüthig diejenigen des französischen Raygrases und des wolligen Honiggrases (s. Taf. 5, 7), mehr- blüthig diejenigen des englischen und italienischen Raygrases, Knaulgrases, Wiesenschwingels und Goldhafers (s. Taf. 1, 2, 3, 4 und 6). Da jede Blüthe von einer Deckspelze gestützt ist, kann man die Blüthenzahl eines Aehrchens auch an der Zahl der Deckspelzen ablesen. Die Klappen sind häufig länger als die Spelzen, so daß sie das ganze Aehrchen bedecken (Goldhafer, Honiggras, Timothygras, Wiesenfuchsschwanz, Geruchgras, Fioringras; s. Taf. 6—11), in andern Fällen ragen die Spelzen weit über die Klappen hinaus (d. Rahgräser, Knaulgras, Wiesenschwingel; s. Taf. 1—5). Blüthenstand. Bevor wir zur Betrachtung der Blüthe selbst übergehen, wollen wir die Anordnung der Aehrchen zu zusammengesetzten Blüthenständen, zu Rispen und Aehren, kennen lernen. Sind die Aehrchen an Stielen aus Aesten des Halmes befestigt, so nennt man den Blüthenstand eine Rispe*). Sitzen dagegen die Aehrchen ohne Stiel unmittelbar auf der Hauptaxe, so bilden sie eine Aehre **). Man kann demnach die Gräser eintheilen in Rispengräser (hieher alle Futtergräser mit Ausnahme des englischen und italienischen Raygrases) und Aehrengräser (englisches und italienisches Raygras, ferner Weizen, Roggen rc.). Sind bei einer Rispe die Aeste sehr kurz und stehen sie sehr dicht, so erscheint die Rispe zusammengezogen, auf den ersten Blick ährensörmig. Beim Biegen derselben erkennt man aber *) Streng genommen ist es keine einfache, sondern eine aus Aehren zusammengesetzte Rispe. **) Streng genommen eine zusammengesetzte Aehre, denn das einzelne Aehrchen ist ja schon ein Blüthenstand, eine „einfache Aehre" nach botanischer Terminologie. 7 sofort, daß jedes Aehrchen gestielt ist und alle an Verzweigungen der Hauptspindel sitzen, daß wir es also mit einer Rispe zu thun haben (Timothygras, Wiesenfuchsschwanz, Geruchgras, s. Taf. 8, 9 und 10). Die Blüthe der Gräser, die vor dem Aufblühen fest zwischen den beiden Spelzen eingeschlossen ist, besteht in der Regel aus zwei winzigen, farblosen, häutigen (nur während des Blühens fleischig angeschwollenen) Schüppchen (in unseren Figuren überall mit 8ch. bezeichnet), drei Staubgefäßen und einem mit zwei Narben versehenen Stempel. Die Schüppchen (Lodiculae) stehen vor der Deckspelze; in manchen Fällen (Geruchgras, Fuchsschwanz, Taf. 9 u. 10) fehlen sie, noch seltener sind sie in Dreizahl vorhanden *). Ueber die Beziehungen derselben zum Vorgang des Aufblühens siehe unten. Die Staubgefäße (auf unseren Figuren mit Stg. bezeichnet) sind bei allen unsern einheimischen Gräsern in der Zahl von drei vorhanden, mit einziger Ausnahme des Geruchgrases (nur zwei s. Taf. 10, Fig. 1—5) und einiger Schwingelarten (p'sstnea m^uru8 und bromoickas, mit nur einem Staubgefäß). Eines steht zwischen den beiden Schüppchen, vor der Deckspelze, die beiden andern entspringen auf der Seite der Vorspelze (s. die Grundrisse der Aehrchen). Die zwei Pollensäcke des Staubbeutels (Stb. unserer Figuren) stehen unten und oben weitspreizend auseinander: im Winkel zwischen den untern Enden ist der Beutel am Staubfaden (8tk. unserer Figuren) befestigt (schaukelnd, dorsifix). Die Pollensäcke öffnen sich mit Längsspalten und lassen den trockenen Blüthenstaub bei der leisesten Erschütterung in kleinen Wolken austreten. Der Fruchtknoten (llrün. unserer Figuren) ist ein ungestielter, meist verkehrt-eiförmiger Sack, der an oder unter seiner Spitze zwei Griffel trägt, deren Aefte mit Polleufangenden Narbenpapillen besetzt sind, als Narbe fungiren. Diese Aefte bedecken entweder den ganzen Griffel bis nahe seiner Basis (feder- förmige Narben), so z. B. beim Wiesenschwingel (Taf. 4, Fig. 2), oder aber sie sind am Ende des sonst nackten Griffels zu einem Pinselchen zusammengedrängt (sprengwedelförmige Narben), so beim Timothy- und Geruchgras (Taf. 8, Fig. 4 und Taf. 10, Fig. 2). Im Innern enthält der Fruchtknoten ein einziges, an der der Vorspelze zugekehrten Naht (Bauchseite) befestigtes Ei. Die Blüthen, welche Staubgefäße und Fruchtknoten in normaler, funktionsfähiger Ausbildung enthalten, sind Zwitterblüthen; daneben gibt es aber auch solche mit verkümmertem oder ohne Fruchtknoten, die also nur als Staubgefäßblüthen (männliche) fungiren (französisches Raygras, Honiggras, Taf. 5 und 7), und endlich sind oft die obersten Spelzen eines mchrblüthigen Aehrchens ganz leer. Die Anordnung der Theile eines Grasührchens läßt sich auf einen Blick überschauen auf einem Grundriß oder Diagramm desselben, wie sie unsern Abbildungen der Futtergräser beigegeben sind. Ein solcher Grundriß ist nach folgenden Regeln konstruirt: Die Klappen und Spelzen sind auf einer Linie eingetragen (entsprechend ihrer alteruirend-zweizeiligen Stellung), deren Mitte die Aehrchcnaxe als schwarzer Punkt einnimmt; je weiter rucken ein Organ an der Aehrchcnaxe entspringt, desto weiter ist es in der Figur von dem schwarzen Punkt entfernt; zu äußerst stehen also rechts und links die Klappen. Diese und die Spelzen sind durch schwarze Bogen mit aufgesetzten, den Rippen entsprechenden Punkten dargestellt (die annähernde Ouerschnittsform dieser Organe), die Schüppchen durch viel kleinere Bogenlinien, die Staubgefäße durch biskuitförmige Figuren (die ungefähre Ouerschnittsform der Staubbeutel), und die Stempel endlich durch 2 concentrische Kreise mit 2 angesetzten federförmigen Narben (s. z. B. Taf. 1, Fig. 8). Die Blüthen erscheinen zwischen Deck- und Vorspelzen eingeschlossen. Vor dem Zeitpunkte des Aufblühens sind die Blüthen der Gräser zwischen den fest aneinander schließenden Deck- und Vorspelzen eingeschlossen. Der Vorgang des Blühens geht in dreierlei Weise vor sich**): 1. Deck- und Vorspelze treten weit auseinander, oder besser gesagt, die Deckspelze bewegt sich, und zwar mit großer Schnelligkeit, von der in ihrer Stellung verharrenden Vorspelze weg, bis sie mit der Letztern einen Winkel von 30—50" bildet; die Staubgefäße werden sichtbar, als eine kleine Säule, aus den drei Beuteln bestehend, die auf noch ganz kurzen Fäden sitzen und die noch zusammengelegten und aufgerichteten Narben verdecken (s. Taf. 1, Fig. 1). Aber sobald die Staubgefäße von der Hemmung durch *) Sie galten bisher allgemein als die verkllminerte Blüthenhülle (Perigon) der Gräser, als entsprechend den Blüthenblättern der Tulpe rc.; Hackel hat durch entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen wahrscheinlich gemacht, daß sie einem an der Blitthenaxe der Vorspelze gegenüber sitzenden zweispaltigen Hochblatt entsprechen. **) Siehe Godron: De la floraison des Graminees. Memoires de la socidtd nationale des Sciences naturelles de Cherbourg. Tome XVII. p. 105 (1873). Ferner: W. Rimpau. das Blühen des Getreides. Landw. Jahrbücher von Thiel, 1883 p. 875. Blüthe. Blühen. 8 Frucht. die Spelzen befreit sind, beginnen die Fäden sehr rasch sich zu strecken und erreichen in wenigen Minuten das 3—4fache ihrer ursprünglichen Länge *). Die anfangs steif aufrechten Staubfäden werden sehr bald durch das Gewicht des schweren Staubbeutels abwärts gezogen, sie kippen um und die Beutel hängen nach unten, um meist erst dann sich zu öffnen und den Blüthenftaub austreten zu lassen. Unterdessen haben sich auch die beiden Narben ausgebreitet, sie spreizen und treten rechts und links zwischen Deck- und Vorspelze heraus, um den Pollen aufzufangen. Nach der Befruchtung schließt die Deckspelze sich wieder und bedeckt die reifende Frucht. Das die Blüthe einleitende Auswärtsspreizen der Deckspelze wird nach den Untersuchungen Hackel's durch die rasche und starke Anschwellung der Schüppchen (durch Wasseraufnahme) bewirkt, welche durch ihr Dickerwerden die Deckspelze nach außen drängen. Nach der Blüthe, die höchstens I—2 Stunden dauert, vertrocknen die Lodiculae und die Deckspelze kehrt vermöge ihrer Elastizität wieder in ihre ursprüngliche Lage zurück. 2. Deck- und Vorspelze öffnen sich kaum, nur eine ganz schmale Oeffnung entsteht an der Spitze der Blüthe und durch diese treten Narbe und Staubgesäße heraus; die erstere ist in diesem Fall meist sprengwedelförmig, im ersten Falle dagegen federförmig. Im Zusammenhang mit dem Geschlosfenbleiben der Spelzen steht das Fehlen oder die verkümmerte Ausbildung der Schüppchen (ersteres beim Geruchgras und Wiesenfuchsschwanz, letzteres beim Timothygras). 3. Die Sexualorgane treten überhaupt nicht aus den Spelzen heraus, die Befruchtung vollzieht sich innerhalb der geschlossenen Spelzen; von Futtergräsern gehört keines hieher, Wohl aber manche Gersten- arten, ferner Arten der Gattung Stipa und endlich Leersia oryzo'ides. Außer diesen auf das Verhalten der Spelzen begründeten Unterschieden im Blühen gibt es bei den Gräsern noch andere, die sich auf die Art der Uebertragung des Pollens beziehen (ob derselbe auf die Narbe derselben Blüthe oder einer andern gelangt). Wir werden diese Dinge bei den Einzelbeschreibungen berücksichtigen. Nach vollzogener Befruchtung entwickelt sich das Ei zum Samen, der bald die Höhlung des Fruchtknotens ausfüllt und mit der Wand demselben, der Fruchtwand, so innig verwächst, daß man nur unter dem Mikroskop Frucht- und Samenschale von einander zu unterscheiden im Stande ist. Das „Korn" der Gräser besteht also nicht nur aus dem Samen, sondern ist auch von der Fruchtschale bedeckt, entspricht einer einsamigen Frucht und sollte als solche bezeichnet werden. Es gehört zu derjenigen Kategorie von Früchten, die man „Caryopse" nennt, d. h. einsamige Schließsrüchte, bei denen Frucht und Samenschale eng mit einander verwachsen sind. In der landwirthschaftlichen und samenhändlerischen Praxis hat sich aber die Bezeichnung „Same" für die Caryopse der Gräser so allgemein eingebürgert, daß man in einem Werke wie das vorliegende, das sich an Praktiker wendet, um Verwechslungen zu vermeiden, wenigstens im landwirthschaftlichen Theil des Textes von diesem Usus sich nicht emanzipiren darf. Wir werden also nur in den botanischen Beschreibungen und den Tafelerklärungen die Caryopse als „Frucht" bezeichnen, sonst aber als „Same" (es ist diese Inkonsequenz um so verzeihlicher, als ja in Wirklichkeit das besagte Korn der Hauptmasse nach aus dem Samen besteht, und sein Anspruch auf den Namen „Frucht" sich nur auf das äußerste schwer nachzuweisende Häutchen der Schale stützt). In den allerwenigsten Fällen fällt bei der Reife die nackte Frucht aus den Spelzen; so z. B. beim Weizen und Roggen, aber bei keinem einzigen Futtergras. (Ausnahmsweise kommt allerdings entspelztes Knaulgras im Handel vor.) Sie bleibt vielmehr allermeist bespelzt, d. h. von Deck- und Vorspelze fest umschlossen, ja sogar manchmal außerdem noch von den Klappen umhüllt, so daß das ganze Aehrchen scheinbar die Frucht bildet (Honiggras, Fuchsschwanz, s. Taf. 7, Fig. 7 und Taf. 9, Fig. 5). Solche bespelzte Früchte müssen wir als „Scheinfrüchte" bezeichnen; denn nur das, was aus dem Fruchtknoten allein hervorgeht, bildet die echte Frucht. (Auch hier weichen wir von der Benennungsweise der landwirthschaftlichen Praxis ab, welche gemeiniglich das bespelzte Korn als „Frucht" bezeichnet.) Mehrblüthige Aehrchen zerfallen bei der Reife meist in der Weise, daß die Aehrchenaxe in ebenso viele Glieder zerbricht, als Blüthen vorhanden sind. Diese scharf abbrechenden Glieder bleiben mit den Scheinfrüchten in der Weise verbunden, daß jede das über ihrem Ansatz befindliche Stück der Aehrchenaxe trägt. Es sitzt also dieses „Stielchen" vor dem Grunde der Vorspelze, derselben angedrückt (s. z. B. Taf. 1, Fig. 5 Ae.A.). *) Askenasy, der diese Verhältnisse untersuchte, hat konstatirt, daß dieses rasche Wachsthum der Fäden auf einer bloßen Streckung ihrer Zellen durch rapide Wasserausnahme aus den Antheren bewirkt wird. Die neuste Frucht, die Caryopse, läßt eine Bauch- und eine Rückenseite unterscheiden, btc erstere s der Vorspelze, die letztere der Deckspelze zugekehrt *). , mgrtiesuna des an bet Wsisb-S RS-ims sitzt b-t kleine K-imlmg (K. »nietet M» « ; M-hllStpetz beb Snmens, „ur mn bet bürraen Stticf)t. unb d»tt and) leicht sichtbar. Die Bauchseite der Frucht zeigt hausig eme Mrche^, ) angewachsen ist (so z. B. äußerlich den Samennabel, d. h. die Stelle, wo der Same an der ^ruchtwand angewachsen ' Z ^ d!n Wuchs »„b »»M w«-" beschreibungen. Die Blätter der Schmetterlingsblüthler stehen nieist zerstreut (spiralig) am Stengel, seltener zwei- Blätter, zeitig, wie die Grasblätter; sie haben meist einen deutlichen Stiel und eine zusammengesetzte Spreite, d. h. dieselbe besteht aus zwei bis vielen gesonderten Blättchen, welche mittelst eines Gelenkes am Stiel eingefügt sind. Sind es nur drei, wie bei den Kleearten, so heißt das Blatt „dreizählig"; sind auf beiden Seiten des Stieles mehrere Blättchen eingefügt, so ist das Blatt gefiedert und zwar unpaarig (z. B. Esparsette, Taf. 15), wenn ein Endblättchen vorhanden ist, Paarig, wenn dasselbe fehlt (Wicken); im letzter Falle endigt der Blattstiel häufig in eine Ranke. Am Grunde des Stiels, rechts und links von demselben, sind stets zwei kleine, häutige, mit breitem Grunde dem Stengel aufsitzende und oft mit dem Blattstiel verwachsene Rebenblättchen (Stapeln, Stip. unserer Figuren) vorhanden. Der Blüthenstand ist meist eine dichtgedrängte Traube oder Dolde (Köpfchen); er ist entweder end- Blüthenstanv. ständig, d. h. er bildet den Abschluß eines längeru beblätterten Stengels, oder seitenständig, d. h. er entspringt aus dem Winkel eines Blattes. o Die einzelne Blüthe ist stets zwittrig und vollständig, d. h. sie setzt sich aus Kelch, Krone, Blüthe. Staubgefäßen und Stempel zusammen. Sie ist unregelmäßig, d. h. sie läßt sich nur auf eine einzige Weise so Halloren, daß zwei spiegelbildlich gleiche Hälften entstehen (während eine regelmäßige Blüthe mehrmals so halbirt werden kann; bei der Tulpe z. B. 6 Mal). Der Kelch ist aus fünf unterwärts zur Röhre verwachsenen Blättern zusammengesetzt, deren freie Zipfel oft lang zugespitzt erscheinen (Kelchzähne); er ist meist für sich allein schon unregelmäßig (z. B. ein Zahn größer). Denken wir uns das Blüthenköpfcheu aufrecht, und eine wagrecht davon abstehende Blüthe gerade uns zugekehrt, so ist ein Zahn des Kelchs genau nach unten gekehrt, dem Deckblatt der Blüthe zugewendet („vorn" im botanischen Sinne). Dieser vordere Kelchzahn ist häufig länger als die übrigen (z. B. beim Rothklee, Taf. 12, Fig. I, v. Kz.). Die Blumenkrone setzt sich aus fünf meist völlig von einander getrennten (nur bei der Gattung Trikolum untereinander verwachsenen) Blumenblättchen von sehr verschiedener Gestalt zusammen: Eines davon, das größte und auffallendste, die Fahne (Fa. unserer Figuren) steht zwischen den zwei obern Kelchzähnen, also gerade nach oben gerichtet; sein vorderer Theil ist meist zurückgeschlagen oder wenigstens aufgerichtet, am obern Rande meist mit einem kleinen Einschnitt versehen. Dann folgen nach unten rechts und links die zwei gerade vorgestreckten Flügel (FI.) und endlich von diesen meist bedeckt, das Schiffchen oder der Kiel (Sch.) aus zwei rechts und links von dem untern (vordern) Kelchzähn stehenden, meist untereinander verwachsenen Blättchen gebildet. Die gegenseitige Deckung der Knospe ist stets so, daß die Fahne die Flügel und diese das Schiffchen bedecken („absteigend"). Staubgefäße sind zehn vorhanden; allermeist sind neun davon bis über die Mitte zu erner nach oben offenen, den Stempel umschließenden Röhre verwachsen (Stf. R); ba§ zehnte, freie, vor der Fahne stehende, legt sich über den Längsschlitz dieser Röhre. Die Staubbeutel sind im Ende des Schiffchens geborgen. Der Stempel besteht aus einem einfächerigen Fruchtknoten (Frkn.), an dessen der Fahne zugekehrter Bauchnaht das oder die Eichen sitzen, und einem meist nach oben gebogenen langen Griffel, der in eine verschieden gestaltete Narbe endigt. him-r- jk-,chM„- Der Bau der Schmetterlingsblüthe läßt sich auf dem nebenstehenden Grundriß derselben (Fig. 6), der Wohl ohne weitere Er- F»h»° klärung verständlich sein wird, auf einen Blick überschauen. / ®“ m68efä6e Wir haben gesehen, daß bei den Gräsern der Blüthenstaub Flügel ^ Stempel bei leiser Erschütterung in zerfliegenden Wolken aus den geöffneten Schiffchen — ~ 'X 55iEj3 ss?^_ *) Nach botanischem Usus müßten diese Benennungen vertauscht werden, Deckblatt —.' ”” " da man gewöhnlich die dem Deckblatt zugekehrte Seite der Blüthe als vorn, die Fig. 6. Grundriß der Schme-terlingsblü.he 0 “ 2 (nach E ichlcr). ( 10 Beuteln tritt und so durch Vermittlung der Lust auf die Narben gelangt. Bei den Schmetterlingsblüthen ist das durchweg anders: sie sind insektenblüthig, d. h. sie bedürfen zur Uebertragung des Pollens auf die Narbe der Mithülfe honigsaugender oder pollensammelnder Insekten. Es ist durch verschiedene Einrichtungen der Blüthe, die wir bei den einzelnen Arten kennen lernen werden*), dafür gesorgt, daß der klebrige Pollen sich an das besuchende Insekt heften kann, um von ihm aus die Narbe einer andern Blüthe **) übertragen zu werden. Die Frucht ist eine Hülse; sie öffnet sich an Rücken- und Bauchnaht mit zwei Längsrissen in zwei meist schraubig gedrehte Klappen, an deren einem Rande die Samen sitzen. Zuweilen bildet sich zwischen je zwei Samen eine Querwand, und die Hülse zerfällt dann durch Querrisse in einsamige, geschlossen bleibende Stücke (Seradella), oder endlich sie ist von vornherein einsamig und öffnet sich gar nicht (Esparsette) oder unregelmäßig (Rothklee). Der Same ist meist von einer glatten glänzenden Schale umgeben, die an einer Stelle einen matten, meist Heller gefärbten, rundlichen oder länglichen Fleck zeigt, den Samen-Nabel oder Hilus, d. h. die Stelle wo der Same sich von seinem Stiel (dem Samenstrang) loslöste. An einem Ende des Hilus ist bei Untersuchung mit der Loupe stets auch noch ein kleines Pünktchen, der Eimund oder die Mikropyle zu sinden (eine seine Durchbohrung der Eihülle, durch welche der befruchtende Pollenschlauch eindringt) und auf der entgegengesetzten Seite des Hilus, als kleines Hügelchen, die Chalaza oder der Knospengrund (d. h. die Stelle, wo das dem Samen die Nahrung zuführende Gefäßbündel endigt). Die Samenschale wird ganz ausgefüllt von dem großen Keimling; neben demselben findet sich kein Mehlkörper oder Sameneiweiß, wie bei den Gräsern (der Samen ist eiweißlos). Die Hauptmasse des Keimlings bilden die großen, halbkugligen, mit glatten Flächen aneinanderliegenden Samen läppen oder Kotyledonen, die ersten Blätter des jungen Pflänzchens. Sie sind an einer kleinen Stelle ihres Randes an den jungen Stengel angewachsen, der nach unten in das kurze kegelförmige, oft von außen sichtbare Würzelchen übergeht, nach oben in das kleine, zwischen den Samenlappen verborgene, aus wenigen jungen Blättern sich zusammensetzende Knöspchen (Plumula). Bei der Keimung dringt das Würzelchen in den Boden, das Knöspchen erhebt sich über die Erde und entfaltet seine Blätter. Die Keimblätter verhalten sich verschieden: entweder bleiben sie unter der Erde (Wicken) oder sie erheben sich über dieselbe, werden grün und fungiren als erste Laubblätter (so bei allen andern schmetterlingsblüthigen Futterpflanzen). Abarten. Bei der Aufzählung der Abarten sind hauptsächlich die landwirthschaftlich wichtigern berücksichtigt. Geographische Verbreitung. Aus den bei den einzelnen Arten gemachten Angaben geht hervor, daß das gemäßigte Europa die Heimath der besten Futterpflanzen ist, während nur ein kleiner Theil derselben ursprünglich in Nordamerika einheimisch war. Standorte. Die Standorte geben uns Anhaltspunkte über die Ansprüche der betreffenden Pflanze an den Boden. Höhengrenzen. Wie ebenfalls aus den Einzelbeschreibungen hervorgeht, kommen die meisten Futterpflanzen bis zu bedeutenden Bodenerhebungen, zum Theil bis in die alpine Region fort, ein Beweis, daß deren genauere Kenntniß nicht nur für das Tiefland, sondern auch für die Alpengegenden von Bedeutung ist. Klima und Witterung. Mit Ausnahme der Esparsette und der Luzerne gedeihen die meisten Futterpflanzen am besten in feuchten Klimaten und in feuchten Jahren, vorausgesetzt, daß der Wärmegrad entsprechend ist. Demgemäß ist das See- und Gebirgsklima im Allgemeinen zum Futterbau am besten geeignet. Boden. Bei der Besprechung der Ansprüche der Pflanze an den Boden ist die chemisch-physikalische Klassifikation zu Grunde gelegt; wir unterscheiden: 5. milder Lehmboden; 6. sandiger Lehmboden; 7. lehmiger Sandboden; 8. loser Sandboden. t. strenger Thonboden; 2. gewöhnlicher Thonboden; 3. milder Thonboden; 4. strenger Lehmboden; *) Siehe Hermann Müller, die Befruchtung der Blumen durch Infekten rc. 1873, und von demselben: Alpenblumen, ihre Befruchtung durch Infekten rc. 1881. **) Daß auch der auf die Narbe derselben Blüthe gelangende Pollen befruchtend wirkt, ist für manche Fälle zweifelhaft, für andere dagegen sicher erwiesen. 11 Der erstgenannte ist der schwerste und kundigste, die folgenden werden immer leichter loser. Der-milde Lehm wird auch als „'Normalboden" bezeichnet. — Wir erwähnen ferner: 9. Thonmergelboden niit 50—60 % Thon und 10-15 /„ Kalk; 10. Lehmmergelboden „ 35—50 % " - 25 — 50 /„ » 11. Kalkmergelboden „ 20-35 % » - 50-75 / 0 „ 12. Sandmergelboden „ 60—80 % „ 10 2 /« » r:_k _ ferner Die Leiden ersten nähern sich dem Lehmboden, während bte letzter« hitzige Boden sind. F werden unterschieden: 13. thoniger Kalkboden; 14. lehmiger Kalkboden; 15. sandiger Kalkboden; 17. guter Humusboden, ohne Säure; 18. Torfboden; 19. Haidehumusboden. 16. steiniger Kalkboden; Die meisten Bodenarten enthalten Humus, ohne deßhalb als Humusböden bezeichnet zu werden. Je nach dem Gehalt werden sie bezeichnet als: — ^ 0/ Humus. a) Humusarm mit b) humushaltig „ c) humos d) humusreich e) humusüberreich mit 3- 5°/. 5 — 10 % „ 10-15% >> 15% und mehr Z- B. unterscheidet man „humosen sandigen Lehmboden" (6 und c). Ist ein Boden reich an Eisen, was sich durch die stark rothe Farbe zu erkennen gibt, so wird derselbe als „eisenschüssig", tritt noch saurer Humus dazu, so wird er auch als „taub" bezeichnet. Hinsichtlich des Feuchtigkeitsgrades besteht folgende Abstufung: dürr, trocken, frisch, feucht und naß. Nach seiner Entstehung unterscheidet man den Boden auch in Verwitterungs- oder ürboden und in angeschwemmten Boden. Beide Kategorien enthalten fruchtbare und unfruchtbare Bodenarten. Bodenerschöpfung und Düngung. Aus den in den Detailbeschreibungen gegebenen Zahlen geht hervor, daß die Kleearten dem Boden, neben Kali, bedeutend mehr Kalk und Magnesia entnehmen, als die Gräser, während diese in ihrer Asche sehr viel Kieselsäure enthalten. Da jedoch alle andern Bestand- theile in der Regel sich in genügender Menge im Boden vorsinden, so hat man bei der Düngung nur auf einen Ersatz von Stickstoff, Phosphorsäure und Kali, seltener von Kalk Bedacht zu nehmen. Auf den gewöhnlichen Bodenarten fallen jedoch auch die Humusbildenden Bestandtheile des Düngers, besonders des Stallmistes in Betracht. Zur empirischen Feststellung, welcher Nährstoff im Boden am meisten fehlt, d. h. im Minimum vorhanden ist, empfiehlt R. Heinrich *) die Anstellung folgender Düngungsversuche: I. Parzelle, Kali (in Form von fünffach konzentrirtem Kalisalz); II. „ Ghps; III. „ Phosphorsäure (Superphosphate); IV. „ Stickstoff (als Blutmehl); V. „ Kali und Phosphorsäure; VI. „ Kali und Stickstoff; VII. Phosphorsäure und Stickstoff; VIII. „ Phosphorsäure, Stickstoff und Kali; IX. „ ungedüngt. An demjenigen Nährstoff ist am meisten Mangel im Boden, mit welchem die größten Erträge erzielt werden. Fehlt nur ein Nährstoff, so geben schon die Versuche I bis IV Auskunft; fehlen zwei, so geht 3 es aus den Versuchen V bis VII hervor und fehlen die drei wichtigsten, so wird der Ertrag bei VIII ^.^rößten sein. Natürlich muß von dem gleichen Nährstoff überall ein gleich großes Quantum genommen . , Gülledüngung wird man zwar im Allgemeinen bei den Gräsern die besten Resultate aM j f wan noch einen künstlichen Dünger anwenden, so empfiehlt es sich, denselben vor dem Be- g en au zustreuen und dann mit der Gülle einzuwaschen. Stallmist kann während der Vegetationsperiode Produktion. Wismar 1882. *•* Grundlagen zur Beurtheilung der Ackerkrumme in Beziehung auf landwirthschafiliche Pflanzen- 12 nicht gut zur Düngung verwendet werden, weil er das Futter bei der Ernte verunreinigen würde. Dagegen ist es angezeigt, denselben sofort nach dem letzten Schnitt im Spätsommer oder Herbst auf -den Boden zu bringen. Wuchs. An eine gute Wiese machen wir in Bezug auf die Faktoren, welche durch den Wuchs bedingt sind, die Anforderung, daß die Pflanzen einerseits den Boden gleichmäßig bedecken, eine zusammenhängende, geschlossene Rasennarbe erzeugen, anderseits, daß die oberirdischen Grastriebe keine erhöhten Rasenbüschel, sondern einen ebenen Rasen erzeugen. Aus diesem Grunde erzeugt z. B. das wollige Honiggras eine schlechte Narbe, weil es hohe Rasenpolster bildet, welche einen gleichmäßigen Schnitt unmöglich machen und deßhalb die Nutzung beeinträchtigen. Gräser mit dicht gedrängtem Horst (Knaulgras, Wiesen- schwingel), auch wenn sie keinen erhöhten Rasen bilden, sind ebenfalls nicht zur Bildung einer zusammenhängenden Narbe geeignet; ebensowenig die meisten Kleearten. Deßhalb müssen neben denselben, wo es sich darum handelt, einen geschlossenen Rasen zu erzielen, auch Pflanzen ausgesäet werden, welche im Stande sind, die Lücken auszufüllen. Hierzu eignen sich diejenigen Gräser, welche einen ausgebreiteten Horst bilden, wie französisches Raygras, Timothe, Goldhafer rc., die aber in der Regel den Nachtheil haben, daß sie nur einen dünnen Rasen erzeugen. ^Ain^bej^n sind ^eßhalb^zm, diesem Zwecke die ausläufertreibenden Pflanzen, so z. B. das gemeine Rispengras, das WiesenrisAngras, das Fioringras, der Weihklee rc. geeignet. Zwar gibt es, wie im botanischen Theil erwähnt, zwischen den einzelnen Bestockungsformen Ueber- gänge, welche man bei der Anlage einer Wiese zu berücksichtigen hat; so z. B. hält der Wiesenfuchsschwanz die Mitte zwischen den ausläufertreibenden Gräsern und denjenigen mit ausgebreitetem, lockerem Horst. Entwicklung. Die Entwicklung der Gräser ist je nach der Art eine verschieden rasche; während die einen schon im ersten Jahr ihr höchstes Entwicklungsstadium erreichen, gelangen andere erst im zweiten und dritten Jahr zu ihrer vollen Entwicklung. Für kurz dauernde Nutzung wird man deßhalb hauptsächlich rasch sich entwickelnde Gräser berücksichtigen, während für langdauernde vorzugsweise solche Gräser genommen werden müssen, die von langer Dauer sind. Es sind dieß in der Regel diejenigen, die sich langsamer entwickeln. Die Kleearten entwickeln sich sämmtlich ziemlich rasch und liefern, wenn keine andere Nutzung damit verbunden wird, meist schon im ersten Jahre ihren vollen Ertrag, mit Ausnahme der Esparsette. Ernte. Die Futterpflanzen werden entweder grün verfüttert oder gedörrt. Die erstere Verwerthungsart bedarf keiner weiter» Erklärung. Dagegen ist es nothwendig, die verschiedenen Methoden der Heubereitung wenigstens ihrem Prinzipe nacki kurz zu erklären. 1. Die Sonnenheubereitung ist die gewöhnlichste Methode. Nachdem das Gras gemäht ist, wird dasselbe ausgebreitet und an der Sonne gedörrt. Unterdessen wird es ein oder mehrere Mal gewendet, am Abend Wohl auch in kleine Walmen aufgerechet und am andern Morgen wieder ausgebreitet. Es ist dieß das einfachste und zugleich billigste Verfahren, das aber nur bei schönem Wetter durchzuführen ist. 2. Die Braun- oder Brennheubereitung wird besonders bei Kleearten angewendet, weil diese im grünen Zustande etwa 10 % mehr Wasser enthalten, als die Gräser und deßhalb schwerer zu dörren sind. Der Rothklee enthält in der Blüthe 80 % Wasser, das Kleeheu 16 °/g, somit müssen bei der Heubereitnng 64 °/o verdunsten. An der Sonne ist dieß nur langsam zu erreichen, abgesehen davon, daß durch das Wenden rc. die brüchigen Blätter abfallen und deßhalb ein bedeutender Verlust entsteht. Um dieß zu vermeiden wird vielfach die Braunheubereitung angewendet. Die gemähten Pflanzen werden zuerst an der Sonne getrocknet, bis sie ungefähr 35 bis 40 % Wasser verloren haben, und unterdessen einmal gewendet. Dann wird das Heu in Feimen gefahren, in welchen es sich sehr stark erwärint und dadurch ebenfalls an Feuchtigkeit verliert. Ein nochmaliges Ausbreiten findet in der Regel nicht statt, sondern es wird später (nach 5 bis 6 Wochen) eingefahren. Beide Methoden, die Sonnenheu- und Braunheubereitnng werden bei uns oft miteinander verbunden. Sind die Witterungsaussichten ungünstig, so wird das halbdürre Heu in kleine, runde, mehr oder weniger große Haufen (Schoche, Birrlig) gethan, welche möglichst fest gemacht werden. Dadurch wird das Auslaugen bei allfälligem Regen vermieden. Angenommen das Heu bedecke in diesen Hausen Vso der Oberfläche der Wiese und es fällt in einem Tag ein Regen von 2 Zoll Höhe, so bringt dieß auf die Juchart 8000 Kubikfuß Wasser. Wenn das Heu über die ganze Wiese ausgebreitet läge, so würde dasselbe von den gesammten 8000 Kubikfuß Wasser ausgewaschen werden und verlöre dadurch einen bedeutenden Theil seines Gehaltes. Da es nun aber in den Haufen nur den fünfzigsten Theil des Raumes einnimmt, so gelangen nur 160 Kubikfuß Wasser auf dasselbe und es verliert durch das Auswaschen infolge dessen 13 50 Mal weniger. äBolff *) erwähnt, daß man z. B. von Kleeheu mit kaltem Wasser 25-40 Prozent der Trockensubstanz ausziehen könne, so daß dadurch 100 u Heu am Quantum 21-34 U verlieren Aber auch in qualitativer Hinsicht verliert das Heu beträchtlich, so z. B. fand man in Möckern: Aus diesem Grunde ist das Zusammenmachen des Heues in Haufen (Schoche) bei Regengefahr sehr Zu empfehlen. In denselben erwärmt es sich etwas, uni so mehr, je größer und fester dieselben sind und um so höher der Wassergehalt des Futters ist. Tritt wieder schönes Wetter ein, so werden die Schoche wieder ausgebreitet und das Heu trocknet dann um so leichter. Wie erwähnt, ist dieß eine Kombination der Sonnenheu- und Braunheubereitungsmethode, die in der Schweiz und wohl auch anderwärts schon seit mehr als einem Jahrhundert gebräuchlich ist **). Unwesentlich verschieden davon ist die Klappmeier'sche Methode ***). 3. Die Lustheubereitung. Mit diesem Namen können diejenigen Methoden bezeichnet werden, bei welchen die Bereitung zu Heu durch Luftzug herbeigeführt wird. Es kann dieß entweder auf hölzernen Gerüsten geschehen, oder durch Aufstellung der Pflanzen, ohne Gerüste. Zu letzterer Methode gehören die Puppen oder Kapellen jFigur 7), welche namentlich bei der Kleebereitung und der Samengewinnung angewendet werden. Die zu dörrenden Pflanzen werden mit der Gestellsense geschnitten, ein bis zwei Tage in den Schwaden abtrocknen gelassen und dann zu kleinen Garben in der Weise ausgerollt, daß die in der Schwade untengelegene Parthie nach außen zu stehen kommt. Dicht unter den Blüthenständeu werden die Fig. 9. Zeile. Fig. 7. Puppe. Fig. 8. Große Puppe. Pflanzen mit einigen Halmen zusammengebunden und dann nnt dem Schnütende a f unQ aJL e ffe§ Eine andere Art Puppen wendet man bei den Samenpflanzen zur Durchmachung^desg p ^ an. Die Pflanzen werden in armsdicke Büschel gebunden, von welchen bis u . f M' ■ toetben. mit dem Schnittende nach unten, gegen einander gestellt und so 8 bis 14 -Uge na )xetfe g Es sind dieß die großen Puppen (Fig. 8). Beim Rothklee und der Luzerne werden vielfachv f g- Kleezeilen (Figur 9) angewendet, Nachdem, wie bei den Puppen, die Pflanzen in en cy getrocknet sind, werden je zwei in laugen Zeilen gegeneinander aufgestellt. Die Puppen 0 ) > ^ r , ,,, Zeilen werden leicht vom Wind umgeworfen und müssen dann wieder aufgestellt werden, was oft viel Mühe verursacht. In den Alpen und in solchen Gegenden, wo die Svnnenwärme in der Regel zum Dörren nicht hinreicht, wird das Heu, wenn es halbtrocken ist, an sog. Kleereiter, Kleestiefel oder Heinzen (Fig. 10) gehängt, damit die Luft bequem durchstreichen kann und so das Heu vollends trocken wird. Da das Einschlagen in den Boden, der Transport rc. oft wesentliche Schwierigkeiten im Gefolge hat, empfahl Schwerz fl) ein *) Dr. Emil Wolfs. Die rationelle Fütterung der landwirthschastlichen Nutzthiere. III. Aufl. Berlin 1881. Seite 108 u. ff. **) Beschreibung der Heuerndtc in der Gegend von Burgistein. Abhandlungen und Beobachtungen durch die ökonomische Gesellschaft zu Bern gesammelt, 1762, zweites Stück. ***) Vgl. Th a er: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. II. Aufl. IV. Band. Berlin 1821. __ t) Johann Nepomuk von Schwerz. Anleitung zum praktischen Ackerbau. II. Aufl. II. Band. c£. -a - . r; yiqjuuuu uuu tftg. iu. yeinze. Stuttgart und Tübingen 1887. Seite 450. 14 (■& Fig. 11. Kleeträger. anderes Gerüst, den sog. Kleeträger (Fig. 11). Je 2 Schrägen werden scheeren- förmig in der in nebenstehender Abbildung ersichtlichen Art aufgestellt, über deren Kreuzungsstellen horizontal eine Stange gelegt wird. In der Mitte der Schrägen ist je ein Zapfen eingeschlagen, auf welche ebenfalls horizontal Stangen zu liegen kommen. An diese Stangen wird der Klee aufgehängt. Die vollkommenste Form der Trockengerüste sind die Trockenpyramiden (Fig. 12), welche in neuester Zeit immer mehr in Aufnahme gelangen. — Werde nun das eine oder das andere Gerüst angewendet, so wird das Futter erst auf dieselben gebracht, wenn es halbtrocken ist. Dasselbe darf den Boden nicht berühren, so daß die Luft auch von unten durchstreichen kann. Auf den Reitern ist das Futter in der Regel in 2—3 Tagen trocken, während es auf den Pyramiden längere Zeit bedarf, je nach der Witterung 6—10 Tage. Futterwerth. Der Werth eines Futtermittels wird bestimmt nach seinem Gehalt an verdaulichen stick- _^ stoffhältigen und stickstofffreien Nährstoffen. Die stickstoff- " ’ haltigen Nährstoffe bestehen nach bisheriger Annahme aus Eiweiß, während die stickstofffreien in Fett, Holzfaser Nach Uebereinkunft der Agrikulturchemiker ist ein Theil verdauliches Eiweiß und Fett so viel werth wie fünf Theile verdauliche Holzfaser und stickstofffreie Extraktivstoffe. Wenn man also den Gehalt eines Futtermittels an verdaulichen Nährstoffen kennt, so ist es nach dieser Annahme sehr einfach das Werthverhältniß festzustellen. Z. B. enthält ein Zentner Heu vom englischen Rahgras: Fig. 12. Trockenpyramide. und Extraktivstoffe eingetheilt werden. Verdauliches Eiweiß Verdauliches Fett . Kohlehydrate (verdauliche Holzfaser zusammen) . Extraktivstoffe und 5 .. 0 .« ii X 5 = 25. 5 Futterwertheinheiten X 5 = 4. 0 35., SX1 = 35.3 zusammen 64. 8 oder rund 65 Futterwertheinheiten. Angenommen 1 Zentner (oder 65 Futterwertheinheiten) von diesem Heu koste Fr. 3, so kostet eine Futterwertheinheit (300 : 65 =) 4. 6 Ct. Mittleres Wiesenheu enthält 73 Futterwertheinheiten. Kostet dasselbe im Handel Fr. 3 per Zentner, so ist ein Zentner englisches Raygras-Heu ^-00X 65) ^ 2 . gs werth. Der absolute Gehalt eines Futtermittels an Nährstoffen läßt sich durch die chemische Analyse leicht feststellen, um so umständlicher ist aber die Feststellung der Verdaulichkeit. Wir haben z. B. gefunden, daß ein Zentner Löwenzahn im grünen Zustande (87 % Wasser) 2,6 u Eiweiß, 0,5 u Fett, 6,0 U Extraktivstoffe und 1,9 U Holzfaser enthält; wie viel aber von den einzelnen Stoffen verdaulich ist, kann nur durch einen Fütterungsversuch ermittelt werden. Diese Versuche werden in der Weise ausgeführt, daß man das Futter und die ausgeschiedenen festen Exkremente analysirt. Die Differenz wird als verdauliche Substanz betrachtet. Angenommen von den gefütterten 2,6 u Eiweiß finden sich im Koth noch 1,3 u, so sagt man: (2,6—1,3 =) 1,3 ^ des Eiweißes seien verdaulich, oder der Verdaulichkeitskoeffizient sei 50 %. Die Verdaulichkeit ist nun je nach dem Entwicklungsstadium der Pflanzenart rc. sehr verschieden. Von jungem Gras ist ein größerer Prozentsatz verdaulich, als von überreifem; von gut eingebrachtem Heu 15 ttteljr al§ von verregnetem ic. In den Rauhfuttermitteln sind 40—80 %, im Durchschnitt 55-65 % des Gesammteiweißes verdaulich, vom Rohfett 30—60 %, die stickstofffreien Extraktivstoffe werden als voll-- ^^^^brdaulich angenommen, wogegen die Rohfaser in diesem Fall zur Kompensation als unverdaulich , e verdaulichen stickstofffreien Extraktivstoffe und die verdauliche Holzfaser werden mit dem gemeinschaftlichen Namen Kohlehydrate bezeichnet. Angenommen vom Eiweiß des Löwenzahns seien 70 °/», vom Fett 50 % verdaulich, so beträgt der Gehalt an verdaulichen Nährstoffen: Eiweiß.1,8 % Fett.0,25 % Kohlehydrate.6,0 °/o 1 Zentner Löwenzahn enthält somit nach obiger Berechnung, wenn unsere Annahmen richtig sind, im grünen Zustande 16 Futterwertheinheiten. Der Eiweißgehalt eines Futtermittels wurde bisher einfach in der Weise festgestellt, daß man den bei der Analyse gefundenen Stickstoff mit 6,25 multiplizirte, da angenommen wurde, daß sämmtlicher Stickstoff eines Futtermittels in Form von Eiweiß vorhanden sei. Wenn z. B. bei der Analyse 2 % Stickstoff gefunden wird, so beträgt demnach der Eiweißgehalt (2,0 X 6,25) — 12,5 "/«, denn in 6,25 Gewichtstheilen Eiweiß ist 1 Gewichtstheil Stickstoff enthalten. Durch neuere Versuche ist nun dargethan worden, daß oft ein ziemlich großer Prozentsatz des Stickstoffs nicht in Form von Eiweiß, sondern in Form von Amyden vorhanden ist. Welchen Werth dieselben bei der Fütterung besitzen, ist nun noch nicht genau festgestellt, es scheint aber, daß ihr Werth von den Eiweißstoffen nicht wesentlich verschieden ist, wenn sie gleichzeitig mit solchen verabreicht werden, so daß wir in diesem Werke das bisherige Verfahren der Reduktion des Stickstoffs auf Eiweiß beibehalten. Ist einmal durch Fütterungsversuche genau festgestellt, welche Rolle die Amydverbindungen bei der Fütterung spielen, wird man sich auch bei den Angaben des Gehaltes eines Futtermittels danach zu richten haben; bevor dies aber nicht bekannt lst, ist es nicht angezeigt, nach den neuen Angaben zu Verfahren. Nichtsdestoweniger haben wir in dem vorliegenden Werke den Gehalt von Amyden, wo Untersuchungen vorliegen, beigefügt. Am Schluß der Zahlen über den Futterwerth haben wir jeweilen das Nährstoffverhältniß angegeben. Man versteht darunter das Verhältniß der verdaulichen stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien «toffen; bei den letzteren wird der Gewichtstheil Fett zu 2,44 gerechnet und zu den übrigen addirt. Z. B. beträgt das Nährstoffverhältniß beim Heu des englischen Raygrases (35,3 -j- [0,8 X 2,44] : 5,1) = 1: 7,3. Nach Wolfs bedürfen unsere landwirthschaftlichen Nutzthiere auf 1000 '{/, Lebendgewicht pro Tag folgende Nährstoffmengen: r~ ■ - - - Art der Thiere Organische Substanz im Ganzen Verdauliche Stoffe Nährstoff- Verhältniß Eiweiß Kohlehydrate Fett Im Ganzen 1 . Ochsen in voller Stallruhe .... 2 . Wollschafe, stärkere Rassen .... „ feinere Rassen .... 3. Ochsen bei mittlerer Arbeit .... bei starker Arbeit .... 4- Pferde bei mäßiger Arbeit .... bei mittlerer Arbeit .... , " bei starker Arbeit. 5 - Milchkühe 6 - Maftochsen, l. Periode ..... 2 - Periode. _ „ T1 3. Periode | 7 - Mastschafe, l. Periode 2 - Periode Psd. 17'- 20 ,o 22 ,z 24,0 26,o 21 ,« 22,5 25, 5 24, o 27, 0 26, 0 25,o 26,o 25, 0 Psd. 0,7 1,2 1,5 1'6 2.4 1 '5 1'8 2, 8 2.5 2.5 3,0 2,7 3,0 3.5 P!d. 8 ,o 10.3 H,4 H,3 13.2 9,5 11.2 13.4 12.5 15,0 14,8 14,8 15,2 14,4 Psd. 0,15 0,20 0,25 0,30 0,50 0 ,iO 0,60 0,80 0,40 0,50 0,70 0,60 0,50 0,60 Psd. 8,85 11.70 13,15 13,20 16.10 11.40 13,60 17,oo 15.40 18,00 18,50 18.10 18.70 18,50 1 : 12 ,o 1 : 9,o 1 : 8 ,o 1 : 7 , 5 1 : 6,0 1 : 7,o 1 : 7,o 1 : 5,5 1 : 5,5 1 : 6,3 1 : 5 , 5 1 : 6,0 1 : 5,5 1 : 4,3 18 Wie aus vorstehender Tabelle hervorgehst ist das Nährstoffbedürfniß und Nährstoffverhältniß ein bestimmtes, vorgeschriebenes. Es fei noch erwähnt, daß überall da, wo wir in den Einzelbeschreibungen einfach von Heu sprechen und keine andern Angaben gemacht sind, solches mit 14 Prozent Wassergehalt verstanden ist. Verunreinigungen und Verfälschungen des Samens. Unter Verfälschung versteht man, wenn einer Waare vorsätzlich fremde Bestandtheile in der Absicht beigemengt werden, einen unrechtmäßigen Gewinn zu erzielen, während Verunreinigungen zufällig in die Waare gelangte fremde Bestandtheile sind. So z. B. sind die Kleeseide und die Pimpernelle Verunreinigungen, keine Verfälschungen, weil dieselben dem Samen nicht absichtlich beigemengt werden; enthält dagegen eine Waare gefärbte Steine, so liegt eine Verfälschung vor. Beurtheilung des Samens. Die Qualität eines Samens wird im Allgemeinen beurtheilt nach der Reinheit, der Keimfähigkeit, der Großkörnigkeit und dem Volumgewicht. Je größer die Reinheit, Keimfähigkeit und das Volumgewicht sind, und je grobkörniger der Same ist, um so werthvoller ist derselbe. Unter Reinheit versteht man den Prozentsatz der in einer Waare enthaltenen reinen Samen; unter Keimfähigkeit den Prozentsatz, in welchem dieselben keimen. Eine Waare mit 90°/« Reinheit und 80 % Keimfähigkeit enthält 90 °/o reine Samen, von welchen 80 % keimen. Wenn von den 90 % reinen Samen nur 1 % keimen würde, so enthielte die betreffende Waare 90:100 = 0,9 % reine und keimfähige Samen, da nun aber 80 % keimen, so beträgt der Gehalt der reinen und keimfähigen Samen (90:100 X 80 =) 72 %. In dieser Zahl, welche man auch als Gebrauchswerth bezeichnet, ist die Reinheit und Keimfähigkeit in einem einzigen Begriff vereinigt. Schlechtweg bezeichnen wir eine Waare mit 72 % Gebrauchswerth als 72-prozentig. So fprechen wir von 10-, 20-, 30- bis 100- prozentiger Waare. Eine 100-prozentige Waare ist frei von fremden Bestandtheilen (100 °/o Reinheit) und von den reinen Samen keimen alle (100 % Keimfähigkeit). Unter den Futtcrfämereien kommen 100-prozentige Waaren nicht vor, denn selbst die vorzüglichsten Qualitäten enthalten immer noch fremde Bestandtheile, wie Erde, Bruch rc., und von den reinen Samen keimen nie alle. Die Anforderungen, die man an eine gute Waare bezüglich Reinheit und Keimfähigkeit stellen muß, sind bei jeder behandelten Futterpflanze angegeben, so z. B. verlangt man von einer guten Prima von englischem Raygras durchschnittlich 95 % Reinheit und 75 % Keimfähigkeit. — 1 Kilo einer ein-prozentigen Waare bezeichnen wir als ein Kiloprozent; in diesem Begriff gelangt die Qualität und die Quantität in einer einzigen Zahl zum Ausdruck. 4 Kilo eiuer 2-prozentigen Waare sind 8 Kiloprozente, 4 Kilo einer 72-prozentigen 288 Kiloprozente. Ein Sack 80-prozentige Esparsette von 50 Kilo Gewicht enthält (50 X 80) = 4000 Kiloprozente. ' Aus dem Prozentischen Gehalt an reinen und keimfähigen Samen läßt sich die Preiswürdigkeit einer Waare berechnen. Wenn der Preis von einem Kilogramm einer 90-prozentigen Waare Fr. 2. 10 beträgt, so kostet 1 Kiloprozent 210:90 = Rp. 2,33 (100 Kiloprozente Fr. 2. 33). Beträgt der Prozentgehalt der reinen und keimfähigen Samen nur 70°/«, bei gleichem Preise, so kostet ein Kiloprozent 3 Rp. (100 Kiloprozente Fr. 3). — Die 100 Kiloprozente kosten also gegenüber der ersteren Rp. 67 mehr. Je grobkörniger eine Waare ist, um so werthvoller ist dieselbe. Von einer grobkörnigen Waare gehen weniger Körner auf das Kilogramm. Die in den Einzelbeschreibungeu angegebenen Durchschnittszahlen sind aus einer großen Anzahl Untersuchungen berechnet. Ist die Körnerzahl eines Samens größer, so ist derselbe feinkörniger, also geringwerthiger, ist sie kleiner, so ist er grobkörniger. Ebenso wird das Volumgewicht als Werthmaaßstab benutzt. Je größer das Gewicht eines Hektoliters ist, um so besser ist im Allgemeinen die Waare. Saatquantmn. Das angegebene Saatquantum ist aus . den Angaben zahlreicher landw. Autoren berechnet. Neben dem Saatquantum in Gewicht ist überall dasjenige in Kiloprozenten beigefügt, bei deren Berechnung eine gute Durchschnittswaare zu Grunde gelegt ist. So z. B. beträgt das Saatquantum beim englischen Raygras per Hektar 62 Kilo einer 71 -prozentigen Waare (Reinheit 95 %, Keimfähigkeit 75 7 0 ; 95:100 x 75 = 71,3 °/ 0 ) oder 4402 Kiloprozente (62X71). Will man mehrere Samen in Mischung aussäen, so wird von jeder Samensorte der Prozentsatz festgestellt, in welchen sie in der Mischung vertreten sein soll und danach das Gewicht berechnest Angenommen man wolle eine Mischung machen von 50 % englischem Raygras und 50% Weißklee, so sind hierzu 31 Kilo oder 2201 Kiloprozente englisches Raygras und 6 Kilo oder 432 Kiloprozente Weißklee nothwendig. Die angegebenen Prozentzahlen beziehen sich also auf die Reinfaat. — An ein gutes Futterfeld stellen wir die Anforderung, daß es einen möglichst großen 17 nachhaltigen Ertrag werthvoller thierischer Nahrungsstoffe hervorbringe. Bei Aussaat einer einzelnen Pflanzen- spezies ist dies selten der Fall, einerseits weil die betreffende Pflanze allein keinen geschlossenen Rasen bildet, oder wenn dies geschieht, dann nur eine geringe oberirdische Entwicklung erreicht, wie das bei den meisten aus- laufertreibenden Pflanzen der Fall ist. Den größten Futterertrag erzielt man im Allgemeinen, wenn entsprechende Gräser und Kleearten im richtigen Verhältniß gemischt angebaut werden, wobei die unter „Wuchs" angegebenen Bestockungsverhältnisse zu berücksichtigen sind; anderseits ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß die niedrigen, mittelhohen und hohen, die tiefwurzelnden und flachwurzelnden Pflanzen in möglichst richtigem Verhältniß vertreten sind. Ferner wird man auf die Dauer, die Schnelligkeit der Entwicklung, vor Allem aber auch den Gesammtcharakter der betreffenden Pflanze Rücksicht zu nehmen haben. Der Raum ist zu eng, um hier die wettern Grundsätze, die bei der Zusammenstellung und Berechnung der Mischungen maßgebend sind, zu entwickeln, wir verweisen deßhalb auf unsere Schrift über die Grassamen-Mischungen *), too dieselben ausführlich besprochen und eine Anzahl Beispiele angegeben sind. Wenn man weiß, wie viel Prozent von der betreffenden Pflanze in die Mischung kommen sollen, so ist es mit Hülfe der im Anhang gegebenen Tabellen leicht die Mengen des Samens auszurechnen, welche in die Mischung genommen werden Ulüssen. Auf einer bestimmten Ouadratfläche hat nun aber in einem Gemisch eine größere Anzahl Pflanzen Platz, als bei der Reinsaat, um so mehr, aus einer um so größeren Anzahl Pflanzen die Mischung zusammengesetzt ist und um so verschiedenartiger dieselben sind. Aus diesem Grunde ist in den betreffenden Tabellen das Saatquantum mit je 10 Prozent Zuschlag bis auf 80 Prozent angegeben. Will man danach eme Mischung zusammenstellen, so hat man in erster Linie die Pflanzen auszuwählen, welche für den betreffenden Fall am Platze sind; sodann hat man den Prozentsatz festzustellen, in welchem man wünscht, daß die einzelnen Pflanzen in der zukünftigen Wiese vertreten sein sollen; ferner muß festgestellt werden, welcher Zuschlag bei dem Saatquantum angewendet werden soll. Das Weitere ergibt sich von selbst. Zur Erklärung diene folgendes Beispiel einer einfachen Kleegrasmischung für zwei- bis dreijährige Nutzungsdauer : Zamenart Die Mischung soll Zuschlag Demnach kommen in die Mischung: bestehen aus: per Juchart per Hektar j 1. Rothklee % 40 % 10 KUoprozent 310 Kilo - 3 — Gramm ; 523 KUoprozent 774 Kilo — 8 7- Gramm ' 7 795 2. Bastardklee 30 10 112 i: 647 337 4 ‘ ? 956 3- Italienisches Rahgras . 10 10 133 i ? 985 369 5 . I, 507 7 804 1 4. Französisches Rayqras . 10 10 147 3 : - 196 405 8 5. Timothe 10 10 96 1 l 103 287 3 ; ; 299 j Zusammen 100 11 - L. 454 ■» 31- r 2 —' 36 1 i > ; In das Kleegras kommen 40 % Rothklee. Das absolute Saatquantum beträgt per Juchart bei ro 7« Zuschlag 774 Kiloprozente (Bergt. Tabelle I), also kommen in die Mischung (774: 100 X 40) = 310 Klloprozente. Besitzt die zur Verfügung stehende Waare 88 "/« reine und keimfähige Samen, so sind von derselben hierzu (310:88) = 3 Kilo 523 Gramm oder rund 7 Pfund nothwendig. f .. Vorfrucht, Vorbereitung, Saatzeit, Saat, Neberfrucht, Unterbringung. Die besten Vor- lock 6 a ^ e ^vttergräser und Kleearten sind diejenigen, welche das Feld in gutem Düngungszustand, Dll ,rtÖ9li( ^ unkrautfrei hinterlassen, was bei gut gedüngten Hackfrüchten am meisten der Fall ist. well als die Kleearten erfordern einen fein gekrümelten, gartenmäßig vorbereiteten Boden, Gru^d ® amcn M tief in den Boden kommen und ein großer Prozentsatz der Keimpflänzchen später n e ^bht. Die Unterbringung darf eine nur mäßige sein, well namentlich die feinen Grassamen eine 9 ^’,5' 10 ^ö St m ebler - Die Grassamen-Mischungen zur Erzielung deß größten Futterertrages von bester Oualitüt. ^ uugage. «rn 1883. Verlag von K. I. Wyß. 3 18 starke Bedeckung nicht ertragen. Auf schwerem, frischem Boden genügt ein Anwalzen, während auf leichterem, trockenem Boden der Same mit einer leichten Egge untergebracht werden kann. Die günstigste Saatzeit ist in der Regel im Frühjahr, im April bis Mitte Mai; oft wird auch im Herbst gesäet, jedoch mit weniger gutem Erfolg. Die Saat kann entweder von Hand, oder mit der Kleesäemaschine geschehen. Mit der lehtern können auch sämmtliche Grassamen gesäet werden, mit Ausnahme des französischen Rahgrases. Die Gräser und Kleearten werden in der Regel in eine Ueberfrucht gesäet und zwar gewöhnlich im Frühjahr in Wintergetreide, auch in Sommergetreide oder in eine Getreideart zum Grünschneiden (Grünhafer, Grünroggen). Bezüglich aller dieser Punkte verweise ich jedoch auf die soeben erwähnte Schrift über Grassamen-Mischungen, wo diese Kulturmaßregeln ausführlich besprochen sind. Erklärung der Buchstaben der Tafeln. Tafeln von Gräsern. Tafeln von Ichnu AeA. — Aehrchenaxe. N. = Narbe. Ob. — Chalaza (Knospengrund). AeSp. — Aehrenspindel. o. Kl. — obere Klappe. Co. = Cotyledonen (KeimBh. — Blatthäutchen. o. 8p. — obere Spelze. blätter). Bsch. = Blattscheide. Sch. — Schüppchen. f. = Fortsatz des Flügels. Bspr. = Blattspreite. Stb. — Staubbeutel. Fa. = Fahne. Fr. = Frucht. Stf. — Staubsaden. Fl. — Flügel. Frkn. — Fruchtknoten. Stg. — Staubgefäß. Fr. = Frucht. Gr. — Granne. Stp. — Stempel. Frkn. = Fruchtknoten. H. — Hilus (Samennabelj. u. Kl. = untere Klappe. f. Stf. = freier Staubfaden. K. — Keimling. u. 8p. — untere Spelze. Gr. = Griffel. H. — Hilus (Samennabel). K. = i M. = Micropyle (Gcintuttb). N. = Narbe. s. = Stiel des Flügels. Sch. — Schiffchen. Stb. = Staubbeutel. Stf. — Staubfaden. Stf.R. — Staubfaden-Röhre. Stip. — Stipula (Nebenblatt). y. Kz. = vorderer Kelchzahn. W. — Wllrzelchen. Bei der Abfassung der botanischen Beschreibungen wurden außer den im allgemeinen Theil genannten vorzugsweise folgende Werke benutzt: Ascherson, Flora der Provinz Brandenburg. Berlin 1864. Döll, Flora des Großherzogthums Baden. Karlsruhe 1857—1862. Nyman, Conspectus Florse Europsese. Oerebro 1878—1882. 19 Spezieller Theil. 1. Jas englische Kaygras. Lolium perenne, Linn6. Der Name „Raygras" ist das verdeutschte englische Wort «ll^egrass»; (k^e — Roggen). Der Benennung, richtige Name wäre eigentlich „ausdauernder Lolch" oder einfach „Dauerlolch" (per — durch, annus — Jahr). Es heißt auch „Graslolch", „Wiesenlolch" oder „Winterlolch" zum Unterschied des „Getreide- oder Acker- oder Sommerlolchs" (Taumellolch, Lolium temulentum, L.). Lolchrahgras, Wintertrespe, süßer Lolch, Mausgerste, Dinkelspelzen, Schlapkorn, Lithe, Lothe, Tausch, Dorth, Tort, Taubenkorn re. sind ebenfalls, zum Theil irrthümlich angewandte, Namen. Das englische Raygras ist wohl von allen Gräsern am längsten in Kultur, da es schon vor mehr Geschichte, als 200 Jahren in England gebaut wurde. Nach Werner*) erwähnt schon im Jahr 1677 Dr. Plot, daß feit einiger Zeit gramen loliaceum (wie damals dieses Gras genannt wurde) angebaut werde und als erster Cultivateur wird ein gewisser Eustache in der Grafschaft Oxford genannt. Auch Worlidge erwähnt 1681 dessen Kultur und sagt, daß es den Vorzug vor allen andern Gräsern verdiene; unter diesen „andern Gräsern" versteht er Esparsette, Luzerne, Rothklee, Wicken und Schotenklee. Von England kam der Same nach dem Kontinent, weßhalb es hier den Namen „englisches Raygras" erhielt und auch behalten hat.^ Bürger**) erwähnt, daß das englische Raygras im Anfang dieses Jahrhunderts in Oberitalien kultivirt wurde und daß es den Hauptbestand der lombardischen Wässerwiesen bilde, welche Bemerkung bis auf die neueste Zeit in viele landwirthschaftliche Werke, selbst von hervorragenden Autoren, übergegangen ist. Früher wurde aber vielfach das italienische Raygras als eine Varietät des englischen aufge- Di karger versteht unter dem oberitalienischen „englischen Raygras" jene Art, welche wir heule nipsrfi ^ at >Q Tsl§ bezeichnen. Dieser veränderten Auffassung ist also von denjenigen Autoren, cye ^ie urger sche Bemerkung Herübernahmen, nicht Rechnung getragen worden. » bet Schatz kam das englische Rahgras erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zum Anbau. Zm^ahre 1761 empfiehlt Albr. Stapfer, Diakon in Oberdießbach, Kt. Bern das englische Rahgras zur Ansaat auf kaltem, nassem, gegen Norden abhängigem Boden und gibt Regeln für die Kultur und Samengewinnung an***). Allgemeiner znr Anwendung kam dieses Gras auf dem Kontinent aber erst Ende des vorigen und anfangs dieses Jahrhunderts. Bald ist das englische Raygras über Gebühr gelobt, bald wieder verachtet worden; dennoch ist Landwirth- es eines unserer werthvollsten Wiesengräser; es wird zwar nicht besonders hoch, sondern ist mehr ein blntergras. Znr Weide auf schwerem Boden ist dasselbe unersetzlich und die Marschbewohner setzen es den Gemengen für Fettweideanlagen in großer Menge bei. Zur Anlage von Fettweiden in den Marschen wird sogar von erfahrenen Landwirthen vielfach nur englisches Raygras und etwas Weißklee gesäet. **! aöcrnct - Handbuch des Futterbaues auf dem Ackerlaude. Berlin 1875. **« sum. " ® ur ß er - Die Landwirthschaft in Oberitalien. Neue Ausgabe. Wien 1851. ' Handlungen und Beobachtungen durch die ökonomische Gesellschaft in Bern gesammelt. 1762. Viertes Stück. 20 Seine Lebensdauer ist je nach Boden und Klima sehr verschieden; während es aus trockenem Boden und in trockenem Klima zwei Jahre nicht überdauert, hält es auf schwerem gutem Boden in feuchtem Klima sieben und mehr Jahre an. Botanische Botanische Beschreibung. Das englische Rahgras bildet einen ebenen, ausgebreiteten, aber Beschreibung, dichten Horst; die Seitentriebe sind zwar intravaginal, aber einzelne Zwischenknoten derselben verlängern sich oft zu aufsteigenden oder beinahe horizontalen dünnen Ausläufern, so daß der Gesammthorst sich aus zahlreichen durch diese verlängerten Wurzelstockglieder mit einander verbundenen Theilhorsten zusammensetzt (Fig. A). Die untersten Blattscheiden sind am Grunde roth gefärbt und bleiben lange erhalten, ohne sich in Fasern aufzulösen. Der Halm ist glatt und 30—60 em. lang. Die Blätter sind dunkelgrün, in der Knospenlage einfach der Mittelrippe nach gefaltet (Fig. 9). unterseits glatt, oberseits tief und gleichmäßig gerillt (Fig. 10) und am Rande mehr oder weniger rauh; das Blatthäutchen ist ganz kurz (Fig. 11). Der Blüthenstand ist eine mit einem Gipfelährchen versehene Aehre; die seitlichen Aehrchen sitzen in den Ausschnitten der bei der Reise ganz bleibenden Aehren-Spindel und zwar so, daß eine durch die Mitte sämmtlicher Blüthen gelegte Ebene auch durch die Aehrenspindel geht (Fig. 1 und 8). Das einzelne Aehrchen ist meist 8—10blüthig; die Klappen sind nur bei dem Gipfelährchen beide vorhanden; bei den seitlichen Aehrchen ist bloß die der Aehrchenspindel abgewendete obere Klappe ausgebildet, die untere fehlt. Diese chllein vorhandene obere Klappe (Fig. 1 und 8, o. Kl.) ist 5—Ouervig und meist länger als die ihr anlegende Deckspelze (u. 8p. Fig. 1), meist Halb so lang als das ganze Aehrchen. Die Deckspelzen (u. 8p. Fig. 1—5.8) sind 5-nervig, lanzettlich, stets grannenlos, stumpf, seltener spitz. Die Borspelzen (o. Sp. Fig. 1, 2, 5, 8) sind zweinervig, auf den Nerven steif gewimpert. Die Schüppchen (8eb., Fig. 8) sind breiteiförmig, nach oben spitz zulaufend, der Fruchtknoten kahl, die Narben pinselförmig, bei der Blüthe zur Seite heraustretend (s. d. ganz entsprechende Figur 3 bei bolium itulieum, Taf. 2). Zur Blüthezeit öffnen sich meist zwei Blüthen zugleich; die Staubgefäße und Narben treten zur Seite, zwischen unterer und oberer Spelze heraus; durch das Gewicht der schweren Staubbeutel werden die zarten Staubfäden bald unter scharfem Winkel gebogen und die Beutel hängen nach abwärts, befinden sich also tief unter den Narben; da sie sich außerdem zuerst an ihrer organischen (beim Hängen nach abwärts gerichteten) Spitze öffnen und ihren Pollen aus derselben austreten lassen, können sie unmöglich die Narben der eigenen Blüthe befruchten, ihr Blüthenstaub wird vielmehr tiefer liegenden Blüthen anderer Aehrchen zu Gute kommen: es findet Kreuzbefruchtung statt.*) Die Frucht ist von den Spelzen eingeschlossen; bei der Reife zerfällt die Aehrchenaxe und mit jeder spelzenumschlossenen Frucht (Scheinfrucht) bleibt das über ihr stehende Axenstück verbunden, vor der Borspelze als kurzes, etwas siachgedrücktes Stielcheu mit glatt abgeschnittenem Ende sichtbar (Fig. 5, Ae A). Die Scheinfrucht ist ca. 7 rom lang und l. 5 mra breit. Die von den Spelzen befreite gelbbraune Caryopse (Fig. 6, 7) ist um ein Drittel kürzer als die Deckspelze, auf dem Rücken, wo sie an der Basis den Keimling führt, konvex, auf der Bauchseite konkav, unten spitz, oben abgerundet. Abarten. Abarten. Es werden von den Botanikern mehrere Varietäten und in England von den Land- wirthen viele Kulturformen unterschieden, die jedoch nicht wesentlich von einander abweichen. Im Samenhandel unterscheidet man in der Regel zwei Varietäten, nämlich: „gewöhnliches englisches Rahgras" und „Pacey's englisches Rahgras" (auch als Lolium perenne tenue im Handel), wovon das Letztere theurer ist. Auf dem Felde konnten wir aber keinen Unterschied konstatiren, sondern derselbe bestand nach unserer Beobachtung einzig in der Qualität des Samens. Der schwere, gute Samen wird in der Regel als Pacey's Rahgras verkauft, während der geringere, leichtere als gewöhnliches Raygras passirt, so daß man also beim ersteren nicht die Varietät theurer bezahlt, sondern einzig die bessere Qualität des Samens. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Wild kommt das englische Rahgras in Europa Verbreitung. vor ; in ganz Süd- und Centraleuropa, Skandinavien bis in's südliche Lappland, England, Irland und ganz Osteuropa; in Afrika: Algier, Madeira; in Asien: im Kaukasus und in Georgien; in Amerika auf den Malouinen (Fälklands-Jnseln). In Nordamerika ist es nicht einheimisch, sondern aus England eingeführt. Standorte. Es wächst bei uns überall wild an Wegen, Ackerländern, auf Triften und Wiesen, besonders an Orten wo viel gegangen wird, auf Spielplätzen, in offenen Hofräumen rc. Höhengrenzen. In den bayerischen Alpen geht es bis zu 750 M. Höhe, in England bis zu 350 na.; im Kanton Glarus nach Heer bis circa 1500 m. i ! ) ©obren, a. a O. 21 I» taStm Sagen leidet e« in strengen Wintern nutato, ohn- j°d°ch 8 “ jJ**j Wenn der Boden dindig oder etwas fest ist, schadet ihm anch Tto e,i 'ei eemg, ^ , u hervorgeht, daß bei R-nansato, don Mischnnzen in trockenen Jahren wohl d,e andern I >J Grande gihen das englische Rahgras ader vermöge seiner dichten Bern nng reDarr gn nW- An, Besten sägt ihm das feuchte Teeklima Englands and der Nordseelanber z», namentlrch damit ein guter, schwerer Boden verbunden ist. , t Am testen behage» ihm die frischen tiS senchten, hnmnSreichen Sehn,- und Thon • ” sie hinreichend frisch und diingerk,ästig sind, kann es jedoch anch a» lehmtgen Sand- und n Lehmboden getan! werden, sowie aus frischen Merge,- und Kalkboden Ans -m. "^sse.tem, nicht zn lockerem HnmnSboden gedeiht es ebenfalls gut, wahrend eS aas Ha, e-, > hitzige» Boden nicht fortkommt. Ueierhanstt verlangt es eine gewrsse Fnsche, F-st-sk-U«'?J> heil des Bodens; selbst anf dem schwerste» Thontode» kann eS gebani werden, wenn derselbe 1000 .Pfund Heu entnehmen dem Boden nach Wolss's*) älterer Zusammenstellung: Stickstoff 18. 9 U Kalk 10.3 u Phosphorsäure 10. 0 U Magnesia 2.4 U Kali . 39 . 3 u Schwefelsäure . 6. 0 m Natron 1.3 tt Kieselsäure 29 .- % Das englische Nahgras ist namentlich für die Gülledüngung sehr dankbar; neben dem italienischen Nahgras lohnt es dieselbe wohl am besten. Bodenerschöpfung. Düngung. Wollny erzielte per Hektar: 20 Ztr. Heu ungedungt _ u mit 75 Hektoliter Gülle gedüngt - • ob ,, » Selbstverständlich wird durch die Düngung auch dre Qualrtat des Futters - Nach Pinkert^) hat sich bei Versuchen von Stevenson in England auf Thone > ta^ Anwendung des Chilisalpeters bewährt. Bei Anwendung von 1 U Zentner pio - Erntequantum nahezu verdoppelt und noch günstigere Resultate wurden bei " amm i Bewässerung. Mit Erfolg kann es auch bewässert werden und liefert dann, wenn das Wasser geho g Abzug hat, sehr gute Erträge. Stauende Nässe erträgt es aber durchaus nicht. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das englische Rahgras bestockt sich J ' bildet einen dichten, geschlossenen Nasen und läßt das Unkraut nicht aufkommen. . « • erträgt es das häufige Abrupfen und Abweiden. Auch schadet ihm daS Festtreten m ein ' im Gegentheil, die Bestockung wird dadurch noch gesteigert. Zu Weide liefert u g den höchsten Ertrag, während es als Mähefutter nur als Untergras am Platze ist. ~ „ o^bre nach der Saat. Entwicklung. Nach Versuchen von Karmrvdt liefert es seinen größten Ertrag Derselbe % ^ ^men .» « „ zweiten „ 3 » " " ^ „ dritten „3 „ " " „ vierten „ 4 . 166 " Der erste Schnitt ist stets am ergiebigsten. **) fsried^A Elschenanalysen von landwirthschastlichen Produkten. Berlin 1871. ug. Pinkert. Die einträglichsten Fuitergräser und Futtergewürzkräuter. Berlin 1861. 22 Ernte. Ertrag. Weide. Futterwerth. Sainen- gewinnung. Die Ernte hat früh, vor der Blüthe zu erfolgen, weil die Halme sonst hart werden und deßhalb an Werth verlieren. Zum ersten Mal blüht es bei uns anfangs bis Mitte Juni, doch treibt es auch zum zweiten und dritten Male reichlich Halme, welche bis in den September zur Blüthe gelangen. Der Ertrag ist je nach Witterung, Boden, Düngungszustand und Stand der Kultur außerordentlich verschieden. Pinkert erzielte auf fruchtbarem sandigem Lehmboden einen Ertrag von 40 Ztr. per Hektar, Kielmann brachte den Heuertrag nicht auf 36 Ztr. Sinclair erntete auf reichem Lehmboden pro Hektar pro Juchart in Zentner gritn dürr grün dürr Am 16. April 91 — 33 — Zur Blüthezeit 175 76 63 27 Nachmahd .... 76 — 27 — Vianne erzielte in zwei Schnitten auf mildem, reichem Thonboden 133 Ztr. Heu per Hektar. Karmrodt im Durchschnitt von 4 Jahren 166 Ztr. Werner berechnet den Durchschnittsertrag auf 88 Ztr. Heu per Hektar. 100 Pfund Gras geben 25 bis 42.z Pfund Heu, im Durchschnitt 33.g Pfund. Als Mähefutter steht es also im Ertrag andern Gräsern wesentlich nach, während sich das Verhältniß bei Weide wesentlich günstiger gestalten würde. Mit dem Beginn der Weide darf man im Frühjahr nicht zu lange warten, denn sobald das Gras in die Halme schießt, wird es vom Weidevieh nicht mehr so gerne genommen, dasselbe läßt vielmehr die Halme stehen und sie bleiben dann den ganzen Sommer im verwelkten Zustande auf der Weide, wodurch der Werth derselben verringert wird. 100 Pfund Heu enthalten nach Wolff 79..,®/° organische Substanz. Darin sind: Eiweiß .... • 10., % davon sind verdaulich 5., 7« Rohfaser .... - 30.,} 35.g „ Stickstofffreie Extraktstoffe . . 36., j " " " " Fett. 2-, „ „ „ „ 0-8 n Nährstoffverhältniß • 1:7. 3 Demnach steht das englische Rahgras bezüglich Futterwerth einem Wiesenheu von mittlerer Qualität etwas nach. Um das Heu den Thieren schmackhafter zu machen, was besonders bei etwas überreifem Futter nothwendig ist, ist es angezeigt, dasselbe zu Häcksel zu schneiden und gemischt mit anderem Rauhfutter und mit Kraftfuttermittelu zu verabreichen. Samengewinnnng, Verunreinigungen und Verfälschungen. Das englische Rahgras setzt viel Samen au und die Gewinnung derselben ist mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden. Gewöhnlich wird der Same vom zweiten Schnitt gewonnen, weil dann weniger Futterwerth verloren geht. Da die Samen sehr leicht abfallen, so muß man den richtigen Zeitpunkt der Ernte sorgfältig wahrnehmen, da sonst durch Abfall große Verluste entstehen. Man darf infolge dessen mit dem Schneiden nicht zuwarten, bis die Früchte braun und hart werden, sondern man schneide, wenn die in den Spelzen eingeschlossenen Körner anfangen in lederartigen Zustand überzugehen. Dieser Zustand tritt ungefähr vier Wochen nach der Blüthe ein. Die Halme sind dann noch ganz grün, nur die untern Blätter fangen an abzusterben und die Fruchtspelzen nehmen eine grünlichgelbe Färbung an. Ist dieses Stadium eingetreten, so schneidet man die Samenpflanzen mit der Gestellsense in Schwaden, läßt diese ein bis zwei Tage liegen und wendet dann im Thau. Man kann die Pflanzen auch sofort in kleine lose Bunde binden und diese gegen einander zum Dörren und Nachreifen in Zeilen oder Puppen aufstellen. Im ersteren Falle, werden die Samenpflanzen drei bis vier Tage, im letz- 2.3 hm, rtw» W» 9 «r auf bem Fetbe ze,äffen uub baun auf oiurn mit f®“*" nach Haus- g.fahoeu L sofort, mtwebee «, Haub ob« «it b-o Ma ch.« . tg

m u,i>r o er ^ ProMfatz ber Same., am Hm bleibt »ub so «erloreu *#. Ist der *» -s sich, b-uf-lb-u gleich auf bim Felde auf einem Tuch abzuklopfen. « 011 sofort »ach dem Dreschen mit Windfeg. und Sieb gereinigt und biiun ausgebreitet, «e.l er stch Haufen erwärmen würde, wodurch die Keimfähigkeit wesentlich abnimmt. ,,, ~ slm encrtva« Sprengel gibt au, daß mau mehr d» l> S»,««®«m.u auf kräftigem, sandigem Lehmboden 16 Zentner und An ere „«minatem Land aber 16 Zentner In Hohenheim erhielt man auf geringerem Boden ^ -Zentner auf gut g 9 ’ Samenheu an.' Werner gibt die Durchschnittserträge pro Hektar auf 6-8 Zentner Samen und 47 63 Ztr. ^ame P Der im Handel vorkommende Same stammt meist aus Schottland und England, wo das Gras Sän,enhandel. ln iftvßer Ausdehnung kultivirt wird. Derselbe wird dort von Händlern in Glasgow, London rc. aufgekauft, nochmals gereinigt und in verschiedene Qualitäten geschieden. Besonders das wollige Honiggras (Holcus lanatus, L.), die weiche Trespe (Bromus mollis, L.), unb der Trespenschwingel (Festuca bromoi'des, L.) werden herausgeputzt und dann für sich in den Handel gebracht, letzterer meist unter der unrichtigen Etiquette „Quecke" (Triticum repens). Der Rahgrassamen selber wird nach seiner Schwere, Reinheit und Keimsähigkeit in verschiedene Qualitäten geschieden und zum Verkauf gebracht. Zur Erklärung möge eine Zusammenstellung von Untersuchungen eines uns zugestellten Samensortiments von englischem Rahgras, wie sie sich bei dieser Sortirung ergaben, dienen. Ein Haus in Glasgow offerirte folgende vier Qualitäten englisches Raygras: I. Qualität II. Qualität lll. Qualität IV. Qualität Dieselben enthielten reine Samen .... Von den reinen Samen keimten: .... Die Waare enthält also reine und keimfähige Samen Der Preis betrug per 100 Kilo . . - Fr. 1 Kilo reine u. keimfähige Samen kostet demnach Fr. v Demnach ist die billigste 96.» % 91-, °f /0 82. 0 % 32.j , % 73 „ 53 co 10 „ 70.; „ cd „ 28. j „ 3-3 „ 51. 80 47. 50 30. — 18. 50 —. 73 — . 98 1. 07 5. 61 Waare (IV.) gegenüber der Figur 18. Weiche Trespe. Bromua mollis, L. a. Scheinsrucht, natürl. — ne UU|U,Vll Ult 1W ««W VtV Waare nahezu dreimal weniger kosten. Da die besten Qualitäten in der Regel auch das größte Volumgewicht besitzen, so wird dieses Gewicht in England als Werthmaßstab angenommen. Z. B. unterscheidet man 30- psündige, 28-pfündige und 24-pfündige Waare und versteht darunter das Bushelgewicht (36,Zz Liter) in englischen Pfunden (453,b Gramm). Wie erwähnt sind die weiche Trespe (Figur 13), das wollige Honiggras (Figur 14) und der Trespenschwingel häufige Begleiter des englischen Rahgrases; ferner treffen wir als Verunreinigung sehr häufig den Spitzwegerich (Plantago Figur 14. Wolliges Honiggras. Holcus lanatus, L. a. Scheinfrucht (Aehrchen sftvÄf. ' V! v'Y * lwvwvl - -.O- o " ' i*. äußeZAnsichn ianceolata, L.), den scharfen und den kriechenden Hahnenfuß ry°pst"vkrgLit'oÄ (Ranunculus acris, L. u. repens, L.), den kleinen Ampfer »m °hm Klappen w° Nobbe). (Burnex TLcelosella, L.) und ähnliches Unkrautgesäme. Veninreini- gunqen. 24 Verfälschungen. Samenqualität. Saatquantum. Mischungen. Teppichrafen. Verfälschungen ist der Same des englischen Rahgrases wegen seiner Billigkeit selten ausgesetzt, höchstens wird etwa die aus demselben herausgeputzte weiche Trespe als Lolium perenne verkauft, ein Betrug, dessen Erkennung aber keine Schwierigkeiten verursacht. Häufig hingegen kommt der Fall vor, daß das englische Raygras zur Beimischung zu andern, theurern Grassamen benutzt wird, namentlich als Zusatz zu Wiesenschwingel (vergleiche diesen). Same und Saat. Nach unsern, mehr als 250 Untersuchungen hat der Same des englischen Rahgrases durchschnittlich 94, % Reinheit und 70 % Keimfähigkeit. Von einer guten Handelswaare darf man aber eine Reinheit von 95 % und eine Keimfähigkeit von 75 % verlangen. 1 Kilo reiner Samen enthält durchschnittlich 741,000 Körner; ganz grobe, schwere Samen enthalten im Kilo oft nur 400,000 Körner, während umgekehrt im Handel Waaren vorkommen, bei welchen über 1 Million Körner auf das Kilogramm gehen. 1000 Körner wiegen durchschnittlich 1.», Gramm. Bei der Saat sind natürlich die groben Samen stets vorzuziehen. Ebenso schwankend, wie das absolute Gewicht, ist, wie oben bereits erwähnt, das relative, d. h. das Hektoliter- oder Bushelgewicht. Ganz schwere Waare wiegt bis 40 Kilo per Hektol., während geringe kaum die Hälfte dieses Gewichtes erreicht. Das Saatquantum per Hektar beträgt 62 Kilo einer 71 prozeutigen Waare — 4402 Kiloprozente; Per Juchart 22 Kilo oder 1562 Kiloprozeute. Ein Kilo gute Waare kostet 80—120 Rp., so daß also die Auslage für das Saatgut durchschnittlich Fr. 62 per Hektar oder Fr. 22 per Juchart beträgt. Zu landwirthschaftlichen Zwecken wird das englische Rahgras nie rein ausgesäet, hingegen wird es, wie erwähnt, in den Marschen bis zu 80 °V» in Mischung mit Weißklee zur Anlage von Fettweiden benutzt. Zu Mähefutter nimmt man in die Mischungen bedeutend niedrigere Prozentsätze und zwar hauptsächlich für schwere Böden. Bei Kleegras nimmt man bis 20 %, bei Wechselwiesen aber nie über 10 Prozent und bei Dauerwiesen selten mehr als 5 °/ 0 * Wegen seiner schnellen Be- stockung sollte es aber auf den besseren Böden in keiner Mischung fehlen. Namentlich in England wird es häufig verwendet zur Anlage der berühmten Teppichrasen. Man säe zu diesem Behufe noch einmal so dicht, als oben angegeben wurde und verwende nur schwere, reine Samen. Sind die Samen mit wolligem Honiggras und weicher Trespe verunreinigt, wie das namentlich bei den geringeren Qualitäten der Fall ist, so entstehen die bekannten wolligen Rasenpolster, die die Anlage verunstalten. Um stets einen schönen Rasen zu haben, ist häufiges Schneiden unerläßlich und sollte der Boden alle zwei bis drei Jahre umgespatet und neu angesäet werden. Erklärung der Tafel. (Figur A in natürlicher Größe, Figur 1—7 6mal, 9 und 10 etwa 20mal, Figur 11 etwa 3mal vergrößert). Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. I „ 1. Blühendes Aehrchen mit einem Stück der ! Aehrenspindel (Ae.-8p.) „ 2. Einzelne spelzenumschlossene Blüthe von innen (von der innern Spelze aus). „ 3. Einzelne spelzenumschlossene Blüthe von außen (von der äußern Spelze aus). „ 4. Spelzenumschlossene Frucht (Scheinfrucht) von der äußern Spelze aus. „ ö. Spelzenumschlossene Frucht (Scheinfrucht) von der innern Spelze aus mit dem Stück der Aehrchenaxe (Ae.-A.). Figur 6. Carhopse von der Furchenseite (Bauchseite). „ 7. Carhopse von der Rückenseite (mit dem Keimling an der Basis). „ 8. Grundriß eines Aehrchens (Ae.-8p. die Aehrenspindel). „ 9. Querschnitt durch ein Blatt in der Knospenlage (gefaltet) (nach Lund). „ 10. Querschnitt durch ein offenes Blatt (nach Lund). Taf. 1 A uSp. ; i ^ & I-. Schröter ad. Litii. Genossenschaft Zürich. Lolium perenne, L. Englisches Raygras. — Ray-grass anglais. nat. dei. mmi 25 2. Das italienische Mygras. Lolium italicum, Alex. Braun (L. multiflorum, Lmk). Am ältesten ist die Kultur dieses Grases Wohl in der Lombardei; von hier aus verbreitete sie sich Bmmnung nach dem übrigen Europa, weßhalb ihm Braun 1834 genannten Namen gab, der die übrigen nach und und nach verdrängte. Früher wurde es nur als eine Varietät des englischen Raygrases aufgefaßt und Lolium perenne arietatum genannt. Bürger bezeichnete in seinem Werke über die oberitalische Landwirthschast 1830 und 1851 das dort auf den Wässerwiesen sehr verbreitete italienische Raygras als englisches (siehe dieses), was zu vielfachen Irrthümern und Widersprüchen Veranlassung gab. Schwerz erwähnt 1837 in seinem praktischen Ackerbau nur das englische Raygras. Ebenso ist es in England dem berühmten Georg Sinclair 1826 noch nicht bekannt.^Hingegen wurde es im Anfang dieses Jahrhunderts von Feilender g in Hofwhl gebaut, welcher den Samen aus Italien bezog. 1818 wurde es von Andre Thouin in Frankreich kultivirt, doch fand es erst durch Matthieu de Dombasle größere Verbreitung, welcher den Samen 1828 von Fellenberg erhielt. Nach Schottland importirte es in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts Lawson, von wo es bald nach England kam. Namentlich hat sich William Dickin fön in Willisden um die Einführung und Verbreitung wesentliche Verdienste erworben, .welcher das Gras seit den dreißiger Jahren anbaute und durch Ueberdüngung mit Gülle fabelhafte Erträge erzielte. Nach diesen günstigen Erfahrungen fand es in England und Schottland rasch große Verbreitung, und gegenwärtig ist die Kultur dort viel bedeutender, als selbst in der Lombardei. Das italienische Raygras ist als Mähefutter ein vorzügliches Gras, da es von allen Gräsern Landwirth- am schnellsten nachwächst und bei intensiver Kultur die höchsten Erträge abwirft. Zwar ist seine ^erch^ Lebensdauer eine nur geringe; in Schottland wird es vielfach nur ein Jahr genutzt, in der Regel aber zwei Jahre. Botanische Beschreibung. Das italienische Raygras bildet einen dichten büscheligen, wenig Botanische ausgebreiteten Rasen; es hängt dieß damit zusammen, daß allerdings, wie beim englischen Raygras, ein- Beschreibung, zelne Stücke des Wurzelstocks sich verlängern, dieselben aber kürzer, steifer und ncehr aufsteigend sind als bei ersterem (Fig. A) *). Die Seitentriebe sind iutravaginal, die untern Scheiden zwischen den Nerven roth gefärbt; die aufsteigenden circa 40—90 em. langen Halme sind oberwärts rauh. Die Blätter sind in der Knospe eingerollt (siehe Fig. 10), hellgrün (heller als beim englischen Rahgras) und namentlich unterseits glänzend, was man besonders bei großen, vom Winde bewegten Beständen deutlich sieht. Die Spreite ist meist etwas breiter und weicher als beim englischen Raygras und wie jene oberseits etwas rauh und tief gerillt. Das Blatthäutchen ist ganz analog dem des englischen Raygrases (Fig. 11). Die ehre ist aus sehr zahlreichen (bis 28) Aehrchen zusammengesetzt und dem entsprechend meist länger als ber ^ o ium perenne (oft über 30 em. lang). Die Anordnung und die für die Gattung Lolium so charakteristische Richtung der Aehrchen ist dieselbe wie bei Lolium perenne (siehe dieses); ebenso die Ausbildung der Klappen (bei ganz üppigen Exemplaren findet sich zuweilen die sonst fehlende, der Aehrenspindel zugekehrte untere Klappe als gespaltenes Rudiment, wie auch bei Lolium temulentum, L., dem Taumellolch). Das einzelne Aehrchen (Fig. 1 und 2) ist meist 9-20blüthig, selten nur 3-5blüthig; die (einzig vorhandene) obere Klappe (o. Kl. Fig. 1 und 2) kürzer oder kaum länger als die ihr anliegende Deckspelze, 7nervig, meist weniger als Halb so lang als das ganze Aehrchen. Die Deckspelzen (u. 8p., Fig- L 2, 4—7) sind sünfrippig, unterhalb der zweilappigen Spitze meist mit einer langen Granne versehen. Die Länge der letztern ist ziemlich variabel; häufig sind die untersten Deckspelzen eines Aehrchens ganz grannenlos (über die Varietät mutieum siehe unten). Die Vorspelzen (o. 8p., Fig. 1, 2, 3, 5, 7) sind auch hier an den 2 Kielen steif gewimpert. Schüppchen, Staubgefäße und Stempel sinv ganz analog wie bei Lolium perenne gestaltet (Fig. Z). Bei der Reife wird die Aehrenaxe sehr zerbrechlich (Unterschied von Lolium perenne); die einzelnen Aehrchen zerfallen in ganz derselben Weise wie beim englischen Rahgras; die reife Frucht *) In' wärmeren Gegenden erschöpft sich Lolium italicum früher als bei uns und ist dann meist einjährig (Döll). Hieher gehört Lolium Bouchiianum, Kunth und wahrscheinlich auch die von Gremii (Exkursions-Flora der Schweiz, 4. Aufl.) als multitiorum. Lam. angeführte Pflanze des Waadtiandes, sowie das Lolium multiflorum Gaudins in Plora helv., 1, p. 354. 4 26 bleibt von den Spelzen umhüllt (Fig. 6 und 7); die Länge der Scheinfrucht mit Granne beträgt circa 13""". Die Caryopse ist länger als bei Lolium perenne (nur V 4 kleiner als die Deckspelze), sonst gleich gebaut. Abarten. Abarten. Neben der gewöhnlichen begrannten Form kommt sporadisch eine Varietät ohne Grannen (muticum, DC.) vor. Vorn englischen Raygras ist dieselbe sofort durch die gerollte Knospenlage der Blätter zu unterscheiden. Landwirthschaftlich sind Hauptart und Varietät gleichwerthig. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das italienische Raygras ist nur einheimisch in Spanien, Verbreitung. Frankreich, Belgien, Deutschland, Schweiz, Italien, Dalmatien, Croatien, Türkei und Griechenland; in Nordamerika fehlt es. Namentlich häufig ist es auf den lombardischen Wässerwiesen. Gegenwärtig ist es über den ganzen europäischen Kontinent, Großbritannien, Dänemark und das südliche Skandinavien durch die Kultur verbreitet. Standorte. Wir treffen dasselbe verwildert besonders häufig an mit Düngstoffen durchtränkten Graben- und Wegrändern. Höhengrenzen. Im Oberengadin wurde es bei 1710 in. (Bevers) kultivirt, in Flims bei 1100 m. Klinia. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Obschon das italienische Raygras von südlicher Abkunft ist, so wäre es ein Irrthum, zu glauben, es halte den Winter in Mittel- und Nordeuropa nicht aus, denn wie die Erfahrung hinlänglich bewiesen hat, übersteht es die Kälte bei uns in der Regel ganz vortrefflich, nur auf lockerem Boden ist es über Winter dem Aufziehen etwas ausgesetzt, welchem Uebelstand man aber durch Ueberwalzen, eventuell auch durch Ueberdecken im Herbst mit langem Stallmist vorbeugen kann. Wie bei allen Gräsern, so leistet auch bei diesem das Walzen im Frühjahr gute Dienste und sollte nie unterlassen werden. Am besten gedeiht es zwar auf entsprechendem Boden im Weinbauklima, namentlich wenn es bewässert werden kann; jedoch hat man gerade in Schottland und anderwärts, wo der Wein nicht mehr kultivirt wird, die vorzüglichsten Resultate erzielt. Wenn der Boden tiefgründig ist, so widersteht es der Dürre sehr gut. Besonders gut gedeiht das italienische Raygras auf warmen, frischen Böden, namentlich humusreichen Mergelböden, guten Kalk- und Lehmböden, sowie auf frischen lehmigen Sandböden. Zum guten Gedeihen verlangt es aber kräftigen Boden; dann entwickelt es sich zu großer Ueppigkeit und liefert gute Erträge. Aber auch auf einem durch Humus oder Kalk gemilderten Thvnboden gedeiht es vorzüglich, wenn der Untergrund durchlassend ist, während es auf schwerem Thonboden weniger sicher und geringer im Ertrag ist. Ebenso wenig gedeiht es aus armem Sandboden, sowie auf allen stark trockenen Böden. Nach Sprengel*) kann es auch auf Haideboden gebaut werden, wenn dieser stark gemergelt und einmal gut mit Stallmist gedüngt wird. 1000 Kilo Heu von italienischem Raygras entnehmen dem Boden: 20.« % Kalk 6.« % 3-8 % Magnesia l- 3 % 7-5 % Schwefelsäure . 1-T % 3, % Kieselsäure 35- j % rodt entnimmt das italienische Raygras dem Stickstoff Phosphorsäure Kali . Natron Nach Versuchen von K a Mineralbestandtheile als das englische, dagegen mehr Stickstoff. Kein zweites Gras ist für die Düngung so dankbar, wie das italienische Raygras. Namentlich gut lohnt es die fiüssige Düngung mit Gülle. Der genannte Mr. Dickinson brachte den Ertrag in einzelnen Jahren auf drainirtem Klaiboden mit thonigem Untergrund auf 8 bis 9 Schnitte, was einem Erntequantum von 5100 Ztr. Gras oder 1000 Ztr. Heu per Hektar (960 Ztr. per Juchart) entspricht, während die erzielten Durchschnittserträge in 7 Schnitten 3500 Ztr. Gras oder 700 Ztr. *) Dr. Karl Sprengel. Meine Erfahrungen im Gebiete der allgemeinen und speziellen Pflanzenkultur. Zweiter Band. Leipzig 1850. 27 Hm Per Hektar (252 per Juchart) betrugen. Den Futterwerth ste e 1 ß r frh .^ ac „Msm gleich. Aehnliche, wenn auch etwas geringere und weniger an's Wunder are grenzen e .. bei dem System der flüssigen Düngung andere schottische Landwirthe. Hartstern )«i 1859 erschienenen Schrift ') ausführlich dieses in Schottland immer mehr sich verbreitende un epochemachende System und ermähnt die deutschen Landwirthe dringend, dasselbe ebenfa s m n m u g M bringen. „ , ., , Der Harn wird durch, hinter den «chständ.» angebrachte Kan-le in ri«' wo er die Gährung durchmacht und nachher Mlt dem zwei- bls drerfachen Q m 11 'W wird. In der Regel sind zwei Sammelbehälter vorhanden wovon gohrene Düngermasse enthält, während der andere mit der frischen gesu rr . eine unterirdische, 2-2V, Fuß tief liegende, eiserne Rohrleitung ab, h,eg‘ ^ ^^ hier in zahlreiche Arme theilt, so daß dasselbe mit entern regelmäßigen R°hrmn tz durchzogen^, ^^ welchem aus senkrecht Hydranten an die Oberfläche führen, an welche zur Dertheilung J „fStitäfen wich. D» ffflW Dnng wich -niwed-r Win« ,°d» Dr„« (bei mlölliä,« G-M-> in diese «h--»l--»»s g-irt-d-n und Vertheilt. Obschon solche Anlagen sehr kostspielig waren, erzielte man doch gute ^st-lta^ H Schnitt wurdedas Feld Per Hektar mit je 600-750 Hektoliter der m oben anfiegebenex xttetm Gülle gedüngt- oft wurde der Boden zuerst mit etwas Guano bestreut, welcher dann mit der g waschen wurdet wodurch bei Anwendung von 27 Ztr. jährlich im Großen Durchschuß sertrag 0 Z . Heu per Hektar (210 Ztr. per Juchart) erzielt wurden. Ohne Anwendung von Guano betrugen die^Du ) ÄniieX U Hettar 400 Ztr. Heu (144 Ztr. Per Juchart). Bei d« ist die Anwendung eines andern Düngers, wie z. B. Chilisalpeter, aufgeschlos ..^lenbera in schwefelsaures Ammoniak, einzeln oder gemischt, dem Guano vorzuzielM. m Hoswhl erzielte ohne das unterirdische Röhrmsystem. nur durch bloßes Verfahren mit Gulle nach „ich. zn lanzentrirt fein; du besten «Ea.e ««' *•*#■*«- Düngen mit stark verdünnter Gülle. In warmen Lagen und auf leichtern Böden ist das italienische Raygras auch sehr dan' ar Dow°„erung. gegen die Berieselung, wie die lombardischen Wässerwiesen beweisen, wo /,» des Bestan ^ demselben bestehen. Eine solche, das ganze Jahr bewässerte sog. Maicita wird fünf is e ) . ' ja sogar acht Mal geschnitten. Gerade in der Umgebung von Mailand läßt sich diese ewa ° methode sehr gut studiren. Der Boden ist aber auch vorzüglich hierzu geeignet, da der)e ^ ) lassend und warm ist (humusreicher-, lehmiger Sandboden), und die Wirkung wird dur) as warme Klima noch gesteigert. , , Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das italienische Raygras treibt zahlreiche seitli )e, > wenig sich ausbreitende Triebe und bildet deßhalb einen büscheligen Horst, was erfordert, atz man das Feld hin und wieder bewalze, wodurch die Büschel dem übrigen Rasen eben gedrü 't wer en. Kein Gr°S ist s° schMwachsend w.d .»ick.» sich °°» »er ^ italienische Rahgras; Fnltoil erwähnt, nach Werner, das, er IN England I, „5™ ’!'"' 9 , Tag 4.. Centimeter gewachsen sei rmd nicht selten erreicht °d aas Rieselwies.t. dret Wochen ach « Schnitt wieder eine Höh. °°» 4° bis 50 fatimet,, Ditinson konnt. >° nach K f' Wttterung in je z big >1 Woche» einen reiche» Schnitt erzielen. Wnd -s »n »gus gesae, der tlächstjährige Ertrag am größten nnd bei der Saat im Frühjahr lr.strt .- n.tktnter schon ,m ersten Jahr den größten Ertrag. ) vr. Eduard Hartstein. Die flüssige Düngung und das italienische Raygras. Bonn 1859. 28 Ernte. Ertrag. Futterwerth. Samen- gewinnung. Karmrodt erzielte per Hektar: Im ersten Jahr 184 Ztr. Heu „ zweiten „ 184 „ „ dritten „ 160 „ „ vierten „ 164 „ „ In der Regel wird im dritten Jahr der Bestand dünn, und empfiehlt es sich deßhalb, am Schluß des zweiten Nutzungsjahres unlzubrechen. Es treibt früh im Frühjahr und bis spät in den Herbst; in der Lombardei und in England wird es schon im März geschnitten und im Spätjahr oft noch im Dezember. Bei uns blüht es zum ersten Mal Ende Mai und Anfang Juni und, wenn es gemäht wird, durch Nachtriebe bis in den Herbst. Der erste Schnitt ist in der Regel der ergiebigste, während die übrigen ihm etwas, zwar nicht wesentlich, nachstehen. Man halte darauf, stets vor der Blüthe zu schneiden, weil sonst die Halme hart werden und die Schmackhaftigkeit und der Nährwerth des Futters darunter leiden. Die Erträge sind außerordentlich verschieden. Lord Essex erzielte 460 Ztr. Heu per Hektar (144 Ztr. per Juchart), Marquis von Ailsa400— 500 Ztr. (144—180 per Juch.), I. Finnie 165 Ztr. (59 Ztr. per Juch.), Ralston 768 Ztr. (276 Ztr. per Juch.), A. B. Telfer 700-900 Ztr. (252-324 Ztr. per Juch.), Rob. Neilson 520-640 Ztr. (187—230 Ztr. per Juch.), Dickinson, wie oben erwähnt, durchschnittlich 700 Ztr. per Hektar (per Juchart 252 Ztr.). Das sind Erträge, wie man sie in Schottland bei dem beschriebenen Düngungssystem erreichte. Auf dem Kontinent waren die Erträge im Allgemeinen niedriger. Pinkert und Rathusius erzielten 60 Ztr. Heu per Hektar (22 Ztr. per Juch.), Karmrodt 128 Ztr. (46 Ztr. per Juch.), Pastor T hieme 218 Ztr. (77 Ztr. per Juch.), Wirthschaftsdirektor Stecher 302 Ztr. (per Juch. 109 Ztr.). In Frankreich erlangte man nach V i a n n e in verschiedenen Versuchen 650 Ztr. Heu per Hektar (234 Ztr. per Juch.). Hohe Erträge erreicht man nur bei guter Düngung, namentlich bei Gülledüngung, während dieselben in armem Boden gering sind. Die Qualität des Futters ist, wie aus folgender Zusammenstellung hervorgeht, besser als jene vom englischen Raygras. 100 u Heu enthalten nach Emil Wolfs 77. 0 °/ 0 organische Substanz, darin sind enthalten: Eiweiß (Stickstoff X 6.xz) . - 11-, °/<>; davon verdaulich 7.,% Rohfaser .... Stickstofffreie Extraktivstoffe Rohfett .... Nährstoffverhältniß. 22.9 % 1 o/ 40.0 % 1 " " 41,5 /o 3-2 % n n 1-4 % 1 : 6. 3 % Samengewinnnng, Verunreinigungen und Verfälschungen. Wie das englische Nay- gras, setzt auch dieses reichlich Samen an, welche verhältnißmäßig leicht zu gewinnen sind, so daß die Gewinnung lohnend ist. Wie bei jenem, so wird der Same auch beim italienischen Raygras bei uns in der Regel vom zweiten Schnitt gewonnen, in Schottland jedoch auch schon vom ersten und in warmen Sommern kann man von demselben Felde zwei Samenernten erzielen. Wird aber der Same vom ersten Schnitt gewonnen und treten zur Zeit der Blüthe oder kurz vorher noch Spätfröste ein, so fällt die Keimfähigkeit desselben in der Regel niedrig aus, weßhalb in solchen Jahren der zweite Schnitt stets bessere Samen liefert. Bezüglich Reifezeit, Ernte und Drusch gelten die gleichen Regeln, wie sie beim englischen Raygras angegeben wurden. Nur. muß bemerkt werden, daß der Same noch leichter abfällt, als jener des englischen Raygrases, weil die Spindel brüchiger ist; bei unvorsichtiger Samengewinnung kann infolge dessen die Hälfte der Samen verloren gehen. Zur Samengewinnung ist es nicht nöthig, daß das italienische Raygras allein gesäet wird, denn ohne Schwierigkeiten läßt sich dasselbe mit Vortheil auch aus einer Mischung mit Rothklee gewinnen. 29 Pinkert erzielte bei der Kultur in Reihen 16-20 Ztr. Samen per Hektar und als Nebennutzung im dritten Jahre 14 Ztr. (5 Ztr. per Juchart). Nach Sprengel ist der Samenertrag em 8 Rahgrases gleich; Werner gibt den durchschnittlichen Samenertrag auf 6 3 /s 8 n o tr ' V er 'V 320 U per Juch.) au. Als Verunreinigungen kommen die nämlichen Unkrautsamen vor, wie sie beim englischen Rah- gras angegeben wurden, als: scharfer und kriechender Hahnenfuß (Ranunculus acris, L. u. repens, ■), Spitzwegerich (Plantago lanceolata, L.), kleiner Ampfer (Rumex Acetosella, L.), TrespeuschwiNgel (Festuca bromoides), weiche Trespe (Bromus mollis, L.), Fadenklee (Trifolium Abforme) rc. Verfälschungen kommen infolge des mäßigen Preises selten vor, einzig verdient bemei zu werden, daß unter der Etiquette „schottisches Rahgras' hin und wieder Mischungen von englischem und italienischem Nahgras in den Handel gebracht werden; als solche werden aufgefaßt, wenn die Hälfte der Samen unbegrannt, die andere aber begrannt ist. . Same und Saat. Der im Handel vorkommende Same besitzt eine durchschnittliche Reinhei von 92.5, ®/o (Mittel von 233 Untersuchungen) und eine Keimfähigkeit von 59 °/° (Mittel von 241 Untersuchungen). Von einer guten Handelswaare darf man aber im Allgemeinen eine Reinheit von 95 % und eine Keimfähigkeit von 70 % verlangen. Bei der Aufbewahrung nimmt die Keimfähigkeit ziemlich rasch ab. Ein Kilo rein auSgelesener Samen enthält nach unsern 213 Ermittlungen 627,000 Samenkörner. 1000 Körner wiegen demnach i«° Gramm. Das durchschnittliche Hektolitergewicht einer guten Waare beträgt 20 Kilo; es kommen im Handel jedoch auch Qualitäten vor, welche kaum die Hälfte wiegen und deßhalb größtentheils aus tauben Früchten (samenleeren Spelzen) bestehen. In Ermangelung anderer Beurtheilungsmittel dient deßhalb in England auch berm italienischen Rahgras das Bufhelgewicht als Werthmaßstab, z. B. liegt mir gerade folgende Offerte vor: Neues italienisches Rahgras 14 ’ü 16 W 18 ti 20 M per Bushel Preis per % Kilo in Fr. 51 54 58 62 % Brutto für Netto, Bord Antwerpen, 30 Tag Tratte. Der bei uns im Handel vorkommende Same des italienischen Rahgrases stammt meist aus Schottland, weniger aus Italien; die letztere Provenienz ist in der Regel viel unreiner und auch sonst in der Qualität geringer, wintert auch leichter aus, als die schottische. Das Saatquantum beträgt bei Reinsaat per Hektar 55 Kilo einer 67prozentigen Waare oder 3685 Kilvprozente, per Juchart 20 Kilo oder 1340 Kiloprozente. Der Handelspreis für Prima- waare schwankt zwischen 80—420 Rp., so daß sich die Auslage für die Saat Per Hektar im Durchschnitt auf 55 Fr. (per Juchart 20 Fr.) beläuft. Wie früher erwähnt, wird das italienische Rahgras für zweijährige Nutzung häusig rein ausgesäet und liefert dann bei intensiver Kultur sehr hohe Erträge. In England setzt man demselben per Hektar wohl auch etwa 10 & Rothklee zu (Grasklee). Es ist auch als Ueberfruch für Mischungen empfohlen worden, so verstanden, daß man der Mischung per HeEar u er as 3 eto0 ” liche Quantum noch 12-20 Kilo italienisches Rahgras zusetzt. Vor diesem Verfahren kann ;e och nicht genug gewarnt werden, denn das italienische Rahgras entwickelt sich, m dwstr Menge einer Mischung zugesetzt, im ersten und zweiten Jahre so massig, daß es die übrigen Gräser 'uclst aufkommen läßt. Ist dasselbe dann im dritten Jahr nicht mehr da, so sind auch die übrigen Gräser verschwunden und man ist genöthigt, die Anlage umzupflügen. Gerade wegen seiner intensiven Beschattung und der daraus resultirenden Unterdrückung der mit demselben wachsenden Pflanzen wird es zur Bekämpfung des Ackerschachtelhalmes (Equisetum arvense, L.) und ähnlicher, schwer zu ver- Samen- ertrag. Verunreinigungen. Verfälschungen. Samenqualität. Saatquantum. Saat. 30 Mischungen. Saatzeit. tilgender Wurzelunkräuter verwendet. Ein Herr von Morignon besäete 1863 auf den Rath Vilmorin's ein ganz mit Schachtelhalm bewachsenes Landstück mit italienischem Raygras; schon im Jahr 1854 hatte sich derselbe beträchtlich vermindert, 1855 war er ganz verschwunden (Pinkert). Aus dem gleichen Grunde darf man das italienische Raygras in Mischungen für Wechsel- und Dauerwiesen nicht stärker als zu 5 °/g vertreten sein lassen; vor Mischungen, in welchen es über 10 °/ 0 vertreten ist, ist zu warnen. Auf leichterem, warmem Boden wird das italienische Raygras im August mit Erfolg im Gemenge mit Inkarnatklee ausgesäet. Im nächsten Mai liefert dasselbe dann einen sehr reichen Schnitt. Hierauf wird das Feld sofort gestürzt, da der Inkarnatklee, wenn er zur Zeit der Blüthe geschnitten wird, nicht mehr nachsproßt. Häufiger wird es in Mischung mit andern Kleearten als Kleegras verwendet. Wo Rvthktee allein nicht mehr sicher gedeiht, da kommt eine Mischung von Rothklee und italienischem Raygras ganz gut fort. Auf kräftigem Mittelboden nimmt man zum Klee etwa 10 % italienisches Raygras; je ärmer und geringer aber der Boden wird, ein um so größerer Prozentsatz wird genommen, selten wird man aber mehr als 50 °/ 0 der Reinsaat zusetzen. Das italienische Raygras hat im Gemenge mit Klee den Nachtheil, daß es schneller wächst und deßhalb schon hart ist, wenn der Klee erst zu wachsen beginnt. Aus diesem Grunde hat man in neuerer Zeit angefangen, etwas weniger italienisches Raygras, dafür aber andere Gräser, wie Timothe, französisches Raygras, Knaulgras rc. zuzusetzen, was bald zu zusammengesetzten Mischungen führte, die für mehrjährige Nutzung der einfachen Kleegrassaat auch vorzuziehen sind. Wegen seines schnellen Wachsthums wird das italienische Raygras häufig verwendet zur Nachsaat für lückenhafte Klee-, Luzerne- und Esparsettefelder. Der Boden wird Hiebei zuerst aufgeeggt, dann wird der Same gesäet und das Feld hernach gewalzt. Nöthigenfalls kann man den Samen vor dem Walzen auch noch eineggen. Bei Reinsaat säet man oft im Monat August und anfangs September; wo das Gras gut durch den Winter kommt und keine Ueberfrucht gesäet wird, ist diese Zeit auch die geeignetste. Will man aber unter Getreide als Ueberfrucht säen, so ist die Frühjahrssaat vorzuziehen. Unter Sommergetreide wird die Einsaat gleichzeitig mit der Bestellung, unter Wintergetreide im April, frühestens Ende März vorgenommen. Es ist auch versucht worden, den Samen gleichzeitig mit dem Wintergetreide im Herbst in dasselbe zu säen; man machte aber die Erfahrung, daß das italienische Raygras in diesem Falle den Weizen überwuchs und ihn im Ertrage bedeutend schädigte. Erklärung der Tafel. (Figur A in natürlicher Größe, 1—9 6mal, 10 etwa 20mal, 11 etwa 3m al vergrößert.) Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ 1. Blühendes Aehrchen mit einem Stück der Aehreuspindel (Ae. 8p.). „ 2. Noch geschlossenes Aehrchen. „ 3. Blüthe mit der Vorspelze, von der Deck- spelze aus gesehen, nach Entferung der letzteren. „ 4. Noch geschlossenes Spelzenpaar von der Deckspelze aus. „ 5. Dasselbe von der Vorspelze aus. j Figur 6. Spelzenumschlossene Frucht (Scheinfrucht) ! von der Deckspelze aus. „ 7. Dieselbe von der Vorspelze aus, mit dem Stück der Aehrchen-Axe (As. A.). 8. Reife Caryvpse von der Rückenseite. „ 9. „ n » ii Furchenseite. „ 10. Querschnitt durch ein Blatt in der Knos- penlage (nach Lund). „ 11 . Blätthäutchen. Lolium italicum, Ä1. Br. Italienisches Raygras — Ray-grass Italien. 31 3. Das gemeine Knaulgras. Dactylis glomerata, Linne. Wegen der knänelförmig zusammengedrängten Aehrchen heißt es auch Knäuelgras, Dickkopf, Zottel- Benennung, schmale, Knopfhalm, Klotzhalm und Schlegelhalm. Weil es von wetterlaunigen Hunden und Katzen häufig gefressen wird, um im Schlund hängen gebliebene Haare durch nachheriges Erbrechen der rauhen Blätter zu entfernen, wird es auch Hundsgras oder Katzengras genannt. Im Kanton Bern wird es auch als Alpenfromental bezeichnet, zum Unterschied des französischen Raygrases, das schlechtweg Fromental heißt. Jedenfalls ist diese Bezeichnung eine sehr willkürliche, gibt zu Verwechslungen Anlaß und sollte deßhalb vermieden werden. Weil es ein gutes Pferdesutter ist, hat man es auch Roßgras, Roßhalm oder Roßschmale genannt; wegen seines häufigen Vorkommens in Hofstätten heißt es auch Hofstattgras. In der Schweiz wurde das Knaulgras zuerst von Fellenberg in größerem Maßstabe angebaut. Geschichte. Eine eidgenössische Kommission berichtet im Jahre 1808*): „Zehen Jucharten sind mit auf dem Hof gesammelten gemeinen Hundsgras oder Knaulgras (Dactylis glomerata) besäet". Erst in den fünfziger Jahren fing man an, den Samen aus der Dauphine zu importiren. In England wurde es zu Anfang dieses Jahrhunderts von Coke in Norfolk in ausgedehntem Maße angebaut. Schwerz **) hält es für das vorzüglichste Mähegras, das es geben kann. Es ist ein schnell- Landwirth- Wachsendes, ziemlich frühreifes Obergras mit langen, dicken und saftigen Blättern und hohen markigen Halmen. Namentlich im zweiten Schnitt entwickeln sich die Blätter besonders auf tiefgründigem, reichem Boden zu gewaltiger Ueppigkeit und erreichen oft eine Länge von zwei und mehr Fuß. Wohl infolge dieser reichen Blattentwicklung erträgt es die Beschattung sehr gut und ist deßhalb für Hofstätten und Baumgärten vorzüglich geeignet. Zu Weide paßt dasselbe weniger gut, einerseits infolge seines gedrängten Horstes, anderseits weil die Stöcke vom weidenden Vieh leicht ausgerissen werden. Botanische Beschreibung. Das Knaulgras bildet dichte, etwas über den Boden erhabene Horste Botanische aus kräftigen, stachgedrückten, meist schief auseinandertretenden Trieben. Die Seitentriebe sind intravaginal, Beschreibung, ausläuferartig, verlängerte Wurzelstockglieder fehlen durchaus. Die braun gefärbten, sehr derben grundständigen Blattscheiden bleiben lange erhalten, so daß die Seitentriebe fächerartig in dieselben eingeschachtelt erscheinen (Fig. A). Die kräftigen glatten Halme werden 45 — 90 em. hoch. Die Blätter sind in der Knospenlage gefaltet, wodurch die jungen Triebe zusammengedrückt zweischneidig erscheinen (siehe Fig. 11). Die Scheiden sind geschlossen (was man am besten am Querschnitt durch die obern Theile junger Triebe sieht ssiehe Fig. 11], diejenigen der Halmblätter sind meist durch das Hindurchtreten des Halmes zerrissen) und rückwärts rauh, die Blattspreiten lang, schmal und ebenfalls rauh; sie zeigen auch nach ihrer Entfaltung noch einen Kiel; die Oberseite ist sehr schwach gerillt (siehe Fig. 12), das Blatthäutchen ist länglich (Fig. 10). Der Blüthenstand ist eine einseitswendige Rispe, aus dichtgedrängten Knäueln zahlreicher Aehrchen bestehend, die am Ende der dicken, steifen und rauhen Rispenäste entspringen und durch das Kurzbleiben der letzten Verzweigungen derselben entstehen (daher „Knaulgras"), Fig. A. Das einzelne Aehrchen ist 3—4blüthig, von der Seite zusammengedrückt und an der Spitze nach der Seite übergebogen (Fig. 5). Die Klappen sind kurz stachelspitzig; die untere 1—Znervig (u. Kl. Fig. 1, 9) am Kiele kahl, die obere 3—5 nervige (o. Kl., Fig. 1, 9) dort steif gewimpert. Die 5nervigen Deckspelzen (u. 8p. Fig. 1, 2, 4, 5, 9) sind kurz begrannt, am Kiel gewimpert und auf der Fläche öfters feinhaarig; ebenso zeigen die am Rücken etwas einwärts gewölbten Vorspelzen (o. Sp. Fig. 1—3, 6, 9) feine Wimpern an ihren 2 Kielen. Die Blüthe besteht aus zwei kurzen breit-eiförmigen Schüppchen (Sch., Fig. 3 und 9), 3 Staub- gefässen (8tg., Fig. 3 und 9) und einem verlängerten kahlen Fruchtknoten (Frkn., Fig. 3) mit 2 feder- förinigeu Narben. Die Vorgänge bei der Blüthe sind dieselben wie beim englischen Rahgras. Bei der Reife lösen sich die bespelzten Früchte aus den Klappen und trennen sich von einander (häufig aber bleiben sie zu zwei miteinander vereinigt, siehe Fig. 4). Die ohne Granne circa 5-6"“°, mit Granne circa 8—9°“° langen Scheinfrüchte sind von den Seiten her stark zusammengedrückt, an der Spitze nach der *) Bericht an S. Excell. den Herrn Landammann und an die hohe Tagsatzung der XIX verbündeten Stände der Schweiz über die landwirthschaftlichen Anstalten des Herrn Emmanuel Fellenberg zu Hofwyl. Zürich 1808. Seite 72. **) I. 91. v. Schwerz. Anleitung zum praktischen Ackerbau, I. Band. Stuttgart und Tübingen 1837. » 32 Seite übergebogen (siehe Fig. 5 und 6) und tragen vor der etwas rinnigen Vorfpelze ein ziemlich kräftiges, oben flach abgeplattetes Stielchen (Stück der Aehrchenaxe, Ae. A v Fig. 6). Die Carhopse selbst (Fig. 7, 8) ist verlängert eiförmig, auf der Bauchseite etwas vertieft (Fig. 7); der Keimling sehr klein. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Knaulgras ist einheimisch: in ganz Europa Verbreitung, mit Ausnahme von Lappland und dem arktischen Rußland; in Afrika auf den Canaren, Madeira und Algier; in Asien im Kaukasus, in Sibirien (Ural und Altai) und der Wüste Sinai; in Nordamerika ist es eingeführt. Höhengrenzen. In den Alpen geht es bis gegen 2000 m. (Decandolle, Heer), in Spanien bis 3000 m. (Boissier)- Klima Boden. Bodenerschöpfung. Gegen Trockenheit ist das Knaulgras nicht sehr empfindlich, sobald der Boden einigermaßen tiefgründig ist, da es ein ziemlich tiefgehendes, dichtes filziges Wurzelsystem besitzt. Nach Sprengel dringt es zwei Fuß tief in ven Boden. Wird es dagegen während großer Trockenheit beweidet, so kann das Knaulgras großen Schaden nehmen. Gegen die Winterkälte ist es nicht empfindlich, dagegen setzen ihm die Spätfröste oft arg zu. Das Knaulgras gedeiht fast auf allen Bodenarten, mit Ausnahme von ganz armen Sand- und Haideböden. Am üppigsten entwickelt es sich in tiefgründigen, düngerkräftigen frischen Lehm- und Thonböden, sowie auf Lehm- oder Thonmergel- und guten Humusböden. Auf den besseren Sandböden, sowie auf nicht allzuhitzigen Kalkböden kann es, wenn dieselben frisch sind, ebenfalls gebaut werden, immerhirr ist aber der Ertrag wesentlich geringer. Im Allgemeinen gedeiht es eher auf feuchten und schweren Böden, als auf trockenen und leichten. Es kann mit Vortheil selbst auf schwerem, naßkaltem Thonboden angebaut werden. 1000 U Heu entnehmen betn Boden nach Wolfs: Stickstoff . 18. g U Magnesia 1.. Phosphorsäure . 3.7 U Kalk . 3.j U Kali .... 16. g U Schwefelsäure !■» u Natron 2-2 U Kieselsäure . 16. g U Düngung. Das Knaulgras liebt einen düngerkräftigen Boden und macht die Düngung, wenn es im Gemenge mit geeigneten andern Gräsern gesäet wird, auch reichlich bezahlt. Mit Vortheil kann es auch zur Anlage von Wässerwiesen benutzt werden und erreicht hier oft eine Höhe von einem Meter und mehr. Wuchs. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das Knaulgras bestockt sich sehr stark, doch ist der Wuchs wenig ausgebreitet, sondern es erzeugt dichte niedrige Rasenbüschel. Aus diesem Grunde Entwicklung, bildet es, allein gesäet, keinen zusammenhängenden Nasen. Im ersten Jahr nach der Saat entwickelt es sich nur mäßig und treibt nur wenige Halme, sondern mehr nur Blätter. Erst im zweiten Jahr gelangt es zu seinem vollen Ertrag. Im Frühjahr treibt es sehr früh und Ende Mai Ernte, bis Anfang Juni gelangt es zur Blüthe. Man schneide es aber womöglich schon vor der Blüthe, weil das Futter soirst hart und deßhalb vom Vieh weniger gerne aufgenommen wird. Da das Knaulgras in der Schweiz einen Hauptbestandtheil der besten Wiesen bildet, so richtet man sich in Bezug auf die Heuernte an vielen Orten nach diesem und es heißt: „wenn's Knaulgras blüht, so muß geheuet werden". Auf kräftigem Boden „schießt das Knaulgras unter der Sense nach", wie der Volksmund sagt. Die nach dem Schnitt schnell nachsproßeitden Triebe sehen anfänglich bleichgrün aus und stechen durch ihre Farbe und das schnellere Wachsthum von den übrigen Gräsern deutlich ab. Im zweiten und den folgenden Schnitten treibt es weniger zahlreiche Halme, dagegen aber sehr viele, lange Wurzelblatttriebe, die grün und dürr ein sehr vorzügliches Futter liefern. Von allen Gräsern liefert das Knaulgras wohl das gehaltreichste Emd (Grummet). Sinclair erhielt auf reichem sandigem Lehmboden folgende Erträge: Ertrap. 33 per Hektar per Juchart In Zentner grün dürr grün dürr Am 15. April 57 Ztr. — 21 Ztr. - In der Blüthe 156 „ 66 Ztr. 56 „ 24 Ztr. Nachgras 67 „ - 24 „ — Pinkert erzielte 80 Ztr. Heu per Hektar; Vianne auf leichtem, fruchtbarem, feuchtem Boden 354 Ztr. 100 tt Gras gaben in der Blüthe 42 — 43 U Heu. 100 u Heil, in der Blüthe geschnitten, Futterwerth, enthalten: nach Way nach Ritthausen u. Scheven nach Collier Eiweiß.11. 6 % 7.,% 7 . 2 °/o Holzfaser.28. fl °/ 0 40. 5 °/ 0 21. 4 % Stickstofffreie Extraktivstoffe . . 38., % 33., % 46. 9 % 8btt - - - - - ■ 2.7 1.9 % 3 . 0 % Die Untersuchung des Heues vom zweiten Schnitt, auf der hiesigen Spitalwiese gesammelt, welcher hauptsächlich aus Blättern bestund, ergab: Eiweiß (Stickstoff X 6. 25 ).10. 2 % *) Rohfafer.25. 2 % Stickstofffreie Extraktstoffe.38., % Fett.3., °/„ Ueber die Verdaulichkeit liegen keine Versuche vor. — Aus obigen Angaben geht hervor, daß namentlich der zweite Schnitt reich an Eiweiß und Fett ist und wenig Holzfaser enthält. Samengewiimung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Unter den gegenwärtigen Samen- Verhältnissen ist wohl bei keinem andern Gras die Samengewinnung so sehr lohnend, wie beim Knaulgras, wenn dieselbe mit Sachkenntniß betrieben wird. Der Same muß vom ersten Schnitt gewonnen werden, weil es im zweiten Schnitt nur wenig zahlreiche Halme treibt, deren Samen nicht reif werden. Die Reife tritt Ende Juli ein. Das richtige Reifestadium ist dann eingetreten, wenn die Halme unter der Rispe anfangen gelb zu werden, die Rispe selber eine strohgelbe Farbe angenommen hat und die in den Spelzen eingeschlossenen Körner eine lederartige Konsistenz besitzen. Wenn man genau auf diese Anzeichen achtet, so gehen bei der Ernte keine Samen durch Abfallen verloren, da sich dieselben, wenn sie nicht überreif sind, nicht so leicht loslösen. Hat man das Knaulgras in Reinsaat, so kann die Ernte in gleicher Weise vorgenommen werden, wie beim Getreide. Man schneidet es mit der Sense, läßt es einige Tage abtrocknen, wendet es unterdessen ein Mal und bindet es dann in kleine Garben. Befürchtet man während des Trocknens Regen, so werden die Samenpflanzen, sowie sie einigermaßen angetrocknet sind, in kleine.Garben gebunden und auf dem Felde in Puppen aufgestellt. Auf diese Weise kann der Regen nichts schaden, während, wenn die Pflanzen am Boden liegen, dieselben leicht mißfarbig werden und wesentlich an Qualität verlieren. Will man auf die Samengewinnung besondere Sorgfalt verwenden, so kultivirt man das Gras in 30 bis 40 Centimeter entfernten Reihen und schneidet bei der Reife mit der Sichel, bindet die Pflanzen im kleine Bunde, welche man unter Dach an einem luftigen Ort quer über horizontal laufende Stangen legt, so daß die Luft von unten und oben zutreten kann. Auf diese Weise kaun der Same am besten nachreifen und man erzielt das schönste und beste Saatgut. *) Gesammtstickstoff 1 . 627 o/ o; b■■ - kg ffi ,.,,. \ Ires*. f :. ' ^ . .-••• :.t. 1 ‘ • ’ P V i - y m< Ä-Lr-.-. . b.% - , r •■•••■• f - .... u |S u-'; ' il: £:;v . - ... k v Nr j : . . ,/ ^ HSW.V ■ ^ • ■ i ■ . ^ ^ ' /j 1 A-^. ■ ■ . .... ^ j-v ... ' . ‘ , • . . . ' " pisi k - ,. b ;,. ; £• i?; - ■ ■ - '. . , ... ., . . ."b | U-'. II ..... -.'Vi- i 'i'- t- -5 k,? P' : ' : . ; : ..^M •! K • ..... . ' M /•;. \ _a v sB ; - ' . i "... , . ... i l IIP#' " 1 . . . IBR: Ijfc . . sil' ■ bv r!:| JrV : .- |a|" ;.i / . Ippfk & ... 37 sichelförmige Oehrchen vorgezogen. Der Blüthenstand ist eine 10-20 cm. lange, zur Blüthezeit ausgebreitete. Rispe; die untersten Aeste stehen zu zwei; der schwächere davon trägt I bis 3 Aehrchen (bei der zweiten Unterart von Festuca elatior L., der arundinacea, Schreb, Rohrschwingel, führt der schwächere der beiden untern Aeste meist 5—8 Aehrchen). Das einzelne Aehrchen ist meist 7—8blüthig (heim Rohr- schwingel 4—öblüthig) von lanzettlicher Form und aus Grün und Weiß gescheckt. Die Klappen sind kurz, etwa '/z so lang, als das Aehrchen; die untere kleinere (u. Kl. Fig. 1, 7) einnervig, die obere dreinervig (o. XI. Fig. 1, 7). Die Deckspelzen (u. Sp. Fig. 1, 3, 4, 7) sind Snervig, schwach gekielt und unbegrannt; am Rande von einem weißen Hautstreifen eingefaßt. Die Vorspelzen (o. Sp., Fig. 1, 4, 7), etwas kürzer als die Deckspelzen, sind an beiden Kielen rauh. Die Schüppchen (8cb., Fig. 2, 7) sind an der Spitze 2spaltig, der Fruchtknoten (Frkn., Fig. 2) kahl und an der Spitze mit einer Furche versehen. Die Vorgänge bei der Blüthe sind dieselben wie beim englischen Raygras (siehe dieses). Bei der Reife zerfällt das ganze Aehrchen; die Frucht bleibt von den Spelzen umschlossen (Fig. 3, 4) und führt vor der Vorspelze ein deutliches Aehrchenaxen-Stück (Ae. A., Fig. 4). (Länge der Scheinfrucht 6—7 nun.) Die Caryopse selbst (Fig. 5, 6) ist mit der Spelze, namentlich der Vorspelze fest verwachsen; sie ist 3 mm. lang, oben flach abgestutzt, unten zugespitzt; auf der Bauchseite mit einer • flachen Rinne und einem länglichen Samennabel (Hilus) versehen (8., Fig. 6). Abarten. Der Wiesenschwingel unserer Wiesen ist zwar nach der oben entwickelten Hackel'schen Abarten. Eintheilung schon eine Varietät (genuina). Hievon gibt es aber zwei Subvarietäten, welche landwirthschaftlich in Betracht fallen: 1) die typische Form des Wiesenschwingels (Festuca elatior, 8. 8ub8p. pratensis, var. genuina, subvar. typica, Hackel) und 2) der falsche Lolchschwingel (F. e. pr. g. pseudoloüacea, Hackel), den wir besonders an Wegrändern häufig finden. Derselbe besitzt namentlich an der Spitze des Halmes nur einährige Rispenäste, ähnlich wie der- Lolchschwingel, ist etwas kleiner, aber sonst mit dem Wiesenschwingel übereinstimmend. Ich halte dW Form jedoch nur für eine Standortsform, die durch das Festtreten des Bodens entsteht, auf lockerem Boden aber in die typische Form übergeht. Eine Bastardform zwischen Wiesenschwingel und dem englischen Raygras ist der Lolchschwingel, Festuca loliacea, Decand., welcher stark verkürzte, ausschließlich nur eine Aehre tragende Rispenäste besitzt. Landwirthschaftlich bietet derselbe keine Bortheile. Ebenso besteht eine Bastardform des Wiesenschwingels mit dem italienischen Raygras und eine solche mit dem Riesenschwingel (Festuca gigantea, Vill.), die aber landwirthschaftlich ohne Bedeutung sind. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Wiesenschwingel ist beinahe in ganz Europa Geographische einheimisch (in Seandinavien bis in's südöstliche Lappland, in Südeuropa'selten). In Asien: Kaukasus, Verbreitung. Georgien, Sibirien (Ural, Altai, Baikal, Dahurien). Nach Nordamerika ist er erst in neuester Zeit eingeführt. Wir treffen denselben bei uns wild, namentlich auf tiefgelegenen, nassen, feuchten, frischen und halb- Standorte, trockenen guten Wiesen, besonders auf durch Flüsse angeschwemmtem Alluvialboden (Aueböden), ferner an Gräben und Bächen, in Grasgärten, an Wegrändern bis hoch in die Alpen, wenn die Bodenbeschaffenheit seinen Ansprüchen angemessen ist. In den Alpen fand ich ihn 1500 in. hoch (Schwefelberg) ziemlich häufig auf humusreichen frischen Höhengrenzen. Weiden, und auf vielen Alpenwiesen bildet dieses Gras den Hauptbestand (z. B. Gurnigel 1200 m.). Im Oberengadin findet es sich in einer Höhe von 1800 m. In den bayerischen Alpen geht es 1440 m. hoch, im Kaukasus findet es sich zwischen 400-1600 na. Sagt ihm der Standort zu, so schaden dem Wiesenschwingel weder Winterfröste, noch Spätfröste . Klima, wesentlich. Vor Allem liebt er Frische des Bodens; er erträgt sogar einen ziemlich bedeutenden Grad von Nässe, ohne daß sein Gedeihen beeinträchtigt wird. Besonders gut sagen ihm tiefe Lagen und solche Stellen zu, wo der Nebel und Thau lange liegen bleiben (Flußuser, Thalmulden, Berggegenden). Da die Wurzeln ziemlich tief in den Boden dringen, so erträgt er auf tiefgründigem Boden vorübergehende Trockenheit sehr gut, bleibt dann aber mager und klein. In ausgesprochen trockenen Lagen kommt er nicht sort. Hinsichtlich Boden ist zu erwähnen, daß er auf humusreicheir, milden Lehm-, Mergel- und Boden. Thollböden am besten gedeiht, wenn der Feuchtigkeitsgehalt den erwähnten Anforderungen entspricht. Ebenso kann er auf Sandböden gebaut werden, wenn dieselben frisch sind oder bewässert werden 38 Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Ernte. Ertrag. Futterwerth. können. In gleicher Weise gedeiht er auf frischen Kalkböden, sowie auf entwässerten Humusböden gut. Auf trockenen, hitzigen oder flachgründigen armen Böden kommt er nicht fort. 1000 u Heu entnehmen dem Boden nach Witting *) Stickstoff 13-3 U **) Magnesia 3. 9 U Phosphorsäure 7. 4 „ Kalk . 9.j „ Kali 25.« „ Schwefelsäure 1-7 „ Natron 5-2 „ Kieselsäure 22. 8 „ Wie schon daraus hervorgeht, daß er gerne gute humusreiche Böden aufsucht, liebt er im Boden besonders alte Kraft, ohne jedoch hohe Ansprüche zu machen. Aber auch gegen frische Düngung ist er sehr dankbar. Wollnh düngte eine Parzelle mit 75 Hektoliter Gülle und erhielt nach Werner gegenüber einer ungedüngten, nebenanliegenden folgende Erträge per Hektar: Gedüngt 267 Zentner Gras oder 67 Zentner Heu. Ungedüngt 90 „ „ „ 27 Für Bewässerung ist der Wiesenschwingel besonders gut geeignet, wie kaum ein anderes Gras und muß deßhalb bei Anlage von Wässerwiesen stets berücksichtigt werden. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Der Wiesenschwingel bildet einen dichten, niedrigen Horst, aus welchem auf günstigen Standorten ziemlich zahlreiche 2—3 Fuß hohe Halme mit langen und breiten Blättern hervorsprossen. Sind die Verhältnisse des Bodeirs aber ungünstig, ist derselbe trocken, Humusarm und mager, so ist die Bestockung eine wesentlich geringere, der Halm bleibt klein und die Blätter werden nur kurz und schmal. Nach der Saat entwickelt er sich verhältnißmäßig langsam und erst im zweiten und dritten Jahr liefert er den Hauptertrag. Bianne erzielte im ersten Jahre 335 Zentner im zweiten Jahre 650 Zentner Gras per Hektar. Im Frühjahr beginnt er sehr zeitig zu vegetiren und wächst schnell empor, so daß man bei günstigen Boden- und Witterungsverhältnissen drei Schnitte ernten kann. Sinclair sagt: „In Bezug aus seinen frühzeitigen Ertrag folgt dieses Gras gleich auf den Wiesenfuchsschwanz". Es blüht Ende Mai oder Anfang Juni, einige Tage später als das französische Nahgras und das Knaulgras. Da es nach der Blühe hart wird, so muß es womöglich vor derselben geschnitten werden. Im zweiten Schnitt treibt es weniger zahlreiche Halme als im ersten, weßhalb der Ertrag auch geringer ist. Sprengel nimmt den Ertrag auf gutem Boden auf 100 Ztr. Heu per Hektar (36 per Juchart) an; Pinkert erzielte auf kräftigem, mildem, sandigem Lehmboden in zwei Schnitten 112 Ztr. (40 Ztr. per Juchart) und Bianne auf Lehmboden im ersten Jähr 137 Ztr. (49 Ztr. per Juchart) im zweiten 235 Ztr. (per Juchart 85 Ztr.) Sinclair erntete auf mit Steinkohlenasche gedüngtem Torfboden per Hektar per Juchart in Zentner grün dürr grün dürr 16. April . . . . 56 — 20 — zur Blüthezeit ... 76 36 27 13 Das Abweiden erträgt das Gras sehr gut und liefert zur Weide auch einen guten Ertrag. In den Marschen und in England wird es deßhalb den Weidemischungen in der Regel zugesetzt. Nach den vorliegenden Untersuchungen zu schließen, ist der Futterwerth ziemlich hoch. *) Henneberg. Journal für Landwirthschaft. 1857. **) Nach Arendt, Wolfs und Ritthausen und Scheuen. 39 Nach Ritthausen u. Scheven Wolfs Arendt *) Collier **) 80.3 81.3 79. 8 77.9 8.3 10.2 6.4 9.2 34-3 32 .g % 20. 8 34. 9 36.9 ? 45-1 2-7 1.8 1-8 2 . g o R o 1000 u Heu enthalten : Organische Substanz darin sind: Eiweiß (Stickstoff X 6. 25 ) Holzfaser Stickstofffreie Extraktstoffe Fett .... Samengewirrrmrig, Verunreinigungen und Verfälschungen. Da der Wiesenschwingel reichlich Samen ansetzt, die leicht zu gewinnen sind, so ist die Samengewinnung sehr lohnend. Derselbe muß vom ersten Schnitt geerntet werden. Ungefähr Ende Juli ist der Same reif, was man daran erkennt, daß die Spelzen eine bräunliche Färbung annehmen. Ist dieser Zeitpunkt eingetreten, so werden die Pstanzen geschnitten und ähnlich behandelt, wie beim Knaulgras (siehe dieses). Pinkert erzielte per Hektar 16 Ztr. (per Juchart 5 3 / 4 Ztr.) Samen, und Werner gibt den Samenertrag auf 10—12 Hektoliter ä 22 Kilogr. = 4'/ 2 bis 5‘/ 4 Ztr. per Hektar an. Der im Handel vorkommende Same ist sehr häufig mit dem englischen Raygras verunreinigt; dasselbe wird dem Wiesenschwingel, wohl auch absichtlich beigemischt, da es die Hälfte billiger ist. Häufig ist der Gehalt an englischem Raygras sogar sehr beträchtlich, bis 60 Prozent und mehr. Die sichere Unterscheidung ist nur nach großer Uebung möglich, da beide Samen in ihrem Aeußern Stielchen v. Festuca einander sehr ähnlich sind. Das einzige zuverläßiqe Unterscheidunqs- Sticlchen v. Folium pratensis, Huds. , r . f r c , perenne, L. Wiesenschwingel. Mittel tft das Streichen (Stuck der Aehrchenaxe), welches berm Englisch Rahgras t Wngsansicht, Wiesenschwingel in der Regel länger, etwas abstehend, im Querschnitt £ Nansichi, vergrößert. kreisrund, in der Mitte etwas verdünnt und oben etwas verdickt vergrößert. ist (Figur 16). Beim englischen Raygras dagegen ist dasselbe in der Regel kürzer, angedrückt, im Querschnitt abgeplattet, oval, in der ganzen Länge gleich dick und oft gerillt (Figur 17). Die äußere Spelze ist in der Regel auch stumpfer und mehr flach, während die Spelze des Wiesenschwingels oft eine kurze Granne oder Stachelspitze besitzt. Same, Saat- Im Durchschnitt von 135 Ermittlungen beträgt die Reinheit der im Handel vorkommenden Waare 82., % und die Keimfähigkeit 71 %. Eine gute Waare soll aber 95 "/» Reinheit und mindestens 75 % Keimfähigkeit (71. 3 % reine und keimfähige Samen) ausweisen. Ein Kilo reiner Same enthält 700,000 Körner, so daß also 1 Kilo einer Prima-Waare 500,000 reine und keimfähige Körner enthält. 1000 Körner wiegen durchschnittlich 1. 43 Gramm. Ein l Figur 16. Figur 17. Hektoliter wiegt 16—32 Kilo. Das Saatquantum beträgt per Hektar 60 Kilo einer 71prozentigen Waare oder 4260 Kiloprozente, per Juchart 21 Kilo oder 1491 Kiloprozente. Der Preis des Samens beträgt im Durchschnitt per Kilo Fr. 2. 20, so daß also die Saatauslage per Hektar Fr. 132, per Juchart Fr. 46. 20 ausmacht. Die Saat ist also verhältnißmäßig theuer. Rein wird jedoch der Wiesenschwingel mit Ausnahme zur Samengewinnung nie gesäet, sondern nur in Mischung mit andern Gräsern. Da er erst im zweiten und dritten Jahr seine volle Ertragsfähigkeit erlangt, so kann er zu Kleegras nicht Verwendung finden, sondern derselbe ist nur bei Mischungen für Wechsel- und Dauerwiesen am Platze. Für Rieselwiesen und für Dauerwiesen auf geeignetem Boden kann man der Mischung bis 20 Prozent und mehr davon zusetzen. Bei Wechselwiesen wird man aber selten höher als 15 Prozent gehen. Samengewinnung. Samenertrag. Verunreinigungen und Verfälschungen. Samenqualität. Saatquantum. Mischungen. Landw. Versuchsstationen. Erster Band. Dresden 1859. **) Report of the eommissioner of agriculture for the year 1879. Washington 1880. 40 Benennung. Geschichte. Landwirth- schaftlicher Werth. Botanische Beschreibung. Erklärung der Tafel 4. (Figur A in natürlicher Größe, Figur 1—6 6mal, 8 3mal, 9 etwa 12mal vergrößert.) Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ 1. Ein Aehrchen in Blüthe. „ 2. Blüthe isolirt. „ 3. Scheinfrucht von der Deckspelze aus. „ 4. „ von der Vorspelze aus. Figur 5. Caryopse von der Rückenseite. „ 6. „ von der Bauchseite. „ 7. Grundriß des Aehrchens. „ 8. Blatthäutchen. „ 9. Querschnitt durch die Blattspreite. 3. Jas französische Waygras. Avena elatior, lünne odei' Arrhenatlierum elatius, Mertens und Koch. In der Dauphine und im südlichen Frankreich, wo das französische Rahgras hauptsächlich kultivirt wird, wird es „Fromental" genannt, welcher Name auch in der deutschen Schweiz gebräuchlich ist. Der richtigste deutsche Name wäre eigentlich „hoher Glatthafer" oder „hoher Wiesenhafer"; es heißt auch: Franzosenschmalen, Hafergras, Haferraygras, haferartiges Manngrannengras, Pserdegras, Rost- und Roßgras. Das französische Raygras war in der Dauphinö, in der Umgebung von Genf und sporadisch auch im Kanton Bern schon anfangs und Mitte des vorigen Jahrhunderts in Kultur. Albr. Stapf er*) empfiehlt dasselbe in seiner preisgekrönten Schrift schon 1762 zur allgemeinen Kultur. Judtmaun rieth 1790 dessen Anbau im Gemenge von Rothklee, Esparsette und Luzerne an. Später wurde es vielfach überschätzt, so von Mauke, Hansen, Hannemann und namentlich wurde es von den Franzosen, wie Schwerz sagt, „zu den Sternen erhoben". Diese Anschauung schlug bald in das Gegentheil um und in der Schrift von Hector **) ist es gar nicht erwähnt. Nichts destoweniger ist das französische Rahgras eines unserer besten Fnttergräser; im Gemenge mit andern Gräsern ist es ein vorzügliches Obergras, das in keiner Mischung fehlen sollte, wenn der Boden nicht allzu naß ist. Namentlich als Mähefutter ist dasselbe vorzüglich, während es als Weidegras weniger gut paßt. Botanische Beschreibung. Das französische Rahgras bildet einen lockern, ausgebreiteten Horst, indem seine extravaginalen Seitentriebe sich oft schwach verlängern, so daß kurze Ausläufer entstehen. Die glatten, glänzenden Halme sind ganz ausrecht oder am Grunde etwas aufsteigend, 6—12 Dezimeter hoch. Die Blattscheiden sind kahl, die Spreite schmal und rauh, in der Knospenlage gerollt, oberseits sein und entfernt gerillt (Fig. 12), das Blatthäutchen ist kurz und oben etwas gestutzt (Fig. 13). Der Blüthen- stand ist eine anfangs, vor der Blüthe (Fig. A), zusammengezogene, später weit ausgebreitete (Fig. B), aufrechte, reichblüthige Rispe aus weißlichgrünen, oft etwas bräunlich-violett überlaufenen Aehrchen. Dieselben sind zweiblüthig; die untere Blüthe männlich und begrannt, die obere zwittrig und meist unbegrannt (Fig. 2, 11). Die untere Klappe (u. Kl., Fig. 1, 2, 11) ist einrippig, schmäler und kürzer als die obere, dreirippige (o. Kl., Fig. 1, 2, 11). Die Deckspelze (u. Sp., Fig. 1, 2, 6-8, 11) der untern Blüthe ist mit einer unterhalb der Mitte des Rückens abgehenden geknieten Granne (Gr., Fig. 1, 2, 6) versehen. Diese untere Blüthe enthält 3 Staubgefäße und einen ganz verkümmerten Fruchtknoten ohne Narben (Fig. 5), sie jsi also unfruchtbar, männlich. Die Deckspelze der obern Blüthe ist meist grannenlos, selten mit einer, unter der Spitze entspringenden kürzern Granne versehen (u. Sp., Fig. 6). Diese Blüthe besteht aus drei Staubgefäßen und einem wohlentwickelten Fruchtknoten, mit sederförmigen starben (Fig. 3 und 4), ist also zwittrig und fruchtbar. Die Schüppchen (Sch., Fig. 3, 11) sind in beiden Blüthen vorhanden. Ueber der obern Blüthe ist noch ein kurzes, fadenförmiges Stück der Aehrenaxe entwickelt (Fig. 8, Ae. A.). Die Vorgänge . *) Abhandlungen und Beobachtungen durch die ökonomische Gesellschaft zu Bern gesammelt. Bern 1762. Viertes Stück. **) I- Hector. Lehrbuch des rationellen Wiesenbaues und der Weidewirthschast. Berlin und Leipzig 1876. Festuca pratensis, Huds. Wiesen-Sch.wing@l — F6tuque des pr6s. 41 bet der Blüthe verlaufen in ganz gleicher Weise wie beim englischen Raygras (siehe dieses). Bei der Reife bleiben gewöhnlich beide Blüthen, mit ihren Spelzen, mit einander verbunden und lösen sich aus den Klappen (Fig. 6). Was im Handel als „Samen des französischen Raygrases" vorkommt, besteht also aus der von ihren Spelzen umschlossenen Frucht plus den Spelzen der untern sterilen Blüthe. Die von der letztern befreite spelzenumschlosiene Frucht (circa 7—8 um lang ohne, 14—16 nun. mit Granne), steht auf einem behaarten Stielchen und trägt auf der Seite der Vorspelze das kleine Stück der verlängerten Aehrenaxe (Fig. 7 und 8). Die Frucht selbst ist lang spindelförmig, surchenlos und führt an der sehr lang zugespitzten Basis den Keimling (Fig. 9 und 10); an der Spitze ist sie etwas kurzhaarig. Abarten. Eine Abart des französischen Raygrases ist der zwicb elige hohe Glatthaser Abarten, l^rrüonatlrorum elatius bulbosuin, v. I. 6 42 Wuchs. Entwicklung. Ernte. Ertrag. ,lu Verwerth. samen- gewinnung. Durch die Düngung mit 75 Hektoliter Gülle wurde also der Heuertrag um 15 Ztr. gesteigert. Nimmt man den Werth des Zentners Heu in beiden Fallen zu Fr. 3 an, so machte sich der Hektoliter Gülle zu 60 Rp. bezahlt. Das Heu von der gedüngten Parzelle war aber auch viel nahrhafter, da es 9.? % Eiweiß enthielt, während das andere hiervon nur 7. 3 % besaß. Aehnliche Resultate erhielt er bei der Samengewinnung, wie folgende Zahlen zeigen: Same u Stroh gedüngt.. 320 U 106 Ztr. ungedüngt. 204 „ 92 „ Wachsthum, Ertrag und Fntterwerth. Das französische RahgraS bildet einen nur lockeren Horst, weßhalb es den Boden nur mangelhaft überwachst. Aus diesem Grunde darf es nur im Gemenge mit andern Gräsern, welche die Lücken ausfüllen, gesäet werden. —■ Es entwickelt sich nach der Saat verhältnißmäßig rasch und liefert schon im ersten Jahre einen bedeutenden Ertrag. Der Hauptertrag folgt jedoch erst im zweiten Jahr. Ka rm.ro dt erzielte per Hektar: , im ersten Jahr 147 Ztr. Heu zweiten „ 347 „ dritten „ 236 „ vierten „ 171 Der Ertrag nahm also bis zum zweiten Jahre zu, von da an aber wieder ab. Es gehört zu den frühen Gräsern, da es schon anfangs Juni blüht. Nach der Blüthe wird es sehr bald hart. Man muß es deßhalb wo möglich vorher schneiden. Auf gutem Boden liefert es 3-4 Schnitte, auf geringerem aber nur zwei. Der erste Schnitt ist am ergiebigsten, da es in der Nachmahd nicht so zahlreiche Halme treibt. Sinclair erhielt auf thonigem Lehmboden folgende Erträge: per Hektar per Juchart in Zentner griin dürr grün dürr Zur Blüthezeit 190 Ztr. 71 Ztr. 69 Ztr. 26 Ztr. Nachgras 152 „ -- 55 „ — Pinkert erhielt in 2 Schnitten 144 Ztr. Heu per Hektar. Karmrodt im Durchschnitt von 4 Jahren 226 Ztr. Sprengel gibt den Ertrag auf 200 Ztr. an. 100 Pfund Gras geben 32 Pfund Heu. Der Futterwerth gestaltet sich nach Wolfs folgendermaßen: 100 Kilo Heu enthalten 75. 8 % organische Substanz, welche wie folgt zusammengesetzt ist: Eiweiß (Stickstoff X 6, 25 ) • 10. % davon sind verdaulich 5. 6 °i /0 Rohfaser .... 29.4%) 33., 0/ /0 Stickstofffreie Extraktstoffe . 32., %i " " " Fett . . - 2.7 % „ „ „ 0-8 0/ /0 Nährstoffverhältniß 1 : 6. 3 Das Futter hat einen ziemlich stark bitteren Geschmack und wird deßhalb, besonders im grünen Zustande, für sich allein vom Vieh nicht gerne gefressen. Schon aus diesem Gruude sollte' es nur in Mischung mit andern Gräsern und mit Kleearten gesäet werden. Zur Heubereitung ist das französische Rahgras vorzüglich geeignet, da es leicht trocknet und sich im dürren Zustaklde gut konservirt. Samengewinnung, Berunreinignngen und Verfälschungen. Die Samengewinnung ist sehr lohnend, da das französische Raygras viel Samen liefert, die leicht zu gewinnen und im Preise hoch sind. Leichtere warme Böden sind zur Samengewinnung besser geeignet als schwere. Die Gewinnung des Samens geschieht auf ähnliche Weise wie beim Getreide; die reisen Pflanzen werden mit der Sense geschnitten und nach dem Abtrocknen in kleine Garben gebunden, an einem lustigen Ort zum Nachreisen aufgestellt und später gedroschen. Die Samen sind reif, wenn die 43 Rispen ansangen sich gelblich zu färben und das Korn beginnt, eine lederartige Konsistenz zu bekommen, was bald nach der Milchreife der Fall ist. Es ist besser etwas zu früh, als zu spät zu schneiden, weil im letzteren Falle die Samen leicht ausfallen. Schneidet man früh und läßt die Garben nach dem Abtrocknen zu Hause nachreifen, so kann sich der Same noch vervollkommnen. In der Dauphins schneidet man nur die Rispen mit etwa 40 Centimeter langen Halmstücken ab, bindet dieselben vermittelst einiger Halme in armsdicke Büschel und stellt diese in große Puppen (Fig. 8, Seite 13), in welchen man sie zehn bis vierzehn Tage auf dem Felde nachreifen läßt. Später wird der Same abgedroschen. Pinkert erhielt per Hektar 20 Zentner Samen, Wollny 2—3 Zentner; Hannemann und Samenertrag Werner geben den durchschnittlichen Samenertrag zu 6-8.Ztr. per Hektar an. Der Verkaufspreis zu Fr. 50 per Zentner angenommen, berechnet sich danach der Geldwerth des Samens pro Hektar auf Fr. 300 400. Hieraus geht hervor, daß die Samengewinnung sehr lohnend ist. In trockenen Jahren ist der Samenertrag sicherer, als in nassen, weil sich in letzterem Falle das Gras leicht lagert, wodurch der Ertrag beeinträchtigt wird. Ebenso schädigen Platzregen den Samenertrag wesentlich. Aus diesem Grunde sind südliche Gegenden mit weniger häusigen Sommerregen zur Samengewinnung sehr geeignet. Der im Handel vorkommende Same stammt denn auch meist au§ der Dauphins und ist in der Regel sehr unrein, weil derselbe selten in reinen Beständen gezogen, sondern in der oben angegebenen Art büschelweise aus den Naturwiesen oder sonst unreinen Beständen herausgeschnitten wird. Natürlich ist es nicht anders möglich, als daß auch andere Samen Vcrunretm- mitgeschnitten werden, welche die Saat später verunreinigen, wie aus folgenden Angaben hervorgeht, sangen. Die Zusammensetzung des im Handel vorkommenden Saatgutes gestaltete sich in der Samen- saison 1881 — 82 im Durchschnitt von 84 Untersuchungen an hiesiger Station in folgender Weise: 1. Reine Samen.65. 0 % 2. Knaulgras . • . • ; 6.„ % i „ . _ 3. Wiesenschwinget u. dgl. . . '. L(j o /o | 73. 9 / 0 gute ecinten 4. Goldhafer und Rispengräser . . O.,"/») 5. Aufrechte, weniger weiche u. a. Trespen 13. 0 % 6. Zittergras, Gelbklee k. 0. 8 % 7. Kleines Unkrantgesäme ... 0.» % 8. Spreu rc.10. 8 % Zusammen 100. 0 % Hrerans geht hervor, daß man den Werth des französischen Raygrases nicht nur nach den reinen Samen beurtheilen kann, sondern daß auch die Art der Beimengungen in Berücksichtigung gezogen werden rnuß. Bestehen dieselben aus Knaulgras und ähnlichen guten Samen, so ist die Waare werthvoller, als wenn sie größtentheils aus Spreu oder Trespen bestehen. Die unliebsamste Verunreinigung sind die Trespen, deren Gehalt häufig bis auf 20, ja sogar 30 utib mehr Prozent ansteigt. Die unreinste Qualität französisches Rahgras wird gewöhnlich unter dem Namen „Fe nasse", die etwas bessere Sorte davon auch als «petit bVomentuI)» verkauft. Zwölf in der letzten Saison 1881/82 untersuchte Proben Fenasse enthielten durchschnittlich: Französisches Raygras Knaulgras Wiesenschwingel, weniger engl. Raygrac Goldhafer, Rispengräser . Esparsette . Aufrechte, weniger weiche u. a. Trespen Zittergras, Honiggras, Gelbklee rc. Feines Unkrautgesäme Spreu re. 19.» % , 13.o % 3.4 %> 41. ä % gute Samen o 0/ l ^•6 /oi 2 .» % ; 28.» % 1.» % 1 .« % 26.4 % WO.» 44 4 Samen» reinigimg. «er» sälschungen. Samen- qualität. Neben der Spreu besteht die Fenasse also der Hauptsache nach aus Trespen, welche für gute Böden keinen Werth besitzen, sondern eher zu den Unkräutern zu rechnen sind; dennoch wird die Fenasse in der Schweiz an vielen Orten massenhaft ausgesäet. Im Saatjahr entwickelt sich bei derselben hauptsächlich das französische Rahgras, während die aufrechte Trespe und das Knaulgras erst im zweiten Jahre Halme treiben. Die Fenasse unterscheidet sich also von dem Fromerrtal nur durch den größeren Gehalt an Trespen und Spreu. Die Maschinenfabrik in Herisau (Schweiz) hat neuerdings eine Maschine konstruirt, mit welcher man im Stande ist, allerdings mit einer ziemlich bedeutenden Abscheidung von geringen Samen, die fremden Bestandtheile größtentheils aus der Waare zu entfernen, wie folgender Versuch beweist. Die Waare enthielt: Reine Samen Knaulgras Wiesen- schwingel Goldhafer Aufrechte Trespe Wolliges Honiggras Unkraut Spreu % % °/o % % % °/o % Ungereinigt 44., 8-6 2-o o.„ 13. 0 2-0 2-o 2.)-o Gereinigt 83., 0.3 o.» 0.3 9. 9 — 1 ., ^■3 Hie und da kommt es vor, daß der Same mit Roggentrespe, Bromus secalimis, L. (Figur 18), welche aus dem Getreide ausgeputzt wurde, verfälscht wird, deren Erkennung nicht schwierig ist. Der Querschnitt des Roggentrespenkorns ist, wie beistehende Abbildung erkennen läßt, nicht rundlich, sondern läßt deutlich eine innere und eine äußere Seite erkennen. Die innere Seite ist riunenartig vertieft, während die äußere nach außen abgerundet ist. Zwischerr der inneren uird äußeren Spelze ist ein kräftiger mit denselben lose verwachsener Same eingeschlossen. Die innere Spelze besitzt am Rande borstige Wimpern; die äußere hat 7 Nerven, wovon der mittlere meist in einer kurzen Granne endigt. Da der Roggenausputz häufig auch den Samen des Taumellolchs (Lolium temulentum, L.) beigemischt enthält, so findet man diesen Samen in der Regel auch in dem derart verfälschten französischen Rahgras. Derselbe (Figur 19) ist etwa 6—6 Millimeter lang, dick, stark gewölbt und die äußere Spelze endigt an ihrer Spitze in eine lange Granne. Ebenso findet man in französischem Rahgras, welches mit Roggenausputz verfälscht ist, häufig spitzige Roggenkörner, welche beim Reinigen des Getreides mit in den Ausputz gelangten. Same und Saat. Die durchschnittliche Reinheit berechnet sich nach über 250 an hiesiger Station untersuchten Proben auf 65.z % und die Keimfähigkeit auf 63 %. Eine gute Durchschnittswaare soll aber etwa 70 % Reinheit, 70 % Keimfähigkeit — 49 % reine und keimfähige Samen ausweisen und nicht über 10 % Trespen enthalten. Die durchschnittliche Körnerzahl in 1 Kilo reiner Samen beträgt 350,000, so daß also 1 Kilo einer guten Durchschnittswaare 171,500 reine a b Figur 18. Roggentrespe. Bronius secalinus, L. Scheinfrucht a und b in natürlicher Größe, c und d 7fach vergrößert. Figur 19. Tauuiellolch. Lolium temulentum. L. Scheinfrucht a Riickcnfeite, b Bauchseite, 7mal vergrößert, c natürliche Größe. ,. . . ■ t •< ,. . •. '—'**•/Ci>•*!&*.-*.* • ••' s ^.-^ rx, • ••<.■ ';.-,f ; " :!V ' . . W-.. W k t- y i-v ' ^KWMML^ 8--! : Kk'XMM •-> . •'- •;, :r -. ■jjjh'ii Lkjr&j^FlreiijL..-•/ ■ * • •:•'*• «jy ■* j - : - -. Taf. 5. <&5az:-U f'r. kn oSp - m °" Sp Lith. Genossenschaft Zürich. Ärrhenattierum elatius, M. u. K. Französisches Haygras - Fromental. C. & L. Schröter ad. nat. del. mm 45 und keimfähige Samenkörner enthält. 1000 Körner wiegen durchschnittlich Z.«« Gramm, 1 Hektoliter ist etwa 14 Kilogramm schwer. Als Saatquantmn rechnet man im Durchschnitt per Hektar 80 Kilo einer 49prozentigen Waare = .3920 Kiloprozente, per Juchart 29 Kilo oder 1421 Kiloprozente. Da im Handel 1 Kilo Samen Fr. 1 bis Fr. 1. 60, im Durchschnitt Fr. 1. 30 kostet, so berechnet sich die Auslage für Saatmaterial auf Fr. 104 per Hektar. Von allen besseren Grassamen erfordert das französische Raygras die tiefste Unterbringung, da der Same groß ist und eine kräftige Keimpflanze erzeugt. Die geeignetste Tiefe ist 2—3 Centimeter in frischem und 3—4 Centimeter in trockenem Boden. Die günstigste Saatzeit ist das Frühjahr; in Gegenden mit trockenem Vorsommer säet man mit Vortheil auch im September. Da das französische Raygras tiefgehende Wurzeln besitzt, so verlangt es zum guten Gedeihen einen gut- und tiefgelockerten Boden. Je flachgründiger und fester derselbe ist, nur so geringer der Ertrag. Zur Futternutzung sollte das französische Raygras nur in Mischungen ausgesäet werden, denn für sich allein ist die Auslage für das Saatgut groß, der Ertrag ist, wenn man die Qualität mit in Rechnung zieht, den Mischungen nachstehend und drittens sind reine Bestände nur von mäßiger Dauer. In entsprechendem Prozentsatz einer Mischung zugesetzt, erhöht es aber als Obcrgras den Ertrag wesentlich und ist deßhalb sehr am Platze. Namentlich für warme Böden und warme Lagen ist es für Wechsel- und Dauerwiesen sehr gut geeignet; in diesen Fällen nimmt man oft bis 20"/« davon. Je schwerer und feuchter der Boden wird, um so weniger setzt man der Mischung zu. Für einjähriges Kleegras steht es dem italienischen Raygras an Werth nach, hingegen ist es in 2 — 3- jährigem Kleegras inr Ertrag größer als das italienische Raygras. In seinem äußern Habitus hat das französische Raygras einige Aehnlichkeit mit dem weich haarigen H a s e x (Avena pubescens, L.); derselbe hat aber bedeutend kürzere Blätter, der Stengel ist »ach der Blüthe meist röthlich und die unteren Blattscheiden sind meist behaart, was beim französischen Raygras nicht der Fall ist. Ferner ist die Frucht viel dünner, am Grunde und am Stielchen lang behaart, und viel dunkler gefärbt. Erklärung der Tafel. (Figur A und B natürliche Größe, Figur 1 — 10 6mal, Figur 12 etwa lSiirnl, Figur 13 3mal vergrößert.) Figur A. „ B. 3. 4. 5. Ganze Pflanze mit noch geschlossener, zusammengezogener Rispe. Stück einer Rispe in voller Blüthe. Aehrchen vor der Blüthe. Blühendes Aehrchen; rechts die untere, männliche begrannte, links die obere zwittrige unbegrannte Blüthe. Zwitterblüthe mit der Vorspelze nach Entfernung der Deckspelze (von der Deck- spelzenseite aus gesehen). Normaler mit den 2 federförmigen Narben versehener Fruchtknoten der Zwitterblüthe. Verkümmerter, narbenloser Fruchtknoten der männlichen Blüthe. Figur 6. Die zwei Blüthen im Fruchtzustand, wie sie sich bei der Reife aus den Klappen lösen und in den Handel kommen (links die fruchttragende Zwitterblüthe, rechts die unfruchtbare männliche). „ 7. Spelzenumschloffene Frucht von der Seite. „ 8. Dieselbe von der Borspelze aus, mit dein Rudimeut der Aehrchenaxe. „ 9. NackteFrucht(LllnMsc)vom Rücken aus; an der lang zugespitzten Basis der Keimling. „ 10. Dieselbe von der Seite. „ 11. Grundriß des Aehrchens. „ 12. Blattquerschnitt (nach Lund). „ 13. Blatthäutchen (rechts oben in der Ecke; die Nummer dieser Figur ist auf der Tafel aus Versehen weggelassen). Saatquantum Saat. Mischungen. Verwandte Arten. 46 Benennung. Geschichte. Landwirth- schastlicher Werth. Botanische Beschreibung. Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. 6. Der Goldhafer. Avena flavescens, Linne (Trisetum flavescens, Palisot de Beauvais). Der Goldhafer wird wegen der zur Zeit der Blüthe schön goldgelben Färbung der Rispe auch gelblicher Hafer, gelbes Hafergras oder gelber Wiefenhafer genannt. Weniger bezeichnend ist der Name „kleiner Wiefenhafer"; derselbe gibt vielmehr häufig Anlaß zu Verwechslungen mit dem eigentlichen Wiefenhafer (Avena pratensis, L.), einem Wiesengras von wesentlich geringerem Werth. Er gehört zu denjenigen Gräsern, welche erst in neuester Zeit in sfuftur genommen wurden. Zwar erkannte man schon lange seinen hohen Werth als Wiesengras; da jedoch der Samen im Handel nicht erhältlich war, so konnte von einem Anbau nicht die Rede sein. Wohl aus diesem Grtinde ist er von Schwerz in seinem „praktischen Ackerbau" gar nicht aufgeführt. Erst in jüngster Zeit, seitdem die Samenhändler in der Dauphine auf unsere Anregung den Samen in größerem Maaße at>s dem Knaulgras gewinnen, kam er in der Schweiz znr Anlage von Wiesen allgemein in Aufnahme. Zur Anlage von Wechsel- und Dauerwiesen ist der Goldhafer ein sehr schätzbares Gras, da er ein gutes Flitter gewährt, welches vom Vieh gerne anfgenommcn wird und im ersten und zweiten Schnitt einen guten Ertrag liefert. Er ist ausdauernd, kann fast auf allen Böden gebaut werden, mit Ausnahme von ganz extremen Bodenarten, und gibt sowohl in nassen, als in trockenen Jahren einen sicheren Ertrag. Botanische Beschreibung. Der Goldhafer bildet einen ziemlich lockern, nicht ganz ebenen Horst ; die intravaginalen Seitentriebe treten sehr früh durch einen Längsriß ihrer Mutterscheide heraus; verlängerte Zwischenknoten des Wurzelstocks sind selten. Der bis 60 Eentimeter hohe aufrechte Halm ist an und unter den Knoten öfter etwas behaart. Das Blatt hat eine zottige Scheide, ein ziemlich kurzes abgestutztes Blatthäntchen (Fig. 10) und eine namentlich oberseits stark behaarte flach ausgebreitete fein gerillte Spreite tFig. 11). Der Blüthenstand ist eine vielblüthige, anfangs schmale, schlanke, zusammengezogene Rispe, die sich znr Blüthezeit tveiler ausbreitet, immerhin nicht bis zum wagrechten Abstehen der Seitenäste; sie hat dann eine goldglänzende Farbe, die später in's Lehmgelbe oder Braungelbe übergeht. Die sehr feinen Rispenäste sind etwas rauh. Das einzelne Aehrchen ist meist dreiblüthig; vor dem Aufblühen rundlich, bei der Blüthe weit ausgebreitet uud dann grün und goldgelb gescheckt. Dic Achrchenaxe (Ae. A., Fig. 1, 4 — 6, 9) ist behaart. Die Klappen sind kürzer als die Blüthen; die untere einnervige (u. Kl., Fig. 1, 9) etwa halb so lang als die obere dreinervige (o. Kl., Fig. 1, 9). Die untere (Deck-) Spelze (u. 8p, Fig. 1, 2, 4, 6, 9) ist önervig, zweispitzig und außerdem nrit einer vom Rücken abgehenden geknieten Granne (Er., Fig. 1, 4, 6) versehen (die 2 Spitzen der Spelze und die Granne bilden die 3 Borsten, welche dem Gattungsnamen ,/1'risetum" ----- „Dreiborst" zu Grunde liegen). Die obere (Bor-) Spelze (o. 8p., Fig. 1—4, 6, 9) ist wie gewöhnlich zweikielig und dünnhäutig. Die Schüppchen (Seil, Fig. 3, 9) sind breit abgestutzt und an der Abstutzungsfläche ausgefreffen-gezähnelt, beinahe so lang, wie der länglich-elliptische, kahle Fruchtknoten. Die Narben sind sederförinig. Die Borgänge bei der Blüthe sind dieselben, wie beim englischen Raygras (siehe dieses). Die Frucht wird von den Spelzen eingehüllt (Länge der Scheinfrucht ohne Granne 5-6 mm., mit Granne circa 10 inm.) (Fig. 4); mit derselben bleibt ein Über der Blüthe befindliches Stück der Achrchenaxe (Fig. 6, Ae. A., Fig. 5) verbunden, welches stark behaart und etwas flachgedrückt ist. Auch an der Basis der untern Spelze steht ein Büschel kurzer Haare. Die nackte Frucht ist verlängert und spindelförmig, furchenlos und von der Seite zusammengedrückt. Abarten. Bon den Botanikern werden drei Varietäten unterschieden: 1. der gemeine (Avena flavescens vulgaris, Alefeld), 2. der große (major, Sclirader) und 3. der bunte Goldhafer (variegata, 6audin). Die letzteren beiden sind seltener. Die bunte Form findet sich in den Alpen und Voralpen. Vorderhand fällt landwirthschaftlich nur die erstgenannte Varietät in Betracht. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Goldhafer ist einheimisch; beinahe in ganz Europa (nicht in Lappland); in Afrika in Algier; in Asien im Kaukasus, in Georgia, Armenien, Sibirien (Baikal, Dahurien), Kamtschatka. In Nordamerika fehlt er. Bei uns treffen wir denselben allenthalben auf Wiesen, auf Dämmen und an Wegrändern. Auf guten Wiesen der Thäler und Gründe und in Baumgärten ist er eine ganz gewöhnliche Erscheinung. 47 Ebenso findet er sich sehr häufig auf Alpenmatteu und in den Thälern nahe der Alpen, bis in die Höhengrenze». alpine Region (im Fimberthal circa 1800 m. ü. M., auf dem Reculet im Jura bis 1500 m., im Ober- engadin 1800 in,, in Langwies und Churwäldeu 1300 in.); doch kommt er nach Brügger von 1400 m. an selten vor; von da an tritt der bunte Goldhafer (Avena flavescens variegata) auf, welcher bis 24( 0 in. hoch hinauf steigt. lleberall, sagt Langethat richtig, wo man Goldhafer antrifft, verkündet er Wiesen hoher Güte. Am üppigsten gedeiht der Goldhafer auf entsprechendem Boden in der Weinregion. Er hält einen Klima, ziemlichen Grad der Trockenheit aus, bleibt dann aber klein. Stauende Nässe und Ueberschwemmungen erträgt er aber durchaus nicht, und auch sonst ist ihm allzu große Nässe nicht gedeihlich, weßhalb man ihn in nassen Jahren weniger häufig bemerkt. Am besten gedeiht der Goldhafer in frischen, tiefgründigen, humvsen und zugleich warmen Boden. Böden, namentlich auf Mergel- und Kalkböden, dann aber auch auf Lehm- und guten Thonböden, sowie auf lehmigem Sandboden. Auf humusreichem Kalkboden fand ich ihn in der Dauphine über meterhoch und vielfach bildet er hier den Hauptbestand der durch Ansaat angelegten Wiesen. Auch auf gutartigen und entwässerten Humusböden, namentlich wenn dieselben gemergelt oder gekalkt wurden, kann er angebaut werden; auf trockenem und zugleich magerem Land liefert er nur geringe Erträge. Heu entnehmen dem Boden nach Wah und Ogostou: BodenStickstoff 10., U Magnesia 1. 4 U erschöpfung. Phosphorfäure 4. s „ Kalk 3- e „ Kali 16. 4 „ Schwefelsäure 1-8 " Natron 0.„ „ Kieselsäure 16. 0 „ Mit Erfolg kann er bewässert werden, jedoch muß das Wasser einen guten Abfluß haben und Düngung, darf sich nicht stauen. Im Boden liebt er mehr alte Kraft, als frische Düngung; es scheint, daß ihm die Kopfdüngung mit Gülle weniger zusagt als den meisten anderen Gräsern, worüber allerdings genaue Versuche noch keine vorliegen. Dagegen ist ihm das Ueberdüngen mit frischem Stallmist im Herbst sehr gedeihlich. Wachsthum, Ertrag, Autterwerth. Der Goldhafer bestockt sich sehr stark, aber der Wuchs. Horst ist locker und aus demselben sproßen allerdings etwas behaarte, zahlreiche, reich beblätterte Halme empor. Die Entwicklung ist mittelfrüh, da er um Mitte Juni blüht. Auch im zweiten Schnitt Entwicklung, treibt er zahlreiche Halme und einige Autoren behaupten sogar, daß der zweite Schnitt ergiebiger sei, als der erste, was bei normaler Heuernte im Allgemeinen nicht zutrifft. Immerhin hat dieses Gras die schätzbare Eigenschaft, daß auch der zweite Schnitt ergiebig ist, was zwar größtentheils auf die im Vergleich mit andern Gräsern etwas spätere Entwicklung des ersten Schnittes zurückzuführen sein wird. 41 Sinclair erzielte auf thonigem Lehmboden folgende Erträge: per Hektar per Juchart In Zentner grün dürr grün dürr In der Blüthe . . 183 Ztr. 64 Ztr. 66 Ztr. 23 Ztr. In der Samenreife . 274 „ 110 „ 99 „ 39 „ Ruchgras ... 91 „ - 33 „ - V i a nne erhielt auf feuchtem, fruchtbarem Mittelboden per Hektar 114 Ztr. Heu (per Juchart Ztr.). 100 U Gras geben 32., 5 -34. 7 u Heu. Der Ertrag ist also gegenüber andern Gräsern nicht bedeutend. Ertrag. 100 k Heu enthalten 80. 6 organische Substanz, bestehend aus: Futterwerth. Eiweiß (N X 6. S3 ) 6-8 % Holzfaser .... 33.0 % Stickstofffreie Ertraktstoffe . 38. 8 % Fett. 2-0 % Danach wäre der Eiweißgehalt ein mäßiger. Weitere llntersuchungen sind aber nothwendig. f 48 Samen- flewinmtnfl. Berunreim- gungen. Verfälschungen. Samengetvinming, Verunreinigungen und Verfälschungen. Die Sameugelvinnung mittelst Reinsaat ist bis heute noch nicht versucht worden, einerseits weil die Gewinnung sehr schwierig, anderseits weil der Ertrag zu gering ist und demnach für den Samen so hohe Preise verlangt werden müßten, daß man nur schwer Käufer finden würde. Aus diesem Grunde besteht nirgends eine regelrechte Samenkultur, sondern der Goldhafer, welcher im Handel vorkommt, wird mittelst geeigneter Maschinen durch enge Siebe aus dem Knaulgras ausgesiebt. In der Dauphins wächst derselbe stets im Gemenge mit dem dort geernteten Knaulgras, wird mit diesem geschnitten und gedroschen und später ausgesiebt. Früher, als die Nachfrage noch nicht fo groß war, siebten die Händler den Goldhafer nicht ab, während sie ihn jetzt bei der steigenden Nachfrage in der Regel ausscheiden und für sich verwerthen. Selbstverständlich gehen auch die übrigen Beimischungen, welche gleiche Große haben, wie der Goldhafer, auf diese Weise mit ab und verunreinigen denselben. Aus diesem Grunde ist der im Handel vorkommende Same stets sehr unrein. Der durchschnittliche Gehalt der fremden Bestandtheile beträgt 65 °/o, steigt aber auch bis 60 "/«. Zwar bestehen dieselben zum größten Theil aus kleinen tauben Früchten von Knaulgras *), abgebrochenen Grannen und Spelzen, immer aber noch aus etwa 5—10 °/ 0 allerlei kleinen Unkrautsamen, wie Wucherblume (Chrysanthemum Leucanthemum, L. ) und anderen kleinsamigen Compositeen, Labkräutern (Galium) rc. Es scheint aber, daß dieses Unkraut- gesäme auf dem Felde nicht wesentlich schadet, wenigstens habe ich dieselben in meinem Versuchsfelde fast gar nicht bemerkt, während der Goldhafer schön aufwuchs. Früher allgemein und gegenwärtig noch sehr häufig wurde die Drahtschmiele, Aira flexuosa, L. (Figur 20), als Goldhafer in den Handel gebracht. Dieselbe konnnt auf trockenen unfruchtbaren Waldblößen und auf sterilen Sand- und Haideböden in Deutschland oft massenhaft vor, indem sie dieselben dicht überzieht. Aus den dichten Büscheln des Stockes sproßen zähe, borstenartige Blätter und dünne draht- artige Halme von 20 — 30 Centimeter Höhe hervor, welche als Futter absolut werthlos sind und höchstens von Schafen gefressen werden. Die Samenreife fällt in die Monate Juli und August. Zu dieser Zeit werden die Samen zusammengerafft, von den Händlern zu höchstens 6 Gulden Per Zentner, wie Roth sagt**), aufgekauft und in der Regel als Goldhafer in den Handel gebracht. Die Unterscheidung des Samens ist bei einiger Aufmerksamkeit unter Zuhülfenahme einer Loupe nicht schwierig. Die Drahtschmiele besitzt röthlichbraune Spelzen (weßhalb sie in der Gegend von Hamburg „rother Blenker" genannt wird) und die gekniete Granne entspringt an der Basis der äußern Spelze. Der Same ist auch nahezu doppelt so schwer, als derjenige des Goldhafers. In jüngster Zeit sind mir unter der Etiquette des Goldhafers Muster- eingesandt worden, welche aus Samen des rohrartigen Waldschilfes, Calamagrostis arundinacea, Roth (Figur 21), bestunden. Derselbe besitzt eine mehr aschgraue Figur 20. Drahtschmielc. Xiru flexuosa, L. a. Scheinfrucht itt natllrl. Größe; b. dieselbe, Rückenansicht; e. Seitenansicht, 8mal vergrößert. *) Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, dieses Knaulgras werde dem Goldhafer absichtlich beigemischt. Es ist eine Verunreinigung, keine Verfälschung. **) Georg Roth. Ueber das Sammeln der Grassamen in den Waldungen und das Verfälschen der Grassamen. Stuttgart 1875. Taf. 6 k Ävena flavescens, L. Goldhafer — Avoine jaun&tre Lith. Genossenschaft Zürich. « C. h L. Schrater ai. nat. etel. 49 Samen- quntitcit Farbe. Die schwachgebogene Granne entspringt ebenfalls an der Basis der äußeren Spelze und das lange Stiel- chen ist pinselartig behaart. Beide Samen, die Drahtschmiele sowohl, wie das Waldschilf werden in der Regel unvermischt als Goldhafer verkauft, nur ausnahmsweise kommt es vor, daß sie dem Goldhafer beigemischt werden. Same, Saat. Die durchschnittliche Reinheit beträgt 34.,, %, die Keimfähigkeit 37 °/o. Von einer guten Handelswaare darf man 40 7» Reinheit und 407« Keimfähigkeit erwarten (16 °/o reine und keimfähige Samen). Ein Kilo reiner Samen enthält durchschnittlich 4,500,000 Körner. Demnach enthält das Kilo einer guten Handelswaare 720,000 reine und keimfähige Samen. Ein Hektoliter wiegt rund 6 Kilo. Das Saatquantum beträgt per Hektar 33 Kilo einer 1 öprozentigen Waare--528 Kiloprozente, per Juchart 12 Kilo oder 192 Kiloprozente. Der Same kostet im Handel per Kilo Fr. 2 bis Fr. 5, so daß demnach die durchschnittliche Saatauslage per Hektar Fr. 115, per Juchart Fr. 42 beträgt. Sinclair sagt: „Beinahe in jedem Monat des Jahres habe ich diesen Samen gesäet und immer gefunden, daß entweder die dritte Woche im Mai, oder die erste vvm August bis September augenscheinlich die besten waren, wenn man gehörige Rücksicht auf den Stand des Wetters nimmt". Allein gesäet ist jedoch der Ertrag gering, weil die Berasung eine sehr lockere ist. Aus diesem Grunde sollte er zur Futternutzung nur in Mischung mit andern Gräsern gesäet Mischungen, werden. Für Kleegras und andere kurzdauernde Mischungen ist der Same zu kostspielig und steht den andern Gräsern im Ertrag nach. Dagegen ist er in Mischungen für Wechselwiesen und für Dauerwiesen sehr am Platze und sollte namentlich bei letzteren auf entsprechendem Boden stets berücksichtigt werden. Erklärung der Tafel 6. (Figur A und B in natürlicher Große, Figur 1—8 6mal, Figur 10 2mal, Figur 11 etwa lOmal vergrößert.) Figur 21. Goldhafer, Avena flavescens, L. a. Scheinfrucht in natürlicher Größe; v. und c. dieselbe achtmal vergrößert. Figur 22. Rohrartiges Waldfchilf. Oalarna^rostis arunctinaesa, wotlr. a. Bon der Bauchseite lVorspelzel aus, mit dem Stielchen; t>. von der Seite. Saat- guantum. Figur A. Ganze Pflanze mit einer noch zusammengezogenen Blüthenrispe. " B. Ausgebreitete Rispe in voller Blüthe. " 1. Ganzes Aehrchen in Blüthe. „ 2. Einzelne Blüthe mit Deck- und Vorspelze. „ 3 . Blüthe mit Vorspelze, von der Deckspelze aus gesehen. „ 4. Scheinfrucht von der Seite. Figur 5. Mit derselben verbundenes Stück der Aehrchenaxe. „ 6. Scheinfrucht von der Vorspelze aus. „ 7. Caryopse von der Seite. „ 8. Querschnitt durch dieselbe. „ 9. Grundriß des Aehrchens. „ 10. Blatthäutchen. „ 11. Querschnitt durch die Spreite (n. Lund). 7 50 Benennung. Geschichte und lundwirth- schaftlicher Werth. Butanische Beschreibung. 7. Das wollige Honiggras. Holcus lanatus, Linne. Das wollige Honiggras heißt auch gemeines Honiggras oder schlechtweg Honiggras, Honigschmale, Zuckerschmale, Mehlhalm, Wollgras, Darrgras, Frauengras, Pferdegras, Roßgras rc. Es ist eine ausdauernde aber geringwerthige Futterpflanze. Schon Schwerz hielt es für ein äußerst mittelmäßiges Gras, das als Heu ein gehalt- und geschmackloses Futter gewähre; noch früher erwähnt Sinclair: „Die Menge zarter Haare, welche die Oberfläche der ganzen Pflanze bedecken, machen das Heu weich und schwammig, in welchem Zustande es weder Hornvieh, noch Pferde gerne fressen". Andere Autoren erheben es dagegen zu einer sehr vorzüglichen Futterpflanze, so z. B. sagt H'a nsen *): „Zudem ist es ein sehr weiches, süßes und saftiges Gras, das grün sehr vom Rind- und Schafvieh gesucht wird. Zur rechten Zeit gemäht und getrocknet, d. h. bevor die Rispe sich völlig ausbreitet und in die Blüthe tritt/gibt es ein Heu, welches an Vortrefflichkeit fast keinem nachsteht und besonders den Pferden sehr angenehm ist". Die kompetentesten neueren Autoren sind jedoch darüber einig, daß das Honiggras für alle guten Böden, wo bessere Pstanzen gedeihen, ein werthloses Gras ist und vielfach geradezu zunr Unkraut wird. Botanische Beschreibung. Das wollige Honiggras bildet einen hohen, polsterförmigen, dichten Horst; es hängt dies damit zusammen, daß einerseits die extravaginalen Seitentriebe sofort über ihrer llrsprungsstelle sich in scharfem Winkel nach oben wenden, anderseits einzelne Zwischenknoten dieser ausrechten Triebe sich stark verlängern, so daß der Gesammthorst aus übereinander liegenden Theilhorsten sich zusammensetzt. Die untern Blattscheiden sind am Grunde röthlich gefärbt, namentlich aus den Nerven. Die 45—90 cm. hohen Halme sind an und unter den Knoten dicht-graulich-kurzhaarig. Die Blätter sind an Scheiden und Spreiten ebenfalls mit weichen Haaren dicht besetzt, so daß die ganze Pflanze eine graugrüne Färbung zeigt (Fig. A). Das Blatthäutchen ist ziemlich kurz (Fig. 14), die Spreite oberseits seicht gerillt (Fig. 15). Der Blüthenstand ist eine zur Blüthezeit weit ausgebreitete Rispe die, namentlich vor der Blüthe, in zusammengezogenem Zustand röthlich überlaufen erscheint. Das Aehrchen ist zwei- blüthig, die untere Blüthe zwittrig und unbegrannt, die obere männlich und begrannt (Figur 2 und 13) (nur in seltenen Ausnahmssällen hat das Aehrchen 3 Blüthen, eine zwittrige und 2 männliche). Die Klappen sind weißlich, oben meist etwas röthlich überlaufen, unter der Loupe durch kleine Borragungen punktirt erscheinend (Figur 7); die untere kleinere (u. Kl., Fig. 1, 7, 13) ist einnervig, die obere (o. XI., Figur 1, 7, 13) dreinervig; beide scharf gekielt und am Kiel, der in ein kleines Spitzchen ausläuft, kurz und steif gewimpert. Die Aehrchenaxe (AeA., Figur 2, 8) ist über den Klappen unter rechtem Winkel nach der obern Klappe hin abgebogen und wendet sich dann im Bogen nach oben; am Ende dieses gebogenen Stückes sitzt die untere zwittrige Blüthe, umgeben von einem Büschel steifer Haare von der halben Länge der Deckspelze; oberhalb derselben verlängert sich die Aehrchenaxe um ein gerades Stück, an dessen Ende dann die obere männliche Blüthe sitzt (Figur 2). Die Spelzen sind so klein, daß sie trotz dieser langen Zwischenglieder der Aehrchenaxe von den Klappen vollständig bedeckt werden (Figur 1, 7). Die Deckspelzen (u. 8p., Fig. 1, 2, 8, 10, 13) Leider Blüthen sind weißglänzend, nervenlos, vorn gerundet; diejenige der obern Blüthe trägt eine unter der Spitze schwach einwärts gekrümnrte, die obere Klappe nicht überragende kurze Granne (6r., Fig. 2); die der Zwitterblüthe ist grannenlos; die Borspelzen (o. 8p., Fig. 2, 3, 4, 10, 13) sind ebenfalls nervenlos. Die Schüppchen (Seh., Fig. 2—4, 13) sind sehr groß, beinahe doppelt so lang als der Fruchtknoten der Zwitterblüthe, über dem breit-eiförmigen Grunde etwas eingeschnürt und lang zugespitzt. Der Fruchtknoten der Zwitterblüthe (Fig. 5) ist an der Spitze behaart und trägt zwei federförmige Narben; der sterile der männlichen Blüthe (Fig. 6) ist bedeutend kleiner und mit 2 astlosen Narbenstummeln versehen. Die Vorgänge bei der Blüthe sind ganz dieselben wie beim englischen Rahgras (siehe dieses). Bei der Reife bleibt meist das ganze Aehrchen beieinander und löst sich von seinem Stiel; der im Handel ’■) E. F. Hansen. Anleitung zur Kenntniß der einheimischen Gräser. Plan 1827. 51 Vorkommende „Same" von Holcus lanatus besteht demnach aus der von den Klappen und Spelzen umschlossenen Frucht und der sterilen obern Blüthe (Fig. 7); dieses Fruchtährchen ist (mit der Granne der Klappe) circa 4—5 nun. lang. Die Scheinfrucht, 1—2 mm. lang (Fig. 10), ist an der Basis behaart, von der knorpligen, glänzenden, glatten Deckspelze völlig umgeben und sührt auf der Bauchseite ein kurzes dünnes Stielchen (Rudiment der Aehrchenaxe) (AeA.., Fig. 10). Die Frucht selbst ist länglich-eiförmig, an der Spitze kurzhaarig, auf der Bauchseite etwas ausgehöhlt (Fig. 11 und 12). Die Granne der unfruchtbaren Blüthe ist bei der Reife hackig einwärts gekrümmt (Fig. 8). Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. In Europa kommt das wollige Honiggras wild vor Geographische in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, in ganz Zentral-, Ost- und Nordeuropa, mit Ausnahme von Verbreitung. Island und Lappland; in Afrika in Algier; in Asien im Kaukasus, Georgien, Sibirien (Ural, Baikal). In Nordamerika ist dasselbe eingeführt. Bei uns trifft man cs auf allen Bodenarten, auf Wiesen, Triften, an Dämmen und Waldrändern. Standorte. Im Jura steigt die Pflanze bis 1400 m., bis 750 m. in den bayerischen, bis circa 1700 m. in den Höhengrenzen. Glarner- und Graubündneralpen. Es leidet häufig durch Wintersröste, erliegt denselben aber nicht. Ebenso schaden ihm Spät- Klima, fräste, weil cs ziemlich früh treibt. In feuchten Klimaten und feuchten Jahren bildet sich der wollige Charakter der Pflanze weniger stark aus, als in trockenen, und das Futter ist dem Vieh dann auch angenehmer. Besonders üppig entwickelt es sich in gereutetem Waldboden, überhaupt auf humusreichen, Baden, lockeren Bodenarten und wird deßhalb auf diesen Standorten häufig zum gefürchteten Unkraut, da es durch Selbsibesamuug überhaild nimmt und im Ertrag in Qualität und Quantität anderen Futterpflanzen nachsteht. Sein Anbau empfiehlt sich nur auf Torfboden, sowie auf mageren Sandböden, wo bessere Futterpflanzen nicht mehr gedeihen; da ist es ein werthvoller Lückenbüßer. 1000 U Heu entnehmen dem Boden: BodenStickstoff 14.3 » Kalk 4.i U erschöpfung. Phosphorsänre 4. ä U Magnesia 1-5 0 Kali 20. 5 U Kieselsäure 26.g U Natron 2-i U Schwefelsäure. 2. 3 U Gegenüber andern Gräsern entnimmt das Honiggras dem Boden verhältnißmäßig viel Kali. Weitere Untersuchungen sind aber nothwendig. Obschon es gute Düngung liebt, so macht es dieselbe nicht bezahlt. Düngung. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. . Es bildet einen büscheligen, hohen Horst, wodurch Wuchs, das Mähen sehr erschwert wird, was auch mit ein Grund ist, daß man es auf guten Mähewiesen ungern sieht. Aus denr dichten Horst sproßen zahlreiche, auf gutem Boden 2—3 Fuß hohe Halme hervor. Wie erwähnt ist das Honiggras ein verhältnißmäßig frühes Gras, da es seine Blätter schon im März treibt und schon im Mai anfängt zu blühen. Wenn man mit dem Schneiden länger als Entwicklung, bis zur Blüthe wartet, so verliert es wesentlich au Nahrungswerth, die Samen fallen ab und bewirken oft eine starke Vermehrung. Aus diesem Grunde bildet es den Hauptbestandtheil der Heublumen, welche mitunter zu 50 "/„ aus allerdings unreifem Honiggras bestehen. Sinclair erzielte auf gutem thonigem Lehmboden: per Hektar grün dürr 107 Ztr. - Ztr. in Zentner Mitte April per Juchart grün dürr 38 Ztr. — Ztr. 424 „ 139 „ 153 „ 50 „ 424 „ 85 „ 153 „ 31 „ „ -..-nvyy .uy . . 152 „ n 05 ,, ,, Bianne ermittelte auf lehmigem, frnckitbarem Sandboden einen Heuertrag von 158 Ztr. per Hektar 57 Ztr. Per Juchart). Ertrag. Zur Blüthezeit . Samenreife Nachgras 52 Futterwerth. Samen- gewinnung. Samenertrag. Da das Futter wegen seiner sammtartigen Behaarung vom Vieh lücht gerne aufgenommen wird, empfiehlt Humphry Davy das Heu beim Einheimsen mit Salz zu bestreuen, wodurch die Häärchen etwas feucht und schlaff werden und das Futter deßhalb vom Vieh lieber aufgenoulinen wird. Aus dem gleichen Grund sollte das Heu nur gehäckselt in Mischung mit anderm Futter verabreicht werden. 100 U Heu enthalten 79. 5 % organische Stoffe, darin sind: Eiweiß (N X 6. ää ) ... 9. 0 u Holzfaser.36. s „ Stickstofffreie Extraktstosie . . 31. 6 „ Fett.2. 4 „ Gegenüber andern Gräsern hat es also einen geringen Eiweißgehalt. Wie viel von den einzelnen Stoffen verdaulich sind, darüber liegen keine Versuche vor, jedenfalls ist die Verdaulichkeit infolge der sammtartigen Behaarung eine geringe. Ueberhanpt darf als allgemeiner Grundsatz angenommen werden, daß ein dem Vieh schlecht schmeckendes Futter auch weniger gut vervaut wird, als ein Futter, welches gerne aufgenommen wird. Samengewinnmrg, Verunreinigungen und Verfälschungen. Ein großer Theil der im Handel vorkommenden Samen ist nur Auspntz aus dem englischen Raygras. In Schottland, wo es als Verunreinigung gemeinsam mit letzterem wächst, wird der Sanie nach dem Drusch rnit Wind aus dem englischen Raygras ausgeputzt. Auf diese Weise gehen allerdings auch die tauben Früchte des englischen Raygrases ab. Aus diesem Grunde enthält das auf solche Art gewonnene Honiggras gewöhnlich nur 30 bis 40 °/o reine Samen und das Uebrige besteht meist aus tauben Früchten (Spreu) des englischen Raygrases. Ein anderer Theil der Haudelswaare stammt aus Deutschland und wird dort an solchen Stellen, wo es häufig wild vorkommt, wie in Abtriebsschlägen, Waldlücken rc. gerauft oder geschnitten. Die eigentliche, feldmäßige Samenkultur lohnt sich nicht, trotz der Leichtigkeit der Gewinnung, weil der Preis des Samens zu gering ist. Werner gibt den durchschnittlichen Samenertrag per Hektar auf 100 Kilo an, was bei einem Verkaufspreis von Fr. 30 per Zentner einem Bruttoerlös von Fr. 60 gleichkommt. Figur 23. Figur 24. Weiche Trespe. Weiches Honiggras, Holeus mollis, L. Bromus mollis, L. a unt) Fruchtährchen in natürlicher Größe; o. und a. Scheinfrucht, natürliche Größe; d. siebenfach vergrößert; e. Aehrchen ohne Klappen, b. dieselbe vergrößert, äußere Ansicht; siebenfach vergrößert. (Nach Robbe.) v. innere Ansicht • d. Naryopse, vergrößert. (Nach Nobbe.) Figur 28. Wolliges Honiggras. Holcus lanatus, L. a. Scheinfrucht (Aehrchen), natürliche Größe; b. dieselbe vergrößert; o. Aehrchen ohne Klappen. (Nach Nob.be.) Taf. 7 II. 12 Sn. iitil 11 1 ii l n nn 11 "nw [) |||)J| j/fjf Holcus lanatus, L. Wolliges Honiggras. — Houlq.ue laineu.se. Lith. Genossenschaft Zürich. C. & L. Schröter ad. nat. dei. M 2 M mm 53 Als häufigste Verunreinigung, neben dem englischen Rahgras, trete die weiche Trespe, Bromus mollis, L. (Figur 23), in geringer Menge die Hainsimsen (Luzula) und andere Unkräuter auf. In Folge des niedrigen Preises kommen Verfälschungen höchst selten vor. Hie und da trifft man als Beimischung allerdings etwas weiches Honiggras, Holcus mollis, L. (Ristgras), Figur 24; wie ich glaube ist das aber eher eine natürliche Verunreinigung, keine Fälschung. Häufig hingegen dient das wollige Honiggras in Folge seiner Billigkeit zur Verfälschung theurerer Gräser, wie z. B. von Wiesenfuchsschwanz (siehe diesen). .Ebenso ist es gewöhnlich ein Hauptbestandtheil der im Handel käuflichen, fertig präparirten Mischungen. Same, Saat. . Die durchschnittliche Reinheit beträgt 68.., %, die Keimfähigkeit 34 0 0 . Der Same deutscher Provenienz hat in der Regel eine höhere Reinheit, als derjenige schottischer Herkunft, dagegen bestehen die fremden Bestandtheile bei letzterer zum größten Theil aus unschädlichen (tauben Früchten von englischem Rahgras), zum Theil sogar aus nützlichen (englisches Raygras) Elementen, während die deutsche Waare häufig ziemlich viel Unkräuter enthält. Eine Prima Waare soll 80 °/ 0 reine Samen enthalten, wovon 60 "/« keimen = 40 % reine und keimfähige Samen. Der in den Handel gelangende Same ist meist von den Klappen umschlossen, wovon 1 Kilo reine Samen 2,870,000 Körner enthält und 1000 Körner O.g, Gramm wiegen. Selten kommt er ohne Klappen, also nackt im Handel vor (Figur 25, c). Ein Hektoliter wiegt durchschnittlich 8.. Kilo. Als Saat- quantum sind per Hektar 25 Kilo einer 40prozentigen Waare oder 1000 Kiloprozente erforderlich, per Juchart 9 Kilo oder 360 Kiloprozente. Den Ankaufspreis zu 80 Rp. per Kilo angenommen, beträgt die Auslage für die Saat Fr. 20 per Hektar oder Fr. 7. 20 per Juchart. Auf entsprechendem Boden verdient es nur in Mischungen Berücksichtigung, und zwar sowohl für Kleegras, als für Mischungen zu Wechsel- und Dauerwiesen. Auf Torfboden kann man der Mischung bis 30 Prozent Honiggras zusetzen, ebenso aus dürrem Sandboden. Auf besserem Boden nimmt man bedeutend weniger oder läßt es am Besten ganz weg. Erklärung der Tafel 7. (Figur A in natürlicher Größe, Figur 1—12 6mal, Figur 14 2mal, Figur 15 etwa lOmal vergrößert.) Figur A. Zwei ganze Pflanzen, die eine Rispe vor, die andere während der Blüthe. „ 1. Ganzes Aehrchen in Blüthe. 2. Dasselbe nach Entfernung der Klappen (ohne die Staubgefäße). „ 3. Vorspelze und Schüppchen der Zwitterblüthe von der Seite. „ 4. Dasselbe plus dem Stempel von vorn. » 5. Stempel der Zwitterblüthe. " 6. „ „ männlichen Blüthe. " 7 - Aehrchen im Fruchtzustand. Figur 8. Dasselbe ohne die Klappen. „ 9. Die Scheinfrucht nach Entfernung der Deckspelzen. „ 10. Scheinfrucht von der Bauchseite aus. „ 11. Carhopse von der Furchenseite aus. „ 12. Carhopse in der Seitenansicht, an der Basis der Keimling. „ 13. Grundriß des Aehrchens. „ 14. Hälmstück mit Blattscheide und Blatt- häutchen. „ 15. Querschnitt durch das Blatt. Berunreim- gungen. Ber- sälschungcu. Samenqualität. Saat- quantum. Mischlinge». 54 8. Das Uimothe- oder Wiesenkiefchgras. llblsum pratsnso, Rinnü. Bmennunn Der Name „Timothe" oder „Timotheusgras" rührt daher, daß die Kultur dieses Grases Mitte des vorigen Jahrhunderts in Karolina und später in Virginien (Nordamerika) von Timothy Hanson verbreitet GeschichN, Peter Wynch, Präsident der Gesellschaft des Landbaues in London, ließ den Samen mit zahlreichen andern Gräsern um das Jahr 1760 aus Nordamerika nach England kommen, wo es bald allgemein in Aufnahme kam. Im Annual-Register und im Museo Rustico wurde es 1765 zur allgemeinen Kultur empfohlen und bald darauf auch in den Organen der landwirthschaftlichen Gesellschaften auf dem Kontinent. In Amerika nannte man es zuerst „Herdgras", während es in Europa gleich anfänglich unter dem Namen „Timothegras" Verbreitung fand, welche Bezeichnung auch heute noch die gebräuchlichste ist. Hie und da wird es auch Kolbengras, Hirtengras, Kampfgras, Streitgras (wegen der keulenartigen Blüthenstände) oder Wiesenfennich genannt. Landwirth- Im nördlichen Deutschland und in Nordamerika ist gegenwärtig das Timothe das am meisten Bertis r kultivirte Gras, sei es in Reinsaat oder im Gemenge mit Rothklee; bei den Weideanlagen in Holstein und Meklenburg wird es allgemein angewendet; auch in Süddeutschland, in Oesterreich, Rußland und der Schweiz kommt es je länger je mehr in Aufnahme, denn für schwere, naßkalte Böden, wenn dieselben auch weniger kultivirt sind, ist dasselbe unersetzlich. Ein großer Vortheil ist auch, daß der Same sehr billig ist und auf dem Felde gut aufgeht, so daß man mit den geringsten Kosten eine Anlage machen kann. Es wird ihm ferner nachgerühmt, daß es das Moos unterdrücke. Zwar hat es auch seine Nachtheile, namentlich den, daß es etwas spät ist und leicht hart wird; immerhin wird aus der weiter folgenden Betrachtung hervorgehen, daß das Timothegras eine sehr werthvvlle Futterpflanze ist. Botanische Botanische Beschreibung. Das Timothegras bildet einen ebenen, ziemlich dichten Horst; die Beschreibung. Seitentriebe sind intravaginal, brechen aber früh durch einen Längsriß aus der Mutterscheide hervor; Ausläufer fehlen. Die alten Scheiden des Halmgrundes lösen sich in Fasern auf (Fig. A). Die glatten Halme sind aufrecht oder am Grunde etwas geknickt (oft sogar an den untersten Knoten wurzelnd). An Pflanzen trockener Stellen ist der Stengelgrund oft zwiebelförmig verdickt (siehe unten). Die gelblichgrünen Blätter sind an den Rändern scharf, oberseits schwach gerillt, in der Knospe gerollt, das Blatthäutchen an den obern etwas verlängert und spitzlich, an den untern kürzer. Der Blüthenstand ist eine dicht ährenförmig zusammengezogene, gleichmäßig walzenförmige Rispe, gewöhnlich 4.^—6 ein. lang, auf fettem Boden aber 18—27 em. erreichend. Die kurzgliedrigen Seitenverzweigungen der Hauptspindel sind unterwärts derselben angewachsen. Das Aehrchen ist einblüthig; die beiden Klappen (u. Kl. und o. Kl., Fig. 1, 2, 8) sind länglich, ungefähr gleich lang und nicht miteinander verwachsen (Unterschied von Alopecurus!). Sie sind scharf gekielt, oben quer abgestutzt bis auf die kurze, steife, auswärts gebogene Granne (Er., Fig. 1, 2), in welche der durch steife Borsten kammartig gewimperte Kiel auslänft. Sie hüllen die nur halb so lange Deck- und Vorspelze vollkommen ein. Die Deckspelze (n. 8p., Fig. 3, 5, 6, 8) ist etwa 1 / a so lang als die Klappen, brippig, mit wenig verlängerter Mittelrippe. Die Vorspelze (o. Sp., Fig. 3, 5, 6, 8) ist dünnhäutig und zweirippig Die Schüppchen (8di., Fig. 4, 8) sind sehr klein und an der Spitze einge- schnitten-gezähnelt. Die beiden Narben- (N., Fig. 2—4) sind sprengwedelförmig, nur in ihrer obern Hälfte (so weit sie bei der Blüthe über die Klappen hinaustreten) mit Narbenästen versehen. Bei der Blüthe findet kaum ein Auseinanderweichen der Spelzen und Klappen statt: Staubgefäße und Narben treten oben, an der Spitze des Aehrchens heraus; ihre gegenseitigen Beziehungen sind dieselben wie beim englischen Raygras (siehe dieses). Die Frucht ist von den hartgewordenen, glatten, silbergrauen, glänzenden Spelzen fest eingeschlossen, eikugelig und sehr klein (Fig. 5, 6) (im Durchschnitt l‘/ 2 Millimeter lang mit den Spelzen). Die von den Spelzen befreite Frucht (Fig. 7) (auch im käuflichen Saatgut kommen solche vor) ist rundlich, nach unten spitz zulaufend und fein chagrinirt; der dunkler gefärbte Keimling sitzt am untern spitzen Ende. 55 Abarten. Verschiedene Autoren beschreiben unter dem Namen „knolliges Lieschgras" (Nblourn Harten, nodosum, L.) eine Form des Wiesenlieschgrases, wie sie sich aus trockenen Böden entwickelt, wo der Halm am Grunde zu einer zwiebelartigen Verdickung anschwillt. Es ist dieß jedoch keine eigentliche Varietät, sondern nur eine Standortsform. Ist der Boden feucht, so bildet sich keine solche Anschwellung. Eigentliche Varietäten werden außer der gewöhnlichen nur zwei unterschieden, die eine von Döll, bei welcher die Hülle längere Grannen besitzt, die andere von Decandolle mit kürzern Grannen als die gewöhnliche Form. Landwirthschaftlich sind dieselben gleichwerthig mit der Hauptart. Vorkommen, Klima, Boden und Düngung. Obschon der Same ursprünglich aus Nordamerika Geographische importirt wurde, war das Timothegras schon früher bei uns einheimisch, ohne daß man es in der Land- Verbreitung, wirthschaft beachtet hätte. Wild kommt es vor: In ganz Europa mit Ausnahme des arktischen Rußlands, Griechenlands und des größten Theiles der Türkei; in Afrika in Algier; in Asien im Kaukasus, Georgien, Talüsch, ganz Sibirien (Ural, Altai, Baikal); in Nordamerika in Neu-Fundland, am Taskatschevan und beim Fort Vancouver. Bei uns treffen wir es wild namentlich an Weg-, Graben- und Ackerrändern, auf Wiesen und Standorte. Weiden bis in die alpine Region. In der Auvergne steigt es bis 1000 — 1200 m., Port de Venasque bis 2400 m., in Südspanien kommt Hohmgrenze». es zwischen 2100 — 3100 m. vor; im Kaukasus zwischen 800—1600 in., auf dem Kasbek bis 2900 m.; in England bis 350 m. Im Oberengadin wird es noch bei 1700 in. angetroffen. Wenn es auch mehr einen frischen bis feuchten Boden liebt, so erträgt es doch die Trockenheit Klima, sehr gut, produzirt dann aber nur kurze Halme, Aehren und Blätter und liefert dem entsprechend einen geringeren Ertrag. Ebenso schadet ihm die strengste Winterkälte nicht; es widersteht den Einflüssen von frostreichen und schneelvsen Wintern unweit besser als die meisten andern Gräser. Es ist deßhalb für Böden geeignet, auf welchen andere Kulturpflanzen dem Auswintern ausgesetzt sind. Am besten gedeiht das Timothegras auf frischen Lehm- und Thonböden; seinen größten Werth Boden, hat es für entwässerte Moorböden und für feuchte uud naßkalte schwere Bodenarten. Auf sauren Böden, sowie auf hitzigen, fiachgründigen Kalkböden ist es unsicher. Auf lehmigen Sandböden wird es in Norddeutschland häufig zu Weide und auch als Mähefutter kultivirt. 1000 u Timothegrasheu entnehmen dem Boden: Boden- Stickstoff lö.z *£/) Kalk 4.7 U erschöpfung. Phosphorsäure 6-9 „ Magnesia 1*9 " Kali 20-4 „ Schwefelsäure . *7 ff Natron. 1-i » Kieselsäure 18-9 „ Für die Düngung hat sich das Timothegras bei Versuchen als ein sehr dankbares Gras gezeigt. Düngung. B. Heinrich hat gefunden, daß aus einem leichten, armen, sandigen Boden namentlich durch Düngung mit schwefelsaurem Kali der Ertrag wesentlich gesteigert wurde. Gülledüngung erträgt das Timothegras sehr gut und dasselbe ist auch zur Bewässerung geeignet. Wachsthum, Ertrag, Fntterwerth. Das Timothegras bildet einen mittelmäßig dichten Wuchs, büscheligen Horst und erzeugt deßhalb, für sich allein gesäet, keinen geschlossenen Rasen. Es ist im Allgemeinen ein spätes Gras, da es die Aehren erst Ende Juni aus den Scheiden heraustreten läßt Entwicklung, und die Blüthe erst im Juli eintritt. Nichtsdestoweniger liefert es im Gemenge mit andern Gräsern und mit Kleearten zur Zeit der Heuernte einen großen Ertrag, da sein Heu sehr stark in's Gewicht fällt. Kein • anderes Gras liefert so schweres Heu, wie das Timothegras; in kleinem Volumen enthält dasselbe eine große Menge Nahrnngsstofse, haben doch einzelne Landwirthe beim Heu, in welchem das Timothegras einen hohen Prozentsatz ausmachte, ein Gewicht von 20—30 Zentner per Klafter (= 5.832 m 3 ) ermittelt. Es sollte immer vor der Blüthe und vor dem Heraustreten aller Schein- Ernte, ähren aus den Blattscheiden geschnitten werden, weil es sonst zu stark verholzt und ein grobes hartes Heu liefert. Die Nachmahd ist in der Regel geringer als der erste Schnitt. 56 Ertrag. Futterwerth. Samengewinnung. Samenertrag. Je nach dem Boden, dem Feuchtigkeits- und Düngungsznstand ist der Ertrag sehr verschieden. Sinclair erzielte auf einem thonigen Lehmboden: per Hektar Per Juchart grün dürr grün dürr Mitte April . 121 Ztr. — Ztr. 44 Ztr. — Ztr. In der Blüthe 914 „ 388 „ 328 „ 140 „ „ „ Samenreife 914 „ 434 „ 328 „ 156 „ Nachgras 213 „ — „ 77 — „ Vianne gibt den Ertrag per Hektar zu 120-300 Ztr. Heu an. Zu Bonny erzielte man auf Sandboden nach H. Werner 120—140 Ztr., in Grignon auf gutem Boden 120 Ztr. Sprengel gibt den Ertrag zu 80-100 Ztr. an. Pinkert erzielte auf flach- und naßgründigem sandigem Lehmboden im zweiten Jahr 92 Ztr., alles per Hektar berechnet. Reines Timothe oder Kleegras mit hohem Timothezusatz ist besser zur Grünfütterung geeignet als zur Fütterung in dürrem Zustande, weil dasselbe, auch wenn es früh geschnitten wird, dürr doch immer etwas hart ist. Hingegen wird das Heu als Pferdefutter sehr gelobt. Bildet dasselbe aber nur 10—‘20% der Mischung, so wird dadurch die Schmackhaftigkeit des Heues nicht beeinträchtigt und man kann das Futter unbedenklich dörren. 100 u Gras geben nach unsern Ermittlungen 32.,, % Heu mit 14% Wassergehalt, nach Wolfs 34., U. Nach Wolfs enthält das Heu 81., % organische Substanz, darin sind: Eiweiß (N X 6. 25 ) . . 9. 7 % davon verdaulich 5. s °/ 0 Rohfaser .... 22.,%) Stickstofffreie Extraktstoffe . 45, 8 Fett.3. 0 % „ „ 1-4 % Nährstoffverhältniß 1 : 8. 0 Nach Ermittlungen im hiesigen Laboratorium enthielt das Timothe im ersten Entwicklungsjah grün als Heu wasserfrei Trockensubstanz 27.,, 7o 86. 00 7o 100.0O 7° Asche. 2. 17 7 0 6-7° % 7-79 O/o Eiweiß (N X 6. 25 ) . 1-90 % 5-ss 7« 6-8« 7° Fett. 0-S3 7o 2-zz % 2-97 7° Stickstofffreie Extraktstoffe 13.„ % 40. g, 7° 47. 58 7° Rohfaser .... 2*69 % 29-93 % 84.gz 7o (Stickstoff in Nicht-Eiweiß 0. 3,3 7o der Trockensubstanz). Das Timothegras zeichnet sich also durch einen verhältuißmäßig hohen Gehalt an Extraktstosfen (Zucker, Stärke rc.) und ein weites Nährstoffverhältniß aus. Dasselbe ist deßhalb, für sich allein verabreicht, kein zweckentsprechendes Futter, während es in Mischung mit Klee und andern eiweißreicher» Futterpflanzen besser geeignet ist. Samengewinnnng, Verunreinigungen und Verfälschungen. Die Samengewinnung ist leicht. Man kultivirt zu diesem Zwecke das Timothegras allein, schneidet dasselbe, wenn die Aehren anfangen sich röthlich-gelb zu färben und die Fruchtährchen an einzelnen frühreifen Aehren am untern Rande sich loslösen, mit der Gestellsense regelmäßig an einem sonnigen Tage in Schwaden, läßt es so zwei bis drei Tage trocknen oder bindet es am Abend in kleine Garben, welche dann in Puppen aufgestellt und 4—8—10 Tage (je nach der Witterung) auf dem Felde nachreifen gelassen werden. In Puppen schadet der Regen dem Samen wenig. Sind die Garben trocken, so werden sie eingefahren und anr besten während der Kälte im Winter gedroschen. -■ Das Timothegras setzt auch reichlich Samen an, so daß der Ertrag trotz der Kleinheit des Kornes groß ist. 57 Pinkert erzielte in günstigen Fällen Erträge von 16 — 20 Ztr. Samen per Hektar. Werner gibt den Ertrag auf 6 — 16 Ztr. an. Entsprechend der Leichtigkeit der Gewinnung und der Ausgiebigkeit der Samenernten ist der Preis des Samens gering. Im Großhandel gilt der Zentner Fr. 30- 45. Sprengel sagt, daß der Same infolge seiner Billigkeit schon als Grütze verwendet werde, die ebenso gut sei als Schwadengrütze (Glyceria fluitans, K.). In Schlesien gewinnt man den Samen auch aus Mischungen von Klee und Timothe. Da der Timothesamen sehr feinkörnig ist und leichter ausfällt als der Rothklee, so läßt er sich nach dem Drusch leicht von den Kleeblüthen und den etwa ausgefallenen Kleesamen absieben. Läßt man nach Timothe Getreide folgen, so wächst namentlich bei eiufurchiger Bestellung ein Theil des Grases zwischen den Furchen wieder aus und kommt mehr oder weniger in der Körnerfrucht wieder, weßhalb ältere Schriftsteller behaupteten, daß es das Feld verquecke, was aber durchaus nicht der Fall ist. Das Timothe entwickelt sich dann unter dem Getreide ungemein kräftig, wird oft 4 Fuß lang und die Aehren, welche reichlich Samen tragen, erreichen wohl eine Länge von 8—9 Zoll. Da die Reife des Timothesamens ungefähr mit derjenigen des Wintergetreides zusammenfallt, so läßt sich der Same desselben später leicht als Nebennutzung gewinnen, indem derselbe mit einem I—l'A Millimeter weiten Sieb namentlich aus der Hinterfrucht ausgesiebt wird. Pinkert erzielte auf diese Weise eine Nebennutzung von mindestens 2 Zentner Samen per Hektar. Der im Handel vorkommende Timothegras-Samen stammt zum großen Theil aus Nordamerika, Snmeuhmim. zum Theil aus dem östlichen Deutschland und Oesterreich. Ueber das Gedeihen der amerikanischen Provenienz bei uns, im Verhältniß zur europäischen, liegen genaue Versuche noch keine vor; im Versuchsfelde der hiesigen Samen-Koutrolstation sind im ersten Versuchsjahr keine Unterschiede konstatirt worden. Der amerikanische Same ist in der Regel wesentlich reiner als der europäische, während dieser oft 10 bis 20 % und mehr fremde Bestandtheile, zum Theil Erde rc., zum Theil aber Unkraut- gesäme enthält; namentlich enthält das von Breslau aus exportirte Timothe oft in hohen Prozent- Verunreim- sätzen Hundskamille (Anthemis arvensis, L.), Klatschnelke (Silene inflata, Sm.), Hornkraut nunfle "' (Cerastium triviale, Link), kleiner Spergel (Spergula arvensis, L.), Mäuseohr (Myosotis intermedia, Link), Spitzwegerich (Plantaga lanceolata, L.), kleiner Ampfer (Rumex Acetosella, L.), Brunelle (Prunella vulgaris, L.), Sandkraut (Arenaria serpyllifolia, L.), Wucherblume (Chrysanthemum Leucanthemum, L.), ja sogar Kleeseide (Cuseuta Trifolii, Babingt.). Diese letztere gelangt in der Weise in den Samen, daß derselbe von einem Gemenge mit Rothklee, welcher von der Kleeseide behaftet ist, gewonnen wurde. Beim Absieben des Timothegrases geht die feinkörnige Kleeseide dann mit zu diesem über. Obschon die Kleeseide nach der Saat dem Timothe nichts anhaben kann, so kann dieselbe, wenn das Timothe im Gemenge mit Klee ausgesäet wird, letzterem schädlich werden. Aus diesem Grunde hat man beim Ankauf von Timothesamen ebenso sehr auf kleeseidefreies Saatgut zu achten, wie beim Kleesamenankauf. — Im amerikanischen Timothe ist meines Wissens noch nie Kleeseide konstatirt worden. In Anbetracht der Billigkeit des Samens kommen Verfälschungen selten vor. Einzig sind mir Berylle bekannt, wo der Waare grauer Sand beigemischt war. Da der Timothesamen seinem Ansehen PWungm. nach ebenfalls grau ist, so ist nach dem oberflächlichen Augenschein die Fälschung nicht zu erkennen, während die Erkennung bei genauerer Untersuchung keine Schwierigkeiten verursacht. Same und Saat. Der im Handel vorkommende Same ist meist noch von den zwei Spelzen Samen- umhüllt, ein Theil desselben ist aber stets ohne Spelzen, also nackt, um so mehr, je reifer der Same quaMat. und um so stärker derselbe gedroschen wurde. Bei gutem, frischem Samen sollen die Spelzen eine 58 Saatquantum. Mischungen. Krankheiten. Aehnlichkeit mit dem Wiesenfuchsschwanz. Weißlich-graue, fast silbergraue Farbe besitzen, eine bunkelgraire Farbe der Spelzen deutet darauf hin, daß der Same durch Regen gelitten hat. Im Mittel von über 170 Proben ermittelten wir von 1876—1882 eine Reinheit von 96, g % und eine Keimfähigkeit von 85 %, während die Körnerzahl in 1 Kilogramm reiner Samen 2,576,000 betrug. Das amerikanische Timothe ist im Allgemeinen feinkörniger als das deutsche. Ein Hektoliter wiegt durchschnittlich nahezu 60 Kilogramm. Von einer guten Durchschnittswaare kann man eine Reinheit von 97 % und eine Keimfähigkeit von 90 % — 87,3% reine und keimfähige Samen verlangen. Von einer solchen Waare beträgt das durchschnittliche Saatquantum per Hektar 18 Kilogramm = 1566 Kiloprozente, per Juchart 6'/« Kilo = 566 Kiloprozente. Der Same läßt sich seiner Körnigkeit halber leicht mit der Kleesäe- maschine aussäen. — Zur Futtergewinnung ist das Timothe nur in Mischung mit andern Gräsern und Kleearten am Platze, sowohl für Kleegras, wie für Wechsel- und Dauerwiesen. Als Kleegras ist es namentlich im Gemenge von Rothklee und Bastardklee zu empfehlen. In England nimmt man zu einem solchen Kleegrasgemenge 2—3 Pfund Timothegras-Samen per Juchart. Für Wechselwiesen nimmt man je nach der Bodenart 5—20% Timothe in die Mischung, für Dauerwiesen geht man nicht über 10,°/«, weil der Bestand mit dem dritten und vierten Jahr in der Regel dünner wird, da das Timothe eigentlich nicht zu den dauernden Gräsern gehört. — Wegen einer ziemlich tief- gehendenEBewurzelung ist das Timothegras für eine tiefe Lockerung des Bodens sehr dankbar. Im klebrigen geschieht die Bearbeitung wie bei den andern feinern Gräsern. Die Unterbringung darf nur flach, höchstens 1 Centimeter tief geschehen. Auf feuchtem oder frischem schwerem Boden genügt ein Bewalzen mit einer schweren Walze. Das Timothegras wird hie und da von einer durch einen parasitischen Pilz (Epichloe typhina, Tul.) hervorgerufenen Krankheit, von Sorauer Erstickungsschimmel genannt, befallen, welcher die obere Blattscheide ringsum futteralartig mit einem ziemlich dicken Ueberzug überzieht. Dieser von dem Fadengcwebe des Pilzes herrührende Ueberzug ist anfänglich grauweiß, wird später-aber gelb. Wo diese Krankheit häufiger auftritt, empfiehlt Julius Kühn das Gras so bald als möglich abzuschneiden und das Feld womöglich mit Schafen zu beweiden. Das Timothegras wurde wegen seiner äußern Aehnlichkeit hinsichtlich seines Kulturwerthes vielfach mit dem Wiesenfuchsschwanz verglichen, was aber durchaus unzuläßig ist, da man bei Verwendung des Wiesenfuchsschwanzes meist einen andern Zweck im Auge hat als beim Timothegras. In ihrem Aeußern sind sie an ihren Fruchtährchen leicht von einander zu unterscheiden (vergl. Tafel 8, Fig. 1 und Tafel 9, Fig. 4). Der Wiesenfuchsschwanz entwickelt sich im Frühjahr auch viel zeitiger. Erklärung der Tafel 8. (Figur A natürliche Größe, Figur 1 — 7 Ornat, Figur 9 2mal, Figur 10 etwa lOmal vergrößert.) Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ 1. Aehrchen vor der Blüthe (ebenso auch das Fruchtährchen). „ 2. Aehrchen während der Blüthe. „ 3. Blüthe mit Deck- und Borspelze. „ 4. Blüthe allein. „ 5. Scheinfrucht (von Deck- und Borspelze umschlossene Carhopse) von der Seite. Figur 6. Scheinfrucht von der Borspelze aus. „ 7. Nackte Carhopse. „ 8. Grundriß des Aehrchens. „ 9. Stück des Halms mit Blattscheide, Spreite und Häutchen. „ 10. Querschnitt durch die Blattspreite (nach Lund). Taf. 8 Phleum pratense, L.. Timothy-Gras — Phlöole des prös. C. & L. Sclröter ad. nat, 59 9. Der Wiesenfuchsschwanz. Alopecurus pratensis, Linne. Der Wiesenfuchsschwanz wird auch Kolben oder Kolbengras (so in Darmstadt), Taubgerste, falsches Bommmng Kanariengras genannt. Er wurde schon von Linne empfohlen, nichts destoweniger datirt der Beginn der Kultur erst aus der neuesten Zeit. Zur Anlage mehrjähriger und dauernder Wiesen ist er eines der werthvollsten Obergräser, da er ausdauernd ist und einen reichen Ertrag eines guten Futters liefert. Botanische Beschreibung. Der Wiesenfuchsschwanz ist ein ausläufertreibendes Gras (Fig. B): die extravaginalen, unter rechtem Winkel aus der Mutterscheide an ihrer Basis hervorbrechenden Seiten- triebe verlaufen erst eine allerdings meist kurze Strecke horizontal, um sich dann nach oben zu stehen (nur selten biegt ein Seitcntrieb sofort nach oben um, sowenden, so daß alle Triebe einzeln daß zwei oder mehr Triebe horstartig gedrängt sind). Die untern Blattscheiden sind am Grunde anfangs farblos, später werden sie braun und lösen sich nicht in Fasern auf. Der Halm ist 60—90 Centimeter hoch, unten oft gekniet und au den Knoten wurzelnd. Die Blätter haben eine glatte Scheide; diejenige der obersten ist etwas aufgeblasen. Die Spreite ist in der Knospenlage gerollt, etwas rauh und oberseits tief gerillt (Fig. 10), das Blatthäutchen ziemlich lang und stumpf (Fig. 9). Der Blüthenstand ist eine walzenförmige, 3—10 cm. lange Scheinähre (ährenförmige Rispe) mit 4—10 kurzgestielten Aehrchen Pro Rispenast (Fig. A). Das Aehrchen ist einblüthig; die beiden Klappen sind gleich groß, lanzettlich, spitz, scharf gekielt, am Kiel und an den Seitennerven stark gewimpert, länger als die Spelze und bis unter die Mitte miteinander verwachsen (u. XI. und o. XI., Fig. 1, 4, 8). Die schlauchartig mit den Rändern eingerollte Deckspelze (u. 8p., Fig. 1, 2, 4, 5, 8) hüllt die Blüthe völlig ein; sie trägt eine an der Basis des Rückens eingefügte, schwach gekniete Granne (Gr., Fig. 1, 2, 4, 5), die meist ungefähr die doppelte Länge der Spelze besitzt. Die innere Spelze fehlt. Die Blüthe besteht nur aus den drei Staubgefäßen und dem Stempel (Fig. 3). Die Staubbeutel sind anfangs gelb, später braun oder violett. Die Schüppchen fehlen, die Narben sind weit hinauf verwachsen und sprengwedelförmig (Fig. 3). Bei der Blüthe bleiben Klappen und Spelze in ihrer Lage beinahe unverändert (Fig. 1), nur die letztere öffnet sich an der Spitze ein wenig, um Staubgefäße und Narben dort heraustreten zu lassen. Auch hier ist, wie bei den meisten Futtergräfern, nur Fremdbestäubung möglich, indem die Staubbeutel vor dem Oessnen in die hängende Lage gerathen. Die Frucht ist von der Spelze und den Klappen eingeschlossen; der einzige Unterschied des Fruchtährchens vom blühenden Zustand besteht in der seilartigen Drehung des unteren Theils der Granne (Fig. 4 und 5). Länge des Fruchtährchens ohne Granne 5 nun., mit derselben 8 mm; Länge der Scheinfrucht dieselbe. Die nackte Frucht ist eiförmig, 2—2'/ 2 mm. lang, plattgedrückt, gelb und führt den Keimling an der Basis der einen Kante (Fig. 6 und 7). Borkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Wiesenfuchsschwanz kommt wild vor: beinahe in ganz Europa bis Lappland; ferner in Nordafrika; in Asien im Kaukasus, Sibirien (Altai, Baikal, Dahurien) und in Georgien. Häufig findet man ihn auf frischen, kräftigen, tiefgründigen Aue-, Thal- und Marschwiesen und Grasgärten bis hoch in die Alpen (circa 1600 m.). Landwirth- schaftlicher Werth. Botanische Beschreibung. Geographische Verbreitung. Standorte und Höhengrenzen. Gegen Spätfröste ist der Wiesenfuchsschwanz nicht empfindlich; kaum ein anderes Gras erträgt Klima und die Kälte so gut. So z. B. überstund er die starken Fröste im Mai letzten Jahres (1882) ohne wesentlichen Schaden, während andere Gräser sehr stark litten. Auch Beschattung erträgt er gut und ist deßhalb für Baumgärten gut geeignet. Er entwickelt sich schon zu einer Zeit, wo die Bäume noch keine Blätter besitzen und die Sonne ihre Strahlen durch die Astkrone auf die unter dem Baum befindlichen Pstanzen senden kann. Trockene, arme Böden sagen ihm nicht zu, auf denselben bleibt er auch klein und verschwindet Bodc». nach kurzer Zeit. Am besten gedeiht er auf humusreichen Lehm- und Thonböden, auf frischem, lehmigem Sandboden, sowie auf guten Humusböden. Auch für feuchte bis nasse Böden, sowie für Rieselwiesen ist er geeignet; stauende Nässe erträgt er nicht. 60 Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Ertrag. Futterwerth. 1000 U Heu entnehmen dem Boden: Stickstoff 16.« U Magnesia O.9 % Phosphorsäure 4. 2 „ Schwefelsäure 1-5 „ 1 Kali 28. 9 „ Kieselsäure 26.0 „ Kalk . 2-6 rr i Für gute Düngung mit Gülle, Mist, Kompost oder geeigneten künstlichen Düngemitteln ist er sehr dankbar. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Der Wiesenfuchsschwanz bildet kurze unterirdische Ausläufer und bestockt sich verhältnißmäßig schwach, weßhalb er, allein gesäet, auf die Dauer keinen geschlossenen Rasen bildet. — Er ist neben dem Geruchgras wohl das früheste der bessern Wiesengräser. Schon anfangs April treibt er. lange, saftige Blätter. Mitte April kann man schon Scheinähren beobachten, im Mai kommt er zur Blüthe und bald nachher ist der Same reif. Auch im zweiten Schnitt treibt er Halme und viele bis 40 Centimeter lange Blätter, so daß auch dieser Schnitt gut ausgibt. Auf gutem Boden kann man das Gras leicht drei Mal schneiden. Im Saatsahr ist der Ertrag noch gering, im zweiten ist derselbe gut, aber erst im dritten Jahre erlangt er sein höchstes Entwicklungsstadium. Georg Sinelair erzielte per Hektar auf gutem Thonboden: Gras I. Schnitt (1. Juni) . . . 458 Ztr. II. „ (1. September) . . 183 „ Zusammen 641 Ztr. Bianne erhielt auf fruchtbarem Lehmboden: Gras I. Schnitt (1. Juni) . . . 433 Ztr. II. „ (1. September) . . 204 „ Zusammen 637 Ztr. Ueber den Futterwerth gibt folgende Zusammenstellung Aufschluß. Es sind enthalten: in der Trocken- im Gras im Heu substanz 1. Schnitt in der Blüthe II. Schnitt Blatttriebe I. Schnitt II. Schnitt I. Schnitt II. Schnitt Wasser .... 73-99 7° 73-88 7o 11-00 % 14 °/ x *-00 /0 — — Gesammtasche 3-31 % 2-23 7o 10-85 7° 7-89 7° 12-39 7o 9-18 7» Eiweiß (Stickstoff X 6.z,) . 2-13 7o ^*08 % 6-88 7o 10-88 7° 7-98 7o 12-65 7o Rohfaser .... 8. Si 7o 7 °f ' '97 /0 27-77 7o 28-ia 7° 32. 30 7o 32., 4 °/o Stickstofffreie Extraktivstoffe 12-08 7o ü 0/ ^*99 /0 39-19 7° 35.28 7« 15.53 7« 41-02 7° Fett. 0-48 % A *07 /0 1-53 % 3-79 7o 1-78 7o 1-41 O/o (Stickstoff als Nichteiweiß I. Schnitt 0. 4 g 4 °/g; II. Schnitt 0. 103 °/ 0 der Trockensubstanz). Nach ältern Untersuchungen sind enthalten: Im Gras (blühend) Im Heu Nach Ritthausen Nach Ritthausen Nach und Nach und Scheven Way Scheven Way Wasser .... 66.8 7o ö 00 ll-o 7o ll-a 7a Asche .... 2-i 7° 1-5 7° 5-4 7o 6-«7o Eiweiß .... 2-7 7o 2-4 7° 7-o 7o 10-6 7o 1' Holzfaser .... 15-3 7° 6-7 7° lO-i 7o 29-o 7o Stickstofffreie Extraktivstoffe 12-, 7o 8-7 7o 31-4 7o 37.0 7o Fett. 0.8 7» 0-5 % 2-i 7o 2-5 7o Heu 137 Ztr. 201 Ztr. Heu 138 Ztr. 65 „ 203 Ztr. 61 Der Nährstoffgehalt ist also sehr günstig. Das Futter ist süß und wird sowohl grün wie dürr vom Vieh sehr gerne gefressen. Bei feuchter Witterung lagert es sich leicht und fault dann gern am Grunds weßhalb es zeitig gemäht werden sollte. Sarnengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Wie erwähnt, ist der Samm- Same bald nach der Blüthe reif. Die Gewinnung ist aber schwierig, weil die Reife sehr ungleich ist. s°wmnung. Schon zur Zeit der Heuernte sind viele Samen reif und wo dieses Gras in Wiesen häufig vorkommt, sollte sich der Landwirth zu dieser Zeit die Samen sammeln. Ich sammelte beispielsweise bei der Heuernte in der hiesigen Spitalwiese am 5. Juni 1882 225 Aehren des Wiesensuchsschwanzes, indem ich dieselben mit dem Messer mit einem circa 15 cm. langen Halmstück oben abschnitt. Nachdem ich dieselben in einen Büschel zusammengebunden, legte ich sie im Zimmer zum Trocknen auf einen Schrank. Nach zwei Monaten nahm ich sie herab und schüttelte sie leicht, wobei 3.gzz Gramm schöne, schwere Samen ausfielen, welche beim Keimversuch 52 % Keimfähigkeit ergaben, ein Prozentsatz, wie er bei diesem Gras höchst selten erreicht wird. Ich legte die Pflanzen nun noch fünf Wochen zum Trocknen hin und schüttelte nach dieser Zeit wieder 6.^ Gramm Samen aus, welche eine Keimfähigkeit von 45 % ergaben. Die zurückbleibenden Samen (18. e Gramm) streifte ich ab und diese ergaben 9 % Keimfähigkeit. Demnach lieferten diese 225 Aehren im I. Drusch 3. ; Gramm Samen mit 52 % Keimfähigkeit .. 45 % q 0/ /, it n V / 0 ff Zusammen 28. glä Gramm mit durchschnittlich 23 % Keimfähigkeit. Wenn auch die letzte Parthie von geringer Qualität war, so waren dafür die beiden ersten gut, zum Theil vorzüglich. Die zuerst ausgefallenen Samen sind die schwersten, weil am vollkommensten und grobkörnigsten. Je 400 Körner wogen: bei I. O.g^ Gramm II. 0.. III. 0. Auf diese Weise könnten sich viele Landwirthe den Samen dieses kostbaren Grases selber ziehen. Das Abschneiden der Aehren mit einem Stück des Halmes ist dem Abstreifen vorzuziehen, weil der Same dann noch nachreifen kann. Wenn ich die Samen bei obigem Versuch einfach abgestreift und dann zum Trocknen hingelegt hätte, wäre das Resultat der Keimfähigkeit ein wesentlich ungünstigeres gewesen. Immerhin ist es angezeigt, bei der eigentlichen Samengewinnung die Früchte starker reifen zu lassen, damit sie sich möglichst alle entwickeln können. Der Reisungsprozeß schreitet in der Aehre von oben nach unten vorwärts, d. h. zuerst sind die oberen Samen reif und erst nachher die unteren. Treibt man eigentliche Samenkultur, so wird man natürlich den Wiesenfuchsschwanz rein aussäen. Bei der Reife schneidet man dann die Aehren mehr oder weniger tief oben ab und, läßt sie an einem luftigen, trockenen Orte nachreifen. Sobald die Pflanzen gut trocken sind, so drischt man die Samen mit dem Flegel oder der Dreschmaschine ab, wobei man durch stnsenweises, verschieden starkes Dreschen verschiedene Qualitäten erzielen kann. Wenn man den Samen abstreifen will, so wird er gesammelt, wenn die Fruchtklappen anfangen sich zu bräunen und einzelne Samen sich von der Spindel loslösen. Werden die Samenpflanzen geschnitten, so erntet man etwas früher, weil sonst viele Samen verloren gehen Nur der erste Schnitt liefert lohnende Samenernten. Sprengel sagt: „Das Einsammeln deS reifen Samens erfordert beim Wiesenfuchsschwanz sehr viel Mühe, denn eine jede Aehre muß, wenn sie gelb oder reif geworden ist, mit den Fingern abgestreift werden, was um so nöthiger ist, als die Aehren sehr ungleich reif werden und ihren Samen leicht fallen lassen. Um nun dabei nicht zu viel zu zertreten, legt man die Samenschule auf schmalen Beeten mit Fußsteigen dazwischen an und kultivirt das Gras auf diesen Beeten womöglich in Reihen, da es dann den meisten Samen liefert. Der abgestreifte Samen (eine Frau kann täglich wohl 10 u einsammeln) muß sogleich ganz dünn auf einem luftigen Boden ausgebreitet und 10—12 Tage lang täglich umgeharkt werden, da er, wenn dieß nicht geschieht, seine Keimkraft verliert." 62 Verunreinigungen und Verfälschungen. Samen- qnalität. Saatquantum. Mischungen. Der im Handel vorkommende Same ist oft mit dem wolligen und weichen Honiggras (Holcus lanatus, L. und mollis, L.) verunreinigt. Dieselben werden dem Samen Wohl auch absichtlich beigemischt, um einen Gewinn zu erzielen, da sie bedeutend billiger sind als der Same des Wiesen- fuchsschwanzes und in ihrer äußern Form mit demselben einige Aehnlichkeit besitzen. Der Wiesen- fuchsschwanz unterscheidet sich von denselben jedoch wesentlich dadurch, daß die Klappen stark gewimpert sind (s. Tafel 9, Figur 1), während beide Honiggrassamen nur schwach behaart sind (Figur 26 und 27). Der in den Klappen eingeschlossene Same (Caryopse) ist Leim Wiesenfuchsschwanz gelb gefärbt. Beim Honiggras bleiben die glänzend weiß gefärbten Spelzen auch nach dem Entkörnen mit dem Samen verbunden. Hie und da kommt es vor, daß der Wiesenfuchsschwanz mit dem Samen des Ackerfuchsschwanzes (Alopecurus agrestis, L.), einem gemeinen Unkraut, verfälscht wird. Derselbe ist bedeutend schwerer, dicker und derber, auf einer Seite gewölbt, auf der andern eingedrückt. Die Klappen sind an den Kielen meist nur schwach stachelig behaart und bis zur Mitte verwachsen. Seltener wird das gefranste Perlgras, Melica ciliata, L. (Fig. 28), zur Verfälschung benutzt. Dasselbe unterscheidet sich vom Wiesenfuchsschwanz namentlich dadurch, daß es bedeutend länger gewimpert ist. Figur 26. Weiches Honiggras, Holcus nwUis, L. a und b Fruchtährchen in natürlicher Größe; c und ä siebenfach vergrößert; e Aehrchen ohne Klappen, siebenfach vergrößert. (Nach Robbe.) Figur 27. Wolliges Honiggras. Holcus lanatus, L. a Scheinfrucht , natürliche Größe; b dieselbe siebenmal vergrößert; c Aehrchen ohne Klappen, siebenmal vergrößert. (Nach Robbe.) U I Figur 28. Gefranstes Perlgras. Melica ciliata, L. Scheinfrucht. Same und Saat. Der im Handel vorkommende Same hat meist eine sehr geringe Keimfähigkeit, weil er öfter unreif gesammelt wird. Gut keimfähiger Samen ist nicht häufig. Eine Waare mit 30 7« Keimfähigkeit kann man als gut bezeichnen, solche mit 40 7« und darüber als vorzüglich. Qualitäten mit unter 30 % Keimfähigkeit sind häufiger als solche über 30 7«. Im Durchschnitt von 79 untersuchten Mustern betrug die Keimfähigkeit 19 7<>; die durchschnittliche Reinheit 78,7 7°. Voll einer guten Waare kann man 90 7o Reinheit erwarten. 1 Kilo reiner Samen enthält 1,996,000 Samenkörner. Eill Hektoliter wiegt durchschnittlich 67- Kilo. Das durchschnittliche Saatquantum beträgt per Hektar 26 Kilo einer 27prozentigen Waare — 702 Kiloprozent, per Juchart 97- Kilo oder 257 Kiloprozente. Zur Futtergewiilnung wird der Wiesenfuchsschwanz, weil er erst im zweiten oder dritten Jahr feine volle Entwicklung erreicht und weil der Ertrag in den ersten Jahren zu gering wäre, nie rein ausgesäet, sondern nur in Mischung mit andern Gräsern und mit Kleearten. Namentlich eignet er sich im Gemenge mit Wiesenschwingel, Knaulgras, englischem und französischem Raygras und Bastardklee zur Anlage von Wechselwiesen für mehr als dreijährige Dauer, sowie besonders für Dauerwiesen. Taf. 9. ■ J rf£L u h'L u Sp Alopecurns pratensis, L. Wissens uchsschwanz — Yulpin des prös. Lith. Genossenschaft Zürich. G. & L. Schrotet.ad. nat. del. 63 Erklärung der Tafel 9. (Figur A und B in natürlicher Größe, Figur 1—7 6mal, Figur 9 2mal, Figur 10 etwa lOmal vergrößert.) Figur A. Obere Theile einer blühenden Pflanze. „ B. Unterer Theil (Wurzelstock mit den kurzen Ausläufern). „ 1. Blühendes Aehrchen. „ 2. Dasselbe nach Entfernung der Klappen (ohne die Staubgefäße). „ 3. Blüthe für sich (Schüppchen fehlen; die 3 Staubgefäße sind abgeschnitten). „ 4. Fruchtährchen. Figur 5. Scheinfrucht (Caryopse) von der hier allein vorhandenen begrannten Deckspelze umhüllt. „ 6. Nackte Frucht von der Seite. „ 7. „ „ im Querschnitt. „ 8. Grundriß des Aehrchens. „ 9. Halmstück mit Scheide, Spreite und Blatt- häutchen. „ 10. Querschnitt durch das Blatt (nach Lund). 10. Das Geruchgras. Anthoxanthum odoratura, Linne. Das Geruchgras wird auch gemeines oder gelbes Ruchgras genannt; im Volksmund heißt es auch: Benennung. Riechgras, Lavendelgras, Melilotengras, wohlriechendes Raygras, Goldgras, Goldschmäli, Berggras rc. Es ist ein Gras zweiten Ranges, wenig ertragreich, verleiht aber dem Heu einen eigenen Wohl- Landwirthgeruch, den sogenannten Coumaringeruch, wie er dem Melilotenklee, dem verwandten Mariengras, den Tonkabohnen, dem Waldmeister und in geringerem Grade auch andern Pflanzen eigen ist. Aus diesem Grunde wurde es namentlich früher von Schriftstellern vielfach als Gewürzgras warm empfohlen. Es ist aber ein falscher Schluß, wie Häfener*) ganz richtig bemerkt, wenn wir von unseren Gefühlen und Empfindungen auf die der Thiere schließen wollen; wenn der Geruch dem Menschen angenehm ist, so ist damit nicht bewiesen, daß er auch unseren Hausthieren behage. Zudem kommt es weniger auf den Geruch als auf die Wirkung an, welche das Aroma auf der Zunge hervorbringt, also auf den Geschmack. Der Geschmack ist aber bitter, so daß das Geruchgras für das Dich wahrscheinlich eher unangenehm, als wohlschmeckend ist. Dies geht dann auch daraus hervor, daß reines Geruchgras grün oder dürr vom Rindvieh und den Schafen nur bei größtem Hunger aufgenommen wird. Georg Sinclair erzählt: „Herr Grant von Leighton bestellte ein großes Feld, wovon die eine Hälfte mit Geruchgras und weißem Klee, die andere mit Wiesenfuchsschwanz und rothem Klee besäet wurde. Die Schafe wollten das Ruchgras und den Weißen Klee nicht berühren und hielten sich beständig an den Wiesenfuchsschwanz, obgleich die zwergähnliche Statur des Ruchgrases die Ursache einer ungewöhnlichen Ueppigkeit des Weißen Klee's war, mit dem es vereint gesäet wurde. Dieser Umstand scheint anzudeuten, daß wenn das Ruchgras nur mit zwei oder drei Arten Gräsern gesellschaftlich wächst, das Vieh es nicht gerne frißt." Uebrigens besitzen in dürrem Zustande auch andere süße Gräser einen angenehmen Geruch, den sogenannten „Heugeruch 4 und es ist ein Irrthum, wenn man meint, derselbe komme nur von dem Geruchgras. Fast jedes Gras und jedes Kraut hat in dürrem Zustande einen spezifischen Geruch, ohne daß man den Werth danach beurtheilen könnte. Allerdings wenn ein Heu dumpfig riecht, so *) Franz Häf e ner. Der Wiesenbau in seinem ganzen Umfange, nebst Anleitung zur Erbauung von Schleusen, Wehren, Brücken rc. Reutlingen und Leipzig 1847. 64 kann der Geruch als Werthmaßstab benutzt werden. Ebenso haben saure Gräser einen eigenthümlichen, süßlichen, ziemlich starken Geruch. Bei gut eingebrachtem Heu von süßen Gräsern kann der Geruch nicht zur Beurtheilung des Werthes dienen. Die Wurzel besitzt einen noch stärkeren Coumaringeruch als die Halme und Blätter und wird deßhalb auch zur Schnupftabakfabrikation verwendet. Trotzdem das Geruchgras ein schmächtiges, wenig ertragreiches Gras ist und zur Futternutzung weder allein, noch in hohen Prozentsätzen in einer Mischung verwendbar ist, verdient dasselbe dennoch für trockene Böden und in trocknen Klimaten alle Beachtung. Wegen seiner dichten niedrigen Berasung befördert es in hohem Maaße die Thaubildung und der Thau wird in dem dichten Rasen auch lange zurückgehalten. Auf diese Weise wird trockener Boden frischer und die Bedingungen des Wachsthums sind den übrigen bessern Gräsern günstig. - Es wird ihm noch nachgerühmt, daß es das Moos unterdrücke oder nicht aufkommen lasse. Das Ungeziefer, speziell die Würmer, setzen ihm auch weniger zu. Botanische Botanische Beschreibung. Das Ruchgras ist ein ausdauerndes Gras von rasigem Wuchs. Beschreibung. Die Seitentriebe sind theils intravaginal, theils (namentlich die aus älteren Theilen des Wnrzelstocks entstehenden) extravaginal. Verlängerte Wurzelstockglieder kommen nur selten vor, so daß der Rasen ganz eben und niedrig ist. Die untersten Blattscheiden sind am Grunde farblos, die verwesten bleiben lange erhalten. Aus dem Büschel der niedrigen Blättertriebe erheben sich 30—40 Ctm. hohe, glatte, wenig- blättrige Halme, unter dem Blüthenstand bis weit herunter nackt (Fig. Ä). Die Blatter sind am Rande (besonders am Grunde) mehr oder weniger gewimpert; ihre Scheide ist glatt, das Blatthäutchen mäßig lang (Fig. 11, Bh), an dem stumpfen Ende gezähnelt. Die Spreite ist oberseits schwach gerillt (Fig. 12), in der Knospenlage gerollt (Fig. B). Der Blüthenstand ist eine ährenförmig zusammengezogene Rispe von länglich ovalem Umriß; die einzelnen Aehrchen, auf kurzgliedrigen Verzweigungen der Hauptspindel sitzend, schließen anfangs dicht zusammen, spreizen aber später weit auseinander (Fig. A). Das Aehrchen ist ein- blüthig, aber mit 4 Hüllspelzen versehen (von denen die zwei obern oft als „unfruchtbare Blüthen" bezeichnet werden) (Fig. 1). Die 2 untern Klappen (u. Kl. 1 und u. Kl. 2) sind spitz und ziemlich kahl; die unterste (u. Kl. 1) kaum halb so lang als die zweitunterste (u. Kl. 2), welche die ganze Blüthe einhüllt. Die zwei obern Klappen (Fig. 2 o. Kl. 3 und o. Kl. 4) sind oben zngerundet, untereinander ziemlich gleich und mit steifen, langen, schwarzen glänzenden Haaren bedeckt; beide auf dem Rücken begrannt; die Granne von o. Kl. 4 länger, von o. Kl. 3 kürzer als die obere der beiden untern Klappen (u. Kl. 2). Die Deckspelze (Fig. 3 u. 8p.) ist etwas kürzer wie die obern Klappen, häutig, durchsichtig, Vorspelze, Staubgefäße und Stempel fast völlig umgebend, stumpf; die Vorspelze ist kürzer und eiförmig (Fig. 4 0 . 8p.). SchüPPchen fehlen. Staubgefäße sind hier nur 2 vorhanden (unser einziges einheimisches Gras aus der 2. Klasse nach Linno!), eines steht vor der Deckspelze, das andere vor der Vorspelze (Fig. 4, 5, 12). Der Fruchtknoten hat 2 lange, „sprengwedelförmige" Narben: d. h. der untere Theil derselben ist nackt und erst weit oben entspringen die als Narben fungirenden Seitenäste (Fig. 2—5). Bei der Blüthe öffnet sich das Aehrchen an der Spitze nur so viel, um Narben und Staubgefäße herauszulassen (Fig. 1). Die Narben treten zuerst hervor, dann die Staubgefäße, welche noch in aufrechter Stellung sich öffnen und die Pollen auf die Narben derselben Blüthe ausschütteln (abweichend vorn Verhalten der meisten übrigen Futtergräser, bei denen nur Fremdbestäubung stattfindet); erst nachher gerathen die Staubgefäße in hängende Lage und dann kommt der Rest des Pollens weiter unten liegenden Blüthen zu Gute. Die Frucht ist von Deck- und Borspelze eng umschlossen (Fig. 7 u. 8); so, wie sie im Handel erscheint, außerdem noch von den 2 schwarz behaarten und begrannten obern Klappen umhüllt (Fig. 6). Das Fruchtährchen besteht also aus dem ganzen Aehrchen nach Wegfall der beiden untern Klappen und ist ohne Granne 3—4 inm, mit derselben 6—7 mm lang. Die isolirte Frucht ist glatt und kahl, von der Seite etwas zusammengedrückt (Fig. 9, 10). Abarten. Abarten. Alefeld*) unterscheidet zwei Baritäten: 1) Das gemeine gelbe Ruchgras (Ailtlloxantlmm ockoratum vulZaro, AM). 2) Das behaarte gelbe Ruchgras (Antü. ockor. pilosum, Döll). Bei letzterem ') Dr. Friedrich A l e feld. Landwirthschaftliche Flora. Berlin 1866. 65 ist das untere Hüllblatt am Kiel und unten am Rande, sowie das obere fast allenthalben behaart, während bei ersterem die Aehrchen kahl sind. Beide Formen haben landwirthschastlich den gleichen Werth, die letztere ist aber weit seltener. Auf der Tafel ist das gemeine gelbe Ruchgras abgebildet. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Geruchgras ist einheimisch: In ganz Europa, Geographisch- von Italien und Griechenland (hier nur in der Bergregion) bis nach Island und dem Nordkap, von Verbreitung. Portugal und Spanien (selten und nur montan) bis zum Ural. In Afrika in der ganzen Mittelmeerregion mit Ausnahme von Aegypten; ferner auf den.Kanaren. In Asien auf dem Kaukasus und in ganz Sibirien. In Nordamerika ist es eingeführt. Auf trockenen und nassen Wiesen, Triften, Hügeln und Haiden und in Wäldern ist dasselbe bei uns Standorte, allgemein verbreitet. Im Berner Oberland fand es I. E. Rothenbach*) bis 1910m hoch, Brügger im Graubünden bis 2400 m. Im Kaukasus sindet es sich zwischen 1800—2800 m, auf den Loffoden steigt Hoheugrenzen. es bis 620 m. Gegen Klima und Witterung ist dasselbe nicht empfindlich, da es Kälte, Nässe und Trocken- Klima und heit sehr gut erträgt. Georg Roth rechnet das Gras zu den schattenliebenden, weil es in freier ® oben ' Wiese im Schatten anderer Gräser vorkommt und besonders häufig in Niederwaldungen anzutreffen ist. Es kommt fast auf allen Wiesen vor, auf solchen mit trockenem leichtem Boden sowohl, als auf nassen und auf solchen mit schwerem Boden, sogar auf Moorboden. Am besten gedeiht es auf frischem Sand- und Lehmboden. Man wird dasselbe jedoch nur auf Sand- und trockenen Lehmböden aussäen; sobald der Boden besser ist, gedeihen andere bessere Gräser. 1000 U Heu entnehmen dem Boden nach Untersuchungen von Arendt und Way und Ogoston: Boden- Stickstoff 17-5 Magnesia 1.2 erschöpsung. Phosphorsäure 4-8 Kalk . . Z.g Kali 21-7 Kieselsäure 22-5 Natron. 1-5 Schwefelsäure. 0.Z Nach Untersuchungen in unserem Laboratorium beträgt der Stickstoffgehalt in der Blüthe l.gzg °/o- In Bezug auf die Düngung ist es nicht wählerisch; bei intensiver Düngung verschwindet es Düngung, sogar und macht ertragreichern Gräsern Platz. Wachsthum, Ertrag und Futterwerth. Das Geruchgras bildet einen dichten, reich- Wuchs halmigen Horst, welcher das Schneiden mit der Sense etwas erschwert. Nach der Saat entwickelt es sich verhältnißmäßig rasch und schon im ersten Jahr liefert es einen Ertrag. Von allen Gräsern ist es im Frühjahr das früheste Gras. Auf sonnigen Wiesen treibt es schon im März Halme, blüht dann ini April und reift seine Samen im Mai, so daß dieselben zur Zeit der Heuernte zum Theil ausgefallen sind, was oft eine starke Vermehrung desselben zur Folge hat. Die Rispen und Halme sind deßhalb zur Zeit der Heuernte strohig und haben einen geringen Nahrungswerth, dies um so mehr, je früher die Wiese und je später die Heuernte ist. Infolge des frühen Triebes gedeiht dieses Gras selbst auf den trockensten Böden, weil ihm die Winterfeuchte sehr zu Statten kommt. Es hat aber auch einen starken Spätwuchs und schießt nach jedem Schnitt bald wieder nach, wenn es auch nur niedrig bleibt. Nach Nickt es**) geben 100 Psd. Gras in der Blüthe 28 Pfd. Heu. Sinclair erhielt auf einem braunen sandigen Lehmboden folgende Erträge: Ertrag. per Juchart per Hektar Am 1. April grün 28 Ztr. dürr - Ztr. grün 79 Ztr. dürr Zur Blüthezeit 64 „ 17 „ 177 „ 48 Zur Samenreife . 50 „ 15 „ 139 „ 41 Nachgras 56 „ — „ 144 „ — *) I. E. Rothenbach. Dreißig Tage auf der Wengernalp. Bern 1874. **) Napoleon Nickifes. Des prairies naturelles en Alsace. Straßburg und Paris 1839. 9 66 Futtrrwrrth. Der Ertrag ist also gering. — Ebenso ist der Nährwerth, wie aus folgenden Angaben hervorgeht, nicht groß. Die Untersuchung von zur Zeit der Blüthe am 16. Mai geschnittenen Pflanzen ergab auf 14 % Wassergehalt reduzirt: Gesammtasche Eiweiß (Stickstoff 6 . 25 ) . Rohfaser Stickstofffreie Extraktstoffe Fett .... (Stickstoff als Nichteiweiß 5., 6-8 29.4 43. 0 1-8 0 , 15 g % der Trockensubstanz). Nach andern Untersuchungen enthielt das Heu: Nach Way Eiweiß. 8.04 % Holzfaser.31., 7 „ Stickstofffreie Extraktivstoffe 37. 27 „ Fett. 2.02 " Nach Petert 8--» o/o 22-1, „ 46-iz rr 2.QO „ Nach Collier 7-34 22 ., 46.12 2-93 0/ 10 Samen- Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der Same wird nirgends Gewinnung. geldmäßig gewonnen, sondern das höchst geringe Quantum ächten Samens wird in Mitteldeutschland meist nur in Wäldern und Waldlichtungen gesammelt, was jedoch eine sehr mühsame, zeitraubende Arbeit, so daß der wirklich ächte Samen sehr theuer ist. Dem Gewinnungsort entsprechend ist V Figur 29. Ackerwindh alm. Apera spica venti, P. Beauv. Scheinfrucht mit Granne, a Rückenseite, b Bauchseite, 7sach vergrößert, c natürliche Grüße (nach Robbe). '■mä Figur 30. Blaue Kornblume. Centaurea cyanus, L. a und b Frucht mit Pappus, a natürliche Größe, b 7sach vergrößert; c ein Haar des Pappus, stark vergrößert (nach Robbe). b a c Figur 31. Dr ah tschmiele. Aira flexuosa, L. a ©d)cinfrujt in natürl. Große; b dieselbe, Rückenansicht; c Seitenansicht, achtmal vergrößert. Verunreini- derselbe öfters mit dem Samen der Hainsimsen (Luzula albida, DC. und campestris, DG.) des gungen. ((einen Ampfers (Rumex Acetosella, L.), des schmalblättrigen Schafschwingels (Gestu ca ovina, L. Bor- Var. tenuifolia) rc. verunreinigt. Im nördlichen Lüneburg kommt ein dem Gernchgras nah' verwandtes, fälschungen. aber nur einjähriges Gras häufig als Unkraut unter dem Roggen vor, das Puel'sche Ruchgras (Anthoxantlium Puelii, Lee. et. Lam.). Es überzieht den Boden mit einem dichten, silzartigen lai. iu. lith. Genossenschaft Zürich. Änthoxanthum odoratum, L.. Flonve odorante. C. & L. Schröter ad. nat. dei. Gernchgras Wü&ä i 67 Rasen, welcher für die Sense fast undurchdringlich ist und deßhalb die Ernte erschwert. Während der Ernte und vor derselben fällt ein Theil des Samens aus und sichert eine neue Generation, das klebrige wird mit den Roggengarben geheimst, ausgedroschen und die Samen werden dann als Ausputz aus dem Roggen gewonnen. Ein kleiner Distrikt von 11 Quadratmeilen liefert alljährlich zirka 10,000 Pfund dieses Ausputzes nach Hamburg, welcher dann als Geruchgras in den Handel kommt. Seinem Ursprung entsprechend findet man im Puel'schen Ruchgras sehr häufig spitzige Roggenkörner, welche beim Reinigen des Roggens mit zu demselben übergingen, ferner Ackerwindhalm, Apera spica venti, P. Beauv. (Figur 29), blaue Kornblume, Centaura Cyanus, L. (Figur 30), jähriger Knaul (Scleranthus annuus) k . An den Früchten ist das Puel'sche Ruchgras im Einzelfalle nicht sicher zu unterscheiden, in größerer Menge erscheinen die Hüllspelzen sowohl als die Carhopse heller; im Allgemeinen sind dieselben auch etwas kürzer. — Das Puel'sche Ruchgras ist für mehrjährige Futternutzung werthlos; ich halte es sogar als schädlich, denn es nimmt im ersten Jahr den andern Gräsern den' Wachsraum weg und unterdrückt dieselben durch seinen schwammigen Rasen. Wenn man es nicht sich selbst besanien läßt, was bei der Futternutzung nicht geschieht, so ist es im zweiten Jahr verschwunden. Für einjährige Nutzung könnte man dasselbe in geringem Prozentsatz den Weidemischungen zusetzen. Als Mähegras ist es aber nicht verwendbar. — Ein Same, der auch zur Verfälschung des Geruchgrases benutzt wird, ist die Drahtschmiele, Aira flexuosa, L. (Figur 31), welche aber ohne alle Schwierigkeiten unterschieden werden kann. _ Same und Saat. Eine gute Durchschnittswaare soll 85 °/o Reinheit und 30 °/t> Keimfähigkeit, also 26 % reine und keimfähige Samen ergeben. Die Keimkraft nimmt bei der Aufbewahrung sehr langsam ab. 1 Kilogramm reine Samen enthält durchschnittlich 2,033,000 Körner, somit enthält eine 26prozentige Waare 520,000 reine und keimfähige Samen. Man säet per Hektar 34 Kilo einer 26prozentigen Waare — 884 Kiloprozente, per Juchart 12 Kilo oder 312 Kiloprozente. Zur Fulternutzung wird das Geruchgras nie rein ausgesäet, sondern immer nur in Mischung mit andern Gräsern und zwar nur zur Anlage von Wechsel- und Dauerwiesen als Würzgras. Erklärung der Tafel 10. (Fig. 4 und B in natürlicher Größe, Fig. 1—10 7mal, Fig. 11 2mal, Fig. 13 etwa lOmal vergrößert.) Figur.4. Blühende Halme. „ B. Unterer Theil der Pflanze. „ 1. Blühendes Aehrchen. 2. Dasselbe nach Entfernung der 2 untersten Klappen (n. Kl. 1 und u. Kl. 2); die Blüthe erscheint vvn den beiden obern Klappen (unfruchtbaren Blüthen) eingeschlossen (o. I£l. 3 und o. Kl. 4). 3. Aehrchen nach Entfernung auch der beiden obern Klappen; die Blüthe ist^von der Deckspelze (u. 8p.) ganz umhüllt. 4. Blüthe nach Entfernung der Deckspelze und des vorne liegenden Staubgefäßes. „ 5. Blüthe allein, aus 2 Staubgefäßen und dem Stempel bestehend (Schüppchen fehlen). Figur 6. Aehrchen im Fruchtzustand: die Frucht erscheint umhüllt von den beiden oben begrannten und behaarten Klappen, außerdem von den Spelzen eingeschlossen. „ 7. Dasselbe nach Entfernung der Klappen die Frucht eingehüllt von der Deckspelze (Scheinfrucht). „ 8. Dasselbe nach Entfernung auch der Deckspelze: die Frucht halb umgeben von der Borspelze. „ 9. Frucht (Carhopse) isolirt, von der Seite. „ 10. Frucht vorn Rücken aus gesehen, an der Basis bet. Keimling. „ 11. Blatthäutchen. „ 12. Grundriß des Aehrchens. „ 13. Querschnitt durch d.Blattspreite(n.Lund). Samenqualität. Saatquantum. 68 11. Das Zlioringras. Agrostis stolonifera, Linne. Agrostis alba, Schrader. Benennung. Das Fioringras wird auch sprossendes, wucherndes oder wahres, ausläufertreibendes Straußgras, Fiorin-Straußgras, Weißes Fioringras, weißer oder Ausläuferwindhalm, Knotengras, Hnndsgras, kriechende Schmale, Schnürgras, in England auch Bentgras, in der Gegend von Darmstadt und Mitteldeutschland „gelber Wiesel" genannt. Geschichte. Nach Schwerz war es schon vor 250 Jahren in England als Fnttergras bekannt und nach Werner 1761 in Kultur genommen, bald aber wieder fallen gelassen; in neuerer Zeit wurde es aber wieder aus dem Grabe der Vergessenheit hervorgerufen und von den Liebhabern des Neuen als neu unter dem Namen „Fiorin" mit Posaunenschall bekannt gemacht. Es war anfangs dieses Jahrhunderts, als namentlich vr. William Richardson in Irland wieder auf dessen Vorzüge aufmerksam machte und es zur Kultur empfahl, woraufhin es in Großbritannien viel angebaut wurde. Im Jahr 1814 machte auch Herr da Conicht in Frederickssund auf der Insel Seeland damit Versuche, über deren Resultate er einen sehr günstigen Bericht abgab. In den dreißiger Jahren wurde es von England aus auch auf dem Kontinent empfohlen, und darüber ein Lärm verbreitet, wie bei keinem andern Kulturgras. Landwirth- Wenn es auch lange nicht das geleistet hat, was man von ihm erwartete, so ist dasselbe für ^°Werth^ bestimmte Verhältnisse dennoch ein werthvolles Gras. Für leichte feuchte bis nasse Boden ist dasselbe als Unter- oder Weidegras vorzüglich geeignet. Es ist ausdauernd und liefert vom Nachsommer bis in den Winter ein gutes Futter. Für andere Zwecke ist es nicht geeignet, namentlich nicht für Wechselwirthschaft, weil die Kriechtriebe bei der Beackerung nur schwer zu vertilgen sind, und deßhalb das Land verunkrauten. Botanische Botanische Beschreibung. Das Fioringras treibt lange, oberirdische oder unterirdische Ausläufer, Beschreibung, die an den Knoten wurzeln und neue Triebe erzeugen (Fig. A). Diese Seitentriebe sind wie bei allen Ausläufer treibenden Gräsern extravaginal. Der Halm ist aufsteigend, selten unterwärts niederliegend und wurzelnd, glatt. Die Blätter haben glatte Scheiden, ein längliches Blatthäutchen (Fig. 10) (bei dem nahestehenden gemeinen Straußgras ist das Blatthäutchen kurz) und eine oberwärts breitrinnige (Fig. 11), lang zugespitzte, rückwärts scharfe Spreite, die in der Knospenlage gerollt ist. Der Blüthenstand ist eine vor und nach der Blüthezeit zusammengezogene Rispe (Fig. B) (bei dem gemeinen Straußgras ist die Rispe auch zur Zeit der Reife ausgebreitet), von länglich kegelförmigem Umfang, während der Blüthe weit ausgebreitet (Fig. 6), mit rauhen Aesten; die Färbung derselben ist bleich, röthlich oder violett angelaufen. — Das Aehrchen ist einblüthig; die Klappen (u. Kl. und o. Kl. Fig. 1, 4, 9) beide einnervig, länglich, spitz gekielt uud am Kiel kurz gewimpert. Die dreirippige Deckspelze (u. 8p. Fig. 1, 2, 5, 9) ist am Ende zweispitzig und doppelt so lang als die Vorspelze (o. 8p. Fig. 2, 5, 9). Die SchüPPchen (8cll. Fig. 3, 9) sind eiförmig, spitz, der Fruchtknoten kahl, die Narben federförmig (Fig. 3). Die Vorgänge bei der Blüthe sind dieselben wie beim englischen Rahgras (siehe dieses). Die reife Frucht ist von Spelzen und Klappen eingehüllt; dieses Fruchtährchen ist 2—3 mm. lang (Fig. 4). Die Caryopse selbst ist eiförmig, nach unten zu spitzer auskaufend als nach oben und auf der Bauchseite mit einer Furche versehen (Fig. 7 und 8). Abarten. Abarten. Die gewöhnlichste Form ist Agrostis stolonifera, var. alba, Alefeld, das weißliche Fioringras, mit grün gefärbten Aehrchen. Dasselbe heißt auck) Agrostis capillaris, Pollich unb wird neben Agrostis stolonifera in den Samen-Katalogen häufig unter diesem Namen aufgeführt, obschon Beides dasselbe ist. Eine empfehlenswerthe Varietät ist das Riesen-Fioringras, Agrostis stolonifera, var. gigantea, Koch. Die übrigen Abarten sind landwirthschaftlich von geringerem Werthe. Geographische Vorkomme» Klima, Boden, Düngung. Das Fioringras kommt vor in Europa: Portugal, Verbreitung. Spanien, Frankreich, ganz Zentral-, Ost- und Südeuropa; im Norden in Skandinavien bis zum Altenfiord, in England, Irland, Island. In Asien: Kaukasus, Georgien. In Afrika: Kanaren, Algier, Kap- Verdische Inseln, Abhssinien. Im nördlichen Nordamerika ist es ebenfalls einheimisch. 69 Besonders auf nassen Wiesen, an Gräben, Flüssen, überhaupt an nassen Orten, vorzugsweise in Standorte, tief und feucht gelegenen Gegenden ist dasselbe bei uns sehr verbreitet. Im Gebirge finden wir es auf entsprechendem Boden an solchen Stellen, wo der Nebel und der Thau lange liegen bleiben. In den Alpen geht es als forma coarctata (= patula, Gaud.) mit stark gefärbter und zusammen- Höhengrenzen. gezogener Rispe bis gegen 2200 in. (Wormser-Joch, leg. Brügger). Das See- uitd Gebirgsklima mit reichen Niederschlagen sagt ihm am besten zu. Dem Klima, entsprechend ist der Ertrag an Orten mit trockener Lust lange nicht so groß, wie an solchen mit feuchter Atmosphäre. Aus diesem Grunde wurden in Deutschland und Frankreich nicht so hohe Erträge erzielt, wie in England. In trockener Lust und. auf trockenem Boden werden die Halme auch nicht so reich beblättert, und sind hart und drahtartig. — Gegen den Winter ist es unempfindlich. Conicht ließ einen Theil des Grases über Winter stehen und erst im Frühjahr mähen. Dasselbe war ebenso kräftig, wie das im Herbst gemähte. In England wird es oft bis in den Dezember hinein genutzt. Das Fioringras gedeiht am besten auf leichteren, feuchten bis nassen Böden; ebenfalls schräm Boden. Platze ist es auf feuchtem Moorboden, sowie auf feuchten Thonböden, während es für trockene Böden nicht geeignet ist, namentlich nicht für trockene feste Thonböden, weil hier die zarten Wurzeln nicht einzudringen vermögen und deßhalb die Stolonen verholzen und klein bleiben. Es ist infolge dessen nicht rathsam, das Gras auf einen andern als feuchten, nicht zu schweren Boden zu säen, es sei denn, daß derselbe bewässert werden soll. Ueber die Bodenerschöpfung liegen, so viel mir bekannt, keine Untersuchungen vor. Düngung. Entsprechend der flachen und zarten Bewurzelung verlangt das Gras zu seinem Gedeihen eine kräftige, weiche Ackerkrume. — Zur Bewässerung ist es sehr gut geeignet. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das Fioringras treibt 2 bis 4, auf günstigem Wuchs. Standorte sogar bis 6 Meter lange Triebe. „Man muß sich aber deßwegen nicht vorstellen", sagt Schwerz, „daß man auch 10, 15—20 Fuß langes Heu davon einernten werde", denn die Triebe kriechen dicht über dem Boden weg, treiben an denjenigen Stellen, wo sie den Boden berühren, an den Knoten Wurzeln und senden voir Stelle zu Stelle kurze, auf günstigem Standorte reich beblätterte Triebe in die Höhe. Wenn der Boden und die Witterung trocken sind, so bewurzeln sich die Knoten wenig, während die Ausläufer in feuchten Lagen, besonders wenn dieselben vom Vieh in den Boden getreten werden, reichlich bewurzelte lange Triebe machen. Infolge dieses wuchernden Wachsthums bildet das Gras, wenn es auch anfänglich nur dünn steht, allmälig einen dichten, filzigen Rasen, der bei der Beackerung nur schwer zu vertilgen ist. Nach der Aussaat entwickelt sich das Fioringras verhältnißmäßig rasch und liefert im ersten Entwicklung. Jahr schon einen nahezu vollen Ertrag. Im Frühjahr entwickelt es sich jedoch erst spät, wächst aber bis spät in den Herbst hinein fort. Die Blüthe tritt frühestens Ende Juni ein. Von da ab treibt die Pflanze bis in den Herbst hinein Blüthenhalme. Zur Zeit der Ernte der übrigen Gräser ist Ernte, es demnach noch klein und liefert deßhalb, in Mischung mit andern Gräserir gesäet, erst im zweiten Schnitt den Hauptertrag. Namentlich zu Weide ist das Fioriilgras vorzüglich geeignet und als solche kann es bis spät in den Herbst genutzt werden. Als Mähefutter ist es weniger am Platze, doch will man in Irland pro Hektar 320 Zentner Heu erzielt haben, lvährend der Ertrag nach Pinkert Ertrag, in Deutschland auf 100—200 Zentner berechnet wurde. Vianne erzielte auf fruchtbarem frischem Boden 143 Zentner. Sinclair erntete auf fruchtbarem Torfboden: in Zentner In der Blüthe Nachgras per Hektar per Juchart grün dürr grün dürr 396 173 143 62 61 — 22 — 70 Futterwerth. Samengewinnung. Verunreinigungen. Verfälschungen. Samenqualität. Saatquantum. Vermehrung dnrch Ausläufer. Das Fioringras liefert auf entsprechendem Boden ein saftiges, vom Vieh gerne aufgenommenes Futter, während es auf trockenem, magerem Land hart, saftlos und deßhalb vom Vieh verschmäht wird. Ueber die chemische Zusammensetzung liegen keine Untersuchungen vor. .Nach Sprengel soll es seinen größten Nährwerth im Spätherbst erlangen und ein sehr nahrhaftes Futter liefern. Samengewinnnng, Verunreinigungen und Verfälschungen. Zur Samennutzung wird dieses Gras Wohl nicht feldmäßig angebaut, sondern die Samenpflanzen werden in Deutschland meist in den Abtriebsschlägen der Wälder, wo es häufig bürstendicht steht, abgeschnitten und ausgedrvschen. Die Reife tritt erst im August bis September ein; der richtige Zeitpunkt ist dann gekommen, wenn die Samen hart werden und sich ausreiben lassen. Die Samen fallen nicht leicht ab. — Der im Handel vorkominende Same ist oft in hohem Prozentsatz mit den Klappeir verunreinigt, welche sich aber mit Wind leicht wegstäuben lassen. Als Verunreinigungen und Wohl auch als absichtliche Beimengungen findet man häufig das Hundsstraußgras (Agrostis canina, L.) und die Rasenschmiete (Aira casspitosa) beigemischt. Absichtlich wird oft auch der Ackerwindhalm (Apera spica venti, P. Beauv.) zugesetzt. Das Hundsstraußgras unterscheidet sich vom Fioringras neben der dunkleren Farbe und der derberen Struktur der Spelzen durch die über der Basis der unteren Spelze entspringende lange Granne. Die äußere Spelze des Ackerwindhalms (siehe Fig 29, Seite 66) ist an der Spitze lang begrannt und kurz gewimpert. Die Frucht der Raseuschmiele (Fig. 32) ist wesentlich großer, die Basis sowie das Stielchen sind mit kurzen, glänzenden Haaren besetzt und am Grunde entspringt eine gerade Granne von der Länge der Frucht. - Im Fioringras findet man häufig auch Timothegras, oft auch viel Sand. Same UNS Saat. Der im Handel vorkommende Same ist meist noch von den durchscheinenden Spelzen umschlossen, zum Theil noch von den Klappen, seltener sind die Spelzen und Klappen entfernt. Die durchschnittliche Reinheit beträgt 71,- %, die Keimfähigkeit 85%. Eine gute Handelswaare soll 85 % Reinheit und 85 % Keimfähigkeit enthalten = 72, 3 % reine und keimfähige Samen. 1 Kilo reine Samen enthält 1,327,000 Körner; eine 72prozentige Waare enthält somit 955,000 reine und keimfähige Samen. Je nachdem die Klappen mehr oder weniger gut abgestäubt sind, ist das Hektoliter-gewicht mehr oder weniger groß. Befinden sich dieselben noch in der Waare, so ist dasselbe sehr gering, kaum 10 Kilo, sind sie aber gut abgestäubt, so steigt es auf 40 Kilo und höher. — Die Keimfähigkeit nimmt bei der Aufbewahrung nur langsam ab und der Same keimt in der Regel gut, während die Reinheit häufig zu wünschen übrig läßt. Das Saatguantum beträgt per Hektar 11 Kilo einer 72prozentigen Waare = 792 Kiloprozente, per Juchart 4 Kilo oder 288 Kiloprozente. Bei einem Durchschnittspreise von Fr. I. 10 per Kilo betragen somit die Saatkosten per Hektar Fr. 12. 10, per Juchart Fr. 4 . 40. Mit Ausnahme für Teppichrasen und in seltenen Fällen zu Weide wird das Fioringras nie rein ausgesäet und für Mischungen wird es in der Regel nur für dauernde Wicsenanlagen benutzt, für Wechselwiesen nur auf nassem Boden. Für Kleegrasmischungen isi es nicht am Platze. Mehr als 10 % der Reinsaat nimmt man nur ausnahmsweise in die Mischung. Sehr gut läßt sich das Fioringras auch durch seine Ausläufer vermehren. Schon Richardson empfahl zu diesem Behufe die von einem umgebrochenen Fioringrasland ausgeeggten Kriechtriebe auf dem damit zu bepflanzenden Acker in 4—6 Zoll entfernten Reihen auszulegen oder über das ganze Rasenschmiele. Aira csespitosa, L. a Scheinfrucht, natürliche Größe; d von der Bauchseiie; o Seitenansicht, 8mal vergrößert. * ictuftp. Stq uW ■ oKL MI lisch C. & L. Schroter ad. nat, Ägrostis stolonis era. I.. Fioringras — Agrostide tracante. Lith. Genossenschaft Zürich. 71 Feld gleichmäßig auszubreiten und leicht mit Erde zu bedecken. Sprengel empfiehlt, die Ausläufer in 3—4 Zoll lange Stücke zu schneiden, über den Boden zu säen und mit etwas Erde zu bedecken oder durch die Schafe eintreten zu lassen. Auf feuchtem Boden oder bei feuchter Witterung bewurzeln sich die Knote» sehr bald und machen Triebe, auf welche Weise sich der Boden viel schneller mrt einem Rasen überzieht, als wenn man Samen ausgesäet hätte. Zur Kultur ist auch eine mit dem Fioringras verwandte Art, das amerikanische Straußgras, Verwandte Agrostis dispar, Mich. empfohlen worden. Dasselbe wird größer als das Fioringras, ist ausdauernd Arten, und gedeiht noch aus trockenen, leichteren Böden. Erklärung der Tafel 11. 8 6mal, Fig. 10 2mal, Fig. 11 etwa lOmal vergrößert. lFig. A, B und C in natürlicher Größe, Fig. 1 Figur A. Unterer Theil der Pflanze (Ausläufer). „ B. Blüthenrispe vor der Blüthe (zusammengezogen). „ 6. Blüthenrispe während der Blüthe (ausgebreitet). „ 1. Ganzes Aehrchen in Blüthe. „ 2. Dasselbe nach Entfernung der Klappen. „ 3. Schüppchen und Stempel. „ 4. Fruchtährchen. Figur 5. Dasselbe ohne die Klappen (Scheinfrucht oder spelzenumschlossene Carhopse) von der Seite. „ 6. Dasselbe wie 5 von der Vorspelze aus. „ 7. Nackte Carhopse von der Rückenseite. „ 8. „ „ von der Furchenseite. „ 9. Grundriß des Aehrchens. „ 10. Blatthäutchen. „ 11. Querschnitt durch d. Blattspreite (n. Lund). 12. Der rothe Wiesenklee. Trifolium pratense, L. Entsprechend der großen Verbreitung der Kultur des rothen Klee's, hat fast jedes Land, ja fast Benennung, jede Gegend ihre besondere Bezeichnung für diese wichtige Kulturpflanze, so z. B. heißt er: Wiesenklee, Dreiblatt, dreiblättriger .Klee, Kopsklee, rother Kopsklee, Nothklee, spanischer, welscher, türkischer, deutscher, steyrischer, holländischer, niederländischer, Brabauter oder Seeläuderklee, gemeiner, rother, brauner oder großer Klee, Mastklee, Pfundklee, Futterklec, Geißklee, Kleberklee, Kleverklee, Hummelklee, Hungsugge (Honig saugen), Zuckerblume, Herrgottsfleisch k. Die Einführung des Kleebaues hat der Entwicklung der Landwirthschast mehr Vorschub geleistet, Geschichte, als die Einführung der Kartoffeln. Seine Kultur wirkte umgestaltend auf die gesammte Volkswirthschaft, indem dadurch die Produktion der menschlichen Nahrungsmittel gesteigert wurde, was Handel, Industrie und Wissenschaft belebte und förderte. Der rothe Klee war allerdings schon von Alters her bei uns einheimisch, seine Kultur ist jedoch verhältnißmäßig neuern Datums. Im Alterthume bestand dieselbe noch nicht, obgleich die Pflanze ohne Zweifel bei alten Völkern Europa's und des westlichen, gemäßigten Asien's bekannt war. Am ältesten ist dessen Kultur in Medien, wann sie aber dort begann, darüber fehlen Angaben. Im 15. und 16. Jahrhundert kam sie nach Spanien und Italien. In Italien erwähnt Gallo dieselbe 1550, und 1566 empfahl Farelli dem Senat von Venedig die Kultur dieser Pflanze. Von Spanien kam der Kleebau ungefähr im 16. Jahrhundert nach Brabant und Flandern. Von hier brachten ihn die auswandernden Wallonen nach der Rheinpsalz, von wo aus sich die Kultur weiterverbreitete. In den Anfang des 17. Jahrhunderts fiel der dreißigjährige Krieg, der die Landwirthschaft für lange Zeit lahm legte. Erst im 18. Jahrhundert machte deßhalb die Kleekultur wesentliche Fortschritte. In der Pfalz erlangte sie unter Casimir Medieus 1760—70 Bedeutung. In der Schweiz verdanken wir die Einführung des Kleebaues Johann Rudolf Tschiffeli, dem Begründer (1759) und Präsidenten der weitbekannten ökonomischen Gesellschaft des Kantons Bern. Der Rothkleeban war zwar in der Schweiz 72 sporadisch schon früher vorhanden, wozu der Same von den spanischen Provinzen in den Niederlanden her- stammte (deßhalb holländischer oder spanischer Klee), eine größere Ausdehnung erlangte derselbe aber erst durch die Bemühungen der ökonomischen Gesellschaft, welche ihre Thätigkeit bald über die ganze Schweiz ausdehnte. In Deutschland sowohl, als in der Schweiz konnte der Kleebau aber erst allgemeine Verbreitung nach Abschaffung der Weideservitute auf dem Ackerlande erlangen, das im Brachjahr mit Schafen und Schweinen behütet wurde. Das Brachfeld wurde jetzt mit Klee und Hackfrüchten bestellt, wodurch die Landwirthschaft eine ganz gewaltige Umgestaltung erfuhr. In Deutschland war es namentlich Johann Christian Schubart in Würchwitz bei Zeitz, welcher die Vortheile eines solchen Betriebes an Stelle der alten Dreifelderwirthschaft (I. Winterfrucht, 2. Sommerfrucht, 3. Brache) bald erkannte und für dessen allgemeine Einführung thätig war und deßhalb von Joseph II. 1780 mit dem Beinamen „Edler von Kleefeld" in den Adelsstand erhoben wurde. Neben der äußerst segensreich wirkenden ökonomischen Gesellschaft in Bern und ihren Zweigvcreinen in Zürich, Basel rc. war es später Emmanuel v. Fellenberg, welcher wesentlichen Anstoß zum Fortschritt gab. In Deutschland war es Thaer, der durch seine Grundsätze der rationellen Landwirthschaft und durch die Anregungen, die er auf einer Reise in England erhielt, den Ackerbau unter spezieller Berücksichtigung des Kleebaues auf ganz neue Grundlage stellte. Nach England kam die Kleekultur ebenfalls aus Flandern im Jahre 1633 durch den Einfluß des Lordkanzlers Weston, Grafen von Portland. Erst in den Jahren 1790—1800 kam sie nach Nordamerika. Landwirth- „Was der Weizen unter dem Getreide, das ist noch mehr der Klee unter den Futterpflanzen", ^»th ^ I- N. v. S ch w e r z. Trotzdem in neuerer Zeit die Kultur der übrigen Kleearten und namentlich der Gräser gewaltige Fortschritte gemacht, ist der Ausspruch dieses klassischen landwirthschaftlichen Schriftstellers auch heute noch richtig. — Unter unseren Verhältnissen werden zwar rationelle Mischungen von Gräsern und Kleearten im Allgemeinen bessere Dienste -leisten, als der Kleebau. Der Rothklee bildet in denselben in der Regel aber einen Hauptbestandtheil. In der Sommerstallfütterung steht der reine Klee vor allen Futterkräutern obenan. Zwar ist dessen Kultur nicht überall sicher und dieselbe erfordert weit größere Aufmerksamkeit und Sachkenntniß als jene der meisten andern Futterpsianzen. Er verlangt zum sichern Gedeihen einen gut zubereiteten, kräftigen Boden, welcher längere Jahre keinen Klee getragen hat. Man kann den Klee in jeden Fruchtwechsel einschieben. Gewöhnlich wird er im Frühjahr in das Getreide gesäet, das Jahr nachher genutzt, im Herbste wieder umgepflügt, denn obschon er wild vorkommend ausdauernd ist, so kann man ihn nach dem Saatjahr beim Reinanbau in der Regel doch nicht länger als ein Jahr nutzen. Mail betrachtet daher die Kleepsianze als zweijährig. Im dritten Jahre bleiben gewöhnlich viele Pflanzen zurück, der Bestand wird dünn und der Ertrag bleibt gering. Botanische Botanische Beschreibung. Der Rothklee ist zwei- bis mehrjährig; die Hauptachse bleibt stets Beschreibung, kurz, kommt nie zur Blüthe und bildet eine bodenständige Laubrosette, da die Blätter wegen der Kürze der Achse dichtgedrängt stehen. In den Achseln der untern Blätter dieser kurzbleibenden Hauptachse entspringen seitliche, aufrechte, angedrücktbehaarte, bis 50 ein. hohe Stengel, die am Ende und meist noch in der Achsel des obersten Blattes Blüthenköpfchen tragen. — Die Blätter sind dreizählig, die untern lang, die obern kürzer gestielt, die 2 obersten dem Köpfchen dicht genähert, eine Hülle bildend; bei der Varietät sativum (siehe unten) ist das Köpfchen gestielt, d. h. von den obersten Laubblättern entfernt. Die Blätter sind ganzrandig, kurz und fein gewimpert. — Die Nebenblätter sind dem Blattstiel angewachsen, ihr freier Theil ist dreieckig, rasch und scharf zugespitzt; sie sind deutlich grünrippig. — Die Blüthenköpfchen sind kugelig, meist am Grunde mit zwei sitzenden Laubblättern versehen. Der Weißlich grüne Kelch hat eine lange, zehnrippige Röhre und fünf psriemliche Zähne, von denen der untere (vordere) ungefähr doppelt so lang ist als die übrigen. Kelchröhre und Zähne sind mit abstehenden langen Haaren spärlich besetzt. — Die hell purpurn gefärbte (selten Weiße) Krone besteht in ihrem untern Theil aus einer 9—10 mm. langen ringsum geschlossenen Röhre, die durch die Verwachsung der Stiele sämmtlicher Blumenblätter und der 9 untern Staubgefäße gebildet wird. Im vordern Drittel der Blüthe sondern sich die Blumenblätter und Staubgefäße von der Röhre in folgender Weise ab: Die Fahne (Fa., Fig. 1—3) geht mit sehr breiter Basis von der Röhre ab, setzt deren obere und seitliche Fläche fort und umfaßt mit einer 7.3 kleinen Erweiterung an der Basis sogar noch die Unterseite der Blüthe. Das Schiffchen setzt die Unterseite der Röhre fort und erweitert sich nach vorn zu einem breiten, oben offenen, die Staubgefässe löffelförmig umschließenden Theil (Lob., Figur 1—4). Die Flügel (Fl.) gehen mit dünnen Stielen (s., Figur 5) von der Röhre ab und tragen nahe ihrer Basis zwei nach rückwärts gerichtete, über das Schiffchen herüber- greifende Fortsätze (f., Figur 2, 4, 5). Die aus den 9 untern Staubfäden verwachsene Röhre löst sich bald nach ihrem Abgang von der gemeinschaftlichen Kronenröhre in die 9 freien, steifen, aufwärts gebogenen, im Hohlraum des Schiffchens eingeschlossenen Staubfäden auf. Der 10. freie Staubfaden (f. St., Fig. 2) verläuft im Innern der Röhre auf einer Seite derselben und tritt erst mit den andern in das Schiffchen ein. Der Stempel endlich sitzt in dem Grund der Blüthe, von der Kron-Staubgefäß-Röhre umgeben; er besteht aus einem kurzen, meist 2 Eier bergenden Fruchtknoten (Frkn., Fig. 2 und 6) und einem langen gebogenen Griffel (Gi\, Fig. 2, 4, 6), dessen Narbe (N., Fig. 2, 6) im Hohlraum des Schiffchens die Staubbeutel überragt. Der Klee gehört zu densenigen Pflanzen, welche bei Ausschluß der Infekten unfruchtbar sind, bei denen also Honig- oder pollensammelnde Besucher als Ueberträger des Pollens auf die Narben nöthig und unerläßlich sind und zwar höchst wahrscheinlich als Ueberträger auf die Narben anderer Blüthen*). Darwin fand 100 durch ein Netz vor Jnsektenbesuch gesicherte Blüthenköpfchen vollkommen unfruchtbar, während ebenso viele daneben gewachsene, den Insekten zugängliche Köpfchen circa 2720 Samen erzeugten. Nach den Beobachtungen Darwin's und Müller's sind es vorzugsweise Hummeln, die als Befruchter des Klees auftreten (immerhin fand Müller außer 19 Hummelarten noch 26 andere Insekten, theils Hautflügler, theils Schmetterlinge als Bestäuber sungiren). Die mit der Befruchtung durch Insekten im Zusammenhang stehenden Eigenthümlichkeiten der Blüthe sind folgende: Der Honig wird von der Basis der Krön- und Staubgefäßröhre abgesondert und sitzt im Grunde derselben, den Fruchtknoten umgebend. Der normale Zugang zu demselben ist ein weit offener; wenn der Jusektenrüssel unter der Fahne zwischen den beiden Flügeln eingedrungen ist, so kann er ungehindert bis zum Grund der Röhre vorgestreckt werden. Damit ein Insekt aus diese Weise Honig saugen kann muß es eine Rüssellänge von 9—10 nun. besitzen, denn so tief liegt der Honig. Während des Saugens hält sich das Insekt an Flügel und Schiffchen fest, drückt dabei diese Organe nach abwärts und bewirkt so, daß Narbe und Staubgefässe mit der Unterseite seines Kopfes zur Berührung kommen; dabei empfängt die Narbe den von einer früher besuchten Blüthe mitgebrachten Blüthenstaub und die Staubbeutel belegen das Insekt mit neuen Pollen. Nach dem Wegfliegen des Insektes schnellt das Schiffchen durch die Elastizität seiner Basis wieder in die Höhe und umhüllt die Sexualorgane wieder; die beiden Fortsätze der Flügel helfen dabei mit, die Organe in ihrer gegenseitigen Lage zu erhalten (Müller).**) Die Frucht des rothen Klee's (Fig. 7) ist eine einsamige Hülse ***) aus 2 scharf abgesetzten quer geschiedenen Hälften zusammengesetzt. Die obere bildet ein glattes, glänzendes, dünnschaliges Käppchen (o., Fig. 7), die untere ein runzeliges, dünnhäutiges Becherchen (n., Fig. 7), das sehr leicht unregelmäßig zerreißt, um den Samen zu entlassen. Der Same (Fig. 8, 9) ist länglichrund, etwas flachgedrückt; auf der einen Kante ist das Würzelchen schon von außen als Vorragung deutlich (W., Fig. 8, 9) und unter demselben der Hilus (H., Fig. 9) (Samennabel). Die Farbe des Samens ist röthlich oder semmelgelb, oder gelb mit röthlichem Bäckchen. Abarten. Es werden landwirthschaftlich hauptsächlich zwei Abarten unterschieden: 1. Der wilde Wiesenklee, Trifolium pratense, Finne; van. pratarum, Alefeld; älter und vielleicht besser gewählt ist der Name Trifolium pratense perenne Hort., dauernder Wiesenklee, in der Schweiz Naturklee, Mattenklee, in Deutschland Bullenklee, in England Kuhgras (cowgrass) genannt. Derselbe bleibt niedriger als der kultivirte. Die Wurzel ist stark faserig. Der Stengel ist mehr behaart, die Nebenblätter laufen in längern und schmälern Spitzen aus und sind mit längern Haaren *) Es ist bis jetzt nicht durch Versuche nachgewiesen, ob die bei Jnsektenbesuch gewiß häufig genug eintretende Selbstbestäubung (Belegung der Narbe mit Pollen derselben Blüthe) wirksam ist oder nicht. **) Außer diesem normalen Zugang wird von den räuberischen Erdhummeln sehr häufig ein künstlicher geschaffen, indem sie mit ihren Kinnladen ein Loch in die Kronröhre unmittelbar über dem Kelch beißen und von dort mit ihrem 7—9 inin. langen Rüssel den Honig erreichen. Dieses ist der einzige Weg, auf dem die kurzrüsselige Honigbiene zum Nektar gelangen kann; sie benlltzt dabei die von den Hummeln gemachten Löcher. Selbstverständlich vollziehen derartige Honigräuber keine Bestäubung; wohl aber kommt es vor, daß die Biene beim Pollens am mein bestäubend wirkt. ***) Der Ausdruck Hülse ist hier insofern ungenau, als die Kleesrucht das Aufspringen in 2 Klappen nicht zeigt. 10 Abarten. besetzt als beim folgenden. Die Stiele der einzelnen Blüthen sind im Allgemeinen länger und dünner und zeigen einen augenscheinlichen Hang, gebogen oder gekniet zu wachsen. Die Blumenköpfchen haben weniger Blüthen, obgleich sie dem Anscheine nach ebenso groß sind (Sinclair). Der Stengel ist inwendig meist kompakt (nicht hohl). Die obersten ungestielten Hüllblätter stehen in der Regel dicht beim Blüthen- köpfchen, die Wurzelblätter sind abgerundet, anderthalb Mal so lang als breit. Dennoch ist die Unterscheidung vom solgenden im Einzelsalle nicht immer möglich. Der wilde Wiesenklee hat gegenüber dem folgenden den Borzug, daß er, aus dem Acker kultivirt, länger andauert und deßhalb in der Regel 2—3 Jahre genutzt werden kann. Er ist weniger empfindlich gegen Klima und Boden und gedeiht unter solchen Verhältnissen, wo die Kleekultur nicht mehr sicher ist, besser als der folgende. Er ist besser zur Heubereitung geeignet. Dagegen ist der Same stets höher im Preise und selten ächt im Handel. Jrrthümlich wird er auch als Irikolium mollium, mittlerer Klee, bezeichnet. 2. Der gebaute Wiesenklee, Rrilolium prakousa, lünuch vai°. sativum, Schreber & Hoppe, auch Saatklee, Ackerklee, Psundklee, großer spanischer, welscher oder Brabanterklee rc. genannt. Derselbe wird größer als der vorige, kann aber nur ein Jahr genutzt werden. Der Stengel ist weicher, meist hohl; die Blüthenköpfe sind oft zu zweien und vom obersten, ungestielten Stengelblatt etwas entfernt, also gestielt. Die Blüthe selbst ist meist Heller gefärbt. Die Wurzel ist spindelförmig, weniger faserig. Die Abart ist durch die Kultur entstanden und noch heute kann man die Erfahrung machen, daß wenn man wilden Wiesenklee sammelt und einige Generationen hindurch auf dem Acker kultivirt, kein Unterschied mehr besteht zwischen diesem und dem angebauten einheimischen Ackerklee. Im gleichen Lande mehrere Jahre sortgezüchteter wilder Wiesenklee unterscheidet sich nach dieser Zeit weder in seinen Eigenschaften, noch in seinem Verhalten von dem angebauten; sie sind demnach gleichwerthig. Von ungleichem Werthe sind aber die Rothkleesorten verschiedener Herkunft. Es ist nicht gleichgültig, ob der Same in Italien, Amerika, Südfrankreich, Deutschland, Oesterreich oder in der Schweiz gewachsen ist. Unter unsern Verhältnissen hat der im eigenen Lande produzirte den größten Werth, weniger gut ist der deutsche, österreichische und südfranzösische und am geringsten der Amerikaner und Italiener. 1. Schweizerischer Rothklee. Längere Jahre in der Schweiz kultivirter Rothklee zeichnet sich neben seiner üppigen Entwicklung durch größere Widerstandsfähigkeit aus. 2. Der steyrische und der schlesische Rothklee kommen dem schweizerischen am nächsten, beide werden sehr hoch, blühen später als die folgenden Provenienzen, sind weniger empfindlich und von längerer Dauer. 3. Der südfranzösische Klee wird nicht so hoch als der vorige, ist auch von kürzerer Dauer und etwas empfindlicher. 4. Der Elsäßer und Psälzer Klee halten ungefähr die Mitte zwischen dem französischen und dem schlesischen. 5. Der italienische Klee ist sehr früh, erschöpft sich aber bald und ist gegen unsere Winter sehr empfindlich, so daß er oft schon im ersten Winter verschwindet. Im letzten milden Winter 1882/83 ist im Versuchsfeld der Samenkontrolstation der italienische Klee aus sämmtlichen Beeten größtentheils zu Grunde gegangen. 6. Der englische Klee wird sehr hoch, ist blattreich, saftig und dauert auch ziemlich lange an. Wie alle nordeuropäischen Kleesorten gehört er zu den empfehlenswerthesten Qualitäten. 7. Der nordamerikanische Klee wird in neuerer Zeit vielfach nach Europa importirt; über denselben liegen verschiedenartige Urtheile vor, so daß man Grund hat, vorsichtig zu sein. Er ist dicht zottig behaart, wahrscheinlich in Folge der geringen Luftfeuchtigkeit in Nordamerika (Anpassung). Der amerikanische ist weniger abgehärtet und vermag dem Witterungs- und Temperaturwechsel weniger Widerstand entgegenzustellen. Samsoe Lund machte hierüber in Kopenhagen Versuche*). Auf einem Ouadratfuß Bodenfläche stunden durchschnittlich nach dem strengen Winter 1878—79 vom europäischen Rothklee 17., Pflanzenstöcke vom amerikanischen „ Ö- 4 Der Amerikaner war also drei Mal weniger widerstandsfähig als der europäische. Bei weniger harten Wintern dagegen hielt sich der amerikanische Rothklee ebenso gut als der europäische. Im Allgemeinen jedoch ist das Risiko beim Anbau des Erstern gegenüber dem hiesigen ein sehr großes. Es dürfte *) Om Landbrugets kulturplauter og dertil hörende Froavl. Nr. 2. Kopenhagen 1881. 75 auf der geringern Abhärtung desselben auch theilweise die sogenannte Kleemüdigkeit beruhen, da im Handel sehr häufig amerikanischer Same als europäischer verkauft wird. Auch im Ertrag ist der amerikanische Klee geringer. P. Nielsen in Oerslev erhielt auf besserem Boden im Durchschnitt von 14 Versuchen mit europäischem Rothklee per Hektar 210 Ztr., vvm amerikanischen aber nur 191 Ztr. und auf weniger gutem Boden vom europäischen 161 Ztr., vom amerikanischen aber nur 145 Ztr. Heuertrag per Hektar. Das Durchschnittsgewicht einer Pflanze vom europäischen Klee betrug 6.7 Gramm, vom amerikanischen 4-4 ©ramm. Auf den Alpen kommt eine Form des Rothklees, Trifolium pratense alpinum, Hoppe = nivale, Sieb. vor, mit niedrigem Wuchs und dicken, schmutzigweißen, seltener röthlichen Blüthenköpfcheu. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der rothe Wiesenklee ist einheimisch in ganz Europa Geographische smit Ausnahnie von Griechenland), Algier, auf den Bergen Anatoliens, in Armenien, Turkestan und in Verbreitung. Sibirien (Ural, Altai, Baikal), in Caschemir und Garwäll (Ost-Indien). In Amerika war derselbe nicht einheimisch, ist aber dort naturalisirt. Bei uits treffen wir denselben wild aus guten Wiesen; je mehr eine Wiese hievon enthält, für desto Standorte, fruchtbarer wird sie gehalten. Wir finden ihn ferner an guten Rändern, grasreichen Waldplätzen und Triften. Er geht in den Alpen und Pyrenäen in seiner alpinen Form (var. nivale, Sieb.) bis 2500 m., in Höhengrenze». Spanien sogar bis 3000 m. Im südlichen und mittlern Deutschland wird er noch auf Bergen kultivirt, die sich 1000 Meter n. M. erheben. Der Nvthklee ist im Frühjahr sehr empfindlich gegen trockene Kälte. Namentlich im April, Mai und Juni liebt er Feuchtigkeit und Wärme, wenn er gut gedeihen soll. Er kann in der ganzen Negion des Wintergetreides und in der untern Sommergetreideregion gebaut werden. In schneeloseu Wintern wintert er bei häufigem Auf- und Zufrieren öfters aus und im Frühjahr stehen dann die Kleewurzeln hoch über der Erdoberfläche hervor und gehen größtentheils zu Grunde. Tüchtiges Walzen ist dann altzuempfehlen. Das Ueberdecken im Herbst mit langem Stallmist oder mit Tannenreisig schützt vor dem Ausfriereit. Am ehesten friert er auf flachgründigem, humusüberreichem, lockerm Boden aus. In Bezug auf die Ansprüche an den Boden ist er nicht so wählerisch, wie z. B. die Luzerne tind die Esparsette. Da er nicht so tief wurzelt als die letztern, so kommt der Untergrund weniger in Betracht. Am besten gedeiht er auf humusreichem Mergelboden, so wie aus frischem, kräftigem Lehm- und Thonboden mit einigem Kalkgehalt. Im Allgemeinen gedeiht er besser auf bindigen Bodenarten, als auf leichtern. Selbst auf dem schwersten Thonboden kann er gebaut werden, wenn sich derselbe in gutem Kulturzustande befindet. Stauende Nässe erträgt dagegen der Klee nicht. Lehmiger Sandboden, wenn er hinreichend frisch, humusreich und kräftig ist, kann ebenfalls zur Kleekultur verwendet werden. Böden, aus welchen der Klee sicher gedeiht, werden als „kleefähig" bezeichnet. Armer Sandboden, sowie hitziger Kalkboden ist nicht kleefähig, ebenso wenig Moor- und Brnchboden, immerhin können erstere durch Auffuhr von schwerem Boden und letztere durch Ueberführen mit Mergel oder Kalk kleefähig gemacht werden. Auf lockerem schwammigem Boden wintert er aus, auf stark sandigem verdorrt er, auf schlechtem bleibt er niedrig und mager, auf trockenen, nach der Sonne abhängigen Feldern stirbt er oft ab, auf den Abseiten der Berge, welche quellig sind, wintert er aus, über eisenhaltigem (ockerartigem) Untergrund will er nicht fort, auf seichtem Boden, der einige Zoll tief eine Felsenschicht oder einen dem Wasser undurch-. dringlichen, wüsten Thon beherbergt, versagt er gänzlich. Er will einen gebundenen, gemürbten Kalkoder mergclhaltigen, humusreichen, feuchtigkeitshaltenden, reinen, weder nassen, noch sandigen, noch dürren, noch seichten, noch ockerartigen, noch erschöpften Boden haben. Durch gute Kultur kaun jedoch oft mancher Mangel des Bodens ersetzt werden (Schwerz). Klima and Witterung. Boden. 76 Boden1000 U Rothkleeheu entnehmen betn Boden: erschöpfung. Stickstoff IO., M Kalk 20. 0 u Phosphorsäure b-g „ Magnesia 6., „ Kali . 18 .g „ Schwefelsäure . 1.7 >, Natron 1-z „ Kieselsäure 1.4 „ Düngung. Der Rothklee erfordert zum Gedeihen einen in gutem Kraftzustande befindlichert Boden. Eine Düngung während der Vegetationszeit wird in der Regel nicht gegeben, mit Ausnahme einer solchen von Gyps. Der Gyps ist schwefelsaurer Kalk und besteht in reinem Zustande aus: 46.;, % Schwefelsäure. 32. ä6 °/o Kalk. 20. 03 % Wasser. Derselbe wird gewöhnlich in ungebranntem Zustande angewendet, indem er fein gepulvert im Frühjahr (Ende April oder Anfang Mai) bei feuchtem warmem Wetter über den Klee gestreut wird -- ungefähr 8—12 Zentner per Hektar (3—4'/ 2 Ztr. per Juchart). Die Wirkung ist abhängig vom Boden, der Witterung und dem Klima. Auf armem Boden verspürt man mitunter keine Wirkung, denn er wirkt nicht direkt düngend, sondern indirekt, gleichsam als Peitsche, indem er die im Boden vorhandenen Nährstoffe der Pflanze zugänglich macht. Wo aber nichts im Boden ist, kann er auch nicht wirken. Am meisten Erfolg von der Gypsdüngung wird man deßhalb auf kräftigem, für die Kleekultur geeignetem warmem Boden haben. Bei feuchter, warmer Witterung ist die Wirkung eine bessere als bei trockener, weil jeder Theil Gyps 400 Theile Feuchtigkeit zu seiner Auflösung bedarf. Die Einführung des Gypsens verdanken wir namentlich dem Pastor Mayer in Kupferzell, welcher damit um 1765 begann. Ueber die Wirkung desselben liegen zahlreiche Versuche vor, von deren Behandlung wir hier absehen müssen. — Vorzügliche Resultate hat man hie und da auch mit der Asche erzielt. Schwerz erzählt: Das vormals verödete Dorf Kriegsfeld in der Pfalz hat nur der Asche seinen Klee und durch diesen ihr die Rettung von seinem Untergänge zu verdanken. In neuerer Zeit wandte man mit großem Erfolge auch Chilesalpeter als Kopfdüngung an, seltener schwefelsaures Ammoniak; letzteres ist etwas hoch im Preise, wäre aber ein vorzügliches Düngmittel. Baron Gail düngte per Hektar mit 2 Ztr. von letzterem Düng- mittel und zum Vergleich eine gleich große Parzelle nicht und erzielte folgende Resultate: gedüngte Parzelle 110 Ztr. Kleeheu per Hektar, ungedüngte „ 74 „ „ „ Gülle als Kopfdüngung erträgt der Rvthklee nicht gut, dagegen ist das Ueberdüngen mit langem Stallmist vor Winter anzuempfehlen, namentlich dann, wenn der Klee auf dem betreffenden Felde dem Auswintern ausgesetzt ist. Zur Bewässerung ist der Rothklee nicht geeignet. Da aber die zum Bewässern bestimmten Wiesenanlagen die ersten 2 Jahre gewöhnlich nicht berieselt werden, so berücksichtigt man den Rvthklee bei demselben gleichwohl. Wuchs. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das erste Blatt des Nothklees ist bekanntlich nicht dreitheilig, sondern ungetheilt, rundlich. Mit der Entwicklung desselben dringt auch die Pfahlwurzel verhältnißmäßig rasch in den Boden ein, während der oberirdische Theil namentlich anfänglich langsamer wächst. In den Blattwinkeln der untern Blätter entstehen schon früh Seitenknospen-Anlagen, aus den untern derselben bilden sich später sekundäre Stengel und aus diesen können auf gleiche Weise wieder tertiäre entstehen. Findet die Saat im Frühjahr unter Getreide statt, so tritt die Bestockung im Hochsommer ein. Im gleichen Maße entwickelt sich die Wurzel. Die Hauptwurzel dringt tief in den Boden ein, zahlreiche Nebenwurzeln mit ihren Verzweigungen durchwachsen die ganze Krume und schöpfen überall Nährstoffe und Wasser,' wo sie solches finden. An den feinen Wurzelverzweigungen entstehen wie bei vielen schmetterlingsblüthigen Pflanzen warzenartige, mit Eiweiß gefüllte Knöllchen, über deren physiologische Bedeutung man jedoch noch nicht im Klaren ist. Die ausgewachsenen Theile der Haupt- und Nebenwurzeln verkürzen sich allmälig und ziehen dadurch den Wurzelhals und den 77 untern blättertragendeu Theil des Stockes in die schützende Erddecke hinunter. Infolge dessen kann sich die Pflanze besser bestocken, indem dadurch die untern Seitenknospen vor dem Schnitt der Sense geschützt werden, während sie sonst weggeschnitten würden, was eine geringere Bestockung zur Folge hätte. Die Pstanzen erhalten dadurch auch einen festern Stand und sind weniger der Gefahr des Auswinterns ausgesetzt. Eine ähnliche Wurzelverkürzung, nur auffälliger, kann man z. B. bei den Mohren beobachten, welche, trotzdem sich die Erde über Sommer setzte, mit ihren Köpfen im Herbste unter der Erdoberfläche stehen. Hugo de Vries*) konstatirte in 1 */ 2 Monaten bei der 2 nun dicken Hauptwurzel des Klees eine Verkürzung von über 10 %. Nachdem der Schnitt des Klees erfolgt ist, stirbt der Stengel bis auf die untersten kurzen Stengelstücke (Jnternvdien) ab, welche schlafende oder bereits treibende Seitenknospen tragen, aus denen sich die Pflanze neu bestockt. Bei der Samengewinnung verdorrt mitunter der ganze Stengel bis auf den Grund und veranlaßt dadurch ein inwendiges Faulen und Hohlwerden des Wurzelstockes. il Aus diesem Grunde wird Klee, von welchem Samen gewonnen wird, verhältnißmäßig rasch dünn. Wird er in Getreide gesäet, so entwickelt sich der Klee im Aussaatjahre bei günstiger Witterung Entwicklung, verhältnißmäßig kräftig, so daß er im Herbste noch einen schwachen Schnitt gewährt oder als Weide genutzt werden kann. Der Stoppelklee, wie diese Herbstnutzung genannt wird, darf aber nicht zu spät geschnitten werden, damit er sich vor Winter noch bestocken kann und nicht von Frost überrascht wird. Im Winter legen sich die kleinen jungen Bestockungssprosse mit ihrer flachen Seite auf die Erde. In ihrem Jugendzustande sind dieselben bekanntlich flach gedrückt, zweiseitig. Auch die Blätter legen sich zu Boden; das Ganze macht den Eindruck, sagt H. d e B r i e s, als ob die Pflanze durch möglichst nahe Berührung mit dem Erdreich der Gefahr des Erfrierens so viel wie möglich entgehen wolle. Diese Gefahr tritt aber nur bei sehr starkem Frost und sehr plötzlichem Aufthauen wirklich ein. Im Frühjahr treiben die jugendlichen Sprosse und Blätter weiter und es entstehen neue Triebe. Die Blüthe tritt Ende Mai bis Anfang Juni ein. Mit dem Schneiden zu Grünfutter wird etwas vor der Blüthe begonnen, damit dasselbe nicht Ernte, zu hart' wird. Im Jugendzustand ist der Rothklee stets am reichsten an Eiweiß unb enthält am wenigsten Holzfaser. So z. B. fand Ritthausen folgende Menge Eiweiß und Holzfaser im Rothkleeheu ( 16.7 % Wasser»: ganz jung 13. Juni 23. Juni 20. Juli Eiweiß . . . 21 ., % 13. 8 % M.-7° 9-5 7° Holzfaser . . . 24. 7 °/ 0 32.,°/, 32., 7, 48.,% Mit dem Aelterwerden sindet also eine stetige Abnahme des werthvollsten Nährstoffes und eine Zunahme des geringwerthigsten statt. Dazu tritt aber noch, daß die Nährstoffe im jugendlichen Klee eine wesentlich größere Verdaulichkeit besitzen. So z. B. werden nach Gustav Kühn folgende Prozentsätze verdaut: 20. Mai 7. Juni 20. Juni kurz vor der Blüthe Beginn der Blüthe fast verblüht Eiweiß. 70.,% 65.,% 58.,% Holzfaser. 50., % 46.,% 39.,% Stickstofffreie Extraktstoffe . 70.//, 68 .//, 66 ., % Nach einem andern Versuche wurden von der Holzfaser des grün gefütterten Rothklees in folgenden Entwicklungsstadien verdaut: H. de Vries. Wachsthumsgeschichte des rothen Klees. Landwirthschaftliche Jahrbücher von Nathusius und Thiel. Sechster Band. Berlin 1877. 78 ganz jung vor der Blüthe in der Blüthe verblüht 60 % 53 % 50 0 o 39 % Völker erzielte bei jährlich zweimaligem Schnitte den größten Ertrag, Lei drei- und viermaligem einen geringern, Lei fünf- und sechsmaligem einen noch geringern und bei nur einmaligem den geringsten Ertrag. In Tharand wurde ein Klee untersucht, welchen man vom 29. Mai bis 24. August sechs Mal geschnitten und abgerupft hatte, um das öftere Abweiden durch Kühe nachzuahmen. Derselbe ergab gegenüber dem nur zwei Mal (7. Juli und 24. August) in ziemlich vorgerückter Vegetationsperiode geschnittenen Klee von demselben Feld pro Morgen (2b Art : Trockensubstanz Eiweiß Rohsaser 6 Mal geschnitten . . . 2924 U 615 W 637 W 2 Mal gemäht . . . . 5811 M 762 U 1954 U Bei häufigem und scharfem Abweiden ist aber der Ertrag nicht nur geringer, sondern die Pstanze erschöpft sich auch viel schneller, fristet ein kümmerliches Dasein und geht schließlich zu Grunde. Der Rothklee wird im Allgemeinen grün gefüttert, seltener gedörrt. Das Dörren ist je nach der Witterung und Heubereitungsmethode immer mit einem mehr oder weniger großen Verlust verbunden, da die Blättchen im dürren Zustande brüchig werden und absattelt, um so mehr, je mehr das Heu bewegt wird. Da die Blätter des Klees mindestens 7 ä des gesammten Ernteguantums ausmachen und von allen Theilen der Pflanze den höchsten Nahrungswerth besitzen, kaun sich der Verlust bis auf einen Drittheil des Futterwerthes belaufen. Nach Untersuchungen von Dietrich gestaltet sich das Gewichtsverhättuiß der verschiedenen Theile der Rothkleepflanze in verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung folgendermaßen: 31. März 26. April 19. Mai 1. Juni 16. Juni 30. Juni Stengel- Knospen- Beginn Volle Ende In Prozenten Blätter bildung bildung der Blüthe Blüthe der Blüthe Blätter . 40 41 24 24 19 18 Blattstiele 60 29 14 12 11 10 Stengel — 30 58 58 59 60 Blüthenköpschen - — 4 6 11 12 Nach Untersuchungen von U l b r i ch t enthalten die Blätter prozentisch drei Mal so viel Eiweiß wie die Stengel. Diejenige ist also die beste Heubereitungsmethode, bei welcher der Verlust an Blättern der geringste ist, wo das Heu am wenigsten gerührt wird. Aus diesem Grunde ist die gewöhnliche Methode durch Trocknen an der Sonne nicht zu empfehlen, weil bei derselben das Heu mehrmals bewegt werden muß. Nach derselben würde man oft nur nackte Stengel einführen. Besser ist die Luftheubereitung, bei welcher der Klee mit der Gestellsense gemäht, etwa 2 Tage in der auf diese Weise ausgebreiteten Schwade liegen gelassen und dann in Zeilen aufgestellt wird. Das Trocknen in Puppen bietet die gleichen Vortheile, gibt aber etwas mehr Arbeit. Ebenso ist die Braunheubereitung, sowie die auf gleichem Prinzipe beruhende Klappenmeher'sche Methode besonders int Herbst, wo das Heu weniger leicht trocknet, zu empfehlen. Die für den Klee passendsten Trocknungsmethvden sind aber diejenigen auf Gerüsten, wie z. B. auf Kleeträgern, wie sie Von Schwerz empfohlen witrdeu, besonders aber aus Kleepyramiden, wie sie in neuerer Zeit in Deutschland zum Trocknen des Klees immer mehr in Aufnahnte gelangen. Ertrag. Der Ertrag ist je nach Boden, Düugungszustand, Witterung rc. außerordentlich verschieden. Block erwähnt auf Grund seiner vierzigjährigen Erfahrung, daß man selbst auf klcefähigem Boden im Durchschnitt in 4 Jahren nur drei vollständige Ernten rechnen könne oder was ebenso viel sagen will, der minder gute Ertrag, dem man in 4 Jahren ausgesetzt sei, betrage so viel als eine komplete Fehlernte. Wernergibt den Durchschnittsertrag auf 120 Ztr. Kleeheu per Hektar an; Guido Krafft auf 80 Ztr., in günstigen Lagen und Jahrgängen könne der Ertrag aber bis 140—200 Ztr. steigen. Schwerz gibt das Mittel zu 100 Ztr. an, Sprengel in warmen feuchten Jahren zu 120 Ztr., während man in trockenen Jahren kaum 80 Ztr. erzielt. Langethal sagt: „Durchschnittlich kann man auf weniger kleefähigem Boden nur 80 Ztr. Ertrag au Kleeheu rechnen; .in gutem Lande bekommt man 120 Ztr., in gutem Kalkmergel- boden 160 Ztr. und in günstigen Jahrgängen liefern hochkräftige Kleeäcker 200 Ztr. und darüber hinaus", Häni erwähnt, wenn er gut stehe, liefere der Klee 140—170 Ztr. Heu per Hektar (50—60 Ztr. per Juchart). 79 100 fi in bet Blüthe gemähten Grünklee's geben etwa 20 u Heu; grüner Rothklee enthält in Futterwerth, voller Blüthe 80% Wasser; mittleres Rothkleeheu aber nur 16%, 1 Theil Heu — 5 Theile Grünklee. Da aber bei der Heubereitung immer ein gewisser Prozentsatz der Blätter, des nährstoffreichsten Theiles der Pflanze, verloren geht, so ist der Nährwerth des Kleeheues relativ geringer als derjenige eines entsprechenden Theiles Grünfutter. Nach Wolfs's Tabelle gestaltet sich die durchschnittliche chemische Zusammensetzung folgendermaßen: Eualität -j Organische Substanz, 1 Eiweiß Holzfaser Stickstofffreie Extrakt- stoffe Fett j Davon sind verdaulich : Eiweiß or H. « Fett j Nährstoff- Verhältniß A. Heu. % % % % % 0 /0 °/o o/o ! i Weniger gutes .... 79, 9 11,. 28, 9 37, 7 2„ 5„ 3 <,9 1,0 1 1 : 7,. i Mittleres . . . . . . 78, 7 12,3 26, 0 38, s 2,2 7,o 38,, 1,2 : 1 : S,« i Sehr gutes. 77, s 13,5 24, 0 37,. 2,9 8,5 38, 2 1/7 1:5* j Vorzügliches. 76, 5 15,3 22,, 35, 8 3, a 10,7 37,o 2,. ; 1 •• 4,o B. Grünfutter. i Vor der Blüthe. . . . 1^,5 3,3 ' 4,5 7,o 0,7 : 2, 3 7,4 o, 5 1 : 3, 8 ! In voller Blüthe . . . 18,3 3,0 5,8 8,9 o,„ 1,7 8.7 0,4 1 = 5, 7 Auf gutem Boden gewachsener Klee ist nährstoffreicher als solcher, der von geringerem, kaltem und nassem Boden geerntet wurde. Werner in Poppelsdorf erzielte bei Grünklee bezüglich Milchertrag günstigere Resultate als bei Fütterung eines entsprechenden Quantums Kleeheu, eine Thatsache, welche durch die Erfahrung bestätigt wird; so daß man den Rothklee, wenn immer möglich, zum Zwecke der Milchproduktion grün füttern wird. Will man Dürrfutter produziren, so empfiehlt sich, statt reinem Klee, eine Mischung auszusäen, in welcher der Klee nur einen Prozentsatz ausmacht. Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Zur Samengewinnung Samen, sind mehr trocken gelegene Felder mit leichterem Boden geeigneter als solche mit schwerem feuchtem n°wim,ung. Boden und in kalten Lagen, weil sich in letztern der Klee leichter lagert und mehr taube Blüthen hervorbringt. Aus dem gleichen Grunde eignen sich warme trockene Gegenden besser zur Kleesamengewinnung als Gebirgs- und Knstengegenden mit feuchter Atmosphäre und häufigem Regen. Letztere Länder sind daher zum größten Theile auf den Import des Samens angewiesen. Zur Samen- gewinnung wird gewöhnlich der zweite Schnitt benutzt, weil er sich in der Regel weniger üppig entwickelt, weniger leicht lagert und deßhalb einen größern Samenertrag gewährt. Mit dem ersten Schnitte schießen auch viel Unkräuter hervor, deren Samen mit unter den Kleesamen kommen würden. In Gebirgs-, Küsten- und nördlichen Gegenden, wo der zweite Schnitt oft nicht mehr rechtzeitig reift, muß man den ersten Schnitt etwas frühzeitiger als gewöhnlich schneiden, damit der Same des zweiten noch reif wird und gedörrt werden kann. Wo der Same des zweiten Schnittes trotzdem nicht reift, muß derselbe vom ersten gewonnen werden. In beiden Fällen, werde derselbe vom ersten oder zweiten Schnitte gewonnen, wählt man hiezu auf dem Felde diejenigen Stellen aus, wo sich der Klee am wenigsten üppig entwickelt und 80 nicht gelagert hat. An solchen Stellen, wo sich der Klee schon zur Zeit der Blüthe gelegt hat, ist der Samenertrag sehr gering. Der richtige Zeitpunkt der Reife ist dann gekommen, wenn die Blüthenköpfchen sich braun bis schwarz gefärbt haben und der größere Theil der Samen hart ist. Die Samen der spätblühenden Köpfchen sind in diesem Zeitpunkte kaum lederartig hart, während die frühreifen bereits harte Samen besitzen. Häusig schießen bei feuchter Witterung aus dem Wurzelstocke nachträglich Stengel nach, welche blühende Köpfchen bilden. Obschon sie das Dürrwerden des Samenheues erschweren, kann man auf dieselben bei der Feststellung der Samenreife keine Rücksicht nehmen, da solche nachschießende Köpfchen oft mit zunehmender Reife in immer größerer Zahl zum Vorschein kommen. Im richtigen Zeitpunkte der Reife werden die Samenpflanzen mit der Gestellsense in ganz kleine Schwaden gemäht, in welchen sie bei schönem Wetter zwei Tage liegen bleiben und dann entweder mit einer Stange oder von Hand gewendet werden. Nach nochmals zwei Tagen schönen Wetters kann man dieselben einführen. In Deutschland stellt man die Samenpflanzen nach zweitägigem Abtrocknen in den Schwaden auch in lange Kleezeilen in der Weise, daß je 2—4 Schwaden mit ihren Köpfchen schief gegeneinander aufgestellt werden (Figur 9, Seite 13). Häufig stellt man dieselben auch in kleine Puppen, welche man oben mit einigen Halmen zusammenbindet (Figur 7, Seite 13). Bei Eintritt von Regenwetter sind diese beiden Verfahren dem erstgenannten vorzuziehen; denn bleiben die Köpfchen bei Regenwetter mehrere Tage an der Erde liegen, so leidet der Same, er wird roth und schrumpft ein. Aus diesem Grunde haben die in der Schweiz geernteten Samen in der Regel das bekannte mißfarbige Aussehen. Auch das Aufhängen an Kleereitern (Figur 10, Seite 13) ist bei der Samengewinnung zu empfehlen. — Beim Sammeln des wilden Wiesenklees auf Wiesen, wo derselbe nur sehr dünn steht und sehr viel llntergras vorhanden ist, das die Gewinnung des Samens nach der gewöhnlichen Methode erschwert oder verunmöglicht, sowie auf Kleeäckern, wo der Klee dünn steht, ist die Gewinnung der Samen mittelst Klee kämm zu empfehlen. In seiner einfachsten Form besteht derselbe aus einem Rechen mit eng gestellten Zähnen, mit welchen die Köpfchen abgestreift werden und in ein auf der Rückseite angebrachtes Tuch fallen. Mitunter ist an dem Rechen an beiden Enden je ein niedriges Rad angebracht, auf welchen derselbe über das Feld weggezogen wird. In diesem Falle sind die Dimensionen etwas größer, als wenn keine Räder angebracht sind. Zwar kann man nach dieser Methode den Samen nie allen gewinnen, weil viele Blüthen durch die Zinken auf den Boden fallen und in der Regel auch nicht alle Köpfchen erfaßt werden, es sei denn, daß man ungemein viel Zeit auf die Arbeit verwendet. Nachdem der Same mittelst Kleekamm gewonnen ist, was etwas viel Arbeit verursacht, wird das Heu für sich geschnitten. Aber auch bei der gewöhnlichen Methode gehen sehr viele Samen verloren, da besonders durch die Bewegung die einzelnen Blüthen (weniger ganze Köpfchen) in Folge ihrer Sprödigkeit leicht abfallen. Aus diesem Grunde hat man bei der Gewinnung alle Sorgfalt aufzuwenden. Das Beste ist, wenn man die Köpfchen schon auf dem Felde mittelst der Maschine auf Tüchern abdreschen kann. Sonst ladet man die Pflanzen zum Einführen sorgfältig auf mit Tüchern überspannte Wagen und drischt die Köpfchen früher oder später zu Hause ab. Die einzelnen Blüthen sind, wie erwähnt, sehr leicht vom Heu abzudreschen, um so schwieriger ist aber das Ausdreschen der Samen aus den Blüthen und der Hülse. Besitzt man keine Kleeenthülsungsmaschine, so kann dies nur durch wiederholtes Dreschen und jeweiliges Absieben des ausgedroschenen Samens und Wegstäuben der Spreu geschehen, wobei immer weniger samenführende Blüthen zurückbleiben, bis schließlich bei zehn- oder mehrmaligem Dreschen alle Samen ausgedroschen sind. Es ist dies eine sehr mühsame und langwierige Arbeit, welche bei feuchter Witterung oft gar nicht auszuführen ist, weil die Blüthen sehr leicht Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen und dann schwammig werden. Am besten lassen sie sich im Winter bei großer trockener Kälte ausdreschen, oder wenn man bis folgenden Sommer warten will, wo man die Blüthen an der Sonne trocknen kann. Wo eine Hanf- oder Oelreibe zur Verfügung steht, kann man die Samen auch damit ausreiben, jedoch dürfen dieselben nicht weich sein. Sehr gut kann man die Samen auch auf dem Spelzgang (Rönnle) einer Mühle ausreiben. Man nimmt zu diesem Behufe den Einlauftrichter (Rymelle) weg und gibt die Blüthen in abgemessenen Quantitäten mit der Hand in die Oeffnung des Röllsteines. Sehr zweckmäßig zum Ausreiben des Samens aus den Blüthen (Pulstern) sind die sogen. Kleereiber, welche man in den Korb von Leistendreschmaschinen einsetzen kann. Die Kleereiber mit Raspelblech verletzen häufig die 81 Samen, indem sie das Würzelchen abbrechen, so daß der Saine nicht mehr keimt, sondern bei Aufnahme von Wasser in die zwei Cotyledonen auseinander fällt. Die vollkommensten Apparate zum Ausreiben der Kteesamen sind die eigentlichen Kleeenthülsungsmaschinen, wie sie von mehreren Fabrikanten fabrizirt werden, so z. B. wird die von Carrow in Prag konstruirte Maschine gelobt. Allerdings ist der Preis einer solchen Maschine beträchtlich. Ist der Klee stark mit Spitzwegerich verunreinigt, so empfiehlt es sich, denselben vor dem Ausdreschen der Samen auszusieben, denn nachher ist es nicht mehr so leicht möglich, da er ungefähr gleiche Große lote der Rothkleesamen besitzt. Der Same des Spitzwegerichs fällt schon beim Abdreschen der Kleeblüthen aus seinen Kapseln und kann nun mit Leichtigkeit durch ein Sieb entfernt werden, da derselbe kleiner ist, als die einzelnen Kleeblüthchen. Auf diesem Wege gehen noch andere Unkrautsamen mit ab, so namentlich diejenigen der großen Ampferarten, Rumex obtusikolius u. pratensis (Blacken). Im Emmenthal, wo der Spitzlvegerich und die Blacken auf dem tiefgründigen Boden sehr häufige Unkräuter sind, fand ich diese Reinigungsmethode vielfach angewandt und ich besitze Muster von solchem Ausputz, welche fast ausschließlich aus Spitzwegerich, zum Theil auch aus Blackensamen bestehen und nur einzelne Kleekörner enthalten, die schon beim Abdreschen des Klees vom Heu die Blüthen verließen. Häni gibt den Ertrag an Sainen zu 4—G 2 / 3 Ztr. per Hektar (140—240 U per Juchart) an. Snmcnertrng. Krafft zu 680—1040 N, Sprengel 8—12 Ztr., Langethal 4—8 Ztr. und höher; Werner 6—10 Ztr. In Flandern erntet man nach Schwerz im Durchschnitt 720 u Per Hektar (zu Lockeren in Wäsland Eine häufige Verunreinigung des Rothkleesamens ist die K l e e s e i d e, Cuscuta Trifolii, Babington (Figur 33), der Same jenes gefürchtcteir Parasiten, welcher auf den Kleefeldern oft so fürchterlicheir Schaden anrichtet. Ungefähr 90% aller im Handel vorkommenden schlesischcn oder österreichischen Kleesamen sind mit diesenr Samen verunreinigt, wenn sie nicht besonders gereinigt werden. Schon lange hat man sich daher mit mehr oder Samcn in nntürli'cher Größe, weniger sicherm Erfolg bemüht, Maschinen herzustellen, mit welchen man im - d 12 vergrößert. Stande wäre, den Keim dieses Parasiten zu entfernen. Zu Ansang dieses Jahrhunderts hat zuerst Fellenberg in Hofwyl eine solche Maschine, welche er in seinen Berichten abbildet, konstruirt und angewendet. Nach ihm Walz in Hohenheim und später eine sehr große Zahl von Fabrikanten. Nach unsern vieljährigen Untersuchungen werden alle diese Reiingungsmaschinen von der nach unserer Anweisung durch die Maschinenfabrik in Herisau konstrnirten hinsichtlich der qualitativen und quantitativen Leistung übertreffen *). Der Same der Kleeseide ist im Allgemeinen kleinkörniger als der Rothklee, von grauer Farbe, mit grubig vertiefter Samenschale an einer oder zwei Seiten abgeplattet. Der Keim ist spiralig aufgewunden, ohne Keimblätter. Von den an der hiesigen Station untersuchten Rothkleesamen- proben waren kleescidehaltig: 1877/78 46. ä % sämmtlicher Proben. 1878/79 38. 9 % 1879/80 39. ä °/ 0 1880/81 37.7 % 1881/82 32. 9 o/ 0 Es ist anzunehmen, daß im Allgemeinen nur die bessern Qualitäten zur Kontrole gelangen, lvährend sich die unreineil der Untersuchung leider noch entziehen. Aus dieser Zusammenstellung geht aber hervor, daß infolge der immer mehr sich verbreitenden Reinigung und Kontrole der Prozentsatz der im schweizerischen Handel vorkommenden kleeseidehaltigen Samen sich von Jahr zu Jahr verringert. Häufige Verunreinigungen des Nothkleesamens sind, wie erwähnt, der Spitzwegerich (Plantago lanceolata, L.), der rundblättrige Ampfer (Rumex obtusifolius, L.), dann auch der kleine Ampfer (Rumex Acetosella, L.), die Braunelle (Brunella vulgaris, L.), die fuchsrothe und die grüne Borstenhirse (Setaria glauca, _ P. B. und viridis P. B.), die Hundskamille (Anthemis arvensis, L.) rc. Den Samen des Kleeteufcls (Orobanche minor, Sutton) fand ich im Rothkleesamen noch nie. *) *sict)c: Kleefelde- und llnivcrsnl-Snmcnrcinigungsmnschine. Schweiz. lnndw. Zeitschrift. Seite 219. Aarau 1882. 11 sogar 11 Ztr.). Figur 33. K lcc s e i de (Grind, Ringel). Cuscuta Trifolii, Bab. (C,. F/nifhvmnm. MimO 82 Verfälschungen. Figur 34. Gelb- oder H opfenklcc. Usäiougo luxultuu, L. a Hülse mit Kelch, siebenmal vergrößert ; d Samen in natürlicher Großes e Same, siebenmal vergrößert. Da der Same des Rothklees verhältnißmäßig theuer ist, so kommt es hin und wieder vor, früher häufiger als jetzt, daß derselbe mit andern geringwerthigen und werthlosen Elementen verfälscht wird. Am häufigsten wird der im Preise mehr als die Hälfte billigere Gelb- oder Hopfenklee, Medicago lupulina, L. (Figur 34), zur Beimischung benutzt. Der Same desselben ist über und über gelb und unterscheidet sich vom Rothklee besonders durch das zu einem Spitzcken hervortretende Würzelchen. Er besitzt auch einen stark bitteren Geschrnack und einen charakteristischen, dem Schabziegerklee ähnlichen Geruch. Seltener dienen die Melilotenkleearten, besonders Melilotus alba, Desr. und offlcinalis, Desr. zur Beimischung, welche man an dem charakteristischen Schabzieger- (Coumarin-) Geruch sofort erkennen kann. Die Samen sind gelb und besitzen einen ebenfalls stark süßlich bittern Geschmack. Dann aber werden auch airdere, leblose Elemente, besonders kleine Steinchen, zur Verfälschung benutzt. Namentlich der italienische Rothklee ist häufig mit gelben Steinchen verfälscht. Bei Sant Angelo in Oberitalien kommt ein eigenthümlicher Sand vor von annähernd gleicher Körnergröße wie der Rothklee, der, künstlich zum Theil gelb, zum Theil schwärzlich gefärbt, dem Rothklee zugesetzt wird. Diese Steinchen werden als „Mai- naß" bezeichnet, welches so viel bedeutet wie „nicht keimfähig". Auch aus Böhmen kommt solcher mit Steinchen verfälschter Rothklee in den Handel und in Hamburg hatte seiner Zeit ein gewisser Hirschmann die Herstellung solchen künstlichen Kleesameus fabrikmäßig betrieben und denselben den Samen- händlern zur Beimischung offerirt. Häufiger als diese Verfälschungen sind im Handel diejenigen Fälle, wo eine Provenienz für eine andere verkauft wird, so ist es z. B. häufig, daß amerikanischer Rothkleesamen als stehrischer, deutscher rc. verkauft wird. Wie oben angedeutet, ist der amerikanische Rothklee von geringerm Werthe und der Same deßhalb auch niedriger im Preise, somit eine Substituirung für den Handel von Vortheil. Im Korn läßt sich der amerikanische Rothklee vom europäischen nicht sicher unterscheiden, dagegen sind demselben andere Merkmale eigen. Derselbe enthält häufig als Verunreinigung den Samen von Ambrosia arte- misüefolia, L. (Figur 35) und acanthacarpa, L. Finden sich diese in einer Waare und sind gleichzeitig auch die übrigen Kennzeichen vorhanden, so kann man ganz sicher schließen, daß sie amerikanischen Ursprungs ist. Weniger charakteristisch für amerikanischen Rothklee ist die amerikanische Form des breiten Wegerichs, Plantago major L. var. americana, dessen Same in der Regel schisfsschraubenartig gewunden ist. Häufig trifft man ferner die haarfeine Hirse, Panicum capillare, L., die sich allerdings auch in südeuropäischer Saat findet, Digitaria-Arten rc. Fast regelmäßige Begleiter des amerikanischen Rothklee's sind Rumex obtusüolius, Polygonum Persicaria, Timothe rc. Steinige Verunreinigungen und Kleeseide sind im amerikanischen Rothklee selten. In gleicher Weise wird der italienische Rothklee häufig als stehrischer rc. verkauft. Derselbe zeichnet sich durch seine hellgelbe Farbe und seine Kleinkörnigkeit vor den übrigen Provenienzen aus. Figur 35. Ambrosia artemisice folia, L. a Frucht mit Kelch in natürlicher Größe; b dieselbe, siebenmal vergrößert; c Frucht ohne Kelch; ä und s Same • f Längsschnitt durch den Samen: a Cotyledon, ß Vegetationspunkt, y Würzelchen (nach Robbe). 83 Er besitzt in der Regel eine sehr große Keimfähigkeit und ist häufig mit Wurmsalat, Helminthia echioides, Geertn, kleinen Hirsen rc. verunreinigt. Der südfranzösische Rothklee kennzeichnet sich durch die stahlfarbige Nuance vieler Samen und ist in der Regel mit Verkenn officinalis, Setaria viridis und vielen Steinchen verunreinigt. Same und Saat. Die durchschnittliche Reinheit beträgt nach über 1500 an hiesiger Station ausgeführten Untersuchungen 96.7 °/ 0 , die Keimfähigkeit 91 % (wobei die Hälfte der hartgebliebenen Körner als keimfähig in Ansatz gebracht sind). Eine gute Waare soll 98 % reine Samen (Reinheit) enthalten, von welchen mindestens 90 V« keimen. Selbstverständlich muß man von einer solchen Waare auch verlangen, daß sie gereinigt ist und keine Kleeseide enthalte. In einen: Kilo Samen sind durchschnittlich 614,000 Körner, 1 Hektoliter wiegt durchschnittlich 80 Kilogramm, wenn eine Waare viel Steine enthält, ist das Gewicht natürlich größer. Bei der Ausbewahrung nimmt die Keimfähigkeit ziemlich rasch ab. Mit dem Alter wird der Same falb, schließlich roth. Das Saatquantnm beträgt im Durchschnitt per Hektar 20 Kilogramm oder 1760 Kiloprozente, per Juchart 8 Kilo oder 704 Kilvprozente. Auf trockenem, magerem, schlecht zubereitetem Boden muß man dichter säen als auf gut zubereitetem, kräftigem und kleefähigem Boden. Zu dichte Saat ist ebenfalls nicht anzurathen, weil sich sonst der Klee leicht lagert, am Grunde fault und deßhalb dünn wird. Bei einem Preise von Fr. I. 60 per Kilo beträgt also die Auslage für das Saatgut per Hektar Fr. 32, per Juchart Fr. 12. 80. Der Klee wird gewöhnlich im März oder April in eine Ueberfrucht gesäet. Zu spät darf die Saat nicht geschehen, weil später die Erdflöhe die Keimpflanzen wegfressen und der Rothklee zum Keimen ziemlich viel Feuchtigkeit bedarf. Wird er später gesäet und tritt dann Trockenheit ein, so gehen die Keimpflänzche» oft zu Grunde. Seltener wird der Same im Herbst gesäet. Als Ueberfrucht wird in der Regel Wintergetreide, auch Sommergetreide gewählt. Bei der Saat im Wintergetreide wird der Boden vor der Saat am besten mit einer leichten Egge aufgeeggt und der Same nach der Saat angewalzt. Bei der Saat in Sommergetreide wird der Same erst, nachdem das Getreide eingeeggt ist, ausgesäet und hernach angewalzt. Zum Säen des Kleesamens ist die Klee- säemaschine sehr zu empfehlen. — Weil sich das Getreide bei dichtem Stande leicht lagert und deßhalb der untergesäete Klee häufig wegen Mangel an Licht und Luft zu ©runbe geht, so darf das Getreide nur dünn steheu, sonst hat man nach der Getreideernte ein lückenhaftes Kleefeld. Ist letzteres der Fall, so hat man sofort nach der Ernte in die Lücken etwas Rothklee, gemischt mit je etwa 10 % der Reinsaat italienischem und Timothegras einzusäen. Den schönsten Kleeacker erhält man, wen,: man als Ueberfrucht Hafer nimmt, der grün geschnitten wird. Ebenfalls mit Erfolg tvird der Klee unter Flachs (Lein) und Raps gesäet. Als Grünfutter zur Sommerstallsütterung ist der Rothklee ein vortrefsliches Futtermittel, während er sich zur Heubereitung, wie erwähnt, weniger gilt eignet. Zu diesem Zwecke ist eine Mischung Von verschiedenen Gräsern mit Klee vorzuziehen. Diese bietet die weitcrn Vortheile, daß sie viel sicherer ist als Rothklee und in der Regel einen größeru Ertrag gibt. Wo der Rothklee nicht sicher gedeiht, da kommt eine Mischung von Rothklee mit Gräsern viel besser fort. In diesen Mischungen theilt man zwar dem Rothklee eine Hauptrolle zil, iildem man bei Kleegras 50—90 % davon in die Mischung nimmt, bei Wechselwiesen bis 30°/», während man ihn für Dauerwiesen höchstens zu 10 % berücksichtigt *). *) Dr. F- ©• Siebter. Die Grassamenmijchungen. Seite 78 u. ff. Samenqualität. Saatquantum. L-aat. Mischungen. 84 Fruchtfolge. Fruchtfolge und Kleemüdigkeit. Bei der alten Dreifeldcrwirthschaft wurde dem Klee bekanntlich der Platz in dem Brachfeld angewiesen (Winterung, Sommerung, Klee). Doch bald machte man die Erfahrung, daß der Klee alle drei Jahre nicht gedeihen wollte, die Felder verunkrauteten und die nachfolgenden Getreideernten gering waren. Man ließ daher später den Klee nur alle sechs Jahre auf dem gleichen Felde folgen und ersetzte denselben das eine Mal durch Hackfrüchte (Winterung, Sommerung, Klee; Winterung, Sommerung, Hackfrüchte). Diese Stellung des Klees in der Fruchtfvlge ist aber keine günstige, weil zwei.Getreidearten hintereinander das Feld in zu stark verunkrautetem und ansgesogenem Zustande hinterlassen. Auf die Empfehlung Thaer's versuchte man es deßhalb mit dein Fruchtwechsel, welcher in der Grafschaft Norfolk von Alters her gebräuchlich war (Hackfrüchte, Sommerung, Klee, Winterung). Der Klee wurde hier in Sommerung gefäet, welche auf gut gedüngte Hackfrüchte folgte und hatte deßhalb einen guten Stand; auch der Winterweizen kam nach Klee sehr gut. Gar bald stellte sich aber heraus, daß der Klee auf dem Kontinente nicht alle vier Jahre gedeihen wolle. Es stellte sich die Kleeuüidigkcit. Erscheinung ein, welche man mit dem Ausdruck „KleeMüdigkeit" bezeichnet. Auf weniger kleefahigem Boden will er sogar nicht alle sechs Jahre gedeihen, sondern man darf ihn bloß alle 9 — 12 Jahre folgen lassen, wenn er gedeihen soll. Die Kleemüdigkeit äußert sich in der Weise, daß der Klee im zweiten Entwicklungsjahr eingeht, ohne daß ein äußerer Grund wahrzunehmen ist. Justus von Liebig führte sie aus die Erschöpfung des Untergrundes an mineralischen Nährstoffen zurück, was in neuerer Zeit durch Linde*) in Abrede gestellt wurde, während Kutzleb **) an den Wingendorfer Aeckern nachweist, daß die Kleemüdigkeit lediglich durch die Verminderung des Kaligehaltes in: Boden, insbesondere durch einen zu geringen Gehalt an löslichem Kali im Untergrund verursacht wurde und bestätigt somit Liebig's Lehre. Er fand in dem Auszug mittelst kohlensäurehaltigem Wasser aus 100,000 Theilen lufttrockener Erde folgenden Gehalt an Kali: Krume Untergrund Untergrund 1—15 30—60 60—120 Centimeter Centimeter Centimeter Wingendorfer kleemüder Acker j f,' j' 09 * 4 j' 7814 j' S8ä4 ( 4 ). 1*0982 1-2217 1*1715 Bräunsdorfer kl ee s i ch e rer Acker 2.^, 4. 039ä l. 443ß Weitere Untersuchungen werden über diese Erscheinung noch viel Interessantes zu Tage fördern. Die Erfahrung hat ferner dargethau, daß der Rothklee kurz nach Pflanzen aus der gleichen Familie z. B. nach Erbsen, Bohnen, Wicken und andern Kleearten (Inkarnatklee) ebenfalls oft mißräth. !>iachfruchte. Der Rothklee selber ist eine ausgezeichnete Vorfrucht für Getreide, welches tun so besser gedeiht, je schöner der Klee stand. Aus diesein Grunde ist eine zweijährige Nutzung des Rothklees selten zu empfehlen, weil der Bestand im zweiten Jahre in den meisten Fällen lückenhaft wird, wodurch die nachfolgende Frucht geschädigt ivürde. Auch Hackfrüchte, Tabak, Mais re. können mit gutem Erfolg nach Klee gebaut werden. Feinde. Pflanzliche und thierische Feinde. Der größte Feind des Rothklees ist die Kleeseide, Ouseutu Trifolii, Babington (Figur 36). Der Raum in dieser Schrift ist zu beengt, als daß es möglich wäre, das Leben dieser Plauze, ihre Verhütung und Vertilgung auch nur annähernd ausführlich zu besprechen. Wir hoffen aber später in einer eigenen Beschreibung diese umfassender behandeln zu können. Die Kleeseide kommt in der Regel durch unreines Saatgut auf das Feld, keimt hier und richtet die bekannten Verheerungen an, indem sie die Kleepflanzen mit ihren Stengeln umspinnt, sich mittelst saugnapfartiger Gebilde an die Pflanze heftet und derselben die Nahrung zum Weiterwachsthum entnimmt. Die Kleeseide besitzt im entwickelten Zustande keine Wurzeln im Boden, sondern entninimt alle ihre Nahrung nur von der Nährpflanze, sie ist ein Parasit. Zur Vertilgung werden verschiedene Mittel anempfohlen.***) Ein ebenso gefürchteter Parasit ist der Kleeteufel (Orbranclie minor, Sutton), auch Kleewürger, Sommerwurz, Klcezäpfen rc. genannt. Derselbe richtet namentlich am zweiten Schnitt oft beträchtlichen Schaden an, indem er unterirdisch mit der Wurzel des Klees verwächst, seine Nahrung aus demselben saugt und den Rothklee zum Absterben bringt. Auch auf diesen Feind hoffen wir später in einer eigenen Beschreibung *) Sigismund Linde. Wurzelparasiten und angebliche Bodenerschöpfung in Bezug auf die Kleemüdigkeit und analoge Krankheitserscheinungen bei ungenügendem Pflanzenwechsel. Jnaugural-Dissertation. Leipzig 1880.. **) Dr. Viktor Kutzleb. Untersuchungen über die Ursache der Kleemüdigkeit. In den Berichten an dem Physiolog. Laborat, in der Versuchsanstalt des landw. Institutes der Universität Halle. Herausgegeben von Dr. Julius Kühn. IV. Heft. Dresden 1882. ***) Dr. Ludwig Koch. Die Klee- und Flachsseide. Heidelberg 1880. Taf. 12. sf ’&tJiijiL G. &.L. Schröter ad. nat. del. Trifolium pratense, L.. Rothklee — Trefle rouge. Lith. Genossenschaft Zürich. 85 zurückzukommen. Durch frühes Schneiden und Ueberdüugen mit Superphosphat rc. will man dein Klee- teufel Meister geworden sein. Jedenfalls lasse man den Samen nie reif werden und säe auf dem betreffenden Acker später lieber eine Grasmischung als reinen Klee. mm KäSÄ,: KÄS- Figur 36. SIecjctbc (Grind, Ringel), Cuscuta Trifolii. Bab. Pflanze auf Rothklce schmarotzend; Same, Keimpflanzen und Blüthe, siclienmal iicrgrößert. (Nach Nobbc.) Ein zur Familie der Pilze gehörender Parasit, Peziza ciboro'ides, Fries, hat nach Nehm *) in einigen Gemarkungen Nvrddentschlands Schaden angerichtet. Außerdem leidet der Rothklce noch an andern durch Pilze hervorgerufenen Krankheiten. Eine bemerkenswerthe Krankheit ist die durch das Stockälcheu, ^.nZuilluIu ckevustatrix, ckul. Kiilni, einen mikroskopisch kleinen Fadenwnrm hervorgerufene Stvckfänle des Rothklees. Erklärung der Tafel 12. (Figur A in natürlicher Größe, Figur I — 9 6mal vergrößert.) Figur A. Theil einer blühenden Pflanze. „ 1. Ganze Blüthe von der Seite. „ 2. Dieselbe der Länge nach halbirt. „ 3. Dieselbe von unten (vorn). „ 4. Dieselbe Vvn oben nach Wegnahme der Fahne. " 5- Flügel (s. dessen Stiel, f. der nach hinten gerichtete Fortsatz). Figur 6. „ 7. 8 . 9. Stempel. Frucht (o. obere hartschalige, u. untere runzlig-dünnhäutige Hälfte der Frucht- wand). Same Vvn der breiten Seite aus. Same von der schmalen (Nabel-) Seite aus. ') Journal für Landwirthschast, 1872. 86 Benennung. Geschichte. Lanbwirth- schaftlichcr Werth. Botanische Beschreibung. 13. Jer Bastardklee. Trifolium hybridum, Linne. Der Bastardklee wurde von Linus daruiit so genannt, weil er ihn für einen Bastard zwischen dem Rothklee und dem Weißklee hielt. Ebenso verbreitet ist der Name „schwedischer Klee" und im Norden „Alsike", weil die Kultur von Schweden aus und zwar hauptsächlich von dem schwedischen Pfarrdorfe Alsike in Stockholmslän, in der Nähe von Upsala, Verbreitung faild. Er wird auch „großer Honigklee" (weil er eine vorzügliche Bienenweide liefert), „Sumpfklee" (weil er auch auf nasfen Böden gebaut werden kann), zweifarbiger Klee, Bastardschotenklee genannt. Der Bastardklee wurde bereits von Linus zur Kultur anempfohlen, lieber den Beginn des Anbaues fehlen aber Zeitangaben. Nach Whistling *) ist derselbe im nördlichen Frankreich schon Ende des vorigen Jahrhunderts angebaut worden. Nach England kam er durch George Stephens 1834 aus Schweden. Im letzteren Lande wurde er schon länger kultivirt. Im Anfange dieses Jahrhunderts kam die Kultur nach Norddeutschland. Besonders zu Anfang der vierziger Jahre wurden namentlich im Königreich Sachsen viele Anbauversuche gemacht. Langsani pflanzte sich die Kultur nach dem Süden fort und erst im letzten Jahrzehnt kam er in der Schweiz allgemein in Aufnahme. Im Jahr 1875 wird er von R. Häni**) noch nicht erwähnt, ein Beweis, daß die Kultur damals bei uns noch ohne Bedeutung war. In den letzten Jahren nahm aber dessen Anbau infolge seiner vorzüglichen Eigenschaften stark zu. Der Bastardklee zeichnet sich durch seine längere Dauer vor dem Rothklee aus, da man denselben im Durchschnitt drei Jahre nutzen kann; er dauerte aber auch schon fünf Jahre au und auf Wiesen ini Genieuge mit andern Futterpflanzen hält er sich noch länger. Er ist sehr widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse, kann noch auf Bodenarten gebaut werden, wo andere Kleearteu nicht mehr fortkommen und liefert einen guten Ertrag eines chemisch sehr Vortheilhaft zusammengesetzten Futters. Botanische Beschreibung. Der Bastardklee hat einen verlängerten, aufsteigenden, röhrigen, 30—90 em. hohen, kahlen, meist verästelten Hauptstengel, der in den Winkeln seiner Blätter gestielte Köpfchen hervorbringt söhne Endköpfchen). Die kahlen Blättchen sind elliptisch, elliptisch-eiförmig, elliptisch- verkehrt-eiförmig oder rautenförmig-elliptisch sDöll), einfach gezähnelt, stumpf. Die Nebenblätter sind krautartig, allmälig und fein zugespitzt. Die blattwinkelständigen Blüthenköpfchen sind kugelig, dichtblüthig, ziemlich lang gestielt und ohne Hülle. Die Stiele der einzelnen Blüthen krümmen sich bald nach der Blüthe abwärts. Die Einzelblüthe ist langgestielt sder Stiel 2—3 mal so lang als die Röhre des Kelchs). Der vollkommen kahle Kelch hat eine kurze 5 —lOripPige Röhre und 5 beinahe gleich lange Zähne; er ist ein Drittel bis halb so lang als die Krone; die Blumenkrone ist anfangs weiß, später röthlich gefärbt (deßhalb erscheint das ganze Köpfchen innen weiß, außen rosa). Die Blumenblätter sind untereinander nicht verwachsen. Die Fahne umfaßt mit ihrem röhrenförmig zusammengeschlossenen (aber nicht zusammengewachsenen) Basaltheil die ganze untere Hälfte der Blüthe; ihre obere Hälfte ist aufgerichtet und ausgebreitet. Bor dem Aufblühen ist die Fahne längs ihrer Mittellinie zusammengefaltet; nach der Blüthe nimmt sie dieselbe Form wieder an. Die Flügel sitzen mit langem dünnem Stiel auf dem Blüthenboden; ihre vordere Hälfte erweitert sich plötzlich und läuft in einen rückwärts gerichteten Fortsatz aus sFig. 3, t.). Auch die zwei Blätter des Schiffchens haben lange, dünne, freie Stiele sFig. 4) und sind erst im vorderen Theil mit einander verwachsen. Flügel nnd Schiffchen hängen an einem kleinen Fleck (vor den Fortsätzen der Flügel gelegen) miteinander zusammen. Der freie Staubfaden sFig. 5,^f. St.) bedeckt den Schlitz der Röhre der 9 verwachsenen Fäden; nur rechts und links von feinem Grunde sFig. 5) läßt er einen schmalen Zugang zum Honig offen. Der Stempel hat einen langen, 2 —3eiigen Fruchtknoten sFig. 6); die Narbe überragt die Staubbeutel etwas (Fig. 5). *) Werner a. a. O. Seite 18. **) R. Häni. Spezieller Pflanzenbau. Bern. 87 Der Blüthenbau stimmt in allen wesentlichen Punkten mit dem Weißklee so vollkommen übercin, daß man wohl annehmen darf, die Beziehungen zu den besuchenden Insekten (über die beim Bastardklee noch keine Untersuchungen vorliegen), seien dieselben (siehe den Weißklee). Bei der Reise bleiben Kelch und Krone erhalten, die letztere wird braun und trockcnhäutig; die Fahne fest zusammengefaltet. Die Frucht ist eine weit aus dem Kelch hervorragende 1—Zsamige, flachgedrückte, dünnschalige Hülse, von dem gebogen bleibenden Griffel gekrönt. Der Same ist klein, etwas flachgedrückt; auf der einen Kante ist das Würzelchen von außen deutlich zu sehen; es nimmt etwa 2 / s der Kante ein (Fig. 8). Von der Fläche gesehen ist der Umriß des Samens, wenn wir uns das Würzelchen wegdenken, elliptisch, aber oben und unten ziemlich spitz zulaufend; auf der einen Kante ist das Würzelchen als Randwulst aufgesetzt, der unten scharf abgeschnitten erscheint. Ilnter demselben liegt der kreisrunde Samennabel (Fig. 9). Die Farbe der Samen ist je nach dem Zustand der Reise gelb-grün bis dunkel- olivengrün, oft marmorirt. Abarten sind keine bekannt. Abarten. Borkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Bastardklee ist in Europa einheimisch: in Zentral- Geographische Frankreich (selten), Deutschland, Schweiz, Nord-Italien, Oesterreich, Kroatien, Serbien, Bosnien, Ungarn, Verbreitung. Polen, Siebenbürgen, Thränen, südliches und mittleres Rußland, Skandinavien (ausgenommen das nördliche Norwegen), Lappland; in Afrika in Algier; in Asien im Kaukasus und in Sibirien. In Nordamerika fehlt er. Sporadisch treffen wir ihn wild namentlich auf feuchten Wiesen und Weiden, an grasigen Ufern, Standorte, unbebauten feuchten Orten. Er geht bis hoch in die Alpen. So z. B. fand ich ihn (allerdings verwildert) Höhengrenzen. im Gurnigel (1200 in.); vr. Brügger in Malix (1180 m., eingeschleppt) und zwischen Sils und Maloja. In den bayerischen Alpen kommt er bis 800 m., im Kaukasus bis 1600 m. vor. Die große Verbreitung, welche die Kultur im Norden gefunden Hat, verdankt der Bastardklee Klima seiner großen Widerstandsfähigkeit gegen klimatische Einflüsse. Namentlich gegen Kälte ist er unempfindlich. Er wintert selten aus und leidet auch wenig von Spätfrösten. Nasse Witterung schadet ihm nicht, sagt ihm im Gegentheil sehr gut zu. Für rauhe Gebirgsgegenden hat der Bastardklee deßhalb einen hohen Werth und man hat an solchen Orten damit überall sehr günstige Resultate erzielt. — Dagegen kann er andauernde Trockenheit weniger gut ertragen, weil seine Bewurzelung eine relativ flache ist. Er überdauert zwar die Dürre, aber der Ertrag ist dann sehr gering. Entsprechend seinem Standorte gedeiht der Bastardklee am besten auf frischenr bis feuchtem Boden. Lehm- und Thonboden. Selbst auf schwerem Thonbvden mit undurchlassendem Untergrund, sowie auf nassen Böden, wo andere Kleearten nicht mehr fortkommen, kann er gebaut werden; ferner auf Torfböden, wenn diese nicht gar zu naß sind, sowie auf eisenschüssigen Böden. Nach A. Gras zur Lippe-Weißenfeld *) „kommt er auf leichten Böden, besonders wenn dieselben vermögend sind und Kalkmergel enthalten, sehr gut fort". Auf leichten und trockenen Böden gedeiht er aber im Allgemeinen weniger gut, doch wird er in Norddeutschland namentlich zu Weide auch aus solchen häufig ausgesäet. Allerdings ist dann der Ertrag nur ein mäßiger. In Sachsen wurde er nach Pinkert**) sogar aus ärmstem Granitverwitterungsboden gebaut. 1000 Pfd. Bastardkleeheu entnehmen dem Boden: Bodm- Stickstoff 24. 6 U Magnesia 5., u erschöpfung. Phosphorsäure 4.] „ Kalk • 13.« „ Kali 11-3 » Kieselsäure 1-7 „ Natron 1- " Schwefelsäure * 1*7 tt *) Armin Graf zur Lippe-Weißenfeld. Für die Praxis. Leipzig 1879. **) F. A. Pinkert. Anleitung zur Kultur und Benutzung des Bastardklee's, der Sandluzerne und Esparsette als boden- bereichernde Futterkräuter. Berlin 1860. 88 Düngung. Wuchs. Entwicklung. Ernte. Ertrag. Futterwerth. Entsprechend der flachen Bewurzelung liebt der Bastardklee eine reiche Ackerkrume. Man gibt deßhalb die Düngung am besten ztl der Vorfrucht. — Er kann auch auf kleemüdem Boden angebaut werden, wenn dieser gut gedüngt wird und Physikalisch günstig ist. Nach sich selbst kaiur er rascher folgen als der Rothklee, da man bis dahii: bei der Kultur die Erscheimttig der Kleemüdigkeit itvch nicht beobachtet hat. Der Bastardklec ist auch die einzige Kleeart, welche die Bewässerung erträgt. Wachsthum, Ertrag und Futterwerth. Die Stengel des Bastardklees wachsen nicht gerade in die Höhe, soirdern sind aufstrebend, d. h. sie siild unteir etwas niederliegend (nicht kriechend) und steigen allmälig in die Höhe. Dieser Wuchs bedingt, daß er sich, wenn er allein gebaut wird, gerne lagert und dann unten faul wird; dies ist besonders auf feuchtem Boden und ttamentlich dann der Fall, wenn er dicht steht. Die ganze Pflanze ist Verhältniß:,,äßig blattreicher als der Rothklee. Unter eine Getreideart ausgesäet, blüht schon im Herbst nicht selten ein Theil der Pflanzen. Im Frühjahr entwickelt er sich aber später als der Rothklee, da er erst um Johann!, zwischen dem ersten und zweiten Rothkleeschnitt, blüht. Auch nach der Blüthe bleibt er außerordentlich lange grün. Wird der erste Schnitt in der Blüthe geschnitten, so gelangt der zweite nicht mehr zur vollständigen Entwicklung. Seinen größten absoluten Nährstoffgehalt enthält der Bastardklee zur Blüthezeit, weßhalb dieses die geeignetste Erntezeit ist. Er kann sowohl grün verwendet, als zu Heu gemacht werden, trocknet aber weniger leicht, als Rothklee, weil er einen etwas größern Wassergehalt besitzt. Bei der Henbereitung ist noch mehr darauf Acht zu geben, als beim Rothklee, daß der Blattverlust möglichst vermieden werde, denn die Blätter des Bastardklees enthalten eine weit größere Menge werthvoller Nährstoffe als die Stengel. In der Blüthezeit ist ungefähr 25 % in Form von Blätter,: vorhanden. Letztere enthalten zu dieser Zeit nach Ritthausen 8,-, % Eiweiß, während die Stengel nur 1, M 7o enthalten. Wenn von einer Hektar 480 Zentner grüner Bastardklee geerntet wird, so berechnet Ritt- hause», daß sich darin 1636 Pfund Eiweiß vorfinden, wovon 872 Pfund in den Blättern und 784 Pfund in den Stengeln enthalten sind. Durch den Abfall der Blätter ginge also die Hälfte des Eiweißes verloren. Das Blatteiweiß hat aber auch eine höhere Verdaulichkeit als dasjenige der Stengel, so daß der Verlust in Wirklichkeit ein noch viel höherer wäre. Wie erwähnt, ist der erste Schnitt weit ergiebiger als der zweite, Nach vielfachen Erfahrungen wird die Futtcrmasse von: ersten Schnitt als eine sehr reichliche und vorn zweiten als eure ungefähr halb so große bezeichnet. In Sachsen wurden von: ersten Schnitt nach Pintert Heucrträge von 90—110 — 130 Zentner per Hektar erzielt. Schober berechnet den Ertrag des ersten Schnittes per Hektar zu 70 Zentner und Werner den Gesammtbetrag auf 80-100 Ztr. Die Pflauzeu werden im ersten Schnitt oft sehr hoch, bis 5 Fuß. — Zu Weide ist der Bastardklee sehr gut geeignet, da er das Abäzen durch das Vieh gut erträgt und schnell wieder nachschießt. Im Norden wird er deßhalb den Weidemischuugen in der Regel zugesetzt. Wahrscheinlich wegen seines etwas bitteren Geschmackes wird er von: Weidevieh nicht so gern gefressen, als der Weißklee. Chemisch ist der Futterwerth ein relativ sehr hoher, den: Weißklce nicht chstehender. Nach Wolfs's Tabelle gestaltet sich derselbe folgendermaßen: Organische Stickstofffreie Wasser Substanz Eiweiß Holzfaser Ertraktstofse Fett a) grün °/o °/o % "/» "/0 % bei Beginn der Blüthe 85 13. ä 3. 3 4-5 5., 0 -. davon verdaulich 2-, 5. 8 0-4 fNährstostverhältniß 1 : 3-,). in voller Blüthe 82 lO.o 3.3 G . 0 6. 3 0.« davon verdaulich 1-8 0.» 0.3 (Nährstoffverhältniß 1 : 4.ft. b) Heu . 14.0 7!). s h). 4 27.0 33 M 3.4 davon verdaulich 8-8 35.0 1-9 (Nährstoffverhältniß 1 : 4. e ). 89 Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Die Samengewinnung, welche namentlich in Nord- und Mitteldeutschland, besonders aber in Schweden betrieben wird, ist ziemlich lohnend. Feuchte Bodenarten sind hierzu weniger geeignet, sondern am sichersten ist der Ertrag auf mehr trockenen Böden, wo der Klee nicht zu üppig steht und sich nicht lagert. Der Same muß vom ersten Schnitt gewonnen werden, weil der zweite nicht mehr zur Reife gelangt. Nur dann kann der zweite Schnitt zur Samennutzung dienen, wenn der erste sehr frühzeitig, etwa Mitte bis Ende Mai, geschnitten wird, dann wird der Same anfangs September reif. Bei der Gewinnung selber muß sehr vorsichtig verfahren werden, weil durch Abfall leicht viele Samen verloren gehen. Der richtige Zeitpunkt der Reife ist dann eingetreten, wenn die Köpfchen, wie beim Rvthklee, braun geworden und die Samen käsig hart sind. Das Trocknen selber muß mit größter Vorsicht geschehen. Gut ist es, wenn die Blüthen sofort vom Heu abgedroschen werden und letzteres dann noch nach- trocknen gelassen wird. Das Ausdreschen der Samen aus den Blüthen (Kappen oder Pulsiern) ist nicht schwierig, da die Samen leicht ausfallen. Jedoch lasse man die Samen vorerst gut trocknen, weil sie sonst beim Dreschen zerdrückt werden. Der mangelhafte Trocknungsgrad vor dem Dreschen ist die Ursache, warunr man in dem Bastardkleesamen des Handels häufig 10 und mehr Prozent breitgedrückte Körner findet. Die Hülse enthält 1 bis 3 kleine Samen; da dieselben jedoch sehr klein sind, so ist der Samenertrag gleichwohl nicht so bedeutend wie beim Rvthklee. Werner gibt denselben zu 3 bis 6 Zentner per Hektar an; Schober zu 9 Zentner; in Sachsen erzielte man 6—7 Zentner. Als Verunreinigungen trifft man beim Bastardklee die gleichen Elemente, wie beim Nothklee, und namentlich findet sich in demselben auch sehr häufig Kleeseide (Cuscuta trifolii, Bab.) Von 48 in der Saison 1881—1882 an hiesiger Station untersuchten Mustern waren 24, also 50°/«, kleeseidehaltig, mit durchschnittlich 13,003 Körnern Kleeseide per Kilo, in einem Falle sogar 180,000 Körnern. Da der Kleeseidesamen ungefähr die gleiche Größe hat wie der Bastardklee, so ist er durch Reinigung nicht vollständig zu entfernen. Beim Reinigen mit dem %-Millimetersieb ließen sich zwar die kleineren Samen absieben, während die größeren nicht zu entfernen sind. — Als Verunreinigungen kommen ferner sehr häufig kleiner Ampfer (Rumex Acetosella, L.) und Spitzwegerich (Plantago lanceolato, L.) vor, dann Braunelle (Prunella vulgaris, L.), Hundskamille (Anthemis arvensis, L.), Sternmiere (Stellaria media, Vill.), Hornkraut (Cerastium triviale, Link), Klatschnelke (Silene inflata, Sm.) rc. Oft beträgt der Gehalt dieser Unkrautgesäme 5 und mehr Prozent und dann hat man allen Grund, die Waare zu verwerfen. Namentlich kann der Spitzwegerich oft sehr schädlich werden. — Als Verunreinigung findet sich öfters auch Weißklee (Trifolium repens, L.) und Hopfenklee (Medicago lupulina, L.) unter dem Bastardklee. Alter, mißfarbiger Bastardkleesamen wird mitunter künstlich grün aufgefärbt, um demselben ein frisches Aussehen zu geben. Werden solche gefärbte Samen mit einem weißen Tuch gerieben, so nimmt dieses sehr leicht die grüne Farbe an, ein einfaches Mittel, die Verfälschung rasch zu erkennen. Allerdings färbt ganz frischer Bastardklee auch schwach grün ab, jedoch nur bei starkem Reiben, da der natürliche Farbstoff sich in der Samenschaale befindet. — Früher kam es auch vor, daß dem Bastardklee künstlich grün gefärbte Steinchen beigemischt wurden, dies hat jedoch in neuerer Zeit aufgehört. Same und Saat. Im Durchschnitt von über 100 verschiedenen Untersuchungen an hiesiger Station betrug die Reinheit 95 %, die Keimfähigkeit 72 %. Eine gute Handelswaare soll 97 % Reinheit und 75% Keimfähigkeit — 73 % reine und keimfähige Samen haben. Selbstverständlich 12 Samen- gewinnung. Sninmertag. Vermireim- gnngen. Verfälschungen. Samen- qualität. 90 muß dieselbe auch frei von Kleeseide sein. 1 Kilo reine Samen enthält durchschnittlich 1,556,000 Körner, somit wiegen 1000 Körner O , 0 4 Gramm. In einem Kilo 73prozentiger Waare sind demnach 1,136,000 reine und keimfähige Samen enthalten, l Hektoliter wiegt durchschnittlich 75—80 Kilogramm. Saat- Das Saatquantum per Hektar beträgt 14 Kilo einer 73prozentigen Waare = 1022 Kiloprozente, quantum. p ev c« U( jj av t 5 Kilo oder 365 Kiloprozente. Bei einem Durchschnittspreis von Fr. 2. 20 per Kilo beträgt die Auslage für das Saatgut per Hektar Fr. 30. 80, per Juchart Fr. I I. Die Ansaat ist also sehr billig. Mischungen. Jnr Allgemeinen empfiehlt sich zur Futternutzung die Reinsaat nicht, da der Ertrag in Mischung mit andern Futterpflanzen größer und das Futter auch gedeihlicher ist. Man kann ihn an Stelle von reiner Nothkleesaat im Gemenge mit Rothklee aussäen. Empfehlenswerther ist aber, die Saat im Gemenge mit Gräsern, z. B. 50 % Nothklee, 25 % Bastardklee, 25 % Timothe. Timothegras und Bastardklee sind zwei Futterpflanzen, welche für schwere, feuchte Böden sehr gut geeignet siitd. Von allen Futterpflanzen liefern diese das schwerste Heu. Auch das Knaulgras ilnd das englische Naygras, weniger das italieirische und französische Rahgras eignen sich zum Gemenge mit Bastardklee. In derartigen Gemengen ist er nicht empfindlich, sondern erträgt die Berasung, wie der Weißklee, sehr gut; er lagert sich dann auch weniger, weil ihm die übrigen Pflanzen als Stütze dienen. Hinsichtlich der weiteren Kulturmaßregeln gilt das beim Rothklee und in dem allgemeinen Theil Gesagte. Zierlicher Eine dem Bastardklee sehr nähe stehende Kleesorte ist der zierliche Klee. Trifolium elegans, Klee. Savi. Er unterscheidet sich von jenem dadurch, daß der Stengel massiv und oberwärts flaumig behaart ist; die Blätter sind stellenweise doppelt gezähnelt, mit sehr ungleichen, spitzeren Zähucheu. Die ganze Pflanze ist etwas kleiner als der Bastardklee und das Köpfchen ist mehr röthlich, kugeliger, zierlich. Im übrigen Habitus stimmt er mit jenem überein. Der Same hat gleiche Form, gleiche Farbe und gleiche Größe mit demjenigen des Bastardklees. W. Löbe erwähnt, daß derselbe im südlichen Brabant unter dem Bastardklee vorkomme und sehr hänsig Krankheiten veranlasse. Werner vermuthet nun, daß die auch anderwärts beobachteten Krankheitserscheinungen bei Verfütteruug von Bastardklee auf die Beimeugung von zierlichem Klee zurückzuführen seien. „Die Fütterung mit in Blüthe stehendem Bastardklee erzeugte in Ostpreußen 1871 bei Pferden nach etwa 10 Tagen, bis wohin sie ihn gefressen, eigenthümliche Erscheinungen. Die Schleimhäute der innern Mundtheile zeigten sich wie bei der Maulfäule angeschwollen und wund; dieß wurde in kurzer Zeit bei Futterwechsel gehoben. Ferner zeigten sich bei Pferden mit Abzeichen (weiße Füße, Blesse. Stern), diese Körpertheile leicht angeschwollen und infolge einer eiweißartigen Aus- schwitzung mit einem dicken Schorfe bedeckt, welches Leiden einige Pferde längere Zeit arbeitsunfähig machte; Pferde ohne Abzeichen blieben davon verschont. Ein Versuch mit Hornvieh ist. leider nicht gemacht worden" (Werner). Erklärung der Tafel 13. (Figur A in natürlicher Größe, Fig. 1—9 6 Mal vergrößert.) Figur A. Theil einer blühenden Pflanze. „ I. Blüthe von der Seite. „ 2. Kelch allein. „ 3. Blüthe ohne die Fahne. „ 4. Dieselbe auch nach Entfernung der Flügel. Figur ö. Scxualorgane. „ 6. Stempel. „ 7. Hülse. „ 8 . Same von der breiten Seite aus. „ 9. Same von d. schmalen (Nabel-) Seite aus. Taf. 13. Trifolium hybridum, L.. Bastardklee - Trefle Mtard. C. & L. Schröter ad. nat. del. Lith. Genossenschaft Zürich. 14. Der Weißklee. Trifolium repens, Linne. 91 Richtiger ist der Name kriechender Klee; er wird auch kriechender Wcißklce oder weißer Kriechtier Bmcninmg. genannt; er heißt ferner: weißer oder weißblühender Matten- oder Wiesenklee, wilder Klee, weißer Steinklee, holländischer Klee, Schafklce, Lämmerklee, Bienenklee, weißer Honigklee, kleiner Feldklee, niederer Klee; in der inneren Schweiz wird er Schlirpklee, Klebklee, blauer Klee, in Einsiedeln sogar Teufelssteisch genannt, zum Unterschied Vvm Herrgvttsfleisch (Trifolium pratense, L.). Am ältesten ist seine Kultur in den Niederlanden, weßhalb er vielsach den Namen „holländischer Geschichte. Klee" führt. Bon dort kam sie auf gleiche Weise, wie diejenige des Rvthklees, an den Rhein und von Mainz aus wanderte er in das Innere von Deutschland. „Es ist geschichtlich erwiesen", sagt Langethal, „daß die Holsteiner schon vor dem Jahre 1759 den Samen des weißen Klees aus Mainz bezogen, um ihre Koppelweiden durch ihn zu verbessern." Auch in England wurde er im Anfang des vorigen Jahrhunderts in Kultur genommen; in der Schweiz ist dieselbe neueren Datums, da das Bedürfniß nach künstlicher Besamung der Weiden weniger gefühlt wurde. Zur Anlage von Weiden in den Niederungen ist der Weißklce eine unentbehrliche Futterpflanze; Landwirther dauert drei bis vier Jahre, auf guten Böden noch länger, und hat vor dem Nothklee den ferneren Vorzug, daß er mit geringeren Bodenarten vorlieb nimmt und das Abweiden und Begüllen sehr gut erträgt. Allerdings ist er im Ertrag geringer, dafür aber nährstoffreicher und bläht das Weidevieh weniger. In der Wiese bildet er das Unterfutter und tritt hier oft wuchernd auf, indem er durch seine Kriechtriebe und sein dichtes niedriges Blattsystem die ertragreicheren Futterpflanzen unterdrückt und deßhalb schädlich, wenn auch nicht zum Unkraut wird. Als Unterfutter ist er auf Mähewiesen am Platze, jedoch nur in mäßigem Verhältniß. Botanische Beschreibung. Der Weißklee hat einen soliden, kriechenden, an den Knoten wurzelnden, Botanische kahlen, ästigen Hauptstengel, mit wenigen langgesticlten Blättern besetzt, aus deren Achseln die noch länger Beschreibung, gestielten Blüthenköpfchen entspringen (Fig. A., in dieser Figur sind die Stiele der letzteren, um Platz zu finden, etwas verkürzt wiedergegeben worden). Die Blättchen sind breit-eiförmig, am Rande mit feinen scharfen Sägezähnen versehen; die Nebenblätter fein zugespitzt und trockenhäutig. Die Blüthenköpfchen sind kugelig, ohne Hülle; die Stiele der einzelnen Blüthen biegen sich sofort nach der Blüthe in scharfem Winkel abwärts, so daß das Köpfchen während der Blüthezeit aus 2 scharf getrennten Hälften besteht: in der untern sind die abgeblühten Blüthen abwärts geschlagen, in der obern stehen die blühenden oder noch in der Knospe befindlichen aufrecht. Der Kelch (K, Fig. 1, 2) ist ungefähr halb so lang als die ganze Blüthe, und besteht aus einer zehnnervigen kahlen Röhre und fünf pfriemlichen, ungefähr gleich langen Zähnen. Die Krone ist weiß oder röthlich gefärbt, schwach wohlriechend. Die einzelnen Kronblätter sind nur theilweise verwachsen (siehe unten). Die Fahne (Fa., Fig. 1, 2, 3) hat einen breiten, die übrigen Blüthentheile halb umfassenden Stiel; ihr vorderer Theil ist nur wenig aufgerichtet und längs der Mittellinie gefaltet. Die Flügel (Fl., Fig. 1—4) sowie das Schiffchen (8ch., Fig. 4, 5) sind mit der Staubfadenröhre in der Weise verwachsen, daß ihre blattartigen Theile nur mit ganz kurzem, schwachem, freiem Stiel nahe dem vorderen Ende der Staubfadenröhre (8tt'.F>., Fig. 6) befestigt sind, während der untere Theil dieses Stieles völlig mit der Röhre verschmolzen ist. Die Flügel entsenden unmittelbar über ihrem Stiel einen kurzen blasigen Fortsatz nach hinten, der über die Staubfadenröhre herübergreift (f., Fig. 4). Außerdem hängen auch die blattartigen Theile der Flügel und des Schiffchens an einer kleinen Stelle fest zusammen. Die freien Theile der Staubfäden sind in dem oben offenen Scbiffchen geborgen (Fig. 5 und 6). Der Stempel hat einen langen 3—4 eiigen Fruchtknoten (Frkn., Fig. 7), einen auswärts gebogenen Griffel und eine die Staubbeutel etwas überragende Narbe. Für den Weißklec ist durch den Versuch nachgewiesen, daß er zur vollen Fruchtbarkeit der Mithülfe besuchender Insekten bedarf. Darwin erhielt von 10 von Bienen besuchteil Köpfchen 10 Mal so viel Samen als von 10 durch ein Netz abgeschlossenen; ein zweites Mal von 20 bedeckten Blüthenköpfchen nur ein einziges schlechtes Sameilkorn, während ebenso viele unbedeckte 2290 Samenkörner ergäben. Diese Versuche zeigen, daß in ganz beschränktem Maaße der Weißktee sich selbst befruchten kann, daß aber jedenfalls weitaus die Mehrzahl der von ihm erzeugten Samen auf die Pollenübertragung durch Insekten zurückzuführen ist. Die darauf bezüglichen Eigenschaften der Blüthe differiren in mehreren Punkten von denen der Rothkleeblüthe. Die Blüthenblätter sind nicht zu einer langen Röhre verwachsen; die Kelchröhre, welche dem Auseinanderbiegen derselben durch besuchende Insekten eine Grenze setzt, ist nur 3 mm. lang: es können also auch kurzrüsselige Insekten zum Honig gelangen (namentlich Bienen, wie Müller beobachtete). Der Zugang zu dem im Innern der Staubgefäßröhre an ihrem Grunde ausgeschiedenen Honig ist hier, wie bei vielen andern Schmetterlingsblüthen, auf 2 schmale Spalten rechts und links vom Grunde des freien Staubgefäßes beschränkt. Das Herabdrücken der Flügel und damit auch des mit ihnen zusammenhängenden Schiffchens durch das besuchende Insekt, das dadurch bewirkte Hervortreten der Narbe und Staubbeutel, das Belegen der ersteren mit fremden Pollen und das Bestäuben der Unterseite des Jnsckten- kopfcs mit neuem Blüthenstaub, sowie endlich das Zurückkehren der Blumenblätter in ihre frühere Lage nach dein Wegfliegen des Insekts, alle diese Erscheinungen vollziehen sich in ganz analoger Weise wie beim Rothklee. Die Frucht des Weißklees ist eine 3—4samige flachgedrückte, dünnschalige Hülse (Fig. 8), von deni bleibenden Griffel gekrönt und den Kelch weit überragend. Der Sann ist ähnlich dem des Bastardklecs, aber das Würzelchen geht an der einen Schmalseite beinahe ganz herab (Fig. 9 und 10) und die Farbe ist schwefelgelb bis orangegelb. Abarten. Abarten. Bon Alefeld werden zwei Formen unterschieden, der wilde Wcißklee, Trifolium repens silvestre und der kultivirte, Nr. r. cultum. Botanisch stimmen beide miteinander überein. Der letztere wird aber doppelt so groß als der wilde. In Oberitalien will man, wie niir der Geschäftsführer des Comicio agrario in Mailand versicherte, die Erfahrung gemacht haben, daß der dort wild vorkommende Weißklee länger daure und weniger empfindlich sei, als die aus dem Norden importirte Kulturform — eine ähnliche Erscheinung, wie wir sie beim wilden Rothklee konstatirt haben. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Weißklee ist in ganz Europa gemein, von Italien Berbreitling. und Griechenland bis nach Lappland, von Portugal bis zum Ural. In Asien findet er sich in ganz Sibirien, im Kaukasus, an den Ufern des kaspischen Meers und in Georgien. In Afrika ist er auf den Azoren, Madeira, in der Berberei und am Kap der guten Hoffnung zu Hause. In Nordamerika ist er ebenfalls verbreitet, doch ist es zweifelhaft, ob einheimisch oder eingeführt. Standorte Wildwachsend findet sich der Weißklee auf allen guten Wiesen und sein häusiges Erscheinen gilt inimer als Zeichen einer guten Krume. Er ist auf den Fettweiden Norddeutschlands ein häufiger Bestand- theil der die Narbe zusammensetzenden Futterpflanzen. Namentlich in Gesellschaft mit dem englischen Raygras findet er sich häufig an Wegen. Hohcngrenzen. In den Alpen geht er sehr hoch; in den bayerischen bis 1700 in., in den schweizerischen Alpen wurde er von Brügger aus der Paßhvhe des Bernhardins bei eirea 1900 m., von Herm. Müller (Lippstadt) auf dem Schafberg bei Pontresina zwischen 2300 und 2600 m. gefunden. Klima Der Weißklee ist bei Weitem nicht so empfindlich gegen Witterungseinflüsse wie der Rothklee. Witt-rung ^Enn auch die Faserwurzeln sich mehr nur in der Krume ausbreiten, so erträgt er nichts destoweniger Trockenheit sehr gut, weil die Hauptwurzel des Mutterstockes tiefer eindringt und die Pflanze aus der Tiefe mit Wasser versorgt. Bei Trockenheit beschränkt sich deßhalb die Entwicklung größtentheils auf den Mutterstock, von welchem nur kurze, schwach beblätterte Kriechtriebe abzweigen. In nassen Jahren und in feuchtwarmen Regionen ist der Ertrag größer, als in trockenen, kalten. Boren. Am besten gedeiht der Weißklee auf frischem, durch Humus gelockertem, kalkhaltigem Boden. Allzu bindiger und fester Boden setzt dem Eindringen der Wurzeln zu großen Widerstand entgegen; nichts destoweniger gedeiht er auf demselben ziemlich gut, wenn er einigen Feuchtigkeitsgehalt besitzt. Auch auf Sandboden kommt er noch fort, wenn derselbe nicht zu lose und dürr und die Krume düngerkräftig ist. Im Boden erträgt er einen ziemlich bedeutenden Feuchtigkeitsgrad, bei stauender Nässe fällt er dagegen zum Opfer. Er kann deßhalb noch aus gutem Moorboden und entwässertem Torf gebaut werden. Er erträgt auch einen bedeutenden Eisengehalt im Boden und kommt auf eisenschüssigem Boden fort. Frische, humose Mergel-, Lehm-, Kalk- und Sandböden sind für ihn aber am passendsten. 93 1000 U Heu entnehmen dem Boden: BodenStickstoff 22.z U Magnesia 5.« U erschöpfung. Phosphorsäure 8.« „ Kalk 19.« „ Kali . 13. 5 „ Kieselsäure • 2. 8 „ Natron 4. 6 „ Schwefelsäure • 4. 7 „ Entsprechend dem reichen Gehalt des Heues an Kali und Kalk und der im Allgemeinen flachen Düngung. Bewurzelung des Weißklees wirkt die Holzasche außerordentlich günstig auf die Entwicklung des Wcißklees. Die Laubholzasche enthalt 10°/« Kali und 30°/« Kalk „ Nadelholzasche „ 6% „ „ 35% „ Das Kali wird von der obersten Krnine festgehalten und kommt also in erster Linie dem Wcißklce zu gut. Infolge dessen entwickelt sich dort oft Wcißklee, wo man früher keinen gesehen. Dieß gab zu der unter dem Volke viel verbreiteten Annahme Anlaß, daß aus der Asche Wcißklee entstehe. Wenn man aber die Sache genauer untersucht, so zeigt sich, daß derselbe schon früher vorhanden, aber so klein und mager war, daß er sich uicker den übrigen Pflanzen verkroch und deßhalb bei oberflächlicher Beobachtung nicht bemerkt wurde. Wenn nun auf einmal durch die dem Wcißklee besonders zusagende Aschedüngung die Verhältnisse, seines Gedeihens günstiger werden, so wird aus dem mageren Pflänzchen eine große Pflanze mit ausgebreitetem Wuchs. Sehr günstig auf den Weißklee wirkt auch das Mergeln und eine überraschende Wirkung hat das Begrillen Dadurch werden dem Boden nicht nur reichliche Mengen Stickstoff und Kali zugeführt, welche in der obersten Krume festgehalten werden und deßhalb dem Wcißklee zu Gute kommen, sondern die Gülle enthält in der Regel eine ziemlich • bedeutende Anzahl Weißkleesameu, die auf der Wiese zur Keimung und Entwicklung gelangen, so daß das Begüllen mit einer schwachen Ansaat zu vergleichen ist. Ich untersuchte den getrockneten Bodensatz, der sich beim Begüllen am Boden des Jauchefaßes absetzte, und fand in einem Kilo desselben 11,816 Weißkleesamen, wovon 62 Prozent keimten *). Der Werth des Bcgüllens beruht also nicht nur in der Zufuhr bestinunter Pflanzen-Nahrungsstoffe, sondern ein großer Theil der günstigen Wirkung ist der Zufuhr neuer Pflanzenorganismen zuzuschreiben. Die Erklärung, wie die Samen in die Gülle gelangen, ist sehr naheliegend. Wie bekannt enthalten namentlich im zweiten Schnitt viele Weißkleeköpfchen reife Samen, welche mit dem Heu geheimst werden. Bei der Fütterung wird nur ein Theil der Samen verdaut, ein großer Theil verläßt aber noch vollkommen gesund den Berdauungskanal und gelangt mit dem Koth in den Güllebehälter. Auch hier kann der größte Theil der Samen wochenlang liegen bleiben ohne Schaden zu nehmen, was durch die Eigenschaft des Weißkleesamens bedingt ist, daß ein großer Theil der Samen sich sehr widerstandsfähig gegen die Wasseraufnahme zeigt. Ist der Boden kräftig, so liefert auch das Gypseu gute Resultate, mährend dasselbe auf magerem Land keine Wirkung zeigt. Ist die Krume durch den Getreidebau zu stark erschöpft, so gedeiht der Weißklee als Nachfrucht nur mangelhaft und liefert geringe Erträge. — Wenn das Wasser einen guten Bewässerung. Abfluß hat, so erträgt derselbe auch die Berieselung. Wachsthum, Ertrag und Futterwerth. Der Weißklee treibt von dem Mutterstock aus Wuchs, mehr oder weniger lange, gegliederte, ästige Kriechtriebe, welche sich von Strecke zu Strecke bewurzeln. Ist der Boden sehr trocken, fest oder mager, so bleiben die Triebe sehr kurz und das ganze Pflänzchen bleibt winzig klein, während auf entsprechendem Standort die Triebe nach allen Seiten meterlang werden und in kurzer Zeit eine große Fläche überziehen können. Wenn keine andere Nutzung bezweckt wird, so erreicht der Weißklee schon im ersten Jahre seine Entwicklung, volle Entwicklung. Im Frühfahr blüht er zwar früh, theilweise schon im Mai, die Hauptblüthezeit *) Dr. F. G. Siebter, die Grasja,nenmischungen Bern 1883. Seite 29 u ff. 94 ernte, tritt aber erst nach demjenigen des Nothklees ein. Wenn er gemäht werden soll, findet der Schnitt erst nach denstenigen des Rothklees statt. Beim Trocknen fällt er infolge seines hohen Wassergehaltes stark zusammen und das Dörren ist mit noch größeren Schwierigkeiten verbunden, als beim Nothklee. Die Blättchen fallen aber nicht so leicht ab. Weidenuijung. Wo der Weißklee rein angebaut wird, wird er gewöhnlich zu Weide genutzt. Als Weide- pflanze ist derselbe wirklich vortrefflich, da er wie keine andere Kleeart das häufige Abrupfen sehr gut erträgt, von dem Vieh gern gefressen wird imd weniger leicht bläht, als Rothklee. Mit dem Beweiden beginnt man im Frühjahr, sobald der Klee den Boden bedeckt hat und das Vieh denselben fassen kann. Bis in den Herbst hinein liefert er eine gute Weide. Ertrag. In Holland gewährt eine Hektar Weißkleeweide nach Lobb es das Sommerfutter für 3'/g milchende Kühe. Als Mähefutter ist der Ertrag geringer, da der Weißklee höchstens 40 Centimeter lang wird. Block, ein ausgezeichneter landwirthschastlicher Rechner, nimmt in 5 Jahren 4 volle Ernteil mit einem Durchschnittsertrag von 36 Zentner Heu und einer Weide von 12 Zentner Heuwerth, zusammen also 48 Ztr. Heu per Hektar an. Aus leichtem Boden stelle sich der Durchschnittsertrag auf 40, auf gutem auf 60 Ztr. Heu. Langethal gibt den Ertrag nur als ein Drittel geringer wie beim Rothklee an. Guido Krafft nimmt ihn zu 38 bis 60 Zentner an. Futterwerth. Abgesehen von dem hohen Wassergehalt des Grünfiltters ist der Nährstoffgehalt des Weißklees ein sehr vorzüglicher, da das Futter nur aus Blättern, Blatt- und Blüthenstielen besteht. Nach Wolfs's Tabelle stellt sich derselbe folgendermaßen: Davon verdaulich Organische Stickstofffreie ■ — v -- I» Prozent Substanz Eiweiß Rohfaser Extraktstoste Rohfett Eiweiß Kohlehydrate Fett Heu mit 86 % Trockensubstanz 79. s 14-a 26., 34.«, 3-6 8.4 37.0 2-o Grünfutter mit 19. ä % 17., 3-5 6.o 7.2 0-8 2-5 7 .» 0 ., Nührstoffverhältniß, Heu — 1 : 5 -°; Grünfutter = 1 : 4.2. Infolge des hohen Wassergehaltes des Wcißklces bekommt das Wcidevieh häufig den Durchfall, welchem Uebelstand nian durch Bcifütternng von Trockenfutter vorbeugen kann. Auch will man die Beobachttmg gemacht haben, daß nach dem Gypsen die Weide Milzbrand erzeuge oder begünstige, was, wenn das der Fall, nur auf den hohen Wasser- und Eiweißgehalt zurückzuführen wäre, wie denn die Erfahrung lehrt, daß bei intensiver Fütterung diese Krankheit häufiger auftritt. Samen- Samengewimmng, Verunreinigungen nnd Verfälschungen. Der Weißklee bildet «ewmmmg. ve mi^ Samen und deren Gewinnung ist wesentlich einfacher als beim Rothklee. Dieselben werdet: von dem erstell Schnitt gewonnen. Man kanir das Feld zwar auch bis Johanni beweiden uild dann noch Samen gewinnen, oder den ersten Schnitt Ende Mai nehmen ltnd dann vom zweiten Samen erziehen. Wenn das Feld im Frühjahr nicht genllht wird, so ist der Same im August reif, sonst aber erst im September. Bei der Beurtheilitng der Reife gelten die gleichen Kennzeichen, wie beim Rothklee. Beim Trocknen lassen sich ilicht gut Puppen oder Zeilen aus den Samenpflanzen formen, sondern mall läßt dieselben entweder nur itt Schwaden, oder dann noch auf Gerüsten abtrocknet:. Das Dreschen ist mit geringeren Schwierigkeiten verbunden als beim Rothklee, da die Samen sich leichter aus den Blüthen entfernen lassen. Jede Blüthe enthält eine Hülse mit 4 Samen. Samenertrag. In günstigen Jähren ist der Samenertrag trotz der Kleinheit des Kornes sehr groß. Nach Schmerz kann eine Hektar über 8 Zentner Samen geben, nach Sprengel sogar 16 bis 20 Zentner. Lange that gibt den Ertrag auf 12 Zentner, Krafft auf 5 bis 10 Zentner und Werner auf 6-12 Zentner per Hektar an. Da das Weidevieh die Blüthenköpfchen zum Theil stehen läßt, welche dann Samen'bilden, so lohnt es sich oft, dieselben mittelst dem Kleekamm (Kleeharke), den wir beim Rothklee beschrieben haben, zu sammeln. Taf. 14 Trifolium repens, L.. Weissklee — Tröfle Klane. Lith. Genossenschaft Zürich. G. & L. Schriiter ad. nat. dei. 95 Als Verunreinigungen findet man im Weißklee häufig die Samen von Spitzwegerich (Plantago lanceolata, L.), Hundskamille (Anthemis arvcnsis, L.J, den kleinen Ampfer (Pumex Aeeto- sella, L.) u. A., wovon besonders der Spitzwegerich schädlich werden kann, wenn der Weißklee als Mähefutter genutzt werden soll, während er in der Weide weniger schadet. Hie und da ist der Same auch mit der Kleeseide verunreinigt. Verfälschungen sind nicht häufig. Da die Samen bei der Aufbewahrung mißsarbig und roth werden, so kommt es vor, daß man dieselben schwefelt, um ihnen die schone, schwefelgelbe Farbe wieder zu geben. Durch Verlangen von Garantie eines angemessenen Prozentsatzes Keimfähigkcit und nachherige Kontrolirnng bei einer Samenkontrolstatiou kann sich der Käufer vor Schaden bewahren. Der früher genannte Hirschmann hat auch gelb gefärbte Kleesteine zur Beimischung zu Wcißklee in den Handel gebracht. Same und Saat. Die durchschnittliche Reinheit des im Handel vorkommenden Samens beträgt 93 %, die Keimfähigkeit 74 %, wobei ein Drittel der beim Keimversuch hart gebliebenen Körner als keimfähig in Ansatz gebracht sind. Eine gute Handelswaare soll 96 % Reinheit und mindestens 75% Keimfähigkeit = 72% reine und keimfähige Samen enthalten; selbstverständlich darf eine solche auch nicht mit Kleeseide verunreinigt sein. 1 Kilo reine Samen enthält durchschnittlich 1,631,000 Körner. Das durchschnittliche Hektolitergewicht beträgt 79 Kilo. Guter Same soll eine helle, schwefelgelbe Färbung besitzen; mit dem Alter wird er roth. Die Keimfähigkeit nimmt bei der Aufbewahrung langsam ab. — Das durchschnittliche Saatguantum beträgt pro Hektar 12 Kilo einer 72prozentigen Waare oder 864 Kiloprozente, per Juchart 5 Kilo oder 360 Kiloprozente. Rein wird der Weißklee selten ansgesäet und dann nur zu Weidenutzung. Bei der Kultur wird das gleiche Verfahren wie beim Rothklee eingeschlagen. „Die Mecklenburger, Pommern, Uker- und Neu- märker," sagt Langet hat, „nehmen von ihm im ersten Nutzjahr einen Schnitt, lassen ihn dann als Weide liegen, die man im zweiten Nutzjähre noch als Frühlingsweide gebraucht und dann umpflügt". Jedoch liefert der Weißklee, wenn er allein gesäet wird, keinen so schönen Rasen und keine so gute und gesunde Weide, als wenn er in Mischung mit Gräsern gebaut wird. Die Fettweiden in den Dithmarschen und in Eiderstedt werden zum größten Theil nur mit einer Mischung von englischem Raygras und Weißklee besäet; ebenso in England. Man säet ihn wohl auch nur im Gemenge mit Rothklee, welchen er aber in der Regel überdauert. In den Mischungen zu Mähefutter ist der Weißklee ein vortreffliches Unterfutter. Derselbe wird sowohl zu Kleegras, wie zu Wechsel- und Dauerwiesen verwendet. Die Pflege kann sich beim Weißklee auf das Ueberwalzcn und, wenn sich Moos eingestellt hat, auf das Uebereggen im Frühjahr mit der Kettenegge beschränken. Im letzteren Falle leistet das Ueberführen mit Mergel, Asche oder Kompost ebenfalls gute Dienste. Erklärung der Tafel 14. (Figur A in natürlicher Größe, Figur 1—10 6 Mal vergrößert). Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ 1. Blüthe von unten. „ 2. Blüthe von der Seite. „ 3. Blüthe von der Seite, nach Entfernung des Kelches. „ 4. Blüthe von der Seite, nach Entfernung von Kelch und Fahne. Figur 5. Blüthe von der Seite, nach Entfernung von Kelch, Fahne und Flügel. „ 6. Sexualorgane. „ 7. Stempel. „ 8. Hülse. „ 9. Same von der breiten Seite aus. „ 10. Same v. der schmalen (Nabel-) Seite aus. Verunreinigungen. Verfälschungen. Samen- qualität. Saat- quantum. Saat. Mischungen. 96 15. Sie Esparsette. Onobrychis sativa, Lamarck. Benennung. Die Bezeichnung Esparsette oder Esper, Esperklee, Esparsette kommt vonl spanischen Esparceta (esxarcir, ausbreiten). Sie heißt auch Hahnenkamm, Hahnenkops, Futterhahnenkopf, Wiedehopfkraut, Hasenkopf, Schildklee, Stachelähre, Eselswicke, Heilighen (von dem französischen Sainfoin, besser Gesundheitsheu), Süßklee, Schweizerklee, Türken- oder türkischer Klee, spanischer Klee, gemeine Futterqueste, Schett, Perlkraut, Nettentannen rc. Geschichte. Die Kultur dieser Leguminose ist nicht so alt, wie man gewöhnlich annimmt. Die alten Griechen kultivirten sie noch nicht und auch ihre Nachkommen haben sie bis heute noch nicht eingeführt. Die von Dioscorides und Plinius als Onobrychis bezeichnete Pflanze ist nicht die Esparsette, sondern deren Gattungsverwandte Onobrychis Caput-Galli (Hahnenkopf), welche in Griechenland und anderwärts wild vorkommt, aber noch nicht knltivirt wird. Allem Anschein nach datirt der Ursprung der Kultur aus dem , 15. Jahrhundert, zu welcher Zeit dieselbe im mittäglichen Frankreich begann, wo die Esparsette im 16. Jahr- ! hundert in hohem Ansehen stand *). In Italien breitete sich die Kultur erst im 18. Jahrhundert namentlich in Toskana aus. In der Schweiz nahm sie wahrscheinlich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ihren Anfang; die Samen wurden vermuthlich aus der Dauphins bezogen. 1760 schreibt ein Fachmann in dem Organ der ökonomischen Gesellschaft zu Bern n. A.: „Unter allen Grasarten, die durch eine ordentliche Aussaat gepslanzet und gezogen werden, ist heutzutag die gemeinste der Türkische Kleber-Klee oder Hahnenkamm, lateinisch «Onobrychis foliis viciae»." Er führt u. A. folgendes Beispiel au: „Seitdem die Leute in der Gemeinde Kappelen bei Aarberg ihrem durchgängigen Futtermangel durch Anpflanzung der Esparsette zu steuern gewußt, haben Menschen und Bieh, Häuser und Felder, kurz das ganze Wesen dieser Dorsschaft ein ganz anderes Aussehen genommen". In der gleichen Zeitschrift schreibt 1762 Albr. Stapfer**): „Eine zweite künstliche Grasart, die sehr viel gepslanzet wird, ist der Hahnenkamm". Nach England kam die Esparsettekultur im 17. Jahrhundert aus Flandern und Frankreich. In Deutschland nahm die Esparsette seit 1716 eine wichtige Stelle unter den Futterpflanzen ein und wiederholt ist dieselbe von den Regierungen den Landleuten zum Anbau anempfohlen worden. In der Pfalz hat besonders David Möllinger sich um ihre Einführung Ehre und Ruhm erworben. Landwirth- Erst durch die Einführung der Esparsettekulkur wurde es möglich, große Strecken bisher fast ^ < a»ertö >Cr Bodens landwirthschaftlich nutzbar zu machen; in der Literatur stoßen wir auf eine Menge Beispiele, welche dieß beweisen. Für trockene, unfruchtbare, kalkhaltige Hügelgegenden ist sie das hauptsächlichste Futtergewächs. Sie erträgt die größte Trockenheit, gedeiht auch ohne Dünger und dauert lange an. Law sonnst erwähnt, daß sie schon 100 Jahre alt geworden sei; zwanzigjährige Esparsetteäcker, wo dieselbe noch schön steht, sind keine Seltenheit. Die Dauer ist übrigens sehr verschieden, je nach der Bodenart. In der Pfalz wird sie nur drei Jahre genutzt, anderwärts aber gewöhnlich 4 bis 7 Jahre. Wenn sie sicher gedeihen soll, so nimmt man an, darf sie auf dem gleichen Felde so lange nicht wiederkehren, als sie dasselbe in Anspruch genommen hat. Einige behaupten, man müsse 8, andere, man müsse 10 bis 12 Jahre warten. Ist der Untergrund reich, so kann die Wiederanpstanzung früher geschehen, als wenn derselbe arm ist. Bei allzu häufiger Wiederkehr machen sich die gleichen Erscheinungen geltend, wie bei der Kleemüdigkeit; man kann deßhalb auch von einer „Esparsettemüdigkeit" des Bodens sprechen. Wegen des bedeutend ausgebreiteteren Wurzelshstems ist diese aber nicht so häufig, wie die Kleemüdigkeit. Botanische Botanische Beschreibung. Der aufrechte oder aufsteigende geriefte Stengel wird 30—60 ein. hoch. Beschreibung. Die Blätter sind unpaarig gefiedert, die 13-25 einzelnen Blättchen stehen an der Spindel einander gegenüber, sind lineal-länglich oder länglich-verkehrt-eiförmig (int obern Drittel am breitesteil) und unter- seits behaart. *) Alph. Je Candolle. Origine des plantes cultivees. Paris 1883. **) A. a. O. ***) Die Kulturgräser und Futterkräuter. Deutsch von A. Court in. Ltuttgari 1857. 97 Die Blüthen stehen in blattwinkelständigen, langgestielten, reichblüthigen, ansehnlichen Trauben. Der behaarte Kelch (X., Fig. 1, 2) besteht aus einer kurzen Röhre und 5 Zähnen von der doppelten Länge derselben. Die 3 vorderen Zähne sind nach abwärts gerichtet, die 2 Hintern vorgestreckt; der Saum der Kelchröhre zwischen diesen beiden letzten ist sehr breit entwickelt, gerade abgestutzt. Die Krone ist hell- rosenroth gefärbt, aus zierlich dunklergeäderten nicht verwachsenen Blättern zusammengesetzt. Die breite Fahne (Fa.) ist vorn nur wenig aufgerichtet; die Flügel (Fl., Fig. 2, 3) sind sehr kurz, kürzer als die Kelchzähne, von der Fahne völlig bedeckt. Das Schiffchen dagegen (Seh., Fig. 1, 2, 3) ist sehr stark entwickelt, so lang als die Fahne, mit breitem vorne senkrecht abfallenden! blattartigem Theil und kurzen Stielen. Die Staubfadenröhre (Stf.R., Fig. 4) läßt unten, zu beiden Seiten des freien Staubgefäßes ; (f. St., Fig. 3, 4) zwei Zugänge zu dein von ihr nach innen abgeschiedenen Honig frei. Der Stempel besteht aus einem eirunden einengen Fruchtknoten und einem langen, ungefähr in der Mitte rechtwinklig nach oben abgebogenen Griffel mit kopfiger, die Staubbeutel überragenden Narbe. Die Beziehungen zu den die Bestäubung vermittelnden Insekten sind ähnliche wie beim Weißklee: Auch hier treten beim Niederdrücken des Schiffchens Narbe und Staubgefäße aus dessen oberer Spalte heraus und koinmen mit der Unterseite des Insekts in Berührung, um nachher wieder vom Schiffchen umschlossen zu werden; ob die Blüthe bei Ausschluß von Insekten unfruchtbar ist, darüber liegen keine Versuche vor, es ist aber wegen des weiten, im Verlauf der Blüthe sich noch steigernden Ueberragens der Narbe über die Staubgefäße sehr wahrscheinlich. Da der Honig auch kurzrüsseligen Insekten zugänglich ist, so ist die Zahl der Besucher eine große. (Müller beobachtete 29 verschiedene Arten, am häufigsten die Honigbiene). Die Frucht ist eine einsamige, geschlossen bleibende Hülse (Fig. 6); der obere Rand derselben (an dem der Same sitzt, in unserer Figur links) ist dick und gerade, der untere verläuft gebogen und bildet einen dünnen, theilweise spitz gezähnten Kamm (siehe auch den Querschnitt durch die Hülse, Fig. 9). Die beiden gewölbten Backen der Hülse sind mit erhabenen, ebenfalls spitz gezähnten Leisten netzförmig gezeichnet, die Felder zwischen den Leisten und der Kamm mit kurzen anliegenden Häärchen bedeckt. Der Same (Fig. 7, 8) ist bohnenförmig; der rundliche Samennabel liegt im obern Drittel der einen Schmalseite. Abarten. Man unterscheidet zwei Kulturformen: 1. die gemeine Esparsette, Onobrychis Abarten, sativa communis, Alefeld und 2. die zweischürige Esparsette, Onobrychis sativa bifera, Hort. Die letztere zeichnet sich durch üppigeren Wuchs und die frühere Blüthe vor der ersteren aus. Sie entwickelt noch im zweiten Schnitt blühende Stengel. Es scheint aber nicht, daß sie gegenüber der erstgenannten wesentliche Vortheile biete, denn an vielen Orten, wo man sie früher kultivirte, ist man davon abgekommen. Ob aber alle Vorwürfe, z. B. daß sie das ganze Jahr blühe und keinen vollen Schnitt gewähre, gerechtfertigt seien, ist nicht hinreichend sicher festgestellt. In England wird noch eine dreischürige Esparsette unterschieden. In Proskau erzielte man von derselben in Thonboden mit Thonmergeluntergrund in zwei Schnitten 122 Ztr. Heu per Hektar. Die wilde Form der Esparsette zeichnet sich durch niedrigeren Wuchs und durch die starke Behaarung der Früchte von der kultivirten aus. Auf den Kalkalpen findet sich eine Alpenform der Esparsette, Onobrychis montana, De Candolle, mit niedrigem, ausgebreitetem Wuchs, dunkleren Blüthen, deren Schiffchen länger ist als die Fahne und deren Flügel so lang sind als die Kelchzähne und mit kürzeren aber breiteren Fiederblättchen. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Spontan koinmt die Esparsette wild vor im gemäßigten Geographische Europa, im südlichen Kaukasus, um das kaspische Meer und den Baikalsee. In Sizilien, Sardinien und Verbreitung. Algerien ist sie nicht einheimisch. Die Kultur derselben hat in Südfrankreich, dem Jura, den Kalkalpen, im Elsaß, in der Pfalz, im Schwarzwald, den mitteldeutschen Gebirgszügen, in Mähren und anderwärts eine große Ausdehnung erreicht. Wild findet sich die Esparsette bei uns aus sonnigen Hügeln, Bergabhängen und Rainen, besonders Standorte, dort, wo der Boden kalkreich ist. Im llnterengadin (Brail, M ü l l e r - Lippstadt) steigt sie bis 1600 in., während die Bergesparsette, Höhmgrenzen. Onobrychis montana, De Cand. bis hoch in die Alpenregion steigt (Melchalp bei 2100 m., Brügger; Gantrisch bei 2100 m.). Obschon der Esparsette das Weinklima am besten zusagt, gedeiht sie nichtsdestoweniger noch Klima und gut in kälteren, ja selbst rauhen Gegenden; ich erinnere an das Hügelgebiet des Kantons Luzern, ^^terung. 13 98 Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. an Zimmerwald, den Schwarzwald. In warmen, sonnigen Lagen ist ihre Dauer eine größere und die Erträge sind günstiger, als in hohen nördlichen Lagen. Junge Esparsette ist, wenn sie ohne Schutz in den Winter kommt, dem Auswintern ausgesetzt, weßhalb man dieselbe im ersten Herbst nicht zu spät schneiden darf. Alte Esparsette leidet dagegen selten vom Winter, mehr durch naßkalte Sommer, wo nicht nur der Ertrag geringer ist, sondern der Bestand auch dünner wird. Dürre schadet ihr nicht. Da die Wurzel zwei bis drei Mal so tief in den Boden eindringt, wie die Luzerne, so ist die Beschaffenheit des Untergrundes sehr wichtig. Die Krume kann ungünstig beschaffen und kraftlos sein, wenn nur der Untergrund geeignet ist, so gedeiht die Esparsette gut. Dieser muß aber ohne Nässe sein und soll Lockerheit genug besitzen, daß die Wurzeln einzudringen vermögen. Früher meinte man, zum Gedeihen der Esparsette gehöre ein großer Kalkgehalt des Bodens, was aber unrichtig ist, denn sie gedeiht auf Boden mit nur '/, Prozent Kalk ebenfalls gut, wenn die übrige Beschaffenheit günstig ist. Allerdings will man die Erfahrung gemacht haben, daß sich die Erträge bis 311 12 % Kalkgehalt des Bodens vermehren. Der Kalk- und Mergelboden sagt ihr im Allgemeinen am besten zu, hauptsächlich weil die physikalischen Eigenschaften desselben ihr am meisten behagen. Selbst auf Kalkfels mit einer Krume von nur 10 Centimeter über dem anstehenden Gestein gedeiht dieselbe gut, wenn dasselbe Spalten und Risse besitzt, in welche die Pfahl-Wurzel eindringt und Gesteine und Felsstücke umschlingt, so daß die Furchen, die sie ausschließend dabei sich gräbt, deutlich sichtbar sind (Fraas). Bon der Hauptwurzel gehen zahlreiche horizontal verlaufende Seitenwurzeln ab, welche in gleicher Weise wirken. Deßhalb gedeiht sie selbst auf den Kreidefelsen Frankreichs und Englands, welche ohne die Esparsette keinen Ertrag abwerfen würden. Sie gedeiht aber auch aus den norddeutschen Dilluviallehmhügeln, wo der Sand dicht ansteht; ebenso auf Sandboden, wenn der Untergrund mergelig ist. Auf Thonboden kommt sie nur fort, wenn der Untergrund durchlassend ist. Auf Moor- und Bruchboden gedeiht sie nicht, ebensowenig auf ün Untergrund nassen Bodenarten. Mit größten: Erfolg wird sie auf reichen: Kalkboden mit trockenen: Untergrund in sonniger Lage kultivirt. 1000 Pfund Esparsetteheu entnehmen dem Boden nach Wo lfs's Tabelle: Stickstoff . . . 21.0 U Kalk .... 17. 3 u Phosphorsäure . . 4. 7 „ Magnesia . . .3., „ Kali .... 13.^ „ Schwefelsäure . . 1 . 4 „ Natron . . 1 . 5 „ Kieselsäure . . 3 . 8 „ Sie entzieht also dem Boden neben Stickstoff viel Kali und Kalk, welche beide Stoffe vorzugsweise aus dem Untergrund stammen. Sie bereichert demnach durch ihre Wurzelrückstände die Krume. Auf geeignetem Boden liefert sie, wie keine zweite Futterpflanze, auch ohne Dünger gute Erträge. Immerhin muß die Krume so reich sein, daß Psianzen in den ersten Jahren, wo die Wurzeln noch nicht so tief eingedrungen sind, einen hinreichenden Nährstosfvorrath finden. Wo der Boden arm an Kalk ist, liefert eine Mergelung oder eine Düngung mit Kalk gute Resultate. Aus reichen Böden ist sie dankbar für eine Ueberdüngung mit Gyps. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Die nahezu aufrechten Stengel verzweigen sich in zahlreiche Aeste, welche in großer Anzahl gefiederte Blätter tragen. Werner zählte an in voller Blüthe stehenden Pflanzen durchschnittlich 2074 Fiederblättchen. Nach Fraas*) stirbt im Herbst *) Fraas. Das Wurzellebcn der Kutturpflanzm. 1870. 99 der zuletzt abgemähte oder abgeweidete Achsentheil bis an 5.z Centimeter Tiefe in die Erde hinein ab, während sich dort ein neuer Wurzelhals bildet und aus seinem verdickten Ende zwei bis drei neue Schosse schickt. Die Esparsette entwickelt sich verhältnißmäßig langsam. Im ersten Jahr ist der Ertrag gering, im zweiten Jahr ist er gut, aber erst im dritten Jahr, wenn ihre Wurzeln 1 bis 2 Meter tief in den Boden eingedrungen sind, erlangt sie ihre volle Entwicklung. Der erste Schnitt entwickelt sich gleichzeitig mit der Luzerne. Die Blüthe tritt Ende Mai bis Mitte Juni ein. Die gewöhnliche Esparsette treibt im zweiten Schnitt keine Stengel mehr, sondern nur lange Fiederblätter, weßhalb der Ertrag desselben gering ist. Häufig wird die Esparsette nur ein Mal geschnitten. Der erste Schnitt wird genommen, wenn sich dieselbe in voller Blüthe befindet, weil sie nachher an Werth verliert. Da die Blüthe nur etwa 8 Tage dauert, so wird dadurch die Ernte aus eine sehr kurze Zeit zusammengedrängt. Sie eignet sich vortrefflich zur Heubereitung, da sie leichter dürr wird als Rothklee und die Blättchen nicht so leicht abfallen. Man schneidet sie wie den Rothklee und läßt sie dann in den Schwaden trocknen oder dörrt sie auf Gerüsten. Jede unnöthige Bewegung des Heues auf dem Felde muß thunlichst vermieden werden. Ebensowenig wie das häufige Abschneiden erträgt die Esparsette das Abweiden, da sie nicht wie andere Kleearten die Eigenschaft besitzt, sofort wieder nachzusproßen, sondern die Pflanze geht bei zu häufigem Schnitt aus Mangel an Sproßanlagen zu Grunde. Namentlich hat man mit dem Abweiden durch Schafe in dieser Beziehung unliebsame Erfahrungen gemacht. Zur Grünfütterung ist die Esparsette weniger geeignet, und sie würde auch nur einen kleinen Theil des Sommers Futter liefern. Sie liefert nur im ersten Schnitt einen guten Ertrag, während der zweite oft kaum so weit heranwächst, daß er gemäht werden kann. Die Erträge sind sicher, wenn auch nicht bedeutend. Block rechnet auf 10 Jahre 9 gute Ernten. Sprengel gibt den Ertrag zu 80-120 Ztr. Heu per Hektar an. A. Äsung für England auf 64—86—106 Zentner. Crud auf 30—40 Zentner. Der größte Ertrag, den Möllinger in der Pfalz erzielte, betrug 1810 — 136 Ztr., int Durchschnitt von 10 Jahren erzielte er aber nur '74 Ztr., während er im gleichen Zeitraum vom Rothklee 88 Ztr. betrug. Nach Langethal wechselt der Ertrag von 60 bis 120 Ztr., nach Guido Krafft von 40 bis 86 Zentner. Armin Graf zur Lippe berechnet deuselbeu auf günstigem Standort auf 140 Zentner, Werner auf 60-80 Ztr., Häni auf 97 bis 111 Ztr. Alles per Hektar. Die Qualität des Futters ist aber besser als jene des Rothklees. 100 u Esparsetteheu enthalten nach Wolfs's Tabelle 79.g"/v organische Substanz, darin sind enthalten : Eiweiß (Stickstoff X 6. ää ) 13. 7 U davon verdaulich 7.« & Holzfaser .... 27.g „ | 36. 9 „ Stickstoffreie Extraktivstoffe . 35-3 „ i " " Fett. 2-6 il „ „ 1-1 ir Nährstoffverhältniß. . 1 : 5.2 Das Esparsetteheu ist aber nicht nur nahrhaft, sondern auch sehr gedeihlich. Besonders als Pferdefutter ist dasselbe vorzüglich (Sainfoin, Gesundheitsheu). Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Die Samengewinnung wird sich im Allgemeinen nur in trockenen Klimaten und in Gegenden mit niedrigen Bodenpreisen lohnen. In Gegenden mit intensivem Landwirthschaftsbetrieb muß sie der rentableren Futternutzung weichen. Zur Samennutzung wählt man ältere Anlagen, welche bald umgebrochen werden sollen, weil durch dieselbe die Stöcke stark leiden. Die Reise tritt Ende Juli ein; den richtigen Zeitpunkt Entwicklung. Ernte. Ertrag. Futlerwcrth. Samengewinnung. 100 erkennt man an der hellbraunen Farbe der Samenhülsen und der käsigen Konsistenz der Körner. Je reifer man die Samen werden läßt, um so tiefer braun färben sich die Hülsen, um so leichter fallen sie ab und um so größer ist der Verlust bei der Ernte. Schneidet man dagegen zn früh, so schrumpfen die Körner später zusammen und die Keimfähigkeit ist eine geringere. Um den Verlust zu vermeiden, empfiehlt sich das Abdreschen der Samen auf Tüchern auf denr Felde, um so mehr, als dieß sehr leicht von Statten geht. Wird das Heu vor dem Abdreschen der Samen aufgeschichtet und erwärmt es sich, so verlieren sie an ihrer Keimfähigkeit oft bedeutend und werden häufig unbrauchbar. Aus diesem Grunde müssen die Samen entweder sofort abgedroschen oder das Heu darf nur flach aufgeschichtet werden. Im Uebrigen ist die Samengewinnung gleich wie Leim Nothklee. Samenertrag. A. Poung schlägt den Samenertrag in Suffolk zu 9-11 '/2 Ztr. für den Hektar an, nach Beobachtung Anderer kann er aber aus 26 Ztr. steigen. Nach Sprengel beträgt er 6—10'/- Ztr., nach Guido Krafft 13—20 Ztr., nach Häni 10—21 Ztr. Alles per Hektar. Verunreini- Als Verunreinigung, nicht als Verfälschung, findet man unter der Esparsette häufig die 3 u "«en. Pimpernelle, Poterium Sanguisorba, L. (Figur 37), eine Frucht, welche mit der Esparsette einzig die rothbraune Farbe gemein hat *). Ueber die Häufigkeit des Vorkommens der Pimpernelle in der Esparsette geben folgende Zählen Aufschluß: 1877/78 waren 1878/79 „ 1879/80 „ 1880/81 „ 1881/82 „ 34., „ aller an der schweizerischen Samen- kontrolstation untersuchten Proben pimpernellehaltig. & «o Figur 38. Weiche Trespe. Bromus mollis, L. c b 0 b c a Figur 37. Pimpernelle. Poterium Sanguisorba, L. Figur 39. Gelb- oder Hopfenklee. Medicago lupulina, L. a Scheinfrucht in natürlicher Größe, b siebenmal vergrößert, a Scheinfrucht, natürliche a Hülse mit Kelch, siebenmal ver- c Querschnitt. ‘ Größe; b dieselbe ver- größert; b Samen m natürlicher größert, äußere Ansicht; Größe; 0 Same, siebenmal ver- 0 innere Ansicht; ä Ca- größert. ryopse, vergrößert. (Nach Nvbbe.) Die Pimpernelle findet sich besonders häufig in der französischen Esparsette und kann auf dem Felde sehr schädlich werden. Sie wird häufig herausgeputzt und unter dem Namen „Becherblume" für sich in den Handel gebracht. — Lästige Verunreinigungen, die man aber ohne Schwierigkeiten entfernen kann, sind die Trespen, besonders die unfruchtbare (Bromus sterilis) und die weiche *) Vergl. Dr. F. G. Siebter, Samenfälschung und Samenschutz. Zürich 1880, Seite 72 u. si. 101 Trespe, Bromiis mollis (Figur 38). Häufig findet sich im Samen auch Ackerhahnenfuß, Ranunculus arvensis, der aber als Samenunkraut nicht besonders schädlich werden kann, dann Brut- zwiebeln vom Knoblauch, ganze samenführende Hülsen vom Gelbklee, Medicago lupulina, L. (Figur 39, a). Die Elsa (er Esparsette enthält oft bis 20 und mehr Prozent solcher schädlicher Beimischungen, dennoch gibt es Landwirthe, welche solche Waaren kaufen und, ohne sie zu reinigen, auch aussäen. — Verfälschungen kommen bei der Esparsette selten vor. Same unv Saat. Nach den 400 an hiesiger Station ausgeführten Untersuchungen besitzt die Esparsette durchschnittlich 95.z °/o Reinheit und 71 °/o Keimfähigkeit. Von einer guten Handelswaare kann man aber 98 Prozent Reinheit und 80 % Keimfähigkeit — 78., % reine und keimfähige Samen erwarten. 1 Kilo reine Samen enthält durchschnittlich 49,400 Körner oder 1000 Körner- wiegen 20.3 Gramm. 1 Hektoliter wiegt durchschnittlich 32 Kilogramni. Ganz gute Qualitäten haben in der Regel ein noch größeres Volumgewicht. Die in den Hülsen eingeschlossenen Samenkörner sollen bei guter Waare groß, voll, hell in der Farbe sein und zwischen den Zähnen sich leicht zerbeißen lassen. Bei der Aufbewahrung des Samens nimmt die Keimfähigkeit rasch ab und schon jährige Esparsette ist oft nicht mehr brauchbar. Mit dem Alter wird das Korn dunkel, hart und schrumpft ein. — Das Saatquantnm beträgt per Hektar 186 Kilo einer 78prozentigen Waare — 14,508 Kiloprozente, per Jnchart 67 Kilo oder 5226 Kiloprozente. Wenn auch im Allgemeinen bei den Futterpflanzen die Drillsaat nicht am Platze ist, so ist dieselbe für die Esparsette dennoch Vortheilhast, weil der Same auf diese Weise gleichmäßiger untergebracht wird und deßhalb besser keimt. Säet man breitwürfig und tritt nach der Saat trockene Witterung ein, so gehen die Samen zum kleinen Theil auf, weil die Hülse hart wird, der Keimling dieselbe nicht zu durchbrechen vermag und infolge dessen zu Grunde geht. Viel rascher, sicherer und gleichmäßiger keimt die enthülste Esparsette. Leider ist aber das Enthülsen sehr schwierig, weil die Hülsen sehr zäh und der Same brüchig ist. Immerhin konnnt auch enthülste Esparsette im Handel vor, deren Verwendung, wenn dieselbe von guter Qualität, sehr zu empfehlen ist. Man bedarf davon ungefähr die Hälfte des oben angegebenen Saatquantums. Man kultivirt die Esparsette größtentheils in Reinsaat. Die besten Vorfrüchte sind diejenigen, welche das Feld locker, unkrautsrci und in gutem Düngungszustand hinterlassen; indessen ist die Esparsette nicht sehr wählerisch und durch gute Vorbereitung des Feldes läßt sich der Fehler der Vorfrucht oft gut machen. Die beste Saatzeit ist das Frühjahr und zwar Ende März bis Anfang Mai; seltener wird im Herbst gesäet. Man säet sie ohne und mit Ueberfrucht. Am sichersten ist die Saat ohne Ueberfrucht oder in eine Getreideart znm Grünschneiden (Grünhafer, Grünroggen). Sie wird aber auch in Sommergetreide und Wintergetreide gesäet, ein Verfahren, mit welchem man in trockenen Jahren gute Resultate erzielen wird, während in nassen durch Lagerfrucht die junge Saat gefährdet ist. Sommergetreide ist als Ueberfrucht dem Wintergetreide vorzuziehen, besonders ist Sommerweizen eine geeignete Ueberfrucht. Die Esparsette erfordert eine ungefähr gleich tiefe Unterbringung wie das Getreide, etwa 3 bis 4 Centimeter tief. Selten wird die Esparsette in Mischung mit andern Futterpflanzen gesäet, weil sie diesen sehr leicht und sehr bald zum Opfer fällt. Hin und wieder wird sie in Mischung mit Luzerne und Nothklee gesäet und man behauptet, daß dann die Kleeseide nicht auftrete. Auf gutem Esparsetteboden setzt man sie auch den Kleegrasmischungen und den Mischungen für Wechsel- und Dauerwiesen bei. Eine mit der Esparsette verwandte Kulturpflanze ist die Sulla, oder spanische Esparsette, Onobrychis coronarium, L., welche in neuerer Zeit in Südeuropa kultivirt wird. Verfälschungen. Samen- qualität. L-aat- quantum. Saat. Mischungen. Verwandte Arten. 102 Erklärung der Tafel 16. (Figur A, 1 und 2 in natürlicher Größe, Figur 3—5 2mal, Figur 6—9 6mal vergrößert.) Figur A. Oberer Theil einer blühenden Pflanze. „ 1. Blüthe in Naturgröße. „ 2. Dieselbe ohne die Fahne. „ 3. „ nach Entfernung des Kelchs. „ 4: Sexualorgane. Figur 5. Stempel. „ 6. Reife Hülse. „ 7. Same von der Breitseite aus. „ 8. „ „ „ Schmalseite. „ 9. Hülse im Querschnitt. Taf. 15. Onobrychis sativa, Lmk. Esparsette - Esparsette. Liti). Genossenschaft Zür; C. & L. Sehrohr ad. nat. del. Tabelle I, Anhang. Saatquantum per Juchart (36 Nr). lr. Samenart -L £ £ £_ ~ & S= ö Ö SS u SS -4-* «5 SS g-®S s« «-C S B «'S» «•j| !® u p* 2 ‘ö*’ - 'S <3 £ P» C 3 o Sgä- Saatqnantum in Kiloprozenten mit Zuschlag von: 10 % 20% 30 % 40 % 50% 60°/° 70% 80% > 1 Englisches Raygras 22 71 1562 1718 1874 2031 2187 2343 2499 2655 2812 i 2 Italienisches „ 20 67 1340 1474 1608 1742 1876 2016 2144 2278 2412: i 3 Knaulgras . . . 15 53 795 875 954 1034 1113 1193 1272 1352 1432 ! 4 Wiesenschwingel. . 21 71 1491 1639 1788 1938 2086 2236 2385 2534 2683 ; 5 Franz. Raygras. . 29 49 1421 1563 1705 1847 1989 2132 2274 2416 2558 6 Aoldhafer.... 12 16 192 211 230 250 269 288 307 326 346 7 Wolliges Honiggras 9 40 360 396 432 468 504 540 576 612 648 . i 8 Timothegras. . . 6-, 87 566 623 679 736 792 849 906 962 1019 9 Wiesenfuchsschwanz. 9.« 27 257 283 308 334 360 386 411 437 463 ; 10 Geruchgras . . . 12 26 312 343 374 406 437 468 499 530 562 ; 11 Fioringras . . . 4 72 288 317 346 374 403 452 461 490 518 ^ ‘12 Rothtlee .... 8 88 704 774 845 915 986 1056 1126 1197 1267 i 13 Bastardklee . . . 5 73 365 402 438 475 511 548 584 621 657 14 Weißklee .... 5 72 360 396 432 468 504 540 576 612 648 15 Esparsette.... 67 78 5226 5749 6271 6794 7316 7839 8362 8884 9468 Tabelle IT. Saatquantum per Juchart. ! Jlr. Samcnart £ s « ** £ £7 g g 1«1 ss S-as ' Saatquantmn im Kilogramm mit Zuschlag von: 10 °/o 20,% 30 % 40% 50 o/o 60 o/o 70% 80 o/o 1 Englisches Raygras . . . 22 24.;, 26., 28. 6 30.« 33. 0 35.2 37.4 39-e ! 2 Italienisches Raygras . . 20 22. 0 24. 0 26. 0 28. 0 30.„ 32.» 34.» 36.» ! 3 Knaulgras. 15 16., 18. 0 19-ä 21. 0 22-5 24.» 25. ä 27. 0 ; ! 4 Wiesenschwingel .... 21 23., 25., 27. 3 29.4 31.5 33.» 35.7 37.« ! ' 5 Französisches Raygras . . 29 31-9 34. g 37. 7 40.0 43. 5 46.4 49,4 52. ä | ! 6 Goldhafer. 12 13., 14-4 15. 6 16.« 18. 0 19.2 20.4 21-0 7 Wolliges Honiggras . . . 9 9. 0 io . 8 11.7 12-0 13., 14-4 15.3 16.j 8 Timothegras. 6-, 7. 2 7-« 8-, 9., 9.8 10-4 11., 11.7 9 Wiesenfuchsschwanz . . . 9-5 10-, 11-4 12.4 13.3 14-3 15.2 16-2 17., 10 Geruchgras. 12 13-, 14.4 15-o 16.« 18. 0 19. ä 20.4 21-a 11 Fioringras. 4 4. 4 4-8 5. a 5. 6 6. 0 6.4 6-8 7.2 12 Rothklee. 8 8-s 0-6 IO., ii.. 12.» 12-8 13.» 14.4 13 . Bastardklee. 5 5-5 6.o 6-5 7-0 7-5 8.0 8-5 9.o 14 Weißklee. 5 5-z 6. 0 6-5 7. 0 7-5 8.0 8.5 9.» 15 Esparsette. 67 73.; 80., 87., 93.« 100.5 107.J 113.» 120., | 104 Tabelle III. Saalquanlum per Hektar. ; lr. Samenart es“ - g jg.g & r||T Z s ’S «'s® ’f'J c C 8 g g Saatquantum in Kiloprozenten mit Zuschlag von: S e g 5 V. ö w Z gas gcS. o ö 3 ss * äs 10% 20 % 30 °/o 40 o/o 50 % 60 % 70 % 80% 1 Englisches Raygras 62 71 4402 4842 5282 5723 6163 6603 7043 7483 7924 2 Italienisches „ 55 67 3685 4054 4422 4791 5159 5528 5896 6266 66331 ! 3 Knaulgras . . . 40 53 2120 2332 2544 2756 2968 3180 3392 3604 3816 4 Wiesenschwingel. . 60 71 4260 4686 5112 5538 5964 6390 6816 7242 7668 5 Franz. Raygras 80 49 3920 4312 4704 5096 5488 5880 6272 6664 7056 6 Goldhafer.... 33 16 528 581 634 686 739 792 845 898 950 7 Wolliges Honiggras 25 40 1000 1100 1200 1300 1400 1500 1600 1700 1800 : ! 8 Timothegras. . . 18 87 1566 1723 1879 2036 2192 2349 2506 2662 2819 i ! 9 Wiesenfuchsschwanz. 26 27 702 772 842 913 983 1053 1123 1193 1264; i 10 Geruchgras . . . 34 26 884 972 1061 1149 1238 1326 1414 1503 1591 11 Fioringras . . . 11 72 792 871 950 1030 1109 1188 1267 1346 1426! 12 Rothklee .... 20 88 1760 1936 2112 2288 2464 2640 2816 2992 31681 13 Bastardklee . . . 14 73 1022 1124 1226 1329 1431 1533 1635 1737 18401 14 Weißklee .... 12 72 864 950 1037 1123 1210 1296 1382 1469 1555 15 Esparsette.... 186 78 14508 15959 17410 18860 20311 21762 23213 24664 26114 Tabelle IV. Saatqnantmn per Hektar. ! 3lr. Samenart 'S-5 S ö ö 55 SS ■£! «5 g§5 ss g-S Saatquantum in Kilogramm mit Zuschlag von: 10 % 20 % 30% 40% 50 % 60 % 70% 80% 1 Englisches Raygras . . . 62 68. 2 74. 4 80.« 86.« 93.« 99.2 105.4 111-6 2 Italienisches Raygras . . 55 60-5 66, 0 71-s 77.0 82.3 88.» 93. 5 99.» 3 Knaulgras. 40' 44, 0 48.0 52. 0 56. 0 60-o 64.» 68.» 72.o 4 Wiesenschwingel .... 60 66, 0 72. 0 78.0 84.„ 90-o 96. 0 102.» 108. 0 5 Französisches Raygras . . 80 88. 0 96. 0 104.« 112-0 120.o 128.» 136.» 144.» 1 6 Goldhafer. 33 36. 8 39.0 42. 9 46.2 49. ä 52-8 56. f 59.4 7- Wolliges Honiggras . . . 25 27-5 30. 0 32. 5 35. 0 37. 5 40.o 42.3 45.„ : 8 Timothegras. 18 19-8 21-« 23.4 25. 2 27. 0 28. 8 30.« 32.4 1 9 Wiesenfuchsschwanz . . . 26 28.0 31.2 33. 8 36.4 39.» 41.« 44.2 46. 8 , 10 Geruchgras. 34 37-4 40.« 44.2 47.« 0 1 ü 54.4 57. 8 61.2: 11 Fioringras. 11 12-, 13.2 14-3 15-4 16.3 17.4 18.3 19.2 12 Rothklee . .. 20 22.0 24-0 26. 0 28.0 30.» 32.» 34.0 36.» ! i 13 Bastardklee .. 14 15.4 16.8 18.o -19.« 21.» 22.4 23. 8 25. ä 14 Weißklee. 12 13.2 14.4 15.« 16.3 18-0 19.2 20.4 21.« 15 Esparsette. 186 204.0 223.o 241-8 260.4 279.» 297.« 316.2 334. 8 , / l '!* -» 'y , - . I W r*.' -W^* 4> r. >- -t i~r*. i r r< : : ■■ , • V ■* • ^ A, ft 4 .»*%• *y* * ■** V ■ A- *-- V / ,jr \ ^ X- ^SAte*- # '*** r--^: Ar joz2, ■ L ETHICS ETH-BIB 00100000847580 rave EM Wmm besten Futterpflanzen. -- —l c xa —- Abbildungen und Beschreibungen ‘ derselb eu nebst ausführlichen Hingaben betreffend deren Kultur, ökonom. Werth, Samen-Gewinnung, -Verunreinigungen, -Verfälschungen re. Lm Auftrag des Schwer;. Handels- und Landwirchschaftsdepartements herausgegeben von Dr. 5. G. Stehler Borstand der schweizerischen Samen-Kontrolstation unter Mitwirkung von Dr. L. Schröter Professor der Botanik am eidgm. Polytechnikum in Zürich. II. Theil. Q5m 15 in Aaröendruck ausgeführten Tafeln und zahlreichen Fsollfchuitten. Wer«. Druck und Verlag von M. D. Dyß. 1884 . aßf^z. Dorwort. Indem wir hiemit den zweiten Theil unseres Werkes über die besten Futterpflanzen der Oeffentlich- keit übergeben, können wir es nicht unterlassen, zu konstatiren, daß sich die Anschauungen über dasselbe seit Erscheinen des ersten Theiles wesentlich zu seinen Gunsten geändert haben. Männer, die es früher als ein überflüssiges Unternehmen betrachteten, sind heute von der Nützlichkeit desselben überzeugt und erblicken in ihm einen werthvollen Beitrag zur Hebung des Futterbaues und damit auch zur Steigerung der nationalen Produktion. Dadurch ermuthigt, gedenken die Verfasser in den nächsten Jahren mit Unterstützung des Bundes in gleicher Weise auch die Alpenfutterpflanzen und die Wiesenunkräuter zu behandeln. Die Anerkennung, welche der erste Theil im In- und Auslande, in praktischen Kreisen sowohl, wie in wissenschaftlichen gefunden hat, hat uns veranlaßt, dem vorliegenden zweiten Theil eine noch größere Sorgfalt angedeihen zu lassen. Derselbe weist deshalb gegenüber dem ersten wesentliche Verbesserungen auf, sowohl im Text, als auf den Tafeln. Um die Benützung der Tafeln zu erleichtern, wurden die Benennungen der einzelnen Theile der analytischen Abbildungen in ausgeschriebenen Worten angegeben, nicht nur mit Anfangsbuchstaben, wie in der ersten Lieferung. Ueber die dadurch entstehende Verschiedenheit nicht nur mit dem ersten Theil, sondern auch mit den zwei vorletzten Tafeln der vorliegenden Lieferung, welche schon letztes Jahr hergestellt worden waren, glaubten wir uns mit Rücksicht auf den wesentlichen Vortheil, den diese Neuerung gewährt, hinwegsetzen zu dürfen. Die Benennung der ganzen Figur ist nach wie vor in der Tafelerklärung zu suchen. Sämmtliche analytische Abbildungen sind von Herrn Pros. vr. Schröter gezeichnet, unter dessen Anleitung auch die farbigen Habitusbilder gezeichnet und gemalt wurden. Derselbe verfaßte auch die botanischen Beschreibungen und hat einen wesentlichen Antheil an der Zusammenstellung der geographischen Verbreitung und der Höhengrenzen. Wenn es auch den Anschein hat, daß die botanischen Beschreibungen vielleicht über die wissenschaftliche Auffassungskraft manches Lesers hinausgehen, so bilden sie eben doch die unentbehrliche Grundlage zur Unterscheidung der Futterpflanzen. —»Der allgemeine Theil im ersten Band hat natürlich auch für die in vorliegender Lieferung beschriebenen Pflanzen Geltung, in gleicher Weise wie der vorliegende Band die unentbehrliche Ergänzung des ersten bildet. — Wo nichts anderes bemerkt ist, sind die angegebenen chemischen Analysen von Herrn vr. Barbiert ausgeführt und das Material hierzu dem Versuchsfeld der schweizerischen Samen-Kontrol- station entnommen. Letzteres besitzt einen reichen, humosen, aber kalkarmen, feiusandigen Thonboden, auf dessen Qualität auch der hohe Aschengehalt der auf demselben gewachsenen Pflanzen zurückzuführen sein wird. Die dem Versuchsfeld entstammenden Pflanzen waren überall im zweiten Jahr ihrer Entwicklung. Indem wir auch diesen zweiten Theil dem wohlwollenden Urtheil des Publikums empfehlen, verbinden wir damit den Dank an die Behörde, welche es durch ihre Unterstützung ermöglicht, daß dem Landwirth das Werk zu einem so bescheidenen Preise zugänglich gemacht wird. In zweiter Linie sei auch dem Verleger und den Lithographen für ihr Entgegenkommen und die Sorgfalt, die sie bei dem Druck des Textes und der Tafeln an den Tag legten, hier der gebührende Dank ausgesprochen. Zürich, den 12. Februar 1884. Dr. I. K. Stehler. Inhalt Seite 1 4 10 17 21 27 31 33 34 23. Die aufrechte Trespe. 34 24. Die wehrlose Trespe.38 25. Das gemeine Kammgras/.42 26. Die Geißraute.46 27. Der Wundklee.50 28. Die Luzerne /.55 29. Der Hopfenklee.65 30. Der gehörnte Schotenklee. 69 Anhang.75 16. Das Rohrglanzgras 17. Das Wiesenrispengras ./ . . 18. Das gemeine Rispengras 19. Das Alpenrispengras . 20. Die Schafschwingel 21. Der kriechende Rothschwingel y . 22. Der verschiedenblättrige Rothschwingel Der dichtrasige Rothschwingel Der Alpen-Rothschwingel » 16. Das Mohrglanzgras. Phalaris arundinacea, Linne. Das Rohrglanzgras oder rohrartige Glanzgras heißt auch gemeines Glanzrohr, schilfartiges oder Benennun«. rohrblättriges Glanzgras, Schwertelgras, Piepenschelz re. Da es auf den Wiesen an der Havel (Provinz Brandenburg) häufig vorkommt, trägt es auch den Namen „Havel-Militz". Es wurde schon von Sinclair kultivirt und für zähe, thonhaltige Böden zum Anbau empfohlen. Geschichte. In Deutschland werden als erste Cultivateure Schullehrer Rüden zu Buckow bei Lichtenrade und Oberamtmann Palm*) genannt, die es anfangs der fünfziger Jahre zuerst anbauten und namentlich für solche Böden empfahlen, wo der Rothklee nicht mehr sicher gedeihe. Jedenfalls hat das Rohrglanzgras für bestimmte Fälle landwirthschaftlich einen großen Werth, Landwirth- namentlich auf nassen Böden, auf welchen es einen großen Ertrag abzuwerfen im Stande ist, da es bis 2 m hoch wird, einen guten Nachwuchs besitzt, sich nie lagert und, einmal ausgesäet, nie mehr verschwindet. Allerdings hat es einen nur geringen Futterwerth, wird schon zur Zeit der Blüthe hart und ist dann nur noch als Streue verwendbar. Aber auch zur Streue ist die Kultur dieses Grases sehr Vortheilhaft, da es sich leicht anbauen läßt und auf nassen Böden im Ertrag alle andern Streuegräser übertrifft. In Gebirgsgegenden, wo man Mangel an Stroh hat, sollte man deshalb auf geeigneten Grundstücken dem Anbau desselben alle Aufmerksamkeit schenken. Botanische Beschreibung. Das Rohrglanzgras bildet keinen Horst, sondern unterirdisch-kriechende Botanische Ausläufer, welche in einzeln stehende oberirdische Halme enden. Die Seitentriebe sind also sämmtlich Beschreibung, extravaginal; sie zeigen anfangs einen meist horizontalen, seltener schief oder gar senkrecht abwärts gerichteten unterirdischen Verlauf von verschiedener Länge (bis 10 — 15 °"), um sich dann nach oben zu wenden und einen Laubtrieb oder Halm zu bilden (Fig. A). Soweit sie unterirdisch verlaufen, sind sie mit weißeil oder'etwas bräunlichen spreitenlosen Niederblättern besetzt, aus deren Achseln häufig ebensolche Seitentriebe entspringen. An der Basis des oberirdischen Halmes oder Laubtriebes finden sich oft ebenfalls spreiten- lose und intensiv' roth gefärbte Niederblätter, denen ein grünes Laubblatt mit reduzirter Spreite und dann vollkommene Laubblätter folgen. - Der Halm ist 90 — 200 °" hoch, rohrartig, derb und ganz glatt und glänzend. — Die Blätter haben glatte, offene, gerollte Scheiden mit weißhäutigen Rändern; am entwickelten Halm lassen sie, wenigstens im obern Theil, die Knoten unbedeckt, sind nur V* so lang als das zugehörige Internodium. Bei kräftigen Halmen entspringen aus den Achseln mehrerer, namentliche U *) Verh. der Märk. ökonom. Gesellschaft i„ Potsdam. 1854. 2 oberer Halmblätter beblätterte extravaginale aufstrebende Seitenzweige. — Die in der Knospe gerollten Spreiten (Fig. 13) sind flach, breit (bis 22"™), derb, mit deutlichem, unterseits vorspringendem Mittelnerv versehen und an- den Rändern rückwärts rauh. Rechts und links vom Mittelnerv lassen sich (besonders unterseits) je 6—7 stärkere und dazwischen je drei schwächere Nerven unterscheiden (Fig. 14). Der Querschnitt zeigt überall von Oberhaut zu Oberhaut reichende Bastrippen und zwischen allen Rippen Gelenkzellen (Fig. 14). Das Blatthäutchen ist länglich und spitz (Fig. 15). — Der Blüthenstand ist eine zur Blüthezeit weit ausgebreitete, vor und nachher zusammengezogene Rispe von bleichgrüner oder röth- licher Farbe (Fig. B). — Das Aehrchen ist einblüthig und besitzt 4 Klappen: die 2 äußern (Fig. 1, 2) sind beinahe gleich groß, 3 rippig und scharf gekielt, am Kiel und auf der Fläche mit kurzen Stächelchen besetzt, bleichgrün oder röthlich überlaufen. Die zwei innern Klappen (Fig. 3, 4, 5, 6, 7) sind bedeutend kleiner und setzen sich aus 2 scharf getrennten Theilen zusammen: einem untern eiförmigen, knorpeligglänzenden, glatten, kahlen Schüppchen (Fig. 5 und 6) und einem obern häutigen, lang und spitz zulaufenden pinselhaarigen Züngchen, das bei der untern Klappe ungefähr halb so lang ist als bei der obern. — Die 5-rippige Deckspelze ist knorpelig, Weiß, glänzend, stumpfgekielt, auf Kiel und Fläche wenighaarig (Fig. 3, 4, 7—9). Die Borspelze ist, wie die Deckspelze, stumpf gekielt (nicht zweikielig, wie es Borspelzen gewöhnlich sind) und hat keine deutlichen Nerven (Fig. 3, 4, 7—9). — Die Blüthe selbst besteht aus zwei eiförmigen spitzen Schüppchen von der halben Länge des Fruchtknotens, 3 Staubgesässen mit roth-- gefärbten Beuteln und einem länglichen kahlen Fruchtknoten mit zwei sprengwendelförmigen Narben. — Zur Blüthezeit öffnen sich Spelzen und Klappen nur wenig und lassen Staubgefässe und Narben an der Spitze hervortreten (Fig. 2). Die aus den äußern, an der Fruchtrispe verbleibenden, Klappen herausfallende Scheinfrucht besteht aus der spelzenumschlossenen Caryopse, begleitet von den beiden innern schüppchenförmigen Klappen (Fig. 7—9). Carhopse und Borspelze sind beinahe völlig eingehüllt von der glatten, glänzenden, knorpligen, im Reifezustand bräunlichen Deckspelze, die oben spitz zuläuft, etwas flachgedrückt ist und auf Rücken und Bauch einen Kiel bildet. An der Basis derselben sitzen die 2 innern Klappen, deren untere schüppchenförmigen Theile dunkelbraun gefärbt sind, während die obern hellbraunen bewimperten Züngchen den Kanten der Scheinfrucht fest anliegen. — Die Caryopse (Fig. 10—12) selbst ist frei (mit Bor- und Deckspelze nicht verwachsen), flachgedrückt, dunkelbraun, fein chagrinirt und führt den kleinen Keimling an der Basis der einen Kante, an der andern den Samennabel. — Länge der ganzen Scheinfrucht 3.,""", der Carhopse 1.z""°. Abarten. Abarten. In Gärten wird unter dem Namen „Herrenlische", „Bandgras", „Bändelt", Brautgras", „Mariengras" häufig eine Abart (var. picta, Hort.) des Rohrglanzgrases als Ziergras kultivirt, welche weißgestreifte Blätter besitzt und kleiner bleibt. Sinclair beobachtete auch beim Knaulgras und dem Fioringras Varietäten mit weißgestreiften Blättern. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Rohrglanzgras kommt in ganz Europa bis Verbreitung, nach Lappland (bis zum 68° n. Br.) und in Nordamerika wild vor; in Asien findet es sich in ganz Sibirien und in Japan. Standorte. Wir treffen dasselbe bei uns sehr häufig an schattigen Gräben mit fließendem Wasser, aus nassen Wiesen, namentlich an Stellen, wo bei gutem Boden das Wasser sich öfters staut; ferner an Teichen, besonders an schattigen Orten. Höhengrenze». In den Alpen steigt es nicht hoch hinauf, sondern hält sich hauptsächlich an die Thalsohlen; der höchst notirte Standort in den Alpen ist Alt St. Johann (870"). In Armenien führt es Ledebour 1600" über Meer an. Klima. Gegen Klima und Witterung ist es unempfindlich. Auf entsprechendem Standort leidet es weder durch Kälte, noch durch Dürre. Ebenso erträgt es Beschattung. Boden. Am besten gedeiht das Rohrglanzgras auf feuchten, zeitweise überschwemmten Wiesen. Längere Ueberstauung erträgt es ganz gut. Mit gutem Erfolg kann es auch auf bindigen, frischen Bodenarten angebaut werden. Sogar aus ausgesprochen trockenen Sandböden erzielte man gute Resultate, wenn auch die Entwicklung eine geringere war. Auf Torfboden dagegen kann es nicht angebaut werden. 3 1000 Kilo Heu entnehmen dem Boden: Stickstoff . 6.7 Kil. Kalk . 2.7 Phosphorfäure . . 7.j „ Magnesia . 0.» Kali . I8.9 r, Kieselsäure . 30. 6 Natron 0. 3 „ Schwefelsäure 3. 4 Wenn die Feuchtigkeitsverhältnisse des Bodens günstig sind, so macht es nur geringe Ansprüche an den Boden, denn es besitzt ein außerordentlich weit verzweigtes, ties in den Boden dringendes Wurzelsystem. Außerordentlich dankbar ist es für Berieselung. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das Rohrglanzgras treibt unterirdische Ausläufer, welche den Boden in allen Richtungen durchziehen und ein mäßig dichtes System von langen rohr- artigen Halmen nach oben senden. Die Blätter sind zwar dünn, aber 20—30 cm lang und sehr fcveit. Die Entwicklung beginnt im Frühjahr zeitig und das Wachsthum dauert bis spät in den Herbst. Im Saatjahr ist der Ertrag gering; erst im zweiten Jahre erreicht die Pflanze ihr volles Entwickluugsstadium. Die Blüthe tritt Mitte Juni ein. Man muß das Gras jedoch vor der Blüthe schneiden, weil die Pflanzen sonst stark verholzen und an Nährwerth verlieren. An geeigneten Stellen gibt es drei Schnitte im Jahr. De Gasparin erzielte auf feuchtem saudi- gem Humusboden 276 Zentner Heu mit l.g, 3 °/ 3 Stickstoff. Sinclair dagegen erhielt auf sandigem Lehm mit Thonunterlage 236 Zentner, auf Thonboden 393 Ztr. Heu per Hektar. Wenn die Pflanzen jung geschnitten werden, so wird das Heu vom Vieh gerne aufgenommen. Allerdings ist der Gehalt an Eiweiß, wie alle Untersuchungen beweisen, nur gering. 100 Kilo Heu enthalten vor der Blüthe 78. 8 % organische Stoffe; darin sind: Stickstoffhaltige Stoffe, fog. Eiweiß (N x 6. 25 ) . . . 4. 2 % (Stickstoff im Eiweiß 0. 38 , im eiweißfreien Saft 0. 301 %) Rohfafer .29. g „ Stickstofffreie Extraktstoffe.43.„ „ Nach Ritthausen und Scheven beträgt der Nährstoffgehalt 5.»°/ g stickstoffhaltige Stoffe, 37.^°/g Rohfaser, 35.^°/ 8 stickstofffreie Extraktstoffe, 1., °/<, Fett. Die Blätter enthalten dürr nach Arendt 2. 27 %, die Halme nur 0. 38 % Stickstoff. Es ist also immerhin wesentlich nährstoffreicher als Stroh. In der Zusammensetzung hat es große Aehnlichkeit mit dem Mais. Einzig ist der Gehalt an Fett zur Hälfte und der Gehalt an Eiweiß wenig geringer. Jung schmeckt es wegen des Zuckergehaltes süßlich. Namentlich als Pferdefutter ist es gut geeignet. Wenn die Halme hart geworden sind, so muß das Heu gehäckselt werden. — Zur Weide ist es wegen der harten Stoppeln und des geringen Zusammenhangs des Rasens nicht passend. Samengewinnnng, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der Same des Rohrglanzgrases wird, auf trockenen Standorten anfangs Juli, an feuchten oft erst im August reif. Der richtige Zeitpunkt der Reife ist gekommen, wenn die Rispe sich gelb gefärbt hat, die Samen sich ausreiben lassen und die obersten Blattscheiden sich entfärbt haben. Dann werden die Rispen oben abgeschnitten und der Same später ausgedroschen. Hannemann gibt den Ertrag an Samen auf 200 Kilo per Hektar an. Der im Handel vorkommende Same ist gewöhnlich ziemlich rein. Verfälschungen sind selten, und leicht zu erkennen. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Ertrag. Futterwerth. Samen- gewinnung. Samenertrag. Verunreinigungen und Verfälschungen. 4 Samen qualitfit. Saatquantum. Vermehrung durch Setzlinge. Saat. Mischungen. Benennung. Same und Saat. Eine gute Saat soll 95 °/v reine Samen enthalten, von welchen 60 % keimen. 1 Kilo reiner Samen enthält durchschnittlich 1,450,000 Körner; ] Hektoliter wiegt 55 bis 60 Kilogramm. Das Saatquantum beträgt per Hektar 24 Kilo einer 57-prvzentigen Waare — 1368 Kiloprozente, per Juchart 8,5 Kilo — 485 Kiloprozente. Der Preis des Samens beträgt im Durchschnitt Fr. 3. 50 per Kilo. Außer durch Samen kann die Vermehrung auch durch die Rhizome (Setzlinge) geschehen, welche in einfüßiger Entfernung ausgelegt und schwach eingepflügt werden; die gepflanzten Setzlinge entwickeln sich bald zu ausgedehnten Stauden und durchwachsen den Boden vollständig. Die Vermehrung durch Samen ist einfacher und sicherer. Das Beste ist es wohl, wenn das Gras für sich angebaut wird oder auf nassem Boden vielleicht mit etwas Fiorin als Untcrgras. Hin und wieder wird es in Mischung von andern Gräsern und von Kleearten auch zur Anlage von Wässerwiesen benutzt. Für Wechselwiesen und Kleegras ist es aber nicht anwendbar, weil die unterirdischen Ausläufer sehr schwer zu vertilgen sind. Vermöge seiner kräftigen unterirdischen Organe kann es mit Vortheil zur Befestigung von Böschungen an Flüssen und Bächen benutzt werden. Sumpsige, weiche Böden werden durch dasselbe fester und fahrbar, weil die zähen, unterirdisch kriechenden Triebe und die Wurzeln den Boden fest zusammen halten. Wegen seines hohen Wuchses und seiner starken Beschattung kann es zur Unterdrückung von Wurzelunkräutern, wie Ackerschachtelhalm, Huflattich k. verwendet werden. Figur A. Unterer Theil der Pflanze mit mehreren Ausläufern. „ B. Rispe im blühenden Zustand. „ 1 . Aehrchen vor der Blüthe. „ 2 . Aehrchen in Blüthe. „ 3. Dasselbe nach Entfernung der beiden äußern Klappen. „ 4. Dasselbe von der obern der beiden innern Klappen aus gesehen. „ 5. Das innere rudimentäre Klappenpaar, von der Seite gesehen. „ 6 . Eine der beiden innern Klappen, vom Rücken gesehen. „ 7. Scheinfrucht von der Seite. Dieselbe von der Borspelze aus gesehen. Dieselbe von der Deckspelze aus gesehen. 10. Caryopse im Prosil. 11. Dieselbe von der Rückenkantc aus (mit dem Keimling an der Basis). 12. Dieselbe von der Bauchlante aus (mit dem Samennabel an der Basis). 13. Querschnitt durch den obern Theil eines Laübtriebes (mit einer Scheide und einer gerollten Spreite). 14. Querschnitt durch die Hälfte einer entwickelten Blattspreite. 15. Blatthäutchen Erklärung;u Tafel 16. Figur 8. 17. Jas Wielenrilpengras. Poa pratensis, Linne. Bon den älteren landwirthschaftlichen Schriftstellern wurde das Wiesenrispengras auch glattes, gemeines oder Wiesen-Mehgras genannt. Zum Unterschied vom gemeinen Rispengras, welches dreiblüthig ist, wurde es auch als „fünfblüthiges Rispengras" bezeichnet (das Aehrchen ist aber 3 —öblüthig). Es heißt auch „Spaltgras", in der Gegend von Hamburg „seiner Dickkopf", in Nordamerika „Blaugras" (Bluogrg,88). TSy. b- ^ Fig. 5. /i. /sajvem-este ., Yojspe/ze Deckspelxe.... Fig. ß. 10 -i Fig. 9. A Fig. 7. 4 , A urbe/) ..{p & Samem/fibe SUmJ)beu/el /Carnato/ Fig. 10. “A Fig.ll“»' fi-g.l3.i"4 äussere- . obere-Kkqpe äussere untere Klappe Deckspetze Fig. 2. i Btoithäiiteheu auss/re obere äussere wtere/Ctoppe ... 77)7/ere - - umere 'Pj Fig B/ut/ Fici I ,n 'i nafe/e/Ctoppr obere /s/appe ‘ Fio. 3. 10 /i spreite offene cf/rotote . S'cheidr c/er'ol/te Spreite jttfittoeheü/e Fig.15.% fig. 13. /i Gelenkzellm \ j j J ' " v W '“i i:r\r ;:: Fig. l'c. Phalaris arundinacea, L. Busibeltoe C. & L. Schmer ad. nat. del. Rohrglanzgras- v. Litt. Genossenschaft Zürich. 5 Das Wiesenrispengras gehört zu denjenigen Gräsern, über welche viel Widersprechendes und Unrichtiges geschrieben und gelehrt wurde. Namentlich wurde es sehr häufig mit dem gemeinen Rispengras verwechselt. Aus diesem Grunde sind die Beschreibungen in älteren und sogar in neueren Werken vielfach unrichtig. — Schon zur Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde die schmalblättrige Form dieses Grases von Nordamerika und England aus unter dem Namen «LiräZrass» zur Kultur anempfohlen. Aber erst in jüngster Zeit, mit Umgestaltung der wirthschastlichen Verhältnisse, insolge der Erweiterung der Verkehrswege, gelangte es allgemeiner zur Anwendung. Das Wiesenrispengras ist ein feines, friihes Gras, das sowohl zur Weide, wie auch als Untergras für mehrjährige und dauernde Mähewiesen sehr gut geeignet ist. Block rechnet es zu den vorzüglichsten Weidepslanzen und es würde unbedingt das. beste UntergraS sein, wenn sein Nachwuchs größer wäre. Auf den bessern Bodenarten wird es deßhalb als Untergras vom Kammgras über- troffen, hat aber gegenüber diesen, den Vorzug, daß die Saat billiger ist. — Es ist ausdauernd und bildet einen schönen, zusammenhängenden Rasen. Botanische Beschreibung. Das Wiesenrispengras bildet einen lockern, weit ausgebreiteten, ebenen Horst, der aus zahlreichen, durch weit umherkricchende unterirdische Ausläufer untereinander verbundenen Theilhorsten besteht. Es kommen dementsprechend hier zwei ganz verschiedene Arten von Seiten- trieben vor, nämlich: 1. Extravaginale unterirdische Kriechtriebe (Figur A), die nach dem Hervorbrechen aus der Mutterscheide entweder horizontal unter der Erde hinkricchen oder (namentlich dann, wenn sie aus der Mitte eines größeren Horstes entspringen) senkrecht nach unten wachsen (bis zu 16°°' Länge), um dann erst in weitem Bogen sich nach oben zu wenden. In beiden Fällen tritt nach kürzerem oder längerem unterirdischen Verlauf der Trieb über die Erde, um zum Mutterhalm eines Theilhorstes zu werden. Soweit sie unterirdisch verlaufen, tragen diese Kriechtriebe farblose, spreitenlose, fest gebaute Niederblätter; das oberste derselben, zu einem spitzen rigiden Kegel zusammenschließend, dient jeweilen dem Trieb bei seinem Vordringen im Boden als Bohr- und Schuhorgan. 2. Jntravaginale, sofort sich nach oben wendende Seitentriebe, welche mit ihren Mutterhalmen die Theilhorste bilden (Figur A). Der Halm ist glatt, aufrecht, 30-90°°'hoch, stielrund oder etwas zusammengedrückt-zweischneidig. Die Blätter besitzen kahle, glatte, an den Seitentrieben vollständig geschlossene Blattscheiden, die aus der vorderen, dem Mittelnerv gegenüber liegenden Seite eine tiefe Einfaltung zeigen (Fig. 17). (Hacket hat in seiner Monographie der europäischen Festuca-Arten, Tafel I, Figur 10 ein analoges Verhalten für Festuca amethystina abgebildet und für Festuca scaberrima im Text erwähnt). Im vorliegenden Fall erscheint die Scheide im untersten Theile ungefurcht, einfach ringförmig (Figur 17a); im untern Viertel beginnt die Einfaltung, um etwa im obern Viertel ihr Maximum zu erreichen (Figur 17 b) und dann wieder bis zur Mündung der Scheide abzunehmen; unmittelbar unter derselben ist sie sehr schwach lFigur 17 c). Später wird die Einfaltung durch das Wachsthum der umschlossenen Scheiden und Spreiten ausgespannt (Figur 17 d) und endlich die Scheide gesprengt. Da Döll, Ascherson u. A- die Scheiden als osten bezeichnen, so haben die Autoren wohl nur ältere Laubtriebscheiden und Halmscheiden untersucht. Die Laubtriebe erscheinen stark zweischneidig-zusammengedrückt. — Die Blattspreite ist in der Knospe gefaltet (Figur 17 b), der fertige Zustand ist verschieden bei den verschiedenen Abarten (s. unten). Sie führt meist 7 stärkere und eine wechselnde Anzahl dazwischen liegender schwächerer Nerven (Figur 18); an 6 symmetrisch vertheilten Stellen der Oberseite ist die Epidermis zu sogenannten „Gelenkzellerst (Tschirch) oder «celiules bulliformes» (Duval-Jouve) erweitert (Figur 18); über den stärkeren Nerven der beiden Blatthälften finden sich schwache Rinnen und die Bastrippen reichen oben und unten bis an die Gefäßbündel. Das Blatthäutchen ist kurz und gestutzt (Figur 19). Der Blüthenstand ist eine vor der Blüthe zusammengezogene, während derselben ausgebreitete aufrechte Rispe von pyramidalem Umriß und blaugrüner Färbung, zuweilen violett oder bräunlich überlaufen. Die Aehrchen sind 3—5 blüthig (Fig. i und 4), die Klappen auf dem Rücken schwach gewimpert. Die 5 nervigen Deckspelzen sind am Grunde und aus den Rückennerven bis zu 3 / 4 ihrer Höhe mit langen Geschichte Landwirth- schaftlicher Werth Botanische Beschreibung. fi Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. krausen, spinnwebartig untereinander verflochtenen Haaren bedeckt (Fig. 3), die auch mit der analogen Bekleidung der Nachbarspelzen sich zusammenspinnen. Löst man also ein Spelzenpaar von dem Aehrchen heraus (oder bricht man die obern Blüthen von der Aehrchenspindel ab), so fallt es nicht zu Boden, sondern bleibt mittelst dieser „ verbindenden Zotten" am Aehrchen baumelnd hängen (Fig. 2). Durch dieses Verhalten lassen sich Poa pratensis und trivialis leicht von der sonst ähnlichen Poa annua unterscheiden: bei dieser fehlen die „verbindenden Zotten" („lana conjunctiva" der Autoren) und ein losgelöstes Spelzenpaar fällt heraus. Außer diesen langen Haaren führt die Deckspelze auch auf den Randnerven eine Behaarung (Fig. 3). Die Vorspelze, beinahe ebenso lang wie die Deckspelze, ist wie gewöhnlich zweikielig, mit gewimperten Kielen. Die Blüthe besteht aus den zwei nach oben stark verbreiterten und dort tief zweispaltigen, am obern Rande außerdem ausgefressen-gezähnelten Schüppchen, 3 Staubgefässen und einem die Schüppchen überragenden Fruchtknoten mit zwei sederförmigen, zur Seite heraustretenden Narben (Fig. 5). Der Vorgang der Blüthe spielt sich ganz so ab wie bei Lolium perenne. Bei der Reife zerfällt das Aehrchen in die einzelnen Scheinfrüchte (spelzenumschlosseneu Caryopsen); mit jeder bleibt ein Stück der Aehrchenaxe als vor der Vorspelze stehendes „Stielchen" verbunden (Fig. 10). Die Scheinfrüchte eines Aehrchens hängen durch die verbindenden Zotten zusammen: solche Gruppen können unter einander wieder sich zusammenspinnen, so daß die Scheinfrüchte in ganzen Klumpen frei werden. Streift man zur Reifezeit an Rispen von Poa pratensis vorbei, so bleiben die Scheinfrüchte durch ihre krausen Haare klnmpenweise an den Kleidungsstücken hängen und. man wird zum unfreiwilligen Verbreiter der Früchte. Für die Pflanze selbst liegt die Bedeutung der Zotten eben in dieser durch sie ermöglichten Verschleppung der Früchte durch Anhängen an vorbeistreifende Thiere. Die Spelzen liegen der Caryopse ziemlich lose an und lassen sich leicht von ihr trennen. Die Deckspelze läuft (in der Seitenansicht Fig. ll), nach oben breit aus; ihre Rippen ragen gar nicht oder nur wenig über die Fläche der Spelze hervor*). Mit ihren nach vorn umgebogenen Rändern hüllt sie die Vorspelze so weit ein, daß von den Kielen derselben nichts zu sehen ist (Fig. 10). Auf der Bauchsläche der Scheinfrucht (Fig. 10) zeigt sich die Vorspelze nur schwach vertieft. Das Stielchen der obersten Scheinfrucht eines Aehrchens, das die Hälfte ihrer Länge erreicht, trägt am Ende ein kugeliges Köpfchen aus verbildeten Spelzen (Fig. 9); an den übrigen Scheinfrüchten eines Aehrchens ist dieses Stielchen abgestutzt. Die Caryopse selbst ist aus der Bauchseite schwach konkav (Fig.. 14; siehe auch den Durchschnitt Fig. lfi), auf dem Rücken abgerundet (Fig. 13 und 16); sie führt an der Basis der Bauchseite einen rundlichen Nabelsleck und läuft unten und oben spitz zu. Oben ist sie von dem leicht abfallenden Schöpf der vertrockneten Narben gekrönt (nicht durch einen „Haarschopf", wie Nobbe, Handbuch der Samenkunde pag. 409 behauptet und Fig. 213, t> abbildet.) Länge der Scheinfrucht . . . 2—3 mm Länge der Caryopse .... 1—1.« mm Länge der Streichens . . . der Scheinfrucht Dicke des Stielchens . . - 0. OH mm Abarten. Es kommen mehrere Varietäten vor, von welchen landwirthschaftlich namentlich folgende wichtig sind: 1. Das gemeine Wiesenrispengras (Poa pratensis vulgaris, Döll); mit lebhaft grüner Farbe und langen schwach gekielten Wurzelblättern; 2. das breitblättrige (P. p. latifolia, Koch), das Blaugras der Amerikaner, mit bläulich grüner Farbe und kürzeren, aber breiteren Wurzelblättern; 3. das schmalblättrige (P. p. angustifolia, Smith) mit langen, schmalen, gefalteten Wurzelblättern. Borkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Wiesenrispengras ist einheimisch: in ganz Europa bis nach Lappland, Nowaja-Semlja und Spitzbergen; in Asien in ganz Siluren bis 75° 36' n. B. und bis Kamtschatka, im Kaukasus; in Amerika in ganz Nordamerika, in Grönland, an der Magellan- straße, am Hungerhafen und auf den Maluinen; ferner in Australien. Ailf Wiesen und Triften, auf Mauern und an Zäunen ist es gemein. *) In der Figur tritt durch ein Versehen des Lithographen die Rippe zu stark hervor. 7 In den Voralpen ist es ein sehr häusiges Gras und steigt bis 2000 m hoch; Albula (2100 m ), am Höhmgrenzen Julier ob Stalla (1910 “), Bevers (1700 m ), Schuders und Misox (1800 -»h Zermatt (1500-1750 "st, Churwalden (1260 "st, Engelberg (900 m ). Da das Wiese,irispengras ein außerordentlich dichtes und weitverzweigtes Wurzelsystem besitzt Klima, und die unterirdischen Stengeltriebe vor der sengenden Gluth der Sonne geschützt sind, so kann es auf gutem Boden ohne Schaden einen sehr hohen Grad der Trockenheit ertragen, was mit ein Hauptgrund ist, daß es im Westen von Nordamerika so weit verbreitet ist. Ebenso unempfindlich ist es aus dem gleichen Grunde gegen Kälte. Sehr gut gedeiht es auf guten, lockeren, humusreichen, warmen Böden; auf den reichen Boden. Prärieböden ist es in Nordamerika das verbreitetste Gras und bildet oft den ausschließlichen Bestand. Sein häufiges Vorkommen wird als Zeichen eines guten Bodens betrachtet und die „Blaugrasfarmen" werden in der Regel zu den höchsten Preisen bezahlt. Auf schweren, Lindigen Böden gedeiht es weniger gut, als auf mittelschweren und leichten. Sogar auf trockenen Sandböden kann es gebaut werden, wenn der Boden einigen Humusgehalt besitzt und sich in gutem Düngungszustande befindet. Es gedeiht auch auf feuchtem Boden, wenn derselbe nicht allzu bindig ist, sowie auf gut ausgetrockneten Moorböden, während es auf ausgesprochen nassen oder sauren Böden nicht vorkommt. Ebensowenig gedeiht es auf Humusarmen Bodenarten, besonders wenn dieselben sehr leicht oder sehr bindig und arm sind. 1000 u Heu entnehmen dem Boden nach unsern Untersuchungen: BodenStickstoff 9 . 9 U Magnesia 0.4 u erschöpfung Phosphorsäure 8. 2 U Kalk 1-9 t6 Kali 15. 0 ti Schwefelsäure . 1.3 ?i Natron 0- U Kieselsäure 24.3 % Nach ältern Untersuchungen beträgt der Nahrstoffentzug auf 1000 U Heu: Way u. Knop u. Ritthausen Ogoston Arendt Collier u. schellen Stickstoff — 16.g U 15. 8 N 14. 6 U. Kali 20. 0 U — 18. 8 U Natron 0. 4 u — — Kalk . 2.» U 4-3 U 2.. U Magnesia 1.4 U 2.0 U 1-4 U Phosphorsäure 5. 2 U 3.g U 4. 4 U Schwefelsäure 2.z U — 2.j U. Kieselsäure 17.z U 27.o U IS., U Im Boden liebt es mehr alte Kraft als frische Düngung, ist aber auf geeignetem Boden für DUngung. dieselbe dankbar. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Wie oben auseinandergesetzt, bildet das Wiesen- Wuchs, rispengras unterirdische, oft sehr lange Ausläufer, die sich später nach oben wenden und hier kleine Horste bilden. Da die Ausläufer sehr zahlreich sind, so bilden diese Horste vom zweiten Jahre an einen zusammenhängenden Rasen. Im ersten Jahre bleibt das Gras noch klein, treibt keine Halme Entwicklung, und läßt im Bestand hie und da noch Lücken. Erst im zweiten und dritten Jahr erreicht es sein volles Entwicklungsstadium. Im Frühjahr trübt es ziemlich früh und gelangt je nach der Lage Ende Mai bis Mitte Juni zur Blüthe. Im zweiten Schnitt treibt es keine Halme mehr, auch nicht solche, die sich auf den Boden legen und bewurzeln (wie irrthümlich behauptet wird), sondern je nach der Bodenart nur 10 bis 30 cm lange Blätter. Diese Blätter wachsen auch nur langsam nach. Deßhalb ist der Nachwuchs gering. 8 Ernte. Ertrag. Futterwerth. Samengewinnung. Vianne erzielte auf fruchtbarem, lockerem, leichtem Boden vom ersten Schnitt (in der Blüthe) . . 5286 Kilo Heu per Hektar, „ zweiten „ .1815 „ „ „ Sinclair im ersten Schnitt. 2962 „ im zweiten Schnitt .... 1380 „ „ Die Ernte findet am zweckmäßigsten zur Blüthezeit statt. Läßt man es älter werden, so werden die Halme dürr, strohartiz und die Blätter zäh und lederig, ohne ihre grüne Farbe zu verlieren. 100 U Gras geben durchschnittlich 35 U Heu. 9lad) Sprengel kann man per Hektar einen Ertrag von 80—100 Zentner Heu annehmen. Sinclair erhielt 87, Bianne 142 Zentner. 100 u Heu enthalten nach unsern Untersuchungen 79.» % organische Substanz; darin sind enthalten: Stickstoffhaltige Stoffe (N x 6. 25 ).6., % (Stickstoff im Eiweiß O.„ %, im eiweißfreien Saft O.„ %) Rohfaser. 41.„ % Stickstofffreie Extraktstoffe.30. 3 % Fett.1-4 °/ 0 ^ Nach ältern Untersuchungen gestaltet sich der Futterwerth des Heues folgendermaßen: Nach Nach Nach Wah Scheuen und Ritthausen Collier I II. Stickstoffhaltige Stoffe . . 8., % 9-i % 10.« 7« 6., ®/ 0 Holzfaser .... 32. 7 „ 35. 4 „ 24., „ 19.4 „ Stickstofffreie Extraktstoffe . 37., „ 34., „ 45., „ 51. 3 „ Fett ..... 2., „ 2., „ 2.5 „ 4. 2 „ Der Nährstoffgehalt steht also einem Heu durchschnittlicher Qualität etwas nach. Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der im Handel vorkommende Samen stammt zum größten Theil aus Nordamerika. Das kleine Quantum, das in Europa gewonnen wird, wird nicht feldmäßig kultivirt, sondern an unkultivirten Orten gesammelt. Die feldmäßige Samenkultur ist bei uns kaum lohnend. Bei der Samengewinnung wartet man mit dem Schneiden der Samenpfianzen nicht bis sämmtliche Samen reif find, weil sonst viele abfallen würden, sondern beginnt mit dem Mähen, sobald die Rispen braun werden und die Aehrchen sich knäuelförmig zusammenziehen (deßhalb der Name „seiner Dickkopf"). Die beim Schneiden noch nicht ganz reifen Samen reifen beim Dörren nach. Später werden sie abgedroschen. Die Samen dürfen aber nicht sofort in Säcke gepackt oder hoch aufgeschüttet, sondern müssen auf dem Boden nur ganz flach ausgebreitet werden, weil sie sich sonst leicht erwärmen und die Keimfähigkeit verlieren. Die einzelnen Samen sind nämlich am Grunde lang wollig behaart und ballen sich deßhalb zu filzigen Klumpen zusammen, wodurch die Aufbewahrung sehr erschwert wird. Mit dieser Behaarung sind sie aber auch nicht aussäebar, da sie sich bei der Saat nicht vertheilen lassen. Die Haare müssen deßhalb von Hand oder mit zweckentsprechenden Maschinen abgerieben oder abgedroschen und hernach abgestäubt werden, so daß jedes einzelne Korn isolirt ist. Gehen dieselben bei einer einmaligen Operation nicht alle ab, so wiederholt man dieselbe, siebt schließlich mit einem Siebe, bei welchem die noch vorhandenen ganzen Aehrchen nicht durchfallen, sondern oben bleiben, und drescht oder reibt und stäubt diese nochmals. Verfährt man so, so bekommt man einen schönen, egalen, Wollefreien Samen, der den höchsten Werth besitzt. Der Ertrag an Samen wird etwa 5 bis 10 Zentner per Hektar betragen. Samenertrag. 9 Sehr häufig kommt der Same nngerieben, also noch mit den flockigen Fäden an der Basis im Handel vor und bildet dann eine verfilzte, zusammenhängende Masse, so daß Nichtkenner schon zu der Ansicht geführt wurden, der Same sei verschimmelt und die wolligen Fäden seien das Pilzgewebe. Solchen ungeriebenen Samen sollte kein Landwirth kaufen, trotzdem der Preis niedriger ist. Beim Reiben und Stäuben gehen 20—40 % Wolle und Spreu ab, der Same gewinnt aber dadurch bedeutend an Werth. Es kommt vor, daß die abgestäubte Wolle und die Spreu noch benutzt wird zur Beimischung Ver. unter ungeriebenes Wiesenrispengras, um diesen werthlosen Auspntz noch zu hohen: Preis verwerthen Fälschungen zu können. Solche Waare hat dann selbstverständlich mehr als 20 — 40 % Spreu. Hin und wieder wird Figur 40. Rasen Figur 40. Rasenschmiele. Aira csespitosa, 1 ,. Figur 41. Ackerwindhal m. Apera spica venti, P. Beauv. Scheinfrucht mit Granne, a Rückenseite, b Bauchseite, 7fach vergrößert, c natürliche Größe. a Scheinfrucht, natürliche Größe; b von der Bauchseite; c Seitenansicht, 8mal vergrößert. der Same auch mit Rasenschmiele (Fig. 40) verfälscht, welche sich aber ohne Schwierigkeit vom Wiesenrispengras unterscheiden läßt. Seltener ist die Verfälschung mit Ackerwindhalm (Fig. 41), der auf Wiesen weniger schädlich ist, weil er nicht ausdauert. Same und Saat. Die durchschnittliche Reinheit beträgt nach unsern Untersuchungen 84., /o, die Keimsähigkeit im Durchschnitt von 101 verschiedenen, mit je 800 Körnern ausgeführten Versuchen im Licht 48 %. Eine gute,.geriebene Waare soll aber 95 °/o reine Samen (Reinheit) enthalten, von welchen 50 % keimen — 47. ä "/« Gebrauchswerth. 1 Kilo reiner Samen enthält durchschnittlich 5,269,000 Körner. Das dnrchsckmittliche Saatquantum beträgt per Hektare 20 Kilo einer 48-prozentigen Saat- Waare = 960 Kiloprozente, per Juchart 7 Kilo oder 636 Kiloprvzente. Mit Ausnahme von Zierrasenanlagen wird jedoch das Wiesenrispengras nie rein ausgesäet, sondern immer nur als Untergras in Mischung mit andern Gräsern für Wechselwiesen, aber namentlich für Dauerwiesen, besonders Mf-hungm. auf trockenem Boden. Zu Kleegras ist es nicht geeignet. Der Same sollte nach der Aussaat nicht untergebracht, sondern nur angewalzt werden, weil er unter der Einwirkung des Lichtes besser keimt, als bei Lichtabschluß. 10 Verwechslung. Das Wiesenrispengras besitzt große Aehnlichkeit mit dem gemeinen Rispengras und wird sehr häufig mit diesem verwechselt. Es unterscheidet sich aber von demselben dadurch, daß es nur unterirdische Ausläufer treibt, während das gemeine Rispengras oberirdische Ausläufer macht, die sich bewurzeln. Das Wiesenrispengras ist auch dunkler in der Farbe, besitzt ein kurzes Blatthäutchen und einen ganz glatten Halm (s. die Tabelle S. 18 u. 16). Erklärung zu Tafel 17 Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ 1. Aehrchen vor der Blüthe. „ 2. Dasselbe nach Herauslösen der 3 obern Blüthen, um das Hängen derselben an den verbindenden Zotten zu zeigen. „ 3. Ein Spelzenpaar isolirt; die Deckspelze trägt am Grunde und auf dem Rückennerven verbindende Zotten. „ 4. Aehrchen in Blüthe. „ 5. Blüthe mit der Vorspelze (ohne die Staubgefäße). „ 6. Eine Gruppe durch die Zotten zusammen- [ hängender Scheinfrüchte. „ 7. Scheinfrucht von der Seite (in Figur 7 bis 12 sind die Haare entfernt). „ 8. Scheinfrucht von der Vorspelze aus. „ 9. Oberste Scheinfrucht eines Aehrchens; Stielchen '/q so lang als die ganze Scheinfrucht und oben ein kugliges Convolut verkümmerter Spelzen tragend. „ 10. Scheinfrucht von der Borspelze aus, stärker vergrößert. „ 11. Scheinfrucht von der Seite; oben breit auslaufend, Rippen der Deckspelze nicht über die Fläche derselben vorragend. Figur 12. Scheinfrucht schief von der Seite und von der Vorspelze aus, nach Entfernung der Deckspelze. „ 13. Caryopse vom Rücken aus. „ 14. Caryopse von der Bauchseite aus (nur schwach coneav). „ 15. Caryopse von der Seite. „ 16. Querschnitt durch die Caryopse; oben die schwach vertiefte Bauchseite, unten der ganz rund gekielte Rücken. „ 17. a—d. Querschnitte durch eine Blattscheide eines Laubtriebes in verschiedener Höhe. 17a. An der Basis, Scheide ohne Ein- saltung. Vergrößert 6/,. 17b. Im obern Viertel, Maximum der Einfaltung. Vergrößert 20/,. 176. Unter der Mündung der Scheide, Einfaltung schwach. 17(1. Querschnitt einer älteren Scheide mit ausgespannter Einfaltung. „ 18. Querschnitt durch die Spreite des zweit- obersten Blattes eines Laubtriebes. „ 19. Blatthäutchen (Halmblatt). 18. Das gemeine Kispengras. Poa trivialis, Linne. Benennung. In der Schweiz wird das gemeine Rispengras von den Bauern schlechtweg „Naturgras" genannt. weil es sich nach kurzer Zeit auf unbebauten Feldern oder in lückenhaften Beständen von selbst einstellt und an Orten, wo man die Berasung der Natur überlassen hat, oft den Hauptbestand bildet. Es heißt auch rauhes oder rauhstengliges Rispen-, Fuß- oder Viehgras, gemeiues oder dreiblüthiges Viehgras, straußtragendes Wiesengras, gemeines Knotengras, Spaltgras, Hacken, Oeschen rc. Geschichte. Am ältesten ist die Kultur dieses Grases ohne Zweifel in England. Worlidge empfahl dasselbe schon 1681 unter dem Namen «Orelmston-Arass», weil es auf der berühmten Orcheston-Wiese in Wiltshire bei Salisbury den Hauptbestand bildet. Um das Jahr 1785 nahm es Boys von Bethanger in der Grafschaft Kent in Kultur. Seither ist es auch auf dem Kontinent vielfach angebaut und beschrieben worden; sein Werth wurde aber ganz allgemein überschätzt. Die natürliche Berasung in den Gebirgsgegenden stützte sich von jeher aus dieses Gras. verbinKensle- Ko Uen llecbpelzen '.. Fig. ‘2. Vi k Unteie ,.HHM obere Klapj/e Jr Klapp Fig. 3. % rig. l.% Vorspeisen- \Xarben' ßlaubbe-utel Staubbeutel > Bechtp eluens Deck' ; Spelzen^. , PJaJtspret/o tatthüntrhen \Blatischeide H untere Klappe obere Kl/ipj. Hg. V. °/i oerbinKenele. Zotten (uryopse. & .$i^|Wä rr / *■' VorspeLz üeck&pelzc Stielehen . .. \... FWv* Fig. 11/% ^ rt/w •gt . ^.geschlossene. / Blatt Fruch/lrsuj /en- ‘j schallen Ultra vaginale bor -stbiDienclt Heiteniriebe Fitj. 7 . °/> Fig. fl Schlipp eben Fici. 17 b. B0 /i ^Scheitle Speternnur/tniej/t Stielehen. Fiü.Ü Fig.17a.Vig vi Kig.l7c.^_Fig.l7d-V extra vaginaler fte. \Seilen ti leb untei)irclhchei‘ Kricehtiieb) i- 'Bax/belegt GelenloZeilen 's ' 'W \ gKeimling -K •xä Fig. 18.”/, T Keimling eatraoagiualej Fig. 13.*% Fig. lV. ao /i Fig.15 20 A Fig.!0°V abwärts wachseri/len Seilentriel Same, uw.br/, Ueber den Sommer muß aber das Wasser einen guten Abfluß haben. Warbstimm Ertraq «nd MIErch. Ju, Saatjaist UeiSt das g.mmw Risstmgra« um uiederliegende, sich d°>°mz.lud° H°lw-. »u d°„ Kuot.u «utstch.« iMri“ JS s-Ibst ttieb« ,,v ä J 9 ,„ sich aus d°u Bodt» l-,m und b.wmz.st>. Aus du,. W«st « der Boden im ersten Jahr mit einem dichten Filz überzogen. Im na )j en Fm stahr den Knoten dieser Kriechtrieie in die Hohe steigende Halme, «'Ich- dürstendtcht ° daß sich der untere Theil nicht zu begrünen vermag, etiolirt und oft sogar sau wn . ist auf günstigem Standorte so dicht, daß ihn die Sense nur schwer zu dmchdringen vermag, dem ersten Schnitt treibt es nur ganz kurze Blätterbüschel und Kriechtriebe, welche sich woh ewurze , aber keine emporwachsenden Halme und Blätter bilden. Aus diesem Grunde ist der Ertrag Nachwuchses meist sehr gering. Wenn das gemeine Rispengras auf einem Boden vorkommt, der unberast oder wo der Rasen lückenhaft ist, so treibt es im Frühjahr, neben den in die Höhe wa )sen en Halmen, an der Peripherie des Stockes nach allen Richtungen horizontale, sich bewurzelnde rus ) rre e, die den Boden vollständig zu bedecken im Stande sind und im nächsten Frühjahr ebenfalls aufs eigen Triebe erzeugen können. Namentlich gute, unberaste Böden, die den Faserwurzeln 'Ijuim Nahrung bieten, werden auf diese Weise oft in kurzer Zeit ganz überzogen; das häufige or kommen dieses Grases aus Wiesen, die durch natürliche Berafung entstanden sind, ist auf diese achs thumseigenschaften zurückzuführen, denn von der Vorfrucht, namentlich von Getreide, bleiben auf dem Felde immer eine Anzahl Pflanzen oder Samen zurück, die den Keim zur Weiterentwicklung bilden. Wenn das Feld im ersten Jahre nicht vollständig bedeckt ist, so ist dies im zweiten der Fall, vorausgesetzt, daß der Boden für das Gras geeignet ist. Wie erwähnt entwickelt sich das genuine Rispengras im ersten Jahr nur mäßig und dem- Entwicklung, nach ist der Ertrag'sehr gering. Erst im zweiten Jahr erlangt es sein volles Entwicklungsstadium. Im Frühjahr begrünt es sich zwar ziemlich früh; da fern Standort jedoch mehr sich langsam erwärmende Böden sind, so treibt es seine Haline etwas später als das Wlefennspengras. Im Tiefland der Schweiz gelangt es frühestens Eiide Mai, in der Regel aber erst Anfangs Juni zur Blüthe. 14 Ernte. Ertrag. Futterwerth. Samen- gewinnung. Samenertrag. Berunreini- gungen und Verfälschungen. Wo es den Hauptbestandtheil in einer Wiese bildet, sollte es womöglich vor der Blüthe geschnitten werden, weil die Halme wegen ihres dichten Standes an der Basis leicht gelb werden, und auf feuchten Standorten einfaulen. Das Gras erreicht im ersten Schnitt eine Höhe von 1 bis 3 Fuß, auf sehr günstigen Standorten 4 bis 5 Fuß und mehr. 100 U Gras geben nach Sinclair 32.,, nach Viaune 34°/, Heu. Sinclair erzielte Per Hektar einen Jahresertrag von 79 Zentner, Vianne von 120 Zentner und Pinkert im zweiten Jahr 72 Zentner Heu. 100 U Heu enthalten nach unsern Untersuchungen 77., °/, organische Substanz, darin sind enthalten: Stickstoffhaltige Stoffe (N X 6. 25 ).6., % (Stickstoff im Eiweiß 0.„ %, im eiweißfreien Saft 0. 2t %) Rohfaser.. . . 29., „ Stickstofffreie Extraktstoffe.38., „ Fett.2. 2 „ Nach älteren Untersuchungen beträgt der Nährstoffgehalt des Heues: Nach Ritthausen Nach u. Scheven. Way. Stickstoffhaltige Stoffe . • 9-o% 8-4 7, Rohfaser. . 34. ä „ 33. 0 „ Stickstofffreie Extraktstoffe . 33. t „ 34., Fett. 3. 2 „ 3.o „ Der Eiweißgehalt ist also geringer, als der eines Wiesenheues mittlerer Güte, während der Fettgehalt etwas größer ist. Samengewinnung. Verunreinigungen und Verfälschungen. Mit Ausnahme von einem Orte in Dänemark wird das Gras zur Samengewinnung nirgends feldmäßig kultivirt, sondern dasselbe wird meist nur an solchen Orten, wo es wild vorkommt, gesammelt. Die Samen sind Anfangs bis Mitte Juli reif. Sie werden entweder abgestreift, oder besser mit einem Stück des Halmes abgeschnitten, zum Nachreifen hingestellt und später abgedroschen. Da der Samen an der Basis fast ebenso dicht wollig behaart ist, wie jener des Wiesenrispengrases, so ist er schwer zu reinigen. Zu diesem Behufe reibt man ihn am Besten mit der Hand durch ein Drahtsieb und stäubt die Wolle wiederholt ab. Unter Getreide oder in lückenhaften Lüzernefeldern, wo das gemeine Rispengras oft sehr häufig vorkommt, kann sich Jedermann den nöthigen Samen selbst sammeln. Es ist dieß um so nothwendiger, als ächter Same im Handel höchst selten ist. Pinkert gibt den Sameuertrag bei Reinkultur zu 9 Zentner per Hektar an. Gewöhnlich wird der Same des Wiesenrispengrases für den des gemeinen Rispengrases verkauft. Ersterer (Fig. 3 und 7 bis 11 auf Tafel 17) ist etwas dicker, auf der Rückseite gewölbter, bräunlich, an der Basis dichter zottig und am Rücken behaart, an der Innenseite nur schwach vertieft, während der Same des gemeinen Rispengrases (Fig. 6 und 8 auf Tafel 18) eine etwas bläuliche Farbe besitzt, etwas schmäler und an der Basis weniger dicht, auf dem Rücken gar nicht zottig ist; die Frucht besitzt an der Innenseite eine tiefe Furche. Seltener ist die Verfälschung mit dem einjährigen Rispengras, Poa annua, L. (Fig. 42). Der Same desselben ist am Grunde unmerklich behaart, fast doppelt so groß als die zwei vorigen, gekielt, so daß er immer auf der Seite liegt. Die Spelzen sind am Rande etwas geflügelt und aus dem Rücken deutlich genervt. — Hin und wieder wird das gemeine Rispengras auch mit Hainrispengras vermischt, das aber etwas länger, spitzer, seiner, viel heller in der Farbe und an der Basis schwächer behaart ist. Auch das Sudetenrispengras, Poa sudetica, Hsenke 15 l Figur 42. Jähriges Rispengras. Poa annua, L. a und b Spelz- frucht , e nackte Frucht 7malvergr. d Spelzfrucht, c nackte Frucht natürliche Größe. (Nach Robbe). Figur 43. Sudeten- rispengras. Poa sudetiea, Hsenke. Scheinfrucht 8mal vergrößert, a Bauchseite, b Seitenansicht. Figur 44. S a l z s ch w a d e n- gras. Glyceiria distans, Wahlenberg. Scheinfrucht 8mal vergrößert, a Bauchseite, b Seitenansicht. Figur 45. Blaues Pfeifengras. Molinia cceurulea. Mosnch. Scheinfrüchte von der Seite, a natürliche Größe; b und c achtmal vergrößert (Fig. 43) mit bedeutend großem Früchten, das Satzschwadengras, Glyceria distans, Wahlenberg (Fig. 44) mit seinen kurzen, vollen runden Früchten, und das Pfeifenriedt, Noiinia ewrntea, Moanch (Fig. 45) u. a. m. treten hin und wieder als Verunreinigungen auf. Same und Saat. Eine gute Qualität soll mindestens 90°/« reine Samen enthalten, von Samen- welchen 50 7, keimen = 45 7« Gebrauchswerth. Ein Kilogramm reine Samen enthält 6—9 Mit- qiinl,tat ' livnen Körner. Ein Hektoliter wiegt 12 bis 20 Kil. Als Saatquantum sind bei Reinsaat per Saat- Hektar etwa 22 Kil. einer 45-prozentigen Waare = 990 Kiloprozente nothwendig; Per Juchart aunntum ' 8 Kilo = 360 Kiloprozente. Zur Futtergewinnung ist es jedoch nur in Mischung mit andern Mischungen. Gräsern und zwar einzig für Wäsferwiesen und für Wiesen, die jährlich nur ein Mal geschnitten werden sollen, zur Aussaat zu empfehlen. Auf mehrmahdigen oder nicht bewäsferbaren Wiesen ist es nicht am Platze. Unterscheidungsmerkmale von Poa pratensis und trivialis. Merkmale. Poa pratsnsis. Poa trivialis. Vestockung. Durch zweierlei Seitentriebe: I. Extravaginale, besetzte, unterird. Äusläuf. bil- Nur durch einerlei Seitentriebe, nämlich extravaginale, mit Spreitenbl. besetzte, mehr od. weniger weit über d. Boden triechenoe. Halm. Aufrecht, glatt. Aufsteigend, rauh. Mattscheiben. Blatt- Ipreite. Blatthäutchen. Glatt: an den Laubtrieben völlig geschlossen*), mit dem Mittelnerv gegenüberliegender Ein- faltung. Rauh; an d. Laubtrieben völlig geschlossen, ohne Einfaltung. Rückwärts schärflich: mit 7 stärkeru Nerven, deren Bastrippen von Epiderinis zu Epidermis reichen. Kurz, gestutzt. Schärflich; mit meist nur 5 stärkeru Nerven deren Bastrippen mit dem Nerv nicht in Verbindung stehen. Verlängert, spitz (an d. Laubtrieben). ) Entgegen den Angaben von Döll, Lund u. A. 18 Merkmale. Poa pratensis. Poa trivialis. Aehrchen. 3—Sblüthig. Meist 3blüthig. Deckspel;e. Am Grunde und auf dem Rückennerv mit „verbindenden Zotten". Nur am Grunde mit Verbindenden Zotten. Scheinfrucht. Deckspelze in der Seitenansicht nach oben breit auskaufend; Rippen derselben über ihreFläche kaum heraustretend. Vorspelze schwach concav, ihre Kiele v. d. Deck- spelze bedeckt. Deckspelze in d. Seitenansicht nach oben spitz zulaufend; Rippen derselben über ihre Fläche deutlich heraustretend. Vorspelze mit tiefer Längsrinne; ihre Kiele v. d. Deckspelze freigelassen. Ktielchen. 0 - 08 °"" dick; dasjenige der obersten Scheinfr. eines Aehrchens ein kugliges Convolut v. verkümmerten Spelzen tragend. dick; dasjenige der obersten Scheinfrucht eines Aehrchens ein verlängertes, spitzes Convolut v. verkümmerten Spelzen tragend. Caryopfe. Oben und unten spitz zulaufend, auf der Bauchseite schwach eoncav. Oben und unten abgerundet, auf d. Bauchseite mit tiefer Furche. Erklärung Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ 1. Aehrchen vor der Blüthe. „ 2. Dasselbe mit herausgelöstem oberstem Spelzenpaar, um das Hängenbleiben desselben an den verbindenden Zotten zu zeigen. „ 3. Ein Spelzenpaar isolirt: die Deckspelze trägt nur am Grunde verbindende Zotten. „ 4. Aehrchen in Blüthe. „ 5. Blüthe mit der (oben abgeschnittenen) Vorspelze. (Staubgesässe weggelassen.) „ 6. Eine Gruppe durch die verbindenden Zotten zusammenhängender Scheinfrüchte. „ 7. Scheinfrucht von der Bauchseite (Bor- spelze) aus (stärker vergrößert); innerhalb der umgeschlagenen Ränder der Deck- - spelze kommen die 2 Kiele der Vorspelze / zum Vorschein; die Mitte der Vorspelze / ist in die tiefe -Furche der Carhopse hin- / eingepreßt. der Tafel 16. I Figur 8. Scheinfrucht von der Seite aus (mit der j Camera lucida aufgenommen). Die Rip- ! pen treten über die Fläche der Spelze I hinaus; dieselbe läuft nach oben spitz zu. ! „ 9. Dieselbe nach Entfernung der Deckspelze j schief von der Seiten- und Bauchfläche I „ 10. Caryopfe vom Rücken aus. i „ 11. Dieselbe von der Seite. ! „ 12. Dieselbe von der Rückseite aus; dieselbe ! ist tief gefurcht und läßt an der Basis i den Nabelfleck erkennen. ! „ 13. Querschnitt durch die Carhopse; oben die tiefe Furche der Bauchseite, unten der stumpfe Kiel der Rückenseite. „ 14. Querschnitt durch die oberste Scheide eines Laubtriebes. Scheiden geschlossen, ohne Einfaltung dem Mittelnerv gegenüber. ! „ 15. Querschnitt durch die Spreite des zweit- obersten Blattes eines Laubtriebeö. „16-18. Blatthäutchen eines Halmblattes. „ 19. Blatthäutchen an einem Laubtrieb. Beckspelzen. obere lUappc Deckspelz en* . -rj Fig. 2. % ; . verbindende Zotten M Fig.3.V< obereKlappe W W untere Klappe Blaitspreite eines Jüngern Blattes Fig. 1. A .. Deckspelzen , Vorspelzen BlaJtliäuicherv Blaitspreite Blatts ch-eide Fig. 19. 3 /t Staubbeutel Hohn Fig. 4-. % Blaltlidutchen Bpelzennuil- \ e ' U£ Blaitspreite r \ Blatt, scheideiM' Blallsc/ieide.M Fig. 17. 3 /i Fig. 18. 3 /i rig. 6. 6 /i verbindende Zotten Fig.16.Vi ,iv Deckspclz vovspelz Aabeluech neimL rig. 10. 20 / Fig. ll. 20 /i Fig. 12. 20 /i Welchen Fig. 7. *°/i Vorspelze Fig. 13. 20 /i Narbe Fruchtknoten Sctiiippcken. bü/lende oagumli 5'eitentrieb Fig. 5. °/i gelalMcBlaJlsprciU ' S S^6r lruk . Zf , ltH ^ Bastbeleqe Fiq.l5. M /i .. geschlossene BlaHsche.idm. Fig. \hc 'als ohecii'disclier Kpiecküicb e.ntwwkeüj’p ccctraoaginalsr Setien/jieb Poa trivialis, L. Gemeines Rispengras Schröter ad. nat. del. v. IM. Genossenschaft Zürich 17 19. Aas Klpennlpengras. Poa alpina, Linne. Das Alpen- oder Gebirgsrispengras hat je nach der Gegend sehr verschiedene Namen; so z. B. Benennung. heißt es Wildgras, Hälmgras, G'fählschmälein, Zwiebelgras, Romeyen und unrichtiger Weise auch Adelgras. Es gehört zu den werthvollsten Futterpflanzen der Gebirgsgegenden, besonders der Alpen; ein Landwirth- Berner Sennenspruch heißt: ' ' „Romeyen", „Mutteren" und „Adelgras" ^verty. Das Beste ist, was s'Chuehli fraß. Neben dem rothen Schwingel, den Muttern (Meum Muttellina, Gsertn.) und dem Adelgras oder Alpenwegerich (PlantaFO alpina, L.) bildet es denn auch häufig ben Hauptbestand der Alpen- weiden. Bei Anlage von Weiden in hohen Lagen verdient dasselbe wegen seines großen Nährwerthes alle Beachtung. Botanische Beschreibung. Das Alpenrispengras bildet dichte ebene Horste; die Seitentriebe sind Botanische sämmtlich intravaginal und bleiben in den lange sich erhaltenden Mutterscheiden sest eingeschachtelt, so Beschreibung, daß die Halmbasis ein zwiebelförmiges Aussehen erhält (die einzelne Scheide ist aber an der Basis nicht verdickt.) Verlängerte Rhizoniglieder fehlen, so daß die einzelnen Triebe des Gesanlmthorstes alle dicht bei einander in einer Ebene stehen. Der wenigblättrige Halm wird 30—45 em hoch und ist glatt. Die Blätter besitzen bis weit herauf geschlossene Scheiden (Fig. 19), diejenigen der Halmbasis bleiben lange in Form trockener Häute erhalten, die seitlichen Blattbündel einhüllend. Die Spreite ist kurz und breit, am Ende rasch zugespitzt; auf dem Querschnitt Weist sie zumeist 4—5 Hauptnerven und dazwischen schwächere Parallelnerven auf; die die Hauptnerven begleitenden Bastrippen unter der Oberhaut stehen mit den Gefäßbündeln nirgends in Zusammenhang (Fig. 20). Das Blatthäutchcn der untern Blätter ist auf einen schmalen Quersaum reduzirt, dasjenige der oberen ist lanzettlich und spitz (Fig. 21). Der Blüthenstand es eine reich verzweigte, zur Blüthezeit weit ausgebreitete Rispe. Die Aehrchen verhalten sich verschieden. ^ Sutm (Fig. A) bestehen sie aus 4—6, selten 8 normalen Blüthen, deren Deckspelzen aus grün, goldbronce und violett zierlich gescheckt sind. Die Klappen sind zart, schwach, 3-nervig und auf dcni Kiel wenig rauh (Fig. 1). Die Deckspelzen sind 5-nervig, auf dem Rücken und den beiden Raudnerven in der untern Hälfte von langen weichen Haaren bärtig, schwächer auch an der Basis der 2 mittleren Nerven. (Fig. 2.) Die Haare zeigen aber nicht die eigenthümliche spinnwebeartige Verflechtung der «lang, oon- sunetivg» von Poa pratensis und trivialis; sie sind kürzer, dickwandiger und steifer als jene, nicht so dünn, nich so vielfach hin und her gewunden. Mit diesem verschiedenen Bau der Haare steht auch offenbar eren verschiedene Funktion in Beziehung: während bei Poa pratonsis und trivialis (und noch einigen anderen tteu) die Scheinfrüchte mittelst ihres (mechanisch) klebrigen Gewölles am vorbeistreifenden Thiere sich anheften, dienen die bei der Reife steif ausspreizenden Haare der Scheinfrüchte von Poa alpina als Windfang, als Vergrößerung der Oberfläche, sind also der Verbreitung durch den Wind angepaßt. Auch die Vorspelze trägt an ihren beiden Kielen, namentlich gegen die Basis (ein seltener Fall!), lange steife Haare. (Fig. 3.) Die Scheinfrucht ist 3—3. 5 mm lang, in ihrem untern Theil mit den oben erwähnten weißschimmernden Haaren besetzt und mit einem schräg abgestutzten Stielchen versehen. (Fig. 4.) Die Garyopse selbst, l. g — 2 ram lang, ist dreikantig, mit etwas vertiefter Bauchfläche. (Fig. 6.) Bei der auf den Alpen häufigen „lebendiggebärenden" (viviparirenden) Form (Fig. L, Fig. 7-18) wachsen die Aehrchen der Rispe in junge Pflänzchen aus, d. h. die Achse des Aehrchens, die Aehrchenspindel, wird direkt zur Achse eines jungen Pflänzchens, indem die Blätter derselben, statt zu Spelzen zu werden, wenigstens theilw eise al s L aubblätter sich ausbilden. *) Später löst sich diese „Brutknospe" („Bulbille") ab, schlügt Wur- , . D *) 2s .B rffank stellt in seinem Buch, „die Krankheiten der Pflanzen", die Sache etwas anders dar; er sagt p. 284, daß fLfct 1 »» m t a i pina ’ s und minor constant die Bnlbille an Stelle einer Blüthe gefunden habe; in Figur 51 bildet er ein ver- Ä JL ut * ert Rudimenten der obern Spelzen. Laut brieflicher Mittheilung lvon welcher ich Gebrauch zu machen ^rmacyngi vm) tritt Frank nach erneuter Prüfung der Sache der oben ausgesprochenen Deutung bei und erklärt die vermeintlichen «pelzenrudunente seiner Figur 51 für Würzelchen. 33 18 Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhengrenzen. Klima. >Boden. Boden-. erschöpfung. zeln und liefert eine nette Pflanze. (Es darf also diese Erscheinung iricht mit dem sogenannten „Auswachsen" des Getreides verwechselt werden, bei welchem aus den Getreidekörnern, so lange sie noch in der Aehre stecken, die Keimpflanze sich entwickelt; bei unserer lebendiggebärenden Poa entsteht das junge Pflänzchen nicht aus einem Samen, sondern aus einem Zweig, einer Knospe der Mutterpflanze, es ist also ein Fall ungeschlechtlicher Vermehrung, analog der Vermehrung der Zwiebeln und Laucharten durch Brutzwiebeln, der Kartoffel durch Brutknollen rc.) In einer und derselben Rispe sind meist alle Aehrchen in größerem oder geringerem Maaße versandt und so lassen sich alle Uebergänge von der normal ausgebildeten Spelze bis zum fertigen Laubblatt nachweisen. Die Klappen sind stets unverändert, ebenso die unterste Spelze, die eine normale fruchtbare Blüthe in ihrer Achsel trägt (Fig. 7-9). Die zweite Spelze zeigt allermeist schon die Spuren beginnender Ber- laubung, sie wird abnorm lang, ihre Spitze krümmt sich einwärts, ihre Längsnerven vermehren sich, zwischen denselben treten Querverbindungen auf, die Haare schwinden, endlich stellt sich die Trennung von Scheide und Spreite und die Bildung des Blatthäutchens ein und das Laubblatt ist fertig. (Fig. 10—14, s. auch die Tafelerklärung.) Die zweite auf diese Weise mehr oder weniger veränderte Spelze trägt stets noch eine Borspelze und Blüthe in ihrer Achsel, seltener auch die dritte, meist schon zum vollständigen Laubblatt gewordene; hier sindet sich dagegen hin und wieder eine Laubknospe in der Achsel. Die Brntknospe löst sich meist leicht zwischen dem zweiten und dritten Blatt ab, d. h. unter ihrem ersten Laubblatt und trägt im Ganzen meist 2—3 Laubblättchen; an der Basis derselben brechen schon sehr früh die Würzelchen heraus. (Fig. 11.) Abarten. Es werden fünf Varietäten unterschieden: 1. Poa alpina vivipara, oder das lebendiggebärende Alpenrispengras, bei welchem die Aehrchen zu Knospen auswachsen; 2. Poa alpina vulgaris, gleich wie vorige, aber die Aehrchen nicht knospend; 3. backensis, mit kurzen, am Rande knorpeligen Blättern; 4. brsvikolia, der vorigen ähnlich; 5. frigida, eine kleine Hochalpenforin. Landwirthschaftlich sind nur die ersten zwei wichtig. In der Schweiz ist hauptsächlich vivipara verbreitet und bei unserer Beschreibung haben wir vorzugsweise diese im Auge. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Alpenrispengras ist cireumpolar (im arktischen Gebiet rings um den Pol verbreitet) und bewohnt die alpine Region der meisten Gebirge der gemäßigten Zone der nördlichen Hemisphäre (Sierra Nevada, Pyrenäen, Jura, Bogesen, Schwarzwald, Alpen, Sudeten, Karpathen, Appenin, Ural, Kaukasus, Altai, Himalaya, Felsengebirge). Auf den Weiden der Alpen und Boralpen mit humusreichen, frischen Boden, auf felsigen Abhängen, in lichten Hochgebirgswaldungen und an Gebirgswegen ist die knospende Form sehr häufig. Es steigt bis in die hochalpine Region: Stilfserjoch 2580Torrenthorn 2400—2700'", Mnrettopaß 1800—2100 Tschirtschen 1350 -», bayrische Alpen 1200-2230 (in der Auvergne 1886 m , Pyrenäen 2000 m , aus dem Bignemal sogar 3000 m , im Kaukasus 3000 m ). Sowohl die gewöhnliche, wie die viviparirende Form steigen mit den Bächen und Flüssen bis in das Thal und die Ebene herab (Tößthal- Wolfsschtncht 750 m , Wimmis 690 », Nettstall 443 m , Weinfelden an der Thür 430 -"). Zu seinem Gedeihen erfordert es eine feuchte Atmosphäre und eine vor dem Frost etwas geschützte Lage. In den Alpen ist dies vermöge der bleibenden Schneedecke, welche die Pflanze im Winter schützt, der Fall. In Lagen, die im Sommer dem Austrocknen stark ausgesetzt sind, kommt es nicht fort. Am besten gedeiht das Alpenrispengras auf humusreichen, frischen, besonders auf kalkhaltigen, leichteren Böden, wenn dieselben auch etwas slachgründig sind. 1000 Pfund Heu entnehmen dem Boden nach unfern Untersuchungen: Stickstoff . 16. 9 U Kalk 8., U Phosphorfäure 14., U Magnesia - 4. 8 U Kali 36. 0 U Schwefelsäure . 5.» U Natron . 2., U Kieselsäure . 43., H 19 m tiefet mehr erntn on dichtrasigem Wuchs, mit lauter intravaginalen Seitentrieben und von unten bis ^en bvrstlich zusammengefalteten 3—7nervigen Blättern, 2öhrigem Blatthäutchen, weder Bwr noch gefurchten Blattscheiden und kahlem Fruchtknoten zusammen. Es gehören hieher folgende, wohlunterscheidbare einheimische Formen:*) 1. Der echte Schafschwingel, F. ov. L. var. vulgaris, Koch > Fest. ovina L. 2. Der härtliche Schafschwingel, F. ov. L. var. duriuscula, Koch 1 (Fest. ov subsp. 3. Der haarfeine Schafschwingel, F. ov. L. var. tenuifolia, Sibthorp J eu-ovina, Hack.) 4. Der Walliser-Schafschwingel, F. sulcata, Hack. var. valesiaca, > Fest. sulcata, Hack. 8chleicher i F. ov. suhsp. sulcata, 5. Der gefurchte Schafschwingel, F. sulc. var. genuina, Hack. I Hack. Monogr. 6. Der Gemsen-Schafschwingel, Fest. rupicaprina, Hack. (Fest. ov. suhsp. t'rigida, var. rupic. Hack. Mon.) 7. Haller's Schafschwingel, Fest. Halleri, Hack. (Fest. ov. subsp. laevis, var. Halleri, Hack. Monogr.) 8. Der Alpen-Schafschwingel, Fest. alpina, 8uter (Fest. ov. suhsp. alpina,Hack. Monogr.) Landwirthschaftlich sind nur die zwei ersten Abarten, der echte und der härtliche Schafschwingel, t>vn größerer Bedeutung, und die folgende Beschreibung der Kultur bezieht sich denn auch hauptsächlich auf diese beiden, während die botanische Beschreibung und die Tafel den echten Schafschwingel zum Gegenstand haben (und zwar die von Hackel als genuina bezeichnete Subvarietät. **) Landwirthschaftlich unterscheidet sich der härtliche Schafschwingel von dem echten hauptsächlich nur durch etwas rvbustereu Wuchs. Der Kürze halber bezeichnen wir beide einfach als Schafschwingel. Der Schafschwingel ist eigentlich ein unbedeutendes Gras, das aber dennoch landwirthschaftlich Landwirth- E>nen großen Werth hat, weil es auf magerem und dürftigem Sandboden, wo bessere Gräser nicht 'Uehr gedeihen, gut fortkommt, den Boden durch seine reiche Bewurzelung befestigt und durch die verbleibenden Rückstände an Stöcken und Wurzeln verbessert. Für guten Boden ist er nicht zu ^wpfehlen, oder wenigstens nur in geringerer Menge, sondern hier sind qualitativ werthvollere Futter- gewächse am Platze. Nur wenn der Boden so dürr und mager ist, daß keine andere Futterpflanze darauf wachsen will, sagt Sprengel, so säet man Schafschwingel. Er dient dann aber nur als Eöeide, da er auf magerem Boden nicht so hoch wächst, um gemäht werden zu können. Das Vieh liebt ihn zwar nicht, aber die Schafe fressen ihn noch am ehesten; stehen denselben jedoch andere *) Wir haben hier nach dem Vorgang Nyman's (Conspectus flone europajsu) und Gremli's (Neue Beiträge zur Flora dkr L-chweiz, 3. Heft) die Hackel'schen Subspecies eu-ovina, sulcata und alpina als Species aufgeführt. Wenn wir in nicht ganz konsequenter Weise ebenso mit den Hackel'schen Varietäten rupicaprina und Halleri verfahren (wie auch Gremii I. c.), so geschieht aus praktischen Gründen, mit Rücksicht auf die enge Begrenzung unseres Gebietes. *,*) Hr. Pros. Hackel hatte die große Freundlichkeit, sämmtliche I'sstuca-Arten unseres Versuchsfeldes nach lebenden, ihm Zugesandten Exemplaren zu bestimmen, wofür wir ihm auch an dieser Stelle den wärmsten Dank nussprechen. 22 Geschichte. Botanische Beschreibung Abarten. Gräser und Pflanzen zu Gebote, so verschmähen sie ihn; das Rindvieh kann nur durch Hunger zum Genuß desselben gezwungen werden, denn er ist rauh und von der ersten Jugend an hart. Er ist also nur ein Lückenbüßer für geringe Böden und dient hier nur als Weide; auf besseren Böden wird er etwas höher und kann als Untergras zu andern Gräsern und zu Kleearten als Mähefntter dienen. Die Kultur des Schafschwingels ist auf dem Sandboden in Norddeutschland jedenfalls schon alt. Schon Mauke empfiehlt ihn 1818 und sagt von demselben: „Dieses Gras ist das vornehmste unter allen Gräsern, welche die Schafe fressen, und in der Kenntniß, Vermehrung und Benutzung desselben besteht ein Haupttheil der Schäfereiwissenschaft. Die Schafe ziehen es allen anderen Gräsern vor. und wo sie es häufig haben, gedeihen sie am besten. Alan hat die Erfahrung geniacht, daß sie auf einer Trist, wo neben dem Schafschwingel anderes hohes Gras wächst, dieses nicht anrühren, sondern die Schafschwingel heraussuchen, davon fett werden und feine Wolle bekommen. Wenn man daher die Schafzucht verbessern will, so niuß man bedacht sein, alle dürren Plätze mit diesem Grase zu besäen, und das um desto mehr, weil dergleichen Plätze zu nichts Besserem genutzt werden können." Wenn auch dieses Lob nach dem früher Gesagten einiger Einschränkung bedarf, so beweist dasselbe doch, daß mau schon damals diesem Gras einen sehr hohen Werth beimaß. Botanische Beschreibung. Der echte Schafschwingel bildet einen festen, dichten Rasen; sämmtliche Seitentriebe sind intravaginal und in die lange erhalten bleibenden (sich nicht in Fasern auflösenden) Mutterscheiden fest eingeschachtelt. (Fig. A.) Die meist aus einem Rasen in großer Zahl entspringenden Halme sind sehr fein, 20-60 °'" hoch, zweiknotig, unter der Rispe etwas kantig, daselbst meist etwas rauh. Die Blätter haben etwas rauhe, nur an der Basis geschlossene, sonst offene Scheiden. (Fig. 0.) Die Spreiten sind in der Knospe gefaltet und bleiben auch später sämmtlich borstlich zusammengefaltet (Fig. 10) (0.4 —0.5 mm im Durchmesser), sie sind schlaff und lebhaft grün. Unter der Epidermis derselben verläuft ein zusammenhängender Ring (d. h. auf dem Querschnitt durch die Spreite als „Ring" erscheinend) von stark verdickten (Sclerenchhm-)Zellen (Fig. 10, der schwarz ausgefüllte Ring unter der Epidermis); dem- entsprechend erscheinen auch trockene Blätter chlindrisch, mit gewölbten ungefnrchten Seiten. (Ist der Scleren- chymring unterbrochen, wie beim gefurchten Schafschwingel, so fällt beim Trocknen das Blatt zwischen den Sclerenchpmbündeln ein und erscheint dann gefurcht.) Der Blüthenstaud ist eine ausgebreitete, deutlich einseitige Rispe von länglichem Umriß, 2—12 om lang, mit rauher Spindel und ebensolchen Rispenästen; der unterste Hauptast ist 2 —3 mal kürzer als die ganze Rispe. Das Aehrchen (Fig. 1) ist 3—4 blüthig, elliptisch oder verlängert elliptisch, grün und violett gescheckt, (nur am Schatten bleichgrün). Die Klappen sind schmal-lanzett, die untere (Fig. 1. 2.) einnervig die obere (Fig. 1. 2.) 3 -nervig, beide auf dem Kiel kurz gewimpert. Die Deckspelzen (Fig. 1. 2.) sind 5 -nervig, begrannt, meist unter der Spitze rauh, die Borspelzen zweikielig, an den Kielen gewimpert. Die Blüthe besteht aus zwei eiförmigen zweizähnigen Schüppchen, von der Länge des Fruchtknotens, 3 Staubgefässen und einem kahlen verkehrteiförmigcn Stempel niit genau terminalen Griffelästen. Die Vorgänge bei der Blüthe sind ganz dieselben wie bei Lolium perenne. Bei der Reife spreizen zunächst die die Carhopse einschließenden Spelzenpaare weit von der Spindel ab (Fig. 2), um sich dann in der bekannten Weise mit einem vor der Vorspelze stehenden „Stielchen" als Scheinfrüchte abzulösen. Die Scheinfrüchte (Fig. 3 — 5 ) sind ohne Granne 3-4 """ lang, mit Granne 4—5 l / i ,nm ; das Stielchen, auf seiner schief abgestutzten Endfläche schwach ausgehöhlt, erreicht etwa den vierten Theil der Länge der Scheinfrucht (ohne Granne) und ist mit steifen, aufwärts gerichteten Börstchen bedeckt (Fig. 3 und 4 ). Die Carhopse (Fig. 6-8) selbst ist etwa 2""" lang, flachgedrückt, braunschwarz gefärbt, aus der Bauchseite (Fig. 6)^ seicht ausgehöhlt und mit einem beinahe ihre ganze Länge einnehmenden Nabelfleck bezeichnet, auf der Rückseite schwach gewölbt (Fig. 7 ). Abarten. Die oben bezeichneten Abarten kennzeichnen sich durch folgende Merkmale: I. Der echte Schafschwingel, auch Schafgras, Horstgras, Berggras oder kleiner Bocksbart genannt, ist soeben ausführlich cheschrieben. 23 2- Der härtliche Schafschwingel, meist als härtlicher Schwingel oder Hartschwingel bezeichnet, hat robustere Halme, größere Aehrchen und dickere Blätter als der echte Schafschwingel. sAls miuscula erhielten wir im Handel auch eine etwas kräftigere Varietät von vulgaris, welche von Hackel a festuca ovina eu-ovina vulgaris firmula (nähert sich duriuscula) bestimmt itmrbe.j 3. 2)er haarfeine Schafschwingel, dessen Same um Darmstadt „Tannesämchen" genannt wird (var. capillata, barri. paludosa, Gaud. tenuifolia, Sibth. — unter letzterem Namen im Handel), zeichnet sich Diese Zr" -^^Pen Wuchs, die sehr feinen, fast haarförmigen Blätter und unbegrannten Aehrchen aus. . e ^letät hat landwirthschaftlich keinen Werth, sondern der im Handel vorkommende Same wird nur zu Zierrasenanlagen an schattigen Plätzen benutzt. Blatt Walliser Schafschwingel. Der Ring stark verdickter Zellen unter der Oberhaut des d s Ne lmtbrbrochen (nicht zusammenhängend, wie bei den vorigen drei Varietäten), deßhalb bekommt ? Blatt beim Trocknen an den Seiten Längsfurchen. Die Pflanze ist blaugrün bereift (mit einem " ^llchbaren Wachsüberzug versehen). Er findet sich im Unterwallis und dessen Seitenthälern bis Brieg. 5. Der gefurchte Schasschwingel stimmt mit dem vorigen überein, nur ist er unbereift. Er wurde bis jetzt nur im Engadin, bei Pontresina, gefunden. 6 . Der Gemsen-Schafschwingel ist von allen vorigen unterschieden durch wenigstens bis zur * geschlossene Scheiden, voin folgenden durch fünsnervige Blätter und kurzgrannige bereifte Aehrchen. 1 r owmt auf dem Pilatus, deni Albulapaß und dem Frohnalpstock vor. mend '^ >ci ^, et ’ g Schafschwingel ist in Bezug auf die Blattscheiden mit dem vorigen übereiustim- Aeb-ü ""^rscheidet sich von demselben aber durch siebennervige Blätter und langbegrannte unbereifte * besonders in der südlichen .llette der Alpen verbreitet. kl. ' ^lpen-Schafschwingel unterscheidet sich von allen anderen Schafschwingeln durch die ,ubbeutel (nur 1 mm lang; bei den übrigen 2—3 """). Er kommt auf unseren Hochalpen vor ga in, Gemmi, Rawyl, Bagne, Bex, Chateau d'Oex, Faulhorn re.). bis Boden, Düngung. Der echte Schafschwingel kommt in ganz Europa Geographische dem .GimM - Un£> ^l>itzbergen wild vor, ferner im subarktischen und östlichen Asien, in Japan, aus Berbreitung. 2 ,° ^ I” o"glisch Nordamerika; in deni übrigen Nordarnerika ist er eingeführt. Europa's, seltener"in'qwrr^^^ £ chwingel ist gemein im größten Theil des Westlichen und südlichen Außerdem kommt er in' 91 V' ^ ^ e£ten in ^ord- und -Osteuropa (fehlt in Griechenland und Sicilieu). Seeland vor Da aber die 9 ^ukasus, Armenien, Altai, Mongolei, ferner in Neu-Holland, Neu- l-tzl-rm Angabe» mit Barsich, b-g«if-». s° sind diese Wfcoft?'-' “J!.. 1 “!! 6 ' 9 '". »-grändern. an, Sandh«g-ln. Bergen. z-ls-n Si-adaem stets trockene Böden an. —.w.w. mi |uiiüigen i&: _ - find sonst dürren Orten, von der Ebene bis hoch in die Alpen," sind die Schasschwingel häufig und zeigen ® er schasschwingel steigt nach den vorhandenen Angaben in den Alpen bis 1800 m ü. AI. Höhengrenzen. (Matt 856 m , Rafflen an der Splügenstraße 1050-1200 m , St. Moritz ca. 1800 ra ), der härtliche Schafschwingel bis 2100 111 jGipfel des Monte Camogho 1200 — 1500 m , St. Bevers und Celerina 1750 m , Moritz 1800 m , Foseagna-Paß 2100 m , Maloja 1800—2100'» (hier als forma lsevigata).] Der haar- feitte Schafschwingel findet sich noch in Fätdo <721 °°), jedenfalls geht er aber noch hoher. ßi, M-tt-maa und klimatische Einflüsse ist der Schasschwingel vollkommen unempfindlich, »ttma. f 8 ’ 9 . hoben Grad von Trockenheit, was schon daraus hervorgeht, daß er m namentlich ertragt er einen hohen ttetenbeTV P^de großer Dürre im Sommer ein sehr den südeuropäischen Ländern mrl der ® ^ Kation allerdings einen Stillstand, um häufiges Gras ist. Bei großer Trockenheit erleidet ferne B getanon J sich bei Eintritt feuchter Witterung im Herbst wieder zu e e en. - « mit Ausnahme von nassen und sauren Boden D-r Schapchwrnget z-b-iht zw« aus.f*** ' Lj)tferti 9 t, wnM) °»s Böden; sein Anbau ist jedoch nur auf leichten oder trock < Seaen ->m°r,„, S-Nd- und Ki°Ä°d.m FiK s°lch° >st » » ■ 24 Boden- 1000 U Heu vom echten Schafschwingel entnehmen dem Boden nach unseren Untersuchungen: erfcfjöjjfunft. Stickstoff . 11. 7 u Magnesia 0 ., U Phosphorsäure 4-6 M Kalk 2. ä U Kali 16. 8 U Kieselsäure . 37. 3 U Natron . 0. 2 u Schwefelsäure . 1-7 U Nach H r u sch a u e r enthielt der echte Schafschwingel (seegrüne Varietät desselben) Don einem Kalkboden: Phosphorsäure 3-o U Kalk 6. 5 U Kali 4. 7 u Kieselsäure 6-o U Natron 3. 5 U Schwefelsäure 1.2 U Magnesia 2. 3 U Düngung. Auf Sandböden säet man den Schafschwingel am besten nach gedüngten Hackfrüchten. Sobald ein Boden bewässert werden kann, ist er nicht mehr am Platze, auch wenn die sonstigen Bodeneigenschaften für dessen Verwendung sprechen würden, da nunmehr andere bessere Gräser hier gedeihen. Wuchs. Wachsthum, Ertrag und Futterwerth. Der Schafschwingel bildet einen dichten, gedrungenen Horst, aus welchem zahlreiche, 20—60 cm hohe, spärlich beblätterte Halme und zähe Wurzelblätter hervorsprossen. Die einzelnen, büschelförmig zusammengedrängten Horste sind etwas über dem Boden erhaben, um so mehr, je älter die Pflanze ist, weshalb das Gras sich schwer mähen läßt. Es bildet in Folge dessen für sich allein auch niemals einen geschlossenen Rasen, sondern derselbe ist immer mehr oder weniger lückenhaft, da zwischen den einzelnen Stöcken immer unberaste Stellen vorkommen. Entwicklung. Im Saatjahr entwickelt sich der Schafschwingel nur spärlich und liefert uuv eine geringe Nutzung. Erst im zweiten und dritten Jahr liefert er seinen vollen Ertrag und geht dann wieder zurück, weshalb er in Reinsaat oder in Mischungen, wo er überwiegt, nach vier Jahren umgepflügt werden sollte. Schon Anfangs April grünt und treibt er und gelangt Ende Mai oder Anfangs Ernte. Juni zur Blüthe. Mit dem Beweiden muß man jedoch sehr zeitig beginnen, weil die Blätter sehr bald hart und dann von den Schafen nicht mehr gefressen werden. Bei Eintritt der tiodxueu Witterung steht er in seinem Wachsthuni still, um im Nachsommer oder Herbst bei seitchtem Wetter wieder neu auszuschlagen. Er kann dann, so lange es die Witterung erlaubt, bis in den Winter geweidet werden. Vianne erzielte vom härtlichen Schwingel per Hektar 95 Zentner Heu, während Wirthschaftsinspektor Bürger den Ertrag beim echten Schafschwingel nur zu 29 Zentner per Hektar angibt. Jedenfalls ist der Ertrag auf armen Böden sehr gering. 100 U Gras geben nach Vianne 38 tt Heu, nach Block 35—40 U. Er dörrt also verhältnißmäßig wenig ein. Futterwerth. 100 U Heu vom echten Schafschwingel enthalten ilach unsern Untersuchltngen 78.?°/., organische Substanz, darin sind: Stickstoffhaltige Stoffe (N x 6. 25 ). (Stickstoff im Eiweiß 0. 7;)9 %, im eiweißfreien Saft 0. 438 %) Fett. Rohsaser. Stickstofffreie Extraktstoffe. 7 «/ ' '4 /0 3. 0 ü /o 31 - 6 % 36.,% 25 Nach 6 olli et enthalt derselbe 81./7„ organische Substanz; darin sind enthalten: Stickstoffhaltige Stoffe (N X 6. M ) • - ■ ■ ' 3 # 0 ^ Fett . 72 °/ ÄÄÄ' «K mi,: Stickstoffhaltigen Stoffen • • • • • | ’ 2 * „° Fett.' 33.® n Holzfaser ' . u. 8 „ Stickstofffreien Extraktstoffen • - • ' ' . v ... Nach den zwei ersten Untersuchungen ist das Heu ärmer, nach der ehi kn "t ) als Wiesenheu durchschnittlicher Qualität. Der Fettgehalt ist in allen drer Fa en gr ß , 88 aber auch der Holzfasergehalt, während der Prozentsatz der stickstofffreien Extraktivstoffe einer rs. Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der Schafschwmge sez reichlich Samen an, und dieselben sind leicht zu gewinnen, weshalb sie rm Samenhan e ver- hältnißmäßig billig sind. Die Reife fällt auf Ende Juni oder Anfang Juli. Man darf en Samen nicht zu reif werden lassen, weil sonst bei der Ernte sehr viel durch Abfall verloren ge)en würde, sondern man schneidet ihn, wenn das Korn leder'g geworden ist und die amen r ) er ) abstreifen lassen. Beim Trocknen verfährt man wie beim englischen Raygras oder trocknet die Pflanzen zu Hause auf Gerüsten. Er läßt sich sehr leicht abdreschen. Sehr viel Samen, nanient- lich von härtlichem Schwingel, wird auf Triften, öden Plätzen, an Rainen u. s. f., wo er wrld vorkommt, gesammelt. , , Der Same ist häufig mit Drahtschmiele, Aira flexuosa, L. (Fig. 46) verunreinigt, was sich aber ohne segliche Schwierigkeit erkennen lästt. Hin und wieder wird demselben auch a fr ) t ) der Same vom Pfeifenriedt, Molinia coerulea, Mcench (Fig. 47) beigemischt, welcher sich acuam - Drahtschmiele. Aira flexuosa, L. a Scheinfrucht in natürl. Größe, b dieselbe, Rückenansicht; c Seitenansicht, achtmal vergrößert. Figur 47. Blaues Pfeifengras. Molinia. coerulea, Moeneli. Scheinfrüchte von der Seite, a natürliche Größe; b und c achtmal vergrößert. b c a Figur 48. Trefpenfchwingel. Vulpia bromoi'des, Link. a. Scheinfrucht nat. Größe. b. Bauchseite, c. Rückeufeite, fünfmal vergrößert. Samengewinnung. Verunreinigungen und Verfälschungen. 26 Samenqualität. Saatquantum. Mischungen. Saat. Aniethyst- blauer Schwingel. lich durch das Fehlen der Granne, die größere Dicke und das Hervortreten der innern Spelze unterscheidet. Seltener ist die Verfälschung mit dem Trespenschwingel, Vulpia bromoides (Fig. 48); derselbe ist dunkler gefärbt, langgestreckt, dünn und die Spelze läuft allmälig in eine lange Granne aus. Same und Saat. Eine gute Handelswaare soll 90 °/u reine Samen enthalten, von welchen mindestens 50 % keimen. Häufig steigt die Keimfähigkeit noch höher, aber noch viel häufiger ist sie geringer. 1 Kilogramm reine Samen enthält durchschnittlich 1,500,000 Körner; 1 Hektoliter Samen wiegt 13—18, im Durchschnitt 15—16 Kilogramm. Das durchschnittliche Saatquantum beträgt per Hektar 32 Kilo einer 15prozentigen Waare 1440 Kiloprozente, Per Juchart 12 Kilo = 540 Kiloprozente. Rein sollte der Schafschwingel nie gesäet werden, auch nicht auf ganz geringem Boden, sondern um einen geschlossenen Rasen zu erzielen, sollten andere Futterpflanzen beigemischt werden, aus ganz geringen Böden Wundklee, auf etwas besseren Sandböden Weißklee, Wiesenrispengras, vielleicht auch Timothegras. Auf solchen Bodenarten ist er am vvrthcilhaftesten als vierjährige Wechselweide. Zu Wiesenanlagen, also zum Mähen, verwendet man ihn sowohl zu Wechsel-, als Dauerwiesen, aber stets nur in geringem Prozentsatz als Untergras. Wenn er allein gesäet wird oder in der Mischung überwiegt, so säet man ihn am besten nach Kartoffeln im Herbst unter Roggen. Nach. Aberutung des Roggens im nächsten Jahr darf man ihn jedoch nicht abweiden, sondern man muß ihn zuerst etwas bestocken lassen, weil die jungen Pslänzcheu sollst von den Schafen ausgerissen werden. Gilt ist es, wenn das Feld im Herbst nach der Ab- erntung des Roggens und auch die folgenden Jahre im Frühjahr gewalzt wird, damit die Stöcke etwas flach- und allfällig ausgewinterte Pflanzen wieder eingedrückt werden. Der Schafschwingel ist auf Saird eine gute Vorfrucht für Roggen, so daß auf solchem Boden folgende Fruchtfolge am Platze wäre: 1. Roggen; 2. Kartoffeln, gedüngt; 3. Roggen; 4. bis 7. Schafweide. Eine mit den Schafschwingeln verwandte Art ist der amethhstblaue Schwingel, bostuea amethystina L., von allen Schafschwingeln verschieden durch die tiefe enge Furche in der geschlossenen Hälfte der Blattscheide unb den behaarten Fruchtknoten. Die Seiteutriebe haben äußerst lange und feine haarförmige, bläulichgrüne Blätter (im trocknen Zustand gefurcht), die Aehrchen sind nicht begrannt; es ist ein Gras trockener Abhänge lind lichter Föhrenwälder, wächst am Uetli und Albis, bei Bex, Genf, an der Axenstraße rc. Erklärung Figur A. Ganze Pflanze mit einer noch zusammengezogenen und einer ausgebreiteten blühenden Rispe. „ I. Aehrchen vor der Blüthe. „ 2. Fruchtährchen. „ 3. Scheinfrucht von der Bauchseite aus. „ 4. Scheinfrucht im Profil. „ 5. Scheinfrucht vom Rücken aus. der Tafel 20. Figur 6. Caryopse von der Furchenseite (Bauchseite). ., 7. Caryopse von der Rückenseite. „ 8. Caryopse im Profil. ! „ 9. Querschnitt durch einen Laubtrieb mit j (offener) Scheide und junger Spreite. „ 10. Querschnitt durch eine fertige Blattspreite j (nach Hacket). 11. Blatthäutcheu (zweiöhrig). Taf. 20 lu-fittfifnvitr /j/ f( t(h(fnfrhrj/ lilfttffj{ •}{ {>j f/ r A r ab(‘lf7*'<‘k Neint/mrj Hig.!0. 15 / J>rrk.s]jc/zf‘u PprUspftzo 4 ■■ Voj'spr'he f>ccj(\sj>rfxf‘ C:Lü Kiti. 3. ,0 1 **// /(-Jy. tl7t /r/y /r/f/pjjf. Festuca ovina, L. van vulgaris, Koch. Echter Schafschwingel t L. Sciiröter ad. v. Lith. Genossenschaft Zürich. ■ iF iW ? - Av r mm 27 Die Kothschwingel. Festuca rubra, Hackel. Unter dem Namen „Rothschwingel^ begreifen wir mit Hackel die Schwingel ohne zwie e ar lge Verdicknng des Scheidengrnndes, von kriechendem oder lockerrasigem, seltener dichtrasigem Wuchs, «u lauter oder theilweise extravaginalen Trieben, gefalteter Knospenlage der Blätter, borjllich zusammengefalteten oder offenen Blattspreite» (an den Blättern der Seitentriebe meist gefaltet ruck an den Halmblättern offen, seltener aNe gefaltet oder alle offen), zweiöh rigem Blatthäutchen der Halmblätter, geschlossenen Blattscheiden und kahlem oder behaartem Fruchtknoten. *) Wir können bei uns folgende^bemerkenswerthe, dem Typus der Rothschwingel ungehörige Arten unterscheiden. **) t) Der kriechende Rothschwingel, Festuca rubra, Firme (Festuca rubra, subspecies eu- rubra, Varietät genuina, Hackel). 2) Der dichtrasige Rothschwingel, Festuca fallax, Thuill. (Festuca rubra, subspecies eu-rubra, Varietät fallax ***), Hackel). 3) Der verschiedenblättrige Rothschwingel, Festuca heterophylla, Lamarck. (Festuca rubra, subspecies heterophylla, Hackel.) 4) Der Alpen-Rothschwingel, Festuca violacea, Hackel (Festuca rubra, subspecies violacea, Hackel Monogr.) Sämmtliche Vier Formen sind landwirthschaftlich sehr wichtig. Wir behandeln jedoch mir die erste und dritte Art ausführlicher, da die zweite in ihrem Wuchs und landwirthschaftlicheu Werth mit dem Verschiedenbtättrigen Rothschwingel übereinstimmt und über den vierten bis dato noch keine Erfahrungen vorliegen. Dasselbe gilt von zwei Weilern bei uns vorkommenden Rothschwingeln; es sind das: 5) Der slachblättrige Rothschwingel, Festuca rubra, subspecies eu-rubra, var. planifolia, Hacke > mit lauter offenen Blattspreiteu. ' „ . . 6) Der (einblättrige Rothschwingel, Festuca rubra , subspecies eu-rubra, var. trichophylla, Mac (Festuca trichophylla, Gaud) mit lauter bvrstlich zusammengefalteten Blättern. 21. Der kriechende KotWwiirgel. Festuca rubra, F. Festuca rubra, subsp. eu-rubra, var. genuina, Hackel. Der kriechende Rothschwingel heißt auch rother Schasschwiugel. rother Bocksbart ober Senenn«« 0 , ®r gehört mit dem dichtrasigen und den beiden zuletzt genannten zu den echten Rothschwingeln (Subspeci eu-rubra Hackel). . , •u I| Wenn auch die Kultur verhaltnißmäßig neu ist, so ist dieses Gras doch schon von Schreber 1769 Geschichte und spater von Mauke als eine werthvolle Futterpflanze anerkannt worden. Der kriechende Rothschwingel ist ein ausdauerndes Gras, das sowohl als Weide, wie als L-ndwbth- ■*« r . ..'Tiipitftp seiften kann. wenn es auch MW ,( y er nachahmt. 28 fein Wiesengras erster Güte ist. Nach Sinclair dauert es 7 bis 8 Jahre nnd liefert im zweiten Jahre den Hauptertrag. Anf gnten Böden lassen zwar bessere Gräser einen höheren Ertrag erwarten, während unser Gras anf geringeren Bodenarten, namentlich frischen Sandböden, Eisenbahndämmen und Böschungen wegen seiner kriechenden Triebe, durch welche es den Boden befestigt unb einen zusammenhängenden Rasen bildet — und zudem noch einen ziemlich guten Futterertrag abwirft — sehr am Platze ist. Der oberirdische Theil der Pflanze hat große Aehnlichkeit mit dem härtlichen Schwingel, ist aber im Ganzen stärker entwickelt. Botanische Botanische Beschreibung. sDie Tafel stellt eine grvßblüthige Form dar (subvariot. graudiflora, Beschreibung. Hack.).] Der kriechende Rothschwingel hat einen lockern, ausläufertreibeuden Wuchs. Die Seitentriebe sind theils intravaginal, kleine Theilhorste bildend, theils extravaginal, und dann horizontal mehr oder weniger weit kriechend, häufig anfangs sogar abwärts wachsend, so daß der Gesammthorst aus mehr oder weniger weit von einander entfernten Einzeltrieben und Theilhorsten sich zusammensetzt (Fig. A). Der Halm ist aufsteigend, glatt, 45 — 90 °™ hoch. Die Blätter besitzen glatte geschlossene Scheiden (Fig. 8). Die Spreiten der Seitentriebe sind bvrstlich zusammengefaltet, 5—7 nervig sFig. 9), mit 5 — 7, den Nerven entsprechenden, unter der Oberhaut der Blattunter- (resp. außen-) feite getrennt verlaufenden Bastrippen (Fig. 8). Die Halmblätter sind offen, vielnervig, anf der Oberseite behaart und mit den Nerven entsprechenden, stark vorspringenden Längsrippen versehen, zwischen welchen Gelenkzellen liegen (Fig. 9). Unter der Oberhaut der Unter- und Oberseite verlaufen auch hier den Nerven entsprechende isolirte Bastrippeu (Fig. 9). Das Blatthäutchen ist stets kahl, das der sterilen Triebe auf einen gleichmäßigen schmalen Quersaum reduzirt, das der Halmblätter schlvach geöhrt (Fig. 10). Die Rispeuäste sind zur Blüthezeit weit abstehend; die Aehrcheu bei der abgebildeten Varietät bis 10 ra “, sonst nur 7 — 8 miu lang, 4—6- blüthig, die Deckspelzen begraunt. (Fig. 1.) Der Fruchtknoten ist kahl. Die Scheinfrucht (Fig. 2—4) ist ohne Granne 3 - 5 m ™ lang, mit einem kahlen Stielchen versehen. Die Caryopse (Fig. 5—7) ist circa 2—3.5 ram lang, flachgedrückt, anf der Bauchseite mit breiter seichter Furche und langem Nabelfleck versehen. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der kriechende Rothschwingel ist in ganz Europa, von Verbreitung. Spitzbergen bis nach Griechenland, Sicilien und Südspanien, verbreitet, im Süden nur aus hohen Bergen (in Griechenland auf dem Oeta bis 2000™, auf der spanischen Sierra Nevada bis 2800™). Außerdem findet er sich im gemäßigten Asien und in Nordamerika. Standorte. Bei uns findet er sich aus Tristen, trockenen und halbtrockenen Wiesen, an Weg- und Waldrändern, Höhengrenzen. in Waldlücken, auf Sandfeldern und selbst auf Mauern, von der Ebene bis in die Alpenregivn (St. Moritz 1800™, Piz Padella ob Samaden 2200™, Melchalp 2100™, Uigi 1800™ u. s. s.). Klima. Obschon der kriechende Rothschwingel die Dürre nicht so gut ertragen kann wie die, Schaf- schwingel, ist er doch in dieser Beziehung nicht sehr empfindlich, sobald ihm der Boden zusagt. Im Allgemeinen liebt er reiche Thauniederschläge und kann deßhalb am Meer oder an Flußufern sogar auf trockenem Sand angebaut werden. Gegen Kälte ist er unempfindlich. Er erträgt auch Schatten. Boden. Am besten gedeiht er auf lockerem, halbmoorigem Boden, in welchem er seine Ausläufer entwickeln kann. Sogar auf slachgründigem Boden kann er angebaut werden, wenn die Krume gut und nicht zu trocken ist. Auf vielen Alpen, wo oft nur eine äußerst schwache Krume vorhanden ist, bildet der kriechende Rothschwingel den Hauptbestandtheil der Weiden, als Zeichen, daß ihm der lockere, humusreiche, wenn auch slachgründige Boden sehr zusagt. Aber auch auf Wiesen und leichtem Sandboden ist er oft häufig und ist als Untergras für solche Böden sehr schätzbar, da die bessern Untergräser hier weniger gut gedeihen würden. Auf besseren Moorböden gedeiht er ebenfalls gut, während er auf andern bessern Böden nicht am Platze ist. 29 1000 n Heu entnehmen dem Boden nach unsern Untersuchungen: Phosphorsäurc Kali Natron 7 .» U 9 .« „ U-z „ 0.« „ Magnesia Kalk . Kieselsäure . Schwefelsäure 0.^ U 3-9 n 32. 7 „ l'b " imfe ^ Wurzelsystem hauptsächlich in der obersten Krume ausbreitet, so wird Vorzugs- m' r s U 6 Eine Ueberdüngnng fördert deßhalb die Entwicklung wesentlich. Auch für die Ue ' e[un 3 ist er sehr dankbar. Ho'' E^llchsthum, Ertrag, Futterwerth. Der kriechende Rothschwingel bildet einen lockeren Grui^d kürzeren, unterirdischen Kriechtrieben (siehe die botanische Beschreibung). Aus diesem e erzeugt er einen zusammhängenden, wenn auch etwas lockeren Rasen. Die Entwicklung und "l' < ^ ast ^ a ^ V Eist eine geringe, erst im zweiten Jahr erreicht er sein volles Entwicklungsstadium Blütl Hauptertrag. Im Frühjahr treibt er etwas später als die Schafschwingel. Die werden ^ Anfang Juni, in hohen Lagen etwas später ein. Nach der Blüthe werden M theilweise dürr, weßhalb das Gras wenn möglich vor der Blüthe geschnitten imm -K ° ’ e ' ^ ei Nachwuchs ist nicht bederrtend, da er keine Halme, sondern nur Blätter treibt, bleiben K ^ ^ ^ dem härtlichen Schafschwingel. Die Blätter des zweiten Schnittes Bewe'd " U ^ CU ^"Eer hinein grün. Wird das Gras als Weide genutzt, so muß marr mit dem en möglichst zeitig beginneir, da es bald hart wird und vorn Vieh dann verschmäht würde. per Hektar in^de^ glrx UCU ^ j e {j t verschieden. S i n e l a i r erzielte aus leichtenr Sandbodeir tornm) erhielt e/ ^ ^ cn ^ ner (per Juchart 35 Zentner). Von einer größeren Varietät (diune- Zentner). V i an n e^ eichen, schwarzen Sandboden in der Blüthe 123 Zentner (per Juchart 44 gaben nach Vianne ^ Hektar 75 Zentner 2. Scheinfrucht von der Bauchseite. » 3. Scheinsrucht von der Rückenseite. » 4. Scheinfrucht im Profil. " 5. Caryopse von der Bauchseite. blattes. 10. Blatthäutchen. 22. Der verschiedenblüttrige Htothschwingel. Festuca heterophylla, Lam. (nicht Htenke). Festuca rubra, Subsp. heterophylla, Hack. fiiiaae bezeichnete in der zwölften Auflage seines Werkes «Systema naturae» 1767 ben verschieden- Benennung, blättrigen Rothschwingel als Festuca duriuscula, während er in der zehnten Auflage des gleichen Werkes, 1759, und in der zweiten Auflage seiner Species plantarum den härtkichen Schasschwingel mit diesem stamen belegt. Da nun diese Unterschiede früher nicht immer genügend auseinandergehalten wurden, sind die älteren Angaben oft unbrauchbar und haben sogar zur Verwirrung beigetragen. Das Beste ist es, den Namen äurluseula für Festuca heterophylla, Lamarck gänzlich zu vermeiden, um so keinen Anlaß ^ ^ächchungen zu geben. Deutsche Namen sind folgende gebräuchlich: verschiedenblättriger Schafschwingel o er -Schwingel, Wald-Bvrstenschwingel, Großmutterhaar (Marthalen), großer Rothspitz. Schon Sprengel wurde auf dieses schöne Gras aufmerksam und hat damit Versuche ange- Landwirth- stellt. Mii welchem Erfolg, ist mir freilich unbekannt. Auch ich habe dasselbe vor 2 Jahren im ^bsigen Versuchsfelde angepflanzt und dieses Jahr sehr zufriedenstellende Resultate erzielt. Nichts destvweuiger mag es richtig sein, was mehrere Autoren von ihm sagen, daß es besser im Schatten gedeihe, als auf offenem Terrain. Jn's Freie gesäet, komme es zwar auch fort, bestocke sich aber viel weniger und gehe im Ertrag bald zurück, wie Langethal, dem die Fachkenntniß auf diesem Gebiete nicht abgestritten werden kann, erwähnt. Botanische Beschreibung. Der verschiedenblüttrige Rothschwingel unterscheidet sich im Wuchs Botanische namentlich dadurch von dem kriechenden und dem dichtrasigen, daß die intravaginalen Triebe die große Beschreibuna. Mehrzahl bilden; der Horst ist ein ganz dichtgedrängter, aus vielen intravaginalen und weniger extra- vaginalen, nicht kriechenden Seitentrieben gebildet. Der Halm wird sehr hoch (60—120 ,,m ). ist meist drei- knotig und glatt. Die Blätter haben geschlossene Scheiden (Fig. 9); diesenigen der Seitentriebe besitzen haarfeine, sehr lange und schlaffe, borstlich zusammengefaltete Spreiten von dreieckigem Querschnitt (Fig. 9). den Ecken verlaufen unter der Oberhaut der Unterseite isolirte Bastrippen (Fig. 9). Die Spreiten Halmblätter sind flach ausgebreitet, 2—3 mm breit, aus der behaarten Oberseite mit 5—17 hervorragenden Längsrippen und in den Thälchen zwischen denselben mit Gelenkzellen versehen (Fig. 10). Den Rippen entsprechend verlausen im Innern des Blattes ebenso viele Nerven (Gefäßbündel), deren stärkere von Baftbelegen umgeben sind, die von Epidermis zu Epidermis reichen, während den ichwächern Nerven isolirt unter der Oberhaut liegende Bastrippen entsprechen (Fig. 10). Das Blatthäutchen stellt einen kaum geöhrten, schmalen Qnersaum dar (Fig. 10). Die Rispe ist groß und locker ( ö ~-16 (ang), an der Spitze oft überhängend (Fig. A.) und aus großen 3—9blüthigen, 8-10 langen I 32 Aehrchen zusammengesetzt. Die Spelzen sind mit Grannen von halber bis ganzer Spelzeulänge versehen, oberwärts rauh (Fig. t—5). Der Fruchtknoten ist behaart. Die Scheinfrucht ist ohne Granne 4.z —5.»'™ lang, schlank, mit beinahe l / 2 so langem behaartem Stielchen versehen (Fig. 3—5). Die Caryopse ist 3.z—4.z""" lang, flachgedrückt, auf der Bauchseite mit seichter Furche und langem Nabelfleck versehen. (Fig. 6-8.) Abarten. Abarten. In England sind mehrere Abarten dieses Grases im Anbau, von welchen folgende erwähnenswerth sind: 1. praecox, der frühe; 2. purpurata, der Purpurfarbige; 3. serratifolia, der gesägte und 4. glabra, der glatte verschiedenblättrige Rothschwingel. Da nun aber das Gras nach Hacket nicht weiter nach Norden geht als bis zum 52 °, und derselbe Autor es in England wildwachsend gar nicht anführt, so ist es möglich, daß diese Formen dem dichtrasigen Rothschwingel (llostuca rubra fallax, Hackel. angehören, welcher früher vielfach zum verschiedenblättrigeu gerechnet wurde. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der verschiedenblättrige Schwingel ist eine vorwiegend Verbreitung, südliche Pflanze, überschreitet kaum den 52 0 n. Br. und findet sich über ganz Frankreich bis Paris, ganz Italien, in West- und Süddeutschland sNvrdgrenze nach Hackel: Pfalz, Bonn, Kyffhäuser, Brauuschweig, Sondershausen, Halle, Spandau, Strehlen), seltener in der ebeneren Schweiz, in Oesterreich, Bosnien, Serbien, Macedonien; außer Europa in den kaukasischen Provinzen und im Himalaya. Standorte. Namentlich findet er sich in lichten Laubwaldungen, in Waldrücken und Waldrändern. Höhengrenzen. Seinem abgegrenzten Vorkommen nach Norden entspricht auch seine Begrenzung in Bezug auf seine vertikale Ausbreitung, da er höchstens bis 700 m hoch steigt, weßhalb die Kultur in höheren Lagen kaum gute Resultate ergeben würde. In hohen Lagen kann er durch den dichtrasigen Rothschwingel ersetzt werden. Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Wuchs. Entwicklung. Wenn die übrigen Bedingungen seinen Anforderungen entsprechen, so ist er nicht empstndlich gegen klimatische Einflüsse und kann einen hohen Grad von Trockenheit ertragen. Der verschiedenblättrige Rothschwingel gedeiht am besten auf niedrig gelegenem, also frischem, humosem, lehmigem Sand- und auf sandigem Lehmboden. Auf geringen, armen Sandböden kommt er nicht mehr fort; dagegen ist er für gute Moorböden eher geeignet. 1000 U Heu entnehmen dem Bodeil nach unsern Untersuchungen Stickstoff 8., U Magnesia 0.« u Phosphorsäure 10., u Kalk 2. s U Kali . 14.1 * Kieselsäure . 44.« U Natron . 0 .« u Schwefelsäure . 1 .« U Die Asche ist also reich an Phosphorsäure und Kieselsäure. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Der verschiedenblättrige Rothschwingel bildet dichte Horste, welchen zahlreiche, lange, borstliche Blätter (deshalb Borstschwingel) — die das Untergras bilden — und weniger zahlreiche, bis 1 hohe Halme, mit breiten Blättern (daher verschiedenblättrig) — die das Obergras repräsentireu — entspringen. Die Horste bilden mit dem Alter oft ein mehrere Zoll hohes Rasenpolster, wodurch der Bestand sehr unegal wird. In Bezug auf die Entwicklung gilt das, was vom kriechenden Rothschwingel gesagt wurde: er liefert erst im zweiten Jahre seinen vollen Ertrag, die Entwicklung im Frühjahr ist etwas später und der Nachwuchs ist gering. Ertrag. Vianne erzielte per Hektar einen Heuertrag von 94 Zentner. 100 U Heu, am 30. Juni geschnitten, enthalten nach unsern Untersuchungen 77.,°/« organische Substanz, bestehend aus: Stickstoffhaltigen Stoffen (N X 6. 25 ).ö. 5 % (N T im Eiweiß 0..- l07 %, im eiweißfreien Saft 0. 30a %) (jjctt .....•••■•• 2. 8 „ Holzfaser.38.« „ Stickstofffreie Eptraktstosfe ..30., „ t I } I 33 b c a Figur 50. Trefpenschwingel. Vulpia bromoides, Link. a. Scheinfrucht nat. Größe. b. Bauchseite, c. Rückenseite, fünfmal vergrößert. Der Gehalt an Eiweiß ist also wesentlich geringer als in Wiesen- heu mittlerer Qualität, während der Fettgehalt wenig höher ist. Es liegt außerdem eine Untersuchung von Wah vor. Den uns vorliegenden Angaben konnten wir aber nicht entnehmen, ob sich dieselbe auf diese Art oder auf Festuca fallax bezieht. Samengewinnung. Verunreinigungen und Verfälschungen. Samm- Der im Handel vorkommende Same wird wie jener des rothen Schwingels sewmnung. meist in Wäldern gesammelt, wobei ähnlich verfahren wird, wie beim vorigen. Aechter Same ist im Handel selten. Das was als verschieden- Verunreim- blättriger Schwingel ansgeboten wird, ist meist dichtrasiger Schwingel, «ungenund Aechten Samen erhielten wir u. A. von Vilmorin - Andrienx & Co. in Iungem Paris zu Fr. 1.40 per Kilo, ferner von A. Le Coq & Co. in Darmstadt und Schärlh & Felder in Willisan. Er wird hin und wieder mit Trespenschwingel, Vulpia bromoides, (Fig. 50) verfälscht. Der letztere ist jedoch dünner und länger begrannt. Same und Saat. Die durchschnittliche Qualität beträgt nach unsern Untersuchungen 92.,% Samen- Nernheit und 63V» Keimfähigkeit — 58.4% reine und keimfähige Samen. 1 Kilo reine Samen qunhtat ' enthalt 8— 1,200,000 Körner. Das Saatquantum beträgt per Hektar 38 Kilo — 2219 Kilo- Saat- Prozente, per Juchart 13.« Kilo — 788 Kiloprozente. Die Neinsaat ist jedoch nicht zu empfehlen, qucmtum toei * der verschiedenblättrige Schwingel wegen seines Horstweisen Wuchses keinen geschlossenen Rasen Saat. zu bilden im Stande ist. Als Zwischengras eignet sich namentlich der kriechende Nothschwingel, auch das Wiesenrispengras. In der Gärtnerei werden die zweijährigen Pflanzen zu Beeteinsassungen verwendet. Der dichtrasige Kolli schwinget. Dichtrasiger Festuca fallax, ThuilL, Festuca rubra, subsp. eu-rubra, var. fallax, Hackel. Rothfchwmgei (Festuca heterophylla, Heenke.) htm TOnRothschwingel unterscheidet sich von dem kriechenden Rothschwingel botanisch bloß durch h "h r-sb. ^ en Seitentriebe sind wie bei diesem zahlreicher als die intravaginalen (Unter- ateia, ^ ^ te ba attrigen Rothschwingel!s, entwickeln sich aber nicht zu Kriechtrieben, sondern wenden sich eiunn^^ m scharfem Winkel nach oben, so daß alle oberirdischen Triebe dicht neben- hänaenb m f ä u Stande kommt, weßhalb dieser Rothschwingel keinen zusammen- en Rasen budet, sondern zwischen den einzelnen Stöcken immer mehr oder weniger Lücken übrig läßt. dem wr v Verwandtschaft mit dem kriechenden Rothschwingel reihen wir ihn hier dennoch die Kult ^ledenblättrigen an, weil er landwirthschaftlich diesem viel näher steht und in Bezug auf erwähnt "wu d^ n ^ m ^ e Ötm ö^fagt werden kann, was von dem verschiedenblättrigen Rothschwingel Oberes^* ^\^ er dasselbe Gebiet verbreitet wie der kriechende, ist aber seltener; in einer alpinen Form cens ’ Lam.) findet er sich auf den Pyrenäen, Alpen (Wollerau 600 °>, St. Bernhardin 1800- 5- 34 2100 m , Parpaner-Rothhorn 2100 m , Ralligstöcke, Engstlenalp. Stockhorn, Gemmi), dem Jura, in Zentral- Frankreich und Calabrien. Für die Kultur in offenen Lagen ist er besser geeignet, als der verschiedenblättrige Rothschwingel. Bis dahin kam der Same im Handel bald als kriechender, bald als verschiedenblättriger Rothschwingel vor. Alpen- Der Mpen-Kothschwingel. Rothschwingel. Festuca, violacea, Gaudin. Festuca rubra, subspecies violacea, Hackel. Der Alpen-Rothschwingel stimmt mit dem verschiedenblättrigen Rothschwingel im dichtrasigen Wuchs und dem behaarten Fruchtknoten überein, unterscheidet sich aber von ihm durch das Ueberwiegen der extra - vaginalen Triebe und die mehr oder weniger stark borstlich zusammengefalteten Halmblätter, ferner durch breitere, meist violett überlaufene Aehrchen. Er findet sich bei uns auf den Alpen, Boralpen und dem Jura. Erfahrungen über den landwirthschaftlichen Werth liegen noch keine vor*). Erklärung der Tafel 22. Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ B. Rispe vor dem Aufblühen. „ 1. Aehrchen in Blüthe. „ 2. Aehrchen vor der Blüthe. „ 3. Scheinfrucht von der Bauchseite. „ 4. Scheinfrucht von der Rückenseite. „ 5. Scheinfrucht im Profil „ 6. Carhopse vom Rücken aus. j Figur 7. Caryopse von der Bauchseite. „ 8. Caryopse im Profil. „ 9. Querschnitt durch einen Seitentrieb (Scheide geschlossen, Spreite borstlich zusammengefaltet). „ 10. Querschnitt durch die Spreite eines Halmblatts. „ 11. Blatthäutchen. 23. Die aufrechte Trespe. Bromus erectus, Hudson. B-nennung. Im Samenhandel kommt die aufrechte Trespe in der Regel unter dem Namen Wiesentrespe (Bromus pratensis, Bamareü) vor, seltener ist der Name steife Trespe oder Wiesen-Trespenschwingel (Festuea ereeta, Wallr.), Bergtrespe (Bromus montanus, Flora d. Wetterau), Bergschwingel (Festuca montana, Savi). Mit andern harten Gräsern heißt sie im Volksmund wohl auch „Eisendrahtgras". Geschichte. In Südfrankreich wird sie schon lange kultivirt, während man den Anbau in den nördlicheren Ländern erst in neuester Zeit versuchte. Landwirth- Die aufrechte Trespe ist zwar nur ein mittelmäßiges Futtergras, kann aber unter Umständen ^äöertfT 3 au 3 vortreffliche Dienste leisten, namentlich auf Kalkböden, welche für die Esparsette zu arm oder zu flachgründig sind. Was der Schafschwingel auf armen Sandböden, das ist die aufrechte Trespe auf armen Kalkböden, da kein anderes Gras hier so befriedigende Resultate liefert wie dieses, sowohl als *) Die Verfasser beabsichtigen im Laus der nächsten Jahre die Alpensutterpslanzen einer griindlichen Untersuchung zu unterwerfen und die Resultate derselben dann in einer weiter» Lieferung dieses Werkes zu veröffentlichen. p c/cjc/iJsjs scrir BfaJlscheidr. gre/aJMf’ Spret/e riq.9. 3 ^ /)eeJcspe/ze . O tisl/wer/. torspelzt S/islefiSH ...i. speJze Fig.3. 10 /< Kig.4*. ,0 /i Fig.5.^ BerJcspe/ze - - - vrjnspe/ze Fig.1.9* t AVtrbe fft/ippe - "Jttm Hlappc JjV ; 'St/.tiiibeu/fJ \ 'M/seim/m Fig.6. 10 /r Gelenkgflfan, BastBelepe Ki 9' 7 “ /J Rg.ö. 1 "/- Festuca heterophylla. 'Lam. Verschiedenblättriger Rothschwingel Fig. 10. ^ V Lith. Genossenschaft. Zürich Mähegras, wie zu Weide. Wir rechnen es nicht wegen seines hohen Ertrages oder der guten Futter- qualität zu den besten Futterpflanzen, sondern weil es auf geringem Boden, wo bessere Gräser nicht mehr gedeihen, noch am besten fortkommt. Für solche Bodenarten ist es ein wirklicher Segen, während es auf bessern Böden nicht mehr lohnt. Auf entsprechendem Boden ist es außerordentlich dauerhaft. Vilmorin erwähnt, daß er Grundstücke besitze, welche er vor zwanzig Jahren mit diesem Gras besäete und noch immer sei der Bestand ein guter, trotzdem nie gedüngt wurde. Jedenfalls ist die Dauer sehr abhängig vom Boden. Auf kalkreichem warmem Boden ist sie größer als aus kalkarmem. Botanische Beschreibung. Die aufrechte Trespe bildet einen gedrängten ebenen Horst; die Seiten- Botanische triebe sind zwar sämmtlich extravaginal, aber sie wenden sich unmittelbar über ihrer Ursprungsstelle nach Beschreibung, oben (Fig. B); horizontale oder vertikale verlängerte Rhizomglieder fehlen vollständig. Der steif aufrechte, glatte und kahle Halm wird 30—90°°" hoch. Die Blätter besitzen geschlossene seinbehaarte Scheiden (Fig. 10). Die Spreiten sind in der Knospe gefaltet (Unterschied von der wehrlosen Trespe, wo sie gerollt sind) (Fig. 10) und an den Rändern durch lange steife Haare entfernt gewimpert; die Blätter der Seitentciebe bleiben meist borstlich zusammengefaltet, die Halmspreiten sind breiter und geöffnet (Fig. 11). Sie besitzen 7—11 stärkere und 6 — 10 dazwischen liegende schwächere Nerven; die ersteren sind mit von Epidermis zu Epidermis reichenden Bastbelegen versehen (Fig. 11) und liegen in schwach vertieften Längsrinnen der Spreite; die Epidermis der dieselben trennenden schwach gewölbten Längsrillen ist zu Gelenkzellen erweitert (Fig. 11) (es ist das ein dem gewöhnlichen Verhalten gerade entgegengesetztes; die Gelenkzellen liegen meist in der Tiefe der Längsthälchen. vergl. z. B. die Bestueu-Blätter). Das Blatthäutchen ist kurz gestutzt (Fig. 12). Die schmale, gedrängte Rispe ist vollkommen ausrecht und besitzt kurze, wenig- ährige. rauhe Aeste. Das einzelne Aehrchen (Fig. 1 und 2) ist schlank, lanzettlich, 5-7 blüthig; die mit ö—7 rauhen Nerven versehenen Deckspelzen besitzen eine Granne von halber Spelzenlänge. Die Staubbeutel sind schön orangegelb. Die Narben sind unterhalb der Spitze des oberwärts behaarten Fruchtknotens eingefügt (Fig. 3) (Unterschied v. Bestuca!). Die schmale, schlanke Scheinfrucht (Fig. 4-6) ist ohne Granne 10—14°"", mit derselben 14—24""° lang; das oben sehr schräg abgestutzte und kurz steh- borstige Stielchen ist 2—47 2 mm lang. Die Ränder der Deckspelze sind nur wenig nach vorn umgeschlagen, so daß sie in der Vorderansicht (Bauchseite, Fig. 4) der Scheinfrucht die Vorspelze beinahe ganz freilassen (man vergleiche damit z. B. die Scheinfrucht der Bostuea heterophylla, bei der man nicht einmal die Kiele der Vorspelze sieht). Zwischen ihren beiden Nerven erscheint die Vorspelze vertieft (in die Furche der Caryopse hineingedrückt) und in ihrer Mitte sieht man den Nabelfleck der Earyopse als Längsrippe durchgedrückt (Fig. 4). Die dunkelbraune Caryopse selbst (Fig. 7-9) ist „schiffchensörmig" (Döll), mit breiter, seichter Furche auf der Bauchseite (Fig. 7) und schwach'gekieltem Rücken (Fig. 8); an der Spitze erkennt man noch die restirende Behaarung des Fruchtknotens und die unterhalb der Spitze entspringenden Narbenstummeln; in der Mitte der Bauchfurche verläuft als erhabene schwarze Linie der Nabelfleck über die ganze Länge der Caryopse. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die aufrechte Trespe ist einheimisch: in Europa von Geographische Spanien bis zum Ural und von Italien und Macedonien bis nach Südskandinavien; im -Norden ist sie Verbreitung, jedoch seltener; in Afrika in Algier; in Asien im Kaukasns und in Georgien; in Nordamerika fehlt sie. Wir finden sie bei uns häufig an sonnigen Stellen, Triften, an Weg- und Ackerrändern, neben der Standorte. Wiesensalbei an Dämmen und auf trockenen sonnigen Bergwiesen, besonders irn Gebiete des Jura's auf Kalkunterlage. Im Gebirge steigt sie bei uns nicht hoch (Lowerz 500'°). in den bayerischen Alpen bis 750"'; dagegen Höhengrenzen. im Talüsch 2200 m . Die aufrechte Trespe erträgt auf geeignetem Standort ohne Schaden eine brennende Hitze, stlitna- während sie bei Nässe verschwindet. Ebenso wenig erträgt sie Schatten, während sie gegen Frost unempfindlich ist. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Ernte. Ertrag. Jutterwerth. 36 Wie erwähnt, gedeiht sie an: besten anf Kalkböden, aber anch auf Mergel- und trockeneit, etwas bindigen, kalkhaltigen Böden kommt sie sehr gut fort, während sie für lockere, sandige Boden- arteir nicht am Platze ist. 1000 u Heu in der Blüthe am 5. Juni an einein trockeneit Rain geschnitten, enthalten: Stickstoff 14 .z u Magnesia 1.» U Phosphorsäure 6. 8 U Kalk . 4 . 4 U Kali 16. 8 W Schwefelsäure 1-8 U Natron . 1 ., U Kieselsäure 15-2 U Wah und Ogoston enthalten 1000 u Heu: Phosphorsäure 3 . 4 U Kalk . 4 . 6 t6 Kali 12., U Schwefelsäure 2.4 U Natron . 0. 3 U Kieselsäure 17 .J U Magnesia 2. 2 U Nach Demoor beträgt der Stickstoffgehalt 0. 68 °/o oder 5. 8 %o'- Es liegt ferner noch eine Analyse von Malaguti und Dur och er vor, bei welcher jedoch die Angabe des Aschengehaltes fehlt, so daß man nicht im Stande ist, die Menge der einzelnen Bestandtheile auf Heu zu berechnen. Hingegen war die Asche folgendermaßen zusammengesetzt: Phosphorsäure 9. 08 , Kali 13. S5 , Natron 12. ä3 , Magnesia 3. 71 , Kalk 8.gz, Schwefelsäure 2. ää , Kieselsäure 35. 66 , Eisenoxyd 3. 99 und Chlor 10. 13 ®/ 0 . In Bezug auf die Düngung gilt das Nämliche, was beim Schafschwingel angeführt wurde. Auf kalkarmem Boden wirkt das Mergeln Vortheilhast auf ihre Entwicklung ein. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Die aufrechte Trespe bildet kleine, dichte Horste, welchen nicht sehr zahlreiche, I bis 3 Fuß hohe, schwach beblätterte, etwas zähe Halme und ziemlich lange, ebenfalls etwas zähe Wurzelblätter etltspringen. Die Horste bilden unter sich keinen geschlossenen Rasen. Im Frühjahr ausgesäet treibt sie im gleichen Jahr nur wenige Halme; ihre volle Entwicklung erlangt sie erst im zweiten Jahr. Entsprechend ihrem sonnigen Standort fängt sie im Frühjahr ziemlich früh an zu treiben und gelangt Ende Mai bis anfangs Juni zur Blüthe. Mau schneide sie jedoch womöglich vor der Blüthe, weil sie nachher sehr bald hart wird, verdorrt und bedeutend an Nährstoffgehalt verliert. Im zweiten Schnitt treibt sie in der Regel keine Halme mehr, sondern nur Blätter. Wenn man sie als Weide benutzen will, so beachte man die gleichen Regeln, wie beim Schafschwingel. Die reichlich hervorschießenden Blätter werden so lange sie jung sind vom Vieh gerne gefressen. 100 U Gras gaben in der Blüthe nach Sinclair 45, nach Vianne und Demoor 42 u Heu. Sinclair erzielte auf einem reichen Sandboden in der Blüthe gemäht Per Hektar 116 Zentner Heu (per Jnchart 42 Zentner), Demoor 170 Zentner (per Juchart 61 Zentner). Vianne erhielt auf gut gedüngtem, ziemlich geringem sandigem Kalkboden vom ersten Schnitt 161 Zentner (per Juchart 58 Zentner) und der zweite Schnitt habe ungefähr ein Viertel vom ersten gegeben. Nach unsern Untersuchungen enthalten 100 U Heu in der Blüthe 80.z O/ 9 organische Substanz, mit: Stickstoffhaltigen Stoffen ..••••• 8. 9 °/ 0 (Stickstoff im Eiweiß 1. 034 %, im eiweißfreien Saft <). m %) Fett.' 2., „ Holzfaser.32., „ Stickstofffreien Extraktstoffen.. . 37., „ 37 Nach Way enthält das Gras 8%% organische Substanz, mit 8.,% stickstoffhaltigen Nährstoffen 2.g 0/0 Fett und 70. 6 % stickstofffreien Extraktstoffen und Holzfaser. Nach Demoor beträgt der Gehalt an stickstoffhaltigen Stoffen nur 3.//,. Jedenfalls war das untersuchte Futter überreif. Nach der Way'schen und unserer Untersuchung kommt die aufrechte Trespe einem Wiesenheu mittlerer Qualität an Nährwerth nahezu gleich. Figur 51. Gefiederte Zwenke. Brachypodium pinnatum, P. B. a Scheinfrucht, natürliche Größe, d dieselbe Rückenseite, o Bauchseite, fünfmal vergrößert. Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der Same wird anfangs Juli reif und ist leicht zu gewinnen. Der im Handel vorkommende Same wird zum Theil nur aus dem französischen Raygras ausgeputzt und sehr häustg wird die sehr unreine Fenasse *) als aufrechte Trespe verkauft. Wird ein solcher Same ausgesäet, so bemerkt man im ersten und zweiten Jahr fast gar keine Trespe, trotzdem dieselbe im Saatgut überwog, sondern das sich rascher entwickelnde französische Raygras bildet meist den Hauptbestand. Erst nach dem zweiten Jahr, wenn letzteres mehr und mehr zurücktritt, bekommt die Trespe die Oberhand. Oefters kommt die gefiederte Zwenke, Brachypodium pinnatum (Fig. 51), als aufrechte resp. Wiesen-Trespe im Handel vor, welche sich namentlich durch die strohgelbe Farbe und die innere Spelze, die kürzer als die äußere, oben abgestutzt und am Rande kammförmig gewimpert ist, von der aufrechten Trespe unterscheidet. Seltener kommt die rauhe Trespe, Bromus asper (Fig. 52), ein hartes Waldgras, als aufrechte Trespe iu den Handel; dieselbe unterscheidet sich von letzterer dllrch die ziemlich starke Behaarung der Deckspelze, welche bei der aufrechten Trespe ganz fehlt. Same und Saat. Die durchschnittliche Reinheit beträgt 80°/o, die Keimfähigkeit 64% = 5l. 2 % reine und keimfähige Samen. 1 Kilo reine Same enthält durchschnitt- lich 250,000 Körner. 1 Hektoliter wiegt 18 —19 Kilogramm. Man säet per Hektar 60 Kilo = 3072 Kiloprvzente, per Juchart 22 Kilo = 1126 Kiloprozente. Die Saat kann sowohl im Frühjahre als im Herbst geschehen. In der Regel säet man die aufrechte Trespe nicht rein, sondern mischt etwas Esparsette, auf passendem Boden, namentlich an Böschungen, wohl auch Luzerne bei. Figur 52 Rauhe Trespe. Bromus aspsr, Miux a Scheinfrucht, natürliche Größe, l> dieselbe vom Rücken, c Bauchseite, fünfmal vergrößert. Im Habitus hat die aufrechte Trespe einige Aehnlichkeit mit dem Wiesenschwingel; sie unterscheidet sich aber sogleich durch die je 3 bis 5 von der Spindel ausgehenden untern Rispen-Aeste (beim Wiesenschwingel sind es nur 1 bis 2), durch die Grannen der äußeren Spelze und die langen Wimperhaare an den Blättern, welches beides beim Wiesenschwingel fehlt. Aehnlicher ist sie der wehrlosen Trespe (siehe diese), die aber lange unterirdische Kricchtriebe macht. Samen- gewinnung. Verunreinigungen und Verfälschungen. Samen- qualität. Saat- quantum. Saat- Mischungen. Aehnlichkeit. ') Vergl. I. Theil, Seite 48 dieses Werkes. 38 Benennung. Geschichte. Landwrrth- schaftlicher Werth. Erklärung der Tafel 23. Figur A. Ganze Pflanze in blühendem Zustand. (Durch ein Versehen des Lithographen erscheint^die Pflanze viel zu stark behaart; namentlich der Halm sollte ganz kahl sein!) „ B. Basaltheil eines Halmes, mit den aus demselben entspringenden Seitentrieben. „ 1. Aehrchen in Blüthe (°/i). „ 2. Dasselbe vor der Blüthe (*/,). „ 3. Fruchtknoten. „ 4. Scheinfrucht von der Bauchseite. „ 5. Scheinfrucht von der Rückenseite. Figur) 6. Scheinfrucht im Profil. ,, 7. Carhopse von der Bauchseite mit d. Nabelfleck. „ 8. Carhopse von der Rückenseite. „ 9. Carhopse im Profil. „ 10. Querschnitt durch einen Seitentrieb (zu äußerst eine geschlossene Scheide, innerhalb derselben 2 gefaltete junge Spreiten). „ l 1. Querschnitt durch die Spreite eines Halm- blattes. „ 12. Blatthäutchen. 24. Die wehrlose Trespe. Lrornus iuerrnis, Leysser. Die wehrlose, unbewehrte oder grannenlose Trespe heißt auch „ungarische Trespe", weil ihre Kultur in Ungarn eine ziemlich bedeutende Rolle spielt und der Same namentlich von dort aus verbreitet wird. Zur Reklame wird ihr auch der Name „Riefentrespe" beigelegt, welcher aber unrichtig, da die Riesentrespe (Bromii« giganteus, L.) ein ganz anderes Gras ist*). Sie wird auch „gemeiner Trespenschwingel" oder wegen ihrer qneckenartigen Kriechtriebe „Quecktrespe" genannt. Schon Pastor Nimrod empfiehlt das Gras 1769 zur Befestigung von Gräben und sagt von demselben ferner: „Nach Stillingfleetischer Art zu schließen, muß es ein gutes Futtergras sein, besonders für Schafe, weil es aus den Ascherslebischen Viehtriften wächst und bekanntlich weit und breit kein so wohlschmeckendes Schöpsenfleisch gezogen wird als zu Aschersleben, daher die Hammelbraten von da jährlich in Menge weit und breit versendet werden".**) Erst in jüngster Zeit jedoch hat man angefangen, dasselbe namentlich in Ungarn zu kultiviren. Die wehrlose Trespe ist ein schönes, ziemlich hohes, aber nichts destoweniger nur ein mittelmäßiges Futtergras, weil ihr Nähriverth nicht groß ist, sie sehr bald hart wird und ihre quecken- artigen, unterirdischen Kriechtriebe beim Umbruch anf dem Felde nur schwer zu vertilgen sind. Auf trockenen, lockere«: Böden und in trockenen Klimaten, wo bessere Futtergräser nicht mehr fortkommen, ist sie jedoch ein werthvolles Gras, welches alle Beachtung verdient, da sie sehr ausdauernd ist; in Magocs (Ungarn) sind Flächen vorhanden, die schon seit 13 bis 14 Jahren anfangs als Mähc- flächen, später als Weide gedient, auch heute noch gute Nutzung geben. *) Die Riejentrespe (Bromus giganteus, L.) ist ein bei uns in Wäldern häufig vorkommendes Gras, dessen Früchte sehr lang begrannt sind. Dasselbe hat landwirthschaftlich keinen großen Werth. **) Vergl. U. Johann Christian Daniel Schreber. Beschreibung der Gräser nebst ihren Abbildungen nach der Natur. Leipzig 1769. I. Theil, Seite 100. Taf. 23 / Jdah.sprciir /l/aff hanfchen . />/(('f - JoPSpC/ZC Varbr/avsfr ”Wy‘/u/c- 'dr/ie/rte/ Va/acn -\ ftfdn-I >! | Fig.k.S ri'q.5.® - i rig.6.% Fiq.7. 6 'i Füj.8. e /i Fig.9. ß /t lorspe/ze S huw/ae/en Drek/>pe/z< i .SUwbbeuJrl /JccJespelzen. dy 0y (jwhlofinciu Sehe//// Basfbr/c/p ri •// s ■/> //// o /en ■ilih r/pf/efh/tef/ \ Spreiten Aarb/ hm/er //.Spitze des Frf/chtJrnntem e///sprüwcn(//) imtcrr rCfa/jpe untere _..\\ W M... obere lu//ppe A Fiy. 10. *% Bromus ereefcus, Huds. Aufrechte Trespe Fig. 2. G. & L Sohi-Ster ad. ni v. Lith GeimsensohaH Um 39 Botanische Beschreibung. Die wehrlose Trespe bildet keinen Horst, sondern ihr Wuchs ist aus- Botanische läufertreibend; die ausnahmslos extravaginalen Seitentriebe bilden lange unterirdische Kriechtriebe von Beschreibung, oft geschlängeltein Verlauf (Fig. A.), so daß die oberirdischen Triebe alte einzeln stehen; der Halm ist 30—140 cm hoch, reichbeblättert und glatt. Die Blätter haben kahle geschlossene Scheiden (Fig. 9) und in der Knospe gerollte (Fig. 9) bis 18 mm breite, meist wagrecht abstehende Spreiten. Auf dem Ouer- schnitt durch dieselben (Fig. 10) sieht man einen stark nach unten vorspringenden Mittelnerven und rechts und links von demselben 6 bis 7 schwächere seitliche Nerven, die ebenfalls nach unten vorspringen. Alle diese sind mit von Epidermis zu Epidermis reichenden Bastbelegeit versehen, dazwischen finden sich noch eine Anzahl ganz schwacher Nerven mit oder ohne Bastbelege. Auf der Oberseite des Blattes entsprechen den Nerven schwache Längsrillen und zwischen denselben ist die Epidermis zu Gelenkzellen erweitert (Fig. 10). Das Blatthäutchen ist kurz, gestutzt, sein gezähnelt (Fig. 11). Die weit ausgebreitete stattliche Rispe setzt sich aus großen, schlanken, bis 27 mm langen, aus grünweiß und braunroth zierlich gescheckten Aehrcheu zusammen. (Fig. 1.) Die Snervigen Deckspelzeu derselben sind ober- Wärts mit einem breiten, durchsichtigen Hautrand versehen, an der Spitze kurz 2spitzig (Fig. 2), unbegrannt, seltener mit einer ganz kurzen Granne versehen. Die Staubbeutel sind orangegelb. Die 10 — 13 “ m lange Scheinfrucht (Fig. 3—5) ist ganz plattgedrückt, die Deckspelze ist völlig flach ausgebreitet und nur an der Basis nach vorn umgeschlagen (Fig. 3), so daß die Vorspelze mit Ausnahme des Grundes ganz unbedeckt daliegt. Die letztere hängt der Caryopse so fest an, daß man in der Mittellinie sogar den Nabelfleck der letztern als hervorragende Längsrippe in der Vorspelze ausgeprägt sieht (Fig. 3). Das kurze steifborstige Stielchen erreicht ungefähr */ 4 der Länge der Scheinfrucht. Die 6—10 mm lange Caryopse selbst (Fig. 6-8) (nur nach Kochen in Wasser von den fest anhängenden Spelzen glatt zu befreien) ist ebenfalls stark plattgedrückt, oben und unten spitz zulaufend, an der Spitze dicht behaart. Auf der kaum gewölbten Bauchseite liegt in einer schwachen Längsrinne als hervorragende Rippe der Nabelfleck (Fig. 6). Die Rückenfläche ist flach oder etwas eingedrückt (Fig. 7), im Profil etwas wellig hin und her gebogen. (Fig- 8.) Vorkomme«, Klima, Boden, Düngung. Die wehrlose Trespe ist einheimisch in Europa: in Geographische Frankreich, Holland, Deutschland, der Schweiz (hier immerhin sehr selten, bei Basel, vielleicht auch in der Verbreitung. Westschweiz möglicherweise nur verschleppt), Oesterreich, den Donau-Fürstenthümern, Rußland; in Asien im Kaukasus und in Sibirien. Sie findet sich wild, namentlich auf unbebauten Anhöhen, an Rainen, Weg-, Acker- und Waldrändern, Standorte, in Hecken, an Flußufern, seltener auf Wiesen. Im Gebirge steigt sie ,licht hoch (in Bayern 475 “). Hdhengrenzm. Nach den nahezu dreißigjährigen Erfahrungen auf der gräflich Karolyi'schen Herrschaft in Klima. Magocs (Ungarn) widersteht sie auch der langwierigsten Trockenheit, unter welcher alle übrigen Pflanzen verschmachten. Auch gegen Kälte ist sie. unempfindlich. Schattete dagegen erträgt sie weniger gut. Nach Nimrods Versuchen und Beobachtungen (a. a. O.) sollen die Früchte im Schatten begrannt werden. Am besten gedeiht die wehrlose Trespe auf lockerem Boden, dem einige Frische lischt abgeht. Bode». Demgemäß liefert sie auf humusreichem, lehmigem Sand- und sandigem Lehmboden die größten Erträge, kann aber auch auf bindigerell Bodenarten gebaut werden; jedoch wird man hier in der Regel andere, bessere Gräser vorziehen. Ihren größten Werth hat sie unter unsern Verhältnissen für die Berasung des Sandbodens an den Ufern der Seen und Flüsse, da die Pflanze hier in der Regel genügeild Feuchtigkeit findet und andere ertragreichere Gräser auf solchem Terrain häufig nicht gedeihen würden. In Ungarn ersetzt sie auf Bodenarten, wo die Luzerne nicht mehr gedeiht, vielfach dieselbe, indem sie in Betreff der Beschaffenheit des Unter- und Obergrundes geringere Ansprüche macht und zudem bei Weitein feine so sorgfältige Vorbereitung des Bodens verlangt. 40 Boden- 1000 U entnehmen dem Boden nach unsern Untersuchungen: crschöpfung. Stickstoff . 7.7 U Magnesia 0 ., u Phosphorsäure 8 ., u Kalk 3.4 u Kali . 16. 3 u Schwefelsäure . . 2 .„ t& Natron 0 -e » Kieselsäure . 30., U Düngung. Sobald die physikalische Beschassenheit des Bodens günstig ist, macht sie bezüglich Düngung keine großen Ansprüche. Auf allzu armem Sand ist jedoch, um ihre erste Entwicklung zu fördern, eine Düngung vor der Saat am Platze. Wuchs. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Die wehrlose Trespe treibt, wie die Quecke, lange unterirdische Ausläufer, die den Boden nach allen Richtungen mit einem dichten Wurzelsystem durch- ziehen. In dem Versuchsfelde der hiesigen Samenkontrolstation haben diese unterirdischen Triebe trotz des bindigen Bodens sich auf die benachbarten Beete ausgedehnt und diese derart verunkrautet, daß ein Umbruch nothwendig wurde. Auf diese Weise bildet die Pflanze einen zusammenhängenden Rasen. Die zahlreichen, je nach Bodenart 1 bis 4 Fuß langen Halme sind hart, aber reich ^ e ' Entwicklung, blättert. Die Blätter sind breit, aber düiut und etwas schilfartig zäh. Im Frühjahr gesäet kann man im gleichen Jahr einen Schnitt erwarten, während sie die folgenden Jahre zwei Schnitte g c# währt. Sie entwickelt sich im Frühjahr später als die anderen einheimischen Trespen und gelangt den: entsprechend erst Mitte Juni zur Blüthe. Im Nachwuchs treibt sie ebenso zahlreiche Halme, wie im ersten Schnitt, und der Ertrag ist fast ebenso groß. Nach den Angaben Sinclair's soll der Ertrag vom zweiten Jahr an alljährlich abnehmen und ein zeitweise! Umbruch deshalb am Ernte. Platze sein. Das Gras ist sowohl als Mähegras, wie zu Weide am Platze, obschon letztere etwas hart ist. Man schneide es womöglich vor der Blüthe, da es schon mit Eintritt derselben hart wird; mit der Weide beginne man ebenfalls sehr zeitig. Wenn man es überreif werden läßt, so liefert es eine vorzügliche Streue, die das Stroh ersetzen kann. Ertrag. Sinclair erzielte auf einem schwarzen, kiesigen Sandboden in der Blüthe vom ersten Schnitt 137 Zentner Heu (per Juchart 49 Zentner) und 198 Zentner Nachwuchs, grün (per Juchart 71 Zentner). In Ungarn rechnet man unter den trockensten Witterungsverhältnissen per Hektar einen Ertrag von 52 bis 60 Zentner Heu (per Juchart 19—22 Zentner). Unter Umständen sollen die Erträge dort jene der Luzerne übertreffen. Als Weideertrag rechnet man in Magocs, daß 1 Hektar 20 Schafe über den Sommer zu ernähren im Stande sei. 100 u Gras geben nach Sinclair 50 u Heu. Futterwerth. 100 u Heu am 30. Juni geschnitten, enthielten nach unsern Untersuchungen 78., °/o organische Substanz, mit: Stickstoffhaltigen Stoffen (Stickstoff X 6 .,,).4., % (Stickstoff im Eiweiß 0 .,, %, im eiweißfreien Saft 0 .,, "/,). Fett.1-6 7» Holzfaser. 36., % Stickstofffreien Extraktstoffen.34., "/« Der Nährstoffgehalt steht also einem Heu durchschnittlicher Qualität wesentlich nach. Samen- Samengewinnung. Verunreinigungen und Verfälschungen. Nach der Blüthe zieht gewinnung. sich pjx Rispe zusammen und bekommt eine braun-violette, schließlich strohgelbe Farbe. Das richtige Reifestadium ist eingetreten, wenn die Aehrchen eine violette Farbe angenommen haben, was um Mitte Juli der Fall ist. Dann wird das Gras geschnitten, getrocknet und die Samen werden entweder sofort oder später abgedroschen. Der Samenertrag ist ziemlich bedeutend, da die Pflanzen 41 . , ftel sind. Der Same ist flachgedrückt, merst t..cl>Ud) Samen ansehen und dieselben g.otz nn ,.Mveethe Vernnreiingunzen und Verfälschungen unbegrannt (vergleiche „Scheinfrncht" oben), -wer ^ Same der rauhen Trespe (F.g 6 b) Haie ich »Och keine h-obachiet. Unter Umftandeu ihr vertauscht werde», welcher sich aber sofort durch die lauge Granne zu erkennen gib,. Unter dem Naureu Nies.rrtrespe wird g-w-hulich auch die ,-si-d.rt. Zwenke, Braehypodium pinnatum. P. B - Wg. 64) und di. Roggen,..» (Bwmun M «JO «f“ ‘f* ^hil-lb »ud langb-granut, letztere viel schwerer, runder, -.ästiger nui. .tensall<> von. Helle, Farbe Same und Saat. Ei» ante- S-m- so» 90'/, R-inh-.t und 90% K«u,,ah.gk°.t - 81 /„ "l»e und keimfähig, Same» ergebe». 1 Kilo reine Samen hat etwa 300,000 Körner. Man säet »“ H-ktar 60 Kilo = 4050 Kilos.,oz-ut-, P-r Juchar, >8 Kilo - 1463 Kiloprozente. Edmund Manthu.r in Budapest"offerir, den Same» ,» F>. «« 100 K-l-, >° ‘«6 -ls° die Saat- -u-lag, p,, H,kg,. Fa- 68, per Juchar, Fr. S1 betragen würde. c b a Figur 53. Rauhe Trespe. Bromus aaper.Murr. a Scheinfrucht, natürliche Größe, b dieselbe Born RUcken, c Bauchseite, fünfmal vergrößert. c b a Figur 54. GefiederteZwenke. Brachypodium pinnatum, P. B. a Scheinfrucht, natürliche Größe, b dieselbe Riickcnseite, c Bauchseite, 5mal vergr. c ab ä Figur 55. Roggentrespe. Bromus seealinus, L. Scheinsrucht a und b in natürlicher Größe, o und ä 7fach vergrößert. Die wehrlose Trespe wird sowohl im Frühjahr als im Herbst ausgesäet. Die Frühjahrssaat, gebräuchlicher ist, geschieht in der Regel unter Sommergetreide, die Herbstsaat unter Winter- getreide, da das Gras erst im zweiten Jahr zur vollen Nutzung gelangt. Die Saat findet gewöhnlich rein statt, da andere Pflanzen leicht von ihr unterdrückt werden. Hin und wieder säet man sie in Ungarn auch in Mischung mit Luzerne (etwa 60°/» Gras und 40°/» Luzerne). Sie wird jedoch e^nch im Gemenge mit andern passenden Kleearten und Gräsern im Gemisch sür Dauerwiesen gebaut. Das Auseggen im Frühjahr thut ihr gut. Verunreinigungen und Verfälschungen. Samenqualität. Saatquantum. Saal. Mischungen. 6 . 42 Benennung. Geschichte. Landwirth- schaftlicher Werth. Botanische Beschreibung. Erklärung Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ 1. Aehrchen vor der Blüthe. „ 2. Eine Deckspelze derselben. „ 3. Scheinfrucht von der Bauchseite.*) „ 4. Scheinfrucht von der Rückenseite. „ 5. Scheinfrucht im Prosil. „ 6. Caryopse von der Bauchseite. „ 7. Caryopse von der Rückenseite. der Tafel 24. Figur 8. Caryopse im Profil. „ 9. Querschnitt durch einen Seitentrieb; zwei geschlossene Scheiden, welche zwei eingerollte junge Spreiten umgeben. „ 10. Querschnitt durch die Hälfte der Spreite eines Halmblattes. „ 11. Blatthäutchen. 23. Das gemeine Kammgras. 0^riO8uru8 eri8tg.tu8, Kinne. Das gemeine Kammgras wird gewöhnlich einfach „Kammgras", bei Hamburg „Kammsaat" genannt, da die andern Ozmosurus-Arten selten und landwirthschastlich ohne Bedeutung sind. Seltener sind die Benennungen steifes oder gefiedertes Kammgras, buschiger Hundsschwanz. Im Kanton Bern heißt es auch „Herdgras" und in Darmstadt, nach der Farbe des Samens, „Goldspitze". Es wurde gleichzeitig mit dem Timothegras zuerst von Stillingfleet 1761 in England kultivirt, wie überhaupt den Engländern das Verdienst gebührt, die ersten gewesen zu sein, welche der Kultur der Gräser ihre Aufmerksamkeit zuwandten. Man hat ihm dort die Eigenschaft nachgerühmt, daß die Schafe weniger der sogenannten Klauenfäule unterworfen seien, wenn die Weiden, auf welche sie getrieben werden, viel von diesem Gras enthalten. Das Kammgras ist eines der vorzüglichsten Futtergräser, nicht sowohl wegen des Reichthums seines Ertrages, als besonders wegen seines hohen Nährstoffgehaltes und weil es, im Gemenge mit höheren Gräsern gesaet, ein werthvolles Untergras bildet, wodurch der Ertrag wesentlich vermehrt wird. Es ist ein elegantes, auf Wiesen und Weiden gern gesehenes Gras. Seinem häufigen Vorkommen in Gemeinschaft mit dem englischen Raygras, dem Wiesenrispengras und dem Nothklee schreibt man den hohen Werth der Weiden von Berkley (England) und das Renomme der dort gewonnenen vorzüglichen Käse zu, wie es überhaupt auf Englands berühmtesten Weiden und den besten Weiden Hollands und Schleswig-Holsteins einen bedeutenden Prozentsatz bildet; aber auch auf den vorzüglichen Weiden der Alpen ist es eines der häufigsten Weidegräser. Es ist ausdauernd und kann sowohl zu Weide, wie zu Wiesenanlagen benutzt werden. Botanische Beschreibung. Das Kammgras bildet lockere Rasen aus intravaginalen Trieben. Die Halme sind aufsteigend, am Grunde knickig gebogen sän den untern Knoten hin und wieder wurzelnd), glatt und straff, 30—60"°" hoch. Die Blätter besitzen bis weit hinauf geschlossene Scheiden (Fig. 17) und in der Knospenlage anfangs gefaltete, später mit den Rändern übereinandergreifende, also gerollte, Spreiten. Die ausgebildete schmale Spreite ist stets etwas rinnig vertieft; auf dem Querschnitt (Fig. 18) läßt sie 9—11 Nerven (Gefäßbündel) erkennen, denen ebensoviele stark vorspringende Längsrippen aus der Oberseite und schwach markirte aus der Unterseite entsprechen; alle diese Längsrippen sind zugleich durch isolirt verlaufende (nur an wenigen Stellen mit dem entsprechenden Gefäßbündel in Verbindung stehende) Bastrippen bezeichnet. — Das Blatthäutchen ist kurz und gestutzt (Fig. 19). *) Die zwei Striche rechts davon bedeuten Minimum und Maximum der Naturgröße der Scheinfrucht, ebenso bei der Caryopse (Fig. 6). Taf. 24 /(‘schlössen# Ji/n/tscheiden Fig.9. 71 Drckspclzes/ . /eeollie B/at/spreden Fi g.l. 7 i Builtspreile m Blaifh (iuiehesi Blas/ - scheide . ßechspeize ßeckspelzt. Fig. 11. 3 /i Samen nahet voespelxe . Stielchefts tfeistdi/tp Fig. 7.^i Fig. 8. 8 /i O tie lehrn Fig. 6 *A Fig.10. 20 Basis eines ffa/snes unterirdische Khiechtriehe Bromus inermis, Leyss. Wehrlose Trespe C. &, L. Schrotes ad. nat. del. v.Lith. Genossenschaft Zürich 43 Der Blüthenstand ist eine schlanke, 5—10°" lange, anfangs (Fig. B) beinahe chlindrische und gedrängte, später (Fig. A) lange, kegelförmige, gelappte und lockere Scheinähre (ährenförmig-zusammen- gezogene Rispe), bei der an einer dreiseitigen hin- und hergebogenen Spindel die deutlich einseitswendigen Aehrchen auf kurzen Aesten in kleinen Knäueln sitzen (häufig wird die Einseitswendigkeit der Scheiuähre durch eine nachträgliche Drehung ihrer Spindel scheinbar aufgehoben). Die Aehrchen sind von zweierlei Art: fruchtbare und unfruchtbare. Jedes normale fruchtbare Aehrchen wird von einem unfruchtbaren, kammartigen begleitet (Fig. 7), bei welchem an der Aehrchenspindel dicht gedrängt bis 10 schmale, scharfgekielte und gewimperte leere Spelzen fitzen (da die unfruchtbaren Aehrchen die andern von außen bedecken, so sieht man vordem Aufblühen der Scheinähre nur diese Kämme (Fig. B)]. Die fruchtbaren Aehrchen (Fig. 1 — 6) sind 3—4blüthig und mit 2 schmalen, beinahe die Länge des ganzen Aehrchens erreichenden, am Kiel scharfgewimperten Klappen versehen. Die grannenlosen oder ganz kurzgrannigen, schwach önervigen Deckspelzen sind auf dem Rücken abgerundet und oberwärts steifborstig (Fig. 1—3; 5); die Borspelzen besitzen 2 sehr genäherte Kiele und breite, oben schräg abgestutzte, eingeschlagene Ränder (Fig. 1, 3, 4 u. 6). Die 2 Schüppchen der Blüthe sind von halber Länge des Fruchtknotens und greifen mit ihren Rändern über die Vorspelze herüber (Fig. 6). Die Scheinfrucht (Fig. 8—13) zeigt sehr wechselnde Dimensionen, entweder ist sie kurz und dick (3°"" lang und 1°"" dick; Fig. 8, lOu. 13) oder sie ist länger und schlank (4V 2 ram lang und V 2 mm ttüf; Fig. 9, 11 u. 12), mit allen zwischen diesen beiden Extremen liegenden Mittelstufen. Immer aber ist ihre hellbraune Deckspelze oberwärts sehr rauhborstig, unterwärts fein punktirt, die dunkelbraune Vorspelze überall mit feinen glänzenden (Harz- ?) Pünktchen besetzt, das Stielchen sehr kurz. Die Carhopse selbst ist höchstens 2"" lang, etwas flachgedrückt, auf der Bauchseite mit kaum bemerkbarer Vertiefung versehen, auf der Rückenseite den kleinen Keimling führend (Fig. 14—16). Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Kammgras ist einheimisch in ganz Europa von Geographische Portugal bis zum Ural und von Italien und Griechenland bis ins nördliche Schweden und Finnland; in Verbreitung. Asien im Kaukasus und Georgien. In Amerika fehlt es. Auf Wiesen und Triften, auf feuchten und trockenen Grasplätzen, an Weg- und Ackerrändern ist Standorte, es auf gutem Boden bei uns gemein und steigt bis hoch in die Alpen (Klosters 1200", Rellsthal 1200", Höhengrenzen. Gurnigel 1300", Napf 1408", Seelibühl 1752"). Auf den schweizerischen Voralpcn ist es häufiger als im Tiefland. Das Kammgras gedeiht am besten im feuchten Klima, weshalb ihm die Gebirgs- und Küsten- Klima, gegenden am besten zusagen. Auf entsprechendem Boden widersteht es jedoch auch der Trockenheit sehr gut und dauert selbst in den trockensten Jahrgängen und an den sonnigsten Abhängen sehr gut aus, da es tiefgehende Wurzeln besitzt. Ebenso erträgt es Schatten. Mit Ausnahme von sauren Bodenarten und losen Sandböden, gedeiht es fast auf jeder Unter- Boden, läge, am besten auf humusreichen Mittelböden (Lehmboden, milder Thon, Mergel und lehmiger Sandboden), wo es seine höchste Entwicklung erreicht. Aber auch auf zähem Thonboden entwickelt es sich sehr gut. Es liebt im Boden Frische, findet sich aber auch auf trockenem, oft sogar aus sandigen! Boden, obwohl sich wahrnehmen läßt, daß es auf letzterem kümmerlicher fortkommt. Ebenso gedeiht es auf feuchtem Boden, während es auf ausgesprochen nassem Land nicht mehr am Platze ist. Nach Way und Ogoston entnehmen 1000 U Heu in der Blüthe gemäht dem Boden: BodenPhosphorsäure 4. 0 U Kalk . • 5.« M erschöpfung. Kali 11. 7 U Schwefelsäure 1.« ». Magnesia 1. 3 U Kieselsäure 22. 0 U Nach Arendt: Stickstoff 22.« U Kalk . 3-2 U Phosphorsäure Magnesia 5*4 A 1-8 » . Kieselsäure 29. 7 U 44 Nach Way beträgt der Stickstoffgehalt 15. 2 °/ 00 , nach Ritthausen und Scheven aber nur 10. ä °/ 00 . Düngung. Wenn es gut gedeihen soll, so verlangt es im Boden einige Kraft und ist deshalb für jede Art Düngung, namentlich mit Stickstoffdünger, sehr dankbar. Gülledüngung erträgt es sehr gut und auf Rieselwiesen, wo das Wasser guten Abfluß hat, wird es höher als irgend anderswo. Wuchs. Wachsthum, Ertrag, Fntterwerth. Das Kammgras bildet kleine, ebene Horste, von welchen zuweilen kurze, oberirdische Ausläufer ausgehen, und erzeugt Lei genügend dichtem Stand einen geschlossenen Rasen. Es treibt nicht sehr viele 1—2 Fuß hohe Halme, aber zahlreiche, je nach dem Standort mehr oder weniger breite Wurzelblätter, die den dichten Rasen bedingen. Der Halm Entwicklung, selber ist schwach beblättert und wird bald hart. Das Gras erreicht erst im zweiten und dritten Jahr nach der Aussaat seine volle Ertragsfähigkeit. Im Frühjahr treibt es nicht früh, gehört aber auch nicht zu den späten, sondern zu den mittelfrüheil Gräsern. Es blüht Mitte bis Ende Juni. Zur Zeit der Heuernte, wenn dieselbe Ende Mai bis Mitte Juni stattfindet, hat es deshalb sein volles Entwicklungsstadium noch nicht erreicht, so daß es im Heu tu der Regel nicht bemerkt wird. Dafür ist aber dann der Nachwuchs um so größer, denn die Blatttriebe, aus welchen die Halme im ersten Schnitt nicht hervorzusprossen vermochten, treiben ihre Halme nun im zweiten Schnitt, weshalb das Kammgras beit Emdertrag bedeutend verbessert. Die Blattentwicklung ist im Frühjahr zwar ebenso früh, wie jene der meisten anderen Gräser, nur die Halme kommen später zum Bor- Ernte. schein. Mit der Weide kann mair deshalb ebenso früh beginnen. Es ist sogar gut, wenn damit früh angefangen wird, weil, sobald die Halme hervor sind, dieselben härter und mit der Blüthe drahtartig werden, so daß das Vieh sie stehen läßt. Aus diesem Grunde finden wir die Weiden der Alpen den Sommer über oft dicht mit Halmen des Kammgrases besetzt, welche das Vieh stehen ließ. Es wäre aber ein Irrthum, wenn man hieraus schließen wollte, das Vieh liebe dieses Gras nichl, denn die Blatttriebe werden gerne abgeweidet; es ist aber bei der Weide nicht möglich, daß dieselben überall so kurz gehalten werden, daß sie nicht auch Halme treiben. Wenn die andern bessern horst- bildenden Gräser auf den Alpen ebenso häufig vorkommen würden, wie das Kammgras, so könnte man bei den meisten derselben dies in der Regel in noch viel höherem Maße beobachten, so daß dieses Verhalten durchaus nicht etwa eine spezifische Eigenschaft des Kammgrases ist. Wo der Rothschwingel auf den Alpen den Hauptbestandtheil bildet, da sinden wir im Sommer und Herbst ebenso viele Halme davon und ebenso wo in den Weiden der Marschen das englische Rah- gras überwiegt. Ertrag. Vianne erzielte auf fruchtbarem Boden per Hektar 59 Zentner und Sinclair auf gedüngtem Lehmboden 37 Zentner Heu und 63 Zentner Nachwuchs (grün). 160 u Gras gaben nach Sinclair und Vianne 34, nach Ritthausen und Scheven 31 u Heu. Futterwerth. Nach den meisten der bisher ausgeführten Untersuchungen ist der Nährwerth ein bedeutender, wie folgende Resultate beweisen. Heu enthalten: Nach Way. Nach Ritthausen und Scheven. Nach Arendt Organische Substanz Ö 00 78.» 7° 78.»°/« darin sind: Stickstoffhaltige Stoffe 9. 5 „ 6.« „ 14.» „ Fett .... 3. i „ 2-2 » 3,, „ Holzfaser 22.„ „ 36., „ Stickstofffreie Extraktstoffe 45.J „ 33.» „ 45 Der geringe Gehalt an stickstoffhaltigen Stoffen und Fett bei der zweiten Analyse ist, wie Vianne bemerkt, wahrscheinlich darauf zurückzuführen, daß die Pflanzen auf einem sehr feuchten Boden gesammelt wurden. Nach den beiden übrigen Analysen zu schließen, hat das Kammgras einen höheren Futterwerth als ein Heu von mittlerer Qualität. Samengewinmmg, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der Same ist Ende Samen- Juli oder anfangs August reif. Das richtige Stadium der Reise ist dann eingetreten, wenn die- sewinnung. selben sich ausreiben lassen und die Spelzen sich gelb gefärbt haben, jedoch müssen die Caryopsen eine lederartige Consistenz besitzen. Schneidet man zu früh, so keimen die Samen mangelhaft, und wartet man zu lange, so gehen viele verloren. Die Samenpflanzerr werden wie das englische Ray- gras geschnitten und nachdem sie trocken sind, an einem luftigen Ort zu Hause nachreifen gelassen. Sie lassen sich leicht auSdreschen. Der Same wird bis dahin irr der Regel nicht feldmäßig kulti- virt, sondern an solchen Orten, wo das Gras wild vorkommt, namentlich auf Weiden, geschnitten. Jedoch deckt das Airgebot die Nachfrage je länger je weniger, so daß der Same in den letzten Jahren ganz bedeutend im Preise gestiegen ist. Es ist deshalb nothwendig, daß man der Samengewinnung eine noch größere Aufmerksamkeit schenke, denn so lange das Kilo Samen 3 bis 4 Franken kostet, wie das gegenwärtig der Fall ist, lohnt sich die Aussaat dieses Grases häufig nicht. Auf den schweizerischen Alpen, wo dasselbe oft sehr häufig ist, ließe sich der Same leicht gewinnen, ohne daß die Weide dadurch beeinträchtigt würde, und die Aelpler könnten auf diese Weise oft einen recht schönen Nebenverdienst erzielen. Harrn emann und Werner gaben den Samenertrag bei feldrnäßiger Kultur zu 200 Kilo Per Samenertrag. Hektar an. Der Same ist häufig mit den entklappten Früchten des wolligen Honiggrases verunreinigt und Verunreini- wird ohne Zweifel oft auch absichtlich damit vermischt. Dieselben sind jedoch stark weißglänzend, abge- rundet, während die Spelze des Kammgrases (Fig. 56) grannenartig zugespitzt und an der Spitze schÜngm. kurzstachelig behaart ist. Schwieriger ist die Verfälschung mit dem Samen des haarfeinen Schafschwingels, Festuca ovina capillata, Hackel (Fig. 57) zu erkennen. Derselbe ist in der Regel Fig- 56. Kammgras. Oxuosurus cristatus, L. Figur 57. Haarfeiner Schafschwingel. Figur 58. Blaues Pfeifengras. Molinia coerulea, Moench. Scheinfrüchte von der Seite, a nat. Größe; b lt. c 8mal vergr. Festuca ovina capillata, Hackel. a Scheinfrucht, natürliche Größe. b äußere, c innere Ansicht, a Scheinfrucht, nat. Größe, b Seitenansicht, c Bauchseite, d Rückenseite, 8mal vergr. siebenmal vergrößert (nach Robbe). kürzer, weniger zugespitzt, fast glatt lind röthlich strohgelb gefärbt. Es kommt auch vor, daß die kleinen ausgesiebten Früchte des Pfeifenriedts, Nolinia coerulea, Ncenclr (Fig. 58), dem Kammgrassamen beigemischt werden. Dieselben sind glatt, ebenfalls röthlich strohgelb, weniger zugespitzt, unten bauchig erweitert und die innere Spelze tritt häufig etwas über die äußere hervor. 46 Samenqualität. Saatquantum. Mischungen. Benennung. Geschichte. Landwirth- schastlicher Werth. Same und Saat. Eine gute Waare hat mindestens 90% Reinheit und 60% Keimfähigkeit — 54% reine und keimfähige Samen. 4 Kilo reine Samen zählt durchschnittlich 2,600,000 Körner und 1 Hektoliter wiegt 25 bis 40, im Mittel 32 bis 34 Kilogramm. Man säet per Hektar 28 Kilogramm = 1512 Kiloprozente, per Juchart 10 Kilo - 540 Kiloprozente. Nein wird es jedoch nur zur Samenkultur und etwa für dauernde Tepp ich rasen ausgesäet. Für letzteren Zweck ist es sehr gut geeignet, da es, dicht gesäet, einen geschlossenen, niederen Rasen bildet. Zur Futtergewinnung ist es nur als Untergras in Mischungen am Platze, sowohl zu Weide, als wie zu Mähewiesen. Besonders für dauernde Anlagen ist es sehr gut geeignet, kann aber auch auf 4 bis 6jährigen Wechselwiesen und Wechselweiden gute Dienste leisten. In den Weideanlagen ergänzt es sich durch Samenausfall selbst. Erklärung Figur A. Ganze Pflanze im blühenden Zustand. „ B. Scheinähre vor der Blüthe. „ 1. Aehrchen in Blüthe. „ 2. Aehrchen nach der Blüthe. „ 3. Spelzenpaar im Profil. „ 4. Spelzenpaar von der Vorspelze aus. „ 5. Spelzenpaar von der Deckspelze aus. „ 6. Vorspelze mit Schüppchen und Fruchtknoten. „ 7. Unfruchtbares Aehrchen. „ 8. Scheinfrucht (kurz u. dick) ) von der „ 9. Scheinfrucht (lang u. schlank) j Bauchseite. der Tafel 25. Figur 10. Dieselbe wie 8 vom Rücken gesehen. „ 11. Dieselbe wie 9 „ „ „ „ 12. Dieselbe wie 9 im Prosit. „ 13. Dieselbe wie 8 im Profil. „ 14. Caryopse von der Bauchseite. „ 15. Caryopse vom Rücken. „ 16. Caryopse im Profil. „ 17. Querschnitt durch einen Seitentrieb (1 offene, 2 geschlossene Scheiden und 2 Spreiten). „ 18. Querschnitt durch ein Halmblatt. „ 19. Blatthäutchen. 26. Iie Geißraute. Galega officinalis, Linne. Richtiger ist der Name gebräuchliche Geißraute, welcher auch der lateinischen Bezeichnung entspricht; sie wird aber in der Regel einfach als Geißraute oder Ziegenraute (Ruta capraria) bezeichnet. Hin und wieder werden folgende Bezeichnungen angewandt: Gemeine Geißraute, Geißklee, Bockskraut, ewiger Klee, Fleckenklee, Flockenkraut, Fleckenkraut, Pokenraute, Pestilenzkraut, Suchtkraut, u. s. w. Die Kultur als Arzneipflanze (gegen Pestilenz, sagt Haller) ist sehr alt; als Futterpflanze wurde sie in Deutschland schon 1773 von Krause, 1796 von Moser und später wiederholt empfohlen, ohne daß ihr Anbau dort bis dahin eine Bedeutung erlangt hat. Die Geißraute ist eine vorzügliche Futterpflanze für geschützte, warme Lagen, auf tiefgründigem, wenn auch trockenem, magerem Boden. In weniger geschützten Lagen geht sie bald ein, weshalb ihre Kultur in Deutschland nicht in Aufnahme kam, während dieselbe in einzelnen geschützten Thälern der südlichen Schweiz, namentlich im Wallis, Graubündten und Tessin, auf solchen Böden, wo man nicht mit Dünger hingelangen kann, von großem Werthe sein kann, da sie hier sehr lange andauert. Fig. l4.*°/4 Fig. 15. «r» 'Bermlln^ Deekspelze. Vorspelze. Ki«.9.“.i Fig. 10. K i Kg.lt.“/, Fm.12“*/Fig.13. SfMain Vrrlr.spelze lorspelze vorspelze rmrhiknote?/. Schlipp ehest Ficj.6. 6 /i riq-ZM Fig.W. Fig.£ V* Deckspr/z<‘. - rorsprlze Spelzen Klstpj. UMST'e nnle/'r Itlnppe Fig. l. e /i rig.2. a A or/ene JlIs/ l/scl/etsle k' ■ - (/esolilossenj? Blnl/scl/eielest qelaMe/eu. gerollte nla llsprcitett. Gelenkwellen/ Fig.17.*% Stsuih - henlel - Bastrrppen Fig.lö. 2tt 4 Cynosurus cristatus, L. Kammgras v. Liti. Genossenschaft Zürich. Botanische Beschreibung. Die Geißraute hat eine dicke rübenförmige, tief abwärtssteigende Pfahl- Botanische Wurzel, die die direkte abwärts gehende Verlängerung des Stengels des ersten Jahres bildet; aus den ckchrei ung. Achseln der grundständigen Blätter desselben entspringen Seitentriebe, die schon im ersten Jahr oder erst im zweiten zu seitlichen Stengeln sich entwickeln. Da sie sofort sich nach oben wenden, so stehen alle Triebe eines so entstandenen Stockes dicht horstförmig gedrängt beieinander. Die oberirdischen Stengel sind rundlich, aufrecht, hohl, reich verzweigt und 1—1. 5 m hoch. Die Blätter sind unpaarig gesiedert; an der oberseits gefurchten Spindel sitzen 4—8 Paare von gegenständigen Fiederblättchen, von rundlicher (an den Wurzelblättern) bis länglich elliptischer Form (letzteres an den Stengelblättern), dunkelgrüner matter Oberseite, hellgrüner glänzender, spärlich anliegend behaarter Unterseite und silberhaarigem Rand; der Mittelnerv verlängert sich über die Spreite hinaus zu einer kurzen Granne (Fig. A). Die grundständigen Blätter werden bis 35 om lang und sind an ihrer scheidig erweiterten Basis roth gefärbt; ihre lanzettlichen Nebenblättchen sind mit dem Stiel verwachsen: an den Stengelblättern sind die Nebenblättchen pfeilförmig, mit 3 lang zugespitzten Spitzen. In der Knospenlage sind die Fiederblättchen einfach der Mittelrippe nach zusammengefaltet. Die Blüthen stehen in lockeren, langgestielten, blattachselständigen, bei voller Entwicklung das zugehörige Laubblatt überragenden Trauben (Fig. A.); die Einzelblüthe entspringt aus der Achsel eines langzipfligen, bis zur Fruchtreife steheu bleibenden Deckblattes; diese zusammenschließenden und ihre Achselblüthen weit iiberragenden Deckblätter an der Spitze der Traube geben derselben ein schopsiges Aussehen. Die hellvioletten oder ganz weißen zirka 11 mm langen Blüthen (auch bei den violetten Blüthen sind Flügel u. Schiffchen sehr hell gefärbt) besitzen einen verwachsenblättrigen 5“ langen Kelch (Fig. 2) mit kegelförmiger lOrippiger Rohre und 5 sein-psriemlichen schwach behaarten Zipfeln von der Länge der Röhre. * Die Fahne setzt sich aus einem kurzen, breiten, in der Kelchröhre eingeschlossenen Stiel und einer rechtwinklig nach oben abgebogenen, allmalig in den ersteren verlaufenden rundlichen, in der Mittellinie gekielten und an den Seitenrändern zurückgeschlagenen ausgerandeten Platte zusammen (Fig. I). Die beiden schmalgestielten Flügel (Fig. 4) greifen mit einem rückwärts gerichteten Fortsatz über das Schiffchen herüber und besitzen vor demselben einen Eindruck, der in einen ähnlichen des Schisichens eingreift, so daß, wenn die Flügel abwärts gezogen werden, auch das Schiffchen mitgenommen wird und beide nachher von selbst wieder in die ursprüngliche Lage zurückkehren. Das L-chifschen endlich (Fig. 5) besteht aus zwei mit ihren sich berührenden Rändern beinahe völlig (mit Ausnahme der Stielbasis und des auswärts gebogenen Schnäbelchens) verwachsenen Blättchen. Die 10 Staubgefäße sind zu einer bis zur Mitte völlig geschlossenen Röhre verwachsen; dann wird das Hintere Staubgefäß frei und die Röhre dadurch oben aufgeschlitzt (Fig. 6). Die freien Enden der Staubgefäße mit den Staubbeuteln sind im schnabelförmigen Theil des Schiffchens geborgen. Der Stempel besteht aus einem langen schmalen Fruchtknoten und einem fadenförmigen, nach oben aufgebogenen Griffel, mit kleinkopfiger, die Staubbeutel überragender Narbe (Fig. 7). — Beobachtungen über Honigabsonderung und Jnsektenbesuch liegen keine vor. Die Frucht ist eine vielsamige, lange und dünne, ungefähr cylindrische Hülse (Länge 15 — 37 """, Durchmesser 2—2. ä mm ) von dunkelbrauner Farbe, zwischen den Samen schwach eingeschnürt und dadurch undeutlich höckerig (Fig. 8 u. 9). Bauch- und Rückennaht treten als feine fadenförmige Längsrippen hervor, von beiden laufen unter sehr spitzem Winkel zahlreiche feine und dicht genäherte Lüngsrillen nach der Spitze der Hülse zu; die beiden Streifensysteme schneiden sich auf der Mitte der Klappen unter ebenfalls sehr spitzem Winkel (Fig. 9). Die Hülse enthält 3-7 hell gräulichbraune, bohnenförmig eckige Samen von 4 ram Länge, 2 mm Breite und l. ä mm Dicke; in der eingedrückten Mitte der Bauchseite findet sich der rundliche Nabelsteck (Fig. 10 u. 11). Abarten. In Gärten kultivirt man als Zierpflanzen eine Varietät mit weißer und eine solche Abarten, mit roth-weißer Blüthe. Beide sind landwirthschaftlich gleichwerthig. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die Geißraute ist im südöstlichen Europa einheimisch, Geographische wurde aber seit alter Zeit in Mitteleuropa als Arzneipflanze kultivirt und hat sich da und dort einge- Verbreitung, bürgert (so in Deutschland, Frankreich, der Schweiz). Wo sie wild .wächst, sucht sie immer humose Plätze an Hecken, Buschwerk, Rainen oder Wiesen auf, Standorte, wo sie auch Schutz vor der Kälte findet. Sie findet sich wild nur im Flachland. Höhengrenzc». 48 Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entu^klung. Ernte. Futterwerth. Die Geißraute verlangt eine geschützte Lage, da sie in strengen Wintern leicht auswintert oder durch Erfrieren zu Grunde geht, welchem Uebelstand man durch Ueberdecken mit langem Mist oder Kartoffelkraut etwas vorbeugen kann. Da sie sehr tief wurzelt, so ist sie gegen Dürre sehr widerstandsfähig. Zum guten Gedeihen verlangt sie einen tiefgründigen, im Untergrund nicht nassen Boden, macht also ungefähr dieselben Ansprüche an den Boden, wie die Luzerne, nur ist sie in Bezug auf Düngung nicht so wählerisch, und kann selbst auf hitzigem Boden kultivirt werden. 1000 u Heu entnehmen dem Boden nach unfern Untersuchungen 27. 3 u Stickstoff und 71. 8 u Mineralbestandtheil e und zwar: Phosphorsäure. . 8. 0 U Kalk . . 14. a u Kali.... 25. 4 U Schwefelsäure . . 3. 4 u Natron . . . 2. 0 % Kieselsäure . . 8. 0 u Magnesia.2. 8 U Hiezu ist zu bemerken, daß sie diese Stoffe wegen ihrer tiefen Bewurzelung zum großen Theil auf dem Untergrund entnimmt, weshalb sie in Bezug auf die Düngung sehr genügsam ist. Wachsthum, Ertrag und ^utterwerth. Die Pstanze treibt je nach der Bodenart 2 bis 5 Fuß lange, reich beblätterte Stengel. Sie bestockt sich, wo der Stand ein dünner ist, außerordentlich stark, während ihre Bestockung bei dichtem Stand geringer ist. Nach jedem Schnitt schlagen die an der Basis des Stockes gebildeten Sproßanlagen wieder aus und bilden neue Stengel. Im Frühjahr gesäet, liefert sie im gleichen Jahre noch einen bis zwei Schnitte, da sie sich ziemlich rasch entwickelt. Am 4. Mai 1882 gesäet, gelangte sie in unserm Versuchsfeld schon am 21. Juli zur Blüthe und konnte im gleichen Jahre zwei Mal geschnitten werden. Im Frühjahr treibt sie etwas später als die Luzerne und die Esparsette. Sie gelangte dieses Jahr (t883) Ende Juni zur Blüthe, lieferte dann aber einen sehr reichen Schnitt. Sie wächst schneller nach als die Esparsette, aber nicht so rasch wie die Luzerne, liefert aber zwei Schnitte, wovon der zweite fast ebenso ergiebig ist, wie der erste, da sie wie im ersten Schnitt Stengel treibt, welche zur Blüthe gelangen. Den zweiten Schnitt nehme man im Herbst nicht zu spät, wenn möglich noch im September, damit die Pflanze vor Winter etwas nachwachsen kann und später den Frost besser auszuhalten im Stande ist. Man schneide die Pstanzen stets, wenn die ersten Trauben aufblühen, weil mit der Blüthe die Stengel hart und dann vom Vieh nicht mehr gefressen werden. Bis zur Blüthe sind dieselben weich und saftig. Sie werden grün verfüttert, da sie sich schwer dörren lassen, dabei hart werden und viele Blätter verloren gehen. In warmen Lagen und auf Böden, die nicht gedüngt werden können, steht sie im Ertrag der Luzerne nicht nach, namentlich dann, wenn die Pflanzen in Reihen kultivirt und behackt werden. Grün wird die Geißraute im Eutwicklungsstadium vor der Blüthe sehr gerne gefressen und ihr Nährwerts) ist ein bedeutender. 100 U enthalten auf Heu reduzirt 78., u organische Bestandtheile, bestehend aus: Stickstoffhaltigen Bestandtheilen (N X 6. ?5 ) . . • 17- 1 % (Stickstoff im Eiweiß l. 5g 0 / 0 / im eiweißfreien Säst 1., 4 %> Fett.1. 4 % Rohfaser.34.!% Stickstofffreie Extraktstoffe.26.% Sie ist also wesentlich (um 4.%) reicher an Eiweiß als ein Kleeheu mittlerer Qualität, aber auch der Holzfasergehalt ist größer, während die Menge des Fettes und der stickstofffreien Er- traktstvsfe geringer ist. Sie stellt also ein nährstoffreiches Futter dar. Hg* Fahne Schis Mich Feiest ■ Stanbtadenrbhre Staubbeutel ■Yebenhlut/ Fi 9 . 6 . s/ i Fruchtknoten Flügel Orif‘/el ' V taiib/(tfi('!tcöhi‘ S‘eh/' flehe a Ficj. 6- */* Fig. 3. »/1 Fig. h\ -Vi ■ScJitffeJiert Hamen nahe/ Staubfaüos/eöhrr U 'ürzofe/ten Fig. 11 - 3 A •'T Tf . a, Vi': Galega officinalis, L. Geisraute C. fe L. Schroter ad. nat. dei. v. Lith. Genossenschaft Zürich 49 Vorn gleichen Feld ergab der erste Schnitt nach der Saat am 4. August 1882 78. s % Trockensubstanz mit: Eiweiß (Stickstoff im Eiweiß 1. 44J %, im eiweißfreien Saft 0. S1 %.) Fett. Rohfaser . Stickstofffreie Extraktstoffe . Sainengewinmmg, Verunreinigungen und Verfälschungen. Die Pflanze setzt viel Samen- Samen an und dieselben sind leicht zu gewinnen. Die Samen werden zwar etwas ungleich reif, s-winnung. jedoch fallen sie nicht leicht aus, so daß man mit dem Schnitt zuwarten darf, bis die letzten Hülsen reif sind. Wenn die Pflanzen trocken sind, so werden die Samen ausgedroschen. Verunreinigungen kommen selten vor und Verfälschungen sind mir keine bekannt. Same und Saat. Ein guter Same soll 98°/» Reinheit und 327« Keimfähigkeit (wobei Sam-n- ein Drittel*) der hart gebliebenen Körner als keimfähig in Ansatz gebracht sind) --- 31. 4 % reine und Qualität, keimfähige Samen ausweisen. 1 Kilogramm reine Samen enthält 150,000 Körner. Man säet per Saai- Hektar 25 Kilo = 785 Kiloprozente, per Juchart 9 Kilo — 283 Kiloprozente. Der Same kostet bei quantum. Vilmorin-Andrieup & Co. in Paris Fr. 2. 20, so daß die Saat pro Hektar auf Fr. 55, per Juchart auf Fr. 19. 80 zu stehen käme. Die Saat hat im Frühjahr, am besten ohne Ueberfrucht, §u geschehen. Die Saat. Samen dürfen etwas tiefer untergebracht werden, als die Luzerne, da sie grobköririger sind. Die Geißraute wird stets rein, ohne jede Beimischung ausgesäet, da sie in Mischungen mit Gräsern bald zu Grunde gehen würde. Wie der Luzerne, so ist ihr die Vergrasung nachtheilig, weshalb es unter Umständen angezeigt wäre, dieselbe in Reihen zu kultiviren, in welchen sie behackt werden kann. Auf diese Weise würde sie die größten Erträge abwerfen. In Gärten ist die Geißraute sehr gut geeignet zur Einfassung von Gitterwerk und Strauchgruppen. Nach Versuchen von Hugo Werner im Versuchsfelde in Poppelsdorf entwickelt sich die orientalische Orientalisch- Geißraute (Galega orientalis), welche aus der Levante stammt, im Frühjahr früher und die Pflanze ist Geißraute, krautiger, wenn sie auch nicht ganz so hoch wird, als jene der gemeinen Geißraute. Erklärung der Tafel 26. Figur A. Oberer Theil eines blütheutragenden Figur 6. Sexualorgane. „ 7. Stempel. „ 8. Geschlossene Hülse von der Rückennaht aus. „ 9. Hülse von der Seite. „ 10. Same von der Nabelseite. „ 11. Same im Profil. Stengels. 1. Blüthe von der Seite. 2. Kelch allein. 3. Blüthe ohne die Fahne und den Kelch. 4. Flügel allein. 5. Schiffchen und Sexualorgane. *) Ich untersuchte eine neue und eine etwa 3jährige Saat. Erstere ergab in 23 Tagen 12"/« keimfähige und 88% harte Körner, letztere 21°/« keimfähige, 21°/« harte und 58°/» faule Körner. Wollte man also die harten Körner bei der Berechnung des Gebrauchswerthes unberücksichtigt lassen, so ergäbe sich sonach bei der alten Saat ein größerer Prozentsatz als bei der neuen. (Man vergleiche Kirchner im Württemb. Wochenbl. f. Landw. 1883, Nr. 48.) 7 - 50 Benennung. Geschichte. Landwirth- schaftlicher Werth. Botanische Beschreibung 27. Der Wundklee. ^.ntiiMis vulnersris, I^inne. Der Wundklee, auch gemeiner Wundklee genannt, heißt auch Tannenklee, Wollblume, Wollklee (Berner-Oberland), Katzenklee, Katzenpfoten (Katzendälpli), Katzenkraut, Bärentatze, Herrgottsfüßli (Ursern), Trän oder Frauenträn (Bern und Luzern), Fräulischößli (Graubünden), Badönikli (Schaffhausen), Honigblume (Urschweiz), Brustkraut, Wundkraut, heidnisch Wundkraut, Berufskraut rc. Die Kultur ist erst etwa drei Jahrzehnte alt. Nach Langethal sah ihn ein Bauer, Naniens Boigt, bei Groß-Ellingen in der Altmark an Wegrändern und schloß mit Recht, daß er da, wo er wild wüchse, besser noch durch Kultur auf Feldern gedeihen würde, sammelte Samen, säete ihn auf geringere, aber gemergelte Sandfelder aus, erhielt schöne Erträge und setzte die Kultur fort. Die übrigen Landwirthe folgten ihm nach; der Anbau Verbreitete sich auch in dem sandigen Theile des Herzogthums Magdeburg östlich der Elbe und Von dort erhielt Langethal 1859 die ersten Nachrichten über den Anbau mit einer kleinen Garbe des Klee's, der über 2 */ 2 Fuß maß. Seitdem hat sich die Kultur weiter nach Norden und Osten bis nach Hinterpommern Verbreitet, und Boigt, der Entdecker seines Werthes für die Landwirthschaft, erhielt Von der preußischen Regierung ein ansehnliches Geschenk. Gegenwärtig ist der Wundklee auf den geringen Böden Norddeutschlands, wo Rothklee und Weißklee nicht mehr gebaut werden können, und die Seradella und Lupine unsichere oder schwache Erträge geben, eine sehr werthvolle Futterpflanze, da er sehr genügsani ist. Er ist mit sich selbst auch verträglicher, als die übrigen Kleearten, weshalb er schneller auf dein gleichen Felde folgen kann. Der Ertrag ist sehr sicher, wenn auch nicht bedeutend; Fehlernten sind selten, da er gegen äußere Einflüsse wenig empfindlich ist. Er füllt bei der Sommerstallfütterung die Lücke zwischen dem ersten und zweiten Nothkleeschnitt aus. Man Baut ihn sowohl als Mähe- wie als Weidepslanze an. Als Mähefutter wird er in der Regel nur ein Jahr genutzt, in Mischungen jedoch länger. Zur Weide genutzt ist seine Dauer 3—4 Jahre. Da er aus den Alpen häufig vorkommt, wo er sehr gut gedeiht und vom Vieh gerne abgeweidet wird, so wäre die Aussaat auch hier zu empfehlen. Botanische Beschreibung. Der Wundklee bestockt sich durch Seitentriebe, welche sich aus Seiten- knospen aus .der Achsel der grundständigen Blätter bilden. Die basaleu Theile dieser Seitentriebe sind eine Strecke weit unterirdisch horizontal oder schief aufstrebend, um dann erst einen aufsteigenden Stengel zu bilden; der Wurzelstock ist also verzweigt, vielköpfig, mit kurzen dicken Aesten, die sich wieder ähnlich verzweigen. Die oberirdischen Stengel find behaart, meist wenigblättrig. Die Blätter sind unpaarig gefiedert; das Endblüttchen ist bedeutend größer, als die opponirtcn seitlichen Fiederblättchen, die an den grundständigen Blättern tjäufig sogar ganz fehlen, so daß dieselben nur aus einem sehr langgestielten End- blättchen bestehen (Fig. A). Die Fiederblättchen alle sind dicklich, kahl, (nur die Endblüttchen der grundständigen Blätter sind unterseits filzig) mit deutlichem Mittelnerv und ganz im Blattgewebe versteckten Seitennerven. Die Nebenblättchen sind klein und lanzettlich. Die Blüthen sind zu reichblüthigen, stattlichen, von einem gefingerten Deckblatt begleiteten Köpfchen vereinigt, die einzeln oder zu zweien, seltener zu dreien das Ende des Stengels krönen. Die Einzelblüthe ist von einem bauchigen, blasig-aufgetriebenen weißfilzigen Kelch zu 2 / s eingehüllt, aus dessen wieder zusammengezogener Mündung die gelbgefärbten Blumenblätter vorragen (Fig. A u. 1) (bei einer Abart ist die Schiffchenspitze roth, oder auch die ganze Blüthe). Die nicht sehr auffallende Fahne besitzt eine schräg auswärts gerichtete Platte und einen schmalen Nagel (Stiel). Die erstere umfaßt die vorderen Theile der Flügel beinahe völlig mit ihren Rändern und 2 basalen Lappen (Fig. 2 u. 3). Die Flügel sind mit dem Schiffchen durch verschiedene ineinandergreifende Einsaltungen und Verzahnungen fest verbunden, so daß beim Herabdrücken derselben das Schiffchen die Bewegung mitmachen muß (Fig. 4 u. 5). Die aufwärtsgebogenen freien Enden der 10 zu einer geschlossenen Röhre verwachsenen Staubgefäße liegen in dem schnabelförmigen Ende deS Schiffchens; die kolbig verdickten Enden der Staubfäden schließen dicht aneinander und endigen alle in 51 gleicher Höhe, so daß sie einen Verschluß des Schiffchens nach unten bilden Gig. 6). Der von den 10 Staubbeuteln gelieferte Pollen sammelt sich in dem vom Schiffchenschnabel umschlossenen Raum über den Staubfadenenden. In demselben Raum sindet sich auch die kopfige, die Staubgefäße weit überragende Narbe (Fig. 6). Der Stempel besteht aus einem langgestielten, kurzen, meist zweieiigen Fruchtknoten und einem langen fadenförmigen, in der Mitte knieförmig nach oben abgebogenen, am Knie knotig verdickten Griffel mit kopsiger Narbe (Fig. 7). Die bei Jnsektenbesuch eintretenden Erscheinungen kennen wir aus den Beobachtungen Müller's (Befruchtung der Blumen durch Insekten ic., p. 232). Wenn das Insekt, um seinen Rüssel zwischen Fahne und Flügel zum Honigeingang durchzuzwängen, sich an die lehtern anklammert und sie dadurch abwärts drückt, macht in Folge der oben erwähnten Verbindungen zwischen Flügel und Schiffchen das letztere die abwärts gehende Bewegung mit. Dabei wird durch die steifen, wie ein Pumpenkolben wirkenden, kolbigen. Staubfadenenden der Pollen aus dem Schiffchen als bandartige Masse hervorgepreßt („Nudelpumpe" Del- pino's) und hängt sich an die Unterseite des besuchenden Insektes. Zuletzt tritt auch die Narbe aus dem Schiffchen heraus und kann dabei mit eigenem oder fremdem Pollen belegt werden. Es ist nicht erwiesen, ob nur der fremde Pollen Befruchtung zu bewirken im Stande und Jnsektenbesuch also absolut nöthig ist oder nicht. Die Frucht ist in dem bleibenden, rascheldürren, blasig aufgetriebenen, gewöhnlich noch von den verdorrten Blüthentheilen gekrönten Kelch eingeschlossen (Fig. 8). (Für die Pflanze hat dieser aufgetriebene Fruchtkelch die Bedeutung eines Verbreitungsmittels der Samen, indem er die Hülsen leichter vom Winde Vertragbar macht.) Die Hülse ist mit einem fadenförmigen, 3 mm langen, gebogenen, im untern Viertel der Bauchnaht entspringenden Stiel versehen, flachgedrückt und scharfkantig, von eiförmigem Uinriß, mit vorgezogener Spitze versehen und auf den Backen netzförmig fein gerippt (Fig. 9 u. 10). Sie enthält meist einen einzigen, glänzenden, gelb und grün gescheckten Samen, der wenig flachgedrückt ist, einen eiförmigen Umriß mit leichtem Eindruck in der Nabelgegend und einen rundlichen Nabelfleck besitzt (Fig. 11 u. 12). Abarten. Die wichtigsten 2 Abarten sind: 1. Antliyllis vulneraria var. alpestris Heg. (Flora der Abarten. Schweiz) mit wenigblättrigem Stengel und oft weißlichgelb gefärbter Blüthe (so namentlich im transalpinen Gebiet), auf den Alpen bis hoch hinaufgehend (am Lüner-See bis 2100 m , am Albula bis 2400 und oft einen wichtigen Bestandtheil der Matten bildend. 2. Antllyllis vulneraria var. rubrillora Heg. mit mehr oder weniger rothgefärbter Blüthe, sonst wie vorige, namentlich auf transalpinem Gebiet. (Zermatt, Corni di canzo.) Manche Autoren vereinigen diese beiden Abarten zu einer besonderen Art, Antbyllis Dillenii, Schultes, die Wohl kaum spezifisch verschieden fein dürfte von vulneraria. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Wundklee ist einheimisch: in ganz Europa mit Geographische Ausnahme des größten Theiles von Lappland, Finnland und Nordrußland. In Afrika in Algier, auf Verbreitung, dem Atlas und in Abesshnien. In Asien im Kaukasus, Georgien und dem größten Theil von Kleinasien. In Amerika fehlt er. Wild findet er sich auf Weiden, an Berghängen, Böschungen, Feld- und Wegrändern, Rainen, Standorte, überhaupt an sonnigen, meist trockenen Orten, besonders mit Mergel- oder Kalkunterlage bis in die höchste AlPenregion. Sein häufiges Vorkommen deutet auf einen kalkreichen Boden hin. Die Leiden oben erwähnten Abarten gehen bis gegen die Schneegrenze: so am Albula bis 2400 Höhengrenzen. am Lüner-See und Buffalorapaß 2100 m . Gegen die Kälte des Winters sowohl, wie gegen die Dürre des Sommers ist der Wundklee Klima, unempfindlich. Selten friert er aus, selbst lticht in epponirten Lagen. Während die übrigen Kleearten die Herbstsaat nicht ertragen, kommt Wundklee, der im Herbst gesäet wird, sehr gut durch den Winter. Gegen die Dürre ist er ebenso widerstandsfähig wie der Schafschwingel (siehe diesen), wird aber auf sehr trockenem Standort stärker wollig. Auf Bodenarten, welche für den Rothklee zu leicht sind, kann er noch mit Erfolg gebaut werden. Sogar auf geringem Sandboden, der nicht mehr Weißklee trägt, gedeiht er, wenn derselbe einige Kraft besitzt und gemergelt worden ist. Er kann aber überhaupt auf allen warmen Böden (Mergel-, Lehm-, Sand- und Kalkböden) gebaut werden, wenn dieselben einige Kraft besitzen und 52 nicht zu flach gründ ig sind. Seine Kultur ist jedoch nur da am Platze, wo der Roth- und Weißklee nicht mehr fortkommen. Auf kaltem, nassem und Torfboden gedeiht er nicht. Boden- 1000 u Heu entnehmen dem Boden nach Wolfs's Zusammenstellung: rrschöpfung. Stickstoff . 22.8 U Magnesia 2.z u Phosphorsäure 4. 4 % Kalk . 33., U Kali . 12., U Schwefelsäure . 1. 0 U Natron . • 1-8 t6 Kieselsäure 1.5 U Nach unsern Untersuchungen entnehmen 1000 u Heu dem Boden 20.- U Stickstoff und 90. 2 U Mineralbestandtheile. Letztere bestunden aus: Phosphorsäure 9.2 U Kalk 24., u Kali . 25.4 » Schwefelsäure 2. g U Natron . 1.4 U Kieselsäure . 16.z U Magnesia 3. 0 U Düngung. Die Pflanze hat also ein bedeutendes Kalkbedürsniß. Trotzdem der Wundklee an den Boden keine großen Ansprüche macht, verlangt er doch eine gewisse Kultur und ist mit einer armen, dünger- leeren Krume nicht zufrieden, wenn er auch vermöge seiner tiefgehenden, kräftigen Bewurzelung einen nicht unbedeutenden Theil seiner Nährmittel dem Untergründe entnimmt. Eine direkte Düngung lohnt sich in der Regel nicht, wohl aber ist es angezeigt, daß man ihn nach einer gedüngten Kultur- folgen lasse, weil sich dann die junge Pflanze viel kräftiger zu entwickeln vermag und die Bestockung eine größere ist. Bei Kalkmangel im Boden ist die Mergelung Vortheilhaft. Wuchs. Wachsthum, Ertrag und Futterwerth. Der Stengel des Wundklee's ist aufsteigend, bei dünnem Stand sogar ziemlich stark niederliegend, bei geschlossenem mehr emporgerichtet, weshalb es sich empfiehlt, durch starke Saat einen dichten Stand herbeizuführen. Da der Wurzelstock sich durch seitliche Abzweigungen ausbreitet (vergl. botanische Beschreibung) und diese Verzweigungen verschiedener Stöcke ineinandergreifen, so entsteht ein ziemlich geschlossener Rasen. Die Stengel sind Entwicklung, verzweigt und ziemlich gut beblättert. Im ersten Jahr bilden sich nur lauggestielte, einfache Wurzelblätter, während die Stengel erst im zweiten Jahr zur Entwicklung gelangen, welche gefiederte Blätter tragen. Wird er unter eine Getreideart gesäet, so bemerkt man nach Aberntung derselben vom Wund- klee nicht viel und nur auf günstigem Standort kann.er noch geweidet werden. Er überwintert und bestockt sich jedoch besser, wenn er nicht mehr beweibet wird. Seine Vegetation beginnt im Frühjahr ungefähr zu gleicher Zeit mit derjenigen des Rothklee's; da er sich jedoch etwas langsamer entwickelt, Ernte, so tritt die Blüthe etwas später ein. Wenn man ihn zwei Mal schneiden will, so nehme man ihn das erste Mal vor der Blüthe; will man aber nur einen Schnitt nehmen und den Nachwuchs als Weide nutzen, so schneide man ihn zur Zeit der vollen Blüthe, was nach praktischer Erfahrung vor- theilhafter ist. Im letzteren Falle entstehen im Nachwuchs keine neuen Stengel, sondern nur Blätter. Will man den ersten Schnitt später nehmen, so kann man ihn im Frühjahr zuerst beweiben, ohne daß dadurch der Ertrag beeinträchtigt wird. Will man ihn dörren, so verfahre man wie beim Rothklee. Durch Blattabfall und durch das Beregnen geht oft ein großer Theil der Futtermasse verloren. Wie groß der Verlust sein kann. zeigen folgende Untersuchungsresultate von trocken eingebrachtem und beregnetem, drei Wochen gelegenem Heu vom Wundklee. 100 U Trockensubstanz enthielten nach A. Beyer: SS Stickstoffhaltige Stoffe . Fett . . . . Holzfaser . Stickstofffreie Extraktstoffe Mineralstoffe . Unberegttet Beregnet 00 3.2% l-o% 39*2% 39.,°/« 42. 8 % 45. 7 % 6-i% 4.7% 100.«% 100.«% Die stickstoffhaltigen Stoffe und das Fett, also die werthvollsten Bestandtheile des Futters, haben sich durch das Beregnen wesentlich vermindert. Der Heuertrag ist je nach der Bodenart sehr verschieden. Werner gibt ihn bei Reinsaat auf Ertrag, gutem sandigem und mergelhaltigem Lehmboden zu 120—200 Zentner an, für leichten, kalkhaltigen, guten Sandboden zu 80-120 Zentner, für armen Sand- und Kiesboden zu 40—60 Zentner, im Durchschnitt 90 Zentner per Hektar. Langethal rechnet per Hektar 60-80 Zentner. G. Schulze-Sammenthin erhielt auf dem schlechtesten Boden nicht unter 48 Zentner, auf besserem Boden bis 100 Zentner. 100 U Heu enthalten nach Wolff's Zusammenstellung 79.//« organische Substanz, mit: Stickstoffhaltigen Stoffen 14. a % davon verdaulich %% Fett. 2.«% „ „ 1 - 4 % Holzfaser. ■ - 26. 3 % , 36.8% Stickstofffreie Extraktstoffe . 36.3% s " Nährstosfverhältniß .1 : 4.« Futterwerth. Der Nährstoffgehalt ist demnach größer als derjenige eines Rothkleeheues mittlerer Qualität. Nach unsern Untersuchungen enthält das Heu 76. 7 % organische Substanz. Darin sind: Stickstoffhaltige Stoffe (N X 6. ä3 ).12. 8 % (Stickstoff im Eiweiß l. 2e %, im eiweißfreien Saft 0.„ %•) Seit. l.,% Rohfaser.36. 4 % Stickstofffreie Extraktstoffe.25. e % Das Futter wird von Schafen und Ziegen, aber auch von Rindern gerne gefressen und wirkt adstringirend, was ohne Zweifel auf den hohen Gerbsäuregehalt zurückzuführen ist. Pferde dagegen fressen es nicht gerne. Das Vieh bläht sich von demselben nicht. Samengewmmrng, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der Same wird schon im Samm- ersten Nutzungsjahr gewonnen. Bei der Gewinnung muß der richtige Zeitpunkt wahrgenommen s^nung. werden, denn schneidet man zu früh, so lassen sich die Samen schwer ausdreschen, und wartet man zu lange, so gehen viele Samen durch Abfallen verloren. Der Same ist gewöhnlich Anfangs bis Mitte August reif. Man schneidet die Pflanzen, wenn die Hülsen zur Hälfte schwarz, zur Hälfte dunkelgrün sind. Das weitere Verfahren ist jenem beim Rothklee gleich. Die vertrockneten Blüthen und die von diesen eingeschlossenen Hülsen lassen sich, wie beim Rothklee, sehr leicht abdreschen, um so schwieriger ist aber das Ausdreschen der Samen aus den Hülsen. Dasselbe geschieht am besten mit Dreschmaschinen, in welche Kleereiber eingesetzt wurden, noch besser durch Kleeenthülsungs- maschinen, die aber etwas kostspielig sind. Die Samen werden jedoch auch mit den Hülsen, ja sogar mit den übrigen Hüllen ausgesäet. Werner gibt den Samenertrag zu 8—16 Zentner, im Durchschnitt 10 Zentner per Hektar an. Samenertrag. 54 Verunreinigungen und Verfälschungen. Samen- quatität. Saat- quantum. Saat. Mischungen. Nachfrüchte. Der auf einer Seite grün, auf der andern gelb gefärbte Same ist sehr häufig mit jenem des Hopfenklee's, Medicag-o lupulina, L. (Fig. 59), vermischt, welcher jedoch kleiner, von grünlich gelber Farbe und an dem zu einem kleinen Spitzchen hervortretenden Würzelchen zu erkennen ist. Rechten Samen bezieht man am besten aus Berlin oder Breslau. Same und Saat. Eine gute Waare soll 95°/o reine Samen enthalten, wovon 90°/» keimen — 85, ä 7o reine und keimfähige Samen. 1 Kilo reine Samen enthält 300,000—400,000 Körner. 1 Hektoliter wiegt 74—80 Kilo. Man säet per Hektar 20 Kilo — 1710 Kiloprozente, per Juchart 7.. Kilo — 641 Kiloprozente. Mit den Hülsen säet man per Hektar 25 Kilo, da 100 ‘ä Hülsen 80 U Samen geben. Mit den Hüllen beträgt das Saatquantum 133 Kilo, da 100 Kilo Bulstern 15°/» Samen geben. Man säet ihn am besten in eine Getreideart als Ueberfrncht, welche auf eine gedüngte Hackfrucht folgt. Als Ueberfrncht wählt man in der Regel Roggen oder Hafer. Säet man den Roggen im Herbst zeitig, so wird der Wundklee schon im Herbst gesäet, sonst aber möglichst zeitig im Frühjahr: Ende März bis Anfangs April. In Bezug auf die Vorbereitung zur Saat, die Saat selber und die Unterbringung gilt das beim Rothklee Gesagte. Empfehlenswerther als die Reinsaat ist die Aussaat im Gemenge; besonders gut paßt er für Kleegras, Wechselwiesen oder Wechselweiden im Gemenge mit Schafschwingel, Timothegras, Hopfenklee, Weißklee, aufrechter Trespe, unter günstigen Verhältnissen auch mit französischem Raygras. Ein solches Gemenge ist ertragreicher und von längerer Dauer als Wundklee allein. Da der Wurzelstock zahlreiche Abzweigungen macht und die Bewurzelung sehr stark ist, hinterläßt der Wundklee in seinen Rückständen im Boden eine größere Masse als selbst die Lupine. Bis auf eine Tiefe von 26 cm hinterlassen dieselben per Hektar nach Werner: Wundklee Lupine Stoppel-Wurzelrückstände (wasserfrei) .... 5597 Kilogr. 3943 Kilogr. Darin: Stickstoff.114 „ 70 „ Mineralbestandtheile. 1090 „ 616 In letzteren sind enthalten: Phosphorsäure.27., Kilogr. 15.» Kilogr. Kali.29., / 19., „ ‘ Natron.6.,, 4., „ Magnesia.20., „ 13.» „ Kalk.152.8 „ 90., „ Die Krume wird also durch den Wundklee wesentlich verbessert. Er ist deshalb eine vorzügliche Borfrucht für Raps und Rübsen, da der Schnitt zudem zeitig genug geschieht, um die Nachfrucht zu geeigneter Zeit bestellen zu können. Er ist aber auch eine gute Vorfrucht für Getreide. e b c Figur 59. Gelb- oder Hopfenklee. Medicago lupulina, L. a Hülsen mit Kelch, siebenmal vergrößert; b Same in natürlicher Größe; o Samen, siebenmal vergrößert. Fig. 1 .Vi rSV»*/ (7Vv Svhi/frhcrts Sffwbfh(/f’/irohr Fiiujc/ Fig. V. -SV/>'/ r/ oort/wn •SrZiif‘/cJtr7//>/ntf(‘.S' /4Ms ln>rir ' nZj/a/Z Shsfi bfhth ‘inZJhj ‘c S,Zjr/zffl ____—Fig.<>.V 2 ' ’S ‘trrldZ/f//h‘t‘f‘/i A'(Zii/Z/Zir/iftlaf/e.s Frit cht/c/i oZf>it (Zijsfcf Fi 9 .7. V 2 K / FftirhtJvr/r/t I Au// _\ /Zs/Z/c F.Ft/Z///Z' 1VL 9jf F 19 . 0 .V 1 ■ SZir/ f/. ZZrZ/fu' Fig.O.Vi G. & L. Schröter ad. nat. Anthyllis vulneraria, L. Wundklee v. Lith. Genossenschaft Zürich. 55 Erklärung der Tafel 27. Figur A. 1 . 2 . 3. 4. 5. 6 . Ganze Pflanze im blühenden Zustand. Blüthe von der Seite. Blüthe ohne den Kelch. Fahne von unten. Flügel. Schiffchen und Sexualorgane. Dasselbe nach Entfernung des vorder« Schiffchenblattes. Figur 7. Stempel. „ 8. Fruchtkelch. „ 9. Hülse von der Seite. „ 10. Hülse von der Bauchnaht aus. „ 11. Same im Profil. „ 12. Same von der Nabelseite aus. 28. Die Luzerne. Medicago sativa, Linne. Die Luzerne, auch blaue oder gemeine Luzerne, wird zum Unterschied ihrer zahlreichen Gattungsverwandten auch blauer, gemeiner, gebauter, zahmer oder Futter-Schneckenklee genannt. Sie heißt ferner: ewiger, blauer oder sizilischer Klee, Dauerklee, Spargelklee, Hochklee, Monatsklee, Stängelklee, Rosmarinklee, Luzernerklee, Fünfschnittklee (einq coups), welscher Holten, Siufin (von Sainfoin). Ueber die Herkunft des französischen, ins Deutsche übergegangenen Namens ist schon sehr viel gestritten worden, keinesfalls kommt derselbe aber von der Stadt oder dem Kanton Luzern, wo die Luzerne eine selten kultivirte Futterpflanze ist. Mau hat ihn ferner von dem italienischen Orte Oiauserne oder Liausert abzuleiten gesucht, von wo die Provencaleu dieselbe eingeführt haben sollten. Nach historischen Feststellungen kam sie aber von Spanien nach Frankreich. — Sodann hat man gesagt, daß der Name von dem keltischen «Luzu», «luzuen» (Kraut) abstamme. — Die Catalouier nennen sie «Userdas», von welchem wahrscheinlich auch der im mittäglichen Frankreich gebräuchliche Volksname «Laouzerdo» kommt, der mit «Luzerne» nahe verwandt ist. Die Kultur der Luzerne ist sehr alt, denn schon die alten Griechen und Römer kannten sie; der griechische Name war Medicai, der lateinische Medica oder Herba medica (noch heute heißt in Italien die Luzerne «erba medica»), weil die Pflanze im Kriege gegen die Perser, ungefähr 470 Jahre vor Christo aus Medien impvrtirt wurde (erba---- Kraut). Die Perser kultivirten dieselben für die edlen Pferde der Stütereien der Könige von Persien. Schon im zweiten Jahrhundert v. Chr. wurde sie auch in Italien angebaut, im ersten und zweiten Jahrhundert u. Chr. war die Kultur ziemlich ausgedehnt und Barro, Columella, Birgil u. A. thun derselben in ihren Werken Erwähnung. Bon Italien kam sie später nach Spanien. Durch die Verwüstungen der Völkerwanderungen ging in Italien auch der Luzernebau zurück; nach andern Angaben ging derselbe ganz ein, weshalb der berühmte italienische Schriftsteller Crescentio, der im 13. Jahrhundert lebte, in seinem Werke nichts davon erwähnt, während Targioni, der sich in diesem Punkte nicht irren konnte, sagt, daß sich die Kultur in Italien und besonders in Toskaua seit dem Alterthum stets erhalten habe. In dem modernen Griechenland wird sie selten angebaut. Nach Aussage von Gallo kam sie 1550 von Spanien nach Südfrankreich. 1565 brachte sie Clusius nach Mecheln (Deutschland) und Belgien. Nach der Schweiz ist sie, nach den vorhandenen Angaben zu schließen, aus Südfrankreich eingeführt worden. Die Luzerne ist für das südliche Europa die wichtigste Futterpflanze, da sie im warmen Klima und auf trockenem Boden, wo der Rothklee verdorren würde, gut fortkommt und einen reichen Ertrag liefert. Sie kann im Frühjahr vor dem Rothklee geschnitten werden und liefert im gleichen Jahr Benennung. Geschichte. Landwirth- schaftlicher Werth. 3 bis 5 gute Schnitte. Sie ist widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse und gibt ein Futter, das sich sehr gut zur Sommerstallfütterung eignet. Viele Gegenden verdanken ihren Wohlstand einzig dieser Pflanze. „Wie würde es in manchen Gegenden der Rheinpfalz aussehen, wenn man die Luzerne nicht hätte?" fragt Sprengel. Sie dauert je nach der Bodenart und dem Klima 3 bis 20 Jahre. In warmem Klima und auf tiefgründigem, warmem Boden sind tO- bis l 6jährige, ja sogar 20- bis 25jährige Luzerneselder, wo der Stand noch ein guter ist, keine Seltenheit, während sie auf ungünstigem Standort schon nach 3 Jahren verschwindet. Im letzteren Falle ist ihre Kultur nicht mehr am Platze, sie lohnt nur da, wo eine 6- bis 6jährige Dauer sicher ist. Gewöhnlich bricht man sie nach diesem Zeitraum um und läßt im ersten Jahr Weizen folgen. Im Allgemeinen gilt als Regel, daß man die Luzerne auf dem gleichen Felde mindestens so lange nicht wiederkehren lassen darf, als sie dasselbe in Anspruch genommen hat. Jedoch hängt dies sehr vom Untergrund ab; ist derselbe gut, so kann sie früher wiederkehren, als wenn er weniger geeignet ist. Botanische Botanische Beschreibung. Die Luzerne besitzt eine außerordentlich tiefgehende Pfahlwurzel (siehe Beschreibung, g. Die Bestallung geschieht durch basale Seitentriebe, welche sich sofort nach oben wenden, so daß anfangs die oberirdischen Theile einen dichtgedrängten Horst bilden; erst im spätern Alter tritt durch eine basale Verlängerung starker Seitentriebe eine Zwei- und Mehrtheilung des Wurzelstocks ein (Fig. 0). Der etwas kantige, ziemlich kahle Stengel ist aufrecht oder aufsteigend, ästig, 30—90 om hoch. Die am Hauptstengel zerstreut, an den Aesten 2zeilig stehenden Blätter find Zzählig, mit länglich-verkehrteiförmigen bis linealen, zerstreut behaarten und stachelspitzig gezähnten Blättchen und eiförmigen, lang zugespitzten Nebenblättern. (Fig. A.) Die Blüthen sind zu blattachselständigen, reichblüthigen Köpfchen oder Trauben vereinigt. Die Einzelblüthe hat einen verwachsenblättrigen Kelch (K. Fig. 1) mit auf den Nerven schwach behaarter Röhre und 5 pfriemlichen kahlen Zähnen. Die Fahne ist unter starkem Winkel nach oben gebogen und längs der Mittellinie schwach gekielt; die ziemlich breit gestielten Flügel besitzen an der Basis ihrer Platte einen nach rückwärts abgehenden, über die „Geschlechtssäule" (Stempel und Stanbfadenröhre) herübergreifenden, fingerförmigen Fortsatz (f. Fig. 2) und vor demselben eine tiefe Einstülpung, welche in eine entsprechende Sackfalte der Schiffchenblätter eingreift; diese letzterwähnte Einstülpung der Schisfchenblätter greift ebenfalls über die Geschlechtssäüle herüber. Die Schiffchenblätter sind vorn abgerundet, bilden keinen Schnabel (Fig. 3). Die aus 9 verwachsenen Staubfäden gebildete Röhre' zeigt die Eigenthümlichkeit, daß sie, wenn in einer gleich zu beschreibenden Weife von allen Hemmungen befreit, mit großer Kraft rückwärts gegen die Fahne sich krümmt, wobei sie den eingeschlossenen Stempel mitnimmt und Narbe und Antheren gegen die Fahne drückt. (Fig. 3.) Diese Bewegung wird nach der llntersuchung Hermann Müll er's veranlaßt durch die Zusammenziehung der obern Staubfäden. — Der Stempel besteht aus einem behaarten, mehreiigen Fruchtknoten nnd einem säbelförmigen, stumpfwinklig nach oben abgebogenen Griffel mit Ülappiger Narbe. (Fig. 4.) Die Erscheinungen bei Jnsektenbesuch sind nach dem eben besprochenen Blüthenbau die folgenden: ich muß hier vorausschicken, daß nach den Untersuchungen Müller's die oben erwähnte Hemmung der Geschlechtssäüle, welche sie in ihrer gezwungenen Lage im Schiffchen zurückhält, von den anfangs erwähnten, über die Geschlechtssäüle herübergreifenden Fortsätzen von Flügel und Schiffchen gebildet wird. Werden also durch das besuchende Insekt Flügel und Schiffchen abwärts gezogen und dabei die hemmenden Fortsätze auseinander gerückt, so tritt die Zusammenziehung der obern Staubgefäße der Röhre in's Spiel und der vordere Theil der Geschlechtssäule witd rasch und kräftig gegen die Unterseite des Insekts geschnellt, dabei die vorragende Narbe eventuell mit Pollen aus einer andern Blüthe bedeckt und die Unterseite des Insekts und wohl auch stets die Narbe mit Pollen aus der besuchten Blüthe belegt, Nach Versuchen Hildebrandt's sind die Blüthen aber auch bei Jnsektenabschluß fruchtbar und es ist außerdem bis jetzt noch nie einem Beobachter gelungen, das Losschnellen der Geschlechtssäule durch ein honigholendes Insekt veranlaßt zu sehen. Die Honigbienen wissen durch seitliches Einführen des Rüssels den Honig zu holen, ohne das Losschnellen zu bewirken; da außerdem nur Schmetterlinge die Blüthen besuchten, so vermuthet Müller, sie möchten es sein, welche die thatsächlich beobachteten zahlreichen Losschnellungen bewirkten. 57 Durch bloße Veränderungen in der Blüthe selbst wird das Losschnellen nicht veranlaßt, denn Hildebrand sah Blüthen vollständig abwelken, ohne daß die Geschlechtssäule sich loslöste. Die Beziehungen der Luzerne zu den Insekten sind also noch nicht ganz aufgeklärt. Die Frucht ist eine schneckenförmige, vielsamige Hülse, von 4—5 mm Höhe und 3—4 mm Dicke, mit 2—3 Windungen (vollständigen Umgängen) und netzig-feingeaderter, mit anliegenden Weichhäärchen bedeckter Oberfläche (Fig. 5 u. 6); die beim Winden nach außen gekehrte Rückennaht besitzt eine vorspringende Rippe, welche beim Aufspringen als ein gewundener Faden sich loslöst. Die gelbbraun gefärbten Samen sind bohnenförmig, 2—2'/<, mm lang und 1 mm dick, mit deutlich abgegrenzten Würzelchen und rundlichem, in einer Vertiefung der einen Schmalseite liegendem Nabel (Fig. 7 u. 8). Abarten. Alefeld und andere Autoren vereinigen die gemeine Luzerne (sativa, L.), die Sand- Abarten, luzerne (media, Persoon) und die sichelfrüchtige Luzerne (kaleata, L.) zu einer einzigen Art und betrachten die drei Formen als Varietäten, während andere Autoren die gemeine und die sichelfrüchtige Luzerne als zwei selbstständige Arten auffassen, von welchen die Sandluzerne nur ein Bastard sei. Wieder Andere betrachten auch die Sandluzerne als eigene Art. Landwirthschaftlich sind die drei Formen so verschieden- werthig, daß jede derselben eine besondere Behandlung erfordert, weshalb wir hier nur die gemeine Luzerne in's Auge fassen. Im gemäßigten Asien, besonders im Himalaja-Gebirge, kommen zahlreiche, unserer gemeinen Luzerne sehr ähnliche Varietäten vor, und Hugo Werner hat mit einer chinesischen Luzerne (Medicago sativa rotundifolia, Alefeld), welche 1847 unter dem Namen «Mü-Söe» nach Rußland geschickt wurde, Versuche angestellt. Nach denselben steht sie aber unserer Luzerne an Brauchbarkeit nach, da der Nachwuchs geringer ist. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die Luzerne ist in Asien einheimisch und findet sich Geographijch- dort wild in Anatolien, im südlichen Kaukasus, in Persien, Afghanistan, Bqlutfchistan und Kaschmir. Zn Verbreitung. Europa hat ihre Kultur besonders in Südfrankreich, Oberitalien, Ungarn und der Rheinpfalz eine große Ausdehnung erlangt. — Verwildert treffen wir sie bei uns besonders auf warmem kalkhaltigem Boden. Standorte. Im Unter-Engadin wird sie in Schleins noch 1541 hoch kultivirt, wo sie ganz gut gedeiht Hshengrenzen. und zwei Mal im Jahr gemäht werden kann. In einer Höhe von 1100—1200 m kommen im Kanton Graubünden sogar 20- bis 25jährige Luzernefelder vor. In Obervaz und Churwalden (1300 m ) fand sie Brügger verwildert. Die Luzerne verlangt zu ihrem Gedeihen ein warmes Klima und eine warme Lage, weshalb KNma. sie im Mais- und Weinklima am besten gedeiht. Da sie sehr tief gehende Wurzeln besitzt, erträgt sie die Dürre wie keine andere Kleeart. Nach wochenlanger Dürre hört sie zwar auf zu wachsen und trocknet aus durchlassendem Boden wohl ein, um sich bei Eintritt von Regenwetter aber sofort wieder zu erholen. Feuchte Witterung sagt ihr weniger zu, weshalb sie in nassen Jahren weniger gut und in Gegenden mit viel atmosphärischen Niederschlägen gar nicht gedeiht. Man kann annehmen, daß sie in Mitteleuropa bei einer jährlichen Regenhöhe von über 85 bis 100 Centimeter, auch wenn der Boden geeignet wäre, nicht mehr mit Erfolg gebaut werden kann. Nicht nur ist sie in diesem Falle der Bergrasung ausgesetzt, sondern die Nässe schadet ihr auch direkt. Gegen Kälte ist sie unempfindlich; einzig Kältegrade, welche 25° C. übersteigen, sollen ihr schädlich sein, wenn sie nicht von Schnee bedeckt ist. Wenn die Luzerne gut gedeihen soll, so verlangt sie vor Allem einen gut gearteten, nicht festen Boden. Untergrund, in welchem die tiefgehende Wurzel die nöthige Nahrung vorfindet und sich auszubreiten vermag. Die obere Bodenschicht ist für ihr Gedeihen von geringerer Wichtigkeit, sie kann schwer oder leicht sein, wenn nur der Untergrund gut ist. Da ihr Kalkbedürfniß groß ist, so gedeiht sie am besten auf kalkreichen Bodenarten, mit gleichartigem Untergrund, namentlich auf Lehm- und Sandmergel, aber auch auf Kalk- und Thoumergel entwickelt sie sich sehr gut. Ebenso kommt sie auf 8 - 58 Lehm- und Thonboden mit durchtastendem Untergrund gut fort und kann sogar auf Sandboden gebaut werden, wenn der Untergrund gut und kalkhaltig ist. Auf Kalkverwitterungsböden gedeiht sie ebenfalls, wenn der Untergrund verwittert oder stark zerklüftet ist, während sie auf felsigem Untergrund nicht mehr gebaut werden kann. Dagegen kommt sie aus kiesigem Untergrund, der nicht arm ist, gut fort, wenn die Krume gut ist und einige Mächtigkeit besitzt. Auf Thonboden mit gleichartigem, verschlossenem, festem Untergrund und auf nassen Böden kränkelt die Pflanze und geht bald ein. Boden- Die Luzerne sucht ihre Nahrung hauptsächlich in der Tiefe, fand doch der Schweizer Natur- erschopfuna. Äscher Bonnet an den Ufern der Arve eine Pstanze mit einer 66 Fuß langen Pfahlwurzel. Fraas gibt das Maximum des Tiefganges der Wurzeln bei Weißklee zu 15, bei Inkarnatklee zu 31, bei Rothklee zu 63, bei Luzerne zu 126 und bei Esparsette zu 94 bis 379 Centimeter an, während die Luzerne oft nur 63 tief gelange und dennoch gedeihe; jedoch gedeiht sie um so besser, je tiefer sie sich bewurzeln kann. 1000 U Luzerne (auf Heu mit 14% Wassergehalt reduzirt) enthalten zu Beginn der Blüthe nach Wolfs's Zusammenstellungen: Stickstoff . . 23.« U Magnesia. 4.z U Phosphorsäure. • % N Kalk . 34. „ U Kali . 21., U Schwefelsäure . 4. 9 U Natron . 1.. » Kieselsäure 8.2 U Die Asche ist also sehr reich an Kali, Kalk und Magnesia. Es ist nicht empfehlenswerth, die Luzerne direkt vor der Saat stark mit Stallmist zu düngen, weil damit die Unkrautentwicklung begünstigt wird, wodurch die jungen Pstanzen oft stark geschädigt werden. Am besten ist es, man lasse sie nach einer gut gedüngten Vorfrucht folgen. Dagegen ist eine Düngung mit einem passenden künstlichen Dünger bei der Saat unter Umständen sehr zu empfehlen. Später wird häufig die Kopfdüngung mit Gülle, Kompost und Asche, seltener mit Mist, Gips und anderen käuflichen Düngemitteln angewandt. Die Gülledüngung fördert die Entwicklung ungemein, jedoch hat sie leicht eine Vergrasung zur Folge. Will man Gips anwenden, der wegen der tiefen Bewurzelung der Luzerne naturgemäß hier weniger wirkt als beim Rothklee, so streue man ihn sofort nach dem Begüllen aus, weil dann zugleich das Ammoniak der Gülle gebunden wird. Ebenso wirkt gipsreiche Torfasche sehr Vortheilhaft, wie überhaupt eine Düngung mit Asche nicht nur ein Mittel gegen die Vergrasung ist, sondern direkt die Entwicklung steigert. Gelagerter Kompost ist ebenfalls gut; derselbe wird im Herbst aufgebracht, während das Ueberdüngen mit Mist nicht nur eine Verschwendung von Dnngermaterialien ist, sondern infolge der dadurch herbeigeführten Vergrasung schädlich wirkt. In wie weit sich Kopfdüngungen mit käuflichen Düngemitteln bezahlen, ist nicht festgestellt. Sicher ist, daß eine Düngung mit Chilisalpeter (1—IV* Zentner per Hektar) die Be- stockung der jungen Saat wesentlich begünstigt und ist deshalb die Anwendung desselben bei junger Luzerne, die nicht vorwärts will, unter Umständen zu empfehlen. Aus kalkarmem Boden wirkt eine Mergelung, welche man im Herbst vor der Saat vornimmt, Vortheilhast. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Die Luzerne treibt 1 bis 2 bis 3 Fuß hohe, verzweigte, reich beblätterte Stengel. Da der kräftige Wurzelstock keine Ausläufer bildet und sich sämmtliche Triebe direkt nach oben wenden, so bedeckt die Luzerne den Boden nur unvollständig, weshalb Wuchs. 59 dieselbe der Vergrasung so sehr ausgesetzt ist. Der abgeschnittene Stengel stirbt nach jedem Schnitt ab und die am Wurzelstock seitlich angelegten Knospen (Tafel 28, Figur B), die sich während des Wachsthums des früheren Schnittes gebildet hatten, gelangen nun zur Entwicklung und wachsen zu Stengeln heran. Die Wurzel dringt schon im ersten Jahr 2 Fust tief in den Boden ein, wenn derselbe locker Entwicklung, ist. Ihre höchste Entwicklung erreicht sie auf reichem Boden im zweiten, auf ärmerem im dritten Jahre. Baron Crud gibt nach seinen in Frankreich gemachten Erfahrungen den Ertrag Per Hektar in den einzelnen Jahren wie folgt an: 1. Jahr . . 80 Zentner 5. Jahr . . 232 Zentner 2. „ - 240 6. „ . . 200 „ 3 . 260 „ 7. . . 160 „ 4 . 260 „ Man thut jedoch auch bei luzernefähigem Boden gut, die Luzerne nach 5-7 Jahren umzubrechen, weil die Erträge von da an stark abnehmen. Hecke erzielte auf mittelmäßig luzernefähigem Boden in Ungarisch-Altenburg folgende Heuerträge pro Hektar: Im 1. Jahr .... 70 Zentner 2 . 3. 4. 5. 140 110 88 52 Durchschnitt: 92 Die Luzerne fängt schon Ende April und in den ersten Tagen des Mai, wenn die Obstbäume blühen, zu treiben an und bringt zuerst vor dem Rothklee, dann zwischen und nach den Rothklee- schnitten reiche Erträge; deshalb, sagt Langethal, begleitet sie den Rothklee, den König der Kleearten, als Königin. Im gleichen Jahr kann sie je nach der Lage 3 bis 5 Mal geschnitten werden und der zweite und die folgenden Schnitte sind fast ebenso ergiebig als der erste. Man schneide sie stets etwas vor der Blüthe, weil die Stengel sonst hart und vom Vieh Ernte, weniger gerne aufgenommen werden. Ihren größten Werth hat sie zur Grünfütterung, während sie zur Heubereitung weniger geeignet ist, da die Blätter sehr leicht abfallen und das Dörren sonst noch mit manchen Schwierigkeiten verbunden ist. 100 W Luzerne bestunden nach einem Versuche von Ritthausen zu 48°/« aus Blättern und 52°/» aus Stengeln. Die Blätter enthielten bei 14% Wassergehalt 29.»% Eiweiß, die Stengel dagegen nur 16.2%,; also enthielten 100 U Luzerne 14. 0 U Eiweiß in Form von Blättern, 8.§ U in Form von Stengeln (der mittlere Gehalt ist etwas geringer). Der relative Eiweißgehalt sowohl, als der absolute ist also in den Blättern bedeutend größer. Nimmt inan per Hektar einen Ertrag von 200 Zentnern an, so sind darin 4480 u Eiweiß enthalten — 2800 U in Form von Blättern und 1680 u in Form von Stengeln. Geht bei der Ernte die Hälfte der Blätter verloren, welche 2240 u Eiweiß enthalten, und nimmt man hiervon 1120 u als verdaulich an, so beträgt bei einem Werth des Pfundes verdaulichen Eiweißes von 50 Ctms. der Verlust 560 Franken. Daß der Verlust wirklich ein bedeutender sein kann, zeigt folgende Zusammenstellung. Weiske erntete per Hektar folgende Mengen der einzelnen Nährstoff- bestandtheile: 60 Ertrag. Futterwerth. Eiweiß. Frisch geerntet oder sorgfältig ohne Blattverlust getrocknet. 1350 U Nach gewöhnlicher Methode getrocknet. 1003 U Fett .. 239 U 126 fi Holzfaser. 1985 U 1850 U Stickstofffreie Extraktstoffe . 2459 U 2067 U Es gingen also Lei der Ernte nach der gewöhnlichen Methode 347 n Eiweiß, 113 N Fett. 135 U Holzfaser und 392 H stickstofffreie Extraktstoffe verloren. Hiezu tritt noch, daß die Verdaulichkeit des sorgfältig getrockneten Heues eine wesentlich größere ist. Beim Trocknen der Luzerne findet also ein ganz bedeutender Verlust statt, welcher sich aber noch vermehrt, wenn das Heu beregnet wird. O. Keller untersuchte ein sorgfältig getrocknetes Heu und ein solches, das während 4V 2 Tagen im Freien getrocknet, unterdessen einmal schwach beregnet wurde und ein Mal einen starken Gewitterregen erhielt, wodurch es nicht stark gelitten haben konnte. Von der beregneten Luzerne erhielt er 7. l3 °/ 0 weniger Heu und die Untersuchung beider ergab folgende Resultate. 100 U Trockensubstanz enthielten: Sorgfältig getrocknete Luzerne Beregnete Luzerne Absoluter Gehalt : hieven verdaulich : Absoluter Gehalt: hievon verdaulich Eiweiß. - 1?.° % 12.2 °/° 14.° % 3-9 % Rohfaser. 31., „ 15-3 „ 34., „ 15. 4 ., Fett und stickstofffreie Extraktstoffe 43., „ 29., „ 44. 2 „ 27. 4 „ Asche. 7-4 „ 2-z „ 6.» „ 1-0 " Trockensubstanz. d © 58., % 100., % 54-3 7° Das Weiden erträgt die Luzerne nicht, am allerwenigsteit durch Schafe, weil diese die jungen Knospenanlagen wegfressen imd dadurch die Reproduktionskraft des Stockes schwächen. R. Häni gibt den Ertrag in der Schweiz in 4 bis 5 Schnitten per Juchart zu 70—80 Zentner Heuwerth an. Guido Krafft gibt den durchschnittlichen Heuertrag unter günstigen Verhältnissen per Hektar zu 120—200 Zentner an, während er im zweiten und dritten Jahr 240—260 Zentner betrage. Werner rechnet Per Hektar auf vorzüglichem 180—240 Zentner, auf gutem 120—160 Zentner und auf geringem Luzerneboden 100—120 Zentner, im Durchschnitt 160 Zentner Heuertrag. Sprengel auf gutem Luzerneboden 240 Zentner. Schmerz sagt, daß die Luzerne in Deutschland in drei Schnitten so viel Ertrag gebe, als der Rothklee in zwei, während in Südfrankreich von der Luzerne in 7 Schnitten Maximal-Erträge von bis 340—360 Zentner erzielt werden sollen. Nach den Wolfs'scheu Tabellen besitzt das Heu (bei 14% Wassergehalt) und das Grünfutter (bei 81% Wassergehalt im ersteren und bei 74°/, im letzteren Falle) folgende Zusammensetzung: | Qualität Organische Substanz. °/° Eiweiß. °/° Fett. °/° Holzfaser. °/o Stickstofffreie Ex- traktstoffe. °/° Hiervon verdaulich: Nährstoff-! Verhältniß/ Eiweiß. °/° Fett. % Kohlehydrate. % Heu mittlerer Qualität 79.« 14., 2.« 33.7 28., 9.« l-o 29., 1 : 3.3 Heu sehr guter Qualität 79., 16., 2-8 27-4 33.« 12-7 l-o 32. 4 1 : 2., Grünfutter ganz jung 17.3 4-- o.« 5., 7-2 3-- O., 7.3 1 : 2.3 Grünfutter vor der Blüthe 24., 4-- 0.« 9. 5 9-2 3., O., 9., 1:3.,| 61 Namentlich im grünen Zustande ist also die Luzerne ein vorzügliches, sehr eiweißreiches Futtermittel; sie ist nährstoffreicher als Rothkleeheu mittlerer Qualität. Grün ist sie ein vorzügliches Futter für Milchvieh; sie darf dann aber nicht zu alt geschnitten werden, weil sie sonst hart wird und mehr auf Fleischansatz wirken soll. Da sie sehr eiweißreich ist, so könnte man eiweißärmere Futtermittel, z. B. Strohhäcksel, Grünmais rc. beisüttern, in welchem Falle sich das Vieh auch weniger leicht bläht, eine Gefahr, die namentlich bei ganz junger Luzerne vorhanden ist. Im Allgemeinen bläht aber die Luzerne weniger leicht als der Rvthklee. Das Heu ist ein gutes Pferdefutter und auch die Schafe Samengewinnung, Verfälschungen und Verunreinigungen. Zur Samen. Samengewinnung wähle mau stets ältere Felder, welche man bald umbrechen will, ^wmnung. weil die Stöcke dadurch stark in Airspruch genommen werden und nachher zum Theil eingehen. In den südlichen Gegenden nimmt man den Samen vom zweiten Schnitt, in Deutschland Wohl auch vom ersten. Der Same ist reif, wenn sich die schneckenförmig gewordenen Hülsen (Figur 60) dunkel gefärbt haben und die Samen von gelblicher Farbe und käsig hart sind. Bei der Ernte des Samens verfahre man wie beim Rvthklee. Derselbe fällt auf dem Felde nicht leicht aus und ist leichter auszudreschen als letzterer. Im Süden drischt man ihn in der Regel sogleich nach der Ernte aus. fressen es gerne. Figur 60. Luzerne. Medicago sativa, L. Hülse, viermal vergrößert. Man erntet nach Sprengel pro Hektar 12—16 Zentner Samen, nach Langethal 8—12 Zentner, Samenertrag, nach Guido Krafft 7—11 Zentner. In der Schweiz und den nördlichen Ländern ist die Saniengewiniumg nicht lohnend, sondern Samenhandel, man thut besser, den Samen aus dem Süden zu beziehen. Der beste, vollkörnigste und keimfähigste Same ist derjenige aus der Provence, weniger gut derjenige aus Poitou, der italienische und der ungarische. Die italienische Luzerne ist zwar in den ersten Jahren ebenso ertragreich als die Prvvencer, sie dauert aber nicht so lange aus. Der Same ist häufig mit Kleeseide, Cuscuta Trifolii, Bab. (Figur 61) verunreinigt, wes- Verunremi- halb derselbe vom Samenhändler stets gereinigt werden sollte. Eine vorzügliche Reinigungsmaschine ist jene von Egli & Co. in Gibswil, Kt. Zürich, mit welcher man im Stande ist, die Kleeseide H8ti b a b Figur 61. Kleejeide jGrind, Ringel). Cuscuta Trifolii, Bab. (C. Epithymum, Murr.) a Samen in natürlicher Größe, b 12—15mal vergrößert. b u c d Figur 62. Gelbe Fußangel. Centaurea solstitialis, L. a Frucht ohne Pappus, natürliche Größe, b und o dieselbe ohne, d mit Pappus, lOmal vergr. 62 Verfälschungen. mit geringstem Verlust zu entfernen. Weniger sicher und mit größerem Verlust läßt sie sich mit V, Millimeter weiten Drahtsieben entfernen. Man kaufe den Samen stets unter Garantie für Seidereinheit und lasse von der Waare ein etwa 200 Gramm schweres Muster kontroliren, denn nichts ist ärgerlicher, als wenn sich später auf dem Felde Seide zeigt, deren Auftreten man durch größere Vorsicht beim Ankauf ganz gut hätte vermeiden können. Zwei Verunreinigungen, welche besonders häufig in süd- französischer Saat vorkommen, ist die gelbe Fußangel, Centaurea solstitialis, L. (Figur 62) und der Wurmsalat, Helminthia echioi'des, Gaertn. (Figur 63). Erstere, ein schwarzer, nach unten dünner S«8ses8äK .va^ M »rtfÄ*lUj WWW Figur 63. Wurmsalat. Uslminbbia eobio'idss, Orertu. a, und o Frucht von der Mitte des Fruchtbodcns, b nnd d vom Rande, b und e mit Pappus, a und e in natürlicher Größe, b, c und d 7fach vergrößert. (Nach Nodbe). a mm Gelb- oder Hopfen! lec. Medicago lupulina, L. a Hülsen mit Kelch, siebenmal vergrößert; b^Same in natürlicher Größe; o Damen, siebenmal vergrößert. werdender Same, kommt meist ohne Pappus vor. Letzterer ist im Saatgut immer ohile Pappus; die gelblichbraunen oder orangen Samen des Wurmsalats sind quer gestrichelt, zum Theil gerade, zum Theil gekrümmt. Hin und wieder wird der Same mit andern ähnlichen Samen von geringwerthigeren Pflanzeir verfälscht. So z. B. kommt es nicht selten vor, daß die Waare mit Hopfenklce, Medicago lupulina, L. (Figur 64) vermischt ist. Der Same desselben ist kleiner, rundlich eiförmig, grünlich gelb, glänzend und kennzeichnet sich durch das an der Nabelseite zu einer kleineil Spitze hervortretende Würzelchen. Der Same der Luzerne ist mehr bohnenförmig, größer, dllrch den gegeilseitigen Druck der Samen in der Hülse etwas eckig, mehr plattgedrückt (Figur 65), schön dottergelb gefärbt; der südfranzösische ist meist ohne Glanz, schön sattgelb. Seltener ist die Verfälschung mit den Melilotus-Arten, welche sich sofort durch den Coumaringeruch und die matte Farbe der Samen zu erkennen geben. Dieselben sind auch rundlicher, nicht bohnenförmig und das Würzelcheir ist durch eine deutliche Rundung von den Cotyledonen abgegrenzt. Hin und wieder finden sich vom Melilotenklee noch ganze Hülsen vor. Ferner kommt es vor, daß die Samen der Wollkletten, die meist aus Südamerika stammen, zur Verfälschung benutzt werden. Die Hülsen derselben sind mit hackenförmig gekrümmten oder scheeren- förmig ineinandergreifenden Stacheln besetzt, vermöge welcher sie sich in dem Vließe der Schafe festsetzen, deßhalb der Name ^Wollkletten" (Figur 66 u. 67). Dieselben werden mit der Wolle geschoren, in 63 der Wolle nach Europa importirt und die Samen werden schließlich als Abfallsprodukte in den Wollfabriken gewonnen. Da dieselben mit der Luzerne große Aehnlichkeit haben, so werden sie mitunter zur Verfälschung benutzt und auch rein als Luzerne, Chililuzerne, Luzerne von Buenos- Aires in den Handel gebracht. Die Samen gehören meist dem gesteckten Schneckenklee, Medicago maculata, Willd. (Figur 68) und dem gezahnten Schneckenklee, Medicago denticulata, Willd. (Figur 69) an, beides einjährige niederliegende Gewächse, welche landwirthschaftlich werthlos sind. Figur 05. Luzerne. Medicago sativa, L. Same in natürlicher Größe und 7mal vergrößert. Figur 66. GesleckterSchneckenklee. Medicago maculata, Willd. Hülse, 4mal vergrößert. Figur 67. Gezähnter Schneckenklee. Medicago denticulata, Willd. Hülse, 4mal vergrößert. ( 1 ) Figur 68. Gefleckter Schneckenklee. Medicago maculata, Willd. Same in natürlicher Größe und 7mal vergrößert. Figur 69. GeziihnterSchneckenklee. Medicago denticulata, Willd. Same in natürlicher Größe und 7mal vergrößert. Figur 70. Stahlstäbchen aus Samen der „Wollkletten “ in natürlicher Größe. Die Samen sind größer, matt, deutlich bohnensörmig; bei jenen von maculata tritt das Würzelchen zu einem kleinen, oft röthlich angelaufenen Spitzchen hervor. Die Samen sind häufig mit kleinen, meist geknickten Stahlstäbchen (Figur 70) von der Dicke einer dünnen Stecknadel verunreinigt, welche von der Kratzbürste der Wollfabrik herkommen. Tame und Saat. Die durchschnittliche Reinheit des Samens beträgt 97.r °/v, die Keimfähigkeit 89 o/tz. Eine gute Durchschnittswaare soll 98 Vo reine Samen enthalten, wovon 90 "/«, keimen = 88.-- °U reine und keimfähige Samen. Bei der Keimsähigkeit sind in beiden Fällen die bei der Keimung hartbleibenden Körner zur Hälfte als keimfähig in Ansatz gebracht. Der Prozentsatz dieser hartbleibenden Körner ist namentlich bei neuen Samen oft sehr bedeutend, wird aber mit dem Alter geringer, weshalb eilte Waare nach einem Jahre eine höhere Keimfähigkeit ergeben kann, als nach der Ernte. Aus diesem Grunde ist eine jährige Saat häufig besser, als eine neue und auch zwei- und dreijähriger Same kann ohne Bedenken ausgesäet werden, wenn er ursprünglich gut war. Guter Same soll gelb, nicht braun oder gar geschrumpft sein. Ein Hektoliter wiegt 76 bis 79 Kilogramm und I Kilogramiu reine Samen enthält 400 — 500,000 Körner. Die Provencer Saat ist die grobkörnigste. Man säet im Durchschnitt per Hektar 29 Kilo = 2559 Kilvprozente, Samen- qualität. Saatquantum. 64 Vorfrucht. Bodenbearbeitung. Saatzeit Ueberfrucht. Saat. Unterbringung. Nachfrucht. Mifchungen. per Juchart 10 s/r Kilo== 926 Kiloprozente. Uebrigens variirt das Saatquantum je nach Bodenart, Lage, Klima und Düngung. Je mehr der Boden von dem mittleren Bindigkeitsgrad abweicht, je ärmer derselbe und je ungünstiger das Klima, umsomehr muß gesäet werden. Eine dichte Saat ist vorzuziehen, umsomehr als die Luzerne bei dichtem Stand nicht leicht lagert. Die Stengel werden dadurch weniger holzig, das Futter ist deshalb besser und das Unkraut kommt weniger leicht auf. Wenn man ein schönes Luzernefeld haben will, so muß schon bei der Vorfrucht und besonders bei der nachherigen Bearbeitung Rücksicht getragen werden, denn sie verlangt zu ihrem Gedeihen einen mürben, von Unkraut reinen, tief gelockerten Boden. Die besten Vorfrüchte sind deshalb die Hackfrüchte (Kartoffeln, Rüben w.). Auch die Saat nach Futterroggen hat sich bewahrt; allerdings erfordert die Bearbeitung vor der Saat dann einen größeren Aufwand. Nach Aberntung der Vorfrucht wird der Boden möglichst gut und tief bearbeitet, was mit dem Untergrundspflug geschehen kann, oder in der Weise, daß man zwei Pflüge in der gleichen Furche gehen läßt, so zwar, daß der Untergrund mit dem zweiten Pflug (einem Wühler) nur gelockert, nicht aber an die Oberfläche gebracht wird. Diese Tiefkultur ist um so nützlicher, je fester der Boden ist. Man säet die Luzerne gewöhnlich Ende April oder Anfangs Mai, wenn keine Spätfröste mehr zu befürchten sind, da diese die junge Luzerne schädigen. Allzu späte Saat ist ebenso riskirt wie frühe, weil die Erdflöhe, welche sich mit der warmen Witterung einstellen, den jungen Pflänzchen sehr gefährlich sind. Hat man diese nicht zu befürchten, so kann die Luzerne, wenn die Witterung günstig ist, auch später gesäet werden. In günstigen Klimaten kann man sie bis Anfangs September säen. Die späten Saaten leiden jedoch häufig durch den Winter und sind demnach weniger sicher. Man säet die Luzerne mit und ohne Ueberfrucht. In der Schweiz zieht man im Allgemeinen die Saat ohne Ueberfrucht vor, da die Luzerne sich schnell entwickelt und den Boden bald bedeckt. In trockenen Lagen und trockenen Jahren dürfte jedoch eine Ueberfrucht am Platze sein. Als solche werden in der Regel nur Sommergewächse, namentlich Gerste, auch Weizen benutzt, welche ganz dünn gesäet werden; jedoch leidet die Luzerne oft darunter und wird leicht dünn. Besser sind Lein (Flachs), Leindotter und Sommerrübsen als Ueberfrüchte geeignet; auch grün zu mähende Gewächse, wie Grünhafer, Buchweizen haben sich bewährt. Letzterer empfiehlt sich namentlich auch deshalb, weil er die Erdflöhe abhält. Man säet die Luzerne meist breitwürsig, wozu sich die Kleesäemaschiue vorzüglich eignet. In England, auch anderwärts, hat man sie auch gedrillt, was jedoch weniger empfehlenswerth ist. Auf schwerem Boden wird der Same nur angewalzt, wozu sich die Ringelwalzen besser eignen, als glatte, weil der Boden nachher weniger leicht verkrustet; auf leichtem Boden wird sie mit einer leichten Egge eingeeggt. Als Nachfrüchte empfehlen sich die Getreidearten, Runkelrüben und Raps. Das Getreide lagert sich jedoch leicht, weshalb letztere vorzuziehen sind. Man hat empfohlen, der Luzerne etwas Rothklee beizumischen, weil man dadurch gleich im ersten Jahr einen vollen Ertrag erziele. Es ist dies jedoch nicht empfehlenswerth, denn durch den Klee wird die Luzerne in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, so daß man nach zwei bis drei Jahren, wenn der Klee weg ist, einen lückenhaften Bestand hat. Wenn man also länger als 2—3 Jahre nutzen will, so ist die Mischsaat mit Klee nicht rathsam. Die Luzerne eignet sich überhaupt in Medicago sativa, L.. Luzerne — Lucerne. Litti, Genossenschaft Ziiricb- G. & L, Schcöter ad. nat, dei. 65 Mischungen weniger als zur Kultur in Reinsaat, denn sobald der Boden vernarbt wird, geht sie zurück. Einzig auf ausgesprochen luzernefähigem Boden kann man dieselbe auch in Mischungen verwenden, jedoch nur für solche, die jährlich mindestens drei Mal geschnitten werden, weil die Luzerne in der Mischung sonst zu alt und hart wird. In Baumgärten verwende man die Luzerne nie in Mischungen, weil durch die tiefe Bewurzelung derselben die Obstbäume Schaden nehmen. Pflanzliche und thierische Feinde. Der größte Feind der Luzerne ist das Gras. Dasselbe Feinde und überwächst den Boden oft ganz und gar, bildet einen dichten Filz und erstickt die Luzerne. Namentlich Pstege. ist es das Fioringras und das gemeine Straußgras (Agrostis vulgaris), das gemeine Rispengras, die weiche und Ackertrespe (Bromus inollis, L. und arvensis, L.), das wollige Honiggras u. A., welche auf diese Weise schädlich werden. Dagegen ist das Uebereggen mit der Luzerneegge oder mit der Wiesenegge zu empfehlen, es hat dieß im Frühjahr zu geschehen, sobald das Feld abgetrocknet ist. Da die Luzerne Ende April treibt, so muß das Eggen früher vorgenommen werden. Zeigt sich anf dem Felde Kleeseide, so muß dieselbe durch wiederholtes Ausjäten entfernt werden. Außerdem ist die Luzerne einigen Pilzkrankheiten und einer solchen durch das Luzerneälchen (Tylenchus Havensteinii, Jul. Kühn) ausgesetzt. Im Süden ist die Larve des schwarzen Gleitkäfer's, Eumolpus vitis, der Luzerne schädlich geworden. Wo diese Feinde die Luzerne stark schädigen, ist es das Beste, man baue etwa 10 Jahre lang andere Futterpflanzen (Mischungen, Esparsette, Geißraute), welchen dieselben nicht schädlich sind. Erklärung -er Tafel 28. (Figur A und B in natürlicher Größe. Figur 1—8 6mal vergrößert.) Figur A. Oberer Theil einer blühenden Pflanze. „ B. Wurzelstock. „ 1. Ganze Blüthe von der Seite. „ 2. Flügel allein. „ 3. Schiffchen und losgeschnellte Geschlechtssäule. Figur 4. Stempel. „ 5. Hülse von der Seite. „ 6. Hülse von oben. „ 7. Same im Profil. „ 8. Same von der Nabelseite. 29. Der Lopfenklee. Medicago lupulina, Lärme. Der richtigste, der lateinischen Bezeichnung entsprechende Name ist hopfenartiger oder Hopfen- Benennung. Schneckenllee, von welchem „Hopsenklee" nur eine Abkürzung ist. Er kommt auch unter folgenden Namen vor: Hopfcnluzerne, großer Hopfenklee, Wolssschneckenklee, Wolfsklee (lupus ^ Wolf; Inpulus--kleiner Wolf; Humulus lupulus ist der lateinische Name der Hopfens; lupulina = hopfenähnlich), gelber Klee, Gelbklee, gelber Wiesenklee, Steinklee, Hirsenklee. In Frankreich heißt er „Minette", eine Bezeichnung, welche auch in's Deutsche übergegangen ist. Judtmann sagt 1790, daß man den Hopfenklee in Deutschland noch gar nicht anbaue, während Geschichte, derselbe in England häufig mit Vortheil gesäet werde. Nach Hartlib wurde er hier 1659 zuerst gesäet. Peter Lawson glaubt aber, daß derselbe mehr der Billigkeit des Samens halber, als seiner guten Eigenschaften wegen so häufig kultivirt werde. v- 66 i Landwirth- Wenn auch der Hopfenklee nicht besonders ergiebig und ausdauernd ist, so ist er dennoch auf ^Werth^ manchen Böden, wo der Rothklee nicht mehr fortkommt, eine werthvvlle Futterpflanze, umsomehr als das Futter sehr nährstoffreich ist. Besonders auf kalkhaltigen Böden ist derselbe unter solchen Umständen sehr am Platze. Er wird wegen der niederliegenden Stengel meist in Mischung mit andern Kleearten und Gräsern gesäet und liefert dann eine vortreffliche Schaf- und Viehweide. Zu Wiesen- anlagen ist er weniger geeignet. Da er nur ein- bis zweijährig ist, so empfiehlt sich seine Verwendung also nur zu Anlagen von kurzer Nutzungsdauer. In Mischungen auf geeigneten warmen Böden ergänzt er sich häufig durch Samenausfall selbst. Botanische Botanische Beschreibung. Der Hopfenklee besitzt eine senkrecht absteigende, bis zirka 1' lange Beschreibung. Pfahlwurzel mit wenigen Verzweigungen; die Bestockung geschieht durch basale Seitentriebe, welche eine Strecke weit horizontal fortwachsen, um sich dann erst zu erheben; dadurch wird der Horst weit ausgebreitet. Der aufsteigende oder niederliegende, etwas kantige und ästige Stengel ist mit anliegenden Häärchen besetzt und wird 10-60 cm lang. Die zerstreut stehenden Blätter sind dreizählig, die untern etwas länger gestielt als die obern, mit verkehrt-eiförmigen, vorn gezähnelten Fiederblättchen, von denen die zwei seitlichen kurz, das mittlere länger gestielt ist; die Nebenblätter sind eiförmig, oft gezähnelt (Fig A). Die Blüthen sind in anfangs fast kugelige, später verlängerte vielblüthige, blattachselständige Trauben, auf langem, das Mutterblatt weit überragendem Stiel vereinigt. Die Einzelblüthe ist sehr klein, höchstens 3 mm lang, der Kelch, (K. Fig. 1) von halber Länge der Krone, (bei der Abart parviüora Hüll überragt der Kelch die Krone) besitzt eine behaarte, oberseits tief gespaltene Röhre und fünf lanzettliche Zipfel. Die Fahne (Fa. Fig. 1 und 2) umfaßt mit ihrer breiten, aufwärts gebogenen Platte die übrigen Blüthentheile vollständig und ist an der Basis ihres breiten Stieles auf eine ganz kurze Strecke mit Flügeln und Schiffchen verwachsen. Die kleinen zartgestielten Flügel und das ähnlich gebaute Schiffchen bedecken die Sexualorgane nur halb (Fig. 3 und 4), Staubbeutel und Narbe liegen frei unter der Fahne. Die schmale Staubfadenröhre bildet eine die Rückeunaht des Fruchtknotens bedeckende Rinne (Fig. 5), der freie Staubfaden erreicht nur die Halbe Länge der übrigen (k. 8t. Fig. 3 - 5). Der relativ mächtig entwickelte Stempel besitzt einen breitgedrückten, unterseits langhaarigen Fruchtknoten (Frkn. Fig. 3—6), einen kurzen aufwärts gebogenen Griffel und eine kopfige, die Staubbeutel überragende Narbe (N. Fig. 3 und 6). Ueber die Beziehungen zu Insekten liegen nur wenige Beobachtungen vor: Müller sah Bienen, Fliegen und Schmetterlinge die Blüthen besuchen und Darwin fand durch Ueberdecken mit einem Netze gegen Jnsektenbesuch geschützte Pstanzen weit weniger fruchtbar, als den Insekten zugängliche. Die Abart xarviüora stellt vielleicht eine weibliche Form der Pflanze dar (Ezmockiosemmus). Die Frucht ist eine aus dem bleibenden Kelch entspringende rundlich-nierensörmige, eingebogene flachgedrückte, meist kahle (bei der Abart WilMenowii drüsig behaarte), einsamige schwarze Hülse (Fig.' 7), deren Backen mit erhabenen, konzentrischen, netzig verbundenen Rippen gezeichnet sind. Die gelbbraun gefärbten glänzenden Samen sind zusammengedrückt-eiförmig und auf der den rundlichen Nabel tragenden Schmalseite mit einer warzenartigen Borragung, dem Würzelchen-Ende, versehen (Fig. 8 und 9). Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Hopfenklee ist in ganz Europa einheimisch, aus Verbreitung, genommen das nördliche Norwegen, Lappland, den größten Theil von Finnland und Nordrußland. Ferner findet er sich im nördlichen Afrika und im gemäßigten Asien im Kaukasus, in Georgien, Armenien, Sibirien (Ural, Altai, Baikal). Standorte. Er kommt besonders auf kalkhaltigen frischen Aeckern, Wiesen, Weiden, in lichten Waldungen vor Höhengrenzen. und steigt bis in die alpine Region (im Oberengadin in Pontresina und Celerina 1850 m , im Berner Oberland am Männlichen 1800 m , in den bayerischen Alpen bis 1300 '"). Gegen die Kälte ist der Hopfenklee widerstandsfähiger als der Rothklee. Obschon er die Trockenheit ziemlich gut ertragen kann, liebt er doch ein feuchtwarmes Klima, weshalb er in England größere Erträge liefert, als im trockenen Kontinentalklima. In warmen Lagen dauert er auch länger aus. Er kann auf allen Böden, die einige Feuchtigkeit und einigen Kalkgehalt besitzen und nicht zu Boden, arm sind, gebaut weiden, mit Ausnahme von ausgesprochen nassen und sauren Bodenarten. Sogar auf ziemlich trockenen Sand- und aus Moorböden kommt er fort, wenn dieselben düngerkräftig und kalkhaltig sind. Am besten gedeiht er aber aus Thonmergelboden. Er fragt nicht viel nach dem Untergrund, wenn nur die Krume geeignet ist. Jedoch ist, wie erwähnt, seine Kultur nur auf solchen Bodenarten am Platze, wo die besseren Kleearten nicht mehr gedeihen. 100 u Pfund Heu entnehmen dem Boden nach An d er so n und E. Marchand: Phosphorsäure 4., U Kalk . 15. 4 u Kali . 17., U Schwefelsäure . 2.z U Natron 4., » Kieselsäure 1. 9 % Magnesia 4., U Der Stickstoffgehalt beträgt nach Wolfs 2.//, oder 24,* °/ 00 . Bodenerschöpfung. Da also seine Bodenansprüche ziemlich groß sind und seine Bewurzelung nicht tief ist, so macht er an die Krume ziemlich bedeutende Ansprüche. Es ist besser ihn nach einer gedüngten Vorfrucht folgen zu lassen, als daß man ihn frisch Düngung, düngt. Es wird sogar behauptet, daß er frische Düngung nicht liebe. Sicher ist, daß das Futter wegen der niederliegenden Stengel leicht den Geschmack des Düngers annimmt und dann besonders das Weidvieh dasselbe nicht fressen will. Auf kalkarmem Boden sagt ihm das Mergeln und Kalken besonders zu. Auch durch das Ghpsen wird seine Entwicklung gefördert und auf Wiesen, die mit Asche oder künstlichen Düngemitteln gedüngt werden, zeigt sich oft sehr viel Hopfenklee, der vorher gar nicht bemerkt wurde, ein Zeichen, daß diese Dünger ihm zusagen. Auf düngerarmem Boden wird das Pflänzcheu oft nur einige Centimeter hoch, sobald man aber mit künstlichen Düngern, namentlich Kali- und Phosphorsäuredüngern nachhilft, erreicht es eine Größe, welche die frühere Entwicklung um das Vielfache übersteigt. Zur Bewässerung ist er nicht geeignet. Wachsthum, Ertrag und Futterwerth. Der Hvpfenklee bildet bis 2 Fuß lange Wuchs, niederliegende Stengel. In geschlossenem Bestand, besonders in Mischung mit aufrechtstehenden Futterpflanzen, richten sich dieselben etwas auf. Da der untere Theil der Stengel sich auf den Boden legt, so tvird die Erde ganz überwachsen. Der Stengel ist weich, saftig, und mit vielen meist kurzgestielten kleinen dreizähligen Blättern besetzt. Er entwickelt sich nach der Saat sehr rasch und liefert, im Frühjahr gesäet, schon im ersten Entwicklung. Jahr seinen Hauptertrag. Im zweiten Jahr geht die Pflanze nach dem ersten Schnitt meist ein. Im Frühjahr sproßt er ebenso zeitig, als die Luzerne und gelaugt in warmen Lagen schon Ende Mai, 10 bis 14 Tage früher als der Rothklce, zur Blüthe. Im Nachwuchs treibt die Pflanze von Neuem Stengel und Blüthen, jedoch ist der zweite Schnitt in der Regel nicht so ergiebig als der erste. Da die Stengel niederliegend sind, ist der Hopfenklee schwer mähbar und der untere Theil derselben entgeht meist der Sense, weshalb er sich zu Mähewiesen weniger gut eignet, als zu Weideanlagen. Das Weiden dagegen erträgt er besser als der Rothklee und die Luzerne. Mit der Weide kann man im Frühjahr zeitig beginnen. Werner gibt den durchschnittlichen Heuertrag auf leichten Sandböden pro Hektar auf 40—60 Ertrag. Zentner, auf besseren Böden zu 80 Zentner an. 68 Futterwerth. Es enthalten 100 U H e >t G rn „ sntte c Wasser . 7° Ö 00 Organische Substanz . . 79., % 18-5 7« Eiweiß . 15.. 7« davon verdaulich 9 . 4 7'AVf Mb Medicago lupulina, L.. Geltklee - Lupuline. Lith. Genossenschaft Zürich. C. & L. Schrotet ad. nat. Gel. 69 mehr nimmt man davon und um so mehr läßt man den Weißklee zurücktreten. Häufig wird noch Rothklee und italienisches Raygras beigemischt. Zu Wechselwiesen ist er weniger geeignet, um so weniger, je besser der Boden ist, denn durch [eine starke Beschattung und seinen aufsteigenden, halb kletternden Wuchs unterdrückt er leicht die andern besseren Pflanzen. Aus diesem Grunde sind alle kletternden Futtergewächse in Wechsel- und Dauerwiesen-Mischungen aus guten Böden nicht zu empfehlen. Der Hopfenklce kann vom Laien leicht mit dem Fadenklee verwechselt werden. Ersterer unterscheidet Aehnlichkeit. sich aber hauptsächlich dadurch, daß die Blumenblätter nach dem Verblühen abfallen, so daß die schneckenförmige Hülse frei liegt, wäreud die Blumenblätter des Fadenklee's nicht abfallen, sondern auch nach der Blüthe die Hülse umgeben, welche bedeutend kleiner und nicht schneckenförmig ist. Erklärung der Tafel 29. (Zwei blühende Stengel in natürlicher Größe, Figur l—9 6mal vergrößert.) Figur I. Blüthe „ 2. Dieselbe „ 3. Dieselbe „ 4. Schiffche Figur 6. Steinpel. „ 7. Hülse. „ 8. Same im Profil. Steinpel. Hülse. Same im Profil. Same von der Nabelseite aus. „ 5. Sexualorgane. 30. Der gehörnte Schotenklee. Lotus corniculatus, Linne. Der gehörnte Schotentee, gewöhnlich einfach Schotenklee genannt, hat durch feilte schönen, intensiv Bcncnnunji gelb gefärbten, oft in's Röthliche und Grünliche übergehenden großen Blüthen die Aufmerksamkeit des Volkes schon lange auf sich gezogen und trägt deshalb eine große Zahl von Volksnamen. So heißt er: Fußtlee, Pantöfseli, Marienschuhe, Marienpantöffelchen, gelbes Frauenschüeli, Klosterfrauen) chüeli, Liebsrauen- schüeli, Muttergottesschüeli, Muttergottesstiefeli, Muttergottespantofsel oder -Pantöffeli, Herrgottsschüeli, Frauenfingerkraut, Roßfußklce, Walzenkraut, gelbe Vvgelwicke, gelber Schotenklee, gelber Honigklee oder Hungklee, Kleecrbse, gelber Kopfklee, Hornklee, gemeiner Hornklee, Lotusklee rc. Er ist schon vor zwei Jahrhunderten in England als vortreffliche Futterpflanze gewürdigt worden Geschichte, und Wordlige*) rechnete ihn 1681, neben dein englischen Raygras, mit der Esparsette, der Luzerne, dem Klee, den Wicken und dem Spergel (Steinleberkraut) zu den besten „Gräsern". Wann jedoch die Kultur in England begann, ist nicht bekannt. Gegenwärtig wird derselbe dort häufig ausgesäet. In Deutschland hat zuerst Schwerz die Aufmerksamkeit der Landwirthe auf denselben gelenkt. Allein gesäet ist der Schotenklee keine ergiebige Pflanze, dagegen ist er im Gemenge mit höher Landwirth- tvachsenden Futterpflanzen sehr am Platze, indem er in denselben die unteren Lücken der Mischungen ausfüllt und dadurch den Ertrag vermehrt. Er eignet sich sowohl als Mähefutter, wie zu Weide, gedeiht fast auf jedem Boden und ist ausdauernd. Das sind Eigenschaften, welche den Schotenklee für dauernde Wiesenanlagen und Weiden zu einer sehr werthvollen Futterpflanze machen. Aber auch *) Wordlidge, Mystery of Husbandry, 1081. 70 Botanische Beschreibung für Wechselwiesen und Wechselweiden ist derselbe auf solchen Boden, wo der Rothklee nicht mehr fortkommt, sehr am Platze. Ein bedeutendes Hinderniß, welches der ausgedehnteren Verwendung entgegensteht, ist der außerordentlich hohe Preis des Samens. Botanische Beschreibung. Der Schotenklee hat eine senkrecht abwärtssteigende spindelförmige Pfahlwurzel. Die basalen Seitentriebe, welche die Bestockung bedingen, entspringen alle dicht beieinander aus dem Ende des kurzen dicken Wurzelstockes und bilden niedcrliegende oder aufsteigende, aber niemals sich bewurzelnde Stengel, so daß keine Ausläufer vorhanden sind und der Wurzelstock einköpfig bleibt. Der aufsteigende oder niederliegende kantige Stengel ist ganz solid oder engröhrig und wird 10—45 cm lang, je nach der Abart kahl oder mehrweniger behaart. Die zerstreut stehenden ganz kurz gestielten Blätter sind bzählig; die einzelnen Blättchen aus keilförmig verschmälerter Basis verkehrt-eiförmig oder lanzettlich spitz, oberseits dunkel, linkerseits bläulichgrün, mit Wechselnder Behaarung; die 2 untersten von den 3 obern durch ein längeres Stück der Blattspindel getrennt (Fig. A). Die Nebenblätter sind ganz verkümmert, borsten- oder drüsensörmig (Fig. B). Gewöhnlich werden die zwei untern Fiederblättchen als den übrigen ganz ähnliche Nebenblätter bezeichnet; die obige Auffassung (die z. B. auch As cherson theilt) scheint mir natürlicher. Die Blüthen stehen in 1—8-, meist 5-blüthigen, doldenförmigen, von einem sitzenden Zzähligen Blatt gestützten Köpfchen und sind meist in einen mehr oder weniger vollständigen Kreis ausgebreitet; der Blüthenstandstiel ist sehr lang. Die kurzgestielte Einzelblüthe besitzt einen je nach der Abart kahlen bis zottigen, verwachsenblättrigen Kelch, mit 5 pfriemlichen, vor dem Aufblühen zusammen neigenden Zipfeln; die Röhre ist von 5 starken in die Zipfel auslaufenden Nerven und dazwischen zahlreichen schwächeren durchzogen (Fig. 2). Die Krone ist hochgelb, die Fahne vor und häufig auch nach dem Ausblühen purpurn überlaufen, nach dem Trocknen allmälig blaugrün werdend. Die Fahne hat eine senkrecht aufgerichtete, nach vorn gewölbte Platte und einen schmälen Stiel (Fig. 3). Die ebenfalls feinstieligen Flügel besitzen aufgeblasene, hochgewölbte Backen, welche von vorn gesehen, zu einer völligen Halbkugel zusammenschließen. (Fig. 1.) Das Schiffchen (Fig. 4) ist nach vorn in einen langen, kegelförmigen, die Sexualorgane bergenden Schnabel ausgezogen (Fig. 5, 7, 9). Bon den 10 Staubgefässen sind wie gewöhnlich 9 zu einer oben offenen, den Stempel umschließenden Röhre verwachsen, während das lO. freie über dem Schlitz der Rohre liegt und zu beiden Seiten seiner Basis kleine Zugänge zu dein von der Röhrenbasis nach innen abgesonderten Honig freiläßt. (Fig. 6.) In der Knospe (Fig. 8) sind (wie Hermann Müller nachgewiesen hat) die freien Theile sämmtlicher Staubgefässe gleichlang, die Staubbeutel geben ihren Pollen in den Hohlkegel des Schiffchens ab und verschrumpfcn dann. Bis zur völligen Entwicklung der Blüthe wachsen dann die Staubfäden der 5 äußern Staubgefässe weiter und verdicken sich zugleich keulenförmig, so daß sie in der in Fig. 9 angegebenen Weise den pollengesüllken Schisschenschnabel nach unken verschließen. Der Stempel besteht aus einem langen vieleiigen, zylindrischen, nach oben gebogenen Fruchtknoten, einem steifen, borsten- sörmigen, stumpfwinklig vorn Fruchtknotenende nach oben abgebogenen Griffel und einer kleinkopfigen, weit über die Staubgefäßenden in den Schiffchenschnabel hineinragenden Narbe. Die Erscheinungen beim Jnsektenbesuch sind nach H. Müller folgende: Das Herabziehen von Flügel und Schiffchen durch das besuchende Insekt preßt die verdickten Staubfadencndcn wie einen Pumpen- kvlben in den Hohlkegel des Schiffchens hinein und damit eine entsprechende Menge Blüthenstaub aus der offenen Spitze desseben als bandförmige Masse heraus, welche sich an die Bauchseite des Insekts anhängt. Bei noch tieferem Abwärtsdrücken der Flügel und Schiffchen tritt auch die Narbe hervor und reibt sich an der Bauchseite des Insekts. Es ist einleuchtend, daß dabei ebensogut Belegung der Narbe mit fremdem Pollen aus einer früher besuchten Blüthe, als mit eigenem, aus derselben Blüthe soeben herausgepreßten Blüthenstaub erfolgen kann; da keine Versuche über die Fruchtbarkeit des Hornklee's bei Jnsektenausschluß vorliegen, so sind wir über die Art und Weise der Wirkung des Jnsektenbesuchs noch im Unklaren. — Die Frucht ist eine walzenförmige, 25- 27 “ lange und 3—4 mm dicke, braungefärbte und netzig-runzlige Hülse mit zahlreichen, durch lockeres Zellgewebe voneinander geschiedenen Samen (Fig. 11); beim Aufspringen rollen sich die beiden Klappen in entgegengesetztem Sinn spiralig ein (Fig. 12). Die ei-kugligen schwach plattgedrückten, glänzend braunen Samen (Fig. 13 und 14) sind l—1.> 5 mm lang und führen auf der 71 einen Schmalseite in einer kleinen Vertiefung den rundlichen Weißen Nabel. ^Diejenigen des schmalblättrigen Schotenklee's sind ganz identisch, diejenigen des Sumpfschotenklee's dagegen viel kleiner (0. 75 — 1 mm lang) und olivengrün gefärbt]. Abarten. Landwirthschastlich kommen hauptsächlich drei Abarten in Betracht: 1. Der gemeine Abarten. Schotenklee (Lotus corniculatus vulgaris). Diese auf Tafel 30 abgebildete und oben ausführlich beschriebene Form ist die bei Weitem häufigste. Wo nichts anderes bemerkt ist, bezieht sich deshalb vorliegende Beschreibung hauptsächlich aus diese. 2. Der schmalblättrige Schotenklee (Lotus corniculatus tenuifolius). Er wird. ebenso groß oder größer als der vorhergehende, und unterscheidet sich von jenem durch die lanzettlichen oder lanzettlich linealen Blättchen und Nebenblättchen, wodurch die Pflanze einen von vulgaris ganz verschiedenen Habitus bekommt, so daß dieselbe sogar als eigene Art aufgestellt wurde (Lotus tenuis, Kitaibel). Sie kommt besonders auf salzhaltigem Boden vor und hat zur Aussaat aus demselben einen großen Werth. Der im Handel unter dem Namen grobkörniger Schotenklee vorkommende Same gehört meist dieser Varietät an. 3. Der rauhhaarige Schotenklee (Lotus corniculatus villosus). Die ganze Pflanze ist zottig behaart, aufrechter, sonst mit der erstgenannten Form übereinstimmend. Sie wächst besonders auf Haide-Neubruch. Der im Handel unter dem Namen Lotus villosus vorkommende Same gehört meist dem Sumpfschotenklee, Lotus uliginosus, 8chkuhr, an. Alle drei Formen gehen ineinander Über. Vorkomme«, Klima, Boden, Düngung. Die Hauptvarietät, der gemeine Schotenklee, ist ver- Geographische breitet: in ganz Europa, ausgenommen Lappland und Nordrußland, (in südlicheren Gegenden ist es Verbreitung, eine Pflanze der Berg- oder Alpenregion), in Nordafrika (Berberei, Aegypten, Abessinien), in Asien im Kaukasus, ganz Kleinasien, Ural, Altai, Japan. In Australien ist er eingeführt. In Nordamerika fehlt er. — Die schmalblättrige Abart kommt in ganz Europa vor, mit Ausnahme von Norwegen, des größten Theils von Schweden, Finnlands, des nördlichen und mittleren Rußlands, Spaniens (größtentheils) und Portugals. In Afrika, Asien und Amerika fehlt sie. Er wächst wild auf trockenen, hoch gelegenen Weiden, auf Wiesen, trockenen Abhängen, an Wegen, Standorte. Rainen und Waldrändern. In den Schweizeralpen steigt er bis 2600 m , fObereugadiu 1700 m , Joch bei Churwälden 2000 Hshengrenzen. Schwefelberg 1400 bis 1800 m , Eigergletscher - Moräne circa 2000 ™; von 1800 bis 2600 m findet man Alpenformen (alpestris und glacialis)], in den bayrischen Alpen bis circa 1800 m , in Spanien bis 3300 m , in den Pyrenäen (Pic du Midi) bis 2800 m , im Kaukasus bis 2400 m . Er erträgt die rauhesten Lagen rtnd ist gegen die Dürre sehr widerstandsfähig, sobald der Boden Klima, einige Kraft besitzt, bleibt dann aber klein. Am besten gedeiht er aber in Gegenden mit einem hohen Feuchtigkeitsgehalt der Luft, weshalb er in Gebirgs- und Küstenländern besonders häuflg wild angetroffen wird. Der Schotenklee gedeiht auf fast allen Bodenarten, im Dürren und Feuchten, im Trockenen Boden und Frischen, aus Sand und Thon, auf Lehm und Kalk, auf Moor- und Salzböden. Er eignet sich am besten für trockenen, mageren, hochgelegenen Boden, wo er einen größern Ertrag liefert, als irgend eine andere Kleeart. 1000 H Heu enthalten nach unsern Untersuchungen 25., u Stickstoff und 79., % Reinasche. Boden- Letztere war wie folgt zusammengesetzt erschbpfung. Phosphorsäure lO.g u Kalk 20.3 u Kali 23. 3 U Schwefelsäure . 2. 4 U Natron o.„ u Kieselsäure 7. 3 u Magnesia o.o U Wie der Hopsenklee, liebt er eine reiche Ackerkrume, ist aber lange nicht so anspruchsvoll. Die Düngung Pflanze ist in hohem Maße befähigt, sich unaufgeschlossene Bodenbestandtheile zugänglich zu machen. Wie bei allen Kleearten wirkt der Gyps günstig auf ihre Entwicklung ein. Wuchs. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Der V- bis 2 Fuß hohe, härtliche Stengel ist wie beim Hopfenklee an der Basis niederliegend, allmälig aufsteigend, ohne sich zu bewurzeln. Aus diesem Grunde überzieht der Schotenklee den Boden ziemlich vollständig; jedoch ist der Rasen dicht am Boden kein geschlossener. Bei dichtem Stand in Mischung mit aufrechtstehenden Pflanzen ist der Wuchs Entwicklung, ein mehr aufrechter. Die spindelförmige Wurzel dringt ziemlich tief in den Boden ein. Er erlangt erst im zweiten Jahre seine volle Entwicklung. Im Frühjahr treibt er mit dem Rothklee und gelangt Ende Mai bis Anfang Juni zur Blüthe. Der Nachwuchs ist uicht groß, trotzdem die Pflanze im gleichen Jahr nach dem Schnitt neue blühende Stengel treibt. Ernte. Die größte Masse thierischer Nährstoffe erzielt mau zur Zeit der vollen Blüthe. Man benutzt ihn sowohl zur Heubereitung, als auch zur Grünfütterung (in Mischungen) rtnd zu Weide. Zur Grünfütterung schneide man ihn jedoch vor der Blüthe, da der bittere Farbstoff der Blüthe nach dem Aufblühen den Thieren unangenehm wird. Aus diesem Grunde läßt das Weidevieh oft die älteren Blüthenstengel stehen. Da die dicklichen, nährstoffreichen Blätter bei dem Dörren leicht abfallen, so sei man bei der Ernte darauf bedacht, das Heu möglichst wenig zu rühren. Ertrag. *00 u grüne Pflanzen geben nach Nielös 25 u Heu, nach Sinclair 31 u. Nach Ritthausen enthält das Grünfutter 79.z % Wasser. Sinclair erzielte auf strengem Lehmboden per Hektar 72 Zentner Heu. Der Ertrag ist also nicht bedeutend, weshalb die Pflanze nur in Mischung mit andern als Unterfutter am Platze ist. Futterwerth. 100 U Schotenklee, auf 14 % Wassergehalt berechnet, am südlichen Hang des Zürichberges gesammelt, enthielten zur Zeit der Blüthe 77.„ % organische Substanz mit: Stickstoffhaltigen Stoffen (Stickstoff X 6.zZ . . . 15., % (Stickstoff im Eiweiß 1.,, %< im eiweißfreien Saft 0. flo %). Fett .3., °/ 0 Holzfaser.22. 0 % Stickstofffreien. Extraktstvffen.36. 5 % Nach einer Untersuchung von Ritthausen enthielt derselbe 79.,, % organische Substanz mit 13.z stickstoffhaltigen Stoffen, 44.z % Fett und stickstofffreien Extraktstoffen und 21., % Holzfaser. Der Nährstoffgehalt ist also bedeutend und übertrifft denjenigen eines Rothkleeheues mittlerer Qualität wesentlich. Die intensiv gelbe Färbung der Blüthen theilt sich bei der Verfütterung auch der Milch der Thiere mit, weshalb die Butter davon eine hochgelbe Farbe bekommt. Samen- Samengewinnung, Verunreinigungen und Verfälschungen. Der Same wird vorn gewinnung. Schnitt gewonnen und ist Ende Juli bis anfangs August reif. Da die Hülsen bei der Ernte leicht aufspringen, so lasse man die Samen nicht vollständig reif werden, sondern schneide, wenn die Hülsen sich zu bräunen beginnen. Wenrr man dieselben auf dem Felde bloß abstreifen will, so nimmt man sie, wenn sie sich gebräunt haben und schüttet sie in eiriem luftigen Raun: zrrr Nachreife auf, Samenertrag, wo sie von selbst aufspringen. Da der Samenansatz gering ist, ist der Ertrag nicht groß, weshalb der Same sehr theuer ist (1 Kilo kostet Fr. 4 bis 8). Verunreini- Der Same ist häufig mit Ackersenf (Sinapis arvensis, L.) verunreinigt, der dunkler gefärbt gungen und un k kugeliger ist und bekanntlich einen beißenden Geschmack besitzt. Es wird sogar behauptet, daß der schungen. Ackersenf absichtlich beigemischt werde. Der im Handel unter dem Namen hoher, behaarter, kleinkörniger Schotenklee oder Loius villosus vorkommende Same ist meist Sumpfschotenklee, Lotus uliginosus, Schk., der landwirthschaftlich hauptsächlich nur für Moorböden einen Werth hat. Der Same ist zur Hälfte billiger, bedeutend kleiner (siehe unten Samengualität), schön olivengrün gefärbt. 73 Nur der grobkörnige, glänzend braun gefärbte Same des Handels ist der ächte gehörnte Schotenklee, und gehört nach unseren Feldversuchen meist der schmalblättrigen Varietät, Lotus corniculatus tenuifolius, an. Die andern zwei Hauptvarietäten, Lotus corniculatus vulgaris und villosus, scheinen nach unsern Aussaatversuchen im Handel selten zu sein. Im Samen sind alle drei Abarten übereinstimmend. Unter dem Namen Lotus corniculatus, grobkörniger Schotenklee, erhielt ich vor zwei Jahren ein Samenmuster, das sich bei genauer Prüfung als Gamander, Teucrium chamasclris, L., entpuppte. Das Früchtchen (Figur 71) hat entfernte Aehnlichkeit mit dem Samen des Schotenklee, b a c ist aber dunkler braun gefärbt, matt und mit einem großen, seitlich an der Edl' ®' 8Ur 71 ’ Basis befindlichen Nabelfleck (Fruchtnabel) versehen. Dasselbe besitzt eine etwas Teuerhim cbäm^dris"' L. keilförmig zugespitzte Form und ist durch den gegenseitigen Druck der 4 in v ^a^be^vönstFruchNiabel k ei ' Basis des bleibenden Kelchs sitzenden Früchte gewöhnlich an zwei Seiten nu§, c vergrößert' abgeflacht. Seltener findet man ganz gerundete Körner aus Blüthen, wo sich nur eines oder zwei der vier Theilfrüchtchen zur Reife entwickelte. Same und Saat. Der Same des Handels enthält durchschnittlich 85 % reine Samen, wovon ÖO °/o keimen — 42. 5 % reine und keimfähige Samen. Bei der Keimfähigkeit ist ein Drittel (10 °/v) der harten Körner (31 °/o) als keimfähig in Rechnung gebracht. 1 Kilogramm reine Samen enthält 825,000 reine Samen, während der Sumpfschotenklee per Kilo 1,878,000 Körner zählt. 1 Hektoliter wiegt 75 Kilogramm. Man säet per Hektar durchschnittlich 12.; Kilo = 531 Kiloprozente, per Juchart 4. 5 Kilo — 191 Kiloprozente. In den Mischungen säet man ihn gewöhnlich im Frühjahr, seltener im Herbst. Der Same geht langsam auf. In Bezug auf Vorfrucht, Vorbereitung des Bodens zur Saat und die Unterbringung des Samens gilt das Nämliche, wie von der Luzerne. Man säet ihn gewöhnlich in eine Ueberfrucht. Wegen der starken Beschattung hinterläßt er den Boden in gutem Zustand. Rein wird der Schotenklee, wie bereits erwähnt, selten gesäet, er hat hauptsächlich nur in Mischungen, namentlich für Dauerwiesen als Unterfutter einen Werth, wo er den Ertrag wesentlich zu steigern im Stande ist. Da er zudem ausdauernd ist, so sollte er in keiner Dauerwiesenmischung fehlen. Der Sumpfschotenklee, Lotus uliginosus, Schk., dessen Same im Handel als Lotus villosus vorkommt, ist eine Futterpflanze, die auf Moorböden am Platze ist; auf andern Bodenarten bleibt sie kleiner und entwickelt sich später als der gemeine Schotenklee. Samenqualität. Saatquantum. Saat. Mischungen. Sumpfschotenklee. 10 , 74 Erklärung Figur A. Zwei blühende und fruchttragende Stengel. „ B. Basaltheil eines Blattes mit den Nebm- blättchen. „ 6. Blatt von Lotus tenuifolius. „ 1. Blüthe von vorn. „ 2. Blüthe von der Seite. „ 3. Dieselbe nach Entfernung des Kelchs. „ 4. Dieselbe nach Entfernung von Kelch und Fahne. „ 5. Schiffchen und Sexualorgane von der Seite. ,, 6. Dasselbe von oben. „ 7. Dasselbe von der Seite nach Entfernung . des vorderen Schiffchenblattes. der Tafel 30. Figur 8. Sexualorgane aus einer Knospe (nach H. Müllers. „ 9. Sexualorgane und Schiffchenspihe aus einer fertigen Blüthe (nach H. Müllers. „ 9 a. Stempel. „ 10. Die 9 verwachsenen Staubgefäße ausgebreitet. „ 11. Geschlossene Hülse in natürlicher Größe. „ 11a. Dieselbe vergrößert. „12. Geöffnete Hülse. „13. Same im Profil. „ 14. Same von der Nabelseite. Pruckfehter-Werzeichniß. Seite 15 soll es in der Erklärung der Fig 45 heißein t> statt a und a statt b. „ 15 Zeile 1 von unten: nach „Laubtrieben" schalte ein „kurz". „ 16 „ 13 „ „ : „Bauchseite" statt „Rückseite". „ 27 „ 12 und 14 von oben: «varietas» statt «Varietät». „ 27 „ 17 von oben: «Gaudin» statt «Hackel». „ 27 „ 21 „ „ : „die vierte" statt „den vierten". „ 28 „ 14 „ „ : (Fig. 8) statt (Fig. S). „ 38 Tafelerklärung: bei Fig. 10 sollte es heißen: 3 statt 2. „ 55 Zeile 14 von oben: 58 statt 61. „ 59 „ 5 von unten: 2800 statt 2240. „ 59 „ 4 „ „ : 700 statt 1120. „ 59 „ 3 „ „ : 850 statt 650. „ 60 „ 9 von oben: Kellner statt Keller. Tafel 30 Titel: eomiortlatus statt cornicalatus. Fahne Hg. ti. 'i Uri es St itu bfffff** Flügel Schiffchen Schiffchen a Fahrn fic/eh Flüge! Fkj.V.L S 'th i /sehen iliUjei freies Sttwbtjefass Fig. 2. ' i ■Schiffchen Schiffchen Stau bfj es 60°/° 70°/° 80 °/° ' 16 Rohrglanzgras. 8.5 9.4 10-, ll-i 11.» 12.» 13.« 14-5 15.3 17 Wiesenrispengras .... 7 7-7 8-4 9-i 9.» 10 .« 11.2 11 .» 12 .« : 18 Gemeines Rispengras . . . 8 8.8 9-« 10.4 ll.o 12.» 12.» 13.« 14-4 i 20 Schafschwingel. 12 13.2 14-4 15.« 16.» 18.« 19.o 20.2 21.« i 21 Kriechender Rothschwingel . 12. s 13.» 15-0 16-3 17. ä 18.» 20.« 21.« 22.« 1 22 Verschiedenblättriger Schwingel 13- 14-o 16.2 17.« 18.» 20.« 21.« 23.« 24.» 23 Aufrechte Trespe. 22 24.2 26.5 28.« 30.» 33.» 35.2 37.2 39.« 24 Wehrlose Trespe. 18 19.» 21.« 23. 4 25.» 27.» 28.» 30.« 32. 4 25 Kammgras . 10 H.° 12.» 13. 0 14. 0 15.» 16.« 17.« 18.« ; 26 Geißraute. 9 9.» 10.» 11.7 12.« 13.« 14.4 15.« 16-4 : 27 Wundklee. 7-5 8.3 9.0 9.» 10.« 11.3 12.« 12.» 13- ! 28 Luzerne 10.5 11.« 12.« 13.7 14.7 15.» 16.» 17.» 18.» : 29 Hopfenklee. 7.» 8.3 9.« 9.» 10-5 H-3 12.« 12.» 13.« I 30 Gemeiner Schotenklee . . . 4-5 5.o 5-4 5.» 6.3 6-8 7., 7-, 8., 76 Tabelle III. Saatquankmn per HeKkar. ' Jlt. Jamenart §* -s l§§. SS er Saatquantum in Kiloprozenten mit Zuschlag von: 10 % 20 % 30 % 40 % 60 % 60 % 70 % oo O 16 Rohrglanzgras. 1368 1505 1642 1778 1915 2052 2189 2326 2462 i 17 Wiesenrispengras. 960 1056 1152 1248 1344 1440 1536 1632 1728 j 18 Gemeines Rispengras . . . 990 1089 1188 1287 1386 1485 1584 1683 1782 1 20 Schasschwingel. 1440 1584 1728 1872 2016 2160 2304 2448 2592 i 21 Kriechender Rothschwingel. . 1488 1637 1786 1934 2083 2232 2381 2530 2678 ; ! 22 Verschiedenblättriger Schwingel 2219 2441 2663 2885 3107 3329 3550 3772 3994 23 Aufrechte Trespe. 3072 3379 3686 3994 4301 4608 4915 5222 5530 24 Wehrlose Trespe. 4050 4455 4860 5265 5670 6075 6480 6885 7290 25 Kammgras. 1512 1663 1814 1966 2117 2268 2419 2570 2722 26 Geißraute. 785 864 942 1021 1099 1178 1256 1335 1413 ! 27 Wundklee. 1710 1881 2052 2223 2394 2565 2736 2907 3078 ; 28 Luzerne. 2559 2815 3071 3327 3583 3839 4094 4350 4606 29 Hopfenklee. 1733 1906 2080 2253 2426 2600 2773 2946 3119 1 30 Gemeiner Schotenklee . . . 531 584 637 690 743 797 B50 903 956 Tabelle IV. Saakquankum per HeKkar. 1c. Bamenart <3 **” B r-Ltz o a SS & Saatguantum in Kilo mit Zuschlag von: j 10 % 20 % 30 % 40 % 50 % 60 % 70 % 80 % 16 Rohrglanzgras. 24 26. 4 28.8 31.2 33.g 36.» 34.4 40.8 43.J 17 Wiesenrispengras .... 20 22 .o 24-0 26.« 28.« 30.« 32.» 34.« 36.« 18 Gemeines Rispengras . . . 22 24.o 26. 4 28.« 30. g 33.« 35.2 37.4 39« 20 Schafschwingel ..... 32 25., 38. 4 41.« 44.8 48.« 51.2 54.4 57« 21 Kriechender Rothschwingel. . 35 38.- 42.« 45.5 49.« 52.- 56. 0 59.« 63.» 22 Verschiedenblättriger Schwingel 38 41-8 45.g 49.4 53.2 57.« 60.« 64.« 68.4 23 Aufrechte Trespe. 60 66.o 72.« 78.« 84.« 90.« 96.» 102.« 108.« 24 Wehrlose Trespe. 50 55.« 60.« 65.« 70.« 75.« 80.« 85.» 90.« 25 Kammgras. 28 30. g 33.« 36.4 39. 2 42.» 44.« 47.« 50.4 1 26 Geißraute. 25 27. 5 30.« 32. ä 35.o 37.« 40.« 42.« 45.« 27 Wundklee. 20 22.« 24.« 26.« 28.» 30.» 32.« 34.« 36.» 28 Luzerne. 29 31-0 34.8 37.7 40.« 43.5 46.4 49.« 52.2 29 Hopfenklee. 21 23.j 25.2 27.3 29.4 31-5 33« 35.7 37.8 30 Gemeiner Schotenklee . . . 12.- 13-g 15.« 16. 3 16. s 18.« 20.« 21.» 22.« 77 Futkerwerth-Tabelle Tabelle V. von 100 u Heu mit 14 % Wassergehalt. Nr. Art der Pflanze Quelle oder Analytiker Asche % I d £? ’g S- §3 *§ Q® °/o Die orga Eiweiß (UX 6 . 25 ) O/o Nische Su Fett °/o bstanz besteht aus : Roh- iisgsg faser MMU % j % Wolsf's Zusammenstellung 6.5 79.5 10.2 2.7 30.3 863 „ 7.9 78.i 11.2 3.2 23.0 40.8 Way. 4.6 81.4 11.6 2.7 29.0 38.i Ritthausen und Scheuen . 5.9 80.i 7.4 2 .° 39.6 31.i Collier. 7.5 78.5 7.2 3.0 21.4 46.9 Jos. Frey, Spitalwiese . 9.5 76.4 j 10.2 3.0 25.9 38.0 Ritthausen und Scheven. 5.7 80.3 8.3 27 34.5 34.8 Wolfs. 4 5 81s , 10.2 1.8 32.6 36.9 Arendt. 6.9 79.8 6.4 1-8 Collier. 8.1 77.9 ! 9.2 2.8 20.8 45.1 Wolsf's Zusammenstellung 9.9 76., 11.1 2.7 29.5 32.4 Way. 5.9 80.1 ; 6.4 2.3 30.9 40.5 Ritthausen und Scheven . 6.9 79.8 7.0 1-7 34.6 36.5 Way. 5.5 80.5 9.9 3.1 33.8 33.7 Ritthausen und Scheven. Wolsf's Zusammenstellung 8-3 77.7 7 9 1.7 35.3 32.s 4.5 81.5 9.7 3.0 22« 46.o Jos. Frey, Versuchsfeld . 6.7 79.3 5.9 2.6 29.9 40 9 Way. 6.6 79.4 10.6 2.5 29.i 37.2 Ritthausen und Scheuen . Jos. Frey, Versuchsfeld . 5.4 80.6 7.o 2.1 40.i 31.4 10.6 75.4 6.9 1.» 27.s 39.2 „ Spitalwiese . 7.9 78., 10.9 3.8 28.i 85.3 „ Zürichberg . 5.1 80.9 6.8 1.8 29.4 42.9 Way. 5.4 80.6 8.9 2.9 31.3 37.5 Wolfs. 5.i 80.9 4.8 — 36.g 39.2,*) Peters. 6.3 79.7 8.6 2.9 22.1 46.1 Collier. 7.6 78 4 7.3 2.9 22.1 46.i Wolsf's Zusammenstellung 5.2 80.8 11 2 2.1 29.3 38.2 „ 5 4 80.6 12-7 2.9 26 6 39.1 U 6.9 79.8 13.9 3.0 24.7 38.2 „ 7.9 78.8 15.7 3.3 22.g 86.9 t, 6.9 79. 8 15.4 3.4 27.s 33.4 „ 6.9 79.8 14.9 3.6 26.4 34.g „ 6.4 79.6 . 18.7 2.6 27.s 35.4 Barbiert, Versuchsfeld 7.9 78.8 4.2 1.9 29.s 43.6 Ritthausen und Scheven . 7.9 78.8 5.3 1.1 37.4 35.0 Barbiert, Versuchsfeld 6.9 79.8 6.2 1.4 41.9 30.3 Way. 5.i 80.9 8.9 2.3 37 0 Ritthausen und Scheven . 4.i 81.9 9.1 2.5 35.4 34 s Collier I. 4.5 81.5 10.° 2.5 24.0 45.0 „ II . 4.7 81.3 6.4 4.2 19.4 51.3 Barbieri, Versuchsfeld O.o 77.o Ö.i 2.9 29.s 38.8 Ritthausen und Scheven . 6.2 79.8 9.o 3.9 34.5 33.1 Way . 7.i 78.9 8.4 3.2 34.3 Barbieri, Versuchsfeld 12.9 73.i 10.6 8.0 22.6 36.9 Barbieri, Versuchsfeld Collier . 7.8 78 a 74 3.0 31.6 36.2 4.3 81 7 5.6 8.7 72.4 Way . . . 4.6 81.4 10.4 2.9 83.3 34 s Barbieri, Versuchsfeld 6.9 79 i 4.9 2.4 33.5 38.3 Ritthausen und Scheven . 5.6 80.4 7.8 1.6 39.2 31.8 Barbieri, Versuchsfeld 8.i 77.9 5s 2.8 38.9 30.7 Barbieri, Zürichberg . . Way . Barbieri, Versuchsfeld Way . Ritthausen und Scheven . Arendt . Barbieri, Versuchsfeld Wolsf's Zusammenstellung Barbieri, Versuchsfeld Wolsf's Zusammenstellung Barbieri, Zürichberq . . Ritthausen . Wolsf's Zusammenstellung 5 7 80.3 8.9 2.9 32.1 37.1 4.5 7.6 5.6 7.9 7.1 7.3 6.6 9 3 6.4 7.o 6.2 8.1 6.6 6.2 81.5 78.4 80.4 78.8 78.9 . 78.7 79.4 76 7 79.6 79.o 79.8 77.9 79.4 79.8 8.1 4.8 9.5 6.6 14.3 17.1 14.2 12.8 14.8 16.5 15.1 ■15.7 13.3 9.7 2.8 1-6 3.1 2.9 3.5 1.4 2.6 1.9 2.6 2.6 3.4 3.7 2.5 7( 36. 8 22.6 36.7 34., 26.9 36.4 33.7 27.4 27.1 22.0 21.9 26.4 U 35.8 45.2 33.s 26.1 36.3 25.6 28.5 32.5 34.2 36.5 44.2*) 41.6 5 6 7 8 9 10 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 28 24 25 Englisches Raygras Italienisches Raygras Knaulgras . . . „ Blatttriebe Wiesenschwingcl . . Französisches Raygras Goldhafer.... Wolliges Honiggras Timothc . . . Wiesensuchsschwanz Geruchgras II S Blatttricbe II. Sch Rother Wiesenklee, weniger gut Mittel sehr gut vorzüglich Bastardklee Weißklee . . Esparsette . . Rohrglanzgras Wiesenrispengras Gemeines Rispengras Alpenrispengras (vivipara) Härtlicher Schafschwingel Kriechender Rothschwingcl Verschiedenblättriger Schwingel Ausrechte Trespe ' Wehrlose Trespe Kammgras Geißraute Wundklee Luzerne Mittel „ sehr gut t opfenklee. . . emeiner Schotenklee Wiesenheu mittlerer Oualitiit chnitt ') inclustve Fett. 78 Tabelle VI. Tabelle zur Berechnung der Erschöpfung des Bodens. 1000 u Heu mit 14% Wassergehalt enthalten: I Nr. Name der Pflanze Quelle oder Analytiker Rein- asche ß Stickstoff U ! ^ Jl' .§ ks j N- Kali ß Die Rein Natron! Kalk ß j 8 rsche b Magnesia ß e steht Schwefelsäure ß aus: Kieselerde ß Eisenoxyd Chlor ß 1 Englisches Raygras . . Wolff's Zusammenstellung 104.2 18.9 10.» 39.3 1.3 10.6 2.4 6.o 29.7 l.i 5.8 j 2 Italienisches Raygras Way und Ogoston . . 59. 9 20.8 3.8 7.5 3-, 6.o 1.3 1.7 35.5 0.5 8.3 ^ 3 Knaulgras. Wolff's Zusammenstellung 51.o 18.3 3.7 16.8 2.2 3., 1.5 1.3 16.8 0.9 3.6 ! 4 Wiesenschwingel .... E. Witting snr>. . . . 89., 14, >) 7.4 25 c 5.2 9.2 3.9 1.7 22.8 3.9 11.2 „ .... Arendt . 62, 10.1 ; 4.5 — — 3.2 2.2 25.5 07 — ! 5 Französisches Raygras . Arendt . 71.o 18.4 5.o — — 3.8 — — 25.5 1.2 — ! 6 Goldhafer. Way und Ogoston. . . 45.. 10., y 4.2 16.4 0.6 3.6 1.4 1.8 16.o 1.1 O.s | ; 7 Wolliges Honiggras . . Way und Ogoston. . . 53. 8 14.3 4.4 20.4 1.9 4.6 1.9 2.4 15.5 0.2 3.2 j „ . . Knop und Arendt . . . 76., 24., 4.R — — 4.6 1.4 — 39.o 1.4 — i j 8 Timothegras. Wolff's Zusammenstellung 58.7 15.5 6.» 20 4 1.1 4.7 1 9 1.7 18.9 0.5 a« ! 9 Wiesenfuchsschwanz . . Way und -Ogoston. . . 66.7 13.,!-) 4.2 28. 9 — 2.6 0.9 1.5 26.o 0.3 3.0 ! ! 10 Geruchgras. Arendt . 17.5 3.9 — — 2.2 1.0 — 30.4 0 5 — ! „ . Way und Ogoston . . . 53*7 11.7*) 5.5 19.8 1 4 5,o 1.3 1.8 15.4 0.6 3.4 ; ; 12 Rothklee . Wolff's Zusammenstellung 59.o 19.7 5.7 19.o 1 2 20.6 6.4 1.9 1.6 0.6 2.2 i i 13 Bastardklee . Wolff's Düngcrlehre . . 40.6 24.6 4., 11.3 1.2 13.8 5., 1.7 1.7 0.2 2-r ■ 14 Weißklee . Wolff's Zusammenstellung 63.o 22.5 8.o 13.5 4.6 19o 5.9 4.7 2.8 1.3 2.71 15 Esparsette . Wolff's Zusammenstellung 47.3 21.9 4.7 13.4 1.5 17.3 3., 1.4 3.8 0.5 1.8 16 Rohrglanzgras .... Barbieri, Versuchsfeld 65.6 6.7 7., 18.9 0.3 2.7 0.9 3.4 30.6 0 l.o 17 Wiesenrispengras . . . Barbieri, Versuchsfeld . . 59.3 0.9 8.2 15.o 0.5 1.9 0.4 1.3 24.3 0 4.» Way und Ogoston . . . 51.9 — 5.2 20.» 0.4 2.9 1 4 2.2 17.2 0* 3.2 „ ... Knop und Arendt . . . 61.8 16.6 3.9 — — 4.3 2.o 27.o 1.0 — „ ... Collier . 44 z 15.8 4.4 18.8 — 2.1 1.4 2., 13.5 — 2.8 ' 18 Gemeines Rispengras . . Barbieri, Spitalwiese . . 82.6 9.8 12.7 26.3 1.1 7,2 1,2 4.2 19.3 0 10., ! 19 Alpenrispengras . . . Barbieri, Versuchsfeld 123.7 16.9 . 14., 36.o 2.3 8., 4.8 5.o 43., 2.3 9.0 ; 20 Härtlicher Schafschwingel. Barbieri, Versuchsfeld 63 9 11.7 4.6 16.8 0.2 2.5 0 6 1.7 37.3 0., 1-s Hruschauer. 28., —. : 3.o 4.7 3.5 6.5 2.3 1.2 6o 0.8 O.i 21 Kriechender Rothschwingcl Barbieri, Versuchsfeld 63.5 7.9 9.0 11.5 0.5 3.9 0.4 1 8 32.7 0 3.2 22 Verschiedenbl. Schwingel. Barbieri, Versuchsfeld 77.7 8.7 10.7 14, 0.6 2.5 0-3 1.9 44.o 0 4.8 j 23 Aufrechte Trespe . . . Barbieri, Zürichberg . . 53.4 14.3 6.8 16.8 1., 4.4 1-9 1.8 15.2 0.5 3.5 „ ... Way und Ogoston. . . 44.5 — 3 4 12., 0.3 4 6 2,2 2.4 17.2 0., 2.6 | : 24 Wehrlose Trespe . . . Barbieri, Versuchsfeld 63.3 7.7 - 8.3 16.3 0.6 3.4 0 8 2e 30, Spur 1.5 i j 25 Kammgras. Way und Ogoston. . . 54.9 13.7 5) 4.o 17.7 — 5.6 l.a 1.8 22.o 0., 1.2 ! Arendt. 70« 22.8 1 5 4 — ‘ 3.2 1.3 — 29.7 0.9 — 1 26 Geißraute. Barbieri, Versuchsfeld 71.8 27.3 8 9 25.4 2.» 14.3 2.8 3.4 8.9 0.7 4.5 27 Wundklee. Wolff's Zusammenstellung 54.9 22.8 4-8 14-9 0.7 28.5 2.5 0.7 1 8 0 7 0.5 Barbieri, Versuchsfeld 90- 20.5 9.2 25.4 1., 24.9 3.0 2 8 16.2 0.9 7.0 28 Luzerne. Wolff's Zusammenstellung 85. 9 23.6 7.3 21.9 1>5 34.9 4.2 4.9 8.2 1-6 2.5 29 Hopfentlee. Auderson und Marchand . 55 5 24. a s) 4.6 17 a 4.5 15.4 47 2.2 1.9 0.7 4^ ; 30 Gemeiner Schotenklee . . Barbieri, Ztlrichberg . . 79., 25., ! 10.9 23.3 0.9 20.8 5.2 2.4 7.3 1.6 4.5 j Wiesenheu. Wolff's Zusammenstellung 60.» 15.5 . 4.3 16.o 2 - 9.6 4., 3., 17.2 0.9 3.7 ! ') Nach Collier, Wolfs, Nitthauscn und Scheren. — *) Nach Way und Ritthausen und Söeven. — ') Nach Way, Frey und Rülhausen und Scheren. «) Nach Way, Wolfs, Frev, Peters und Collier. — &) Nach Way und^Ritthausen und Scheren. — °> Nach Wolfs s Zusammenstellung. I «> 2« i-—i f —f Aebi & Mühlethaler in Burgdorf. ■%#- (§ili> er, z>, e, goldete M e Diplom der i9‘ lle 'S*,- ^ i883. >n fierzogenbuchsee 1882. »n? I. 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Stainer-Mayer äuchbind«r«i - ;Drloh1,’Renn*«q9? p % y * > L» y & 4 A t f “'ir f ( y \ y X ■>?.( ♦ # B»' > v *->Y < '4 1 %',- * V*. >* i^‘, *>YS ^ # r, , < - d:KL^ KA^.'-'--"' WOG > i ^ 'MM. -*/ ). > 'i' > ? <- ^G-, o - < 1> ^ >4 ^ ^ ^ 1^»' WWWMWMW^WMWWWWWWWW Ki-^xr> L-^'- X.-r^ ZME «W!- WWU HMK ÄLÄ !^' ^ ^ --OL^- 7ÄGM tz^hS^ MLL^ MM -LEMA §^N?LV WM -r-1 - -A- Are besten Jutterpfkcrnzen. Dritter Theil. Die Alpen - Futterpflanze». Abbildungen und Ketchreibungen von 33 alplvirthschaftlich Inichtigcu Futterpflanzen nebst cnesfüHrLicHen Angaben betreffend deren alpmirthtchaftlichcn Werth, botanische Merkmale, Herkommen, Klima- unk Vodcnanspriiche, vilngiiilg, Wachsthum, Samengeminnung, Kultur und verwandte Arten. Mit einer Einleitung über die Wedeutung und die Kebung der: scbweigeviscben A5pwivtbstbcrft und über Klima und Pflanzcnwnchs der Alpen. Im Auftrage detz hohen schweizerischen Landwirthschafts-Departemeiits Di'. A. K. Steöler, Vorstand der schweizerischen Samen-Kontrolstatio vr. K. Schröter, Professor der Botanik am eidgcn. Polytechnikum. Mit 16 in Fnrlren^kNÄr^nsgefnhrten Tnfetn. M Wevn. Druck und Verlag kwn K. I. Whß. 1889 . Dem Aildmkcir des verdienten Jovöerere- der Atprvlrtbtcbnft lll'M l'Ml von Sanraden gewidmet von den Werfnjsern. Worwort. Die Alpwirthschaft ist einer der wichtigsten, aber trotzdem einer der meist zurückgebliebenen Zweige schweizerischer Bodenproduktion. Es hat zwar nie an einsichtigen Männern gefehlt, die auf die Schäden unseres alpwirthschaftlichen Betriebes hinwiesen und Mittel zu deren Hebung vorschlugen Meiumüller, Heer, Landolt, Schild, Schutzmann),- auch hat der seit 26 Jähren bestehende alpwirthschaftliche Verein manchen schönen Erfolg auszuweisen. Aber die natürlichen Hindernisse einer rationellen Wirthschaft sind auf unsern Bergen groß, zum Theil unbesiegbar: die Ungunst des rauhen und kurzen Alpensommers, die Spärlichkeit des Graswuchses, die Gewalt schädigender Naturereignisse vereinigen sich mit dem konservativen Sinn der Bergbewohner, der Entlegenheit der Alpenweiden, den verbesserungs- feindlichen Besitzverhältuissen und der Nothwendigkeit, extensiv zu wirthschaften, zu einem schwer zu bekämpfenden Heer von Hemmnissen, die sich allen Verbessernngsbestrebungen wie ein Bleigewicht anhängen. Und doch muß es auch da oben tagen! Immer und immer muß von Neuem angesetzt werden, müssen neue Beiträge zur Hebung der Alpwirthschaft geliefert werden. Als einen solchen möchten wir das vorliegende Werk bei den schweizerischen Alpwirthen einführen. Es soll sie eine der wichtigsten Grundlagen ihres Betriebes näher kennen lehren: die Futterpflanzen der Alpen. Wohl ist die Schönheit der Alpenflora von zahllosen Dichtern besungen und gefeiert worden, wohl haben hervorragende Botaniker die Alpenpflanzen eingehend beschrieben, ihre Verbreitung, ihre Beziehungen zu Klima und Boden, ihre gesetzmäßige Vergesellschaftung, ihre Herkunft und Geschichte zum Gegenstand eingehender Darstellungen gemacht,' wohl werden endlich in allen alpwirthschaftlichen Schriften die Vorzüglichkeit des Alpenheues, das Aroma und der hohe Futterwerth der Alpenkräuter gerühmt, aber es fehlt bis jetzt an einem Buche, welches die wichtigsten Alpenfutterpflanzen abbildet, beschreibt und nach allen praktischen Richtungen ausführlich erörtert. Diese Lücke sucht vorliegendes Werk auszufüllen. Das Thatsachenmaterial dazu wurde mit Unterstützung des hohen schweizerischen Landwirthschaflsdepartements gesammelt, dem hiefür auch an dieser Stelle der wärmste Dank gezollt sei. Seit einer Reihe von Jahren dienten hiezu die Versuchsfelder der schweiz. Sameu-Control-Station in Zürich und namentlich auf der Fürstenalp (1782 in ü. M.). Ferner Haben die Verfasser zahlreiche alpwirthschaftlich-botanische Studienreisen in die Alpen ausgeführt. Die Mehrzahl der Angaben des Werkes beruht also auf eigener Beobachtung. Wie bisher, theilten sich die Verfasser in die Arbeit derart, daß >>r. Stebler die mehr wirthschaftlich- praktischen Theile bearbeitete und Pros. Schröter die botanisch-pflanzengeographischen. Von Erster»! stammt der erste Theil der allgemeinen Einleitung, ferner in den Einzelbeschreibungen die Kapitel über Benennung, Geschichte, alpwirthschaftlichen Werth, Bodenerschöpfung, Düngung, Ertrag, Futterwerth, Nutzung, Samengewinnung und Kultur; Schröter bearbeitete den zweiten Theil der allgemeinen Einleitung (Die Matten und Weiden der Alpen), ferner die Kapitel: botanische Beschreibung"), Abarten, Same, verwandte Arten; gemeinschaftlich sind die Kapitel über geographische Verbreitung, Standorte, Höhenverbreitung, Boden, Wuchs und Entwicklung. Auf den Tafeln stammen die gemalten Habitusbilder von Herrn Ludwig Schröter, die Detailzeichmmgen von Pros. Schröter, wie auch die Holzschnitte im Text. *) Die Angaben dieses Kapitels beruhen durchwegs aus Autopsie. Der Fachmann wird darin manche neue Beobachtung Über systematische Merkmale, Sproßfolge und Bestäubungsvcrhältuisse finden. VI Die chemischen Untersuchungen, überall vor selbstgesammeltem Material an, sind von der agrikultnrchemischen Untersuchungsstation am eidgen. Polytechnikum (Vorstand: Herr Dr. Grete) ausgeführt, mit Ausnahme von Nr. 11, 12, 24 1., 2511. u. 28, welche von Herrn Pros. Dr. Barbieri gemacht wurden. Da die Zahlen in der Schlußtabelle (Seite 193) genauer ausgerechnet sind und im Text bei den chemischen Resultaten au einzelnen Stellen sich kleine Fehler eingeschlichen haben, so wolle man bei Benutzung des Buches in Bezug auf die chemischen Untersuchungsergebnisse diese Tabelle benutzen. Im Jahre 1888 hat der greise, leider inzwischen verstorbene, Patriot Herr alt-Nationalrath A. R. von Planta-Sa maden, der eifrige Förderer aller Bestrebungen zur Hebung schweizerischer Land- und Alp- wirthschast, bei Gelegenheit der Befürwortung der Einrichtung alpwirthschaftlicher Kurse am eidgen. Polytechnikum die Aufgabe der Schweiz mit folgenden schönen Worten bezeichnet: „Mit der Einführung neuer, gründlicher alpiner Wissenszweige, mit einer Inangriffnahme „und Durchführung einer auf gründliche Erforschung basirten Alpwirthschaft wird die Schweiz „nicht nur ein hohes Landesinteresse von vielseitiger Tragweite verfolgen und retten, sondern auch eine „Pflicht der Vaterlandsliebe und der vaterländischen Ehre erfüllen. — Die Schweiz ist die Hochwarte Enropa's, „sie wird alljährlich aus allen Weltthcilen besucht, ihrer schönen, erhabenen Natur wegen;- die Schweiz als „Staatsgebildc, zusammengesetzt aus Volkstheilen verschiedener Sprachnationalitäten, hat die schöne, hnmanitüre „Mission, die Vermittlerin der geistigen und moralischen Errungenschaften der politisch sonst geschiedenen „Sprachgebiete zu bilden, sie hat somit die schöne Aufgabe, vor alle»! auf diesem Gebiete des menschlichen „Wissens und Könnens, auf demjenigen der Alpenknltur in Forst und Feld, voranznleuchten und neue „Bahnen zu betreten." Wir bestreben uns, an der Lösung dieser Aufgabe unseres Vaterlandes nach besten Kräften mitzuwirken. Möge vorliegendes Werk als ein erster Beitrag hiezn freundlich und nachsichtig aufgenommen werden! Zürich, im Mai 1889. Die Verfasser. InHcrLts -Wer-Zeichniß . Allgemeiner Theil. I. Die Wewirthschuftung der: Atp und die WerBesserung ihres 'Nflunzenbestundes 3 Definition ....... Alp- und Landwirthschaft ..z. Wesen der Alpwirthschaft .... Bedeutung der Alpwirthschaft . . . Förderung der Alpwirthschaft .... Programm des alpwirthschaftlichen Vereins Verbesserung des Pflanzenbestandcs . Vorzüglichkeit des Alpenheus; Analysen von solchem Kultur der Alpwiesen .... Versuche auf der Fürstenalp Anlage alpiner Kunstwiesen 71. Die Watten und Weiden der Alpen Einleitung .. F. Regioneneintheilung mit Tabelle Alpwirthschaftliche Betriebsstufen L. Die Wicsenpflanzen der Alpen Tabelle über alpwirthschaftlichen Werth, Standorte, Bodcnansprnchc nn von 220 alpwirthschaftlich wichtigen Arten Fnttcrwerth der alpinen Wiesenpflanzen Einfluß der äußeren Bedingungen aus den Wiefcnbestand der Alpwirthschaft 1. Einfluß der Höhenlage; Gruppirung des Species nach ihrer 2. Einfluß der Nutzung; Weide und Matte . 3. Einfluß der Düngung ...... 4. Einfluß der geognostischen Unterlage Charakter der alpinen Wiesenbestände, im Vergleich zu denen der Ebene Die Zusammensetzung der Grasnarbe in verschiedenen Höhen (11 analyt. untersuchte Wiesen bestände von 216—2500 m ü. M.) . ... Einfluß des Alpenklima's auf Gestalt und Leben der Alpenpflanzen Tabelle über die Faktoren des Alpenklima's .... Charakteristik des Alpenklima's . - - - Einfluß desselben auf Gestalt und Leben der Alpenpflanzen . Höhenverbreitun Okcgioncnverbrcitung 8 - 8 - 10 - 12 - 15 - 18- 19 23- 25- 20 — 42- 42- 49- 51- 53- 55- Seite -17 3 4 - 0 - 7 -17 8 17 9 12 15 17 77 18 22 25 77 41 - 42 -77 49 51 53 55 77 56- 67- 68 - 72- 76- -66 -77 71 -76 Spezieller Theil. 1- Das Alpenlieschgras, pdlömn glpinum I.. . 2- Micheli's Lieschgras, plllkuw Illiotiölii FII. 81 85 VlU Seite s Unterscheidungsmerkmale der schweizerischen Arten der Gattung ptUönm (Lieschgräser^ . . 88 3. Das gemeine Straußgras, Aßro^ti^ vniMi'i^ ^'it>>. 89 4. Das Alpen - Straußgras, AZi'ostis alpina 8e«p. 22 5. Das Felsen - Straußgras, Agr68ti8 rupSiUrm All. 95 Die Unterscheidungsmerkmale der schweizerischen AAr«)8li8-Arten ...... 98 Uebersicht der Schwingelarten Nr. 6 bis 10 . . . . . . - - . 99 6. Der Alpen - Rothschwingel, Uoslnes violaesa (ianck. . . ^. 101 7. Der dichtrasige Rothschwingel, Uöslnea rn1>rg D var. lbllax Hiuül. ..... 104 8. Der niedrige Schwingel, b'öslnes pumila Öl-nix . . . - . . . . . 107 9. Der Gemsenschwingel, Uöülueu rupicai-rilia Uac^. ........ 110 10. Der schöne Schwingel, b'68lnos pnlclrsllg tlalirsd. ........ 113 11. Das Alpen - Rispengras, ?vs glpiim U. . . . . - - ^ - - - . 115 12. Die rostfarbige Segge, (Äisx ksl-ruginss . 118 13. Die immergrüne Segge, llsiöx gsmpsin irsii-, 1i!I. ........ 122 14. Der Braunklee, 4Vilc»Iiuin I-sckium 8et>i'6>-. ......... 125 15. Der rasige Klee, Iiisolium 6368,-11 «mim . 128 16. Der Alpenklee, Ii-ikuliui» nli-mum U. 13 l 17. Der Feldspitzkiel, Ox^lNipi« 63 mi- 68 l,n 8 >)-:. 135 18. Die kalte Berglinse, ?!>sea lnKicka U. 137 19. Der dunkle Süßklee, Uväz-sarum obsuurnni I.. . . . . . . . - - 141 20. Das rauhe Milchkraut, Usonlocion In8i>iciu8 U. ........ - 144 21. Das Herbst-Milchkraut, Usonloclon aulnmngl^ I,. .. 151 22. Das Pyrenäen - Milchkraut, k, 60 iiloä«n p^naieu-- Ummn. 153 23. Die Rinderblmne, Orkjiis sni'63 6388. 154 24. Die Muttern, iUtzum Kulöllinn liüiln. .......... 157 25. Der Alpenwegerich, plgnlsß« slpins U. . 105 26. Der Bergwegerich, i'IsnlsKO moiU-ma Usm. 1"1 27. Die Schafzunge, Uislorla U. 173 28. Der gemeine Thaumantel, FIoliöMills vulgari-i . . . . . . - - 177 29. Der gespaltene Thaumantel, AlcUsmiUa liK8g 86>inmi»6> ....... 183 30. Das Gold-Fingerkraut, Uolmilillg surtzg U. - -. 183 31. Die glänzende Scabiose, Losdiosn Utoickg 1iU. ......... 185 32. Die halbrunde Rapunzel, PUzl6»M3 UsmispliNörienm I.. 789 33. Scheuchzer's Glockenblume, Uampannla Lolieiuüixoin 1111. ...... 191 Uebersicht der chemischen Untersuchungscrgebniste 133 ...... ' . > >>I. ' »Ä'-. ' . ...4-^'5f-?'' '^ 7 '. . ' -' Allgemeinem HHeill Die Kemirthschaftrmg der Alp und die Uerdesterrmg ihres Nflanzendestimdes. Unter „Alpwirthschaft" versteht man die landwirtschaftliche Benutzung der „Alp". Die Definition. „Alp" aber (in Oesterreich und Bayern „die Alur") ist ein größtenteils oder ausschließlich aus Viehweide bestehender Landcomplep im Gebirge, meist oberhalb der ständigen Wohnungen gelegen, der Zur Sommerwcidc des Viehes (Rindvieh, Ziegen, Schafe, Schweine, Pferde) benutzt wird und die dazu nöthigen, nur während der Weidezeit benutzten Geb änlich leiten (Stallnngen, Sennhütten, Hengaden) enthält. Die Wcidczcit datiert gewöhnlich von Ende Mai oder Anfang Juni bis Ende September oder Mitte Oktober, also —>/g Jahr. Während des Winters sind die Gebäulichkeiten unbenutzt. Neben der Weide finden sich aus der Alp oft mehr oder weniger ausgedehnte Mühewiesen (Alpmatten und Wildheumähder), deren Ertrag entweder zu Thal gebracht oder auf der Alp verfüttert wird; auch Waldeomplepe und Bnschrevierc gehören oft dazu. Der Name „Alpwirthschaft" ist also nicht abgeleitet von dem Namen des Alpengebirges; es ist deßhalb richtiger, Alpwirthschaft und nicht Alpen wirthschaft zu sagen. Der geographische Name „die Alpen" als Bezeichnung für den wichtigsten mitteleuropäischen Gebirgszng, ist nur eine Erweiterung des Begriffes „die Alp", der wenigstens beim Volk bloß auf die nutzbaren Gebirgsweiden sich bezieht. „Die Sprache des Volkes", sagt Tschndi, „bezeichnet mit „Alpen" nicht die Hochgebirgsznge in ihrer Gesammtheit, sondern nur die grünen Weidegründe des Gebirgs."*') Da die Mehrzahlform des Wortes „die Alpen" doppelsinnig ist, indem sie einerseits das Gebirge und anderseits eine Mehrzahl von Alpenweiden bezeichnet, ist es besser, in letzten» Sinne das Wort Alp- werden zu gebrauchen. Die Alpwirthschast ist ihrer Natur nach kein selbstständiger landwirtschaftlicher Betriebszweig, ^ denn die Alp liefert sa nur die Sommerätznng; sie ist nur möglich in Verbindung mit einem Betrieb Meüen"de?Mp in ständigen Wohnungen niederer Lagen: mit einer „Thalwirthschaft", die aus ihren Matten wirthschaft und das Trockenfntter für den Winter liefert. Auf der Alp herrscht also Weide w irthschaft, ^ Aasn im Thal Matten wirthschaft. Beides aber ist nicht ausschließlich der Fall. Die „Mayensüße" werden meist nur im Frühling und Herbst geweidet, dazwischen gehenet und das Heu meist an Ort und Stelle verfüttert; auch auf den hohem Alpen gibt es oft Matten (Henbergc oder Wildheuplätzc) und im Thal findet allermeist eine Beweidnng der Mühewiesen im Herbst und häufig auch im Frühling statt. Im Gebiete des Hügellandes kommt es hin und wieder vor, daß auch im Thal ein Theil der *) Das „schweizerische Idiotikon" von Frd. Stand und Ludwig Todter spricht sich Über die Herleitung des geographischen Namens folgendermaßen ans: Gegen die Znsammenstellnng des lateinischen Wortes mit ,awns«----weiß spricht, abgesehen von den Lautverhältnissen, der Umstand, daß das Nolk bei „Alp" an das Grün der Abhänge und nicht an den ewigen Schnee der Gipfel denkt. Uebrigens soll das Wort der keltischen Sprache entstammen, in welcher es Hochgebirge bezeichne. 4 Wiesen den ganzen Sommer über zur Weide dient; so z. B. werden häufig im Appmzellerland, nur den Rasmbestand zu verbessern, nach einer Reihe von Jahren die Mähewiesen abwechselnd ein Jahr oder länger ausschließlich als Weide genutzt.*') Im Kanton Graubünden, St. Gallen rc. finden sich im Thal ausgedehnte Gemeindewiesen („Allmcnden")', die nie zur Gewinnung von Dürrfntter dienen und in der schweizerischen Alpstatistik größtenthcils als Alpen ausgeführt wurden. Nach unserer obigen Definition, wonach als „Alp" die über der Grenze der Winterwohnungen gelegenen Weiden zu bezeichnen sind, fallen solche Allmcnden außerhalb dieses Begriffes. Hieher gehört z. B. die Melser Allmend, welche in einer Höhe von 910—1480 in über Meer liegt und von welcher das Weidevieh zum Theil jeden Abend in die Dörfer getrieben wird (Heimweiden). Hier haben wir also ein Hinabgreifen der Weidewirthschaft in das Gebiet der ständigen Wohnungen. Aber auch das Umgekehrte findet statt. Es finden sich nämlich auch Alpweiden, die ihrer Bewirthschaftung und ihrer Lage nach zweifellos unter den Begriff der „Alp" fallen, aber im Winter bewohnt sind. So z. B. die Arnialp (885—1388 in über Meer) ob Wasen im Emmcnthal. Dort überwintern regelmäßig fünf Hirten mit Familien und einigen Stück Vieh. Jedoch wird in allen diesen Fällen stets nur eine kleine Menge Vieh oben behalten, weil der Heuvorrath für eine große Zahl nicht genügend wäre; der Hauptbestand des Viehes wird im Herbst in die Wintergnter getrieben. — Es gibt auch niedrig gelegene Alpen, aus welchen so viele Mähewiesen eingerichtet und welche im Verlaufe der Zeit so stark verbessert werden, daß auf denselben alles gesömmerte Vieh auch gewintert werden kann. In diesem Falle ist die Alp in ein Wintergut umgewandelt worden. Viele höher gelegene Güter im Gebirge waren früher Alpenweiden; als Beispiel sei die erst in neuerer Zeit umgewandelte Alp Rämisgrat bei Langnau i. E. erwähnt. „In Schwyz", sagt Miaskowski,"*') „wird ein Stück der Voralpen nach dem anderen „geberget", d. h. in kleine Heimwesen mit zerstreuten Häuschen und niedern Stallungen umgewandelt und der Boden meistens als Wiese (Matte) benutzt." Im Entlebuch sind seit dem Jahre 1797 nach Merz"**) »on den 225 damaligen Alpen nicht weniger als 67 ganz oder theilweise in Wintergüter umgewandelt worden. — Meist findet sich zwischen den Heimatgütern des Thales und der Alp das „Mayensäß", welches den Uebergang zwischen Thal- und Alpwirthschaft bildet, indem die Wiesen soviel Heu liefern, daß das Vieh wenigstens einige Wochen während des Winters hier oben gehalten wird, bis der Heuvorrath aufgezehrt ist. In ganz seltenen Fällen liegen die Mayensäße unterhalb des Dorfes, zu dem sie gehören: so z. B. besitzt das Höchstgelegcnen Pfarrdorf der Schweiz, Chandolin, in Eifischthal bei 1970 in gelegen, seine Mayensäße in Snssillon bei 1380 in 4) Dahin gehören auch die sogenannten „Sommerdörfer", d. h. dorfweise beieinander liegende Wohnungen und Stallungen, in welchen während des Sommers die ganze Familie haust, um zu heuen, im Winter dagegen nur so laug, bis das Heu ausgezehrt ist. So bleiben z. B. in Zervreila (1780 rn) im Hintergründe des St. Peters-Thales die Bewohner im Winter nur bis Neujahr und ziehen sich dann in ihre eigentlichen Winterwohnungen in Vals-Platz zurück. Nicht selten wird indeß, namentlich im Wallis, in solchen Sommerdörfern sogar Getreide gebaut; so z. B. in Findeten ob Zermatt (2000 ni), wo Roggen und Weizen noch gedeiht. Solches Ineinandergreifen der Alpwirthschaft und des Acker- Vergl. Siedler und Schröter, Einfluß des Beweidens auf die Zusammensetzung der Grasnarbe. Schweiz, landw. Jahrbuch. Bern. K. I. Wyß 1887. Seite 178 u. ff. **) Miaskowski, die Verfassung der Land-, Alpen- und Forstwirthschaft in der deutschen Schweiz. Basel. 1878. 2 **) F. Merz, das Entlebuch und seine Viehzucht, Alpen- und Milchwirthschaft. Zürich. 1887. -f) Siehe Wolf, Turtmann und Eifisch. — Europäische Wanderbilder. Nr. 108—110. Zürich 1886. 5 bancs ist jedoch nur an der Grenze beider Gebiete möglich; die klimatischen Verhältnisse weisen die Hähern Wiesen mit Naturnothwendigkeit der Alpivirthschaft zn. Es mögen hier noch im Anschluß an obige Definition zur schärferer Klarstellung des Begriffs der Alpwirthschast, der Betrieb derselben nach seiner Grundlage, seinem Zweck, seiner Art, seinen Ei g enth nms v erh ältnis s en und gesetzlichen Vorschriften kurz charakterisirt werden. Die Betriebsgrundlage der Alpivirthschaft, die AlPweide, steht in Folge ihrer hohen Lage dstn^bsgmnd- untcr andern, rauher:: klimatischen Bedingungen, als die Thalweide; daher ist ihre Flora auch wirthschaft, eine andere. Je höher wir steigen, desto mehr treten die Ebenenpflanzen zurück und statt ihrer stellen sich die „Alpenpflanzen" ein. Es sind andere Arten als die Wiescnpflanzen der Ebene; sie sind niedriger, aber im Allgemeinen nährstoffreicher und aromatischer als die Letztem. Der Betricbszweck der Alpwirthschaft ist entweder die Aufzucht von Jungvieh oder die Betnebs-weck. Haltung von Nutzvieh (Kühe und Ziegen znr Milchproduktiou, Ochsen zur Mast, Schafe zur Mast und Wollproduktion re.); meist wird beides vereinigt. Da die Gewinnnngs- und Berarbeitungsweise der Milch auf der Alp nicht wesentlich abweicht von dem in der Ebene üblichen Verfahren, wird diese in den Schriften über Alpwirthschaft gewöhnlich nach ihrer technischen Seite nicht behandelt, sondern unter das Fach der Milchwirthfchaft verwiesen. — Unser so bereinigter Begriff der Alpwirthschaft umfaßt dann Alles, was sich auf die Nutzung und Pflege der Alpweidc und die Wartung und "Nutzung des gesömmerten Viehes bezicht, mit Ausschluß des technischen Betriebes der Milchwirthschaft. Die Betriebsart der Alpwirthschast bedingt ein Wandern von Weideplatz zu Weideplatz, Betriebsart, also ein Nomadisiren, wie bei einfachen Hirtenvölkern. Im Frühjahr werden, sobald der Graswuchs genügend erstarkt ist, zunächst die Voralpcn bezogen („Mayensäße" der Bündncr, „Berge" der Glarner, der Walliser, »inontU oder »nmMMlAÜU der Tessiner), dann geht es höher hinauf, auf die eigentliche Alp mit ihren Staffelt: und in: Herbst wieder in umgekehrter Reihenfolge zurück über die unterdessen wieder nachgewachsenen Weiden. Noch in anderer Beziehung erinnert der Alpbetrieb an die Kindheit der Landwirthschaft: er ist cii: extensiver, d. h. es werden sehr ausgedehnte Flächen von geringem Ertrag mit Aufbietung weniger Arbeitskräfte und mit relativ wenig Kapital genutzt (das Viehkapital darf ja nur für denjenigen Theil des Jahres auf Rechnung der Alp gesetzt werden, während dessen das Vieh oben ist). Die Eigenthums Verhältnisse der Alpwirthschaft haben ebenfalls einen alterthümlichen Eigenthums- Charakter. Es hat sich hier in viel größeren: Maße als in der Ebene das genossenschaftliche Eigen- "^Emsse. thun: erhalten gegenüber der Ausscheidung des Privateigenthnms. "Nach der schweizerischen Alpstatistik von 1864 waren damals 45,4°/° der Alpen Eigenthum von Landschaften oder Gemeinden oder von Gemeinden und Privaten zugleich, 54,6°/» Privateigenthum; von den 270,369 Stößen der Alpweiden waren sogar 65°/° genossenschaftliches Eigenthum, und nur 34°/» Privateigenthnm. Dieser Umstand ist bis jetzt auch das schlimmste Hinderniß der energischen Durchführung von Alpvcrbessernngen gewesen: das Privatintcrcsse an den Verbesserungen mangelt. Die gesetzlichen Vorschriften endlich, die sich auf die Alpwirthschaft beziehen, lassen einerseits Gesetzliche wieder jenen conservativen Charakter erkennen; anderseits zeigen sie, wie tief die Ueberzeugung von der ^°ckchnsten. Wichtigkeit der Alpweidcn in: landwirtschaftlichen Betrieb der Gebirgsgegenden beim Volk eingedrungen ist. Aus alter Zeit hat sich in ihnen das starke Eingreift:: des Staates oder der Gemeinde in die Rechte des Einzelnen erhalten; die Bestoßnng der Alp, die Zeit des Auf- und Abtriebes des Viehes und Anderes mehr ist gesetzlich oder durch Alpreglemente („Einnngen" in Unterwalden) geregelt. In 6 diesen Vorschriften und zahlreichem Anderen spricht sich die Absicht aus, die Alpen womöglich zu schützen gegen Uebernutznng und gegen Verfall. So wird z. B. vielfach der Grundsatz ausgesprochen, daß jeder nur so viel Vieh auf der Alp sömmern darf, als er in: Thal aus eigener „Winterung" zu erhalten vermag: eine Maßregel gegen die Uebernntznng. Alphiitten. Endlich spricht sich auch in den Gebättlichkeiten und übrigen Einrichtungen der Alp dieser alter- thümliche Zug aus. Heer") hebt wohl mit Recht hervor: „Unsere Alphütten möchten wohl ein Bild geben von den Wohnungen unserer Stammeltern, da in der äußern Einrichtung der Alpwirthschaft seit vielen Jahrhunderten keine Veränderungen vorgegangen zn sein scheinen und in den Alpen sich daher noch erhalten haben möchte, was in den: Tieflande schon vor Jahrhunderten durch die allmählig sich entwickelnde Kultur verdrängt worden ist; darum haben unsere Alphütten und ihre Geräthe auch ein historisches Interesse." Die ausführliche Schilderung, welche Scheuch;er vor 100 Jahren von der Alpwirthschaft entworfen hat, paßt auch aus die gegenwärtige Zeit im großen Ganzen vollkommen. Bedeutung Die Alpweiden bilden in der Oekonomie vieler Gebirgsvölker einen sehr bedeutsamen Betriebs- Alpwirthschuft. gegenstand, nicht wegen der hohen Ausbildung ihrer Cultur, sondern infolge ihrer großen Ausdehnung und ihres trefflichen Futters. Das Areal derselben beträgt in der Schweiz nach den Ermittlungen des Ingenieurs Denzlcr 1,108,800 Heetar und sie repräsentiern nach der schweizerischen Alpstatistik von: Jahr 1864 einen Werth von rund 77 Millionen Franken; der Ertrag erreichte in genanntem Jahre einen Werth von 10,893,874 Franken (allerdings sind diese Zahlen mit Reserve aufzunehmen, da dieser Statistik, namentlich was die Ertragsverhältnissc anbetrifft, bedeutende Mängel anhaften). Aber auch in andern Ländern haben die Alpen eine gewaltige Ausdehnung und das durch sie reprüscntirte Kapital und dessen Ertrag erreicht ganz bedeutende Summen, so z. B. im Tprol, in Salzburg, Steiermark, Kärnthen, Kram, Savoyen, Bayern re. Sowohl für die Milchprodnction, als ganz besonders für die Aufzucht von Vieh bietet die Alpwirthschaft große Vortheile. Sie sind in ihrer durch Klima, Lage und Flora bedingten Eigenart begründet und können deßhalb durch nichts anderes ersetzt werden. Die Gebirgslünder müssen bei rationeller Ausnützung dieser natürlichen Vortheile in genannten Zweigen stets eine der ersten 7 « Stellen einnehmen. Die ausgedehnten Weiden, welche dem Vieh die freieste Bewegung gestatten, das kräftige Alpenfutter, die gesunde Alpenluft sind die besten Grundbedingungen einer ergiebigen Prodnetion trefflicher Milch und einer kräftigen Entwicklung des Jungviehes und dessen möglichst großen nachherigen Ertrages. Die Alpen sind und bleiben deßhalb für immer die besten Anfzuchtsstätten für Jungvieh und keine Konkurrenz kann ihnen hierin den Rang ablaufen. Auch zur Erzeugung von Milchprodukten find sie vorzüglich geeignet und die Feinheit derselben ist unübertroffen, wenn bei der Fabrikation mit gleicher Sorgfalt vorgegangen wird, wie in: Flachlande, woran es freilich bis dahin meist noch fehlt. In der möglichst intensiven Ausnützung dieser natürlichen Vortheile, d. h. in der möglichst rationellen Bewirth- schaftung der Alpen liegt ein unschätzbares Mittel für die schweizerische Landwirthschaft, sich auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu erhalten. Ertrag Es wurde oben bereits angedeutet, daß der Ertrag der Alpweiden im Verhältniß zn ihrer Alpen. Ausdehnung ein sehr geringer sei; trotzdem die Alpen der Schweiz mehr als die Hälfte des land- wirthschastlich benutzten Bodens einnehmen, halten sie nach der Statistik von: Jahre 1864 nur *) Heer und Blumer, der Kanton Glarus, historisch-geographisch-statistisch geschildert rc. Seite 421. St. Gallen nnd Bern 1846. 7 270,389 Stöße, d. h. sie liefern die Sommerweidc sür nmd 270,000 -Ltück Großvieh (auf Rind- vieheinheitm rednzirt) während durchschnittlich 93 Tagen oder für 68,696 Stück während 365 ^agen. Die Schweiz besitzt aber über I V? Millionen Stück Großvieh, also liefern die Alpen trotz ihrer großen Ausdehnung nur ungefähr '/N des Nahrungsbedarfes des schweizerischen Viehes. Legt man die Berechnungen von Denzlcr zu Grunde, so betrügt der Flächmraum eines Stoßes durchschnittlich 4,1 Hectar, nach den Angaben der Alpstatistik 1,8 Hectar. Erstere Zahl ist zu hoch, weil die, Alpwieseu nicht berücksichtigt sind; letztere ist zn niedrig, weil zur Berechnung nur die besser bewirthschafteten Alpen als Maßstab dienen konnten. Auf den gut bewirthschafteten Sörenbergalpen am Fuße des Rothhorns rm Entlebuch beträgt der Flächeninhalt eines Stoßes, auf eine Weidezeit von 138 Tagen nach den genauen Erhebungen von F. Merz nur 1,344 Hectar, für 93 Tage also 0,906 Hectar. Nimmt man den Durchschnitt von 3 Hectar als Maßstab an und setzt man den täglichen Futterbedarf aus 12s /2 Kilo an, so geben diese 3 Hectar einen Heuwerthertrag von (93 Tage mal 12V? Kilo —) 1162^2 Kilo, 1 Hectar somit 384V« Kilo. Im Thal liefert aber eine Hectar gute Wiese 5000 bis 7000 Kilo oder mehr Heu, also 12 bis 18 Mal mehr. Die Stoßzahl der schweizerischen Alpen von 270,389 Stück Großvieh repräsentirt allerdings meist nur den Ertrag der Alp weiden; die Alpmattcn sind nicht überall inbegriffen und es bleibt einer zukünftigen Alpstatistik vorbehalten, auch den Ertrag dieser zu ermitteln. Wo sie gedüngt und gepflegt werden, ist ihr Ertrag nicht unbedeutend, jedoch werden im eigentlichen Alpengcbiet nur die wenigsten Mähe- wiesen so behandelt, der größte Theil derselben wird nie gedüngt und nicht besonders gepflegt, höchstens werden die Steine hin und wieder aufgelesen und zusammengelegt. Der Ertrag dieser alpinen Magermatten ist deßhalb auch sehr gering. Die meisten werden je nur das zweite Jahr gehcuct, weil sie nicht im Stande sind, alle Jahre einen lohnenden Ertrag abzuwerfen. Aber auch bei einen: zweijährigen Turnus liefern sie selten mehr als 2—4 Meterzentner Heu per Hectar, während eine gute Thalwiesc alle Jahre 50—70 Meterzentner und mehr produzirt, also 12 bis 35 Mal mehr. Dieser auffallend geringe Ertrag alpiner Wiesenbestände ist allerdings zum großen Theil in der rauhen Lage derselben zu suchen; wo das Gras nur noch 1—2 Decimeter hoch wächst, kann man nicht 70 Meterzentner per Hectar ernten. Aus der andern Seite aber ist nicht zu leugnen, daß eine verbesserte Pflege der Alpweide und -Blatte den Ertrag bedeutend zu steigern im Stande wäre. Daß die Alpwirthschaft an zahllosen Schäden krankt, das haben schon seit dem vorigen Jahrhundert einsichtige Männer erkannt und haben in Schrift und Wort Verbesserungen angestrebt. Im vorigen Förderung Jahrhundert waren es Sprüngli, Dick, Medicns, Halter, Wyttenbach, in unserem Säculum Alpwinhschafn Steinmüller, Kasthofer, Heer, Landolt, Schild, Schatzmann n. A. Im Jahr 1863 wurde auf Betreiben von Or. Schild und Pfarrer Schahmann der schweizerische alp- wirthschaftliche Verein gegründet, der sich die Hebung der schweizerischen Alpwirthschaft zum Ziele setzte. Es war namentlich der nachherige Präsident desselben, der 1886 verstorbene treffliche Schatzmann, der unermüdlich durch Wandervorträge, Alpinspectionen und belehrende Schriften in diesem Sinne arbeitete. Die von ihm geleiteten Zeitschriften, „Schweizerische Alpwirthschaft", 1859 bis 1866, und „Alpwirthschaftliche Monatsblätter", 1866 bis 1886, legen davon rühmliches Zeugniß ab. Auf Betreiben des alpwirthschaftlichen Vereins wurde eine Reihe von Düngungsversuchen auf Alpwiesen ausgeführt; es wurden vom Bund unterstützte Prämirungen gut bewirthschafteter Alpen und wohlgepflegter, Alpmatten vorgenommen; es wurde 1864 eine, allerdings leider etwas mangelhafte Alpstatistik ausgearbeitet, Musterwirthschaften gegründet, Alpbeschreibungen verfaßt, und belehrende Volksschriften herausgegeben. 8 Borziiglichkeit des Alpenfutters. Eine Reihe von Vorschlägen zu Verbesserungen in der Kultur der Alpen, die schon von Kasthoser, Lardy, Heer und Landolt*) gemacht waren, wurden vom alpwirthschaftlichen Verein zu folgendem Programm sormulirt: I. Bessere Sicherung des Alpbodens: a. gegen Naturereignisse (Lawinen, Schutthalden, Abschweuimuugen, Erdrutschungen, Wildbäche); b. gegen Nachlässigkeit der Alpbesitzer (Abholzung, Mangel an Hut, Uebersetznng der Schafberge). II. Bessere Bewirthschafmng des Alpbodens, Erhöhung der Produktion desselben: 9 . Wegräumen von Schutt und Steinen; b. Bessere Benutzung des vorhandenen Viehdüngers; e. Anwendung leicht transportabler Düngemittel; ck. Entwässerung sumpfiger Stellen; s. Ausrottung schädlicher Sträucher und Kräuter; 1. Wiederansaat offener Stellen; 8. Sammeln von Heuvorräthen; ü. Ausätzen der Heuvorräthe in den Vorweiden und auf den Alpen. III. Bessere Verwaltung und Beaufsichtigung (Regulirung des Besatzes, Alpreglemente). IV. Bessere Bestallung. V. Sammlung von Nutz- und Brennholz. VI. Bessere Milchwirthschaft. Es ist nicht zu verkennen, daß diese Bestrebungen zur Hebung der Atpwirthschaft von Erfolg waren. Einige Kantone haben eigene Gesetze zur Verbesserung der Alpwirthschaft erlassen (Bern, St. Gallen, Wandt, Wallis, Appenzell-Jnnerrhodeu, Nidwalden; Glarus besitzt schon seit Jahrhunderten eine Alpgesetzgebung). An vielen Orten wurden Alpmatten angelegt und diese winden gedüngt und gepflegt. Viele Verbesserungen in Stallungen und Sennhütten wurden eingeführt und ähnliche Meliorationen mehr. Der größte Theil der Arbeit bleibt aber noch zu leisten. Es ist namentlich eine Richtung solcher Verbesserungen, in der trotz wiederholter Vorschläge von Seiten der Fachmänner bis jetzt so zu sagen nichts geschehen ist, obwohl gerade in dieser Richtung die größten Ertragssteigerungen zu erzielen wären, wir meinen: die Verbesserung des Pflanzendeftandes alpiner Wiesen. (Weiden und Matten ) Es ist der Hauptzweck des vorliegenden Werkes, solchen Verbesserungen den Weg zu bahnen. Es wurde schon oben betont, daß ein unschätzbarer natürlicher Vortheil der Alpwiesen in dem trefflichen Futter liegt, das sie erzeugen. Die Ueberlegenheit des Alpenfutters (Heu und Weide) über das der Ebene ist eine durch die Praxis ganz allgemein und absolut sichergestellte Thatsache. Daß es nicht nur die Umstände sind, unter denen das Alpenfnttcr gereicht wird (d. h. die Alp mit ihrer guten Luft und freier Bewegung), die seinen Vorzug bedingen, beweist die Thatsache, daß auch bei Verfütterung im Thal das Alpenfutter sich besser erweist. In welchen Eigenschaften diese Ueberlegenheit begründet ist, darüber gibt uns freilich die Wissenschaft bis jetzt nur eine unbefriedigende Antwort. Eine oberflächliche Vergleichung anerkannt guten Thalheus mit gutem Alpenheu zeigt uns, daß das letztere feinhalmiger und aromatischer ist. Ferner können wir aus den Lebensbedingungeu der Alpenpflanzen einen Schluß auf ihren Gehalt an Zellinhaltsstoffeu ziehen. Wir wissen, daß in der Höhe die Wirkung des Lichtes eine stärkere ist; es muß also die Erzeugung der pflanzlichen Baustoffe aus der Kohlensäure der Luft, welche an das Licht gebunden ist, oben mit größerer Energie bor sich gehen; es werden also die Zellsäfte alpiner Pflanzen concentrirter sein, als die der Ebenenpflanzen. Dieser Schluß findet seine Bestätigung durch die chemische Analyse, welche zeigt, daß der Rohfasergehalt des Alpenheus im Allgemeinen ein geringerer ist. *) Landolt, Bericht an den h. schweiz. Bundesrath über die Untersuchung der schweiz. Hochgebirgswaldungen 1858 —1860. Bern 1860 und 1862. 9 Man hat schon vielfach versucht, Alpenheu und Thalheu in Bezug auf ihre chemische Zusammensetzung zu vergleichen. Wir geben in folgender Tabelle eine Zusammenstellung der bis jetzt vorliegenden Analysen von Alpenheu. ! Alpenheu von: Höhe über Meer. Meter: Rohprotein 7» Rohfett 7° Rohsaser 7° Stickstofffreie Extract- stoffe 7» Asche 7' i dem Blaser 2212 10,52 3,70 17,34 45,98 8,66 2 „ 1896 11,91 3,62 19,10 45,50 5,87 3 Valzam 1896 10,68 4,90 16,82 46,45 7,15 4 dem Ortler 1800 10,55 3,34 20,30 46,95 4,86 5r Bitzachhnbalp 2060 14,89 3,57 27,76 33,94 5,84 6 Cederbergalp 1740 14,55 4,34 23,86 37,42 3,83 7 Grundalp 1266 14,21 3,90 24,62 35,30 7,97 8 Schwabalp 1100 10,23 3,95 25,24 40,60 6,97 9 Wildhen aus den Bcrneralpen I. 9,38 3,22 24,77 40,15 8,48 10 . II. 8,72 3,45 21,08 44,45 8,30 11 „ ,, „ „ III. 8,83 _ 12 „ „ IV. 9,22 13 den Schanfigger Heubergeu 2000 11,18' 6,10 17,54 43,51 7,67 14 der Churer Ochsenalpmattc 1860 7,36 2,75 34,00 35,04 6,85 15 der Jnlicrbcrghausmatte 2220 8,75 4,41 27,01 37,57 8,26 16 Valzavenz, auf Gueis 2164 14,8 4,8 25,2 34,4 6 8 17 Christbcrg, aus Glimmer 1486 15,8 5,1 17,8 40 5 6 8 18 Saluvcr, Kalkboden (Kreide) 1978 15,1 4,0 24,6 35 6 6 7 19 Vordcrmcllen, „ „ 1890 15,0 4,2 24,8 35,3 6,7 20 Gera „ „ 1544 13,5 3,9 24,9 37)6 6,1 21 Briiggelen „ (Trias) 1550 13,2 3,8 19,1 42,7 7,2 22 Ntoßbruggcr-Alp, Kalkboden mit Gyps 1660 12,7 3,2 22,2 41,0 6,9 23 Gcschwend, Flysch 1350 12,8 4,5 25,0 37,5 6,2 24 Sicca, Dolomit. Kalk 1398 14,5 3,7 18,3 43,7 5,8 25 Fürn, lehmiger „ 1268 12,0 3,6 24,2 40,5 5,7 26 „ „ 1268 10,6 3,4 23,8 42,4 5,8 27 1268 11,8 3,8 22,4 42,7 5,3 28 Pfänder, Nagelflnh 1060 13,3 3,0 24,2 40,3 5,3 29 Schmalzbcrg, Molassc 1120 14,2 3,7 22,4 40,5 5,2 Aiittcl: 12,08 3,76 22,92 40,42 6,46 Hchi clichiert von: 30 Brandnerthal, Kalk 1029 10,3 2,9 20,3 44,9 7,6 31 Kl. Walscrthal, Dolomitischer Kalk 1212 13,6 3.5 21,7 40,6 6,6 32 Latcrnserthal, Kalk 912 11,6 3,2 22,0 41,5 7,7 33 Inner. Montavon, Gneis n. Glimmer 951 13,1 3,4 25,6 36,7 7,2 34 Bregenzerwald, Ntolasse 748 10,6 2,7 24,5 41,4 6,8 Mittel: 11,8 3,1 22,8 41,1 7,2 Wiesenhcu nach Wolfs, Dtittel: 9,7 2,5 26,3 41,3 6,2 Analysen von Alpenhen Die Resultate sind überall auf einen Wassergehalt von 14°/„ (Trockensubstanz 86°/») reduzirt. Die Untersuchungen 1 bis 4 stammen von Ernst Krämer*), 5 bis 8 von Th. v. Gohren und Langer*), die Resultate von 9 bis 12 hat uns Pros. Dr. Ernst Schulze (Zürich) freundlichst zur Publikation mitgetheilt, 13 bis 15 sind von uns und 16 bis 34 von Dr. Eugling**) untersucht. 1 bis 5 stammt aus dem Tirol, 5 bis 8 aus dem Pongau, 9 bis 15 aus der Schweiz, die übrigen aus Vorarlberg. *) Ernst Krämer, über den Futterwcrth des Alpcnhcucs. Ocsterr. landw. Wochenblatt. 1881. Seite 58. **) Nach dem agrikulturchcmischen Jahresbericht von Hilger. Neue Folge VIII. Berlin 1886. Seite 396 n. ff. 2 10 Die Tabelle ergiebt, daß die bis jetzt untersuchten Alpenheusorten eine sehr wechselnde Zusammensetzung zeigen und keinen für alle gültigen Unterschied vom Thalheu darbieten. Es wurde von Krämer (a. a. O.) angegeben, der Protemgehalt des Alpenhenes sei höher, als der des Thalheus. Unserer Tabelle aber ist zu entnehmen, daß bei der Beurtheilung des Werthes des Alpenhenes der Protemgehalt nicht immer als Maßstab dienen kann, indem trotz der Vorzüglichkeit des Heues z. B. bei Nr. 9 bis 13 und bei 1S der Gehalt an Protein auffallend gering ist. Dagegen zeichnen sich beinahe alle untersuchten Alpenheusorten durch einen hohen Gehalt an Rohfett und die meisten durch einen geringen Rohfasergehalt aus. Wie dem auch fei, soviel ist sicher, daß das Alpenfutter feine anerkannte Vorzüglichkeit den trefflichen Eigenschaften seiner Componenten, der Alpenfutterpflanzeu, verdankt. Es sind da besonders eine Reihe rein alpiner Arten zu nennen, welche die allgemeine Erfahrung als die besten Futterpflanzen bezeichnet: die Muttern (Nomn LIMMüns), das Adelgras (PIsntgAo atpins und Montana) und die Romeye (?oa slpina); ferner eine Anzahl alpiner Schmetterlingsbluthler und Korbblüthler. Ob die zahlreichen, aus der Ebene zu den höchsten Alpweiden aufsteigenden Arten (Rothschwingel, Geruchgras, Fioringras, Milchkräuter) auf den Alpen wesentlich höheren Fntterwerth besitzen, ist genauer noch nicht untersucht, aber sehr wahrscheinlich. Dafür spricht u. A. die Thatsache, daß manche Arten, wie z. B. die Rasenschmiele (Oosetrampsia ekcspttoss), welche in der Ebene harte ungenießbare Unkräuter sind, auf den Alpen zu beliebten Nährpflanzen wurden. Ferner spricht dafür die oben schon berührte Wirkung des Alpenklimas. Wenn aber die gute Alpweide und -Matte ein so treffliches Futter liefert, so ist es ein um so schwererer natioualökonomischer Nachtheil, wenn der Alpboden vielfach eine ganz schlechte Narbe trägt. Das Herz muß jeden: Einsichtigen bluten, wenn er über weite Alpstrecken trefflichen Bodens und bester Lage wandert, die von dem zähen, trockenen Borstgras (^lnrckns strickn) bedeckt sind, oder wo die Alpenrosen Strauch an Strauch sich drängen, oder wo die mannshohen Büsche des Eisenhuts, die üppigen Standen des Alpenampfers, der Bluzgen (Lmmcio cvräntus) eine ertraglose Wüste bilden, oder, wenn er Weidestrecken begeht, wo die Hälfte des Bodens durch den Tritt des Biehs bloß gelegt ist, braune, nackte Stellen im Rasen bildend. — Hier kann und muß auf mancherlei Weise geholfen werden! Die Borstgraswiesen sind durch eine mäßige Düngung zn verbessern, welche das düngerfliehende Verbesserungen Borstgras vertreibt und bessere, düngcrliebende Pflanzen begünstigt.*) Alpenrosen und andere Strauch- Rasennarbe. Vegetation ist auszuroden und die so entstandenen Blößen mit guten Kräutern anzusäen; dasselbe kann mit den vom Vieh ausgetretenen Stellen nach vorheriger Verebnung geschehen. Die erträglichen „Lkger" mit ihrer üppigen Ammoniakflora nichtsnutzigster Kräuter sind umzubrech en, von den Wurzeln und von Steinen zu säubern und mit Samenmischuugcn guter Kräuter anzusäen. Auch aus schlechtem, magerem Weideboden kann die Anlage solcher alpiner Kunst wiesen stattfinden. Das bloße Auflockern solchen Bodens, der Jahrhunderte lang durch die dichte Narbe dem Einfluß der Atmosphärilien entzogen war, ist in seiner Wirkung einer Düngung gleichzusetzen.**) Damit aber diese Vorschläge, namentlich die Anlage alpiner Knnstwiesen, als zweckmäßig aner- erkannt und damit die Alpwirthe ermuthigt werden, solche Verbesserungen ernstlich durchzuführen, sind erst eine Reihe von hindernden Bornrtheilen und Einwänden zn beseitigen, eine Reihe von Forderungen zu erfüllen. *) Vergl. Siebter und Sch röter, Einfluß der Düngung auf die Zusammensetzung der Rasennarbe. Schweiz, landw. Jahrbuch. Band I, Bern 1887. «») Der naheliegende Gedanke, durch Nachsäen guter Kräuter in die vorhandene Narbe dieselbe zu verbessern, scheint auf Alpenwciden nicht ohne weiteres ausführbar; wenigstens hat A. v. K eruer bei derartigen Versuchen auf dem Blaser bei Innsbruck nur negative Resultate erhalten. Wir haben auf der Fiirstenalp bei Chur diese Versuche in etwas modificirtcr Weise angestellt, indem wir den Rasen erst stellenweise schürften und dann in die aufgelockerten Stellen säten; die Saaten keimten gut, aber die Versuche sind noch nicht abgeschlossen. 11 Erstens muß die Meinung bekämpft werden, daß aus den Alpen überhaupt ein Umbrechen des Bodens nicht zulässig sei. Zweitens muß der Einwand widerlegt werden, daß die frühere schlechtere, natürliche Flora bald wieder die bessere der Knnstwiese verdrängen werde. Drittens muß die Rentabilität eines solchen Verfahrens nachgewiesen sein. Viertens müssen Anstalten getroffen werden, die Samen alpiner Pflanzen im Großen zu ziehen, damit man im Handel Saatmischungen zu alpinen Kunstwiesen so gut und so billig erhalten kann, wie zu Thalwiescn. Fünftens muß den Alpwirthen ein mit guten Abbildungen versehenes Buch in die Hand gegeben werden, aus dein sie die gntcn und schlechten Kräuter der Alpweiden kennen lernen können. Wir wollen diese Forderungen der Reihe nach besprechen. Was die Zweckmäßigkeit des Umbrechend des Alpbodens und die Konk u r renz der natür - Umbrechen liehen Flora betrifft, so wollen wir zunächst hören, was der treffliche Kasthoscr darüber sagt:") Alpbodens. „Ueberall wird für gewiß angenommen, daß die Erde auf den Alpen sich gar nicht, oder sehr schwer berase, wenn sie wund gerissen oder geschält worden sei; allein gedüngte und mit Gräsersamen besäete Erde wird leicht auch auf Alpen neuen Rasen bilden, wie sich der Verfasser durch eigene Erfahrung überzeugt hat. Seit Jahrhunderten vielleicht ist sich die Oberfläche unserer Alpen gleich geblieben, weil eine andere Nutzung nie auf denselben Platz fand. Die Folge ist, daß der Rasen und das Flechtwerk der Wurzeln die untenliegende Erde beinahe hermetisch der Wirkung des zerstreut fallenden Düngers, der Luft und des Regens verschließt, die Oberfläche des Bodens mithin auf Kosten der tieferen Erde düngt, und diese unfruchtbar läßt; es ist überdieß in der Natur der meisten Alpenpflanzen, sich mehr durch Wurzelsprossen als durch Samen zu vermehren, und der wenige Same, der unter dem Zahn und unter den Klauen des weidenden Viehes sich zu entwickeln und in den kurzen Sommern und in rauher Luft zu reifen vermag, wird gierig von Vögeln gesucht. Wenn also wundgerissener Boden sich lange nicht wieder bewächst, so ist das die Schuld der Hirten und nicht der Natur, die auch auf hochgelegenen Alpen sich nicht erschöpft, nur langsam wirkt. Auf keiner Höhe der Vegetation versagt der Dünger seine Wirkung, und wenn es schwer ist, auf den Alpen den Samen der guten Futterkräuter zu sammeln, so könnten leicht die Alpenkräuter in die Nähe der Alpendörfer verpflanzt, zum Tragen des Samens gepflegt, und der hier gewonnene Same wieder in den Einschlägen auf den Alpen ausgesäet werden. Freilich muß jeder Aufbruch des Rasens auf den Alpen mit Umsicht geschehen, da, wenn der Boden, der aufgebrochen wird, nur irgend steil anfliegt, leicht bei den häufigen, oft mit heftigen Windstürmen herabstürzenden Regengüssen die Erde fortgeschwemmt wird und selbst Erdbrüche veranlaßt werden. Es müßte daher der Rasen nie in breiten, sondern nur in schmalen, nie von oben nach unten, sondern quer am Berghang laufenden Streifen, und abwechselnd mit Rasenstreifen, die unberührt bleiben würden, aufgebrochen werden. Oft kommen auf den Alpen Bezirke vor, wo die Unterlage des Bodens aus Lehm besteht; dieser wird dann bei regnerischer Witterung von den Klauen des Viehs durchstochen und der Boden so schlüpfrig, daß das Vieh hier oft nicht ohne Gefahr des Herunterstürzens weiden kann. Solche Bezirke müssen nicht aufgebrochen werden." Wir können diese treffenden Bemerknngcn des vielerfahrcnen Beobachters in mancher Hinsicht bestätigen nnd ergänzen. Sehr richtig hebt Kasthofer den großen Unterschied zwischen alpinem Magerboden und Fettboden Natürliche mit Bezug aus seine Wiederbcrasnngsfähigkcit hervor. Bei dem ersteren geht es in der That außer- ordentlich langsam, bis eine einmal bloßgelegte Fläche durch natürlichen Samenanflng wieder berast Magerbodms. ist. Als Beleg dafür mögen einige sprechende Zahlen hier angeführt werden: Zum Zwecke der genauen botanisch-analytischen Untersuchung haben wir der Grasnarbe an zahlreichen Stellen von Alpweiden und Alpmatten je einen Quadratfuß der ganzen Rasendecke mit einer etwa 2—3 am. *) Kasthoscr, Bemerkungen über die Wätder und Atpen des bernischen Hochgebirges. Aarau 1818, Seite 179—180. 12 dicken Erdschicht abgeschält. Auf diese Weise wurden also auf der Wiese quadratische Stücke des Bodens völlig der Vegetation entblößt. Wir untersuchten diese Stellen dann in dem folgenden Jahre, um die natürliche Wieder- ansaat kennen zu lernen. Auf einem am 2. August 1885 bloßgelegten Stück Boden auf einer Schafmeide am Teufelskopf (Hochwangkette) bei 2400 m. waren am 22. August 1886, also nach mehr als einem Jahr, erst 4 Keimpflänzchen zu sehen, zwei des Linns'schen Mastkrauts Minimal) und eines des Knöllchen tragenden Knöterichs (koIxAorium vivipsimm), aus einem Brutzwiebelchen hervorgegangen. Am 26. Juni 1887 hatte die Besiedelung gar keine Fortschritte gemacht. — In der Nähe des Hochwanggipfels bei 2500 in. auf einer Schafweide war die Aussaat etwas reichlicher. Wir fanden dort nach dem ersten Jahr: 10 Keimpflänzchen des lcbendig-gebärenden Alpenrispengrases (kos slpins k. vsr. vivipsrs), alle aus Brut- zwiebelchen hervorgegangen. 6 Keimpflänzchen des knöllchentragenden Knöterichs, ebenfalls aus Brutzwiebeln entstanden. 3 Sämlinge des kleinsten Augentrostes (bwpllrssis minims). 1 Sämling des goldigen Fingerkrautes (kotontills suiws). Die Wiederansaat geht also außerordentlich langsam vor sich und es wird Jahrzehnte dauern, bis ein solcher Quadratfuß wieder seine geschlossene Rasendecke tragen wird.*) Ganz anders dagegen spielt sich die Sache auf dem gedüngten Alpboden ab. Auch darüber haben wir Versuche angestellt und zwar auf dem alpinen Versuchsfeld der eidgenössischen Kunstwiesen Samen-Controlstation auf der Fürstenalp ob Trimmis bei Chur, 1782 IN ü. M. Dasselbe ist auf dem Lägerboden. „Lägerboden" angelegt, jener außerordentlich düngerkräftigen Stelle rings um die Hütte, wo durch den Mist des täglich zweimal zum Melken hier zusammengetriebenen Viehes eine starke Ueberdüngung geschaffen wird. Die Vegetation solcher „Läger" besteht immer aus mastigen Ammoniakpstanzen, die größtentheils oom Vieh nicht berührt werden; diese Stellen reichsten Bodens sind also meist absolut ertraglos! Es wurden 20 Ar umgebrochen, von Unkraut gesäubert und mit einer Trockenmauer umgeben. Auf 10 Ar wurden in Beeten die einzelnen Futterpflanzen behufs deren Studium cultivirt, die übrigen 10 Ar wurden mit Grasmischungen besäet. Es konnten zu diesen Mischungen natürlich nur Ebenenpflanzen verwendet werden, weil die Samen der alpinen Futterpflanzen nicht in größeren Mengen im Handel zu haben sind. Die Resultate dieser Versuche sind in folgender Uebersicht zusammengestellt. Versuche über die Anlage künstlicher Wiesen aus der Mrstenalp bei Chur, 1782 m. über Meer. Erträge an Diirrsutter per Ar Saat- Adfädk am 13. Juki quantum Bemerkungen. 1884. der 1885 Einzelsaat 10. Aug. 1885 1886 1887 !. Aug. 21. Aug. 15. Aug. Kilo Kilo Kilo I. Parzelle. 1. Rothklee, rein. ! Der Rothklee ging im Winter 1884/85 größtentheils ,2 9,0 umgestochen zu Grunde; der größere Ertrag des zweiten 100 °/° 1,2 Jahres ist auf Rechnung der Unkräuter zu setzen. ii. Parzelle. 90 7» 10 „ 1. Rothklee 2. Jtal. Raygras 7,4 17,5 41,0 Rothklee und italienisches Raygras gingen über Winter 1884/85 fast total zu Grunde, die gesteigerten Erträge beruhen auf der natürlichen Wiedcr- berasung. in. Parzelle. 65 °/t> 35 „ 1. Rothklee 2. Jtal. Rahgras 9,1 26,0 43,0 iv. Parzelle. 1. Rothklee 2. Bastardklee 3. Jtal. Raygras 4. Engl. Rothklee und Raygrüser wie bei voriger Parzelle; von Bastardklec noch einige Pflanzen; sonst wie vorige. *) Aus obigem Verhalten ist natürlich kein Schluß zu ziehen auf die Erfolglosigkeit der kiinstlichen Ansaat umgebrochenen und gelockerten Magerbodens; denn wir haben es hier mit der natürlichen Ansaat nicht umgebrochenen und u n - gelockerten Bodens zu thun. 13 Grsäet am 13. Juli Saat- gnaiitmn Erträge an Dürrfutter per Ar 1884 . der Einzelsaat 1885 10. Aug. 1886 21. Aug. 1887 15. Aug. v. Parzelle. 1. Rothklee 2. Bastardklee 3. Weißklee 4. Franz. Raygras 5- Jtal. „ 6. Engl. 16 '/- °/° 16'/- 16'/- „ 16'/- „ 16 '/- 16'/- „ Kilo 11.6 Kilo 30.0 Kilo 60.0 Bemerkungen. Rothklce und Raygräser wie vorige Parzelle; von Bastardklee und Weißklec ist noch etwas da. Ertragssteigerung vorzugsweise durch natürliche Wiederberasung. vr. Parzelle. 1. Rothklee 2. Bastardklee 3. Weißklee 4. Luzerne 5. Franz. Raygras 6. Jtal. „ 7. Engl. „ 8. Knaulgras vii. Parzelle. 1. Rothklee 2. Bastardklce 3. Weißklee 4. Franz. Raygras 5. Jtal. 6. Engl. 7. Knaulgras 8. Timothe vili. Parzelle. 1. Rothklee 2. Bastardklee 3. Weißklce 4. Franz. Raygras 5. Jtal. 6. Engl. 7. Knaulgras 8. Timothe 9. Wiesenschwingel 10. Goldhafer ix. Parzelle. 1. Rothklee 2. Bastardklee 3. Weißklee 4. Franz. Raygras 6. Jtal. 6. Engl. 7. Timothcgras 8. Knaulgras 9. Wiesenschwingel 10. Goldhafer 11 - Wiesenfuchsschwanz 12 V- 7° 12 7- .. 12 V- „ 12 7- „ 12 '/-- 12 7- 12 7- „ 12 7- „ 12 7- 7» 12 7- „ 12 7- 12 7- „ 12 72 „ 12 72 .. 12 7- „ 1272 „ 11 7 ° 11 „ 11 11 „ 11 » 11 „ 11 11 „ 12 11 7o 11 „ 11 „ 11 » 11 11 „ 11 11 „ 12 26,: 34.8 35, o 35.8 . 39,3 41,0 48,5 71,8 39,0 Am besten hat sich das Knaulgras erhalten, weniger gut Bastard- und Weißklee; die übrigen Arten sind meist verschwunden. 49,0 Das Timothe hat sich sehr gut gehalten, im klebrigen wie bei voriger Parzelle. Wiesenschwingel, Goldhafer und Timothe gedeihen vortrefflich, im klebrigen wie Parzelle Nr. VI. Von allen Pflanzen hat sich der Wiesenfuchsschwanz am besten bewährt, demselben schließen sich Timothe, Wiesenschwingel und Goldhafer an; sonst wie bei VI. 14 Natürliche Wiedemnsaat des Fettbodens. Gesäet am 1Z. Juli 1884. Saatquantum der Einzelsaat Erträge an Dürrsutter per Ar Bemerkungen. 1885 10. Aug. 1886 21. Aug. 1887 15. Aug. Kilo Kilo Kilo X. Parzelle. 1. Rothklee 11 > 2. Bastardklee 11 , 3. Weißklee 11 ,, 4. Franz. Raygras 5 „ Der Wiesenfuchsschwanz und das Wiesenrispengras 5. Jtal. 5 „ gedeihen von allen Pflanzen am besten; gut 6. Engt. 5 „ kommen ferner das Timothegras und der 7. Timothegras 5 „ 50,5 94,5 9S,3 Wiesenschwingel, weniger das Kammgras, der 8. Knaulgras 10 „ (also 68 (also 66 Goldhafer und das Knaulgras; die Raygräser 9. Wiesenschwingel 9 „ einfache einfache und die Kiecarten gingen meist schon im 10. Goldhafer 9 „ Centncr Centner ersten Winter zu Grunde. 11. Wiesenfuchsschwanz 9 „ Juchart!) Juchart!) 12. Kammgras 5 „ 13. Wiesenrispengras 5 „ - Bei Berechnung des Saatqnantums nach dem Gewicht ist die Tabelle III. am Schluß unseres Werkes „Die besten Futterpflanzen" I. und II. zu Grunde gelegt, unter Annahme von 40"/° Zuschlag bei Parzelle 1. bis III. und von 80°/o bei den andern Parzellen. Die durch das Absterben der nicht widerstandsfähigen angesäten Arten entstandenen Lücken waren schon im ersten Jahr beinahe völlig ausgefüllt durch eine Reihe von Pflanzen, die theils aus im Boden enthaltene», theils aus angeflogenen Samen aufgegangen waren. Die bemerkenswerthesten derselben sind folgende: Der „Fax", d. h. die ausdauernde Form des einjährigen Rispengrases (koa annno, var. suxin»), ein üppig wucherndes Unkraut, das sich sehr rasch versamt und mit feinen kriechenden oberirdischen Trieben rasch sich ausbreitet. Linne's Mastkraut (Lumina Innnasi ?resl.), ein kleines mooSartiges, ebenfalls reichlich sich versamendes Unkraut. Ouendelblättriger Ehrenpreis (Veronios, oerpMikoiia), einjährig, stets Samen tragend, rasch wachsend. Wald-Sternmiere (Ltsllaiis, nemorum), ein verbreiteter Bewohner der „Lager". Rasenschmiele (Ossetmmpsia easopitosa), ein hohes Gras mit dichten Horsten und rauhen Blättern, Feuchtigkeit und Dünger liebend, in der Ebene ein Unkraut, auf der Alp ein nicht ungern gefressenes Futtergras. Alpenampfer (Unmox alpinns), ein ständiger Bewohner des Lägerbodens und auch hier die frühere Flora des Versuchsfeldes bildend. Eisenhutblättriger Hahnenfuß (Rannnonins aoonitilolins), eine Pflanze montaner bis alpiner, feuchter Plätze. Alpenrispengras (Romcye, I'oa alpina), ein treffliches Fnttergras alpiner Region, diingcrliebend, bildete sehr üppige Horste. Alpenlieschgras (küloum slpinum), wie voriges. Brannklee (Pritvlinm backinm), eine alpine Futter-Leguminose. Berg-Wegerich (klantnAv montan»), zu den besten Futterkräutern der Alpen gehörig. Gemeiner Thaumantel (Xloüemiits vulxaris), ein gern gesehener Bestandtheil alpiner Matten. Es geht aus diesen Versuchen hervor, daß diejenigen Kleearten und Gräser, welche man im Tieflande bei Kunstwiesen hauptsächlich verwendet, für die Alpen nicht geeignet sind, vorab die Raygräser, daß aber gewisse Gräser der Niederung auf der Alp ganz vortrefflich gedeihen, in erster Linie der Wiesenfuchsschwanz. Bei Mischung IX. und X. hat derselbe die Lücken, welche die zu Grunde gegangenen Kleearten und Raygräser zurückließen, total ausgefüllt, und bildete mit dem Timothe und dem Wiesenschwingel das dominirende Gras. 1 Quadratmeter von Parzelle IX. enthielt beim Schnitt 1886 nicht weniger als 700/o Wiesenfuchsschwanz, trotzdem nur 12"/» gesäet wurde. Diese 12"/» haben sich also ganz gewaltig vermehrt, ein Zeichen, daß die Verhältnisse für dieses Gras ganz vortrefflich geeignet sind. Was lehren diese Versuche weiter? Sie zeigen, daß die künstliche und natürliche Wiederberasung umgebrochenen Lägerbodens (also gedüngten Alpbodens) verhältnißmäßig rasch vor sich geht. Noch deutlicher als bei obigen Versuchen zeigte sich die 15 Schnelligkeit der natürlichen Wiederberasung auf einzelnen Beeten des Versuchsfeldes; so war z. B. ein Beet von 2 Quadratmeter Fläche, das total von Unkraut gesäubert worden war, binnen 4 Wochen mit einem vollkommen dicht geschlossenen, lückenlosen, pelzartigen Rasen des einjährigen Rispengrases überzogen. Zweitens lehren diese Versuche, daß wie in der Ebene, so auch auf der Alp die in einer Kunstwiese entstehenden Lücken vorzugsweise durch Unkräuter ausgefüllt werden. Es muß als ein unglücklicher Zufall bezeichnet werden, daß gerade die zur raschen Wiederbesiedelung fetten Bodens am besten ausgerüsteten Arten landwirthschaftlich wenig taugen. In der Ebene steht hier der Löwenzahn obenan. Auf der Alp sind es: das einjährige Rispengras in seiner ausdauernden Form (Pos annns U. vor. supirm 8oliracl.), quendelblättriger Ehrenpreis (Vsromes imrpMlolw), Linnö's Mastkraut l/mn-mi prosl.), der Alpenampfer oder die Blake (Uunwx alpinem U.), die Wald-Stcrnmiere (8l6llsrw nsmoimm), der eisenhntblättrige Hahnenfuß sUgnunoulem secinUitoInm) u. A. m. Daneben stellten sich allerdings auch einige als treffliche Futterkräuter bekannte dünger- liebende Arten ein, so namentlich das Alpenlieschgras (UIUsuin alpinum), das Alpenrispengras (Log glping), der gemeine Thaumantel (Xlelmmilw vulAgri^, der Gold-Pippau oder Rinderblume (Orspis gnrsg), der Alpen- wegerich (LIanlaZo glpins); von geringerem Werthe ist die häufig auftretende Rasenschmiele (vssolminpma 6368pjl05g). Trotz dieser gefährlichen Ausdehnungsfähigkeit der Unkrautflora ist eine dauernde Kunstwiese bei richtiger Konkurrenz Ansaat auch auf alpinem Boden keine Unmöglichkeit. Die Erfolge, die mit den Mischungen IX. und X. erzielt wurden, zeigen auf das Schlagendste, daß es möglich ist, auf dem umgebrochenen Lägerboden durch Neuansaat Flora, eine Wiese zu schaffen, welche durch die Dichtigkeit ihrer Narbe im Stande ist, der Verdrängung durch die ursprünglichen Ammoniakpflanzen siegreich zu wider stehen und durch die üppige Entwicklung ihres Bestandes einen ebenso hohen Ertrag abzuwerfen vermag, als die besten Thalwiesen. Es sind also diese Versuche gan; dazu angethan, das Vornrtheil zn beseitigen, daß auf der Alp die Anlage von Kunstwiesen (zur Matte oder zur Weide) von vornherein zn verwerfen sei. Man könnte allerdings obigen Versuchen zweierlei entgegenhalten, nämlich: erstens, daß zu den Mischungen Einwendungen, nur Ebenenpflanzen verwendet wurden, während doch anerkanntermaßen die alpinen Arten werthvoller sind, und zweitens, daß die Versuche aus dem stark überdüngten Lägerboden, somit unter ganz ausnahmsweise günstigen Verhältnissen stattfanden. Hierauf ist zu erwiedern, daß unsre Einzelculturen zur Genüge den Beweis liefern, daß auch die besten alpinen Futterpflanzen unter denselben Verhältnissen trefflich gedeihen und zweitens daß diese günstigen Verhältnisse auf weiten Strecken vorhanden sind. Lägerboden existirt zu taufenden von Jucharten um die Sennhütten herum; er ist meist absolut ertraglos (meist von Blaken, Bluzgen, Eisenhnt, Nesseln rc. kurz, lauter vorn Vieh verschmähten, grobstengligen Ammoniakpflanzen besetzt) und kann durch Anlage von Kunstwiesen aus einem todten Kapital zu einem zinstragenden umgestaltet werden. Denn, daß eine solche alpine Kunstwiese auch wirklich eine rentable Anlage sei, ist unschwer nachzu- Umzäunungen weisen. Das kostspieligste bei der ganzen Anlage sind die nothwendigen Umzäunungen; dieselben sind zum Gelingen unentbehrlich, denn sobald das Vieh in den ersten Jahren, besonders bei nassem Wetter, die Kunstwiese betritt, ist sie gefährdet. Die besten, d. h. solidesten Einfriedigungen sind die Mauern. Auf den Alpen sind besonders die Trockenmauern verbreitet. Dieselben sind zwar theuer, aber, wenn gut angelegt, von der Dauer eines Menschenalters. Auf dem Grenchenberg wurde für einen Lauffuß 25—30 Rp. (für 1 Meter also 83 bis 100 Rp.) bezahlt;*) auf der Alp Gamperdon**) im Kt. St. Gallen für das Klafter 4 Fr. (für 1 Meter Fr. 2) und wir bezahlten auf der Fürstenalp für eine 1 Bieter hohe, mit Steinplatten bedeckte Mauer mit Fundamentirung Fr. 3. 50 per laufenden Meter. Die Kosten hängen sehr von dem vorhandenen Material, den Entfernungen, wo dasselbe geholt werden muß, und den Kosten des Unterhalts der Arbeiter ab. Rechnet man die Kosten des laufenden Meters zu Fr. 2, so kostet die Ummauerung von einem rechteckigen Stück von 2 Jucharten von 400 Fuß Längs- und 200 Fuß Schmalseite Fr. 720, auf eine Juchart berechnet Fr. 360, oder 1 Ar *) Schatzmaiin, schwciz. Alpwirthschaft VII. 199, 1866. **) Alpwirthschaftl. Monatsblätter II. 133, Aarau 1868. 16 Kosten des Umbruches und Vorbereitung. 10 Fr.*) Wird die Amortisation auf 36 Jahre vertheilt und jährlich Fr. 10 abbezahlt, so beträgt die Zins- und Amortisatiousquote im ersten Jahr (ersteren zu 5°/o gerechnet) Fr. 28, im zweiten Fr. 27. 50, im dritten Fr. 27 und so fort, alle Jahre 50 Rp. weniger bis in 36 Jahren der ganze Betrag abbezahlt ist. Wesentlich niedriger sind die Anlagekosten bei Holzzäunen. Wo Holz im Ueberfluß vorhanden ist und wo dasselbe geringen Werth hat, verdienen dieselben deßhalb den Vorzug. Wo das Terrain an einen Tobel, einen Bach oder an eine sonstige natürliche Abschlicßung grenzt, ist eine Einzäunung nicht nothwendig und vielfach kann man sich mit der Ziehung eines Grabens, der Spannung einiger Drähte oder dergleichen begnügen. — Der Umbruch (zweimalige Beackerung) und die Vorbereitung des Bodens (Auflesen der Wurzeln, Entfernen der Steine, Verebnen) und die Saat sind mit Fr. 100 per Juchart hoch genug angesetzt. Gutes Saatgut per Juchart kostet Fr. 40. Dies sind, wie die Umzäunung, nur einmalige Ausgaben. Wenn wir dieselben hier auf 10 Jahre vertheilen, so beträgt die Amortisations- und Zinsquote (:> 5°/o) im ersten Jahre Fr. 21, im zweiten 20. 50 u. s. f>, alle Jahre 50 Rp. weniger bis im 10. Jahr die ganze Quote getilgt ist. Die Wiese dauert aber länger als zehn Jahre, so daß diese Ansätze hoch angesetzt sind. An Hand dieser Ansätze kann folgende Rentabilitätsberechnung, auf eine Juchart (36 Ar) bezogen, aufgestellt werden: Rentabilitätsberechnung bei Anlage einer alpinen Kunstwiese. 4. Ausgaben. Verzinsung und Amortisation des Anlagekapitals, ohne Bodenzins (Umzäunung Fr. 28. — Umbruch, Vorbereitung, Saatgut, Maximnm Saat Fr. 21.) Fr. 49. — Erntekosten ......... . „ 10. — Allgemeine Kosten ........ Summa der Ausgaben Fr. 10. — 69. — 8. Krstvcrg. Durchschnittlich 40 Centner Heu ä Fr. 3 ... Reinertrag Per Juchart Fr. Fr- 120. - 51. — Trotzdem alle Ansätze bei den Ausgaben hoch gehalten und der Ertrag mäßig angesetzt ist, so resultirt eine ganz erkleckliche Rendite, und dies bei einem Boden, der bis dahin sozusagen ertraglos war. Wo der Boden mit vielen Wurzeln durchsetzt ist, ist es empfehlenswerth, denselben im ersten Jahr mit Hackfrüchten oder einer einjährigen Futterpflanze zu bebauen. Weiße Rüben gedeihen auch in hohen Lagen auf solchem Boden ganz vortrefflich. Auch der weiße Senf wäre seines schnellen Wachsthums und seiner starken Beschattung wegen sehr zu empfehlen. Nach Aberntung dieser Vorfrüchte wird der Boden zum zweiten Mal umgebrochen und entweder im gleichen Jahr oder besser im nächsten Frühjahr mit einer passenden Mischung besäet. Aus Lägerboden ist eine Düngung nicht nothwendig. Sollte nach einer Reihe von Jahren der Ertrag zurückgehen, so kann sich eine Düngung empfehlen, wozu Superphosphat (ohne Kali und Stickstoff) sich sehr gut eignet, das im Frühjahr ausgestreut wird, sobald der Boden schneefrei ist. Die Mischung liefert im ersten Jahr noch einen geringen Ertrag und auch im zweiten hat derselbe noch nicht seine volle Höhe erreicht, sondern erst in den folgenden Jahren stellen sich, besonders in großen Meereshöhen, die großen Erträgnisse ein. Diese langsame Entwicklung ist in der kurzen Vegetationszeit der alpinen Region begründet. *) Unseres Erachtens gehört die Anlegung von Mauern in den Alpen unter diejenigen Meliorationen, welche vom Bunde unterstützt werden sollen, in welchem Falle ein Theil des Kostenbetrages durch Beiträge gedeckt wurde. Es entspricht diese Ansicht auch dem s. Z. von Landolt gemachten Vorschlag, daß Alpbesitzer, welche statt der hölzernen Zäune Mauern anwenden, im Interesse der Volkswirthschaft mit Prämien unterstützt werden sollen (Bericht an den hohen schweiz. Bundesrath über die Untersuchung verschwel;. Hochgebirgswaldungen 1858—1860. Bern 1862. Seite 360). 17 Zur Anlage von Alpmatten eignen sich namentlich folgende Arten: 1. Kbenen-Pfkanzen. Rothschwingel (k'68>.uea rndrs); (auch auf den Alpen häufig). Wiesenfuchsschwanz (Flopoenriw pr3l6N8:8). Timothe (pirlouin prat.6N86). Wiesenschwingel (^68:003 pr 3 lon 8 i 8 ); (geht ziemlich hoch). Fioringras (Ag,xi8li8 slka); (auch auf den Alpen häufig). Goldhafer (Prwtzlnm k>3vo8e.sn8). Bastardklcc (Iritolinm ilpbrillum). 2. Alpenpflanzen. 3. Für alle Böden. Muttern (üloun: ülutsllina). Alpenlieschgras (llllleum alpinnm). k. Vorzugsweise für kalkhaltige Böden. Scheuchzers Schwingel (l68lue3 Solmnoinsri). Micheli's Lieschgras (pllloum üliolmlii). Dunkler Süßklee (IloP'Eiim «>I)8ourum). Berg-Esparsette (Onokrxctns Montana). Berg-Linse (?I,363 tri^iän). Feld-Spitzkiel (OxzckroM e3Mp68lri8). e. Vorzugsweise für kalkarme Böden. Alpeuklee (Iriü>1ium aipimim). Empsehlens- werthc Pflanzen für Alpmatten. Es ist selbstverständlich, daß vor Allem darnach gestrebt werden muß, die spezifisch alpine Flora in der Zusammensetzung des Rasens der Alpmatten möglichst zur Vertretung kommen zu lassen, denn aus ihr beruht ja in erster Linie die Vorziiglichkeit des Alpcnhenes. Daß aber trotzdem eine Reihe von Ebencnpflanzen zu solchen Mischungen empfohlen werden, beruht darauf, daß bis jetzt im Handel bloß die Damen dieser letzteren erhältlich sind, diejenigen der Alpenfutterpslanzen aber nicht. Das führt uns auf den vierten unserer oben erwähnten Vorschläge: Die Samengewinnnng alpiner Pflanzen. Die einfachste Methode ist das Sammeln an den natürlichen Standorten der Pflanzen. Sie muß natürlich allem Weiteren vorausgehen, ist aber viel zu zeitraubend und zu wenig ergiebig, um den Samen für den Handel zu liefern. Dagegen kann auf solche Weife der Alpwirth die Samen gewinnen, um zunächst kleine Mengen der Pflanzen selbst zu ziehen und durch fortgesetzte Samenzucht immer größere Saatguantitäten zu erhalten, bis er für seinen Bedarf genug hat. Daß zum mindesten auf dem Lägerbodcn die Aufzucht der meisten und gerade auch der besten Alpeukräuter aus Samen möglich ist, das lehren die auf unserem alpinen Vcrsuchsfelde angestellten Versuche, über welche wir nuten bei den Einzelbcschreibungen berichten. Mit der Zeit sollten sich wohl Private oder Behörden finden, welche geneigt wären, an geeigneter Lage die Samenzucht alpiner Pflanzen im Großen zu betreiben. Wenn einmal die Ueberzeugung sich Bahn gebrochen hat, daß in der That durch Ansaat von Futterkräntern der Ertrag der Alpweiden bedeutend gesteigert werden kann, so wäre eine solche Sameuzucht ein verdienstvolles Unternehmen, das zur Hebung unserer Alpwirthschaft wesentliche Dienste leisten würde. Endlich ist noch unsere letzte Forderung zu erwähnen, deren Erfüllung streng genommen allen: klebrigen vorausgehen mnß: die Kenntniß der Alpenfutterpslanzen. Will mau in der Pflege und Verbesserung des Pflanzenbestandcs alpiner Wiesen rationell vorgehen, so muß vor allen: die botanische, wissenschaftliche Grundlage solcher Bestrebungen vorhanden sein und das ist: die allseitige, gründliche Kenntniß der alpinen Futterpflanzen und Unkräuter nach ihren Lebensbcdingungen, Wachsthumserscheinungen und alpwirthschastlichcn Bedeutung. Wohl sind dazu schon einzelne Bausteine vorhanden, zerstreut in der alpwirthschaftlichen und botanischen Literatur, es fehlt aber bis jetzt an einem zusammenfassenden Werke über diesen Gegenstand, au einem Buche mit Abbildungen, in welchem der Alpwirth die guten und schlechten Kräuter seiner Weiden und Matten genau kennen lernen kann. Diese Lücke versuchten wir mit dem vorliegenden Werke auszufüllen. Samen- gewinnung alpiner Pflanzen. Kenntniß der Alpcnfnttcr- pflanzen. 3 18 Allgemeines. Begriff von „Alpenpflanzen" und „Alpenfutter- pflanzen." Die Matten und Melden der Alpen. Die Grundlage der Alpwirthschast ist die Pflanzendecke, die über die Tristen unserer Alpen ihren blnmcndnrchwirkten Teppich ausbreitet. Das vorliegende Werk stellt sich die Aufgabe, eine Auswahl guter Futterkräuter dieser alpinen Pflanzendecke nach allen Richtungen kennen zu lehren. Bevor aber die einzelnen Arten besprochen werden, scheint es zweckmäßig, erst einen allgemeinen Ueberblick über die der Alpwirthschast dienenden Wiesenbestände zu geben, ihre Zusammensetzung, die Veränderung derselben mit der Höhe und ihre Abhängigkeit von äußern Bedingungen kurz zu besprechen. Wir betonen dabei ausdrücklich, daß wir uns bei Eintheilnng und Auswahl des Stosses vorzugsweise von praktischen Gesichtspunkten leiten lassen. Die Vegetation der Alpen bietet vielerlei Beziehungen zur Alpwirthschaft: Der Wald liefert, abgesehen von seinem Einfluß auf das Klima und die Festigung des Bodens, dem Aelpler den Holz- bedars, die Schneeflucht, vielfach auch Strenmaterial; das Drosgebüsch, die Alpenrosen nnd andere Sträucher geben Brennmaterial; andere Holzgewächse werden zu Lebhägen, als Ziegensntter, zur Streue - gewinnnng verwendet u. s. w. Hier beschränken wir uns, dem Zwecke der vorliegenden Schrift entsprechend, auf eine Uebersicht über die Wiesen flora (die Strcnwiesen ausgeschlossen), der alle von uns näher zu besprechenden Futterpflanzen angehören. Wir werden dabei Gelegenheit haben, diese natürlich sehr unvollständige Auswahl von Alpensntterpflanzen etwas zu vervollständigen. Immerhin können wir auch bei dieser summarischen Besprechung von den ca. 500 Arten der Alpweiden nur die wichtigsten erwähnen; wir behalten uns vor, in weiteren Lieferungen dieses Werkes noch eine zweite Reihe von Futterpflanzen, später auch die Unkräuter der Alpwirthschaft abzubilden und eingehend zu besprechen. Als „alpine Pflanzen" oder „Alpenpflanzen" im wissenschaftlichen Sinne bezeichnet man diejenigen Pslanzenarten, welche ihre eigentliche Heimat in der alpinen Region haben, d. h. über der oberen Grenze des Baumwnchses. Wir müssen hier mit Rücksicht auf unsern praktischen Zweck den Begriff etwas weiter fassen. Unter „alpinen oder AlpemFntterpslanzen" verstehen wir hier diejenigen dem Vieh zur Nahrung dienenden Gewächse, welche entweder nur auf „der Alp" (Voralp, Mittclalp, Hochalp, also auch unterhalb der Baumgrenze) wachsen, oder, wenn sie allgemeiner verbreitet sind, auf der Alp eine besonders wichtige Rolle spielen. Die untersten Alpweiden liegen meist in der Bergregion (montane Region), dein Gebiet des Laubwaldes; die mittleren sehr häufig in der subalpinen Region, dem Gebiet des Nadelwaldes; die obern finden sich stets in der alpinen Region, über der Grenze des Baumwuchses. Es kommen also für die Alpwirthschaft eine Reihe von montanen und subalpinen Arten in Betracht, die wir nicht ausschließen durften. Von den 33 Arten, die wir in diesem Baude näher beschreiben, sind 4 von der Ebene bis gegen die Schneeregion allgemein verbreitet, 3 in der montanen und subalpinen Region zu Hanse, 10 sind in der subalpinen und alpinen Region verbreitet und nur 16 streng alpin, mit ihrem Hauptareal über der Baumgrenze. 19 Um eine Uebersicht zu gewinnen über die Flora der Wiesen, welche der schweizerischen Alpwirthschaft dienen, müssen wir zunächst das große Gebiet gliedern. Es erstreckt sich dasselbe in vertikaler Richtung von etwa 1000 m bis gegen die Schneegrenze (2600—3000 rn), in horizontaler umfaßt es die schweizerischen Alpen- und Jura-Gebiete. Wir müssen indeß bemerken, das unsere Erfahrungen vorzugsweise in den Alpen gewonnen sind und der Jura vielfach andere Verhältnisse darbietet. Regionen-Eilitheilullg. Steigen wir aus der Ebene in das Gebirge, so sehen wir die Pflanzendecke allmälig sich ändern. Unsere wohlbekannten Ebcnenpslanzen bleiben bis aus wenige eine nach der anderen zurück; an ihre Stelle treten neue Erscheinungen, Gebirgspflanzen; manche von diesen lassen wir auf niederen Stufen des Berges zurück und sehen sie wieder durch neue ersetzt. So steigen viele Arten nur bis zu ' einer gewissen Höhe herab und hinauf; ihr Verbreitnngsbczirk wird in verticaler Richtung von H öhe legren; cn eingefaßt, von unteren und oberen Grenzen. Das zwischen der unteren und oberen Verbreitnngsgrenzc einer Art liegende Höhengebiet bezeichnen wir als „die Region" dieser Pflanze. In der bunt zusammengesetzten Narbe der Wiesen vollzieht sich der Uebergang von der Ebeneu- slora znr Hochgebirgsflora ganz allmälig, in dein Nage wenig auffallender Weise. Anders bei der Waldvegetation! Schon dem oberflächlichen Beobachter muß es auffallen, daß in einer gewissen Höhe der Laubwald durch Nadelwald ersetzt wird, daß auch dieser schließlich sein Ende erreicht und eine absolut baumlose Zone sich zwischen der Nadelwaldgrenze und dem ewigen Schnee erstreckt. Solche auffallende Grenzlinien legen den Gedanken nahe, den langen Weg von der Ebene bis zu den Berggipfeln in Schritte, in Unterabtheilnngen, in Höhenschichten abzutheilen, die sich durch gewisse gemeinsame Pflanzen auszeichnen und die man „Pflanzen-Regionen" nennt. Die Abgrenzung dieser Regionen ist von verschiedenen Autoren nach ganz verschiedenen Grundsätzen vorgenommen worden. Beifolgende Tabelle gibt eine Uebersicht über die wichtigsten im Laufe der Zeit aufgestellten Regioncneintheilungen der Schweizcralpen; zum Vergleich sind die Sendtner'sehen Regionen in den bayrischen Alpen beigesetzt. Gliederung des Alpengelnctes. Veränderung der Pflanzendecke mit der Höhe. 20 Wegionen - EintHeii'ungen Bieter über Meer. Lbel 1808. Wahlcnberg 1813. Mhoscr 1818. Heer 1836. Scndtner 1854. SlhlltzllllUM 1859. 1861. Mühli, 1871. (In : Ueber den Bau der Erde im Alpen- Gebirge.) (In: I)o oliiouto ot VOMtktiONO Uolvotlao 86iit6iiiiiorlu1i8.) (In: Die Wälder und Alpen des bernis chen Hochgebirges.) (In: Vegetationsverhältnisse des südöstlich. Theiles des Kts. Glarns.) (In: Die Vegetations- Verhältnisse Süd-Bayerns.) (Regionen d. b a y r. Alpe n.) (In: Schweizerische Alpen- wirthschast. Erstes Heft.) (In : Das Bündtner Ober-Land. Regionen des Borderrheinthals. (In : Klima der Schweiz in Wirth's Statistik der Schweiz.) 5000 4500 4000 AthermischcRegion (Tagesmittel nie üb. 0") 3900 III. 3500 Region des Rieselschnee's. (Regen 0) 3400 3300 3200 3100 3000 2950 2900 2850 2800 8412 m. So hoch noch vereinzelte Blüthen- Nivale Region -er pflanzen u. Flechten. Hoch-Alpen. Meist Schnee, nackter Fels od. Stein- Trümmer. Region. 2762 m. Schnee- Kryptogamen. Grenze der Gefäß- 3250 m. Firn-Gürtel. (So hoch fällt Regen!) 2750 2700 2675 m. Schneegrenze. grenze. 2795 m. Pflanzen. Schneegrenze. 2650 2600 2550 2500 2450 2400 2350 2300 Schnee- 2600 m. grenze. 2600 m. Schneelinie. Snbnivale Region. 2600 m. Schneelinie. 2665 m. Ersterben alles Lebens. Schnee-Region. 2500 m. Schneegrenze. Snbnivale Region. lO'/s Monate Winter. Nivale Region. Region der Schaf-Alpen. Untere Grenze vereinzelter 2275 m. perennir. Hoch-Alpen. Kurze, aber sehr würzige Alpengräscr, niedrige Weiden, Halbstrkuchcr, Moose und Flechten. Schafe und Galt- Vieh. 1800 m. Obere Grenze Region 2250 Schneeflecken. Schneegrenze. der Alpweidcn. 2275 m. 2200 2150 Mittel- 2112 m. Absol. ob. Grenze 2112 m. des Holz- 2207,3 m. Obere Alpen-Region. Letzte Striche der Wald-Region; verkümmerte Roth- Tanncn n. Lärchen; Region der Arven n. Legföhren,Birken, Älpencrlcn. Herrlicher Wicsen- Teppich. Obere (eigentliche) Alpen-Region. ObereLtasset, perennir. Wiesenpftanzcn; auch im Sommer Schnee. 9 Monate Winter. 2100 2050 2000 Alpen. Schönst. Alpen- flor. Trefflichste , Weide. Subnival-Region. (Obere Alpen-Region.) 1789 m. Untere Grenze der Wuchses (Alpenrose) Alpine Region. 1950 1900 1850 1800 Region der Küh-AIpen. Obere Grenze 1787 m. des 1982,5 m. Untere Alpen-Region. Knieholz. 1750 perenn. Schneeflecken. Baumwuchses. des Baumwuchses 1787,5 m. Tannengrenze- 1700 1650 1600 1550 1500 Ob.Grenze des Baum- 1462 in wnchses. Untere Alpen-Region. Subalpine Region. 1722,5. Fichtengrenze. Voralpen- Rcglon. Mittel-Alpen. Tie meisten itich- weiden; üppige und 1500—1600. Die Rotb- Untere Alpen-Region- Subalpine Region Obere Grenze 1478 in. des Baumwuchses. nahrhafte Lcgetat. der besten Gräser n. .ürüutcr, daneben auch Holzwnchs; keine ständigen Tanne beginnt zu verkümmern. Mittlere Ltaffcl, dunkle Tannen. 1450 1400 Subalpine Region. (Taiinengürtel.) 1323m. Ob.Grenzed.Buche 1305 in. Obere Grenze 1497,5. Buchengrenze. Subalpine Region. 6 Monate Winter. (Bündner Hochboden.) 1350 1300 1250 1200 1150 1100 1050 1000 950 900 850 des Kirschbaums. 1300m.Ob.Grenze Wald - Region. Bor-Alpen. Region der Berg-Vorsatzen. der Buche. Wohnungen. 1200 m. (Tanne, pichte, Lärche) Mayensäße. 1300 m. Größter Waldreichthum. Unterste Berg- weiden. j 1157 m. Obere Grenze Obere Bor-Alpen. -Region der Vorsätzen, Maycnsäßc, Maycns. Bleibend bewohnte Hütten und Törfer. Flora geht all- 1150 m. Dissentis. Bergland, Obere Berg-Region. des Nnßbanms. Montane Region. Berg-Region. ObereGrenze des Laubholzes u d. Obstbaume Thalland. Alle Getreide-Arten cxcl. Mais. Lanbhotz meist ausgerottet, Nadelholz montane Region- Untere Staffel. 5 Monalc Winter. Jura und nördlich? Vorbcrge. 800 750 700 650 Unterste Grenze der Alpen- 650 m. pflanzen. Thal-Region. soweit Getreide 750 m. Ob. Grenze 812,5 m. Eichcngrenze. mählig in die des Thales über. Gerste, Roggen, Kartoffeln. 80V m. Obere Grenze des 633 m. Nußbaums. d. Nußbanms Untere Berg-Region. vorherrschend. 600 552 in. Grenze d.Weinstocks. und Obst-Bäume 600 in. Grenze des Weinbaus. Region des Weinbaus. Hügelland, colline Region- (Mittelland.) 4 Monate Winter. 550 500 450 400 Hügel- Region des Weinstotts. gedeihen. 552 m. Nußbaumgrenze Obere Ebenen-Region. 350 300 250 200 Region. 390 m. Weinbaugrenze Untere Ebenen-Region. (Mais, Pfirsich, Aprikose) Stiel-Eiche. 21 in öen Schweizer-Alpen. vion 1872. (In: Ritz und Wolf, 6ai(le Schneegrenze. 3000 m. Südl. Central Alpen. Säntis gegen das Rhein- der Chur- firsten (Wcißtanneii- nnd Calvciser- Thal.) 2760 m. Sckmeelüüe- Schneegrenze im St.Galler-Obcrland that sauf d. Linie Rhein, (von Früm- scn aus auf eiilcr Profillinie quer zum Streichen der Ketten.) Obere Region. Alpen- Otördl. Alpen und Tessin. 2500 m. Alpen-Region. -Nur Weide Nutzung und Wildheit an steilen Hängen. — Alpcnwald (aus Roth-Tanncn) bis 1800, selten 1900 m. Im Säntisgcbict und auf den Churfirstc» über dcr Holzgrcnze nur wenig Alpcuweide Gams, Witdhans, Kaiserrnck.) Schneelinie Alpen- 2400 m. Region. (v. loOOm. an Nordhang) 2500 m. Weiden. Alpen- 2300 m. 2300 m. Baumgrenze. Region der Alpweidcn. Grenze der 2100 m.Lärche Region Schaf- Alpweide. Absolute obere 1900 m. Grenze 1750-2200 Fürsleualp und Arve in Bündten und WillliS, Lärche im Tessüi lSchr.» (größere Alpen zwischen 1450 u. 1750 in.) JmMnrgthal u.Obcrld. (Calveis und Weißtan- ncn) groß. Wcideflachcn über der Holzgrenzc (Alpweide hier von IllOO —L200 m., selten L400). (ohne Vorsüß betrieben!) Untersäß b. 1782 Obersäß b.197y. Kuhwcide -050 m. Schaf- weide. 1800 m. Tannen- Coni- Lanneugrenz. Weide. 1850 m. derRothtannen bis zum Grat. grenze. 1800 m. 1800 m. Alpweide mit einzelnen 1750 m. Coni- feren- Rcgion. 1600-1700. Grenze feren- Wald. Nördliche Schweiz und Tessin. Ob. Tannen- grenze. 1750 m. Wildheit. Grenze des Ltadelwaldes. Nadelwald der Wälder. Coni- fcren- 1<»00 m. B. 1300-1750 Mittlere Region. Voralpen-Region. Z.TH.Henbgc.,z.Ti).iui- tcrstcr Staffel d. Alp (so b. l300-l400wi.Län- tisg., bei1150i.Appcnz. Nadelwald vorherrsch. Weide (Sommcr- atznng). vereinzelte Roth-Tanncn Rotg- Tamicn. 1600 m. Matte aus Fichte, Lärche Tanne, 1500 Nl. Wald. Buchengrenze 1500 m. lind Bnchengrcnze Tessin (Lchr.) Alpwcide mit einzelnen 1450 m. Tannwald. Weide; erst Misch-, dann Nadel- Martschellis. Montane 1300 m. Buchen- 1350 m. Llvrdschwciz. der Weide- Roth-2.annen ^u»m. Region der Wälder und Boralpen. grenze. Buchw. bis 1350. Mischung mont. und alpiner Alpen. 1300 m. Wirthschaft. 1300m. Obere Buchengrenze Wald. Laub- Wald. 1200 m. Berg-Region. Ackerbau: Weizen, Gerste,Hafer,Kartoffeln. 500—1300 Heu u. (Lmd 600—1300 Buch- Wald 1200 m. Mischwald und Matte. 1200 m. Gattvieh-Waldweide. 1000 m. Kastanien- Laub- Wald. Im nördl. Hügelland Wiesenbau vorherrscht)., aber nur Mallen. Im mit. Theil Laubwald od. Mischw. (im Röcinthal stellenw. nur Buchw.) im ob. Laubw., -Mischw. od. Tannw.; bei 700 m Grenze des Nußbanms Frühlings- u. Herbstatzg. Liatlcnwirth- schast. (Schon bei lioom.einzel. Weiden.) 1000 m. Buchwald, Ödere Grenze des geschlossenen Buchwaldes (Vereinzelte Buchen bis 1350 m.) ^ Buchwald. Cultur- Region. 700—800. Unterer Untere Region. 900 m. grenze Südschweiz. am steilen Hang. Buchwald Mld Matten, Äeker. Waldsaum und Weingrenze. Grenze des Weinbaus. 700 m. Südschweiz. laom. Obere Grenze des Mischwaldes Matte. ! 648 m. Weingrenze. 800. Grenze. 550 m. Trimmis (Pjarrdors). Tannwald 570 m. Weinbau — Mais. 550 m. 550 m. Weingrenze. beginnt. 550 Weingr Äiais, Rebe Thal-Ebene bis znr Grenze des Wcinstocks. Nordschweiz Ebene. Weinbau, Ackerbau Mais u. zahme Kastanien 500 m. Obere Grenze nuyoaum. 450 des Mais 450 m. Weinbau. Weinstock, Obstbäume. Mittclmeerpflanzen. 398 m. Spiegel d. Bodensees > 22 Uebersicht der verschiedenen Regionen- Eintlicilungeil. Unsere Eiittheilung. Unterschiede in den verschiedenen Alpcngegenden. Wir können diese Einteilungen etiva solgenderuraßen etassifiziren: 1. Nach den Grenzen auffälliger Pflanzen (Weinstock, Nnßbaum, Buche, Fichte) sind die Regionen bestimmt bei Wahlenberg, Heer, Rion, Fischer, Christ und Brügger. 2. dtach klimatischen Werthen sind sie bestimmt bei Mühry. 3. Llach land- und alpwirthschastlichen Gesichtspunkten theilen ihre Regionen ein: Ebel, Kast- hofer, Schutzmann, Wartmaun und Schlatter. 4. Sendtner endlich legt seine Regionengrenzen dorthin, wo die auffallendsten Veränderungen in der Gesammtslora vor sich gehen, die meisten untern und obern Grenzen einzelner Arten liegen. Da diese letzte, strenggenommen einzig richtige, Methode zu dem Resultate führt, daß die Linien größter Floreuändernng mit den Grenzlinien der von den andern Forschern benutzten Banmarten zusammenfallen, so erscheint die aus den Grenzen der Holzgcwächse hergeleitete Eintheilung als die uatnrgemäßeste; aus diesem Grunde und weil sie dem neuesten und besten Werk über die pflanzeugeographischen Verhältnisse der Schweiz, dem „Pflnnzenlebeu der Schweiz" von Christ, zu Grunde liegt, wollen wir hier diese Regionen ebenfalls adoptiren. Wir unterscheiden also vier Regionen: 1. Die Knltnrregion (Hügel-Region, eolline Region), bezeichnet durch das Gedeihen des Weinstocks; diese Region kommt für die alpwirthschastlichen Fragen nicht in Betracht. 2. Die Region des Laubwaldes (Bergregion, montane Region), von der Grenze des Weinstockes bis zn der oberen Grenze der Buche. 3. Die Region des Nadelwaldes (Coniferenregion, subalpine Region), von der oberen Grenze der Buche bis zu der oberm Grenze des Baumwuchses überhaupt. 4. Die alpine Region, von der Baumgrenze aufwärts bis zu den höchsten Kämmen, Jochen, Gräten und Spitzen der Alpen; von niedrigen Sträuchern und ausdauernden Kräutern bewohnt. Die obere Abtheilung derselben von der Schneegrenze aufwärts wird als uivale oder Schneeregiou bezeichnet; als sub uivale Region können wir den Gürtel vereinzelter perennirender Schneeflecken unterhalb der Grenze des zusammenhängenden ewigen Schnees abtrennen, wo die zusammenhängende Alpweide.sich in einzelne Rasenflecke aufzulösen beginnt. Es sind bei diesem lieberblick der Regionen absichtlich die Zahleneingaben über die Meereshöhe der Grenzen weggelassen, denn bei einem klimatisch und orographisch so reich gegliederten Lande, wie die Schweiz, ist die absolute Höhe, in der die Regionengrenzen liegen, eine außerordentlich verschiedene. Die Differenz beträgt oft mehrere Hunderte von Nietern. Eine Bergleichnng verschiedener Alpenthüler zeigt höchst frappante Unterschiede. Während z. B. im Maderanerthal (Kt. Uri) schon bei 1172 in die unterste Staffel der Alp ihre Weideflächen ausdehnt, beschattet von Tannen, da die Buche schon bei 800 in zurückbleibt, sehen Nur im Nieolaithal (Kt. Wallis) bei Visperterminen bei 1100 in noch den Weinstock seine edlen Früchte reifen; ständig bewohnte Dörfer reichen hier bis 1620 in (Zermatt), im benachbarten Eisifchthal sogar bis 1070 in (Chandolin) und noch bis 2100 in ob dein Sommerdors Findeten reift der Roggen seine Aehren, der Weizen bis 2000 ni, neben der Alpweide, auf einer Höhe, wo in den nördlichen Alpen nur kurzrasige Alpenwciden oder zerrissene Felsgräte sich finden, wie z. B. uns dem Pilatusgipsel. Es entsprechen also in verschiedenen Gegenden der Schweiz denselben absoluten Höhcnguoten ganz verschiedene Vegetationsbedingnngen; wenn wir, um das Wohngebiet einer Pflanze zu charakterisiern, die untere und obere Grenze desselben in Zahlen angeben, so sind die Zahlen aus dem Wallis nicht ohne weiteres vergleichbar mit denen aus dem Kanton Uri; dieselbe Höhenzonc entspricht im Wallis einer 23 ganz anderen Verbindung von natürlichen Bedingungen und landwirtschaftlichen Zuständen als in Uri. Eine Pflanzenart, die hier z. B. von 1600—2100 ni vorkommt, ist unbedingt eine Alpenpflanze; im Nikolaithal kann es ein Ackernnkrant sein'. Will Ulan darum wissen, in welcher Höhenzone eine Alpensntterpflaiizc ihre Heimat hat, so genügt es nicht, eine durchschnittliche, untere und obere Grenze anzugeben, auch nicht das absolute niedrigste und höchste Vorkommen, sondern wir müssen noch hinzusetzen, w o diese Höhenqnoten erreicht werden. Unter Berücksichtigung dieser Verschiedenheiten können wir die Ausdehnung der Regionen ziffernmäßig ungefähr folgendermaßen festsetzen: Wegioiren. Mor-schweiz. /rt. Mi. *) Kt. T-ss'n Wallis. Kngadi«. Colline Region, bis zur Wcingrenze. m bis 550 (Maximmn 70V) IN bis 450 (Maximum) m bis 700 IN bis 800 (im Mittel; Maximum 1100) IN Montane Region, von der Weingrenzc bis zur Buchengrcnze. 550—1350 450—1150 700—1500 Von der Weingrenze bis zum Nadelwald (Buche fehlt im Wallis) 800—1263 (Klosters im Prättigan) bis 1200 Subalpine Region, von der Buchengrenze bis zur Baumgrenze. 1350—1800 1150—1650 1500—1800 1263 — 2100 1200—2175 Alpine Region. Eigentliche Alpenregion, zusammenhängende Alpweiden. 1800—2300 1650 -2200 1800—2400 2100—2600 2175—2600 Subnivale Region, vereinzelte Rasenflecke, bis zur Schneegrenze. 2300-2600 2200—2400 2400 -2600 2600—2760 2600—3000 Mit dieser Gliederung des Gebirges nach Pflanzen-Regionen stimmen die Höhenstnfen des alp- Alpwirthschast wirthschastlichen Betriebes nicht immer überein. Eintheiln,!,; Ebel und nach ihm Käst Hof er, Schatz mann und Andere gliedern die Alpwciden in Vor- alpen, Mittelalpcn und Hochalpcn. Die Voralpen werden als gleichbedeutend mit den Mayensäßcn aufgefaßt, mit jener Vorstufe des Alpbetricbs, wo im Frühling und Herbst geweidet, im Sommer geheut und im Winter das Heu verfüttert wird. Zugleich aber sollen die Voralpen einer bestimmten Höhcn- region entsprechen, der Bergregion. Die Glittet- und Hochalpen bilden dann die eigentliche Alp, letztere vorzugsweise als Weide für Schafe. Die Mittelalpen liegen nach dieser Auffassung in der Coniseren- region, die Hochalpcn über der Baumgrenze. Nun ist es zwar zweckmäßig, die Alpweiden der verschiedenen Regionen verschieden zu benennen, und in diesem Sinne, aber auch nur in diesem, wollen wir hier diese Ausdrucksweise adoptircn. Unter Voralpen verstehen wir also alle in der Berg reg ion gelegenen Weiden, unter Mittel-' alptn diejenigen der subalpinen oder Nadelwald-Region, unter Hochalpen die der alpinen Region, ohne Rücksicht aus die Art und Weise ihres Betriebes. Etwas ganz anderes als diese Scheidung bloß nach der Höhenlage ist diejenige nach den Wirth - schaftlichcn Höh enstufen. *) Nach Karl Franz Lusser, der Kanton Uri. St. Gallen und Bern 1834. 24 Verschiedenheit In wirtschaftlichem Sinne gliedern sich die Betriebsstnfen der Alpwirthschaft streng gc- Eintheilung nommen nnr in „Mayensäß" und „Alp", botanischen und Ein „Mayensäß" oder „Borsäß" („MZ.76N" im Wallis, in Tessin) ist der unterste ttchen^Prw° uiedrigstgelcgene Bezirk des Alpbetriebs; es ist ein Mittelglied zwischen Mattenwirthschaft und Weide- zipicn. ^ wirthschaft. Die Heunutznng ist hier ebenso wichtig, wie die Weidcnntznng nnd wird aus derselben Mayensag Das Bieh wird im Frühjahr, meist im Mai (daher der Name „Magensaft") nich^°identisch. M Weide anfgetrieben. Es verweilt hier einige Wochen, bis die eigentliche Alp bezogen werden kann; dann wird die ganze Wirthschaft aus diese verlegt und das Borsäft wird erst im Herbst wieder bezogen, wenn die oberen Weiden abgeäst sind. Unterdessen, während das Bieh ans der Alp oben ist, werden die im Frühjahr geäzten Grasländer des Magensaftes gehenet, so daß die Herbstweidc nnr aus dem Nachwuchs besteht. Das Heu des Borsäßes wird meist im Winter an Ort und Stelle verfüttert, um den Dünger gleich hier oben zu erhalten. Das ist der wirthschastliche Begriff des „Mayensäßcs". Derselbe deckt sich keineswegs mit dem oben dcfinirten rein geographischen Begriff der „Boratp", d. h. der Alpweidcu der Bergregion. Denn einerseits liegt das Magensaft oft in der Nadelwaldregion (nnd entspricht dann einer „Mittelalp"), anderseits werden die Weiden der Bcrgregion häufig als unterster Staffel der eigentlichen Alp betrieben, nicht als Mayensäß. Es ist also geboten, die Begriffe „Boralp" und „Mayensäß" streng auseinander zu halten, erstern nur für die Höhenlage, letzten: nur für die Betriebsweise zu gebrauchen. Gleichbedeutend mit „Magensäft" ist „Borsäft". Die eigentliche „Alp" liegt höher als das Borsäft; ans derselben wiegt die Weidenntzung vor; die geäzten Strecken werden nie gemäht, Heu wird im Einschlag, aus den „Henbergen" oder als Wildhen gewonnen. Die „Alp" wird dann weiter nach „Staffeln" oder „Säften" gegliedert, die aber oft sehr nahe bei einander liegen. Es sind entweder nnr zwei: Unterstafsel nnd Oberstaffel, Untersäß und Obersäß; oder drei, ein unterer, mittlerer nnd oberer Staffel. Zuerst werden die untern abgeweidet, dann die obern in: Herbst geht es ans den unterdessen wieder nachgewachsenen Unterstafsel zurück. Mitunter aber ist, besonders bei kleineren Alpen, nnr ein Staffel oder Säß vorhanden, wo dann das Bieh den ganzen Sommer über weidet. Oder es sind die verschiedenen Staffeln in nahezu gleicher Höhe gelegen und werden dann manchmal jeder besonders bewirthschaftet. Je nach der Art des Nutzungsviehs unterscheidet man: Kühalpen, Ochsenalpen, Jungvieh- (Galt- vieh-) Alpen, Schasalpen. Zu den letzten: benutzt man die wenigst ertragreichen Strecken: entweder die höchstgelegenen, oder die rauhesten, steinigsten. Die Benutzung einer Alp als Schasalp ist also weniger durch die Höhenlage, als durch die Rauhigkeit des Bodens bedingt. Schasalpen liegen oft unter der Baumgrenze, Kühalpcn erstrecken sich oft weit über dieselbe: es decken sich also auch die Begriffe: Mittelalp und Knhalp, Hochalp nnd Schafalp keineswegs. Die Mannigfaltigkeit in der Zusammensetzung der Betriebsstufen und in der Höhenlage derselben ist sehr groß. Der vollständigste alpwirthschaftliche Betrieb würde sich, von unten nach oben gedacht, ans folgenden Stufen zusammensetzen: Wintergnt — Mayensäß — Unterstaffel — Mittelstaffel — Oberstaffel — Schafalp. Ost aber fehlt das Mayensäß, und das Bieh wird von: Thal direkt ans die Alp getrieben. So im Gebiet der St. Galler- und Appenzeller-Alpen. Hr. Theod. Schlatter schreibt uns hierüber: „Es ist für diese Alpen durchaus charakteristisch, daß, im Gegensatz zu einen: großen Theil des Bnndner- 2ö landes, das Mittelglied der sogenannten „Mayensäße" fehlt. Die „Hcimeten" (Bauerngüter, Winter guter, ständig bewohnten Güter) stoßen mit ihrer obern Grenze direkt an die untern alpivirthschastlich betriebenen Staffeln an." In diesem Fall liegen die letzten: häufig in der Bergregion, so im Appenzcllerland, wo nach demselben Gewährsmann ans der Scealp bei 11 50 nr, auf der Säntiseralp bei >250 na schon ausschließlich geweidete Strecken sich finden. Umgekehrt kann aber mich die eigentliche Alp erst in der alpinen Region beginnen: so beim höchsten Pfarrdorf der Schweiz, Chandolin im Eifischthal: dasselbe liegt bei l 070 na an der Baumgrenze und gleich oberhalb des Dorfes beginnen die Alpwciden. Das zugehörige Mayensäß Snssillon liegt hier ausnahmsweise unterhalb der Winter-' guter bei 1880 in. 8. Die Wiesenpflanzen der Alpen. Um die wichtigsten Daten über die der Alpwirthschaft dienenden Wiesenpflanzen in einen: über- Tabellarische sichtlichen Bilde zu vereinigen, geben wir in Folgendem eine tabellarische Zusammenfassung über 220 3»bvi, inender wichtigsten Futterpflanzen und Unkräuter der Boralpen, Mittelalpen und Hochalpcn der Schweiz. von ssc/der Die Tabelle enthält Angaben über den alpwirthschastlichen Werth, die Standortsverhältnisse, das Ber- alpwirth- halten znr geognostischen Unterlage, zur Düngung und Feuchtigkeit (soweit diese Dinge mit einiger Sicherheit bekannt sind), ferner über Höhenverbrcitnng (niedrigstes und höchstes Vorkommen und Pflanzen. Hauptwohnsitz). Die Daten zu dieser Tabelle haben wir theils der in den „Erläuterungen", Seite 2<> und 27, eitirten Literatur und dem Ilerlmrinnr imlveticnnr des eidgenössischen Polytechniknnls entnommen, theils selbst gesammelt (vergl.: Beiträge zur Kenntniß der Blatten und Weiden der Schweiz, a. a. O.). 4 26 Erläuterungen zu der nachfolgenden Tabelle über die alpwirthschaftlich wichtigsten Wiesenstflanzen. Zu Rubrik 1: Wegiouenverbreitung. o — Colline Region, Hügelregion, m — Diontane Region, Bergregion, Laubwaldzone. s — Subalpine Region, Nadelwaldzone. n --- Alpine Region, von der Grenze des Banmwuchses bis zur Grenze des ewigen Schnees, ii --- Nivale Region, oberhalb der Schneegrenze. Fettgedruckt ist diejenige Region (oder Regionen), in welcher die betreffende Pflanze ihre Hanptverbreitung besitzt. Eingeklammert sind diejenigen Regionen, wo sie nur vorübergehend und zufällig sich findet. all bedeutet, daß eine Pflanze nur mit Hülse des Düngers in die alpine Region zu steigen vermag (analog sind sä und nä zu verstehen). ab bedeutet, daß die betreffende, fcuchtigkeitsliebende Pflanze, die in der Ebene nur an feuchten Standorten sich findet, mit Hülfe des feuchten Alpcnklimas in der Alpenregion auch an sich trockene Standorte bewohnt (ebenso sind sk und nk zu verstehen). Zu Rubrik 2: Warnen öer? Wfkanzen. Die einzelnen Arten sind nach Familien geordnet. Die Reihenfolge der Familien ist nach ihrer alpwirthschaftlichen Bedeutung festgesetzt; den Reigen eröffnen die Gräser und grasartigen Pflanzen, dann kommen die Schmetterlingsblüthler, die Äorbblüthlcr u. s. s. Innerhalb der einzelnen Familien sind die Arten nach der Höhen- verbreitung angeordnet: zuerst kommen die in allen Regionen auftretenden Pflanzen, dann die besonders auf den Wiesen der Vor- alpen herrschenden Arten, dann die der Mittclalpen und endlich die der Hochalpen und Schasalpen- Zu Rubrik 3: Atpwirtthfchcrftcicher Werth. Die Abkürzungen haben hier folgende Bedeutung: ^ — ausgezeichnete Futterpflanze ) ? ---- gute Futterpflanze ? sür das Großvieh, k minderwerthige Futterpflanze 1 8 — für die Schafe, 2 — für die Ziegen, 8eün' — für die Schweine (also k^8 — gutes Schasfntter re.) U — Unkraut. L — Giftpflanze. Zu Rubrik 4: Standorte. iUD — Fcttmatte (gedüngte Mahewicse). IVIIllI — Magermatte (ungedüngte Btähewiese). u — Wildheuplatz. I. — Lager, d. h. Lagerplatz für das Vieh, in der Nähe der Sennhütte oder auf flachen Stellen der freien Weide; der Boden ist hier durch den abfallenden Dünger außerordentlich düngerkrästig. 6 — Geilstellc, d. h. Stelle auf der Weide, wo ein Kuhfladen liegt oder gelegen hat und der Boden in Folge dessen fetter ist als rings herum. lV — Weide, lV8 — Schafweide. >.8 — Schaflager, Ruheplatz der Schafhecrden, wo der Boden ebenfalls stark überdüngt ist. Mit kleinen Buchstaben ist ein Standort bezeichnet, auf welchem die betreffende Pflanze seltener sich findet. Zu Rubrik 5: Weghatten zu Unterlage, Düngung, Jeuchtigkeit und Kurnus. 1. Unterlage: Gcsteinsart (vergl. den nachfolgenden Abschnitt über den Einfluß der Gesteinsuntcrlage.) Ls — Kalkstct. Lü -- Kalkhold. ik> — indifferent für den Boden. Liü — Kieselhold. Lis — Kieselstet. 2. Düngung (animalische!) äko —. düngerfordernd, nur an gedüngten Plätzen sich findend, äl — düngerliebend, an gedüngten Plätzen sich üppiger entwickelnd, aber auch auf magerem Boden sich haltend, iä — indifferent, gleichgültig gegen die Düngung, an mageren und fetten Plätzen; auf Magermatten und Fettmatten gleich gut fortkommend. äkl — düngerfliehend: an gedüngten Plätzen sich nicht stärker entwickelnd und deßhalb von andern Pflanzen verdrängt, ätu ---- düngersürchtend: durch Düngung direkt geschädigt. 27 3. Feuchtigkeit. ü — fcnchtigkeitsliebend, aus feuchten bis nassen Böden, mk — mittlere Feuchtigkeit verlangend, auf frischen Böden. ik — indifferent, gleichgültig gegen den Feuchtigkeitsgehalt des Bodens, auf trockenem und feuchtem Boden vorkommend. tl — trockcnheitlicbcnd. 4- H — Humnspflanzc; ausschließlich oder vorzugsweise auf humusreicher Erde wachsend. Wo keine genügenden Anhaltspunkte vorliegen, um eine Pflanze in dieser Rubrik 5 zu klassifizircn, ist die betreffende Untcrrnbrik einfach leer gelassen. Zu Rubrik 6, 7 und 8: KöHenverbreitung. 1. Niedrigstes und höchstes Vorkommen: Hier sind die bis jetzt bekannten absolut niedrigsten und höchst gelegenen Punkte eingetragen, wo die Pflanze gefunden wurde. Außer eigenen Beobachtungen wurden consnltirt: 1. Heer, Die Vegetationsverhältnisse des südöstlichen Theiles des Kantons Glarus. 1836. 2. Brüggcr, Zur Flora Tirols. 1860- 3. Fischer, Bcrzeichniß der Gefäßpflanzen des Berncr Oberlandes. 1875. 4. Heer, Rivale Flora der Schweiz. 1884. 5. Wartmann nnd S chlattcr, Kritische Uebersicht über die Gefäßpflanzen der Kantone St. Gallen und Appenzell (1. und 2. Heft, 1881—1884). Abkürzungen von Autornamen sind: W. u. Schl. Wartmann und Schlattcr. Br. — Brüggcr. St. n. Schr. — Siebter und Schriller. 2. Graphische Darstellung der Höhenverbreitung. Die Höhcnschicht einer jeden Art ist durch eine horizontale Linie bezeichnet, eingetragen aus der Skala der Höhen, welche sich von links nach rechts nm je 500 m pro punktirte Verticallinie bewegt. Fett gedruckt ist derjenige Theil der Höhcnschicht, in welchem die Art am häufigsten vorkommt, ihren Hauptwohnsitz hat; pnnktirt gehalten sind diejenigen Partien, wo sie nur zufällig und vorübergehend (meist hcrabgeschwcmmt) sich findet. 29 28 H,liesse üßer alpmirtljlchaftlichcii Wert«. Stands Wodeiianiprüchc und K-kenvcrkreitnng der nlpwirthschastlich wichtigsten Wiese« pil"»ren der Schweiz (exet. Streupflanze»). Regionen- Verbreitnng -- g »> « s Namen der HKanzenarien. e. in. 8. a. n. e. m. 8. a. ii. e. in. s. s. v. o. m. s. a. 0. IN. 8. a. e. m. 8. a. e. in. s. sä. nü. e. m. s. st. n4 e. m. s. a. ii. v. m. 8. o. III. 8. 0. IN. 8. 0. IN. 8. 0. m. 8. I-. m. 8. a. II. v. m. 8. e. m. 8. a. o. m. 8. a. e. m. 8. v. m. 8. (v) IN. 8. a. n. so) (in) 8. a. II. (in) 8. a. n 8. S. 8. L. N. 8. S. N. 8. S. N. 8. L. N. 8. S. N. S. N. 8. 3. N. a. n. a. n. <>. in. 8. a. n. e. in. 8. rr. o. m. 8. a. m. 8. 3. 8. 3. n. Gcruchgras T ichtrasiger Ot othschwinget Blaue Scsterie Wiesenrispengras . Weichhaariger Hafer Fioringras Einsähriges Otispcngras Rasenschmicle . Borstgras . Ausrechte Trespe . Englisches Raygras Gemeines Rispengras Knaulgras Wiesenschwingel Gemeines Straußgras Kammgras Goldhafer . Mittleres Zittergras Gefiederte Zwenke . Liegender Trcizahn . - Alpenrispcngras AlPcnlieschgraS Micheti'S Lieschgras Biolcttcs Rispengras Alpenstranßgras Fctscnstrniißgras Piolctter Schwingel Schöner Schwinget Niedriger Schwingel Gcmsenschwingel . Schcnchzcrs Hasergras Aehrenhafer Zweizeilige Seslerie 2. Familie: Scheingräser Hirseartige Segge . Bleiche Segge. Hascnsarlüge Segge Rostbraune Segge . Zmmcrgriinc Segge Alp- wirthschaftlicher ^ Werth. LS T 8 L » Z G - S u. — es Standorte. ^ ^ ^ S s ATZ !! !> !> » II II II 2 s - s -u I Verhalten zum Boden, s 2 3 4 '' :r. i i4lltlioxantdnm oäorntnm 4,. I-. U. 1-8. .. . !»0. mm. ». Nt. I. A. ib. ib. i4 2 Kestnaa rnbra, v.kallax Dliuilt. I-. u. f-8. . . - IW.MIN.NW. 4.6. ib. äb m4 3 Zestsris, oosrnleg. ^rä. . 0. u. ks. ... nun. tt.ua L«. ätii. 11. 4 ?on prataiwia 4. . . . I-. iiiio. mm. V. I. g. ib. äl. i4 5- ^.vsna, ^ndesoens Unis. ?. u. 58. . . . !NV. mm ». ib. iä. i4 6 alAiostis . i A S l S ö 7: 8 S 10 H 1Z tS 1t is i? ii 2^! Z1 25 2t 2i Zli si 2^1 2» si st sLj Niedrigstes bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Meter über Meer. Köhenveröreilung. Meter über Meer. Erklärung tu den Erläuterungen Seite 26 und 27. Höchstes bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Meter über Meer. ,i 6 7 8 !» ll> 1l lS IN II >7, IN 17 1« 1!» 20 2 t 22 2U 24 25 26 27 28 2!) 30 31 32 33 34 35 36 37 38 i:!0 Weinieldeu a. d. Thue 600 Eichwald b. Schwanden «Heer) 80V Walenstadterberg (St. u. Schr.) IbM ob Airolo'sSt. und Schr.) . 7ÜI) beim Fätschbach tSchr.) . ISM Sustcnpaß tSt, u. Schr,) . IiM Lladeraiierthal (St. u. Schr,). ,b. d.Stcinwandhütte Schrattcn- sinh (Lt.> 1850 Gotlhardstraflc (Schr.) . 1500 Aclgtin, Brienzergrat (St.) . UM Audermaw (St. u. Schr.) SN1i> -Albulahospiz I 2S°0 > > sooo 730 Bianmla » L ^ cs 4 Standorte. ZK ^ ö " ^ '§ 2 ^ . L § A .-L o ^ L. KZNEATG !I » !! !! !! >1 !! s s ^ s -> cs « s Verhalten zum Boden. § 'L ^2 ^ L -§ 2 § ^7 6 ^ *2 8 8 8 L s 1 2 3 4 s 3. 2. Geschwärzte Segge. 39 Oarox atrata 4. 4. m«. ». w. id. äki. 14 39 a. n. Krausblättrigc Segge . 40 6arsx onrvula ^lü. n. VI8. Liü. äü. tl. L. 40 2 . n. Feste Segge .... 41 llarsx ürma Hook. . 0. W8. Lü. M. tl. 41 3 Familie: Binsengräser. — Inlivirv««,,. 3. 2 . Braune Simse 42 Imrinla sziaäiosa Der. . n. 1-8. .. . mm. N. W8. Liü. llü. «. 42 3. 2 . Dreispaltige Binse . 43 ännous triüäns 15. . k. n. 1-8. .. . mm. 6. W8. id. äü. ü. 43 3. 2. Bieibtiithige Simse 41 Ln^nla multiüora Los. . Mli/I. N. W. :i>. 3ü. ü. 44 4. Familie: Schmetterlingsblüthler. 6. ra. 8. 2. 2. Gemeiner Wnndklee 45 ^.ntüMis Vnlneraria L. I-. n. 1-8. .. . MM. ». W. LIi. ätl. tl. 45 e. 21 . s. a. 2 . Rothklcc . - 46 Driüolium ^ratonso 4,. . I-I-. M0. MM. N. rv. 6. id. iä. m4 46 6. 21. 8. 2. 2. Gehörnter Schotenklee . 47 Lotns oornionlatn8 4. . k-I-. mo. MM. N. VI. il>. icl. ik. 47 o. m. s. all. nä. Weißklec. 48 Drikolium repens 4. I-I-. M0. 4. 6. id. äü m4 48 e. m. 8. a. Bergklee . . . . . 49 lllrikolium montannm 4. I-. MM. «. iv. ib. äü. 14 49 L. 21. 8. Hopfenklee. 50 UeäioaZo lupnlina 4. . I-. mo MM. Lü. iä. m4 50 6. 21. 8. Wiesen-Platterbse . 51 Latü^rus zuatensis 4. . 5. Mv. MM. Hi. 1ä. m4 51 21. 8. 3. 2. Brannklce. 52 Irikolinm daäinm Loüreü. . I-I-. m«4 mm. N. VI. Lü. iä. m4 52 21. 8. 3. 2. Fctdspitzkicl .... 53 Ox^trozii8 oampontris Leo. . I-. MM. n. IV. Lü. äü. tl. 53 21. 8. 3. 2. Alpcntraganth .... 54 ^.straAalns alpinns 4. . I-. MM. N. iv. Lii. äü. m4 54 21. 8. 3. 2. Rasiger Klee .... Lrikolinm oaesxitosnm Re^n I-.. . . . . W. Lü. iä. w4 55 S. 3. Berg-Esparsette 56 Onoür^oüi8 montan» Leo. . I-. MM. n. IV. Lü. äü. tü 56 8. 3. 2. Berg-Spitzkicl.... 57 Ox/troxis Montana Leo. 0. MM. «. w. Lü. äü. m4 57 8. 3. 2. Alpenklce. 58 4rikokinm alpinnm 4. . I-. u I-I-8. . . . mm. ». w. Lik. äü. m4 58 8. 3. 2. Dunkler Süßklee . 59 lloä^sarnm oüsournm 4. 5 . mm. ». IV. Ld. äü. m4 59 3. 2. Kalte Berglinse 60 Lüaoa IriAiäa 4. . . . mm. N. iv. Lk. äü. m4ü. 60 (o) m. s. a. Cherlcrs Wnndklee. 61 ^.ntü^llis (lüerleri LrÜM. . I-. n. 1-8. .. . mm. N. iv. Liü. äü. tl. 61 5. Familie: Korbblüthler. — 6. 21. 8. 2. 2. Rauhes n. glattes Milchkraut 62 Leontoäon üispiä. L Iiastil 4. I-. n. ^8. . . . mo. mm. ». «. 6. iü. äl. m4 62 L. 21. 8. 2. 2. Mcqensäßblumc ilmtennaria äioioa Oärtn. . 0. MM. N. W. iü. äü. 11. L. 63 6. 21. 8. 2. 2. Goldrnthe. 64 LoliäaZo VirZaurea 4. . 1 . MM. n. w. id. w4 64 6. 21. 8. 2. 2. Filziges Habichtskraut . 6i> ülisiaoium Lilosella 4. . 0. mm. ». w. id. äü. tl. 65 6. 21. 8. 2. 2. Oehrchen-HabichtSkraut . 66 Lieraoinm iLniienla 4.. 4 . mm. «. VI. ii). äü. 6«; 6. 21. 8. 2. 2. Gemeine Wucherblume . 67 4snoantliomum vulgäre Leo. 4. mo. mm. IV. ib. äl. m4 67 6. 21. 8. 2. Maßliebchen .... 68 Lollis ziorennis 4. . 4 . M0. mm. iv. id. äü 68 6. M. 8. 3. Sternlicbe .... 69 Lolliäiastrnm Uieüslii (lass. 4 . MM. «. VI. iü. äü. ü. 69 0 . m. 8. sä. all. Gemeiner Löwenzahn . 70 Daraxaonm oKoinalo IVoü. . 4 . mo. IV. 4. 6. ib. äko. 70 o. m. s. all. Gemeine Schafgarbe 71 ^vüillsa ll-Iillskolinm 4. 4 . M0. iv. 4. 6. ib. äl. 71 e. m. 8. 3. 2. Berg-Wohlverlci 72 ilrnioa montan» 4. 6. u. k8. ... MM. ». VI. Liü. ätü. tl. II. 72 e. m. 8. Wiescnftockenblume . 73 (lentanrsa äaoea 4. . 4 . MM. ü. IV. ib. äl. 73 6. m. 8. 2 . Scabiosenflockenblumc . 74 llsntanrea 8oal>iosa 4. . 1 . MM. ». IV. ib. äü. tl. 74 6. M. 8. 2. Wollkrantblättriger Pippau. 75 Orepis ülattarioiäes Vill. . k . mo. MM. ü. V. iü. äl. ü. 75 31 "L 6> 6 Niedrigstes 7 8 Höchstes P O bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Köhenverbreilung. bis jetzt beobachtetes Vorkommen. L 8 Meter über Meer. Meter über Meer. Meter über Meer. 8 8 3 1900 Fürstenalp (St. u. Schr.) 2009 Sustcnpaß, „ „ „ 2000 Fürstenalp, „ „ „ 1990 Haslithal (Fischer). 1800 Fürstenalp (St. II. Schr.) 1800 „ „ „ „ 40Ü 800 soo I soo Ivoa 140» tsoo I isae I 2wa 2600 I ssoa I 2802 3003 48V im Gast b.Wcsen (Jäggi n.Schr.) 480 „ „ „ „ „ „ „ 1000 Grindclwaldgl. (Fischer) 480 im Gast b. Wesen (Jäggi n.Schr.) 1300 Südh. d. Churf. (St-n.Schr.) 500 bei Vilters (Meli) . 080 Meyenthal (St. u. Sch.) IL7L ob d. Kemmeri (St.) 1000 Steinwandhütte,Schratten Aroserfnrka (Br.). 3000 Gorncrgrat (Hcer,niv.Füd.Schw.) 2900 Lavirums (Br) . . . . 2900 m. Zermatt (Ball) 2600 Schafberg, Pontresina (H.Müll.) 2860 Findelcnthal (St. n. Schr.) . 1850 Obercngadin (Br.) 2130 Wässerm-, Findeten (St. n.Schr.) 2760 Zermatt (Ball) . . . . 3000 Gorncrgrat (Heer,niv.Fl.d.Schw.) 2795 Beverserthal (Heer) 3000 Gorncrgrat (Hecr,niv.Fl.d.Sch)v.) 2350 Schasb.,Engstlenalp(St.u.Schr.) 3000 Gorncrgrat (Heer,niv.Fl.d.Schw.) 300(?Gornergrat „ >, „ „ 2881 Samnannerpaß (Br.) 2783 Iupperhorn „ 2400 Granbündcn (Br.) 2686 Fanlhorn (Guthnik) . 2849 Oima äi 8ponäa lnn^a (Br.) . 2800 Zermatt (Ball) .... 2770 Zermatt (Ball) .... 2762 Lavirums (Br.) . . . . 2686 Fanlhorn (Guthnik) . 2195 Riesetcnpaß (Br.) 2560 Findelcnthal (St. n. Schr.) . 3000 Gorncrgrat (Schr.) . 2220 Julierberg (St. u. Schr.) . 2795 Lavirums (Br.) . . . . 1700 Sernfthal (Heer). . . . 1900 Schanfiggcr Heubge.(St.u.Schr-) 2000 Fürstenalp (St. u. Schr.) 75 32 1 Regioncn- Eintheilung N L.s ^ 's II I! I » ^ -- g -s -a 2 Wamen der Wsi'anzenarten. 3 Alp- wirthschaftlicher . Werth. W L ^ 8 '§ ° s- L " » II U- U. -- «/) 12 LS 4 Standorte. L K ö Z KZ -Z L-U4- !I II II II I! II !> o -s 3: s -I es « sZ s 5 Verhalten zum Boden. L H ^ . L L Z7 Z K A 5 8 3 1 2 3 4 5 o. m. 8. Starkwurzliges Ferkelkrant 76 L^pooboeris raäioata 4. 4 . . . . >M. W. 76 (e) M. 8. a. Stengellose Eselsdistel . 77 Oarliua aoaulis 1,. . U. u. 4 . . MM. W. ib. ätl. il. 77 6. m. 8. a. Hcrzblättriges Kreuzkraut 78 8eusoio ooräatus Loob.. !VI0. 4.6. ib. (11o. ml. 78 m. 8. a. v. Alpcuhuflattich. 79 Homogne alpiva (lass. 6. . . M!VI ».liV. ib. clü. ml. b. 79 ra. 8. a. a. Goldpippau 80 Orspis aurea Oass. p. u. 58. . ».W. 6. ib. >11. ml. 80 8. L. v. Pyrenneu-Milchkraut 81 4sonwäov p^rsuaious (lou. 5. u. 68. . MlVI. ».l/V. ib. äü. ml. b. 81 8. L. L. Geschwärzte Schafgarbe 82 ^obillea atrata I.. . 6. u. 68. . Ü/6VI.N.W. Lk. >lü. ml. 82 8. a. 2 . Einköpsigcs Ferkelkraut . 83 H/poebovris uvitlora VIII. . 6. . . . MM.». Lb. . >lü. ml. 88 8. a. 2. Vielstachligc Kratzdistel . 89 Oirsium spiuosissimum 8oop. v. . . . MlVI. ».W. ib. cll. ml. 89 8. a. 2. Breitblättrige Gemswurz 90 ^.rovicum seorpioiäes Loob. 6. u. 68. . mm N.v. Lb. lkl. tl. H 92 a. 2. Alpcu-Habichtskraut 93 Risraoium alpivum I.. . 4 u. 18. . M!VI. ».W. ib. >IÜ. tl. ps 93 a. 2 . Oraugerothcs Habichtskraut 94 Hisraoium aurautiaoum I.. . 4 . . . . MiVI. ».rr. ib. äü. 94 a. 2 . Nervige Flockenblume . 95 Oevtaursa pbr)-Aia Loeb. . 1 . ÜÜIi/I. N.v. Lib. !- ml. 96 s. n. Alpen-Wucherblumc 97 4suoavtbeivum alpivum 4am v. u. 68. . MiVI.li W. u. W8. ib. !>I. ml. 97 (m) (8) a. II. Edelraute .... 98 ^.rtemisia lllutelliua Vill. . 66. n. 668. MiVI.N.W. Lib. llü. tl. 98 a. 2 . Aehriger Beifuß 99 ^rtemisia splcata IVull. 6. u. 68. . !»!». N.W. id. 66. tl. 99 a. 2 . Schmalblättrige GeiAswnrz 100 ^rovieum 6lusü Lovli. 6. n. 68. - mm. N.v. Lib. ätl. ml. 100 L. n. Niedriges Ruhrkraut 101 Ouapbalium suplvum I,. lV8. ib. ätl. ml. 14 101 L. 2. Edelweiß .... 102 duaptialiumlißovtopoä. 8eop. 6. . . . IVIlt/I. N.v. Lb. äkl. tl. 102 L. N. Zwerg-Schafgarbe . 103 ^obillsa vaua 4. . . . W8. 103 6. Familie. Kardengewächse. — V!p8»v«eii. o. m. 8. Taubcu-Scabiose . 104 8eabiosa (lolumbaria 4. 6. n. 68. . . ib. . äl. ml. 107 8. Familie: Schirmbliithler. — Umbsllif« 0. M. 8. Ä. 2. Große Geißlciter . 108 l?impivella maAva 4. . 4 . MM». Ib. 108 e. m. 8. a. Gemeine Bärenklau 109 Heraelevm 8pbovä)-1ium 4. 6 . MV.MM.b.rr. ib. 1080 > i2oo^4vo isoa 1 I ISO» 1 1800 SV«0 2S0V 2400 280« f 2 »oo f 2800 sovo > 76 77 78 79 80 8t 82 83 8t 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 500 b.Uznach (Wartm. u. Schlatter) 400 Bodenseeufer GLbris 400 Alvier (Zollikofer). 1400 St. Galler Alpen l >! » !> » s g --> « m 2 Namen der Nffanzenarlen. Alp- wirthschaftlicher ^ Werth. L' U ^ § L ^ -L. « 1» K 2 A Z U ^ ^ Z G ^ s-s « LH " » » U- u. v, ^ <2 4 Standorte. ^5 « « .-2 H I^ . Z .s Z § Z T 8b T "b t« Z A A Z S G » !I » >! !> !> >! Z s - s -> o c§ ^ S s 5 Verhalten zum Boden. ^ ^ 8- ps) (W H 1 2 3 4 5 m. 8. Ä. Meisterwurz . . . . 113 Imperatoria Ostrntbium d. i. Mv. Mll/I.».rv. d.6. id. <11. md 113 M. 8. L. Kleine Astrantie 114 d strand a minor I.. d. lVI«. ».«. Liü. clll. wd 114! 8. L. N. Muttern. 115 lllsum Nutellioa Olärtn. 55. n. 558. . . lVIl). lNlVI. n.v. 6. rvs. Lü. ckl. md IIS L. V. Alpen-Liebstöckel 116 aimplex danck. V/8. ib. eil), md 116 9. Familie : Knöterichgewächse. — m. 8. a. Schaszunge . . . . 117 kol^AOnnm Listorta d. 5. bia k. (Mähef.) D/w. 11). üb ll. 117 (o)(m)s. s. n. Knöllchentragcnder Knöterich 118 kol^Aonnm viviparnm d. . U. bis d . . . «IM.N.Vl. id. ick. md 118 8. a. L. Alpen-Ampscr . . . . 119 blumex alpinna d. . . . 0. !VI0. 1.. 6. id. ckko. md 119 10. Familie : Glockenblumengewächse. v. m. 8. a. It. Kngel-Rapnnzcl 120 db^tsnma orbivnlars d. k. MM.N.VV. ib. ckü. wd 120 e. m. s. äe. Rundbtättrigc Glockenbtmnc. 121 Oampannla rotunckidolia d. 5. IVW.lVIlVI. N.liV. ib. äl. md 121 e. m. 8. a. Rantcnblättrigc Glockcnblnmc 122 Oam^annla rbomboickalia d. 5. iVID. ib. ckl. md 122 1L. 8. L. 2. Bärtige Glockenblume . 123 Oamxanula barbata I.- 5. lVIM. tt.liV. ib. ck). nid 123 8. 2. Micheli's Rapunzel 124 db^tsnma Uiebelii Loeb . 5. !Vlll/I. N.W. ick. 124 21 8. a. Hallcr's Rapunzel . 125 kb^tenma blalleri tlll. 5. MlVI.N.W. 125 8. Ä. Straußblüth. Glockenblume . 126 Oampannla tb^rsoickea d. - k . lVIIlil.». Xb. cktb tl. 126 8. a. 2. Scheuchzcr's Glockenblume . 127 Oampannla Lnbsuvbr-eri Vill. 5. n. 58. . . . iVOVI. N.W. und W8. ib. ick. md 127 L. 2. Halbknglige Rapunzel . 128 dbzztsnma bomispbaerienmd. d n. 58. ... M!VI. N.W. und W8. Xib. cktb tl. b. 128 11. Familie: Rosenblüthler. — « 08 »v«en. e. m. 8. a. Tormeiltill . . . . 129 dotentilla Dormentilla 8eop. U.u. 08. . . . lVOVI.N.Vi. Lib. cktl. tl. L. 129 (e) m. 8. L. nä. Gemeiner Thanmantel . 130 Llobemilla vulAari8 d. 5. (nur Mähcsntter) !VI0. W.I_.n.l.8.6. ib. ckl. md 130 (v) m. 8. s. lt. Goldiges Fingerkraut . 131 dotsntilla anrsa d. 1. llilllil. N.W. ib. ckl. md 131 m. 8. L. 2. Alpen-Thanmantel. 132 ^.lolismills alpina d. . 0. lVIlVI.ldW. ib. cktl. tl. 132 (in) 8. s. ll. Berg-Nelkenwurz . 133 Lievsraia inootana 8prAl. . ib. cktl. md. 133 8. L. 2. Gespaltener Thaumantel 134 ^loliemills, ilssa 8eiinmm. . 5. (nur Mähcsntter) lVM.mm. b.w. ib. äl. md 134 Ä. 2. Niederliegende Sibbaldie 135 Libtmläia. p>roenmben8 d. . 5. n. 58. ... I»l». N.W. Lib. ick. md 135 a. n. Fünfspaltigcr Thanmantel . 136 ^lelismilla psntapü^IIen d. W8. Lib. ckü. lt. b. 136 12. Familie: Nelkengewächse. 6. 21. 8. Ä. 2. Klatschnelke . . . . 137 8il«ns inünta 8m. . 5. ib. iä. 137 6. 22. S. L. 2. Acker-Hornkrant 138 Osiastium arvense d. . d. «lVI.N.W. 138» c. m. 8. ack. Gemeines Hornkraut 139 dsraatinm triviale dinlc. d..... . llllli. v. d. 6. ib. m. 139 v. m. 8. ack. Tages-Lichtnelke 140 Uelanckrinm äinrnnm Orsp. d. iVID.mw. Ii.v. l.. ib. ckl/ md 140 e. m. 8. 2 . Prachtnelke . . . . 141 !V0VI. Ir.v. tl. 141 e. m. 8. Wald-Sternmiere . 142 8tellariki nemornm d. . 0 . «0. I..6. ib. ckl. tl. 142 22. s. a. 2. Linnck's Mastkraut . 143 8s.Kina dionasi kresl. . d n. 58. - - - ».W. d. 6. ib. ckl. tl. 143 8. 2. 2. Frühlings-Miere 144 )Vlsink verna Lartl. k. n. 58. . . . Ililllil. N.W. ib. 144 (in) 8. g. n. Stengelloses Leimkraut. 145 8ilens aoanlis d. . . . d u. 55. ... MI». N.W. und «8. ib. cktl. I4S ^ a. n. Alpen-Pechnelke 146 Viaearia alxina dr. d u. 58. ... Lb. 146! 6 ' 7 8 Niedrigstes Höchstes bis jetzt beobachtetes Köhenveröreilung. bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Vorkommen. Meter über Meer. Meter über Meer. Meter über Meer. 113 U4 U5 116 117 118 IIS 120 121 122 123 >24 125 >28 127 128 >28 130 131 132 133 184 185 >36 137 138 13g 140 141 142 143 144 145 >46 400 sao 800 1000 isoo 1400 1600 1800 syos 2S00 L10U 2800 S8V0 Süvo , sno, > > , , isoo I I I > > > 1000 Trilchsellaucncn (Fischer) 800 Maderanerthal ISO» Betenalp, Schratten (St.) 1900 St- Gatter Alpen (W. u. Sch.) 468 Seebach bei Zürich (St-> ööv Wilderswyl (Fischer) 1400 subalp- Req-iiu Sernsth. (Heer) - 4S0 Sisikon (Jäggi) 909 Eggerstande» (App.) (Schi-) - 100N Sernsthal (Heer) - 100U „ „ . . . 1SV0 St. GallerAlpen (W. u- Schl.) 1800 Fürstenalp (St- u- Schr.) 1750Sustenalp(Maienth.) (St.u.S.) 480 Ntzenstorf (St.) 900 Speer (Wart- n. Echt.) . 700 b. Nznach vereinzelt (Lr.) 1240 Gäbris (W. u- Schi.) . 1660 Meyenthal (St- n. Schr.) 800 Guttannen (Fischer) - 2200 Bcckenen.O-Sandalp (St.u.S.) !! 400 Rapperschwyl (W- u- Schl.) »00 Bilters (W- u. Schl.) 8ao<)> ob St-Gallcn (870) W-u-Schl 1365 Bormio (Br.) iso» Grindelwaldgletscher 240« Lavirumser Paß (Br-> - 2000 Sernfthal (Heer) 1900 Grimsel (St. u. Schr.) . 2770 Surcdcn (Heer) . . . . 3000 Gornergrat, Jungsran (Fellen)).) 2500 Sernsthal (Heer) . 3000 Piz Costainas (Heer) 2639 Bernina (Br.) 2760 Piz Padella (Brügger) 1800 Fürstenalp (St. n. Schr.) 2130 Findelcnthal (St. n. Schr.) . 2860 Piz Hot (Br.) . . . . 2600 Sernsthal (Heer) 2600 „ . . . 2300 Schanfigg (St. u. Schr.) 3000Gornergrat(Heer,niv.Fl.d.Schw.) 3000Gornergrat „ „ „ „ 2263 Älontaliu b. Chnr (St. n. Schr.) 2650 Archer Wcißhorn (Br.) - 2680 Fanlhorngipsel (Guthnik) ^2762 Searadrapaß (Heer) . >2731 Piz Langhin» (Heer) . l ZOOO Torrcnthorn (Br.) 2900 Lavirnms (Br.) . 3600Gorncrgrat(Heer,niv.Fl.d.Schw.) ^ 3000 Gornergrat(Heer,niv.Fl.d.Sch>v.) i 3000Gornergrat „ „ „ „ '>2500 Hochmang (St. u. Schr.) 2220 Znlierberg (St. n. Schr.) 2370 Bünden (Hegetschweilcr) . 1800 Fürstenalp (St. u. Schr.) 2738Chainounix(Heer,niv.Fl.d.Schw.) 2925 Torrenthorn (Br.) 3632 Montblanc (Sanssure) 2900 Riffelhorn .... 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 36 37 1 Regionen- Eintheilung K ^ .8 .E L ^ ^ >>» n » 2 Warnen der Wffanzenarten. 3 Alp- wirthschaftlicher ^ Werth. L'»^7 ^ M Z. L A L K ° L L » !> u, u. vs s co 4 Standorte. Z ? L o ^ Z 5 ^ «7 ^ .2 o —' A AÄSG !> !! >! !! !! I> » -2 L - s -> « L 5 Verhalten zum Boden. ^ "7 ^ AU ^ ^ ^ >4-4 6 P V L 8 s 1 2 3 4 5 13. Familie . Primelgewächse. — i?rii»uLr»«vei». e. in. 8. a. n. Mchlprimel . . . . 147 Lrimnta karinosa T. «.w. ib. üü. ki. 147 6. M. 8. 3. Hohe Primel . . . . 148 Lrimnta skatior .1 aeg. . MM.U.W. ib. iä. ü. 14K (e) m. 8. L. Gemeines Alpcnglöcklciu 149 Lolllanells. alpina k. Mli/I. tt.w. Lk. llll. Ulf. 14S 8. 3. v. Ganzblättrigc Primel . 150 Lrimnta intsgrikotig, L. MM.tt.1V. id. äkk. ü. 150 8. 3. L. Bewimperter Mannsschild . 151 LnärosaeedkamuesasmeLosk. k. k8. mm. tt.ev. Lk. M. tl. 15k a. N. Kleines Alpenglöcklein . 152 Lolllsnetta ^nsitta LaumA. 0. MM.tt.1V. Lik. llll. ü. 15L 14. Familie : Lippenblüthler. — 6. IN. 8. a. n. Feld-Thymian. . . . 153 Pk^mus LsrxMnm I.. u. bis k. . . . MM. tt.1V. ik. llll. ti. 15h 6. IN. 8. a. Gemeine Braunelle 154 Linnottn vuigaris I.. . MM.tt.1V. ik. >iü. ik. ist 15. Familie: Boretschgewächsc e. IN. 8. 3. n. Wald-Vergißmeinnicht . 155 Ll^osotia s^tvakioa Lokkm. . 1. MV.MM.N.1V. ik. lli. ink. 15h 16. Familie: Krappartige. — e. IN. 8. a. n. Wald-Labkraut. . . . 156 dnlinm s^Ivcstre LoU. 1.. MM.U.1V. ib. «iü. ink. 15h 17 Familie: Skrofelkräuter. e. m. s. aä. nä. Ouendelblättr. Ehrenpreis . 157 Veroniea seiMtlikolig, I.. . U. mo. I..6. ib. lli. ink. 15^ o. IN. 8. a. Gebräuchlicher Augentrost . 158 Lnpkrasm ottioinalis ^uot. v. MM.tt.1V. ib. lill. mk. 15» e. M. 5. 3. n. Salzbnrger Augentrost . 159 Lnpkrasia so-tisknrAsnsis Lk. u. MM.tt.1V. ib. äü. mk. 15h 6. m. 8. Großer Klappertopf 160 Lkinantkus masor 5V. (trab. u. mo. mm.tt. ik. äi. S. 16»! IN. 5. 3. N. Alpen-Bartschie 161 Lartsia atpina. L. . u. MM.tt.1V. ib. ill. ink. I6l IN. 8. 3. N. Beschnittenes Lausekraut 162 Lsllionisris reentits. L. 9. mm.tt.v. 16h IN. 8. 3. N. Kleinster Augentrost 163 Lupkrasia minima, 1,. . U. MM.tt.1V. ik. elll. mk. 16S IN. 8. 3. Reichblättriges Lausekraut 164 Leäivnlaris kotiosa 1i. . U. mm. tt.v. Lk. ici. ink. I6l IN 8. 3. N. Blattloser Ehrenpreis . 165 Veronioa apk^IIg, L. . 0. mm.tt. IV. ib. llü. Nik. 16S NI. 8. 3. N. Quirlblüttriges Lausekraut . 166 Lslliouisris vortioillata I.. . v. M(I. mm. tt.1V. Ib. llü. ink. 16>> 8. 3. N. Alpen-Ehrenpreis . 167 Veronioo, atpina L. . . MM.tt.1V. 1V8. ib. 16?! 18. Familie : Enziangewächse. — Llvntt»ii»vv«i». 0. IN. 8. a. n. Frühlings-Enzian . 168 dentiana vernn I.- . lk. MM.tt.1V. ib. äü. mk. 16h 6. IN. 8. a. n. Deutscher Enzian . 169 dsntiann ASrmnnioa IViilil. mm.tt. IV. ill. mk. 16» m. 8. 3. n. F eld-Enzian .... 170 dentiann eampestrio 17. 9. mm.tt. IV. icl. mk. 17» IN. 8. 3. Gelber Enzian.... 171 dentians, lutsa, L. . 9. MM.tt.1V. l.. 6. Lk. äi. mk. 17> IN. 8. 3. n. Stengelloser Enzian 172 dentiana aoantis Lnet. 9. mm. tt.1V. Lk. äü. mk. 8. 3. N. Punktirter Enzian . 173 deut! an a zinnatata L. . MM.tt.1V. ib. ill. mk. 17» 8. 3. N. Ausgeschnittener Enzian 174 dontiana sxeisa Lreol. . MM.tt.1V. Lik. (lll. mk. I7i (s) a. n. Bairischer Enzian . 175 dentiana kavariaa I.. . 9. MM.tt.1V. ik. llü. mk. 17- 8 8 Niedrigstes bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Meter über Meer. Köhenverbreilung. Meter über Meer. Höchstes bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Meter über Meer 6> 4) 8 8 3 D> 400 soo sag 1000 1200 1400 1600 1800 2000 2200 2400 2800 280» 3000 I s°oI i I I I IS°-> I I I I I ssoo I I I 147 148 149 150 151 152 808 WangserBorderblSt-Gll.Melk 1588 St.Galler Alpen 62 163 164 165 166 167 600 Sarganser Schloßt«. (Wartm.) 670 Wangserberg (Meli) 1100 Churfirsten (Schlatter) 1090 St- Antonskapelle (Custer) - 1100 Sentis (W. u- Schl-) 1300 Krcuzegg, St- Gallen (Schl.) 1100 Kandersteg (Fischer) 1600 St- Galler Alpen (St. u. Schl.) 2750 Zermatt (Ball.) . . . . 2200 Schanfiggcr Hcnbge.(St.u.Schr.) 2400 Tenselskopf, Hochivangk. l 2765 Dnanapaß (Br.) .... — ^ 3000 Gornergrat (Herr, niv. Fl.d.Sch.) — ( 3000Gorncrgrat(Heer,iiiv.Fl.d.Schw.) 3412 Trugberg . . . . 1970 FUrstenalp (St. u. Schr.) 2950 Zcrinatt (Ball.) . 2860 P- Combio (Br.) 2683 Faulhorn (Gnthnik» . 2220 Crester Alpen (Sl. u. Schr.) 2900 Piz Umbrail (Heer) . 1700 Sernsthal (Heer) . . . . 2795 Samnamierpaß 10(10 St-GallerVoralp. . 3333 Theodnlpaß . . . . 2750 Zermatt (Ball) . . . . 2750 Alveneucralpen (Br.) 2400 Wildsec (Fcnrer) . . . . 2897 P. Umbrail (Heer) . . - 2790 Lavirumspaß (Br.) . 2758 Gletschergarten von Chamounix 3619 Weißthor. 168 169 170 171 172 173 174 175 38 39 1 Regionen- Eintheilung. K 8 .L -2 ^ ^ ^ s L ^ >,»>>» » 2 Wamen der Wffanzenarten. s Alp- wirthschaftlicher Werth. L ^ ^ ZGZZ « L 8 " >1 » ul U- — co ^ <2 4 Standorte. L 8 ^ Z 8 8 u o ^ . o .L ^ .-2 (N A K A § S G !I >! !! !! >! >! !! Z S ^ S -> » S ^ s ^ s Verhalten zum Boden. D 'I A Z ll A Z Z- K M A 6> L L S 8 s k-v 8 L L 1 0. ÜI. 8. Ll. H. 2 19. Familie: Haidekrantartige. — Geinciiie Heidelbeere . . 176 Vaooininni Jl^rtillns 1,. 3 v. u. 58. . . . 4 tt. W. s Litt. tttt. inf. 176 176 L. IN. 8. a. Gemeines Haidekraut . . 177 Oallnua vuIZaris 8alisb. 6. Ml». ll. w. Lili. 46. tl. ü. 177 177 6. m. 8. a. v. Flcischrothes Haidekraut . 178 Lrioa oarnsa 1>. . . . ll. MI«. ». rv. Lb. 4«. wl.L 178 178 0. m. 8. a. II. Btoorbcere .... 179 Vaeoininm nliAinosum I,. . 6 . ». v. ll,. 46. 6. L. 179 179 e. m. 8. L. Preißelbeere .... 180 Vaeeinnm Vitis I4asa I.. . 6 . N. v. ib. 46. mt'. 8. 180 180 (o) (m) 8. s. Roftrothe Alpenrose . . 181 Rbo4o4sn4rou terrnAineum L 6 . lVÜVI. «. W. Lili. 46. mt. 8. 181 181 (o) (na) 8. a. Behaarte Alpenrose . . 182 Lbo4o4en4ron birsntnm I.. MM. N. IV. LK.4ü.tI.(Felspfl.) 182 182 (8) a. n. Niederlicgendc Azalee . . 183 Loisslsnria piroenmbensDesv. ». «8. ib. 46. 8. 8. 183 183 (o) IN. s. a. o. 20. Familie: Kugelblumengewächse. — Herzblättrige Kugelblume . 184 Ollobnlaria eorclilolia. I.. v. iVIiVI. ll. W. XIi. 46. tl. 184 184 (v) (in) 8. a. siacktstenqliqe Kugelblume . 185 6Iobn1aria nnäleanliv I.. MM. ». W. Lb. 46. mk. 185 185 c. m. 8. a4. 21. Familie: Hahnenfuszgewächse. — Scharfer Hahnenfuß . . 186 Ranunoulus aoris I.. ll. Ml). l.. 6. ib. 41. ml. 1^6 18,z 6. M. 8. L. Eisenhutblättriger Hahnenfuß 187 Lannneulns aeouititoliu8 I.. 6. u. i. . . . . Kill). Ii. rv. l.. 6. ib. 41. 6. 187 187 6. M. 8. a. Europäische Trollblume . 188 Irollins europasn8 L. . 0 . h/w. ib. 41. 6. 188 188 v. m. s a. u4. Gemeiner Eisenhnt. . . 189 Leonitnm Dlaxellus I.. . 6 . Mv. l.. 6. ib. 41. 6. 189 18g! (e) M. 8. L. Berghahuensuß . . . 190 Lannnenlus moutann8 VVill4. 6. n. 18. . . . IW. »äM. N. Vl. ib. 41. 6. 190 190 m. 8. a. n. Alpen-Anemonc . . . 191 ^nsnions alxina 1,. ll. MlVI. «. W. Lb. 46. nil. 191 191 (in) 8. s. n. Friihlings-Ancmonc . . 192 Anemone verns-lis I.. . ll. «M. ll. W. Lid. 46. 8. 8. 192 192 8. L. Otarcissenbliithigc Anemone . 193 Lnsmons naroissiliors. 1,. . U . MM. ». W. ib. 46. ink. 193 198 8. a. n. Schwefelgelbe Anenione . 194 Anemone sulkuroa I.. . 6 . MlVl. ll. W. Xili. 46. int. 194 194 e. m. 8. a. 22. Familie. Kreuzblüthler. — vriLviterv». Wiesenschaumkraut . . . 195 Oaräaniins pratensis I.. ll. ll/w !VI!VI. I.. 6. ib. 41 Nil. 19S 195 (v) (in) 8. a. n. Brillenschötchcn . - . 196 Lisentetta laeviKata I.. 1. . MM. ll. vv. ib. 46. 8. 196 196 IN. 8. a. n. Rescdablättriges Schaumkraut 197 Oar4ainilltz roseäsololia 1,. . ll. V/. u. liV8. ib. 46. int'. 197 1l»7 a. n. Alpcn-Schaumkrant . .198 0ar4amins alpina 1V1II4. . ll. W8. ib. 46. nik. 19s 198 e. in. 8. a. 23. Familie: Cistrosenartige. — Gemeines Sonnenröschen . 199 Leliantbeinnin vnlAaro Deo. 1.. MM. «. W. ib. 46. tl. 199 199 e. m. 8. a. 24. Familie Veilchenartige. — Dreifarbiges Veilchen . . 200 Viola trioolor I.. . . . 1.. INI). M!VI. ll. W. ib. 41. inl. 200 wo a. n. Langsporniges Veilchen . . 201 Viola valearata L. . MM. ll. W. Lb. 46. nil. 201 201 0. U1. 8. L. N. 25. Familie: Sonnenthangewkchse. — vi-vsvr»«»«». Sumpf-Herzblatt . . . 202 karnassia palnstria 1,. . 1 . MM. «. «. ib. i4. 6. 202 Wz 6. m. 8. a. 26. Familie: Storchschnabelgewächse. — vvr»ni»v««ii. Wald-Storchschnabel . . 203 doranienin s^Ivatienin I.. . ll . I«v. ib. 41. 6. 203 20g 8 Niedrigstes bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Meter über Meer. v 425 Walenstadt (Linden) 450 bei Diibendorf (Kölliker) . »00 Rafz (vr. Gras) . 4SS bei Locarno (Christ) 500 bei St. Margrethen (Zollikofer) 4408 Wengernalpwcg (Fischer) 408 688 888 1888 l -M > I I 425 Walenseeufer bei Quinten (W.) 425 Walenstadt (Schlatter) - 408 Zürichsee (Wartm- u- Schl.) -^'00 Ragaz, Bittens (W- u- Sch(-) 425 Walenstadt (M- u- Schl-) 450 an der Sihl bei Zürich (Jäggi 1200 Mengen (Fischer) . 4400 Mittenbcrg (Salis) 4ooo Mengen (Fischer) - 1300 Sandalp (Regel) - 000 Kandermündung (Brown) 4207 Ferrera (Br-) 2250 Beckencn (St. u. Schr.) - 4^87 unt- Grenze Bündt. (Br-) 7 8 Köhenveröreilung. Meter über Meer. Höchstes bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Meter über Meer. 6 > 8 1200 1400 1600 1800 2000 2200 2400 2600 2800 3000 I > > l >2S°0> I > 2622 Bernina (Heer) . . . . 2263 Montalingipsel obChur(St.n.S.) 2725 Piz Langnard (Br.) . 3000 Gorncrgrat (Hcer,niv.Fl.d.Sch.) 2200 St. Galler Alpen (W. n. Schl.) 2500 obere Kreuze nach Dc Candollc 2500 „ 3000 Kornerpral (Heer,niv.Fl.d.Schw.) 176 177 178 179 180 181 182 183 2673 Tuanapaß, Avers (Br.) . . 184 2200 St. Kalter Alpen (W. n. Schl.) 185 2227 Niffclalp (St. n. Schr.) . 2200 Crester-Alp Oiäser) . 2100 St. Kalter Alpen (W. n. Schl.) 2900 Lavirnms (Br.) . . . . 2300 Fürstenalp (St. n. Schr.) 2762 Bcrnina (Caviezcl) 2795 Piz Ot (Br.) . . . . 2200 Fnrstcnalp (St. u. Schr.) 2762 Bernina (Caviezel) 186 187 188 189 190 191 192 193 194 2160 Kleine Schcideck (Rothenbach). 2800 Zermatt (Ball.) . . . . 3150 Mont Blaue . . . . 3333 Theodnlpaß. 195 196 197 198 2600 Piz Padclla (Heer) 199 2275 Wormser Joch (Häuser) . . 200 3000 Piz Beverin (Br.) . . . 201 2640 Hochgrätli Avers (Br.) 202 2345 Gipset d. Männlichen (Fischer) 203 40 41 1 Regionen- Verbreitung § L> 3 ^ !! !> !! !! !> L> g -S 0 2 Namen der Nstanzenarten. Alp- wirthschaftlicher Werth. U 7 " L Z-b ^ n «L § 2 A 8 U ^ ^ ^ tä) ^ ^ » u. — ^> <2 4 Standorte. L Z V ZZ « § 2 . ^ L ^ ^ 8 ^ ^ b; AKZGO >1 » » » !> » - V s s Verhalten zum Boden. ^ ^3 ^ ^ S- L^ L Z-Z AK 1 2 27. Familie : Leingewächse. — 3 4 e. in. 8. a. Purgir-Lein .... 204 Xioum estksrtionm 4,. . 28. Familie: Kreuzkräuter. — l?«i^8r»Lr»e«vn. v. mm. »w. Xb. iä. mt. 6. IN. 8. a. o. Bitteres Kreuzkraut . . 205 ?ol^gsls sinars äsviz. . u. mä. MM.N.Vl. Xii. iä. mk. 6. IN. 8. a. Buchsblüttriges Kreuzkraut . 206 kol^Asis obsmssbuxns I.. . 29. Familie: Meldengetvächje. — Vi»ei,«p«ai»«««n. 6. MIN.N.W. Lb. äü. o. m. 8. sä. nä. Guter Heinrich . - - 207 ObeuopoäiuwLouusilsiirie.X. 30. Familie: Resjelgetvächse. — Hrtiv»<>««ii. 6. M0. I..6. ib. äko. mt. e. in. 8. sä. Zweihäusige Brennessel. . 208 Ilrtivs äioies 4.. . . . 31. Faniilie: Rauschbeerengetvächse. — Lmpetr»««en. 6. u.sZ.IL. 4 8okv «0. I..6. ib. äko. mk. (w.) 8. g. N. Schwarze Rauschbccre . . 209 Xmpetruw uiZrum I.. . 32. Familie : Woljsmilchgetvächse. — Dux»i»ari»i»«««ii. >«>». N.W. Lib. äü. tl. ü. e. m. s. a. Chpressen-Wolfsmilch . . 210 Xuxborbis 6^psris8is8 I.. . 33. Familie : Weiden. — 8»iLv»«e«n. 6. IND.lNM. W. ib. äl. int. in. s. s. II. Stumpfblättrige Weide. .211 8siix retuss X. . . . 1. u. 1-8. ... MM.tt.lV. ib. äü. mk. 8. L. N. Iietzblättrige Weide . .212 8slix retieuists 4>. U. «IM.».«. ib. äü. mk. a. n. Krautige Weide . . . 213 8slix berbsoes X. . 34. Familie: Lilienartige. — Liit»vv«u. iV8. ib. iiü. ü. b. 6. m. 8. a. 11 . Kelchige Tofieldic - - .214 T'oüeläis esl^ouists IVsblub. 1.. mn.n.rv. ib. äü. mk. (e)in. s. s. Weißer Germer . . . 215 Verstrum stimm ib. 35. Familie : Knabenkräuter. — «r«i»ia«vii. Il/Iv. W.I..6. ib. «1l. wk. s. a. Schmalblättriges Bränderli. 216 XiAriteils suKuetikoiis Rieb. 36. Familie : Chprejjenartige. ^ Vui»re88»vv«il. v. m«. ».w. Lb. äü. mk. V. IN. 8. Gemeiner Wachholder . - 217 äuuiperus eowmuvis i.. ib. äü. ti. 8. L. N. Zwerg-Wachholder - - .218 äunipsrns nsus VViliä. 37. Familie : Schildjarne. — i*«i^F»«ai»vevii. ««.N.lV. ib. äü. tl. e. IN. 3. Männlicher Schildfarm. . 219 ilspiäinm Xilix mss. 8rv. . 38. Familie : Sekagineüen. — 8«I»K1II«II»«VVII. v. (Streupflauze) Xib. äü. ü. 8. L. Bedörnelte Sclaginelle . . 220 LsIsAinsIIs spinuloss 71. Lr. k. äü. mk. p L Niedrigstes bis jetzt beobachtetes Vorkommen. Meter über Meer. KöhenverSreilung. Meter über Meer. iS«)4 2(Ü .jS05 20h 20^ .^V7 20k .20^ 20Sl 4gl) soo 800 1000 1200 1400 1600 1800 200» 2200 I°°»I I I I I I l I I I8»o HandeS (Fischer) 2th 2lv! Ml 21^'lz 21 2IZ 2l1 2tS Zlö 21 - 2l^ 2>S 22« 218 214 215 2lis 217 218 2lg 22«) 1288 Schn-belhorn «Heers. Köllik-r) 1600 Scrnfthal «Heer) - 22S0Beckenen,Obersandalp«St.,Sch.) 120 Rafz 6i'i6i'i UrÜMör), ist aber seltener; doch kann er auch dort dominiren; so fanden wir ihn auf einer Weide an der Gotthardstraße ob Airolo 1630 m zu 34"/» im Rasen auf Gneis. Da seine Samen im Handel erhältlich sind, ist er sehr zu empfehlen zur Wiederansaat entblößter Stellen aus Alpweiden, besonders im Kalkgebirge. 7. Der Rothklee ('Irilidinm prstsuso 4.) hat als Wiesenpflanze eine sehr allgemeine Verbreitung; ivir fanden ihn auf 73 von 83 analysirten Beständen von 210 bis 2400 in. s?nnw UroIIg bis Schafweide am Teufelskopf, Brügger fand ihn im Lavirums noch bis 2925 in). In der alpinen Region tritt er in einer niederliegenden Form mit schmutzigweißen dicken Blüthenköpfchen auf (var. nivslk 816b.); daß diese Form nur durch den Standort bedingt und nicht eine wirkliche Varietät ist, geht aus ihrer Unbeständigkeit hervor; in die Ebene verpflanzt, erhält sie, wie auf dem Versuchsfeld der Samencontrolstation in Zürich constatirt wurde, schon im zweiten Jahre kleinere röthliche Blüthenköpfchen und richtet sich auf. Auf alpinen Weiden und Matten spielt der Rothklee oft eine sehr wesentliche Rolle. 8. Der gehörnte Schotenklee (4«tn8 coi'iimuIaUm 4.), von 210 in bis 2263 nt (Montalingipfel bei Chur) auf 39 unserer Bestandesanalhsen, geht aber nach Ball bis 2900 in bei Zermatt; es ist eine allerdings wenig ertragreiche, aber sehr nährstoffreiche Futterpflanze. n. Korbblüthler. 9. Das rauhe und das glatte Milchkraut lDnnntnclnn IÜ8>nckn8 4. und vor. ImRilm U.) gehören wie Geruchgras und Rothschwingel zu dem selten fehlenden Grundstock der schweizerischen Wiesenflora (siehe den speziellen Theil). Ebenso 10. Das Herbstmilchkraut (Unnntndnn gutumnslm I,.) (siehe den speicllen Theil). 11. Das behaarte und das geöhrte Habichtkraut (llisimeiuiu I'ilv86l!s 4. und -lni-iouln 4.) sind vorwiegend aus trockenen Wiesen bis weit in die alpine Region verbreitet. 12. Das Mayensäßbliimchen (Rntsnimr'm dünnn live.) verhält sich wie vorige, nur daß es von der Bergregion an häufiger ist als in der Ebene. d. Uebrige Familien. 13. Die große Geißleiter (I'üupinsUn iiMKlis 4.) (Familie der Schirmblüthler) steigt von den Wiesen der Ebene bis zu den Matten und Weiden der Alpen hinauf, dort ihre weißen Blüthen roth färbend (Vnr. rnbrn). 14. Der echte Kümmel (darum darvi 4.) ist vorzugsweise auf Bcrgwiesen, magern und fetten, zu Hause, aber steigt in die Ebene hinab, wie in die Alpen hinauf bis 2686 i» (Faulhorn nach Guthnik). 15. Die gemeine Braunelle (Urunvlla vulgarm 4.), eine Lippenblüthlerin, ist aus sonnigen, trockenen Standorten eine selten fehlende Wiesenpflanze. Dasselbe gilt von 16. dem gemeinen Thymian (IliMiu8 düaiuaodr/8 p>.), der allerdings seiner allzu stark aromatischen Eigenschaften wegen vom Weide-Vieh verschmäht wird. 17. Das aufgeblasene Leimkraut (Klatschnelke, 8il6N6 inllala 8m., Familie der Nelkenartigen), als gute Futterpflanze bezeichnet, liebt trockenen, steinigen Grund und mageren Boden; auf alpinen Weiden und Matten fanden wir dasselbe bis 2200 m (Crestcr-Alp im Avers). 18. Das Sonnenröschen (llsliantüömuln vulgäre I,., Familie der Cistrosen) macht ähnliche Ansprüche, wie vorige, ist aber trocken und hart. Als schlimme Feinde alpiner Wiesen sind die Haide tränier (Familie der drirarssii, einschließlich der Heidelbeergcwächse) zu bezeichnen. Als ausgesprochen düngerfliehend haben sie in der stärker bewirthschafteten Hügelregion vor dem Dünger in die Wälder und Buschwiesen sich zurückgezogen. In der alpinen Region aber stellen sie sich auf mageren Böden regelmäßig dort ein, wo eine lang andauernde ungestörte Vegetation eine dicke Humusdecke erzeugt hat. Erst erscheinen sie in einzelnen Büschen auf der Weide und diese breiten sich mehr und mehr nach allen Seiten aus, bis sie zusammenstoßen und aus der Weide eine unergiebige, immergrüne Buschvegetation gemacht haben. Namentlich auf Urgebirge (so z. B. in vielen Tessincr Alpen) ruiniren sie die Alpen, und sind nur durch hartnäckiges Roden und Düngen zu vertreiben. Es gehören hiehcr folgende Arten: 19. Die gemeine Besenheide (Lalluna vul^arm 8ali8>n). 20. Die Heidelbeere (Vanninüiin illzn'tillim 4.). 21. Die Moosbeere (Vaeeiuüun uliZmcmum 4,.). 22. Die Preißelbeere lVaneiniuin Vilm Idasa 4.), erst von der montanen Region an häufiger. Als weniger wichtige Wiesenpflanzen von weiter Höhenverbreitung sind endlich noch zu nennen: 23. Die Tormentill (polsntilla l'urmöntilla 8cop.), ein Unkraut und ständiger Begleiter der Heidckrautvegetation. 24. Die rnndköpsige Rapunzel UUizdsnina orbinulars 4., Familie der dampauulaussu). 25. Das Wäld-Labkraut (Oalium 8)lvs8lrs ?o>4, Familie der Krappartigen) von 510—2263 m, in einer Abart (var. alpWtrs Lr.) am k. Loiidno bis 2860 m (Brügger). 26. Die Goldruthe (8olidaKu VirZaurua 4., mit ihren alpinen Formen ali»68lri8 und nanibrira). 27. Das Wald-Vergißmeinnicht (Kznmotis 8zdvstir.g UolUn., mit seiner alpinen Form 1Ixo80li8 alp^lrm). 28. Der Frühlingsenzian (tlsMiana Vtzi'na 4.). . 29. Das Acker-Hornkraut (66ra8lium arvuims 4.), mit seinen Abarten, 8trictum Iläuke, slpieuluin UrÜA^ur). 30. Der gebräuchliche Augentrost (duMrasia cMeinalm anet.). 31. Das buchsblättrige Kreuzkraut (pol^Kgls dUamaubuxus 4.). 45 Wir haben hier 31 Arten nnd Abarten namhaft gemacht, welche für keine Region charakteristisch sind, sondern in meist gleichmäßiger Verbreitung vom Thal bis in's Gebirge den selten fehlenden Grundstock der Wiesenflora bilden. Alpwirthschaftlich am wichtigsten sind darunter: als Futterpflanzen: Geruchgras Wundklee Die Milchkräuter Rothschwingel Rothklce Fioringras Unter: Schotenklee Heidekraut Sumpfbeere Thymian Heidelbeere Preißelbeere Mayensäßblnme Tormentill n. Gruppe: Ebenenpflanzen, welche nur mit Hülfe der Düngung aus der Ebene in die alpine Region aufsteigen; sie finden sich in dieser nur auf Fcttmatten, Lagern und Geilstcllen. Hieher gehören: a. Gräser. 1. Das einjährige Rispengras (Uim annna U.) mit seiner ausdauernden alpinen Abart, dem „Fax" *) (vor. 8Upina dwürnck.) bildet auf Lagern oft ausgedehnte pelzige Rasen und wird von Schweinen und Pferden gefressen, vom Rindvieh meist verschmäht. b. Schmetterlingsblüthler. 2. Der Weißklce (1'rilolium rvpsiw I..), auf Fettmatten bis 2227 ni, auch an Geilstellen der Alpwciden sehr verbreitet. a. Körbchenblüthler. 3. Der Löwenzahn slarnxm'nm «Moinala steigt aus der Ebene, wo er als massenhaft auftretender Berwüster lückenhafter Itunstwiesen eine verhängnißvolle Rolle spielt, bis 3000 in (Gornergrat), aber nur an Schaflagern nnd Wegrändern, seltener auf Fettmatten. 4. Die Schafgarbe (Anliilloo nnllnlolniin U.) und 5. Die Wucherblume (l,6>iegnt1i6nnnn vulKniw Dov.). ck. Uebrige Familien. 6. Der scharfe Hahnenfuß (UnniineiiUw 361'w u.). 7. Der knollige Hahnenfuß (Ullmilwullm Imlkowm I,.). 8. Der quendelblättrige Ehrenpreis (Vöronioo söiMllikoIW >..). 9. Der Gamander-Ehrenpreis (Vsronnw Oliniuosclrpo u.). 10. Die Tageslichtnelke (Äownckrium ckinrnuin Orchn). 11. Der Sauerampfer (Uuinox Aestcma 1,.) 12. Das gemeine Hornkraut (Lni'twlniin triviolk Uinsi.). 13. Der gute Heinrich (tUioiiopoclinin Loniw llo.niiout' U.). 14. Die große Brennnessel (Urlioo clioiog 1,.). llnter diesen 14 düngerlicbenden Arten sind als Futterpflanzen alpiner Fettmatten wichtig: Der Weißklee, die Schafgarbe, die Wucherblume und der Löwenzahn; als Unkräuter die Hahnenfußarten, der Fax, der gute Heinrich und die Brennnessel. Die letzten zwei Lägerpflanzen sind indeß nicht ganz ohne Nutzen: der gute Heinrich dient als Gemüse, die Nessel liefert ein beliebtes Ziegen-, Schaf- nnd Schweinefutter. LH. Gruppe : Arten, welche in der Ebene feuchte bis nasse Standorte lieben, in größeren Höhen aber auch auf frischen bis trockenen Böden vorkommen (indem hier die größere Luftfeuchtigkeit die mangelnde Bodenfeuchtigkeit ersetzt). Hieher gehören: g. Gräser. 1. Die Rasenschmiele Zleselmnijwig eg 68 pit 08 l> Utzmiv.). Sie ist in der Ebene ein hartes, rauhes Unkraut feuchter bis nasser Wiesen und Bewohnerin schattiger Wälder; auf Alpweiden und -Matten spielt sie auch auf bloß frischem Boden eine wichtige Rolle und wird vom Vieh in der Regel abgeweidet; ein interessantes Beispiel der Veränderung der ökonomischen 'Eigenschaften durch den Einfluß der Höhe. b. Uebrige Familien. In der Ebene vorwiegend Sumpfpflanzen, in der alpinen Region Weidepflanzcn sind: 2. Die hirseartige Segge (tloiwx pgnieva U.), 3. Die Hasenfarbige Segge (Oorsx laporlns U.), 4. Die bleiche Segge (Usi'kx pallssealw U.), aus der Familie der Sauergräser. *) Ta nach Hacket diese Form bei Aussaat in der Ebene samenbcständig ist, kann sie nicht als bloße alpine Standortsform betrachtet werden, sondern hat als wirkliche Abart zu gelten. 46 5. Die Mehlprimel (priwuls lai'iinwn >.., Familie der Primelartigen). 6. Das Sumpf-Herzblatt (Parn388i>'» p!>lu8tri8 1.,, Familie der Steinbrcchartigcn). In der Ebene selten, in der montanen Region Gebüsch- und Waldbewohnerin, auf subalpiner und alpiner Höhe dagegen auf offener Weide und Matte oft als wichtige Futterpflanze sehr reich vertreten ist: 7. Die Sternliebe (UvIIiclmiUrum Molislii 6g88.). — Bon gleicher Verbreitung, aber seltener und ein schlechtes Futterkraut ist endlich: 8. Der Wald-Storchschnabel (Usraninm 8)'lvgticu»> u.). IV. Gruppe: Collin bis subalpin. Eberienpflanzen, welche in beträchtlicher Jndividuenzahl bis zur Baumgrenze aufsteigen, also erhebliche Bestandtheile der Voralpen- und Mittelalpen-Wiesen bilden. 1. Das Knaulgras (DsolMs Zloinsrala ».), auf Matten und Weiden, besonders fetten, ein gern gesehenes Gras. 2. Der Wiesenschwingel (keimen pralsnsis ltncw.), besonders auf frischen Matten häufig. 3. Das englische Rahgras (Unlüim parsnns I..), nur auf gedüngten Stellen so hoch gehend. 4. Die aufrechte Trespe (Urmmi8 ersetz Ilncw.), ein Horstbildendes, hartes Gras trockener, magerer Matten und Weiden. 5. Der Hopfenklee (Kaclicogo Iiipulina U), auf Matten und Weiden. 6. Die Wiesenplatterbse (Uslll^inm pigl6U8L8 U.), besonders auf Matten. 7. Die Wiesenslockenblnme (Osulgurss .Isoag >..), besonders auf Matten. 8. Das starkwnrzlige Ferkelkraut (Uxpovlls6ri8 raciicala !).), auf montanen Weiden oft dominirend. . 9. Die wilde Mähre lHgucnw Lgrola U.), auf Matten. 10. Der Klappertopf (Uliiimntlui8 mnjor >Vi:nm. 6rnb.), ein oft verheerend auftretendes, bald dürr werdendes, einjähriges, auf Wurzeln anderer Wiesenpflanzen schmarotzendes Unkraut der Matten, besonders frischer bis feuchter. 11. Der männliche Schildfarn (.48pillium 1'i!ix iiw8 8>v. >, ein Farrenkrant, das nur zur Streu geschnitten wird. V. Gruppe: Montan bis alpin. In der Ebene selten oder ganz fehlend, in der Bergregion, subalpinen und alpinen Regionen gleichmäßig verbreitet, also für die Wiesen der Voralpen, Mittelalpen und Hochalpen von Bedeutung. 1. Das Borstgras (Xarcilm klli'ivln u.); es heißt auch Nardgras oder „Burst"; in Bünden wird es „Soppa" genannt, im Berneroberland „Fax", in Uri „Ratsch", im Rheinwald „Glatthenschi", im Tessin und bei den Bergamaskerhirten ,/?onä6ll(»". Dieses Gras ist durch seine weite Verbreitung, seinen geselligen Wuchs und seine schlechten Eigenschaften als alpine Weidepflanze von großer Bedeutung. Wir können es geradezu als einen der schlimmsten Feinde der Alpwirthschaft bezeichnen. Es bildet von allen einheimischen Gräsern den dichtesten, festesten Horst. Seine borstigen graugrünen Blätter sind nur in ganz jungem Zustand oder allenfalls bei nassem Wetter für das Vieh genießbar; ausgewachsen sind sie namentlich bei trockener Witterung so hart und zäh, daß das Vieh sie nicht abbeißen kann, sondern eher den ganzen Rasen herausreißt: da es mit dem zähen Ballen, der voll Erde hängt, nichts anfangen kann, wirft es ihn weg und so sieht man häufig auf alpinen Weiden die von der Sonne gebleichten Nardusleichen herumliegen. Bor der Sense legt es sich nieder und steht nachher ungeschädigt wieder auf. Für die Schafe dagegen soll es nach Aussage der Bergamaskerhirten ein treffliches Futter sein. Während in Deutschland und weiter nördlich das Borstgras auch in der Ebene häufig auftritt ^namentlich als Begleiter der Heidevegetation), beginnt es bei uns erst bei ca. 900 m, also in der Bergregion, auf den Wiesen eine Rolle zn spielen: im Mittelland findet es sich nur vereinzelt auf Torfmoore!:. Von der Bergrcgion aber bis etwa 2100 oder 2200 in ist es auf trockenen, nicht zu steilen Weiden und Magermatten äußerst verbreitet und überzieht oft weite Strecken mit seinem graugrünen Rasen, eine förmliche „ Nardus w ü st e " bildend, von den Hirten verwünscht. Es findet sich aber auch in lichten Wäldern, auf den trockenen Oberflächen von Mooren und auf der Heide; überall aber bedarf es zu fröhlichem Gedeihen eines reichen Humnsgehaltes des Bodens. Das sicherste Mittel, diesen unerwünschten Gast zu vertreiben, ist die Düngung mit Viehdüngcr, besonders Gülle. Es fürchtet denselben wie Gift. Auf dem Gottschallenbcrg (Kt. Zug, 1140 m ü. M.) wurde durch bloße Düngung eine Narduswiese mit 69"/« Borstgras in eine gute Fettmatte verwandelt, welche keine Spur von Nardns mehr enthielt. In den geschlossenen Teppich der Nardusweidc reißt jede Geilstelle eine Lücke, unter und um jeden Kuhfladen geht das Borstgras zu Grunde, ein deutlicher Fingerzeig für unsere Alpwirthe! Wo eine Vertreibung nicht möglich ist, sollte man wenigstens die Nardusweide möglichst früh im Jahr befahren, wenn das Gras noch jung und genießbar ist; das öftere Abweiden wird ihm dann auch etwas wehren. 2. Die rostbraune Segge (Üarsx krniginva 8e»p.), (siehe den speziellen Theil). 3. Die Berg-Wohlverlei (Xi'iiiva montniis I..), ein trockenes, hmnusliebendes, durch seine flach dem Boden aufliegenden Grundblätter Platzraubendes Unkraut der Weiden, das häufig mit dem Borstgras sich vergesellschaftet. 4. Der Alplattich vlpiim 0s88.), ein kleines und dickblättriges, weitkriechendes, von: Vieh nie berührtes, aber wenig schädliches Unkraut, namentlich auf Weiden. 5. Der gemeine Thaumantel (^lelwmills vul^arm I..), (siehe den speziellen Theil). 47 6. Der gemeine Eisenhllt (-l.emiil.nm Popelin« LO, ein giftiges, an feuchten und überdüngtcn Stellen massenhaft auftretendes, äußerst schädliches Unkraut. Das Ausrotten desselben kann zu einem Nebenverdienst des Aelplers werden, da die Wurzelstöcke in der Apotheke gut bezahlt werden. VI. Gruppe: Montan und subalpin. Wiesenpflanzen, welche in der montanen und subalpinen Region ihre Hauptverbreitnng haben. s. In der montanen Region etwas stärker verbreitet. (Voralpenpflanzen.) 1. Das gemeine Straußgras (UKroUis vnlpm'i« Willi.), (siehe den speziellen Theil). 2. Das gemeine Kammgras (L^nosurns eristalns I..); dieses feine, durch seine hohe Bestocknngsfähigkeit ausgezeichnete Futtergras hat in der montanen Region seinen Hauptsitz auf Matten und Weiden; es geht auf Thalsohlen bis ca. 1200 m, an Südhängen bis 1500 —1600 m als wichtiger Wiesenbestandtheil. 3. Der Goldhafer (Drisetnm llav esesns Usauv.), ein feines, treffliches Futtergras, ist namentlich auf montanen Matten an frischer Lage häufig; auf Weiden dagegen selten. Die drei genannten Gräser sind für montane, etwas weniger für subalpine Matten so charakteristisch, daß man sie als montan-subalpines Grastrio bezeichnen könnte. Weitere Voralpenpflanzen sind: Futterpflanzen: Das mittlere Zittergras (Ilriög nimlio L.), auf Weiden und Matten. Die gefiederte Zwenke (Drsellviimlmm piimgtnm k. Ui.), auf Weiden und Matten. Der Bergklee (Irikolmm mmilamim L.), auf mageren Matten und Weiden. Die Scabiosen-Florkenbluine (Lentgmmg Lesliiosa L.), auf trockenen sonnigen Matten. Die Prachtnelke (vignllius snpgrlms L.), wie vorige. Die Wald-Sternmiere (8tsIIgrig nsmmmm L. >, namentlich an feuchten oder gedüngten Standorten, bes. um die Sennhütten. Unkräuter: Der eisenhntblättrige Hahnenfuß (Umimieulus gemiilillilius I,.), ein Kraut feuchter und gedüngter Stellen. Die europäische Trollblume (Drollius miropmus L.), auf frischen bis feuchten Matten häufig, scharfes Unkraut. Der Adlerfarn (Uteri« mpiiliim L.), namentlich auf Waldweide, ein Weide-Unkraut, das aber eine gute Streu liefert, b. In der subalpine n Region etwas stärker verbreitet (mit den beiden folgenden Gruppen die Hauptvegetation der Mittel- und Hochalpen bildend): Gute Futterpflanzen: Der Braunklee (Dril'olinm Iwümm Aellrsb.), (siehe den speziellen Theil.) Der wollkrautblättrige Pippau (Lrepis Iilgtlarinicies VIII.), auf feuchter, schattiger Waldweide und -Matte, sowie auf offenen Fettmatten oft ein herrschender Bestandtheil. Die Rindcrblnme (Lrepis gurea Las«.), (siehe den speziellen Theil). Micheli's Rapunzel U'Iiz-leiimg llielmlii llnell.) und Hallers Rapunzel (Uiivleumg Ilalleri -III.). Die große Astrantia (^«IrmUm mchnr U.) auf feuchten Magermatten, an Wildhenplätzen, besonders zwischen Dros und Legföhren, namentlich auf Kalk. Die kleine Astrantia (-lstrgnlig minor L.) auf Weiden und Magcrmatten im Urgebirge. Das Gold-Fingerkraut I'Msnlilw gnrea L.), (siehe im speziellen Theil.) M i n d e r w e r t h i g e Fu t t e r p f l a n z e n nnd U n k r ä u t c r: Die stengcllofe Eselsdistel (Larliim geaulis I..), auf trockenen Magermatten und Weiden verbreitet; wird im Heu gefressen, auf der Weide nicht. Das herzblättrige Kreuzkraut (8mi66io emllgtus Xecli.), „Staffelböhni, Bluzge", ein schlimmes Unkraut des Lägcrbodens. Die bärtige Glockenblume (Lgmpsnulg darbsta L.), ein stark behaartes, schlechtes Futterkraut der Weiden. Das gemeine Alpenglöcklein (Solllauölls glpins L.), ein klein- und dickblüttriges, sehr verbreitetes Unkraut der montanen bis alpinen Weiden. Das reichblättrige Läusekraut (Ueciieulgris koli'isa L.), namentlich auf Matten und Wildheuplanken; auf der Weide selten. Der Berghahnenfuß (Uammenlns monlmms Willll.), ein scharfes Unkraut, das oft weite Strecken die montanen und subalpinen Weiden gelb färbt. Der gelbe Enzian (Lenlwng Inleo L.), ein bis meterhohes üppiges, bitteres Unkraut, das aber durch die Wurzelgräberei für den Enzianbrsnner einen Nebengewinn der Alp abwirft; auch in der alpinen Region zu Hause. Der weiße Germer (Verglimm glimm U.), ein giftiges Unkraut feuchter oder gut gedüngter Stellen. VII. Gruppe: Subalpin und alpin. Wiesenpflanzen, welche in der subalpinen und alpinen Region ihre Hauptverbreitnng haben (mit der vorigen und der folgenden Untergruppe die für die Alpwirthschaft wichtigste Vegetation). 48 Als gute F u t t e r k r ä u t e r: Das Alpenrispengras (Illm ulpiim k.), s Das Alpenlieschgras (kliloum alplimm k.), s Siehe den speziellen Theil. Micheli's Lieschgras (KKIonm UieUolll .411.), j Das violette Rispengras (Pos violaooa koll.). Die Berg-Esparsette (0m>I)i^eki8 Montana Uoe.) auf trockenen Südhalden mit kalkreichem Boden eine gern gesehene Weide- und Mattenpflanze. Der rasige Klee (Ii'ilolmm em8pilo8um Ilovo.), (siehe den speziellen Theil.) Als Unkräuter: Die Alpen-Bartschie (Usrtsia alpios U.). Das beschnittene Lausekraut (pociieulsris rocntita U.). Der stengellose Enzian (Uonliaim seg>ili8 anet.). Die nacktstenglige Kugelblume (tUobularia micUesnlm >..). Siehe den speziellen Theil. vm. Gruppe. Alpin. Eigentliche Alpenpflanzen d. h. Arten, welche oberhalb der Baumgrenze ihre .Haupt Verbreitung haben. Untergruppe a. Arten, welche noch in die subalpine Region hinabsteigen; mit den zwei vorhergehenden Gruppen die Hauptvegetation der Kuhweidcn bildend. Gute Fntterkränter: Alpenstraußgras (AZrostis nlplim 8eop.), Felsenstraußgras s^grostm rnpo8trm .411.), Violetter Schwingel (Uostnea violaeoa 6ancl.), Niedriger Schwingel (kemlues pumlln (Ilmlx.), Immergrüne Segge (Larox 8ompoi vlron8 VIII.), Feld-Spitzkiel (OxMopm oamp68li'i8 lloe.), Alpenklee (Iritollum slpiimm U.). Dunkler Süßklee (Ilocl^arum olmeurum k.), Pyrenäen-Milchkraut (Uoootockon p^roualmm 6on.), Alpenwegerich oder Adelgras (KIsutaKo alplns k.), Bergwegerich (kwulggo Montana I,.), Gejpaltenblättriger Thaumantel (AlelmmIIIa 8elmmm.), Geschwärzte Schafgarbe (UelüIIoa atrsta I,.). Einköpfiges Ferkelkraut (Ilxziookonm nnillora VIII.), auf Magermatten und -Weiden. Alpentraganth (^stra^alrm alpinem U.), gute Weidepflanze. Minderwerthige Futterpflanzen und Unkräuter: Alpenaster (^stor slstimm), ein wenig ergiebiges, minderwerthigcs, aber sehr verbreitetes Futterkraut auf Magermatten und Weiden. Dickkelchiges Habichtskraut (Umraemm pilo^ollaokormo Hopp.), nur auf trockenen Magermattm und Weiden. (Unkraut.) Vielstachlige Kratzdistel slliimium ^pimmmmnnnn 8cop.), ein lästiges Unkraut, namentlich steiniger Stellen auf der Weide. Meisterwurz oder „Astriinze" (Imporaloi-ia 08l, iilliimn I.. i, stattliches Unkraut auf feuchter, schattiger Weidwund an Läger- und Geilstellen. Linn6's Mastkraut l8gstms Istmmoi), ein kleines, aber massenhaft vorkommendes Weidekraut, das besonders auf Geilstellm und Lägern sich findet. Ganzblättrige Primel (krinmls inlogrilolia U.). Bewimperter Mannsschild (^uckro8goo lUiamaojamim IIo8t.). Quirlblättriges Lausekraut (pockionlniis vorlioillala >..), Blattloser Ehrenpreis (Voronlos gpkxlls I..), Alpen-Ehrenpreis (4'oronies slping U.), Alprn-Anemone i.4nommm olplim U>), Narcifsenblüthige Anemone (Auomono oaiemsillora U ), Ausgeschnittener Enzian (Koiitisim oxel8s ?i68l ), Punktirtrr Enzian (Osnlisus punclalo U.), Schmalblättriges Bränderli(WßritoIIs anAU8tUoIin klein), Rostbraune Alpenrose (klmlloäoncknim loi ruZiimum I..), Behaarte Alpenrose (kkockollonckrnm Ulimutum U.). Unkräuter der Weide. 49 Beide Alpenrosen sind zwar der schönste poetische Schmuck unserer Berge, aber vom wirtschaftlichen Standpunkt als verheerende Unkräuter zu bezeichnen, welche oft weite Weidestrecken gänzlich ertraglos machen. Die rostbraune zieht das Urgebirge vor, die behaarte den Kalk; wo sie untereinander vorkommen, besiedelt die erstere die tiefgründigen, humusreichen, feuchten Stellen, die letztere die felsigen, trockenen. Auch die herzblättrige Kugelblume (tUobalsi-js eoräilolis) und die nehblättrige Weide (8slix rotioulsw) sind Alpensträucher, welche als harte, holzige Unkräuter zu bezeichnen sind. Untergruppe d. Alpenpflanzen, welche nicht oder nur ganz selten unterhalb der Baumgrenze sich finden; sie bilden mit den Pflanzen der vorigen Gruppe die Vegetation der höchsten Kuhalpen und Schafalpen. Gute Futterpflanzen: Gemsenschwingel (ksstuea rupieaprins Uswll.) (siehe den speziellen Theil). Tchenchzer's Hafergras l.tvsno Zeliauolixori M.), charakteristisch für die Vegetation der Humuspolster auf Gräten und Kämmen, Rücken und Gipfeln und oft ein dominirender Bestandtheil der Schafweiden. Aehrenhafer s'I'rwaUim sulwpiestum Ussuv.), wie voriges, aber erst von 2300 m an auftretend. Zweizeilige Seslerie (Lsslaria ckigtiells ?M8.), nur auf Urgebirge vorkommend, sonst wie vorige. Braune Hainsimse (Impuls spzclwcw Doe.) und die dreispaltige Simse (luneus triüän8) bilden besonders an etwas feuchten Stellen wichtige Rasenbestandtheile. Kalte Berglinse (llllsos lw^icls U.), (siehe den speziellen Theil). Jvapslanze (^elliUsa inosellata >VuIl.), findet sich nur auf Urgestein. Niedriges Ruhrkraut (llimplmIiuM supinum >,.), niedrig, stark behaart, aber doch von den Schafen begierig aufgesucht. Zwerg-Schafgarbe (.-lelnUas »aus ll.), ebenfalls ein beliebtes Schaffutter. Muttern (LIsum UuwUing 6Lrln.), (siehe den speziellen Theil). Alpen-Liebstöckel ikaxn 8Mipwx llauck.), ein der Muttern sehr ähnliches Kraut, das aber weniger aromatisch ist und weniger häufig und erst in größeren Höhen auftritt. Halbkuglige Rapunzel (lUiMuinz Iwmlsplworiwim U.), (siehe den speziellen Theil). Niederliegende Sibbaldie (8U)t>slckw prooumbsno U>). Fünfspaltiger Thaumantel (vlloliomills poulgpll^IIöa U.), mit Muttern, Ruhrkraut, krautiger Weide, Alpen- Wucherblume u. A., die Vegetation der „Schneethälchen" bildend, jener vertieften Stelle, wo der Schnee lange liegen bleibt und viel Humus ausapert. Minderwcrthige Futterpflanzen und Unkräuter. Krausblättrige Segge (Osiwx eurvnls ^VU.), an trockenen humusreichen Stellen, auf Paßübergängen, flachen Kämmen und Hochgipfeln oft weite Strecken bedeckend, besonders auf Urgebirge; auf Kalk ist sie vertreten durch die steife Segge (Uarsx tirma Uo8t.). Einköpfiges Berufskraut (LriZmon unillorrw U). Alpen-Wucherblume llll>rv8oiUlwniiin olpinum Iwmft, Unkraut. Krautige Weide (8slix llordsetza U.), nur von den Schafen gerne gefressen: ein ganz in die Erde geschlüpftes Sträuchlein, bei dem nur die Zweigspitzen über den Boden hervorragen. Stengelloses Leimkraut (8Ü6110 gesuli8 U.), Schaffutter. Kleines Alpenglöcklein (8olägnoNs pimilla lwnmAii, Unkraut. Bayrischer Enzian (ltonligns dsvsiios U.), wie voriges. Niederliegende Azalea (I.oiLGlmrris prvcumb6N8 l>68v.), ein Zwergsträuchlein, das mit seinen polsterförmigen Rasen oft weite Strecken überzieht und ertraglos macht. Rauschbeere (Lmpoliain nigrum U.), wie vorige. 2. Verschiedenheit der Flora je nach der Nutzung. Wiesen, die ün Uebrigen unter ganz gleichen Bedingungen stehen, von denen aber die eine gemäht, die andere geweidet wird, haben stets ein anderes Aussehen und eine andere Zusammensetzung des Rasens: einestheils sind die Arten andere, anderutheils ist ihr prozentisches Verhältniß verändert und ihre Ent- wicklnngsweise verschieden. Es gibt „ Weidcpflanzen " und „ Mattenpflanzen ", d. h. Pflanzen, die vorzugsweise aus geweideten, und solche, die besonders aus gemähten Wiesen vorkommen. Am ausgesprochensten ist der Unterschied zwischen der Grasnarbe der oft begangenen Weide einerseits und der nur einmal gemähten, oder auch nur alle zwei Jahre gemähten Magermatte, oder der Fettmatte anderseits. Auf der Weide ist der Rasen niedrig, kurzhalmig, aber äußerst dicht; die starke 7 50 Bestückung, d. h. Erzeugung zahlreicher bodenständiger Triebe wird hier begünstigt durch das stete Abweiden der schon vorhandenen, welches die schlafenden Augen znm Austreiben veranlaßt, und durch das Feststampfen des Bodens durch den Hilf des Weideviehs. Auf Wildhenplätzen und Fettmatten dagegen ist der Rasen langhalmig und üppig, oft bis in große Höhen (so zeigte bei 2227 in n. M. auf einer Fettmatte der Riffelalp der Goldhafer Halme von 1 na Höhe!) Dagegen ist er lockerer, weil durch die Beschattung des Bodens zahlreiche niedere Triebe verkümmern. Außer diesen Differenzen in der Berasnng zeigt sich auf entsprechendem Boden meist in noch viel auffälligerer Weise ein Unterschied in der Bodengestaltnng: aus der Weide ist der Boden in Folge des Austretens durch das Weide- vieh uneben, hügelig, von zahlreichen nackten bloßgelegten Stellen unterbrochen; auf der Blatte dagegen eben und gleichmäßig berast. Auf der Weide können sich auf die Dauer nur solche Pflanzen halten, welche entweder nie abgeweidet werden oder das öftere Abweiden gut ertragen können und dadurch zu reicher Bcstockung angeregt werden, oder endlich solche, welche aus ihren vom Vieh verschonten Stengeln reichlich fruktifiziren und so den Abgang immer wieder ersetzen. Die meisten unserer Alpweiden unterliegen seit alter Zeit, jedenfalls seit mehreren hundert Jahren, ununterbrochen der Weidenutzung, und so hat unter den: nach obigen Grundsätzen auswählenden Zahn des Viehs allmälig die Flora der Weiden ihre jetzige Zusammensetzung erhalten. Eine große Zahl von Arten, darunter leider gerade viele treffliche Futterkrüntcr besonders Schmettcrlingsblüthler, die ursprünglich sicher auch die geweideten Flächen bewohnten, sind so von denselben verdrängt und lassen sich wohl niemals wieder dauernd auf ihnen einbürgern. Der Rasen der stark genutzten Weide wird vorzugsweise von folgenden Arten gebildet: (Erklärung der Zeichen für den Hauptwohnsitz: in — montan (Voralpeu), 8 — subalpin (Mittelalpeu), alpin im weitern Sinn, inclusiv der Schneeregion (Hochalpen). Gute Futterpflanzen: in 8 a Geruchgras m 8 3 Dichtrasiger Rothschwingel in 8 a Fioringras in 8 r» Rasenfchmiele. in Zittergras in 8 Kammgras in 8 Gemeines Straußgras in Liegender Dreizahn 3 Alpenrispengras 3 Gemsenschwingel 3 Niedriger Schwingel 3 Alpenstraußgras 3 Felsenstraußgras 3 Scheuchzers Hafergras (des. Schafweide) nAehrenhafer „ „ 3 Zweizeilige Seslerie (bes. Schafweide) in 8 3 Wundklee in 8 3 Rothklee in 8 3 Schotenklee in 8 3 Braunklee 8 3 Rasiger Klee 3 Alpenklee in 8 3 Milchkräuter w 8 3 Sternliebe 8 3 Goldpippau 3 Pyrenäen-Milchkraut 3 Niedriges Ruhrkraut (Schafweide) 3 Zwerg-Schafgarbe (Schafweidc) 3 Alp en-Lieb stückel „ 3 Muttern (nicht sehr häufig!) Rundblättrige Glockenblume 3 Scheuchzers Glockenblume 3 Halbkuglige Rapunzel 3 Alpen-Wegerich 3 Berg-Wegerich 3 Gold-Fingerkraut 3 Fünfspaltiger Thaumantel (Schafweide) ni 8 3 Wald-Labkraut 3 Besporntes Veilchen Minderwerthige Futterpflanzen und Unkräuter: in in in in in in IN IN IN NI 8 3 Borstgras Liegender Dreizahn 8 3 Bleiche Segge 8 3 Hirseartige Segge 3 Geschwärzte Segge 3 Krausblättrige Segge (Schafweide) 3 Braune Hainsimse Starkwurzliges Ferkelkraut 8 3 Stengellose Eselsdistel 8 3 Alpenhuflattich 8 3 Alpen-Aster 8 3 Bärtige Glockenblume 8 3 Tormentill 51 m in 3 Berg-Nelkenwurz 3 Stengelloses Leimkraut (Schafweide) Die Primelarten Die Alpenglöcklein Die Mannsschilde s Gemeine Braunelle 3 Wald-Vergißmeinnicht 3 Alpen-Bartschie 3 Blattloser und Alpen-Ehrenpreis Die Augentrost-Arten Das quirlblättrige und beschnittene Läusekraut Die Enziane in 8 s Berghahnenfuß 3 Frühlings-Anemone i» 8 3 Die Haidekräuter 8 3 Die Alpenrosen 3 Niederliegende Azalea (Schafweide) 8 3 Herzblättrige Kugelblume 3 Die Gletscherweiden m 8 3 Sonnenröschen Die gesperrt gedruckten Arten sind ausschließliche Weidepflanzen, weil sie nur in Höhen vorkommen, wo keine Magermatten mehr sich finden, oder weil sie zu niedrig sind, um im langen Rasen der Wildheuplätze fortzukommen. Alle Uebrigen können auch im kurzen Rasen der Magermatten auftreten. Für die langrasigen Wildheuplätze, feuchten Runsen und wenig genutzten obersten Einhänge der Weide sind charakteristisch: Gute Futterpflanzen: m 8 3 Große Geißleiter in 8 3 Weichhaariger Hafer 8 3 Muttern (hier häufiger als auf der Weide) 8 3 Micheli's Lieschgras in 8 Große Astrantie 8 3 Violettes Rispengras Die großen Rapunzeln 8 3 Alpen-Rothschwingel in 8 3 Klatschnelke 8 3 Scheuchzer's Schwingel Minderwerthige Futterpflanzen und Unkräuter: in 8 3 Rostbraune Segge in 8 3 Berg-Esper 8 3 Feldspitzkiel, namentlich an steinigen Stellen. 8 3 Dunkler Süßklee in 8 g Kalte Berglinse 3 Einköpfiges Ferkelkraut 8 8 3 Geschwärzte Schafgarbe 8 8 3 Gemswurz-Kreuzkraut (bes. an steinigen Stellen) 8 8 3 Glänzende Scabiose Auch diese Arten können alle auf Magermatten auftreten. Auf Fettmatten dagegen findet sich eine ganz andere Gesellschaft, die wir sogleich bei der Besprechung der Einflüsse der Düngung kennen lernen werden. 8 3 Blaue Seslerie 8 3 Immergrüne Segge 8 3 Berg-Spitzkiel (namentlich an steinigen Stellen) Scabiosenflockenblume 3 Phrygische Flockenblume 3 Straußblüthige Glockenblume 3 Reichblättriges Läusekraut 3 Narzisseublüthige, schwefelgelbe und Alpen- Anemoue 3. Einfluß der Düngung auf die alfltvirthschastlichen Bestände. Wohl kein anderer äußerer Factor iibt, namentlich wo er im Uebermaß auftritt, einen so markanten Einfluß anf den Graswuchs aus, als die animalische Düngung.*) Die Verfasser haben an einem anderen Ort **) zu zeigen versucht, wie sich die Wiesenpflanzen nach ihrem Verhalten zur animalischen Düngung gruppiren lassen, und dort die in der Tabelle Seite 28 u. ff. aufgeführten und erläuterten fünf Kategorien aufgestellt. Auf den alpinen Wiesenbeständen haben wir viererlei Stellen, tvo unter dem Einfluß normaler oder übermäßiger Düngung sich eine düngerliebende Flora ansiedelt, nämlich: 1. Die Läger und Schaflager; das sind die meist ebenen Ruheplätze des Viehes, entweder um die Sennhütten herum gelegen, wo das Vieh zweimal täglich zum Melken zusammengetrieben wird, oder auf freier Weide, wo das Vieh mit Vorliebe ausruht. Die Schaflager liegen meist im Schutz von Felswänden möglichst hoch am Grat oder auch direkt offen auf dem Kamm oder Gipfel, denn die Schafe haben bekanntlich die leidige Gewohnheit, möglichst hoch zu steigen, wenn sie ihr Nachtlager aufsuchen. Diese Plätze werden durch den massenhaft dort abfallenden Dünger, der allermeist an Ort und Stelle liegen gelassen wird, überdüngt; die Erde ist oft ganz schwarz und hat deutlichen Mistgeruch. *) Wir sprechen hier nur von animalischer Düngung, weil die Aufbringung von Kunstdüngern auf alpine Wiesenbestände bis jetzt meist nicht als rentabel bezeichnet werden kann. Beiträge zur Kenntniß der Matten und Weiden der Schweiz, landw. Jahrbuch der Schweiz. I. xa§. 77—190. 52 2. Die Geilstellen auf der Weide, d. h. diejenigen beschränkten Stellen, wo ein noch nicht zu lang gelegener Kuhfladen den Boden düngt. Die vom Kuhfladen selbst überdeckte Stelle wird anfangs durch Luftabschluß und Lichteutzug und zu starke Düngung vegetationslos und nur rings um das Excrement, wo eine , durch Regenwasser verdünnte Düngung stattfindet, stellen sich die Düngerpflanzen ein; je weiter aber das Austrocknen und Zerfallen des Fladens fortschreitet, desto mehr schafft sich auch die Vegetation der zugedeckten Stelle Licht und es bohren sich diejenigen Arten durch, denen eben die Düngung zusagt, während die düngerfeindlichen zu Grunde gehen. 3. Die Fettmatten: Einschläge, welche regelmäßig und nicht zu stark gedüngt und 1—2 mal gemäht werden. 4. Die Fettweide, d. h. diejenigen Stellen der Weide, wo der Dünger in zuträglichem, nicht übermäßigem Quantum in festem Zustand vertheilt, oder in flüssigen Zustand durch die Gülle oder das Wässerwasser hingeschwemmt wird. Wird im letzten Fall das zulässige Quantum überschritten, so stellt sich die ertraglose „Lägerflora" ein. In verschiedenen Beziehungen am interessantesten ist dieLägerslora. Sie besteht meist aus folgenden Arten: Alpenampfer („Blaken") Wald-Sternmiere Blauer Eisenhut Meisterwurz Staffelböhni (Stzuseko corästus) Fax (kos sunus vor. supiiw) Gemeiner Thaumantel Alpenrispengras Brennnessel Alpen-Lieschgras Guter Heinrich Löwenzahn Die erst genannten und gesperrt gedruckten herrschen meist vor, oft bis zur Unterdrückung aller klebrigen. Es sind lauter hohe, raschwüchsige, mastige Pflanzen, welche oft einen förmlichen Wald um die Sennhütten bilden. Sie verdanken diese Herrschaft drei Ursachen: Erstens dem Umstand, daß sie in einem überdüngten Boden äußerst kräftig gedeihen. Zweitens, daß es raschwachsende, viel Platz brauchende und stark schallende Gewächse sind, welche niederere, langsamer wachsende, lichtbedürftige durch Beschattung vertreiben. Drittens dem Vortheil, daß sie vom Vieh nicht berührt werden; indem das an diesen Plätzen so häufig und so zahlreich anwesende Vieh alles Andere wegfrißt, hilft es diesen Unkräutern indirekt im Kampf um's Dasein, vertreibt die konkurrirenden Arten. Daß es in der That nicht die Eigenschaften des Bodens allein sind, welche die ursprüngliche Flora dieser Stellen so völlig vertrieben haben und diesen eingewanderten Ammoniakpflanzen zum Siege verhalfcn, zeigt deutlich der Umstand, daß bei der Kultur auf dem Lägerboden, unter dem die Ammoniakpflanzen fernhaltenden Schutz der Menschen, die meisten alpinen Weidepflanzen trefflich gedeihen, wie die oben erwähnten Versuche auf der Fürstenalp bewiesen haben. Wir haben schon oben Seite 12 u. ff. gezeigt, wie diese ertraglosen Läger in ertragreiche Matten umgewandelt werden können. Die Flora derSchaflager ist von der der Läger schon deßhalb meist verschieden, weil wegen der Höhenlage die hochwüchsigen Kräuter mehr zurücktreten. Hier dominirt häufig das Alpenrispengras, in absolut reinem, pelzigem Rasen weite Strecken überziehend, daneben der gemeine Thaumantel, der Löwenzahn, der Fax. Auf den Fettmatten endlich der tiefer gelegenen Alpen finden sich vorzugsweise folgende Arten: Gute Futterpflanzen: Gemeines Straußgras Kammgras Goldhafer Knaulgras Wiesenschwingel Wollkrautblättriges Kreuzkraut Rautenblättrige Glockenblume Schafzunge Gemeiner Kümmel Bärenklau Gemeiner Thaumantel In den Voralpen. Unkräuter: Dreifarbiges Veilchen Klappertopfarten Trollblume (Töni) Eisenhutblättriger Hahnenfuß Waldstorchschnabel. 53 Die Fettmatten der Mittel- und Hochalpen dagegen bewohnen vorzugsweise folgende Arten. Gute Futterpflanzen: Alpenrtspengras (Romeye) Alpenlieschgras Dichtrasiger Nachschwinget Rasenschmiele Braunklee Goldpippau Muttern Alpenwegerich (Adelgras) Scheuchzer's Glockenblume Gemeiner Thaumantel Unkräuter: Meisterwurz Quendelblättriger Ehrenpreis Eisenhutblättriger Hahnenfuß Berg-Hahnenfuß Weißer Germer. Alpenampfer In den Fettmatten aller Höhenlagen endlich finden sich: Geruchgras Einjähriges Rispengras (Fax) Glattes und rauhes Milchkraut Rothklee Scharfer Hahnenfuß Weißklee Löwenzahn Die Flora der Geilstellen und der Fettweiden setzt sich je nach dem Düngungszustande aus einer Auswahl der Arten der Lägerflora und der Fcttmatten zusammen. Die Geilstellen sind für den denkenden Aelpler eine wichtige Quelle der Belehrung: denn er kann aus ihrer Flora ersehen, welche mißliebige Pflanzen seiner Weide er durch rationelle animalische Düngung vertreiben kann, und welche dadurch begünstigt werden. Es ist namentlich der „Burst" (ölsräas Mrteta), welcher vor der Düngung schleunig Reißaus nimmt, während unter den düngerliebenden Arten der Fettweide glücklicherweise gerade die besten Alpenfutterpflanzen vertreten sind (Romeye, Muttern und Adelgras). 4. Einfluß der unterliegenden Felsart (geognostischm Unterlage). In diesem schwierigen nnd vielfach noch streitigen Kapitel können wir nns an dieser Stelle nur auf die Anführung einiger prägnanter und praktisch wichtiger Thatsachen beschränken, ohne aus die Ursachen derselben näher einzugehen; wir lassen hier namentlich die Streitfrage unberührt, ob die chemische oder die physikalische Natur des Untergrundes eine wichtigere Rolle spielt; wir müssen ferner ausdrücklich hervorheben, daß die von uns in der Tabelle S. 28 ff. und weiter unten aufgeführten Beziehungen znr Felsart nur für die S chweizeralpen gelten: in andern Gebieten sind sie oft ganz andere. Die „bodenbestimmenden" Eigenschaften der Pflanzen gelten meist nur in engbegrenzten Gebieten. Unbestreitbare Thatsache ist, daß die Flora des Kalkgebirges von derjenigen des Urgebirges verschieden ist: neben einer allerdings überwiegenden Zahl von Arten, welche auf allen Bodenarten vorkommen (indifferent mit Bezug auf die Unterlage, in der Tabelle mit Zb" bezeichnet) gibt es eine kleine Zahl von Arten, welche Boden auf kalkreicher Unterlage vorziehen, ohne auf kalkarmen ganz zu fehlen (kalkholde Arten „LR" unserer Tabelle), und eine noch kleinere Zahl, welche ausschließlich, oder doch mit äußerst seltenen Ausnahmen anf kalkreichem Boden sich finden (kalkstete Arten — „ILs" unserer Tabellen). Diesen kalksteten und kalkholden Arten stehen auf dem meist kalkarmen und kieselreichen Boden des Urgebirges die kieselsteten (Hs) und kieselholden (Hill) Arten gegenüber. Im großen Ganzen finden sich die kalkliebenden Arten anf den geschichteten (sedimentären) Gesteinen, die kalkfeindlichen auf dem Urgebirge. Zu den ersteren gehört die meist kalkreiche Molasse 54 des schweizerischen Mittellandes und der nördlichen Boralpen; ferner die Flyschschiefer und Nummukithen- kalke der Eocenformation, die Schichten der Kreide- und Juraformation, (mit wenigen Ausnahmen), welche die nördlichen Kalkalpen bilden, und die Schichten der Trias, (Kalk, Gyps und Dolomit). — Zum Urgebirgc dagegen gehören die Granite, Gneise, Glimmerschiefer, Hornblcndcschiefer, welche unsere Centralalpen zusammensetzen; ferner ist der Sernifit oder Verrucano (der znr obern Steinkohlen- formation gerechnet wird) ein kieselreiches und kalkarmes Conglomcrat. Neben diesen Hanptgebieten der Kalk- und Kieselflora der Schweizeralpen finden sich schicfrige Gesteine, welche in ihren chemischen und physikalischen Verhältnissen die Bedingungen für beide bieten und dementsprechend auch Kalk-und Kieselpflanzen tragen; hieher gehört namentlich der Bündnerschiefer, der alle erdenklichen Abstufungen von kalkarmem Glimmerschiefer zu kalkreichem Thonschiefer und sogar reinem Kalkstein darbietet. Es kommen aber auch sehr häufig Kalkpflanzen im Urgebirge und Urgebirgspflanzen im Kalkgebirge vor, denn wir dürfen nicht vergessen, daß innerhalb des oben umgrenzten Urgebirges vielfach Schichten von Urgebirgskalk sich finden, ferner daß manche krystallinische Gesteine (so z. B. manche Granite, Diorit, Melaphyr, Syenit, Hornblendeschiefer, granatführcnde Kalkschiefer) selbst beträchtliche Mengen von Kalk enthalten, dann umgekehrt einzelne sedimentäre Gesteine kalkarm und kieselrcich sind (so der eocene Taviglianas-Sandstein, der Gault der Kreideformation an manchen Stellen). Bedenken wir ferner, daß durch die gesteintransportirende Wirkung der Müsse und Gletscher die Unterlage vielfach so stark mit Gcsteiustrümmern anderer Zusammensetzung überdeckt ist, daß sie auf die Natur der Dammerde keinen Einfluß mehr ausübt und die letztere von Schritt zu Schritt eine äußerst wechselnde Zusammensetzung erhält, daß ferner durch die kalkwegführende Verwitterung auf Kalkgestein eine fast kalkleere Krume sich bilden kann, daß endlich durch die Anhäufung von Humus und von den in den Pflanzen selbst enthaltenen Aschenbestandtheilen der Einfluß der Unterlage verdeckt oder in sein Gegentheil verkehrt werden kann, so genügt das wohl, um die Complicirtheit des Problems darzustellen. Unter Vorbehalt also aller dieser Einschränkungen können wir sagen, daß folgendes die wichtigsten alpinen Wiesenpflanzen sind, welche ausschließlich oder vorzugsweise auf dem Kalkgebirge, resp. Urgebirge sich finden. Kalkgebirge. Urgebirge. Blaue Seslerie Mittleres Zittergras Aufrechte Trespe Micheli's Lieschgras Schöner Schwingel Niedriger Schwingel Gemsen-Schwingel Steife Segge Berg-Esper Braunklee Feldspitzkiel Bergspitzkiel Vielfach treffen wir so daß sie sich gleichsam Dunkler Süßklee Kalte Berglinse Geschwärzte Schafgarbe Alpenaster Edelweiß Alpenwegerich Alpen-Anemone Stengelloser Enzian Fleischrothes Haidekraut Behaarte Alpenrose Langsporniges Veilchen. Zweizeilige Seslerie Borstgras Violettes Rispengras Violetter Schwingel Haller's Schwingel Krausblättrige Segge Braune Hainsimse nahe verwandte Arten, von denen die eine den Kalk, die gegenseitig ersetzen (vicarisirende Arten). Alpenklee Jva Kleine Astrantie Tormentill Schwefelgelbe Anemone Rostrothe Alpenrose Ausgeschnittener Enzian. andere das Urgebirge vorzieht, 55 Solche sind: Kalkgebirge. Blaue Seslerie . . Gemsen-Schwingel. . Steife Segge . . . Geschwärzte Schafgarbe Mrgeöirge. Zweizeilige Seslerie Haller's Schwingel Krausblättrige Segge Jvapflanze Hlrgeöirge. Schwefelgelbe Anemone Ausgeschnittener Enzian Rostrothe Alpenrose Cherler's Wundklee Kalkgebirge. Alpenanemone . . . Stengelloser Enzian . Behaarte Alpenrose . Gemeiner Wundklee . Obige Liste zeigt ferner, daß eine Reihe trefflicher Futterpflanzen, so die Muttern, der Alpen- wegerich, eine Anzahl Schuwtterlingsblüthler den Kalk vorziehen. Wo also im Kalkgebirge das Gestein eine gute Krume liefert, werden wir eine reichere und nahrhaftere Raseunarbe finden als im Urgebirge. Am besten liegen die Verhältnisse dort, wo ein leicht verwitterbarer Schiefer einen tiefgründigen, an mineralischen Nährstoffen reichen (auch kalkreichen) Boden liefert, wie das im Gebiet des kalkreichen Bnndnerschiefers und in: Flysch und Lias der Fall ist, auf welchen in der That die schönsten Weiden zu finden sind. Kharakter der alpinen Wiesen, im Vergleich zu denen der Kbene. Wie verschieden ist der Anblick einer guten Thalwiese und einer in vollem Flor stehenden alpinen Weide oder Magermatte! Im Thal herrscht aus der Wiese das Grün, sei sie auch noch so bunt von Blumen. Die Blüthen, meist auf hohen, blätterreichen Stengeln und laugen Stielen, sind weit auseinander gerückt und lassen überall das grüne Blatt- und Halmwcrk durchschimmern.*) Ganz anders auf der Alp! Hier überrascht uns ein Blumenflor, der das Entzücken jedes Alpenwanderers hervorruft. „In weiten Flächen glänzen uns, Blüthe an Blüthe gedrängt, von dem kahlen Boden, über den sie sich kaum erheben, in buntem Farbenschmuck die mannigfachsten Blumen entgegen."*'*) „Kommst du zu rechter Zeit, so gleicht nichts in der Welt dieser wahrhaft berauschenden Herrlichkeit. Die großen Blumen, dicht aneinander stehend, verdecken förmlich die niedrigen kleinblättrigen Pflanzen, so daß das Grün nur spärlich durch die glänzenden Farben der Blumen hindurch schimmert, die man nur mit zögerndem Bedauern betritt. Das zarte Rosa der Mehlprimel, der Lilsus noaulis, das kalte Weiß der Anemone, das brennende Hochgelb der Habichtskräuter, das tiefe Knpserroth der Bartschien, das ebenso tiefe, aber feurige Blau der Gentiancn, die in mächtigen Büscheln auf den: Grunde lagern, und vor Allem das tiefsammtene Violett der in unendlichen Mengen sich öffnenden Veilchen bilden die, Haupttöne in dem schillernden, mit unzählbaren Thautropsen wie mit Diamanten beperlten Teppich."***) Es sind im Wesentlichen vier Gründe, welche den Unterschied der Alpwiese von der Thalwiese bedingen: 1. Die die Grasnarbe zusammensetzenden Arten sind zum großen Theil andere. 2. Die Mischungsverhältnisse, in welchen die größeren Gruppen des Gewüchsreiches auftreten, sind meist verschieden von denen der Ebene. 3. Die aus der Ebene heraufsteigenden Arten sind meist durch die Einflüsse des Alpenklimas in ihrer Gestalt verändert. 4. Die rein alpine Wiesenflora zeigt eine Reihe von Eigenthümlichkeiten, in ihrer Gestalt und ihrer ganzen Lebensführung, welche ebenfalls klimatischen Einflüssen zuzuschreiben sind. *) Eine Ausnahme davon machen die stark gedüngten Matten, auf denen eine Art sehr stark vorherrscht: so im Bericht der Güllewirthschaft die „Umbelliferenwiesen" mit ^ntllrisons s^lvestris oder Lhaerophyllum - Arten, und die „Löwenzahn-Wiesen", die oft eine zusammenhängende gelbe Fläche darstellen. **) Hermann Müller, Alpenblumen, ihre Befruchtung durch Jnsecten rc. Leipzig, 1881, pag. 546. ***) H. Christ, das Pflanzenleben der Schweiz. Zürich 1879. Seite 301. 56 Den Wechsel der Arten beim Aufstieg von der Ebene auf die Alp haben wir schon kennen gelernt. Um ein klares Bild von der wechselnden Zusammensetzung der Grasnarbe je nach der Höhenlage zu erhalten, wollen wir im Folgenden genaue, analytisch ermittelte Bestandesbilder einer Anzahl von Wiesen der verschiedenen Regionen geben. Ueber die Methode, nach welcher diese Bestandesanalysen gewonnen sind, vergleiche man unsere mehrfach citirten „Beiträge zur Kenntniß der Matten und Weiden der Schweiz" im landw. Jahrbuch der Schweiz 1887. Da je nach Nutzung, Düngung und Bodenbeschaffenheit auch in derselben Höhenlage große Verschiedenheiten auftreten, wollen wir unsere Beispiele nur von trockenen Magermatten und Weiden entnehmen, um den Einfluß der Höhe möglichst rein hervortreten zu lassen. Wir geben jedesmal ein vollständiges Verzeichniß aller auf der Wiese beobachteten Pflanzen; um das Mengenverhältniß erkennen zu lassen, ist die gewichtsprozentische Zusammensetzung eines Quadratfußes des Rasens jeweilen beigesetzt, und zwar nach dem Antheil der Familien und einiger besonders wichtiger Arten. Die vor dem Namen der Pflanzen angebrachten Buchstaben bezeichnen die Regionenverbreitung im Sinne der Tabelle Seite 28 ff. I. Colline Region (Ebene, Tiefland). 1 . 316 mü. M. Magermatte in der Nähe von Ponte Brolla bei Locarno (Kt. Tessin) auf Gneis (untersucht am 14. Juni 1886). Es wuchsen auf der Wiese: Gräser. e in Wolliges Honiggras e in 8 3 Goldhafer o IN 8 Kammgras « in Goldbart (^nllropoZonOrMim) e in 8 Aufrechte Trespe e in 8 s Rothschwingel o in 8 a Geruchgras o in 8 Gefiederte Zwenke e in 8 s Gemeines Straußgras e in 8 Mittleres Zittergras e Grüne Borstenhirse « Fuchsrothe Borstenhirse e in 8 a Knaulgras v in 8 Englisches Raygras o in 8 a Fioringras c Weiche Trespe. Scheingräser und Binsen, v IN 8 Frühlingssegge v m Feldhainsimse Schmetterlingsblüthler. c in 8 3 Gemeiner Schotenklee e in Fadenklee e in 8 3 Rothklee e oi 8 Bergklee e in 8 3 Weißklee e in 8 3 Wiesenplatterbse Korbblüthler. v in 8 all Gemeine Schafgarbe v ni 8 all Gemeiner Löwenzahn e in 8 Wiesenflockenblume e in 8 3 Glattes Milchkraut 46,36°/» 5,59°/» j 4,43°/» ^ 5,49°/» 2,9°/» j 7,67°/» o IN 8 3ll Gemeine Wucherblume o Feld-Beifuß S ch i r m b l ü t h l e r. e in Berg-Haarstrang (?6ii06ll3innnOi'6086linuin) 21 , 12 °/» « in 8 Bärenklau Lippe nblüthler. k in Wiesensalbei e in 8 3 Gamander-Thymian « in Borstenmünze (Llinvpollnnn) « in Kriechender Günsel n ni 8 Gebräuchliche Betonie Hahnenfußgewächse. o in 8 all Scharfer Hahnenfuß e in 8 all Knolliger Hahnenfuß e in 8 Kleine Wiesenraute (Ilialielruin iniinm) Verschiedene Familien, in 8 a Klatschnelke 8tzr3pi38 lonZipölala 8 Spitzwegerich 8 Sauerampfer Echtes Labkraut Acker-Ehrenpreis Ackerröthe 8 all Gemeines Hornkraut Wittwenblume (Lnaulia arvmisia) Karthäusernelke Behaarter Klappertopf e in 8 3 Wald-Storchschnabel e in 8 3 Gemeines Sonnenröschen e in Gebräuchlicher Wiesenknopf (83iiKui8oi'b3 oll.) in in in in in IN NI m in 6,44°/» 8 3 8 8 3 Im Ganzen wurden also 56 Arten auf der Wiese uotirt; davon fanden sich 33 auf dem Raum eines Quadratfußes; derselbe enthielt 108 fertile, 557 sterile Triebe und 89 Keimpflanzen. 57 Die Gräser herrschen nach Arienzahl und Masse vor. 22 Arten sind solche, die bis in die alpine Region aufsteigen (o ni 8 3 ). 17 sind vorzugsweise montan (in). 24 sind vorzugsweise Ebenenpflanzen (v). A. 44V in ü. M. Mager matte oberhalb Dietikon, Kt. Zürich, auf trockenem, kalk- reich ein M 0 l a ss eb 0 d e n. — Typus einer „Bnrstmatte", sogenannt von der dominirenden aufrechten Trespe (U,- e in 8 3 Heidelbeere 2,55»/» c in 8 3 Gemeines Haidekrant ! e. Verschiedene Familien. l 2,86°/» e in Gemeines Hartheu j 3,57°/» e in 8 Gebräuchlicher Ehrenpreis 0 ni Busch-Windröschen (e) in 8 3 Berg-Hartheu 8,58°/» e in 8 3 Sauerampfer e in 8 Aehriges Weideröschen 16 Arten, also 64°/» sind von der Ebene bis zur Alpenregion verbreitet (0 in 8 3 ); davon sind 6 in der Ebene selten s(e)d und zeigen 4 vorwiegend montanen (m), 1 sogar subalpinen Charakter (das goldfarbige Fingerkraut) (8). 59 5 Arten — 20°/« gehen von der Ebene bis zur Baumgrenze (o ni 8), 1 mit Ebenencharakter, 1 mit montanem. 2 Arten — 8°/o beginnen erst in der montanen Region und gehen bis in die alpine (in 8 g). 2 Arten — 8°/« gehen aus der Ebene nur in die Bergregion (e in). Den montanen Charakter des Bestandes erkennt man an Folgendem: Das Vorherrschen des Borstgrases mit seinen Begleitern Tormentill, Bcrg-Wohlverlei, Mayensäßblume und Haidengewächsen schließt die Ebene aus; das Fehlen rein alpiner Arten dagegen die Alpenregion. Die subalpine Region wird unwahrscheinlich durch das Vorkommen des gem. Hartheu's und des Busch-Windröschens, ferner durch das Fehlen erst in der subalpinen Region beginnender Arten. III. Subalpine Region (alpine Waldregion, Nadelwald-Region, Coniferen-Region). 5. 148« i». Magermatte beim Mayensäß „ M a r t s ch e l l i s " ob Trimmis, am rechten Ufer des Trimmiser Dorfbachs, auf stark nach Süden geneigtem Hang (48°/« mittleres Gefalle), auf kalkreichem Bündnerschiefer gelegen. Auf der Wiese wurden folgende Arten gefunden: 11,61°/« 18,56°/« 1,'l3°/o Gräser. o in 8 Niederliegender Dreizahn e m 8 Mittleres Zittergras v in 8 Wiesenhafer c in 8 a Rothschwingel e in 8 a Geruchgras v in 8 Aufrechte Trespe o in 8 Gemeine Koelerie o in 8 Gefiederte Zwenke o in 8 a Pfeifenriet (Nolinia einrulsa) S ch e i n g r ä s e r. in 8 3 Immergrüne Segge o in 8 Berg-Segge o in 8 Blaugrünc Segge in 8 3 Eiscnfarbige Segge S ch m e t t c r l i n g s b l ü t h l e r. e in 8 Bergklce o in 8 a Rothklee e in 8 a Schotenklee o in 8 all Weißklee o in 8 s Hufeisenklee o in 8 a Wundklee c in 8 Vogelwicke K o r b b l ü t h l e r. in 8 n Stengellose Eselsdistel e in 8 3 Glattes Milchkraut in 8 3 Dickkelchigcs Habichtskraut e in 8 3 Mayensäßblume e in 8 3 Rauhes Milchkraut o in 8 3 Mauer-Habichtskraut o in 8 all Gemeine Wucherblume 6 in 8 3 Sternliebe e in 8 Wiesenflockenblume e in 8 Weidcnblättriges Rindsauge e in 8 3 Scabiosenflockenblume o lli 8 a Walddistel ((lurclmm ll6tl«ir3lU8) 6 m 8 3 Wollkrantblättriger Pippau S ch i r m b l ü t h t e r. e in 8 3 Große Geißleiter (?iinpin6ll3 IN38N3) 2,46°/« 3,52°/« 3,12°/« 40,16°/o n in 8 3 Echter Kümmel R o s e n b l ü t h l e r. o in 8 3 Tormentill o m 8 3 Gemeiner Thaumantel W e g e r i ch g e w ä ch s e. o in 8 Mittlerer Wegerich e in 8 Spitzwegerich in 8 a Alpen-Wegerich Verschiedene Familien. in 8 3 Nacktstenglige Kugelblume v in 8 3 Kelchige Tosieldie o in 8 Zottiger Klappertopf e in 8 3 Gemeine Braunelle e in 8 3 Mehlprimel e in 8 3 Purgir-Lein c in 8 3 Heidelbeere r. in 8 3 Gemeines Sonnenröschen in 8 3 Alpenglöckchen e in 8 3 Feldthymian 19,44°/o o in 8 Taubenscabiose e in 8 3 Frühlings-Enzian e m 8 Rundblättrige Glockenblume Veilchen-Art Alpenkreuzkraut Berghahnenfuß Alpen-Vergißmeinnicht Knöllchentragender Knöterich Bedörnelte Selaginelle ^ Eisenhntblättriger Hahnenfuß Bärtige Glockenblume Kugel-Rapunzel Teufelsabbiß Hügel-Waldmeister Echtes Labkraut Wald-Labkraut (Oniinin 8^lv68lrn) Ausgeschnittener Enzian Gemeines Haidekraut Wald-Wachtelweizen Wiesenleinblatt (Iii65iuin pralnnso) in 8 3 8 3 8 3 IN 8 .1 8 ri III 8 3 IN 8 3 L IN 8 3 6 IN 8 6 IN 8 6 IN 8 6 IN 8 3 8 3 0 IN 8 3 6 IN 8 6 IN 8 Im Ganzen finden sich also 70 Arten auf dieser sehr complicirt zusammengesetzten Wiese, davon 46 auf den Raum eines Quadratfußes. Derselbe zählte 58 fertile, 1075 sterile Triebe und 48 Keimpflanzen, im Ganzen also 1211 oberirdische Triebe. 60 Nach ihrer Höhenverbreitung gliedern sich die Arten wie folgt: 33 Arten ^ 47°/» sind von der Ebene bis in die alpine Region verbreitet (v in 8 9 ). 22 Arten — 31°/» nur von der Ebene bis an die Baumgrenze zu finden (o m 8), davon sind 9 in der montanen Region vorherrschend. 11 Arten — 16°/» sind von der montanen bis alpinen (in s a) Region zu treffen, darunter 6 erst von der subalpinen Region an häufiger. 4 Arten — 6°/» sind in der subalpinen und alpinen Region zu Hause (8 a). Mit anderen Worten: Beinahe die Hälfte der Arten dieses Bestandes sind gegen Einflüsse der Höhe unempfindlich, lassen keinen Schluß auf die Höhenlage zu; etwa '/s der Arten sagt uns, daß wir uns unter der Baumgrenze befinden, V« derselben sagt uns, daß wir uns jedenfalls nicht in der Ebene befinden, und nur aus */lo können wir den Schluß ziehen, daß wir uns über die montane Region erhoben haben. Die Gräser haben hier die Herrschaft an die Körbchenblüthler abgetreten, welche mit 13 Arten und 40 Gewichtsprozenten die dominirende Familie sind; die herrschende Art in dem stark gemischten Quadratfuß ist die immergrüne Segge mit 12,79°/», was immerhin deutlich genug für subalpine bis alpine Lage spricht; ihr schließt sich die stengellose Distel an mit 11,05°/». IV. Alpine Region. 6. 1870 in. Kuh weide auf dem Obersäß der Fürstenalp, auf kalkreichem Bündncr- schicfer gelegen; untersucht am 6. August 1884. Der Quadratfuß des Rasens hatte folgende Zusammensetzung: Gräser — 44,52°/» — 7 Arten und zwar: Borstgras 29,32°/», Rascuschmicle, Geruchgras, Rothschwingel, Alpenrispengras, Gemsenschwingel, Felsenstraußgras. Schm ettcrlingsblüthler — 0,65°/» — 3 Arten und zwar: Rasiger Klee, Rothklee und Braunklee. Korbblüthler — 10,25°/» — 3 Arten: Goldpippau 5,38°/», Glattes Milchkraut, Pyrenäen-Milchkrant. Nosenblüthler — 2,57°/» — 3 Arten: Goldfarbiges Fingerkraut, Sibbaldic, gem. Thaumantcl. Wegerichgewächse — 32,3°/» — 2 Arten: Alpen-Wegerich 27,83°/», Berg-Wegerich 4,47°/». Verschiedene Familien — 9,71°/» — 13 Arten und zwar: Alpenglöckchen, Linuos Mastkraut, Schcnchzers Glockenblume, Berg-Hahnenfuß, kelchige Tosicldia, bedörnclte Selaginelle, kleinster Augentrost, Fcldthymian, Alpen-Ehrenpreis, ährige Hainsimse, Wald-Hainsimse, rostbraune und immergrüne Segge. Im Quadratfuß waren also 31 Arten enthalten; der Rasen bestand aus 47 fertilen, 2223 sterilen Trieben und 131 Keimpflanzen, also im Ganzen aus 2401 oberirdischen Trieben. Da der vorliegende Bestand ein Beispiel einer guten Kuhweide oberhalb der Baumgrenze ist und sehr eingehend untersucht wurde, möge er etwas eingehender besprochen werden. Seine Gesammt-Zusammensetznng war folgende: Gräser. m » 3 Borstgras o i» s s Nascnschmielc e in s a Geruchgras o in 8 a Dichtrasiger Rothschwingel 8 3 Alpenrispengras 3 Gemsenschwingel 9 Felsenstraußgras 8 n Alpenlieschgras o ni 8 9 Fioringras 8 n Niedriger Schwingel e in 8 3 Echter Rothschwingel 8 n Schcnchzers Hafergras S ch e i u g r ä s e r. e in 8 3 Hasenfarbige Segge o in 8 g Bleiche Segge o in 8 3 Vvgetsuß-Segge n Steife Segge 8 n Geschwärzte Segge 9 Haarfeine Segge in 8 9 Rostbraune Segge in 8 3 Immergrüne Segge B i n s e ii a r t i g c. 3 Aehrige Hainsimse o in 8 9 Wald-Hainsimse 8 9 Vielblnthige Hainsimse S ch m e t t e r l i n g s b l ü t h l e r. in 8 3 Rasiger Klee o in 8 3 Rothklee in 8 3 Braunklee e in 8 3(1 Weißklee o in 8 3 Schotenklee 8 n Dunkler Süßklee (Il6äx83i'iiiu nli8ouimn>) 8 3 Bergspitzkiel (Oxxti'opw Montana) 6 m 8 3 Wundklee 61 K o r b b l ü t h l er. III 8 3 Betonicablättrige Rapunzel III 8 3 Rinderblume (liropii aiiroa) c III 8 3 Wald-Hahnenfuß L IN 8 a Glattes Milchkraut III 8 3 Berg-Hahnenfuß 8 il Pyrenäen-Milchkraut e IN 8 3 Scharfer Hahnenfuß 6 III 8 3 Oehrchen-Habichtskraut III 8 3 Trollblume L III 8 3 Filziges Habichtskraut o IN 8 3 Sumpfherzblatt 3li>8lri8) e IN 8 3 Sterntiebe v IN 8 3 Quendelblättriger Ehrenpreis 6 m 8 3 Herbstmilchkraut (bwonlnänn uiilninnatii) 8 ii Blattloser Ehrenpreis 8 rr Alpcn-Berufskraut 8 3 Alpen-Ehrcupreis III 8 <1 Alplattich (llnmo^nn aljiina) 8 3 Felsen-Ehrepreis 0 III 8 3 Mayensäßblume (Xnlnnnaria eiioieo) o IN 8 3 Gebräuchlicher Augentrost L III 8 3 Norweg. Ruhrkraut 8 3 Kleinster Augentrost 6 IN 8 3 Wucherblume IN 8 3 Alpeu-Bartschie 8 3 Alpenaster 8 3 Quirlblättriges Läusekraut (keckiculurm vorl.)- 8 II Eiuköpsigcs Ferkclkraut (IlM»oIimi'i8 unillnra) c IN 8 3 Mehlprimel W c g e r i ch g e w ä ch s e. 8 N, Gauzblättrige Primel 8 3 Alpcnwegerich 8 3 Bewimperter Mannsschild 8 II Berg-Wegerich IN 8 3 Gemeines Alpenglöcklein Schir m b l üthle r. e IN 8 3 Gemeines Hornkraut 8 ü Muttern (Uniini illiilnlliini) 6 IN 8 3 Nickendes Leimkraut Rosenblü t h l e r. 3 Stengelloses Leimkraut IN 8 3 Goldfarbiges Fingerkraut III 8 3 Linno's Mastkraut 8 II Sibbaldie 8 3 Knöllchcntragender Knöterich IN 8 3 Gemeiner Thaumantel 8 3 Alpcnkreuzkraut (pol^ala) IN 8 3 Alpeu-Thaumantel 0 IN 8 3 Wald-Labkraut 8 II Berg-Nelkenwurz o IN 8 3 Gemeine Brauuclle 8 Silberwurz (1)rz-38) o IN 8 3 Feld-Thymian E u z i a u g e w ä ch s e. 8 3 Glänzende Scabiose 3 Schnee-Enzian 3 Schmalblättriges Bränderli (bliKrilolla) 8 .1 Ausgeschnittener Enzian 3 Grüne Hohlzunge IN 8 3 Feld-Enzian 6 IN 8 3 Purgir-Lein 0 IN 8 3 Frühlings-Enzian 8 3 Berg-Baldrian 8 3 Pnrpurblüthiger Enzian 8 3 Alpenvergißmeinnicht Verschied enc Familien. 6 IN 8 3 Alpen-Leinblatt 8 II Langsporniges Veilchen 0 IN 8 3 Kelchige Tofieldie IN 8 3 Bärtige Glockenblume 8 3 Bedörnelte Selaginelle 8 3 Schcuchzer's Glockenblume Die Familien ordnen sich nach der Artenzahl wie folgt: Körbcheublüthler 14 Arten Glockenblnmenartig, 3 Arten Boretschartige 1 Art Gräser Scheingräser Scrofelkräuter Schmetterlingsblüthler Roscnblüthler Enzianartige Hahnenfnßartige Primelartige Nelkenartige 12 „ Binsenartige 3 „ 8 „ Orchideen 2 „ 8 „ Lippenblüthler 2 „ 8 „ Wegeriche 2 6 „ Schirmblüthler 1 „ 5 „ Vcilchenartige 1 „ 4 „ Kardengewächse 1 „ 4 „ Leinartige 1 „ 4 „ Baldrianartige 1 „ Nach der Höhenverbreitung gruppiren sich die Arten wie folgt: 35 Arten --- 35Vo°/° sind von der Ebene bis in die Alpenrcgion verbreitet (e m 8 3 ). Santalaceen Liliengewächse Selaginellen Kreuzkräuter Krappartige Sonuenthauähnlichc Knöterichgewüchse Zusammen 98 Arten 18 Arten — 18"/« gehören der montanen bis alpinen Region an (m 8 3 ). 35 Arten ^ 35°/« sind in der subalpinen und alpinen Region zu Hause (8 s), davon jedoch 16 vorzugsweise alpin (s rr) 9 Arten — 9°/o sind ausschließlich alpin (ri). Mit anderen Worten: Ueber '/s der Arten hat keinen Höhencharakter, und nur etwa st« (25 Arten) lassen uns den Bestand als alpin erkennen; V" ganz sicher. 62 Unter den auch in der Ebene verbreiteten Arten (mit <: bezeichnet) treffen wir mehrere nach Jndividuenzahl und alpwirthschaftlicher Bedeutung sehr wichtige Arten, so den Nachschwinget, die Rasenschmiele, das Geruchgras, den Roth-, Weiß-, Schoten- und Wundklee, die Milchkräuter, die Mehlprimel als gute Futterkräuter; scharfen und Wald-Hahnenfuß, Mayensäßblume, Frühlings-Enzian, Ehrenpreis, Augentrost und Thymian als Unkräuter. — Unter den montanen bis alpinen Arten spielt das Borstgras, selbst hier, auf dieser trefflichen Weide, als Unkraut eine ansehnliche Rolle, wie es ja im Ouadratfuß mit 29,32°/» die herrschende Art ist; auch der Alpenlattich, der Feld-Enzian, die Trollblume (Toni) und der gemeine Thaumantel sind Unkräuter der Weide von dieser Höhen-Kategorie, während die rostbraune Segge, der Braunklee, die Sternliebe, das goldfarbige Fingerkraut vom Vieh gerne gefressen werden. Unter den subalpinen bis alpinen Arten finden wir eine Anzahl der besten Futterpflanzen der Alpen, so das Alpenrispengras (Romeye), den Alpenwegerich (Adelgras:, das Alpenlieschgras, den Rasenklee, die Rinderblume, die immergrüne Segge, während die gleiche Verbreitung besitzenden Arten: Alpeu-Thanmantel, Berg- Nelkenwurz, die Dryade, ausgeschnittener und pnrpurblüthiger Enzian, gemeines Alpenglöcklein, knöllchentragcndcr Knöterich, Alpeu-Kreuzkraut und andere als Unkräuter zu bezeichnen sind. Die 25 alpinen Arten endlich (die nur wenig unter die Baumgrenze hinabsteigen) weisen uns als treffliche und gute Futterpflanzen auf: Muttern, Süßklee, Berglinsc, Bergwcgerich, Gcmscufchwingel, Fclsenstraußgras, niedriger Schwingel, Scheuchzer's Hafergras, Ferkelkraut, Scheuchzers Glockenblume, glänzende Scabiose, Sibbaldie, Pyrenäen-Milchkraut, als Unkräuter Schnee- Enzian und andere. Der Gesammtausdruck des Rasens entspricht völlig dem eingangs erwähnten Bild: niedrig und dicht, mit zahllosen Blüthen überstreut. Im Beginn der Weidezeit, Ende Juni, sind es die Milchkräuter, die Rinderblume, das goldfarbige Fingerkraut und der Berg-Hahnenfuß, die mit ihren zahllosen gelben Sternen das Bild beherrschen; ihnen mischen sich die blauen Glocken der Enziane bei, das Sammtviolett des bcspornten Veilchens und so geht es fort, bis im August die bräunlichen Fruchtperrücken der Milchkräuter den Schluß machen. V. 3250 i». Kurz rasige Kuh weide in den Becke neu, Obersandalp, Kt. Glarus, an einem steilen Südhang, mit 45°/» mittlerem Gefällt, der sich zwischen dem Zutreibistock und Geisbützistock in die Höhe zieht, bis zum Claridenfirn sich erstreckend. Der Boden besteht aus verwittertem Alpenkalk (Malm). Zur Zeit der Untersuchung, am 19. Juli 1885, war der Boden eben erst schneefrei geworden. Ein Quadratfuß des Rasens zeigte folgende Zusammensetzung: Gräser — 14,07°/» — 3 Arten und zwar: Alpenrispengras 6,77°/», dichtrasigcr Nothschwingel, Felsenstranßgras. Schmetterlingsblüthler — 0,05°/» — 1 Art und zwar: rasiger Klee. Korbblüthler — 14,81°/» — 4 Arten und zwar: niedriges Ruhrkraut (Omipimlinm mipimim), Alpen- Wucherblume, glattes Milchkraut, Goldpippau. Schirm blüthler — 10,27°/» —- 1 Art und zwar: Muttern. Rosenblüthler — 29,88°/» — 6 Arten und zwar: goldfarbiges Fingerkraut 11,64°/» (die dominicende Art im Quadratfuß), fünfspaltiger Thaumantel, Sibbaldie, kleinstes Fingerkraut, gespaltener Thaumantcl, Berg-Nelkenwurz. Wegerichgewächse — 5,51°/» — 2 Arte» und zwar: Berg-Wegerich und Alpenwegerich. Verschiedene Familien — 25,41°/» — 12 Arten und zwar: Alpeu-Ehrenprcis, bahr. Enzian, krautige Weide, gemeines Alpenglöcklein, Linnss Mastkraut, knöllchentragender Knöterich, Alpen-Vergißmeinnicht, Alpen-Schaumkraut, kleinster Augentrost, Mondraute, 1 Hainsimsen- und 1 Labkrautart. Im Ganzen enthielt der Ouadratfuß also 29 Arten und bestand aus 175 fertilen, 2401 sterilen Trieben und 182 Keimpflanzen, im Ganzen also aus 2761 oberirdischen Trieben. Der Gesammtbestand der Weide war folgender: Gräser. 8 a Alpenrispengras e m 8 a Dichtrasiger Nachschwinget a Felsenstraußgras a Gemsenschwingel 8 a Alpenlieschgras Schmetterlingsblüthler. m 8 ,a Rasiger Klee in 8 g Braun klee Rosenblüthler. m 8 s Goldfarbiges Fingerkraut a Fünfspaltiger Thaumantel 63 8 3 Berg-Nelkenwurz (8i6vni'8i3) g Sibbaldie 3 Kleinstes Fingerkraut 8 s Gespaltener Thaumantel Korbblüthler 3 Niedriges Ruhrkraut Alpen-Wucherb lume Glattes Milchkraut Goldpippau Geschwärzte Scharfgarbe Vielstachelige Kratzdistel Stcrnliebe Gemswurz (Fi-onienni neoi'pnnckM S ch i r m b l ü t h l e r. 8 8 Muttern 3 Alpenliebstöckel (63^8 8inipi6x) c. m 8 n> 8 m 8 e in 8 8 8 8 8 Alpenwegerich Bergwegerich Verschiedene Familien. 8 3 Alpen-Ehrenpreis Kleinster Augentrost Ni 8 3 Alpenbartschie 3 Bayrischer Enzian 3 Krautige Weide in 8 3 Gemeines Alpenglöcklein 6 m 8 3 Mehlprimel 8 3 Ganzblättrige Primel m 8 8 Linnäs Mastkraut g Stengelloses Leimkraut 8 8 Knöllchentragender Knöterich 3 Schnee-Ampfer (liuinnx nivallu) 8 8 Alpen-Vergißmeinnicht 3 Alpen-Schanmkraut (lMckmnins 3lp.) Alpen-Kresse (Iluteliinuia alpina) 3 Alpen-Hahnenfuß egerich. 3 Mannsschildblättriger Steinbrech. (HaxikiNKa 8iräro83e6) 8 3 Gewimperter Mannsschild (Fnävc>83e6 ell3w3Si38M6) IN 8 8 Mondraute (Lotixetiiuin l.unzimi) Der Höhencharaktcr dieser Fkoruka ist ein ganz anderer als auf der 280 in tiefer liegenden Weide der Fürstenalp. Unter den 44 Arten finden wir hier nur 4 auch in der Ebene verbreitete (o in 8 3 ), also nur etwa 9°/o (auf der Weide der Fürstenalp 35°/»); montan-alpiner Arten (ni 8 3 ) sind es 9, subalpin-alpine 13 (8 3 ) und alpine ( 3 ) 17. also etwa die Hälfte, während sie bei 1970 in noch Vs ausmachten. Der Nasen ist ganz niedrig, kaum einige Ccntimeter hoch, aus lauter kleinen, aber dichtgedrängt wachsenden Individuen zusammengesetzt, unter denen die Gräser und Schmetterlingsblüthler gegenüber den Rosenblüthlern und Korbblüthlern stark zurücktreten. Dominirend ist das goldfarbige Fingerkraut, das mit etwa 200 Trieben den Hauptbestandtheil des Rasens darstellt. Die zierlich fünftheiligen Blättchen, von einem seinen Silberstreifen umsäumt, bilden eine bodenständige Rosette, aus der sich die Stengel nur wenig erheben. Auch die Thaumantclarten und die Sibbaldie zeigen ähnliches Blatt und ähnlichen Wuchs, so daß der Rasen vorwiegend aus gefingerten Blättchen besteht, welche, da sie alle sich horizontal ausbreiten, eine dichte Bodendecke bilden. In die Lücken derselben sind die wenigblättrigcn, kaum centimeterhohen Mänzchen des niedrigen Ruhrkrautes eingestreut. Von Interesse ist die hohe Zahl von Keimpflanzen (182), bon denen 31 auf das Alpenrispengras, 50 auf die Fingerkräuter und 50 auf den Alpenehrenpreis entfallen, was auf eine reichliche Fructifikation dieser Arten schließen läßt. 8. 3263 Halbschürige (nur alle 2 Jahre gemähete) Magermatte aus dem Gipfel des Montalin ob Chur, trocken, auf kalkreichem Bündnerschieser (untersucht am 3. August 1884). Folgendes sind die Arten, welche den Rasen zusammensetzen: Gräser. ni 8 3 Borstgras 8 n Scheuchzer's Hafergras 6 in 8 3 Geruchgras 8 rr Niedriger Schwingel 8 rr Violetter Schwingel e m 8 3 Fioringras e in 8 3 Blaue Seslerie rr Gemsenschwingel 8 a Alpenrispengras Schein grase r. m 8 Korbblüthler. e m 8 3 Rauhes Milchkraut m 8 3 ^ 16,07°/» 8 3 8 3 8 rr Alp-Lattich (lloiniiMis) e in 8 3 Sternliebe 6,69°/» Habichtskraut-Art Glattes Milchkraut Mayensäßblume Karpathen-Katzenpfötchen (Fnlnnnaiia eur Milieu) e ni 8 3 Wohlverlei (.Irniea) 8 rr Einköpfiges Ferkelkraut 64 8 ri Alpen-Berufskraut Verschied 8 it Alpen-Goldruthe (8oIici3Zo 3lp68tri8) 8 3 S ch i r m b l ü t h l e r. m 8 a e m 8 a Muttern ^ ir Rosenblüthler. in 8 3 Goldfarbiges Fingerkraut m 8 s Gemeiner Thaumantel e m s a Tormentill 8 » Silberwurz (I)i'M8) 8 n Berg-Nelkenwurz Wegeriche. 8 » Adelgras (Alpenwegerich) 8 u Berg-Wegerich Heidengewächse. e m 8 s Gemeine Heidelbeere o m 8 s Gemeines Heidekraut c in 8 rr Moorbere (Vaveinmm uiiKino8um) P r i m e l g e w ä ch s e. m 8 a Gemeines Alpenglöcklein > 8 g, Ganzrandige Primel > 5,18°/» e m 8 g Mehlprimel j 8 u Kleines Alpenglöcklein 8 g, Bewimperter Mannsschild (^liürv83c:6 e>MIN86l38M6) 8 .1 Stumpfblättriger Mannsschild (4udro8306 obtn8iko>ig 3.89"/° ^ 25,34°/o 6,64°/» 8 jt m 8 3 8 3 M 8 .1 e m 8 3 8 3 6 m 8 3 6 M 8 3 M 8 3 8 3 8 3 8 3 o m 8 3 8 3 8 3 8 3 NI 8 3 8 3 8 «I M 8 3, 8 3 cne Familien Ausgeschnittener Enzian Berg-Hahnenfuß Bedörnelte Selaginelle Stumpfblättrige Weide Bärtige Glockenblume Alpen-Krenzkraut (llolz'Zala 12,11°/o 3llI68trl8) Knöllchentragender Knöterich Wald-Labkraut (Ogiium 8x1v68tro) Schenchzer's Glockenblume Feld-Thymian Alpen-Leinblatt (IIi68Nim glpimim) Alpen-Bartschie Blattloser Ehrenpreis Frühlings-Windröschen (/luomouo voru3li8) Schmalblättriges Bränderli (IViAritoUa 3U- KN8likvIl3) Gemeines Sonnenröschen Grüne Hohlzunge (0o6loAlo88UM vii'icio) Glänzende Scabiose Großsporniges Veilchen (Viola caiearata) Trollblume Netzblättrige Weide (83liv rotivalata) Alpen-Vergißmeinicht Alpen-Gänsekresse (^i'glii8 3>piu3) Johann's Hungerblümchen (liraba.lolrann'm) Der Rasen des gerundeten Montalingipfel setzt sich also aus 68 Arten zusammen, von denen 37 auf dem Raum eines Quadratfußes beieinander wachsen. Es ist auch hier ein niedriger dichter Rasen (der Quadratfuß enthält 28 fertile, 1069 sterile Triebe und 33 Keimpflanzen). — Die Höhenverthcilnng der Arten läßt die alpine Höhe deutlich erkennen, es sind nämlich: 20 Arten — 30°/„ von der Ebene bis in die Alpenregion verbreitet (o m 8 a). 12 Arten — 17,5°/o von der Bergregion bis Alpenregion (m 8 3 ). 32 Arten — 47°/» in der subalpinen und alpinen Region (8 3) zu Hause; davon 20 vorwiegend alpin (8 3 ). 3 Arten — 5°/» sind rein alpin (3). Es sind also nur 3 Arten, welche uns mit aller Bestimmtheit über die Baumgrenze weisen; auch hier ist es beinahe ein volles Drittel der Arten, welches über die Höhe gar nichts aussagt, >/s schließt die Ebene aus, ungefähr die Hälfte lassen die montane Region unwahrscheinlich erscheinen und weisen uns in die Nähe der Baumgrenze, während endlich der Gemsenschwingel, das Nacktriedgras und die steife Segge die alpine Höbe bezeugen. S. 24V« m ü. M. Schaf- und Z i e g e n w e i d e, am S ü d s ü d 0 st h a n g des Teufels- kopfs (Hochwangkette), zu den Pagiger Schafbergen gehörig, auf kalkreichem Bündnerschiefer gelegen. Gesammtzusammensetzung und Prozentzahlen eines Quädratfußes des Rasens: Gräser. 3 Gemsenschwingel 8 3 Alpenrispengras 8 3 Alpenlieschgras e w 8 3 Geruchgras 8 3 Felsenstraußgras 8 3 Niedriger Schwingel e m 8 3 Borstgras 8 3 Alpenstraußgras 0 in 8 3 Dichtrasiger Rothschwingel Schmetterlingsblüthler. e m 8 3 Rothklee in 8 3 Rasiger Klee 8 3 Alpentraganth Korbblüthler 7,10°/» M z g Goldpippau 0 m 8 3 Rauhes Milchkraut 0 m 8 3 Glattes Milchkraut 3 Alpeu-Wucherblume 3 Niedriges Ruhrkraut m 8 3 Alpen-Lattich 8 3 Pyrenäen-Milchkraut 8 3 Einköpfiges Berufskraut 25,79°/» 65 Schirmblüthler. 8 a Muttern Rosenblüthler. in 8 3 Goldfarbiges Fingerkraut 8 g Berg-Nelkenwurz 3 Kleinstes Fingerkraut s N Sibbaldie 8 u Gespaltener Thaumantel Wegeriche. 8 8, Alpen-Wegerich 8 8 Berg-Wegerich Verschiedene Familien. 11,00°/o m 8 s Berg-Hahnenfuß 10,27°/« IN 8 3 Gem. Alpenglöcklein 6,05°/» 8 n Alpen-Ehrenpreis m 8 3 Knöllchentragender Knöterich ^ -^.g, m 8 3 Linnäs Mastkraut ' 83 Stumpfblättrige Weide 8 3 Alpen-Vergißmeinnicht 8 8 Scheuchzers Glockenblume 8 3 Kleinster Augentrost in 8 3 Bärtige Glockenblume 15,780/o 8 3 Blattloser Ehrenpreis 8 3 Glänzende Scabiose 30,6 3"/o Der Quadratsuß enthielt also 30 Arten, der Gesammtbestand 39, der Rasen des Quadratfußes bestand aus 34 fertilen, 1379 sterilen Trieben und 144 Keimpflanzen (41 von Linnäs Mastkraut, 31 vom niederen Ruhrkraut, 18 vom Berg-Hahnenfuß n. s. w.), im Ganzen also aus 1557 oberirdischen Trieben. Dieser Bestand repräsentirt den Typus einer alpinen Schafweide: der Rasen ist niedrig (mittlere Höhe der fertilen Triebe 7,8 ein) und äußerst dicht. Die 39 Arten, welche hier zusammentreten, sind folgendermaßen verbreitet: 5 Arten ^ 13Ve°/o von der Ebene bis in die Alpen (e in 8 3). 10 Arten — 25,5°/« von der montanen bis zur alpinen Region (m 8 3 ). 19 Arten — 48,5°/o in der subalpinen und alpinen Region (8 3 ). 5 Arten I 30/0 in der alpinen Region ( 3 ). Also selbst in dieser Höhe sind es nur 5 Arten — */s des Bestandes, welche uns die Region mit aller Sicherheit anweisen; beinahe die Hälfte der Arten kommt auch noch unter der Baumgrenze vor. 1V. 25VV in ü. M. Rasenfleck in einer G n e i ß - S ch n t t h a l d e a m S ü d a b f a l l (540/0 mittleres Gefälle) des Pizzo Centrale gegen Val llorla (G 0 t t h a r d g e b i e t). Der Rasen war folgendermaßen zusammengesetzt: Krautartige Weide 72,280/o Fünfspaltiger Thaumantel 17,230/g Niedriges Ruhrkraut 9,300/o Hornkrant-Art 0,63°/» 3 Kleinstes Alpenglöcklein in 8 3 Linnos Mastkraut 8 3 Alpen-Ehrenpreis 3 Gegenblättriger Steinbrech 8 3 Pyrenäen Milchkraut 1 3 Alpen-Wucherblume 1 3 Stinkende Segge / 0,56°/o außerhalb des Quadratfußes dicht gestellten Die ganz kurzrasige, kaum 2—3 ein hohe Vegetationsdecke besteht vorwiegend aus den oberirdischen Zweigen einer Gletscher-Weide, 83ltx iinrbaeoa; es ist das ein ganz in die Erde geschlüpfter Strauch, der nur seine je zweiblättrigen und ein endständiges Kätzchen tragenden Zweige über die Erde erhebt. Zwischen denselben spinnen sich massenhaft die röthlich überhauchten niederliegenden Stengel des fünfspaltigen Thaumantels. Unter den 11 Arten dieses hochalpinen Rasens sind nur 3 auch in der subalpinen Region verbreitet ( 83 ), die anderen 7 sind vorwiegend oder ausschließlich alpin (3), eine findet sich auch in der montanen Region (in 8 3 ), aber keine in der Ebene (e). 11. 25VV m. Schafweide unter dem Gipfel des Hochwang (2535 in), im Gebiet der Alp Farnezza gelegen, am Sndosthang, auf kalkrcichem Bündnerschiefer. Der Gesammtrasen und ein Quadratfuß derselben hatten folgende Zusammensetzung: Gräser. Scheingräser. 3ii Aehrenhafer 28,62"/» 8 3 Alpcnrispengras 27,19°/« 3 Felsenstraußgras 3 Gemsenschwingel 8 3 Niedriger Schwingel e in 8 3 Blaue Seslerie 66,3JO/o IN 8 3 Rostbraune Segge 8 3 Schwärzliche Segge 3 Haarfeine Segge an Nacktriedgras 0,92°/« 9 66 Zusammen- jassmig. Korbblüthler. 8 3 Gemeiner Löwenzahn 3 Alpmwucherblume in 8 3 Goldpippau 3 Einköpfiges Berufskraut 8 3 Pyrenäeu-Milchkraut m 8 3 Alpen-Lattich Schirmblüthler. 3N Alpenliebstöckel Rosenblüthler. 8 3 Niederliegende Sibbaldie 8 3 Berg-Thaumantel in 8 3 Goldfarbiges Fingerkraut 5,590/o 4,49°/° 0,85°/o Verschiedene Familien. 3 Cherlerie (Oiisrwria 8eäniä68) in 8 3 Knöllchentragender Knöterich 8 3 Scheuchzers Glockenblume 3N Krautartige Weide Zarter Enzian ( 6 . tsnollu) Kleinster Augentrost Ganzblättrige Primel Veränderl. Steinbrech (8. V3IÜ3N8) Bewimperter Mannsschild Gemeines Hornkraut Feld-Enzian Schnee-Enzian Bedörnelte Selaginelle 8 8 8 8 6 IN 8 NI 8 3 3 8 3 21,81°/° Der Rasen bestand hier aus 33 Arten, im Quadratfuß fanden sich hievon 20; derselbe enthielt 206 fertile, 3552 sterile Triebe und 78 Keimpflanzen (26 vom Aehrenhafer, 29 voni Knöterich u. s. f.). Nach der Höhenverbreitung gliedern sich die Arten wie folgt: 2 Arten — 6°/° sind von der Ebene bis in die Alpen verbreitet (e m 8 3 ). 6 Arten — 18°/° beginnen in der montanen Region (111 8 3 ). 13 Arten — 42°/° beginnen in der subalpinen Region (8 3 ). 12 Arten — 34°/° sind ausschließlich alpin ( 3 ), 4 davon ( 311 ) hochalpin, erst bei etwa 2300 m beginnend. Ueberblicken wir die 11 angeführten Bestände, welche in Höhen von 216 bis 2500 in über Meer liegen, so sehen wir vom niedersten bis znm höchstgelegcnen einen ganz allmäligen Wechsel der Arten sich vollziehen: Einer der höchstgelegenen bei 2500 in enthält keine einzige Art, der andere nnr eine Art des tiesstgelegenen; aber noch bei 2400 in treffen wir 3 der auch bei 216 m vorkommenden Arten (Geruchgras, dichtrasigen Rothschwingcl und Rothklce), bei 1970 ni sind es schon 11 und so geht es in steigender Progression. Umgekehrt stellt sich von den Arten des einen höchsten Bestandes erst bei 1480 in eine ein, nämlich das Alpeuglöcklein, bei 1970 ni sind es schon 3 und so fort. Folgendes sind in den 10 verschiedenen Beständen die im Onadratfnß vorwiegenden Familien und Arten: Iomimnenöe Inmitten. Aominirenöe Ant. 1 . 216 in Gräser mit 46,36°/°. — Berg-Haarstrang(p6>ie6il.0i'o«>86l.)mit 21,12°/° 2 . 440 „ Gräser „ 77,81°/°. — Aufrechte Trespe „ 50,16°/° 3. 840 „ Gräser „ 50,7 °/°. — Gemeines Straußgras „ 25,29°/° 4. 1140 „ Gräser » 76,5 °/°. — Borstgras „ 69,33°/° 5. 1480 „ Korbblüthler „ 40,16°/°. — Immergrüne Segge „ 12,79°/° 6 . 1970 „ Gräser „ 44,52°/°. — Borstgras „ 29,32°/° 7. 2250 „ Rosenblüthler „ 29,88°/°. — Goldfarbiges Fingerkraut „ 11,64°/° 8 . 2263 „ Wegerichgewächse „ 25,34°/°. — Alpenwegerich „ 23,69°/» 9. 2400 „ Korbblüthler „ 25,79°/°. — Bergwegerich » 11,55°/» 10 . 2500 „ Weidengewächse „ 72,28°/°. — Krautartige Weide „ 72,28°/° 11 . 2500 „ Gräser „ 66,33°/°. — Aehrenhafer „ 28,62°/° Es läßt sich über den Wechsel in den Mischungsverhältnissen der Familien mit der Höhenlage schwer etwas Allgemeingültiges sagen. Zu den überhaupt herrschenden Familien gehören: Gräser, Schmetterlingsblüthler, Korbblüthler, Schirmblüthler, Wegcrichgewächse. Bon diesen sind auf Magerwiesen in der Ebene meist die Gräser herrschend, in der alpinen Region häufig andere Familien (Korbblüthler, Rosenblüthler, Schirmblüthler, Wegerichgcwächse). Doch gibt es auch in der Ebene Magerbestände, auf denen die Gräser zurücktreten, und auf den Alpen solche, wo sie herrschen (so z. B. dir. 11). Die Mannigfaltigkeit ist hier eben sehr groß. 67 Mit Bezug auf dcu Fnttcrwerth der Bestände ist zu bemerken, daß die von Schindler aus den Heusortcu des Wieuermarktes abgeleitete Regel zur Beurtheilung des Futters: Die Güte eines Heues wächst mit seinem Gehalt an Gräsern und Schmetterlingsblnthlern und sinkt mit seinem Gehalt an Scheingräsern, für alpine Bestände nicht gilt. Hier kommen neben Gräsern und Leguminose:: als Familien, welche treffliche Fnttcrkrünter enthalten, namentlich auch die Schirmblüthler (Muttern), die Wegerichgewächsc (Alpen- und Bcrgwegerich) und die Korbblüthlcr (Rinderblnme, Milchkräuter) in Betracht; ein alpines Heu, das sehr wenig Gräser und Legnminoscn, aber viel Muttern, Wegeriche, Rinderblnme und Milchkräuter enthält, ist dein bester: Thalheu. überlegen. Viel bezeichnender als die herrschenden Familien sind die herrschenden Arten: Ein Bestand mit 66,57"/« Gräsern kann überall vorkommen, ist aber die herrschende Art der Aehrenhafcr, so muß derselbe über 2300 M liegen, ist es die ausrechte Trespe so kann er höchstens bis etwa 1000 m liegen n. s. s. Die gedüngten Bestände zeigen ein abweichendes Berhaltcn. Der Rann: erlaubt uns nicht, hier auch noch Beispiele von Fettmattcn anzuführen: wir müssen hier auf unsere „Beitrage" :c. verweisen, wo wir 13 Bcstandesanalyscn von Fettmatten von 360 m — 2227 m ü. M. anführen. Nur Eines sei hier hervorgehoben: Da auf gedüngten Beständen eine Reihe von Ebencnpslauzen in die alpine Region aufsteigen, die auf mageren fehlen, so sind die Unterschiede in der Flora alpiner und eollincr Fcttmatten viel geringer als bei Magerwicscn. So sind z. B. von 25 Arten einer Fettmatte beim Hotel Rifselalp bei 2227 m nicht weniger als 12, also die Hälfte, auch in der Ebene häufig. Die Einwirkung des Akpenkkimas auf Gestalt und Leben der Alpenpflanzen. Wir haben in den vorhergehenden Abschnitten gesehen, wie sich die Verschiedenheiten des Alpcn- rasens von: Thalrasen z. Th. aus den: Wechsel der Arten erklären. Es erübrigt uns noch darzulegen, daß die Alpenflora eine Reihe von Eigenthümlichkeiten in ihren: Wuchs und ihren Lebenserscheimmgen darbietet, welche sich aus den mittelbaren und unmittelbaren Einfluß des Klimas zurückführen lassen. Es sind das z. Th. Eigenthümlichkeiten, welche anch mit der ökonomischen Bedeutung des Alpenrascns als Grundlage der Alpwirthschaft zusammenhängen, und von eminent praktischer Bedeutung sind. In Folgenden: soll zunächst das Alpenklima kurz charakterisirt und dann die Einwirkung desselben auf die Alpenflora erörtert werden. Wenn wir in diesen: Kapitel Ebcnenflora und Alpenflora einander gegenüber stellen, so verstehen wir unter letztere,:: Begriff die Vegetation der alpinen Region über der Baumgrenze; diejenige der übrigen Höhenstufcn alpwirthschastlichen Betriebes zeigt Ncbergänge zur Thalflora. In der folgenden Tabelle sind die verschiedenen Faktoren, welche das Alpenklima zusammensetzen, übersichtlich zusammengestellt und hieran reiht sich eine Besprechung von dessen Charakter. 68 Das At'pen- Tabelle I. Abnahme des Luftdrucks mit öer° KöHe über- Meerr. 1 II. Temperatur- Ueber- ! schuß Höhe der Quecksilber - Säule des Barometers (in nun.) in verschiedenen Höhen über Meer. Die fetten Linien berechnet*) (H ann, Klimatologie xs-A. 138), die feinen beobachtet. Mittlere Jahres - Temperatur der Luft im Schatten: Januar- und Juli - Mittel (Celsinsgrade) einer Reihe schweizerischer Stationen. (Nach gütiger Mittheilung der schweizerischen meteorologischen Central - Anstalt.) der mittleren Boden- wärme über die mittlere Luftwärme. (Stach 7 A.ti.Kcrncr) 0 M. 500 m. 1000 rn. 1500 m. 2000 m. 2500 in. 3000 in. 3500 in. ü. M. 750 700 000 500 400 300 200 100 75 50 25 762 721,5 712,3 713 674,9 676 626,5 636 500 L) 1000 593,5 59? 564,5 563 1500 N 2000 539 497 2500 3000 3500 ui üb. Meer. *) Für eine Gegend wo am Meeresniveau eine mittlere Lufttemperatur st von 15" herrscht (was für die Schweiz annähernd zutrifft). 2a 2 d 2 6 2 ck 2 6 Meereshöhe in Meter. Owt. Iahrr«-- Mittel. Januar. Inti. --IZ IZ Z Theodulpaß . 3330 - 6,4 — 12,7 1,7 1 b 3000 § K 2500 Sciitiögipfel . 2500 - i,o — 8,3 5,7 5 St. Bernhard . 2470 - 1,3 - 7,8 7,0 20 2200 3,6" 2000 Bernhardin 2000 0,5 — 6,5 9,3 20 ISOO 3,4" Sils Maria . 1812 1,6 - 7,9 11,4 20 Bevers . . . 1711 1,7 - 0,7 12,4 20 Grachcn . . 1632 4,2 — 3,5 13,5 20 1600 2,4" 1500 Bcatenberg. . 1150 6,1 — 1,7 14,9 20 1800 1,7" 1000 Engelberg . . 1024 5,2 — 3,6 14,3 20 1000 I,i) Trogen . . . 876 6,8 — 1,5 15,9 20 Affoltcrn . . 795 7,0 - 2,0 16,3 20 St. Gallen. . 666 7,5 - 1,6 17 20 500 Bern . . . 574 8,0 - 1,7 18 20 400 300 200 100 0 *) „D^ Planzenlebe" Bd. I, b°S' 490. Leipz'g 1887. 69 Klima. Verhältnisse. Mittlere Höhenlage der Schneegrenze i) und Luft-Temperatur dieser Höhenlage in den verschiedenen Monaten des Jahres an der Schattenseite. (Im mittleren Jnnthal nach F. v. Keiner*) (16-jährige Beobachtungen) und im Sentisgcbiet nach Denzler (wiedergegeben von Kcrner a. a. O.; 2V-jährige Beobachtungen). Im mittlern Jnnthal ^ Höhenlage !! der Schneegrenze in i den verschiedenen / Monaten. 'j(DieMonate d. Absteigcns !! klein gedruckt.) 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 100 0 August. . 2030 September . 276V Juli . . 2470 Juni . . 2030 Oktober . . 1890 Mai . . 1540 April . . 1100 November. . 1010 März 820 Dezember. . 680 Februar . 600 Januar . . SS» 4i> 8 ^ t-i 8 Im Sentisgebivt 4 6 4ä Höhenlage 8 ^ ^ der Schneegrenze in den verschiedenen Monaten. (Die Monate d. Absteigens klein gedruckt.) 4,0 2,8 6 , 6 ° 7,0 9,5 6,2 5.1 o,i 2.1 - 2,7 - 0,7 August. . 2770 Juli . . 2530 5,4° . S470 S,1" Juni . . 1910 7,2 Oktober . . 1740 8,2 Mai . . 1310 7,5 November . . 1020 0,5 April . . 910 6,3 Dezember . März - - . 710 720 — 1,9 2,4 Februar . Januar - 590 . S70 0,2 — 1,4 III. Niederschlüge, insbesondere Schneefaü. Nach Daten der schweizer. Meteorolog. Centralanstalt, mitgetheilt in: Heim, Gletscherkunde (Stuttgart 1884). (Die Berechnung der summirten Höhe des srischgesallenen Schnee's eines Jahres erfolgte durch Multiplikation der Höhe in mm Schmelz-Wasser mit dem von Coaz gesnndenen Schnec-Aegnivalent von 12,12.) Gwt. Gesammt- Nicder- schlag im Jahres- Mittel (mm Wasser) Schueesall im Jahres- Mittcl (mm Wasser) Höhe des mittleren jährlichen Schnecsalls (als irisch gefallen berechnet). Schnee in Prozenten des ( Gesammt-1 Nicder- schlags. ^ 4) Diese Daten beziehen sich nicht auf die Bewegung der Grenze der Winterschncedecke, sondern aus Winterschnee plus Neuschnee; daher der Mangel an Uebereinstimmung mit Colonne 11, die sich au, die Winterschneedecke allein bezieht. ^ ') Untersuchmiaen über die Schneegrenze un Gebiete des mittleren 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 100 0 N Theodnlpaß . 3333 Gr. St.Bcrnhard 2478 1239,8 781,6 2.4 (direkt gemessen, theilwcise gesintert!) 9.473 63°° 20 Gotthardhospiz 2100 1934,5 1130,0 13,695 58 7° 9 Simplon . . 2008 830,3 511,0 6,193 62 7» 8 Grinstet . . 1874 1994,1 1407,4 17,075 70 °/a 12 Sils Maria . 1810 975,0 420,7 5,098 43°/° 20 Bevers . . 1710 835,3 335,4 4,065 40 7° 20 Grächcn . . 1632 547,6 202,8 3,064 46°/° 18 Davos. . . 1560 961,4 434,8 5,269 45°/° 14 Spliigen . . 1471 1548,7 479,4 5,811 31 7« 18 Andermatt. . 1448 1224,3 609,6 7,388 507 ° 14 Klosters . . 1207 1202,1 504,0 6,108 ° 42°/° 13 Engelberg. . 1021 1752,5 400,2 4,850 23°/» 20 Einsicdcln. . 910 1641,6 347,7 4,214 21°/° 20 Zürich - - - 470 1196,7 93,7 1,135 8 °/° 20 70 Das Alpen- Tabelle IV. Vegetations-Dauer 12 Ausapern *) und Einschneien an der Schatt- und Sonnseite im mittleren Jnnthal von der Thalsohle bis zur Grenze des ewigen Schnee's. Mittlere Termine aus 16 - jährigen Beobachtungen. Graphisch dargestellt nach Angaben in: F. v. K einer, über die Schneegrenze im Gebiet des mittleren Jnnthals, Wien 1887. Dauer der von den Schneeverhältnissen bedingten Jahreszeiten an der Schattenseite im mittleren Jnnthal im Mittel von 16 Jahren. Erläuterungen: Die fette Linie bedeutet die Dauer der Winterschneedecke an der Schattenseite, die ähnliche Verhältnisse zeigt wie die Nordostschweiz (Sentisgebiet) ; die feineren Linien beziehen sich auf die Sonnenseite und gehören jeweils zu der nächst unteren Höhenquote. Die Zwischenraume (punktirte Linien) bedeuten die Zeit, die vom ersten Ausapern bis zum Wiedereinschneien verläuft. Bei 1800 in z. B. dauert die ununterbrochene Winterschneedecke am Nordhang vom 27. Oktober bis zum 28. Mai, die apere Zeit (die freilich von wiederwegschmelzenden Schneefällen unterbrochen ist) vom 28. Mai bis 27. Oktober, also 5 Monate. Die kleinen Zahlen an den Köpfen der Linien bedeuten das Datum (Monatstag). Bis zu 2500 in an der Schattenseite, 3000 in an der Sonnenseite sind die Daten beobachtet und wurden bis zur Schneegrenze graphisch ergänzt. Das Wiedereinschneien beginnt n der Schattenseite am 26. August, an der Sonnenseite am 12. September (in günstigen Jahren erst Ende September), das Ausapern dauert ebenso lang und erreicht an diesen Tagen die Grenze des ewigen Schnee's (3000 in an der Schattenseite, 3400 an der Sonnenseite). Meter über Meer. 3500 3400 3300 3200 3100 3000 2000 2800 2700 2600 2500 2400 2300 2200 2100 2000 1900 1800 1700 1600 1500 1400 1300 1200 1100 1000 900 800 700 600 500 400 300 200 100 0 ° Januar Februar Mär; April Mai Juni Juli August Septbr. Oktober Novbr. Dezbr. I > > > > > > > > .- > I !>!>!>!>>!>> i ! >>>!>,!>> >>>>>>>!!>> 4 N 24 ! > ! > > > s -°> > ! ! > ! ! > ! -- i ! .-> i > > > l I > > - i 13 2g Ll . > > . -« > > ! , , ! , „ s -. > > ' > >' - « ' > > > I ,„j 18 I ' ^ _ > > > .> ! > ! - - ! ! ! IN l ' > ^ „ „ - .. ! i l- ... 14 - - ,e> 4 ! ! -ai ^ > 5 30 7- 27 .. . 7 -- a »- Ig - - ", D. h. „schneefrei werden". 12 L M ,8^ -Z 12 d ZM 'HGZ Z K r-L -S-s-- G LÄ Zd-s «8 63 80 92 112 12 ä Dauer der ununter- Wintsr- schncc- Decke. 302 285 273 253 127 134 140 151 160 171 21 131 16 150 22 152 29 168 25 178 28 181 34 185 38 196 42 200 50 202 238 231 225 214 205 194 39 174 36 163 36 155 34 134 32 130 34 122 35 111 29 102 27 96 27 86 1) Vom ersten Ausapern bis znm Einschneien. Frühlings- u. Herbstschneesall fließen ineinander. 71 Klima. und Weidezeit. V. Zunahme der Intensität öer: Sonnenstrahlung mit öer KöHe. 13 ! Zahl der Schnee- tage, welche die Aper- zcit unterbrechen. 14 Dauer der Aperzeit, (Vom Schnee- schmelzen bis Einschneien) im Mittel für die ganzen Alpen (nach Schlag- int w ei t). Verringerung -- 3V-- Tag auf 100 in Erhebung. 15 Dauer der Aperzeit im Sernfthal (Ät. Glarns) (nach Heer). 16 Mittlere 17 Vergleichsweise Messung der Wärmestrahlung, erhalten durch Vergleich eines beschatteten und eines besonnten Thermometers (nach Frankland) (das Sonnen-Thcrmomekr mit geschwärzter, von verdünnter Luft umgebener.Kugel). 18 Absolutes Maaß der Gesammtstrahlung, ausgedrückt durch die Anzahl von Wärmeeinheiten (Calorieen), welche pro Minute auf 1 Fläche einstrahlen. und längste Dauer der Weidezeit nach der „Schweiz. Alpstatistik" 1864. (Mittel von 2619 Alpen.) Nach Uiolle (1874) Betrag der an der äußern Grenze der Lufthülle auf 1 Hsvm si, vn Minute einfallenden Gesammtstrahlung — 2,54 Wärmeeinheiten. Nach H. F. Weber (Zürich, 1884). Betrag der Gcsammt- strahlung pro Minute in 1 om au der obern Grenze der Lufthülle — 2,25 bis 2,29 Wärmeeinheiten. !> Grt. Ther nre im Schatten ino- er in der Sonne s Das besonnte > Thermometer stand höher um Grt. Durchaelastene Warme- > einheiten. , ßZZ DZ iu o/o Grt. Durchgelassene Wärmeeinheiten. WZ Mittlere Dauer. Kiinsfte Dauer. 3500 Grade Celsius Grade Celsius Grade Celsius Montblanc (4810) 2,29 6> 3000 3000 Diavolezza (2980) 6 59,5 51,5 GrandsMulcts (3050) 2,26 117° Pizzo Centrale (2900) 1,53 32 7° In der subnivalen Region: An sonnigen Lagen von Mitte oder Ende Juli bis Mitte September (ca. 45—60 Tage). An schattigen stellen 2L7s ewiger Schnee. «00 77 Tage. 93 Tage. 28. Juni bis 1. Okt. 2500 2Ü00 70 Tage. 76 Tage. 3 05 Tage. L!76 E 7g Tage. 123 Tage. 2300 Bernina-Haus (2330) 19,1 46,4 27,3 14 19 2,00 15 2. Juni bis 5. Okt. 135 Tage. In der alpinen Region: An sonnigen Lagen von Ende Juni bis Ende Septbr. 0 Tage). E 82 Tage. 142 Tage. Gotthardhospiz (2l00> 1,38 38,6 ^80 Tage. 142 Tage. 2000 11 13 12. Mai bis 28. Okt. An schattigen Lagen oft ewiger Schnee. 85 Tage. 1800 138 Tage. Poutresina (1800) 26,5 44 17,5 .«94 Tage. 153 Tage. 13 1SS Tage. In der subalpinen Region: An sonnigen Lagen von Ende Mai bis Mitte 15 21. April bis lO.Nov. 203 Tage. 94 Tage. 148 Tage. 1500 28 Oktober (ca. 140 Tage) An schattigen Lagen v.Mitte od. Ende Juni bis Oktober ,«98 Tage. 144 Tage. 26 103 Tage. 154 Tage. 36 ! 10. April bis 20.Nov. 224 Tage. ica. 100 Tage). 1200 Bossongletscher (1200) 2,02 21°/° 27 111 Lage. 1050 185 Tage. n>oo 20 io3o 121 Tage 169 Tage. 1000 30. März bis 30.Rov süo 245 Tage. bvo 17. März bis 10. Dez 268 Tage. - 500 Zürich . . (460) 1,32 41,3 tt 1S7 400 300 200 100 0 Witby. (Engl.) (so 32,7 37,8 5,6 Paris . . . (60) 1,72 32 7' 72 Charakter des Wir haben auf vorstehender Doppel-Tabelle die Aenderungen zusammengestellt, welche die wichtigsten klimatischen Alpen-Älimas. Eminente heim Aufsteigen aus der Ebene in die Höhe erleiden und können aus derselben die Unterschiede zwischen dem Klima der collinen und alpinen Region herauslesen. Besprechen wir kurz die hervorragendsten Eigenschaften des Alpenklimas: Lastdruck. Der Luftdruck (Colonne 1) vermindert sich stetig mit der Höhe, die Luft wird also dünner; auf dem Gipfel des Sentis z. B. hat die dem Boden auflagernde Luftsäule schon um etwas weniger als V» abgenommen gegenüber dem Meeresstrand, gegenüber Zürich um etwa ^/a. Temperatur. Mit der Höhe nimmt ferner ab die Temperatur der Luft und des Bodens im Schatten. Dafür gelten folgende Gesetze (siehe Colonne 2—4). Die Abnahme der mittlern Jahrestemperatur der Luft (im Schatten) auf 100 in. Steigung schwankt von 0 , 17 — 0 , 8 " 6. und beträgt im Mittel 0,58" (für die gesammten Gebirge der Erde bis zum 60" n. Br.); oder mit andern Worten: wir müssen 172,4 nn steigen, um die mittlere Jahrestemperatur um 1" 6. fallen zu sehen. Dieses Kätterwerden mit der Höhe ist in den verschiedenen Jahreszeiten ungleich: es ist im Winter am langsamsten, im Sommer am raschesten : im Sommer sinkt schon bei 143 in. die Temperatur um 1", im Winter erst bei 222 in., also 1,5 mal langsamer. Am größten ist der Temperaturunterschied zwischen Berg und Thal im Frühsommer (Mitte Mai), am kleinsten im Frühwinter (Mitte Dezember). Die mittlere Temperatur der ganzen Vegetationsperiode (Frühling bis Herbst) sinkt bei 160 in. um 1", oder bei 100 in. um 0,63". Da die Vegetationsperiode in der alpinen Region erst in den Sommermonaten beginnt und sich weit in den Herbst hineinzieht, nähert sich während derselben die Temperatur allmälig der der Ebene; der Alpensommer weicht mehr vom Ebenensommer ab als der Alpenherbst vom Ebenenherbst: damit hängt z. Th. die Thatsache zusammen, daß die Herbstphänomene der Pflanzenwelt nach oben eine geringere Verzögerung erfahren als die Sommerphänomene. Auch örttich ist die Abnahme verschieden: Thäler und Hochebenen sind wärmer als gleichhohe isolirte Bergspitzen und Abhänge. Niederschlage. In Bezug auf die Niederschlagsverhältnisse (Colonne 5—10) ist Folgendes hervorzuheben: Das Gebirgsklima ist feuchter, niederschlagsreicher als das Ebenenklima. —- Eine Ausnahme davon machen die größeren Längsthäler der Alpen (namentlich Wallis und Engadin; siehe die Zahlen von Grächcn, Simplon, Bevers w. in Colonne 6), welche im „Regenschatten" der sie begleitenden hohen Ketten liegen. Die Gesammt-Niederschlagsmenge nimmt mit der Höhe zu bis zu einem Maximnm, das in den Alpen nach Hann wenig oberhalb 2000 m liegt. Der Schneesall (Colonne 7, 8, 9) in der alpinen Region ist ein sehr bedeutender; die Höhe der Schneefälle eines Jahres als frischgefallen summirt, ergibt 5 — 17 Bieter. Der Antheil des Schnees am Gesammtniederschlag nimmt mit der Höhe zu (Colonne 10). Das absolute Maaß des Schneefalls nimmt ebenfalls zu, soweit die genauen Beobachtungen reichen; es beträgt im Mittel: Von 400 — 900 m Meereshöhe — 1,135 „ 900 — 1500 „ „ — 5,626 „ 1500 — 2000 „ „ - 6,775 „ 2000 — 2500 „ „ ^ 10,266 Die einzige aus sehr großen Höhen beobachtete Zahl von Theodulpaß 3333 m zeigt eine Abnahme des Schnees (sie stammt allerdings nur von einem Jahr und bezieht sich auf gesinterten Schnee). Wir können also sagen: Im Gebiet der Alpweiden beträgt der jährliche Schneefall 4 — 17m und nimmt mit der Höhe zu. Vegetatious- Sehr wichtig für die Alpwirthschaft sind die Verhältnisse der Vegetationsdauer und Weidezeit d""cr- (Colonne 11—16): Die schneefreie Zeit des Jahres wird nach oben immer kürzer; dementsprechend nimmt auch die Vegetationsdauer ab, d. h. die Zeit vom Wiedererwachen der Pflanzen bis zum Eintritt ihres Winterschlafes, und ebenso die von beiden, vom Schnee und von der Pflanzenentwicklung abhängige Weide- zeit. Aus Colonne 11 bis 16 ergibt sich im Einzelnen hiefür Folgendes: Wir können nach F. v. Keiner bei Betrachtung der für die Pflanzenwelt wichtigen Schneeverhältnisse das Jahr folgendermaßen eintheilen: 73 1. Die W i n t e r s ch n e e z ei t, d. h. die Periode vom definitiven Einschneien bis znm ersten Ausapern. *) 2. Die Zeit der F r ü h l i n g s s ch n c e f ä l l e, d. h. die von Schneefällen unterbrochene Zeit vom ersten Ausapern bis znm Wegschmelzen des letzten Frühlingsschnees. 3. Die schneefreie Sommerzeit, vom letzten Frühlingsschnce bis zum ersten Herbstschnee. 4. Die Zeit derH e r b st s ch n e c f ä l l e, vom ersten wieder wegschmclzendcn Hcrbstschnee bis znm Einschneien. Wir wollen dabei, um kurze Ausdrücke zu haben, die Zeit vom ersten Ausapern bis znm definitiven Einschneien als Apcrzeit bezeichnen tsic wird in jeder Höhenlage von Schnecfallen unterbrochen), die Periode der vorübergehenden Schneefälle als S ch n e e f a l l z e i t, und die Periode der dauernden Schneedecke als S ch n e e z e i t. Nach den Untersuchungen Kern er's im mittleren Jnnthal ergiebt sich für diese Perioden folgendes: Einen schneefreien Sommer haben wir nur bis 1600 in, von dort an grenzen die Frühlings- und Herbstschneefälle aneinander, so daß in jedem Monat Schnee fallen kann (Colonne 12). Auf den Alpweidcn über 1600 m muß man also darauf gefaßt fein, jeden Monat die „Schneeflucht" benutzen zu müssen, d. h. mit dem Vieh von der überschnellen Weide in den Wald hinunter zu flüchten. Die Zahl der Schneetage während der Aperzeit von 1600 in an ist sehr beträchtlich: fColonne 13) bei 1600 m — 16, bei 2000 m ^ 15, bei 2100 — 19 n. s. f. Es wird dadurch die für die Vegetation und die Weide in Betracht kommende Aperzeit nur ein Beträchtliches verkürzt. Im Jnnthal liegt die Zone, wo ebensoviele Tage des Jahres aper als schneebedeckt sind, bei 1560 m am Südhang, bei 1310 m am Nordhang; 9 Monate lang liegt der Schnee bei 2480 m am Südhang, bei 2270 m am Nordhang. Die in der Tabelle angeführten Verhältnisse entsprechen den aus 16jährigen Beobachtungen abgeleiteten Mittel- zahlen. Die Schwankungen der verschiedenen Jahrgänge sind aber sehr bedeutend. Der längste in den 16 Jahren vorgekommene Alpensommer übertraf an der Sonuseite das Mittel bei 1600 m um 3 Monate, bei 3000 in um einen Monat: der kürzeste blieb 1 — 1 '/a Monate hinter demselben zurück; für die Schattseite sind die Schwankungen bedeutend geringer: sie betragen ca. 3 Wochen in beiden Richtungen. Das Abschmelzen dell Winterschneedecke schreitet langsam aufwärts: (Colonne 11) an der Schattenseite des mittleren Jnnthales ist es Mitte April bei ca. 1300 in angelangt, Mitte Mai bei 1600, Mitte Juni bei 2050, Mitte Juli bei 2450. Am 26. August hat es an der Nordexposition bei 3000 m seinen Enlminationspnnkt, die Grenze des ewigen Schnees, erreicht. An der Sonuseite dagegen findet noch im September ein weiteres Abschmelzen des Winterschnces statt, in günstigen Jahren sogar bis Ende September, wobei die Schneegrenze nach der Berechnung von K erner bis 3400 in zurückweichen würde. Dann aber trifft der aufsteigende Frühling mit dem absteigenden Winter zusammen; in der Hohe, wo dieß geschieht, liegt die Grenze des ewigen Schnee's. Das Wiedcreinschneicn beginnt auf der Sonuseite des Jnnthals also erst Ende September, auf der Schattseite, wo die Schneegrenze, berechnet und gemessen, bei 3000 m sich findet, schon Ende August; am Nordabfall des Sentisgcbictes, wo die Grenze des ewigen Schnee's bei 2700 in liegt, schon Mitte August. Das Einschneien sinkt anfangs langsam, später sehr rasch in's Thal hinab.. Um auf der Sonnscite von der Höhe von 2400 m bis auf 1500 m hinab zu steigen, braucht der Wintcrschncc 36 Tage; dieselbe Höhen- gnote von 900 n> legt er aber in der Zone von 1500 bis 600 i» in 8 Tagen zurück. Im Ganzen genommen erfolgt das Aufsteigen des Ansaperns l'/a mal so langsam, als das Hinabrücken des Einschneiens: ersteres braucht an der Schattseite des Jnnthals von der Thalsohle (600 in) bis znr Schnee grenze 6 Monate, letzteres 4 Monate znm Absteigen bis znr Thalsohle. Die verschiedene Geschwindigkeit des aufsteigenden Frühlings und des absteigenden Winters geht ferner sehr deutlich aus folgenden Angaben hervor. **) *) „Aper" oder „aber" heißt der schneefrei gewordene Boden; „Ausapern" also „schneefrei werden". Unter „Einschneien" ist der Eintritt der dauernde n Winterschneedccke zu verstehen. Siehe Hann, die mittlere Wärmevertheilnng in den Ostalpen. Zeitschrift des deutschen und österreichischen Alpenvercins. Jahrgang 1880, S. 73. 10 74 Von Bozen in Südtirol bis zu dem 1250 m höher liegenden Kloster Weißenstein braucht im Frühling die Tageswärme von 0°, und ebenso die von 5" und 10° volle 2 Monate zum Aufsteigen, im Herbst zum Heruntersinken nur 39 Tage. Um das Höhnintervall von 100 m zu durchlaufen, braucht hier der aufsteigende Frühling 5 Tage, der absteigende Herbst 3 s/o Tage. Nach den 45jährigen Beobachtungen des Dr. Marti in Glarus") braucht das Ergrünen des Buchenlanbs von Glarus bis hinauf zum Stockst, einem 487,5 in höher gelegenen Borsprung am Gläruisch 20 Tage, das Herabsteigen der herbstlichen Verfärbung aber nur 16 Tage. Das Frühlingsphänomen schreitet also mit einer Geschwindigkeit von 24,3 ni pro Tag aufwärts und legt den Höhenintervall von 100 in in 4,1 Tagen zurück; das Herbstphänomen braucht nur 3,3 Tage dazu. Mit dieser verschiedenen Geschwindigkeit des Uns- und Absteigens der Winterschneegrenze hängt die Thatsache zusammen, daß die Aperzeit, je höher wir steigen, um so weiter gegen den Herbst hin sich verschiebt. Auf der graphischen Darstellung in Colonne 11 drückt sich das darin aus, daß die Spitze der Pyramide, welche die Apcrzeit darstellt, nicht über der Mitte ihrer Basis liegt, sondern nach rechts verschoben erscheint. Die Sommermitte (Mitte der Aperzeit), welche bei 600 na der Mitte des Juli entspricht, fallt bei ca. 2100 na aus Mitte August, bei 2900 na auf Ende August (an der Sonnenseite bei 3300 na auf Anfang September). Für das Erwachen der alpinen Vegetation nach dem Wegschmclzcn des Schnees ist es von großer Bedeutung, daß in Hähern Regionen die Lufttemperatur an der Schneegrenze beträchtlich höher ist als in den tiefern (siehe Colonne 4g,— 4ä). Im Februar z. B. herrscht an der bei 600 na liegenden Schneegrenze an der Schattseite im mittleren Jnnthal eine Temperatur von 0,7°, im Mai bei 1540 na dagegen schon 6,2", im Juni bei 2030 na 7,0", im Juli bei 2470 na 6,6", im August bei 2930 na 4,0", im September bei 2760 na 2,6" u. s. w.; ähnlich sind die Verhältnisse im Sentisgebict. Während dementsprechend in tieferen Regionen zwischen Ausapern und Begrünen des Bodens eine beträchtliche Zeit verstreicht, rücken diese Termine nach oben immer näher zusammen. Aus der Colonne 11 der Tabelle ergibt sich ferner, daß die Zeitdauer der Winterschneedecke an der Nordexposition im Mittel um llfte Tage pro 100 Meter Steigung sich verlängert (die Schwankung beträgt 4 bis 21 Tage); an der Südlage beträgt die Verlängerung 10 Tage im Mittel. Ganz analoge Zahlen hat Thurmann"") für die Minima der Dauer der Schucebedeckung im Jura gefunden: eine Verlängerung nämlich von 10 Tagen auf 100 Meter; S ch w e n d e u e r 4) berechnet für die Schweizer-Alpen die Verminderung der Aperzeit (auf Grund von nur 5 Beobachtungen) zu 7,6 Tagen pro 110 m. Aus den Denzler'schen Zahlen über die Schneebedeckung am Nordabfall des Sentis rechnet Schwendener eine Abnahme von 11,7 Tagen Pro 100 m heraus (29jährige Beobachtung). Es finden also beim Aufsteigen um 100 in folgende Veränderungen statt: Die mittlere Jahrestemperatur sinkt um.0,58° 0. Die Sommertemperatur sinkt um ...... 0,70° 6. Die Vegetationsentwicklung verzögert sich um . . . 3,4 Tage.44) Das Ausapern verzögert sich um .. 7,6 „ Das Einschneien tritt früher ein um.3,8 „ Die gesummte Aperzeit (vom Ausapern bis zum Einschneien) verkürzt sich daher um.. Il'/e „ Die Frühlingsphänomene (Blühen der Haselnuß, der (nach Schwendener's Beobach- Primel, des Kirschbaums) verzögern sich um . 4,1 „ tungen in Bevers 1710 m.) *) Siehe Blumer und Heer, der Kanton Glarus, 1846. **) Lssoi äe Lb^tostotigue oppkignö ö Is Obolus äu ckuro. Leine 1849, 1. Lä., poZ. 67. 4) Schwendener, Ueber die periodischen Erscheinungen in der Natur, insbesondere der Pflanzenwelt. Dissertat. Zürich 1856. 44) Schlagintweit, Untersuchungen über die physikalische Geographie der Alpen. Leipzig 1850. Pag. 539. 75 Das Blühen der Herbstblumen dagegen verzögert sich nur sehr wenig: so blüht die Herbstzeitlose in Zürich l.420 m) im Mittel aus 8 Jahren lJ846—53) am 19. August, in Bevers bei 1710 m im Mittel aus 4 Jahren (1847—50) schon am 22. August (Verspätung also */s Tag pro 100 Meter). Der raschere Ablauf der Vegetationserscheinungen in der Höhe geht klar aus folgenden Zahlen hervor-.^) Die Zeitdauer zwischen dem Erscheinen des ersten Wiesengrüns, der Kirschblüthe und der Betäubung der Buche beträgt in ca. 420 m Höhe (Zürich, Frauenfeld, Rafz) 33 Tage, resp. 46 Tage, „ „ 455 in Höhe (Glarus und Mettmenstetten) 15 V? „ „17 „ „ „ 632 in Höhe (Matt, Ct. Glarust 10 „ „ 19 „ Die Zunahme des Gesammtbctrages der Sonnenstrahlung (Colonne 17 —18) ist neben der Abnahme des Luftdrucks und der Lufttemperatur ein Hauptcharakterzug des Alpenklimas. Sie beruht in erster Linie darauf, daß über dem Gebirge eine weniger mächtige strahleiiverschluckcnde Luftschicht lagert als über der Ebene; dazu kommt noch der geringere absolute Wasserdampfgehalt der Höhenluft. Die während einer Minute auf die Fläche eines Quadratcentimeters einstrahlende Sonnenwärme wäre an der oberen Grenze der Lufthülle nach Violle'im Stande, 2,54 Liter Wasser von 0° auf 1" zu erwärmen, nach F. H. Weber**) (Zürich) 2,25 — 2,29 Liter; oder, wie der Physiker sich ausdrückt, diese Wärmemenge beträgt 2,54 (resp. 2,25—2,29) Wärmeeinheiten (Calorieen). Wenn diese Sonnenstrahlen aber den langen Weg durch die Lufthülle bis zum Meeresniveau zurückgelegt haben, so bleiben nach Violle nur noch 1,76 Wärmeeinheiten von jenen 2,54 übrig, d. h. es werden 32°/« von der Lufthülle zurückgehalten (absorbirt) und dienen zur Erwärmung derselben. Die in Colonne 24 — 29 angegebenen Zahlen Violle's und F. H. Web er's zeigen, daß der größte Theil der Absorption auf die unteren Schichten der Atmosphäre fällt, daß also in der alpinen Region die auf den Boden und die Pflanzen einfallende Wärme- und Lichtstrahlung eine viel bedeutendere ist als in der Ebene. Nach den Zahlen Violle's ist die Wirkung der Sonnenstrahlung auf dem Montblanc-Gipfel 26"/o größer als in Paris; nach denjenigen von Weber auf dem Pizzo Centrale bei 2900 m um 10°/n größer als in Zürich bei 470 m. Die Pflanzen der alpinen Region erhalten also bedeutend mehr Licht- und Wärmestrahlen als die der Ebene. Die Luft selbst aber erwärmt sich dafür um so weniger; das ist eine der Ursachen der Abnahme der Lufttemperatur nach oben. Eine direkte Folge dieser starken Bestrahlung ist die Thatsache, daß die Bodenwärme einen größeren Ueberschuß über der Luftwärme zeigt, als im Thal (Colonne 3). Wohl ist, wieder wegen der dünnen Luft, auch die nächtliche Ausstrahlung größer als in der Ebene (auf dem Faulhorngipfel z. B. nach Martins 370/0 größer als in dem 2100 m tiefer liegenden Brienz), die Schwankungen sind also sehr bedeutend: aber das Mittel zeigt doch einen größeren Wärmeüberschuß über die Luft als im Thal. Sehr deutlich zeigt sich die hohe Erwärmung fester Körper durch die starke Besonnung alpiner Höhen auch aus dem mit der Höhe beträchtlich wachsenden Ueberschuß der Temperatur eines besonnten Schwarzkugelthermometers über diejenige eines beschatteten Thermometers (Colonne 17); während die Temperatur am Schatten mit der Höhe sinkt, steigt sie dagegen in der Sonne. Die Bodenfeuchtigkeit ist in Folge der lange fließenden Quelle des Schmelzwassers, in Folge häufiger Nebelbildung und starker Thaufälle meist eine reichliche; die Luftfeuchtigkeit ist eine rasch und stark wechselnde: volle Sättigung der Luft mit Wasserdampf (Nebel) wechselt oft mit großer Trockenheit, namentlich in der Nähe von Firnfeldern oder Gletschern, die wie Kondensatoren wirken. Diese Lufttrockenheit im Verein mit dem geringen Luftdruck und den häufig wehenden starken Winden bedingt eine starke „Evaporationskraft" des Höhenklimas: die Verdunstung ist eine sehr ausgiebige. Mit der starken Wirkung der Besonnung hängt auch der starke Unterschied in der Temperatur der verschiedenen Himmelslagen zusammen. Schneegrenze und Pflauzengrenzen liegen deßhalb an Sonnseitcn meist beträchtlich höher als an Schattseiten. Im mittleren Jnnthal z. B. befindet sich die Schneegrenze am Nordhang 400 w tiefer, als am Südhang. *) Schwendener a. a. O. **) Nach freundlichen schriftlichen Mittheilungen aus einer noch nicht publizirten Abhandlung über diesen Gegenstand. 76 Das Alpenklima zeichnet sich, kurz zusammen gefaßt, durch folgende Eigenschaften aus: Eine niedrige mittlere Jahrestemperatur der Luft im Schatten. Eine hohe und lang andauernde Schneebedeckung. Eine kurze, von Schneefällen und Frostnächten oft unterbrochene und spät im Jahr beginnende Vegetationsperiode. Eine starke Wirkung der Wärme und Lichtstrahlung der Sonne. Eine verhältnißmüßig hohe Bodentemperatur. Eine gleichmäßige und hohe Bodenfeuchtigkeit. Eine stark wechselnde Luftfeuchtigkeit. Eine starke Verdnnstnngökrast. Welches sind nun die Eigenthümlichkeiten der Alpenflora d. h. der Vegetation der alpinen Region, welche sich mit den klimatischen Verhältnissen in ursächlichen Zusammenhang bringen lassen? l. Die Alpenpflanzen sind meist ausdauernd: nur 4"/» der österreichischen Alpenflora (nach A. v. Aerner), nur 4,<4"/« der schweizcnlschcm Nivalflora sind einjährig (nach O. Heer). Das ist wohl eine Folge der kurzen Vegetationsdauer; ausdauernde Pflanzen, welche im Frühling gleich neue Blätter bereit haben, können eher mit ihrer Aufgabe fertig werden, als einjährige, die erst aus dem Äeimliug sich aufbauen müssen; es hängt auch zusammen mit der Unsicherheit des Samenprodnktion. 4. Ihr Wuchs ist meist niedrig und gedrängt, die Stengel sind kurz, die Blätter dicht gestellt; häufig sind zahlreiche solcher dichtblättriger kurzer Triebe zu einem festen Polster und Rasen vereinigt, der durch daS Erhaltenbleiben der abgestorbenen Blätter meist noch dichter wird. Die Ursachen dieses Hanptcharakters der Alpenflora sind folgende: ^ n. Die größere Wärme des Bodens gegenüber der Luft; die Pflanzen schmiegen sich wärmesnchend demselben an. d. Die Nothwendigkeit des SchneeschntzeS wahrend der frostgefährdeten Zeit; niedrige Gewächse werden dieses Schutzes natürlich viel besser theilhaftig als hohe. e. Die starke Lichtwirknng und der Mangel warmer Rächte während der Zeit des Wachsthums; starkes Licht bedingt wohl energische Erzeugung pflanzlicher Baustoffe, hemmt aber die Längsstrecknng der Stengel. Run sind aber während des alpinen Sommers die Tage lang und hell, die Rächte kurz und kalt. Beides wirkt zusammen, die Längsstrecknng der Stengel zu verhindern. ä. Der rasen und p olsterförmige Wuchs gestattet den Alpenpflanzen, trotz mangelnder Höhenentwicklung doch eine beträchtliche große grüne Fläche herzustellen. Die Hauptverzweigung würd dabei durch unterirdische und halbnnterirdischc Organe besorgt, die häufig eine mächtige Entwicklung erlangen, wie das auch aus den Abbildungen dieses Werkes, besonders bei Tafel !>, 10 und 12 hervorgeht. Diese wohlgeschützten, im warmen Boden liegenden Erdstöcke bilden zugleich ausgiebige Vorrathskammern für aufgespeicherte Rahrnngsstoffe und erzeugen stets eine Beenge von Reserveknospen zum Ersatz abgestorbener oberirdischer Triebe. 3. Die Alpenpflanzen haben eoneentrirte Zellsäfte: Beweis dafür der meist hohe Eiweiß- und Fettgehalt und der geringe Rohfasergehalt des Alpenheues (Seite 0). Es ist das eine Folge der starken Lichtwirknng, welche einer kräftigen Assimilation, d. h. Erzeugung pflanzlicher Baustoffe ruft. Zugleich wirkt diese Eigenschaft als Schutzmittel gegen das Erfrieren, da starke Lösungen schwerer gefrieren als schwache. 77 4. Viele Alpenpflanzen haben sehr frühzeitig, bald nach der Schneeschmelze sich öffnende Blüthen. Ebeiienpflanzen, die in die Alpen aufsteigen, blühen natürlich um so später aus, je höher ihr Standort liegt; das Blaß dieser Verspätung wird aber immer geringer, je höher man steigt. Nach A. v. Kcrucr blüht dieselbe Pflanze bei ea. 1000 in um 25 Tage später als bei 500 in, bei 2000 in aber nur 18 Tage später als bei 1500 in, bei 3000 in nur 14 Tage später als bei 2500 ni. Diese beschleunigende Wirkung des Alpcnklimas auf das Ausblühen mag direkt begründet sein in der höheren Bodenwärme und dem starken Licht, indirekt in dem Vortheil, den bei der kurzen Vegetationsdauer die Frühblumen durch sicherere Tamenprodnktion haben. 5. Bei vielen Alpenpflanzen sind die Blätter: n. immergrün, b. derbe, ledrig mit starker Dber hairt, 6 stark behaart und filzig. Immergrüne Blätter bieten den Vortheil besserer Ausnutzung der kurzen Vegetationsperiode. Derbe Blätter mit starker Dberhant und stark behaarte Blätter sind gegen die für den grünen Farbstoff schädliche starke Licht Wirkung geschützt, und zugleich gegen die durch die starke Vew dnnstnngskrast des Alpenklimas besonders an felsigen sonnigen Standorten drohende Austrocknnng. 0. Viele Alpenpflanzen haben stark aromatische Eigenschaften ILltzuui, XiAritalln, tLeüillan i>i 086 lmtu, TLrtkiwisin), daher der kräftige Duft und die stimulirende Wirkung des Alpenhens. 7. Die Alpenflora zeichnet sich durch ihren herrlichen Blüthen schmuck aus. n. Die Blüthen erleiden nicht dieselbe Reduktion in der Größe, wie der grüne Leib der Pflanze und erscheinen daher relativ größer; daher die entzückende Farbenpracht alpiner Wiesen. Absolut größer als die Ebenenblnmen sind die Alpenblumen im Allgemeinen nur selten. — Daß die Blüthem größe in den Alpen keine Abnahme zeigt, mag z. Th. darauf beruhen, daß das Licht der Höhe mehr blnthenbildende Strahlen enthält als das der Ebene. Sachs hat nachgewiesen, daß cS namentlich der ultraviolette Theil des Sonnenlichts ist, welcher blüthenbildende Stoffe prodnzirt, und aus den Versuchen F. H. Weber's geht hervor, daß gerade dieser Theil des Lichts bei dem Durchgang durch die Liest stärker absorbirt wird als der weniger brechbare, daß also das Alpenlicht mehr davon enthält, als das durch die ganze Atmosphäre bis zur Ebene durchgegangene Ebenenlicht. b. Die Blüthen des Alpenflors haben mehr blaue und rothe Töne als die der Ebene. Nach Hermann Müller hängt das mit dem Einfluß der die Bestäubung und damit den Fruchtansatz bewirkenden Insekten zusammen. Auf den Alpen sind unter diesen Blumenbestäubern die Schmetterlinge viel stärker vertreten als in der Ebene; diese haben aber eine Vorliebe für solche Farben, und daher können sich blaue und rothe Blumen auf den Alpen in größerem Maße vermehren und erhalten als andere. 78 Da im Text mehrfach Bezug genommen wird auf unsere Versuche und Beobachtungen auf der Fürsten- alp, so mögen hier anhangsweise einige meteorologische Daten von dieser Station Platz finden: Meteorologische Daten von öer Jürstenatp (1162 ^ § M. Nordhang). Mittlere Temperatur. Minimum. Maximum. Mittlere Bewölkung. Niederschlags- summe. Juni 7,0° 1,0 16,2 8,8 153,2 nun 1886 Juli *) 11,4 — — — — August 10,5 3,2 21,0 6,5 177,6 Juli 13,0 5,0 6,3 89,9 1887 August 10,2 1,1 21,0 4.6 145,3 September 6,8 6,1 68,7 (bis 20. Sept.) Im Jahr 1886 fiel der letzte Schnee am 22. Juni, der erste am 10. August, im Jahr 1887 der letzte am 29. Juni, der erste am 21. August. Ganz schneefrei war also nur der Monat Juli, in welchem es, nach der Aussage der Sennen, überhaupt selten schneit oder friert. Bon diesem Monat fehlen die Beobachtungen; die Temperatur ist nach den Beobachtungen vom Rigi interpolirt; diese Interpolation, sowie die Berechnungen der Mittel aus den Einzelbeobachtungen, verdanken wir der Gute des Herrn Direktor Billmiller von der meteorologischen Centralstation. Spezieller Theil'. 81 1. Das Alpenlieschgras. kllilöinii xüpinum ll,imiö. 2z (Tafel 1. Fig. L..) Das Alpenlicschgras wird mit andern Gräsern vom Volke schlechtweg mit dem Collektivnamen „Schmale", Benennung. „Schmäle", „Schmiele", in Kärnthcn „Schmelchen" bezeichnet. v. R ütti rechnet es zu den besten Alpcnfntterpflanzcn und erwähnt, daß es ein stämmiges, etwas hartes Geschichte. Gras sei, dessen Same leicht zu sammeln wäre und, auf wohlgedüngten Weiden ausgesäet, ein sehr gutes, nahrhaftes Fnttcrkraut abgebe, da es sich leicht bestocke und vielstengelig sei.*) Ebenso zählt es Schatzmann zu den vorzüglichsten Futterpflanzen.**) Schübeler*^) sagt bei Gelegenheit der Besprechung seines Borkoniuicns in Norwegen: „JnAlpwirthschast- höheren Gegenden, wo das Timothygras (kklleuin xratonse) nicht fortkommt, würde es sich gewiß lohnen, es als Futterpflanze anzubauen". Es ist ein ergiebiges, auf gedüngten Matten und an fetten Stelln: der Weiden der alpinen und subalpinen Region häufig vorkommendes Gras, das als Mahepflanze großen Werth hat. Botanische Beschreibung. Der Halm ist 20—50, selten bis 80 em hoch, glatt, am Grund Botanische nicht knollig verdickt, ch) Die glatten und kahlen Mattscheiben sind bis auf Vs—'/ll herunter gespalten; die- Beschreibung, jenige des obersten Halmblattcs st a r k aufgeblasen und lose um den Halm hcrumgerollt (Fig. rk., 7 und 7s und Fignrcncrklärung). Die alten verwitterten Scheiden am Grunde des Halms bleiben als braune, schlaffe Häute lange erhalten, ohne sich in Fasern aufzulösen. — Die Blattspreite hat eine gerollte Knospenlage; sie ist am Rande rückwärts rauh, sonst glatt und kahl sinn die Spreiten der Laubtriebe sind am Grunde ge- wimpert (Fig. 9) von eilanzettlichem Umriß (auch nach der Basis zu verschmälcrt). Die Nerven ragen nnterseits schwach vor und sind obcrseits durch deutliche, mit Gelenkzellen versehene Furchen von einander getrennt. (Fig. 11) Das Blatthäutchen der Halmblätter (Fig. 8) ist kurz und gestutzt, am Rande oft etwas ausgefrcssen, dasjenige des obersten Halmblattes in ein Spitzchen zusammengedreht nnd vom Halm abstehend (Fig. 7). An den Laubtrieben ist das Blatthäutchen ein kurzer Hautrand. (Fig. 9) — Der Blüthenstand ist eine eiförmige bis walzliche pntzstockähnliche Scheinähre (zusammengezogene Rispe); die kleinen Aehrchen sitzen auf kurzen verzweigten Seitcnästchen. Beim Biegen erscheint die Rispe gleichmäßig, nicht lappig (s. folg. Art). An Kümmerformcn ist sie beinahe kugelig, nur 1,5 am lang, an üppigen cultivirten Exemplaren eine bis 7 em lange, etwas bauchige Walze. Die Farbe ist dunkel-violett bis (selten!) weißlichgrün. — Das Aehrchen (Fig. 1 und 2) ist einblüthig, lineal-lanzett, mit den Grannen 4—5 mm lang und 1,5 mm breit, flachgedrückt, beinahe horizontal abstehend, mit der Fläche gegen die Spindel der Scheinähre gerichtet nnd deren Spitze zu- gekrümmt, so daß man eine convexe Außenseite und eine concave Innenseite unterscheiden kann. Die Klappen hüllen das Aehrchen vollkommen ein, sind gleich groß, übereinandergreifend, scharf gekielt, mit derbem Kiel und häutigem Rand, obern quer abgestutzt, und 3nervig; die untere am Rande von langen Haaren zottig. Der von starken, abstehenden Borstenhaaren kammförmig gewimperte Kiel (Mittelnerv) ist in eine Wimperlose (vsr. o«>mmul 3 tmn Osncl.) oder bewimperte Granne verlängert, deren Länge V»-V» der Klappe beträgt. Die Seitcnnerven der Außenseite sind kurzborstig (Fig. 1), ebenso die Fläche der Klappen. Die Deckspelze (Fig. 3) ist ein farbloses, oben quer abgestutztes und ausgefressenes, gezähneltes, häutiges fünfnerviges Gebilde (nicht dreinervig, wie Oionior ot Ooclioii, tloro äs llrznco, angeben), das die Blüthe beinahe ganz umfaßt und '/» kürzer ist als die Klappe; die Vorspelze ist ein schmales, zungenförmiges, zart zweinerviges Häutchen; die Schüppchen sind kleiner als der Fruchtknoten und meist einfach, ohne Seitenzahu; ein „ S tie l ch e n ", d. h. eine vor der Vorspelze stehende Verlängerung der Aehrchenaxe, fehlt. ») Die Pflanzenwelt der Alpen. Von v. Riitti; Schweiz. Alpenwirthschaft, V. Heft. Aaran 1864. Seite 111. **) Alpwirthschaftliche Monatsblütter IV. Jahrgang. Aarau 1870. Seite 44. *»») Schübclcr, die Pflanzenwelt Norwegens. Christiania 1873—75. Seite 111. ch) Willkom m in seiner lltora lrispaniea erwähnt allerdings eine Abart mit knotig verdicktem Stengelgrnnd (var. P. tuveroimm). Bei uns tommt dieselbe nicht vor. 11 82 Beim Blühen treten die Staubgefäße und die sprengwedelförmigen Narben an der Spitze des ungefähr horizontal gerichteten Aehrchens zwischen den geschlossen bleibenden Klappen heraus. Während die Pollensäcke den Blüthenstaub entlassen, ragen sie am Ende der wagrecht vorgestreckten steifen ca. 1 cm langen Staubfäden etwa 4 mm weit über die Narben hinaus, so daß der herabfallende Blüthenstaub bei ruhigem Wetter nicht die Narbe derselben Blüthe erreicht; Fremdbestäubung ist also die Regel. Abarten. Abarten. Eine Abart mit Wimperlosen Grannen der Klappen und horstbildcndcn! Wuchs ist von Gaudin als var. eommuwtum bezeichnet worden; sie stimmt im Uebrigen mit der Hauptform völlig überein. Ueber die in der Schweiz bis jetzt nicht nachgewiesenen Abarten 8u1wli,imnii llaokol und t'ollax lautes vergleiche man den Abschnitt „Verwandte Arten" (am Schluß). Geographische Vorkommen. Klima. Boden, Düngung. Das Alpenlicschgras kommt vor: In Europa auf Verbreitung, Gebirgen des südlichen und mittleren Europa (Pyrenäen, Auvergne, Alpen, Sudeten, Jura, Appenin, Korsica, Dalmatien, Steiermark, Kärnthen, Kroatien, Karpathen, Balkanhalbinsel, Griechenland, ferner in den schottischen Hochlanden und den skandinavischen Bergen), im arctischen und subarktischen Gebiet auch in der Ebene, so in Island, dem nördlichen Norwegen, Lappland, Halbinsel Kola, Samojedenland. —- In Asien auf dem Kaukasus, dem cilicischen Taurus, dem Himalaya, dem Altai, Ural, den Hochgebirgen Central- asiens, Kamtschatka, im arktischen Sibirien. — In Amerika, in Grönland, Labrador, Rocky monntains, Anden der atlantischen und pacifischen Staaten der Union, alpine Region Mexiko's, Chile, Argentinien, Magel- lansstraße. Es ist also in der Polarzone rings um den Nordpol, in der gemäßigten Zone aus den meisten Gebirgen der nördlichen und einigen der südlichen Halbkugel verbreitet und gehört somit in die Gruppe der „Glacial- pflanzen", einer zahlreichen Pstanzengemeinschast ähnlicher Verbreitung, welche wahrscheinlich während der kälteren Eiszeit in ihre jetzigen Gebiete einwanderte. Standorte. In den Schweizeralpen findet sich das Alpenlicschgras besonders auf Fettmatten, an Geilstellen auf der Weide und in der Umgebung der Sennhütten in der alpinen und subalpinen Region. Auf einer Fettmatte bei Andermatt (1450 m) fanden wir es zu 5,22°/» vertreten, auf einer solchen beim Handeckfall (1417 m) zu Höhen- 12,670/o, beim Wirthshaus zum Stein am Sustenpaß (1868 in) sogar zu 34,560/». Sein normales Wohngebiet Verbreitung, erstreckt sich in den schweizerischen Alpen von 1400—2400 IN. Vereinzelt steigt es aber auch bis 600 m tief herab (Eichwald ob Schwanden Kt. Glarus) und bis 2900 m hinauf (nach Brügger im Lavirums). Auf einer Ziegenweide am Teufelskopf (Hochwangkette) bei 2400 1 » war es noch zu 1,5°/» vertreten. Klima. Wenn auch die horizontale Verbreitung des Alpenlieschgrases eine sehr weite ist (circumpolar, meiste Gebirge der nördlichen Hemisphäre beider Welten, Chile, Argentinien, Magellansstraße auf der südlichen Hemisphäre), so ergibt doch die vertikale Vertheilung, daß es eines arctischen oder eines H ö h e n k li m a s bedarf. In den Schweizeralpen bewegt sich die mittlere Jahrestemperatur seiner Wohnorte (von 1400 — 2900 in) ungefähr zwischen 3,2 und — 5,4° tl (von Zürich aus berechnet unter Zugrundlegung der mittleren Temperaturabnahme von 0,58" 6 auf 100 in). Die schneefreie Zeit dauert in dieser Höhenschicht 2—5 Monate (nach den Beobachtungen A. v. Kerner's bei Innsbruck). In nördlichen Gebieten steigt es weiter hinab, so in Schottland bis 640 m; dort erträgt es — 0,5° 6 bis 4° L. Im arctischen Gebiet endlich findet es sich auch an der Meeresküste (schon im nördlichen Norwegen nach Schübeler), und erträgt dort eine Jahrestemperatur von —11,1° (Upernavik in Westgrönland unter 72° 47J nöMjch der Mosselbai, 76°, kommt es nicht mehr vor). — Sein großes Feuchtigkeitsbedürfniß wird durch seine Standorte hinreichend dokumentirt. In der Ebene scheint es in gemäßigten Breiten nicht acclimatisationsfähig zu sein, wenigstens gingen die Kulturen auf dem Zürcher Versuchsfeld der Samenkontrolstation (460 m ü. M.) in zwei Jahren zu Grunde. Boden. Es verlangt zu seinem Gedeihen einen frischen und fetten Boden, gleichgültig auf welcher gcognostischen Unterlage; wie die meisten düngerliebcnden Pflanzen ist es gegen den Kalkgehalt des Bodens gleichgültig. Sobald derselbe genügende Frische und Düngergehalt besitzt, kommt die Pflanze auf jeder Bodenart fort, auf Urgestein, wie auf kalkhaltiger Unterlage. Auf nassem oder allzu trockenem Land gedeiht sie dagegen nicht. Das schönste Gedeihen zeigt sie auf humusreichem, mittelmäßig gebundenem, düngerkräftigem, frischen: Boden. 83 1000 Theile Heu von 86"/° Trockensubstanzgehalt am 13. Juli 1886, kurz vor der Blüthe auf dem Versuchsfeld der eidg. Samenkontrolstatiou auf der Fürstenalp gesammelt, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 23,39 58,2 8,69 30,36 5,93 1,81 Theile. Das AlpenlieschgraS ist ein ausgesprochen düngerliebendeS, vielleicht sogar düngerfordcrndes Gras, d. h. es verlangt zu seinem Gedeihen einen düngerkräftigen Boden, wie sein natürliches Borkonuneu deutlich zeigt; aus dein „Lngerboden" entwickelt es sich außerordentlich üppig und erzeugt Halme von 80 am Höhe. Wachsthum^ Grtrag, Fnttertvertl). Es bildet einen lockeren, ebenen Horst, der an seinem Umfange zahlreiche, mäßig weit unterirdisch kriechende Ausläufer treibt. Die Laubtrtebe sind allermeist durchbrechend (extravaginal); sie wachsen entweder sofort in die Höhe (namentlich jene in der Mitte des Horstes), oder steigen bogig aufwärts oder kriechen mehr oder weniger weit horizontal in der Erde fort; manche in der Mitte des Horstes endlich bohren sich abwärts in die Erde, um nachher wagrecht nach außen fortzukriechen und sich in einiger Entfernung nach oben zu wenden. An der Basis starker Halme finden sich auch umscheidete (intravaginale) Seitentricbe. Das Gras treibt im Frühjahr schon sehr zeitig. 7lm 12. Juli stand es auf einem Beete auf der Fürstenalp schon 40—50 am hoch und begann zu blühen.*) Am 13. Juli wurde es geschnitten; der Nachwuchs war am 12. August schon 15, am 10. September schon 20—25 am hoch uud am 14. September, also 4 Wochen nach dem Schnitt, waren einzelne Rispen znm zweiten Mal in voller Blüthe. ES wächst also sehr rasch. Die Halme erreichten im ersten Schnitt eine Höhe von 50—80 am; dieselben sind blattreich und die Pflanze liefert ein gutes Futter. 100 Theile Heu vorn alpinen Versuchsfeld,**) am 13. Juli 1886, kurz vor der Blüthe geschnitten, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 81,18°/° 14,62°/° 3,71°/° 26,18°/° 36,67°/° Der Protein und Fettgehalt ist also ziemlich bedeutend. Die Pflanze ist besser als Mähefutter geeignet wie zur Weidenutznng, weil sie hohe blattreiche Halmtriebe und weniger Lanbtriebe macht als andere Gräser. Samengewimmng, Same und Kultur. Wenn man Samen gewinnen will, so verfährt man am besten in der Weise, daß man schöne Stöcke an ihrem natürlichen Standort ansgräbt, diese auf der Alp in ein sonniges, frisches Beet pflanzt und im Angufl, wenn der Same reis ist, die Aehrenrispcn abschneidet und die Samen anödrischt. Aus diesen Samen kann man dann durch Aussaat neuerdings Pflanzen heranzüchten, die zur Samengcwinuung dienen. Der Same verhält sich in der Größe des Kornes wie der des Timothegrases. 1000 Samenkörner vorn alpinen Versuchsfeld wogen 0,402 Gr., vom Versuchsfeld in Zürich 0,575 Gr., so daß also 1 Kilo reine Samen 1,740,000 bis 2,480,000 Körner enthielten. Die Keimfähigkeit betrug 96—98°/°. Die Scheinfrucht („Same" der Landwirthe) besteht aus der Caryopse, welche meist von den Spelzen umschlossen ist, während die Klappen wie beim Timothegras beim Dreschen abgehen. Die Klappen sind etwas bauchig aufgetriebcn und ihre starken Kielwimpern etwas mehr nach oben gerichtet, als im Zustand der Blüthe. Die Caryopse ist eiförmig, sehr klein (2—2,5 mm lang), von den meist etwas klaffenden Spelzen lose umhüllt, von der bleibenden Griffelbasis kürzer oder länger bespitzt, fein chagrinirt, und etwas dunkler braun als die des Timothegrases. Der Same keimt rasch und auf der Alp läßt sich das GraS sehr leicht aus demselben ziehen. Man säet den Samen im Borsommer auf ein gut zubereitetes Feld aus, etwa in der Stärke des Timothegrases ('7 Kilo Samen per Ar) und wird aus gutem Boden im nächsten Jahre schon eine volle Nutzung haben. Die Kultur empfiehlt sich insbesondere für Mühewiescn aus düngerkrästigem Lägerbodcn. *) Diese Daten beziehen sich anf junge Stöcke einer Aussaat; eingepflanzte ältere Stöcke erreichten schon am 16. Juni (etwa 4 Wochen nach der Schneeschmelze) die oben angegebene Höhe. — Anf dem Zürchcr-Versnchsfcld (460 m) stand es 1888 Anfang Juni schon in voller Blüthe. **) Damit ist immer das Versuchsfeld aus der Fürstenalp (siehe Seite 77) gemeint. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fnttcrwcrth. Nutzung. Samen- gewinnung Same. Kultur. 84 crwandtc Arten. Verwandte Arten. Am nächsten verwandt mit lUUmmr aipiuum ist PIUmim pralunso, das Wiesen- Lieschgras. Neilreich, Celakovsky, Regel u. A. sind der Ansicht, daß diese beiden Formen als Unterarten einer und derselben Art zu betrachten seien. Der ausgezeichnete Graminologe Hackel sagt (in Halaczy und Braun, Nachträge zur Flora von Nicderösterreich; Wien 1882, paS. 17—18): „ . . . . es beweist dieß, daß I'iüuum aipiuum und prat6U86 ..... nach den bisher bekannten Merkmalen nicht specifisch getrennt werden können. Vielleicht stellen sich in der Folge andere heraus." Wir müssen Hackel vollkommen Recht geben; weder das Verhalten der obersten Halmblattscheide, noch die Länge der Granne, noch die Bewimperung derselben, noch die Länge, Form, Färbung der Scheinrispe lassen eine scharfe Trennung zu: die zwei ersten dieser Merkmale zeigen eine continuirliche Reihe von Uebergängen von dem pi-almum-Typus zum alpiuum-Verhalten. Die zwei letzten (Grannenbcwimpcrung und Scheinrispe) verhalten sich wie folgt: pralmmo hat wimperlose, aipiuum bewimperte Granne; aber das sonst sicher zu aipiuum gehörige Uliisum oummutatum hat die Grannen von i'Irimim pratmmg; aipiuum hat violette, pratmmu grüne Rispen; aber es giebt sichere I'iiltzum aipinum - Formen mit grünen Rispen. Endlich ist auch ein neu von mir gefundenes Unterscheidungsmerkmal nicht constant; aipiuum hat eine von der klaffenden Spelze lose eingehüllte, prattzims eine von festanliegenden Spelzen völlig eingeschlossene Caryopse; aber eine sonst beinahe ganz mit prsturmu übereinstimmende Form (Oiiisum prslumm vor. mmiium lii'üZAM') hat die Scheinfrucht von aipiuum. Trotzdem scheint uns eine Vereinigung der beiden Sippen zu einer Art nicht dem wahren Sachvcrhalt zu entsprechen. Die weitaus überwiegende Mehrzahl der Individuen, die hier in Frage kommen, läßt sich mit aller Sicherheit zur einen oder andern Form stellen; auch pflanzengeographisch und physiologisch sind dieselben wohl geschieden. Wenn man nicht ein einziges, sondern eine Combination von Merkmalen zur Trennung benutzt, so läßt sich dieselbe scharf wie folgt durchführen: I> Iris um prslsuvu — Granne Wimperlos, Scheinähre grün. UUltznm alpinum — Granne bewimpert, oder wenn Wimperlos, Scheinähre dunkelviolett. (lU>l. emumulalum). Beide Arten besitzen Varietäten, welche z. Th. Merkmale der andern Art tragen, und also als Zwischen- fornien zu bezeichnen sind. UUIsum alpin um, vor. 8ubalpiuum Haeksl „Hochwüchsig (0,35 — 0,5 m), Rispe rein cylindrisch, 4 — 8 mm lang, schmutzig-violett überlaufen. Granne der Hüllspelze nur halb so lang als die Spelze." (In Halaczy und Braun, pag. 17.) Diese Form, von der wir durch die Güte des Autors ein Originalexemplar untersuchen konnten, wird durch die bewimperten Grannen und die sehr stark aufgeblasene Scheide entschieden zu aipiuum gewiesen und weicht von typischen Exemplaren dieser Act nur durch die schwächere Färbung der Rispe und die Cylinder-Form derselben ab. I'Iiltzum alpin um var. Isllax .iaulla (als Art) blaßgrün, Stengel bis zur Rispe beblättert, meist 5blättrlg (ptiluum alpinum meist 3blättrig, pratcmvs 4—Oblättrig!) oberste Mattscheibe schwächer aufgeblasen. Klappe grün, etwas länger als ihre Granne. *) Llileum pratulivs var. msciium IlrüAAor. Beschreibung und Vorkommen siehe die Tabelle am Schluß der folgenden Beschreibung, die auch im klebrigen weiter» Aufschluß über die Unterscheidungsmerkmale gibt. KvklÄrcrttrg öev Herfiel.' 1 H.. Fig. il. Ganze Pflanze mit einer jungen und einer in voller Blüthe stehenden Aehrenrispe. „ 1. Aehrchen vor der Blüthe (von der Außenseite). „ 2. Dasselbe in voller Blüthe (von der Innenseite). „ 3. Dasselbe ohne die Klappen. „ 4. Stempel. „ 5. Fruchtährchen „ 6. Bespelzte Caryopse. „ 6a. Caryopse allein. 7. Oberste Blattscheide eines Halmes. 7a. Schematische Querschnitte durch dieselbe. Der schwarze Kreis bedeutet den Halln, die Linie zeigt, wie die Blattscheide um denselben gerollt ist. 8. Blatthüutchen am zweitobersten Halmblatt. 9. Blatthüutchen eines Lanbtrieb-Blattes. 10. Halmbasis mit extravaginalen Kriechtrieben. 11. Querschnitt einer Laubtrieb-Spreite. *) Diagnose nach Fiel, Flora von Schlesien, Breslan 1881, pag. 501. I i cj .', ^ , s s/i >ic,ö " r i ts,L ' l i(s > ^ k k'lg.y ^ i kig.10 I> <,. > I 7'1 Ii,,. <> > i si«,.', li.i.U» '/i rig lä >' ^ .... - '-' ... ' I>ti1smv. LlxlQE Q. kdlsmri ILlLLsUI L11. ^ ^drst» gj. izt. S-I. e? pmx LLlQQSll s I^1S3llQ§7L8 I^ltd. L. 8smi, 2üried 85 2. Micheli's Lieschgras. IRrisuiu iVIicUiRii ^.iiioui. Obiloobloa. lUolmlii Robb. Obiloolilon euoplänta I'. äs Usauv. (Tnsel I. Fig. L.j Das zu besprechende Gras ist von Allioni zu Ehren des Floreutiuischeu Botanikers Peter Anton Bcncnmmg. Micheli mit dem Namen lUilvum öliollelH, Micheli's Lieschgras, benannt worden. Micheli war Botaniker Joh. Gastons, Großherzogs von Etrurien und Aufseher des herzoglichen Gartens zu Florenz, woselbst er 1737 starb. Das Micheli'sche Lieschgras ist ein hohes, ertragreiches, werthvolles Gras der Magermatten und Alpwirthschaft- Wildhenplanken der alpinen und subalpinen Region anf kalkhaltigen: Boden. Botanische Beschreibnng. Der glatte Halm ist 30 bis 60 ei» hoch. Die glatten und kahlen Blatt- Botanische scheiden sind bis unten offen. Diejenige des obersten Halmblattcs ist oft wie beim Alpenlieschgras stark bauchig Beschreibung, aufgeblasen. Die alten Scheiden am Halmgrnnde werfen weder die Spreite ab, noch lösen sie sich in Fasern auf. Die Blattspreite hat eine gerollte Knospenlage; sie ist stets kahl, am Rande bei den Halmblättern glatt, bei den Laubtriebblättern rückwärts rauh, ihre Gesammtsorm ist eilanzettlich. Nervatur wie bei voriger Art (Fig. 15). Der Spreitcngrund ist beim obersten Halmblatt unsymmetrisch (Fig. 12), bei den übrigen symmetrisch (Fig. 13 und 14). Das Blatthäutchen ist an den Laubtricbblättern länglich, oben abgestutzt und ansgefresscn gezähnelt, außen fein sammethaarig (Fig. 14), an den Halmblättcrn spitzer und ganz kahl (Fig. 13), am obersten einseitig vorgezogen (Fig. 12). — Der Blüthen stand ist eine kegelförmige, schlanke Scheinähre (zusammengezogene Rispeb 3—12 om lang und 7—12 nun im Durchmesser. Sie ist aus abwechselnd zweireihig angeordneten, der Hauptspindel aufrecht anliegenden, kurzgestielten Aehrchenknäueln zusammengesetzt, die beim Biegen abstehend werden und so die Rispe lappig erscheinen lassen. Ihre Farbe ist weißlich-grün mit mehr oder weniger starkem violettem Anfing, besonders auf der Lichtseite. Das A eh rch en (Fig. 1 — 3 ) ist einblütlffg, schmal-lanzett, 2,5—3,5 MUI lang und 0,7 — 1 nnn breit, meist etwas schief, flachgedrückt und unter spitzem Winkel nach oben gerichtet. Die dreinervigen Klappen hüllen das Aehrchen ganz ein, sind lanzett, nach oben allmälig verschüchtert, einfach spitz oder in eine kurze Granne anslausend, stark gekielt und am Kiel von langen steif abstehenden Borsten gewimpert (Fig. 1 und 2); die Seitennerven sind kurzborstig. Ueber der Mitte des Aehrchens klaffen die Ränder der Klappen meist. Die Deckspelze, etwa kürzer als die Klappen, ist bräunlich gefärbt, dünnhäutig mit 5 feinborstigen Nerven versehen (Fig. 4 und 5). Die Vorspelze ist zweinervig. Vor derselben steht ein kurzes spitzes „ Stielchen ", d. h. eine Verlängerung der Aehrchenaxe (Fig. 6); die Schüppchen sind spitz (Fig. 7). Beim Blühen öffnen sich die Klappen und Spelzen unter spitzem Winkel; die am kurzen Griffel befestigten Narben treten seitlich zwischen den Spelzen heraus. Die Pollensäcke stäuben am Ende langer steifer Staubfäden (Fig. 3), überragen die Narbe etwa 3—4 mm weit, bestäuben also, da das Aehrchen schief aufrecht steht, meist nicht die Narbe der eigenen Blüthe (Fremdbestäubung). Vorkomme», Klima, Boden, Dmigmig. Micheli's Lieschgras ist ein Gras Mittel- und südeuropäischer Geographische Gebirge am Rande des Mittelmeergebiets. Es findet sich auf den Alpen von der DaupIUnö bis zum Wiener Verbreitung. Schneeberg, auf dem Jura, den Apenninen, in Sicilicn, in Croatien, Ungarn, dem Banat, Siebenbürgen, Serbien, Montenegro, Bosnien und der Herzogowina, umsäumt also gleichsam das Mittelmeergebiet an einem Theil seines nördlichen Randes. Es hat somit einen ganz andern pflanzengeographischen Charakter als das Alpenlieschgras; während dieses den weitverbreiteten Typus der Glacialpflanzen repräsentirt, scheint PUWum MoUslii ein Erzeugniß südeuropäischer Gebirgsnatur zu sein. Auch seine nächsten Gattungsverwandten aus der Untergattung (llulocUloa haben eine vorwiegend warme Natur (die Arten Ulllonm Loollmsi'i anet., Z^pornm .Isocp, si'tzlwrium U. und Zraoonm Uoiss.). Seine Lieblingsplätze sind unbeweidete, sonnige, steinige Grashalden, Felsbänder und Wildheuplanken auf Standorte, kalkhaltigem, trockenem, steinigem Boden in der subalpinen und alpinen Region. 86 Höhen- verbreitung. Älim». Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fnttcrwerth. Die Höhenlage von 1400—2400 m kann man in den Schweizer-Alpen als seine Heimath bezeichnen; nur selten überschreitet es diese Grenzen (tiefster von uns notirter Standort bei 800 m ob Wallenstadt am Südhang der Churfirsten auf Kreidekalk, höchster bei 2500 m am Südhang des Piz-Albula auf Dolomit; Sendtner gibt für die bayrischen Alpen 1397,5 m und 2275 m als untere und obere Grenze an; Neilreich für Niedcröstreich 790—1581 m). Der Höhenverbreitung des Grases entspricht eine mittlere Jahrestemperatur von ca. 3,2 bis — 3,1° 0; wir dürfen freilich nicht vergessen, daß wir diese Lufttemperatur im Schatten'für die sonnigen Gebiete auf dem warmen Kalkboden, die unsere Pflanze mit Vorliebe bewohnt, wohl um einige Grade zu erhöhen haben; ist doch nach Kerner bei 1300 m die Bodentemperatur im Mittel um 1,7° höher als die Lufttemperatur, bei 2200 in sogar um 3,6". Rechnen wir noch dazu, daß nach den Messungen desselben Beobachters in 570 m Mccreshöhe (bei Innsbruck) die wärmste Sonnenlagc, die Züdostlage, eine um 2,3", die reine Südlage eine um 1,6° höhere Bodentcmperatur zeigte, als das Mittel, so werden wir wohl kaum eine mittlere Jahrestemperatur unter 0° erhalten. Micheli's Lieschgras ist eine kalkstete Pflanze, d. h. sie findet sich beinahe ausschließlich anf kalkhaltiger Unterlage. Sein natürliches Vorkommen ist also in der Regel ein Zeichen, daß der Voden kalkreich ist. Auf dein kalkfreicn Urgebirge fehlt es, stellt sich aber an dessen Grenzen sofort ein, wenn das Gestein kalkhaltig wird. So z. B. fehlt es im ganzen Urgebirgsgebiet des Rheinwalds und tritt erst jenseits des Balserberges ans der Vallatschalp in dem dortigen kalkreichen Schiefer aus. Am Albnlapaß findet es sich nur ans der Gebirgsscite mit Kalk, während es auf der Urgebirgsseite, wo der Boden kalkarm ist, fehlt. Besonders verbreitet ist es anf dem eigentlichen Kalkgebirge des höheren Jura's und der Alpen, wo es sich häufig in Menge findet. Auch Ungcr fand die Pflanze in den Kitzbüchler-Alpen kalkstet, ebenso Sendtner in den bayrischen Alpen. — In Bezug auf den Feuchtigkeit^ gehakt des Bodens ist es wenig anspruchsvoll und zeigt selbst an den trockensten Hängen das beste Gedeihen. An nassen Stellen kommt es dagegen nicht fort. 1000 Theile Heu, am 16 August 1886 auf einem Beet im Versuchsfeld auf der Fürstenalp kurz nach der Blüthe geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 21,7 93,9 13,33 34,83 8,42 1,03 Theile. Die Pflanze ist sehr genügsam in Bezug auf den Stickstosfgehalt des Bodens; sie findet sich besonders an mageren, nie gedüngten Orten, während sie an gedüngten Stellen meist fehlt. Doch ist sie für Wässerung und Düngung dankbar. An einem südlich geneigten Hange der Schansigger Heuberge, der bewässert wird, wo aber das Wasser guten Abzug hat, entwickelte es sich sehr üppig und auch auf dem düngerkräftigen Lägerboden der Fürstenalp gedeiht es vortrefflich und treibt breite, mastige Blätter. Wachsthum, Ertrag, Futterlverth. Das Micheli'sche Lieschgras treibt meist kurze unterirdische Ausläufer. Sämmtliche Triebe durchbrechen die Scheide an der Basis (sind ertra vaginal) und kriechen znm Theil unterirdisch fort, zum Theil steigen sie gerade in die Höhe. Es ist etwas später als das Alpenlieschgras. Die Blüthe tritt etwa 8—l4 Tage später ein. Am 5. Juni l886 aus der Fürstenalp gesäet, war es Ende Juli 1887 schon vollkommen entwickelt und am 15. August standen die Halme schon 60—70 ein hoch, der Rasen war bürstcndicht und lieferte einen großen Ertrag. Die Pflanze treibt zahlreiche lange und breite Blätter und liefert ein gutes Futter. 100 Theile Heu vom Versuchsfeld ans der Fürsteualp am 16. August 1886, kurz nach der Blüthe geschnitten, ergaben: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 76,61°/« 13,62°/« 3,67°/« 25,02°/« 34,30°/«. 87 Wegen der etwas starren, hohen Halme ist das Gras besser als Mähefutter denn znr Weide geeignet. Es sendet sich anch selten auf der offenen Weide. Samengewinnung, Same, Kultur. Der Lame reift auf der Fürstenalp Ende August, in Zürich Anfangs Juli. Der Samenertrag ist reichlich. Blau schneidet die Rispenähren znr Zeit der Lamenreife mit einem kurzen Halmstück oben ab und drischt den Samen nachher aus. Der Same (d. h. Scheinfrucht, Fig. 9 und 10) hat in Form, Farbe und Größe Aehnlichkeit mit dem des Kammgrases. Er besteht aus der von den Spelzen umschlossenen Caryopse und fällt beim Dreschen aus den Klappen (Fig. 1) heraus. Die Caryopse (Fig. 11) wird von den Spelzen ganz umhüllt, ist 15,2 mm lang, spindelförmig, beidseitig zugespitzt und fein chagrinirt. 1000 Körner der Scheinfrucht ldes Samens) wiegen 0,425 Gramm, so daß also ein Kilo reine Samen 2,353,000 Körner enthält. Die Keimfähigkeit von Samen, die im Versuchsfeld in Zürich gesammelt wurden, betrug 91°/o; der Same keimt rasch. Die. Pflanze läßt sich leicht aus Samen kultiviern. Die Saat im Frühfahr und im Laufe des Sommers ergab bessere Resultate als die Herbstsaat. Man säet bei Einzelfaat per Ar etwa Vr Kilo Samen. Die Kultur in Mischung mit andern Gräsern ist besonders für permanente Wiesen auf kalkreichem Boden in der Alpenregion zu empfehlen. Im Versuchsfeld der Samenkontrolstation in Zürich gingen die gepflanzten Stöcke (vom Chasseron) nach einem Jahr meist zu Gründe, trotz sorgfältigster Behandlung. Von den übrigen PIüsum-Arten der Schweizerflora unterscheidet sich das Gras durch die in folgender Tabelle angegebenen Merkmale. Nutzung. Samen- gewinnung. Same. Kultur. Verwandte Arten. 88 ^ 3 L 2- n S N GG 89 Erklärung der Werfet 1 L. Fig- B. Ganze Pflanze mit blühender Aehrenrispe. „ 1. Aehrchen vor dem Aufblühen. „ 2. Aehrchen in beginnender Blüthe. „ 3. Aehrchen in voller Blüthe. „ 4. Dasselbe ohne Klappen und Staubgefäße. „ 5. Bespelzte Blüthe von der Seite. " 6. Spelzenpaar mit dem Stielchen von der Vorspelze aus. " 7, Abnormer dreinarbigcr Fruchknoten mit den Schüppchen. Fig. 8. Normaler Fruchtknoten. „ 9. Scheinfrucht (bespelzte Caryopse) von der Bauchseite aus. „ 10. Scheinfrucht (bespelzte Caryopse) von der Seite. „ 11. Caryopse allein. „ 12. Blatthäutchen des obersten Halmblattes. „ 13. Blatthäutchen des zweitobersten Halmblattes. „ 14. Blatthäutchen eines Laubtriebblattes. , 15. Laubtrieb-Spreite im Querschnitt. 3. Das gemeine Straußgras. ^K'roslis vrilANii8 ^VitlwrinZ. 2s (Laset 2. Fig. L.) Das gemeine Straußgras wird auch als „gemeiner Windhalm" bezeichnet, in Holstein heißt es „Benthalm", Benennung, in Trüb im Emmenthal wird es einfach „braune Schmale" genannt. Unrichtiger Weise wird auch das amerikanische Fioringras (^grostis atba U.)> das „kack-top-Argss" der Amerikaner, im Samenhandel und in der Literatur als gemeines Straußgras bezeichnet. Das gemeine Straußgras ist ein seines, aber spätes Gras frischer Wiesen hauptsächlich der Berg- Alpwirchschafr und untern Alpenregion, wo es vielfach eine dominircnde Rolle spielt. licher Werth. Botanische Beschreibung. Der aufrechte oder aufsteigende Halm ist vollkommen glatt. Die Blatt - Botanische scheiden sind bis unten gespalten, glatt und kahl. Die B l a t t s p r e it e n haben eine gerollte Knospenlage Beschreibung. (Fig. 13), sind auf der Fläche glatt und kahl, am Rande rückwärts rauh, oberseits von tiefen Rillen durchfurcht, unterseits eben, meist einseitig etwas eingerollt (Fig. 12). Das B l a t t h ä u tch e n ist k ur z und gestutzt (Fig. 10 und 11). Der Blüthen stand ist eine vor der Blüthe zusammengezogene, während und nach der Blüthe weitausgebreitete, allseitswendige Rispe (Fig. L) von rothbrauner Färbung (nur im Schatten grünlich) und mit haarfeinen, glatten oder etwas rauhen Aesten. Das Aehrchen ist 2—2,5 mm lang, einblüthig, schmal lanzett (Fig. 1). Die Klappen sind beinahe gleich lang, die obere etwas länger, lanzett, die untere 1- die. obere 3-nervig mit nur am Grunde entwickelten Seitennerven, an der Spitze und am Rande häutig, goldbronzen, sonst tief rothbraun, der Mittelnerv oberwärts mit aufwärts gerichteten Börstchen versehen. Die Deckspelze (3, 4-, und d) ist häufig, fünsnervig; der Mittelnerv und die ihm benachbarten Nerven ganz schwach ausgebildet, die äußeren stärker entwickelt, als Kiele ausgebildet, indem die Ränder der Spelze einwärts geschlagen sind; im Gesammtbau gleicht die Dcckspelze also mehr einer Vorspelze. Die knorpelige Ansatzstelle der Deckspelze, der „Callus", ist durch eine Einschnürung abgesetzt (Fig. 4), kahl oder (seltener!) mit 2 Büscheln ganz kurzer Börstchen versehen ; in derselben Rispe kommt beiderlei vor. Auf dem Rücken ist sie nackt oder trägt einen Grannenstummel bei der Form „inutica" (Fig. 4b), bei der begrannten Form (k. srwlsta) eine Granne. Die Vorspelze (Fig. 5) ist ein viereckiges, durchsichtig-häutiges, färb- und nervenloses Häutchen, dessen Ränder etwas eingebogen erscheinen. Die Schüppchen (Fig. 3 und 5) sind stark entwickelt, beinahe so lang wie der Fruchtknoten, in eine lange Spitze ausgezogen. Der Fruchtknoten (Fig. 6) ist eiförmig; die Narben entspringen unterhalb seiner Spitze. Beim Blühen öffnen sich Klappen und Spelzen unter spitzem Winkel (Fig. 2); die Narben treten seitlich zwischen denselben nur wenig heraus; die Staubbeutel öffnen sich schon vor der Streckung der Staubfäden, so daß sie ihren Blüthenstaub meist auf die Narbe derselben Blüthe streuen. 12 90 Abarten. Abarten. Je uach dem Fehlen oder Vorkommen einer Granne unterscheidet man eine: s) grannenloseForm (tormg mutlos), Deckspelze nackt oder bloß mit ganz kurzem Grannenstummel; d) begrannte Form (kurms sriststa), mit deutlich entwickelter, auf der Mitte des Rückens entspringender Granne. Kleine hochalpine Exemplare dieser letztem sind dem Alpenstraußgras und Felsenstraußgras sehr ähnlich (Unterschiede siehe unten). Linnä unterschied als „niedriges Straußgras" (UKwstis pumils) eine vom Brand befallene und dadurch reduzirte, abnorme Form; in dem kugelig entwickelten, von den bleibenden Narben geschwänzten Fruchtknoten dieser kranken Pflanzen befindet sich das schwarze Sporenpulver der mistig spllssroeooos v. >V., eines mit dem Stinkbrand des Weizens verwandten Pilzes. Die dunkelviolett überlaufene Form alpiner Standorte wurde von Brügger als „lorms slptwtrm" bezeichnet. Geographische Vorkommen. Boden, Klimn, Düngung. Das gemeine Straußgras findet sich wild: in ganz Verbreitung. Europa (mit Ausnahme von Portugal, dem südlichen Spanien und Griechenland), in Asien auf dem Standorte. Caucasus, in Armenien und Sibirien, in Nordamerika. — Seine bevorzugten Standorte sind frische Wiesen im Gebirge. Zum Beleg dafür mögen hier diejenigen Wiesenbestände aufgeführt werden, auf denen wir es bei unsern Untersuchungen der Wiesen der Schweiz in größerer Menge antrafen. Es fand sich bei: auf Wiesen bei Herisau zu 28,72°/«. „ „ am Eingang des Etzlithales (Maderanerthal) fast rein. bei Wasen an der Gotthardstraße (Gneis) zu 80"/o. am Hirzensteig bei Einsiedeln (Molasse) zu 39,7°/». domintrend auf einer fetten Bergmatte am Monte Tamaro (Kt. Dessin), auf einer Fettmatte ob Guttannen im Haslithal zu 56,59°/». auf einer ebensolchen auf dem Gottschallenberg (Molassevorberg) zu 36°/». auf der Weide der Stößialp (Maderanerthal) in Menge, auf einer Fettmatte bei Hufen im Meyenthal herrschend, ebenso auf den Matten der Breitlauihöfe im Maderanerthal. auf einer Matte der Schrinenalp, Südabhang der Churfirstenkette, auf Kalk. auf der Golzerenalp im Maderanerthal in einer Fettmatte zu 17°/». auf einer sonnigen Magermatte beim Altkirchli, Andermatt (Urserenthal) zu 18°/». auf einer Fettmatte beim Handeckfall im Haslithal zu 47°/». auf den üppigen Matten der Thalsohle des Urserenthals bei Andermatt zu 47°/». auf ebensolchen auf Kalk am steilen Südhang der Gadmenflühe ob Gadmen. auf den prächtigen Airoler Fettmatten zu 21°/«. stark vertreten auf den Aetzmähdern im Lentathal (hinter Zervreila). auf der Fettmatte beim Steinwirthshaus am Sustenpaß zu 4°/». auf einer Magermatte auf der Südseite des Zervreilerthales, auf einer Arosermatte in Menge und endlich unweit der oberen Grenze der Walliser Nadelwaldregion auf einer gedüngten Matte beim Weiler Z'mutt oberhalb Zermatt. 800 m ü. M. 850 ,/ „ „ 940 „ „ „ 950 „ „ „ 1000 kk „ „ 1060 k, „ k, 1140 „ kk 1172 k, 1179 „ „ 1180 „ „ „ 1280 e, 1410 k, k, kk 1410 „ 1417 „ „ 1450 „ k, k, 1530 „ k, k, 1850 k, 1868 k, „ 1900 „ 1940 „ „ In manchen Berggegenden ist das gemeine Straußgras ein so auffallender Bestandtheil der Narbe, daß die Heuernte sich nach ihm richtet: so in Trüb (Eminenthal), wo man die Wiesen erst dann schneidet, wenn die „braune Schmale" ihre Rispen entfaltet hat. Auch auf dem herrlichen Wiesengelände des Urserenthales spielt es eine ähnliche Rolle. Höhe,:, Wir können nach obigen Daten die Höhenschicht von 800 —1700 m, also die montane und subalpine Verbreitung. Region, als die wahre Heimat unseres Grases bezeichnen; an nicht zu trockenen und nicht zu mageren Standorten dieser Höhen ist die „ S t r a u ß g r a s w i e s e" sehr verbreitet. Der so zu benennende Wiesentypus enthält neben dem Straußgras meist noch Kammgras und Goldhafer; unter dem buntblühenden Kräuterschmuck der ^Ki-c>8ti8-Wiese sind besonders die rautenblättrige Glockenblume (llsmpsnuls i'tiombmckslw), der schabenkraut- blättrige Pippau (Lrspis blsttsriotäss) und die Schafzunge (kol^onum Listorts) als treue Begleiter hervor- 91 zuheben.*) — Das Straußgras steigt übrigens bis zum Meeresstrand hinab und geht anderseits bis 2100 in (Gotthard) und 2130 in (Findeten) hinauf. Das Wärmebednrfniß des gemeinen Straußgrases bewegt sich anf seinen schweizerischen Standorten zwischen 11,6° mittlerer Jahrestemperatur (Lugano) und 0,8° (Gotthardhospiz 2100 in). Seine Höhenverbreitung und seine Standorte zeigen, daß es ein feuchtes Gebirgsklima liebt. — Anf lockerem, frischem Boden, in welchem seine Kriechtriebe sich gut ausbreiten können, zeigt es das beste Gedeihen, gleichviel ob er aus Kalk oder Urgebirge ruht. Die Gnttanner und Andermatter Wiesen, wo es 56°/o resp. 47°/» des Bestandes ausmacht, stehen auf humusreichem lehmigen: Sandboden (Gneisverwitterung). 1000 Theile Heu von einer Naturwiese in Herisau, am 18. Juni 1886 geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 13,85 61,10 4,70 18,42 6,86 2,91 Theile. Es sucht mit Borliebe gedüngte Matten aus, wie denn auch die erwähnten Matten in Gnttannen, Andermntt, anf dem Hirzenstcig, dem Gottschallenberg, in Herisan rc., wo es so häufig ist, alle gut gedüngt sind. Anf einer nngedüngten Wiese am Gottschallenberg war es im Rasen zu 2,23°/» vertreten, aus einer gedüngten nebenan.aber zu 36,05°/». Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das gemeine Straußgras hat einen lockcrrasigen Wuchs mit unterirdischen Ausläufern. Die Seitentricbe sind meist extravaginal, bogig aufsteigend oder kriechend; inkraoaginale Triebe finden sich nur am Grunde der Halme. Es hat ein großes Bestockungsvermögen und bildet deßhalb einen sehr dichten Rasen. Auf einer Weide am Etzlibach im Maderanerthal, wo es nach dem Gewicht 25,29°/» des Rasens ausmachte, waren im Quadratfuß 681 Triebe, auf einer Matte bei Guttanuen bei 56,57°/» 513, in der Glatt bei Herisau bei 28,72°/» 649 Triebe enthalten u. f. f. Es sind dieß meist Laubtriebe, nur zum kleinen Theil Halme mit Rispen. In 34 botanisch analysirten Quadratfußen von Wiesen, in denen sich dieses Gras vorfand, waren zusammen 722 Halme und 5143 sterile Triebe oder im Durchschnitt 21 Halme und 151 Laubtriebe bei einem durchschnittlichen Antheil am Rasen von 13,77°/» nach dem Gewicht. Auf einen entwickelten Halm kommen also 7,13 Laubtriebe (Bestockungszahl). In der Entwicklung ist das Gras spät. In Zürich blüht es erst anfangs Juli, in Waffen bei 940 w ü. M. war es am 19. Juli in voller Blüthe, auf dem Bristenstäfeli bei 1524 m am 16. Juli, auf der Fürstenalp bei 1782 m erst Ende August. Es ist zur Weide ebenso geeignet wie zum Mähen. Durch das Weiden wird das Gras auf Kosten anderer Gräser begünstigt. Die erwähnten Wiesen, wo es so häufig auftritt, werden im Frühjahr fast ausnahmslos, mitunter auch das ganze Jahr hindurch beweibet. Als Mähesutter bildet es in der Wiese das Untergras. Das Futter ist feinhalmig und wird von jedem Land- und Alpwirth zu dem besten gerechnet. Dennoch ist der Eiweiß- und Fettgehalt nicht dementsprechend hoch, ein neuer Beleg, daß die chemische Analyse zur Beurtheilung des Werthes erst in zweiter Linie maßgebend ist. 100 Theile Heu von einer gedüngten Wiese im Hölzli in Herisau, am 18. Juni 1886, kurz vor der Blüthe entnommen, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstoffceie Extractstoffe. 79,89°/» 8,66°/» 2,28°/» 28,22 40,73°/». Saurengewinnmrg, Same, Kultur. Zur Samengcwimmng wähle man eine sonnige, nicht zu fette und nicht zn hoch gelegene Matte aus, schneide die Rispen zur Zeit der Samenreife im August oder Anfangs September ab und dresche nach dem Trocknen den Samen aus. Das Fruchtährchen ist lanzett, spitz, 2 bis 2,5 mm lang (Fig. 7); innerhalb der das Ganze umschließenden Klappen liegt die Scheinfrucht (Same); die häutigen Spelzen umgeben unvollständig die Caryopsc, die Vorspelze *) Diese Straußgraswiese bildet eine Parallele zu der von A. v. Kcrner in den nördlichen Kalkalpcn Tirols nachgewiesenen „Windhalm wiese", aus welcher andere Arten der Gattung ^Arostis (albs. n. eaniua) vorherrschen (vergl. Kerner, das Pflanzen- leben der Donauländer, xag. 256.) Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Nutzung. Futterwcrth. Samengewinnung. Same. 93 ist nur 2/s so lang als dieselbe und in ihre Furche hineingepreßt (Fig. 8). Die Caryopse selbst ist spindelförmig, aus der Bauchseite mit einer in die Mitte zusammengezogenen oder auch gleich breiten, oft sehr schwach ausgebildeten Furche versehen (Fig. 9K); in der untern Ausweitung liegt das deutliche birnförmige Hilum. Die Unterscheidung der Frucht von derjenigen des Fioringrases ist nicht mit Sicherheit durchzuführen, die Differenzen sind zu gering; sie ist etwas kleiner (das Fruchtährchen sowol als die bespelzte Caryopse) und die Dcckspelze am Grunde (am Callus) meist ohne Börstchen, beim Fioringras dagegen stets mit Börstchen versehen (nur unter dem Mikroskop bei 60 facher Vergrößerung sicher zu entscheiden, weil die Börstchen meist sehr klein und den Spelzen fest angedrückt sind)! Eine borstenlose Straußgras-Scheinfrucht kann nur vom gemeinen Straußgras stammen (bei allen andern schweizerischen Arten fanden wir stets Börstchen). 1000 Samen (Scheinfrüchte ohne Klappen) wiegen 0,08 Gr. 1 Kilo reine Samen enthält somit 12^2 Millionen Körner. Die Keimfähigkeit von am Zugerberg am 16. August 1885 gesammelten Samen betrug 95°/». Der Same kommt echt nicht im Handel vor, sondern dasjenige, was unter diesem Namen ausgeboten wird, ist Fioringras (Fgroslw -itbs). Kultur. Wer also das Gras kultiviren will, muß sich den Samen selbst sammeln. Es eignet sich vortrefflich zur Anlage von Matten und Weiden in der Berg- und subalpinen Region. Man säet es im Frühjahr oder Vorsommer; im zweiten Jahr liefert es dann schon einen vollen Ertrag, der sich im dritten und vierten Jahr noch vermehrt. Verwandte Verwandte Arten. Es hat große Aehnlichkeit mit dem Fioringras und unterscheidet sich von diesem hauptsächlich durch das gestutzte Blatthäntchen, die mehr rundlichen, nicht so lang pyramidalen und meist röth- lichern Rispen, die auch nach der Blüthe ausgebreitet bleiben, und die unterirdischen Kriechtriebe. Von den Arien der Gruppe Iriebociniin (siehe die Tabelle am Schlüsse der Beschreibung vom Felsenstraußgras) unterscheidet es sich am sichersten durch die gerollte Knospenlage und die größere Vorspelze. Kukl'crurnrg öew Gerstel' 2 8. Fig. L. Ganze Pflanze mit einer jungen, noch zusammen- Fig. 7. Scheinfrucht vom Rücken (es ist eine borstenlose gezogenen und einer blühenden, ausgebreiteten Rispe. abgebildet). „ 1. Noch geschlossenes Aehrchen. „ 8. Scheinfrucht von der Bauchseite. „ 2. Aehrchen in voller Blüthe. „ 9a. Caryopse vom Rücken. „ 3. Dasselbe nach Entfernung der Klappen. „ 9b. Caryopse von der Bauchseite. „ 4s. Deckspelze von der Bauchseite. „ 10. Blatthäntchen eines Laubtriebes. „ 4b. Deckspelze von der Rückenseite. „ 11. Blatthäntchen eines Halmblattes. „ 5. Borspelze und Schüppchen. „ 12. Querschnitt durch eine Halmblattspreite. „ 6. Stempel. „ 13. Querschnitt durch einen jungen Laubtrieb, um die gerollte Knospenlage zu zeigen. 4. Das Alpen-Straußgras. ^Ai'08ti8 Kipling, Loopoii. Ij. ^.Krostis rnxsstris Host. (Tafel 2. Fig. 6.) Alpwirthschaft- Das Alpcn-Stranßgras, auch Gebirgs-Stranßgras, Alpenwindhalur genannt, ist ein niedriges licher Werth. etwas trockenes Futtergras alpiner Magermatten, Wildhenplätze und Weiden; Kern er") sagt von den Wiesen in den tiroler Zentralalpcn, in welchen der Alpenwindhalur herrscht, daß sie die trefflichsten Bergmähder und Alpweiden liefern, und ein Gleiches berichtet Jabornegg aus Kärnthen. *) Körner. Das Pflanzenleben der Dvnauländer. Innsbruck 1863. **) Die Alpwirthschaft in Körnten, herausgegeben von der Kärntner Landwirthschafts-Gesellschaft. I. pag. 66. li.,0 ^ ' Ä Ks7L k-'j^ 5 ^-> ^ L d ^ 1,<,4 '°, 1 G,X'/ //,/< In, 15» so/i U ^ . .t-V / ^ .^ L/E , vP L / k-4/'',^/, >^8w8t,l8 '» ^8^1-- 2 1 11^.8 ^--> ^Lt-rig L11. ^sIssn-SIrausserLS ^ _- -- / I >s, 7°, ! >., » 's r ^ l kXg I'iy 9 A,,„ ' k-lff« s ic, 10 4 kig.14 -°/.M M-ig.w »/> ßl'ssi-' 11 «/i L§iosi.1s vulALris Niiti. Ssinslnss SlrLiissZi-LS liitd. L. 8svn, 2ürLod LZrosris LlxinL Sc)ox>. L1vsn-S^ra^39§i'LS ^-. §ebröter sä. vst. äs!. L 'EMLl 'E. WM ,Äj>«' 93 Botanische Beschreibung. Der meist knieförmig aufsteigende Halm ist 12—40 c,m hoch, glatt und Botanische kahl. Die Blattscheiden der Halmblätter sind bis unten offen, mehrmals länger als die kurze Spreite, Beschreibung, glatt und kahl, durch die vorragenden Nerven längskantig; diejenigen der Laubtriebe sind beinahe bis zur Hälfte geschloffen; die alten verwitterten Scheiden lösen sich zuletzt in braune Fasern auf, welche ein dichtes Gefilz am Grunde des Horstes darstellen. Die Spreiten der Halmblätter sind hohlkehlig offen bis ganz flach, unterseits auf den schwach vorragenden Nerven kurzborstig (Fig. 15), mit kapnzenförmiger abgestutzter Spitze (Fig. 12); diejenigen der Laubtriebblätter sind meist borstlich zusammengefaltet und haarfein ('/s miu breit Fig. 14), seltener hohlkehlig oder ganz flach und dann bis 2 nun breit. Bei allen Spreiten ragen die kurzborstigen Nerven unterseits schwach vor, und sind obecseits durch tiefe Längsrillen getrennt. Die Knospenlage ist gefaltet. Das Blatthäutchen ist an Halmblättern (Fig. 11) und Laubtciebblättern (Fig. 10) lang und spitz. Der Blüthenstand ist eine vor und nach der Blüthe zusammengezogene, während derselben weit ausgebreitete, 2—5 ein hohe Rispe mit haarfeinen Aesten, die durch kurze vorwärts gerichtete Börstchen überall oder wenigstens an ihren letzten Auszweigungcn unter den Aehrchen rauh sind und an der Basis ein meist scharf abgesetztes Gelenkpolster tragen (Fig. 13). Das Aehrchen ist einblüthig (Fig. 1 und 2); die Klappen lanzett, meist dunkelviolett, selten (bei der var. tlav6866U8 Ilopps — auratg Oauci.) strohgelb; die untere einnervig, die obere dreinervig. Die Deckspelze (Fig. 3) ist häutig, grünlich gefärbt mit weißlichem Rand, fünfnervig, durch die verlängerten äußersten Nerven kürzer oder länger zweispitzig; Granne über dem Grunde der Deckspelze entspringend, in V» bis ^ der Gesammtlänge vom Grund aus gerechnet, doppelt so lang als die Spelze, gekniet; an dem knorpeligen Grunde der Deckspelze entspringen zwei Büschel Häärchen, welche über Vi der Spelzen erreichen (Fig. 7 und 8, bei Fig. 3 durch ein Versehen des Lithographen weggelassen!), so daß die Spitzen der Häärchen über die Abgangsstelle der Granne hinausragen. Die Vorspelze ist ein nervenloses viereckiges Häutchen (Fig. 3, 5 und 6) ungefähr so lang als der Fruchtknoten (selten fehlend).*) Die Schüppchcn sind sehr groß, so lang als der Fruchtknoten, greifen mit ihren Rändern über die der Vorspelze hinaus (Fig. 5) und sind am Grunde zusammenhängend. Der Fruchtknoten ist kahl, die Narben etwas unterhalb des abgeflachten Scheitels eingefügt. Beim Blühen kippen die Antheren vor dem Ocffnen auf ihren schwachen Filamenten über, und erst wenn sie hängen, öffnen sie sich, so daß eine Bestäubung innerhalb derselben Blüthe vermieden wird. Die Antheren sind 1,5 bis 2 mm lang. Abarten. Wir unterscheiden zwei Abarten: g. Das fadenförmige Alpen st raußgras, Abarten. JZr»8ti8 alpin» vsr. Mloruim 6»u«l (— ^Zro8ti8 Selllsiciivin .lorcisn); dasselbe unterscheidet sich von der Hauptform durch borstliche Halmblätter, längere und schmälere Rispen, etwas größere Aehrchen und dichten rasigen Wuchs. Es vertritt die Hauptform auf dem Jura. d. Das goldfarbige Alpen st raußgras, ^gr»8tl8 slpins van. aurat» 6guä. ist die Abart mit gelblichweiß gefärbten Aehrchen, ein „4Ibino", wie er als farblose Abart bei vielen Gräsern auftritt. Dieselbe findet sich u. A. beim Albulahospitz. Die von Heget- schweiler (Flora der Schweiz 1840) unterschiedene ^Kro8tis Uispicka umfaßt die größeren Exemplare mit 30—40 cm hohem Halm, die im klebrigen mit den niedrigen völlig übereinstimmen. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Alpen-Straußgras ist einheimisch in den schweizerischen, Geographische bayrischen, italienischen, französischen und österreichischen Alpen, auf dem Jura (als var. ülikormm 6mi«l.), den Bereitung. Pyrenäen, den asturischen Bergen, in der Provence (Nont Vanloux), in den Sudeten, den Janowitzer Bergen in Mähren, den Gebirgen Ungarns (Karpathen, hohe Tatra), Schlesiens, Siebenbürgens und der Herzegowina- Auf den Vogesen, im Schwarzwald und dem Appenin fehlt es. Im hohen Norden hat es nur ein vereinzeltes Vorkommen in Skandinavien einerseits, dem arctischen Rußland (Halbinsel Kola und Lappland) anderseits. Wir können deßhalb Wohl mit Christ**) die Alpenkette als die Heimat dieses Grases ansehen, das dann von hier aus zur Eiszeit seine nordischen Verbreitungsbezirke eroberte und die benachbarten Gebirge besiedelte. Die Lieblingsstandorte desselben sind die humusreichen Polster hochgelegener Gräte und sonniger Alpenwiesen. Standorte. Keiner***) rechnet es mit dkrclim Mrieta, Osrax eurvuia u. A. zu den „Verwesungspflanzen" der Alpenwiesen, welche nach ihm im Stande sind, die Humusbestandtheile des Bodens direkt, als organische Stoffe, auf- *) Nicht i m m e r fehlend, wie Grenier und Godron, kllore äs b'ranos, behaupten. **) Dr. H. Christ, die Verbreitung der Pflanzen der alpinen Region der europäischen Alpenkette. Basel 1866. ***) Kern er, Pflanzcnleben. Leipzig 1887. I. xnK. 105. 94 Höhen- verbreitung. Älima. Boden. Ditngnng. Wuchs. Futterwerth. Nutzung. Samen- gewinnung. Same. zunehmen. Ausschließlich ist es indeß nicht an solche humusreiche Böden gebunden: so dominirte es z. B. auf dem nackten Rohboden verrutschter Stellen am trockenen Südhang der Schanfigger Heuberge und findet sich auch mitunter auf dem nackten Fels. Kerner führt es anderwärts *) unter den in zweiter Linie anrückenden Ansiedlern bloßgelegten Bodens in den Tiroler Centcalalpen au; ferner bildet es nach ihm den herrschenden Bestandtheil einer Alpenwindhalmwiese, welche einerseits auf den Schiefern der Centralkette, anderseits auf dem tiefgründigen Lehmboden der mergeligen Kalke und der schiefrigen Zwischenlager der nördlichen Kalkalpen auftritt und wie in Kärnthen, die trefflichsten Weiden und Matten der Centralalpen darstellt. Gegen oben (über ca. 2800 m) geht diese Alpenwindhalmwiese über in die Formation der gekrümmten Segge (Oscex cmvntg), die auch auf dem schweizerischen Urgebirge in diesen Höhen regelmäßig als letzte rasenbildende Pflanze die flachen: Stellen des Gehänges überzieht. In den Schweizeralpen liegt der Schwerpunkt der Höhenverbreitung des Alpen-Straußgrases in der Zone von 2000—3000 in (höchste Fundstelle Gornergrat bei 3000 in). Unter 1800 in steigt es nur sporadisch; gedeiht aber in feuchten Schluchten der Alpenbäche herabgeschwemmt bis weit herunter, so am Fätschbach (Lintthal) bei 700 in. Seine Verbreitung zeigt, daß es eines erratischen oder Gebirgsklimas zmn freudigen Gedeihen bedarf; seine Ansprüche an die mittlere Jahrestemperatur seiner normalen Wohnorte in der Schweiz bewegen sich innerhalb der Grenzen von ca. 1° bis — 6°; die starke Sonnenstrahlung des Alpen- klirnas scheint ihm Bedürfniß, nach seinen Standorten zu urtheilen. Seine Bodenansprüche sind nicht sehr scharf ausgesprochen. Es sirrdct sich aus dem Kalkgebirge und dem Urgebirge, aus letzterem immerhin etwas häufiger (so auch in: Tirol; in Niedcrösterreich dagegen nach Neilreich vorzugsweise auf Kalk); es nimmt selbst mit dem sterilen Serpentin vorlieb (so auf der Churer Alp). Immer zieht es trockene Stellen vor. Dem Dünger ist es nicht abhold; doch wird es an gedüngten Stellen leicht von robusteren Pflanzen überwachsen und verdrängt. Wachsthum^ Futtertverth, Nutzung. Das Alpenstranßgras ist im Ganzen etwas größer als das Felsenstranßgras. Der Halln erreicht eine Höhe von 12 am bis 40 om; es bildet einen dichten Horst aus sehr zahlreichen Blatttrieben, von denen die äußersten an der Basis theilweise etwas unterirdisch fortkriechen. Die Seitentricbe sind meist eptravaginal, so daß der Horst mehr vereinzelte Triebe, als Bündel ineinandergeschachtelter Triebe anfweist. Das Gras ist etwas später als das Felsen-Straußgras. An Fntterwerth übertrifft es jedenfalls dieses letztere, denn es hat längere, saftigere Blätter. Besonders zur Schafwcide ist es trefflich geeignet, aber auch als Untergras auf den Magermatten der Alpen hat es einen hohen Werth. Sammerigewinmmg, Same, Kultur. Der Same ist erst Mitte September reif, an weniger sonnigen Stellen wird er gar nicht reif. Zur Gewinnung der Samen werden wie bei den vorigen Arten die Rispen geschnitten und nachher abgedroschen. Der Samenertrag ist stets sehr gering, da die Samen sehr klein sind. 1000 Körner wiegen 0,095 bis 0,105 Gr., so daß also 1 Kilo reine Samen 9—9'/s Millionen Körner enthält. Der Same (eigentlich die Scheinfrucht) besteht aus dem ganzen Fruchtährchen (Klappen, Spelzen und Caryopse, Fig. 7 und 8) und ist 3,5 bis 4,5 nun lang. Die besten Unterschiede im Samen von den übrigen Straußgräsern der Schweiz gewähren die die Caryopse umhüllenden Frnchtspelzen (also das Fruchtährchen nach Entfernung der Klappen); sie sind violett gefärbt und zeigen am Grunde je zwei weißleuchtende Pünktchen, die den beiden Haarbüschelchen entsprechen: kein anderes schweizerisches Straußgras zeigt dieselben so stark entwickelt. Die Caryopse (Fig. 9 s b) ist spindelförmig, beidseitig spitz zulaufend, auf der Bauchseite mit breiter Furche versehen, welche unten in einen rhombischen Nabelfleck ausläuft. Die Keimfähigkeit von auf der Weide der Fürstenalp am 14. September 1886 gesammeltem Samen betrug nur 24°/«. Der Same war jedenfalls *) Kern er, das Pflanzenleben der Donauländer. Innsbruck 1863. 95 noch nicht ausgereift; gut gereifter Same hat wahrscheinlich eine ebenso hohe Keimfähigkeit, wie jener des Felsen-Straußgrases. Die Keimung erfolgt rasch. Das Alpen-Straußgras ist auf der Alp ohne Schwierigkeiten aus Samen zu kultiviren. Man säet es im Frühling oder im Frühsommer auf ein gut gereinigtes Beet aus und wird im folgenden Jahr schon eine Nutzung haben. Im Versuchsfeld der Fürstenalp bildete es einen schönen, dichten Rasen, entwickelte aber auf dem fetten, frischen Boden wenig Halme, sondern fast ausschließlich sterile Triebe. Verwandte Arten. Es hat große Ähnlichkeit mit dem Felsen-Straußgras und wird sehr häufig mit diesem verwechselt. Aus der Uebersichtstabelle am Ende der Beschreibung des Felsen-Straußgrases geht hervor, daß sich das Alpen-Straußgras von allen andern schweizerischen Straußgräsern durch die länger» Haarbüschel am Spelzengrund unterscheiden läßt, die nur bei dieser Art über die Abgangsstelle der Granne hinausragen. Vom Felsen-Straußgras unterscheidet es sich auch durch die Rauhheit der Rispenäste (mit der Lupe deutlich zu sehen, wenn man die Rispe gegen das Licht hält) und durch die größeren Aehrchen. Kvklävung bei: Werfet 2 6. Fig. 6. Ganze Pflanze, mit Ausläufern, einer jungen, noch zusammengezogenen und einer ausgebreiteten blühenden Rispe. „ 1. Geschlossenes Aehrchen. „ 2. Aehrchen in Blüthe. „ 3. Dasselbe ohne die Klappen und Staubgefäße (die Häärchen am Grunde der Deckspelze sind aus Versehen weggeblieben). „ 4. Fruchtknoten. „ 5. Derselbe mit Vorspelzc und Schüppchen. „ 6. Vorspelze. Fig. 7. Bespelzte Caryopse vom Rücken aus. „ 8. Dieselbe von der Bauchseite. „ 9. Caryopse allein: g. vom Rücken, b. von der Bauchseite. „ 10. Blatthäutchen eines Halmblattes. „ 11. Blatthäutchen eines Laubtrieb-Blattes. „ 12. Spitze eines Halmblattes. „ 13. Ursprung eines Rispenastes mit dem Gelenk- Polster. „ 14. Querschnitt durch eine Laubtriebspreite. „ 15. Querschnitt durch eine Halmblattspreite. 5. Felsen-Straußgras. J.ß'i'08ti8 rui)68tri8 Jiiioiti. ich ^Ki'ostis alxina. Host. (Tafel 2. Fig. ^.) Das Felsen-Straußgras oder der Felsen-Windhalm ist ein niedriges, feines, etwas trockenes Futtergras auf Weiden (besonders Schafweiden), Magcrmatten und Wildheuplätzen der alpinen, weniger der subalpinen Region. Botanische Beschreibung. Der Halm steigt am Grunde knieförmig auf; er ist 2 — 3-knotig und 5—20 ein hoch (an kultivirten Exemplaren von der Fürstenalp bis 25 ein), glatt und kahl. Die Blattscheiden sind glatt und kahl, bei den Halmblättern bis unten offen, an den Laubtrieben bis beinahe zur Mündung geschlossen. Die alten Scheiden zerfallen nicht und werfen auch ihre Spreiten nicht weg, Wohl aber lösen sie sich vom Triebe los und fallen zusammen, so daß der Grund des Horstes von einem dichten Hanfwerk verwitterter ockergelber Scheiden umgeben ist. Die Blattspreiten besitzen eine gefaltete Knospenlage (Fig. 14), sind glatt und oberseits mit feinen Sammethäärchen bestreut (Fig. 12 und 13). Die Laubtriebe haben borstlich zusammengefaltete bis hohlkehlig offene Spreiten (Fig. 13) von — 1 wm Breite (an einem Exemplare auf fettem Boden auf der Fürstenalp 1782 m ü. M. wurden sie vollkommen flach und bis 1,5 nun breit). Die Halmspreiten sind rinnig und 1 nun breit (Fig. 12). Das Blatthäutchen ist lang und spitz, an den Halmtrieben (Fig. 9) kahl, an den Laubtrieben (Fig. 10) feinhaarig. Der Blüthenstand ist eine vor der Blüthe zusammen- Kultur. Verwandte Arten. Alpwirthschaft- licher Werth. Botanische Beschreibung. 96 Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- verbreitung. Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. gezogene, während und nach derselben weit ausgebreitete Rispe von eiförmigem Umriß (Fig. ^) und mit haarfeinen glatten Aesten, deren grundständiges Gelenkpolster (Fig. 11) meist allmälig in den Ast verläuft. Das Aehrch en ist einblüthig (Fig. 1—3), klein (ohne Granne 2—3, mit Granne 4—5 imn lang), die Klappen sind einnervig, die Deckspelze häutig (Fig. 4) mit einer im zweiten Viertel (von unten gerechnet) entspringenden Granne und 4 nur gegen die Spitze deutlichen Nerven; die Vorspelze ist ein winziges nervenloses häutiges Blättchen (Fig. 4 und 5); die Schüppchen sind stark entwickelt, beinahe so lang als der kahle Fruchtknoten, unter dessen abgeflachter Spitze die Narben entspringen. Die Antheren sind 0,75 bis 1 nun lang. Beim Blühen divergiren die Klappen nur wenig: die Staubbeutel treten auf steifen, kurzen Momenten heraus (Fig. 12) und biegen sich erst nach einiger Zeit nacheinander abwärts; sie öffnen sich aber meist erst nachher, so daß Selbstbestäubung meist vermieden wird, um so mehr, als viele Aehrchen in horizontaler Lage blühen (Fig. 3). Abarten sind keine bekannt. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Felsen-Straußgras bewohnt die Gebirgszüge der Alpen, Pyrenäen, des nördlichen und mittleren Appenins, der Sudeten (Gesenke), des Schwarzwaldes (Belchen), des Mont Dore, von Corstca, Ungarn (Karpathen), Schlesien, Siebenbürgen, der Moldau, Serbien, Montenegro, Kroatien, Macedonien (Peristeri) und des Banats; im Jura fehlt es. Im russischen Lappland und in Finnland besitzt es vereinzelte nordische Vorkommen. Es ist also das Felsen-Straußgras, wie das Alpen-Strauß- gras, ein Erzeugniß der mitteleuropäischen Gebirgsketten und von da in den Norden eingewandert. Wenn auch, wie der Name unsers Grases besagt, felsiger Boden der bevorzugte Standort desselben ist, so findet es sich doch auch häufig auf der offenen Trift der Weiden, Magermatten und Wildheuplätze und zwar allermeist in Gesellschaft mit dem Alpen-Straußgras. Auf flachgründigem, trockenem Boden spielt es oft eine nicht unwesentliche Rolle: so fanden sich in einem Quadratfuß des Rasens einer Magermatte der Schanfigger Heuberge 453 Triebe, die allerdings nur 6,64°/« des Rasens ausmachten. Seine Hauptverbreitung hat es in den Schweizeralpen zwischen 1800—2500 in, steigt aber am Rande der Alpenstraßen, wo es große Büsche bildet, bis 1200 in tief herab (Sustenstraße, Bernerseite). Der höchste bis jetzt bekannte Standort ist 3038 in (Gornergrat). In Südbayern ist nach Sendtner der tiefste Stand 1690 in, der höchste 2240 in, es ist hier verbreitet, jedoch immer nur in spärlicher Jndividuenzahl. Die klimatischen Ansprüche des Felsen-Straußgrases sind, wie schon aus der ganz analogen geographischen Verbreitung und dem häufigen Znsammenvorkommcn ersichtlich ist, ähnlich denjenigen des Alpen-Straußgrases. Es verlangt ein Höhenklima und scheut die den Winden und der intensiven Alpensonne stark ausgesetzten Gräte nicht. Es findet sich von Natur vorzugsweise auf trockenen und frischen Bodenarten und fehlt an nassen Stellen. Das Felsen-Straußgras ist bei uns auf dem Ur- gebirge verbreiteter, findet sich aber auch auf kalkhaltiger Unterlage häufig. Ein vorzügliches Gedeihen zeigt es überall im Grus des Urgesteins, wo es oft dominirt, so z. B. auf der Granitmoräne beim Albulahospitz, am Bach bei der Obersandalp, am Weg über den Valserberg auf Glimmerschiefer bei 2200 m (Südhang). — Sendtner gibt an, daß sein Vorkommen mit andern, ähnliche Bodenansprüchc erhebenden Gewächsen ein Zeichen sei, daß der betreffende Boden sich znr Anpflanzung der Zirbe (Arve) eigne. 1000 Theile Heu, am 21. August 1836 auf einem Beet des Versuchsfeldes auf der Fürstenalp gesammelt, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 28,3 133,6 4,9 13,7 5,16 9,46 Theile. In Bezug aus den Düngungszustand ist es anspruchslos, bei starker Düngung wird es durch andere ertragreichere Arten verdrängt. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Das Felsen-Straußgras ist ein Horstbildendes seines Untergras, das außerordentlich zahlreiche Blatttriebe entwickelt, aber auch viel mehr Halme pro Horst bildet als das Alpen-Straußgras. 97 Die Triebe sind meist intravaginal; die cxtravaginalen bilden kurze kriechende Ausläufer am Rande des sonst dichten Horstes. Es ist früher als das Alpcn-Straußgras und blüht je nach der Höhenlage und Exposition Ende Juli bis Entwicklung. Btitte August. Auf dem Gipfel des Hochwang, 2500 m, war es am 22. August 1886 in vollster Blüthe. 100 Theile Heu dieses Grases, das im Versuchsfeld der Samenkontrolstation auf der Fürsteualp kultibirt Fntterwerth. wurde, enthielten, am 21. August 1886 geschnitten: Organische Substanz, darin: Eiweiß, Rohfett, Rohfascr, Stickstofffreie Extraktstoffe. 72,64°/° 17,74°/° 5,82°/° 20,60°/° 28,48°/° Der Nährstoffgehalt ist also ein sehr hoher. Aus ttugcdüngtem Land ist der Gehalt wohl etwas geringer; immerhin liefert es ein.gutes, wenn auch etwas trockenes Futter, das besonders als Wcidcgras, weniger als Mahegras auf Magerwiesen seinen Werth hat. Da beide alpinen Stranßgrasartcn aus verrutschtem Terrain gilt fortkommen, sind sie auch zu Wiedcransaaten entblößter Stellen zu empfehlen. Samengewinnung, Same, Kultur. Zur Sameilgewinilimg werden die Halme mit den Rispen an Stellen, wo dieses Gras häufig vorkommt, zur Zeit der Reise abgeschnitten, getrocknet und der Same hernach mit den Händel! ansgerieben. Die Samen sind Ende August bis Mitte September reif. Da sie sehr klein sind und das Gras nicht besonders reichlich frnktisizirt, so ist die Ausbeute eine sehr geringe. 1000 Körner des Samens (Fig. 6) wiegen 0,090 bis 0,125 Gramm, so daß also ein Kilo reine Samen 8—11 Millionen Körner enthält. Der Same (Scheinfrucht) besteht aus dem ganzen Frucht ährchen (Caryopse umhüllt von Spelzen und Klappen) und ist 2—3 min lang (Fig. 6 und 7). Die spindelförmige Caryopse hat auf der Bauchseite eine über die ganze Länge sich erstreckende breite Furche. Weil die Pflanze früher blüht als das Alpen-Straußgras, so können die Samen besser ausreisen. Bet 5 untersuchten Samen- proben, die wir im September 1885 und 1886 auf der Fürstenalp in einer Meereshöhc von 1900—2100 m sammelten, betrug die Keimfähigkeit 69, 76, 82, 90 und 92°/°. Der Same keimt nicht nur gut, sondern auch rasch und die Pflanze läßt sich in den Alpen leicht aus Samen kultiviren. Man säet dieselben zu diesem Behufe im Frühjahr oder im Vorsommer aus ein gut zubereitetes Feld aus und wird im folgenden Jahr schon einen Ertrag erzielen. Die Kultur dieses Grases im Ticflande ist schwierig. Verwandte Arten. Die Unterscheidungsmerkmale von den übrigen verwandten Arten sind in folgender Uebersicht zusammengestellt (siehe Seite 98). Aus derselben geht hervor, daß durch die glatten Rispen äste das Fclscustranßgras sich von allen andern Stranßgrasartcn der Schweizer-Flora unterscheidet, mit einziger Ausnahme des gemeinen Straußgrases, das aber ein kurzes gestutztes Blatthäutchen hat. Von dem nächstvcrwandten Alpen-Straußgras ist es außerdem, namentlich im frnktifizircndcn Zustand, durch die Kleinheit der Borstcnbüschel am Spelzcngrund verschieden, die hier nie die Anheftungsstelle der Granne erreichen (während sie dort darüber hinausragen). Samen- gewinnnng. Same. Kultur. Verwandte Arten. Enkkärturrg der: Gcrfek 2 Fig. F. Ganze Pflanze mit zwei jungen noch zusammen- Fig. gezogenen Rispen, einer eben sich ausbreitenden, „ einer in voller Blüthe befindlichen und einer „ abgeblüthcn, lctztjührigen, wieder zusammen- „ gezogenen. „ 1. Aehrchen vor der Blüthe. „ „ 2. Aehrchen in voller Blüthe. „ „ 3. Ein ebensolches in horizontaler Lage blühend. „ 4. Dasselbe ohne Klappen und Staubgefäße. , „ „ 5. Fruchtknoten mit Borspelze und Schüppchcn. „ „ 6. Fruchtährchcn von der Seite. 7. Caryopse vom Rücken aus gesehen. 7o. Fruchtährchcn vom Rücken aus gesehen. 8. Caryopse von der Bauchseite, mit der Furche. 9. Blatthäutchen eines HalmtricbcS. 10. Blatthäutchen eines Laubtriebes. 11. Rispenäste mit ihren Gelenkpolstern. 12. Querschnitt durch eine Halmsprcite (die dünnen Kreischen bedeuten die Nerven). 13. Querschnitt durch eine Lanbtriebspreite. 14. Querschnitt durch einen Laubtrieb. ». 13 98 O Die Unterscheidungsmerkmale der schweizerischen ^Ki 08 li 8 -Arten. Gattnngsmcrkmale: Alle Straußgräser (Arten der Gattung frostig) zeigen folgende Merkmale: Bliithenstand eine ausgebreitete feinästige Rispe mit kleinen einbliithigen Achrchcn; Narben beim Blühen seitlich zwischen den Spelzen heraustretend; Spelzen am Grunde kahl oder knrzborstig (Borsten bis höchstens V« so lang als die Spelze!). 99 Uebersicht über die Schwingel-Arten Nr. 6 bis 10 und ihre nächste» Verwandte». Alle Schwingelarten (Arten der Gattung K^Uma) haben folgende gemeinsame Merkmale:") Blüthenstand eine während der Blüthe weit ausgebreitete, aus lauter gleichgestalteten, länglichen, mehr- blüthigen Achrchen zusammengesetzte Rispe; Narben farblos, an der Spitze des Fruchtknotens inserirt, beim Blühen seitlich zwischen den geöffneten Spelzen heraustretend; Klappen kürzer als das A-hrch-n, Aehrchenspindel kahl; Deckspelzen fünfnervig, granncnlos, oder an der Spitze in eine Granne auskaufend, der Rücken der Deckspclze meist nur im obern Theil gekielt, im untern abgerundet, selten ganz gekielt; Spindel der Fruchtührch-n zerbrechend, Caryopsc mit einem langen, linienförmigcn Nabclfleck auf der Bauchseite. Von den nächstverwandten Gattungen aus der Gruppe der Schwingelartigen (mit mehrblüthigen Aehrchen, mit Klappen, welche kürzer sind als die Aehrchen und mit ungeknieter Granne), unterscheidet sich die Gattung Schwingel wie folgt: Die Trespen (Gattung 0 immun ich haben unter der Spitz- des Fruchtknotens entspringende Narben; die Rispengräser (9on), das Hartgras (8«'!cmo«'IUn,a (turn) und das Ste ifgras (tinlcmopoa i'iKickn) haben einen punkt- förmigen Nabelfleck und meist scharf von unten bis oben gekielte Deckspelzen,"") die Süßgräser (Ol^vuria) und das Quellgras (Onlnlnnmn) haben stumpfe, quer abgestutzte Decksp-lzcn; bei den schweizerischen Arten des Liebesgrase s (INnpgnmim) zerfällt die Spindel des Frnchtührchcns nicht; das Besenric d (stlnliuia mmimlen) hat 3 nervige Deckspclzcn, ltipinoimö m'.i'uliun Inervige, Ivoöiorin eine Aehrenrispc, älolicn ein keulenförmiges Spelzenrndiment, Itaotz'll!- eine aus Knäueln zusammengesetzte Rispe, lchmmunm »eben fruchtbaren auch sterile Aehrchen und die Zwenke (Ili'uclii- inuiinl») eine einfache Traube als Blüthenstand. Die fünf im folgenden näher beschriebenen Schwingel gehören zu den Gruppen der geöhrten Schwingel (.Vuriculnlso) und Buntschwingel (Vnrino). Geöhrte Schwingel Nr 6—8). Die geöhrten Schwingel, zu denen der Alpen- und dichtrasige Nachschwinget und der Genisenschwingel 9tr. 6, 7 und 8 gehören, unterscheiden sich von allen andern durch das geöhrte Blatthäntchen; dasselbe stellt einen kurzen, beiderseits oder einseitig in ein kurzes Läppchen vorgezogenen Hautrand dar zkann aber an den Lau b trie b e n auch völlig fehlen). Die schweizerischen Oehrchenschwingel zerfallen in zwei große Gruppen: die Rothschwiugel im weitesten Sinne des Wortes und die Sch afschwingel; erstere haben lauter oder theilweisc durchbrechende (extravaginale) Laubtriebe, letztere lauter umscheidete (intravaginale); erstere haben stets ganz g e s ch l o s s e n e Blatt-Scheiden an den Lanbtriebcn, letztere bald geschlossene, bald offene; erstere haben an den Laubtrieben nngcöhrte, an den Halmblättern ungleich oder einseitig geöhrte Blatthäntchen, """) letztere haben lauter geöhrte Blatthäutchcn; erstere haben meist flach ausgebreitete Halmblätter und borstliche Laubtriebblätter, letztere lauter borstlich gefaltete Blätter. k. Die Noth schwinget der Schweizerflora umfassen folgende Arten: n) Mit behaartem Fruchtknoten (dieses Merkmal kann bei manchen sicher hieher gehörenden Formen fehlen, so namentlich beim Alpen-Nothschwingel). 1. Die meisten Laubtriebe umscheidet, weniger durchbrechend, Wuchs horstbildend; Blätter sehr verschieden; an den Laubtricben dreinervig, haarfein zusammengefaltet, an den Halmen flach, vielmal breiter: Verschieden blättriger Schwingel, b'ötlliiea lwtöi'npllMa Omu. (siehe II. Theil dieses Werkes pnp;. 31 — 33 und Tafel 22). 2l Die meisten oder alle Laubtriebe durchbrechend» Wuchs trotzdem horstbildend, da die Triebe sich sofort nach oben wenden; Blätter wenig verschieden, an den Laubtrieben 5—7nervig, borstlich, an den Halmen ebenso oder hohlkehlig offen: Alpen-Rothschwittgel, IR^lmm vi.ll.-mcm Omni. (siehe Seite 101). !>) Mit kahlem Fruchtknoten: Rothschwiugel (im engern Sinne) IRntnl'.ll nUnm 0. Diese Art ist in vier Abarten ausgebildet: *) Wir führen hier die Kattnngsmerkmalc nur soweit an, als sie zur Unterscheidung von verwandten Gräsergattnngen der Schwcizerflora nöthig sind. ^^) Ausnahmen davon sind: lloa viotaoea LsU- (b'östnea pilosa Halter ü>.) mit gerundeten und kestnoa pnlvbstla 8obraäsr mit gekielten Teckspclzcn; bei diesen bleibt mir die Form des Nebelflecks als Gattnngsmerkmal. »«g Djc von Hacke! als allgemeines ,Kennzeichen der Rothschwingcl (ltestuoa rnbra 0. im weitesten Sinne) bezeichnete Fahlheit des Blatthäutchcns besteht bei einer von Hackel selbst gütigst als b'. violaoea Oanä. bestimmten, auf dem St. Bernhard von Äanonicns Bessc gesammelten Form nicht; dieselbe besitzt deutlich gewimpcrte Ochrchcn des Blatthäntchcns. Botanische Uebersicht der schweizerischen Schwingelarten. 100 1. Mit kriechenden Ausläufern: Echter kriechender Rothschwingel, vg,-. Fvnuinn llgvll. Laubtriebblättcr borstlich gefaltet, Halmblätter offen; (siehe II. Theil dieses Werkes). Flachblättriger kriechender Rothschwingel, vsr. planikolia Ivaulv., alle Blätter flach; Feinblättriger kriechender Rothschwingel, vsr. lriusioi, U^iia Onnll., alle Blätter borstlich zusammengefaltet. 2. Ohne kriechende Ausläufer, Wuchs horstbildend, Dichtrasiger Rothschwingel, vsr. knllnx liniill. (siehe Seite 104). ll. Die Schafschwingel (im weitesten Sinn) der Schweizerflora lassen sich folgendermaßen gliedern: s) Mit behaartem Fruchtknoten; Blattscheiden der Laubtriebe in der geschlossenen untern Hälfte mit tiefer enger Furche; Horst sehr feinblättrig, Aehrchen meist grannenlos: Amethystblauer Schwingel, b'sstnea glimlsiz^lilm I,. si) Mit kahlem Fruchtknoten; Mattscheiben ohne Furche. Scheiden der Laubtricbe bis zur Mündung oder wenigstens über die Hälfte geschlossen. — Niedrige Alpenpflanzen mit armblüthiger, oft traubenähm sicher Rispe. 1. Staubbeutel 1 mm lang oder wenig länger, 3 bis 4 mal kürzer als die Borspelze. Spelzen ziemlich schmal lanzett: Alpen-Schwingel, »flnim 8ul.'*) 2. Staubbeutel 2—3 nun lang; halb so lang als die Vorspelze oder länger: g) Blattspreiten der Laubtricbe 7nervig, Rispe violettschwarz oder bräunlich, Granne länger als die halbe Spelze: Hallers Schwingel, 1'm3 llgsiorl Fsi. I«) Blattspreiten der Laubtriebe önervig, Rispe meist bereift, Granne kürzer als die halbe Spelze: Gemsen-Schwingel, 1"68lties imMNsmsim ilsellöl (siehe Seite 110). «. Knntschwingel lVm'i.'io), Die Bnntschwingcl der Schweizerflora haben ungeöhrte Blatthäntchen, die entweder lang und spitz (si. jmniiln und v.n'in) oder kurz und gestutzt sind (milclmlla); die Blätter sind alle zusammengefaltet (simmln und varin) oder alle flach (smlrlralla); die Knospenlage derselben ist entweder gefaltet (>>»>m!n und varin) oder gerollt (>mlllm!ln). Die Earyopsc ist frei (nicht den Spelzen anhängend). Aehrchen bunt. Hieher gehören folgende drei schweizerischen Arten (alle ausschließlich oder vorzugsweise alpin). n) Horstbildend, mit lauter umscheidcten Trieben; Knospenlage gefaltet, Blätter alle borstlich zusammengefaltet; Blatthäntchen lang vorgezogen, Aehrchen walzlich, wenig zusammengedrückt, Spelzen abgerundet. 1. Blätter grob, 0,7—1,1 mm breit, steif und stehend, meist mit einem zusammenhängenden Ring von Bastzellen unter der Oberhaut. Deckspelzen nicht oder kaum zugespitzt, grannenlos oder kurz begrannt: Bunter Schwingel, I^öslueg vsvig sikm 2. Blätter fein 0,3—0,7 mm breit, weicher, meist mit isolirten Bastbündeln unter der Oberhaut. Dcckspelzen mehr oder weniger deutlich zugespitzt, grannenlos oder kurz begrannt: Niedriger Schwingel, sicmltica smmiln Vill. (siehe Seite 107). si) Ausläufertreibend, mit lauter durchbrechenden Trieben. Blätter in der Knospenlage gerollt, im entwickelten Zustand sind alle flach, seltener hohlkehlig gefaltet. Blatthüutcheu kurz und gestutzt, Aehrchen stark zusammengedrückt mit gekielten Spelzen: Schöner Schwingel, l^ülimg jmlvlmsin 8olirr>cI. (siehe Seite 113). *) Auf dem Albula (am Fuß der Oresta mors, Granit) wurde von uns eine abweichende Form des Alpenschwingels beobachtet, welche nach gütiger Mittheilung von.Hrn. Pros. Hackcl, dem wir sie übersandten, als eine Zwischcnform zwischen dem Alpcnschwingel und dem nordischen, knrzblättrigen Schwingel (sie8tuoa brevikolla) bezeichnet wurde; sie bedarf noch weiterer Untersuchung. 101 6. Der AlM-Rothschwingel. 1^68tuva violnekn Onuäiii. L (Tafel 3. Fig. I-.) (Die hier abgebildete Pflanze gehört zur Abart niArioans 8oliieielier.) Der Alpeurothschiviiigel oder „Schweizel" ist ein feuiblättrigcs, ziemlich hohes, ertragreiches Futtergras der höheren Heuberge und Wildhcnplankcu, seltener der Weide. Botanische Beschreibung. Der Halm ist 15 bis 43 ein hoch, glatt und meist kahl. Die Blattscheiden sind, wie bei allen Rothschwingcln, bis nahe zur Mündung geschlossen, glatt und mit feinen kurzen Sammthäärchen bestreut; die alten Scheiden lösen sich in Fasern auf. Die Blattspreiten der Laubtriebe sind borstlich zusammengefaltet, fadendünn, 3—21 cm lang und 0,25—0,75 nun breit, 5nervig, an den deutlich ausgeprägten Kanten, dem Mittelkiel und den Rändern von isolirtcn Bastbündeln durchzogen (Fig. 13), welche die Kanten außen als weißlich schimmernde Linien markiren. Sie sind beim echten Alpcnrothschwingcl glatt, beim schwärzlichen im obern Theil rückwärts rauh. Die Spreiten der Halmblätter sind entweder ebenso schmal wie die der sterilen Triebe und ebenso zusammengelegt (bei der Varietät Minium) oder sie sind breiter (1—2 nun, an kultivirten Exemplaren, sogar 3 nun breit, bei der Varietät niMwmm), im klebrigen den Laub- triebblättcrn gleichgcstaltct. Das B l a t th ä ut ch cn ist ein kurzer, gestutzter Hautrand mit deutlich entwickelten, meist kahlen Oehrchen (Fig. 11 Halmblatt, Fig. 12 Lanbtriebblatt). Der Bliithenstand ist eine 3 bis 11 mn lange, schlaffe, vor dem Aufblühen zusammengezogene und überhängende Rispe mit rauhen Aestcn. Aehren 2- bis 7-blüthig, aus violett, grün und goldfarben gescheckt.*) Klappen schmal und eilanzett, die untere 1-, die obere 3-nervig- Deckspelzen mit 5 undeutlichen Nerven, in der untern Hälfte abgerundet, in der obern gekielt, meist von kurzen, aufwärts gerichteten Börstchen rauh. Granne kürzer oder länger als die halbe Spelze. Vorspclze 2-kielig, so lang wie die Deckspclze. Die Schüppchen (Fig-8) sind 2-thcilig, mit angesetzten Zähnen. Der Fruchtknoten (Fig. 6 und 7) hat einen abgeflachten Scheitel, der mit kurzen Haaren bestreut, selten kahl ist; nach unten ist er in einen kurzen Stiel vcrschmälert. Beim Blühen (auf der Fürstenalp fand dasselbe einmal bei der Temperatur von 3,8° 0. Morgens 8 Ilhr statt) sinken die Antheren sofort nach dem Austrctcn und vor vcm Stäuben schlaff herunter und ständen in dieser Lage, so daß auf die darüber liegenden Narben derselben Blüthe kein Pollen gelangt (Fig. 1). Abarten. Von den 5 Abarten, welche Hackel aufzählt, kommen nur zwei in der Schweiz vor: 1. vnr. Mimma Ilm-stol, echter Alp cnr o th sch w i n g e l; diese Form ist es, welche Gand in als l'oxlmm vmlnooa bezeichnete. Der Halm ist oberwärts 4—5-kantig, 15—25 ein hoch; die Laubtriebblättcr sind haarfein, 0,4—0,5 nun breit, sehr weich und ganz glatt. Halmblätter kaum breiter. Deckspclze wehrlos oder kurz bcgrannt. Eine Form dieser Varietät mit ganz goldgelben Aehrchen ist die 1?o8lnca munla Omni. 2. vor. niM-ioans Seliloielisr, schwärzlicher Alpe nroth schwinget; Halm oberwärts rundlich, höher (30—40 ein), Laubtriebblättcr vorn rauh, etwas gröber; Halmblätter beinahe flach und bis 2 nun breit; Deckspelzen bcgrannt; Granne halb so lang, als die Spelze oder länger.**) Auf dem fetten Boden des alpinen Versuchsfeldes aus der Fürstcnalp fanden sich an einem Stock verlandende Aehrchen, bei welchen die Spelzen einen allmäligen Uebergang in Laubblättcr zeigten. 0 Die Farben sind dabei in der Weise vertheilt, daß die Spelzen auf der belichteten Hälfte violett gefärbt sind, mit goldfarbigem mcmbranösem Rand, auf der Schattenhälfte dagegen grünlich. Daß die Färbung eine Folge der Lichtwirknng ist, sieht man auch daraus, daß die Spelze, soweit sie von der vorausgehenden bedeckt ist, immer grün erscheint (Fig. 9 a). *») Eine interessante Form, die aber noch weiteren Studiums bedarf, sammelte Hr. Kanonikus Bcsse auf dem großen St. Bernhard. Sie hat die Innovation, den Blattban und die Rispe von violaeea und zwar von einer zwischen var. m'Krioans und Asnnina stehenden Zwischcnform (nach der gütigen Bestimmung von Hr. Pros. Hackel, dem wir diese Pflanze zuschickten). Sie weicht aber von den Rothschwingcln überhaupt durch ihre gewimpcrtcn Oehrchen der Blatthäntchcn ab, zeigt außerdem den auch sonst bei violaeea hin und wieder als Ausnahme vorkommenden kahlen Fruchtknoten. Alpwirthschaft licher Werth. Botanische Beschreibung. Abarten. 102 Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- vcrbreitnng. Boden. Boden- crschöpsung. Tiingung. Wuchs. Futterwerth. Nutzung. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Alpcnrothschwingcl kommt vor: in Europa durch die ganze Alpeukettc, auf dem Jura (selten), auf den westlichen Pyrenäen, den Appcnincn, auf den Hähern Bergen von Croaticn, dem Banat, Siebenbürgen, Serbien, Bosnien, Montenegro und Albanien; also auf allen Hähern Gebirgen des wärmern Europa (außer Griechenland und den Inseln des mittelländischen Meeres); ferner in Asien auf dem Caucasus, in Armenien und Persien. Wir können seinen pflanzeugeographischen Charakter in die Bezeichnung zusammenfassen: Der Alpcnrothschwingcl ist eine Gebirgspflanze des Nordrandcs des Mediterrangebietes. Seine Licblingsstandorte sind die langrasigen Steilhänge im obern Theil schattiger Wildbachrnnscn und Lauinenzüge, wo er oft im Verein mit der rostfarbigen und immergrünen Segge, mit dem violetten Rispengras (I'«>a violaooa) oder (auf Kalk) mit dem schönen Schwingel (Hütaea imioboll:») die langblättrigcn, üppigen Nasen bildet, welche ein zwar reichliches, aber der schattigen Lage wegen wenig kräftiges Wildheit liefern. Besonders im Schiefer- und Urgebirgc ist er verbreitet, meidet aber auch das Kalkgebirge und dessen trockene Südhänge nicht; so ist er z. B. auf den Magcrmatten der Schanfigger Heuberge häufig; doch tritt er auf Kalk erst in größern Höhen auf. Nur vereinzelt und selten mischt er sich unter die Bewohner der offenen, knrzrasigcn Weide. Sein Hauptgebiet liegt in den Schwcizeralpen zwischen 1800—2500 in Mecrcshöhc; vereinzelt steigt er höher und tiefer; der tiefste uns bekannte Standort ist bei 1660 in (am Tritt, Maderanerthal), der höchste 3000 in (Gornergrat und Lcichenbretter ob Zermatt). Der Alpenrothschwingel kommt sowohl auf kalkfreicm Urgestein als auf Kalk und kalkhaltigem Schiefer- gestein vor, wenn ihm die übrigen Standortsverhällnisse zusagen; so z. B. findet er sich auf dem Granit auf den Alpen ob Biasca am Pizzo Magno bei 2000—2100 m häufig, auf dem Gneis am Osthang des Scaradra- passes bei 2100 — 2400 in ob der Lampartschalp, auf Glimmerschiefer am Nordhang der Zapportschlncht; im Tödigcbiet sowohl auf dem Granit des Ochscnkopfcs, als auf dem Dolomit der Röthi; im Albnlagebiet auf dem Granit der Cresta mora wie auf dem Dolomit des Piz Albnla, endlich auf kalkreichem Bnndncrschicfer auf den Süd- und Nordhalden der Montalin-Hochwangkette bei 2000—2300 in. Auch Mohl bezeichnet ihn als bodcnvag. Er ist überhaupt in Bezug auf Bodenverhältnisse wenig wählerisch und wächst sowohl an trockenen, sonnigen, felsigen Halden mit mäßiger Krume, als an schattigen, feuchten, tiefgründigen Hängen; letztere allerdings zieht er vor; auf Wässermattcn und auf dem Humus der Gräte und der Heidekräuterbestände findet er sich ebenfalls. *) 1000 Theile Heu, am 13. Juli 1886 kurz vor der Blüthe des Grases auf einem Beete im alpinen Versuchsfclde der Samenkontrolstation geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsänrc, Kali, Kalk, Magnesia. 26,4°/»» 78,2°/«« 1,27°/»» 32,4°/»» 14,6°/»» 7,?°/»» Das Gras findet sich vorzugsweise an magern Stellen, zeigt aber auch an Gcilstcllcn und auf gedüngten Flächen ein gutes Gedeihen. So erreichten die Halme auf dem überhängten Lägerboden unseres alpinen Versuchsfeldes eine Höhe von 70 am, und die Blatttricbc von 40—45 cm Länge bildeten einen bnrstcndichten Rasen. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Der Alpenrothschwingel ist ein horstbildcndcs Gras mit zahlreichen, langen, fadenförmigen Wurzclblättern. In vier von uns untersuchten Quadratfußen von Wiesen, in welchen er nach dem Gewicht im Durchschnitt 3,040/,, ausmachte, waren durchschnittlich tst/r fertile und 90 sterile Triebe, so daß aus 1 fertilen Trieb (Halm) 72 sterile entfallen (Bestockungszahl). Das Gras hat also ein außerordentlich großes Bcstockungsvcrmögen; die großen Horste sind relativ wenighalmig. Die Pflanze ist mittelfrüh; in der alpinen Region blüht sie Mitte Juli bis Mitte August. Am 13. Juli 1886 kurz vor der Blüthe auf einem Beete im alpinen Versuchsfclde geschnitten, zeigte das Heu folgende chemische Zusammensetzung: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 78,18°/» 16,57°/» 2,96°/» 25,03°/» 33,62°/». Der Protcingehalt des Grases von diesem Standort ist also hoch, es ist jedoch etwas trocken und eignet sich deßhalb und wegen seines hohen Wuchses besser als Mähegras wie znr Weide; sein spärliches Borkommen auf der viel begangenen Weide zeigt außerdem, daß es das Abweiden schlecht erträgt. *) Unsere Erfahrungen reichen nicht aus, das Vorkommen der beiden Varietäten zu unterscheiden. WW WUM- //-'///„ ,/t lns 12 l 'II 1.) >'I>" - '> >' i:;1Ä ! ^ I 1^, I I " W I'lc, 10 ° 1->(j'1 ° u tz ^ > '11 >> 0 , , !-'j<1.S°. /A U 0 ,- 1' Xj l! I iM» . In^ .> ^ t ui.4 ' /lk7oo<' I'i t, L ' I i l 0iu >r ^ 1 ^ssi.uQL r^drL 1^. vsr. Lallax Oloritrssibsr RotlisoLM-inAsI Htd. L. 8snii, 2üri^ ^SZ^OS. VlOlLOSL TLUL. L1xsn-I!ot,Iisc:L'w-jiiAs1 I-' äciiräter zL »si. äsl I. !c1>Me7 pmx 103 Lamengewimnmg, Same, Kultur. Der Same des Alpeurothschwiugels ist Mitte August bis Mitte September reif. Auf den natürlichen Standorten ist der Samenansatz geringer und die Samen sind schlechter als in der Kultur. Gut ausgebildeter, am 24. August 1886 im alpineu Versuchsfeld geernteter Same, wovon 1000 Körner 1,4 Gr. wogen, keimte zu 53°/o, während an den natürlichen Standorten im September gleichen Jahres gesammelter Same, von welchem 1000 Körner 1,16 und 0,65 Gramm wogen, nur 46 und 12 Proceut keimten. Die Untersuchung des am 13. September bei ca. 2000 m gesammelten Fruchtmaterials ergab sehr viele taube Fruchtspelzen; viele enthielten noch die verschrumpften, also ungeöffneten Antheren, hatten also zn dieser späten Jahreszeit noch nicht geblüht. Innert 10 Tagen keimen die meisten Samen und in 20 Tagen haben alle keimfähigen gekeimt. Bei der Reife fällt das Aehrchen auseinander; mit jedem Fruchtspelzenpaar (Scheinfrucht) bleibt das oberhalb derselben sitzende Stück der Aehrchenaxe als „Sticlchen" verbunden (Fig. 9 a, ü). Der „Same" (die Scheinfrucht) ist ohne Granne 4—9 mm lang, mit derselben 6 bis 13 nun. Die Caryopsc (entspelzter Same) ist 2 bis 3 mm lang, elliptisch, mit breiter Furche, in welcher der lange Nabelffeck (Hilum) liegt (Fig. 9 n, b). Die Pflanze läßt sich am einfachsten und sicher durch Samen vermehren. Zn diesem Behufe sät man dieselbe im Borsommer aus gut zubereitetes, nnkrautsreies Land aus und bekommt im folgenden Jahr dann schon kräftige Pflanzen, die vereinzelte Halme treiben. So z. B. ergaben Samen, welche in: Gebiet des Hochwang bei ea. 2100 irr gesammelt und am 12. September 1885 ausgesät wurden, in einem Jahre kleine Horste von 13 ein Höhe und 4—5 am Durchmesser Im dritten Jahr erreicht es die volle Entwicklung. Wenn man im Herbst sät, so muß dies spätestens Anfangs September geschehen. Bei der Anlage von Alpmatten durch Aussaat von Samen verdient der Alpen- rothschwingel alle Berücksichtigung. Krankheiten. Unter dem auf der Fürstenalp bei ca. 2100 m gesammelten Samenmatcrial fand sich ziemlich zahlreich das Mutterkorn vor. - Es ist das von besonderen! Interesse, weil das Verwerfen der Kühe mit dem Auftreten dieses Pilzes in Beziehung gebracht wurde. Verwandte Arten. Der Alpenrothschwingel ist, wie aus der Uebersicht Seite 99 und 100 zu ersehen, am nächsten mit dem verschicdenblättrigen und dem dichtrasigen Rothschwiugel verwandt und oft (namentlich die Abart mit breiten Halmblättern) schwer von denselben zu unterscheiden. Der wichtigste, coustanteste Unterschied besteht in dem Verhalten der Laubtriebe: beim Alpenrothschwingel sind die meisten durchbrechend, bei den andern die meisten Hinscheidet. Vom dichtrasigen Schwingel diffcrirt unser Gras ferner durch die schlaffere meist nickende Rispe und den behaarten Fruchtknoten; doch sind diese beiden Merkmale nicht immer ausgeprägt. Die Schafschwingelgrnppc dagegen ist von unserm Gras streng geschieden durch den absoluten Mangel durchbrechender Triebe. KnUlLinrnrg öerr Ucrfek 3 Ng- 4. Ganze Pflanze mit einer noch geschlossenen , nickenden!; Rispe und einer blühenden, aufrechten. 1. Ganzes Aehrchen in voller Blüthe. 2. Aehrchen vor der Blüthe. 3. Spelzcnpaar von der Deckspelze aus gesehen. 4. Spelzcnpaar von der Vorspelze aus gesehen. 5. Borspelze mit den Schüppchen und dem Stempel. 6. Fruchtknoten von vorn. 7. Derselbe von der Seite. 8. Ein Schüppchen. 9. Scheinfrucht (bespelztc Caryopsc) von der Deckspelze aus. 10. Dieselbe von der Vorspelze aus. 11. Blatthäutchen eines Halmblattcs. 12. Blatthäutchen eines Laubtriebblattes. 13. Querschnitt durch eine Laubtrieb-Blattsprcite. 14. Querschnitt durch eine Halmblattspreite. Flg. Samen- gewinnung. Same. Kultur. Krankheiten. Verwandte Arten. 104 Aipwirthschaft- licher Werth. Botanische Beschreibung. Unter-Abarten. Geographische Verbreitung. 7. Der dichtrasige Rothschtvingel. Ntzfttnou inrk>rn I.. vor. kuljax Hurill (als Art) A- (Isestnen äurinseuin 5. 8/st. nat. non 8pee. plant.b lkestuva äuriuseula c- st P Oaudin; t?sstuon äunistorniu Uegetselivsiler L Heer; die gedrungene, dunkler gesitrbtc Alpensorm (korina nkpeebris) ist die b'estnen niAi-eseons I.nin. (Die b'estnen ni^reseens Onudin's entspricht dagegen der vnr. niArieans van Vestnon violneen.) (Tasel 3. Fig. V.) Der dichtrasige Rothschlviugel ist, wenn nicht das wichtigste, so doch eines der wichtigsten Alpen- fnttcrgräser, weniger durch hohen Ertrag, als durch allgemeine Verbreitung und starken Antheil am Nasen, denn er fehlt auf keiner Alp nnd bildet häufig einen Hauptbestandtheil der Narbe. Er bleibt zwar auf der Weide meist klein, zeigt aber auf fettem Boden ein üppiges Wachsthum, bestockt sich stark und wird vom Bieh sowohl grün auf der Weide, als im Heu gerne gefressen. Botanische Beschreibung. Der Halm ist 26 bis 65 ein hoch, zwei- bis dreiknotig, am Grunde knieförmig aufsteigend, glatt und kahl. Die B l a t t s ch e i d e n der Laubtriebe sind bis oben geschlossen, überall mit feinen abstehenden oder etwas abwärts gerichteten Sammethäärchcn bedeckt (Fig. 10). Die Spreiten der Laubtriebblätter sind entweder vollkommen borstlich zusammengefaltet, bis 1 mm breit, oder hohlkehlig offen nnd dann (wenn flach auseinandergelegt!) 2 nun breit, 5- bis 7-nerbig, auf dem Querschnitt mit 9 isolirtcn Bastbündcln unter der Oberhaut der Unterseite (Fig. 11). Die Spreite der Halmb lütter ist hohlkehlig offen bis ganz flach (1,5 bis 2,5 nun breit, Fig. 12). Das Blatthäutchen der Halmblätter ist ein schmaler, feingewimperter, deutlich zweiröhrigcr Hautrand (Fig. 9); an den Laubtriebblättern fehlt es oder bildet einen ganz schmalen und ungeöhrten Hautrand. Der Blüthen stand ist eine wenigästigc und wenigblüthige Rispe, 5,5 bis 10 om lang, bor und nach der Blüthe eng zusammengezogen, während derselben weit ausgebreitet. Das Aehrchen ist 4- bis 6-blüthig, 7 bis 10 nun laug, grün oder (bei der Alpensorm) aus grün nnd schwarzviolett gescheckt (auch hier ist die schwarzbiolctte Färbung deutlich dem Lichteinfluß zuzuschreiben, denn die von den vorausgehenden Spelzen bedeckten Stellen der Deckspelzcn sind vollkommen grün geblieben, Fig. 3). Die Klappen sind schmal lanzett, die untere 1-, die obere 3-ncrvig; die Deckspelzen 5-nervig, kahl, seltener behaart mit einer gelblich gefärbten Granne von wechselnder Länge (Fig. 1—3, 8, a b o). Die Schüppchen haben einen Seitenzahl! oder sind einfach (Fig. 4 und 7). Der Fruchtknoten ist kahl (Fig. 5 und 6). Beim Blühen treten die Narben seitlich aus den klaffenden Spelzen heraus (Fig. 1); die Staubbeutel ziehen mit ihrem Gewicht die schlaffen Filamcnte sofort herunter und stäuben erst nachher, so daß der Pollen nicht auf die Narbe derselben Blüthe gelangt. Unter-Abarten. Der dichtrasige Rothschwingel ist selbst eine Abart des echten Nothschwingcls, von demselben nur durch das Fehlen der Kriechtriebc verschieden; es gibt Nebcrgänge zwischen beiden mit ganz knrz- kricchenden Trieben; auf Alpwciden ist aber die dichtrasige Form weitaus häufiger. Der Habitus unsers Grases wechselt je nach den Standorten; es lassen sich nach Hackel folgende Standort s f o r m e n unterscheiden: 1. Die Wcideform, korirm auf Weiden; niedriger, mit kleineren Blättern nnd gedrungener Rispe; in der alpinen Region wird die Rispe dunkler gefärbt bis schwarzviolett, und dann geht diese Form über in die Zweite. 2. Die Alpensorm, komm glpostris (— postum nigmseoim Imm.), welche auf unserer Tafel abgebildet ist. 3. Die Waldform, komm n o in oraIis, im Schatten der Wälder; höher, mit längern Blättern, laxerer Rispe und grünen Aehrchen. Außerdem variirt das Gras noch in der Größe der Aehrchen (die mbvor. Kramlillora hat Aehrchen von 10 mm Länge und darüber), in der Behaarung derselben (mibvar. barbsta mit behaarten Aehrchen) und in der Färbung der Blätter und Rispen (mibvar. glanm8mn8, mit bläulich bereiften Blättern nnd Aehrchen). Vorkomme», Klima, Boden, Düngung. Der dichtrasige Nothschwingel hat ein ähnliches Areal wie der echte, ist aber innerhalb desselben stellenweise seltener, stellenweise häufiger. Er ist im gemäßigten < 105 Asien, in Nordamerika und in ganz Europa von Spitzbergen bis nach Griechenland, Sicilicn und Spanien verbreitet, immerhin im äußersten Süden auf die Gebirge beschränkt. Der dichtrasige Nothschwingcl gehört zu den allgemein verbreiteten, selten fehlenden Bestandtheilen der Wiesen der Schweiz überhaupt und insbesondere unserer Alpwiesen; er findet sich auf Matten und Wiesen, an Felsbändern und aus Wildheuplankcn, auf magerem und auf fettem Boden, besonders auch auf Geilstellen. Wir fanden ihn in 75 von 100 analysirten Wiescnbeständen von 210 in bis 2400 in ü. M. Auf Fettmatten bildet er häufig den dominirenden Bestandtheil im Rasen. Eine solche beim Hotel Riffelalp ob Zermatt 2227 in ü. M. enthielt 52,11°/» davon, am Handeckfall bei 1417 in ü. M. 34,38°/», beim Steinhaus am Susten- paß 24,46°/» u. s. f. Obschon er auf der Weide auch sehr häufig ist, so tritt er hier doch nicht so massig auf, er bleibt kleiner und bestockt sich weniger stark. Im Tieflande ist er sehr verbreitet und steigt von hier bis nahe an 3000 m ü. M. (höchster Fundort Piz Padella 2760 m). Diesem Vorkommen entsprechen die verschiedenartigsten klimatischen Bedingungen. Die mittlere Jahrestemperatur seiner Schweizer-Standorte bewegt sich zwischen — 2,3 und 12,2° (Goldzeche Fleis bei 2740 in und Locarno). Im Ticflande hält sich der dichtrasige Rothschwingel hauptsächlich an feuchte und frische Wiesen und solche mit Moorboden, wo er häufig dominirend ist. Auf den Alpen findet er sich auf Boden von der verschiedensten chemischen und physikalischen Beschaffenheit, zieht aber auch hier frische Bodenarten den trockenen vor und gedeiht an fetten Stellen besser. Gegen die Gesteiusunterlagc ist er total unempfindlich: er findet sich im Kalkgebirge ebenso häufig wie im Urgcbirge und anf Schiefer. 1000 Theile Heu von einem Beet auf dem alpinen Versuchsfeld, auf welchem die Pflanzen aus Samen des Tieflandes gezogen wurden, enthielten, am 21. August 1886 geschnitten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia 18,4 75,8 6,1 32,4 5,67 1,72 Theile Wie erwähnt, kommt das Gras anf gedüngten und ungedüngtcn Beständen vor; dem massenhaften Auftreten anf gedüngten Matten der alpinen Region ist zu entnehmen, daß es hier für Düngung sehr empfänglich ist. Auch auf der Weide findet es sich gerne an den Stellen, wo ein Kuhfladen gelegen hatte. Wachsthum, Futterlverthf Nutzung. Der Wuchs des Grases ist horstbildend; nichtsdestoweniger bildet es, wenn für sich gesäct, einen ziemlich zusammenhängenden Rasen, weil das Be stockiittgsvcrmögen ein sehr großes ist und die einzelnen Nasen ineinander verwachsen (denn die Triebe sind znm großen Theil durchbrechend scptravaginalj). Aus der Alpmatte bei dem Hotel Risfclalp, wo es 52,11°/° des Bestandes ausmachte, waren im Onadratfuß 1657 sterile Triebe und 26 entwickelte Halme, so daß aus 1 Halm 64 sterile Triebe kommen (Bestocknngszahl). Diese Bestocknngszahl ist jedoch sehr veränderlich, je nach der Höhenlage, den Terrainverhältnissen, dem Boden, der Entwicklung rc.: sie schwankt in den 75 untersuchten Fällen zwischen 3 und 447. Die sterilen Blatttriebe erreichen eine Länge von 10—65 oni., die Halme von 50—100 em. Der dichtrasige Rothschwingel ist ziemlich früh. Im Versuchsfeld in Zürich blüht er Anfangs bis Mitte Juni, anf dem alpinen Versuchsfeld ein Monat später. Im gleichen Jahre liefert er aus gutem Boden zwei Schnitte; nur im ersten Schnitt jedoch treibt er Halme, im zweiten entwickelt er nur Blatttriebe. Am 21. August 1886 von einem Beete des alpinen Versuchsfeldes kurz nach der Blüthe geschnitten, enthielt das Futter als Heu: Organische Substanz, darin: Rohproteiu, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 78,42°/» 11,55°/o 3,25°/° 26,38°/» 37,24°/» Wenn man bedenkt, daß die Gräser selten einen so hohen Protein- und Fettgehalt erreichen wie die Kleearten und Futterkräuter, so darf man diesen Gehalt als einen günstigen bezeichnen. Das Gras bildet einen bürstendichtcn, wenig-halmigen Rasen. Dasselbe ist als Wcidegras und 14 « Standorte. Höhcn- Ncrbrcitung. Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fnttcrwcrth. Nutzung. 106 als Mähegras gleich geschätzt. Das Weidevieh weidet jedoch wie bei allen Gräsern vorzugsweise die sterilen Blatttriebe ab und läßt die Halme stehen, weil diese weniger saftig, steif und hart sind; wenn man eine stark abgeweidete Alp begeht, so findet man ausnahmslos die bleichen, steifen Halme des dichtrasigen Rothschwingels noch übrig. Dadurch wird die Vermehrung des Grases durch Bersamung nicht unwesentlich begünstigt. Samen- Samengewinmmg, Same, Kultur. Der Same ist in Zürich Anfangs bis Mitte gewmmmg. ^ Ende August. Der Samcucrtrag ist im Tieflande wesentlich größer als in den Alpen. Aus diesem Gründe wird man der: Samen vortheilhafter ine Tieflande ziehen. Es hat das, wie unsere Erfahrungen ergaben, durchaus keinen Nachtheil für das nachherige Gedeihen der aus diesem Samen auf der Alp gezogenen Pflanzen; im Gegentheil, weil die Samen im Tief- lande besser ausreifen, entwickeln sich die Pflanzen ans diesen rascher und kräftiger und sind bei der großen Unempfindlichkeit dieser Pflanzenart gegen klimatische Einflüsse ebenso dauerhaft. Bei der Samen- gewinnung schneidet man die Rispen zur Zeit der Samenreife mit einem 10—20 am langen Halmstücke oben ab, packt sie in Säcke, breitet sie zn Hause znm Trocknen an einem trockenen luftigen Orte aus und drischt sie später ab. Auf diese Weise kann man sich mit Leichtigkeit und in einfacher Art ein großes Quantum Samen ziehen, das für die Alpcnregion von höchstem Werth ist. Von allen in diesem Buche beschriebenen Pflanzen ist diese die einzige, wovon der Same im Handel erhältlich ist; derselbe ist jedoch selten und häufig mit Schafschwingel oder verschicdenblättrigem Schwingel verunreinigt. Er wird häufig als ^nstuoa ckuriusouln verkauft. Als llostncm ckuriusouln wird im Samenhandel jedoch noch häufiger der Schafschlvingcl bezeichnet; dieser letztere eignet sich aber durchaus Same. nicht zur Kultur auf den Alpen. Der Same (die bespelztc Caryopse oder Scheinfrucht) ist größer als jener aller Schafschwingelvarietäten, ebenso lang als jener des verschiedenblättrigcn Schwingels, jedoch dicker und nicht so allmälig zugespitzt; jedoch lassen sich im Samen alle diese Formen mit Sicherheit nicht von einander unterscheiden. Bei der Reife zerfällt das Aehrchen in gleicher Weise wie beim Alpenrothschwingel; mit dem die Caryopse umhüllenden Spelzenpaar bleibt ein etwas gebogenes Stück der Achrchenaxc als vor der Vorspelzc stehendes Stielchen verbunden (Fig. 8, a, ti, e); diese Scheinfrucht (Same des Handels) ist von der des Alpenrothschwingels nicht zu unterscheiden, ebensowenig die Caryopse. 1000 Stück von auf der Fürstenalp geerntetcu Samen wogen 0,795 Gr., von im hiesigen Versuchsfeld gezogenen 0,868 Gr. und von einem echten Samen des Handels 0,705 Gr.; die Keimfähigkeit guter Samen beträgt 85—95°/o. Kultur. Am einfachsten läßt sich der dichtrasige Rothschwingel ans Sauren knltiviren. Man säet zu diesem Behufe im Frühjahr oder im Lause des Sommers den Samen auf entsprechend zubereitetes Land ans. Im Saatjahr bildet das Gras noch keine Halme, sondern nur sterile Triebe, die den Boden sehr unvollständig bedecken. Dieselben entwickeln sich jedoch im zweiten Jahre, dehnen sich aus und treiben Halme. Aber erst im dritten Jahr erlangt es seine volle Ertragsfähigkeit. Das Gras ist ausdauernd und verschwindet ans passendem Boden nicht mehr. Anssaatversuche Ueber die Ergebnisse einiger Aussaatversuche auf dem alpinen Versuchsfeld geben folgende Daten Auskunft: auf der Alp. Beet Nr. 61 (2sHm groß) 1884 15. Juli gesät. Same vom Versuchsfeld in Zürich. 1885 26. Juni, sehr schön gekeimt, dicht, dunkelgrün, 5 ein hoch. 1. August, bürstendicht, noch keine Halme, Triebe 25 ern hoch. 1886 5. Juni, sehr gut überwintert, junge Triebe 15 ein hoch. 12. Juli, bürstendicht, freudig grün, in Rispen, wenig Halme; Halme bis 65 ein hoch, Rasen 40 ein. 12. August, wie vor, Halme bis 1 in hoch, Laubtriebe 65 ein hoch. 26. August, geschnitten, 10 st" grün. 10. September, schön nachgewachsen, dicht. 107 1887 25. Juli, steht prachtvoll, Rasen bürsiendicht. 10 . August, 80—90 ein hohe Halme, 40 —50 ein hohe Blatttriebe; bürsiendicht. 22 . August, geschnitten, 9'/s A grün. Beet Nr. 63 (2 Hsm groß) 1884 15. Juli gesät; Same von Vilmoriu, Andrieux L Cie. unter dem Namen k 68 lncn äurinsouls. Entwicklung wie im Beet 61. Erträge 1885 — 5'/i lt, 1886 — 6^/4 K", 1887 — 9t?. Zum Vergleich führen wir einige Resultate desselben Grases, welche im Versuchsfeld in Zürch erzielt wurden, an: Beet VI. V. 4 (2 Um groß) 1882 22 . April gesät. Same von Vilmorin, Andrieux L Cie. in Paris. 1882 noch keine Halme getrieben. 1883 kam in Halme. 1884 7. Juli Samen reif, geschnitten. 29. September geschnitten, 2^/2 t? grün. 1885 20 . Juni geschnitten, 8 t? grün. 1886 7. Juli geschnitten, 6 V 2 t? grün. 27. September geschnitten, 3^/st S grün. 1887 30. Juni geschnitten, 4 U /4 t? grün. Es geht aus diesen Angaben hervor, daß die Ertragsfähigkeit dieses Grases im alpinen Versuchsfeld mindestens eben so groß und größer ist als im hiesigen, ein Fingerzeig zur Beurtheilung des alpwirthschaftlichcu Werthes desselben. Verwandte Abarten. Sehr nahe verwandt mit dem dichtrasigen Rothschwingel ist der kriechende Verwandte Rothschwingel, der sich nur dadurch unterscheidet, daß seine durchbrechenden Triebe unterirdisch kriechen, während Feinen, sie bei unserm Gras sich sofort nach oben wenden. Es gibt aber Uebergangsformen zwischen beiden, mit kurz kriechenden Trieben, bei denen es unmöglich ist, zu unterscheiden, ob das Gras der einen oder andern dieser Varietäten angehört. Der flach blättrige Rothschwingel unterscheidet sich dadurch, daß auch die Laubtriebblätter flach, der feinblättrige umgekehrt dadurch, daß auch die Halmblätter borstlich gefaltet sind. Mit Bezug auf das Kriechen verhalten sich diese letzteren wie der kriechende Rothschwingel. Verwandte Arten. Ueber die Unterschiede vom Alpenrothschwingel vergleiche das bei diesem am Schluß Gesagte. Von allen Arten der Schafschwingelgruppe, also auch von den kleinen alpinen Arten, denen er in verkürzten Formen manchmal ähnlich sieht, ist der dichtrasige Rothschwingel durch das Vorkommen durchbrechender (extravaginaler) Triebe verschieden. Fig. 6. Ganze Pflanze mit einer noch geschlossenen und einer blühenden Rispe. „ 1. Aehrcheu in voller Blüthe. „ 2. Dasselbe vor der Blüthe. „ 3. Deckspelze vom Rücken aus. „ 4. Vorspelze mit Stempel und Schüppchen. „ 5. Fruchtknoten von vorn. „ 6. Derselbe von der Seite. „ 7. Schüppchen. 8. Scheinfrucht, d. h. bespelzte Caryopse. g) vom Rücken, d. h. von der Deckspelze aus. b) von vorn, d. h. von der Vorspelze aus. 0 ) von der Seite. 9. Blatthäutchen eines Halmblattes. 10. Blatthäutchen eines Laubtriebblattes. 11. Querschnitt durch einen Laubtrieb, die geschlossenen Scheiden und die gefaltete Knospen- lage der Spreite zeigend. 12. Querschnitt durch eine Halmblattspreite. Krkkärrmg der Gcrfet 3 L. Fig. 8. Der niedrige Schwingel. Vsstnen sminila (.'Unix (in Vilinrs, Histoira das zdnntas du OuiiMintz) 2s. (Tafel 4. Fig. A.) Der niedrige Schwingel wird auch Zwergschwingel, kleiner, zwergigcr oder zierlicher Schwingel Alpwirthschast- genannt. Er ist ein niedriges, etwas trockenes Gras, das vorzugsweise die hohen Alpweiden, Mager- matten und Wildheuplankcn des Kalk- und Schiefergcbirges bewohnt und als Schaf- und Ziegenweidc geschätzt ist. 108 Botanische Botanische Beschreibung. Dcr Halm ist steif aufrecht, niedrig, 12—14 em hoch. Die Blatt- Verbreitung. scheiden der Laubtriebe sind bis unten offen, auf den Nerven mit feinen Sammethäärchcn besetzt. Die Blattspreiten sind alle (am Halm wie an den Laubtrieben) borstlich zusammengefaltet (Fig. 9 bis 11), haarfein (höchstens 0,75 mm brest), sehr fein zugespitzt und etwas kantig, 5-nervig, an den Kanten mit isolirten Bastbündeln (Fig. 11) oder zusammenhängendem Bastring. Die Knospenlage ist gefaltet. Das Blatthäutchen ist länglich, etwas vorgezogen, am Rande glatt oder fein gezähnelt (Fig. 9 und 10). Der Blüthen st and ist eine vor und nach der Blüthe zusammengezogene, während derselben ausgebreitete Rispe mit einzelnen oder höchstens paarweise stehenden, rauhen Acsten mit wenigen Aehrchen (Fig. /I) und starken Gelenkpolstern am Grunde (Fig. 5). Das Aehrchen ist 3- bis 5-blüthig, im geschlossenen Zustand rundlich, wenig zusammengedrückt, beinahe parallelrandig (Fig. 1), aus purpurviolett und goldbronce zierlich gescheckt (die Spelzenrücken violett, die membranösen Ränder goldglänzend). Die Deckspelze ist nach oben zu meist deutlich zugespitzt (Fig. 1 bis 4), mit einer kurzen Granne versehen. DieSchüppchen (Fig. 5 und 6) sind zweispitzig, an der Basis zusammenhängend ; der Fruchtknoten ist auf seiner obern Hälfte dicht behaart. Beim Blühen treten die 3 mm langen Staubbeutel auf kurzen steifen Staubfäden heraus und stäuben noch in aufrechter Stellung (Fig. 2), so daß Bestäubung der Narben derselben Blüthe beinahe unvermeidlich ist. Abarten. Abarten. Hackel unterscheidet: 1. Den echten niedrigen Schwingel, vor. § onning, mit freudig grünen, etwas kantigen Blättern, welche unter den Kanten isolirte Bastbündel führen. Aehrchen bald gescheckt, bald ganz gelb. 2. Den steifen niedrigen Schwingel, var. rigiäa, mit meergrünen, steifen, wenig oder gar nicht kantigen Blättern, welche unter der Oberhaut einen zusammenhängenden Ring von Bastfasern besitzen, und mit etwas größern Aehrchen. Diese Abart, welche einen Uebergang zum gescheckten Schwingel (RaMma vsris) bildet, ist bei uns seltener als die erstere. Wir fanden sie auf dem Albula und der Sandalp (Kt. Glarus), Ur. Peter auf dem Piz Alv. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der echte Zwergschwingel ist zu Hanse: in der alpinen Verbreitung. Region der ganzen europäischen Alpenkcttc, dcr Pyrenäen, des Jura, Siebenbürgens, Ungarn (aber nicht in den Standorte. Central-Karpathen), Numelien, Dalmatien, Corsica und Macedonien. Er kommt besonders auf der Weide, dcr Magermatte und auf Wildhenplätzcn, an trockenen steinigen Hängen und auf Gräten vor, häufig auch auf dem kahlen Fels, oder im Felsschutt, wo er oft mächtige Horste bildet. Sein Hanptverbreitungsbezirk in den Schweizer- Höhcu- alpen liegt zwischen 1800 und 2800 m. An der Gotthardstraße ob Göschenen steigt er bis 1250 m tief Verbreitung, Der höchst notirte Standort ist 3000 m (Gornergrat). In den bayrischen Alpen bewohnt er die Höhen- zone von 1540—2490 w. Llima. Die beinahe ausschließliche Beschränkung unseres Grases auf die alpine Region zeigt, daß es Boden, eines Höhenklimas bedarf. Seine Kultur in dcr Ebene gelingt schwer. Seine stärkste Verbreitung hat der niedrige Schwingel im Kalk und kalkrcichen Schiefcrgebirge, ohne jedoch dem Urgebirge zu fehlen. So z. B. findet er sich im Gebiet der Chureralp auf Serpentin, an der Gotthardstraße ob Göschenen auf Gneis, am Osthang des Monte Tamaro (Gneis), ob dem Riffelhaus ob Zermatt (Gneis) häufig. In den bayrischen Alpen besiedelt er nach Sendtner Kalk, Dolomit, Mergel und Kalkhornstein (kalkhaltigen Schiefer) und verlangt kohlensauren Kalk in dcr Unterlage. Mohl dagegen bezeichnet ihn als bodenvag. Immer aber bewohnt er trockene, besonders steinige Orte. Bodcn- 1000 Theile Heu, kurz vor der Blüthe auf einem Beet des alpinen Versuchsfeldes auf dcr Fürstenalp erschöpsung. geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia 23,1°/oo 80,5°/oo 10,0°/oo 31,5°/oo 9,7°/oo 2,8V<,o Düngung. Bon Natur findet er sich nur an nngedüngten Stellen, während er auf gedüngten Plätzen andern bessern Pflanzen Platz macht, also den Dünger flieht. Wuchs. Wachsthum, Nutzung, Futterwerth. Der niedrige Schwingel bildet große, derbe Horste mit Hunderten von Trieben und bis 40 em langen Wurzeln. Die Triebe sind sämmtlich intravaginal, bündelweise in die TÄi. 4. X h» 'WU !. ^^//.-A'.K ^ //-/^/,z I^icj.o '',U ^jcj.4 nV-> /r/'M'/^.» ^ k'l<,.9 U'i l'iy 6 ^ ^ss^llL xurrillL O^Llx ^ N1sär1§si> ZllL'w'lQZsl ///„//>--/« f/,/, I-',(, IO >"> H 4iks ^VM ^ I'u,.»> I'i^s 12 IXjli '° i ^ L- v! ^ ?) 1 1>^ >L '4- I'j,, !l> » ^SS'd'U.QS. lUxiQLxilQL ÜLlllLSl 1. LclirStir rä. »st. äsl. 3snissnsc:Li^1ii§s1 1 ^clnäler pmx. ^s3t,iiQL x^lotisIlL 3cr1irs.Lsi LoLönsr SolniliAsI liitd. L. 8sim, 2 ür 1 cd 109 alten Scheiden eingeschachtelt, welche lang erhalten bleiben nnd als bleiche, knorpelige, glänzende Häute die Triebbündel umgeben.*) Jeder Trieb erzeugt 4—6 Blätter, deren unterste ganz kurze und bald verdorrende Spreiten besitzen; in einer gewissen Höhe findet sich also in dem dicht zusammengepackten Horst ein Gewirr sich kreuzender brauner Blätter, aus dem die verhältnißmäßig wenig zahlreichen, grünen, fadenförmigen Spreiten hervorragen. Die Halme erreichen eine Länge von höchstens 30 om, die sterilen Blatttriebe von 10—20 ein. Das Gras blüht Mitte Juli bis Mitte August, wird dann bald hart und weniger gerne abgeweidet. 100 Theile Heu, kurz vor der Blüthe auf dem alpinen Versuchsfeld der Samcnkontrolstation geschnitten enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 77,96°/» 14,45°/» 3,88°/» 22,76°/° 36,87°/». So lange es jung ist, ist es saftig und wird vom Weidevieh gerne gefressen. Wegen seines niedrigen Wuchses hat es als Weidcgras einen höhern Werth wie als Mähefutter. Samengewinmmg, Same, Kultur. Der Same ist in der alpinen Region Ende August bis Anfang September reif und wird dann mit den Halmen geschnitten, getrocknet und abgedroschen. Der „Same" (Scheinfrucht, bespelzte Caryopse Fig. 7) ist 4—5 nun lang; die Caryopse (entspelzter Same, echte Frucht; siehe nebenstehenden Holzschnitt) ist 2—3 nun lang, fällt leicht aus der Spelze heraus und hat auf der Bauchseite eine nach oben sich verflachende seichte Furche, aus welcher der lange Narbenfleck als vorragende Leiste heraustritt. Der auf der Weide gesammelte Same ist häufig taub, so z. B. keimte eine im September 1886 auf der Fürstenalp bei 2000 m ü. M. gesammelte Probe nur zu 1°/», eine andere ebenda entnommene nur zu 8°/». Wahrscheinlich reiht sich dieser Fall von Sterilität ähnlichen von Hackel konstatirten.Thatsachen an, welcher llo8tuoa spöotMlw im Garten 5 Jahre lang steril und llaMnos vgria gainiina (mit Mmtln nahe verwandt !) im Freien ebenfalls nur steril fand. 1000 Körner der 8-prozentigen Saat wogen 0,750 Gramm. Das Gras läßt sich leicht aus Samen vermehren, entwickelt sich jedoch sehr langsam und ist wegen seiner geringen Ergiebigkeit zur Kultur nicht zu empfehlen. Verwandte Arten. Der niedrige Schwingel hat große Aehnlichkcit mit dem bunten Schwingel (llosluos vari» Ilänlle); dieser hat jedoch größere, derbere stechende Blätter, nicht zugespitzte Spelzen und mehr Blüthen im Aehrchen. Er bewohnt vorzugsweise felsige Standorte des llrgebirges von der Ebene bis zur alpinen Region. In Bezug auf die weiteren Unterscheidungsmerkmale dieser und der übrigen Arten wird auf die Uebersicht Seite 100 verwiesen. Es möge hier nur hervorgehoben werden, daß von allen den feinblättrigen Alpcnschwingeln aus der Schasschwingelgruppe unser Gras sich leicht durch das lange spitze Blatthäutchen unterscheidet. -i b'estnea pumila, Lire. Caryopse von der Bauchseite (H.) und im Durchschnitt (ö, 0) L — Lituiu. Grlil'cinung der: Gcrfek 4 H.. Fig. F. Ganze Pflanze mit 2 blühenden Rispen. „ 1. Noch geschlossenes Aehrchen (vor der Blüthe). „ 2. Aehrchen in Blüthe. „ 3. Deckspclzc vorn drücken. „ 4. Spelzenpaar von der Vorspelze aus. „ 5. Schüppchen und Stempel. „ 6. Ein Schüppchen. Fig. 7. Scheinfrucht (bespelzte Caryopse, „Same" des Handels) von der Vorspelze aus. „ 8. Basis zweier Rispenäste mit Gelcnlpolster. „ 9. Blatthäutchen eines Halmblatts. „ 10. Blatthäutchen eines Laubtriebes. „ 11. Querschnitt durch eine Laubtrieb-Spreite. *) Wenn auch demnach der Wuchs ausgesprochen horstbildcud ist, so finden sich doch nicht selten sogenannte „salschc Kricchtriebe" („Innovation»» pseuäo-rexsntes« nach Hackel). Das sind intravaginale Triebe, welche mit verlängerten Gliedern senkrecht nach oben streben, um aus dem zu dicht gepackten, oder mit Erde überschütteten Horst an Lust und Licht zu gelangen. Entwicklung. Fntterwerth. Nutzung. Samengewinnung. Same. Kultur. Verwandte Arten. 110 Benennung. Alpwirthschaft- licher Werth. Botanische Beschreibung. 9. Der Gemsenschwingel. leinen Unestöl 2s. (Tasel 4. Fig. L.) Alle die kleinen Alpenschwingel der Schweizerflora, welche zur Ovina-Gruppe (Schafschwingelgruppe) gehören, geschlossene Blattscheidcn und 2—3 nun lange Staubbeutel besitzen, faßte man früher unter dem Namen b'ootuokt Ilalwri ritt. zusammen. Hackel zeigte aber in seiner Monographie der europäischen I?68tnvo6, daß sich unter denselben deutlich zwei Sippen unterscheiden lassen: eine mit fünf Gefäßbündeln und 3 schwach ausgebildeten Bastbündeln in der Blattspreite (eines in der Mitte und zwei an den Rändern), meist bereiften Aehrchen und kurzen Grannen (kürzer als die halbe Spelze), und eine zweite Sippe mit sieben Gefäßbündeln, drei stark ausgebildeten Bastbündeln, unbereiften, oft bräunlichen Aehrchen und länger» Grannen (länger als die halbe Spelze). Die erstem Formen brachte er zu seiner neu aufgestellten Sippe des „G e msen- s ch w i n g e l s ", den er auf dem Kalk der Ostalpen (Oesterreich, Bayern) verbreitet fand, für die andern ließ er den alten Namen „Halters Schwingel" bestehen. Den Gemsenschwingel vereinigte er als Abart mit zwei spanischen Formen zu einer Unterart (lrigicis) des Schafschwingels, den Haller'schen mit vier andern (der östlichen und nördlichen Alpen) zu einer andern Unterart (Imvis). Durch diese Anordnung, d. h. durch die Benennung des Gemsenschwingels und Haller'schen Schwingels als Abarten verschiedener Unterarten drückt Hackel die Thatsache aus, daß Formen existiren, welche die Merkmale beider verbinden (Zwischenformen). Soweit wir bis jetzt die Sache verfolgen konnten, stimmen unsere Erfahrungen mit denen Hackels überein und lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: auf Kalk und kalkreichem Schiefer findet sich vorwiegend der Gemsenschwingel, auf Urgebirge und kalkarmem Schiefer dagegen Halters Schwingel. Zwischenformen sind nicht selten; sie zeigen verschiedenartige Verbindungen der vier trennenden Merkmale (Bereiftheit oder Unbereifthcit der Aehrchen, kurze oder lange Grannen, fünf- oder siebennervige Blätter, starke oder schwache Bastbündel). Obenstehende Figuren geben eine Zusammenstellung von 5 Blattquerschnitten der beiden Sippen, welche den Wechsel in der Nervenzahl zeigen (bei konstantem Verhalten der Bastbündel); daneben ließen sich andere Querschnitte stellen, welche bei konstanter Nervenzahl Variabilität in der Ausbildung der Bastbündel zeigen. Doch diese „Zwischenformen" dürfen uns nicht abhalten, die stark verschiedenen Endglieder auseinander- zuhalten, um so weniger, als dieselben in ihren Bodenansprüchen und ihrer geographischen Verbreitung deutlich verschieden sind. Alpwirthschaftlich freilich sind sie vollkommen gleichwerthig. Der Gemsenschwingel und Haller'sche Schwingel gehören zn den werthvollsten oft dominirenden Bestandtheilen der höheren Alpenweidcn, weniger als Mähcgras, denn als begierig aufgesuchtes Weide- fntter. Durch das oft massenhafte Auftreten ersetzen sie, was dem feinblättrigen, niedrigen Horste an Menge abgeht. Botanische Beschreibung. Der Halm ist zwei- bis drciknotig, meist knieförmig aufsteigend, 10—20 ein hoch. Die Blattscheiden der Laubtriebe sind beinahe bis oben geschlossen; das Blatthäutchen an den sterilen Trieben schwach geöhrt (Fig. 11), an den Halmblättern deutlicher (Fig. 10); die Blattspreiten Blattqnerschnitte von t^ostnes, rupioaprina, (a —e) und l?. Halter! (d. und s). a. Bon einem typischen wildwachsenden Exemplar von der Fiirstcnalp (Biindnerschiefer). d. Von einem sehr üppigen wildwachsenden Exemplar von ebenda. e. Bon einem auf settem Boden knltivirten Exemplar. cl. Von einem 17 am hohen Exemplar von der Spitze der Piz Cotschcn leg. t)r. Killias. e. Von einem 6 om hohen Exemplar von Bat Tisch ob Bergnn leg. l>r. Killias. 111 haben eine gefaltete Knospenlage und sind auch im entwickelten Zustand alle b o r st l i ch z u s a m m e n g e f a l t e t (Fig. 12), selten hohlkchlig offen. Sie sind meist fünfnervig und mit drei schwachen Bastbiindeln versehen (einer am Mittelnerch zwei an den Rändern, Fig. 12); besonders kräftige Exemplare besitzen in ihren hohlkehlig offenen, bis 1 mm breiten Spreiten sechs Nerven, indem die eine Blatthälfte zwei, die andere drei Seitcnnerven führt; an kultivirtcn Exemplaren auf dem fetten Boden des alpinen Versuchsfeldes der Fürstcnalp wurden die Spreiten siebennervig (siehe die Figur o auf Seite 110). Der Blüthcnstand ist eine bis 3 ein lange, arm- blüthige, rauhästige Rispe, entweder einfach traubig, oder mit einem zwei bis drei Aehrchen tragenden untersten Seitenast; an üppigen, kultivirten Exemplaren treten Rispen mit 3—4 zwei bis drei Aehrchen tragenden Aesten aus; vor und nach der Blüthe zusammengezogen, während derselben ausgebreitet. Die Aehrchen (Fig. 2) sind drei- bis fünfblüthig, roth-violett bis schwärzlich überlaufen, meist (aber nicht immer!) bereift (bei einer Abart hellgelb gefärbt). Die Deckspelze (Fig. 3) ist auf dem Rücken im obern Theil scharf gekielt, die Granne höchstens halb so lang als die Spelze. Die Schüppchen sind zweispitzig und am Grunde zusammenhängend. Die Staubbeutel sind 2—2,5 nun lang, die Staubfäden 3—3,5 nun lang. Der Fruchtknoten ist kahl, mit abgesetzter Basis. Beim Blühen (Fig. 1) schieben sich die Staubbeutel zwischen den Spelzen heraus und werden sofort hängend, noch bevor die Starben sich ausgebreitet haben, so daß der Pollen nicht auf die Narbe der eigenen Blüthe gelangt; nach dem Umkippen wachsen die Staubfäden noch beträchtlich. Abarten. Wie bei vielen andern Gräsern, findet sich hier sporadisch eine Variante mit gelbgefärbten Aehrchen (vor. smuta). Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Gemsenschwingel zeigt nach Hackel ein sehr eng begrenztes Vorkommen: Auf Weiden der alpinen Region des nördlichen Zuges der Ost- und Centralalpen auf Kalkgestein, auf den Kalkalpen von Nieder- und Oberösterreich, Ober-Steicrmark, Salzburg, Bayern, Nordtirol und der Schweiz. Viel weiter verbreitet ist Hallers Schwingel: Westalpen, Picmont, Savoyen, Schweiz, Südtirol, Italien, Corsika, Sardinien, südliches Serbien und Himalaya. Hallers Schwingel scheint demnach eine mehr südliche und kieselliebende, der Gemsenschwingel eine mehr nördliche und kalkliebende Abänderung derselben Stammform zu sein. In den Alpen ist der Gemsenschwingel ein häufiges Gras und findet sich sowohl in der Weide, als auf den Magermatten, jedoch vorzugsweise an frischen Stellen. Auf einer Schafweide am Teufelskopf bei 2400 w dominirte er im Rasen unter den Gräsern, wie er überhaupt auf den hohen Alpenweiden auf entsprechendem Boden eines der häufigsten Gräser ist. Seinen Hanptverbreitungsbezirk hat er in den Schweizer Alpen in einer Höhe von 1800 bis 2800 m. Der tiefstnotirte Standort ist die Bettenalp an der Schrattenfluh (1400—1500 in) und das Aelgäuli am Brienzergrat (ca. 1500 m), der höchste der Gornergrat (3038 in). Der Gemsenschwingel verlangt zu seinem Gedeihen ein Alpenklima; im Ticflande knltivirt, geht er sehr bald ein. Wie erwähnt, findet er sich von Natur hauptsächlich auf Kalk und kalkhaltigem Schiefer-gestein, ohne jedoch dem Urgebirgc zu fehlen und sucht vorzugsweise frische, wenn auch steinige Lagen aus, während er auf ausgesprochen trockenem Boden nicht gedeiht. 1000 Theile Heu vom alpinen Versuchsfeld enthielten vor der Blüthe geschnitten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. von Beet 179 24,3 108,3 9,8 26,3 9,71 1,54 Theile (gesät) von Beet 205 19,8 65,0 8,66 — 2,21 1,04 „ (gepflanzte Stöcke) Im Bezug auf Düngung macht das Gras sehr geringe Anforderungen; iu hohen: druck) starke Düngung hervorgerufenem Grase findet es sich selten, weil dieses die niedrigen Pflanzen verdrängt. Dagegen findet es sich auf Wässerwiescn, wenn das Wasser guten Abfluß hat und die Wiese sonnig gelegen ist. So z. B. fanden wir es häufig aus einer Wässermatte am Südhang des Tenfelkopfes in einer Meereshöhe von 1900 w. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Der Gemsenschwingel bildet, wenn er einzeln steht, große, im Rasen aber kleinere etwas ausgebreitete Horste, bestehend aus zahlreichen etwa 5—10 ein hohen sterilen Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- verbreitnng. Klima. Boden. Futterwerth. Düngung. Wuchs. 112 Blatttrieben und einzelnen etwa 10—20 ein hohen Hälmchcn, welche an der Spitze die niedliche, sparrige, oft ährcnförmig zusammengezogene Rispe tragen. Die Triebe sind sämmtlich umscheidet (intravaginal), in den lang erhalten bleibenden und spät in Fasern sich auflösenden braungefärbten alten Scheiden bündelweise eingeschachtelt; verlängerte aufsteigende Wurzelstock-Gliedcr ;pseudorcpente Triebe, falsche Kriechtriebe) finden sich ziemlich häufig. Entwicklung. Für Halters Schwingel gilt dasselbe. — Im alpinen Versuchsfeld der Samenkoutrolstation (1782m ü. M.) Fntterwerth. blüht er Ende Juli. Aber schon Ende Juni treibt er an sonnigen Stellen Halme. 100 Theile Heu von zwei verschiedenen Beeten, nach der Blüthe geschnitten, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. o/° °/o °/o °/o »/» Beet 179, 21. August 1886 75,17 15,23 4,98 25,16 29,80 Beet 205, 27. Juli 1887 83,75 12,41 2,73 31,81 36,80 Der Protein- und Fettgehalt ist also trotz des vorgeschrittenen Entwicklungsstadiums ziemlich hoch. Der höhere Gehalt beim ersten Versuch erklärt sich dadurch, daß die Pflanzen erst zwei Jahre alt waren und deßhalb trotz dem spätern Schnitt noch ein jugendlicheres Entwicklungsstadinm besaßen. Nutzung. Wegen des niedrigen Wuchses ist der Genrsenschwingel eher ein Weide- als ein Mähegras; erwirb vom Wcidcvieh gerne abgeweidet, weil die Blätter nicht nnr nährstoffreich, sondern auch zart und saftig sind. Samen- Samengewinnung, Same, Kultur. Die Sauren reifen Mitte August bis Mitte September. Die gewinnnng. an den natürlichen Standorten des Grases gesammelten sind vielfach taub und keimen deßhalb schlecht. Der Same. Same (Scheinfrucht, bespelzte Caryopse) (Fig. 8) läßt sich durch die kurzen Grannen leicht von dem des Haller'schen Schwingels unterscheiden; die Caryopse (Fig. 9 a und 6) hat auf der Bauchseite eine seichte Furche, deren Mitte von einem beinahe die ganze Länge der Frucht einnehmenden, linienförmigen Nabelfleck durchzogen wird. 1000 Körner wiegen 0,5 bis 0,55 Gramm. Die Keimfähigkeit von an den natürlichen Standorten gesammelten Samen betrug 58 und 79°/o, von im alpinen Versuchsfeld gesammelten Samen 95"/o. Auf den Alpen läßt sich das Gras leicht aus Samen kultiviren. Alan säet diese im Borsommer aus und wird dann im nächsten Jahr schon eine Nutzung erzielen; aber erst im dritten Jahre erreicht es seine volle Ertragsfähigkeit. Die Kultur zu Futter empfiehlt sich um in Mischung mit andern Gräsern. Ueber die Entwicklung des Grases beim Anbau geben folgende Daten Auskunft. Am 26. Juni 1885 auf einem Beete des alpinen Versuchsfeldes gesäet, keimten die Samen sehr schön, am 5. Juni 1886 war der Rasen 2—3 am hoch, aber noch nicht geschlossen, am 12. Juli 6—9 em, am 12. August 8—10 cm und Mitte September war der Rasen ziemlich geschloffen, aber erst im dritten Jahre bildeten sich Halme. Am 23. Juni 1887 war der Stand bürstendicht, der Rasen 10 om hoch; am 27. Juni traten die Pflanzen in Rispen; am 25. Juli blühten sie; die höchsten Halme erreichten eine Länge von 54 em; am 17. August waren die Samen reif. Verwandte Arten. Die Unterscheidungsmerkmale von den verwandten Schwingelarten sind in der Uebersicht Seite 99 und 100 angegeben. Kultur. Verwandte Arteu. Erklärung der Wcrfel 4 L. Fig. U. Ganze Pflanze mit einer noch zusammengezogenen und einer blühenden, ausgebreiteten Rispe. „ 1. Blühendes Aehrchen. „ 2. Aehrchen nach der Blüthe. „ 3. Deckspelze vom Rücken. „ 4. Spelzcnpaar von vorne. „ 5. Vorspelzc, Schüppchen und Stempel. Fig. 6. Stempel. „ 7. Schüppchen. „ 8. Scheinfrucht von der Vorspelze aus. „ 9. Caryopse: n) vom Rücken; b) von der Bauchseite aus. „ 10. Blatthäutchen des Halmblatts. „ 11. Spreitenbasis eines Laubtriebblattes. „ 12. Querschnitt einer Laubtriebsprcitc. 113 10. Der schöne Schwingel. st68tu6N Mlelmlln. 8LlNÄcl61'. A (b'öslnea Soüsnvlnrari Osnck.) (Tafel 4, Figur 6.) Der schöne oder Schenchzer'schc Schwingel ist ein stattliches, ergiebiges nnd saftiges Gras der frischen Alpwirthschaft- nnd fcnchten Grasgchänge, insbesondere der Magermatten und Wildheuplanken auf Kalk oder kalkreichem Schiefer der Alpen und des Jura. Botanische Beschreibung. Der Halm ist 20—5» ein hoch, mit 3—4 rothgcfärbten Knoten oer- Botanische sehen, an der Basis meist niederliegend und knieförmig aufsteigend, glatt und kahl. — Die Blattscheide u Beschreibung, der Laubtriebe sind meist ganz geschlossen und bleiben lang erhalten: die untersten 2—3 sind vollkommen spreitenlose Scheiden, dann tritt ein kleines dreieckiges Spitzchen als Spreite auf, fest gebaut, steif nnd stechend nnd lang erhalten bleibend; dann folgen längere Spreiten (Fig. g ckwliolwplixlla, als mit den verwandten Schtoingelartcn; es hat mit ersterem den kriechenden Wuchs gemein; dasselbe läßt sich aber durch die dicht zweizeilig gestellten Blätter der Ausläufer unterscheiden. Mit dem kriechenden Rothschwingel ist es die einzige der schweizerischen Schwiugelarten, welche kriecht; es unterscheidet sich von diesem sofort durch die uubegrannten Früchte. In Bezug auf die übrigen Unterscheidungsmerkmale gibt die Uebersicht am Kopf der Beschreibung Nr. 6 Seite 99 Auskunft. (Lnlrl'civung der Tatet' 4 6. Fig. 0. Ganze Pflanze mit einer noch geschlossenen Fig. 7. Schüppchen ^erwachsen). nickenden und einer blühenden Rispe. 1. Noch geschlossenes Aehrchen. 2. Aehrchen in Blüthe. Deckspelze vom Rücken (gekielt!). 4. Spelzenpaar von der Vorspelze aus. 5. Borspelze mit Schüppchen und Stempel. 6. Stempel. 8. Scheinfrucht (bespelzte Caryopse) von der Borspelze aus'. 9. Blatthäutchen eines Halmblattes. 10. Blatthäutchen eines Laubtriebblattes. 11. Querschnitt durch die Spreite eines Laubtriebblattes. 12. Querschnitt durch die Spreite eines Halmblattcs. 11. Das Alpen-NisPengras. ?ON tÜMIN Inuilv. A (Tafel 5). Das Alpen- oder Gebirgsrispengras wird von den Aelplern auch als „Ronicyen" bezeichnet. Weil es sich Benennung, hauptsächlich auf den gedüngten Stellen der Alp (dem „Gfähl" oder Staffel) findet, so heißt es auch „Gfähl- schmäle" (Entlebnch) oder „Stoffel" (Werdcnberg). Ferner wird es „Wildgras", „Hälmgras", „Zwiebelgras", „Heuschmäle", „Fälsch" und unrichtigerweise auch „Adelgras" genannt. Das Alpemispengras gehört zn den geschütztesten Futterpflanzen der gedüngten Alpmatten und AlpwiMchafl Weiden und wird von allen Aelplern ohne Ausnahme neben die Muttern und den Alpenwegerich gestellt. Besonders als Mähegras ist dasselbe sehr werthvoll. Botanische Beschreibung. Der wenig-blättrige glatte Halm wird 20—45 em hoch. Die Blatt- Botanische scheiden sind weit herauf geschlossen und bleiben lang erhalten, die Triebe einhüllend. Die kurzen und Beschreibung, breiten Spreiten haben 4—5 Hauptnervcn (Fig. 20). Das Blatthäutchen der untern Blätter ist ein schmaler Hautrand, dasjenige der oberen Blätter lanzett und spitz. Der Blüthenstand ist eine zur Blüthezeit weit ausgebreitete Rispe. Die Aehrchen verhalten sich verschieden. Bei der fruchtenden Abart (van. I'rnolilvra Mg. 4) sind sie 4—6-, selten 8-blüthig, die Klappen zart, schwach, 3-nervig und auf dem Kiel wenig rauh (Fig. 1). Die Deckspelzen sind fünfnervig, auf dem Rücken und den beiden Randnervcn in der untern Hälfte von langen weichen Haaren bärtig (Fig. 2). Dieselben sind aber nicht spinnwebartig verflochten, wie die «bum oonstmolna» anderer ?<>a-Artcn, sondern steif ausgespreizt, dienen also nicht wie jene zur Anheftnng an vorbeistreifendc Thiere, sondern als Windfang, als Vergrößerung der Oberfläche; sie tragen also znr Verbreitung der Früchte 116 durch den Wind bei. Bei der auf den Alpen häufigen „lebendig gebärenden" (viviparirenden) Abart (Fig. ll, Fig. 7—18) wachsen die Aehrchen in junge Pflänzchcn aus, d. h. die Aehrchenachse wird direkt zum Stengel eines jungen Pfläuzchens, indem die Blätter derselben, statt zu Spelzen zu werden, wenigstens theilwcise als Laubblätter sich ausbilden. Später löst sich diese Brutknospe („Bulbille") ab, schlägt Wurzeln und liefert eine neue Pflanze. In einer und derselben Rispe sind meist alle Aehrchen in größerem oder geringerem Maaße »erlaubt und so lassen sich alle Uebergänge oon der normal ausgebildeten Spelze bis zum fertigen Laubblatt nachweisen. Die Klappen sind stets unverändert, ebenso die unterste Spelze, die eine normal fruchtbare Blüthe in ihrer Achse trägt (Fig. 7—9). Die zweite Spelze zeigt allermeist schon die Spuren beginnender Vcrlaubnng, sie wird abnorm lang, ihre Spitze krümmt sich einwärts, ihre Längsncrvcn vermehren sich, zwischen denselben treten Querverbindungen auf, die Haare schwinden, endlich stellt sich die Trennung von Scheide und Spreite und die Bildung des Blatthäntchens ein und das Laubblatt ist fertig (Fig. 10—14, siehe auch die Tafel- erklärung). Die zweite, auf diese Weise mehr oder weniger veränderte, Spelze trägt stets noch eine Borspelze und Blüthe in ihrer Achse, seltener auch die dritte, meist schon zum vollständigen Laubblatt gewordene; hier findet sich dagegen hin und wieder eine Lanbknospc in der Achse. Die Brutknospe löst sich meist leicht zwischen dem zweiten und dritten Blatt ab, d. h. unter ihrem ersten Laubblatt, und trägt im Ganzen meist 2—3 Laubblättchcu; an der Basis derselben brechen schon sehr früh die Würzelchen heraus (Fig. 11). Abarten. Abarten. Es werden von diesem Gras fünf Varietäten unterschieden: 1. ?«a alpina vor. vivipara, das lebendiggebärende oder knospende Alpcnrispen- gras; hier wachsen die Aehrchen in Knospen aus. Diese Abart ist die verbreitetste auf den Schweizeralpen. 2. l'oa algiim vor. lrmllilara, das s a m e u tr a g e n d e oder fruchtende A l p en r i sp e n g r as, mit normalen fruchttragenden Aehrchen. Bei der Aussaat zeigen sich diese beiden Formen konstant; säet man die Bulbillen (Knospen) aus, so erhält man nur lebendiggebärende Pflanzen; aus den Früchten dagegen gehen nur fruchttragende Pflanzen hervor, wie wir auf unserem alpinen Versuchsfeld konstatiren konnten. Es ist also das Auswachsen der Aehrchen in Knospen nicht auf die Einwirkung des Standortes zurückzuführen und etwa der reichlichen Ernährung oder der größeren Feuchtigkeit zuzuschreiben, sondern es ist eine der Pflanze innewohnende Eigenschaft, die sich auf die Nachkommen vererbt. Mau ist also vollkommen berechtigt, obige beide Formen als „Abarten" (Varietäten) zu bezeichnen. 3. llori astniw oultiua Iluill. (bmlmmm Ulla., von Baden bei Wien so benannt), das hügel- bewohnende A lp e n ri sp eng r a s, mit niedrigen steifen Halmen; fester, gedrungener Rasen mit knorpeligen alten Scheiden und kurzen, breiten, am Rande von einem weißen, knorpeligen Saum umgebenen Blättern; die verbindenden Zotten am Grund der Deckspelze stärker entwickelt als bei den Alpenfaunen, so daß die Spelzen aneinander hängen bleiben.*) Die Form scheint in der Schweiz zu fehlen. 1. al>nna rar. Imaviloim (land. k u r z b l ä t t r i g e s A lp c n r i sp e n g r as. Niedrig, mit kurzer Rispe und kurzen Blättern, die aber weniger breit und hart sind als bei der vorigen Varietät, auch mit weniger starkem Knorpelrand; ferner sind die Haare am Grunde der Deckspelze nicht zusammenhängend, so daß dieselben beim Herausziehen nicht aneinander hängen, wie das bei der vorigen Varietät der Fall ist. Diese Abart ist auf den Schweizeralpen verbreitet (Fürstcnalp, Alveneu, Zermatt, Fex-Thal), t>ng ghimx» krissicia Oaull. k a l t w o h n c n d e s A lp e n r i s p c n g r a s, so wird von Gandin eine niedrige hochalpine Form mit stark beblätterten Halmen und wenigblüthigen Aehrchen benannt. Von der Varietät 1 und 4 finden sich auch Formen mit goldgelben Aehrchen, bei lriZicta mit grünlichen. Geographische Vorkommen, Boden, Klima, Düngung. Das Alpcnrispengras ist im arktischen Gebiet rings um Verbreitung. Pol verbreitet (circumpolar) und bewohnt die alpine Region der meisten Gebirge der gemäßigten Zone der *) Au Exemplaren vom Originalstaudort koustatirt. (Baden b. Wien, leg. Redtcubacher). 117 nördlichen Erdhälfte (Sierra Nevada, Pyrenäen, Jura, Vogescn, Schwarzwald, Alpe», Sudeten, Karpathen, Appeninc», Ural, Kaukasus, Altai, Himalaya, Felsengebirge*). Es findet sich in der alpinen und subalpinen Region besonders häufig auf Fettmattcn, an Geilstellen, auf dem Lager, aber auch auf Magermatteu, Weiden und Wildheuplanken. Nach Heer ist es im Kanton Glarus in den Alpen an allen gedüngten Stellen das gemeinste Gras. So bildete es auf dem Lager der Obersandalp (1939 in) nach unserer Ermittlung 26,59 °/v des Rasens, an einer fetten Stelle am Hochwang (2500 in) 27,19 °/», auf dem Straffli, einer Fettmatte bei Cresta im Avers (1930 in) 15,67°/» u. s. f. Auf einer Mastwiese beim Julierberghaus erreichten die Halme eine Länge von 51 Centimeter. Sehr häufig findet es sich aus Gräten, wo das Lieh häufig hinkommt. So z. B. stehen die Halme am Tcufelskopf (2400 in) in solcher Menge, daß man einen ganzen Wald davon sieht, wenn man horizontal über die Weide schaut. Der Gipfel des Hochwang (2453 in), der als Schaflager benutzt wird, ist von einem dichten, Pelzigen Rasen dieses Grases überzogen. Sein Hauptverbreitungsgebiet hat es zwischen 1400—2500 in., steigt aber mit den Schafen bis zu den letzten Rascnfleckcn der Schneeregion ,2900 in am Pizzo centrale) und von da auf die höchsten Felsgräte und Gipfel (Gipfel des Pizzo centrale 3003 in, am Weißthor sogar bis 3617 m). Längs der Alpcnflüssc, Bäche und Rinnsale geht es bis weit in die Ebene hinab. (Weinfelden an der Thür 430 in, Netstall auf Maucrköpfen 443 m, Wimmis 690 in, Tößthal in der Wolfsschlucht.) In den bayerischen Alpen findet es sich zwischen 1200 — 2230 in. Diese weite Verbreitung läßt entnehmen, daß das Gras unter sehr verschiedenen klimatischen Bedingungen gedeiht, und in der That lehren unsere Versuche, daß insbesondere die samentragcude Abart nicht nur auf den Alpen, sondern auch im Tieflande gut fortkommt, während die knospen- tragende etwas empfindlicher ist. Es findet sich aus den verschiedenartigsten Bodenarten, aus Kalk sowohl als auf Urgestein. Am besten kommt es fort auf frischen humusreichen Bodenarten. 1000 Theile Heu, von der knospentragendcn Larietät im hiesigen Versnchsfelde gcerntet, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 16,9°/»» 123,7°/°» 14,1°/oo 36,0»/»« 8,1°/«» 4,8°/»» Die Pflanze ist außerordentlich empfänglich für Düngung, was aus dem massigen Vorkommen auf gedüngten Wiesen hervorgeht. Auf nngcdüngten Stellen findet es sich immer mir zerstreut, während es auf gedüngten zusammenhängenden Rasen bildet. Wachsthum, Futtertverth, Nutzung. Das A l p e n r i s pen gr as bildet große, feste Horste. Die Seiteutriebe sind sämmtlich umscheidet (intravaginal) und bleiben in der lang sich haltenden Mntterscheide fest eingeschachtelt, so daß die Halmbasis ein zwicbelförmiges Aussehen erhält;**) aber weder der Halm selbst, noch die einzelnen Scheiden sind an der Basis angeschwollen; die Verdickung ist ausschließlich der großen Zahl der erhalten bleibenden Scheiden zuzuschreiben. Verlängerte Rhizomglieder fehlen, die einzelnen Triebbündel stehen horizontal nebeneinander und bilden einen ebenen, dichten Horst. Es ist eines der frühesten Gräser der Alpen. Im alpinen Versuchsfeld auf der Fürstenalp (1782 m) tritt es schon Ende Juni in Rispen und blüht Mitte Juli. 100 Theile Heu von der knospentragendcn Abart, im hiesigen Versuchsfeld geerntet, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffc, 73,1°/° 10,6°/» 3,0°/» 22,6°/» 36,9°/» Ein Bett von 2fi^m Fläche lieferte auf dem alpinen Versuchsfeld 6-7lr Gras. Als Mähegras ist es besser geeignet, als zur Weide. Das Weidevieh läßt die Halme, wie bei allen übrigen Gräsern, gerne stehen und weidet nur die saftigeren Blätter ab. Smneilgewillimng, Same, Kultur. Der Same ist auf der Alp Anfangs August reif. Die Pflanzen werden dann mit der Sense geschnitten, getrocknet und die Samen abgedroschen. Da das Gras sehr viel Samen ansetzt, so ist die Ausbeute reichlich. *) Die Angabe von Schatz m a n n (alpwirthschaftliche Monatsblätter 1878, Seite 136), daß es im Jura sehte, ist nicht zutreffend, denn es findet sich auf den meisten höheren Jnrabergen. **) Wenn die Pflanze im beweglichen Schutt wächst, wo sie immer wieder sich Hervorarbeiten muß, so strecken sich die Triebe derart, daß der zwiebelförmig angeschwollene Charakter der Halmbasis verloren geht. Standorte. Höhen- verbreitnug. Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fntterwerth. Nutzung. Samen- gewinnung. 118 Same. Kultur. Alpwirthschaft- licher Werth. Der „Same" (eigentlich Scheinfrucht, bcspclztc Caryopsei ist 3 nun bis 3,5 mm lang (Fig. 4). Die Deck- spelze ist auf dem Rücken mit den früher beschriebenen weißlich schimmernden Haaren besetzt, das Stielchen ist schräg abgestutzt (Fig. 5). Die Caryopse ist dreikantig, auf der Bauchfläche etwas vertieft (Fig. 6). 1000 Körner wiegen 0,415 Gramm, 1 Kilo reiner Samen enthält somit 2,410,000 Körner. Die Keimfähigkeit von gut geernteten Samen beträgt 90 und mehr Prozent. Der Same keimt rasch und die Pflanze läßt sich leicht aus demselben heranznchten. Wenn man ihn in: Borsommer sät, so treiben die daraus hervorgegangenen Pflanzen im folgenden Jahre schon Rispen und licsern einen vollen Ertrag. Die knospentragende Varietät läßt sich durch die Knospen vermehren. Zu diesem Behufe sammelt man im Juli oder Anfangs August die Knospen und sät sie aus gut zubereitetes Erdreich aus. Sie bewurzeln sich bald nud entwickeln sich im folgenden Jahre zu vollkommenen Pflanzen. In der freien Natur entwickeln sich die Knospen am Halme im August so stark, daß der Halm die Nist nicht zu tragen vermag, sondern auf die Erde niedergebogen wird. Sobald die Knospen die Erde berühren, schlagen sie Wurzeln und um die Mutterpflanze entsteht ein förmlicher Ring eines neuen Rasens. Die große Verbreitung des Alpenrispengrascs beruht zweifellos zum Theil daraus, daß es, neben der Vermehrung durch Sauren, diese von den Unbilden des Alpcnklimas viel weniger bedrohte Reproduktion durch Knospen besitzt. In der That findet man auch bei Untersuchung der Grasnarbe alpiner Weide sehr häufig die festgewurzelten Brutknospen dieses Grases viel häufiger als aus Samen hervorgegangenc Keimpflanzen. KnlU'änrnrg der: WcrteL. Fig. F. Ganze Pflanze der fruchtenden Abart (var. trnetiwrg) in der Blüthe. „ U. Rispe der lebendig gebärenden Abart (rar. vrvipsrs). „ 1. Aehrchen der fruchtenden Abart. „ 2. Spelzenpaar. „ 3. Vorspelze. „ 4. Scheinfrucht von der Seite. „ 5. Scheinfrucht von der Bauchseite (Vorspelze) aus. „ 6. Caryopse. „ 7. Lebendiggebärendes Aehrchen. „ 8. Unterer Theil desselben nach Entfernung der Klappe» und der untersten Dcckspelze. Fig. 9. Erstes Laubblatt der Brntknospe desselben Aehrchens, in seiner Achse eine Vorspelze. „ 10-14. Aufeinanderfolgende Ueberqanqsstadien zwischen Deckspelze und Lanbblatt. „ 15. Vorspelze und Blüthe aus der Achse der ver- lanbten Deckspelze von Fig. 14. „ 16-17. Verlanbte Aehrchen in natürlicher Größe. „ 18. Aehrchen mit beginnender Verlaubung. „ 19. Querschnitt durch einen Lanbtrieb. „ 20. Querschnitt durch eine Lanbspreite. „ 21. Blatthäutchen eines Halmblattes. 12. Die rostfarbige Segge. Oni'sx 1 ' 61 'i'nßinen 8aoi»oU. P stÄi'ax 8oopoli Urnnl. 0. »wlielilmwri 8ol>kuln'). (Tafel 6, Fig. ^). Die Seggen (Oarsx-Arteu) wurden bisher in der alpwirthschaftlichen Litteratur ziemlich allgemein zu den schlechten Futterpflanzen oder Unkräutern gerechnet; es giebt aber in dieser Gattung Arten, die als Futterpflanzen eine hervorragende Rolle spielen. Hiehcr gehört auch die rost- oder eisensarbige Segge, die auf ausgedehnten Strecken der Alpen das vorwiegende Gras bildet und sowohl als Mähefnttcr wie zur Weide sehr geschätzt ist. .^>/r «.i' !>'' XXxv^ L ,r/rF s/ni^sre "" -,r,.«5 ^6e^v<'/2L.'. 6 9.1.) L. / ctrr ^5- A ?.^^-5^/26 »rtt //i l,N?§/V>§6 6 9.17 fl(, 9 E°1 69.I6.X1 69 7 69.8XI 69.19.^1 69.10.^ 69.11 s b 69.i2.X1 O^r/tSL-/rE^ 69,20. "/1 Oes^.w^ 6 9 1.X >' ^ I-. 8cIüötN sS. mt. kOL Ll^lQL, 1^. L1x>snrisxsii§rLS („Loras^s") k"1§. L. var. Lr^Li-Usrs.; ^1Z. L. vs.i>. vlvlxars. pjg.4-."/, Nc>. 5.-/i ?ig. 6.'"/» I^itd. L. Lswi, 2ürioü. M- W U? M 2-M MM 11 « Botanische Beschreibung. Die Seggen (die Gattung ll-arsv bildend) gehören zu der Familie der Schein- oder Sauergräser (Oxparacasn). Diese Familie unterscheidet sich von den echten oder Süßgräsern (Kraminasn) durch folgende Merkmale: (Schein- oder Sauergräser): Halm meist ausgefüllt, meist knotenlos und dreikantig. Blätter meist in drei Längsreihen am Halm. Blattscheiden stets geschlossen. Frucht stets eine Nuß, d. h. eine einsamige Schließ- frucht mit lose in derFruchtschale liegendem Samen. vom Mchlkörper des Samens nm- lliminiiitzvn (echte Gräser, Süßgräser): Halm meist hohl und drehrnnd mit soliden Knoten. Blätter meist in zwei Längsreihen am Stengel stehend. Blattscheiden meist (nicht immer) offen. Frucht meist eine „Caryopse", d. h. eine einsamige Schließfrncht mit fest verwachsener Frucht- und Samenschale. Keimling dem Mehlkörper des Samens außen an- Keimling liegend, nur von der Samenschale umschlossen. schloffen. Die Gattung Oarax bildet innerhalb der Familie der Scheingrüser mit einigen verwandten Gattungen die Gruppe der Seggcnähnlichen (lÄriesan), welche sich durch folgende Merkmale von den anderen unterscheiden: Die Blüthen sind eingeschlechtig, die männlichen bestehen aus drei Staubgefäßen, die weiblichen aus einem Stempel. Das Deckblatt der weiblichen Blüthe umgibt als eine mehr oder weniger geschlossene Hülle („Schlauch" oder «Utriculim») den Stempel. Innerhalb dieser Gruppe ist die Gattung der Seggen wiederum dadurch charakterisirt, daß der Schlauch bis zur Spitze verwachsen ist und daß die Tragachse desselben nicht aus ihm hervorragt. Die Arten der Gattung Oorvx gruppiren sich in drei Reihen; die einen, die E i n ä h ri g en (MiwstseliMa), tragen am Ende des Halmes eine e i nz i g e einfache Aehre; eine zweite Reihe, die G l e ich ä h r i g e n (IlomoMaoliMö), besitzt mehrere Achren, welche sowohl männliche als weibliche Blüthen enthalten; die dritte Gruppe endlich, die Versch ied en ä h ri g cn (ItölöimMtielizmc!), besitzen eine oder mehrere rein männliche Aehren am Ende des Halmes und eine oder mehrere weibliche weiter unten. Die beiden in Folgendem zu behandelnden Arten gehören zur letzteren Gruppe: sie besitzen eine männliche Endühre und zwei bis drei weibliche Seitenähren.*) Die botanische Beschreibung der beiden Seggenarten Nr. 12 und 13 ist in folgender Tabelle gemeinsam behandelt. Gemeinsame Charaktere der beiden Arten : Eine.endständige männliche Aehre, zwei bis drei lockcrfrüchtige und langgestielte weibliche weiter unten in der Achsel langscheidiger Deckblätter. Schlauch geschnäbelt; Blätter und Blattscheiden kahl. Unterschiede der beiden Arten: Cni öx kei 86vpvli (Tafel 6 .1): W u ch s auslänfertreibend. Triebe sämmtlich durchbrechend (extravaginal), oft (aber nicht immer) lange, unterirdisch kriechende, roth umscheidete Ausläufer bildend, deren Niedcr- blättcr sich zuletzt in dunkelbraune Fasern auflösen. Halm s e ite n st ä n d i g an den Laubtriebeu, an der Basis mit zahlreichen kurzspreitigen oder spreiten- losen glänzend knorpeligen, rostrothen Scheiden- blättern; die Triebe tragen an ihrer Spitze stets eine Laubknospe und erzeugen die Halme seitlich als Achselsprosse ihrer Blätter. 00 sterile (Bestocknngs zahl 40). Die Pflanze treibt also relativ wenig Halme. Sie treibt sehr früh, blüht auf der Jürstenalp Ja. >800 na) Ende Inni bis Anfang Juli, im Versuchsfeld bei Iürich (400 nr) ea. 2 Monate früher. 100 Theile Heu, in einer schattigen Runsc am 5. August 1884 auf der Fürstenalp in vorgeschrittenem Stadium geschnitten, enthielten: Organische Stoffe, darin: Rohproteln, Rohfett, Rohfaser, Stickstoffrcie Extractstoffc. 79,45°/» 11,61°/» 2,45°/» 24,25°/» 41,14°/». Im jungen Instand ist der Nährstoffgehalt jedoch wahrscheinlich größer und das Gras wird auch vom Bieh lieber gefressen. Da dasselbe eine ziemlich bedeutende Höhe erreicht und häufig an dem Bieh schwer zugänglichen Stellen vorkommt, so wird es meist auf Wildheit genutzt und ist vielerorts sehr geschützt. So z. B. berichtete uns Direktor W iß mann (Molkereischnle Sornthal) von der Alp Heiteren (1430 in) im Diemtigerthale (Berner Dberland), daß dort ein Bestand der rostfarbigen Segge an einer feuchten Stelle der Weide stets am ersten Tag nach der Alpfahrt gemüht werde und ein Heu liefere, das dem der Mastwicse (des Einschlages) sogar vorgezogen werde. Die Sennen wissen es wohl, daß es eine „Vische" (Riedgras) ist, aber die Kühe fressen sie sehr gerne. Aehnlichc Erfahrungen liegen auch von anderwärts vor. Auch das Weidevieh frißt das Gras gerne. Sameilgewinmlllg, Same, Kultur. Der Same reist aus der Alp Ende Juli, im Tiefland Ende Juni. Bei der Gewinnung verfährt man wie bei den Gräsern. Die Ausbeute ist jedoch sehr gering. Der „Same", d. h. das einzelne ausgestreute Korn, besteht aus einem vom Schlauch umhüllten Nüßchcn, ist also eine Scheinfrucht. Der Schlauch (Fig. 1, 2) ist IV? bis 2 Mal so lang als das ihn stützende Deckblatt („Balg" genannt), spindelförmig und nach oben in einen langen, etwas zusammengedrückten, schräg abgestutzten, oft zweispaltigen Schnabel verlängert (Fig. 3). Er ist entweder nur an den Kanten oder auf der ganzen Fläche rauh. Das von ihm eingeschlossene Nüßchcn (Fig. 4) ist gestielt, glatt, glänzend, deutlich und scharf dreikantig. Der Saure keimt schwer und die Keimpflanzen entwickeln sich sehr langsam, so daß es schwierig ist, die Pflanze durch Samen zu vermehren. Richter geschieht dies durch Stöcke, die eingepflanzt ch '.Nach Branngart, Tie Wissenschaft in der Bodenkunde, Berlin und vcippg 1876, PNA. »22. Bodenerschöpfung. Tnngnng. Wuchs. Entwicklung. Fnttcrwcrth. Samen- gewinnung. Same. Nnltur. 16 122 werde». Auf genügend feuchtn» Boden vermehren sich dieselbe» in wenig Jahren durch Ausläufer so stark, daß sie den Boden gau; überwachsen. Krankheiten. Krankheiten. Die weiblichen Aehren werden mitunter von einem Brandpilz, viwilgM urekwlorm» 'tu!., befallen, der sich in dem Fruchtknoten der Blüthen festsetzt und Veranlassung gibt zu der Bildung kugliger, mit dem schwarzen Pulver der Brandsporen gefüllter Schläuche. Der Pilz tritt auch bei vielen andern Seggen- Arten auf. Verwandte Verwandte Arten. Die rostfarbige Segge wird häufig mit der oben bereits beschriebenen immer- Arten. grünen Segge verwechselt, weil sie in den langgestielten und lockerblüthigen weiblichen Aehrchen mit derselben große Aehnlichkeit hat. Im llortmrünn ützlvtztivnm fanden sich einige solcher Verwechslungen, Zum Theil von kompetenten Botanikern begangen; auch Godet sagt in seiner »üllorö clu .lara», daß ihm vielfach Larsx senn- porvü6N8 als larragmoa zugeschickt wurde. Doch sind die beiden Arten namentlich durch die verschiedenen Bestockungsverhältnisse, die hier zum ersten Male beschrieben sind, leicht zu unterscheiden. Viel näher als mit der immergrünen ist die rostfarbige Segge mit der feinblättrigen (Oarox toimw) verwandt: Dieselbe zeigt ebenfalls lauter extravaginale Triebe und seitenständige Halme, macht aber keine Ausläufer und hat ganz kahle und glatte Schläuche. Die zähe Segge (tÄrox tonox), welche Reuter in dem «Lompts rsncku clos travaux cko la Kamel« Ilgllorwnns», 4. llullstin, po§6 130 (Konovo 1834—80) als neue Art aufstellte, die er von der Grigna, der Schlehern und dem Tombea kennt, hat den Wuchs der feinblättrigen, unterscheidet sich aber von dieser wie von der rostfarbigen durch den oben plötzlich (nicht allmälig) in einen Schnabel verschmälerten, kürzeren, stärker borstlichen und stärker nervigen Schlauch. 11r. Christ, Jäggi und Schröter fanden dieselbe in Menge am MontcSaii Salvatorc bei Lugano*). Wir halten sie für eine gute Art aus der Verwandtschaft der l'srrngünm Gvktcivittrg dorr HcrfeL 6 H. Fig. ^4. Ganze Pflanze mit Frnchtährchen. „ 1. Schlauch mit Balg von der Seite. „ 2. Derselbe von vorn. „ 3. Schnabelspitze. „ 4. Nüßchen. „ 5. Männliche nnd weibliche Aehrc in voller Blüthe. „ 0. Junge extravaginale Seitentriebe. „ 7n.8. Blattscheide mit Blntthäntchen. „ 9. Dasselbe im Längsschnitt. Fig. 10. Deckblatt einer weiblichen Aehrc. „ 11. Halmquerschnitt. „ 12. Spreite eines Halmblatts im Querschnitt. „ 13. Spreite eines Laubtriebblattes im Querschnitt. „ 14. Schlauch mit der aus ihm herausragenden Narbe aus einer blühenden Aehrc. „ 14 in Stempel allein, nach Entfernung deS Schlauchs (Narbe abgeschnitten). „ 15>. Männliche Blüthe. 13. Die immergrüne «egge. tsttwx 8oi»t>>6rvir6N8 ViisttkB. (tbirax ü'viniginoa 8cl>llullr; ll. ^aria Illml). (Tafel 6, Fig. L.) Die „immergrüne Segge" verdankt ihren Namen der Eigenschaft ihrer Blätter, über einen Winter grün zu bleiben. Benennung. Der bekannte Bearbeiter der „Pflanzenwelt der Alpen" in der Zeitschrift „Schweizerische Alpwirthschaft", Pfarrer von Rütti (Nadelfingen), schreibt, daß die immergrüne Segge bis weit in die Schafberge hinauf Vorgeschichte. komme, hier besonders in den Grasbändern nnd Vegetationsrinnen zwischen Steinriesen und auf den Gräten sich finde, wo sie den nahrhaftesten und besten Kräutern den Raum vorwegnehme oder sie vielleicht in Folge zunehmender Magerkeit des Bodens nach und nach verdränge und ersticke. Ferner: „llarox somporviroim bedeckt mit ihren oft fußlangen, hängenden Blättern ganze Halden nnd verleiht von Weitem oder obenhin angesehen, dem Berge ein sehr gutes Aussehen. Der einzige Nutzen ihrer langen Blätter und weitverzweigten Wurzeln (die Pflanze kriecht nicht! Die Verf.) ist, den Boden gegen herabstürzende Felsblöcke einigermaßen zu schützen *) Der zweite in Gremli, Excursionsflora der Schweiz, 5. Aufläge, angegebene Schweizer-Standort am Flimserstein hat sich nicht bestätigt, es beruht diese Angabe aus einer Verwechslung mit klarere iormAwea. lak. 6. ^ l, U big >>,! ^ > u , 5, / 5, I ics t " ^ In,« II s>. ^/i 5 " i z i 4.'/'/r/f,,/«"/ -EDW 1'ii).1 ^/j > ,,, >> - r »1»,,// LLrsx ssriixsrvii'siis VillLT's Iin7nsi-§rüns SssZs Litd. L. 8snn, 2üriok. Oarsx isrr^iAiiiSL 2Lox>Ol: Lost-kai-diZs §s§§s ^ 8sdrSter sä. ist. äs!. I. Ärs'ek »im. >..7^ > -V ' ' . ' . ,. , ' v '" . ^ >- 17 v. AF" 123 und im Frühling die Schneeschichten unschädlich herabgleitcn zu lassen, zu welchem Ende sie bessere Dienste leistet als Gesträuche, Weiden, Moos und Alpenrosen. An steilen Abhängen wäre daher diese Segge eher zu dulden, zumal sie oft hübsche Ziegenfutterpflanzen beherbergt, so einige Laserkräuter und Berglinsen; an „lägen" (gut gelegenen, gut zugänglichen) Stellen, namentlich im Kühberg, sollte man ihr mit Dünger zu Leibe gehen, wie allen Seggen; denn das Sprichwort hat seinen Grund, wenn es sagt, daß sie den Pferden langes, den Schafen kurzes Haar machen." Es ist richtig, daß die immergrüne Segge, wenn sie alt ist, ein etwas trockenes Futter liefert, aber nichtsdestoweniger spielt sie als Mähefntter eine nicht unwichtige Rolle, da sie an trockenen, sonnigen Halden der Alpen sehr häufig auftritt und vielfach einen Hauptbestandthcil der. Wildheu- mahder bildet. Jung geschnitten hat sie einen hohen Nährstoffgehalt und es winde dem wirklichen Sachvcrhalt nicht entsprechen, ihr nur deshalb einen Werth beizumessen, weil sie den Boden steiler Halden befestigt, sondern auch als Futter hat sie Bedeutung. Botanische Beschreibung. Siehe bei Oarox lorrachnoa (Seite 119). Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die immergrüne Segge ist durch die ganze Alpenkcttc ferner im Jura, den Pyrenäen, den nördlichen und mittleren Apenninen, den Gebirgszügen Ungarns, Siebenbürgens, Kroatiens, Dalmatiens, Macedoniens und der Moldau verbreitet. — Sie findet sich insbesondere häufig auf Flühabsätzen, an steilen, sonnigen, trockenen Halden, im obern Einhang jäher Rnnsen, fehlt aber auch auf der offenen Weide nicht. Die Magermatte auf dem Montalingipfel (2263 m) enthielt 15,50"/» davon, eine ebensolche beim Mayensäß Martschellis (ob Trimmis 1430 an) 12,97°/», eine dritte an den Schanfiggcr Heubcrgcn l2130 m), an einem trockenen, steilen Südhang gelegen 6,32°/» u. s. f. Sie verleugnet die Seggennatur also in zweierlei Richtung, erstens indem sie sich an trockenen Stellen findet, zweitens indem sie als Futter nicht die Nachtheile der auf sauren Wiesen vorkommenden Seggenarten besitzt. In der Höhenschicht von 1700—2600 m ist sie sehr häufig und dominirt an Standorten der oben bezeichneten Art: so am Südwesthang des Faulbergs bei 2100 in. an äußerst steiler Lage (Hochwangkettct, an der Mayenwang (Südhang) bei 1900 m, am steilen Osthang des Plattenbergs ob Lampartschalp am Scaradrapaß bei 2400 m, am Schafberg ob Engstlenalp von 1900 m bis zum Gipfel (2400 m), unterhalb des Sandfirn (Ober-Sandalp am Fuße des Tödi) bei 2200 m n. s. f. Der tiefste uns bekannte Standort in der Schweiz findet sich bei 710 m an: Schnebclhorn*), der höchste bei 3040 m auf dem Piz Cotschcn. In Bayern spielt sie auch in tiefen Regionen eine wichtige Rolle. Sendtner bezeichnet als ihren Höhenbezirk für Südbayern die Lagen zwischen 470 und 2372 m und führt sie unter den für die Haidcvegetation des Lechfeldes und der Garchinger-Haide charakteristischen Arten auf. (Das Lcchfeld liegt bei 500—540 m, die Garchiuger-Haide bei 450—500 m). Sie verlangt also zu ihrem Gedeihen kein spezifisches Alpcnklima. Die immergrüne Segge gedeiht im Kalkgebirge ebenso gnt als im Urgebirge, sie ist durchaus bodenvag, indifferent gegen die Gesteinsnnterlage. Aus dem kalkreichen Bünduerschiefer der Hoehwang kette bildet sie ebenso ausgedehnte Bestände, als an den Glimmerschiefer - OKHängen^ der Iapport Schlucht; der Fuß des Kletterers findet eine willkommene Stütze, seine Hand einen festen Halt an den derben Polstern unserer Segge, sei es, daß er die Felsbünder des Schrattenkalks au der Ehnr firstenkette begeht, oder die Kalkhalden ob Gadmen zum Sättcli hinansteigt, oder an den Gneis Wänden des Bristenstocks hernmklettert. In einer gewissen Höhe, von ea. IdiOO in an bis gegen 2400 in, kann man mit beinahe mathematischer Sicherheit voraussagen, daß die Rasenpolster steiler und trockener Felshünge aus der immergrünen Segge bestehen; nur auf Kalk tritt häufig die blaue Seslerie an ihre Stelle, bald sich mit ihr mischend, bald sie ganz verdrängend; auf Urgestein dagegen gesellen sich vorwiegend langhaimige Reithgrüser (OnInirmA-rcwtis) zu dem Polster der Segge. Biet *) Darnach ist die Angabe anf der Tabelle, paZ. W ;u korrigiren. lllpwirthschast- licher Werth. Botanische Beschreibung. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- vcrbrcitnug. Klima. Boden. 124 Bodenerschöpfung. T nngnng. Wuchs. Entwicklung. Fntterwcrth. schärfer begrenzt ist ihr Fenchtigkeitsbcdürfniß: sie ist eine ausgesprochen xerophile d. h. Trockenheit liebende Pflanze; je sonniger der Standort, desto besser. Wässerung vertreibt sie ebenso sicher wie Düngung. Auf der Weide sucht sie daher nüt Vorliebe die trockenere Dberfläche der Hügclchen auf; von den verschiedenen Expositionen bevorzugt sie entschieden die trockenen südlichen und südöstlichen. An Humnsgehalt und Tiesgründigkeit macht sie gar keine Ansprüche: sie stellt sich auf dein rohen Boden frisch verrutschten Terrains bald ein und weiß am steilsten, erdelosen Felsen ihre Horste anzukleben. Da dieselben viel herabgeschwemmten oder angewehten Staub und Schlamm auffangen und mit ihren langen Wurzeln sich fest verankern, so spielen sie in der Dekonomie des Gebirgs eine wichtige Rolle als Pioniere der Vegetation. 1000 Theile Heu, in blühendem Zustande am 27. Juni 1887 an einer sehr steilen, sonnigen Südwest- Haldc auf Bündncrschiefer auf der Fürstcnalp bei 1885 m geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 17,02°/oo 47,50°/oa 3,14°/oo 17,77°/oo 5,70°/o° 1,24°/»» Durch Düngung mittelst stickstoffreicher Hofdünger (Blist, Gülle) wird die Pflanze zurückgedrängt; niemals tritt sie aus dein Vager oder an Geilstellen anf; sie theilt diese Abneigung gegen Düngung mit all' ihren Familiengenossen. Wachsthum, Futtertverthf Nutzung. Die immergrüne Segge ist ausgesprochen horst bildend. Der Horst ist dicht, fest und setzt sich aus zahlreichen, in zuletzt faserig zerschlitzte Scheiden fest eingepackten Triebbündeln zusammen. Die Triebe sind Hinscheidet (intravaginal) und besitzen ein langes, zweikieliges Vorblatt (Füg. 6), auf welches erst ein knrzspreitiges, dann ein normales, lang- spreitigcs Vaubblatt folgt. An den alten Scheiden bleiben die Spreiten sehr lange sitzen; alte Horste bestehen deßhalb aus einem dichten Rest abgestorbener Spreiten, aus dem sich die grünen Triebe erheben. Die Blätter der Vaubtriebe werden bis 50 mn lang; die jungen Halme sind viel kleiner. Die Segge erzeugt eine schlecht geschlossene Rarbe; wo sie dominirt, ist der Boden mit einzelnen nnisangreichen Stöcken besetzt, welche zwischen sich Vückcn lassen und ein sehr hohes Alter erreichen. Blau könnte eine solche Halde ^inoutoniw^ (Schafrückenhalde > nennen, denn die rundlichen Büsche ahmen im Kleinen das Bild einer weidenden Schasheerde nach; wie dort Rücken an Rücken sich drängt, so hier Horst an Horst. Ramenllich im Frühjahr, wo die braunen Blätter dominiren, ist der Vergleich passend. Hm geschlossenen, mäßig genutzten Rasen sind die Horste kleiner. Fn den alpinen Regionen blüht die Pflanze Ende Fnni bis Ansang Fnli, ist also früh and sollte auch zeitig genutzt werden, weil sie sonst an Rährwcrth verliert. Zur Blülhczcit, am 27. Juni, an oben erwähnter, nie gedüngter Stelle anf der Fürstenalp geschnitten, enthielt das Gras: Organische Substanz, darin: Nohprotein, Rohfett, Nohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffc. 81,25°/» 10,64°/» 3,55°/» 26,03"/» 41,03°/» Der durch die Analyse zu ermittelnde Rährstosfgehalt ist mithin ebenso groß, wie der mancher allgemein geschätzter Alpengräser. Da das Gras sehr zeitig ist und wie alle Gräser mit dem Alter hart wird, so wird es in vorgeschrittenem Stadium vom Weidevieh nicht mehr gerne gefressen. Höheren Werth hat dasselbe auch deßhalb als Mähegras, weil der Bestand, seiner sonnigen Vage wegen, meist andere werthvolle Kräuter beigemischt enthält, so daß das Vieh trotz des vorgeschrittenen Stadiums der Pflanzen das Heu gerne frißt, weil eine Auslese im Heu nicht so gut möglich ist, als anf der Weide. Nutzung. 125 Samengewinnnng, Same, Kultur. Der Same reift Ende Juli oder Anfangs August. Die Scheinfrucht besteht aus den vom Schlauch umgebenen Nüßchcn. Der Schlauch ist dreikantig, mit gewölbten Flächen (Fig. 3), nach oben allmälig in einen etwas zusammengedrückt zweikantigen Schnabel auslaufend, der an den Kanten von feinen, aufwärts gerichteten Börstchen rauh ist (Fig. 4>. Das Nüßchen ist dreikantig und glänzend braun. 1000 Körner wogen 1,235 Gramm, die Kciinfähigkeit betrug 41°/»; die Keimung erforderte unter den günstigsten Bedingungen über 42 Tage, geht also wie bei den Seggenarten überhaupt sehr langsam vor sich. Äber auch die jungen Pflanzen entwickeln sich sehr langsam, so daß Jahre vergehen, bis dieselben erstarkt sind. Aus diesem Grunde ist die Kultur aus Samen sehr schwierig. Auch die Vermehrung durch Einpflanzen von Stöcken ist nicht bortheilhaft, weßhalb sich die immergrüne Segge zur Kultur kaum eignet. Krankheiten. Wie die andern Seggenarten, so wird auch diese von einem Brandpilz (stMibiM, tnnaolornin nrankhcitcu. llni.) befallen, welcher in dem Fruchtknoten seine Keimzellen erzeugt, so daß die Schläuche zuletzt mit dem schwarzen Sporenpulver ausgefüllt sind. Verwandte Arte». Die Unterschiede von der rostbraunen Segge siehe bei dieser. Viel näher ist Verwandte mit unserer Art die feste Segge (Lmwx lirnm) verwandt, die mit derben Rascnpolstcrn auf Gräten und Gipfeln des Kalkgebirges oft weite Strecken überzieht. Sie hat denselben Wuchs wie kampsrvirmm: lauter umscheidete Triebe und mittelständige Halme, aber die Blätter sind kürzer, steifer, dichter gedrängt und horizontal abstehend, die weiblichen Aehren dichtfrüchlig, die Schläuche auf der Fläche stets glatt und kahl, nur an den Kanten rauh. Die feine Segge (starax tannm), die öfters mit ssniparviimu» verwechselt wird, steht l'arruZiiioa viel näher da sie wie diese lauter extravaginale Triebe und scitenständigc Halme hat. Die rauhe Segge (stara^ Iiispicinla 6an«l.), welche Böckcler in seiner Beschreibung der tFiwrmmml des Berliner Herbariums (Linnaea, Bd. 41, Pag- 227) mit tlorax iwmparvirsiw als Abart vereinigt, ist, wie wir an sichern Exemplaren des Ilsrlmr. stslvotio. konstatiren konnten, von derselben weit verschieden durch den Wuchs: sie hat lauter extravaginale, an der Basis zahlreiche Schcidcnblättcr führende Triebe wie tsriwKinmi; auch die häutige Fortsetzung der Scheide der Lanbblättcr über die Jnscrtion der Spreite hinaus ist ganz wie bei Istrrngim-a ausgebildet: dagegen ist der Halm mittelständig, wie bei inms, die weiblichen Aehrchen stets aufrecht und die Schläuche rauher als bei beiden andern. Lamen- gewinmmg. Same. Kultur. Gwktciwurrg bei' Teilet' 0 L Fig. st. Ganze Pflanze im fruchtenden Instand. „ 1. Schlauch und Balg von der Seite. „ 2. Derselbe von vorn. „ 3. Schlauch allein. „ 4. Schnabelspitze. „ .5. Blühende männliche und weibliche Aehrchen. „ 6. Jntravaginaler Trieb. „ 7. Mattscheibe, Ucbergang in die Spreite. Fig. 3. Deckblatt einer weiblichen Aehre „ 9. Halmqnerschnitt. „ 10. Querschnitt durch die Blattspreite (Halmblatt und Lanbtriebblatt gleich). „ 11. (Fehlt in Folge falscher Nnmmerirnng.) „ 12. Schlauch mit Narben aus einer blühenden weiblichen Aehre. „ 13. Männliche Blüthe. 24. Der Braunklee. 'I'riistlium stnststim dst-straster (I- ('Iril'oHnm ^Weltraum Viil.j (Tafel 7, Fig. st.) Don Namen „Brannklce" hat diese Klceart von der braunen Farbe der Frnchtköpfchcn erhalten. Aus Benennung, gleichem Grunde wird sie auch brauner, lederbranner oder karmcliterfarbcner Klee oder Kastanienklce, brauner Hopfcnkiee genannt. Sie heißt auch Goldklee oder „goldiger Ehlce" (llri), weil die Köpfchen anfänglich eine schöne gelbe Farbe besitzen. 126 Alpwirthschasv Werth. Botanische Beschreibung. Geographische Verbreitung. Standorte. Der Braunklec wird in der alpwirthschaftlichen Litteratur übereinstimmend als gute Futterpflanze bezeichnet und ist auch wirklich eine iverthvolle, nährstoffreiche Pflanze, die sich wegen ihrer starken Bersamnng besonders gerne an wunden Stellen des Alpenrasens ansiedelt. Allerdings ist sie nur zweijährig, sie erhält sich aber aus passenden, Standort durch Ausfall von Samen länger. Botanische Beschreibung. Die Arten Nr. 11 bis 19 gehören znr Familie der Schmetterlingsblüthigen oder Oapilioimeoon; über die Charactcre dieser Familie vergleiche man die botanische Einleitung zum-ersten Theil dieses Werkes. Die Gattung l'riläliiim (Klee), zu welcher Nr. 14, 15 und 16 gehören, bildet mit wenigen andern die Tribus der kleeartigen (Trifolieen) innerhalb der Familie der Papilionaceen, ausgezeichnet durch die 3-zähligen Blätter mit feingezähnclten Theilblättchen, die meist diadelphen Staubgefäße und die ungegliederte, oft geschlossen bleibende Hülse. Bon den hiehergehörigen Gattungen der Schweizerflora unterscheidet sich Ononis (Hauhechel) von Irikolmm durch monadelphische Staubgefäße, IloclieaM, (Schneckenklee) durch die gewundene Hülse, AlolllMm (Honigklee) durch die freiblättrige Krone; bei Irikoinim hängen nämlich die Kronblätter unter sich und mit den Staubgefäßen zusammen. Innerhalb der Gattung Iritdlimn bildet der Braunklec mit andern gelb- blühenden Arten die Rotte l'.üroimssmwm, bei welcher die Blüthen nach dem Verblühen sich herabschlagcn, die Krone vertrocknet und erhalten bleibt, die 2 oberen Kelchzähne kürzer sind als die 3 untern und der Griffel nicht hackig gebogen ist. — Die weitem botanischen Merkmale des Brannklces sind folgende: Die stielrunden, anliegend behaarten Stengel sind aufrecht oder von einem Punkte ausstrahlend ausgebreitet, nicderliegend, mit aufsteigenden, die Blüthenköpfchen tragenden Enden. Die Blätter stehen in abwechselnd zweizeiliger Folge am Stengel, die obersten sind beinahe gegenständig. Sie sind dreizählig, lang- gestielt, mit zwei dem Blattstiel angewachsenen, eiförmig:», in Spitzen auslaufenden Nebenblättern (Fig. 5). Die sitzenden Theilblättchen sind elliptisch, vorn gner abgestutzt, stumpf oder ansgerandet (auf der Tafel etwas zu spitz gezeichnet), selten tritt aus der Ansrandnng ein kleines Spitzchcn hervor (wie bei den Schneckenkleearten;; die Spreite ist kahl, nur am Rande und auf dem Mittclncrv von langen Haaren spärlich gewimpert, dicklich und etwas bläulichgrün ; die Scitennerven laufen direkt oder (seltener) nach einmaliger Gabelung in die feinen und dichtstehenden Randzähnchen aus. Die knrzgcstielten Blüthen stehen in langgestielten, erst kugligen, zuletzt ovalen Köpfchen (richtiger verkürzten Trauben) am Ende der Hauptachse und der seitlichen Stengel; seitenständige Köpfchen fehlen oder sind in geringer Zahl vorhanden. Die Blumen sind während der Blüthe aufgerichtet und goldgelb, nach der Blüthe herabgeschlagen und kastanienbraun. Der Kelch ist verwachsenblättrig, mit kurz glockenförmiger, weißlich gefärbter, 5 nerviger Röhre und fünf Zähnen von ungleicher Länge (Fig. 1, 2, 10 und 11). Die Krone besteht aus fünf am Grunde kurz mit einander verwachsenen Kronblättern. Die Fahne ist löffelförmig und hüllt die übrigen Kronblätter beinahe völlig ein; sie ist ihrer ganzen Länge nach von zahlreichen, parallelen, in seichten Furchen liegenden Nerven durchzogen (Fig. 1, 2, 3, 10, 11). Die Flügel sind etwas mehr als halb so lang wie die Fahne, mit zartem Stiel und einem rückwärts gerichteten Fortsatz verletzen (Fig. 6). Das Schiffchen (Fig. 7) besteht aus 2 kurzgestielten Blättchen, die mit den Flügeln verklebt sind. Von den 10 Staubgefäßen sind 9 zu einer oben weit offenen Röhre verwachsen (Fig. 7 und 8), das zehnte, bedeutend kürzere (Fig. 5, 7, 8) läuft über den Spalt der Staubfadenröhre. Der Stempel (Fig. n) hat einen kurzen, dicken Griffel und eine flach abgestutzte Narbenfläche, welche im Niveau mit den Staubbeuteln liegt (Fig. 8). Nach dem Verblühen schlagen sich die Blüthen abwärts, die Krone färbt sich, von der Spitze beginnend, kastanienbraun und wird raschcldürr. Kelch und Krone bleiben mit der Frucht in Verbindung und fallen mit ihr ab, die ausgebreitete Fahne dient dabei als Verbreitungsmittel der Früchte, als Windfang. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Braunklec ist auf der ganzen Alpenkette verbreitet und findet sich auch im Jura, auf den Pyrenäen, dem Apennin, den Karpathen und auf dem Mont d'Or. Er siedelt sich besonders gerne an verrutschten und durchgetretenen Stellen an, überhaupt an Plätzen, wo der Boden kahl oder der Rasen weniger geschlossen ist, denn hier finden die sich rasch entwickelnden Pflanzen geeignetes Terrain und Platz sich zu entfalten, während sie in dem geschlossenen Rasen weniger leicht aufkommen. So z. B. wächst er auf dem alljährlich neu übersandeten Bachallnvinm der Obersandalp bei 1940 m so häufig, daß die Wiese im Vorsommer ganz gelb gefärbt ist; ähnlich an verrutschten Stellen am Südhang der Schanfiggcr 127 Heuberge, am Sndhang der Gotthardstraßc, wo er nebelt dem Wundklec an einer Stelle die hünfigste Kleeart (7,87 7») bildet. Besonders in der subalpinen Region ist er verbreitet; in der alpinen Region findet er sich nur im unteren Theil, d. h. in der Nähe der Baumgrenze häufiger. Sein Hanptvcrbreitnngsbezirk liegt in der Höhen- Schlveiz zwischen 1500 und 2100 in, vereinzelt steigt er aber anch bis 2500—2750 m weit hinauf, so ob Zcrmatt 2750 in, Piz Languard, Faulhorngipfel 2680 in, Montc Itcello 2600 in und Piz Beverin 3000, S.-Hang des Piz Uertsch 2500 m; umgekehrt wird er durch Bäche bis tief herab getragen (ob Thierfehd bei 880 in, Maderaner- thalsohle 990 in, im „Gäsi" an der Einmündung der Linth in den Walensee bei 425 in). In den bayrischen Alpen bewohnt der Braunklee nach Send tu er die Höhenzone von 600—2100 m, in den Karpathen von 1300—1800m, in den österr. Alpen ebenso, in der Dauphins von 1600 bis 2300 m (Bonnier). Der Brauiiktee liebt einen baldigen, frischen Boden lind findet sich besonders häufig auf kalk Boden, haltiger Unterlage, während er umgekehrt aus dem kalkarmen Urgestein entweder ganz fehlt oder doch weit seltener auftritt. So z. B. fehlt er im Glimmerschiefer-gebiet der Zapportgegend und im Gneißgebiet des Bristenstockes, im Urgebirgsgebiet des Splügen ist er spärlich, stellt sich aber häufig am Fuß einer Lawinengallerie ob der Cantoniera ein, wo der Kalk des Gemäuers den Boden kalkreicher macht; beim Südaufstieg zum Valserberg wächst er auf Glimmerschiefer nur spärlich, wird aber plötzlich häufiger bei 2200 m, wo die Dolomittrümmer des Valserhornes sich dem Boden beimischen. Er fehlt anderseits nicht völlig im tessinischen Gneißgebiet, so z. B. findet er sich ob Scaradra Sotto bei ca. 2000 m; auf den Biasker Alpen dagegen fehlt er. Nach Bonnier ist der Braunklee in der Dauphins kalkfliehend, in den österr. Alpen indifferent, in den Karpathen kalkliebend. Sendtner citirt ihn für Bayern nur auf Mergel und Kalkhornstein. Ebenda ist er nach demselben eine Pflanze des schweren Thonbodcns; wir fanden ihn aber auch in schönster Entwicklung auf rein sandigem Alluvium, so auf der Obersandalp und unterhalb Zervreila. 1000 Theile Heu, zu Beginn der Blüthe im alpinen Versuchsfeld geerntet, enthielten: Boden. Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. nsckMfung. 35,56 °/«° 85,17 °/«o 8,80°/«« 25,25 7«« 17,077«° 3,057«° Für die Düngung ist er empfänglich, was daraus hervorgeht, daß er in vielen Fettmatten und -Weiden Düngung, vorkommt, und auf dem fetten Boden des alpinen Versuchsfeldes trefflich gedeiht. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Der Braunktee bildet 15-25) Cmtimctcr hohe Wuchs. Büsche von horstbildendem Charakter. Die absteigende, reich verzweigte Pfahlwurzel geht nach oben in ein stark veräfteltes, aber kurzglicdrigcs Rhizom über, so daß die zahlreichen Stengel eines Individuums horstartig zusammengedrängt sind. Die Bestocknng erfolgt durch Seitenknospcn aus den Achseln basaler Blütter und ist sehr kräftig, so daß alle Zwischenränmc der alten Triebe sich mit snngen Sprossen füllen, die in zweizeiliger Stellung aus der Achseln der abgefallenen älteren Blätter hervorbrechen. Auf der Fürstenalp ist er Mitte bis Ende Juli in voller Blüthe. Die Blüthezeit dauert jedoch sehr lange, Entwicklung, da dieselbe Pflanze häufig Ende Juli verblühte Köpfchen und Blüthenknospen enthält, ein Umstand, der für die Erhaltung der Art sehr wichtig ist. Kurz vor der Blüthe geschnitten oder abgeweidet, treibt sie im gleichen Jahr zum zweiten Mal Stengel mit Blüthen. 100 Theile Heu, auf einem Beet des alpinen Versuchsfeldes im zweiten Entwicklungsjahr bei Beginn der FMtcrwcrth. ^ Blüthe am 13. Juli geschnitten, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe, 77,48°/« 22,23°/« 3,50°/« 13,93°/° 37,72°/« Die chemische Zusammensetzung ist also außerordentlich günstig; der Pflanze läßt sich anch nichts Böses nachsagen, sie wird gerne gefressen, weßhalb es begreiflich ist, daß 'dieselbe von den Aelplern so hoch geschätzt ist, und zwar ist sie sowohl als Weide-, wie als Mähepflanze sehr geeignet. Nutzung. Samengewinnung, Same, Kultur. Die Samen reifen Mitte bis Ende August, in sonnigen, Samcu- niedrigen Lagen wohl etwas früher. Die Frucht ist eine einsamige Hülse, welche von dem Kelch und der branngefärbtcn Krone begleitet ist. Die Hülse (Fig. 12) umschließt , mit der häutigen Wandung den Samen Same. 12 « Kultur. Verwandte Arten. Alpwirthschaft« ltchcr Werth. schr fest, so daß cc schwer hcrauszllbriugcn ist. Der Same (Fig. 13) ist zusammengedrückt eiförmig, mit au einer Kaute aufliegendem Würzclcheu und unterhalb desselben befindlichem runden Nabclflcck. Er ist meist halb grün, halb gelblich gefärbt. 1000 Samenkörner Anfang Anglist beim Hotel Riffelalp ob Zcrmatt bei 2200 m gesammelt, wogen 0,735 Gramm, vorn alpinen Bersnchsfcld 1,020 Gramm. 1 Kilo reine Samen enthält somit im letzteren Falle 980,500, im ersteren 1,360,500 reine Samen. Die Kcinifähigkeit betrug nur 17 und 16"/»; 82 und 830 /n der Samen blieben hart; hievon keimten aber, nachdem die Samenschale mittelst Glaspapier geritzt wurde, 78 und 76"/», so daß schließlich 95 und 94°/n keimten und 5 und 4 M schulten. Da die Samen wegen der harten Samenschale meist schlecht keimen, so sollten dieselben vor der Saat stets in der angedeuteten Weise mit Glaspapier behandelt werden. Man sät den Manien am besten im Frühjahr oder Borsommer. Im gleichen Jahr bleiben die Pflanzen jedoch noch klein und tiefern noch keine Nutzung, während dieselben im zweiten Jahr znr vollen Entwicklung gelangen. Im alpinen Bersnchsseld erreichten dieselben eine Höhe von 27, (Zentimeter und bildeten einen biirstendichten Bestand. Wenn man die Pflanzen im zweiten Jahr jung schneidet, so liefern sie noch einen Schnitt, läßt man sie aber zur vollen Entwicklung gelangen, so sterben sie ab. Alle Pflanzen, welche zur Fruchtreife gelangen, sterben ab und machen den Keim pflanzen Platz, die sich aus den abgefallenen Samen entwicklen. Alle blühenden Pflanzen sind also zweijährig oder dreijährig, letzteres, wenn die Pflanzen im zweiten Jahr wegen zu später Saat nicht znr Reife gelangten. Verwandte Arten. Am nächsten steht dein Braunklee der D att c lkl e e (l'rikolimnspmlwmmi IM), der in der Schweiz nur in den Kantonen Wallis, Waadt und Genf vorkommt, im klebrigen aber weiter verbreitet ist als der erstere. Derselbe unterscheidet sich von unserer Species durch das längliche Fruchtköpfchen mit dunkler braun gefärbten Fruchtkroncn, die aufrechten (nicht aufsteigendem Stengel, kürzergestielten Blüthen und meist einjährige Dauer. KMstcivung der? Helfest 7 L. Fig. II. Ganze Pflanze mit Blüthen- und Frnchtköpschcn; die Pfahlwurzel wiegen Rannuuangels abgeschnitten. „ 1. Blüthe von der Seite. „ 2. Blüthe von vorn. „ 3. Dieselbe nach Entfernung des Kelchs. „ 4. Kelch allein. „ 5. Basis des Blattstieles mit den Nebenblättern. ,, 6. Flügel. Fig. 7. Schiffchen und Sexualorgane. „ 8. Staubgefäße und Stempel. „ 9. Stempel allein. „ 10. Blüthe im Fruchtzustand von der Seite (Kelch und Krone bleibend). „ 11. Dieselbe von vorne; Fahne stark entwickelt und ausgebreitet. „ 12. Hülse. „ 13. a und b Same. 15. Der rasige Klee. Brikoiinni (mmpitnmtiii Itavii. P. (Irilolmm 'sttwlii Vili.**) (Toset 7, Figur Der rasige Klee oder Nasenklec gehört zu den besten und zartesten Kräutern der Alpenweide. Seine Horste erreichen zwar nur eine sehr geringe Höhe, dehnen sich dafür aber um so mehr in die Breite aus; der Rasenklec ist daher eine specifische Weidepflanze und eignet sich nicht als Mähefntter. '*) Lxaütoeus kommt von „spaäix", welches Wort den Frnchtkotbcn der Dattel bedeutet, heißt also eigentlich „dattelbraun". s*) Obwohl der Name Billars zwei Fahre älter ist als derjenige Neyns, ziehen wir doch letzteren vor, als besser eingebürgert nnd bezeichnend sür den Wnchs der Pflanze. 10 0 1 V V >-'>" /.)„/>//,/v>/< ///i/Lc r i cs.o '>1 ^lls .11 2/1 ^ic^N) L/i lo ... ?' ^ ?/,r§v/ I 7 j ^ 1 5 ^ ^ / 7 ,^^ ' ^ 1 ^ OS.S 3 xjw 3 HIN 7 ' ! kLasIZsi' Llss !'u; > 12 Q d ?>/,l//< 7 ^, : l M , /'/,><,//< _ I"ia .6 ^ i ?ics.o ^/, ei9 4 ^rlioll^rn bacllniN. So^rsb. Dra^rilclES. ^ ^drSter sä. nst. äel. I-itQ. L. Ltznn, Mriek ^ ^ »-L. ^ --s M ^ . <«»'' §M v» ->7 -> 7 'Ov'7-'... 's»«.-. M-, - ^ ^:- M'_! '/-"r^-. -^'-. s-'!- . M> - ' ^.-7: . ,- . -' 7x, '-E.> --- .M>. >- ..,. .. ..^'7 -t' -7'.^ 7 ...--«. . »> 7 -'« . ?->-« Ä7 ^ ' ..! 7R7' 129 Botanische Beschreibung.*) Der rasige Klee gehört innerhalb der Gattung 1'rilalmm in die Artengruppe I>'il'«>1w8t.rm», welche sich durch einen 10-nervigcu, innen kahlen Kelch, nach der Blüthe bleibende, wenigstens theilweise verwachsene Kronblätter, eine kantige, 2—4-samige Hülse, gestielte Blüthe und achselständige Köpfchen auszeichnet. Die Wurzel ist eine tief hinabsteigende Pfahlwurzel; sie geht nach oben über in einen vom Grunde an ästigen Stengel, die Neste sind wehr oder weniger verlängert, holzig, etwas hin- und hergebogen und legen sich neben der Hauptachse flach auf den Boden, so daß ein strahlenförmig sich ausbreitender niedriger Horst entsteht. Diese niederlegenden Stengel haben selten Wurzeln, an ihrer Basis entstehen aus den Achseln vorjähriger und dießjähriger Blätter dicht zweireihig stehende Bestockungstriebe. Die Blätter stehen an den gestauchten Trieben dicht zweireihig, ihre sein zugespitzten Nebenblätter sind mit dem Blattstiel zu einer häutigen, geschlossenen Scheide verwachsen (F-ig. 8). Die Theilblättchen (Fig. 8) sind verkehrt eiförmig, stumpf, oft ausgeraubet, oft mit Endspitzchen, glatt und kahl, oberseits dunkelgrün und matt, unterseits Hellergrün und glänzend, die Seitennerven laufen in dicht gestellte, feine, etwas aufwärts gebogene Randzähnchen aus. Die Blüthenköpfchen entspringen auf langen, glatten, gefurchten Stielen aus den Achseln dießjähriger, aber zur Blüthezeit meist schon vertrockneter Blätter an der Basis der Triebe; anfangs sind sie aufrecht, nach der Blüthe aber horizontal niedergestreckt, mit nach oben gerichteten Köpfchen. Die Blüthen sind deutlich gestielt (Fig. 1 u. 10), der Stiel aber höchstens so lang als die Kelchröhre. Die scharf gekielte Fahne ist frei, Flügel und Schiffchen aber miteinander verwachsen (Fig. 3—5.) Nach der Blüthe bleiben die Blüthen aufrecht, schlagen sich nicht herab, mit Ausnahme etwa der untersten, welche durch die starke Entwicklung der andern nach unten gedrängt werden, niemals setzt sich, wie bei dem nah verwandten Weißklee und Blaßklee ('Irikolinm rspmw und MIsüomm), das halb abgeblühte Köpfchen aus 2 scharf getrennten Hälften zusammen, einer untern verblühten mit abwärts geschlagenen und einer obern blühenden mit aufgerichteten Blüthen (wie es auch beim Braunklee der Fall ist, siehe Tafel 7 II) Abarten. G. Gib eili und S. Belli beschreiben in ihrer oben citirten Abhandlung eine von I>r. Levier auf der Majella und der Monte Marrone bei 2400 m gesammelte Abart p8euäa-rapau8 (scheinbar kriechend) mit wurzelnden, niederliegenden Stengeln, dadurch dem Weißklee sich nähernd. Die Abart kommt auch in der Schweiz vor, im üörbgi'mm imlvaliemii findet sich ein hieher gehöriges, von Salis im Kt. Graubünden (ohne nähere Standortsangabe) gesammeltes Exemplar. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Rasenklee ist durch die ganze Alpenkette, im Jura, in Siebenbürgen, auf den Apenninen, den Pyrenäen und dem Mont Ventoux verbreitet. Er findet sich besonders auf der Weide, wo er seine Horste weit ausbreitet und oft große Steine mit seinen niederliegenden Stengeln, die sich dem Boden anschmiegen, überzieht. Auf Matten und auf Wildheuplanken ist er seltener. Seine Hauptverbreitung hat er im oberen Theil der subglpinen und im unteren Theil der alpinen Region, etwa zwischen 1400 und 2400 m; er steigt am Bernina bis 2765 m (Brügger) und am Gornergrat bis 3000 m hinauf, während er sich umgekehrt schon bei 450 m auf dem Linthdelta im Gäsi bei Wessen herab- geschwemmt findet, ebenso bei 840 m im Sande am Etzlibach ob Bristen und an der Lernst bei Elm (Br.). In Südbayern ist er nach Sendtner zwischen 1582 und 2085 m verbreitet. Da er eine specifische Alpenpflanze ist und unterhalb 1400 m nur ganz sporadisch sich findet, scheint er ein Höhenklima zu seinem Gedeihen zu bedürfen. Die mittlere Jahrestemperatur seines Hauptverbreitungsbezirkes bewegt sich zwischen —1° und 5° <1 Gegen den Untergrund scheint der Nasenklee ziemlich indifferent zu sein, indem er sowohl im Urgcbirge, als auf Kalk und kalkhaltigem Schiefergestein gleich häufig ist. Er liebt einen warmen, frischen Boden von mittlerer Bindigkeit. Sendtner rechnet ihn zu den gegen Kalk indifferenten Thonpflanzen. *) Vergleiche auch die sorgfältige Arbeit von G. G ibclli und S. Be lli: Intorno alia iNsrkolvAia (litlsrenriale esterna gell« spae-io c!nnvtzII«>, im Puschlav -paäggaltiim« (Hühnerfnß). Schon S t ei n mü ller*) rechnet die Pflanze mit der Muttern, dem Thanmantel, dem Alpenwegerich u. A. zu den „milch- und bntterreichsten". In ähnlicher Weise wird sie von v. Rütti gelobt. Der Alpenklee ist eine werthvollc, sehr nährstoffreiche, vorn Bieh mit Borliebe gefressene nnd sehr aromatische Alpenfntterpflanze. Bei schönem, sonnigem Wetter hancht dieselbe einen äußerst feinen Wohlgernch aus. Wo sie gesellig ivächst, wird die Lust förmlich gesättigt mit ihrem balsamischen Duft, so daß der Alpenwanderer mit Wonne in dieser herrlichen Atmosphäre verweilt. Botanische Beschreibung. Der Alpenklee gehört innerhalb der Gattung 1'eiwlnim in die Artengrnppe «Imininwloi-« (Wolfsbohnenähnliche), welche sich durch einen nackten Kelchschlnnd, die größere Länge des untersten Kelchzahnes ;Fig. 8), die bleibende Krone, die gefaltete Fahne, den gestielten Fruchtknoten (Fig. 5) auszeichnet. Der Alpenklee ist der einzige Vertreter dieser Gruppe in der Schweizerflora; seine nächsten Verwandten sind im europäischen Rußland, im Orient, Sibirien, Mexiko und Nordamerika zu Hanse. Er steht also in unserer Flora ganz vereinzelt da. *) Johann Rudolf S te i umü l l er. Beschreibung der schwel;. Alpen- und vaudwirthschast. Erstes Bändchcu. nautou Glarns. Wiuterthur 1802. Seite 12. Rainen. Geschichte. Alpwirthschast licher Werth. Botanische Beschreibung. 132 Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- verbreitung. Die oberirdischen, stets gestauchten Triebe sind dicht bedeckt mit alternirend zweizeilig gestellten Blättern; die letztem besitzen eine stark entwickelte, bis 9 ein lange, oben in die pfriemlichen Nebenblätter ausgehende Scheide (Fig. 9 Querschnitt derselben), einen 2 bis 12 em langen Stiel und eine dreizählige Spreite mit sitzenden, lineal-lanzettlichen, spitzen Theilblättchen, die meist längs der Mittelrippe etwas eingefaltet sind. Sie sind 3—7 ein lang und 3—9 mm breit, vollkommen glatt und kahl. Die Scitennerven gehen unter sehr spitzem Winkel vom Hauptnerv ab und gabeln sich mehrmals; die letzten Gabeläste bilden die schwach vortretenden etwas verdickten Randzähne. Bemerkenswerth, weil in der Gattung Ii-ilolinm nicht überall vorkommend, sind die feinen, netzartigen Verbindungen der Secnndärnerven unter sich (siehe Fig. 10). Die langgestielten Blüthen sind zu 6—12-blüthigen, laxen, köpfchenartigen Trauben vereinigt. Die Blüthen stehen in 2 Wirteln, von denen jeder am Grunde von einen: kurzen, gelappten Jnvolucrum aus verwachsenen acteen umgeben ist. Die 5—20 cm langen Köpfchenstiele entspringen den Achseln grundständiger Lanbblätter dießjähriger Triebe. Der Alpenklee besitzt unter den einheimischen Kleearten die größten, schönstgefärbten und wohlriechendsten Blüthen. Sie werden bis 21 nun lang, ihre Farbe ist ein schwer zu beschreibendes und schwer im Farbendruck wiederzugebendes, zartes, bläulich überhauchtes Purpurroth, und ihr Duft ist stark und angenehm. Die Details sind aus den Figuren 1—8 zu ersehen. Nach der Blüthe verfärbt sich die erhalten bleibende Krone in ein fahles Braun und die Blüthe wird hängend. Abarten. Selten finden sich Exemplare mit weißen, statt rothen, Blüthen (so am P. Beverin leg. Brügger, in Davos, am Oberhalbstein, aus der Wengernalp, an der Grimsel, am Gotthard, auf der Alpe di Foppa am Monte Tamaro). Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Alpenklee ist durch die ganze Alpcnkette verbreitet: ferner auf den nördlichen Apenninen, den Pyrenäen, dem Mont Dore und den siebenbürgischen Karpathen. Selten findet er sich in Asturien. Im Jura fehlt er, ebenso im hohen Norden. Dieses Areal, sowie die Verbreitung seiner oben angeführten nächsten Verwandten lassen es als wahrscheinlich gelten, daß er mit andern Schmetterlingsblüthlern der Alpen einer Gruppe von Steppenpflanzcn angehört, die aus dem Osten in die Alpen eingewandert ist. Er findet sich besonders an sonnigen Hängen auf der Weide, den Henbergcn und Wildheuplätzen, wo er oft einen dominirenden Bestandtheil des Rasens bildet, so daß man von einer A lp en kl e e w i c se sprechen kann. So kommt er am Südhang des Valserberges von 1750—2150 in auf weiten Strecken in Menge vor, stellenweise war am 26. Aug. 1887 hier der Nasen ganz braun gefärbt durch die Frnchtköpfchen und die Luft weithin erfüllt von dem auch nach der Blüthe andauernden Duft; als wichtigste Begleiter des Alpenklces fanden sich hier die betonicablättrige Rapunzel (Oiytmnna imlnmeanlnl'mi»), das Pyrenäen-Milchkrant (l.mmtnänn pzav- naious), das Alpenrispengras (?na gstnmi), der dichtrasige Nothschwingel (PoNncn rnlma lalbix), das Geruchgras (^ntlroxanllnnn ocknratnni), das Borstgras (Xarck>m Mriotafi der Alpenrothschwingel (b'nstnca viobmns), die Rasenschmiele (.liia oWpitn8,i), Alpenlieschgras (i'llinnm ofinnnm), Muttern (Kmnn MlnIIina) n. A. Am Südhang der Alpen finden sich solche Alpenkleewiesen schon in geringerer Meercshöhe, so beim Dorf Cimalmotto im Val Campo (Seitenthal des Balle Maggia) bei 1300 m, wo an einem Südhang der Alpenklee in üppigster Entwicklung dominirt (ca. 23 ein hohe Pflanzen), begleitet von lm^öi-pitinm Ilottori. ?ua ^lntstioa, >>oa viotaena u. A. In ähnlicher Weise tritt er in üppiger Entwicklung bei 1780 m auf einer Matte an der Südhalde des Zervreilerthales bei Zervreila auf, bei 1850 m auf den Aetzmähdern des Lentathales. Auf den Alpen von Biasca (Livinenthal) an den Abhängen des Monte Motterone ist er fast die einzige schmetterlingsblüthige Pflanze im ganzen Gebiet, ebenso auf den Weiden der Alpe di Sascola ob Cevio (Balle Maggia) und auf denjenigen der Alp Poltrinone (am Camoghö). In Menge findet er sich am Südabfall des Pizzo Centrale (Gotthardgruppe) gegen den Sella See hinunter bei 2400—2450 m, am Bristen, an der Snstenstraße, an der Maienwang, auf der Riffelalp, der Wengernalp und andern Orten, überall in dem mehr oder weniger geschlossenen Rasen. Oft bildet der Alpenklee erfreuliche Oasen in der Borstgraswüste (so im Zervreilerthal, am Gotthard rc.). Der Alpenklee beginnt in der Nähe der Baumgrenze häufig zu werden und bildet von da bis gegen die Schneegrenze etwa von 1700—2500 in auf tiefgründigen, sonnigen Weiden, Magermatten und Wildheuplanken einen wichtigen 133 und gern gesehenen Bestandtheil des Rasens. Im Kanton Tcssin beginnt er schon bei 1300 m, im Wallis erst bei 1900 m. Vereinzelt steigt er bedeutend tiefer herab, bei 980 in am Eingang des Maienthales, bei 1150 m zwischen Falcheren und Zaun bei Meiringen (Fischer), 1400 in bei Mengen an der Wcngernalp (Fischer). Leine Hanptverbreitnug hat er im Gebiet des Urgebirges; weniger im kalkhaltigen Schieserge- stein; ganz selten tritt er im Kalkgebirge anf (so am PilatnS, Tödigebiet). In den ausgedehnten Gneisgebieten der siidlichen Schweizeralpen, ivo andere Schmetterliugsblüthler selten sind und das BorstgraS oft in erschreckender Weise dominirt, ist er eine wahre Wohlthat für die Alpwirthschaft, aus vielen Weiden die einzige bessere Pflanze. Am Tödi findet er sich beinahe ausschließlich aus dem Urgestein des Dchsenkopses, nur ganz wenig an humusreichen Stellen auf dem Alpenkalk der Beckeuen, ivo die Dicke der Humusschicht den Einfluß des Untergrundes aufhebt. Sobald der Kalkgehalt des Bodens größer wird, verschwindet er. So z. B. am Rordhang des Balserberges aus kalkreichem Bündnerschieser, während er am Südhang anf Glimmerschiefer massenhaft auftritt. Den typischen Kalkpflanzen mischt er sich nur dort bei, wo der Untergrund rasch wechselt; so wächst er auf den herrlichen Mähewiesen des Henthals neben der Kalkform des Wnndklee's und ebenso am Eampolnngo- paß (Alp Zaria). Seine schönste Entwicklung erlangt er anf tiefgründigem, frischem Boden sonniger Halden, wo der Untergrund nicht felsig ist, sondern aus stark grnshaltiger Erde besteht. Anf solchem Boden treibt er mächtige Wurzeln und die Pflanzen erreichen ein sehr hohes Alter. Am Monte Tamaro maßen wir aus einem solchen Boden eine neunköpfige Wurzel von einem halben Meter Hinge, ein großer Theil derselben blieb noch im Boden stecken. Jedenfalls erlangen die Wurzeln unter günstigen Berhältnissen eine Länge von I Bieter und mehr. Das Alter, das diese Pflanzen erreichen, ist im Engadin sprichwörtlich. 1000 Theile Heu, anf einer Weide unterhalb des Bristengrates (Südhang) am 17. Juli 1886 gesammelt, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäurc, Kali, Kalk, Magnesia. 31,9°/oo 63,2°/n» 3,87°/oo 16,3°/on 5,24°/oo 2,4°/oo Obschon die Pflanze ihre Verbreitung vorzugsweise nur an solchen Stellen hat, wo nie gedüngt wird oder wo durch das Wcidcvieh wenig Dünger hingelangt, so scheint sie doch, nach den Versuchen auf der Herrn Nationalrath v. Planta-Samaden, gehörender Alp Acla bei St. Moritz im Engadin (2130 in ü. M.), für die Düngung sehr empfänglich zu sein*). Die Versuche können jedoch nicht als abgeschlossen gelten. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Der Wuchs des Alpenklees ist horstbildend. Die Stöcke besitzen eine oft auffallend lange und starke Pfahlwurzel, sie kann, wie schon oben bemerkt, wohl über I na lang werden. Bemerkenswerth ist auch ihre enorme Zähigkeit: ein 40 ein langes Stück einer solchen Wurzel, das am Kops >2 nana, am untern abgerissenen Ende 4 nana Durchmesser besaß, konnte an letzterem Ende mit einer Last von 24 Pfd. beschwert werden, ohne zu reißen. Die Pfahlwurzel geht nach oben in einen Wnrzelstock über, der sich gleich in mehrere dicke Aeste (bis 9) theilt. Diese verzweigen sich weiter, so daß ein dichter Horst aus oberirdischen, einen flachen oder etwas gewölbten Rasen bildenden Trieben entsteht. Die Gesammthöhe der Pflanze über der Erde beträgt 5—2.4 om. Die oberirdischen Triebe bleiben alle ganz kurz, so daß alle Blätter und Blüthenköpfchen grundständig sind. Am Grunde sind die Triebe dicht mit einem braunen Faserschopf bekleidet, den Resten der verwitterten alten Scheiden. Die Blüthe erstreckt sich auf eine sehr lange Zeitdauer. Schon 0 Alpwirthschastliche MonatMätter. IV Jahrgang. Aarau 1870. Seite 74. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. 134 Futtcrwerth. Nutzung. Samen- gewiunuug. Same. Kultur. Verwandte Arten. Anfangs Juli entfalten sich die ersten Blüthen, während die letzten Blüthen erst Ende August zum Barschem kämmen. Auch im vorgeschrittenen Stadium sind die Blätter und Stengel saftig und nährstoffreich. 100 Theile Heu, am 17. Juli, zur Zeit der Blüthe, am Südabhang des Bristeustockes bei 2150 in gesammelt enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 79,68°/o 19,94°/° 3,33°/° 25,17°/° 31,24°/° Der Nährstoffgehalt ist also ein sehr bedeutender. Die Pflanze ist sowohl znr Weide, wie zu Mähefutter geeignet. Von den Bergamaskerhirten auf der Zapportalp wurde uns die Pflanze als das beste Futter für Schafe bezeichnet. Auch die Gemsen und Murmelthiere weiden den Klee gerne ab. Samengewimnmg, Same, Kultur. Der Same ist Ende August bis Anfang September reif. Beim Sammeln werden die Blüthenköpfchen einfach abgestreift und hernach der Same ausgerieben, was ohne große Mühe möglich ist. Der Same sitzt in der Regel zu 1—2 Körnern in der Hülse. Dieselbe ist dünnschalig (Fig. 11 u. 12), feinnetzig geädert und zwischen den Samen deutlich eingeschnürt. Der Same (Fig. 13 a u. b) ist großkörnig, von matter, mäusegrauer Farbe, rundlich, mit stark vorspringendem Würzelchen. 1000 Körner wiegen 4,925—4,960 Gramm; 1 Kilo reine Samen enthält somit 201,000—203,000 Körner. 1. Probe II. Probe Auf 100 Körner berechnet keimten 4°/° 12°/° faulten — 18°/° blieben hart 96°/° 70°/» Von den letzteren (den hart gebliebenen Körnern) keimten, nachdem sie geritzt wurden: I. Probe II. Probe 94°/° 56°/° Die Keimfähigkeit betrug in diesem Falle 98°/° 68°/° Der Same keimt, wenn er geritzt wird, größtentheils innerhalb 4—5 Tagen. Die Keimpflanzen entwickeln sich aber sehr langsam. Erst im zweiten und dritten Jahre nach der Saat gelangen dieselben zur Blüthe. Am 11. September 1885 auf der Fürstenalp gesät, hatten die Pflanzen am 12. Juli 1886 erst 2 dreizählige Blättchen und Ende September waren alle noch steril, sie gelangten erst Ende Juli 1887 znr Blüthe. Es ist jedoch besser, wenn man die vorher tüchtig mit Glaspapier abgeriebenen Samen im Frühjahr säet, in welchem Falle man in der Regel schon im folgenden Jahre blühende Pflanzen erhält. Durch eingepflanzte Stöcke läßt sich die Pflanze wegen der starken Wurzel, die leicht verletzt wird, nicht so gut vermehren, obschon uns dies ebenfalls gelungen ist. Diese Verpflanzung ist jedoch nur im Kleinen durchführbar. Jin Tiefland ist uns die Kultur bisher stets mißlungen. Verwandte Arten. Nahe verwandte Arten, mit denen der Alpcnklee verwechselt werden könnte, existiren in der Schweizerflora nicht. Erkk'ävung der: Derlei' 8 H.. Ng- Ganze Pflanze mit einem knospenden, einem Ng. 7. Narbe. blühenden und zwei verblühten Köpfchen. „ 8. Kelch. 1 . Blüthe von der Seite. 9. Querschnitt durch die Blattscheide. 2. Dieselbe ohne Kelch und Fahne. „ 10. Theilblättchen; die Nervatur nur auf einer Hälfte 3. Schiffchen und Sexnalorgane. ausgeführt. 4. Sexnalorgane. .. 11. Zwcisamige Hülse. 5. Stempel. „ 12. Einsamige Hülse. " 6. Vorderes Ende der Staubfadenröhre; die Narbe überragt die Staubbeutel, .. 13. Same, a von der Seite, I> von vorne. iLk. 8. k'tc^ä ^ ««sL^» Nu.7x F ^lILollmil LlxlHUIN 1^. LlxsnIclSS u,M sL7/Lc/^/ ki^19 kig.1? ' , - I ig/2 -/, sn^,^ Lz, fiu.k-/. ^1^ i ' .l..' .li' ? ' Hl.3 I^itli. L. Ssrni, Mriod Ox^tioxls LLmxsLii'is DO. ^slä-LMxLIys. " ^ ^cdlSter sä. mt. äe!. 135 17. Der Feld-S-itzkiel. Oxvti'osti8 oiliuxektrik DtzeaudoUv. 2j (plackt eami>68tri8 XVatUtznI)., ^.8trgMlu8 es>np68lri8 !..) (Tafel 8, Figur L.) Der Feldspitzkicl oder Fcldspitzklee, auch Feldspitzfahncnklec, Feldtragauth, Feldivirbclkrant oder Alpwirthschaft- gelber Spitzkiel genannt, ist eine kleeartige Alpenpflanze von hoher alpwirthschaflticher Bedeutung, die vorn Bich nnt Begierde abgeweidet wird lind anch anf Mähewiesen von Werth ist. Botanische Beschreibung. Die Gattung Ox^tr»i>>8 (Spitzkiel) gehört innerhalb der Familie der Botanische Schmetterlingsblüthler zur Gruppe der „T r a g ant h a r ti g e n" (Astragaleen), die sich durch ihre meist in Beschreibung. 2 Längsfächer getheilte Hülse auszeichnen; letztere sind Sträucher oder Kräuter, oft dornig, welche vorzugsweise die Steppen Ost-Europas und Vorderasiens, in zweiter Linie die Gebirge der alten Welt bewohnen. Die Spitzkiele sind von allen andern Astragaleen durch das zahnartige Spitzchen am Schiffchen oder Kiel (Fig. 4) verschieden; es sind etwa 100 Arten, welche hochgelegene oder nördliche Gegenden Europas, Asiens und Nordamerikas bewohnen; in den Schweizeralpen finden sich deren sechs. — Die botanischen Merkmale des Feldspitzkiels sind folgende: Die oberirdischen Laubsprosse sind sämmtlich gestaucht, die Laubblätter also alle grundständig. Die in 2 Zeilen angeordneten Blätter sind langgestielt, unpaarig gefiedert, mit 7—14 Paaren von Fiederblättchen und einem Endblättchen. Die Fiederblättchen sind schief-eilanzett, sitzend, dicklich, etwas graulich-grün, mit verdicktem etwas einwärts gebogenem Rand und im Blattgewebe verborgenen Nerven. Die Unterseite derselben ist von aufwärts anliegenden Haaren und feinen weißlichen Punkten bedeckt. Der kurze Stiel trägt eine kleine, gelbe, zweispaltige Drüse auf der Rückseite des Blättchcns (Fig. 15, rechts). Die langgestielten Blüthenköpfchen entspringen aus der Achsel der untersten Laubblätter des diesjährigen Triebes, sind also seitenständig und grundständig; ihr aufrecht anliegend behaarter Stiel ist 5—10 ein lang. Die Blüthen haben einen schmutziggrünen 7—0 nun langen, mit 5 kurzen dunkler gefärbten Zähnen versehenen Kelch und eine etwa doppelt so lange, weißlich- oder grünlichgelbe oder aus blau und gelb gescheckte oder endlich beinahe ganz blaue Krone, mit violettem Fleck auf dein Bauch des Schiffchens. Die langcylindrische Kelchröhre ist von kurzen, schwärzlichen und langem, weißen, aufrecht abstehenden Haaren zottig; auf den kurzen, dreieckigen Zähnen findet sich nur die erstere Form von Haaren, weßhalb sie dunkler erscheinen (Fig. 1, 8 u. 9). Die Fahne ist längs des Mittelnervs scharf gekielt, ihre Ränder nach oben zurückgeschlagen (Fig. 1, 2, 8 u. 9). Die Flügel (Fig. 3) haben einen dünnen Stiel und einen nach rückwärts gerichteten Fortsatz*). Das Schiffchen zeigt an der Stelle, wo es die Staubbeutel birgt, eine Austreibung und einen schwarzvioletten Fleck (Fig. 4). Die Staubfadenröhre ist sehr tief, weit offen und theilt sich oben in 5 lange und 4 kurze Staubgefäße (Fig. 7), das freie Staubgefäße liegt hoch über der Spalte der Röhre (Fig. 5). Der Pollen wird von den Antheren sehr frühzeitig, lange vor der Entfaltung der Blüthe, entlassen und bildet eine zusammengepreßte, den Schiffchenbauch erfüllende Masse (Fig. 5). Der Fruchtknoten ist kurzgestielt, behaart, der Griffel lang (Fig. 6), die auf- wärtsgebogene Narbe kopfig (Fig. 12). Abarten. Die Färbung der Blüthen ist eine sehr wechselnde; am häufigsten gelbweiß mit schwarz- Abarten, violettem Fleck auf dem Schiffchen, an der Stelle, wo Narbe und Staubgefäße liegen. Der Fleck kann sich ausdehnen, es tritt eine bläuliche Färbung der Flügel, zuletzt auch der Fahne hinzu, bis schließlich die ganze Krone, so weit sie wenigstens aus dem Kelch herausschaut, blau gefärbt ist. Diese Formen mit mehr oder weniger blau gefärbten Blüthen werden als var. 8«>i ckicka (schmutzfarben) abgetrennt; sie stimmen aber in allen übrigen Merkmalen völlig mit der weißgelben Form überein. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Der Feldspitzkiel ist durch die ganze Alpenkette verbreitet; Geographische er findet sich ferner auf den Apenninen, Pyrenäen, den Gebirgen Ungarns, Galiziens, Croatiens, Dalmatiens, Bosniens, von Montenegro, der Herzegowina, Finnlands, des südlichen Schwedens und Schottlands. Im Jura fehlt er. Außerhalb Europa kommt er vor: im arctischen und temperirten Nordamerika, im arctischen Sibirien und auf dem Altai, dem Ural, in Transkaukasien. Seine eigentliche Heimat sind wohl die Steppen- *) Bei einer von Schrüter am Albula beobachteten großblüthigen Form kommt am Flügel noch ein zweiter, nach unten gerichteter Fortsatz vor (siehe Fig. 9 u. 13). Die biologische und systematische Bedeutung dieser Form ist noch zu eruiren. 186 Stimdortc. Höhcn- verbreitung. Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Tiingung. Wuchs. Entwicklung. Fnttcrwerth. 'Nutzung. Samen- gewinnung. Same. gebiete Nordasiens, von wo aus er mit einer ganzen Schaar von Arten ähnlicher Verbreitung die Alpen besiedelt hat. Man findet ihn besonders auf steinigen Weiden und Magermattcn; auch an steilen Felsen siedelt er sich oft an, wenn dieselben Spalten und Risse besitzen, wo die Wurzel einzudringen vermag. So z. B. trafen wir ihn auf der Fnrstcnalp häufig in den Spalten steil abfallender Bnndncrschieferwände. Noch besser gedeiht er auf tiefgründigem Boden; er erlangt in diesem Falle eine wesentlich üppigere Entwicklung. Sein Hauptverbreitungsbezirk in den Schweizeralpcn liegt zwischen 1700 und 2600 >u: er steigt aber auch über die Schneegrenze (bis 3000 m am Gornergrat'. Durch das Wasser wird die Pflanze bis in's Tiefland hinabge- tragen, siedelt sich hier an und gedeiht als bleibender Bestandtheil der Flora; so auf dem Linthdelta im Gäsi bei Weesen 425 m, wo sie in sehr zahlreichen, üppigen Exemplaren längs des Escherkanals wächst, ferner an der Kandermündnng 560 m (Fischer). Mit Bezug auf die klimatischen Ansprüche ist also die Pflanze sehr anpassungsfähig, sie ist durchaus nicht streng an ein alpines Klima gebunden und gedeiht auch in Kulturen der Ebene sehr gut. Auch in Bezug auf den Boden ist die Pflanze nicht wählerisch. Auf feuchten und nassen Bodenarten kommt sie nicht sort, dagegen siedelt sie sich gern aus lockern, frischen Bodenarten an, besonders wenn die Unterlage mergeliger Natur ist. Man findet sie deshalb häufiger aus dem mergeligen Schiefergestein und dem Kalk der Alpen, während sie ans dem Urgestein weit seltener ist. Auf den alluvialen Sandböden der Flüsse gedeiht sie sehr gut. 1000 Theile Pflanzensubstanz vom Henthal (Bernina), gesammelt am 14. August 1888, enthielten auf Heu berechnet: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäurc, Kali, Kalk, Magnesia 80,72°,Zoo 59,70°/oo 4,89°/°° 13,94°/°° 16,77°/oo 5,25°/oo Das Dnngcrbcdürfniß ist wie bei den meisten schmetterlingsblnthigen Pflanzen ein sehr geringes. Durch den animalischen Dung würde sie ohne Zweifel eher nachtheilig als vortheilhast beeinflußt werden. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Die Wurzel ist eine kräftige, senkrecht absteigende und wenig verzweigte Pfahlwurzel. Nach oben geht sie über in einen Wurzelstock, der sich sofort in kurze, aufsteigende Aeste verzweigt. Dieselben sind von den vertrockneten Resten der ältern Blätter dicht bekleidet. Namentlich sind es die derben, bleibenden Spindeln der Blätter, welche als lange, aufrecht abstehende, braune Borsten den Nhizom- ästeu ein struppiges Aussehen verleihen. Die oberirdischen Triebe sind sämmtlich gestaucht, Laubblättcr und Blütenstände also grundständig; der ganze Horst bildet in Folge dessen ein niedriges, ebenes Polster. Neue Rhizomäste entspringen aus den Achseln vorjähriger Blätter. In Zürich blüht sie Ende Juni, auf der Fürstenalp einen Monat später. 100 Theile auf Heu berechnete Pflanzensubstanz, am 14. August 1888 auf den sonnigen Blagermatten des Heuthales zur Zeit der Blüthe gesammelt, enthielten: Organische Substanz, darin: Eiweiß, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe 80,3°/° 19,75°/° 3,70°/° 16,97°/° 39,61°/° Die Pflanze ist also außerordentlich reich an Eiweiß, auch der Fettgehalt ist groß und der Nohsasergehalt gering. Sie wird aber auch mit Begierde vom Bieh gefressen; an gut zugänglichen Stellen findet man sie immer abgeweidet. Aber auch als Mühesntter ist sie sehr gut geeignet und erreicht in hohem Gras eine bedeutend größere Bürge als auf der Weide. Samengewinnung, Same, Kultur. Der Same wird Ende August bis Anfang September reis. Bei der Samengewinnung werden die Stengel mitsammt den Hülsen abgeschnitten und hernach die Samen ausgedroschen. Der Samenansatz ist jedoch meist gering, so daß die Ausbeute sehr mäßig ist. Die Hülsen sind häufig durch Insektenlarven ausgefressen. Der Same (Fig. 19) ist hell bis dunkelbraun, seitlich eingedrückt. Die aufgeblasenen, erst röthlichbrann (Fig. 3 links), znletzt kaffeebraun gefärbten Hülsen sitzen aufrecht iu dem bleibenden Kelch (Fig. 14.) Sie sind einseitig aufgeblasen, behaart und durch die eingebogene samentragende Bauchnaht halb zwcifächrig. 1000 Körner wiegen je nach der Vollkommenheit 1,5 bis 2 Gramm, so daß also 137 1 Kilo reiner Same 500,000—670,00« Körner enthält. Bon Samen, die auf der Fürstenalp an Felsen gesammelt wurden, keimten 25 "/» blieben hart 31 °/o faulten 44 Von den hart gebliebenen Samen keimten, nachdem sie geritzt wurden, noch 27 °/o, so daß also die Keimfähigkeit in diesem Falle 52 °/o betrug. Bevor man also die Samen aussät, sollte man sie stets ritzen, sonst geht sehr wenig davon auf. Die Vermehrung in größerem Maßstabe ist nur durch Sauren möglich. Der Same keimt, Kultur, sobald er geritzt wird, ziemlich rasch und gut, die Keimpflanzen entwickeln sich aber sehr langsam. Im ersten Jahr treiben dieselben nur 4 bis l! kleine, wenigzahlige Blätter, im zweiten Jahr gelangen die kräftigeren Pflanzen znr Blüthe, die weniger kräftiger! erst im dritten. Der Saat im Frühjahr ist der Vorzug zu geben. Ob die Kultur bei der Schwierigkeit, genügende Samenmengen zu erhalten, rathsanr ist, ist fraglich. Verwandte Arten. Von allen übrigen Schmetterlingsblnthlern der Schweizerflora sind die Spitzkiele leicht und sicher durch das Spitzchen des Schiffchens zu unterscheiden. Gelbblühend sind außer unserer Art noch ^ der behaarte Spitzkiel (Oxz tropw inlosa) und der stinkende Spitzkiel Mz lropm lck-liäa). Der erstere ist durch den verlängerten, aufrechten, 20—40 ein hohen Stengel, der letztere durch die drüsige Behaarung leicht zu unterscheiden. Von den blaublühcnden Formen unserer Pflanze unterscheidet sich der violettblühende Halle r'sehe Spitz kiel (Oxxlropis twllori) durch die vollständig zweifächrige Hülse, alle übrigen blaublühenden Arten (Ostroms Montana, imKloola nncl lapponiea) durch die gestielten Hülsen, die zwei letztgenannten außerdem durch die mit der Kelchröhre gleich langen Kelchzähnc. Von alpwirthschaftlicher Bedeutung ist von allen diesen nur der Bcrg-Spitzkiel (OxM'opis Montana lloo.), der an etwas verrutschten Stellen der Weide, auf steinigen Hängen und Wildheuplätzen oft sehr häufig ist. Er wird von den meisten Autoren als treffliche Futterpflanze bezeichnet. Nach unsern Erfahrungen ist er ein Unkraut, denn er wird nie abgeweidet. KrMävung den McrkeL 8 L. Fig. U. Ganze Pflanze mit 2 Blüthenk'öpfchen in voller Blüthe, einem abgeblühten und einem Frncht- köpfchen. „ 1. Blüthe von der Seite. „ 2. Dieselbe ohne den Kelch. „ 3. Dieselbe ohne Kelch und Fahne. „ 4. Schiffchen und Sexnalorgane. „ 5. Sexnalorgane. „ 0. Stempel. „ 7. Vorderes Ende der Stanbfadenröhre. „ 8. Blüthe von unten gesehen. „ 0. Blüthe von der Abart mit 2 Flügclfortsätzen. Fig. 10. Schiffchen und Sexnalorgane von oben. „ 11. Zusammengepreßter, entleerter Pollen aus der Schifschenspitze. „ 12. Narbe. „ 13. Flügel der Abart mit 2 Flügelfortsätzcn. „ 14. Hülse und Fruchtkelch. „ 15. Basis eines Theilblättchcns von unten mit der Drüse. „ 16. Basis des Blattstiels mit den Nebenblättern. „ 17. Ganz junge Keimpflanze. „ 18. Einjährige Keimpflanze. 18 . Die kalte Berglinse. Pinien sri«i«I:i Pinne (dFmtoinn nntnr. eil X jmg-. 117,3, nnno 17ö!P ich. (Uolalon keichäa Uoir., Uiiaea oeliroala llrant-!). (Tafel N) Alle alpwirkhschafklichen Autoren, welche über die kalke Berglinse geschrieben haben, rechnen Atpwirthschaft- dreselbe zu den besten Alpenfntterkrüntern (v. fliütri, Theobald, Schatzmann n. A.). Sie ist ein hohes, 18 138 üppiges, blatt und nährstoffreiches Alpcukrant, das aber die offene, kurzrasigc Weidctrift flieht und sich besonders aus Wildheuplanken, Felobändern und Graten dein langhaluugen Rasen zugesellt. Botanische Botanische Beschreibung. Die Gattung >' !i n e n tBerglinse) gehört, wie 0x^'ln>i,i8, zu der steppen- Beschreibnng. gebirgsbewohueudeu Gruppe der Astragaleen (traganthartigen Schmetterlingsblüthler); sie unterscheidet sich von den echten Traganth-Arten (^MimMibm) durch das Fehlen der Längsscheidewände in der Hülse; dieselbe ist einfächrig*) (Fig. 11.) Die Gattung besteht aus etwa 70 Arten, welche über die Gebirge tropischer und gemäßigter und die Ebenen nördlicher und arctischcr Länder weit verbreitet sind: Europa, Sibirien, Altai, Baikal, Dahuricn, Kamschatka, China, Mongolei, Himalaja, Caucasus, Kleinasien, Nordamerika (lioollv mmmlmim, Oregon, Kalifornien, arctisches Gebiet), Mexiko, Peru, Chili. Die kalte Berglinse (besser wäre die Uebcrschung „kaltwohnend", sie ist aber zu schleppend) hat verlängerte, nnverzweigtc, aufrechte, oberirdische Triebe von 20 —60 m» Höhe; am Grunde führen dieselben braune, häutige, aus den verwachsenen Nebenblättern bestehende Niederblätter; die Lanbblätter bekleiden den ganzen etwas zick- zackförmig hin- und hergebogcncn Stengel bis unter die endständige Blüthentraube. Besonders charakteristisch für die Pflanze sind die großen, bleichgrünen, den Stengel etwas umfassenden, sonst völlig freien Nebenblätter, welche am Grunde des völlig scheidenlosen Blattstiels entspringen. Die Spreite ist unpaarig und opponirt gefiedert, 3—8-paarig, die Fiedcrblättchen eiförmig, stumpf, mit kleinem aufgesetztem Spitzchen, oberseits dunkel, nnterseits hellgrün, mit dunklem Adcrnctz, und spärlich anliegend behaart. Die Blüthen sind zu feiten- und cndständigen Trauben vereinigt. Der Kelch ist grünlich, die Krone weißlichgelb gefärbt. Die Einzelheiten des Blüthenbaus sind aus den Figuren 1—8 zu ersehen. Bcmerkenswerth ist die hohe Emporwölbung des Nagels der Fahne (Fig. 3) und des freien Staubgefäßes (Fig. 4—7), ferner der lange Stiel des Fruchtknotens (Fig. 8). Abarten. Abarten gibt es in der Schweiz keine; die in Nordamerika auf dem Felsengebirge einheimische var. amoriogna Ilooll. mit kahlen Hülsen, die arctisch-amerikanische Abart liltorslm >>«><>!<. mit schwärzlichen Haaren, die sibirische kleinblüthige var. parvillora finden sich alle nicht bei uns. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die kalte Berglinse findet sich durch die Alpenkette von Verbreitung. Savoyen (weiter westlich fehlt sie) bis zum Wiener Schneeberg mehr oder weniger häufig, dann auf den hohen Bergen Siebenbürgens, Croatiens, selten in Ungarn, ferner im Norden in Norwegen, im nördlichen Schweden, Lappland und Finnland und im arctischen Rußland. Außerhalb Europas im arctischen Amerika (als var. titloralm mit schwärzlicher Haarbekleidung) und im Felsengebirge (als vsr. amoriogna mit kahlen Hülsen) und im Himalaja und arctischen Asien (bis Novajg Somtja). Sie gehört somit zu der Gruppe weitverbreiteter „Glacialpflanzen", Standorte, wie killen»! sipiunm u. A. Ihre bevorzugten Standorte sind steile, nicht allzu stark der Besonnung ausgesetzte, schwer zugängliche Halden am Fuße von Felsköpfen. So fand sie sich an der Käshalde auf der Fürstenalp bei 2030 m zu 10,ö50/o im Nasen als zweitwichtigste Art. Der üppige Rasen dieses für Wildheuplanken an Nordlage auf kalkreichem, tiefgründigen Boden charakteristischen Bestandes bestund zu 50°/o aus der rostfarbigen Segge; unter den Gräsern dominirte der schöne Schwingel (ssWtuoa pulalmlla) mit 10,17 "/«, daneben fand sich Sa^Iorm ecnrnlea, Usslnoa violaesa und ^ntlinxsutimin. Die dunkelpnrpurnen Blüthen des Süßklees, llscl^arnm »I,8mirn»>, die röthlicheu Döldchen der Muttern, Aonin Ilnttzllina (8,59 °/g), und die gelben Sterne der Milchkräuter (Leontodonten) ließen das Gras als Delikatesse für gehörnte Feinschmecker erkennen: eine Augenweide für die Wildheuer. In ganz ähnlicher Gesellschaft findet sich die Berglinse auf der berühmten halbschürigen Bergwiese der Crester-Alp im Averserthal; ein uns von Hrn. Käser gütigst übersandter Hsi derselben enthielt 6 , 50/0 l'Imca, wieder mit l^vlnea imtelrolla, b'öMnea viotamm, .Inttioxmitlmm, mit 6ai'sx karriiKinsa und ^smpörvii-aim, Hohen- )i6nm illntöltiim (20 o/o) und den Leontodonten vergesellschaftet. — Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt zwischen Verbreitung. ^00 und 2500 m. Am N. W. Hang der Schrattensluh steigt sie in der Nähe der Steinwandhütte bis 1500 m 2) Es gibt freilich auch echte Tragantharten mit cinfächriger Hülse, wcßhalb neuere Autoren (so ;. B. Bentham und Hooker in Eenera plantarnm) die Gattung pbaea mit ^atraZains vereinigen. 139 tief herab und Braun gart fand sie au der Linth bei Lintthal herabgeschwemmt bei 780 m. Der höchste bis jetzt bekannte Standort ist auf dem Jupperhorn bei 2785 m (Brüggcr.) Mit Vorliebe sucht sie nördliche Lagen, schattige Tobel oder durch das hohe Gras geschützte Hänge aus. Sie ist, ivie Br anngart richtig bemerkt, eine „Rcergelpflanze", d. h. sie findet sich hauptsächlich ans den Mergelschiefern und kalkhaltigem (Gestein, während sie im Urgebirge seltener ist. Besonders häufig wächst sie in der Schweiz auf dem Bündnerschiefer, einem grauen, schiesrigcn Mergelgestein, das einen kundigen, tiefgründigen Boden liefert. So z. B. fehlt sie im Nrgebirgsgebiet des Rheinwald, tritt dagegen am Geißberg, Hintcrrhein gegenüber, aus Bündnerschiefer bei lftOOm massenhaft ans. Auch auf der Humusdecke der Gräte entwickelt sie sich oft sehr üppig, wenn der Untergrund geeignet ist, und dnrchspinnt dieselbe mit meterlangen Kriechtriebeu. Auf der Rordseite des Gromserkopfes (Montalin-Hochwangkette) findet sich unmittelbar unter dem Grat, auf der sanften Abdachung, dem zerklüfteten Bündnerschiefer anfliegend, eine 20—30 owi mächtige Schicht von beinahe reinern Humus. Diesen lockern Humus durchzieht die Pflanze mit ihren oft mehrere jz-uß langen, unterirdischen Aus läufern, die nach alten Richtungen sich dntzendfach verzweigen und oberirdische Acste entsenden, so daß man beim Nachgraben die Ueberzeugung bekommt, daß die scheinbar isolirten Pflanzen einer mehr als Quadratmeter großen Fläche alle unterirdisch zusammenhängen. Der Humus ist durch die Reste folgender Pflanzen, die dort häufig vorkommen, gebildet: Isländisch Moos, Okkr.iri:» wlamlwo .01». Nennthierflechte, Olockouü» i-oirzikoiviro Ilolln». Alpen-Hahnenfuß, I1-mcii>e»»Iu8 .-»IgsKem 0. Netzadrige Weide, 8oliv i'Miealgl.-l 0. Blaue Seslerie, Sosloria eooi'ulcm, rO'ck. Dunkler Süßklee, Uoä^soruiir »bscmrmn 0. Niederliegende Azalea, Armlos proe»nnbsn8 I.. Achtblättrige Dryade, Orzms oelopötolg st. Bergspitzkiel, Ox^lroplü mimlgim 00. Bioor-Heidelbeere, Vaeoininm nliZino^»»»» 0. Ausgerandete Weide, 8slix rostig 0. Borstgras, XaiI»i8 slinela 0. Bayrischer Enzian, OonOom» stavoeic:» 0. Scheuchzers Hafergras, 4voim 8ellouel>/.vei III. Alpenrothschwingel, st68k»»ea viiilscoa Oauä. Niedriger Schwingel, koslnes p»»n»il!> Olcoix. Rauschbcere, lOnpoliann niAeum 0. Gestreifter Seidelbast, Oaglms striola lüotl. Stengclloses Leimkraut, 8ilcm6 .leauliü I.. Alpen-Bartschie, Oarwic» olging 0. Frnhlings-Windröschen, .stnsclions vvrnalis 0. Preiselbeere, Vaeeinium Vil»8 Iclaea 0. 1000 Theile Heu, von einer Halde auf der Fnrstcnalp am 13. Juli geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 28,51°/»» 04,31°/»» 12,57°/°» 20,59°/»» 6,20°/»» 1,98°/»» Gegen die animalische Düngung scheint die Pflanze ziemlich indifferent zu sein. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Die Wurzel ist eine senkrecht absteigende Pfahlwurzel, die bis l,30 m lang werden kann. Der Wurzelstock besteht ans zahlreichen, bis meterlangen, dünnen Kricchtrieben (Fig. ^); dieselben entspringen entweder ans einem senkrechten, dicken Haupt-Wnrzelstvck, der sich zuletzt oben in lauter solche Triebe auflöst (wie auf unserer Tafel zu sehen ist), oder ein solches vertieales Rhizomstück fehlt und die Pfahlwurzel löst sich gleich an ihrem obern Ende iit eine Anzahl dünner Krieehtriebe auf. Dieses letztere Verhalten tritt oft sehr frühzeitig ein: einjährige Keimpflanzen von, Versuchsfeld ans der T'ürstenalp zeigten es schon. Die Krieehtriebe breiten sich nach allen Richtungen ans, bald schief aufsteigend, bald weit horizontal kriechend (siehe Tag- J-): ihr Ende erhebt sich schließlich über die Erde, um in einen oberirdischen Stengel auszugehen. Soweit sie unterirdisch kriechen, sind sie mit scheidigen Niederblättern bedeckt, welche ein kleines Spreiten Rndiment führen (T'ig. 13) und beinahe ausnahmslos in ihren Achseln Knospen tragen. Diese ent wickeln sich entweder zu neuen Kriechtrieben oder zu oberirdischen Stengeln. Die letzteren bilden die Boden. Bodenerschöpfung. Tnugnng. Wuchs. 140 Entwicklung. Futterwerth. Nutzung. Saiueu- gewinuung. Same. aufsteigenden Enden der Kriechtriebe; sie stehen entweder allein oder in kleinen Büscheln beieinander, indem der Hauptstcngel aus den Achseln seiner untersten Blätter seitliche Stengel erzeugt. Die ganze Pflanze gleicht also einem unterirdischen Baum, dessen Stamm sich in weitansgreifendc und reichver> zweigte Neste theilt; über die Erde treten nur die Zweigspitzen, um ztü blühen, zu fruchten, dann abzusterben, um im nächsten Jahr durch neue ersetzt zu werden. Das im warmen Boden wohlgc- borgene Astwcrk aber bildet eine unerschöpfliche Vorrathskammer von Reserveknospen und Nescrvenahrnng. Der Flächcnranm, den eine einzige Pflanze mit ihren Trieben umspannt, ist ein sehr bedeutender, gewiß oft gnadratmetergroß; ganz sicheren Aufschluß vermochten wir darüber nicht zu gewinnen. Das gesellige Wachsthum einer großen Anzahl scheinbarer Einzelpflanzen von Birnen ist also oft aus der Zusammengehörigkeit derselben zu einem Individuum zu erklären. Die Pflanze gehört zu den Spätlingen der Alpenflora; bei ea. 2200 in beginnt die Blüthe erst um die zweite Hälfte des Juli. 100 Theile Heu, am 13. Juli bei Beginn der Blüthe am Fuße eines Grates auf der Fürsteualp gesammelt, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Nohfett, Nohfaser, Stickstofffreie Extraklstoffe 76,66"/» 17,69°/° 5,51°/° 13,00°/° 40,37°/° Der Nährstoffgehalt ist also sehr bedeutend, und ganz besonders ist dies bezüglich des Fettgehaltes der Fall, während der Rohsasergehalt zurücktritt. Wegen ihres hohen Wuchses und ihrer Ergiebigkeit ist die Pflanze vorzugsweise als Mähefntter geeignet; sie wird aber mich gerne abgeweidet; das Wcidevieh frißt jedoch besonders die oberen, zarteren Theile der Pflanze ab und läßt ziemlich lange Stoppeln stehen. Wie bereits erwähnt, findet sich die Pflanze weniger auf der häufig begangenen Weide, als vielmehr an Drten, wo das Bich selten oder nie hingelangt. „Sie haben sich", sagt v. Rütti, „offenbar im Lauf der Jahrhunderte vor der gierigen Zunge des Viehes an schwerer erreichbare Stellen geflüchtet". Wahrscheinlich erträgt sie, wie die meisten schmetterlingsblüthigen Pflanzen, das häufige Abweiden nicht gut. Samerigewinmmg, Same, Kultur. Die kalte Berglinse reist ihre Samen Ende August bis Anfangs September. Die Hülsen werden um diese Zeit abgestreift, getrocknet und der Same sobald als möglich ansgedroschcn. Die Samen sind nämlich in hohem Grade den Nachstellungen eines Insekts ausgesetzt, welches seine Eier in die jungen Hülsen legt; die Maden fressen dann die halbreifen Samen auf, so daß der Ertrag, bei der großen Häufigkeit des Insekts, meist ein sehr geringer ist. Airs dem gleichen Grunde beginne man mit dem Samensammcln so zeitig als möglich, weil sonst die Ausbeute gering ist. Da die Pflanze stellenweise häufig ist und viele Hülsen ansetzt, so bietet das Samensammeln keinerlei Schwierigkeiten. Größer wäre aber ohne Zweifel die Ausbeute, wenn die Pflanze in einer möglichst tiefen, sonnigen Lage kuttivirt und die Samen hier gesammelt würden. Die Hülsen (Fig. 9, 10) sind langgestielt, hängend, mit etwas aufgebogener Spitze, bräunlich gefärbt, mit feinen Häärchen besetzt, stumpf-dreikantig, etwas aufgeblasen und schwach höckerig: sie enthalten, wenn sie nicht von dem oben erwähnten Insekt befallen sind, zahlreiche Samen. Diese letzten sind flachgedrückt, unregelmäßig- eckig (Fig. 12 :> n. I)), mit vorragendem Würzclchen und kommaförmigen Hilum. 1000 Samenkörner wiegen 3,385 Gramm. 1 Kilo reine Samen enthält somit 290,000 Körner. Von 100 Körnern keimten im Durchschnitt 25°/°, faulten 11°/° und blieben hart 64°/°. Wären letztere geritzt worden, so hätten sie ebenfalls größtentheils gekeimt, so daß die Keimfähigkeit etwa 85°/° betragen hatte. Die Kcimdaner beträgt bei geritzten Samen 10—20 Tage. las. 9 ',7/^7,,// kig 1a ! ><> ., - 4 Vi^ kils.0 ^ 1 ^ l^ics o - L v l" i «^lö ^'i I >., 9 - i kin 14 'i M kLacra iri§1äL 1^. Lal^s 2sr§11nss ü. ^51). 8edMr sä. mt. äk). I.Ltd L. Lsnn. 2ürLeb. 141 Die Keimpflanzen entwickeln sich sehr langsam. Im ersten Jahr trieben sie anf dem kräftigen Boden der Fürstenalp nur wenige dreizählige Blättchrn, im zweiten Jahr erreichten die Pflanzen erst eine Höhe von 15 Ccntjuieter, und die Blätter waren meist erst 5—5-zählig. Erst vom dritten Jahr an dars man aus einen Ertrag rechnen. Zur Anlage dauernder Mähewiesen aus der Alp verdient die kalte Berglinsc wegen ihres hohen Wuchses alle Beachtung, jedoch selbstverständlich nur als Zusatz zu andern rascher sich entwickelnden Pflanzen. Verwandte Arten. Die Gattung ülweg wird sehr verschieden abgegrenzt: am nächsten ist mit ihr der Traganth tJstraßaüw) verwandt, einige Arten werden bald zu diesen, bald zu jenen gesellt. Verwechseln kann man unsere Art mit keiner andern. Die breitovalen, hellgrünen Nebenblätter lassen sie von allen andern alpinen Papilionaccen leicht und sicher unterscheiden. Von alpwirthschastlicher Bedeutung ist von ihren nächsten Verwandten nur die in den Alpen weitverbreitete ülwes astraZglina 1)e. iJstragalns olpimm ü.), mit zierlich aus weiß und blau gescheckten Blüthen und verkürztem, niederlicgendem Stengel. Lrlilciaurrg der: Hasel' 9. Fig. F. Stück einer blühenden Pflanze; die unterirdischen Theile sind soweit möglich vollständig gezeichnet, oder wenigstens ihre wirkliche Länge durch Angabe der Maße angedeutet, von den zahlreichen oberirdischen Trieben ist einer ausgeführt. „ 1. Kelch allein. „ 2. Blüthe von der Seite. „ 3. Blüthe von vorn gesehen. „ 4. Blüthe ohne den Kelch. „ 5. Blüthe ohne Kelch und Fahne. Fig. 6. Schiffchen und Sezualorganc von oben gesehen „ 7. Dasselbe von der Seite. „ 8. Sexualorgane. ,, 9. Stempel. „ 10. Fruchtstand. „ 11. Hülse mit Fruchtkelch und Staubgcfäßröhre. „ 12. Querschnitt durch die Hülse. „ 13. n und b Same. „ 1-1. Spitze eines unterirdischen Kriechtriebes. „ 15. Knospe eines Laubtricbcs. 19. Der dunkle Süßklee. stl6(1v8tiruitt olmeui'nm IÜII1IÜ I. (lieäz^rmn alpinum .Inocj. II. ccmlimvoi'mim Ornat/.). (Tafel 10) Der dunkle Süßklee wird von T r a ch s e l „Hahnenkamm", von andern „Hahncnkopf" genannt. Im Pinzgan heißt er „blauer Hütten". Derselbe ist neben der vorhin beschriebenen eine der üppigsten, nährstoffreichsten und schönsten schmetterlingsblüthigen Pflanzen unserer Alpen. Er wird von Trachsel in seinem „schweizerischen Pan" als ein „unschätzbares Alpenfutterkraut" bezeichnet. Moritzi (Pflanzen Graubündens) rühmt ihn als „bestes Heu". Auch v. Nütti, Theobald, Schatz mann u. A. rechnen ihn zu den ausgezeichnetsten Alpenfntterkräntern. Botanische Beschreibung. Der Süßklee (Gattung Ilack^arma) gehört zu der nach ihm benannten Gattnngstrnppe der Hcdysareen, innerhalb der Familie der Schmetterlingsblüthlgen. Sie zeichnen sich durch den Ban ihrer Hülse aus; sie ist der Quere nach in cinsamige Glieder getheilt, die bei der Reife meist sich von einander trennen; seltener ist die geschlossen bleibende Hülse 1—2-samig und nicht gegliedert. Von den schweizerischen, zu den Hedysareen gehörigen Gattungen unterscheiden sich die Kronwicke (Oarmütta), derVogclfuß Mrmtliowwt und der Hufeisenklee (tlippoeropiZ durch ihre doldenförmigen Blüthenständc, die nächstver- wandtc Gattung Oaabrzmläx (Esparsette) (siehe den I. Theil dieses Werkes Seite 96 und Tafel 15) durch ihre 1 —2-samigcn ungegliederten Hülsen, während die des Süßklees gegliedert sind (Fig. 12.). Kultur. Verwandte Arten. Benennung. Atpwirthschast- tichcr Werth. Botanische Beschreibung. 142 Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- verdreitnng. Äliina. Boden. Die etwas hin und hergebogenen Stengel des dunkeln Süßklees sind 10—40 am hoch, am Grunde mit oft zahlreichen Nebenstengeln (Fig. .1), im übrigen aber unvcrzweigt. An der Basis führen sie braune, scheidig- häutige Niederblätter, aus den verwachsenen Nebenblättern bestehend, weiter oben sind sie von entfernt zweizeilig stehenden Laubblättcrn bis unter die endständige Blüthentraubc bekleidet. Die Laubblätter sind unpaarig, alter- nirend bis opponirt gefiedert, 5—9-paarig, die Nebenblätter im untern Theil des Stengels zu einer zweispitzigen, blattgegenständigen Scheide verwachsen, oben frei. Die Ficdcrblättchen sind eiförmig bis lanzett, ganzrandig, ausgerandet oder stumpf oder spitzlieh oder bcspitzt, oberseits dunkel, nnterseits Heller grün mit dunkelgrüner Nervatur; die Seitennervcn laufen bis nahe an den Rand, nm sich dann bogenförmig zn vereinigen. Die Fiederblättchen sind oberseits vollkommen kahl, unterseits meist auf dem Mittclnerv angedrückt behaart, getrocknet beiderseits braunroth punktirt, die Punkte oft im Lichte durchscheinend. Die dunkelpurpurrothen Blüthen sind zu 10—50 zn einer überaus stattlichen, cndständigcn, cinscitswcndigen Traube vereinigt. Die etwas hängende Eiuzelblüthe hat ein schmales Deckblatt und zwei am Grunde des Kelchs sitzende Vorblätter (Fig. 1). Die Details des Blüthenbans sind aus Fig. 1—10 ersichtlich. Bcmerkcnswcrth ist die Kürze der Flügel und die starken, rückwärts gerichteten Fortsätze derselben (Fig. 3.). Abarten sind keine bekannt. Vorkommen, Klima, Boden, Dnngnng. Der dunkle Süßklee ist einheimisch in Euro p a auf den Alpen (im Jura fehlt ers, den Pyrenäen, Karpathen, Sudeten, im Riesengebirge, dann im nördlichen Lappland, aus Nowaja Semlja und im arctischen Rußland. Außerhalb Europas findet er sich im ganzen arctischcn und gemäßigten Sibirien, vom Ilral bis zur Bcringstraße, in Kleinasien, dem Kaukasus und Armenien. Die Gattung Hochform» enthält etwa 50 Species; der Orient besitzt 38, Rußland und Sibirien 24, das arctische Amerika 2—3, Nordafrika einige wenige, Europa 16, davon 6 im Mittclmeergcbiet, die übrigen in Südrußland. Unsere Species steht also in der alpinen Flora systematisch und geographisch isolirt da und gehört wohl mit andern Alpenleguminosen einer Gruppe ursprünglicher Steppenbewohner an, obwohl sie in ihrer jetzigen Verbreitung und ihrem Gcsammthabitus sich durchaus einem alpinen und arctischen Klima angepaßt hat. Der Süßklee findet sich in der Regel neben der kalten Berglinse und andern begleitenden Pflanzen an Wildheuplanken, auf abgelegenen Weideplätzen, Fclsenbändern, Gräten, in Runsen, an steilen Hängen, selten auf der offenen Weidetrift. Nach Keiner tritt er neben andern alpinen Papilionaceen häufig in der Alpenstcanß- graswiese (Promis alpimi) der Tiroler Kalkalpen als bezeichnender Bestandtheil auf. Besonders üppig steht er oft an Nordhängen in dem humusreichen Moosteppich, der die Lücken der Drosbestände >4Imw viriclls) ausfüllt (so am Geißberg ob Hinterrhein). Aber auch den einförmigen Sesleria-Rasen steiler Südhänge weiß er mit seinen bunten, weithin leuchtenden Blüthen zu beleben, so z. B. auf kalkreichem Bündnerschicfer am Schänzli im Gebiet der Fürstenalp. Selbst belasten Felsschutt meidet er nicht. Ihre Hauptverbreitung hat die Pflanze in der Schweiz Zwischen^ 1800—2500 m, wo sie in geeigneter Lage und auf entsprechendem Boden oft in Menge auftritt. Der tiefste von uns notirte Fundort ist 1275 m (Tobcl oberhalb des Kemmeri an der Schrattenfluh), der höchste 2881 m (Samnaunerpaß, Brügger.) Sie scheint zu ihrem Gedeihen ein ausgesprochenes alpines oder arctisches Klima zu verlangen, wenigstens steigt sie sehr selten namhaft unter die Baumgrenze herab. Der dunkle Süßklee ist, wie die kalte Berglinse, eine Mergelpflauze und findet sich deßhalb Haupt sächlich im Schiefer und Kalkgebirge, ohne indeß dem Urgebirge ganz zu fehlen. So findet er sich aus dem Urgebirge des Splngcns bei 2400 in ob dem Splngenberghans; allerdings kommt in der Gegend Urgebirgskalk vor. Er fehlt, wie die kalte Berglinse, im UrgebirgSgebiet des Nheinwald, tritt aber am Geißberg gegenüber Hinterrhein auf Bnndnerschieser bei 1850—1000 in in großer Menge und Ueppigkeit aus. Aus den Mergelschiefern der Alpen ist er häufig, so auf den braunen Schiefern der Churfürsten, in den Mergeln der Schrattenfluh, auf dem Bnndnerschieser; ferner auf dem Dolomit des Röthi am Tödi, dann am Faulhorn, Stockhorn, Pilatns, Snrenen, Biesen re. Auch P ach er bezeichnet die Pflanze ans Grnnd seiner Beobachtnngeu in Kärnthen als kalkhold. In Sndbayern fand sie Sendtner ans Mergel und Kalkhornstein verbreitet, nicht aber auf reinem Kalk oder Dolomit. Auch auf dem Humus der Gräte siedelt sie sich gerne an. 148 Am 13. Juli 1886 zur Blüthezeit au einer Nordhaldc der Fürstenalp auf Büuduerschiefer gesammeltes Heu enthielt: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsänre, Kali, Kalk, Magnesia. 35,52°/»» 50,1?o/oo 5,66°/»» 16,18°/»» 8,18°/oo 2,79°/»» Gedüngte Stellen meidet die Pflanze nnd auch aus dem dnngerkräftigcn Boden des alpinen Versuchsfeldes zeigte sie durchaus keine kräftigere Entwicklung als an den nngediingten natürlichen Standorten; sie wird im Gegentheil an fetten Stellen durch die dichte Narbe der Gräser leicht verdrängt. Wachsthum, Antterwerth, Nutzung. Auch diese Art zeichnet sich, wie die Berglinse, durch ihre mächtige unterirdische Entwicklung aus. Die über Im lange Pfahlwurzel geht nach oben in ein ganz kurzes verticales Rhizomstück über, das sich sofort in eine größere Zahl von Kriechtrieben auflöst. Es ist bemerkens- werth, daß dieses Verhalten sehr früh auftritt, indem schon die einjährige Keimpflanze oben sich ganz unvermittelt in eine große Zahl von Trieben theilt (Fig. 15). Diese unterirdischen Triebe kriechen oft sehr weit (wir maßen 30—60 ein lange); sie sind Anfangs von schcidigen Nicderblättcrn, später von bräunlicher Korkrinde bedeckt und erzeugen aus der Achsel aller ihrer Blätter Knospen, so daß sie ganz bedeckt sind mit schlafenden Augen, die sich entweder zu oberirdischen Trieben oder zu Kriechtrieben entwickeln können. Das Ende der letztem erhebt sich endlich über die Erde und bildet oberirdische Stengel, welche aus ihrer Basis sich weiter verzweigen und nach der Frnchtreife absterben, nachdem sie aus den Achseln ihrer untersten Blätter einen oder mehrere neue Triebe für das folgende Jahr erzeugt haben, die im Herbst als rothgefärbte Knospen sichtbar sind. Die Blüthe tritt Mitte Juli ein. 100 Theile Heu, am 13. Juli zur Blüthezeit an einer Nordhalde der Fürstenalp gesammelt, enthielten: Organische Substanz, darin : Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 80,98«/» 22,20°/» 2,76°/» 17,38°/» 38,64°/» Die Pflanze zeichnet sich also durch einen sehr hohen Proteingehalt aus und liefert ein außerordentlich kräftiges Futter. Nach der Blüthe werden die hohen Stengel an der Basis zwar etwas hart, so daß das Weidevieh lange Stoppeln stehen läßt. Wegen des etwas bitterlichen Geschmackes wirkt das Futter auch nicht blähend. Sie ist besser als Mähcsnttcr zur Heubereitnng geeignet, wie zur Weide und liefert geschnitten, wegen des hohen Wuchses, auch einen hohen Ertrag. Aus der Weide hat sie sich meist an Stellen zurückgezogen, wo das Wcidevieh selten oder nie hingelangt, ohne Zweifel, weil sie das häufige Abweiden wie die kalte Berglinse nicht gut ertrügt. Samengewinnung, Same, Kultur. Der Same ist Mitte August reif. Die Pflanze setzt viel Samen an nnd derselbe ist leicht zu gewinnen. Die hängende, hellbraun gefärbte Hülse ist flachgedrückt, 1- bis 4- gliedrig; jedes Glied enthält einen Samen und ist von dem benachbarten durch eine Einschnürung getrennt (Fig. 11, 12, 13). Die Fruchtschalc ist dünnhäutig, aber zäh, netzadrig gezeichnet, gerandet und an den Kanten gewimpert. Bei der Reife zerfällt die Hülse in die geschlossen bleibenden, einsamigen Glieder. Die Samen sind flachgedrückt, von elliptischem Umriß mit ebenen Flächen, stark hackenförmig vorragendem Würzelchcn (Fig. 14 n. b) und eingesenktem, rundlichem Hilnm. 1000 Samenkörner wiegen mit den Hülsen 7,255—7,505 Gr., ohne Hülsen 3,850- 4,405 Gr. Die Hülse ist sehr zäh nnd ist nur durch Reiben oder tüchtiges Dreschen zu entfernen. Von 100 enthülsten Samen keimten 72°/», faulten 9°/», blieben hart 19°/»; die letztem würden jedenfalls fast sämmtlich gekeimt haben, wenn sie geritzt worden wären. Die Keimdauer ungeritzter Samen beträgt 40—50 Tage. Der Same keimt also sehr langsam und noch langsamer entwickelt sich die Keimpflanze. Am 26. Juni 1885 im alpinen Versuchsfeld gesäte Samen gelangten 1887 noch nicht zur Blüthe nnd erreichten erst eine Höhe von 8—10 Centimeter. In Figur 15 (Tafel 10) ist eine einjährige Pflanze abgebildet; dieselbe zeigt eine außerordentlich kräftige unterirdische, aber eine sehr spärliche oberirdische Entwicklung. Die ersten Blätter sind dreizählig, erst wenn die Pflanze älter ist, werden sie fünfzählig, dann siebenzählig u. s. f. Auch durch Einpflanzung von Rhizomen läßt sich der dunkle Süßklee vermehren und zwar rascher als durch Samen. Im Juni 1885 gepflanzte Stöcke gelangten 1887 zur Blüthe. Der Klee eignet sich insbesondere zur Anlage Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fntterwerth. Nutzung. Sainen- gewinnnng. Same. Kultur. 144 Krankheiten. Verwandte Arten. Benennung. Geschichte. Alpwirthschast- lichcr Werth. Botanische Beschreibung. von dauerhaften Mähcwiesen auf den Alpen, selbstverständlich aber auch nur als Zusah zu Pflanzen, die sich rascher entwickeln. Krankheiten. Die Pflanze wird häufig von einem Rostpilz (lli'miy'cas Ilsch'sari 0ö8.) befallen, dessen Sporen auf der Unterseite der Blätter in Form von kleinen, orangegelben, später dunkelbraunen Häufchen erscheinen; der Werth der Pflanze als Futter wird dadurch wesentlich herabgesetzt. Die Kulturen auf der Fürstenalp wurden durch diesen Schmarotzer sehr beeinträchtigt. Verwandte Arten. Nahe verwandte Arten, mit denen der Süßklee verwechselt werden könnte, cxistiren in der Schweizerslora nicht. Die ihm am nächsten stehende Pflanze unserer Alpen ist Oiwln^oUm montan» (Bcrg- Esper), die Stammpflanze der cultivirten Esparsette. Sie ist ein gern gesehener Bewohner der Magcrmattcn und Wildheuplanken sonniger Kalkhalden von 1500 — 2300 m., auf der Weide aber selten. Vom Süßklee ist sie durch aufrechte Blüthen, ungegliederte, einsamige Hülsen und das Fehlen von Kriechtrieben verschieden. Ki'ktcir'ung öev Gcrfel' 10. Ng. I. Blühender Stengel mit einem Theil des Rhizoms Fig. 7. Kelch allein. und der Pfahlwurzel. „ 8. Vorderes Ende der Staubgefäße. „ 1. Blüthe von der Seite gesehen. „ 9. Staubbeutel von hinten. 2. Dieselbe nach der Entfernnng des Kelchs und „ 10. Staubbeutel von vorn. der Fahne, von der Seite. „ 11. Fruchttranbe. „ 3. Dasselbe Präparat schräg von oben. „ 12. Viergliedrige Hülse. „ 4. Schiffchen und Sexnalorgane. „ 13. Eingliedrige Hülse. 5. Sexnalorgane allein. „ 14 a—k. Same von der Seite und 0. Stempel. „ 15. Einjährige Keimpflanze. 20. Das rauhe Milchkraut. I.oonlollon Iti8pi(lii8 Innitö. ich (Tafel 11, Fignr ^.) Alle drei im Folgenden zu beschreibenden Milchkräuter heißen im Volke ferner: Milchli, Milchlichrut, Sunne- blümli, Schwychrut, Schweinskraut, wilde Pfaffenröhrli, wildi Säublümli, wilde Süblnama (der Löwenzahn, llaraxacum otttemalo, ist die „zahme"), Weihfäcke, Weihefäcke (auch der Löwenzahn wird vielfach Wcihfäcke oder Haweiefücke genannt),' Hunneblume, große Gamswurz (Zillerthal), fälschlich auch Ritz, Ritzli, Löwenzahn u. drgl. In Tessin werden sie als llmlmrio »otvatmo (wilde Cichorie) oder „lin^ua Oi cano" (Hundszunge) bezeichnet. v. Nütti schreibt über die Milchkräuter in der „schweizerischen Alpwirthschaft": „Vor Allem ist hier zu erwähnen die Sippe der Löwenzahnartigen, die mit ihren großen gelben Köpfen in der Ebene schon das Anzeichen einer guten, wohlgedüngten Wiese ist, in den Alpen aber durch die ganze Region in einer ansehnlichen Menge von Arten und Exemplaren auftritt; freilich wird sie hier bedeutend kleiner und schmächtiger, die größer» Arten mit gegen Ende Sommers hartwcrdenden, verschmähten Stengeln (was aber die Versamung und Fortpflanzung wesentlich erleichtert); die Anwendung von flüssigem Dünger würde aber jedenfalls für diese Gattung vom aller- günstigsten Erfolge begleitet sein; die einzelnen Stöcke, die schon jetzt sehr milchig und nahrhaft sind, würden größer, stärker, umfangreicher und zudem viel an Bitterkeit verlieren. Man wage zwei Jahre den Versuch und man wird sehen, daß manches unscheinbare Exemplar die zugewendete Pflege reichlich und über Erwarten lohnt; und wie viel sich durch eine ordentliche, regelmäßige Düngung auch in den Alpen erringen läßt, wird gerade das Geschlecht der Löwenzähne, Säublumen und Pfaffenröhrli ins Licht stellen." (Zu den Löwenzahnartigen rechnet v. R. offenbar auch die Rinderblume (OeM nuroaj). Das rauhe Milchkraut ist ciuc allgemein verbreitete, nährstoffreiche, von allen Sennen hochgeschätzte Futterpflanze. Botanische Beschreibung. Die vier unter Nr. 20—23 zu beschreibenden Arten gehören der Familie der K ö r b ch e n b l ü t h l e r oder Kompositen an. Folgendes sind die wichtigsten Merkmale dieser Familie: Die Blüthen sind zu Körbchen vereinigt, d. h. zahlreiche Blüthen besetzen dichtgedrängt das keulen- E I'ils. 6 ^.7 e'i c/. r^L'.pM! "y.u HsäZ73LI'QII1 ObZQQ^IO. 1^ SUssLIss « ^ LcliiStsi sj. vst. äel. I,itü. L. 8snn, 2üneli. 145 oder knchenförmig ausgebreitete Ende eines Stengels und sind von einer grünen Hülle aus znngenförmigen Hochblättern umgeben. In den Blüthenkörbchen auf Tafel 11 bedeutet also jedes der gelben Blättchen eine besondere Blüthe, und der grüne Kelch am Grunde derselben ist der gemeinsame Hüllkelch ; die Fig. 1 jedes Tafel-Viertels stellt jeweilen einen Längsschnitt durch das Körbchen (oder Köpfchen) dar, welcher die Anordnung der Einzelblüthen auf dem scheibenförmigen, gemeinsamen Blüthenboden (resp. Fruchtboden jbeim Fruchtköpfchen) zeigt. Für die Einzelblüthe ist Folgendes bezeichnend: Tie 5 langgestreckten Staubbeutel sind zu einer Röhre verklebt, während die Staubfäden getrennt bleiben (siehe besond. Quadrant Ist Fig. 6). Durch die Röhre der Staubbeutel hindurch tritt der oben in 2 Narbenäste sich spaltende Griffel, welcher auf seiner äußern Fläche mit borstigen Fegehaaren, auf der Innenfläche der Neste mit Narbenpapillen besetzt ist. Der Fruchtknoten ist unterständig (das stielartige Gebilde in der Figur 2 und 3 bei F, 3 bei <) und 4 bei Ist, die einsamige Frucht meist von einem Pappus gekrönt, d. h. von einem den Kelch vertretenden Kranz steifer Borsten („Strahlen" des Pappus). Dieselben sind entweder einfach haarig (so bei stvop'm, Fig. 7 st) oder mit Seitenhäärchen versehen (Fig. 9 .4, 8 Ist 11 st). — Die Gattung stsontuclon (Nr. 20—22) oder „Milchkraut,,*) gehört wie stropm (Pippau, Nr. 23) zu der Unterfamilie der Cichorienähnlichen (C i ch or i a c e e n). Dieselbe ist dadurch charakterisirt, daß sämmtliche Blüthen eines Köpfchens zungenförmig sind, d. h. eine nur unten röhrige, oben bandartig sich ausbreitende Krone besitzen (Fig. 4 cl und 3 U rc.); daß ferner die sämmtlichen Theile der Pflanze M il ch sa st führen. Innerhalb dieser Unterfamilie läßt sich eine Gattnngsgruppe (Iritnm), die Hypo- chacrideen iFerkelkrantartigenst ausscheiden, deren Früchte einen Pappus besitzen und an der Basis zusammengezogen sind, deren Blüthenschaft blattlos ist. Mit fedrigcm Pappus existiren aus dieser Gruppe nur 3 Gattungen in der Schweiz, ilMxünvrm, stoonlocbm und lUriuo'm, wovon die erstere auf dem Blüthenboden außerhalb jeder Einzelblüthe eine Sprcnschuppe trägt, die letzteren nicht, und die dritte sich von der zweiten durch das Vorkommen von zweierlei Früchtchen im selben Fruchtköpfchen unterscheidet. Wir können also sagen: die Milchkräuter sind unter den schweizerischen Körbchenblüthlern diejenigen, welche Milchsaft führen, lauter gelbe Znngcnblüthen, einen blattlosen Schaft, einen Blüthenboden ohne Sprenschuppen und lauter gleichartige Früchte mit fedrigem Pappus besitzen, dessen Seitenhäärchen nicht verflochten sind. Die Gattung stmmtochm ist in ca. 40 Arten vorzugsweise in der alten Welt verbreitet (nur eine Art ist amerikanisch), und zwar in Europa, Mittel- und West-Asien und Nordafrika. Wir geben in folgender Uebersicht die botanische Beschreibung der drei Arten nebeneinander: Organe. Wurzel und Rhizom. Herbst-Milchkraut. st. nnlnwimlm. 1'sk. 11, stip. ist siehe unter „Wuchs". Rankes Milchkraut. Pyreuaeu-Milchkrant. st. UichälUm. Ist'. 11, stip. ^1. st. Iy i'6umc»8. 11,l'. 1t, stiA. Ist wie vor. wie vor. Blätter. Eine bodenständige Rosette bildend ; Spreite von lanzettlichem Gesammtumriß mit fiederlappigcr bis fiederspaltigcr, selten doppelt ficderspaltiger, matter Spreite, ' kahl, oder mit spärlichen einfachen Haaren besetzt, Stiel flach, > geflügelt (Fig. 1 l n. 12). Eine bodenständige Rosette bildend, sehr vielgestaltig. Spreite spatelig bis länglich- lanzett, stumpf, schwächer oder stärker gezähnt, oder fiederspaltig bis siederschnittig, völlig kahl bis dicht rauhhaarig ; die meisten Haare 2—Ogabelig (Fig. 12), wenige einfach. Blattstiel schmal bis breit geflügelt (Fig. 10 u. 11). Der Rand der Blätter oft wellig kraus, die Zipfel hin- und hergebogen; Spreite beiderseits glänzend. Eine bodenständige Rosette bildend ; Spreite spatelig, bis verkehrt eiförmig, Stiel bis 17 ei» laug, mit halbkreisförmigem Querschnitt n. sehr s ch wache n Flügeln sFig. 12), meist etwas röthlich gefärbt, unten Plötzlich in eine halbstengel- umfassendeScheideerweitert.Spreite beiderseits von einem eigenthümlichen Fettglanz. Blattrand mit entfernten, eckigen bis liucalcn Zähnen besetzt, sehr selten fieder- theilig und nie wellig kraus; meist kahl, seltener mit einfachen Haaren besetzt. H Wir wählen ane den zahlreichen volkothiimlichen Bezeichnungen diesen vlaincn, weil die eigentliche Uebersetznng des wissenschaftlichen GattnngSnaniens, nämlich „Vöwenzahn", schon für laraxaonw ollu-inale vergeben ist. 19 146 Organe. Herkst-UMchkvuut. O. Al>lnmimli8. Inl. 11. 1^8. ll. Rauhes Milchkraut. O. Irmpllllm. 'las. 11, l?'^. .4. Nyrermett-NMchkraut. I,. j>z>'6imm»8. Inl. 11, 1^8' O. Blüthen- sÄast. Seitlich aus der Achsel eines älteren Blattes entspringend ; Laubachse also unbegrenzt fortwachscnd. Schaft 10 — 30 (nn hoch, selten mwerzweigt, meist mit einem bis mehreren weit abstehenden ein- köpfigen Acsten, stark kantig, kahl oder spärlich mit einfachen Haaren besetzt, stets mehrere Schuppen tragend, die nach oben all- mälig in die Hüllblätter übergehen. Terminal, dash'sEnde der jedesmaligen Laubachse bildend (die letztere also durch seitliche Knospen sich wieder erneuernd), 10 —55 am hoch, stets einfach und einköpfig, nur an der Basis etwa mit einem Rebenstengel. Kahl oder mit ga- beligcn Haaren besetzt, die mit wenigen einfachen untermischt sind, schuppenlos oder 1 — 2schuppig. Seitlich aus der Achsel eines älteren Blattes an der Basis der Blattrosette entspringend, 2*/a bis 40 ein hoch, oft etwas bogig aufsteigend, stets einköpfig und mit mehreren Schuppen besetzt, kahl oder sehr spärlich mit einfachen Haaren besetzt. Bliithen- köpfchen. Der Blüthenschaft verdickt sich allmälig, um gleichmäßig, ohne Plötzliche Ausbiegnng, in das Köpfchen überzugehen (Fig. 1); er ist oberseits mit mehreren angedrückten Schuppen besetzt, die nach oben allmälig in die Hüllblätter übergehen. Die letzter» sind dachig- mehrreihig, die Hülle stetig nach oben sich erweiternd. Der Blüthenschaft verdickt sich allmälig und geht dann plötzlich in das Köpfchen über (Fig. 1), das also deutlich von dem Stengel abgesetzt erscheint und über der Mitte gewöhnlich etwas eingeschnürt ist. Der Uebergang vom Schaft in's Köpfchen erfolgt wie bei milnin- nali8 ganz allmälig (Fig. 1h ohne Absatz. Die innersten Hüllblätter sind am längsten und unter sich gleich; außen sitzen einige wenige viel kleinere, die nach nuten allmälig in die HochblattschuPPen übergehen. Die Hüllblätter führen, neben schwärzlichen Haaren, auch lange, weiße, spinnwebartig verflochtene, welche den Köpfchen von weitem ein grauliches Aussehen verleihen. Junge Blüthen- köpfchen. aufrecht. nickend. nickend. Blüthe. Die Einzelblüthe ist bei allen drei Arten übereinstimmend gebaut: auf den: kurzen, stielartigen Fruchtknoten sitzt, von dem PaPPus umgeben, die gelbe Krone; der untere Drittel derselben ist eng- röhrig, dann erweitert sich die Röhre plötzlich bauchig, wird einseitig aufgeschlitzt und ausgebreitet (Fig. 4 .4, 3 ll und 5 Oh Die Zunge endigt mit einem quer abgeschnittenen Saum mit 5 kurzen Zähnchen (Fig. 5 F). In der Knospe ist auch die Zunge eingerollt (Fig. 3 Oh die fünf dunkel gefärbten Zähne bilden einen dunkeln Fleck und die zahlreichen, dicht aneinanderschließenden, jungen Blüthen der Köpfchemnitte erscheinen so als dunkle Scheibe. Das schon oben erwähnte Verhalten der Staubgefäße und des Stempels ist in Fig. 6 n. 7 O abgebildet. Der Blüthenstaub wird von den verklebten Staubbeuteln in das Innere der Röhre abgegeben, der durch dieselbe hindurch wachsende Griffel bürstet mit seinen nach aufwärts gerichteten Fegehaaren denselben heraus (Fig. 7) und bietet ihn den besuchenden Insekten dar. Die beiden Griffeläste liegen anfangs mit ihren papillentragenden Innenseiten fest aneinander, so daß eine Bestäubung unmöglich ist; später öffnen sie sich und können dann mit fremden Pollen belegt werden. Zuletzt rollen sie sich so stark zurück (Fig. 2 .4), daß sie sich selber mit dem allenfalls noch am Griffel haftenden Pollen bestäuben können. Frucht- boden. Gruben (oder „Beetchen") mit etwas welligem Rand (Fig.4n). Gruben mit stark gewimpcrtem Rand (Fig. 6 s). Gruben mit glattem Rand. 147 Herbst-Milchkraut. Annlses Milchkraut. Pyreuaeu-Milchkraut. l , mituwuslis. las. 11, big. U. U. limpiäus. lall 11, lüg. .1. l.. Mi'guaieus. las. 11, kÜK. I>. Frucht- köpfchen. Das Fruchtköpfchcn bildet bei allen dreien ein vollständiges, zierliches Kügelbürstchen, da die Hülle sich vollständig zurückschlägt und die randständigcn Früchtchen sich znm Stengel herabkrüinmen lsiehe namentlich Fig. 6 ^11 Gegen das Licht gehalten, erscheint die Kngelbürste zusammengesetzt aus einem Strahlcnkern, der aus den Früchtchen selbst besteht und einer hellbraunen, feinstrahligen Hülle, aus den Pappnshaaren zusammcngcwoben. Die Unterschiede sind folgende: Neben braunen, guten Früchtchen auch weißliche, taube, erheblich länger und schmäler als die guten und mit weniger ausgebreitetem Pappns (Fig. 4). Taube Früchte ebenso lang als die guten (Fig. 6). wie vorige. Frucht. Langgestielt (Fig. 4 u. 4 ai, spindelförmig, mit 5 Lüngsfurchen und dazwischenliegenden, stark guer- runzeligen Längsriefen) Fig. 5 u. 7.) Wie vorige lFig. 6, 6 n u. 7). Wie vor., aber mit sehr schwach ausgeprägten Querruuzelu (Fig. 9). Pappns. Nur einerlei Pappnsstrahlcn, alle an der Basis etwas verbreitert und dort ganz kurz gefiedert oder nur gesägt lFig. 6 n. 8). Zweierlei Pappnsstrahlen: äußere knrzgcfiederte, seinborstige nnd innere langgefiederte an der Basis stark verbreiterte lFig. 8 n. 9). Wie vor., aber die stark gefederten Strahlen nur schwach verbreitert, die schwach gefiederten, fein- borstigen ganz kurz (Fig. 10 u. 11i. Resümircn wir die Angaben der Uebersichtstabelle, so können wir etwa sagen: Das H e r b st Milchkraut ich. :mlnimu>1m) hat seltener mir buchtig gezahnte, meist stark eingeschnittene Blätter' mit schmalen, langen Zipfeln und breitgeflügeltcm Stiel, einen einfachen oder berz weigten Blüthenschaft mit mehreren Schuppen, aufrechte junge Köpfchen, nie gegabelte Haare und stets einen aus gleichen Strahlen zusammengesetzten Pappns. Das rauhe Milchkraut ich. Iimpicklm mit allen seinen Abarten, der glatten, der schweinssalatblättrigen rc.) hat buchtig gezähnte bis stark fiederschnittige Blätter mit b r c i t geflügeltem Stiel, einen u n verzweigten oder höchstens basalen Nebenstengel tragenden Blüthenschaft*!, ohne oder mit sehr wenigen Schuppen, nickende Köpfchenknospen, keine oder dann gegabelte Haare und einen aus zweierlei Strahlen zusammengesetzten Pappns. Das P yrcn ä en-Milchkraut ich. pz rongimm) hat meist ganze, selten etwas fiederlappige Blätter, mi.t deutlichem rnndli ch cm, kau m geflügelte m und röthlichem Stiel, einen st c ts n »verzweigten mit in ehre r e n Schuppen besetzten Schaft, nickende Köpfchenknospen, nie gegabelte Haare und einen aus zweierlei Strahlen zusammengesetzten Pappns. Es dürfte zweckmäßig sein, gleich hier die Unterschiede von den übrigen Milchkräutern der Schweiz anzugeben: Usiiiitvckcni Dn'nxmch das Löwenzahn-Milchkraut, eine Bewohnerin felsiger und steiniger Standorte der Hochalpem ist von alleil andern Leontodonartcn durch den schneeweißen (nicht bräunlichen) Pappns verschieden. Usonlocloir ine.num. das graue Milchkraut, sowie sein naher Berwandter, U. lsmiillomm, das klcinköpfige Milchkraut, haben einen senkrecht absteigenden, nicht abgebissenen, sondern atlmälig in eine spitz verlaufende Pfahlwurzel sich verlängernden Wnrzelstock. Alle drei sind ohne alpwirthschaftliche Bedeutung. Abarten. Das rauhe Milchkraut ist äußerst vielgestaltig; die bcmcrkenswerthesten Formen sind folgende: 1. Das glatte Milchkraut, U. !i. vor. inmlilm U.: Blätter nnd Blüthenschaft kahl oder beinahe kahl, im Uebrigcn wie die rauhe Form gestaltet. Verwandte Arten. *) nur a» abnorm üppigen Exemplaren bisweilen einen 2—3-ästigen Stengel. 148 2. Das sch w ein ssala tblä tt rig e Milchkrau t, I,. l>. vor. I>)(morn>iclv8 XVvlxv.: Blätter fast bis auf dcn Mittelnero fiedcrspaltig. Diese Form findet sich mit stark röthlich gefärbtem Mittelnero der meist aufgerichteten Blätter, mit sehr steifem, ebenfalls röthlichem, zuletzt schwärzlichem Stengel sehr häufig auf den Wässerwiesen des Wallis und im Engadin. 3. Das krausblättrige Milchkraut, I.. l>. vor. immulocrminm : Blätter mit wellig-krausen, dicht steif- haarigen Abschnitten, mit langen, starren Gabelhaaren und stark röthlichem Mittelnero und großem Köpfchen. In der Kultur blieben diese Merkmale constant, wie wir uns an Stöcken aus dem Findelcnthal überzeugen konnten, welche im Versuchsfeld der Samencontrolstation in Zürich trefflich gediehen und sehr üppig wurden. Diese Varietät kommt in der Schweiz vor: im Engadin, Bormio, Wallis (Zermatt, Findeleu, Binnthal, Simplen), Dessin (Aloiilo 8iv, Mendrisio'. Geographische Vorkomme»», Klima, Boden, Düngung. Das rauhe Milchkraut findet sich in ganz Europa, mit Verbreitung. MZgcchme des nördlichen Rußlands, Lapplands, Schwedens und Norwegens, von Portugal, Süd- und Central- spanien und den italienischen Inseln. Im südlichen Italien, der Türkei und Griechenland findet es sich nur -Standorte, auf den Bergen. In Asie n im Eaucasus, Transkaukasien, Nordpersien, Armenien. — Das .rauhe Milchkraut gehört mit seiner glatten Abart, wie das Geruchgras und der Rothschwingel, zu den verbreitetsten, selten fehlenden Bestandtheilen unserer Wiesen aller Kategorieen. Von den fettesten Wiesen der Ebene bis hinauf zu dcn wilden Grasbändern des rauhen Hochgebirges, von den Moorwiesen und Wässermattcn des Thales bis auf die trockenen, sonnigen Kalkfelsen der Alpen, von dem üppigen, langhalmigen Rasen gut gedüngter Matten bis zu der kurzen Narbe magerer Weiden fehlen diese Milchkräuter kaum auf einer der zahllosen Abstufungen zwischen diesen Extremen. Für die Alpwirthschaft sind sie besonders dadurch wichtig, das; sie oft einen Hanptbestandtheil der knrzrasigcn viclbcgangenen Weide und der Geilstellen bilden. Mit ihren nahen Verwandten, dem Pyrenäen-, dem Herbst-Milchkraut und dem Goldpippau bedingen sie häufig den physiognomischen Ausdruck der Alpweide: im Juni und Juli durch die zahlreichen gelben Blüthcn- stcrnc, mit denen sie den Rasen schmücken, im August und September durch die gelbweißen bis bräunlichen Kngel- perrücken ihrer Fruchtköpfchcn. Man kann geradezu einen der verbreitetsten Bestaudestypen unserer Alpweideu als „M i l ch k r a n t w c i d e" bezeichnen. — Auf Matten tritt es besonders reichlich im zweiten Schnitt auf. —Zur nähern Illustration des eben gesagten mögen einige Zahlen aus analytischen Rasenuntersuchungcn angeführt werden (wir unterscheiden dabei nicht zwischen rauhem und glattem Milchkraut). Die Pflanze hatte folgende gewichtsproccntische Antheile am Rasen eines untersuchten Qnadratfnßes: 37,000/o auf einer ungedtingteu Wiese aus bestem Aueboden im Brätst bei Niederbipp 35,300/o auf einer unbewässertcu Stelle in den Langenthaler Wässermattcn 22,3go/o auf einer Magcrmatte beim Hirzeusteig ob Einsiedeln 12,70o/o auf einer Naturmatte bei der Borderscheuer am Schuebelhorn 11,6l.o/v auf einer Wiese im Baueruboden am Schuebelhorn (Kt. Zürich) 10,690/0 an einer Südhalde auf Gneis am Gotthard 19,170/0 auf einer Magermatte an trockenem Südhang auf Bündcrschicser bei Martschcllis ob Trimmis (Kt. Graubündcn) 8,490/0 auf einer gedüngten Matte auf der Golzerenalp, Maderanerthal 8,230/0 aus einer magern Weide am Etzlibach ,Maderanerthal) 7,430/o auf einer alpinen Knhweide aus der Fürstenalp, Gemeinde Trimmis 6,330/0 aus der Alpmeide in den Beckenen iObersandalpi 4,890/0 auf der Magermatte auf der Crester-Alp (Avers) 4,660/» ^ Mp^eide Fgrstenalp, Dbersäst 4,590/» auf der Schafweide am Teufelskopf (Hochwangkette) 460 Nieter über Meer. 460 050 1031 1025 1630 1480 1410 840 1894 2000 2200 1970 2400 Höhen- Gegen dcn Einfluß der Höhenlage scheint unsere Pflanze völlig unempfindlich zu sein, wie aus ihrer gleich- verbreilnng. Verbreitung von der Ebene bis 2686 m. hervorgeht (in Südbayern nach Sendtncr bis 2030 IN.). 149 Auch mit Bezug auf Bodenansprüche ist das rauhe Milchkraut ziemlich indifferent: es findet sich auf allen Bodenarten, anf kalkreichen, tvie aus kalkarmen, auf dem Schiefer, ivie auf dem llrgebirge, wenn der Boden einen mittleren Feuchtigkeitsgrad besitzt. Anf nassem Boden, sowie auf trockenem und dürrem kommt cS weniger gut fort. Scndtncr fand die Pflanze in Südbayern anf Wiesen, steinigen Plätzen, KicS, Felsen, Mooren und Heiden, im Bayrischen Wald auf Wiesen, Grünlandsmooren, Heide, und zwar auf Kalk, Granit, Gneis, Syenit, Glimmerschiefer, Sandstein u. s. w. 1000 Theile Heu, in etwas vorgeschrittenem Stadium (die Hälfte der Köpfchen hatte schon verblüht) anf einem Beet des alpinen Versuchsfeldes geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsänre, Kali, Kalk, Magnesia. 22,02°/°° 149,71°/oo 11,80»/°« 51,99°/'°° 19,64°/°° 4,79»/°° Die Milchkräuter lieben einen fruchtbaren, dttngerkräftigen Boden, weshalb sie in den Alpen ihre Hauptverbreitnng auf gut gedüngtem oder von Natur nährstoffreichem Boden haben. Auf armem Boden treten sie zurück. Im Ticflande werden sie allerdings durch starke Düngung von andern üppigeren Pflanzen unterdrückt. So z. B. enthält im Brüht in Niederbipp eine feit längster Ieit nie gedüngte Wiese anf einem von Natur reichen, alljährlich im Winter überschwemmten Boden stHO.D/a rauhes Milchkraut (kwpiäus und ffewtilis), während nebenan anf gleichem Boden eine stark gedüngte Wiese nur 2,02»/° enthält. Das Heu der nngedüngten Wiese wird aber hoher geschätzt, als das der gedüngten, was hauptsächlich dem Borkommen des Milchkrautes zuzuschreiben ist. Durch Bewässerung auf bindigem^frischem Boden wird dasselbe zurückgedrängt. So ;. B. fand sich auf einer imbewässerten Stelle einer Vangenthaler Wassermatte 27,4»/° davon, auf einer bewässerten nebenan .7,82»/°. Findet eine nur müßig starke Bewässerung statt, hat das Wasser einen guten Abzug nnd werden die Nebenpflanzen nicht allzu groß, so wird die Bewässerung aus die Pflanze jedenfalls nur Vortheilhaft wirken; so domi nirte ;. B. anf einer Wässermatte in Findelen ob Iermatt (2120 m ü. M.) stellenweise die schweins- salatblättrige Form des rauhen Milchkrauts. Wachsthum, Futterluerth, Nutzung. Das rauhe Milchkraut wirft, wie seine Verwandten, das Herbst- und Pyrenäen-Milchkrant, seine Pfahlwnrzel ab, so daß der kurze (2 bis höchstens 10 mn lange), horizontale oder schiefanfsteigende, seltener senkrechte Wnrzelstock unten guer abgeschnitten erscheint icklnckix pnmirior.M, Mimcmm pimmormm, abgebissener Wnrzelstock). Air Stelle der Pfahl wnrzel treten dann zahlreiche, kräftige, aus dem Rhizom hervorbrechende Nebeiiwnrzcln. Der Wurzelstock ist meist unverzweigt und trägt an seinem obern Ende eine Blattrosette; seltener entwickelt er kurze, dicke Aeste, welche sich ebenso verhalten. Der oberirdische Theil der Pflanze setzt sich also aus einer bis mehreren Rosetten von Blättern zusammen, aus deren Mitte sich der blattlose Blüthenschaft erhebt. Die Blätter verhalten sich je nach der Umgebung verschieden: im hohen Gras der Ebene stehen sie aufrecht und werden sehr lang nnd üppig, aus dem magern Rasen der Weide legen sie sich flach auf den Boden und bleiben kurz; aber trotzdem weiß selbst das Großvieh sie zu packen und abzufressen. Die Blätter erreichen eine Ringe von 4 bis 20 om, ver Stengel eine solche von 10—57 om. In Iürich blühen einzelne Pflanzen schon Ende Mai. Anf der Fürstenalp blühen die ersten Mitte Juli nnd die Hauptblüthezeit fällt aus Ende Juli. 100 Theile Heu, auf einem Beet des alpinen Versuchsfeldes am 10. Anglist 1880, als die Pflanzen theilweise schon verblüht hatten, gesammelt, enthielten: Boden. Bodenerschöpfung. Tiingnng. Bewässerung. Wuchs. Entwicklung. Fnttcrwcrth. 150 Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rahfett, Rohfaser, Stickstofffreie Eptraktstoffc, 71,03°/» 13,76«/« 3,47°/« 21,65°/« 32,15°/« Trotz des vorgeschrittenen Stadiums war also der Nährstoffgehalt sehr bedeutend. RMmg. Ihren höchsten Werth haben die Milchkräuter als Weidepflanzcn, weil sie ein saftiges, milchreiches, von: Bich gern abgeweidetes Futter liefern. Zur Zeit der schönsten Entwicklung der Milchkräuter geben die Kühe auf den Alpen in der Regel auch am meisten Milch. Insbesondere nährstoffreich sind die Blätter, welche auch die Hauptmasse liefern. Die Blnthenstengel sind etwas härter, weshalb das Buch viele derselben stehen läßt, die dann Hauchte bilden, wodurch der Pflanze die Möglichkeit gewährt wird, sich reichlich auszusamen. Biete Blüthenköpschcn werden aber vom Weidcvich abgebissen und mancher Senn behauptet, daß die Alpenbutter ihre schöne gelbe Farbe den goldgelben Blüthenköpsen der Milchkräuter und Rindcrblume ;n danken habe. Auch als Schasfutter ist die Pflanze sehr geschätzt. Samen- Smneilgetvimmilg, Same, Kultur. Da die Milchkräuter sämmtlich keine lauge Vebens gewmuuug. so muß stets eine Nettbesamnng stattfinden. Daß hiefür in der freien Natur schon gesorgt ist, haben wir bereits erwähnt. Die Pflanzen setzen auch reichlich Samen an, sorgen reichlich für Ergänzung des Abgestorbenen. Die Samenreise tritt auf der Alpwcide Nutte August ein; von dieser Zeit an ist die Weide überdeckt von den gelbwcißen bis bräunlichen Kugelperrücken der Frucht- köpschen, die sich mit Nichtigkeit einsammeln lassen. Der Same wird dann getrocknet und ausgerieben und kann entweder sofort oder im nächsten Frühjahr zur Saat verwendet werden. Reichlicher ist die Samenansbente, wenn mau die Pflanze rein anbaut und dann von der Reinkultur Samen zieht. Same. Die Beschreibung-der Frucht siehe oben „Botanische Beschreibung", Seite 147. 1000 Samenkörner wogen 0,740 bis 1,115 Gramm. Die Keimfähigkeit von vier verschiedenen Mustern betrug 63, 66, 73 und 80°/«. NuNnr. Der Same keimt sehr rasch. Unter günstigen Keimnngsbedingnngcn haben die meisten Samen in 4—5 Tagen und in 8 Tagen alle keimfähigen Samen gekeimt. Auch die jungen Pflanzen entwickeln sich ziemlich rasch. An: 26. Juni 1885 auf der Fnrstenalp gesäete Samen waren im folgenden Jahre in ihrer vollen Ertragsfähigkeit. Es geht dies am besten aus folgendem Bnchanszug hervor: Beet IN». I.eoiit«»«!«» Iii8i»i«Ui8 liinut. Same am 2. September 1884 auf der Weide der Fnrstenalp gesammelt. Untersucht unter Ar. 10,956. 1885 . 26. Juni gesät, 1. August hat sehr schön und dicht gekeimt, ist aber noch sehr klein. 1886 . 5. Juni bürsteudicht, 5 em hoch. 12. Juli bürsteudicht, 13—14 em hoch. 12. August. Zur Hälfte blühend, zur Hälfte verblüht, Stengel 30—40 «au hoch, Blätter 15—20 em lang, aufgerichtet. 16. August. Zur chemischen Untersuchung geschnitten. 1887 . 23. Juni, bürsteudicht, 5 —8 em hoch. 25. Juli, halb in Blüthe, halb in Knospen, bürsteudicht, Rasen 20 om hoch. 17. August in Frucht, üppig, dicht, Blätter 25 em hoch, Stengel 40 om. 19. September, geschnitten, 2,5 Kilo (1 Osta) grün. Die Saat im Frühjahr oder Borsommer verdient den Borzng vor der Herbstsaat. Die Aussaat empfiehlt sich in den Alpen sowohl zur Anlage von Mähcwiesen, wie zu Weiden, immer aber nur als Beimischung zu andern passenden Pflanzenarten. Verwandte Arten. Siehe am Ende der „Botanischen Beschreibung", Seite 147. MMkWWH 11 / //»/»s^/> Ii.,2 ^ ^ ^ // >, E///e,k - // ^ ' >n /?7 ^ ß «M ^ " u Ubit^LL ! ',<> '> °i 1'is,li«, X ' X^ /!>/>? .5/,>- 6 », /,/ III,-'» - I'i I,^UI ?it, N < biks.7 '^4 l>>s^ I^sonioäon aii^niruiLlis ^ 8örLsi>-LH1a1i1rrLu.k. X I^soriioLon —,?i.,,,- IrlsxlL^s I.. ^ ÜLiiLss LLIIolilrraii^ -t ,1 c >, >; 1 ss tl i ,//MvL-L ln.IN F/,M // AÄ7/,f,r >j In.,tt-> , k/s5 In,, - . t L,» 1i<, ^ H / l-'i cs 7 ^ --.i ' //«,/ ?«/!<"/§ > ,(, <» ^ Orsxis s.'u.rss. I,. QoläxlxxLU, IlliiLsrLI^iins. I^sonioLon x^-rsriLlons LouLn. k^SQLön-LLilolikrLui LHu^clrctsi sl i»t. äs! i >>- » >>» " ' > « - > — «' >>» 151 GvkLävung dev Helfet 11 7!v. Fig. F. Ganze Pflanze mit eine!» jnngen Köpfchen ^nickend ! > und einem in voller Blüthe befindlichen. „ 1. Schematischer Längsschnitt durch das Blüthen- köpfchen; von den Blüthen sind nnr die Fruchtknoten gezeichnet. „ 2. Blüthe voin Rande des Köpfchens (mit gebogener Kronröhre). „ 3. Blüthe von der Mitte des Köpfchens -mit gerader Kronröhre). „ 4. Dieselbe stärker vergrößert. „ 5. Ende der znngenförmigen Krone mit den dunkler gefärbten 5 (in Zipfelchen. „ 6. Fruchtköpfchen im Längsschnitt: taube und gute Früchte gleich lang. „ 7. Frucht. Fig. 8. Pappus von oben gesehen; das Kreischen in der Mitte bedeutet das obere Ende der Frucht, im Centrum die Narbe des abgefallenen Griffels, an der Peripherie die ringförmige Narbe der Krone. Man beachte die zweierlei Pappnsstrahlen. „ 9. Einer der nicht verbreiterten Pappnsstrahlen. „ 10. Querschnitt durch den breitgeflügelten Blattstiel von einem wildgewachsenen Exemplar. „ 1l. Dasselbe von einem kültivirten Exemplar; die Flügel sind vcrhältnißmäßig schwächer entwickelt als beim vorigen. „ l2 a—f. Einfache und gegabelte Haare von Blättern und Schaft. „ 12 p—i. Dieselben vom Hüllkelch. Botanische Beschreibung. Abarten. 21. Das Herbst-Milchkraut. Immitmlon uiitiiiiiiinsi« Isiiniü 9i. (Tafel 11, Figur .11) In Bezug auf Benennung, Geschichte und alpwirthschaftlichen Werth gelten die bei der vorhergehenden Alpwirthschast Art gemachten Angaben. Der Artnamc rührt davon her, daß die Blüthezeit bei dieser Art später eintritt als Werth, bei den andern. Botanische Beschreibung. Siehe „Botanische Beschreibung" bei Nr. 20, Seite 145 u. ff. Abarten. Von Abarten sind zu nennen: 1. Das W i e s e n - H e r b st - M i l ch k r a u t- I.öcmlocbm m>li>m»-ilm var. smaloimiv, ausgezeichnet durch die langen, bräunlichen bis schwärzlichen Haare am Hüllkelch und am obern Theil des Schaftes; es findet sich auf den Alpen häufig mit nur einem Köpfchen und entspricht dann dem liömiloclon aliiovlriv UoKi-lvolnvoilar. 2. Das schlanke H cr b st - M i l ch kr a u t, I^mmUntou milumnakiv vor. primitiv; dasselbe ist hell, mit nngetheilten, gezähnten und beinahe ganzrandigen Blättern; in der Schweiz ist es selten. 3. Das doppeltfiederspaltige Herbst-Milchkraut, Imoul-xim: mitumn-il'm vor. pimia- tilickuv mit tieffiederspaltigen Blättern, deren unterste Zipfel wieder fiederlappig sind. Vorkommen, Boden, Düngung. Das Herbst-Milchkraut ist in ganz Europa verbreitet, mit Ausnahme Geographische von Sardinien, Sizilien, dem größten Theil von Süditalien, Griechenland und der Türkei; außerhalb Enropa's ^Emnnb- ist es einheimisch: in Sibirien häretisches Gebiet, Ural, Altaisi ferner in Neufundland, dort aber nach Hook er wahrscheinlich eingeführt. Wie das rauhe Milchkraut findet es sich hauptsächlich auf der vielbegangenen Weide Standorte, und auf Mähewicsen, an Wegrändern, Rainen, in Waldblößcn, auf Heiden, ist aber nicht so häufig wie dieses. Inimerhiu ist es auf den Matten und Weiden der Ebene sowohl, wie auf den Vor- und Mittclalpen ein sehr wichtiger Bestandtheil. Auf den Hochalpcn ist es seltener, an seine Stelle tritt hier das Pyrenäen-Milchkraut. Höhengren;cn. Der höchste bis jetzt bekannte Standort ist 2400 m (großer St. Bernhard, lap. F. O. Wolf, und zwar die Varietät alpovtriv). Es kommt auf kalkreichen und kalkarmen Bodenarten vor, scheint aber das Urgebirge vorzuziehen (so gedeiht es besonders üppig und häufig auf dem Urgebirgsboden des Bernhard«: und der Tessiner- Alpen). Auch Sendtner findet für Südbayern, daß es kieselhaltigen Boden liebt. Ferner wird es auf cnlti- virtem Torf angetroffen. Unter allen Umständen verlangt es einen frischen. Boden. 1000 Theile Heu, von einem Beete des alpinen Versuchsfeldes, am 16. August geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosporsäure, Kali, Kalk, Magnesia. Boden. Bodenerschöpfung. 24.09»/-,-, 99,75»/oc> 10,14»/, -IN 42,11»/nn 10,32»/-,, 3.56»/° 152 Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fittterwcrth. Nutzung. Samen- gewinnnng. Same. Kultur. Pcrwandtc Arten. Gegen Düngung scheint die Pflanze ziemlich unempfindlich zn sein, da sie auf dem magersten Boden, wie auf stark gedüngten Wiesen sich findet. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Der Wuchs ist ganz analog dem des rauhen Milchkrautes: auch hier findet sich ein horizontaler oder schiefer, selten senkrecht absteigender, unten durch Abwerfen der Pfahlwurzel abgebissen erscheinender Erdstock mit zahlreichen, starken Nebenwnrzeln. Die Blätter werden 10 bis 30 am, der Stengel 10—60 am hoch. Auch hier bilden die Blätter eine bis mehrere bodenständige Rosetten, an denen der verzweigte, seltener einfache Blüthenschaft entspringt. Die Blüthczeit tritt in der Ebene Ende Juni ein, oder etwas später, auf den Alpen Ende Juli. Man trifft aber noch im August und September ziemlich häufig blühende Stengel. 100 Theile Heu, von einem Beete des alpinen Versuchsfeldes, am 16. August 1886 geschnitten, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfascr, Stickstofffreie Extraktstoffe. 76,03°/» 15,05°/» 3,71°/» 21,11°/» 36,13°/» Der Gehalt an Protein und Fett ist also ein sehr bedeutender. Namentlich als Weidepflan^e ist das Herbst-Milchkraut dem rauhen noch überlegen, weil es kahl ist und längere Blätter besitzt. Aber auch als Untersntter in Mähcwiesen ist dasselbe sehr werthvoll. Im klebrigen gilt das Nämliche, was beim rauhen Milchkraut über die Nutzung gesagt wurde. Sameilgewilimmg, Same, Kultur. Die Damen reisen anf der Alpweide Mitte Angnst, im Tieslandc im Juli. Bei der Gewinnung verfährt man wie beim rauhen Milchkraut. Da die Damcnausbenke bei dieser und der folgenden Art im Tieflande größer ist und die hier ge sammelten Damen auch zur Aussaat in den Alpen geeignet sind, so dürste es lohnender sein, dieselben nuten zu knltiviren. Die Frucht ist unter „botanische Beschreibung" bei Nr. 20 rauhes Milchkraut, Seite 117, beschrieben. 1000, anf der Weide der Fürstenalp gesammelte Früchte wogen 0,610—0,795 Gramm. Die Keimfähigkeit betrug 45 —64Pg, Die Keimung geht rasch vor sich und die Pflanzen entwickeln sich ebenso rasch wie die der vorigen Art, anf welche hier verwiesen sei. Wegen der größer» Ertragsfähigkeit empfiehlt sich das Herbst-Milchkraut noch viel mehr zur Aussaat, als das rauhe. Verwandte Arten. Bezüglich der verwandten Arten vergleiche das am Ende der „botanischen Beschreibung" bei Nr. 20 (rauhes Milchkraut) Gesagte. Krktcrrung der Werfet 11 8. Fig. 0. Ganze Pflanze mit einem jungen und einem blühenden Köpfchen. Die Hülle des letztem ist zn stark gegen den Schaft abgesetzt, derselbe erweitert sich ganz allmälig znr Hülle. „ 1. Blüthenköpfchen im Längsschnitt, von den Blttthn sind nur die Fruchtknoten gezeichnet. „ 2. Eine Schuppe des Hüllkelches, von der Seite gesehen. „ 3. Blüthenkrone. „ 4. Fruchtköpschen im Längsschnitt, die tauben Früchte bedeutend länger als die guten. „ 4 a. Grube (oder „Beetchen") des Frnchtbodcns; der Fruchtstiel aus der Bütte derselben entspringend, von einem niedrigen Kragen umgeben; Rand der Grube etwas wellig. Fig. 5. Reife Frucht mit dem Pappns ; Körper der Frucht mit gnerrnnzligcn Längsriefen. „ 6. Pappnsgrund von oben gesehen, Strahlen abge schnitten, alle gleichmäßig ausgebildet, nur einerlei Strahlen. „ 7. Querschnitt durch die Frucht: sie enthält einen eiweißlosen Samen, der vom Kcimling ganz ausgefüllt wird. „ 8. Ein Pappusstrahl; der untere verbreiterte Theil desselben knrzfedrig. „ 9. Ein Stück desselben vergrößert; zwischen den seitlichen Fiederstrahlen noch kleine Börstchen. „ 10 a. Verkümmerter Same aus einer tauben Frucht. „ 10 b. Keimling aus einer guten Frucht. „ 11. Querschnitt durch einen Blattstiel. 153 22. Das Pyrenäen-Milchkranl. I.eonttxlon j>vr6nnlon8 (tonnn 9j. (Tafel ll, ^ig. v.) Das Pyreimen-Neilchkrallt (im Berner-Dbertand Bcrg-Sankraut genannt), das seinen Namen von Alpwirthschajt- dem Borkommen in den Pyrenäen herleitet, ist ein sehr wichtiger nnd häufiger Bestandtheil der Alp- iviesen nnd wird von den Alpwirthen als milchreichrs Mutter ebenso geschätzt, wie die beiden vorhin beschriebenen Milchkräuter nnd die Ninderbtnme. Botanische Beschreibung. Siehe unter Nr. 20, rauhes Milchkraut. Abarten. Die beiden bis jetzt bekannten Abarten vor. miranttaerm Xo, !>. mit orangegelben Blüthen, und var. chmmlitnllm, deren untere Blätter fiederspaltig sind, wurden bis jetzt in der Schweiz nicht gefunden. Botanische Beschreibung. Abarten. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Außer in den Pyrenäen ist die Pflanze in den Alpen, im Geographische Schwarzwald, den Bogescn nnd Cevenncn, den Hähern Bergen der Auvergne und Asturiens, sowie auf den verbreitn»-,, nördlichen Apenninen verbreitet; im Norden außerdem im russischen Lappland und in Skandinavien. Auf der Weide der alpinen Region findet es sich meist in Menge; nicht ganz so häufig ist es auf der Standorte, alpinen Magermatte; auf der Fettmatte wird es durch höher wachsende Pflanzen verdrängt. Häufig findet man es in einzelnen üppigen Stöcken angesiedelt auf nacktem Boden. Auch auf den Humuspolstern ausgetretener Weiden, auf Humuslagen von Gräten und auf der schwarzen Erde der Schneethälchen ist es häufig. Das Pyrenäen-Milchkraut hat eine beschränktere Höhcnverbreitung als seine Gattungsverwandten, das rauhe Höhen- und Herbstmilchkraut, indem es nur in der alpinen und nivalen Region häufiger ist. Es tritt aber schon bei o«breüu»g. 1500 in auf (Südabhang am Bristenstock und Meyenthal), vereinzelt findet es sich noch tiefer: so auf der hohen Rhone bei 1100 m; erst über der Waldgrenze wird es aber zu einem wichtigen Bewohner der Weide, hier ist es namentlich auf magerm Boden, besonders in größer» Höhen auf Schafweidcn oft geradezu dominirend, während die andern Milchkräuter zurücktreten. So z.B. findet es sich bei 2100 m am Bristenseeli auf Gneis in Menge, während die andern Milchkräuter fehlen; ebenso an der Südhalde des Bristen bei 1950 in. Der höchste uns bekannte Standort ist bei 2999 m (Piz Beverin, Brügger). Im Rasen einer Magermatte auf kalkreichem Bündnerschicfer auf den Schanfigger-Henbergen (Südhang) bei 2200 w fand es sich zu 2,07°/», aus einer Schafweide am Teufelskopf (Hochwangkette, Südhang, bei 2400 m) zu 1 , 140 / 0 . Nach Scndtner bewohnt es in Südbayern die Höhenregion von 1732 m — 2357 m; im Schwarzwald ist es nach Döll auf allen Voralpenwiescn gemein, geht also hier beträchtlich tiefer herab. In Bezug auf die chemische Natter des Bodens ist das PyrcuäewMitchkraut indifferent. Es Boden, findet sich sowohl im .Kalkgebirge als im Schiefer nnd Urgebirge, im letztem vielleicht etwas häufiger. Nach Pncher zeigt es in Kärnthen einen kalklecren Boden an; Sendtner fand es in Südbayern auf Wiesen und nacktem Boden von mergeliger oder sandiger Beschaffenheit, sowie auf Dolomit bei kreidiger Beimengung und anf Humus, Kern er rechnet es zu den Hnmnspflanzen. Btageren, namentlich trockenen Boden zieht es vor. 1000 Theile Heu, am 13. Juli auf der Weide der Fürstenalp geschnitten, enthielten: Bode»- ^ ... - erschöpfiuiq. Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsaure, Kali, Kalk, Magnesia. 20,76°/oo 76,91°/oo 4,71°/oo 21,33°/oo 9,70°/«« 4,52°/o» Durch die Düngung wird es von andern höher wachsenden Pflanzen verdrängt. Dump»^. Wachsthum, Fllttcriverth, Nutzung. Auch hier besteht die Pflanze, wie bei den andern, oben beschriebenen Wucho. Milchkräutern aus einem unten abgebissenen Wnrzelstock mit starken Fasern, welcher in eine, seltener mehrere bodenständige Rosetten endigt. Die Blätter sind meist klein und flach am Boden anfliegend; ihre Länge variirt von 3 cm bis zu 15—16 em. Der meist einfache (sehr selten zweiköpfige) Schaft wird 10—40 mi hoch. so 154 Entwicklung. Fn verwerth. Vtutzimg. Samcn- gewinm'lng. Same. n ultur. Verwandte Arten. Benennung. Geschichte. Die Pflanze ist viel früher als die genannten Milchkräuter. Anf der Weide des Untersäßes der Fürstenalp, bei 1800 in, war sie 1888 schon am 24. Jnni in Blüthe und Mitte Juli in Frucht. In größeren Höhen fällt die Blüthezeit in den Juli. 'Man findet jedoch im August noch blühende Pflanzen. Daö Pyrenäen-Milchkraut liefert wegen seiner frühen Entwicklung schon zu einer Zeit eine nahrhafte Weide, wann die übrigen Pflanzen noch nicht so weit entwickelt sind. Der hohe Nährstoff gestalt geht aus der folgenden Untersuchung hervor: 100 Theile Heu, am 13. Juli auf der Weide der Fürsteualp geschnitten, enthielten: Organische Substanz, darin: Nohprotein, Rohfett, Nohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffc. 78,31°/o 12,97°/o 5,71°/o 16,29°/o 42,66°/o Wegen des niedrigen Wuchses ist die Pflanze besser zur Weide als zu Mähefntter geeignet. Samengewmmmg, Same, Kultur. Der Same reift je nach der Höhenlage und Exposition Mitte Juli bis Mitte August. Wenn man Samen gewinnen will, so werden die ziemlich offenen Frnchtköpfchen gesammelt, getrocknet und der Same ausgegeben. Die Beschreibung von Fruchtköpfchen und Frucht findet sich bei der botanischen Beschreibung von Nr. 20. 1000 Früchte, auf der Weide der Fürstenalp gesammelt, wogen 0,695—1,020 Gramm. Die Keimfähigkeit betrug 68—75°/o. Die Samen keimen innerhalb 10 Tagen, also rasch. Die Vermehrung aus Samen bietet auch keinerlei Schwierigkeiten. Zu diesem Behufe werden dieselben im Vorsommer ausgesäet und man wird dann im folgenden Jahre eine Nutzung erzielen. Solche Einzelkulturen sind auch besser geeignet zur Samengewinnnng, als das Sammeln auf der Weide. Zur Futternntzung verdient die Pflanze nur als Beimischung zu ertragreichen Arten Beachtung. Verwandte Arten. Siehe am Ende der „botanischen Beschreibung" bei Nr. 20. Erklärung öer Tutet' 11 v. Fig. 0. Ganze Pflanze (kleines Exemplar von einer mit Fegehaaren, aus der Innenseite der Narben- magern Weide, bei 1800 m). schenket mit Narbcnpapitten besetzt. An den „ 1. Längsschnitt durch das Blüthenköpfchen (von den Fegehaaren sitzt noch zum Theil der aus der Blüthen nur der Fruchtknoten gezeichnet). Staubbeutelröhre herausgefegte Blüthenstanb. „ 2. Schuppe des Hüllkelches vom Rücken und von Fig. 8. Fruchtköpfchen im Längsschnitt. 8 a. Grube („Beetchcn") des Fruchtknotens; Rand desselben glatt. 9. Reife Frucht. 10. Pappusgrund von oben; zweierlei Pappusstrahlen: längere, breitere, fedrige und kleinere dünnere, rauhe. 11. Einer der größeren Pappusstrahlen. 12. Querschnitt durch den Blattstiel; Flügel kaum ausgebildet. 23. Die Rindervlume. 1'r6i>i8 nnrsn On>88im 2j. Ooontoclnn anronm 1,. (Tafel 11, Fig. 0.) Die Ninderblume oder Ringerblume führt bei den Aelplern verschiedene Bezeichnungen: in Appenzell heißt sie Rahmblume, „Rohmblueme", „Rohmblümle", im Entlebuch „Rinderblümchen", „Rinderblüemli", im Zillerthal „große Gamswurz", am Watzmanu in Südbayern „Hematwurzen", dann wird sie Ankenblüemli, Gold-Pippau, Goldblümchen oder goldiger Löwenzahn genannt. Schon die ältesten Schriftsteller über Alpwirthschaft loben der Seite. 3. Blütheukrone im Knospcnzustand «noch völlig röhrig zusammenschließend). 4. Ganze Blüthe. 5. Krone in entfaltetem Zustand; der obere aifge- schlitzte Theil zungenförmig ausgebreitet. 6. Staubgefäße; Staubfäden frei, Staubbeutel zu einer Röhre verklebt. 7. Grisfelende in zwei Narbenschcnkel getheilt; außen 155 die vorzüglichen Eigenschaften dieser Futterpflanze. Käst Hofe r*) erwähnt: „Die Alpenkräuter, denen vorzüglich die größere Fettigkeit der Alpenmilch und ihr reicherer Ertrag nach allgemein übereinstimmendem Urtheil der Hirten zugeschrieben wird, sind die Muttern, das AdelgraS, das Goldblümchcn (Iwontocion amwum) und dann der Thaumantel." Die Riuderblmue ist zwar eine wenig ergiebige, aber eine sehr nährstoffreiche, saftige, voin Bieh gerne gefressene Wcidepflanze der subalpinen und alpinen Region. Botanische Beschreibung. Die Gattung Oöpm gehört, wie llvoutuilou, zu der Unterfamilic der Cichoriecn, innerhalb der Familie der Körbchenblüthler. Die Tribns (Gattnngsgruppe) der Crepideen innerhalb dieser Unterfamilie ist namentlich dadurch characterisirt, daß die innersten Hüllkelchschuppen nach der Blüthe an der Basis anschwellen, der Pappus meist aus einfachen Borsten besteht und die Früchtchen nach oben ver- schmälert sind. Von den nächstverwandten Cichocieengattungen der Schweizecstora mit einfachen Pappushaarcn unterscheidet sich strapn-i folgendermaßen: durch ungeschnäbelte Frucht von lorgxscnm, OtwnäriUa, >VUWmstiv. t.notnea, Usrlllian^nr Durch rundliche, nicht flachgedrückte Frucht von llalywämm und 8«»wlnw; von der nächstverwandten Gattung llwracmm (Habichtskraut) endlich durch die an der Spitze stets dünner werdenden Früchtchen, welche bei llwraonnn bis oben gleich dick bleiben. Die Gattung ist in ca. 130 Arten über die ganze nördliche Hemisphäre verbreitet; in der Schweiz finden sich davon 17, von welchen allen sich unsere durch die orangegelben Blüthen und den blattlosen, einfachen Schaft unterscheidet. Die Blätter des Goldpippau bilden eine bodenständige Rosette, sie sind länglich bis verkehrt cilänglich, in einen geflügelten Stiel verschmälert, am Rande geschweift, gezähnt, bis fiederspaltig, mit ungleichen Zipfeln, oberseits saftig dunkelgrün, unterseits hellgrün, beiderseits glatt und glänzend, und meist kahl, 3—20 em lang. Der Schaft ist endständig, aufrecht, 0—30 em hoch, kantig, von kurzen, kraus anliegenden Haaren wie leicht bestäubt, außerdem besonders oberwärts von schwärzlichen Haaren rauh, nach oben mit zwei bis mehreren Schuppen besetzt, einköpfig, nur an ganz üppigen Exemplaren mit einem bis vier bogig abstehenden, köpfchen- tragenden Seitenästen. Das stets ausrechte, stattliche Blüthenköpfchen ist von dem etwas verdickten Schaft deutlich abgesetzt, 30—60 em im Durchmesser, aus 80—120 orangegelben, später rothbraun gefärbten Blüthen bestehend. Die Schuppen des Hüllkelches (Fig. 2) sind durch lange, abstehende, schwärzliche Borstenhaare dunkel gefärbt, mit oder ohne gelbköpfige Drüsenhaare, von anliegenden, spinnwebig verflochtenen Kraushaaren, besonders oben weißschimmernd, die äußern beträchtlich kürzer als die andern, eine Außenhülle bildend (Fig. 1). Der Bliithcn- boden ist mit seichten Grübchen mit glattem Rande (Fig. 4 a) bedeckt. Abarten werden keine unterschieden. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die Rinderblumc ist nur in den Alpen und Apenninen verbreitet. Im Jura und auf den Pyrenäen ist sie selten. Auf den Karpathen und in Siebenbürgen ist ihr Vorkommen noch nicht sicher festgestellt. Sie hat also ein beschränktes Areal; um so häufiger tritt sie dafür in ihrer eigentlichen Heimat, der Alpenkette, auf, wo sie besonders auf der kurzrasigen Weide sich oft in Menge findet lind den Rasen mit ihren goldigen Blüthenköpfchen übersäet. Besonders auf den bessern Bodenarten tritt sie sehr häufig auf. Im Kanton Appenzell beurtheilen vielfach die Aelpler die Güte der Alpenweide nach der Häufigkeit des Vorkommens dieser Pflanze. Die besten Alpenweiden enthalten denn auch einen bedeutenden Prozentsatz davon. So z. B. schreibt Chri st**): „von Obwaldens freundlichster Alp", vom Ankenhubel: „in unabsehbaren Schaaren erglänzen darauf die brännlichgoldenen Blumen der «lrspis, des hochgeschätzten, bntterreichcn Futterkrautes". Am Tenfelskopf bildete sie auf der Schafweide bei 2400 m 6,49°/» des Rasens, auf der Weide des Obersäßes der Fürstenalp 5,83°/o, in den Beckenen auf der Obersandalp 5,38°/». Sie meidet aber auch die Mager- und Fcttmatte nicht. Ihre Hauptverbreituug hat die Pflanze in einer Mccreshöhc von 1300—2400 m. Der tiefste notirte Standort ist die Weide beim Kemmeribad an der Schratten, 975 in über Meer; der höchste 2758 m (Ehamounix). In Südbaycru bewohnt sie nach Scnd.tncr die Höhenschicht von 1400 m—2260 m. Ein streng alpines Klima verlangt die Pflanze nicht. -') K. Kasthoscr, Vorlesung über die Kultur der Kuh-Alpen. Bern >818. Seile 27. »») H. Christ, Ob dem Kernwnld. Basel 1869. Seite 146. Alpwirthschaft licher Werth. Botanische Beschreibung. Abarten. ideographische Verbreitung. Standorte. Höheu- verbreitung. 156 Klima. Boden. Bvden- crschopstmg. Düngung. Wenn umn der Pflanze die gehörige Pflege angedeihm laßt, sie stets müßig feucht hält, so kommt sie auch im Tieflande gut fort. Die Rinderblume verlangt zum (Gedeihen einen Boden von mittlerem Fenchtigkeitsgrad; aus trockenem und nassem Boden kommt sie nicht fort. Db der Boden kalkarm oder kalkreich ist, ist ihr gleichgültig, wenn derselbe sonst eine günstige Beschaffenheit hat. Sir kommt deßhalb sowohl aus llrgebirge, als aus Kalk und kalkreichem Zchiesergebirge fort, immer aber, wie bereits erwähnt, nur aus gutem Boden. 1000 Theile Heu von einem Beet des alpinen Versuchsfeldes enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 23,570/oo 175,85°/°° 8,790/o° 32,06°/°° 11,36°/°° 3,57°/«° Für die Düngung ist sie empfänglich, was aus ihrem Borkommen aus Fettweiden, Fettmatten, sowie an Geilstctlen hervorgeht. Auf dem Vägerboden der Fürstenalp zeigte sie ein außerordentlich freudiges (Gedeihen. Wncho. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Der Wnrzelstock ist absteigend, schief oder wagrecht, dunkelbraun, unten abgestutzt, oben von den schwärzlichen Scheiden abgestorbener Blätter bekleidet, mit starken Wurzelfasern versehen, ein- bis mehrköpfig. Der oberirdische Theil der Pflanze besteht also aus einer bis mehreren Rosetten meist dem Boden anliegender Blätter, aus deren Mitte die derben 10 bis 30 r.m langen Stengel Entwicklung, entspringen. Die Pflanze ist etwas früher als das rauhe Milchkraut, aber etwas später als das Pyrenäen- Milchkrant. Die Hauptblüthezeit fällt zwischen diejenige der genannten beiden Arten. In einer Mcereshöhe von 1400—1600 m blüht sie schon Ende Juni, bei 1800 in in der zweiten Hälfte des Juli, im Versuchsfeld in Zürich, 160 m, schon Ende Mai. nntterwerth. 100 Theile Heu von einem Beet auf dem alpinen Versuchsfeld, geschnitten am 21. August 1886, als die Fruchtköpfchen schon reif waren, enthielten: Drganischc Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 68,42°/° 14,70°/° 4,64°/° 17,01°/° 32,07°/° Nutzung. Trotz des vorgeschrittenen Stadiums ist also der Nährstoffgehalt sehr bedeutend. Da dir Pflanze niedrig bleibt, so ist sie, wie die Milchkräuter, vorzugsweise zur Seide geeignet und kann aus der Alpenmatte nur als Nnterfntter gelten. Das Seidevieh weidet vorzugsweise die Blätter ab, während es viele Köpfchen stehen läßt, die sich dann vcrsamen. Die Senne» behaupten, daß die goldigen Blnthenköpse, die von den Thieren gefressen werden, der Butter eine getbe Farbe verleihen, was aber kein Nachtheil ist, wie Sendtner anzunehmen scheint, da man die gelbe Farbe der Butter ja liebt. Lamcn- Sameugewimumg, Same, Kultur. Die Samenreifc fällt je nach der Höhenlage auf Ende Juli gewnnmng. August; dann werden die Köpfchen geschnitten, getrocknet und der Same ausgegeben. Wartet man mit denn Schneiden der Köpfchen zn lange, so öffnen sich dieselben nnd die Samen fallen ab. Die Samen sind reif, wenn die abgedorrten Blüthenblätter der Frnchtköpfchen abgefallen sind. Beim Trocknen öffnen sich die Köpfchen und die Früchtchen lassen sich leicht gewinnen. Der Same kann entweder auf der Weide gesammelt, oder auf eigenen Beeten knltivirt werden. Da auf der Weide neben den Frnchtköpfchen der Rinderblume auch solche der Milchkräuter vorkommen, die sehr ähnlich sind, so erfordert es einige Aufmerksamkeit des Sammlers, wenn man die Samen der Rinderblume rein haben will. Bei einiger Uebung lassen sie sich aber leicht unterscheiden. Die vorragenden Haare des Pappus sind bei der Rinderblume rein-weiß, die Hüllblätter des Köpfchens mit schwarzen Haaren besetzt, während die Pappnshaare der ungeöffneten Frnchtköpfchen der Milchkräuter schmutzigweiß nnd die Hüllblätter schwach behaart sind. Die Frnchtköpfchen des Goldpippaus stellen bei sonnigem Wetter, wo die .Hüllblätter sich zurückbiegen, die Früchte sich ausspreizen, die Pappnshaare sich ausbreiten lFig. 4), eine Lame. weiße Kngclpcrrncke dar. Die tauben Früchte sind Heller gefärbt nnd länger als die guten (Fig. 4 >. Die letzteren sind rothbraun, schwach fnnfkantig »nd oben ziemlich lang ausgezogen. Die Pappnsstrahlcn (Fig. 7—8) sind 157 einfachhaarig, nur mit kleinen, aufwärts gerichteten Würstchen besetzt. 1000 Samenkörner, auf der Weide der Fürstenalp am 11. und 12. September 1886 gesammelt, wogen 0,385 und 0,600 Gramm. Die Keimfähigkeit der erstem betrug 56"/», der letztem 76°/». Die Samen keimen rasch, meist innerhalb 10 Tagen. In Bezug »nltnr. auf die Kultur gilt das Nämliche, was bei dem rauhen Milchkraut gesagt wurde: die Pflanze gelangt im zweiten Jahr zur vollen Entwicklung, die Saat im Vorsommer ist der Herbstsaat vorzuziehen und die Aussaat empfiehlt sich nur in Mischung mit andern höher« Futtergewächsen. Nur zur Samengewiuunng empfiehlt sich die Reinsaat. Auch aus dem Grunde ist zur Futtergewinuung die Einzelsaat zu verwerfen, weil die Pflanze über Winter zurückgeht bis auf einige Knospen des Rhizoms und also den Boden kahl läßt, während die Gräser und Seggen bei nicht allzu langdauernder Schneebedeckung auch im Winter grüne Blätter haben und den Boden bedecken und bewachsen. Verwandte Arten. Der Goldpippau ist durch seine orangefarbigen Blüthen von allen seinen Verwandten leicht zu unterscheiden. Berwandtc Arten. G-rkl'cir-rnrg der: Fig. Ganze Pflanze mit einem noch geschlossenen und einem blühenden Köpfchen. „ 1. Längsschnitt durch ein Blüthenköpfchen. „ 2. Eine Schuppe des Hüllkelchs. „ 3. Eine randstündige Blüthe mit gebogener Kronröhre. „ 4. Längsschnitt durch ein Fruchtköpfchen mit einer tauben und einer guten Frucht. Tafel' 11 0. „ 4 Grube („Beetchen") des Frnchtbodens, mit glattem Rand. „ 5. pfeife Frucht. „ 6. Pappnsgrnnd von oben gesehen; Pappusstrahlen gestreckt. ., 7. Ein PappuSftrahl. ., 8. Stück eines Pappusstrahts mit den aufwärts gerichteten Börstchen. 24. Die Muttern. Flennn stlittelimu tlürtiiei'*» ilj. pbGbmürinm N»iG1,m, l,. (Tafel 12.) Die Muttern**), Mntterä, Mnttemn, Mutter!, Mntteli, wird auch Mntterklce, Müettenwurz, Müettewürz, Benennung, im Kanton Tessin «Ilntlei'iim». in Italien «Ilntelliim». «Ich-Im Ilntslliua». in der romanischen Schweiz »lliilel- I'ma». in Knmthcn „Mntterkcant" genannt. Madam,, Matann, Mardaun, Martum, Mattaun, Medaun, Bedaun, Pedann in Baicrn, Tirol, Oetz- und Jillcrthal; Matnn im Engadin; Gopritz, Koprit) in Kärnthe» und Tirol; ferner trifft man auch die Namen: Bärwurz. Pcerwnrz, Alpen-Bärwnrzel, Bierwürze!, Beerwnrz, Köpernickel, Nidelbrod, Herzwnrz, Bärendill, Bärenfenchel, Gamskrant. Die ältesten Schriftsteller rühmen und besingen die Vorzüglichkeit dieser Alpenfntterpflanze. M n r a l t***> Ecschichte. erwähnt: „Wird sie den Kühen in, Futter zu Theil, so geben sie viele und gute Milch." Allbrecht von Haller sagt in seiner «ltmlm'm Mirpimu imtipMmmi» Ilvtvsli,^ iintumta», >. 335, 1768: „Die Güte der Weide wird vorzüglich nach der Häufigkeit dieses Krautes beurtheilt." Camcrarius spricht in der von ihm veranstalteten Ausgabe des Kräuterbuches von Matthioli 1590 folgendermaßen von Kam» : „Dieses Kraut ißt das H Jrrthümlicher Weise ist auf der Tafel als Autor bimw angegeben. '-"4 I o s. R hine r schreibt: „Weit dieses Aelplerkrant sehr nahrhaft und häufig ist, seine Blätter und Dolden flach ausgebreitet sind, das Wort Hütetlina nach Martins Pfianzemiamcn der deutschen stflora (Hatte t851t früher auch älutrina lautete und dem ulisrigeii nachgebildet ivurdc, so rührt der Name wohl vom lveitcn, niedrigen Scnnengefäßc Matte, Mulde her." (Pflanzennamcn der Waldstättc. ^Schlvy; 1866). Sicher irrthümlich ist die Ethinologie, die bittre in seinem „vietioiniaire äs In lanZne tran^aise" für die^,französische Bezeichnung „älutellino" giebt: sie sei dem Botaniker Mutet gewidmet. Die Bezeichnung binne's Nntellina ist älter als dieser Botaniker und zwar unzweifelhaft dem Dialectansdrnck „Mnttri" nachgebildet. *»*) Johann von :>N uralt, E>,dgenössischer Lnstgarte. Zürich 17tä. Seite 4l2. 158 Atpwirthschasl lichcr Werth. Botanische Beschreibung. Vieh gar gern und gebe es gar gute Milch davon." S t e i u m ü l l er*> sagt: „Die Kräuter, welche die Glarnersennen für die milch-, oder besser für die bntterreichsten halten, sind auch — wie aller Orten in der Schweiz — die Muttern oder Mutiere, Mnttery (I'imlwnckrium Nuterllina I,.) rc." — Auch Rasthof e r **) lobt sie in gleicher Weise, sowie alle neueren Schriftsteller über Alpwirthschaft, v. Rütti ***) schreibt: „Wir können nicht umhin, hier in erster Linie das vielberühmte Harun mntattiim, M u t t c r n, M ü e t t e u- wurz, zu nennen, von alter Zeit her das Schchboleth Aller, die über Alpwirthschaft reden, wiewohl der unbefangene und selbstständige Beobachter llr. Trachsel ihren Ruhm für übertrieben hält. Das unterliegt keinem Zweifel, daß die großen, weichen, in großer Gesellschaft wachsenden Blätterbüschel sehr kräftigend, ernährend, und bei ihrer etwas hitzigen Natur, auch nach reichlichem und gierigem Genusse nicht schädlich wirken. Doch möchte der Ruf ihrer Beliebtheit sich hauptsächlich auf den jungen Zustand gründen, bevor der Stengel sich entwickelt hat, nachher wird die Pflanze zu stark im Geschmack und das Blatt trocken, der Stengel holzig, so daß sie erfahrungsgemäß von Ende Juli an verschmäht wird. Da sie sich somit leicht versamen kann, und der Same ohne Schwierigkeit in den lockern, stcinichten Boden eindringt, so erklärt sich daraus theilweisc das häufige Vorkommen der Muttern in den meisten Weiden der hohem Alpen." Nach der Sage sind die Muttern früher auf den Alpen häufiger gewesen als jetzt; die bösen Menschen hätten sich aber versündigt und deßhalb habe der Allmächtige die Muttern in „Fideri" (Rcnnthierflechte w.) verwandelt. Eine Glarner-Sage lautet: „Bor alte Zyte isch e prächtigs melchs (milchiges' Gresti bis us die höchste Grat nfe gwachsc. Je; fiudt mcs nu no wytcr nnde. Worum ächt - Darum, daß es d' Pure guet g'ha häud derby und über- müethig morde siud. Wenn sie a de-u-uudere Stäfle gsi sind, so siud sie viel uidsi g'gauge gu tanze u-nud gu willst thue. Ab dc-n-vbere-u-abe hetS es aber und möge g'gi. D's Gras ist so gut gsi, daß sie drü Mal heid müese melche Tags; driun heid sie müese dobe blibe. Das het uc gar uüd g'salle und sie heid mänguiol g'seit: wenn nu der Tüfel das Gras »ahm. Weget dem ist d's best Gras, d's Mutteri, iu der Höchi vbe vertüret und es het Fideri drus g'gi"ch). Nach Andern hätten die Aelplcr durch unbarmherzige Behandlung eines alten Weibleins diese Verwandlung der milchreichen Kräuter der Hochalpen verschuldet. Dieses habe, die Aelpler verwünschend, ausgerufen: „Milcherchrut und Chpriu „Söllld cbig dürre stu!" Worauf die Verwandlung erfolgt sei. Aus diesem Grunde schließen die Aelpler vielfach die Muttern und die andern guten Futterkräuter in ihr Gebet ein. Ein solches Alpgebetlein Pch) lautet: „B'hüt mir Gott Muttern und Ritz „Vom Rhi bis auf die höchste Spitz!" Die Muttern gehört zu den besten Alpcufutterpflauzeu, sowohl als Weide, wie als Mähesutter, denn sie liefert nicht nur ein nährstoffreiches, aromatisches Futter, das vom Buch gern gefressen wird, sondern sie gibt auch einen guten Ertrag. Ein bekannter Senncnsprnch des Bcrneroberlandes lautet: „Romeyen, Muttern und Adelgras, „Das Beste ist, was s' Chnehli fraß." Im Rheinwald sagt ein ähnlicher Spruch, daß Muttern, Ritz und Cyprian die besten Alpenpflanzen seien. Botanische Beschreibung. Die Muttern lMmn Kutsllinck' gehört zu der Familie der llmbelliferen oder Doldenpflanzen. Diese Pslanzcnfamilie ist ausgezeichnet durch folgende Merkmale: meist stark zertheilte, am Grunde scheidige Blätter; einfach oder zusammengesetzt doldenförmigen Blüthenstaud, die fünf-gliedrige Blüthe mit kleinem oder fehlendem Kelch, freiblättriger Blumcnkrone, fünf in der Knospe einwärts gebogenen Staubgefäßen (Fig. 8', einem nnterständigeu, zweifächrigen Fruchtknoten (Fig. 2, 7), mit je eine Samenknospe enthaltenden *) Stciu »i ii t I e r ,>. „. <7. Seite tt. K o st h o f e r, Kultur der Knhalpcn. Seite 27. ^1 öiu Schotzmound schweizerischer Alpenwirthschast. Aaran 1864. V. Heft. Seite 120. ist'H c cr und B t u in e r, der Kanton Glarus. St. Gallen und Bern 1846. Seite 612, 11) F l u g i, Bolkssagen aus Granbiinden. 1840, Seite 125. 159 Fächern und zwei mit starkem Griffelpolstcr versehenen Griffeln (Fig. 7); endlich eine in zwei an einem Frucht- träger (Fig. 11) hängenden Theilfrttchtchen (Fig. 12, 18) zerfallende Spaltfrncht (Fig. 9, 15). An den Theil- früchtchen unterscheidet man auf der Rückenfläche 5 Hauptrippen („eoNm") (Fig. 12), welche meridianartig verlaufen (Fig. 9). Zwischen denselben ziehen sich Vertiefungen hin, die man als Thälchen („Vallm-ulm" > bezeichnet. Innerhalb derselben verlaufen häufig in der Fruchtschale meridiauartige Hohlräume im Gewebe, welche ätherisches Oel enthalten (Striemen oder „Viltm"). Jedes Theilfriichtchen enthält einen Samen (Fig. 15), der in einem reichlich ausgebildeten Nährgewebe („Samcneiwciß", Fig. 13) einen kleinen Keimling führt. Die Abgrenzung der-llmbelliferen in Tribus und Gattungen ist so schwierig und noch so streitig, daß wir auf die Erörterung der Stellung der Gattung Ilsum innerhalb der Familie hier verzichten müssen. Die Blüthenstengel der Muttern sind einfach oder verzweigt; sie tragen am Ende der Hauptachse und der Aeste je eine Blüthendolde, im Ganzen bis drei; die Aeste entspringen aus der Achsel reduzirter, stengcl- ständiger Lanbblätter. Am Grunde der Stengel erscheinen mehrere Wurzelblätter; eines derselben steht am Grund des Blüthenstengels selbst, die andern 1—1 gehören einer oder mehrern Seitenknospen an (Fig. 17). Eine der letzten: setzt die Achse fort, nachdem die den Frnchtstengel bildende Hauptachse abgestorben ist. Häufig finden sich zwei grundständige Blätter, ein größeres und ein kleineres: das erstere gehört der Hauptachse, dem Blüthenstengel, an, das letztere der in der Achsel des ersteren entspringenden Seitenknospe; es kehrt, wie aus Fig. 17 ersichtlich ist, ursprünglich dem Blüthenstengel seinen Rücken zu, biegt sich aber bald an demselben vorbei und kehrt dann seine Oberseite den: Stengel zu. Die grundständigen Laubblätter haben eine den Stengel völlig umfassende, am Grunde geschlossene, sonst gespaltene Scheide. Der Stiel ist glatt, kahl und hohl, die Spreite zwei- bis vierfach-fiederschnittig mit schmal- linealen, feinbespitzten Zipfeln. Die ganze Spreite ist im Umriß dreieckig, die Abschnitte erster Ordnung eiförmig,' diejenigen zweiter Ordnung keilförmig-rhombisch, diejenigen letzter Ordnung lineal bis lineal-lanzett. Die Spreite ist vollkommen glatt und kahl, unterseits stark glänzend und hellgrün mit dunkelgrüner Nervatur, oberseits matter und dunkler grün, mit zierlich eingegrabener Aderung; dicht unter den meist röthlichgefärbten Enddörnchen der Blatt- zipfel letzter Ordnung liegt eine kleine, eiförmige, weißliche Drüse. Von den alten, vertrockneten Blättern bleiben die sich dunkel färbenden Gefäßbnndel der Scheiden lange stehen, so daß den Grund der oberirdischen Triebe stets ein schwarzer Faserschopf umgibt. Die Dimensionen sind folgende: auf der offenen Weide höherer Lagen werden die Blätter oft nur 8—10 em, der Stengel 15 m» hoch; an schattigen, frischen Lagen zwischen Drosgebüsch auf dem fruchtbaren Boden des kalkrcichen Bündnerschiefers auf der Fürstenalp bei 1800—1900 m finden sich Exemplare mit 55 am langen Blättern und 80 m» hohem Frnchtstengel. Zwischen diesen Extremen finden sich alle Zwischenglieder je nach Standort und Höhenlage. Die Blüthen stehen in zusammengesetzten Dolden; an der Basis der Theildöldchen ist ein Hüllchen aus kleinen, nadelförmigen Hochblättchen ausgebildet (am besten an dem Fruchtköpfchen (Fig. -1) links zu sehen; an der Basis der Gesammtdolde fehlt eine Hülle. Der Bau der Einzelblüthe und der Frucht ist bei Aufzählung der Familiencharactere schon besprochen worden, im klebrigen aus Fig. 1—14 ersichtlich. Folgendes möge noch besonders hervorgehoben werden: Im Knospenzustand (Fig. 1) sind die Blüthen intensiv roth gefärbt: beim Aufblühen wird die Färbung allmälig Heller; die verblühten Dolden sind röthlich bis grünlich-weiß. Hin und wieder sind die Griffel intensiv roth, die Griffelpolster rein weiß, was der Dolde ein auffälliges, buntes Aussehen verleiht. Es kommen zweierlei Blüthen vor: fruchtbare Z w i t t e r b l ü t h e n mit normal entwickelten Staubgefäßen nnd Stempel (Fig. 2, 5, 7) und sterile, männliche Blüthen mit normalen Staubgefäßen, aber verkümmertem, keine Frucht entwickelnde:: Stempel (Fig. 3, 4, 6). Die Vertheilung von fertilen und sterilen Blüthen auf dieselbe Pflanze ist folgende: In der Mehrzahl der Fälle hat nur die oberste, zuerst aufblühende Dolde fertile Blüthen; von den Blüthen eines Einzeldöldchens dieser Dolde sind dann stets die centrale und die peripherischen fertil, die zwischenliegenden steril. Die weiter unten entspringenden ein bis zwei Seitendolden sind allermeist ganz steril. Im Fruchtzustand (Fig. .4. links) trägt die Enddolde langgestielte Früchte und vertrocknete, sterile Blüthen mit kurz bleibendem Stiel; die untern Dolden sind ganz vertrocknet. Dieses Verhalten, das auch bei vielen andern Doldengewächsen auftritt, wäre als a n d r o m o n ö c i s ch zu bezeichnen (männlich-einhäusig, d. h. Zwitterblüthen nnd männliche 160 Blüthen auf demselben Pflanzenstock). Seltener finden sich neben solchen andromonorischeu Stöcken noch andere, die beinahe oder gänzlich steril, also als männliche Stöcke zu bezeichnen sind. So am Sustenpaß (Urnerseite) bei oa. 2030 m; sie standen dort immer in Gruppen beieinander, mit andern Gruppen andromonöcischer Stöcke untermischt; jede Gruppe gehörte wohl einem Stock an. Ueber das Aufblühen ist zu bemerken: Die Zwitterblüthen sind stark proterandrisch, d. h. die Staubgefäße entwickeln sich zuerst, das erste Stadium der Blüthe ist männlich (Fig. 2); in diesem Zustand sind die Griffel, noch niedergelegt, gekreuzt (Fig. 5) später aufgerichtet und parallel (Fig. 2), aber die Narben noch nicht entwickelt, eine Bestäubung mit Pollen derselben Blüthe also nicht möglich. Die Staubgefäße verstäuben nicht gleichzeitig; eines nach dem andern richtet sich auf, entleert in dieser Stellung seinen Pollen und biegt sich dann wieder abwärts und auswärts (Fig. 2. 3, 4). Erst wenn alle längst verstäubt und abwärts gebogen sind, divergircn die Griffel und entwickeln sich die Narben (wie bei Fig. 7); die Blüthe befindet sich im zweiten weiblichen Stadium. Interessant ist, daß die Honigabsondcrnng mir so lange dauert, als die Insekten auf der Blüthe etwas zu besorgen haben; bei den männlichen Blüthen hört sie mit der Verstäubung auf, bei den scrtilen dauert sie fort, weil noch die Narben mit Pollen zu belegen sind. Auf den gemischt-blüthigen Dolden lassen sich in späterem Stadium der Blüthe die fertilen Blüthen leicht an der Honigabsonderung erkennen. Aus dem Obigen geht hervor, daß für eine Bestäubung der Zwitterblüthen mit fremdem Blüthstanb reichlich gesorgt ist. Da alle Blüthen derselben Dolde gleichzeitig in demselben Stadium sich befinden, so können die Narben der Zwitterblüthen der erst aufblühenden Enddolden belegt werden mit Pollen: 1. von der später aufblühenden, dann gerade stäubenden, untern männlichen Dolde desselben Stengels, oder eines andern Stengels; 2. von der Enddolde eines später blühenden andern Stengels; 3. von den gerade stäubenden, männlichen Blüthen eines in der Nähe befindlichen männlichen Stockes. Nehmen wir zu diesen vielfachen Bcstänbungsmöglichkeitcn noch die Thatsache hinzu, daß Hermann Müller -71 verschiedene Arten von Insekten (Käfer, Fliegen, Hautflügler, Schmetterlinge) bei zahlreichem Besuche auf den Dolden der Muttern gesehen hat, so ist es nicht zu verwundern, daß bei ülanm meist alle Zwitterblüthen Früchte ansetzen. Abarten. Abarten sind keine bekannt. Geographische Vorkomme«, Klima, Boden, Düngung. Die Muttern findet sich in der ganzen Alpenkctte, aus den Verbreitung. Sudeten, dem Riesengebirge, im Böhmerwald, den Vogesen, aus den Bergen der Anvergne, Corsicas, Sardiniens, Ungarns, in den gesammten Karpathen, in den Gebirgen des Banats, Siebenbürgens; Bosniens, Montenegros, Albaniens, Macedoniens, vielleicht auch in der Krim und Serbien. Ihr Vorkommen in den Pyrenäen ist nach Willkomm zweifelhaft. Im Schwarzwald findet sie sich vereinzelt auf dem Belchen, dem Feldberg und bei Triberg; im Jura fehlt sie ganz*). Standorte. Die Muttern findet sich auf Standorten von sehr verschiedenem Character: auf Weiden, Magermatten, Fettmatten, Wildheuplätzen, in Schneethälchen, auf Hnmnspolstern, an steinigen Rnnsen, auf reinem Felsgrns, zwischen Alpenrosen und Alpencrlen. Auf von uns genauer untersuchten Weiden und Matten fand sie sich in folgenden gewichtsprozentischen Mengen in einem Quadratfuß des Rasens: Bei 2030 m an einer schattigen Westhalde auf Bnndnerschiefer, steinige Wildheuplätze an der Käshalde im Gebiet der Fürstenalp zu 8,59°/» „ 2250 in auf einer kurzrasigen Knhweidc an einem Sndhang in den Beckenen, Obersandalp >,Kt. Glarus) auf Kalk zu 10,27°/'» „ 2400 m auf einer Schafweide am Teufelskopf (Hochwangkettet, Sndhang, auf Bnndnerschiefer zu 11,00"/» „ 2200 i» auf einer Fettmatte auf dem Straffli, Crester-Alp, bei Avers zu 20,33"/» „ 2200 m in einer kleinen Vertiefung einer Magermatte am Sndhang der Schanfigger Heuberge auf Bündnerschiefer zu 36,20°/» „ 2220 m auf einer Fettmatte beim Jnlierberghaus sogar zu 68,01°/» *) Nach Godet, „blore du .lura«, beruht die frühere Angabe, daß das Lleam auch im Jura sich finde, auf einem Irrthum. 161 Im Allgemeinen ist die Muttern auf der offenen, vielbegangenen Weidetrift seltener, als an wenig geweideten Stellen, Wildheuplätzen nnd Matten; doch kann sie an entsprechender Lage auch auf der Weide dominircn. Besonders gerne siedelt sich die Muttern in den von Heer sogenannten „Schneethälchen" an, mnlden- artigen, kleinen Vertiefungen, wo der Schnee lange liegen bleibt. Dort bildet sich aus dem angeflogenen organischen nnd unorganischen Staub, der beim Wegschmelzen des Schnee's liegen bleibt („ausapert"), eine oft beträchtlich dicke Schicht schwarzer Humuserde, welche den Lieblingsstandort einer Anzahl hochalpincr Arten bildet: lloni». IlelimmIIg ponlvpüzliea, llnaplmlium mipinm», 8alix üsrbacva, llaanlocio» pzrangien» u. s. f. Auch die Humuspolstcr ausgetretener Weiden durchzieht sie häufig mit ihren langen Kriechtrieben; wenn solche Weiden, wie das oft geschieht, durch das allmäligc lleberhandnehmen von Alpenrosen oder Dros zu ertragloscn Buschwäldern geworden sind, so hebt hie nnd da noch eine Mutlernpflanzc ihre Schirme über die Sträucher hinaus, durch die Beschattung übermäßig verlängert, ein letztes Zeichen früherer, besserer Zeiten. Daß aber die Muttern nicht unbedingt Hnmnsreichthum des Bodens verlangt, beweist sie durch ihr Vorkommen auf dem Rohboden verrutschter Stellen, steiniger Runseu; am Lucendrosee (Gotthard) fanden wir sie sogar in reinem Gneisgrus ganze Bestände bildend. Besonders üppig wird sie aber an schattiger Nordlage auf kalk- und humusreichem Boden im Schutze der Alpensträucher; wir erwähnten schon oben Pflanzen von 80 vm Höhe im Drosgebüsch an Nordhängcn auf Bündncrschiefer der Fürstenalp; ähnlich zeigt sie sich am Nordhang des Gcißbergs ob Hintcrrhcin. Die Höhcnschicht, in welcher die Muttern ihre wahre Heimat hat, liegt in den Schweizeralpeu im Mittel zwischen 1600 und 2100 m ; die extremen Standorte sind 1300 m auf der Bettenalp an der Schrattenfluh und 277l>m am Snrcden. Die untere Grenze namentlich ist aber je nach den Feuchtigkcitsverhältnissen eine sehr verschiedene: an trockenen Südhängen oder in überhaupt trockenen Gebieten tritt die Muttern erst in 1800—2000,» auf, an schattigen, feuchten Stellen in den Thälern geht sie häufig in Menge bis 1400 in herab; so findet sie sich z. B. in der Zapportschlucht bei Hinterrhein am schattigen Nordhang schon bei 1700 in in Masse, an dem trockenen Südhang des Valserberges ob Hinterrhein aber wird sie erst in 2200 m Höhe häufiger; an der trockenen Südhalde der Gadmenfluh ob Gadmen fehlt sie völlig bis hinauf zur Paßhöhe des Sätteli (2040 in), während sie auf der Nordseite des Sustenpaffes in dem feuchten Mayenthal schon bei 1500 m beginnt und bei 2000 m massenhaft auftritt. Auf den trockenen, flachgründigen Magermattcn am Südhang der Hochwangkette (Schanfigger-Heuberges ist sie ausschließlich auf die etwas feuchten Vertiefungen beschränkt und kommt auf einer Wässermatte ebenda zu prächtigster Entwicklung. Auf der Gcimsel und im Haslithal ist sie verbreitet, an der trockenen Mayenwang auf die Wasserläufe beschränkt. Auf den flachgründigen, hitzigen Weiden im Gneisgebict der Tcssineralpen tritt sie meist erst bei 1800—1900 m auf. In Südbayern liegt nach Sendtner ihre Höhenzone zwischen 1574 m und 2340 m. Nur selten findet man sie dort durch zufällige Wanderungen in niedern Thalpunkten angesiedelt (so bei 1080 m auf der Wuhr- steinalp am Geigelstein). Diese Seltenheit tiefliegender Vorkommnisse beruht nach Sendtner mehr auf der Schwerfälligkeit der Samen, als auf klimatischen Hindernissen, denn kaum brauche im botanischen Garten in München eine Alpenpflanze mindere Sorgfalt der Behandlung und daure länger, als diese. Im bayrischen Wald geht sie noch tiefer und ihre normale Höhenzone liegt dort zwischen 1070 m und 1460 m; ein ungewöhnlich tiefer Punkt ist ebenda beim Wirthshaus in den Lns'ner Waldhäusern auf einer gedüngten Wiese, vielleicht künstlich besamt, bei 924 m! Besonders schön und häufig findet sie sich auf den Waldwiesen am Lusen bei 1070», und höher. — In Ni e d erösterr e i ch ist das Llonm nach Neilreich von 1583—2072 m verbreitet, in Siebenbürgen von 1583—1900 »>, in den Karpathen von 1456 m an. Im Schwarzwald ist sie auf den Voralpcnwiescn des Belchen (1415 m hoch) und Feldberg (1494 ,» hoch) zu finden, in der Anvergne bewohnt sie nach Lecoq die Höhenzone von 1200 — 1850 in. Wie aus dieser Höhenverbreitnng hervorgeht, hat die Pflanze in klimatischer Beziehung in sehr weiten (Kreuzen schwankende Bedürfnisse, wenn nur der Boden genügende Mhrkrast nnd Frische besitzt. 21 Höhen - Verbreitung. Ulinia. 162 Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Po Och erwähnt: „Es ist übrigens eine zärtliche Pflanze, die keine Fröste leiden kann; wenn daher im Angustmonat Nachtreife einfallen, so verliert sie ihre .Kraft, und das Vieh hat dann in den Mntternalpen einen schlechten Nachsommer." Auf trockenem Boden gedeiht sie spärlich, oder kommt nicht fort; ebenso wenig paßt ihr ein nasser Standort; sie verlangt einen frischen, nicht zu kündigen Boden. So findet sie sich anf den Schanfigger Henbergci: überall in den frischen Mnldcn nnd sog. Schneethälchen häufig, während sie nebenan an den trockenen Stellen ganz fehlt, oder selten ist. Je besser der Boden ist, nm so reichlicher tritt sie anf und nm so üppiger wird sie. So findet sie sich sehr reichlich anf dem Bündncr- schiefcr, dem Flysch, tritt aber auch auf dem Urgebirge auf, wenn der daraus hervorgegangcne Boden tiefgründig, fruchtbar nnd gut ist. Theobald erwähnt auch, daß in Bünden kein Boden einen schönern nnd dichten: Graswnchs und zahlreichere gute Futterkräuter, besonders Muttern, erzeuge, wie der Bnudnerschiefer, den er zum Lias zählt. Das Vorkommen der Muttern ist denn auch ein guter Anhaltspunkt zur Beurtheilung der Qualität des Bodens. „Seine beste Entwicklung," schreibt auch S end tn er**), „hat der Madann offenbar anf dem Lias; während er sonst ein spannenlanges Pflänzchen zu sein pflegt, sieht man ihn da anf den Kalkhornstein- und Mergelbildungcn über 45 oni erreichen. Am zahlreichsten sah ich ihn verbreitet auf der Molasse des Vorderzugcs (der bai- rischen Alpen) im westlichen Stocke, wo er ganze Stellen allein einnimmt." 1000 Theile Heu enthielten, I. am 5. August 1884 auf der Weide nnd II. am 13. Juli Versuchsfeld auf der Fürstenalp gesammelt: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kalt, Kalk, Magnesia. I. 26,50 o/oo 92,71 °/oo 12,56 >o 25,31 °/°o 30,88 °/oo 7,11 7'oo II. 26,01 °/ro 102,72 °/oo 8,77 °/oo 25,14 °/oa 21,83°/a° 3,58 °/oo Für die Düngung ist die Muttern sehr dankbar, vermehrt sich sehr stark nnd erreicht eine bedeutende Höhe und Mächtigkeit. Es wurde schon erwähnt, daß die Muttern anf einer Fettmatte beim Jnlierberghans bis 68,05°/« des Rasens ausmachte. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Die Muttern zeichnet sich, wie der Süßklee nnd die Berglinse, durch eine überaus mächtige unterirdische Entwicklung aus. Der Wnrzelstock besitzt zunächst einen oft sehr tief im Boden vergrabenen, vertikalen Hauptstamm, der sich nach abwärts in eine bis meterlange Pfahlwurzel fortsetzt. Nach oben verzweigt sich der Hauptstock in eine große Anzahl von Aesten, d. h. unterirdischen Kriechtrieben. Dieselben steigen senkrecht oder schief aufwärts, oder sie kriechen horizontal auf beträchtliche Strecken durch den Boden. Dabei geben sie nach allen Seiten zahlreiche Seitenäste ab, die sich ebenso verhalten. Auch hier also können wir das unterirdische Achsensystcm der Pflanze mit einem weitverzweigten Bann: vergleichen, dessen Zweig- spitzen allein über die Erde treten. Die unterirdischen Kriechtriebe zeigen verlängerte Zwischenknoten; an den auseinandergerückten, etwas angeschwollenen Knoten sitzen bald abfallende, scheidige Ruderblätter (Ftg. 16). Aus den Achseln derselben entwickeln sich meist sitzende Knospen, so daß die Kriechtriebe zahlreiche schlafende Augen tragen, welche ein für die Pflanze werthoolles Neservematerial von Sprossen darstellen. Die oberirdischen Triebe eines Pflanzenstocks können so auf eine beträchtliche Fläche vertheilt sein. Was man in Herbarien oder Abbildungen von LIeum gepreßt oder gezeichnet findet, sind allermeist nnr kleine Brnchstücke von Rhizomen. Die oberirdischen Triebe tragen nur grundständige Lanbblättec und endigen jeweilen tu einen Blüthenstengel, nach dessen Absterben eine Seitenknospe die Fortsetzung für das folgende Jahr übernimmt. Die Fäserschöpfc, welche aus den Gefäßbündeln der verwitterten Blattscheiden bestehen, bleiben oft lange erhalten (siehe Ftg. ü). Nach ihrem Abfallen erscheint das Rhizom von einer schiefergranen Korkrinde überzogen. Die Muttern entwickelt sich sehr zeitig in: Frühjahr. Kaum ist der Boden schneefrei, so steche,: schon wieder die dunkelgrünen, saftigen Fiederblättchen aus der häufig noch ganz kahlen Erde hervor. *) Bllndner Sammler von 1784. Seit 317. »H) Sendtner a. a. O., Seite 781. 163 Die Blüthezeit tritt in der alpinen Region jedoch erst Mitte Juli bis Mitte Augnst ein, je nach dem Standort. So "steht auf der Fürstenalp bei 1700—1800 m Mitte Juli die Muttern überall in beginnender oder voller Blüthe; aber im schattigen Zapportthal fanden wir sie bei 1700 m erst am 23. August in voller Blüthe. Auf dem Versuchsfelde in Zürich (460 m) tritt die Blüthe schon am 26. Mai ein. 100 Theile zu Heu getrocknete Pflanzensnbstanz, I. am 5. August 1884 auf der Weide der Fücstenalp bei 2000 in und II. am 13. Juli 1886 zu Beginn der Blüthe einem Beete des alpinen Versuchsfeldes entnommen, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfell, Rohfaser. Stickstofffreie Extraktstoffe. I. 76,73°/° 16,56"/o 3,45°/° 12,85°/° 43,87°/° II. 75,73°/° 16,25°/° 3,64°/° 28,98°/° 26,86°/° Wie zu erwarten war, ist der Nährstoffgehalt bedeutend. Noch größer ist derselbe im jugendlichen Zustand, in welchem die Pflanze auf der Weide vom Vieh angetroffen wird; denn sobald dieselbe eine gewisse Größe erreicht hat, so vergilbt sie und verliert an Nährstoffgehalt. Es ist daher besser, sie öfters zu nutzen und sie also nicht so hoch werden zu lassen. Nach dem Schnitt oder nach dem Abweiden schießt sie sehr rasch wieder nach und liefert bald wieder ein saftiges Futter. Am 13. Juli 1886 auf dem alpinen Versuchsfeld geschnitten, waren die Pflanzen am 12. August schon wieder 10 — 12 em hoch. Als Weide wie als Mähefutter ist die Muttern gleich werthvoll. Das Mnttcrnhcu hat einen herrlichen, süßlich balsamischen Geruch und erwärmt die Thiere beim Genuß. Diese erwärmende Wirkung bewirkt auch, daß sich das Vieh auf den Alpen, wo die Muttern reichlich vorkommt, weniger leicht erkältet. Die Kühe fressen das Mntternfutter nicht nur gerne, sondern geben davon, wie schon Linna behauptet, stets auch eine angenehme und gewürzhaft schmeckende Milch. Nicht nur die landwirthschaftlichen Nutzthierc, sondern auch die Gemsen und Murmclthiere weiden die Muttern gerne ab. Die Blätter werden im grünen Zustande an Stelle der Petersilie auch im menschlichen Haushalte und dürr als erwärmender Thee verwendet. Die Rhizome waren früher officincll, innerlich gegen Verstopfung, Kolik, Aufblähen, Ausstößen, Leber-, Nieren- und Blascnkrankheiten, Vergiftung, Verschleimung der Lungen w., äußerlich zu Umschlägen und Bädern. Wie schon Conrad Gcßner 1555 erwähnt, benutzen die Sennen die Wurzel auch zum Würzen des Ziegers. Das Rhizom ist noch aromatischer, als die Blätter. Beim Auseinandernehmen des Rasens vom Julierbcrghans, wo die Muttern 68°/° des Bestandes bildete, wurde die Lust im Zimmer ganz von dem herrlichen Aroma erfüllt, und auch die Erde war stark parfümirt. Sameirgewimmttg, Same, Kultur. Die Muttern srnctifizirt meist schlecht, d. h. wenn auch alle Zwittcrblüthen ansetzen, so ist doch die Menge des von einer Pflanze erzeugten Samens gering; deßhalb ist es schwierig, größere Mengen Samen zu gewinnen. Auf den Alpen tritt die Reife Mitte August bis Mitte September ein, in unserem Versuchsfelde in Zürich schon Ende Juni. Beim Sammeln werden die Samen einfach abgestreift und getrocknet. Wenn man größere Samenmengen gewinnen will, so empfiehlt es sich, die Pflanze an einer sonnigen Stelle in der Bergregion auf frischem, warmem Boden anzubauen, da der Samenansatz hier reichlicher ist, als in höheren Lagen, und die Samen früher reif sind, so daß sie im gleichen Herbst noch ausgesäet werden können. Die Frucht ist eine in zwei Theilfrüchtchen zerfallende Spaltfcucht; die Theilfrüchtchen hängen an den Enden eines bis zur Basis herab zweispaltigen Fruchtträgcrs ^Fig. 9 — 11). Das einzelne Theilfrüchtchen ist auf der cineu, der Fugeufläche, flach, auf der Rückenfläche gewölbt, mit 5 stark vorragenden, meridianartig verlaufenden Rippen (Fig. 12, 13; nicht selten ist die Zahl der Rippen eine andere, siehe Fig. 14). Zwischen denselben verlaufen in jeder Furche (Thälchen) ein bis mehrere Oelgänge (Striemen, Fig. 12, 13). Das Früchtchen enthält einen eiweißreichen Samen mit kleinem Kcimling (Fig. 15); auf der F-ngenflächc ist der Eiwcißkörper flach oder etwas eingesenkt. 1000 Samenkörner (Theilfrüchtchcn) wiegen 3—4 Gramm, je nach der Vollkommenheit. Die Samen keimen außerordentlich langsam. Die Ermittlung der Keimfähigkeit ist nach den gewöhnlichen Methoden im Laboratorium nicht gut möglich. Sie müssen im Herbst gesäet werden, denn säet man sie im Frühjahr, so gehen viele Samen zu Grunde. Pros. Ist. A. v. Kern er*) erwähnt auch: „Ganz gewöhnliche, in der alpinen Region weit verbreitete Arten, wie z. B. der als Bestandtheil der Narben in den Alpen so hoch „Ocstcrr. luubtv. Wochenblatt." Wien 1881. Seite 156. Futtcrwcrth. Nutzung. Smncu- gcwinuuug. S.uiuc. Kultur. geschätzte Madaun, giengen, wenn die Samen im Beginne der Campagne nach Abschmelzen des Schnee's Ende Juni gesäet wurden, im folgenden Jahre zu Grunde, während dieselbe Art, wenn ihre Samen im Herbst ausgesäet wurden, vortrefflich gediehen." Im Herbst gesäet, keimen sie im nächsten Frühjahr, und können dann im Laufe des Sommers genügend erstarken. Schon mehrfach ist die Kultur empfohlen und versucht worden, so z. B. schon im letzten Jahrhundert von Dick in Aigle, im Anfange dieses Jahrhunderts von Kasthofer; derselbe theilt mit*): „Auf dem Abendberg und unten im Thal, in einem Garten zu Unterseen, wurde im Herbst von 1820 auf den gleichen Tag an beiden Orten Mutternsamen ausgesäet. Auf der Alpenweide ging im darauffolgenden Frühjahr dieser Same fast zwei Wochen früher auf, als der im Thale, aus dem natürlichen Grunde, weil nach dem geschmolzenen Schnee eine anhaltende Trockniß im Thale das Keimen sehr lange aufgehalten hatte, während auf der Alp die Schneedecke des Winters dem Keimen günstig war und hier die trocknenden Winde keinen Einfluß auf die Erde hatten; aber auf dem leichten, aus lauter verwittertem Kalkstein bestehendem Boden des Thalgrnndes wächst bald die aufgegangene Muttern viermal höher, als aus dem zähen Lehmboden der Alpe, wo kein Begießen mit Gülle ihr ein so üppiges Wachsthum zu geben vermochte." Auf lockerem Boden, der unter allen Umständen frisch sein muß, gedeiht die Muttern besser, als auf festem, weil die unterirdischen Kriechtriebe sich hier besser verzweigen und ausbreiten können. Es mag dies auch ein Grund sein, weßhalb die Pflanze auf der viel begangenen Weide weniger häufig ist, weil hier der Boden durch den Tritt der Thiere fest geworden. Auf den Alpen erlangt sie erst im dritten Jahr nach der Saat die volle Entwicklung. Im alpinen Versuchsfeld auf der Fürstenalp wurden auf einem Beete am 20. September 1885 Samen gesäet; die Pflanzen trieben 1886 nur zwei Lanbblätter und erreichten eine Höhe von nur 5 am, 1887 blieben sie noch steril und erreichten eine Höhe von 10—15 m» und erst in diesem Jahr (1888) erreichten dieselben ihre volle Ertragsfähigkeit. Die Entwicklung aus Samen geht also sehr langsam von Statten. Eingepflanzte Stöcke entwickelten sich bedeutend rascher und erreichten im ersten Jahr eine Höhe von 40—50 am. Um einen Vergleich zu haben, wurden in unserm Zürcherversnchsfeld und auf dem alpinen zwei gleich große Kisten mit der gleichen Erde von der Fürstenalp gefüllt und Ende September 1885 mit gleichen Quantitäten vom gleichen Samen besäet. Die bisherigen Hauptresultate sind in folgender Uebersicht zusammengestellt: Znri ch. 1886 Datum der Keimung: „ Erreichte Höhe der Pflanzen 1887 „ Ertrag, grün gewogen 460 m ü. M. Ende März 1886. 18—20 ein i. Schnitt 45—50 ein U. „ 30 „ Trieb Stengel. I. Schnitt 852 Gramm II. „ 310 „ 1888 Beginn des Triebes Blüthezeit l I. Schnitt Ertrag i., 1. April. 23. Mai. 20. Juni 540 Gr. grün; 120 Gr. dürr 21. Aug. 400 „ „ 80 .. .. 040 Gr. grün; 200 Gr. dürr „ Erreichte Höhe 40—45 am F ü r st enal P. 1782 m ü. M. Ende Mai 1886. 5—7 am. ^ 15 ein Trieb noch keine Stengel. Nichts geerntet. Ende Mai. 15. Juli. 19. Aug. 280 Gr. grün, 55 Gr. dürr. 20 am. Die Muttern entwickelt sich also unter sonst gleichen Verhältnissen im Tieflande rascher und gibt jedenfalls auch einen höheren Ertrag. Die Behauptung, daß das Futter im Tieflande weniger kräftig sei, konnten wir leider noch nicht in exacter Weise prüfen; sie wird sich aber wahrscheinlich bestätigen, da die Pflanzen größere, holzigere Stengel, Blattstiele und Blattrippen bilden, die weniger nährstoffreich sind, als das saftige Blattgewebe. Auch das Aroma wird wahrscheinlich durch die größere Masse verdünnt. Die Aussaat der Muttern empfiehlt sich besonders in den Alpen auf gutem Boden znr Anlage von Mähewiesen, jedoch nur in Mischung mit andern Nasthüscr, Bcniürkuugen aus cincr Alpeurelso über den Lnsrcn. rc. Aamn 1822. Lcitc 237. iLk. 12. t 5 (s !> L!/7Lkr^ttc/k^/rk^> «« 5/z L/,^Vr^ 2»»' AQ, 2ürio^ 165 Pflanzen, die sich rascher entwickeln und in den ersten Jahren, wenn die Muttern noch klein ist, einen Ertrag abwerfen. Verwandte Arten. Ein naher Verwandter der Muttern ist die „Bärwnrz", Ilsum nllmmtriitn'um.wo,,., eine in der Schweiz seltene Pflanze der Alpen und Voralpen; sie ist von der Muttern leicht zu unterscheiden an den haarfeinen Blattzipfeln. Viel ähnlicher ist der Muttern das A l p e n - L i e b st ö ck e l, tlazn RmMx tinncl. (p-'icii^plsnram 8imj>l6x licllb.*), eine rein hochalpine Pflanze, erst von ca. 1900 m an auftretend, von ca. 2500 in an llsnni ersetzend. Sie ist weniger aromatisch als die Muttern und läßt sich bei genauerer Beachtung von derselben leicht unterscheiden durch das Vorkommen einer Halle von Hochblättern an der Basis der Gesammtdolde, die beim llsum fehlt. — Endlich könnte die Muttern noch verwechselt werden mit der ebenfalls röthlich blühenden Alpenform der großen Geisleiter (l'ii»i>utel>g umpim, vor. rnbm lloppo); diese hat aber nur einfach fiederschnittige Blätter, auch fehlt ihr das Hiillchen. Der auf den Alpen ebenfalls röthlich blühende Kümmel tEmmm Onrvi) hat ebenfalls weder Hülle noch Hiillchen. K-vkI'crvung -ev Dcrfel' 12. Fig. .1. Sterile, blühende und fruchtende Triebe einer Pflanze mit einem Theil des Wnrzelstockes und der Pfahlwurzel. „ 1. Blüthenknospe. „ 2. Zwitterblüthe im ersten, männlichen Stadium des Aufblühens. „ 3. Männliche Blüthe mit zum Theil geöffneten, zum Theil noch geschlossenen Staubbeuteln. „ 4. Dieselbe etwas weiter vorgerückt; die Staubgefäße stehen abwärts gebogen. „ 5. Stempel einer Zwitterblüthe beim Beginn des Blühens: die Griffel noch niedergelegt, sich kreuzend, ohne Narben. „ 6. Stempel einer männlichen Blüthe mit verkümmertem Fruchtknoten und ohne Griffel; nur die Griffetpolster sind stark entwickelt, weil sie als Honigdrüsen auch in der männlichen Blüthe zu fungiren haben. Fig. 7. Junge Frucht; Griffel ausgebreitet mit kopfigcr 'Narbe. „ 8. Staubgefäße in der Knospenlage, einwärts gebogen. „ 9. Reife Frucht, in ihre zwei Theilfrüchtchen zerfallen. „ 10. Ein Theilfrttchtchen von der Fngenfläche aus. „ 11. Fruchtträger. „ 12. Querschnitt durch ein halbreifes Theilsrüchtcheu. „ 13. „ „ „ reifes „ „ 14. Abnorme Theilfrüchtchen im Querschnitt (vier- rippige ziemlich häufig). „ 15. Schematisirter Längsschnitt durch eine reise Frucht. „ 16. Spitze eines Kriechtriebes, von den scheidigen Blättern umgeben. „ 17. Grundriß der Entwicklung der oberirdischen Triebe. „ 18. Keimpflanzen, Eothledonen noch imSamen steckend. „ 10. Geleimter Same, aus der Frnchtschalc heraus- präparirt. „ 20. Aeltere Keimpflanze, die Eothledonen entfaltet, zwischen ihnen das erste Lanbblatt. 23. Der Alpenwegerich. pinntüM -tipiiut Istuitä (Tafel >3, Figur B.l Der Alpenwegerich wird im Berner Oberland „Adclgras" oder „Nadelgras," in Bündten „Ritz," in Bayern „Nütz," im Entlebuch und am Vierwaldstättersec fälschlich „Romche" genannt. („Nomehe" ist lllm ul,>iin>.) Er wird nach dem bekannten Sennensprnch meist im Verein mit dem Alpenrispengras und der Muttern als das beste Alpenfntterkraut bezeichnet, wie bereits bei Behandlung der letztem Arten hervorgehoben wurde. Schon A. v. Halter sagt in seiner „limlm'm Mirpimn inclipgnmmm llalvolim" !. Seite 293, (1768) von der Pflanze: „Sie ist auf den ganzen Alpen nnd den höchsten Gipfeln des Jura gemein und wird „Nadelgras" genannt von den Aelplern, welche diejenigen Weiden am höchsten schätzen, auf denen sie häufig ist." Auch der ausgezeichnete landwirthschaftliche Schriftsteller des vorigen Jahrhunderts Albr. Stapfer**) schreibt: '„Das Adelgras und Muttern sind die zwei Grasartcn, welche von den Einwohnen des Sinuneuthals für die schätz- *) Beuth am nndvooker (Oenora gtautarnm) stellen Ilenm Ilulellina und Oazm ^imgtvx zu derselben Gattung (tnKusliciun) und lassen die Gattung Ueum nur ano llsuin atlmmanlionm bestehen. **) Abhandlungen und Beobachtungen durch die ökonomische Gesellschaft zu Bern gesammelt. 1762. Vierten Stuck. Seite 44. Verwandte Arten. Bcnennnng. Geschichte. 166 AlpwirthschafV licher Werth. Botanische Beschreibung. barsten gehalten werde n." Anch spätere competente Schriftsteller, wie Pol, Steinmüller, Ka st- hofcr, Sendtner, Theo bald, Schatz mann und Andere, preisen die Pflanze als vorzügliche Futterpflanze. Christ sagt in seinem „Pflanzcnlcben der Schweiz" Seite 310: „Beide (nämlich Muttern und Adelgras) haben ein starkes und ähnliches Aroma, das sich bei dem lUanwßo meist erst im Welken entwickelt: es gleicht etwas dem des blauen Süßklees oder der llripoiwlln llonnin A'u'oam." Lapeyrouse in seiner „llw- toii'6 gbroAOö ck«>8 ?lant68 (ltz8 ?xrona68" 1813 sagt von IllgnlnM alpiim: „llxovllsnts nourriturs puur 1v8 moutoiw." Dagegen erwähnt von Rüttc*): „Umgekehrt ist es vielleicht theilmeise wenigstens Vorurtheil, das kurze, kleine Adclgras der Alpen als ein so überaus edles Futterkrant anzupreisen; da es aber vorzugsweise fette, saftige Stellen aufsucht**) und überdies nur in solchen Höhen wächst, wo alles trockene, saftlose Futter durch würzige, milchrciche Kräuter ersetzt wird, so bedeutet der alte Spruch: „Adelgras „Ist fürnehms Gras!" wohl nur: eine Alpe, wo dessen viel wächst, ist eine vorzügliche Alp." Es kann jedoch keinem Zweifel unterliegen, daß der Alpen weg er ich, wennauch nicht die beste, so doch eine der besten Alpenfntterpflauzcn ist. Wegen der Kleinheit des Wuchses ist sie kaum als Mähcsntter tauglich, ganz besonders aber eignet sie sich ;nr Weide, weniger durch die Menge ihres Ertrages, als die Güte des Futters an Nährstoffgehalt und Aroma. Die Pflanze ist so klein, daß das Vieh „gleichsam den Boden lecken muß," wenn es sie abfressen will. Aber die Simmcnthalcr Sennen sagen: „Wenn das Vieh den Boden „leckt," so gibt es am meisten Milch." Anch in Bayern und in den österreichischen Alpen wird die Pflanze von den Aelplcrn gelobt. Botanische Beschreibung. Die beiden Wegerich-Arten Nr. 25 und 26, deren botanische Beschreibung wir hier vereinigen, gehören zu der Familie der Wcgerichartigcn oder Plantaginacccn. Dieselben sind ausgezeichnet durch eine 4-glicdrige, regelmäßige Blüthe (4 Kelche und 4 Kronblättcr, 4 Staubgefäße), eine ver- wachsenblättrige Krone, eine mit einen: Deckel aufspringende Büchscnfrncht, schildförmige Samen mit im Wasser gnellbarer, einen Schleim entwickelnder Schale und reichlichem Nährgewebc. Die Familie enthält nur drei Gattungen: 1. ? l n n l n g o, mit Zmiiterblüthen, mit ca. 200 über den ganzen Erdkreis verbreiteten Arten, 2. 11 o n ss n o ri a, mit polygamen Blüthen, eine Art auf den Anden von Peru und Bolivia, und 3. llitorslla mit einhäusigen Blüthen, eine Art, eine Wasserpflanze Mittel- und Nord-Europas. Die Gattung plantagn ist zwar über die ganze Erde, von: Acgnator bis zu den Polen, in der alten und neuen Welt, von den Ebenen bis zu den Kämmen der Gebirge zerstreut, aber der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt doch in den Gebieten mit gemäßigtem Klima, in der temperirten Zone und in den Gebirgen der Tropen. Wir wollen zunächst die gemeinsamen Charaktere der beiden Arten, dann ihre Unterschiede hervorheben. Gemeinsame Merkmale der beiden Arten. Wuchs siehe unten; Blätter bodenständige Rosetten bildend, lineal; Stengel nackt, zu mehrern aus der Achsel der Blätter entspringend, je eine endständige Blüthenähre tragend (Fig. .4 und 11). Einzelblüthen in spiraligcr Folge in den Achseln von Deckblättern sitzend (Fig. A, 11), Kelch aus 4 getrennten, zum Theil mcmbranösen Blättchen (Fig. 3 .1; 2 und 3 11), Krone mit langer Röhre und 4 häutigen Zipfeln (Fig. 1—4 .1; Fig. 4—6 11), Staubgefäße 4, mit langen bei der Blüthe weit herausragenden Staubfäden und schaukelnden, dreieckigen, am Grunde zweispitzigcn, mit seitlichen Längsspaltcn sich öffnenden Beuteln (Fig 1—5 .4; Fig. 4—7 !1>, die meist leuchtend weißgclb, selten etwas violett gefärbt sind und nach der Blüthe sich bräunen. Stempel oberständig, mit kugeligem Fruchtknoten und langem, in eine pinselförmige Narbe endigendem Griffel (Fig. 6 A; Fig 8 11). Frucht eine Büchscnfrncht (I'z-xülima): bei der Reife entsteht im untern Drittel ein scharfer Onerriß; der obere, größere Theil, der Deckel, fällt mit den darin sitzenden Samen ab, der kleinere untere Theil, die Büchse, bleibt im Frnchtkclch sitzen (Fig. 7, 10 .4; Fig. 10 II). An der Spitze der Frucht *) Schatzmanns schweizerische Aipcnwirthschaft. V. Heft. Aaran 1864. Seite 97. »ig Dieses trifft durchaus uicht immer z». IllantLA" alpina ist ;. B. einer der wenigen Bewohner der ausgesprochenen Serpentin- Wüste, jenes sterilsten Bodens unserer Alpe». 167 findet man stets die »nten abgerissene, von der Frucht emporgehobene, vertrocknete Krone, Reste von Staubgefäßen und den zusammengeschrumpften Griffel (Fig. 7 /I; 9 8). Die Samen sind schildförmig, d. h. flachgedrückt und mit der Fläche an der I'wvönta befestigt (Fig. 8, 9, 13 -1; Fig. 11 I!) und enthalten einen langen, dünnen Keiinling (Fig. 8, 9, .1; Fig. 12 8). Unterscheidende Merkmale der beiden Arten. Alpemvegerich. nlpiim I,. Tafel 13 11. Gehört zur Tribus der ?<> 1 z 8,) a r m m („Vicl- samige")'; (Kapsel 2 —Iv-samig, Same klein, auf der Nabelflächc nicht vertieft. Blätter schmal, lincal-lanzett, spitz, 2—15 am lang, 2—-7 nun, bei kultivirten Exemplaren bis 9 mm breit, dicklich; im frischen Zustand nur der Mittelnerv deutlich, im getrockneten bei breitem Blättern noch 2 parallele,'demRandgenäherteNebcnnerven sichtbar; am Grunde stets mitlangcn,scidigenHaarcstversehen, Spreite übrigens kahl, oder besonders auf dem Mittelnerv kurzhaarig, der Rand ganz glatt und kahl, oder mit kleinen Börst- chcn bewimpert oder endlich mit 1—2 Seitenzähnen, stets von einem schmalen, durchsichtigen Rändchen eingefaßt. Beim Trocknen werden die Blätter schwarz. Aehrenstiele rund, 5 -15 am laug, länger als die Blätter;^in jeder Rosette in größerer Zahl den Achseln der grundständigen Blätter entspringend, kahl oder mit feinen Häärchen besetzt. Aehre walzlich) 1—öomlang, beinahe kugelig bis. lang cylindrisch. Im Knospenzustande kahl. Aehre vor der Blüthe nickend, nach der Blüthe aus steifen Stielen stets aufrecht. Deckblätter spitz, kahnförmig, mit schmalem, nicht scharf abgesetztem, membranösem Rand. Kelchblätter sehr ungleich: die beiden Hintern (der Aehrenachse zugekehrten) bedeutend größer, scharf gekielt, mit bewimpertem Kiel und membranöser, Hinterer Hälfte (Fig. 1—4); die vorderen schwach gewölbt mit häutigem Rand; alle breit, eiförmig und spitz. Kronriihre in der untern Hälfte behaart. Kergmegei'ich. luontniin Imm. Tafel 13 F. Gehört zur Tribus der 8i8>i6rmm („Zwei- samige"); Kapsel nur 2-samig, Samen größer, mit vertiefter Nabelflächc. Blätter breit-lincal bis elliptisch, spitz nach oben und unten verschmälert, mit einer bleichen, häutigen Scheide den Stengel umfassend; die Spreiten, namentlich der ältern Blätter, flach ausgebreitet, dem Boden angedrückt (bei ausgegrabenen Exemplaren schlagen sie sich ganz abwärts). Spreite 3—10 em lang und 2—15 mm breit (bei kultivirten Exemplaren auf dem Versuchsfeld in Zürich, 460 m ti. M, bis 17 em lang und 1—17 mm breit), drei-bis siebennervig. Nerven oberseits tief cingegrabcn, nnterseits vorragend. Spreite kahl oder am Rande und den Nerven von langen, spinnwebig verflochtenen, vereinzelten Haaren zottig, am Rande ganz oder entfernt und seicht gezähnt (seltener mit schmalen, spitzen Zähnen). Aehrenstiele rund, zahlreich pro Rosette, kahl oder schwach behaart, ebenso lang oder wenig länger, selten doppelt so lang als die Blätter, 5—15 am, bei knlti- virten Exemplaren sogar 20 em lang. Aehre kugelig bis dickbäuchig, kurz walzlich, 5—15 mm lang (an kultivirten Exemplaren auch länger, walzlich, 2,5 am lang). Im Knospenzustand oft von langen, spinnwebartig verflochtenen Haaren ganz bedeckt; vorder Blüthe aufrecht, nach der Blüthe ebenfalls oder häufiger flach auf den Boden niedergedrückt. Deckblätter der Blüthen mit grünem, krautigem Mittelnerv und scharf davon abgesetztem, breitdreieckigen, membranösen, bräunlich gefärbten, stumpfen Randlappen, an der Spitze behaart (Fig. 1—2st Kelchblätter gleich, alle ungekielt, mit kleinem, grünem, krautigem Theil und breitem, häutigem Rand, elliptisch und stumpf, am obern Ende bärtig. Kronriihre vollkommen kahl. 168 Fruchtbisommlang, nur an der äußersten Spitze von der vertrockneten Krone bedeckt. Qnerriß in zirka V,-> der Höhe der Frucht über die Basis auftretend; aus dem obern abfallenden Theil fallen die Samen mit der Scheidewand heraus. (Fig. 7—11 .1). Same 4,5 nun lang, meist 2 pro Kapsel, beckeu- förmig; Rückenflächc gewölbt, mit vorragender Mittelrippe ; «Fig. 12) Bauchfläche napfförmig vertieft, der Länge nach von einem vorspringenden Kiel durchzogen, der das Hilum auf der Mitte trägt (Fig. 13), Samenschalen hellbraun, in eben reif gewordenen Samen glatt iFig. 13), später beim Austrocknen runzlig werdend (siehe die Figur im Text am Ende der Beschreibung von I'ümtapo Montana). In Bezug auf die Bestäubungsverhällnissc ist zu bemerken, daß beide Arten windblüthig sind, d. h. der Blnihenstaub ist glatt, nicht klebrig, so daß er beim Oefsnen der Beutel, bei leichter Erschütterung in Wölkchen austritt, stäubt und vom Winde auf die Narbe übertragen wird. Fremdbestäubung, d. h. Belegung der Narbe mit Blüthenstaub aus einer andern Blüthe wird aber begünstigt durch den Umstand, daß die Blüthen proterogyn sind, d. h. die Narbe entwickelt sich lange vor den Staubgefäßen derselben Blüthe; im ersten Stadium des Aufblühens ist also die Blüthe rein weiblich (I!., Fig. 1) und kann nur von andern Blüthen her bestäubt werden. Abarten. Abarten. Eine stärker behaarte Form wurde von R a m o u d als var. inoang (graue Abart), die Hoch- alpenform mit kugeligem Köpfchen von Dccandolle als vor. oapitoltata (kleinköpfige Abart) unterschieden. Geographische Vorkomme», Klima, Boden, Düngung. Der Alpenwegerich kommt wild vor: in den gesummten l'erbrcilmig. (in den Ostalpen seltener und in den nördlichen Voralpen im Lechthal seine Ostgrenze findend), den Pyrenäen, auf den Bergen Asturieus, in Schottland und Island, in der Auvergne, auf dem Mont Dore, in Siebenbürgen auf den Rodnaer-Alpen und dem Butsets; selten im Jura (auf der Dole und dem Reculet). Die Angaben über die Verbreitung sind aber wegen häufiger Verwechslung mit dem Schlangen- und Seestrandwegerich Stanvortc. etwas zweifelhaft. Er findet sich besonders häufig im kurzen Raseu der vielbegangenen Kuh- uud Schaf-Weide, seltener auf Magermatten und Fettmatten; hin nnd wieder auch auf sonst kahlem Felsschutt in vereinzelten Stöcken, auf den Humuspolstern ausgetretener Weide oder von Kämmen und zwischen den Schafrücken (Uoctm» moutonnäa«). Kerner (a. a. O. Seite 236) führt den Alpenwegerich als wichtigen Bestandtheil eines Wiesen- typus auf, in welchem das Fioringras (^'"^tw atba) herrscht; es kommt derselbe auf kalkreichem Thonboden in den nördlichen Kalkalpen Tirols vor und bildet „die prächtigen, herrlichen Mähder und die vortrefflichen, saftigen Alpenweiden, welche den Stolz des Aelplers bilden und die das vorzüglichste, kostbarste und duftigste Heu liefern, was jemals eine Wiese hervorzubringen vermag." Auch der Bergwegerich und die Muttern fehlen dort nicht. — Auf dem Schänzli, einem stark beweideten, berasteu Kopf bei dem Obersäß der Fürstenalp, 1970 m, bestand der kurze Weiderasen zu 27,83°/» aus Alpenwegerich; auf einer ähnlichen Stelle, 2263 m, auf dem Gipfel des Montaliu zu 23,69°/» und an zwei verschiedenen Stellen der Schanfigger-.Henberge, die alle zwei Jahre ein Mal gemäht werden, bei 2200 und 2130 m zu 18,60 und 20,68°/». In dem geschlossenen Weiderasen ist der Alpenwegerich oft auf weite Strecken dominirend. So bildete er einen beinahe reinen Bestand auf der Eastieler Schafweide im Schanfigg bei 1860 m am Südabhang des Hochwang, auf frischem, tiefgründigem Boden (10 om dunkler Humus, 70 om lehmiger Untergrund, dann Fels). Am 9. September 1885 fructifizirten daselbst die 5—8 om hohen Stengel reichlich, so daß die ganze Strecke von Weitem bräunlich schimmerte. Es hatten also die Schafe die Stengel stehen gelassen. Neben dem Alpenwegerich war es namentlich das niedrige Ruhrkraut (6m>p!w!ium mipiimm), welches die „Adelgras-Weide" bilden half; ferner das Felsenstraußgras (.lAimslis I'np68li'i8), das Borstgras (Xarckns icki'iew), Linilo's Mastkraut (8agina Inimwi), Muttern liUmim Frucht 3 mm lang, von der vertrockneten, mützcu- artig emporgehobenen Krone bis auf V» herunter bedeckt; Qnerriß in der Höhe über der Basis auftretend. In der abfallenden, obern Partie bleibt die Scheidewand nach dem Ausfalle der Samen sitzen 'Fig. 9, 10, U). Same 2—2,5 mm lang, meist durch Verkümmerung der übrigen nur einer pro Kapsel, länglich, mit braungrüncr, äußerst fein punktirter Schale. Auf der Rückenfläche gewölbt, auf der Bauchseite flach mit wenig eingesenktem, rundlichem Hilum. 169 KntkIIins), Alpenglöcklcin (8o!äanoIIn alpin»), Alpcn-Ehrenpreis (Voronira atpilw), Alpenlieschgras (Olüoim: atpimnn), Berg-Nelkenwurz (Eonin wontantim), Goldfingerkraut (Ootonlital anroa), kleinster Augentrost (Du- ptirsma Minima), Alpenrispengras (Von atpina), Geruchgras (^ntlmxantlnnn oä«>ratnm), Rasenschmiele (^ira ew8pito8a), Pyreuäen-Milchkraut (l.oonlockon pz'ronaion8). — Die eigentliche Höhenregion vom plantaxo alpina liegt in den Schweizeralpen zwischen 1400 und 2500 m, der höchste uns bekannte Standort liegt 3000 m hoch (Gornergrat), der tiefste 1000 in (Alluvionen des Landwaffers zwischen -silisur und Alvenen). In Südbaycrn findet er sich zwischen 1600 m und 2210 in. Am hänsigstm ist der Alpenwegerich in der Schivei; auf denjenigen tiefgründigen Bodenarten, welche aus der Verwitterung von kalkhaltigem Schicfergestcin hervorgegangen sind, vor allem dem Bündnerschiefer und dem Flysch; auf trockenem Kalk und im kalkarmen Urgcbirge ist er seltener. So haben wir ihn am Bristen, an der Maienwang, im Urgebirgsgebiet des Rheinwaldthals und am Bernhard!», im Gebiet des Pizzo Magno bei Biasca vergeblich gesucht. In der südlichen Zone der Alpen ist er stellenweise durch den Schlangenwegerich (lllantago tmrpenlina) vertreten, so im Kanton Tessin am Konto lamaro (schon bei 500 in) und am CamoghS (bis 1900 m), im Zermatterthal und im Engadin. Nach Brügger (siehe Killias, Flora des Unterengadins, Seite 159) findet sich PIvnwKo 8orpontina im Engadin meist in der Nähe von Gypslagern. Am besten gedeiht I'IantaZo alpina auf Bodenarten von mittlerem Feuchtigkeitsgrad; trockene nnd nasse Bodenarten meidet er. 1000 Theile Hen enthielten: Stickstoff, Asche, darin: I. 26,60°/°° 109,96°/°° l Blätter 16,18°/v» 96,75°/°« ) 1 Stcngel17,28°/«° 66,82°/«° ! Phosphorsänre, Kali, Kalk, Magnesia. 13,05°/°° 43,55°/°° 9,62°/°° 2,8"6°/°° 12,84°/°» 25,65°/°° 18,50°/°° 0,49°/°° l. stammt von einem Beet auf dem alpinen Versuchsfeld der Fürstenalp, am 27. Juni 1887 geschnitten, lt. von der Weide auf der Fürstenalp, am 5. August 1884 in halbreifem Zustande^ esammelt. Für die Düngung ist er sehr empfänglich, was ans seinem guten Gedeihet: an Gcilstcllen, an Harnplätzen nnd Stellen, wo ein Kuhfladen gelegen hatte, hervorgeht. Er durchbricht die alten Kuh sladcn mit seinen Blattern und wachst fröhlich weiter. In dichtem Bestände von hohen: Gras geht er jedoch bald ein; die Beschattung erträgt er nicht. Wachsthum, Futterwerth, Nutzuug. Der Alpenwegerich treibt eine dicke, senkrecht absteigende, meist mehrköpfige, bis meterlange Wurzel, deren Größe mit der oberirdischen Entwicklung in keinem Verhältniß steht. Der Wurzelstock, in welchen diese Pfahlwurzel nach oben übergeht, ist an alten Pflanzen strahlig-vielästig; die Neste sind aber kurz, so daß der oberirdische Theil der Pflanze ein halbkugeliges Polster darstellt, aus bis 60 Einzeltrieben bestehend. Die verwitterten Blätter bedecken als ein schwarz gefärbtes Haufwerk von Fasern und Häuten die Rhizomäste; entfernt man die Blätter, so kommen zahlreiche als weißliche Kegel erscheinende Augen zum Vorschein, welche die starke, an ein Gras erinnernde Bestocknngsfähigkeit der Pflanze bedingen. Die oberirdischen Triebe sind stets gestaucht, so daß die Blätter eine gedrängte, bodenständige Rosette bilden ; die Achsen zeigen« ein unbegrenztes Längenwachsthum; die Blüthenstengel sind seitlichen Ursprungs. So kommt es, daß trotz des langsamen Wachsthums der Rhizomäste doch die Mitte des Horstes beträchtlich höher wird. Immerhin bleib die Pflanze auch bei Kultur auf fettem Boden nnd in der Ebene stets niedrig. Der Rasen wird nicht höher als 15 m», der Stengel allerhöchstens 17, selten 20 «m hoch; ganz anders verhält sich der Bergwegerich in der Kultur (siehe diesen). Kann: ist auf der Alp der Boden schneefrei geworden, so sprießen die hellgrünen nnd glänzenden Blätter und bald nachher die anfangs röthlichen, sitzenden, kurzen Aehrenknospen hervor, rings umgeben von den durch den Schnee an den Boden festgepreßten, vorjährigen, verdorrten Blättern. Im alpinen Versuchsfeld in Zürich (460 m) blühte die Pflanze Ende April, auf der Fürstenalp, 1782 m, Anfangs Juni; sie liefert um diese Zeit eine gute, nährstoffreiche Weide. Ende August, bis Anfangs September SS Höhen- vcrbrcitnng. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Futterwerth. 170 treibt die Pflanze zum zweiten Mal, allerdings weniger zahlreiche Blüthenköpfe. Der hohe Nährwerth geht aus folgenden Zahlen hervor: tOO Theile zu Heu getrocknete Pflanzensubstanz von den oben erwähnten Standorten enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Nohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 75,00°/« . 16,63»/« 3,75°/« 16,63°/» 37,99°/» Blätter 76,33°/« 10,11°/« 4,46°/« 13,09°/« 48,67°/« Blüthenstengel 79,32°/« 10,80°/« 3,32°/« 30,31°/» 34,89°/« Nulning. Wegen seines niedrigen Wuchses ist der Atpcnwegcrich eine ausgesprochene Weidepflanzc, und zwar schon deshalb, weil er das häufige Abweiden sehr gut ertrügt, jeweilen rasch wieder nachwächst und bei häusiger Nutzung einen großem Ertrag gibt, da er durch dieselbe zu stärkerer Bcstocknng angeregt wird. Am 27. Juni ini alpinen Versuchsfeld geschnitten, waren die Pflanzen schon vier Wochen nachher schön nachgewachsen. Das Weidevieh sucht ihn auf der Weide begierig auf. Kaun: findet man auf beweideten Strecken eine unberührte Rosette, obwohl die Blätter oft klein und am Boden angedrückt sind; das Vieh frißt meist die saftigen, dicklichen Blätter und läßt die Stengel stehen, die dann ihre Samen reifen und so die Erhaltung und Bermehrung der Art begünstigen. — Im trockenen Zustande hat die Pflanze einen feinen, schabziegermhnlichen Geruch. Samen- SamenqewimilMff, Same, Kult»»»:. Der Same reift in der alpinen Region Ende Juli bis Anglist, gewimmmi. denselben nnf der Weide, wo die Pflanze häufig vorkommt, oft mit Leichtigkeit in der Weise gewinnen, daß man die vom Vieh stehengelassenen Stengel mit der Sense abschneidet, sammelt und die Samen nach dem Trocknen ansdrischt. Same. Die Beschreibung von Frucht und Same siehe unter „Botanische Beschreibung". Die walzenförmigen, nur bei hochalpincn Exemplaren kugeligen Frnchtähren stehen auf steifen Stielen aufrecht. Nach den: Abfallen des Fruchtdeckcls und der Samen bleiben die hellbraunen Deckblätter, Kelche und Frnchtbüchschen zurück. Anfangs September sind die Samen meist völlig ausgestreut; es empfiehlt sich daher, die Fruchtährchcn vor der völligen Reife zn sammeln. 1000 Samenkörner, am 15. September 1887 im alpinen Versuchsfeld gesammelt, Äaltar. Wogen 0,410 Gramm. Die Keimfühigkeit betrug 87°/o. Die Keimung dauert 4—5 Wochen. Die Kultur auf den Alpen wird sich für Matten in seltenen Füllen und nur in ganz hohen Lagen lohnend erweisen, da der Ertrag zn klein ist und andere, ergiebigere Arten vorzuziehen sind. Zur Anlage von Weiden dagegen, als Beimischung zn andern Pflanzen verdient der Alpenwegerich volle Berücksichtigung. Die Kultur geschieht am zweckmäßigsten in der Weise, daß man im Frühjahr oder Vorsommer Samen aussäet. Wenn sich auch die Pflanze sehr langsam entwickelt, so bietet deren Kultur keinerlei Schwierigkeit. Im alpinen Vcrsuchsfelde erreichten die Blüthenstengel eine Höhe von 12—20 om die Blätter eine Länge von 12—15 om und eine Breite bis 8 om. Im Versuchsfeld in Zürich gedieh er auch gut; zwar gehen die ältern Stöcke bald ein, aber durch Selbstbesamung entstehen immer wieder neue- Verwandte Verwandte Arten. Am nächsten mit dem Alpenwegerich ist unter den schweizerischen Plantago-Artcn Arten. der S ch l a n g e n w e g e r i ch (IllmiIaAO 86i'p6nli>m) verwandt. Er unterscheidet sich von dem erstem durch die etwas dickern, aber schmälern, meist graulichen Blätter, die beim Trocknen nicht schwarz werden, durch höhern Wuchs, die langen Aehrenstiele und Aehren (erstere werden 15—40o»i, letztere 5—12 am lang) und endlich die bedeutend spätere Blüthezeit. Auf dem Versuchsfeld der Samenkontrolstation in Zürich blüht l'lawaKo affnna 3—4 Wochen früher als Lsrganlina; von Zermatt stammende, eingepflanzte Stöcke haben sich in allen Merkmalen konstant erhalten, ebenso die erste aus Samen gezogene Generation. Der Schlangenwegerich ist eine Pflanze von wesentlich südlicher Verbreitung, der bei uns nur im Puschlav, Engadin und in den Südalpen (Tessin, Wallis, Genf) vorkommt. Seine alpwirthschaftlichen Eigenschaften scheinen dieselben zn sein, wie die des Alpen- wegerichs; nur ist er seines Hähern Wuchses wegen eher als Mähepflanze geeignet. I'Lf. 13. 11«; 14 llls? "> ^ ' /iVk^ //, ^ Vi i M ' t 'l '1 ?IsQtLAO rn.orn,Ln.L I^Lin. Lsrss-Ms^srleli. li«;tt 4/> 1 ><;.) o« f'i^9 >> ^Vtt/. . .! Ix;! 1> -. V«r^l I^i^.5 ^ ^icr.L ^/i 1 i,; !1 1« L v 11cs.1L ^Isl.-4" v klLQtLAO LlxjQS. II L1x>SQ-'W's§sr1oti. LLsl-Sras L. L1^ 8ed?VLsr sä. mt. ökl. IiitL. L. 8snn, 2ü7iou 171 Fig. L. Ganze Pflanze mit knospenden nnd blühenden Aehren. „ 1. Blüthe im ersten weiblichen Stadium «Narbe oben herausragend), von vorn gesehen, mit dem Deckblatt. „ 2. Dieselbe von hinten, von der Aehrenachse aus. „ 3. Dieselbe von der Seite aus gesehen. „ 4. Blüthe im zweiten, zwittrigen Stadium, auch die Staubgefäße haben sich gestreckt nnd stäuben. „ 5. Blüthenkrone von hinten gesehen. ,, t>. „ „ vorn „ 7. Staubbeutel: s. in der Knospenlage. ü. stäubend. 8. Stempel. 9. Junge Frucht. Die Blüthenkrone hat sich losgelöst und wird von der sich streckenden Frucht mützenartig emporgehoben. 10. Reife, aufgesprungene Frucht nach Entfernung der Krone. 11. a—l». Same von der Rückfläche und der das Hilnm tragenden Bauchflächc aus. 12. a—b. Ouer- und Längsschnitt durch den Samen. Grkkärung der ScrfeL 13 8. Ng> 26. Der Bcrgwegerich. IstniitntzO montnim Tnumiell A- I'ImilnAO nlpiinr Vill. I'. üaxnlili» HI. Iliol). (Tafel 13, Figur D.) Sir der Alpenwegerich, so Ivird auch der Bergtvegerich von deil Aelplern als „Adelgras", „Ritz", „Nütz" :e. bezeichnet und im alpwirthschaftlicheu Werth demselben gleichgestellt. Er ist, wie dieser, eine werthvolle, allerdings nicht sehr ertragreiche, alpine Äeidepslanze, ivelche auch in ihren Lebensbedingnngen und Wachsthumerscheinungen dem Alpenwegerich sehr ähnlich ist. Botanische Beschreibung. Siehe unter der vorhergehenden Nummer. Vorkommen, Boden, Düngung. Der Bergwegerich ist einheimisch in den Alpen, den Apenninen (Abrnzzen),', Pyrenäen, Ccvennen, auf den Bergen Ungarns (Tatra rc.), des Banats, in den östlichen Hochsudeten (selten), im Kessel des Gesenkes, den Kalkalpen Siebenbürgens, Bosniens, Aetoliens (Berg Velugo) nnd an der ätolischen Grenze auf dem Berg Korcx. Im Jura (Dicke rc.) ist er häufiger als der Alpen- wcgcrich. Er findet sich besonders auf der knrzrasigen, steinigen Weide nnd magern Alpenmatte. Im hohen Grase kommt er nicht fort. Seine eigentliche Heimat liegt in den Schweizeralpen in der Höhenzone von 1500 bis bis 2400 m; die höchste uns bekannte Fundstelle in der Schweiz liegt auf dem Fanlhorngipfel bei 2685 m, die tiefste bei 1150 m im Jnstisthal. In der höhern Alpenregion tritt er oft an die Stelle des Alpenwcgerichs. So z. B. fand er sich auf einer Schafweide am Teufelskopf bei 2400 m zu 11,55°/», in den Bcckencn i Obersandalp) bei 2000 m zu 8,24 °/o. In tieferen Regionen ist er in der Regel nicht sehr häufig. In Südbayern bewohnt er die Höhenregion von 1550 m bis 2145 m. Wie der Alpenwegerich ist er kalkhold; nicht nur bei uns, sondern nach Schur auch in Siebenbürgen, nach Unger im Tirol. Der Boden darf weder naß noch trocken sein, sondern muß einen mittlern Fenchtigkeitsgrad besitzen. 1000 Theile zu Heu getrocknete Pflanzcnsubstanz, am 19. Juli 1886 auf der Weide der Stäfelalpen im Maderanerthal gesammelt, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 18,81 °/o» 94,41 °/oo 3,71 °/oo 17,21 °/o» 33,07 °/oo 7,69 °/»o. Für die Düngung ist er sehr empfänglich. Ganz niedrige, magere, kaum l O om hohe Stöcke auf einen düngcrkräftigen Boden des alpinen BersuchsseldeS verpflanzt, wurden üppig nnd hoch, erhielten breite, ausstehende Blätter und hohe, aufrechte Stengel. Wachsthum, Anttertverth, Nutzung. Die Bewnrzelnng des Bcrgwegerichs ist nicht so kräftig als diejenige des Alpenwegerichs: die Pfahlwurzel verzweigt sich bald in eine Anzahl von absteigenden Aestcn; der Alpwirthschaft- licher Werth. Botanische Beschreibung. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- verbrcitnng. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. 172 Entwicklung. Fullerwcrlh. Samen- gewinnung. Same. Kultur. Verwandte Älrten. Wurzelstock ist meist einköpfig, nach oben rübenföcmig verdickt und von verwitterten, braunen Blattscheiden eingehüllt. Das Bestockungsvermögen ist geringer als beim Adelgras; es werden nie so große, aus so zahlreichen Trieben zusammengesetzte Polster erzeugt, wie bei jenem. Die Blätter sind auf der Weide häufig dem Boden angedrückt; auch die Stengel sind meist schief aufstrebend. Auf der magern Weide werden sie 10 bis 12 om hoch, auf fettem Boden bei der Kultur in der Ebene aber 17 bis 20 mir. Nicht selten zeigt sich bei üppigen knltivirten Exemplaren am obern Ende der cylindrisch gewordenen Aehre ein Büschel grüner Laubblätter, aus Deckblättern hervorgegangen, oder sogar seitliche Köpfchen. Der Bergwegerich ist noch früher als der Alpenwegerich. Kanin ist der Boden schneefrei, so stechen auch schon die Blätter nnd Blnthcnknospen hervor, nnd wenn der Alpenivrgerich zu blühen beginnt, hat der Bcrgwegerich schon verblüht. Im Versuchsfeld in Zürich blühte der Bergwegerich schon Mitte April, der Alpenwegerich aber erst Ende April, ersterer ist also in Zürich 10 bis 14 Tage früher, und etwa 4 bis 6 Wochen früher als der Schlangcu- wcgerich. 100 Theile Heu von oben bezeichnetem Standort enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe 76,56°/» 11,76°/» 3,45°/» 15,64°/» 45,71°/« Der Nährstoffgehalt ist also trotz des vorgeschrittenen Stadiums gut; das Futter ist sehr aromatisch und wird von allein Bich gerne gefressen. Sameitgetvimmrig, Same, Kultur. In Bezug auf Samengewinnung und Kultur gilt das Nämliche, was beim Alpenwegerich gesagt wurde. Die Fcuchtstengel sind niederliegend, meist ganz flach auf dem Rasen ausgebreitet, mit etwas aufstrebenden, kugeligen bis ovalen Frnchtköpfchen. In der Kultur werden die Frucht- stengel aufstrebend, bis steif aufrecht, die Fruchtähren cylindrisch. Sie sind nicht hellbraun, wie bei plantag,» alpnm, sondern schwarz und grün gescheckt. Die Samen sind wesentlich größer als jene des Bergwegcrichs. Ihre genaue Beschreibung siehe unter l'lunlugo ulpinn bei „Botanische Beschreibung", Seite 168. 1000 Samenkörner, am 26. Juni 1886 auf der Weide der Fürstenalp gesammelt, wogen 1,815 und 2,016 Gramm. Die Keimfähigkeit betrug 24°/», 54°/» und 01°/». Der kultivirte und vollkommenste Same hatte die höchste Keimfähigkeit. Der Same keimt ziemlich rasch; in 2 bis 3 Wochen ist die Keimung abgeschlossen. In dem Züricher Versuchsfeld der Samenkontrolstatiou entwickelten sich die Pflanzen sehr schön und üppig; die Art blieb auch hier bis heute in ihren wesentlichen Merkmalen konstant. Verwandte Arten. Der Bergwegerich ist am nächsten verwandt mit den: Spitzwegerich (lllnnlnpm laueoolaln ll.); er unterscheidet sich aber von diesem scharf durch seinen rundlichen, nicht gefurchten Aehrenstiel nnd durch den Samen. So weit wir die Sache verfolgen konnten, bleiben diese Unterschiede bei der Kultur konstant. Anj nebenstehender Fignr sind die Samen von 1'ianta.go montan», (a) nnd von lltantago lLn»eots.ts. sb) von der Rückenseite abgebildet; die Unterschiede sind folgende: Der Same des Bergwegerichs ist im untern Drittel am breitesten, deutlich runzlig, matt kaffeebraun, auf dem Rucken ost etwas eingedrückt. Der Same des Spitzwegerichs ist in der Mitte am breitesten, glatt oder äußerst fein chagrinirt, stark glänzend, wie lackirt, dunkel choevladefarben und aus dem Rücken stets gerundet. Grklcii rtrrg dev Helfet' 1-3 L. Fig. F. Ganze Pflanze mit 3 blühenden Aehren. „ 1. Blüthe im zweiten, zwittrigen Stadium von der Seite. „ 2. Dieselbe vom Deckblatt aus; Sexnalorgaue weggelassen. „ 3. Dieselbe nach Entfernung auch des Deckblattes. ., 4. Krone. „ 5. Staubbeutel. ., 6. Stempel. „ 7. Junge Frucht, mit der mützenartig emporgehobenen Krone. Fig. 8. Längsschnitt durch eine unreife, einsamige Frucht. „ ll. O.uerschnitt durch eine zweisamige, unreife Frucht. ., 10. Reife, aufgesprungene Frucht. „ 11. Die aus dem Deckel der Frucht herausgelösten Samen. „ 12. Same von der gewölbten Nückeufläche aus. „ 13. Derselbe von der vertieften Banchfläche aus. ., 14. Derselbe im Querschnitt. ., 15. Derselbe im Längsschnitt mit Scheidewand. Die Tafelfignr entspricht einem nicht ganz reifen, die obenstehende Text- figur einem völlig ans- gereiften Samen! 27. Die Schafznilge. ?olvo'ouuui Liotortn Imililö 2,1. (Tafel 14.) Den Namen „Schafzunge" oder „Schaflälleli" (Hellbühl) hat die Pflanze von dem znngeuförinigen Umriß Benennung, der Blätter. Aus gleichem Grunde wird sie vielfach auch „Ochsenzunge", „Kalbsznnge" (Rüegsan) oder blühende »Hirschzunge" (zum Unterschied von der nicht blühenden, dem Farrenkraut Zeotnponclrimn ollioinnrul») genannt. Im Emmenthal und Berner Oberland heißt sie „Schliche", „Schluheblälter", „Schlnche"; im Zugergebiet und dem Entlcbuch „Schluä", „Schluabläckli", „Schlubläckli"; im Kanton Zürich „Schluckere"; in Einsiedeln und Wollerau „Antörä" „Atorä" (wohl von „Andorren", weil die untersten Blätter früh verwelken, andorrcn). Nach den wurstförmigen Blüthenständen wird sie auch „Würstli" (Herisan, Arth), „Nudla" (Augsburg), „Zhmcrli" und „Chölbli" genannt. Weitere Volksnamen sind: Schnupf, Strupp, Struppa, Bläckli, Allegirwurz (Granbünden), Gänseampfer (Schlesien), Wiesenkohl, Wissekill (Eifel), Wurmkraut (Pongan, Pinzgau), Wiesenknöterich, großer Knöterich, Schlangenwurz, Schlangenkraut, Schlangcntritt, Natterwnrz, Drachenwurz, Krebswnrz, Ottcrwurz, gewundener Knöterich (wegen des rothen, schlangenförmig gewundenen Rhizoms) u. s. w. Stapf er*) stellt die Schafzunge im Werthe neben die Muttern und sagt: „Es gibt noch eine andere beschichte, gute Grasart, die in den simmenthalischen Wiesen und auch in den emmenthalischen, aber in diesen letzter» nur in einer gewissen Höhe häufig angetroffen wird. Die Landleute nennen sie Schlauhcn." Linnö erwähnt, daß die Schafe und das Rindvieh die Pflanze gerne fressen, daß die Pferde sie aber stehen lassen. Pfarrer Stalder**), der Monograph des Entlebuchs, theilt mit, daß man im Entlcbuch die Nattcrwurze (Umtorln) zu den milchreichsten Futterkräutern rechne. VouRütti-**) schreibt: „Ein sehr gutes, milchreiches Kraut der untern Alpen und Vorsahen ist der gewundene Knöterich, Schluche." Auch >>r. Jos. Schild, The »bald, Schatzmann und andere alpwirthschaftliche Schriftsteller äußern sich ähnlich. Nach Magister Rösch rechnet man sie in Davos zu dem „milchreichsten Gefutter", das die Eigenschaft habe, daß das Vieh durch seinen Genuß vor der Lungenkrankheit bewahrt werde, ch) Uebcrall wird die Vorzüglichkeit der Pflanze gelobt, nur im Engadin nicht, weil sie ein schlechtes, in Staub zerfallendes Heu gebe. chch) Nach Lccog wird das Futter in der Auvergne zur Mast sehr geschätzt. Die Schädlinge ist eine nährstoffreiche, vom Buch gerne gefressene und ihm sehr zuträgliche Alpwirthschaft Futterpflanze unserer Alpenthäler. Allerdings hat sie die nachthcilige Eigenschaft, daß die untern Blätter ziemlich früh abdorren und dann in ein Pulver zerfallen (deshalb der Name „Schnupf"), was in trockenen Lagen (z. B. dem Regenschattcugebiet des Engadins) früher der Fall ist, als in frischen und feuchten. Aber auch in solchen hat die Schasznnge den Nachtheil, daß sie beim Trocknen sehr stark eingeht. Botanische Beschreibung. Die Familie der Knöterich gewächse (Polygonaceen), zu welchen die Botanische Schafzunge gehört, zeichnet sich aus durch die knotig gegliederten Stengel, die aus den verwachsenen Nebenblättern Beschreibung, bestehende, stengelumfassende Tute (oellrou), die regelmäßigen, mit einer an der Frucht bleibenden, einfachen Hülle (Perigon) versehenen Blüthen, den oberständigen, cinfächerigcn und nur eine Samenknospe bergenden Fruchtknoten, die einsamige, meist dreikantige Nuß und den eiweißreichen Samen mit schwach gekrümmtem oder geradem Keimling. 2) Stapf er, a. a. T., Seite 45. **) F- I- Stalder, Fragmente über Entlebnch. 1. Theil, Zürich 1708, Seite 200. «».) Ix Schatzmann's Schweiz. Alpcnwirthschast, 11. Heft, Aaran 1804, Seite 124. 1) Hxins., herausgegeben von C. U. v. Salis und I. R. Stcinmnllcr. I. Band, 1806, Seite 78. 11') Tcr neue Sammler. IV. Fahrg., Chnr 18l l, Seite 204. 174 Die Gattungen der Schweizecflora aus dieser Familie, also die nahen Verwandten der Schafzunge, sind: Ampfer (linmvx), ausgezeichnet durch die 6 Perigonblätter, deren 3 innere sich nach der Blüthe stark vergrößern, aufrichten und die Frucht einschließen; zu dieser Gattung gehört u. A. der Alpcnampfer (llumox alpimm) oder Mönchsrhabarber, der als unnützes, platzvcrsperrendcs Lägerkraut anf den höheru Alpen schadet, als treffliches Schweiucfutter für den Winter dagegen in vielen Bündnerdorfern knltivirt wird, und ferner der Säuerling (Oxzmm), mit 4 Pcrigonblättern und zweiflügliger Frucht, deren einzige einheimische Art (0. ciiMi:,) eine verbreitete Alpenpflanze des Felsschutts und der Schnecmnldcn des llrgcbirgcs ist. Die Gattung Knöterich (I'ol^mm») ist von beiden durch das fünfglicdrige Pcrigvn unterschieden. Endlich ist als blos knltivirtc Gattung noch der'Buchweizen (b'uKlg^rnin, mit der Art 08 rnlvnlnm> zu erwähnen, als Nachfrncht im Tessin und in den südlichen Bündnerthälern gebaut, vom Knöterich durch die aus dem Frnchtperigon weit hccansragcndc Nuß verschieden (bei l'oI>Konm» ist sie eingeschlossen). Die Gattung polz r-onnm ist mit ihren 150, meist krautigen, seltener halbstranchigcn, thcilwcisc schlingenden oder fluchenden Arten über den ganzen Erdkreis verbreitet, vom Acqnator zu den Tropen, von den Ebenen bis auf die Berge. Die mit Lol^oiuim Oislm'la nächstoerwandten Arten unserer Flora werden wir am Schlüsse erwähnen. Die Schafznnge hat zweierlei Blätter: Niederblättcr, am Wnrzclstock oder am Grunde der oberirdischen Triebe stehend, die Knospen einhüllend (siehe später unter „Wuchs"), aus einer röthlich gefärbten Scheide ohne Spreite bestehend, und Laubblätter. Diese gehören entweder der stets kurz bleibenden Hauptachse an, sind also grundständig, oder sie sind stcngelständig. Die meist in Mehrzahl vorhandenen Grnndblätter haben einen langen, dreikantigen, unterseits röthlich gefärbten Stiel und eine breite, zungcnförmige Spreite, die an den Rändern wellig hin- und hcrgebogen ist und von dein abgestutzten Grunde aus sich an zwei Kanten des Stieles lang herabzieht. Sie ist oberseits dunkelgrün und kahl, unterseits bläulich-grün und von feinen, abstehenden Häärchen sammetig. Anf beiden Seiten des Mittelncrvs verlaufen zwei schwach bogige, von der Basis des Blattes zur Spitze desselben sich hinziehende Falten (besonders im dnrchfallcnden Lichte deutlich). Die Stcn gelblättcr haben eine lange, den Stengel rührig umfassende Scheide, welche über der Ab- gangsstclle des Blattstiels in einer stcngelnmfassenden Tute (m-Iirmn von brauner Farbe sich fortsetzt ;Fig. .l.). Der Stengel entspringt stets seitlich neben den grundständigen Blättern, ist einfach, aufrecht, glatt und kahl. Der Blüthenstand ist eine endständige dichte, kalben-oder wlirstförmige, aus 2 —8-blüthigcn Wickeln zusammengesetzte Rispe :Fig. .1., halbgeöffnet, halb im Knospenznstand, Fig. >j. ganz geöffnet) mit brannhäutigen, lang zugespitzten Deckblättern (Fig. 0 — ll) und becherförmig verwachsenen Vorblättcrn >Fig. 1, 11 —12x Der Ban der Eiiizelblüthc ist aus den Figuren 2 — 10 zu ersehen (vergleiche auch die Figurenerklärung). Die Blüthen sind proterandrisch oder vormännlich, d. h. zuerst entwickeln sich die Staubgefäße (Fig. 2—3), so daß im ersten Stadium die Blüthe rein männlich ist; haben die Beutel verstäubt und sind abgefallen, so strecken sich die Griffel und die Narben treten heraus; in diesem zweiten, weiblichen Stadium werden die Narben von honig- suchendcn Insekten mit dem Blüthenstaub anderer Blüthen belegt. Der Honig wird von den am Grunde angeschwollenen Staubfäden des innern Kreises abgesondert (Fig. 5 — 10). Abarten. Abarten sind bei uns keine bekannt. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die Schafzungc hat eine sehr weite geographische Ver- Perbreitniig. brcitnng. Mit Ausnahme des südlichen Spaniens, der italienischen Inseln und des nördlichen Griechenlands findet sie sich in ganz Europa. Außerhalb Europas kommt sie vor im Kaukasus, in Sibirien, Kamtschatka, auf dem Himalaya und im arctischen Nordamerika. Standorte. Sie findet sich vorzugsweise auf feuchten und fetten Wiesen der Berg- und subalpinen Region, oft in großer Menge gesellig wachsend, anf begrenzten Stellen fast den alleinigen Bestand bildend. Eine große Rolle spielt sie z. B. in dem herrlichen Wicsengclände des Urserenthales, dem Lias (Lütt) des oberen Baselbiets, und im Solothurner Jura, im Rheinwald van Snfers (1340 m) bis Hinterrhcin (1670 in), im Puschlav bei la Rösa, im Balle Maggia von Bignasco bis Fusio, im Toggenbnrg, Haslithal, Simmenthal, überhaupt den meisten Alpenthälern der Schweiz. Ihre eigentliche Heimat ist die Höhenzone von 1100 bis 1900 in, vereinzelt Höhen- steigt^sie aber auch in's Tiefland hinab, so z. B. findet sie sich in Chain (425 m), in Sccbach bei Zürich (438 in), im Schachen in Utzenstorf (478 in), in Wcrmatsweil (550 in), in einem Baumgartcn in Rünenberg (600 m), bei Trnbschachen (600 ,n) n. a. O. Umgekehrt steigt sie mit dem Dünger weit in die alpine Region hinauf. Das beste Gedeihen zeigt die Schafzunge in feuchtem Klima. Auf passendem Boden findet sie Klima, sich zwar auch in trockenen, regenarmen Gegenden, wird hier aber vorzeitig dürr (wie im Engadin) und bietet dann lange nicht die Bortheile, wie in den feuchten Alpenthälern. Bor allem aber ver Boden, langt sie zu ihrem Gedeihen einen feuchten und fetten, nicht zn bindigen Boden, wo sie beguem ihre unterirdisch kriechenden Nhizome entfalten kann. 1000 Theile Heu enthielten: Baden- Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsänre, Kali. Kalk, -rschdpstmg- Magnesia. 1. 21,06»/aa 68,22°/on 1,19"/«« 18,06»/»« 15,96>° 4,93°/aa 11. 20,01"/«« 99,04°/aa 4,21>o 27,72°/nn 20,370/no 8,41°/aa Nr. I stammt von einer steinigen Stelle einer Wiese im Banernboden (1030 in) bei Fischenthal, am 2. Juli 1886 geschnitten, Nr. II aus einem Quadratmeter Futter von einer Wiese in Tenffcnthal bei Thun (900 in>, am 16. Juli 1886 geernlet. In beiden Fällen hatten die Pflanzen verblüht. Für die Düngung ist sie sehr dankbar. In großer Ausdehnung findet sie sich nur auf gedüngten Düngung. Wiesen. Aus Wiesen, wo sie sonst fehlt, bewohnt sie manchmal in gedrängten Reihen die Stelle, wo Dünger längere Zeit gelagert hat. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Die Pflanze besitzt einen horizontal kriechenden, knotig Wuchs, gegliederten Wurzelstock, der an seinem vordern Ende plötzlich stark, bis zn Fingerdicke, anschwillt und sich 8-förmig oder doppelt 8-förmig krümmt (Fig. I n. tl); die Schenkel des gekrümmten Theiles legen sich meist fest aneinander, so daß das Ganze einen mächtigen, braunen Knäuel bildet. Meist fällt der Hintere, dünnere Theil des Nhizoms ab, so daß mir noch der schlangenförmige bleibt. Der Hauptwnrzclstock geht in eine stets steril bleibende Blattrosette aus 2 bis 3 grundständigen Blättern aus und erzeugt zweierlei seitliche Triebe. Erstens nmscheidete (intravaginale), welche zn blühenden Stengeln werden, und zweitens durchdrehende (cxtra- vaginalc, Fig. 19), welche zu fedcrkieldicken, knotig gegliederten, weit kriechenden Ausläufern sich entwickeln nach einiger Zeit sich nach oben wenden und am Ende zu neuen, schlangenförmig gekrümmten Rhizomen werden, welche sich durch Abfallen des verbindenden Kriechtriebes von der Mutterpflanze trennen und zu selbständigen, Pflanzen werden. Das gesellige Wachsthum der Pflanze, ihr nesterweises Vorkommen und ihr Dominiren auf weite Strecken kommt zum Theil durch die Bildung dieser zahlreichen Ausläufer zu Stande, zum Theil wird es außerdem durch die Schwerfälligkeit der Samen und die breiten Blätter begünstigt; hat sie einmal ein Terrain erobert, so gelingt es ihr leicht, mit den stark schallenden Blättern alle andern Arten zn unterdrücken. Der Stengel ist 30 bis 120 em hoch (Exemplare von letzterem Ausmaß fanden wir in feuchten Bergwiescn ob Fusio im Maggiathal bei 1600 m). In Zürich blüht sie schon Ende Mai, in der montanen Region im Juni und höher Wohl erst im Juli. Emwicllmic,. Jede Schcinühre zeigt ein zweimaliges Aufblühen. Erst öffnen sich die Primanblüthen der zwei- bis drciblüthigcn Theilstände von nuten nach oben, und wenn die untersten schon abgeblüht sind, beginnt eine zweite Blüthemvclle, den Seknndanblüthcn entsprechend, über die Aehre zn laufen; so dauert die Blüthezeit sehr lange. Geschnitten wächst die Pflanze sehr rasch nach und liefert bald wieder einen Schnitt, wenn derselbe auch nicht so ergiebig ist wie der erste. Auch Stengel mit Blüthen treiben znm zweiten Mal. 176 Futterwerth. Nutzung. «nmen- gewiunuug. Same. Kultur. Verwandte Arten. 100 Theile zu Heu getrocknete Pflanzensnbstanz von den oben angegebenen Standorten enthielten: Organische Substanz, darin: Protein, Fett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe- I. 79,18°/» 13,16«/» 2,49°/» 16,37°/» 47,16°/» II. 76,10°/» 12,50°/« 3,19°/» 16,50°/« 43,91°/« Der Gehalt ist trotz des vorgeschrittenen Stadiums ziemlich hoch. Im jüngern Stadium ist das Futter viel saftiger und nährstoffreicher. Im Berner-Sberlaud gilt es als „flüssiges Gras" (d. h. milchreiches), das nicht nur vom Rindvieh, den Schafen und Ziegen, sondern auch von den Pferden gerne gefressen werde. Und zwar ist es vorzugsweise ein Mähefntter. Das Weidevieh zieht andere Kräuter und Gräser vor und läßt die Schafznnge stehen. Ihren höchsten Werth als Mähefntter hat sie, wenn sie grün verfüttert werden kann, während sie znr Henbereitnng wegen der Schwierigkeit des Dörrens und des Blattverlnstcs weniger geeignet ist; denn läßt man die Pflanzen zu dürr werden, so zerfallen die Blätter leicht, läßt man sie dagegen nur schwach dörren, so werden sie später leicht schimmlig. Die Henbereitnng erfordert deshalb alle Sorgfalt, da ein Zuviel wie ein Zuwenig des Dörrens nachtheilig ist. Das Rhizom (lüstorta maß»' raciiea intoit:,) war wegen des hohen Gerbsänregehaltes früher offizinell, gegen Durchkält, Ruhr u. drgl. — In Island und Nordamerika werden die Rhizome gegessen. Samengewimmng, Same, Kultur. In der Bergregion reifen die Samen Ende Juni bis Anfang Juli, in höhern Lagen erst Ende August; iu der Ebene Anfangs bis Mitte Juni. Dieselben fallen leicht ab. Wenn man sie sammeln will, darf man sie also nicht zu reif werden lassen; man streift sie ab und trocknet sie. Wenn man größere Samenmengen gewinnen will, so kultivirt man die Pflanze rein oder läßt sie an denjenigen Stellen der Wiese, wo sie nesterweise vorkommt, stehen, schneidet bei der Samenreife mit der Sichel die ganzen Fruchtstände oben ab und trocknet dieselben. In der Frnchtähre sind die Früchte von dem bleibenden Perigon völlig eingeschlossen; der Fruchtstiel ist gegliedert und die Frucht fällt am Gelenk ab (Fig. 11). Die Frucht ist ein dreikantiges Nüßchen mit harter glänzend-kastanienbrauner Schale (Fig. I3>. Die beiden abgerundeten Kanten sind etwas flügelartig vorgezogen (Fig. 14), die Flächen auf der Mitte von einem schwachen Längswulst durchzogen; die Spitze in ein Dörnchen auskaufend. Der Same ist ebenfalls 3-kantig (Fig. 15h mit dünner, lichtbrauner Schale, am Grunde abgeflacht und dort einen schwarzbraunen Samennabel (llilmn) tragend. Lage und Form des Keimlings sind aus den Figuren 16, 17 und 18 a—o ersichtlich. 1000 Körner wiegen 4—10 Gramm, je nach dem Grade der Vollkommenheit. Die Samen keimen meist schlecht. Zwei Proben keimten gar nicht und eine dritte nur zu 18°/». Die Vermehrung aus Samen ist auch wegen der langsamen Entwicklung mit Schwierigkeiten verbunden und nur auf fruchtbarem, gutem Boden bei sorgfältiger Behandlung möglich, während die Kultur aus Rhizomen keinerlei Schwierigkeiten bietet. Zu diesem Behufe werden die Rhizome im Herbst oder frühem Frühjahr gepflanzt. Dieselben wachsen sofort an und blühen und frnktifiziren schon das erste Jahr. Die Kultur ist jedoch nur zu Mähewiesen am Platze und zwar nur auf nassem Boden als Zusatz zu andern passenden Pflanzen. Verwandte Arten. Die Artengruppe Ilmtarta (Schlangenknöterichc), innerhalb der Gattung postKmmm, enthält nur zwei europäische Arten, I'ol^onum llislorta und xivipmmm, beide von allen übrigen postgannm- Arten der Schweizerflora durch ihr schlangenförmig gekrümmtes Rhizom unterschieden. Der knöllchen- t ragende Knöterich (Lastganmn viviparmn I,.) unterscheidet sich von der Schafzunge durch folgende Merkmale: Die ganze Pflanze ist viel kleiner, der Blattstiel ist ungeflügelt, die Spreite dicklich, am Rande nmgerollt und durch die kolbig verdickten, vorragenden Nervencndignngen fein gezähnelt; die Blüthen sind weiß, die Aehre trägt in ihrem untern Stiel statt der Blüthen kleine, samenartige, verkehrt-birnförmige Brutknöllchen, welche die Verbreitung der Art auf vegetativem Wege in sehr ausgiebigem Maaße besorgen. äW^- A^'W «Ä LL8- ILI. 1-t :^l?, ^ i'ns, lä l^i ,./,..r < 7 ^.^ /r./' ' -r ^ ; ^L.. v ' . /? ^7^7^ ? l'i'?/>/,/ 5 / > 7 , ^ /-/////^ 7 !-iq.l7'/' "»-»» //,/,«„ ^u >^5 -. v cd k'its.u; v ,/ ?Ol^§ONUrH DiLtoi'tL 1^. Lll^Lk2iiri§s. ü. L I,. Ledittsr sä. vrt. Lsl. L. Lsnll, Lürlcd 177 Krktärrrng der Gaset 14. Fig. 1. Ganze Pflanze mit einer halbanfgel'lnhten Scheinähre. „ >1 Voll aufgeblühte Scheinähre. „ ll. Doppelt 8-förmig gekrümmter Wnrzelstock. „ 1. Eine der zweiblüthigen Partialinflorescenzen ini Knospenzustandc. „ 2. Einzelblüthe int ersten Stadium des Aufblühens; auffallendcrweise stäuben die iünern Staubgefäße zuerst. „ 3. Einzelblüthe im zweiten »loch immer rein männlichen) Stadium; es stäuben jetzt alle Staubgefäße. „ 4. Blüthe im dritten, weiblichen Stadium. „ 5. Sexualorgane aus einer Knospe. Die 3 Staubgefäße des innern Kreises sind länger und tragen am Grunde ihres Fadens rechts und links eine honigabsondernde Anschwellung. „ 6. Stempel. „ 7. Die kleine, kopfige, ganz glatte Narbe. „ 8. Querschnitt durch den Fruchtknoten. „ 9. Längsschnitt durch die Blüthe. „ 10. Grundriß (Diagramm) derselben. Die Buchstaben in diesen beiden Figuren bedeuten: v. ?. — vordere Perigonblätter. 8. U. — seitliche Perigonblätter. In k. — hinteres Perigonblatt. a. v. 8. 1 u. 2 — die zwei vorder» Staubgefäße des äußern Kreises. ,i. x. 8. und n. 8. 8. 1 n. 2 — die 3 seitlichen Staubgefäße des äußern Kreises, i. 8. — die 3 Staubgefäße des innern Kreises (i. I>. 8. — das Hintere derselben). Fig. 11. Einer der zweiblüthigen Theilblüthenstände nach dem Verblühen der Primanblüthe; die Borblatt- Tute, welche jede Blüthe umgibt, soll nach Eichler und Payer aus je zwei Vorblättern hervorgegangen sein, obschon sie stark einseitig vorgezogen ist. „ 13. Frucht, aus dem sie einhüllenden Fruchtperigon herausgelöst. „ 14. Querschnitt durch dieselbe. „ 15. Same. „ 16. Längsschnitt durch denselben. „ 17. Freipräparirter Keimling. „ 18 :>—e. Schnitte durch den Samen in verschiedener Höhe, um die randständige Lage des Keimlings zu zeigen. „ 19. Junger, durchbrechender (extravaginaler) Kriechtrieb mit kurzem Vorblatt. Der röthlich gefärbte, junge, i n t ra v a g in a l e Blüthentrieb der Fig. .1 hat dagegen ein langes Vorblatt. 38. Der gemeine Thaumantel. I.) oft oimHu v>tjAgi'i8 Istitiu' Ä. > )- (Tafel 15.) ' / ' Der gemeine Thaumantel trägt wegen seiner großen Verbreitung und Beliebtheit als Futterpflanze beim Benennung. Volke die mannigfachsten Bezeichnungen. Er heißt: 1. Wegen der in a n tela rti g en Faltung der Blätter: Frauenmantel (im Berner Oberland, Elsaß, Schwaben, Schlesien, Hessen, Pommern), Frauenmänteli (Berner Oberland, Schwaben), Thaumantel (im Berner Oberland), Frauamänteli (St. Gallen), Framanleikraut (Altenau), Mänteli (bei Luzern, Küßnacht, Mnottathal, Jberg, Einsiedeln, Nidwalden und Engelberg), Mäntelichrut (Berner Oberland, Entlebuch, Weggis, Küßnacht, Mnottathal, Jberg, Menzingen), Frauamänteli (Weggis, in der March, Nidwalden und Engelberg), Uesä liebä Frauämänteli (Egeri), Bkuttergottesmäntelein (Eifel, Obwalden), Thaumänteli (Gersau), Hasämänteli (Beckenried), Unser lieben Frauen Mantel (Schlesien, Norder-Dithmarschen), Unser lieben Frauen Nachtmantel (Thüringen- Sachsen), Fruemantel (Mecklenburg), Fruenmänteln (Göttingen), Herrgottsmäntelchen (Eifel, Erzgebirge), Marien- mantel (Schlesien, Mark, Thüringen, Ulm). 2. Wegen der über Nacht und bei Regenwetter in den Blättern sich sammelnden Wasscrtropsen (siehe auch unter 1): Thauschüsseli*), Thaublatt (Kt. Graubünden), Thaubecherl, Regendüchli (Augsburg), Rägätropfä (Arth), Wasserträger, Schüsselichrut (Uri). ») Frauenzimmer waschen im Sommer mit den bethauten Blättern Gesicht und Stirne, „in die Sommersprossen zn vertreiben. (Dr. B- Wartmann, Beiträge znr St. Gallischen Bolksbotanik. St. Gallen 1861. Seile 3.) 23 178 Geschichte. Alpwirthschaft- licher Werth. Botanische Beschreibung. 3. Wegen der Form der Blätter: Parisol (Engadin), Schatthütlichrut (Sargaus), Dächlichrnt (Walchwil), Sonnadächli (Uri und Ursern), Löwentritt, Löwentapen (Bocks Kräuterbuch). 4. Andere Ableitungen: Sinan (in verschiedenen Kräuterbüchern; vielleicht zusammengesetzt aus sm — „immer" und an — „Wasser", weil eben in den Blättern immer Tropfen sitzen), Sonnenblätter (Entlebuch,' Bern, Schwyz), Silberkraut (Schlesiens, Sternkraut, Eisenkraut (Entlebuch), Gänsfuß (Zittau), Ganselgrtin (Schlesien), Johannisblume (Eifel), Mutterkraut, Lägerkraut, Milchkraut, Ohmkraut, Abschnitz (Schlesien), Alchimistenkraut (das bedeutet auch der Name „rllelmmilts"), Neuneck (Eifel, Nürnberg), Helfs (Preußen) :c. Die ältesten alpwirthschaftlichen Schriftsteller rühmen den hohen Futterwerth des Thanmantels. Nach Steinmüller*) rechnen ihn die Glarnersennen zu den milch- und butterreichsten Kräutern. Ebenso betont Kasthofer, daß ihm, nach übereinstimmendem Urtheil der Hirten, ein großer Milchertrag und größere Fettigkeit der Milch zugeschrieben werde, und empfiehlt dessen Aussaat auf den Alpen.**) Er bemerkt an einen: andern Ort***).: „Auf den Bernischen Alpen ist nicht leicht eine Pflanze, welcher in Absicht auf Milchabsonderung so ungetheiltes Lob von den Hirten.ertheilt wird; um so auffallender war dem Verfasser die Versicherung, daß sie auf dem Jnragebirge, wo sie oft zur Ungebühr sich verbreitet, nicht gerne von den Kühen gefressen werde. Das ist aber mit mehreren Pflanzen so, die fast launenhaft von den Kühen bald gesucht und bald gemieden werden. So z. B. verschmähen einige Kühe den lanzettförmigen Plantago, den andere hingegen gerne fressen; und so verschmähen unsere Kühe oft den weißen, kriechenden Klee, der in England so gerne als gnte Weidepflanze künstlich vermehrt wird." Wir werden weiter unten auf diese Thatsache zurückzukommen haben. Auch v. Rütti, Sendtner, Schatz mann u. A. rechnen den Thaumantel zu den besten Futtergewächsen der Alpen. Der gemeine Thanmantel ist ohne allen Zweifel einer der bedeutsamsten Bestandtheile der gedüngten Atpcnmatten, er liefert einen guten Ertrag und ein wenigstens in: dürren Zustande von: Bieh gerne gefressenes, nährstoffreiches Futter. Sein Nutzen als Weidepflanze ist streitig und wird sehr verschieden beurtheilt; immerhin sieht man ihn stellenweise abgeweidet. Botanische Beschreibung. Der Thaumantel gehört zu der artenreichen Familie der Nosenblüthler (Rosaceen), welche sich durch die mehr oder weniger becherförmige Ausbildung der Blüthenachse („perigyne Blüthe", oder nach älterer Ansdruckweise: Einfügung der° Krone und der Staubgefäße auf der „Kelchröhre"), die meist große Zahl der Staubgefäße, die getrennten Stempel und den eiweißlosen Samen auszeichnet. Zu den wichtigern Familiengenossen des Thaumantels gehören in unserer Flora die Rosen (küma), die Nelkenwurzeln (üonm), Brom- und Himbeeren (Untum), die Erdbeeren (kü'LKgria), die Fingerkräuter (potsiitilla). die Spierstauden (Lplraaa), die Becherblume (powrinm) und der Wiesenknopf (Pan^uworba). Die mit.llotmmillg nächstverwandten Gattungen bilden innerhalb der Familie die Tribus der P vierieen (Becherblumenartigen). Bei dieser umschließt die becherförmige Blüthenachse völlig den Fruchtknoten (s. Fig. 4), die Kronblätter fehlen meist, die einengen Stempel sind zu 1—3 in jeder Blüthe vorhanden, die Früchtchen sind trockene Nüßchen. Zu dieser Gruppe gehören drei Gattungen der Schweizerflora: ^letwmilla. ^Zrimonül und potvrium (inkl. l-iangumorbg). Die letztere Gattung (Becherblume und Wiesenknopf) hat keinen Außenkelch und fieder- schnittige Blätter; ^.Arimonta hat einen mit Widerhacken besetzten Achsenbecher; ^lellsmilla dagegen hat einen Außenkelch und keine Widerhacken an dem Achsenbecher. Die Gattung rllvksmilla hat ihre Hauptverbreitung auf den Anden von Mexiko bis Chile; nur wenige ihrer 30 Arten sind über die gemäßigte und kalte Zone der nördlichen Hemisphäre und die Gebirge Süd- Indiens, Madagaskars und Südafrikas verbreitet. Die sieben Arten der Schweizerflora sind vorzugsweise montan bis alpin. Wir wollen in Folgendem die botanischen Charaktere der beiden von uns beschriebenen Arten Nr. 28 und 29 gemeinsam behandeln. Steiumiillcr, Beschreibung rc. Winterthur 1808. 1. Seite 11. **) Kasthofer, Kultur der Äiihalpen. Bern 1818. Seite 84 und 27. ***) Kasthofer, Alpenreise Über den Susteu rc. Aarau 1822. Seite 23V. 179 Die gemeinsamen Merkmale von Ilelramilla vulgarw und lm.8a sind folgende: Die Blätter sind theils grundständig, theils stcngclständig. Die erstem sind langgcsticlt, haben eine stengelnmfasscnde Scheide, welche in zwei Nebenblätter auslänft und eine rundliche, handlappige Spreite. In der Knospe ist dieselbe längs der strahlig verlaufenden Nerven zusammengefaltet, und auch an der geöffneten Spreite sind die Falten in der aus Fig. /I. ersichtlichen Weise noch erhalten. Die ganze Spreite ist meist etwas dtitenförmig eingebogen und bildet einen flachen, an einer Seite offenen Trichter. Die stengelständigen Blätter sind bedeutend kleiner als die grundständigen, ihre Nebenblätter werden nach oben immer größer und stark eingeschnitten (Fig. 17), die Spreite des Hauptblattes immer kleiner, so daß schließlich nur noch die stengelumfassende Scheide mit ihrem Nebenblattkragen übrig bleibt. Die Blüthen stehen in end- und seitenständigen, aus einfachen oder Doppel-Wickeln zusammengesetzten, knäuelartig zusammengedrängten Rispen. Die Einzelblüthe hat eine becherförmig entwickelte Achse (Fig. 4); am Rande des Bechers entspringen 4 Kelchblätter mit klappiger Knospenlage (Fig. 7) und zwischen und außerhalb derselben die 4 znngcnförmigcn Blättchcn eines Anßenkelches (Fig. 1—4, 12—14). Die 4 Staubgefäße stehen. innerhalb und zwischen den Kelchblättern und haben ein angeschwollenes Gelenk unterhalb der kugeligen Anthcrc, an welchem dieselbe später sich ablöst (Fig. 5, a, b, c). Der Staubbeutel öffnet sich mit Querspaltc, und die beiden Lippen der klaffenden Spalte ziehen sich weit zurück unter.Fältelung der Außenfläche, so daß der violette Blüthenstaub offen daliegt (Fig. 5, a. Ii. v). Innerhalb der Staubgefäße verdickt sich der Rand des Achsen- bechers zu einem drüsigen, Honig absondernden, orangcgelb-gefärbtcn Ring (Scheibe oder Fig. 1, 3, 4, 13). Im Grunde des Achscnbechers entspringt der von ihm beinahe völlig eingeschlossene Stempel, dessen seitlich angesetzter Griffel durch ein zentrales Loch der drüsigen Scheibe heraustritt. Die Frucht ist ein von, Achscnbccher eingehülltes Nüßchen (Fig. 8, 14, 9 und 15) mit seitlich angefügtem Griffel und grundständigem Fruchtnabel; der Same ist eiweißlos, mit breiten: Grunde, an welchem der Nabelfleck sitzt, und etwas gekrümmter Spitze (Fig. 10 und 10a). Die unterscheidenden Merkmale der beiden Arten sind folgende: Gemeiner Thamnnntel. Fldwmillw v::lMM8 I,. Blätter kahl oder behaart, auch auf der Fläche; ungefähr auf V» gespalten; die Lappen halbkreisförmig, unten an: breitesten, rings herum, bis zum Grunde des Einschnittes, gezähnt. Das Blatt ist dickleibiger, saftiger als das papier- dünnc, trockenere Laub der .IWItsmilia 1ii,sa; namentlich im getrockneten Zustande tritt dies sehr deutlich hervor. Stengel bis 40 ein hoch. Frnchtstiinde dicht gedrängt. Fruchtstiele kurz, höchstens 1—1,5 nun lang, erst sehr spät, lange nach der Reife an einem knotig angeschwollenen Gelenk sich lösend (Fig. 8). Fruchtkelchzipfel aufgerichtet, Außenkelch wagrecht abstehend. Blüthen alle zwittrig, aber stark vormännlich (protcrandrisch) (Fig. 1 und 2). Die Staubbeutel sind im zweiten, weiblichen Stadium stets abgefallen, spontane Selbstbestäubung also ausgeschlossen. Gefpaltenirliittviger Thanmatttel. Isidtsiuillu li88u^.8dl::i::u:d. Blätter auf der Fläche kahl*), am Rande oft behaart, bis auf eingeschnitten; die Lappen nur vorn mit tief eingreifenden Zähnen (Fig. 16); die Zähne sind oft noch schmäler, tiefer eingeschnitten und stärker gegen das Ende der Lappen zugekrümmt. Die Seiten der Lappen sind ganzrandig, die Lappen nach unten etwas keilig verschmälert. Stengel nur bis 15 am hoch. Frnchtstiinde lockerer, Fruchtstiele länger, 2—3 mm laug, leicht und glatt, bald nach der Reife sich an dem knotigen Gelenk loslösend (Fig. 14). Fruchtkelchzipfel und Außenkelch wagrecht abstehend. Blüthen meist zwittrig und protcrandrisch. Die Staubbeutel sind im zweiten weiblichen Stadium noch vorhanden, so daß der lange Griffel die Narbe oft mit dem Pollen in Berührung bringt. (Spontane Selbstbestäubung). Neben zwittrigen kommen rein weibliche Blüthen mit verkümmerten Staubgefäßen vor. Gremli (Neue Beiträge zur Flora der Schweiz, IV., Aaran 1887, Seite <>) erwähnt eine vor. viilosnla aus dem Saasthal mit schwach zottigen Blättern. 180 Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- Verbreitung. Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Abarten. Man unterscheidet: 1. den kahlen Thanmantcl (van. gtgbr-i), in alleil Theilen kahl »der nur hie und da spärlich behaart. Kerner (in kllora «xsiecala .lustra-Hnngariov) trennt diese Form als Art von ^Iclmwilla vnlggrm (Blüthen doppelt so groß. Stengel weit hinauf mit Laubblättern besetzt, Jnflores- ceuz mehr traubig). 2. Den behaarten Thaumantel (rar. pito8.i), Stengel und Blattstiele abstehend oder zottig behaart; Blätter am Rande, unterseits und oberseits behaart, oft zuletzt kahl werdend. Blütheustiele und Außenseite der Kelchzipsel kahl. — Diese Form allein will Kerner (a. a. O.) als /ttolLsmilla vaitgui w L. angesehen wissen. Vorkommen, Klima, Boden, Dunguttg. Der gemeine Thaumantel kommt in ganz Europa wild vor, mit Ausnahme von Portugal, den italienischen Inseln, Griechenland und der südlichen Türkei; außerhalb Europa: in Asien im Kaukasus, Klein-Asien, Armenien, Kurdistan, ferner im Altai und dem arctischcn Gebiet, in Amerika in Labrador und Grönland. — Er findet sich bei uns besonders häufig auf gedüngten, frischen Berg- und Alpenwiesen, auf dem Lager um die Sennhütten, in tiefern Lagen auf Waldwiesen und Triften, an Bachufern, grasigen und schattigen Abhängen. Auf Wiesen, die durch natürliche Bereifung entstanden sind, bildet er auf frischem Boden im Jura häufig fast reine Bestände, so z. B. auf dem vorder» Erzberg (1075 m) im Solothurner Jura. Aber auch in den Alpen tritt er unter gleichen Verhältnissen gleich massenhaft auf. Auf dem Läger der Obersandalp (1939 i») bildete er 42,28"/» des Bestandes, auf einer Feltmatte beim Julier- berghaus (2220 m) sogar 47,44°/», auf einer Fettmatte im Dorbach, 850m, Gemeinde Escholzmatt 20,77°/„, auf einer ebensolchen auf dem Straffli in Avers (1930 m) 17,70°/», auf der Golzeren-Alp im Maderanerthal bei 1410m 13,84°/», auf Vorderscheuer, Fischenthal (1022 m) 12,10°/», Hirzensteig, Einsiedeln (950 m) 11,09°/», auf einer bewässerten Fettmatte bei der Riffelalp (2227 w) 9,96°/» u. s. f. Sein Hauptverbreitungsgebiet hat der Thaumantel zwischen 900 m und 2050 m, unter 900 m und über 2050 m ist er seltener. Der tiefste uns bekannte Standort ist in Utzenstorf an Wegen im Schachen 480 m, der höchste das Aroser Weißhorn 2650 m. Nach Sendtner liegt der höchste Standort in Sndbayern bei 2276 m. Der Thaumantel ist sehr wenig empfindlich gegen klimatische Einflüsse; das geht u. a. darans hervor, daß er bis znm 78. Breitegrad in Grönland üppig gedeiht; einzig lang andauernde Trockene kann er nicht ertragen. Er gedeiht auf allen Bodenarten, mit Ausnahme von Moorboden, jedoch muß die Unterlage genügend Frische besitzen. 1000 Theile Heu, vom Lager der Obersandalp, am 19. Juli 1886 geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia, Natron, Schwefelsäure, 18,23°/»» 70,52°/»» 6,64°/»» 17,57°/»» 23,79°/»» 6,16°/»» 1,33°/»» 7,07°/»» Kieselsäure Eisenoxyd, Chlor. 3,0l°/,o 0,42°/,« 1,37°/.,o. Der Thaumantel liebt einen dnngerkräftigen Boden. Je besser der Boden gedüngt ist, desto häufiger tritt er aus, weshalb er besonders auf dem Läger, an Geilstellen, auf Fettmatten und Fett weiden sich findet. Besonders befördert die Jauche nach Geinseht) das Auftreten des Thanmantels. Wo die Pflanze auf nngedüngtem, magerem Boden vorkommt, ist sie niedrig, schmächtig, etwas trocken Lind entwickelt nicht viel Blätter; an fetten Stellen dagegen erhebt sie sich aus das Doppelte, wird sehr saftig und die stark schaltenden Blätter sind dicht ineinander gedrängt, so daß sie anf großen Strecken fast alte andern Pflanzen mit Ausnahme der ebenfalls köstlichen Uoa nlpinn, des Alpcn- rispengraseö, verdrängt (von Rütti). Wachsthum und Futterwerth. Die Pflanze hat einen absteigenden oder horizontal verlaufenden, von den verwitterten Scheidenresten der Laubblätter braun beschuppten, ein- bis mchrköpfigen Wurzelstock. Die Aeste desselben erzeugen mittelständige Laubrosetten von grundständigen Blättern, aus h^ren Blattachseln die stets seitlichen, etwas niederliegenden, blühenden Stengel hervortreten. So bildet die ganze Pflanze große halbkugelige Blattbüschel, die au der Peripherie von den aufstrebenden Blüthenstengeln garnirt sind. Wächst *) Schweizerische Alpwirthschust V. Aaruu 18N4, Seite 24. 181 die Pflanze am Abhang, so legen die letzter» sich alle abwärts. Die Stengel gehen aus einer nmscheideten (intravaginalen), von einem hoch über der Basis eingefügten, langen, scheidigcn Vorblatt eingehüllten Knospe hervor, die, erst in der Scheide des Mutterblattes eingepackt, senkrecht nach oben sich verlängert, dann im Bogen sich abwärts wendet, sich horizontal auf die Erde legt und in eine aufsteigende, blüthentragcnde Spitze ausgeht. Der Stengel wird 20—40 em hoch, die Blätter erreichen einen Durchmesser von 1 «Im. — Im jugendlichen Zustand sind sie dütcnförmig gefaltet; die Spreite bildet einen nach oben geöffneten, aufrechtstehenden Trichter, dessen tiefster Punkt der Einfügungsstelle des Stieles entspricht. Da die Oberfläche der Spreite nicht benetzbar ist, so fließt Thau und Regenwasser im Grunde des Trichters zusammen und bildet dort einen großen Tropfen, der sich lange hält. So sieht man in dem Schüsselchen des Thaumantels noch lange die Thauperlcn silbern glänzen, wenn an andern Pflanzen der Thau längst von der Sonne aufgeleckt ist. Ueber die Bedeutung dieser auffälligen Einrichtung sind die Botaniker nicht einig. Der schwedische Forscher Axel L und ström*) sieht darin ein Schutzmittel gegen zu starke Verdunstung: das Wasser werde vom Blatt aufgesaugt. Pros. K n h in Berlin **) trat dieser Anschauung entgegen; er hielt es für a priori unwahrscheinlich, daß für eine Pflanze frischer Standorte im feuchten Alpenklima die Wasseraufnahme durch die Wurzel nicht genügen sollte. Durch ein schlagendes Experiment zeigte er dann, daß der Thautropfen das Welken der Blätter keineswegs verhindert: die Blätter welken genau gleich schnell, ob man Wasser auf der Spreite anbringt oder nicht. Der Thau wird also nicht aufgenommen. Kerner endlich in seinem anregenden Buche „Pflanzenlcben" (Band I. Seite 221 u. 481) geht bei seinem Erklärungsversuche ebenfalls von der Thatsache aus, daß das Wasser nicht aufgesaugt werde. Er saßt es als Schutzmittel gegen das Gefressenwerden auf. „Das Vieh," sagt er, „weidet überhaupt bethautes Gras nicht gerne ab; es scheut die kalten Tropfen. Nun ist unser Thaumantel noch lange bethaut, nachdem die Kräuter rings herum schon trocken sind. Deshalb läßt es die Blätter stehen. Wenn man die Tropfen herausschüttelt oder wenn sie endlich verdunstet sind, dann wird auch der Thanmantel abgeweidet." Unsere Beobachtungen stimmen damit nicht ganz überein; wir haben häufig auch ganz trockene Blätter vom Vieh gemieden gesehen. Anderseits wäre dieser Tropfen, der beim leisesten Schütteln schon herauskollert, doch ein sehr prekäres Schutzmittel. Das intelligente Alpenvieh würde zweifellos, wenn es nach Thanmantel so begierig wäre, längst herausgefunden haben, daß ein leises Berühren der Blätter die Tropfen entfernt. Die Pflanze entwickelt sich ün Frühjahr sehr zeitig; iui Bersuchsfcld in Zürich (400 in) war Entwicklung, sie 1888 am 2. Mai in voller Blüthe, aus der Fürstenalp Ende Juni. Bach dem Berblüheu vergilben die Blätter, dorren ein und werden häufig von einem Mehlthan befallen. Aus düngcrkrästigem Boden wächst der Thanmantel nach dem Abweiden oder Abschneiden sehr rasch wieder nach. Am 9. August auf einem Beet von 1 j/ss w Fläche auf der Fürstenalp geschnitten, waren die Pflanzen am 12. September schon wieder 12 — 20 mn hoch und lieferten einen Ertrag von 1 Kilo Grünfutter. Auf der 'Weide sprießen die Blätter- bei feuchtwarmem Wetter sozusagen über Nacht aus der Erde. Der Thanmantel gehört deshalb zu den ertragstreichsten Futterpflanzen der Alpen. 100 Theile Heu des Thaumantels, von der Obersandalp, bei 1920 m am 19. Juli gesammelt, enthielten: Fnuerwcrth. Organische Substanz, darin: Protein, Fett, Rohfascr, Stickstofffreie Extraktstoffc. 78,95°/o H'40°/o 5,31°/o 20,66°/o 41,58°/°. Der Mhrstoffgehalt, insbesondere der Fettgehalt, ist also ein sehr bedeutender. Die Pflanze ist jedoch Nutzung, mehr ein Mähefutter, auf der Weide lassen sie viele Thiere stehen. Es mag dies zum Theil darauf beruhen, daß sie einen manchen Individuen oder Bichrassen unangenehmen Stoff enthält**"-), zum Theil darauf, daß sie sich vorzugsweise an Stellen findet, wo kürzlich Dünger hingelangte oder reichlich organische Substanz sich zersetzte. Biete Thiere weiden sie aber ab; jedoch zumeist nur bei trockenem Wetter. Sie liefert ein vorzügliches, wegen des hohen Wassergehaltes aber etwas schwer zu dörrendes Heu. *) Pflanzenphysiologische Studie». I. Die Anpassung der Pflanze» an Rege» und Thau. Upsala 1884. ^) Ueber die Anpassung von Wanze» gemäßigter Alimatc au die Aufnahme tropfbarflüssigen Wassers durch oberirdische Srganc. — Berichte der deutschen botanischen Gesellschaft. Band IV, 1886, Seite XXXVI n. ss. »»») Mch Stahl (Pflanzen und Schnecken, Jena 1888, Seite 7) ist es ein starker Gcrbstoffgehalt. 182 Samen- gewinnung. Same. Kultur. Verwandte Arte». Samengewinnunfl, Same, Kultur. Der Same reift auf der Fürstenalp Mitte August, im Tieflande zwei Mvuatc früher. Zur Laniengcivinnung ivird das Kraut zur Reifezeit der Samen geschnitten, getrocknet und hernach die Samen durch Schütteln und Schlagen gesammelt. Die Beschreibung siehe unter'„Botanische Beschreibung", Seite 179. 1000 Samenkörner (Scheinfrüchte) wiegen 0,4—0,525 Gramm. Der Lame keimt außerordentlich langsam. Einmal gekeimt, entwickelt er sich aber rasch, weshalb die Bermehrnng and Lamen aus passendem Boden leicht von Statten geht. Am 26. Juni 1885 auf der Fnrstenalv gesäet, keimten die Samen erst im darauffolgenden Frühjahr; am 14. September bildete» die Keimpflanzen schon Blattbüschel von 13 ViU,t.); er unterscheidet sich durch die stets bleibende, dichte, seidige Behaarung der Blatiuntcrscitc; auch der Blüthensticl und die Außenseite der Kelchzipfel, welche bei .4. vul^arm kahl sind, erscheinen bei .4. Montana dicht grauhaarig (Keiner). Der sehr verbreitete Berg-Thanmantel tritt meist in höhern Lagen auf, er wird von den meisten Autoren als die alpine Form des gemeinen Thaumantels angesehen. Er hält sich aber bei Kultur in der Ebene konstant, wie wir auf dem Versuchsfeld in Zürich beobachteten. Alpwirthschaftlich ist er eben seiner starken Behaarung wegen geringwerthiger, als /41ot>omilla vul^arm. Das Gleiche gilt von dem seltenen weichhaarigen Thaumautel (.41,'.>miml!a pntm-wmm 4l. Uwb.), der nur vorn, nicht rings herum, gezähnte Blatt-Lappen und unterscits dicht wcichhaarigc Blätter hat. Leicht zu unterscheiden sind der Alpen- und der fnnfspaltige Thamnantel, deren Blätter beinahe bis zum Grunde fünf- bis siebentheilig sind. Ersterer (^lelmmilta atpina U.) ist außerdem durch die seidenartige, prächtig glänzende Behaarung der Blattunterseite gekennzeichnet. Er ist ein schlimmes Unkraut feuchter und schattiger Stellen von 1200—2800 m, das oft durch sein Wuchern ganze Weidestrccken verdirbt. Der fnnfspaltige Thaumantel (4I<'IminiIIg psutapliMog I..) hat weit oberirdisch kriechende, röthliche Stengel und kahle oder wenig behaarte Blätter mit 5 völlig getrennten, keiligen Abschnitten. Er ist ein typischer Bewohner der Schneemnldcn und feuchten Humnspolster hochalpiner Lagen von 2000 bis 3000 m, im klebrigen ein gesuchtes Schaffntter. Die Unterschiede von .4lolmmil!a tw8u siehe oben unter „Botanische Beschreibung", Seite 179. Fig. .4 n. 1—11. .4b'.i>omista vnl^. U. Gem. Thaumautel. „ ,4. Ganze Pflanze, im blühenden Zustande mit dem schuppigen, verzweigten Wnrzelstock, den gelbgrtinen Nebenblättern, einem Blatt in der zusammengefalteten Knospenlage n. s. f. „ 1. Blüthe im ersten, männlichen Stadium: Staubbeutel stäubend, Griffel noch ganz kurz. „ 1 a. Abnorme 3-gliedrige Blüthen (nicht selten). „ 2. Blüthe im zweiten, weiblichen Stadium: Staubbeutel am Gelenk abgefallen, Staubfäden noch zn sehen; Griffet weit hcransragend. *") „ 3. Blüthe von oben zim ersten, männlichen Stadium). „ 4. Blüthe im Längsschnitt. „ 5. Staubgefäße in verschiedener Lage: unter dem kugeligen Staubbeutel das angeschwollene Gelenk deutlich sichtbar; bei v die Fältelung der Außenfläche des Beutels, bei 0 der auf der Innenfläche desselben festhaftende Pollen zu sehen. „ 6. Stempel; Griffel scitenstündig. 7. Blütheutüospe. 8. Scheinfrucht, d. h. die ächte Frucht, eingeschlossen in dem von Kelch und Außenkelch gekrönten Achsenbccher, der durch die ringförmige Scheibe bis auf ein kleines Loch geschlossen ist. 9. Aechte Frucht, aus dem Achsenbecher heraus- präparirt, mit dem bleibenden seitlichen Griffel. 10. Querschnitt durch Frucht und Same; am letzter» die 2 großen Samenlappen. 10 u. Same. 11. Scheiden.NebenblättcreinesgrundstäudigenBlattes. Fig. 12 — 17. Tlvlmwillu tiuua 8olruniniel. Gespaltener Thamnantel. „ 12. Blüthenknospe. „ 13. Blüthe von oben gesehen. „ 14. Scheinfrucht. „ 15. Aechte Frucht. „ 16 . Grundständiges Blatt. „ 17. Stengelblatt. Krkl'cirrnrg der Hcrfcl' 15. Ng- *) Kasthofer, Alpenreise über den Saften :e. Aarau 1822. Seite 236. **) Solche Blüthen hat Herm. Müller (Alpenblnmen, ihre Befruchtung durch Fnsekten rc. Leipzig 1881. Seite 223, Fig. 88 1!) für rein weibliche gehalten, indem er die Staubfaden r e st e für das ganze verkümmerte Staubgefäß nahm. Ich (Schröter) konnte bei ^lebemilla vulAnris nie rein weibliche Blüthen auffinden. /j k'ics.L k^ils .6 ^ sic,., > 7--- kils .5 ° i rilslO^/i ^ ... , ttkkL/'L^/rrttt/rtT'c/r kig^ o ^ j t7^k//ci />tk F/ü/Ke ^<,9 V, 1i<,n ' . v<0cn L(l 1 .^ ^/l k'iff.lL k^. 17 ^ 3 1 ) n. (k I>. 8Mter sä. ssi. §ix. L 1-11 LlotlSMillS. V 1 l 1 §s.ris 1 ^. Ssniölnsr l'liLiiiNLnrsl. § 18 . 12-17 Llotis Mills. iisss. LotMMM. SssxLirsLsr l'liLriiNLilisl. I^iüi. §. 8snn, 2üriod. 188 29. Der gespaltene Thaumantel. Fleflemiiin Ü88N Lolnimmel 2f. (Laset 1ö, Fig. 12—17.) Der gespaltene oder gcspalteublättcrige Thamnantel stimmt in seinem alpwirkhschaftlicheu Werth Alpwirthschast- mit dem gemeinen Thaumantel überein. Er unterscheidet sich von diesem durch die bei der vorhergehenden Nummer unter der Rubrik „Botanische Botanische Beschreibung" angegebenen Merkmale. ° ^ Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Er findet sich in Europa nur in den Hähern Lagen der Geographische Alpen, Pyrenäen, Karpathen und Sudeten, ferner in Skandinavien. Der tiefste uns bekannte Standort in der Berbrcunng. Schweiz ist bei 1660 m im Meienthal, aber erst über 1900 m beginnt er häufiger zu werden. Der höchste Höhe»- Standort ist bei 3000 m (Torrenthorn). In Bayern bewohnt er nach Sendtner das Alpengebiet von 1950 bis 2300 m. Bezüglich Boden macht er dieselben Ansprüche wie der gemeine Thamnantel. Boden. 1000 Theile zu Heu gedörrte Pslanzeusubstanz am 13. Juli 1886 auf einem Beet des Versuchsfeldes auf Boden- erlchoppuig. der Furstenalp geschnitten, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: 22,67»/°o 78,77°/oo Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 7,56°/->o l8,54°/«o 11,16°/oo 4,06°/oo Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Die Pflanze stimmt in ihrem ganzen Habitns, Wuchs, in ihrer Entwicklung nnd bezüglich ihres Fntterwerthes mit dem gemeinen Thamnantel überein, bleibt aber etwas kleiner als dieser. 100 Theile Heu vom gleichen Standort wie oben enthielten: Organische Substanz, darin: Eiweiß, Fett, Rohfaser, Fntterwerth. Stickstofffreie Extraktstoffe. 46,70°/n 14,17° 78,12°/« 12,70°/. Samengewinnnng, Same, Kultur. Die Samengewinnnng und Kultur geschieht in gleicher Weise Samcn- wie beim gemeinen Thaumantel. Der Same ist zur gleichen Zeit reif, besitzt gleiche Größe nnd keimt ebenso langsam. Er ist bei ^lelmmilla vnlgorm beschrieben worden. Verwandte Arten. Siehe unter .llelimnilw milKm-is. Erklärung der Tafel ebenda. Verwandte Arten. 30. Das Gold-Fingerkraut. Ootmitilln NUV6N Inuim. A (Laset 16, Figur L.) Das Gold-Fingerkraut, goldgelbes Fingerkraut, goldenes Fünsfingerkrant, goldener Grinstng (Pfr. Alpwirthschast Pol 1784) ist eine sehr häufige, niedrige Futterpflanze der Alpen, welche weniger ihrer vorzüglichen ^ m Eigenschaften, als ihrer Häufigkeit nnd Genügsamkeit halber Beachtung verdient. Sie liefert ein zwar wenig ergiebiges, etwas trockenes, aber nährstoffreiches Futter. Botanische Beschreibung. Die Fingerkräuter (Gattung kwlonlitla) gehören, wie die Thaumäntel, zu Botanische den Rosenblüthlern (Familie der Rosaceen, Charaktere siehe bei ^teüemillo vmlAgrw Nr. 28, Seite 178). Sie haben Beschreibung, fingerförmig oder fiederförnng zerschnittene Blätter, einen doppelten Kelch (Fig. 5), zahlreiche Staubgefäße, zahlreiche getrennte Stempel mit seitlich angeheftetem Griffel (Fig. 3 und 4); bei der Reife bleibt die kegelförmige Blüthenachse (Fig. 3) trocken; dieses ist der einzige durchgreifende Unterschied von den Erdbeeren (ss,-sgg,-ig), deren Blüthenachse bei der Reife fleischig wird, die Erdbeere darstellend. Die ebenfalls nahe verwandte Gattung Sibbalckia 184 Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- verbreitnng. Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. zeichnet sich durch ihre begrenzte Zahl von Staubgefäßen aus. Die einzige einheimische Art dieser Gattung (Sikdgläig yroenmbmm ü.) hat nur 5 Staubgefäße. Die Arteu-Gruppe der echten Fingerkräuter (NotoiNiilm --omiimn) hat kahle Fruchtknoten (Fig. 4; die Haare an der Basis gehören der Blüthenachse an). Unter den gelbblühenden, alpinen Arten dieser Gruppe ist das Goldfingerkrant ausgezeichnet durch: 1. 5-zählige Blüthen (Unterschied vom Tormentill, I'ttisnlUIu l'ormontOIa 8 , 09 ., welcher 4-gliedrige Blüthen besitzt). 2 . 5-zählige Blätter (Unterschied von dem großblüthigen Fingerkraut jU. Kr-mäitlorsj mit aufrechtem, 10—20 ci» hohem Stengel, und den hochalpinen Schnee-Fingerkräutern s?. irignia VUI. und ?. Minima IlaU. lil.s mit niedrigen Stengeln; alle diese haben dreizählige Blätter. Ferner von dem 7-blättrigen Fingerkraut sü. U 6 plsi>U)»a Ki».s und endlich von dem schlitzblättrigen sN. mnUitläs U.s mit viel- spaltig zerschlitzten Blättern). 8 . Die von seidigen Haaren wie mit einem Silberstreifen eingefaßten Blättchen (Unterschied von ?. 8 .a>w- tmrgmmm llänko). Dieses Hauptmerkmal läßt unsere Art übrigens von allen andern Fingerkräutern der Alpen unterscheiden. Die übrigen botanischen Merkmale sind aus der Tafel und ihrer Erklärung ersichtlich. Abarten sind keine bekannt. Vorkommen, Klima, Bode», Düngung. Das Gold-Fingerkraut ist einheimisch in den Alpen, den Pyrenäen, dem Jura und Schwarzwald (Feldberg), den Gebirgen der Auvergne, den nördlichen und mittleren Appeninnen, Corsica, den schlesischen, ungarischen, siebenbürgischen, kroatischen, bosnischen, montenegrinischen und albanischen Gebirgen; ferner in Island und Grönland. Es findet sich in den Alpen besonders auf den von Blumen buntfarbigen, kurzrasigen, sonnigen, mehr trockenen Weiden, wo es neben dem Borstgras und dem Tormentill oft den häufigsten Bestandtheil bildet. In den Beckenen auf der Obersandalp (2250 m) ist es auf einer sonnigen Weide auf Kalkboden auf großen Strecken dominirend und bildete auf einer analytisch untersuchten Stelle 11,64°/» des Bestandes. An einer ähnlichen Stelle am Tenfelskopf (Montalin-Hochwangkette) machte es 5,89°/» des Bestandes aus, auf den Schansigger Heubergen bei 2130 m 5,23°/». Am Westhang des Scaradra- passes bildet es mit dem Alpenklee und dem fünfblättrigen Thaumantel fast reine Bestände. Sein Hanptver- breitungsbezirk liegt in den Alpen zwischen 1200 und 2300 m; der tiefste notirte Standort liegt bei 900 in am Speer; der höchste bei 2680 m auf dem Faulhorngipfel. In Südbayern bewohnt es nach Sendtner den Höhengürtel von 1700—2300 » 1 . In Bezug aus die klimatischen Faktoren ist es außerordentlich anpassungsfähig und gedeiht im Tieflande ebenfalls vorzüglich. Aehnlich verhält es sich in Rücksicht aus die Bodenverhältnisse. Es gedeiht auf Urgestein wie auf Schiefer, auf kalkreichem Boden wie auf kalkarmen, und aus trockenein wie ailf frischem; dagegen findet es sich nicht auf dürren und nassen Bodenarten und verlangt eilten gewissen Humnsgehalt. 1000 Theile Heu, auf einem Beet des Versuchsfeldes auf der Fürstenalp in etwas vorgerücktem Stadium gesammelt, enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 17,60°/»° 84,01°/»» 7,23°/»» 20,42°/»» 17,34°/»« 3,66°/°« Da die Pflanze klein ist, wird sie auf düngerkräftigem Boden leicht durch andere, ertragreichere Gewächse verdrängt und macht diesen Platz. Ihre eigentliche Heimat ist die Magerweide und Magermatte. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Die ausgebreiteten, aufsteigenden, beblätterten Stenqelchen erreichen die Höhe von 10—15 ein. Aus einem Stocke, der ein hohes Alter erreichen kann, entspringt eine große Zahl solcher Stengel. Die Pflanze ist sehr früh; in einer Bleereshöhe von 1800 in (Fürstenalp) blüht sie Ende Juni bis Anfang Juli. 1 u> 1 ! ?'! i; ?ot,sni-i1lL aursL I 3o1L - k'lnZsi'lri'LU.i. L2LO10SL INOlLa V111 SILQ 26 näs SüLdloss. t'ilj.I 2 >''u; > v lF//^n. ^ Vi vv>V v/ I'^,L n -r>. PI r-, > '« kiq.5 - M °> ?i«s 6 M '!L' I^MEM V N A ^ ^'ics 10 °1 I-'j Is. 11 ^1 I^i!^ ? s 2, x I 9 > s, lisrnisxriLsriO'u.iri 1^. ü. L I-. SidrötN zä, mt. Lr!. LsIdi-uuLs OainvanulL SalisuokLSil V111. SorisuQALSi'S cZIoalrslldlniris. 8srm. 185 100 Theile Heu, kurz nach der Blüthe am 27. Juli 1887 auf einem Beet des Fürstenalp-Versuchsfeldes Fnunwerlh. gesammelt, enthielten: Organische Substanz, darin: Protein, Fett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 77,60»/« 11,00°/« 1,11°/« 22,56°/« 39,93°/« Trotz des vorgeschrittenen Stadiums ist also der Fett- und Eiweißgehalt ein guter. Das Gold-Fingerkraut ist vorzugsweise eine Weidepflanze, die als Füllmatcrial zwischen großem Nutzung. Arten eine trächtige Rolle spielt; sie bildet einen dichten Rasen, erträgt das Abweiden ausgezeichnet und befestigt den Boden. Als Mähepflanze ist der Ertrag zu gering. Sainerigewiimmlg, Same, Kultur. Der Same reift in den Alpen Ende Juli bis Anfangs August Samen- und fällt dann ab, wodurch sich der Rasen stets selbst ergänzt. Keimpflanzen sind fast auf jedem Quadratfuß ^wmmmg. und oft in großer Zahl anzutreffen. Wenn man Samen sammeln will, so genügt es, die Pflanzen zur Frucht- reife abzuschneiden, zu dörren und den Samen hernach auszudreschen. Die Fruchtköpfchen sind von dem bleibenden Kelch umgeben und bestehen aus zahlreichen einsamigen Einzelfrüchtchen. Die letzteren (Fig. 7 und 8) sind Same. linsenförmig, kahl mit kurzem, stumpfem Spitzchen und deutlich runzliger Oberfläche. 1000 Früchtchen wiegen 0,325 Gramm. 1 Kilogramm Samen enthält somit 3,080,000 Körner. Die Keimfähigkeit betrug 21°/«. Der Samen hatte in 15 Tagen fertig gekeimt. Die weitere Entwicklung der jungen Pflanze geht aber langsam vor sich. Uebrigens ist das Gold-Fingerkraut wegen seiner geringen Ertragsfähigkeit zur Kultur nicht zu empfehlen. Kultur. Verwandte Arten. Siehe unter „botanischer Beschreibung». . Verwandte » Arten. Fig. L. Ganze Pflanze mit Blüthen und Früchten. „ 1. Blüthe in vollem Aufblühen; nach der Blüthe krümmen sich die Kronblätter auswärts. „ 2. Dieselbe von oben; die Staubgefäße bilden 3 Kreise: die 5 längsten, zwischen je 2 Kronblätter fallenden gehören einem innersten Kreise an; die 5 ganz kurzen dem mittlern, und die 10, welche paarweise zu beiden Seiten der 5 längsten stehen, bilden den äußersten Kreis. „ 3. Längsschnitt durch die Blüthe: Krone und Staubgefäße dem Rande einer schüsselförmigen Ausbreitung der Blüthenachse entspringend. (Perigyne Blüthe, Familiencharakter der Rosenblüthler.) 4. Stempel: an der Basis die Haare des Recepta- culnm's (Blüthenachse). 5. Kelch von unten mit Außenkelch. 6. Staubgefäß. 7. Früchtchen. 8 w2gsschnllt ! durch das cinsamige Früchtchen. Krtkkärrrng der: Uafet 16 L. Ng- 31. Die glänzende Skabiose. dlewltiosN. Ineiäg, Villnrs 2j (nicht S)- (Tafel 16, Fig. ^.) Die glänzende oder glatte Scabiose wird in der botanischen Literatur nur als zweijährig angegeben, Alpwirthschast- während sie zweifellos ausdauernd ist, wie aus unsern Versuchen hervorgeht. So z. B. pflanzten wir am 16. September 1886 in unser Zürcher Versuchsfeld einige ältere Stöcke, die ohne Zweifel schon mehrjährig waren: dieselben erhielten sich bis zur Stunde (Spätherbst 1888), also mehr als zwei Jahre, vollkommen lebenskräftig, zeigen noch gegenwärtig das gleiche Ausschlagvermögen und werden wahrscheinlich noch Jahre andauern. — Ferner säten wir am 19. April 1887 am gleichen Ort Samen aus, aus welchem Pflanzen hervorgingen, die jetzt nicht das Aussehen haben, daß sie eingehen, trotzdem sie 1888 einen reichen Ertrag lieferten. Endlich säten wir im September 1886 im alpinen Versuchsfeld Samen aus; die daraus hervor- gegangenen Pflanzen haben sich ebenfalls bis heute lebenskräftig erhalten. 24 186 Botanische Beschreibung. Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhen- verbreitung. Die glänzende Seabiose ist eine ergiebige Futterpflanze zweiten Ranges auf Alpenmatten, Weiden und Wildheuplätzcn. Botanische Beschreibung. Die glänzende Seabiose gehört in die Familie der Kardengewächse (Dipsaceen), welche sich durch den körbchenartigen, mit Hüllkelch versehenen Blülhenstand, die verwachsen-blättrige Krone, den unterständigen Fruchtknoten und den in Borsten verwandelten Kelch den Körbchenblüthlern (Compo- siten, Nr. 20, Seite 144) nähert, durch die völlig getrennten Staubgefäße (Fig. 1 n. 2), den jede einzelne Blüthe am Grunde umgebenden Außenkelch (Fig. 1, 3, 7; in Fig. 1 n. 3 fälschlich als „Hüllkelch" bezeichnet), das nach oben (nicht nach unten) gekehrte Würzelchen des Keimlings und den eiweißhaltigen Samen dagegen sich von denselben unterscheidet (siehe den Holzschnitt im Text, Fig. /I, Seite 189). Die Gattung 8er>I>ii»8a unterscheidet sich Won den übrigen Dipsaccengattungen der Schweiz wie folgt: l1ip8so»8 (die Weberkarde) hat einen stachligen Stengel, ^asv iosn ist wehrlos; tl a p I> a l r> r i a hat einen 8-zähnigen, 8>i«:oi8g einen krautartigen, 4-spaltigen und 8onbio8a einen manschettenartigen, trockenhäutigen Saum am Außenkelche; knsntin endlich hat keine Spreuborsten auf dem Fruchtboden, während alle andern Gattungen solche führen. Von den schweizerischen Arten stehen zwei unserer alpcnbewohnenden Pflanze sehr nahe: 8cgl,io8n Coluinlmria ll., die taubenfarbige Seabiose und 8«w!llo8g t>Ai'68li8 VV. K., die Acker - Scabios e. Erstere ist mit unserer Art so nahe verwandt, daß viele Autoren beide unter eine Art vereinigen, indem sie die glänzende Seabiose als die Alpenform der Taubenscabiosc auffassen. Daß es aber keine bloße Standortsform ist, geht aus den Resultaten der Kultur hervor: sie hält sich bei der'Verpflanzung in der Ebene, wie wir auf dem Versuchsfeld in Zürich, 460 m ü. M>, beobachteten, konstant (bis jetzt in der zweiten Generation); es scheint uns das Richtige zu sein, wenn man sie nach dem Vorgang Brügger's als Unterart zu 8oM<»8a Onlninbaris zieht, da Zwischenformen allerdings existiren (dieselben wurden von Brügger als 8eaI)iosz mik-ilpiim zusammengefaßt.*) Die beiden einzigen, ganz konstanten und bei Anssaaten stets wiederkehrenden Unterschiede zwischen 8eal>i«i8t> UttluinUaris U. und 8esbio8g Inoicka ViU. liegen in den Kelchborsten und im Vorkommen verschiedener Blüthen- formeu. Bei Uoluinksria sind die Kelchborsteu auf der innern Seite ungekielt, bei tueicks von einem vorragenden Nerven gekielt; bei UoUimkaria kommen nur einerlei Köpfchen vor, bei Uioicla habe ich (Schriller) zweierlei konstatirt, nämlich häufigere, größere, starkstrahlende mit Zwitterblüthen, und seltenere, kleinere, schwachstrahlende mit weiblichen Blüthen, deren Staubgefäße verkümmert sind (siehe den Holzschnitt S.189 und das unten unter „Entwicklung" Gesagte). Die übrigen als Unterschiede angeführten Merkmale sind nicht durchweg stichhaltig. Wohl ist bei uns, soweit wir es an zahlreichen Exemplaren des Uorlwr. Imivvt. konstatireu konnten, Oolumtmris stets auf der Blattfläche behaart, Uwicta nur bewimpert, auch bei der Kultur in der Ebene. Aber anderwärts ist es anders: die von A. v. Kerner auf dem Semmering bei 900 m gesammelten Exemplare von dieabinsa llolumtwria haben nur gewimperte Blätter; anderseits signalisiren Grenier und Godron (Utoro äs Kranes) weichhaarige Formen von 8vglllv83 Inoicts und Gremli (Neue Beiträge zur Flora der Schweiz, IV., Aarau 1887) erwähnt eine var. 8sbsuck3 aus Savvyen mit graufilzigen Blättern. Auch die Wuchshöhe ist nicht entscheidend; wohl ist 8cabio8s lueicka meist niedriger und einköpfig, aber auf fettem Boden werden auch in der alpinen Region die Stengel bis 50 cm hoch und vielköpfig (so auf dem Versuchsfeld der Fürstenalp, 1782 in). Ebenso wenig ist die Größe der Köpfchen entscheidend (8eabio83 lueicks: 2,5—3,5 ein i. Durchm., 8egt»i«83 Uoliiinbgrm .- 1,5—3 ein). Abarten sind in der Schweiz keine bekannt. Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die Pflanze ist einheimisch auf den Alpen, Pyrenäen und Vogesen, ^em Jura, auf den Bergen von Kroatien, Ungarn, dem Banate und Siebenbürgen. Ihre Standorte sind die Weiden und Matten der Alpen; wegen ihrer starken Versamung siedelt sie sich besonders gerne au wunden Stellen des Rasens an und besetzt auch die untersten Ausläufer der Geröllhalden. Ihr Hauptverbreitungsgebiet liegt nach Brügger zwischen 1800 und 2400 m; der höchstbekaunte Standort *) Chr. Briigger, Mittheilungen über neue und kritische Pflanzcnformen. Jahresbericht der nat. Gesellschaft v. Granbiinden. Neue Folge. XXIX. Jahrgang, Chur 1886, Seite 137. 187 ist bei 2683 in auf dem Faulhorn, der tiefste bei 975 in beim Kemmeribodeubad (Emmenthal). In Südbayern bewohnt sie nach Sendtner die Höhenschicht von 1400—2300 in, in schattigen Thälern geht sie jedoch weiter herab, so bei Berchtcsgadcu am Hirschbühl bis 800 in, am Hochkalter bis 1200 in. Ihr tiefes Herabgehen in die Thäler lind ihr gutes Gedeihen auf unserm Züricher Versuchsfeld zeigt, daß sich ihre klimatischen Anforderungen innerhalb weiter Grenzen bewegen. Sie kommt auf den meisten Bodenarten vor, wenn dieselben frisch sind; dagegen meidet sie dürreil und nassen Boden, Tors lind Moor. 1000 Theile He», das im Versuchsfeld der Fürstcnalp kullivirt wurde, enthielte»: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 27,65°/oo 104,98°/°° 9,01°/°° 24,04°/°° 28,40°/°° 5,14°/°o. Bezüglich Düngung stellt die Pflanze sehr geringe Anforderungen, wenn der Boden sonst geeignet ist. Ihr vorzügliches Gedeihen aus dem Btgerboden des alpinen Versuchsfeldes beweist jedoch, daß sie für die Düngung sehr empfänglich ist. Wachsthum, Futterwerth, Düngung. Die glänzende Scabiose bildet ein sehr kräftiges Nhizom, voll welchem aus zahlreiche, tiefgehende Wurzeln abzweigen. An der Krone des Rhizoms entwickeln sich mehr oder weniger zahlreiche Blattrosettcn, se nach dein Standorte. Durch die reichliche Verzweigung des Rhizoms können mächtige Stöcke entstehen; so sahen wir auf dem fruchtbaren, lockern Bündnerschieferschutt des Faulbergs (Hochwangkette) einen solchen von 25 em Durchmesser, mit 40—25 cm hohen Blüthenstengeln, die Köpfchen theils in Knospen, theils in voller Blüthe, theils fruktifi- zircnd. AuS den sterilen Rosetten entstehen im zweiten Jahre beblätterte Stengel, die an der Spitze das Köpfchen tragen. Die Stengel erreichen die Höhe von 10—40 cm. Im hiesigen Versuchsfeld (460 m ü. M.) wurden sie 55—72 cm hoch, im alpinen 35—45 om, auf den Schanfigger Heubergen maßen wir Stengel von 34 em Höhe. Im Saatjahrr bleibrn die Pflanzen noch steril, sie liefern dann aber eine gute Weide. Erst im zweiten Jahre entwickeln sich Stengel. Auf der Fürstenalp kommt die Pflanze Anfangs August zur Blüthe, im Tieflande Anfangs Juni. Sie ist also mittelfrüh. Die Blüthen sind ausgeprägt proterandrisch; zuerst entwickeln sich die 4 Staubgefäße, treten weit heraus und stäuben, während der Griffel noch ganz kurz ist (Fig. 1). Später, wenn die Staubbeutel theilweise oder alle abgefallen sind, streckt sich der Griffel und ragt zuletzt weit über die Krone hinaus (Fig. 2 a). Neben den Stöcken mit Zwitterblüthen finden sich in geringer Zahl auch solche mit rein weiblichen Blüthen. Die Köpfchen dieser Stöcke sind viel kleiner, die Randblüthen weniger strahlend, die Staubgefäße aller Blüthe verkümmert (siehe Holzschnitt Seite 189, Fig. 6 u. 0). Seltener finden sich zwittrige Köpfchen mit Uebergangsstadien znr weiblichen Blüthe, indem einzelne Staubgefäße verkümmert sind. — Nach dem Schnitt schießt die Pflanze rasch wieder nach und gelangt in tiefern Lagen im Herbst zum zweiten Mal zum Blühen. 100 Theile zu Heu getrocknete Pflanzensnbstanz, auf einem Beet des alpinen Versuchsfeldes am 27. Juli 1887 kurz vor der Blüthe gesammelt, enthielten: Organische Substanz, darin: Rohprotein, Rohfett, Rohfascr, Stickstofffreie Extraktstoffc. 75,50°/° 17,28°/° 3,92°/° 13,91°/° 40,39°/» In diesem Stadium ist die Pflanze außerordentlich Protein- und fettreich. Sie wird dann auch voni Vieh gerne abgeweidet und liefert ein gutes Mähefuttcr. Das Weidevieh weidet aber nur die sterilen Rosetten und jungen Stengel ab, während es die ältern Stengel stehen läßt, die sich dann Versamen. Samengewinnung, Same, Kultur. Die Fruchtköpfcheu werden aus den dichtgedrängten, von den schwarzen Kelchborsten überragten Scheinfrüchten gebildet; sie stellen zierliche Kngelbürsten dar; dieselben lassen sich leicht abstreifen und auf diese Weise sammeln. Der zurückbleibende Fruchtbodcu zeigt sich dann dünn besetzt mit den schmalen, häutigen Sprenborstcn. Die Samen sind im Tieflande Ende Juli reif, auf der Fürstenalp, 1782 m, Ende August. Wenn man eine große Quantität Samen sammeln will, so empfiehlt es sich, ein Stück Klima. Boden. Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fnltcrwerth. Nutzung. Sainen- gewinnnttg. 188 Kultur. Krankheiten. Verwandte Arten. Land mit dieser Pflanze rein zu bebauen. Die Scheinfrucht, wie man sie beim Einsammeln gewinnt, besteht aus dem Außenkelch und der borstengekrönten eigentlichen Frucht, einem einsamigen «Jeligzniui»» (Tafel 16 Fig. 7, 8; Holzschnitt Seite 189, Fig. Jh. Der Außenkelch (Fig. 3, 7; Fig. I des Holzschnitts) hat eine 8-rippige Röhre und einen manschetten- artigen, ziemlich trockenhäutigen, zierlich gefältelten und ausgezackten Saum; wo die Röhre in den Saum übergeht, entspringt ein nach innen wagrecht vorstehender, das Früchtchen festhaltender und am Jnnenrand zurückgeschlagener Kragen (siehe den Holzschnitt Seite 189). Das einsamige Früchtchen ist gekrönt von dem aus 5 schwarzen, rauhen Borsten bestehenden eigentlichen Kelch (Fig. 8). 1000 Scheinfrüchte, auf der Weide der Fürstenalp gesammelt, wogen 1,13 Gramm und keimten zu 20°/o. Der größte Theil der Samen keimt innert 14 Tagen, und der Keimversuch ist in 40 Tagen beendet. Auch auf dem Felde keimte» die Same» ziemlich rasch. Die Pflauzeu bleibe» aber, wie bereits erwähut, im erste» Jahre steril. Ueber das Berhalte» bei der Kultur gebe» folgende Daten Auskunft: I. Versuch auf der Fürstenalp (Beet 2 sJi» groß). 1886. 22. September gesät. 1887. Bürstendicht gekeimt, begann am 25. Juli zu blühen, war am 16. August meist verblüht und einige Samen waren abgefallen. Am 13. September immer noch viele Pflanzen blühend, die meisten sind aber in Frucht; viele Früchte abgefallen. 1888. Stand am 15. Juni noch sehr schön, über Winter nicht abgestorben; noch steril, 12 am hoch. Am 15. Juli noch steril, 15—20 m» hoch, Stand sehr schön. Am 19. August in schönster Blüthe, Rasen 18 m» hoch, Stengel 35—45 m» hoch; am 24. August geschnitten, 3,30 Kilo Ertrag, grün gewogen. Am 12. Septcmb. schön nachgeschossen. II. Versuch in Zürich (Beet 2 s^m groß). 1887. 19. April gesät. Begann am 10. Mai aufzugehen. Am 1. Juni war der Boden schön bewachsen; die Pflanzen blühten aber 1887 noch nicht. 1888. 16. März schön überwintert; 24. April 6—10 m» hoch, dunkelgrün; 2. Mai die ersten Blüthenknospe», 15—18 M» hoch; 21. Mai beginnt zu blühen; 26. Mai 30—35 cm hoch; 11. Juni in voller Blüthe, 55—65 m» hoch; 13. Juni geschnitten 7,3 Kilo Ertrag, grün gewogen; 12. September zum zweiten Mal in Blüthe, geschnitten, 3,5 Kilo Ertrag, grün gewogen. Die Kultur ist also sehr eiufach uud geht leicht vo» Statte». Krankheiten. Die Blüthcnköpfchen werden nicht selten befallen von einem Brandpilz lMiwN» llosmi- lorvl» 10'.), welcher in den Staubbeuteln seine Sporen entwickelt, so daß dieselben bei der Reife statt des Pollens ein blaßviolettes Sporenpulver enthalten. Verwandte Arten sind bei der „Botanischen Beschreibung" angegeben. KiMcirrung bev Gcrfel' 16 H.. Fig. I. Ganze Pflanze. „ 1. Strahlende Randblüthe im ersten, männlichen Stadium, zwei Antheren schon abgefallen. „ 2. Blüthe der Köpfchemnitte, von ihrer Sprcnschuppe gestützt, im ersten, männlichen Stadium (Griffel noch eingeschlossen). „ 2 o. Dieselbe im zweiten, weiblichen Stadium; Antheren sämmtlich abgefallen, Griffel weit herausragend. Fig. 3. Außenkelch (fälschlich als Hüllkelch bezeichnet;. „ 4. Stempel und oberständiger Kelch, aus dem Außcn- kelch herausgelöst. „ 5. Noch unentwickelte Narbe aus einer Blüthenknospe. „ 6. Völlig entwickelte Narbe. „ 7. Die Scheinfrucht. „ 8. Das tlol»»»»»», aus dem Außenkelch herausgelöst. (Vgl. zur Ergänzung den Holzschnitt auf folg. Seite.) 189 -Kelchborstcn Simm des AußeuIelchS -Kragen des Außenkelchs .Hilum Feimling^ -Samen-Eiweiß -Samenschale .Fruchtschale -Rähre'.des Anßenkelchs .Fruchtnabel F'g- ^ - Außculelch .Frnchtschale Samenschale -Eiweiß Keimling F'g- L Fig- I) Fig. 0 Glänzende Seadiose. 8eadio8r>. 1 not da Vikk. (Gez. von C. Schrötcr.) Fig- rl. Längsschnitt durch die „Scheinfrucht", d. h. das vom Anßenkelch eingehtillte und vom Kelch gekrönte Achaeniuni. Fig. ö Querschnitt durch.dieselbe. Fig. 0. Bliithe aus einem rein weiblichen Köpfchen; vcrgl. damit die Zwitter- blüthe, Taf. 16 ll, Fig. 2. Fig. 1). Verkümmertes Staubgefäß (pollcn- los) aus der weiblichen Blüthe, Fig. 6. 32. Die halbrunde Rapunzel. pft)'k6NI11K 1l6I1li8pllcv1'i6UM Iftllllp 2j. (Tafel 16, Fig. 6.) Die halbrunde, kugelige, halbkngelruude, oder richtiger (aber zu schleppend) „halbkugelköpsige" Rapunzel ist eine genügsame, kleine, grasartig beblätterte und einen dichten Nasen bildende Futterpflanze steiniger Alpenweiden. Botanische Beschreibung. Die Rapunzeln gehören, wie die Glockenblumen (Nr. 33), in die mit den Körbchenblnthlern nahe verwandte Familie der Campanulaceen oder Glockenblnmcnartigen. Dieselbe ist ausgezeichnet durch Milchsaftgehalt, durch die verwachsenblättrige Blumenkrone, die freien, aber mit den Beuteln eng aneinanderschließenden Staubgefäße (Tafel 16, Fig. 1), 1), die nicht au der Blüthenkroue entspringen, und den unterständigen, mehrere vieleiige Fächer enthaltenden Fruchtknoten (Tafel 16 ll, Fig. 8 u. 9; Fig. I>, 1). Die in der Schweiz einheimischen Gattungen dieser Familie sind folgendermaßen charakterisirt: Bei .I->8 tuna (Jasonsblnme) springt die Kapsel oben zwischen den Kelchzipseln mit fachspaltigen Klappen auf, und die Staubfäden sind bis unten schmal, bei allen übrigen dagegen bleibt die Kapsel oben geschlossen und reißt seitlich zwischen den Rippen in verschiedener Weise auf. ?1i)Mbama (Rapunzel) hat eine beinahe bis zur Basis getheilte, aus lincalen, oben zusammenhängenden, unten gitterartig sich öffnenden Zipfeln bestehende Krone (Tafel 16 6, Fig. 1—4). Lampannla (Glockenblume) dagegen eine höchstens bis zur Mitte in 5 Zipfel getheilte, trichterförmige oder beckenförmige, weit offene Krone (Tafel 16, Fig. l)). Spaonlsria (Spiegelblnme) unterscheidet sich von Lgmpsnula durch den viel längern und schmälern Fruchtknoten, Fcienv- plini'g (Drnsengriffel) durch den drüsigen Ring um die Griffelbasts. Unter den blanblühenden, alpinen Rapunzeln der Schweizerflora mit kugeligem (nicht ahrenförmig verlängertem) Blüthcnstand giebt es nur zwei mit grasartigen, linealen oder lineal-lanzettlichen Blättern, die halbrunde und die niedrige Rapunzel (I'ü. tminila Zolüaiolmr). Letztere kleine und in den Schweizeralpen sehr seltene Art (Berninapaß, Henthal, Canciano-Paß, Muretto-Paß, Julier, Zermatt) hat Deckblätter, die so lang oder länger sind als das Köpfchen, während bei unserer Art die meisten Deckblätter nur halb so lang sind; außerdem sind die Laubblätter und Deckblätter bei ilkmmptiari'icnm meist ganzrandig, bei Iimiüla gekerbt. Die weitem botanischen Merkmale siehe auf der Tafel und ihrer Erklärung. Alpwirthschaft licher Werth. Botanische Beschreibung. 190 Abarten. Geographische Verbreitung. Höhengrenzc. Standorte. Loden. Tnugmig. Wuchs. Eutwicktung. Nutzung. Samen- gewinnung. Same. Kultur. Verwandte Arten. Abirrten. Christ (in Gremli, Neue Beiträge zur Flora der Schweiz, IV., Aarau 1887, Seite 19) beschreibt eine vor. liRImpitMim (fadcublättrig) mit nur 1—l'/omm breiten Blättern, die so lang oder länger sind als der 20 ein und darüber hohe Stengel zGraubünden). Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Die halbrunde Rapunzel kommt durch die ganze Alpcn- kette vor, dann auf den Pyrenäen, Cevennen, auf den Gebirgen der Anvergne, des Banales und Siebenbürgens. In der Schweiz bewohnt sie die Höhenzone von 1750 bis 3000 m, und zwar findet sie sich häufig neben der kcausblättrigen Segge (l'mi'sx. cnrvnla), dem maßliebchenblättrigen Ehrenpreis (Vorovica bslii(liuic>68), dem Pyrcnäen-Milchkraut (üoontocloii Mrongicnü) rc. auf steinigen, trockenen Weide», auf Gräten, zwischen den Felsen in den Spalten und Lücken. Sie findet sich vorzugsweise auf Urgestein, ohne indeß auf kalkhaltigem Gestein gänzlich zu fehlen. Unger rechnet sie zu den „schiefersteten" Pflanzen, worunter er diejenigen Arten versteht, die dem Thonschiefer, Glimmerschiefer, Chloritschiefer, der Hornblende, dem Gneis, Granit und Quarz und thon- reichen Gesteinen eigenthümlich sind. Sendtner zählt sie zu den kieselholden und Pacher zu jenen, die mehr oder weniger kalkleeren Boden andeuten. Auf gedüngtem Land wird sie durch andere, bessere Pflanzen verdrängt. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Aus dem weitverzweigten, unterirdischen Rhizoin (Fig. 0) entwickeln sich zahlreiche Blattrosetten mit grasartigen Blättern. Aus den älteren Rosetten entspringt ein meist kaum I Dezimeter hoher beblätterter Stengel, der an der Spitze das halbkngelige Bliithenköpfchen birgt. In der alpinen Region gelangt die Pslanze Ende Juli zur Blüthe. Wegen des geringen Ertrages und niedrigen Wuchses hat die Pslanze ausschließlich als Weidepslanze einen Werth, und da sie vorzugsweise aus dürftigen, hochgelegenen Weiden und an schwer zugänglichen Stellen vorkommt, so hat sie insbesondere uns Schasweidcn Bedeutung; sie wird muh von den Schafen gerne gefressen. Sameugewinnnng, Same, Kultur. Der Same reift Ende August. Da der Ansatz aber sehr gering ist und die Körner sehr klein sind, so dauert es lange, bis man nur eine kleine Prise gesammelt hat. Die Frucht und der Same sind in der Tafel-Erklärung beschrieben. Die Vermehrung aus Samen ist sehr schwierig und mühsam, einerseits der Kleinheit der Samen halber, dann aber auch wegen der langsamen Entwicklung der Keimpflanzen. Die Kultur zu alpwirthschaftlichen Zwecken ist übrigens wegen der geringen Ertragsfähigkeit nicht lohnend. Verwandte Arten sind bei der botanischen Beschreibung angegeben. Kikl'äwurrg öev Tratet' 16 6. Fig. l). Ganze Pflanze mit zwei blühenden Köpfchen. Fig. 4 „ I. Blüthe im Knospenznstand (fl —- Kelch, 6 — Kroneb 2. Dieselbe im Beginn des Aufblühens; die Krone öffnet sich gitterartig, die verstäubten Staubgefäße sind verschrnmpft (.1 — Antherenh an der Spitze tritt der Griffel heraus. 3. Dieselbe, weiter aufgeblüht; der pollenbedeckte Griffel, mit zusammengelegten und also nicht bestäubungsfähigen Narbenästen, oben heraustretend, bietet den besuchenden Jlisekten den Blüthcnstanb dar. Erstes, m ännlichcs Stadium der proterandrischen Blüthe. 4. Zweites, weibliches Stadium des Blühens; der Pollen ist weg, theils von Insekten abgestreift, theils in Folge des Schrnmpfens der Fegehaare abgefallen; die divergirenden Narbenäste des weit heraustretenden Griffels bieten den pollenbeladenen Insekten ihre empfängnißfähige, papillenbedeckte Innenseite dar chgl. Fig. 11>. >a—b zeigen, wie das weite Heraustreten des Griffels großentheils durch das Herabziehen der Krone bewirkt wird; anderntheils wird es durch das Wachsthum des Griffels bedingt. 5. Blüthenknospe nach Entfernung der Krone. 0. Entwickelte Blüthe ohne die Krone; die Staubbeutel haben schon in der Knospe ihren Blüthen- stanb entlassen; die Cylinderbürste des Griffels >Fig. 12) hat ihn aufgefangen. 7. Blüthengrund; Krone entfernt, Kelch zurückgeschlagen, ebenso die verbreiterten Basalpartieen der Staubfäden, um die Honigscheibe zu zeigen, welche den Griffel umgibt. 8. Längsschnitt durch die Blüthe (fl/. — Kelchzipfel, 0. - Krone, 8tk — Staubfäden, .1 — Anthereni. 9. Querschnitt durch den Fruchtknoten. 7 , 0 . Spitze des Griffels im Beginn des Aufblühens; Narbenäste zusammengelegt, außen mit Fege- haaren besetzt. 191 Gnlil'ciwuirg den Hlcifek 16 6. (Schlich.) Fig. 11. Griffelspitze mit eben sich öffnenden Narbenästen. die innen mit Narbenpapillen (Xp) besetzt sind, Unten sitzen noch die Pollenkörner (p); oben sind die Fegehaare meist verschrumpft und daher auch der Pollen weg. „ l2. Narbenäste am Ende der Blüthczeit, so stark eingerollt, daß sie die Außenfläche des Griffels berühren; wenn hier noch Pollen sitzt, so findet spontane Selbstbestäubung statt. „ 13. Ganze Frucht, gekrönt vorn Fruchtkelch, Krone und Griffel. Die Frucht zeigt eine höchst eigenthümliche Oeffnnngsweise, wie ich (Schriller) sie nirgends beschrieben finde; man könnte sie als „Fingerkapsel" bezeichnen; die dünnen Wände der dreiseitig prismatischen Kapsel werden von unten nach oben aufgerissen durch drei hackenförmig sie durchbrechende und gleich einem Vorhang aufhebende „Finger" (Fig. 14.) Diese Finger entsprechen den 3 Scheidewänden und sind hygroskopische Stäbchen, die beim Austrocknen sich nach außen krümmen und zuletzt ganz einrollen (Fig. 15). Schließlich verwittern die angerissenen, dünnen Wände der Früchte völlig, es bleibt nur noch ein laternenartiges Gitterwerk übrig (Fig. 15h in dessen Mitte die kugelige, gestielte Placenta steht und aus deren i'ücken die Samen herausgefallen sind. Fig. 10. Same. 33. Schluchzers Glockenblume. Gnnipnnnln Kei>6»ell/.6il VHInift 2s. (Tafel 16, Fig. v.) Scheuchzers Glockenblume ist eine verbreitete und ausdauernde, aber wenig ergiebige, gute Flitter- pflanze. Botanische Beschreibung. Die Glockenblumen gehören in dieselbe Pflanzenfamilie wie die Rapunzeln (Campanulaceen oder Glockenblnmenartige), deren Charaktere ebenso wie diejenigen der Gattung llimpamiw bei voriger Nummer nachzusehen sind. Scheuchzers Glockenblume gehört mit sieben der neunzehn schweizerischen Glockenblumen in eine Artengrnppe, die sich auszeichnet durch gestielte, tranbig oder rispig angeordnete Blüthen ohne Anhängsel zwischen den Kelchzipfeln und nickende, am Grunde aufspringende Kapsel. Unter diesen sind am nächsten verwandt mit unserer Art die niedliche (piwitlg) und die rundblättrige Glockenblume (rolnacklkolm). Die erstere bildet meist compactc, zusammenhängende Horste aus zahlreichen, nichtblnhenden Blattbüscheln und vielen ein- bis fünfblüthigen Stengeln mit hängenden Blnthenknospen; die Krone ist an der Basis gerundet. Von ihr unterscheiden sich (ÄwMmIa rolnuclit'olia und 8eIi6>ieüxoi'i, durch den kriechenden, nur wenige, sterile Blattbüschel treibenden Wurzclstock, und die vom Grunde an trichterförmig sich erweiternde Blumenkrone, tlampmmla SolmueUrsi-i endlich, die von vielen Autoren als Varietät von ttampsnulL rolnuäikotm aufgeführt wird, unterscheidet sich durch folgende Merkmale: Knospe nickend, nicht aufrecht, Blüthen ca. 1—5 om, größer (30—40 em lang, bei mlnmlilolis 20—30 am); Stengel am Grunde niederliegend, bei rotnncliknlia aufrecht. Für die übrigen botanischen Charaktere vergleiche die Tafel und die Tafel-Erklärung. Abarten. Die Pflanze ist entweder kahl (vor. gsnaing) oder behaart, mit Ausnahme der Blüthe (vor. cnlclmwiü Uelik; vor. umllora Vitlars). Vorkommen, Klima, Boden, Dnngnng. Scheuchzers Glockenblume kommt vor in den Alpen, dem Jura, den Pyrenäen, dem nördlichen Apennin, den apuanischen Alpen, auf den Karpathen, den Sudeten, im Böhmecwald und im arktischen Rußland, ferner in Sibirien, im arktischen Amerika, Grönland, Nowaja Semlja. Sie findet sich im Rasen der Alpenweide, an steinigen Orten, auf Gräten, an Wegrändern, auf den vom Vieh ausgetretenen Hügeichen der Weide, auf alten Ameisenhaufen und dergl. Sie ist eine spezifische Alpenpflanze und bewohnt in der Schweiz hauptsächlich die Höhenzone über der Nadelholzgrenze bis zur Schneeregion. Der tiefste von uns notirte Standort liegt bei 1660 m im Meienthal, die höchste Fundstelle am Gornergrat 3000 m. In Bayern erstreckt sich nach Sendtner ihr Höhenbezirk von 1365 bis 2328 w; durch den Dünger ist sie hier vereinzelt auch auf die Wiesen der Thäler bis auf 853 in herab verbreitet worden. Gegenüber dem Boden ist sie sehr anspruchslos, selbst auf armem, steinigem, trockenem Boden kommt sie gut fort; Sendtner gibt sie als vorzugsweise auf Kalkmergel, auf Dolomit und Sandstein Alpwirthschast- Ncher Werth. Botanische Beschreibung. Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhengrenzcn. Boden. 192 Bodenerschöpfung. Düngung. Wuchs. Entwicklung. Fntterwcrth. Nutzung. Samen- gewinnung. Same. Kultur. Krankheiten. vorkommend an. In der Schweiz findet sie sich sowohl Mlf Urgestein (Gneis, Glimmerschiefer), wie auf kalkhaltigem Schiefer (Bündtnerschiefer). 1000 Theile auf Heu berechnete Pflanzeusubstauz vom Versuchsfeld auf der Fücstenalp enthielten: Stickstoff, Asche, darin: Phosphorsäure, Kali, Kalk, Magnesia. 26,18°/°° 109,58°/°° 10,00°/oo 21,15°/°° 19,42°/°° 5,58°/°° Aus unsern Versuchen zu schließen, scheint animalische Düngung keinen merklichen Einfluß auf ihre Entwicklung auszuüben. Wachsthum, Futterwerth, Nutzung. Die Pflanze entwickelt unterirdisch ein feder- kicldickes, rübenartiges Rhizom, von welchem nach allen Richtungen zahlreiche, dünnere Rhizomglieder abgehen (8—10 ein lang, bei Vs nun Dicke), die, an der Erdoberfläche angelangt, Triebe erzeugen. Diese unterirdischen Ausläufer sind mit schnppenartigeu Niederblättern besetzt, an deren Einfügungs- stellen Büschel von feinen Wurzeln entspringen. Die Triebe sind anfangs steril und erzeugen lang- gestielte, rosettig gehäufte Blättchen mit rundlicher, seicht gekerbter und ctivas eoneaver Spreite; später strecken sie sich, tragen entfernter stehende lanzettliche Bätter, um dann schließlich zu blühen. Die Stengel sind es hauptsächlich, in denen der Werth unserer Art als Futterpflanze beruht. Die fcrtilen, 10—20 ein hohen Stengel tragen an der Spitze eine bis mehrere Glocken, die im Knospenznstand nickend sind. Wegen der weiten unterirdischen Verzweigung bildet Scheuchzers Glockenblume, wo sie massenhaft vorkommt, einen schönen, zusammenhängenden Rasen. Auf der Fürstenalp blüht sie Ende Juli und srnetifizirt Ende August. 1000 Theile Pflanzensubstanz vom Versuchsfeld auf der Fürstenalp, am 27. Juli 1888 in voller Blüthe geschnitten, enthielten, auf den Trockensubstanzgehalt des Heues berechnet: Organische Substanz, darin: Eiweiß, Fett, Rohfaser, Stickstofffreie Extraktstoffe. 75,04°/° 16,35°/° 5,58°/° 6,41°/» 36,70°/° Wegen ihres niedrigen Wuchses ist sie in erster Linie Weidepflanze. Samengewimmng, Same, Kultur. Der Same reift auf der Fürstenalp Anfangs September. Wenn man ihn sammeln will, so werden die reifen Kapseln am besten zu dieser Zeit abgeschnitten und der Same hernach ausgcdroschen. Der Same ist sehr feinkörnig. 1000 Körner wiegen 0,057 Gramm. Wegen der geringen Ertragsfähigkeit ist die Kultur keine lohnende. Uebrigens ist die Vermehrung aus Samen wegen der Kleinheit des Kornes und der langsamen Entwicklung der Pflanzen sehr schwierig. Krankheiten. Wie die meisten unserer einheimischen Campanulaceen, wird auch diese Art häufig von einem Rostpilz, Oowvsporimn Lsmponulgoenrum, heimgesucht. Krlll'ciwung der Gaset 16 v. Fig. 0. Ganze Pflanze mit einer Blüthmknospe (nickend!) und einer offenen Blüthe. „ 1. Längsschnitt durch eine Blüthenkuospe. (Xrkn — Fruchtknoten, X/. — Kelchzipfel, 6 — Krone, ^ Antheren, 6r — Griffel, bl — Narbenäste.) „ 1a Blüthenknospen von oben gesehen (X?. — Kelchzipfel; 0 — Krone). „ 1 t> Fruchtknoten von unten (Xx — Kelchzipfel). „ 2. Blüthe im ersten, männlichen Stadium des Blühens nach Entfernung der Krone; die Staubbeutel haben ihren Blüthcnstaub an die Griffelbürste abgegeben. Die verbreiterten Basaltheile der Staubfäden bilden eine gegen honigstehlende, kriechende Insekten schützende Decke über dem honigabsondernden Grund der Blüthe. „ 3. Dasselbe; die Staubbeutel sind abgeschnitten, die Basalparthieen der Staubfäden sind auswärts geschlagen, um die den Griffel umgebende, drüsige, honigabsondernde Scheibe zu zeigen. Fig. 4. Blüthe im zweiten, weiblichen Stadium nach Entfernung der Krone: Staubbeutel verschrnmpft, Pollen von der Griffelbürste abgestreift oder abgefallen, die Fegehaare eingetrocknet, die Narbenäste ausgebreitet. „ 5. Staubgefäß von außen. „6. „ von der Seite. „ 7. Staubbeutel von innen. „ 8. Grifselspitze im ersten, männlichen Stadium: Narbenäste noch zusammengelegt, außen mit Fegehaaren besetzt. „ 9. Dieselbe in etwas vorgerückterem Stadium. „ 10. Griffelspitzen im zweiten, weiblichen Stadium des Aufblühens: Pollen-Körner (?k) größtentheils abgefallen, Narbenäste ausgebreitet, die mit Narbcnpapillen besetzte Innenseite darbietend. eberficht der chemischen Mntersnchungs-Grgebnisse. 100, resp. 1000 Theile Heu (mit 14 "/o Wassergehalt) von folgenden Pflanzen enthielten: -iiijziiöliM -H»H N«ß --W ,isaUjo,ZxriT -ulvjho;g '»Mozß (W'9XK) 'Npioiäho^ -SmitzqilK al^nuiSiA LL '-«cO!74t^'^(74'^^2 or o o ccr i-? ^ rs t»" r>7 ^ o" 'I74(L'^2(74'—«<74^(74s-'-'-^LV2O rcr « Qv'—'k-^2'2'—-i>.i-^07cOr>-r---I2t--Qv^(74^u(2«?--o-^2rr2 V II! Ä ^ ^ ^ ^ ^ ^ ^ o 212 S2 rs »<2 (7? -74 rv ^ Qv" S2 ow" S2° >-O-I2-^>2l2f'-r>-7O'^^OF2-747S^QV'^22Ou(2S2^2^777t>-k^-F2^>0222L>S22OS2t'''.r>-MOO > U7> »(2 sr. 7(2 O''-« w -70 k>- ^ LO ^ 70 w ^ -X? 70 ^ 2^ OScO^^r02O-7-0'-^c<7>r--Qr^i! o 2O-k^U^»^O D i>. rL2 U2 <^>2O^-«(7)cX>^-0<742SrsrS^ ^^7Ot-^^ro^--0«'u7?F>r''-^'^corseL7S^k^2O'-^020c>4t--'' 1-^rs ^7>^-,^-,^,7<7,^7>!7r27(2<74 2<2'7r(74(74i74(74'7li74'—('—('—«(74 (74 '—i -74 <74 <70 !-r^2-2>r2 — T^-NTooc > ^ c» o U2> rO (74 >72 ' r soTOTOTOTOTosoT^c ) rO >72 >(2 o 70 - r-< rci, ro 1-^ 2-2 ^ 2 7-2 §! ^ >8 2^2 7<2 rr2 -74 20 7-2" rc2" ^ 2(2 2-2" 2(2 2-2" 7^ 70^ 2<2" »r2 --L rrr § k^8 A co 8 8 (-A K §8r5§s(§8KT7:Z^^Zb^88K m M r-.'-s 2 " 2 "Z752^^2' co-o O o ^-7co « Ä Z 8 2 Ä Ä Ä 3 Ä K H 8 § § !o § § § § ?2 8 K K 8 3 3 K 3 8 8 Z §5§^^^0Vt'-'^§r^O7<2§4'^^7SÄ2O'^OO'—«2S/2^r^" N 1.^ ^ 8 r -n 8 r r r s; Z ZZL NN LZ N «Z: »AAS- r ^ D ^ D s '§ ^:n .8 R ^ N ^Z N r N n n « 8 Z 8 n x Nö^-c^s-)S4WNs? N -L n n Sis;«? N 3 iL> d' -sA n 8» K L AZ LSrdL 'LL o A s«x L.'r K s --! -s >Z8VM »'LL :S.L..L- 2 <>5> ; ^ "bd - ^ s s ^ « rr o ^-, » «LZ 8 Z !N « ^ A « Z !-> 8-L 8 L Z, 8^8 8 8 MN xr , ^2 . .^.'^ Ä ^ Z- /—> «S « '> 8>§ A n "b 2 tLL ^>8 'b -G? KUZGLKZ N ^ E) tL^Z 'A K! o7<>r> «r AW^ ^ C> L L-8 ^ ^ Z^H §D öZ'R^ZT§-°» AS-^D Zl§RU8 Sn'RL-Z GNK «^Ns; 8 tLLtz K K «S-N-K; ^ L 8 8^! MZ-LU Z WZUG! ^5 d- L "b R G « L E « n ^ --2 L :8 ^ SSSSG '-I 2 rs c^-(O 772 r^r 1-1 «7>r 20 ^ »rr es d-2O S2 o 1 -« 04 M ^ _^ r-t i—i r-I r—I ^-i ^-1 ,- 1 ^-« <70 2 « -M« IMS ^7-E^ ?KKMKA .-.rs« NKtzLE M-.-4r K» ZZM Wi^?W ^ s LI, e« 11 q I g ^loi^xn »Hb 4», > > -,»» ! «! ,, t ,'U.l t.HW> Utl ! ^ l,, MW- i4 ^4 » "^-^4'« Q SS« ^ ' >> »» ', M-L WM ^'E >»r.^ "*--**? ,L kr>^>c8 ki-^-s>8 00100000847573 VMM besten Strrurpflanzen. Aböildungen und Aeschreiöungen derselben, mit einem einleitenden Teil über die Streuemalermlierr, einer Übersicht der wichtigsten Pflanzen der Strruewiefrn und einem allgemein wirtschaftlichen Abschnitt über Produktion, Uuhuog und Nttwendung der Mrdftttiic. Im Auftrage des Schweizerischen Landwirtschaftsdepartements unter Witimrlmng bon Fnehmünnern bearbeitet von Dr. K. G. Strblrr> Vorstand der schweizerischen Samen-Kontrolstation in Zürich. -H- IV. Teil des schweizerischen Wicsenpflnnzenwerkcs. Mit 16 in Farbendruck ausgeführten Tafeln und 41 Abbildungen im Text- Kern. Druck und Verlag von K. I. Wyß. 1898. Alle Rechte vorbehalten. Vorwort. Das vorliegende Werk bildet den IV. Teil des schweizerischen Wiesenpflanzenwerkes (I. und II. Teil: die besten Futterpflanzen. III. Teil: die Alpenfutterpflanzen*). Dasselbe ist schon vor einer Reihe von Jahren begonnen worden. Die Neubearbeitungen des I. und II. Teiles mit deutschem und französischem Text hinderten aber ein früheres Erscheinen, was der Arbeit aber nicht zum Nachteil gereichte, da diese infolgedessen besser durchgearbeitet werden konnte. So fand der Verfasser im Jahre 1895 Zeit. eine eingehende Enquete über die schweizerischen Streuewiesen zn veranstalten. An eine große Anzahl Fachmänner wurde ein Frageheft versandt, worin die wichtigsten Punkte über die Streuematerialien und Streuewiesen notiert waren. Wir lassen den Wortlaut der Fragen hier folgen: Aber die Streuematerialien. 1. Welche Streuematerialien werden bei Ihnen verwendet (Getreidestroh. Riedstreue, Brüsch, Laub. Schneitelstreue, Farnstreue. Moos. Torf, Torfstreue. Sägespähne rc.)? 2. Wie viel ungefähr von jeder Sorte per Jahr in Metercentner? 3. Welchen Handelswert haben die einzelnen Sorten per Metercentner? 4. Wo werden diese Materialien gesammelt? 5. Wird dem Vieh zeitweise nicht eingestreut, eventuell wann, wie lange und welche Stalleinrichtung und welche Stallbehandlung hat man. um die Tiere dennoch trocken und reinlich zu erhalten? SS. über die Streuewiesen im Besonderen. (Ausdehnung, Ertrag, Wert, Boden, Streuesorten und Eigentum.) 1. Gibt es in der Gemeinde Wiesenflächen. die nur zu Streue geschnitten werden (Name und Lage derselben)? 2. Wie grast ist die Fläche derselben? 3. Welchen Ertrag werfen sie ab? 4. Welches ist der durchschnittliche Preis einer Streuewiese per Juchart oder Hektar? 5. Welche Bodenart haben die Streuewiesen (Torf. Moorerde. Thon. Lehm. Sand oder Kies)? 6. Wenn der Boden aus Torf besteht: Wird der Torf ausgebeutet? 7. Aus welchen Pflanzen besteht die Streue dieser Wiesen der Hauptsache nach (Besenried, Schilf, Spaltstreue. Burst- streue)? Ich bitte Sie. mir von den verschiedenen Sorten Proben zu senden. s. Welche Bezeichnungen hat man bei Ihnen für die einzelnen Streuesorten? 9. Wertverhältnis der verschiedenen Sorten zu einander. 10. Wem gehören die Streuewiesen (Privaten. Gemeinden. Privatgenossenschaften)? 11. Wenn sie Privatgenossenschaften gehören: Wie viele Teilrechte sind und wie groß sind dieselben? 12. Wenn die Streuewiesen der Gemeinde (Bürgergemeinde. Korporation rc.) gehören und die Streue unter die Genossen verteilt wird: s) Wer ist nutzungsberechtigt? b) Wann und wie findet die Verteilung statt? e) Welche Leistungen hat der Nutznießer zu übernehmen, an Arbeit. Geld rc.? ä) Bestehen reglementarische Vorschriften über die Pflege und Nutzung, eventuell welche? 13. Wenn die Streue versteigert wird: s) Wie und wann findet die Versteigerung statt? b) Welcher Erlös wird per Juchart oder per Hektar erzielt? < - Die Pflege. Nutzung und Anlage von Streuewiesen. 1. Werden die Streuewiesen bewässert, in welcher Weise und mit welchem Erfolg? Welche Streuesorte kommt aus den bewässerten Streuewiesen vor (erbitte Probe)? 2. Werden die Streuewiesen gedüngt, mit welchen Düngern und mit welchem Erfolg? 3. Kommen in den Streuewiesen schädliche Unkräuter oder schädliche Tiere vor, welche den Ertrag beeinträchtigen, eventuell welche, und wie sind sie zu verhüten und zu vertilgen? (Ich bitte um Zusendung der betreffenden Pflanzen in grünem Zustande in Pslanzenpapier.) *) Es sei an dieser Stelle ferner auf die Arbeit über „die wichtigsten Unkräuter der Futtcrwiesen und ihre Bekämpfung", mit 20 farbigen Tafeln, im „Landw. Jahrbuch der Schweiz", 1891, aufmerksam gemacht. Dieselbe bildet eine wesentliche Ergänzung, zu diesem Werke. IV 4. Wann wird die Streue geschnitten und welchen Einfluß hat der frühe und der späte Schnitt auf den Bestand? 5. Wann wird die Streue abgeführt und wie wird sie aufbewahrt? 6. Wird die Streue nach auswärts (außerhalb der Gemeinde) verkauft, wohin, wie viel und zu welchem Preis? 7. Zeigen sich bei Verwendung der Streue nachteilige Folgen beim Vieh (z. B. Krankheiten an den Füßen, am Euter)? 8. Wie wird der Streuemist am zweckmäßigsten behandelt (im Stall; auf der Miststätte)? 9. Wie wird der Streuemist am zweckmäßigsten verwendet (auf dem Ackerfeld; auf dem Wiesland) und wie zersetzt er sich? 10. Werden künstliche Streuewiesen angelegt durch Aussaat von Samen oder Pflanzung von Stecklingen? Wie geschieht dieses, welche Erfolge hat man damit erzielt und welche Arten werden benutzt? 11. Werden Futterwiesen ohne Umbruch in Streuewiesen verwandelt? Wie geschieht dieses und welche Erfolge wurden erzielt? 12. Werden umgekehrt Streuewiesen in Futterwiesen verwandelt, in welcher Weise und mit welchem Erfolg? 13. Wird bei Futtermangel auch Streue zur Fütterung verwendet, oder wird sonst Heu von sauren Wiesen als Futter benutzt? Welche Erfahrungen hat man damit gemacht (Lecksucht, Knochenbrüchigkeit)? Es gingen in der Folge 165 Antworten ans allen Teilen der Schweiz ein, welche sorgfältig gesichtet und in der Arbeit verwertet wurden. Auf dieser breiten Grundlage erreichte die Arbeit aber einen Umfang, daß es notwendig wurde, den Teil über die Streuewiesen abzutrennen, der dann separat in dem landwirtschaftlichen Jahrbuch der Schweiz, 1897, erschien.*) Es würde zu iveit führen, die Namen dieser 165 Berichterstatter hier aufzuführen, die mehr oder weniger intensiv an der Förderung dieses Zweiges mitgeholfen haben. Es sei ihnen hiemit allen der wärmste Dank ausgesprochen! Bei der Abfassung des botanischen Textes verdankt der Verfasser ferner die Mithülfe der HH. Pros. I)r. Schrvter, A. Vvlkart und Dr. H. C. Schellenberg. Von ersterem stammen die botanischen Beschreibungen des Schilfrohres und des Rohrglanzgrases, von dem zweitgenannten der Text über die geographische und systematische Einteilung der Riedgräser (S. 50 ff.), die botanische Beschreibung der Binsengräser (S. 54) und der Kammsegge (S. 56) und von dem letztgenannten die botanische Beschreibung des Besenriedes. Gemeinsam bearbeiteten die beiden letzteren den botanischen Text über die Riedgräser im allgemeinen (S. 46 bis 50) und die botanischen Detailbeschreibnngen von Nr. 2—11 und 14. Der übrige Text stammt vom Verfasser. Als Material hierzu dienten ihm die langjährigen Beobachtungen in den Versuchsfeldern der Samenkontrollstation und die zahlreichen Untersuchungen der Streuewiesen der Schweiz. Der Leser ahnt es kaum, welche Fülle von Material hier verarbeitet werden mußte. Tausende und abertausende von Daten sind registriert und zusammengestellt worden, um das zu bieten, was geboten wird. Die farbigen Abbildungen auf den Tafeln sind größtenteils von Hrn. Ludwig Schrvter, teilweise von Frl. Herder gemalt, während die Detailzeichnungen von Hrn. Pros. C. Schrvter herstammen, mit Ausnahme von Fig. 4 und 5 auf Tafel 4 und 5, Fig. 1—6 auf Tafel 12 und Fig. 4—7 und 8—10 auf Tafel 13, welche teilweise von Hrn. A. Volkart, teilweise von Dr. H. C. Schellenberg gezeichnet sind. Die Abbildungen im Text sind teils nach der Natur, teils nach Photographien und Skizzen des Autors von Hrn. G. Welti in Feder gezeichnet. Die chemischen Untersuchungen sind von der schweizerischen agrikultnrchemischen Untersnchungsstation in Zürich (Vorstand Hr. I)r. Grete) ausgeführt. Der Gehalt ist überall ans 86°/« Trockensubstanz berechnet. Mit dem Wunsche, daß das Werk eine ebenso wohlwollende Ausnahme und ebenso große Verbreitung finden möge, Ivie die vorangegangenen drei Teile, verbinde ich den Dank an die Behörden, die es durch ihre Unterstützung ermöglichten, daß das Buch dem Landwirt zu dem so bescheidenen Preise zugänglich gemacht wird. _i,r. F. «. Srrbler. *) Da der Autor die Korrektur nicht in der gewünschten Weise überwachen konnte, so haben sich in jener Arbeit einige Fehler eingeschlichen, die der sachkundige Leser selbst entdecken und korrigieren wird. Auf einen Unter- lassungssehler (den der Verfasser nicht verschuldet hat) und auf einen materiellen Fehler (für den der Autor die Verantwortlichkeit allein zu tragen hat) muß aber aufmerksam gemacht werden: Fig. .5 ist nach Seelhorst, Acker- und Wiesenbau auf Moorboden, und die Fußnote S. 12 ist dahin zu rektifizieren, daß sich die Planktonmenge auf die Wassersäule von 1 Quadratmeter vom Grunde des Sees bis zur Wasseroberfläche bezieht. Das Werk von Warm ing, Lehrbuch der ökologischen Pflanzengeographie, Berlin 1896, hat der Verfasser erst nach Abschluß der Arbeit kennen gelernt und konnte deshalb in der Abhandlung über die Streuewiesen nicht mehr zu Rate gezogen werden. Inhaltsverzeichnis Seite Einleitung - . . 1 Die Streuematerialien. S I. Das Stroh und die Spreu. 7 ll- Die Schwarzstreue .. 12 III. Die Waldstreue.16 IV. Das Heidekraut.20 V. Das Sägemehl und die Holzwolle.21 Vl. Die Erdstreu, der Torf, die Torfstreue und der Torfmull.23 VII. Abfälle und Nebenprodukte.27 Die Streuepflanzen. 28 AllgemeinerTeil. Tabellen über die Dauer, die Wuchsform, die Hohe, den Ertrag, den Streuewert und den Standort der wichtigsten Pflanzen der Streuewiesen der Schweiz.29 X. Die Riedgräser.- .4l> ll. Die Binsengrüscr. 54 Specieller Teil: Die besten Streuepflanzen. 1- Die Kammsegge, Oarox (ÜLtiebs Iluäs. (Tafel 1).. 56 2. Der Böschenspalt, Osrvx strieta Oooä. (Tafel 2).5,8 3. Die Spitzsegge, 6orex aeuta Vr. (Tafel 3) . . ... 61 4. Die Buxbaum'sche Segge, 6»rox lluxbauwü IVoblenb.. . 66. 5. Die Flaschensegge, 6arex swpullseea Kooä. (Tafel 4) . , ... . . 67 6. Die Blascnsegge, llsrox vosiearia I,. (Tafel 5).70 7. Die Sumpfsegge, Oare.x palliciosa Oooä. (Tafel 6) 71 8. Die Ufersegge, llarex riparia 6urt. (Tafel 7).- . . 76 9. Die Waldsimse, Seirpus s>-Ivrilieut! ll. (Tafel 8). 77 10. Das schmalblättrige Wollgras, Uriopüorum augustitdlium llotb. (Tafel 9).78 11. Die Strcubinse, luuevs obtusiüoru« Lbrbarät (Tafel 8). 82 12. » DaS Rohrglanzgras, llbalaris srumliiulees ll. (Tafel 10).85 t3. Das gemeine Schilfrohr, llkragmites eomiuunis llrio. (Tafel 11).. . 89 14. Das Riesensüßgras, 6I/ec>ria spoetsbllis illorl. '/«.— 85.035 Kälber 213.134 Stück »'/, .-- 53.283 Jungvieh 382.714 Stück ä '/».-- 191.357 Kühe, alte Stiere und Ochsen 708.940 Stück öl.^ 708.940 Schweine 565.781 Stück ä ^/» .— 282.890 Schafe 271.432 Stück ä'/s.-- 54.286 Ziegen 414.968 Stück ä Vs.— 82.993 Zusammen Vieh auf Großvieh reduziert 1.458.784 Oder rund 1.460.000 Der Streueverbrauch per Stück Großvieh zeigt je nach der Dertlichkeit beträchtliche Unterschiede. Während man in den streucreichen Gegenden täglich ö—0 üZ. Stroh, per Jahr also 3 16—22 Kilozentner rechnet, wird anderwärts kann: die Hälfte oder noch weniger eingestreut. Im Durchschnitt darf man den jährlichen Streneverbrauch per Stück Großvieh aus 7 Kilozentner berechnen. Unsere Berichterstatter in untenstehenden Gemeinden geben den jährlichen Streneverbrauch pro Stück Großvieh wie folgt an: Kehweil (Turgau) 9—10 g., Bcrtschikon (Kt. Zürich) 4—8 g., Buochs 10—15 4., Egg (Kt. Zürich) >1-, Malters (Kt. Luzern) 7 g., Flmns (Kt. St. Gallen) 7 g. im Thal und 5 g. auf dem Berg. in Mcggen (Kt. Luzern) 2,3 g., in Galgcnen 8—12 rp, in Wildhaus (Toggenburg) per Klafter Heu 1 g. In sehr streucarmen Gegenden ist jedoch der Streneverbrauch wesentlich geringer. Im Simmcnthal rechnet man zur Winterung einer Kuh 8 Klafter Heu und auf jedes Klafter Heu 1—2 Zentner Stroh. — Im Domlcschg (Graubünden) wird bei befriedigendem Vorrat von Stroh, Ried und Laub nach Mitteilung von Peter von Pl a n ta - Fü rst e» au pro Tier täglich 1—1'/-Kilo verwendet. An manchen Orten reichen die Vorräte nicht so weit und in vielen Ställen wird die Streue nur zur Aufsaugung der Jauche in die Graben gebracht. Dies ist besonders in den Maiensäßen und den Alpen der Fall. Den Kälbern wird möglichst gut gestreut; ebenso den Schweinen, denn diese letzteren werden als Düngerfabrikanten behandelt. Ein erwachsenes Tier erhält wenn möglich 3—4 Kilo täglich. Den Schafen wird aus demselben Grunde ziemlich gut gestreut. Dammann*) gibt den Streuebcdarf bei den einzelnen Tiergattungen wie folgt an: beim Rind auf 25 Pfund Trockensubstanz des Futters 6—7 Pfund, Schafe Pfund pro Kopf und Tag, Pferde 4—5 Pfund, Schweine 2—4 Pfund täglich. Die landwirtschaftliche Statistik des Kantons Zürich, in welcher Angaben über die Stroh nnd Streue- erträge vorliegen, ermöglicht es, obige Zahlenangaben zu prüfen. Im Jahre 1894 wurden in diesem Kanton geerntet: Stroh 300.360 g. Riedstrcue 413.840 g. Zusammen 714.200 g. Der Kanton Zürich besitzt aber 100.653 Stück Großvieh (alles Vieh nach obigen Ansätzen auf Großvieh reduziert), demnach fallen auf 1 Stück Großvieh 7,1 Kilozentner Streue. Hierzu ist zu bemerken, daß allerdings etwas Stroh verfüttert oder zu anderen Zwecken verwendet wird. Demgegenüber steht aber, daß, außer Stroh und Riedstreue, noch andere Materialien, wie Laub, Schneitelstreue, Sägemehl, Tvrfstreu rc., benutzt werden. Auch wird etwas Weniges exportiert, wogegen umgekehrt, besonders von den Zürichseegemeinden, Streue aus dem Linthgebiet und anderswoher bezogen wird. Der Ansatz von 7 >. t>. Das G erste nstr oh ist wegen der rauhen Grannen, die oft in demselben vorkommen, sowie wegen der größeren Brüchigkeit und Weichheit weniger wertvoll. Strebet gibt den Ertrag an Stroh per Hektar, wie folgt an: Zweizeilige Sommergerste 20—30 g. Vierteilige Sommergerste 12—24 g. Bierzcilige Wintergerste 36—46 «,. 7. Das Haferstroh ist als Streue weniger gut als das Stroh des Weizens und Roggens, weil es viel weicher, blattreicher, schwerer ist und eine geringere Anfsangnngskraft besitzt. Der Preis des Haferstrohes ist deshalb in der Regel geringer. So z. B. bezahlt man für solches in Scherzingen (Thurgau) im Büttel nur Fr. 4 per cp, während Weizenstroh Fr. 5-0 gilt. 9 Der Düngerwert der Strohsorten von Sommergetreidearten ist nach oben gebrachten Zahlenangaben größer als derjenige von Wintergetreide, dagegen hat es einen geringeren Streuewert, weshalb der Preis, wie bereits erwähnt, in der Regel niedriger ist. 8. Das Mais st roh liefert trotz seines Reichtums an Phosphorsänre eine geringwertige Streue. Wenn die Kolben ausgebrochen sind, so wird das Stroh in kleine Garben gebunden und diese auf dem Felde zum Trocknen in Puppen aufgestellt. Diese Puppen bleiben in der Regel über Winter im Freien und die so verwitterte Streue wird dann im nächsten Frühjahr verwendet. Der Strohertrag beträgt bei den grobkörnigen Sorten 80—.'»(> cz. Per Hektar. Im Domleschg wird das Maisstroh zerschnitten und zum Aufsaugen der Jauche in die Stallgräbcn gelegt. 9. D a s B u ch w e i z e n st r o h, das vielfach gefüttert wird, hat wegen seiner Brüchigkeit als Streue wesentlich geringeren Wert als die erstgenannten Strenesorten. Aber auch deshalb ist es geringwertiger, weil es öfters mit Pilzen aller Art besetzt ist, die sich deut Euter der Milchkühe mitteilen und so schädlich auf die Milch einwirken können. Eilt und dieselbe Strohart kann jedoch einen sehr verschiedenen Wert haben, je nach domVerffchieden- R r o ck e n h e i t s g r a d, je nach der Reinheit von ll n k r a u t und K r an k h c i t s k e i m en , je nach des Strohes, dem Drusch und der sonstigen Behandlung. Feuchtes Stroh ist auch zur Streue ungesund und hat eine geringere Aussaugungskrast. Schlecht eingebrachtes, verschimmeltes oder rostiges Stroh ist weniger wertvoll als schön weißes, gesundes Stroh. Stroh mit wenig fremden Bestandteilen ist besser als Stroh, das stark mit Unkräutern und fremden Pflanzen durchsetzt ist. Lang aufgebundenes, mit dem Flegel gedroschenes Stroh ist mehr wert, als Maschinen und rund aufgebundenes Stroh, weil mit ersterem leichter und sparsamer umzugehen ist. Bei dem lang aufgebundenen und von Hand gedroschenen Stroh werden zudem die kurzen Bestandteile und die fremden Pflanzen vor dem Binden ausgeschüttelt, so daß also diese Laugstrohgarbcu (Bossen) nur das lauge schöne Stroh enthalten. Allen diesen Verhältnissen entsprechend ist der Preis des Strohes ein sehr verschiedener. Tann aber richtet sich dieser vor allem nach der Ortlichkeit. In Gegenden, wo man einen ausgedehnten Getreidebau und guten Boden hat, wo zugleich die Rutzviehhaltung fehlt oder unbedeutend ist, ist der Preis sehr gering. Auf den jungfräulichen Prärieböden Nordamerikas ist das Stroh ein wertloser Ballast und wird zur Feuerung der Dampfmaschinen benutzt. Auf dem frisch angeschwemmten Marschboden und in den reichen Weizengegenden Ungarns und Rußlands rc. ist es ebenfalls fast wertlos. Umgekehrt ist es in Gebirgsgegenden, bei der ausgedehnten Haltung von Nutz- und Zuchtvieh sehr wertvoll, um so wertvoller, je mehr die anderen Streue- materialien fehlen und je mehr der Getreidebau zurücktritt. Wie spärlich das Getreidestroh an vielen Orten vorhanden ist und welch' hohe Preis e man in den Strohmangel Bergen vielfach für dasselbe bezahlt, geht aus folgenden Berichten hervor: hohe Davos-Dorf: „Wir streuen viel importiertes Stroh; Preis Fr. 8 — 12 per g." Cclcrina (Engadin): „Wir streuen nur den Kälbern Getreidestroh; dasselbe wird meist aus dem Unterengndin eingeführt, Preis Fr. 8 per Wiesen (Graubünden): „Hier werden 100 g. Stroh (meist Gerstenstroh) verwendet, Preis 6—8—10 Fr. per g., je nach den Heupressen." Davos-Play: „Der größere Teil des hier verwendeten Strohes wird aus Ungarn, ja sogar aus Amerika importiert. Preis Fr. 8—10 per g." Lnvin: „Es werden nur 10 g. Stroh verwendet." Lnzcin: „Sehr wenig Stroh." Untereggcn (Kt.,St. Gallen): „Wir führen viel Stroh aus Würtcmbcrg und Baden, auch Prcßstroh aus Ungarn ein. Preis Fr. 5-6 per g." Banma: „Stroh wird in bedeutender Menge von auswärts bezogen." Fischen- thal (Kt. Zürich): „Stroh wird viel aus dem Kanton Schaffhausen importiert." Hütten (Kt. Zürich): „Es werden 350 g. Stroh von auswärts bezogen. Preis Fr. 6 per g." Rcute-Oberegg (Appenzcll): „Viel Ballcnstroh u Fr. 7—8 per g." Meggen (Kt. Luzcrn): „Der landw. Ortsvercin hat 1894 ca. 600 g. Stroh eingeführt. Preis Fr. 6 per g." Nach den Berichten wird wenig oder kein Stroh verwendet in: Buochs-Ennetbürgen, Schwyz, Walzenhausen, Altendorf (Schwyz), Andwil (Kt. St. Gallen), Schttbelbach (Kt. Schwyz), Arth, Lungern (Obwalden), Galgenery Ttans, Wolfenschießen, Lutzenbcrg (Appcnzell,, Rothenthurm, Reichcnburg, Rüti (Zürich), Flnms, Schännis, Mels, Wildhaus (Toggcnburg), Oberriedcn (Kt. Zürich), Grabs, Stnlden (Wallis), Wangs, Vals, St. Margarethen, Ernetschwil (Kt. S. Gallen). An vielen Orten hat man jedoch genügend andere Streue, namentlich Ricdstrcne. 2 10 Niedrige Die n i e d r i g st e n Strvhpreise hat man in jenen Hegenden, wo die Getreidekultur noch in Strohpreise. grps^n-r Ausdehnung betrieben wird. So z. B. beträgt der Preis von 100 Kilo Stroh im Mittel: im Klettgau (Schaffhausen) Fr. 3—4 (Roggcn- schaub sür Reben Fr. 4.50 —4.80), in Engishofen (Thurgau) Fr. 5, Affoltern b. H. Fr. 5, Diessenhofen Fr. 2—4, Gachnang Fr. 3.60—4, Nenweilen (Thurgau) Fr. 4, Wangen (Kt. Zürich) Fr. 4, Rafz Fr. 4, Buchs (Kt. Zürich) Fr. 4, Welträngen (Thurgau) Fr. 4—5, Mühlau (Aargau) Fr. 4, Büttenhart (Schaffhausen) Fr. 3, Bleiken (Thurgau) Fr. 2—3, Dachsen (Kt. Zürich) Fr. 3—4, Guntmadingen (Schaffhausen) Fr. 3—3.60, Niederwil (Thurgau) Fr. 4, Bülach bis 3 Fr., Güchlingen (Schaffhausen) Fr. 3.60, Lütcrkofen (Solothurn) Fr. 4, Altersweilen (Thurgau) Fr. 4—5, Schlattingen (Thurgau) Fr. 3.60, Emmen (Kt. Luzern) Fr. 3—5, Ellikon a. d. Th. Fr. 3, Höri (Kt. Zürich) Fr. 3.50—4' St. Maria (Münsterthal) Fr. 4—5, Unter-Stammheim Fr. 4—5, Matzingen (Thurgaul Fr. 3.50—4.50, Chain Fr. 2.80—3.50, Thalheim a. d. Th. Fr. 3—4 u. s. f. Verschieden- Der Preis des Strohes ist jedoch je nach der Ergiebigkeit der Futter- und Strohwerte in den ei n- ^Preffe^ zolnen Jahren sehr verschieden; während man im Notjahr 1893/94 bis Fr. 12 und mehr sür je nach demioo Kilo bezahlte, galt dasselbe 1895/96 vielerorts in der Schweiz kaum 2 Fr., weil das Jahr 1895 sowohl Jahrgang. ^M^xMEwn als sür die Streue- und Getreideproduktion sehr günstig war, während im Jahre 1893 wegen der Fntternot das Stroh zum großen Teil verfüttert wurde. — Sehr häufig wird der Strohpreis durch den Futterpreis reguliert, danu aber auch durch den Preis der übrigen Streuematerialien. Bei hohen Futterpreisen sind in der Regel auch die Strohpreise hoch. Getreide- In Gebirgsgegenden, ivo Streuemangel herrscht, werden auf dem Ackerlande auch die Getreide- ^Streue"^ n oppeln gesammelt und zu Streue verwendet, so im Souivix und im Lugnetz (Kt. Graubünden), Ivo sie als „Stubler" bezeichnet werden. Spreue. Auch die Spreu der Getreidearten dient da und dort als Streue. Dieselbe hat nach Emil Wolfs im Mittel folgende Zusammensetzung: Spreu von: Stickstoff Kali Phosphor üurc Winterweizen . . . . 7.2 8.5 4.0 °/° Sommerweizen .... 7.5 4.8 3.1 °/o Winterdinkel. 5.6 7.9 6.1 °/° Winterroggen . . . . 5.8 5.3 5.6 °/° Gerstengrannen . . . 4.8 9.4 2.4 °/° Hafer. 6.4 4.6 1.3 »/-> Hiernach berechnet sich der Düngerwert von 100 Kilo bei: Stickst off Phosphorsäure Kali Gesamtwert Fr. Rp. Fr. Rp. Fr. Rp. Fr. Rp. Winterweizen.1.01 —.34 —.12 1.47 Sommerweizen.1.05 -.19 —.09 1.33 Winterdinkel.—.78 —.32 —.18 1.19 Gerstengrannen.—.67 —.38 —07 1.12 Hafer.—.90 -.18 -.04 1.12 Die Gerstengrannen sind als Streue verwerflich, weil sie leicht Verdauungsstörungen verursachen, wenn sie von dem Vieh gefressen werden. Spreu von Roggen ist sehr rauh, während die übrigen Spreusorten gute Streue liefern. Die Weizenspreu wird gewöhnlich als Futter benutzt, weniger häufig die Spreu des Spelzes (Dinkel, Fesen), die denn auch einen geringeren Fntterwert besitzt, während sie als Streue vorzüglich geeignet ist. Stroh Neben dem Stroh der Getreidearten werden da und dort auch das Stroh und die Spreu "sickert anderer Ackerpflanzen als Streue benutzt, so namentlich von Hülsenfrüchten, Raps rc. Diese pflanzen, ^„(halten in 1000 Teilen nach Emil Wolfs: Stickstoff Kali Phosphorsäure Erbsenstroh.10.4 10.1 3.5 "/« Ackerbohnenstroh.16.3 18.5 3.2 Gartenbohnenstroh .... ? 12.8 3.9 "/« Futterwickenstroh. 12.0 6.3 2.7 °/° Rapsstroh.5.6 11.1 2.4 "/° 11 Stickstoff Kali Phospho rsäure Mohnstroh. . . . ? 18.4 1.6 °/° Ackerbohnensprou . . - . . 16.8 35.3 2.7 °/° Rapsschoten .... ... 6.4 11.8 3.4 °/° Flachssamenkapseln. . . . . 6.4 15.4 4.5 Kartoffelkraut (fast reif, grün) . 4.9 4.3 1.6 7° rachtes Erbs e n- und W i ck e:: st r o h ist als Futter brauchbar. An Strenewert stehen sie dem Ketreidestroh wegen der größeren Brüchigkeit nach. Zwar iväre die Aufsangnngskraft, wie eins den Heidenschen Bersuchen (Seite 7) hervorgeht, eine größere. Das Bahn e n st roh ist etwas hart und grob („grob wie Bohnenstroh", sagt ein Sprichwort). Noch härter ist das Rapsstroh und das M ohnstro h. Beide haben einen geringen Strenewert. Die Anfsangungskraft ist geringer. Wegen der groben Beschaffenheit lagert sich solcher Dünger wenig fest zusammen, infolgedessen erleidet er bedeutende Nerluste. Anders ist es in Schaf- und Ziegenställen, in welchen man den Dünger wochenlang unter den Tierei: liegen läßt, und aus Düngerstätten, wo der Dünger durch Austreiben der Tiere festgetreten werden kann. Einen geringen Strenewert hat ferner das Kartoffelkraut. Es wird auch nur ausnahmsweise als Streue benutzt. Aber eine Stoffverschwendung ist es, wenn man es auf die Straße wirft, oder an: Rande der Felder unnützerweise liegen läßt, oder wenn man es verbrennt. Das Kartoffelkraut sollte gesammelt und kompostiert oder in: Herbst über die Wiesen oder Kleefelder ausgebreitet werden. Über Winter werden die Nährstoffe dann größtenteils ausgelaugt und kommen den: Boden zu gut. Das Kraut schützt zugleich über Winter die. Grasnarbe vor den: Frost. Wie aus den mitgeteilten Zahlen (Seite 7 und 8) hervorgeht, ist der Preis des Strohes bedeutend höher, als sein Düngerwert beträgt. Es ist deshalb schon vielfach die Frage aufgeworfen worden, ob der Landwirt, welcher Getreide baut, nicht besser thut, das Stroh zu verkaufen und an dessen Stelle Kunstdünger zu kaufen, um die entzogene:: Pflauzeuuährstoffe den: Boden zu ersetzen. Er könnte sich auf diese Weise ein schönes Benefiz erübrigen und in die Tasche stecken. Bei uns ist es in der That entschieden das ratsamste, den Strohbedarf auf ein Mini:::::::: einzuschränken, einen allfälligen Überschuß zu verkaufen und an Stelle dessen durch Zulauf von Kunstdünger und Kraftfutter für Ersatz zu sorgen. Anders ist es in Gegenden mit leichtem Boden und ausgedehnter Ackerknltnr. Die Fruchtbarkeit eines Bodens ist bekanntlich nicht allein bedingt durch den Gehalt an Pslanzennährstoffen, sondern auch durch die p h y- sikalischen Eigenschaften desselben. Namentlich werden diese physikalischen Eigenschaften in günstigen: Maße beeinflußt durch den Gehalt an organischer Substanz (Humus) im Boden. Bei der Ackerknltnr vermindern sich aber durch den Zersetzungsprozeß die organischen Stoffe rasch und die Fruchtbarkeit des Bodens würde deshalb zurückgehen, wenn dieselben nicht ersetzt würden. Dieser Ersatz kann nun geschehen durch den Stallmist. Der Stallmist wirkt durch seinen Gehalt an organischen Stoffen lockernd und lösend auf den Boden. Infolge der stetigen Zersetzung der organischen Bestandteile in: Boden entsteht Kohlensäure, welche die schwer löslichen Silikatverbindungen in leicht lösliche Karbonate überführt. Der Stallmist ist zugleich eine Brutstätte von Bakterien, welche die „Geil und Gahre" fördern und damit die Fruchtbarkeit eines Bodens erhöhen (Wohltmann*). Aus den Bersuchen von W. H öveler**) geht hervor, daß die Pflanzen im Humus ein reicheres Wurzelsystem erzeugen als in humnsarmem Boden, der gleich reich an Nährstoffen ist. Infolgedessen ist die Pflanze im ersten Falle imstande eine größere Nährstoffmenge aufzunehmen und einen größeren Ertrag abzuwerfen. Wert der Humusbildenden Stoffe des Strohes. *) Die Bedeutung der organischen Düngung und der Strohverkauf. Der Landwirt. Breslau, 1895, Nr. 69 und 70. **) W. Höveler. Über die Verwertung des Humus bei der Ernährung chlorophyllführender Pflanzen. Pringsheims Jahrb. für wissenschaftliche Botanik. Band XXIV. S. 283 ff. 12 Begriff. / Durch den Humus wird leichter Boden kundiger und kundiger Boden lockerer, trockener Boden frischer. Wie notwendig die Düngung mittelst organischen Stoffen ist, geht aus einem von Wohltmann aus dem landwirtschaftlichen Vcrsuchsfelde in Bonn angeführten Beispiele hervor. Er schreibt a. a. O.: „Mein Vorgänger hatte im Versuchsfelde seit etwa 15 Jahren den Stallmist verschmäht, und jetzt ist der Boden derart physikalisch erkrankt, daß nur unter der größten Aufmerksamkeit bei der Bestellung und durch fleißiges Hacken ein normaler Stand der Fruchte zu erzielen ist. Der Boden bindet bei Feuchtigkeit zusammen, trotz tiefen Pfliigens, und bei Trocknis ist er starr und tot. Wo jedoch im vorigen Fahre eine zweimalige Gründüngung (Gerste und darnach Erbsen) gegeben war, erscheint er frisch und thätig. Außerdem ist er, trotz vorheriger starker Gaben an Kunstdünger, arm an löslichen Nährstoffen, was nur aus die Unthätigkeit und Energielosigkeit des Bodens zurückzuführen ist." In diesem Falle berechnet sich der Wert des Stallmistes und demnach auch des Strohes nicht nur nach dem Gehalt an den drei Hauptpflauzcnnährstosfen, sondern auch die organischen Stoffe müssen in Berücksichtigung gezogen werden. Der Wert der letzteren ist ein um so höherer, je hmnuöärmer der betreffende Ackerboden ist und je schwieriger es ist, den Humus in anderer Weise zu ersetzen. Auf dem „gebornen" Mbenboden in der Provinz Sachsen, einem milden, hmnosen Lehm, nimmt man an, daß zum Ersatz der organischen Stoffe auf 2.5 Hektar Ackerland der Mist Vvn 1 Haupt Großvieh nötig sei, welchem neben der richtigen Ernährung auf 1000 Pfund Lebendgewicht täglich 12 Pfund Stroh eingestreut werden. Auf kaltem, schwerem Thonboden wird schon auf 2—2 Hektar Ackerland die Haltung eines Stückes Großvieh als notwendig angenommen.*) Es genügt also auch beim Ackerland ein relativ kleiner Biehstand, um die verlorengehenden organischen Stosse zu ersetzen. Wir dürfen deshalb dieselben kaum höher bewerten, als zu allerhöchstens 1 Rappen per Kilo. Da die Stroh- und Sprenarten im Durchschnitt in 100 Kilo 80 llp-. organische Substanz enthalten, so würde sich in diesem Falle der Wert der Stroharten um 80 dtp. erhöhen. Dieser Wert ist jedoch nur so lange vorhanden, bis dem Boden die zersetzten organischen Stosse wieder zurückgegeben sind. Hat dieser Ersatz stattgefunden, so darf man den Stallmist, und demnach auch das darin enthaltene Streuematerial, nur nach dem Werte der darin enthaltenen Pflanzennährstoffe taxieren. Dasselbe gilt in der Regel auch für das Wiesland. Bei diesem findet durch die Kultur keine Bcr Minderung der organischen Substanz im Boden statt, sondern diese vermehrt sich durch die Nasenbildnng fortwährend, nm so stärker, je größer der Wassergehalt des Bodens ist (Moorbilduug). Eine Zufuhr von organischen Stoffen ist deshalb hier nicht nötig, weshalb der Dünger und das Stroh hier nur nach den drei Pflanzennührstofscn bewertet werden dürfen. Die organischen Stoffe sammeln sich beim Wiesboden aber vorzugsweise an der Oberfläche des Bodens an, kommen also den tieferen Bodenschichten nicht zu gut. Die Fruchtbarkeit des Bodens könnte deshalb gesteigert werden, wenn man durch periodische Um ackernng die gesamten Bodenbestandteile der Krume mischen und eventuell dem Boden eine Stallmistdüngung geben würde (Wechselwiesenwirtschast). II. Die SchwarZstreue. Unter „Schwarzstreue" versteht man die aus dem Wieslande geerntete Streue. „Schwarzstreue", „schwarze Streue" oder „schwarzes Stroh" wird sie genannt wegen ihrer dunkleren Farbe, zum Unterschied des Getreidestrohcs, das als „weiße Streue" oder „weißes Stroh" bezeichnet wird. Zu der Schwarzstreue gehört die sog. Riedstrene, dann die Farnstrene und das auf den Futterwiesen geerntete, H Lcmdw. Jahrbücher. Berlin 1883. Seite 435. 13 nicht zu Futter verwendbare geringe Heu (Niedhen, Altgras, Sauerheu, Roßschmalen, verschimmeltes oder überständiges Heu rc.). Unter dem Nlamen „Ried streue" rubriziert man die Streuegräser aus der Familie der Gramineen (Bescuried, Schilf rc.), die Seggen (Spaltstreue, Nestelstreue, Lische, Spaltgras, Spaltried), die Binsen und Simsen, denen in der Regel in untergeordneter Menge auch Pflanzenarten ans anderen Familien beigemischt sind. Die Nicdstreuc wird meist auf besonderen, sauren oder sonst nassen oder feuchten Wiesen (deshalb der Name „Smnpfstreue," „Sumpfried" rc.) gewonnen. Es gibt weite Gegenden, welche ausschließlich oder vorzugsweise auf diese Streue angewiesen sind, weil das Stroh fehlt oder nur in geringer Quantität zur Verfügung steht. Die Riedstreue ist das »nichtigste und beste Ersatzmittel für das Stroh. - Beispielsweise sei nur angeführt, daß im Kanton Zürich im Jahr 1892, wie wir früher bereits gesehen haben, die Produktion der Riedstreue 316,070 st. im Wert von 1,523,360 Fr. betrug. Wenn man berücksichtigt, daß diese Produktion den Bedarf kauen zu decken im Stande ist, so bekommt man einen Begriff von der hervorragenden Bedeutung dieser Streue. Ganz oder größtenteils Riedstreue wenden von den 150 Gemeinden der Schweiz, von welchen uns Berichte zugesandt wurden, folgende an: Unter-Riffersweil: 1200 <>. Riodstreue, 250 <>. Stroh, 100 g. Torf; Buochs: per Kuh 10 — 15 g. Streue; Senn- wald: größtenteils Riedstrcnc; Meilen: 1700 g. Ried, 300 g. Stroh und etwas Laub; Oberrieden: fast ausschließlich Riedstreue; Walzcnhausen: ebenso; Altendorf: nur Riedstrcue u. dcrgl.; Andwyl (Kt. St. Gallen): nur Ried; Bezirk Schwyz: in sämtlichen 15 Gemeinden fast ausschließlich Riedstreuo; Schädeldach: 6000 g. Ried, 1000 g. Laub, 100 g. Farn; Mühlnu (Aargnu): 4000 g. Ricdstreue, 2000 g. Gctreidestroh, 100 g. Sägemehl, 100 y. Schneitelstreuc, unbedeutend Laub und Brüsch; Grads: hauptsächlich Riedstreue, dann Laub und Stroh; Egg: meist Riedstrcue, wenig Laub, Schneitelstreuc, 400 <>. Gctreidestroh, dann Sägemehl Arth: 4000 g. Ried, 1500 g. Farn, 500 y. Laub; Galgcnen: vorherrschend Riedstreue, ferner ein kleines Quantum Sägemehl, Laub und Brüsch; Ennctmoos: 600 Tristen (Schober) ä 10 <>. — 6000 <>. Riedstreue, 800 <>. Obstbaumlaub, etwas Stroh, Farn, Sägemehl; Stans; 10—12,000 g. Riedstreue, 3000—3500 <>. Obstbaumlaub, etwas Buchenlaub, Farn, Sägemehl; Wangs: 2000 g. Riedstreue, 100 g. Stroh, 100 <>. Sägemehl; Wolsenschießen: hauptsächlich Riedstrcue, auch Alpstreue, Laub, etwas Farnstreue, wenig Brüsch; Sannen: meist Riedstreue, etwas Laub, Moos, Stroh und Sägemehl; Lutzenberg: 200 g. Riedstrcue, etwas Baumlaub; Rothen- thurm: 4000—5000 g. Ricdstreue und zirka 1000 g. Farnstrcue; Reichenburg: meist Ried; Hütten: 1800 g. Ricdstreue, 350 g. Getreidestroh, etwas Obstbaumlaub, Sägemehl, Farnstreue; Rüti (Zürich): etwa 200 g. Riedstreue und 50 <>. Sägemehl; Flums: ausschließlich Riedstreue; Schännis: 70°/» Ried, 25»/o Laub, 5°/o Sägemehl, Farn rc.; Mels: fast nur Ricdstreue; Dürnten: 5000 g. Ried; Ober-Jbcrg: 3000—4000 g. Ried, selten Sägemehl; Grüningen: 2800 <>. Ried- streuc, 150 <>. Getreidestroh, 100 g. Sägemehl, 100 g. Schneitelstreuc und Laub; St. Margrethen: fast ausschließlich Ricdstreue (2500 <>.) und sehr wenig Stroh (30 <>.), Sägemehl (100 <>.), Laub; Wildhaus: 1000—1500 g. Riodstreue, dann Wnldstrcu, Laub, Farnstreuc und ganz wenig Gctreidestroh; Eichbcrg: fast ausschließlich Ricdstreue; Benken (Gastcr): ca. 9000 <>. Riedstrcue, höchstens 50 g. Sägemehl; Ernetschwil: fast ausschließlich Riedstreue; Uznnch: Ricdstrcuc und etwas Laub; Risch: hauptsächlich Ried. In anderen Gemeinden halten der Verbrauch von Stroh und Ried streue einander ungefähr das Gleichgewicht. Dies wird uns z. B. berichtet von Schwamendingen, Niederglatt-Nöschikon, Buchs (Kt. Zürich), Rümlang, Fehraltdorf und Triboltingen. Der mittlere Preis der Riedstreue beträgt per 100 Kilo 4—5 Franken, ausnahmsweise mehr, da und dort auch weniger. Niedrigere Preise werden uns mitgeteilt aus Diessenhofen Fr. 3—4; Steinmaur Fr. 3,80; Wangen (Zürich) Fr. 3; Hcrgiswyl (Luzern) Fr. 3,50; Niederglatt-Nöschikon Fr. 3,50; Buchs (Zürich) Fr. 3,20; Affeltrnngen Fr. 2-3; Buch (Thurgau) Fr. 2; Mühlau Fr. 3; Niederwil Fr. 2—2,50; Arth Fr. 2,50; Basadingen Fr. 3-5; Alters- weilen Fr. 3—4; Schlattingen Fr. 2; Flums Fr. 2—2,50; Homburg Fr. 3—4; Ossingen Fr. 2—3; Fürstenau Fr. 3—5; Ellikon a. d. Th. Fr. 2; Hört Fr. 3—3,50; Brüttiscllcn Fr. 3; Unter-Stammheim Fr. 1,50—1,60; MaHingcn Fr. 2—3; Benken (Gaster) Fr. 3,50—4; Cham Fr. 2,50—3,20; Thalheim a. d. Th. Fr. 3—4; Ober-Stammheim Fr. 2—3; Bichel- see Fr. 3,60—4,40. Höhere Preise wurden notiert: in Meilen Fr. 5—6; Schwyz Fr. 4,50—6; Oberrieden Fr. 6; Altendorf Fr. 6; Schübelbach Fr- 6; Galgenen Fr. 4—6; Stans Fr. 5,50; Davos-Platz Fr. 8—10; Sarnen Fr. 5—10; Steinen Bedeutung. Gegenden, wo vorwiegend Riedstreue verwendet wird. Preis der Riedstreue. 14 Chemische Zusammensetzung der Riedstreue. Fr. 4—6; Rüti (Zürich) Fr. 5—6; Peterzell Fr. 5,60; Mels Fr. 4—6; Dürnteu Fr. 6—6; Ebikon Fr. 5—6; Gossau (Kt. Zürich) Fr. 5,50; Tschappiua Fr. 4-6; Grüningen Fr. 5,50; Reute-Oberegg Fr. 6; Vilters Fr. 5—6; Wildhaus Fr. 6-8; Risch Fr. 5,80. Die Riedstreue wird iu der Regel weniger hoch geschätzt, als das Stroh der Getreidcarten; deshalb der niedrigere Preis. Trotzdem ist der Düngerwert größer. 1000 Teile bon uns geernteter lufttrockener Streue mit 14°/„ Wassergehalt enthielten: Nr. Bezeichnung der Streue. Stickstoff v°» Phosphorsäure °/o° Kali ^/üo 1 Spitze Segge. Onrox nentn . 9.5 2.1 8.0 2 Snmpfsegge. 6ni'6X s,o1nll08n .... 10.5 2.9 9.4 3 Böschenspalt. 6arex 8tiieto. 14.4 2.2 10.8 4 Flaschensegge. 6ni'ox mniinllnoon . . . 9.7 4.8 10.2 0 Blasensegge. Lnrex v68ionrin .... 13.8 4.5 21.7 <> Kammsegge. Oni'ox <1i8tioiin .... 28.3 1.7 18.0 7 Bnxbaums Segge . . . Onrex Ilnxdnnnlii . . . 13.9 3.0 11.7 8 Fnchssegge. Oni'ox vnijnnn .... 14.4 0.2 35.4 9 Fadensegge. 6nrex lilitoi'iili8 .... 12.3 2.8 12.5 10 Kammsegge. Lnrsx cki8tioiin .... 11.1 2.1 12.5 11 Hirsensegge. 6nrex smnioen .... 27.7 3.9 11.8 12 Ufersegge. 6ni6x risinrin .... 12.1 4.0 12.9 13 Waldsimse. 8eirpU8 8)Uvntien8 . . . 11.0 3.8 9.2 14 Stumpfblütige Binse . 4 linen8 odln8>toi in8 . . 12.4 3.2 20.8 15 Schmalblättriges Wollgras. ki'iosckiornin nnon8tiloIinm 10.5 4.7 15.7 10 Nser-Neithgras. Oninlnn^ro8ti8 litoron . . 4.4 1.2 6.3 17 Riesen-Süßgras .... Oiveeiin 8ii6etndili8 . . 9.8 1.8 14.4 18 Gemeines Schilf .... IRirnAmit68 eommnni8 10.5 2.1 7.0 19 Besenried. iVIoiinin eoornlon . . . 10.5 3.4 9.7 20 Besenried. Noiinin eoernlen . . . 3.9 0.5 4.1 21 Besenried. Noiinin eoornlon . . . 6.4 0.7 1.9 Mittel °/«° 12.2 2.9 12.9 0 / /o 1.22 0.29 1.29 Herr Or. Grete teilt folgende Resultate von Streuesorten mit*), welche ihm von Landwirten zugesandt wurden. Die Zahlen sind ebenfalls auf 86°/» Trockensubstanz berechnet: Stickstoff Phos phorsnure Kali °/° °/° °/° 1. Streue von Robenhausen, 18. Aug. . 1.38 0.43 1.03 2. Streue von Niederwyl (Thurgau) , 0.74 0.07 0.08 3. Riedstreue von Robenhausen . . , , 0.98 0.12 0.30 4. Riedstreue von Zug. . 0.96 0.13 0.38 5. Nestelstreue. . 1.00 0.17 0.43 6. Besenriedstreuc. . 0.55 0.05 0.12 7. Gemischte Streue. . 0.73 0.08 0.40 8. Besenried. . 0.28 0.01 0.11 9. Röhrlistreue. . 0.73 0.12 0.10 0 Landw. Jahrbuch der Schweiz 1888. Seite 123. 15 S i i ck st o f f Phosphors äure Kali °/» > 7° 10. Röhrlistreuc vom Pfäffikoner-See 0.32 0.31 0.06 11. Rohrstreue von Zug. 0.62 0.12 0.57 12. Spaltstreuc. 0.24 1.02 13. Spaltstreuc . 0.17 0.36 14. Grabcnstrcuc. 0.27 0.33 15. Kntzenschwanzstreue. 1.00 0.40 0.52 Mittel 0.87 0.18 0.38 Hiernach berechnet sich der Geldwert per 100 Kilo im Mittel der letztgenannten 15 Sorten wie folgt: Düngerwcrt. Wert des Stickstoffs 0.87 ä 1.40 — Fr. 1.22 Wert der Phosphorsäure 0.18 üg. ä —.40 — Fr. —.07 Wert des Kali 0.38 kg. ä —.30 -- Fr. - .11 Düngerwcrt von 100 Kg. — Fr. 1.4o Der Düngerwert ist also auch bei der Riedstreue geringer als der Haudelswert. Der Gehalt au Pstanzenuährstoffen ist, wie aus deu Resultaten dieser Untersuchungen hervorgeht, bei den einzelnen Streucarten und -Sorten ein sehr verschiedener. Roch abweichender sind aber die physikalischen Eigenschaften, welche hauptsächlich den Streuewert bedingen. Darüber wird später, bei der Behandlung der einzelnen Strenepslanzen die Rede sein. In Alpengegenden, wo Mangel an Streue vorhanden ist, wird vielfach M agerhen und auf der Magcrheu, Weide st e h e n g e b l i e b e n e s Gras (Altgras) als Streue benutzt, und als solche geschätzt. Besonders ist Mtgras^c. das Borst gras (Mtsch, Soppa, Barst, knickn» stiietu) eine sehr gute Streue. Wenn dasselbe jung ist, als Streue, so ist es ein sehr gutes Futter, das vom Vieh gerne gefressen wird. Im Alter wird es aber hart, zäh, um schmackhaft und wird deshalb vom Vieh verschmäht. Es ist dann so zäh, daß die Pflanzen beim Weiden mit den Wurzeln ausgerissen werden. Die Tiere fressen jedoch diese ausgerissenen Horste nicht, sondern lassen sie wieder aus dem Maul fallen. Die Weide ist im Herbst oft förmlich besäet mit solchen „Borstgrasleichen". In der Regel berührt jedoch das Vieh das (Ras gar nicht. Da die Halme äußerst zähe sind, so verfaulen sie über den Winter nur teilweise und sind im nächsten Jahre wieder im jungen Grase, wo sie die Schmackhaftigkeit des Futters herabsetzen. Bleiben diese zähen Halme mehrere Jahre hintereinander stehen, so kann die Weide nach und nach verwildern; deshalb ist es am Platze, dieses „Altgras" periodisch zu Ltrene zu schneiden, was denn auch thatsächlich häufig geschieht. Aus der Meierhoseralp, einer Genossenschastsalp in St. Antönien im Prättigau, erhält jeder Genosse aus 7 L-tötzc (Kuhrcchte) jährlich 1 Soppenlos, und die Weide wird parzellenwcisc jedes Jahr im Herbst gemüht, so daß jede Parzelle je alle 6 10 Jahre einmal an die Reihe kommt. Das Bieh läßt auf der Weide aber auch andere Gräser, namentlich Sanergrüser stehen, die im Herbst öfters geschnitten werden. So schreiben die Berichterstatter von folgende» Ortschaften: Davos-Dors: „Im Herbst, wenn die Alpen entladen sind, findet manchmal eine Versteigerung der zurückgebliebenen Futtergräser, Burst, Jsop, Farren rc. statt." Schwyz: „Aus den Alpen wird Nätsch als Streue benutzt." Arth: „Von der Korporation Unterallmend wird im Herbst etwas Alpstreu versteigert." Wolfenschießen: „Die Alpstreue besteht zur Hälfte aus eigentlicher Riedstreue, viel aus Borstgras, Unkräutern und verhärtetem Weidegras. Sie gilt an gut gelegenen Stellen 5 Franken per 100 Kilo." Stans: „Auf einigen Alpen, hauptsächlich von Emmcten, wird ziemlich viel altes Gras sricdiges Gras) als Streue gesammelt und ins Thal gebracht." Ferner wird geringes, oder schlecht gewittertes Magerheu und Rupfgras als Streue benutzt. Das „Rupf gras" oder die „Rupf st reue" werden z. B. aus Schwyz als Streue genannt. Zu der Schwarzstrene sind auch die Farrenkräuter, welche in deu Berggegeudeu häufig als Streue benutzt werden, zu rechnen. 16 III. Die Waldstreue. Begriff. Ein ziemlich großer Teil der verwendeten Eirene entstammt dem Walde. Dieselbe wird unterschieden in Bodenstreue und Aststreue. Letztere, die Ast st reue (Tanuechris, Schneidelstreue, Hackstreue, Neisstrene), besteht aus den jüngsten benadelten grünen Zweigen verschiedener Nadelhölzer, vorzugsweise aber der Fichte (Rottanne). Die Bodenstrcuc ist die auf dem Waldboden gesammelte Streue, welche aus dürrem Laub oder Nadeln, aus Moos, Gras und allerlei Forstnukräutern besteht. Alle diese Materialien werden unter dem Namen „Waldstreue" zusammengefaßt. Bodenstrcuc. An Bedeutung ist die Boden st r eue weitaus wichtiger als die Aststrene, weshalb dieselbe hier eingehender und zuerst behandelt werden soll. Gegenden, In vielen Gegenden der Schweiz ist diese Bodenstreue fast das ausschließliche Strenematerial. vorwiegend Unsere Berichterstatter folgender Gegenden und Ortschaften schreiben uns beispielsweise: Bodenstrcuc Goms (Oberwallis): „Es wird sehr viel verrottete Streue aus den Lärchen- und Tannenwaldungen genommen E^ird^ gewöhnlich gemischt mit Stroh verwendet. Die Bürger und Wohnsässigen holen nach Belieben zu jeder Zeit diese Streue, welche als „Christ" bezeichnet wird. Ausserdem wird aus den Erlen-Eicn an der Rhone viel Laub gesammelt. Die Erlen-Eien sind meist privat, Ulrichen und Oberwald haben Erlen-Eien, welche der Gemeinde gehören. In Obcrwald darf jeder Gemeindcr an einem erlaubten Tag nach Belieben sammeln." Münster (Oberwallis): „Hieb wird pro Jahr VON g. Roggenstroh, 800 g. Erlenlaub und viel mehr Waldstreuc gesammelt. Das Erlenlaub ist beliebt. Die Waldstreue wird aus den Tannen- und Lärchenwaldungen genommen. Jeder holt nach Belieben und bezahlt nichts dafür. Dcr Düngcrwert ist jedoch gering." Bergün: „Wer Vieh halt, hat das Recht, für das Haus 6 und für das Maiensäst 4 Tuch Streue (Tannennadeln) aus dem angewiesenen Wald zu holen." Somvix: „Neben Stroh, Stoppeln, Erde und Sägemehl wird auch Moos, Tannstreu und Laub verwendet." Ennetmoos und Staus: „Buchenlaub wird unter dem eidgenössischen Forstgesetz weniger gesammelt." Fanas: „Wir verwenden etwa 2000 g. Laub, 300 g. Riedstreue und geringe Quantitäten Sägemehl. Die 100 Kilo Laubstrcue gelten Fr. 1. Diese wird im Oktober auf Grund des Viehstandes an die bürgerlichen Haushaltungen aus den Gemeindewaldungen loosweise verteilt." Lungern: „Hier wird hauptsächlich Laubstreue verwendet, welche vorzugsweise in den Gemeindewaldungcn gesammelt wird. Preis Fr. 2 per g." Davos: „In den Tannenwaldungen und an anderen Stellen, wo sie nicht abgeweidet werden, wird im Herbst viel sog. „Acrtjü" zusammengerupft." Fideris: „Neben Stroh, Alpried und Sägemehl werden viel Laub und Nadelstreue verwendet." Stalden (Wallis): „Es werden meist Laub und Nadeln aus Wäldern und Gebüsch verwendet. Preis per g. Fr. l." Rüti (Kt. Glarus): „Gebraucht werden 1250 g. Laub von Ahornen und von Buchen. Preis per g. Fr. 2.50." Viltcrs: „Die Berggütcrbesitzer vertuenden hauptsächlich Laub aus Wäldern. Preis Fr. 1.50—2." Luzein: „Hier werden als Streue per Jahr 200—300 Blachen voll Laub a «4, 100 -150 g, Ried, etwas Stroh, Farn und Sägemehl verwendet. Das Laub wird dem Wald entnommen. 1 Blache voll gilt 1 Fr." Lavin (Unter-Engadinj: „Verwendete Streue: 400 g. Waldstreue, 10 g. Stroh, 50 g. Sägemehl. Die Waldstreue besteht vorzugsweise aus der abgefallenen Betäubung der Nadelhölzer." Vals: „Wir verwenden hauptsächlich Laub aus Wäldern, dann ctivas Sägemehl, Stroh und Moos." Doinleschg: „Laub gilt ungefähr 1 Franken per Blache. Eine solche wiegt 35—45 Kilo." Wie aus dieser Zusammenstellung hervorgeht, sind vorzugsweise die strenearmen Gebirgsthäler auf die Waldstreue angewiesen. Aussaugungs- Der landwirtschaftliche Wert der Wald str eil ist je nach der Art derselben ein verschiedener. Der Wert richtet sich u. a. nach der Anfsaugungskraft. Nach Ebern: aper*) absorbiert 1 Kubikmeter der untenstehenden Strcncsortcn folgende Quantitäten Wasser: Moosstrcue. 279.5 k^. Fichtennadelstrcue .... 247.8 „ Roggcnstroh. 203.3 „ Buchenlaubstreue .... 176.7 „ Kiefernadelstreue.160.0 „ Farnkraut.153.8 „ Heidestreu.78.8 „ oder 100 Kilo Streue absorbierten Wasser: Moosstrcue. 282.74 kg-. Roggcnstroh. 274.6 Farnkraut. 259.1 *) »r. Ernst Ebermayer, Die gesamte Lehre der Waldstren. Berlin 1876. Seite 176. 17 Buchcnlaubstreuc .... 232.7 kx. Fichtennadelstrcue .... 150.3 „ Kiefernadclstreue .... 142.6 „ Die Versuche wurden in der Weise ausgeführt, das; man zunächst einen Behälter von genau 1 bayrischen Kubikfuf; Inhalt mit den lufttrockenen, vollkommen reinen und Humusfreien Streuematerialien durch Eindrücken anfüllte und das Gewicht desselben ermittelte. Hierauf wurde der Inhalt in einen weitmaschigen Sack gebracht, derselbe in ein Wasserfas; eingesenkt und bei den Hauptversuchcn 2 Tage darin liegen gelassen, sodass die Streue Zeit hatte, sich mit Wasser vollständig zu sättigen. Nach dieser Zeit wurde der Sack wieder herausgenommen und so lange an der Luft ausgehängt (ca. '/? Stunde), bis das überschüssige Wasser abgetropft war. Die vollgesaugte Streu kam dann wieder in obigen Behälter und wurde abermals gewogen. Aus der Gewichtszunahme ergab sich unmittelbar die Menge des aufgesaugten Wassers. Durch diese Art der Bestimmung war es auch möglich, die Volumänderung kennen zu lernen, welche die Streuesorten durch Sättigung mit Wasser erleiden. Übrigens kommen bei ein und derselben Streue ziemlich bedeutende Schwankungen vor. Es geht aus diesen Zahlen hervor, daß das Moos eine sehr bedeutende Anssangnngskrast besitzt. Über den Dünger w e r t der Waldstreue liegen von Eberma h e r zahlreiche Untersuchungen vor, Düngerwert. welche auch von Wolfs in seinen Zusammenstellungen berücksichtigt sind. Danach enthalten 1000 Gewichtsteilc im Mittel: Wasser Organi s ch c Stickstoff Phosphor- Kali Sub stanz säure Buchenlaubstreu . . . 140 712 8.0 2.7 2.5 Teile. Fichtennadclstreu . . . 126 834 8.0 1.9 1.^ „ Kicfernadclstreu . . 120 867 5.0 1.1 1.3 „ Wcißtaunenstrcu . . . 128 815 7.5 2.4 2.1 „ Lürchennadelstreu . . . 137 820 ? 1.3 0.7 „ Moos. . . 250 731 1.0 0.9 2.6 „ Hieraus berechnet sich der Düngerwert per 10» Kilo: Buchenlaubstrcu.Fr. 1.30 Fichtennadelstrcu. „ 1.24 Kiefcrnadelstreu.„ 0.78 Wcihtannenstreu.„ 1.21 Moos .„ 0.25 Diese Werte sind jedoch gegenüber dem Stroh zu hoch, da insbesondere der Stickstoff viel schwerer zersetzbar ist. Da und dort kommt das Laub in Verkehr und hat in diesem Falle einen V e r k e h r s w e r t, der Berkehrs- allerdings sehr ungleich ist. wert. So bezahlt man für 100 ir^. Laub in Buochs Fr. 1.50, in Neuwcilen 50 Rp., in Hcrgiswyl (Kt. Luzern) 70 Rp., in Äreuzlingen Fr. 2.—, in Fanas Fr. 1.—, in Lungern Fr. 2.—, in Staus Fr. 3.50, in Stalden (Wallis) Fr. 1.—, in Wolsenschicsien Fr. 1 —2, in Flums Fr. 1.—, in Gossau (Kt. Zürich) Fr. 3.—, in Tschappina Fr. 1.—, in Triboltingcn Fr. 4.—, in Riiti (Kt. Glarus) Fr. 2.50, in Vilters Fr. 1.50—2.—, in Luzcin im Mittel Fr. 2.—. Bon der Lanbskrene ist jene des Ahorns, der Erle, der Linde lind Hasel am geschätztesten. Zm Sernfthal wird diese Streue sogar der Riedstreue vorgezogen, weil der Mist aus solcher Streue einen feineren Graswuchs erzeuge. Weniger beliebt ist das Bnchenlanb, weil es sich viel langsamer zersetzt. Wenn der Mist aus Laubstreue gut werden soll, so müssen das Laub und die Exkremente tüchtig gemischt werden, damit sich ersteres nicht schichtenweise zusammenballt. Der Mist muß auch immer ordentlich feucht erhalten und wenn möglich sollte er vor dem Verbrauch einmal umgesteckt werden. Die Nadelstreue hat eine geringe Anfsauguugskrast, ist auch nicht sonderlich reinlich und nicht nachhaltig, so daß ihr Strenewert ein unbedeutender ist. Das Bieh ist auf dem kahlen Bretterbodcn ebenso wohl als auf solcher Streue. Die Nadeln der Fichte können sich mich leicht in die Haut der Tiere einbohren und so nachteilig wirken. 3 18 Das Moos hat zwar eine große Aufsaugungskraft, sein Düngerwert ist aber gering, namentlich auch deshalb, weil es sich sehr schwer zersetzt. In Hergiswyl (Luzcrn) werden die 100 kz;. mit 50 Rp. bezahlt. In den schweizerischen Gebirgsgegenden wird der Bergahorn häufig als Strenerzenger vielfach auf der Weide gepflegt und künstlich angepflanzt. Derselbe gibt dem Bich aus der Weide Schutz, liefert ein wertvolles Nutzholz und endlich drittens in seinem Laub eine gute Streue. Im Sernsthal gibt es ganze Ahornwäldchen, deren Besitz- und Nutzungsrecht dreifach geteilt ist: dem Einen gehört das Gras, das anf dem Boden wächst, einem zweiten das abfallende Laub und dem dritten das abgehende Holz. Wenn auch dieser Besitzstand nicht als Muster aufgestellt werden darf, so zeigt er doch, welchen Wert man diesem Baum dort beilegt. Ähnliche Verhältnisse bestehen vielfach bei den K asta nienh a i n e n im Tessin. Der Grund und Boden gehört meist der Gemeinde (dem Patriziat), die Bäume aber und deren Nutzung den einzelnen Bürgern, welche sie angepflanzt haben. Schädigung Die Strenenntzung im Wald ist immer mit mehr oder weniger großen Sch üdcn für den Wald ^durch"dll^ verbunden. Die abfallenden Blätter und Nadeln bilden im Walde eine Schntzdccke, welche den Boden mchung fortdauernd frisch erhält. Diese Decke ist in ununterbrochener Zersetzung begriffen und führt dem Boden die entzogenen Stoffe wieder zu und wirkt lösend auf die Bodenbestandteile. Entzieht man dein Boden diese Decke, so muß derselbe verarmen, wir entfernen eines der wertvollsten Lösungsmittel und berauben ihn des notwendigen Schutzes gegen äußere Einflüsse. Die Folge davon ist, daß die Bestände mehr und mehr licht werden, die Baumkronen verflachen, das Längenwachstum läßt nach, der Jahreszuwachs wird schwächer und die Lebensdauer der Bestände verkürzt sich. In weiterer Folge äußert sich die Strenenntzung auch durch das Unvermögen eines durch sie heimgesuchten Standortes, die bisher getragene Holzart noch weiter zu produzieren. Die Holzgcwächse führen ein serbelndes Dasein und liefern ein immer geringeres, kleineres und weniger wertvolles Holz. Die Wirkung äußert sich in sehr verschiedenem Grade, se nach dem Boden, je nach der Lage und Terraiuform, je nach dem Klima, der Holzart, dem Alter, dem Bestandsznstand. Auf stark geneigten Flächen ist die Nutzung nachteiliger als auf sanft geneigten oder ebenen Dicken, an südlichen und westlichen Lagen schädlicher als in nördlichen n. s. f. Aus armem Boden ist der Streneentzug nachteiliger als anf reichem. Anspruchslose Holzarten ertragen die Strenenntzung eher. Am empfindlichsten äußert sich die Strenenntzung, wenn sie in der Jugend und in der jüngeren Stangenholzperiode der Bestände stattfindet. Am gefährlichsten ist die Strenenntzung in allen herabgekommencn, oerlichteten und in schlechten Zuwachsverhältnissen stehenden Waldungen; die Schäden sind um so größer, je häufiger und je tiefer die Strenenntzung vorgenommen wird. Am nachteiligsten ist der Entzug der Streuedeckc im Frühjahr und Sommer; im Herbst, vor dem Laubfalle ist der Nachteil geringer. Alle diese im vorstehenden über die Wirkung der Strenenntzung angeführten Erscheinungen, sagt Gayer, ergeben sich aus den vielfachen und langjährigen Erfahrungen der forstlichen Praxis. Dieselben werden durch die direkten Untersuchungen bestätigt, welche an mehreren Orten insbesondere über die absolute Größe des durch fortgesetzte Strenenntzung herbeigeführten Znwachsverlustes angestellt wurden. Was diese letzeren betrifft, so sind besonders die von I>r. Bleuel anf den bayr. Strcucversuchsflächen mit größter Sorgfalt vorgenommenen, höchst wertvollen Untersuchungen*) zu erwähnen.. 1>r. Bleuel fand nämlich, daß bei alljährlicher Streueentnahme während eines Zeitraumes von 23—30 Jahren der Zuwachsvcrlust in Buchenbeständen (höherer Altersstufen) der geringeren Bodenbonitütcn die Höhe von 32, 39, 42 und selbst 56°/° erreichte, während derselbe auf gutem Basaltboden (Rhön) nur 8°/„ betrug. In Kiefernbeständen der guten Bonitäten erreichte *) Nr. Bleuel, Über den Einfluß der Streunutzung auf die Massenproduktion des Holzes in Rotbuchcn- bestünden des Spessarts. Wiirzburg, 1890. 19 der Zuwachsverlust Lei gleichen Verhältnissen der Nutzung 7.5, 9.3 und 10.9 °/„. — Diese Untersuchungen haben endlich auch durchgehcnds die Thatsache bestätigt, daß sich der Zuwachsverlust bei fortgesetztem Streuentzug von Periode zu Periode immer mehr steigert. Die Strmenutzung schädigt nicht nur direkt den Wald, sondern indirekt die physikalische Beschaffenheit ganzer Länder oder Länderstriche, da der Wald im Haushalte der Natur eine wichtige Rolle spielt. Da die Waldstreue zudem nur einen relativ geringen Wert besitzt, so sollte man deren Nutzung so viel als möglich einschränken. Ohne Schaden darf Streue entnommen werden auf Wegen, in Gräben und auf Wiesen. Auf kahl geschlagenen Flächen kaun man auch das Unkraut ohne großen Schaden schneiden. Steile Hänge sollten dabei geschont werden. Man nütze die Streue nur an besseren Orten und dort wo sich viel Streue angesammelt hat und ohne großen Schaden entfernt werden darf. In Erlen- und Birkenwnldungcn schadet die Nutzung am wenigsten. Herabgckommene lichte Bestände sind zu schonen. Nur die noch unzersetzte Streue sollte gesammelt werden dürfen. Das Moos sollte nur streifen- oder Platzweise gesammelt werden, damit es sich möglichst bald wieder ergänzt. Die Gewinnung der Nechstren soll hauptsächlich im Herbst vor dein Blattsall erfolgen. Ebermayer"), der mehr als ein Jahrzehnt sich mit der Frage der Waldstren besaßt hat, stellt folgende Regeln für die Nutzung der Waldstreue aus: 1. So lange die Bäume in lebhaftem Wachstum begriffen sind, folglich auch den größten Nähr- stoffbedarf haben, darf keine Streuentuahme stattfinden. Die Jung- und Mittelhölzer (Stangenhölzer) müssen deshalb vollkommen geschont werden, bis sie den großen Maffenznwachs und das Hauptlängcn- wachstum erreicht haben. 2. Das Strenrcchen ist auf die älteren, angehend Haubaren und hanbarcn Bestünde zu beschränken, die weniger Nährstoffe notwendig haben. Jene hnubaren Bestände, welche in den nächsten ü—6 Jahren znr Verjüngung bestimmt sind, müssen behufs Vorbereitung des Bodens (Erhaltung einer Humusdecke) für die Nachzucht ebenfalls vollständig geschont werden. st. Die genügsameren Nadelhölzer sind weniger empfindlich, als die nährstoffbedürftigcren Laubhölzer. Je geringer die Bodcnbonität ist, um so nachteiligere Folgen hat die Strenentnahme. 4. Sandböden sind am empfindlichsten und müssen möglichst geschont werden. Zulässiger ist Strenenntzung, wenn sich in mäßiger Tiefe derselben Grundwasser vorfindet, das durch kapillarischcs Aufsteigen den Wurzeln Wasser und Nähe-salze zuführt. Kalkhaltige lehnn und thonrciche, mergelichc Bodenarten widerstehen am besten, weniger die kalkarmen Lehnn und Thonböden. Je flachgründiger die Boden- krume ist, um so größerer Schonung bedarf sie. 5. Mittel- und Niederwald bedürfen einer größeren Schonung, weil bei den ersteren Betriebs- arten die schwächeren Holzsortimente (Wellen , Ast- und Prügelholz) den Hanptcrtrag bilden und znr Produktion derselben mehr Bodennährstoffe notwendig sind als zur Bildung des Stammholzes. Dazu kommt, daß bei diesen Wirtschaftsmethoden die Umtricbszeit eine viel kürzere ist und der Boden viel häufiger freigelegt wird, als beim Hochwaldsbetrieb. 0. Stark gelichtete Bestände bedürfen größeren Schutzes als normal geschlossene. 7. Die Nachteile des Strenrechens sind um so bedeutender, in je kürzeren Zwischenränmen es wiederkehrt; es hat daher auf besseren Böden mindestens eine vier-, aus schlechteren eine sechsjährige Periode der Ruhe einzutreten. Regeln bei der Strcuc- nutzung im Walde. °) Zeitschrift des landw. Vereins in Bayern, 1895, Seite 28 ff. 20 8. In Mulden, kesselförmigen Vertiefungen, in feuchten Thälern, auf Wegen und Abteilungslinien, auf Nord- und Osthängen ist die Strenenutzung zulässiger als an trockenen, dem Winde und der Sonne ausgesetzten Lagen, auf Süd- und Westhängen. 9. Bei starken, über 8 am. dicken Moospolstern oder bei mächtigen Rohhnmnsablagernngcn ist eine teilweise Entfernung derselben zulässig. 10. Die Strcnentnahme muß sich auf die frische oder teilweise zersetzte Bodendccke beschränken und darf sich nicht auf die eigentliche Hnmnsschichte erstrecken. Zur Gewinnung der Streu soll man deshalb nur hölzerne, keine eiserne Rechen beuützen. 11. Die Zeit des Strenrechens ist am besten in die Periode kurz vor dem neuen Laubabsallc zu verlegen. Grüne Ast- Eine besondere Art Waldstreue ist die grüne Aststreue, auch „Schneitelstreue", „Hackstreue", streue. „Tapstren", "Taxen", „Tannchris" „Chris" genannt. Sie besteht aus den grünen Zweigspitzen der Nadelhölzer, die man durch Abschneiden ab den Ästen gewinnt. Das Anfsangnngsvermögen ist zwar gering, aber der Dünger läßt sich sehr gut mit der Streue mischen und derselbe ist wegen seiner lockernden Eigenschaft sehr gut für schwere Bodenarten geeignet, während er für lockere Bodenarten weniger am Platze ist, um so weniger, je grobholziger die Streue war. Mit Borliebe wird der Mist zu den Kartoffeln verwendet. 100 Gcwichtsteile Fichtenreisig nähmen nach Breiten lohn er 357 Teile Jauche auf. mährend Roggenstroh 3000 Teile aufsog. Die Aststreue hat selten einen Handelswert, oder wenn sie einen solchen hat, so hat man sehr approximative Mähe. In Bertschikon (Kt. Zürich) wird für ein zweispänniges Fuder 5—7 Fr. bezahlt; in Affeltrangen für einen Wagen 5—7 Fr.; in Untcr-Stammheim 3 Fr. 100 Kilo werden gewertet in: Neuweilen (Thurgau) 40 Rp., in Fehral- torf, Grüningcn SO Rp., in Hergiswyl (Luzern) 60 Rp. In fntter- und streucarmm Gegenden und Zeiten kommt es vor, daß die Aststreue ab den stehenden Waldbänmen gesammelt wird, ein Verfahren, das nicht genug zu verurteilen ist, denn dadurch wird der spätere Wuchs des Baumes empsindlich geschädigt. Aststreue der Eibe (Vnxii8 lmmmtn) darf nicht verwendet werden, weil sie giftig ist. Es ist leicht möglich, daß ein Tier von: Lager weg etwas Streue frißt und sich so eine Vergiftung zuzieht. Besonders giftig ist die Eibe für Pferde. Aber auch Rindvieh ist für das Gift sehr empfänglich. Dieses Jahr (1897) gingen einem Landwirt in Weggis drei Stück Vieh zu Grunde, weil sie von der Aststrcuc der Eibe fraßen, die ihnen eingestreut war. Gewinnung Eine da Heidekrautes, wichtigere Arten Fig. 1. Staudensense IV. Das Heidekraut (Brüsch). und dort gesammelte und angewendete Streue ist das Heidekraut, wovon wir zwei unterscheiden, die gemeine Heide (dallium vuiAnris) und die fleischfarbige Heide (Lriaa, aarnan). Die letztere kommt vorzugsweise in den Alpen und Vor- alpen vor, während die gemeine Heide in der Ebene häufig ist. Sie findet sich besonders auf mageren Matten und Weiden und im lichten Wald. Aus dem Grasland ist ihre Ausrottung angezeigt, weil sie die besseren Futterpflanzen schädigt. Am einfachsten wird sie gewonnen durch Abschneiden mit der Staudensense; das ist eine kurze, aber starke und gut geschliffene Sense, mit welcher man solches Zwerggestränch abzuschneiden im Stande ist (Fig. 1). Gründlicher wird das llnkrant ausgerottet, indem man dasselbe von Hand ausreifst. Damit man sich dabei die Finger nicht wundreißt, zieht man Zwilchhandschuhe an. 21 Der Brüsch liefert eine harte, schwer ^ersetzbare, geringwertige Streue. Da sich in derselben sehr ^WeA des^ viel allerlei kleine Pilzformen finden, welche sich bei der Einstreu an Milchticre leicht der Milch mitteilen, als Streue. so ist bei der Verwendung größte Reinlichkeit im Stalle zu empfehlen. 1000 Teile (mit 20°/„ Wassergehalt) enthalten nach Emil Wolfs: Stickstoff P h o s p h o r s ü u r e Kali 10.0 1.1 2.1 Der Stickstosfgehalt wäre also ziemlich groß, aber die Streue ist sehr hart, schwer zersetzbar und hat, wie früher bereits zahlengemäß dargethan wurde, eine geringe Aufsaugungskraft, weshalb ihr nur ein geringer Wert beigcmessen werden kann. Der Wert ist um so geringer, je größer und älter die Pflanzen sind. In Tschappina (am Heinzenbcrg) bezahlt man für die 100 Kilo noch 1 Fr., in Hergiswyl SO Rp. In der Regel aber hat diese Streue, keinen Handelsivert und kommt nicht in den Verkehr. Auch in den Wäldern kann das Heidekraut gesammelt werden, man muß jedoch acht geben, daß die Waldpflanzen nicht geschädigt werden. In Heidegegenden, >vo man Alangel an Strenematerial besitzt, weil das Stroh verfüttert wird, verfiel Das Plaggen- man darauf, die Heide nicht abzumähen, sondern sie samt dem Boden abznplaggen und dem Vieh unterzulegen. ^auen. Das Hornvieh bleibt, wie anderswo die Schafe, länger auf dem Allst stehen und die Plaggen saugen sowohl die festen als die flüssigen Exkremente vollständig aus. Die Plaggen werden im Sommer gehauen und unter Dach für den Verbrauch trocken aufbewahrt. Alan sucht, wie Schwer z*) auseinandersetzt, die Plaggen Lei dem Hauen oder Stechen so dünn als möglich, nicht leicht über einen Zoll, zu halten, nm nicht zu viel schlechten Boden in die Ställe und nachher aus das Feld zu bringen. Es ist allerdings peinlich, zn wissen, daß um eine Fläche von 10—20 Morgen im Knltnrzustande zn erhalten, man eine ebenso große Fläche wild und unbenutzt liegen lassen muß, weil eben hier die Plaggen gehauen werden. Die Methode mag deshalb vor sünszig und mehr Jahren am Platze gewesen sein, als die Arbeitskräfte und die Produkte noch billiger waren, man von der Verwendung von Kunstdünger nichts wußte und man viele der jetzt mit so gutem Erfolge anf dem Sandboden gebauten Pflanzen nicht kannte, — nicht aber heute, da sich die Fortschritte in der Landwirtschaft auch den Weg in diese Gegenden gebahnt haben. Unter allen Umständen ist das Plaggenhanen in den Wäldern verwerflich, weil dadurch der Wald noch weit mehr geschädigt wird, als durch die Benutzung der Rechstrene. V. Das Sägemehl und die Holzwolle. Ein häufig angewendetes Strenemittel ist das Sägemehl (Sägcspäne), das als Nebenprodukt in den Holzsägen gewonnen wird. Dasselbe hat ein sehr großes Anssaugungsvermögen, wie aus den Versuchen von Dr. I. Breiten- lohn er*) hervorgeht, deren Resultate hier folgen: !. Jauchcaufnahme nach dem Gewicht 1000 Gcwichtsteilc nehmen Jauche auf: N. Jauchcaufnahme nach dem Volumen Gleiche Volumen nehmen Jauche anf: (Föhrenreisig 100 gesetzt) Föhrenreisig . 250 Fahnenreisig. 100 Fichtenreisig . 357 Fichtenreisig . 150 Erde. 550 Roggenstroh. 461 Gerberlohc. 2150 Bohnenstroh. 598 Roggenstroh. Erde. 626 Wald streu. 731 Bohnenstroh. 3300 Sägemehl. 7SN Sägemehl. 3571 Gerberlohe. 826 Laubstreu . 4330 Torf. 925 Torf. 4485 Laubstreu . 1038 Aus- saugungs- krast. *) Joh. Nep. v. Schmerz, Anleitung zum **) Fühlings Landrv. Ztg. 1874, S. 842. prakt. Ackerbau. I Bd. S. 139. Stuttgart und Tübingen, 1837. 22 Das Aufsaugungsvermögen ist als» größer als beim Roggenstroh. Selbstverständlich ist diese Eigenschaft abhängig von dem Trockenheitsgrad des Mehles. Frisches Sägemehl von grüneil Fichten hat schon 40^o Feuchtigkeit und nimmt deshalb nicht so viel Feuchtigkeit auf wie trockenes Mehl mit nur etwa 15°!o Wassergehalt. Düngerwert. In Bezng auf den Düngcrwert steht es aber dem Stroh nach. 1000 Gewichtsteilc Fichtenstammholz enthalten: Stickstoff P h o s p h o r s ä u r c Kali 1—1.5 0.01 0.03-0.04 Teile. Der Gehalt an Pflanzennährstoffen ist also gering. Verwendung Das Sägemehl gibt aber den Tieren eine reinliche, wenn auch weniger warme Unterlage wie Sägemehls, z. B. Stroh. Es läßt sich mit den festen Exkrementen auch nicht so leicht mischen, wie die lang- halmige Streue. Nichtsdestoweniger ist es ein Streuematerial, das alle Beachtung verdient, wenn es preiswürdig erhältlich ist. Im Nindviehstall sollte man es in Mischung mit Stroh verwenden, weil der Stand so reiner und wärmer ist und die festen Exkremente sich besser mit der Streue vermengen lassen. Auch im Pferdestall sollte man es bei ständigem Gebrauch immer mit einer Lage Stroh bedecken, weil sich das Mehl leicht zwischen den Hufeisen festsetzt, wodurch die Pferde leicht schlechte Hufe bekommen. Das von Urin durchnäßte Sägemehl muß stets entfernt werden, weil es sonst in Menge Ammoniak entwickelt und die Stallluft verunreinigt. Der mit solcher Einstreu gewonnene Dünger zersetzt sich auch sehr langsam. Er muß deshalb 1^—2 Jahre liegen bleiben, bevor man ihn ausbringt; unterdessen soll er stets feucht erhalten werden. Frisch angewendet, wirkt der Sägemehlmist ätzend und zersetzt sich sehr langsam, während etwas gelagerter Mist diese Nachteile in geringerem Maße zeigt. Besonders auf leichtem Boden wirkt der Sägemehlmist leicht brennend und ist deshalb für diesen nicht geeignet. Dagegen paßt er sehr gut zum Unterpflügen für schwere, träge Bodenarten, wo er lockernd wirkt. Wegen seiner leichten Vertcilbarkcit wendet man ihn mit Vorliebe als Kopfdünger aus Wiesen an, er ist aber denselben wenig zuträglich und gibt Veranlassung znr Bildung von Ameisenhaufen. Um diesen Übelständen zu steuern, kompostiere man den Sägemehlmist mit Torferdc oder dergl., halte den Kompost stets feucht, steche diesen ein- bis zweimal um und bringe den Mist erst dann auf die Wiesen. Der mit Torferde kompostierte Mist ist für Ackerland mit bindigem Boden sogar besser als Strohmist. Der Preis des Sägemehls ist je nach den Gegenden sehr verschieden. In Somvix bezahlt man für den Kubikmeter 30 Rp., in Großwangen Fr. 1.20-1.50, in Menzingen Fr. 1.50—3.70, in Werthenstein Fr. 2, in Bcrtschikon Fr. 2—3; in Rüti (Kt. Zürich) und in Reute-Oberegg gilt der Meterzentner 40 Rp., in Rüti (Glarus) 50 Rp., in Hergiswyl (Luzern), Wangs, Tschappina und im Domleschg Fr. 1, in Kempthal Fr. 1.10, in Grüningen Fr. 1.20, in Kirchberg (St. Gallen) Fr. 1.50, in Fehraltorf Fr. 1.50—2, in St. Margrethen Fr. 2.20 und in Mühlau Fr. 3; 1 Kubikfuß gilt in Lüterkofen 2 Rp.; in Galgencn bezahlt man für den Sack 12—20 Rp.; in Davos für den Zuber 30 Rp.; in Affeltrangen für die Zaine (Korb) 4—5 Rp.; in Unterstammheim 10 Rp.; in Luzein für die Blache (Tuch) 50—100 Rp.; in Bichelsee für den Wagen Fr. 5— 10 ; in Untereggen für das Fuder Fr. 20. Preis des Sägemehls. Holzwolle. Bei hohen Streue- und niedrigen Holzpreisen verdient ein Material aus der neuesten Zeit unserer Industrie alle Beachtung. Es ist die Holzwolle. Diese besteht aus feinen, schmalen Spänchen, welche mittelst besonderer Maschinen aus weichem Holz hergestellt werden und bisher hauptsächlich als Verpackungsmaterial verwendet wurden. Da aber die Holzwolle ein sehr reinliches und dem Vieh sehr angenehmes Lager bildet und ncbstdem ein großes Anfsaugnngsvermögen besitzt, so wäre sie auch als Streuematerial verwendbar. „Nur darf die Holzwolle in nicht zu seinen Streifen geschnitten werden, da die Tiere sich diese in Ballen um die Füße wirren"; am besten ist eine Strcifenbreite von 1.5—2 ow.*) *) Carl Dammann, Die Gesundheitspflege der landw. Haussäugethiere. 2. Aufl. S. 663. Berlin, 1892. 23 Die Aufsaugungskraft im Vergleich zum Sägemehl geht aus folgender Übersicht hervor*). 100 Terle absorbieren Wasser: 283 Teile N3N Grobe Holzwolle Mittlere „ Feine Buchen-Sägemchl Fichtcn- Allerdings ist die Holzwolle im Dünger, wie dos Sägemehl, schwer zersetzbar und hat einen geringen Geholt. Einer ausgedehnten Verwendung steht ferner einstweilen noch der hohe Preis entgegen. VI. Die Erdstern, der Torf, die Torsstreu und der Torfmull. Die Erdstren wird selten angewendet, wäre aber nichtsdestoweniger unter Umständen sehr zn ein- Schwierig- pfehlen. Die Gewinnung trockener, pulveriger Erde, wie sie zur Einstreu notwendig ist, bereit Zufuhr, daö Hereinschaffen in den Stall, das Herausschaffen des Mistes und dessen Abfuhr erfordert sehr viel'v^sduuavoil Arbeit und Kosten. Plan nimmt an, daß für eine Kuh täglich iP Knbikfuß Erde notwendig seien. Da 1 Knbikfuß Erde etwa 35 Kilo wiegt, so wären also für einen Stall von 10 Stück Großvieh täglich 525 Kilo, also über 10 Centner Erde nötig. Hierzu tritt, daß bei Anwendung von Erde als Einstreu sehr große Sorgfalt nötig ist, wenn Ulan die Tiere rein halten will. Aus allen diesen Gründen wendet man Erde in der Regel nur in "Rot- fällen an. Einzig in Schafställen dürfte eine regelmäßige Anwendung am Platze sein, weil ^iePsZ^dung Schafe sehr wenig Harn und trockenen Mist absondern. Das Einstreuen geschieht am zweckmäßigsten in der und Ziegcn- Weise, daß man den Boden des Schafstalles mit einer etwa fußhohen Erdschicht bedeckt und, damit der Stand nicht zn kalt ist, darüber eine Schicht Langstreu bringt; die Tiere bleiben so auch reinlicher. Bei Anwendung von Erde hat mau deu stechenden Geruch im Stalle nicht und sie verhindert zugleich auch die allznschnelle Zersetzung des Mistes. In gleicher Weise wäre die Einstreu auch für Ziegen verwendbar, während sie für Schweine nicht geeignet ist. Rnr in Notfällen wendet man sie beim Rindvieh und bei Pferden au. Der Düngerwert der Erde ist gleich "Null, dagegen hat sie ein sehr großes Anfsaugungsvermögen Düngcrwert für die Jauche und ist ein vorzügliches Konservierungsmittel für den Dünger. Die Erde hat nicht nur saügungs- ein großes Absorptionsvermögen für die Flüssigkeiten, sondern ganz speeiell für das so leicht flüchtige verschiedener Ammoniak. ' Erdnrten. Die verschiedenen Erdarten verhalten sich jedoch bezüglich der Absorptivnskrast verschieden. Je größer der Gehalt eines Bodens an Humus und Jeinerde, um so mehr Wasser kann derselbe aufnehmen, lind je größer der Gehalt an Sand und je grobkörniger derselbe ist, um so weniger. Die nachbczcichuctcu Bodenarten nehmen folgende Prozentsätze Wasser auf: Mittelgrobkörniger Sand . . . 30°/« Humushaltigc Ackererde . . . 50°/« Strenger Thon .... 50—70°/° Humus t90°/, Der Sand hat also das geringste Aufsangungsvermögen. Größer ist dasselbe bei der hnmushaltigen Ackererde und dem Thon. Letzterer ist aber dennoch nicht zu Einstreu geeignet, weil er sich sehr schwer Pulverisieren läßt und unter den Tieren in einen zähen Brei zerfließt. Dann auch deshalb, weil die Exkremente sich nicht so innig mit demselben mischen lassen, sondern mehr nur äußerlich den größeren Bodenpartikelchcn anhaften. Die größte Aufsaugungskraft hat der Humus, derselbe läßt sich leicht in einen pulverigen Zustand *) Bergt. Classen in Handbuch der gesamten Landwirtschaft von Th. von der Goltz III. Bd. S. 791. 24 überführen und gut mit den Exkrementen mischen. Wer also Humus zur Verfügung hat, der greift in erster Linie zu diesem. Zu diesem gehört die Walderde, die Torferde, der Torfabfall u. dergl. In der „Forren" bei Rothkreuz wird im Sommer bei trockenem Wetter in dem ehemaligen Torfstich die oberste, ganz dürre pulverige Torfschicht mit einem Kratzer an Haufen gescharrt und zu Streuezwecken nach Hause gefahren. Wenn dann die nächstunterliegende Schicht ebenfalls trocken ist, so wird auch diese zusammengekratzt u. s. f. So kann man bei warmer, trockener Witterung im Sommer in einfachster Weise alle 3—4 Tage einen Strcucbczug machen. Fehlt Moorerde, so kann auch Sand benutzt werden. Dieser läßt sich ebenfalls fein pulvern und gut trocknen, aber sein Aufsangnngsvermögen ist viel geringer. Zur Düngung auf Thonboden ist der mit Sandeinstren gewonnene Mist sehr empfehlenswert. Art der An- Die Anwendung der Erdeinstreu geschieht bei Großvieh am besten in folgender Weise: "Erdeiustr^u Hinter dem Stand der Tiere wird in der ganzen Länge des Stalles eilt etwa 15 OIN. hoher Holzbalken bei Großvieh, angebracht und in den Stand bis zur obern Kante des Balkens gut trockene Erdstreu fest eingestampft (Figur 2). ItD . Fig. 2. Darstellung der Anwendung der Erdstreu im Stalle. 6t. — Stand, N. — Balken, der in dem Graben festsitzt, I'. Erde, (r. — Stallgang. Täglich wird die von den Exkrementen durchdrungene Schicht Erde abgekratzt, weggeschafft und wieder frisch ausgefüllt. Wenn auch die unteren Erdschichten nach nnd nach von den Exkrementen durchdrungen werden, so wird die gesamte Erdmasse entfernt und durch andere ersetzt. Bei diesem Verfahren kommt man mit relativ wenig Erde aus und erhält einen vorzüglichen Dünger, bei welchem die wertvollen Stoffe nicht so leicht verloren gehen. Ch. Barme*) empfiehlt, auf den Stand der Tiere eine 0.3—0.4 ,o. hohe Schicht trockener Erde zu streuen und hieraus etwas lange Streue. Konser- Es ist auch empfohlen worden, die Erde, statt unter die Tiere, hinter dieselben in den Stallgraben zu Wirkung^der bringen nnd die Exkremente mit der Erde zu mischen. I. K önig verwirft (a. a. O.) jedoch dieses Verfahren Erde auf den weil dadurch der Stickstoffverlust begünstigt werde. Wir können diese Ansicht nur dann teilen, wenn der Stallmist. Mist zu trocken wird, nnd halten eine Durchmengung mit Erde als ein vorzügliches Konservierungsmittel, wie denn auch Holdefleiß nachwies, daß mit Erde bedeckter Stallmist einen sehr geringen Stickstoff- verlust ergab. Rosenberg-Lipinsky**), ein erfahrener Praktiker, schreibt: „Im Rinderställe zerteilt und verdünnt die Erde alle Kvtstoffe und verhindert deren Zusammenballen beim Austrocknen, während sie in den Schafställen die stürmische nnd stets mit erheblichen Verlusten begleitete Zersetzung des Düngers in den heißen Svmmertagen mäßigt. Ein gleiches findet bei dem zeitweise!: Durchschichten des Düngers, namentlich des Pferdemistes, aus der Düngstätte statt. Im Ställe wie in: Misthaufen nimmt diese Erde, besonders die humusreiche, das sich entwickelnde flüchtige (kohlensaure) Ammoniak anf, und indem sie dasselbe in das nicht mehr flüchtige humussanre Ammoniak umbildet, hält sie diesen, als Nährstoff der Pflanzen und als Vermittler der Verwesungs- nnd Verwitternngsprozesse hochwichtigen Körper in ihren Poren zurück. Nächstdem saugt diese Erde die den: Dunghaufen entsteigende Kohlensäure, überhaupt alle warmen Dämpfe auf und bindet sie, während diese Gase, nnd namentlich das aufgesaugte Ammoniak, die Löslichkeit der in der eingestreuten Erde enthaltenen Mineralstoffe und die Bildung von salpetersauren bezlv. andern: Salzei: befördern. Daher nimmt die, zur Einstreu oder zum Durchschichten des Hosdüngers benutzte Erde nach und nach eine schwarze oder schwärzlichblauc Karste an, welche von gebildeten humosen Substanzen, aber auch Vvn den: Schwefeleisen herrührt, welches durch Verbindung des sich aus den: verwesenden Dünger entwickelnden Schwefelwasserstoffs mit den: Eisenoxyd der Erde entsteht und, weil es als Oxyd unlöslich ist, zwar keinen eigentlichen Düngwert besitzt, indes keinesfalls schädlich wirkt. *) I. König, Wie kann der Landwirt den Stickstoffvorrat in seiner Wirtschaft erhalten und vermehren? Berlin, 1887. S. 119. **) Albert v. Roscnberg-Lipinskp, Der praktische Ackerbau in Bezug auf rationelle Bodenkultur. II. Bd- Breslau, 1871. S. 345. 25 Demgemäß bringt selbst das Verwenden von wirklicher Mvvrerde oder von Tvrfabfälten znr Einstreu im Stalle oder zum zeitweise:: Dnrchschichten der Dunghanscn, sofern man diese Materialien nur so schwach aufbringt, daß das Ammoniak die freie Hnmnssäure derselben vollständig abstumpft, nicht nur keinen Nachteil, sondern einen entschiedenen Vorteil, weil die freie Hnmussänre in der chemischen Verbindung mit dein Ammoniak seine schädliche Einwirkung verliert, und sich sogar in ein nahrhaftes humussanres Salz umsetzt. — Nach meiner langjährigen Erfahrung und Beobachtung bindet überhaupt die Humussäure das Ammoniak bei weiten: sicherer und reicher wie der Gips, und deshalb besitzt der Landwirt in dein Dnrchschichten der Dunghaufen mit Erde zugleich das wohlfeilste Mittel, das Ammoniak zu fixieren. Im Notfälle läßt sich sogar lehmiger Sand als Einstren verwenden; doch kann derselbe natürlich in der Regel nicht gleiche Wirkung mit den übrigen Erden haben, an: wenigsten eine Nachhaltigkeit verbürgen." Gewöhnliche Erde wird weniger häufig als Streue verwendet als Torf oder Torferbe. Über Verwendung dieser schreiben folgende Berichterstatter: Davos-Dorf: „Es wird etwas Torf zu Brenn- zivecken gestochen und dabei die oberste Schicht („das Rote") an die Landwirte zu Streue verkauft." Gotzau (Zürich): „Es wird etwas Torferde gestreut." Kottwil: „Hier wird Torfgüsel als Streue verwendet." Eichberg: „In neuerer Zeit verwendet man durchfrorenen Torf." — Von der Verwendung von Torf zu Streue wird ferner berichtet aus Rifferswcil, Affoltcrn b. Z., Kirchberg (St. Gallen), Neudorf, Welträngen, Thierachern, Menzingen, Peterzell, Reute- Obercgg, Meggen, Ernetschwil, Risch. Wesentlich besser als Torf oder Torferde ist die aus gewissen Torfsorten präparierte Torfi Torfstrcue. streue. Am besten eignet sich znr Herstellung von Torsstrene sog. HochMoortorf, der entstanden > ist durch Verwesung des schcidigen Wollgrases (bHoplloruin vapänatum) und der Torfmoose (8pstgAnuni-Arten). Er ist wegen seiner wenig kompakten, faserigen Beschaffenheit als Brennmaterial minderwertig, während er die beste Streue liefert. Der Torfmoostorf hat ein sehr großes Aufsaugnngs- verinögen und liefert eine trockene, saubere Streue. Er sieht fast aus wie eine zusammengebackene grobe Kleie, ist ohne Stand und kennzeichnet sich durch einen sehr geringen Gehalt an Mineralstoffeu. Auch der Flach Moortorf kann znr Herstellung von Torfstreu benutzt werden; dieselbe ist aber weniger beliebt, weil sie viel staubiger und deshalb weniger reinlich ist. Die Herstellung von Torfstren aus Torf geschieht am zweckmäßigsten in folgender Weise: Fabrikation Der Torf wird vor Winter gestochen, während des Winters an den Anslegestellen ausgebreitet Torfstrcue. und liegen gelassen, damit er recht durchfriert. Dadurch wird er gelockert, bekommt ein größeres Volumen und wird weich wie ein Schwamm. Wenn dann die Soden im nächsten Frühjahr trocken sind, werden sie auf einem Reißwolf zerrissen und mittelst eines Siebwerkes die feineren Teile abgesiebt. Die grobe, faserige Masse, welche nicht durch das Sieb passiert, wird als „Torfstren", die feineren, durch das Sieb gefallenen Teile als „Torfmull" bezeichnet. Zum Zerreißen des Torfes kann man auch eine gewöhnliche Stiftendreschmaschine benutzen. Zinn Sieben werden entweder Flachsiebe oder Trommelsicbe verwendet. Um die Streue besser trans- Portieren zu können, wird dieselbe mittelst Pressen in Ballen gepreßt. Gute Torfstreue soll trocken und möglichst staubfrei sein, da der Staub sich auf der Haut der Tiere leicht festsetzt. Der Gehalt an Stickstoff und Phosphorsäure ist in der Torfstreue in der Regel wesentlich größer Wert d°r als im Weizenstroh, aber diese Stoffe sind sehr schwer löslich. Trockene Torfstren ist im Stande das 6—1l-fache ihres Gewichtes aufzusaugen. Sie hat auch die vorzügliche Eigenschaft, daß sich der Torf- strendiinger sehr gut konserviert und bei der Aufbewahrung wenig Verluste entstehen. Torfstreu ist namentlich ein vorzügliches Bindemittel für das so leicht flüchtige Ammoniak. 4 26 C. Arnold*) bestimmte den Ammoniakgehalt der Pferdestalllnft bei Stroh- und Torfstren und fand in 7080 I Luft: bei Stroheinstreu bei Torfcinstreu am 6. Tage 0.168 Gr. am 15. Tage 0.0170 Gr. Ammoniak, d. h. der Ammoniakgehalt der Luft war bei Stroheinstreu am 6. Tage schon so hoch, wie bei Torfstreu am 15. Tage. Über die Anwendung der Torfstren schreibt die Verwaltung des Torfwerkes Pfungenried: „Die Torfstreu wird als Streue für unsere Haustiere im Stall verwendet für Pferde, Kühe, Schafe und Schweine. Am besten dürfte sich dieselbe aber als Streumaterial für Pferde eignen. Zu diesem Behufe bringt man hinter den Ständen eine 15 ein. dicke Leiste oder Latte an und ebnet den Platz von da bis unter die Krippe gleichmäßig mit Streue aus, sodaß die Schicht durchwegs mindestens 15 om. hoch ist. Jeden Abend wird mit einem Rechen das Lager verebnet und wenn Lücken vorhanden sind, dieselben mit frischer Streue ausgefüllt. Wenn möglich soll man die neue Streue aber immer nach vorn bringen und den Ersatz von vorn nach rückwärts ziehen. Am Morgen, überhaupt beim Stalldienst, werden die festen Auswürfe sorgsam mit einer Schaufel weggehoben und wenn das Lager ganz durchnäßt, die ganz nassen Stellen abgestochen. Man hüte sich aber, zu viel Streue wegzunehmen; denn oft scheint es nur, als ob dieselbe naß sei und genügt ein kleines Aufrechen, um das Lager ohne Entnahme lvieder ganz trocken zu machen. Bei gehöriger Sorgfalt braucht es bei diesem Verfahren täglich per Pferd bloß ca. 2—2^/e ÜA. Streue, was einer Auslage von rund 10 Rp. täglich oder im Jahre von Fr. 36 entspricht." Einfluß Der Remontepferdearzt Schwendiman n**) teilt mit, daß die Hufe der Pferde durch die mit Ammoniak auf^dio Hufe^ ill'sättigte Torfstreue leiden. Das Horn verliere seine Zähigkeit, seinen Glanz und lverde mürbe und bröckelig, der Pferde. Das Sohlenhorn schuppe sich ab und die Sohle lverde dünn und schwach. Am schlimmsten lverde der Hufstrahl mitgenommen, sein Horn gehe in trockenen Zerfall über und schwinde bis auf den Fleischstrahl. Übrigens nahmen die Pferde bei Torfeinstreu, statt lvie früher Stroh zu fressen, allerlei andere üble Gewohnheiten an, wie weben und koppen. Er empfiehlt deshalb über ein reichliches Torfstreulager eine Strohschicht aufzubringen. Das sei das reinlichste und beste Streuelager. Wird das Lager nicht gehörig unterhalten, so durchnässen sich die Tiere leicht. Andere Autoren sprechen sich dagegen günstig über die Torfstreue aus. So z. B. schreibt***) ein praktischer Landwirt aus der Ostschweiz: „Daß die Torfstreue einen sehr wohlthätigen Einfluß auf den Pferdehuf hat, beweist der Umstand, daß seit 8 Jahren, in denen ich fünf Pferde auf permanenter Torfstrcne stehen habe, dieselben noch an keinerlei Hufkrankheiten gelitten haben. Im Gegenteil, es sind bei zwei Pferden, welche spröde Hufe hatten, dieselben ganz normal geworden. Die Torsstrene hat einen sehr günstigen Einfluß auf die Glieder der Pferde, indem Mauken gar nicht vorkommen, ebensowenig Rheumatismen. Die Tiere ruhen auf der weichen Unterlage auch tagsüber besser als aus Holz oder Pflastersteinen, abgesehen davon, daß es keine Abnützung der Hufeisen im Stalle gibt und die Reparaturen der Stallbrücken wegfallen. Anders verhält es sich in den Rindviehställen. Die Torsstrene seht sich leicht zwischen den Hintern Klauen samt dem Miste fest, was Klauenfänle nach sich ziehen kann. Dagegen bewährt sich als einfaches Mittel, daß man die Tiere wennmöglich alle Tage ins Freie treibt, damit sich die Füße von selbst putzen. Aus diesem und andern sanitarischen Gründen müssen meine Kühe und Rinder ungefähr 300 Nieter zum Brunnen und habe ich seither keinerlei Fußleiden mehr beobachtet. Möglichste Reinhaltung der Füße ist bei Verwendung der Torsstrene im Knhstalle, gleichwie bei anderer Streue notwendig; dann werden sich keinerlei Krankheiten einstellen. Die Vorteile der Torfstreue gegenüber anderen Streuematerialien, besonders in Rücksicht auf den Düngerwert, sind so groß, daß jeder Landwirt einen Versuch hierin wagen sollte." Be^gs- Torfstreue wird in der Schweiz u. a. fabriziert von: quellen von 1. Bachmann, Reeb L Co. in Wädensweil. orss reue. 2 Torfstreuefabrik in Oberriet (St. Gallen). 3. A. von Prittwitz in Blonay (Kt. Waadt). *) Vergl. I. König i. 0 . Seite 119. D am mann a. a. O. Seite 664. **) Schweizer Archiv f. Tierheilkunde 1895, S. 65. ***) Schweizerische landwirtschaftliche Zeitschrift 1895, S. 779. 27 4. Matt hei, su^o civ paix, in La Sagne (Kt. Neuchätel). 5. I. H. Pfeiffer, Unternehmer in Bern. 6. Crotti, Geinoz L Co. in Bulle. 7. F. Schmutz, Wirt in Belp (Kt. Bern). 8. AI. Hegglin, Schwand in Menzingen (Kt. Zug). Die Torfstreufabrik in Rothenthurm hatte 189ö eine Produktion von 50—55 Waggons L 10,000 tg. und jene in Oberriet ungefähr ebensoviel. Wesentlich geringer ist dieselbe bei den übrigen. Im st. gallischen Rheinthale fabrizieren viele Bauern ihren Bedarf an Torfftreue selbst, indem sie den durchfrorenen trockenen Torf mit der Öse einer Haue zerschlagen oder auf einer alten Dreschmaschine zerreißen. Herr Joh. Baumgartner, Schlosser in Oberriet (St. Gallen), hat einen einfachen und billigen Apparat konstruiert, mittelst welchem das Zerreißen noch gründlicher möglich ist. Derselbe kostet Fr. 70. Der Torfmull wird hauptsächlich verwendet zur Desinfektion von Abtrittgrnben, für Erd- Torfmull, klosetts rc. Zur Einstreu in Ställen ist er weniger geeignet. VII. Abfälle und Nebenprodukte. Als Streucmatcrial werden endlich oft verschiedene Abfälle und Nebenprodukte benutzt, so die Gcrberlohe, Mühlcstanb, Hcnblumen, Henstaub, Kehrricht rc.; sie können eine ganz gute Streue liefern, wenn sie genügend trocken sind. Die Gerberlohe hat ein großes Anfsangungsvermögen, gibt aber einen schwer zcrsetzbarcn Gcrbcrlohc. Mist. Sie muß vor der Verwendung gut getrocknet werden. Eine gehaltreiche Streue ist der Mühlestaub; es ist das der schwarze, in den Mühlen bei Mühlestaub, den Fruchtputzereien abgehende Schmutz des Getreides. Die besseren Qualitäten werden gewöhnlich verfüttert, während die geringeren Sorten zur Düngerbereitung dienen und zu diesem Zwecke häufig dem Vieh entweder auf dem Stand oder in den Graben eingestreut werden. Die Aussangungskrast für Feuchtigkeit ist eine große, aber dennoch bietet der Staub dem Vieh ein unreinliches Lager. Der erzielte Dünger dagegen ist vorzüglich geeignet zur Herstellung einer Gülle, welche niigemciu treibend wirkt. Hcnblumen und Henstaub sind weniger gute Streuemittcl, weil sie sehr viel Unkrautsamcu Hcublumm enthalten, die durch den Dünger leicht wieder auf das Feld übertragen werden. Zu derselben Kategorie gehört der Kehricht; derselbe gehört nicht unter die Tiere, wohl aber kann er im Stallgraben mit den Exkrementen vermischt werden. Auch das im Herbst abfallende Laub der Obstb äumc ist als Streue verwendbar. Im Obstbanm- Wcrte ist es dem Laub der Waldbäume gleich zu setzen, wovon früher schon die Rede war. Die chemische Zusammensetzung ist verschieden, je nach Sorte und Standort, namentlich aber nach der Zeit der Entnahme. Läßt man das Laub längere Zeit nach dem Abfallen unter den Bäumen liegen, so geht durch Answaschen und Zersetzung ein Teil der wertvollen Stoffe verloren. Am 10. November 1896 in einem gut gedüngten Baumgarten am Zürichberg, 460 M. ü. M., gesammeltes Laub der Theilersbirne, das Ende Oktober bis anfangs November siel, enthielt: Stickstoff Asche darin: Phosphorsänre Kali Kalk Magnesia 1.85 "/» 8.67 °/° 0.33 °/° 0.39 °/o 2.54 > 0.50 °/o Der Gehalt an Stickstoff und Phosphorsäure übertrifft also jenen des Strohes und der Nied- streue. Der Kaligehalt ist größer als beim Getreidestroh und wird ungefähr mit demjenigen der Ricd- streue übereinstimmen. Im Kanton Zürich wird das Obstbaumlaub grober Ricdstreue vorgezogen, dagegen hat das Getreidestroh und gute Riedstreue wegen ihres größeren Streuewertes einen höheren Verkehrswert. c 28 Dir Streuepflsnzen. Allgemeiner Teil. Um eine Übersicht zu bekommen über die Pflanzen, welche in den: Bestände der Wiesen eine Rolle spielen, geben wir zunächst eine Aufzählung von 237 der wichtigsten Streuepflanzen der Schweiz mit Bemerkungen über ihren landwirtschaftlichen Wert und ihr Vorkommen. Die Angaben beruhen auf Beobachtungen, welche wir auf unseren Versuchsfeldern und bei den Wiesenuntersuchungen sammelten. Die Namen der wertvollsten Arten sind in der Tabelle fett gedruckt. Dieselben werden anschließend in besonderer Beschreibung noch ausführlich besprochen. Entsprechend ihrer hervorragenden Bedeutung als Streuepflanzen sollen die Riedgräser und die Binsengräser einer eingehenderen Betrachtung unterzogen werden. Die ebenfalls sehr wichtige Familie der Gräser wurde bereits im I. Teil des Werkes die besten Futterpflanzen (2. Auflage, 1892) ausführlich gewürdigt. Tabellen über die Äaner, die Wuchssorm, die Höhe, den Ertrag, den Ztreucwert and den Standort der wichtigsten pstanjen der Ätrenewiesen -er Ächwch. j ! - i i 30 Z Dauer Wuchsform Muchshöhr r-» r-- 8 8 s K Warnen öev Wflcrnzencrrten einjährig G zweijährig 2s mehrjährig L horstbildend unterirdisch oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Halme in Centimeter Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebe in Centimeter 1 1. Familie: Riedgräser — Wemgblütige Segge . Lsi'ax paueillors 4igdll. . . 2s 10—25 5—10 2 Flohsegge .... Lsrox puliesris I.. ... 2s 10—20 10 3 Hackbart .... tlsrax Davalligug 8m. . . 2s 15-25 10-15 4 Zweihäusige Segge . (lsrsx clioles 4,. 2s 15—20 10 5 Fadenwurzlige Segge tlsrox cl>orclnrrlü/.g Illirli. . 2s 15—20 15 6 Kammsegge . . . (surex llisliedu Iluäs. 2s 50 60 7 Seegras .... Lsisx kriroiit68 4. ... 2s 50 60 8 Stinksegge.... Lsrsx koatiüg Vill. . . . 2s 20 25 9 Fuchssegge. . . . Lsrsx vulpiua 4. 2s 40 40 10 Seltsame Segge . . Larox psraäoxg ViII<4 . . 2s 40 35 11 Rispensegge . . . Larox p3niouigl3 4. . . . 2s L 60 60 12 Rundhalmsegge . . llarsx larotiusculg 6006. 2s 30 30 13 Hasensegge . . . Larax laporins 4. 2s 30 30 14 Stachelsegge . . . Lsrax sebinsts Miro. . . 2s 20 15 15 Torfsegge .... Osrax llölöonastss 4brlu 2s 30 20 16 Weißgraue Segge 6306X 03N68e6N8 4. . . . 2s 30 25 17 Böschenspalt . . . Oarsx «trietu Oooä. 2s 70 80-100 18 Spitzsegge. . liurvx ueutu k'r. 2s 's» ^ 80 80—100 19 Gemeine Segge . . 0306X Kooclsnovii 63^. . . 2s 15—40 30—50 20 BuxVaums Segge . liurvx Luxbuumii Mulilnk. 2s 50 50 21 Cypergrasähnl. Segge 6306X P86oä06^p6ru8 4. . . 2s 40 30—65 22 Gelbe Segge . . . Larsx Ü3V3 4. 2s 30 35 23 Oeders Segge . . L3rsx Ooclori 4ürt>. . . . 2s L 5-20 15—20 24 Schönfrüchtige Segge 63IMX l6piäoe3rp3 l3U80k . 2s L 15—25 15—20 25 Hornschuchs Segge . 631MX Iloru8cluieIÜ3N3 Hopp. 2s L 30 25 26 Schlammsegge . . Larsx Iimo83 4. 10—15 10—15 27 Hirsensegge . . . (lorsx P3uies3 4. 2s 20—30 30—50 28 Fadensegge . . . 631MX 6Iitorwi8 4. ... 2s 50-80 50-60 29 Bergsegge .... 4306X MON13N3 4. ... 2s L 15—20 15—20 30 Kurzhaarige Segge . Larax lürla 4. 2s 30—60 30-60 31 Blaugrüne Segge . Larsx glauoa Aurr. . . . 2s 20—30 20—30 32 Flaschensegge . . . tlurex umpulluvk» 6006. 2s 40-50 70—80 33 Blasensegge . . . 4ui tzx v68ivuriu 4. 2s 40—50 70—80 34 Sumpfsegge . . (larvx puiuäosu 6006. 2s 50—70 90—120 35 Ufersegge .... Lurvx rixuriu Lurt. 2s 60—80 100—130 31 Nummer der Art II Ertrag Streuewrrt Standort K e m e r k n ii g c it Z § HZ -ü s — minderwertig > rs >! Bodenart IV„I — Wiesenmoor Um — Hochmoor Llin --- mineralischer Boden Feuchtigkeit IV --- im Wasser » — naß — feucht Lr — frisch tr ----- trocken 1 gering 8 (Will) Um tt—n Einsiedeln, Rothenihurm, Les Ponis, Pontius, Gäbris, neben der Schlammscgge, Flaschensegge u. a. 2 gering 8 »in » in (Um) ll—1r Kommt als Bcgleitpflanze hauptsächlich in der Hirsen- seggemvicse und Besenriedwicse vor. 3 gering 8 v »in»m (»w) n Gemein in den Riedwiesen. 4 gering 8 lVVm) Um n Häufig auf schwingenden Moorwiescn. 5 gering 8 (VVm) Um n — vv Bildet bis 120 Ctm. lange Ausläufer. Häufig in Kolken. 6 gut 88 Hin IVni stlm) tr — n Gutes, ergiebiges Streucgras (s. Beschreibung 1). 7 z- gut 8 »in tr —tt Bildet in tiefgründigen Thonböden schöne, dichte Rasen. 8 mittet 8 »in IVm tt Kommt in höheren Lagen im Gebirge (Westschweiz) vor. 9 mittet 8 »iu (VVm, n Findet sich besonders an schattigen Stellen. 10 mittet 8 »in » in n Bildet hohe Rasenpolster, ähnlich wie der Büschcnspalt. 11 mittet 8 Riu ,»'m) ll Kommt vorzugsweise in der Bcrgregion vor, an Quellen. 12 mittet 8 (»in) VVni n Ersetzt die vorige Art in der tieferen Region. 13 mittet 8 Hin (Win) (I!in) I r — lt Kommt in Streneriedcrn und als Bcgleitpflanze meist in Wäldern und feuchten Wiesen vor. 14 mittet 8 (»in) rVm Um 1^ Häufig zwischen Torfmoos. 15 gering 8 Um n Selten. 16 mittet 8 (»in) »'in 11m It— n Häufig an kahlen Stellen der Hochmoore und auf Wiesen- moorcn der Alpen. 17 gut 88 »in Win 17 — vv S. Beschreibung Nr. 2. 18 sehr gut 88 »in tt — VV » » »3. 19 z- gut 8 »in VVm (11m) It — n Gemein aus nassen Wiesen, besonders in den Bergen. 20 z. gut 88 »in VVm lt —tr S. Beschreibung Nr. 4. 21 mittet 8 »IN lt Sie findet sich besonders am Rande von Torslöchern, Grüben, Seen rc. 22 gering 8 Rill » in tr — n In Hecken, in den Riodwiesen zerstreut vorkommend; dann auch im lichten Röhricht. 23 gering 8 »in »in It —n Findet sich an den gleichen Standorten wie vorige Art; ferner auf abgetansten Stellen und in einer besondern Form in der Flutzone der Seen. 24 gering 8 »in »in lt— n Ist die Mittelsorm der zwei vorigen Arten; häufig auf Wiesenmooren. 25 gering 8 (»in) »in lt —n Ungemein häufig und begleitet die meisten feuchteren Riedwiescn. 26 gering 8 (»'in) Uni n — » Findet sich namentlich im Moorschlamm und Hochmoor- kolken, den Boden mit einer Rasendecke überziehend. 27 mittet 8 Riu VVin (Hin) tr — n Sie kommt fast überall aus feuchten und nassen Ried- wiesen vor. 28 mittet 8 (»in) » in »in n - VV Findet sich namentlich in alten Torfstichen. 29 gering 8 Uin tr — tr Ist eine Pflanze des trockenen Riedes. 30 gering 8 »in tr —lt Sie bewohnt mit Vorliebe feuchte, sandige Stellen. 31 gering 8 »in s»'m) tr — n Kommt gerne an quelligen Stellen vor. 32 Z- gut 88 »in »^m »in lt-VV S. Beschreibung Nr. 5. 33 z- gut 88 »in »in tt-n - , „ 6. 34 gut 88 »in VVm tt—n » » ^ 7. 35 gut 88 Nin lt- n - „ 8. 32 Dauer Wiichsform Mmhshöhe r-» r-» L L s Warnen der: WfkanZenarten (2 einjährig G zweijährig ist mehrjährig horstbildcnd unter- irdisch ^^oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Stengel in Ccntimetcr Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebe in Ccntimetcr 36 Onellried .... 8virpu8 aompr688us kars. . 15—30 15—20 37 Waldsimse .... 8oirpu8 8^1vntivll8 1,. 40—60 40—60 38 Meerstrandsimse . . 8ei>'pu8 m-n-itimrm ll. . . 50—70 50—70 39 Rasenbinse .... 8eirpu8 esespil-osus ll. . . 2i 10-30 0 40 Wenigblütige Binse . 8eirpi>8 psueillorus lllgbil. . ich 10—20 20-30 41 SceVinse .... 8eirxu8 In6N8ti>8 b, . . ich 50—200 meist 0 42 TabernämontanischeB. 8eirpu8 labarnWinontsni 6m. ich 40—80 meist 0 43 Gelbes Cypergras. . ügvsscsns 1.. . . G 5—10 0 44 Braunes Cypergras . tFp6ru8 kaseas 6. S 5—10 0 45 Rotbraune Kvpfbinse. 8cbosuu8 lari-uginaus I.. . . ich 10—20 5—10 46 Schwarze Kvpfbinse . 8ebogmi8 mqwiegim 1,. . . ich ^ 20—40 15—25 47 Schneidegras . . . LIaclium lllsriseus k. 6r. ich 100—200 70—120 48 Weiße Schnabelsimse. Ilb^aebospors Kba Valil. ich 10 — 20 10—15 49 Braune Schnabelsimse ll>i^nellu8porg liisea 11. L 8ell. -ch 10 — 15 5—10 50 Sumpfschlammbinse . Iltzlsoebsi'w pglu5tri.8 11. Lr. 10—100 0 51 EinklappigeSchlammb. Hatauclmris uniglumis 8cllall. ich 10—30 0 52 Alpcnlvollgras . . lilliopliormn alpinum ll. . . ich 10—15 0 53 Scheidiges Wollgras . Lrioplloimw vaginstum 6. . ich 30—40 15—20 54 Scheuchzer's Wollgras blliopll. 8eli6uobr6ri IIopps -ch 25—30 10—15 55 Schmalblättr.Wollgras LrioM. nn<;n8ti1o1. liotll. ich 40—60 40—60 56 Zartes Wollgras . . lilliopborum ^rgeitö lloeb . ich 20—30 10—25 57 Breitblättr. Wollgras Lriopllorum Istiloliuw Hopp. 2. Familie: Bilisengräser — Flinvi»«««». ich 40 - 60 10—20 58 Strenbinse .... .7nnan8 o>j1n8ill<»nn8 klirli. ich 40—80 — 59 7?nanlbinse.... 1uneu8 llsarsi Llarsson . . ich 40—60 — 60 Flatterbinse . . . luneus allusus 6. ich 40-100 — 61 Blaugrüne Binse . . lancus Alsueus 6brll. . . ich 40—60 — 62 Fadenbinse .... luneus lllitormis 6. . . . ich 20—30 — 63 Dreiklappige Binse . lanoos trigtumis 6. . . . ich 8—15 — 64 Spitzdlütige Binse . .7nnan8 n«uti!I<»ru8 Lllnli. ich 40—80 — 65 Alpenbinse .... 1uncv8 glpinus VOI. . ' . . ich 20—30 — 66 Glanzfrüchtige Binse . luneus Ismproesrpus 6Inll. . ich 30—40 — 67 Jacqnin's Binse . . luncus Igoquini 6. ... ich 15—20 — 68 Krötenbinse.... luneus bulonius 6 . . . . 3. Familie: Gräser — <4r»iutn«ei». D 10-15 69 Reisquecke .... Or^ra elanckastins Lr. ich 1- ^ 40—60 40—60 70 Rohrglanzgras. . . I'!inlnii8 nruuckinneen 6. ich 90—150 50—70 71 Nördlich. Vanillengras lilaioelilos boraalis 11. 8cli. ich 30—60 20—40 33 Ztreucwert Standort Ertrag Z L Z § Bodenart ^Viii — Wiefenmoor Feuchtigkeit IV----im Krmcrkungr» !>Z »i--- 'Z >! >1 l Um — Hochmoor Lliu — mineralischer Wasser n —naß tk - - feucht L !! Boden Lr — frisch « tr trocken 36 gering 8 Mu ()Vm) ir— n Ist häufig im Gebirge aus quelligen Wiesen und feuchten 37 Z- gut Feldwegen. 8 Mu (>Vm) 17 — n S. Beschreibung Nr. 9. 38 z. gut 8 Mu o --17 Bei uns nur selten, verschleppt. 39 gering 8 v VliiiWlu (llm) 17 — n Gemein in den Sümpfen der höheren Lagen, oft bestand- 40 minim bildend. 8 Ain Win 17 — u Kleine, zarte Pflanze nasser, schwachberaster Stellen, 41 ziemlich verbreitet, meist überall. gering 8 Mu IV An See- und Flußufern, in Tümpeln, Weihern rc. 42 gering 8 Mu IV Ebenso. 43 gering 8 Llin (VVm) 17 — n > Beide Arten finden sich in tieferen Lagen auf sumpfigen 44 45 gering gering 8 8 v Hin (IV'm) Mir 17 — 11 17 —II 1 Wiesen, an kahlen Stellen rc. Grabenaushub; nasse 1 Feldwege. ! Beide Arten finden sich auf versauerten Wiesen, oft 46 gering 8 v Ain ^Vm 17 — n I ausgedehnte Bestände bildend. 47 gering 8 Mn >Vm (llm) ll— II IV Bildet ganz lose Bestände. Die Streue ist sehr hart und rauh. 48 gering 8 IVm llm 17—n 7 49 gering 8 ^Vm llm 17-11 (IV) > Beides sind kleine, wenig ergiebige Pflanzen. 50 gering 8 Mu (n) IV In Teichen im Wasser, auch an ausgetrockneten 51 gering 8 LIin n — IV Tümpeln und Gräben. Auf oft unter Wasser stehenden Riedwiescn. 52 gering 8 llm 17 — n Kommt in den Alpen und im Ticflande auf Sumpf- gering Um wiesen vor. 53 8 17 — n S. Beschreibung Nr. 10 (verwandte Arten). 54 Mittel 8 Mu (IVm) 17— ii Findet sich besonders in höheren Lagen im Gebirge. 55 z- gut 8 .11 ui IV m Um 17—11 S. Beschreibung Nr. 10. 56 Mittel 8 VVi» Um 17 - ii Begleitet meist vorige Art. 57 gering 8 Hin VVm(l!mj N — ii Im Molinietum und Davnllianetum häufig. 58 gut 88 Mu IVin 17— N S. Beschreibung Nr. 11. 59 Mittel 8 Hin IVm 17 — ii In Riedwiesen, namentlich in Pfützen (Molinietum, mitte! Davallianetum). 60 5 Mn VVm 17—11 Wie vorige, aber auch in Torfstichen. 61 gering 8 Mu 17—ii Ist gemein auf Wiesen und Weiden, an guelligen Stellen. 62 gering I1lin(VVw)(IIm) ir — 17(n) Kommt auf nassen Alpwiesen, anUfern vonAlpseenrc. vor. 63 minim 8 Mu (VVm) 17—ii Hochalpenpflanze. 64 gnt 8 Mu VVm 17-ri Eine der Streuebinse ähnliche Pflanze und im Wert dieser gleich, aber selten. 65 gering 8 Mu VVm 17—n Auf den meistenStreuewicsen sehr gemein; auch anSecufern. 66 gering 8 Mu IV m 17—n Kommt hie und da aus Riedwiescn, an quelligen Orten rc. vor. Wie vorige. 67 minim 8 Slin li- — 17 Alpenpflanze (Weiden und Hcubergc). 68 minim 8 Mu (Win) 17—ii Stellt sich gerne an schwach bereisten Stellen ein. Nasse Feldwege, Straßengräben. 69 Mittel 8 VVm ii — VV Vereinzelt an Sumpfgräben, Tümpeln, Torflöchern rc.; 88 durch Zugvögel aus Italien eingeschleppt. 70 gut Mu (VVm) 17— n S. Beschreibung Nr. 12. 71 Mittel 8 (VIin)(VVm)IIiu 17—u Selten aus Moorwiesen (Einsiedeln und Wallis). 5 34 § Dauer Wuchsform WlichsIMe o L Warnen öev HWanzenarten D einjährig O zweijährig 2s mehrjährig ^ horstbildend isd-.lh unterirdisch oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Halme in Centimeter Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebe in Centimeter 72 Gcruchgras . . . . ^ntboxsutlmm ocloi'gtum ll. 2s 30—50 10—20 73 Rotgelb. Fuchsschwanz /Uopoeurus lulvus 8m. . . 2s 10—20 0—5 74 Getuteter Fuchsschwanz ^1op6imru8 gsnieiüatns k. . 2s 10—20 0—5 75 Hundsstraußgras . . ^grostis esnins ll. . . . 2s 20—30 0—5 76 Weißes Straußgras . ^grostig slbs ll. 2s 30-70 10—20 77 Gemeines Straußgras ^gro8ti8 vulgari8 5Vilb. . 2s 30—50 10 — 20 78 Spitzreitgras . . . 6atgmggrc>8li8 Ignosolaw kolb. 2s 60 — 150 30-40 79 Uferreitgras. . . . 0glgmggr«^8ti8 litoroa Dac. . 2s 30-150 30—40 80 Hügelrohr . . . . (ÄlginagroMm achg6io8 Kolli. 2s 120—160 30—40 81 Gemeines Schilfrohr. eoinmrmi« l r. 2s 200 70 — 120 82 Rasenschmiele . . . Il68eÜ3MP8ig 6M8pjtN83 K63UV. 2s 50—120 20—40 83 Wolliges Honiggras . Uolcu8 l3N3tU8 k. 2s 40—70 20—40 84 Weichhafer .... -l.V6N3 pub6806N8 I1ncl8. . . 2s L 60—100 10 85 Liegender Dreizahn . vgulllonia Ii8 Klomorstg k. . . 2s 80—120 30—50 96 Rotschwingel . . . k68l)M3 rabi'3 ll. 2s 60-80 10—30 97 Schafschwingel. . . K68lu63 0vil)3 ll. 2s 40—60 10—20 98 Wiesenschwingel . . k68l)I03 PI'Sl6NSi8 Uuc>8. . . 2s 60-90 20—30 99 Rohrschwingel . . . 1^681,M3 3I'UNciiN3663 8eI)I'6b. 2s 90—120 30—50 100 Aufrechte Trespe . . kromus 606LÜI8 Kuä8. . . 2s 60 — 80 20-30 101 Gefiederte Zwenke. . Lrgebnioclium pinnglum K.Lr. 2s 50—70 15—25 102 Borstgras .... IXarüus stniew . 4. Familie: Froschlöffelgewächse - 2s 10—30 10 103 Gemeiner Froschlöffel. Msma klsnüigo ll. . . . 5. Familie . Dreizackgewächse — 2s -t. 60—100 20—30 104 Blumensimse . . . 8oll6uob7.6ri3 Pglu8ll'i8 k. 2s 15—20 10—15 105 Sumpfdreizack . . . Irigloollin palustra ll. . . 6. Familie: Nohrkolbengewächse — r.v i»iirrev«n. 2s 20—40 15—25 106 Breitblättr. Rohrkolben Ixi)b3 I3ti1ol)3 ll. . . > . L 100—150 35 Nummer der Art Ertrag Ztrrucmrt Standort Leiarrkuitgen 88 —vorzügliche Streuepflanze 8 —gute Strene- Pflanze 8 — minderwertig! » Bodenart Wm — Wiesenmoor IIm ^ Hochmoor Älin — mineralischer Boden Feuchtigkeit rv —^ im Wasser u — naß ii — feucht kr^ frisch tr — trocken 72 gering 8 Hin Wm (II m) te - ll Begleitet die meisten Riedwiesen, sofern sienichtzu nah sind. 73 gering 8 VHn IVin n — W Kommt an nassen Stellen in Gräben und flutend auch im Wasser vor. 74 gering 8 Vlin Wm sllin) n - W Wie vorige Art, aber seltener. 75 gering ii Vlin Win Um tr-le-n Spielt auf Torsauslegeplätzen bei der Torfbildung eine wichtige Rolle. Auf Streuewicsen ein Unkraut. 76 gering 8 Riii IVm (Um) tr — w Bcgleitpflanze vieler Riedwiesen. 77 gering 8 VIin (Wm) te — n Wie vorige. 78 z- gut 8 VIin Wni 1r — n Auf manchen Streuewiesen kleine Bestände bildend. 79 z- gut 8 Nin 0- — n An Ufern und in Schlammland; in Kies und Sand. 80 z. gut 8 Vlin tr — te Bildet in Holzschlägen, anUfcrn, in Gebüschen oftBeständc. 81 gut 8 8 v Mu (Wm)(llm) n — W S. Beschreibung Nr. 13. 82 gering 8 Nin (Wm) te — n Begleitpflanze vieler Ricdwicsen. 83 gering 8 Vlin Wm (Um) te — lt Ebenso. 84 gering 8 Vlin Win (llm) te — te Begleitpflanze trockener Bestände. 85 gering 8 v Vlin Wm (llm) te — tt Hie und da auf mageren Ried- und Bcrgwicsen; oft bestandbildcnd. 86 gering 8 Vlin Win (IIm) te — n Findet sich auf den meisten Ricdwiescn. 87 gering 8 Vlin Win (llm) te — tt Bildet hie und da einen untergeordneten Bestandteil der Streuewiesen. 88 gering Vlin Wm (Um) tt — n Gefürchtetes Unkraut fetter Streuewiesen. 89 mittet Vlin (Wm) lt— n Kommt da und dort an feuchten Usern vor. 9» gut 88 Vlin tt — W S. Beschreibung Nr. 14. 91 mittet 8 Vlin iWm) tt—W Sowohl in Torsgräben, in Weihern und Tümpeln; häufig auch im Wasser. 92 gering 8 Vlin (Wm) tt—n(W) Häufig in Straßengräben. 93 gering 8 Vlin(Wm)(tlm) tt— n Findet sich hie und da an Gräben, an Ufern rc. 94 gut 88 Vlin Win Um te — lt S. Beschreibung Nr. 15. 95 mittet 8 Vlin Win llm te - tt Häufige Begleitpflanze der Bcsenriedwicse und verwandter Bestünde. 96 gering 8 Vlin Win (llm) te — n Gemein auf Riedwiesen; oft bestandbildcnd. 97 gering 8 Vlin Wm (llm) te — te Findet sich hie und da in trockeneren Streuewiesen. 98 mittet 8 Vlin (Wm llm) te — n Kommt aufbesseren Streuewiesen oft als Begleitpflanze vor. 99 gut 8 Vlin (Wm llm) 0' — n An Flußufern und auf Auewiesen. 100 gering 8 Vlin Wm te — te Begleitpflanze in trockenen Streuewiesen. 101 mittet 8 Vlin Wm te — te Tritt auf trockeneren Streuewiesen mit lockerem Boden oft bestandbildcnd auf. 102 minim 8 v Vlin Win llm te — te Auf Hochmoor und in alpinen Beständen oft herrschend: un Tieflande ausschließlich auf Wiesenmoor. 103 gering 8 Vlin Win lt - W In Torfstichen, Gräben rc., sich oft dem Rohrkolben und Igelkolben beimengend. 104 gering 8 (Win) Um tt — W In den Kolken der Juramoore häufig. 105 gering 8 Vlin Wni te — te In Riedwiesen bis hoch in die Alpen. 106 mittet 8 (Vlin) Win Hin n —W In Tümpeln, Torflöchern auf Schlamm häufig. 36 § Dauer Wnchssorm Wuchshöhe r-» 8 L -! Warnen öev WfLanzenarten (D einjährig 6> zweijährig 2s mehrjährig horstbildend unterirdisch ^^oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Stengel in Centimeter Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebe in Centimeter 107 Schmalbl. Rohrkolben IMm 3uzm8tikoii3 4. . . . 2s' 150—200 — 108 Kleiner Rohrkolben . IZpba Minima 11opi>. . . 2s 40—60 — 109 Aestiger Igelkolben . ZpgrZsniuw ramomm Hu68. 2s 50-80 — 110 Einfacher Igelkolben . 8pgrg3nium siwplsx Uocl« . 7. Familie. Arongewächse — ^rviNvvu. 2s 30—40 111 Kalmus.^ooru8 e3i3wu8 4. . . . 8 Familie. Knabenkräuter — Orvian««,,. 2s 60—100 50—100 112 Elemeines Knabenkraut Orebi8 murio 4. 2s 10—15 — 113 Geflecktes Knabenkraut Oreb'm maeuiata I.. ... 2s 25—40 — 114 Breitbl. Knabenkrallt . 0rebi8 ialilolia 4. 2s 20—30 — 115 Fleischf. Knabenkraut . 0rein8 inosrnat» 4. . . . 2s 25-40 — 116 Sumpfwurz . . . Ichnpaclw MlnMrm Oilr. . . 2s 20—30 — 117 Eirundes Zweiblatt . 4i8l6i3 ovata li. lir. . . . 9. Familie: Schwertliliengewächse — ii-iÄe«». 2s 30-40 118 Sibirische Schwertlilie Irw 8ibiric3 I.. 2s 60—80 60-80 119 Sumpfschwertlilie . . trw ii86ucIgc:orn8 4. . . . 10. Familie: Narzissengewächse ^ni»r^mn«vn. 2s 80—100 80—100 120 Weiße ^Narzisse . . ^3roi88U8 poäticu8 4.. . . 11. Familie: Lilienartige Gewächse Liiir»«v«n. 2s 40—50 40—50 121 Schnittlauch . . . ^Ilium Kebnmopramim 4. . 2s 20—30 20—30 122 Scharfkaittiger Lauch . /111mm gcutangnium 8ebi'3ci. 2s 30—40 20—30 123 Rotgelbc Taglilie . . Ilammmegliw kulva 4. . . 12. Familie: Zeitlosengewächse — Q«lvlii»«eeu. 2s 80—100 50—70 124 Herbstzeitlose . . . Loletnimm autumnaia 4. . . 2s 10—15 30—40 125 Weißer Germer . . Varalrum 3>bum 4. . . . 2s 60—100 20—40 126 Kelchige Lilieusimfe . lolllsläig c3>)'6u>3l3 VVgUInb. 13. Familie: Bärlappgewächse — Lzv«p«Ni»««vu. 2s 20—30 5 —10 127 Überschw. Ntvvsfarn . 4zwopo«tium inunäatum 4. . 14. Familie: Schachtelhalme — L«iui8ei»v«vi». 2s 2—5 128 Sumpfschachtclhalm . biguwatmn Muslim 4. . . 2s 30—60 30-60 129 Schlammschachtelhalm Lguisslum limosum 4. . . 15. Familie: Natterzungen — Opiii«8i«88««». 2s 80—100 80—100 130 Gemeine Natterzunge. Optnoglossum vuIZatuw 4. . 16. Familie: Tüpfelfarne — 2s 10—20 131 Adlerfarn .... pwrm aguiiina 4. 2s 60—150 37 Q S Ertrag Strrurwert Standort 88 — vorzügliche Streuepflanze ^ 8 —gute Streuepflanze , s — minderwertig § I> s Bod enart —Wiesenmoor Hiu-- Hochmoor Eu — mineralischer Boden. Feuchtigkeit rv---im Wasser n —naß tt'— feucht frisch 107 Mittel 8 Mir VVm n — vv 108 gering 8 Uin Win n — vv 109 Mittel 8 Uin VVm n — VV 110 gering 8 Mir VVm n - VV 111 z- gut 8 U, ii VVm Um n — VV 112 -. li Vlin VVm 11— n 113 — li Uin VVm (Um) 1,- — 11 114 — v Ujn VVm Um 11 - n 115 — u Uin VVm Um 11— n 110 — ii Uin VVm 11—n 117 — ii Uin VVm 1r — n 118 gering ii Uin VVm 11 — n 119 gering ii 8 Uin VVm Um 11—n(VV) 120 — v Uin lr — H 121 — v Hin Win 11 - n 122 — ii VIin VVm 11 — n 123 gering 8 ii Uin (VVm) 14 — n 124 — v 8 Uin lr —11 125 gering ii 8 VIm VVm (Um) 14 - 11 126 gering ii Vlin VVm (Uin) li- — 11 127 — ii " 128 gering ii Uin Win Um 11— VV 129 gering 8 ii Vlin VVm Um 11— VV 130 — v Uin lr- 11 131 z- gut 8 Uin (VVm) lr- 11 K cmerKuiigeii Meist an Flüssen, aber seltener als vorige, vornehmlich im Wallis. In Sümpfen, an Ufern, hie und da. 1 Beide Igelkolben bilden oft ausgedehnte Vcrlandungs- ? bestände an Ufern, Bächen, Seen ec. Die erstere Art 1 ist die häufigere. Diese aus dem Orient stammende, zu Arzncizmecken eingeführte Pflanze ist vielfach verwildert und bildet oft Bestände. Diese auf feuchten, mageren Futtcrwiescn und in Riedwiesen vereinzelt vorkommenden Gewächse find uichts- würdige Platzräubcr, die als Streue keinen Wert haben. Kommt besonders auf Bosenriedwicsen als Frühlingspflanze vor. Hie und da in Bcscnricd- und Schilfwiescn. Besonders dort, wo Streuetristen überwintert haben. Kommt vereinzelt in bessern Niedern vor. In Sumpfwiesen der Alpen häufig. Kommt öfters in Ried- und Spaltwiesen vor. Bildet in feuchten Ried- und Spaltwicsen hie und da Lokalbestäudc, kommt aber bei uns nur verwildert vor. Aus Sumpfwiesen oft massenhaft. Die Blätter sind aber zur Zeit der Ernte meist eingefault. Kommt öfters auf Strcuewicsen der Berg- und Alpen- region vor. Auf feuchten Bergwiescn häufig, fehlt aber auch in der Ebene nicht. Dieses kleine, dem Boden fest angcschmicgte Pflänzchen findet sich vorzugsweise auf schwingenden Wiesen. In sauren, mit Wasser getränkten Wiesen oft in Menge: auch in Teichen und Bächen. Bildet in Torflöchern und auf wässerigem, schwammigem Boden häufig Bestände. Kommt hie und da in feuchten Riedwiesen vor, auf tiefgründigem Aueboden. Fmdet sich häufig auf frischen und feuchten Bergwiesen, oft in Mischung mit dem Bescnried. Ergiebige Strcue- pflanze. 38 Warnen öer Wf^anzenarLen Dauer Wnchsform Wuchshöhe T einjährig G zweijährig 2f mehrjährig horstbildend unterirdisch oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Stengel in Centimeter Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebein Centimeter 132 Sumpfschildfarn . /Vsplälum Iksl^pl-sris 8vv. 21 20—40 133 134 135 17.Fam.: Hahuenfus?gewächseNr»i>,iit«uir» 8 b. . Kriechender Hahnenfuß 1lg,mnoulu8 rapans 1.. Sumpfdotterblume . baltlm nstustris b. Trollblume.... Iroilius «uropsous b. 2f 2f 2f 21 21 21 21 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 18. Familie: Kreuzblütler — ouvii«r«u. Echte Brunnenkrefse . Msturttum oMoiuala II. vr. Bitterkreffe .... bsk-tiswina amsr« b. . . . 19. Fam: Veilchenartige Gewächse Hundsveilchen . . . Viola oanina b. 20. Fam. : Sonnentaugewächse - Vr«8vrr»«eei». Rundbl. Sonnentau . I1ro8sra rotuuctilolia b. . . Langbl. Sonnentau . Drosei-s tanKikoim b. . . . Sumpfherzblatt . . karuassia palnstris b. . . 21. Familie: Kreuzkräuter — Bitterling .... OoFgata amarslla Lrsulr. 2. Fam.: Nelkengewächse— Prachtsnelke . . . Iliauttms 8ui)tzi'bu8 b. . . Tageslichtnelke . . . Ilnlsmiiuum 6iurnum broii. . Kuckuckslichtnelke . . I^otinm Üo8 ououli b. . . Knotiges Mastkraut . uocko8s kau/.!. . . . 23. Familie: Leingewächse — Lii»««». Purgirlein .... bin um ostbarttomu b. . . 24Fam.:Storchschnabelgewächse-6«i'i»ut»v«vii. Sumpfstorchschnabel . Esi-gnimn pgb!8tr6 b. . . 25. Familie: Schmetterlingsblütler. Gemeiner Schotenklee. bow8 coimi6ulslu8 b. . . . 21 21 21 21 21 21 G 21 21 21 01 G 21 21 60—100 20—50 30—50 50—80 10—20 20-30 30—60 30—40 30—40 20—50 5-10 5—10 10 — 30 0-i 20—40 50—70 40—60 5-10 15—20 40-60 5—10 10—15 5 10—20 20—30 10—20 39 Ertrag Strriirwert Standort Bodenart 'VVin — Wiesenmoor 8m---Hochmoor Lliu --- mineralischer Boven Feuchtigkeit rv -- im Wasser n ---- naß feucht kr- —frisch tr--trocken Kcmrrknngkn 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 .1- gut gering gering gering gering minim gering gering gering gering gering minim minim minim gering gering gering minim minim gering gering H,i Wm (!Im) Mir IVm Niu Wm Uin Wm Hin IV m Hin VVm lim Hin IV in 17 — n 17- 17- 17- 1r- 17 17 — ii — n — n u(W) — n — n Mn (Wm) ^ 17 - ll Hin IVm > 7r — n Iliii -17-ii (IV) Hin IVin (Hin) itlin Uin AI in Wm Um VVm Um Uiii Wm 1,- - n n — IV n — W 17 — n 17 —n 17 —„ 7 ,- — n AlmWm(»m) 17 — 17 Hin Win illin (Win) Hin Win Hin VVm 1 r — n kr —17 1r —17 7,-17 Uin Wm Hin ! sr — n Nin 7,- — 17 Nin Wm (Um) <7 — 17 Findet sich in der Besenriedwiese und im Snmpfspier- staudcn-Bestand oft in beträchtlicher Menge. An schattigen Orten, in feuchten Wiesen. Häufiger Begleiter der Riediviesen. Verbreitet auf feuchten, wässerigen Stellen der Berg- und Alpenregion. In schlammigen und moorigen Gräben. Gemein auf nassen Streucwiescn; in Sumpfgräben. Ist in grünem Zustande sehr giftig. Findet sich relativ selten in Grüben. Auf nassen Riedwiesen häufig. Begleitpflanze lückigcr Riedwiesen. Häufig auf feuchten Riedwiescn mit bewegtem Wasser, an Bächen und Rinnsalen. Auf feuchten Riediviesen besonders der Berg- und Alpcn- region häufig. Bewohnt kleine Rinnsale, Grüben, Quellen, Bäche, Teiche rc. An Quellen in qualligen Riediviesen rc. Auf Riediviesen sehr verbreitet, stets aber zurücktretend. Auf schwingenden Böden, auf nassem, niedrig bcrastcm Torfboden. Häufig auf frischen bis nassen Magcrwicscn. Diese schöne Pflanze findet sich zerstreut in Mooren und Riediviesen. Häufig aus frischen bis feuchten, etwas schattigen Futter- und Streucwicsen. Gemein auf feuchten Wiesen, an Grüben, in Gebüschen, aus Mooren rc. Kommt hin und wieder aus Torfboden vor. Dieses kleine Pflünzchcn fehlt fast keiner Ricdwicse. Ein seltener Bestandteil der Riedwiesen; häufig in Hecken Häufig auf Riediviesen (gutes Futterkraut). Nummer der Art ^ Dauer Wuchsform Wuchshöhe Warnen öev WfLanzenartLen T einjährig 6> zweijährig 9s mehrjährig «^> horstbildend unterirdisch ^^oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Stengel in Centimeter Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebe in Centimeter 157 Sumpfschotenklee . . lmtus u>>8m»8U8 8cwk. . . 2s 30—60 15—25 158 Spargelerbse . . . ItztraZonoIotms mliguosus Mu 2s 5—10 5—10 159 Vogelwicke .... Viel» eraeoa b. 2s 30—50 20-30 160 Zaunwicke .... View 86pium b. 2s 30—40 20—30 161 Sumpfplattcrbse . . balbMis pslu8ti-i8 b.. . . 2s 30—40 20 — 30 162 Wiesenplatterbse . . pi-gt6N8i8 I.. . . 2s 30—50 20—30 163 Gelber Honigklee . . Z1slilotu8 oklieinslw 1 ) 680 . 26. Familie. Spierstandenartige Gewächse. S 50-100 164 Sumpfspierstaude . . Schi-ma vlmgria b. ... 27. Familie: Rosenblütler — ««8»ve«n. 2s 50—100 10—20 165 Bachnclkemvurz . . 6aum rivsla I.. ich 30—60 15—30 166 Sumpfblutauge . . Lvmsrnm pslcmtra b. . . . 2s 20—40 15—25 167 Tormentill .... polantitla lormantillg tlaclc. 2s 20—30 16—20 168 Roter Wieseuknopf . 8gnKui8ord3 oMcinsIis b. 28. Familie: Weidenröschenartige Gewächse. vor»8r»rt««n. 2s 60—80 20—30 169 Zottiges Weidenröschen lchnlabtum tursutum I.. . . 2s 60—80 20-40 170 Sumpfweidenröschen . kpilobium patu8tr6 I.. . . 29.Fam.: Weiderichart. Gewächse- 2s 30—60 15—30 171 Gemeiner Weiderich . s.xlbrum 8glwm'ik> I.. . . . 30. Familie: Schirmblütler — 2s 50—120 172 Wasserschierling . . Liouts vwo83 I.. 2s 60—100 20—30 173 Sumpseppich . . . Hsrnlg sn8N8likoti3 Koeb. 2s 30—60 20—30 174 SilllU .8Ü3U8 prSt6N8i8 11638. . . 2s 50—80 10—20 175 Silge . 8stinum carvikotium I.. . . 2s 50—80 10—20 176 Riedröhre .... ^iiKsIioa 8xlv68tri8 l^. . . 2s 80 — 200 30—50 177 Sumpfhaarstrang . . ?6iw6cigimw pslu8tre Mnwi. 31. Fam. . Sternblättrige Gewächse steilst«,,. 2s -t. 60—100 30—40 178 Morastlabkraut. . . 6glium uHginoLnm I.. . . 2s 10-20 — 179 Sumpflabkraut. . . kglinm p3>u8ti-s b. ... 2s 30—60 — 180 Nordisches Labkraut . lWbiim borasla l. . 32. Familie: Baldriangewächse-Vi»ieri»n«<;ii. 2s 30-50 181 Gebräuchlicher Baldrian V3t6ri3N3 o1ltcin3li8 b. . . 60—150 3—5 182 Zweihäusiger Baldrian Valsrisns «1 ioica I.. . . . 33. Familie: Kardengewächse — D»p8»v«en. 2s 20-30 5—10 183 Teufelsabbiß . . . 8ueoi8s prstansis üloneU. 2s 50—80 5—10 41 Nummer der Art , Ertrag Streucwert Standort 8 —gute «streue- I pflanze s —minderwertig n — Unkraut Bod enart >,Vm —Wiesenmoor Um —Hochmoor LIin — mineralischer Boden. Feuchtigkeit cv —im Wasser n — naß l5 --- feucht lr -- frisch tr — trocken 157 gering 8 u Mn VVm tu — n 158 gering tl Hin (VVm) 1r — n 159 gering v Mn VVm 1,—lk 160 gering 11 Mn (VVm) 11 —11 161 gering 11 (VUn) Win 11—n 162 gering 11 Will VVm 1e — n 163 gering 11 Mn (VVm) ti—11 164 Mittel 11 M» 1>- — n 165 gering 11 Mir 1, — n 166 gering 11 VVm Um n — vv 167 gering 8 11 VIin VVm Um tr— n 168 gering 11 Mn 1,-11 169 gering 11 Mn (VVm) 1>- —11 170 gering 11 Mir VVm Um 1, — n 171 gering 11 Mn Win Um 1,- — H 172 gering 11 Mn (Um) 11— n 173 gering 11 Mn (VVm) n — VV 174 gering 11 Niii 1,- — 11 175 gering 11 AI in VVm Um H— n 176 gering 11 Mn VVm 11 — n 177 gering 11 Mn VVm Um 6— n 178 minim 11 Vlin Win Um 11— n 179 mininl 11 VIin W ill Um H—n 180 minim 11 Mn U—n 181 gering 11 AI in VVm 1r— n 182 gering 11 Mn W'm (Um) U - n 183 gering 11 Mn Wn> Um 11—n K e mc r lrungen Kommt öfters in den bessern Streuewiesen vor (gutes Futterkraut). Findet sich aus feuchten, salzhaltigen Wiesen, an Flußufern rc. ( Beide Wicken kommen auf guten Streuewiesen öfters ^ als Unkraut vor. Kommt da und dort auf Sumpfwiesen vor. Häufiger Begleiter der Riedwicsen. Tritt besonders gern auf Riedwicsen auf, wenn sie mit phosphorsaurem und kalkreichcm Düngmittel gedüngt werden. Gemeines Unkraut, auf reichen Streuewiesen oft bestand- bildend. Häufig an Bächen, Gräben und nassen Wiesen. In den Kolken der Hochmoore häufig, dann aber auch an wäßrigen Stellen der Wiesenmoore. Fehlt fast keiner Riedwiese. Auf feuchten und nassen Wiesen verbreitet. I Beide Arten sind an Torflöchern, Gräben und Ufer- ( gebüsch verbreitet. Häufig auf Riedwiesen. Ziemlich selten in Gräben, an Teichen, Fluß- und Seeufern. An Sumpfgräben rc. Auf frischen und feuchten Wiesen vereinzelt. Gemein auf Sumpfwiesen besonders in Besenricdbeständen. Ein gemeines Unkraut in schattigen Spaltwiesen. Aus Sumpfwiesen sehr verbreitet; oft bestandbildend. 1 Finden sich meist in geringeren Prozentsätzen in Ried- wiesen. Bildet hie und da zusammenhängende Lokalbestände. Diese beim Volke beliebte Heilpflanze findet sich zerstreut auf Streuewiesen. Nicht selten aus nassen Wiesen. Ist eines der gemeinsten Unkräuter der Riedwiesen. 6 42 Dauer Muchsform Wuchshöhe 3 s: Warnen öer Wflanzenarten T einjährig G zweijährig ilf mehrjährig L horstbildend unterirdisch oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Halme in Centimetcr Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebe in Centimeter 184 34. Familie: Korbblütler — Wasserdosten . . . LuMoruiin esnngbinum l^. . 80—150 20—30 185 Gemeine Pestilenzwurz ?6l38it68 ollleinalis Älüneb. . 20—40 15—20 186 Weidmblättriger Alant Innig sslieina I.. 30-60 20—40 187 Späte Goldrute . . 8oIiä3Zo sarotins ^it. . . 2i 60—100 30—40 188 Dreiteiliger Zweizahn . Liäans tripartits !>.... G 30—50 — 189 Ruhr-Flohkraut . . p»Iiesris ä^santsries 6ärtn. . 2j 30-40 10—20 190 Sumpf-Schafgarbe . ^elülles ptsrmios 1.. . . . 2i 30—50 10—20 191 Wasserkreuzkraut . . Ssnseio ggustieus Iluäs. . . G 30—50 5 — 10 192 Sumpfkreuzkraut . . Sanaeio p3luäv8N8 1.. . . -d -b 80—100 10—30 193 Sumpfpippau . . . tlrtzpis pslucloss Llöncb . . 30—50 5—10 194 Kroulattich .... VVillsmstialüarsewillssIIIonn. 20—30 5—10 195 Sumpfkratzdistel . . tlirmmn palustra 8oop. . . S 50-120 5—10 196 Bachkratzdistel . . . Lirsimn rivulgrs I^k. . . . 2j 50—80 10—20 197 Kohldistcl .... Oirsium olarsoauw 8eop. 60—80 20-30 198 Färberscharte . . . 86rrgtul3 tinetoris b... . . 30—60 20-30 199 Wiesenstockenblume . Laulsursa Iseos 1^. . . . 2j L 30—60 15—20 200 Gemeines Biilchkraut. imonkollon IiispiäuL II. . . 2f L, 20—30 5—10 201 Sumpflöwenzahn . . 'I'3>3X3eump3luäo8uiu8ol6seItt. L 5—10 5—10 202 35. Familie: Enziattgewächse — «eiiti»uv«n Fieberklee .... >l6nxgntl»68 trikolistg I.. . . 10—20 10—15 203 Sweertie .... 8vv66rlia xarannm . . . 2f 20—40 5—10 204 Lungeu-Enzian . . Ksulmim knaumongntlia I.. . 20-40 10—30 205 36. Familie: Boretschgewächse — Sumpfvergißmeinnicht M^o8oli8 si3lu8li-i8 ^Vitli.. . 2f 5—40 5-10 206 Gemeine Wallwurz . 8^mp1>xlum ollleiuala l-. . . 30—60 20—30 207 37.Fam: Windengewächse—V«»v«ivr»i»vv«n. Zaunwinde .... Lonvalvubm 86pium I-. . . 2j -d ^ 60—150 — 208 38. Familie : Skrofelkräuter — 8vr«»l»i»rlue«n. Gottesgnadenkraut . llrglioia oll!e>ngli8 1^. . . . 10-20 — 209 Bachbunge .... Vaeoniog Laeeabun^s I-. - - 2f 20—40 — 210 Kleiner Klappertopf . Mungntbim minor läuäi. T 20—30 '— 211 Behaarter Klappertopf IlbinZntluw tur8ulu8 bam. . O 30—50 — / 212 Sumpfläusekraut . . ?6äienl3ri8 p3lu8ln8 l.. . . S 30—50 — 213 Gemeiner Augentrost. Luplirama bllleinalis auet. . O »ö> 10—20 — 43 L s Ertrag Strruemrt Standort Bodenart >Vm -m Wielenmoor 8m—-Hochmoor Llin — mineralischer Boden 184 gering 185 186 187 gering gering gering 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 gering gering gering gering gering gering gering gering gering gering gering gering 200 gering 201 gering 11 11 11 II II 11 II 11 11 11 11 11 11 11 11 11 II 11 U 1 » Uin > 14 » iWm) M» Alt» »in Wm AI» M» Wm »in Win (llw) M» Win .»In Wm Hin Nin Win Iliu Win Hin >Iin »in Win »in Win »in Wm Um »in Win j l Feuch- tigkeit >V^im emerkungen Wasser n naß tt' — feucht kr -- frisch 1,1- — trocken 11— n 1r — n H — n 1r — n H—n 1 i- - 11 1,- — H 1 ,- —H 1r— n kr — n 11— n 11 - n H—i> !r — n Gemein an Gräben und Ufern, im Gebüsch und in lang- halmigen Riedwiesen an überrieselten Stellen. An Bachufern mit unterirdischen Wasserzügen häufig. Ein gefürchtctes Unkraut vieler Besenriedwiesen. Tritt an einzelnen Stellen verheerend als Unkraut in den Riedwiesen auf. An nassen Stellen der Streuewiesen hie und da. Häufig in nährstoffreichen Riedwiesen. Findet sich hie und da in Riedwiescn. ^ Kommen mehr nur vereinzelt auf Streuewiesen vor. Eine sehr verbreitete Pflanze auf nassen Wiesen. Ersetzt die vorige Art in hohen Lagen im Gebirge. Alle drei Arten sind aus feuchten und nassen Strcue- wiesen sehr häufig. H— ii tr — H li- — 11 ii Auf feuchten Riedwiesen. Verbreitet auf Riedwiescn, besonders häufig aber in Besenriedwiesen. Findet sich als untergeordneter Bestandteil auf den meisten Riedwicsen. Auf Sumpf- und Moorwiescn verbreitet. 202 203 204 gering gering gering II II II »in Wm Um AI» Wm Um »in Wm il-n-W n 1 r — ii Auf nassem, schlammigem Boden und in seichten Tümpeln häufig. Vereinzelt in den Sumpfbeständen der Berg- und Alpcn- region, namentlich im Flyschgebietc. In vereinzelten Stöcken mit Riedwiesen häufig. 205 gering 206 gering 11 11 11 iu Wm M» (Wm) ii — W 1r — ii Häufige, aber untergeordnete Begleitpflanze feuchter Wiesen. Auf nassen Wiesen und an Bachufern. 207 11 »in 1 r — ii In der hohen Streue oft als Unkraut, namentlich im Röhricht. 208 gering 209 gering 210 — 211 — 212 gering 213 minlin »in Wm M» (Wm) UillWin (Um) »in Wm (Um) »in Wm Um 11 »iu >V»i Um 11 —n n — w II —ii 1e — n 11 —n kr — n Siedelt sich gerne im Schlamme der Sumpfwiesen und auf Wiesemnooren an. Häufig im Schlamme, an Gräben und Bächen. I Gemeine Unkrautpflanzen auf Ricdwiesen. Die Körner sind giftig; sie enthalten ein Glukosid, das Rhinanthin. I (Halbschmarotzer.) Sehr schädliche Unkrautpflanze aus tiefgelegenen und bewässerten Spaltwiesen (Halbschmarotzer). Verursacht Blutharnen. Ein kleiner Halbschmarotzer der Riedwiesen. 44 § Dauer Wuchsform Wuchshöhk r-» § Z Warnen öerr WflanzenavLen (D einjährig G zweijährig 2 mehrjährig ^ horstbildend unterirdisch ^^oberirdisch kriechend Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Stengel in Centimeter Mittlere Höhe d. ausgewachsenen Laubtriebe in Centimeter 214 39. Familie: Lippenblütler — L»t»ir»tvu. Wasser-Münze . . . illanlks sguslios I.. . . . 2 30—50 215 Wald-Münze . . . Kaulbs ^Ivaslris b. . . . 2 40—70 — 216 Bnsch-Münze . . . illsnlbs namorass >ViIIä. 2 40—60 —- 217 Onirlblütige Münze . Ilantlrs varlioillsts I.. . . 2 30—40 — 218 Wolfsfuß .... 1^e»M8 SUI'OPNUS 1^. 2 30—60 — 219 Feld-Thymian . . . Ib^imm oltsnnncirxs kr. . . fl 5 — 15 5—10 220 Snmpfziest .... Stsobxs pslustris I.. . . . 2 50—80 — 221 ldemeine Betonie . . Lalonies v111einsii8 1>. . . 2 30—40 5—10 222 40. Fam.: Fettkrautgewächse — Lv»ttt»iii»rteii. GemeinesSchmeerkrant pinguicuis vuIZsi-is b>. . . 2 L 5 10 5) 228 41. Familie: Primelgewächse — I»riiniii»«eeu. Gemeiner Friedlos . bMinsolng volKgris 1^. . . 2 50—100 224 Mehlprimel. . . . piimuls ksrnums 1.. . . . 2 5—10 — 225 Hohe Primel . . . Pennals alslic»' I.. ... 2 10—20 — 226 42. Familie: Knöterichgewächse — Kleiner Ampfer . . Ilumex .4eM»8o!!s ü. . 2 10—20 227 Sauerampfer . . ' Ilamax ^esloss b>. . . . 2 50—100 10—20 228 Flnßampfer . . . Ilumax H^ürolspstbam 11a68. 2. 80 — 120 30—50 229 Schafzunge.... polxgonuin Listoils I.. . . 2 50—80 20—40 230 43. Familie. Heidekrautartige Gewächse. Liloiii««». Gemeines Heidekraut . llslluns vulgseis Sslisk. . . L 10—50 231 Fleischfarbige Heide . büies osrnas . ii L 10—30 — 232 Poleiblatt .... .1a2 .s> > Bod en art 8 Ertrag K « L 3 — Wiesenmoor 6 L rr ZL !> Z ü !I 8ru — Hochmoor vlin — mineralischer Boven 214 215 216 217 218 219 220 221 gering gering gering gering gering gering gering gering II II II II II II II II Uiu Mn Uiu II in IV i» Vlin IVni (Um) Nin IVm II i n VVm Hin IV in Feuchtigkeit V -- im emrrknngen Wasser n — naß ik — feucht Ir -- frisch tr — trocken n — IV Ir— n 17— n Häufige Begleiter der Riedwiesen. Sie verleihen der Streue einen widrigen, süßlicharomatischcn Geruch und Geschmack. Ir — n 17—n tr — Ir n Auf Torf- und Sumpfwiesen ein gemeines Unkraut. Begleitpflanzo der trockeneren Moorwicscn. In hoher, schlechter Streue häufig. Ir —17 Auf trockeneren Riedwiesen verbreitet. 222 II Uiu IVin Um n Charakteristische Sumpfpflanze des niedrigen Rasens und auf dem Moosteppich. 223 gering 224 — 225 miniin II II II Uiu VVm Vlin VVm (Um) Uiu VVm 17— n 17—n 7r — n Auf Riedwiesen, in Gebüschen, an Ufern verbreitet. Verleiht vielen Riedwiesen im Frühling durch das Rosa ihrer Blüten eine herrliche Farbenpracht. Ist ebenfalls eine Frühlingspflanze feuchter Wiesen. 226 227 228 gering gering gering 229 gering II II II II VIin VVm IIm Kill VVm Um Uiu VVm Uiu VVm Ir — n Ir — n 17-n Ir — ii Häufig an kahlen oder halbkahlen Stellen auf Torf. Gemein auf feuchten Wiesen. Diese stattliche Pflanze findet sich zerstreut in Torflöchern und Graben. Kommt hie und da in feuchten Streucwicsen vor. 230 231 232 gering gering gering 8 II 8 II 8 II VVm Hui Vlin VVm Um Um ir —17 Ir— 17 17—n Häufig an den höchsten, trockenen Stellen der Hochmoore, auf Heiden, mageren Weiden und in Wäldern. Findet sich vorzugsweise in der Bergregion im Gebüsch und im Gras der mageren Alpwiesen. In Hochmooren. 233 gering 234 gering 8 II 8 II (VVm) Um Um 17 — >i In Hochmooren. 17— i> In Hochmooren und auf den Alpen in den Alpcnroscn- und Heidelbcerbeständen. 235 236 II II II »I Uiu VVm Um 17 — n In Hochmooren; eine arktische Pflanze. Ir — n Häufiger Strauch der Moor- und Sumpfwiesen. 237 II Vlin VVm Um Ir — it Es treten eine ganze große Anzahl Weiden auf den Streuewiesen auf. 46 Unterscheidungsmerkmale von den Süßgräsern (Keainineeu). Wurzel. Halm. Knotenstellen. liehen Organe: Wurzeln, Seitentriebe, Blatter, Rispenäste, Spelzen und Blüten. Diese Ausschlagsfähigkeit der Knotenstellen wird benutzt, um die Pflanzen zu vermehren. Pflanzt man einige Knoten eines ausdauernden Riedgrases ein, so kann man daraus mit Leichtigkeit eine neue Pflanze erziehen. Seitentriebe. Lebensdauer Wuchsformen. Die Aiedgmser. (6^p6rN666N.) Die Riedgräser (Sauergräser) sind grasartige, meist ausdauernde Blutenpflanzen. Von den echten oder Süßgräsern unterscheiden sie sich im Habitus durch die meist dreizeilige Anordnung der Blätter. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal bietet die Frucht. Während bei den Gräsern der Keimling mittelst des Schildchens außen dem Nährgewebe anliegt, ist bei den Riedgräsern der Keimling umgewendet im Nährgewebe eingeschlossen. (Fig. 3.) Wuchs und Entwickelung. Das Wurzelshstem der Riedgräser wird durch eine Anzahl gleichwertiger Nebenwurzeln gebildet. Ane Keimling entwickelt sich zwar eine Pfahlwurzel; sie stirbt aber frühzeitig ab und aus den Knoten entwickeln sich eine größere Zahl gleichwertiger Nebenwurzeln. Der Stengel der Riedgräser, Halm genannt, ist in wenigen Fällen hohl. Meistens ist er mit Mark oder von einem Gitterwerk von Parenchhm- stäben mit zwischenliegenden, großen Luftkanälen erfüllt. Im Querschnitt ist der Halm bei den meisten Riedgräsern dreikantig und mir bei wenigen kreisrund. Wo am Halme Blätter entspringen, befindet sich eine Querwand im Halin. Eine knotige Anschwellung, wie sie beim Knoten der echten Gräser vorkommt, fehlt meistens. An diesen Knotenstellen entwickeln sich alle seit- Mg Z Längsschnitt durch die Frucht der Seebinse (Lcirpus Iseustrik ll.). o. Hartschicht, b. Kleberschicht, c. Mehlkörper (bluäospormj, ä. Keimling (umschlossen von Mehl- Jn den Knotenstellen vereinigen sich die Leitb ündel, die den Saftverkehr körper und Kleberschicht!), o.Keim- in der Pflanze vermitteln, zu einem förmlichen Netzwerk, während sie in den Jnternodien und Blättern parallel laufen. Unmittelbar über diesen Querwänden befindet sich die wachstums- fähige Partie des Halmes und der Blattscheide. Die Seitentriebe entstehen, wie schon oben angegeben, immer am Knoten. Es sind entweder Be- stockungs triebe (Laubtriebe, Erneuerungstriebe, sterile Triebe) oder Blutenstands triebe. Die ersteren entstehen an der Basis des Halmes und erzeugen Blätter; die letzteren sind die Verzweigungen des Halmes im Blutenstände. Die meisten Cyperaceen sind mehrjährige Pflanzen. Sie überdauern den Winter mittelst des Wurzelstockcs oder Rhizoms. Während bei den einjährigen alle Triebe im Laufe des Jahres Blüten erzeugen, entstehen aus den Knospen des Wurzelstockes der mehrjährigen Laubtriebe (Innovationen), die das folgende Jahr Blüten entwickeln. Ein- und zweijährige Riedgräser sind ziemlich selten (ick6i60e1iui'i8 ovutu, I^6i'686lni und ueieu1llri8; 0^p6im8 Üav6866il8 und t'n8eus; INmdri8t^1i8; 8eii'pu8 8npiuu8 und 86tue6U8.) Nach dein Wuchs kann man zwei Typen unterscheiden, die nicht scharf voneinander zu trennen sind: h orstbild ende und Ausläufer treibende Riedgräser. Wenn eine Knospe an einer Knotenstelle sich entwickelt, so können zwei Fälle eintreten. Entweder durchbricht sie die umhüllenden, alten Mattscheiben: der Trieb ist extravaginal (durchbrechend); oder der junge Trieb wächst zwischen Halm und innerster Mattscheibe in die Höhe: der Trieb ist intravaginal (Hinscheidet). Indessen gibt es zwischen diesen beiden Entwickelungsarten Übergangsformen. Wenn die Blattscheiden zart sind und rasch verwittern, so durchbricht. die Knospe das eine Mal die Scheiden, ein anderes Mal wird die verwitterte Scheide nur bei Seite geschoben.. Auch nach dem Erhaltungszustand der Scheiden gibt es Unterschiede. So z. B. bildet das scheidige Wollgras, wenn es im Hochmoor wächst, größenteils umscheidcte Triebe. Die Scheiden bleiben da lange erhalten und sind zähe. In unserm hiesigen Versuchsfelde, wo die Pflanze auf Schlamm wächst und die Scheiden sehr rasch verwittern, durchbrechen die Mehrzahl der Knospen die losen Scheiden, sie sind extravaginal. — Bei der feinwurzeligen Segge (llarox edoräorriii^ü) sind die Knospen der oberirdischen Ausläufer längs der Achse gerichtet. Wenn sie sich entwickeln, so zerreißen die Scheiden infolge der Knospenschwellung und die Knospen, treten parallel der Axe durch die Spalte hervor, und nicht abstehend, wie bei den typischen extravaginalen Trieben, Ob eine Pflanze ausläufertreibend oder horstbildend ist, hängt von der Zahl und Länge der horizontal gestellten Jnternodien ab. Umscheidete Triebe bilden nur Horste; durchbrechende Triebe können aber ebenso dichte Horste bilden wie umscheidete. In solchen Fällen biegt der junge Sproß, nachdem er die Scheiden durchbrochen hat, sofort in die Höhe, so bei dem Böscheuspalt (Oni'öx 8ti'iot,u). Auf diese Weise entsteht weitaus die Großzahl der Horste der Riedgräser; echt umscheidete Triebe sind selten (Oui'öx tsnuis, 86mp6rvir6»8 rc.). Die langen Ausläufer werden nur durch durchbrechende Triebe gebildet, indem die Pflanze Erneuerungs- sprosse mit einer großen Anzahl meistens langer, horizontal verlaufender Jnternodien bildet. Innerhalb nahe verwandter Arten trifft man oft alle Übergänge zwischen Formen mit langen Ausläufern und Horstbildenden Pflanzen, so z. B. in der Gruppe der Schlammseggen. Larex limosa >,. hat lange Ausläufer. 6,-wex iri-i^ua 8,u. hat kurze Ausläufer. Osrex ustulata VVsbinb. ist horstbildend. Bei den Horstbildenden Chperacecn sind die Jnternodien des aufrechten, unterirdischen Stammorganes (der Grnndachse) sehr kurz; die Knotenstellen sitzen sehr nahe aufeinander. An ihnen entwickeln sich die Wurzeln und Nebenblätter, in deren Achsel, wie am Rhizom, die Knospen sitzen. , ! ' ! - / > / j V » Aus den Knospen entwickeln sich bei den mehrjährigen Pflanzen im ersten Jahre nur Laubtriebe, während bei den einjährigen alle Seitentriebe Blüten tragen. Aus den Laubtrieben entwickeln sich im zweiten Jahre die Blütenftandstriebe, indem der Blütenstand meistens im Herbst b scholl angelegt wird, und im nächsten Frühjahr zur Entwickelung gelangt. ^ , Im folgenden Jahre stirbt der Mütenstandstrieb ab. Man hat daher an einer ausdauernden Pflanze stets folgende Sprosse zu unterscheiden, gleichgültig ob die Pflanze horstbildend oder ausläufertreibend ist: a. Sterile Triebe, meistens ein Jahr alt (a in Fig. 4, 4). b. Fertile Triebe, zwei oder mehrere Jahre alt sb in Fig. 4, 4). e. Abgestorbene Triebe, mehrere Jahre alt (e. in Fig. 4, 4). An den älteren Partien stirbt die Pflanze ab, während sie an Scheinachse, dem jüngeren Ende immer neue Triebe erzeugt. Die Hauptachse entwickelt sich zum sterilen oder fertilen Trieb, während eine Knospe das Rhizom in horizontaler Richtung fortsetzt. Rhizom und Wurzelstock bestehen also nicht aus einer einzigen Achse, sondern setzen sichaus den Achsen der verschiedenen Sprosse zusammen: Es ist ein Shm Podium, eine Scheinachse (siehe Fig. 4, L, S u. 4). In den meisten Fällen wird in einem Jahre nur ein Trieb aus dieser Knospe erzeugt. Es gibt aber eine ganze Reihe Riedgräser, bei denen aus einer Knospe in einem Jahre mehrere Laubtriebgenerativnen erzeugt werden. Die Winterknospe biegt sofort in die Höhe, nachdem bereits an einem ihrer untern Jnternodien sich eine neue Knospe gebildet hat; diese wächst wieder zum Laubtrieb aus und erzeugt an ihrer Basis eine weitere Knospe. Dieser Prozeß wiederholt sich. Das Alpen- wollgras (Li-iopilowlm uipiiium) entwickelt z. B. auf diese Art 6—8 Halme. Die Kammsegge (Lnrex ) 4—5 (Fig. 4), der Hackbart (Oarax OuvnIIiuiln) 2—3. Durch das Wachstum der Moose werden die Pflanzen gezwungen, die Knospen höher anzulegen, als der Muttersproß angelegt ist, wenn sie nicht zu tief unter die Oberfläche kommen dürfen. Infolgedessen wird der Wurzelstock schräg aufsteigend oder aufrecht stehend, gleichgültig ob die Pflanze umscheidete oder durchbrechende Triebe erzeugt. Figur 4- Bestockung der Kammsegge (6arsx äistielis. Iluäs). 1. Wagrcchte Schcinachse mit sterilen Trieben (s), fertilen Trieben (b) und abgestorbenen, vorjährigen Trieben (e). 2. Schematiche Darstellung des Rhizoms mit Knotenstellen (Querwänden) und Niederblättern. 3. Sprohende des Rhizoms mit aufwärtsgerichteter, zum beblätterten Trieb auswachsender Knospe und horizontaler, das Rhizom fortsetzender Knospe. 4. Dasselbe mit zwei aufsprossenden Knospen. 48 Speicherung von Vorrats- (Reserve-) stoffen. Zeitpunkt des Schnittes. Rasenbildung. Blätter. durch die Wurzel von liarvx striela. 60:1. o. Zentrales Gcfäßbündel. b. Rinde. Wie alle ausdauernden Pflanzen in rauheren Klimaten, so brauchen auch die Riedgräser zur Bildung ihrer ersten Triebe im Frühjahr bereits assimilierte (verarbeitete) Stoffe, die im Jahre vorher angesammelt worden sind. Die von den Blättern gebildeten Stoffe wandern im Sommer und Herbst in den Wnrzelstock zurück und werden dort in Form von Stärke abgelagert. Bei den auslänfertreibenden Arten ist das Rhizom das Speicherorgan. Das centralc Bündel ist umgeben von einer mächtig entwickelten, parenchhmatischen Rinde, die von Lnftgängen durchzogen ist. Die Zellen werden im Herbst mit Stärke gefüllt, die sich im Frühjahr löst und zur Bildung der neuen Triebe verwendet wird. Bei den meisten Arten befindet sich dieses parenchymatische Speichergewebe im Wurzelstocke, beim Böschenspalt dienen die Wurzeln als Speicherorgan. Der Centralchlinder dieser Wurzeln ist nicht stärker als bei verwandten Arten; die Rinde zeigt aber eine mächtige Entwickelung von radial gestellten Zellen, weshalb sie außergewöhnlich dick ist. Diese Rinde fungiert als Reservestoffspeicher, indem sie im Herbst mit Stärke gefüllt wird (siehe Fig. 5 ). Die Meerbinse (LeirpUZ muritimus) bildet Knollen an der Basis der Halme, die über Winter mit Stärke gefüllt sind. Wenn man die Streue zu früh mäht, so nimmt man den Pflanzen neben den Stengeln und Blättern auch die Rescrvestoffe weg, da diese noch nicht in den Wurzelstock gewandert sind, und schwächt dadurch den Trieb im Frühjahr. Man soll daher die Streue erst schneiden, wenn die Fig> 5. S^tück^enies^Qucrschnittes Blätter ihre Funktion für die Pflanze erfüllt, d. h. ihre assimilierte Stoffe an den Wnrzelstock abgegen haben. Dieser Zeitpunkt ist da, wenn die Blätter gelb werden. Bedingung für eine gute Strcuewiese ist, daß die Rasennarbe gleichmäßig eben, zusammenhängend und geschlossen ist. Diese Faktoren hängen znm größten Teil von dem Wuchs der einzelnen Pflanzen ab. Horstbildende Pflanzen bilden meist einen unebenen, lückenhaften Bestand. Die Blätter entstehen an den Knoten- stellen abwechselnd auf drei Seiten. Sie bilden daher drei Zeilen oder Reihen . tzohlkehlig offene Spreite von 6arex tilikormis. e. Borstenförmige Spreite von Oarex llavailiana. -I. Mache ausgebreitete Spreite mit zurückgeknickten Rändern von Oarsx acats. 49 Fig. 7. Knospen lagt der Blatter der ^pitzseggc (6arox aeMa). io-fach- Bcrgröbcrung. In der Knospenlage stehen die Blätter, wenigstens Blatt- diejenigen der Lanbtriebe, in der ^/s-Stellung (Fig. 7). stellung. Am Rhizom ist der Scheitel mehr gerundet, die Mattstellung entspricht meistens nicht genau der V»-Stellung. So ist z. B. bei dem Sumpfgras (Oinliinin Nnri8en8) und der Seebinse (Noirpus lnou8tri8) die Stellung annähernd ^/s, bei der Sandsegge (Oni'öx nrönnrin) und der weißen Segge (Onrex nllnr) annährend s' 2 . An der Übergangsstelle von der Blattscheide in die Blatt- Spreite bildet das meist zarthäntige Blatthäutchen die hüMchen. direkte Fortsetzung der Scheide. Es liegt dem Halme an und verhindert, daß mit dein Regenwasser Staub, Pilzsporen rc. zwischen Halm und Scheide gelangen. Tas Laubblatt der Riedgräser unterscheidet sich vom Durch- Grasblatt durch die mächtige Entwickelung des Durch- lüftnngsshstenis. Zwischen den Bastrippen befinden sich Luftkanäle, die das ganze Blatt durchziehen. Der Luftkanal ist ganz vom grünen Assimilationsgewebc umgeben, ein Zeichen, daß Lüstlings- und Assimilationsshstein in inniger Beziehung zueinander stehen, da die Luft reichlich Zutritt zum Assimilativnsgewebe hat. Haarbildungen sind bei den Riedgräsern selten, hingegen kommen papillenartigen Ausstülpungen der Epidermiszellen (Fig. 8) häufig vor, die nach Keiner*) den Zweck haben, die Spaltöffnungen vor Nässe zu schützen. Er sagt darüber folgendes: „Fallende Tropfen rollen über solche Flachen ab; das Wasser vermag die atmosphärische Luft aus den Vertiefungen nicht zu verdrängen und es erscheinen daher Blätter und Stengel, soweit ihre Oberhaut die angedeuteten Unebenheiten zeigt, mit einer dünnen Luftschicht überzogen. Da die Spaltöffnungen in den kleinen Vertiefungen liegen, so bleiben sie stets unbenetzt und kommen selbst dann nicht mit dem Wasser in Berührung, wenn der betreffende Pflanzenteil ganz untergetaucht wird." An den Rändern und längs der Bastrippen finden sich oft Reihen kleiner Widerhaken F-ll 8. ,-l '.verschnitt durch ein Stück des Blattes der Sumpsseggc lllaroxprüuüosa Vooä.). . ßus Blatt rückwärts rauh machen. 200-fache Vergrößerung. Die paMensörmigcn Ausstülpungen der v' ^ . . - , - Epidermis der Unterseite schützen die Spaltöffnungen vor Verletzung (Nach Kern er.) Oft sind sie so scharf, daß man sich sehr^ leicht damit schneidet. Sie sind eilt wirksames Lchntz- mittel gegen Tierfraß, in dem das Blatt nicht in die Mundhöhle eintritt, Mund- Widerhaken bestrebt ist, sich daraus zu entfernen und auch wer ste cm ^ ^ ungern höhle leicht verletze,,. Die weidenden Tiere nehmen denn auch solche . auf. Infolge dieser Eigenschaft werden solche M-dgrä^ Ks Schneidstrene, Schnittqras, Schnidgras, Messerligras, ^üsstrs nm rc. c, 'Während des Die Blattscheide der Riedgräser ist nrsprüngltch stets geschlossen Wahrend des Wachstum der Bewerben die äußE Scheiden durch ^Di^ Scheiden und des Halmes zersprengt. Ihr zarthäutiger Te, ös st ) a cl cn c unreaelmäüia sp"ltes(ll!wex mäßiges, netziges Fasersystem auf (siehe Tafel Fig. ^ und 80 ), oder es zerfallt nnreg aß g. slrlel^vooä.). _ größerimg. .) ». i. Bd. UW. S-i>- -7l. F'g. 9 - Mit W i e d c r h a ck- chenbesetzter Rand des Blattes des Büschen- Haar- bildungcn. Blattschcide 50 Blatt- ivachstum. Blütcnstand und Blütc. Frucht. Keimung. Geographische Verbreitung. Das Wachstum der Blätter dauert sehr lange. Im Frühjahr wachsen Halm und Blätter sehr rasch. Zur Blütezeit hat der Halm sein Wachstum meistens vollendet. Halm und Blatt sind gewöhnlich gleich lang. Die Blätter aber wachsen während des ganzen Sommers weiter und sind darum im Herbst bei vielen Arten bedeutend länger als der Halm, der dann meistens schon abgestorben ist, so z. B. bei der Sumpf- segge (Lurex puiiiclo8n), der Spitzsegge (Onrex neutn), der Ufersegge (Ourox ripurin) rc. Wenn die Pflanzen im Sommer geschnitten werden, so erzeugen sie bei guter Ernährung noch einen kräftigen Blatttrieb. Meistens wird aber der Stock so geschwächt, daß im nächsten Frühjahr der Trieb erheblich schwächer ist. Wem: zivei Schnitte genommen werden sollen, so kann es nur bei reichlicher Ernährung der Pflanzen geschehen, wie in berieselten Streuewiesen. Der zweite Schnitt soll aber spät genommen werden, erst wenn die Pflanzen gelb geworden sind, damit die in den Blättern produzierten Rcservestoffe zur Kräftigung des Frühjahrstriebes noch vollständig in den Wurzelstock waudern können. Blüten und Frucht. Die Blüten der Riedgräser stehen in Ährchen oder Scheinährchen, welche zu ährigen, kopfförmigen oder rispigen Blutenständen vereinigt sind. Scheinährchen finden wir namentlich bei den Seggen und verwandten Gattungen, bei denen jede einzelne Blüte im Grunde genommen ein Ährchen für sich darstellt. Die Achse dieses Ährchens ist nur in seltenen Fällen entwickelt, so z. B. bei Gnrox imiero- Ziooliin IVuIiili. und Gul'öx ouivnln IN. Jede Blüte sitzt in der Achsel eines Deckblattes, entweder sind es zweigeschlechtige Blüten (tZeirpoickoon), oder eingeschlechtige (Ourieoiäoon). Die Blutenhülle fehlt meistens oder sie ist in Form von unterständigen Borsten oder Fäden entwickelt (8oii'pii8, Lrioplwrum, llüvii- Gw8poru). Die Staubgefäße sind stets in der Dreizahl vorhanden. Die Staubbeutel (Antheren) sind mit ihrem untern Ende au den Staubfäden befestigt und öffnen sich mit Längsrissen. Der Fruchtknoten ist entweder aus 2 oder 3 Fruchtblättern zusammengesetzt. Ihnen entsprechen 2 oder 3 Narben und oft auch 2 oder 3 Kanten am Früchtchen. Viele Riedgräser blühen proteraudrisch, d. h. die Staubgefäße entleeren ihren Blutenstaub, bevor die Narben entwickelt sind. Bei unsern einheimischen Arten tritt aber der umgekehrte Fall, das protogyne Blühen, häufiger auf; Homogames Blühen (Entleerung des Blutenstaubes zur Zeit der Empfängnissähigkeit der Narben) ist selten; Selbstbefruchtung ist auch durch die Trennung der Geschlechter in verschiedenen Blüten vermieden. Die Riedgräser sind Windblütler, d. h. der Blutenstaub wird durch den Wind auf die Narben gebracht. Die Frucht ist ein zwei- oder dreikantiges Nüßchen, nackt Perigonborsten umgeben. Bei den Seggen umwächst ein nach hinten gestelltes Blatt das Früchtchen und bildet so den Schlauch (lltii- oulu8), der in einigen Fällen mit einem Schwimmgewebe ausgestattet ist (seltsame Segge, Onrox pniAckoxn). Die Frucht fällt mit dem Schlauch von der Ährenspindel ab. Der Keimling ist klein und sitzt umgekehrt an der Basis von dem Nährgewebe umschlossen. Die Frnchtschale ist sehr hart, das Nährgewebe mehlig. Bei der K e i m u n g streckt sich das Keimblatt in die Länge und krümmt sich nach oben, indem es die ersten Blättchen umhüllt (Fig. 10). Das Würzelchen durchbricht das Keimblatt und wendet sich nach unten; erst später durchbricht auch das erste Blatt die Eothledouarscheide (das Keimblatt) (Fig. 11). An den ersten Knotenstellen entstehen bald Nebenwurzeln. Die Keimung der Riedgräser ist also von denen der echten Gräser, bei welchen der Keimling auf dem Schildchen sitzt und Würzelchen und Blättchen sofort herauswachsen, ganz verschieden. Geographische Verbreitung und systematische Einteilung Die Riedgräser umfassen nahezu 3000 Arten, die über die ganze Erde, von den Tropen bis zu den Polen verbreitet sind. Weitaus die Großzahl der Arten bewohnt sumpfige Standorte; trockcnheitsliebcnde Arten bilden die Ausnahme. Fig. 10. Fig. ii. Fig.10u.11. Keimung derFrucht der Spitzsegge (Ourex aeMa l'r.). 5-fache Vergrößerung. Fig. 10: Jüngeres Stadium, al Cotyledonarscheide- Die Phahlrvnrzel hat bereits die Scheide durchbrochen: die ersten Blättchen sind noch eingeschlossen. Fig. 11: Vorgerückteres Stadium, a. Coty- ledoriarscheide, 1>) Pfahlwurzel, c) erste Knotenstelle, aus der schon drei Nebenwurzeln hervorgebrochen sind. 51 Von den ungefähr 120 Arten der Schweiz gehören die meisten der mitteleuropäischen Flora (dem Waldgebiete des östlichen Kontinentes) an. Eine große Anzahl ist znr Gletscherzeit aus dem hohen Norden eingewandert; diese arktisch-alpinen Formen bewohnen größtenteils die Alpen, einzelne ausschließlich die großen Moore der Voralpen und des Jura. Wenige Arten sind nur den Alpen eigentümliche (endemische) Formen (Oni'kx 1>I'UN6866N8 ?oir., 86MP>61'VN'6N8 Vili., lii'Mtt Ho8t, löi't'ttAillSN 8eoj). und einige verwandte Arten). Spärlich sind auch die Eindringlinge aus der Mediterrauflora (6vpki'U8 1onZN8 I,., 0. Noiiti I,. ü., 8(''irM8 HoIo8o1iosnri8 ll. und 8npinn8 ll.) und die durch Zugvögel oder den Menschen verschleppten Arten (Lurax e^pöroiäss 1^., Hel6oeIlNlt8 ovntn H. Lr., llini1>rl8tM8 nnuiln 11. L 8., 8oiri,n8 mni'itimu8 1^.). Die Riedgräser lassen sich nach botanischen Merkmalen folgendermaßen einteilen: Botanische . ^ .... . Einteilung. 1- Blüten eingeschlechtig in ein- oder zwechäupgen Ähren. (Onrex; Ll^nn; Ko1)i'68iu.) 2. Blüten zwitterig (zweigcschlechtig) . . . 8vnpoi(l6«u. u) Dcckschuppen der Blüten mehrzellig spiralig angeordnet; untere meist mit Blüten in den Achseln.8 8 c i r p 6 6 n. (8eii-M8, H6looeitLU'i8, llim1>i'i8t;lli8, llrioplioruiil.) 1») Dcckschuppen zweizeilig oder spiralig angeordnet, untere stets leer. Ährchen mit nur wenigen Blüten II v ii e Ii o 8 p o i' v o n . ( 80 I 106 NU 8 , 61uckinm, KIivneI> 08 iioi-g..) c) Deckschnppen zweizeilig angeordnet, alle mit Blüten in den Achseln Ovs>6i'66U. (6H>6IM8.) Bei der nachfolgenden Besprechung übergehen wir die für uns unwichtigen Gattungen IN)'un ivodrctziu und 1'iiullri8tvii8. ' ' 1. Oiattung: Seggen (Oni'öx). Die Seggen bilden eine sehr sormenreiche Gattung, die mehr als 500 Arten umfaßt, von denen 70 Standorte. bis 80 in der iLchweiz einheimisch -sind. Sie bilden einen Hauptbestandteil der Riedwiesen mit stauender Nässe und der sauren Wiesen, oft fast den ausschließlichen Bestand ausmachend (z. B. Spitzseggenwiesen). Doch auch dem Humus der Wälder, dem trockenen Sande der Heiden, den Alpentriften und Wlldhenplanggen, dem Schutt der Flüsse und der Gletschermoränen haben sie sich angepaßt, so daß wir ihnen fast Schritt für Schritt begegnen und zwar bis in den hohen Norden und hoch in die Alpen hinauf, bis an die Grenze des ewigen Schnees. Botanisch kennzeichnen sich die Seggen durch die eingeschlechtigen Blüten, von denen die weiblichen Merkmale, (die ein reduziertes Ährchen sZweigleinsj für sich sind) durch das zu einem L-chlanche verwachsene Vorblatt gestützt sind; dieser Schlauch fällt mit der reifen Frucht ab. Die fadenförmigen Griffel tragen zwei oder drei Narben. Die Ährenspitze des weiblichen Ährchens (der weiblichen Blüte) ist nur bei wenigen Arten noch entwickelt (6. miowAloollin NnI.Iud. und em'viiln Jii.) und tritt als Borste neben dem Fruchtknoten im Schlauche hervor. Alle Arten, auch die oft als einjährig bezeichnete Onrex evj>6i'oick68 1,., sind ausdauernd, und bieten in Größe und Bestockung alle möglichen Abänderungen. Nach der Anordnung der Lchemährchen lassen sie sich trennen in: Ll 0 n 0 8 ta ° bx Einährige S ° ggen. Scheinährchen einzeln, endständig. Einteilung. Homos taeü)'«. Gleich ährige Seggen. Viele gleichwertige Scheinährchen mit männlichen und weiblichen Blüten in einer Ähre oder Rispe. IIet°.-o8taeb) -o Verschiedenährige Seggen. Mehrere eingeschlechtige Scheinährchen in einer Ähre oder Traube; die endständigen meist nur männliche, die seitenständigen meist nur weibliche Blüten tragend. gelost lvorden. Die weitere Einteilung in Gruppen ist sehr schwierig und bis jetzt noch nicht ganz befriedigend nden. Von den schweizerischen Arten sind etwa 35 ständige Bewohner der Riedwiesen und Torfmoore. 52 Merkmale. Einteilung. Merkmale. Wichtigste Arten. Merkmale. Einteilung. Merkmale. 2. Gattung: Kirnten-Minfen (8eirM8). Die Simsen-Binsen bewohnen in etwa 200 Arten feuchte Wiesen, Flachnwore und stehende Gewässer. Sie vereinigen sehr verschiedengestaltete Formen in sich, die sich botanisch kennzeichnen durch die vielblütigen Ährchen, die bald einzeln die Spitze des Halmes einnehmen, bald zu mehreren zweizeilig oder in Köpfchen, Trngdolden oder Rispen angeordnet sind. Die Blüten zeigen oft 3—6 Perigonborften (die verkümmerte Blüten- hülle), die durch rückwärts gerichtete Stachelchen der Verbreitung der Frucht dienen. Der Fruchtknoten mit zwei- oder dreinarbigem Griffel ist von 2 oder 3 Staubgefäßen umgeben; die Blüten sind also zwitterig. Die schweizerischen Arten lassen sich folgendermaßen gliedern: I. Gleichschuppige Binsen (lsoispis). Blüten ohne Perigonborften. Niedere, zum Teil einjährige Arten, ohne Bedeutung (8eirpu8 80 l!iec>u 8 I,. und supnms ll.) oder dann südliche Strandpflanzen (8. IIoIo8eIiosim8 ll.). II. Echte B insen (Ilu8eirpn8). Blüten mit Perigonborften. a. Kl einährige Binsen (Naootbrzoo). Niedrige, ausdauernde Arten. Davon Lcirpus poueiilurus lögbtl. sehr verbreitet auf Ricdwiescu mit mineralischer Unterlage; 8. eae8pito8N8 U. alpine Flachnwore auf weite Strecken überziehend. 8. alpmus 8okieiob. und 8. parvuiu8 N. L 8. treiben Ausläufer; die erstere findet sich aus wasserzügigen Stellen der Alpweiden und auf Flußalluvionen; die letztere bei uns sehr selten auf salzhaltigem Sande. I>. Seebinsen (8eboovopisetu8). Größere, ausdauernde Arten; davon 8oirpu8 Iaeu8lri8 I,. . Reichblnttrige Binsen mit endstündigcn: Blutenstände, von denen namentlich 8. 8^>vatieu8 von Bedeutung ist. 8. marilimu8 U. findet sich bei uns nur verschleppt; beide aus mineralischer Unterlage. 3. Gattung: ScHtcrmrnblnserr (H6l6oe1illri8). Von den etwa 80 Arten dieser Gattung sind 5 in der Schweiz einheimisch. Sie sind mit der vorhergehenden Gattung nahe verwandt und nur durch die verdickte Griffelbasis, die abgesetzt auf dem Fruchtknoten sitzt, von der Gruppe der kleinährigen Binsen zu trennen. Von den fünf einheimischen Arten ist die einspelzige Schlammbinse, IckslöoeUni'is uniz>Iumi8 Selinlt., auf oft überstauten Riedwiesen mit torfiger oder mineralischer Unterlage ziemlich häufig, aber durch ihre Größe ohne Bedeutung. Die Sumpfschlammbinse, II. fm1>i8loi8, (Fig. 12), findet sich in Teichen, wo sie bis 1 m. tief im Wasser steht; bedeutend niedriger ist sie im Schlamme der Gräben und an trocken gelegten Stellen. Die übrigen drei einjährigen Arten sind für uns bedeutungslos. 4. Gattung: Wolbgrftisew (Ki'iopiioi'iim). Die Wollgräser sind sofort kenntlich durch die. nach der Blütezeit stark verlängerten, glatten, weißseidenen Perigonhaare, die mit der Frucht abfallen. Die Blüte umschließt 3 Staubgefäße und einen dreinarbigen Fruchtknoten. Die artenarme Gattung (13 Arten) bildet zwei Gruppen, aus die sich die 6 schweizerischen Arten folgendermaßen verteilen: I. Haargräser (M-icbogbormiO. Früchte von 6 gekräuselten Perigonhaare» umgeben. Von den schweizerischen Arten gehört einzig Ilriopliorum gipimmi I,. hicher; ein blattloses, niederes Pflänzlein mit einzelner, armblütiger, end- ständiger Ähre, das sich auf Flachmoorcn und auf schwingenden Böden der Hochmoore findet. II. Echte Wollgräser (kaorwpbormn). Früchte von zahlreichen, bei unseren Arten ungekräuselten Haaren umgeben. Lrivpliormu vexiimtum I,., eine ausschließliche Hochmoorpflanze, und 14 8ebeue!>i!ori Iloppo, eine ausläufer- treibende Pflanze wasserziehender, kiesiger oder schlammiger Stellen der Alpen, tragen am Ende des Halmes ein einzelnes dichtblütiges Köpfchen. Lriopborum latikoiiam Iloppe, ongu8tikoliuiv Itotb und xrseiis Loe.b tragen eine Trugdolde von Köpfchen. 5. Gattung: Schnabelibinsen (kiivQ6lio8s,orll). Die Schnabelbinsen kennzeichnen sich botanisch durch die spiralige Anordnung der leeren Deckschuppen am Grunde des Ährchcns und durch den zweinarbigen Griffel. Die Frucht ist durch die bleibende, kaum abgesetzte Griffelbasis geschnäbelt. Von den 150 Arten dieser Gattung sind nur zwei in Europa und in der Schweiz einheimisch. Beide, I1iiviwiio8poi'll llldn Vniü., mit weißen Ährchen, rückwärts rauhen Perigonborften und hvrstförmigem Arten. 53 «« Fig. 12. Die Sumpfschlammbinse. (Ileleoebsris pslustris 3. iir.) Natürliche Grütze; rechts ein Ährchen in zweifacher Vergrößerung. Fig. 13. Die ro stbraune Kopfbinsc. (LeNoenns terruAiuous ü..) Natürliche Grüße; rechts ein Frnchtköpfchcn in zweifacher Vergrößerung. 54 Merkmale. Standort. Merkmale. Arten. Merkmale. Arten. Merkmale. Geographische Verbreitung. Merkmale der Gattung luoeus. Benennung. Wuchs, und 14. iümm 14. L 8. mit rotbrannen Ährchen, vorwärts rauhen Perigonborsteu und kriechendem Wurzelftock, finden sich auf Flachmovren und schivingenden Böden und sind schmächtige, minderwertige Streuepflanzen. 6. Gattung: Schneidegrcrs (61nt1iuiu). Das Schueidegras unterscheidet sich von der vorhergehenden Gattung durch das Fehlen der Perigon- borsten, durch die breiten, am Rande fein gesägten Blätter, den zwei- oder dreinarbigen Griffel, dessen Basis, der Schnabel der Frucht, ohne Einschnürung in diese übergeht. Von den ungefähr 30 Arten entfällt eine einzige, Glnckiuul L1niÜ86U8 14. I>r., auf die Schweiz. Die stattliche Pflanze bewohnt moorige Ufer der Seen, deren Filz sie mit langen Ausläufern durchzieht. Die graugrünen, schneidenden, steifen Blätter umgeben den bis lü/2 in. hohen starken Halm, der die lange, graubraune Rispe trägt. 7. Gattung: Kopfbinsen (8e1lovuu8). Die Kopfbinsen kennzeichnen sich durch die in ein Köpfchen vereinigten Ährchen, deren Deckschnppen zweizeilig angeordnet sind. Blüten aus 3 Stallbgefäßen und einem dreinarbigen Griffel bestehend. Von den 60 Arten sind nur 2 in Europa lind in der Schweiz einheimisch: die schwarze Kopfbinse (86ll06ilU8 illA'i'ionil8 1,.), mit großem Köpfchen, das 5 — 10 Ährchen umschließt, auf hohen, schlanken Stielen (25—50 6lli.) und meist fehlenden Perigonborsteu (Fig. 13) und die als Streuennkraut verhaßte, in dichten Horsten wachsende, rostbraune Kopfbinse (8oil06uu8 l6lwugüu6U8 I-.) mit niederen (10—20 om. hohen), steifansrechten Stielen, die kleine Köpfchen mit 2—3 Ährchen und Blüten mit 3—5 Perigonborsten tragen. 8. Gattung: Kppewgrciser (6vp6im8). Diese südliche Gattung, die in den Tropen lind Subtropen in etwa 400 Arten vorkommt, hat in der Schweiz nur 4 Vertreter. Sie kennzeichnen sich durch die zwitterigen, perigonborstenlvsen Blüten, die in der Achsel eines scharf gekielten Deckblattes sitzen und zu zweizeiligen Ährchen angeordnet sind. Diese bilden einen kops- förmigen oder zusammengesetzt baldigen Blütenstand. Von den vier schweizerischen Arten sind die zivei niedrigen, einjährigen (ti)'p>6ru8 l1n.V686vu8 1,. und kll86U8 I-.), die auf nassen Feldwegen, in abgelassenen Teichen und ausgetrockneten Gräben, sowie auf Grabenallshub vorkommen, ohne Bedeutung. Die zwei ausdauernden Arten Gl. 1ouZu8 I,. und 6. iVlouti I,. 1.) gedeihen in sumpfigen Seensern der wärmeren Schweiz und sind ziemlich selten. Die zweite, sehr wichtige Pflanzensamilie unter den Streuegräsern sind die eigentlicheil Binsengräser, worüber im folgenden die Rede ist. L. Die Mnsengmser. (ÜUU6N666U.) Die Binsengewächse (.1uuLcl666ll) sind grasähnliche, ein- oder mehrjährige, krautige Gewächse, die ihre nächsten Verwandten in der Familie der Liliengewächse (lülineveu) besitzen. Die Bluten sind zlvei- geschlechtig, regelmäßig dreizählig, mit sechsblättrigem, kelchartigem Perigon, drei oder sechs Staubgefäßen und einem Griffel mit drei Narben. Die Frucht ist eine fachspältige ein- bis dreifächerige Kapsel mit drei bis vielen Samen. Die Binsengewächse lieben kühle, feuchte Gegenden und sind durch die kalten und gemäßigten Zonen beider Erdhälften verbreitet. In den heißen Zonen ziehen sie sich meist auf die Gebirge zurück. Aus der Familie der Binsengewächse (ckuiloneevu) ist für uns von besonderer Bedeutung die Gattung Binse (-lullen8). Sie kennzeichnet sich durch offene Blattscheiden, mit kahlen Blattspreiten, durch Blüten mit oder ohne Vvrblätter und durch ein- bis dreifächerige, vielsamige Kapseln. Der Name ckuueu8 wird von juuen, juuZvi'tz — binden, abgeleitet, weil manche Arten znm Binden benutzt werden. Ebenso kommt der Name der „Binde" oder „Bindse" von Binden. Gleichbedeutend sind die Bezeichnungen: „Bimse, Bintz, Bintzengras, Büntzcn, Byncze, Bhse". — Fernere Vnlgärnamen sind: Ried, Risch, Nische, Ristje, Risten, Rüsten, Rüsschen, Sembden, Semeß, Senden, Simson, Simpson. Bei den ausdauernden Arten haben wir zu unterscheiden zwischen solchen mit vertikalem und solchen mit horizontalem Rhizom. — Die Arten mit vertikalen: Rhizom schließen sich in der Bestocknng an die einjährigen Arten an. In den Achseln grundständiger Laubblätter entwickeln sich gewöhnlich zwei Knospen auf entgegengesetzten Seiten. Die aus ihnen sich entwickelnden Triebe wachsen gerade nach oben, sich an den primären Sproß anschließend. So entsteht ein streng ho rstförmig er Wuchs (ckunens ten::i8 XVillä.). Die wichtigsten Arten für uns sind diejenigen mit horizontalen: Rhizom. Bei ihnen entstehen die Ernenerungsknospen nur auf einer Seite, und der daraus entstehende Sproß wächst, bevor er sich nach oben wendet, eine kürzere oder längere Strecke im Boden horizontal fort. Da lvv er sich aufrichtet, entsendet er gleichzeitig einen Erneuerungssproß als horizontale Fortsetzung des Rhizoms. So baut sich das horizontale Rhizom als Scheinachse (8vmpodiiin:) aus vielen Ernenerungssprossen auf. Die Erneuerungsknospen entstehen dabei, je „ach der Länge der Rhizomstücke, in der Achsel des zweiten, vierten oder sechsten Ruderblattes abwechselnd rechts und links, svdaß das Rhizom einen schwach zickzackförmigen („wickelartigen'J Verlauf nimmt. Aus den Achseln von Niederblättern entspringen auch die Bereicherungssprosse. Entstehen sie zahlreich und sind dabei die Rhizomglieder kurz, so bildet die Pflanze dichte Horste. (.I::i>e:r8 cknaqiiini I.., ti'itidus I,., lkianen» IBirli., olkukms I... Iwoi'KÜ Nui'8.). Sind dagegen die Rhizomglieder lang und entstehen die Bereicherungssprosse erst in einen: späteren Jahr oder in weiten Abständen an: Rhizom, dann stehen die Sprosse zerstreut, oft deutlich auf geraden Linien verteilt (.I:u:6>:8 ni-et.io::8 tVilsti.. lilitoi'mm I,., oick::8ilIoru8 biiirl:., oo:np:-688::8 ckuel. eapilatu«). Anschließend an diese allgemein botanischen Bemerkungen wollen wir im folgenden die wertvollsten Streuepflanzen einer genaueren Betrachtung unterziehen. Die besten Skreuepstsnzen. 1. Die Kammsegge. 6tU'6x (1i8tiei>n Hnci 80 n 2s (Tafel 1.) Benennung. Der richtige Name der Kammsegge wäre eigentlich „zweizeilige Segge", den sie wegen der scheinbar zweizeiligen Stellung der Ähre trägt. Den Namen Kammsegge legen wir der Art bei, um eine kurze Bezeichnung zu haben. Die Ähre ist kammförmig, deshalb ist der Name passend. Landw.-Wert. Die Kammsegge gehört zu den größeren Arten dieser Gattung. Botanische Die Pflanze dnrchkriecht den Boden mit starkem, unterirdischem Rhizvm, das durch die zerfasernden Beschreibung. M'j^rblätter Quirlen borstig behaart erscheint. Zur Bildung von Laub- und Blütensprossen krümmt sich das Rhizom senkrecht in die Höhe, entsendet aber auch gleichzeitig oder später eine oder zwei Erneuernngs- knospen zu seiner Fortsetzung und Verzweigung in horizontaler Richtung. So wird eine wagrcchte Scheinachse gebildet mit enger oder weiter stehenden einzelnen Sprossen. Die aufwärts strebende Knospe bildet mehrere aufwärts abstehende, nicht überhängende Blätter; dieselben sind einsachrinnig und am Rande und Rückenkiel scharf rückwärts rauh (siehe Fig. 5, Tafel 1). Der scharf dreikantige, nach oben stark sich verjüngende, straff aufrechte, 40—60 ein. hohe Halm (siehe Fig. 4) trägt die hellbraune, längliche oder pyramidenförmige Ähre. Die mehr oder weniger deutlich drei- (nicht zwei-) zeilig angeordneten Scheinährchen sitzen in den Achseln balgähnlicher, brauner, trockenhäntiger, oft langgrannig bespitzter Deckblätter. Gewöhnlich entwickeln das oberste und die 3—4 untersten Scheinährchen weibliche Blüten mit zwei langen, fadenförmigen Narben (Fig. 2 und 3), die dazwischen sitzenden Ährchen sind männlich, doch kommen mannigfaltige Abänderungen in dieser Anordnung vor. In den eilanzetten, glänzend braunen Bälgen (Fig. 1) entwickeln sich die schalen- fvrmig zusammengedrückten, anliegenden Schläuche, die sich durch einen flügeligen, rückwärts rauhen Rand, beidseitig deutliche Nervatur und die starke Aufschlitzung des zweispaltigen Schnabels bis auf den Rücken auszeichnen. Geogr. Verbr. Die Kammsegge ist in Mittel- und Nordeuropa verbreitet und kommt auch in Sibirien vor. Standorte. Sie gehört nicht zu den häufigen Arten, kommt aber in der ebenen Schweiz da nnd dort auf Sumpfwiesen, Mooren, an Fluß- und Sceufern vor, wo sie oft kleine Lokalbestände bildet, wie folgendes Beispiel zeigt: '1'skel 1 /E/ //^,//*^// //r«'//L//7? b i^. 5. 5^Ä- /Ä/K-'.z- ^«Z/?, - OLrsx äiZtlQliL 8nLs. LLiniriLsZZs. 57 Kammseggenwiese in der Binzegarten bei Schirmensee am Ufer des Zürichsees, 410 m. ü. M-, Boden teilweise unter Wasser, 30 ein. Torf auf Kies und Sand. Untersucht am 6. Juni 1894. Eine Durchschnittsprobe enthielt: 0/ /o «/» Scheingräs er. <7Meracee-r . . 63.00 Kammsegge. Oarex üistivtiu Ilmis. . . 48.59 Flaschensegge .... . Oarox ampuNsesa Oooä. 13.61 Schuppenfrüchtige Segge . Osrox lepüwesi'pa lauseb. . 0.62 Hellgelbe Segge . . . . Oorsx Nova I,. 0.60 Hackbart. . Oarsx DovaNimm 8m. . . 0.18 Gräser. H-'amr-rse-r . . 14.46 Gemeines Schilf . . - . NbrsAmites ooimvunis Irin. . 9.32 Fioringras. . .4grosÜ8 alka . 5.00 Mittleres Zittergras . Nrirg. msclia . 0.14 Schachtelhalme. ZHursekacee-r . . 19.71 Schlammschachtelhalm. . LgmTOtuw Nniosum 1,. . . 12.91 Sumpsschachtelhalm. - . Kguisvtmn poiustrs 1,. . . 6.80 S chirmblütler. 0.63 Lachenals Rebendolde . Osoantdö llaebevküii 6uiol. 0.55 Gemeiner Wassernabel. . N;ärveot)l8 viNgai-is ll. . 0.08 Vers chi ebene Familien . . . . 1.60 Sumpf-Labkraut . . . . Oalimii palusti's I,. . . . 0.70 Ouirlblütige Münze . Llontba vertieiNkto I,. . . 038 Wiesenflockenblume . . - Oimtaueso laeea 0. . . . 0.30 Sumpf-Läusekraut . . . Neüieulsi'is palustris 1,. . . 0.22 100.00 Seewärts schließt sich ein Schilfbestand an, landeinwärts ein Bestand von Schlamm- und Sumpfschachtelhalm mit Fadensegge. Ausgedehnte Bestände bildet jedoch die Kammsegge nie, während sie lokal, in andere Bestände eingesprengt, oft kleine Flächen beherrschen kann. Die Kammsegge erzeugt verhältnismäßig viele fertile Halme. Bei den gelvichtsanalytisch untersuchten Wiesenbeständen entfällt auf 2.26 sterile Triebe 1 fertiler. Das mittlere Gewicht eines sertilen Halmes betrug 0.19 Gramm, eines sterilen Triebes 0.09 Gramm. Die Streue ist von guter Qualität und wird zu der sog. „Spaltstrcue" gerechnet. 100 Teile dürre Streue (86"/y Trockensubstanz) enthalten: Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia I. 1.11 °/° 8.09 °/„ 0.21 °/o 1,25 °/„ 0.89 °/„ 0.27 °/. 1>- 2.83 „_8^8 . 0.17 „ 1.80 „ 0.94 „ 0.28 „ Mittel 1.97 "/„ 8.33 0.19 °/° 1.52 > 0.91 0.27 °/° Beide Proben stammen von unserm Zürcher Versuchsfelde, von gutem, nassem Thonboden. Probe I wurde am 22. Oktober 1892, Probe II am 15. September 1893 geschnitten. Demnach berechnet sich der Düngerwert von 100 ÜA. Streue auf Fr. 3.30. Die Kammsegge eignet sich wegen ihrer Bestockung und Ergiebigkeit auf passendem Boden zur Anpflanzung. Es geschieht dies in der Weise, daß in Entfernungen von etwa 1 Meter Setzlinge angepflanzt werden. Ist der Boden locker und feucht genug, so schließt sich der Bestand in zwei Jahren durch die sich entwickelnden Ausläufer vollkommen. Samen bildet die Kammsegge sehr wenige, was auch der Grund ihrer lokalen Verbreitung ist. Dafür hat sie kräftige vegetative Bermehrungsorgane in den unterirdischen Kriechtrieben. Zur künstlichen Anpflanzung eignet sie sich besonders auf Moorboden, der zeitweise unter Wasser steht. Wuchs. Streuewert- Kultur. 8 58 Benennung. Landwirtschaftlicher Wert. Botanische Beschreibung. Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Böschen- spaltwiesen. 2. Der Böschenspalt. Gnrex Zti'iotn Ooocl. 2s (Tafel 2.) Der Böschenspalt oder die steife Segge ist eines der bemerkenswertesten Streuegräser. Böschenspalt oder Polstersegge wird er genannt wegen seiner Eigenschaft, hohe Rasenpolster (Büschen, Bütten) zn bilden. Gleichbedeutend sind die in Schleswig-Holstein üblichen Bezeichnungen „Bültengras", „Schnittbülten" und der an der Unterweser gebräuchliche Name „Buttengras". In Bremen heißt die Pflanze „Granwisk" oder „Groffwisk". In Ungarn wird der Bestand als „Zsombeck" bezeichnet. Der Böschenspalt ist auf den zeitweise überschwemmten Streuewiesen eines der besten, verbreitetsten, geschätztesten und ergiebigsten Streuegräser. Botanische Beschreibung. Die dichten Horste des Böschenspaltes werden durch extravaginale Triebe gebildet. Nachdem die Knospe die alten Blattscheiden durchbrochen hat, biegt sie sofort in die Höhe. Dadurch kommt der junge Trieb dicht neben den Mnttertrieb zn stehen, besonders wenn wegen Raummailgel der junge Trieb sich zwischen den alten hervvrzwängen muß. Die Horstbildung wird durch die schwere Zersetz- barkeit der alten Blattscheiden begünstigt. Diese halten sich 3—4 Jahre. Während dieser Zeit durchspinnen die dicken Wurzeln die alten Stöcke und die feineren dringen zwischen den Scheiden der jüngeren Triebe in die Höhe. Die jungen Triebe entstehen höher an der Axc, als diese selbst an ihren: Mnttertrieb entstanden ist. Es kann also der Wurzelstock als ein aufrecht stehendes Rhizom betrachtet werden, das eine reiche Verzweigung und kurze Jnternodien besitzt. Die Halme sind scharfkantig (Tafel 2, Fig. 9), oben rückwärts rauh, bis gegen die Mitte beblättert. Die blangrüncn Blätter sind 5—10 min. breit, rückwärts scharf, auf der Unterseite mit kleinen Papillen besetzt. Sie erreichen eine durchschnittliche Länge von 80 bis 100 om. Die Blattscheiden sind lang und großmaschig gespalten. Die Wurzeln zeigen eine außergewöhnliche Dicke (bis 2 miii.). Während der Eentralstrang nicht stärker ist als bei andern Arten, zeigt die Außen- rinde eine mächtige Entwickelung. Es sind radial gestellte Zellreihen, ^ zwischen sich Lustkanäle führen (b in Fig. 14). Im Winter sind die Zellen mit Stärke, die im Frühjahr zur Bildung des jungen Triebes verwendet wird, erfüllt. Den Dienst der Reservestoffspeicherung, der bei den ansläufertreibenden Seggen durch das Rhizom erfüllt wird, besorgen bei den: stockbildenden Böschenspalt die dicken Wurzeln. Der Blütenstand ist aufrecht und setzt sich meistens aus einer männlichen und 2—5 weiblichen Scheinährchen zusammen, die an ihrer Spitze bisweilen männliche Blüten tragen (Fig. -1 und 6). Die Deckblätter der Scheinährchen sind am Grunde beiderseits geöhrt, das unterste ist laubblattartig (Fig. 8). Die Bälge sind schwarz oder braunschwarz, diejenigen der weiblichen Blüten mit grüner Mittelrippe (Fig. 1 und 2). Der Fruchtknoten hat zwei Narben (Fig. 3). Der Schnabel ist stielrnnd, ungeteilt. Die Schläuche stehen gedrängt. Sie sind breit elliptisch, Plattgedrückt, punktiert, mit hervortretender Randrippe (Fig. 6). Abarten. Der Böschenspalt variiert in der Größe, in der Stärke und Rauhigkeit des Halmes und in der Farbe der Bälge; gut charakterisierte Abarten lassen sich jedoch nicht unterscheiden. Vorkommen, Bewässerung. Der Böschenspalt ist in ganz Europa verbreitet und kommt auch in Nordamerika vor. Er siedelt sich besonders gerne an Ufern von Gräben, langsam fließenden Bächen und Flüssen, von Teichen und Seen an, wo er mit seinen Polstern ständig oder vorübergehend im Wasser steht. Sodann findet er sich in Menge auf den Streuewiesen, welche längere Zeit unter Wasser gesetzt werden. An solchen Stellen bildet er eine wichtige Bestandesform, die „Böschenspaltwiese" (die „Zsombeckformation" Kerners*). Die Pflanze entwickelt außerordentlich feste, 1—3 Fuß hohe und ebenso breite oder noch größere Fig. 14. Stück eines Querschnittes durch die Wurzel des Büsche n- spaltes (Oarex sirietas. 60:1. 3 . Zentrales Gefäßbündel. t>. Rinde. *) A. Keiner. Das Pflanzenleben der Donauländer, Innsbruck 1863, S. 59. 1 öl ^ - ? i<).. 'o/i / 6 t-^.7.^ ^erKLo/t^ /Ärr^e. Är^Ls< /r^rrK' ^2^.8 -VI ^i«/. u. 7/ //a/,„/,/«//. I' L^. I (^LI'SX Ltl'ILtL Qooä. 8ä8L^8nsxLl^ 59 Rasenpolster, welche aus gedrängten, aufwärts wachsenden, mit Moos und kleineil Pflanzen durchspvnnenen Trieben und einem dichten Wnrzelfilz zusammengesetzt sind. Diese Horste stellen eine zusammenhängende, filzige Masse dar und werden in manchen Gegenden unseres Landes als Polstersitze und Schemel benutzt. Im Wasser treibt er Blätter von 1 — 1.5 m. Länge, die zuletzt braun und verwittert über dem Stocke hängen wie die struppigen Haare eines Gigantenhauptes. Am Weiher des Kämmoos und am Gattikerweiher erreichen diese meist im Wasser stehenden Böschen einen Durchmesser von 1—3 m. Der Boden zwischen den einzelnen Polstern ist fast kahl oder unbewachsen. Da und dort bilden sich zwischen den Carexpolstern schwingende Wiesen, bestehend aus der braunen Schnabelbinse (UIivii 6 li 08 iioi'N ln8on), der Scheuchzcrie (8ell6uo1ix6rin pniu8ti'i8), dem Alpenwollgras (Uriopliornm nlpimiiu), dem überfluteten Bärlapp (Uvoopockiulii in lind nimm), von Sonnentau (Dioxin), Fieberklee lNoiivniitiicm trikolintn) rc. rc. Beispiele dieser Art sind am Pfäffikersce bei Robenhausen und noch schöner am See von Lussh bei Chütel St. Denis vorhanden. In gleicher Weise tritt der Böschenspalt in Torflöchern und Tümpeln oft bestandbildend aus, häufig begleitet von der cypergrasähnlichen Segge (6arsx xseuckoo^orus), der Flaschensegge, der Seebinse, Fadensegge, dem Sumpfblutallge (Oomarum pniustro), der rundhalmigen Segge (6nrex tor6tiu8- onln), der sonderbaren Segge (6nrox pnrackoxn). An Gräben bildet er durch seine zäheil Polster eine solide Uferböschung, begleitet von den gelben Sternen der Sumpfdotterblume. Die ausgedehntesten Bestände bildet der Böschenspalt aber auf denjenigen Strenewiescn, welche Bewässerung, periodisch unter Wasser gesetzt werden können. Die Rasenpolster werden hier nicht so groß, da zwischen denselben sich noch andere Pflanzen ansiedeln. Nichtsdestoweniger bildet das Gras auch hier recht ansehnliche Polster, die leicht die Größe eines Laibes Brot erreichen. Solche Böschenspaltwiesen finden sich beispielsweise bei Tuggen und Reichenbnrg in der March, aus der Maschwanderallmend, auf dem Wauwilerried u. a. O. Der Böschenspalt erreicht dort eine Länge von 1 Meter und mehr. Als Begleitpflanzen treten Fadensegge, Blasensegge (Onrox V68i6nrin), cypergrasartige Segge (Lürox p86näoevp6rn8), Sumpsschachtelhalm, Sumpf- und einspelzige Schlammbinse (Il 6 l 60 <üuiri 8 pnUi8tri8 und niUAlnir>i8), gelbe Segge (Onrox tlnvn), Froschlöffel (FIi8mn pinutnAo), Snmpfsegge (Onrox pnluck 08 n), Schilf, Fieberklee, Flaschensegge, Seebinse (8oirp>i8 in6U8tri8) u. a. m. auf. 9toch weiter landeinwärts, wo der Boden noch trockener wird, gesellen sich die gemeine Segge, die Hirsensegge, der Hackbart, das Bescnried, Moos u. a. dazu; der Rasen wird nach und nach ebener, die Polster des Böschenspaltes gehen im Bestände nach und nach unter, die Halme und die Blätter bleiben kürzer, er fristet augenscheinlich kein fröhliches Dasein mehr und wird schließlich von den Arten, welche die Trockenheit besser ertragen können, ganz unterdrückt. Einen solchen Übergang, wo aber der Böschenspalt immer noch die Oberhand hat, zeigt folgende Misch- Untersuchung: bestünde. Bcsenried-Hirsens e g g e n - Böschenspaltwiese auf der Maschwanderallmend; Boden 60 ein. tief, Schlamm, dann Sand, frisch. Untersucht 12. Juni 1894: Schcingräser. OUperaceen.... 7° 84.02 Böschenspalt. . Uarvx strieUr 6 voll. . . . Hirsensegge. . 6-irex gauicvg U. Hackbart. . Onrcx UavsNinnn 8m. . . Gras er. t?ramrneen ... 15.80 Besenried. . Iloliiim eosruieL Uvneb. Schilf. . I'ln-agmite.s emmrwinu Irin. Verschiedene Familien . . . 0.18 Quirlblütige Münze . . IlviNba vertioilluta U. . . 7 « 49.33 34.56 0.13 13.62 2.18 0.18 100.00 60 Boden. Höhen- grenzen- Entwicklung. Ernte. Ertrag. Streuewert. In dem Bestände kamen außerdem vor: Hornschuchs Segge (Osrsx IlornsekuokisvL llopps), hellgelbe Segge (6srex llava ll.), gelbfrüchtige Segge (Larsx xantkoesrpa Oegl.), schmalblättriger Hahnenfuß (karnmculas llismmuia ll.), glattes Milchkraut (llsontoäon bastilis ll.), Sumpfkreuzkraut (8enseio paluäosus I..), lZnadenkraut (Kratiola ollieinalis ll.). An noch trockeneren Stellen geht der Bestand allrnählig in eine förmliche Hirsenseggen- oder eine Besenriedwiese, seltener in eine Hackbartwiese über, während bei genügender Feuchtigkeit Rohrbestände oder Seebinsenbestände entstehen. Wir fanden den Böschcnspalt bei den gervichtsanalytisch untersuchten Wiesen in folgenden Beständen: Besenried-Hirsenseggen-Bö schensp altw i ese, Maschwanderallmend 49.3 "/» Kopfbinsen-Besenriedwiese, Waidring bei Loser, Salzburg . . 13.4 „ Böschenspalt-Schilfbestand, Au, Wädensweil.11.2 „ Böschenspalt-Bergseggen-Besenriedwiese, Melserried.10.1 „ Böschenspalt-Trespen-Bes enriedwiese, Avanches.10.1 „ Alpemvollgras-Besenriedwiese, Längmoos, Oberrieden .... S.2 „ Hackbartwiese, Wetzikon-Hinweilerried.3.4 „ S chl ammschacht elhal mw ies e, Binzegarten, Schirmensee . . . 1.7 „ Besenried-H irsensegg enw i ese, Melserried.0.9 „ Besenriedwiese, Maschwanderallmend . '.0.7 „ Der Böschenspalt findet sich sowohl aus mineralischem wie aus Moorgrnnd, wenn ihm die Be- wässerungsverhültnisse zusagen. Im Hochmoor ist er jedoch selten, so z. B. suchten wir ihn vergeblich in den Hochmooren von Altmatt und Les Ponts. Es ist aber anzunehmen, daß er früher auch hier häufig war und bei der Bildung des Flachmoores, auf welchem sich das Hochmoor ansiedelte, wesentlich Anteil hatte. Im Wallis steigt der Böschenspalt 1600 m. und in Granbünden noch höher; so z. B. findet er sich in den Graben längs der Straße von Samaden nach Pontresina (1712 m. ü. M.) Wachstum, Ertrag, Streuewert. Wie alle Seggen treibt der Böschenspalt im Frühjahr sehr zeitig. Im Versuchsfeld der Samenkontrollstation fängt er schon anfangs April an zu treiben. Am 10.—15. April ist er schon 10 em. hoch. Sofort treten die schwarzen Ähren aus den Scheiden hervor und beginnen Ende April zu blühen. Die Halme und Blätter haben zu dieser Zeit eine Länge von 15 ein., schießen nun aber rasch in die Höhe. Anfangs Mai sind die Halme in vollster Blüte, haben aber erst eine Länge von 30—40 em. Um den 25. Mai ist die Pflanze schon verblüht und nun erst, bei Eintritt des warmen Wetters, beginnt das raschere Wachstum. Anfangs Juni haben die Halme eine Länge von 60 ew., die Blätter eine solche von 45—50 ein. Aber bald haben die Blätter die Halme erreicht und überholt. Zur Zeit der Samenreife, am 5.—10. Juni, sind die Blätter gleich wie die Halme 70 em. lang. Die Samen fallen ab und damit stellen die Halme ihr Wachstum ein, während die Blätter fortdauernd weiter wachsen, bis sie Mitte Juli ihr volles Entwicklungsstadium von 95 em. erreicht haben. Über den ganzen Sommer schießen aber aus dem alten Stock neue Blatttriebe nach, so daß das Wachstum des Stockes während der ganzen Vegetationszeit nie stille steht. Man schneidet deshalb die Streue zweckmäßig erst im Herbst, weil aus diese Weise die älteren Blätter Reservematerial für den Mntterstock sammeln und ihn so kräftigen können. Schneidet man frühzeitig, so kann man im Herbst noch einen zweiten Schnitt ernten, jedoch wird dadurch die Lebens- kraft des Stockes geschwächt und der Ertrag ist im folgenden Jahr geringer. Die Lücken zwischen den einzelnen Stöcken sind in der Regel von einem festen Filzwerke von Wurzeln des Böschenspaltes ausgefüllt. Die in den alten Horst fallenden Samen keimen teilweise und so entstehen innerhalb des alten Mutterstockes Tochterpflanzen. Da sich zudem zwischen den Trieben an der Basis des Stockes Moose ansiedeln, so wird so das Polster von Jahr zu Jahr höher und in relativ kurzer Zeit entsteht eine ziemlich mächtige Schicht torfbildenden Materials, rascher bei günstigen Bewässerungsverhältnissen und wenn die Streue nicht genutzt wird. An Streue werden bei günstigen Bewässerungsverhältnissen leicht 30 cs. per Juchart geerntet. Die Streue wird zu der besten Spaltstreue gerechnet. I'IC. 5. DS-r^^7>rE WM btA.lv bi^.9. rig.tz.vi ^ »M./ ptA.Z. . TÄN ZrL^ ^ML§ ^S6!S^7L> 0^6X LQQt.3. 1^. Zxii.26 36§§s. L. L 1^. Lo^rädsr aä. nst>. äsi. 61 100 Teile trockene, am 5. September 1890 im Versuchsfeld der Samerckontrolstation geerntete Streue enthielt Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 1.44 7° 7.52 °/° 0.22 7° 1.68 7» 0.83 °/° 0.21 7° Der Düngerwert per 100 Kilo beträgt demnach Fr. 2. 61. I. H. Starrer konstatierte bei der Pflanze in verschiedenen Entwicklungsstadien folgenden Stickstoffgehalt: Juni 1.39-1.55°/», August 0.94—1.12 7°, Dezember 0.7"/°' Die Aufsaugungskraft von am 26. Oktober geernteter Streue erreichte 300°/° des Eigengewichts. Kultur. Des Horstbildenden Wuchses halber und der Schwierigkeit der Nachzucht aus Samen Kultur, ist die Kultur sehr schwer möglich. 3. Die Spitzsegge. Lurox neu tu N (Tafel 3.) Spitzsegge, spitzige Segge, spitzkantige oder scharfhalmige Segge heißt diese Art wegen der am Rande Benennung, schneidenden, scharfen Blätter. In der Ostschweiz wird sie mit den andern langblättrigen Seggen als „langer Spalt" oder „langes Spaltgras" bezeichnet; im Kanton Bern als „lange Lische". In Schlesien heißt sie Bcrstengras, Eisenspäther oder -Pater, Lcuchel, Minksch, Nätsch, Nieksch, Platzgras, Schnöte, Sterbegras; in Siebenbürgen „Bisgras." Andere Namen sind: Ochsenbentel, Plaggras, Schelmengras, Statsch, Uferschnöte, Schnittgras, Schnidgras rc. Die Spitzsegge ist eine der ergiebigsten und besten Strenepflanzen der tiefer gelegenen, periodisch Landwirt- überschwemmten oder künstlich bewässerten Strenewiesen. Vermöge ihrer unterirdischen Kriechtriebe bildet ^Wcrt/^ sie einen sehr dichten Rasen und auf gutem Standort erreichen die Triebe Mannshöhe und mehr. Botanische Beschreibung. Die Spitzsegge treibt ziemlich lange Ausläufer, die mit langen, braunen Botanische Niedcrblättern bedeckt sind. Die einzelnen Stöcke sind kräftig und zeichnen sich durch eine große Zahl steriler ^H^^ung. Triebe aus (siehe Tafel 3). Der Halm (Fig. 9) ist aufrecht, scharf dreikantig, an der oberen Hälfte stark rauh, am Grunde von einer großen Anzahl Blätter umschlossen. Das Markgewebe ersüllt den ganzen Halm. Die langen, zugespitzten Blätter haben auf der Unterseite einen scharfen Kiel, vberseits auf jeder Hälfte eine etwas weniger scharfe Erhöhung. Sie erreichen eine Länge von 170—180 em. und sind dabei 5—10 uim. breit. Am Rande sind sie rückwärts rauh. Die Luftkanäle sind relativ schwach ausgebildet; die untere Epidermis ist reich mit Papillen besetzt. Das Gelenkpvlster ist gut ausgebildet und besteht aus zwei Zelt- schichten. Beim Trocknen rollen sich die Blätter am Rande ein. Das Blatthäntchen ist kurz gestutzt (Fig. 11). Die blassen Scheiden spalten nicht netzfaserförmig, sondern zerfallen lappig (Fig. 10). Die Stützblätter der untern Scheinährchen sind lanbblattartig, länger als der Blutenstand (Fig. 1 n. 2). Am Grunde sind sie geöhrt, ohne eine Scheide. Der Blütenstand ist vor und während der Blüte schwach nickend und besteht aus 2—3, «, selten nur aus 1 männlichen und 2—4 weiblichen Scheinähren, die in ziemlicher Entfernung voneinander am Halme inseriert sind (Fig. 1. n. 2). Die weiblichen Scheinähren sind am Grunde lockerfrüchtig, gegen das Ende dichtsrüchtig. Die Bälge sind länger als der Schlauch, stumpf zugespitzt, braunschwarz mit einer grünen Mittelrippe (Fig. 3). Der Fruchtknoten trägt zwei fadenförmige Narben (Fig. 4 u. 5). Die Frucht besteht aus zwei Fruchtblättern und erscheint deshalb etwas zusammengedrückt, kreisrund, mit zwei Räten (Fig. 7). Der Schlauch zeigt jederseits 4—5 feine Nerven; der Schnabel ist kurz aufgesetzt (Fig. 6). Abarten. Die Spitzsegge bildet nach Ascherson*) folgende gute Varietäten: Abarten. a) xe naivs ^seds. Kräftig, brcitblüttrig, weibliche Scheinährchen überhängend, die untersten ziemlich lang gestielt; Schlauch beiderseits sehr gewölbt, ungefähr so lang als die länglich lanzetten, spitzen Deckblätter. d) strietit'oli s OM? (als Art). Schläuche stärker zusammengedrückt, deutlich nervig, kürzer als die aus länglichem Grunde zugespitzten Deckblätter (Osrex prolixs) 1>. 7 Ascherson. Flora der Provinz Brandenburg, Berlin 1864, S. 775 f- 62 Geographische Verbreitung. Standorte. Spitzseggen- wiesen. e) triooststa Ur. (als Art). Niedriger, schmalblättriger als vorige, weibliche Scheinährchen aufrecht, kürzer, auch die untersten kurz gestielt, Schläuche außen stärker gewölbt, öfter mit einer hervorragenden Kante, länger als die eiförmigen, spitzen oder stumpfen Deckblätter. Die Bälge variieren in Form und Länge wie folgt: Sie sind meist spitz, länger oder etwas kürzer als der Schlauch bei vsr. t^piea lloek, oder nur halb so lang als der Schlauch bei var. sowiauäu Leelr. oder auffallend länger als der Schlauch bei vsr. stridit'oliu OpiU (als Art). Vorkommen, Boden, Bewässerung. Die Spitzsegge ist in ganz Europa verbreitet, kommt aber auch im Kaukasus und in Nordamerika vor. Sie hat ihren Standort an Fluß- und Seeufern, an Gräben, auf nassen Wiesen, besonders aber auf Strcuewiesen, welche bewässert werden. In der Schweiz findet sie sich jedoch vorzugsweise nur in den niedrigen Lagen, bedeckt aber hier oft große Flächen, namentlich dort, wo genügend Feuchtigkeit vorhanden ist, ohne daß der Boden an stockender Nässe leidet. So z. B. fanden wir sie in folgenden gewichtsanalhtisch untersuchten Beständen: Seegrasbestand im Möösli in Ettiswil.0.9 "/» Spitzseggen-Rohrglanzgrasbest and in Unter-Steinmaur 18.1 „ Schilfrohr-Sp i tzs e g g en b e st a n d im Gossauerried .... 65.3 „ Spitzseggenbestand im Riedikcr-Ried.90.4 „ Die Spitzsegge bildet oft fast reine Bestände, wie dies in dem letzten Beispiele der Fall ist. Spitzseggenwiese an einer bewässerten Stelle des Riediker-Riedes 445 »>. ü. M. Boden Schlamm, kalkhaltig. Untersucht am 20. Mai 1895. Die Probe enthielt: °/° °/° Schein gräser. tT/peraoeem . . . 96.37 SpitzfcM. . Onrex ueutu 1'r. 96.37 Gräser. . . . 2.17 Gemeines Schilf . . . . Lbrsjwntes ecnninnnis "Irin. . 2.17 Verschiedene Familien. 1.46 Gemeiner Weiderich . U/tbru»> 8»Iic»ris ll. . - - 0.57 Ackerfchachtelhalm . . . Ugmsstuin urveuso ll. . . . 0.42 Heckenwinde .... . Oonrolvuins sepium U. 0.34 Sumpf-Dotterblume . Ouitba piüusti'is U. 0.12 Unbestimmbar.... 0.01 100.00 Die Blatttriebe hatten trotz der frühen Jahreszeit schon eine Höhe von 105 ein. Die wertvollsten Streuewiesen der Schweiz, die wir kennen, sind Spitzseggenwiesen. Es sind das die an der Straße unterhalb des Dorfes Gossau (Kanton Zürich) gelegenen Streuewiesen, welche künstlich bewässert werden. Am 3. Juli 1895, als wir diese Wiesen untersuchten, hatte der dicht geschlossene Rasen bereits eine Höhe von 130 ein. und einzelne Triebe ragten noch darüber hinaus. Man kann sich keinen Begriff machen, welche Masse Streue von dem Komplex geerntet wird, wenn inan es nicht selbst gesehen hat. Die Wiesen werden zwei Mal geschnitten, das erste Mal anfangs Juli, das zweite Mal im Herbst. Der Jahresertrag wird per Jnchart auf 150—200 Ctr. dürre Streue berechnet. Dementsprechend sind diese Wiesen höher geweitet als selbst die besten Futterwiesen und werden auch demnach bezahlt. Eine Parzelle von 30,000 Quadrat- fuß wurde zu Fr. 3700 verkauft; auf die Jnchart berechnet gibt dies einen Preis von Fr. 4867 oder aus den Hektar Fr. 13,500. Das ist aber durchaus kein Ausnahmefall; andere Verkäufe daselbst ergingen um den Preis von Fr. 4400—5000 per Jnchart. 63 Die gcwichtsanalhtische Untersuchung einer Durchschnittsprobe ergab folgendes Resultat: Schilfrohr- Spitzseggenwie se unterhalb Gossau (Kt. Zürich), 450 m. ü. M. Boden Thon, bewässert. Untersucht am 3. Juli 1895. Scheingräser. OAperaeeen . . °/° 65.30 °/° SPitzsegge. Gräser. (larox aeiita 10-. 33.03 65.30 Gemeines Schilf . . . . Lbragmiios commuuis Irin. 32.66 Gemeines Rispengras . . ?oa triviaiw I,. 0.20 Wolliges Honiggras . . Iloleas lanalue ... 0.09 Gemeines Straußgras . ^grostis vulr-aris IVitii. . . Verschiedene Familien . . . . 1.67 0.08 Hohes Labkraut . . . Kalium eionAalum Oresl. 0.59 Schlamm-Schachtelhalm kguisetum paiustro I,. . . 0.47 Sumps-Dotterblnme Oaltba paluslris ll. ... 0.29 Glattes Milchkraut . . llaoiitculon luwlilis 0. . . 0.24 Bitteres Schaumkraut . llaräamino amara N. . . 0.04 Gemeine Sumpfwurz . Ilpipaetis paluslris 6r!n. 0.02 Acker-Münze .... illenUia arvoiisis I,. . . . 0.01 Vogclwicke. Vieia llraeea I,. 0.01 100.00 Neben der Spitzsegge tritt also auch das Schilf in den Bestand, wodurch die Qualität der Streue etwas leidet. In tieferen Lagen, wo die Bodenfeuchtigkeit größer ist, geht der Bestand in eine förmliche Schilfwiese über. Ähnliche Strenewiesen mit mächtig entwickelter Spitzscgge finden sich auch anderwärts, wo die Boden- und Bewässernngsverhältnisse ähnliche sind, so bei Srlikon, bei Seebach, Hombrechtikon rc. Häufige Begleiter der Spitzseggeuwiese sind, neben dem Schilf, die Sumpfsegge, das Rohrglanzgras, das wollige Honiggras, das gemeine Rispengras, der Schlammschachtelhalm, der Sumpfschachtelhalm, die Sumpfdotterblume, der Weiderich, die Acker-Minze, die Riedröhre (Nnaolion 8v1v68tri8), die Kohldistel, Sumpfspierstaude, Böscheuspalt u. a. Der Bestand geht oft über in eine Snmpfseggenwiese, oder eine Schilf- wiese oder eine Rohrglanzgraswiese oder eine Böschenspaltwiese. Viel häufiger als iu der Schweiz findet sich die Spitzsegge in Deutschland. Geradezu massenhaft ist sie z. B. in der Eidcrniederung Schleswig-Holsteins, so daß C. Weber*) eine eigene, nach ihr benannte Snbformation des Graslandes unterscheidet, die „Subformativu der Lni'ox ZU'uoiii8" (nentu). Er schreibt: „In größter Ausdehnung findet sich die Subformation der Oarex graeilis in den tiefer gelegenen Teilen der Niederungen, welche den bis in das Frühjahr hinein währenden Wintcrüberschwcmmungen ausgesetzt sind und selbst im Sommer sich nur unbedeutend über den Wasserstand erheben (höchstens 0.1 n>.). Als breiter Streif begleitet sie den untern Lauf der Flüsse und Auen, flußwärts in eine Schilfrohr- oder Binsenformation übergehend, landeinwärts sich mit der Subformation der niederen llarioes mischend. Besuchen wir diese Subformation in den ersten Tagen des Juni in der Eiderniederung, z. B. am Ufer der Haaler Aue, so bietet sie uns dort folgendes Bild. Wie ein weites Kornfeld wogt vor uns das dunkelgrüne Gehälme der 6arsx graeilis, 0.5—1 w. Höhe erreichend, einförmig, durch keine Blume belebt u. s. f." „Die Subformation der karex xraeiiis beschränkt sich keineswegs auf den unteren Lauf der Flüsse; sie erscheint auch in dem oberen, wofern nur die Bedingung der andauernden winterlichen Überschwemmung erfüllt ist, erreicht hier aber in typischer Entwickelung selten eine so große Ausdehnung wie dort." Ihren Standort hat die Spitzsegge vorzugsweise auf mineralischem Boden, besonders auf dem reichlich bewässerten Schlammboden. Wenn der Boden Feuchtigkeit genug besitzt, gedeiht sie auch auf Sand und Kies. Am Zugersee durchbricht sie mit ihren Trieben 1 Fuß hohe Kiesbänke. Aus Moorböden ist sie selten und auf Böden mit stauender Nüsse gedeiht sie nicht. Sie verlangt zu ihrem Gedeihen *l Über die Zusammensetzung des natürlichen Graslandes in Westholstcin, Dithmarschen und Eiderstedt. Kiel 1892, Seite 192. Boden. 64 Bewässerung, zeitweise Überschwemmung oder langsam bewegtes Wasser. Durch reichliche Bewässerung kann die Entwickelung ungemein gefördert werden, wie am besten das Beispiel der erwähnten Streuewiesen in Gossau zeigt. Über die Mitte der einzelnen Parzellen von oben nach unten führt hier der Wasserzuleitungsgraben, von welchem links und rechts die Rieselrinncn abzweigen. Das überschüssige Wasser wird durch Abflußgräben weiter geführt und bei den tiefer gelegenen Wiesen nochmals zur Bewässerung benutzt. Wie sehr die Spitzsegge das Wasser liebt, geht daraus hervor, daß an denjenigen Stellen von Streuewiesen, wo durch einen Maulwurfsgang mehr Wasser hinkommt, die Entwicklung der Pflanze sofort eine üppigere ist. Entwicklung. Wachstum, Ertrag, Streuetvert. In ihrer Entwicklung stimmt die Spitzsegge mit dem Böschenspalt im wesentlichen überein. Schon Ansang April beginnt sie im hiesigen Versuchsfeld zu treiben. Um den 20. April sind einzelne Triebe schon 30 om. hoch, während immer noch neue aus dem Wurzelstocke emporwachsen. Nun treten die blütentragenden Triebe hervor und schon zu Ansang Mai beginnt die Blüte. Die Halme haben zu dieser Zeit eine Höhe von 25—30 am., während die Blatttriebe 35—45 ein. lang sind. Mit Ende Mai geht auch die Blüte zu Ende. Die Halme sind dann 40—60 am. lang, die Blätter 40—70; Halme und Blätter wachsen aber durch fortwährenden Nachschub von unten fort, bis erstere bis Mitte Juni eine Höhe von 70—80 ein., die Blätter von 80—90 ein. erreicht haben. Nun tritt die Samenreise ein und die Samen fangen bald an abzufallen. Damit hört das Wachstum der Halme auf, während die Blätter fortwachsen. Anfangs Juli haben diese eine Länge von 100—110 ein., Ende Juli von 110—120. Die älteren Blätter stellen nun ihr Wachstum ein lind ihre Spitzen trocknen nach und nach ein, aber die Nachzügler wachsen immer noch fort und der Bestand schließt sich mehr und mehr. Unter sehr günstigen Verhältnissen vermögen diese in dem hohen Ernte. Rasen nicht mehr auszukommen, weshalb es in solchen Fällen ratsam ist, Mitte Juli zu schneiden und im Herbst noch einen zweiten Schnitt zu nehmen, denn der Stand ist oft im Juli schon so mächtig, daß die langen Matttriebe ihre Last nicht mehr zu tragen vermögen und sich lagern. Unter solchen Umständen ist es besser, man schneide die Streue, während es bei den weniger üppigen Beständen besser ist, sich mit einem Schnitte zu begnügen und die Ernte erst im Herbste vorzunehmen. Wenn die ältesten Triebe ihr Wachstum auch schon im Juli abgeschlossen haben, so wachsen die jnngern immer noch fort und aus dem weniger geschlossenen Rasen sprossen den ganzen Sommer über neue Triebe hervor. Die Stärke der Entwicklung ist natürlich in erster Linie bedingt durch Boden, Lage und Bewässerung. Nach dem Abfall der Samen, Mitte Juni, beginnen die Halme einzudvrren und faulen nun ein, so daß der gesamte Rasen zur Erntezeit nur aus den langen Blatttrieben besteht. Das mittlere Gewicht eines solchen Triebes beträgt dürr 0.91 Gramm. Ertrag. Der Ertrag kann bei einigermaßen gutem Stande auf 60 Ctr. dürre Streue berechnet werden. Streuewert. Die Streue der Spitzsegge ist sehr geschätzt, da sie nicht hart ist und sich im Dünger gleichmäßig zersetzt. 100 Teile dürre Streue, am 5. September 1890 im Versuchsfeld der Samenkontrolstation in Zürich geerntet, ergaben folgenden Gehalt: Stickstoff Asche darin: Phosphor säure Kali Kalk Magnesia 0.95 5.89 0.21 0.86 0.92 0.52 Prozent. Demnach berechnet sich der Düngerwert auf Fr. 1.67 per 100 Kilo. Witting ermittelte: Reinasche 2.92 °/°, Phosphorsäure 0.23 °/°, Kali 1.26°/», Kalk 0.24 "/o, Magnesia 0.22°/»; Knop und Arendt: „ 6.91 , „ 0.50 „ Kalk 0.33 „ Magnesia 0.14°/°, Stickstoff 2.24°/°. 100 Teile dürre Streue hatten folgende Aufsaugungskraft: I. Streue von Steinmaur, geschnitten am 9. Juli 1895 366"/° 11. Streue vom hiesigen Versuchsfeld, geschnitten am 26. Oktober 1895 324 „ (Roggenstroh 323 °/°.) 65 Ältere, an den Spitzen eingetrocknete Streue hat also eine geringere Anfsaugnngskraft als junge; üppiger entwickelte eine größere als schwächere, weil bei dieser die Luftkanäle der Blätter schwächer entwickelt sind. Kultur. Ihrer vorzüglichen Eigenschaften halber verdient die Spitzseggc vor allen ihren Gattungsverwandten am ehesten kultiviert zu werden. Die Anzucht aus Samen ist nicht zu empfehlen, von Samen, da der Samenansatz sehr gering ist, diese sehr leicht abfallen und sehr schwer keimfähig sind. Sie gelangen auch nur dann zur Keimung und Entwicklung, wenn sie beständig naß gehalten werden. Da sich die Keimpflanzen zudem sehr langsam entwickeln, werden sie vom Unkraut leicht unterdrückt, so daß es nur bei der größten Sorgfalt möglich ist, in drei Jahren eine Anzahl Pflanzen heranzuziehen. Dagegen ist die Vermehrung durch Teilung älterer Stöcke leicht. Früh im Frühjahr werden zu diesem Behufe ältere Stöcke Kultur durch ansgegraben, zerteilt und solche Teilstöckc in Entfernungen von etwa 1 Meter ausgepflanzt. Es ist dies von Stöcken, durchaus keine zeitraubende Arbeit. Nachdem das Feld gehörig vorbereitet ist und die Setzlinge bereit gemacht sind, nimmt man eine Haue, schlägt diese dort, wo ein Setzling hinkommen soll, in die Erde, hebt den Boden mit der Haue etwas, ein zweiter schiebt dann einen Setzling unter die Haue in die Erde hinein, dann zieht man die Haue wieder heraus und drückt mit dem Fuß die Erde an die Pflanze an u. s. f. So können ein Mann und ein Knabe in einem Tag bis 1 Juchart bepflanzen. Wenn der Boden bewässert wird, so wachsen die Setzlinge leicht an, treiben bis in den Herbst eine Anzahl unterirdische Kriechtriebe, und bis in den Herbst des zweiten Jahres hat sich der Bestand schon geschlossen. Eine Hauptsache bei dieser künstlichen Strencwiesenanlage ist, daß der Acker gut gelockert und unkrautfrei ist, gerade wie bei der Anlage von Futterwiesen. Sodann gehört zum Gedeihen unbedingt künstliche Bewässerung. Wenn diese nicht möglich ist, so wähle man lieber eine andere Streuepflanze. Wo die Spitzsegge von Natur wild auf einer Wiese vorkommt, wie das sehr häufig auf den ^^A^ch"° feucht gelegenen Wiesen der Fall ist, da kann man ohne umzubrechen, nur durch geeignete Behandlung, des Bodens, eine Spitzseggen-Streuewiese erzeugen. Zu diesem Zwecke wird die Wiese vorerst nur einmal im Jahr, und zwar im Herbst, geschnitten. Dadurch erstarken die Spitzseggenpflanzen und vermehren sich, während die anderen Pflanzen eingehen. Sodann bewässere man die Wiese. Wer solche feucht gelegene Futter- wiesen besitzt und diese bewässern kann, kann gegenwärtig nichts Besseres thun, als sie auf diese Weise in Streuewiesen zu verwandeln, denn so erhält er eine Wiese, welche ihm einen großen Streueertrag abwerfen kann, ohne daß eine Düngung notwendig ist, wie dies die erwähnten Streuewiesen bei Gossan zeigen. Wenn sich bei dieser Behandlung in den ersten Jahren im Bestände noch Lücken zeigen, wo sich die Spitzsegge noch nicht angesiedelt hat, so hebe man an den Grabenrändern mit dem Spaten Stöcke aus und pflanze diese mit den Erdschollen in die Lücke. Zur Anlage solcher Spitzseggen-Streuewiesen eignen sich besonders auch die Eisweiher, bei welchen man während des Sommers das Wasser beliebig ablassen oder zufließen lassen kann. Statt dessen sieht man vielfach solche Weiher total brach liegen, indem der Boden mit allerlei nichtswürdigen Pflanzen bewachsen ist, während er meterhohe Streue zu erzeugen im Stande wäre. Pflanzliche Feinde. Die schädlichsten Unkräuter der Spitzseggenwiese sind das Moos und die Pflanzliche „Filzgräser", wie das gemeine Rispengras und das kriechende Straußgras genannt werden. Diese Pflanzen setzen Fenwe. sich am Grunde zwischen die Triebe und bilden so ein mehrere Centimeter hohes Filzwerk über dem Boden, unter welchem natürlich die Spitzseggenpflanzen leiden. Durch scharfes Eggen könnte man der Entwicklung etwas Einhalt thun. Von andern Unkräutern sind zu erwähnen die Sumpfspierstaude, die Waldröhre sJnAvIicn 8^1v68tri8), das Schilf, die Kohldistel (Oirmnin oisrnosnin) n. A. Auf der Spitzsegge selbst ist eine Sclerotienkrankheit beobachtet worden (Lelerotinia Dar' eans (ZuLI.), die aber auch auf andern Seggen (6. vaipina, srsnnrla) auftritt. Das Mycel wuchert an der Basis im Marke des jungen Halmes 9 66 Benennung. Merkmale. Abarten. Vorkommen. und erzeugt da 8—20 nun. lange Sclerotien, die abfallen und aus denen die 1'criiM - Fruchtkörper im Frühjahr entspringen. Der Halm dörrt infolge davon bald ab und die Blätter bleiben kurz. Bei einer Nachforschung dürfte dieser Pilz nicht gerade selten sein. Auf den Blättern finden sich hie und da Blatt- flecken, die von Pilzen (kueeima esrieis, kueeinia paluäosa, Lsptoria speo.) herrühren, aber nicht von größerer Bedeutung sind. 4. Die Buxbaumsche Segge. Onrex kuxdnmiiii 9i (Figur 15.) Die Buxbaumsche Segge hat ihren Namen von dem im Jahre 1730 in Werensdorf bei Mersebnrg verstorbenen Arzte und Botaniker Christian Buxbaum. Sie erreicht eine Höhe von ungefähr 80 ein., gehört also zn den mittelgroßen Arten und treibt zahlreiche, lange, unterirdische Ausläufer. Trotz der mageren Blattbüschel bildet sie einen dichter:, lang- halmigen Rasen. Das Rhizom ist dünn und mit relativ langen, scheidenartigen Niederblättern besetzt. Die langzugespitzten, etwa ü min. breiten Blätter sind blänlichgrün bis gelbgrün und an der Spitze rückwärts rauh. Ihre rotbraunen Scheiden spalten sich nctzsaserig. In: Querschnitt zeigt das Blatt große Lnftkanäle; die untere Epidermis ist reichlich mit Papillen versehen. Der Halm ist scharf dreikantig, an der oberen Hälfte rückwärts rauh. Das endständige Ährchen ist an der Spitze weiblich, unten männlich; die andern Ährchen (2—1) sind weiblich, dichtfrüchtig, walzlich, sitzend, das unterste bisweilen kurz gestielt. Das unterste Deckblatt ist laubblattartig, geohrt, ohne Scheide. Die Spelzen sind länglich, sein zugespitzt, braun mit grüner Mittelrippe. Die Frucht ist kahl, kugelig dreikantig, der Schnabel kurz abgeschnitten. Sie variiert in der Form der Spelzen, indem diese oft mehr oft weniger zugespitzt sind. In seltenen Fällen sind alle Ährchen weiblich oder die endständige Ähre nur männlich. Cuiax Lolilrr. ist eine Abart mit rot bis rotbraunen Spelzen mit grüner Mittelrippe. Die Buxbaumsche Segge, welche in Mittel- nnd Nordenropa, sowie in Nordamerika vorkommt, gehört zu den selteneren Arten. Sie fehlt großen Landesteilen ganz und gar, während sie anderwärts hie und da zu finden ist. Ihren Standort hat sie in den Sumpfwiesen und im Flachmoor, Ivo Fig. 15. Die Buxbaumsche Segge (Onrex IZoxboumü IV.-üiIenb.). Blüheuee Pflanze in halber natürlicher Größe mit zwei Ausläufern, wovon der eine einen Tcilhorst von Laubtricben trägt. Rechts ein Blutenstand in natürlicher Größe; das endständige Ährchen ist an der Svitze weiblich. 4. ')/u. W E W^- 0LI°SX LinxnIlLLSS. Looä _ ^lLSL^.SNSSMS. _ 7 -^> 1 . 1 «, 67 sie bis in die alpine Region hineinsteigt. So z. B. findet sie sich in den alpinen Mooren des Oberengadins. Ihr Gedeihen auf sumpfigem Boden mit stagnierender Nässe macht sie zu einer für diese sehr wertvollen Streuepflanze. Sie verlangt zu ihrem Gedeihen Nässe. Fischer teilt mit, daß sie früher im Belpmoos, unweit des Hühnerhubels, häufig gewesen, daß sie aber infolge der Entsumpfung seltener geworden sei. tOO Teile trockener Streue, welche am 22. August 1890 im hiesigen Versuchsfeld- geschnitten wurde, ergaben Strcuewert. folgenden Gehalt: Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 1.39 10.48 0.30 1.17 0.81 0.18 Prozent. Da die Bnpbanmsche Segge lange, unterirdische Ausläufer bildet, so eignet sie sich sehr gut zur Kultur. Vermehrung durch Teiluug uud Auspflanzung älterer Stöcke. Sie dürste besonders empfehlenswert sein zur Anpflanzung auf sauren Tvrftviesen. 5. Die Flaschensegge. Ourvx niupullueau Oooä. 2s. (Tafel 4.) Ihren Namen hat die Flaschensegge vvn der aufgeblasenen Frucht, welche plötzlich in einen Schnabel Benennung, endet, ähnlich der Form einer Flasche (nmpiiUn). Für nasse, schlammige Böden mit seichtem Wasser ist die Flaschensegge eine sehr wertvolle, ziemlich ergiebige Streuepflanze, die schöne Bestände bildet. Wert. Botanische Beschreibung. Sie bildet lange, tief unter der Oberfläche kriechende Ausläufer (Tafel 4, Fig. ^). Ihre mageren Blattbüschel erscheinen darum weit entfernt. Der Halm (Fig. 6) ist stumpf-dreikantig, hohl, glatt, nur in der Ähre rauh und in der untern Hälfte beblättert. Die blaugrünen B l ä t t e r überragen die Ähren. Sie sind lang zugespitzt, mit einer tiefen Kehle in der Mitte. Auf dem Querschnitt zeigen sie große Lnstkanäle, die von zahlreichen Oueranastomvsen durchsetzt sind und dem Blatte, besonders an dem blassen Teile, die zierliche Gitterstrnktur verleihen. Die Gesäßbündel sind der untern Blattseite genähert. Die Blattvberseite ist reichlich mit Papillen besetzt, während dieselben aus der Unterseite nur spärlich vertreten sind. Die Blattscheiden sind blaß und zerreißen netzfaserförmig. Die Deckblätter der untern Ähren sind lanbblattartig ausgebildet, ohne Scheide und überragen die oberste Ähre. Der Blütenstand setzt sich aus 2—I männlichen und 2—4 kürzer oder länger gestielten, dichtsrüchtigen, walzenförmigen, weiblichen Ähren zusammen. Die tänzelten Bälge sind braun, mit Hellem Mittelnerv (Fig. 1). Der Stempel (Fig. 3) trägt auf langem Griffel die drei Narben, deren Spitzen zur Blütezeit aus dem Schlauch hervorragen (Fig. 2). Das braune, dreikantige, 2 mm. lange Nüßch en (Fig. 5) sitzt in dem blasig anfgetriebenen, meist kantig eingedrückten, erhabennervigen, ovalen Schlauche, der zur Frnchtzeit eine glänzend gelbgrüne Farbe annimmt. Er endet in den kurzen Schnabel mit den zwei spreizenden Zähnen (Fig. 4). Abarten. Eine Form mit breiten, flachen Blättern ist die vni. latilolin I.8 °/° Scheingräs er. OMsraceen . . . 92.64 Flaschensegge . . . . Larex »mpuUaeoa llooä. . 81.31 Fadensegge. Oarsx tllilorwis U. . . . 11.33 Gräser. Llramrneen . . . 7.31 Besenried. Llollma ooorules Wood. . . 6.16 Hundsstraußgras.... ^grostis eanina U. . . . 1.15 Verschiedene Familien .... 0.05 Gemeines Heidekraut . . Lailuns vulgsris Lalisd. 0.04 Überschwemmter Moosfarn l^eopoäium iuunäatum U. 0.01 100.00 Ein Quadratfuß enthielt 319 sterile Triebe und 2.83 Gr. Moos. Der längste Trieb maß 67 cm., ein mittlerer 35 und der kürzeste 21 em. Flaschenseggenwiese am „brächen Bach" bei Geschirren im Oberwallis, 1350 m. ü. M., auf Schlammboden, Untergrund Steingeröll. Das Bachbett liegt höher als die Wiese, deshalb ist der Boden so naß, daß das Wasser dem den,Bestand Überschreitenden in die Schuhe fließt. Untersucht den 26. Juni 1894. Sch eingräser. Flaschensegge . . . . Weißgraue Segge . . Gräser. Weißes Straußgras Rotschwingel . . . . Zittergras. V ers Gemeiner Friedlos . . Or//>sraese» Oarex »mpullaosa Oomi . Larex eanssesns ll. . . . ^Krostis alba ll. . . . . Iwstuoa rubra U. . . . . Lrina me.äia U . iedene Familien . . . llz'simLetna vutgsris U. . °/° °/° 78.55 60.26 18.29 21.31 . . 18.15 . . 2.75 . . 0-41 0.14 . . 0.14 100.00 1 Quadratfuß enthielt 26 fertile, 385 sterile Triebe, 34 Keimpflanzen und 42,0 Gr. Moos. Im Bestand fanden sich ferner: Alpenlieschgras (lllüeuw alpimun I,.), Geruchgras (willboxanUmm oäoratum U.), gemeine Segge (Oarsx Uooäs- novii 6s>.), schmalblättriges Wollgras (llriopliorum angustikollmu Ilotk.), Streuröhre (^ogotioa sxtvestris I..); der Bach selbst ist eingesäumt von Weißerlen (Hims inoana veo.). 69 Fig. 16. Die Fadensegge (Oarex tUikormis 1,.) Halbe natürliche Größe, rechts Blütenstand in natürlicher Größe. Der Fla schmscggenbestaild wird oft begleitet von einer Reihe charak- Bcgleit- teristischer Pflanzenarten, so vom Schlammschachtelhalm, der Fadensegge (Fig. 16), dem Bdschenspalt, der cypcrgrasähnlichen Segge, der gemeinen Segge, dein Hackbart, der fadenwnrzeligen und der Schlammsegge, der Hirscnsegge, der Seebinse, dem Schilf, der Scheuchzerie, dem schmalblättrigen Wollgras, der Schlammbinse (ickolöooünris), dem wilden Reis, dem Fieberklee, der Sumpfdotterblume, der weißen und gelben Seerose, dem schmalblättrigen Hahnenfuß (Knuun6uiu8 tlnmmnln), dem großen Hahnenfuß (knnnnonlns lüu^un), dem Snmpfläusekraut; in hohen Lagen von der Rasenbinse, dem Scheuchzerschen Wollgras, der weißgrauen Segge u. a. Mit mehreren dieser Arten bildet sie auch M ischbeftände. Wachstum, Ertrag, Streuewert. Die Flaschensegge erzeugt Wuchs, lange unterirdische Ausläufer (s. Tafel 4), vermöge deren sie unter günstigen Verhältnissen dichte Rasen bildet. Die sterilen Triebe erreichen im Mittel eine Länge von 50—60 am., während die Halme kürzer bleiben. Im Versuchsfeld der Samenkontrvlstation haben die Triebe Anfang April Entwicklung, eine Länge von 15—20 ein.; Ende April sind sie 35—40 ein. hoch. Anfangs Mai erscheinen die Halme, die eine Höhe von 40 ein. erreichen und vor Ende Mai abblühen. Die Halme bleiben nun im Wachstum stehen und verwenden ihr Material auf die Ausbildung der Samen. Die Blätter wachsen aber weiter und find Ende Mai 50—60 am., Anfang bis Mitte Juni 60—70 am. lang, um dann ihr Wachstum einzustellen. Aus dem Wurzelstock treiben aber fortdauernd neue Triebe hervor, so daß die Wiese während des ganzen Sommers einen Zuwachs zeigt. Der obere Teil des Halmes trocknet mit den männlichen Ähren nach der Blüte ein, während die weiblichen Ähren ihre flaschenförmig aufgeblasenen Früchte entwickeln. Diese sind im Monat Juli reif und fallen dann ab; der Halm trocknet vollständig ein. Die abgefallenen Samen keimen auf günstigem Terrain noch im gleichen Sommer. So z. B. fanden wir aus einem Ouadratfuß Rasen auf der Flaschenseggenwiese bei Geschinen 34, aus jener aus der Alp Tamons 56 Keimpflanzen, während die Flaschenseggenwiese auf dem Todtmeer bei Einsiedeln keine Keimpflanzen enthielt, weil die Pflanze an dieser Stelle nur sterile Triebe (also keine Samen) erzeugte. Das mittlere Gewicht eines Halmes betrug bei den drei untersuchten Flaschcn- seggenbestünden 0.32 Gramm, eines sterilen Triebes 0.86 Gramm. Die Zahl der fertilen Triebe (Halme) ist jedoch sehr klein; im Mittel kommt auf 93 Blatttriebe nur 1 Halnitrieb. Im Hinblick darauf, daß ein zweimaliger Schnitt nicht zu Ernte, empfehlen und das Dörren des nassen Standortes halber oft schwierig ist, wäre es angezeigt, die Ernte im September vorzunehmen. 100 Teile trockene Streue, welche am 5. September 1890 im hiesigen Ver- Streuewert. suchsseld geerntet wurde, hatten solgmden Gehalt: Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 0.97 10.77 0.43 1.02 1.01 0.32 Prozent. Am 26. Oktober 1895 geerntete Streue hatte eine Aussaugungskrast von 370"/« (Roggenstroh 323"/»). 70 Kultur. Kultur. Die Kultur der Flaschensegge ist zu empfehle» auf ausgetorftem Boden, der zeitweise uutcr Wasser steht, uud au Teichuferu mit nassem, moorigem Boden. Der Anbau geschieht in der Weise, daß alte Stöcke ausgegraben, geteilt und diese Teilstöcke in Entfernungen von etwa 1 Meter in der Weise eingepflanzt werden, wie es bei der Spitzsegge angegeben wurde. Bastard. Von der Blascnsegge (Osrox vosiosria) und der Flaschensegge (aiupuilseoa) existiert ein Bastard --- 6. kriosii Mxtt. Nach den Untersuchungen von A. Zschokke*) hält dieser genau die Mitte zwischen den beiden Elternformen. Er bildet längere Ausläufer und besitzt einen kräftigen Wuchs. Die Blätter sind freudiggrün, lang, 5—6 min. breit, etwas rinnig. Bemerkenswert ist die Struktur der Epidermis. Bei der Flaschensegge besitzt dieselbe auf der Blatt- oberseite kleine, scharf abgesetzte Papillen, die bei der Blasensegge fehlen. Der Bastard hält die Mitte: die Epidermis- zellen sind schwach vorgewölbt, papillöS ausgebildet oder glatt. Der Halm besitzt etwas abgerundete Kanten. Der Blütenstand ist aufrecht und besteht aus 2—8 männlichen und 1—3 kurzgestielten, dichtfrüchtigcn, weiblichen Ähren. Wegen des kräftigen Wuchses dürfte sich diese Form zur Anpflanzung empfehlen. 6. Die Blasensegge. 6ni'6X V68i6tll'in IÜUU8 A (Tafel 5.1 Botanische Die Blascnsegge ist der vorigen sehr ähnlich. Sie bildet kräftige kürzere Ausläufer mit langen, etwas Beschreibung. Blattbüscheln (Tafel 5, Fig. ll). Der Halm (Fig. 6) ist aufrecht, scharf dreikantig, an der oberen Hälfte rückwärts rauh. Die grasgrünen, scharfgekielten Blätter sind von geräumigen Lnftgängcn durchzogen. Sie überragen den Blütenstand und erreichen bei einer Breite von 5 mm. eine Länge von 70—80 ein. Ihr Blatt- häntchen (Fig. 6 und 7) ist kurz gestutzt. Die Blattscheiden haben meistens einen rötlichen Auslug und spalten netzfasersörmig. Die Deckblätter sind lanbblattartig ohne Scheiden. Am Blütenstand entwickeln zuerst die 1—3 endständigen, männlichen Ähren ihre Staubbeutel (Fig. L); erst wenn sie abgeblüht, gelangen auch die 2—3 grünlichen, sitzenden, weiblichen Ähren zur Blüte (Fig. 6), indem die Stempel die drei Narben aus dem Schlauch hervorsenden (Fig. 1, 2 und 3). Die reifen Frnchtähren sind strohgelb, dichtfrüchtig, prismatisch, die Schläuche (Fig. 4) langeiförmig aufgeblasen, schwachnervig allmählig in den mit zwei meist spreizenden Zähnen ausgestatteten Schnabel verschmälcrt. In ihnen sitzt die Frucht, ein dreikantiges, braunes Nüßchen (Fig. 5). Vorkommen. Die Blasensegge ist in fast ganz Europa verbreitet; sie ist aber auch in Algier gefunden worden. Sie gehört zu den großen Seggenarten, ist aber nicht häufig. Zwar findet sie sich da und dort in Sümpfen, auf Riedwiesen, au Teichen, in Gräben, in Pfützen u. s. f., bildet aber stets nur kleine Flecken. So z. B. nahn: sie auf einer Besenried-Hirscnseggenwiese im Gossauerried auf Lehm mit anmoorigem Untergrund 15.4 °/o des Bestandes ein. Streuewert. Die Streue ist von guter Qualität. 100 Teile dürre Streue, am 12. Oktober 1891 in unserem hiesigen Versuchsfeld gccrntct, enthielt: Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 1.38 7.76 0.45 2.17 0.88 0.27 Prozent. Knop und Arendt fanden: Stickstoff 2.08, Phosphorsäure 0.56, Kalk 0.45, Magnesia 0.21 Prozent. Die Anfsaugungskraft von am 26. Oktober 1895 geernteter dürrer Streue betrug 379 °/o (Roggenstroh 323 »/„st Kultur Sie eignet sich zur Kultur auf tief gelegenen Böden, die an stauender Nässe leiden. Die Vermehrung geschieht durch Teilung und Anpflanzung von Stöcken. Der Bastard, den sie mit der Flaschensegge bildet, ist oben beschrieben. A. Zschokke in Berichte der schweiz. bot. Gesellschaft 1895, p. XXlll. 5. s^l ! I' ! ,i i>, 'i^ 7. '^> I'i.^. l», 2/, 0LI-6X VSLlLÄI'iÄ 1^. Sl3.3SN86§§6. ^^Lokrötsr sä. vst. üsl. I^. ^1s ^!L?<2Ä?^ «r^? /r?E//oII. . . 0.01 Gemeines Hornkraut . . Korastium triviale 4inli. 0.01 Tormentill .... . . . 0.01 100.00 1 Quadratfuß enthielt 1 fertilen und 213 sterile Triebe, sowie 2,95 Gramm Moos. Die Lange eines Triebes betrug im Mittel 8 em., der längste Trieb war 98 em., der kürzeste 42 em. lang. Bestand sehr dicht. Smnpfseggenwiese im Galgcnried bei Stans, 445 in. ü. M. Boden lehmige Moorerde, feucht. Untersucht den 11. Oktober 1893. Scheingräser. (iMsraeeeu . . 7° . 77.52 7° SumpfselM. tlursx palmlosa Oooil. . 76.37 Gemeine Segge .... 6arex llooäeoovii Ka^. . 1.15 Gräser. Oramrueeu . . 5.62 Knaulgras. Daol^Iis glomorata 4. 1.68 Gemeines Rispengras . . ?oa trivialls 4. ... 1.03 Französisches Raygras. . ^rrbenatberum olatias lll. L li. . . 0.93 Geruchgras. ^MlioxaMIium ocloratum 4. . . . 0.90 Weichhaariger Hafer . . ^.vsna puboseous Iluäs. . 0.39 Rotschwingel. 1'e8tuea rubra 4. . . . 0.36 Wiesenrispengras.... Loa prateusis 4. . . . 0.27 Wolliges Honiggras . . Iloleus lanatas 4. . . . 0.06 Schmetterlingsblütler T'aprtrouaoee» . 0 74 Vogelwicke. Vieia Lraeea 4. . . . 0.58 Rotklee.- Iriiolium prstonso 4. 0.16 Korbblütler. Komposrteu . . 9.00 Kohldistel. 0ir8ium olsraeeum 8eop. 6.20 Rauhes Milchkraut . . . 4oontoäon kispiäus 4. . 2.56 Gemeine Wucherblume 4eueao1t>emum vulgäre Ilse. . . . 0.24 Verschiedene Familien . . . 7.12 Sumpfschachtelhalm . . Lguisstum palustrs 4. . 5.17 Gemeine Braunelle . . . Lrunella vulgaris 4. . . 1.45 Scharfer Hahnenfuß . . llaouoeulus aoris 4. . . 0.29 Busch-Labkraut .... Kalium sjlvostro Loll. . 0.13 Tormentill. Lotsutilla tlormeotilla kieek. . . . 0.04 Sauerampfer ..... Ilumsx ^evtosa 4. . . 0.04 100.00 Ein Quadratfuß obigen Bestandes enthielt 557 sterile Triebe, 13 Keimpflanzen und 18 Gramm Moos. Moorige, frische Streuewiese, nebenan Futterwiesen, die gedüngt werden. Der Ertrag könnte auch als Futter genutzt werden, wie überhaupt solche Wiesen bei Futtermangel zu Futterwiesen dienen. Bestand schönt wenn auch sehr mannigfaltig. Die Sumpfsegge ist im Mittel 60—80 om. hoch; der Bestand ist ziemlich dicht. 73 Tmnpssegge»,wiese im „Rohr" bei Wetzikon, 538 m. ü. M. Boden mooriger Lehmboden, schwach bewässert. Untersucht den 19. September 1893. v° °/° Scheingräser. tlMsraeee-r . . . 47.07 Sumpfseqye. (larex pulnckos» Oood. . 47-07 Gräser. (Iramlneeir . . . 10.24 Rotschwingel. IHstuea rubrs. var. gemmia Ilaeü. 5.06 Wcichhaariger Hafer . . ^ve»a pubeseens Iluäs. . 1.84 Wolliges Honiggras . . IIoieu8 irmstus I.. 1.29 Gemeines Rispengras . . Noa trivislis I.. 1.06 Fioringras. ^»'lostis aiba 1,. 0.99 Schmetterlingsblütler. TÄMlronaceem . . 13.96 Sumpfschotenklee . . . Notus uNxmosus Leblm. 11.28 Wiesenplatterbse .... NiNbz'rus pratensis 1,. . . 2.68 Hahnenfußgew ü ch se. 1.08 Kriechender Hahnenfuß Nmmneaius repsns 1,. . . 0.69 Sumpf-Dotterblume . . Onitlia pelustris H. . . . 0.39 Korbblütle r. LdmxoLr'ten . . . 16.28 Streucröhre. ^NMliea szivestris 1,. . . 11.93 Distelart. Kirsium spoe. 4.35 Verschiedene Familien. 11.37 Sumpfspierstaudo . . . Lpirava tllmaria I,. . . . 8.16 Sumpfschachtelhalm . . Kgai^etum paluütre. . . 2.82 Gemeine Braunclle . . . Ni-unsIIa vuigaeis I,. . . . 0.14 Weiches Labkraut . . . tiaiium LloNazro I,. ... 0.12 Schafzunge. Noizxoimm Listarta I,. . . 0.09 Busch-Labkraut .... tliiNuin »zlveslrv voll. . . 0.04 100.00 1 Quadratfuß enthielt 14 fcrtilc, 573 sterile Triebe, 9 Keimpflanzen und 22.32 Gramm Moos. Nur in den lockeren Bestünden können andere Arten in nennenswerter Menge auskommen. Eine Begleit- Ausnahme macht die noch längere Triebe bildende Spitzsegge, die oft im Gemenge mit der Snmpfscgge wächst. In den weniger dichten Bestünden siedelt sich gerne die Streucröhre (^.nAsIion szsivostrm) und die Sumpfspierstande an, welche zn den Unkräutern zu rechnen sind. Letztere tritt oft in solcher Menge aus, daß die Streue total unterdrückt wird. Bon anderen Seggen begleiten die Hirsenseggc, die gemeine Segge und der Hnckbart den Bestand öfters, von Gräsern das wollige Honiggras, der Rotschwingel, der Nohrschwingel, die Nasenschmicle, das Gernchgras, das Zittergras, das Bescnricd und das Schilf. Das gemeine Rispengras nbcrspinnt den Boden besonders an fetten Stellen gerne mit einem filzigen Rasen (sog. Schnuder) und schadet so der Streue. Aus anderen Familien sind mehrere Disteln zn nennen, so z. B, die Kohldistel (0ii'8inm oioro- eanm) n. a., der Snmpfpippan (Cr6pi8 smlnclcmn), die Wiesenflockenblnme (Oentnuron .Innen), die Waldsimse, der breitblättrigc Rohrkolben, der Sumpfschachtelhalm, das glatte Milchkraut, die Vogelwicke, der Smnpfschotcnklee, die Herbstzeitlose, der gebräuchliche Baldrian, die Braunclle, die Wiesenplatterbse, die Sumpfdotterblume rc. Mit einigen dieser Arten bildet sie Mischbestände. Wachstum, Streuelvert. Die unterirdischen Kriechtriebe erzeugen lange, kräftige Blattricbe, Wuchs, welche einen dichten Nasen bilden. Die Blätter werden in guten Bestünden 150—160 am. lang. In der Entwicklung stimmt die Snmpfscgge mit der spitzen Segge nbcrein. Die Pflanze blüht Entwicklung Anfangs bis Mitte Juni und reist ihre Samen im Juli. Aus gutem, reichem Boden und bei richtigem Ernte. Feuchtigkeitsgrad erträgt sie bei üppigen: Stande einen zweimaligen Schnitt, das erste Mal im Juli, das zweite Mal im Spätherbst. Die Streue ist von guter Dualität. Strcuewert. 10 74 100 Teile dürre Streue, welche am 5. September 1890 im Vcrsuchsfeldc der Samenkontrolstation geerntet wurde, enthielten: Stickstoff Asche darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 1.05 8.11 0.29 0.94 0.92 0.38 Teile. Die Aufsnugungskraft von am 26. Oktober 1895 geernteter Streue betrug in einem Falle 331°/», in einem anderen 339 > (Roggenstroh 323». ^geeiMete" Kultur. Die Sumpfsegge gehört zu jenen Streuepflanzcn, welche zur Kultur am besten gc- Bodcnarten. eignet sind. Namentlich empfiehlt sich deren Anbau auf moorigem, nassem Boden, welcher nicht bewässert werden kann, wahrend aus allen bewässerbaren Bodenarten die Spitzsegge und das Nohrglanzgras ergiebiger sind. '^Smnen^" Die Vermehrung kann geschehen durch Aussaat von Samen oder durch Auspflanzung von Stöcken. Wenn man die Samen jedoch zur Keimung bringen will, so muß der Boden fortwährend naß gehalten werden. Am besten wäre es, wenn das Wasser immer einige Millimeter über der Dbcrflächc stehen würde. So keimen die Samen bei warmem Wetter in 4—5 Wochen. Bei der Saat im Frühjahr erreichen die Pflänzchen bis im Herbst bei sorgfältiger Reinhaltung des Bodens eine Höhe von 30—40 am. Die Blätter sind aber noch sehr schmal und die Pflanzen haben noch keine Ausläufer und keine Stengel. Erst im Mai des zweiten Jahres treiben sie Ausläufer und einige kräftige Pflänzchen treiben auch schon Halme. Die Mehrzahl bleibt aber anch im zweiten Jahre steril. Der Bestand erreicht auf gutem Boden bis in den Herbst leicht eine Höhe von 80—90 am. Im dritten Jahr gelangen die Pflanzen zur vollen Entwicklung. Da jedoch die Snmpfsegge sehr wenig Samen ansetzt und diese sehr leicht abfallen, so muß nian außerordentlich viel Mühe darauf verwenden, auch nur eine kleine Partie Samen zu erhalten. Aus diesem Grunde läßt sich die Vermehrung aus Samen nur im Kleinen, ctlva zur Anzucht von Setzlingen, ausführen. Im Frühjahr des zweiten Jahres sind nämlich die jungen Pflänzchen vorzüglich geeignet zur Verpflanzung und auf einem engen Raum könnte man Tausende von Setzlingen gewinnen. Pflanzung Viel rascher und sicherer als durch Aussaat von Samen gelangt man durch Auspflanzung von von Stöcken. Setzlingen znm Ziel. Schwierigkeit macht oft nur die Gewinnung von solchen, denn ist der Boden bindig und naß, so erfordert es viel Arbeit bis man eine genügende Anzahl derselben bei der Hand hat. Am besten lassen sie sich aus nicht allzu feuchtem Moorboden gewinnen. Es dürfte deshalb angezeigt sein, auf solchem Boden Setzlingsschulcn anzulegen, aus welchen man jährlich Setzlinge holen kann. Sind die ansgcgrabencn Stöcke groß, so werden diese geteilt; am schnellsten wachsen Setzlinge, welche schon Ausläufer besitzen. In der Regel kann man solche jedoch nicht in genügender Zahl bekommen, weshalb man sich mit Pflanzen begnügen muß, welche neben den grünen Lanbtrieben noch einige Knospen haben. Wenn die Bewurzelung gut ist, so wachsen anch diese gut au und erzeugen bald Ausläufer. Die Setzlinge werden in der Weise ausgepflanzt, wie wir es bei der Spitzsegge kennen gelernt haben. Das Verfahren ist aber nur dann zu empfehlen, wenn man die Pflanzen selbst besitzt und sie ohne große Mühe sammeln kann. Wenn man sie kaufen muß, so kommt die Anlage viel zu teuer. Die ausgepflanzten Setzlinge bilden durch Entwicklung unterirdischer Ausläufer bei einer Pflanzweite von 1 m. und bei genügend feuchtem Boden schon nach einem Jahr einen ziemlich dichten Bestand und im dritten Jahr ist derselbe schon geschlossen. Beide Verfahren, die Vermehrung durch Samen und durch Setzlinge, erfordern, daß der Boden umgebrochen, bearbeitet und von Unkrautpflanzen gesäubert werde, was aber nicht immer möglich ist. Man kann aber unter günstigen Verhältnissen anch auf 75 andere einfachere Art znin Ziele gelangen. Auf feucht gelegenen Wiesen, die nicht versauert sind, Kultur ohne kommen nämlich immer sog. Spaltstöckc vor, sowohl von der Snmpfscgge, als auch hie und da von der Spitzscgge. Wenn man nun solche Wiesen nicht heuet, so vermehren sich die Spaltstöckc in einigen Jahren so stark, daß auch ohne Umbruch eine Strcuewicse entsteht. Die Flittergräser treten dafür nach und nach zurück. Biel rascher und sicherer geht diese Umwandlung von statten, wenn die Wiese bewässert wird. Das folgende Beispiel zeigt dies zwar weniger deutlich, weil der Boden relativ trocken ist und schwach bewässert wurde und weil die Wiese in einem Jahre ,. var. genuiaa Uaeli. . 10.08 Wcichhaarigcr Hafer . . llrein» pudeseei>8 Ilmls. . . 8.32 Rohrschwingel . . . . Uo8lue!> armuliiiaoea 8clirob. . 7.33 Rasenschmicle. Ueseiumipsm eac>8pito8a Nerniv. 5.08 Wiescnrispcngras . . . l'oa pralev8i8 N. 3.62 Gcruchgras. .4utboxnuNium oäoratmu l,. . 1.89 Französisches Raygras ^rrdomNiiarum olutiug 41. L li. l.65 Wolliges Honiggras . . Iloleu8 Ikun>tu8 l,. 1.38 Goldhafer. Irisetmu llave8eou8 Uermv. 1.17 Knaulgras. I)!rel)'ti8 xgomol'iUa U. . . . 0.49 Gemeines Rispengras . . Noa triviuli8 l,. 0.45 Schirmblütlcr 17.28 Strcucröhre. ^ogkliea 8^tve8ti'i8 U. . . . 11.33 Bärenklau. Ueraeleaw 8pdoiuI)1iuu> I,. 5.95 K o r b b l ü t l e r. 7.65 Sumpf-Pippau . . . . Urepis pUaäo8a Näneü. . . . 7.55 Habcrmark. 1rgK»p0MN oriövtaIi8 >,. . . 0.10 Lippenblütler. . . . 1.77 Gemeine Gundelrebe - . Oieeiioma tieäe.raooa >,. . . . 1.10 Gemeine Braunelle . . . Ni'unollu vuigari8 1,. 0.67 Verschi ebene Familien . . . 8.91 Herbstzeitlose. Oowdiemu iuNunmsIv U. . . 5.46 Hohe Schlüsselblume . . kriumia eistior I,. 1.98 Weiches Labkraut . . . Oaliuoi IloNogo I,. 0.74 Zaumvicke. Vieia 8epiau> U. 0.55 Wiesenschaumkraut . . . Osräimiing praleusis 4,. . . . O.lO Gamander-Ehrenpreis . . Verouiea 6!minLöc!r)'8 4. . . 0.08 100.00 1 Quadratfuß enthielt 33 fertile, 559 sterile Triebe und 11.36 Gramm Moos. Durch den frühen Schnitt im Jahre 1893 wurde die Sumpfseggc geschwächt, dehnt sich nun aber zusehends wieder aus, so daß dieselbe in wenig Jahren weitaus dominieren wird. Der Boden ist von durchaus guter Qualität, das Futter wäre gut und ergiebig; der Ouadratfnß Land gilt 4—5 Rp.; aber dennoch finden es die Besitzer vorteilhafter, diese Wiesen in Streucwicsen zu verwandeln. Durch Bewässerung kann mau nicht nur Fntterwicseu, sondern auch trockenere Streuewiesen in Bewässerung. Snmpfscggenwiesen verwandeln. So z. B. herrscht im Jungholz im Gossauerried überall dort, wo nicht bewässert werden kann, die Besenriedwiese, während nebenan, wo der Boden bewässert wird, die Sumpfsegge den Bestand bildet. Der 76 Botanische Beschreibung. Vorkommen. Wuchs. Entwicklung. Boden besteht an der Oberfläche ans Alluviallehm und darunter findet sich Torf. Bewässert wird alle Wochen l?/s Tage. Geringe Strenewicsen könnten oft in einfachster Weise durch Bewässerung in ergiebige Sumpf- seggenwicsen verwandelt werden. Thatsächlich kann mau denn auch häufig beobachten, daß inmitten eines schlechten Streucrasens an Stellen, wo genügend Wasser vorhanden ist, die schönsten Snmpfseggen- bestände vorkommen — ein Fingerzeig, wie man die betreffende Wiese verbessern könnte. Die Bewässerung muß so eingerichtet werden, daß das Wasser langsam, aber stetig über die Wiese rieselt. Wenn die Wiese sich entlang eines Hanges hinzieht, so wird dies in einfachster Weise erreicht, wenn man den Wasserlcitiuigsgraben am oberen Rande der Wiese hinzieht und das Wasser über die untere Kante des Grabens überfließen läßt. Dehnt sich die Wiese in größerer Entfernung vom Wasserzuleitungsgrabcn aus, so müssen noch sekundäre Zuleitnngsgräbeu errichtet werden. 8. Die Ufersegge. Eniox i-ffnu'in Oiiit. ich (Tafel 7). Die Ufersegge ist die größte unserer Seggcuarten. Die Blatttriebe erreichten bei unseren Bersuchen eine Länge von lOO—170 am. und die Blätter eine Breite von 20—25 nrin. Sie bildet mächtig lange, dicke, unterirdisch kriechende Ausläufer (siehe Tafel 7). Der Halm ist ausrecht, scharf dreikantig, in der Rispe rückwärts rauh und ganz mit Mark gefüllt. Der Querschnitt bildet ein gleichschenkeliges Dreieck, in dem die eine Seite kürzer ist als die beiden andern. Die bläulich hellgrünen Blätter sind sehr lang, breit, mit einer tiefen Mittelriune und abgebogenen Rändern. In der oberen Hälfte sind sie rückwärts rauh. Auf dem Querschnitt zeigen sie große Lufträume; die Gefäßbündel sind der Unterseite genähert, die Blattunterseite ist mit Papillen bedeckt. Die Blattscheiden spalten sich netzfaserförmig. Die Deckblätter des Blutenstandes sind laubblattartig, ohne Scheide. Der Blüteustaud setzt sich aus 3—5 männlichen und 3—4 walzenförmigen, dichtfrnchtigen weiblichen Ähren zusammen. Die unteren Ähren sind langgestielt hängend, die oberen kurzgestielt oder sitzend. Die Bälge sind lang zugespitzt, hellbraun mit einer grünen Mittelrippe; in ihrer Achsel sitzt der Schlauch, der den dreinarbigen Fruchtknoten (Fig. 1) umschließt. Die Fruchtschlänchc sind breit-eiförmig, kahl, auf der Hinterseite stach mit mehreren Längsrippcn und mit einem kurzen, zwcizähnigen Schnabel versehen. Die Ufersegge kommt in ganz Europa und im westlichen Asien vor, ist sedoch selten; sie findet sich hie und da an Ufern von Flüssen, Bächen, Teichen, Seen, Gräben, Pfützen u. dgl., und macht ungefähr dieselben Ansprüche wie die Smnpssegge, kriecht wie diese unterirdisch und ist deshalb vorzüglich geeignet zur Anlage von Strcuewicsen. Wir kultivieren sie seit 1890 auf gut bewässertem Thon- boden. Über die Entwicklung geben folgende Daten Auskunft: Mitte April: Triebe 30—40 em. hoch, Blätter 15 nun. breit. Ende April: Die Ähren treten aus den Scheiden, Triebe 50—55 em. lang. Anfang Mai: Blüht, Triebe 60—65 ew. lang. Mitte Mai: Am Abblühen, Halme 80—95 em. lang, Blätter etwas kürzer, Fruchtähren nach aufrecht. Anfang Juni: Halme 90—100 ew., Blatttriebe 90—110 ein.; die Fruchtähren sind infolge ihrer Schwere überhängend. Mitte Juni: Halme 110 ein., Blätter 80 — 130 ow. Ende Juni: Samen reif, Halme 110 ein., Blatttriebe 100—150 ein. Anfang Juli: Halme nicht mehr gewachsen, Samen fallen ab, Blatttriebc 120—170 en>. lang. Mitte August: Die älteren Blatttriebe 160 — 170 cm. lang, 20—25 nun. breit, haben aufgehört zu wachsen. ES kommen aber immer neue Triebe aus der Erde, weshalb der Zuwachs bis in den Herbst anhält. Die Ufersegge liefert, wie die Spitzsegge, eine gute Streue. Streuewert § icj. I >H. ^8^?/ 3^IvLtiQI13 1^. 'WLlclsirN.ss. O'HIIQUS Odtusikloms LLi-d. 3i,rsndin8S. 77 Auf dem hiesigen Versuchsfeld auf reichem Thonboden am 12. Oktober 1891 geerntete Streue enthielt: St i cksto ff 1.38 WWW Fig.17. Flachblättrige Segge (6»re.x vvoiutL Helm.), Bastard Ourex u biitoruns X ripsris. Halbe natürliche Größe; rechts ein Blutenstand in natürlicher Größe. Asche darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 7.75 0.45 2.17 0.88 0.27"/° Die Usersegge bildet mit der Fadensegge einen Bastard (die flachblättrige Segge, Flachte rmx ovolutn lckrtm.), der in seinem Habitus die Mitte hält zwischen beiden Arten ^Sogge^ (Fig. 17). Derselbe würde sich besonders eignen zur Anpflanzung ansgetvrfter Bodenarten, wo der Boden für die Ufersegge zu naß und zu sauer ist. Wie die Bastarde im allgemeinen, so zeichnet sich die flachblättrige Segge durch eine relativ üppigere vegetative Vermehrung aus als die beiden Elternformen, während die Samenbildung geringer ausfällt. Im hiesigen Versuchsfeld bildet er mittelst seiner kriechenden Ausläufer einen kräftigen und sehr dichten Rasen. Die Blattbildnng ist sehr reichlich. Die Blätter erreichen eine Länge von 140 om., bei einer Breite von 1 <;m. Sie sind ausfallend lang zugespitzt, am Rande rauh. Der Blütenstand ist aufrecht und wird von den Blättern überragt. Die Spelzen haben eine braune Farbe. Die Ähren sind lang, dichtsrüchtig, die untern knrzgestielt, leicht gebogen. Neben diesem Bastard werden noch folgende angegeben: 6. riparis X amguNaeou — 6. NeeliuuunükuiL 10'g. und 6. rigaris X vesieuria — 6. L^oiurulousis 8imb. 9. Die Waldfimse. 86ii'j»i8 8v1vntioii8 u. ich (Tafel 8). Die Waldsimse heißt in Schlesien Hirschegras, geschostcr Löchel, Löchelbinse, Wald- Benennung, löchel; in Kärnten „Locher". Sie wird ziemlich hoch und entwickelt lange, breite Blätter, ist aber des sparrigen, ausgebreiteten Wuchses wegen nicht so ergiebig wie die großen Seggen, Wert. tritt jedoch häufig in dem Bestand derselben auf. Die Waldsimse kriecht unterirdisch mittelst der langen, walzenförmigen Ausläufer (Tafel 8). Der Halm ist aufrecht, glatt, stumpf dreikantig, unter der Spirre wenig ° ^ rauh. Die Knoten der obern Blätter werden von den Blattscheiden der untern Blätter nicht erreicht. Ein sehr lockeres Mark erfüllt den ganzen Halm. Die hellgrünen, breiten Blätter zeigen eine tiefe Mittelrinne mit abgebogenen Rändern. Am Rande sind sie rauh. Im Querschnitt zeigt das Blatt große Lnstkanäle; das Gelenkpolster ist mehrschichtig, schwach ausgebildet. Die Epidermis ist beiderseits glatt. Der Blütenstand ist eine mehrfach zusammengesetzte Spirre. In der Achsel der lanbblattartigen Stütz- blätter entspringt je ein Ast, der unten von einer Scheide umgeben ist. Diese primären Aste erzeugen wieder seitliche. Die einzelnen Ähren stehen gewöhnlich an den Axen dritter Ordnung. Dabei gilt das Gesetz, daß die untern Äste jeweils länger ausgebildet werden, als die über ihnen stehenden. Die einzelnen Ährchen sind gestielt, länglichrund. Die Spelzen sind graugrün, verkehrt eiförmig, mit einer kleinen aufgesetzten Spitze. Die unterständigcn Borsten sind kurzstachelig, nur wenig länger als die Frucht. Diese ist ein dreikantiges Nüßchen. Der drcinarbige Griffel fällt ab. Die Waldsimse ist über ganz Europa und russisch Asien verbreitet, mit Ausnahme Geogr. Vcr- des hohen Nordens. Außerdem findet sie sich in Nordamerika. In den Alpen steigt Hdu,n,Kreuzen, sie bis an die Waldgrenze (Wallis bis 1850 m.). Sie findet sich an schattigen, Standorte, feuchten Stellen, an Wassergräben, an Bächen, in Ufergebüschen, an Wasserzügen, auf Streuewiesen, in Torfmooren und Tümpeln, an ausgetorften Stellen. Auf den Streuc- iviesen tritt sie besonders in den Spaltwiesen auf, wo sie oft kleine Lokalbestände bildet; auf den Riedwiesen findet sie sich spärlicher. Ebenso bildet sie an kahlen Stellen mit lockerem, feuchtem Boden oft Bestände. Am stärksten aber entwickelt sie sich an wässerigen, 78 Waldsimsen- schlammigen Stellen. Der folgende Bestand stammt aus einer bewässerten Spitzseggenwiese, in welcher die Waldsimse an einzelnen Stellen flcckenweise auftritt: Waldsimsenwicse in Gossau (Kt. Zürich), 460 in. ü. M. Baden Thon, wird bewässert. Untersucht den 4. Juli 1805: °/» °/-> Schciugrüse r. OMeraceeu . 70.83 Wolüsiinsc. 8<;iri»ii8 sxlvuUe»^ I, 58.90 Behaarte Segge . . . (üirex iiiela 1,. 10.72 Kammscggc .... . lUrvx äisiielni IIuiI«. . . 1 21 G rase r. Oramrueeu . 20.95 Fioriugrns. üxiruk-tis aUui N. ... 14 07 Gemeines Rispengras . i'oa Iriviulis I,. ... 6.70 Rohrschwingel . . . . l'iMuea srmuUmiei-ii 8eür>- n . . . 0.18 Verschi ebene Familien . . 8.22 Sumpfschachtclhalm . Itguiselum pnüuüre 3.36 Hohes Labkraut . . . . (üüiam <->oi>;aUw>i Nee»!. 1.81 Sumpf-Vergißmeinnicht . K^osvtis paln8lri8 . 1.21 Sumpf-Spierstaude . . . 8pi>':iea INimiriir 1.03 Ackermünzc. KeiMur ueverisis N. 0.44 Sumpf-Dotterblume . OaMui psüuüeis N. 0.33 Kuckucksblume .... . I.z eiwi« Hos tüierM I,. 0.04 100.00 1 Quadratmeter enthielt 47 fcrtile und 896 sterile Triebe. Ertrag. Im Ertrag steht sie der Sumpfsegge und der Spitzsegge nach, kann aber auf gutem, bewässertem Boden per Jnchart bis 25 aril.nmi8 1-.). Halbe natürliche Größe; unten ein Teil der In- florescenz in natürlicher Größe. Fig. 19- Scheidiges Wollgras. Zur Blütezeit. Halbe natürliche Größe. k'icr. 4 . »/i ^ÄÄSTL/ .KLrsL/ 58 ^ ^cs ?. Vi. ^sttLäE-^rsr/ oi^. 2 . er/ S. ^ k'ig. tt. Sö2-F^r< M k i ff. 6. -/i ^/?V 5 /Är- ^rswr^L^r «äw/L^L2 _A/rrL?/r.^/rs> E ^/N^/r, < 5 ÄrcÄE L^loxlio^nm Äi^ZuZtHoliniii L01.Q LLd.inLlv1ä^7i§ss M'ollFras. O. Lcrkrötzsr 6s^. I-,. Lokrädsr L tt. k^sräsr pinx 81 Das scheidige Wollgras (Figur 19) ist eine Charakterpflanze der Hochmoore, kommt aber da Scheidiges und dort auch in Flachmooren vor, aber stets nur spärlich und dann auch nur au solchen Stellen, wo das WE^ras. Flachmoor in vielen Beziehungen Hochmovrcharakter annimmt. Als Streuepflanze hat es geringe Bedeutung, dagegen spielt es bei der Bildung des Torfes bei den Hochmooren eine ganz hervorragende Rolle. Gewöhnlich ist es von hohen Torfmoospolstern umgeben, in welchen die Stöcke an der Basis vertorfen, während die Pflanze fortwährend weiter wächst. Aus den Basal- teilen entsteht bei der Vertorfung eine braune, langfaserige, hanfartige Masse, die bei Einsiedeln „Lindbast", bei Andwil (Kt. St. Gallen) „Katzen", im Neuenburger Jura „kwlvoux", bei Tramelan „lllloups" genannt wird. Dieser Torf hat als Brennmaterial geringeren Wert, liefert aber das beste Material zur Herstellung der Torfstreue. Die Fasern werden in neuerer Zeit aus dem Torf herausgearbeitet und zur Herstellung von Verbandmaterial, Torfwolle, Filz, Gespinst und Geweben benutzt. Durch Besamung siedelt es sich im Hochmoor auch gerne auf abgetorftem Lande an und bildet hier oft mächtige Büsche. (Vergl. Landw. Jahrb. der Schweiz, 1889, Tafel I.) Chemische Untersuchungen des scheidigen Wollgrases in lufttrockenem Zustande ergaben folgenden Gehalt: Analytiker Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia Wi e g m ann : 0.38 0.40 0.22 0.29 Prozent. Witting: 0.15 0.70 0.25 0.11 „ Das schmalblättrige Wollgras, Lrio^fiornm nvAustikoIinin ifiotfi (Tafel 9), ist das wichtigste Schmal- und oerbreitetste aller Wollgräser. Dasselbe kriecht unterirdisch, erzeugt 40—50 orn. hohe Halme und Wollgras^ ebenso lange und ziemlich breite Blätter. Der Halm trägt mehrere doldig gestellte Ährchen (Fig 1, 2 u. 3). Die Blüteustiele sind glatt. Au der Übergangsstelle von Blattscheide zur Spreite findet sich ein ganz schmales Blatthäntchen (Fig. 8). Beim Blühen entwickeln sich zuerst die Narben zur Empfängnissähigkeit: der Blutenstand steht im ersten, weiblichen, Stadium (Fig. 1); die Staubbeutel sind noch geschlossen und dem Griffel angeschmiegt (Fig. 4). Erst später strecken sich die Staubfäden, und die Staubbeutel entleeren ihren Blutenstaub (Fig. 5): die Ähren treten ins zweite, männliche, Stadium (Fig. 2). Selten ist der Fall, daß die Autheren alle verkümmern, der Blutenstand also rein weiblich wird (Fig. 3), wie dies Or. Achilles Zschokke zuerst beobachtet und mitgeteilt hat. Das schmalblättrige Wollgras ist verbreitet von der Ebene bis in die höchsten Alpen (im Wallis Vorkommen, bis 2550 in.). Es fehlt keiner Bodenart, wenn sie genügend Feuchtigkeit besitzt, überall ist es anzutreffen: aus Hochmooren und Flachmooren, auf Lehmboden sowohl als auf Sand; aber es verlangt Nässe im Boden. So findet es sich an feuchten Stellen der Torfmoore, in Kolken, Tümpeln, auf schwammigem Boden, aus schwingenden Wiesen, in Torflöchern. Wir fanden es auf folgenden gewichts- analytisch untersuchten Wiesen: Schnabelsimsenbestand am Katzensee, 445 m. ü. M. . . . 1.1 "/» Hirsenseggenwiese bei Schwamendingen, 430 o>.1.1 „ Hackbartwiese, Wetzikon-Hinweilerried.1.3 „ Alpenwollgraswiese, Egelsee bei Maschwanden, 455 in. . 2.4 „ Moosbeerenbestand am Katzensee, 445 m.4.0 „ Rasenbinsenwiese, Alp Tamons, Flums, 1770 m. ... 4.9 „ Besenried-Rasenbinsenwiese, Eggerstanden, 880 m. ... 7.9 „ Hirsenseggemviese, Dicdematt, Hölstein, 386 in.25.8 „ Es findet sich häufig als Begleiter der Seichtwasserbestände und der feuchteren Riedwiesen, so der Bestände der Flaschensegge, der gemeinen Segge, der Fadensegge, der Hirsensegge, des Hackbartcs, der Rasenbinse u. a. Oft bildet es auf kleineren Flächen förmliche Bestände (Schmalwollgraswicse, llirioplioriiiii-nnAliZtikoliötnni). Das mittlere Gewicht eines Halmes beträgt dürr nach unseren bisherigen Untersuchungen 0.55 Ar., eines Wuchs, sterilen Triebes 0.16 Ar. Auf einen Halm kommen im Mittel 24—25 sterile Triebe. In einem Falle fanden sich auf einem Quadratfuß 46 Keimpflanzen. Die Bestückung ist dünn; in dem Hirscnseggenbestande auf 11 82 Streuewert. Landw.Wert. Botanische Beschreibung. Vorkommen. Streubinsen- wiesen. der Diedematt, wo es 25.8 Prozent des Bestandes bildete, waren im Ouadratfnß nur 4 Halme und 38 sterile Triebe, und im Mittel der 8 Untersuchungen, bei einem Anteil von 6.1 Prozent am Rasen, 0.3 fertile und 8.2 sterile Triebe, was bei einem reinen (100 Prozent) Rasen nur 5 Halme und 134 sterile Triebe ergeben würde. 100 Teile trockene, am 5. September 1890 im hiesigen Versuchsfelde auf nassem, reichem Thonboden geerntete Streue enthielt dürr: Stickstoff Asche darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 1.05 6.02 0.47 1.57 Y.65 0.19°/° Am 26. Oktober 1895 daselbst geerntete Streue hatte dürr eine Anfsangungskraft von 403°/° (Roggenstroh 323 °/°). Die Streue ist auch sonst von guter Qualität, aber nicht ergiebig. 11. Die Streubinse. 411116118 o1>tii8i6oi'ii8 kll'. Llii'iiui'ckt Ij. (Tafel 8). Die Streubinse oder stumpfblütige Binse ist von allen Binsenarten die wichtigste. Das starke, bis 1 om. dicke Rhizom ist mit gelbbraunen, glanzlosen Niederblättern bedeckt und baut sich aus verhältnismäßig langen Jnternodicn auf. Die Halme, die jedem Teilstücke des Rhizoms entspringen, stehen daher selten gedrängt, sondern meist entfernt. Sie sind aufrecht, cylindrisch, glatt, 40—100 om. hoch und tragen an ihrem obern Teile 1—2 vollkommene Laubblätter mit weitoffenen Scheiden, stumpf vorgezogenen Blattöhrchen und cylindrischen, glatten Spreiten, die, wie die Halme, im Mark Scheidewände ausweisen, die aber von außen nicht bemerkbar sind. Der das Ende des Halmes krönende Blütenstand ist eine meist stark zusammengesetzte Spirre, die vor dem Aufblühen gelblichweiß, später hellbraun oder dunkelbraun erscheint. Ihre primären Äste stehen aufrecht, diejenigen zweiter und folgender Ordnung find sparrig abgebrochen. Die in mehr oder weniger stark zusammengesetzten Köpfchen stehenden Blüten (zu 5-—12) zeigen trockenhäutige, stumpfe Perigonblätter, welche die sechs Staubgefäße überragen. Die Fruchtkapsel ist breiteiförmig, dreikantig, dreifächerig mit eingedrückten Seiten, gegen die Spitze wenig verschmälert und kurz bespitzt. Die Streubinse ist in Mittel-, West- und Südcnropa verbreitet, steigt aber nicht am die Alpen. Sie findet sich besonders auf quelligen Wiesen, wo das Wasser Kalk führt. Oft findet sie sich auf den Wiesen nur fleckenweise, so weit als die Wirkung des Wassers reicht. Man kann diese Stellen schon von weitem an ihrer schwarzgrünen Färbung erkennen. Gern siedelt sie sich auch an Gräben, Teichrändern und in Torfwiesen an. Wir fanden sie in folgenden gewichtsanalhtisch untersuchten Beständen: Besenried-Kopsbinsenwiese am Au-See, 412 in. ü. M.11.3°/° Besenried-Streubinsenwiese im Hünsisried beim Katzensee, 443 m. . . 45.3 „ Hirsenseggen-Streubinsenwiese am Katzenbach, 440 m.64.4 „ Schilf-Streubinsenwiese, Brunnwiesen bei Dietlikon.67.1 „ Sie bildet also unter günstigen Verhältnissen förmliche Bestände, wie dies folgendes Beispiel zeigt: Hirsenseggen- Streubinsenwiese von einer Streuewiese am Katzenbach, welche mit tuffführendem Wasser bewässert wird, 440 ni. ü. M. Boden Thon. Untersucht den 5. Juni 1894. Binsen. ^iuuoacsen . . °/° 64.44 °/° Stumpsblütige Simse . -Innen« «btu8ik»Iiii8 Ukrk. 64.44 Sch e ingräs er. OMsracesn . : 28.54 Hirsenseggc ..... . Osrex psniosa I,. 28.54 Gräser. Eramrneen . . . 4.21 Besenried. . Ilotinin eovralsa Llöneb. 3.93 Rasenschmiele .... . Ileselismpsi» esespitosn Uesuv 0.28 Verschiedene Familien .... 2.81 Sumpf-Pippau . . . . Oropis pawäosL ülöneb. . . 2.54 Brombeere. . Uubus spse. 0.27 100.00 83 1 Quadratfuß enthielt 11 fertile, 327 sterile Triebe, 16 Keimpflanzen und 66.21 Gramm Moos. Auf der Wiese fanden sich ferner: Sumpfscgge (6srox pswäoss 6ooc!.), blaugrüne Segge (6srsx gisues ülurr.), Hornschuchs Segge (Oarex Ilorosebucdiana Hopp»), Hackbart (Lsrex Ususilisus. 8m.), gemeines Schilf (llbrsguntes eomwuois 1'riu.), mittleres Zittergras (Lriss. meciiaU.), gelbfrüchtige Segge (Osrox xsotkoesrps Uegi.), rotbraune Kopfbinse (Leboenus kerrugineas U ), Herbstzeitlose (6ole!üeuw sutuumsls >,.), Purgierlein (Uioam estksrtieum U), Wiesenplatterbse (Üstb/ru8 prstonsis U.), Kohldiftel <6irsiuw olorseeu»! 8eop.), hohe Primel (kriwuis e.Islior I,.), zweihäusiger Baldrian (Valeiisos gioles U.), kriechender Hahnenfuß (Uanuueulus repens 6.), scharfer Hahnenfuß (llsnuneulas aeris I..), Tormentill (kotentilia itormoo- tilis ikleek.), Sumpfspierstaude (Lpirses Olmsris ll.), Wiesenflockenblume (Lontauroa Isooa ll.), österreichisches Kreuzkraut (?ol/gs!a sustrises 6rtr.), Sumpf-Dotterblume (6a10is psiostris I-.), gemeiner Friedlos (ll/simsebis vulz-sris 1,.), breit- blättriges Knabenkraut (Orelü3 istikolis. U.), Sumpfwurz (Lpipsetis psiustris Ort/..), Teufelsabbiß (LueeisaxrstensisLlüneb.) Streueröhre (4.nge1ies s/ivestris ll.). ' nach Regcnsdorf. Straße nach Oerlikon. ^efvennnefe^oüo-^^, -^^i cfe. Bod er^ Torflöcher. Fig- 20. Schematische Darstellung der Aufeinanderfolge von Wiesenbeständen im Hänsisried. An nassen Stellen geht der Bestand gerne in eine Hirsenseggen- oder eine Schilf- oder eine Böschenspaltwiese über, an trockeneren Stellen in eine Besenriedwiese. Diesen Übergang kann man schön beobachten bei dem Eishause am Katzensee, links an der Straße von Qrlikon nach Regensdorf. Der Straße entlang, wo der Boden höher gelegen und deshalb trocken ist, beherrscht die aufrechte Trespe den Bestand, dann folgt tiefer eine Besenriedwiese, dann ein Streifen einer Streubinsemviese (siehe nachfolgende Untersuchung), sodann ein Bestand von Hirsensegge und Böschen- spalt und endlich Schilf, bis schließlich die Bestände des stehenden Wassers in den mit Wasser bedeckten Torflüchern das Bild abschließen (siehe Fig. 20). Mischbestände mit der Hirsensegge, dem Besenried u. a- sind häufig. Einen solchen zeigt folgende Untersuchung von dem soeben genannten Standort: Mischbestände. Hirsenseggen-Besenried- Streubinsenw iese in Hänsisried am Katzensee, 443 m. ü. M. Boden Moorerdo, naß. Untersucht den 19. September 1893. Binsen. öTmoaceew . . . 7° 45.29 0 / /6 ^ Streuebinsc . Wasser) von unserem Streueversuchsfeld im Strickhof bei Zürich, am 5. August 1890 geschnitten, enthielten: Stickstoff Asche darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 1.01 7.08 0.93 2.15 0.70 0.35 °/° Danach berechnet sich der Düngerwert per 100 kg. auf Fr. 2.43. Die Auffaugungskraft von am 26. Oktober 1895 in hiesigem Versuchsfeld geernteter Streue betrug 415"/» und übertraf alle anderen, mit Ausnahme der Streue von Rohrkolben. Verwandte Von verwandten Arten sind folgende erwähnenswert: Die Knaulbinse, ckuimn8 ll,66i'8Ü iVlni'88on (6oiiZIoin6i'ntn8 l/,.), bildet dichte Horste mit bis zu 80 am. hohen, gerippten Stengeln, welche kugelig zusammengeballte Blütenstände tragen. Die Flatterbinse, ckniien8 6lkn8U8 I»., ist ähnlich der vorigen, hat einen hellgrünen, meist glänzenden und im lebenden Zustande glatten Stengel. Die blaugrüne Binse, ckuii6U8 Zinnen8 lüin'ii., hat einen blaugrünen, stark gerippten Stengel. Alle drei Arten sind auf feuchten und nassen Wiesen häufig. Die spitzblütige Binse, -tuneu8 nentitIoi'N8 Liirll., ist der Streubinse habituell sehr ähnlich, unterscheidet sich von dieser hauptsächlich durch das hellere Kolorit und durch die ausgesprochenen Querwände der Blätter, die beim Trocknen hervortreten. Sie ist, wie die Strenebinse, eine gute Streuepflanze, findet sich aber nicht so häufig. Die glanzsrüchtige Binse, cknnens 1nmproeLi'ini8 Lind., ist ziemlich häufig aus Strene- wiesen, ist aber wenig ergiebig und als Streuepflanze von untergeordneter Bedeutung. Ebenso ist die Alp en- binse (lluneus n1pinn8 Vili.) in der Ebene und den Alpen ziemlich verbreitet, gibt aber geringen Ertrag. Die Krötenbinse, .1 nnen8 dnkonin8 I,., ist eine einjährige, kleine Binse, die besonders auf uuberastem Boden, im Schlamm rc. häufig ist. Kleine alpine Arten sind die Fadenbinse (llnnen8 liii- kormi8 Q.), die Jacquin'sche Binse (cknnen8 llnecsuiui I-) und die dreiklappige Binse (llnnens tiiZluini8 I,.). Streue- Auch die Familie der Gräser (OiÄwinosn) enthält einige sehr wichtige Streuepslanzen, obschon die ^r^FamN^^^u^ als Futterpflanzen eine weit hervorragendere Rolle spielt. Bezüglich der morphologischen und der Gräser physiologischen Eigentümlichkeit der Familie sei hier auf den allgemeinen Teil des Werkes „Die besten Futter- (OrLwEtw). I. Teil, Seite 1 ff.", verwiesen. Als Streuepslanzen kommen die nachfolgenden in Betracht: / 7 / k'ig. ?j^. 10 . '"/, ?lg. 11 .^ Lg ^°4 kL^- -M ^.2.^/1 D"i^. ö S 4 1 ^/ e/rr«?L ^6 /'/amr»ee» . . Rohrglanzgras.klialuri« aruiickiiiaeeu I.. . Scheingräser. OMevacesrr . . Spitzsegge.Larex geuta kr. Sumpsschachtelhalm . . Lguisvwiv paluswe 4. . . Verschiedene Familien . . . . Hanfartiger Wasserdosten. Uupatornnii eaimsbnnmi 4. Sumpf-Dotterblume . . OaNIm pslvstris I,. . . . Sumpf-Spierstaude . . . Zpiraos Ulniaria I,. . . . Gemeiner Friedlos . . . 4xsv»soIvL valgaris 4. - . Heckenwinde.Oonvolvulus sepmin I,. . . °/° 74.49 18.13 °/° 74.49 18.07 0.06 7.38 6.05 0.73 0.33 0-2 l 0.06 100.00 Die Halme erreichen eine Länge von über 150 em. und aus einem Quadratmeter fanden sich 251 sertile und 239 sterile Rohrglanzgrastriebe, welche dürr 1258 Gramm wogen. Begleitet ist das Rohrglanzgras von der Spitzsegge, mit welcher dasselbe öfters Mischbestände bildet. Im Ried bei Buchs (Kt. Zürich) bildet es mit dem Schilf Mischbestände, an der Linth bei Schmerikon mit dem Schilf, dem flutenden Süßgras und der Seebinse u. s. s. Wachstum, Ertrag, Streuewert, Futterwert. Das Rohrglanzgras entwickelt sich langsam aus der Keimpflanze zu einer vollkommen ausgebildeten Pflanze. Es dauert 3—4 Jahre, sogar 5—6 Jahre, bis das volle Entwicklungsstadium erreicht ist. Im Saatjahr bilden sich unter der Überfrucht nur kleine, sterile Pflänzchen. Im zweiten Jahr werden die Pflanzen etwas größer und hie und da schießt schon ein Halm hervor, aber der Bestand ist noch sehr lückig. Im dritten Jahr werden die Halme zahlreicher, die Pflanzen werden größer und der Bestand schließt sich mehr und mehr. So z. B. beobachteten wir auf ansgetorftem Land im Wauwilermoos im dritten Jahr nach der Saat ein ziemlich dichtes, etwa 60 ow. hohes Phalarietnm, aber die Triebe waren meist noch steril. Der Ertrag nimmt von: 3.—5. Jahre und manchmal noch späterhin stetssort zu und bleibt dann bei günstigen Boden- und Feuchtigkeitsverhältnissen lange Zeitperioden hindurch derselbe. Das Rohrglanzgras treibt im Frühjahr etwas später als die größeren Seggen. 87 Ende April haben die Triebe im hiesigen Versuchsfeld eine Länge von 20 ein., Ende Mai von 50—70 em., Mitte Juni erscheinen die Rispen und anfangs bis Mitte Juli beginnt die Blüte. Die Halme haben dann eine Länge von 110—120 em. und die sterilen Triebe eine solche von 60—70 om. Die Samen sind Ende Juli bis Anfang August reif. Wenn das Rohrglanzgras einmal sein volles Entwicklungsstadium erreicht hat, der Stand also geschlossen ist und die Pflanzen üppig sind, so kann man aus reichem und bewässertem Boden zwei Mal schneiden, das erste Mal nach der Blüte im Juli, das zweite Mal im Herbst. Junge Bestände und solche, bei welchen der Rasen noch zu wünschen übrig läßt, schneidet man nur ein Mal im September. Das Rohrglanzgras bildet nämlich lange, unterirdische Ausläufer, welche die Dichtheit des Rasens bedingen. Dieselben entwickeln sich um so zahlreicher und kräftiger, se länger die Pflanze Gelegenheit hat die in den oberirdischen Teilen gesammelten Stosse ihnen zuzuführen. Bei zweimaligem Schnitt hatte man in solchen Fällen im nächsten Jahre einen geringeren Ertrag. Der Streueertrag ist abhängig von den Boden- und den Feuchtigkeitsverhältnissen. Auf dem ausgetobten Land auf dem Wauwilerried wird der Ertrag per Juchart aus 40 ?ics. 1. ^ ?i^. 4 . TOüä: l ^- 5. N l^ÄTr^ ^ÄcrS «W-? kQ^§IIl1t.SZ QOHIHHI^lL ^1n. LsiTislnss Lokilkiolii'. 8S und die Vorspelze sind beinahe völlig eingehüllt von der glatten, glänzenden, knorpeligen, im Reifezustand graulichen Deckspelze (Fig. 7). An der Basis derselben sitzen die zwei inneren Klappen, deren untere schüppchen- sörmige Teile dunkelbraun gefärbt sind, während die oberen, hellbraunen, bewimperten Züngchen den Kanten der Scheinfrucht fest anliegen (Fig. 8—9). Die Scheinfrucht ist 3.7 mm., die Carhopse 1.5 nun. lang. Die Handclssaat ist hie und da mit entklapptcm Honiggras verfälscht, das sich aber durch mangelnde Behaarung leicht unterscheidet. 13. Das gemeine Schilfrohr. kiirUZMit68 60 MMUN 18 lliu. 2) (Tafel 11). Die aus dem Griechischen stammende Bezeichnung ?Iii'NAmit68 würde dem deutschen Wort „Zännicht" Benennung, (zum Zäunen dienlich) entsprechen. Die Griechen benutzten, wie setzt noch die Venetier, die Schitsarten zu Einzäunungen. Zn der Schweiz sind folgende Bezeichnungen gebräuchlich: Rohr, Röhrli, Seerohr, Weierrohr, Teichrohr, Strenrohr, Streuröhrli, Streuiröhrli, Strauröhrli, Riedrohr, Moosröhrli, Moorröhri, Dachrohr, Deckrohr, Wasserrohr, Spühlirvhr, Spule, Lärlirohr, Lärlistudä, Gicßenrohr, Fähnli, Fähndli, Nuhuen, Schwetele, Riedbauslä, Seebäuslä, Streubanslä, Ried, Zaunried, Binse, Schlod. Die Blätter heißen Hcidamesser, die Streue: Rohrstreue, Röhrlistreue, Röhrenstreue, röhrige Streue, g'röhreti Streue, Schwetelestreue. Das Wort Schilf kommt von Schelfe, Schele und bedeutet brüchige Schale oder Halm. Das Schilf ist eine der ergiebigsten Streuepflauzen. Die Streue ist aber etlvas hart, weshalb sie im Wert den meisten anderen Sorten nachsteht. Wert. Botanische Beschreibung. Das Schilfrohr ist ein ausläufertreibeudes Gras jmr oxenilöims. Botanische Von den Knoten an der Basis des Halmes (oft bis weit hinanf) gehen lauter durchbrechende Triebe ans^^E'"^- (siehe Tafel 11). Dieselben Verhalten sich verschieden: 1. Sie wachsen gleich nach dem Austritt aus der Mutterscheide aufwärts; wenn mehrere das gleichartig thun, so können lockere Teilhorste entstehen. 2. Sie entwickeln sich zu lang kriechenden, unterirdischen Ausläufern; diese erzeugen aus ihren Knoten teils aufsteigende Lusttriebe, teils seitliche Ausläufer. Die Gesamtheit der unterirdisch kriechenden Sprosse bildet ein reich verzweigtes, über große Räume sich erstreckendes Rhizom. — Die Dicke bis zu welcher diese kriechenden Rhizome answachsen können, ist sehr beträchtlich; sie erreicht 2.5 em. (gemessen an einem Exemplar auf der Au am Zürichsee). — Die Spitze der Rhizomglieder bildet mit ihren kräftigen, fest zusammengerollten Scheiden ein sehr kräftiges Bohrorgan, das selbst dicke Bretter zu durchdrungen im stände ist. — Die Länge, welche die Ausläufer erreichen können, ist eine ganz außerordentliche. —Sie können auch bis zu beträchtlicher Tiefe im Boden eindringen; so fanden sich an den Wänden eines Grabens des Linth- kanals bei Benken noch bei 1.5 m. Tiefe Phragmitesrhizome. 3. Die durchbrechenden Triebe entwickeln sich im Wasser, entweder untergetaucht, oder aus der Oberfläche schwimmend. Es entspringen dann aus den Knoten reihenweise die beblätterten Halme. Solche Schwimmsprosse können bis 11 Meter Länge erreichen (gemessen bei Lindau am Bodensee). Die Bewurzelung des Schilfrohrs ist, wie bei den meisten Wasserpflanzen, eine außerordentlich starke. Die weit verzweigten Wurzelbüschel entspringen an den Knoten der Kriechtriebe und an den basalen Knoten der aufrechten Triebe, soweit als letztere vom Wasserstand erreicht werden. — Bei Tiefwasserstand sieht man am Schilfrohr der Verlandungszone deutlich die Hochwasscrgrenze an den Wurzelbüschelu, die vertrocknet von den Knoten herabhängen. Der Halm ist glatt und kahl; er erreicht eine Höhe von 2—5 m. (im Maximum) und eine Dicke von l'/s ein. (2'/s ein. im Maximum). Die Scheide, welche sein gerillt erscheint und von Ansang an offen ist, ist kahl. Das Blatthäutchen besteht aus einer Haarkronc; es sind kurze, steife weißliche Härchen (bis 1 mm. lang), welche in eine mehrreihige Krone gereiht sind (Fig. 1 n. 5). Die beiden Ränder der Scheide sind in Öhrchen ausgezogen, auf welchem ein Pinselchen langer Haare entspringt. Auch die freien Scheidenränder sind mit langen Haaren besetzt. 12 Abarten. Geogr. Verbr. Höhen- grenzen. Standorte. Schilswiesen. Die Spreite hat eine gerollte Knospenlage. Unmittelbar über dem Haarkranz des Blatthäntchens findet sich eine dunkle Qnerbinde, in der Mitte schmal, gegen die Ränder zu schmalen Dreiecken verbreitert und mit kurzen auswärts gerichteten Borsten dicht bedeckt. Der Haarkranz des Vlatthäntchens hat nach Keiner (Pflanzenleben I, S. 91) den Zweck, das längs der Spreite Herabfließende Wasser abzuhalten, in den Zwischenraum zwischen Scheide und Halm hinabzufließen; mitgefühlte Staubteile, Pilzsporen werden dadurch ausgehalten. In der That ist auch gewöhnlich der Raum über dem Blatthäutchen mit Staub rc. angefüllt; es erscheinen namentlich die aufwärts gerichteten Würstchen der basalen Querbinde als Siebvorrichtung, um Staub zurückzuhalten, sehr geeignet. Die Spreite erreicht eine Länge von 40—50 om. und eine Breite von 2—2'/e ein. Sie ist auf beiden Flächen glatt und kahl, an den Rändern rückwärts rauh, d. h. mit nach oben gerichteten feinen Börstchen versehen. Das Schilfrohr hat eine große, aufrechte Rispe. An den Ansatzstellen der unteren Rispenäste befindet sich ein Haarkranz. Die Rispenäste selbst sind dünn, schwach rauh und reichlich mit 1—1.5 em. langen Ährchen (Fig. 1) besetzt. Diese letzteren bestehen aus 3—6 Blüten, von denen die unterste gewöhnlich nur männlich ist. Die Klappen sind bedeutend kürzer als die Deckspelzen, länglich lanzett, die obere länger als die untere, mit einer Längsrippe auf dem Rücken. An jedem Ährchenspindelausschnitt sitzt ein Kranz langer, seidenglänzender Haare (Fig. 3). Die Deckspelzen sind lang, auf dem Rücken etwas gekielt, in eine lange Spitze ausgezogen, von violetter Farbe. Die Vorspelze ist im Gegensatz dazu kaum halb so lang, am Rande kurz bewimpert. Die beiden federförmigen Narben (Fig. 2) sind getrennt voneinander dem Fruchtknoten eingefügt. Die Blüte beginnt an der Spitze der Rispe. Die Klappen und Spelzen spreizen auseinander und die Haare treten hervor (Fig. 1). Infolge davon erhält die vorher schwarzviolette Rispe einen weißschimmernden Anfing. Die drei Staubgefäße und die Narben treten zugleich hervor. Die Frucht ist klein und besitzt ein längliches Hilum. Das Schildchen ist halb so lang als die Frucht. Abarten. Das Schilf hat gewöhnlich violette Spelzen (vur. oder sie sind gelb (vnr. kIttV6806I18 OlliUor). Vorkommen. Das gemeine Schilfrohr ist über die ganze Erde verbreitet. Bei uns hält es sich meist an die tieferen Regionen. Selten steigt es in die subalpine Region. Die höchsten bisher bekannten Standorte in der Schweiz sind im Kanton Graubünden am Stelsersee am Fuße des Kreuzes ob Schiers im Prätigau bei 1620 in., am Davosersee bei 1562 m., am Arnensee bei Saanen 1540 in., am Lac de Champex ob Orsiöres (Wallis) 1465 m., auf den Saanenmösern bei 1280 m., bei Lauenen 1260 m. Im Tirol steigt es teilweise noch höher, so z. B. sanden wir es am Lago Vantorno bei Misurina in den Dolomiten bei 1853 in, am Brenner bei 1350 in., am Stilfserjoch bei Gamogoi 1280 m., oberhalb Cortina in Ampezzo bei 1250 in. Das Schilf ist eine der häufigsten und verbreitetsten Streuepflanzen, die mit Ausnahme der alpinen Region überall zu finden ist an Seen, Weihern, Flüssen, Bächen, in Altwässern, an Gräben, an sumpfigen Stellen, auf Streuewiesen u. s. f. Bei unseren Untersuchungen fanden wir es in folgenden gewichtsanalhtisch untersuchten Beständen: Schlammschachtelhalmwiese, Binzegarten, Schirmensce, 410 in. ü. M. 1.5"/» Spitzseggenwiese, Ried von Riedikon, 445 in.2.2 „ Böschenspaltwiese, Maschwanderallmend, 392 m.2.2 „ Streubinsenwiese, Hänsisried am Katzensee, 443 in.3.5 „ Kopfbinsenwiese am unteren Katzensee, 443 in.5.7 „ Kammseggenwiese, Schirmensee, 412 w.9.3 „ Dreizahnwiese, Binzegarten, Schirmensee, 412 m.22.5 „ Schilf-Spitzseggenwiese, Gossauerried, 450 in.32.7 „ Besenried-Schilfwiese, Melserried, 460 in.52.8 „ Zwenken-Schilfwiese, Bonstetterried, 529 m.57.9 „ Schilfwiese am Zürichsee bei Au, 412 in.88.1 „ Es kommt sehr häufig gesellig vor und bildet dann im Rasen den herrschenden Bestandteil (Röhricht, ?IiiAAiiiit6tiiiii). So findet es sich: 1. Am seichten Ufer von Seen und an fließenden Gewässern die Verlandungszone bildend; so am Zürichsee (am Oberste, zwischen Lachen und Nuolen, stellenweise eine 30 m. breite Zone bildend), am 91 Bodensee, Zugersee, Bielersee, Neuenburgersee, Pfässikersee, Genfersee, Katzensee, Hausersee, Ausee, Lowerzersee rc., bis zum Davosersee und Stclsersee. Die langen kriechenden Rhizome dringen vom Ufer her bis zu einer Wassertiefe von 2.5 in. in den See hinaus und bilden hier oft zahlreiche Halme, welche den Wasserspiegel noch bedeutend überragen. Folgendes Beispiel zeigt ein solches User-Röhricht: Schilfbestand am Ufer des Zürichsees bei der Au, 412 m. ü. M. Boden Kies, vom Wasser bespült. Untersucht den 7. Oktober 1893. °/° Gräser. Oramrnee-r . . 88.07 Gemeines Schilf .... kliruxmitM «vinmniiis Irin. . . . 88.07 Scheingräser. <7Meraoee-r . . 11.15 Steife Segge. 6-lrex siriein 6ooä. 11.15 Schachtelhalmge wüchse LMrsetaeee-r . . . 0.78 Schlammschachtelhalm. . Uguisetum ÜUI 08 UM U. 0.78 100.00 Auf 1 Quadratmeter befanden sich 22 fertile und 85 sterile Triebe. Der längste Trieb von kbragmito8 maß 334 ein., der kürzeste 260 ein., der längste Trieb von Onrex striota 151 em., der kürzeste 102 ein,, der längste Trieb von Uguisetuin Innvsuin 111 ew., der kürzeste 65 em. In dem Röhricht standen noch die vorjährigen Stengel von UiirngmitW, aber ohne Fahnen und ohne Blatt- sprcitcn. Vielleicht sind sogar dreijährige Stengel da. Die alten Halme sind bei der Untersuchung ausgeschieden. Landeinwärts schließt sich ein Böschenspaltbestcmd daran und hierauf folgen kurzrasige Riedwiesen. 2. Auf häufig überschwemmten, kiesigen, schlammigen Allnvialflächen, z. B. längs des Kcmpterbaches zwischen Wetzikon und Hinweist bei Reichenburg in der March, längs der Eisenbahn zwischen Zizers und Trimmis, imsSeezthal von Mels nach Flums, an der Landquart im Vorderprätigau, bei Alveneu am Landwasser, inwDomleschg am Rhein, an der Rhone, an der Simme bei Lenk, an der Aare, der Emme ic. 3. Als Ausfüllung seichter Gräben, Torflöcher, Weiher, Pfützen, Kiesgruben, Altwasserläufen, an Kvlmatierungsgräben längs der Flüsse, so an der Landquart im untern Prätigan, bei Thusis am Hinterrhein, bei Zlauz am Vorderrhein, an der Aare zwischen Meienried und Aarberg und in vielen Torfmooren. Von solchen Stellen aus dringt das Schilf oft weit in andere Bestände hinein. In den Sümpfen Ungarns bildet es nach Keiner eine ausgedehnte Formation, „die uns von ferne als ein unermeßlicher Schilfwald entgegenblickt. Vielfach verzweigte und labyrinthisch verschlungene Wasserkanäle durchziehen hier die inselförmigen Gruppen des Röhrichts und gegen die Mitte des Sumpflandes zu ist noch eine weite Strecke offenen Wassers eingeschaltet, die als ein Stück urwüchsiger, nur selten von einem menschlichen Wesen besuchten Wildnis der Tummelplatz unzähligen Wassergeflügels ist." 4. Auf wasscrzügigen Stellen mit kiesigem oder lehmigem Untergrund: so am steilen Nordabhang des Uto und Albis auf wasserzügigem Molassemergel; ferner häufig am geneigten Rande der Moore, am Übergang ins Erratikum, auf nassen Streuewiesen, wo es eine grobe, aber meist ergiebige Streue liefert. Die vielfach vorkommenden Ortsbezeichnungen „im Rohr", „in den Rohren" charakterisieren seine Bedeutung. Das Schilf tritt in den meisten Streuebeständen als Begleiter auf. Im Hochmoor dagegen ist es sehr selten. So z. B. suchten wir es vergeblich auf dem ausgedehnten Hochmoor im Sagnethal. Erst am Rande des Hochmoores bei lles 6wuäre8 tritt es auf, während es früher bei der Bildung des Flachmoores, welches jetzt die Unterlage des Hochmoores bildet, überall einen sehr bedeutenden Anteil hat. Dagegen findet es sich im Hochmoor bei Ul>8 kontlN8 ob 8t. Inner bei 1100 IN. Häufig bildet es Mischbestände mit dem Besenried (Nolinisto-kliimgmitetuiu), mit dem Misch- Böschenspalt, mit der Spitzsegge, dem Schlammschachtelhalm u. a. Ein Mischbestand mit dem Besenried zeigt ^""t>e. folgende Untersuchung: 92 Besen rieb- Zkchilfwiese im Melserried, 460 m. ü. M. Boden feinsandiger, kalkhaltiger Lehmboden mit Untergrundwasscr. Untersucht den 28. September 1893. 0/ /o > Gräser. 81-44 Schilf. . kdruAinites vvmmmii» Irin. 52.84 Bescnried. . Uolniia eooruIsL Zlüneb. 26-52 Mittleres Zittergras . . Lrirs, wsckia 1,. 2.08 Scheingräser. OMsracee» . . 12.74 Hackbart. . Oarox IlsrsIIiLiul 8m. . . 10.40 Gemeine Segge . . . . Oarex Ooocksnovii 6»)-. . . 1.47 Hirsensegge. . ldirex psnioon 4,. 0.87 Schmetterlingsblütler. ^axrironacseu . . 1.04 Gemeiner Schotenklee . . Iwius eornieulatus 4. . . 1.04 Korbblütler. <7o>/rpo§r'ts-r . . . 1.98 Wiesenflockenblume . . . OenikwrsL Iseea 4. . . . 1.59 Rauhes Milchkraut . . . Osontockon dispickus l,. . . 0.34 Verschiedene Familien . . . . 2.85 Kriechender Hahnenfuß . Nanunenius repens 4. . . 1.99 Teufelsabbiß .... . Lneeisa prgtonsis Ilöneli. 0.35 Tormentill. . LotsntiUü lormonlilla Merk. 0.29 Glockenblumenart . . . OrnuMvnIn spee. 0.19 Hain-Labkraut . . . . llaiinin s^Ivostrn LoU. . . 0.03 100.00 1 Qnadratfuß enthielt 8 sertile, 484 sterile Triebe und 11.8 Gramm Moos. Das Schilf bildet mit dem Besenried den Hauptbestand im ganzen Ried, bald überwiegt dieses, bald jenes. Ebenso häufig erscheint es gemischt mit Arten, die eine ähnliche Rolle als Berlander spielen, so mit der Seebinse (8oirpii8 1non8tiÜ8), der fadenförmigen Segge (Oniox 6Ii1onmi8) und dem Sumpfgras (Elnäinm Nnn8on8). Weiter gegen die Wasserfläche hinaus treten Seerosen niim und lutöiim) und Laichkräuter (besonders potnmoAotoir nntnii8 und ine.6ii8) als erste Pioniere auf. Landeinwärts bildet oft das äußerste feste User die „Zsombecksormation" der steifen Segge (6nrex 8triotn) mit ihren mächtigen, säulenförmigen Horsten, und noch mehr landeinwärts geht das Röhricht über in die Riedwiesen. Entwicklung. Wachstum, Ertrag, Streuewert, Futterwert. Je nach der Lage brechen die ersten Triebe schon Ende März bis Anfang April aus der Erde Herbor. Die anfänglich scharfen Spitzen beginnen sofort ein kleines Blättchen zu entfalten. Ende April haben die Triebe im Versuchsfeld der Samenkontrolstation in Zürich im Mittel eine Länge von 40 ein. und besitzen bereits 3 Blätter; Mitte Mai erreichen die Halme eine Höhe von 50—90 oin. und besitzen schon 4 Blätter. Anfangs Juni sind erstere 100 ein. lang und die größten haben 7 Laubblätter; Mitte Juni beträgt die mittlere Halmlänge 130 om. und die größten haben 8 Blätter. Mitte Juli erreichen die Triebe schon 160 om. und Ende August eine solche von 250 om.; dann hört das Längenwachstum aus. In dem losen Bestand erscheinen aber im Lause des ganzen Sommers neue Triebe, welche die älteren später einholen, aber keine Rispen mehr entwickeln. Deshalb findet man neben den fertilen Halmtrieben stets auch sterile und auf weniger günstigem Boden vermögen die Halme überhaupt nicht Rispen zu erzeugen. Ende Juli (an günstigen Stellen schon Anfang bis Mitte Juli) treten die ersten Rispen aus den Scheiden hervor und ein Monat später beginnt es zu blühen. Die Haare der geöffneten Spelzen erglänzen im Sonnenschein und die Blätter rauschen im Winde. Die Halme erreichen eine Höhe bis zu 4—5 Meter. So z. B. war an der schweizerischen landwirtschaftlichen Ausstellung in Bern 1895 von Alfred Wettstein in der Frohmatt bei Pfäffikon (Kt. Zürich) ein Büschel Schilf von 15 Fuß Länge ausgestellt. Die Samen reifen erst im Winter. Sie bleiben auch nach der Reife in den Spelzen haften und erlangen ihre volle Reife erst im Januar. Wenn das Schilf nicht geschnitten lvird, so bleiben die Rispen teilweise erhalten bis es neue gibt, bis sie von nistenden Bögeln eingesammelt, oder vorn Winde abgebrochen werden. Die starren Halme bleiben aber noch eine oder zwei Generationen hindurch stehen, bis auch sie schließlich zerfallen. 93 Die Ernte darf erst im Spätherbst (Ende Oktober bis November) vorgenommen werden. Bei Ernte, frühem Schnitt „verbluten" die Pflanzen, werden dadurch geschwächt oder sterben ab. Ist das Schilf sehr mächtig, so wird es in zwei Schichten abgeschnitten, weil bei der Ernte damit besser umzugehen ist. Zuerst wird es mit der Sense in halber Höhe abgemäht und dann im zweiten Gang erst am Grunde. Jeder Halm wird so in zwei Hälften zerschnitten. Der Ertrag ist abhängig von der Entwicklung der Stöcke. Keine andere Strenepflanze liefert ebenso Ertrag, hohe Erträge. Kantonsrat Stcffen-Seebach erzielte von 1 gm. Land vom Schilf 2.6 Kilo dürre Streue, während das Rohrglanzgras nur 1.45 Kilo und der hohe Spalt nur 1.35 Kilo gab. Bei einigermaßem gutem Stande erreichen die Erträge per Juchart leicht 50 g. 100 Teile Schilsstreue enthalten nach unseren Untersuchungen: Strcuewcrt. Stickstoff Asche, I. 1.11 °/, 5.86 °/„ U. 0.38 „ 5.08 „ darin: Phosphorsäure Kali Kalk 0.21°/, 0.76°/, 0.23°/, 0.12 „ 0.25 „ 0.35 „ Magnesia 0.58°/, 0.13 „ Mittel 0.75"/, 5.47 °/, 0.16°/° 0.50°/° 0.29°/° 0.35°/° Beide Proben stammen von derselben Stelle aus dem Vcrsuchsfclde der Samcnkontrolstation in Zürich; I wurde am 25. Oktober 1892, II am 21. Oktober 1893 geschnitten. Trockene, am 26. Oktober 1895 an derselben Stelle geerntete Streue hatte eine Anfsangungskraft von 235 Prozent (Roggenstroh 323 Prozent). I)r. Grcte fand in drei Proben folgenden Gehalt: Rohrlistreue aus Torfland im November Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia geschnitten. 0.73 °/° 4.10 °/° 0.13 °/° 0.10 °/° 0.25 °/° 0.11 °/° Rohrlistreue vom Pfafsikonersce . . . 0.32 „ 7.30 „ 0.32 „ 0.06 „ 0.14 „ 0.05 „ Rohrstreue von Zug. 0.62 „ 5.00 „ 0.12 „ 0.57 „ 0.62 „ 0.11 „ Mittel . . 0 56 °/° 5.05 °/° 0.19 °/° 0.24 °/° 0.34 °/° 0.09 °/° Emil Wolf gibt den durchschnittlichen Gehalt an Mineralstoffcn bei einem Wassergehalt von 18°/° wie folgt an: Asche, darin: Phosphorsüure Kali Kalk Magnesia Kieselsäure 3.65 0.23 0.68 0.33 0.11 2.0°/° Die Asche des Schilfes zeichnet sich durch einen sehr hohen Kieselsäuregehalt aus. Schulz-Fleeth fand bei einer Untersuchung, daß 100 Teile Reinasche 77.27 °/° Kieselsäure enthalten; I. Fittbogen fand 59.1—77.7°/°. Der hohe Kieselsäuregehalt bedingt größtenteils die Steifheit der Blätter, während die Rauhigkeit durch die fägcartigen Randzähne hervorgerufen wird. Die Rohrstrene ist wegen ihrer Härte schwer zersetzbar. Deshalb ist sie auch überall weniger geschätzt und weniger geweitet als die meisten anderen Strenesorten. So schreibt man uns aus Affekt rangen: „Schilfstreue ist ihrer Härte wegen weniger beliebt." Rümlang: „Schilfstreue wird nicht gerne gekauft, sie ist daher billig." Rüti (Kt. Zürich): „Ist per 100 Kilo 1 Franken weniger wert als Spaltstreue." Dürnten: „Schilfstreue ist 20°/° weniger wert als die andern." Gossau (Zürich): „Rohrstrene ist 1 Franken per 100 Kilo billiger als Spaltstreuc." Grüningen: „Rohrstreue ist 50 Rp. per 100 üg. weniger wert als „reiner" Spalt und Besenried." Reute-Oberegg: „Ist nur 2 Fr. per Centner wert, Besenried Fr. 3. 50." Mcggcn: „Ist etwa 1 Franken per 100 üg. weniger wert als Lischenstreue." Benken (St. Gallen): „Röhrli ca. 1 Franken per 100 Icg. weniger wert als Besenried." Ennetmoos: „Rauhe, rührige, lange Streue ist bei 60—80 Rp. weniger wert als kurze feine." Mühlau: „Wertverhältnis von Besenried, Spalt, Schilf ^ 3:2:1." Nied er-Helfenschwil: „Die Hälfte billiger als feine Streue" u. s. f. In Ragaz kaufen die Pferdehalter nicht gerne Schilfstreue, weil die Pferde durch die Eindrücke der Schilfhalme beim Liegen Schrunden bekommen, ähnlich wie von Peitschenhieben. Wegen der langsamen Zersetzung sollte der Schilfstrenemist vor der Verwendung einmal nmge- stockt werden. Der Rohrstreuemist eignet sich sehr gut zum Unterpflügen zu Kartoffeln, weil er den Boden lockert. — Auch zum Einhacken in Reben ist er zn empfehlen. In jungem Zustande liefert das Schilf auch ein gutes Futter. Es ist jedoch nur den Pferden Futterwert. zuträglich. Bei der Benutzung als Futter wird im Juni nur der obere, zartere Teil der Halme abgeköpft und verwendet, während die zähen Basalteile stehen bleiben. 94 Auf der Weide werden die zarten, eben aus der Erde hervorsprossendm jungen Triebe vorn Weidevieh gerne gefressen. Das Schilf erträgt jedoch dieses Abweiden nicht, wie denn auch das Abweiden eines der besten Vertilgungsmittel desselben ist. Andere In manchen Weingegenden der Schweiz (Hallau, Stammheim, Dachsen, Thalheim a. d. Th., Altikon, ^s^Sckülses Andelfingen, Wülflingen rc.) wird das Schilf zum Decken der Reben während des Winters benutzt und ist b ^ i Zchi: begehrt. Ferner dient das Schilf als Bedachnngsniaterial, zum Berühren von Decken und Wänden, zu Schilfmatten, zu Webspuhlen, zu Federhaltern, in netterer Zeit zur Herstellung von Schilfbrettern rc. Standorte Kultur. Das Schilfrohr eignet sich auch in hohem Maße zum Anbau auf entsprechendem Boden, insbesondere in seichten Gewässern, in ausgetrockneten Teichen und Seen, wo andere bessere Pflanzen nicht mehr fortkommen. Große Flächen Landes sind jetzt noch crtraglos, welche durch die Kultur des Schilfes in ertragreichen Boden umgewandelt werden könnten. Oberforstmeister Müller in Mersebnrg, der eine Anleitung über den Anbau des Rohres geschrieben hat*), führt ein Beispiel an: „Eine vor etwa 6 Jahren in der Arbciterkolonie Lepda zur Sandentnahme benutzte, unmittelbar am Moor gelegene Fläche stand nach Beendigung dieser Entsandung andauernd unter Wasser; es ist dann die Hälfte dieses Areals mit Rohr angebaut, die andere Hälfte sich selbst überlassen worden. Es hat sich nun auf der ersten bereits eine völlige Gras-Rohr-Schilfschicht gebildet, während die andere noch völlig als Wasscrloch daliegt. Ähnliche Beispiele ließen sich in großer Menge anführen." Ferdinand Weiß in Bregenz hat schon seit 30 Jahren mit Erfolg am Bodensee Schilf eingepflanzt, zur Sicherung des bestehenden und zur Gewinnung neuen Terrains, denn das Schilf ist, wie kaum eine andere Pflanze, geeignet, die Verlandung von Gewässern zu besorgen. Solche Flüchen, die hierzu geeignet wären und wo jetzt nichts wächst, gibt es noch viele — alte Flußläufe, flache Seeufer, Weiher, Kies- und Sandgruben, Torflöcher u. s. f. Am oberen Zürichsee geht das Schilf bis zu 2 i». 40 em. Wassertiefe in den See hinaus. Wir maßen hier an verschiedenen Stellen am 24. Mai 1892 am äußern Rande des Röhrichts folgende Wasser- tiefen in Centimeter: 110, 90, 50, 40, 80, 110, 60 (Kies), 100, 200, 220, 230, 210, 200 (Schlamm), 60 (Kies), 85, 90, 70, 85, 100, 100, 100, 150, 150, 170 (Schlamm), 180, 1,75 150, 150, 95, 120, 120, 115, 140, 140, 140, 115, 105, 100, 110, 120, 110, 90, 180, 120. Auf guter» schlammigem Boden geht das Schilf weiter in den See hinaus als auf geringem Boden und Kiesuntergrund. — Ähnliche Erhebungen machten wir am Katzensee. Es ist also möglich jedem Gewässer einen mit Wasser bedeckten Rand von bis 240 Centimeter abzugewinnen und der Volkswirtschaft dienstbar zu machen. Vermehrung Die Kultur kann in verschiedener Art geschehen, vorerst durch Aussaat von Samen, dann durch Samen, von Stöcken. Bei der Bermchrnng mittelst Samen ist erste Bedingung, daß die verwendeten Samen reif sind. Das ist aber erst im November bis Januar der Fall. Der Same wird deshalb erst im Januar gesammelt, in Lehm geknetet, dieser in Kugeln gesonnt, welche im März oder April an seichten Stellen oder auf verlandetem Terrain ausgepflanzt werden. Die Samen gehen gut, wenn auch sehr langsam auf. Rascher führt die Auspflanzung von bewur- ^durch zelten Pflanzen zmn Ziele, welches im März oder April geschieht. ^ "^0' Müller (a. a. O.) empfiehlt bei bewegtem Wasser die Wurzeln in senkrecht in den Boden gesteckte Draiuier- röhren zu pflanzen, um die Pflanze vor dem Wegschwemmen zu schützen. Hat einmal eine Wurzel Boden gefaßt, so ist sie imstande, eine große Fläche zu überwachsen. — Noch sicherer gelangt man zum Ziele, wenn ganze Wurzelballcn (Palten- oder Bültenpflanzung) ausgepflanzt werden. durch Eine dritte Methode ist die Vermehrung durch Stecklinge. Delius**) schreibt darüber: Stecklinge. „Die im Juli fünf Fuß hohen Stengel werden abgeschnitten und auf irgend eine Weise, durch schwache Pfähle rc, auf der Pflanzstätte befestigt. Die Halme des Rohres haben, wie alle Süßgräser, Knoten, aus welchen unter günstigen Verhältnissen Wurzeln hervorwachsen. Die Pflanzarbeit läßt sich mittelst vcrschiedenerLZerfahrungs- arten bewirken. Entweder bildet man aus den grünen Rohrstengeln Würste, die man, ohne die Halme zu brechen, umbindet und an Pfählen im Wasser derartig befestigt, daß sie dem Wasserstande schwimmend folgen, sich hebend oder senkend. Die Wurzeln schlagen nach unten aus, bis der Erdboden erreicht und Einwurzeln erfolgt ist. In *) Mitteilungen des Vereins zur Förderung der Moorkultur im deutschen Reiche. 1892. S. 205. **) Adolf Delius. Die Kultur der Wiesen und Grasweiden. Halle 1874. 5.71 ..xNs/L'- Lu i'ic^. 0. /L MMM VMM ^MWW i(s..>. ^io.4 1' i ^ M ^ ^ ^ E. -5sÄs< /O .; zu dieser Zeit treten die Rispen aus den Scheiden. Ende Juli tritt die Blüte ein. Die sterilen Triebe haben zu dieser Zeit eine Länge von 90 om., die Halme von 110—120. Diese, erreichen bis Ende Juli eine Länge 140—170 em. Im Strcueoersuchsfeld im Strickhof erreichten die Halme eine Länge von 200 oni. und die sterilen Triebe eine solche von 160 em. Ertrag. Da der Stand ein sehr dichter ist, so ist der Ertrag sehr bedeutend. Im Strickhof erzielten wir 1891 bei reichlicher Bewässerung von 15 Quadratmeter Bodenfläche 40 Iv'p. dürre Streue, per Juchart also 96 Kilo- zentner. Von keiner andern Pflanze wurden hier gleich hohe Erträge erzielt. Bei frühem Schnitt kann man zwei Mal schneiden. In Norddeutschland wird das Gras als Futter benutzt. Streuewert. 100 Teile, am 24. Juli 1890 auf genanntem Felde geerntete, dürre Streue enthielt: Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 0.98 5.00 0.18 1.44 0.43 1.94°/° Knop und Arendt fanden: Stickstoff 1.69°/°, Asche 5.16°/°, darin: Phosphorsäure 0.86°/°, Kalk 0.21, Magnesia 0.19°/». Clifford Richardson ermittelte 1.12"/° Stickstoff. Kultur. Kultur. Die Kultur des Niescnsüßgrases euwnehlt sich auf reichem, gutem Boden, der periodisch unter Wasser gesetzt oder reichlich bewässert werden kann. Dann kann mau von dieser Pflanze Ertrüge erzielen, wie kaum von einer anderen Art. Reichliche Bewässerung ist aber absolut notwendig. Die Anpflanzung kann geschehen durch Aussäen von Samen oder Auspflanzung von Setzlingen. Die Samen sind jedoch meist zum großen Teil taub und die sertilen keimen sehr schwer und sehr langsam; auch die Entwicklung des Sämlings aus der Keimpflanze ist eine sehr langsame, weshalb es drei Jahre oder mehr dauert, bis man einen leidlichen Rasen erzielt hat. Rascher gelangt man zum Ziele, wenn man ältere Stöcke ausgeübt, diese teilt und die Teilstöcke in Entfernungen von etwa 1 Meter auspflanzt. Im Versuchsfeld im Strickhof und auf einer Versnchsparzelle im Adlisberg bei Zürich erzielten wir so in zwei Jahren schon ziemlich schöne Bestände. 15. Das Besenried. Noiiiiin cooi'ulon iAöiioii 2f (Tafel 13.) Benennung. Der Name Besenried rührt daher, weil die jungen Halme zur Herstellung von Besen (Halmüäsü, Binsbüsä, Riedbäsü, Schmalbüsü, Schmälübäsä) benutzt werden. Gleichbedeutend sind die Ausdrücke Büsäschmalä, Bäsa- schmälä, Bäsähalm, Riedbäsähalm, Besenried, Bäsäried. Die langen, knotenlosen Halme dienen zum Ausputzen von Tabakpfeifenröhren, deshalb die Namen Pfeifengras, Pfiffengras, Pfeifenriedt. Ferner heißt es Binzen, Bähnt, Bähnt- gras, Bente, Benthalm, Bijänt, Pijänt, Schwarzschmälä, Zuckerschmälä, Marl, wild Roggenhalm, Ried, langes Ried, Rietschmalen, Schmähten. Die Streue wird als Riedstrcue (Kt. Luzern), Halmstreue (Gaster, March, Toggenburg, Schwyz), Samenstreue (March), Schmalenftreue (Staus), Binsenstreue (Grüningen), Rieselftreue (Ellikon a. Th.) bezeichnet. Geschichte. Es ist das Verdienst lnzernischer Landwirte, das Besenried zuerst in Kultur genommen zn haben, namentlich des Richters Franz Ottiger in Wahligen bei Rothenbnrg und des Großrates Sigrist in Jnwil. Ersterer hat das Gras seit 1872 in Kultur und letzterer pflanzt es seit etwa zwanzig Jahren. Landwirt- Das Besenried ist diejenige Streueart, welche in bei Weitem ausgedehntestem Maße in Kultur ^Werü^ ifl und auf allen Bodenarten, welche nicht bewässert werden können und nicht sauer sind, den größten Ertrag abwirft. Die Kultur ist außerordentlich einfach und der Betrieb mit den denkbar geringsten Spesen verbunden. Botanische Botanische Beschreibung. Das Besenried hat einen horstsörmigen Wuchs. Die Knospe durch- bricht die alten Blattscheiden und steigt sofort in die Hohe. Die Stellung der Knoten am Halm ist folgende: «W IH/2/KÄÄ^. l iBestocll,ngstnoten. Stellung der Knoten sind alle Blätter am Grunde des Halmes inseriert und die ^ verschiedene Unordnung in der Hohe kommt durch die ungleiche Länge der Blattscheiden zu stände. Das blaugrüne Blatt ist lang, etwas steif, am Rande der oberen Hälfte rückwärts rauh. Es hat keine Luftgänge, hingegen befindet sich zwischen je zwei Rippen ein Gelenkpolster (Tafel 13, Fig. 10). Bei trockenem Wetter ist das Blatt halb eingerollt und nur bei feuchtem offen. Wenn es abgeschnitten wird und austrocknet, so rollt es sich ein. Das Blatthäutchen besteht aus zahlreichen, kurzen Haaren (Fig. 8 u. 9). Am Rande der Scheide stehen weniger, aber längere Haare. Die Blattscheide ist offen. Der Halm ist gerillt, knotenlos, die Rispe aufrecht, etwas geschlossen, nur bei Formen aus dem Walde mehr ausgebreitet. Die Rispenäste sind dünn, an den Seiten rückwärts rauh, entweder kurz anliegend, mit relativ wenigen, großen Ährchen, oder, weit abstehend, mit einer größeren Zahl kleiner Ährchen. Die Ährchen (Fig. 1 u. 2) sind 2—öblütig, das oberste gewöhnlich steril. Die Klappen sind etlvas dunkler gefärbt als die Spelzen, länglich und gekielt (Fig. 2). Die Spelzen (Fig. 1 u. 5) sind unbegrannt, die Deckspelze derber als die Vorspelze, länglich, schwach gekielt und mit drei Nerven auf dem Rücken. Die Vorspelze ist rinnig, von der Deckspelze umgeben. In der Farbe sind sie grünlich bis violett. Der Fruchtknoten (Fig. 3) trägt an der Spitze zwei federförmige Narben, deren Griffel am Grunde schwach verdickt sind. Die drei Antheren treten gewöhnlich vor den Narben an der Spitze heraus. Fig. 21. Bestock ungsv erhall nisse des Besenrieds (üloliuia eoeruloa iUöoob.). Abarten. Das Besenried ändert wie folgt*): Abarten. 1. Das typische Besenried, vsr. h'piea Loclc. Rispenäste an die Spindel angedrückt, oft nur mit wenigen Ährchen besetzt. Rispe daher schmal, länglich, oft sehr verlängert. 2. Das hohe Besenried, rar. allissima tunk. Die Rispenäste an den Abzweigungen sind kahl, aufrecht abstehend, weitschweifig. Die Ährchen meist drei- bis vierblütig; Blüten 5—6 imm; Frucht 2 m»>. lang. 3. Das Ufer--Besenried, vsr. littoratis Host. Die Ährchen sind nur ein- bis zweiblütig, sonst wie voriges. 4. Das Rohr-Besenried, vur. srnnäinsosL 8ebrunü., wie 2, die Ährchen 1—2blütig. Die Rispenäste sind unter der Abzweigung von der Spindel mehr oder minder lang bewimpert. 5. Das kleinblütige Besenried, vur. psevikloru lleeic., wie 3, doch die Blüten nur 3 »m>. lang. Neben diesen Formen wird in Gärten sehr selten eine Varietät mit weißgestreiften Blättern kultiviert. Auch findet man etwa Exemplare mit gelben Rispen (korma gelllens). Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Das Besenried ist in ganz Europa einheimisch mit Vorkommen. Ausnahme von Südspcinien, Süditalien, dem südlichen Balkan und Südrußland. Wenn es im Tieflande auch bedeutend verbreiteter ist, so steigt es doch auch bis in die alpine Region. Verbreitet ist es namentlich auf Riedwiesen, auf feuchten, mageren Futterwiesen, besonders auf feuchtem, thonigem Untergrund, dann aber auch auf Moor, sowohl Flach- als Hochmoor; ferner in lichten Waldungen, Kastanienhainen, an steinigen, wasserzügigen Abhängen u. s. f. Das Besenried kommt nicht nur in sehr vielen Bestandesformen vor, sondern besitzt sehr häufig Besenried- einen bedeutenden Anteil am Rasen und beherrscht in vielen Fällen den Bestand geradezu. Solche Besenriedwiesen (ückolinieton) nehmen an vielen Orten Flüchen von 50—100 und'mehr Hektaren ein. h Nach Günther Beck. Flora von Niederösterreich. Wien 1890. S. 93. 13 98 Mischbestände. Begleit- pslanzen. Die meisten Streuewiesen der Schweiz sind Besenriedwiesen, so der größte Teil der Städterallmend zwischen Zug und Chain, die Streuewiesen bei Rothkreuz und Risch, bedeutende Flächen im großen Moos, an der Broye, im Wauwilermoos, am Nußbaumersee, im Todtmeer bei Einsiedeln, bei Altmatt, am Pfäffikersee, Katzensee, Hasensee, Steineggersee, am ehemaligen Bibersee, in der Maschwanderallmend, im Bonstetterried, im Seezthal, am Alpnachersee, Lowerzersee, im Brüggmoos, im Gossauerried, an der Linth, im Wangerried, in Sarnen, an der unteren Thür u. s. s. Unter günstigen Verhältnissen stehen die Halme dicht wie das Korn ans dem Acker nnd wogen im Spiel der Winde. Wir lassen als Beispiel die Resultate einiger Besenriedwiesen hier folgen: Besenriedwiese am ehemaligen Bibersee, 433 w. ü. M. Boden an der Oberfläche 30—40 ew. Moorerde, dann Seekreide; entwässert. Prächtiger Bestand. Untersucht den 15. September 1893. °/° 7° Gräser. Grammes» ... 91.30 Besenried. Aolinin eoeriilk» Ltönob. 90.07 Rotschwingel .... Vostuea rubra U. 1.23 Scheingrüser. OMSraceen.... 4.04 Hirsensegge. Llnrex paniesa 1,. 4.04 V e r s ch i edeneFa mitten . . . 4.66 Teufelsabbiß .... Luooisa pratensis Miiob 2.46 Tormentill. UotsntMa lorwvntiNa Moli. 1.01 Vogelwicke. Viola Oraooa l,. 0.64 Kriechender Hahnenfuß . Ilanunoulus repens N. . . 0.22 Durchlöchertes Hartheu Ilzpsriouin pe.rtoratmn I,. . 0.18 Gemeine Braunelle . . Lrimella vulgaris ll. . . . 0.13 Rauhes Milchkraut . . Uoontoäan bispiäus U. . . 0.02 100.00 Häufig finden sich Mischbestände mit der Hirsensegge, wie das folgende Beispiel zeigt: Hirsenseggen- Besenriedwiese im Wauwilermoos, 540 m. ü. M., Boden alter Seegrund, an der Oberfläche 30 om. Moorerde, dann Seekreide. Untersucht den 17. Oktober 1893. 7° Gräser Aramrrree» .... 54.44 Bescnried. dlnlinia eoeiiUeu 1Iv»cb. 53.90 Hundsstranßgras. . . . .Vgrostis ermiva U. 0.54 Scheingrüser. OMeraeee-r.... 42.73 Hirsensegge. . Oui'tzx pnnieeu l,. 42.73 Verschiedene Familien . . . 2.83 Tormentill. . UotentiNa lormentilia iVooii. 2.39 Hundsveilchen .... . Viola oaninL . 0.27 Kohldistel. . lliröi'um olerscsum 8oop. 0.13 Busch-Labkraut . . . . Kalium sxlvostrv Uotl. . . 0.04 100.00 Ein Mischbestand mit dem Schilf sind bereits Seite 92 mitgeteilt worden. Auf etwas sauren Wiesen bildet es oft Mischbestände mit der Kopfbinse (8ci>06nn8 torrnßinens). Auf mehr trockenen Streuewiesen mischt sich dem Bescnried oft in starkem Maße die gefiederte Zwenke bei. Auf ganz trockenen Streuewiesen bildet sogar die aufrechte Trespe einen ansehnlichen Bestandteil. In trockenen Lagen entstehen auch Mischbestände mit der trockenheitsliebcnden Bergsegge. In der Bergregion sind nicht selten Mischbestände mit dem liegenden Dreizahu. Häufige Begleiter sind ferner das Knaulgras, der Hackbart, die Hornschuchsegge, die gemeine Segge, der Böschenspalt, selten fehlen die Allerweltspflanzen roter Schwingel, Zittergras, Purgierlein 69 und Tormenüll. Aber auch bunte Blumen fehlen nicht: Der Teufelsabbiß entfaltet im Nachsommer seine violetten Köpfchen, im Frühling blüht die Sumpfdotterblume und die Butterballe, die duftende Mehlprimel besiedelt den Boden mancherorts mit zahllosen Blüten, daran reihen sich die zweiblättrige Plathanthere und der Fieberklee, die düstervioletten Thhrsen der Swertie, die Herbstzeitlose, die Kvhldistel, die Wiesenflockenblume, die gelbe Wiese«raute, der weidenblättrige Alant, der gemeine Friedlos, die Färberschartc, die Betonie, der Weiderich, der Lnngenenzian, die Snmpfspicrstaude, der Wasserhanf, das Snmpfherzblatt, mehrere Labkräuter n. s. f. Im Buchser-Ried (Kt. Zürich) bildet das nördliche Labkraut (Onlinm fioranla) förmliche Lokalbestände, welche zur Zeit der Blüte von weitem das Auge des Beobachters durch ihre milchweiße Farbe fesseln. An manchen Orten bildet das Alpenwollgras große Flecken, welche von ferne wie mit Schnee überstreut erscheinen. Die blaue Schwertlilie (Iris 8il)in6n) tritt im Frühjahr oft in solcher Menge auf, daß sie fast reine Bestände bildet (Irickatnm) und durch das leuchtende Blau ihrer Blüten der Wiese den Anstrich eines ungeheuren Blumenbeetes gibt. Im Laufe des Sommers trocknet die Pflanze aber ein, während nach und nach das Besenried die Oberhand bekommt. Nicht zu vergessen sind die Fleischfresser der Sümpfe, die Sonnen- thauarten (Drosern) und das Fettkraut (UmAuionln), dann die durch intensive Farben prangenden Knabenkräuter; auch die schmettcrlingsblütigen Arten fehlen nicht: Wiesen- und Sumpfplatterbse, Vvgelwicke, Bergklee, mittlerer Klee, gemeiner und Sumpfschotenklee, Hopfenklee, Rotklee, der gelbe und der weiße Honigklee; auf kalkreichem Boden kann sich sogar der Wnndklec ansiedeln, so z. B. bildet er auf dem Rhoneallnvinm in der Hohnei bei Geschinen (Wallis) mit dein Befenried einen Mischbestand. Auf Besenriedwiesen, welche mit Phosphorsänredünger gedüngt werden, treten häufig auch die andern Kleearten in den Vordergrund. Auf trockenen Besenriedwiesen stellen sich neben der aufrechten Trespe und der Bergsegge noch andere xerophyle Pflanzen ein, so der scharfe Mauerpfeffer, der Feldthhmian, der Brüsch, das Öhrchen-Habichtskraut, das Hartheu, der Breitwegerich. Als fernere Begleitpflanzen seien erwähnt: das wollige Honiggras, das Fioringras, das Hundsstraußgras, das Knaulgras, das Borstgras, der Weichhafer, das Bergreithgras, das schmale Reithgras, die Waldsimse, die Wollgräser, die Rasenbinse, der Sumpfschachtelhalm, der Bergangentrost, der Bitterling, verschiedene Veilchen, die Braunelle, verschiedene Hahncnfußarten, verschiedene Münzen. Von Holzpflanzen die kriechende Weide, der Faulbaum u. a. m. In Betreff der Bodenart ist das Besenried nicht wählerisch. Es gedeiht aus Thonboden, Lehm- Boden, boden, Sand- und Moorboden, wenn dieselben den richtigen Fenchtigkeitsgrad besitzen. Die schönsten Bcscnriedwiesen finden sich aber auf frischem Thon- und Lehmboden. Eine Hanptbedingung des Gedeihens ist der richtige Feuchtigkeitsgrad. Obschon das Besenried einen ziemlichen Grad von Hnmussäure im Boden ertragen kann, so gedeiht es doch nicht gut auf Boden mit stockender Nässe und in Lagen, wo das Wasser längere Zeit an der Oberfläche liegen bleibt. Es gedeiht auch nicht auf nassen, glucksenden Böden. Da ist ihm der Feuchtigkeitsgehalt zu groß und es macht deshalb Beständen Platz, welche einen höheren Feuchtigkeitsgrad ertragen. So z. B. hatte man früher in den Streuennesen bei Rothkreuz den prächtigsten Besenriedbestand. Durch den Bahnbau ist aber der Wasserabfluß in neuerer Zeit etwas gehemmt worden, weshalb an Stelle des Besenriedes das Schilf immer mehr überhand nimmt. Bei der künstlichen Bewässerung macht es meist der Sumpfsegge, der Spitzsegge und dem Böschen- Bewässerung, spalt Platz. Düngung verlangt das Bescnried keine. Im Gegenteil, es werden durch die Düngung Düngung. Pflanzen begünstigt, welche man in der Besenriedstreue als Unkräuter oder doch als geringwertige Pflanzen betrachten muß (Kleearten, Gräser rc.). Wachstum, Ertrag, Streuewert. Das Besenried bildet mehr oder weniger kräftige Horste, Wuchs, aus denen die 50—150 am. langen Halme entspringen. Die drei Halmblätter sind dicht über dein Spcicher- internodium an drei sehr genäherten Knoten angesetzt. An dieser Stelle fällt im Winter der Halm ab und das Speicherinternodium überwintert mit dem Wurzelstock. Die 2 — 5 Knospen sitzen meistens unterhalb des Speicherinternodinms an den Bestvckungsknoten. Entwicklung. Sie entwickeln sich spät im April. Dabei wird die Reservenahrnng aus dem Speicherinternodinm des alten Halmes aufgebraucht. Nachher stirbt dieses Organ ab. 100 Ernte. Wenn das Befenried nicht gemäht wird, so fallen im Winter die Halme meist von selbst um. Die Abbrnchstelle ist durch die nahe auf einanderliegenden Knoten oberhalb des Speicherinteruvdiums vorgezeichnet. Bei den Gräsern wird, wenn der Halm reift, die Blattscheide meistens lose und fasert ab. Der Halm bekommt an der wachstmnsfähigen Stelle des weicheren Collenchyms derbe Bastfasern. Das Besenried macht hievon eine Ausnahme. Wenn der Halm reist, so bilden sich an den wachstmnsfähigen Stellen nachträglich keinG Bastfasern. Es befinden sich also in dieser Zone nur zarte, parenchymatische Gewebe. Die Blattscheiden bleiben dem Halm angeschlossen, wenn auch das Blatt abstirbt. Unmittelbar über dem Knoten ist die wachstumsfähige Partie der Blattscheiden und des Halmes. Man findet da keine verholzten Elemente und keine Bastfaser. Die Festigkeit des Halmes wird an dieser Stelle durch das Collenchym und den Gewebedruck (lurgor) bedingt. Wenn der Halm abstirbt, so zersetzen sich diese zarten Gewebe leicht, während die starke Epidermis und die Bastfasern des Halmes nur schwer angegriffen werden. Da nun bei dem Besenried die S—3 Halmknoten einander sehr genähert sind, werden an dieser Stelle alle Gewebe sich leicht zersetzen, besonders wenn Frost mitwirkt und die Bodenfeuchtigkeit im Herbst den Prozeß begünstigt. Der Halm verliert die Festigkeit und sällt beim ersten Windstoß um. Untersucht man die Abbruchstelle, so findet man keine Korkbildung, wie es bei dem Abfallen der Blätter von den Bäumen der Fall ist, sondern man findet nur, daß die zarten Gewebe sich zersetzt haben. Durch die zwei oder drei übereiuanderliegenden Knoten wird zugleich ein guter Verschluß des Speicherinteruvdiums erzielt. Das Speicherintcrnodium überwintert und erzeugt im nächsten Jahre zwei oder mehr neue Seiten- triebe, während es selbst abstirbt. Auf diese Weise vergrößert sich der Horst stetig durch Vermehrung seiner Triebzahl. Die Wurzeln sind außerordentlich zäh, reisborstenähnlich und dringen tief in die Erde. stieben Halmtrieben entwickelt der Wurzelstock auch stets zahreiche, sterile Triebe, welche es nicht zur Entwicklung eines Blutenstandes bringen. Im Mittel der 67 Wiesenbestimmungen, in welchen sich das Besenried in der Probe vorfand, kommen auf einen Halmtrieb 26.3 sterile. Das mittlere Gewicht eines Halmtriebes betrug 0.18 Gramm, eines sterilen Triebes 0.03. Je günstiger der Standort und je besser die Entwicklung, desto schwerer das Gewicht der Triebe und desto größer die relative Zahl der fcrtileu Halme. In einem Bestände am Bibersee kamen schon aul 7.2 sterile Triebe 1 Halm. Das mittlere Gewicht eines Halmes betrug 0.96 Gramm, eines sterilen Triebes 0.13 Gramm. Bei üppiger Entwicklung ist aber die Triebzahl eine relativ kleine, so z. B. waren in einem Quadratfuß des erwähnten Rasens mit 90.1"/« Besenried nur 20 Halm- und 160 sterile Triebe, entsprechend 22 Halm- und 160 sterilen Trieben bei einem reinen Rasen. Umgekehrt fanden sich in der Besenriedwiese in der Hohnei bei Geschirren mit 16.9°/» Bcsenried 13 fertile und 397 sterile Triebe. Das Beseuried ist eines der spätesten Gräser. Es fängt erst Ende April oder Anfang Mai an zu treiben; erst Ansang Juli treten die Rispen aus den Scheiden und Ende Juli beginnt die Pflanze zu blühen. Ende August ist die Blüte zu Ende; die Pflanze wächst aber noch weiter bis in den September. Die Halme erreichen dann bei den Kulturen in unserem Versuchsfelde 140—160 am. und die sterilen Triebe 60—80 ein. Ende September sind die Samen reif, fallen dann ab und keimen nächstes Jahr im Rasen. Wir fanden im Mittel in einem Quadratfuß Rasen 18.5 Keimpflanzen (in einzelnen Fällen 171, 149, 134, 120, 114, 108 u. s. f.) Dieses Verhalten der Pflanze zeigt dem Landwirt die Zeit an, wann die Besenricdwiese gemäht werden darf. Wird diese Streue zu früh gemäht, wenn Blätter und Halme noch grün sind, so entzieht man der Pflanze mit dem Halm und den Blättern Neservestoffe, die dem folgenden Frühjahrstrieb weg. genommen werden. Durch ein zu frühes Mähen wird also der Frühjahrstrieb ge- schwächt. Es ist dies auch eine alte Erfahrung, daß wenn eine Besenriedwiese zu früh gemäht wird, sie im Streneertrag zurückgeht. Mit der Ernte warte man deshalb bis Ende Oktober oder Anfang November, damit die in den Halmen und Blättern aufgespeicherte Reservenahrnng Zeit hat in den Wnrzelstock zurückzuwandern und diesen zu kräftigen. Je länger man mit dem Schnitt wartet, desto besser entwickelt sich das Besenried. An manchen Orten schneidet man dasselbe sogar erst im Verlaufe des Winters. Läßt man dagegen die Streue über den Winter stehen, so fällt der größte Teil der Halme um, durch die Verwitterung geht viel an Quantum und Qualität der Streue verloren. Die beste Zeit zum Mähen der Besenriedwiese ist also der Spätherbst, wenn Blatt und Halm gelb geworden INI sind. Sie haben in diesem Zustand die Reservenahrung bereits an die Wurzeln und das Speicher- internodium abgegeben, haben also für die Pflanze keinen weiter» Zweck mehr. Zu diesem Zeitpunkt wird aber auch der größte Streuecrtrag erzielt; denn Blatt und Halm haben das Wachstum vollendet. Sie sind aber noch nicht umgefallen und die Zersetzung hat noch keine Verluste herbeigeführt. Der allzufrühe Schnitt ist auch der Grund der geringen Erträge vieler Strenewicsen. Würde man sie spät schneiden, so könnte das Besenried erstarken und der Ertrag würde sich successive steigern, wie weiter unten an Beispielen auseinandergesetzt werden soll. Im Kanton Luzern rechnet man von einer Jnchart gut bestandener Besenriedstrene einen Ertrag Ertrag, von 20—40 cz. dürre Streue. Die Streue ist schwer und beim Einstreuen nachhaltig- Übereinstimmend lautet das Urteil der Praktiker, daß die Besenriedstrene zu der besten gehöre. Streucwert. In Schwyz wurde sie zu Fr. 5—6, in Reichenburg zu Fr. 5, in Reutc-Obcregg zu Fr. 7 per 100 kx. bezahlt. 100 Teile am 20. September 1890 im Versuchsfeld der Samenkontrolstation in Zürich geerntete Streue enthielt dürr: Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia 1.05 7.66 0.34 0.97 0.34 0.27 °/» Im Spätherbst (l.) und im Frühjahr (II.) eingesammelte Riedstreue von Luternau (Kt. Luzern) enthielt: Stickstoff Asche, darin: Phosphorsäure Kali Kalk Magnesia l. 0.64 3.81 0.07 0.19 0.74 0.13°/» II. 0.39 2.47 0.05 0.41 0.30 0.16°/» Am 26. Oktober 1895 geerntete Streue hatte eine Aussaugungskraft von 281°/» (Roggenstroh 323°/°). Samengewinnung. Wie bereits erwähnt, reist der Same Mitte September. Zu dieser Zeit Samenerntc. werden die Rispen samt dem Samen mit der Sichel aus der Besenriedwiese herausgeschnitten, in Büschel gebunden und sofort zu Hanse abgedroschen. Ein Mann kann per Tag si .2 Jnchart Samen schneiden. Kann man den Samen nicht sofort abdreschen, so werden die Büschel unter Dach an einem luftigen, trockenen Ort aufgestellt, bis sie gedroschen werden können. Der abgedroschene Same muß dann ausgebreitet und wiederholt umgeschaufelt werden, damit er sich nicht erwärmt. Durch Stäuben werden die tauben Früchte abgeputzt. Ein Juchart gibt 150 1§. schwere, gute Samen. Der Preis beträgt 80 Rp. per leg. Also kann per Juchart Samen- Samen im Werte von Fr. 120 erzielt werden. Ein Hektoliter gute Samen wiegt 36—40 > Kriechendes Fioringras ^grostis alda . 8 33 Besenricd. lilolinlu eosrnleu Nöiiob. . . 5.36 Geruchgras. ^atboxantlmm oäoratam 1,. 0.12 Scheingräser. <7r/peracee» . . 0.58 Hornschuchs Segge . . . Oarex llornselmebiana Ooppv 0.58 Schmetterlingsblütler. T'aprlronacceu . . 12.51 Rotklee. Irikolimu praton8s ll. . . . 12.36 Gem. Schotenklee . . . 1>o1»8 eoroieulatus ll. . . - 0.15 Korbblütler. Oom^o^rke-i . - 21.46 Schafgarbe . ^ebillea uulletolnmi ll. . . 17.82 Acker-Distel. lürsium arvvnso 8eop. . . 5.39 Habichtskrautart. Bitterkraut Illeris bieraeioiäes I,. . . . 1.01 Gemeine Wucherblume. . lleueantbsmum vulZaro llec. 0-12 Gemeiner Huflattich . . . llussilarro I'srkara ll. . . . 0.12 Schirmblütler. k/mbeW/eren . . 5.29 Wilde Möhre. Oaueus Oarota . 5.20 Geißfuß. ^euopoäioiu lloüagraria ll. . 0.09 Lippenblütler. Dabrateu . . . 16.84 Gemeine Braunelle . . . Lrunblla vulgaris !,.... 16.15 Gamander-Thymian . . Hixnms Obamaeär^s 1>. 0.19 Hahnenfußgewächse. Äa-rr«»er«laeee»r . . 1.01 Kriechender Hahnenfuß . . Ilaimaeulus ropeos ll. . . 0.55 Hain-Hahnenfuß .... Ilammcalas nemorosus Ilee. 0.46 Wegeri ch e. 5.42 422 Spitzwegerich. ktantago laneoolata ll. . . Großer Wegerich .... klsntaxo wajor I,. 1.20 Verschiedene Familien. 20.58 Witwenblume. Knautia arvsnsis Ooult. . . 13.25 Ackerwinde. Oonvolvulus arvsoss ll. . . 2.85 Tormentill. kotsutilla 1?ormsntillL Nee^. 2.07 Kleiner Ampfer .... Ilumsx ^oetosslla ll. . . . 1.25 Gemeiner Taumantel . . ^lebsmilla vulgaris ll. - . 1.16 100.00 Ein Quadratfuß enthielt 54 fertile, 150 sterile Triebe und 572 Keimpflanzen (insgesamt). 103 Es hat sich also eine ganze Schaar Unkrautpflanzeu eingestellt und die Wiese sieht eher einem Unkrautfelde als einer Besenriedwiese gleich. Man lasse sich dadurch aber nicht irre leiten, denn schon im zweiten Jahr ist der Bestand etwas besser; aber die Pflänzchen sind immer noch klein nnd treiben meist noch keine Halme. Im dritten Jahr dagegen kann schon ein leidlicher Ertrag erzielt werden; er steigert sich aber fortwährend, bis etwa znm siebenten Jahr. Richter Franz Ottiger gibt die Erträge per Juchart wie folgt an: 1. Jahr 15 Ctr. Streue 3. „ 30 4 - „ 50 5. „ 60 6. 70 7. „ 80 Von da an ändern sich die Erträge wenig. Herr Ottiger hat über 20 Jucharten Besenricdwiesen, in allen Altersstufen, von 1 Jahr bis zu 23 Jahre alten. Die ältesten find die schönsten, haben den dichtesten Stand. Er hat vor 23 Jahren mit eigenen Leuten den Samen bei Zug geschnitten, denselben ausgesäet, glaubte aber nach dem traurigen Bilde, den die Besenriediviese in den ersten Jahren gab, der Versuch sei mißlungen, ließ sich jedoch durch den anscheinenden Mißerfolg nicht entmutigen — und seine Streuerviesenanlagen finden heute überall Bewunderer und Nachahmer in weiter Runde. Eine Düngung hat nie stattgefunden, trotzdem hat der Ertrag nicht ab-, sondern zugenommen. Der Boden besteht in der Krume aus anmoorigem Thon oder gewöhnlichem Thon, der Untergrund ist undurchlassend, bindig. Das Land war früher unabträglich und per Juchart kaum 300 Fr. wert, während es jetzt leicht 1200 Fr. gelten würde, einzig infolge der Umwandlung in Streuewiesen. Die Betriebsspesen beschränken sich auf die Ernte. Herr Ottiger will deshalb alle seine geringen Wiesen umbrechen, ein Jahr bearbeiten und hernach mit Besenried besäen. Ebenso günstige Erfahrungen hat man anderwärts erzielt, so in Ettiswil, Ruswyl, in Risch, Buttisholz Menznau, Jnwil, Rothenburg, Gettnau, Knonau u. a. O. Daß das Besenricd einen ziemlichen Grad von Trockenheit ertragen kann. wenn der Boden bindig ist, geht daraus hervor, daß ein Bauer in Risch einen ehemaligen Weinberg mit Bescnried bepflanzte, das nun ziemlich schön steht. In Buttisholz sind künstliche Besenriedwiesen von dichtem Bestände mit 150—220 em. hohen Halmen und 100—120 em. hohen sterilen Trieben. Ebenso schöne Anlagen sind auf dem schweren, etwas feuchten Boden des Wellberg bei Willisau- Wir haben früher empfohlen, mit dem Besenried in die Überfracht Rotklee mit einzusäen, damit man im Klee im zweiten und dritten Jahre einen Ertrag habe. Die Kleenutzung ist jedoch, wie wir uns seither überzeugten, mit der Beseuriedkultur nicht gut vereinbar, weil der Klee zeitig geschnitten werden muß und durch Beschattung das Besenried schädigt. Will man etwas rascher eine Nutzung haben, so säet man mit den 20 üg. Besenried noch 7—8 1eZ. Rohrglanzgras aus. Das letztere entwickelt sich schneller, man hat deshalb rascher Streue, später aber macht es dem Besenried Platz und tritt zurück, da ersteres zum Gedeihen mehr Feuchtigkeit bedarf. Alle künstlich angelegten Besenriedwiesen sind, wie dargethan in den ersten Jahren stark verunkrautet nnd bilden förmliche Unkrautfelder, da das Besenried noch klein und dünn ist und den Bestand nicht zu beherrschen vermag. In dem Maße jedoch als sich das Besenried entwickelt, treten auch die Unkräuter zurück. Einige behaupten sich aber ziemlich lange und treten noch in älteren Beständen auf. Hieher gehört die Wiesenflockenblume (Lontuurou ckucwu, Jsechrut). Dasselbe läßt sich nur vertilgen durch Ausjäten im Vorsommer vor der Samenreife. Magere, feuchte Wiesen lassen sich auch ohne Umbruch und ohne künstliche Ansaat in Besenriedwiesen verwandeln, indem sie konsequent erst im Oktober oder November geschnitten werden. Dadurch erstarken die fast auf jeder feuchten Magerwiese vorkommenden Besenriedpflanzen und bringen es nach und nach zu üppiger Entwicklung, während die Futterpflanzen absterben. In wunderbar schöner Weise kann man dies im großen Moos beobachten, wo Herr Oberförster Liechti in Murten durch fortgesetztes spätes Schneiden den kurzen Sumpfrasen auf weite Strecken in ergiebige, langhalmige Besen- riedwiescn umgewandelt hat, während nebenan die Wiesen, welche im August zu Futter geschnitten werden, ein nur hand- hohes Burstgras erzeugen, in welchem das Besenried nur sehr kümmerliche Entwicklung zeigt. Werden diese Bestände aber fortgesetzt erst im Spätherbst geschnitten, so erholt sich das Besenried und von Jahr zu Jahr wird der Bestand Besenriedmischungen. Unkräuter. Herstellung von Besenriedwiesen ohne Umbruch. 164 schöner und üppiger. Im ersten Jahr ist der Unterschied nöch nicht groß, im zweiten ist er aber schon auffallend, noch schöner tritt er aber im dritten und vierten Jahr hervor, dann erreichen die Halme schon beinahe Mannslänge und der Rasen schließt sich mehr und mehr. Enthält also der Rasen von Natnr ziemlich viel Besenried, so ist ein Umbruch des Bodens und eine Ansaat nicht nötig, wenn man eine Besenriedwiese haben will. Ist aber wenig oder kein Besenried im Rasen, so thut man besser, umzubrechen und eine künstliche Besenried wiese anzulegen. Futterwert. Als Futterpflanze ist das Besenried nicht geeignet und alle Wiesen, in welchen das Besenried eine wesentliche Rolle spielt, liefern ein schlechtes, nährstvffarmes, ungesundes Futter. Deshalb sollte man sie in der angegebenen Weise in Streuewicsen verwandeln, oder — wenn man dies nicht will —- durch intensivere Umwandlung ^Enr (Düngung, eventuell Entwässerung) in bessere Futterbestände überführen. Bei einer Düngung mittelst Futterwiesen, Phosphorsäurereichen Düngemitteln entwickeln sich oft in Menge Kleearten, welche ein sehr gutes Futter liefern. Wenn der Boden nicht zn naß ist und auch mit Stickstoffdünger (Mist oder dergl.) gedüngt wird, so entsteht aus der Besenriedwiese in der Regel eine Fromentalwiese, wie anderwärts bereits nachgewiesen wurde*). In höheren Lagen entwickelt sich gewöhnlich eine Straußgraswiese. Krankheiten Krankheiten und Feinde. Auf dem Besenried kommt oft eine Brandkrankheit und Feinde, (Hilotiri riolwiW dinier) vor. Die Frucht wird in ein längliches Brandkorn umgestaltet, wodurch der Pilz der Samenbildung schädlich wird- Auf den Blättern trifft man hie und da eine Rostkrankhcit (kueeimo üloiinise llu!.), die längliche Polster auf den Blättern bildet und von der Epidermis bedeckt bleiben. Als ^oeiäimo Oreiiilisarum Des,», schmarotzt derselbe Pilz auf Oreliis miiiMris und lüstern ovatn II- Das Mutterkorn (Olsvieops purporen) ist in unseren Gegenden auf dem Besenried sehr häufig. Wenn die Tiere von der Streue fressen, so kann der Pilz für ihre Gesundheit nachteilig sein. Eine Fliege legt ihre Eier im Frühsommer zwischen die Blattscheiden und in das Speicherinternodium. Die Eier entwickeln sich zu Maden und ernähren sich von dem Safte, der hier zirkuliert (Fig. 22). Im Winter verpuppen sich diese und im Frühjar kommt die Fliege zu Tage. Die befallenen Pflanzen sind im Herbst sehr leicht kenntlich. Die Rispe sitzt zwischen den Blättern eingepackt. Das Speicherinternodium ist sehr stark angeschwollen. Der Schaden, den diese Fliege anrichtet, besteht darin, daß die Pflanzen verhindert werden die Halme auszubilden, wodurch der Streueertrag bei massenhaftem Auftreten erheblich beeinträchtigt wird. Nach unsern Nachforschungen ist diese Krankheit in der Umgebung von Fig. 22. Speicherinter- Zürich ziemlich häufig. nodium und Blatt- scheiden des Besen- Aus andern Familien sind es namentlich die F a r r e n k r ä u t e r, welche riedes von einer Fliege unter Umständen als Strenepflanzen eine sehr wichtige Rolle spielen. Unter diesen ist es befallen, deren Maden in besonders der Adlcrfarn, der unter passenden Bodenverhältnissen eine sehr ergiebige diesen Teilen schmarotzen, und gute Streue liefert. Er verdient deshalb an dieser Stelle eine kurze Betrachtung. 16. Der Adlerfarn. ?16IÜ8 llliuUiitll 6. 2s Der Adlerfarn (Wnrmwürze, Stockfarn, Kreuzfarn, Stranßfarn, Stengelfarn, Großsarä, Chüefarä, hoher Farn, Hochsarä, Geißleiterä, Jesus - Christwurz) ist eine sehr verbreitete und unter günstigen Verhältnissen sehr ergiebige Strenepflanze. Er ist der größte und häufigste Farn Europas. Die einfach verzweigten zwei- bis dreifach fiederschnittigen Wedel erreichen auf günstigen Standorten eine Länge von 3—4 Meter. Der untere Teil des Wedclstieles zeigt im Querschnitte in der Anordnung der Gefäßbündel eine Zeichnung, welche Ähnlichkeit mit einem Doppeladler hat (daher der Name Adlerfarn), oder auch mit den Buchstaben 46 verglichen werden kann (daher der Name Jesus-Christus-Wurzel). Der Adlerfarn ist sehr verbreitet in lichten Waldungen, in Waldschlägen, auf trockeneren Torfmooren, auf Heideplätzen, auf Weiden und Strenewiescn. Jnsbesonders im Gebiete der Nagelflnh und des Flysch tritt er oft in Menge auf und bildet große Bestände (klorickklniii), gewöhnlich gemischt mit dem Besenried (Besenried-Adlerfarnwiesen). So z. B. am Rigi, am Roßberg, im Toggenburg, am Napf u. s. f. An Hängen mit lehmigem Boden und langsam sickernder Untergrundnässe erreicht er die höchste Entwicklung. Die Wedel entwickeln sich hier zu einer Höhe von 6—12 Fuß. Häufig Benennung- Vorkommen. *) Vergl. Landw. Jahrbuch der Schweiz, III. Seite 105 ff. Bern 1889. 105 ist der magere Weideboden damit bewachsen. Der Farn schadet zwar dem Graswuchs durch Verdammung, liefert aber eine oft wichtige Nebennutzung als Streue. Es entsteht deshalb häufig die Frage, ob der Schaden, den er durch Beschattung anrichtet, nicht größer sei, als der Wert dieser Streue. Ist die Weide wertvoll, die Streue aber im Werte gering, so ist der Schaden größer als der Nutzen, und eine Vertilgung ist angezeigt. Ist dagegen die Weide weniger wert, die Streue aber ergiebig, so wird man die Entwicklung der Farrenkräuter nicht stören, sondern eher fördern. Wo der Adlerfarn besonders üppig gedeiht, dient der Boden in der Regel nur zur Streuenutzung. In einzelnen Gegenden werden große Mengen solcher Streue gesammelt, so z. B. in Rothenthurm 1000 g. jährlich, in Arth sogar 1500 g., in Buochs 300 g., in Rüti (Glarus) 120 g., in Schübelbach 100 C-, in Peterzell 80 C>, in Hergiswil (Luzern) 50 g. u. s. s. Die Wedelstiele sind zwar sehr dick und hart, wenn man die Streue aber den Winter über in Haufen Streuewert. liegen läßt, so werden sie bis zum Frühjahr gemürbt und liefern dann eine ganz gut brauchbare Streue. Die Farnstreue ist etwas weniger geschätzt als Riedstreue. In grünem Zustande eingestreut erzeugt der Farn den Milchkühen leicht Brandblasen am Euter. In Arth gilt die Farnstreue Fr. 1.20 per g., in Buochs Fr. 1.50, in Rüti (Kt. Glarus) F. 3.—, während sie in Menzingen der Riedstreue gleich gewertet wird. Der Stickstoffgehalt des Adlerfarns ist etwas größer, als derjenige des Weizenstrohs, während der Gehalt an Phosphorsäure und Kali geringer ist, ivie aus folgender Untersuchung von einer am 19. Oktober 1893 in Wetzikon von einer Streuewiese enthobenen Probe hervorgeht: In 1000 Teilen sind enthalten: S t i ck st o f f Phosphorsäure Kali Adlerfarn auf 14 7° Wassergehalt berechnet Weizenstroh (bei 14.37» Wassergehalt) 5.0 4.8 0.4 Teile 6.3 „ 1.0 2.2 Der Phosphorsäure- und Kaligehalt des Adlerfarns ist also gering, während der Gehalt an Stickstoff ziemlich groß ist. - Allgemein wirtschaftliche Verhältnisse. (Produktion, Nutzung und Verwendung der Riedstreue.) I. Die Anlage von künstlichen Streuewiese«. (Kunststrene.s Wie aus der Besprechung der einzelnen Pflanzen hervorgeht, gibt es eine Anzahl Arten, welche Auswahl der sich sehr gut zur künstlichen Anlage von Streuewiesen eignen. Es sind dies insbesondere folgende: ^arten.^ 1. Das Rohrglanzgras. 2. Das Riesensüßgras. 3. Das Schilf. 4. Das Besenried. 5. Die spitze Segge. 6. Die Sumpfsegge. 7. Die Uferseggc. 8. Die Flaschensegge. Der Rohrschwiugel, der hie und da ausgesäet wird, ist mehr ein Futtergras. Bor der Anlage muß die Frage entschieden werden, welche Arten für den betreffenden Boden am geeignetsten sind. In der Regel ist es am zweckmäßigsten, nur eine einzige Art zu verwenden, da die Verhältnisse gewöhnlich nur für diese eine geeignet sind und alle genannten Arten vermöge ihres Wuchses dichte Bestände erzeugen. Über die Auswahl der richtigen Art und über das Vorgehen 14 106 Vorbereitung des Bodens.. der Anlage sind bei Besprechung der genannten Arten die notwendigen Angaben gemacht worden, so daß hier darauf verwiesen werden kann. dur^Samen Tue Kultur geschieht beim Rohrglanzgras und dem Besenried durch Aussaat von Samen, und Setzlinge, bei den übrigen Arten durch Auspflanzung von Setzlingen. Das Rohrglanzgras wird zwar auch durch Setzlinge vermehrt, jedoch ist dieses Verfahren umständlicher und wird deshalb weniger angewendet. Umgekehrt lassen sich das Riesensüßgras, das Schilf und zur Not auch die Seggen durch Samen vervielfältigen, eine Methode, die jedoch bei diesen Arten sehr langsam zum Ziele führt und in der Praxis meist sehr schlechte Resultate gibt. Am ehesten gelingt dies noch beim Riesensüßgras. Das Schilf wird zur Anpflanzung im Wasser verwendet. Eine Bearbeitung des Bodens ist deshalb vor der Anlage nicht möglich. Die übrigen Arten werden dagegen für das feste Land benutzt. Wenn sie gedeihen sollen, so ist es notwendig, daß der Boden vorher gehörig bearbeitet wird. Derselbe sollte unkrautrein und gut gelockert sein. Zu diesem Zwecke ist es angezeigt, ihn vor der Anlage etwa 1—2 oder mehr Jahre unter den Pflug zu nehmen und, wenn möglich, zu bebauen. Als Vorfrucht eignen sich namentlich Hackfrüchte, weil diese den Boden wegen der Behackung am unkrantreinsten und lockersten hinterlassen. Da diese Böden aber in der Regel feucht oder naß sind, so muß man Pflanzen auswählen, welche einen hohen Feuchtigkeitsgrad im Boden ertragen. Als solche wären u. a. die Kohlrübe und die Kohlarten (Kabis rc.) zu nennen. Einen hohen Fenchtigkeitsgrad erträgt auch der Flachs, von den Getreideartcn der Hafer. Qualität des Eine fernere Hauptbedingung des Gelingens bei der Anlage einer Streuewiese mittelst Aussaat Saatgutes. von Samen ist, daß der Same echt, unkrautrein und gut keimfähig ist. Wenn man den Samen nicht selbst zieht, so beziehe man ihn aus zuverlässiger Quelle, wenn möglich unter Angabe einer Prozentischen Neinhcits- und Keimfähigkeitsgarantie. Wenn ein Landwirt 5 Kilogramm einer Samensorte von einer unter Kontrolle der schweizerischen Samenkontrollstation stehenden Samenhandlung bezieht, hat er das Recht, eine vorschriftsgemäß vor Zeugen gezogene Probe unentgeltlich bei der Station kontrollieren zu lassen. Anlage von Bei der Anlage mittelst Setzlingen thut man wegen der Schwierigkeit der Beschaffung von ^schulem° Streuesetziingcn in der Regel am Besten, vorerst nur eine kleinere Parzelle recht sorgfältig zu bepflanzen und hier vorerst die notwendigen Setzlinge für das ganze Areal heranzuziehen. In 2— 3 Jahren sind die Pflanzen in dieser Setztingsschnie so weit gediehen, daß sie Pflänzlinge für ein vielleicht zehnmal größeres Areal liefern. Als Setzlingsschule eignet sich am besten ein leichter Boden; auf einem kündigen Boden sind die Pflanzen später schwer herauszunehmen. Qft kann man auf lockerem, ausgetorstem Boden sehr leicht Setzlinge bekommen. Der Same des Rohrglanzgrases und des Besenriedes wird am Besten in eine Überfrucht gesäet. In der Praxis verwendet man hierfür meist Hafer, den man reif werden läßt. Sicherer, jedoch mit mehr Schwierigkeiten verbunden, wäre die Anwendung von Grünhaser als Überfrucht, gleich wie bei der Anlage von künstlichen Futterwiesen.*) Bei' der Auspflanzung von Setzlingen gibt man keine Überfrucht, muß dann aber im Verlaufe des ersten Sommers allfällig wucherndes Unkraut thunlichst entfernen. Zur Anlage von Streuewiesen eignet sich besonders tiefgelegenes, feuchtes Land, ferner schwere, etwas nasse Bodenarten, dann Lagen, wo eine Bewässerung möglich ist, Eisweiher, abgeteuftes Land n. dergl. Letzteres sollte sofort nach der Abtorfung mit Streuepflanzen bebaut werden. Überfrucht. Geeignete Bodenarten *) Vergl. F- G. Stebler. Die Grassamenmischungen. III. Aufl. 1895, Seite 163 107 II. Die Umwandlung von Futterwiesen in Streuewiesen ohne Umbruch. (Naturstreue.) Wie schon der Titel sagt, lassen sich auch ohne Umbruch Fntterwiesen in Streuewiesen ver- Methoden, wandeln. Da aber der Bestand einer Futterwiese ein anderer ist, als derjenige einer Streuewiese, so bedingt diese Umwandlung auch eine Umänderung des Bestandes. Die Futterpflanzen müssen verschwinden oder zurücktreten, während die typischen Streuepflanzen die Oberhand bekommen müssen. Diese Umwandlung kann aus mehrfache Weise erreicht werden: 1. Durch mehrere Jahre hindurch fortgesetzten späten Schnitt. 2. Durch Unterlassung der Düngung. 3. Durch Bewässerung. 4. Durch Nachsaat von Samen. 5. Durch Nachpflanzung von Strenesetzlingen. Thatsächlich werden diese Wege zur Anlage von Streuewiesen auch schon vielfach angewendet. So z. B. wird uns aus folgenden Orten berichtet: 1t nt er-Riffersweil: „Es kommt etwa vor, daß zu Beispiele, nasse Futter wiesen in Streuewiesen umgewandelt werden. Man schneidet zu diesem Zwecke das Gras nur ein Mal und erst im September ab. Dann gibt es etliche Jahre einen großen Ertrag." Diessenhofen: „Durch ganz spätes Schneid en in den ersten Jahren wird, wenn der Untergrund moorig und durchtastend ist, Spaltstreue sich ansiedeln und verbreiten." Buochs: „Aus Futterwiesen kann man durch Entzug des Düngers Streuewiesen machen. tlnter-Steinma ur: „Mit gutem Erfolg werden hier durch anhaltendes Bewässern und später nur einmaliges Schneiden Futterwicken in Streuewiesen verwandelt." Ober-Steinmaur: „Die Umwandlung von Futterwiesen in Streuewiesen wird vielfach praktiziert, man wässert einfach und unterläßt das Heuen." Wangen (Zürichs: „Wird mitunter gethan, indem man nicht düngt, nicht heuet und nicht emdct, sondern den Ertrag erst im Herbst als Streue abmäht." Nieder- glatt-Nöschikon: „Durch Wässerung werden Wiesen, die früher Futter geliefert, in Streuewiesen verwandelt." Affel- trangen: „Durch Unterlassung der Düngung und bloß einmaliges Mähen entstehen aus den Futterwiescn Streuewiesen." Bezirk Schwyz: „Durch einmaliges, sehr spates Schneiden werden allerdings Futterwiesen in Streuewiesen verwandelt; geschieht jedoch selten." Mühlau'- „Wenn in alten Rasen Riedsamen gesät und dieser mit Kettenegge eingeeggt wird, so entsteht eine Streuewiese. Der Erfolg ist befriedigend, wenn der Boden gut." Niederwgl: „Durch spätes Mähen entstehen Streuewiesen." Menzingen: „Wenn in den betreffenden Wiesen sich Spalt vorfindet, so hat man bei nur einmaligem Abmähen sofort ertragreiche Streuewiesen." Lungern: „Durch Vernachlässigung entstehen aus Futter- wiesen Streuewiesen." Basadin gen: „Wenn man Futterwiesen nicht mehr heuet und den Ertrag erst im Herbst zu Streue schneidet, so entsteht bei mehrjähriger Durchführung aus einer Futterwiese nach und nach eine ordentliche Streuewiese." Riedt (Zürich): „In den letzten Jahrzehnten wurden hier bedeutende Wiesenflächcn von Gemeinden und Privaten, wo sich der Boden dazu eignete, zu Streue geschnitten. Geeignet ist der Boden, wenn sich schon Streuepflanzen vorfinden und Gelegenheit zum Wässern vorhanden ist." Brüttisellen: „Die Umwandlung von Futterwiesen in Streuewiesen wird auch vollzogen, aber wenn man nicht wässern kann, mit geringem Erfolg." Rümlang: „Wird auch hier gemacht; wenn gewassert werden kann, so hat man in zwei Jahren eine ordentliche Streuewiese." Truttikon: „Die vorhandenen Streuewiesen wurden ohne Umbruch aus Futterwiesen in Streuewiesen umgewandelt; sie liegen etwas tief und es wird das zufließende Wasser gestaut. Ständig fließendes Wasser ist nicht vorhanden." Fehraltorf: „Bei Einstellung der Düngung und bei Einführung der Bewässerung, sowie bei nur einmaligem Schneiden per Jahr entsteht eine Streuewiese." Grüningen: „Wenn nasse, hie und da mit Streuepflanzen besetzte Futterwiesen nur noch im Herbst geschnitten werden, so sind in kurzer Zeit die Futterpflanzen verschwunden. Dann hat man in den ersten Jahren schöne Streucerträge, welche aber ohne Bewässerung schnell wieder zurückgehen." Ho m b urg: „Bei Nachsaat von Bosenried und Rohrglanzgras habe ich keinen Erfolg erzielt." Metten darf: „Wenn das Heugras nicht gemäht wird, so nimmt das eigentliche Streuegras von Jahr zu Jahr überhand und geht das Futtergras weg. Es werden so Erwäge erzielt, die sich im Werte höher stellen, als geringes Futter." Baltensweil: „Gute Futterwiesen werden nie in Streuewiesen verwandelt, wohl aber geringe. Es wird Ende September nur ein Schnitt genommen und wenn möglich bewässert. Wenn der Boden geeignet ist, so hat man aus diese Art eine Streuewiese." Gossau (Zürich): „Mit gutem Erfolg werden durch einmaliges späteres Abschneiden im Herbst Futterwiesen in Streuewiesen umgewandelt." Elliko n: „Diese Umwandlung vollzieht sich, wenn nicht mehr gedüngt und nur ein Mal und spät geschnitten wird." Megg en: „Diese Umwandlung kam in früheren Jahren auch hier vor, man bewässerte einfach die sauren Wiesen und mähte sie nur ein Mal; so bekam man gute Nieder." Unter-Stammheim: „Hie und da werden nasse Wiesen bei nur einmaligem Mähen mit gutem Erfolg in Streuewiesen verwandelt." Wild Haus: „Geschieht auch hier durch Unterlassung der Düngung." Cham: „In nassen Wiesen wächst Streue ohne Ansaat. Erfolg günstig." Großwangen: „Zeigen sich hie und 108 da Lischenstöcke, so heuet man solche Wiesen nicht, sondern wartet zu mit dem Schneiden bis im Oktober. In 2—4 Jahren hat man so schon einen ziemlich dichten Bestand von sog. Naturstreue, besonders wenn man solche Wiesen wässern kann." Risch: „Werden etwas sumpfige Wiesen nicht mehr geheuet, sondern im Herbst zu Streue geschnitten, so vermehren sich die Streuepflanzen und unterdrücken die frühreifenden Gräser." Ober-Stamm heim: „Die meisten Streuewiesen von Privaten sind ohne Umbruch angelegt worden durch einmaligen späten Schnitt. Erfolg gut." Standorte Wenn man durch bloßes Liegenlassen eine Fntterwiese in eine Streuewiese umwandeln will, so muß vorerst die Wiese hierzu geeignet, mit anderen Worten, die betreffenden Streuepflanzen müssen schon aus dem Boden vertreten sein. Es muß sich schon da und dort ein Spaltstock (Spitzsegge, Sumpfseggc oder eine Schilfpflanze rc.) auf der Wiese vorfinden, oder das Besenricd muß im Bestände, wenn auch zwerghaft, vorhanden sein. Auf trockenen, sonnig gelegenen Wiesen ist dies selten der Fall, deshalb lassen sich solche Lagen in der Regel nicht mit Erfolg auf diese Weise in Streuewiesen verwandeln. Dagegen kommen die spitze Segge und die Sumpfsegge auf feuchten, tief gelegenen und bewässerten Futterwiesen hie und da vor, weshalb sich diese ohne Schwierigkeit in Streuewiesen verwandeln lassen, wofür früher ein Beispiel angeführt wurde (Seite 75). Aus mageren, tiefgelegenen, feuchten Fntterwiesen findet sich sehr häufig auch das Besenried. Wegen des allzu frühen Schnittes bleibt dasselbe aber unscheinbar. Läßt man sie aber entwickeln, so erholen sich die Pflanzen und liefern einen von Jahr zu Jahr größeren Strenecrtrag. Auch hicfür ist früher ein Beispiel angegeben (Seite 103). derDüngung Bei einer solchen Umwandlung ist es erste Bedingung, daß die Düngung unterlassen werde, denn durch die Düngung werden in erster Linie die Futterpflanzen gefördert, während die Strene- pflanzen darunter leiden. Später Schnitt. Bewässerung. Zweitens darf die Wiese erst im Herbst, die Spaltwiese erst im September, die Beseuried- und Schilswiese erst im Oktober oder später geschnitten werden. Infolge dieses späten Schnittes faulen nach und nach die Futterpflanzen aus, während die langen und breitblättrigen Spaltpflanzen vermöge ihrer großen Assimilationsorgane sich ausbreiten und das späte Besenried zur vollen Entwicklung gelangt, sich Versamt, den Stock immer mehr kräftigt u. f. f. Die Entwicklung des Spaltes und des Schilfes wird in hohem Maße befördert durch Bewässerung, so daß aus geeignetem Boden in kurzer Zeit eine sehr ergiebige Streuewiese entsteht. Nachsaat von Die Umwandlung kann auch befördert werden durch Nachsaat geeigneter Samen, namentlich Samen. Besenricd oder Rohrglanzgras. Immerhin ist ein Erfolg von dieser Maßregel nur dann zu erwarten, wenn der Boden für die betreffenden Arten geeignet ist. Früh im Frühjahr wird der Weisen mit einer Wiesenegge kreuz und quer scharf durcheggt, so daß die Erde aufgerissen wird; dann werden die Samen nachgesäet und diese dann angewalzt. Der Same des Besenriedes kann auch schon im Herbst gesäet iverden. Die Keimung und das Anwachsen der Samen kann auf stark berastem Boden begünstigt werden durch Überfahren der Wiese mit Kompost oder Erde, welche vor dem Eggen ausgebreitet wird. Anpflanzung In gleicher Weise kann durch Einpflanzung von Setzlingen kriechender Arten in den Setzlingen. Rasen der Schluß im Rasen befördert werden. Man hebt mit dein Spaten einfach an Stellen, wo sich solche Pflanzen finden, ein kleines Rasenstück aus und impft (setzt) dieses in eine Lücke ein. Wenn man die Wiese bewässert, so erhält man solche Pflanzen bei der Anlage oder Ausbesserung der Bewässerungsgräben zur Genüge. Die abfallenden Rasenstücke, in welchen sich die gewünschten Pflanzen finden, werden in handgroße Stücke verteilt und mittelst Spaten in den Rasen an solchen Stellen eingesetzt, wo der Bestand nicht die gewünschte Zusammensetzung hat. Diese Stöcke vermehren sich bei den kriechenden Arten unter geeigneten Verhältnissen in zlvei bis drei Jahren so stark, daß sie eine metergroße Fläche bedecken. So ist es mit relativ wenig Auslagen möglich, nach und nach eine gute Streuewiese zu erhalten. Immerhin erzielt man in der Regel die ertragreichsten und besten Streuewiesen durch künstliche Anlage, wie sie im vorhergehenden Kapitel erörtert wurde. 109 III. Die Bewässerung und die Entwässerung der Streuewiesen. Es wurde im vorigen Abschnitt betont, daß sich Fntterwiesen durch Einführung der Bewässerung und angemessene weitere Behandlung in gute Streuewiesen umwandeln lassen. Die künstliche Bewässerung übt also einen eminent fördernden Einfluß auf die Streuepflanzen. Die ergiebigsten Streuewiesen, die man kennt, werden denn auch künstlich bewässert (Gossau, Hombrechtikon). Nichtsdestoweniger bilden Zur die Streuewiesen, welche nicht bewässert werden, noch das Hanptareal und die bewässerten nur einen Bruchteil. Warum? Weil sie entweder nicht bewässert werden können oder weil der Feuchtigkeitsgrad Str^ue-^ des Bodens schon ein so hoher ist, daß eine weitere Zufuhr von Wasser geradezu schädlich wäre. Als wiesen. Streuewiesen werden n. a. Wiesenparzcllen benutzt, welche während eines großen Teiles des Jahres unter Wasser stehen, weshalb eine künstliche Bewässerung nicht nötig ist. Ferner werden zu Streue meist tief gelegene Wiesen mit hohem Grundwasserstande verwendet, wo der Feuchtigkeitsgehalt schon ein übermäßiger ist. Würde man eine solche Wiese überdies noch künstlich bewässern, so würde sie, besonders bei bindigcm Boden, versauern und der Ertrag würde zurückgehen. So schreibt der Berichterstatter von Benken (St. Gallen): „Künstliche Bewässerung ist in Benken verpönt. Kaltbrunn und Uznach huldigen dem Wässcrungssystcm, wodurch unsere anstoßenden Nieder nie recht trocken werden." Anders ist es auf den Bodenarten, wo der Gruudwasscrstand nicht zu hoch und das Wasser einen guten Abfluß hat. Da kann der Ertrag durch künstliche Bewässerung wesentlich gehoben werden. Häufig übernimmt die Natur ohne Zuthun diese Bewässerung, indem der Boden periodisch Ungeregelte iib-rsNit-t wird. Folgende Beispiele aus der Praxis mögen hier angeführt werden: LießenHosen: „Die Streuowiese wird im Frühjahr infolge ihrer Lage durch das Hochwasser überschwemmt." Sennwald: „Beim Rheinhochwasscr werden die Wiesen überflutet, infolge Rückstauung im Binnen- kanal." Kreuzlingen: „Die Streuewiesen werden zeitweise vorn Bodensee überschwemmt." Buch (Thurgau): „Die Streuewiesen werden bei großen Regengüssen überschwemmt." Düdingen: „Sie liegen oft längere Zeit unter Wasser, ohne speziell bewässert zu werden." Basadingen: „Hie und da vorn Dorfbach überschwemmt." Metten- dorf: „Vor Erstellung der Hochdämme wurde das Areal hie und da überflutet." Diese ungeregelte Bewässerung durch die Natur schadet jedoch häufig mehr als sie nützt, kann aber in der Regel nicht leicht abgewendet oder durch eine geregelte Bewässerung ersetzt werden. Bei der künstlichen Bewässerung der Streuewiesen ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß die Streuepflanzen ein größeres Wasserbedürfnis haben als die Futterpflanzen. Es muß deshalb mehr Wasser zugeführt werden; dasselbe darf keinen so raschen Abfluß finden und es muß häufiger und länger bewässert werden. Die Einrichtung der Bewässerung ist in: allgemeinen dieselbe, wie bei den Fntterwiesen, jedoch hat man sehr häufig keine Einrichtungen für den Abfluß des Wassers. Das Wasser wird in der Regel von dem Hauptgraben durch einen Zuleitungsgraben auf die Wiese geleitet, durch Berteilungsrinnen verteilt und versickert meist im Boden. Selten hat man besondere Fig. 23. Bewässerungsanlage der berühmten Spitzseggen- Ableitungsgräben (Fig. 23). wiesen in Goßau (Kt. Zürich). Zieht sich die Wiese, dem Wässergraben entlang, n.--Bach, 8t—.Straße, 2 — Zuleitunasgraben, V — Verteilungsrinnen, ^ r- ^--Abflußgraben. längs eines Hanges, w werd das Wasser direkt von Geregelte Bewässerung. Größeres Wasserbedürfnis der Streuepflanzen. Einrichtung der Bewässerung. Berieselung. 110 diesem Graben durch Rinnen auf die Wiese . verteilt. Die Verteilungsrinnen werden in diesen: Falle ganz kurz, aber tief gen,acht, damit sich das Wasser gleichmäßiger verteile (Fig. 21). Auf undurchlässigem Boden und bei reicher Wasserzusuhr müssen Gräben für den Abfluß des überschüssigen Wassers eingerichtet werden, weil sonst der Boden versauert. Fig. 24. Bewässerungsanlage mit Kurzgräben. 2 ^ Zuleitungsgraben, »^Kurzgräben, L ^ Abflußgraben. Bewässerun Die günstigste Zeit znr Bewässerung ist das Frühjahr und der Vorsommer; oft ^ wird nur zu dieser Zeit bewässert und dann abgestellt. Anderorts dagegen wässert man zu jeder Zeit, wenn es die Ernte und die Witterung ermöglicht. So z. B. wird in Niederglatt-Nöschikon nur im April und Mai bewässert, in Galgenen nur im Frühling, in Rümlang möglichst im Frühjahr, in Mcnzingen dagegen abwechslungsweise das ganze Jahr; auch in Reutte-Oberegg wird das Wasser das ganze Jahr über die Wiesen laufen gelassen. Rechtliche Häufig ist die Benutzung des Wassers rechtlich geregelt. Regelung der Bewässerung. Der Berichterstatter von Egg schreibt: „Wo mehrere eine Streuewiese gemeinsam haben, ist in der Regel das Wasser auf Stunden und Tage verteilt." Derjenige von Baltensweil: „Fast alle Streuewiesen werden per Juchart alle 14 Tage 40 Stunden bewässert. Der Kehr geht um." Geeignetes Zur Bewässerung eignet sich am besten ein weiches, nicht zu kaltes Wasser, das mvg- Wasser. stickstoffhaltige Stoffe mit sich führt. Hartes, tufsführendes Wasser setzt auf der Wiese Tuff ab, wodurch der Graswnchs geschädigt wird. Fettes Wasser begünstigt gewisse Unkrautpflanzen, namentlich die Sumpfspierstande, das gemeine Rispengras u. a. Wenn solches Wasser vorher zur Bewässerung von Futterwiesen verwendet wird, so ist es besser geeignet zur Bewässerung von Streuewiesen. Zu kaltes Wasser schädigt die ergiebigen Spaltsorten. Hier ein Beispiel! Oberrieden: „Bei einem Komplexe war der Ertrag an Spaltstreue früher sehr bedeutend; infolge einer Straßenbante an der oberen Seite vermischte sich aber das Wasser mit tnfshaltigem, infolgedessen der Ertrag zurückging." Zur Bewässerung geeignet ist das Wasser aus Teichen, aus Bächen und Flüssen. Auch Drainage- wasser ist meist gut. Quellen können nur dann verwendet werden, wenn sie nicht zu kalt sind und keinen Tuff absetzen. Wenn das Wasser aber vorerst in Teiche geleitet wird und hier einige Zeit stehen kann, so ist auch dieses verwendbar. benMerung Eine besondere Methode der Bewässerung ist die Überstauung. Dieselbe wird ebenfalls ziemlich häufig angewendet. Am schönsten ausgebildet ist sie in Tuggen in der March. Die Streuewiesen sind dort mit Dämmen umgeben, so daß das hineingeleitete Wasser stauend über der Erdoberfläche erhalten wird. Das Wasser wird so etwa 20—30 ein. hoch angestaut und mehrere Wochen, in der Regel bis im Juli, erhalten. Es siedelt sich dann vorzugsweise der Büschenspalt (Osrex strieta) an, der hier ganz vortrefflich gedeiht. Derselbe steht mit der Basis seiner Rasenpolster im Wasser, während der Kopf der Blüte aus demselben hervorragt, wie wir dies früher kennen gelernt haben. So besteht zur Zeit der Überstauung die Wiese fast ausschließlich aus zahlreichen Miniaturinselchen von Büschenspaltpolstern, welche man von einem Polster zum andern hüpfend begehen kann. Ist der Boden geeignet, so siedelt sich neben dem Büschenspalt auch Schilf an. — Die gleiche Methode der Überstauung findet man auch in Schädeldach, Reichenburg, Uz nach rc. Der Berichterstatter vonSchübelbach schreibt: „Es werden etwelche Streuerieder durch Einleiten und Aufstauen der vorhandenen Gewässer (Bach- und Quellwasser) von April bis Juli bewässert und zwar mit gutem Erfolg. Man erzielt hierdurch meistens Spaltstreue, nebst einem kleinen Teil Röhrlistreue." Einfluß der Während sich bei der Staubewässernng vorzugsweise Böschenspalt und Schilf einstellt, entwickeln sich auf?mRastn- bei der Berieselung nach dem erstbeschriebenen Verfahren vorzugsweise Spitzscgge und Snmpfsegge; bei mangel- bestand und 111 haftem Wasserabzug stellt sich wohl auch die weniger ergiebige gemeine Segge und bei allzureichlicher Bewässerung nach und nach auch das Schilf ein. Der Ertrag wird durch die Bewässerung in der Regel ganz bedeutend gesteigert. Zur Jllustrierung dieser Angaben mögen einige Mitteilungen aus der Praxis angeführt werden: Unter-Riff ersw eil: „Die Streuewiesen werden selten bewässert; wo bewässert wird, gibt es gewöhnlich Spalt." Affolternb. Z.: „Die Streuewiesen werden größtenteils bewässert, indem man kleinere Furchen kreuz und quer macht, was dann lohnenden Erfolg hat und Spalt und Schilfstreue nach sich zieht." Gachnang: „Es wird so viel als möglich bewässert. Es entsteht so Spaltstreue." Unter-Steinmaur: „Der größte Teil wird bewässert und zwar, wo es richtig geschieht, mit gutem Erfolg. An bewässerten Stellen ist hauptsächlich Spalt, etwas weniger Schilf." Wädenswcil: „. . . . werden bewässert. Erfolg durchschnittlich gut." Kirchberg (St Gallen): „Werden meist bewässert. Erfolg gut- Das Wasser erzeugt meistens Spalt." Ober-Steinmaur: „Werden durch den Fischbach bewässert. Erfolg sehr gut. Es kommt Spalt." Oberrieden: „Die Streuewiesen am Berghange gegen den See werden zum Teil bewässert, doch wird wenig Mühe und Sorgfalt darauf verwendet." R afz: „Hr. N. N. besitzt eine 1 Hektar große Streuewiese in der Nachbarschaft. ES war ursprünglich eine nasse Futterwiese, welche nicht entwässert werden konnte. Er fing an, sie über Sommer zu bewässern und hatte nach zwei Jahren eine Streuewiese, in welcher der Spalt vorherrscht." S ch w amen dinge n: „Zum kleinen Teil bewässert. Gibt Spalt." Buchs (Zürich): Einige bewässert, Erfolg gut. Es gibt Spalt und „rote Schmalen". Untcrcggen: „Mit dem Zulauf des Teiches bewässert; der Erfolg ist sichtlich gegen früher, da nicht bewässert wurde." Egg (Zürich): „Wer fleißig nachsieht, gut verleitet und gutes Wasser hat, kann den Ertrag verdoppeln." Bülach (Albrecht): Vor etwa SO Jahren waren unterhalb der Hardfabrik in Wülslingen noch regelrechte Staubewässerungen für Streuewiesen zu sehen. Das Wasser wurde der Töß entnommen. Jetzt sind Wehr, Auflaufgraben und die Dämme im Verfall begriffen und zerstört. Bewässerte und wahrscheinlich auch die ertragreichsten Ttreuerieder traf ich in Hombrechtikon. Ich sah bei Schlatt zwei reiche Ernten wegnehmen." Schüpfheiin: „Nur wenig Streueland wird hier bewässert." Galgenen: „Im Frühling bewässert. Die Streuesorte richtet sich nach der Beschaffenheit des Wassers, an einem Orte zeugt es Spalt, am andern Rohrstrene." Riedt (Zürich): „Das Streueland der Gemeinde wird berieselt. Dabei wird Spalt erzeugt." Brüttisellen: „Ein Teil wird bewässert. Erfolg gut. Es kommt Spalt, Schilf, nebst anderem Gras." Fischenthal: „Einzelne Streuewiesen werden bewässert und dabei meist Spaltstreue erzweckt." Rümlang: „Der Erfolg der Bewässerung ist sehr gut. Es gibt Schilf und Spalt." Hütten: „Wenn das Wasser auf den Streuewiesen wieder abfließen kann, ist der Erfolg gut. Die Bewässerung erzeugt vorherrschend Spaltstreue." Rüti (Zürich): „Je nach dem Gehalt des Wassers an düngenden Stoffen und je nach dem Quantum muß auch der Ertrag verschieden ausfallen. Kommt das Wasser direkt aus einer Waldung aus die Streuewiese, so wird der Ertrag nach Quantität und Qualität geringer ausfallen, als wenn derselbe aus Grundwasser von gut gedüngten Wiesen besteht." Fehraltorf: „Teilweise bewässert, in gutem Boden mit gutem Erfolg. Es entsteht Rohr-und Spaltstreue." Grüningen: „Ein Teil wird bewässert, und mit gutem Erfolg. Meist gibt es Spalt, manchmal vermischt mit Rohrstreue." Schünis: „5°/° des Streuelandes wird bewässert und es zeigt sich namentlich Spaltstreue." Homburg: „Die Bewässerung ist bei richtiger Durchführung sehr lohnend. Es entsteht meist Spaltstreue." Dürnten: „Es wird meistens bewässert, mit sehr gutem Erfolg." Triboltingen: „DerDorsbach wird durch kleinere Seitengräben auf die Streuewiesen geleitet, die auf diese Weise gewässert und gedüngt werden." Groß wangen: „Teilweise bewässert, Erfolg sehr gut, es entsteht meist Naturlische. In der Nachbarschaft wird eine Rohrglanzgrasstreuewiese mit ausgezeichnetem Erfolg bewässert." Risch: „Stellenweise wird mit dem Abwasser der höher gelegenen Grundstücke bewässert. Die Lischenstreue wächst besonders üppig." Östlich der Bahnlinie zwischen Rümlang und Oberglatt befindet sich ein ausgedehntes Streuegebiet, darunter an eitler schwach geneigteil Stelle eine Streuewiese, welche bewässert wird. An der höchsten Stelle zieht sich der Wasserzuleitungsgraben (x in Figur 25) hin, von welchem schief den Hang hinunter die Riesel- rinnen (n) abzweigen. In der Nähe dieser Wässergräben, wo reichlich Wasser hinkommt, hat sich nun ein mächtiger Spitzseggenbestand ((^) angesiedelt, der so dicht dasteht, daß die mannshohen Triebe sich schon am 14. Juni gelagert hatten, während weiter weg von den Gräben, da wo wenig oder kein Wasser hingelangt, eine magere Hirsenseggenwiese (?) den Boden beherrscht. / Fig. 25. Schematische Darstellung einer Bewässerungsanlage und deren Einfluß auf die Vegetation. 2 —Zuleitungsgraben, N —Rieselrinnen, L---mächtiger Spitzseggenbestand, 0 —magere Hirsenseggenwiese. auf den Ertrag. Beispiele. 112 Entwässerung. I Ein ähnliches Bild zeigen die vom Altbach bei Wangen, Kt. Zürich, bewässerten Wiesen. Von dem Bach in Figur 26) wird das Wasser durch lange Verteilungsrinnen (k) auf die Wiese geleitet. Zn der Nähe dieser Verteilungsrinnen, wo sich das Terrain etwas erhöht hat und reichlich Wasser hingelangt, entwickelte sich ein gewaltiger Schilfbestand (?1i), während weiter weg von den Gräben, wo der Boden etwas tiefer liegt, sich meist ein Streuebinsenbe- stand (0) mit magerem Schilf angesiedelt hat. Der Ertrag ist hier wohl drei Mal geringer als in der Nähe des Grabens. Es mag dies zwar zum Teil auf den mangelnden Wasserabfluß bei 0 zurückzuführen sein, infolgedessen der Boden hier an stauender Nässe leidet. In diesem Falle siedeln sich weniger ergiebige Streuetypen an (Hirsenseggenwiese, Gemeinseggenwiese, Hackbartwiese, Kopfbinsenwiese rc.). So wie man au vielen Orten durch Zufuhr von Wasser gewisse Bestände umändern und den Ertrag steigern kann, so lassen sich in manchen Fällen durch künstliche Entwässerung die Wiesen verbessern. Wv man keine Borstut hat, kann dies geschehen durch Auswerfen von Gräben; wo man für das Wasser genügend Abfluß hat, durch Drainage. Es sind Beispiele genug bekannt, welche den vorteilhaften Einfluß der Entwässerung aus den Streue- ertrag bestätigen, wie folgende Berichte zeigen: Fig. 26. Schematische Darstellung einer Bewüsserungsanlage einer Streuowiese am Altbach bei Wangen, Kt. Zürich, und deren Einfluß auf den Rasenbestand. 2 —Altbach, ir — Verteilungsgräben, — Schilfbestand, 0---Streubinsenbestcmd, I — Längsprofil, II---Querprvstl. Ob er - S tamm h e i m: „Das etwa 18 Jucharten große Streueried im Moos, angrenzend an den Nußbaumer- see, wurde vor einigen Jahren durch offene Gräben entwässert. Während vorher eine geringe Burststreue, vermischt mit Schachtelhalm, der stellenweise auch ausschließlich vertreten war, vorkam, bildet sich von Jahr zu Jahr ein besser geschlossener Rasen mit Besenried; die leeren Stellen wachsen allmählig aus." Reute-Ob eregg: „Eine Streuewiese kann, wie zu trocken, so auch zu naß sein. Wir haben etwa ein Juchart drainiert. Der Erfolg ist: „mehr und bessere Streue". Mels: „Im Seezgebiet werden seit etwa 6 Jahren große Flächen drainiert. Im ersten und zweiten Jahre nach der Drainage war der Ertrag geringer, nachher aber größer und die Streue von feinerer Qualität." Flums: „Fast alle Privatstreurieder sind in den letzten Jahren mit sehr gutem Erfolg drainiert worden." Durch künstliche Entwässerung werden allzu nasse Streuewiesen in der Regel in Besenriedbestände umgewandelt, die um so ergiebiger werden, je besser und je bindigcr der Boden ist. Offene Entwässerungsgräben erfordern einen ziemlich schwierigen Unterhalt, da die zähen Rasen nach und nach den Wasserlanf verwachsen. Derselbe muß deshalb alle 6—8—10 Jahre geöffnet werden. IV. Die Düngung der Streuewiesen. Dünguim^mit Eine der heikelsten Fragen bei der Behandlung der Streuewiesen ist die, ob man die Streuewiesen düngen soll, oder nicht und, eventuell, welche Dnngersorte man anwenden soll. Während iele Landwirte mit der Düngung gnte Resultate erzielt haben, wollen andere, welche ebenfalls Versuche gemacht haben, davon nichts mehr wissen. Einig ist man darüber, daß stickstoffreiche Hofdünger, wie Mist und Gülle, zur Anwendung auf Streuewiesen nicht geeignet sind. Die meisten Strenegraser 113 sind düngerfliehende Pflanzen. Düngt matt deshalb eine Strenewiese mit Mist oder Gülle, so verschwinden die guten Streuegräser und an deren Stelle treten Futterpflanzen: die Strenewiese wird nach und nach in eine Futterwiese verwandelt.*') Von den K n n st d ü n g er n kommen nur die phosphorsänrehaltigen und die kalihaltigen Sorten in Betracht, während die stickstoffhaltigen Dünger, einerseits wegen des hohen Preisstandes, anderseits weil sie in gleicher Weise wie der Mist und die Gülle mehr nur die Futterpflanzen fördern, nicht geeignet sind. Unter den phosphorsänrehaltigen Düngern ist vor allem das Thomasmehl, welches in Betracht fällt, unter den kalihaltigen der Kainit. Letzterer wird nie allein, sondern immer nur gemeinsam mit dem Thomasmehl angewendet. Auf Thon- und Lehmboden ist in der Regel der Kainit entbehrlich und man wendet das Thomasmehl allein an. Dagegen leistet der Kainit auf Moorboden in Mischung mit Thomasmehl gute Dienste. Genauere Auskunft können aber nur Versuche geben. Durch die Anwendung von Thomasmehl allein oder in Mischung mit Kainit werden die Streue- Einfluß verwiesen nach zwei Richtungen beeinflußt. Erstens wird der Ertrag gesteigert, zweitens wird aber auch den Rasen- die Zusammensetzung des Rasenbestandes eine andere. Die phosphorsänreliebenden Pflanzen, insbesondere die kleeartigen Gewächse treten mehr und mehr in den Vordergrund. Da dieses abcr schlechte Streuepflanzen sind, so ist die Qualität der Streue eine geringere. Das Ernteguantiim ist zwar erhöht worden, aber der Strenewert ist niedriger. Die kleeartigen Gewächse begünstigen vermöge ihrer Befähigung, den Boden an Stickstoff zu bereichern, auch die Fnttergräser, während die Strenc- gräser dadurch leicht verdrängt werden. Durch die Düngung wird die Vegetation verfrüht, wobei die spät sich entwickelnden Streuegräser nicht Schritt zu halten vermögen und deshalb unterdrückt werden. Solche Erfahrungen haben wir f. Z. selbst bei einem Düngungsversuch in Mascltrangen (Gasterland) Ungünstige gemacht und sind solche auch von vielen andern gemacht worden: rsazrungen. So schreiben unsere Berichterstatter: Unter-Riffersweil: „Probeweise habe ich und einige Landwirte Versuche mit Thomasmehl und Kainit gemacht, aber man sah der Streue aus dem Ried nicht viel an, wohl aber gab es ziemlich viel Untcrgras, bestehend aus einer Art Wicke (bei uns „Vogelhcu" genannt) oder einer Art Steinklee. Ehe man dieses Gras geschnitten, meinte man, was es sei, aber durch das Dörren fiel es stark zusammen, und hatte man Ungunst in der Witterung, so ging es sogar in Fäulnis über. Auch hielten sich die Mäuse gern in diesem Grase auf. Der Ertrag war freilich größer, aber es frägt sich, ob bei fortgesetzter Düngung am Ende die Riedstreue nicht gänzlich vertrieben würde." Menzingen: „Ich habe schon Versuche gemacht mit Kalisuperphosphat. Es entwickeln sich aber nur Fnttergräser." Schännis: „Verschiedene kleine Versuche sind gemacht worden mit Thomasmehl, Superphosphat und Kalisuperphosphat. Es zeigt sich dabei aber sofort eine Umänderung zu Futter." Emmen: „Ich dünge alle drei Jahre mit Thomasmehl; dadurch haben sich zum großen Nachteil die Kleesorten auffallend entwickelt, so der Bokharaklce, der Waldklee, Schotenklee rc. Das Riedgras wird dadurch verdrängt." Cham: „Es ist vorgekommen, daß Thomasmehl angewendet wurde, aber der Erfolg war kein guter, das Besenried trat zurück und Klee und Unkraut kam ins Ried." Es sind namentlich der gelbe Honigklee (ülölilotns arvsiiLis), die Vvgelwicke (Vioin Ornevn), der Waldklee (lAitoliniii wwckium), der Sumpfschotenklee (Im»tii8 nIiAiiio8N8), der gemeine Schotenklee (ll,otii8 coriiienIntii8) und die Wiesenplatterbse (I^nttivrii8 prnt6ii8i8), welche nach einer solchen Düngung auftreten und mit ihren Ranken und Stengeln den Rasen dnrchspinucn. Anderwärts machte man dagegen gute Erfahrungen, wie folgende Berichte bestätigen: ErstchruW Wangen (Zürich): „In Besenried sind mit Thomasmehl Versuche gemacht worden. Erfolg günstig." Rafz: „Eine bewässerte Spaltwiesc wurde einmal mit Thomasmehl gedüngt. Erfolg gut." Schübelbach: „Seit einigen Jahren werden Versuche mit Thomasmehl und Kainit gemacht und zwar mit ziemlich gutem Erfolg." Egg: Burstwiesen und Streuewiesen, wo das Wasser nicht gut ist, werden mit Thomasmehl und Kainit (2:1 gemischt) gedüngt. Dies bewährte sich sehr gut. Der Ertrag verdoppelte sich, es erschienen andere Gräser und die Streue war *) Vergl. landw. Jahrbuch der Schweiz 18S7, S. 51 u. 52. 15 114 Praktische Winke. Ungenügende Kenntnisse. besser zu mähen." Galgenen: „Einige wenige Private haben angefangen mit Thomasmehl zu düngen und sollen ziemlich gute Resultate zu Tage gefördert haben." Brüttisellen: „Versuche mit Thomasmehl und Kainit auf trockenem Boden mit gutem Erfolg." Wolfenschießen: „Es ist auf nicht ganz nassem Lehmboden mit etwas Moorerde eine Probe mit Thomasmehl gemacht worden. Erfolg gut." Fischenthal: „Es sind auf mageren Niedern Proben mit Thomasmehl gemacht worden; an mehreren Orten konnte mehr als der doppelte Ertrag erzielt werden." Grüningen: „Trockene Streuewiesen werden zum Teil mit Thomasschlacke gedüngt und mit sehr gutem Erfolg." Flums: „In den letzten Jahren wurde mit vorzüglichem Erfolge von Privaten sehr viel Thomasmehl verwendet. Ost wurde dadurch der Ertrag verdoppelt. Auch die Qualität hat sich gebessert, besonders auf drainiertem Boden." Mels: „Seit einigen Jahren wird mit sehr gutem Erfolg viel mit Thomasmehl gedüngt; es sollte aber nur alle drei Jahre geschehen." — Gute Erfolge mit Thomasmehl erzielte man ferner in Kirchberg (St. Gallen), Basadingen, Malters, Gossau (Zürich), Meggen, Vilters, Thalheim a. Th. rc. Die Erfahrung spricht also in vielen Fällen zu Gunsten der Düngung, in andern zu deren Ungunsten. Auf guten, ertragreichen Streuewiesen ist in der Regel die Anwendung von Kunstdünger nicht ratsam. Ist man im Zweifel, so mache man vorerst einen Versuch auf einer kleinen Parzelle. Wohl aber darf man auf geringes Streueland, wo niedrige Bnrststrene zu Hanse ist, unbedenklich Thomasmehl und Kainit verwenden. Wenn die Streue auch an Qualität geringer wird, so gibt es mehr und sie ist besser zu schneiden. Die Düngung darf aber nicht zu häufig wiederholt werden, weil sonst die kleeartigen Gewächse gar zu sehr begünstigt werden. Man dünge nur etwa alle drei Jahre mit etwa 1000 Kilo Thomasmehl (mit 12°^ zitratlöslicher Phosphorsäure) per Hektar. Wird hierzu Kainit verwendet, so nimmt man entsprechend weniger Thomasmehl. Der Dünger wird möglichst im Spätherbst ausgebracht. Eine ähnliche Wirkung wie das Thomasmehl und der Kainit hat die Holzasche. Am Zugerfee, ivo der Boden stellenweise aus Seekreide besteht, hat man durch Überführen mit Moor erde gute Erfahrungen erzielt. V. Die pflanzlichen und tierischen Schädlinge. Schon in der Übersicht der Streuepflanzen (S. 30 ff.) haben ivir die ttnkrautpflanzen der Streuewiesen namhaft gemacht. Es erübrigt hier aber noch, die wichtigsten einer genaueren Betrachtung zu unterziehen und die Bekämpfung zu besprechen. Den Streuennkräutcrn wird in der That noch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt; viele Landwirte, welche Streuewiesen besitzen, wissen gar nichts von solchen Unkräutern. Andern ist zwar bekannt, daß in den Streuewiesen mehr oder weniger gute Streuepstanzen vorkommen, können sich aber keine Rechenschaft geben, welche Arten zu den guten Streuepflanzen und welche zu den Unkräutern zu rechnen find, oder sie kennen wohl einige Arten als weniger gute, können sich aber keine Auskunft über Name, Grad der Schädlichkeit rc. geben. So z. B. schreiben die Berichterstatter: Ober rieben: „Ja dieser Beziehung habe ich noch keine Erfahrungen gemacht, habe auch nichts darüber vernommen. Möglich wäre es schon, daß etwa Schädlinge unbeachtet vorkommen, weil man den Niedern wirklich zu wenig Aufmerksamkeit schenkt." Gottshaus-Bischosszell: „Unkräutern frägt man nichts nach, alles gibt Streue, mehr will man nicht." Grabs: „Hinsichtlich der Unkräuter ist man hier nicht sehr heikel; kommt etwa eine mannshohe Distel vor, so wirst man sie weg." Fanas: „Hier kennt man keine Unkräuter in den Streuewiesen. Zu Streue findet man alle Kräuter gut genug, obwohl man die Vorzüge einzelner, z. B. der „Binsen" und „Nestel" wohl kennt." Ennetmoos: „Es mögen wohl solche sein, aber man tragt denselben kaum Rechnung. Man beklagt sich oft über die immer zunehmenden Rohre, aber es wurde noch nichts gethan zu deren Verminderung." Brüttisellen: „Es gibt Unkräuter, sie sind aber unbekannt." Ernetschwil: „Unkräuter werden viele vorkommen, jedoch hat man Mangel an Kenntnissen. Untersuche würden zweckmäßig sein." Chain: „Schädliche Unkräuter kommen schon vor, aber deren Namen weiß man nicht." ?66ieulsris pLlustris 1^. 8. L^irix-kZxisrs-dMLs. LpirWS. ulmaris. 1^. 0. 'M'S.ZSSriNllNRS. ^VISN^kL LHULtiiLS. 1^. 8. ^VLS8SrL03t,S^. Lupatorium vaniiLdirium 8. ^suksIsLddiss WWW ^ ^ 8* ^4LL^ Aus diesen Citaten geht hervor, daß es mit der Kenntnis der Streneunkräuter häufig noch sehr schlecht bestellt ist. Freilich ist die Entscheidung der Frage, ob eine Pflanze ein Unkraut ist, oder nicht, in vielen Fällen gar nicht leicht. Zu den Unkräutern müssen wir alle jene Pflanzen rechnen, welche bessere Streue- pflanzen verdrängen. Als Streue kann man zwar fast jede Pflanze verwenden, mit Ausnahme weniger Arten, die dem Vieh direkt oder indirekt schädlich sind, lvie die Hauhechel (Ononi8 pi'06nvv6U8 und 8piuo8u), welche dem Vieh dadurch schädlich werden, daß die Stacheln leicht das Euter und die Zizen der Milchtiere verletzen, die Herbstzeitlose (Ooieliioum uiitrimirulö) und der weiße Germer (Vavuti'iim uldum), welche dadurch schädlich werden können, daß das Vieh diese giftigen Pflanzen vom Lager weg frißt. Der ebenfalls giftige Wasserschierling (Oiutu vii'08u) ist ziemlich selten, weshalb er in der Streue kaum Unheil anrichten kann. Als Unkräuter am schädlichsten sind aus Streuewiesen folgende Pflanzenarten: 1. Das S u m pfl ä u se kr a u t, ?6asacee-r °/° - 90.40 Sumpfspierstaudc . . . . S ch e i n g r ä s e r. dipiraea nliimrnr I . . . (Ä/peracse» . . 3.00 90.40 Sumpfsegge ... Gräse r. 6»rex paluäo8k> 6oo«I. 1.47 3.00 Knaulgras. Dsetziis glomorsts ü. 0.83 Aufrechte Trespe .... llrowus srsetus Iluä8. . Verschiedene Familien . . . 5.13 0.64 Weiches Labkraut . . tlalium Aoliugo 1,. 4.70 Sumpfschachtelhalm Dgnisslmn pslustrs I,. . 0.34 Wiescnplatterbse . . . I.ailizrus pratensis ll. 0.08 Heckenwinde .... llonvolvulus 80PIUM I.. . 0.01 l 00.00 Die Sumpsspierstaude liefert eine schlechte, harte Streue. Bein: Dörren fallen die spröden Blätter ab und es bleibt nur der harte Stengel übrig. Sie ist deshalb eines der schädlichsten Unkräuter der Streue- wiesen. Wo sie Bestände bildet, schneide man sie zur Blütezeit, damit sie sich nicht Versamen kann, und säe etwas Rohrglanzgras ein, das namentlich bei Bewässerung die Sumpfspierstaude nach und nach etwas zurückdrängt. Am sichersten könnte die Pflanze aber vertilgt werden, wenn solche Stellen umgebrochen und frisch mit Streue- pflanzen bebaut würden. 5. Das zottige Weidenröschen, Lpilodinni 1iii8titiii.il O. (Tafel 16, Fig. 6), hat seinen Standort an feuchten Orten, an Bach- und Flußufern, an Grabcnrändern, an feuchten Waldrändern und Ufergebüsch, ohne jedoch als Streuepflanze eine bedeutende Rolle zu spielen. 6. Die späte Goldrute, LotiäuAo 86iotiim ursprünglich eine amerikanische Pflanze, hat sich als Unkraut auf den Streuewiesen auch bei uns angesiedelt und tritt besonders an der Thür in solcher Menge auf, daß sie den Streuewiesen sehr gefährlich wird. Wegelin*) schreibt darüber: „Ursprünglich als Gartenzierpflanze eingeführt und noch häufig als solche gehalten, hat sie sich durch ihre fliegenden Früchte selbständig verbreitet und nimmt jetzt große Flächen im lehmigsandigen Boden ein, sich in besorgniserregender Weise vermehrend. Noch vor 10 Jahren trat sie ganz bescheiden aus; nur da und dort war eine Goldrutengruppe den Streue- und Staudenbeständen eingesprengt. Jetzt ist sie in Tausenden von Kolonien vorhanden; ihre geschlossenen, 1—2 Meter hohen Bestände vergrößern sich beständig am Umfange, so daß solche von 1—10 Aren nicht selten sind. Dabei lassen sie durchaus keine andere Kraut- oder Gras- pflanze aufkommen, ja selbst jüngere Weiden werden nach wenig Jahren erstickt. Kein Wunder, daß sie bereits den Namen „Streuepest" führt. Größere Bestünde werden im Innern nicht lichter oder kahl, sondern sind in der Mitte ebenso dicht wie am Rande. Die Verbreitung geschieht durch die äußerst zahlreichen Früchtchen, die bei jedem Stock in die Tausende gehen. Jede Goldrutengruppe vergrößert sich aber von Jahr zu Jahr an ihrem Umfange durch die kriechenden Wurzelstöcke, welche schnurartig in Mehrzahl von jeder Pflanze ausgehen, wie etwa bei Brennnesseln und Himbeeren. Wo nun die Bauern der armen Thurgemeinden auf den Streuecrtrag des mageren Flußgebietes angewiesen sind, hat die Sache eine sehr ernste Seite. Die Streue verschwindet und die Goldruten bieten durchaus keinen Ersatz dafür, da ihre Stengel zu grob und brüchig sind. So wird der Streueboden wertlos. In Üßlingen gilt 1 Juchart guten Streuelandes 1000 Franken und von dem betreffenden Areal sind in den letzten Jahren mehrere Jucharten durch die Goldrute entwertet worden. Zwischen Frauenfeld und dem Murg- auslauf bei Rohr hat es zahlreiche Bestände von mehreren 100 «im., welche Streue und Gebüsch verdrängen. In Amlikon wurden letzten Herbst 87 Plätze mit etwa 750 gm. Fläche gezählt. Hier bedrohen sie namentlich die Weiden- kultur und der Berichterstatter betont, daß zwischen Goldruten keine jungen Weiden mehr aufkommen. Natürlich ist ein bloßes Zusehen und Gehenlassen durchaus verwerflich. Es dürfte sich empfehlen, die Gold- rutenbestände mehrmals im Sommer, etwa vor und nach der Heuernte und nochmals Ende August abzumähen. Dadurch würde nicht nur der Samenwurf beschränkt, sondern die Pflanzen selber stark geschwächt. Gleichzeitig sollten mit dem jungen Kraut Fütterungsversuche gemacht werden; die bisherigen, in Lausanne angestellten, ergaben, daß st Vergl. Thurg. Blätter für Landwirtschaft 1895, Nr. 15. 117 das Vieh dasselbe als Dürrfutter frißt. Falls mit dieser Schwächungsmethode kein wesentliches Resultat erreicht werden kann, wird sich das Übel wie bisher progressiv weiter verbreiten und die ganze Streue-, vielleicht auch die Weidenproduktion des Thurgebietes in Frage stellen. Dann werden allerdings großartige Bertilgungsarbeiten mit Staatshülfe in Aussicht genommen werden müssen." 7. Der weide nblättrige Alant, Innig, kmlioiiiu 1^,., findet sich als Unkraut besonders aus Besenriedwicsen und tritt hier oft in solcher Menge auf, daß er den Ertrag bedeutend beeinträchtigt, wie dies aus folgender Untersuchung hervorgeht: Mit weidenblättrigem Alant verunkrautete Besenriedwiese bei St. Margrethen, aus Thonboden. 408 m. ü. M. Untersucht den 19. Juni 1896. °/° °/° Gräser. 6üa»nr'»res»r . . 45.96 Bcsenried. Nolinia eoerulea, iilöueb. . 37.27 Gemeines Straußgras. . ^grostis vuigsris IViib. 0.50 Knaulgras. Uaetviis zrlomerata I,. . . 0-08 Schilf. NkrgAmites eommunis Drin. 8.11 Scheingräser. tlMsraoes» . . . 1.81 Hirscnsegge. Oarsx paniesa I,. . . . 1.78 Seegras. Osrsx briiroicies 0. . . 0.03 Korbblütler. . . . 35 78 Wcidenblättriger Alant . . >n»Ia «alieina U. 3565 Gemeine Schafgarbe . . ^etüiioa Ililiekolium 0. 0.13 Schmetterlingsblütler T'aprkronaoseu . . 0.21 Wiesenplatterbse .... Oatin rus prat«osi8 I,. . . . 0.19 Vogelwickc. Vieia Oeaeea U. 0.02 Verschiedene Familien . . . 16.24 Herbstzeitlose. Ooiebieum autumvall' 0. . . 6.32 Sumpfspierstaude . . . 8piraea uimaria I,. ... 5.37 Frühlings-Labkraut. . . Kalium verum 0. 1.79 Ackerschachtelhalm . . . KquiseOim aeveuso 0. . . 1.62 Gemeine Sumpfwurz . . Lpipaetis palustris 6rtr. . . 0.84 Tormentill. kotoulilla lormeutilla klsele. 0.19 Knabenkrautart .... Oreiüs spar. 0.05 Münzenart. iNentba spse. 0.04 Hain-Hahnenfuß .... liaiunieuius nemorosus Oee. 0.02 100.00 Die etwa 50 Eentimeter hohe, gelbblühende, sparrige Pflanze liefert eine schlechte, brüchige Streue. 8. Der Teufelsabbiß, 8neoi8a graten8i8 iVIöooli (Tafel 14, Fig. L) (Abbiswürze, Gottvergessen A'.), ist eine der gemeinsten Pflanzen der Riedwiesen und hat wegen dieser Häufigkeit eine ziemliche Bedeutung. In der Regel bildet sie zwar nur einen mäßigen Prozentsatz des Rasens, kommt aber auch in solcher Menge vor, daß sie einen ziemlichen Prozentsatz bildet. So z. B. auf einer Hirsenseggenwiese im Melserried 9.8°/«, auf einer Strenbinsenwiese am Katzensee 8.3°/°, auf einer Gemeinscggenwiese bei Knonau 8.0'7«u. s. f. Der Wurzelstvck ist wie abgebissen. Der bis 80 Eentimeter hohe Stengel trägt 1—5 kugelige, blaue oder rötlich-blaue Blütenköpfchen. 9. Der Wasserdosten, bioputoriiiiii eaiiiikllünuiii i4. (Tafel 14, Fig. O) (Wasserhanf, Hanfartiger Wasserdost, Heidnisch-Unkraut, Heidnisch-Wundkraut, Gieschklee, Bruchwurz, rotes Ruhrkraut). Die bis über mannshohe, flaumhaarige Pflanze ist gemein an Gräben und Ufern, in Gebüschen und auf langhalmigen Streuewiesen. Auf abgeholzten Waldschlägen bildet sie oft dichte Bestände. Als Streue ist sie ebenso geringwertig wie die Sumpfspierstaude, ist aber lange nicht so gemein wie diese. 10. Die Disteln (6ii8ium). Aus dieser Gattung sind namentlich drei Arten als Unkräuter zu erwähnen: u) Die Snmpskratzdistel, Oii'8inrn pniii8ti'6 8eop. (Stechdistel, Ruchdistel, Landsknecht), hat traubenförmig gehäufte Blütenköpfchen, mit roten Blüten und am Stengel Herablausende Blätter. 118 b) Die B a ch k r a tz d i st e l, Lirsium ei vnüu'6 Om. (Trommelschlägel), hat nicht herablanfende, stengellunfassende Blätter und an der Spitze nur 2—4 Köpfchen mit roten Blüten. e) Die Kohldistel, Oinmum oiönncwum 8nop. (Mattscharte, Maschelte, Hasenscharte, Snscharta, Scharte, Bachscharte, Schwlscharte, Wasserscharte, Schartiblacke, Wiesendistel, Mattendistel, Distel, Disteldorn, Stnpfere, Dr>nnmeschlegel, Drummechnebel, Trnmbeschlegel, Kapezinerstrick, Chuechrut, Barbarakraut, Herbst- bnchla, Haarscheitle, /^nräon). (Abbildung und Beschreibung in Wiesennnkräuter, S. 185.) Alle drei Arten sind auf versumpftem Terrain sehr häufig und liefern eine grobe, stachelige Streue. Oft treten sie in solcher Menge auf, daß sie im Bestände dominieren und die guten Streuepflanzen unterdrücken, weshalb sie zn den schädlichsten Unkräutern gerechnet werden müssen. Von allen Arten kommen Bastarde vor. 11. Die W i e se n s l o ck e n b ln m e, OviAuuron .lncon O. (Jsechrut, Hennägeli, Heublnme, Wannepappere, Wannabobbele, Gasagechnöpf, Galtkrant, Trommelschlegel, Drummechnebel), tritt auf den künstlich angelegten Besenriedwiesen in den ersten Jahren oft in solcher Menge auf, daß alles andere zurücktritt. Aber auch auf den natürlichen Riedwiesen findet sie sich fast ständig und bildet oft einen bedeutenden Prozentsatz. Auf dem Ried tritt gewöhnlich eine Form mit schmäleren und graugrün behaarten Blättern auf (vnr. unßustitoiin Lclionull). Die Streue ist hart und zäh, deshalb der Name „Eisenkraut". 12. Die F ä r b e r s ch a r te, Lorrutulu tinotoinn I,., findet sich nicht selten als Begleitpflanze auf feuchten Riedwiesen, wo sie eine Höhe von 50—100 cnn. erreichen und ähnlich wie die Wiesenflocken- blnme nur schlechte, harte Streue liefert. 13. Die Riedrv hre, 8vlv68ti'i8 I,. (Waldröhre, Strenröhre, Ricdschärlig, Riedgnge, Streuguga, Strenbnchla, Dudla, Tntela, Büchel, Gügali, Spickgnga, Gngachrut, Blasrohr, Beriblosa, Sprvtze, Sprützeröhre, Blosrohr, Bachrohr, Wassersprützerä, Sprützerichrut, Sprützerä, Spritzä, Lisaröhr), ist das gemeinste Streuewiesenunkrant aus der Familie der schirmblütigen Gewächse. Die bis fingerdicken Stengel liefern eine schlechte Streue und die Pflanze versperrt den guten Streuepflanzen den Platz. Am häufigsten findet sie sich auf nassen Ried- und Spaltwiesen. 14. Der S n m p fh a ar stra n g, pauoeckunum i>nin8ti'6 Nönoli (Alsnack, Eißnach, Ölnich, Olnitz rc.), ist auf Sumpfwiesen sehr verbreitet und tritt oft so häufig auf, daß er kleine Lokalbestände bildet. So z. B. bildete er auf einer bewässerten Streuewiese auf der Diedcmat bei Hollstein, 386 m. ü. M., 41,0 °/g des Bestandes. 15. Die Silge, Söliuum anovikoliuin O., kommt auf Sumpfwiesen, besonders in den Besenriedbeständen, häufig vor, hat aber nur die Bedeutung einer Begleitpflanze. 16. Die Hahnenfn Parten (Unnuiimilu8) treten in mehreren Arten als Streueunkräuter auf: u. Der eisenhutblättrige Hahnenfuß, Itnnuneuius neonilifoiiu8 O. (Fiederstängel, Fiderstä, Fiderst, wisses Heifißli, Fidertsche, Anffahrtsblümchen re.), ist häufig an feuchten Stellen der Berg- und Alpenregion, findet sich da und dort auch an Wassergräben und in nassen Wiesen in der Ebene. ü. Der große Hahnenfuß, Knnuii6nin8 Inn^nu (Giftpfändler), mit großer goldgelber Blnmenkrone und großen zungensörmigen Blättern, ist zerstreut in schlammigen und moorigen Gräben. e. Der schmalblättrige Hahnenfuß, Knnunoulii8 lNummuin O. (Egelkrant, Glitzerli), hat kleine, gelbe Blüte, ungeteilte eirunde bis lanzettliche Blätter. Die Art ist gemein auf nassen Streue- wiesen, besonders auf solchen mit Moorboden, dann in Sumpfgräben, bildet aber in der Regel einen untergeordneten Bestandteil des Rasens. 6. Der Gifthah nenf nß, ?muuiw>iin8 866i6i'utn8 I,. (Blatternkrant, Brennkraut, Unglticks- kraut, Verbrecherhahnenfnß rc.), ist im grünen Zustande sehr giftig, findet sich jedoch relativ selten. 6. Der scharfe Hahnenfuß, Kg,nunou1u8 neri8 I,., ist die gemeinste Art der Wiesen; besonders häufig ist sie aus feuchten Fntterwiesen, wo sie ein gehaßtes Unkraut ist, kommt aber auch sehr häufig auf Riedwiesen vor. (Beschreibung und Abbildung in „Wiesennnkräuter", Seite 156 ff. und Tafel 1.) 1. Der kriechende Hahnenfuß, I1unnneuiu8 ropsnK O., ist eine häufige Begleitpflanze der Streuewiesen (Beschreibung und Abbildung ebenda). L. I^sdsrLIss. s. Ssmsiirsr WsILsrw^. Lalioarls. 1^. 0. I>4sii1:1is. vsrdlOi-lls^s. 1^. D. LLsk.Ixi'irQSl. ?r1rriu1a kÄri.iioss. 1^. L. LsNislQsr I^rlsälos. I^simaoIiiL vulZarls 1^. Lsi^slns LötONlS. IZs^onicis. oK'iOiris.lis 1^. cr. QsirislQSS ZoliNissi-IrrÄiit-. ?inxuioulÄ vu1Zs.ris 1^. 119 Alle Hahnenfnßarten sind im grünen Zustande scharf oder giftig, am meisten der Gifthahnenfnß und der schmalblättrige Hahnenfuß. Durch das Dörren verlieren sie ihre giftigen Eigenschaften. Alle liefern wenig und schlechte Streue, iveshalb sie zu den Streueunkräntern zu rechnen sind. Glücklicherweise treten sie selten bestandbildend auf. 17. Die S u m p f d o t t e r b l u m e, Oulliln xmlu8lri8 II. Diese schöne, dottergelbe Frühlingsblume begleitet hauptsächlich die kleinen Büchlein und Rinnsale der Matten und Weiden und tritt häufig in den Bestand von bewässerten oder sonst sehr nassen Streuewiesen über. Wir fanden sie bei den gcwichtsanalytisch untersuchten Wiesen in folgenden Beständen: Gemeinscggeniviese bei Dberwald (Wallis), 1360 m. . . 24.4 °/<> Spitzseggen-Rohrglanzgraswiese, Steimnaur, 425 m. . . 0.7 „ Sumpfseggenwicse, im Rohr, Wetzikon, 538 m.0.4 „ Sumpfseggen-Rohrkolbenwiese, Krätzen, Gossau, 465 w. . 0.4 „ Waldsimsenwiese, Gossau, 425 ,u.0.3 „ Spitzseggenwiese, Riediker-Ried, 538 in.0.1 „ Flaschenseggenwiese, Alp Tamons, Flums 1770 w. . . 0.1 „ Als L-trenepstanze ist die Sumpfdotterblume wertlos (Beschreibung und Abbildung in „Wiesenunkränter", Seite 159 und Tafel 2). 18. Die Trollblume, Di'oiiin8 6 ui' 0 pn 6 N 8 I,. (Toni, Ankenballe, Bachrolle, Riedrollc rc.), findet sich in Niedern und feuchten Wiesen der Berg- und Alpenregion und färbt zur Blütezeit oft weite Strecken gelb. Zur Zeit der Steuernte sind jedoch die Stengel und größtenteils auch die Blätter eingedorrt, weshalb der Streuenntzen gering ist (Beschreibung und Abbildung ebenda). 19. Das Sumpfherzblatt, 1Mi'itU88in Mlu8tn8 I.. (Tafel 16, Fig. L) (Studenterösli, Stern», Sterneblüemli, Herzblümchcn, tveißes Herzblümlein, weiße Leberblnme, Franenblümel rc.), ist verbreitet auf Sumpfwiesen der Ebene bis hoch in die Alpen; auf den Alpen ist sie nicht selten an ziemlich trockenen Stellen. Wir fanden die Pflanze in folgenden gewichtsanalytisch untersuchten Wiesenbcständen: Besenried-Rasenbinsenwiese, Eggerstanden, 88 m. ü. M.1.7 Borstgras-Rasenbinsenwiese, Glockenmatt, Flühli, 1020 in.1.4 „ Besenried-Gemeinseggenwiese, Knonauerried, 444 in.1.4 „ Dreizahnwiese, Mätteli-Moos, Entlebuch, 1000 m.0.9 „ Dreizahn-Borstgraswiese, Sörenberg, 1300 1».0.8 „ Mutternwiese, Cresteralp, im Avers, 2200 m.0-7 „ Wundkleewiese, an der Gotthardstraße ob Airolo, 1630 m.0.4 „ Hackbart-tzirsenseggenwiese, Au-Sec, 412 m.0.3 „ Stets ist der Anteil am Rasen ein geringer. Das Sumpfherzblatt verschönert durch seine schönen milchweißen Blüten und die zierlichen Blätter den Rasen, ist aber als Streuepflanze ohne Belang. 20. Die Münzen Mentllu) sind häufige Begleiter der Riedwiesen. Sie verleihen der Streue den süßlich-aromatischen Geruch. Sämtlich sind sie schlechte, wenig ergiebige Strenepflanzen. Es sind namentlich' folgende vier Arten, welche häufig vorkommen: a) Die quirlblütige Münze, IbuNba vortieiliata ü. ) Das Morastlabkraut (Oab'uui uü^iaosai» 1,.). b) Das Sumpf-Labkraut (6almm pa>u8we I,.). o) Das nordische Labkraut (Oalium dorsale 7,.). Die zlvei erstgenannten Arten finden sich meist in geringen Prozentsätzen in Ricdwiesen, während das nordische Labkraut hie und da kleine Lokalbestände bildet. Nicht selten treten in Riedwiesen auch andere Arten auf, so das weiche Labkraut (6niinm NoilnAo k.), das Ha in lab kraut (6niiuin 8)'1v68tw6 ?oii.) u. a. 32. Der gelbe Honigklee, Uslilolns oM6inaIi8 O«8l-. (Steinklee, Franenschühli), tritt gerne in unliebsamer Menge auf, wenn die Strenewiese mit phosphorsänrereichem Dünger (Thomasmehl, Superphosphat) gedüngt wird. Dasselbe gilt auch von anderen schmetterlingsblütigen Pflanzen (vergl. Düngung). 33. Der weiße Germer, Vernlrnm nidnin I,., kommt öfters auf Streuewiesen der Berg-und Alpenregion vor und wird dann leicht durch die Samen in der Streue und den Mist auf die Fntterwiesen verschleppt. Da er giftig ist, so muß er zu den gefährlichen Unkräutern gerechnet werden. Er verschwindet bei wiederholtem Abschneiden zur Blütezeit. 34. Die Knabenkräuter (OrelliOoon). Mehrere Arten dieser farbenprächtigen Pstanzenfamilie treten als Begleiter auf den Riedwiesen zerstreut auf, ohne indes wesentlichen Schaden zu stiften. Es sind dies u. a. folgende Arten: n) Das gemeine Knabenkraut, Oreiiw worin U. (Tafel 16, Fig. 6), kommt häufig auf mageren Berg- und Riedwiesen vor. Alle Knabenkräuter erzeugen in der Erde an der Basis des Stengels fleischige Knollen. Alljährlich entsteht neben der vorjährigen eine neue Knolle, während die alte durch den emporwachsenden Stengel verbraucht wird. Die Knollen des gemeinen Knabenkrautes sind kugelig, unzerteilt. Die Blüten sind purpurrot. Qrs.iiols. oHioinalis 1^. 6. Loi^lZss 'VVsiLsni'ösQ^sN. Lxilodiurn tilrsu^urn 1^. 0. 8SNI6ll1S3 XNLdSNlri'ÄH^ Orokis rnorio 1^. v. Lvirrixk^ar^. L. SuMxkksrLdls.^. 121 b) Das gefleckte Knabenkraut, Oroüi8 mnonintn ü., kommt besonders an grasigen Stellen von Wäldern, anf Waldwiesen, in Gebüsch und auf Sumpfwiesen vor. Die Würzelknollen sind flachgedrückt, mit 2—3 fingerförmigen Zipfeln (deshalb die Namen Christihändel, Glückshand, Gotteshand, Händleinwurz, Teusetshand, Johannispotjeu, Wasscrheudelwurz). Die Blätter sind gewöhnlich mit dunkeln Flecken besetzt. e) Das brcitblättrige Knabenkraut, Oroüis Intikoiin ü. (Bockivnrzä, Bockblüemli, Liebeswürzä), findet sich auf Ried- und Torfwiesen; Knollen und Blüten sind wie bei der vorigen Art. Der Stengel ist hohl, dicht beblättert, die Blätter sind breiter. 6) Das fleischfarbige Knabenkraut, Orein8 iiicmimotm ü., ist wie die vorige häufig auf Ried- nnd Tvrfwiesen anzutreffen, namentlich aus den Besenriedwiesen. Die Blüte ist fleischfarbig oder hellpurpur. Die Knollen sind geteilt, wie bei der vorigen. 6) Die Sumpfwurz, bipipnoti8 pni,i8tiü8 6rnnt-! (Tafel 16, Fig. O), ist anf Sumpf- nnd Strcnewiesen sehr gemein. l) Das eirunde Zweiblatt, sÜ8t6im ovntm H. kr., ist häufig auf Riedwiesen. Etwas über dem Stengelgrunde hat die Pflanze zwei scheinbar gegenständige eirunde Blätter. 35. Die sibirische Schwertlilie, Iri8 rülüi'ion 1^., ist eine Charakterpflanze der Streue- nnd Sumpfwiesen, wo sie oft große Flächen bedeckt, so daß zur Blütezeit die Wiese durch die großen, blauen Blüten von ferne wie mit einem blauen Tuche überdeckt erscheint Die Pflanze tritt in den meisten feuchteren Ried- nnd in den Spaltwiesen auf, insbesondere ist sie eine Beglettpflanze der Besenriedwiesc, mit welcher sie eine Art Wechselwirtschaft betreibt. Die Schwertlilie ist eine frühe, das Besenried dagegen eine späte Pflanze. Im Vorsommer nimmt deshalb die Schwertlilie das Terrain in Anspruch und bildet fast reine Bestände, während das Besenried noch sehr klein ist. Die mit fortschreitender Jahreszeit trocknenden Blätter und Stengel der Schwertlilie fallen nach und nach zusammen, in gleichem Maße aber nimmt das Besenried zu, bis es im Herbst den Bestand beherrscht. Die gleiche Wiese ist also im Vorsommer eine Schwertlilienwiese (Irieietnin), im Nachsommer aber eine Besenriedwiese (iVloiiniotnm). Eine solche Wiese zeigt folgendes Beispiel von der Maschwandcrallmend: Schw ertttlicnwiese auf der Maschwanderallmend, 392 m. ü M. Boden Auclehm, mit Sand im Untergrund. Untersucht am 10. Juni 1891. S chw ertlilicn-Art en. °/° 7° IrrÄss-r . . . 91.54 Sibirische Schwertlilie . . Iris «ibirieu I,. 91.54 Gräser. tArammeen . . . 7.06 Besenried. tiloInnL eooruü'a Uöneb. 7.06 Scheingräs er. OMsraeee» . . . 0.86 Steife Segge. 6arex strieiu 6aoä. . . . 0.72 Hirscnsegge. Lsrox psmeoa I,. 0.14 Verschiedene Familien . . . 0.54 Kleiner Baldrian.... Vulvriana Maien 1,. . . . Natterzunge. Opbioglossm» vulgatuiu 1,. 0.06 Sumpf-Labkraut .... (Intimi, paiustro 1,. . . . 0.02 Glattes Milchkraut . . . üoontocion bnstilis 1,. . . 0.01 100.00 Die weite Aue ist auf große Flächen von einen: solchen Bestände bedeckt, so daß man sich zur Blütezeit in eine ganz andere Welt versetzt glaubt, wenn man in diese vom Ufergebüsch der Rentz und den von Schilf- und Spaltbeständen der Lorze umsäumten Wiesen kommt. Über unsern Häuptern kreist hoch in der Luft die Rohrdommel, die im hohen Grase aufgestört wurde, während im Gebüsch an der Reuß die singende Vogelwelt ihr Naturkonzert zum besten gibt, begleitet von dem fernen schrillen Laut einer Move. Jenseits der Brücke grüßt die Kirchcnglockc von Mühlau und erinnert uns daran, daß wir noch unter Menschen auf der Erde wandeln. Als Strenepflanze hat die sibirische Schwertlilie untergeordneten Wert, denn znr Zeit der Ernte ist die Pflanze größtenteils dürr, zusammengeschrumpft und zum Teil zerfallen. Der Rest der dürren Masse ist spröde und zerfällt bei der Ernte noch zum großen Teil, so daß von dem anfänglichen dichten Walde wenig mehr übrig bleibt. 16 122 Die Knoten nwose. 36. Die S u m p f s ch w e r tl i l i e, Iii8 p 86 nckn 60 iii 8 I.. (gelbe JIgen, Wasserilgen, Riet-Jlga, gelen Schelp, Scheerenslieper, Storchblume, Ebersbrot, Eberblume, Schiemen, Sigge, Stinksierg, Tropfwurz rc.), ist besonders häufig längs von Wassergräben, Bächen und Flüssen, wo sie oft einen förmlichen Saum bildet. Ebenso ist sie häufig in nassen Streuewiesen anzutreffen, lvo sie namentlich an denjenigen Stellen, wo ein Strenehaufen überwintert wurde, oft Bestände bildet, da sie vermöge ihrer starken Rhizome länger dauernde Bedeckung erträgt, während andere Arteil dabei zu Grunde gehen. Im ganzen tritt sie aber lange nicht so massenhaft auf loie die vorige. Als Streuepflanze hat sie ebenfalls untergeordneten Wert, da die langen, schwertförmigen Blätter eindorren, verschrnmpfen und bei der Ernte leicht zerbröckeln. 37. Die Weiße N a rz i s s e, i^ni'M88N8 P 06 ticm 8 I,,, ist eine der schönsten Pflanzen des Riedes und findet sich da und dort hvrstweise in den Rasen eingesprengt. Auch die gelbe Narzisse (i^ni'M88U8 ^86ucioI§Äi'M88U8 I,.) kommt hie und da in Streuwiesen vor. (Abbildung und Beschreibung in Wiesennnkränter S. 207.) 38. D i eH erb st z e it l ose, Oololiieuin nntuiniiala ! ist auf Sumpfwiesen oft massenhaft anzutreffen. Zur Zeit der Strenernte sind jedoch die Blätter verwelkt und eingesanlt (Beschreibung und Abbildung ebenda Seite 208.) 39. DerSnmpsscha ch telhalm, büini8otnni pmln8tw6 I,., tritt aus tief gelegenen, wasserreichen Wiesen mit schwammigem Boden oft in Menge auf, wo er eine wenig ergiebige, schlechte Streue liefert. Man bekämpft ihn durch Ableitung des überschüssigen Wassers. — Häufig wird er begleitet durch den Schlammschachtelhalm (bnjniimtuili limomiiu U.). 40. Das gemeine Rispengras, kon trivinli8 I,., spielt als Unkraut auf den Spaltwiesen eine schädliche Rolle, da es hier den Boden oft mit einem dichten Filz („Schänder", „Schnudergras") überzieht, worunter die ergiebigen Pflanzen leiden. Es sollte deshalb durch Eggen oder Abrechen vertilgt werden. (Bergt. Beschreibung und Abbildung in der 1. Auflage des II. Teiles „Die besten Futterpflanzen", Seite 10.) 41. Das H u n d s st r a n ß g ras, ^.Zi' 08 ti 8 enniiin k., bildet, Ivie das gemeine Rispengras, vermöge seiner feinen oberirdischen Kriechtriebe einen dichten Filz über dem Erdboden, worunter die besseren Strene- gräser leiden. Es tritt vorzugsweise auf Moorboden auf und wird vertilgt wie vorige Art. 42. Die M oose gehören zu dem altcrschädlichsten Unkraut, indem sie den Boden überwachsen und dadurch die guten Strenepflanzen unterdrücken. Die Moose der meisten Streuewiesen gehören zu den Knoten- moosen (Hi'Gnvöit), zu welchen die eigentlichen Knvtenmvvse (knvnvvvil), die Widerthonc (KoIvti'ivI>N66c;i>) und die Asimoose (Uvpnnovvn) gehören. Die häufigsten unter ihnen sind: n) Das zugespitzte Astmoos, IIvpnuin eu8pickntnin I,., ist das vcrbreitetste Astmoos unserer Wiesenmoore. I)) Das mittlere Astmoos, Ick^mnm intemneckinm kinckfi. o) Das Sehr eb er's ehe Astmoos, Hvpnum LeUi'vInmi tVillä. 6) Das Scv rp ions-A st m o os, Ilvjmnin 8vorz)ioick68 I,., sind ebenfalls sehr verbreitet, aber nicht so häufig wie die erstgenannte Art. 6) Das nickende Knotenmoos, Li'zmm ineliiintnm Seliimp. I) Das mittlere Knotenmoos, kizniin intsmuvckinm knick. Beide sind besonders auf Torfboden häufig. A) Das unechte dreiseitige Knotenmoos, ki'vum immickotnniuvtnnm LeUrv., trifft man aus dem Wiesenmoor häufig ganz mit Wiesenkalk inkrustiert. Ich Das Streifenstcrnmoos, ^ulnoomninm pn1n8tn6 Felnv., findet sich recht häufig in Wiescn- und Hochmooren. i) Der gemeine Widerthvn, pochckickelmm aommnna k., bildet in den Mooren der Ebene oft ganze Bestände. Ich Der straffe Widerthon, polvtriolinm 8tnietnii> Nvnx., und I) Der wachholderblättrige Widerthon, Kolzckrialrnm juniparinnm Icksckvv., sind in den Boralpen und der Bergregion häufiger. Auf dem Hochmoor finden sich die eigentlichen Torfmoose, namentlich das kahnblättrige Torfmoos Die Tmf- (8MnZnnin evmllitotinm billrir.), das zusammengedrückte Torfmoos (8ptmAnum oompaetnm I)o<:.), das »wose. zugespitzte Torfmoos (8s)1nrAnnm 6U8i)i(tatnm llillrli.) u. a. m. Die Vertilgung der Moose auf den Strencwicfen geschieht durch Anseggen, wobei man ein ganz gut brauchbares Strcnematerial erzielt, und auch durch Düngung mittelst Kalk oder phvsphorsäure- und kalireichcn Düngemitteln. Es kommt ferner der Fall vor, daß ein und dieselbe Pflanze in einem Falle als gute Strenepflanzc Relative taxiert werden muß, in einem anderen dagegen als Unkraut. Dies ist z. B. bei folgenden Pflanzen der Fall: Unkräuter. 1. Das Schilf, pllrnZmites emnmnnm Brin., muß zn dem Unkraut gerechnet werden, wenn es z. B. in den Spaltwiesen oder in der Besenriedwiese diese qualitativ bessere, wenn auch weniger ergiebige Streue unterdrückt, lote die Berichterstatter von Rafz, Untereggen, Ennetmvos bemerken. In diesem Falle ist eine Beseitigung angezeigt. 2. Der Bös ch e n s p a l t, Onrex Mrietn Ooocl., und die sonderbare Segge, Oarex pnrn- lloxa ^ViUel., werden hie und da zu dem Unkraut gerechnet, weil sie vermöge ihrer Eigenschaft, Polster zn bilden, den Rasen uneben machen. 3. Die seinen Seggen nnd die Kopfbinsen (8otwenn8) müssen zn den Unkräutern gezählt werden, wenn andere, ergiebigere Arten aus dem Boden wachsen könnten. In allen diesen Fällen ist es gerechtfertigt durch geeignete Maßregeln diese Arten zn bekämpfen. Von den tierischen Schädlingen auf den Strenewiesen sind zu nennen: Tierische 1. Die Feldmaus. Schädlinge. 2. Der Maulwurs. 3. Die Wühlumus. 4. Die Engerlinge. 5. Die Maulwurfsgrille. 6. Die Ameisen. 7. Die Fcldgrillen. ^ Weitaus den meisten schaden richten die Feldmäuse an. Sie schaden durch Abnagen der Stengel, Halme nnd Wurzeln der Streuepflanzen nnd durch Durchwühlen der Erde. Sie werden vertilgt durch . Wegfangen oder Auslegen von Gift (Strichninweizen, Mäusebacillns rc.). Die große Wühlmaus und der Maulwurf müssen mittelst Fallen weggesangen werden. Der Maulwurs schadet jedoch nur durch Auswerfen von Hansen, während die Wühlumus nebstdem sehr schädlich ist durch Abfressen von Wurzeln. Der Maulwurs macht aber durch Wegfressen von Ungeziefer in der Erde seinen Schaden oft wieder gut. Der Engerling und die Maulwurfsgrille sind oft aus trockenem Riedlande mit lockerem Rasen schädlich. VI. Die Ernte und die Aufbewahrung der Streue. Bei Besprechung der Ernte kommt vor allem die Entscheidung der Frage über den ri chtigen Beste Zeit dcc Zeitpunkt des Schnittes in Betracht. Selbstverständlich wird man sich vorerst nach der Witterung ^"uecrutc. richten müssen. Aber es gibt schöne Sage vom Juli bis Dezember und die Strencernte verteilt sich thatsächlich auf diese lange Zeitperiode. Welcher Monat ist nun der geeignetste? Diese Frage kann nicht strikte beantwortet werden, da sich die Beantwortung nach dem Bestände richtet. Als allgemeiner Grundsatz kann gelten, daß man schneiden soll, wenn die Strenepflanzen ausgewachsen sind. Ausgewachsen ist eine Pflanze dann, wenn die oberirdischen, mähbaren Triebe nicht mehr zunehmen und wenn keine oder wenig neue Triebe aus der Erde hervorsprossen. Bei einigen Arten hört das Wachstum mit der Samenreisc aus, während bei anderen der Hauptznwachs erst nach der Samenreife stattfindet. Letzteres ist z. B. der Fall bei allen besseren Strenegräsern aus der Gattung der Seggen (Onrex). Diese treiben schon im Frühjahr früh ihre Blütenhalme aus dem Wurzelstocke und reifen ihre Samen schon im Vorsommer. Die Samen fallen bald ab, der Halm trocknet ein und nun erst zeigen die zahlreichen sterilen Triebe ihr größtes Wachstum, lind wachsen bis in den Herbst hinein fort. Anders ist es bei den Gräsern (Gramineen). Bei denselben hört das Wachstum mit der Samenreife auf, während die Binsen (ckunonvemi) ebenfalls bis in den Herbst fortwachscn. Bei den Seggen und den Binsen wird man deshalb unter gewöhnlichen Verhältnissen mit dem Schnitt stets bis in den Herbst warten, während bei den Gräsern der richtige Zeitpunkt je nach der Art verschieden ist, da die einzelnen Species zn sehr verschiedener Zeit frnktifizieren. Am frühesten reift das R o h r g l a n z g r a s, jedach thut man bei nicht allzu üppigem Stande dennvch gut, mit dem Schnitt bis znm Abfall der Samen zn warten, weil die unterirdische Bestückung dadurch befördert wird und durch den Abfall der Samen eine Ergänzung des Rasens durch Sämlinge stattfindet. Nur bei üppigem Stande, wenn das Rohrglanzgras gelagert und ein Faulen am Grunde zn befürchten ist, wird man zeitiger schneiden. Dasselbe gilt vom Riesensüßgras. Später als diese beiden Arten sind das Schilf und das Beseuried. Diese blühen erst im.August, das Besenried reift seine Samen erst Ende September und das Schilf noch später. Aber auch nach der Samenreife assimilieren die Pflanzen fortwährend, und es findet ein Zurückwandern der Reservenährstoffe vom Halm und den Blättern in den Wurzelstock statt, wodurch dieser gekräftigt und in die Lage versetzt wird, im nächsten Jahre wieder große Erträge zu liefern. Deshalb wird man bei diesen Arten im Herbst mit dem Schnitt so lange warten als nur möglich, bis in den Oktober oder noch besser bis in den November. Umgekehrt werden die Pflanzen durch frühen Schnitt geschwächt. Der Nährstoffvorrat der Pflanze im Wurzelstock ist durch das üppige Wachstum im Sommer aufgebraucht worden. Werden nun die Pflanzen früh geschnitten, so haben die Nährstoffe nicht mehr Gelegenheit, zurückzuwandern, der Wurzelstock kommt mager und ausgehungert in den Winter und vermag deshalb im nächsten Jahr nur spärliche Halme zn entwickeln. Wird eine solche Streuewiese mehrere Jahre hintereinander stets vorzeitig geschnitten, so geht der Ertrag von Jahr zu Jahr immer mehr zurück, während der Ertrag umgekehrt durch späten Schnitt nach und nach gesteigert werden kann. Das ist der Hauptgrund warum der späte Schnitt größere Erträge liefert (vergl. Seite 103 f.). Beim Beseuried findet beim Spätschnitt auch eine Selbstbesamung statt, wodurch der Rasenbestand stets schön dicht erhalten wird. Jedoch ist dies nicht die Hauptnrsache, weshalb der Ertrag bei frühem Schnitte im nächsten Jähre geringer ausfällt, da es wegen der langsamen Entwicklung der Pflanze, ivie ivir früher gesehen haben, mehrere Jahre dauert, bis der Sämling einen Ertrag liefert. Das Gleiche, was hier von dein Besenried und dem Schilf gesagt wurde, gilt auch für die Spaltarten, nur ertragen diese einen früheren Schnitt viel besser als erstere, weil die Seggen sich viel zeitiger entwickeln, da sich das Wachstum jedoch aus die lange Zeitperiode oom Frühjahr bis znm Herbst erstreckt, so wartet man zweckmäßig mit dem Schnitt bis in den Herbst. Nur bei den reichen Spaltwiesen, welche bewässert werden können, wo der Spalt schon im Juni mannshoch ist und so dicht steht, daß er sich lagert, und deshalb die Gefahr des Eiufauleus vorhanden ist, wird man schon im Juni schneiden und im Herbst einen zweiten Schnitt nehmen. Bei allen weniger ergiebigen Streuewiescn wird man aber nur einen Schnitt nehmen und mit diesem so lauge als möglich warten. Die Pflanzen sollten im Herbst keine neuen Triebe mehr erzeugen. Schneidet man früh, so schlagen die Knospen im Herbst nochmals aus, verbrauchen einen Teil der im Wnrzelstock aufgespeicherten Reservenahrung der Pflanze und die Triebe frieren über Winter ab. Es geht dadurch nicht nur Neservenahrnng verloren, sondern die Ansschlagsfähigkcit des Stockes ist im nächsten Frühjahre auch eine geringere. In hohen Lagen, wo der Winter früher einkehrt, muß man früher mit der Ernte beginnen, als unten in der Ebene, was dort noch deshalb nachteiliger für den Grasbestand ist, weil die Pflanzen infolge der höheren Lage in der Entwicklung viel weiter zurück sind, als nuten im Thäte. Aus diesem Grunde sind die meisten Streuewieseu im Gebirge so wenig ergiebig. Ein früher Schnitt ist auch dann angezeigt, wenn die krantartige Streue (z. B. Sumpfspierstaude) oder das Schilf überhaud genommen haben. Die Snmpfspierstande wird dadurch an der Ber- samung verhindert und das Schilf erträgt den frühen Schnitt absolut nicht, kann also dadurch zurück gedrängt werden, infolgedessen der Spalt wieder die Oberhand gewinnt. 125 Die Berichterstatter, welche den späten Schnitt befürworten, sprechen sich wie folgt darüber aus: Untor-Riffcrsw eil: „Ernte Ende September bis Ende Oktober. Früher Schnitt schadet." Buochs- Ennctbürgen: „Für Riedstreue ist besser der späte Schnitt." Affoltern b. H.: „Später Schnitt hat einen günstigen Einfluß auf den Bestand." Dießonhofen: „Später Schnitt fördert die Spaltstreue, früher vertreibt sie." Steiumaur: „Man glaubt, später Schnitt sei vorteilhafter." Schwyz: „Bei spätem Schnitt ist der Samenabfall von Vorteil." Wädensweil: „Ende August bis Mitte November. Beim Besenried hält man den späten Schnitt für besser." Kirchberg: „September bis Oktober. Früher Schnitt schadet in unserer Gegend." Wangen (Zürich): „Meist im Oktober. Der späte Schnitt ist vorteilhaft für die Wiesen." S ch w am e n d in g en: „Gemäß Erfahrung ist später Schnitt besser." Buchs (Zürich): „August bis November. Der späte Schnitt ist der bessere." SchÜbelbach: „Meist im September bis Oktober geschnitten. Man findet den frühen Schnitt besonders bei der Halm- oder Samenstreu sehr nachteilig." Müh lau: „Die Streue darf im Gemeinderied nicht vor Oktober geschnitten werden. Die Ernte findet im Oktober und November statt. Früher Schnitt schadet dem Bestand." Grabs: „Ernte September bis Oktober. Das frühe Heuen der Streurieder wirkt meistens nachteilig. Fette krautige Streue wird hie und da frühzeitig gesammelt." Fanas: „In der Regel wird das Ried Ende September nach dem Emdet geschnitten. Früher Schnitt schadet der Ertragsfähigkeit des Bodens." Egg: „Mitte September wird mit dem Mähen begonnen." Niederweil (Thurgau): „Spätschnitt vorteilhaft." Arth: „Riedstreuc wird Mitte September bis Ende Oktober geschnitten; die Halme sollen abreißen von dem Schnitt, sonst fürchtet man Abnahme des Ertrages." Menzingen.. „Ernte Ende September bis Oktober. Der frühe Schnitt ist nachteilig für das Besenried." Ennetmoos: „Anfangs September bis Mitte Oktober. Auf dem Ennetmooser Ried gemährt später Schnitt großen Vorteil durch den Samen- abfall der vorherrschenden Schmalenstrcue." Stans: „September bis Mitte Oktober; Heustreue wird früher geschnitten, sie fault sonst auf der Wurzel; Riedstreuc dagegen wird später geerntet. Der Samenabfall vermehrt die Dichtheit des Rasens." Wangs: „Ernte meist Ende September. Der frühe Schnitt ist für die Nieder von Nachteil." Wo lfenschi e ß en: „In höheren Lagen sollte sie früh (Mitte August bis Mitte September), im Thäte spät (Mitte Oktober bis November) geschnitten werden." Sannen: „Man ist hier überzeugt, daß je später die Streue geschnitten wird, desto größer die Erträge der folgenden Jahre. Dies wird auf die Besamung der Gräser zurückgeleitct." Steinen: „Ernte meist im Oktober; im Reglement ist vorgeschrieben, daß sie nicht vor Michelstag geschehen dürfe." Rothcnthurm: „Ernte Ende September. Der Frtthschnitt (z. B. Ende August oder Anfangs September) ist dem späteren Wachstum und Ertrag schädlich." Hütten: „Spaltstreue wird Mitte September, Besenstreue erst im Oktober geschnitten, weil beim frühen Einsammeln die Versamung und damit der Ertrag für nächstes Jahr beeinträchtigt wird." Flums: „Ernte spät, damit der Same ausfallen kann." Schännis: „Sammclzeit im September und Oktober. Später Schnitt befördert die Halmstreue, früher Schnitt die Futterarten." Fideris: „Ernte zweite Hälfte September. Später Schnitt wirkt günstiger auf den Ertrag." Homburg: „Vor Mitte November sollte keine Streue gemäht werden. Frühschnitt schadet der Streue. Sie sollte nicht mehr wachsen nach dem Schnitt. Der Spätschnitt ist sehr zu empfehlen, indem der Same abfällt und namentlich die Riedstreuc viel dichter wird und den Ertrag steigert." Mels: „Schnitt im Oktober; die spät geschnittenen Nieder tragen im folgenden Jahr mehr Streue als die frühen." Dürnten: „Ernte Ende September bis Anfang Oktober. Man glaubt zu früher Schnitt schade den Niedern durch Erfrieren der jungen Triebe." Mettendorf: „Ernte erst im September, nachdem die Streue auf dein Stocke abzustehen anfängt. Früher Schnitt erweist sich als fehlerhaft." Emm en: „Anfangs bis Ende September; früheres Schneiden wäre in Sandboden sicherlich schädlich." Ebikon: „Ende September und Oktober. Zu frühes Schneiden wirkt nachteilig aus die Zukunft." Gossau (Zürich): „Ende September und Oktober. Immerhin ist es Thatsache, daß später Schnitt größeren Ertrag bringt." Tschappina: „Später Schnitt bereichert den Ertrag." Ellikon a. d. Th.: „Der späte «schnitt ist der beste. Die Narbe sollte dürr bleiben." Ober-Jbcrg: „Ernte im Spätherbst. Später Schnitt ist für das kommende Jahr besser." Grüningen: „Spätschnitt ist vorzuziehen, weil die Bestallung dichter bleibt." Meggen: „Ernte im Spätherbst, je später, desto besser. Bei früher Ernte geht der Ertrag zurück, wohl infolge mangelnder Reservcanffpeicherung in den Wurzeln während des Ausrcifens der Pflanze." Unter-Stammheim: „Ernte Mitte August bis Mitte Dezember. Früher Schnitt wirkt ungünstig auf die Rohrstreue. Der Schnitt von Ende Oktober bis Anfang November ist der richtige." St. Margrethen: „Je später, desto besser." Vilters: „Ernte meist im Oktober, etwas erst im November. Das frühe Abschneiden schadet dem Boden und dem zukünftigen Ertrag." Wild Haus: „Die Streue wird Ende September und Anfangs Oktober geschnitten. Zu früher Schnitt macht die Streuerieder, wo sie nicht bewässert werden können, mager, d, h. weniger ertragreich." Eichberg: „Der frühe Schnitt hat spärlichen Ertrag zur Folge." Benken (St. Gallen): „Für Besenriedwiesen ist später Schnitt vorteilhafter." Ernetschwil: „Durch späten Schnitt wird der Ertrag der Besenriedwicsen gesteigert." Chain: „Ernte nicht vor Ansang Oktober. Zu früher Schnitt verhindert das Ausfallen des Samens und der Stand geht in einigen Jahren bedeutend zurück." Großrvangen: „Frühe Ernte beeinträchtigt den Ertrag bedeutend, indem die Dichtheit des Standes sehr darunter leidet." Risch: „Das frühe Schneiden ist allgemein als schädlich bekannt." Thalheim a. Th : „Früher Schnitt ist nachteilig" Ober-Stammheim: „Früher Schnitt ist schädlich." Bichelsee: „Der späte Schnitt ist vorzuziehen." 126 Die Ernte. Die Strcue- hauscn. Die Tristen. An manchen Orten wartet man mit der Streneernte bis in den Winter nnd es gibt sogar Landivirte, welche die Besenriedstreue erst im Frühjahr schneiden (Bnttishvlz); dadurch büßt die Streue jedoch sowohl an Qualität, wie an Quantität des Ertrages ein nnd das Besenried fällt über den Winter um. Das Mähen der Streue geschieht meist mit der Sense, selten mit der Mähmaschine. Bnrstige,zäheStreue erfordert Fig. 25 Fertige S treuetristen in Nznnch. eine gute Sense nnd einen starken Arm. Das Dörren geschieht durch Ausbreiten und Wenden, wie bei der Sonnenhenbereitung. Da die Sirene im Herbst schon beim Mähen ziemlich eingedörrt ist, so ist das Trocknen jedoch mit weniger Schwierigkeit verbunden. Ist die Streue dürr, so wird sie entweder sofort heimgeschafft oder auf der Wiese selbst in Hansen gesetzt. Letzteres geschieht z. B. in Buochs-Ennetbiirgcn, Staus nnd Stansstad, in den Bezirken Schwyz und Einsicdeln und in der March, im Sctzthal, im Gaster- land, im Kanton Zug, in Wicsendangen, Baltcnsweil, sowie an den meisten Orten im Gebirge, wo die Abfuhr im Winter leichter ist. Die Haufen werden auf dem Ried thunlichst an etwas erhöhten Plätzen errichtet, damit sie bei Hochwasfer am Grunde nicht in das Wasser zu stehen kommen. Häufig macht man einfache runde Hansen (große Schocheni, welche etwa ein Fuder halten. Solider wird der Haufen, wenn in der Mitte desselben eine Stange befestigt wird, da diese weniger leicht umfallen und das Wasser weniger leicht eindringt, weil sie spitziger gemacht werden können. Das sind diesog.Tristen (Fig. 25). Z u dem großen Streue- gebiet an der Linth werden die Tristen etiva 5 Hz—6 Klafter im Umfange gemacht. Auf dem sog. „Trift- satz" wird eine 12—14 Fuß lange Stange etwa 2 Fuß tief in den Boden gerammt und um diese Triststange herum die Streue aufgeschichtet. Die Stange muß entrindet und glatt sein, sonst bleibt die Streue beim Setzen am oberen Teile an der Stange hängen und das Wasser kann dann leicht in die Triste eindringen (Fig. 26). Fig. 26. Streuetriste mit rauhe r T r i st st a n g e, deshalb bleibt sie Streue beim Setzen an der Stange hängen und das Wasser kann leicht in das Innere dringen. I.i Fig 27. Herstellung einer Streuetri-ste. 127 Wenn die Triste auf der Wiese selbst gemacht wird, so wird die dürre Sirene mittelst einer Tragbahre herbeigeschafft. Wenn genügend Streue zur Herstellung einer Triste um den Tristplatz herum da ist, so ivird mit dem Tristen begonnen. Hierzu sind zwei Alan« nötig. Einer, der auf der Triste mit der Gabel die Streue zurechtlegt, und ein zweiter, der diesen: die Streue zugabelt (vergl. Fig. 27). Im Entlebuch nimmt der Mann auf der Triste die Streue unter den linken Arm und verteilt sie mit der rechten Hand sorgfältig mn die Stange. Dabei muß er ständig um die Triststange herumgehen und die Streue festtreten, besonders um die Stange herum. Ganz am Rand draußen soll nicht getreten werden, weil die Pflanzen nachher infolge stärkeren Znsammcnsehens sich hier stärker nach abwärts richten und so den Regen besser abhalten. Die Triste soll von unten bis oben möglichst kreisrund gemacht werden. Wird die Streue per Wagen zugeführt, so soll dieselbe möglichst von allen Seiten zum Abladen gelangen, weil der Stock sonst leicht schief wird. Während des Auftristens wird die außen locker anhaftende Streue stets abgerecht. Die Triste wird unten stets enger angefangen, als sie in der Mitte ist. Dann gibt es weniger Bodensatz und das Wasser kann besser abfließen. Allmählich gibt man der Triste nun einen immer größeren Durchmesser, bis man die Spitze der Triststange aufrecht stehend linier den Arm nehmen kann. Dann wird der Durchmesser allmählich wieder verkleinert. Für die oberste Schicht verwende Ulan keine krautige, sondern lange Halmstreue, iveil letztere das Wasser besser ableitet. Ist die Triste fertig, das in llznach ungefähr He Stunde dauert, so kommt über die Triststange ein sog. Kranz gestülpt, das ist ein geflochtener Ring aus Stroh oder Fig.W.Strohkrnnzzum Streue von etwa 1 Fuß Durchmesser (Fig. 28). Dieser soll das Wasser besser ab- Bedecken der Triste, und die Spitze gegen den Wind schützen. Diese Kränze werden von einem Jahr aicf das andere aufbewahrt und können immer wieder benutzt werden. Häufig wird um die Spitze der Triststange auch eine durchlöcherte Rasenscholle gelegt, ähnlich wie dies oben beim sog. Kranz angedeutet wurde. Nicht selten beschwert man die Spitze auch mit einem alten Reif eines Fasses oder eines Wagenrades. Hie und da werden zum Schutze auch drei Stangen an die Triste angelehnt und wohl auch oben miteinander verbunden. Die Triststange soll am Schluß noch etwa 1 —2 Fuß über die Triste Herausragen und diese selbst sollte oben Schirinform besitzen, wie dies die Abbildungen in Fig. 25 zeigen. Die Streue in so hergestellten Tristen ist im Innern der Triste nach einem Jahr noch ebenso gesund, wie zu Anfang. Die Herstellung einer schönen Triste, welche Wind und Wetter Trotz bietet, erfordert einige Übung und eine gewisse Intelligenz, weshalb man sehr häufig schlecht gemachte Tristen sehen kann, so z. B. solche, die unten zu breit angefangen sind und wo man znr Fertigstellung zu wenig Streue besaß und deshalb zu rasch abbrechen mußte. Diese Tristen haben nicht nur eine niedrige, unschöne Form, sondern, da sie nach oben plötzlich kleiner werden, kann das Wasser in das Innere eindringen und die Streue fault deshalb. Eine solche fehlerhafte Triste ist in Figur 29 dargestellt. Man mache deshalb die Triste lieber zu hoch als zu breit und gebe ihr die Form einer Birne. Der Durchmesser soll bis aus die Halste der Höhe zunehmen und von da an sich allmählich wieder verkleinern. Im Seezgebiet, loo der Föhn stark weht, werden zum Schutze gegen Rundhaufen, den Wind zwei Stricke im rechten Winkel kreuzweise über die Tristen gelegt, an deren Ende schwere Steine befestigt sind. Diese Steine halten durch ihr Gewicht die Streue fest (Fig. 30). WALK Fig. 29. Fehlerhaft hergestellte Triste. Fehlerhafte Triste. Fig. 30. Rundhaufen mit Steinen b eschw ert. 128 Langhaufcn. Einfriedigung der Tristen. Die Größe der Tristen. Erntefest. Die Abfuhr der Streue. Fig. 31. Lang Haufen. Aufbewahrung der Streue in Gebäuden oder bei den Gebäuden. Wo die Streue bald abgeführt und entweder anderwärts anfgetristet oder nach Hause gefahren wird, schichtet man sie anf der Wiese in Langhanfen sFig. 31). Kleinere Tristen kann man, wenn man Streue nötig hat, auf ein Mal heimfahren und unter Dach bringen, während dies bei großen weniger leicht möglich ist, weshalb diese abgeschrotet werden müssen. Auf Alpen und Weiden, lvo das Weidevieh die Tristen durch Abfressen und Hernnter- treten der Streue beschädigen könnte, umgibt man diese zweckmäßig mit einem Zaune (Fig. 32). Die Tristen werden in verschiedenen Gegenden und je nach den Verhältnissen verschieden groß gemacht. Im Strenegebiet der Linth halten sie 12—Ist, im Mittel 14 Ctr. Der Verkauf geschieht kistenweise. In den Niedern von Schwhz macht man Tristen von 12 — 18 Bürden n 50—60 stZ. — 600—1080 st»'. Im Entlebnch solche von 2V--3 Klafter n 500 st». ^ 1250—1500 stZ 5 Anderwärts macht man sie noch größer, von 10—20 bis 50 Fuder. So große Tristen dürfen nie an einem einzigen Tage erstellt werden, denn jeden Tag setzt sich die Streue, weshalb man der Triste nur die gewünschte Form geben kann, wenn sie allmählich aufgebaut wird. Bei größeren Tristen ist eine längere und stärkere Triststange nötig und diese muß tiefer in den Boden eingerammt werden. Fig. 32. Triste mit Einfriedigung zur Abhaltung der Wcideticre. Das Tristbeet muß auch größer und sorgfältiger angelegt werden. Auf den Strenewiesen sollte man die Tristen nicht größer machen, als daß man im stände ist, sie anf ein Mal abzuführen. Im Kanton Zug wird vielerorts der Schluß der Streuernte mit Spiel und Tanz in den Bauernstuben gefeiert, ähnlich wie man anderwärts Hcuerntefeste (Heueten) und Getreideerntefeste (Sichteten) abhält. Die Streuetristen bleiben kürzere oder längere Zeit auf den Strenewiesen liegen und werden nach Bedarf im Lause des Winters oder im nächsten Frühjahr heimgefahren. Das Stehenlassen der Tristen aus der Wiese bis in den Sommer ist verwerflich, weil dadurch die Streue sehr verliert undü der Rasen unter dem Streuehaufen zu Grunde geht. Im Gebirge, wo die Abfuhr nur bei Schlittweg gut möglich ist, findet dieser „Streuezug" im Winter statt. Derselbe dauert z. B. in Sörenberg im Entlebnch drei Wochen lang, während welcher Zeit täglich 90—100 Schlittfnhren von den: Thäte nach Schüpfheim kommen. Im Gebirge wird die Streue auch uuter einer Wettertaune oder in Schöpfen, Streuegadeu oder sog. „Enscheu" aufbewahrt, das sind kleine hölzerne Baracken. So z. B. finden sich an verschiedenen Orten am Grabserberg solche Schöpfe, wo die Streue bis im Winter verbleibt, um dann per Schlitten an den Bestimmungsort gebracht zu werden. Ähnlich in Wolfenschießen, in Ober- Werg und in Luzein. HerrlObersörster Liechti hat im großen Moos bei Murten zur Unterbringung der Streue offene Strene- scheunen errichtet, bei welchen der Quadratmeter Grundfläche auf 8 Franken zu stehen kam. Selbstverständlich hält sich die Streue unter dem Schutze eines solchen Daches noch besser als in Tristen. 129 An den meisten Orten wird die Sirene sofort nach der Ernte abgeführt nnd zu Hanse unter Dach aufbewahrt, teils in den Scheunen, teils unter den Vordächern der Scheunen, teils in eigenen Streueschöpfen. Wo man unter dem Dache keinen oder ungenügenden Platz hat, errichtet man neben den Scheunen auch Tristen, wie wir sie bereits kennen gelernt haben. Diese Tristen werden dann aber in der Regel größer gemacht als jene auf der Strenewiese, weil die Streue ja ohnedies hergeführt werden muß nnd der Platz für mehrere Tristen gewöhnlich fehlt. Eine große Triste gibt auch verhältnismäßig weniger Arbeit als eine entsprechende Anzahl kleiner und der Abfall an Streue ist geringer. Unter Dach läßt sich die Streue leicht 2—3 Jahre aufbewahren, ohne daß die Mäuse hineinkommen, während Getreidestroh in dieser Zeit arg zernagt würde. Wenn die Streue an einer großen Triste bei den Ställen liegt nnd nach nnd nach von diesen verwendet wird, so schrotet man zuerst nur eine Seite, z. B. die Ostseite ab, dann folgt die Nord-, dann die Südseite und zuletzt die Westseite. So bleibt nun ein vierkantiger Stock mit dem Wetterhut übrig. Dieses Viereck kann in 2—4 Teilen abgeschroten werden. vn. Der Handel mit Streue. Die Riedstrene bildet an sehr vielen Orten einen wichtigen Handelsartikel. Der Handel vollzieht sich Der Verkehr in engerem oder größerem Kreise. Sehr häufig beschränkt er sich auf einen Austausch in der Gemeinde, Der eine hat zu wenig Streue, während der andere zn viel besitzt, weshalb der erstere dem letzteren solche abkauft. An vielen Stellen vollzieht sich der Austausch oder Verkauf auf größere Entfernungen: von einer Gemeinde in die andere, auf Entfernungen von Stunden, ja sogar von Tagereisen. Die streuereichen Gebiete nnd Gemeinden setzen ihren Überfluß in Gegenden ab, wo man Mangel hat. Im allgemeinen haben die eigentlichen Gebirgsgegenden Streuemangel, während die großen Flußthäler meist mit Streueland gesegnet sind. Wenig Streue haben auch die Weingegenden, wo der Ackerbau zurücktritt. Es gibt hier und auch anderwärts Bauern, die „keinen Halm" Streue haben und den hintersten Centner kaufen müssen, so im Appenzellerlande, am Zürichsee, in Davos, im Toggenbnrg, Fürstcnland, Entlebuch, Tößthal w. Manche suchen dem Mangel dadurch zu steuern, daß sie in fremden, oft weit entfernten Gegenden Streueland ankaufen. So gehört gut die Hälfte des Ennetmoosriedes den Gutsbesitzern in Stans, welche die Streue dorthin abführen. Grüningen hat 25"/o seines Streuelandes im Gossauerried. Zürcher Landwirte besitzen viel Streueland im Glatthal, im Linthgebiet rc. Ähnliche Verhältnisse bestehen im Rheinthal, im großen Moos, im Entlebuch und vielen anderen Orten. Der Handel mit Streue vollzieht sich entweder in der Weise, daß die Streue stehend auf der Wiese Der Verkauf oder dürr ab der Triste, von der Scheune oder ab dem Wagen verkauft wird. Beide Methoden sind ab den, Halm. breitet. Der Verkauf „ab dem Halm" („ab der Wurzel") findet in der Regel in engerem Kreise statt, gewöhnlich öffentlich auf dem Versteigernngswege (Vergantung), hie nnd da aber auch gestützt auf private Vereinbarung von Käufer und Verkäufer unter sich. Ersterer bezahlt dem letzteren für eine bestimmte Parzelle eine fixierte Summe und muß die Ernte und das Einheimsen selbst besorgen. Das Gantshstem findet die ausgedehnteste Anwendung beim Gemeindeland und dem Streueland der Privatgenoffenschasten, da diese in der Regel nicht eingerichtet sind, die Ernte selbst vorzunehmen. Die Versteigerung findet meist unmittelbar vor der Ernte, im Juli, August, September oder Oktober, statt, zu einer Zeit, da man den Wert des Ertrages annähernd genau beurteilen kann. Es kommt aber auch vor, daß die Versteigerung schon im Frühjahr stattfindet. In diesen: Falle ist die Versteigerung nichts anderes als eine einjährige Pacht. Seltener geschieht die Verpachtung auf mehrere Jahre im voraus; es ist dies hier auch nicht so notwendig, wie Lei anderem landwirtschaftlich benutztem Land, da die Streuewiesen, abgesehen von der Ernte, entweder keinen oder doch einen sehr geringen Arbeitsaufwand bedürfen, den der Besitzer am besten selbst besorgt. Deshalb ist das System der jährlichen Vergantung der gewachsenen Streue bei den Streuewiesen, welche im Besitze von Gemeinden und Genossenschaften sind, sehr am Platze. In Eimetmoos wird die Korporationsstreue auf 4 Jahre verpachtet. 17 Beispiele. Verkauf der dürren Streue. 130 Der Verkauf ab dem Halm kommt beispielsweise an folgenden Orten vor! Unter-Riffersw eil: „Kommt selten vor, Erlös 30—40 Fr. per Juchart." Dießenhofen: „Die Streue der Bürgerverwaltung wird auf freie Versteigerung gebracht, allerdings zu ihrem und der Streueteile Schaden. Erlös je nach den Strohpreisen Fr. 15—60." Buochs: „Die sog. „Gangstreue" wird zu Gunsten der Korporation im August versteigert. Erlös Fr 30—60." Scnnwald: „In der Trattau der Ortsgemeinde Sennwald wird vom 20. Mai bis 24. Juni mit Pferden und Galtvieh geweidet und im Herbst die Streue versteigert. Areal 30 Hektar. Weidezins Fr. 400—600, Streueerlös Fr. 800—1000." Steinmaur: „Die Streue der Civilgemeinde wird anfangs September an Ort und Stelle versteigert. Erlös per Juchart 60—80 Fr." Schwyz: „Die Streue, welche den Korporationen gehört, wird meist vergantet." Obcrrieden: „Die Streue der Forstkorporation wird gewöhnlich im Laufe des August vergantet. Erlös Fr. 28—30 per Juchart." S ch w am end ing cn: „Die Streue der Genossenschaft wird im September stehend versteigert ä Fr. 15—70 per Juchart." Nied erglatt- Nö sch ikon: „Die Streue des Gemeinderiedcs wird Ende Juli bis Ende August vergantet, meist unter die Bürger. Erlös per Juchart 1893 Fr. 80, 1894 Fr. 35." Buchs (Zürich): „Die Streue des Gemeinderiedes wird zu Fr. 20—40 per Juchart versteigert." Grenchen: „Die Gcmeinde-Lische wird vergantet. Erlös gering." Kreuzliugen: „Gemeindestreue im September jeweils vergantet. Erlös per Juchart ca. 40 Fr." Buch (Thurgau): „Unter den Gemeindebürgern vergantet." S ch ü b elba ch: „Vergantung kommt bei der Gcnoßsame selten vor." Mühlau: „Schoren wird im Juli und August verpachtet. Erlös Fr. 60—80 per Juchart." Grabs: „Einige der Ortsgemeinde gehörende schlechte Parzellen werden im September versteigert. Erlös minim." Niederwil (Thurg.): „Die Streue der Bürger- und Ortsgemeinde wird im August und September öffentlich versteigert. Erlös per Juchart 5—6 Fr." Märweil: „Die Streue der Bürgergemeinde wird nur unter den Nutzungsberechtigten vergantet." Stans: „Die Streue auf den Wegen und auf überzähligen (nicht zugeteilten) Genossenstücken wird ab der Wurzel anfangs Herbst versteigert. Erlös per Parzelle von ca. 1 Juchart Fr. 50—60." Wangs: „Die Gemeindestreue wird anfangs April teilweise versteigert. Erlös Fr. 35—40 per Juchart." Riedt (Zürich): „Der Ertrag des Gemeinderiedes wird alljährlich im Juli an öffentlicher Gant versteigert. Erlös beträgt im Durchschnitt der letzten fünf Jahre Fr. 40—45 per Juchart." Steinen: „Die Streue der Korporation wird im Frühling und Herbst zum Teil versteigert." Rümlang: „Privat- und Gemeindestreue wird hier teilweise versteigert. Erlös Fr. 50." Rothenthurm: „Der Ertrag wird teilweise versteigert. Erlös Fr. 40—50." Truttikon: „Die hiesigen, 9 Juchart großen Streuewiesen sind Eigentum der Gemeinde. Der Ertrag wird alljährlich in Abteilungen versteigert." Flums: „Die Alpstreue, welche der Gemeinde gehört, wird im Herbst an öffentlicher Gant versteigert. Weil die Streue oft sehr weit transportiert werden muß, ist der Erlös gering, da die Kosten für das Sammeln und Transportieren groß sind. Stehend kommt die Streue auf ca. 30—40 Rp. per einfachen Centncr. Erlös per Juchart ca. 8 Fr. Nebenbei wird die Streue im Sommer als Viehweide benutzt." Schänis: „Ein Drittel der Streue gehört der Genossengemeinde. Diese Streue wird Ende August zu ca. Fr. 50 per Juchart versteigert." Thurthal: „In Felben, Pfyn, Märstetten und Müllheim gibt es Gemeindestreuerieder, wo die Streue stehend verkauft wird." Mels: „Auf der Bergallmende wird die Streue im Monat September versteigert. Erlös ca. Fr. 20 per Juchart." Ossingen: „Die Gemeindestreue wird vergantet, zum Teil nach der Roggenernte, zum Teil nach dem Emdet. Erlös Fr. 23—25 per Juchart." EMinen: „Die Streue der Korporation wird vergantet." Wiesend angen: „Die Streue der Civilgemeinde wird gewöhnlich zwischen dem 10. und 15. Juli öffentlich vergantet. Erlös 1894 im Mittel Fr. 11." Tschappina: „Streue- parzellen in der Allmend werden im September versteigert." Ellikon a. d. Th.: „Der Ertrag der 200 Jucharten Gemeindestreueland wird an öffentlicher Gant stehend versteigert, „im Moos" im Juli, „in Stauden" im Oktober, in den übrigen Niedern im September. Erlös per Juchart Fr. 12—15, je nach Quantum, Lage und Abfuhr." Hört: „41 Hektar Gemeinderied. Der Ertrag wird im August ä Fr. 15—60 per Juchart vergantet." Ober-Dberg: „Die Allmendstreue wird Mitte September versteigert." Unter-Stamm heim: „Die Gemeindestreue wird Ende Juli oder anfangs August am Platze versteigert. Erlös per Juchart Fr. 12—40." Wild Hans: „Beim Genossengut kommt das Gantsystem in Anwendung." Beulen (St. Gallen): „400 Hektar Streueland der Ortsgemeinde. Der Ertrag wird teilweise amtlich versteigert. Große Streuegant am 24. August, Benkenriedstreuegant 8 Tage später." Uzn ach: „Ein Teil des Riedes der Genossengemeinde wird alljährlich im Mai und August vergantet." Thal- heim a. Th.: „Gemeindestreue im August öffentlich versteigert. Erlös per Juchart Fr. 40." Ober-Stammheim: „Gcmeindestreue (20 Hektar) im August oder September öffentlich versteigert. Erlös per Juchart Fr. 20—40." — (Wo kein Flächenmaß angegeben ist, bezieht sich der Erlös aus 1 Juchart —36 Ar.) Auch bei privaten Streueriedern wird die Streue hin und wieder öffentlich vergantet, jedoch weit seltener als bei den Gemeinden und Genossenschaften. In der Regel besorgt der Eigentümer, der Streue verkaufen will, die Ernte selbst und verkauft hernach die dürre Streue. Dasselbe ist auch vielfach der Fall bei den Ersteigerern von Gantstreue. Dieselben treten dann als Zwischenhändler auf, kaufen die Streue stehend, besorgen die Ernte und verkaufen hernach dürre Streue. In manchen Gegenden ist der Handel und der Export an Streue in andere Distrikte sehr bedeutend. Der Streueexport. F 181 Die größten Streueepportgebiete sind das Gastcrland, die March, das Gossauerried, das große Moos, das Glattthal, das Zugerbiet, der Bezirk Hinweist das untere Thurthal rc. Der Verkauf geschieht entweder per Triste, per Haufen, per Fuder oder per Centner, und zwar entweder ab dem Ried, oder von der Scheune weg. Benken (St. Gallen) exportiert jährlich 30,000 Metercentner ä Fr. 3.50—4, meist in den Kanton Zürich. Uzn ach versorgt die benachbarten Gemeinden Eschcnbach, Goldingen, St. Gallenkappel, Ernetschwil und Gommis- wald mit Streue, etwas reist nach Wald (Kt. Zürich) und an die Ufer des Zürichsees. Schanis exportiert 15°/» seiner Streue ins Glarnerland und ins Toggenburg. Schübelbach verkauft Streue in den Kanton Zürich zu Fr. 5—6 per g. Reichenburg liefert viel in die Kantone Zürich und Glarus zu Fr. 4—5 per g. Grüningen-Gossau und Mönchaltorf verkaufen den Überschuß an Streue meist in die Zürichseegegenden. Grüningen allein etwa 400 g. <1 5V-—6, Gossau etwa 600 g. Steinmaur exportiert etwa 400 g. an den Zürichsee L Fr. 3.80, ebenso Wangen (Zürich), Schwamendingen, Ried, Brüttisellen, Rümlang, Höri. Nioderglatt-Nöschikon verkauft die Hälfte des Ertrages an den Zürichsee, ebenso Buchs (Zürich). Buochs-Ennetbürgen liefert jährlich etwa 1000 g. nach Beckcnried, Viznau, Weggis, Greppen, Meggen, Staus, Oberbürgen rc. Preis Fr. 4—5. Schwyz verschickt etwas nach Küßnacht am Vierwaldstättersee. Preis Fr. 30—40 per Triste ä 12—18 Bürden (ä 50—60 Iix.). Ebenso Rothkreuz und Arth nach Küßnacht und Meggen. Riffersweil verkauft etwas Streue außerhalb der Gemeinde. Ein Fuder gilt Fr. 40—60 und mehr. Zizers und die strcuereichen Rheinthalgemeinden haben einen großen auswärtigen Absatz. Das Appenzellcrland bezieht seine Streue zum großen Teil aus den vorarlbergischen Gemeinden Höchst, Fußach, Geißau rc. und aus dem schweizerischen Rhciuthal. Das große Moos versorgt die umliegenden Gemeinden; es wird aber auch per Bahn Streue auf große Entfernungen transportiert, bis ins Entlebuch. Von Bedeutung ist der Streueexport ferner in Cham, Risch, Triboltiugen, Ellikon a. d. Th-, Dürnten, Mettendorf, Märwcil, Affeltrangcn, Mühlau, Nicdcrwil rc. In Altstätten im Rheinthal bildet die Sirene einen Gegenstand des öffentlichen Marktes. Viele Strenebesitzer bringen jeweilen am Donnerstag die Sirene fuderweise per Wagen aus den Markt. Sie verkaufen sie hier gewöhnlich ins Appenzellerland. Nachdem sie auf der öffentlichen Wage gewogen ist, fahren sie gegen Mittag damit fort, kommen am gleichen Abend noch bis Gais oder Teufen und kehren am nächsten Tage wieder heim. Die bedeutendsten Streueexportplätze im Linthgebiet sind die Grinau, zwischen Uznach und Tuggen, und die Gießen, zwischen Benken und Reichenburg. Die Streue wird hier in große Ledischiffe verladen und dann linthabwärts und über den Zürichsee an die Ufergemeinden transportiert. VIII. Die Nutzung der Streue von Gemeinden und Privatgenossenschaften durch die Genossen selbst. Der Ertrag des im Besitze öffentlicher Gemeinwesen und von Privatgenossenschaften befindlichen Strenelandes wird meist an freier Steigerung vergantet, wie dies im letzten Kapitel auseinandergesetzt ist. Hin und wieder kommt es aber auch vor, daß die Streue unter die Nutzungsberechtigten verteilt wird. In diesem Falle ist die Nutzung eine genossenschaftliche, bei welcher gewisse, allgemein gültige Grundsätze zur Anwendung kommen, die häufig in einem Reglement niedergelegt sind. Diese Grundsätze sind verschieden, je nachdem der Besitz einem öffentlichen Gemeinwesen (öffentliche Korporation, Bürgergemeinde, Civilgemeinde, Genoßsame rc.) oder einer Privatgenossenschaft gehört. Um möglichst allen gerechten Ansprüchen zu genügen, ist bei den Gemeinden das Nutzungsrecht an gewisse Bedingungen geknüpft. Nur Gemeindebürger (Genossen, Bürger, Einsaffen rc.) sind nutzungsberechtigt. Aber auch unter diesen sind Beschränkungen gezogen. So z. B. muß der Genosse in der Regel in der Gemeinde selbst wohnen. Gewöhnlich ist auch ein gewisses Alter vorgeschrieben. Häufig ist nur derjenige Genusse nutzungsberechtigt, der einen eigenen Hausstand führt. Weibliche Gemeindegenosscn sind in der Regel ausgeschlossen, nur wenn sie einen eigenen Haushalt („einen eigenen Rauch") haben, sind sie berechtigt. Der Nutzungsberechtigte hat meist auch gewisse Leistungen zu übernehmen. Erstens ist er gewöhnlich zu einer Geldabgabe (Auflage, Luder, Streuezins) verpflichtet, deren Höhe aber meist wesentlich geringer ist, als der Wert der Streue. Häufig muß er auch Arbeit leisten (Gemeindewerk, Frohnarbeit). Allgemeine Bestimmungen. Die Gc- mcindcriedcr. 182 Jeder Genusse Jeder Genusse erhält meist einen gleich großen oder gleich im Ertrag stehenden Streneteil, welcher ^Streneteil" lhm durch das Loos zngeschieden wird. Wo die Strenefläche relativ klein ist, findet Wohl auch eine Abwechslung in der Nutzung unter den einzelnen Genossen statt (Wechselrieder). Die Verteilung geschieht aus kürzere vder längere Zeit; bald wird alle Jahre neu verteilst bald nur alle 5—10—20 Jahre. Auch die Zeit der Verteilung ist sehr verschieden. Vielerorts wird schon im Januar verteilt, anderwärts erst im September. Beispiele. In Bu o ch s - Ennetbürg en und St an s bekommt jeder in der Gemeinde wohnhafte Korporationsbürger mit 25 Jahren ein Stück Streucland zu lebenslänglicher Nutznießung. Er hat dafür ein einmaliges Einschußgeld von Fr. 15 zu bezahlen. Die Genoßsame Schübclbach, mit ca. 150 Genossen, hat 270 Jucharten Streueland, jene von Buttikon, mit ea. 75 Genossen, 130—140 Juchart. Die Streue wird jährlich, gewöhnlich im August, in möglichst gleichmäßige Vcrlosungsteile (Streueteile) geteilt. Jeder Genosse hat jährlich Fr. 10—15 Auflage zu bezahlen und einige Tagewerke zu leisten. Die Gcnosscnversammlung bestimmt die Benutzung und Pflege der Genosscuricder. In Mühlau (Aargau) erhält jeder berechtigte Gemeindebürger unentgeltlich einen Streneteil aus 10—20 Jahre zugeteilt. (In Schoren gegen Fr. 60—80 Pacht per Hektar.) In Grabs wird die Streue der Ortsgemcinde alle 10 Jahre unter die in der Gemeinde wohnhaften Genossenbürger verteilt. Je vier Genossen beziehen durch das Los zusammen einen ganzen Teil. Die Nutznießer haben nur die Seitengräben im Ried auszuputzen. In Fanas wird die Allmendstreue bei Bedarf nach der Alpentladung losweise unter die bürgerlichen Haushaltungen verteilt. Gegenleistungen keine. In Galgencn wird die Genossenstreue gleich wie in Schübclbach unter die Genossen verteilt. In Märweil ist jeder Bürger, der in der Gemeinde ein eigenes Haus hast nutzungsberechtigt. Die Verteilung geschieht alljährlich am 2. Januar. In Staus hat jeder Korporationsgenosse ein Streuestück von der Größe von '/«—1 Juchart. Berechtigt ist der Aktivgenosse und die Aktivgenossiu von 25 Jahren an. Verehelicht sich eine Genossin, so füllt der von ihr inne, gehabte Strcueanteil an die Korporation zurück. Die Zuteilung geschieht auf Lebenslänglichkeit. Eintrittsgeld für den gesamten Korporationsnutzen (Alp, Weide, Holz, Streue rc.) Fr. 25. Beim Absterben des Vaters geht das Genosscn- stück auf das jüngste Kind über. Wau gs verteilt die Gemeindestreue alle 10 Jahre neu unter die Bürger. Berechtigt ist wer 40 Jahre alt und verheiratet ist. Jeder Gemeindebodenbezüger hat jährlich Fr. 35 Auslage zu bezahlen und 4—5 Tage Gemeindewerk zu leisten. Er bezieht aber noch ein Holzlos. Die Gemeindestreue in Ried (Kt. Zürich) wird teilweise unter die „Haushaltungsbürger" durch das Los verteilt. Ein Streneteil ist etwa 1 Juchart groß. Auflage Fr. 5. In Fideris gehören die Alprieder der Gemeinde. Die Streue wird alljährlich Mitte September durch das Los unter die Gemeindebürger verteilt. Taxe Fr. 1. Wert des Loses Fr. 15. Die Gemeinde Mels gibl jedem Ortsbürger einen Streneteil (— 133 Ruthen --- Juchart). Die Streueteile werden alle 10 Jahre frisch verlost. Der Nutznießer bezahlt jährlich Fr. 7—8 Auflage. In Trib oltingen ist jeder steuerpflichtige Bürger nutzungsberechtigt. Die Streue wird alljährlich Ende August oder anfangs September verteilt. Jeder Bürger hat einen Tag Frohndienst zu leisten. Die Ortsgemeinde von St. Margrethen besitzt im benachbarten Oesterreich Streuewiesen, welche die Ortsbürger nutzen. Es sind etwa 150 Teile ä st- Juchart. Die Teile werden alle Jahre im Herbst verteilt. Da aber mehr Bürger als Losteile sind, so wechseln die Bürger ab. Solche Nieder werden als „Wechselrieder" bezeichnet. Auch in Wctzikon gibt es derartige Wechselrieder. Die Ortsgemcinde Vilters, welche viel Streucland besitzt, verteilt dasselbe durch das Los alljährlich am 1. April unter die männlichen Ortsbürger, welche einen eigenen Haushalt führen. In Eichberg werden die Gemeindegüter von den Nutznießern bald zu Ackerland, bald zu Heuland, bald als Streueland benutzt. Jeder Bürger erhält ein Stück Land, das er nach Gutdünken bewirtschaften kann. Jeder verheiratete Bürger oder jeder 30jährige unverheiratete männliche Ortsbürger ist berechtigt. Alle 10 Jahre wird das Land frisch ausgeteilt. Einige Tage Gemcindcwerk. In Benken (St. Gallen) wird ein Teil des Streuelandes alljährlich ini September durch das Los verteilt. Berechtigt sind alle verheirateten Bürger, alle ledigen Männer von 35 Jahren an, Witwen und Waisen. Leistungen etwa Fr. 8—14. Ähnlich in Uzn ach, wo ebenfalls ein Teil der Gemcindestreue durch das Los alljährlich verteilt wird. Berechtigt sind verwaiste Sühne vom 17. Altersjahro an, die übrigen Mannspersonen vom 23. Jahre an, und die Witwen. Auflage Fr. 5. Öffentliche Eine besondere Art der Benutzung durch die Genossen selbst ist die öffentliche Versteigerung Versteigerung unter de listn unberechtigten Genossen selbst. Der Erlös fällt dann in die Gemeindekasfe, wird Genossen, aber auch unter die Genossen verteilt. Verteilung Seltener als die Verteilung der Streueteile ist die Zuteilung der gedörrten Streue. Das der dürren Befahren kommt im Gebirge aber dennoch häufig zur Anwendung, weil so eine gerechtere Verteilung möglich ist. Luzein besitzt auf der Alp Valpun Streucland, das nach der Alpentladung gemeinsam von den Bürgern gemüht, getrocknet und an Schochcn (Hansen) gesetzt wird. Die Schochen werden hernach durch das Los verteilst wofür der Bezüger 1 Franken per Schoche in die Gemeindekasse zu bezahlen hat. Da einzelne auf den Bezug verzichten, so kommt es vor, daß die andern 2—3 Lose beziehen. Ähnlich ist es in Rodels. 133 Ähnlich wie bei den Gemeinden sind die Verhältnisse bei den P r i v a t g e n v s s e n s ch a fte n (Privat- Nutzungsver- korpvrcitionen). Der gewöhnliche Fall ist auch bei diesen, daß die Streue stehend versteigert wird und der Erlös den *Privat- nach Abzug der Ausgaben unter die Anteilhaber im Verhältnis ihrer Teile verteilt würd. Häufig findet aber keine gcnossen- Versteigernng statt, sondern die Teilhaber nutzen die Streue selbst. Jeder Berechtigte erhält in diesem Falle gasten, eine seinem Anteile entsprechende Strenefläche oder ein entsprechendes Streueqnantnm zugeteilt. Gewöhnlich ist die Streneberechtigung mit dem Grundbesitz im Thäte oder mit der Alpberechtignng verbunden. Die Streue wird dann entsprechend der Größe des Grundbesitzes im Theile oder der Anzahl Alprechte verteilt, so in Lungern, in Wildhans im Toggenbnrg, in Saancn rc. IX. Schädliche Einflüsse von Streue aus den Gesundheitszustand der Tiere. harter und dorniger Streue. Ein Hauptzweck der Einstreue ist, daß sie das Wohlbefinden der Tiere befördere, also günstig auf Allgemeines, den Gesundheitszustand einwirke. Die Tiere sollen durch die Streue ein gesundes Lager erhalten. So wohlthätig die Streue im Allgemeinen auf den Körper einwirkt, so schädlich kann schlechte Streue in vielen Fällen sein. Es ist für den Landwirt von Wichtigkeit, letztere zu kennen, um allfällige Schäden zu verhüten. Der schädliche Einfluß kann vorerst in der mechanischen Beschaffenheit liegen. Harte Rohr st reue Schädlichkeit und dornige Streue erzeugen leicht Verletzungen oder mechanische Reize auf der Haut. So schreibt man aus Buochs, daß die dornige Hauhechel (Leistendörn, Onovis spivosa), wo sie stark vertreten ist, am Euter und an den Strichen der Milchtiere kleine Geschwüre erzeuge. Von Riffcrsweil und Dürnten wird gemeldet, daß die Rohrstreue, wenn auch selten, Verletzungen am Euter verursache. Aus den gleichen Gründen gilt in Ennetmoos als Regel, daß man rauhe Streue (Disteln, Kälbcrhälsig) nicht auf dein Lager der Tiere, sondern in den Gängen und Vorplätzen verwendet. Der Berichterstatter in Ellikon a. Th. berichtet, daß harte Riedstreue oft eine Klauenkrankheit (Eiterung im Klaucnspalt, „Riggel" oder „Schnegg" genannt) im Gefolge haben könne, was aber selten vorkomme. In Ragaz kaufen die Pferdehalter nicht gerne Schilfstrene, weil die Pferde beim Liegen durch die dicken harten Rohre leicht striemenartige Hautanschwellungen bekommen, ähnlich wie von Peitschenhieben herrührend. "Lonft wird Von keiner Seite etwas Ungünstiges von der normalen Riedstreue gemeldet. Dagegen kann anormale Streue schädlich sein. So wird von Menzingeu berichtet, daß beim Einstreuen von grünen Farrenkräutern die Kühe am Euter Blasen bekommen. Zahlreich sind die Erfahrungen, daß feuchte Streue oft gesundheitsschädliche Folgen habe, wie Euterkrankheiten, Rheumatismus rc. Feuchte Streue. So wird berichtet von Steinn: aur: „Nachteilige Folgen sind von der Ricdstreue keine bekannt; allerdings wenn die Streue in u nv erschw itzt em Zustande oder überhaupt naß verwendet wird, können Nachteile entstehen." Schwyz: „Riedstreue ist nicht schädlich, wenn sie nicht zu naß an die Trifte gebracht wird." Fanas: „Wenn die Streue gut trocken und dürr ist, so kommen keine nachteiligen Folgen bei den Tieren vor, wogegen bei schlecht trockener Streue innere und Eutererkrankungen oft vorkommen." Baltensweil: „Bei Verwendung un- verschwitzter Streue entstehen Euterkrankheiten." Unter-Stammheim: „Wenn die Streue feucht und naß eingebracht wird, werden die Kühe „krümpfig". Risch: „Feuchte schimmlige Streue ist für das Vieh von Nachteil." Ebenso schädlich oder noch gefährlicher als feuchte Streue ist Streue, welche durch Pilze, wie Verdorbene Rost, Brand oder Schimmel verdorben ist. Solche verdorbene Streue kann direkt oder indirekt schädlich "^reue"^ wirken, direkt durch den äußeren Einfluß auf den Körper, indirekt indem die Tiere die Streue vom Lager weg fressen und sich so eine Krankheit zuziehen. So berichtet Meiereiinstrüktor I. Claußen*): „Auf einem Gute, wo die Butter nicht gut war und die Milch einen seifig laugigen Geschmack angenommen hatte, ergab sich nach meiner Untersuchung, daß der Fehler einzig und allein seine Ursache hatte im Streuematerial. Es wurde aus einem alten Strohdiemen gestreut, das Stroh war teilweise verdorben und verschimmelt und hatte einen unangenehmen Geruch, welchen die Milch angenommen hatte. Dies erklärt sich auch leicht, denn die Kuh legt sich mit dem Euter auf das Stroh, die schlechten Pilze haften am Euter und trocknen daran fest. Durch die Reibung mit der feuchten Hand gehen dieselben beim Melken in die Milch über, wo sie den besten Nährboden haben, auch ist der Wärmegrad der frischen Milch für das Gedeihen dieser Pilze sehr günstig. Aus einer Milch, der auf solche Art schlechte Bakterien eingeimpft sind, kann niemals eine gute Butter erzielt werden. Auf dem vorhin genannten Gute wurde der Stall gründlich gereinigt, die Euter der Kühe abgewaschen, es wurde mit gesundem Stroh gestreut, die Milch wurde gesund und die Butter tadellos." st Milchzeitung, Bremen 1896, Seite 189. 134 Das Streue- fressen der Tiere. Daß in gleicher Weise ungesunde Streue auch auf den Käse, insbesondere den Fettkäse mit großer Lochung, einen schädlichen Einfluß ausüben kann, braucht nicht weiter begründet zu werden. Damm ann*) gibt zahlreiche Beispiele an, daß durch Liegenlassen der verunreinigten Streue unter den Tieren Erkrankungen entstehen können; demnach können auch durch Unterlegen von verdorbener Streue solche Krankheiten erzeugt werden. Er nennt u. A. Eutercntzündungen, Scheiden- und Gebärmuttcrbrand, Nabelentzündung, Wundinfektionen, seuchenartiges Verwerfen, Seuchen rc. Der Berichterstatter von Egg erwähnt, daß schimmlige Streue Ungeziefer erzeuge. Viel gefährlicher als durch den bloßen Einfluß kann schlechte Streue werden durch das Streue- fressen der Tiere, eine Untugend, welche besonders die Kälber haben, welche aber mitunter auch älteren Tieren eigen ist. Die Wirkung dieses Streuefressens ist je nach dem schädlichen Stoff verschieden. Nach der Litteratur zu schließen, ist der Rost des Schilfrohres (puLoinin urultcliituoou) den Tieren besonders schädlich, wenn sie solche Streue fressen. „Vornehmlich werden die Rinder von den Vergiftungen betroffen, wie es heißt aber auch Schafe und Pferde. Nach den Angaben von Rosenbaum, Haarstik und Friede, bekommen die Rinder Schwellung und Rötung der Schleimhaut des Maules, der Nase und des Auges, Speichelfluß und Thränen, Schmerzen im Hinterleibe daniederliegende Pcristaltik, verzögerte Defäkation, große Hinfälligkeit, schwankenden Gang, bedenkliche Schwäche und selbst Lähmung des Hinterteils; die Exkremente sind mit zähem oder blutigem Schleim umhüllt, auch der Urin ist häufig blutig, Puls und Atem frequent und die Körperwärme gesteigert. In der Regel endet das Leiden letal, meist schon nach einer Dauer von 24 Stunden, und bei der Obduktion werden die Zeichen einer hämorrhagischen Oastro-lkotoritis und ktopbi'itis gefunden. (Dammann a. a. O.)" Ähnliche schädliche Wirkungen kann rostiges Stroh haben. So schreibt Damman: „Ende Dezember bekamen einige 60 Pferde einer Kaserne, mehr als die Hälfte des ganzen Bestandes, nachdem bloße Appetitlosigkeit mit heißem Maul und Rötung der Schleimhäute oder auch leichte Koliksrpnptome oder heftige Schweißausbrüche mit Temperatursteigerung kurz vorausgegangen, eine starke, derbe, heiße und schmerzhafte Anschwellung der Kopfhaut, besonders der Lippen, Backen und Augenlider, eine sog. falsche Kopfrosc, einzelne auch einen Quaddel-Ausschlag am Halse, Rücken und sonstigen Körperstellen; im weiteren Verlaufe stellten sich Juckreiz und Abstoßung der Epidermis an den befallenen Hautpartien des Kopfes, außerdem Speicheln und Geifern und kleine linsen- bis bohnengroße Erosions- gefchwürchen an der Spitze und den Seitenründern der Zunge, an der Schleimhaut der Lippen und am Zahnfleische bei einzelnen Patienten auch durchfällige Entleerungen saurer Exkremente ein, aber ausnahmslos endete die Krankheit in wenigen Tagen mit Genesung. An einem Teil des in kleinen Posten zusammengekauften und zu Häckselfutter und Streu verwendeten Strohes wurde nachträglich ein starker Besall von Rostpilzen konstatiert." Der gleiche Autor führt noch eine Reihe anderer Beispiele an. Die Rostpilze der Hülsenfrüchte erzeugen leicht Entzündung der Maulschleimhant, Anschwellungen rc. Mit dem Rapsverderber behaftetes Rapsstroh hat ähnliche Wirkungen. Befallenes Stroh oder befallene Streue sollte deshalb unter keinen Umständen Tieren gestreut werden, welche Streue fressen; ebensowenig Streue, welche giftige Pflanzen, wie Germer, Eiscnhut, Herbstzeitlose rc. enthält. Besonders empfindlich sind die Schweine. Das Streuefressen kommt weniger vor beim Einstreuen von Riedstreue als bei der Strohstreu. Einer unserer Berichterstatter (Rafz) schreibt: „Wenn ich Schweine habe, welche Stroh nagen, so gebe ich ihnen Streue und das Übel hört auf." Gut geerntete Riedstreue wird auch viel weniger leicht staubig als Stroh. X. Die Stalleinrichtungen in ihrer Beziehung zum Streueverbrauch. Die Der Streueverbrauch richtet sich nach der Stalleinrichtung nnd der damit im Zusammenhang stehenden ocyer. ^ Düngerbereitung. Am größten ist der Streueverbrauch dort, wo der Stall eine Art Erdgrube darstellt und wo die festen nnd flüssigen Exkremente sämtlich von der Streue aufgesogen werden müssen. Dies ist der Fall bei den sog. „Wattlöchern", wie sie noch jetzt in einzelnen Gemeinden des st. gallischen Rheinthales (z. B. Montlingcn, Krießern) in Pferdeställen im Gebrauche sind. Der Stall stellt eine Art Grnbe dar, die allerdings in der Regel mit einem Bretterboden belegt ist. Oft stehen die Tiere aber auch auf der nackten Erde. Fig. 33 stellt einen solchen Stall im Querschnitt dar, während Fig. 34 die Vorderwand eines Stalles für vier Pferde zeigt (gegen das Fnttertenn). Diese Ställe datieren aus einer Zeit, da man Überfluß an Streue nnd diese keinen Verkehrswert hatte. Man streute den Tieren große Mengen ein und der Mist *) Damman, Gesundheitspflege der landwirtschaftlichen Haussäugetiere. Berlin 1892. Fig. 33. Querschnitt eines Stalles mit Wattloch, Fig. 34. Vorderwand eines Stalles mit Wattloch, mit Freßloch nach dem Futtertenn. mit 4 Freßlöchern nach dem Futtertenn. blieb 3—4 Wochen unter denselben liegen. Der Stand erhöhte sich während dieser Zeit natürlich. In neuerer Zeit mistet man aber per Woche zwei Mal aus und spart dadurch an Streue. Da der Urin keinen Abfluß hat, muß er von der Streue vollständig aufgesogen werdet:. Deshalb ist der Streueverbrauch mindestens doppelt so groß als bei den Stallnngen mit erhöhter Stallbrücke und einer Abflußrinne für die Jauche. An Stelle der Krippen und Raufen sind in der Wand 85 Ccntimeter hohe und 45 Centimeter breite Futterlöcher angebracht, durch welche die Pferde den Kopf in die Tenne strecken können. Das Futter (Hafer, Heu, Häcksel) wird den Tieren in der Tenne unmittelbar vor das Fntterloch und auf den Boden gelegt, was den Vorzug hat, daß das Futter nicht dem Stalldunst ausgesetzt ist und die Pferde während des Fressens nicht die Stalllust einzuatmen brauchen. Wenn das Pferd nicht frißt, so zieht es allerdings den Kopf wieder in den Stall zurück. Krippen und Raufen sind keine vorhanden. Un: die Tiere vor Kälte zu schützen, wird im Winter ein Tuch vor das Futterloch gehängt. Übrigens kann man gegen die Kälte die Thüre des Futter- tennes abschließen. Aber oft gehen die Futterlöcher direkt in die Dreschtenne, die bekanntlich hoch, luftig und in der Regel nicht dicht geschlossen ist. Dann haben die Pferde im Winter oft sehr von der Kälte zu leiden. In neuerer Zeit bringt man auch bei diesen Ställen hinten einen Gang an, stellt die Pferde etwas erhöht und macht Abflußrinnen. Fig. 35 stellt den Grundriß eines Pferdestalles mit Freß- löchern und den eines Rindviehstalles dar, bei welchen den gegenwärtigen Verhältnissen Rechnung getragen ist. Hiedurch wird bedeutend an Streue gespart, besonders wenn der Urin durch eine Rinne abgeleitet wird. Fig. 35. Pserdeftcill mit Frehlöchern (unten) und Rindviehstall mit Krippen und Raufen (oben) r-^Teim, Futterten», 8t--^Stände, 6 ^ Gang, Ll — Miststätte. Fig. 36. Querschnitt eines Stalles mit vertieftem Stand. 8t.-----Stand, Q — Gang. Verbesserte Ställe mit Freßlöchern. 186 Stall mit vertieftem Stand. Die Dauer- streu e. Das Streue- sparen. Streue- sparende Stalleinrichtungen. Ähnliche streueverschweuderische Stallriiirichtuugeu findet man anderwärts ebenfalls sehr häufig. Fig. 36 stellt eine ältere Stalleinrichtung in Unter-Stammheim dar. Der mit Kieselsteinen gepflasterte Stand ist 1.80—2.00 m. lang, ohne Streichgraben. Dahinter ist der erhöhte Gang. Die Tiere stehen also vertieft und kneten hier Streue, Koth und Urin durcheinander. Stets ist es eine Streneverschwendung wenn der Jauche kein Abfluß gegeben, und diese von der Streue unter den Tieren aufgesogen werden muß. Dennoch gibt es zahllose Stallungen, wo hierauf keine Rücksicht genommen ist und wo Janchekasten gänzlich fehlen. So schreibt man uns aus Flums: „Hier kennt man die Jauchekasten nicht; der Dung wird durch Laub oder Streue aufgetrocknet und als Mist im Frühjahr auf die Wiesen gebracht." Von Wangs: „Die Jauche wird mit Streue aufgetankt, so aus dem Stall gebracht und der Mist aufgehäuft." Der Berichterstatter von Dießenhofen schreibt: „Hier wird größtenteils noch das alte Verfahren praktiziert, da früher Stroh in Masse zur Verfügung war. Wenige Viehbesitzer haben ihre Stallungen auf wenig Streuebedarf eingerichtet." Das Verfahren, die Streue längere Zeit unter den Tieren liegen zu lassen, ist vom sanitarischen Standpunkte aus durchaus verwerflich, denn zahlreiche Krankheiten finden in dem aufgespeicherten Miste einen guten Verbreitungsherd und die Stalllnft wird durch die Fäulnisgase des Mistes verdorben. Besonders Enterkrank- heiten werden in der faulenden Streue leicht von einem Tiere auf das andere übertragen, wie schon mehrfach bewiesen worden ist. Ebenso andere ansteckende Kränkelten. Zu verwerfen ist das längere Liegenlassen des Mistes namentlich bei Pferden und Rindern, dann aber auch bei Schweinen, abgesehen von dem gesundheitlichen Standpunkte, aus Rücksicht darauf, weil die Schweine den Mist fortwährend durchwühlen, wodurch die Luft verpestet wird, viele Stoffe verloren gehen und weil die Tiere infolgedessen stets unruhig sind und deshalb schlecht gedeihen. Am ehesten ist das Liegenlassen noch im Schafstalle angezeigt, wo die Tiere frei herumlaufen. Man sorge dabei aber stets für Desinfektion des Mistes durch Einstreuen von trockener Erde, Gips, Phosphatgips und dergl. An den meisten Orten hat man Strenemangel und ist man deshalb gezwungen mit der Streue sparsam umzugehen. So schreibt man uns aus folgenden Gemeinden: Hergisw il (Kt. Luzern): „Hier hat man ungenügend Stroh und ungenügend Streue." Bergün: „Wenig Streue, deshalb besondere Stalleinrichtung." Pf äffn au (Kt. Luzern): „Der Getreidebau geht immer mehr zurück, das Stroh ist daher gesucht und in der Regel gut bezahlt. In hiesiger Gegend ist schon wiederholt aus den Kantonen Wandt und Freiburg Stroh bezogen worden. Streue- wiesenanlagen wären sehr angezeigt." St. Maria (Münsterthal): „Hier wird dem Vieh in bescheidenem Maße eingestreut." Reutc-Ob ere g g: „Hier im Appenzellerlande wird immer eingestreut, zwar nicht so reichlich, wie in Gegenden, wo Ackerbau getrieben wird; dafür wird dann der Mist schwer und wird hauptsächlich im Frühjahr vom Boden besser aufgenommen." Schüpfheim: „Hier hat man wenig Streuematerial." Baunia: „Wir haben Mangel an Streue." Grüningen: „Der größte Teil unserer Bauersame hat das Streuematerial zu sparen." Peterzell: „Wir haben zu wenig Sirene, deshalb spart man und verwendet allerlei Surrogate." FidcriS: „Wenig Streue." Walzenhausen: „Beim Streuegebrauch wird sehr gespart." Andwil (Kt. St. Gallen): „Hier hat man zu wenig Streue, daher werden die Stallbrücken kurz gemacht, damit das Vieh trocken liegt. Es wird mehr auf Gülle als auf Mist gesehen." Lutzenberg, Hütten rc. kaufen viel Streue zu, u. s. s. Dementsprechend werden anch die Ställe eingerichtet. Die Stände werden meist aus Holz gemacht, weil das Vieh während der kalten Jahreszeit am wärmsten hat. Pflasterstände und Böden aus Cement sind kälter und bedürfen mehr Streue. Dagegen haben sich Cementböden mit einem Holzbelag bewährt. Besser als Cementböden sind Stallböden aus Klinkersteinen; solche werden in neuerer Zeit hie und da erstellt. Hierüber schreiben unsere Berichterstatter: Kirchberg (Kt. St. Gallen): „Die 5—6' lange Stallbrücke ist von Holz und hat ziemlich viel Gesäll nach hinten." Werthenstein: „Meist hölzerne Lager." Wiesen (Graubünden): „Bretterstand." Hergiswyl (Kt. Luzern): „Die Stände bestehen aus Holz." Neudorf: „Man hat hier Cementläger, welche mit einem Bretterboden bedeckt sind oder gute „Ladenbschüssi" (Brettorstand). Bloßes Cementlager erfordert mehr Streue, streut man wenig ein, so bekommen die Tiere leicht Rheumatismen. Von dem Rost- läger ist man abgekommen." Bergün: „Die Ställe sind meist aus Mauerwerk. Die Wände und der Boden sind mit Lärchenholz gefüttert; das Läger ist aus Tannenholz, weil wärmer haltend als lärchenes." Lungern: „Die Stallbrügenen (Stallbrücken) bestehen aus 1.8 m. langen Holzbohlen (Prügeln)." St. Maria (Münsterthal): „Durchwegs Holzstände aus zweizölligen lärchenen Brettern." Unter-Stammheim: „Die Stallbüden sind meistens mit Kieselsteinen bepflastert, in neuerer Zeit mit hartgebrannten Ziegelsteinen, was sich gut bewährt." Risch: „Alan verwendet zur Ersparung von Streue mit Vorliebe kurze Viehstünde, damit die Exkremente in die Mistschale fallen 137 Fig. 37. Querschnitt eines Stalles von Zürich, mit erhöhtem Stande und tiefem Stallgraben. Fig. 38. Querschnitt einer Stalleinrichtung im Domleschg. tzt. — Viehstcmdc, — Gang. m StaUgraben, 1 Tenn. 2 . 10!2 Fig. 39. Querschnitt eines Doppelstalles im Oberwallis. L Stavd für Kühe. I> Stand für Pferde. SS- I. n. I.üiNL 2.70 Fig. 40. Querschnitt eines Doppelstalles ohne Stallgang, dafür ist der Stand II viel länger. und so zur Güllcbe- reitung verwendet werden können." Davos- Dorf: „Hier hat man erhöhte Viehstände, hinter diesen eine hölzerne Cünette (Graben). Der Stallgang ist mit Brettern belegt." Celerina: „Der Stand ist aus hölzernen Brettern und etwas abschüssig." Schü- belbach: „Die Stände sind aus Holz." Egg (Kt. Zürich ): „Die Stall- brugg ist von Holz oder Cement; ersteres ist gesünder und im Winter wärmer; auch sicherer gegen das Ausglitschen." Stans: „Holzboden (Brügenen), in neuerer Zeit Cement." Um Streue zu sparen, soll der Stand nicht zu lang sein, damit der Kot möglichst in die Stallrinne fällt. Diese sollte genügend breit und etwa 15—20 Centimeter tiefer liegen als der Stand. Die Rinne muß hinreichend Gefall nach dem Janchetrog haben. Fig. 37—40 stellen solche Stallein- richtnngen dar. Fig. 38 zeigt eine Stalleinrichtung für Kühe, Rinder und Kälber, wie sie im Domleschgerthal (Graubünden) vorkommt. Der Heuranm (I^ailillö) ist an den Stall gebaut. Über dem Stalle befindet sich die Tenne und Raum für Streue. Die hölzernen Düngergräben sind gewöhnlich 25 Centimeter breit und 25—30 Centimeter tief. Der Stall ist durch Ouerwandungen meist in Stände für je zwei Stück eingeteilt. Gefäll des Standes nach hinten meist 1 Zoll. In Fig. 39 ist der Querschnitt eines Dvppelstalles aus dem Oberwallis (Münster) dargestellt, der in: wesentlichen mit dem vorhergehenden übereinstimmt. An manchen Orten fehlt, um an Raum zu sparen, der Längsgang in der Mitte des Dvppelstalles, wodurch die Reinhaltung sehr erschwert ist. In Saanen werden dafür die Stände entsprechend länger gemacht, wie Fig. 40 zeigt. Stand I ist für das Großvieh, Stand II für das Jungvieh. Der Hintere Teil des letzteren dient zugleich als Gang. 18 138 Viehhaltung In den Alpgegenden wird häufig gar nicht eingestreut. Das Vieh ist hier im Sommer meist Einstreu. anf der Weide, und im Winter, wenn es ständig im Stall gehalten werden muß, ist der Kot ziemlich konsistent, so daß die Tiere bei guter Ordnung dennoch rein zu halten sind. Als Beispiele mögen einige Berichterstatter citiert werden: Celerina: „Dem Großvieh wird oft nicht eingestreut." Vals: „Nur den Kälbern wird gestreut." Fideris: „Eingestreut wird hier nur dem Jungvieh, den Kühen selten." Luzein (Prätigau): „Die Kühe stehen im Stalle auf hölzernen Brügenen und wird ihrem Lager nicht eingestreut. Galtvieh und Kälber stehen auf blankem Boden und erhalten Streue als Unterlage." Davos: „Dem Vieh wird zum Hincinlicgen bereits nie eingestreut. Es steht auf 150 bis 180 ein. langen Brettcrbrückcn; dahinter befindet sich ein Kanal von 25—30 ein. Weite, in welchen die Streue gelegt wird. Der Schwanz der Tiere wird an einer oben befestigten Schnur so viel in die Höhe gebunden, daß er nicht schmutzig wird. Der Schorrgraben ist bei den neueren Stalleinrichtungen mit dem Misthof in direkter Verbindung. Letzterer ist unter dem Hof (Vortenne) eingegraben und vollständig geschützt gegen Sonne und Wetter." Wiesen (Graubünden): „Eingestreut wird nur in den Schorrgraben; auf dem Bretterbuden wird nur den Kälbern eingestreut, sowie in die Stände (Einfänge) der Schafe und Ziegen." Bergün: „Jeder Stall hat für das Großvieh eine Mistrinne, die den Auswurf aufnimmt. Das Stroh dient zunächst den Kälbern als Streue, von da wird es in die Mistrinne gelegt." Somvix: „Auf den Stand wird nichts eingestreut. Der Graben wird zwei Mal per Tag gereinigt und jedesmal niit Stroh, Stoppeln oder Sägemehl belegt. Außerdem müssen den Tieren die Schwänze aufgebunden werden." Lavin: „Das Vieh liegt auf dem kahlen Bretterboden; es wird nur in den Kanal eingestreut, im Winter täglich zwei Mal." Lugnetz: „Dem Jungvieh wird auf dem ganzen Stande eingestreut, dem Großvieh nur in den Mistgraben, welcher jeden andern Tag ausgeräumt wird. Das Stroh wird zuerst geschnitten, dann dem Jungvieh aus dem Stand unter die Füße gelegt. Erst wenn es hier zertreten ist, wird es in den Mistgraben gelegt und dort mit dem Kote vermengt." Wenn die Tiere reinlich bleiben sollen, so ist es bei diesem Verfahren notwendig, daß der Stand der Tiere etwas erhöht, nicht zn lang, und daß die Mistrinne ziemlich tief ist. Der Stand darf nur so lang sein, daß die Tiere mit den Hinterfüßen hart am Rande desselben stehen, damit die festen Exkremente und bei den weiblichen Tieren auch der Harn direkt in die Rinne fallen. Allznkurz darf er freilich auch nicht sein, weil das Vieh sonst nicht wohl ist und mit den Hinterbeinen in dem Mistgraben stehen würde. Stände von 2 m. sind schon zn lang, für kleinere Kühe genügen 1.5 in., für größere 1.8 ni. Das Gesäll soll nur so groß sein, als der Harn abfließen kann, 3—4 em. genügen vollkommen. Zu starkes Gesäll ist besonders für trächtige Tiere ungesund. Aber auch im Tieflande kommt es hin und wieder vor, daß sogar im Sommer dem Vieh periodisch nicht eingestreut wird, sei es, weil das Streuematerial ausgegangen ist, oder um möglichst viel Gülle zu produzieren. Bei der Grünfütternng ist es dann selbst bei der besten Stalleinrichtung außerordentlich schwer, die Tiere auch nur einigermaßen reinlich zu halten, da der Kot in der Regel sehr dünnflüssig ist. Folgende Berichte illustrieren dies am besten: Hergiswil (Luzern): „In etwa 20 Ställen wird im Sommer wegen Streuemangel 5—10 Wochen lang nicht gestreut. Das Vieh liegt während dieser Periode gewöhnlich im Kot." Grench en: „Hie und da, wenn Gülle bereitet wird, wird nicht gestreut." Neudorf: „Im Sommer, bei Ausgang der Streue, wird gelegentlich nicht gestreut, das Lager wird dann mit Kruke, Birkbesen und Wasser fleißig gereinigt." Gottshaus-Bischofszell: „Oft wird nicht gestreut, dann fleißig ausgekehrt und Gülle bereitet." Untereggen: „Oft wird im Sommer nicht gestreut oder nur verschwindende Mengen Sägemehl, Heustaub, auch Mühlestaub, eventuell Torfstreue zur Bereitung von Jauche." Psafsnau: „In der Zeit vor der Getreideernte wird oft nicht gestreut. Unsere Stalleinrichtung ist hierzu jedoch nicht dienlich." Lüter kosen: „Im Notjahr 1893/94 wurde nicht eingestreut, sondern abgescharrt." Poter- zell: „Im Sommer (Juni bis September) wird oft nicht eingestreut; der Stall wird häufig gekehrt und es wird Gülle bereitet." DU dingen: „Hie und da wird nicht eingestreut, am ehesten Ende Juli bis Anfang August; dann wird täglich vier Mal abgescharrt." W erth enstein: „Wenn bei Grünfütterung im Sommer die Einstreue fehlt, so wird „Kreß" aus den Wäldern herbeigeschleppt, um den Viehstand so gut als möglich trocken zu halten. Es wird fleißig abgescharrt und flüssiger Dünger gemacht." Fürstenau: „Oft wird nur für die Nacht eingestreut, während das Vieh des Tages ohne Einstreu ist." Viehstände Hü und da hat man versucht, das Vieh auf Lattenroste zu stellen, um so die Streue zu entbehren Lattenrosten, oder zu sparen. An den meisten Orten ist man aber wieder davon abgekommen, einesteils weil ein solcher Stand wenig solide ist, andernteils wegen der Schwierigkeit der Reinigung. Viel Streue kann gespart werden durch entsprechende Behandlung der Streue und des Mistes im Stalle, worüber im folgenden Kapitel die Rede sein wird. 139 XI. Die Behandlung und die Verwendung des Mistes von Riedstreue. Die Behandlung des Streuemistes ist vielfach eine von derjenigen des Strohmistes abweichende, dchandlung entsprechend der besonderen Qualität dieser Streue. Im Ställe selbst stimmt sie zwar mit derjenigen des ^ der Strohnnstes so ziemlich überein, nur müssen die Regeln zur Erzeugung eines guten Mistes noch strenger inne- Düngerstätte, gehalten werden, da sich die Riedstreue im allgemeinen schwerer zersetzt, als das Getreidestroh. Aus diesem Grunde ist meist eine etwas längere Lagerung notwendig, als beim Strohmist. Die erste und Hauptbedingung der Düngerbereitnng ist, daß die festen Exkremente in der Mistschale im Stalle und beim Ausmisten gut mit der Streue vermengt werden, damit der Mist möglichst gleichartig ist; dann findet auch eine gleichartige Zersetzung statt und ein Verschimmeln und Verbrennen ist um so weniger zu befürchten. Eine gleichmäßigere Beimengung ist um so besser möglich, wenn die Streue in kurze Stücke geschnitten wird; der Mist wächst Das auf der Wiese später auch viel rascher ein. Lange Streue wird deshalb vielfach zerschnitten, wie folgende der Streue. Berichte bestätigen: Davos-Dorf: „Lange Streue wird kurz geschnitten und alle Streue im Stall mit dem Dünger gut vermengt." Untereggen: „Die Streue wird am besten in 12—15 em. lange Stücke geschnitten." Niederste lfenschwyl: „Die Streue sollte in Häcksel geschnitten werden. Ist dies der Fall, so zersetzt sie sich auf Acker- und Wiesland gut." Lutzenberg: „Die Streue wird meist geschnitten." Reute-Oberegg: „Die Streue wird vor der Verwendung auf etwa 5 ein. Länge zerschnitten und zwar deshalb, weil man auf diese Art Streue sparen kann. Denn man ist hier allgemein der Ansicht, daß die Streue zu teuer ist, um den Krastzustand eines Gutes zu heben. Es wird also ganz wenig Streue, d. h. nur so viel gebraucht als notwendig ist, um den Mist zu stocken." Eichberg: „Die Streue wird geschnitten." Bei dem Schneiden der Streue wird also zugleich auch der Zweck erreicht, daß das Einstrenematerial gespart werden kann. Das Zerschneiden in längere Stücke kann mit einer gewöhnlichen Sense vorgenommen werden. Man hat zu diesem Zwecke aber auch besondere Strenstrohschneidestühle konstruiert, oder bedient sich dazu der Fntterschneidmaschinen. Mit diesen kann man aber gewöhnlich nur kürzere Häcksel schneiden. Erst in neuerer Zeit werden sie hie und da so eingerichtet, daß man auch längere Stücke schneiden kann. So z. B. fabriziert Julius Carow in Prag-Bubna eine Universal-Häcksel-, Grünfutter- und Strcustroh- Schneidmaschine, welche Strohhäcksel von 6 om. Länge und Streustroh von 40 em. Länge schneidet, und zwar in der denkbar einfachsten Weise, ohne irgend welche Wechselräder. Streue kann auch gespart werden durch fleißiges Abharken der Kuhfladen im Stalle von Öfteres dem Lager der Tiere und bei fleißigem Ansmisten. So oft man in den Stall kommt, täglich 3—4—5 ^Mistes"im ^ Mal, sollten die Kuhfladen unter den Tieren in die Mistrinne hinuntergezogen werden, damit die Streue Stalle und möglichst wenig beschmutzt wird. Ausnüsten. Bei täglich zweimaligem Ausmisten braucht man weniger Streue als bei nur einmaligem, weil die trockene Streue um so mehr geschont wird, je weniger lang sie mit dem beschmutzten Material in Berührung bleibt. Bei jedesmaligem Ausmisten wird die weniger beschmutzte Streue wieder unter die Tiere gelegt und nur die beschmutzte hinausgeschafft. Erstere wird mit einer Lage frischer Streue bedeckt. In dieser Beziehung wird noch eine sehr große Verschwendung getrieben, indem man oft noch fast ganz trockenes Stroh oder trockene Streue aus dem Stalle auf die Miststätte bringt, wobei man zudem einen schlechten Mist bekommt. In der Regel wird der Mist, bevor er auf die Wiese oder den Acker gebracht wird, an einen Stock Behandlung geschlagen. Eine gewisse Gärung am Stocke, auch wenn sie nur 2—3 Wochen dauert, ist für die Wirkung ""i Stocke, des Streuemistes vorteilhaft. Auf der Miststätte sollte der Mist fein, gleichmäßig und eben zerlegt werden, damit die Exkremente sich innig mit der Streue verbinden; dann wird der Mist mit den Holzschnhen möglichst festgetreten, so daß er eine kompakte Masse bildet und die Luft thunlichst aus- getrieben wird. Der Mist sollte am Stocke stets feucht gehalten werden, wenn nötig durch Übergießen mit Jauche. Zu naß darf er zwar auch nicht sein, namentlich ist es fehlerhaft, wenn er fußhoch in der Gülle steht, denn dadurch wird er ausgelaugt und die normale Gärung wird unterdrückt. Wie bedeutend die Verluste bei mangelhaft festgetretenem Mist und bei einer undichten Unterlage sind, geht aus einem Versuche hervor, der in Zwätzen ausgeführt wurde. Es wurde der Mist von 10 Kühen während 14 Tagen in eine undichte Grube lose ausgebracht, ohne ihn zu zerlegen und festzutreten. In eine andere, gleich konstruierte, 140 Anwendung von Konservierungsmitteln. Beispiele über die Behandlung des Stallmistes. Dauer der Lagerung. Das Umstocken. aber dichte Grube wurde ganz gleicher Mist gut ausgebreitet und festgetreten und uach 5 Monaten in beiden Fällen der Verlust durch Vcrsickerung (im I. Falle) und durch Verflüchtigung (im I. und II. Falle) festgestellt: Organische Substanz Stickstoff Phosphorsäure Kali I. 51.4»/» 35.8«/» 19.4»/» 2.9»/» 0. 28.4 „ 16.2 „ — — Mehrverlust bei l: 23.0°/» 19.6°/» 19.4«/» 2.9 °/° Um eine Verflüchtigung zu verhüten und den Dünger möglichst zu konservieren, ist auch die Anwendung von Konservierungsmittel n zu empfehlen, besonders Gips, Superphosphatgips oder Erde. Erstere beiden werden teilweise schon im Stalle, oft aber auch erst auf der Düngerstätte verwendet. Erde, insbesondere Moorcrde, dient zum Überdecken des Mistes auf der Düngerstätte, wird aber da und dort auch schon im Stalle eingestreut. Zur Illustration lassen wir einige Urteile aus der Praxis folgen: Unter-Riffersweil: „Eine Hauptsache ist, daß man im Stall und auf der Miststätte den Mist mit etwas Gips bestreut und immer für gehörige Feuchtigkeit sorgt. Auf der Miststätte soll der Mist gut verlegt und festgetreten werden." Egg (Zürich): „Wenn die Streue den Harn aufgesogen hat, wird der Kot und der Mist auf den Stock geschafft, zerlegt, festgetreten, mit Gips bestreut und so bald wie möglich auf Feld und Wiesen gebracht." Lungern: „Der Mist wird gut durcheinander geschafft und an einen kompakten Stock geschichtet." Ennetmoos: „Beim Ausbringen aus dem Stall wird Dünger und Streue mit der Gabel gut gemengt, in der Miststätte auf 1 Meter Höhe aufgeschichtet und vor dem Ausführen nochmals begossen." N i ed erh e lfensch w yl: „Der Mist wird am besten mit Gips vermengt, bevor er auf die Miststütte gebracht wird. Man macht nicht zu große Stücke, sondern bringt den Mist öfters auf die Wiese." Wangs: „Ein nicht fauler Landwirt arbeitet die Streue mit dein Mist im Schorrgraben gut durcheinander." Riedt (Zürich): „Der Streuemist soll im Stalle mit den Abfällen der Tiere gut vermengt und auf der Miststätte gut zusammengetreten werden." Brüttisellcn: „Auf der Miststätte mutz der Mist täglich bespritzt werden, sonst wird er schimmlig." Wolfenschießen: „Im Stall sollte der Mist gehörig mit der Streue vermischt, jedoch sollte die Streue immer etwas gespart werden. Auf der Miststütte sollte der Dünger durch Überdecken mit Erde oder Konservieren mit Superphosphatgips vor zu starkem Stickstoffverlust geschützt werden." Sannen: „Gutes Durch cinandermischen ist Hauptsache." Rümlang: „Der Streuemist muh im Stall möglichst zurecht gelegt und auf dem Stocke sorgfältig ausgebreitet werden, dann besteht kein Unterschied gegenüber dem Strohmist. Der Mist sollte vom Stock per Jahr drei Mal (nicht weniger) ausgeführt werden." Hütten: „Der Streuemist soll im Stall gut durcheinander gemacht und auf der Miststütte nicht zu trocken gehalten werden." Fehraltorf: „Der Streuemist soll reichlich tierische Exkremente enthalten auf der Miststätte festgetreten und mit Gips bestreut werden." Grüningen: „Je nachdem der Landwirt auf mehr oder weniger reinliches Vieh hält, wird der Mist im Stalle behandelt und gehen die Ansichten hier auseinander. Der Mist sollte in der Grube sofort gleichmäßig verbreitet und mit etwas Gips bestreut werden. Er soll nicht zu naß und nicht zu trocken haben. Befeuchtung mit Schweinsjauche ist vortrefflich." Peterzell: „Der Mist wird im Stalle gut durcheinander gemacht und mit etwas Gips bestreut." Homburg: „Gut „verkotet" auf die Miststütte gebracht und nach dem Teilen mit Ackergips bestreut, liefert die Streue einen ganz vorzüglichen Mist." Dornten: „Gutes Durcheinandermachen und gutes Stocken auf schattiger Miststätte." Mettendors: „Längere Lagerung in der Miststütte ist wünschenswert, sonst wie Strohmist." Emmen: „Riedstreue verlangt lange Lagerung." Baltenswcil: „Lange Lagerung ist zu empfehlen." Wiesendang en: „Auf der Miststätte sollte Streuemist immer etwas feucht gehalten werden, da er sonst zu heiß wird und verbrennt, statt fault." Goßau: „Innige Vcr- mengung der Exkremente mit der Streue und sofortiges festes Antreten auf der Miststätte unter Anwendung von Gips und allfälliger Komposterde." Stans: „Einige Landwirte verwenden Superphosphatgips." Ellikon: „Der Streuemist mutz auf der Düngerstätte festgetreten und feucht gehalten werden." Höri: „Bespritzen mit Jauche!" Glarus: „Öfters beschütten." Unter-Stainmhe im: „Wenn der Mist täglich ausgeräumt wird, muß er schön verebnet, getreten und gegipst werden. Hie und da sollte er mit dem Mistwasscr begossen werden." Ernetschwil: „Der Streuemist soll im Stall hauptsächlich gut untereinander geschafft und wenn möglich mit einem Bindemittel vermischt werden." Wegen der schweren Zersetzungsfähigkeit muß der Streuemist länger gelagert werden, bis die Streue durch die Fermentstoffe gemürbt ist und sich hernach im Freien auch möglichst rasch zersetzt. Das Besenried zersetzt sich leichter als Spalt- und Rohrstreue. Zur Beförderung der Zersetzung und zum Zwecke der Er- zielnng eines gleichartigen und kompakten Düngers wird der Dünger an manchen Orten, bevor er auf den Stock kommt, auf dem Vorplatz an Häufchen und erst nach einigen Tagen, nach dem er eine Vorgärung durchgemacht hat, auf den Stock gebracht. Oder er ivird am Stocke vor der Verwendung ein oder zwei Mal u m gestockt. 141 Dies wird z. B. von folgenden Berichterstattern gemeldet: Dießenhofen: „Der Streuemist sollte ein Mal umgesetzt werden." Schwyz: „Der Strcucmist wird mit dem Kot gut durchgemengt und an kleine Häufchen auf die Düngerstätte gebracht und nach 8—14 Tagen nochmals umgestockt." Arth: „Der Mist wird hier im Stalle zwei Mal des Tages gut gemischt, dann auf die Dünger- stätte geworfen, wo er alle 4 Tage gestockt, getreten und mit Hausjauche begossen wird." Enn etmoos undStans: „Der Mist wird mehrmals umgestockt und öfters mit Jauche begossen." Rothenthurm: „Am besten ist es, wenn der Mist im Stall gut untereinander gemengt, auf den Vorplatz der Miststätte verbracht und erst von Woche zu Woche auf der Miststütte verlegt wird." Mels: „Muß im Stall gut durchgearbeitet, auf der Düngstätte 1—2 Mal umgestockt und fleißig mit Jauche begossen werden." Vilters: „Gute Mischung im Stall und nachherige zweimalige Umschaffung auf der Mislstätte." Eine besondere Methode der Düngerbehandlung ist das sogenannte „Flotschen", das besonders am Zürichsee und im Kanton Zug znr Anwendung kommt. Meist vor der Stallthüre draußen, selten im Stallgange selbst, ist ein kleiner Trog angebracht, der durch eine Öffnung in der Mauer mit der Schale in Verbindung steht, die dem Viehstande entlang etwas vertieft angebracht ist und in welcher zwischen den Fütterungen der Kot sich sammelt. Der Urin findet seinen Weg unter der Schale durch in den kleinen Trog. Dieser wird Halb mit Wasser gefüllt, dann bei jeder Fütterung der Kot und aller vorhandene Mist von der Schale durch die Lücke in denselben befördert und, wenn er angefüllt ist, die ganze Masse sorgfältig durcheinander „geflotscht" (daher der Name „Flotschtrvg", siehe Fig. 41), der Mist aus den Stock befördert und die dicke Jauche in einen großen Trog abgelassen, der ebenfalls wieder halb mit Wasser gefüllt ist. V,1 1:4 Fig. 41. Das Flotschen des Mistes. Der Mist wird in dem Gülletrog „ausgeflotscht", dann herausgezogen und auf die nebenliegende, schön beschattete Miststätte gebracht. Der Mist darf aber im Flotschtrvg nicht förmlich ausgewaschen, sondern soll gleichsam nur von der Jauche durchfeuchtet werden, dann erhalt man einen vorzüglichen Mist und gute Gülle. Im Stalle selbst ist nämlich eine ebenso gründliche Durchseuchtung nie möglich, wie sie im Flotschtrvg ausführbar ist. Der Mist lagert sich gleichmäßig und fest, die Luft wird gut abgeschlossen und deshalb hat man einen geringen Verlust und vorzüglichen, gleichmäßig zersetzten Mist. Die Miststöcke sollten auch nicht zu hoch gemacht werden, weil dadurch die normale Gärung beeinträchtigt wird. Ein Meter Höhe kann als normal gelten, ivas darüber ist, ist zu viel. Zu empfehlen Das Flotschen. Die Miststätte. 142 ist es, den Mist thunlichst unter Dach oder doch am Schatten aufzubewahren, weil durch den Regen und den Einfluß der Sonne viele Stoffe verloren gehen. Dichte Gruben und Bretterverschalungen sind zur Aufbewahrung sehr zu empfehlen. wEdun^des Summst wird sowohl auf Wiesland, wie auf Ackerland gebracht. Wegen der langsamen Streuemistes Zersetzung ist er aber vorteilhafter für das Ackerland. Sehr häufig ist man aber gezwungen, ihn auch auf auf^Wies- den Wiesen zu verwenden, entweder weil das Ackerland fehlt oder weil man keinen anderen Dünger für die Ackerland. Wiesen besitzt. In diesem Falle bringt man den Mist im Herbst aus, wenn möglich sofort nach der Emdernte. Der im Laufe des Winters produzierte Dünger wird dann im Frühjahr auf das Ackerland verwendet. Besitzt man kein solches, so muß man ihn notgedrungen ebenfalls anf die Wiesen bringen. Wenn der Mist im Stall und auf der Miststätte sorgfältig behandelt wurde, so wächst er anf graswüchsigem Boden auch im Frühjahr und Sommer gut ein. In Gebirgsgegenden ivird er an vielen Orten sogar in frischem Zustand auf die Wiesen gebracht. Bei einigermaßen harter Streue ist es aber stets vorteilhaft, ihn vor dem Ausbringen am Stocke etwas gären zu lassen. Am schwersten zersetzt sich das Schilf. Immerhin zersetzt sich dasselbe auf frischem gutem Wiesland unter normalen Verhältnissen bis zur nächsten Heuernte, wenn der Mist ini Herbst rechtzeitig ausgebracht wird. Im Ackerland ist der Strenemist hauptsächlich für die Hackfrucht geeignet. Mist mit Schilsstrene wirkt auf leichten Bodenarten brennend, ist dagegen für schweren Boden zu empfehlen. Mit dem Mist von Riedstrene werden in der Regel auch viele Unkrantsamen mit auf das Feld gebracht, weshalb man an manchen Orten den Strenemist auf dem Ackerlande nicht gern hat. Einzig die hohe Spaltstreue der Spitzsegge nnd der Snmpfsegge, welche schöne, saubere Bestände bilden, hat diesen Nachteil nicht. Im Übrigen gelten hier die Grundsätze, wie sie bei der Verwendung aller Hofdünger zur Geltung kommen. Register der lateinischen, deutschen und Aialektncnnen. Abbiswürza Seite 117. ^eiullea luiilsiölium 102. 117. » Ularmioa 42. ^eoi'us eslaiouo 36. Adlcrfarn 36. 104. ^e.xopoäimu I'oäsxraria 102. ^Ixiostis slba 34. 57. 68. 73. 102. » eauina 34. 68. 98. 122. » vulxai-i« 34. 63. 72. 117. Ahorn, Berg- 18. roptans 83. Alant, weidenblättriger 42. 99. 117. ^leimmüa vulxaris 102. ^lisnia ?ia„tllK0 34. 59. ^I1!um aeutsnAuIllm 36. » Lelioonoprasum 36. ^iuus inoaoo 68. ^iopo,euru8 kaivu8 34. » xvnieuialu8 34. Alpenlieschgras 68. Alsnack 118. Alte Mägde 78. Amerikanischgras 86. Ampfer, Fluh- 44. „ kleiner 44. >02. „ Sauer- 44. 72. ^mii-omoä» polikoiia 44. ^nxoiiea 8ylvo8lri8 40. 63. 65. 68. 73. 75. 83. 118. Ankenballe 119. ^nllioxrmlbum ociorstum 34. 68. 72. 76. 102. ^rrbonsliierum o1alui8 72. 75 ^8piäium r>>el)'ptc;ri8 38. Astmoose 122. Astmoos, mittleres 122. „ Schrebersches 122. „ Scorpions- 122. „ zugespitztes 122. Aussahrtsblümchen 118. Augablüemli 115. Augentrost, Berg- 99. „ gemeiner 42. 115. Augstenschutz 115. Augstenziger 115. ^uieeomnimu plliu8lro 122. tlvens pudv8evn8 34. 72. 73. 75. Bachbunge 42. Bachgläsli 119. Bachnelkenwurz 40. Bachrohr 118. Bachrolle 119. Bachscharte 118. Badenachtli 120 - Bahnt 96. Bähntgras 96. Baldrian, gebräuchlicher 40. 73. „ kleiner 121. „ zweihäusiger 40. 83. Bandgras 86. Bandeligras 86. Barbarakraut 118. Bärenklaue 75. Bärenöhrli 120. Bärlapp, überfluteter 36. 59. i>8. Bäsähalm 96. Bäsäried 96. Bäsäschmalä 96. Bäsüschmälä 96. Batüugala 120. Batzen 115. Benthalm 96. Bente 96. Beriblosa 118. Berstengras 61. Berstgras 95. llorala aiiKustilolia 40. Besenried 13. 14. 34. 59. 68 72. 73. 82. 83. 84. 91. 92. 96. 98. 99. 102. 103. 104. 105. 106. 108. 112. 117. 121. 124. 125. „ hohes 97. „ kleinblütiges 97. „ Rohr- 97. „ User- 97. llolomes oüieinolis 44. 120. Betonte, gemeine 44. 99. 120. Bettfedern 78. Bettlerschlüssali 120. Uotula luma 44. Biberchlee 119. Biberklee 119. Biberlichlee 119. 11>äsr>8 li-ipartila 42. Bienenkraut 115. Bisänt 96. Bimse 54. Binde 54. Bindse 54. Binsen 13. 54. 89. 114. 124. Binse 89. Binse, Alpen- 32. 84. „ dreiklappige 32. 84. „ Faden- 32. 84. „ Flatter- 32. 84. „ glanzfrüchtige 32. 84. „ Jacguin's 32. 84. „ Knaul- 32. 84. „ Kröten- 32. 84. „ stumpfblütige 14 82. „ Sumpf- 59. „ Tabernämontansche 32. Binsenmatte 78. Binsenseide 78. Bintz 54. Bintzengras 54. Binzen 96. Bisgras 61. Bitterklee 119. Bitterling 38. 99. Bitterkraut, habichtskrautartiges 102. Blasrohr 118. Blatternkraut 118. Blosrohr 118. ! Blutkraut 120. > Bockblüemli 121. j Bockwürzä 121. Büschen 58 Böschenspalt 14. 30. 58. 59. 60. 63. 69. 83. 91. 95. 98. 99. 110. 123. Borstgras 15. 34. 99. Braunelle, gemeine 72. 73. 75. 98. 99. 102. 120. Brautgras 86. Brennkraut 118. Ill-iöll moäia 34. 57. 68. 83. 92. Brombeere 82. Ueomus oroelus 34. 116. Bruchwurz 117. Li-unella valgsris 72. 73. 75. 98. 102. 120 . Brüsch 20. 99. Le^aeoeo 122. Lr^um iuelmatum 122. » iutvi-moäluni 122. » psouäotriguvleaoi 122. Büchel 118. Bültengras 58. Buraschlüssali 120. Burst 15. Büsseli 78. Buttengras 58. Butterballe 99. Büntzen 54. Byncze 54. Byse 54. llaismuxrosiis opixsios 34. » ianeeolata 34. » litores 14. 34. Lsiluna vuli-aris 20. 44. 68. lialtiia palu8lri8 38. 62. 63. 73. 78. 83. 86. 119. llaräsmino awaro 38. 63. » pi-atonsi's 75. 6arox aeota 14. 30. 50. 61. 62. 63. 86. » >> vor. ßvimina 6l. » « » sowiimäa 62. » » » 8trielikoIia 61. 62. » » >> trieo8tsta 62. » « » t>'piea 62. >> aeulikoi-wis Ubi-b. 71. » alba 49. » ampullseeo 14. 30. 57. 67. 68. 70. » arvnaria 49. 65. » lloeirmsmnrma 77. » io-ir-oicit-8 30. 117. » bi-uuo8eon8 51- » Uuxbamuü 14. 30. 66. » eano,8oso8 30. 68. » elioräorrlii^a 30. 46. » 68omaä6osi8 77. » ourvula 50. 51. » e>p6i'oiäo8 51. » UavailimiL 30. 47. 48. 57. 59. 83. 92. 144 Narax ilio'iea 30. 48. » äistieda 30. 47. 56. 57. 78. » oodlnata 30. » evoluta 77. « terruginea 51. » tillt'ormla 14. 30. 48. 68. 02. » ürma 51. » llava 30. 57. 59. 60. » tootiäa 30. » Ilrissii 70. » «lauea 30. 71. 83. » lloorlenovii 30. 68. 72. 83. 92. » Araoilis 63. » Iloloonastos 30. » dirta 30. 78. » llornsokueliiaiia 30. 60. 83. 102. » lasgeri 71. » irrlgua 47. » Iloekiana 11. 6. 71. » lepläoosrpa 30. 57. >> Isporlna 30. » limosa 30. 47. » inleroxloed.v» 50. 51. » Montana 30. » Oeäeri 30. » paluäosa 14. 30. 50. 59. 71. 72. 73. 75. 83. 116. >. panieea 14. 30. 59. 82. 83. 92. 98. 117. 121. >> paniculata 30. » paraäoxa 30. 50. 59. 123. >> paueiklora 30. » pösuäoexperus 30. 59. « puliearls 30. 48. » riparla 14. 30. 50. 76. >> soinpervireua 47. 51. » strieta 30. 47. 58. 59. 91. 92. 110. 121. 123. » sudulata Ilöll. 71. » tonuis 47. » toretmaeula 30. 59. » ustulata 47. >> vesiearia 14. 30. 59. 70. » vulpina 14. 30 65. » xantkoearpa 60. 83. Natadrosa aguatiea 34. Nvnlaurea laeea 42. 57. 73. 83. 92. 102. 118. llontaurvalaeea var. angustlkolia 118. Oerastium triviale 72. Chängeli 120. Chatzamünza 119. Chlaffe 115. Chläffeli 115. Chüechrut 118. Chüefarä 104. Chüngali 78. Christihändel 121. Chrottenäugli 120. Chrützli 120. Oieuta virosa 40. 115. Lirsium arvsnso 102. » oloraesuin 42. 65. 72. 73. 83. 98. 118. >> palustrs. 42. 117. « rivularo 42. 118. Olaäiam Llariseus 32. 49. 54. 92. Lolediemu autumnals 36. 75. 83. 115. 117. 122. llomarmn palustro 40. 59. Ooiivolvulus arvons,: 102. » supluni 42. 62. 86. 116. 120 . tlrepls paluäosa 42. 73. 75. 82. Cypergras, braunes 32. „ gelbes 32. Nz'perus tlaveseens 32. 46. 54. » tüseus 32. 46. 54. » lonAus 51. 54. » Llonti 51. 54. Uact^Ils glomerata34.72.75.116.117. Nantdoma äseumdsns 34. Naneus Narota 102. Nssedampsls cassplrosa 34. 75. 82. Dlauldüs superdus 38. Distel 73. 114. 117. 118. 133. „ Acker- 102. „ Bachkratz- 42. 117. 118. „ Kohl- 42. 63. 65. 72. 73. 83. 98. 99. 118. „ Matten- 118. Dreizahn, liegender 34. 98. Drosora lorigit'olla 38. 99. » rotunällolla 38. 99. Drummechnebcl 118. Drunimeschlegel 118. Duden 78. Dudla 118. Eberblume 122. Ebersbrot 122. Egelkraut 118. Ehrenpreis, Gamander- 75. Eibe 20. Eierbluema 120. Eisenhut 134. Eisenkraut 118. Eisenpater 61. Eisenspäther 61. Eißnach 118. Englisch-Gräs 86. Enzian, Lungen- 42. 99. Lpiloliimn lnrsutmn 40. 116. » palustrs 40. Kplpaetls palustris36. 63.83.117. 121. lignisetuin arvenss 62. 117. » limosum 36- 57. 91. 122. « palustro 36. 57. 63. 72. 73. 78. 86. 116. 122. Nrlea carnsa 20. 44. Nrloplwram alpinum 32. 47. 48. 52. 59. 79. » angustit'oliuin 14. 32. 52. 68. 78. 79. 81. » graells 32. 52. 79. >> latllolium 32. 52. 79. » Lelisuedreri 32. 48. 52. 79. » vaglnatmu 25. 52. 79. INoupo 81. klupatoriuiu eanadiimm 42. 86. 117. Iluplmasia otllomalls 42. 115. Fähndli 89. Fähnli 89. Färberscharte 42. 99. 118. Farn, hoher 104. „ Kreuz- 104. „ Stengel-104. „ Stock- 104. „ Strauh- 104. Faulbaum 44. 99. Federbinse 78. Federn 78. Nvstuea aruinllnaeoa 34. 72. 78. » ovina 34. » pralonsis 34. I'rrslura rudra 34. 68. 72. 98. » » var. gonuina 73. 75. Fettkraut 99. Fichte 16. Fiderst 18. Fiderstä 118. Fidertsche 118. Fiederstängel 118. Niindristvlis annua 46. 51. Floringras 57. 73. 78. 99. 102. Flachs 106. Flachsgras 78. Fleischblume 120. bran»ula ^Inus 44. Frauenblümel 119. Frauenschuhs 120. Friedlos, gemeiner 44. 68. 83. 86. 99. 120. Froschlöffel, gemeiner 34. 59. Fuchsschwanz, geknieter 34. ,, rotgelber 34. Kalium dorsale 40. 99. 120. ,, vloogatmn 63. 78. >> LIoIIuZo 73. 75. 116. 120. » palustro 40. 57. 120. 121. » ^-Ivsstro 72. 73. 92. 98. 120. » uliKlnosum 40- 120. » verniu 117. Galtkraut 118. Gasagechnöpf 118. Geißbürtli 78. Geißbart 78. Geißekäs 102. Geißfuß 102. Geißleiterä 104. Geißleiterächrut 115. Geißleiterli 115. Geißzöggali 78. Gelbe Jlgen 122. Gelen Schelp 122. llsnllana LaeumoiiaiNIie 42. llsranium palustro 38. Germer, weißer 36. 115. 120. 134. Geruchgras 34. 68. 72. 73. 75. 102. Geschoster Löchel 77. (lernn rlvals 40. Gicschklee 117. Gießenrohr 89. Giftpfändler 118. Nloelioma dsäoraeea 75. Glitzerli 118. Gloggewinde 120. Glückshand 121. Ol^esria tluiluns 34. » plioata 34. » spsotadills 14. 34. 95. Goldrute, späte 42. 116. Goldhafer 75. Gottesgnadenkraut 42. 60. 119- Gotteshand 121. Gottvergessen 117. Glanzrohr, gemeines 85. llrstiola ol'üeiiialls 42. 60. 119. Grauwisk 58. Groffwisk 58. Gugachrut 118. Gügali 118. Gundelrebe, gemeine 75. Günsel, kriechender 83. Haarscheitle 118. tzabermark 75. 145 Habichtskraut, Oehrchen- 99. Hackbart 30. 47. 57. 59. 69. 73. 81. 83. 92. 98. 112. Hafer 106. „ weichhaariger 72. 73. 75. Hahnenfußarten 99. Hahnenfuß, brennender 38. 60. 69. „ eisenhutblättrigcr38.118. „ Gift- 38. 118. „ großer 38. 69. 118. „ Hain- 102. 117. „ kriechender 38. 73. 83. 92. 98. 102. 118. „ scharfer 38. 72. 83. 118. „ schmalblättriger 60. 118. Hahnckamm 115. Han 78. Händleinwurz 121. Hancbolten 78. Häntschali 120. Hartheu 99. „ durchlöchertes 98. Hasenöhrli 119. Hasenscharte 118. Haugras 49. Hauhechel, dornige 115. 133. Havel-Militz 85. Heckcnwinde 62. 86. 116. Heenk 78. Heide 20. „ fleischfarbige 20. 44. „ gemeine 20 44. 68. Heidnisch-Unkraut 117. „ -Wundkraut 117. Ilelsoebaris aoieulsris 46. » I^oresebü 46. » oratu 46. 51. » palustris 32. 52. 53. 59. » umgluiuis 32. 52. 59. Ilemsroeniiis t'aivu 36. Hcnnaäugli 120. Hennie 78. Ileruelsui» Lpbonäxlium 75. Heragras 86. Herbstbriegger 115. Herbstbuchla 118. Herbstzeitlose 36. 73. 75. 83. 99. 115. 117. 122. 134. Herrcnlische 86. Herzblümlein, weißes 119. Herzblümchcn 119. Heublumc 118- Heunägeli 118. Heuschelm 115. Ilieroebloa borvulis 32- Hirschegras 77. tzochsarä 104. Holous Isnstus 34. 63. 72. 73. 75. Holländisch-Gräs 86. Honiggras, wolliges 34. 72. 73. 99. Hopfenklee 99. Hornkraut, gemeines 72. Huflattich, gemeiner 102. Hügelrohr 34. Hundshaar 78. Hundsstraußgras 34. 68. 98. 99. 122. Hundsveilchen 38. 98. II^ärocotM vulgsi-is 57. Hxperiemn pertoratum 98. Il^puaesen 122. Ilxpnum ouspiästum 122. » intormeciium 122. » Lebrübsri 122. Ilxpuum seorpioiäos 122. Jesus-Christuswurz 104. Igelkolben, ästiger 36. „ einfacher 36. Jmblichrut 115. Jmmechrut 115. Inula sslieina 42. 117. Jodabänder 86. Jodagräs 86. Johanneskraut 115- Johannispotjen 121. ! Iris xseuäueorub 36. 122. >> sibiriea 36. 99. 121. Jsechrut 102. 118. Judenfeder 78. Judeschwanz 86. luneus ueutiüorus 32. 55. 56. 84. » alpiuus 32. 55. 56. » aretieus 55. 56. » bukouius 32. 56. 84. » e8pilulu8 56. >> esslimeus 56. » eougiomorslus I.. 84. » eomprossus 55. 56. » ollusus 32. 55. 56. 84. » ülikoriuis 32. 55. 56. 84. » llersräi 55. 56. >> gisueus 32. 55. 56. 84. » Iscguiui 32. 55. 56. 84. » Isinproesrpus 14. 32. 55.56.84. » bivsiÄi 32. 55. 56. 84. >> oblu8iüoru814.32.55.56.82.83. » 8guarro8U8 56. » 8t>'giu8 66. » 8upiuu8 56. » Honsgesa 56. « teuuis 55. 56. « triöclus 55. 56. » triglumi8 32. 56. 84. Kabis 106. Kälberhälsig 133. Kalmus 36. Kapezincrstrick 118. Kastanie 18. Kattenstert 120. Katzenwedel 120. Kesselblümli 120. Kesselt 120. Klaffia 115. Klappertopf, behaarter 42. „ kleiner 42. 115. „ zottiger 115. Klee, Berg- 99. „ Bokhara- 113. „ Fieber- 42. 59. 69. 99. 119. „ gelber Honig- 99. 113. 120. „ weißer Honig- 99. „ mittlerer 99. „ Sumpf- 119. Klefeli 115. Knabenkräuter 99. 117. 120. Knabenkraut, breitblättriges 36. 83. 121. „ fleischfarbiges 36. 121. „ geflecktes 36. 121. „ gemeines 36. 120. Knaulgras 34. 72.75. 98. 99.116.117. linuutia srvsnsis 102. Knotenmoos, mittleres 122. „ nickendes 122. „ unechtes dreiseitiges 122. Kofletsch 78. Kohlarten 106. Kohlrübe 106. Kopfbinsen 123. Kopfbinse, rostbraune 32. 52. 83. 98. 112 . „ schwarze 32. Kresse, Bitter- 38. „ echte Brunnen- 122. Kreuzkraut, österreichisches 83. „ Sumpf- 42. 60. „ Wasser- 42. Kronlattich 42. Kuhmünze 119. Kukukslichtnelke 38. 78. Labkräuter 99. 120. Labkraut, Busch- 72. 73. 92. 98. 120. „ Frühlings- 117. „ hohes 63. 78 „ Morast- 40. 120. „ nordisches 40. 99. 120. „ Sumpf- 40. 57. 120. 121. weiches 73. 75. 120. Laichkräuter 92. Landforbgräs 86. Landsknecht 117. Lange Lische 61. Lärlirohr 89. Lärliftudä 89. I-atii/ras psluslris 40. » pratousis 40. 73. 83. 113. 116. 117. Lauch, scharfkantiger 36. Lausekraut, Sumpf- 42. 57. 69. 115. Laxierkraut 119. Leberblume, weiße 119. Leistendörn 133. .üoonwäou basliüs 60. 63. 121. » lüspiäus 42. 72. 92. 98. lEueiwtbomum vulgsro 72. 102. Leuchel 61. Lichel 95. Licbeswürzä 121. Liliensimsc, kelchige 36. Lindbast 81. lüuuin eatbartieum 38. 83. Lisaröhr 118. Lische 13. 61. lüslera ovula 36. 104. 121. Löchel 77. Löchclbinse 77. Locher 77. Lösch 95. l-otus oornieuiaius 38. 92. 102. 113. » uligiuosus 40. 73. 113. Löwenzahn, Sumpf- 42. Lüchel 95. bxeimig üos eueuli 38. 78. I^eopoäium inunästum 36. 59. 68. il-xeopus ouropssus 44. I^snnLebi'a vulgsris 44. 68. 83. 86. 120 . I^'lüeuiu sgUearia 40. 62. 120. Mariengras 86. Marl 96. Maschelte 118. Massiggeli 120. Mastkraut, knotiges 38. Mattenwolle 78. Mattscharte 118. Mauerpfeffer, scharfer 99. 19 146 Meerstrandssimse 32. 78. 80. Mehlblüamli 120. Nelguip^iuui prgteuss 83. Llvtgnckriui» äiurnuin 38. Lleiilotus grvousis 113. » olkieinglis 40. 120. Llontkg gqugtiea 44. 119. » avonsis 63. 78. » uonioross 44. 119. » szckvestris 44. 119. » vertieillgtg 44. 57. 59. 119. Asnygntkos triloligtg 42. 59. 119. Messerligras 49. Messerlistreue 49. Miesch 95 Mielitz 95. Milchkraut, glattes 42. 60. 63. 73.121. „ rauhes 72. 92. 98. Militzgras 85. Minksch 61. 95. Llolim» eoerulvkl 14. 34. 59. 68. 72. 82. 92. 96. 98. 102. 117. 121. » » vsi'. sltissiing luul. 97. >> « « gruiuluiLees 8ebrguü 97. >> » » littoralis Host 97. » « lormg pullens 97. « » v»r. pgrriüorg Leeie 97. « » » t)'pieg 97. Moorseide 78. Moosbeere 44. Moosblümlein 120. Moosbohna 119. Mooseli 119. Moosflauern 78. Moosfedern 78. Moos-Heidelbeere 44. Moos-Zingga 119. Mähre, wilde 102. Muggatenna 120. Mülerz 85. Münzen 99. 117. Münze, Acker- 63. 78. „ Busch- 44. 119. „ quirlblütige 44. 57. 59. 119. „ Wald- 44. 119. „ Wasser- 44. 119. „ wilde 119. Mutengala 120. U^osotis pgiustris 42. 78. l^grrissus poötieus 36. 122. » Usouäo-bigrüissus 122. kigrclus sti'lelg 15. 34. Narzisse, gelbe 122. „ weihe 36. 122. Msturtiuw olüe.iuals 38. Misch 61. 95. Natterzunge, gemeine 36. 121. Nestel 114. Nestelstreue 13. Nieksch 61. Nuhnen 89. biupkgr iuteum 92. bizmipluog gibg 92. Olnitz 118. Ononis proeurrons 115. » spinoss 115. 133. OpbioKlos8uiu vulggtuiu 36. 121. Orekis Istikolia 36. 83. 121. « wseulgta 36- 121. » militsris 104. » worio 36. 120- « iuesrnatg 36. 121. Or^ra elsuckestwg 32. Oxz'voeeus pglustris 44. ^sruassis pglustris 38. 119. keäieulgris pglustris 42. 57. 115. kslvoux 81. Pestilenzwurz, gemeine 42. Uetssitss otüeinalis 42. keuesckguuin pslustro 40. 118. Pfeifengras 96. Pfeifenriedt 96. Pfiffengras 96. stbglsris »ruiuiinseoa 32. 85. » » vsr. pgllens 86. » » » pietg 86. Ublsum sipiouw 68. kürggmites eoiuiuums 14. 34. 57. 59. 62. 63. 83. 89. 91. 92. 117. 123. ?ieris bierseioickos 102. Piepenschelz 85. Piepenschulz 85. Pijänt 96. kliij-'uieulg vuiggris 44. 99. 120. Plaggras 61. Olsutgxo Igneoolgtg 102. >, uissor 102. Platanthere, zweiblättrige 99- Platzegras 95. Platzgras 61. ?og pratensis 34. 72. 75. » serotiug 34. » triviglis 34. 63. 72. 73. 75. 78. 122 Poleiblatt 44. kol^xslg siusrollr 38. » gustrigeg 83. kol>-ßouuui Listortu 44. 73. Uoiz'triekaeesn 122. Uolxtriebum eoiuwuug 122. » suniporiuuin 122. « strivtuui 122. Uotguio^etou lueoos 92. kotontillg loriueutillg 40. 72. 83. 92. 98. 102. 117. Prachtsnelke 38. Primel, hohe 44. 72. 75. 83. 120. „ Mehl- 44. 99. 120. Orüuulg blgtlor 44. 72. 75. 83. 120. » larwoss 44. 120. Promonza 119. Utsris gguiliog 36. 104. Uuliearig «lxsentorieg 42. Purgirlein 38. 83. 98. kuceiing grunckiiigeea 134. Püsk 78. PüSken 78. Püskegras 78. Quellgras 34. Quellried 32. Quispelbinsen 78. Ochsenbeutel 61. Oelnich 118. Oengntko t-gebeualii 57. Rägagloggä 120. Rgmmeulus seonitikolius 38. 118. >. geris 38. 72. 83. 118. >> Hginmulg 38. 60. 69.118. » I>iiigug 38. 69. 118. Uguuneulus nviuorosus 102. 117. » ropens 38. 73. 92. 98. » 102. 118. » seelvrgtus 38. 118. Rapsverderber 134. Rasenbinse 32. 69. 81. 99. Rasenschmiele 34. 73. 75. 82 Raygras, französisches 72. 75. Rebendolde, Lachenals 57. Regeblume 120. Reisquecke 32. Reis, wilder 69. Reithgas, Berg- 99. „ schmales 99. „ Spitz- 34. „ Ufer- 14. 34. kinnLutbus türsutus 42. 115. » uiiuor 42. 115. Uti^oekosporg slbg 32 . 52 . « lusea 32. 54. 59. Ried 54. 89. 96. „ langes 99. Riedbäsähalm 96. Riedbauslä 89. Riedchrut 115. Riedgras 78. Riedguge 118. Riedröhre 40. 63. 65. 68. 73. 75. 83. 118. Riedrösli 120. Riedschärlig 118. Riedschütz 78. Riedtüsel 115. Rietäugli 120. Riet-Jlga 122. Rietkesseli 120. Rieträdli 120- Rietschlösseli 120. Rietschmalen 96. Risch 54. Nische 54. Risken 54. Rispengras, gemeines 34. 63. 65. 72. 73. 75. 78. 110. 122. Rispengras, spätes 34. Rispensegge 30. Ristje 54. Rodelkraut 115. Rödl 115. Rohrblättriges Glanzgras 85. Röhrenstreue 89. RohrglanzgraS 32. 63. 78. 84. 85. 86. 105. 106. 108. 124. Rohrglanz 85. Rührige Streue 89. Röhrli 89. Röhrlistreue 89. Rohrkolben, breitblättriger 34. 73. „ kleiner 36. „ schmalblättriger 36. Rohrschwingel 34. 72. 73. 75. 78. 105. Rohrstreue 89. Roßmünze 119. Rostpilze 134. Rotklee 72. 99. 102. 103. Rottanne 16. Ruchdistel 117. Ruhr-Flohkraut 42. Ruhrkraut, rotes 117. 147 Uuwex ^eotosa 44. 72. 102. » ^oetoselia 44. « U^ckrolspatbum 44. Rüsken 54. Rüsschen 54. 8sgins nockosa 38. Lsuguisorks oüieiualis 40. Schachtelhalm, Acker- 62. 117. „ Schlamm- 36. 57. 63. 69. 91. 112. 122. „ Sumpf- 36.57. 63. 72. 73. 78. 86. 99. 116. 122 . Schafäugli 120. Schafgarbe 102. 117. „ Sumpf- 42. Schafschwingel 34. Schafziger 115. Schafzunge 44. 73. Schälläli 115. Scharte 118. Schartiblacke 118. Schaumkraut, bitteres 63. Scheerenslieper 122. Schelmeugras 61. Schelp 122. 8ekeuebroria pslustris 34. 59. 69. Schirmen 122. Schilfrohr, gemeines 13. 14. 34. 57. 59. 62. 63. 65. 69. 73. 83. 84. 89. 91. 92. 105. 106. 108. 110. 111. 112. 123. 124. Schilf, rotes 95. Schlammbinse 69. „ einklappige 32. 59. «. Sumpf- 32. 53. Schließgräs 86. Schlod 89. Schlösselblüamli 120. „ blaues 120. Schlüsselblüemli 120. Schlüsse» 120. Schmahlen 96. Schmeerkraut, gemeines 44. 120. Schnabelsimse, braune 32. 59. » weiße 32. Schneidstreue 49. Schnidgras 49. 61. 85. Schnittgras 49. 61. Schnittlauch 36. Schnöte 61. Schnudergras 122. Schnuder 73. 122. Zebceinis 123. » ksrrugineus 32. 53. 54. 83. 98. ,, ui^rieaus 82. 54. Schotenklee, gemeiner 38. 92 99. 102. 113. „ Sumpf- 40. 73. 99. 113. Schwarzschmälä 96. Schwertlilie, blaue 99. „ sibirische 36. 99. 121. „ Sumpf- 36. 122. Schwctele 89. Schwertelgras 85. Schwischarte 118. Zoirpus sipinus 52. » erespitosus 32. 52. » eomprossus 32. 52. « Iloioseboeuus 51. 52. » Iseuslris 32. 49. 52. 59. 92. » iuarilimus32.48.51.52.78.80. Leirpus in uoronatusW. » psrvulus 52. » paueiHorus 32. 52. « PUUK6N8 52. » setaoaus 46. 52. » supinus 46. 51. 52. » s^lvstious 14. 32. 77. 78. « Isbernssmoutaui 32. 52. >> trigonus 52. Seebäuslä 89. Seebinse 32. 49. 59. 69. 92. Seegras 30. Seegras 86. Seerohr 89. Seerosen 92. „ gelbe 69. „ weiße 69. Seggen 13. 106. 123. Segge, behaarte 78. „ Berg- 30. 98. 99. „ Blasen- 14. 30. 59. 70. „ blaugrüne 30. 32. 83. 84. „ Buxbaum's 14. 30. 66. „ Cppergrasähnliche 30- 59. 69. „ Faden- 14. 30. 57. 59. 68. 69. 81. 92. „ fadenwurzlige 30. 46. 69. „ flachblättrige 77. „ Flaschen- 14. 30. 57. 59. 67. 68 70. 81. 105. „ Floh- 30. „ Fuchs- 14. 30. „ gelbfrüchtige 60. 83. „ gelbe 30. 57. 59. 60. „ gemeine 30. 59. 68. 69. 72. 73. 81. 92 98. 111. 112. „ Hasen- 30. „ Hirsen- 14. 30. 59. 69. 73. 81. 82. 83. 92. 98. 112. 117. 121. „ Hornschuch- 30. 60.83. 98.102. „ Kamm- 14. 30. 47. 56. 57. 78. „ kurzhaarige 30. „ Oeders 30. „ Polster- 58. „ Rispen- 30. „ Rundhalm- 30. 59. „ Sand- 49. „ scharfhalmige 61. „ Schlamm- 30. 69. „ schönfrüchtige 30. „ schuppenfrüchtige 57. „ seltsame 30. 50. 59. 123. „ Spitz- 14. 30. 50. 61. 62. 63. 78. 85. 86. 91. 99. 105. 108. 110. 142. „ spitzige 61. „ spitzkantige 61. Stachel- 30. „ steife 91. 92. 121. „ Stink- 30. „ Sumpf- 14. 30. 50. 59. 63. 71. 72. 73. 75. 78. 83. 99. 105. 108. 110. 116. 142. „ Torf- 30. „ Ufer- 14. 30. 50. 76. 105. „ weiße 49. „ weißgraue 30. 68. „ wenigblütige 30. 32. „ zittergrasartige 117. „ zweihäusige 30. sslinuiu earriloiium 40. 118. Sembden 50. Semeß 54. Senden 54. Lensoio sgustieus 42. » paluclosus 42. 60. Lsrrstula tiuetoria 42. 118. Sideblümli 119. Sigge 122. Silau 40. Lilaus pratsusis 40. Silge 40. 118. Simpson 54. Simsen 13. Simse, Blumen- 34. Simson 54. solicksAv ssrotins 42. 116. Sonnentau 59. 99. „ lapgblättriger 38. „ rundblättriger 38. Soppa 14. Spaltgras 13. „ langes 61. Spalt, langer 61. Spaltricd 13. Spaltstreue 13. 84. LpsrgLnium ramosuiii 36. » siwpisx 36. Spargelerbse 40. Sparrschilf 95. Lpksgmnu eompsetuiu 123. » euspickatum 123. » evinbitoiiom 123. Spickguga 118. Spinnwinde 120. Lpir-ea Ulmariu 40 72. 73. 78. 83. 86. 116. 117. Spirigingisli 115. Spritzä 118. Sprötze 118. Sprützerä 118. Sprützerichrut 118. Sprützeröhre 118. Spühlirohr. 89. Spule 89. Stacks pslustris 44. 120. Statsch 61. Stechdistel 117. Steinklee 113. 120. Sterneblüemli 119. Stern» 119. Stigwinde 120. Stinksierg 122. St. Kathrinablüemli 120. Stolzer Heinrich 120. Storchblume 122. Storchschnabel, Sumpf- 38. Strauröhrli 89. Straußgras, gemeines 34. 63. 72. 117. „ kriechendes 65. „ weißes 34. 68. 69. Streifensternmoos 122. Streubauslä 89. Streubinse 32. 82. Streubuchla 118. Streuguga 118. Streuepest 116. Streueteufel 115. Streuröhre 118. Streuiröhrli 89. Streuröhrli >^9. Streurohr 89. Studcnterösli 119. Stüpfere 118. 148 Lueeisa pratensis 40. 83. 92. 98. 117. Sumpfblutauge 40. 59. Sumpfdotterblume 38. 62. 63. 69. 73. 78. 83. 86. 99. 119. Sumpfdreizack 34. Sumpfeppich 40. Sumpfgras 32. 49. 92. Sumpfhaarstrang 40. 118. Sumpfherzblatt 38. 99. 119- Sumpfpippau 42. 73. 75. 82. Sumpfplatterbse 40. 99. Sumpfrodel 115. Sumpfspierstaude 40. 63. 65. 72. 73. 78. 83. 86. 99. 110. 116. 117. 124. Sumpfwurz, gemeine 36. 63. 83.117. 121 . Sumpfziest 44. 120. Suscharta 118. Süßgras, flutendes 34. „ gefaltetes 34. „ Riesen- 14. 34. 95.105.106. 124. Lvveortia peroimis 42. Swertie 42. 99. 8zmipbxlum ottiemsls 42. Tageslichtnclke 38. Taglilie 36. Taumantel, gemeiner 102. 4'arsxaemu palaäosum 42. Vaxus baevsta 20. I'strngonolobus silchaosus 40- Teufelsabbiß 40. 83. 92. 98. 99. 117. Teufelshand 121. Malietrum sguilogitolimu 38. » llavmn 38. Thymian, Feld- 44. 99. 102. Vbxiuus Obrmirvclrxs 44. 99. 102. Voüieläia eal^eulalL 36. Toni 119- Torfmoos, kahnblättriges 123. „ zugespitztes 123. „ zusammengedrücktes 123. Tormentill 40. 72. 83. 92. 98. 99. 102. 117. 'Iragopogon oriontalis 75. Iril'olium prsbwso 72. 102. Trespe, aufrechte 34. 98. 99. 116. ' Irigloebw palustre 34. Irisstmu ÜLvesesns 75 Trollblume 38. 119. Trommelschlägel 118. Trommelschlegel 118. Tropfwurz 122. Trumbeschlegel 118 Trummechnebel 118. Tubachnöpfli 120. Tuchfeder 85. Türkisch-Gräs 86. Vussilago l'iwk.u» 102. Tutela 118. Vxpba angustikolia 36. » Istikolia 34. » iniaima 36. Uferschnöte 61. 'Vaeeinium uiiginosum 44. Valerisng äiolea 40. 83. 121. » ollieinalis 40. Vanillengras, nördl. 32. Veilchen 99. Vergißmeinnicht, Sumpf- 42. 78. Veromea OeeeabangL 42. « kbamsoär^s 75. Vvratrum aibnm 36. 115. 120. Vieia Oraeea 40. 63. 72. 98. 113. 117. » sspiaui 40. 75. Viola eauioa 38. 98. Vogelheu 113. Vogelwicke 40. 63. 72. 73. 98. 99. 113. 117. Waldklee 113. Waldlöchel 77. Waldröhre 118. Waldfimse 14. 32. 77. 78. 99. Walwurz, gemeine 42. Wannabobbele 118. Wannepappere 118. Wasserdosten, Hanfartiger 42. 86.117. Wasserhanf 99. 117. Wafserhendelwurz 121. Wafserilgen 122. Wasscrklee 119. Wassernabel 57. Wasserrohr 89. Wasserscharte 118. Wasserschierling 40. 115. Wafferfprützerä 118. Wegerich, Breit- 99. „ großer 102. „ Spitz- 102. Weichhaser 34. 99. Weide, kriechende 99. Weiden 44. Weidenröschen, Sumpf- 40. „ zottiges 40. 116. Weiderich, gemeiner 40.62. 63.99.120. Weidfiech 115. Weierrohr 89. Weißerle 68. Wichtkeffeli 120. Wichtwasser 120. Wicke 113. Widerthon, gemeiner 122. „ straffer 122. „ wachholderblättriger122. Wiesendistel 118. Wiesenflachs 78. Wiesenslockenblume 42. 57. 73. 83. 92. 99. 102. 118. Wiesenknopf, roter 40. Wiesenplatterbse 40. 73. 83. 99. 113. 116. 117. Wiesenraute, gelbe 38. 99. „ akleiblättrige 38. Wicsenrispengras 34. 72. 75. Wiesenschaumkraut 75. Wiesenschwingel 34. Wiescnwachtelweizen 83. Wiesenwolf 115. Wiesenwolle 78. Wildi Bohna 119. Wilda Jazingga 119 . Wilda Mejero 119. Wild-Roggenhalm 96. Winde, Acker- 102. Wiskenflast 78. Wißes Heifißli 118. Witsch-Gräs 86. Witwenblume 102. Wolfsfuß 44. Wollbluemen 78. Wollgräser 99. Wollgras, Alpen- 32. 46. 59. 79. „ breitblättriges 32. 79. „ scheidiges 25. 32. 79. 80. „ Scheuchzers 32. 69. 79. „ schmalblättriges 14. 32. 68. 69. 78. 79. 81. zartes 32. 79. Wucherblume 72. 102. Wullagras 78. Wullblom 78. Wullgras 78. Wundklee 99. Zaunried 89. Zaunwicke 40. Zaunwinde 42. 120. Zigerchrut 119. Zitlosa 120. Zittergras, mittleres 34. 57. 68. 73. 83. 92. 98. Zuckerschmälä 96. Zweiblatt, eirundes 36. 121. Zweizahn, dreiteiliger 42. Zwenke, gefiederte 34. 98. Zwergbirke 44. Aüai'äon 118. . ,„ ? ^ ^ . ^ ^ ^ - "'' r :'. >U, . - V '/ /' I ' ' . ',^ / - .> MM'L,' '^" ^.-5«^''^.' :r».< zr- '-' ^>.V ' '"' ' .'. ^ ,, ^ -»7-: MAHM^ZÄ / M MG »UM 2 M ^^ 7 -' ZMN' WM^ ?W-< NMWI?' Zs?^x^- i^r«L >7 -i- 7 ^ -ck'??K ÄMN" ^K' -MZD MS WWUW MWsx UM! ZMM WM - z« r//rt O <— U: < -" ^ « ^ISLZzeiiezi^ ^loz^ez x «. Stsings-USM suvddin 7^'' ' ^MWMKWWM '> . »' -^'L ..' ^ K- X -" - - .. ^ I-. - '7 ' ' ^ M7E7'^WMch ^^4- A^-r ^ - V-' / .r."' ^.'5'4fVL--.^ . MVW-HUq , ,»> ^ , r >/L. " ^ ^ » S7L ..7 *>«.>-» -I»? - »-» -- /z-,^ ' -< ^ -7 ^'.K ^ > . >- L? ^ .> ^ 7-' Z > - ' k p, , 7" .- - r^M --- --, ^ .K ' A^'7^ Ä'«lk' L27d" « 4 «-'- ^ ^ ' ^.., - ^««SLW4 , -. ^ , 2 ^ ^ .» . ^ 's'. :..>- ^ >,** - ^ '. . . - r s /- H»!» r' G. V ^ — ^ r ' HX ^7 >/7/ O t. - 7 ,/ '.T' -. 7 , - ^ >>, ' Ä ^ 'Ll! /-- ^ Z ^ ^ . ' - '>- z . 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