i? w j** jf w < 0 *-^ ?; -i w * >. r ty i^Jp: i y '.« s ’?:** * ^ ■ \'Jk r- * -- jU « JT^p ': i' ' > /tL'Mt 1'-. ^ ' #v:.w' ,1 fir 30 Z 2 > ° /t i ethics eth-bib 00100000847582 Die besten Futterpflanzen. -j -f c x ) " — Abbildungen und Beschreibungen derselben nebst ausführlichen Mngaben betreffend deren Kultur, ökonom. Werth, Samen-Gewinnung, -Verunreinigungen, -Verfälschungen re. Im Auftrag des Schwel;. Handels- und Landwlrthschaftsdepartements herausgegeben von Dr. 5. G. Stebler Borstand der schweizerischen Samen-Kontrolstation unter Mitwirkung von Dr. L. Schröter Assistent und Dozent der Botanik am eidgen. Polytechnikum in Zürich. I. Theil. OSU* 15 in Aaröendruck ansgeführken Tafeln und zahlreichen ^ddlischnitten. Wer«. Druck und Verlag von M. J. Wyß. 1883. 5v W 3 E'-: '• "’ r^' *r ’• ' S? J_* ' '■'(• » ‘'s < 1 Ai’«** '4<'i &».-. l ' •_• •' ^ . V*' : ' k>$-V-V m'^+rx **-Y* EsrfsiW-tSteft-. :.rxZ- Vorwort. Auf Veranlassung des „Schweizerischen landwirthschaftlichen Vereins" bewilligte die Bundesversammlung für das Jahr 1882 einen Kredit von 10,000 Franken für Hebung des Futterbaues. Nach dein Vorschlag einer Dreierkommission bestimmte das schweizerische Handels- und Landwirthschaftsdepartement, daß ein Theil dieser Summe zur Herausgabe eines populären Werkes mit guten farbigen Abbildungen der besten Futterpflanzen verwendet werde, und beauftragte den Unterzeichneten mit der Herausgabe desselben. Nachdem ich mir, zufolge dieses Auftrages, von verschiedenen Zeichnern Probezeichnungen hatte anfertigen lassen, setzte ich mich schließlich definitiv zur Anfertigung der farbigen Habitusbilder mit Herrn L. Schröter in Verbindung, der unter Anleitung seines Bruders, Herrn Dr. C. Schröter, im Lause des Jahres 18 Pflanzen nach der Natur zeichnete und malte, wovon in diesem Theil 15 enthalten sind. Herr Dr. C. Schröter selbst hatte die Güte, die analytischen Abbildungen, die aus den Tafeln mit 1, 2, 3 u. s. f. bezeichnet sind und den Werth des Werkes bedeutend erhöhen, zu zeichnen. Ebenso ist der zugehörige Text des allgemeinen und speziellen Theiles unter dem Titel „Botanische Beschreibung" von demselben verfaßt, in welchem nicht nur der Landwirth, sondern auch der Botaniker von Fach wichtige botanische Thatbestände in möglichster Kurze erörtert findet. Zum größten Theil ebenfalls von Herrn Dr. C. Schröter zusammengestellt sind die Angaben über geographische Verbreitung und Höhengrenzen. Der ganze übrige Text ist von dem Unterzeichneten verfaßt. Diesem ersten Theil wird im Laufe dieses Jahres ein zweiter folgen, in welchem weitere 15 der zunächst wichtigen Futterpflanzen in gleicher Weise behandelt werden. Ob das Werk dann noch weiter ausgedehnt werden soll, wird von dem Erfolg der früheren Theile und der Unterstützung des Bundes abhängen; denn ohne letztere wäre es unmöglich ein Werk von dieser Ausstattung und diesem Umfang sowohl in deutscher, als französischer Sprache zu dem beispiellos billigen Preise herauszugeben. Allerdings nahm man von vornherein nur 70 Druckseiten Text in Aussicht. Trotzdem dieser Umfang wesentlich überschritten wurde, ist der Verleger, Herr K. I. Wyß in Bern, gleichwohl von dem ursprünglichen Preis nicht abgegangen; möge ihm diese Opferwilligkeit durch einen großen Abnehmerkreis vergolten werden. Vor allem aber gebührt den Buudesbehörden, vorab dem Schweizerischen Handels- und Landwirthschaftsdepartement, Herrn Bundesrath Numa Droz, der Dank, welche dem Werke unentwegt ihre Unterstützung zu Theil werden ließen, trotzdem dasselbe von einer Seite als „unnützes Zeug" hart angefochten wurde. Wir unterbreiten die Arbeit dem wohlwollenden Urtheil des Publikums. Zürich, den 10. April 1883. Dr. I. G. Siebter. Inhalt Einleitung Allgemeiner Theil. Botanische Beschreibung: A. Bau der Gräser. B. Bau der Schmetterlingsblüthler. Abarten. Geographische Verbreitung. Standorte. Höhengrenzcn.. Klima und Witterung. Boden.. Bodenerschöpfung und Düngung. Wuchs. Entwicklung. Ernte. Futterwcrth. Verunreinigungen und Verfälschungen des Samens. Beurtheilung des Samens. Saatquantum.. Vorfrucht, Vorbereitung, Saatzeit, Saat, Ueberfrucht, Unterbringung Spezieller Theil. - 1. Das englische Raygras / » 2. Das italienische Raygras-' . - 8. Das gemeine Knaulgras /. i 4. Der Wiesenschwingel /t - 5. Das französische Raygras/^. . 6. Der Goldhafer/'. • 7. Das wollige Honiggras / . . 8. Das Timothe- oder Wiesenlieschgras A » 9. Der Wiesenfuchsschwanz / . 10. Das Geruchgras. 11. Das Fioringras. 12. Der rothe Wiesenklee A . . . 13. Der Bastardklee . 14. Der Weißklee / ... . 15. Die Esparsette / ... ■ Anhang. Einleitung. Die Futterpflanzen sind ohne allen Zweifel in den vorgeschrittenen europäischen Ländern die wichtigsten Kulturgewächse. In den Gebirgsgegenden und Küstenstrichen, sowie auf den Inseln und Halbinseln der gemäßigten Zone, überhaupt in den Ländern mit feuchtem Klima ist der größt Theil des landwirthschastlich produktiven Bodens dem Futterbau gewidmet, und auch in den übrigen Gebieten geht man je länger je mehr zu dieser Kultur über. Nichtsdestoweniger befinden wir uns erst im Anfangsstadium der Entwicklung, da unsere praktischen Kenntnisse auf diesem Gebiete im Vergleich mit andern Zweigen der Pflanzenproduktion noch sehr beschränkt sind. Soll ein Fortschritt erzielt werden, so ist in erster Linie nothwendig, daß diesen so sehr vernachläßigten Kulturpflanzen größere Aufmerksamkeit geschenkt werde, denn gegenwärtig reicht das Wissen des gewöhnlichen Landmannes meist nicht einmal soweit, daß er die wichtigsten in Betracht kommenden Gräser nur dem Namen nach kennt, geschweige denn über deren Kultur und landwirthschaftlichen Werth Auskunft zu geben vermag. In diesem Werk haben wir uns die Aufgabe gestellt, in Bild und Wort das praktisch Wichtigste unserer gegenwärtigen Kenntnisse zusammenzustellen, und den Landwirth zu weiterer Beobachtung anzuspornen. Zwar können nicht alle Pflanzen hinreichend ausführlich besprochen werden, da der Raum hierzu zu eng gewesen wäre; es betrifft dieß namentlich den Nothklee und die Esparsette, bei welchen jedoch eine erschöpfende Darstellung am wenigsten nothwendig ist, da dieselben im Allgemeinen unter den Landwirthen hinsichtlich Kultur rc. am genauesten von allen Futterpflanzen bekannt sind. \ Früher, als die Bevölkerung im Allgemeinen eine weniger dichte war, machte sich das Bedürfniß eines rationellen Futterbaues nicht so sehr geltend. Mit Zunahme der Kultur vermehrten sich aber die Bedürfnisse nach menschlichen und thierischen Nahrungsmitteln, weßhalb man nach Mitteln und Wegen suchen mußte, wie der Futterertrag gesteigert werden könne, einerseits um mehr Fleisch und Milch, anderseits um mehr Dünger, mehr Getreide und mehr Brod zu produziren. Dieß war der Beweggrund, welcher im Jahre 1759 die ökonomische Gesellschaft zu Bern veranlaßte die Preisaufgabe über „Die beste Manier das Futter zu vermehren, durch Ansäung, es sehe fremder oder einheimischer Grasarten, nach der Verschiedenheit des Bodens" zu stellen *). In *) Der schweizerischen Gesellschaft in Bern Sammlungen von landwirthschaftlichen Dingen. I. Theil, I. Stück. Zürich 1760. Seite VIII. 2 ähnlicher Weise suchten andere landwirthschaftliche Gesellschaften, Regierungen und Private dem rationellen Fntterbau Eingang zu verschaffen, und wir können annehmen, daß nur diese Zeit die Einführung des Kunstfutterbaues in Mittel- und Nordeuropa vor sich ging. Durch die Errichtung der Eisenbahnen und Verbesserung der Verkehrsmittel sind wir aber wieder in ein anderes Stadium getreten. Infolge der Konkurrenz entfernter Länder haben die Getreidepreise mit den Produktionskosten nicht gleichen Schritt gehalten, so daß wir heute mehr wie je gezwungen sind, nach Bctriebs- methoden zu suchen, die unsern Landwirthschaftsbetrieb rentablen machen können, und allgemein ist man darüber einig, daß die Verbesserung des Futterbaues eines der hauptsächlichsten Mittel ist, dem Uebel zu steuern. In dem vorliegenden Werke haben wir uns die Aufgabe gestellt, den Landwirth mit dem Bau, dem Leben und der Kultur der wichtigsten Futterpflanzen bekannt zu niachen, ihn zum Selbstbevbachten anzuregen und so die Entwicklung des Futterbaues zu fordern. Die einzelnen Futterpflanzen behandeln wir nach folgendem Schema: 1. Benennung. 2. Geschichte der Kultur. 3. Landwirthschaftlicher Werth. 4. Botanische Beschreibung. 3. Abarten. 6. Geographische Verbreitung. 7. Standorte. 8. Höhengrenzen. 9. Ansprüche an Klima und Witterung. 10. Ansprüche an den Boden. 11. Bodenerschöpfung. 12. Düngung und Bewässerung. 13. Wuchs (Bestockung, Rasenbildung). 14. Entwicklung. 15. Ernte. 16. Ertrag und Nutzungsart. 17. Futterwerth. 18. Samengewinnung. 19. Samencrtrag. 20. Samenverunreinigungen. 21. Samenverfälschungen. 22. Samcnqualität. 23. Saatquantum. 24. Aussaat (Reinsaat und Mischungen). 25. Eventuell: Krankheiten und Pflege. Das ist der gewöhnliche Gang, den wir in den Eiuzelbeschreibungen eingeschlagen haben. Je nachdem es uns nothwendig schien, haben wir zu diesen Mittheilungen noch Ergänzungen gemacht. Um Wiederholungen thunlichst zu vermeiden, schicken wir einen allgemeinen Theil voraus, in welchem einerseits das für alle Pflanzen Gültige zusammengefaßt wird, anderseits zum Verständniß des Späteren Erklärungen gegeben werden. In diesem allgemeinen Theil schlagen wir den gleichen eben besprochenen Weg ein, wie für die Behandlung der einzelnen Pflanzen. Allgemeiner Theil. Botanische Beschreibung. A. Der Dau der Gräser. Der Körper der Gräser baut sich, wie der der meisten Blüthenpflanzen, aus Wurzel und blätter- und blüthentragendem Stengel auf. Die Wurzel der Gräser besteht nicht aus einer den Stengel direkt nach unten fortsetzenden Haupt- Wurzel, oder Pfahlwurzel und ihren Verzweigungen; aus deni Würzelchen des Keimlings geht allerdings eine solche hervor, aber sie stirbt sehr bald ab, und au ihre Stelle tritt ein Büschel von lauter gleichwerthigen Nebeuwurzeln, die seitlich aus dem untern Ende des Stengels hervorbrechen (Faserwurzel, Büschelwurzel); namentlich an den Stengelknoten, wo sie unter oder nahe der Erde liegen, treten solche Neben- wurzeln reichlich hervor. Der Stengel der Gräser wird Halm genannt; er ist meist krautig und hohl (solide Halme haben Halm. Mais, Moorhirse, AnckrapnAon-Arten; bei den Scheingräsern sSauergräsernss ist er stets solid). Die Stellen, an denen die Blätter entspringen, die Knoten, sind etwas angeschwollen und solid; dort durchsetzt eine Scheidewand den Stengel *). Die Gefäßbündel, die längs der hohlen Zwischenknoten (Jnter- nodien) einander parallel verlaufen, durchkreuzen sich im Knoten. Seitenzweige erzeugt der Halm nur au seiner Basis, aus der Achsel seiner untersten Blätter, d. h. unmittelbar über der Mitte der Einfügungsstelle des Blattes, also über dem Knoten innerhalb der Blattscheide (mit Ausnahme der im obern Halmtheil entspringenden Blüthenstandäste). _ Diese basalen Seitentriebe bedingen durch ihr verschiedenes Verhalten den Unterschied zwischen ein - Lebensdauer, jährigen und mehrjährigen (annuellen und perennirenden) Gräsern. Beiden erster» (die allerdings für den Futterbau wenig in Betracht fallen) kommen der Haupthalm und alle seine Seitentriebe innerhalb des Zeitraumes von 12 Monaten zur Blüthen- und Fruchtbildung und die Pflanze stirbt dann ab. Es kann in diesem Fall die ganze Entwicklung des Grases in einem Sommer sich abspielen: die Keimung im Frühjahr, die Fruchtreife im Sommer oder Herbst (Sommersaat), oder es vertheilt sich der Lebenscyclus auf zwei Kalenderjahre; die Keimung tritt im Herbst ein, über Winter ruht die junge Pflanze, um im Sommer des nächsten Jahres ihre Entwicklung zu vollenden (Wintersaat). Auch bei den ausdauernden (perennirenden) Gräsern haben wir einen Haupthalm und von diesem an seinem Grunde erzeugte Seitentriebe. Aber hier kommen die letzteren nicht in derselben Vegetationsperiode wie der erstere zur Blüthen- und Fruchtbildung, sondern sie überdauern in sterilem Zustand den Winter, um erst im folgenden Jahre sich wie der Hauptstamm zu verhalten, d. h. zu fruchten und abzusterben, nachdein sie ihrerseits durch Erzeugung von Seitentrieben für die Erhaltung der Pflanze für die folgende Vegetationsperiode gesorgt haben. . . ^ le Vsrdickung an den Knoten wird hauptsächlich bedingt durch eine Anschwellung der Basis der Blattscheide, nicht e Ha me , es märe daher genauer, von „Scheidenknoten", nicht von „Halmknoten" zu sprechen lwie Hackel in seiner Monographie der europäischen Fest„ca°Arten S. 2 hervorhebts. Auch die Fähigkeit des niedergeworfenen Halmes, durch eine Biegung im Knoten sich wieder aufzurichten, beruht auf ungleichseitigem Wachsthum der Sch-idenbasis, nicht des Halme?. 4 Wuchs. Fig. 2 stellt in schematicher Weise ein ausdauerndes Gras dar, wie es im Sommer 1882 aussieht: der Halm 1 stammt vom letzten Jahr und ist nur noch in abgestorbenen Resten vorhanden, Halm 2, ein basaler Seitentrieb von 1 (im Sommer 1881 als Laubtrieb vorhanden), hat diesen Sommer geschoßt und blüht; er hat an seiner Basis den Trieb 3 erzeugt, der in diesem Sommer kurz bleibt, ein steriles Blattbüschel darstellt, um im nächsten Jähr in den Halm zu schießen; an seinem Grunde sieht man schon die Knospe des Laubtriebes für 1883, die 1884 zur Blüthe kommen wird. Diese sterilen Blattbüschel (heurige Blattbüschel, Laubsproße, Seitentriebe, Erneuerungstriebe, Innovationen) sind ein sicheres Merkmal für ausdauernde Gräser*). Es kommen übrigens oft mehrere auseinander her- ^uu, ^ ^ __ .. vorgegangene Triebe in einem und demselben Jahre zur Halmbildung und damit zur Blüthe, namentlich Fig. 1 Fig. 2 wenn der erste Halm abgemäht wird. Außerdem ist unser Bild auch insofern schematisch, als in Wirklichkeit aus jedem Halmgrund stets mehrere Seitentriebe entstehen; die größere oder geringere Anzahl derselben bedingt die stärkere oder schwächere „Bestockun g" des Grases. Die unterirdischen Theile der auseinander hervorgehenden Triebe bleiben längere Zeit erhalten und bilden in ihrer Gesammtheit den Wurzelstock (Erdstock, Erdstamm, Rhizom) des ausdailerndeu Grases. Sie sind meist mit farblosen oder braungelb gefärbten spreitenlosen Niederblättern beseht, deren Scheide am Knoten keine Anschwellung besitzt. Auch die basalen oberirdischen Theile vor- oder vor-vorjähriger Halme bleiben oft in verwittertem Zustand stehen, und dienen, wie die sterilen Blattbüschel, als sicheres Erkennungszeichen des Ausdauerns. Wir können nach dem Wuchs die perennirendeu Gräser in die zwei allerdings nicht scharf geschiedenen Gruppen der hör st bildenden (oder rasigen) und der ausläufertreib enden trennen. Diese Verschiedenheit wird bedingt durch die geringere oder größere Länge der unterirdischen Theile der Triebe (der Glieder des Wurzelstocks). Wendet sich der Seitentrieb sofort nach oben, bleibt sein unterirdischer Theil ganz kurz, so stehen alle oberirdischen Theile dicht bei einander, das Gras bildet einen dichten Hoäft, sein Wuchs ist rasig **). Fig. 1. Verlaufen dagegen die Seitentriebe zuerst eine Strecke weit horizontal unter oder an der Erde hin, um sich dann erst aufwärts zu wenden, so erscheinen die oberirdischen Triebe des Grases von einander entfernt: das Gras bildet Ausläufer. Fig. 2. Es gibt übrigens alle llebergänge von dichtrasigem durch lockerrasigen zu ausläufertreibendem Wuchs. Die hör st bildenden Gräser unterscheiden sich untereinander in zwei Hinsichten: Die Seitentriebe entstehen, wie wir oben sahen, als Achselsproße der untern Halmblätter, innerhalb der Scheiden derselben. Ihr weiteres Verhalten ist nun verschieden: entweder wachsen sie innerhalb der Scheide ihres Mutterblattes nach :ben, dem Muttertrieb fest angedrückt (intravaginäle Seitentriebe nach Hackel) oder sie durchbrechen die Scheide gleich an ihrer Basis (extravaginale Seitentriebe). Bei allen ausläufertreibenden Gräsern sind die Laubtriebe selbstverständlich stets extravaginal. Man erkennt diese Unterschiede am lebenden Gras ganz leicht: bei solchen mit durchbrechendem Triebe sieht man an dem Halmgrunde stets eine Anzahl kleiner, bleicher, kegelförmiger, wagrecht abstehender Knospen, während man bei Gräsern mit umscheideten Trieben erst die untersten Scheiden des Muttertriebes entfernen muß, um die demselben fest angedrückten Seitenknospen zu finden ***). *) Noch junge Bliithentriebe einjähriger Gräser sind von ihnen dadurch zu unterscheiden, daß man bei ersteren beim Auseinanderfalten der Blätter im Innern die junge Anlage des BlUthenstandes findet. **) Jessen (Deutschlands Gräser und Getreidearten, Leipzig 1868) hebt ganz richtig hervor, daß der Name „rasenbildend" für diese Gräser unglücklich gewählt sei, indem dieselben nicht im Stande sind, einen „Rasen" im landwirthschastlichen Sinn, eine „Rasennarbe" zu bilden, die a-s den sich durchwachsenden und nach allen Richtungen verflochtenen langen unterirdischen Trieben ausläufertreibender Gräser sich erzeugt. ***) Selbst an getrocknetem Material oder an ältern Trieben, deren Mutterscheidc schon zerstört ist, kann man am Vorblatt (dem ersten spreitenlosen Scheidenblatt des Seitentriebes, das stets der Mutteraxe zugekehrt ist) intravaginales und extravaginales Wachsthum unterscheiden. Bei ersterm ist das Vorblatt stets sehr lang und deutlich zweikielig (durch den Druck zwischen Scheide und Mutteraxe, ganz analog wie die Vorspelze ss. unten)), bei letzterm ganz kurz und ohne Kiele. (Hacke!.) 5 Ein zweiter Punkt, in welchem sich die Horstbildenden Gräser von einander unterscheiden, ist das Vorkommen oder Fehlen einzelner verlängerter Wurzelstockglieder: Sind dieselben ausnahmslos kurz, so stehen alle obern Triebe des Horstes dicht bei einander, das Gras ist dicht rasig, außerdem stehen die Triebe alle ungefähr auf gleicher Höhe, das Gras bildet keine hohen Polster, sondern einen ebenen Horst (so z. B. das Knaulgras, der Wiesenschwingel k .). In andern Fällen sind aber die untersten Glieder einzelner Seitentriebe verlängert, während die Mehrzahl ganz kurz bleibt: der Gesammthorst setzt sich in diesem Fall. aus kleinen Theilhorsten zusammen, die durch nackte Rhizomglieder von einander getrennt sind; solche Gräser bilden einen dichten hohen, polsterförmigen Horst, wenn alle Seitentriebe sofort über ihrer Ursprungsstelle sich in scharfem Winkel nach oben wenden, wie namentlich beim wolligen Honiggras (mit extravaginalen Seitentrieben) und in weniger ausgesprochenem Maaße beim italienischen Rahgras (mit intravaginalen Seitentrieben). Sind dagegen die verlängerten Rhizomstücke horizontal oder schief aufrecht gerichtet, wie z. B. beim englischen Raygras, so erhalten wir einen lockern, ebenen Horst. Alle diese Verhältnisse sind für den landwirthschaftlichen Werth der Gräser von hoher Bedeutung, wie unten gezeigt werden wird (f. Seite 12). Die Blätter der Gräser entspringen an den Knoten, abwechselnd an zwei gegenüberliegenden Seiten des Halmes (alternirend-zweizeilige Stellung), bilden also zwei in einer Ebene liegende Reihen oder Zeilen (s. Fig. I). Die Länge der zwischen den Knoten liegenden Halmstücke, der Jnternvdien, ist nach Lage und Alter verschieden: im untern Theil des Halmes und an jungen Trieben sind sie kürzer, die Blätter also dort dichter gedrängt; im obern Theil des blühenden Halms sind sie verlängert, die Blätter also auseinander gerückt. Der untere Theil des Blattes ist zu einer den Halm röhrenförmig umgebenden Scheide entwickelt. In der Regel ist diese durch einen bis auf den Knoten reichenden Längsschlitz geöffnet; bei manchen Arten aber völlig geschlossen, so bei der weichen Trespe, dem Knaulgras (s. Tafel 3, Fig. 11). Die Ränder der offenen Scheide greifen meist etwas übereinander: die Scheiden sind gerollt. Den oberen Theil des Blattes bildet die lineale, von parallel verlaufenden Längsnerven durchzogene Spreite; zwischen den Nerven*) verlaufen Längssurchen („Rillen") von verschiedener Breite und Tiefe (s. die Ouer- rv .-■ ii**). Die Spreite ist meist flach ausgebreitet; bei Gräsern trockener Standorte aber oft auch längs der Mittelrippe gefaltet und nach innen zusamniengelegt; dabei sind gewöhnlich die nach außen gekehrten Unterseiten gewölbt, so daß das ganze Blatt chlindrisch („borstlich") erscheint. Der Unterschied zwischen flach ausgebreiteten und „borstlichen" Blättern ist am besten aus den beiden Querschnitten Fig. 3 und Fig. 5 zu ersehen; Mittelstufen zwischen beiden Fällen werden als „hohl- kehlig-offene Blätter" bezeichnet (Fig. 4). (Fig. 3 viel schwächer vergrößert als 4 und 5). Fig. 3-5 Blattquerschnitte. Fig. 3 Festuca pratensis > lm ' P ” b 1 ^ (nach Lund). Fig. 4 von Festuca rubra, Fig. 5 von Festuca weniger rauh anzufühlen, namentlich beun Durch- ovina (4 und 5 nach Hackel). ziehen zwischen den Fingern. Es rührt das von kleinen, hackig gekrümmten und stark verkieselten Bor- sprüngen der Oberhaut her; je nach der Richtung der gekrümmten Spitze derselben bezeichnet man die betreffenden Organe als rückwärts- oder vorwärtsrauh; ersteres, wenn beim Aufwärts streifen die Rauhigkeit gefühlt wird, jene Spitzen also abwärts gebogen sind, letzteres im umgekehrten Fall. Wichtig für die Unterscheidung der Gräser-Arten ist ferner die Knospen läge der Blattspreite, wie sie an den jüngsten Blättern der Laubtriebe zu beobachten ist. Sie ist entweder gefaltet oder gesollt. Im ersteren Falle ist das Blatt einfach längs der Mittelrippe zusammengelegt; je das ältere nimmt das nächstfolgende jüngere zwischen die Schenkel des Winkels, den die beiden Blatthälften miteinander bilden (Tafel 3, Fig. 11). Im letzteren Falle greifen die beiden Blattränder übereinander, das ganze Blatt ist in sich zusammengerollt; das ältere umgibt das jüngere tutenförmig (Tafel 2, Fig. 10). Man untersucht diese Verhältnisse entweder direkt an den jungen Blättern eines Laubtriebes, oder an einem schnitte durch die Blattspreiten aus Tafel 1 F>g. 3 Ng. 4 Fig. 5 *) Seltener über denselben; so beim Knaulgras, Taf. 3 Fig. 12. **) Diese Figuren sind der dänischen Abhandlung von Samsoe Lund entnommen: „Anleitung zur Kenntniß der Gräser im blüthenlosen Zustand", erschienen in der Zeitschrift: 0m Landbrugets Kulturplanter etc., Nr. 3. Kopenhagen 1882. Blätter. 6 Querschnitt durch einen solchen. Die gefaltete Knospenlage ist die seltenere: von Futtergräsern zeigt sie nur der behaarte Hafer, das Kammgras, das Knaulgras, der Schafschwingel, das englische Raygras und einige Rispengrasarten. Blatthäutchcn. An der Stelle, wo die Scheide in die Spreite übergeht, findet sich meist ein gleichsam die Fortsetzung der Jnnenhaut der Scheide bildendes dünnes durchsichtiges Ouerhäutchen, das Blatthäutchen oder die Ligula, welche zur Unterscheidung der Arten ein wichtiges Merkmal liefert (f. z. B. Tafel I, Fig II). Aehrchen. Die Blüthen der Gräser sind stets zu Aehrchen vereinigt. Ein solches zeigt folgenden Bau (s. Tafel 4, Fig. 1). An der Aehrchenaxe sitzen in abwechselnd zweizeiliger Stellung trockenhäutige, meist kahnförmig gestaltete kleine Blättchen. Die zwei (selten mehr oder weniger) untersten tragen keine Blüthen Klappen. in ihren Achseln, sind steril, und werden als Hüllspelzen oder Klappen bezeichnet (u. Kl. u. o. Kl. unserer Figuren). Sie stehen meist einander sehr nahe, aber doch nie beide genau auf gleicher Höhe. Welches die obere und welches die untere ist, erkennt man meist leicht daran, daß die Ränder der letztern die obere bedecken. Meist ist die untere etwas kleiner, selten sind beide genau gleich groß, und zeigen keine Deckung der Ränder (). Tafel 8, Fig. 1, und Tafel 9, Fig. 1). Spelzen. Die über den Klappen an der Aehrchenaxe folgenden Spelzen tragen in ihren Achseln die Blüthen. Die erste derselben (nämlich der Spelzen) steht senkrecht über der untern Klappe, die zweite über der obern u. s. f. In der Höhlung dieser untern, äußern oder Deckspelzen (in unseren Figuren überall mit u. 8p. bezeichnet) liegen bte Blüthen, bedeckt von je einer obern, inneren oder Vorspelze (o. 8p. unserer Figuren). Die Deckspelze hat meist einen kräftigen Mittelnerv; wo die Faltung der Spelze längs derselben eine scharfe ist, nennt man ihn Kiel. Häufig verlängert sich dieser Rückennerv über das Ende der Spelze hinaus als Granne (Gr. unserer Figuren). Die Abgangsstelle derselben ist eine verschiedene: bald wird sie erst an der Spitze der Spelze frei (endständige Granne, so z. B. beim italienischen Raygras, Tafel 2, Fig. 4), bald auf der Mitte des Rückens (rückenständige Granne, so z. B. beim Goldhafer, Tafel 6, Fig. 4), bald an der Basis der Spelze (grundständige Granne). Die Klappen tragen selten Grannen (ganz kurze z. B. beim Timothygras, Taf. 8, Fig. 1, lange beim Geruchgras Taf. 10, Fig. 6). Etwas anders gebaut ist die von der Deckspelze eingeschlossene obere oder Vorspelze. Sie steht der Deckspelze gegenüber, aber nicht an der Aehrchenaxe selbst, sondern an einer ganz kurzen, in der Achsel der Deckspelze entspringenden Seitenaxe, die in die Blüthe ausgeht (Blüthenaxe). Sie ist von viel zarterer Consistenz als die Deckspelze, besitzt keinen Rückenncrv, sondern allermeist nur zwei dem Rande genäherte Seitennerven, die zugleich zwei Kiele bilden, indem die außerhalb derselben liegenden Ränder der Vorspelze in scharfem Winkel nach unten geschlagen sind (s. z. B. Taf. 5, Fig. 3). Die Zahl der Blüthen eines Aehrchens ist sehr verschieden: einblüthig sind die Aehrchen des Timothygrases, des Wiesenfuchsschwanzes, Geruchgrases, Fioringrases (s. Taf. 8, 9, 10, 11); zwei- blüthig diejenigen des französischen Raygrases und des wolligen Honiggrases (s. Taf. 5, 7), mehr- blüthig diejenigen des englischen und italienischen Raygrases, Knaulgrases, Wiesenschwingels und Goldhafers (s. Taf. 1, 2, 3, 4 und 6). Da jede Blüthe von einer Deckspelze gestützt ist, kann man die Blüthenzahl eines Aehrchens auch an der Zahl der Deckspelzen ablesen. Die Klappen sind häufig länger als die Spelzen, so daß sie das ganze Aehrchen bedecken (Goldhafer, Honiggras, Timothygras, Wiesenfuchsschwanz, Geruchgras, Fioringras; s. Taf. 6—11), in andern Fällen ragen die Spelzen weit über die Klappen hinaus (d. Rahgräser, Knaulgras, Wiesenschwingel; s. Taf. 1—5). Blüthenstand. Bevor wir zur Betrachtung der Blüthe selbst übergehen, wollen wir die Anordnung der Aehrchen zu zusammengesetzten Blüthenständen, zu Rispen und Aehren, kennen lernen. Sind die Aehrchen an Stielen aus Aesten des Halmes befestigt, so nennt man den Blüthenstand eine Rispe*). Sitzen dagegen die Aehrchen ohne Stiel unmittelbar auf der Hauptaxe, so bilden sie eine Aehre **). Man kann demnach die Gräser eintheilen in Rispengräser (hieher alle Futtergräser mit Ausnahme des englischen und italienischen Raygrases) und Aehrengräser (englisches und italienisches Raygras, ferner Weizen, Roggen rc.). Sind bei einer Rispe die Aeste sehr kurz und stehen sie sehr dicht, so erscheint die Rispe zusammengezogen, auf den ersten Blick ährensörmig. Beim Biegen derselben erkennt man aber *) Streng genommen ist es keine einfache, sondern eine aus Aehren zusammengesetzte Rispe. **) Streng genommen eine zusammengesetzte Aehre, denn das einzelne Aehrchen ist ja schon ein Blüthenstand, eine „einfache Aehre" nach botanischer Terminologie. 7 sofort, daß jedes Aehrchen gestielt ist und alle an Verzweigungen der Hauptspindel sitzen, daß wir es also mit einer Rispe zu thun haben (Timothygras, Wiesenfuchsschwanz, Geruchgras, s. Taf. 8, 9 und 10). Die Blüthe der Gräser, die vor dem Aufblühen fest zwischen den beiden Spelzen eingeschlossen ist, besteht in der Regel aus zwei winzigen, farblosen, häutigen (nur während des Blühens fleischig angeschwollenen) Schüppchen (in unseren Figuren überall mit 8ch. bezeichnet), drei Staubgefäßen und einem mit zwei Narben versehenen Stempel. Die Schüppchen (Lodiculae) stehen vor der Deckspelze; in manchen Fällen (Geruchgras, Fuchsschwanz, Taf. 9 u. 10) fehlen sie, noch seltener sind sie in Dreizahl vorhanden *). Ueber die Beziehungen derselben zum Vorgang des Aufblühens siehe unten. Die Staubgefäße (auf unseren Figuren mit Stg. bezeichnet) sind bei allen unsern einheimischen Gräsern in der Zahl von drei vorhanden, mit einziger Ausnahme des Geruchgrases (nur zwei s. Taf. 10, Fig. 1—5) und einiger Schwingelarten (p'sstnea m^uru8 und bromoickas, mit nur einem Staubgefäß). Eines steht zwischen den beiden Schüppchen, vor der Deckspelze, die beiden andern entspringen auf der Seite der Vorspelze (s. die Grundrisse der Aehrchen). Die zwei Pollensäcke des Staubbeutels (Stb. unserer Figuren) stehen unten und oben weitspreizend auseinander: im Winkel zwischen den untern Enden ist der Beutel am Staubfaden (8tk. unserer Figuren) befestigt (schaukelnd, dorsifix). Die Pollensäcke öffnen sich mit Längsspalten und lassen den trockenen Blüthenstaub bei der leisesten Erschütterung in kleinen Wolken austreten. Der Fruchtknoten (llrün. unserer Figuren) ist ein ungestielter, meist verkehrt-eiförmiger Sack, der an oder unter seiner Spitze zwei Griffel trägt, deren Aefte mit Polleufangenden Narbenpapillen besetzt sind, als Narbe fungiren. Diese Aefte bedecken entweder den ganzen Griffel bis nahe seiner Basis (feder- förmige Narben), so z. B. beim Wiesenschwingel (Taf. 4, Fig. 2), oder aber sie sind am Ende des sonst nackten Griffels zu einem Pinselchen zusammengedrängt (sprengwedelförmige Narben), so beim Timothy- und Geruchgras (Taf. 8, Fig. 4 und Taf. 10, Fig. 2). Im Innern enthält der Fruchtknoten ein einziges, an der der Vorspelze zugekehrten Naht (Bauchseite) befestigtes Ei. Die Blüthen, welche Staubgefäße und Fruchtknoten in normaler, funktionsfähiger Ausbildung enthalten, sind Zwitterblüthen; daneben gibt es aber auch solche mit verkümmertem oder ohne Fruchtknoten, die also nur als Staubgefäßblüthen (männliche) fungiren (französisches Raygras, Honiggras, Taf. 5 und 7), und endlich sind oft die obersten Spelzen eines mchrblüthigen Aehrchens ganz leer. Die Anordnung der Theile eines Grasührchens läßt sich auf einen Blick überschauen auf einem Grundriß oder Diagramm desselben, wie sie unsern Abbildungen der Futtergräser beigegeben sind. Ein solcher Grundriß ist nach folgenden Regeln konstruirt: Die Klappen und Spelzen sind auf einer Linie eingetragen (entsprechend ihrer alteruirend-zweizeiligen Stellung), deren Mitte die Aehrchcnaxe als schwarzer Punkt einnimmt; je weiter rucken ein Organ an der Aehrchcnaxe entspringt, desto weiter ist es in der Figur von dem schwarzen Punkt entfernt; zu äußerst stehen also rechts und links die Klappen. Diese und die Spelzen sind durch schwarze Bogen mit aufgesetzten, den Rippen entsprechenden Punkten dargestellt (die annähernde Ouerschnittsform dieser Organe), die Schüppchen durch viel kleinere Bogenlinien, die Staubgefäße durch biskuitförmige Figuren (die ungefähre Ouerschnittsform der Staubbeutel), und die Stempel endlich durch 2 concentrische Kreise mit 2 angesetzten federförmigen Narben (s. z. B. Taf. 1, Fig. 8). Die Blüthen erscheinen zwischen Deck- und Vorspelzen eingeschlossen. Vor dem Zeitpunkte des Aufblühens sind die Blüthen der Gräser zwischen den fest aneinander schließenden Deck- und Vorspelzen eingeschlossen. Der Vorgang des Blühens geht in dreierlei Weise vor sich**): 1. Deck- und Vorspelze treten weit auseinander, oder besser gesagt, die Deckspelze bewegt sich, und zwar mit großer Schnelligkeit, von der in ihrer Stellung verharrenden Vorspelze weg, bis sie mit der Letztern einen Winkel von 30—50" bildet; die Staubgefäße werden sichtbar, als eine kleine Säule, aus den drei Beuteln bestehend, die auf noch ganz kurzen Fäden sitzen und die noch zusammengelegten und aufgerichteten Narben verdecken (s. Taf. 1, Fig. 1). Aber sobald die Staubgefäße von der Hemmung durch *) Sie galten bisher allgemein als die verkllminerte Blüthenhülle (Perigon) der Gräser, als entsprechend den Blüthenblättern der Tulpe rc.; Hackel hat durch entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen wahrscheinlich gemacht, daß sie einem an der Blitthenaxe der Vorspelze gegenüber sitzenden zweispaltigen Hochblatt entsprechen. **) Siehe Godron: De la floraison des Graminees. Memoires de la socidtd nationale des Sciences naturelles de Cherbourg. Tome XVII. p. 105 (1873). Ferner: W. Rimpau. das Blühen des Getreides. Landw. Jahrbücher von Thiel, 1883 p. 875. Blüthe. Blühen. 8 Frucht. die Spelzen befreit sind, beginnen die Fäden sehr rasch sich zu strecken und erreichen in wenigen Minuten das 3—4fache ihrer ursprünglichen Länge *). Die anfangs steif aufrechten Staubfäden werden sehr bald durch das Gewicht des schweren Staubbeutels abwärts gezogen, sie kippen um und die Beutel hängen nach unten, um meist erst dann sich zu öffnen und den Blüthenftaub austreten zu lassen. Unterdessen haben sich auch die beiden Narben ausgebreitet, sie spreizen und treten rechts und links zwischen Deck- und Vorspelze heraus, um den Pollen aufzufangen. Nach der Befruchtung schließt die Deckspelze sich wieder und bedeckt die reifende Frucht. Das die Blüthe einleitende Auswärtsspreizen der Deckspelze wird nach den Untersuchungen Hackel's durch die rasche und starke Anschwellung der Schüppchen (durch Wasseraufnahme) bewirkt, welche durch ihr Dickerwerden die Deckspelze nach außen drängen. Nach der Blüthe, die höchstens I—2 Stunden dauert, vertrocknen die Lodiculae und die Deckspelze kehrt vermöge ihrer Elastizität wieder in ihre ursprüngliche Lage zurück. 2. Deck- und Vorspelze öffnen sich kaum, nur eine ganz schmale Oeffnung entsteht an der Spitze der Blüthe und durch diese treten Narbe und Staubgesäße heraus; die erstere ist in diesem Fall meist sprengwedelförmig, im ersten Falle dagegen federförmig. Im Zusammenhang mit dem Geschlosfenbleiben der Spelzen steht das Fehlen oder die verkümmerte Ausbildung der Schüppchen (ersteres beim Geruchgras und Wiesenfuchsschwanz, letzteres beim Timothygras). 3. Die Sexualorgane treten überhaupt nicht aus den Spelzen heraus, die Befruchtung vollzieht sich innerhalb der geschlossenen Spelzen; von Futtergräsern gehört keines hieher, Wohl aber manche Gersten- arten, ferner Arten der Gattung Stipa und endlich Leersia oryzo'ides. Außer diesen auf das Verhalten der Spelzen begründeten Unterschieden im Blühen gibt es bei den Gräsern noch andere, die sich auf die Art der Uebertragung des Pollens beziehen (ob derselbe auf die Narbe derselben Blüthe oder einer andern gelangt). Wir werden diese Dinge bei den Einzelbeschreibungen berücksichtigen. Nach vollzogener Befruchtung entwickelt sich das Ei zum Samen, der bald die Höhlung des Fruchtknotens ausfüllt und mit der Wand demselben, der Fruchtwand, so innig verwächst, daß man nur unter dem Mikroskop Frucht- und Samenschale von einander zu unterscheiden im Stande ist. Das „Korn" der Gräser besteht also nicht nur aus dem Samen, sondern ist auch von der Fruchtschale bedeckt, entspricht einer einsamigen Frucht und sollte als solche bezeichnet werden. Es gehört zu derjenigen Kategorie von Früchten, die man „Caryopse" nennt, d. h. einsamige Schließsrüchte, bei denen Frucht und Samenschale eng mit einander verwachsen sind. In der landwirthschaftlichen und samenhändlerischen Praxis hat sich aber die Bezeichnung „Same" für die Caryopse der Gräser so allgemein eingebürgert, daß man in einem Werke wie das vorliegende, das sich an Praktiker wendet, um Verwechslungen zu vermeiden, wenigstens im landwirthschaftlichen Theil des Textes von diesem Usus sich nicht emanzipiren darf. Wir werden also nur in den botanischen Beschreibungen und den Tafelerklärungen die Caryopse als „Frucht" bezeichnen, sonst aber als „Same" (es ist diese Inkonsequenz um so verzeihlicher, als ja in Wirklichkeit das besagte Korn der Hauptmasse nach aus dem Samen besteht, und sein Anspruch auf den Namen „Frucht" sich nur auf das äußerste schwer nachzuweisende Häutchen der Schale stützt). In den allerwenigsten Fällen fällt bei der Reife die nackte Frucht aus den Spelzen; so z. B. beim Weizen und Roggen, aber bei keinem einzigen Futtergras. (Ausnahmsweise kommt allerdings entspelztes Knaulgras im Handel vor.) Sie bleibt vielmehr allermeist bespelzt, d. h. von Deck- und Vorspelze fest umschlossen, ja sogar manchmal außerdem noch von den Klappen umhüllt, so daß das ganze Aehrchen scheinbar die Frucht bildet (Honiggras, Fuchsschwanz, s. Taf. 7, Fig. 7 und Taf. 9, Fig. 5). Solche bespelzte Früchte müssen wir als „Scheinfrüchte" bezeichnen; denn nur das, was aus dem Fruchtknoten allein hervorgeht, bildet die echte Frucht. (Auch hier weichen wir von der Benennungsweise der landwirthschaftlichen Praxis ab, welche gemeiniglich das bespelzte Korn als „Frucht" bezeichnet.) Mehrblüthige Aehrchen zerfallen bei der Reife meist in der Weise, daß die Aehrchenaxe in ebenso viele Glieder zerbricht, als Blüthen vorhanden sind. Diese scharf abbrechenden Glieder bleiben mit den Scheinfrüchten in der Weise verbunden, daß jede das über ihrem Ansatz befindliche Stück der Aehrchenaxe trägt. Es sitzt also dieses „Stielchen" vor dem Grunde der Vorspelze, derselben angedrückt (s. z. B. Taf. 1, Fig. 5 Ae.A.). *) Askenasy, der diese Verhältnisse untersuchte, hat konstatirt, daß dieses rasche Wachsthum der Fäden auf einer bloßen Streckung ihrer Zellen durch rapide Wasserausnahme aus den Antheren bewirkt wird. Die neuste Frucht, die Caryopse, läßt eine Bauch- und eine Rückenseite unterscheiden, btc erstere s der Vorspelze, die letztere der Deckspelze zugekehrt *). , mgrtiesuna des an bet Wsisb-S RS-ims sitzt b-t kleine K-imlmg (K. »nietet M» « ; M-hllStpetz beb Snmens, „ur mn bet bürraen Stticf)t. unb d»tt and) leicht sichtbar. Die Bauchseite der Frucht zeigt hausig eme Mrche^, ) angewachsen ist (so z. B. äußerlich den Samennabel, d. h. die Stelle, wo der Same an der ^ruchtwand angewachsen ' Z ^ d!n Wuchs »„b »»M w«-" beschreibungen. Die Blätter der Schmetterlingsblüthler stehen nieist zerstreut (spiralig) am Stengel, seltener zwei- Blätter, zeitig, wie die Grasblätter; sie haben meist einen deutlichen Stiel und eine zusammengesetzte Spreite, d. h. dieselbe besteht aus zwei bis vielen gesonderten Blättchen, welche mittelst eines Gelenkes am Stiel eingefügt sind. Sind es nur drei, wie bei den Kleearten, so heißt das Blatt „dreizählig"; sind auf beiden Seiten des Stieles mehrere Blättchen eingefügt, so ist das Blatt gefiedert und zwar unpaarig (z. B. Esparsette, Taf. 15), wenn ein Endblättchen vorhanden ist, Paarig, wenn dasselbe fehlt (Wicken); im letzter Falle endigt der Blattstiel häufig in eine Ranke. Am Grunde des Stiels, rechts und links von demselben, sind stets zwei kleine, häutige, mit breitem Grunde dem Stengel aufsitzende und oft mit dem Blattstiel verwachsene Rebenblättchen (Stapeln, Stip. unserer Figuren) vorhanden. Der Blüthenstand ist meist eine dichtgedrängte Traube oder Dolde (Köpfchen); er ist entweder end- Blüthenstanv. ständig, d. h. er bildet den Abschluß eines längeru beblätterten Stengels, oder seitenständig, d. h. er entspringt aus dem Winkel eines Blattes. o Die einzelne Blüthe ist stets zwittrig und vollständig, d. h. sie setzt sich aus Kelch, Krone, Blüthe. Staubgefäßen und Stempel zusammen. Sie ist unregelmäßig, d. h. sie läßt sich nur auf eine einzige Weise so Halloren, daß zwei spiegelbildlich gleiche Hälften entstehen (während eine regelmäßige Blüthe mehrmals so halbirt werden kann; bei der Tulpe z. B. 6 Mal). Der Kelch ist aus fünf unterwärts zur Röhre verwachsenen Blättern zusammengesetzt, deren freie Zipfel oft lang zugespitzt erscheinen (Kelchzähne); er ist meist für sich allein schon unregelmäßig (z. B. ein Zahn größer). Denken wir uns das Blüthenköpfcheu aufrecht, und eine wagrecht davon abstehende Blüthe gerade uns zugekehrt, so ist ein Zahn des Kelchs genau nach unten gekehrt, dem Deckblatt der Blüthe zugewendet („vorn" im botanischen Sinne). Dieser vordere Kelchzahn ist häufig länger als die übrigen (z. B. beim Rothklee, Taf. 12, Fig. I, v. Kz.). Die Blumenkrone setzt sich aus fünf meist völlig von einander getrennten (nur bei der Gattung Trikolum untereinander verwachsenen) Blumenblättchen von sehr verschiedener Gestalt zusammen: Eines davon, das größte und auffallendste, die Fahne (Fa. unserer Figuren) steht zwischen den zwei obern Kelchzähnen, also gerade nach oben gerichtet; sein vorderer Theil ist meist zurückgeschlagen oder wenigstens aufgerichtet, am obern Rande meist mit einem kleinen Einschnitt versehen. Dann folgen nach unten rechts und links die zwei gerade vorgestreckten Flügel (FI.) und endlich von diesen meist bedeckt, das Schiffchen oder der Kiel (Sch.) aus zwei rechts und links von dem untern (vordern) Kelchzähn stehenden, meist untereinander verwachsenen Blättchen gebildet. Die gegenseitige Deckung der Knospe ist stets so, daß die Fahne die Flügel und diese das Schiffchen bedecken („absteigend"). Staubgefäße sind zehn vorhanden; allermeist sind neun davon bis über die Mitte zu erner nach oben offenen, den Stempel umschließenden Röhre verwachsen (Stf. R); ba§ zehnte, freie, vor der Fahne stehende, legt sich über den Längsschlitz dieser Röhre. Die Staubbeutel sind im Ende des Schiffchens geborgen. Der Stempel besteht aus einem einfächerigen Fruchtknoten (Frkn.), an dessen der Fahne zugekehrter Bauchnaht das oder die Eichen sitzen, und einem meist nach oben gebogenen langen Griffel, der in eine verschieden gestaltete Narbe endigt. him-r- jk-,chM„- Der Bau der Schmetterlingsblüthe läßt sich auf dem nebenstehenden Grundriß derselben (Fig. 6), der Wohl ohne weitere Er- F»h»° klärung verständlich sein wird, auf einen Blick überschauen. / ®“ m68efä6e Wir haben gesehen, daß bei den Gräsern der Blüthenstaub Flügel ^ Stempel bei leiser Erschütterung in zerfliegenden Wolken aus den geöffneten Schiffchen — ~ 'X 55iEj3 ss?^_ *) Nach botanischem Usus müßten diese Benennungen vertauscht werden, Deckblatt —.' ”” " da man gewöhnlich die dem Deckblatt zugekehrte Seite der Blüthe als vorn, die Fig. 6. Grundriß der Schme-terlingsblü.he 0 “ 2 (nach E ichlcr). ( 10 Beuteln tritt und so durch Vermittlung der Lust auf die Narben gelangt. Bei den Schmetterlingsblüthen ist das durchweg anders: sie sind insektenblüthig, d. h. sie bedürfen zur Uebertragung des Pollens auf die Narbe der Mithülfe honigsaugender oder pollensammelnder Insekten. Es ist durch verschiedene Einrichtungen der Blüthe, die wir bei den einzelnen Arten kennen lernen werden*), dafür gesorgt, daß der klebrige Pollen sich an das besuchende Insekt heften kann, um von ihm aus die Narbe einer andern Blüthe **) übertragen zu werden. Die Frucht ist eine Hülse; sie öffnet sich an Rücken- und Bauchnaht mit zwei Längsrissen in zwei meist schraubig gedrehte Klappen, an deren einem Rande die Samen sitzen. Zuweilen bildet sich zwischen je zwei Samen eine Querwand, und die Hülse zerfällt dann durch Querrisse in einsamige, geschlossen bleibende Stücke (Seradella), oder endlich sie ist von vornherein einsamig und öffnet sich gar nicht (Esparsette) oder unregelmäßig (Rothklee). Der Same ist meist von einer glatten glänzenden Schale umgeben, die an einer Stelle einen matten, meist Heller gefärbten, rundlichen oder länglichen Fleck zeigt, den Samen-Nabel oder Hilus, d. h. die Stelle wo der Same sich von seinem Stiel (dem Samenstrang) loslöste. An einem Ende des Hilus ist bei Untersuchung mit der Loupe stets auch noch ein kleines Pünktchen, der Eimund oder die Mikropyle zu sinden (eine seine Durchbohrung der Eihülle, durch welche der befruchtende Pollenschlauch eindringt) und auf der entgegengesetzten Seite des Hilus, als kleines Hügelchen, die Chalaza oder der Knospengrund (d. h. die Stelle, wo das dem Samen die Nahrung zuführende Gefäßbündel endigt). Die Samenschale wird ganz ausgefüllt von dem großen Keimling; neben demselben findet sich kein Mehlkörper oder Sameneiweiß, wie bei den Gräsern (der Samen ist eiweißlos). Die Hauptmasse des Keimlings bilden die großen, halbkugligen, mit glatten Flächen aneinanderliegenden Samen läppen oder Kotyledonen, die ersten Blätter des jungen Pflänzchens. Sie sind an einer kleinen Stelle ihres Randes an den jungen Stengel angewachsen, der nach unten in das kurze kegelförmige, oft von außen sichtbare Würzelchen übergeht, nach oben in das kleine, zwischen den Samenlappen verborgene, aus wenigen jungen Blättern sich zusammensetzende Knöspchen (Plumula). Bei der Keimung dringt das Würzelchen in den Boden, das Knöspchen erhebt sich über die Erde und entfaltet seine Blätter. Die Keimblätter verhalten sich verschieden: entweder bleiben sie unter der Erde (Wicken) oder sie erheben sich über dieselbe, werden grün und fungiren als erste Laubblätter (so bei allen andern schmetterlingsblüthigen Futterpflanzen). Abarten. Bei der Aufzählung der Abarten sind hauptsächlich die landwirthschaftlich wichtigern berücksichtigt. Geographische Verbreitung. Aus den bei den einzelnen Arten gemachten Angaben geht hervor, daß das gemäßigte Europa die Heimath der besten Futterpflanzen ist, während nur ein kleiner Theil derselben ursprünglich in Nordamerika einheimisch war. Standorte. Die Standorte geben uns Anhaltspunkte über die Ansprüche der betreffenden Pflanze an den Boden. Höhengrenzen. Wie ebenfalls aus den Einzelbeschreibungen hervorgeht, kommen die meisten Futterpflanzen bis zu bedeutenden Bodenerhebungen, zum Theil bis in die alpine Region fort, ein Beweis, daß deren genauere Kenntniß nicht nur für das Tiefland, sondern auch für die Alpengegenden von Bedeutung ist. Klima und Witterung. Mit Ausnahme der Esparsette und der Luzerne gedeihen die meisten Futterpflanzen am besten in feuchten Klimaten und in feuchten Jahren, vorausgesetzt, daß der Wärmegrad entsprechend ist. Demgemäß ist das See- und Gebirgsklima im Allgemeinen zum Futterbau am besten geeignet. Boden. Bei der Besprechung der Ansprüche der Pflanze an den Boden ist die chemisch-physikalische Klassifikation zu Grunde gelegt; wir unterscheiden: 5. milder Lehmboden; 6. sandiger Lehmboden; 7. lehmiger Sandboden; 8. loser Sandboden. t. strenger Thonboden; 2. gewöhnlicher Thonboden; 3. milder Thonboden; 4. strenger Lehmboden; *) Siehe Hermann Müller, die Befruchtung der Blumen durch Infekten rc. 1873, und von demselben: Alpenblumen, ihre Befruchtung durch Infekten rc. 1881. **) Daß auch der auf die Narbe derselben Blüthe gelangende Pollen befruchtend wirkt, ist für manche Fälle zweifelhaft, für andere dagegen sicher erwiesen. 11 Der erstgenannte ist der schwerste und kundigste, die folgenden werden immer leichter loser. Der-milde Lehm wird auch als „'Normalboden" bezeichnet. — Wir erwähnen ferner: 9. Thonmergelboden niit 50—60 % Thon und 10-15 /„ Kalk; 10. Lehmmergelboden „ 35—50 % " - 25 — 50 /„ » 11. Kalkmergelboden „ 20-35 % » - 50-75 / 0 „ 12. Sandmergelboden „ 60—80 % „ 10 2 /« » r:_k _ ferner Die Leiden ersten nähern sich dem Lehmboden, während bte letzter« hitzige Boden sind. F werden unterschieden: 13. thoniger Kalkboden; 14. lehmiger Kalkboden; 15. sandiger Kalkboden; 17. guter Humusboden, ohne Säure; 18. Torfboden; 19. Haidehumusboden. 16. steiniger Kalkboden; Die meisten Bodenarten enthalten Humus, ohne deßhalb als Humusböden bezeichnet zu werden. Je nach dem Gehalt werden sie bezeichnet als: — ^ 0/ Humus. a) Humusarm mit b) humushaltig „ c) humos d) humusreich e) humusüberreich mit 3- 5°/. 5 — 10 % „ 10-15% >> 15% und mehr Z- B. unterscheidet man „humosen sandigen Lehmboden" (6 und c). Ist ein Boden reich an Eisen, was sich durch die stark rothe Farbe zu erkennen gibt, so wird derselbe als „eisenschüssig", tritt noch saurer Humus dazu, so wird er auch als „taub" bezeichnet. Hinsichtlich des Feuchtigkeitsgrades besteht folgende Abstufung: dürr, trocken, frisch, feucht und naß. Nach seiner Entstehung unterscheidet man den Boden auch in Verwitterungs- oder ürboden und in angeschwemmten Boden. Beide Kategorien enthalten fruchtbare und unfruchtbare Bodenarten. Bodenerschöpfung und Düngung. Aus den in den Detailbeschreibungen gegebenen Zahlen geht hervor, daß die Kleearten dem Boden, neben Kali, bedeutend mehr Kalk und Magnesia entnehmen, als die Gräser, während diese in ihrer Asche sehr viel Kieselsäure enthalten. Da jedoch alle andern Bestand- theile in der Regel sich in genügender Menge im Boden vorsinden, so hat man bei der Düngung nur auf einen Ersatz von Stickstoff, Phosphorsäure und Kali, seltener von Kalk Bedacht zu nehmen. Auf den gewöhnlichen Bodenarten fallen jedoch auch die Humusbildenden Bestandtheile des Düngers, besonders des Stallmistes in Betracht. Zur empirischen Feststellung, welcher Nährstoff im Boden am meisten fehlt, d. h. im Minimum vorhanden ist, empfiehlt R. Heinrich *) die Anstellung folgender Düngungsversuche: I. Parzelle, Kali (in Form von fünffach konzentrirtem Kalisalz); II. „ Ghps; III. „ Phosphorsäure (Superphosphate); IV. „ Stickstoff (als Blutmehl); V. „ Kali und Phosphorsäure; VI. „ Kali und Stickstoff; VII. Phosphorsäure und Stickstoff; VIII. „ Phosphorsäure, Stickstoff und Kali; IX. „ ungedüngt. An demjenigen Nährstoff ist am meisten Mangel im Boden, mit welchem die größten Erträge erzielt werden. Fehlt nur ein Nährstoff, so geben schon die Versuche I bis IV Auskunft; fehlen zwei, so geht 3 es aus den Versuchen V bis VII hervor und fehlen die drei wichtigsten, so wird der Ertrag bei VIII ^.^rößten sein. Natürlich muß von dem gleichen Nährstoff überall ein gleich großes Quantum genommen . , Gülledüngung wird man zwar im Allgemeinen bei den Gräsern die besten Resultate aM j f wan noch einen künstlichen Dünger anwenden, so empfiehlt es sich, denselben vor dem Be- g en au zustreuen und dann mit der Gülle einzuwaschen. Stallmist kann während der Vegetationsperiode Produktion. Wismar 1882. *•* Grundlagen zur Beurtheilung der Ackerkrumme in Beziehung auf landwirthschafiliche Pflanzen- 12 nicht gut zur Düngung verwendet werden, weil er das Futter bei der Ernte verunreinigen würde. Dagegen ist es angezeigt, denselben sofort nach dem letzten Schnitt im Spätsommer oder Herbst auf -den Boden zu bringen. Wuchs. An eine gute Wiese machen wir in Bezug auf die Faktoren, welche durch den Wuchs bedingt sind, die Anforderung, daß die Pflanzen einerseits den Boden gleichmäßig bedecken, eine zusammenhängende, geschlossene Rasennarbe erzeugen, anderseits, daß die oberirdischen Grastriebe keine erhöhten Rasenbüschel, sondern einen ebenen Rasen erzeugen. Aus diesem Grunde erzeugt z. B. das wollige Honiggras eine schlechte Narbe, weil es hohe Rasenpolster bildet, welche einen gleichmäßigen Schnitt unmöglich machen und deßhalb die Nutzung beeinträchtigen. Gräser mit dicht gedrängtem Horst (Knaulgras, Wiesen- schwingel), auch wenn sie keinen erhöhten Rasen bilden, sind ebenfalls nicht zur Bildung einer zusammenhängenden Narbe geeignet; ebensowenig die meisten Kleearten. Deßhalb müssen neben denselben, wo es sich darum handelt, einen geschlossenen Rasen zu erzielen, auch Pflanzen ausgesäet werden, welche im Stande sind, die Lücken auszufüllen. Hierzu eignen sich diejenigen Gräser, welche einen ausgebreiteten Horst bilden, wie französisches Raygras, Timothe, Goldhafer rc., die aber in der Regel den Nachtheil haben, daß sie nur einen dünnen Rasen erzeugen. ^Ain^bej^n sind ^eßhalb^zm, diesem Zwecke die ausläufertreibenden Pflanzen, so z. B. das gemeine Rispengras, das WiesenrisAngras, das Fioringras, der Weihklee rc. geeignet. Zwar gibt es, wie im botanischen Theil erwähnt, zwischen den einzelnen Bestockungsformen Ueber- gänge, welche man bei der Anlage einer Wiese zu berücksichtigen hat; so z. B. hält der Wiesenfuchsschwanz die Mitte zwischen den ausläufertreibenden Gräsern und denjenigen mit ausgebreitetem, lockerem Horst. Entwicklung. Die Entwicklung der Gräser ist je nach der Art eine verschieden rasche; während die einen schon im ersten Jahr ihr höchstes Entwicklungsstadium erreichen, gelangen andere erst im zweiten und dritten Jahr zu ihrer vollen Entwicklung. Für kurz dauernde Nutzung wird man deßhalb hauptsächlich rasch sich entwickelnde Gräser berücksichtigen, während für langdauernde vorzugsweise solche Gräser genommen werden müssen, die von langer Dauer sind. Es sind dieß in der Regel diejenigen, die sich langsamer entwickeln. Die Kleearten entwickeln sich sämmtlich ziemlich rasch und liefern, wenn keine andere Nutzung damit verbunden wird, meist schon im ersten Jahre ihren vollen Ertrag, mit Ausnahme der Esparsette. Ernte. Die Futterpflanzen werden entweder grün verfüttert oder gedörrt. Die erstere Verwerthungsart bedarf keiner weiter» Erklärung. Dagegen ist es nothwendig, die verschiedenen Methoden der Heubereitung wenigstens ihrem Prinzipe nacki kurz zu erklären. 1. Die Sonnenheubereitung ist die gewöhnlichste Methode. Nachdem das Gras gemäht ist, wird dasselbe ausgebreitet und an der Sonne gedörrt. Unterdessen wird es ein oder mehrere Mal gewendet, am Abend Wohl auch in kleine Walmen aufgerechet und am andern Morgen wieder ausgebreitet. Es ist dieß das einfachste und zugleich billigste Verfahren, das aber nur bei schönem Wetter durchzuführen ist. 2. Die Braun- oder Brennheubereitung wird besonders bei Kleearten angewendet, weil diese im grünen Zustande etwa 10 % mehr Wasser enthalten, als die Gräser und deßhalb schwerer zu dörren sind. Der Rothklee enthält in der Blüthe 80 % Wasser, das Kleeheu 16 °/g, somit müssen bei der Heubereitnng 64 °/o verdunsten. An der Sonne ist dieß nur langsam zu erreichen, abgesehen davon, daß durch das Wenden rc. die brüchigen Blätter abfallen und deßhalb ein bedeutender Verlust entsteht. Um dieß zu vermeiden wird vielfach die Braunheubereitung angewendet. Die gemähten Pflanzen werden zuerst an der Sonne getrocknet, bis sie ungefähr 35 bis 40 % Wasser verloren haben, und unterdessen einmal gewendet. Dann wird das Heu in Feimen gefahren, in welchen es sich sehr stark erwärint und dadurch ebenfalls an Feuchtigkeit verliert. Ein nochmaliges Ausbreiten findet in der Regel nicht statt, sondern es wird später (nach 5 bis 6 Wochen) eingefahren. Beide Methoden, die Sonnenheu- und Braunheubereitnng werden bei uns oft miteinander verbunden. Sind die Witterungsaussichten ungünstig, so wird das halbdürre Heu in kleine, runde, mehr oder weniger große Haufen (Schoche, Birrlig) gethan, welche möglichst fest gemacht werden. Dadurch wird das Auslaugen bei allfälligem Regen vermieden. Angenommen das Heu bedecke in diesen Hausen Vso der Oberfläche der Wiese und es fällt in einem Tag ein Regen von 2 Zoll Höhe, so bringt dieß auf die Juchart 8000 Kubikfuß Wasser. Wenn das Heu über die ganze Wiese ausgebreitet läge, so würde dasselbe von den gesammten 8000 Kubikfuß Wasser ausgewaschen werden und verlöre dadurch einen bedeutenden Theil seines Gehaltes. Da es nun aber in den Haufen nur den fünfzigsten Theil des Raumes einnimmt, so gelangen nur 160 Kubikfuß Wasser auf dasselbe und es verliert durch das Auswaschen infolge dessen 13 50 Mal weniger. äBolff *) erwähnt, daß man z. B. von Kleeheu mit kaltem Wasser 25-40 Prozent der Trockensubstanz ausziehen könne, so daß dadurch 100 u Heu am Quantum 21-34 U verlieren Aber auch in qualitativer Hinsicht verliert das Heu beträchtlich, so z. B. fand man in Möckern: Aus diesem Grunde ist das Zusammenmachen des Heues in Haufen (Schoche) bei Regengefahr sehr Zu empfehlen. In denselben erwärmt es sich etwas, uni so mehr, je größer und fester dieselben sind und um so höher der Wassergehalt des Futters ist. Tritt wieder schönes Wetter ein, so werden die Schoche wieder ausgebreitet und das Heu trocknet dann um so leichter. Wie erwähnt, ist dieß eine Kombination der Sonnenheu- und Braunheubereitungsmethode, die in der Schweiz und wohl auch anderwärts schon seit mehr als einem Jahrhundert gebräuchlich ist **). Unwesentlich verschieden davon ist die Klappmeier'sche Methode ***). 3. Die Lustheubereitung. Mit diesem Namen können diejenigen Methoden bezeichnet werden, bei welchen die Bereitung zu Heu durch Luftzug herbeigeführt wird. Es kann dieß entweder auf hölzernen Gerüsten geschehen, oder durch Aufstellung der Pflanzen, ohne Gerüste. Zu letzterer Methode gehören die Puppen oder Kapellen jFigur 7), welche namentlich bei der Kleebereitung und der Samengewinnung angewendet werden. Die zu dörrenden Pflanzen werden mit der Gestellsense geschnitten, ein bis zwei Tage in den Schwaden abtrocknen gelassen und dann zu kleinen Garben in der Weise ausgerollt, daß die in der Schwade untengelegene Parthie nach außen zu stehen kommt. Dicht unter den Blüthenständeu werden die Fig. 9. Zeile. Fig. 7. Puppe. Fig. 8. Große Puppe. Pflanzen mit einigen Halmen zusammengebunden und dann nnt dem Schnütende a f unQ aJL e ffe§ Eine andere Art Puppen wendet man bei den Samenpflanzen zur Durchmachung^desg p ^ an. Die Pflanzen werden in armsdicke Büschel gebunden, von welchen bis u . f M' ■ toetben. mit dem Schnittende nach unten, gegen einander gestellt und so 8 bis 14 -Uge na )xetfe g Es sind dieß die großen Puppen (Fig. 8). Beim Rothklee und der Luzerne werden vielfachv f g- Kleezeilen (Figur 9) angewendet, Nachdem, wie bei den Puppen, die Pflanzen in en cy getrocknet sind, werden je zwei in laugen Zeilen gegeneinander aufgestellt. Die Puppen 0 ) > ^ r , ,,, Zeilen werden leicht vom Wind umgeworfen und müssen dann wieder aufgestellt werden, was oft viel Mühe verursacht. In den Alpen und in solchen Gegenden, wo die Svnnenwärme in der Regel zum Dörren nicht hinreicht, wird das Heu, wenn es halbtrocken ist, an sog. Kleereiter, Kleestiefel oder Heinzen (Fig. 10) gehängt, damit die Luft bequem durchstreichen kann und so das Heu vollends trocken wird. Da das Einschlagen in den Boden, der Transport rc. oft wesentliche Schwierigkeiten im Gefolge hat, empfahl Schwerz fl) ein *) Dr. Emil Wolfs. Die rationelle Fütterung der landwirthschastlichen Nutzthiere. III. Aufl. Berlin 1881. Seite 108 u. ff. **) Beschreibung der Heuerndtc in der Gegend von Burgistein. Abhandlungen und Beobachtungen durch die ökonomische Gesellschaft zu Bern gesammelt, 1762, zweites Stück. ***) Vgl. Th a er: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. II. Aufl. IV. Band. Berlin 1821. __ t) Johann Nepomuk von Schwerz. Anleitung zum praktischen Ackerbau. II. Aufl. II. Band. c£. -a - . r; yiqjuuuu uuu tftg. iu. yeinze. Stuttgart und Tübingen 1887. Seite 450. 14 (■& Fig. 11. Kleeträger. anderes Gerüst, den sog. Kleeträger (Fig. 11). Je 2 Schrägen werden scheeren- förmig in der in nebenstehender Abbildung ersichtlichen Art aufgestellt, über deren Kreuzungsstellen horizontal eine Stange gelegt wird. In der Mitte der Schrägen ist je ein Zapfen eingeschlagen, auf welche ebenfalls horizontal Stangen zu liegen kommen. An diese Stangen wird der Klee aufgehängt. Die vollkommenste Form der Trockengerüste sind die Trockenpyramiden (Fig. 12), welche in neuester Zeit immer mehr in Aufnahme gelangen. — Werde nun das eine oder das andere Gerüst angewendet, so wird das Futter erst auf dieselben gebracht, wenn es halbtrocken ist. Dasselbe darf den Boden nicht berühren, so daß die Luft auch von unten durchstreichen kann. Auf den Reitern ist das Futter in der Regel in 2—3 Tagen trocken, während es auf den Pyramiden längere Zeit bedarf, je nach der Witterung 6—10 Tage. Futterwerth. Der Werth eines Futtermittels wird bestimmt nach seinem Gehalt an verdaulichen stick- _^ stoffhältigen und stickstofffreien Nährstoffen. Die stickstoff- " ’ haltigen Nährstoffe bestehen nach bisheriger Annahme aus Eiweiß, während die stickstofffreien in Fett, Holzfaser Nach Uebereinkunft der Agrikulturchemiker ist ein Theil verdauliches Eiweiß und Fett so viel werth wie fünf Theile verdauliche Holzfaser und stickstofffreie Extraktivstoffe. Wenn man also den Gehalt eines Futtermittels an verdaulichen Nährstoffen kennt, so ist es nach dieser Annahme sehr einfach das Werthverhältniß festzustellen. Z. B. enthält ein Zentner Heu vom englischen Rahgras: Fig. 12. Trockenpyramide. und Extraktivstoffe eingetheilt werden. Verdauliches Eiweiß Verdauliches Fett . Kohlehydrate (verdauliche Holzfaser zusammen) . Extraktivstoffe und 5 .. 0 .« ii X 5 = 25. 5 Futterwertheinheiten X 5 = 4. 0 35., SX1 = 35.3 zusammen 64. 8 oder rund 65 Futterwertheinheiten. Angenommen 1 Zentner (oder 65 Futterwertheinheiten) von diesem Heu koste Fr. 3, so kostet eine Futterwertheinheit (300 : 65 =) 4. 6 Ct. Mittleres Wiesenheu enthält 73 Futterwertheinheiten. Kostet dasselbe im Handel Fr. 3 per Zentner, so ist ein Zentner englisches Raygras-Heu ^-00X 65) ^ 2 . gs werth. Der absolute Gehalt eines Futtermittels an Nährstoffen läßt sich durch die chemische Analyse leicht feststellen, um so umständlicher ist aber die Feststellung der Verdaulichkeit. Wir haben z. B. gefunden, daß ein Zentner Löwenzahn im grünen Zustande (87 % Wasser) 2,6 u Eiweiß, 0,5 u Fett, 6,0 U Extraktivstoffe und 1,9 U Holzfaser enthält; wie viel aber von den einzelnen Stoffen verdaulich ist, kann nur durch einen Fütterungsversuch ermittelt werden. Diese Versuche werden in der Weise ausgeführt, daß man das Futter und die ausgeschiedenen festen Exkremente analysirt. Die Differenz wird als verdauliche Substanz betrachtet. Angenommen von den gefütterten 2,6 u Eiweiß finden sich im Koth noch 1,3 u, so sagt man: (2,6—1,3 =) 1,3 ^ des Eiweißes seien verdaulich, oder der Verdaulichkeitskoeffizient sei 50 %. Die Verdaulichkeit ist nun je nach dem Entwicklungsstadium der Pflanzenart rc. sehr verschieden. Von jungem Gras ist ein größerer Prozentsatz verdaulich, als von überreifem; von gut eingebrachtem Heu 15 ttteljr al§ von verregnetem ic. In den Rauhfuttermitteln sind 40—80 %, im Durchschnitt 55-65 % des Gesammteiweißes verdaulich, vom Rohfett 30—60 %, die stickstofffreien Extraktivstoffe werden als voll-- ^^^^brdaulich angenommen, wogegen die Rohfaser in diesem Fall zur Kompensation als unverdaulich , e verdaulichen stickstofffreien Extraktivstoffe und die verdauliche Holzfaser werden mit dem gemeinschaftlichen Namen Kohlehydrate bezeichnet. Angenommen vom Eiweiß des Löwenzahns seien 70 °/», vom Fett 50 % verdaulich, so beträgt der Gehalt an verdaulichen Nährstoffen: Eiweiß.1,8 % Fett.0,25 % Kohlehydrate.6,0 °/o 1 Zentner Löwenzahn enthält somit nach obiger Berechnung, wenn unsere Annahmen richtig sind, im grünen Zustande 16 Futterwertheinheiten. Der Eiweißgehalt eines Futtermittels wurde bisher einfach in der Weise festgestellt, daß man den bei der Analyse gefundenen Stickstoff mit 6,25 multiplizirte, da angenommen wurde, daß sämmtlicher Stickstoff eines Futtermittels in Form von Eiweiß vorhanden sei. Wenn z. B. bei der Analyse 2 % Stickstoff gefunden wird, so beträgt demnach der Eiweißgehalt (2,0 X 6,25) — 12,5 "/«, denn in 6,25 Gewichtstheilen Eiweiß ist 1 Gewichtstheil Stickstoff enthalten. Durch neuere Versuche ist nun dargethan worden, daß oft ein ziemlich großer Prozentsatz des Stickstoffs nicht in Form von Eiweiß, sondern in Form von Amyden vorhanden ist. Welchen Werth dieselben bei der Fütterung besitzen, ist nun noch nicht genau festgestellt, es scheint aber, daß ihr Werth von den Eiweißstoffen nicht wesentlich verschieden ist, wenn sie gleichzeitig mit solchen verabreicht werden, so daß wir in diesem Werke das bisherige Verfahren der Reduktion des Stickstoffs auf Eiweiß beibehalten. Ist einmal durch Fütterungsversuche genau festgestellt, welche Rolle die Amydverbindungen bei der Fütterung spielen, wird man sich auch bei den Angaben des Gehaltes eines Futtermittels danach zu richten haben; bevor dies aber nicht bekannt lst, ist es nicht angezeigt, nach den neuen Angaben zu Verfahren. Nichtsdestoweniger haben wir in dem vorliegenden Werke den Gehalt von Amyden, wo Untersuchungen vorliegen, beigefügt. Am Schluß der Zahlen über den Futterwerth haben wir jeweilen das Nährstoffverhältniß angegeben. Man versteht darunter das Verhältniß der verdaulichen stickstoffhaltigen zu den stickstofffreien «toffen; bei den letzteren wird der Gewichtstheil Fett zu 2,44 gerechnet und zu den übrigen addirt. Z. B. beträgt das Nährstoffverhältniß beim Heu des englischen Raygrases (35,3 -j- [0,8 X 2,44] : 5,1) = 1: 7,3. Nach Wolfs bedürfen unsere landwirthschaftlichen Nutzthiere auf 1000 '{/, Lebendgewicht pro Tag folgende Nährstoffmengen: r~ ■ - - - Art der Thiere Organische Substanz im Ganzen Verdauliche Stoffe Nährstoff- Verhältniß Eiweiß Kohlehydrate Fett Im Ganzen 1 . Ochsen in voller Stallruhe .... 2 . Wollschafe, stärkere Rassen .... „ feinere Rassen .... 3. Ochsen bei mittlerer Arbeit .... bei starker Arbeit .... 4- Pferde bei mäßiger Arbeit .... bei mittlerer Arbeit .... , " bei starker Arbeit. 5 - Milchkühe 6 - Maftochsen, l. Periode ..... 2 - Periode. _ „ T1 3. Periode | 7 - Mastschafe, l. Periode 2 - Periode Psd. 17'- 20 ,o 22 ,z 24,0 26,o 21 ,« 22,5 25, 5 24, o 27, 0 26, 0 25,o 26,o 25, 0 Psd. 0,7 1,2 1,5 1'6 2.4 1 '5 1'8 2, 8 2.5 2.5 3,0 2,7 3,0 3.5 P!d. 8 ,o 10.3 H,4 H,3 13.2 9,5 11.2 13.4 12.5 15,0 14,8 14,8 15,2 14,4 Psd. 0,15 0,20 0,25 0,30 0,50 0 ,iO 0,60 0,80 0,40 0,50 0,70 0,60 0,50 0,60 Psd. 8,85 11.70 13,15 13,20 16.10 11.40 13,60 17,oo 15.40 18,00 18,50 18.10 18.70 18,50 1 : 12 ,o 1 : 9,o 1 : 8 ,o 1 : 7 , 5 1 : 6,0 1 : 7,o 1 : 7,o 1 : 5,5 1 : 5,5 1 : 6,3 1 : 5 , 5 1 : 6,0 1 : 5,5 1 : 4,3 18 Wie aus vorstehender Tabelle hervorgehst ist das Nährstoffbedürfniß und Nährstoffverhältniß ein bestimmtes, vorgeschriebenes. Es fei noch erwähnt, daß überall da, wo wir in den Einzelbeschreibungen einfach von Heu sprechen und keine andern Angaben gemacht sind, solches mit 14 Prozent Wassergehalt verstanden ist. Verunreinigungen und Verfälschungen des Samens. Unter Verfälschung versteht man, wenn einer Waare vorsätzlich fremde Bestandtheile in der Absicht beigemengt werden, einen unrechtmäßigen Gewinn zu erzielen, während Verunreinigungen zufällig in die Waare gelangte fremde Bestandtheile sind. So z. B. sind die Kleeseide und die Pimpernelle Verunreinigungen, keine Verfälschungen, weil dieselben dem Samen nicht absichtlich beigemengt werden; enthält dagegen eine Waare gefärbte Steine, so liegt eine Verfälschung vor. Beurtheilung des Samens. Die Qualität eines Samens wird im Allgemeinen beurtheilt nach der Reinheit, der Keimfähigkeit, der Großkörnigkeit und dem Volumgewicht. Je größer die Reinheit, Keimfähigkeit und das Volumgewicht sind, und je grobkörniger der Same ist, um so werthvoller ist derselbe. Unter Reinheit versteht man den Prozentsatz der in einer Waare enthaltenen reinen Samen; unter Keimfähigkeit den Prozentsatz, in welchem dieselben keimen. Eine Waare mit 90°/« Reinheit und 80 % Keimfähigkeit enthält 90 °/o reine Samen, von welchen 80 % keimen. Wenn von den 90 % reinen Samen nur 1 % keimen würde, so enthielte die betreffende Waare 90:100 = 0,9 % reine und keimfähige Samen, da nun aber 80 % keimen, so beträgt der Gehalt der reinen und keimfähigen Samen (90:100 X 80 =) 72 %. In dieser Zahl, welche man auch als Gebrauchswerth bezeichnet, ist die Reinheit und Keimfähigkeit in einem einzigen Begriff vereinigt. Schlechtweg bezeichnen wir eine Waare mit 72 % Gebrauchswerth als 72-prozentig. So fprechen wir von 10-, 20-, 30- bis 100- prozentiger Waare. Eine 100-prozentige Waare ist frei von fremden Bestandtheilen (100 °/o Reinheit) und von den reinen Samen keimen alle (100 % Keimfähigkeit). Unter den Futtcrfämereien kommen 100-prozentige Waaren nicht vor, denn selbst die vorzüglichsten Qualitäten enthalten immer noch fremde Bestandtheile, wie Erde, Bruch rc., und von den reinen Samen keimen nie alle. Die Anforderungen, die man an eine gute Waare bezüglich Reinheit und Keimfähigkeit stellen muß, sind bei jeder behandelten Futterpflanze angegeben, so z. B. verlangt man von einer guten Prima von englischem Raygras durchschnittlich 95 % Reinheit und 75 % Keimfähigkeit. — 1 Kilo einer ein-prozentigen Waare bezeichnen wir als ein Kiloprozent; in diesem Begriff gelangt die Qualität und die Quantität in einer einzigen Zahl zum Ausdruck. 4 Kilo eiuer 2-prozentigen Waare sind 8 Kiloprozente, 4 Kilo einer 72-prozentigen 288 Kiloprozente. Ein Sack 80-prozentige Esparsette von 50 Kilo Gewicht enthält (50 X 80) = 4000 Kiloprozente. ' Aus dem Prozentischen Gehalt an reinen und keimfähigen Samen läßt sich die Preiswürdigkeit einer Waare berechnen. Wenn der Preis von einem Kilogramm einer 90-prozentigen Waare Fr. 2. 10 beträgt, so kostet 1 Kiloprozent 210:90 = Rp. 2,33 (100 Kiloprozente Fr. 2. 33). Beträgt der Prozentgehalt der reinen und keimfähigen Samen nur 70°/«, bei gleichem Preise, so kostet ein Kiloprozent 3 Rp. (100 Kiloprozente Fr. 3). — Die 100 Kiloprozente kosten also gegenüber der ersteren Rp. 67 mehr. Je grobkörniger eine Waare ist, um so werthvoller ist dieselbe. Von einer grobkörnigen Waare gehen weniger Körner auf das Kilogramm. Die in den Einzelbeschreibungeu angegebenen Durchschnittszahlen sind aus einer großen Anzahl Untersuchungen berechnet. Ist die Körnerzahl eines Samens größer, so ist derselbe feinkörniger, also geringwerthiger, ist sie kleiner, so ist er grobkörniger. Ebenso wird das Volumgewicht als Werthmaaßstab benutzt. Je größer das Gewicht eines Hektoliters ist, um so besser ist im Allgemeinen die Waare. Saatquantmn. Das angegebene Saatquantum ist aus . den Angaben zahlreicher landw. Autoren berechnet. Neben dem Saatquantum in Gewicht ist überall dasjenige in Kiloprozenten beigefügt, bei deren Berechnung eine gute Durchschnittswaare zu Grunde gelegt ist. So z. B. beträgt das Saatquantum beim englischen Raygras per Hektar 62 Kilo einer 71 -prozentigen Waare (Reinheit 95 %, Keimfähigkeit 75 7 0 ; 95:100 x 75 = 71,3 °/ 0 ) oder 4402 Kiloprozente (62X71). Will man mehrere Samen in Mischung aussäen, so wird von jeder Samensorte der Prozentsatz festgestellt, in welchen sie in der Mischung vertreten sein soll und danach das Gewicht berechnest Angenommen man wolle eine Mischung machen von 50 % englischem Raygras und 50% Weißklee, so sind hierzu 31 Kilo oder 2201 Kiloprozente englisches Raygras und 6 Kilo oder 432 Kiloprozente Weißklee nothwendig. Die angegebenen Prozentzahlen beziehen sich also auf die Reinfaat. — An ein gutes Futterfeld stellen wir die Anforderung, daß es einen möglichst großen 17 nachhaltigen Ertrag werthvoller thierischer Nahrungsstoffe hervorbringe. Bei Aussaat einer einzelnen Pflanzen- spezies ist dies selten der Fall, einerseits weil die betreffende Pflanze allein keinen geschlossenen Rasen bildet, oder wenn dies geschieht, dann nur eine geringe oberirdische Entwicklung erreicht, wie das bei den meisten aus- laufertreibenden Pflanzen der Fall ist. Den größten Futterertrag erzielt man im Allgemeinen, wenn entsprechende Gräser und Kleearten im richtigen Verhältniß gemischt angebaut werden, wobei die unter „Wuchs" angegebenen Bestockungsverhältnisse zu berücksichtigen sind; anderseits ist darauf Rücksicht zu nehmen, daß die niedrigen, mittelhohen und hohen, die tiefwurzelnden und flachwurzelnden Pflanzen in möglichst richtigem Verhältniß vertreten sind. Ferner wird man auf die Dauer, die Schnelligkeit der Entwicklung, vor Allem aber auch den Gesammtcharakter der betreffenden Pflanze Rücksicht zu nehmen haben. Der Raum ist zu eng, um hier die wettern Grundsätze, die bei der Zusammenstellung und Berechnung der Mischungen maßgebend sind, zu entwickeln, wir verweisen deßhalb auf unsere Schrift über die Grassamen-Mischungen *), too dieselben ausführlich besprochen und eine Anzahl Beispiele angegeben sind. Wenn man weiß, wie viel Prozent von der betreffenden Pflanze in die Mischung kommen sollen, so ist es mit Hülfe der im Anhang gegebenen Tabellen leicht die Mengen des Samens auszurechnen, welche in die Mischung genommen werden Ulüssen. Auf einer bestimmten Ouadratfläche hat nun aber in einem Gemisch eine größere Anzahl Pflanzen Platz, als bei der Reinsaat, um so mehr, aus einer um so größeren Anzahl Pflanzen die Mischung zusammengesetzt ist und um so verschiedenartiger dieselben sind. Aus diesem Grunde ist in den betreffenden Tabellen das Saatquantum mit je 10 Prozent Zuschlag bis auf 80 Prozent angegeben. Will man danach eme Mischung zusammenstellen, so hat man in erster Linie die Pflanzen auszuwählen, welche für den betreffenden Fall am Platze sind; sodann hat man den Prozentsatz festzustellen, in welchem man wünscht, daß die einzelnen Pflanzen in der zukünftigen Wiese vertreten sein sollen; ferner muß festgestellt werden, welcher Zuschlag bei dem Saatquantum angewendet werden soll. Das Weitere ergibt sich von selbst. Zur Erklärung diene folgendes Beispiel einer einfachen Kleegrasmischung für zwei- bis dreijährige Nutzungsdauer : Zamenart Die Mischung soll Zuschlag Demnach kommen in die Mischung: bestehen aus: per Juchart per Hektar j 1. Rothklee % 40 % 10 KUoprozent 310 Kilo - 3 — Gramm ; 523 KUoprozent 774 Kilo — 8 7- Gramm ' 7 795 2. Bastardklee 30 10 112 i: 647 337 4 ‘ ? 956 3- Italienisches Rahgras . 10 10 133 i ? 985 369 5 . I, 507 7 804 1 4. Französisches Rayqras . 10 10 147 3 : - 196 405 8 5. Timothe 10 10 96 1 l 103 287 3 ; ; 299 j Zusammen 100 11 - L. 454 ■» 31- r 2 —' 36 1 i > ; In das Kleegras kommen 40 % Rothklee. Das absolute Saatquantum beträgt per Juchart bei ro 7« Zuschlag 774 Kiloprozente (Bergt. Tabelle I), also kommen in die Mischung (774: 100 X 40) = 310 Klloprozente. Besitzt die zur Verfügung stehende Waare 88 "/« reine und keimfähige Samen, so sind von derselben hierzu (310:88) = 3 Kilo 523 Gramm oder rund 7 Pfund nothwendig. f .. Vorfrucht, Vorbereitung, Saatzeit, Saat, Neberfrucht, Unterbringung. Die besten Vor- lock 6 a ^ e ^vttergräser und Kleearten sind diejenigen, welche das Feld in gutem Düngungszustand, Dll ,rtÖ9li( ^ unkrautfrei hinterlassen, was bei gut gedüngten Hackfrüchten am meisten der Fall ist. well als die Kleearten erfordern einen fein gekrümelten, gartenmäßig vorbereiteten Boden, Gru^d ® amcn M tief in den Boden kommen und ein großer Prozentsatz der Keimpflänzchen später n e ^bht. Die Unterbringung darf eine nur mäßige sein, well namentlich die feinen Grassamen eine 9 ^’,5' 10 ^ö St m ebler - Die Grassamen-Mischungen zur Erzielung deß größten Futterertrages von bester Oualitüt. ^ uugage. «rn 1883. Verlag von K. I. Wyß. 3 18 starke Bedeckung nicht ertragen. Auf schwerem, frischem Boden genügt ein Anwalzen, während auf leichterem, trockenem Boden der Same mit einer leichten Egge untergebracht werden kann. Die günstigste Saatzeit ist in der Regel im Frühjahr, im April bis Mitte Mai; oft wird auch im Herbst gesäet, jedoch mit weniger gutem Erfolg. Die Saat kann entweder von Hand, oder mit der Kleesäemaschine geschehen. Mit der lehtern können auch sämmtliche Grassamen gesäet werden, mit Ausnahme des französischen Rahgrases. Die Gräser und Kleearten werden in der Regel in eine Ueberfrucht gesäet und zwar gewöhnlich im Frühjahr in Wintergetreide, auch in Sommergetreide oder in eine Getreideart zum Grünschneiden (Grünhafer, Grünroggen). Bezüglich aller dieser Punkte verweise ich jedoch auf die soeben erwähnte Schrift über Grassamen-Mischungen, wo diese Kulturmaßregeln ausführlich besprochen sind. Erklärung der Buchstaben der Tafeln. Tafeln von Gräsern. Tafeln von Ichnu AeA. — Aehrchenaxe. N. = Narbe. Ob. — Chalaza (Knospengrund). AeSp. — Aehrenspindel. o. Kl. — obere Klappe. Co. = Cotyledonen (KeimBh. — Blatthäutchen. o. 8p. — obere Spelze. blätter). Bsch. = Blattscheide. Sch. — Schüppchen. f. = Fortsatz des Flügels. Bspr. = Blattspreite. Stb. — Staubbeutel. Fa. = Fahne. Fr. = Frucht. Stf. — Staubsaden. Fl. — Flügel. Frkn. — Fruchtknoten. Stg. — Staubgefäß. Fr. = Frucht. Gr. — Granne. Stp. — Stempel. Frkn. = Fruchtknoten. H. — Hilus (Samennabelj. u. Kl. = untere Klappe. f. Stf. = freier Staubfaden. K. — Keimling. u. 8p. — untere Spelze. Gr. = Griffel. H. — Hilus (Samennabel). K. = i M. = Micropyle (Gcintuttb). N. = Narbe. s. = Stiel des Flügels. Sch. — Schiffchen. Stb. = Staubbeutel. Stf. — Staubfaden. Stf.R. — Staubfaden-Röhre. Stip. — Stipula (Nebenblatt). y. Kz. = vorderer Kelchzahn. W. — Wllrzelchen. Bei der Abfassung der botanischen Beschreibungen wurden außer den im allgemeinen Theil genannten vorzugsweise folgende Werke benutzt: Ascherson, Flora der Provinz Brandenburg. Berlin 1864. Döll, Flora des Großherzogthums Baden. Karlsruhe 1857—1862. Nyman, Conspectus Florse Europsese. Oerebro 1878—1882. 19 Spezieller Theil. 1. Jas englische Kaygras. Lolium perenne, Linn6. Der Name „Raygras" ist das verdeutschte englische Wort «ll^egrass»; (k^e — Roggen). Der Benennung, richtige Name wäre eigentlich „ausdauernder Lolch" oder einfach „Dauerlolch" (per — durch, annus — Jahr). Es heißt auch „Graslolch", „Wiesenlolch" oder „Winterlolch" zum Unterschied des „Getreide- oder Acker- oder Sommerlolchs" (Taumellolch, Lolium temulentum, L.). Lolchrahgras, Wintertrespe, süßer Lolch, Mausgerste, Dinkelspelzen, Schlapkorn, Lithe, Lothe, Tausch, Dorth, Tort, Taubenkorn re. sind ebenfalls, zum Theil irrthümlich angewandte, Namen. Das englische Raygras ist wohl von allen Gräsern am längsten in Kultur, da es schon vor mehr Geschichte, als 200 Jahren in England gebaut wurde. Nach Werner*) erwähnt schon im Jahr 1677 Dr. Plot, daß feit einiger Zeit gramen loliaceum (wie damals dieses Gras genannt wurde) angebaut werde und als erster Cultivateur wird ein gewisser Eustache in der Grafschaft Oxford genannt. Auch Worlidge erwähnt 1681 dessen Kultur und sagt, daß es den Vorzug vor allen andern Gräsern verdiene; unter diesen „andern Gräsern" versteht er Esparsette, Luzerne, Rothklee, Wicken und Schotenklee. Von England kam der Same nach dem Kontinent, weßhalb es hier den Namen „englisches Raygras" erhielt und auch behalten hat.^ Bürger**) erwähnt, daß das englische Raygras im Anfang dieses Jahrhunderts in Oberitalien kultivirt wurde und daß es den Hauptbestand der lombardischen Wässerwiesen bilde, welche Bemerkung bis auf die neueste Zeit in viele landwirthschaftliche Werke, selbst von hervorragenden Autoren, übergegangen ist. Früher wurde aber vielfach das italienische Raygras als eine Varietät des englischen aufge- Di karger versteht unter dem oberitalienischen „englischen Raygras" jene Art, welche wir heule nipsrfi ^ at >Q Tsl§ bezeichnen. Dieser veränderten Auffassung ist also von denjenigen Autoren, cye ^ie urger sche Bemerkung Herübernahmen, nicht Rechnung getragen worden. » bet Schatz kam das englische Rahgras erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts zum Anbau. Zm^ahre 1761 empfiehlt Albr. Stapfer, Diakon in Oberdießbach, Kt. Bern das englische Rahgras zur Ansaat auf kaltem, nassem, gegen Norden abhängigem Boden und gibt Regeln für die Kultur und Samengewinnung an***). Allgemeiner znr Anwendung kam dieses Gras auf dem Kontinent aber erst Ende des vorigen und anfangs dieses Jahrhunderts. Bald ist das englische Raygras über Gebühr gelobt, bald wieder verachtet worden; dennoch ist Landwirth- es eines unserer werthvollsten Wiesengräser; es wird zwar nicht besonders hoch, sondern ist mehr ein blntergras. Znr Weide auf schwerem Boden ist dasselbe unersetzlich und die Marschbewohner setzen es den Gemengen für Fettweideanlagen in großer Menge bei. Zur Anlage von Fettweiden in den Marschen wird sogar von erfahrenen Landwirthen vielfach nur englisches Raygras und etwas Weißklee gesäet. **! aöcrnct - Handbuch des Futterbaues auf dem Ackerlaude. Berlin 1875. **« sum. " ® ur ß er - Die Landwirthschaft in Oberitalien. Neue Ausgabe. Wien 1851. ' Handlungen und Beobachtungen durch die ökonomische Gesellschaft in Bern gesammelt. 1762. Viertes Stück. 20 Seine Lebensdauer ist je nach Boden und Klima sehr verschieden; während es aus trockenem Boden und in trockenem Klima zwei Jahre nicht überdauert, hält es auf schwerem gutem Boden in feuchtem Klima sieben und mehr Jahre an. Botanische Botanische Beschreibung. Das englische Rahgras bildet einen ebenen, ausgebreiteten, aber Beschreibung, dichten Horst; die Seitentriebe sind zwar intravaginal, aber einzelne Zwischenknoten derselben verlängern sich oft zu aufsteigenden oder beinahe horizontalen dünnen Ausläufern, so daß der Gesammthorst sich aus zahlreichen durch diese verlängerten Wurzelstockglieder mit einander verbundenen Theilhorsten zusammensetzt (Fig. A). Die untersten Blattscheiden sind am Grunde roth gefärbt und bleiben lange erhalten, ohne sich in Fasern aufzulösen. Der Halm ist glatt und 30—60 em. lang. Die Blätter sind dunkelgrün, in der Knospenlage einfach der Mittelrippe nach gefaltet (Fig. 9). unterseits glatt, oberseits tief und gleichmäßig gerillt (Fig. 10) und am Rande mehr oder weniger rauh; das Blatthäutchen ist ganz kurz (Fig. 11). Der Blüthenstand ist eine mit einem Gipfelährchen versehene Aehre; die seitlichen Aehrchen sitzen in den Ausschnitten der bei der Reise ganz bleibenden Aehren-Spindel und zwar so, daß eine durch die Mitte sämmtlicher Blüthen gelegte Ebene auch durch die Aehrenspindel geht (Fig. 1 und 8). Das einzelne Aehrchen ist meist 8—10blüthig; die Klappen sind nur bei dem Gipfelährchen beide vorhanden; bei den seitlichen Aehrchen ist bloß die der Aehrchenspindel abgewendete obere Klappe ausgebildet, die untere fehlt. Diese chllein vorhandene obere Klappe (Fig. 1 und 8, o. Kl.) ist 5—Ouervig und meist länger als die ihr anlegende Deckspelze (u. 8p. Fig. 1), meist Halb so lang als das ganze Aehrchen. Die Deckspelzen (u. 8p. Fig. 1—5.8) sind 5-nervig, lanzettlich, stets grannenlos, stumpf, seltener spitz. Die Borspelzen (o. Sp. Fig. 1, 2, 5, 8) sind zweinervig, auf den Nerven steif gewimpert. Die Schüppchen (8eb., Fig. 8) sind breiteiförmig, nach oben spitz zulaufend, der Fruchtknoten kahl, die Narben pinselförmig, bei der Blüthe zur Seite heraustretend (s. d. ganz entsprechende Figur 3 bei bolium itulieum, Taf. 2). Zur Blüthezeit öffnen sich meist zwei Blüthen zugleich; die Staubgefäße und Narben treten zur Seite, zwischen unterer und oberer Spelze heraus; durch das Gewicht der schweren Staubbeutel werden die zarten Staubfäden bald unter scharfem Winkel gebogen und die Beutel hängen nach abwärts, befinden sich also tief unter den Narben; da sie sich außerdem zuerst an ihrer organischen (beim Hängen nach abwärts gerichteten) Spitze öffnen und ihren Pollen aus derselben austreten lassen, können sie unmöglich die Narben der eigenen Blüthe befruchten, ihr Blüthenstaub wird vielmehr tiefer liegenden Blüthen anderer Aehrchen zu Gute kommen: es findet Kreuzbefruchtung statt.*) Die Frucht ist von den Spelzen eingeschlossen; bei der Reife zerfällt die Aehrchenaxe und mit jeder spelzenumschlossenen Frucht (Scheinfrucht) bleibt das über ihr stehende Axenstück verbunden, vor der Borspelze als kurzes, etwas siachgedrücktes Stielcheu mit glatt abgeschnittenem Ende sichtbar (Fig. 5, Ae A). Die Scheinfrucht ist ca. 7 rom lang und l. 5 mra breit. Die von den Spelzen befreite gelbbraune Caryopse (Fig. 6, 7) ist um ein Drittel kürzer als die Deckspelze, auf dem Rücken, wo sie an der Basis den Keimling führt, konvex, auf der Bauchseite konkav, unten spitz, oben abgerundet. Abarten. Abarten. Es werden von den Botanikern mehrere Varietäten und in England von den Land- wirthen viele Kulturformen unterschieden, die jedoch nicht wesentlich von einander abweichen. Im Samenhandel unterscheidet man in der Regel zwei Varietäten, nämlich: „gewöhnliches englisches Rahgras" und „Pacey's englisches Rahgras" (auch als Lolium perenne tenue im Handel), wovon das Letztere theurer ist. Auf dem Felde konnten wir aber keinen Unterschied konstatiren, sondern derselbe bestand nach unserer Beobachtung einzig in der Qualität des Samens. Der schwere, gute Samen wird in der Regel als Pacey's Rahgras verkauft, während der geringere, leichtere als gewöhnliches Raygras passirt, so daß man also beim ersteren nicht die Varietät theurer bezahlt, sondern einzig die bessere Qualität des Samens. Geographische Vorkommen, Klima, Boden, Düngung. Wild kommt das englische Rahgras in Europa Verbreitung. vor ; in ganz Süd- und Centraleuropa, Skandinavien bis in's südliche Lappland, England, Irland und ganz Osteuropa; in Afrika: Algier, Madeira; in Asien: im Kaukasus und in Georgien; in Amerika auf den Malouinen (Fälklands-Jnseln). In Nordamerika ist es nicht einheimisch, sondern aus England eingeführt. Standorte. Es wächst bei uns überall wild an Wegen, Ackerländern, auf Triften und Wiesen, besonders an Orten wo viel gegangen wird, auf Spielplätzen, in offenen Hofräumen rc. Höhengrenzen. In den bayerischen Alpen geht es bis zu 750 M. Höhe, in England bis zu 350 na.; im Kanton Glarus nach Heer bis circa 1500 m. i ! ) ©obren, a. a O. 21 I» taStm Sagen leidet e« in strengen Wintern nutato, ohn- j°d°ch 8 “ jJ**j Wenn der Boden dindig oder etwas fest ist, schadet ihm anch Tto e,i 'ei eemg, ^ , u hervorgeht, daß bei R-nansato, don Mischnnzen in trockenen Jahren wohl d,e andern I >J Grande gihen das englische Rahgras ader vermöge seiner dichten Bern nng reDarr gn nW- An, Besten sägt ihm das feuchte Teeklima Englands and der Nordseelanber z», namentlrch damit ein guter, schwerer Boden verbunden ist. , t Am testen behage» ihm die frischen tiS senchten, hnmnSreichen Sehn,- und Thon • ” sie hinreichend frisch und diingerk,ästig sind, kann es jedoch anch a» lehmtgen Sand- und n Lehmboden getan! werden, sowie aus frischen Merge,- und Kalkboden Ans -m. "^sse.tem, nicht zn lockerem HnmnSboden gedeiht es ebenfalls gut, wahrend eS aas Ha, e-, > hitzige» Boden nicht fortkommt. Ueierhanstt verlangt es eine gewrsse Fnsche, F-st-sk-U«'?J> heil des Bodens; selbst anf dem schwerste» Thontode» kann eS gebani werden, wenn derselbe 1000 .Pfund Heu entnehmen dem Boden nach Wolss's*) älterer Zusammenstellung: Stickstoff 18. 9 U Kalk 10.3 u Phosphorsäure 10. 0 U Magnesia 2.4 U Kali . 39 . 3 u Schwefelsäure . 6. 0 m Natron 1.3 tt Kieselsäure 29 .- % Das englische Nahgras ist namentlich für die Gülledüngung sehr dankbar; neben dem italienischen Nahgras lohnt es dieselbe wohl am besten. Bodenerschöpfung. Düngung. Wollny erzielte per Hektar: 20 Ztr. Heu ungedungt _ u mit 75 Hektoliter Gülle gedüngt - • ob ,, » Selbstverständlich wird durch die Düngung auch dre Qualrtat des Futters - Nach Pinkert^) hat sich bei Versuchen von Stevenson in England auf Thone > ta^ Anwendung des Chilisalpeters bewährt. Bei Anwendung von 1 U Zentner pio - Erntequantum nahezu verdoppelt und noch günstigere Resultate wurden bei " amm i Bewässerung. Mit Erfolg kann es auch bewässert werden und liefert dann, wenn das Wasser geho g Abzug hat, sehr gute Erträge. Stauende Nässe erträgt es aber durchaus nicht. Wachsthum, Ertrag, Futterwerth. Das englische Rahgras bestockt sich J ' bildet einen dichten, geschlossenen Nasen und läßt das Unkraut nicht aufkommen. . « • erträgt es das häufige Abrupfen und Abweiden. Auch schadet ihm daS Festtreten m ein ' im Gegentheil, die Bestockung wird dadurch noch gesteigert. Zu Weide liefert u g den höchsten Ertrag, während es als Mähefutter nur als Untergras am Platze ist. ~ „ o^bre nach der Saat. Entwicklung. Nach Versuchen von Karmrvdt liefert es seinen größten Ertrag Derselbe % ^ ^men .» « „ zweiten „ 3 » " " ^ „ dritten „3 „ " " „ vierten „ 4 . 166 " Der erste Schnitt ist stets am ergiebigsten. **) fsried^A Elschenanalysen von landwirthschastlichen Produkten. Berlin 1871. ug. Pinkert. Die einträglichsten Fuitergräser und Futtergewürzkräuter. Berlin 1861. 22 Ernte. Ertrag. Weide. Futterwerth. Sainen- gewinnung. Die Ernte hat früh, vor der Blüthe zu erfolgen, weil die Halme sonst hart werden und deßhalb an Werth verlieren. Zum ersten Mal blüht es bei uns anfangs bis Mitte Juni, doch treibt es auch zum zweiten und dritten Male reichlich Halme, welche bis in den September zur Blüthe gelangen. Der Ertrag ist je nach Witterung, Boden, Düngungszustand und Stand der Kultur außerordentlich verschieden. Pinkert erzielte auf fruchtbarem sandigem Lehmboden einen Ertrag von 40 Ztr. per Hektar, Kielmann brachte den Heuertrag nicht auf 36 Ztr. Sinclair erntete auf reichem Lehmboden pro Hektar pro Juchart in Zentner gritn dürr grün dürr Am 16. April 91 — 33 — Zur Blüthezeit 175 76 63 27 Nachmahd .... 76 — 27 — Vianne erzielte in zwei Schnitten auf mildem, reichem Thonboden 133 Ztr. Heu per Hektar. Karmrodt im Durchschnitt von 4 Jahren 166 Ztr. Werner berechnet den Durchschnittsertrag auf 88 Ztr. Heu per Hektar. 100 Pfund Gras geben 25 bis 42.z Pfund Heu, im Durchschnitt 33.g Pfund. Als Mähefutter steht es also im Ertrag andern Gräsern wesentlich nach, während sich das Verhältniß bei Weide wesentlich günstiger gestalten würde. Mit dem Beginn der Weide darf man im Frühjahr nicht zu lange warten, denn sobald das Gras in die Halme schießt, wird es vom Weidevieh nicht mehr so gerne genommen, dasselbe läßt vielmehr die Halme stehen und sie bleiben dann den ganzen Sommer im verwelkten Zustande auf der Weide, wodurch der Werth derselben verringert wird. 100 Pfund Heu enthalten nach Wolff 79..,®/° organische Substanz. Darin sind: Eiweiß .... • 10., % davon sind verdaulich 5., 7« Rohfaser .... - 30.,} 35.g „ Stickstofffreie Extraktstoffe . . 36., j " " " " Fett. 2-, „ „ „ „ 0-8 n Nährstoffverhältniß • 1:7. 3 Demnach steht das englische Rahgras bezüglich Futterwerth einem Wiesenheu von mittlerer Qualität etwas nach. Um das Heu den Thieren schmackhafter zu machen, was besonders bei etwas überreifem Futter nothwendig ist, ist es angezeigt, dasselbe zu Häcksel zu schneiden und gemischt mit anderem Rauhfutter und mit Kraftfuttermittelu zu verabreichen. Samengewinnnng, Verunreinigungen und Verfälschungen. Das englische Rahgras setzt viel Samen au und die Gewinnung derselben ist mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden. Gewöhnlich wird der Same vom zweiten Schnitt gewonnen, weil dann weniger Futterwerth verloren geht. Da die Samen sehr leicht abfallen, so muß man den richtigen Zeitpunkt der Ernte sorgfältig wahrnehmen, da sonst durch Abfall große Verluste entstehen. Man darf infolge dessen mit dem Schneiden nicht zuwarten, bis die Früchte braun und hart werden, sondern man schneide, wenn die in den Spelzen eingeschlossenen Körner anfangen in lederartigen Zustand überzugehen. Dieser Zustand tritt ungefähr vier Wochen nach der Blüthe ein. Die Halme sind dann noch ganz grün, nur die untern Blätter fangen an abzusterben und die Fruchtspelzen nehmen eine grünlichgelbe Färbung an. Ist dieses Stadium eingetreten, so schneidet man die Samenpflanzen mit der Gestellsense in Schwaden, läßt diese ein bis zwei Tage liegen und wendet dann im Thau. Man kann die Pflanzen auch sofort in kleine lose Bunde binden und diese gegen einander zum Dörren und Nachreifen in Zeilen oder Puppen aufstellen. Im ersteren Falle, werden die Samenpflanzen drei bis vier Tage, im letz- 2.3 hm, rtw» W» 9 «r auf bem Fetbe ze,äffen uub baun auf oiurn mit f®“*" nach Haus- g.fahoeu L sofort, mtwebee «, Haub ob« «it b-o Ma ch.« . tg