'|V •/' M4V E.. %f-} WVL8?-B iä«aF^" IiimMIM! jyaifisrs ii. jahroano y™ '/rr/af/r/ss Irniiz n.iptw'sohon/^jU^/w^’-'/- EWN &£&& Wien, seine Geschicke und seine Denkwürdigkeiten. 2 in Vereine mit mehreren Gelehrten und Kunstfreunden bearbeitet und herausgegeben durch Joseph Freyherr» von Hormayr zu Hortenburg / des Leopoldordens Ritter/ k. k. wirkt. Hosrath und Historiographe»/ Mitglied der königlichen Akademien von Götkingen und München, der philosophischen Gesellschaft zu Philadelphia, der schweizerischen geschichksforschenden Freunde/ der vaterländischen Gesellschaft zu Breslau, der Gesellschaften zur Ermunterung des Ackerbaues / der dkatur - und Landeskunde zu Lresden / Innsbruck »nd Brunn. ». 3 a h r g a n g. fc * Erster Band. Erstes Hes- Wie», 1824. 3m Verlage der Franz Härter'schen Buchhandlung. Gedruckt bey Franz Ludivig. / IVaturane nobis hoc datum dicam, an errore quo* dain ; ut cum ea loca videamus, in quibus viros memoria dignos multum esse versatos acceperimus, magis moveamur , quam siquando eorum ipsorum aut facta audiamus aut scriptum aliquod legamus 'i velut ego nunc moveor. Venit enim mihi Platonis in mentem , quem accepimus primum hic disputare solitum, cujus etiam illi hortuli propinqui, — hic Speusippus , hic Xenocrates, hic Polemo — — et Peripatetici veteres , quorum princeps Aristoteles * — — tanta vis admonitionis est in locis — ut me ipsum huc modo venientem primum ad se convertebat coioneus ille locus, cujus incola Sophocles ob oculos tersabatur —> nec ad hospitem ante divertebam , quam Pythagorae ipsum illum locum, ubi vitam ediderat, sedemque viderim J — locum ubi Demosthenes et Aeschiues inter se decertare soliti sunt — in quo ad {luctum declamare solitus Demosthenes, ut fremitum assuesceret voce vincere?! — —— Multa in omni parte indicia summorum virorum — id quidem in hac urbe infinitum: quacumque ingredimur, in aliquam historiam vestigium ponimus* Cicero de vinibus bonor. et malor. V. 2., über Atyen. ■n, liUB Kat fi m m I D i e alten Knnstdenkmahle Wiens m i t einem Blicke auf die Kirchenbaukunst des Mittel- alters überhaupt und einige ihrer Denkmahle in Österreich. Von A l o i s P r i m i f f c t> EustoS des k. k. Münz- und Antikenkabinetes und der k. k. Ambraser Sammlung zu Wien- *. l s 9 \ Denkwürdigkeiten. Erstes H e s t. Ein Blick auf die Kirchenbaukunst des Mittelalters überhaupt, und einige ihrer Denkmahle in Österreich. I. Die Metropolitankirche zu St. Stephan. Baugefchichte. Der älteste Theil der Kirche mit dem Haupteingange gegen Westen. Das Äußere der beyden Langseiten und des Chores. Der große Thurm. Das Innere der Kirche. II. Die Kirche zu Maria-Stiegen. r III. Die Kirche zu St. Michael. Die Minoritenkirche, Hofburg- kapelle, die Ruprechts» und Augustmcrkirche, die Kreujgän- ge des Schotten - und Dominikanerklosters , die RathhauSka- xelle zu St. Salvator, die Kapelle des deutschen Hauses, die Pfarrkirche am Hof (Carmeliten); das Steinbild über dem Eingänge des MariazellerhofeS. Anhang. Prüfung der bisherigen Annahme eines GeorgHauser, als des ersten Baumeisters des großen Thurmes, und ein Wort über die vorhandenen Riffe des Thurmes und die Stein- metztafeln bey St. Stephan. L Ein Blick auf die Kirchenbaukunst des M i l t e l a l t ers überhaupt, und einige ihrer Denkmahle in Österreich. (§i»e der, würdigsten Aufgaben der Geschichte ist vor- urtheilsfreye Erforschung des innern und geistigen Lebens der Volker nach den Stufen ihrer Entwicklung, ihrer Fortbildung, ihrer Hohe, ihres Sinkens. Daß hier die K u n st, als Gegenstand der Forschung, oben anstehe, bedarf keiner Erinnerung, wenn wir bedenken, wie innig sie dem geistigen Wesen des Menschen verwandt, welche Wechselwirkung zwischen ihr und der allgemeinen Volksbildung obwalte, wie überraschendste, noch' nach Jahrtausenden, den Sitten, der Denkweise, der Bildungsstufe der Volker Zeugniß gebe. Wenn der Forscher mit vollem Rechte, neben den Schriften der Alten, auch die Denkmahle ihrer Kunst, , die kolossalen Ruinen der Ägypter, der Jndier, der Perser, die großartigen und vollendet schonen Werke der Griechen, die pomphaften Trümmer und Zeichen der stolzen Romer aufsucht, prüfr, befragt, und von ihnen ausgehend, immer wieder zu ihnen, als treuen Leuchten auf den dunklen Pfaden der ältesten Geschichte zurückkehrt, so dürfen auch wir für das Verständniß des Mittelalters die reiche Fundgrube der Kunst um so weniger verschmähen, je dürftiger l»ns oft Ein Blick auf die Kirchenbaukunst dürre Urkunden und magere Chroniken belehren, wenn nicht der belebende Hauch alter Kunst in das form - und leblose Gerippe Leben und Geist bringt. Die Zeit hat uns viele Denkmahle alter Dichtung vernichtet, andere verstümmelt und entstellt, einige von sehr ungleichem Werthe erhalten, und unter diesen manche der lebensvollsten Sittengemahlde, Sagen und Lieder, gerade Erzeugnifie österreichischen Bodens: aber ihre Sprache, Denkweise und Sitre sind uns so ferne gerückt, daß nur anhaltendes Studium aller dieser inneren und äußeren Eigenthümlichkeiten sie uns nähern können. Unmittelbarer sprechen die Werke der Kunst zu uns, vorzüglich die Denkmahle der kirchlichen und öffentlichen Baukunst, die aus den Bedürfnissen, den Gewohnheiten , dem Geschmacke und der geistigen Rich-' tugg eines ganzen Volkes hervorgegangen. Und schon ihrer fest bestimmten Zivecke wegen, nicht so oft, wie die Werke der Mahlerey und Skulptur, durch Ansichten und Eigenheiten des Einzelnen bestimmt und geleitet sind. Freylich dürfen wir die Mühe nicht scheuen , die Sprache der alten Kunstdenkmahle verstehen zu lernen. — Dazu aber scheint es nöthig, über die- Ansicht, die wir von der Kunst überhaupt haben, und über die Grundsätze, die uns bey der folgenden Betrachtung leiten werden , einige Worte vorauszuschicken. Es ist allgemein bekannt, daß alle Kunst der antiken und der mittleren Zeit nur in Beziehung zur Religion gedacht werden kann. Die alten Werke der höheren Baukunst zumahl sind beynahe alle dem Gottesdien- des M i t t e l a l t e rs überhaupt rc. 7 ste geweiht, Tempel und Kirchen, so wie diese zugleich auch die einzigen Bewahrer und Erzieher der übrigen Künste geworden, welche durch den Gottesdienst ihre Bedingung und ihren Wirkungskreis so lan- I ge behielten, als sie ihrem gemeinsamen Zwecke, dem Höchsten, das die Menschen kannten, zu dienen, treu geblieben sind. Diese höchste und ursprüngliche Bedeutung der Kunst ist es, die wir immer im Auge be- halren müssen, wenn uns nicht das Wesen unter den Handen verfliegen, und die Form, so schön sie auch sey, allein zurückbleiben soll. Wesentlich verschiedene Religionen erzeugen eine in Stoff und Zweck wesentlich verschiedene Kunst : eine andere das Heiden- thum, eine andere^das Christenthum. Dabey aber un- terliegtdie Form und A u s b i ld u n g dieser Kunst ^ allerdings, wie die Wissenschaft, dem durch mannigfache äußere Ursachen herbeygesührten Stnfengange und Wechsel der Bildung und Verbildung, der Blüthe und des Melkens. So errang die christliche Kunst mit ihrem Beginne noch lange nicht das Ziel irnd den Gipfel, das hohe Ideal geistiger Schönheit, nach dem sie ihrer Wesenheit nach strebet und streben muß: indessen trugen doch selbst ihre anfangs noch dürftigen Werke, die sich der Form nach ganz an daS von der höchsten Bildung tief herabgesunkene Alterthum anschlössen, eine neue Welt von religiösen Ideen, von Überlieferungen und Geschichten, von Bildnissen und > Symbolen, wenn auch nur im Keime und in unvollkommener Darstellung, doch in fortwährender fruchtbaren Entwicklung von Jahrhundert zu Jahrhundert r 8 E i n Blick auf die Kirchenbaukunst vorwärts, bis sie, je nach ihren verschiedenen Zwei-, gen, früher oder später zur völligen Reife und Höhe gelangten. Die Baukunst, als die unentbehrlichste von allen Schwestern, eilte ihnen weit voran, sie stand auf ihrer größten Höhe, als die bildenden Künste , nahmentlich die Mahlerey in unmündiger Kindheit , nur langsam vorschreitend , die überlieferten Gedanken und Kunstfertigkeiten zwar treu bewahrte, aber noch jenen freyen Aufschwung entbehrte, durch den sie die trefflichen Meister Italiens und der Niederlande vom ist. und i5. Jahrhundert ihrer Vollendung cntgcgenführten. — Die Baukunst des Mirrel- alters lehnt sich allerdings an die römische, in voller Ausartung ihrem Verfalle zueilende Kunst an, ein Baum, der keine schmackhaften Früchte tragen konnte, wenn nicht ein frischer und saftiger Zweig auf ihm gepfropft wurde. Dieß geschah im Laufe derJahr- hunderte, nach langer Anhänglichkeit an veraltete aber mißverstandene Formen. Die Kunst nahm allmählig eine ganz veränderte Richtung, und bildete sich, frey und los von fremden Banden, neue Gesetze und ein tiefdurchdachtes System mit einer Sicherheit und Con- seguenz aus, die man in späterer Zeit nur darum verkennen konnte, weil man theils unfähig war, sie zu verstehen, theils durch die einseitige Richtung des Zeitgeistes gefangen, sich nicht die Mühe gab, tiefer in den Geist und das Wesen einer in der Ausübung verschwundenen Kunst einzudringen. Weil bey dieser Ansicht die gesammte Baukunst des Mittclalters nur als Ausartung und Verfall er- d es Mittelalters ü be rhauptrc. 9 scheinen mußte , wurde auch nicht an Erhaltung ihrer Denkmahle gedacht. Doch diese Zeit ist glücklich vorüber/ und wir lassen dem Alten wieder gerne Gerechtigkeit widerfahre» : um so eher wird ein Versuch/ die Entwicklung und Ausbildung der christlichen Baukunst/ nach ihren Hauptmomentcn, anzudeuten und einen Blick in ihr wahres Wesen zu thun, vielleicht auch von dem großer» Publicum / nicht ungerne aufgenommen werde»/ zumahl da wir dadurch die unten folgende Schilderung der alten Baudenkmahle Wiens zu begründen und zu belegen hoffen. Die Basiliken der alten Römer waren die ersten zum christlichen Gottesdienste gebrauchten Gebäude/ sobald das Christenthum Staatsreligion geworden war: allein in der Folge fühlte man das Bedürfniß/ durch veränderten Bau mehr Raum zu gewinnen zur Haltung feyerlicher Umgänge/ und Aufnahme einer großen Menschenmenge, zur Aufbewahrung der heiligen Gefäffe/ der Bücher und Geräthe, zum Aufenthalte der Priester und andern zum Got- ' tesdienste erforderlichen Personen. So entstanden an den alten Basiliken mehrere Nebengebäude/ der Chor/ die Abseiten, die Vorhalle. Seltner baute man runde oder eckige Kirchen, die dann durch Anbau jener: eben erwähnten Theile von selbst die Form eines gleichseitigen Kreuzes erhielten. Ohne Zweifel aber trat zu dem Bedürfniß dieser wesentlichen Raumoergroßerung noch das immer mehr sichtbar werdende Streben, in alles Bedeutung und Sinn zu legen, und auch an den Kicchengebäuden gleichsam die K i r ch e selbst io Ein Blick auf die Kirchenbaukunst darzustellen. So gab Justinian seiner Sophien- kirche zu Constantinvpel die Form des Kreuzes, die nun im Morgenlande wie im Abendlande die herrschende wurde. Die morgenländische häufle Kuppeln an Kuppeln und Rorunden an Rotunden, und entfernte sich mehr von der alten Form der Basiliken als die nach dem lateinischen Kreuze gebildete Kirchen- form, die dem Westen eigenthümlich blieb. In beyden Formen aber stand der Altar als die heiligste Stätte und der Punct, auf den alles hinwies, in * des Kreuzes Mitte, über ihm wölbte sich anfangs eine hohe Kuppel, die oft mit aller ersinnlichen Pracht von Gold, von Gemählden und Mosaik geschmückt wurde. Später trat der Altar mehr in den Kopf des Kreuzes zurück, dessen Stamm das Schiff, die beyden Querbalken aber Seitencingänge enthielten. Rechts und links vom Schiffe baute man Abseiten oder Gänge, die um vieles niedriger als das Schiff, entweder sreysianden, oder mit dem Schiffe durch Bogen verbunden, aber nn.ist von einem besondern Dache bedeckt wurden. Allein noch selbstständiger und dem allen römischen Banstyle entfremdet, wurden die Kirchen durch die Einführung der Glocken. Bestimmt, die, oft weit zerstreute Gemeinde durch laut und fern ertönende Klänge zu mahnen, zur Andacht und zur heiligen Feyer zu versammeln, mußten sie groß seyn und hoch in die Luft erhoben werden. So entstand der dem Alterthume unbekannte Glocken thu rm, der als das wesentlichste Bedürfniß und Bestandtheil der Kirche den entschiedendsten Einfluß auf die Aus- des Mittesalters überhaupt rc. 1 1 bildung des kirchlichen Baustyles äußerte. Anfangs begnügte man sich, gegen Westen einen einzigen Thurm anzubringen, unrer welchem sich der Eingang befand, eine Weise, von welcher die älreste» Kirchen Kblns noch Beyspiele bewahren und die man auch in unsern Provinzen an alten Dorfkirchen hier,und da antrifft. Als aber die Kirchengebäude überhaupt an Umfang und Pracht zunahmen, traten an der Westseite zwey Thürme statt des einen auf, und außer diesen stand ofr ein dritter, schwerer, viereckiger Thurm über dem Kreuze, in offenbarer Nachahmung der altern noch morgenländischen Kuppeln, eine Bauart, die wir im 11. und 12. Jahrhunderte in und außer Deutschland häufig finden. Die vorderen Thürme zeigen nun wohl schon den Keim ihrer spater» Hohe und Vervollkommnung , aber doch blieben sie wegen der wag- rechten Abtheilungen und meist gleichen Dicke äußerst schwerfällig und konnten den Gedanken eines Aufschwunges unmöglich erregen. Die Wände der Kirchen und Thürme waren bis ins 12. Jahrhundert ziemlich einfach, kahl und schmucklos , nur an Eingängen mir Gesimsen und Knäufen einförmig verziert. Die Psianzenform fehlte fast ganz; dagegen waren alle mathematischen Figuren sdwohl in Hauptmassen als an Nebendingen schroff und scharf ausgesprochen, welche der spätere, reiche Styl mit der anziehendsten Fülle blühender Gestalten, nicht aufzuheben, sondern zu bedecken strebte. Mit der Einführung der Thürme stand die Grundform für alle folgenden Zeiten da. Aber in der äußern / i 2 Ein Blick auf die Kirchenbaukunst und inneren Ausschmückung, in der Art der Bogen und deren Anwendung, in allen untergeordneten Theilen des Baues waltete von dem Schluße der antiken Zeit bis zum Schluße des MittelalterS (5oo — i5oo) die allergrößte Mannigfaltigkeit, und ein ^ merkwürdiger Stufengang stellt sich dem Auge des Untersuchenden dar. Man unterscheidet unter den vielen Abarten der noch vorhandenen Baudenkmahle dieses Zeitraumes von vollen tausend Jahren, der Hauptsache nach zwey scharf getrennte Baustyle, den altchristlichen (von Einigen der byzantinische, neuromische, sächsische, derRundbogenstyl genannt. Nahmen deren Wür? digung an einen andern Ort gehört,) und den sogenannten reichen gothischen Styl, den man auch den deutschen, nennt, weil er sich nirgends zu * der Reinheit und strengen, wissenschaftlichen Ausbildung erhoben zu haben scheint, die er in Deutschland erreichte. Sein vornehmstes Kennzeichen ist der spitze Bogen in Haupt- und Nebentheilen. Da wir bey der Betrachtung der alten Baudenkmahle Wiens von beyden Beyspiele finden werden, darf hier eine kurze Andeutung der Entwicklung und der Eigenthümlichkeiten des einen und des anderen nicht fehlen. Die Werke des altchristlichen Schles zeigen im Allgemeinen in allen Ländern des alten Ro- merreichs eine merkwürdige Übereinstimmung der j Grundform und der Zierathen, deren Grund man aus verschiedenen Wegen zu finden geglaubt hat. Die des M i t t e l a l t e rs überhaupt rc. »5 einen schloffen aus einzelnen Fällen, wo byzantinische Baumeister im Abendlande Baue führten, gleich auf das Ganze und Allgemeine; andere suchten eine weit- ^ läufige Herleitung von den römischen Baucorporatio- , nen geltend zu machen: wieder andere sehen in den Gothen und andern germanischen Völkern , die sich in allen Theilen des RomerreichS verbreitete» / die Urheber jener Gleichförmigkeit. Zwar blieben manche Gegenden und Orte des westlichen Europa, nahmentlich unser Österreich ohne Zweifel nicht frey von byzantinischem Einffuße auf die Künste überhaupt, und die Bau- x kunst insbesondere, bey dem urkundlich erwiesenen lebhaften Handel aus Byzanz, bey den fast fortwährenden Ehen österreichischer Fürsten mit byzantinischen ^ Prinzessinnen, bey den Kreuzfahrten der Herzoge, aus welchen Leopold, der Held von Damiate, heimkehrend, nicht nur griechische Bilder und Reliquien seinem geliebten Stifte Lilien feld mitbrachte, sondern auch in K l o st e r n e u b u r g eine prachtvolle Kapelle erbaute, und zwar, wie es hieß, n a ch der im Oriente von ihm gesehenen Bauweise. — Aber der natürlichste Erklärungsgrund liegt wohl, wenigstens in Beziehung auf die festbestimmte Grundform , und im Allgemeinen, ohne Zweifel in der Geschichte der Verbreitung des Christenthums selbst. Von Italien aus drang mit dem Chri- stenthume der Keim eines neuen Lebens immer weiter J nordwärts und westwärts vor, und mit ihm auch die zum Städte - und Kirchenbaue unentbehrliche Baukunst, die unter den Händen der Verbreiter desselben gewiß i4 Ein Blick auf die Kirchenbaukunst ihr Vaterland nicht verleugnete. Entscheidend wirkte in dieser Hinsicht, wie aus die Bekehrung des halben Nordens, der Orden des heiligen B enedict, durch seine ungeheure Verbreitung aus dem Stammkloster S u b l a c u m in Italien, nach Sicilien, Frankreich, England , Deutschland und Spanien (im sechsten bis achten Jahrhundert.) In Zeilen, wo alle Bildung und Kunst ausschließend in den Handen der Geistlichkeit war, wo Handarbeit nicht nur den Klerikern zur Pflicht gemacht, sondern auch der Anbau wüster Gegenden, die Ausrottung der Wälder von ihnen ab- hing, gründeten sie gewiß auch ihre Kirchen und Kloster, wie denn auch die Angaben von Bischöfen, Äbten, Mönchen und Priestern, welche die Baukunst wissenschaftlich trieben, häufig sind, und nahmentlich die Benedicriner besondere Bekanntschaft und tiefere Einsichten in die Kunst zu bauen gehabt zu haben scheinen. Theils ihre fortwährende Gemeinschaft mit Rom ,theils Ordensregeln, Gewohnheit und Herkommen, theils die Sitte, z. B. der C i st e r z i e n se r, nachdem Muster der Srammkirche zu Eireaup zu bauen, können hinlänglich erklären, wie der aus der späteren römischen Bauweise entstandene Kirchen-und Klosterstyl des älteren Miccelalcers sich durch fünf Jahrhunderte der Hauptsache nach gleichbleiben konnte. Wie die Hauptform der Basilika, selbst mit dem Nahmen, in das Mitrelulter überging , so trugen auch die Eonstruction, die einzelnen Theile und untergeordneten Glieder lange das Gepräge der schon seit D i o- c l e t i a u von östlichem Einflüsse nicht freyen , rö- des M i tt e l a lters überhaupt rc. i5 mischen Bauart. So die flachen oder gewölbten Decken , die einfachen Kreuzgewölbe, die das Gewölbe scheinbar stützenden Säule» mit ihren Kapitalen, Architraven und Füßen. Spater/ um die Zeit der Lom bardischen Könige in Italien, beginnt das immer sichtbarer hervortretende Streben nach der Hohe in dem Zierarh der langen schmächtigen Säulen- schäfte, mit welchen die Giebelseicen geschmückt wurden. Dabey suchte man aus den Resten der späteren Römerzeit gerade dasjenige heraus, was besonders ausfiel, zierliche Arkaden, Bogenstellungen, Säulen an und in größern und kleineren Öffnungen der Fenster und Thüren, kurz das, was das Auge und die Fantasie ansprach, unbekümmert um die ursprünglichen Zwecke jener Glieder, und ob die Stelle, die man ihnen anwies, den Grundsätze» der wahren Baukunst entsprach. In den kleinern Verzierungen herrschte gleiche Willkühr und das Abenteuerliche und Seltsame trat besonders in Thierfiguren auf mannigfache Weise hervor, und verkündigte das dem Mittelalter so eigenthümliche Streben und Walren der Fantasie. Raum und Zweck dieses Buches gestatten nicht, alle die stufenweise» Unterabtheilungen nach ihren Eigenthümlichkeiten zu entwickeln, die in dem altchristlichen Baustyle bis ins i3. Jahrhundert statt fanden, und deren Darstellung in eine ausführliche Geschichte jener Baukunst gehören.*) Nur bemerken wir, daß ') Möller hat dieses in seinen vortrefflichen Denkmählern auf eine gründliche Weise geleistet. t i6 Ei ii Blick auf die Kirchenbaukunst an den wenigen Resten von Carls des Großen Zeit/ z. B. zu Lorsch und Achen, die Nach- ahniung der antiken Form, im niedern Dache, in Säulen und Profilen/ noch sehr auffallend ist: in den zwey folgenden Jahrhunderten traten dagegen schon überall die schweren Pfeiler mit angesetzten Halb- saulen im Innern an die Stelle der Säulen / welche die Last des schwere» nun üblichen Steingewölbes nicht mehr so ertragen konnten, wie sie die frühere flache Holzdecke gestutzt hatten. Darin liegt der erste Keim zum wesentlichen Grundsatz der spätern deutschen Baukunst : Hohe und Aufschwung aller Formen/ ein Strebe»/ welches sich gegen Ende des 12. und zu Ansang des i5. Jahrhunderts schon deutlich kund gab in den hohen schroffen Dächern / denen nun alles übrige aus dem Wege zu einer ganz neuen Bauweise nachfolgte. Der Haibzirkelbogen konnte es jenem hohen Dache nicht nachrhun: man mußte ihn überhöhe»/ und so entstand vielleicht (nebenbey aus andern unbekannten Gründen) der so entscheidende und alles umgestaltende Spitzbogen. Da nun Dach und Gewölbe erhöht waren, mußten auch die niedrigen Pfeiler das gehörige Verhältniß zu jenen bekomme»/ die Abseiten gehoben / die Fenster vergrößert/alles in die Höhe gezogen werden; doch auch dieß geschah nur stufenweise, denn sowohl im Gewölbe als an Fenstern wendete man den Halbkreis und den Spitzbogen eine Zeitlang schwankend an, auch vom Gebälke und Gesimse, das mit der Abschaffung her Säulen seinen Zweck ver- des M i tt e l a lters überhaupt re. i) loten , konnte man sich noch nicht trennen: die kleineren Verzierungen aber wurden durchgehends noch aus dem alten Gebrauche behalten. Dergleichen Gemisch findet sich bey uns z. B. in der sonst vorzüglichen Kirche zu L i l i e n f e l d. In der Mirte des i3. Jahrhunderts sagte sich der neue Styl endlich unter den Händen der deutschen Meister los von den ihm fremdartigen älteren Formen, und stieg schnell zu einer um so bewundernswürdigeren Hohe, da schon gleichzeitig mit seinem Aufkommen die größten und vollendetsten Werke jener Bauweise entstanden, welche die ganze Folgezeit bis zum Verfalle dieser Kunst im i5. Jahrhunderte durch nichts höheres mehr überbiethen konnte. Um die Zeit der letzten Hohenstauffen schien nähmlich die Baukunst aus einem langen Winterschlafe zu erwachen , die Kirchen und öffentlichen Gebäude, die jetzt entstanden, bekleideten sich nach und nach nicht nur an den Außenseiten mit den schönsten Knospen , Blättern und blühenden Stäben, sondern ihr ganzes Wesen, ihre ganze Bedeutung änderte sich und erhob sich wie ein verklärter Leib, himmelwärts. Die niedrigen und gedrückten Schiffe der Kirchen höb man durch spitz nach oben sich endende vielgegliederte Gewölbe, die wie Zweige eines Haines sich hierhin und dorthin verbreiteren, zu einer, dem einfachen runden Bogen oder Tonnengewölbe, unerreichbaren Höhe und Leichtigkeit empor: es stand hoch über den Gewölben der Abseiten, die bald auch sammt dem Schiffe mit einem uno demselben Dache bedeckt wurden, wo- Iahrg. Denkwüroigkeiten. l> Vd. l.Heft. 2 ,8 Ein Blick auf die Kirchenbaukunst durch die Außenseite ein erhabenes und aufsteigendes Ansehen gewann. Waren vordem die Säulen, welche Schiff und Abseiten trugen, in bedeutender Dicke in die massiven Pfeiler des Innern eingesetzt, so entstanden jetzt, um die Schwere der Pfeiler zu ber-- gen, ganze Bündel von dünnen, rohrförmigen, schlanken Stäben mit Blätterknäufen, die vor allem den wunderbaren Eindruck der Kirchen jener Bauart auf das Gemüth hervorbringen. Denn die Fantasie wird nicht müde, diese oben in das Gewölbe in eben so viele Gurten auslaufenden Säulenbündel mit Erscheinungen der überall schaffenden und lebendigen Natur unbewußt zu vergleichen, mit den Wölbungen eines hohen Baumganges, mit Basaltschichte» , mit dem auf und niedersteigenden Wafferstrahle eines künstlichen Springbrunnens. So wuchs nun auch das Äußere der Kirchen zu einer Well von planmäßig geordneten Pflanzen-Kristallen, zusammen. „Es gleichen diese Wunderwerke der Kunst," wie ein tief in den Geist der alten Kunst eindringender Schriftsteller *) sehr schön bemerkt, „am meisten den Werken und Erzeugnissen der Natur selbst, und so unergründlich reich die Struetur, das Gewebe und Gewächse eines belebten Wesens dem untersuchenden Auge ist, eben so unübersehlich ist auch der Gestalten - Reichthum eines solchen architektonischen Gebildes. Alles ist gestaltet- gebildet und verziert, und immer höhere und mächtigere Formen und Zierden ') Friedrich v. Schlegel. des M i t t e l a l t e rs üb e r h a uptrc. ig steigen auf aus den ersten und kleineren." Treffend fugt er das Wesen der blühenden christlichen Baukunst in die wenigen inhaltschweren Worte zusammen: „Und so besteht das Wesen der gothischen Baukunst, fahrt er fort, in der naturähnlichen Fülle und Unendlichkeit der innern Gestaltung und äußern blumenreichen Verzierungen. Daher die unermüdlichen und unzähligen steten Wiederhohlungen der gleichen Zierathen; daher das Pflanzenähnliche derselben, wie an blühenden Gewächsen. Und daher auch das Jnnigergreifende, das rührend Geheimnißvolle, das freudig Liebliche und Belebende des Eindrucks bey dem Erstaunen über die Große. Diel gothische Baukunst hat eine Bedeutung und zwar die höchste; und wenn die Mahlerey sich meistens nur mit schwachen, unbestimmten, mißverständlichen, entfernten Andeutungen des Göttliche» begnügen muß, so kann die Baukunst dagegen, so gedacht, und so angewandt, das Unendliche gleichsam unmirreldar darstellen und vergegenwärtigen, durch die bloße ^Nachbildung der Narurfullc, auch ohne Anspielungen auf die Ideen und Geheimnisse des Christenthums , welche allerdings auf die Entstehung und Ausbildung der Kirchenbaukunst nicht geringe» Einfluß gehabt haben." — Soweit Fr. Schlegel.—Dieses Naturgefuhl, diese Frühlingslust ist ein Grundzug der germanischen Stamme ; und nahmentlich im dreyzehnten Jahrhunderte, der Blüthezeir der deutschen Baukunst, trat des Volkes Freude an Wald und Berg lind Thal, an Blumen und Wiesen, nach der Bemerkung eines Schrifcstel- 2 * 2o Ein Blick auf die Kirchenbaukunst lers, *) auf eine fast schwärmerische Weise hervor in den Hunderten von Minneliedern und anderen Dichtungen, die sich von der Naturanschauung gar nicht trennen konnten. Selbst heute noch, bemerkt er, leben Gebräuche: dasMayfest, der Kirchweihbaum rc.,die dasselbe verkünden, und wer kennt nicht die blumige Farbenpracht der deutschen Mahler! **) — Bvi sser e , in dem Prachtwerke über den ÄölnerdöknS.gl. Diese äußere Erscheinung der deutschen Baukunst, daSPflan- zenähnliche und Hochaufstrebcnde aller Gestalten fällt hinlänglich in die Augen, der Eindruck der Hoheit und unendlichen Mannigfaltigkeit dringt sich unwillkührlich auf: aber nicht selten betrachtet man sie klosi als das Resultat einer lebendigen und kühnen Fantasie, ohne daran zu denken, welch ein uncrmesilicheS Gebäude von Wissenschaft und Kunst die überUeferten Grundsätze und Regeln bilden, auf welchen diese gehcimnisivclle Bauartbecuht. Zwar sind noch langenicht alle Glieder der großen Kette dieser Kunstlchre, die mit ihren Meistern zu Grabe ging, aufgefunden: doch fangen denkende Künstler und gründliche Forscher an, aus schriftlichen Überbleibseln, mehr noch aus der Betrachtung der besten Bauwerke selbst die Gesetze und Prinzipien jener Kunst herauszu- sinden und anzudeuten. Es fehlt nicht ganz an alten Schriften, die einiges Licht über die Theone verbreiten, wie die Commentare des Vitruv eines Cesare Ecsariano, und feines Übersetzers Rivius, doch sind diese Werke meistens zu jung, um durchgchends für ältere Bauwerke zu entscheiden. Was am meisten noth thut, sind genaue Messungen undVcr- gleichungen der vorzüglichsten Denkmahle. Und hierin hat der Herausgeber des größten PrachiwerkeS Deutschlands, über den Dom zu Köln, Herr Sulpiz Boisseree, das Gründlichste und Vollendetste geleistet, was gefordert werden kann, «in schönes Denkmahl deutschen Sinnes, welches mit den Vorzügen unübertroffener Kunstleistung auch das Verdienst »er glücklichsten Wahl, des durchdachteste» Plänes, und seltener Gründlichkeit und Tiefe in Darstellung des Gei- des M i t t e l a l t ers überhaupt rc. z i Nichts both dem herrlich aufblühenden Baustyle einen so unendlichen Spielraum dar, als die T h ü r- me der Kirchen. Sie schienen wie zur Verherrlichung der Kunst erfunden. Die frühere achteckige oder viereckige, massive Form wich nun natürlich der Pyramide oder dem Obelisk, der an sich schon in die Hohe strebend, Auge und Herz mit sich hinaufzieht. Dazu trat aber noch der allersinnreichstc und kunstvollste Schmuck der äusiern Wände, deren der untere Theil meist vier, der obere aber acht erhielt. Unser S t e- phansthurm, ein Muster in dieser Hinsicht, wird in der Beschreibung selbst, ausführlich geschildert, und von den vorzüglichsten andern Thürmen soll derVer- gleichung wegen auch in der Folge noch einiges gesagt werden: so daß wir uns hier mit der allgemeinen Andeutung begnügen können. — Mit dem Schmucke der Thürme übereinstimmend mußte auch die ganze äußere, Bekleidung der Kirchenwände seyn, die gleichsam den Stamm und die Blätter der himmelhohen Blume des Thurms bildeten. Allein selbst auf dem höchsten Gipfel ihrer Ausbildung mochte die gothische Baukunst nicht der Hülfe der andern Künste zu gemeinschaftlichem Zwecke entbehren: sie erhöhte ihre Schönheit durch die Seulp- tur und Mahlerey. Schon zu dem kunstreichen Zierwerke ihrer Knospen, Blätter und Thürmchen bedurfte sie des bildenden Meißels des Steinmetz, in stes jener alten Kunst, in sich vereinigt. Möge durch die Fortsetzung bald die gespannte Erwartung der Kunstfreunde tu, sriedigt werden. 22 Ein Blick auf die Kirchenbaukunst dem die beyden Künste des Baues und der Bildhauerey fast immer vereinigt waren. Aber die blühendste Fülle des Baues sollte dem Auge nicht bloß das Schaue spiel einer steineren Pflanzenwelt gewahren; mitten unter diesen Formen sollten auch Bildnisie von Heiligen , von Stiftern der Kirche, von Ahnherrn hoher Geschlechter zur Erbauung und frommen Erinnerung der Gemeinde aufgestellt seyn. Diese Bildwerke in dem Äußern und im Innern der Kirchen auserhohten Stellen, an Säulen und Portalen angebracht, machten nebst den Grabmählern den Vorwurf der alten Sculp- t u r aus. Da sie aber der Baukunst so sehr untergeordnet, auch, bey den Deutschen , an das weniger günstige Material des Sandsteines gebunden, und meist an eine entfernte Höhe angewiesen war, wo sie als Verzierung der Pfeiler und Thürmchen nur für gerade, langgestreckte, dem ganzen aufwärts strebenden Baue entsprechende Gestalten , nie aber für eine mannigfalrige Gruppirung und Stellung Raum und Gelegenheit fand —> so konnte sich das Standbild nie zur völligen Reinheit und Freyheit entwickeln, während es in der griechischen Kunst unter viel günstigeren Umständen eine so hohe Vollendung erreichte. Das Basrelief und H a u t r e li e f (die flach und hoch erhobene Arbeit) allein zeigt in einzelnen, nicht zu häufigen Her- vorbringungen, die Trefflichkeit alter Meister auch im Fache der Bildncrey zu einer Zeit, wo die gothische Baukunst schon auf dem Puncte stand, von ihrer alten Einfalt herabzusinken. des Mittelalters überhaupt rc. 23 Doch verdient es eine Bemerkung, wie sinnig und bedeutungsvoll die alten Baumeister ihre Bildwerke in der Kirche zu vertheilen pflegten. Im Chore stellten sie oft Statuen der Zwölfvothen längs dem Altare herab zu beyden Seiten an den Pfeilern auf/ die Bilder oder Zeichen der Evangelisten aber sieht man nicht selten an den Gewölbe - Schlußsteinen der Chordecke in erhabner Arbeit. Diese Ordnung erinnert an die Einrichtung der ältesten Kirche / wo zwölf Priester in der Altarrundung ihre Sitze hatten und zwölf Säulen in eylindrischer Richtung aufgestellt waren, die/ nach Eusebius, die zwölf Apostel bedeuteten. Die übrigen Heiligen sind häufig an solchen Stellen eingepfeilert zu sehe«/ wo sich etwa ein zu ihren Ehren geweihter Altar befand; die Schutzheiligen der Kirche aber erblickt man gewöhnlich schon an den Eingängen/ zuweilen in Begleitung frommer Stifter und Wohlthäter der Kirche. Selbst die Eingangshallen wurden, wie wir an Beyspielen im Dome sehen werden , mit allen ihren Bildwerken oft einem gewissen Heiligen gewidmet, auf welchen seine Darstellungen hindeuten. Merkwürdig ist ferner die Übereinstimmung, mit welcher in alten Kirchen einige von den Bauleuten besonders verehrte Heilige, ihre eigenthümliche Stelle erhielten. So haben C a t h a r i n a, die Schätzerinn der Philosophen und Mathematiker und Barba- r a die , in einen Thurm versperrt, dort durch den Bau dreyer Fenster als Zeichen der Dreyeinigkeit, ihren christlichen Glauben bekannte, — sowohl in dem Kölner Dome, als in unserer Cathedrale eigene Ka- 24 Ein Blick auf fcte Kirche»haIIkirnst pellen in den großen Thürmen. Johann der Tän- f er und die vier gekrönten Baumeister nahmen wieder andere Kapellen ein; und St. Michael hat die seinige im Dome zuFreyburg gerade über dem Eingang, als Schirmer des Gotteshauses. Ein wesentlicher Zug der reichen gothischen Baukunst, ist Höhe und Leichtigkeit der zahlreiche» Fenster, zum Unterschiede der früheren Bauart, wo kleine, rundbedeckte, dürftige Fensterlein die Schwere und das Gedrückte des Ganzen noch vermehrten. Jetzt aber wurden die ganzen Wände von oben bis unten mit Fenstern durchbrochen, und die nöthige Festigkeit litt dennoch nicht, weil das Gewölbe von Strebepfeilern und oft auch noch durch besondere Gegenstreben gestutzt wurde. Unerklarbar aber ist die Wirkung, welche eine solche Reihe oben mit durchbrochenen Rosen und Kleeblättern geschmückter Fenster von außen, und von innen gewahren; von außen, indem sie die kahle Fläche theilen, und Leben und Bewegung in die Masse bringen, wozu auch die mit Statuen und Knospendächlein geschmückten Strebepfeiler das ihrige beytragen, weil sie als eben so viele kleine Thürme das Ausstreben des Ganzen andeuten und erleichtern: von innen aber, indem das volle Licht des Tages aus die dunkeln und vielfach gebrochenen und schattieren Gewölbe, aus die init schlanken Stäben und Hohlkehlen besetzten Pfeiler, aus alle die zierlichen Knäufe und Leisten, Bildsäulen und Thürmchen einfällt. Noch nicht genug. Auch die Glasmahlerey trat mit all ihrem Farbenzauber dazu. Diese Kunst., des Mittelalters überhauptrc. 25 mit dauerhaften eingebrannten Farben auf Glas zu mahlen, verdankt eben der Kirchenbaukunst ihre Entstehung und Ausbildung. Die aus dem Alterthum berübergekommene Musivarbeit mag wohl eine entfernte Veranlassung zu jener verwandten Glasmosaik gegeben haben, deren Spuren schon in ziemlich frühe Zeiten zurückgehen. Der nächste Grund ihrer allmäh- ligen Entwicklung und durchgängigen Anwendung liegt aber wohl in der Vorliebe für die Pracht und Schönheit der Farben überhaupt, die dem unverdorbenen Menschen so natürlich ist, insbesondere aber in der Einrichtung, den Ideen und Gebräuchen der christlichen Kirche selbst, welche, indem sie äußern Glanz zur Verherrlichung des Höchsten, das sie bewahrt und verwaltet, anwendet, auch die wunderbare Symbolik der Farben in dem Schmucke ihrer Gebäude, Altäre und Kleidungen nicht verschmäht. Ja, der evangelische und kirchliche Gedanke einer neuen oder himmlischen Stadt Jerusalem, der verklärten Kirche Gottes am Ende der Tage, welche hatte den Strah- leuglanz Gottes, einen Glanz, wieder köstlichste Edelstein, wie der blitzende Jaspis,*) deren Grundsäulen mit allerley Edelsteinen geziert sind,**) jener Stadt, die nicht bedarf der Sonne noch des Mondes zu ihrer Erleuchtung; denn die Herrlichkeit Gottes erhellet sie und ihre Leuchte ist das Lamm,***) ein Gedanke, der sich mit so vielen andern apokalyptischen Vorstellungen *) Qffenb. 21. 11. ") Offenb. 21. 1Q. '”) Üffcnb. 21. 23. 26 Ein Blick auf die Kirchenbaukunst in dem kirchlichen Leben fortwährend erhalten hat, scheint der Einführung der bunten Glasfenster/ welche den Glanz der Edelsteine nachahmen/und ein wunderbares Meer von farbigen Lichtern in der Kirche verbreiten / besonders günstig gewesen zu seyn. Es fehlt sogar nicht an Beyspielen- wo diese Fenster wirklich aus edlen durchsichtigen Steinen zusammengesetzt / und die Wände der Kirchen selbst / in offenbarer Beziehung auf die himmlische Stadt, aus Jaspis, Achat, Amethyst und andern edlen Steinen bestehen, die Bilder aber fast durchaus der Apokalypse entlehnt sind.*) Wie überhaupt kein müßiges Glied an einem vollendeten Kunstwerke zuläßig ist, wie in den gothischen Kirchen - Gebäuden der besten Zeit alles einer Idee nachstrebt, und ohne Gesuchtheit, alles Sinn und Bedeutung hat: so mußte auch der Schmuck der A l- täre, des vornehmsten Bestandtheils der inneren Einrichtung, dem gemeinschaftliche» Zwecke der Erbauung und Erhebung des Gemüthes durch christliche Ideen, entsprechen. , Über dem Altartische stand gewöhnlich ein Bild, das entweder auf die besondere Einweihung und die Schutzheiligen der Kirche sich bezog, oder eine Darstellung aus der Lebens - oder Leidensgeschichte des Heilands enthielt. In der älteren Zeit noch bis ins zwölfte Jahrhundert herab, pflegte man an dieser Stelle eine Menge von Darstellungen an einander zu ') Die Prachtkirchen und Kapellen Carls IV- in Prag und Ea rlst e i n. des M i t t e l a l t e rs üb e r h a u ptrc. 27 reihen, meist einen ganzen heiligen Cyklus, oder mehrere dergleichen, wovon wir noch zwey der vornehmsten Beyspiele an dem uralten Hauptaltare der St. Markuskirche zu Venedig, und an dem Ver- d ün er- A lra r zu K lo ster n e u bu rg besitzen. Dem Geiste der Kirche treu, pflegte man die Begebenheiten des alten Testaments gern den entsprechenden des neuen, die von jenen vorgebildet wurden, gegenüber zu stellen, so daß also hier auf derjenigen Stelle der Kirche, worauf die Augen des ganzen Volkes , der Priester, wie der Layen gerichtet waren, die wichtigsten Momente der gesammten heiligen Geschichte zusammengedrängt wurden, zur Belehrung der Ungelehrten und zur Erbauung der Gelehrten und Gebildeten. Die Form dieser Altarbilder war schon damahls die eines Schrankes, dessen zwey Thüren von innen und außen bemahlt oder mit Bildwerken besetzt, nach Belieben geöffnet oder geschloffen wurden. Diese Einrichtung blieb auch der Hauptsache nach jn der Folge gleich, nur ahmten die Verkleidungen der Altäre die Gestalt und den Geist der aufstrebenden und schmuckreichen gothischen Bauart nach, sie erhielten hohe, in wundersamer Verschlingung aus einander herauswachsende Thürmchen mit Knospen und Blättern, mir Dachlein , unter welchen Heiligenbilder standen; unten aber war wieder das aus einer Mittelta- sel und zwey doppelten, auch vier-und sechsfachen Seitenflügeln bestehende Altarbild, deren das Mittelste meist in hocherhabener Schnitzarbeit mit reicher Vergoldung und farbig bemahlt, die Hauptvorstellung enthielt, 28 Ein Blick auf die Kirchenbaukunst die Flügelbilder aber mit Gemählden geschmückt waren, so daß auch hier oft eine ganze Welt geschichtlicher Beziehungen und religiöser Ideen dem Auge in Gold und Farben entgegen strahlte, lind gerade diesem Gebrauche verdanken wir fast ganz allein die köstlichen Reste altdeutscher und niedcrrheinischer Mahlerey , die von dem ersten Erwachen dieser Kunst bis zur Zeit ihrer veränderten Richtung entstanden sind. Wer gedenkt hier nicht der Werke der Brüden van Eyk, Hemmelinks, Schoreels, Dürers und vieler anderer, die heute noch die kostbarsten Perlen deutscher Bildersammlungen bilden. Den Brauch der Kirchen und Kapellen ahmten auch Privatleute darin nach, daß sie sich Haus- altare von gleicher Art verfertigen ließen. Wie das Himmelsgewölbe sich im großen See rind zugleich im kleinen Tropfen abspiegelt, so sollten auch, im Geiste jener unerschöpflichen Baukunst, die kleineren Behältniße und Gerälhe, deren die Kirche sich bedient, eben so gut ein Bild der Naturfülle und des Lebens seyn, als es im Großen die erhabenen Raume einer gothischen Kirche sind. So nahmen auch die Kanzeln, Tabernakel, Sakramenthäuschen und Monstranzen die Gestalt kleiner Gebäude oder Kapellen an, in denen wieder alles lebte und blühte. — Mit reicher Fülle ausgestattet und in allen Theilen harmonisch zusammen wirkend, blieb die gothische Baukunst durch mehr als ein Jahrhundert Gemeingut aller damahls gebildeten Lande Europens, Deutschlands, Frankreichs, Englands, Schwedens, Spaniens und Italiens, in deren jedem sie sich freylich mit lokalen Ei- des Mittelalters überhaupt rc. 29 genthümlichkeiten entwickelte und in Nebendingen verschieden gestaltete. Aber gegen das i 5 . Jahrhundert: nahm diese Kunst eine Wendung, die dem Verfalle jeder wahren Kunst voranzugehen pflegt. In dem Streben der Meister nach neuem, nach noch schönerem Schmuck, nach Auffallendem und Künstlichem, womit man die tief durchdachten Vorbilder zu übertreffen suchte, entfernte man sich von ihrer hohen Einfalt und dem strengen Gebrauch in Vertheilung der Zierden: man häufte den Schmuck im Kleinen, verlor aber den Sinn für das Ganze und die Meisterschaft im Großen, und so fand der aus Italien her mächtig überhand nehmende neurömische Sryl den Sturz einer Kunst schon vorbereitet, die sich selbst überlebt hatte. Von dieser Zeit an wurde nicht nur die alte Bauweise verlassen und vergessen, sondern es begann damit auch die Zerstörung und Verunstaltung desjenigen, was von früheren Zeiten noch übrig, und nicht antik war. Es ist eine fast allgemeine traurige Erscheinung, daß die ganze alte innere Einrichtung gothischer Kirchen der Verschönerungssucht neuerer Zeiten hat weichen müssen, wodurch die ursprünglichen mit dem ganzen Bau einklingenden Altäre, die gothischen Kanzeln, die alten Bilder, die bunten Glasgemählde fast überall verschwunden sind. Selbst das, was von dem Gebäude ohne Schaden nicht zerstört werden konnte/ Kreuzgewölbe, Pfeiler, pflegte man häufig mir neuem Srucco voll unbedeutender Zierathen, Engelköpfe, Schnörkeln und Muscheln, zu bedecken, die Pfeiler 3o Ein Blick auf die Kirchenbaukunst abzurunden und mit antikischen Kapitalen zu schmücken , die altergrauen Quadern zu übertünchen, wo nicht gar zu bemahlen. Dieses Schicksal traf mehrere unserer Kirchen in W i e n, zum Theile auch die beyden schönsten, den Dom und Maria- Stiegen: zwar ist der Bau der beyden letzten noch unversehrt/ aber seit zwey Jahrhunderten hat das Innere der Domkirche alle Spuren der früheren Altare und Bilder verloren. An die hohe» / mit reichem gothischen Ziermerke versehenen Pfeiler wurde eine Menge marmorner / aber geschmackloser, Altäre angeklebt, die mit dem strengen inneren Baue aus einfachem Sandsteine in seltsamem Widersprüche stehen. Die Bilder sind, wenige ausgenommen, mittelmäßig und schlecht, von Meistern, die nur in einer so unnarürlichen Zeir, einen Grad von Berühmtheit erlangen konnren. Darum kann auch in der uncen folgenden Beschreibung unserer alten Kirchen von Gemählden fast gar keine Rede seyn. ' Unsere heutige Zeit neigt sich in dieser Hinsicht sichtbar zum bessern. Man erkennr und ehrt an vielen Orten die Reste der alten Kunst, man rettet sie nicht nur vor dem Vorfalle, sondern man stellt davon in altem Gerste wieder her, was noch herstellbar ist. Und wenn diese ersten Ansänge noch langsam fortschreiten , und manches zu wünschen übrig lassen, so verdient die Gesinnung und der gute Wille Achtung und Aufmunterung. Auch bey uns ist dieser bessere Geist sichtbar geworden an einigen Herstellungs - Arbeiten am Äußern und 5i des Mittelalters überhaupt rc. im Innern der Domkirche, wo die Ausbesserungsarbeiten regelmäßig fortgesetzt werden und die lange verwahrlosten Fenster wieder ihren farbigen Schimmer verbreiten, noch mehr aber an der mit großen Kosten und preiswürdiger Sorgfalt unternommenen, und ohne viel Geräusch, aber desto schneller, vollendeten Erneuerung der schönen Kirche der heiligen Maria am Gestade. Tritt nun zu diesem rühmlichen Streben der Erhaltung auch noch eine lebendige Ausübung der Kunst, vorzüglich der Mahlerey, im Sinne und Geiste fcer Alten, das heißt in reiner religiöser Absicht, einfach und natürlich im Gedanken, wie in Ausführung, ohne Effeerbuhlerey, hinzu, und erwacht wieder eine wahre aus religiöser Bildung beruhende Kunstliebe unter uns, die das Bild nicht wegen des Meisters und der Schule, sondern um der Darstellung willen liebt, begehrt und besitzt; dann dürfen wir wieder schöne Zeiten für alle Zweige der christlichen Kunst erwarten, die ihre guten Früchte, vielleicht zwar unter andern, als den alten Formen, unfehlbar tragen wird. Welche Wichtigkeit übrigens die katholische Kirche daraus legt, daß die Gotteshäuser mir guten, wenigstens dem Geiste und der Darstellung nach den Zwecken der Religion entsprechenden Bildern ausgeschmückt werden, zeigt schon der Umstand, daß der Kirchen- rath von Tridenc diese Angelegenheit zum Gegenstand seiner besondern Sorgfalrgemachc hat, indem er und nach ihm die Synoden zu Mayland, zu Köln, zu "Paris, verordneten, daß jedes Bild aus den Kirchen 32 Ein Blick auf d i e Kirchenbaukunst entfernt werde, welches nicht der Wurde des Urbildes und des Gegenstandes zusagt, und nicht geeignet ist, bey den Gläubigen wahre Erbauung zu erwecken. Unser Österreich ist im Ganzen weniger reich an Baudenkmahlern des Mittelalters als andere Gegenden Deutschlands, vorzüglich die Rheingegenden: das meiste findet sich aus den früheren Zeiten, wo die deutsche Baukunst noch nicht die reiche Fülle hoher und blühender Gestalten entfaltet hatte; dahin gehören die Klosterkirchen und Kreuzgange von K l o- sterneuburg, von Heiligen-Kreuz, von Zweite l, die alle Kirche von Mödling, die kleinen runden Kapellen zu Mödling, Deutsch alte »bürg, Petronell, die schöne Kirche zu Lilien selb, welche den eigentlichen Übergang in die schmuckvolle Bauart des i3. bis i5. Jahrhunderts in ihren Formen darstellt. Allein alles dieses steht weit hinter den alterthüm- lichen Kirchen der Hauptstadt zurück, deren Schilderung der Zweck dieses Aufsatzes ist. Von den Bauwerken jenes früheren altchristlichen Styles, dessen wir eben gedacht, hat Wien nur einige Proben an den ältesten Theilen der St. Ste- phanskirche und der Kirche St. Michael. Alles Übrige gehört seiner jetzigen Form nach in die Zeiten des spater herrschenden Styles. Diese Kirchen sind : der Neubau oder Haupttheil von St. Stephan, die Kirche Maria Stiegen, die Kirche St. Michael, jene der A ug ust in e r, der Mino r i t e n, das R u p r e ch t s k i r ch l e i n, die Kirche des M i t t e l a ll e rs üb e r haüpkrc. 35 der Karmeliter (die obern Jesuiten am Hof), die Hof- und Burgkapelle, die S a lv a t ors- k i r ch e, die Kapelle des deutschen Hauses. Die Metropolitankirche zu St: Stephan. Die Metropolitankirche St. Stephan kann wohl für das schönste Erbstück unserer alten Fürsten angesehen werden. Von dem ersten Herzoge babenbergischen Stammes gegründet, von seinen Nachfolgern bis zum Erloschen ihres Stammes vergrößert und erhalten, blieb eben dieses Gotteshaus auch der Gegenstand frommer Sorgfalt Ottokars des Böhmenkönigs, der Österreich für kurze Zeit beherrschte, dann der ganzen langen Reihe der Habsburgischen Fürsten, vom ersten bis zum letzten, die es vom Vater auf den Sohn und Enkel wetteifernd vergrößern und verschönern halfen. So ist beynahe keiner der Fürsten des Landes, dessen Fürsorge nicht noch an dem Baue sichtbar wäre, wie den» dieser überhaupt als ein gewaltiger Denkstein mitten in der großen Kaiserstadt dasteht, woran sieben Jahrhunderte ihre Siegel und Schriften bedeutsam geheftet, und uns dadurch in mächtigen Zügen treue Bilder und Berichte jener Vergangenheit, ihrer Frömmigkeit, Kunst, Sitte, Bildung, ihres Geschmackes, ihrer Kraft und Beharrlichkeit, überliefert haben. Doch diese Mahnungen und Wahrzeichen ver- II- Iahrg. Denkwürdigkeiten, i. Bd- ».Heft. 5 $4 I. Die Metropolitankirche gangener Zeiten, abgeschiedener Menschen/ vollbrachter Thaten / deren wir an dieser Kirche in Bild »nd Schrist unzählbare finden/ alle zu erwähnen / ist die Ausgabe der Geschichte und einer speziellen Beschreibung dieser Kirche. Der vorliegende Zweck machte eine Sonderung und Auswahl nöthig. Nur d i e Kunst und ihre Werke finden daher eine Srelle in der unten solgenden Darstellung/ worin wir auf alles dasjenige Rücksicht nehmen / was uns nach reifer Prüfung für die Kunstgeschichte erheblich und bezeichnend scheint / ein Weg/ den die bisher vorhandenen Beschreibungen der Kirche / die andere Zwecke verfolgten / nicht eingeschlagen haben. Bevor wir die Schilderung der Kirche selbst beginnen/ mag eine Übersicht des Wissenswertheste» der Baugeschichte/ in so ferne es dem folgenden zur Erläuterung dient/ vorangehen. Hier lassen uns aber schriftliche Nachrichten ziemlich im Dunkeln: und die wenigen vorhandenen werden durch abweichende und irrige Meinungen der Beschreiber nur noch unbrauchbarer. Wir sind also beynahe nur auf die Eigenthümlichkeiten der Bauart und auf die Sprache der Kunst selbst angewiesen , die oft sehr schwer verstanden wird, wenn aus mehreren seltsam vermengten Baustylen zu bestimmen ist, was der älteren und was der neuern Zeit gehöre. — Während die einen, ganz vergessend, daß noch Theile von einem älteren Bau ülrig geblieben, die den Bränden des i3. Jahrhunderts getrotzt haben, annehmen, die ganze jetzt bestehende Kirche, wie wir 55 zu St. Stephan. sie sehen , sey von Rudolph gegründet und angefangen, wobey sie sich auf H a se lb a chs Zeugniß stützen: nehmen andere die Rud olph inische Vergrößerung in so kleinem Sinne, daß er nichts als dies Seitenschiffe des Chores, nebst den beyde» Thürmen gegründet hatte, nicht bedenkend, daß in diesem Falle Rudolph unter einem schon gebauten Chor erst eine prächtige unterirdische Gruft gegründet haben müßte. Wieder wollte man uns glauben machen, die ganze nördliche Wand der untern Kirche (vom Eingänge bis zum Anfange des hohen Chores) sey lange vor Albrecht II., ja vor i3>5 schon da gewesen. — Auch ohne andern Beweis müßten uns schon die schönen, hohen und breiten, geschmückten Fenster vom Gegentheile überzeugen, mehr noch die trefflichen Verzierungen derselben und der Wände und Pfeiler dazwischen, welche die Außenseite derselben Wand zeigt, und die mit dem Bau selbst zugleich entstanden seyn muffen. Die Pfeiler des untern Theils sollen, der Annahme der Meisten zufolge, A l b r e ch r s II. Werk seyn, die reichen Verzierungen, besonders die mehr als 100 steinernen Bildsäulen daran aber ein späterer Schmuck R u d o l p h s. Und doch erscheint wieder beydes, Pfeiler und Sraruen, so aus einem Guße,daß man schwer jener Angabe Glauben beymißt. — Fasten wir unsere Meinung über die Geschichte des ganzen Baues kurz zusammen, so ergibt sich daraus folgendes Resultat: Von Herzog Heinrichs Bau n56 ist zum 3 « \ 2>6 I. Die Metropolitankirche Theile noch die Westfront« mit den beyden Eckthürmen. Wahrscheinlich entsprach die Breite der ganzen alten Kirche der Breite der Westseite bis an die Thürme, so daß man die jetzigen Kirchenwände sich um etwa dritthalb Klafter hereingerückt denken muß. Analog mit den Kirchen jener Zeit war wohl auch das Schiff der Kirche breiter und hoher als die beyden Abseiten, und es ist mir wahrscheinlich, daß die alte Kirche etwa da, wo jetzt der Mittelpunct zwischen den großen Thürmen ist, mit einem halbrunden Chore geschlossen war. Auch ist es möglich, daß sie, wie die meisten Kirchen jener Zeit, außer den beyden vorderen Thürmen noch einen dritten über dem Kreuze ihres Planes hatte, sowie dieß in Kloster-Neuburg ursprünglich der Fall war, und wie es viele noch im ursprünglichen Zustande erhaltene deutsche und französische , nahmentlich normannische Kirchen jener Zeit zeigen. Der Hochaltar stand nach zuverlässigen Nachrichten damahls in der Mitte, etwa da, wo die Balken des Kreuzes sich durchschneiden. — Die großen Brände , die im iä. Jahrhunderte (»258 und i2y5) dieda- mahlS schon große und schöne Stadt Wien verheerten, ergriffen und beschädigten auch die Stephanskirche so , daß alles, was von leichterem Bau und Stoffe war, vielleicht auch ein Theil der Gewölbe einstürzte. — Was nach dem ersten Brande übrig geblieben, und was innerhalb der 17 Jahre bis zum zweyten Brande neu gemacht worden, ist nicht auszumitteln. Nur soviel findet man aufgezeichnet, daß die Thürme, weil sie ganz von Stein bis zur Spitze aufgeführt sind. zu St. Stephan. 87 dem ersten dieser Brande widerstanden haben, obgleich die Glocken darin vor Hitze schmolzen. — 2 sucf> nach dem zweyten Brande scheint der größte Theil der Grundmauern der alte» Kirche, wenn gleich stark beschädigt, stehe» geblieben zu seyn, so daß der Pfarrer Bernhard Prambach, mit UnterstützungKönig Ottokars in 5 Jahren die Kirche wieder so weit hergestellt und gedeckt hatte, daß KaiserRudolph,„in daz M y n st e r, d a tz S a n t S t e p h a n i st g e w e i ch k z e e r n, mit großer Menig g e i stl i ch e r Or- d e n und weltlicher P s a f h a y t ging, und do dancke t unserm Herrn," (Ottokar Horneck zum I. 1278) nähmlich für den herrlichen Sieg, den er ihm über Ottokar verliehen hatte, wodurch Österreich an Habsburg gelangte. — Denn es ist nicht wahrscheinlich , daß jener Pfarrer die Kirche, wenn sie vom Grunde aus wäre zerstört gewesen, in drey Jahren wieder vollkommen hätte aufbauen sollen. Daß aber damahls und nach dem ersten Brande wirklich manche Änderungen an dem alten Gebäude vorgenommen worden , lehrt der Augenschein in der sonderba/vermeng- ten Anordnung dieser Seite, deren genauere Beschreibung weiter unten folgt. , Ob und was die ersten Habsburger Albrecht und Friedrich an dieser Kirche gebaut, ist uns ganz unbekannt. Erst von Albrecht II., dem weisen, dem Vater seines Volkes, dem Gründer der Karthause zu Gam m i ng, kommen bestimmte Spuren vor,daß er einen Chor zu St. Stephan gebaut, der von mehreren Bischöfen eingeweiht wurde. Nach denz oben 38 I. D ie Metropol i tankirche Gesagte» besteht nun Albrechts Antheil an dem Baue wohl darin, daß er die bisherige kleine Kirche ihrer Breite nach bis zu den jetzigen Hauptmauern erweiterte, die Westseite erhöhte, und die Decke zu wölben anfing. (Lazius) Zugleich (1826) entstand auch unter seiner Regierung die T i r n a - oder Kreuzkapelle links und die T a u f-oder Eligiuska pelle rechts, deren Erbauung ohne gleichzeitige Erweiterung der Hauptwände der Kirche nichr gedacht werden kann. Die jetzt stehenden Seitenwände der unrern Kirche sind aus Albrechts Zeit (,326 — i 358 ); denn Rudolph hat in den sechs Jahren seiner Regierung schon die Gewölbe geschlagen; folglich kann unmöglich auch die Anlage der Wände und die Aufführung von ihm bewirkt worden seyn, wie manche geglaubt haben. — Daß dieser Albertinische Chor, der bis zum Jahr , 3 fio fertig gewesen zu seyn scheint, auch in der Länge die alte Kirche übertroffen, bis etwa an den heutigen Hochaltar gereicht, und die Breite des jetzigen Mittelschiffs des Chors gehabt habe, ist deßhalb wahrscheinlich, weil vormahls, einer Urkunde zufolge, in der Gegend des damahligen Zwölfbothen - Altars (des jetzigen Borromäus- Altars an den Stufen des Presby- teriums) eine Eingangsthüre bestanden hat, wornach also der Albertinische hohe Chor keine Abseiten gehabt zu haben scheint. Aber es muß in diesem Falle mir Fuhrmann angenommen werden, daß Rudolph den oberen Theil (den hohen Chor) der Albertinische» Kirche wieder niedergerissen, und sammt der Gruft und den Thürmen neu zu bauen angefangen habe. zu St. Stephan« 3 g Außer dem hat Rudolph auch die Gewölbe des untern Theils geschloffen und zahlreiche Zierarbeiten im Innern und Äußern der Kirche unternehmen lassen, wobey ihin zwey geschickte deutsche Meister H ein rich K u m p f (auch Kuß Kumys, d. i. Henricus Rumpf) von Hessen und C h r i st o p h H o rn von Dünkel- spül hülfreiche Hand geleistet haben. Als Rudolph den Vergrößerungsbau begann, war seinem ehrbegierigen Streben nicht leicht ein Plan groß und prachtvoll genug, seine Einbildungskraft sah im Geiste die beyden gewaltigen Thürme vor sich, alles übrige sollte an Reichthum und Umfang nicht nachstehen. Wohl mochte der Gedanke oft wiedergekehrt und erwogen worden seyn, alles alte , bie ganze zu einfache, und nach dem Geiste der damahls blühenden Baukunst durchaus unverbesserliche Westfronte mit den schwerfälligen Thürmen niederzureißen, und einen neuen, dem damahligen Standpuncte der Kunst angemessenen Dom frey und ungehemmt zu erbauen, eine herrliche und viel breitere Westseite als die bisherige , aufsteigen zu lassen und sie, statt der alten, mit zwey wolkennahenden Thürmen an beyden Seiten zu schmücken, wie der Straßburger und Kölnerdom sie im Plane ausweisen, kurz alles in gleichförmige Übereinstimmung in Grundriß und Auszierung zu bringen. Aber theils die. Scheu, einen schon 200 Jahre bestehenden, festen und ehrwürdigen Bau, das Werk österreichischer Fürsten, an welchem erst RudolphS Vater mir nicht geringen Kosten des Landes viele Verschönerungen und Erweiterungen angebracht, noch mehr 4e I. D i e Metropolit« nkirche die Betrachtung der ohnehin alles Verhältniß übersteigenden Unkosten eines ganz neuen Baues, mögen wohl über die Prachtliebe Rudolphs und die Plane der Meister den Sieg errungen haben. Es blieb also nichts übrig , als den vorhandenen Bau dem neuen so gut als möglich anzupassen, und diese Gründe mögen auch den Vorwurf mildern, der unserm Dome gewöhnlich gemacht wird, daß die Hauptthürme, anstatt, nach dem Beyspiele der schönsten und größten gothischen Kirche», vorne an der Westseite zu stehen, hier in der Mitte, im Kreuze, angebracht sind. Der neue Bau (Neubau) Rudolphs, nähmlich der hohe Chor, bildet also gewissermaßen mit den beyden Thürmen eine besondere Kirche, die sich an die untere, altere, anschließt. Die Gründung des Thurms fällt in das erste Regierungsjahr Rudolphs. Nach langem vergeblichen Suchen fand man endlich, wie H a s e l b ach erzählt, in Klosterneuburg den anspruchlosen, armen, aber in seiner Kunst vor andern erfahrenen Baumeister, der einen Thurm nach Rudolphs Sinne, und nach dem Muster der damahls schon in verschiedenen Kirchen Deutschlands angestaunten Thürme, zu erbauen sich erboth. Von diesem trefflichen Meister rühret der untere Theil des Thurmes, bis zum oberen Drittheil her. Aber nicht einmahl sein Nahme ist, wie es scheint, uns erhalten worden; auch über den ältesten Bauriß des Thurms herrscht noch Unsicherheit. Das Wenige, was zur Aufhellung der Geschichte des Thurmbaues beyzubringen war, sammelt ein besonderer Aufsatz im Anhange. Des ersten Thurmbaumeisters Tod wird mit i zu St. Stephan, 4 * einiger Wahrscheinlichkeit auf das Jahr 1400 gesetzt. Seitdem bauten verschiedene Meister an dem angefangenen Werke fort, lauter Männer, die nach Hasel dach s Versicherung damahls in großem Ansehen standen, und auch in ihrer Kunst wohl erfahren waren ; aber ihre Versuche, womit sie sich einige Jahre quälten, fielen so unglücklich aus, daß man um 1407 alles, was sie aus die Grundlage des ersten Baumeisters aufführten, wieder abreißen mußte. Nun trat aber ein Meister von allem gediegenem Schlage hervor, der nicht nur Zirkel und Winkelmaß nach kühn und klug berechneten eigenen Planen zu brauchen wußte, sondern auch den Muth hatte, ein herrliches, halbvollendetes Werk, an welchem die Kunst geschickter Meister schon gescheitert war, würdig auszubauen. Die allgemeine, auf Gründen beruhende, Sage nennt ihn An ton Pilgram von Brünn, bemerkt aber nicht, ob er da geboren, oder ansäßig gewesen und seine Kunst ausgeübt habe, Die kluge Kühnheit des Meisters drückt sich unverkennbar aus in dem oberen Theile des Thurmes, her nach allen Anzeichen von da an, wo jetzt die Uhr steht, ihm gehört. Er baute vor allem den Stamm des Thurmes zum kunstgerechten Schluß der von unten aufsteigenden und in sinnreicher Verschlingung von Giebeln und Bogen emporstrebenden Zierden noch einige Klafter weiter, und führte nun aufden Hauptmauern des untern Theiles, die durch Stärke und Leichtigkeit gleich treffliche Spitze auf. — Am 4. Tag nach Michaelis 1453 setzte man, einer Chronik zufolge, welche P ez 42 I. Die Metropotitankirche bekannt gemacht hat, den Knopf auf den Thurm und schloß damit den schwierigen Bau, der in allem 74 Jahre gedauert hatte, ein für die Größe des Unterneh- mens und die zierliche Ausführung des Sreinschnit- tes, so wie in Ansehung der ungeheuern Kosten in jenen geldarmen Zeiten, gewiß nicht langer Zeitraum. Nicht ohne Grund riefen daher die Gesandten des Königreichs Bosnien, beym Anblicke dieses Thurmes aus : Dieses Thurmes Kosten (man schlug sie auf 44,000 Gulden an) können nicht mit ihrem ganzen Königreiche bezahlt werden. (Cuspinian). — Die Vollendung des Baues fällt in die Regierungszcic A l brechtsV. (als römischen Kaisers II.), wefihalb Einige diesen Thurm den Albertinischen genannt haben. Wir kehren nun zum Kirchenbau Rudolphs zurück, den wir, um die Geschichte des Thurmbaues nicht zu unterbrechen, verlassen haben. Wahrend nun zur Gruft, dem hohen Chor und seinen Abseiten der Grund gelegt wurde, auch diese und die Thurm-Mauern „über die Grundvesten mit unsäglichen Kosten geführt wurden" ließ Rudolph den schon fertigen und geschlossenen untern Theil der Kirche, der, wie das ganze Gotteshaus selbst dem heiligen Stephan geweiht war, zu Ehren A ll e rHei- ligen einweihen. — Diese neue Benennung der Kirche hatte aber keine Dauer; denn schon bald darauf erscheint wieder der alte Nahme, den das Volk nicht in Vergessenheit kommen ließ. Ohne Zweifel ist ein großer Theil der an den Pfeilern der Kirche befindlichen Statuen und ihrer zu St. Stephan. 43 Thürmchen , unter den „w u n d e r s a m e n Schnitzwerke n" begriffen , welche eine Chronik (Pez II. 3d3.) R u d olph e n zuschreibt / so wie vorzüglich die prächtigen steinernen Gange/ Strebepfeiler und Statuen an der Außenseite der Kirche ihm angehören/ nahmentlich: die prächtigen Eingangshallen an dem Singerthore (der erste Seiteneingang rechts) und in der nördlichen Wand liebender Kreuzkapelle/ endlich der prächtige Giebel an der Südseite. Alles dieses Zierwerk, wodurch der ganze Bau eine viel reichere Gestalt gewann, vor allem die Anlage der Thürme/verschafften Rudolphen den Nahmen des Gründers dieser Kirche. Es ist einleuchtend, daß auch bey dem angestreng- testen Aufwande von Geld und Kräften der eigentliche neue Bau Rudolphs, der hohe Chor und der Thurm, in dem Zeitraume von 6 Jahren, nach welchem er starb, nur mäßig hat gefordert werden können. Allein des jungen Fürsten Herz hing mit solcher Liebe an dem Bau seines herrlichen Gotteshauses, daß er, als hatte er seinen schnellen Tod geahnef, ein Jahr vorher bey voller Kraft im 25. Lebensjahre von seinen Brudern sich feyerlich versprechen ließ, sie würden, wenn er vor ihnen sterben sollte, den angefangenen Bau nach Kräften eifrig fortsetzen. *) Gewiß dachte auch Albrecht III., welcher über 3o Jahre Österreich allein beherrschte, mit der That seines dem Bruder gegebenen Versprechens, eben so *) Steyerer Col. 406. 44 I. D i e Metropolitankirche die beyden folgenden Alberte ; aber unmöglich ist es, jeden einzelnen Theil nach Jahren zu bestimmen, und ihm seinen Erbauer anzuweisen. So viel ist gewiß, daß Rudolphs hoher Chor mit den Abseiten erst beyläufig 90 Jahre nach Rudolph, unter Kaiser Friedrich IV. und König Mathias vollendet wurde, um welche Zeit dieser obere Theil urkundlich, übereinstimmend mit dem Charakteristischen der Bauweise, durch Hans B up b au m gewölbt, und später gepflastert wurde. Ist die Wölbung und Pflasterung nicht von einer Wiederher- stcllungs - Arbeit zu verstehen, so sieht man wohl, daß nach dem feurigen Rudolph der Eifer und dieWillens- sestigkeit der Fortsetzer sehr erkaltet seyn müsse, und es bedarf keines andern Aufschlußes dazu, als die Geschichte Österreichs, welche nach Albrecht III. das ber ständige Bild innerer Bruderfehden und Entzweyun- gen darstellt, auf Kosten des Landes und der Fürsten angefacht von eigennützigen Unterthanen, die im Dunkeln zu haschen und im Trüben zu fischen wußten. ES scheint also, daß bis dahin wohl alle gottes- dienstliche Verrichtungen in dem untern Theile der Kirche müssen vorgenommen worden seyn. Ist Anron P i l g r a m wirklich der Vollender des großen' Thurmes, so fallen auch seine schönen Zierarbeiten, mit welchen er unsern Dom ausgeschmückt, in Albrechts V. Zeit. Leider sind seine Arbeiten neben wenigen schriftlichen sich widersprechenden Aufzeichnungen die einzigen Daten, die uns über diesen trefflichen Meister zu Gebothe stehen. Dieser eben so geschickte Bildhauer als sinnige zu St. Stephan. 45 Baumeister ordnete mehrere Arbeiten im Innern der Kirche an, unter andern die wunderschöne Kanzel und den kleinen Seiten - Orgelchor , von welchen in der Beschreibung der Kirche aussührlicher wird gehandelt werden. An diesen beyden Werken sieht man Pilgram von geschickter, vielleicht eigener Hand in natürlicher Größe bis zur Brust in Stein ausgehauen und in fensterartige Öffnungen gesetzt, als wollte er das Urtheil der Menschen und die Wirkung belauschen, die seine Arbeiten auf dieselben äußerten. —Ob Pilgram die Freude erlebt habe, den Thurm, der ihm so viele Ehre bringt, vollendet zu sehen, ist nicht gewiß, doch möglich, angenommen, daß er etwa 4 » Jahre alt war, als er den Thurmbau unternahm. —Ein ziemlich hohes Alter scheint er erlebt zu haben, sein Gesicht zeigt einen kraftvollen und durch Arbeit gestählten Greisen, mir sehr ausdrucksvollen Zügen, welche Klugheit und Erfindungsgeist verrathen. Im Jahre 1446 scheint Pilgram schon todt gewesen zu seyn; denn damahls war Hans Puchspaum, einst, wie man sagt, Pilgrams Schüler, als neuer Baumeister der Kirche aufgenommen, der dann vier Jahre später die eigentliche Grundveste des zweyten Thurmes gelegt und mit dem Baue den Anfang gemacht hat. Schwerlich hätte man dem ehrwürdigen Greise das Herzleid zugefügt, bey seinen Lebzeiten einem andern, der ihm beym Baue des großen Thurmes gedient, den Bau des zweyten zu übertragen. Das Mährchen, Pilgram habe den Puchspaum, dem noch als Lehrjungen die Führung des 46 I. Die Metropolitankirche zweyten Thurmbaues aufgetragen worden, aus Neid vom Gerüste herabgestürzt, ist nicht nur von Schriftstellern öfter wiederhohlt, sondern auch durch eine förmliche VolkSsage, die sich an ein uraltes Bildwerk des Domes lehnt, verewigt worden. Am Riesenthor nähmlich zeigt sich in der Hohe ein Jüngling, der seinen verletzten Fuß auf das andere Knie zu stützen scheint. (Ogeffer S. »6.)Schon Tilmez und nach ihm Fischer und Ogesser haben diese Fabel als solche erkannt und gerügt. Bedürfte sie einer ernsthaften Widerlegung , so genügte die Andeutung, daß Buchsbaum schon vier Jahre vor dem Anfange des zweyten Thurmes, Kirchenbaumeister, also nicht mehr Lehr- junge gewesen. — Es ist gewiß für die Sitten- und Sagengeschichte des Mictelalters bedeutungsvoll, daß dergleichen Erzählungen von boshaften Meistern und verfolgten Jüngern öfters in großen Baugeschichcen eingewebt erscheinen. Ähnliches erzählt 'man von der schonen Kirche zu S t. O ue n in der Normandie, welche von Einigen für die herrlichste in ganz Frankreich gehalten wird , deren reich verzierter Thurm mit seinen fliegenden Bogen sich wie aus Gußeisen leicht und blühend erhebt, unten viereckig , an jeder Ecke mit schonen Thurmpfeilern versehen, oben achteckig und endlich durch eine Krone von Lilien geschloffen. Einer der berühmten Baumeister jener Kirche (um i5i8) hieß Alexander B e r n e- v a l, von welchem sich im Volke folgende Sage erhalten hat: Er hatte das herrliche runde Fenster an der südlichen Kreuzvorlage verfertigt, sein Lehrling aber zu St. Stephan. 47 suchte den Meister durch ein Fenster am nördlichen Theile zu überbiethen. Der ergrimmte und neidische Meister ermordete dafür den unglücklichen Schüler. Alexander büßte zwar die grause That mit dem Tode, aber die dankbaren Mönche, welchen der Gottesdienst jener Kirche oblag, forderten seinen Körper, begruben ihn in ihrer, vom Alexander geschmückten Kirche, und ließen ihn auf dem Grabsteine in Lebensgröße abbilden mit dem zierlichen Fenster in der Hand. — Ähnliches wird von derD 0 mk i rche zu Prag und von der Kirche zu Collin in Böhmen, welche um dieselbe Zeit entstanden, noch heute vom Volke erzählt, und es würde nicht schwer seyn, in der alten und neuern Fabel analoge Sagen aufzufinden.— Der scheinbare Widerspruch, daß nach Einigen der Grund zu dem zweyten Thurme zugleich mit dem ersten, i35g, nach Cusp i n i an aber erst >444 , und noch einmahl i45o gelegt worden sey, läßt sich etwa so vereinigen, wenn man die erste Handlung Ru- dolphs 135^ für gleichzeitige Ausmessung des dem zweyten Thurm bestimmten Platzes annimmt, die spatere aber für erneute Grundgrabung, und die letzte endlich für'die eigentliche nach sechsjähriger Unterbrechung ins Werk gesetzte Legung des Grundsteins, die unterFried- richs IV. Regierung am St. Hippolytustage unter Vortragung des hochheiligen Sakraments, in Gegenwart der österreichischen Prälaten und Pröbste, der Geistlichkeit von St. Stephan , der erbländischen Hofämter, der Hochschule, des Bürger- und Münzmei- sters, des Stadrrichters und vieler Edlen Statt fand. 48 I. D i e Metropolitankirche — SO?eiftcv Buchsbaum mauerte in 6 Wachenden Grund bis zu ebener Erde aus; der sauere Wein die- ses Jahres, spottweise der R e i fb e isse r genannt, sollte dem Mörtel, nach dem damahligen Glauben, mehr Starke und Haltbarkeit geben, und Friedrich befahl bey schwerer Ahndung, den ungenießbaren Wein nach St. Stephan in die Bauhütte zu tragen. B u ch s b a u m, der Kirchenbaumeister hatte nur 4 Jahre an dem zweyten Thurm gebaut, als er starb, nachdem er der Domkirche den größten Theil seines Vermögens vermacht hatte. Georg Khlaig konnte bey den geringen Mitteln, die man ihm zuwies und die größtentheils in milden Beyträgen bestanden, (der Landesfürst gab wöchentlich nur 4 Pfund Pfennige zum Bau) besonders bey dem ums zehnfache erhöhten Arbeitslöhne, mit seinen zehn oder eilf Arbeitern nur wenig vorrücken. Erstarb um i5o6. Schon um i45o hatte der Thurm durch ein wildes Feuer oder durch den Blitz stark gelitten, so daß alles Hvlzwerk ausbrannte, die Steine aber wahrscheinlich beschädigt wurden und zum Theile borsten: dieser Schaden hatte nach 70 Jahren die Folge, daß der Gipfel den Einsturz drohte; und damahls (i5i4) war es, daß zwey Häuser: Leonhard Häuser fax valle Circo nennt ihn Cuspinian) des Kaisers Maximilian Jäger, der dann ein Hauptmann des kaiserlichen Fußvolkes geworden ist, und Gregor Häuser von Frey bürg, Steinmetz und Baumeister zu St. Stephan, der Nachfolger des Kh l ai'g, zu S t. Stephan. 4g tutb Verfertiget' schöner Baurisse des Thurmes, daß diese beyden Nahmensgenossen das von allen übrigen Bauverständigen als ein Wagestück abgelehnte Werk uiirernahmen, den Gipfel des Thurmes in kleine Stücke zu zerstemmen, die sie langsam herabließen und nach vollbrachter Ausbesserung der durch Feuer beschädigten Theile wieder in der vorigen Gestalt aufsetzten. Das schwierigste aber war, der durch den Blitz gekrümmten dicken Eisenstange oder Spindel des oberen Theiles wieder die gerade Richtung zu geben. Dieß soll durch angebrachte Kohlenfeuer erst innerhalb 12 Jahren zu Stande gebracht worden seyn; aber da der Knovf von schwerem Stein war, dessen Wucht weder die Stange noch das übrige Gefüge aushalten konnte, so bog sich die Spitze bald wieder. Endlich entschloß man sich statt des steinernen einen kupfernen, 56 Eimer faßenden Knopf mit Stern und Halbmond aufzusetzen, den man nach dem glorreichen Entsatz« von Wien mir einem Doppeladler und einem Kreuze darüber, vertauschte, ein Ereigniß, auf welches eigene Wurfmünzen geprägt worden sind. Die sonderbaren Ceremonien, mit welchen der schlesische Ziegeldecker R e ssyt k o, der sich raufend Gulden dafür zahlen ließ, die gefährliche Abnahme des Mondes und Srernes vor dem ganzen schaulustigen Volke bewerkstelligte, hac Ogesser in seiner Beschreibung der Domkirche bekannt gemacht. Zu Gr e g 0 r Hausers Zeiten hatte der nördliche Thurm eine Höhe von 25 Klaftern, ungefähr den dritten Theil des ausgebauten Thurmes erreicht, tt- 2»brg. Driikwuroizkeitrn r.Lv. t. Heil. 4 5o I. D re Metropolitankirche Hier blieb der Bau für immer stehen ; denn die mit sichtbar steigender Ohnmacht ringende alte Baukunst ließ nun gleichsam erschöpft und muthlos die Arme sinken vor einem Riesenwerke, dem sie nimmer gewachsen war. Wie weit man von Zeit zu Zeit gekommen, zeigen noch die von außen in den Steinen eingehaltenen Jahrzahlen >499/ i5o2, i5o7 und i5u an. Nachdem der Thurm Jahre lang unbedeckt ei» Horst der Raben gewesen, deckte man ihn mit einem dürf. tigen Nothdache, erst 1679 m ‘ t einem kleinen Thürm- chen und kupfernen Dache, um ihn vor den Einflüssen des Wetters zu schützen. Unbedeutende Anbaue von Sakristeyen in spateren Zeiten abgerechnet, blieb die Kirche von da an in ihrer vorigen Gestalt. Aber ihre freye, zur Hervorbringung eines ungestörten Anblickes so nöthige Lage, gewann sie erst spater, als der alte, seit 1^83 zur Aussetzung der heiligen Reliquien gebrauchte, Heilchumsstuhl vor der Kirche weggeschafft wurde, und fast hundert Jahre später, als (1792) Se. Majestät, derjetzt regierende Kaiser, von der Krönung heimkehrend, die Summen, die für die gewöhnlichen Ehrenpforten verwendet worden wären, zur Wegräumung der kleinen Hütten und Buden an der Vorderseite des Domes, benutzt zu sehen verlangte. Der Herstellungsbau wird, bey dem fortwährenden Einfluße der Witterung, am äußern der Kirche noch immer theilweise fortgesetzt; eine Hauptherstellung der von den französischen Kugeln 1809 beschädigten Theile hat Hofarchirekt A m a n mit Einsicht und Kunstliebe geleitet. zu St. Stephan. 5i Die vorausgeschickte kurze Zusammenstellung des Wesentlichsten der Baugeschichte schien zur Erläuterung des folgenden beschreibende» Theiles unentbehrlich ; aber alle weitläufigeren Belege und Beweise der darin aufgestellten Angaben, hier zu entwickeln, würde zu weit von dem Zwecke des Buches abgeführt haben. Wohl aber verdient die Kirche, daß man beschreibend in ihre Einzelnheiten eingehe, da sie für die Kunst und Kunstgeschichte überall lehrreiche Erscheinungen darbiethet. Auf diese Weise wird hier gerade daszenige geschildert werden, was Andere wenig berührt haben, dagegen vieles Übergängen, was man in den früheren Beschreibungen mit großer Ausführlichkeit behandelt findet: die Glocken, Sakristeyen, Orgeln, Reliquien und Kleinodien, die neueren Altäre, die Bruderschaften, Grabsteine und dergleichen. Wir beginnen mit der Beschreibung des A u ß e r e n der Kirche. Der älteste Theil d e r Kirch e mir dem Haupteingange gegen Westen. Ein sehr gemengtes, sowohl in Anlage als Ausführung nicht ausgezeichnetes Werk der Baukunst, welches aber doch durch Alter merkwürdig, und in Verbindung mit den blühenderen Theilen dieser ungeheuren Krystallisation deßhalb lehrreich ist, weil sich in ihr eine Welt von Formen, von der rohesten bis zur vollendetsten und zierlichsten ausbreitet. Man kann die . 4 * 52 Der älteste Theil der Kirche ganze Fronte in drey Haupttheile abtheilen; die alte West'eire, begranzt von den beyden kleinen Thürmen, und rechts und links die Anbaue aus Albertsll. Zeit. Die Mittelmand enthält den Hanpteingang, unter dem Nahmen des Riesenthores bekannt, dessen Halle in einem mehrere Fuß riefen Vorsprang eingemauert ist. Es ist eine dem ganzen Mittelalter eigenthümliche Einrichtung, daß vor den größern, besonders Kircheneingängen, stattliche , aus schräg stehenden Säulenreihen bestehende, oben bogenförmig geschlossene, Hallen gebaut ivurden. Diese gaben dem Gebäude zugleich das Ansehen von Festigkeit und von Reichthum, und brachten die Eingänge mit der Hohe der Kirchen in Einklang, während die Thüren selbst verhältnißmäßig nur klein und schmal waren, damit sie leichter geschloffen und geöffnet werden könnten. Das Riesen thor, welches für die jetzige> später erhöhte und verlängerte Fronte freylich nicht mehr das richtige Verhältniß haben kann, zeigt eine ähnliche Einrichtung. Ihre Halle besteht aus sieben Säulen an jeder Seite, die an einem schiefen Gewände bis an die Thüre fortlaufen, und sich auch über ihren Knäufen noch in runde Bogen fortsetzen. —Die Säulenschäfte sind sonderbar, theils mir Gitlerwerk, theils wie Palmensiämme verziert, in den blatterför- migen Knäufen bemerkt man auch Menschengesichter und Vogel; die allerseltsamsten abenteuerlichen Figuren aber, Kinder einer regellosen Künstlerlaune, zeigt eine Leiste, 'die sich über den Knäufen der Säulen hinzieht, zwey mir den Hälsen verschlungene Än- mit dem Haupteingange g e g e n W e st e n. 53 ten, geflügelte Ungeheuer mit Menschengesichtern, ein Kind mit einer Kapuze und dergleichen eben so geschmacklose als bedeutungsleere Dinge. — Noch hoher über den vierzehen Säulen, sieht man eben so viele männliche Brustbilder, unter welchen die zwölf Apostel wohl erkennbar sind. Sie umgeben nähmlich das Mittelbild, den in einem Eyrunde sitzenden, segnenden Heiland zwischen zwey Engeln; alles aber von sehr roher und armseliger Arbeit. Wie im Innern alles mit Bildwerken besetzt ist, so auch außerhalb in der vorspringenden Mauer, theils unter dem Gesimse , theils in viereckigen fensterähulichen Öffnungen, Löwen, die an den Ecken Wache halten, ein Löwenbändiger, ein Jüngling, den die Volkssage den von dem neidischen Meister herabgestürzten Lehrling seyn laßt. Betrachtet man die ganze übrige westliche Wand zwischen den Thürmen, so wird es recht deutlich, wie schwer es dem Künstler gewesen, Herr über eine so große Fläche zu werden. Denn wie unzulänglich sind die wenigen Säulenbündel, eine so große Steinwand zu bekleiden. Man hat, daher die Einförmigkeit durch Vorsprünge oder Pfeiler über dem Riesenthore, und durch zwey Giebel unter den Thürmen zu mildern gesucht; aber auch diese Hülfsmittel vermehrten nur das Schwerfällige des Ganzen, welchem die Paar runden, mit Schnitzwerk gezierten Rosenfenster rechts und links vom Eingänge nicht abhelfen konnten. Den Übelstand vergrößert die tadelnswürdige Vernachläffignng des Ebenmaßes; denn nicht nur die beyden Giebel uile 54 Der älteste Theil der Kirche ter den Thürmen sind von ungleicher Breite, ihre Fenster aber ganz verschieden, sondern unverzeihlich ist die -Verwirrung in den achteckigen Thürmen, deren wa- gerechte Abtheilungen hier höher dort tiefer stehen, hier mit größer», dort mit kleineren Fenstern ausgefüllt sind, hier die ganze Breite der Bogen-Verzierung , dort dieselbe abgekürzt ausweisen, damit doch wenigstens die Thürme gleiche Höhe erhielten. Diesen Fehler der schlechten und mittelmäßigen Gebäude des Mittelalters hat man indessen nicht selten der Kunst des Mittelalters im Allgemeinen zur Last gelegt, wahrend in der That die besten, Werke seiner Baukunst das schönste und strengste, wenngleich aus eigenthümlichen Gesetzen beruhende Ebenmaß, neben der freyesten Fülle der Fantasie darstellen. Zu beyden Seiten der ursprünglichen Fronte stehen die sogenannten Heidenthürme, welche sich aus den fürchterlichen Bränden erhalten haben. Ihre ganze Einrichtzing zeigt den im 12. und > 3 . Jahrhundert üblichen Styl: wagerechte Abtheilungen theilen die Thürme in vier Geschosse, die mit rund-und spitzbedecktcn Fenstern abwechselnd ausgefüllt sind ; die spitzen , achteckigen Steindächer haben acht Giebel, mit Pfianzenknorren verziert; die leichte und zierliche Gal- lerie aber, die auf 16 Tragsteinen ruht, so wie die Blumenknospe auf der Spitze «sind offenbar durch spätere Hände zugefügt. Die an fast allen älteren Kirchen Österreichs erscheinenden Bogenstellungen hingegen, die man uneigentlich neugriechische Verzierung genannt hat, gehören offenbar noch dem »2. oder i 3 . Jahr- mit demHaupteingange gegenWesten. 55 hundert an. Eine, freylich sehr trübe, Quelle, die Steinmetztafeln bey St. Stephan nennen O c t a v i a n Falckner aus Krakau, der n 5 o als Baumeister dieser Kirche vorkommen soll/und den man deßhalb für den Erbauer der alten Heinrich'sche» Kirche hält. Au /diesen Tafeln, die alle Baumeister und Steinmetze mit Bor-und Zunahmen und Geburtsort seit demJ. 7io in langen Reihen aufführen , scheint sich das alte Sprichwort jw erwahren: Wer zu viel beweiset, beweiset nichts. Doch enthalten sie für spätere Zeiten manche brauchbare Angabe, von welchen unten hier und da Gebrauch gemacht wird, da uns deren Benützung mit großer Bereitwilligkeit gestattet wurde. Mehrere deutsche Kirchthürme, aus derselben Periode stimmen mit den Heidenthürmen sehr über- ein. Aber theils scheint die achteckige Form, mit den spitzen Steindächern und Bogenzierathen einem ziemlich langen Zeiträume gemein zu seyn, theils sind die Angaben über das Alter jener auswärtigen Thürme nicht bestimmt genug, um sich auf sie zum Belege für das Alter der Heidenthürme stützen zu können. Dahin gehören die Kirche zu Freyburg in Thüringensbey Stieglitz Taf. XXII.) welche ähnliche Thürme hat; die östlichen Thürme des Domes zu Raum bürg, welche noch vor 1028 sollen erbaut seyn; am ähnlichsten aber sind den unsrigen die Thürme der in den Zeiten der Hohenstauffen, (nach Möller) in der ersten Hälfte des i 3 . Jahrhunderts erbauten Kirche zu G e l n h a u s e n. Daß die jetzige Mittelwand nicht mehr ganz die 56 Der älteste Theilder Kirche rc. ursprüngliche sey/ erkennt das nur mäßig geübte Auge an dem hohen und spitzen Fenster/ dessen Bauweise offenbar einer spätern Zeit angehört, als das Rie- senthvr, über welchem es steht. Ebenso ist der oben wagerechre, gerade Schluß dieser Wand sammt der zierlichen (leider iin vorigen Jahre herabgestürzten) Gallerie und den Statuen daran, sicher eine Veränderung des ist. Jahrhunderts, in welche Zeit auch die beyden Anbaue, rechts und links der vorderen Thürme, fallen. Der Baumeister der beyden Anbaue hat nähmlich darin theils das Alte geschickt nachgeahmt , z. B. in den großen reichverzierten Rosen- fensteru und den alterthümlichen Sänlenbündeln, von der Art,mie die neben dem Riesenthore befindlichen, theils aber war es seine Aufgabe, das Alte durch neuen Schmuck, so gut es gehen wollte, dem damahls beginnenden Vergrößerungsbaue Rudolphs anzupassen, So entstanden die mit zierlichen Thürmchen geschmückten Eckpfeiler, und die Bildsäulen der Schutzheiligen und Gründer der Kirche. Jene, nähmlich die Heiligen Stephan, Lorenz und Michael stehen in der Mitte unter der Brustwehre; Rudolphder Stifter aber und seine Gemahlinn Katharina steht man mit ihrem eigenen und der Stadt Wie» Wapenherolden auf den beyden Eckpfeilern. Beyde stehen auf Löwen; die Herzoginn als Tochter Kaisers Carls IV. hält Scepter und Reichsapfel. —Sie erscheinen noch zwey Mahl an andern Theilen der Kirche, und alle diese Statuen findet man abgebildet im III. Th. von Herrgotts Pinacothek S. 80. und Tafel 24. 5 7 Das Äußere der beyden Langseiten und des Chores. Die schönste und zur Würdigung des ganzen Baues vorlheilhafteste Seite ist die südliche. Sie zeigt gewissermaßen den Canon, nach welchem die ganze Kirche wäre gebaut und ausgeschmückt worden, wenn sie ihre Vollendung erreicht hatte. Diese Seite h'at wie die gegenüberstehende Nordwand vorn, wo sie a» die Westseite stößt, einen schön gezierten Vorsprung, mit Strebepfeilern, auf welchen knospige Thürmchen stehen, und zwey Reihen schön gezierter Fenster zwischen denselben. — In der eigentlichen Hauptwand der Unterkirche sind, von diesem Vorsprunge an bis zum Thurme, 7 Fenster, deren jedes eine andere Vertheilung der herrlichsten Rosen zeigt. Zwischen jedem Fensterpaar steht ein reichgeschmückter Strebepfeiler, wovon aber nur die beyden ersten vollendet sind; und zwar mit dem herrlichsten Zierwerk, wo Knospe auf Knospe und Thurm auf Thurm in die Höhe steigt, alles aber leicht und zierlich, wie schwanke Pflanzenschäfte. Über den Fenstern lauft als Gesimse eine Leiste voll von Früchten und Blattern, ausweichen phantastische Thiergestalten hervorzusturzen scheinen, die nichts als verkappte Dachrinnen sind; darüber die um die ganze Kirche gehende Brustwehre, endlich als Schluß des Ganzen vier pyramidenförmige Giebel, von welchen nur der erste mit dem nöthigen Steinschnitte verziert ist. Die Pracht, die, in Übereinstimmung zum Ganzen an diesen Theil gewendet ist, läßt ahnen, wie das Ganze 58 Das Äußere der beyden sich gestalten würde, waren auch die übrigen 7 Giebel der Süd - und Nordwand auf ähnliche Weise bekleidet. Wirklich sollen mehrere dieser Giebelzierden erst in neuerer Zeit durch Beschädigung von Außen, die bey der feinen Ausarbeitung der ganz sreystehenden Glieder.und Stäbe so leicht möglich war, zusammengestürzt seyn. Es scheint aber doch nicht, daß alle acht Giebel je ihre vollkommene Verkleidung erhalten haben. Hier an dieser Seite zeigt sich der Plan des alten Baumeisters aufs glänzendste. Der Thurm und die Kirche sind wie aus einer einzigen Wurzel gewachsen, dieselben Verzierungen sind dem Thurme und der Kirche gemein, die Brustwehre des Daches und die Fruchtleiste gehen unvermerkt auch um den Thurm in gleicher Hohe, und die großartigen Giebel, mit denen die äußere Kirchwand wie mit vier - Blumenfingern gen Himmel zu zeigen scheint, sind im Grunde nichts anderes, als Fortsetzung in gleicher Hohe des wunderschönen großen Giebels an den drey Seiten des Thurmfußes, genau übereinstim- niend selbst in den Abtheilungen der Rosen, Spitzsäu- lcn und Durchbrechungen, nur sind die einzelnen Zierathen an dem Thurme weniger fein und schlank, als an dem einen vollendeten Giebel des Kirchendachs; der Thurm aber blieb hierbey immer der Grundtypus, an welchen sich da-s übrige Zierwerk anschloß. Also auch von dieser Seite stellt sich die Kirche nur als ein großartiger halbvollendeter Entwurf dar, der leider nur nach dem Skelette und dem, was er hätte werden sollen, richtig beurtheilt werden kann. Bevor wir diese Seite des Domes verlassen, be« Sangfetten und des Chores. 5g treten wir noch die schone Halle, die den ersten Seiteneingang/ das Singerthor, bewahrt. Ihr zur Seite stoßt man auf das, leider furchtbar verstümmelte, Grabmahl des Otto Nithart Fuchs, lustigen Rathes eines lustigen Herzogs, Ottos, genannt der Fröhliche: Nitharts lebensgroßes Bild in adelicher Kleidung mit dem Schwert umgürtet, auf einem Sarkophage liegend, die Füße auf einen Löwen gestützt. Merkwürdig ist, daß man als sprechendes Denkmahl der Zeit-und Sittengeschichte, jene blutigen Schwanke, die Nithart mit den Bauern gehabt, unten an den Wanden der Tombe in erhobener Arbeit ausge- hauen hat. Davon ist nun nichts mehr übrig , als der Moment, wie Nithart seinem Herzoge die Nachricht bringt, daß er das erste Veilchen des Frühlings gefunden habe. — Die Sage weiß nähmlich von einem Volksfeste „dem Veilchenfeste,” welches alljährlich durch Wein und Tanz um das erste Veilchen auf grüner Wiesenflur von den lustigen Wienern begangen wurde. Die unsaubere Aventüre, wie Nithart das Veilchen gefunden, wie die Bauern den Platz besudelt, wie Nithart dafür mehrere erschlagen — ist öfter erzählt worden. Hart an diesem Grabmahle ist der Eingang in die Halle, welche sowohl in der Bauart als den Verzierungen fast ganz mit der gegenüberstehenden, die wir als die merkwürdigste unten ausführlich beschreiben, übereinstimmt. Im Felde über der inneren Thüre sind zwey Hochbilder von unbedeutender Arbeit; unten Pauli Bekehrung auf dem Wege nach Damaskus und oben 6o Das Äußere der beyden der Martertod des h. PauluS; die in der doppelten reichverzierten Bogeneinfafsung befindlichen Figuren sind alle männliche Heilige, so wie an dem gegenüberstehenden Portal der Mutter Gottes die heiligen Frauen die Umgebung bilden. Der Anbau der großen unteren Sakristey und anderer nicht entbehrlicher Zusätze hindert nicht wenig den vollen Eindruck dieser schonen Seite. Das nächste bedeutende ist der Eingang unter dem großen Thurm, auch das P r i m glo ck l e i n th o r genannt. Einige der Statuen, über diesem Eingang, vorzüglich jene der h. Anna an der Ecke, sind nicht zu übersehen. Die stehende Fürstinn an der Ostseite des Thurms dürft? wohl Rudolphs IV. Gemahlinn seyn: was soll aber der kniende Knappe oder Träger in einer Entfernung davon % Das Innere der geräumigen Halle ist würdig aber nicht so reich verziert wie die beyden unteren Eingänge. Auf den Pfeilern neben der innern getheilten Thüre sind Statuen, in der Mitte die h. Katharina, (unfern davon, unter dem großen Thurme ist nähmlich die Ka? pelle der h. Katharina.) — Die für die vielen zierlich bedachten Nischen bestimmten Figuren fehlen groß- tentheils. Die Fenster haben noch ziemlich wohl erhaltene Glasgemählde, mit den Figuren der Habsburgischen Fürsten: K. R u d o l p h s I., K. A l b r e ch t s I. Friedrichs des Schonen, alle drey mit dein kaiserl. Adler im Schilde, K. Albrechts lI.,H. Rudolphs H.,des Bohmenkönigs mit dem Löwen im Wapen, H. H e i n r i ch s des Sanften und der Herzoge LeopoldI., Otto, RudolphIV./Friedrichs Langselten unb des Chores. 6» und Leopold des Biderben. — Neben diesen Bildern , von welchen aber einige fehlen, sind die Glasgemählde der h. Katharina und Barbara eingesetzt. Alle waren einst Fenstergläser der Bartholomäikapelle, woraus auch die gemahlten Scheiben der gegenüberstehenden Halle genommen worden sind. Das Äußere des hohen C h o r e s ist der Anlage des Ganzen entsprechend, aber weniger reich verziert. Zeder der drey Chore hat seine besondere Vorlage, der mittlere, weiter herausgerückte, umfaßt in fünfseitigem Plane fünf durch Strebepfeiler getrennte Fenster, die Nebenchöre jeder 2 Fenster. Außer diesen in den geraden Wanden bis an die Thürme zu jeder Seite 4 Fenster und eben so viele Strebepfeiler. Die Fruchtleiste als Gesimse, mit der Gallerie darüber und den wafferspeyenden Thiergestalten darunter, schließen auch diesen Theil der Kirche. Die Werke der Bildnerey, die uns auf dem Wege um diesen Haupttheil der Kirche begegnen, verdienen eine nähere Betrachtung. Von den zahlreichen Denksteinen und Erabschriften dieser Wände zeichnen sich zwey Bildwerke ganz vorzüglich aus: sie stellen e i- nen Gegenstand, aber auf ganz verschiedene Weise dar; den Abschied des Herrn Jesu von seiner Mutter. Die Künstler beyder Werke sind unbekannt. Das kleinere, ein Grabstein des Riemermeisters Jörg S i- genfelder vom I. i5i7, ist durch Einfalt und Tiefe der Empfindung vorzüglicher, als das andere von i54o, welches dagegen an Große, Aufwand und Künstlichkeit feines Gleichen sucht. Ein Blick auf bey- 62 Das Äußere d er beyden de mag unsere Ansicht bewähren. Dort sieht man die tief bekümmerte Mutter, dem Übermaße des Schmer» zens fast erliegend , ohnmächtig in die Arme zweyer Frauen zusammen sinken. Alle zukünftigen Leiden ihres Sohnes, dessen Ende ihr nicht verborgen ist, treten vor ihre Seele; der Heiland selbst, der ihr die eine Hand zum Abschied reicht, scheint mit der andern sein feuchtes Auge zu trocknen. Hinter ihm sieht man Petrus, Johannes und einen dritten Apostel. — Dieses Bild erscheint als Beylage zu den Denkwürdigkeiten. —Das zweyte Werk ist von dem sehr bedeutenden Umfange mehrerer Klafter und besteht aus einem großen cirkel- runden Mittelstücke und sieben Seitenrundungen. Von > den beynahe lebensgroßen Figuren der Hauptdarstellung scheinen die drey Frauen hinter der Mutter Gottes mehr beschäftigt sich selbst zu trösten, als Maria, welche ihrem Sohne die Hand reicht. Die drey Apostel stehen gegenüber. Sonderbar ist die gleiche Anzahl Figuren und ihre Vertheilung in beyden Arbeiten, so daß man die große Darstellung als eine freye Nachahmung jenes alten einfachen und tiefsinnigen Werkes ansehen konnte. Die sieben Rundungen enthalten in zarter erhobener Arbeit aus Sandstein dieBeschnei- dung,die Flucht nach Ägypten , den Christusknaben im Tempel, den Judaskuß , die Kreuztragung, Christus am Kreuze und die Grablegung. Die Einfassung und Architektur zeigt keine Spur des ernsten altdeutschen Styles, sondern ist ganz in dem geschnorkelten wal- schen Geschmacke, der im 16. Jahrhunderte ganz Europa zu umziehen begann, und dem selbst unser D ü- gangfeitett und des Chores. 65 rer zu huldigen gezwungen ward, wie seine Handzeichnungen und Holzstiche zur Genüge beweisen. Johann Sträub, Kirchenmeister bey St. Stephan, ließ dieses Werk i5io errichten. Der Ohlberg, gestiftet um i5o2, die 12 Geheimnisse von dem Leiden Christi, der Kirche verehrt im I. >58o, ein sehr altes Eccehomobild auf einer Säule sind nicht bedeutend. Merkwürdig dagegen ist die große hocherhobene Arbeit am zweyten Fenster der nördlichen Chorvorlage, darstellend den Kreuzesweg nach Golgotha. Fast alle Figuren sind verstümmelt, nur an den in der Mitte des Bildes befindlichen Heiland, der tief gebeugt unter der Last des schweren Kreuzes eiu- hergeht, hat die freche Hand des Muthwillens sich nicht gewagt, wenn es nicht vielmehr heiliger Eifer war, der die hartherzigen, den Heiland umgebenden geharnischten und mit Panzerhemden gewappneten, Kriegskechte so heillos verstümmelte. Viele nach Art des sechzehnten Jahrhunderts ganz gerüstete Pferde und Reiter eröffnen und geleiten den Zug, den Ho- henpriester bemerkt man darunter, und viele andere ausdrucksvolle Kopfe. Am besten erhalten sind noch die Figuren der Mutter Jesu und anderer Frauen, welche man im Stadtthore erblickt. Den Hintergrund (so viel noch davon sichtbar) nimmt Fels und Wald ein, mit fast mahlerischer Kühnheit in den Stein gemeißelt, auf einer Hohe sieht man Christi Gefangennehmung in Gethsemane, in fleißig gearbeiteten sehr kleinen Figuren. Ei„ Wapen hat die Jahrzahl i 525. Das Ganze iß oben Halbrund, mit gothischen Stäben bedeckt, er- 64 Das Äußere der beyden wa 2 Klafter lang. — Die Figuren in den Eckthürm- chen sind durch schonungslos gemachte Anbaue sehr beschädigt. Bey Betrachtung dieses Werkes/ welches ein Grabmahl eines wienerischen Brückenmeisters und Raths- herrn /Johann H utstocker ist/ mag man sich kaum seines schmerzlichen Gesühles erwehre» / wenn man die armselige Flachheit unserer modernen Grabmähler damit vergleicht. Hat doch das Volk die Freude an wahren sinnvollen Kunstwerken so sehr verloren/ daß es nicht einmahl die heiligen Stätten seiner Hingeschiedenen blieben mit solchen auszuschmücken strebt; und jetzt einmahl ein reicher Mann einen Denkstein/ welche Gegenstände werden meistens gewählt? Ist es nicht/ als ob der ganze Reichthum der christlichen Kunst in den tausendmahl wiederhohlten Urnen weinender Genien und seufzender Allegorien begraben läge? Wie sinnig der alte Gebrauch! der Künstler darf in der Thar nie verlegen seyn um eine Darstellung; jede Seile der h. Schrift gibt Bild und Text dazu, und die allen Grabmähler die schönsten und zahlreichsten Beyspiele. Den hoffnungsvollen Schmerz irdischen Scheidens deinen sie durch deir Abschied Jesu von seiner Mutier, den vollenderen Weg des Christen durch den Kreuzesweg nach Golgotha, den Lohn des Gerechcen durch den auferstehenden Heiland an ; so gab die Kunst nichl nur Trost den Zurückbleibenden , sondern auch an manchem heiligen Gebäude, und auf Golresäckern die ganze christliche Geschichte und Lehre in Grabmählern. L a ngse ite n iind des Chores. 65 An der nördlichen Wand des Chores sieht man noch die gothische Kanzel, auf welcher der heilige Held Kapist ran mehrere seiner gottbegeisterten Reden hielt, *) ein nicht durch Kunstwerth, aber durch die große Erinnerung ehrwürdiges Denkmahl. .— Nicht weit davon ist ein mehr als lebensgroßes Kruzisixbild von Holz, in der offenen Kapelle über dem Eingänge in die neue Gruft. Dieses sehr gute Schnitzwcrk ist auch eines jener unbewunderren und unberühmten An- dachcsbilder, vor welchem von Vorübergehenden viele herzliche Gebethe täglich ausgegoffen iverden. Die strenge Nachahmung der Natur, eines freylich nicht athletischen, sondern durch Leiden undMartern gequälten Körpers gibt dem Bilde etwas dürres und hartes, aber der unbeschreibliche Adel im Gesichte des schon Verschiedenen, die geschlossenen, tiesiiegenden Augen, der halbgeöffnete Mund, der mit himmlischer Sanft- muth noch kurz zuvor die Worte „Vater vergib ihnen , denn sie wissen nicht, was sie thun" ausgesprochen — sind der Darstellung des Gottmenschen würdig. Das folgende größere Steinbild ist ein Votiv- stein aus dem 16 '. Jahrhundert, wie es scheint, und die Figuren der Geber sind unten kniend angebracht. Die, der Kunst nach, nicht ausgezeichnete Darstellung des jüngsten Gerichts erwähne ich hier deßhalb, weil sie, in dieser Form, eine der ältesten Kunsttraditionen ist, die auf zahlreichen Werken der Mahlerey ’) Vergleiche des dritten Bandes dieser Geschichte, drittes Heft S. 136 f.f. kl. Jahrg. Denkwürdigkeiten. l.Vd.i.Heft. 5 66 Das Äußere der beyden und der Skulptur im ganzen christlichen Mittelalter wiederhohlt wurde; Christus mit den Gerichtsengeln in der Mitte, ihm zur Seite Maria und Johannes der Läufer, die größten aller Heiligen, die zugleich als Fürsprecher der Menschen am jüngsten Tage gedacht wurden. Nun gelangt man zu der Eingangshalle des nördlichen Thurmes, die der gegenüberstehenden südlichen in der Anlage ganz entspricht; nur hat sie, innerhalb reicheren Schmuck von Bogen und durchbrochenen Baldachinen, unter welchen Statuen stehen sollten, die aber größtentheils wohl nie wirklich aufgestellt waren. Die Fenster über den Thüren nach außen zeigen in bunten Gemählden des ist. oder >5. Jahrhunderts, die Marter des heiligen Stephan, worauf der naive Mahler den Jüngling Saulus, der die Kleider der Zeugen bewahrt, durch langen Bart und durch das große Schwert, womit er selbst enthauptet worden, anzudeuten gesucht hat. Unter den vielen am Fuße des unausgebauten Thurmes angebrachten Grabmählern verdient jenes des gekrönten Dichrers Conrad Celtes Beachtung. *) Die nördliche Wand der Kirche von dem Thurme bis zur Westfront« entsprichtganz der gegenüberstehenden , nur sind die vier Giebel des Daches ganz kahl. Das wichtigste, was diese Seite der Kirche darbiethet, ist wohl die schöne Eingangshalle, welche in der Form ') Eine Abbildung davon liehe in den zu Nürnberg 1822 erschienenen Beyträgen zurKunst- und Literaturgcschichte von Heller und Jäck. i. «. 2 . Heft. Lang feiten unb des Chores. 67 eines kleinen Kapellchens vor der, neben der Kreuzkapelle beßndlichen, Seitenrhüre erbaut ist. Von außen stellt sie sich dreyseitig, von innen aber siebenseitig dar. Oben herum lauft eine höchst zierliche aus durchbrochenen Rosen und fünf kunstreichen Thurmpfeilern bestehende Brustwehre, an welcher auch die in Thierform gebildeten Dachrinnen nicht fehlen. Fenster mit zierlichem Steinschnitt und einigen gemahlten Scheiben geben der Halle Licht, und auf zwey Pfeilern neben dem Mittelfenster stehen die Heiligen Stephan, und Paulus aus Stein schon gehauen. Betreten wir das Innere, so überrascht uns vor allem die Thüremir ihren Bildwerken, welche alle im genauesten Zusammenhange stehen. In dem spitzen Bogen gerade über der inneren Thüre, welche in die Kirche führt, sind die Hauptvorstelluugen: der Tod und die Krönung Mariens. Unten nähmlich in einer langen Reihe von sechzehn kleinen, hocherhobene» Figuren sieht man die Leiche der h. Jungfrau, umgeben von Aposteln und heiligen Frauen, welche bethen,, lesen, oder sonst ihren Antheil ausdrücken. Die zunächst am Berte stehende Figur ist der Heiland selbst, durch die erhobene, segnende Rechte kennbar, in der linken Hand aber halt er die Seele seiner heiligen Mutter, als ein kleines, weibliches, bekleidetes Figürchen dargestellt, wie dieß auf vielen alte» Bildern, die diesen Gegenstand behandeln, anschaulich gemacht wird. Über diesem Bilde des Todes ist, durch ein wunderschönes Dächlein von durchbrochenen Zierarhen und durch schöne Leisten mit Laubwerk geschieden, die andere Darstel- 5 * 68 Das Äußere der beyden lung: Mariens Aufnahme und Krönung im Himmel. Maria sitzet zur Rechten Gottes, der ihr die Krone auf das Haupt setzt: Engel/ von welchen einige himmlische Musik ertönen lassen, andere aber wie Vögelmit Menschengesichtern gebildet sind, umgeben dieses Bild der Krönung. Nichts aber ist schöner und geschmackvoller als die Einfassung und die Glieder des Thürbogens, welche mit sechzehn Statuen, jede unter ihrem durchbrochenen Dache, und mit einer doppelten Leiste von Laubwerk geschmückt sind. Unter jenen Statuen sind zwölf heilige Frauen, deren mehrere durch ihre Attribute sich ankündigen, z. B. Elisabeth, Agnes, Katharina, Genofeva, Barbara. Die vier untersten Figuren stellenden Stifter Rudolph, seine Gemahlinn und ihre beyden Wapentrager vor, wie solche auch an den Ecken der Westfronte und in der gegenüberstehenden Eingangshalle, dem S i n g e r t h o r e, abgebildet sind. Der ganz gerüstete Herzog, mit Strahlenkrone, Mantel und Schwert, trägt das Kirchenmo- dell und den Scepter in den Händen. Auf dem Kleide der Herzoginn sieht man den kaiserlichen Adler. Zwey ganz vorn hingestellte Bildsäulen der h. Jungfrau und des sie begrüßenden Engels gehören mit in den Kreis der Darstellungen , durch welche der Künstler die Weihe durch des Engels Bothschaft, den Tod und die Verherrlichung der heiligen Jungfrau darzustellen strebte; deßhalb ist auch im Innern der Kirche über der Thüre, ohne Zweifel, um auf den Sinn dieser Halle hinzudeuten, die Schriftstelle aus Jsaias, Langselten und des Chores. 6g 7. Kap.: Ecce virgo concipiet et pariet filium et vocabitur nomen ejus Emmanuel. Der große T h 11 nn. Dieser Thurm ist, seit seiner Entstehung der Gegenstand allgemeiner Bewunderung gewesen, und verdient sie auch, wenn gleich zu bedauern ist , daß er wahrscheinlich nicht ganz nach dem Plane eines Meisters, sondern zweyer, um 5o Jahre von einander entfernter Künstler, aufgeführt wurde. Es dürfte erst dann möglich seyn, zu bestimmen, ob der letzte Meister ganz im Sinne des ersten gearbeitet habe, oder in wie ferne sich die Plane beyder aneinander angeschlossen haben, wenn der in dem Baumeisterarchive noch vorhandene wahrscheinliche Originalriß des ganzen Thurmes (denn die magistratischen Zeichnungen zeigen nur Bruchstücke) mit dem Thurme verglichen würde. Um sich von der Bauart des Thurmes eine genügende Vorstellung zu machen, muß er nicht nur von Außen besehen, sondern auch in seinem Innern untersucht werden. Besteigt man diesen Kunstfelsen, so stößt man, besonders rm untern Theile, bey jedem Schritte auf neue der Aufmerksamkeit würdige Eigenschaften dieser unübertroffenen Bauweise; bald ist es die unverwüstliche Festigkeit, bald die sorgfältigste Benützung des Raumes, bald die zweckmäßige Verthei- lung der Zierathen, die nie nach Laune, immer nach kunstgerechten Gesetzen angeordnet sind, bald endlich •jo Der große Thurm. die musterhaft fleißige Ausarbeitung dieses Zierwerks/ die uns überrascht. — Bis zur Höhe des' Kirchenda- ches führt eine Wendeltreppe in einem Eckpfeiler des Thurmes über 553 steinerne Stufen; hier tritt man in den Kern des Thurmes , dessen vier Wände aus Sand- fteinquadern hier die Dicke von beynahe 2 Klaftern haben. Da derganze Durchmesser des Thurmes in jener Höhe beyläufig ö Klafter beträgt , so ergibt sich das zur Beurtheilung des alten Thurmbaues nicht unwichtige Verhältniß des Durchmessers zur Mauerdicke, wie 4 zu». — Dasselbe Verhältniß ist auch/init dem unbedeutenden Unterschiede einiger Zolle/in dem später erbauten Thurme beobachtet.' Dieser untere Theil des Thurmes/ ein Meisterstück fester Bauart, darf dessen ungeachtet den Vorwurf der Schwere nicht fürchten / den der Baumeister sichtbar zu vermeiden gesucht hat/ weil erstens seine solidesten Massen durch die allerherrlichsten Durchbrechungen gelichtet und erleichtert sind, und zweytens der Umriß des Thurmes durch zahlreiche aber fast unmerk- liche Absätze immer mehr zur Pyramidalform verjüngt wird. Die beyliegende Zeichnung des Thurmes wird dieses doppelte Bestreben des alten Baumeisters anschaulich machen. —> Denn zuvörderst suchte er in jede der vier Seiten die schönste Abwechslung von fenster- ähnlichen Öffnungen und von Giebelfeldern zu legen. Gleich über dem dreyfachen Eingangsbogen zwey Fenster neben einander/ darüber der große/ schöne/ dreyeckige Giebel , der sich nicht nur an den beyden andern Seiten des Thurmes / sondern auch an den Der große Thurm. 71 Kirchenwanden wiederhohlt , um beyde recht innig mit einander zu verbinden. Noch höher folgt das große, wohl mehr als fünfzig Fuß hohe, Glockenfenster, und darüber die schönen Durchbrechungen, die in dem Maße leichter und zarter werden, als die Höhe des Thurmes steigt. Dieselbe Sorgfalt bemerkt man auch an dem Umriße, an welchem man etwa zwölf Verjüngungen bis an den Gang wahrnimmt, die durch lauter Thürmchen und Pfeiler, in Größe, Zahl und Zeichnung mannigfaltig, gebildet werden. — Da wo der Stamm des Thurmes sich von der Spitze abtheilt, ist der Gang mit seinen zwölf hohen, freystehenden, gothischen Pyramiden oder Thürmen, deren jeder mehrere Klafter hoch oben mit einem vergoldeten Knopfe verziert ist. Hier, in dem nordöstlichen Eckpfeiler zeigt man noch die steinerne Bank, von welcher aus Graf Starhemberg, Wiens heldenmüthiger Vertheidiger gegen die Türken im Jahre i683, das feindliche Lager zu übersehen pflegte. Hier erhebt sich die schöne Spitze, das Werk Pilgrams, in welcher sich durchbrochene Rosen und Giebelfelder in schönem Wechsel aufnehmen und einschließen. Sie verjüngt sich drey Mahl fast unvermerkt, und hat an ihren Kanten die gewöhnlichen Pflanzmknorren, die aber hier als ungeheure Pflanzenkolosse, deren Breite an 3 Fuß betragt , in schwindelnder Höhe über uns hangen. Durch gewaltige eiserne Platten und Klammern ist fürge- sorgt, daß keine dieser Blüthen sich ablöse. Als etwas Seltsames muß noch bemerkt werden, daß dicht unter der Spitze an vier Ecken Hirschgeweihe und unweit 72 Der große Thür m. davon eine in Stein gehauene Viehweide angebracht sind/ angeblich zur Andeutung / daß hier in'ältester Zeit Viehweiden und Waldungen gewesen. Zur Beurtheilung der Höhenverhaltnisse mögen folgende Messungen dienen. Jene des Ziegeldeckers R e s- sy ck0/ der den Mond und den Stern abnahm: Schuh. Zoll. Von der Spitze des Kreuzes bis zur Kugel 7 — Die Kugel hat in der Höhe .... 5 — Von der Kugel bis zur Rose ... 6 6 Der Knopf der Rose ...... 5 6 Von der Rose bis zur Krone .... 4 — Von der Krone bis zur Erde . . . 422 — Ganze Höhe 448 — weicht bedeutend ab von der neueste»/ richtigsten/die im I. 1609 angestellt wurde/ und nach welcher sich die Höhe des ganzen Thurmes auf 420 Fuß belauft. C u sp i n i a n gibt gar 480 Werkschuh an (Austr. p. 66): der Almanach von Gotha von 1811 setzt 425 , Zeckels Altographie 484 1/2 Schuh: ein Beweis /wie selten dergleichen Angaben zu trauen ist. Das Innere der Kirche. Der große und reiche Eindruck der Unterkirche entsteht nicht durch die Größe des Raums/ denn darin steht der Dom vielen Kirchen nach/ sondern durch die gleiche Höhe des Schiffes und der Abseiten und durch die kühne Freyheit der starken und vielfach geglieder- Das Innere der Kirche. 75 ten Pfeiler mit ihrem Schmucke, wie denn überhaupt Kirchen dieser Bauart bey gleicher Große immer großer zu erscheinen pflegen , als Kirchen die im irakischen Sryle erbaut sind. Den untern Theil des Schiffes stützen in zweyReihen zwölf hochemporstrebende Pfeiler, die es von den Abseiten trennen, welche mit dem Schiffe gleiche Breite und fast dieselbe Hohe haben. Das ungeheure Gewölbe ist wie ein steinernes Netz von Zweigen, die aus den zahlreichen schlanken, den Kern der Pfeiler einschließenden, Stäben sich entfalten. Denn die »nitrieren, freystehenden Pfeiler zeigen eine sehr durchdachte Struktur, in der Zahl und Ordnung der vier größeren und zivölf kleineren Stäbe, »velche »nieder durch viele andere kleinere Glieder, Hohlkehlen und Kanten verbunden sind, und ein höchst man- nigfalriges aber zugleich geordnetes Bündel von dünnen Baumstäininen darstellen, deren pflanzenartige Natur besonders noch durch die hohen und kunstreichen Thurmdächer hervorgehoben »vird. Solcher Dächer sind sechs an fedein Pfeiler der z»vey Mittelreihen angebracht, drey nach innen und drey nach außen, »vovon das dritte immer mitten über den beyden untern steht. Es ist, als ob man blätterreiche Äste dicht an schlanken Bauinstämlnen sich hinaufranken sähe, unter deren Schatten die Heiligen stehen und auf die versammelte Gemeinde herabblicken. Die Zahl dieser Standbilder beläuft sich »vohl gegen hundert; und darin übertrifft der Do»n die meisten andern größeren Kirchen jener Zeit. Doch sind diese Statuen, wie schon bemerkt wurde, als untergeordneter. Schmuck 74 Das Innere der Kirche. in Ansehung ihrer Kunst von wenig Belang. In früherer Zeit mag die Farbe, ivomit diese Steinbilder bemahlt waren, und wovon man noch Spuren sindet, ein eigenthümliches Ansehen hervorgebracht haben. Sonderbar mag man es auch finden, daß hier mehrere Heilige zwey auch drey Mahl wiederhohlt wurden; dieß kann aber bey einem Gebäude, welches bey jedem Schritte eine andere Ansicht, andere Altäre, andere Beleuchtung zeigt, weniger stören, als in einem Prunksale, der sich in allen seinen Theilen einem Blicke darstellt. Der unter Friedrich IV. vollendete hohe Chor ist viel einfacher und schmuckloser. Die Pfeiler tragen nur niedrige Dachlein , auch das Kreuzgewölbe ist einfach, mit den Zeichen der Evangelisten an den Schlußsteinen und andern Bildwerken geziert. Kein einziger von den alten Altären hat sich in der Kirche erhalten. Dürfen wir nach andern Beyspielen schließen, so mag der Verlust für die Kunst nicht gering seyn. Wenigstens besitzen noch einige Dorfkirchen in Österreich, z. B. die Kirche zu St. Wolfgang, im Salzkammergute des Landes ob der Ens, treffliche Proben dieser Art. Der alte Hochaltar, der 1466 bestand, muß eine ähnliche Gestalt gehabt haben, wie die ältern Altäre überhaupt, deren oben gedacht worden, denn in einer Stadturkunde heißt es, nach Og e ss e r : „Item d e m M e i st e r Kasper n s e i n e n I a h rg eld, daß er die große T a v e l auf St. Stephans Altar vorn in Chor auf und zu thut." Ohne uns hier mit den Veränderungen aufzuhal? Das Innere der Kirche. ^5 ren, welche die Altare in ihren Aufstellungsplatzen und Nahmen erfahren haben , verweisen wir deßhalb bloß auf den darin sehr ausführlichen Ogesser, und das neueste Werkchen von Herrn Z iska. Für die Kunst ist ohnehin kein Gewinn zu hoffen, denn die jetzige Ausschmückung ist nicht nur dem alten Baue durchaus geradezu widerstrebend, sondern die Altare sind überhaupt mit schlechten und mittelmäßigen Werken der Baukunst, Bildnerey und Mahlerey angefüllt. Der jetzige Hochaltar, ein Bau des Bischofs Philipp Grafen von Breuner (i63g), ist allerdings in Hinsicht des Stoffes und der kostspieligen Arbeit prächtig zu nennen, wird aber immer ein Beyspiel verkehrter Anwendung bleiben; die architektonische Bekleidung aus schwarzem und weißem Marmor kann dem Eindruck, als sey sie aus Holz geschnitzt, kaum entgehen, und die eilf Statuen von weißein Marmor utib zum Theile colossaler Große erheben sich nicht über die Mittelmäßigkeit; kurz, das Werk erscheint in dem gewaltigen Dome auch mit den größten Verhältnissen, dennoch kleinlich. Ja k o b Bock ist der Nahme des Bildhauers. Das Altarblatt, von Tobias Bock, dem Bruder des vorigen, die Marter des ersten Blutzeugen Stephanus darstellend, gehört, in Hinsicht auf Farbe, zu den bessern Bildern einer Zeit, welche den Sinn für die Farbenpracht und Klarheit der früheren Meister gänzlich verlor, und dafür, wenige Fälle ausgenommen, keinen Ersatz gab, als Unnatur der Erfindung, Compositio» und Zeich' ng, dunkle Massen von Schatten ohne Licht, und e alle 76 Das Innere der Kirche. Wahrheit von sich stoßendes Haschen nach theatralischem Effect, der die Kirchenbilder entweiht und der Kunst unausbleiblich den Untergang bringt. Das Bild ist zwar nicht ganz frey von den Fehlern jener Zeit, aber doch in mancher Hinsicht lobenswerth. Der unglückliche Gedanke es auf zusammengefügten Zinn- plarlen zu mahlen, verursacht, bey manchen Beleuchtungen des Tages, störende Unebenheiten, zumahl da das Licht durch die gemahlten Fensterscheiben zu beyden Seiten des Altars stark gedampft wird. Derselbe Bischof Graf Philipp von Breuner schmückte die Kirche auch mit andern, im Geschmacke seiner Zeit sehr prächtigen und kostbaren Gerathen und Einrichtungen; mit einem ganz aus harten Steinen in Mosaik zusammengesetzten Tabernakel, den ein Künstler aus Palermo verfertigt haben soll, und der ursprünglich für den Hochaltar bestimmt, dann aber auf dem großen Frauenalrar im sogenannten Speis- chore aufgestellt ward; so wie mit den zwey Portalen von schwarzem Marmor vor der Sakristey, deren eines das Bildnis; des Papstes Pius VI. von weißem Marmor ausweiset. Bon ihm sind ferner die trefflichen Chorstühle im Presbyterium, die jetzt den Domherren zu Sitzen dienen, welche fti achtzehn Abtheilungen an beyden Seiten des Hochaltars herab bis zur Balustrade aufgestellt sind. Jeder Stuhl hat oben ein aus Holz geschnitztes lebensgroßes Brustbild, welchem Nahme und Wapen beygefügt sind. Diese sprechenden, von unbekannter, aber vorzüglicher Hand geschnitzten Büsten stellen vor: den Stifter des Wienerbisthums,Kai- 77 Das Innere der Kirche. ftr Friedrich den IV., den Bestätiget desselben Papst Paulus II., dann sämmtliche Bischöfe bis auf Philipp von Breuner. Auch die um mehr als i5o Jahre älteren Chorstühle im unteren Theile des hohen Chores verdienen Beachtung, eine feste und wackere Arbeit aus K. Friedrichs Zeit/ der sie wahrscheinlich anfangen, wie Konig Mathias sie vollenden ließ. Die Architektur daran ist mannigfaltig, und wie die geschnitzten Darstellungen an den Lehnen , meist aus der Geschichte des Heilandes, fleißig und reinlich ausgearbeitet. Der nächste Theil der Kirche ist der von dem Passionsbilde, welches hier die Stelle des Hochaltares vertritt, sogenannte Passionschor, an dessen Ende das berühmte Grabmahl Kaiser Friedrichs IV. aufgestellt ist, eine Zierde nicht bloß des Domes, sondern Wiens, Österreichs, ja ganz Deutschlands. Das ganz aus rothem Marmor gehauene Mausoleum hat mit dem Fundamente eine Länge von 19 , eine Breite von i5 Schuh. Der Plan des Ganzen ist sehr einfach: der Sarg ruht auf einem vier Schuh hohen Fußgestelle, um welches in einiger Entfernung eine freistehende Gallerie oder Brustwehre herumläuft. — An allen diesen Theilen ist aber eine seltene Fülle, ein Übermaß von Gestalten aller Art verschwendet. Die Gallerie besteht aus zwanzig runden Bogen, in deren Zwischenräumen die fünfzehn Zoll hohen Statuen des Erlösers und der Zwolfbothen und außer diesen noch vierzig mit unbeschreiblicher Zartheit aus Marmor gehauene Figürchen verschiedener Heiligen erscheinen., die mit den größeren Bildwerken des Sarges in 78 Das Innere der Kirche. genauer Beziehung stehen. Und damit ja keine Stelle des Denkmahles leer und leblos bleibe, machte der Künstler auf dem Boden zwischen der Gallerie und dem Sarge eine Menge der seltsamsten Thiere, die sich verfolgen und um den Besitz eines Todtenschadels zu streiten scheinen, wodurch der Künstler wohl das unabwendbare Loos des Sterblichen andeuten wollte. Der marmorne Sarg selbst erhebt sich in der Mitte zu einer Hohe von sieben Schuh; er besteht aus dem Fußgestelle und dem Deckel. Dieser zeigt oben die liegende, mehr als lebensgroße Figur ides friedfertigen Kaisers, von erhobener Arbeit. Er ist in vollem Kai- serornate, mit Krone, Mantel, Reichsapfel und Scepter. Der übrige Raum zu beyden Seiten enthalt eine so große Menge bedeutsamer Attribute und Zierden, daß man den fleißigen Künstler bewundern, aber zugleich auch bedauern muß, so viele Mühe aus eme Stelle verwendet zu haben, die durch ihre Lage und Hohe dem Auge ganz entzogen ist, und nur von einer Leiter herab besehen werden kann; ein Ubelstand der weniger dem Künstler als der Gewohnheit seiner Zeit zur Last fallt. Viel sinniger und paffender ist in dieser Hinsicht die Anordnung bey dem Grabmahle Maximilians, des Sohnes Friedrichs, zu Innsbruck, wo der Verewigte in runder Arbeit, ausrecht auf dem Sargdeckel kniend und mit gefalteten Handen gegen den Hochaltar gewendet, dem Beschauer von jeder Seile vollkommen sichtbar ist. —Über dem.Haupte Friedrichs wölbt sich ein gothisches Dach mit dem Bilde des h. Christophs und anderen knieenden Figuren. Das Innere der Kirche. 79 Des Kaisers Scepter umgibt eine Rolle mit seinem Denkspruche in den fünf Vokalen, welchen man folgende Erklärungen zu geben pflegt: Austria Erit In Orbe Vltima. Auslria Ejus Juste Omnia Vincet. Alle» Erdreich Ist Österreich Unterthan- Aller Ehren Ist Österreich Voll. Gegenüber sieht man auf einer zweyten Rolle, die ein Adler tragt, des Kaisers (auch aus Münzen und in Urkunden erscheinendes) Monogramm , und gegen den Rand zu sieben Wapenschilder, der Reihe nach: das alte und neuere kaiserliche Wapen (Kreuz und Adler), das Italisch-Lombardische, beyde Schilder von Österreich , jenes von Steyer und von Habsburg. Um den Rand des Deckels lauft folgende Inschrift : Fridericus Tercius Romanorum Imperator Semper Augustus , Austrie , Stirie , Karinthie et Karniole Dux, Dominus Marchie Sdavonice ac Portusnaonis , Comes in Habspurg, Tiroli, Pherreto et Kiburg, Marchio Rurgovie et Lant- gravius Alsacie. Obit Anno domini MCCCC... (Hier ist nähmlich die Ergänzung der Jahrzahl mit 3 tGUI., vergessen worden.) Auch die Seitenwände sind mit dreyßig Wapen- schildern bedeckt, die aufwirklichen oder ehemaligen Besitz des Hauses Habsburg, oder auch auf bloße Rechtstitel sich beziehen. Die gelehrten Herausgeber der'Fapbo- grapbia principium Austriae haben allen Scharfsinn aufgebothen, um jedes dieser Wapen zu deuten. 8o Das Innere der Kirche. deren genügende Erklärung zum Theile großen Schwierigkeiten unterliegt. Das Fußgestell, auf welchem dieser Sarg ruht, enthält auf seinen Langseiten drey, auf den schmalen Seiten aber ein einziges, durch vorspringende Strebepfeiler geschlossenes Feld, in allem also 6 Felder, und 12 zierliche Pfeiler dazwischen. In den Nischen der Pfeiler stehen geistliche und weltliche Reichsfürsten , jeder in seinem Ornate und mit seinen Wapen, welche, nach Herrgotts Erklärung, der Reihenach Brandenburg, Trier, Cöln, Mainz, (nun folgt ein unbekanntes,) dann Burgund, Austrasien, die Heiligen Leopold und Agnes als Fürsten und Patrone Österreichs, endlich die Fürsten von Böhmen, Pfalz und Sachsen vorstellen. Die acht Felder, zwischen den Pfeilern sind eben so vielen hocherhobenen Darstellungen gewidmet, die sich alle auf geistliche Stiftungen Friedrichs beziehen : wie er das P a u l i n e r k l o st e r zu N e u st a d t gestiftet (1480), wie er die Benediktiner A b t e y O bernburg in Ober-Krain (1461) dem von ihm, neu errichteten L a i b a ch e r Bisthum unterordnete, den Dominikanern in Neustadt (i 444 ) das St. Peterskloster einräumte, wie er die C i st e r z i- enser in Neustadt gestiftet, und den St. Georgenorden (1468,) das Bisthum (1468) und die Augustiner Chorherr» (1478) daselbst eingesetzt; endlich in Gratz die Minoriten und Dominikanerinnen gestiftet habe. Es scheint mit Recht seltsam, daß auf diesem Grabmahle von der Gründung des Wiener Bis- Das Innere der Kirche. 81 thum e S durch Friedrich keine Erwähnung geschieht; allein der Raum faßte nicht alle geistlichen Stiftungen des Kaisers und aus der ganzen Anlage geht ja hervor, daß das Grabmahl ursprünglich der Stadt Wienerisch - Neustadt zugedacht war, wo auch E l e o n o r a, Friedrichs Gemahlinn ruht; daher die fast ausschließende Beziehung auf diese Lieblingsstadt Friedrichs, der ihre Treue auch nach dem Tode noch durch ein kostbares Denkmahl lohnen wollte. Der Gedanke, den der Künstler bey allen diesen, mit einer Unzahl von Figuren ausgeschmückten Hochbildern auszudrücken strebte, war wohl dieser: das Gebeth aller jener frommen Verbrüderungen steigt für die Seele ihres Stifters zum Himmel empor. Darum sieht man meist auf diesen Bildern Bischöfe, Äbte, Äbtissinnen mir ihrer Clerisey, ihren Conven- tualen und Nonnen kniend und bethend um die Schutzheiligen ihrer Kirchen, Kloster und Orden versammelt. *) Der ungemeine Fleiß, der auf die Zusammenstellung dieser Gruppen, so wie auf das Einzelne, besonders die Kopfe darin, verwandt ist, verdient Bewunderung ; besonders schön ist, um nur e i n Beyspiel anzuführen, die Vorstellung auf der großen Tafel gegen Osten, wie die seligste Jungfrau von der *) Die einzelnen Tafeln sammt ihren Inschriften gibt am ausführlichsten mit Abbildungen und Erklärung deS ganze» Grabmahles Hergott in der Xaphographia; und nach ihm Dg e s s er und Z i s k a. H. Iahrg. Denkwürdigkeiten, l. Bd> l.'Heft. 6 82 Das Innere der Kirche. heiligen Dreyfaltigkeit gekrönt wird, wobey die auch sonst, z. B. in alten Büchergemählden nicht unbekannte Vorstellung der drey göttlichen Personen auffallt, welche alle drey als bärtige Männer mit Kronen und Manteln ganz gleich gebildet, auf einem und demselben Throne sitzend erscheinen. Daß durch diese Darstellungsweise auf die Einheit des göttlichen Wesens/ hingegen durch die gewöhnliche Vorstellung auf die Verschiedenheit der Personen in der Dreyeinig- keic gedeutet werde, bedarf keiner Erklärung. Das Bild der h. Jungfrau ist vorzüglich. Sonst sind noch manche der kleinen Standbilder auf den Pfeilern und in den Nischen in Gedanken und Ausführung ausgezeichnet. Die Gesimsleisten umschlingt eine reiche Zierde von Zweigen und Blättern, zwischen welchen allerley wilde Thiere angebracht sind, an den Ecken aber sieht man kleine sitzende oder kniende Figuren, welche bethen oder in Büchern lesen. Nach Cuspinian, der als gleichzeitiger Schriftsteller hier von Gewicht ist, haben mehrere Künstler, Baumeister, Bildhauer und Steinmetze an diesem großen und kostbaren Werke gearbeitet. Neuere Schriftsteller, nahmentlich Duellius *) nennen einen gewissen Niklas Lerch, Steinmetz aus Straßburg, als den Meister des Mausoleums. Dieser Niklas nähmlich ist zu Neustadt begraben, und die Inschrift sei- ) De fundat, templi Cathedr. Neostad- p. 3st. 83 Das Innere der Kirche. nes Grabsteins gedenkt des prächtigen Denkmahles Friedrichs, als seiner Arbeit. Dennoch bleibt ein Zweifel/ ob er zugleich Anfänger und Vollender des Werks gewesen, an welchem an 40 Jahre gearbeitet worden. Der Deckel war schon unter Friedrichs Regierung vollendet, das übrige ließ Maximilian in beyläufig zwanzig Jahren ausarbeiten; und nach einer Nachricht W e n ck e r s *) soll dieser Niklas, den er aber von Leyden nennt, schon im Jahre 1467 aus Straßburg, wo er seine Kunst als Steinmetz ausübte, von K. Friedrich berufen worden seyn, wahrscheinlich, um das Grabmahl der Kaiserinn Eleonora zu verfertigen. Im Jahre » 5-3 war das Mausoleum Friedrichs vollendet; Niklas, der Steinmetz, hätte also sechs und vierzig Jahre im Dienste des Kaisers gearbeitet. Am 1. November desselben Jahres iöi 3 wurde der Leichnam des Kaisers (er starb zu Linz >493) aus der herzoglichen Gruft zu St. Stephan erhoben und in den neuen marmornen Sarg gelegt. Was der PaffionSchor sonst noch enthält, ist für die Kunst von geringer Bedeutung; erheblich ist nur das große Pafsionsbild von Sandrart, der Gekreuzigte zwischen den zwey Schächern, mit Maria, Johannes, Magdalena und vielen andern Figuren. Indessen zeigt doch auch dieses Werk eines um die deutsche Kunstgeschichte mehr als um die Kunst verdienten Mannes,so wie die meisten seiner Bilder, daß er nie *) Apparat, et Iualruct. Archivorum. 6 * 84 Das Innere der Kirche. zur Selbstständigkeit gelangte, und bey großer Gelehrsamkeit und Kenntniß, vielleicht nur umso viel leichter auf den Weg der Nachahmung gerietst, ohne je diejenige» / welchen er nachstrebte/ Rubens und P o u ssi n / zu erreichen. Wendet man sich aus diesem Seitenchore in die südliche Abseite der untern Kirche, so begegnet man, dicht am Eingänge in die untere Sakristey einem sehr schon aus Stein gehauenen Erker oder Altan, dessen mehrere Fuß hohe Brustwehre auf zwey reich geschmückten Bogen ruht, und mit Durchbrechungen, Rosen, Blättern und Thürmchen geziert ist. Das Werk fällt allem Anscheine nach in dieselbe Zeit mit den Zierarbeiten Pilgra ms, welche hier als das Bedeutendste der ganzen inneren Ausschmückung genauer beschrieben zu werden verdienen. Sie sind der Chor fuß ander nördlichen Wand und die K a n z el. Wenn man von der Seite des Riesenthores oder Haupteinganges der Kirche, an der linken Seiten- wand bis ungefähr in die Mitte des Schiffes kommt, so erblickt man eine Art von Erker oder Altan, auf einem Fuße, der sich wie ein Blumenkelch aus einer Knospe von unten nach oben ausbreitet. Dieser Chor, dem vorherbeschriebenen gerade gegenüberstehend — trug vor Zeiten, wie jener, eine kleine Orgel; seine Gallerie oder Brüstung ist von Außen mit leicht und zierlich verschlungenen Spitzbogen ohne Figuren geschmückt. Da wo der Chorsuß aus der Knospe hervortritt, sieht man ein durch Alterund Staub geschwärztes hocherhvbenes Brustbild eines alten Mannes, der 85 Das Inn er e der Kirche. aus einer genau mit dem Bau des Chorfußes zusammenhängenden fensterahnlichen Öffnung heraus sieht. Er hält in der rechten einen Zirkel/ in der linken ein Winkelmaß. Seine buschigen/ langen Haare'wallen über Stirne, Rücken und die Seiten des Hauptes herab/ welches mit einem vorne aufgestülpten Darret bedeckt ist. Sein Hals ist unbedeckt/ das Oberkleid hat iveite faltige Ärmel/ das Unterkleid/ eine Art von Weste, ist an der Brust mit Schnüren oder Riemen zusammengeheftet. Das magere/ »»bärtige Gesicht hat ungemein sinnige/ ausdruckvolle, starke Züge/ tiefliegende Augen / hervorragende Backenknochen, eingefallene Wangen, einen breiten Mund mit ausgeworfenen Lippen und ein sehr starkes Kinn. Die Ur- sache, warum dieses Denkmahl früherhin beynahe unbeachtet geblieben/ ist theils das Unscheinbare und die Schwärze des Bildes/ theils seine beträchtliche Entfernung — es steht in einer Hohe von etwa zwey Klaftern vom Boden— und die Dunkelheit des Ortes/da es weit vom Fenster , in einer Ecke der Wand angebracht ist. Erst vor 6 Jahren wurde auf Veranlassung Sr. königlichen Hoheit des Kronprinzen von Bayer»/ bey Hochdeffen Anwesenheit in Wien / eine Gypsform davon genommen , und ein Abguß in der hiesigen Akademie der Künste aufgestellt. Als auf diese Art die bequeme Betrachtung im gehörigen Lichte / in beliebiger Nähe und Richtung möglich geworden / fand sich / daß uns in diesem Bildnisse eines der herrlichsten Denkmahle der Kunst des Mittelalters bewahrt sey, würdig den Meisterwerken jeder Zeit an die Seite gesetzt und 86 Das Innere der Kirche. als Muster der Nachahmung aufgestellt zu werden. Man denke ja nicht an die ängstlichen, dürren, oft fehlerhaften Steinmetzbilder des fünfzehnten Jahrhun, derts, dieses Bild vereint die entschiedenste Kühnheit und Sicherheit des Meißels mit einer lebensvollen Wahrheit und Würde, wie sie nur der Meister über seine Schöpfung zu verbreiten vermag. Dieß ist das Bild unseres Pilgra m, der den Riß zum Orgelchore, den er hier nach der Darstellungsweise jener Zeit, auf seinem Rücken trägt, entworfen und dessen Bau geleitet hat. Dieß beweisen seine Werkzeuge, die er in den Händen hält, das ihm gehörige, an dem Chorfuße befindliche Zeichen VI, welches auch an der Kanzel vorkommt, und die unterhalb befindlichen, wenn gleich erst von späterer Zeit erneuerten Buchstaben M. A, P. Meister Anton Pilgram, womit auch andere schriftliche Angaben und Überlieferungen gut zusammen stimmen. Das zweyte Bildwerk im Innern der Kirche, dessen Anordnung man mit Grund dem Pilgram zuschreibt, ist die herrliche Kanzel, welche an einem der mittleren Pfeiler der Unterkirche angebracht ist. Die aus Stein gehauene Brüstung, Fuß und Treppe dieses Meisterwerkes ist, so wie das aus Holz geschnittene, vielleicht jüngere. Dach der Kanzel, von wundervoller Arbeit, von unten bis oben mit den schönsten großen und kleinen Figuren von Heiligen, mit Ästen und Zweigen geschmückt. Die Brüstung, oder die eigentliche Kanzel, enthält nach Außen vier mit durchbrochenem Zierwerk be- Das Innere der Kirche. 87 deckte Vertiefungen, aus welche», wie aus Fenstern die hoch erhobenen fast lebensgroßen Brustbilder der vier Kirchenlehrer, jeder in dem ihm zukommenden Ornate und die Arme auf Bücher gestützr, hervorschauen. Leider ist einer derselben durch eine neuere, äußerst schlechte Statue, die zur Seite eines Altares steht, ganz verdeckt. Die übrigen aber darf man nur recht aufmerksam betrachten, um den Meister der von uns beschriebenen Büste Pilgrams auch in ihnen wieder zu erkennen; so wahr und lebensvoll und die Züge, so breit und großartig alle Theile der herrlichen Köpfe, so meisterlich das Ganze in Zeichnung und Ausführung! diese Vertiefungen werden durch Pfeiler von einander getrennt, vor welchen kleine Heiligenbilder stehen. Der Fuß, der die Kanzel stützt, besteht aus mehreren freystehenden, gothischen Pfeilern und Bogen, zwischen welchen etwa zwanzig der zierlichsten kleinen Heiligennguren von sechs Zoll in der Hohe stehen, die aber leider großentheils verstümmelt sind. Was noch übrig ist, zeugt von trefflicher Künstlerhand, jener Zeit vollkommen werth, die Pilgrams Büste hervorgebracht. Das Dach, besonders zierlich und leicht, in Einklang mit dem steinernen Untertheile, aus Holz geschnitzt, hat die Form eines achteckigen Gebäudes, und ist mit einer hochaufsteigenden Spitze gekrönt. In den Feldern des kleinen Gebäudes sind bildlich die 7 heiligen Sakramente dargestellt, zwischen jedem derselben aber steht ein zierlicher Thurm,der wieder durch Gegenstreben mit dem Kern des Daches in Verbindung steht. — Das Trep- 88 Das Innere der Kirche. pengeländer, auf dessen Handgriffsfläche eine Reihe hinaufkriechender Eidepen und Frosche abgebildet ist, (ähnlich den Thieren auf Kaiser Friedrichs Grabmahl) ist schön durchbrochen und besteht aus gothischen Rosen und Kleeblättern, den so vielfach und immer neu benutzten Grundformen alter Bauzierden. Pilgram, der Meister dieses schönen Werkes, so wie des früher beschriebenen Chorfußes, ist auch hier, wie an jenem unter der Treppe aus Stein gehauen. Die Auge sind dieselben, nur ist dieses Bild etwas kleiner und in veränderter Stellung; doch sieht er auch hier mit dem Zirkel in der Hand, aus einem Fenster. Dieses Brustbild sowohl, als fast alle übrigen Figuren der Kanzel, sind mit einer graugelben zu dicken Lchlsarbe überstrichen, wodurch die Feinheiten des Meißels verloren gegangen sind, und die so trefflichen Steinarbeiten ein etwas hölzernes Ansehen gewannen. Die Einflüsse der Witterung sind hier weniger zu fürchten als der Muthwille, der auch wirklich dem schonen Kopfe Pilgrams die Nase weggeschlagen hat; umso lobcnswerther war die Vorsicht,die Kanzel zu umgittern. Gerade über Pilgrams Brustbild zeigt sich sein schon früher erwähntes Zeichen. Nicht zu übersehen sind die vielen an der Außenwand der Treppe eingehaucnen Maurer - und Steinmetzzeichen, welche wohl die Zeichen aller jener Meister, Gesellen, und wie die niedrigeren Arbeiter alle heißen mögen, die bey Behauung und Einsetzen der'Steine Hand angelegt. Ogesser und Ziska haben schätzbareVerzeich- Das Innere der Kirche. 89 nisse der im Innern und Äußern der Kirche befindlichen Grabsteine ihren Werken einverleibt, deren Wic- derhohlung hier unnütz wäre. Als Denkmahle der Kunst verdienen, außer den bereits am Äußern der Kirche nachgewiesenen, unter andern auch noch folgende innerhalb aufgestellte Denksteine und Grabmähler eine Erwähnung. Der aus rothem Marmor gut gehauene Grabstein Cuspinians, des Geschichtschreibers, Gesandten , Arztes, gekrönten Dichters Maximilians I. mit seinem, seiner Gattinnen und achtKinder Bildnissen, steht dicht am Eingänge in die Kreuzkapelle. Diese Abseite gegen den Altar zu aufwärts gehend gelangt man, im Kreuze der Kirche links, zu dem sehr schonen Grabsteine der beyden kaiserlichen Kapläne Georg Hager ch i5»4 und Jakob Hub er ch iÖ 2 i. Das Eccehomobild, vor welchem die beyden Geistlichen knien, ist besonders der Beachtung werth. Die größten und bedeutendsten Steine sieht man an der Wand des Frauenchores gegen Norden. Von dem ersten dieser Grabsteine, jenem des Fähnrichs Leo Nothaft, der »566 zu Raab gestorben ist, gibt das leider unvollendete Werk des Fürsten L ich n 0 v s- ky eine Abbildung. Von den darauffolgenden lebensgroßen Darstellungen der Bischöfe Klesel, Traut- sohn, Kollonirsch, Slatkonia, des Herzogs Alexander von Masovien, Cardinals-Patriarchen von Aquileja und Domprobstes von Wien, ist jenes des Bischofs Slatkonia ch »522 eines der be- ga Das Innere der Kirche. sten. Die Büste des Bischofs K o l l o n i t s ch hat R a- phael Donner verfertigt. Merkwürdiger als alle diese Steine ist, das leider schon sehr beschädigte, Grabmahl Rudolphs.des Stifters, welchem dieser Dom seine jetzige Große und Ausdehnung verdankt. Sein Leichnam ruht in der von ihm erbauten Gruft; aber zu Anfang des iö. Jahrhunderts setzte man ihm und seiner Gemahlinn ein sehr gut gearbeitetes Grabmahl, neben dem jetzt bestehenden Frauenaltare in der Wand , die diesen Chor von dem Mittelchore und Hochaltare trennt. Der steinerne Sarg ist mehr als neun Fußlang, auf dessen Deckel die liegende» lebensgroßen Figuren des Fürsten und seiner Gemahlinn zu schauen sind. Beyde stützen ihre Füße auf Löwen, Sinnbildern der Kraft und des Adels an Geburt und Gemüth. Sie tragen Zinkenkronen auf ihren Häuptern; Rudolph ist, nach der Weise, wie an seinen übrigen Sratnen, geharnischt, hat eine Panzerschürze, einen breiten und tiefliegenden Gürtel und zwey von der Brust herabhangende Kett- chen für Schwert und Dolch. — Katharina hält den Scepter in der Hand. Zwischen beyden Gatten sieht man oben des Herzogs Helm mit dem Pfauenbusch, unten das Modell einer Kirche. — Die Schrift am Rande des Grabmahles besteht aus drey Heramekcrn: Alberti Ducis Australis jacet iuclyta Proles Conjugis Ipsius de Ferretisque scanne Hoc tumulata loco populo recolenda devoto. Die Wand des Sarges zeigt acht gothische Nischen, in welchen eben so viele geistliche Personen, Das Innere der Kirche. 91 in bethender oder klagender Stellung, Bücher in den Händen, angebracht waren, welche aber seit Herrgotts Zeit, der sie abbilden ließ, sämmtlich verschwunden sind. Die zahlreichen Altäre undK a p e ll e n des Domes fordern noch einige Bemerkungen. Das Altarblatt des großen Frauenchores ist von Johann Spilber- ger vom Jahre 1672. Als Meister der andern durchaus nicht ausgezeichneten Bilder werden genannt: Roth- mayer, Carl Aue r dach, Gries,Ma nigella, ein gewisser Michael Angelo (wieOgeffer ihn S. i 3 o anführt) der 1751 ein Bild um i 5 o st. gemahlt haben soll. Das Gnadenbild der h. Maria von P 0 t sch , welches auf dem Hochaltar steht, soll im Jahre 1676 von einem ungarischen Mahler verfertigt worden seyn; es ist offenbare Nachahmung der älteren griechischen Gemählde, wie schon die beygeschriebenen griechischen Nah- menlsi. sä. is“ XL°.andeuten. — Ein sehenswerches Denkmahl der ältesten Mahlerey ist das Bild U. L. Frau auf dem so genannten alten Frauenaltar (dem jetzigen Speisaltar.)Es ist auf Goldgrund gemahlt, in welchem eingegrabene Züge und Arabesken sind, und stellt die Mutter Gottes stehend in blauem Mantel vor mit dem göttlichen Kinde auf dem Arme. Über ihrem Haupte halten zwey Engel eine goldene Krone, und zu ihren Füßen sieht man mehrere kniende und bethende Personen, in verhältnißmäßig ganz kleinem Maßstabe, ohne Zweifel die Familie des Gebers, eines Wienerbürgers, der es i 4 g 3 der Kirche schenkte. ■— Keine Spur aber ist jetzt mehr von dem köstlichen. g2 Das Innere der Kirche. mit Gold und Edelsteinen verzierten Muttergottesbilde, welches der Pfarrer dieser Kirche, Heinrich von L u c e r n, dem von ihm erbauten Fronleichnamsaltare schenkte. Eine Erwähnung verdient auch das kunstreiche Thongebilde der h. Dreyfaltigkeir, welches die Hafner- zunst sammt dem altenAltare (ein Trinitatisaltar kommt schon istgg vor) hier errichten ließ. Dieses Bildwerk ist zwar nicht mehr in der Kirche, aber doch nicht, wie das meiste andere, verloren. Denn Anton von G u a- r i e n t kaufte bey Erbauung eines neuen Altars den alten sainmt dem Thonbilde, welches er in der St. Helenakapelle bey Baden in Österreich aufstellte. Wirklich befindet sich dem Vernehmen nach dieses schone Bildwerk noch in der Helenakapelle in gutem Zustande. Das Bild der h. Theresia auf dem Sebastiansaltare, zwischen der unteren Sakristey und dem Singerthore, verdient alle Aufmerksamkeit. Die im Brustbilde und in Carmelitertracht gemahlte Heilige richtet voll Entzückung ihre großen und durchdringenden Augen gen Himmel. Die geistreichen, ganz persönlichen Züge sind offenbar Porträt, selbst das gelbliche Colorit verkündet die Spanierinn. Das Bild ist auch in künstlerischer Hinsicht sehr zu loben. Von den vielen Kapellen des Domes sind die vorzüglicheren jene vier, welche unter den großen Thürmen , und zu beyden Seiten des Riesenthores angebrachtsind. Aufjene wurde offenbar schon bey der Gründung der Thürme Rücksicht genommen, wenn sie gleich erst später ausgebaut und eingeweiht wurden. Die K a- Das Innere der Kirche. g 5 tharinakapelle unter dem großen ausgebauten Thurme stand bereits i 3 g 6 . Man bemerkt in ihr eine bey alten Bauwerken jener Zeit nicht ungewöhnliche Art des Kreuzgewölbes, dessen sämmtliche Gurten sich in der Mitte in einen weit herabhangenden, nach unten spitz geschlossenen Knopf endigen , der ganz frey steht, so daß sich das Gewölbe in sich selbst trägt. Der Schlußstein an dem Knopfe zeigt das erhobene Bild der h. Katharina. Sonst ist außerdem Grabmahle des Bischofs Anton Wolfrath, nur der alte, schöne marmorne Taufstein der Kirche vom I. 1481 darin se- henswerth, an dessen Außenrand die zwölf Apostel in erhobener Arbeit erscheinen. Die Barbarakapelle von gleicher Größe mit jener, entstand 1492. Die von dem reichen Geschlechte der Tirna, >326, unter Albrechts II. Regierung erbaute jetzige Kreuz-oder Savoyische Kapelle, — so genannt, weil sie Eugens und Ema- nuels von Savoyen Grabmähler enthält, — nimmt den äußersten nördlichen Theil der Fronte ein. Das hier verehrte, große, kunstreich geschnitzte Cruzifipbild über dem Altare ist der einzige in Hinsicht auf Kunst bedeutende Gegenstand dieser ganz modernisirten Kapelle. — In ihrer reinen, ursprünglichen Gestalt aber steht noch gegenüber die E l i g i u s- oder T a u fk a pel- l e; sowohl die vielen, unter zierlichen Baldachinen stehenden, Heiligenstatuen an den Pfeilern, als die schönen mit Laubwerk gezierten Fensterbogen, die schönen bunten Fensterselbst, und dasgroße mit gemahlten Scheinen prangende Rosenfenster gegen Westen machen sie 94 Das Innere der Kirche. zur schönsten aller Kapellen des Domes, die setzt auch auf eine musterhafte Weise zu neuem Glänze hergestellt ist. Hier am Schluße der Beschreibung scheinen einige Worte über das Verhältniß unserer Kathedrale zu den anderen berühmteren Dome» Deutschlands aus jener Zeit, nicht überflüssig zu seyn. Der St. Stephansdom wird mit den Münstern zu Straßburg, Köln und Frey bürg zu den ersten und vorzüglichsten kirchlichen Gebäuden Deutschlands.gezählt. Diesen Rang sichert ihm hauptsächlich der große Thurm, der an Stärke von keinem, an Höhe von wenigen, an zierlicher Leichtigkeit aber von mehreren, besonders dem Thurme zu Frey bürg übertreffen wird. Denn der eine K ö l n e r t h u r m erreichte nie mehr als ein Drittheil seiner Höhe, kann also eigentlich nur aus den noch vorhandenen Aufrissen beurtheilt werden, ebenso der halbvollendece Thurm zu Ulm, der an Reichthum und ausgesuchtem Schmuck alle andern hinter sich zurück läßt, aber freylich auch nicht mehr die reinen, einfach regelmäßigen Formen der besten Zeit ausweiset, die man an den Kölner - und Freyburger- Thürmen bemerkt. Den größten und ausgebreitetsten Ruhm hatte im Mittelalter und später noch, so lange gothische Baukunst geübt und geachtet wurde, der Kölnerdom, und der wenige Jahre nach diesem, in neuer Herrlichkeit vergrößerte Straßburger Münster. Die Bauhütte des letzten wurde die Pflanzschule der übrigen , und der Münster selbst wie der Dom zu Köln Vorbild dermei- Das Innere der Kirche. g5 stcn spateren Baue. Erwins hoher Bau der westlichen Fronte zu Straßburg gehört auch ohne Zweifel zu den größten und herrlichsten Denkmahlen der kirchlichen Baukunst. Indessen ist doch der Dom zu Köln sein unläugbares Vorbild in vielen Beziehungen und ein noch tieferes und vollendeteres Werk der Baukunst, welches wohl, nach dem Fertigen und nach den Rissen gewürdiget, das höchste und reinste Muster bleiben wird. Denn, abgesehen davon, daß der Straßburger Münster, (darin ähnlich unserm Dome) nicht nach einem geschlossenen Plane entworfen, sondern einer alteren Kirche angefügt ist, scheint es mir, daß auch seine Hauptfronte (wo sich zwischen den Thürmen, dem wahren gothischen Style fremd, eine gerade oben flache Wand hinzieht), trotz der reichen Verkleidung doch die unaussprechliche Erhabenheit der Vorderseite des Köl- ncrdomes Zange nicht erreiche, zwischen dessen Thürmen sich ein Giebel, übereinstimmend mit ihnen und dem Geiste des Ganzen, in Pyramidenform erheben sollte. Die Riffe der Kölnerthürme zeigen eine unserem Stephansthurme ähnliche, aber viel reichere und luftigere Anordnung der Zierathen, sonst haben sie wie fast alle Thürme, die Grundform, das Viereck mit doppelten Pfeilern an jeder Ecke, also eigentlich Achteck, mir ihm gemein. An Höhe würde der Kölnerthurm, wäre er ausgebaut, sowohl den Straßburger als Ste- phanslhurm übertreffen, sowie die Kirche alle gewöhnlichen Maaße und Begriffe überschreiten würde. In Ansehung des Aufrisses und der Verkheilung gG Das Innere der Kirche. der Pfeiler und Zierden hat unser Thurm große Ähnlichkeit mit dem halbvollendeten Thurm des Präge r- domes zu St. Veit, nur daß dieser in viel kleinerem Maßstabe und weniger reich angelegt ist. Gleiches Aufstreben der aus einander hervorwachsenden, immer verjüngten Pfeiler und Svitzsäulen, gleiche Stellung der Fenster, kurz die Physiognomie beyder Thürme ist sich gleich. Carl IV. begann diesen Bau i344, Rudolph IV. den seinigen i365. Der Herzog , der es seinem kaiserlichen Schwiegervater in so vielem gleich zu thun strebte, überboth hier in Pracht und Große weit des Kaisers Bau, der noch überdieß von seinen Nachfolgern unvollendet verlassen wurde, während Österreichs Herzoge den ihrigen zu einer so ruhmvollen Hohe brachten. Die Bauart unserer Stephanskirche aber ist von der des Pragerdoms ganz verschieden, der dagegen mit dem Chore des Kölnerdoms auffallend, nur in der Größe nicht, übereinstimmt. Beyde haben außen die hochgeschwungenen zierlichen Eegenstreben, innerhalb aber den Umgang um den Altar mit vielen Nischen und Kapellen. Weder das eine noch das andere findet sich in unserm Slephansdome. II. Die Kirche zu Maria-Stiegen. Es sind nun drey Jahre verflossen, seit diese alte, kunstreiche Kirche, unter der Fürsorge des Monarchen Selbst—der die bedeutenden Kosten großmüthig be- stritt, und auch hierin seiner Zeit mit einem schönen n. D i e Kirche zu Maria-Stiegen. 97 Beyspiele vorging— nach harter Zeit der Entweihung und Verwahrlosung wieder zu neuem Glänze auferstanden ist. Diese Herstellung istdas erste Beyspiel einer mit wahrem alterthümlichem Sinn und mit Liebe für die alte Kunst unternommenen vollständigen E r n e u u n g einer gothischen Kirche, vor welcher man sich noch vor fünfzig Jahren gar sehr gehütet und lieber das Fehlende mit dem meisten Vorhandenen durch moderne, unpassende Zierathen ersetzt haben würde. Hier aber tritt an dem hohen gothischen Baue selbst nichts fremdartiges, nichts störendes dem Eintretenden entgegen; man glaubt sich urplötzlich in das vierzehnte Jahrhundert versetzt., weil die Kirche rein und neu, wie aus den Händen der alten Srein- metze eben erst hervorgegangen erscheint, man schaut die erhabene Schönheit des Styles in ihrer ursprüngliche» Gestalt und fühlt ihre wunderbare Wirkung aus das Gemüth. Durch mehrere kunstliebende und werkkundige Männer ist diese Wiederherstellung glücklich zu Stande gebracht. Einen großen Vortheil gewährte hierbey die, wieder in ihrer ganzen technischen Vollkommenheit, auch bey uns in Wien geübte Kunst der Glasschmelzmahlerey (encaustischen Glasmahlerey) , wodurch die häufig verwahrlosten bunten Fenster, die dem gothischen Baue, wo alles blüht und lebt, durch ihren geheim« nißvvllen Glanz so innig verwandt sind — nicht nur ergänzt, sondern auch von derselben Güte, Dauerhaftigkeit und Klarheit, wie die alten, neu verfertigt werden können. Der um die Verbesserung dieser II. 3ahrg. De»kwürS»gk«it«n t.BS. t. Heft. 7 yg II. Die Kirche zu Maria-Stiegen. Kunst sehr verdiente Glasmahler Mohn hat auch hier, theils nach Ludwig S ch n o r r s Zeichnungen, Glasbilder und deren Ergänzungen geliefert, die den alten im Technischen nicht nachstehen. Über das, durch die Sage überlieferte hohe Alter eines Kirchleins an dieser Statte, gab schon das zweyte Heft des II. Bandes dieser Geschichte einige Andeutungen. Auch fehlt es nicht an spater» Daten vom Jahre n53 bis istin; allein die schwankende Geschichte eines so oft niedergerissenen, angebauten, erneuten , vergrößerten Baues, reicht zur Begründung eines Kunsturtheiles nicht aus. So viel ist mir beynahe gewiß/daß von dem älteren Baue des 12 . Jahrhunderts, der ersten Stephanskirche gleichzeitig , nichts mehr sichtbar ist, wie man doch aus der Betrachtung der westlichen Seite hat folgern wollen; diese, mit ihrer reichen Eingan gshalle,dem durchaus herrschenden spitzigen Bogen und der Brustwehre oben, gehört offenbar dem ist. Jahrhundert, den Regierungen Albrechts II. oder Rudolphs IV. (i526 bis i365) an, und scheint nicht alter zu seyn, als die ganze jetzige Unterkirche, bis zu den Stufen, die das Schiff vom Chore trennen. Daß aber der Chor jünger, und überhaupt beyde Theile der Zeit nach verschieden sind, beweist schon die schiefe Richtung, die sie gegen einander haben, mehr noch das Mißverhältnis; der Lange zur Breite; die ganze Länge der Kirche im Lichten nähmlich hat 36, die Breite aber im Chore nur 6, im Schiffe gar nur .st Klafter. Ein drittes Kennzeichen endlich, daß das. Unterschiff älter sey, ist sein viel reicheres Ee- IT. D i e Kirche zu Maria-Stiegen. 99 wölbe/ mit zahlreichen Kappen und Gurten, wahrend der hohe Chor nur mit einem einfachen Kreuzgewölbe bedeckt ist. Derselbe Unterschied ist schon bey dem St. Stephansdome, in welchem ein gleiches Verhältniß statt findet, nachgewiesen. A l b r e ch t III. war es, der im Vereine mit dem Pafsauerbischofe Georg v. H 0 h en- l 0 h e, 1892 den Grund zum hohen Chore und zur Vergrößerung der Kirche legte, die von seinen Nachfolgern Albrecht IV. und W.i l h e l m 1412 vollendet wurde. Freylich darf auch diese Kirche, in Hinsicht auf den Plan und die äußere Anlage nicht als Muster aufgestellt werden, denn außerdem schon bemerkten Fehler ihres durch die verschiedenen Zusätze verursachren lang gestreckten Grundrißes hat sie nach dem Beyspiele des Domes nur einen reich geschmückten Thurm; von einem zweyten scheint nie die Rede gewesen zu seyn, und dieser eine Thurm steht nicht vorn, sondern im Kreuze. Aber alles dieses entschuldigt hinlänglich der enge, höchst ungünstige, auf der ganzen nördlichen Lang- seite von einem Abhänge und von Häusern begränzte Platz , der auch dem geschicktesten Baumeister die freye Entwicklungdes Baues unmöglich gemacht hätte. — Die schöne Sorgfalt, die den Herstellungsbauleicete/vollendete nun ihr Werk dadurch, daß ein großer Theil der nächsten störendsten Umgebungen weggerissen und die westliche und nördliche Seite dem freyen Anblicke vollkommen geöffnet wurden. Bey ihrer geringen Breite konnte die Kirche nur ein einziges Schiff, ohne Abseilen erhalten, das von sechs und zwanzig hohen und schmalen Glasfen- ioo II. D i e Kirche zu A)? a ria - S ti e g e ii. stern erleuchtet wird , zwischen welchen vier und zwanzig mehrstämmige, schlanke und höchst zierliche Wand, sänken das vom Eingänge an zehn, im Chore aber zwölf Klafter hohe/ spitze Gewölbe tragen. Diese Höhe, die vielen und großen Fenster, der Mangel an Mittelpfeilern und die zweckmäßige gelbgraue Steinfarbe der Wand, von welcher die weiße» Statuen und alles Zierwerk vortrefflich gehoben werden, gibt der Kirche eine außerordentliche Heiterkeit und Klarheit, die aber in früherer Zeit, wo wahrscheinlich die meisten Seitensenster aus gemahlten Scheiben bestanden, in ein dämmerndes Helldunkel gewandelt war. Jetzt haben nur die drey hohen Fenster hinter und neben dem Hochaltar bunt gemahlte Scheiben, welche sämmtlich aus dem i5. Jahrhundert zu seyn scheinen, und worauf die Marter des Heilands nebst ander» biblischen Darstellungen abgebildet sind, die bey ihrer Höhe und Entfernung, so wenig als die Schrisrzeilen dazwischen, zu unterscheide» sind. Von den Fenstern dieser Kirche sind drey, wenigstens die obern Theile derselben, schon vor mehreren Jahren in denso genannten Aufnahmssaal im Ritrerschloße zu Laven bürg versetzt worden, wo sie noch zu sehen sind , und deren Harbenglanz und schöne Verzierungen Bewunderung erregen. Man bemerkt auf ihnen eine zierliche, gothische Schlußpyramide mit Engeln, die heilige Katharina und Barbara, den englischen Gruß, die Vermählung und Heimsuchung Mariens , endlich zwey Fürsten, wovon der eine einen schwarzen Adler neben sich hat. Der hohe Chor (das Presbyterium) oder der vordere Theil der Kirche zeigt an jedem der zehn II. £)ic Kirche zu Maria-Stiegen. 101 Wandpfeiler eine Apostelstatue / unter einem durchbrochenen, fünfeckigen, mit kleinen Pyramiden zwischen fünf Eckthürmchen gezierten Dache, welches spitz in die Höhe steigt; von jedem Paare der Wandpfeiler aber laufen die Schlußlinien oben in der Spitze des Kreuzgewölbes zusammen, dessen Schlußsteine durch eine höchst sinnvolle Wahl die vier Zeichen der heiligen Evangelisten nach ihrer Ordnung darstellen. — Der untere Theil des Schiffes, vom Kreuze oder den Stufen bis zum Haupteingange, hat zwölf Wandsäulen, an und nebe» welchen 22 fast lebensgroße Steinbilder verschiedener Heiligen stehen. Die Kirche hat drey Eingänge, wovon der Haupteingang unter dem hohen Fenster an der schönen Stirnseite, und der erste Seiteneingang rechts mit steinernen nach oben spitzig zulaufenden Baldachinen bedeckt und mit schönen Figuren geziert sind. Bewundernswürdig ist der dreyßig Klafter hohe, siebeneckige Thurm , der zwischen dem ältern und neuern Theile der Kirche an der rechten oder südlichen Seite sich erhebt. Oberhalb der Uhr schließt er sich in eine durchbrochene, aus Blättern und Zweigen geschlungene, Kuppel von ungemeiner Leichtigkeit zusammen, und endigt mit einem großen Blumenkelch, aus welchem ein Doppelkreuz hervorragt. Hier wäre der Ort, über die Meister, die den Bau geführt, zu sprechen. Aber umsonst frägt und sucht man noch Angaben hierüber. Ob etwa der Anfänger des Stephansthurmes (-5^9 — lioo) oder der Vollender desselben Anton Pil- gram (1407 —i 455 ), zwey zu ihrer Zeit hoch g?r *o2 II. Die Kirche zu Maria-Stiegen. feyerle Meister, auch an diesem Werke alter Baukunst Theil gehabt? Vielleicht gibt hierüber einst der Zufall einigen Aufschluß. Wenn man noch etwas an dieser Kirche vermißt, so ist es eine dem alten Baue mehr entsprechende Einrichtung im Innern. Zwar hat man in der Kanzel und auch in einem kleinen Seicenalrare den gothischen Styl nachgeahmt, aber noch blieb der ganz moderne und fremdartige Hochaltar stehen. Möchten sich doch bald die nöthigen Mittel finden, einen Altar zu bauen, nach alter Weise, wie man sie noch in vielen alten Kirchen dieses Styles findet, und von welchen schon oben eine Andeutung gegeben ist. Das Mirrelbild würde nähmlich durch bemahlte Thürflügel geschloffen, und den obern Theil bildete eine hoch aufstrebende, aus Thürmen, Zweigen und Knospen zusammengesetzte, gothische Pyramide, woran kleine und große Sratuen anzubringen waren. III. Die Kirche zu St. Michael. Die Mino r i t e n k i r ch e , H o f b u r g k a p e l l e , die R u- p r e ch t s- u n d August ine rkirche,die Kreuzgänge des Schotten - und Dominikanerklosters, die Rarhhauska pelle zu St. Salvator, die Kapelle des deutschen H a u f e.i , d ie Pfarrkirche am Hof (Carmel i t e r); das Steinbild ü b e r d e m Eingänge des M a r i a z e l l e r h o f e s. Die Pfarrkirche zu St. Michael ist, ihrer gegenwärtigen inneren Gestalt nach , die älteste, die Wien auszuweisen hat. III. Die Kirche z u St. Michael. io 3 Was von ihrer Baugeschichte bekannt ist, beschränkt sich auf folgendes. Leopold VII. oder der Glorreiche aus dem Geschlecht der Babenberger baute ste um i22o. Im Jahre 1276, dem Jahre, wo Wien von den furchtbarsten Verheerungen durch Feuerheim- gesucht wurde/ theilte sie mit andern Kirchen, das Loos der Pfarrkirche St. Stephan; alles Brennbare ward ein Raub der Flammen , selbst Gewölbe konnten ihrer Wuth nicht widerstehen. Nach zwölf Jahren erhob sie Herzog Albert, des großen Königs Rudolph Sohn, aus ihrem Schütte, erweiterte sie und schloß die bis dahin freystehende St. Niklas - jetzt Johannis- kapelle an dieKirchean. Eine neue Feuersbrunst, i 3 ig, beschädigte die Kirche, die im Jahre i 3 ,40 wieder aufgebaut und gegen Osten mit dem neuen hohen Chore verlängert wurde, an den aber erstHerzog Albert istr6 die letzte Hand anlegte, nachdem die Kirche das dritte Mahl, i 35 o, abgebrannt war. Mit diesen Daten stimmt der Charakter der verschiedenen Bauarten gut überein, in so fern nähmlich die großen Modernisirungen , die die Barnabiten , vom Jahre 1626 an, an Kapellen und Altären vornahmen, diese Beurtheilung noch zulassen. Dem alten Baue des i 3 . Jahrhunderts gehört noch der ganze untere Theil der Kirche, das Langhaus oder Schiff mit den beyden Abseiten daneben, und auch am Äußern der Kirche zeigt noch der südliche Vorsprung des Kreuzes, von der Seite des rechts angebauten Hauses betrachtet, die alte Bauweise mit den Bogenreihen und plumpen Eckpfeilern, dergleichen auch am Dome bemerkt io 4 III. D i e Kirche zu St. Michael. werden. Von Bildwerken ist hier gar nichts mehr zu sehen, als ein Paar Thierköpfe und ein menschliches Figürchen an den Ecken und Giebeln. Dagegen erscheint das Äußere des i34o entstandenen Chores mit spitzen Fensterbogen ganz im Geiste dieses späteren Styles. Eben so im Innern der Kirche. Die ältere Unrer- kirche klein, düster und schwerfällig, lange nicht so erhaben und zier^ch, wie die um dieselbe Zeit und durch denselben Fürsten entstandene Kirche zu L i l i e n f e l d , hat ein sehr hohes mit einem einfachen Kreuzgewölbe gedecktes Schiff und zwey sehr niedrigeAbseiten. Die plumpen Pfeiler zwischen Schiff und Abseiten sind sehr niedrig und gedrückt, mit dicken und schweren blät- terknäufigen Säulen an den Ecken. — Allein außer diesen zwey Abseiten hat die Kirche — und darin unterscheidet sie sich von den meisten andern alten Kirchen Wiens, — noch beyderseits einen Anbau mit Kapellen, folglich eigentlich 4 Abseiten. An alten Kirchen außer Österreich ist dieß nicht selten, selbst der Kölnerdom zeigt, freylich in viel größerem Sinne, diese Anlage. — Daß aber diese (jetzt ganz mo- dernisirten) Seitengänge schon in früherer Zeit da waren, zeigen die äußeren Mauern deutlich durch ihre Spuren ehemahliger Spitzbogen und durch die Giebelpfeiler. Wahrscheinlich entstanden sie beydem Be- dürfniffe, für die anwachsende Gemeinde mehr Raum zu gewinnen, nach dem ersten oder zweyten Brande (> 276 , i3ig) gleichzeitig mit den Ausbesserungen des Beschädigten und der Anschließung der Johannes-oder Niklaskapelle. IIT. Die Kirche zu St. Michael. io 5 Der jüngste Theil der Kirche, der hohe Chor, ist hoch, hell und licht, ein Bau des 14. Jahrhunderts, unter Albrechts des Weisen väterlicher Regierung ausgeführt, iveßhalb denn die östliche Wand und Allaruische der ältesten Kirche, welche da stand, >vo jetzt zu Anfange des Chores die Stufen sind, eingerissen werden mußte. Der jetzige Hochaltar ist im Jahre 1781 gebaut worden, und tragt wie die andere innere Ausschmückung , den Geschmack seiner Zeit. Das Marienbild, welches auf dem Hochaltar aufgestellt ist, gehört zu jenen aus dem Orient überlieferten, von griechischen Künstlern stammenden, Gemählden, deren Wiens Kirchen mehrere zahlen. Es führt den Nahmen der h. Maria aus K a » d i e n. Die Außenseite ist theils verbaut, rheils gegen Westen durch gänzliche Erneuerung der Fronte und den Anhau einer von Säulen gestützten neuitalischen Eingangshalle, dem ursprünglichen Baue entfremdet worden , eine Änderung ,die man zur vermeintlichen Verschönerung der Kirche vorgenommen hat. Der gegenwärtige Thurm an der südlichen Ecke der Vorderseite ist mit schönen gothischen Zierathen und Gallerten geschmückt; das Jahr seiner Erbauung ist mir unbekannt, denn die Angabe der Steinmehrafeln , wonach Balthasar Parchauser, Hofsteinmetz, Baumeister über den Thurm bey St. Michael im Jahre 1608 war, scheint nur auf eine Wiederherstellung desselben zu gehen. Die M i n 0 r i t e n - 0 d e r italienische Kirche wurde von dem Böhmenkönige Ottokar an der Stelle, wo die ältere, von Friedrich dem Streit- io6 D i e M i n o r i t e n k i r ch e. baren erbaute, aber 1262 und >276 von den Flammen verzehrte Kirche gestanden hatte, im Jahre 1276 mit eigner Hand gegründet und erhielt den Nahmen zum h. Kreuz. ZweyFrauen,Blanca von Frankreich, Gemahlinn des Böhmenkonigs Rudolph,und I sa b e l l a von Arragon,Friedrichs des Schönen Gattinn, vollendeten Stiftung und Bau i 5 o 3 —i 33 o. Als Baumeister dieser Kirche wird in den Wienerstein- metzcafel» beym Jahr 1289 genannt: Carl Scheinpfeil oder S ch im pfe n p fe il von Stockholm, ein Nahme, der freylich nicht verbürgt werden kann. Schon der äußere Anblick und die ganz von der altherkömmlichen Gestalt gothischer Kirchen abweichende Grundform belehrt uns, daß die Kirche nie vollkommen nach dein ersten Plane ausgebaut worden. Sie hat nähmlich weder die gewöhnliche Kreuzform, noch die Abtheilung in Schiff, und Chor, weder Thürme noch Sakrarium an der rechten Stelle: sondern wenn man die früheren Grundrisse betrachtet, stießen unmittelbar an die jetzige Kirche rechrs ein langer und hoher, vorn achtseirig geschloßner Chor mit einer großen und breiten Treppe , die heilige Stiege, scala sancta, genannt, unter deren Gewölbe, dem Altar gegenüber, ein prächtiges, unten näher zu beschreibendes , Grabmahl der Srifterinn Blanca stand. An die linke oder nördliche Abseite aber ist eine ebenfalls fünfseitige Alrarvorlage angebaut worden, die von Außen noch sichtbar ist. Der ganze hohe Chor der südlichen Seite ist bey der Erneuung oder vielmehr Zerstörung der Kirche 17L4 untergegangen und an dessen Stelle em io7 D ie M i n o r i te nk i r ch e. Wohnhaus gebaut, welches nur durch sein spitzes hohes Dach an jenes frühere Gebäude noch zu erinnern scheint. Eine hohe, kahle Wand schließt nun hier die Kirche, wo der Anfang des alten Chores war. Höchst sonderbar ist die Einrichtung, daß., gegen alle sonstige Gewohnheiten mitten zwischen den eben beschriebenen Theilen, dem südlichen Hauptchor und der nördlichen Vorlage ein mehreckiger Thurm aufgeführt wurde, der noch dem älteren Baue anzugehören scheint. Nur die Hauptfronte gegen Westen verdient noch von Außen nähere Betrachtung. Zwar schmuckloser als die Dome und Münster der besten Zeit, und ohne Thürme, nur durch kahle Strebepfeiler, dergleichen auch an beyden Langseiten sich zeigen, unterbrochen, enthält sie doch drey in schönem und reinem Style entworfene Eingangsthüren , deren die mittlere, größere, unstreitig für die schönste in Wien gelten muß. Ihre Bogen, Leisten , Hohlkehlen und Stäbe sind eben so schön geordnet, als reich und zierlich dieAusschmückung mit Bildwerken, welche in der Wirte, oben im Bogen den Gekreuzigten, aufdem zierlichen Mittel-Pfeiler, derben Bogen in zwey kleinere trennt, die Muttergoltes mit dem Kinde, in den kleinen Bogen aber die den Gekreuzigten umgebenden Personen in trefflicher Steinarbeit zeigen, aus den die Halle bildenden Säulen endlich sechs Heilige und den englischen Gruß darstellen. Die Baldachine der Figuren empfehlen sich durch schöne Zeichnung und guten Steinschnitt. *) Die (Ein* *; Des Fürsten Lichnovsky Denkmähler tiefern feie westliche Seite gq„j, und das Mittelpertal im Detqil. io8 Die M i n v ri t c n k ir ch e. fachheit der sonst schmucklosen Wand und der reine und edle Styl der Portale deuten auf die Zeit der Blüche der deutschen Kunst, die freylich damahls (i 27 6‘—i.33o) in den Wunderbauen am Rheine weit schnelleren - und höheren Aufschwung nahm, als in unserem, an Denkmahlen dieser Art weniger reichen Österreich. Die einzige Erinnerung an den alten (nach dem wenigen noch Sichtbaren zu schließen) gewiß einst vorzüglichen inneren Bau der Kirche ist die doppelte Reihe von zweymahl vier schön gegliederten und hohen Pfeilern, die durch Spitzbogen verbunden sind, aber doch auch schon manche ändernde Zuthat erlitten haben. Auch in den Gängen des jetzigen Regierungsgebäudes, des ehemahligen Klosters, die an die Kirche stoßen , sind noch schöne geschwungene Bogen mit Säulen, Stäbenund Hohlkehlen , die von dem ältesten Baue zu seyn scheinen. Die zwey Abseiten der Kirche haben nicht nur gleiche Höhe, sondern auch gleiche Breite mit dem Schiffe. Hier ist es wohl erlaubt, um den Verlust eines schönen und ehrwürdigen Denkmahles zu klagen, welches noch zu Herrgotts Zeit in dieser Kirche stand, aber jetzt spurlos daraus verschwunden ist; das Grabmahl der hohen, frommen Stiscerinn Blanca! Wenn man dieses prächtige marmorne Denkmahl, ein Kunstwerk des -st. Jahrhundertes (Blanca verordnete dessen Errichtung bey ihrem Tode i3oö) auch nur in dem unvollkommenen Stiche bey Herrgott betrachtet, so begreift man nicht, wie am Schlüsse des achtzehnten Jahrhunderts ein solches Kunstwerk mit dem ganzen Chor, worin es unter der sogenannten heiligen Stier « D i e M i n o r i t e n k i r ch e. 109 ge aufgestellt war , spurlos verschwinden konnte , während man doch sogar die Stufe» dieser Stiege nach der eben damahls umgeänderten Augustinerkirche schaffte/ um auf ihnen einen neuen Hochaltar „im römischen Style" aufzubauen. Wie leicht wäre es gewesen, ein Denkmahl wie dieses durch Versetzung in eine andere Kirche zu retten! Alle unsere Nachforschungen darum waren vergebens. Es war ein großer marmorner Sarkophag, auf welchem Blanca, eine anmuthige blühende Fürstin», in der gewöhnlichen Nonnentracht ruhte, ihr zur Seite das zarte Knäblein, welches bald nach der Geburt, vielleicht zugleich mit der Mutter, des Todes verblich. 'An den vier Ecken des Sarges sah man eben so viele Genien , und unten an den, Fußgestelle desselben in erhobener Arbeit eine Reihe von Mönchen (mindere Brüder, Minoriten), welche durch Gebärden und Stellung die Trauer und Klage, um die früh Verlorne Stifterinn ausdrücken. Mitdiesem Kunstwerke verlor Wien wahrscheinlich d a s ä l t e st e und eines der vorzüglichsten Denkmahle der bildenden Kunst. Ohne Zweifel widerfuhr ihm dasselbe Loos, welches so viele Monumente, z. B. die Statuen Rudolphs von Habsburg,und seiner Gemahlinn, zu Tuln, getroffen, als alles Steinwerk zerschlagen und zum Bauen verwendet zil werden! Schon Albrecht l. hatte sich 1298 eine Hofkapelle erbaut, nicht minder Ru dolph IV., der i 35-7 das Zimmer, wo er geboren war, 1» eine Kapelle verwandeln ließ; auch der zweyte König A l- lio Hofburgkapelle. brecht, die Lust und Freude seiner Völker, soll eine Burgkapelle gebaut haben. Die jetzt bestehende ist aber ohne Zweifel jene, welche Kaiser Friedrich IV. auf dem Grunde der R u d o l p h i n i sch e n hatte herstellen und i 449 einweihen lassen. Was schadhaft geworden, ließ Maria Theresia 1746 im alten Style glücklich herstellen; deßhalb stört wenig fremdartiges in der nur kleinen, hinter dem Altare dreyseitig geschlossenen, Kapelle, die wenig Ausgezeichnetes har. Von Außen ist nur die Altarvorlage mit zwey Strebepfeilern und Statuen unter Baldachinen noch sichtbar. Alles Übrige ist verbaut. Die Sage macht das St. R u p re ch ts ki rch l e i n zur ältesten Kirche Wiens: des heilige» Rupert,Apostels der Bayern , Schüler, Cunald und Gisalrich , werden als die Erbauer des Kirchleins, um 700, genannt.*) Aber wer mag alle die Umwandlungen nachweisen, die diesen Bau trafen, bis Georg von Äuersberg die fast verfallene Kirche 14Z6 wieder herstellen ließ % Sie besteht aus zwey abgetheilten Schiffen von ungleicher Breite und Höhe, wovon das nördliche (links) wohl dem Umfang, der Größe und den Grundmauern nach, dem ältesten Gotteshause, welches hier stand, entsprechen mag, das südliche kleine Schiff aber sicher Anbau von i 436 ist, wie schon der Eingang mit dem spitzen Bogen andeutet. Die Fenster im älteren Theile haben ungleiche Größe und stehen ohne Symmetrie. Noch ist ein Taufstein ron i 5 oo zu erwähnen, der anfangs zu so seltsamen Deu- ») S- 11. Bandes. 2. Heft S. 32, 33. Die Abbildung dieses Kirchleins ist die Vignette jlim III. Bande der Geschichte. Die Rupp rechts- undAugustinerkirche.n» tungen Anlaß gegeben , und den Fürst Lichnovsky seinen Abbildungen einverleibt hat. Friedrich der Schöne gründete, in Erfüllung eines Gelübdes, welches er im Kerker auf der Traus- nitz gethan, mit seinen Brüdern die jetzige Kirche d e r Augustine r, die ihre Abtheilung in Schiff und Chor noch beybehalten hat, und deren hohe und schlanke Pfeiler in zwey Reihen zwischen dem Schiffe und den beyden Abseiten in edlen Verhältnissen aufgeführt sind. Auch was »och von Zierarbeit an Pfeilern und Wandsaulen, Knäufen und Tragsteinen übrig ist, zeugt von reiner und sorgfältiger Ausführung unter eines kunstvollen Meisters Leitung. Der Kirchenbau begann »53», und dauerte bis »35g, und die Sceinmetzta- feln bey St. Stephan nennen einen Dietrich Ladt- ner von Piern (Pirna?) mit dem Beysatze: „war Paumeister über das Kloster bey den Augustinern i33g." — Der Kirche ist dabey freylich nicht gedacht.— Die rechts neben dem hohen Chöre angebaute geräumige Kapelle mir dem Grabmahle Kaiser Leopolds II., die sogenannte Todtenkapelle, bauten Otto der Fröhliche und die G e o r g e n r i t t e r um i53y, also noch vor Vollendung der großen Kirche , bis zu deren Einweihung wahrscheinlich in dieser Kapelle der Gottesdienst gehalten wurde. Diese Kapelle wird in der Mitte durch 3 Pfeiler in 2 Schiffe abgesondert, dessen Schlußsteine mit steinernen Hochbildern , zum Theil die Zeichen der Evangelisten darstellend , geschmückt sind. Gegen Osten hat jedes Schiff eine dreyseitige Altarnische oder Vorlage. Besonders ii2 Die Kreuzgänge bet Schotten :c. zierlich sind die unter den Fenstern/ in fortlaufender Reihe angebrachten gothischen Bogen mit ihren Neben- boge» und Gliedern/ alles aus Stein gehauen. Das Grabmahl K. Leopolds II. zieht hier die Aufmerksamkeit auf sich / wie in der großen Kirche das Denk-- mahl der Erzherzoginn Christina/ das allbekannte Meisterwerk Ca nova' s. Das Äußere der Kirche ist gänzlich umgestaltet; die ganze westliche oder vordere Wand durch das hohe Gebäude der Naturalienkabinete verbaut und unsichtbar. Eben so die südliche Seite. Nur gegen Norden ist noch der alte Bau sichtbar. Der jetzige Thurm an der linken Seite des Presbyteri- ums gehört nicht mehr der ursprünglichen Bauart an. Die alte, von Herzog Heinrich Jasomirgoct gegründete S ch o t t e n k i rch e / als deren Baumeister M i ch a e i Hunger, ein Steinmetz aus Augsburg genannt wird, steht nicht mehr (sie soll an der Stelle des sogenannten Priorachauses, an der Freyung gestanden haben.) Die jetzige Kirche der Schotten ist i 5 go erbaut. Doch sieht man noch in dem Kloster selbst einen der Bauart nach in's ist. Jahrhundert hinaufreichenden alcen Kreuzgang/ mit einem vielgurtigen Kreuzgewölbe und spitzen Fenstern. Sehr vieleGrabmahler in den Wänden und Fußböden schmücken diesen altcrthümlichen Bau. Auch von dem heurigen Dominikanerkloster am Stubenchore, deren ursprünglich den Templern erhobene Kirche, später 1226 von Leopold dem Glorreichen den Dominikanern eingeräumt ward, ist der Kreuzgang allein noch ein Überrest aus älterer Zeit, wenn gleich nicht aus Leopolds Tagen, da er ei- > Die R a t h h a u s k ap. zu 2ahrg. Denkwürdigkeiten. i.Vt.i.Heft. 8 ii 4 D i e Kapelle des deutschen Hauses ' (die oberen Jesuiter) ist im Innern ganz umgestaltete Besonders hat der Chor, (das Presbyterium) ein modernes Ansehen , durch Verschalung des Gewölbes und Änderung der Fenster. So haben auch die eckigen Pfeiler im Schiffe, zu lächerlichem Kontraste, große römische Kapitale. Die prunkvolle Fronte der Kirche baute Kaiserinn E l e o n o r a 1660. Nur an der nördlichen Außenwand sind noch Strebepfeiler und die Dogen der alten Fenster sichtbar geblieben. Das Steinbild über dem Eingange des Mariazellerhofes. Das volkreiche, immer sich ausbreitende Wien hat nur wenige Häuser, welche noch Spuren eines höheren Alters an sich tragen, wenn sie auch anfallen Grund- mauern erbaut sind. Selbst die wenigen alten Bildwerke, die hier und da von Altersher an Häusern eingemauert zu sehen waren, verschwinden immer mehr vor den Verschönerungen einer neue» Zeit. Der alte Mariazelle r h 0 f, ein Haus, welches der Angabe nach durch eines Hohenberg und eines Tyrna Schenkung 1462 an die Benedictiner von K l e i n- M a r i a z e l l geschenkt wurde, hat noch über seinem Eingänge ein recht gur gearbeitetes hocherhobenes Steinbild (s. die Abbildung davon in den Denkwürdigkeiten) darstellend die Heil- Jungfrau mit dem Kinde unter einem gothischen Thronhimmel sitzend ; zu beyden Seiten sieht man zahlreiche Versammlungen : jene rechts dem Beschauer besteht aus Mönchen und Nonnen, an deren Spitze am Thront der h. Jungfrau, der Abt kniet, eine Rolle, (die Regel des h. Benedict?) in den Händen haltend. Zu Das Steinbild über dem Eingangerc. n5 seinen Füßen ist ein Wapenschild, »vorauf ein Schweinskopf seyn soll. (Man hat dieß sür das Wapen derer von Tyrna ausgegebei»). Zur linken bemerkt man eine Schaar von Geistlichen und Layen, deren Vordermann/ kniend, das Modell eines Hauses in Handen hält: er soll den Geber aus der Familie Hohenberg vorstellen. Das Wapen zu seinen Füßen ist ein Löwe oder ein Panther. Hinter ihm die übrigen Wohlthäter des Klosters, in deren Handen man Brod, Wild, Geld und dergl. bemerkt. Im Hintergründe sind Berge und kleine Gebäude angebracht, die man für das Kloster, die Kirche St. Pankraz und die Burg Schivarzenberg halt. Die Ausführung und der Styl dieses Werkes deuten auf das ib. Jahrhundert, und die Arbeit verdiente wohl, von dein Wüste, der sie verunziert und entstellt, gereinigt zu »verden. A n h a n g. Prüfung der bisherigen Annahme eines Georg Häuser, als des ersten Baumeisters des großen Thurmes, und ein Wort über die noch vorhandenen Risse des Thür in es und die Steinmetztafeln bey St. Stephan. < 7 \ ^aß nicht Herzog Albert II., wie Fuhrmann annimmt, sondern Rudolph IV. den Grund zu dem ausgebauten großen Thurm gelegt, ist nun durch Ur- kunven eriviese n. Die Gründung des nördlichen Thur- d * ii6 Anhang. mcs aber kam unter Rudolph entweder gar nicht zu Stande, oder hatte doch damahls keine weitere Folge, weil man nicht hoffen durste, in die Lange Kräfte und Kosten eines doppelten Thurmbaues, der noch dazu rasch betrieben wurde, zu bestreiten. Man setzte also die Gründung des nördlichen Thurmes,indeß aus, bis der Chor und der südliche Thurm ihre Vollendung erreicht haben würden. Bey der Gründung, die ohne Zweifel mit großer Feyerlichkeit und festlichem Gepränge, im Beyseyn der Geistlichkeit von Stadt und Land, der Hofdiener und Edlen Österreichs am n. März und 7 . April i35g Statt fand , bediente sich Herzog Rudolph einer silbernen Kanne und einer silbernen Haue. Aus jener wurde wohl ein festlicher Trunk gethan, mit dieser aber die Erde weggeräumt. , Was nun die Baugeschichte dieses Thurmes betrifft, so beschränkt sich selbe fast auf das Wenige, welches der Chorherr von St. Stephan, Thomas E b e n d 0 r f e r von H a s e l b a ch , ein von Rudokphs Zeit nicht sehr entfernter, vaterländischer Geschichtschreiber, erzählt: Ecclesiam denique praefatam fere a fundo diruit et ipsam in septennio pretioso opere cum duabus turribus a latere, quarum una jam sumptuosissime completa cernitur, et alterius jacta sunt fundamenta , reaedificare proposuit, prout haec et alia palam de se facturum esse disseruit. Pro quibus consummandis ex omnibus provinciis famosos operarios aceersivit, quorum omnium magistrum tandem in Neoburga Clausirali comperit, virum mirae » Anhang. 117 industriae in architectonico opere, opibus inopem , sed ingenio clarum ; ob cujus ingenium omnes latomi ex imagine ipsius Ecclesiae in stuporem vertuntur, ut cogantur profiteri, se non scire istius primi Magistri ingenii subtilitates in operis deductione comprehendere. ITinc et quidam in hac arte periti, et diebus nostris famosi in structura turris praefatae ita deviaverunt, quod omnia, quae pluribus annis sump-> tuose in ea structa sunt., vice versa ad id, ubi primus reliquerat, amota sunt anno Domini 1407, prout ipse conspexi. Tunc enim et Magistri Ecclesiae occulis Johannis Kauffmann relatione cog- novi, quod non sit lapis dolatus in turri praefata, quin constet pretio et labore ducatum aut florenum Ungariae, quodque praefata turris ad tunc constiterit ultra 44 'millia florenorum. (Pez rer. Austr. Script. II. 806). Dieses Wenige ist mit wahren und falschen Zusahen in der Folge so vermehrt worden, daß es nun einmahl Zeit seyn dürfte , wieder der ungetrübten Quelle nachzuspüren/ die ihnen die erste Kunde gegeben. Haselbach spricht von einem/zwar unbemittelten/aber sehr verständigen Meister/ den Rudolph endlich in Klosterneuburg gefunden haben soll , welcher den schwierigen Thurmbau begann. Den Nahmen dieses trefflichen Baumeisters nennt er eben so wenig / als sein Todesjahr oder die Zeit/ innerhalb welcher er fortbaute. Diese dürftigen Angaben schmücken nun spatere Schriftsteller/ meist auf eine sehr willkührliche Weise aus/ wobey sie nicht selten auf arge Widersprüchege- u8 Anhang. rathen. Schon Tilmez beklagt sich: Artifices strnc- toresque molis hujus binos reperio a scriptori, bus recenseri, nempe Georgium Häuser et Antonium Pilgraben, verum cui ex his coepti operis , cui ad apicem perducti gloria debeatur, discors plane eorum mens est atque opinio.” Der beste Beweis, wie unzulänglich die Quelle dieser „Scriptorum” gewesen. Tilmez äußert nun die nach ihm allgemein gewordene und auch von dem Verfasser dieses Aufsatzes früher auf Treu und Glauben angenommene Meinung, daß G e o r g Häuser der erste Baumeister des Thurmes gewesen. Aber dieses sucht er aus zwey Gründen zu beweisen/ wovon der eine so unhaltbar als der andere ist/ nähmlich/ erstens: quod Manuscripta ad Sancti Sfe- phani Antonium Pilgraben Anno 1400 turrim hanc ad verticem perduxisse memorent , und zweytens/ quia geminam turris hujus delineationem anti juae membranae inscriptam in Tabulario Senatus civici reperiam , illisque nomen Georgii Häuser adjectum hisce Signi s G H conspexerim. Daß die vorgebliche handschriftliche Nachricht/wonach Pilgram den Thurm um issoozu Ende geführt/ auf einem Mißverständniße des Tilmez beruhe/ hat schon Fischer (Brev, not. p. 23.) gerügt / und wird noch klarer widerlegt durch eine von Pez edirte Chronik (Script. II. 55o/) welche ausdrücklich das Jahr >433 nennt / in welchem die Beendigung und Auf- setzung des Knopfes auf dem hohen Thurm Statt fand» Anhang. 119 Für den Nahmen Georg Häuser weiß P. Tilmez eben so wenig einen Gewährsmann oder den geringsten Grund, als die von ihm ohne besondere Andeutung genannten Scriptores. Denn die Membranen mit der vorderen Ansicht des Thurmes und den Planen können, nach unserer vollen, aus eigner Untersuchung geschöpften, Überzeugung nicht als Beweis geltend gemacht werden, weil sie weiter nichts als die Buchstaben G H und den Nahmen jenes Gregor Häuser ausweisen, welcher erst zur Zeit Kaiser Maximilians I., als Kirchenbaumeister, genaue Messungen des Thurmes vornahm, wieCuspinian, der ihn kannte, in seiner Austria l'ol. 66. anführt: ,,ut saepe qui ascendit et descendit insignis lapicida hujus templi Architectus magister Gregorius Häuser ex Friburgo mensuravit. So erscheint also in jenem unerweislichen Georg Häuser weiter nichts, als eine unverzeihliche Verwechslung mit dem um r6o Jahre späteren Greg 0 r, die man eben so auf Treu und Glauben bis heute nachschrieb , wie man aus einem untheilbaren Pilgram zwey verschiedene Baumeister zu machen sich erlaubt hat. Das hat wohl auch Tilmez schon gefühlt, wenn erden Umstand, daß Ha sei dach den Baumeister Rudolphs einen Klosterneuburger nannte, andere Scriptores aber, wie er sagt, ihren H a u se r von Frey bürg oder Fr e yb erg kommen lassen, wenn er diesen Widerspruch dadurch zu heben sucht, daß Häuser etwa in Freyburg geboren, und in Klosterneu- burg ansäßig gewesen seyn mochte. Tilmez wußte aber doch, daß der Freybergische Häuser nicht zu Rudolphs, 1 20 A n h a ii g. sondern zu Marimilians Zeit gelebt hat. Oder sollten zwey GregorHauser, beyde aus Freyberg, beyde Baumeister zu St. Stephan / i 56 o und i 52 o gelebt und gearbeitet haben? Welche Unwahrscheinlichkeit! Und doch scheint «r so etwas geglaubt zu haben/ wenn er beydem einmahl angenommenen, falsch gelesenen/ Georg fest stehen bleibend, sagt: quin imo quam facile accidere potuit, ut hujus G e o r- gii Häuser nomen ascriptoribus cum illius Gregorii Häuser confunderetur, cujus Cuspinianus in Austria sua pag. 66. meminit, quique Templi ejusdem aedilis fuit, atque circa annum domini i 5 ig vixitet sequentibus articulis fusius exhibebitur.— „Aber", so schließt T i l m e z, „ich will lieber die Entscheidung dieser Sache den Lesern (!) überlassen, als etwas für gewiß geben, was durchaus bisher nicht zur Klarheit hat gebracht werden können." — So weit Tilmez. Der gelehrte und sonst gründliche P. Fischer, und der ihm folgende Og e sse r, ließen sich durch die einmahl gewohnte Meinung verleiten, einen Georg Häuser unbedingt anzunehmen. Ja Fischer geht noch weiter, erhalt das Werkzeichen Gregors auf den magistratischen Bauriffen, für eine bekreuzte Sieben, und deutet sie auf die Jahrzahl T407, welche anzeigen soll, der Thurm sey 14.07 wieder bis auf jene Höhe abgebrochen worden, zu welcher ihn der erste Baumeister aufgeführt hatte. Wenigstens scheint es aus dieser sonderbaren Erklärung, daß Fischer jene Riffe nicht für Originalriffe, sondern für spater gefer- Anhang. i2i tigte Zeichnungen gehalten. Diese Membranen verdienen es allerdings, den Kunstfreunden näher beschrieben und sorgfältiger untersucht zu werden, als dieses bisher geschehen, ist. Das Registratursarchiv des löblichen Stadtmagistrates bewahrt nähmlich noch mehrere aufPergament gezeichnete architektonische Riffe. Die Schriftsteller, die dieses Thurmbaues erwähnen, z. B. Tilmez, Fischer, Ogesser gedenken aber größtentheils nur zweyer dieser Rollen, eines Grundrisses und eines Aufriffes des ausgebauten Thurmes. Die zuvorkommende Gefälligkeit des Herren Registratursdireetors Stutz und des durch sein kürzlich erschienenes Werk- che», um die Beschreibung des Domes sehr verdienten Registranten, Herrn Z i s k a, setzte mich in den Stand, aste Blätter, die sich dort befanden, genauer zu prüfen. Es sind deren sieben, drey Grundrisse, drey Aufrisse eines Thurmes und ein Aufriß eines Tabernakels , alle mir Tusche oder Dinte und mit der Feder gezeichnet, aber von verschiedener Hand und mit ungleicher ^Sorgfalt. Der erste der drey Aufrisse, der eine Länge von 10 1/2 Schuh hat, zeigt beynahe den ganzen untern Theil des ausgebauten Thurmes von der Südseite betrachtet, bis etwa dahin, wo jetzt die Uhr angebracht ist. Er hat unten am Rande des Pergamentes das eben dargestellte Zeichen zwischen G und H. Die Form der Buchstaben ist die im 16. Jahrhundert übliche lateinische Unzialschrift. Der zweyte Aufriß ist nur ein'Bruchstück derselben südlichen Seite und zeigt den untern Theil bis 122 Anhang. an den Schluß des hohe» Glockenfensters, welches über dem untersten großen Giebel, ausgleichet Höhe mildem K irchendache angebracht ist. Diese auch in den Details von der vorigen abweichende Zeichnung hatkein Zeichen.. Ein dritter Aufriß endlich stellt uns ein noch kleineres Bruchstück derselben Seite vor, nähmlich den Theil der vom Erdboden bis an die Spitze des gedachten großen Giebels reicht. Auch dieses Blatt hat weder Zeichen noch Buchstaben. Bonden drey Thurm-G ru n d ri ssen hat der erste in der Mitte ein großes Gewölbe, auf einer Seite vier Wendeltreppen und noch eine fünfte im Kerne des Thurmes: eine Einrichtung, die wir an den Thürmen des Domes nicht finden. Am untern Rande liest man mit Schriftzügen etwa aus Maximilians I. Zeit: Gregor '^ 7 ' Haus Ein zweyter Grundriß enthalt eine höchst fleißige und genaue Zeichnung eines Theiles vom großen Thurme, die Untersuchung aber, von welcher Hohe oder von welchem Geschoße, war hie.r an Ort und Stelle nicht möglich. Das Blatt führt die schon erwähnte Bezeichnung 6 H. — Ein dritter Riß endlich gehört wieder einem Thurme an , hat aber keine nähere Bezeichnung. Der Aufriß des Tabernakels kündigt sich als das Werk des „M ichel Froschl, die zeitt paw- maister hie zu wien” an. *) *) Er erscheint in dem Baumeisterbcrjeichnifse beym Jahre 1524 , unmittelbar nach dem obigen Gregor Häuser. S. Ur- kundenbuch. S. CCXLIX. 123 Anhang. Ohne Zweifel wäre die technische und wissenschaftliche Vergleichung der Riffe mit den Thürmen zur vollständigen Würdigung erforderlich, und für die alte Baukunst von mehrfachem Interesse. Aber für jetzt lag dieß nicht in meiner Macht, und in der Absicht dieses Aufsatzes. So viel aber muß bey der oberflächlichsten Durchsicht dieser Pläne und Aufrisse vor allem auffallen, daß hier, wie schon oben bemerkt wurde, nirgend der Nahme des mit so großer Sicherheit angenommenen ersten Thurmbaumeisters Georg Häuser zu lesen sey, sondern lediglich die Buchstaben G H mit dem angeführten Zeichen und der deutliche Nahme „G regor H a u s e r" m i t demselben Zeichen. Kein Unbefangener kann also daran zweifeln, daß beyde Bezeichnungen denselben, uns aus Cuspinian wohlbekannten Freyburger, Gr ego r Häuser bedeuten, zumahl da auch das nur halbgeübte Auge einsieht, daß sowohl die ausgeschriebenen Worte, als besonders die römischen Uncialen G II offenbar das Ende des fünfzehnten oder das sechzehnte Jahrhundert verrathen, wo die lateinische Schrift anfing, die gothische oder Mönchsschrift zu verdrängen. Es sind also nur zwey Falle denkbar: 1 .) Entweder sind die Risse alt, aus Rudolphs Zeit, die Originale des ersten uns unbekannten Klosterneuburger Meisters, die Schrift daraus aber neuerer Zusatz des Gregor Häuser, oder 2.) die Risse sowohl als die Schrift sind aus späterer Zeit, entweder nach einer älteren Zeichnung oder nach Hausers eigenen Messungen, die er,nach Cuspinians Zeugniß, wirklich vorgenommen hat. 124 Anhang. von ihm oder nach seiner Angabe gezeichnet und mit seinem Nahmen und Zeichen versehen. Zn dem ersten Falle müßte Gregor Häuser als Betrüger und Verfälscher gebrandmarkt werden, denn diesen Nahmen verdiente der, welcher die Handzeichnung eines alten, gefeyerten und unübertroffenen Meisters für die seinige auszugeben und durch Nahmen und Werkzeichen Unerfahrene zu täuschen sich unterstände. Doch hieß zu denken, wäre schon deßhalb abgeschmackt, weil gewiß keine Behörde, Stadtrath, Bauhütte, Zunft, oder wer immer im Besitze jener alren Pergamente gedacht werden mag, solchen Betrug ungeahndet gelassen haben würde. Zudem ist es schon an sich gar nicht wahrscheinlich, daß der erste Baumeister den Entwurf nur zu einem halben Thurm gemacht, und in Aufriß gesetzt haben sollte, das letzte Drittel aber der Willkühr seiner Nachfolger, deren Fähigkeit oder Unfähigkeit ihm unbekannt war, überlassen haben. Welche Thorheit von einem Baumeister, der ingemo clarus gewesen seyn soll? Ogesser, der zwar S.3i in Ansehung der Deutung des Zeichens II >^ OdemP. Fischer nachschreibt, gibt an anderer Stelle, S. 44, den besten Aufschluß über das Daseyn des wahren Originalriffes, wenn er sagt: „Es ist noch ein i5 Schuh 2 Zoll langer Riß auf Pergament, jedoch ohne Nahmen, Zeichen und Jahrzahl in der sogenannten großen Haupthülte der hiesigen Baumeister vorhanden, nach welchem, der uralten Sage nach, dieser Thurm soll gebaut worden seyn." Dieser Riß befindet sich wirklich noch als ein unschätzbares und sorgfältig verwahrtes Kleinod in dem 120 Anhang. Baumeister - Archive, der ehemahligen Haupthütte bey St. Stephan, wo er mir mitgroßer Gefälligkeit gezeigt wurde. Er enthält, mit der größten Genauigkeit und Zierlichkeit gezeichnet, auf einer über r5 Schuh langen Pergamentrolle den Aufriß des ganzen Thurmes, vom Fuße bis zum Knopfe, und hat also schon deßhalb die Meinung, daß er der Originalriß sey, mehr für sich, als die anderen Riffe. Wenn aber am unteren Theile der Zeichnung manche Abtheilungen, Fenster und Felder höher scheinen, als in der Wirklichkeit, so wird dieß denjenigen nicht befremden, der die optischen Gesetze der Verkürzung erhöhter Gegenstände kennt und weiß, wie die besseren Meister auf dieselben , mit kluger Berechnung der entstehenden Wirkung bey ihren Riffen Rücksicht genommen haben, ein wesentlicher Umstand, auf welchen Herr Möller in seinen trefflichen Denkmählern und in der Erklärung des Originalriffes vom Kölnerthurme, *) durch Anführung mancher auffallender Beyspiele aufmerksam gemacht hat. Indessen würden auch selbst wirkliche Verschiedenheiten in Nebendingen und Zierathen , wie ich glaube, nicht hindern, diesen Riß für den Originalriß zu halren; am wenigsten beym oberen Theile, der bekanntlich lange nach dem Tode des ersten Baumeisters und nach mehreren unglücklichen Versuchen auf- *) Herr Möller hat Lurch Herausgabe des kostbaren Lrigi- nal- Riffes des Kölner Dom-Thurmes, der an Reinheit und Schönheit der Zeichnung, so wie an Grösie, dem hiesigen Risse des Baumeisterarchivs ähnlich ist, ein iiachapmenSwer- theS Beyspiel gegeben. Auch in seinen Denkmählern der Baukunst liescrte er ähnliche Baurisse anderer Kirchen > die ihm durch die liberalste Mittheilung uneigennütziger Kunstfreunde 126 Anhang. geführt ward. Wirklich zeigt sich da, wo die Spitze anfängt, im Risse ein Fenster, welches der Thurm nicht hat, und mehrere andere aus dem angeführten Grunde leicht erklärbare Verschiedenheiten, deren genauere Prüfung, von einem bewanderten Baumeister angestellt, gewiß über diese ganze Sache erst das wahre Licht verbreiten würde. Aus dem Ges agten ergibt sich, daß der Riß, der seit den ältesten Zeiten in der Bauhütte bewahrt wird, wahrscheinlich der Riß des ältesten, unbekannten Thurmbaumeisters, oder,wie die Sage noch näher bestimmt, der Schmutzriß sey, der von den Bauleuten gebraucht wurde; daß Pilgram beym Aufbau der Spitze in Nebendingen von demselben abgewichen , daß endlich die magistralischen Riffe zur Zeir Kaiser Maximilians i. von Gregor Häuser angefertigt worden seyen. Und so ist der Nahme „Georg Häuser," den der erste Baumeister des Thurines bloß einem argen Mißverständnisse verdankt, auf keme Weise, zu rerren. Weder Haselbach nennt ihn, noch sonst eine andere bekannt gewordene österreichische Chronik. Bey Lazius, Roo, Fugger tiefes Stillschweigen. Selbst einer der ersten von den spätern Beschreibern des Domes, R eiff« n st u h l, der doch den Vollender zugekommen waren. Der Wienerdom aber ist nächst jenen z,: Köln, Strastburg und Freyburg, einer der vorzüglichsten Deutschlands, und verdient dieselbe Sorgfalt, die jenen andern geschenkt wurde. Bey der unter uns erwachten Liebe für d>e Kenntnis; der altdeutschen Baukunst dürfen wir wohl de» Wunsch nähren, es werde, sich unter den Hände» sachkundiger Baumeister ein Werk über den Dom bilden , in welchem ohne Zweifel auch die Nachbilduug eiucS so schätzbaren Qciginalris- seS eine lehrreiche Stelle einnehmen würde. Anhang. 127 des Thurmes, Anton Pilgram kennt, schweigt gänzlich von dem Nahmen des ersten Baumeisters;deß- gleichen Fuhrmann. Wie Tilmez endlich jene Verwechslung veranlaßte, ist oben umständlich erzählt. Noch bleibt ein Wort zu sagen über die mehrmahls erwähnten Steinmetztafelil, oder Verzeichnisse der Baumeister und Sceinmetze, die seit den ältesten Zeiten in Wien, nahmentlich am Baue von St. Stephan gearbeitet haben sollen. (Man sehe den Auszug der bedeutenderen Nahmen daraus, in dem Nachtragshefte der Geschichte , dem Urkundenbuchc, Seite CCXLVI. ff.) Sie beginnen mir dem Jahre 710, und ihr geschichtlicher Werth ist für die älteste Zeit, bis etwa ins 14. Jahrhundert von sehr zweydeutiger Art, und auch von hier an darf ihnen nicht unbedingt Glauben beygemessen werden, da sie erst 1627 von Simon Ungar erneuert und, wie eS scheint, später noch, 1641, von Hans H e r st 0 fe r abermahls eine Umänderung erlitten haben, wobey sowohl Jahrzahlen als Nahmen nicht immer gut wegzukommen pflegen. Indessen verdienen sie doch bey schwankenden und zweifelhaften Nachrichten zu Rathe gezogen zu werden. Man schien zur Vermuthung geneigt, daß der älteste Baumeister von K l 0 st e r n e u b u r g, den man Georg Häuser nannte, als ein Fremdling nicht in das Verzeichniß aufgenommen worden. Allein wer wagt zu entscheiden, ob er uns nicht unter einem der Nahmen, die zu Rudolphs Zeit (i 35 g— i 566 ) darin angeführt sind, verborgen, ob er nicht etwa der Caspar von Neuburg sey, der unmittelbar nach Heinrich von Hessen und Christoph 128 Anhang. Horn von Dünkelspühl (»35g) erwähntwird? — Der aus Cuspinian bekannte Gregor Häuser ist in den Tafeln als Jörg H auser und zwar richtig zu den Jahren i5i6 — 1820 , aber von S t e t i n, in einer zweyten Aufzeichnung (im 608 . Austriacus) von Heidelberg benannt, und führt gerade dasselbe Zeichen, welches die magistratischen Riffe ausweisen. Hans Puchsbaum finden wir unbegreiflicher Weise gar nicht aufgezeichnet, wenn er nicht etwa — was aber unverzeihlich wäre — in M. Sigmund Nußbaum verändert worden ist, welcher Nahme zwischen » 4 1 9 und »455 vorkommt. Allein gegen alle bisherigen Annahmen ist Anton P i l g r a m auf diesen Tafeln zwischen K h l a i g und Häuser zum Jahr i5n eingeschaltet. Man muß also entweder ihm den Thurmbau, der schon »433 vollendet war, ganz absprechen, oder eine falsche Jahrzahl in den Tafeln, und eine Verwechslung der Stelle voraussetzen, die der Nahme der Zeitfolge nach einnehmen sollte. Dagegen läßt ein zweytes, im Ur- kundenbuche (S. CCL. ff.) abgedrucktes, Verzeichniß unseren P i l g r a m schon beym I. »35g, zu Rudolphs Zeit, als Verfertiger des Predigtstuhles und Orgelfußes, ohne Erwähnung des Thurmes, neben den Meistern Heinrich von Hessen und Christoph von Dünkelspül, auftreten, so daß auch hier die Zeiten offenbar vermischt werden. Bey so verworrenen Angaben, erschiene es uns voreilig, die gewöhnliche Annahme, in Hinsicht Pilgrams, zu verlassen. »29 Erklärung der K upfer. -^er feste Vorsatz, diesem II. Theile der Geschichte und Denkwürdigkeiten Wiens, welcher zunächst seine Kunstdenkmähler schildert, eine dem Gegenstände entsprechende Ausstattung zu geben, bestimmte zur Wahl eines größeren Kupfer-Formates, besonders für Darstellungen von Bauwerken, bey welchen es sich, nach der ernsteren Richtung des Buches, nicht bloß um mahlerische Ansichten zur Zierde, sondern mehr um belehrende und die Beschreibung erklärende Zeichnungen handelte, die", ohne in zu kleine Ein- zelnheicen einzugehen, doch einen genügenden Begriff von den wesentlichsten Gegenständen zu geben vermögen. Zu diesem Zwecke leisten sorgfältige und treue Umrisse die besten Dienste. Sie werden in besondern Heften, mit kurzen Erklärungen begleitet, zeitweise erscheinen, und ohne Zweifel dem Werke, von Seite der Kunst und Kunstgeschichte, ein noch höheres und allgemeineres Interesse sichern. Die beyden Ansichten der Domkirche von der Südwestseite oder der Goldschmidtgasse, und von der nordöstlichen Seite oder von der Schulerstraße, bell. Iahrg. Dcnkwiirdigkeiten. 1. Bd. l. Heft. g i 5 o Kupfererklärung. gleiten als ausgeführte Blätter im Octav - Formate, und das schone Brustbild P i lgrams, eines der Baumeister von Sc. Stephan, als Vignette, das >. Heft des II. Jahrganges. Über den Antheil Pilgrams an dem Baue der Kirche und des Thurmes, so wie über die aus Stein gehauenen Bildnisse dieses Meisters vergleiche man das angeführte Heft S. 44, 84— ! !8. Noch ist dem gegenwärtigen Tert-Hefte beygefügt ein Grundriß der Domkirche, dessen Nummern sich ausfolgende Theile und Gegenstände beziehen: 1. Das Haupt- oder Riesenrhor. 2. Die beyden Treppen, welche zum großen Mu- sikchore oder in die kleinen oder Heidenthürme führen. 5. Die vormahlige Tyrna-Kapelle oder Kreuz-Kapelle, nun Eugens-Kapelle. S. g 3 . 4. Die vormahlige Tauf- nun Eligius-Kapelle. S. 95. 3 . Das Grabmahl des Dichters Neithart Otto Fuchs. 6. Das Singerthor. 7. Die bevden unteren Sakristeyen. 8. Das Primglöckleinthor unter dem ausgebauten Thurme. 9. Des Thurmmeisters Wohnung und der Eingang in den hohen Thurm. 10. Die Reliquien-Kammer. 11. Die obere Sakristey. 12. Die Kanzel, auf welcher der heilige Johann Capistran gepredigt hat. K up fe r e r k la r u n g. i 3 i i 5 . Der Eingang in die neue Gruft mit dem großen Cruzifirbilde. (Oben S. 65 .) 14. Die Wohnung der Todtencräger. 1 5 . Das Adlerrhor unter dem unausgebauten Thurme. 16. Der Eingang dem Bischofhofe gegenüber. 17. Der Hochaltar. 18. St. Johanns von Nepomuk Altar. iI. St. Carl Boromai Altar. 20. Der (kleine) Musikchor. 21. Das kaiserliche Oratorium. 22. Der Pastions-Altar und das Grabmahl Kaiser Friedrichs IV. S. 77 ff. 23 . St. Johanns von Kent Altar. 24. Sc. Thekla-Altar. 25 . Aufgang in das kaiserliche Oratorium. 26. Die Karharina-Kapelle mir demTaufsrein.S.92. 27. St. Leopolds^-Altar. 28. St. Josephs-Altar. 2g. St. Veits-Altar. > 3 ». Aller Heiligen-Altar. 3 G. Dreyfalrigkeits-Altar. 3 r. St. Sebastians-Altar. 35 . St. Ursula-Altar. 34 . St. Maximilians-Altar. 55 . Die Kanzel. S. 86 ff. 36 . St. Agnes-Altar. 87. Petri und Pauli-Altar, und der Aufgang in den steinernen Chor, an besten Fuß sich das- Bild des Baumeisters Anton Pilgram befindet. 9 * i32 Kupfererkl ä rung. 38. St. Katharina-Altar. 3g. Unser Lieben Frauen-Altar. 4o. Die Barbara-Kapelle. 4». Der Aufgang in den Musikchor. 42. Der große Frauenchor. 43. St. Antons von Padua-Altar. 44. Altar zu Ehren der unbefleckten Empfängniß Maria. 45. Das Grabmahl des Herzogs Rudolf i V. S. 90. Die zart punctirten Linien zeigen die Form des KirchengewölbeS an. Das den Tczt brglcitcide Kupfeihcfr enthalt nun vier Blätter in größerer Form von der fleißigen Hand des wackern Architektur-Zeichners Herrn Wilder gezeichnet und gestochen. Bl. 1. Ansicht der vorderen oder westlichen Seite der Domkirche mit den beyde» Heidenthurmen. Das Riesenthor mit seiner ^Halle (vergl. das 4- Blatt) und die Heidenthürme gehören noch dem ältesten Baue an, die äußersten Zusätze aber, und die hohe Wand zwischen den Thürmen, dem 14. Jahrhunderte. S. oben S. 35—3y, und S. 5,—56. * Bl. 2. Ansicht des ausgebauten Thurmes von St. Stephan, von der südlichen Seite. Der beygefügte Maßstab von 24 Wienerklaftern gibt Aufschluß über alle Höhenverhältnisse des Thurmes, die bisher so abweichend angegeben waren. Die Wapen über dem Thurmeingange sind die Schilder von Alt- und Neuösterreich, und jene von dem Lande Österreich ob der Enns und von Steyermark. — Die rechts an- i35 Kupfererklarung. gebaute Kapelle ist die Katharinen-Kapelle, welche den herrlichen Taufstein enthält, der auf der 4. Tafel abgebildet ist. Der ungleiche Abstand der Seitenlinien des Thurmes von seiner Vertikallinie kommt daher, weil an der rechten (östlichen) Seite die Eckpfeiler viel stärker erbaut werden mußren, da sie die Wendeltreppen enthalten, die bis auf den Gang füh- ren. Von dem einen dieser Eckpfeiler aus pflegte Starhemberg das türkische Heer zu beobachten. S. ebendas. S. 69—72. Bl. 3 . Ansicht des Innern der Eingangshalle neben der Eugenischen Kapelle, dem Bischofhofe gegenüber, s. ebendas. S. 66—69. Diese reich geschmückte Thüre, die schönste der ganzen Kirche, enthält einen Cyclus von Bildwerken zur Ehre der seligsten Jungfrau. Zu äußerst, rechts und links, zwey Statuen Mariens und des sie begrüßenden Engels unter zierlichen Dächlein. Dann folgen zwey Bogen, in welchen, unten die Statuen Rudolfs des Stifters und seiner Gemahlinn, beyde mir ihren Wapen- trägern, oben zehn heilige gekrönte Frauen stehen. In der Füllung des Thürbogens sieht man in erhobener Arbeit den Tod der sel. Jungfrau und darüber, getrennt durch ein wunderschönes Dach von durchbrochener Arbeit, ihre Krönung im Himmel. Den Schluß des Bogens machen Gewinde^ von Rebbläccern und Knospen des Frauenschuhes. Durch die offene Thüre steht man in die Kirche und an das gegenüber stehende Portal, das Singerthor. An derfeuigen Wand der Halle, welche dem von außen Eintretenten gerade io4 Ä u pfe r e rkl ä r ung. gegenüber steht, bemerkt man eine seltsame Inschrift in Zeichen, von Rudolfs eigener Erfindung, welche nach Johann Kepfers glücklicher Auslegung (bey Gerbert Taphograph. P. I. Lib. 111. p. 174 ) heißt: Hic est sepultus Dei Gr. Dux ftudolius Fundator. Bl. 4. — a) Knäufe, Schafte und Stäbe des Riesenthores, b) Der einzige vollendete von den acht Piramiden oder Giebeln, die das Kirchendach umgeben. Ihn schmücken die herrlichsten und feinsten Durchbrechungen. Gleiche Zierarbeit hatten, nach dem ursprünglichen Plane, auch die übrigen Giebel erhal- , ten sollen, wodurch das Äußere der Kirche mir den Thürmen, die auf gleicher Hohe gleiche Giebel zeigen, in den schönsten Einklang getreten wäre. c) Der marmorne, mit den Figuren der zwölf Apostel und der vier Evangelisten gezierte, zwölfeckige Taufstein in der Katharina-Kapelle, von vorzüglicher Arbeit. Er hat am oberen Rande die Aufschrift: lte in orbem universum et predicate Evangelium omni Creature; qui crediderit et baptizatus fuerit, salvus erit, qui vero non crediderit, condemnabitur. Marci .ult. cap. Completum est lapidis opus an. Dni. MCCCCLXXXI (1481). ( sMM« MMx, MM 5@»g8gö®%ss§«s^ .Tjnnrti SJ |S< rtj^VV^NT' f f |M^H\\vi ,>1,^ .|nXiM|ijfiu MWWWWW [ i« E 3 s £b^ NE !«fe i ,y fl T fl T : M rf1TCj|2?VWS: WW^ l>l52£Si2£lffiS' ;i£?3«- Ili wmt, tejK* 1 !M: iw'*a mmmmm mm\ üBSsavi ll i s i il l'l l'i U II riH K UZ^M -«TM- mw 'ilw« ME It«!!!!!! ilii ilii Nli illi iliimi Illi llllj illi Illi Illi lilii imiiii llllllillll illi illi iiiinii iiiiliiii iiiinii mi mi liiiiiiiii iiiiiiiiiil iauifli WW-L iW SUSSS |Ä££ Wien, seine Geschicke u n d seine Denkwürdigkeiten. 2 », Vereine mit mehreren Gelehrten und Kunstfreunden bearbeitet und herausgegeben durch Joseph Freyherrn von Hormayr zu Hortenburg, des LcopoldordcnS Ritter, k. k. wirkt. Hofrath und Historiographe!!, Mitglied der k. k. Akademie der vereinigte» bildenden Künste zu Wien, der königlichen Akademie» von Göttingen und München, der philosophischen Gesellschaft zu Philadelphia, der schweizerischen geschichtsforschendcn Freunde, der vaterländischen Gesellschaft zu Breslau, der Gesellschaften zur Ermunterung des Ackerbaues, der Natur - und Landeskunde zu Dresden, Innsbruck und Vrünn. U. Jahrgang. Erster Band. Zweytes Heft. Wien, 1824. 3m Verlage der Franz Härter'schen Buchhandlung. Gedruckt bey Franz Ludwig. Naturaue nobis hoc datum dicam, an errore quodam ; ut cum ea loca videamus, in quibus viros memoria dignos mullum esse versatos acceperimus, magis moveamur , quam siquando eorum ipsorum autfacta audiamus aut scriptum aliquod legamus V velut ego nunc moveor. Venit enim mihi Platonis in mentem, quem accepimus primum hic disputare solitum, cujus etiam illi hortuli propinqui, hic Speusippus , hic Xenocrates, hic Polemo — —et Peripatetici veteres , quorum princeps Aristoteles ; — — tanta vis admonitionis est in locis —ut me ipsum huc modo venientem primum ad se convertebat Coloneus ille locus, cujus incola Sophocles ob oculos versabatur — nec ad hospitem ante divertebam , quam Pythagorae ipsum illum locum , ubi vitam ediderat, sedemque viderim } — locum ubi Demosthenes ct Aeschines inter se decertare soliti sunt — in quo ad fluctum declamare solitus Demosthenes, ut fremitum assuesceret voce vincere?! — —. Multa in omni parte indicia summorum virorum —. id quidem in hac urbe infinitum; q na c u m- que ingredimur, in aliquam historiam vestigium ponimus. ClCEstO DE FJNIßÜS BONOK« ET MALOR. V. L. , Über Athen. Inhalt D e r Stephan sdo m. (Fortsetzung/) — Der Stephansfreythof und die Capellen. — Das Patronat der Kirche und der Fürsten Gräber. — Die Grabmähler im Innern der Kirche. — Die Grabmähler außerhalb der Kirche. — Die Reliquienschatzkammer. — Die Sakristeyen und die Orgeln.—Des Domes übrige Denkwürdigkeiten. — Die Dächer. Die Glasgemählde. — Die Heidenthürme. Der große vollendete und der unausgebaute Thurm. — Die Glocken. — Die Aussicht. — Der kühne Ziegcldecker Ressytko.— Die Uhr. Die Aufgänge und die Lhurmwächter. — Der kleinste Stein und das größte Brod. — S. Capistrans Kanzel. S. Colomanns Stein. Das Abendmahl unter beyden Gestalte». Die Oratorien. Die Brüderschaften oder Zechen. Die Prozessionen deS Frohnleichnams und nach Mariazell. — Die Pfarrer bey St. Stephan. Die Pröbste. Die Bischöfe. Die Erzbischofe. 1 * >»»«*< Der St e ph a nsdom. (Fortsctzimg.) dieses zweyten Jahrganges erstes Heft, gab seinen Lesern von demjenigen Rechenschaft, was der Stephansdom, in Erscheinungen, an Zahl und an Lehre reich, für die Kunstgeschichte, insonderheit für die K i r ch e n b a u k u n st des M i t t e lal- ters überhaupt darbiethet. — Es hat aber das vorliegende Werk über die mächtige Kaiserstadt, das Gelübde möglichster Vollständigkeit auf sich genommen. Seine Leser sollen zur durchaus genügenden, practischen Orientirung in Wien, in seinen Denkmahlen, in seinen Denkwürdigkeiten nicht nöthig haben, noch zu irgend welchen andern, denselben Gegenstand, ganz oder theilweise betreffenden Büchern ihre Zuflucht zu nehmen.—Der dem unmittelbar vorangehenden Hefte beygebogene Grundriß, dient zum verläßlichen und hinreichenden Wegweiser durch das, jedem Freunde der vaterländischen Vorwelt und religiösen Kunst unaussprechlich theure Gotteshaus. —Was daran in mächtigen Bogen und Giebeln, glühenden Fenstern und farbigen Dächern, was in der Thürme steinernem Pflanzengebirg, in heller, lauer Voll- 6 Der Stephansdom. mondsnacht, ein Zauber ohne Gleichen/ über der Erde himmelan strebt/ gibt für Menschenwitz und Menschenkraft ein ergreifendes Zeugniß: aber, seine hohe Bestimmung herrlich erfüllend, ist es auch das rührendste Sinnbild des ungeheuern Abstandes alles irdischen Forschens und Treibens von dem ewigen, höchsten Gedanken, in dieser kühn und hoch empor- getriebenen Spitze unermeßlichem Abstand vom Himmel, dessen Blitze sie doch so oft erreicht haben! — Dennoch stiegen von hier, seit sieben Jahrhunderten, die innersten Regungen und Wünsche der gläubigen Menge auf den Adlerschwingen des Gebeths und Gesanges zum Himmel empor; von dem Abschiedssegen über Kaiser, Könige und Heeresfürsten der großen Kreuz- zug e vor diesem Riesenthor ausgesprochen und von R u- dolphs Dankgebeth'für den Sieg über Ottokar, bis auf so manchen Seufzer und Schrey in den wilden Vormundschafts- und Bruderzwisten, Glaubens- und Bürgerkriegen und zwey Mahl in der äußersten Gefahr durch den Erbfeind der Christenheit, zwey M a h l in der b o n a p a r t i s ch e n Eroberung, in der seine Prätorianer, gleich den Türken, diesen herrlichen Kunstbau, zum Richtpunct ihrer Geschosse erwählten und in so vielen Triumphen, die seines Volkes unzerstörbare Lieb' und Treue, Franz dem I. an dieser heiligen Statte bereitet haben, inniger noch, wo möglich, in den Tiefendes Unglücks, als nach der, durch ein Vierteljahrhundert beyspielloser Prüfungen, endlich erstrittenen Welt- befreyung. Der Stephansfreythofu. d. Capellen. 7 Allgewaltiger für Erinnerung und Ahnung und inmitten der Verwesung, dauernder, als was über der Erde, in prächtigen Kunstfelsen sich erhebt, ist, was unter der Erde, dem jüngsten der Tage ent- gegenschlummert, die Gräber, um und in der herrlichen Kirche, das heilige Feld, (Campo santo) wie die Italiener es gerne genannt und mit dem Köstlichsten der alten Kunst geschmückt haben, der Hof des Friedens, in unserer Mundart: Der Stephcmsfreythof und die Capellen. Wie man noch unter Carln VI. vom fyeuti$en Burg platz über den , in schwacher Spur, dort noch erkennbaren Burggraben, nur mittelst einer Zugbrücke in die Burg gelangte, die in jeder Nacht festungs- weise geschloffen ward, wie Rudolph seine Universitätsstadt mir Mauern umfangen und geschlossen haben wollte, so war auch St. Stephans Dom allerwärts mit Mauern umfangen und geschlossen. Mit der gegenüberliegenden Brandstatt verband ihn ein mächtiger Bogen, „der H c i l t h u m s st u h l", also genannt, weil auf selbem alljährlich an den bestimmten Festen die Reliquien dem Vdlke gezeigt wurden. Leopold I. ließ ihn 1700 bis auf ein geringes Stück abbrechen, das mit den Wohnungen des Küsters oder Meßners und des Bahrausleihers oder TodtenansagerS gegen den Bischofhof enge zusammenhing. Auch dieses verschwand in den, unter Joseph II. 1788 und unter Franz I. 1792 geschehenen Veränderungen. . Noch in Josephs Tagen waren vier T h 0 r e in den 8 Der Stephansfreythof Stephansfreythof: — das Meßnerthor, an den Bischofhof anstoßend; — das Thor bey der Ca- pellmeisterswohnung, (beyde wahrscheinlich 14.66 unter Friedrich IV. erbaut,)'letzteres »670 unter Leopold I. erneuert; — das Thor gegen die Schulcrstraße , die Jahrzahl 1688 — und jenes von der Singerstraße herein, an die erzbischöfliche Kur, die Jahrzahl 1674 tragend. Von den R ö m e r t a g e n bis auf die unsrigen, von Kriegsleuten der X I. und XV. Legion und von jenem Titius Finitus, den mit Gattinn und Kind, im Basrelief ein, lange an des Küsters Wohnung eingemaüerter, rother Marmorstein darstellte, (Titius Finitus -vivens fecit sibi et Jucundae, Civis filiae, conjugi, anno XL) bis auf den unvergeßlichen , neunzigjährigen Greis Hohenwart, dieser Kirche Fürsten, bewahrte dieser Umkreis, Gräber aus allen Jahrhunderten. Der zu jeder Zeit, nur in jeder unter einer andern Gestalt hervortretende Vanda- lism gemeiner Seelen, hat mit den Römersteinen, wie mit jenen der Zeitgenossen, zum unersetzlichen Nachtheil der G e sch i ch t e wie der K u n st, auf dieselbe Weise gehandelt. Denkmähler ohne Zahl wurden gleich andern Steinen, zum Baue, zur Pflasterung verwendet. — In der Reformationszeit ging der B i l d e r st ü r m e r e y häufig auch die G rä b e rstür- merey zur Seite und als Zeichen des tiefsten Falles und der höchsten Verwilderung, ein recht eigentlicher Haß gegen Alles, was den Glauben an die Fortdauer nach dem Tode, an Unsterblichkeit in Bild oder Rede und die Ca pell en> 9 aussprach. Welch schneidender Gegensatz mit jener rührenden Frömmigkeit/ mit jenem zweifel-und wan- dellosen, allerbesondersten Glauben der Alten, die sich ihre Ruhestätte zum langen Schlummer im dunkeln Hause/ stets an ihrem Lieblingsort, in der Lieblingskirche , inmitten der vorangegangenen Ihrigen/ die ihnen auch im Tode die Nächsten und Theuersten blieben , oder an dem Eingänge, durch den die überlebenden Ihrigen die Kirche betraten und jedes Mahl ihrer gedenken mußten, vor dem Altar des im Leben besonders verehrren Schutzheiligen, unter den herrlichsten Werken frommer Bildner und Steinmetzen, im magischen Schimmer der mit ihren Wappen und Sinnbildern bemahlten Fenster erwählren, die gleichsam jeden Tag die kalren Steingrüsce mit der Morgenröthe der Auferstehung zu erwärmen schienen, auch in den langen Winter- und wilden Wetternächten getröstet, durch die milde Flamme des von ihnen gestifteten ewigen Lichtes und gleich nach Mitternacht, der Geister - Stunde, durch Chorgesang, Orgellon und Glockenklang !! Viele adeliche Geschlechrer nahmen in den ersten vier Jahrzehenden der Reformation, ihre Grabsteine vom Freythof, aus den Kirchen, hinweg zu Ecksteinen, zum Keller - oder Häuserbau. Dadurch allein läßr sich die sonst kaum begreifliche Erscheinung erklären, daß von Österreichs ältestem, bis auf Ferdinand ll. so gewaltigen , in den blutigen Freveln und Unruhen jener Tage gesunkenem und meist untergegangenem Adel, in diesem, Österreichs erstem Gotteshaus, kaum ein einziger Stein mehr redet und der übermüthige Dun- 10 Der Stephan Sfreythof fes/ über sich selber den Stab der Vergessenheit gebrochen hat. — Die Leichenbegleikung mit Sang und Klang und Kerzen, durch die Geistlichkeit, war selbst Wiens protestantischem Adel und Universitäts- korper so widerwärtig, daß sie durch eigene Verordnungen Ferdinand's I. Max's II. und Rudvlph's II. geschützt, daß insonderheit dem Landvolk strenge verbothen werden mußte, ihre Leichen, gleich dem umge- standenen Vieh, im nächsten Walde zu verscharren.— Als Graf Ernest Trautson iü36 — 1 693 die Gräber bey St. Stephan verzeichnen ließ, so waren deren in und um die Kirche, anden Capellen und anfdem Freythof, noch gegen fü n ft h a lb h u nd ort. Jetzt sind sie weit unter der Halste dieser Zahl, weit unter dem Zehntheil dessen, was zum Frommen vaterländischer Kunst und Historie, der Genealogie und Heraldik, noch da seyn könnte und sollte. Um so sorgfältigere Bewahrung verdient dieser geringe Überrest, der selbst seit Ogg e sse r ( 1779 ) sich bedeutend vermindert hat; denn auch die josephinische Epoche bewies nicht allzuviele Achtung für die gesammte Vergangenheit, und führte das Schauspiel der Reforniationstage in gar manchen Dingen im verjüngten Maßstabe wieder auf, wie wir solches bereits in der Geschichte (XIII. H.) ungescheut ausgesprochen haben; sie bewies es in der wegwerfendsten Geringschätzung alles urkundlichen Rechtes, ja derge- sammten Vergangenheit, ihrer Überreste, ihrer nationalen und loealen Eigenthümlichkeiten und ihrer Kunst! — So wie (um mit Shakespeare zureden) jede gute Thal, die rühmlos stirbt, die andern alle und die Lapellen. " tobtet / die ihr folgen würden, so falle auch auf jenes verkehrte Treiben die verdiente Schmach, auf daß die Geschichte nicht eine buhlerische Schminke sey, sondern, wie die ewigen Alten sie genannt, aller Zeiten treue Zeuginn, der Wahrheit Leuchte, eine Meisterinn des Lebens und die liebende Borhinndes fernsten Alterthums. Des erhabenen Ahnherrn Rndolph einziges, gleichzeitiges Standbild in Österreich nebst jenem seiner Gemahlinn Anna beym Kloster der, auch in Wien begüterten Dominikanernonnen zu Tuln, gestiftet, kraft des in der Schlacht wider Ottokar gethanenen Gelübdes, ein redendes Denkmahl von der Gründung des Kaiserstaats und Kaiserhauses, kaufte bey der Aufhebung nebst anderem Steinwerk ein Maurerpolier, zerschlug beyde Statuen und pflasterte damit. Von Klein-Mariazell, (von welchem noch der Ma- riazellerhof in der Johannesgaffe mit seinem Steinbild i. H. 0 . 114) das gleich Klosterneuburg und Hei- ligenkreuz, eine Stiftung Leopolds des Heiligen und seiner noch viel zu wenig bekannten Stammesvetter,1 Heinrich und Rapoto, der Sohne Haderichs war, sind Archiv und Bücherschatz völlig spurlos verschwunden. Von dem tausendjährigen O ssi a ch und Arn 0 l d ste! n, Wiegen der Christianisirung und der Cultur des alten, großen Carentanien, sind sie, gleich alten Lumpen in die Papiermühle gewandert. Die Urkunde» von Seif sen ste in, gingen in einem Keller zu Grunde, den alljährlich die Donauverschlemmt. Rudolphs II.Kunst- und Schatzkammer in Prag, mußte sich augenblicklich zur Artilleriekaserne gestalten. Zwey Bauadjuncren 12 Der S t e p ha n s fr ey'th o f und ein Hausknecht leiteten die übereilte Versteigerung , versagten ein Inventar , das allerdings einem Rechnungsführer oder Compagnieschreiber Attilas oder Genserichs Ehre bringen würde und wovon im „Ar- chiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst" jimi ewigen Andenken mehrere Proben erschienen sind. Es umfaßte Urkunden und Alterthümer, Kunstwerke in Gold, Silber und Kupfer, in Stein, Glas, Bein und Thon, edle Reste deutschen Fleißes, flam- mändischer Genauigkeit und der hohen Kunstblüthe jenseits der Alpen, der Apeninnen und der Pyrenäen. Was nur einigermaßen beschädigt war, wurde den Tag vor der Versteigerung zum Fenster hinabgeworfen. Majestätsbricfe, Stratsverträge, Landtagsschlüsse, Besitzestitel von der größten Wichtigkeit, wurden oft um wenige Gulden auf dem Trödel wiedererstanden ; so auch der seit wenigen Jahren endlich herausgegebene Nachlaß Chrysostomus Hanthaler's in Lilienfeld, dessen für die Wappen - und Siegelkunde unschätzbare Kupferplatten mit dem übrigen Küchenkupfer, an einen Trödler auf der Wieden kamen. Goldene Bullen mitunter diplomatische Seltenheiten z. B. jene der Kö- nigswitwe von Frankreich und Erzherzoginn Elisabeth an der Gründungsurkunde des Königsklosters zu Wien, wurden abgerissen, in die Münze gegeben und im Inventar mit buchhalterischer Gewisienhafligkeit aufgeführt. Selbst Gelehrte, wie in den Klöstern Garsten und Gleink ob der Enns, Regierungsrath Eybel, Verfasser der saubern Flugschrift: „Was ist der Papst?" wirthschafteten mit eben dem leidenschaft- und die Ca pellen. i 5 chen Vandalism, mit wunderlicher Vergessenheit/ wie nützlich, ja nethwcndig, die von ihnen vernachlässigten und verheerten Titel, den aus den Klostergütern neu dorirten Bischofssitzen, Religions- oder Studiensonds seyn müßte»? Erzherzog Carls, jenes Wohlthäters der Steyerniark, dem die Neforniakivnsunruhe» das Leben kosteten, schönes Mausoleum zu Seckau war zum Speicher bestimmt und einer der A.ushebungsvcll- streckcr nahm sich bey derLffnung der Sarge, zun> Andenken , des edlen Fürsten goldenen Fingerring und — seinen langen Bart!! Eine ernste Rüge Josephs war nöthig, um die Überreste Albrechts des Weisen, Friedrichs des Schonen, der Königinn Elisabeth inGam- ming, Mauerbach und im Kvnigskloster vor ähnlichem Unfug zu schirmen und letztere nach St. Stephan zu übersetzen. ■— Es wurde schon im 1. H. S. 108 beklagt , daß mitten in der Hauptstadt, vor den Augen so mancher Gelehrten und Kunstfreunde, eines der ältesten und vorzüglichsten Denkmahle deutscher Kunst, das Herrgott noch gesehen, völlig verschwunden sey, das Grabmahl Blankas, Schwester Philipps des Schönen von Frankreich und Gemahlinn Rudvlphs, des Erstgebornen K. Albrechts 1 . in der Kirche der Minorilen oder sogenannten Landhäuser! Es ist ein gutes Werk, solcher Rohheic das verdiente Brandmahl auszudrücken, zumahl der Same dieser Barbaren noch keineswegs ausgegangen ist. Es ist aber auch nothwendig, dessen zu erwähnen, weil sonst die verhälrniß- maßrg äußerst geringe Zahl wichtiger Grabes-Denkmähler gerade im Stephansdome kaum erklärbar / 1 4 Der Stephansfreythof seyn würde, der jener Schule, als ein unzerstörbares Kunstgebirge, alS ein hocherhabener Zeuge einer großen Vergangenheit, natürlich auch im buchstäblichen Sinne, der gewaltigste Stein des Anstoßes war. Welch milden und wohlthätigen Eindruck macht dagegen nicht die erhabene Sorgfalt Franz'sl.für die theuern Überreste seiner Ahnen und für alle geschichtlichen und religiösen Denkmahle der Vor- welt? — so an diesem Stephans-Dom und Thurm und bey Mar iastiegen, an den Kaiser- gräbern zu Speyer, an der Gruft seiner lothringischen Ahnen zu N a-n c y, aus seiner, nach vollendeter Welrbesreyung unternommenen Wallfahrt aus dem zum zweyten Mahle ersiegten Paris, nach der, seit Friedrich IV. von keinem ihrer Kaisersöhne mehr bestiegenen Habsburg, wie an den unverantwortlich vernachläßigten Grabesstätten Albrechts des Weisen zu Gamming, Otto des Fröhlichen zu Neuberg, Erzherzogs Carl zu Seckau und der von Konigsfelde» und St. Blasien nach St. Paul in Karnthen übertragenen alten Habsburger. Auf dem Freythofe befanden sich mehrere Beinhäuser oder Carne r, (Carnaria). Jenes zwischen dem Dom und heutigen Alumnat, hieß nach seinen ober- und unterirdischen Bestandtheilen, nach ihrer frühern und spätern Einweihung, die Virgiliuscapelle, die Erasmuscapelle (von der Bürgersamilie Cronöster reich bedacht), die Helena - letztlich die Magdalena- Capelle, „der Schreiberzech unter dem neuen Carner." Diese Capellc wurde am 12. Sept. 1781 früh Mor- V und die C a pellen. >5 gens mit Orgel und Glockenstuhl von den Flamme» verzehrt und nicht wicdererbaut, sondern vielmehr ganz abgebrochen. — Rückwärts des deutschen Hauses war die (zum Begräbniß der Cur - Geistlichkeit bestimmte) Allerheiligen, späterhin Todte,icapel- l e. — Die Kathaiinacapelle, schon unter Leopold dem Glorreichen gestiftet *) (H. VI. 0 . 70), späterhin sammt dem anstoßenden Hof, noch jetzt der Zwettel hof genannt, ist von dieser Cisterzienserabtcy, lange schon an das Domkapitel übergegangen.— Die A ndr e as- vormahls A ch a t i u s c a p e I l e im Bischoshof, will von, letzten Pfarrer bey 0 t. Stephan, Leopold von Sachsengang, den ersten Ursprung herleiten, — die M arieucape lle des Kur-oder Kuratenhauses wurde erst 1742 vollendet und eingeweiht. Daß des 0 tephansdomes heutige, würdevolle, von allen den verkrüppelnden Mauern, 0 chwibbogen, Häuschen und Kramladen erlöste Gestalt, ein Geschenk sey, das die Bürgerschaft 1792 ihrem neuge- kronten Monarchen Franz dem II. statt der sonst üblichen Triumphbogen und Ehrenpforten darbrachte, wurde bereits in der Geschichte Wiens erwähnt. Das Kurhaus steht auf dem Platze der, schon von dem großen 0 tauffenkaiser Friedrich II. in seiner *) Eine dort befindliche Tafel sagt: anno ab iacaru, Christi 1214 domiuica proxima post festum 8. Vili marfyr. consecrata est haec capella in honorem S Catlia- rinae virg. et mariyris , a venerabili patr* doraiim Mouegoldo paUviensis ecclesiae episcopo. 16 D er S t e p h an s fr e y t ho fu. d. Capellen. goldnen Bulle für Wien von 1267 erwähnten S ch u- le, bie der erste Habsburger Albrecht in seiner Handfeste von 1296 den Bürgern und dem Rath gänzlich überlieft, (Urkundenbuch Nro. 5 «, 56 und i 55 ) , die nach der Gründung der Hochschule durch Rudolph fortan bestand, bis die Reformation auch hier den Zwie- spalr und den Verfall herbeyführte und die Jesuiten aus den alten Trümmern, etwas ganz Neues und Anderes herstellten. Seit des Bisthums Errichtung zählte man 18 Curaten, nähmlich: 8 Achter, 4 Vikarien, 4 Leviten und 2 Gratianer, die aber nach der Reformation und nach der Zerstörung der Vorstädte in der ersten türkischen Belagerung zu erhalten unmöglich war, also daß Ferdinand l. die Leviten und Grarianer, läöi, eingehen lassen und eine neue Vertheilung der Einkünfte machen mußte, nur darauf bedacht, immerdar zwey ausgezeichnete Domprediger zu haben, denen die Beförderung zu Domherrnstellen zugesagt wurde. Als der BischofWofrach unter Ferdinand lf. den alten Bischofshof zur fürstlichen Residenz herstellte und die Curgeistlichkeit in ein anderes Haus übertragen wollte, ersuchte er den Rath der Stadt, rhm hrerzu: „die Summerschuel auf der Burgerschuel zu Sr. Stephan sambt dem großen Saal, wie auch die Bibliothek, dann des Kirchenschreibers, der Baumeister und des Hüttenknechts Zimmer sambt dem Höfel" zu überlassen. Es chatte nähmlich die Sceinmetzzunft und der Baumeister, ihre Lade, von der Zeit des Baues her, im damahligen Schulhause bey St. Ste- Das Patronat der K i r ch e rc. ,7 phan,alsan der Stelle der alten, grossen Bauhütte. Diese Zunft trug späterhin noch eine beträchtliche Summe zum Bau des Priesterhauses bey, das unter Carl VI. 1767 auf den lebhaften Antrieb und Unkosten des Cardinals Kollonitsch beschlossen, das 1742 unter M. Theresia vollendet wurde und das Franz l. 1806 den Zeit- bedürfnissen gemäß vergrößerte, zur bequemen Unterkunft des seit 1760 hier untergebrachten jungen Clerus. Das Patronat der Kirche und der Fürsten Gräber. Patron des Münsters bey St. Stephan z u W i e n, ist d e r F ü r st des Landes. — Nach der Weise zu schließen, wie der Jasomirgott aus den Trümmern Fabianas, (der römischen Citadelle B indo bonas,) n 56 seine neue Herzogsstadt Wien erhoben, wie er schon etwas früher i, 55 die Schotte nabtey gegründet, wie zwischen den Schotten und St. Stephan langer Streit gewahrt, (Urkund. Buch. H. 6.7. 22. 29. 3 i.) der endlich unter Orrokar sein Ende genommen, könnte man versucht sey» zu glauben, der H e r z 0 g sey j e d e r z e i t, dieser s e i n e r H a u p t k i r ch e Patron gewesen und doch ist es anders. Denn als Rudolph IV. die Probstey gegründet, tauschte er das Patronats recht über diese Kirche, von A l b e r t B i s ch 0 f zuPassau ein und gab ihm dafür das Patronat über die unfer- ne Weitra gelegene Pfarre Weidhofen an der Taja. (20. März i 365 ). Laut eines Briefes Carls des Großen, den 625 ll. 2ahrg> Denkwürdigkeiten. Bd. 2. Heft. 2 i 18 Das Patronat der Kirche rc. sein Sohn Ludwig der Fromme bestätigte, waren Fabianas zwey Kirche», an Passau geschenkt. So war es wohl auch unter den ersten sieben Babenbergern geblieben, denn des unbedeutenden Gehöftes kümmerte stch Niemand. Demnach konnte es dem Jasomirgott wohl gelingen, als er gerade hier, (in praedio suo et territorio) seinen Herzogsstuhl hingesetzt, von seinem Bruder Conrad Bischof zu Paffau, nachmahligen Erz- bischos zu Salzburg, vielleicht dies Kirchenlehen *) ') 3m Sch ott n er Stiftsbriese (Urk. Buch III. Nro.5.) saut Heinrich ausdrücklich, er habe die ihnen eingeräumten pfarrherrliche» Rechte vom Graben der damahligen Herzogsburg am Hof bis zum Bethkirchlein St. Johann in Als und bis zur Mündung der Als in die Donau, blos durch die Gunst (ex sincera benevolentia) feines Bruders Tonrad Bischofs zu Paffau und aus freyem Einverständnis, Ebergers des Pfarrers und des ganzen Wiener Elerus erhalten, wofür er dem Pfarrer einiges Besitzthum abtrat in der Wollgaffe, insgemein Wollzeil genannt, seiner so feyerlichen Stiftung der Pfarr- und Mutterkirche, (iunclatioui tain sollernpni, — «cclesiain, parocbialern , — piam matricem ecclesiam , nennt er St. Stephan.) Etwas zu entziehen weit entfernt. — Von den Capellen Mariastiegen, St. Pangraz, St. Rupprecht und St. Peter heistt es hingegen ausdrücklich, er selbst sey mit uneingeschränkte» Rechten ihr Patron gewesen (gnarum patronatus ack uos plene pertinere dignoscebatur) ; woraus fast gewist hervorzugehen scheint, das, obgleich der Herzog, St. Stephan neu gegründet, selbes doch mit dem Patronat bey Paffan » geblwben sey, dem schon durch carlowingische Schenkung ein Recht auf diese , nachmahls in der wilden magyarischen Flnrh neuerdings zerstörte Kirche übertragen war. — Da aber der Herzoglich ausdrücklich. Patron, der (der allgemeinen Meinung nach ältesten) Kirche» Wiens, zu St. Der Fürsten Gräber. 19 zu erhalte», das mit dem Tode Friedrichs des Streitbaren und milder Erlöschung derBabenherger, 1246 wieder an Paffau Heimgefallen und beym Hochstifte ge- Peter, St. Rupprecht und St. Pankraz nennt, so läge darin eine Schwierigkeit, in ihnen wie man bisher gethan, die nach Paffau geschenkten ecclesia« duas ia Fabiana ju erkenne» , die wohl eher St. Stephan selbst und ein anderes, gleichfalls zerstörtes, aber nicht wiederaufgebautes , sondern i>» Strome der Vergessenheit untergegangenes Gotteshaus gewesen seyn mögen? — Doch wer ver- inag den eiserne» Vorhang vor dieser eiserne» Zeit zu lüfte», aus welcher Alles zu bezweifeln, Alles zu verwerfen sehr leicht ist und den wohlfeilen Ruhm, einer nüchternen und scharfsinnigen Kritik gewährt, — unendlich schwer aber ,etwas zu behaupten, zu beweisen ! — Daß der D i o cesan von Passau, bis I3b5, wo Rudolph IV. dieß Recht durch eine» Tauschvertrag erwarb , stets und ununterbrochen Patron von St. Stephan gewesen, ist weit wahrscheinlicher. Aus einer Stelle des FriedensfchlußeS zwischen Rudolph und Oitokar von 1276 möchte man schließen, Paffau habe ernannt, der Landesherr aber p rase ntirt: „item quod magister Ulricus iu ecclesia yieuaensi per regem Boliemiae praesentatus” etc. Die Stelle in des Pfarrers He nrichS von Luzcrn Frohn« leichnamsstiftung von 1334 bezieht sich wohl nur auf dieses von ihm gestiftete Beneficium und nicht auf die Pfarre St. Stephan selbst: nur ein wirklicher Priester solle hiezu präsentirt werden: «loci diocesa- n o per patronum, Dominum ducem Au- striae”.— Doch beweist eben dieser Brief, daß damahls schon, Rath und Bürgerschaft, delegirte Patronen waren, denn selbst die Huth fernes köstlichen Muttergottes« bildeS vertraute er: «dominis civibus consuli, bus Viennae et magistro ecclesiae St. Ste phani, qui tunc temporis tenet ejusdem ecclesiae magistratum.” * 2 20 Das Patronat der Kirche re. blieben seyn konnte, wiewohl Ottokar die Investitur aller übrigen babenbergischen Paffauer - und Salzburger - Lehen ertrotzte und Rudolph von Habsburg sie für seinen Sohn Albrecht erhielt. — Auf jeden Fall war in alter Zeit, der D i o o e s a n von P a s s a u , auch P a- t r o n von St. Stephan, das selbst den Nahmen der Mutterkirche trug, denn auch der P a s s a u e r Dom ist bey St. Stephan und in den Urkunden der carlowingischen und Sachsen - Kaiser, heißt die Mark oder das G e b i e t h von St. Stephan, soviel als passauischer Grund und Boden. Seit Rudolph dem Stifter, waren die Fürsten des Landes ununterbrochen Patronen, der Wiener Stadt rath aber, zur Übung dieses Rechtes von ihnen delegirt. Es sind ihm hiefür oft sehr große Lasten aufgebürdet worden, wie denn überhaupt die Bürgerschaft um dieses Gotteshaus die größten Verdienste hat. Die älteste, noch übrige, vom Magistrat geführte Kirche nrechnung ist von beynahe fünfzig Jahre nach jenem Tausche zwischen Paffau und dem Herzog. In der, auf die argen Unruhen der „alten und neuen Regenten" (X. H. S. lö'].) gefolgten, vielfach beschränkten Bestätigung der alten Freyheiten Wiens d. 12 . März i52ö befiehlt Ferdinand: der Stadt - Anwald, der Bürgermeister und der Stadtrath sollten ihm und seiner Regierung schworen, der Stadtschreiber aber, der Kirchen m e i st e r bey St. Stephan rc. sollten ihren Eid dem Bürge r- meister und Rath ablegen, jedoch im Beyseyn 2t Der Fürsten Gräber. des landesiurstlichen Auwaldes. — Ferners solle „der Kirchenmeister bey St. Stephan, was wider khünig- liche Majestät oder deren gesetzte Obrigkeit berathschlagt worden, offenbaren , was einem Kirchenmeister gebührt einzunehmen, einnehmen und ausgeben und damir Alles treulich handeln, mit Vermissen Bürgermeisters und Raths, Einnahmen und Ausgaben ordentlich aufschreiben, davon jährlich oder wann man dessen begehrt, dem Bürgermeister und Rath, oder wen» sie dazu ordnen, verraitten rc. es sollen auch Bürgermeister, Richter und Rath, von unsertwegen und an unser Statt, wie sie bisher gethan haben, Heilthum, Kelch, Meßgewand und Kleinodien in Verwahrung halten" rc. rc. Es geht hieraus hervor, daß der Stadtrath als Administrator der Stephanskirche vom Landesfürsten delegirc, daß der Kirchenmeister vom Magistrat angestellt und beeidigt, daß seine Rechnungen an diesen gelegt, daß Inventarien über die Kirchensachen verordnet worden seyen. Außer dem K ir ch e n m e i st e r a m t bestand bis zum Jahr 1800 auch noch das sogenannte B a hrleihe ramt, das die Funeralgelder empfing, und dem der Bahrleiher als verrechnender Oberbeamter vorstand. Mehrmahls trug der Magistrat auf Vereinigung beyder Aniter an. Sie wurde unterm 11. und 22. May 1792 eventuell gut geheißen und nach dem Tode des Kirchenmeisters Furthmoser 1799, Regierungsdekret vom 28. Juny 1U00 wirklich in Vollzug gesetzt. S2 Das Patronat der Kirche rc. Billig fand hier derjenige, was er auf Erden kaum gesucht, daher umso minder gefunden, die ewige Ruhe, welcher dieß Gotteshaus sammt der Hochschule gegründet, der Wien nach der großen Pest also wieder erhoben hat, daß er mir eben dem Rechte sein zweyter Gründer genannt werden mag, wie in den Tagen des großen Barbarossa, der Babenberger Heinrich Jasomirgott, Wiens und dieses Domes Erster Gründer gewesen, jener vierte Rudolph, des ersten Urenkel; billig „der Stif- t e r" und weil er in vielen und wichtigen Dingen den Begriffen und dem Gange seiner Zeit vorausgeeilt, auch „der Weise" zugenannt. — Oft weilte er selbst, bey Tag und bey Nacht in diesem Hause des Herrn, den frommen Gesängen und Gebethen hor- 'chend und an den ungeheuern Schatten, am zauberischen Helldunkel, am warmen Lichte der in unendlich mannigfaltiger Farbenpracht spielenden Fenster, in Betrachtungen versenkt, die wohl ein Vorgefühl seyn mochten seines eignen Looses, das ihn aus so vieler Pracht und Herrlichkeit, von so großen Dingen, die er begonnen, von noch größeren, denen er aufbewahrt schien, urplötzlich im fernen, welschen Land, im sechsundzwanzigsten Lebensjahre in das dunkle Grab herunterriß. — Billig daher begegnet uns auch sein und seiner Gemahlinn der Kaisertochter Katharina Steinbild auf Löwen ruhend, mit den Wapenträgern von Wien und von Österreich, so oft im Innern und Äußern der Kirche, an den Ecken der Capelle, auf Gängen und an Pyra- 25 Der Fürsten Gräber. miden. In der Eingangshalle vom Bischofhof herüber, nächst der Kreuzcapelle finden fich auch einige Zeilen der von ihm selbst erfundenen Geheimschrift, die aber nichts anderes besagen, als: „Hie liegt begraben, von Gottes Gnaden Herzog Rudolph, der Stifte r." An der Epistelseice des Frauenalcars ist sein und seiner Gemahlinn Katharina Grabes Denkmahl, 9'4" lang, in der Breite und Hohe aber 4' 9 - // Auf dem Sargdeckel liegen ihrer Beyder Gestalten, lebensgroß, in erhabener Arbeit, mit Zinkenkronen auf den Häuptern und Löwen unter den Füßen (I. 90). Von den am Fuße des Grabmahls zwischen den Säulen befindlich gewesenen, in Herrgotts Monumenten des Kaiserhauses noch beschriebenen und abgebildeten trauernden Figuren, ist auch nicht eine einzige mehr vorhanden, ja selbst die Kopfbedeckung Rudolphs und Katharinas wurde zum Theile gebrochen und beschädigt, um die hölzernen Säulen des erzbischösiichen Oratoriums daraus niederzulassen, welches sammt seinem Aufgang auch aus der alten Steinwand der Kirche und wohl nicht ohne Vernichtung manches Denkmahls oder Kunstwerks eingehauen ist. Gleichzeitig istdieser Grabmahl nicht, aber von sorgfältiger Arbeit. Es stammt aus dem Beginne des XV. Jahrhunderts und mag wohl dem edeln Sinne Albrechts V. (oder als Kaiser II.) zugeschrieben werden. Rudolphs Leichnam ruht in der Fürstengrust, zu der wir jetzt übergehen. Vor dem Geländer, das den Chor beym Hochaltar umgibt, führt die, mit einer großen Marmor- 24 * Der Fürsten Gräber. platte bedeckte Öffnung auf einer geräumigen Treppe von vierzehn Stufen in diese Gruft hinab. Oben am Gewölbe ragte eine in Stein ausgehaltene Hand hervor, nach der Mitte, auf die Grabstätte RudolphS weisend, der sie i363 für sich und für seine Nachfolger stiftete und seinen Jahrestag dahin verordnete. Sie erfüllte diesen Zweck bis unter den Stürmen der Reformation. In der wilden Parleyung, welche damahls Österreich zerriß, wurde seiner Vorwelt, seiner Fürsten, ja selbst der drohenden Türkengefahr, um wie viel mehr der Gräberseiner Landesherr» völlig vergessen. — Prag, die Hauptstadt eines Reiches, das damahls mit Mähren, Ober - und Nieder- schlesien, beyde Lausitzen und so viele wichtige Rechte und Ansprüche an Pohlen und Brandenburg, an Sachsen und an die Oberpfalz umfaßte, konnte allerdings Wiens Nebenbuhlerinn sein und wirklich war es abwechselnd schon unter Ferdinand I. und Mar II., fast immer aber unter Rudolph ll. das Hoflager und alle drey Kaiser fanden auch dort ihre Ruhestätte. — Noch wenige Jahrzehende und es hätte darüber ein gelehrter Streit entstehen können, ob jemahls Fürstengräber bey St. Stephan gewesen? — Mathias und seine Gemahlinn, die tyrolische Anna, erbauten eine neue Kaisergruft bey den Kapuzinern am Mehlmarkt oder neuen Markt. — Wie jene Fürsten nach Prag, zog es den zweyten Ferdinand nach Gratz und ein Herr Schnepf,- ein Kammerdiener Ferdinands III. inußte auf den Einfall kommen, sich selber mitten bey St. Stephan eine Familien-Ruhestätte zu Der Fürsten Gräber. 25 gründen, damit die Familiengruft der Fürsten d e sLa »des wieder entdeckt würde!!— Seitdem werden nach des letztgedachten Kaisers Anordnung/ die Eingeweide aller verstorbenen Mitglieder des Kaiserhauses in kupfernen Urnen hier aufbewahrt/ die Herzen in der Lorettocapelle der Au- gustinerhoskirche/ die Leiber in der Gruft bey den Kapuzinern. Als von der deutschen Congregatio» St. Maure/ von jenem unvergeßlichen Kranze gelehrter Männer der reichsgefürsteten Benedictinerabley zu St. Bla- si e n auf dem Schwarzwalde/ihr unsterbliches Werk: „M on umente des erhabenen Hauses Österreich" herausgegeben wurde und der Num- mothek und Sphragidothek, die Pinakothek/ die Ta- phographie, die zugehörigen Urkunden und die rudol- phinischen Jahrbücher folgen zu lassen beschlossen war, geschah im letzten Regierungsjahre Carls VI., im April lyZg, die erste kritische Besichtigung dieser Gruft. —Marquard Hergott (geb. zu Freyburg 9. Octob. 1694 f 9. Octob. 1762) und Rüsten Heer (geb. zuKlingnau 19. April iyi 5 f. 2. April 176g) unternahmen jenes große Werk, das der Fürstabt Marcin Gerbert (geb. zu Horb 12. Aug. 1720, Fürstabt i 5 . Oct. 1.764 s i 5 . May 1796), unvergeßlich durch seine Geschichte des Schwarzwaldes, der allen Liturgie, des Gegenkonigs Rudolph von Schwaben, durch seine allemannische, italienische und französische Reise zu Ende geführt hat. Er war es auch, der 1772 die Leichen der ältesten Habsburger von der 26 Der Fürsten Gräber. Statte, wo König Albrecht durch Johannes Parricida fiel, von Kön ig sf e l d e n nach Sc. B l a s ie n brachte, von wo sie 1607 (nachdem das Breisgau durch den Preßburger Frieden von Österreich völlig losgerissen und an Baden übergeben war) ttiic dem Furstabt Berthold Rottler nach St. Paul ins kärnrhnerische Lavantthal übprwanderten. Maria Theresia ließ 1764 diese Gruft gegen den Hochaltar bis zum Ende der Kirche, wo von Außen die beyden Fenster unter dem Brustbilte des Erlösers zu sehen sind, erweirern und die erhabene» Überreste in Sarge von Eichenholz, alsdann in Kupfer übersetzen. Der geheime Kammerzahlmeister und Hofrarh Carl Joseph von Dier leitete das Ganze. Am 18. März 1785 wurde die Gruft vom Erzbischof Joseph Grafen von Trautson in Theresiens Beyseyn feyerlich eingeweiht. Leichen der Fürsten. a) Friedrich d e r S ch ö n e, geb. >292 Sohn Albrechts I. und der tyrolischen Elisaberh, Konig der Deutschen wider Ludwig den Bayern, erwählt undge- krönt zu Frankfurt und Bonn am iy. Oct. u. 25 . Nov. i 3 x 4 f i 3 . Jänner i 33 o auf der Burg Gut- tenstein. 2) Seine Tochter E l i sa b e t h 23 . Oct. i 336 . (Beyde im May 178Z aus der aufgehobenen Karthause M a u er b a ch hierher überkragen.) 3 ) Friedrich, Sohn Herzog Alberts des Lahmen und der Johanna von Pfyrt ch fünfzehnjährig >362. 4) RudolphderStifterch > 565 . alt 26 I. Der Fürsten Gräber. 27 5) ' Seine Gemahlinn /Katharina/ Carls IV. Tochter ch 1073 alt 53 I. 6) Albrecht III. mit dem Zopf oder mit der Locke ch »3g5 alt 46 J> 7) Albert IV. f »4<>4 alt 2g I. 8) Herzog W i lh e l M/ Sohn des >396 in dep Sempacher Schlacht durch die Eidgenoßen erschlagenen Leopolds des Frommen oder Biederkeit. ch 1406 alt 36 I. g) Leopold der Stolz e/ sein Bruder ch »4»r alt 40 I. 10) Georg, Sohn Alberts V. ch »435 alt »oJ. »») Albrecht VI. Bruder Friedrichs IV. ch i 463 alt 45 I. 12) Ferdinand, Sohn Map's II. geb. »55»ch»552. »3) Erzherzoginn Maria, Tocht. Map's II. starb i546, 4 Wochen alt. »4) Carl, Sohn Map's ll.geb. >565 ch »566. »5) Elisabeth, Locht. Map's Il.geb. 5. Juny i554, verm. an Carl IX. Konig von Frankreich 26. Nov. ib-jo. Witwe 3c>. May. »5y4, ch 22.Jann. »5g2. Am 3o. 9?ov. 1782 aus dem aufgehobenen Konigsklo- ster nach Sc. Stephan übertragen. >6) Eleonora von Mantua, Gem. Ferdinands II. Witwe 1637 ch »655. 27. Juny im 57. Jahre. Im April »783 aus dem Kloster der, von ihr gestifteten Carmeliterinnen bey St. Joseph (Siebenbüch» ne rinnen) hieher übersetzt. »7) Eine zu früh geborne und sogleich (1646) gestorbene Tochter Niklasens Franz Herzogs von Lothringen und der Herzoginn Claudia. f 2ö Der Für st eil Grabe r. Die Herzen der F ü r st e n. 1) Erzherzog Carl Joseph, Hoch - und Deutschmeister, Bischof von Paffau, Breylau, Olmütz ch 1664. »bjährig. 2) Leopold Joseph geb. »700 gest. 1701. Sohn Josephs 1 . 3 ) Leopold, Sohn Carls VI. geb. undgest. 1716» 4) Amalia seine Schwester geb. 1724 ch 1730. 5 ) Maria Elisabeth, des Großherzogs Fr'anz und Theresiens Tochter ch 1740. 6 ) Maria Charlotte geb. 1740 ch 174». Die Eingeweide der Fürsten. 1) und 2) des Kaiserpaares Mathias und A n n a Stifter der Kaisergrust bey den Kapuzinern am neuen Markte. 3 ) Ferdinand II. ch 1637. 4) Ferdinand IV. ch il> 54 - 5 ) F e r d i n a n d III . ch »657.6) Ferd. Jos. Aloys Sohn Ferd. II. geb. »636 ch 1607. 7) L e 0 p 0 l d W i l h e l m, k. k. Generalifsi- mus ch 1662. 8.) E. H. Carl Joseph, Sohn Ferdinands III. ch 1664. 9) Ferd. Wenzl Jos. Sohn Leopolds I. ch 1668. 10) M. Anna ch »672. i,) M a r- garetha Theresia ihrer Beyder Mutter, Philipps I V. v. Spanien Tocht. Leopolds I. Gemahlinn f 22jahrig 1673. 12) Mar. Josepha i 3 ) Mar. Jos- Clementiua, Töcht. Leopolds I. u. der tyrolischen Claudia Felicitas ch ch einjährig 1674 u. 1676. 14) die Kais. Claudia Felicitas ch 25 jahrig. »676. » 5 ) Eleonore, Witwe Ferdinands III ch 1686. 16) Mar. Margarethe geb. »690 ch »699. 17) Mar. Anto- 2 9 Der Fürsten Gräber. n i a Tocht. Leopolds l. Gem. Map Emanuels Kurfürsten v. Bayern 1692. 18) Mar. Theresia Leopolds I. Tochk. ch i2jährig ,696. 19) Mar. Josepha Tocht.Leopolds I. ch i7jahr. 1702. 2o)Leop. Joseph Sohn, Josephs I.starb einjährig 170». 21) L e 0 p 0 l d I. 64jährig f 1705. 22) Joseph 1 . f 35 jährig 1711.23) Leopold Prinz v. Asturien, Sohn Carls VI. geb. u. gest. 1716. 24) M. Amalie seine Schwester -j- Ojährig iy 3 o. 25 ) Carl VI. des Habsburgischen Btannsstammes letzter ch 55 jährig 2o. Oct. 1740. 26) der M. Elisabeth der großen Theresia älteste Tocht. geb. 1737 ch 1740. 27) M. Charlotte ihre Schwester starb einjährig 1741. 28) M. Elisabeth Regentin der Niederlande Leopolds I. Tocht. ch 6ijahrig 1741.29) M. Anna, Theresiens Schwcst. Herzogs Carl 0. Lothringen Gem. ch 26sährig. 1744. 3 u) Elis. Christina v.' Braunschweig, Kaiserinn, Carls VI. Gem. Theresias Mutter ch 6ojährig 175». 3 i) E. H. Carl, Theresias Sohn ch i6jahr. 1761. 32 ) Johannach i2jähr. 1762. 35 ) Franz I. Kaiser, Großherz. v. Toskana, Herz. v. Lothringen, Theresias Gemahl ch 1763. 34 ) M. Theresia, die letzte Habsburgerinn ch 1780. 35 ) Luise Elis. Franziska Tochter Franz II. u. Elis. v. Würtem- berg, geb. 1790. ch 1791» 36 ) Leopold. I. Kaiser ch 45 jährig 1792. 87.) M. Ludowika, Kaiserinn Gem. Leopolds II., welchen sie nur dritthalb Monathe überlebte, ch 1792.88) Carol. Leopoldine, Tocht. Franz II. u. Theresiens ch einjährig 1795. 89) Alexander Leopold. Palatin v. Ungarn Bruder Franz II. ch 1798. 40) M. Christina, Tocht. Theresias,Gem. 3 o Der g st r (len Gräber. Her;. Alberts v. Sachsen Teschen, Statthalters in Ungarn, Generalgouverneurs der Niederlande. ch 56 jähr. - 1798. 4>) M. Amalia Schwest. Franz II. ch i8jähr. 1798. 42) Carol. Ludowika Tocht. Franz's II. ch sijähr. 1799. 43 ) M a r i m i l i a n Hoch- u. Deutschmeist. Kurfürst zu Cöln, Bischof zu Münster ch 45 jährig zu HL- tzendorf 180». 44) Carol. Ferdinande, des Großherz. Ferdin. v. Toskana Tocht. ch 9jährig 1602. 45 ) Ludo- vika ihre Mutt. Großh. von Toskana ch zu Wien 1802 46) Ferdinand, Sohn Theresiens, Generalcapitän der Lombardey ch 52 jährig 1806. 47) M. Theresia Franzs I I.zweyte Gem. Tocht. Ferdinands I V. v. Neapel u. Carolinens v. Oster. ch 35 jähr. 1807. 48) E. H. Joseph ihr Sohn ch 9jährig 1607.49) E. H. Joh. Nepo- muckch 4jährig i8o9.5o)M. Carolina Franz I. u. Theresiens Tocht. Gem. Ferdinands IV. v. Neapel ch zu Hötzendorf 8. Sept. 18,4. 5 i) M. L u d 0 v i ka von Este, Franzs II. dritte Gem. ch^jährig 1816 zu Verona. 52 ) Albert Herzog v. Sachsen - Teschen, Sohn Friedrich Augusts Königs von Pohlen, Gem. Christi- nasv. Österreichs 83 jährig 1822, am ro.Febr. Außerdem hat die Kirche »och dreyßig unterirdische Gewölbe, jedes acht Klafter lang, drey breit und zwey hoch. Nicht zwar unter die Gräber der Fürsten gehört, aber doch der Erwähnung werth, ist die Tafel die dem unglückliche» Jüngling LadislavPosthumu s,um seiner Schönheit willen „ein Weltwunder" gepriesen, sein treuer Diener, H a n n s H 0 h e n b a u m setzte. Der Fürsten Gräber. 5 » in einer gemahlten alten Tafel mit des jungen Königs Wapen, Ort und Tag seines Todes bezeichnend, nähmlich Prag und Sr. Clemenstag im Nov. 1457. — Von seinem Vater Albrecht II. (als Herzog V.) kommt auf einer andern Tafel, nur die Erwähnung vor, er ruhe in S t u h l>v e i sse n b u r g, im llngarlande, das ihm das Herz gebrochen und das Leben gekostet hat. Unter den Fürste ngrabern muffen wir noch einmahl auf das h e r r l i ch st e derselben zurückkommen, auf das in dem Passionschor stehende M a uso- l ä u m Friedrichs IV. — Es ist eine anziehende Wahrnehmung über den plötzlichen und mächtigen Umschwung der Preise im ersten Jahrzehend nachdewEnt- deckung der neuen Welt, die 40,000 Ducaten, die es gekostet, der Summe zu vergleichen, die obenerwähntermaßen gewöhnlich für den Thür m angegeben wird! — Der Straßburger Steinmetz Niklas L erch, hat (wohl nicht ohne Beyhülfe anderer Künstler) über vierzig Jahre daran gearbeitet. Es enthält gegen dreyhundert Figuren und vierzig Wapenschil- der. Als Kunstwerk wurde bereits im 1. Heft S. 77 — 83 das Nöthigt darüber erinnert. Auf dem herrlichen Denkmahl, welches Maximilian dem I. seine Enkel Carl V. und Ferdinand I. in der Hof - oder Franziskanerkirche zu Innsbruck setzten, stellen sich dieses ritterlichen Fürsten zahlreiche Kriegeskhaten dar, die Begegniffe, die Bündnisse, jene Heirathe» (tu felix Austria nube!) die Europa völlig umstalketen, die das tiefgesunkene Österreich 1 32 Der Fürsten Grade r. auf einen vielfach angefochtenen, vielfach beneideten Gipfel erhoben und Alles mit der Furcht vor seiner Universalmonarchie erfüllten, wahrend Friedrich nicht einmahl Wien zu behaupten vermocht hatte, während binnen seiner Regierung, die für Jnnerosterreich beynahe 70 , für Österreich und Deutschland aber 53 imheilsvolle Jahre gedauert hat, die schonen Länder alle in Graus und Gräuel eines eisernen Zeitalters und der wildesten Barbarey zurückzufallen drohten. Somit hielt es freylich schwer, auf diese Tafeln, die Friedrichs merkwürdigsten Thaten geweiht seyn sollten, etwas Anderes, als seine vielfach wohlthätigen, geistlichen Stiftungen zu setzen. — So erschienen denn auch an den vier Seicenwänden, die vorzüglichsten acht Schöpfungen dieser Art, womit er meist sein vielgeliebtes und inmitten der größten Noth, auch ihm wie „allezeit getreues" N e u st a d t geschmückt, fer- ners das Laybacher Bisthum, in Folge eines Traumes, der ihn vor der dringendsten Gefahr der Schmach und Gefangenschaft warnte und kraft eines hierauf gelhanenen Gelübdes errichtet, endlich der ritterliche Georgenorden, auch unserm Wien nicht unbekannt. Er sollte der gegen den Erbfeind der Christenheit das seyn, was einst die Ritter des Tempels, die deutschen Herrn im heiligen Land, und sohi» in Preußen und jene des Spitals St. Johanns zu Jerusalem, dann auf Rhodus und Maltha, der aber, als nicht mehr im Geiste der Zeit, gar bald in sich selbst zusammenfiel und im eignen Unwerth erlosch. i \ Der Fürsten Gräber. 55 Diese Tafeln nun haben folgende Inschrift in la» teinischer Sprache: Rückwärts. — Dieses sind die Stiftungen des Kaisers Friedrich : — Die C i st c r z i e n s e r a b l e y in der Neustadt. Gegen den Altar St. Johannes von Kent: —- Der St. G e o r g e n - O r d e n in der Neustadt. BiSthum und Domkapitel in der N e u sta d t. Die cegulirten Chorherr» zu St. 111» r i ch in der Neustadt. Gegen vorne :— D i e Bruder des minder» Ordens zu St. Leonhard in Grätz. Rechts gegen den ehemahligen Christophsaltar : — Der Orden der P au l anerere m ire n in der Neustadt. Das Marien kloster in Dberburg zur G r ü n d u n g d e s, L a i b a ch e r B i s t h u m s verwendet. Die Bruder des Predigerordens zu St. Peter in der Neustadt. Am Altare hangt Friedrichs Ebenbild nebst einer Tafel, die einen kurzen Abriß seines Lebens enthalt. —• Die lateinische Inschrift ander Rahme: „Ferdinand von Gottes Gnaden römischer, auch zu Ungarn und Bohmen König, Jnfant von Spanien, Erzherzog von Österreich, Herzog von Burgund rc. ließ dieß fromme Mahl seinem Urgroßvater Friedrich errichten," bezieht sich entweder nur auf Bild und Tafel, oder deutet an, daß des Werkes gänzliche Vollendung erst nach Mali. Senkivürdizf-;»». , B», r. Heft. 5 54 Der Fürsten Gräber. rens Tode geschehen sey und in die Tage Ferdinand- falle. Letztere Deutung kann jedoch nicht statt haben, da es urkundlich gewiß ist, daß es gerade 2 c> Jahre nach Friedrichs Tode, i5i3 vollendet und der, bis dahin in der Gruft gestandene Leichnam, aus selber erhoben und hier beygesetzt worden sey. Schon der vicentinische Graf Hieronymus N o- garola sang von diesem Meisterbildwerk: Unde tot annorum labor hic operosus ? et unde Tot celata uno marmore juncto loce? Quis tegitur tantis opibus? superare quis ausus Mausoli, Hadriani, pyramidumque decus ? Austrius,HectoreaFridericus origine,Caesar Parte sui sacer hic deteriore jacet. Nam meliora adiit sibi debita sidera et orbis Vix famam herois, summaque gesta capit. Magnanimus, pius, armipotens,Augustus honori Erexit patrio Maxmilianus opus. Die an diesem Mausolaum zahlreich angebrach- ten und meisterhaft gearbeiteten Wapenschil- der, theils auf dem Sargdeckel, theils an den Seitenwänden, 87 ander Zahl, beziehen sich auf sämmtliche, im Besitz Friedrichs und Maximilians befindlichen Länder, Würden oder Titel, theils sind sie auch Anwartschafts- Anspruchs - oder Repressalienwapen und machen in der Heraldik eben so Epoche, wie jene zu Innsbruck am goldnen Dächlein und ehmali- gen W a p e n t h u r m. Auf dem Grabesdeckel befinden üch deren sieben, zur Rechten der lebensgroßen liegenden Der Fürsten Gräber. 55 Figur des Kaisers der doppelte Reichsadler mit der Kaiserkrone. Gegenüber, unter dem Erzherzogshute, die fünf Adler(Lerchen) von Österreich. Ilber letzterem Schild das lombardische Wapen; über dem Reichsadler ein Kreuz mit einer Königskrone geziert, die wir für die ungarische erkennen möchten, obgleich Andere diesen Schild für das alte Reichswapen halten, wie denn auch nach der Salzburger Chronik, Rudolph in der entscheidenden Marchseldsschlacht wider Ottokar, im Schlacht - und Gewalthaufen das Kreuzeszeichen im Banner führte (8. Orneis insignia juxta morem imperii sequebatur). — Unter dem doppelten Reichsadler ist der österreichische Querbalken oder Bin- denschild; ihm gegenüber der steyerische Panther und zu Friedrichs Füßen der Habsburgische Löwe, alle von seltner Schönheit. Auf der Mittagsseite findet sich 6) der Karnthner Doppelschild, der Querbalken und die drey übereinander schreitenden Löwen, 9) der Krainer- Adler mit dem geschachten Halbmond, 10) derTyroler- Adlec mit den Kleestengeln in den Flügeln, 11) die Fische von Psyrt, 12) die übereinanderschreitenden Kyburger Löwen, i 3 ) Pfahl und Querbalken von Bur- gau, >4) die Kronen und Querbalken der Landgraf» schafl Elsaß, >b) der Glockenhut der windischen Mark, 16) die offene Pforte von Portenau, 17) der Quer- schild des Landes ob der Enns mit dem Adler und mit den drey Querstreifen. Die Seite gegen M 0 r g e n enthält die Schilder des ältesten Stammeigens an der Aar, Thür und Reuß, att) den Adler von Schenkenberg, das der Ahn« Z * 36 Der Fürsten Gräber. Herr Rudolph, seinem vielgeliebten natürlichen Sohn Albrecht verliehen/ wahrscheinlich einem Sprossen seiner Liebe zur schönen Jda von Müllinen / zu der Er immer nach Bruck in den Effingerhof geritten, der sich bald darauf Grafen zu Löwenstein genannt und dessen Geschlecht noch an zweyhundert Jahre gewährt hat/19) die drey Rosen von Rapperswyl, 20) die Rebe mit den drey Trauben von Raron, 21) den schwarzen Sturmhut mit weißer Krempe im goldnen Felde von Breysach, 22) die beyden Adler von Honburg. Auf der Nordseite zeigen sich 20) die drey Adler von Leiningen, 24) der Bindenschild des Aargaus, 25 ) die übereinanderschreitenden drey Löwen von Dieffeu- hoten und Winterthur, 26) der Querbalken der freyen Amter im Aargau, 27) die offene Tasche der Waldstadt Seckingen, 28) der Löwe vom Bremgarten und Sem- pach, 29) der Querbalken von Baden im Zürichga», 3 o) der gekrönte Adler der Landgrafschaft Sissgau, 3 i)bie gethürmte Burg von Lenzburg und 22) die beyderseits zugespitzten Keile des den Habsburger» treu ergebenen Hauses Bonstetten. Endlich auf der Westseite des Mausoläums 55 ) und 84) die Binden und die Sterne der Grafschaft Cilly. 35 ) die drey Flügel von Ortenburg 36 ) die drey Sterne von Sternberg, endlich 87) die drey übereinander schreitenden Löwen des alten Herzogthums Schwaben. Die auf einer hölzernen Tafel schwarz auf weiß geschriebene, schwülstige Grabschrift,wurde vom Jesuiten Fischer etwas anders als von den St. Blasiern in der Taphographie nach einer, aus der Hofbibliothek vom Der Fürsten Gröber. 3? Custos Schwandtner gegebenen Schrift geliefert. Die Abweichungen aber beschränkten sich nur darauf, daß bey Hergott im Titel, Habsburg, Tyrol und Elsaß ausgeblieben, hie und da mehr die Orthographie als der Sinn einiger Phrasen verschieden und bey Hergott am Schlüsse die chronologischen Epochen der Regierung Friedrichs angegeben, bey Fischer aber weggeblieben sind. „IMPERATOR CAESAR DIVUS FRIDRJCUS TERTIUS EIUS PROSPER AUGUSTUS CHRISTIANITATIS SUPREMUS PRINCEPS.. IIUNGARIAE DAL. MACIAECROACIAE etc. REX. ARCHIDUX AUSTRIAE. DUX STYRIAE CARINTHIAE ET CARNIOLAE. PRINCEPS IN HABSPURG ET TYROLIS. LANDGRAVIUS ALSACIAE PRINCEPS SUEVIAE. MARCHIO SUPRA ANASUM ET BURGAVIAE. COMES PHIRRETJS ET IN KIBURG. DOMINUS MARCHIAE SLAVONICAE ET PORTUS NAONIS etc. PRINCEPS RELIGIOSISSIMUS QUI SACRUM ROMANUM IMPERIUM SUM- MA JUSTITIA ET VIRTUTE LIII. ANNIS SAPIENTER ET MODERATE REXIT QUIQUE FILIO SUO MAXIMILIAN!) IMPERATORI GLORIOSISSIMO SERENISSIMAM DOMINAM MARIAM UNICAM FILIAM ET HEREDEM DIVI CAROLI DUCIS BURGUNDIAE POTENTISSIMI LEGITIMO TllORO COPULAVIT EX QUO QUIDEM FELICISSIMO CONNUBIO OMNES DUCATUS PRINCIPATUS MARCIUONATUS COMITATUS et DOMINIA QUAE PRAEFATUS CAROLUS DUX TERRA MARIQUE POSSEDIT. FELICI HAERE- 38 Der Fürsten Gräber. DITARIO JURE DOMUI AUSTRIACAE PERPETUO ACCESSERUNT. QUAE ET IMPERATOR MAXIMIUA- NUS POTENTI MANU ET GLADIO CONSERVAVIT. IPSE FRIDERICÜS TALIBUS MULTISQUE ALIIS IMPERATORIIS VIRTUTIBUS CELEBERRIMUS AC FAMOSISSIMUS NATURAE DEBITO PERSOLUTO. CELEBERRIMIS EXEQU1IS DEVOTE CELEBRATIS IN HOC PRETIOSO MONUMENTO RECONDITUR (Zusatz bey Hergott) HIC. ERID. IME. AUG. NASCITUR ANNO SALUTIS NOSTRAE MCCCCXV. ELIGITUR IN REGEM ROMAN. ANNO MCCCCXL. CORONATUR IN AUGUST. AC. IMPERATOREM ANNO MCCCCLI. O. XIX DIEAUGUSTI MCCCCLXXXXIII AETATIS SUAE LXXVIII. IMPER VERO LUI. MEN. IIII. DIES IIII. CORPUS EJUS IN HOC SAXUM RECONDITUR ET TRANSFERTUR MDXI1I. VII. NO- VEMBRIS.” Friedrich ward am 2i. Sept. i4i5 von der maffo- wischen Cimburg zu Innsbruck geboren, wo sein Vater, Ernst der Eiserne, eben damahls beschäftigt war, nach dem unwiederbringlichen Verlust der Stammgüter im Aargau, Tyrol bey Habsburg zu erhalten und darob mit dem gebannten und geächteten Bruder Friedrich mit der leeren Tasche zerfallen war. Friedrich folgte seinem Vater am 10 . Juny 1424, wurde nach dem Tode Albrechts II., i43g, Regent in Österreich als Vormund LadislavsPosthumus, 2 . Febr. i44a zu Frankfurt erwählt, 2o. Juny 1442 z» Aachen gekrönt, »6. März »452 mit der portugiesischen Eleonore durch Der Fürsten Gräber 3 g Niklas V. zu Rom vermahlt und mit ihr am 19. März als Kaiser gekrönt, durch Mathias Corvin aus Wien vertrieben, s-zu Linz 19. Aug. i 4 g 3 . — Seine Eingeweide wurden in der dortigen Hauptpfarre beygesetzt, der Leichnam aber zu Waffetnach Wien geführt und unter feyerlichem Empfang einstweilen in der Herzogsgruft bestattet. Einer Aufzeichnung des damahligen Custode», Meister Conrad zufolge, war das erste Seelenamt schon am Augustinstage (26. Aug.) durch 6 Bischöfe und i 5 Prälaten und durch 32 Tage verrichteten die Domherrn die Seelenvesper und andere Gebethe. Das feyerliche Todtenamt hielt am 7. Dec. der Erzbischof Primas von Salzburg Friedrich und das sogenannte Gelübdeamt, der Wiener Bischof. Map selbst ging mit den anwesenden Fürsten und Grafen oder deren Bevollmächtigten zum Opfer, alsdann die Bischöfe und Prälaten. Hierauf folgten 6 Herolde, ihre Wapenrö- cke mit den Wapen der Provinzen Österreichs und den Adlern der Kaiser-und Königswürde. Den Beschluß der nie gesehenen, höchst imposanten Feyerlich- keit, die den Wienern, die noch so kurz vorher unter hartem Fremdlingsjoche geschmachtet, ganz andere Begriffe von Maximilians gegenwärtiger Macht und Ansehen und von seinen, noch viel größer» Erwartungen gab, machten die Abgeordneten der Provinzen mit ihren Wapen und Fahnen in ausgezeichneter Trauerrüstung. — Alle diese herrlichen Abzeichen wurden dem Wiener Bischöfe Slatkonia verehrt, der sie auf den zween Balken über dem Frauen-und 4» D ie Grabmähler i m Innern d. Kirche. -Sem gegenüberstehenden Josephsaltar aufrichten ließ. Dazu kamen in der Folge auch die fünf Schilder Albrechts VI. jenes bis ans Ende feindseligen Bruders Friedrichs, die zuerst ob dem Eisengicter am Hochaltäre hingen. Friedrichs Mausoläum stand anfänglich, wo jetzt St. Johannes von Kein Altar. Erst Carl VI. ließ es 1782 in die Mitte stellen. Wir wenden uns zu den Privatbegräbnifsen im Innern und außen an der Kirche. Die Grabmähler im Innern der Ki rch e. Im Innern der Kirche, (mit O g g e s s e r, von dem sogenannten Speis- oder Frauenchore, an der Evangeliumsseite des großen Frauenaltars anzufangen,) ßnden sich die Grabsteine, 1) des vom lutherischen Backerjungen zum CardinalbischofeWiens und der Neustadt und zu Kaisers Mathias allgeivalrigen Minister emporgeschwungenen Melchior Kiesel 2) und 3) der Eardjnalerzbischofe Grafen S'gmund von Kollo- nitsch und Grafen Johann Joseph von Lraut- s 0 n. — Des zweyten Grgb ist durch ein schönes Marmormonumenr vom Meißel des berühmten Ra- phael Donner eben so geziert, als durch den endlosen Schwulst einer geschmacklosen Inschrift verunziert, 4) die Begräbnis! der Grafen I 0 a nn e ll i, (Gio- vanelli,) im goldenen Buche Venedigs, dem sie mehrere Patriarchen, Procuratoren und Savjs schenkten, wie in der Landesmatrikel Tyrols wohlbekannt, 167a. 5) Bischof Georg Slatkoniach i 522 . 6) Alexander Herzog von Massovien, Domprobst £ i e Grabmähler im Innern d. Kirche. 4» zu Wien, Cardinal und Patriarch zu Aquileja ch 1444.7) Johann R 0 sinus/ hiesiger Domprobst ch »545.6) Veit Rosmami/ Probst zu Mariasaal in Kärnthen, dem Virunum der Römer, der Wiege der dortigen Christianisirnng und Cultur f »5o4. Vor dem Aufgange zum Frauenaltare 9) der letzte Gonzaga, Fürst zu Castiglione, Alois III. der den Stamm der im spanischen Erbfolgekrieg geächteten Beherrscher Manknas/ »o. Sept. 1U19 zu Wien beschloß. Nächst dem Anfgang in den unausgebauten Thurm, »o) Leo Nothhaft Fähndrich zu Raab ch »566, ein aufrechtes, lebensgroffes, sehr schön gear- berletes Marmorbild, mit der Inschrift: Hie jacet in geticos, Leo Nothaft signifer hostes, Nobile cui nomen mens generosa dedit. Es ist abgebildet in dem, kaum begonnenen und schon wieder eingegangenen Werke des Fürsten Eduard L ichnowsk y.»») Stephan Gundel hiesiger Raths-- Herr ch 1711. Beym eisernen Gitter hinter dem Kasten. 12) Adam Swetkowitz ch »5»5. i3) Ludwig Weiß, Rathsherr und seine Hausfrau, Margarethe Knürzing chch »565 und »562. »4) Johann Jakob von Furchenstein n. ö. Regierungsrath ch >6»3. Weiter gegen die Barbaraca pelle. »5) Niklas Engelhardc Domherr ch »55 4 und Jakob Huber ch i 52 i. 25 ) Beym Peter und Paulsaltar der Stein eines i 3 oo verstorbenen, edlen Otto, mit drey Zinkenkronen. 26) Simon Pauer, 1648 meuchlerisch erschossen. 27) Joseph Koller von Nagy Banya. k. Hofrath ch 1745 und chesse Gattinn Juliana ch 1789. 28) Raphael von Nitschen, Domkustos ch 1647. An der Rückseite des Agnesaltars 29) Meister Stephan Kronperger chi 546 . Neben dem Altare an der Wand 3 o) Kaspar Amon k. Rath und Kontrolleur ch »699. 3 i) Nikolaus Beckers k. Rath ch 1600. 32 ) Johann F a be r, hiesiger Bischof ch i 54 i. 53 ) Friedrich Christoph von Mayenberg k. Rath und Regierungskanzler ch 1742. Neben dem llrsulaaltar auf der Erde. 34 ) Caspar Pazzino, n. 0. Regierungsrath, das Todesjahr ist unleserlich. — An der Wand 55 ) Franz von Z 0 l l e r n Tuch- Die Grabmähler im Innern d, Kirche. 43 laubensverwandter ch 17,3. 35 ) Mathias Volksber- ger, Handelsmann und äußerer Rath f i 65 g. 07) Johmin Ubermann k. Rath und Bürgermeister-h 1570. Reben dem Eingang in die Kreuzcapelle 38 ) Michael Püdler von Helmb, Regierungsrath 1610. 3 g) Peter Hallcr Hofpfennigmeister und k. Rath. — 40) Das Familienbegräbniß der Sonnet von R 0 ttenburg 1606. 4 ') Lorenz Hürcendor- ser k. Rath und Stadtrichter ch ,565 und seine Gemahlinn Sophie geborne Thumshirn. 42) der roth marmorne, mir seinem, seiner beyden Gattinnen und seiner Kinder halb erhobenen Bildnissen geschmückte Grabstein des berühmten Cuspinian, Arztes und von Map I. gekrönten Dichters, seines geheimen Rathes und Gesandten, endlich Auwaldes der Stadt Wien. Joannes Cuspinian 11 s Docfor, quon- dam civitatis Viennensis Praefectus. Anna Maria, octo liberorum mater , Agnes altera conjux. Excolui primum Musas, et Apollinis artes, Nempe fui M e d i c u s tuneque P o e t a simul. Postea me rebus natum majoribus auxit Caesar, ef ornavit Praesidis officio. Illa igitur nostro sint verba inscripta sepul- cliro. Vitam vixi olim , Cuspinianus eram , Historiae immensae monumenta eierna reliqui, Vivus in his semper Cuspinianus erit. 44 DieGrabmahler i mInner n der Kirche. Vixit an. LVl. anno MDXX 1 X mense Apr, d. 19 obiit. — Nomina liberorum : Sebastianus Felix. Leopold Anastasius, Anna Theodora. Helena Alexandra. Nie. Chrisostomus Anonymus, Joann Agatha. Barbara Sophia. Das Trautson'sche Manuscript über die Grab- denkmahler bey St. Stephan fügt noch folgende Inschrift bey, über die erste Gemahlinn: ANNA PUTSCHIA JOH. CUSP. CAES, MAX CONSILIARII CONJCJX: EX QUO OCTO PEPERI LIBEROS, HIC IN CHRO QUIESCO EXPECTATURA TUBAM ARCHANGELI IN EXTREMO JUDICIO. DEUS OPT. MAX MIHI MISERATUR! VIXI AUTEM ANN. 28 . DIES 18, MORTUA ANTE DIEM AN, SAL. iS, 2 , DIE 17, MENSE SEPTEMBRIS. 43) Die Kreuze» pelle auch dis T i r n a e r, Hiebenbürger, Savoyische und Eugens -Ca- pelle, heißt also vom ritterlichen Bürgergeschlecht der T i r n a (IX. 20.36.X98.), nahmentlich vom Ulrich von Tirna, seiner Hausfrau Bertha und seinen Schwestern Adelheit und Elisabeth die sie erbaut und nach sich benannt, darauf von den hier begrabenen Siebenbür- g e r n, berühmt in den Tagen Friedrichs I V. und Ferd.7. (X. Heft. 4? und i56.) An. Dni. i5o6 am Mittwoch nach Barrholomäi ist gestorben der erber S i e g m u n d S i e b e n b ü r g e v Bürger zn Wien, dem Gott tzienad^ D i e Grabmähler i m I n n e r n d. K i r ch i. 4& Ossa Sig mundi hoc recubant tumulata sacello , Cui tellus nomen T r a n s y 1 va n a dedit. Marte, togaque fuit non civis inutilis urbi, Cujus et asseruit Caesar uterque fidem. Auxit opes aequo, mentem pietate, salutem OIsicio , gravis est, qui capit astra,labor. Die Siebenbiirger gehörten zum Stuben - Viertel (Nro. 179 deS Ilrkundenbuches / die im Stadtober- kammereramt befindliche/ gleichzeitige Tafel.) Sie hatte» ihre Häuser in der Wollzeil und in der Riemer- slraße, »»ferne des Nonnenklosters zu St. Jakob auf der Hilm, Hilben. Daneben unter einem Wapenschilde / der ein springendes Roß zeigte, waren noch folgende Verse über den mächtigen und angesehenen Mann, der nach dem Tode Mathias Corvins und nach Maximilians Wiederkehr das Stadtrichteramt geführt (i4q5). Hie Sigrnundus habet sua busta recondita Leetori Deseptem castris nomina clara trahens. Marte, togaque fuit: non civis inutilis urbi , Cujus et asseruit Caesar uterque fidem. Hanc tabulam vivus sincera mente locavit, Atque aram: haec claris splendet imaginibus Flectere equos melior sibi nemo novit in arte, Et campos rapida pervolitare fuga. i5o7» Erat judex Civitatis hujus An. i4g3- In Scuto Eques. Die Capelle hatte auch noch vor einem halben 46 Di e Grabmähler im Innern d. Kirche. Jahrhundert, ein Epitaph vomletzten Tirna, mit dem Familienwapen des Mondes über dem O.uerstreif; nicht ohne Zweifel gegen die Angabe Lazius und Anderer zu wecken, dieß Haus sey mir einem Domherrn von Paffau erloschen, denn hier war er in vollem H a r- nisch abgemahlt: „Hie unden liegt begraben der Edl. Jörg v. Tirna, der letzt des Nahmens, dem Gott Gnadt, und ist gest. Ao. D. 1468 am S. Agnes tag" rc. Diese Tirnaer oder Siebenbürger Capelle umschließt die Reste des großen Prinzen Eugen von Savoyen - Carignan-Soissons, Generalissimus der kaiserlichen Heere, Hofkriegspräsi- denken und Generalcapiräns der Niederlande und der Lombardey ch 1786 , des Wiederherstellers Österreichs, Siegers bey Z e n l h a, P e t e rwar- dein und Belgrad über die Türken, bey Carpi, Chiari, Luzzara, Cassano, Turin, B l i n d h e i m, Malplaguet, L i lle rc. über Franzosen und Bayern, dann das Grab seines Neffen Thomas E m a n u e l, Prinzen von S a v 0 y e n k. k. §*. M. L. und seiner Gemahlinn, Th erese Anna Felicitas, Tochter des sogenannten Crösus Österreichs, des Fürsten H a n n s Adam von L i e ch t e n st e i n , Gründers der herrlichen, liechtensteinischen Gallert e, der Stadt Wiener Bank und der Wiener Vorstadt L i e ch t e n t h a l. Diese Fürstinn wurde gleichfalls unvergeßlich in den Jahrbüchern Wiens durch ihre großartigen Stillungen, die S a v 0 n i s ch - e m a- Die Grabmahles im Innern d. Kirche. 47 nuelische, das Wiener adeliche Damenstift und beym Domkapitel. — Das Denkmahl der beyden savoyischen Prinzen ist aus dunkelgrauem Marmor, die reichen Verzierungen aber, getriebene und im Feuer vergoldete Arbeit. — Am Eingang steht auf rothem Marmor, Benedict XIV. habe diesen Kreuzaltar privilegirt, so oft für Jemanden aus dem Hause der erlauchten Stifterinn hier Messe gelesen wird. Wir geben die Aufschriften dieser theuern Gräber, der Reihe nach : I. LOCUS SACER , QUEM SERENISSIMA PRLNCIPISSA DOMINA DOMINA THERESIA ANNA FELICITAS DUCISSA DE SABAUDIA, COMITISSA DE SOISSONS, NATA PRINCI- PISSA DE LIECHTENSTEINETNICOLSPURG, PRO HUMANDO SERENISSIMO CONJUGE SUO DOMINO DOMINO EMANUELE THOMA DUCE DE SABAUDIA, PRINCIPE PEDEMONTII, MARCHIONE SALUZZI, COMITE SUESSIO- NII, AUR. VELL. EQUITE. S. C. R. C. MAJEST. GEN.CAMPI-MARSCHALLO-LIEUTEN. UNIUS REGIMINIS CATAPHRACTORUM COLONEL- LO. PERACTA AETATE ANNORUM XXXXII. ANNO DOMINI MDCCXXVH1I. XXVIII. DEC MORBO. VARIO LARUM E MEDIO VIVENTIUM EREPTO: NEC NON ALIIS DEHAC ILLUSTRI DOMO SABAUDICA HIC SEPELIRI VOLENS 48 Die Grabmähler im I,inern d. Kirche. TIBUS EXTRUI CURAVIT. UT HIC QUIESCANT. DONEC GLORIOSI REVIVIS CANT. II. A. X ß. EUGENIO IMPERATORI VICTO- RIOSISSlMO IN TUTELAM CHRISTI- ANI NOMINIS DIVINITUS CONCESSO. 1MP. AUG. CARO LIVI. PURPURATO MODERANDIS REBUS BELGICIS PRAEFECTO IN GERMANIA LEGATO, IN ITALIA VICARIO, UTROBIQUE EXERCITUUM DUCI EE- LICISSLMO, CUJUS PROFECTO IMPERIA PROVINCIAE MONUMENTA IN ALMA HAC BASILICA SUMMO IlONCRE CELEBRATA MAGNIFICO HOC MAUSOLEO PERPETUABUNTUR. ET TANTI PRINCIPIS EX FRATRE NEPO« Ti INCLITISSIMO EMANUEL1 THOMAE DUCI SAB. PRINCIPI PEDEMONTll MARCHIONI SALUTlARUM COMITI AUGUSTAE SUESSIONUM. AUR. VELL. EQU. EQUITUM CATAPHRACTORUM DUCTORI UTR1QUE REGIO SPIRITU FORTITUDINIS ARMATO ITEM QUE SCIENTIA REI MILITARIS AUCTORITATE VIRTUTE FELICITATE NON MODO AETATIS SUAE HOMINUM ADOREAM, SED OMNEM ETIAM ANTIQUITATIS MEMORIAM LONGE SUPERGRESSO THERESIA ANNA FELICITAS DUX SABAUDIAE. CORDAT1SS1MAEX PRINCIPIBUS DE LIECHTENSTEIN ET NICOL- Die Grabmähler im Innern d. K i r ch e. 49 PURG, DUCIBUS OPP AVIAE ET CARNOVIAE IN S1LES1A PRAEGLORIOSISSIMO QUIPPE PROPINQUA CONSANGUINEACONJUGl PRAE. STANT1SS1MO CONJUX RELIGIOSISSIMA HE- ROIBUS IMMORTALITATE DONATIS HERO- INA PIA MAGNANIMAM PYRAM1DEM HANC TRIUMPHALEM VIAE VITAEQUE METAM POSUIT, NON AUTEM GLORIAE IN DOCUMENTIS GESTORUM MONUMENTIS SCRIP. TORUM ANIMIS VIVORUM PERENNATURAE DONEC ET ILLA LAUREATIS PURPURAM CINERIBUS INVOLVAT. III. SERO UTINAM TUMULO HVIC INFERA- TUR SERENISSIMA FUNDATR1X, IN QUA VIRTUTES OMNES SUMMIS PRINCIPIBUS DIGNAE, AUCTORITAS, PRUDENTIA, PIE- TAS IN RES SACRAS. IN PAUPERES, IN LIBERALES ARTES ET SCIENTIAS, IN NO- BILEM UTR1USQUE SEXUS JUVENTUTEM, MUNIFICENTIA INEXHAUSTA ET IN AEVUM PROFUTURA. Beym Riesenthor oder dem Haupteingang, unter der großen Orgel, 45 ) Hanns Staller-j- > 386 . 46) Agnes Witwe Bernards von Hartenstein -j-1492. 4 ?) der Bäckermeister Bernard Stab -j- 1848. 48) Johann Fetzer Apotheker -j- 1662. 49) Georg Lo- chinger, Kirchenmeister bey St. Stephan (ohneJah- reszahl) 5 o) Jakob Oberdörfer Domherr 's 1428. In und um die Tauf- oder E l i g i u s. C a- II. 2ahrg. Denkwürdigkeit,». x. S3&. 2 . ©eft. 4 5o Die Grabmähler im Innern d. Kirche. pelle. 5i) Blastus Engelhartstetter, Bürger ch a4g5. 52) Johann Keckmann Pfarrer zu Stätz und Lehrer der geistlichen Rechte ch i5i2. 53) die drey Söhne des Dyonis Keck 54) Wolf Fatzi zu Nidern Abstorf, Mautner zu Abs f i586. 55) und 56) zwey Grabsteine, worauf nur die Jahrzahlen i36o und 1497 lesbar waren, auf letzteren auch drey Hufeisen von Messing. Im nächsten Kirchenportale 5y) Leonhard Dillherr, k. Rath mit seiner Gemahlinn und Kindern, wovon das letzte 1695 gestorben ist. Gegen den Sebastiansaltar an der Wand 56) Paul Empfing, Bürger ch i566. 5g) Ludwig Seitz zu Seissenegg, Hoffuttermeister ch 1640 . 60 ) Johann Ulrich Penther, k. Rath und gemeiner Stadt Wien Buchhalter ch 1646 . Dieß Grabmahl hatte die Gestalt eines Altarblattcs. 6 i)Virgilius Canzler,Dom- probst ch r5o3. Hinter dem Leopoldsaltare an der j Wand des großen Thurmes 62 ) Michael von As q u i e r,k. Rath und Hofdolmetsch, ohne Jahrzahl. Auf der Erde 63) Thomas Haresleben, Baumeister bey St. Stephan ch iy33. Im nächsten Kircheneingange 64 ) Mart. Münch !. Kuchel- und Pfennigmeister ch i58g. Beym Eingänge in die Katharinacapelle 65) Georg Kuchler, dieser Kirche Bauübergeher f ij56. In der Capelle selbst. 66 ) An ton Wolfrath, Prälat zu W i l h e r i n g, darauf zu Krems m ü n- st e r, erster Fürst- Bischof zu W i e n ch i63g. Neben dem Eingang in die Capelle 67 ) T h 0 - m a s R e sch, gekrönter Poet und Domherr ch 1820 . Die Grabmähler im Innern d. Kirch c. 5 * 68) Wolfgang Meigsner, k. Rath ch 1870. 69) Joseph Stüder von Winkelbach zu Sulzberg, Hofrath ch »619. 70) Thomas Graf von Soltik. ^773. 71) Bernard von Liebenau ch 1602. 72) Hieronymus Franz, aus den Grafen von Colloredo, Erzbischof zu Sglzburg, Primas von Deutschland ch 1812. 78) Niklas Freyherr von Firmianch i 552 . 74) Anton Freyherr von Thun», des Erzherzogs Carl Truchseß ch i 55 i. 76) Johann Gschwind von Pöckstei»/ k. k. F. M. ch i 658 und seine Gattinn Maria von Schredlinger ch 1662. Bey dem Theklaaltare 76) Jakob Berthold Freyherr von Ung arschitz, Herr in Pottendorf k. Hofkammerdirector ch 1641. 78) Paul von S orba it, Leibarzt der Kaiserinn Eleonore und Anführer der'bewaffneten Universttatsglieder bey der türkischen Belagerung i 683 . Er starb 1691. Seine seltsame Grabschrift lautet: De stercore erigens pauperum Ps. 112. — Paulus de Sorbait in Belgio natus, hic denatus, Musicus, Orator, Philosophus, Miles, Medicus, Professor, Archiater, Rector Magnis icus, Mendicus, Nihil. Musicus fui, ut bonam vitae mensuram servare, Orator,, ut me ad bonum vitae epilogum dirigere , Miles, ut dura tolerare , Medicus, ut aliis serviendo me consumere, 4 * 52 Die Grabmähler im Innern d. Kirche. Professor, ut alios promovendo, me deprimere, Rector magnificus, ut privilegia defendere, Anlicus, ut aliis, non mihi servire discerem; At amara mors Et ad Musice modulationes Et ad Oratoris persuasiones, et ad Philosophi argumentationes, et ad Militis comminationes, et ad Professoris lectiones, et ad Medici Receptiones, et ad Rectoris defensiones et ad Aulici mortificationes surda, me rapuit. Nunc Mendicus sum et Nihil, Rogo te, ora pro me. Obiit anno 1691 die 29 Mens. Aprilis Aetatis LXVII. Annorum. •78) Die Tochter des Grafen Anton von Migazzi, k. Kammerherrn und geh. Raths, Capitäns zu Trient und Roveredo und Dorothea, Gräfinn von Arzt 1778. 79) Michael Kern, Rath und Hofbuchhalter. 60) und 61) vor dem Passionsaltar zu beyden Seiten des herrlichen Grabmahls Friedrichs IV. die Erzbischöfe Grafen Migazzi und Hohen- wart,letzterervon dem Altar des h. Johann von Kent. Unfern« ,82) das jüngst angekommene Grabmahl aus Florentiner Mosaik, des am 3 o. Dec. 1828 verstorbenen Ephesiner Erzbischofs und hiesigen Nuntius, Paul Leardi. 63 ) Bey den Eingangsstufen auf der Erde, der D i e Grabmähler im Innern d. Kirche. 53 rothmarmorne, mit messingenen Wapen und Buchstaben geschmückte Grabstein jenes edeln Bürgermeisters von Wien und seiner Genossen, die 1408 auf die finstere Eingebung Bischofs Berthold zu Freyfing , dem herrschsüchtigen Rachegeist Leopolds des Stolzen, auf dem Blutgerüste fielen, ein Opfer beharrlicher Treue, gegen ihren unmündigen Herrn Albrecht V. (IX. Heft, Seite 56 .) Sta, fle, plange, geme, mortalis homo, lege, disce, Quid labor, atque fides, quid mundi gloria, quid spes Prolis, divitiae, quid honor prosit, tribuatque; Ecce brevi saxo tres cives cerne sepultos: Conradum Vorlauff, Kunz Rampes- dorffer et Ilanns Rok. Magnificos etenim cunctis hac urbe priores, Officiis celebres, quos virtus, nomen honoris, Emeritos vixit; fortuna sed rota fallax Acephalos seria dedit una, quos amor unus Foedere civili conjunxit sic, quod utrinque Hic prior ille prior contendunt flectere colla, Sustulit infaustum sed Vorlauff tunc prioratum. Ao. Dni MCCCC. octavo post Margarethae. 83 ) Dem Carl Boromausaltar gegenüber, am Pfeiler, Leonard Freyherr Colonna von Vols, Obristen Feldhauptmann in Ungarn und Österreich, einer der heldenmüthigen Vertheidiger Wiens 182g Waffenbruder Niklas Salms, Johann Katzianers, Wilhelms Rogendorf, SigmundS von Dietrichstein, 54 D ie Grabmähler im In n e r n d. Kirche. Sigmunds von Herberstein, f * 545 . 84) Leonard Regner Rath und Landschreiber •{- * 536 . 85 ) Hieronymus Eysel von Pelcht ch *817. Neben dem Wechselbeichtstuhle am Pfeiler 66) Herrmann Freyherr von Kannegießer auf Dallr- schitz, Hofrath und geheimer Referendar ch *766. Am Pfeiler hinter dem Zosephsaltar 67) Elisabeth Freyinn von Megerlegeborne vonCastroch *7*0. Am folgenden Pfeiler 68) Werner Wolfinger, Kammerherr des Bayerherzogs und Pfalzgrafen Wolfgang ch* 655 .69)Joseph De France Kammerrath, Schatzmeister und Director sämmtlicher Gallerien. (ch 1761)-Am dritten Pfeiler 90) Augustin von Hirneis, Rathsherr, und Senior ch *7*3. — Seine Gemahlinnen Therese von Mezgern und Cäcilie von Albrechtsburg, seine Tochter Rostna und ihr Gatte Christoph Friedrich Reichsritter von Schmied zu Mayenberg. Nächst der Kreuzkapelle auf dem ersten Pfeifer, ober dem Weihbrunnen 91) Carl Ludwig von Gatterburg Hofkammerrath ch 1678, und seine Gattinn Elisabeth von Leoprechting ch *688. Von der Epistelseite des am folgenden Pfeiler befindlichen Altars auf der Erde 92) Michael Kurz hofbefrcyter Handelsmann ch *707. Am dritten Pfeiler 98) Peter Schürf Domherr zu Breslau 94) der Bischof Friedrich Nausea ch * 552 . 96) Johann Filer, Hofrarh Leopolds I. Am vierten Pfeiler 96) Alberr von Ägydy ch *722. Beym mittlern Eisengitter, am Pfeiler, am Die Grabmähler im Innern d. Kirche. 55 Eingang zum Musikchor und daneben 97) Ritter Niklas Pitti aus Florenz ch x 558 . 98) Heinrich Aiuiu- ger, Domcustos ch 1896. 99) Georg Reisch, Domdechant f 1675. xoo) Johann Oberbrücker von Oberbruck, Vicegeneral-Capitän in Ungarn ch i 5 x 5 . 101) Balthasar Scultetus Domherr ch i 6 i 3 . 102) die Bruder Anton und Gerard Lur von Lu>en- siein ch 1678. io 3 ) ?llbert von Rosenbergch »573, mit schon gearbeiteten Wapenschildern von Rosenberg, Dirnheim, Rüdt rc. 104) der Wiener Bischof Freyherr von Rummel ch 1717. io 5 ) der Wiener Bischof Graf Ernst Trautson ch 1702. — Rückwärts an der Wand 106) Rosina Eder, Gemahlinn des Reichshofraths Georg Edergeb. Gerchin- ger ch 1673. 107) Magdalena von Enschringen, Gemahlinn des Reichshofrathsprasidenten Freyherr» Johann von Reck. Die Traurson'sche Handschrift und aus ihr der Jesuite F ischer und mehrere AufzeichnungendeS letzt verflossenen Jahrhunderts enthalten noch sehr viele, theils ihrer Gelehrsamkeit wegen unter den Meistern der Hochschule berühmte, theils unter den altbürger- lichen Geschlechtern oder in hiesiger Stadt verburg- rechteter Ritterfamilien ausgezeichnete Verstorbene z. B. von jenem unferne des Hochaltares beerdigten großen Arzt B a r t h 0 l 0 m ä u s St e b er, der in dem ersten ungeheuern Schrecken der Lustseuche über diese geschrieben (X. 81) und in Mathias Corvins Todesjahre der Universität vorstand, ch 14. Jcinner i 5 o 6 . 56 D ie Grabmähler im Innern d. Kirche. Hypocratis normam, et sensa profunda Galeni, Et quae Romani, et quae docuere Arabes, Novi et grata fuit; sed et utilis ars mea multis : Hoc non artis erat vincere posse necem. Unter dem großen ausgebauten Thurm der Rector Pampelius und seine Gattin Barbara Prandt- nerinn, welche Beyde 1679 f,— der Rechtsgelehrte Johann Alexander Brassikan, dessen in Döbling und Herrnals, neben den I v r g e r n begüterte Familie , gleich ihnen, des politische)! Protestantismus eifrige Stütze war; — der Domherr und Schriftgelehrte AmbroS Salzer, — von berühmten Bürgern der Stadtanwald Matthäus Preu ch 19. Febr. 1697 (ein Einhorn im Wappen, der Stadtsyndikus und Rektor Victor Gampp, — die Pachleb, Herrn auf Oberwaltersdorf, die alle Würden der Stadt und der Hochschule bekleidet, — die Würsing, Ritter und Bürger (zwey Sterne im Schild), — der Bürgermeister Gelrich von Ravensburg, — die Entheimer, Herren mehrere Wechselbänke aufder Brandstatt und am Judenplatz, Martin ch 1476 Bürgermeister und Stadtrichter, — der Bürgermeister und Richter Paul Steurer ch 1600, — der Stadtrrchter Jobst Nagel ch i 5 i 8 , — der Münzrichter Wolf Liebhard, die Ed- lasberge, vom Land ob der Enns nach Ungarn übersiedelt und dort zu großem Reichthum gelangt, Ladislav der Stadtrichter ch *537, Herr des heutigen Federlhofes, damahls „beym Lasla am Lugeck" genannt , Christoph Salzoberamtmann ch » 54 i, Wolf Hannsgraf ch 1648, ihr Wappen, die Greifen und Die Gräber außerhalb d. Kirche. 67 feyerspeyenden Berg«/ — Ferdinand Friedrich Jllmer von Wartenberg Leopolds 1 . Leibarzt ch 1698,—die Moser von Ebreichsdorf am Fischmarkt, — die Poll- müllner von Millberg in der Wipplingerstraße — die Faffalot vom Kienmarkt, Schlehe» von Löwenstein, Pfeiffer von Schallenheim, und die Zahlheim am Graben, die Wenighofer, und Dietmeyer von Dietmanns- dorf aus der Kärnthnerstraße, DanielLazar Spriin- ger aus dem Gundelhof, Bürgermeister bey der Vertreibung der Juden und in der großen Pest, die P e i- ckart vomPeilerthor, dieTepser vonGutenbrunn, die beyden heldenmüthigen Stadthäupter in der zweyten türkischen Belagerung, Daniel Focky vom Kienmarkt und Simon Schuster nächst dem Bischofhof, Oberkämmerer und Stadtrichter. Der dritte dieses tapfern Kleeblatts, der Bürgermeister Hanns A n d r ä von Lieben- b e rg am Hof starb, leider wenige Tage vor demglor- reichen Entsatz und ruht bey den Schotten ic, rc. Die Gräber außerhalb der Kirche. Angefangen vom Hauptthor rechts gegen die Eli- giuskapelle: — 108) Simon Rückenbaum, deS äußern Raths, Hauptmaun im Wiedmerviertel und Handelsmann a 643 . iog) Elsbeth seine Hausfrau f 1632, 110) Wolf Lindner des äußern Raths ch i 556 . m) Katharina Spießin ch 1G70. 112) Georg Prügel des innern Raths, Superintendent des Bürgerspitals ch 160g und seine Frauen Walburg Eberlin und Barbara Buesinger. n 3 ) FranzHieß Steinmetz ch 1678. u4) Georg Brunncr, Steinmetz ch 1701. n8) 58 Die Gräber außerhalb d. Kirche. ii 5 ) der Grabstein dem Sattler Achaz Müllner und dem Wolf Bluemb, errichtet von ihrer Gattinn Elisabeth. 116) der Stadtrichter Jakob Himmelreich ch 1870, und seine Frau Katharina Freisleben f i 555 . An der Eligiuskapelle 117) Kaspar Gerff, Bürger und sein Weib Barbara f i 5 o 6 . 118) Johann Kopp, Bürger 119) Jsak Blezker Richter des Markts Gumpoldskirchench 1620. 120) Oswald Obern- dorfer Huebmeister in Österreich ch 1441. ,41) Philipp Ziegler bürgerlicher Eisenhandler ch 1847. l22 ) Wolf Eglauer Bürger ch löfi. Neben dem Seiten wundentho r,r 23 )die bereits 1 .89. besprochene, leider ganz verstümmelte Grabstätte d»S Otto Neidhart Fuchs, lustigen Rathes Herzogs Otto des Fröhlichen. 224) Andreas Feder Bürger f 1499. » 25 ) Sebald Stembler bürgerlicher Handelsmann ^ 1704. An dem großen, ausgebauten Thurm : 126) Franz Emerik k. Rath und Lehrer der Heilkunde ch i 56 o, seine Gattinn Anna ch i 555 und Sophia ch i 55 g eine Tochter des berühmten Rechtsgelehrten Philipp G u n dl von dessen Familie, der G u n d e l h 0 f heißt, der von den Strassern an sie gekommen. Schon früh war ein Gundel oder Gundelacher der Stadt Münzmeister; auch brachten sie zeitlich den Köllnerhof an sich. 127) Andr e a sP erla ch,Arztund Mathematiker-h i 55 n 128) Sebastian Huber zu Frain ch 1299. »29) Philipp Steyermüller, Bürger ch 1849. » 2 o) Gregor Spitzwekh -j- i 5 i 5 und seine Hausfrau Dorothea Ta- khenhauserinn ch »849. Lorenz Fleischer von Nürn- D i e Gräber außerhalb d. Kirche. 5 g berg »h * 54 i. i 32 ) Ladislaus Peziz von Komorau -j- * 566 . * 33 ) Jakob Kalkusbrunnen Priester fiöi-j. i 34 ) Carl Bigsalz zu Ascholring, Dienstmann zu Ko- morn ch * 35 ) Georg Sicgenfelder, Riemer ch »£517, (der kleinere Abschied des Herrn Jesu von seiner Mutter I. 6*.) * 36 ) Jakob Wanda Handelsmann zu Paffau f * 564 . 1^7) Carl Khrieoer bürg. Handelsmann ch *700. Von der Wohnung des ThurmmeisterS bis zum Ohlberge * 56 ) Mathias Feer Reichshvfkanzleyschreiber •f 1627 und Sabina Schick 's-* 636 . * 3 g) Adam Glar Landrechtszeugscommiffär f 1629. *40) Anton Knopp Baumeister ch *6*7. * 4 ») Niagdalena von Stampa, geb. Eyßlerinn ch * 56 * mit ihren dreyzeho Kindern 142) Johann Kran, Leinwandhändler ch i 5 g 5 . * 43 ) Johann Khlele, des innern Raths und Apotheker -j» *6*o. *44) Mathias Wiener, Reichskanzleyschreiber ch 1628. * 45 ) Leopold Gärtner Stadtrichter f * 6 o 5 und seine Frauen, Sophia Rueffin und Katharina von Tacko. *46) Johann Sträub Bürger und Kir- chenmeister -h * 54 ». (der größere Abschied Jesu und Mariä I. 62) 247) Raymund Sträub deS innern Raths ch *672. Beym Ohlberg und an der ganzen Rückseite des Domes. *48) Franz Lackner des innern Raths-h lbji *49) Licnhart Lakner Kirchenmeistee ch *5*7. * 5 o) Michael Grecht des innern Raths ch 1606. * 5 *) Michael Baumgartner bürg. Handelsmann ch *678.152) Otilia Ungelter geb. Besserer ch * 552 . * 53 ) Sebastin- nns Tengnagel juris consultus, mtione Belga, pa- 6o Die Gräber außerhalb d. Kirche. tria Gelder, domo Buranus Rudolphi II. Ma- thiae, Ferdinand! 11. aulicns consiliarius , bi- bliotbecarius, senatus reipublieae Viennensis praefectus , vir disertus , et XV linquarum peritus r bebraice, syriace, chaldaice, persice, arabice, turcice, aethiopice, grece, latine, italice, gallice, hispanice, germanice, belgi- ce, anglice. Sed ien tot linguas in uno viro maximo Phöbi et Musarum merore saeva mors intercludit. Prid.Non. Apr. Anno. MDCXXXVI. aetatis ejus anno LXI11. Jacet hic cum conju- ge Ursula Blotia, >.ata Ungelterin aTeissenhau- sen, Sueva, Idibus Maji Anno MDCCXXVI11 defuncta. Abi lector, £t horum manibus aeterna gaudia apprecare! 1 » 54 ) Georg Weingartner, Jngrossist der öfter. Kanzley -j-» 57 ».» 55 ) Peter Haller, k. Rath undPfen- ningmeister ch » 563 . » 56 ) Anton Gienger k. Rath bey der n. ö. Raitkammer »674 und dessen Gattinn Cäcilia geb. Hofmann -j- »578. 167) Anton Bor- maftin k. Hofsprachmeister (Verf. eines Werkchens über Wien)ch »718. und sein Bruder Jakob, k. Kammerdiener ch »728. » 58 ) Joh. Christoph Hinterho- fer Hauptmann über die Herrschaften der Kaiserinn Eleonore f 1664. » 5 g) Christoph Hillinger J.U. v. Paffauischer Officias in Österreich ch » 56 o. »60) Katharina Reich, des Kammerprokurators Eder Gattinn ch » 55 g »6») Kasimir von Seckendorf. Ritter zu Kirchsperg ss- »642. »62) Mathias Huber, Hof- Die Gräber außerhalb d. Kirche. 6 » cafsier f »653. i63) Dr. Jobst Wellinger und seine Ehefrau Barbara Lillin ^ »5rg. 164 ) der angebliche Grabstein der Ältern des CardinalS Klesel, wahrscheinlich vom Volke so genannt, weil «ine Webe und eine Bretze darauf waren. Von der Barbara - Capelle und dem unausgebau« ten Thurm bis zur Kreuzcapelle herab. i65) Oswald Kremmer Benefiziat, bey St. Stephan ch »555. » 66 ) Protucius Celtes, gekrönter Dichter und Lehrer an der Wiener Hochschule ch »5o0. Deo opt. max. Conr. Celti Protucio, Poetae, ostrofranco ex testamento pie positum in laurea (J/o} corona an Chr. MDV1I1. II. Non. Febr. vivit XL1X annos, dies tres. 167) Lörenz Zimmermann J. U. D. f 1574 . 168) Paul Haller von Hallerstein ch »536. » 6 g) und » 70 ) die Buchführer Johann Metzgerch 1846 und Paul Straßer f » 556 . »71) Anton Rapolti und Anna Wiedmanin, seine Hausfrau ch »554. 1 1 a ) Gabri- e l Kremerch »566, Philolog und Rechtsgelehrker und wiewohl erst 24 jährig, doch auf vielen Hochschulen Frankreichs, Deutschlands und Italiens bekannt. 178) Wolf Kremer k. Rath und Einnehmer in Ungarn und Österreich -j- »564. » 74 ) Niklas Kerner, des äußern Raths + » 567 . »78) Moriz Frey« 6s Die Grabe» außerhalb d. Kirche. he«« von Peschitz, Obrister der Reiterey, Reisender in drey W e ltt heilen und am h. Grabe zu Jerusalem f 1674. 176) Mathaus Huber Bürgers » 556 . 177) Balthasar Beugt Kammersekre- tarch» 566 . 178) Albrecht Druck», des äußern Raths f » 585 , 179) Georg Haunprunner, des innern Raths «640. 180.) Ioh. Bap. Reuchel von Schwarzenthal, Ritter des goldnen Sporns, päpstlicher Pfalzgraf und Notar, fürstliechtensteinischer und des Erzherzogs Leopold Wilhelm Rath -j- 1642. 181) Barbara Scherin Gem. des Regierungskanzlers Bernard Walter ch « 463 . 162) und i 83 ) der Grabsteine von Eva Katzbeckin, ihren beyden Ehegatten gesetzt, dem Rathsherrn Christoph Kirchstetter f 1608 und dem Kanzler Christian Schäfler, einem eifrigen Förderer der Gegenreformation 164) Regina Raport, Bürgerstochter-j-»7» 5 . i 85 ) Katharina Scherin Gem. Jakobs Pauker, des äußern Raths 186) Äonrad Brambeer, Rath und Bürgermeister ch i 655 . 187) Andreas Ebner Eisenhändler ch » 64 ». >66) Stephan und Thomas Scher Bürger -j-j- » 552 . »562. »69) Ioh. Georg Sartori Regierungsrath ch »726 »90) Michael Schabenrießel Bürger und Salzer ch » 552 . »9») Ägid Hubmeyer, Laubenherr und Bürger ch » 54 ». »92) drey Töchter des Hauptmanns Dietrich von Hartisch Hauptmanns zu Odenburg »98) Peter Hofmann Fleischer ch 1643. »94) Daniel Reindl ch »602. ig 5 ) Daniel Graa, Hofzuschroter ch »6»4.196) Kamilla geb. und verm. Gräfinn Veterani f 172», Tochter des ge- Die Gräber a'uß e rhalb d. Kirche. 65 gen die Türken gebliebenen F. M. von dem die v e- teranische Höhle den Nahmen tragt. Von der Kreuz - Capelle bis zum Hauptthor: 197) Georg Hesch deS innern Raths und Maria Ger- beriu f 1609. 198) Kaspar Aichinger von Neubur^ am In». f i 6 o 3 . 199) Quirin Teininger von JnnS- bruck ch i 5 i 3 . 200) Georg Engelhard Bürger ch a 56 o. 201) Colomann Scheu, Stadtunterkämmerer ch1596. 202) Mathaus Hauer von Türnitz -f- i 5 i 5 . So 3 ) Friedrich, Caspar und Lorenz Schmidt, Rathsherrnsöhne von Breslau, der hier in Studien, schnell nacheinander gestorben, der erste i 56 j zu Klosterneuburg ertrunken. 2ost) Johann G ößl n y ß. Reg. Rath f i562. 2o5) Georg Herbst des innern Rathes, Superintendent des Bürgerspitals ch 1602 und seine Gattinn, Maria Engelhorninn f i 5 gi und Margarethe Stohrerinn f i 5 g 4 . — 206) Augustini Apothekers 1809.207) Andreas Wolf von Volkach in Franken ch i 566 . 207) Sebastian Kobler von St. Gallen ch » 566 . An der 1781 abgebrannten Ma g d alen a k ijr* che, zwischen dem Dom und den Alumnate, am Ste- phansfreythof, waren die Maale. 208) des Generals Michael Lachprunuer von Palrhausen. (ch 20. Aug. i 636 .) Er war ein Bürger Wiens, hatte durch 58 Jahre in 22 Schlachten und gar vielen Scharmützeln wider Franzosen, Türken und Schweden gedient und war unter vielen Abenteuern 3 Jahre zu Constantinopel und 2 Jahre in Schweden gefangengelegen. — Das Bürgergeschlecht Mangold 64 Die Gräber außerhalb d. Kirche. hatte gleichfalls bey St. Magdalena seine Ruhestätte und es ist für die Topographie des Rathhauses bemer- kenswcrth, daß2og)ein 1732 verstorbener Anton Hin- termayer, Hausmeister und Lustgärtner im Rathhaus gewesen. Auch lag hier ein berühmter Tonkünstler, 2ro)3»hannGiersner,K. Mathia'sHof-und Kammer, dann durch 29 Jahre Organist bey St. Stephan. -f-1626. 211) Mathias Altpecker, Bürger ch 14^7. 212) Georg Wolfsbergerund sein Weib ch 1647- 2 r 3 ) Wolf Mangolt des innern Rathes-f-i 54 y. (dabey ein Ohl- berg mit einem von i 5 Bischöfen verliehenen und von Diocesan Gotfried von Paffau bestätigten Ablaßbrief ,474. 214) Mathias Kolb von Kolbenthurm aus Tyrol ch 1697 der vorzügliche Gründer, der Linzer Wollcnzeugfabrik. 2 i 5 ) Stephan Burgstaller, des königlichen Stadtsrechts auf der Bürgerschranne Beysitzer f i 54 g. Unter den gänzlich verschwundenen Grabmählern in der unterirdischen St. Vigils - und Erasmus- Capelle am Stephansfreythof gehören auch jene der berühmten Bürgergeschlechter Chrannest (Jakob H am St. Oswaldstag 1^47) und der Hc i p p er- ger (Matthäus, der berühmte Mäcen der Gelehrten und Künstler und Reisende nach Italien, f i 5 i 5 , am Sonntag nach Apollonia, seine Gattinn Martha aber , 5 o 4 > Anna die heippergerische Erbtochter mit ihren beyden Männern Hanns Kleeblatt und Christoph. Eit- > zianer, beyden bürgern des innern Raths, ch i 542 .) die Flausch, ansehnliche Leinwandhändler, die 65 Reliquien- Schatzkammer. Beck von Leovoldsdorf und mehrere Kinder vom Hause der Grafen Schlick zu Paffaun und Weißkirchen, der gelehrte Domherr Pecer Petiperin von Druntrut ( f 3o. May 1674 .) Denefidiat und Erneuerer dieser beyden Capelleure. Von den irdischen Überresten, welche hier ihrer Urstande entgegenschlummern, gehen wir über zu der R e l i q u i e n » S ch a tz k a m m e r. Überreste derHeilige» galten von jeher den Gotteshäusern für einen theuern Besitz und insonderheit, nicht für die geringste Ausbeute, welche die Kreutzfahrer aus dem Morgenlande heimbrachten. Der Schatz des Wienerdomes rührt vorzugsweise von dem Stifter Rudolph her, der ihn i363 seiner neuerbauten Hofeapelle gab, i365 aber die von ihm selbst und auch die von seinem Vater Albrecht gesammelten Reliquien nach St. Stephan übertrug, den Würdenträgern und Ältesten des neuen Capitels und dem Stadlrathe, die Schlüßel dazu gab und vom heil. Stuhle den Fluch der Kirche wider jeden unheiligen oder frommen Räuber verkünden ließ. — Bald nach ihm erscheint urkundlich ein geistlicher und ein weltlicher Custos. Diese reichgeschmück- ren Reliquien wurden in der Kirchweihe nach dem sogenannten Heilthu msstuhle getragen und an den beyderseitigen i5 Fenstern dieses Schwibbogens dem Volke gezeigt. — Die gegenwärtige Schatzkammer befindet sich an der Epistelseite des Hochaltars. II. 2ahrg. Denkwürdigkeiten. I. Bd. 2 . Heft 5 66 Reliquien - Schatzkammer. An der alten Schatzkammer - Thüre hinter den Chorstühlen befinden sich folgende zwey Grabschriften: I. Anno milleno. tricent. [XL. quoque septem, sabto, sub terna, Fridericns nascitur ho- ra, Älb er t i natus ducis , Australisque Joan- nae Principis, aeterna sabti decessit in hora vivis ex membris , Idus quartaque Decembris Anno milleno C. ter LX. que secundo. II. Anno Domini MCCCLXV. post festum Ja- cobi Apostoli dominica proxima obiit in Mediolano, Dominus RudolphuslV. DuxAustrie, Styrie, Charinthie, Carniole, Princeps illustris simus, terarumque suarum potentissimus, hujus praepositurae fundator, qui Dominam Cha- t h a r i n]a m filiam Domini Caroli IV. Imperatoris gloriosissimi habuit consortem. Iste enim Rudolphus Comitatum Tyrolensem augendo adjecit ad Austrie principatum. Die Reliquienkammer führte den Nahmen der ^schönen Heilthumssakristey." — M. Theresia pflog hier ihrer Andacht an den großen Bethtagen. In zwölf Kasten von Tischlerarbeit, mit vielfacher Verzierung ünd Vergoldung enthalt jsie über zweyhundert heilige Überreste vom Schleyer der Mutter Gottes (seit der Kreuzfahrt Barbaroffa's 1290 hier befindlich,) und der Dornenkrone Christi, dann von Leibern der Heiligen Stephan, Johannes deS Reliqui en-Scha tz k a m m e r. 67 Märtyrers , Paulus, Nikolaus, Theodor, Urban des Papstes, Gervastus, Protasius, Adauctus, Qui- rin, Fabian, Vitus, Laurenz, K olo m a 11 n. Morandus, KosmaS und Damian, ferner von der heiligen Elisabeth, Archemia, Constantia, Verena und Kunigundis rc. rc. — Auch ward hier das berühmte Gnadenbild„die Hausmutter" aufbewahrt, einst ein Eigenthum des Frauenklosters zurH i m m e lp f 0 r« t e, das jetzt in der Eligiuscapclle steht. Rudolph hatte diese Reliquien theils vom Papste, von seinem Freunde Ludwig dem Großen von Anjou- Neapel, llngarns und Pohlcns gewaltigem Konig, theils von dem Dauphin Carl, Sohn des in England gefangenen Königs Johann, vom Reichserzkanzler von Mainz, vom deutschen Orden, durch seinen Commenthur Mangold von Brandeis, als das liebste Geschenk erhalten. Einige hatten die alten Habsburger aus dem heiligen Lande mitgebracht und an diesem und jenem helvetischen Münster untergelegt. Viele der Landeshoheit Rudolphs unterworfenen Hochstifter und Kloster steuerten bey. Die Reliquien wurden im sey« erlichen Zuge, mit Sang und Klang, mit Lichtern und Fahnen empfangen und nach St. Stephan (oder wie » Rudolph v e r g e b l i ch dem Dom genannt wissen wollte „nachA l l e r h e i l i g e n")geleitet,mit Gold und Silber und mit schöner Arbeit geschmückt und von Rudolph selbst gefertigte Zeugnisse enthielten ihr Beglaubigung: äußerst merkwürdige Urkunden, die kaum ihres Gleichen haben, denn aus keiner, tritt Rudolphs Bestre- S * 68 Reliquien-Schatzkammer. ben so deutlich bervor, zuwider der Hinterlist und Gewalt seines Schwiegervaters Carls IV. Habsburg zu erhöhtem Glanz, und obgleich die Kaiserwürde seit Friedrich dem Schönen von ihm gewichen, obgleich Carls neues Reichsgesetz der g o ld n e n B u l- l e, es durch die Errichtung eines geschloßenen Kurfür- sten-Rathes, (ganz gegen den Inhalt der Hausprivilegien) in den Rang der Fürsten zurückzudrängen strebte, in seiner alten Würde zu behaupten, und auf gleicher Höhe mit dem jetzt herrschenden Kaiserstamm von Luven bürg. — Auf dem äußerst merkwürdigen Siegel ist Rudolph in Harnisch, Fürstenmantel und Krone, unter einem Baldachin stehend, mit Schwert und Scepter, rechts und links die zahlreichen Wapenschilder : „Rudol phgeboren am A l l e r h e i l i g e n t a g e" schwebt fast nach der Weise einiger kaiserlichen, Monogrammen um sein Haupt. — Rudolph, des Herzogs Albert und der Herzoginn Johanna Erstgeborner, von Gottes Gnaden des h. röm. Reichs Oberstjagermeister (was auch die beyden Hirschen, auf die er tritt, bedeuten) steht am Rande dieses und am Rande der andern Seile des Reitersiegels : „Rudolph IV. von Gottes Gnaden P fa l z- Erzherzog (Palatine Arcliidux) » o n Oste r- reich, Steyermark, K ä r n t h e n , Schwaben und Elsaß, Herr zu Krain, zu Portenau und auf der windischen Mark, geboren im Jahre des Herrn i33<}. Reliquien- Schatzkammer. 69 Am äußeren Rande des herrliche» Jnsiegels läuft die Inschrift herum: Österreich ist das Herz und der sichere Schild des Reiches. Also bezeugt es der erste Kaiser Friedrich in dem Bries, den er mit goldener Bulle kräftigte." Imperii scutum serturque cor Au- stria tnfnm. Primus Fridricus testatur caesar aus;, illud scriptum quam roborat aurea bulla.) — Der Helm hat eine königliche Zinkenkrone und einen große» Busch von Pfauenfedern, das Streitroß an der Stirne das Kreuz und den aus einem Kronreif hervorschauenden Adler. Der Herzog führt den Querbalken am Armschild, den Panther in der Fahne, Schwaben und Habsburg und das mütterliche Erbe von Pfyrt aber in den Schilden der Pferdedecke. Dieß ganze Siegel ist mit Adlern besäet. Auf dem pedestern Siegel sind die fünf Adler, die Lazius in seinen archäologischen Träumereyen von der L e rch e n leg io n, (in denen er nach seiner Gewohnheit, auch den Ortilo verbessert haben mag,) für Lerchen nahm und die alsdann durch eine Reihe von Mißverständnissen seiner Nachbether, durchaus Lerchen blieben und das irrige Wapeu des Landes unter der Ens wurden. Wie Rudolph durch den Pfalz-Erzherzogstitel, die Gleichheit mit der Kur würde und durch den Obe r st säge r meister, (arcbimaAister venatorum,) das derselben anklebende Erzamt ausdrücken wollte, so stellen die fünf Adler auch die fünf 70 Reliquien-Schatzkammer. großen Neichsfahnenlehen, die fünfHerzogthü- mer vor, die auf diesem Siegel genannt sind und den einen und untheilbaren Complex des Pfalz- Erzherzogthums bilden sollten.— Wenn mehrere Provinzen irgend ein nämliches Wapen führten z.B. einen Adler, eine Lilie, so war es ganz gewöhnlich, daß das Bild nach der Länder Anzahl, wied erhohlt, daß auch wohl das ganze Schild mit Adlern oder Lilien besä er wurde. Auch Rudolphs Unterschrift ist hier; auch seine Bekräftigung (hoc est veram) „dieß ist wahr." Beydes in der gleichzeitigen Diplomatik sehr selten. Nicht minder kömmt Rudolphs Geheimschrift auf einer dieser Authentiken vor und der Nahme des hierbey gebrauchten Notars Rüdiger, der auch in den Briefen der dazumahl in den alten Herzogshof zu Wien aufgenommenen Karmeliten erscheint, sich von Hentschon nennet und den Constanzer Sprengel, als seine Heimath angibt. Aus den Werkzeugen, deren sich Rudolph bey der Grundlegung des ausgebauten Thurmes bediente, wurde 1496 ein großes silbernes Salvatorbild von 66 Marken 3 Loth verfertigt. Auch war ein Schild mit dem österreichischen und anjouischen Wapen und den Bildnissen Mariens mit dem Kinde, der heilige Jakob und Katharina vorhanden, aus der Kappe von Rudolphs Drautrock verfertigt. — Mit Recht bewahrt die Schatzkammer sein auf Pergament gemahltes Ebenbild, als ein theueres Kleinod. 7 * Di e Sakristeyen und die Orgeln. Der Dom hat zwey Sakristeyen, die obere oder alte entstand bald nach dem blutigen Bruderzwiste zwischen Friedrich IV. und Albrecht »466. „Am ' Sonntag Ecce Deus hat man gedeckt das Dach auf dem neuen Sagerer (sscrurium) sagt eine städtische Urkunde. Sie wurde i 58 o von I. M. Schweigen- kessel mit Kupfer gedeckt, »694 erneuert, 1718 also erweitert, daß die Inschrift die Wahrheit spricht: „Diese Sakristey ist wehrend der Ambtirung deß Herrn Joseph Hartinger Bürgermeisters, und Herrn Johann Franz Wenighoffers Senioris wie auch Herrn Leopold Friedrich Pfäffers deS äußern Raths, und Verwalter dieser Haubt Thumb Kirchen zur St. Stephan von neuen erbauet worden" —■ und zwar ganz aus Quaderstücken. Das zierliche Portal von schwarz und weißem Marmor stellte, so wie den Hochaltar und das Oratorium der Bischof Breuner her. Die untere Sakristey hatte schon in RudolphS Tagen zwey Abtheilungen, aus denen die innere oder sogenannte heimliche Sakristey, einst sowohl den Schatz als das Archiv der Kirche und der hohen Schule bewahrte-— 1781 wurde sie beträchtlich erweitert. — Die Stukadorarbeit, so wie die, in beyden Sakristeyen vorhandenen Deckenge- mählde von Martin Altomonte, sind von entschiedenem Kunstwerth, weniger die Standbilder auS Marmor bey den Lavoren. Was zu diesem Ende R a- phael Donner verfertigte, Hagar in der Wüste 'jz Sie Sakristeyen und bit Orgeln. und die Samaritanerinn am Brunnen, verehrte der Cardinal Kolonitsch nach Hofe. Er harte bey diesem Meister auch einen äußerst kunstreichen metallenen Ofen bestellt, an dessen Ausführung aber der Tod ihn verhinderte. Aus' den Orgeln des Domes befindet sich die größte rückwärts auf dem steinernen Chor. Georg Neuhauser, durch lange Jahre Kirchendiener bey St. Stephan und darauf bürgerlicher Branntweinbrenner (ch i. May >724) verfertigte sie. Sie ist im Gebrauche des Sommers jeden Sonntag und wenn der Hof den Dom betritt. Die zweyte war oberhalb der untern Sa- kristey. Sie verfertigte i5c>7 Burkard Tischlinger und der weit und breit berühmte Jakob Königsschwert von Zwertl verbesserte und erneuerte sie 1644. Sie wurde i 563 mit dem erzbischöflichen Oratorium durch einen Gang verbunden, welcher die hölzerne Emporkirche hieß, Gottfried Samholzer stellte sie 17Z0 fast ganz neu her. — Die dritte beym Perri und Paulialtar auf dem steinernen Chor, an dessen Fuß sich Pilgrams Brustbild befindet, ist nicht mehr vorhanden. Sie zählte beynahe ein halbes Jahrtausend und gehörte den Tagen Albrechts des Lahmen. Ihre Vollendung wird meist auf das Jahr x 336 gesetzt. — Christoph Vogel hat sie 1678 erneuert. Die vierte auf dem Musikchor, dem kaiserlichen Oratorium gegenüber, ist von Ferdinand Römer 1701, die alte Orgel kam nach der Abtey Heiligenkreuz. 73 Des Domes übrige Denkwürdigkeiten. — Die Dächer. — Die Glasgemählde. — Die Hcidenrhürme. — Der große vollendete und der unausgebaure Thurm. — Die Aussicht. — Die Glocken. — Der Ziegeldecker Rest sytko nimmt den Mond ab und setzt das Kreuz auf. — Die Uhr. — Die Aufgänge, und die Thurmwächter. — Der kleinste Stein und das größte Brot. — St. Capistrans Kanzel. — St. Colomans Stein. — Das Abendmahl unter beyden Gestalten (sub utraque) — Die Oratorien. — Die Brü- derjchaften oder Zechen. — Die Prozessionen des Fronleichnams und nach Mariazell. Die im I. Hefte mit vorzugsweiser Hinsicht auf die bildende Kunst enthaltene Schilderung des Stephans-Domes/ seines ältesten Theils mit dem Haupteingange gegen Westen, des Äußeren der beyden Langseiten und des Chores, —- des großen Thurmes — und des Innern der Kirche, ließen noch einige, theils rein geschichtliche, theils topographische Bemerkungen übrig, die wir hiermit geziemend nachtragen. Die beyden ungeheueren Dächer, wovon das vordere, vom Stifter Rudolph herrührend, vom Riesenthore bis zu den zwey großen Thürmen reicht und 17 0 5 1/2 hoch ist, das andere von Friede» 74 Die Dächer. rich IV. erbaute aber io° 1', sind beyde mit halbrunden , glasirten Ziegeln von rother, weißer und grüner Farbe gedeckt, die in mancher Sonnen - vorzüglich aber in der Mondbeleuchtung, einen wunder- seltsamen Anblick gewahren. Beyde umgeben ringsherum von Außen, Gänge von schöner Steinmetzarbeit. Zu beyden Dächern führen steinerne Schnecken- stiegen und bis auf den Giebel des höhern Daches, 6 hölzerne Stiegen. — Auf seinem rückwärtigen Giebel liest man das Jahr 1490, in welchem der fremde Eroberer Mathias Corvin hier seinen plötzlichen Tod fand, der an der Wiege seiner Vater heimkehrende Maximilian aber, von der Bürgerschaft im Triumph nach St. Stephan einbegleitet und in welchem beyde Dächer mit einander verbunden wurde». — Beym Wetterhahn war die Jahrszahl 1660 ein- gehauen. — Die Hauptstämme des Dachstuhles allein belaufen sich auf 2689. Die Kirche ist ganz aus Quadersteinen aufgeführt, die alle nach der Schnur behauen sind. Sie ist »ach Oggeffers Messung, 87" lang, die größte Breite zwischen den zwey großen Thürmen 87 , die vordere Breite 24 Wiener Klafter, die äußere Mauer über i 3 "hoch, die Wandpfeiler 7' dick. Die Gewölbe ruhen auf 18 Pfeilern. Das größte von einem Pfeiler zum andern hat im Umkreise »4" 4'. Die 3 o großen, bis an die Gewölbe reichenden Fenster der Kirche, waren mit den herrlichsten Glasgemählden bedeckt, wovon jetzt nur am Hochaltar und an der Tauf- oder Eligiuscapelle, einige wenige aus andern Die Glasgemählde. 76 ergänzte mehr übrig sind. Noch Ferdinand I. schenkte der Kirche fünf Fuhren solcher Glasgemählde, aber später fand man, daß dieser vielfarbige, glühende Schein die Kirche zu sehr verdunkle!! und die Fenster wurden schon 1646 großtencheils mit ungemahlten Scheiden und endlich 1786 mit Tafeln in eisernen Rahmen geglaset. — Nicht wenigen mag es ergangen seyn, wie den, der Geschichte Österreichs unter den B a b e n b e r g e r n angehangen Fenstern bey Maria Stiegen, die als sie zur Ausschmückung des Ritterschloßes von Lachsen- burg herausgenommen wurden, ein ungeschickter Maurer umschlug und einige zum unersetzlichen Schaden der Kunstgeschichte zerschmetterte!! In der Taufca- pelle allein, hatten sich aus einer langen Folgereihe, die Bildnisse der ältesten in Österreich regierenden Habsburger erhalten. Nach L a zius sah man in diesen gemahlten Glasfenstern, Abbildungen aus der Geschichte des Landes, der Herzoge, der Stadt. Aus letzten erwähnen Wir nur die bekannte Anecdote vom Reichthum der W i e n e r B ü r g e r, deren einer dem Fürsten in großer Noth, ohne Zinsen Geld dargeliehen und es ihm, der Menge wegen, nicht zugezählt, sondern zu gewogen habe, weßhalb ihm des Landesherrn Wapen, mit eben dieser Schüssel in daS seinige aufzunehmen, verwilliget worden. Was die Thürme betrifft, so sind die zwey vorderen, kleineren, vom Baue des Jasomirgott noch übrigen, bis zur Spitze, ganz aus Sreinen aufgeführt. Ihr Alter und ihr byzantinischer, neuerer Zeit fremdartiger Bau, mag ihnen den Volksnahmen der 76 Die Heidenthürme. „H e i d e n t h ü r m e" gegeben haben. In den großen Feuersbrünsten unter Ottokac schmolzen die Glocken. — i63i wurden sie bey den obern Gängen mit neuen O.uaderstücke» versetzt/ die alten Zierden/ Kreuz, Krone und Wetterhahn abgenommen und die beweglichen Standbilder der heil. Stephan und Lorenz aufgesetzt. In jenem der Heidenthürme gegen Norden, oder gegen den Bischofhof ist, wie in dem andern, eine schone und geräumige, dem Raume nach, noch dem ältesten Bau angehörige Capelle, mit einem kargen Überrest der ehemahligen, durchaus gemahlten, mit Inschriften und Wapen, historischen und religiösen Vorstellungen bemahlten Glasfenster. Hier findet sich ein sehr schöner, etwa den Tagen Albrechts IV. oder V. angehöriger Altar, mir aus Holz geschnitzten Heiligenbildern und schön bemahlten Flügelthüren, welcher wohl statt manches modernen, geschmacklosen Altars - in der Kirche selber zu stehen verdiente. Hier findet sich auch der, von der aufgehobenen Himmelspforte hierher übertragene Leib St. Valentins, die Ebenbilder einiger dortigen, im Rufe der Heiligkeit verstorbenen Nonnen, die Ebenbilder der fünfzigjährigen Jubel- seyer der Bischofswürde des Cardinals Migazzi und des von Pius VI. selbst, bey St. Stephan gehaltenen Hochamtes mit dem herrlichen Sessel, worauf er damahls geruht, — die prächtigen Ornate von der Kaiserinn Eleonora und Theresia und vom Bischof Breuner. Der Nahme der S ch a tz k a m m e r ist auch diesem Ort nur als Antiquität noch eigen, denn von den alten und neuen Schätzen der Kirche, ist seit der Die H e id en t hü rm e. 77 Punzirung, Silbereinlieferung und den übrigen Finanzoperationen binnen einer beynahe 25jährigen beyspiellosen Kriegsepoche, Nichts mehr übrig. In dem Heidenthurme gegen den Bischvfshof war das älteste Oratorium der Landesherr». Noch ist beym Eingänge, in Stein gehauen, der kaiserliche Doppeladler, aus neuerer Zeit. Im andern Thurme sah man den Schild Österreichs, sehr schon in Glas gemahlt. In beyden Thürmen hangen sechs Glocken, die 1772 in einer sehr angemessenen Zusammenstimmung umgegossen wurden. Die größte von beyläufig 80 Centnern von Franz Joseph Scheichel, einem Wiener, gegossen, besagt, daß ste unter Theresia und Joseph II. 1772 vom Cardinal Miggazi geweiht und auf Antrieb der Kirchenverwalter Reimund von Zahlheim und Joseph Ferdinand Schweidler, unter dem Bürgermeister Leopold Franz Gruber dieß wohl zusammenstimmende Geläute bewerkstelligt worden sey. — Auch hing hier einst die Fürstenglocke oder Zwölfe rinn, unter Rudolph von Habsburg gegossen und 1509 unter Map I. umgegossen. Sie trug die charakteristische Aufschrift, über welche auch Schillers Lied von der Glocke, nur eine sehr angenehme Variation ist: Aes hoc campana Nunquam denuntio vana Bellum vel Festum Flammam vel Funus honestum ? 8 Die Heidenthürme. Nomine me fudit Conradus ab urbe Monaco. (München). A. D. 127g. Im andern Thurm gegen den Bischofshof hing die, »487 gegossene und 1772 gleichfalls umgegossene, Bierglocke, der gemeinen Meinung nach, also genannt, weil man mit ihr das Zeichen zur Schließung der Schenken gab. — 1459 inmitten der blutigen Unruhen wegen des Bruderzwistes zwischen Friedrich und Albrecht, wurde verordnet, daß nach der Bierg locke Niemand mehr ohne offenem Licht auf der Straße sich zeigen solle. Vorher wurde dieß Zeichen mit einem großen Horn gegeben , das zwar 1449 durch wildes Feuer, d. i. durch den Blitz ausbrannte, aber 1480 durch den Orgelmeister Ehrhart wieder hergestellt wurde, istbo hatte der junge König LadiSlaw, verbothen „nach dem Hvrnplasen," ohne Licht über die Gaffe zu gehen, ein Befehl, der leider in dem Zwiespalt der -Reformation, vorzüglich um der bey Nachtszeit oftmahls frevlerisch angefallenen katholischen Priester willen, erneuert werden mußte. Das I. Heft enthält das Nöthige über die Baugeschichte und über die abweichenden Hö h e nmes- ungen des großen, ausgebauten Thurmes. — Wir tragen hier nach, daß die Spitze, (deren Abweichung von der vertikalen Lage, 5 ' 1 1/4" beträgt) wegen häufiger Beschäftigung durch den Blitz, dem Einsturz drohte. Nur die Nahmensvettern Gregor Häuser, Steinmetz und Baumeister bey St. Stephan 79 Die H e i d e n t h ürm e. und Leonard Häuser, Ma/s I. Jäger und darauf Hauptmann (I- "5—» 28 ) hatten den Muth, die gefährliche Herstellung zu unternehmen. Sie bestiegen den Thurm und zerstemmten den Giebel in kleine Stücke, die sie nach und nach herabließen. Die Gleichrichtung der sehr dicken Eisenstange, an welcher der Gipfel ruht, kostete ungemeine Arbeit und Geduld und wurde erst nach mehreren Jahren durch Kohlenfeuer zu Stande gebracht. * Dieß meldet der, in eben diesem Münster ruhende Zeitgenosse Cuspinian und eine Erztafel am Thurmknopfe sprach Folgendes darüber aus: Anno Domini i5i4- Mense Majo, Imperatore Caesare Maximiliane Augusto, Austriae Archiduce assentiente, Senatuque Viennensi curante, liuic turri coronis, ruinae metu, summa industria dempta, ipsaque pyramide, qua deficiebat, refecta, anno demum xbrq. Mense Julio reposita est, ad cujus quartum Calendas in Maximilian! locum, qui pridie Idus Januarii ejusdem anni decesserat, Carolns Hyspa- niarum Rex Catholicus legitima electione Rom. Imperii fastigium conscendit, orbi, ac cum Fratre Ferdinande Austriae Imperans feliciter etc, Hans Dyring Goss mich. In eben dem allgemeinen Jubel über die Wahl Carls V. zum römischen Kaiser i5ig wurde der Gipfel durch eine ganze Nacht mit Pech und Schwer felfeuer beleuchtet. Dem Baumeister aber kostete der So D i e Heide nthürmer. Spaß das Leben, durch den widrigen Wind, Rauch und böse Ausdünstung. — iÖ22 wurde das Gewölbe für die Thurmwächter erbaut.— In der ersten türkischen Belagerung ab2g litt der Thurm bedeutend, obgleich es eigentlich Minen krieg und Stürme waren, durch welche die Türken der Stadt am heftigsten zusetzten. — i 562 wurde der Thurm wegen der Ankunft des Erzherzogs Maximilian mit seiner Gemahlinn Maria aus Spanien, mit Laternen beleuchtet. i562 vollendete der Baumeister S a f- foy das neue Gewolb ob der großen Glocke und im Znly stürzte ein Thurnerknabe, vvm Aufzugrad, 5o Klafter hoch, in die Kirche herab. — Als 1677 Ru- dolph II. als gekrönter römischer Kaiser nach St. Stephan zog, flog ihm ein künstlicher Adler, an einem Rennseil, von der Spitze aus den Stephansfreychof herunter entgegen. —Das große Erdbeben von lögo erschütterte den Thurm gewaltig und krümmte insbesondere die Helmstange, worauf der Knopf ruht. Wie unter Friedrich IV. wurde bey der Ausbefferung a5gl der Kalk mit Wein angemacht und starr der steinernen, eine kupferne vergoldete Kugel mit einem Stern und bewegliche» Halbmond aufgesetzt. — Nach dem glorreichen Enlsatze Wiens i683 beschloß Leopold I. statt des erbleichenden Halbmondes, das siegreiche K re u z auf diesen Thurm aufsetzen zu lassen, welcher noch mehrere Spuren türkischer Kugeln tragt, bey deren einer „schau du M u ch a med du Hund !" angeschrieben ward. Das Dach hatte in beyden türkischen Belagerun- Der Ziegeldecker Nessytko. 61 gen von 1829 und >633 vorzüglich gelitten. Eine einzige Kugel fiel das letzte Mahl ins Innere der Kirche und zwar gerade unter der Predigt (i. Aug.) an den Kanzelpfeiler prellend und von mehr als tausend Zuhörern eine einzige Bürgersfrau beschädigend, der sie die Füße zerschmetterte. Niemand wollte sich zu jenem luftigen Geschäfte finden. Zwey Werkleute erbothen sich endlich dazu, der eine um 5 ooo, der andere um 7000 Gulden. Zuletzt fand sich um tausend Gulden und neues Gewand für sich und seine Söhne, ein Troppauer Ziegeldecker, Ressytko. Am 12. July 1686 gegen Mittag begann nun er und seine Söhne ober der Uhr auswendig auf dem Gange, sein einfaches, nur wenige Gulden kostendes, aus mehreren Pfosten und wohl unter einander verbundenen Leitern bestehendes Gerüst. Am 14. July Vormittags zog er aus des Bürgermeisters S ch u- ster Hause, mit einer großen, schwarz und gelben Fahne, während sein Sohn vor ihm hergehend, die Trommel schlug, um den ganzen Frcythof herum, bestieg den Thurm, schwang diese Fahne auf der Rose gegen alle vier Weltgegenden und band sie an die höchste Leiter. Nachmittags machte er mit seinen zwey Söhnen den Stern sammt dem Monde los, legte ihn an die Rose, schlug die Trommel, trank der zahllo- sen Zuschauer Gesundheit aus sechs blechenen Bechern, die er alle nach einander, nebst einem Sack voll Obstes Herunterwarf, zuletzt einen Pistolenschuß und »och ein Mahl einen Trunk that und Mond und Stern ll> 2ahrg> Denkwllrdtgtelten. 1 . 83b. 2.4>eft. 6 8a Der Ziegeldecke r Ressytko nimmt endlich durch die große Gewölbesoffnung, wo das Primglockel gelautet wird, in die Kirche herabließ und Abends selbst nach Hofe trug. Mond und Stern sind nun im bürgerlichen Zeughause — Valentin Sebald hieß der Künstler, Wolfgang Eglauer (Zi.Zuly iSgi) der kühne Aussetzer. Ihre Nahmen wurden eingegraben. Aber nun erst ging der Witz der guten Alten los. Man ließ eine Hand, die eine Feige zeigt, auf den Mond setzen: daeo Solimane memoria tua , „dieß zu Deinem Andenken" oder wie Andere noch zierlicher übersetzten: „dieses wird man Dir geben, Solymane!" Das spanische Kreuz wurde am 14. September aufgesetzt, und weil es unbeweglich war, schon am *4-December von, Sturm herabgeworfen. __Der Küchenmeister Philipp von Rad eck ließ nun einen beweglichen Doppeladler von Kupfer (i2aPf. schwer) sammt dem sich darüber erhebenden, 6', 7" hohen Kreuze, am Si. October 1687 aufsetzen, durch den Stein- metz und Hüttenknecht bey St. Stephan Georg Kuch- ler. Wahrend der Arbeit wurde die Trommel gerührt und silberne und goldene Denkmünzen unter das Volk geworfen. Auf dem Kreuze steht nebst dem Stadtwappen : „In diesem Zeichen wirst Du überwinden i 683 . Auf Dich 0 Herr hab ich gehofft, und werde in Ewigkeit nicht zu Schanden werden. — Der Mond hm herab und das Kreuz hinauf 1666, da die Christen Ofen erobert. Der Adler aber kam 1687 hinzu. 1 '"v;^ »SM«W .wfffrA ;Ä den Mond ab und setztdasKreuzauf. 63 Wien wurde von den Türken am »4-3uly i683 eingeschlossen und am »2. September unter Leopold I. entsetzt." Auf dem Schwert des Adlers steht: „Der Vertheidiger dieser Stadt i683, war Ernst Rüdiger Graf von Stahremberg Feldmarschall. Auf des Kaisers Befehl und durch die Fürsorge Seiner Eminenz des Hochwürdigsten Herrn Car- dinalbischofs von Raab, Grafen Leopold Kollo- nits, der bey der Belagerung zugegen war, ist der Adler sammt dem Kreuz diesem Thurm aufgesetzt worden." Der l. Jahrgang (XII. Heft S. 181.206.) hat bereits in der Erzählung dieser zweyten türkischen Belagerung der unverwelklichen Verdienste dieses eben so menschenfreundlichen, als Heldenkühnen Bischofs umständlich gedacht, der (schon als Maltheser Seeheld, ein Schrecken der Ungläubigen,) in den Jahr. büchern dieser Stadt, billig neben Rüdiger Stahremberg lebt. Uberdem hat ihn nicht die Pflicht, ihn hat die eigene Wahl, das Löwenherz im Busen hat ihn hergezogen und mit gleichem Segen, das Almosen, die Arzney und das Schwert, seine Hand geziert. ErwarWiensguterHirt, obgleich ein Anderer diese Jnful trug, darum soll sein Bild, das diesem Hefte beyfolgt, allen guten Wienern heilig sehn. Im Scepter des Adlers: — „Anstatt des Mondes, den Leopold durch das Kreuz überwunden, wurde dieß Kreuz erhöht unter dem Bürgermeister Schuster und Kirchenmeister Radek, nachdem 6 * 84 Der Ziegeldecker Ressytko rc. Kaiser Leopold I. es gut geheißen. Die Erhöhung geschah am Vorabend Allerheiligen." Von der durch das feindliche Bombardement im May 1809 dringend nöthig gewordenen Ausbesserung des Thurmes, (durch die sich Hofarchitekt Am maßn, grosses Verdienst erwarb) spricht eine eherne Platte an der Westseite des ThurmeS: Haeo S. Stephano. dicata. Turris „ Edaci. Vetustate. Adfecta. Et Injuriis. Temporum. Vastata. Pristino. Restituta. Est. Ornatui. Auspiciis. Et. Jussu. Francisci. Anst. Imperatoris. <• Ocius. Incens. In. Omnia. Venerandae Antiquitatis Monumenta Studium. Et. Amor. Huic. Quoque Priscae. Artis. Architectonicae Miraculo. Servando Providit. M. D. CCCX. „Zur Zeit, als der Hochwürdige Herr Herr Sigismund Graf von Hohenwart, Fürst- Erzbischof von Wien, der diese Platte am 3 . September räio feyerlich segnete, Se. E/cellenz derHoch- geb. Herr Franz Graf von Saurau, Stadthalter von Österreich, der Hochedelgeb. Herr Stephan Edler von Wohlleben, k. k.nied.österr. Regierungsrath und Bürgermeister, der Wohledle Herr Johann Ignatz Heiß, Magistratsrath und Kirchenreferent, und der Hochwürd. Herr Georg U h l, Chur- ind Chormeister von St. Stephan war. 65 Die Uhr. wurde dieser bedeutende Reparation-- Bau durch die Leitung des k. k. Ho farchitectS,Johann Am- mann, unter der Controll des damahligen Kirchen- meisters von St.Stephan/ Franz Sigl, mit nachstehenden Werkmeistern hergestellt: Franz Jäger, bürgerlichen Steinmetzmeister, Ignatz Raymund, Stadt- und bürgert. Baumeister, Math. Preschnows- ky, Stadt« und bürgert. Zimmermeister, Ludwig Sockel, k.k. Hof- und bürgert. Schlossermeister, und Jakob Schrott, akademischen Bildhauer. — Mich hat gegossen Johann Caspar Hofbauer, k.k. Hof-, Stadt» und bürgert. Stuck- und Glockengießer. Gestochen von I. M. Aßner, bürgert. Graveur." Daß schon unter Friedrich IV. auf diesem Thurm eine Uhr gewesen, darauf deuten wenige Worte städtischer Rechnungen, die aber keinen näheren Schluß über ihre Beschaffenheit zulassen. So viel ist gewiß, daß die Stunden, die Anfangs vielleicht gar nur eine Sonnenuhr zeigte, von einem eigens dazu bestellten Wächter geblasen und späterhin geschlagen worden stnd. — Die fetzige Uhr trug die Zahlen i 566 , 1772 und i 8 x 3 . Jakob Oberkircher verfertigte sie 1699 mit Jakob Straifing und Peter Obrecht, kontraktmäßig für >200 Gulden.— Die Höh» der Uhrtafel beträgt 2 y 5 " die Breite 5 / 3 ". Dev Stundenzeiger hat i° 4 "/ das Herz daran ist 2 Schuh breit. Die Ziffern halten in der Länge 2 Schuh, in der Breite 2 Zoll. — Sie schlägt nur die Stunden. Die Viertel schlägt der Wächter an eine eigens dazu angebrachte Schelle. — Daß ste deßhalb 86 Die Uhr. das letzte Viertel nicht schlagen, weil die Türken sich i 683 gerühmt hätten, der Stadt Meister zu seyn, bevor noch das letzte Viertel schlüge, man aber dieses eben darum ganz unterlassen habe,ist ein eben so elendes Mährchen, wie, daß die Aufsetzung des Mondes, eins Bedingung von Solymans Abzug gewesen, daß die Türken, Minen bis zum -Heidenschuß fortgearbeitet, die Bäcker sie entdeckt hätten und daher der Bäckeraufzug am Osterdienstag stamme! (X. 206.) Zur genauen Richtung sind nebst mehreren Sonnenuhren und der kunstreichen Uhr des Mathematikers David, auch eine Mittagslinie im Thurm 1742 von dem gelehrten Jesuiten Pater Franz gezogen. Seid 1823 wird zur Richtung aster übrigen Uhren, von der Sternwarte, das Mittagszeichen gegeben. « , Zwey Aufgänge führen in den Thurm; der eine und ältere im Theklachore, der andere neben der Wohnung des Thurmmeisters. Es sind gegen 800 Stufen hinauf, wovon 553 von Stein. Unter den sechs hölzernen Stiegen sind auf der Schneckenstiege 56 Stufen so geschickt in einen einzigen Stamm gehauen, daß man in gerader Linie von einem Ende zum andern sehen kann. Zu der Spitz« gelangt man auf Leitern. Von den in diesem Thurm befindlichen fünf Glocken, ist die J osep Hinische eine der größten in der Welt. — Joseph I. beschloß, sie zum ewigen Andenken der, in sein fünftes Lebensjahr fal- senden, zweyten Belagerung durch den Großweffir Die Glocken. 87 Kara Mustapha , aus dem eroberten türkischen Geschütz gießen zu lasten. — Johann A ch a mmer k. k. Stuckgießer machte sich laut Con- tracts vom 18. December 1710 dazu verbindlich, gegen sieben Gulden für den Ernten Glockcnmetall und für den Centen der Zugflaschen zehn Gulden Gußlohn, nebst einer Belohnung von hundert Ducaten. Am 2i. July 1711 vollbrachte er den Guß und am 29. October wurde sie aus seiner Werkstälte in der Leopoldstadt (nachdem der Maurermeister Alexander Oedel die unterirdischen Gewölbe vom rothen Thurm bis nach St. Stephan untersucht hatte) auf einem besonders dazu verfertigten Wagen und einer Schleife von mehr als Zoo Menschen hereingeführt und am a 5 . December »711 vom Bischof Freyherr» von Rum- mel eingeweiht. — P. Reifenstuhl, der über den Stephans - Dom geschrieben und bey ihrer Einweihung gepredigt hat, gibt an, daß sie etwas über 4»2 Centner schwer sey, nähmlich ohne Helm 324 Centner 5 i Pfund, der Helm 70 Pf. der Schwengel 7 Centner 72 Pfund. Dieses ungeheuern Gewichts wegen, ruhte die Glocke auf zwey eichenen Balken, die man wenn sie gelautet werden sollte, abschraubt. Die Höhe der Glocke sammt der Kronx beträgt 9' 6 1/2", der Durchmesser io', der Umkreis 3 o^, die Dicke des Anschlags über 6". — Sie wurde zum ersten Mahle gelautet bey Carl VI. Heimkehr von der Kaiserkrönung am 26. Jänner »712. Sie hat in Allem gegen igboo fl. gekostet. — Das Eisenwerk womit sie befestigt ist, wiegt 62 Centner. 88 D ie Glocken. Diese Glocke, „die Pumm e rinn" genannt, hat folgende Inschriften in lateinischer Sprache: I. Unter dem Bilde des heil. Joseph, bey welchem die Wapen von Ungarn und Böhmen angebracht sind: Joseph der römische Kaiser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, ließ diese ungeheure Wucht von Erz, auf daß sie der Größe seiner Freygebigkeit angemessen sey, verfertigen und in diesem albertinischen Thurm zur besonderen Zierde desselben aufziehen, damit der mächtige Schall die Völker antreibe, mit ihm dem Allmächtigen für so viele und so herrliche Siege zu danken. II. Unter dem Bilde der unbefleckten Empfängniß, wo neben das kaiserliche und andere Wapen. Der ohne Makel empfangenen Gottesmutter, Joseph dem Nahrvater Gottes auf Erden, dem heil. Markgrafen Leopold, diesen erhabensten Nahmen weihte über das Ungewitter siegreiche Glocke, Franz Ferdinand Freyherr von Rummel, des heil. röm. Reichs Fürst und Bischof zu Wien. m. Unter dem Bilde des heil. Leopold mit dem Wapenschild Österreichs: Im Jahre 1711, da Ferdinand Carl Graf von Welz Statthalter, Johann Franz Wenighofer Bürgermeister, Johann Sebastian Höpfer von Brandt Die Glocken. 8 g Stadtoberkämmerer und Georg Altschaffer Baumeister war. IV. Rings um den mit Laubwerk künstlich verzier« ten Rand: DasErzdertürkischenKanonen, auS denen sie i683. durch zwey Monden gegen Wien wütheten/ bis sie durch C a°rln H e rzoge n v on Lo t h- ringen und die verbündeten christlichen Fürsten hin- weggeschlagen wurde»/ hat Johann Achamer kaiserlicher Stuckgießer in dieses / dem Dienste Gottes geweihte Werkzeug von mehr als dreyßig Tausend Pfund, mit Kunst und mit Glück verwandelt. Beym großen Geläute wegen des, den pohlni- schen Wahlkrieg endigenden Friedens/ zersprang der Schwengel. Sohin wurde er ljög zu Piesting hinter Neustadt, vom Hammerschmied Sebastian Wienner ein neuer noch einmahl so schwerer von i5 Ctr. 70 Pf. gegossen. Bor dieser Glocke hing eine andere große in diesem Thurm, über die der gedachte Stückgießer Acham- mer, dem Rathe der Stadt berichtete, sie sey durch den anderrhalbhundertjahrigen Gebrauch schon so schadhaft geworden, daß sie durchaus umgegossen werden müsse. Die übrigen vier Glocken sind: Die Feuer- oder Raths - Glocke, also genannt, weil bey Feuersbrünsten und nach geendigten GerichtS- ferien zum Rathe das Zeichen damit gegeben wird. Man läutete sie täglich und zwar des Sommers um halb sieben, des Winters aber um sieben Uhr, zum Dir Glocken. .9° Andenken, daß um gedachte Abends- und Morgenstunde, das Christenheer, dem auf's äußerste geängstigten Wien auf den Höhen des Leopolds - und Kahlenberges erschienen sey und die Schlacht des Entsatzes begonnen habe. — Diese Glocke trägt die Inschrift: Im Nahmen Gott des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes »453. Die Speisglocke, geläutet wenn ein Kranker zu versehen war, ist überschrieben. „Georg Arnold von W ie ngoß mich i6i3' — (und neben dem in der Mitte befindlichen Bilde der h. Magdalena:) Ich Thomas Ring, Bürger des äußern Raths und Verwalter der löblichen Frohn- leichnams - Bruderschaft habe mit meiner lieben Hausfrau Magdalena diese Glocke gießen lasten zur Begleitung des hochwürdigsten Sakraments. Das »707 eingeführteZügenglöcklein — das Primglöcklein, ward nach der hiesigen alten Mundart in Breinglöcklein (wie Katharina in Katharein re.) verkehrt, dieß gab Anlaß zu'dem Mährchen, dieß Glöck- lein würde geläutet zum Gedächtniß einer in Wien herrschenden Krankheit, die Bräune genannt, etwa wie in mehreren Städten die Pestglöcklein. Aber diese Glocke (jetzt noch das Zeichen zum Laternen-Anzünden) war den Chorherrn das Zeichen zur P r i m oder wie Ru» dolph sich ausdrückte, zur P r e i m und weckte vom Anbeginne des Doms, zum erhebenden Zeichen, daß alles Wissen aus Gott, dem Urquell des Lichts stamme und immer wieder dahin zurückströmen müsse, die mit St. Stephan in beständige und innige Verbindung ge- Die Aufgänge und die Thuntuo d cfy t er. gi setzten Studenten der Hochschule und zwar, weil das junge Volk, gar tiefen Schlaf zu haben pflegt, durch eine ganze Stunde. So besagt ausdrücklich Johann Hinderbach, Pfarrer zu Mödling, Geheim- schreiber Friedrichs IV. zuletzt Bischof von Trient in seiner Fortsetzung der Geschichten des Äneas S ylv i us: „A.nte diem vero in ipso diluculo , sub pulsn Primarum, sic enim ibi dicitur et mos es£ , campanellam per horam ante diem, compulsare, quo se Studentes ad missarum sollemnia praeparant, hi praesertim , qui in diluculo missas perficere habent." Auch gab man damit das Zeichen zum Anzünden der Laternen. — Noch unter Ferdinand I. gab es auch „H o l tz e i n e glockhen" auf diesem Thurm. Bey F e u e r s b r ü n st e n in der Stadt, müssen die Thurmwächter an die Rathsglocke anschlagen, am Tag eine rothe Fahne, des Nachts aber eine große Laterne an jene Seite des Thurmes aushängen, wo sie das Feuer bemerkt haben, in der Stadt oder in den Vorstädten. Sie ziehen einen zum Thurmmeister heruntergeheiidensMlockendraht und melden durch ein Sprachrohr den Ort der Brunst, worauf sogleich dem Bürgermeister und dem Stadtunterkammeramt die Anzeige geschieht. In der Wohnung der Thurmwächter ist eines der Wahrzeichen des Stephansthurmes eine Kegelbahn, wo man rücklings kegelt, weßhalb es den Ungeübten fast unmöglich ist, einen Kegel zu treffen. — Um die Mittagsstunde losen sie sich gewöhnlich ab. gS Di« Aussicht vom Stephansthurm. Auch wurde für sie auf den Nothfall, immerdar Märzenwasser in kupfernen Gefäßen auf dem Thurme bewahrt. Seit alter Zeit war es Sitte, Charsamstags, vor der Auferstehung, von den Fenstern und der Eal- lerie des Thurmes, Blasinstrumente ertönen zu lassen. Dieselbe Musik spielte auch, wenn die Hochschule und der Stadtrath nach der damahls üblichen Erneuerung des Magistrates, ihren Einzug von der Regierung aus/ zum Dankamte nach St. Stephan hielten. Es wäre ein eitles und vergebliches Wagen, die Aussicht vom Stephansthurme beschreiben zu wollen; es wäre ein beständiges Schwanken zwischen geokogischen und p ittoresken, zwischen topographischen, statistischen und strategischen Gesichtspuncten und Erfordernissen, zwischen den großartigsten Erinnerungen aus der R ö m e r w e l t, aus der Völkerwanderung, aus der Wiedergeburt durch den großen Carl, aus der Wiederherstellung durch den großen Otto, aus den Tagen der Kreuzfahrten und der Mongolen, der Babenberger und der Hohen- stauffen, der Herrschaft der Gewalt und jener des Rechtes, Ottokars und Rudolphs, bis Böhmen, Un» garN und Schweden, bis zwey Mahl die Türken vor diesen Wällen lagern und ein neues Rom, neue Adler und neue Prätorianer über den unwilligen Ister über die Ebenen des Marchfeldes trieb! — Nirgend fühlt man es gewaltiger, als auf dieser erhabenen Höhe, was Wir zum Motto dieses Buches erkohre», was Cicero in Athen empfunden, „daß die I Die Aussicht vom StephanSthurme. gZ Statten, an welchen große Männer gelebt und gewirkt, mehr noch ergreifen, als selbst ihn unsterblichen Werke, daß da ein heiliger Schauder das innerste Gemüth durchdringt und in allen Adern lebt, und —„b a s i st das lln endliche indieserStadt: wohin Wir immer Uns wenden, setzen Wir überall in eine Geschichte unser eFußstapfen" Die ungeheure Steinwucht der Kaiserstadt mit ihren zweyunddreyßig Vorstädten, im Halbmond von der Donau bis wieder zur Donau und das geschäftige Treiben auf Gaffen und Plätzen von einer Unzahl Menschen, die wie große Mäuse erscheinen, flößt Betrachtungen ein, wie sie diesem Orte geziemen, vom zeitlebens Beweglichen im ewig Unbeweglichen, wie vergänglich Alles und wie doch Alles, nur Übergang sey, gleich den Verpuppungen des ZnsectS. Wohl dem, selig muß ich ihn preisen. Der in der Stille der ländlichen Flur, Fern von des Lebens verworrenen Kreisen, Kindlich liegt an der Brust der Natur. Denn das Herz wird schwer in den goldnen Pallästen Wenn man vom hohen Giebel herab, Stürzen siehet die Höchsten, die Besten, In der Schnelle des Augenblicks! ^ Und auch der hat sich wohl gebettet, ^ Der aus der stürmischen Lebenswelle. Zeitig gewarnt, sich herausgerettet. In des Klosters friedliche Zelle; ADer die stachelnde Sucht der Ehren Von sich warf und die eitle Lust f )4 Die Aus sich k vom StephanSthurm. Und die Wünsche die ewig begehren. Eingeschläfert in ruhiger Brust. Ihn ergreift in dem Lcbensgewühle, Nicht der Leidenschaft wilde Gewalt, Nimmer in seinem stillen Asyle Sieht er der Menschheit dunkle Gestalt. Nur in bestimmter Höhe ziehet. Das Verbrechen hin und das Ungemach, Wie die Pest die erhabenen Orte fliehet Dem Qualm der Städte walzt es sich nach. Auf den Bergen ist Freyheit! Der Hauch der Grüfte Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte. Die Welt ist vollkommen, überall. Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual! *) Jenseits der inselreichen, waldumbüschten Donau, die durch die lachendsten Gefilde ihr Silberband zieht, dehnt sich der Blick von Norden gegen Osten über die Flachen des M a r ch f e l d e s hin bis zur Kro- nungsstadt Preßburg und deutlich tauchen auf, aus dem Morgennebel, Eßling und Aspern, die An- gelpuncte zweyer blutigen Tage, in denen des Heeres Heldenmuth Unglaubliches that, Unglaubliches überwand Stadlau, Süßenbrunn und Gerasdorf, Stätten wahrhaft homerischer Episoden der beyden March- feldsschlachten von 1809, Eupoldau, Stammers- dorf, Strebersdorf und Langenzersdorf bis der Bisamberg, der einst die Donau weit mehr als jetzt ') Schillers Braut von Messiua. Der »»ausgebaute Thurm. g5 auf Wien hinübergeworfcn, auch daS fernblicköndste Auge hemmt. Gen Osten erkennt man den Heerd der Vorbereitung und Rüstung zweyer in Europa, Asten und Afrika lange siegbekrönten Helden, Suleymans und Napoleons, Simmering und Ebersdorf, bis der römisch - classische Boden und die germanisch-^romantischen Hügel Petronells und Heimburgs in grauet Ferne, Halt gebieten. Von Westen gen Süden zieht das trunkene Auge, die cetische oder comagenische Bergkette mit stch fort, vom Kahlengebirge, wo ste den Fuß in die Donau setzt, über Döbling und Dornbach, Schönbrunn und St. Veit, Berchtoldsdorf und Mödling mit seinen mahlerischen Klippen und Ruinen und gegen das ungarische Flachland zu, gen Lachsenburg, vom sanften, beschauenden Albrecht mit der Locke, bis auf den lebensglühenden Joseph, vieler Habsburger Lieblingsort. Der u n a us g e b a u t e Thurm (I. Jahrg. IX.) vom Stifter Rudolph entworfen, doch bey- ein volles Jahrhundert nach ihm (»45») be- gW»l und nach seiner zeitweisen Fortsetzung mit den JMdzahlen >499, i5o2, i5o7 und i5n bezeichnet, nstlrde iÖ 79 vom Steimetzmeister Kaspar Saffoy mit eidem kleinen, kupferbedeckten Thurm, mit einer Kugel und einem beweglichen Adler geziert, der dem A d- l e r t h 0 r e den Nahmen geschöpft. — Österreichs Hut nnd Wapenschild und: „Eile mit Weile" (kestinu lente) und : „So lang der Odem, so lang die Hoffnung," g8 Der unausgebaute Thurm, (dnmspiro, spero) Sprichwörter, sehr angemessen für Friedrich IV., das Wapen des Bürgermeisters Hanns von Tau und der Nahme des Rait- meisters Hirsch, finden sich in der Höhe. — Als der kecke Ziegeldecker Ressytko, der den hohen Thurm bestieg, auch diesen vom Winde gekrümmten Adler wieder zurechtbog, entdeckte er eine Kupferplatte mit der Aufschrift: „Michael Schwingenkessel von Lansperg Bürger und Kupferschmidt in Wien hat den Thurm gedeckt, und den Knopf darauf gemacht in MDLXXIX. Jahr." Dieß wurde noch bekräftigt, als der heftige Sturm vom 27. Februar 1761 den vergoldeten Knopf mit dem Adler herunterwarf und man auf dem ersteren folgendes las: Virginis a partu ter centum lustra peregit, Bis septemque vagus Titan, messesque no- vennas; Caesaris arbitrio de Thau ter Consul Joannes Cum foret, haec mediae sunt juncta cacumina turrjf ~s ES trifft auf das Jahr 1679, daß Johann »0» Thau zum dritten Mahle Bürgermeister war. X, J i 634 wurde das große Fenster ober dem Tod- tenbeinhaus gemahlt und zum Andenken, daß der Thurm lange Jahre so öde gestanden, daß die Stoß- vögel und Raben darein genistet haben, (was auch noch jetzt häufig geschieht und die zahlreich dahinfliegenden Tauben, dem gierigen Habicht zur Beute liefert,) ein, seine Jungen ätzender Rabe hingemahlt. Der unausgebaute Thür m. 97 Dieser Thurm ist 25° hoch, hat 46' im Durchmesser und zwey steinerne Stiegen von dritthalbhun« dert Stufe»/ wozu der eine Aufgang / gleich Anfang des Frauenchors links ist, der andere unter dem alten Orgelfuße beym Petri und Paulialtar. Die Fabel/ Hanns Buchsbaum habe den Bau dieses Thurmes noch als Lehrjunge unternommen und aus Neid habe ihm sein Meister/ der Pilgram eine Falle gelegt, daß er vom Gerüste dieses zweyten Thurmes/ den er kühn allein unternommen/ gestürzt und sich todt gefallen, wurde bereits (I. 45. 46) erwähnt. Aber Pilgram war damahls schon über allen irdischen Neid hinaus und Buchsbaum selbst, mit dem der Stadtrath und der Küchenmeister Simon Pöltl 1446 einen Contract schloß, war es in vier Jahren, nach der Grundlegung dieses Thurmes, nähmlich »454. Sterbend setzte er dieses theure Münster zum Erben ein, und nach 1466 werden als ein Eigenthum der Kirche die silbernen Werkzeuge erwähnt, deren er sich bey der Grundlegung bedient hatte. In diesem Thurme hängt nur eine Glocke, die H a l b - P u m m e r i n n genannt, 1472 von Felix Fabian gegossen, i558 aber mit Zusatz in die heurige Größe von 208 1/2 Centner durch Urban Weiß umgegossen , unter dem Bürgermeister Georg Brandstetter und Küchenmeister Hilderich Heger, wie die Aufschrift sagt: — Noch unter Carl VI. war an dem Platze, wo sie gegossen worden, vor dem Regensburger-Hof gegen das Lugeck, beym sogenannten Markus- n I«hrg. Denkwiirdigkeite». 1. 33 ». 2.-S*ff. 7 g8 Der kleinste Stein u. da« größte Brot. Curtius loch, ihre völlige Gestalt und Größe, mit eingepflasterten Ziegeln zu sehen. Die ursprüngliche Gestalt der Kirche bis auf die jetzige, findet sich den Hauptumrissen nach schon im I. Heft in dem dazu gehörigen Grundriß angedeutet. Der a l b e r t i n i sch e, der r u d o l p h i n i sch e der friedrieianische Bau, die fünf Eingänge, — als das Haupt- oder R i e s e n t h o r der Brandstatt gegenüber,das Seitenwundenthor gegen das Alumnar und das Singer - oder Prim» glöckl e i n r h o r unter dem ausgebauten Thurm auf der langen Abseite gegen Süden, und gegenüber das Thor vom Dischofshofe her, dann das Halb-Pum- merinn- oder Adler-Thor unter dem unaus- gebauten Thurm,— die vier Hauptcapellen, dem Eintretenden rechts und links vom Riesenthore: die El ig ius- (Barthvlomäi - oder Taufcapelle) und die (Tirnaer-, Siebenbürger-, Savoyische- oder) Kreuz- Cape l l e, — die Katharina -Capelle nächst dem ausgebauten, die B ar b a ra- Ca p e l l e nächst dem unausgebauten Thurm. Ein weißlichter, etwa einen halben Schuh langer Stein am Riesenthor, an einem Eckpfeiler, worauf das kleine Standbild Katharina's, der Gemahlinn des Stifters Rudolph stand- soll, wie das Volk will, der kleinste Stein des ganzen Domes seyn. Außer dem eisernen Gitter waren zwey eiserne Hacken, wahrscheinlich bestimmt, das alte hölzerne Gitter dort anzuhängen. Das Volk ritzte nach und nach damit die Steine auf, im Irrwahn, diese Hacken seyen beym St. Capistrans Kanzel. gg allerersten Bau gemacht morden, um die damahlige Brocgröße anzudeuten. — Das steinerne Bild von der Seirenwunde des Erlösers, ward in den aller« ersten Jahren des 3§jährigen Krieges errichtet. Rückwärts der Schatzkammer waren an oen Geheimnisten des um »58o errichteten Leidensweges unsers Heilandes, die Nahmen der Rarhsherren, denen das schöne Kunstwerk seinen Ursprung verdankt, nähmlich: Bartholomä Brandner Bürgermeister, Rupert Scheller Sradcrichter, Hanns von Tau der altere, Hanns Brunner Doctor, Hanns Seiß, Sradtober- kämmerer, Oswald Hütcendorfer, Ulrich Khren, Georg Fürst. Christi Kreuzziehung ist ober dem Grabmahl des »523 verstorbenen Rathsherrn und Brückenmeisters Hanns Hutst ocker, aus einem der reichsten städtischen Geschlechter. Welch' eine heilige Erinnerung, die einfache, steinerne Kanzel, auf welcher Johann Capistran gepredigt, allen Wienern seyn soll, wurde (1. Jahrg. X.) genügend berichtet. — Carl VI. ließ dieß merkwürdige Denkmahl »y33 in seiner jetzigen Gestalt erneuern und mit des Heiligen Standbilde zieren. — Gegenüber, der Schulerstraße zu, war ehemahls ein merkbarer Hügel, auf welchem die Fürsten, (nahmentlich Albrecht VI. in jenen beklagenswerthen Unruhen) öfters zum Volke gesprochen und der daher der F ü r- sten Hügel hieß. — Seit Map I. war aber dort eine steinerne Kanzel, auf der, wie das Lutherthum immer weiter um sich griff, häußg Controvers- loo St. Colomanns Stein. predigten gehalten wurden.— Das unferne stehende Frauenbild, das die Jahrzahlen 1647 und i 63 o trug, wurde das Kleslische Bild auf dem Fürstenhügel genannt. — Das nahe Ecce horao; Bild auf einer Säule wurde 162b errichtet durch Wolf Salmann Hofmeister der n. ö. Kammerregistratur und Hofmeister der Lorenzerinnen. Neben dem nahen Ohlberg, einer gelungenen Steinmetzarbeir aus dem XIV. Jahrhundert, liest man in Stein gehauen, ss- Ihr ch Menschen gesambt glaubt in Eot ss- Und behalt christi gepot ch -j- Daz Heiden nit habent getan ch Sie baten an Die Tatmanbant (Götzen) Di st selb habent bcrait ch Darum warnt sie wol geait (bestraft) ch In dem Höllenfeuer ss' All Freyd ist in teuer ch Ganz nahe in der.EingangshaNe ist ein in Messing gefaßter, weißer Stein mit der nicht mehr ganz leserlichen Aufschrift: „Dieß ist der Stein, auf den das Blut des heil. Märtyrers Colomann stoß, als ihm die Schienbeine zersägt wurden. Der erlauchte Herr Rudolph IV. Herzog von Österreich hat ihn hierher gesetzt." — Eingedenk dessen, daß Colomann ein irischer Prinz, in des geringsten Pilgers Armuth und Demuth zum Grabe des Erlösers wallend, aber in seiner fremden Tracht, Sitte und Sprache dem rauhen Volk für einen Kundschafter geltend, bey Stockerau, schmachvollen Tod erlitten, 101 St. Colomanns Stein. ehrte schon Rudolph des späterhin zum Landespatro- nen erwählten Colomann Andenken/ ließ diesen Stein i36i vom Peter Bischof zu Chur weihen/ viele Reliquien darunter legen und von mehreren Bischöfen Ablaß darauf verleihen. Der ausgezeichneten Arbeit der Chorstühle mit den Brustbildern der Bischöfe und ihren Wapen, welche Reihe Friedrich IV. als der Stifter und Paul II. als der Bestätiger eröffnen/ wurde schon oben gedacht. Die einst unferne des Chors aufgehängten Fahnen befinden sich jetzt im bürgerlichen Zeughause. Eine davon war des tapfern Seehelden Johann Joseph Grafen von Herb er stein/ Malthesergroß- priors in Ungarn. Eine andere desselben Ordens. —< Theresia ließ in den ersten Jahren des Erbfolgekrieges mehrere preußische, bayerische und französische Fahnen hier aufhangen. Die merkwürdigste ist eine große, rothe türkische Fahne mit Sprüchen aus dem Koran, im Treffen von H a m s a b e g bey Ofen über den ge- fürchteten Hamsabeg» von Wiens Befreyer, dem Herzog von Lothringen erobert. Dieser noch mit türkischen Bauten prangende Ort, eigentlich Erd, trägt vom Hamsa Bey seinen Nahmen, einem der wildesten türkischen Zwingherrn, dessen Ende aber an rührender Romantik seines gleichen sucht. — Die Freunde Adam Batthiany und Peter Szapary, waren Hamsas und des Pascha von Ofen Schrecken geworden, durch rastlosen kleinen Krieg. Nach vielen vergeblichen Nachstellun- io2 Sza par y's Gefangenschaft. gen , gerieth dee jugendliche Held Szapary in einen Hinterhalt und wurde, mit Wunden bedeckt, gefangen. Der rachelechzende Hamsa Bey ließ ihn sorgfältig heilen, und darauf unter unmenschlicher Mißhandlung, mit andern gefangenen Christen, unter Peitschenknall vor den Pflug spannen. — Die Türken forderten für ihn ungeheures Lösegeld. Vergebens machte seine verzweifelnde Gattinn alles zu Gelde. Vergebens besteuerten seine treue ltnterchanen sich selbst. Vergebens erbathen sie vom Hofe die Erlaubniß, im ganzen Reiche, für die Befreyung des tapfern Christenheldcn und vielgeliebten Herrn zu betteln. — Endlich fing Adam Batthiany einen der ersten türkischen Heeresfürsten. Gegen ihn wurde Szapary ausgewechselt, und kam zurück, als ein wandelndes Gerippe, mit erloschenen Augen und langem Bart. Nur langsam wurde der Löwe wieder Löwe. — Als nach dem Entsatze Wiens die Türken in allen Schlachten geschlagen, Ofen selbst endlich unter großem Blutvergießen mit Sturm erobert wurde, war Szapary unter den ersten Helden des Tages und Hamsa Bey unter den Gefangenen. — Laut brachte beym Siegesmahl, der Herzog von Lothringen, Szaparys Gesundheit aus, und schenkte ihm seinen grausamen Peiniger, mit ihm zu verfahren, wie er wolle. — Spornstreichs eilte ein Diener Szaparys, Gefährte seine Gefangenschaft und seiner Leiden in Hamsabeys Kerker, ihm anzukünden: „Nun sey Er in seines Herrn Hand, und er solle sich nur auf Hamsabey stirbt durch Gift. io5 die unerhörten Martern einer erfinderischen Rache gefaßt machen." Nach der Tafel eilten Szapary und Batthiany in Hamsabeys Gefängniß. Szapary sprach: „kennst Du mich? ich komme mich zu röchen!" — „So röche Dich," (antwortete der Türke.) „Ich spotte Deiner und fluche Dir, noch unter den Todesqualen." — „So fühle dann ! (erwiederte Szapary) die Rache des Christen, dem sein heiliger Glaube befiehlt Böses mit Gutem zu vergelten. Ich schenke Dir Leben und Freyheit, ohne Lösegeld, ohne Bedingn iß." Hamsabey hatte Gift genommen, das er beständig bey sich trug. Aber ganz vernichtet durch Szapa- rys Großmuth, warf er sich zu seinen Füßen, um seine Verzeihung flehend, und um die Taufe, da der Christenglaube, so erhabene Lügende n l e h r e! Wirklich empfing Hamsabey die Taufe. Alle Kunst der Ärzte aber, vermochte nichts mehr. Er verschied einige Stunden darauf. — Szapary war mit unbeschreiblicher Rührung sein Taufpathe und der erste Leidtragende hinter seinem Sarge! Nach dieser kurzen Digreffion, setzen Wir unsere Wanderung in der Kirche weiter fort. Ein gemahltes Glasfenster in der Barbaracapelle besagte, daß das edle Bürgergeschlecht der Ran- chenberger, das einen Hund im Schilde führte, diese Capelle habe bauen lassen. Es scheint, daß schon io 4 Das Abendmahl unt. beyd. Gestalten. bey der Erbauung des unvollendeten Thurmes i 45 o auf diese Capelle Rücksicht genommen worden. Auf dem großen Frauen- oder Speisaltar waren noch 1725 zwey Ciborien vorhanden, in deren unterm Theil die heiligen Hostien, im obern das heilige Blut, im Knopfe das Ohl zur letzten Wegzehrung für die Sterbenden war, ein Andenken der unermü- deten Bemühungen Ferdinands I., die Katholiken und Protestanten durch die Vergünstigung des Kelches für die Layen und der Priesterehe wieder zu vereinigen. Ersteres gestattete auch der heilige Stuhl wenige Monathe vor dem Tode des Kaisers, ihm und dem mit ihm vereinigten Bayerherzoge. Sie hofften durch jene Zugeständnisse, ihre protestantischen Unterthanen wieder zum Glauben ihrer Vater zurück zu bringen: ein vergebliches und beyden Theile» mißfälliges Bemühen, da die Protestanten noch-ganz andere Absichten als auf Kelch und Priesterehe, die Katholiken wenige Neigung zu diesem Gebrauche des Abendmahles hegten, dem aus der Huffitenzeit und aus den Kriegen Georg Podiebrads und Mathias Corvins, noch so manche traurige Erfahrungen anklebten, der von den Jesuiten sehr angefochten, von Rom nie gerne gesehen wurde, in Wien daher unter den Katholischen nie festen Fuß faßte und während der Gegenreformation unter Rudolph H. völlig wieder verschwand. Wie diese Ciborien vvm blutigen Streit um den Kelch, so mag es wohl auch die letzte Spur von Excommunicatio» und versagtem Begrabniß Die Oratorien. io5 in geweihter Erde seyn, daß ein römischer Herzog , der i 533 von einem Hispanier erschossen worden (ob im Zweykampf, auf den mehrmahls der Bann gelegt wurde? ob ins Kriege, wegen Gewalt an geistlichem Gut oder Person?) in der Barbaracapelle, im Sarg, in der Höhe ^gehängt und erst nach einiger Zeit, bey der Nacht, ohne Sang und Klang, in der Kirche beerdiget morden ist. Von den Oratorien wurde das kaiserliche Oratorium 1646 erbaut, mehrmahls aber und vorzüglich 1799 bedeutend verbessert. Früher war es, wie gesagt, in dem einen der Heidenthürme, späterhin, rückwärts auf dem steinernen Hauptchor bey der großen Orgel. Es war Sitte bey der Ankunft des Hofes, selbes mit Gras und Blumen zu bestreuen und mit wohlriechenden Wässern zu besprengen. Die Hochschule hatte damahls ihren Platz beym alten Frauenaltare, Stadt rath und Stadtgericht gegenüber beym erzbischöflichen Oratorium, jetzt in den untern alten Stühlen vor dem Hochaltäre, während die neuen dem hohen Clerus gewidmet sind. — Die jetzt dem kaiserlichen Oratorium gegenüber stehende Musik, war nach i5c>7 gewöhnlich auf betn Chor ober der untern Sakristey, in der Anwesenheit des Hofes aber an der Seite, von den Stühlen der Universität herüber. Es könnte befremdend scheinen, daß in diesem ehrwürdigen Dom, sogar keine Meisterwerke der Mahlerkumst sich befinden, dächte man nicht, daß die Ausschmückung dieses Gotteshauses keineswegs das > io6 D i e Brüderschaften Werk eines einzelnen Fürsten, Bischofs, oder Geschlechtes, oder irgend einer bestimmten Epoche waren, sondern daß jedes Plätzchen seinen eigenen Patron und Gutthäter an irgend einer Bürgerfamilie, Zeche (Brüderschaft) an irgend einem Domherrn oder frommen Gläubigen hatte und somit vereinzelte und zerstückelte Anordnungen und verkehrter Geschmack unausbleiblich waren. Der meiste Einklang und die meiste Pracht stammt von dem Bischof Grafen Friedrich Breuner, aus den Tagen Ferdinands HI. — Auch hierin hat die Reformation einen gewaltigen Abschnitt gemacht, der an den Kirchen, wie in den Schlossern, Jahrzehend für Jahrzehend nachgewiesen werden kann. DaS Alte, dessen Einfachheit und frommer Sinn der Neuerungssüchtigen Zeit nur ein Gespötte war, wurde bey der willkommenen Gelegenheit, daß es der Erneuerung bedürfte, gleich ganz weggeworfen und durch nichts Neues ersetzt. Des in der Schatzkammer befindlichen, aus dem aufgehobenen Kloster zur Himmelspforte hierher gekommenen Marienbildes der Hausmutter, jenes der heiligen M a rr a v o n Po tsch, einer Nachahmung der ältern griechischen Gemählde und des sogenannten alten Frauenbildes auf dem Speis- altar, das ein Wiener Bürger 1493 der Kirche schenkte, wurde bereits (I. gi.) erwähnt. Beyde letzteren haben in den ungarischen Kriegen, einen Nahmen gewonnen. Die reichen Opfer zum letzteren, waren armen Bürgern durch zwey Jahrhunderte, über- oder Zeche n.' 107 aus wohlthätig gewesen, als ein übereinstimmendes Lraumgesichr, mehrere Streiter für die völlige Be- freyung Ungarns vom Türkenjoche, wie für den letzten Kreuzzug, entflammte. In Folge dessen wurde es am 16. August i 6 g 3 in Begleitung de§ Hofes und des gesammken Clerus durch zwölf Pazmaniten aus der Hofkirche der Augustiner »ach Sr. Stephan getragen, wo Leopold 1. vor demselben das Gelübde ablegte, die in der Türken Einfall zerstörten Kirchen und Pfarren wieder herzustellen. — Eben so haben die Wunderthränen des Marienbildes von Pötsch (bey Erlau, das 1697 hierher übertragen wurde,) nicht geringe Begeisterung unter dem Heerhaufen des F. M. L. Corbelli, Commandirender in Oberungarn und viele Bekehrungen unter seinen protestantischen Soldaten und selbst unter mehreren Türken- fclaven hervorgebracht. Der Geist der Corporatione», welcher alle Verhältnisse des öffentlichen und Privat- Lebens mit gewaltigem Arm umschlang und im Mu- nicipalwesen, dem Feudalism, als ebenbürtig, ja bald als übermächtig entgegentrat, in so vielen Kreisen ein eigenthümliches Leben verbreitete und dem die Gewerbe und Künste und durch sie der Handel, Alles schuldig ist, verherrlichte sich in Wiens Wohl- thärigkeitsanstalten, den gegliedertsten und reichsten auf der gesammken deutschen Erde, wie im Gottesdienste. — Jede Zunft hatte ihre Zeche oder Brüderschaft, eine Kirche, einen Altar, der sie vorzugsweise angehörte, ihre eigenen. i o6D i e P r o z e ssi o n d e s F r o h n l e i ch n a m s rc. feyerlichen Umgänge, meist auch mit ausgezeichneter Kleidung. — Die berühmteste aus denen bey St. Stephan , war die Frohnleichnams- oder Gotts- l e i ch n a m s - B r u d e r s ch a f t, von Päpsten, Kaisern und Konigen, von den edelsten und reichesten Bürgern ausgestattet/ unter deren eifrigen Förderer»/ auch der Baumeister Pilgram gezählt wird. — Daß mit dem Beginne der Reformation/ auch ihr Archiv ihr listig entrissen und den Flammen übergeben wurde/ ist ein unersetzlicher Verlust für die ältere Sittengeschichte. Sie wurde damahls ganz unterdrückt und versammelte sich erst nach Jahren wieder/ beynahe heimlich im Bischofhof. — Ihr hohes Alter geht daraus hervor, daß schon i334 Heinrich von Lu- zern, der größte und verdienteste der alten Pfarrer zu Wien, eine Stiftung machte, daß alle in Wien befindlichen Weltpriester, fünfzig an der Zahl, oder wenigstens vierzig, den Frohnleichnamsumgang, wie es bisher geschehen, (more solito) begleiten sollen. — Rudolph der Stifter verordnete i363 am Erchtag nach dem Palintag. „An dem G o tz l e i ch n a m Tag soll man zu gleicher Weiß begen als an dem W e i ch n a ch Tag. Den soll man allez daz Heiltum, daz da ist, und alle die Van, die da sind, und alleHymel und dreizzig Kerczen, und ezehn Wintlicht umtragen in der Skat und darczu fülln kommen alle Pfarrer, alle Kloster und alle Caplan und alle Pfaffen mit samt den Deutschen heren, fand Johansern, Heiliggeistern, und S p it al e r n in der Stat, DieProzessiondesFrohnleichnamsrc. 109 und in den Vorstellen mit all ir schonesten Geziert» auch gen fand S t e p han gen, und mit der egenan- ten Proceff umgen." Friedrich IV. machte - 445 , (wohl nicht ohn« Rücksicht auf die wikleffitischen und h u s s i t i» schen Lehren,) die zugleich den Unterhalt und- Unterricht armer Knaben und die Kirchenmusik fördernde.Verfügung, daß, wenn das Abendmahl zu Kranken getragen würde, es immerdar arme Schüler in Chorröcken mit braunen, wollenen Gugeln, zwey mit Fähnlein, zwey mit Laternen, unter Lautung der Glöcklein und AbsiNgung des Pangelingua begleiten, auch unter dem täglichen Fronamt (Hochamt) von dreyßig Schülern in Chorröcken und mit Fähnlein in Österreichs Farbe, unter der Wandlung, Gesänge angestimmt werden sollen. —Der reiche Bürger Matthäus Heyberger, der Wissenschaften und Künste thateifriger Freund, (X. S. xoo.) höhlte sich i 5 o 5 von Julius II. selbst die Bulle und Abläße für diese Brüderschaft und staunte zugleich mit feinem Gefolge die Wunder des ewigen Rom an. — In den Tagen der Reformation begleitete Ferdinand I. mehrmahls, die zu den Sterbenden mit dem Sakrament eilenden Priester, um wenigstens durch die Gegenwart der weltlichen Majestät, die Frechheit des protestantischen hohen und niedern Pöbels zu zügeln, der sie fast immer mit Steinwürfen und andern Beschimpfungen und Mißhandlungen verfolgte, wovon (X. 166 und XII. S. 27.) mehrere Beyspiele angeführt sind. — Kaiser Mathias be- I no Dle Prozession nach Mariazell. fahl »6i6 die Begleitung des Hochwürdigsten mit dem Himmel, Fähnlein, Laternen und Windlichtern. Von i 463 ist die älteste Ordnung für die Handwerker bey dieser Prozession, die vom Hof - selbst (so weit die schriftlichen Nachrichten reichen) 1622 zum ersten Mahle begleitet worden ist. Die erhabene Stelle, die hierbei) neben den Rittern des g 0 l d n e n Vließes, den Domherrn von St. Stephan und dem Rector Magnifikus der Hochschule zu Theil wurde, war ein schönes Sinnbild der ewigen Stufenfolge von Glauben und Wissen, Können und Wollen, geistlicher und weltlicher Macht, Wissenschaft und Kunst, bis hinauf zu dem Alles erleuchtenden und erwärmenden Urquell. In eben dem Jahre, als Gustaph Adolph wie ein reißender Waldstrom über Süddeutschland da- herbrauste und Böhmens geachteten Winterkönig , den Pfalzgrafen Friedrich, zu kurzer Rache in die Burg seines Vetters Map, des Siegers am Präger weißen Berge, nach M ü n ch e 11 führte, wenige Monathe darauf aber, das blutige Koller, in dem er b e y L ü tz e n gefallen, schon im Wiener Z e u g hau- se hing, in diesem verhangnißreichen Jahre, (i 632 ) begann die Prozession von St. Stephan nach Mariazell, die gewöhnlich bey ihrer Zurück- kunst der Probst von St. Dorothe mit seinem Capitel am Karnthnerthor empfing und mit dem vorzüglichsten Sacularclerus, unter dem Zulauf einer ungeheuern Volksmenge, nach dem Dome begleitete. ! ii* D i e Pfarrer bey St. Stephan. Der S ch o t t n e r Stiftsbrief und die bis auf den heutigen Tag bestehenden Schenkungen des Er Neuerers von Wien, Heinrichs Jasomirgotb an die Benediktinerabtey St. Peter zu Salzburg am Flüßchen A l s und in D o r n b a ch, weisen einen Pfarrer Eberhard, der auchvom Chronikon Australe, von den Jahrbüchern von Zwettl und Leoben bey der Gelegenheit erwähnt wird, als Herzog Heinrich diese Kirche baut und der Pafsauer Bischof Reginbert sie einweiht. 1 >44 — 1147. — Eberhard und Eber- tz e r werden wie G e r h a r d und Gebhard, Bernhard und Wernher, häufig miteinander verwechselt und so ist der Eberhard jener Quellen und der Eberger der großen Schottner Urkunde, wohl zuverlä- ßig eine und dieselbe Person. Daß ihn Hansitz, Herberger nennt, ist nur eine (auch Andern zur Last fallende) unrichtige Leseart, so wie die Beygäbe eines Taufnahmens zu jenem vermeintlichen Geschlechtsmann „Meister Gregorius Hebergereine von einem schlechten Auszug herrührende Reminiscenz ist, daß St. Gregor neben der Gottesmutter, als Patron des neugegründcten Schottenklosters genannt werde. Die überaus schnell anwachsende Bevölkerung des neuen Wien begehrte nebst dem Pfarrer, noch mehrere Geistliche zur Seelsorge. — Heinrich der Herzog nennt St. Stephan (wie wir oben angeführt) die hohe Mutterkirche, die Hauptpfarrkirche, spricht von ihrer überaus „feyerlichen" Gründung und wie weniger gewillt sey, derselben das Geringste zu entziehen,weß- ii3 Die Pfarrer bey St. Stephan. halb er nicht nur die Einwilligung des Pfarrers und „des ganzen Clerus von Wien" eingehohlt, sondern auch den ersteren durch einiges Besitzthum in der nahen Wollzeil dafür entschädiget habe, daß er das Schottenkloster zu einer Pfarre erhob und demselben die in der Stadt gelegenen vier Küchlein : St. Peter, St. Rupprecht. St. Pan- kraz und Ma-ria am Gestade, nächst der Fi- scherstiege, sohin den ganzen Bezirk vom Graben der alten Herzogsburg bis St. Johann am Alserbache und bis zum Einfluß desselben in die Donau unterwarf. (I.Jahrg.VI.S.-45.) Aus dem urkundlichen Zusammenhange der Begebenheiten geht ferners hervor, daß vom Beginne an, ein ansehnlicher Clerus, den Pfarrer umstanden habe, sowohl zur Seelsorge, als zum Chore bestimmt. — i336 werden „d i e Chorherrn d az St. S t e- phan" ausdrücklich genannt, schon 1267 kömmt ein beständiger Vicar, 1276 ein Ulrich, i33o ein Friedrich , i34i Simon, i36i Ulrich als Chor meister bey St. Stephan vor. Die römische Königinn, Friedrichs des Schönen Gemahlinn, Elisabeth (Jsabelle) von Arragonien vermachte in ihrem letzten Willen, fünf Pfund Geldes, um sie unter die Geistlichkeit bey St. Stephan zu vertheilen. Schon vierzig Jahre, nachdem derJasomir- gott Wien erhoben, gedachte sein Enkel, der Erstgeborne Leopolds des Tugendhaften, des Heroen von Ptolomais und von ebendem Tage her, Richards Löwenherz bitteren Feindes und wie sie, ein Kreutzesheld, Die Pfarrer bey St. Stephan. u 3 Friedrich der Katholische, es auch mir einem Bischofssitze zu zieren, dergleichen schon in St. Severins Tagen, durch Mamertin und nach Carls des Großen Siegeszug, durch Ratfred hier gewesen (IV. S. 5 g. 67. V. 63 . VI. 72.) Leopold der Glorreiche, des im heiligen Lande verblichenen Friedrichs Bruder und Friedrich der Streitbare, Leopolds Sohn, thaten »207 und »244 denselben Versuch. Er scheiterte jedoch an dem beharrlichen Widersprüche Passaus. Daß Wien von eben jener heldenherrlicheu Dynastie der B a b e n b e rg e r, die es gegründet, bereichert und geschmückt, die ihm Sladtrecht und so große Handelsbegünstigungen gegeben, durch die K r e u z züge sogleich zur höchsten Bedeutung gesteigert, daß es von ihnen auch nicht ein Stückchen Pergament mehr besitzt, daß alle jene wichtigen Briefe, darunter auch die goldne Bulle des Stauffenkaisers, des zweyten Friedrich und die zwey Freyheitsbriefe des eigenen Vaters, Rudolph von Habsburg, von Albrecht auf dem Kahlenberger Schloß zerrissen worden.( I. Jahrg. VII. S. 102) macht auch in der Reihe der Pfarrer Wiens und in den Wechselschicksalcn dieses Domes eine unersetzliche Lücke. Bis in die Tage der Habsburger sind die Spuren hievon nur dürftig und mangelhaft. — Ein Sieghard Pfarrer von Wien und Domherr zu Passau gibt seine Einwilligung zu Veränderungen bey der Pfarre zu St. Polten, zur Trennung von St. Stephan, der auf dem Kien- markt vom Stadtkammerer Gottfried und Goldrun II. Jahrg. Denkwürdizkrilcn. 1. Bd. 2. Heft, 6 ) 1 4 Die Pfarrer bey St. Stephan. seiner Gemahlinn gegründeten Dreyfaltigkeitscapelle, zur Exemrivn der, von dem reichen Dietrich auf seinem Grunde Zaismannsbrunn neu erbauten Kirche zu St. Ulrich, so wie zur Erbauung der Katharinencapelle aus dem Stephansfreythvs, in den Jahren i 2 o 4, l2ll, 1 2 l3 UNd l2l4. Ein Heinrich Domherr zu Paffau erscheint als Sieghards Nachfolger in des Paffauer Bischof Ulrichs Brief über die Trennung Berchtoldbdorfs von der Pfarre zuMödling »2,6, im Saalbuche von St. Peter zu Salzburg, daS Leopold der Heilige und sein Sohn der Jasomirgott, an der Als und zu Dornbach so nahe an Wien gesiedelt haben und in einem Diplom des Diocesans Gebhards von Paffau von 1226. „Meister Leopold Pfarrer zu Wienwar Protonotar des letzten Babenbergers, Friedrichs des Streitbaren und stand in noch größerem Ansehen bey seiner unglückseligen Nichte Gertrud und ihrem Gemahl, dem schwachen Hermann von Baden. Aber eben diese Gunst mag wohl der Grund gewesen seyn, warum Meister Leopold genöthigt war, der Pfarre zu entsagen, nachdem der junge Löwe, Przemysl O t- t 0 k a r, Markgraf in Mahren und des Bohmenkö- nigs Sohn, sich zu Heimburg, Margarethen, Friedrichs des Streitbaren älteste Schwester und des römischen Königs Heinrich von Hohenstauffen Witwe, vermahlt und der Babenberger Nachlaß mit gewaltigen Arm an sich gerissen hatte. Diesem Leopold, der beyläufig von >240 bis 1252 gewaltet, folgte ein sehr ausgezeichneter Mann, Die Pfarrer bey St. Stephan. n5 der päpstliche Capellan, Gerhard oder Gebhard. Unter seiner fast zwanzigjährigen Verwaltung, fallt Wiens Erweiterung durch Ottokar, von der die Chroniken sagen, Ottokar habe eine neue, eine zweyte Stadt Wien erbaut, beym Biberthurm und beym Holzoder Widmerthor, die Stiftung des B ü r g e r s p i r a l s außer dem Kärnthnerthore, (diesseits der Wien, dann das h. Geistspital von Leopold dem Glorreichen und seinem Arzt Meister Gerhard, Pfarrer zu Felling gegründet, lag jenseits der Wien) die vom Cardinallega- ten und apostolischen Nuntius Guido, dem Patriarchen von Aguileja, den Bischöfen Johann von Prag, Peter von Pafsau, Bruno von Brixen, Conrad von Freysing, Leo von Regensburg, Amelrich von Lavant und andern Äbten und Prälaten- bey Sr. Stephan gehaltene Natio nalsynode; die erste große Feuersbrunst am Afratag »258, in welcher, mit der Predigerkirche nächst dem Biberthurm, mit dem Jakoberkloster und dem Spital der Johanniter in der Kärnthnerstraße, auch St. Stephan schwer beschädigt morden ist. — Eben dieser Gerhard hatte vor, St. Stephan völlig wieder in seine urkundlichen Rechte einzusetzen und die Schotten von der Ausübung der pfarrherrlichen Rechte außerhalb ihrer Klostermauern und außerhalb ihrer Klosterleute, durch beständig fortgesetzte Angriffe zu verdrängen und sie zu ermüden. Die Sache kam vor König Ottokar und bis nach Rom. Es wurden Commiffarien ernannt und da Gerhard, um die Entscheidung zu verzögern, um Zeit und einem günstigen A u g e n bl i ck zu ge- 8 * ii6 Die Pfarrer bey St. Stephan. Minnen, immer von der anberaumten Tagfahrt ausblieb, wurde er endlich 1269 m dem, vor der Burgca- pelle des alten Herzoghofes gefällten Richterspruch concumacirt und die Schotten in ihrem Besitz bestätigt. ■— Er stiftete das Hospital bey St. Job am K l a g- baum auf der Wieden. Er widmete sein eigenes Haus hinter der Weichenburg,den Frauen zur Him- we ls pfor t e nebst einem Weingarten, den er von den Brudern des deutschen Hauses zu Wien und dem HauScomlhur Ortolf von Traskirchen an sich gebracht, unter der Bedingung, daß sie fortan in der Claufur und nach der Regel St. Augustius lebten. — Meister Otto Subdiakon und beständiger Vikar der St. Stephanskirche, ist unter den Zeugen. Diesem Gerhard folgte ein eben so thateifriger Mann, B e rn ard oder Werner von Pram dach, einem Edelgeschlecht am Rhein entsprossen, aber in Österreich geboren, Domherr zu Paffau und Erzdiakon auf dem rechten Donauufer. — Unter ihm traf Wien das entsetzliche Unglück wiederholter Feuersbrün- ste, insonderheit, jener größten, vom letzten April .12-76, die die Klöster der Schotten und der mindern Bruder, die Kirchen St. Michael, St. Peter und Sr. Stephan verzehrte und kaum zweyhunderk Häuser im Umkreise des Kärnthner- und Widmerchores unversehrt hinterließ. Dasselbe Jahr war das letzte der Herrschaft Ottokars, welcher, (nachdem er für rasche Erhebung der gesunkenen Stadt Unglaubliches gethan, im Lager vor Wien, dem Nachlaß der Babenberger, Rudol- D i e Pfarrer bey St. Stephan. 117 phen von HabSburg überließ. Eine Bedingniß dieses Friedens betraf den Meister Ulrich Monr, den Otto- kar zur Kirche von Wien präsentirt hatte. Er sowohl als andere Geistliche sollten in ihren Besitzungen und Beneßzien aus keine Weise gekränkt werden. Er und der berühmte Baltram (VIII. S. 66.)' sollen mit ihren Anverwandten und Freunden, vorzüglich in Rudolphs Gnade aufgenommen seyn. „llnltrarnum civem viennensem es magistrum da. klontheißt wohl magistrum dmri und es liegt darin gar kein Hinderniß/ daß Bernard von Branbach unstreitig bis 1282, (wo er Bischof zu Pafsau geworden/ als welcher er ani 27. July i 3 i 3 starb,) ununterbrochen/ Pfarrer zu Wien gewesen. — Bernard hat das alte/ durch die Flammen verwüstete Münster zu St. Stephan binnen zwey Jahren möglichst wieder hergestellt. — Rud 0 lph zog dahin mir allen Bischöfen und Heeresfürsteii/ zum Dankgebeth für den Sieg über O tt 0 k a r in der Marchfeldsschlacht von Dürrenkrut/ Stillfrid um Weidenbach bis nach March- eck hinunter. (26. Aug. 1278). Bernarden folgten als Pfarrer zu Wie«/ zwey - Gottfriede / der eine/ Domherr zu Paffau und Worms/ zugleich Pfarrer bey St. Ulrich in der Neu» stadt/ zit Mistelbach und Herrenstein, Protonotar des ersten Habsburgers Albrecht. — Trotz der vielen , auf ihn zitsammengehäuften Benefizien, war er noch nicht Priester, als er 1297 starb und in der Hei- ligenkreuzkirche bey den Minoriten sein Grab fand.—. In seine Tage fallen die energischen Bestrebungen n8 Die Pfarrer bey St. Stephan. Albrechts/ das von Friedrich II. und von seinem ekg« nem Vater Rudolph als Reichsstadt erklärte Wien wieder zur Landstadt zu machen.Da der Schvttner Abt Wilhelm als Vermittler der Unterwerfung der Bürgerschaft auftrat, scheint sich wohl Gottfried entschieden zum Herzog gehalten / vielleicht mir ihm aus der bedrohten Burg, (deren Grabe»/die kecken Schuster sich vermessen hatten, mit ihren Leisten auszufüllen,) nach dem strombeherrschenden Kahle» berge r schloß gezogen zu haben? — Der andere Gottfried, zugleich Probst zu Paffau, lebte noch i3c>I und gab seine Zustimmung, als sein Vorfahrer, der nunmehrige Bischof Bernard, das Marienkirchlein neben dem Hause der Herrn Otto und Haymo, (jetzt die Salva- torskirche im Ralhhaus) von St. Stephan unabhängig machte. Von N i k l a s K a m m e r e r, Pfarrer zu Wien, ist außer seinem Todestage, den i. May, gar nichts bekannt, ebensowenig von Conrad Greifensteiner, der blos in der Übergabe eines Hauses auf dem Srephansfreythof durch seine Anverwandte, Adelheid Greifensteinerinn an die Cisterzienserabcey Zwettl, als Pfarrer erscheint. (?) Peter Eichspalt, ein armer Knabe aus dem Trierischen, der sein Brod durch Singen vor den Thüren erwarb, einer der bittersten planvollsten und entschlossensten Feinde, die Habsburg je gehabt, kam in den Dienst von Albrechts Bruder Herzog Rudolph, der die Tochter Ottokars geehligt. Er diente ihm zu W i e n und zu P r a g, erhielt von ihm auf D i e Pfarrer bey St. Stephan. 119 kurze Zeit, die V e rw e sc rsch aft der Pfarre zu St. S re ph an und erzog dieser Ehe einzigen Sohn Johann, als Rächer Oltokars, seines mütterlichen Ahns, in solchem Haß gegen das Haus seines väterlichen Ahns Rudolph, daß er den fluchwürdigen Beynahmen Parricida erhielt! Bald wurde Peter Bischofzu Basel und sogar Kurerzkanzler von Mainz. Er vereitelte Albrechts Anschläge auf Bohrn en, er erhob Lupenburg wider Habsburg, er fachte im helvetischen Land und überall die Flammen des Haßes wider ihn an und wendete noch bey der nächsten Kaiserwahl die Gemüther von Friedrich dem Schonen. Schon in dem Jahre, in welchem Konig Albrecht, im Angesicht der hohen Habsburg durch Johann von Schwaben, seines Bruders 0o&ii und dessen Mitverschworne, die Herrn von Palm, von Wart und von Tegerfeld fiel, (»3o3) war seiner Schwester, der sächsischen Agnes Sohn, Herzog Albrecht, Pfarrer bey St. Stephan, welches wie ein Weg zum Paffauer Stuhle betrachtet werden konnte, den er i32o bestieg. Zu Salzburg geweiht, hielt er sein erstes Meßopfer in Wien, bey den Dominikanern, in Gegenwart Friedrichs des Schonen und seines Hofes, ertheilte der Katharinacapelle im Zwettelhof, Freyheiten und Ablaß nach St. Stephan. Sein Nachfolger Heinrich, in einer Molker Urkunde >324 zuerst genannt, war zugleich oberster Schreiber (Kanzler) der Herzoge von Österreich und i 2 o Die Pfarrer bey St. Stephan. Domherr vo» Paffau und Freysing, Luzern seine Vaterstadt. Seine Rolle in dem Zwiespalt Friedrichs des Schönen und Ludwigs des Bayern um das römische Reich, der »ach der Mühldvrse r Schlacht, Friedrichen in die harte Gefangenschaft auf die Traus- mitz überliefert, war nicht viel geringer, als jene des Priors von Mauerbach. — i354 am i5. Juny machte er die oben erwähnte Stiftung für den Frohn- leichnamsaltar und den feyerlichen Umgang dieses Festes und zum Seelgerathe seines geliebten Herrn, des Königs Friedrich. Der Caplan dieser Stiftung, dessen Patronat er dem Landesherr» übertrug, hatte den Pfarrer bey St. Stephan, den Diakonen und Subdiakonen, dem Chormeister, dem Rector der Schule, den Musikern, Sängern und Orgeltretern ein Gewisses zu bezahlen.' Zu den Einkünften vermachte er sein Haus in der Wollzeil, neben dem Pfarrhof, das er vom Meister Tylo an sich gebracht, einen Garten jenseits der Wien in der Schab nitzer Lücken, sein Burgrecht auf dem Hause des Johann Mönch am lichten Steg, Weingärten in Grinzing rc., auch auf dem Frohn- leichnamsaltar ein mit Gold und Edelsteinen reich verziertes Mutterg o ttesbi ld, das er unter die Obhuth des Pfarrers, der Bürgermeister und des jeweiligen Kirchenmeisters von St. Stephan stellte. Seine Stiftung hatte bald Nachfolger, den» i53g stiftete Jans der Sture, Kaplan jenes Altars einen Jahrtag und gab dafür einen Weingarten am A l s e ck Die Pfarrer bey St. Stephan. *2i beym Horngäßchen und Andere zu Otakring und Erinzing, alsdann Gelder auf den Weingarten des Juden Lesir zwischen St. Veit und Hacking und sein Burgrecht auf das Haus des Juden David Wor- lin hinrerm Benedietenhaus am Judenthurm. — Heinrich von Luzern starb am » 1 . July »536 mir folgender, einer alten Handschrift abgeborgten Grabschrift. Dudiitn Wiennapolis fueras multum decorata Lucerie prolis titulo, quo nunc viduata, Profer singultus nec non rivos lacrymarum Sitque tibi cultus quem cordis gestat amarum Prolem scire petas Heinricum nosce tenentem Virfutum metas plebani laude nitentem Aram cui placuit in Christi laude dicari Corporis hanc studuit certis rebus decorari. Olim sarcophago datus, hic modo clausus habetur Hunc stigis indago , ne claudat quisque prece- tur Quando sequens numerus Christo nato nume« ratur Hi(fcondendus herus, terna morte necatur M quoque C duplex X triplex atque semel sex Idibus internis Juni flentibus undique vernis. Des sächsischen Albrecht zweyter Nachfolger , ward wieder ein Albrecht, aus dem, in den romantischen Gebirg zwischen der Steyermark und i22 Die Pfarrer bey St. Stephan. den Landen ob und unter der Enns gewaltigen Grafen von Hohenberg, die man sich die undankbare Mühe gab, nebst den Starhembergen und Losenstein auf die steyerischen O t t o k a r e zurückzuschreiben, denen unsere treffliche Caroline Pich- l e r, geborne von Greiner, ein gemüthvolles Denkmahl setzte und deren letzter, Friedrich von Hohenberg, im Kreuzgange zu Lilienfeld, unter rothem Marmor ruht, mit dem Kreuzesorden der Lusignane, Könige, einst vom Jerusalem, alsdann von Cypern geschmückt. Als Ulrich Sumevol und Margarethe seine Hausfrau, i 338 , zu einem ewigen Licht auf Gottesleichnamsaltar bey St. Stephan, ein Burgrecht auf ihrem Haus, in der Rosenlucken, gegen die Alser- g asse, verkauften und da sie selbst kein Siegel hatten, den Stadtrichter Dietrich Urbcitsch bathen, das seinige daran zu hängen, gibt Albrecht als Grundherr Zeugniß, mit dem Petschaft St. Stephans des Blutzeugen und der hohenbergischen Büffelhörner. Eben so a 3 st 2 am Michaelstag über dem Verkauf eines halben Hauses auf dem Stephansfreythof, nächst der deutschen Herrnhaus an Simon den Chormeister zu St. Stephan von vier Geschwisterten, die es von Ulrich dem Schulmeister zu St. Stephan ererbt haben , — eben so in einem Briefe Wolfarts Zyph, Amtmanns von St. Stephan auf der Mieden. — In seinen Tagen wurde das, 1327 von Friedrich dem Schönen gestiftete Hospital vor dem Werdert^or, mit der Stiftung Herzogs Otto deS D i e Pfarrer bey St. Stephan. 128 Fröhlichen, mit St. Martins Hospital vordem Wid- merldor, durch ihren Bruder, Albrecht den Weisen vereinigt.— i5-j6 stifteten Ludwig der altere Graf von Ortingen und sein Sohn Albrecht eine Capelle in ihrem, (jetzt dem Fürst Lichtensteinischen) Haus in der Herrngafse, so daß diese Capelle nach St. Michael und nach St. Stephan dienstbar sey und daß nach der Gründer Tode, der Pfarrer von St. Stephan diese Capelle verleihen sollte. In eben dem Jahre, wo Albrecht von Hohen- berg, den Cardinal Guido von Auvergne, Nuntius bey Carl IV. und Ludwig dem Großen, im Pfarrhofe zu Wien, prachtvoll empfing, i34y wüthere die große Pest dergestalt, daß zu St. Stephan allein, 54 Geistliche ein Opfer derselben und ihrer menschenfreundlichen Aufopferung geworden sind. Leopold von Sachsengang, der letzte Pfarrer zu Wien vor Errichtung der Probstey, (r352 — i364) war Domherr zu Paffau und früherhin Pfarrer zu Guntramsdorf. — Er stiftete ein ewiges Licht und einen Jahrtag in der Capelle der 10,000 ritterlichen Märtyrer im Pfarrhof zu Wien und verordnete den Herzog als Vogt nach dem Tode des ersternannren Patrons, Ulrichs, Chormeisters zu St. Stephan. Im Falle diese Capelle „abginge," sollten Licht und Meffe auf den Frauenalrar zu St. Stephan - kommen. (Februar i35y) Die Urkunde erwähnt, des Chormeisters, 8 Chorherr«, st Vikarien, 2 Gratia- ner, 4 Chorschüler, des Schulmeisters, Cantors, Accusators, Güsters (Custoden) und Meßners, also 124 Die Pfarrer b e y St. Stephan. eines ganz förmlichen Capitels bey St. Stephan And ordnet Leinwand und grobes Tuch zu vertheilen an die Hospitäler im K l a g b a u m, zu St. L a zar und St. Johann im Sichenals. Der Gottesleichnams - und der Zwölfpotenaltar wurden schon in seiner Zeit reich bedacht. Bald stiftete auf den letzteren der Domherr Jakob von Son- nenberg, das sonnenbergische Benefizium. Der Garten enthalb der Landstraße, den 1407 der deutsche Ordens - Commenthur zu Wien Thomas auf Gottsleich- namsaltar grundrechtlich vergab, war der Anfang des schönen, in den türkischen Belagerungen völlig verwüsteten bischöflichen Gartens auf der Landstraße. Auf denselben Altar gaben 1406 Michael Gemspaindl und Elsbeth seine Ehewirthinn, ihre Gärten in derselben Gegend, in den langen Hofstetten und vor der Au, durch die Hand Herberts, Amtmann in der Scheffstraße, Beatrieis von Nürnberg, Herzog Albrechts Witwe in eben dieser Gegend, auf dem Gries in den langen Hofstetten und langen Gärten zwischen St. Niklas und Erdberg und in dem Pfenninggärt- lein. — Der Gottsleichnamsaltar und die Achatius- (nun Andreas-) Capelle im Bischofhof erhielten Gärten und Weinberg, von der Donau und dem Stu- benthor bis gegen das Scholtenthor hinüber, von den Angerfeldern und Rampersdvrfern, am Srephans- freyrhof und in der Schulerstraße wohnend, von den Herbert und von denen Jmwinkel vor Widmerthor rc. bey St. kllrich, in der Hangenden Lüsten, vor dem Widmerthor in der Kleberlucken, späterhin Kleber- D i e Pfarrer bey St. Stephan. 12 & gaffe vor dem Stubenthor, in der Kumpflucken vor dem Kärnthnerthor, im Radeck und auf dem Wagram neben dem Klagbaum, im Thiergarten, im Goldeck- payer, Goldeckzuckschwert und in der Grub vor dem Slu-- den - gegen das Kärnthnerthor ,rc.— >525 wurden die Hausgärtcn, Hofstetten und Pflanzgarten des Gots- icichnamsaltars auf der Landstraße der bischöflichen Mensa einverleibt. Rudolphs erster, kühner Gedanke war, den Oberhirtensitz von Passau, eben so nach Wien zn übertragen , wie er einst von L 0 r ch nach Passau gekommen. Ähnliches bezielte Albrecht V. bey der zwiespältige» Bischofswahl, als er den Leonhard Lai- minger durchaus nicht anerkennen wollte. — Doch wich Rudolph den, für den Augenblick unübersteiglich scheinenden Hindernissen. Wie er den veränderten Wunsch seines Herzens kund gab, die in seiner Burgcapelle im Thurm am Widmerthor gestiftete Collegiate zu Allerheiligen nach St. Stephan zu übertragen, war Leopold der rascheste und eifrigste Förderer desselben. Am 4- December >35g stellte er auf dem Gottesacker der Augustiner seine Zustimmung aus, von mehreren, österreichischen Abte» und Edeln bekräftigt, sendete sie an Jnnocenz VI. ein und blieb fortan Pfarrer zu Sr. Stephan bis >365, wo die Bischöfe von Gurk und Lavant in ihrem, gemeinsam mit dem Schottner- abt ausgefertigten Diplom vom 16 . März über die feyerliche Einsetzung des Collegiatstiftes zum Stephansdome sagen: „der ehrenwerthe Mann Leopold von Sachsengang habe diese Kirche zu St. Stephan, 126 D i e Pfarrer bey St. Stephan. deren Vorstand er gewesen, frey resignirt." — Er erhielt dafür die Pfarre zu R u ß b a ch, wo er aber schon im folgenden Jahre starb und in seinem alten Gotteshaus zu ruhen begehrte. Sein jetzt verschwundener Grabstein war unter dem Bischof Traur- son noch vorhanden und trug folgende Aufschrift: „Im Jahre des Herrn i366 am Sonntag da gesungen wird Exsurge, starb Herr Leopold von Sachsengang Pfarrer in Rußbach, vormahls Pfarrer in Wien und ligc hier begraben. Er ruhe in Frieden." Schon in den Knabenjahren harre Rudolph sich eine ausgezeichnete, fromme Stiftung zum Ziele gesetzt. Er umstaltete deßhalb noch bey Lebzeiten i356, Albrechts des Weisen die Burgzimmer, wo er geboren und auferzogen wurde, in eine C a p e lle zu Allerheiligen. (Der i. November war sem Geburtstag. Urkunde Nr. 78 u. 74 . l. Jahrg. Heft IV.) Nach Albrechts Tode erhielt er i55g vom Papste Jnnocenz die Verwilligung zur Erhöhung der gotces- dienstlichen Feyer in seiner Hofcapelle, eine Prob- stey errichten und die Kanoniker als wahre Domherrn, roth kleiden zu dürfen. Aber der Raum war für die Zahl der Geistlichkeit, wie des Volkes gleich Anfangs viel zu beschränkt. Er übertrug daher die Probstey mit Zustimmung Papst Urbans nach St. Stephan. Sie sollte einen gefürfteten Probst haben und vie rundzw anz ig Domherrn, darunter als Würdenträger, (oder wie Rudolph sie nannte, als A mtherrn) den Dechant, Custos und Cantor, sammt sechsund zw anz ig Ka- Die Pfarrer bey St. Stephan. >27 planen, zwey als Gehilfen des Probstes, die andern der übrigen Chorherr», alle vom Landesfürsten zu ernennen, doch also, daß die Probstey und die andern drey Würden Niemand erhalten könne, als ein Domherr oder Kaplan. Die Präbenden waren für die damahlige Zeit, ungemein reich gestiftet, der Probst hatte 1600 Gulden und einen Wald von Holz, die drey Würdenträger, jeder i 5 o, der Domherr 100, der Kaplan 40 Gulden. Uberdieß wurde ihnen allen noch die tägliche Kost vom Hofe gereicht. Des Probstes und der Chorherr» Kleidung bestand in einem langen, rothen Rock, mit einem weißen, eine Spanne kürzern Röchelt und einem rothen Mantel, Cappa, an deffen linker Seite ein goldenes Kreuz gestickt war. — Die Kapläne trugen ein gemeines geistliches Kleid mit braunen Gugeln. Im Chore trugen sie nebst den Bi- retten, Hauben von schönem Pelzwerk, der Probst von Hermelin. Der Probst war g e für stet. Er durfte alle ritterliche Wehre und Harnisch tragen, die Chorherr» aber nur das kleine stumpfe Schneidemesser , deffen sie sich bey Tische bedienten. Die Probstey unterstand unmittelbar dem heiligen Stuhle und gab jährlich einen Vierting Gold in die Kammer zu Rom. Der Probst hatte die hohe Gerichtsbarkeit über alle seine Unterthanen, alle bischöflichen Zierden und den Titel: „Wir von Gottes Gnaden, Probst zu Allerheiligen in Wien und Erzkanzler in Osterreich." Des Fürsten damahlige i 2 Ö Die Pfarrer bey St. Stephan. Kanzler/ mußten sich nennen: „Kanzler anstatt des Pr obstes zu Wien" und diesem als Erzkanzler jährlich einen Ring überreichen, drey Gulden im Werthe. — Er war zugleich der oberste Meister der Universität, die nebst der Schule bey St. Stephan, an allen großen Festtagen den ge- sammten Gottesdienst mitmachen mußte und zwar alle Schüler in Chorrocken, die großen Meister und die alten Studenten allein ausgenommen. — Der Probst legte seinen Eid den drey Dignitarien ab, diese aber, alle Chorherr« und alle Kapläne, ihm und dem Herzog, am Hochaltare. — Die Chorherrn und Kapläne speisten alle Sonntage, der Probst aber nur an hohen Festtagen im Revent oder Speissaale. Der Probst hatte den Pfarrhof zur Wohnung, die Dignitarien eigene Häuschen auf dem Slephans- freyrhof, gegen die Schulerstraße und das deutsche Haus. Die übrigen Chorherr» waren alle beysammen im Zwettlhof. Jeder hatte eine Stube und eine Kammer. Rudolph ließ diesen Hof von Burgermei- ster Haunold, von dem Schuchler und einigen andern Rathsherrn schätzen und da sie ihn auf 5oo Pfund Pfennige anschrieben, gab er »36» den Zwettlern ein Haus gleichen Werths auf dem Graben mit allen Gerechtigkeiten des alten. Dieser Zwettlhof, mir der vom Ulrich Domherrn zu Passau, Leopolds des Glorreichen Kanzler gestiftet und » 2»4 vom Bischöfe Mangold geweihten Katharinaca pelle, (deren Ka- plan auf einen Weingarten zu Grinzing und auf Grundzinse von Häusern am hohen Markt und in der D ie Pfarrer bey St. Stephan. 12g Weihburggaffe gestiftet war,) kam von dem Ritter- geschlecht der Greifen st eine, an Gundacker von Pafsau, von diesem an den Abt Ebro von Zwcttl. Ungern« sahen die Bürger Wiens die Einverleibung der Capelle und Stiftung an das Kloster und drangen wenigstens darauf, daß das Haus veräußert werde und bürgerlich bleibe. Rudolph hatte seinen neuen Dom vorzüglich auf jene Burgen, Märkte, Dörfer, Herrlichkeiten und Gerechtigkeiten gegründet, die ihm von seiner kürzlich im Kloster zu K ö n i g s f e l d e n (an der Stätte der Ermordung König Albrechts) verstorbenen Taute, der Königinn Agnes von llngarn, Witwe des letzten Arpaden, Andreas des Hierosolymita- ners rückgefallen waren: Weiteneck, Rechberg und Be- senbeug, die Mauth zu Pbs und zu Emmersdorf und was man ihr von der Mauth zu Stein und voin Amt zu Krems an Wein oder Getreid jährlich auf jene Schlosser hinauf gedient hat, ferners. Feste und Thal in der Sölk, den Markt Trafajach, mit der großen Käsegilt von Admont, die Beste zu St. Veit an der Wien, die Beste Wirmla und Schranawatken, den Markt Hebersdorf, die Mauth zu Neudorf und Sollenau, die Kirchenlehen und das Präseutations- recht zu Rußbach, Falkenstein, Mistelbach, St. Veit, Hütteldorf, Weidenau, Penzing und Speising, dann zu Gansharn in Steyermark. Aber wie im Wechsel der Menschenschicksale so oft, dauerte auch diese übergroße Herrlichkeit nicht lange. Gleich nach Rudolphs vorfrühem Tode, II-2»hrg> Denkwürdigkeiten. >. 335.2.Seft. 9 j5o D i e Pfarrer bey St. Stephan. wurde ein sehr großer Theil dieser Stiftungsgüter . entzogen. Der herrliche Bau kam verschiedentlich ins Stocken. Nur die Hochschule hatte an Albrecht mir der Locke einen liebenden Fortseher und Beförderer. Die alte Eifersucht Paffaus nühce den günstigen Augenblick fort und fort mit Plan und Beharrlichkeit. Dem Probst und den Domherrn ward es gehäßig verdacht, daß sie sich der, vom heiligen Vater und vom Landesherr» ausdrücklich vergönnten Zierden und Kleidung gebraucht. Des Probsten Erzkanzleramt und Für st en würde kam in Verfall und als nach ic,Z Jahren, Wien ein Bisthum geworden, gar in Vergessenheit. Erst der Wiener Bischof Wolfrarh erhielt 266 Jahre nach Rudolphs Stiftung den Fürsten titel wieder, obwohl der Anspruch nie ganz verschlafen blieb. — Noch Max I. schrieb dem Domprobst „dem ehrwürdigen unserm lieben Andächtigen Paul von Oberstein, Domprobst zu Wien, obersten Kanzler des Erzherzogthums Österreich und der Universität zu Wien." Also liebte Rudolph seine neue Stiftung, daß er all seinen Klöstern Freyheiren gab, manche von großer Schuldenlast erlöste, wogegen z. B. die Prälaten von Zwettl, Melk, Göttweih, St.Pölten, Gleink sich verpflichteten, in gewissen Festtagen, das Hochamt bey St. Stephan zu halten.— Kremsmünster, Schlegel, Formbach, Bertholdsgaden, Engelzell, Engelberg, mußten Fische liefern, St. Florian, die Nonne» zu St. Niklas in der Singerstraße (die er vom gänzlichen Verderben unter den Händen der Ju- Die Pfarrer bey St. Stephan. i3i den erlöste) das heil. Geistspital an der Wien, und Pechlarn, dem er einen Wochenmarkt verlieh, Wachs- Trafajach, das gleiche Gunst erhalten, über hundert Käse. Die eigenen Leute, und Güter vor dem Kärnthnerthor, auf der Mieden, sollten bey St. Stephan bleiben. — Am dritten Sonntag in der Fasten, am i6. März i365 geschah endlich die feyerliche Einsetzung. —■ Folgendes sollen die ersten Domherrn gewesen seyn. (?) * Niklas von Pottenstein, Custos. Jakob, Dechant. Jakob Kaplan zu lllrich, Cantor. Ulrich, Chor meister und Senior. Ratold Pfarrer zu Ernstbrunn. Friedrich Weinberger. Thomas von Passau. Peter Oedeburg von St. Michael (45 Jahre Domherr „der 'Alte" genannt, weil er alle ersten Chorherrn überlebt.) Johann der Sachse, Caplan der Herzoginn, Rapoiho , Johann Peygar- ter, Pfarrer zu Kirchberg. Peter, Pfarrer zu Wür- nitz. Niklas von Nürnberg. Rüger Rückscheidlein von Mauerbach. Johann Merihern. Ulrich Steiner, Johann Chr anest, Kaplan der Dreyfaltigkeitscapelle am Kienmarkt. Bartholomäus, Ottokar Thannauer. Niklas von Klosterneuburg. Johann Schönberger, Pfarrer zu St. Valentin ob der Enns. Conrad von Staatz, Niklas von Gelesdorf, Wolfhard Mayer, Kaplan der Frauencapelle aus Tyrol, (wohl ein Diener und Günstling Margarethens der Maultasche, von welcher der schöne, feurige und geistreiche Rudolph iZ63 Tyrol erhalten und die er mit sich nach Wien geführt. * 9 i 32 Die Pfarrer bey St. Stephan. Der Kirchenrath zu Basel bestätigte die, vom Capitel selbst verfaßten Statuten mit einigen Abänderungen, kraft welchen der Dechant nach dem Probst den ersten Rang erhielt, den zuvor der Custos hatte. In seinen ernsten Bemühungen, die unglüchselige Spalrung der Kirche zu ändern, reformirle Ferdinand I. auch die Domgeistlichkeit bey St. Stephan, setzte die Zahl von 24 Domherrn auf 16, welche beständig gegenwärtig und Priester seyn, oder wenigstens binnen Jahrfrist es werden sollten. Die bey Hofe, an der llniversitäc oder anderwärts Angestellten, sollten den Titel behalten und in Erledigungsfallcn nachrücken. In der Folge gingen noch zwey Stellen ein, so daß ihre Anzahl auf i6 sank, bis die Herzoginn Therese von Savoyen, geborne Fürstinn Liechtenstein, 1772 vier Canonikate für Individuen vom Adel stiftete und dadurch die Zahl von iö erfüllte. Am Schliche dieses Heftes findet sich der heutige Bestand des Domkapitels nahmentlich, von welchem vierCano- nikate der Land e s fürst, vier die Hochschule; vier der regierende Fürst von L i e ch t e n ste in-Rikolsburg, Herzog zu Troppau und Jägerndorf vergibt. Auch findet sich eben daselbst das Berzeichniß der Dignita- rien, der Domprvbste nähmlich, der Domdechant e, C u st 0 d e n und Scholastiker, endlich auch jenes der C h 0 r m e iste r bey St. Stephan. Nach Rudolphs des Stifters Willensmeinuilg von i 365 sollte die Hälfte der Chorherrn, nähmlich D i e Probst e bey St. Stephan. i 53 zwölf, aus Mitgliedern der Hochschule bestehe». — Albrecht mit der Locke setzte sie 1884 auf 6, Ferdinand!. » 5 ü 4 auf 6 herab.—- 1743 stiftete der Domherr , nachmahlige Domprobst und Weihbischof Anton Marx er noch einen vierten Dignitär, den Scho- lastikus. — 1774 verlieh Maria Theresia den Domherrn ein Capikelzeichen, einerseits mit St. Stephans Ebenbilde, andererseits mit dem Nahmenszuge der Kaiserinn. Die Liechtensteinischen Domherrn führen anstatt dessen das Bildniß des heil. Geistes und den Nahmen ihrer königlich gesinnten Stifterinn. Die Pröbste bey St. Stephan bis zur Errichtung des B i s c h u m s. Johann M a y e r h 0 f e r der erste Probst, erhielt am 21. März i 365 vom Paffauer Bischof Albrecht die Erlaubniß, die psarrherrlichcn Rechte auszuüben , denn nur als Probst, keineswegs als Pfarrer, unterstehe er unmittelbar dem heiligen Stuhle. Er stiftete sich einen Jahrtag, gab dem Capitel dafür einen Wald zu Sc. Veit und einen Hof zu Speising und verließ 1376 die Probstey um die Jnful von Gurk. Den 2. October 1884 (Urk. Buch Nr. 77) vertauschte er das von Hartlein von dem Wasser, für Gurk erkaufte Haus in der Schulerstrafie zunächst am Neubergerhof mit Herzogen Albrecht um das ehemahls den Herrn von Pettau zuständige Haus in der Johannesgaffe. I i54 Die Prvbst e b ey St. Stephan. Noch als Probst übergab ihm 1872 Schwester Christel» die Witzin, Äbtissinn vor St. Nikola, vor Stubenthor und ihr Convent ihr Burgrecht auf Jakob Heidlens Haus am Petersfreythof zwischen dem Thurm, gegen das Burgrecht auf des Panhalm Haus in der Johannesgasse. Ihm folgte Bertheld von Wähing. Sein Geschlecht stammte ursprünglich aus Tyrol. Noch in den Togen Carls V. war ein Sprosse desselben einer der berühmtesten Hauprleute Georgs von Freundsberg.— i3Üc> verschrieb ihm „der gewaltige Hofmeister" Hanns von Liechtenstein zu Nikolsburg jährlich ein Pfund Pfenninge, wofür er ihm alle Sonntag soll die Messe lesen lassen auf dem Altar in seiner Kammer, in seinem Haus am Schweinmarkt zu Wien, zunächst des Sew- Nenhaus. — Bertholt» war Domherr zu Paffan und Pfarrer zu Rußbach. i38i wurde er Bischof zu Freysing. Sein Wirken auf Wien horte aber deßhalb keineswegs auf. — Wie unselig es aber gewesen, wie der heftige Mann das finstere und rachgierige Gemüth Leopolds des Stolzen beherrscht, wie in dem Vormundschaftszwist zwischen Leopold und Ernst dem Eisernen, über ihren jungen Vetter Albrecht V., vorzüglich durch ihn, der edle Bürgermeister V 0 r l a u f und mehrere seiner Genossen gefallen, deren Grabstein wir oben (S. 53.) angeführt, wie endlich der verhaßte Kirchenfürst zu Wien seines Lebens nimmermehr sicher, in Klosterneuburg eine Freystätte gesucht und dort geendiget habe, (gleich dem Lord Cardinal in Shakespeares Heinrich dem VI.) haben wir an seinem Orte D i e Pröbste bey St. Stephan. »35 bereits erzählt und eben so auch seines Nachfolgers ge' dacht, Georgs von Liechtenstein. Nikolsburg, fast des einzigen K irchen fü r ste n aus einer so zahlreichen, an Kriegshelden so fruchtbaren Familie. Bis i3B4 war die Seelsorge »och beym Domkapitel: „undt denstofs" (sagt eine alte Chronik,) „daß die selsorig dem Capitl genomen ward, Pracht zuwegen ain Chorherr genannt I o r i g Sch re t r en p e rg e r der was (war) alltzeit bey dem Probst und die Pfründt wollt haben und die in dem Chor nicht verdienen, das im doch das Capitl nicht gestatten wvlt, da swür er, er wolt sich an den Capiti rechen, und gedacht darauf so lang nutz das er es mir dem Brobst zu wegen prachc, daß er dieselb sel- sorig von den obgenannten Chorherrn auf- hub, und die von neuen Dingen, Acht newen echtern mit allen alten Gewohnhayten als es vor gewesen, und auch von alter Herchommen, was em- psälich und gentzleich übergab, aber da derselb Brobst her I o r i g von L i ch t e n st a i n, Bischoff zu Trient ward, da was es im gar leyd, und hett im vast ge- rewen." Es hatte Herzog Albrecht »384 das Haus der B ü- ßerinnen zu Wien, in der Weihenburg (auf dem Platz des jetzigen Franziskanerklosters bey Sc. Hieronymus, unferne des Nikolaerinnenklostecs in der Grünan- gergaffe) mit stattlichen Freyheiten begabt. — 1887 pri- vilegirte der Domprobst Georg von Liechtenstein, Haus und Capelle und eximirte die letztem von Sr. Sre- i36 Die Probst e bey St. Stephan- phan. — Am 29. September i3go wurde er nach dem Tode Grafen Albrechts von Ortenburg zum Bischof von T r i e n t erwählt. — Der Unruhgeist der italienischen Freystaaten hatte auch die Eingänge der rhätischen Alpen ergriffen. Die Lage von Trient, zwischen den Viscontis, Scaligers und Carraras war überaus schwierig und Georgs Regiment äußerst unpopulär. Er mißtraute der von Tyrols Fürsten, Herzog Friedrich ihm angebothenen Hülfe, einen Con- dottiere von Parma herbeyrufend. Darob loderte der ' Aufruhr flammenhell empor, der Fürstbischof wurde Gefangener seiner Bürger, die ihm trotzig die abgeschlagenen Häupter zweyer von Wien mitgebrachten Günstlinge vor die Augen hielten. — Jetzt wollte er sich an Venedig ergeben, aber Herzog Friedrich sing ihn und führte ihn nach Wien. Er entfloh nach N i k 0 lsburg, seiner Väter Schloß, empflng von Rom den Cardinalshut und wurde auf dem Kostnitzer Kirchenrath, der erbittertste Gegner Friedrichs von Tyrol, auf welchen Acht und Bann siel, die des Hauses alte Stammgüter im Aargaue kosteten. Anton W a ch i n g e r, der vierte Probst, war in seiner sechzehnjährigen Laufbahn überaus dafür thätig, Lehrer und Meister der Hochschule, in den Vollgenuß ihrer, durch die Unruhen der Zeit allzuoft gefährdeten Rechte zu setzen und zwischen Herzog Wilhelm und dem Ungarnkonig Sigmund Frieden zu stiften. (f 1406.) Sein Nachfolger Wilhelm Thurs, Tuers, Freyherr von Aspern, stammte aus einem, auf Die Probste Set) St. Stephan. iZ-j Ottenstein und Lichtenfels bey Zwettl, zu Rauhenstein und Rauheneck im Helenenrhale in Baden, auf Türrenstein und Sunnberg seßhaften Edelgeschlechte. Unter eben jenem, den Fremden so günstigen Sig« mund wendeten sie sich nach Ungarn; fochten bey Nikopol mit, theilten sich späterhin mit den Fugger n von Augsburg in den Segen der ungarischen Bergwerke, bekleideten die höchsten Würden de§ Reichs und auch jene des Palatins und erloschen endlich, noch in voller Herrlichkeit, in den Stürmen des oojahrigen Krieges. — Wilhelm Thurso traf es, zugleich Herzog Leopolds unbeweinte Leiche und den freudetrunkenen Einzug Albrechts V. zu sehen. (i 4 r i) Dieser feyerte (1422) bey St. Stephan die Vermahlung mit Sigmunds Tochter Elisabeth, die Ungarns und Böhmens Kronen zum ersten Mahl an Österreich brachte. Bey St. Stephan erklärte Albrecht seine Annahme der auf ihn gefallenen Wahl der Kurfürsten. Des Schwiegervaters Sigmund Tod (14^7) zierte sein Haupt mir drey Kronen auf ein Mahl. Unter Thurso erhielt die Hochschule die Erlaubniß, in St. Stephanskirche das Doktorat zu ertheilen (i45o). Früher waren die Hussiten, die ob und unter dem Manhardsberge mehrmahls mit Feuer und Schwert wütheten, an den Taborbrücken erschienen und hatten vom jenseitigen Ufer, Nußdorf beschossen. 1410 vertrug der Probst Thurso die Irrungen zu Lainz auf dem zusammengränzenden Be- sitzthum des Capitels und der Herrn von Buchheim, Albrecht der Zelter, Stadtrichter zu Wien sprach i58 D i e Pröbste bey St. Stephan. für ihn an offener Bürgerschranne um ein Haus zur Himmelspforre von weiland Heinrich Hartwies, Pfarrer zu Hadersdorf.— Leopold der Stolze und Ernst der Eiserne gaben am Brechentag diesem Probst" für sich und für ihren Vetter Albrecht, den sie innhaben und der zu seinen Jahren noch nit kommen ist, daß alle Pröbste Macht haben, die Lehenrechte mit anderen Lehensleuten des Fürsten zu besitzen und am Sonntag vor Tiburtienlag, daß er auch den von Hannsen Schenk von Ried, Forstmeister zu Österreich ausgesendeten Wald, das Khainholz bey Weidlingau besitzen möge. Wiens Eisenbuch rühmt des Probsten Thurs überaus gutes Verhältniß mit der Stadt, mit der er nie einen Streit gehabt, wahrscheinlich durch dasselbe Geheimniß, das schon Mohamed gekannt und geübt und das der Hacke jeder Unterhandlung einen sichern Stiel findet: „kam der Berg nicht zum Propheten so ging der Prophet zum Berge." — Das Bild, das der Gottesgelehrte und Geschichtsschreiber Haßelbach von Thurs entwirft, zeigt einen Lebemann der gleichwohl zwey unüberwindliche Eigenschaften besaß, nähmlich alles gehen lassen, wie es eben gehen wollte und schlechterdings keine Eigenschaften zu haben, die irgend Jemanden die geringste Besorgniß einstoßen könnten! Nach seinem Ableben iffZg erhielt die Domprobstey Eonrad Zeideler, Kanzler Friedrichs IV., aber schon i44 2 ließ er seine Würde mit dem Leben, dem Mutterbruder Friedrichs, Alepandern , Ziemovirs, Herzogs von M a sso v i e n Sohn, Cardinal, Patriarch zu Aquileja, Administrator von Die Pröbst e b e h St. Stephan. 1^9 Trient; aber auch dieser fand schon nach ^wey Jahren 2 . Juny i 444 ) im Frauenchor seine Ruhe- starre. Nach dreyjähriger Erledigung gab Friedrich IV. die Domprobstey dem Grafen Albert von Schaumburg/ dessen Geschlechtsnahmen noch einer der Wiener Rorstadtgründe tragt, einen vierzehnjährigen Knaben, von dem er aber große Hoffnungen hegte, die leider nur in geringe Erfüllung gingen.— Start seiner verwaltete die Probstey, zuerst Johann Pelz macher. Probst zu Brunn und nach ihm der Domherr JodokHausne r.Der Graf von Schaumburg erlebte jene entsetzlichen Tage des) Bürgerkrieges und Bruderzwistes nach L adislavs Posthu- mus Tode, zwischen Friedrich IV. und Albrecht VI., die wir in den Geschichten Wiens umständlich geschildert. — Der Fürstenhügel bey St. Stephan, ja selbst die Kanzel, mußte oftmahls demagogischen Redekünsten frohnen. — Endlich, nachdem Albrechten die Gewalt Gottes getroffen, war der Probst? »Hof der Ort, wo unter dem Vorsitze der Bischöfe von Toreella und Lavanr, des Papstes Legaten die Wiener ihrem alleinigen Herrn, Kaiser Friedrichen und seinem Söhnlein Map huldigten, in die Hände seines Rathes und Bevollmächtigten Jörg von Volkersdorf, der edeln Ritter Hans Hofkircher, Hei- dcnreich Tritchseß Hanns Mühlfelder und des Geheim- schreibers Niklas, am Dorotheentage 1464. Des Schaumburgers Tod wird verschiedentlich auf 1470, 1471 und i 4?5 angegeben. i4o Wiens Bischöfe. Schon >468 hatte Paul 11. Friedrichen wahrend seiner Anwesenheit zu Rom, die Errichtung eines Bisthums Wien bewilligt/ doch verzögerten die trüben Zeiten die Ausführung. Die Probstey blieb bis 1477 unbesetzt. Dann gab sie Friedrich jenem gelehrten , aber ränkevollen Schmiedessohn von Bres- lau, Johann Beckenschläger, Erzbischof Primas von Gran, einst Mathias Corvins Günstling, jetzt aber vor seinem Grimme flüchtig. — Die Geschichten Wiens haben gezeigt (X. 44.) wie viel dieser Flüchtling dazu beygetragen, die natürliche Feindschaft zwischen den zwey sich so äußerst unähnlichen Fürsten aufs Äußerste zu steigern, wodurch Wien zuletzt unter ein hartes Fremdlingsjoch geneth, — und wie endlich (17. Sept. 1480) der Nuntius, Alexander Bischof von Forli, vor dem Hochaltar zu St. Stephan , die Bullen wegen Errichtung des Bisthums verlesen und an das Adlerthor anheften lassen, wie Thomas Prekokar von Cilly, als Probst ernannt worden, das Passauer Consistorium aber, aus Wien hinweg wich und sich nach Heiligenstadt begab. (X. 23. 25.) Wiens Bisch ö f e. 1. Als Friedrich während des bösen Zwiespalts seines Vaters Ernst und Friedrichs von Tyrol, mit der leeren Tasche zugenannt, zu Innsbruck i 4 i 5 geboren und als er 1462 von seinem Bruder Albrecht und von den Wienern in der Burg belagert wurde, gab das uralte tyrolische Geschlecht der Spauer, Rnrerproben seltener Anhänglichkeit und Wiens Bischöfe. i4i standhaften Muthes. X>ie$ mag Friedrichs Gedanken auf den Jüngling Leo von Spaner geleitet haben, dessen überaus lebhafter Geist, sich jeglicher Wissenschaft und Kunst, dessen edles Gemüth jeder Tugend sich offen erzeigte. Er erhielt vom Kaiser die Prarre zu B e rt h o l d S d o r f. Er begleitete Friedrichen >466 nach Rom, wo die Errichtung des Wiener Bisthums beschlossen wurde. Er war der Kirche zu Brisen vorgesetzt gewesen, und am 16. December »57» durch Si.rtus IV. zum ersten Bischöfe Wiens ernannt- Als Bripnec Bischof, wo er dem berühmten Cardinal Niklas von Cusa nachgefolgt, welchen Erzherzog Sigmund bekriegt und gefangen, hatte er zwey Mitwerber an Georg Golfer und an dem Cardinal Franz Gonzaga. Gegen das neu» Bisthum Wieu war nebst Passau, vorzüglich die U » i v e r s i t a t. In einer Urkunde, Freytag vor Pankrazen 1466 nennt er sich: „Ich Leo Frey von Spaur und Lichtenberg, vbrister Erbschenk zu Tyrol, Lehrer geistlichen Rechten und Pfarrer zu Berlholdsdorf." — Er wohnte (> 1. December >473) der Einweihung der Dorotheer- kirche durch den Cardinalpatriarchen von Aquileja bey, trat aber das Wiener Bisthum doch nicht an, sondern nannte sich nur: „Wir Leo von Spaur, von Gottes Gnaden Bischof zu Brixen und Pfarrer zu Bertholdsdorf, oberster Bruder der Allergläubigen Zeche." — Der beständige und heftige Einspruch von Seite Paffaus und daß Friedrich, von der harten Zeit gedrängt, sein Versprechen noch immer nicht gelosek, das neue Bisthum gehörig zu d o- ,i 42 Wiens Bischöfe. t i r e n/ war der gute Grund seiner Weigerung. Der Wiener Hochschule mußte sogar ein besonderer geschärfter Befehl auftragen, in dem Wiener Bischof ihren Ordinarius erkennen. — Leo erlebte nicht einmahl die feyerliche Verkündigung der neuen Kathedrale, sondern starb kaum 4 ojährig, mit dem Schluße des Jahres 1479. II. B e rn a rd, ein Sohn des angesehenen Rittermannes Andreas von Rohr und Margarerhas von Z e l k i n g, war vom Chorherrn zu St. Polten, Erzbischof von Salzburg geworden. ES ist bereits in den Geschichten Wien'S vorgekommen, wie die unglückselige Hartnäckigkeit Friedrichs, diesen Bernard zur Resignation zu zwingen, und den aus Ungarn flüchtigen Erzbischof Johann von Gran, der nun das neue Bisthum Wien verwaltete, auf den Stuhl des ge- bornen Legaten und Primas von Deutschland in Salzburg zu heben, den Bernard aber dafür nach Wien zu setzen, dem großen Ungarnkönige Mathias Corvin, endlich die Übermacht in Steyer und Kärn- then, das schöne Land unter der Enns und Wien selber, mit der Burg und mit den Gräbern der Kaiser, in die Hand gespielt habe. — Erst im Laufe des Jahrs 1482 übernahm Bernard diese Verwaltung, erst am 20. December 1484 wurde er von Jnnocenz VI. darin bestätiget. Als aber Mathias im nächstfolgenden Frühjahre, Wien mit seinem mächtigen Kriegesheer umstellte und durch.Hunger, List und Gewalt zur Übergabe zwang, floh Bernard in sein altes Erzstifr, wo er als der Urheber so vielen Übels auch nicht gerne Wiens Bischöfe. 143 gesehen war und kaum ein unbestrittenes Grab im Salzburger Dome fand. (ch 21. März 1467.) Nach seinem Tode blieb das Bisrhum über Jahr und Tag erlediget. III. U r b a n D 0 c z y, Mathias Vertrauter und das erprobte Werkzeug mancher seiner größten Entwürfe , verdiente allerdings auch das schönste Blatt aus dem Kranze seines herrlichsten Sieges. Der königliche Freund gab ihm die Jnful Wiens 146U. — Als aber zwey Jahre darauf, (-6. April 1490) der nach Linz vertriebene Friedrich dieses seines größten Feindes durch gleiche Gewalt Gottes, wie seines eigenen Bruders Albrecht ledig geworden und als der vor wenigen Monathen der großen Gefahr auf der Martins wand glücklich entgangene Maximilian, Wien wieder eroberte, schloß er llrban von diesem Sitze aus. Der wich in sein altes Bisthum Erlau, wo er im dritten Jahre darauf starb. Die allgemeine Feyer der unbefleckten Empfängniß, vorher nur vom Clerus und von der Hochschule begangen, rühret von Doczy her. IV. Johann Vitez, auch ein Ungar, erhielt die Nachfolge: den» als Maximilian nach Mathias Tod und WienS Wiedereroberung, seinen Anspruch an Ungarn unter dem Beystand einer bedeutenden Partey, durch die Waffen geltend machte und bis in die Nähe der Königsstadl Ofen drang, übergab ihm Vitez nach mannhafter Gegenwehre, seine Bischofstadt Ves- prim und trat zu ihm über. Der gegen Maximilian und gegen Johann Corvin, des großen Mathias viel- i44 Wiens Bischöfe. geliebten natürlichen Sohn zur heilige» Krone gelangte Böhmenkönig, der schwache Wladislaiv Jagello beließ Vitez im Vesprimer Bisthum und Rom bestätigte ihn darin, so wie (8. Februar > 49 ^) jener berüchtigte Alexander VI. Borgia, auf dem Wiener Sitze. V. Diesem hatte durch kurze Zeit, der Seckauer Bischof Mathias Schait vorgestanden.— Mtez zeichnete sich durch Strenge des eigenen Wandels und der Kirchenzucht und durch schonungslose Wachsamkeit gegen alle Irrlehren aus. Mir diesem Nachruhm beschloß er sein Leben, zugleich mit dem Jahrhundert. (i499-) Vf. Bernard, ein Sohn Weikhards von Poll- h e im und Wartenburg, ihm »456 durch Barbara von Traun zu Eschelberg geboren, war demnach zwey uredeln Geschlechtern dieses Landes ungehörig.— Aus Jralicn höhlte er sich die höhere Bildung, mit solchem Erfolge, daß er, wiewohl erst 22jahrig, Reccor der berühmten Hochschule zu Padua wurde, Doctor der Rechte und Domherr zu Passau, 149Z Pfarrer zu Traunkirchen, 1499 Probst bey St. Margareth zu Dömös in der Grauer Gespannschaft und bald darauf Administrator des Wiener Bisthums. — So sehr Maximilian ihn liebte, konnte er dennoch nicht wirklicher Bischof werden, da er nur die minderen Weihen hatte. Er starb 48jährig am i 3 . Jänner i 5 o 4 und ruht bey den mindern Brüdern zu Wels in der Erbgruft der Pollheime. VII. F r a n z B a k a t s, Bischof zu Raab, ein Bruder des berühmten Cardinalbischofs und Kanzlers von Wiens Bischöfe. 145 Ungarn , Thomas Bakats, auf welchen Maximilian mir Recht seine Hoffnung setzte, zur Störung der ehr- geitzigen Plane der Zapolyas auf die ungarische Krone und zur Wiedervereinigung llngarns und Böhmens mit Österreich nach dem allenfälligen Erlöschen dieses Seite,izweiges, der über Pohlen und Lithauen herrschenden Jagellonen. — Bakars starb i5o<) und der Stephansdom blieb bis i5i5 ohne Oberhaupt. V111. Georg Sl a tk o n ia, ein Laibacher, berühmter Gottesgclehrter und großer Tonkünstler, Vorsteher der kaiserlichen Hofcapelle, auf welche Maximilian viel Geld und die liebvollste Sorge verwendete, auch Dichter und Literator, nach der damahligen , alles hellenisirenden und comanistrenden Weise, Chrysippus genannt, weil sein Nahme in der windischen Muttersprache ein „güldnes Roß" bedeutet, das er sich auch ins Wapen setzte. — Ma§ I. hatte ihn Anfangs May i5i5 ernannt, Leo X. Medicis, ihn am 12 . August bestätigt und auf des Kaisers Bitte, ihm zugleich vergönnt, seine vorigen, zahlreichen Pfründen beyzubehalten, das Bisthum Biben, Petina, Probstey und Dompfründe zu Laibach, die Probstey St. Niklas zu Rudolphswerth, die Pfarre St. Martin in Maräutsch und das landesfürstliche Be- nefizium auf St. Georgensaltar im Laibacher Dom. Kurz nach dem Antritte seines Amtes vollzog er das seyerliche L e i ch e n b e g ä ng n i ß Friedrichs IV. und die Übertragung aus der Gruft in das herrliche Marmormausoläum. — i5i4 weihte er die Capelle im M e l k e r h o f und übertrug die irdischen Reste tl. Iahrg. Denkivürdigkciten. >.Bt>. 2. Heft. ao i 46 Wiens Bischöfe. Friedrichs des Schönen, besten Gedächtniß Max dem!, überaus theuer war, in der Karthause zu M a u e r- bach in eine anständigere Ruhestätte. — Am 22. July i 5 i 5 wurde bey St. Stephan die Doppelhei- rath zwischen Maxens Enkeln Ferdinand und Maria mit Wladislaws Kindern Ludwig und Anna vollzogen, worüber alles Wesentliche in der Geschichte Wiens bereits gemeldet ward. Nur drey- zehn Jahre vergingen und jener unglückliche Lud» wig fiel bey Mohacz wider den großen Suleyman und UngarnS und Böhmens Diademe gediehen für immer an Österreich. Slatkonia erlebte den Ausbruch der Refor- mation, er erlebte den Tod seines Wohlthäters und Freundes Maximilian i 5 ig, — den von Michael von Eyzing und Hanns von Buchheim angefachten Aufruhr wider die, vom sterbenden Kaiser, bis zur Ankunft seiner Enkel Carl und Ferdinand aus Spanien verordneten Regenten, aus deren Zahl er selber war, daher auch von den Unruhstiftern vielUn- bild erdulden mußte. — Schwach und kränklich bath er den neuen König Carl und den Papst, um einen Coadjutor, wozu sie auch am 22. Juny 1620 Conra- den Renner, Probst bey St. Peter zu Löwen ernannten, der ihm aber in wenigen Wochen im Tode folgte. — Georg starb am 26. April 1022. Auf seinem Grabmahle im Frauenchor liest man: Georgius Slatkonia, natione Carniolns, civitatis Labacensis, hnj'us templi Pontifex, et Pe- tinensis Administrator. Divi Maximilian* Caes. Wiens Bischöfe. »47 Augustissimi a Consilio Archimusicusque. Vir pientissimus, modestissimus , integerrimus , qui in ornando Episcopatu Viennensi omnes antecessores suos facile superavit. Vivens sibi hoc monumentum fieri curavit. Anno salutis MDXXII. 6. Lai. Maj. vixit an. 66. mens. i. dieb. 5. Durch zehn Monathe verwaltete dies Bisthum, Peter Bonomo Bischof zu Trieft, dem aber auf die sehnsuchtsvolle Bitte, wieder zu seiner bisherigen geliebten und vertrauten Herde zurückkehren zu können, Ferdinand I. von Neustadt aus am 2g. November 1023 das edle Verlangen bewilligte und IX. Den Burgunder Johann vosn Revellis, seinen Beichtvater und Almosenier, Domherrn zu Granada, hierauf Domdechant in Wien zum Bischof ernannte. Er hielt die erste türkische Belagerung durch den großen Suleyman (1629) mit aus und verblich im darauf folgenden Jahre. — Ihm folgte der Schwabe X. Johann Faber von Leutkirch, Ferdinands I. Rath und Beichtvater, sein Gesandter in England, iÖ2g und i53o auf jenen berühmten Reichstagen zu Speyer und zu Augsburg persönlich anwesend, ein Kanzelredner von demosthenischer Kraft und ein heftiger Bekämpfer der neuen Lehre. — Sein erster Küchendienst bey St. Stephan war die Tod- tenfeyer jener großen Tochter Map's I. Margarethens, Statthalterinn der Niederlande. — i53r wurde er auch Coadjutor von Neustadt und i53g machte er i 48 Wiens Bischöfe. im Gefühl der planvollen Umtriebe der Neuerer, der katholischen Jugend vorzüglich dem Nachwuchs im geistlichen Stande, alle höhere Bildungsmictel, zu entziehen, bey St. Niklas in der Singerstrafie eine Stiftung auf zwölf Studenten und einen Präses, darunter sechs Wiener Kinder und sechs Leutkircher seyn sollten. Diese Stiftung aber wahrte alldort nicht lang. Die Franziskaner kamen dahin und des Bischofs Faber herrliche Bücher kamen in die Hofbibliothek. — Er starb am 21 . May i54i , als eben die Pest in Wien wüthete. — Sein Grabstein am Ursulaaltare, wies die Inschrift: D. M. S. Joarin Faher. e Leutkirch Suevie opp. oriundus Divi Ferdinandi Cesaris Rom. Hang. Boem. Regis a Consiliis et sacris Confession. gravissimus Ilaereseon Persecutor. Inclytus Evangelii Christi Praeco. Epus. Vienn. qui postquam toto Decennio ex hoc loco Bonus Pastor Salutari Verbi Dei Pabulo suum Gregem refecit. Obdormivit in Dno. Annum agens 63 a nato Servatore i54i. i2. Calend. Junii. XI. Friedrich Nausea, ei» Würternberger von Weiffenfeld, Prediger in Dorn zu Mainz und darauf Rath und Hofprediger Ferdinands I., ein berühmter Schriftsteller in der Geschichte, im bürgerlichen, Staars- und canonischen Recht, in der Gottesgelehrtheit, Grammatik, Dicht - und Redekunst und sogar in den Naturwissenschaften. Von Mailand und Venedig bis nach Leipzig und Wien, Paris und Antwerpen Wiens Bischöfe. i4y wurden seine zahlreichen Werke/ seine Briefe aber zu Basel in Druck gegeben. Er starb plötzlichen Todes auf dem Kirchenrathe zu Trient/ 6. Febr. i 55 i. — Billig hing ob seinem Grabe eine Tafel/ die ihn als Eiferer für den Frieden und für die Einheit der Kirche predigend darstellte. XU. Christoph Wertmein, ein Elsaßer, Ferdinands Gewiffensrath und Bischof zu Neustadt erregte treffliche Hoffnungen, aber schon ein Jahr nach seiner Ernennung, im 41. Jahre seines Alters verblich er (20. May i 553 ) und die Kathedrale Wiens stand durch fünf Jahre leer.— Konig Ferdinand trug dieselbe dem großen Vordermanne der um diese Zeit in Wien angelangten Jesuiten, Peter Canisius an, dessen Nahme durch -seinen Katechismus allbekannt ist. Er verbath die hohe Echre in gewohnter Demuth. Dennoch mußte er die Verwaltung des Bislhums auf ein Jahr auf sich nehmen. XIII. Der Mährer Anton Brus von Mügl itz, oberster Meister des ritterlichen Ordens der Kreuzherrn vom rothen Stern, ein Zögling der Wiener Hochschule, stand dieser Kirche nur vier Jahre vor, da Ferdinand ihn i5t>2 zum Präger Erzbischos erhob und ihn sohin auch als seinen Redner aai das Concilium zu Trient sendete. Er setzte Map dem II. Marien seiner Gemahlinn und Rudolph dem II. die Krone Böhmens auf. Er war der Freund jenes berühmten Guisen, des Cardinals von Lothringen, mit dem er nach Rom wallte, an die Gräber der Apostel und zu den Wundern der Kunst. Er entschied in der hämi- i5o WienS Bischöfe. schen Anklage des Bischofs von Ilerda , spanischen Orators bey der Kirchenversammlung für den großen Erzbischof von Toledo, Bartholomäus Carranza und für die Reinheit seines Katechismus. Wie in den ältesten Zeiten die Missionen deS Glaubens, zugleich mit der Eroberung des Schwertes der Franken über die Enns gedrungen, so verdankten auch diese Lande die ersten die fruchtbarsten und die dauerndesten Keime der Kultur des Gemüthes und des Bodens, keinem Kaiser und keinem Herzog, sondern der Kirche. — Passau und Salzburg, Regensburg und Freysing, Altaich und Tegernsee, Monsee, Kremsmünster und das gleich diesen allen tausendjährige St. Peter der alten Juvavia (Salzburg) haben den Urwald gelichtet, die abergläubischen Versammlungen an Quellen und in Höhlen und auf Bergesgipfeln zerstreut, die Götzenbilder unter den gleichfalls tausendjährigen Eichen gestürzt, den Sumpf getrocknet und unsre rauhen Vater in geschlossene Wohnungen hereingeführt, bis endlich eine Stadt und erst noch viel später daraus ein Staat wurde. — So that auch jetzt wieder, da das alte vielfach schlecht verwahrte Gebäude von allen Seiten den Einsturz drohte, kein Kaiser und kein Herzog, sondern übermahl die Kirche ihr Bestes. — Der Papst stiftete nicht allein in Rom deutsche und nordische Collegien, unerschrockene Streiter für seine Kirche zu bilden, sondern er gründete solche Seminarien und Alumnate auch in fernen Ländern weltlicher Fürsten in und bey den Jesuitencolle- gien, da in allen andern Klöstern der Glaube und noch WirnS Bischöfe. i5i mehr die Zucht und Sitte durch und durch erschüttert war. Die also gearteten Cvllegien in Wien, am Hof, zu Grätz und Prag kosteten der päpstlichen Kammer jährlich über 80000 Gulden. Dennoch hielt sie diese und andere Stiftungen aufrecht, wahrend die Fürsten und die Bischöfe sich mit bitteren Klagen über den gänzlichen Verfall ihres Ansehens, ihres Einfiußes und ihrer Einkünfte begnügten, ja während erstere hier und da noch den Unfug forttrieben, geistliches Gut und Pfründen an ihre Günstlinge zu verleihen. Eben der folgende Bischof Neubeck klagt bitterlich darüber: „daß die Prälaten am häufigsten auf der Jagd und Reiger- beitze zu finden seyen und über dem Chorsingen und über dem Hofiren an den Prälatentafeln, die Studien gänzlich verfielen. An der Universität sey für die Theologie gar nichts zu hoffen. Es seyen wohl über loo Stipendien für ausgezeichnete Talente da, die aber fast allein den Sektischen zugewendet, die Katholiken davon ausgeschlossen oder genöthiget wurden, die Religion zu verleugnen. Diese Stipendiaten lebten meist außerhalb der Bursen und verrichteten Geschäfte in Bürgershäusern, wo sie auch die Kinder zu Proselyten machen und an Religion und Sitten gar jämmerlich korrumpiren, wornach höchst nöthig wäre, 3 o bis 4 <> Stipendien auf die Theologie zu transferiren und da Verführung und Verderbniß von oben ausgegangen, mit den Professoribus und Oko» nomis eine gründliche Reformation vorzunehmen." „Die Schulen der Landschaft gar abzustellen und das Seminarium an ihrer statt einzuführen, würde ,52 Wiens Bischöfe. heftigem Widerspruch ausgesetzt, Beyde zu vereinigen aber sehr bedenklich seyn, weil bey den Ständen das Übergewicht der Seelischen gar zu groß, weil die Gunst Alles entscheide, weil beynahe Kinder dahin kommen, wie sie nur die ersten Fundamente haben und eben sobald, ohne was Rechtes gelernt zu haben, wieder abziehen, auch eine große Geldversplitte- rung dort herrsche. Wollte man das Seminar an die Universität anschließen, so würde ganz der nähmliche Abfall vom Glauben statt finden und die Jugend zu einer solchen Freyheit und Frechheit gerathen, wie dort, wo dieselbe unmöglich in officio, vielwenigcr in gebührender Disciplin zu erhalten gewesen sey! — Dagegen gebe das päpstliche Seminar bey den Wiener-Jesuiten das trefflichste Beyspiel, als das mit wunderbarer Thätigkeit zugleich die Kennlniffe und die Sitten, den mündlichen und den schriftlichen Vor- krag ausbilden, also daß Jedermann Seelsorger von diesem Seminario begehre, statt der bisherigen! Da Alles pro publico commodo geschieht, so dürste der Landesfürst wohl auf die Prälaten, auf die Städte und Märkte einen Aufschlag machen, und letztere zur Rechenschaft ziehen, wie sie die geistlichen beneficia, ungefragt, ad quoslibet usus profanos verwendet haben? Ferners hätten viele beweibte Pfarrer, reiche Pfarreyen und aus den Kirchengütern, Äcker und Wiesen, Häuser und Lustgärten für ihre Familien gekauft. Aus solche Pfarrer wäre mit Vorwifsen des heil. Stuhls zu Rom, eine ewige Pension zu jenem Seminar anzulegen." i55 Wiens Bischöfe. XIV. Nach Antons Abgang verwaltete der Bischof Urban von Gurk unsern Dom von >563 bis in die Hälfte des Jahres >568: ein Liebling Ferdinands 1- Mars II. und des Erzherzogs Carl von Grätz, deren Rath, Hof- und Pfalzgraf er war und die gerne seinem großen Rednertalent ihr Ohr liehen. Die berühmte Leichenpredigt auf Ferdinand I. hielc Urban auf dem Srephansfreythof, unferne der Magdalena- capelle unter ungeheurem Zulauf. Er starb zu Gurk lö’j'b. Der ausgezeichnete Mann war ein rechtes Andenken aus der türkischen Belagerung. Wie er heiße 'i Wer seine Altern gewesen? weiß niemand. Er war eines der zahllosen in die Sclaverey weggeschleppten Chcistenkinder. Die Verfolger fanden den fünfjährigen Knaben inmitten der, jenseirö des Wienerberges zurückgelassenen, reichen türkischen Beute. XV. Caspar Ncubeck von Freyburg im Breisgau, Lehrer der heil. Schrift und Rector der dortigen albertinischen Hochschule wurde von Max II. als Hofprediger nach Wien berufen. Sowohl in der Burg als bey St. Stephan entsprach er dem in ihn gesetzten Zutrauen vollkommen, und auch seine spätern Predigten zu Anfeuerung der Gemüther in der mehrmahls wiederkehrenden Türkengefahr, dürfen un- gescheut als Muster aufgestellt werden. Er starb >6. August >5g4. — Er erlebte das furchtbare Erdbeben von >5gc>, das den Stephansthurm so schwer beschädigte. Unter ihm war die Vorherrschaft der Protestanten an Zahl und Übergewicht entschieden. Wir verweisen darüber auf die in derGeschichte Wiens i 54 Wiens Bischöfe. aufgeführten, urkundlichen Thatsachen. Der katholische CultuS war außerhalb der Kirche durch llnbilden und Gewaltthaten jeder Art gestört. Die Brüderschaften oder Zechen, waren durch geraume Zeit in ihren Werken der Andacht und Wohlthätigkeit gänzlich unterbrochen und gehemmt und mußten sich in aller Stille, wie zu einem Werke der Finsterniß, im Bischofhofe versammeln. XVI. Vier Jahre blieb nach Neubecks Ableben, der Wiener Sitz wieder erledigt, bis ihm »898 Melchior Klesel folgte. Sohn eines lutherischen Bäckers, »553 zu Wien geboren, ward er in jungen Jahren vom Jesuiten Scherer bekehrt, und sonach Bekehrer seiner Ältern) päpstlicher Alumne, zu Bres- lau und Jngolstadt ausgebildet, darauf Lehrer der heil. Schrift, passauischer Offizial, Rüdolphs II. Rath und Hosprediger, »588 Administrator des Bisthums Neustadt, »698 jenes zu Wien. — Erst »6»4 erhielt er von Paul V. die Bestätigung als wirklicher Bischof zu Wien und zu Neustadt und »6»6 den Cardinalshut. Früher schon beehrte ihn der Papst mit dem Titel eines „apostolischen Predigers." Unter dem Volke sind noch wundepseltsame Sagen im Umlauf von der Zauberkraft seiner Rede auf das Landvolk, die unzählige Bekehrungen und das Geständniß mancher durch viele Jahre verborgenen, ja sogar Unschuldigen aufgebürdeten Unthat zur Folge hatte. Ja trotz des unendlich verschiedenen Geschmackes, galt noch bis in unsere Tage jene Predigt vom Palmsonntag »590 als ein unübertroffenes Muster, kraft deren WienS Bischöfe. »55 die Neustädte» den so eifrig gesuchten Kelch einstimmig aufgaben und sich einstimmig zum Genuß des Abendmahls ausschließend unter der Gestalt des Bro» tes erklärten. Klesel baute »609 den schlecht bewohnten Dom- pröbsten ein eigenes Haus in der Singerstraße, den Nikolaerinnen gegenüber und incorporirte »612 der Domprobstey die Dechantey Kirnberg, »618 stiftete er einige Alumnen im Convict bey St. .Barbara. So thateifriges Werkzeug der, Nudolphen dem II. endlich abgenöthigten Gegenreformation, Klesel unter ihm gewesen, so ein verderbliches System der Lauheit und Halbheit bezeichnete seine Schritte als allmächtiger Minister des Kaisers Mathias. Die Gewalt verdarb ihn und erfüllte ihn mit despotischer Hoffart, mir übertriebenem Zutrauen auf sich selbst, mit Verachtung der Menschen und der Geschäfte und mit unleidlichem Übermuth, selbst gegen die Prinzen des Hauses, insonderheit gegen den Erzherzog Ferdinand von Grätz, die letzte Hoffnung der Katholischen, den einzigen Hort des Erzhauses. Ja, die Würfel schienen so zu liegen, als wollte Klesel, einst ein glühendes Werkzeug der Gegenreformation, jetzt die ProteHanten an sich ziehen, um dem Kaiser, Gegengewicht und Widerhalt gegen Ferdinand zu verschaffen. Die Geschichte Wiens erzählte, wie kurz und stark Ferdinand dagegen verfahren, wie der Cardinal in der Burg selbst abgefangen unter der Schottenbastey in einen verdeckten Wagen gesetzt und in größter Stille und Eile, übe» den i56 Wiens Bischöfe. Semmering nach dem tyrolischen Schloße Ambras in strenge Haft abgeführt worden sey. Nach Mathias Tode und nach dem Sieg am weißen Berg, ward ihm der Aufenthalt in der Benedikrinerabtey Georgen- herg und endlich die Reise nach Rom vergönnt. Nach Pauls V. Tode federte ihn Gregor XV. nach Rom in die Engelsburg ab, wo er vor allen Fürsten und Cardinälen, ja vom Papste selbst besucht und in der Frohnleichnamsoctave iö 23 als ganz unschuldig erklärt, vom päpstlichen Nepoten Cardinal Ludovist, zum Zeichen der völligen Freyheit überall herumgeführt, in den Siptinischen Pallast bewohnt und in die Congregatio» cke props^nncks fiele aufgenommen wurde. Urban VH/. söhnte ihn mit Ferdinanden gänzlich aus. — Am 25. Jänner 1628 hielt der beynahe achtzigjährige Greis seinen Einzug in die Stadt, in welcher er durch 4g Jahre das Wort Gottes gepredigt und wurde unter dem Geläut aller Glocken, vom Adel und Clerus, vom Stadtrath und der Hochschule an der, in der Singerstraße errichteten Triumphpforte mit Frohlocken empfangen. — Zwey Mahl noch predigte der alte Mann nach seinem Wahlspruche: sua* viter et fortiter, ein Mahl in Ferdinands Gegenwart, weissagte sein nahes Ende und daß er in dem geliebten Neustadt sterben würde, genoß auch wirklich seine Wiederherstellung nicht lange, sondern verblich zu Neustadt 18. September i63o. Des Klosters zur Himmelpforte, das er immer sehr geliebt und dem er die schöne Orgel gestiftet, dachte er noch in seinem Testamente. — Er hatte sich nach einander die zwey Wiens Bischbfe. 1&7 Schottenabte zu Wien Augustin Pittrich und Johann Waldersinger als Suffragane und Weihbischofe von Germanica erkohren.— Zwey Grabschciften verewigten bey Sr. Stephan des merkwürdigen Mannes Gedächtniß. Reverend»» Dominus Melchior Kleselius Viennensis Austriac. cnm ab invictissimo Caesore Rudolpho Anno M. D. LXXIX proprio motu in Praepositum Sanctae Cathedralis hujus -Ecclesiae publicaretur, ejusdem pari benignitate in Episcopum Anno M. DXCVI1I. XXIV. Januarii die proclamatus. Insuper a Paulo V. summo Pontifice Apostolici Concionatoris titulo insignitus multis ac variis pro Ecclesia Dei, et Christiana Republica susceptis laboribus confectus, Deo animam redidit Anno M. DC. XXX. Diese auf dem Gruftsteine; an seinem Grabmahl hingegen, das ihm sein Nachfolger der Fürstbischof Anton gesetzt: Monumentum eminentissimo ac reverendissimo Principi, et D. D. Melchiori S. R. E. Tit. S. Mariae de Pace Presbytero Cardinali Kleselio Episcopo Vien. et Neostadiensi Augustissimi Imperatoris Mathiae arcanorum Consiliorum Directori, Haeresum Persecutori, Re- - ligionis Catholicae hic labentis Restauratori, Maximis P. P. et Imp. Rom. ob Excelsas Ingenii ac Naturae Dotes Ad summas Res Adhibito, Eloquentia, Consiliis, legationibus Et Ingentibus factis per Orbem Christianum Clarissimo, *58 WienS Bisch öf e. Qni Utraque fortuna Domita , Exactis Vitae Annis LXXVII. Episcopatus Viennensis XXXVI. Caelo jam maturus facultates suas a Deo sibi Commissis Ecclesiis, Corporis Vero Exuvias, Meritorum suorum Deinceps Gloria Vestiendus Morti Lubens Cessit Die XVIII. Septembris MDCXXX. Hic Ad Aram B. V. M. sepultus. Antonius Ejus in Episcopatu Vien. Successor Invictissimorum Caesarum. Ferdinandi II. et Tertii Consiliarius Intimus, Praesuli aeterna memoria dignissimo Pie posuit. Unter den vielen, in Folge der Reformation von ihren Bewohnerinnen verlassenen, oder vom aufgeregten Landvolk bestürmten und geplünderten Nonnenklöstern, war auch das, von den steyerischen Ottokaren, in einer himmlischen Felsen- Sees- und Waldeinsamkeit, schon in der Carlowingenzeit gestiftete Traunkirchen. Der Herr des Landes zog es an seine Kammer, untergab es bald weltlichen, bald geistlichen Administratoren und wies starke Pensionen darauf an. — K. Mathias beschloß i 6 r 3 es mit dem sehr geschmälerten Bisthum Wien zu vereinigen, ließ sich zu diesem Ende das Inventar und die Hauptrechnung von 1987 vorlegen und befahl den zeitlichen Verwaltern, dem Prälaten von Garsten und dem Dominikanerprior zu Wien, Traunkirchen gegen eine Pension jährlicher 2000 Gulden an'Kremsmünster, für das Bisthum Wien zu übergeben. Allein obgleich diese Inkorporation 1614 förmlich beschlossen worden, kam es dennoch zu nichts andern, als, daß dem Car- WienS Bischöfe. i5g dinal Klesel eine lebenslange Pension auf Traunkir- chen verblieb, selbes übrigens durch den Bischof von Pajsau, Bruder Ferdinands II., nachmahls Regenten in Tyrol, auf des Kaisers Befehl, zur Förderung der Gegenreformation im Lande ob der Enns, den Paffauer Jesuiten eingeräumt wurde und nie zur Mensa des Wiener Bischofs kam. XVII. Anton Wolfrath, zu Köln am Rheins i 582 geboren, begann seine Studien in diesem deutschen Rom und setzte sie in dem unvergänglichen Rom an den Ufern der goldenen Tiber fort. Bey seiner Disputation gewann sein Scharfsinn und seine Beredsamkeit in solchem Maße des großen Bellar- min Bewunderung, daß er dem Jüngling seinen eigenen Cardinalshut aufsetzte, mit den Worten: „Überhebe Dich nicht, wenn einst derselbe Hut auf deinem Haupte ruht." Er trat dann zu Heiligenkreuz in den Cisterzienserorden, wurde aber von dort, eben um seiner ausgezeichneten Eigenschaften willen, in das Mutterkloster, in St. Bernards schattenreiches Clairvaux geschickt. Er trat dann als Profeß in das steyermärkische Kloster Rain, wurde Abt zu Wilhering ob der Enns, und von dort als Abt nach Kstemsmünster postulirt (i6»3.) Ferdinand 11. vollendete vorzüglich durch ihn, die Gegenreformation. Niemand wußte mit würdigen und weitaussehenden Unternehmungen, solche Wirthschaft zu vereinbaren. Ferdinand erhob ihn daher zum Hof- kammerpräsidenten, zum geheimen Rathe, i63i zum Fürsten des heil. röm. Reichs, (welche Würde zeit- 160 Wiens Bischöfe. her bey diesem Sitze blieb) und gebrauchte ihn in vielen wichtigen Sendungen zumahl an die Mitglieder der katholischen Ligue. Er weihte die Kirche und Kaisergruft bey den Kapuzinern am neuen Markt. Er gründete einen herrlichen Bücher schätz/ schrieb die „Geschichten seiner Zeit" und erbaute den jetzigen Bischofhof/ der so verfallen war, daß Klesel bey seiner Rückkehr, nachdem er einige Zeir in des Vicedom, eines Freundes Hause, Unterkommen gesunden, den Stadtrath um ein Quartier ansprechen mußte. Eben wollte der Papst ihm die von Bellar- min geweissagte Cardinalsivürde verleihen, als er i. April 16Z9 starb, wenige Wochen, nachdem die Andacht des Kreuzweges nach ebendem Herrnals begonnen, wo einst die neue Lehre im schwarzen Gewände des wildesten Sectengeistes erschienen war. — „Ich war Abt, Bischof und Fürst und bin nun Staub, ein Schalten, ein Nichts," schrieb er auf seinen Gruftstein. Sein Herz sendete er nach Kremsmünster, wo er so gerne, in ruhiger Muße den göttlichen Musen gelebt. Sein Nachfolger errichtete ihm ein Denkmahl in der Kalharinacapelle, mit der Inschrift: Antonio Religione, Prudentia, animi magnitudine, rerum humanarum, divinarumque scientia, iis comparando , quos vidit, et obstupuit antiquitas. Viro Tribus Insulis Pari, Hilariensi, Cre- miphanensi ac Pontificum Viennensi, Augusti Imperatoris Ferdirtandi II. et Fe'rdinandi III. Intimo Consiliario , ad Ordines Z. R. I. sapien- Wien« Bischöfe. ,6» tissimo legato : ob labores Reipublicae cansa fortiter susceptos, et feliciter gestos inter Imperii Principes adlecto. Domi forisque magno ut mortuus -viveret apud posteros, Phi- Iippusf Fridericus Episcopus Viennensis. In Catbedram Successor, in tumulum successurus posuit. Vixit annos EVIII. Obiit anno M. D. C. XXXIX. Calend. Aprilis. In den ersten Tagen der Errichtung dej Wiener Bisthums, hatten die Bischöfe lange gar kein eigenes Haus in der Stadt/ sondern fuhren sedes Mahl zu den gottesdienstlichen und oberhirtlichen Verrichtungen in die Stadt herein, von ihrem Hof und Mayer- thum an der Wien vor dem heutigen Earolinenthor, am Fuße des Hügels, worauf ein Theil der Raben - gaffe sich erhebt. Dieser Hof aber, schon in der ersten türkischen Belagerung von 1829 zerstört und dann wieder erbaut, ging in der zweyten Belagerung von »663 völlig unter. — Eben darum, weil diese Umgegend, (von den Höhen des Belvedere herunter, dem heutigen Canal nach und bis zur Mündung der Wien in die Donau) die reichste Fundgrube römischer Überreste gewesen (I. Heft S. 98. und II. H. S. 285) ist merkwürdig, daß sich ebendort auch die schönen Antiken fanden, die noch im Bischofhofe als beym Grundherrn sich befinden z. B. die Köpfe eines jungen Germanicus und einer Agrippina , eines jungen Fauns rc. und jener merkwürdige (in der mahlerischen Reise des Grafen Alexander L a b o r d e durch Österreich, nur sehr II. Jahrg, Denkwürdigkeiten. 1. Bd. 2. Heft. 11 »62 Wiens Bischöfe. mittelmäßig dargestellte Canopus, dessen treues Abbild und Beschreibung, das folgende Heft liefert. Bischof Wolfrarh erweiterte und vergrößerte gar sehr den jetzigen Bischofhof, der in den Zeiren Heinrichs von Luzern und Leopolds von Sachsengang, „der Pfarrhof in der Wollzeil" hieß. Es ward schon oben S. »6 bemerkt, wie Bischof Wolfrath um die Achter (oder wie sie von der vermehrten Zahl hießen, die Elfer) nähmlich die Kurgeistlichkeir zu St. Stephan in ein anderes Haus zu übertragen, vom Rathe der Stadt, eine» Theil der alcen Bürgerschule zu St. Stephan mit Saal und Bibliothek, wie auch einen Theil der alte» Bauhütte oder Steinmetz-Lade erhielt— Erst der Bischof Kollonits brachte die Kurgeistlichkeit ganz aus dem Bischofhofe weg, indem er eine bedeutende Summe dazu beytrug, daß sie sich selber die Kur ausbauten und erweiterten. — Wolfraths Bau des Bischofshofes verewigte ob dem Brunnen folgende Inschrift: ' Memoriae immortali illmi. et rmi.D. Antonii D. G. Episcopi viennens. 8. R. I. principis, Ferd. II. et Ferd. III. augnstiss. ab arcanis consiliis , epalis. hujus palatii fundatoris, Philippus Fridericus successor, ut grata nominis fama in seram posteritatem perennaret, monumentum hoc posuit anno Dni. MDCXLI. episcopatus II. 8igismundus epus. renovav. anno MDCCXVI. epatus I. XVIII. Friedrich Philipp Graf von Breuner, Domherr zu Breslau und Regensburg, ,63 Wiens Bischöfe. Probst zu Brunn, Weihbischoff zu Ollmütz.— Von ihm ist der prächtige Hochaltar, von ihm das bischöfliche Haus auf der Freyung, von ihm das Schloß zu St. Veit. All sein Reichthum war der Verherrlichung des Gotteshauses und Gottesdienstes geweiht. Er war von solcher Andacht und Demuth, daß nur der Befehl der Arzte den kränklichen Greisen beivegen konnte, seine Gewohnheit adzulegen, das Hochwürdigste beym Frohnleichnamsumgang und selbst zu Nachts - und Winterszeit, zu den Kranken immer baarfüßig zu tragen. Er starb 72jährig am 22. May 1669. XIX. Wilderich Freyherr zu Walders- dorf, Domherr zu Mainz und Würzburg, Dom- probst zu Speyer, Reichsvicekanzlers-Stellvertreter. — Unter ihm geschah die neue Pfarreintheilung (Urk. Buch Nr. 124 u. . 25 .), unter ihm die Vertreibung der Juden aus der Leopoldstadt, unter ihm war die große Pest. — Wie sein Vorfahret die Paulanerkirche auf der Wieden, weihte er die Servicenkirche in der Roßau. Schwere und langwierige Krankheit zwang ihn, die meisten Geschäfte des Oberhirtenamtes, seinem Weih- bischofe, dem Schottner Abt Johann Schmiedberger zu übertragen. Er starb 64jährig am 4. Sept. 16Ö0. XX. Ihm folgte der Kapuziner Emmerich Sinelli, ein FleischhackerSsohn aus Komorn, der als Missionar und durch 22 Jahre als außerordentlicher Prediger bey den Schotten, große Popularität errungen harte und sogar Conferenzminister Leopolds l. geworden war.— Schon hatte der Kaiser für ihn den * ,, ,64 WienS Bischöfe. rothen Hut beym heil. Stuhle nachgesucht/ als er 6Z- jährig ,685 starb/ zwey Jahre nach dem Entsatze Wiens und eben im Beginne der Befreyung seines ungarischen Vaterlandes vom anderthalbhundertjähri- gen Türkenjoch. — Daß aber in der Belagerung, ein fremder Bischof, Leopold Kollonitsch, Wiens guter Hirte gewesen, haben wir schon oben bemerkt. XXI. Ernest Graf von Trautson, Sohn des Landmarschalls Grafen Johann Franz und Wall- burgens Maximilianens Fürstinn von Hohenzollern, Domherr zu Salzburg und Straßburg; freygebig gegen die Armen und in der Ausschmückung seines ehrwürdigen Domes. Von ihm ist die trautsonische Capelle, von ihm das sogenannte trautsonische Ma- nuscript und eine für Stammes» und Wapenkunde höchst merkwürdige Aufzeichnung der Grabsteine und Denkmähler Wiens. — Er starb 7. Jänner ,702. XXII. Franz Anton, Sohn des Grafen Ferdinand Bonaventura von Harrach, Ritters des goldenen Vließes, Staatsministers, Obersthofmeisters und der Gräfinn Johanna Theresia von Lamberg, Domprobst zu Passau und Domherr zu Salzburg, in Rom gebildet und in Wien wegen seiner milden Mäßigung und edeln Selbstverläuguung sehr beliebt. — Er legte dies Bisthum ,706 nach Leopolds I. Tode nieder und wurde Coadjutor und dann Erzbischof zu Salzburg. XXIII. Franz Ferdinand Freyherr von Rummel zu Weyden in der Oberpfalz am 28. October ,642 geboren, hatte die ganze Jugend, (nach- i 65 Wiens Bischöfe. dem er sich zuJngolstadt unter den Jesuiten im Glauben seiner Vater gestählt,) an den vorzüglichsten Lehranstalten des deutschen Nordens und sohin in Italien zugebracht. Erst im 35 . Jahr wurde er Priester und verbarg all« Starke seines Charakters und die ganze Freysinnigkeit und Überlegenheit seines Geistes in die Einsamkeit. Aber Leopold I. fand ihn dennoch, und bey allem Unheil seiner langen Regierung ist es ein wahrhaft großartiger Zug dieses Fürsten, daß er gerade diesen Mann zum Erzieher des römischen Königs Joseph wählte, so wie er auch seine Geschichtschreiber, den Grafen Jörger und den Jesuiten Wagner zur größten Offenheit ermunterte, damit sei» Nachfolger an seinen Fehlern sich erspiegeln möge.— Rummel erhielt sich auf seinem wichtigen und schlüpfrigen Posten, trotz des laut ausgesprochenen Widerwillens der Jesuiten. — Er wurde Probst zu Arda- ker und Alt-Bunzlau, erhielt Pfründen zu Glogau und Breslau, wurde Weihbischof zu Tinan und sein erhabener Zögling Joseph und die Kaiserinn Amalia wohnten seiner Einsetzung als Bischof von Wien bey. Er trug nicht wenig dazu bey, das schöne Institut der E l i sa b e t h i n e r i n n e n in die Kaiserstadt zu verpflanzen. Unter ihm faßten die Philippinerier festen Fuß. Er erlebte den unendlichen Schmerz, 1711 den edeln Joseph zur Gruft zu geleiten, erlebte 171) die letzte Pest in Wien und starb i 5 . März 1716 nach langer, schmerzlicher Krankheit, i66 Erzbischi) fe von Wien. ^ XXIV. Slgmund Graf von Kollo- nitsch, Domherr zu Grau, Titularbischof zu Sku- tari und Bischof zu Weitzen wurde am ia. Aug. 1716 Bischof zu Wien, weihte an der Schlagbrücke die zum damahligen Türkenkrieg bestiminten Schiffe, 1723 die Kirche im spanischen Spiral, 17.35 die Piaristen- kirche in der Josephstadl, 1787 die Carlskirche; das Curhaus kam unter ihm zu Stande (>742.) Am 1. Juny 1722 erklärte Jnnocenz XJII. auf Carls VI. festes Andringen, trotz des heftigen Widerspruches von Passau, Wien als Erz bis thu in. Am 24. Februar 1728 geschah die feyerliche Einsetzung des mit dem erzbischoflichen Pallium bekleideten Sigmund Kollonilsch durch den Neustadter Bischof Johann Moritz Grafen von Manderschcid.— Neustadt wurde Suffragan von Wien, das 1728 durch Bene- dikc X 11 1 . auch für den jeiveiligen Generalvikar und Offizialen die bischöfliche Würde erhielt. Wiens Sprengel umfaßt nun die beyden Landes- Viertel unter dem W i e n e r W a l d e (e i 1 f Dekanate : Klosterneuburg, Laa, Zischamend, Heimburg, Baden, Weigelsdorf,Poccenstein, Wienerisch-Neustadt, Neunkirchen, Kirchberg am Wechsel und Kirchschlag) dann das Viertel unter dem Mannhardsberge (drey- ze hn Dekanate: an der Pulka, an der obern Schmiedn, außer dem langen Thal, am Staatzberg, an der Hohenleichen, am Wagram, am Bisamberg, am Mi- chaelsberg, außer der Hohenleithen, an'der March, Erzbischvfe von Wien. 167 auf dem Marchfeld, an dem Marchfeld, am March- felde neben der Donau.) 1727 am 26. November ernannte Kollonitschen derselbe Papst zum Cardinal. Am 28. Juny 1748 setzte er den Domherrn Franz Anton Marxer, nachherigen Doniprobst und Weichbischof in die von ihm gestiftete Würde des Scholasticus als vierten Dignitärs beym Domkapitel ein. — Am 22. October 1749 hielt er das Jubelfest seiner Prie- fterwürde unter Assistenz zweyer Erzbü'chofe, 7 Bischöfe, (^Prälaten und 8 Domherrn. Maria Theresia, die er ain > 3 . May 1717 gekauft, wohnte demselben mit den> Kaiser Franz bey. — Der alte Kollonirsche Letzter, übertrug er Nahmen und Besitzthümer, einem Zweig der Familie Zay und starb »2. April »761 im y 5 . Jahre. XXV. Johann Joseph Graf von Traut- so n, Domherr von Salzburg, Paffau und Breslau, Probst zu Ardacker, Abt zu Separd, wurde 7. September i’jöo Coadfutor, 175b durch Benedict XIV. Cardinal, oberster Studiendirector an der Wiener Hochschule, aber durch einen Schlagfiuß iin 53 . Jahre am 10. März 1757 seiner Kirche wieder entrissen. XXVI. Christoph Anton G r a f v v n M k- gazzi zu Waal und Sonnenthurn am 23 . October 1714 aus einem alten velclinischen, nach Tyrol ein- gewanderlen Geschlechte geboren, in Rom gebildet, Domherr zu Dripen und Trient, bereits 17bey der Kaiserkronung zu Frankfurt zum Auditor Rotä ernannt und mit wichtigen diplomatischen Geschäften i68 Erzbischöfe von Wien. in Italien bekleidet, i-j 5 i zum Coadjutor des Erz- bisthums Mecheln und Erzbischof von Karthago ernannt, darauf Bothschafter in Spanien, wo es ihm gelang, Italiens Ruhe durch den Tractat von Aran- juez zu sichern. Er wurde i8. July 1786 Bischof von Waitzen und ist vom Ausbruche des siebenjährigen Krieges, bis unter Napoleon Bona- p artes Consular, der Wiener Erzkirche durch beynahe ein halbes Jahrhundert vorgestanden.— Am 19. März 1757 erhielt er die Ernennung, am 18. September, die Einsetzung als Erzbischof von Wien, am 23. November 1761 durch Clemens XIII. Rezzo- nico die Cardinalswürde, 1764 das Großkreuz des neu errichteten k. ungarischen Stephansordens. — 1774 begab er sich nach Clemens XIV. Ganganellis Tode nach Rom ins Conclave und trug wesentlich bey zur Erwählung Pius des VI. Braschi, wahrlich ohne zu denken, daß er binnen nicht mehr als acht Jahren, zu Ostern 1762 dieses höchste Oberhaupt der Kirche, bey Gelegenheit der josephinischen Reformen, in seinem Dom zu Wien verehren würde. Migazzi begicirere die irdischen Überreste Franzs I., seiner erhabenen Wohlthäterinn Theresia, Josephs II. und Leopolds II. zu Grabe, denen er selbst am 27. April i8o3 im 69. Jahr nachfolgte. — Das Domkapitel ward unter ihm vermehrt und fester begründet, mit einem würdigen Kapitelzeichen geschmückt, »och vor der josephinischen Epoche, deren vorzüglichste Reformen in Kirchensachen, in den Geschichten Wiens pufgezahlt wurden, viele neue Pfarren errichtet, das Erzbischöfe von Wien. »6g Seminar auf einen würdigen Fuß gesetzt/ in Neu- darf, Peuzing, Vösendorf ausgezeichnete Bauten ge» führt. — Schönheit und schmelzende Beredsamkeit schmückten seine frühern Tage und was er als Oberhirt von Waitzen gethan/ wird immerdar unvergeßlich seyn. XXVII. Sigmund Anton Graf vo» Ho- h e n w a r t und Gerlachstein am 2. May gebore»/ trat 1746 bey St. Anna in Wien in den Orden der Gesellschaft Jesu. Er öffnete als Noviz und Pförtner am 18. October »747/ Michael Denis die Klosterpforre zu gleichem Eintritt und blieb von dem an, durch mehr als ein halbes Jahrhundert sein innigster Freund. 1748 legte er die Ordensgelübde ab/ primitirte am 4. October 178g zu Laibach, neben ihm, feine Brüder Anton, Johann und Bernardin, auch Jesuiten. Er war Professor aller Gymnasialclas- sen zu Grätz, zu Laibach, zu Trieft, zu Judenburg. Vergeblich suchte er auf Missionen nach Indien zukommen. Die Ordensobern verwendeten ihn durchaus für die Wissenschaften, er sich selbst, für Geschichte und Botanik. E Er lehrte die Universalhistorie an dem damahls mit Khell, Frylich, Eckhel, Neu mann. Würz, P r e m l e ch n e r, L i e s g a n i g, W a l ch e r, Storchenau, S ch i f f e r m ü l l e r , D e n i s rc. prangenden Theresianum und wurde kurz vor der Aufhebung der Jesuiten, Regens des in so mancher Beziehung wichtigen nordischen Stiftes zu Linz.— 1778 sendete ihn die große Theresia als Lehrer der Religion und Geschichte für ihre vier ä l t e st e n E n k e l. 170 Erzbischöfe von Wien. Söhne des Großherzog Leopold nach Florenz. Dort ergab er sich mit ganzer Seele der Wissenschaft und Kunst, insonderheit der Alterthumskunde, im engen Verein mit Fontana , Lanzi, Fabroni, Zuechini, iin beständigen Briefwechsel init Herder in Weimar , M unter in Kopenhagen , B e ck e r in Dresden, § i sch e r und S p i t t l e r in Göttingen, S ch ä- fe r in Nürnberg re. Als L eo p 0 l d II. 179» den Thron bestieg, kam auch Hohenwarl nach Wien, arbeitete täglich im geheimen Staatsarchive an seinem Lieb- lingswerk, einer Geschichte des Hauises Loth- ringen und lebte mit seinen Freunden Born, Schmidt, Jacquin, Kerens und Hofftet- ter.— Sein erhabner Schüler Franz II. ernannte ihn 1792 zum Bischof von Trieft, 1794 von St. Polte», 1800 zum E r zbisch 0 f von Wien, 1806 zum Präses der Hoscommission in deutschen Schulsachen, 1608 zum Großkreuz und Prälaten des neugesttfreten österreichisch - kaiserlichen Leopoldordens. i8oö und 1809 erlebte er die schwere Prüfung der beyden bonaparrischen Invasionen. Er segnete viele Ehen des Kaiserhauses, spendete Taufe und Firmung in demselben, ertheilte Sr. kais. Hoheit dem Erzherzog Rudolph, (welcher zweyjährig Florenz verlassen,) die Priester - und Bischossweihe und überreichte Höchstdiesem Cardinal - Erzbischof von Ollmütz das Pallium. — 14 Bischöfe hat er consecrirt, ein halbes Tausend Priester geweiht, Hundertlausende gesirmt, jede Kloster - und Pfarrkirche seiner weitläufigen Diözese von 5c>7 Pfarren und über 700,000 Seelen selbst Erzbischofe von Wien. »7» visitirt, noch als 80 und gojähriger Greis. Die Pflanzschule seines' Clerus, das erzbischofliche Alumnat war der Gegenstand seiner angelegensten Sorgfalt. — Er verblich gnjährig am 3 o. Juny 1820 .—• Wenige unter Uns werden diese ehrwürdige, von einem über alle Gebrechen eines so hohen Alters siegenden Eifer befeuerte Gestalt jemahls vergeffen, noch seine Milde, seine liebreiche Geduld, seine Wohlthätigkeit. — Gebildete Männer, seines nähern Umgangs gewürdigt, mußten seiner ausgebreiteten Gelehrsamkeit, zumahl in den obgenannten Fächern aufrichtig huldigen. Zeder Redliche mußte die Festigkeit seiner Grundsätze verehren und den Mann lieben, der „Gott mehr fürchtete als die Menschen" und nach der Bibel „einfältig war wie die Tauben und klug wie die Schlangen." XXVIII. Leopold Maximilian aus dem uralten tyrolischen Geschlechte der Grafen und Herrn von Firmian, aus dem schon so viele denkwürdige Kirchenfürsten hervorgegangen, Fürstbischof zu Lavant, darauf apostolischerAdministrator des Erzbis- thums Salzburg und (2. Juny 1622) Fürsterzbischof von Wien, Großkreutz und Prälat des österr. kaiserl. Leopold-ordens rc. rc. >72 'fiusaa* Über die Wiederherstellung des Stephansthurms nach dem Bombardement von >6og. Unter den alten Inschriften des Thurmes wurde oben eine, zwar unbedeutende, vergessen. Sie ist am untern pyrami- dalischen Lhürmchen, welches durch das Herunterstürzen des unbeweglichen Kreuzes, beynahe zertrümmert worden und wurde bey dem Ausbesserungsbau von 1810 sichtbar. Keiner der Alten, hat sie aufbewahrt. i o»! dem blomben Kreiz bin ich zerschlagen worden 1686. > denizde (dennoch) aber durch Gott und die 2 s Steinmetz- bin ich wiedcruinb geheilet worden, dass ich kann stehen hier.meinemThurm zu Zier. Eine nicht minder wichtige Verbesserung der Reparationvon 1810. war, dass an beyden Seiten des hohe» Kirchendaches., Dachfenster angebracht wurden, da das ungeheure Holz- werk, aus Mangel an Luftzutritt zu modern begann. Auch hatte der, von der Thurmswächterwohnung herabführende Schlauch, in der Länge derzeit einen Pfeiler gänzlich durchfreffen und wurde sehr zweckmäßig anderwärts hcrab- gcfiihrt und der Pfeiler ein vom Dach gegen den Thurm kühn hinausgeführtes Gerüst wieder hergestellt. Die Beschießung der Stadt Wien in der Nacht vom ll. May lgoy, bey welcher der Feind (hierin barbarischer als die Türken) dieß Riescngebilde der Kunst, zum Zielpuncte nahm, verursachte sehr bedeutende Beschädigungen des Thurmes. Zn der Höhe von 5 Y Klaft. wurde ein Achteck, 6 bis 7 Schuh hoch. ganz durchlöchert, die Vorragroseher- abgeworfen, eine 6 Linien breite eiserne Schiene sammt den Schließen - Vorköpfcn zertrümmert, und würdeinicht die massive eiserne Kreuzschließ - Stange von ihrer Vorderseite dir weitere Wirkung der Kugel abgehaltenphaben; so wäre ein zweytes Achteck mit eingestürzt. Weiter unten , unweit der Uhr, wurden von den pyramidförmige» Wiederherstellung von 1810. 175 Thürmchen drey sammt ihren eisernen Querstangen, «heil» völlig zertrümmert, theils in einen den Herabsturz dro» henden Zustand versehet, anderer geringerer Beschädigungen nicht zu erwähnen. welche durch Streifschütze, und herabstürzende Steinmaffcn angerichtet wurden. Endlich wurde diesem Thurme durch die im Oct. isc>y geschehene Sprengung der Festungswerke sowohl an sich als an seinen einzelnen Theilen, viel Nachtheil zugezogen. Sr. Majestät würdigten die Herstellung und Erhaltung diese» ehrwürdigen Denkmahls deutscher Baukunst, Höchstihrer Aufmerksamkeit, und übertrugen diesen bedeutenden Reparationsbau dem rühmlich bekannten k. k. Hofarchitekten Johann Aman, einem würdigen Zöglinge des um die Monumente des Kaiserhauses unsterblich verdienten Stiftes St. Blasie n, und Ehrenmitglied der Akademie von St. Luka in Rom. 2 m Frühlinge itzio begann die Ausführung. Zuerst wurden die Gerüsts zur Herabnahme der den Einsturz drohenden Theile aufgeschlagen, und sodann die Gerüstung für die Herstellung der oberen Hauptbeschädigungen erbauet. Die Schwierigkeiten, welche sich der Errichtung der Gerüste von mieteten Seiten entgegenseht«», waren sehr bedeutend. Der obere Thurm biethet keine Öffnung zur Erhebung der Gerüste dar, und es war nicht räthlich, durch Brechung einer Öffnung, einzelne Theile noch mehr zu-erschüttern, da der Thurm durch Zeit und Zufälle,schon so vieles gelitten hat. Der Hofarchitekt Aman liest eine ganz eigene Art Gerüste nach dem Muster jener, welche bey der Reparation der St. PeterSkirche unter Benedict XIV. im Innern gebraucht wurden, verfertigen- Diese sehr verständig erbauten Gerüste verminderten die Gefahr für die Arbeiter, und ersparten unzählige Kosten. Ihre Bauart war so eingerich, tet, dast immer eine Hauptmasse dcS Thurmes zur Stii- ze diente; das Holz wurde »ach streng mechanischen Grundsätzen aufeinander gefügt, und daS an diesem Gerüste nach allen Seiten und Richtungen angebrachte Eisen, verschaffte demselben eine Sicherheit, die selbst der Sturm nichts zu stören vermochte. Als daS Achteck,3eine Hauptstütze des obern Thurmes hergestellet war, wurde eine metallen» Platte am l0.Sept.isit» 174 Wiederherstellung von 1810. feyerlich an der einen Seite des Thurmes eingesetzt. M- S. .ihre, Inschrift oben S- 84. Es zeigte sich sodann die Nothwendigkeit, die Thurmspihe selbst zu untersuchen. ES war äusserst gefahrvoll, zum Knopf und Kreuze zu gelangen, weil das die Thurmspitze detende Gesims von der hervorragenden Ausscnseite umstiegen werden musite. Ein einfaches Leiter-Gerüste führte zu diesem Zwecke, und Sie Thnrmspitze wurde ausgebessert. Zur dauerhaften Festigkeit ward ste über aufrecht angebrachte Eisenstangen mit eisernen Reifen umschlungen, und zusammengeschraubt. Das Sprengen der Festungswerke hatte ganze Mittelpfeiler am Thurme z e r sp r e n g t, welche durch neu eingesetzte Steine, und aufrecht angebrachte Eiscnstangen mit eisernen Reifen geschraubt, in dauerhaften Stand geseget wurden. Der Fortgang dieser Reparation brachte mit sich, dast mit Benützung des Holzes und Eisens von den abgenommenen Gerüsten, auch jene Gebrechen von ihnen, weiche.Idie Zeit herbeyführte, ausgebessert wurden. Messung des Thurmes. Die unermüdeten Anstrengungen des trefflichen Hofarchitekten Aman haben auch hinlängliche Daten über das Maast des Stepbansthurmes geliefert. Nach den Angaben desselben misst dieser Thurm 72 Klafk. 0 Schuh 1 Zoll Wiener - Maas, in seiner Höhe. Das Maag des inneren Thurmes ist t>4 Klaft. 3 Schuh und 2 Zoll. Eine genauere Auseinandersetzung des Maasses dieses Thurmes dürfte um so willkommener sepn, als bisher keine näheren Daten davon bekannt wurden, und die bereits im Umlauf bcstndliche» Angaben darnach beurtheilet werden können. Der Thurm nussr von der Aussenseite bis an sei» Gesims im Wtenrrmaasse: 66“< — 3' — U 1 ' DaS Gesims — - — 2' — 3" Der Hals über dem Gesims — - — V — 6" Die Hffuptauffatzrose — - — 2' — 6" DerHalsbis unter den Knopf — - — V — 8" Der Knopf — - — 4' — 9 " und der Adler sammt Kreuze — - — 7, — 6" Wiederherstellung von 1810. 178 Unter dem Gesimse ist der Durchmesser des Thurmes noch 4'— 6", ober dem Gesimse 4'. Das Gesims ist oben auf jeder Seite 4' — Z" ausgeladen. Die Rose hat >0' im Durchschnitte , die Thurmspitze unter dem Knopie »och 2', und der Knopf selbst 4’ im Durchmesser. Der Knopf ist von Srein, und mit vergoldetem Kupfer überzogen. Die eise« ne sogenannte Helmstange bat eine Länge von ihrem Aufsätze an, durch den obern Hals, Knopf und Adler von Zy'. Abweichung des Stephansthurmes von seiner vertikalen Lage. Die mit freyen Auge sichtbare, starke Abweichung des StephanS- tdurmes von seiner vertikalen Lage, hat nicht ohne Grund, grosie Besorgnis« erregt. Der Hofarchitekl Aman hat interessante Untersuchungen sowohl über die Größe, als über den Grund dieser Abweichung angestellt. Die solide Bauart der untern zwey Drittheile des Thurmes, entgegengehalten mit dem oberen Drittd-ile, zeigt hinlänglich, daß die eigentliche Ursache der Abweichuiig von der vertikalen Lage in dem Bau des oberen Drittheiles zu finden sey. Die Helmstange hat bey ihrem Aufstande keine Seitenstühe. Da die Öffnung am innern Schluße des Thurmes zu weit ist, so ist sich ihre Richtung gleichsam selbst überlassen. Die starken Sturmwinde hatten daher die oben mit dem Gesimse, dem Halse, der Rose und dem Knopfe belastete Helmstange, umso viel nach einer Seite gedrückt, als der zu große Spielraum am innern Schluße des Thurmes zuließ. Nach der über die Größe der Abweichung dieser Thurmspitze von der senkrechten Lage gemachten Untersuchung, zeigten vorläufige Versuche, daß die Abweichung in der Länge der Helmstange vom Kreuze abwärts bey Zü Zoll betrage, wovon der Theil von dem Gesimse bis zum Knopfe allein 12 einen halben Zoll, folglich die stärkste Abweichuiig ausmacht. Unter dem Knopfe verliert sich die Abweichung in der Länge r Klafter auf 7 Zoll u. s. f. bis sich dieselbe in der Gegend unter der Helmstange ganz verliert. Wir werden unten bey der wirklichen trigonometrischen Messung dieser Abweichung sehen - wie nahe die Resultate derselbe» trjß Wiederherstellung von »8io. Mit dieser Messung des Hofarchitekten Aman übereinstimmen, wodurch gleichsam die eine durch die andere Angabe bestätiget wird. TrigonometrischeMessungderAbweichungdeS Stephansthurmes von der senkrechten Lage. Herr Christian Maschner» Oberlieutenant im k. k. Bombardiercorps, und Professor der Mathematik, und Herr Vilsack, Lieutenant im nähmlichen Corps haben im August i8,o auf Sr. Majestät Befehl» eine Messung der Abweichung des Stephansthurmes von der vertikalen Lage vorgenommen. Die Methode dieser Messung zeiget die große Genauigkeit , welche man gegenwärtig mathematischen Instrumenten zu geben im Stande ist, und ihre Resultate find so übereinstimmend, daß sie die Richtigkeit der Bestimmung »erbürgen- Diese Messung geschah auf folgende Art: <1 Si sey nähmlich ao. die Richtung, welche die Mitte o dieses Thurmes am Fuße desselben, mit seiner äußersten Spitze ». nähmlich mit der Mitte des aufgesetzten Kreuzes, »er- hindet, ->. d. hingegen sey eine durch - gehende »ertical» Wiederherstellung von 1810. 277 Linie, b der auf dem Horizont prosectirte Punct a, als» bo. des Thurmes eigentliche Abweichung von der vertika» len Lage. Diese zu finden, wurde auf dem Stephansplatze, vom Stock am Eisen gegen die Bischofsgaffe, eine Grundlinie md, und um sich eine Überzeugung zu verschaffen, eine zweyte ckc von der Bischofsgasse gegen die Schulerstrasie, sehr ge» nau abgesteckt, und der von beyden Grundlinien einge- schlosiene Winkel c d m gemessen. Die 3 Puncte m d c wurden so gewählet, dasi man von ihnen die Spitze des Thurmes a sehen, und die horizontalen Winke! b m d , bdm, bdc,bcd beobachten konnte. Daraus liess sich die Lage und Grösse der Linie am, und gegen diese die Lage des Punctes b bestimmen. Weiter steckte man sich von m gegen den Eingang des Thurmes eine Linie rn x ab, so dass man von dem Puncte x gegen die Mitte des Thurmes 0 sehen und messen konnte; man beobachtete die Winkel xmd, und oxm, so war da» durch auch die Lage des Punctes O gegen die Linie cm bestimmt. Aus den gefundenen Lagen der beyden Puncte b und o war man hierauf im Stande, die Entfernung bo, nähmlich die Abweichung des Thurmes zu finden. In der Figur steht bp, ot[, und x z, senkrecht auf cm- und vr Stellt durch o parallel zu cm. Die Winkel wurden mit einem Theodoliten beobachtet, die Linien kominen im Wiener Längenmaß ausgedruckt vor. Gemessen und beobachtet wurde: I. cd. = 7 2 a . , II. xm. = 45 ° dm. = 6 i , xo. = 7" - 84*028 cdm. — g 3 ., 5 ', o" clinx. — 60 - S7 - 25 " bmd. — 56., i5, o" oxm. = 29 - 16 - 26" bdm. = 4g., 44 , 5 o" bdc. =43. ,20, 10" bcd. = 5 o. , 7 , 25 " Daraus hat man durch trigonometrische Rechnung gefunden; dmo — 460 -Zg - 56 " bcn)=9°-5i'-2i"dbm:= 74O- 1-10" dem =; 40 -16 - 4 bmc^=g- 35 - 4 be =4g - 5o2i7. cm=;g8-87ig2, cbd=: 86 - 32 - 25 bm= 5 o - 8 o 836 « U. Jahrg. Denkwürdigkeiten, l. Bd. 2. Heft. 12 178 Wiederherstellung von 1810. Nun lassen sich bp. und pm. auf eine doppelte Art bestimmen, 1. aus dem Dreyecke bpm. 2. aus dem Dreyecke bqa, wenn man dabey cp. bestimmt, und von cm. abzieht. Aus dem Dreyecke bpm. folgt: pm. = 5o°, oggi4- bp : = 8° , 45,965. Aus dem Dreyecke cbp folgt: pm : = 5o°, ioo45 = cm — cp. bp : = 8° , 47626 = Durch diese sehr geringe Unterschiede wurde man von der Genauigkeit der Beobachtungen versichert. —Nimmt man nun der Wahrheit näher zu kommen, von beyden Resultaten das arithmetische Mittel, so findet man: stp = 8", 46645 1 wodurch die Lage des Puuctes b gegen V m =r. 50 '’ 1 09979. ] die Linie cm. bestimmt ist. Ferner stndet man durch die Beobachtungen Nr. II. verbunden niit den Beobachtungen Nr. II. und den daraus abgeleiteten Resultate» mittelst der Dreyecke xmz und xor. imi.= i6 q , 18', o" rx. =4", 43245 xxm.= , 3 °, 42, o qm. = 4 g°, 65833 = zm - ar oxr. = 55 , 34,26 op. =: 8°, 19765 = 22 - xr mx. = 43 , igi23 b o. =o°, 2§8go=bp. -vp, 22. = 12 , 63 000 v.o. =o°, 44i46=pm.-gm. or. 6 , 46710 Endlich'findet man aus bo. und vo. durch das rechtwinklichte Dreyeck bvo. die gesuchte Abweichung bo ^7 Z Schuh l 144 Zoll Wiener Maaß. , Der Wetter- Ableiter. Ein 4Z2 Schuh hoher Thurm, auf einer Anhöhe pyramidalisch erbaut, dessen Steiumaße mit Eisen besestiget ist, wodurch er eigentlich eine eiserne Einfassung erhält, muß nothwendig den Verheerungen des Donnerstreiches sehr ausgesetzt seyn, und dieß um so mehr, als bey seinen Fundamenten, gerührtes Wasser fließt, welches den Blitzstrahl gleichsam anlockt, sich bis in die Erde zu verbreiten. Um dieses Monument vor den Verwüstungen dieses Meteors zu verwahren, ha> * Wiederherstellung von 1810» 179 den Se. Majestät der Kaiser und König befohlen, daß ein Wetterableiter bey diesem Thurme angebracht werde. Die Ausführung dieses Auftrages wurde dem in der gelehrten Welt mit Ruhm bekannten k. k. geheimen Rathe, Chevalier Landriani überkragen. Nachdem das Kreuz selbst aus vergoldetem Kupfer, welches auf dem mit vergoldetem Kupfer überzogenen Knopf« steht, und der bewegliche kaiserl. Adler stch durchschneidende AufnahmS - Puncte darbiethet, die Statt mehrerer Spitzen gelten , so war es überstüßig, den Conductor mit einer metallenen vergoldeten Spitze zu enden, weil auch selbst eine Spitze mehr nichts zur Güte dieses Conductors beytragen kann. Das Kreuz, der Knopf und der Adler, eine Metallmaße, sind mit einer sehr dicken Eisenstange, die gleichsam die Befestigung der Thurmspitze ausmacht, verbunden. Diese verschiedenen sich unmittelbar berührenden Metallkörper machen einen natürlichen Conductor aus, welcher von der obersten Spitze 44 Schuh herabseht. Nachdem von dieser Distanz, an die Pyramide deö Thurmes breiter wird, so fand Chevalier Landriani für gut, von jener vertikalen Eisenstange einen Conductor von Eisen Herabsteigen zu lassen, den man sorgsam durch Eisendraht mit allen dicken vertikalen und horizontalen Eisenstangen, die den oberen Theil »es Thurmes umhüllen und befestigen, in Verbindung fetzte. 3n dem Abstande von 160 Schuh von der Spitze deS Thurmes bilden zwölf kleine Pyramiden eine Krone um den obern Theil des Thurmes, Diese Pyramiden sind mit vielen Eisenstäben befestiget, mit welchen der Conductor in Verbindung gesetzt wurde. Es ereignet sich öfters, daß kleine Wolken, übersättiget mit elektrischem Fluidum, von der Erde kehr stark angezogen werden, und kleine Wirbel bilden, welche die Blitzstrahlen schief auf die Gebäude werfen. Die Verbindung dieser kleinen Pyramiden mit dem Conductor des ganzen Thurmes, soll dem auf solche Art entspringenden Schaden vorbeugen. Der Wetterableiter, welcher durch das Innere des Thurmes herabgeht, ist durch eines der großen Fenster der Kirq« 12 * I 180 Wied e rhe r st el lung von 1610. hinaus auf das kupferne Dach der Sakristei, geleitet, welches von selbst die Stelle eines AbleitsrS vertritt; vom Dache geht eine eiserne Leitungsstange in die Erde, und darin ist stc mit starkem Eisendraht an zwey bleverne Roh» reu befestiget, welche der Kirche daS Wasser zu -und abführen. Dieses ist die gedrängte Darstellung der merkwürdigen Reparation des Stephans -Thurmes. Die ganze Geschichte Österreichs ist gleichsam nur eine Prozession um St. Stephans Münster herum. Dieses herrliche - Denkmahl der Kunst, diese Zierde der Stadt, ist nun durch die weise Fürsorge des Kaisers von den Verwüstungen der Zeit und des Zufalls gerettet, und in den Stand gesetzt, noch durch fernere Jahrhunderte den Einwirkungen Trotz zu biethen, und dadurch den Nachkommen zu beweisen , wie sehr unser Zeitalter (vom Vandalis», jener dürren Aufklärungsepoche zurückgekommen,) von Achtung und Eifer beseelet war, den auf uns gekommenen Denkmählern heimischer Vorzeit die moglichsteDauer zu verstchern. Möchte nur mit gleicher Einstchr und Zweckmästigkeit fortgefahren werden, denn noch immer drohen dem herrliche» Baue große Gefahre». Auf der Nord - und Westseite sind die Ziegel größtenthclls nur eingehängt und Taufende von Eimern Wassers, sind bereits eingedrungen und zeigen ihre verheerende Spuren; also daß nur ei» eben so planvolles, concen irisches Einwirke» für den Dom, wie für den Thurm, lSl 0 (bey welchem noch dazu bo biS 70 tausend Gulden erspart wurden ,) unwiederbringlichem Unheil noch in Zeiten vorbeugen kann. Wie fügen noch zum guten Schlüsse bey, was ein hoffnungsvoller, junger Dichter Wiens , Johann Schön über den erhabenen Dom gesungen hat. St. Stephan. heiliger, wundervoller Dom! Mitten im schwirrenden Menschenstrom, Ton den knarrende» Wagen umlärmt, . Von den bunten Gestalten umschwärmt. Seh ich dich, Hochcrhabner! stehn! Ein Tita n t unter Pi gmä'n! Wieder her stell u n g von i6io. Diele komme» und sehen dich, Schütteln das Haupt und entfernen sich. Bist zu düster den lustigen Leuten, Paffest , nicht recht in die flachen Zeiten, Bist den Armen zu reich geschmückt, Hast eine Gröste, .die Kleine erdrückt. Wenn ich manch' Mahl recht fröhlich hin » Weltlich gestimmet See!' und Sinn, Bist du mir auch ein fremdes Wesen, Mag nicht in deine» Steine» lesen, Hätte dich lieber blank und fein, Ä Scheinest mir fast verworren zu seyn. Aber bin ich recht ernst und stumm, Dreht sich im Hirn eine Welt herum. Zünden und kreuzen sich die Gedanken, Werfe» sie mich aus der Gegenwart Schranken » Komm' ich sinnend und träumend dahin, Dast ich mir selber ein Fremdling bin: Ha, dann weilet mein Blick auf Dir. Trauter und klarer erscheinst du mir, Leicht ist es, deine riesigen Massen Zu überblicken und zu erfassen, Und je länger ich seh' auf dich, Desto besser begreif'ich mich! Du Wahrzeichen höheren Sinns, SN-sengebilde, WunderWienS, Habe Dank dafür und stähle Gegen das Gemeine, die Seele! Hüthen vor der Erbärmlichkeit, Das ist dein Amt für alle Zeit. i8* 102 Die Weihbrschöfe von Wien. 1612 Siphons von Re q ue se n s aus dem Franziskanerorden. ,6r5- Augustin Pittrich, Abt zu den Schotten, Bischof von Germanopolis. »6Zi Johann Walderfinger, Bischof von Germanopolis, Abt des Benedictinerstistes zu den Schotten in Wien. 1674. Johann Schmiedberger, Bischof von Helenopolis, Abt des Benedictinerstistes zu den Schotten in Wien. »Köi Norbert, Bischof zu Lampsacus, Abt des bayer- schen Prämonstrakenserstiftes zu Schöftlacn. »728 Joseph Heinrich B r e i t « n b ü ch e r, Bischof von Ankigonia. 1748 Franz Anton Marx er, Bischof von Chriso- polis. 177S Adam Dwerkitsch, Bischof von Paphos- 2778 Anton von Stegner, Bischof von Koryza, »778 Edmund Maria, Graf von Artz und Vassegg, Bischof von Teja. »8o5 Anton Ka u tsch i tsch Bischof von Zella, s als Bischof zu Laybach. 2807 Johann Nepomuk Ritter von Dankesrei- ther, Bischof von Pella, k. k. wirklicher Hof- rath, ,816 Bischof von St. Polten, h i8rZ. 1817 Mathias Skeindl, Bischof von Antinopolis» Domcustos, k. k. Regierungsrath. i83 D ie Wiener Dompröbste seit der Erricht tung des Bisthums. 1480 Thomas Prekokar von Cilly, rfgi Bischof von Constanz; f aa. April >496. 1491 VirgiliuS Kanzler, von Salzburg, f r5or. Unter diesen beyden war die neue, zuförderst auf die Einkünfte von Bertholdsdocf angewiesene Probstey in den dem Rathhause gegenüberstehenden Häusern auf der Fischerstiege, aber schon 1482 Samstag vor 3 Königen wies ihnen Friedrich IV. die Häuser Johanns Wildersstorfer und Hannsens Khranstorfer in der Weihenburg an- Die neuer« Probstey in der Singerstraße, wo jetzt die Chorknaben, gründete 1609 der Bischof Melchior Kiesel und erneuerte rpSZ der Domprobst und Weihbischof Franz Anton Marxer. »bo2 Johannes Putsch, Cuspinianus Schwager, erst i5io Priester. i5i3 am 4. April legte er den Grundstein zu der »629 in der türkischen Belagerung zerstörten S. Sebastianscapelle des Studentenspitals vor dem Stubenthor, f »2. Julyi5>6. i5i6 Paul von Oberstein I. U. D. Max's I. Geheim» schreiber ,und Gesandter an wehiern Höfen, f >544. 1544 Johann Rostnus , Hofkaplan, gekrönter Dichter, Lehrer der Edelknaben Ferdinands I. und ein berühmter Kanzelredner f 1S45 18. Nov. 2645 Johannes Sauer, Hofprediger, im härtesten Conflict, mit dem täglich mehr um sich greifenden Protestantismus, j- i553. >553 Martin Bondenari, berühmter Rechtsgelehrter, Doctor von Bologna, Probst zu Ardaker und Wiep, Lehrer an der Hochschule, f >556- 184 D i e Wiener Dompröbste. i556 Mathias Wertwei n, aus Pforzheim , vorher Domdechant, resignirte iS6g. »56g Michael Eck, f i5j6. 2. Oct- i5jg Melchior Kiesel, i588 Bischof zu Neustadt, iS8g Administrator des Wiener Bisthums, 1602 Bischof 1K16 Cardinal, f 17, Sept, 16Z0 16Z0 Christian Loren; Oern von Arup, ein Däne und eifriger Prediger zu Preßburg, deßhalb von den Evangelischen heftig angefeindet, von Ferdinand H. 1620 zu in Dekan, i63o zum Domprobst ernannt, f 12. März i636. i636 Tobias Schwab, i6i3 Custos, i63i Dechant, führte 1626 die Barnabiten in die Michaelerkirche ein, f i. Febr. 1640. 1640 Johann Augustin Zwerger, gleichfalls vorher Custos und Dechant, t 4. Sept. 1648, Stifter zweyer Benefizien, für Domherrn und mehrerer Stipendien, für arme Studenten. 1648 Sebastian Zwirschlag von Herzogenburg, zuerst Singerknabe bey St. Stephan, Dr. der h. Schrift, Chormeister, Domherr, Custos, Dechant endlich Probst und gleichfalls Stifter mehrerer Stipendien und Benefizien, von Ferdinand III. sammt seinen Brudern in den Reichsritterstand erhoben, f 18. Sept. 1665. i665 Lorenz Eidinger, aus Bayern, Leopolds!. Curat und Domherr bey St. Stephan, 1667 Bischof zu Neustadt» f 23. July 166g. 1667 Peter Bauthier, von Bruntrut, f während der türkischen Belagerung 4. Sept. »683. 1684 Joh. Bapt. Mayer, von Jnsbruck aus Tyrvl, Lehrer der Edelknaben Erzherzogs Sigmund Franz, des Letzten der Tyrolischen Seitenlinie, Atmosenier Elenorens, Ferdinands III. Witwe, Pfarrer zu Lrch- senburg, f 8. März 169g. 1ÖÖ D i e Wiener Dompr obste. 1699 Herrmann Claudius Klöcker aus Wien, großer Philolog und Reisender durch fast alle Reiche Eu. ropas und einen Theil Afrikas, in der großen Pest durch menschenfreundlichen Heldenmuth ausgezeichnet, f 12. April >706, 1708 Joseph. Heinrich Breikenbücher, 1728 Weihbischof und 'Bischof zu Antigonia, f 24. Febr. 1749. 1749 Franz Anton Gusmann, von Wien, fS. Aug 1782- 1752 Franz Anton Marxer, von Feldkirch in Vorarlberg, Stifter der vierten Domkapitularischen Würde, des Scholasticus, Weihbischof und Bischof zu Chrysopolis, s 177b. 1778 Pecer Simen, aus Graubündeu, ein vorzüglicher Wohlthäter der Kranken» wie Marxer der Armen, Beichtvater der Erzherzoge Ferdinand und Max, starb vor seiner Jnstallirung. 177b Edmund Maria, Graf von Arzt und Vasegg aus dem welsch - tyrolischen Nonsberge, Migazzis Anverwandter, Weihbischof, 1804 Joh. Nep. Kautschitsch, 1807 Bischof zu Laybach. 1808 Joh. Nep,, Ritter von Dankesreither, Bischof zu Pella, k. k. Hvfraih und Referendar in geistlichen und Studiensachen, 1816 Bischof zu St. Polten. 1816 Joseph Spendou, i- (. Regierungsrath, Kanzler der Wiener Hochschule, Dvctor der Theol. infulir- ter Prälat rc. Die Domdechante. i365 Jakob. 1Z74 Johann der Sachs. 1Z94 Johann Chronberger. 1410 Johann von Dobrasperg. 1416 Gerhard Vischpeck. 1420 Peter Deckinger. 1424 Georg Wetzel, von Horaw. i86 Die Domdechante. 1428 Thomas Hadmar. i43si Johann Gewtz, von Theyning. 2443 Thomas Hadmar, zum zweyten Mahle. i45o Christian Tierdorffer, von Hürben- 1461 Paul Leubmann, von Melk. 1479 Przemysl, Herzog von Troppau. i4gä Georg Öder oder Eder. 249S Martin Jugk- i5i 2 Paul Rogkner. ■2821 Johann S t a b i uS- i 522 Johann von Revellis. 282Z Anton Calvus. 2833 Nikolaus Fabri. 2833 Christoph Pöltinger. i54r Wolfgang Institor. 1545 Johann Ratte. 2533 Mathias Werthwein. i556 Jakob Noguera oder Naqueras. 2889 Laurenz Glungl. 1873 Kaspar Christiani. 1878 Christoph Montanus. 1884 Martin Engelhardt. 2892 Heinrich Härtung- 2616 Joseph Pudler. 2620 Christian Laurenz Qern von Arup. i63i Tobias Schwab. i636 Johann Augustin Zwerger- 2640 Stephan Zwirschlag. 2648 Markus Anton Caccia- 2689 Anton Leux von Luxenstein. 2672 Georg Reisch. 2678 Johann Bapt. Mayr. 2684 Herrmann Claudius Klvcker. 269g Ferdinand Carl Ceschi. 2702 Johann Franz Haberman. 187 Die D 0 m k ustvd e n. 1714 Georg Heinrich von Sambrecht. 1721 Franz Georg Beuer von Binnen. ,74s Franz Anton Gusman, 1749 Domprobst, st 1792. 1749 Alois Ferdinand Matz von Spiegelfeld, st 1776. 1776 BernardMnneretti von Retkenfelv, st L78Z. 1784 Dominicus Hayek, Freyherr v. Waldstätten, st 1814. 1814 Franz Böhme, k. k. Hofrath. Die Domkustoden. i365 Nikolaus, Pfarrer zu Pottenstein. 1Z70 Ulrich, in dessen Tagen der Probst Johann, nachmahls Bischof zu Gurk, die ersten Capitelstatuten gegeben. Bey dem Beschau von der Deutschherrn Paw 1Z70 des nagsten Sambstags nach Margarethen war Commissarius, Hr. Ulrich Stainer, Güster- (st 18. Juny.) ,378 Thomas von Passau, st 1Z64. 1Z84 Johann Kraft, Hofkaplan Albrechts IH. und IV. Stifter der Andreascapelle zu Salzburg. i4i5 Ehrhard Schiert, Domherr von Freystna. 1417 Meister Peter Deckinger, nachmahls Dekan. (?) Peter von Mautern, auch von St. Dorothee genannt, st z3- Sept. 142S. 1425 Leonhard Summerauer, st 4. Sept. 14Z2, nachdem er bereits 1429 resignirt. 1429 Sigmund Schelhel von Wels. i4'5 Niklas Schell von Hollabrunn, st 27. Oct-2467. 1468 Johannes Huber von Passau. »468 Niklas Behem von Berchtolsdorf, Pfarrer zu Hart» berg, Friedrichs IV. Geheimschreiber, st 147g. >479 Meister Conrad, Sendgraf von Freinstadt, st i5oi. »4g4 Hieronymus Hollabrunner, Vetter des obigen Niklas Schell von Hollabrunn, Rector der Hochschule und Dr. der geistlichen Rechte, Offizial des Bisthums, st 23. Dezb. i5oj- i88 D i e Domkustoden. i 5 o 7 Wolfgang Goppinger, non Vilshoven, st iSro. »5»5 Becnardin Widmayer, von Gunderstorff, \ *3. Febc. 1622. i 522. Johann Bruelmayr von Linz, wurde 1626 Nector der Universität, st »53g. Dieser kömmt bey Fischer gar nicht vor. Ulrich Kauffmann folgte nach Fischer dem Ber- nardin Widmayer. 1626 Christoph Chülber, von Grätz, st»52g. 1529 Leonardus Puechler. Simon Oiem von Brück a. d. Leitha kömmt nur bey Fischer vor, st im Apr. »5r5. »337 Jakob Widmann, hat i538 das Grundbuch der Gusterey in Ordnung gebracht. a53g Johann Steinbrecher, st an der Pest »54». »54i Sigmund Prändl, f i 542 zu Nürnberg. i54g Laurenz Glüngl nach Fischer; Pruggec setzt ihn aber erst i55g nach Villinus oder Höfler. i55o Georg Reichart, ein Schotte, wurde nach Fischer erst 1557 Custos, st i56i. »55» Leonard Villinus (Höfler) st 1867, so setzt ihn Prug» ger und nennt als dessen Nachfolger 155g Lauren- zen Glingl. »55g Laurenz Glingl, nach Fischer schon »54g. »583 Christoph Montanus, f »683. »664 Martin Engelhard; nach Fischer wurde er »57S Custos und st l5gi. »585 Heinrich Aininger, st »5g6. »5gy Balthasar Scultetus, von BreSlau, st 161Z. »6»3 Tobias Schwab, I. U. D- apost. Protonotar. »63» Johann Augustin Zwerger, I. U. D. und Protonotar. »636 Stephan von Z w i c sch l a g ; Dr. der Theol., Protonotar, f »665, 6gsähcig. Die Domkustodrn. 189 1640 Paul Raphael von Nitschen, großer Wohlthäter der A rmen, st 1647. »6S0 Anton Leux von Luxenstein, Protonotar, k. Rath, Palatin, Dechant »65g nach Fischer, war er aber' schon 164? Custos. 1664 Georg Tasch, Dr- der Theos. Nach Fischer wurde er 1660 installirt, womit auch die Kapitels-Proto- kolle übereinstimmen. »665 Laurenz Aidinger, Dr. der Theol., Lehrer K. Leopolds, wurde gemäß den Kapitelacten »664 Custos» st »66g als Bischof zu Neustadt. »6H6 Johann Prugger, t 1672. »67Z Johann Peter Petitperin, f 1674. 1674 Johann Baptist Troyer, t 1687. 1687 Johann Theodor von Gülich, resign. 1697. 1697 Johann Qualter Biergiesser, st »700. »701 Johann Franz Habermann, noch 170» Oecau, Dr. der Theol-, t i?i4- 1701 Johann Heggeler, f 1701. »701 Adam Reinhardt Pistorius, st 1711. »712 Dominik Lorengo von Sulzperg, st »717. »718 Franz Georg Beuer von Binnen. 1722 Jakob von Sumerau, st 1726. 1727 Heinrich Alexander Jsferding, stistZ?- 1757 Franz Anton Gusmann. »745 Joseph Anton von Hack, st ,766. . 1765 Anton Bernard Gürtler, resign. 177Z. 177Z Joseph Franz, Graf von Gondola, st 1774- 1774 Adam Duerlitsch,st 1778. »778 Rudolph Johann, Graf von Coppola, st 1794. 1794 Joseph Schobinger, st 1798. 1798 Joseph von Hillmajer, st »807. »807 Anton Spendou, st »8»Z. »8iZ Franz von Bauernfeind, st 1821. 182» Mathias Steindl, Weihbischvs. D i e Domscholastiker. 1743 Joseph Anton M a rxe r, Stifter dieser vierteil Dignität am Wiener Domkapitel, Weihbischof. 1782 Anton von Serdagna. 1780 I. B. Carl, Graf von H e n k e l-DonnerLmark. 1787 Joseph Gall, 1788 Bischof von Linz. 1788 Joseph Spenden, k. k. Regierungsrath. 1817 Michael Leonhard. Die C u r- und C h 0 r m e i st e r zu St. S t e p h a 11« 1276 Meister Ulrich Mont, durch K. Ottokar präsen- tirt und in dem ersten Frieden mit Rudolph von Habsburg eingeschlossen.— i33o Friedrich.— i33g Meister Simon.— i36i Ulrich.— 1376 Jakob.— i384 Ulrich.— i38g Egydius. — i4»3 Niklas der Chölbl- — 141g Jakob von Schwechent. — 1422 Kaspar der Wildhaber— 1,424 Kaspar der Wiltha- ber— 142g Ulrich der jüngere von Haidenreichstcin. — l438Lienhart Arthaber— i445 Thomas von Zwettl.— 1448 Mert Wienner von Schwabdorf.— — 1453 Hanns Hofmülner v. Weytra— 1471 Meister Andre Seidenberger.— i4g5 Leonard Wulffing. — i4g7 Thomas Ptwr (auch Pewrl.)— i8i3 Meister Michel Schleicher von Weissenhorn. — iöi7 Balthasac Trautmann. — i565 Augustin Stainer- — 1873 Conrad Nollenberger—1674 Leonard Trey- loth. — 187g Georg Ursylvanus.— 1884 Georg Camerarius- — i585 Johann Pollinger.— 1888 Dal- thasar Descher.— i6go Eberhard Miller. — i8g5 Johann Harrer.— 1602 Markus Till.— 1608 Michael Hoffmann.— i6i3 Johannes Wimer. — 161g Lazar Schwarz.— 1621 Johannes Gester. — 1628 Stephan Z w i r schlag. — i635 Johann Prug- ger— 166S Matthäus Wenzel Ridcl, 16S6 Domherr. D i e Chor meister. 191 —1(69 Georg Mnnzer, Dr. der Theol— 1677 Arnold Brenner.— 1681 Johann Qualter Bisrgießer- ,68Z Domherr— 1697 Georg Heinrich Lamprecht, Dr. der Theol. 1712 Domherr.— 1715 Peter Sa- »09,1723 Domherr, Dr. der Theol— 172Z Johann Fri brich Söhnlein, Dr. der Theol., 17ZZ Domherr. — .733 Ayton Peter Savoy, Dr. der Theol. — 1741 Frmz Anton Zeisler, Dr. der Philosophie. 1747 Denherr. — 1747 Johann Bapt. Dembscher, Dr. deiPhilos. — 1752 Johann Michael Schnell. —1768 Girl Joseph Lex. — 1765 Dominik Benedino. — 1772 Melchior Planz, Dr. der Philos. 1778 Domher. — 1778 Ignatz Staininger, Dr. der Philos. urd Theol— 1783 Patrizius Fast, Dr. der Philos. — 1790 Joseph Qgesser- — 1807 Anton Püringer de Weltweisheit Doctor. IeorgUhl, Ehrendomherr. Bestaid des Wiener Metropolitankapi- tels 1825. Pl. Tt. S. F. G. Herr L e 0 p 0 l d M a x i m i l i a n, Graf und Herr zu Firmian, geboren zu Trient, »>. Oct. 1766. Priester 22. Sept. 1792. Bischof 5 . Nov-1797. Bischof von Lavant 23 Nvv. iloo, als Erzbischof installirt 2. Juny 1822 rc. ;c. Weihiischof, Suffragan u. G e n e r a lv i kar. P. T. Herr Mathias Paulus Steindl, Bischof v«n Antinopolis rc. rc. Metropolitankapitel. Pl. Tit. Hr. Joseph Sp e nd o u, Domprobst,. Kanz- lir der Wiener Hochschule rc. Regierungsrakh. — Laver Böhm, Domdechant, k. k. Hofrath rc. — Mathias Paulus Steindl, Dvmcustos rc. rc. — Laver Pavear, Oomkantor. 192 Metropolitankapitel. Herr Michael L e 0 n h a r t>, Domschvlaster j(.f — Johann Friedrich S t 0 rk. — Johann Freyherr von Taufferer. — Anton Sch 0 pp, Hofccremonier und Lberhofka- plan. — Johann Freyherr von Stiebar. — Jacob Künhl, Pros. der Pastoraltheolojie an der Universität. — Graf Carl von C 0 u d c n h 0 v e n. — Joseph M e i ndl, erzbischöfl. Alunsnats-Oirector. Erklärung zum Plane des Reharationsbaues v. 1810. A. Durchschnitt des Thurmes von seiner obersten Spitze bis unter die Uhr. ». Lokale der 18O9. geschehenen Beschädigung. b. Das zu deren Wiederherstellung statt gehabte Gerist. ß. Dieses Gerüst in einem gröberen Maststab, mit allen seinen verschiedenen Verbindungen dargestellet. C. Dessen Grundlage, (ebenfalls im gröber» Maßstab) worauf mit c. der zerstörte Theil bezeichnet ist, ! -i i/ütenra TiSfüim^J jäM &-W*i MLL Zui’ Zeiclmun^ A Zur Zeichn un«* B. u:( itTyr^ ' j jfgaf: ~Aipyffi; ÄSi < fcSa matam®' t seineGesch UNd seine Denkwürdigkeiten. - 2 m Vereine mit mehreren Gelehrten und Kunstfreunden bearbeitet und herausgegeben durch , Joseph Freyherr» von Hormayr zu Hortenburg, des Lcopoldordens Ritter, k. k. wirkt. Hofrath und Historiographcn, Mitglied der k. k. Akademie der vereinigten bildenden Künste zu Wien- der königlichen Akademien von Göttingen und München, der philosophischen Gesellschaft z» Philadelphia, der schweizerischen gcschichlsforschenden Freunde, der vaterländischen Gesellschaft zu Vreslau, der Gesellschaften zur Ermunterung des Ackerbaues, der Natur - und Landeskunde zu Dresden, Innsbruck und Brunn. II- 3 a h rg a n g. Erster Band. Drittes Heft. Wien, 1824. Im Verlage der Franz Härter'schen Buchhandlung. 1 Gedruckt bey Franz Ludwig. \ Naturane nobis hoc datum dicam, an errore quodam : ut cum ea loca videamus, in quibus viros memoria dignos multum esse versatos acceperimus, magis moveamur , quam siquando eorum ipsorum aut facta audiamus äut scriptum aliquod legamus ? velut ego nunc moveor. Venit enim mihi Platonis in mentem, quem accepimus primum hic disputare solitum, cujus etiam illi hortuli propinqui, — hic Speusippus , hic Xenocrates, hic Polemo — —et Peripatetici veteres, quorum princeps Aristoteles ; — _ tanta vis admonitionis est in locis — ut me ipsum huc modo venientem primum ad se convertebat Coloneus ille locus , cujus incola Sophocles ob oculos versabatur — nec ad hospitem ante divertebam, quam Pythagorae ipsum illum locum, ubi vitam ediderat, sedemque viderim; — locum ubi Demosthenes et Aeschines inter se decertare soliti sunt — in quo ad fluctum declamare solitus Demosthenes, ut fremitum assuesceret voce vincere?! — — Multa in omni parte indicia summorum virorum — id quidem in hac urbe infinitum; quacumque ing r e d im u r, i n aliquam historiam vestigium ponimus. Cicero de finibus sonor- et malor. V. r., ' uder Athen. Inhalt. Wiens Kirchen, Klöster und geistliche Körperschaften,— zuvörderst die erloschenen und aufgehobeneu. — Die Templer. — Der heil. Geistorden zu Wien'. — Der Adlerorden, der Drachenorden, die alteren und neueren Ritter von St. Georg. — Die Althannischen Christusritter. — St. Magdalena vor dem Schot- tenthor. — St. Nikola vor dem Stubenthor und St. Nikola in der Singerstraße.— Die Himmelspfortne- rinnen. —■ St. Clara nächst dem Kärnthnerthor. — St. Jakob auf der Hilden.— Die Lorenzerinnen.— Die Siebenbüchnerinnen. — Das Königskloster nächst der Burg. — Die Büßerinnen bey St. Hieronymus. — Die Weißspanier und die Schwarzspanier.—Die Thea- tiner, Philippinerianer und Hieronymitaner. — Die Carmeliter auf der Leimgrube, die Paulaner auf der Mieden und die Kapuziner bey St. Ulrich. — Die Mi- noriten am Landhaus, nun in der Alsergaffe. — Die obern und die untern Jesuiten und das Noviziathaus bey St.Anna.— Die Augustiner auf de« Landstraße. — Das Chorherrnstift St.Dorothee. * » D i e Templer. Ä)enn zuvörderst von den erloschenen, zerstörten, oder aufgehobenen Klöstern, Kirchen und geistlichen Körperschaften der Stadt Wien und ihrer Vorstädte die Rede ist, so geziemt es wohl vor Allem des Tempelordens zu gedenken, den (wie wir in der Geschichte Wiens VI. 56 — 60 erwähnten) Leopold der Glorreiche, nebst den Rittern von St. Johannes-Spital zu Jerusalem und den deutschen Herren, von seinen Kreuzfahrten mit nach Wien gebracht haben soll! Er hatte mit den Templern bey Bethsaida, am heiligen Berge Tabor, am Jordan gestritten, wie vor dem, seinem Vater und Bruder so verhängnisvollen Ptolomais und am Thurm von Damiate. — Doch bleibt es immer nur alte Sage, daß die Templer je selbst in Wien gehauset, daß ihnen Leopold die Marienkirche zwischen dem nachmahligen Stubenthor und Biberthurm, mit dem anstoßenden Gebäude eingeräumt, daß er sie dann anderswohin versetzt und ihre bisherige Residenz, den aus Ungarn herbeygerufensn Mönchen des Predigerordens (Dominikanern) eingeräumt habe. — Lazius ist weder eine gleichzeitige, noch minder eine verläßliche Quelle. 6 D ie Templer. Die Dominikaner kamen so früh nach Wien, daß die Ritter des rochen Kreuzes, nur wenige Zahre in dem, nun seit sechs Jahrhunderten von jenen bewohnten Umkreis hätten weilen können. Auch wurde gele- gcnheitlich der Vertilgung des Ordens in Frankreich durch Philipp den Schönen und seiner langsamen und unblutigen Aufhebung in Deutschland bereits bemerkt, daß alle urkundliche Gewißheit von Besitzthümern des Tempelordens im Lande unter der Enns, einzig und allein auf zwey unbedeutenden Urkunden beruhe und daß von den meisten Orten Österreichs, wo Sagen und Mährchen und wo spätere Quellen die Templer hinsetzen , z. B. Petronell, Heincburg, Bertholds- dorf, Modling, Eggenburg, Heiligenstadt, Neun- kirchen, Asparn an der Zayra, Schöngrabern, Eben- furt rc. (M. S. Hormayr s Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur uud Kunst 1817 Nro. 84 und 96, dann 1818 Nro. 44, endlich Decb. 1822 Nro. i4* — 148,) ziemlich genügend dargethan werden könne, daß sie nicht dem Orden, sondern andern geistlichen Körperschaften, daß sie dem Herrn des Landes, oder verschiedenen mächtigen Baronen angehört haben. (Vlll. 164.) Die eine dieser Urkunden, von dem verdienten Genealogen Freyherr» von Hohen- e ck aufbewahrt, bewährt, daß die Templer ihr Gut zu S ch w e ch a t, F i s ch a m e n d und Rauchen- wnrt, dem Herrn von Haßlair verkauft und sich über diesen Kauf auch mir dem Herrn, von Zelking, i 5 og am Marhiastage verglichen haben. Durch die andere, vom 28. Sept. i3o2 (Nro. 42. des Urk. Buchs,) Die Templer. 7 vertauscht Bruder Ekko, des TempelordenS Commen- thur, Gebiethiger durch Böhmen, Mähren und Österreich und die Bruder des Tempelhauses in Tschaiko- witz mit dem Schottner Abte Wilhelm, die dem erster» zuständige Abgabe vom T e i n f a l t s h 0 f in der Teinfaltsstrasse, mit andern von einer Bäckerey in der Radstraße (nun Dorotheer-und Neuburger- gasse). — Unter den Zeugen sind vom Orden: der Ordensmeister, Bruder Sigfried von Brunn und Heinrich der Arzt rc. Aus Beyden geht hervor, daß der Templer Be» sitzthum in Österreich so unbedeutend gewesen, daß es gar keine eigne Comthurey gebildet, sondern bloß eine Zubehörde der mährisch - böhmischen ausgemacht habe. Weit begüterter waren sie im nachbarlichen Mähren. Der gewaltige Przemysl Ottokar und sein hochgesinnter Rath und Freund, Bischof Bruno zu Oll» mutz hatten sie mit zu einem Schlußstein jener staatsklugen „Herrschaft durch Theilung" erkohren, die sich gleichzeitig auch in der,Gründung des Ollmü» tzer Lehenshofes und in jener Kette deutscher An- siedlungen durch das ganze Riesengebirge und bis an die Karpathen hinunter kraftvoll aussprach. — Von den französischen Rittern, behielten den Leib die Flammen, die Seelen der Himmel, Geld und Gut König Philipp. Seine Gier war gesättigt, seine Rache gekühlt, wiewohl er und Clemens V. allzubald jener Vorladung vor den Stuhl des ewigen Richters folgen mußten, die der edle Großmeister Jakob Mo- lay vom Scheiterhaufen an sie gerichtet. — In den 8 Die Templer. meisten Landen kamen ihre Güter an die Krone, in mehreren wurden die Johanniter ihre Erben; in Portugal! und Arragon bildete das Tempelgut in der Folge die Grundlage/ des Christus-und Calatrava - Ordens. Ihr geringer Besitz in Österreich war wahrscheinlich schon verkauft/ als auf der Synode zu Vienne des einst so mächtigen / im Morgenlande vielfach entarteten / aber auch im Abendlande gesunkenen Ordens letzte Stunde schlug. — Man kennt die, auch im Lied und Bild gefeyerte Überlieferung von den letzten Templern, die mir ihrem Comthur, Wildgrafen Hugo, ihre Unschuld betheuernd, vor die Mainzer Synode traten und zum Zeichen derselben glühende Kohlen auf ihre Mantel legten (Archiv Nro. 4 von 1818.) Sie blieben unversehrt, und es vergönnte ihnen ein einhelliger Zuruf, ruhig und unbeirrt bey ihren Herbergen und Kirchen abzusterben, oder das Ihrige zu verkaufen und in der Fremde und Ferne eine Stätte zu suchen, wo sie das müde Haupt, ohne Schmach und Verfolgung niederlegen könnten, zur ewigen Ruhe. Der heilige Gcistorden zu Wien. „Die Nationen (sagt der große Johannes Müller) folgten zweyerley Gesetz. Vom Ganges bis an den Tajo, ja bis an die Pyrenäen, vom tatarischen Gebirg bis in den Sand Nubiens, herrschte der Koran. Der mindere Theil der Erde verehrte den Gekreuzigten. Unter der Standarte des falschen Propheten stritten hundert Völker, vom Hirtenleben 9 Der heil. G e i st o rd e n zu Wien. abgehärtet, entstammt von südlicher Hitze, von dem Gedächtniß unglaublicher Triumphe, von einem , den Sinnen schmeichelnden Glauben Bey ihnen wohnten damahls die Wissenschaften und die Künste blühten in ihrem Staat. Das Evangelium wurde von rauhen Barbaren vertheidigt, von Fürsten ohne Kriegskunst, von Völkern, kalt wie ihr Norden" Aus diesem Verhältniß zeigen sich die Kreuzzüge und Pilgerschaf- ten weitweniger als Schwindel nach Abenteuern, wie als eine wichtige Klammer zur Vereinigung getrennter Welthalfte», zur Kenntniß der Erde, zu Tauschund Handel, zu Milderung des eiserne» Zeitgeistes, zur Erhebung des Unsichtbaren über das Sichtbare, ja zu brüderlicher Annäherung des Abendlandes selbst, dessen Völker und Staaten, gleich Inselgruppen aus einander lagen und sich wechselweise von ihren Ufern herüberdrohten, nur durch den gemeinsamen Glauben zusammen gehalten, und durch den, unsern barbarischen Ahnen gemeinsamen Vater und Vormund zu Rom. Die Heereszüge und Wallfahrten nach dem heiligen Lande, jene wider die Araber auf der pyrenai- schen Halbinsel und aus den Eylanden des Mittelmeeres, förderten, so wie späterhin gegen die heidnischen Wenden und Preußen das Pilgern nach Rom zu den Gräbern der^Apostel, zu den Füßen des heiligen Vaters, zu den übrigen Wundern der ewigen Stadt, zu so manchem Gnadenbilde, um häufige Missethat habsüchtiger Gewalt, grausamer Rache, oder verwilderter Liebe zu sühnen. So erhoben sich aller Orten 10 D e r heil. G eiste rd en zu Wien. Bethkirchlein und Hospitäler, Geistliche und Layen, Männer und Frauen, die sich der Labung der Pilger, der Rettung Verfolgter, der Psiege Kranker und Verwundeter weihten. — Der heil. Geist, von den frommen Gläubigen vorzugsweise ein Vater der Kranken und Armen gepriesen und daher Paraklet genannt, schien der oberste Schirmherr all dieser unzähligen Häuser, die aus der ganzen weiten Erde ein einziges Haus des ewigen Vaters zu bilden schienen. Deßhalb hießen auch fast alle diese Hospitäler: zum heil. Geist. — Ein eigner Orden von Chorherr» und Rittern, von dienenden Brudern und Schwestern, breitete sich über Frankreich, Italien, England und Deutschland aus und faßte auch in Wien festen Fuß. Noch ist kein Vierteljahrhundert verflossen, als die Chorherrn des allerletzten Ordenshauses zu Mem m ingen in Schwaben, einst eine Filiale pes Wiener Ordenshauses, der allgemeinen großen Säcularisation unterlagen. Guido Graf von Montpellier, Zeitgenosse der letzten Tage des großen Barbarossa, der auch im gelobten Lande seinen Tod fand, war nur des Ordens Erneuerer. — Jnnoeenz berief ihn 1204 nach Rom, um als Meister, das Ordenshaus Santa Maria fn Sassia einzurichten. Rom und Montpellier blieben von dem an, die Mutterkirchen. Leopold der Glorreiche und sein Kaplan und Arzt Gerard, Pfarrer zu Fellm oder Felling an der Pie- sting waren 120L—1211 die Stifter des Spitals mir der Capelle zum heil. Geist und der gegenüber- Der heil. Geistorden zu Wie n. i» stehenden Antoniuskirche jenseits der Wien, auf der Starte von der heutigen Carlskirche in die Plänk- ler- oder Panigelgasse hinein. (Die Stiftungsurkun- den gibt die Anmerkung 6 des VI. Heftes S. i85— i85.)— Dieß Spital ist wohl zu unterscheiden , von dem diesseits der Wien, gerade vor'dem Kärnth- nerthor gelegenen heil. Geistspital, welches, da beyde in der ersten türkischen Belagerung von i 52$ von Grund auS zerstört wurden, in das heutige B ür- gerspital in der Stadt nächst eben diesem Thore überging.— Am 2 r. April i2i5 schenkte der junge Kaiser Friedrich II. dem ersteren Holviral das Patronatsrecht der Pfarrkirche seiner Stadt M e m m i n g e n, Augsburger Bisthums. — Die Hospitaliter des heil. Geistes und St. Antons zu Wien waren Geistliche und Layen, zur Pflege der Kranken und Pilger durch Gelübde verbunden. Es ist keine Spur, daß sie, wie ihre französischen Ordensbrüder, Waffen trugen und mitfochten in den frühern Kreuzzügen ins gelobte Land und auf die ägyptische Küste, oder wider die Mauren in Spanien oder in den spätern wider die heidnischen Preußen und wider die Türken.' Ihre Vorstände waren der Meister, sein Vikar, der Hospitaliter, der Prior der Kirche, der Hauskämmerer, der Schatzmeister und die Präceptoren. Die Kleidung war schwarz, das Doppelkreuz an der linken Schulter und auf der Gugel oder Kapuze weiß und ankerförinig, oder in späterer Zeit an den Enden eingeschnitten, ebenso beyden Ordensschwestern.— Auf den Siegeln der Spitalmeister und Or- 1 2 Der heil. Geiste r d e n zu Wien. denspräceptoren sowohl zu Wien, als in dem zweyten Hause zu Bulgarn ob der Enns, erblickt man die, den heil. Geist vorstellende, auf dem Kreuz sitzende Taube, das Kreuz manchmahl an den zwölf Spitzen mit Lilien geschmückt. Aus den auf uns gekommenen urkundlichen Spuren, läßt sich nur ein sehr unvollständiges Verzeichniß der Meister dieses frommen Hauses bis in die Tage der Reformation und der Türkennoth herstellen. 1) Der älteste bekannte Meister, L o r e n z (frater Laurentius, magister hospitalis S. Spiritus extra muros Viennae) war ein Zeitgenosse König Ottokars und erlebte noch seinen Sieg wider Bela in der ersten Marchfeldsschlacht. Zwey Jahre darauf aber, 1262, erscheint er als bereits verstorben in einem Briefe des Schottner-Abten Philipp und Hirzos deS Commenthurs des deutschen Ordens zu Wien. — 2) Bruder Rapoto 1262.— König Ottokar ertheilte am 16. May 1274 zu Klosterneuburg den frommen Brü- dern deS Hospitals des heil. Geistes zu Wien, die Bestäc gung aller ihrer Rechte und Freyheiten (Urk. Buch Nr. i 32 .)— 3 ) Frater Conradus, magister hospitalis S. Spiritus et S. Antonii, 1273, 1276, 1282, Zeitgenosse der Beendigung des großen Zwi- schenreiches in Deutschland und in Österreich durch Ru- dolph von Habsburg und der Einführung seiner Dynastie in Österreich nach der zweyten Marchfeldsschlacht, die Ottokaren den Sieg und das Leben kostete. — 4) Unter Albrecht 1 . bis auf x 3 o 2 „Bruder Liupolt Mai- ster und Pfleger der Durstigen und des Gotzhawses Der heil. ©eistovbcn zu Wien. i 3 von dem Halligen Gaiste euthalben der Wienne."— 5 ) Bruder Ortolf, dessen Siegel bereits Philibert Huber lieferte, Tab. 6 Nr. 5 seines aus den Archiven von Melk beleuchteten Österreich, Der alle Gotteshäuser und frommen Stiftungen Wiens umfassende und darum sehr merkwürdige letzte Wille der römischen Königinn Elisabeth, Wittwe Albrechts I. bedenkt auch das Spital zum heil. Geist in Wie» mit zwey Pfund Pfenningen.— 6) Bruder Peter, i 333 — i 338 , obrister Meister und Pfleger des Hauses vom heil. Geist, enthalb der Wien vor dem Kärnth- nerthor. — 7) Bruder Grifo i 344 - — 6) Bruder Ulrich auf der Schutt i 35 o.— 9) Wieder ein Bruder Grifo oder Greif, Zeitgenosse der Gründung der Hochschule und des Stephansdomes und der Wieder- erhebung der Stadt durch Rudolph IV. aus der großen Pest. Unter ihm verordnete dieser Fürst, daß auch die Heiliggeister zu Wien der Frohnleich- namsproccffion beywohnen sollen. — 10) Bruder Stephan, unter welchem Rudolph dies Haus, so wie die Nikolaerinnen in der Singerstraße, aus den Handen der Juden errettete, denen sie mit wucherischen Schulden verstrickt und verbunden waren, wogegen die Brüder sich verbanden, einen Centner Wachs nach St. Stephan abzugeben, den feyerlichen Umgängen daselbst beyzuwohnen und seinen Geburtstag, Allerheiligen, mit einem Hochamt in ihrer Kirche zu begehen. — 11) Bruder Johannes Krämer »369. — 12) Bruder Heinrich Späth, 1871— 1872. — i 3 ) Bruder Peter i3g2.— 14) Bruder Niklas — i 4 Der heil. Geistorden zu Wien. i 5 ) Bruder Daniel von der Littau, i 4 o 5 , in welchem Jahre um Eotzleichnams-Octav (wie die Chronik sagt) die Guzz so groß gewesen, daz daz Wasser überall auf dem Marchfeld über das trayde gierig v»d ze Wienn in das Spital vnd auf der Mieden hinder Sand Antoni und hinder dem heil. Geist/ in ped Ehrlichen.— 16) Bruder Ulrich vom neuen Markt 1420. — 17) Bruder Carl Gruber 1424. — 18) Bruder Hanns der Stainberger 1484. — 19) Bruder Paul 1442 —1448. — 20) Bruder Rupprecht Tamhofer »449 —1480.— 21) Bruder Johann Virtus > 5 ioo. — 22) Bruder Philipp von Thurn »809/ i5i2, » 5 i 8 . Dr. der heil. Schrift und der freyen Künste, Julius des II. Pönitentiär, des heil. Geistordens Statthalter und Visitator durch Deutschland, Ungarn, Böhmen und Pohlen, Meister und Commenthur der Gotteshäuser zum heil. Geist und St. Antoni vor Kärnth- nerthor zu Wien. Philipp von Thurn, oder wie ihn die damahlige Sitte lieber nannte, Turrianus, predigte noch vor Luther und so laut und so kühn als er, wider die Ablaßversteigcrung und wider den Bilderdienst. Seine Sitten waren eben so wenig erbaulich und die Zucht unter Brüdern und Schwestern verfiel ganz und gar. Der Paffauer Offizial Hanns Kaltenmarker neigte sich gleichfalls zur neuen Lehre. Die Cisterzienser Jakob und Theobald erhitzten das Volk von den Kanzeln bey den Lorenzerinnen und zu St. Peter. Der von Salzburg verjagte Paul Speratus schrieb rasende Flugschriften wider die theologische Facultät. Die Priestcrehen, das Ausspringen der Der heil. Geistorden zri Wien. »5 Nonnen begann. Der Sittenverfall nahm mit den Reichthümern zu und mit dem plötzlichen Umschwung aller Preise durch die Entdeckung der neuen Welt. Die Gährung wuchs einer Lavine gleich. Gar bald, ließ sie, wie des ritterlichen Maximilian Tod, die straffen Zügel nachließ in dem anarchischen Zwiespalt der alten und neuen Regenten, das ganze Land ihre ungeheure Wucht fühlen. Die Hochschule stellte den Turrian zur Rede. Der Schottner-Abt als Schirmherr wollte ihn vertreten, aber Universität und Regierung antworteten: der Schott- ner Schirm berühre nur des Spitals weltliches Recht und Besitzthum, nicht die Rechtgläubigkeit, noch die « Sitten der Vorstände und der Mitglieder. 22) Michael Dernecker, Meister der heil. Schrift wurde deßhalb schon i 5 o 8 als einstweiliger Vikar aufgestellt; aber Meister Philipp schwor seine Irrthümer ab und gelobte Besserung des Wandels. Dennoch mußte er i 5 o 8 ganz abtreten und 23 ) Bruder Marx Gold, des Kaisers Kaplan trat an seine Stelle. Von ihm ist der, auf der Hofbibliothek befindliche Codex der Ordensregeln seines Hauses. Er wurde auch oberster Generalvikar, Visitator, Commissär in den deutschen und nordischen Provinzen. — 24) Bruder Jakob Nagel, päpstlicher Ponitentiär, Commenthur, Meister und Prior, Lehrer der Gottesgelehrtheit im Predigerorden. Unter ihm schlug die letzte Stunde des Hauses. In der zweyten Hafte des Septemb. 1829 erschien der große Suleyman mit seiner unübersehbaren Heeresfluth vor Wien. Die der Stadt in gefahrvoller Nahe liegen- j si Der hei!. Ge i storden zu Wien, den und dem Feinde Schien! und Mittel gewährendem Gebäude wurden niedergerissen. Dieß Loos traf auch das Hospital und OrdenShaus mit der heil. Geistca. pelle und der St. Antonskirche. Die Kranken wurden zu den Himmelspfortnerinnen in die Stadt geführt. Die Belagerer vollendeten den von den Belagerten begonnenen Ruin. Zwar lebte der Meister Jakob Nagel urkundlich noch i53s. Aber die zerstorungslustige Reformations- zeit uiid die neue, doch weit ausgedehntere Befestigung der Stadt machten jede Aussicht auf Wiederherstellung schwinden. Die ohnehin sehr geschmälerten Güter überließ der Landesfürst dem Wiener Bisthum. Eine Filiale des Wiener Ordenshauses, war das Hospital zu Bulga rn unferne Linz. i3o3 stiftete es Ulrich von Ca pellen und seine Ehewirthinn Margarethe von Falkenberg. i5i5 mehrten dieses Haus, Ulrichs Sohn, Hanns von Capellen, Herr zu Steyereck und seine Gemahlinn Kunigund von Wald- s e e. Das Blut dieser drey edlen Häuser wallt in den Adern unserer theuern Liechtensteins fort. — Bertholt, von Capellen rettete Rudolphen im entscheidenden Augenblick, als der Riese Herbot von Füllenstein bereits sein Roß erstochen und ihn in die äußerste Gefahr gebracht hatte. — Heinrich von Liechtenstein, der eigentlich Österreich in der schrecklichen , Herrnlosen Zeit dem hoffnungsreichen Jüngling Ottokar gegeben und es ihm, als er Tyran wurde, wieder genommen, entschied eben diesen Sieg, indem er das wankende Banner aus der Greisenhand Der heil. G e i sto r d e n zu Wir». 17 des Haslauers rettete und sich damit ins dichteste Gewühl der Mannsschlacht stürzte. »332 mehrte Hanns van Capellen mit seinen Söhnen Ulrich und Eberhard die Stiftung reichlich. Dagegen versprach „Bruder Peter, des heil. Geistordens Meister und die Sammung Gemein zu Wien und zu Bulgarn," acht Ordensschwestern zur Psiege der kranken Weiber zu halten; Anna von Capellen war die erste derselben. Da 1405 mit Eberharden das reiche Haus von Capellen erlosch, kam die Vogtey von Bulgarn, nebst dem Schloße Steyereck, worauf sie haftete, durch seine Schwester Dorothee an Hartneid von L i ch« t e n st e i n - N i k 0 lsb urg. Die Meister dieses Hauses waren: 1) Bruder Jakob, Meister und Pfleger i 3 o 3 — i 322 . — 2) Bruder Peter bis i 38 r. — 5 ) Bruder Christian, Prior » 33 g.— 4) Bruder Heinrich Meister 1402.—- 5 ) Bruder Carl » 4 » 5 — >42», Meister zu Wien.—> 6) Georg von Emmersdorf 142» —-i 432 . — 7) Bruder Matthaus, Prior zu Bulgarn » 444 -— 8) Wolf Kirchstetter, Meister. — 9) Bruder Wolfgang Pul- kauer »484 und » 456 . — 10) Wolf Heidauer » 45 o, — 11) Albrecht Pollweis bis »496. — 12) Johann Preuer bis i 5 o 6 . — i 3 ) Wolf Hermann bis i 5 ii. — »4) Bruder Wilhelm Hofmann bis i 5>7.— i 5 ) Bruder Johann Krempl i 5 r 8 .— 16) Wilhelm Hofmann zum zweyten Mahle iÖ24, — 17) Achazius Eigner zö 43 . — z8) Achaz Mosauer, resignirte 7- May »549.— 19) Bruder Paul Knik, der nur etwas über zwey Monathe blieb. — 20) Bruder Benedikt 1 1. j£>fnFtpüri>(.jf«ittn. l. Bö. 3. Heft. 2 i8 Der heil. Geistorden zu Wien. Kam, nahm ein Weib, mit der er zwey Söhne erzeugte und für sie mit den frommen und wohlthätigen Stiftungen also wirthschaftete, daß er r56y abgesetzt werden mußte. Aber nicht besser machte es feiji Nachfolger. 2i) Maximilian Lavanrstein, der mit i. Febr. auch wieder entsetzt wurde. Die Schwestern waren längst in die Welt gelaufen; die Bruder ergaben sich weltlichem Erwerb für Weib und Kind und die landesfürstliche Kaminer mußte Administratoren setzen. Der erste war der Hofdiener und Fisch- .neister Georg Haidt. Sein Nachfolger Georg Jen- neitzwar ei» beweibter Pfaffe. Dann folgten sich zwey Klosterneuburger, Sebastian Kieler, der i58g Probst zu Seckau wurde und Niklas Arnold, der aber i5c)0 durch einen unvorsichtigen Flintenschuß, die Getreidescheuer und durch diese das ganze Kloster in Brand setzte und in der ersten Bestürzung entfloh; i5go— j5g3 die beyden Melker Georg Busch und Christoph Hiertl; >5g3 Alexander Abt zu Wilhering; -5g6 Bartholomä Fuchs, Dechant bey St. Dorothee zu Wien ; i5g6 — 1600 Mathias Pendl und Georg Pier- mann aus dem Kloster Baumgartenberg. Der letzte Administrator war Thomas Parstorfer, ein Chorherr von Waldhausen. — 160g wurde Bulgarn den Jesuiten zu Linz übergeben mit den Pfarreyen Steyereck, Sauersheim, St. Jörgen, Pabneukirchen in Oberösterreich und Rohrbach in Niederösterreich. Die Edelherrn von Capellen wären auch in der Wiener Vorstadt G u m p e nd 0 rf reich begütert und deßhalb Vögte des dortigen Gotteshauses zu St. Egidi D e r heil. G e i st o r d e n zu Wien. tq> gewesen. Zwölf Häuser zu Gumpendorf waren durch ste gleichfalls mit der Grundherrschaft an das Ordenshaus zu Bulgarn gekommen, von diesen aber längst an die Herrn von Wähing verkauft worden. Die Jesuiten glaubten selbe als Zugehörden des HauptguteS gleichfalls reviudiciren zu können, mußten sich aber einen geringern Vergleich gefallen lassen. Dagegen breitete sich das S ch o t t e n k l o st e r in Gumpendorf immer weiter aus und brachte in den Tagen der R e- formation (iö-ji) auch die Pfarre Gumpendorf vom oberennsischen Stifte Baumgartenberg an sich. Es hatten sie, i3üo, die Herrn von Capellen diesem Stift verliehen, aber in jenen Zeiten des Umsturzes und Verfalls war es nimmer im Stande, sie zu besetzen und zu verwalten. Der Adlerorden, der Drachenorden und die alten und neuern Ritter von St. Georg. Je mehr von den Tagen der großen Kirchenspaltung , des Krieges der Fürsten und Städte, der Herrn und Landleute an, der Adel und die Geistlichkeit ihres Ursprunges und ihres Berufes vergessend, die ihrem hohen und edeln Standpuncte zustehenden Kenntnisse und Künste vernachlaßigten, je mehr die einen glaubten, zu Allem geboren zu seyn, ohne es zu verdienen, die andern 'aber, das ganze Heft intellectueller und moralischer Überlegenheit aus den Händen gaben und vermeinten, nur die eiteln Schrecken einer ewigen Minderjährigkeit unaufhörlich L» Der Adlers r de ii, der Drache norden fortsetzen, ja steigern zu dürfen; desto mehr vervielfältigte sich auch das vergebliche Mühen, das morsche und von allen Seiten wankende Gebäude zu stützen durch Pfeiler von gleichem Bau und gleichem Nahmen, aber in ihrem Innern hohl und mürbe. Die sorgfältigste Bewahrung der Formen ist vergeblich, wo der Geist entwichen ist — Dahin gehört auch das eitle Bestreben, das täglich tiefer sinkende Rit- terthum durch die neuen Devisen, Losungen, Rüstungsund Kleidungsabzeichen, durch neue Ritterorden bekräftigen , den in der innersten Brust durch schrankenlose Begier und hoffärtige» Dünkel sehr getrübten religiösen Sinn, durch allerley Zwittergeburten halb weltlich-, halb geistlicher Verbrüderungen retten und mit derley Strohhalmen gegen die eiserne Keule des Fanatismus ankämpfen zu wollen, der sich in den Walden fern der Steyermark, in den, Österreich und selbst Wien mehrmahls berührenden Adamiten und Flagellanten, in Wikleffs Anhang, allzubald aber in den Hussiten auf eine Weise zeigte, die nicht nur Böhmen und dessen Nebenreiche durch zwey Zahrzehende mir Blut und Graus und Flammen erfüllt, sondern auch ihre Schrecken in das Herz Ungarns und Deutschlands getragen und die kampfgeüb- testen Heere vor den Dreschflegeln der böhmischen Bauern in den Staub gelegt hat. Der leichtblütige Sigmund von Luxenburg (gleich seinem Vater Carl IV., ein arglistiger, aber nicht so planvoller noch beharrlicher Feind Habsburgs,) glaubte die ungeheure Niederlage von Nikopol völlig wiedek u it b bi« Ritte r von St. Georg. 2* gut gemacht zu haben, wenn er nur geschwind einen neuen Ritterorden vom Drachen stiftete. Schon 1897 liest man urkundlich milites Draconis. Her- ' zog Albrecht IV. (f 1404) hatte auf seinem Siegel den grünen, vierfüßigen, rund gekrümmten und mit Blutstropfen bemahlten Drachen, wie er noch auf dem Edlasberg'schen Wappen im Federlhof am Lugeck, mit der Devise: pati et abstinere et sapere, a Deo sunt. i 4 » 4 , i» Stein gehauen zu sehen war. Derselbe Drache erscheint i 3 g 6 auf Albrechts Petschaft, da er Hannsen Staindlein das Weinumgeld zu St. Ulr ich vor W i d m e rt h o r zu Wien verleiht. Das eigentliche Ordenszeichen aber, war der Lindwurm an einem Kreuze hängend, auf welchem der Länge nach stand: „o quam misericors est Deus” und nach der Quere: „justus est pius«'' —> Bald gab es auch eine Rangesverschiedenheit unter den Rittern, denn schon Sigmunds Kanzler Eberhard Windeck unterscheidet zwischen den Bierundzwanzi- gern, denen der Kaiser selbst das vollständige Zeichen gegeben. Kreuz und Lindwurm nähmlich und zwischen denen, die den Wurm alleine trugen. Anfangs hatte er noch den Reih des Geheimnisses und galt den Uneingeweihten für eine gewöhnliche Wappenzierde. Aber am 12. December 1408 erhob Sigmund seine Drachenritter öffentlich als eine besonders ehrenwerthe Gesellschaft ungarischer Großen, die ihm als König, wie als Flüchtling und Gefangenen stäts treu geblieben (Dezpoth, Cily, Gara, Stiboricz, Tamasi, Laczk, Maront, Ozora, Zech, Korbavia, Zeechen 22 Der A d l e r o r d e n , der D r a ch e n o r d e n .A/saan , Szech, Chak, Bessern, Pegh, Nadäsd, Pereri, nennt sie das Privilegium.) Aber auch Fürsten und Herren des Auslandes wurde» mit in den Bund aufgenommen und schon im nächsten Jahre darauf/ als der edle Bürgermeister Verlauf mit seinen Freunden im wilden Vormundschafts- und Bruderzwist durch HenkerShand gefallen (IX". 54 .) am Samstag vor Fastnacht zuOdenburg bekannte Herzog Ernst der Eiserne für sich und seinen Vetter und Mündel Albrecht V. und mehrere Landherrn in Österreich und Steyer/ der Gesellschaft mit dem Drachen beygetreten jij seyn. Diese Urkunde erkennt/ gleich dem 22 Jahre später, auch wider die Türken, durch Philipp den Guten von Burgund gestifteten Orden des goldnen Vließes, ein geschlossenes Capitel der Bruder und Ritter und ein Gericht derselben übereinander, als P airs. — Von den damahligen Rittern leben nur noch die Liechtensteins, Star he in berge und Stu- benderge; aber er verfiel und verschwand eben so schnell als er emporschoß, nach Sigrnunds eigenthümlicher Weise. Unser edler Albrecht, der mit Sigmunds Tochter Elisabeth, das Markgrafthum Mähren als Brautschatz und nach des Kaisers Tode, in eilt e m Jahr drey Kronen, die römische, unga- rische und böhmische gewann, stiftete im wildesten Gewirr« des Hussitenkrieges, die Gesellschaft oder den Orden mit dem Adler und fertigte am Montag nach Georgi, (27. April) i 433 zu Wien den Brief darüber aus, worin er sich und seine Nach« und die Ritter von S t. G e o r g. 25 kommen als o briste Herren und Verleiher des Ordens erklärte/ „zu sondern Lob der christlichen Kirchen und ihren Glauben zu starken wider die Ungläubigen." Das Zeichen war ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln, goldbekrönt, in den Klanen ein Brieflein haltend, mit der Aufschrift: „thue recht, scheue Niemand." Darüber hangt aus den Wolken eine Hand mit einer langen Ruthe, an der das Zeichen am Hals oder an der Brust befestigt werden mag. Den Rittern werden Andachtsübungen vorgeschrieben. Käme einer in Armuth und Noch oder verlöre das Seine im christlichen Krieg, so sollen ihm die Andern treulich wieder helfen zu Harnisch und Helin und zu bessern Glück. Ritter und Knechte tragen den Adler weiß geschmelzt oder silbern. Nach der ersten Schlacht oder Sturm mögen sie den rechte» Flügel des Adlers, nach dem zweyten, beyde, nach dem dritten den ganzen Vogel vergolden lassen und zum Unterschiede von Ritter und Knecht, mögen die ersteren nach jener dreymahligen Feuerprobe auch die Wolkenhand mit der Ruche von Gold tragen. — Der Orden hatte statutenmäßig auch geistliche Übungen auf sich; bestimmte tägliche Gebethe, Almosen und Fasten; daß aber diese ritterliche Verbrüderung geradezu gegen die Hussiten gerichtet war, die mehr>nahls die Wiener Donaubrücken umschwärmten und Nußdorf vom jenseitigen Ufer be- schoßen, lehrt wortdeutlich folgender Artikel: Wenn Auch a in L an n d cs fürst z ue Österreich rc. w i d e r d e r C ri st e n h a i t v n d seine 24 Der A dl e rord e >1/ d e r D r a ch e II o r d e tt Feindt zu« Beheim vnnd Mercheren. ver- messenlich Streiten will. So sollen all vnd yeg- cleichder Gesell schafft tragen, zue ime kh o m e n vnnd ime. des beybesteen vnnd helfen, vnnd vngeuerlich solle sich khainer darin, außwenndig warer vnnd Rechter ehehaffter Noth. nichts Irren lassen." Aber eben so spurlos wie der Drache und wie der von Carl V./ i 535 nach seinem Siegeszug gen Tunis gestiftete Orden der „Barbarey," ein verjüngtes goldnes Vließ, ging der Orden der Sto- l e u n d K a n d l und des Greifen oder der M ä- ßigkeit dahin, den Friedrich IV. aus dem nah verwandten Portugall und Arragon herüberpflanzte. Sein Zeichen war ein Marienbild an einer Kette von goldnen Kannen und Blümchen. Davon hing ein Greif herab mit einem Zettel, daran die Worte: „Halt Maß!" Er frommt? eben so wenig gegen das herrschende Laster der Zeit als der von Maxens I. Liebling S i g m u n d en von D i e t r i ch st e i n, Landeshauptmann der Steyermark und durch einige Zeit auch Regentender ober nieder und innerösterreichischen Lande am 22. Juny 1517 zu Gratzgestiftete Orden St. Christophs oder der Mäßigkeit an welchen, von noch lebenden Familien, die Auersperg, Trautmannsdors, Windischgratz, Saurau, Harrach, Herberstein, Aichelburg, Scherfenberg, rc. ihr Bundessiegel hängten. Als Friedrich IV., dessen, (zum größten Unglück mehr als fünfzigjährige) Regierung, alles Land von der Enns und vom Jnn, bis an die Leitha und und die Ritter von St. Georg, ,. Drau mit Unheil erfüllce, in der eignen Burg, von dem eignen Bruder Albrecht und von den Wienern belagert wurde (IX. igi, ig 3 ), that er in seiner bittersten Noth dem Himmel zwey Gelübde, um seine Erlösung: das eine, in Wien ein Bisthum zu gründen und zur Gegenwehre wider die Ungläubigen einen halb geistlichen halb weltlichen Ritterorden zu Ehren des heiligen Blutzeugen und Siegbringers Georg. —*) Das Urkundenbuch lieferte Nro. 172 Dieser Schöpfung Friedrichs IV. war zu Wien, schon eine altere, wenigstens in, Nahme», der R i t t e r v o n St. Georgen gleichlautende vorangegangen, nach dem Geiste jener Zeit, je mehr die Blüthen des R i t t e r t hu m e s und Rittergeistes verwelkt, je mehr sein innerster Geist erloschen war, es durch von Außen aufgehängte und angeklebte Zeichen und Zierrathen wieder zu beleben, Und dem, unter dem drillen Stande mächtig heraufsteigenden Geist der Bündnisse, der G en o ss e n f.ch asten und Vereine, ähnliche Verbrüderungen des Adels entgegenzusetzen. — So fügte denn Herzog Otto der Freudige, (der überhaupt recht gut auch in eine viel spätere Zeit gepaßt hätte, weil seinem leichten Blute, so ziemlich aller Ernst ein Spiel und nur das Spiel ein Ernst war und der seinen Neidhard und Weigand von Theben, doch immer am liebsten hörte,) bc» den neugestifteten Augustinern (1337 — 1341) eine Kapelle bey St. Georgen hinzu, gestiftet von den'Prinzen des Hauses, vielen Grafen, Barone» und Edeln, deren Brüderschaft davon St. George ns G efe lls ch aft oder die Templojer hieß und wahrscheinlich das Gedächtniß und die Zwecke der vor wenigen Zähren ausgetilgten Templer erfrischen und erhalten sollte?! Aber schon nach 40 Jahren wußte man nichts mehr von diesem Verein, wie von so vielen andern. — Es ist noch ein Verzeichniß der Ritter auf uns gekommen, die zuerst in die Genossenschaft getreten sind und zum Bau der Georgencapelle bey den Augustinern beygetragen haben. 26 Der A dl e rord e n, d e r D r a ch e n o r d e n Pauls III. Bestatigungs - oder Einsetzungsbulle dieses Ordens (i. Immer 1468). Er sollte in allen Privilegien und Rechten dem deutschen Orden völlig gleich seyn. Er erhielt zu seiner Dotation die Bene- diclinerabtey Millstadt in Karnthen, Salzburger Sprengels , serners die bisherige Johanniter - Pracep- torie zu Mourberg (Mailberg), die Pfarrer Scraden, und das Hospital zu Sr. Martin in Wien vor dein Widmerthor, in der Nahe der beyden Frau- enhauser aus dem sogenannten Frauenfleck (llrk. Buch Nro. i 5 y), dann Kloster und Kirche bey Sr. N iko- l a in der S i n g e r st r a ß e gegen den grünen Anger (22. April i/syi und 148,). Je dringender die Türkengefahr wurde, je größere Ausbreitung und Starke wünschte auch SB»; I. dem Orden zu geben. Zum ersten Hochmeister war ein Bürger Wiens, Johann Siebenhirter, von Kaiser selbst ernannt; die künftigen Hochmeister sollten von den Rittern e r- wahlt werden, doch nicht ohne Zustimmung des Kaisers, oder des Ältesten vom Hause Österreich. Gelübde der Keuschheit und des Gehorsams hatten sie, nicht aber der Armuth. S i e konnten erben und erwerben, aber i h r Erbe war der Orden. Die Kaplane standen uncer einem Probst; Alle, geistliche und weltliche Der Herzog, der die Sache unternahm, war ein freudig kühner Uordermann der Ritterschaft. So konnte es nicht fehlen, dafi die Ersten oom Lande Diesen Adel unterzeichneten. — Doch finden sich von noch blühenden Geschlechtern blos die S r u ch s e von T r a u t m a » n S d 0 r < und der Stubenberge darunter. und die Ritter von St. Georg. 27 trugen ein rothes Kreuz auf der linken Brust und auf der linken Schulter. Sie wohnten beysammen, zwischen zwey Priestern immer ein Ritter. Als der Hochmeister Johann Siebenhirter sah, daß bey den Kriegsdrangsalen, die nicht nur von den Türken zu leiden waren, sondern auch noch weit mehr durch die Kriege Friedrichs IV. und Mathias Corvins, die Mauern vieler Städte gebrochen, Kirchen und Klöster im Schütte und kaum noch zum dürftigen Anbau des Landes, Menschen vorhanden seyen, ergriff ihn der Gedanke, das Qualitative, das in der ge- gefahrvollen und menschenarmen Zeit niminermehr recht fort wollte, durch das Quantilativs zu ersetzen. Er dehnte die Verbrüderung auf alle Alter und auf alle Geschlechter aus. Sie konnte durch Gold erworben werden, wie durch Eisen. Wer nähmlich nicht ein Jahr lang, auf eigne Kosten, oder in des Kaisers Sold, wider die Türken zu Felde liegen konnte, der mochte der Brüderschaft der „gekrönten Ritter von St. Georg" angehören, durch Beyträge in Geld oder Waffen oder Kriegsvorrath. Der Hochmeister und der Bischof zu Gurk hatten den Vorsitz im Ordensrath. Der jedesmahlige Landesfürst sollte drey Generalhanptleute abordnen, den Eid der Treue zu empfangen und über den Gang der Operationen zu wachen. Alexander Vl. und Julius II. wurden selber Mitbrüder, so wie Maxi. Es war auch dafür gesorgt, daß die äußeren Ceremonien der Aufnahme, der Eitelkeit der Menschen schmeichelten. Alles schmähte den Adel und Jedermann, besonders der Handelsstand, 28 Der A d l e ror d e II, der D r a ch e II o r d e n der, zumahl seit der Entdeckung der neuen Welt, eben so wenig Maß und Ziel seines leicht und schnell erworbenen Reichthumes, als seiner Aufgeblasenheit wußte, wollte adelich, ja von uraltem Stamm und Schilde seyn. Die Micbrüder durften ein goldnes Kreuz mit einer Krone und einen nach Belieben und Vermögen, auch mit Edelsteinen ausgeschmückten Zirkel an Hut, Barrec, oder an der Brust tragen. Nach Maxens großen Freyheitsbriefen d. d. Innsbruck 18. Oct. 1493 und Antwerpen 27. Occb. 1497 sollten die Georgenbrüder und Ritter, allen andern Rittern vorgehen. Sie sollten „gekrönte Ritter" heißen und sogar ihre Kinder noch berechtigt seyn, auf ihren Wappenschild eine Krone zu setzen. Bey der Aufnahme durch den Bischof nach dem seyerlichen Hochamt heftete ihnen derselbe das Kreuz auf die Schulter, die Diakonen gaben ihnen die Kerze in die Hand und Edelleute gürteten sie und schnallten ihnen die Sporen an. Aber so schön auch all dieser neuerdachte Ordensschmuck, so lockend auch die ertheilten Begünstigungen waren, fehlte die Hauptsache : ein gewaltiger, begeisternder K ö n i g s h e l d, wie P 0 d i e b r a d und M a- th i a s.-i— Friedrich IV. von allen seinen Feinden geschlagen, von einer meuterischen Rotte in der eignen Burg gehöhnt und belagert und zuletzt von Mathias aus derselben vertrieben, taugte wenig zum Gegenstände kriegerischer Begeisterung. Die Aufmerksamkeit des mir jeder Rittertugend prangenden Maximilian war allzusehr in den schweizerischen, niederländischen, italienischen Kriegen, an allen Enden Europas zer- und die Ritter von St. Georg. 29 'streut und zerstückelt. Nie erreichte der Georgen« orden auch nur einen Schatten jenes kriegerischen Heldenruhmcs, womit einst die Ritter des T e m« pels, des Spitals und die deutschen Herrn geglänzt. — Der Verfall der Sitten und die rauhe Verwilderung jener Tage, spotteten aller Gelübde und aller, zumahl der religiösen Ideen. Nur der Eigennutz fand bereitwillige Arme. Nur der verwegene Geist der Neuerung, des Widerspruchs und Widerstands konnte ein Heer aus der Erde stampfen. Selbst die große Türkennoth rüttelte nichc wach aus dem wilden Taumel und ohne den Heldenmuth der Vertheidiger,Wiens, hätte der große Suleyman, gleich den Cäsar» RomS, auch den Rhein gesehen, wie den Euphrat, wie die Donau und den Nil. Maximilian, dem die ungeheuern Grausamkeiten der Türken in Croatien, die Gefahr der innern Lande eben so dringend ans Herz legten, wie Friedrichs IV. letzter Wille, die Vollendung des Ordens, hatte zu diesem Ende den Hochmeister und die Bischöfe von Wien und Triest, nach Hall in Tyrol zu dießfälliger Berathung beschieden. Aber seine Unterhandlungen mit den Churfürsten, trotz der Werbung Franzens und Heinrichs, der Könige Frankreichs und Englands, seinem Enkel, Don Carlos, die Krone zu erwerben, ließen auf dieser Versammlung kein andres Geschäft gedeihen Auf seinem letzten Krankenlager zu Wels rief er noch zwey Mahl den Hochmeister von Millstadt herbey; aber dieser traf den edlen Fürsten nicht mehr am Leben. Der Meister wen- So Der Adlerorden, bot Drachenorden bete sich nun an den neuen Kaiser Carl V. und seinen Bruder Ferdinand und stellte ihnen vor, wie selbst Ma^-ns Grab in der Burg zu Neustadt von den Ordenspriestern verlassen, nur von andern Mönchen besucht und zu Nachtsbey demselben gar kein Gottesdienst sey. In dem vom Papste Paul und Friedrich IV. zum Orden gegebenen baufälligen Kloster Millstadt hätte sich kaum ein Abt mit sechs Mönchen mehr behelfen können. Bon gleicher Unzulänglichkeit und mehr zur Last als zum Nutzen sey der übrige, dem Orden eingeräumte Besitz. Das äußerst schadhafte und eine starke Besatzung erfodernde Schloß Trautmannsdorf, die gebrochene Burg Sternberg in Kärnthen, das Schloß Lichtenwerd, Landskron, Steyerberg, Priesneck, Wartenstein trügen nicht mehr als 444 Pfund Pfenninge, wobey noch viele Lasten, die sich mit der kcirnthnerischen Maulh Liserhvsen in die 600 Pfund beliefen.— Kaiser Map habe die Ämter Reichenau, Tweng und Grimmen- stein dazugegeben, 3 i 3 Pf. Die Domkirche zu Neustadt reiche mit ihrem Einkommen nicht hin, für den Bischof, sein Capitel und die Kreuzherrn. Auch das Einkommen der übrigen, von Friedrich IV. zum Orden gegebenen Pfarren Sternberg, Altlembach, Trautmannsdorf seyen unzureichend; nur Botzen in Tyrvl trage 2Öo Pfund. In der Burg zu Neustadt lägen noch genug Kleinodien und Kirchengeräth, dem Georgenorden gehörig; auch habe K. Map dem Orden i 3 seiner besten Truhen verordnet und mit des Ordens Mahlen bezeichnet. Die habe der Hochmeister einstweilen vermauern lassen, auf daß sie nicht auch verschleppt und die Ritter von St. Georg. Zi würden. Se. Majestät möchten nur ihres verstorbenen Ahnherrn vertraute Lieblinge darum befragen, Sig- munden §on Dielrichstein und den Salzburgcr Erzbischof Matthaus Lang. — Solle der Orden gehoben werden, so könne es geschehen, ohne deßhalb das unmittelbare Kammergut anzugreifen. Der Kaiser möchte nur solche Pflegen, die bisher nichts trugen und einige Bisthümer und Klöster incorporiren, die ohnehin täglich in entschiedener» Verfall gerathen und fast leer stehen, so dürfte sich doch eine lebendige Vormauer gegen den Feind der Christenheit bilden lassen. — „Ich hab auch gehört (sagt der Meister) wie ein Orden in Hispania sey, der auch mit geistlichen Güet- tern erhebt und aufgerichtet und denen so darinen seyn, Weiber zu haben, und wieder aus dem Orden zu kommen erlaubt ist. Zweifelt mir nit, wo Ew. kay. May. den Orden auch der» mästen mit geistlichen Gürtlern begäbet und Eeweiber darumb zu haben zugeb, wurde viel ansechlich Her» ren und Leut darein bringen und den Orden also in Aufnehmung bringen. Mag nun Ew. kay. May. in ir hohen Vernunft vermessen, daß khain so löblich Werk noch von khainem Kayser noch Fürsten aufgerichtet ist. Wiewohl der Orden von Rhodis und Prewsen auch viel großer Ansehen haben, yedoch sindt sy von manchen Bäpsten und christcnlichen Fürsten begabt worden. Aber der Orden ist allein v o m Haus Ostreich Ew. kay. May. Ureen, Een und Ew. kay. May. erhebt und dotirt worden." Er habe (fährt der Meister fort) den F ü r st e n- Sr D e r G e o rg e n o r d e ii. Titel, gebrauche sich desselben in Armuth, und habe a!i sein Erbgut zugesetzt. Er wolle die Burg zu Neustadt an sich lösen, die Niemanden beffer zieme, als dem Orden. Der Kaiser möge auch demselben die Hospitäler untergeben und einräumen und mit den zu Wien den Anfang machen. Die Ordenspriester könnten dann an der hohen Schule stehen und würden so gelehrt, auch die Hospitäler würden wieder in Aufnahme kommen.— Jetzt (i022) sey der ganze Orden, Ritter, Brüder, Priester, Leviten, alt und jung zusammen, kaum vierzig. Auch solle noch neben ihm ein geistliches Haupt im Orden seyn, »ach der Siptinischen Bulle, der Bischof von Neustadt. Den solle man vermögen in den Orden zu treten. Wollten Carl und Ferdinand nachfolgendes geistliches Gut dem Orden einverleiben, so würde er ganz leicht ein gerüstetes Heer wider die Türken auf die Beine bringen, als die Bisthümer Neustadt, Wien, Laibach, Triest, — die große» ry- rolischen Pfarren, Tyrol, Eppan, Kalter», Botzen, Innsbruck und Thauer, ■— in Kärnthen St. Veit, Waldersdorf, Orrenburg, Vellach, Paternion, Fei- ftritz, Spital und Weissenstein, — ob der Enns, zu Linz, Stadt - und Schloßkirche und die Mauth, — in Sceyer, Gratz, Bruck an der Muhr, St. Dyo- nis. St. Lorenz, Gonowitz rc., — unter der Enns, Rußbach, Heimburg, Eggenburg, Laa, Ernstbrun», Eisenstadt rc. — Er begehrte auch nach der Ordensregel , den Nachlaß Conrad Auers, Bruders und Marschalls im Orden, als: Lestorf, Waltersdorf, Tern- berg, Liechtenstein, Gultenstein. 33 Der G e o r g e n o r d e n. Allein mit alle dem blieb es fort und fort auf dem Papiere. Jede dieser einträglichen Pfründen fand ihre Liebhaber, Alles, vom Fürsten und seinem Vice- Dom, bis zu dem geringsten Mönch und Schloßpfleger, griff nach dem geistlichen Gute, zu weltlichem Nutz und Lust. Ein Ritterorden mit den drey Gelübden paßte nicht mehr in die Zeit. Ohne Gelübde wollte man ihn nicht, obgleich nur jenes des Gehorsams nöthig gewesen wäre, das aller Kriegsordnung Grund- und Schlußstein ist. Durchdringen konnte man nicht, ausbeugen und modifiziren wollte man nicht; somit blieb von dem schönen und wohlgemeinten Bau nur das Gerüste stehen, die leeren, hohen Nahmen und Abzeichen. In den Türkenkriegen ist vom Orden fast gar keine Rede und sein Besitzthum fiel den Jesuiten zu, unstreitig für ihre Sache weit nützlichern Streitern. Wir erwähnen noch einige Haupturkunden dieses Ordens: — In der Bestätigung des Bisthums Wienerisch-Neustadt durch Siptus IV. vom 5. Aug. 1480 erhielt der Bischof den Rang vor dem Hochmeister des Georgenordens. Am 21. Juny 1491 zu Linz incor- porirte Friedrich IV. das Neustädter Bisthum dem Orden und i5. Juny i4g3 die Probstey eben diesem Domstift. — Den 17. Sept. i4g3 fertigte Map I. zu Innsbruck die große Bestätigung der Ordensfrey- heiren aus. Am -3. April i4g4 erging von Rom das päpstliche Breve an alle Bischöfe Deutschlands wegen Kundmachung des Ordens und Aufforderung zum Beytritte. — Am 25. März i5i8 bestätigte Mar I. dem II, Iahrz. DenkwürdiqkeUe,,. t.Vd.z. Heft. 3 -34 Der G e o rge n o r d e n. Hochmeister und Fürsten zu Millstadt Johann Geymann, deri5n dem ersten Meister Johann Siebenhirter nachgefolgt/ das Hochmeisterthum/ die Fürstenwürde und alle Ordensfreyheiten. — Am 16. April iÖ2i mußte der neuernannte Bischof von Neustadt Dietrich, Provinzial der Franziskaner re- versiren, vor Ablegung der Profeß und Annahme der Ordenskleidung / sich weder um die Besetzung der Stellen/der Ämter/ noch in die Verwaltung der Güter. Unter derselben Bedingung bestätigte ihn Ha- drian VI. am 3r. Aug. i522 als Vorsteher der dem Georgenorden incorporirten Neustädter Cathedrale. Am 6. und io. Nov. iÖ22 verglich er sich einstweilen mit dem Hochmeister. Aber noch am i5. Decemb. i 525 mußte ihm Ferdinand vom Augsburger Reichstage und r5. October v528 aus Wien/ ernsthaften Zuspruch thu»/ den Orden anzunehmen, dessen sämmtliche Privilegien Carl V. am 23. März i528 zu Va- ladolid bestätigte. Endlich nach der türkischen Belagerung, in der das dem Orden angehorige Spital zu Sr. Merken vor dem Burgthor der Erde gleich gemacht wurde, ging er dennoch nach Millstadt, um den Orden anzunehmen, starb aber bald darauf (i53o) und es ist ein schnelles Sinken, daß schon i53o am 19. September sein Co adjutor Johann Faber, nachmahliger Bischof von Wien, es Ferdinanden ganz unumwunden als einen eitel» Wahn darstellte, daß ein jeweiliger Bischof von Neustadt, zugleich des Georgenordens Mitbrnder und Ritter seyn müsse und daß am 9. Nov. i554 wirklich die Erklärung erfolgte, der 35 Der G e o r g e n o r d e n. Bischof von Neustadt sey nicht gehalten, in den Georgenorden zu treten, noch sey er dem Hochmeister unterworfen. Unter diesen Auspicien übernahm das Neu- stadter Bisthum Gregor Angerer ein Tyroler, Domherr zu Briren, in den dornichtsten Verhandlungen der italienischen Kriege stats mit Erfolg gebraucht vom Connetable von Bourbon, vom Viee - König Lannoy, von Pescara, Leyva, Vasto und durch Georgen von Freundsberg. Der Hochmeister und Fürst Geymann war ein Jahr vor jener Erklärung gestorben, die dem Orden den eigenthümlichen Todesstoß gab (, 553 .) Ihm folgte W o lf g ang Prandtner, der 1647 verblich und 1679 der letzte Georgenordenspriester und Senior Peter. Jener Bischof Faber, der den .Orden wegen Neustadt so hart angegriffen, nahm ihm auch S t. Nikola in der Singerstraße für seine Studenten.— St. M ertens Spital vor dem Wid- mer-Holz- oder Burgthor, blieb im Schütte und wurde Gartengrund, späterhin ein Theil der neuen ferdinandeischen Befestigung. — Zu Millstadt erhoben (1596—1698) die Jesuiten einen Mittelpunct und eine Pflanzschule des in ganz Jnneroster- reich durch die Überzahl, Übermacht und Gewaltthätigkeit der Protestanten völlig niedergetretenen katholische» Cultus, der Erziehung der Jugend und einer Pflanzschule für die Seelsorger des alten Bekennt- niffes. Ein noch kleinlicherer und darum auch schnell und spurlos wieder verschwundener Versuch, den langst er- »2 * 36 Die Althanischen Chr i stusr i tter. loschenen Rittergeist zur Vertheidigung wider die Türken , zur Erlösung der Gefangenen und zur Einigkeit unter den Katholiken, waren die C h r i stus r i t- ter (equites ehristianae militiae) gestiftet durch den General und Oberfeldherrn in Ungarn, Michael Adolph Grafen von A l t h a n n, einst einen eifrigen Protestanten. Ferdinand Gonzaga, Herzog von Mantua und Carl Herzog von Nivernois, die beyde in Ungarn unter dem tapfern Herzog von Mercoeur die ersten Sporn verdient, waren die eifrigsten Förderer. — Urban VIII. gab dem neue» Ritterorden Bullen über Bullen 12. Febr. 1623 dann > 4 - Nov. 1624 und io. und 25 . May 1625. — Am 28. December 1625 geschah die feyerliche Inauguration des neuen Ordens und seines Großmeisters zu Wien im Profeßhaufe der Jesuiten am Hof durch den päpstlichen Nuntius. Aber auch dieser Orden hatte nicht Dauer, obgleich viele der ersten Geschlechter des Landes, zuniahl die Buchheime ihn eifrig betrieben, obgleich die Ordenskleidung ganz jener der Kurfürsten und ihre goldne Kette ganz der Colane des goldnen Vließes glich!! St. Magdalena vordem Schottenthor. In der ersten türkischen Belagerung von 1829 wurde dieß Kloster der Chorfraueu nach St. Augu- stins Regel dergestalt zerstört, daß es sogar unmöglich ist, die Statte, wo es gestanden? genau zu bestimmen. Nach den wenigen Spuren stand es gegen den Hügel zu, der die Wahringer - und Carlsgaffe St. Magdalena vor dem Schottenthor. 2? nebst dem Strudelhof von der Rofsau und nahmentlich von der drey Mohrengafse scheidet, welche damahls die Klosterneuburgerstraße hieß und in deren Beginne der Klosterneuburgerhof mit seiner Capelle war. Dieser wurde zum Behufe der Vertheidigung in Brand gesteckt und niedergerissen, wobey viele urkundliche Schätze zum großen Verlust der Vaterlandsgeschichte für immer untergingen. — Auch vom Archiv desMag- dalenenklosters hat sich fast nichts bis auf unsere Zeiten erhalten; dennoch war es allem Anscheine gemäß, nach jenem bey St. Jakob auf der Hilden, Wiens ältestes Nonnenkloster und reichte mit jenem zur Himmelspforte, in die Tage Leopolds des Glorreichen, hinauf. Am Febr. ,233 gab der Salzburger Erzbischof Eberhard diesen Nonnen, Salz von seinem Werk zu Reichenhall. Ihr eigentlicher Stiftsbrief, der aber nicht mehr aufzufinden ist, soll von >23g, aus den Tagen Friedrichs des Streitbaren seyn? Die Nonnen waren gleich jenen von St. Nikola, Clster- zienserinnen. — a36y nennt sich noch: Gertraud die Pariserinne, derzeyt Priorinne des gotzhaws St. Magdalen, dagegen erscheint Helena Heurtin schon als Meisterinn von St. Augustinsorden. Es waren neben den Nonnen (sorores velatae) auch Layenschwestern (sorores conversae) und Layenbrü- der zur nöthigen Handarbeit. Das Kirchenfest war Mariens Himmelfahrt und das mächtige Bürgergeschlecht Würfel der vorzüglichste Wohlthäter. — Die i35 Nummer des Urkundenbuchs gibt einen, unterm » 9 , December i3o4 gefertigten Verzichtsbrief von 38 St. M agdal e na » o r dem Schort e n thor. Sw e ster E lyz a b e t h P r i o r i n n e vnd die Samenunge der »tonten von Sand Ma- r i e n M a g d a l e n z e >v i e n n e, durch den sie ihre Ansprüche auf die Kirche zu Srroustorf unter Vermittlung des Schottner- Abts Wilhelm zu Gunsten der Gutrath'schen Erben aufgab, unter Zeugenschaft Meister Bertholds »bristen Schreibers des Herzogs, Leutolds und Alberos der Kuenringer, der Bruder von Walsee, Marquards des Hackelberg und zweyer berühmter Bürger Wiens, Conrads des Hubmeisters und des Ritters Grifo oder Greif von Mariastiegen. — Am r3. Juny i35^ bekräftigte Albrecht der Lahme dem Magdalenenkloster, daß es seine Gründe am Hengries vor dem Kärnthnerthore, mit denselben Rechten besitzen solle, die andere Güter auf der Miede» haben.— i4g4 überließ am Freytag nach Oculi in der Fasten „Schwester Helene diezeit Meisterin und der C o n v e n t g e m a i n zu fand Marien Magdalen vor Schottentor zu Wienn dem ersamen hochgelerteu Herrn Maister Hannsen von Salingstatt, Lerer der Erzney, unseren Pawmgarten, gelegen außerhalb der Skat Wien in Werbt, oberhalb der Bischer, zu nagst Jörgen Afslabing Garthen und verband sich auch zu einem Jahrtag für besagten Meister Hanns Krull von Seligenstadt und versäumten sie dieses, so sollten sie jedes Mahl den weiße» Brüdern hie zu Wien (Carmeliten am Hof in der alten Herzogsburg) verfallen seyn um ein Pfund Wachs. Eben diese Helena war, wie die Mei- sterinn Agnes zur Himmelspforte ein Judenkind und St. M a gd a l e na vor dem Scho tleiirhor. ?9 1421 bey der allgemeinen Judenverrilgung, als zu Erdberg allein gegen zwolfhundert verbrannt wor- den, wenige Wochen alt, ihren Ältern weggenommen und in dieß Kloster zur Erziehung gegeben worden, wo sie Nonne und zuletzt gar Äbtissinn wurde und ein hohes Alter erreichte. — Die beyden letzten Meisterinnen waren: Magdalena Stattlerinn, die i 5 oy an der Pest starb und Constantia Pugklerinn. Das Jnsigel der Klostermeisterinn oder Priorinn stellt sie selber vor, auf den Knien vor der heiligen Magdalena, die die Alabasterbüchse in der Hand hält. Der St. Pöltner Chorherr Raimund Duellius gab in seinen MiScellaneen, den Brief der Reformation dieses Klosters, gefertigt in den Tagen des Baseler Kirchenrathes, am Fastensonntag Invocavit als Wilhelm Thurzo Probst zu St. Stephan, Albrecht V. Herr des Landes und sein Schwiegervater, Sigmund von Luxenburg, Kaiser war. Es hatte sich nähmlich in diesem Kloster harter Zwiespalt ergeben, zwischen der Priorinn und dem Convent, Lauheit im Gottesdienst und mehrfache Unordnung. Die Visitatoren waren: Leonard, Prior der Karthause Mauerbach, Meister Ehrhard, Offizial im Paffauer-Hof und Johann, des Schottenklosters Prior. Die Vorschriften für die Priorinn, Subprio- rinn und das ganze Convent enthalten nichts, was nicht aus den drey Gelübden und aus den allgemeinen Verbothen der christlichen Nächstenliebe ohnehin hervorgeht. Einige am Schluß« hinzugefügte Beiner- 4o S r. Magdal en a vor de in S ch o t t e n tho r. kungen scheinen wichtig genug, um hier eine Stelle zu finden: „Item wir gepieten auch, daz ain yedew Junk- fraw, die aus dem Chloster von vernünftigen Sachen etwas ze schaffen hat, ungeweilt sich ny- iner sechen noch vinden lazz. Wir verpieten auch vestikleich, daz chaine auß dem chloster gen Pad geen sull: aber in den Kloster sol man das P a d zu zeiren nach Notdurft haizen, und füllen darin, und auß geen, alß das Kloster Junk- frawen zimleich ist, und wol ansteet. Item in gegen w ä r t i ch a i t der mannen füllen sy i r a w g e n nicht in unschemichait hin und her werffen, und füllen die bey in halten, alß der gohdienerinen wol zimleich ist. Es sol auch chaine zu der Porten an vrlaub geen, noch mit den fromden an vrlaub daselbs reden. Ztem die tür, die da geet auß dem freyrhof in dem chrewtzgankch sol man vermauren, und sol ver- maurtbeleiben,wan sy zu Junkfrawleicher B e- warung nicht ain fügleiche tür ist. Item, als offt von vernünfftigen Sachen erber lewt in das Kloster geent, so füllen ire Diener davor beleiben, und zu den Junkfrawn nicht gelassen werden. Es sol auch aine zu Partnerin gesatzt werden, die mit Sitten und vernunfft fügleich darzu sey. Item es ist unser will und maynung, daz von den frawn all dag ain ampt gesungen werde, nach Ordnung der Prio- rin, oder wem sy das emphilicht. Item >vir verpieten alß vil wir mügen, daz h in für gar ch a in lan n tz hynn sey, weder von g e i st l e i ch e n, noch w e l t l e u St.Magdalena vor dem Schottenthor. 4» ch e n, wann die Klöster zu peffern Sachen geordent sind. Es ist auch unser will, daz man fürbaz chain w e l t l e i ch ch i n d durch l e r n u n g willen her« innem, aber durch christleicher zucht willen ze lernen m ü g e n frummerlewtchinder a u f g e n o m e n werden, doch also daz der geistleich Stand hynn chain Sawmung oder irrung davon habe. Item mir setzen Hinfür stetikleich ze halten, daz chain Junkfraw ir leibgeding, daz sy hat, ab sag, sunder man sol das Jarleich innemen: aber der Prior in gehört an, soglich guet intznemen, und chaine andrem sol das tun." Der Beginn der Reformation war auch der Beginn des Verfalls aller Nonnenklöster und in den Briefschaften jener Zeit sind der Spuren genug, daß Feuers - und Wassersnoth, Krieg, Hunger und Pest, als in der Regel und Satzung zugestandene Gelegenheiten, den verhaßten Mauern zu entfliehen und sich lieber jedem Westschicksale bloßzustellen, mit offenen Armen ergriffen worden sind, ja daß sich die Pforten auch auf Wink und Einverständniß sittenloser und zur neuen Lehre übergetretener Prediger und Beichtvater geöffnet haben. Beym Anrücken des großen Suleyman flohen die noch übrigen Magdalenerinnen aus ihrem, in Brand gesteckten und niedergerissenen Kloster in die Stadt zu den Nikolaerinnen in der Singerstraße. Sie verharrten dort bis i533, wo sie mit den Chorfrauen gleichen Ordens bey St. Lorenz am alten Fleischmarkt vereinigt wurden. 42 Et. N ikola vor dem Stubenthor und Et. Nikola in der Singerstraße. Mehrere alte Chroniken und Aufzeichnungen haben diese beyden, enge mit einander verbundenen Nonnenkloster gänzlich mit einander vermischt und für eines und dasselbe gehalten, bis, der spätern Entdeckung mehrerer Urkunden zu geschweige», die letztwillige Anordnung der römischen Königinn Elisabeth, die beyde mit milder Gabe bedenkt, ihre Verschiedenheit außer Zweifel setzt. Jenes in der Stadt lag an der Ecke der Singerstraße gegen den grüneil Anger, die nunmehrige Grünangergasse, wo noch das Nikolaergäßchen seinAndenken erhält und wurde nach der Aufhebung ganz in Privathäuser verbaut. Das andere war zu Erdberg vor dem Stuben- thor, wo noch in später Zeit der Freychof und eine Sc. Niklascapelle. Es stieß im sogenannten Viroch- berg, auf dem Jeus, in der Chleberlucken, in der Werchlifsen, bis gegen den Rennweg, mit den ursprünglichen Stiftungsgütern der Schotten zusammen und besaß auch vor dem Widmerthor bey St. Tibold bis gegen Zaismannsbrunn oder St. lllrich manch ansehnliche Grundrechte. Im Bruderzwist zwischen Friedrich JV. und Albrecht VI., in den Kriegen des erster» mit Mathias Hunyady Corvin war es oftmahls die Bühne grauenvoller und blutiger Auftritte, ja ein Waffenplatz gegen die Stadt, zu deren Vertheidigung es gleich dem, M a gd a le n en k l o st e r und gleich 0 t. N i k o la vor dem S t u b e n t h o r ic. 43 dem heil. Geistspital, bey der Annäherung der Türken i52g für immer Platz machen mußte. Welchen Stifter das Kloster auf der Landstraße gehabt, welches Jahr sein erstes gewesen? ist völlig unbekannt und nur so viel gewiß, daß es älter als jenes in der Singerstcaße war, und Letzteres, trotz der beyderseitigen llnabhängigkeit, als seine Tochter betrachtet hat. —■ Friedrich der Schone und Albrecht der Lahme ertheilte» ihm Bestätigungsbriefe i3i6 am i3. April und i5. Juny r35y, aber nach alten Aufzeichnungen , vertrieb schon Rudolfs erste Heerfahrt wider Ottokar, die wehrlosen Nonnen in die Stadt, nach St. Niklas in der Singerstraße und 1282 indem Jahr, als der erste Habsburg in Österreich Sitz nahm, erscheint urkundlich, Christina dieses Klösterleins des grauen Ordens zu St. Nikola Äbtissinn. i3o2 erscheint es im Testament des Bürgers Hiercz von Salzgries. i3ig vermachte der Bürger Heinrich Bayer, der Färber, den Predigern, den mindern Brüdern, den Augustinern, dann den geistlichen Frauen bey St. Mag- dalena. St. Lorenz und St. Clara verschiedentliche Einkünfte von seinem Haus in der Stadt, im tiefen Graben, dann auf der Landstraße in Weirochsberg , im Jeus und auf der Werchliffen , mit Genehmigung seiner Grundfrau, Kunigundens der Äbtissinn zu St. Niklas (extra rnuros).— Am 6. Jänner 1828 machte Gertraud, die Witwe des mächtigen Bürgers Friedrich Seidchouffer ihre letztwillige Anordnung (Urk. Buch Nr. i36) , i(;i - e beyden Häuser in der Deutsch-Herren- (Singer-) Straße, nächst der Badstube am Erk „den , 44 St. N ikola vor dem Stubenthor vrowen Hintz fand nychlas in die lantstrazze," dafür sollen sie ein Enkelkind ihrer Schwester in ihren Orden aufnehmen rc. Herr Greif von Mariastiegen und Heinrich/ Pfarrer zu Wie»/ der Herzoge von Österreich/ obri- ster Schreiber/ besiegelten den Brief/ auch der Bürgermeister Stephan Chriegler/ Herbot auf der Säulen/ Otto der Wulfleinstorfer/ Niklas von Eslarii/ Heinrich der Keßler/ Leupold der Wenighofer/ alle von den ersten der Bürgerschaft. — Am 20.Der. stellte'„Ka- threin die Apteffine und die Sammung Gemain der N r o w e n des Chl o st e r S daz fand Nicla ze W i e n n e" (Urk. Buch Nr. 70) einen Bekenntnißbrief aus/ auf die Schottner um Weingartenrechte auf der Landstraße vor dem Stubenthor/ auf dem Jeus/ Renn- weg und in der Werchluzzen. i 455 gab Schwester Anna von Vosendorf, Äbtissinn von St. Niklas vor dem Stubenthor an die Schotten ein dienstbares Haus auf/ in der Chleberlu- cfen/ einst Eigenthum des Meisters Peter Deckinger'/ Lehrer der geistlichen Recht«/ alsdann der dortigen Eon- ventsschwester Elsbeth Fürst/ gegeben. — Dieses Kloster besaß auch in der Stadt viele Burg- oder Grundrechte: auf die Fleischbänke der Familien Tirna/ K ü s s e n p f e n n i n g rc. Bon St. Nikola in der Singerstraße (beyde Kloster waren Cisterzienser, oder des grauen Ordens) kommt uns die erste Kunde durch den ungenannten Predigermonch von Leoben auf das Jahr 127b/ wo am Sonntag vor Martini/ Bischof Peter von Paffau/ das Nonnenkloster bey St. Niklas zu Wien und S t. N i kola in der S i n g e r si r a ß e. 45 (infra oder intra muros , im Gegensatze des andern extra muros) eingeweiht habe. Heinrich der Cister- zieuser-Abt von Heiligenkreuz im Walde und der mächtige Bürger Baltrain Vatzo mit mehreren von den reichsten der Bürgerschaft seyen die Gründer gewesen. ,328 kommen annoch beyde Kloster urkundlich vor, i385 aber erkaufte Albrecht IIl. mit der Locke, Lachsenburgs Gründer und der Wiener Hochschule Vollender, das Haus sammt der Kirche und Capelle bey St. Nikola, das ohnedieß im Verfalle zu seyn schien, gegen einen Jahreszins von 5o Pfund aus dem Gmund- ner Salzoberamte. Die Frauen zogen hinaus zu ihren Schwestern vor das Stubenthor, und der Herzog richtete in dem verlassenen Gebäude, (das der Herzog den Cisterziensern übergab und als dessen Vater sich der Abt von Heiligenkreuz bekannte), theologische Studien ein für diesen Orden, mit dem Bedinge, daß, wenn die grauen Mönche selbe nicht nach der vorgeschriebenen Ordnung hielten, oder sie an einen andern Ort übersetzten, der Herzog den Frauen das Kloster wieder zurück stellen und der Zins vom Salzamt aufhören sollte. Als Friedrich IV. im gleichen Jahr >468 das Bis- thum Wien und den St. Georgen-Orden gestiftet, ließ er durch die Hochschule den Abt von Heiligenkreuz zur Abtretung von Kirche und Kloster bey St. Nikola an den ersten Großmeister und Fürsten von Millstadt in Kärnthen, Johann Siebenhirter zu bewegen. Aber nicht lange währte der neue Besitz; Heiiigenkreuz trat wiederum in die alten Rechte zurück; ja als die Niko- 46 0 t. N i kola vor dem 0 t u b e n t h o r laerinnen vordem Stubenthore, beym Anzüge der Türken nach der Stadt flüchteten und sich in einer Herberge kümmerlich erhielten, richteten sie und die Äbtissinn, Anna Willerotter, am 3 i. May i 53 o an Ferdinand I. die demüthige Bitte, ihnen ihr altes Haus wieder einzuräumen , wogegen sie auf die 5 c> Pfund für immer verzichten wollten.— Aber sie drangen um so weniger durch, als sie ohnehin, an der Zahl sehr geschmolzen, ihre Güter und unterthänigen Häuser von den Türken verwüstet, ihre Kirchen-und Hausgeräthe, ihre Wein-, Getreide- und andern Vorräthe geplündert waren. —> Wahrscheinlich wurden sie in andere Kloster ihres Ordens vertheilt; den» gleich daraus errichtete der Bischof Johann Faber dort ein Collegium für arme Studenten; aber auch diese Stiftung mußte i 5 si 5 den Fran- ciskanern weichen. Ihr Kloster bey St. Tibold oder Theobald auf der Leimgrube lag gleichfalls in Schutt und Trümmern. Sie verrichteten einstweilen den Kir- chendienst bey St. Rupprecht in der Stadt und blieben dort 16 Jahre, darauf durch 44 Jahre bey St. Nikola, bis ihnen 1589 das Kloster der Büßerinnen bey St. Hieronymus eingeräumt wurde, wo sie noch sind. Nach ihrem Abzug errichtete der Magistrat all- dort ein Waisenhaus für arme Dürgersmädchen. Endlicherhielten dieses Kloster 162Z die Clarifferinnen von Presiburg, die wegen der Boczkayscheii und Bethlen- schen Unruhen und wegen der öfters annähenden Türkengefahr schon zwey Mahl geflüchtet waren. Die Kaiserinn Eleonora von Mantua, Ferdinands !!. Gemahlinn, wurde Stifterinn, ließ aber noch eine Mitstif- und S t. Nikola in der Singerstraße. 4 ? terinn zu , in der Person der Witwe Freyinn von Con- cin, gebornen von Eisberg, die beträchtliche Capitalien und ihr Gut Enzcrsfeld dahin schenkte. Dennoch brachte schlechte Wirthschaft der schwache»/ leichtgläubigen Frau und ihrer Administratoren wieder um Alles, so, daß sie selbst von den Nonnen unterhalten, ja ihr Begräbniß von ihnen bestritten werden mußte. — Die schwere Wunde wurde theils durch den Schemnitzer Bergsegen , theils durch eine junge Gräfinn von Thonhausen, die dort den Schleyer nahm, theils von dem Hofrathe Johann David von Palm ersetzt, dessen beyde Tochter Joseph« und Gabriela hier Nonnen und erstere von Clemens XII. aus apostolischer Vollmacht zur Äbtissinn und zwar gegen den Ordensbrauch der Cla- risserinnen, auf zeitlebens erklärt wurde. Die Anfangs nur hölzernen Zellen erwuchsen durch den Oberkriegs- Commissär von Palm zu einem ansehnlichen Gebäude. Der Bankal- und Commerzien-Rath Georg Wilhelm von Kirchner fügte 178, die Wohnung der Äbtissinn hinzu. Diese Nonnen waren nicht Damianistinnen, oder von der strengen Observanz, sondern Urbanistin- nen, nach der von llrban IV. gemilderten Regel- — Eine Gräfinn von Martinitz war die letzte große Wohlthäterinn des Klosters und lebte darin bis zur Aufhebung »782, wo das Kloster verkauft und zu den bürgerlichen Wohnhäusern Nr. 836 , 887, 858 , 884 und 885 , jetziger Nummer in der Grünanger-, Nikolai- und Singerstraße, dann Fähndrich - Hof verbaut wurde. Aus den verschwundenen Grabsteinen dieser ,652 48 S t. Nikolas in der Singerstraße rc. neu erbauten und i 653 vom Bischof Brenner neu eingeweihten Kirche verdienen Erwähnung, jener des Claudius Jai, eines der neun Gefährten Ignatzens Loyola, der auf Ferdinands I. Geheiß mit den ersten Jesuiten nach Wien kam und »552 dort starb; der Bruder von Himmelberg aus Kärnthen, Edelknaben Ferdinands!, und Carls VI. als König von Spanien, die letzten ihres uralten Hauses, beyde als Hauptleute im März 1704 vor dem Feinde geblieben; des zweyten Stifters Johann David von Palm, Herrn zu Brunn im Steinfeld , Hofkammerrathes und Directors des Oberkriegs- Commifsariates, geb. 3 . May 1857, ch 17. Februar 1721; Johann Jacobs von Weinzierl, Leopolds I. Schloßhauptmanns zu Ebreichsdorf; Antons von Pozzi, Leibarztes Leopolds !., f 28. July »676 ; Elisabeths, Witwe des Grafen Ferdinand Aloys von Cordua, Ritters des goldenen Vließes, F. M. und Garde-Capi- täns, geborne von Guarient zu Rall, ch 86jährig den 29. Nov. 1780 an einem Tage mit der großen Theresia. Schon ihr Vater Guarient der berühmte Sammler des Codep Austriacus unter Leopold I., Joseph I. und Carl VI. gehörte unter dieses Klosters wärmste Freunde. Die H i in m e l s p fö r t n e r i n n e n. Constantia, des Ungarnkönigs Bela III. Tochter, zweyte Gemahlinn deS Döhmenkönigs Prze- mysl Ottokars I., des goldenen, des siegreichen, Mutter Wenzel Ottokars, welcher Österreich unter Friedrich dem Streitbaren ein so gefährlicher Feind gewesen und Großmutter jenes Przemysl Ottokars II., der Die H i m m e lspfört» s r > nne». 4g Wie» so sehr geliebt, der es aus den Flammen so stattlich wieder erhoben und es so ungern und nur mit dem Sieg und dem Leben Rudolphen von Habsburg gelassen, verlies; nach des Gatten Tode (i23o) das von innerem Zwiespalt häufig bewegte Böhmerland. Sie begab sich nach Wie», dort mit mehreren frommen Jungfrauen, die eben von dieser Lebensweise den Nahmen der Eingeschlossenen, der Versperrten (inclusae, reclusae) führten, ein von aller Welt abgesondertes, beschauliches, der Betrachtung und der Buße geweihtes Leben zu führen. Doch auch dort fand die hohe Frau die Ruhe nicht, die sie mit wehmüthiger Sehnsucht aufgesucht. Persönliche Eifersucht spann zwischen ihrem Neffen Bela IV. und zwischen Friedrich dem Streitbaren einen endlosen Knäuel blutiger Fehden und Acht und Bann und Meuterey schüttelten ihr Flammenhaar wider Friedrich. Da floh sie ins Vaterland nach Ungarn und baute dort auf einem ungeheuern, rothen Marmorblock „den rothen Stein", das, viele Meilen weit, über unzählige Städte, Burgen und Dörfer yinwegschauende Schloß B ib erS bürg. Nach ihrem Tods lebten die Frauen wohl fortan beysammen, aber theils die Gräuel des großen Zwischen- reiches, in denen Wien selber zum Schlachtgefllde ward, theils die Nothwendigkeit des Schutzes durch weltlichen Arm , drohte dem frommen Schwesterbunde die gänzliche Auflösung. Die ersten uns von denselben erscheinenden Urkunden beschenkten sie unter der ausdrücklichen Bedingniß fortgesetzter Clausur. Um so wahrscheinlicher fallt in eben diese alte Zeit jene Sage, ll. Iahrg.Denkwürdigkeiten. l.DS. a. Heft. ch 6o D i e H i m m c l spf ö r t n e r i n n e n. di« dem Kloster den Nahmen zur H i m m e l s p o r t e, zur Hi m m els p fö r tn e r i n n gab/ die in vielen Lieder»/ insonderheit in Fougues: „Rückkehr der Pförtnerinn" und in einem schönen Bildereyclus lebt und deren uralte Überlieferung im Munde des Volkes also lautet: „Unter den heiligen Frauen des Klösterleins in der Traibotenstraße zu Wien / war eine junge, bildschöne Nonne. Sie war darin auferzogen und daher mit der Welt und ihren eiteln Freuden unbekannt. Jahre kamen und Jahre vergingen, da übergab ihr die Oberinn das Pförtneramt, und der Böse, welcher niemahls ruht, sann, über den Ruf ihrer Frömmigkeit ergrimmt, auf arge List, die Braut des Himmels in den Pfuhl seiner Verdammniß zu stürzen. Einst, als sie vom Wachen des Tages ermüdet, gegen ihre Gewohnheit vergaß, das ihr so theure Gnadenbild der göttlichen Jungfrau zu besuchen und mit frischen Blu- men zu schmücken, senkte sich ein bleyerner Schlaf über ihre Augenlieder, und unsichtbar schlich der Böse in ihre Zelle und gaukelte ihr einen Traum vor, aller irdischen Freuden. Sie saß plötzlich unter riesengroßen Bäumen von zarten Reben umschlungen, in einer üppigen, in weiter Ferne von sildergrauen Bergen nun- schloffenen Landschaft, über die sich des Himmels heiteres , mit Rosenwölkchen besätes Blau wölbte. Muntere Herden weideten auf dem mannigfaltigen Gründer blumenreichen Wiesen, und ein stolzer Fluß wogte und rauschte durch das Land. Fischerkähne schaukelten fröhlich auf demselben, und von seinen blühenden Auen Die H i IN m e l s p svr tn e r i n n e n. öl herüber, drang die betäubende Würze von Blumen und Blüthen, und tausendstimmiger Vogelgesang, und die Nachtigall schlug und die Turtel girrte —- und flam- menroth erwachte die Nonne, und aus war es mit ihrem Seelenfrieden und ein unwiderstehlicher Hang nach der Welt harte sich ihrer bemächtigt. Trübe schlich sie ihrem Berufe nach und vermochte nicht zu bethen. Den ganzen Tag starrte sie beym Fensterlein und Pforten- gitter sprachlos in den Himmel hinaus, in die ziehenden Wolken, auf die flatternden Vöglein, meinend, sie winkten ihr nachzukommen, und sie verstünde Sylben und Worre aus ihrem Zwitschern, sie solle mit ihnen fliegen über der Menschen Städte und Länder hin ! Und die Nachc sank abermahl auf die Welt und wieder verfolgte sie der Böse mit seinen Träumen. Sie war auf einer Garteninsel, in einer Rosenlau- be, welche Wellen von purem Silber umflossen, in die des Vollmonds goldne Scheibe, wilde, zitternde Lichtstreisen goß. In den fernen Büschen schlug die Nachtigall hell und laut durch die stille Nacht und ganz nah an ihr, girrte die Turtel und wie sie sich umsah, streckte ein herrlicher Jüngling, Arme der Sehnsucht nach ihr aus — und sie erwachte und ging noch viel trüber ihrem Beruf nach. — Eine Kohle schien ihr die wunde Brust, und unaufhörlich zogen die Wolken wie Bothen, die kamen und gingen, ihr heimlich und dringend Etwas zusagen, und ohne Aufhören zwitscherte der Vogel. Tag und Nacht gingen wie seit alten Zeiten den alten Gang, und sie vergaß zum dritten Mahle de- 4 * Ö2 Die Himmelspförtnerinnen. Gnadenbildes, und der Böse schickte wieder seine Träume über sie. Sie sah sich als heißgeliebte Gattinn des schönen Jünglings, als frohe Mutter einer muntern Kinderschaar und wieder schlug Nachtigall und Tur- tel girrte. — Plötzlich wach, raffte sie sich vom Lager empor, nahm die Schlüssel der Pforte und legte sie unter einem Strom von Thränen vor das Gnaden- hild, rufend: „Himmlische! Deine Dienerinn hat sich der Welt zugewendet, so nimm hin die Schlüssel und bewahre Du Dein Heiligthum!" Sodann stürzte sie zur Pforte hinaus, in die warme Nacht, in die weite Welt. Sieben Jahre waren verstrichen. Die Sünderinn hatte alle Freuden und Leiden der Welt verkostet. Betrogene Liebe riß endlich den Schleyer von den verblendeten Augen, drückte ihr alle Stacheln demüthi- ger Erkenntniß und bitterer Reue, über ihr großes Vergehen, in den kranken Busen. Das Herz brannte ihr vor Sehnsucht in das friedliche Kloster, zu dem Gnadenbilde, dessen sie jeden Tag seit ihrer Flucht, mit Schmerzen gedacht, zurückzukehren und hart zu büßen bis an ihren Tod. Und gleich ergriff sie den Pilgerstab und Muschelhut, und trat die Reise an, barfuß im härenen Buß- gewande. Hundert und hundert Meilen harte sie zu wandern, und spitzer Stein und stachelnder Dorn zerfleischten den zarren Fuß, und brennender Sonnenstrahl sengte ihr Antlitz. Nach unsäglicher Müh und Leiden kam sie endlich 53 D re Hrmmelspförtnerinnen. zum Kloster, in stürmischer, stockfinsterer Nacht und ermattet sank sie nieder auf die Stufen der Pforte und kling lce — und heraustrat die Mutter aller Gnaden mit dem Jesukind, von Himmelsglanz umfiofsen, die Strahleukrone auf dem Haupte , half der tödtlich Ermüdeten auf, aus deren Herzen Demuth und Liebe nie gewichen. Sie überreichte ihr die Pfortenschlüffel wieder, die ihr das Welrkind vor sieben Jahren zu Füßen gelegt, und kehrte schweigend zur Capelle in ihre Blende zurück. — Die Nonne aber, die sich sehr krank fühlte - berief die Oberinn und ihre Mitschwe- stern zu sich und beichtete öffentlich ihre Vergehen. — DaS Erstaunen Aller war übergroß. Niemand hatte sie vermißt. Jede hatte sie täglich gesehen. Die göttliche Jungfrau hatte die ganze Zeit über, ihr Amt vertreten und der Pforte gewartet! Die Nonne erhielt den Ablaß und fiel gleich darauf in einen festen Schlummer, aus dem sie nicht wieder erwachte. Die Oberin» aber schrieb das Wunder nach Rom, dem heiligen Vater. Der befahl das Kloster: „zur H i m m e l s p fö r t n e r i n n " zu nennen, und so hieß es auch über ein halbes Jahrtausend , bis es aufgehoben ward und die Klosterfrauen alle, in die fremde Welt hinaus mußten. Das Gnadenbild aber kam in St. Stephans weitberühmten Dom. Gerard, in Ottokars Tagen Pfarrer bey St. Stephan zu Wien, sah das Bedrängniß des Klosters, den gesunkenen Geist und die Auflösung, und gab die- 54 Die Himmelspförtnerinnen. sen Frauen (dominabus de porta coeli, 18. July 1267 und 4-Febr. 1271) sein eigenes Haus und mehrere Weingarten unter der Bedingung, daß sie ihr Kloster nicht verlassen, sondern als Chorfrauen St. Augustins fortan eingeschlossen dort leben sollten, midrigens jenes Besitzthum verwirkt seyn, und St. Stephans Münster zufallen sollte. Ortolf von Traiskirchen, Commen- thur des deutschen Hauses zu Wien, wirkte mit und war Zeuge, so auch Bruder Wilhelm und Bruder Ortwein vom deutschen Haus, Meister Otto, Sub- diakon, beständiger Vikar bey St. Stephan, Leupold, Prior der Dominikaner und Leo Guardian der Mi- noriten, Otto vom hohen Markt, Stadtrichrer zu Wien (mit seinen Brudern Conrad und Kuno, Vorstand des Bürgerspitals), Ulrich von Kahlenberg, der Bergmeister jener Weingärten, Reinboto Zeleub und Albero von Simmering rc. — Am 6. December 1272 (Urk. Buch Nr. 32) erhielt Gertrud die Meisterinn und ihre geistliche Gemeinde zur Himmelspforte in Wien, vom Wiener Bürger Albrecht Pippinger, einen an ihr Kloster stoßenden, den Schotten unter- thänigen Bauplatz in der Straße des Traiboto (Treubothen, auch Trabanten- nun Himmelpfortgasse), wofür der Schottner Abt Johann durch einen andern in der Wildwerkerstraße entschädiget wurde.— Am 24. Fcbr. 1296 (Urk. Buch Nr. 34) gab Meister Dietrich von Siebenbürgen, Pfarrer zu Pölan auch das vordere Haus zur Himmelspforte, nachdem sein Bruder Ge- rard bereits das rückwärtige geschenkt. Zeugen waren der Greif zu Mariastiegen, Stadtrichter zu Wien, 55 Die Himmelspförtnerinnen. Otto und sein Bruder Haymo Landschreiber, der Brei« tenfelder, der Leubul rc.— Jene Chorfrauen bekannten sich zur Regel, die der deutsche Edelherr Norbert in Frankreichs Einöde, Premontre gegründet. Der Himmelpförtnerinne» zweyte Stifterinn, war etwa 80 Jahre nach Constantia, auch eine Königinn, — Agnes, Albrechts I. und der tyrolischen Elisabeth Tochter, eine Frau von außerordentlichem Geist, von Jugend an eine Feindinn des Vergnügens und der Pracht, eine Freundinn der Einsamkeit. Schon als Kind ging sie gerne in abgelegene Capellen, um (wie sie selbst gesagt) „zu hören, was Gott zu ihr rede und durch Andacht den angebornen Hochmuth zu brechen." Sie erwehrte sich der Verbindung mit dem römischen Großen Colonna, trat nur ungern, i 3 jährig in die Ehe mit dem letzten Arpaden, Andreas dem Venetianer, König von Ungarn, ward i6sährig Witwe, sah im 24. Jahre den Vater, Kaiser Albrecht, im Angesicht der Habsburg, im Schoß eines armen Weibes an den Wunden verbluten, die Herzog Johann seines Bruders Sohn ihm geschlagen. Sie übte grausame Blutrache, baute auf dem Felde der Unthat, K ö n i g s f e l d, zwey Klöster, setzte den Hochaltar auf den Stein, auf dem ihr Vater ausgeblutet, wohnte zwischen beyden Klöstern in einem kleinen demüthigen Hause, bis an ihren Tod, im 64. Jahre, ein Muster der Mildthätigkeit, der Demuth und der Strenge gegen sich selbst.— Zwar sagten die Feinde ihres Hauses: „Die Königinn sey eine wunderbare, listige und geschwinde Frau, beherzt wie ein Mann, auf deren Schein geist- 56 ,D i e Him m e l» p f 5 rtn e r i II II e n. lichen Wandels aber nicht viel zu halten sey."— Dawider gelte uns des großen Johannes Müllers Wort: „Wir glauben Carln IV., der sie als eine bereits steinalte Frau besucht und geurtheilc, „sie habe an Weisheit und Sinn kaum ihres Gleichen gehabt," — „wahrlich eine große Frau, wenn auch nur um ihr Festhalten über eine Idee, einerley Ton des ganzen LebenS." Von dieser Königinn nun, hieß dieß Kloster auch St. Agnesens- und Katharinakloster. Ungarische Pramonstratenserinnen mehrten den Kreis und die neuerbaute Kirche wurde i33i am Sonntag vor Mariahinimelfahrt feyerlich eingeweiht. — Das Pra- monstrateiiserstift Geras bey Retz übte lange eine Art von geistlicher Hoheit über die Himmclspforte. Mehrere Abte, insonderheit Paul Linzbauer erwarben sich große Verdienste um die von mehreren Bürgern Wiens gewaltthätig angefochtenen Güter der Nonnen. Nur der Bannstrahl Leos X. wies endlich die Räuber in die Schranken des Rechtes zurück. — 3 4g» unterwarf Jnnocenz Vlll. die Nonnen dem Wiener Bisthum und mit Eeras blieb nur der geistliche Zusammenhang gemeinsamer Ordensregel. In der Pest von ,566 starben alle Pramonstratenserinnen bis auf eine einzige, die in ihre Heimarh nach Ungarn floh.— Erzherzog Ernst und der Wiener Bischof Caspar Neubeck führten nun eine neue Colonie aus dem damahls wieder aus langem Verfall emporgestiegenen Jakober- Kloster hier ein und un- lergaben beyde Gotteshäuser derselben Oberinn, Do- D i e H i m m e l s p f 5 r t n e r i n n e n. 07 rothea von Buchheim. — Paul V. erklärte die nunmehrigen regulirten Chorfrauen St. Augustius zur Himmelspforce auf Andringen des Erzherzogs Ma- lhias für unabhängig von St. Jacob. — Sie erwählte» wieder eine eigene Oberinn, Barbara Bauhofer, die das Stift bald wieder in guten Stand setzte, vorzüglich durch die eifrige Mitwirkung des Cardinal« bischofs Klesel. Dagegen erhob der Abt von Geras, Johann Beier, in Beyseyn zweyer Rechtsfreunde eine öffentliche Protestation in der Stiftskirche, die aber Klesels Unwillen in solchem Maße erregte, daß sie nicht nur ohne die geringste Folge blieb, sondern Johann auch die Abtenwürde von GeraS i 6 i 5 niederlegen mußte, glücklich, daß er nicht erlebte, wie die, unter Thurn, gen Wien ziehenden Böhmen, 161g Kirche und Kloster, Archiv und Bücherschatz plünderten und in die Asche legten. — Bis an seinen Tod fuhr Klesel fort, den Himmelspförtnerinnen, die größten Wohltharen zu erzeigen, die auch seinen Todestag alljährlich mit feyerlicher Trauer begingen und eine große, reichgeschmückte Kerze auf seinem Grabe brannten. Eine der erheblichern Stiftungen bey diesen Non- »en war jene, die am 2Ü. Sept. i 34 g Dietrich ein Kurherr zu St. Stephan dahin gemacht, nähmlich eine Messe aus Unser Frauen-Altar von iv Pfund Wiener Pfenning ewigen Burgrechts auf dem Hause der Nonnen von Tuln bey St. Niklas bey den Röh-^ rcn, genannt im langen Keller, (Nr. 422 und 426 m der Seitzergaffe und unter den Tuchlauben, die 58 D i e Himmelspforcne r innen. bis 1618 ein Haus bildeten , hart am Seitzerhof,) dann auf das Haus Conrads in dem Himmel am alten Fleischmarkc, auf jenes des Fleischhackers Petrein hinter St. Lorenzen bey der Badstube, auf jenes Herrands in der Kärnthnerstrafie hinter St. Johanns, das weiland der Hansgräfinn, der Färberinn gewesen, auf Ulrichs des Bürgerbecken Haus der Himmelpforte gegenüber und auf zwey Ledererhäuser vor dem Stu- benthor beym Graben rc. — Nun folgten viele Substitutionen zu diesem Benefizio, worunter auch ein Kaplan zu U. L. F> auf der Gcstettcn, im Werd zu Wien und bey des Herzogs Amtmann in der Schiffstraße zu Wien re. Auch vermachte er sein Haus in der Schulcrstraße zunächst dem Schützenmeister Ber- thold und waren die Himmelpsvrtnerinnen säumig in der Besetzung des Benesiziums, so wurde das Bürge r s p i r a l substituirr und der Chormeisier bey St. Stephan, der Bürgermeister und Spitelmeister sollen darüber verfügen und waren auch diese säumig, die Frauen von St. Clara. — Das Benefiziaten- haus soll auch noch vier andern armen Priestern zur Herberge dienen und jeder elende arme Priester darin Herberge finden seiend, ist fremd, pere- grinus, und Elend, eine H e r b e rg e, die Elend- Zeche, die Fremdenbrüderschaft.) — Schon i386 wurde von reichen Bürgern, eine Fleischbank am Lich- tensteg, auf St. Agnes Altar vergabt.— Ulrich Hel- sanrer gab >453 um eine ewige Messe, sein Gut zu Nie- derleis. Bon dem Geschlechte des Santhilier, St. H i l a i r e, der Ferdinanden I l. mir dem Dampierreschen Die H i m m e l sp fö r t n e r inn e n. 5 g Kürassieren errettet und von den Grafen Korczensky, kam der Schlegelhof und andres Gut zu Ebersdorf an die Himmelspforte, i 5 g 4 die sogenannte Würzburgermühle vor dem Stubenthor, 1466 durch den gelehrten Epegeten, Paul von Molk, Dechant des Capitels, ein Haus auf der Landstraße. Am 18. Sept. 1785 fiel den Himmelspfortne- rinnen, den Canonissinnen von St. Jakob und St. Lorenz das Loos der Aufhebung. — Kirche und Kloster bei) St. Agnes, nebst der Laverscapelle dem Zu- haus und dem steinernen Löwen (vormahls Cornelii Celsi Stift) wurden verkauft und zu Privatwohnun- gen verbaut. Sie standen auf dem Raume der jetzigen Häuser Nr. 921,927, 930,93,, 948,949, 980, g 5 i in der Rauhenstein - Himmelpforc- und Ballgaffe, nächst dem ehemahligen städtischen Amtoder Gefangenhaus (in alten Chroniken Devphows, Diebshaus,) wo meist auch die peinliche Frage vorgenommen und Verbrecher zum Tode geführt wurden. — Auch besaß das Stift noch ein Grundbuch über ein Haus in der Stadt, über mehrere Häuser auf der Landstraße (Ungargaffe) und unter den Weißgarbern, dann am Sporkenbühel und Lichtenthal, den Him- melpfortgrund; über den öfterer Streit mit den benachbarten Dorotheern wegen des anstoßenden Gäß- chens und Stiege zur Verbindung beyder Gründe entstand, wie auch mit dem erzbischöflichen Zehend- amte. Außer einigen Steinen der Familien Zelking,, Strein von Schwarzenau und Hilleprand, hatte die 6o S t. Clara nächst dem K a r n t h n e r t h o v. Kirche nichts geschichtlich , genealogisch/ oder heraldisch Merkwürdiges auszuweisen. St. Clara nächst dem Kärnthnertbor. Die französische Königstochter B l a n k a, Gemahlinn Rudolphs III./ den sein chrgeitziger Vater Albrecht nach dem Erlöschen der Przemysliden (i 5 o 6 ) für kurze Zeit auf Böhmens Thron erhob, vollendete das Werk Ottvkars, Kirche und Kloster der Minoriten und er- kohr dort ihre Ruhestätte. Alsdann gründete sie, un- ferne des Kärnthnerthores,/>m Schweinmarkt (Bürgerspitals - Lobkowitz - Platz) ein Kloster strenger Regel bey St. Clara, in jener wilden Zeit eine Zufluchtsstätte schirmloser Witwen und Jungfrauen des Laitdadels. Es traten in der Folge drey Prinzessinnen vom Hause Habcburg in dieß Kloster, Anna, Friedrichs des Schönen Tochter und zwey Katharinen, die eine des bey Sempach erschlagenen Leopold Schwe- fler, die andere seine Tochter.— Der Slifisbrief von St. Clarens - Kloster wurde erst, nachdem ihm die schöne Blanka allzufrüh i» Kindesnöthen entrissen worden, von ihrem Gatten Rudolph (28. September i 5 o 5 ) förmlich gefertigt. Auch Blankas Schwiegermutter, die milde Königswitwe Elisabeth nahm Theil an der Stiftung und von Judenburg kamen die ersten Clarisserinnen hierher. Eine jetzt im Archive der, zu Stammersdorf begüterten Schottenabtey aufbewahrte Urkunde Albrechts des Lahmen von ,3^2 gibt den Nonnen zu St. Clara nächst dem K ä r»t h n e r t h o r. 6, St. Clava, ein Gut zu S t a m m e rs d o rf, unter der Fertigung seines Geheimschreibers, des Pfarrers zu Bisamberg und Zeugenschaft mehrerer der ältesten ritterlichen Bürgergeschlechter Wiens, der Tirna Ladendorf, Urbetsch, Floycen, Schweinbecken ic. Ein Zufall hat uns die Reihe der Äbtissinnen ziemlich vollständig aufbewahrt, die man von keinem der wiewohl erst in unsern Tagen aufgehobenen Frauenklöirer mehr aufzustellen vermag. — i 3 i 6 Schwester Cecilie Aptessinn des Gotzhawses Sand Chlarn ze Wienne; r 322 — ,326 Clapa Äbtissin; »327 Cäcilie; i 33 o Mechtild; i 334 Margarethe; i 337 Clara; ,342 „des nächsten Sunntags nach St. Niklas die hochgeporn Fürstin, Swester Anne, Chu- nig Fridreichs Tochter von Rom sälig, A fite s s i u daz Sand Clären ze Wienne," — 26 adeliche Frauen hatten mit ihr den Schleyer genommen; , 3^7 Methildis; ,348 Kunigunde von Rap- pach. Unter dieser Äbtissinn wüthete in Wien die große Pest, in der fast alle Klöster ausgestorben und allein auf dem Gottesacker bey St. Coloman» am Bürgerspiral außer dem Kärnthnerthor 14000 Opfer der Seuche in eine ungeheure Grube zusammengeworfen wurden. St. Clara blieb davon ganz unberührt und eine einzige Nonne starb aus Altersschwäche. ,670 Clara Reichin; ,383 Katharine von Stuben- berg; , 3 gz Johanna von Sunnberg; 1401 Doro- thee von Gulenstein; > 4 o 5 Anna Schenkin; ,4,1 Johanna Scuchsin von T r au tm an nsd 0 r f; ,4,7 Dorothee von Gutenstein; ,424 Agnes von Rohr; 6a St. Clara nächst dem K ä r n th n e r th o t. 1426 Anna von Eckartsau; 14^7 Susanna von Schmeinbart; istög Dorothee von Rappach; 1490 Elisabeth Äbtissinn; i 5 i 6 Dorothea Schirm er; 1621 Esther von Silberberg Äbtissinn; 1628—1840 Anna Welzerinn Äbtissinn. Die Reformation verringerte die Zahl der frommen Frauen gar sehr und wie der große Suley- man auf Wien heranzog, flohen die Nonnen izach Villach in Kärnthen und ihr Kloster ward ein wichti- ger Beobachrungs - und Waffenplatz. Die Krankendes zerstörten Bürgerspitals vor dem Kärnlhnerthor wurden zur Himmelspsorte geflüchtet, als aber die Belagerung aufgehoben war, in das geräumigere Locale von St. Anna verlegt und Ferdinand k. überließ dd. Wien am ao.Dec. i 53 g das Clarenkloster völlig dem Bürgerspital, dem er es schon i 53 o provisorisch eingeräumt. Dieß wurde auch den mittlerweile von Villach wieder zurückgekehrten Nonnen schon unterm 25 . April i 55 o auf ihre Bittschrift bedeutet, umsomehr, da die Wiederherstellung des alten Bürgerspitals, bey der neu beschlossenen, höchst dringenden Erweiterung der Festungswerke schlechterdings unausführbar war. DieClarifferinen bathen, ihnen das Pilgram- h a u s bey St. Anna einzuräumen und der Magistrat, als nunmehriger Herr ihres alten Locals, des jetzigen Bürgerspitals, erhielt deßhalb den Auftrag ; aber die Bedingungen, unter denen er es ihnen übergeben wollte, waren den gottgeweihten Jungfrauen nicht anständig. Endlich erhielten sie selbes frey £)t. (Hara nächst dem K ä r n th n e rt ho r. 63 und ohne Bedingung und am 27. März > 53 i geschah die förmliche Einantwortung. Die nun nach St. Anna übertragenen Clarifserin- nen starben binnen eines Jahrzehends in der Pest i 54 i völlig aus und Rudolph II. räumte das Haus den Jesuiten ein. In der alten Clarenkirche waren die Grabsteine mehrerer Äbtissinnen und der alten Bürgergeschlechter : Hult, Geykramer, Pleinringer, Suttinger, Himmelreich , Georg Ebersberg der erste Meister dieses Spitals ch 27. Febr. i 532 , Gregor Heiml der letzte Caplan im alten verwüsteten und in diesem neuen Bürgerspital, f 16. May i 538 , Hanns Lochinger des h. r. R. Pfenningmeister über die Gebäude der Stadt Wien und an deren Granitzen gen Ungarn rc. — Auch sagte eine Inschrift: „Anno Drii. 1480 ist die Mauer und die zween Thurm angefangen und im 1489. Jar verpracht. Die zeit was Purger Maister der edl und vest Ritter Lorenz Hayden. Pit Gott Allen die dazu geholfen haben." St. Jacob auf der Hrlben. Von derHimmelspforte hinunter gegen das nachmahlige Stubenthor, aufder Hilden, stand das Kloster der Chorfrauen zu St.Jacob.— In den Tagen Leopolds des Heiligen breitete sich dort eine wildreiche Au gegen den Wienfluß hin. Noch unter dem Jasomirgott, lagen St. Stephan und dieWollzeil, (um so vielmehr die Hilden) außerhalb den enge begränzten Ringmau- 64 St. Jacob auf der Hilben: ern des aus seinem Schutt allmahlig wieder erstehenden und zur Hauptstadt des neuen Herzogthums Österreich erkornen Fabiana. Als einst Leopold der Freygebige, des Heiligen Sohn in eben der Au lustwandelte, sah er auf dem angeschwollnen Waldstrom, mancherley Gerath, Zeugen der Zerstörungen, die seine empörten Fluthen angerichtet, daher tragen, darunter ein kleines (i' 5 " hohes) Standbild des heiligen Zwölfbothen Jacobs des größer». Er rettete es und baute zu seiner würdigen Bewahrung unferne des Ufers eine Capelle. Alle Schriften dieses Klosters haben die Flammen verzehrt und was man von seinem ersten Bestände weiß, beruhet auf unverbürgten Sagen. — Wie bey den Himmelspförtnerinnen thaten sich hier fromme Frauen zu gemeinsamer Andacht und Betrachtung zusammen. Eine ehrwürdige Witwe, die Khil- herin habe (so heißt es) zu dem ursprünglichen Beth- kirchlein ein kleines Kloster hinzugefügt und drey, durch Schwesterliebe untereinander verbundene Matronen aus dem Karnthnerlande, von Kulm, von Rappach und von Paar hätten in Ermanglung leiblicher Erben, ihre ganze Habe dem Kloster gelassen , in dem sie den Rest ihre Tage verlebt. Ein Traum habe sie bewogen, St. Augustius Regel in Wort und That zu bekennen und Leopold der Tugendhafte, der die Steyermark erworben, der Sieger von Ptolomais, Sohn des Jasomirgott und Reffe des ersten Stifters, habe die neue geistliche Gemeinde bestätigt und beschenkt. St. Clara nächst dem K ä r n thn e r t h o r. 65 Die große Brunst an St. Afratag 1256 bescha« digte Kloster und Kirche schwer. Am 6. Nov. r45s machte ein nächtliches Ungewitter mit unaufhörlichen Blitzen und Donnerschlägen und schwerem Hagel und Sturmesbrausen, die erschrockenen Wiener glauben, der jüngste Tag sey vor der Thür. An mehreren Orten der Stadt ging schnell nacheinander Feuer auf. Auch den Thurm von St. Jacob traf der Wetterstrahl, die Glocken schmolzen und eine alte gebrechliche Klosterfrau, die sich nicht schnell genug retten konnte, verbrannte mitten im Convent. Auch am 2i. April 1627 kam die Wurh der Flammen über das arme Kloster, welches derselben fast gar nichts entriß, als das unter allem Wüthen der Elemente jederzeit unversehrte Standbild St. Jacobs, seines Patrons. Das Kloster hatte bedeutende Grundherrlichkeiten und Burgrechte in der Stadt. Das Urk. Buch gedachte in den Anmerkungen zur albertinischen Handfeste Nr. 55, S. L. eines Rechtsspruches, den Michael Schüchler, Stadtrichter zu Wien in offener Bürgerschranne gethan ( 8 . July i356) , über ein Haus an den Kammerhof stoßend, dienstbar dem Frauenkloster zu St. Jacob auf der Hilben. 141 » besaß St. Jacob bereits Weingärten am Als eck, neben Mathias Selig Apotheker, es erhielt >4^4 ein Haus zuSchönleiten durch Herzog Albrecht V. , 47 » dehnten fromme Vermächtnisse des Hauses Wolkers- dorf dieß Besitzthum in Schönleiten bedeutend aus. Viele seiner Äbtissinnen waren vom hohen Adel des Landes, z. B. Wurmbrand, Scherfenberg, Traul- II. Dcnkwm»igt,iten. B». Heft. 5 66 St. Clara nächst dem Kärnthnerthor. mannsdorf, Herberstein, Walterskirchen rc. Viele gelehrte Männer, ritterliche und Bürger-Geschlechter, auch tapfere Kriegsleute hatten hier ihr Grab. Wir erwähnen daraus den berühmten Arzt Martin Stainpeis, Stifter der Cosmascapelle; Jacob Hudler von Augsburg, Meister der freyen Künste ch 5i. Aug. i4io; Albert Sedlitz ch i 433; Bartholmä von Argento. Patrizier von Trieft, Kanzler Ferdinands I. und Maxs H. f 18. Aug. i58i; mehrere Lamberge; Matthäus Fellner von Feldeck; Juliane Frank, des bey St. Stephan begrabenen Generals Lachbrunner von Paltshausen Gemahlinn ch 4. Sept. »642; Eva, die letzte von Ulrichskir- chen, Gemahlinn Hannsens von Kollonits auf Haindorf, Burgschleinitz und Jedenspeigen f 6. Oct. i6iä; Emilie, Tochter des Grafen Franz T hurn, Bothschafters in Venedig und der Gräfinn Laura von Arco, Nonne .bey St. Jacob ch 2ojährig 25. Sept. i58o; Regina Sebiller von Herdern, geborne Berneck von Hautzenheim, welche die Kaiserinn Anna, Mathia's Gemahlinn, als Hofmeisterinn ihres Frauenzimmers mit aus Tyrol nahm und die sehr schnell nach ihrem Herrn und nach ihrer Herrinn gestorben, i2. May 1619. Von des aus W a llen ste i n s blutigem Ende; überhaupt aus dem Zojährigen Kriege wohlbekannten Kroatengenerals I solani Tochter, die hier Nonne wurde, erhielt das Kloster St. Jacob das Gut A ich a, welches i636 Ferdinand li. dem General geschenkt. Bey der Aufhebung 1783 wurden zwey Vor- Die Lorenzerinnen. 67 stadthäuser, die entweihte Kirche und der sogenannte Jacoberhof verkauft und verbaut, im Klostergebäude und dem Zuhause aber (Riemerstraße und Jacober» gaffel Nr. 798, 799 und 600) das k. k. Stempel» amt und Tabakapaldo, dann die Staatsgüteradministration und die orientalische Akademie untergebracht. Die lorenzerinnen. Als ihre Stifter gelten insgemein die erlauchten Brüder, F r i e d r i ch d e r S ch ön e und Otto der Freudige. Die nähern Umstände und das Jahr ihrer Gründung sind unbekannt; doch ist ihr Daseyn im dritten Jahrzehend des XIV. Jahrhunderts unbestreitbar , den die Dominikanerinnen bey St. Lorenz erscheinen, mit frommen Vermächtnissen bedacht, in den beyden Testamenten Friedrichs des Schönen von ,527 und seiner Mutter Elisabeth von i 328 . — Die Briefe von Friedrich und Otto selbst sind von 1327 und i 328 ihre ausführlichste Bestätigung von Leopold dem Stolzen i4ro. Wie die Himmelspfürtnerinnen undJaco- berinnen keineswegs beym ursprünglichen Orden blieben, so kamen auch nach Sk. Lorenz statt der ausgestorbe- nenPredigerinnen, (- 445 ) Augustinerinnen, die im sogenannten Aubusch im Prater, im untern Werd, der sich damahls von der Landstraße bis gegen die Karmeliter in der heutigen Leopoldstadt hinzog, ein kleines Kloster hatten. Albrecht der Lahme bestätigte sie i 33 o und sein Sohn Rudolph der Weise, des Stephansdomes und der Hochschule Stifter ward ihr vorzüglicher Wohlthäter. 5 * 66 Die Loren zerin ne n. Daß bey der ersten türkischen Belagerung die Chorfrauen des in ungelrübremWohlstande blühenden M ag- d a l en e n k l ost e r s vor dem Schottenthore sich zu den beynahe ganz verarmten Lore nze rinnen auf dem alten Fleischmarktgeflüchcet und mit ihnen vereinigt haben, wurde bereits erwähnt. Die so sehr angewachsene Zahl der Nonnen machte eine bedeutende Erweiterung des Baues unausweichlich. Gleichwohl wurde dieses erst i 63 ovon der Oberinn Polixena, Gräfinn von Muschin- gen begonnen und von der Oberinn Augustine Reichsgra- sinn von Traun und Abensberg vollendet. Die Canonis- sinnen weihten sich auch der Erziehung der adelichen weiblichen Jugend. — Fast alle ihre schriftlichen Denkmahle verzehrten zwey unglückselige Feuersbrünste, i 5 go am 24. April und 1627 am 2i. April. Viele Damen des ersten Landadels, nahmen hier den Schleyer, Witwen und Jungfrauen, die meist große Wohlthäterinnen des Stiftes wurden, z. B. Anna Elisabeth Gräfinn von Kollonits, gebor, re Gräfinn Buchheim , Katharine Gräfinn Hohenfeld, geb. Starhem- berg, Anna Claudia Graf. Hamilton, Louise Katharine Gräfinn von Schwerin , geb. Freyinn von Hayden rc. Von Grabmählern verdienen Erwähnung, jene der beyden Gemahlinnen des F. M. Grafen Sigbert Heister, dem i 683 in der Belagerung ein Türkenpfeil, den noch in der Ambraffer Sammlung befind-^ lichen Hut durchschossen, der den Rakoczy überwunden , der an der Spitze der Tyroler, Vendome und den Kurfürsten von Bayern Max Emanuel,des Kaisers Schwiegersohn aus jenen Bergen geworfen; — Die Lorenzerinnen. 6g des Reichsvicekanzlers Grafen Ferdinand Kurz ch- 24. März i 65 o; — der Doroiheer Probst Georg Karstner; Johann Trapp von Wienchi2. Nov. > 524 , ein Dr. der Pariser Hochschule, fünf Mahl Rector der hiesigen und durch 27 Jahre Professor derselben;.— Martius Jugkh f i5i 2 einer der berühmtesten Ca- nonisten seiner Zeit. rc. Die Realitäten wurden bey der Aufhebung verkauft, aus der Kirche aber, dem Kloster und den Zuhäusern, »8»6, ein großes Gebäude hergestellt, das die Buchhaltereyen, das BücherrevisionSamt, die Linzer Wollenzeugfabrik und eine Waarenniederlage in sich schließt. — Die Schwechater Mühle, der Ze- hend zu Loibendorf und Trestorf, die Weingärten zu Modling und das Grundbuch zu Nikolsdorf, das mit den Vorstadlgründen Hungelbrunn und Matzleinsdorf in öftere Irrungen brachte, waren bey der Aufhebung theils gar nicht oder nur theilweise mehr vorhanden. Die S i e b e n b ü ch n e r i n n e n. Der seltsame Nahme dieses Klosters, vom hohen Markt hinein, auf der Hohe gegen den Salzgries hinunter, in der Sterngaffe, wo nun das große Po- lizeyhaus, stammt von den Häusern her, aus denen es zusammengebaut worden und von denen das größte, den Schild „zu d e n s i e b e n Bücher 11” führte, was das gemeine Volk nicht selten in Siebenbürgen und Siebenbürgerinnen verkehrte. —Dieß Haus hatten die Juden unbefugt an sich gebracht und eben so. Jedermanns ungefragt, dort die Grundfesten einer 70 Dir Siebe »buchn« rinnen. Synagoge gelegt. Der Fiscus legte sich darein und confiscirte den Platz. — Ferdinands II. Gemahlinn, Eleonore Gonzaga, Herzoginn von Mantua, hatte eine besondere Vorliebe für die von der h. T h e r e si a reformirten Nonnen U. L. F. vom Berge Carmel. Sie berief mehrere derselben aus Italien zu sich in die Burg, wo sie durch mehrere Jahre wohnten. Am 22. Oct. » 63 g legte die Kaiserinn in Gegenwart Ferdi- nands II. und IH. und des Erzherzogs Leopold Wilhelm den Grundstein zum Hochaltare; >638 am 11. März bezogen die Nonnen seycrlich das neue Kloster, dessen Kirche gleichwohl erst 1642 eingeweiht wurde. giebst dem Kloster baute die erlauchte Stifterinn im Umfange der Clausur noch ein zweytes Klosterchen, das sie Nazareth nannte und der Unterkunft der Kranken oder Fremden widmete. Als ihre geliebte Nichte, die Prinzessinn von Lothringen 1648, im Jahre des westphälischen Friedens, in einer unglücklichen Niederkunft das Leben verlor, beschloß Eleonore ihren, schon seitdem Tode Ferdinands ll.gefaßten Entschluß i»S Werk zu setzen und in dieser ihrer Stiftung, die letzten Tage ihres Lebens zu beschließen. Dieß vollbrachte sie auch schon am 5 . Aug. 1648 und nur auf eine kurze Zeit vermochte sie der Rath der Ärzte, diesen Aufenthalt wegen zunehmender Schwäche des Augenlichts zu verändern; aber bald kehrte sie wieder, verschied im Kloster 1657 und wurde im Habit einer Carmeliternonne in der Klostecgruft hinter dem Altar bestattet, nach der Aufhebung aber, zu St. Sre- 7 1 Die Siehenbüchiierinnern phan übersetzt, mit ihr ihre Freundinn und Lehrerinn, die von ihr aus Genua berufene' Mutter Paula Maria a Jesu, deren Leichnam noch unverwesen ist und auf der die Begeisterung der heil. Theresia ruhte.— Auch unter diesen Nonnen waren bis zur Aufhebung viele vorn in- und ausländischen Adel. — Eine kurze Inschrift über der Kirchenthüre nannte die Stifterinn und das Jahr der Stiftung: D. O. M. 8. Joseph. Dei genitricis sponso Eleonora D. G. Rom. lmp. Germ. Ung. Boem. Reg. Nata Princ. Mant. et Montisferr. In SS. Virg. et M. Theresiae sobolem Pietate atque munificentia celebris Templum hoc et monasterium fundavit, dicavit , dotavit 1642. Die Güter dieser Carmeliterinnen sielen gleichfalls dem Religionsfond zu, für den sie die Staats- güter-Administrationen verwaltete. Das Königskloster nächst der Burg. Elisabeth, zweyte Tochter Maximilians Ik., und der von ihrem Vater Carl V. so sehr geliebten Maria, Rudolphs 11 . und Mathias Schwester, des gelehrten Auger Ghislain Busbek gelehrige und geistvolle Schülerinn, am 5 . Juny i 554 zu Wien geboren, wurde im 16. Jahre, am i 4 - Jänner 1570, dem Könige Frankreichs, Carl IX., Sohn Hein- 72 Das K ö II i gs k l o ste r nächst der Burg. richs H. und der Katharina von Medicis, verlobt, welches Bündnis; auf dem Reichstage zu Speyer am 10. Nov. durch Procuratio» geschloffen, am 26. Nov, zu Mezieres vollzogen wurde. Am 25 . März löyi wurde sie zu 587) nach Stephan Bathorys Tode wider den schwedischen Sigismund zum Könige Pohlens ausgerufen, am 25 . Jänner i 588 bey Bitschen in Schlesien vom Primas und den Zamois- kys geschlagen und gefangen wurde, und erst durch den Beuthner Frieden gegen Entsagung seiner Ansprüche, die Freyheit wieder erhielt. — Bey der Auf- 76 D i eBußertnnen beySt. Hieronymus. Hebung des Konigsklosters im Jänner 1782 wurde dieses Marienbild zu den nahen Augustinern übersetzt.— Auf der Statte des Königsklosters/ eines Bestand- theils der ältern Burg, stehen nun: der gräflich F r i e s- s ch e Pallast und die akatholischen Bethhäu- ser des evangelischen und des reformirten Bekenntnisses. Die Mauer, welche vom Kloster an die später erbaute und also benannte Stallburg hinüber schloß, wurde abgebrochen, und der Durchgang von der untern Bräunerstraße auf den nunmehrigen Josephsplatz frey gemacht. Die Büßerinnen bey St. Hieronymus. Dieß Kloster, worüber so viel gefabelt, ja das sogar mit den, in sehr entgegengesetztem Sinne im riefen Graben, vor dem Schotten- und vor dem Burgoder Widmerthor (Urk. Buch Nr. i 5 y) bestandenen „Frauenhäusern" verwechselt worden ist, stand auf dem Platze des heutigen Franciskanerklosters in der Deutschherren- oder Singerstraße gegen feie Weihen- burg (Weihburggaffe). Es stifteten diesen Zufluchtsort mehrere fromme und reiche Bürger aus rathsmä- ßigen Geschlechter», insonderheit der in den ersten Würden der Stadt ausgezeichnete Conrad Hölzler. Am 24. Febr. i 384 ertheilte Herzog Albrecht III. mit dem Zopfe oder mir der Locke (cum trica) „die- „sem Haus und Stift für die armen, freyen Frauen, „die sich aus den offenen Frauenhäusern, oder sonst „aus dem sündigen Unleben zur Buße und zu Gott Die Büßerinnen b e y S t. H i e ro n y mu s. 77 „wende», gänzliche und ewige Freyung von aller „Steuer und Manch, Zoll und Lehen." — Der Herzog selbst wollte ihr Schirmvogt seyn, an seiner Statt aber der Bürgermeister zu Wien und ein eigener Of- ficial. Die sollten ihnen einen frommen Mann, oder so man diesen nicht haben mochte, eine fromme Frau zu Verwesern setzen. Es war ihnen auch in der Clau- sur, jegliche Beschäftigung erlaubt, außer Gastgeben, Weinschank, oder Kaufmannschaft. — Ganz irrig nannten einige Spätere, von dem allgemeinen Vorbild aller Büßerinnen, dieses Kloster das Mazda l e n e n - Kloster, es mit jenem vor dem Schottenthore vermengend. — Die im Bücherschatze von St. Dorothee gefundenen, vom St. Pöltner Chorherrn Duellius, dem unermüdeten Geschichtschreiber des deutschen Ordens herausgegebenen: constitutiones Sororum St. Mariae Magdalenae Viennae, gehören bloß den letztern an, denn die Büßerinnen hatten bey weitem keine so strenge Regel und nur zeitliche Gelübde. — Wer immer (verordnete der Herzog weiters)' eine dieser Frauen zum Weibe nehmen wollte, der solle es thun können, an Ehre und Glimpf und seines Ansehens und seiner Rechte in der Zeche oder Zunft unbeschadet, außer die Frau hätte ihn, noch in ihrem offenen freyen Leben zur Hei- rath verführt und gewonnen. Wer ihn darob höhnte, oder überhaupt diese Frauen schmähte oder betrübte, sollte darob an Leib und Gut gestraft werden.— Fiel eine aus ihnen wieder ins alte Sündenleben zurück, so wurde sie in der Donau ertränkt. Auf unbefugte. 78 DieBüßerinnen bey S t. H i e r 0 n y m us. wen» auch übrigens fleckenlose Verlassung des Klosters, stand kurzes Gefängniß und Abschaffung aus der Stadt. Nr. 98 des Urk. Buchs zeigt/ daß der Kaiser selbst mit seinem Fürwort einschreiben mußte/ daß einer Bürgerinn Martha Elblin/ solcher Fehl verziehen und die Verweisung aufgehoben würde. Geweiht wurde die Kirche zu St. Hieronymus am 20. Nov. 1287 durch den Bischof Simon von Castora. — Im nähmlichen Jahre / am Erchtag nach Matthäi traten die Bürger / Friedrich / Dietram und Paul Pauperger/ vor Jörgen von Liechtenstein -Ni- kolsburg/ Domprobsten bey St. Stephan (nachmahls Cardinalbischof zu Trient) des Anbringens , es habe das verstorbene Eheweib des Paul/ Nahmens Clara, ein Seelgeräthe gestiftet, von ihrem Haus am Haarmarkt, das sie verkauft, und die dritkhalbhundert Pfund Wiener Pfenninge Kaufschilling auf eine Badstube gelegt, die Perliebinn genannt, Herrn Jörgen aber darauf gebethen, damit die Capelle weihen zu lassen, nächst dem Hause jener büßenden Schwestern. Das that er auch und verwilligte, jedoch unbeschadet der pfarrherrlichen Rechte von St. Stephan, dem Kaplan verschiedene gottesdienstliche Verrichtungen vorzunehmen, insonderheit die Trauungen der Frauen, die um ihres erbaulichen Wandels willen, in älterer Zeit häufig zur Ehe begehrt wurden.' Friedrich IV. ertheilte dem Kloster noch eine Bestätigung aller Freyheiten; auch der fremde Eroberer Mathias Corvin. Des Hauses Ordnung aber scheint schvndamahls nicht ganz ungetrübt gewesen zu seyn, da Die Büßerinnen beySt. Hieronymus. 7 g den nahen Himmelspförtnerinnen die Aufsicht über die genaue Beobachtung mehrerer Stiftungen bey St. Hieronymus übertragen wurde. Aber in den Unruhen der alten und neuen Regenten nach Ma/s I. Tode und im Beginne der Reformation loste es sich gänzlich auf. — An Reue und Buße dachte eben Niemand mehr. Die Nonnen entsprangen und selbst die letzte Oberinn Juliana Kleeberg er in n kam in Untersuchung, wegen des Wandels, den sie im Kloster geduldet und den sie selbst geführt und wegen Verschleuderung der Stiftsgüter. Als das Kloster schon lange einsam und verlassen stand, war ihr noch die Wohnung in demselben verstattet. Sie starb am 20. Jänner i553 und fand auch dort ihr Grab. Die Weißspanier und die Schwarjspanier. Bey den Heereszügen des großen Suleyman (,52g—,532), nach dem Falle von Raab (,5g4) und bey den unaufhörlichen Streifereyen, ehr- und habsüchtiger Gränzpaschen, — bey den Verheerungen Boczkay'scher und Bethlen'scher Parteyen (1606 bis 1620), — bey der zweyten Belagerung Wiens durch den Großweffir Kara Mustapha (,683) waren aus Österreichs blühenden Gauen, viele Tausende und übermahl Tausende, vorzüglich Weiber und Kinder, in die Sclaverey der Ungläubigen hinweggeschleppt worden. Der Gedanke an ihre Erlösung war daher fast jeder Familie schmerzlich und dringend genug, als nach- LoDieWeiflspanieru.dieSchwarzspanier« sie Menschen- und Christenpflicht vorgesetzt, und die Jahrbücher Österreichs und Ungarns sind reich an romantischen Leidens- und Rettungsgeschichken dieser Art. — Oft wurden solche Gefangene die besten Kriegesfürsten und Staatsmänner der Türken. Der erste Großwessir, der Wien belagert und der letzte Pascha, welcher Ofen nur mir seinem Leben den Christen wieder gelassen, waren Renegaten. Eines Lamberg und eines Auersperg freudigkühne Schönheit, weckte ihnen im strengverschloßnem Harem, Retterinnen, die mit ihnen flohen, wie einst die Sultanstochter mit dem deutschen Grafen Ernst von Gleichen. — Den Helden von Szolnok, Nyary, rettete listig der als Knabe gefangene Stephan Huszar, nun Ja- nitscharen-Aga. Ein liebend Mädchen drang in Jünglingstracht bis auf Kleinasiens Küsten, sich für den geliebten Junker Gallen be rg, den Fesseln zu überliefern, oder sie mit ihm zu tragen. Wolf Bat- thiany nahm die Fessel statt des geliebten Bruders Urban. Einer der tapfern Vertheidiger Wiens (>683), Cölestin Bomb, sah beym Falle Belgrads, Weib und Kind in der Hand der rasenden Türken, die keinen Pardon gaben, barg seinen Schmerz in einem ^ tyrolischen Kloster, wurde dessen vielgeliebter Abt und sein Wiederhersteller aus Feindes- und Feuersnoth, als auf einmahl Weib und Kinder aus der langen türkischen Gefangenschaft zurückkehrten! — Andere Helden wurden, als sie die ungeheuere Ranzion endlich zusammengebracht, die ihre Familien für lange Jahre zu Grunde gerichtet, beym Abschiedsmahle von den DieWeißspanier u.dieS chwarzspanier.6» Türken vergiftet. So durften sie die edeln Männer nimmer fürchten und das Losegeld blieb ein reiner Gewinn!! Das Leben der Unglücklichen war, schwere Arbeit, sinnreiche Pein und beständiges Antreiben zum Abfall vvm Glauben, und blieb das Geld zulange aus, auch wohl qualvoller Tod. Mehrere Capitulationen wurden gebrochen, die Besatzungen niedergehauen, die tapfern Commandanten lebendig geschunden. Auch der Verrath erntete fast immer seinen Sündenlohn. Längst Todtgeglaubte kehrten als Greise zurück, und fanden ihre Weiber als Gattinnen und Mütter in fremden Häusern. Todtgeglaubte Brüder rechteten nach 20 und 3o Jahren um ihr, inzwischen schon in die dritte und vierte Hand gediehenes Erbe. Dieser äußere Drang und der innere Religions- und Bürgerkrieg, machte das ganze Leben trüb und düster, ohne einen festen Anker, ohne einen stürmefreyen Port! Dennoch fand der schon in den Tagen der Kreuzzüge durch die beyden Franzosen Felix von Valois und Johann de Matha zur Erlösung der Gefangenen eigens gestiftete Orden der T r i n i l a r i e r, erst ein halbes Jahrtausend nach seiner Entstehung, in Wien Eingang , erst nach der zweyten türkischen Belagerung. Eben der pohlnische Konigsheld, der zum Ent- satze Wiens ein kleines, tapferes Heer herangeführt, berief die Trinitarier aus Catalonien nach Lemberg (iüL5). Als er dort die Stiftung eines Klosters vollbracht, erhielt P. Johannes a St. Antonio von seinem Ordensgeneral den Auftrag, sich auch in Wie» um ein Kloster zu bewerben. Der Graf Ferdinand II. Jahrg, Denkwürdigkeiten- l. Bd. z, Heft. (j 82 Di eWe iß spani er u. dieSchwarzspani er. Bonaventura von Harrach, Minister und Ritter des Vließes, der, vormahls Bothschafter in Spanien, den Orden und sein Verdienst wohl kannte, unterstützte ihn mit Rath und Thal. Diese und die Mitwirkung des Cardinals Kollonits und des päpstlichen Nuntius Bon- visio, des Vicekanzlers Grafen Bucceleni und der Jesuiten , erwirkte ihnen den Adlersburg'schen Garren- grund in der Alsergasse. Am 24. May 169« legte der Wiener Bischof Graf von Trautson den Grundstein zu Kirche und Kloster dieser Bruder des Barfüßerordens zur Erlösung der Gefangenen. — Dieß Kloster allein, das kein volles Jahrhundert bestand, erledigte nach den mit allen Local-, Personal- und Zeitangaben gedruckten Ausweisen, über 5 ooo Christen aus dem Türkenjoch , vorzüglich aber aus den afrikanischen Raubstaaten. Am »6. Juny 1691 hielt P. M a urus a Conceptione, unter dem Zulauf einer ungeheuern Volksmenge mit sechzehn erlösten Christensclaven, den ersten feyerlichen Einzug nach St. Stephan und dieses Haus in der Alsergasse, ward das Mutterkloster der in Böhmen und Mähren, in Steyermark und Ungarn, ja nach den Siegen des unsterblichen Eugen in Servien und in Constantinopel selbst entstandenen Hospizien. Die in den lebten Tagen Leopolds k. vorzüglich aber in jenen Carls VI. zahlreich in Wien anwesenden Spanier von der Partey ihres alten, durch die Bourbons verdrängten Habsburgischen Herrscherhauses, wählten die Kirche dieses ihrer schmerzlich ent- Di e Wsiß spani eru. di eSchwarzspan i er. 95 bohrten Heimath ungehörigen Ordens mit Vorliebe zur Ruhestätte. Joseph II., der wie durch das Übergewicht seiner Waffen, so auch durch die mit der Pforte geschlossenen Tractaten, kürzere und eindringlichere Wege zur Erlösung seiner in die Sclaverey der Türken oder Barbaresken gefallenen Unterthanen gebahnt hatte, hob im Nov. 1783 die Trinitarier auf und verordnete, daß die Minoriten hinter dem Landhause ihr Kloster beziehen und die Seelsorge in dem gegenüberstehenden, eben neu eingerichteten, allgemeinen Krankenhause übernehmen sollte. Das Minoritenklo- ster hatte die n. ö. Regierung bezogen. Die ehemahlige Trinitarierkirche zur Allerheiligsten Dreyfaltigkeit, ist noch die Pfarre der Alsergaffe. Von der Farbe der Ordenstracht nannte das Volk die Trinitarier in der Alsergaffe, Weißspanier und die ihnen nahen Benedictiner von Mont- serrat in der Wahringergaffe, die Schwarzspa- n i e r. Welchem Freunde der wild und mild erhabenen Romantik in der Natur, ist wohl der Montserrat unbekannt, dem ganzen Abendlande durch Jahrhunderte , ein Gegenstand sehnsüchtigen Pilgerns und frommer Andacht, den Prätorianern Bonapartes ein Ort der Schlacht, des Raubens und Würgens?—Als 162g die spanische Jnfantinn Marianne, Philipps III. Tochter, als Braut des römischen Königs Ferdinand sich zur Reise nach Wien in Barcellona einschiffen wollte, that sie vorher mit Königspracht und zahlrei- 6 * 84DieWeißspanieru. dieSchwarzspanier. chem Gefolge, eine Wallfahrt in die himmlische Sie- deley des Montserrat und nahm von diesen, Land und Meer beherrschenden Höhen, den berühmten Prior Benedict von Pennalosa Mondragon mit sich, um die reformirte Congregation der Benedicti- ner auch in Österreich einzuführen. — Der Sieg von Steinau und des großen Schwedenkönigs Gustav Adolph blutiges Ende in der Lützner Schlacht, traten mit ihren Bitten in den Bund und bewogen ihren Schwiegervater, den alten Kaiser Ferdinand, M a- rien von Montserrat, vor dem Schottenthor, trotz der beharrlichen Widerrede des Stadtcommandanten , der es der Stadt viel zu nahe und ihrer Vertheidigung nachtheilig fand, Kirche und Kloster zu gründen. — Eben die geliebte Schwiegertochter Marianne, seine Gemahlinn Eleonore, Ferdinand III., sein Bruder Leopold Wilhelm und die Erzherzoginnen Cäcilie und Marianne waren zugegen, als der Kaiser am i 5 . November i 633 den Grundstein gelegt. Der Abt Pennalosa, vorher durch mehr als ein Jahrzehend Missionär in beyden Indien, erlebte noch 1645 Wiens Gefahr durch die nach Torstensons Siege bey Jankau bis an die Donaubrücken vorgedrungenen Schweden, erlebte nach 3 c>jährigem Kriege, endlich den westphälischen Frieden. Er regierte beyde Kloster, jenes zu Wien und jenes von Emaus zu Prag, welchem das Wiener bis 1708 untergeordnet blieb. — Ihm folgte Johann Caramuel, der auch den Nahmen seiner geistreichen Mutter vom Hause L obko witz trug, auf allen Hochschulen Spaniens und der Niederlande D i e W e iß spa n i e r u. d i e Schw a rzspa n i e r. 65 gebildet, ein fruchtbarer Schriftsteller, Großprior von Calatrava, Abt in Schottland, in der Pfalz, in Österreich, in Bohmen und Ungarn, Weihbischof und Bischof im Königreich Neapel und in der Lombardie. In der türkischen Belagerung (» 693 ) wurde der Prior Rudefint Steger (seinen Vorführer Romuald Ernst hatte »679 die große Pest dahin gerafft) am letzten Tage vor der Belagerung von herumstreifenden Tataren niedergehauen; ■ Kloster und Kirche gingen zugleich auf Rüdiger Starhembergs Befehl in Flammen auf Der Novize Anton Vogel von Krallern flüchtete das Madonnenbild von Montserrat in die Burg. Derselbe, ein geborner Wiener, durchstreifte Italien vom Fuße der Alpen bis an den Fuß des Vesuv, Spanien und Portugall und baute durch die daselbst gesammelten Beytrage, Kirche und Kloster wieder auf. —1708 machte es Joseph I. von Emaus in Prag unabhängig und bestellte ihn zum ersten Abte. »73g am 9 . Sept. beging er seine Jubelfeyer als Priester und Profeß, welcher Carl VI. mit der Kaiserinn Elisabeth beywohnte. Er starb 65 jahrig (21. Sept. »yb».)— Von den Spaniern war schon seit der türkischen Belagerung keiner mehr im Kloster übrig. Dem Prälaten Anton folgte wieder ein geborner Wiener, Herrand Ersamb, erst 26 Jahre alt. Beynahe 5 c> Jahre war er Abt, als er »779 die Versetzung seines Klosters in die Stadt herein, zu den untern Jesuiten in den rückwärtigen Theil des Colle» giums, den Dominikanern gegenüber erhielt. Aber 86 D i e Theatiner, Philippi« er ia ner kurze Zeit auf diese Versetzung folgte der Tod der Kaiserinn und die Aufhebung dieses Klosters, das mit den Schotten vereiniget wurde. Die Kirche wurde Anfangs die Garnisonskirche der Alserkaserne, das Kloster an Privaten verkauft und der Kaufschilling an den Religionsfond gezogen. In der Kirche ist jetzt ein großes Militarmagazin und Depot. Die Theatiner, P h i l i p p i n e r i a n e r und Hieronymitaner. Die Theatiner auch nach ihrem Stifter, dem vicentinischen Edelmanne Kajetan benannt, halten seit 1706 in Wien, auf der hohen Brücke ein Haus von Ordensmännern, Vater - und Mutterseits von Adel, gestiftet von dem Cardinal von Sachsen Christian August von Zeitz, Bischof von Raab und sohin Primas. Sie zählten viele gelehrte Männer unter den Vorstehern und Mitgliedern, also der erste Probst Johann Hlozek, einer der erfahrensten Lehrer der Präger Hochschule, Andreas Hamilton, Missionär in Indien und Persien, Weikhard'Barba , ein Opfer seiner fruchtlosen Menschenliebe in der letzten Pest, Gustav Rosa, Dragonerobrist unter Leopold l., sohin Feldmarschall deS großen Czaars Peter Alepiewitsch darauf Theatiner. — Im Febr. 1783 wurden sie aufgehoben, so wie die Philippinerianer in Doctor Latzen- Hof zwischen dem hohen Markt und Kienmarkt. Bey der schon unter Leopold dem Glorreichen (1204) vom Wiener Stadtkämmerer Gottfried und Goldrun seiner Ehewirrhinn gestifteten Dreyfaltigkeirscapelle (Urk. und H i e r onym i t a n e r. 87 Nr. 17.) war ein Beneficium. Johann Georg Seiden- busch, Pfarrer und Dechant zu Affhause» bey Regensburg und des Ordens Missionär durch Deutschland erhielt 1701 dieß Beneficium und verpflanzte ein Oratorium seines Ordens dahin mit dem besondern Beyfall Leopolds!, und der Kaiserinn Eleonore. Die der Congregation des seligen Peters von Pisa der strengen Observanz ungehörigen Hieronymi- taner besaßen neben dem Kloster zu Schönbach ob dem Manhardsberge und zu Kirnberg, eine Residenz im Köllnerhofe zu Wien, wo sie ihre jungen Geistlichen an der Hochschule studiren ließen und zugleich in der dortigen, in der zweyten Hälfte des XV. Jahrhunderts von dem Hausherrn, dem reichen Bürger Gundlacher, den Aposteln Philipp und Jacob geweihten Capelle, den Gottesdienst verrichteten. Auch sie wurden in der josephinischen Epoche aufgelöst. Die C a r m e l i t e r a u f d e r Keimgrube, P a u l a n e r auf der Wieden und Kapuziner bey St. U ! r i ch. Das Carmeliterkloster auf der Leimgrube stand ungefähr auf demselben Platze, wo Rudolph IV. un- ferne des Hospitals von St. Merten unter freygebiger Mitwirkung seiner Altern, Albrechts des Lahmen und Johannas, an der Capelle St. Tiebolds und Katharinas, die Stiftung eines Hauses vollendete, die Albrecht bereits i 34 g für zwölf dürftige adeliche Witwen nach St. Claras Regel begonnen hatte. — Ur- ban V. bc$eu $te am 17. Febr. i 3 ü 3 Herzog Rudolph 88 Die C a r m e l i t e r auf der L e im grub e. habe: „monasterium monialium ordinis 8. Clarae extra muros oppidi Wiennensis prope S, Theobaldum , cum ecclesia, cimiferio, campa- nilis et omnibus necessariis officiis pro sustentatione Abatisse et 2o monialium vel sororum” gestiftet und er verlieh dem neuen Kloster alle Freyheiten. Friedrich IV. führte dort die von dem Helden- möuch Johann Capistran reformirten Minoriten ein. (Ob die Nonnen nach St. Clara nächst dem Kärnth- nerthor gezogen, oder nach andern in der Nähe der Minoriten am Landhause, oder beym Stoß im Himmel Unterkunft gefunden ? ist streitig.) In der ersten türkischen Belagerung von 1829, wurden Kirche und Kloster zerstört und über hundert Mönche niedergemetzelt; die Umgegend blieb laug öde. Erst in der zweyten Hälfte des XVI. Jahrhunderts gedieh sie an den Wiener Bürger und Rathsmann Johann Krebs, endlich an den, in den wienerischen Geschichten unvergeßlichen Freyherrn Chaos von Richthausen. Von ihm erkauften den Platz 1661 die Carmeliten, die ihr erstes Hofkloster (das heutige Kriegsgebäude) gerade vor einem Jahrhundert an die Jesuiten verloren. — Die große Türkennoth von i 685 verwandelte auch dieses Kloster wieder in Schutt und die nur vier Jahre vorhergegangene große Pest hatte 27 Conventualen hinweggerafft. Doch ungemein schnell erstand es wieder aus seinen Ruinen. Am 22. Aug. 1687 legte der Erzherzog, nachmahlige Kaiser Joseph den Grundstein und der Wiener Bischof Graf von Traurson weihte ihn ein. Die Kirche führte des Prinzen Nahmen, Paulaner auf der Wiede». 8g Joseph. Auch als Kaiser besuchte er sie öfters und dahin war sein letzter Ausgang. Vom Mahle bey den .Carmeliten heimreitend, empfing der vortreffliche Joseph die Schauer seiner letzten Krankheit. Tages darauf zeigten sich die Pocken und mit seinem Tode war Spanien und die neue Welt für Habsburg aus immer verloren.— In diesem, 1784 aufgehobenen Kloster, befindet sich nun das große Arbeitshaus. Die Paulaner auf der Mieden wurden von Ferdinand II., auf die Empfehlung der Herzoge von Bayern und Lothringen, i 52 y in Wien aufgenommen, ihnen auf der Mieden, zwischen Weingärten ein bequemer Platz ausgesucht, selber von den Bürgern eingekauft und der Grundstein ihrer Kirche „zu den Schutzengeln" vom jungen König Ferdinand gelegt, die Kirche selbst i 65 i vom Bischof Brenner geweiht. Sie hatte aber bis 1718 nicht einmahl einen Hochaltar, den erst in diesem Jahre, die Zeche oder Brüderschaft der Bedienten errichten ließ. — Joseph Ambros von Renz, Resident der Niederlande am kaiserlichen Hoflager, schenkte Haus und Garten- grund dazu her. Die Bibliothek erwuchs schnell zu seltner Trefflichkeit, aber Alles wurde i 683 ein Raub der Flammen. Milde Beyträge, vorzüglich aber die reichliche Unterstützung des Paulanerklosters zu Thalheim ob der Enns, stellten unglaublich bald wieder. Alles in den vorigen blühenden Zustand. — 1784 erfolgte der Beschluß der Aufhebung. Dasselbe Jahr 1764 löste auch das Kapuzinerkloster am Platzel am Vorstadtgrund St. Ulrich oder go Kapuziner bey St. Ulrich. Zaismaniisbrunn auf, das seit dem Jahre 1600 seinen Anfang genommen, wo der berühmte P. Lorenz von Brundusio eine Colonie dieses Ordens auf Verlangen des Präger Erzbischvfs nach Böhmen führte, aber der herrschenden Seuche wegen, bey den Wiener Minoriten zu weilen genöthiget war. Der Bischof Klesel dachte die gelehrten fremden Ordensleute in seinen Sprengel zu ziehen. Der Freyherr Ernst von Molard gab zum Klosterbaue das Geld und den Platz, den der Bischof Franz Forgacs von Neutra weihte. Auch diesem Kloster brachte Kara Mustapha den Untergang. Unweit seines Schuttes prangte des Großwefsirs auf mehrere Millionen geschätztes, herrliches Gezelt und wehte die heilige Fahne des Propheten.— Der in den ungarischen Feldzügen oft und rühmlich genannte F. M. Graf Johann Carl S e- reny, wurde 1664 des Klösterleins zweyter Stifter und ruhet in der Kirche neben dem ersten, dem Freyherr» von Molard. Die Minoriten am Landhaus, nun in der A l s e r g a s se. Wie Leopold der Glorreiche (unter dem die deutschen Herrn, die Templer, die Hospitaliter von St. Johann und die Ritter und Priester des h. Geist- Ordens sich zu Wien Sitze erworben) 1224 auch die von Franzens von Affisi schwärmerischer Begei- srerung mitfortgcriffenen minderen Brüder, (Mittönten, Convenlnalen, Franziskaner,) nach Wien berufen und ihnen ein Klösterlein in der Vorstadt erbaut Die 39 ? in ovi ten am Landhaus rc. 9» habe, zwischen seiner neuen Burg und den Schotten, ward bereits im I. Jahrg. VI. 69 erwähnt. — Aus des seraphischen Vaters Franz ersten Gesährlen, kamen nach Österreich, der berühmte Giovanni di Piano, hernach Generalcommissär in Österreich, Ungarn und Bohmen, Custos in Deutschland und außerordentlicher Inquisitor; Albert von Pisa, Martin von Mayland, Jacob von Treviso. rc.— Nach dem Lande von wannen sie kamen, heißr ihre ehemahlige Kirche »och die w älsche Kirche und wurde durch ein seltsames Spiel des Zufalls, in später Folgezeit, wirklich vorzugsweise das Gotteshaus der italienischen Nation, so wie der Platz, auf dem sie steht, sich noch immer der M i n 0 r i t e n p l a tz nennt, obgleich die Ordensbruder ihn schon seit mehr als 40 Jahren verlassen haben. In jenen furchtbaren Feuersbrünsten unter König Ottokar, >256 und 1267, fiel auch die Minori- tenkirche in Schutt und Asche, aber der hohe Fürst erhob sie rasch und mit freygebiger Hand und legte den Grund zur heule noch stehenden, großen Kirche, die er, der Held mehrerer Kreuzfahrten, dem heiligen Kreuz widmete. So geschah es, daß die vorige Kirche, welche einige Zeir darauf gleichfalls umgebaut und ansehnlich erweitert worden, den alten Nahmen verlor, der von nun an der neuen, großen galt und daß die erstere nach der neuen Einweihung, die K a- t h ar i n a-Kirche oder Capelle hieß und in der Hälfte des XVI. Jahrhunderts, die Kirche des anstoßenden kaiserlichen Spitals wurde. — Als Ottokar in der zwey» g2 Die Minori teil am Landhaus rc. ten Marchfeldsschlacht den Sieg und das Leben verloren, ward seine Leiche vom Schlachtfelde, bey Marcheck, herauf zu den Schotten und von diesen zu den, von Ottokar besonders begünstigten Minoriten gebracht, dort öffentlich zur Schau gestellt, sein Herz und seine Eingeweide dort vor St. Georgensaltar begraben, der Leichnam aber nach Znaym geführt und erst nach geraumer Zeit in Prag beygesetzt. An diese Minoriten ergingen die päpstlicher; K r e u- zesbullen, 1236 von Gregor IX. wegen der vom Kaiser Friedrich feyerlich gelobten, immer aber wieder verzögerten Heerfahrt zur Wiedereroberung des gelobten Landes und der heiligen Stadt Jerusalem, dann 1241 wider die Mongolen, welche Bela IV. auf die dalmatinischen Inseln vertrieben, Ungarn zur Einöde gemacht, auf der Liegnitzer Wahlstatt, Schlesiens tapfere Herzog Heinrich geschlagen und erschlagen und Ollmütz bereits aufs Äußerste gebracht hatten , als der Held Jaroslaw von Sternberg ihnen die Liegnitzer Schlacht mit Wucher heimgab. Jnnocenz IV. sendete Kreuzbullen 1246 wider die Ungläubigen in Palästina, i2.ffo gegen die letzten Stauffen, den deutschen und Neapels König Conrad IV. auf Antrieb des Gegenkönigs Wilhelm von Holland, Ur- ban IV. 1261 zum Beystand der Lateiner in Constantinopel, wo ihre Herrschaft nie ein rechtes Verhältniß zu dem Griechenvolke gewann und das von einem Feldherrn Michaels Paläologus, Kaisers zu Nicäa, ohne Kriegsplan, ohne kostspielige und hartnäckige Belagerung, ,bloß durch Einverständniß D i e Minoriten am Landhaus :c. <)5 mit einem geringen Manne, in einer Nacht, wie durch einen Theaterstreich wiedererobert ward. Diese Kreuzbullen finden sich bis i2g3, wo Niklas IV. noch, da schon Alles verloren war, einen allgemeinen Kreuzzug zu Stande zu bringen, die kühne Hoffnung nährte. — Später predigten mit gleichem Eifer die Minoriten das Kreuz wider die heidnischen Preußen. Welchen Einfluß diese Züge auf den Ruhm der Waffen, auf den Reichthum, auf die Sitten Österreichs von Friedrich dem Streitbaren bis auf die Schlacht vorn Tannenberg gehabt haben, in der die Macht der deutschen Herren, der nunmehr vereinigten Poh- lens und Litthauens für immer unterlag, wurde bereits erwähnt. (I. Jahrg. IX. 2» — 23). Auch hatte der Papst diesen Ordensbrüdern, 1278, im Todesjahre ihres Gönners Ottokar, die Bekehrung der Juden vorzüglich ans Herz gelegt, deren Wucher großen Unwillen des Volkes, deren ungeheure Reichthümer ungemeinen Neid erregt und gegen deren unglaubliches Umsichgreifen die Provinzialsynode zu Wien, 1267, strenge Gesetze erlassen hatte. Die Minoriten standen in solchem Ansehen zu Wien, daß man ihre Vorstände bey den wichtigsten Handlungen als Zeugen berufen findet und Ottokar aus ihrer Mitte seine Beichtväter gewählt hatte. J„ seinen Tagen erlangten drey aus ihnen, durch Gelehrsamkeit und Feuereifer, zu Lübeck, zu Chiemsee, zu Passau, bischöfliche Würde. Im Minoritenkloster war am 18. Jänner >277 jene Versammlung der Fürsten und Herren des Reichs (VII. 67) in welcher g4 D i e Minoriten am Landhaus rc. Rudolph von Habsburg seinen Söhnen zuvörderst die geistlichen Lehen in Österreich und Steyer und hiermit auch den künftigen Besitz dieser Lande erworben. — Unter Friedrich dem Schönen hieß der Pater Ghi- botto, Lehrern und Schülern/ lector notabilis unb vollends P. Martin von Krems durch ganz Deutschland/ lector sollempnissimus. Was der gewaltige Ottokar begonnen/ das vollendeten zwey königliche Frauen/ Wunder jugendlicher Anmuth; aus dem schönen / gottgeliebten Frankreich die eine / die andere von des Ebro goldnen Auen; — Blank«/ die Stifterinn von St. Clara nächst dem Kärnlhnerthore/ dem Gemahl Rudolph nach all- zukurzem Besitz durch die Folgen einer unglücklichen Geburt entrissen und die arragonische Jsa belle, die / als bey Mühldorf ihr Gemahl Friedrich der Schöne sieglos geworden und Krone und Freyheit an Ludwig den Bayern, seinen Vetter und Gegen- könig verloren/ auch bis ins dritte Jahr in harter Gefangenschaft auf der Trausnitz schmachtete, von einem Gnadenbilde zum andern im härenen Bußge- wande gewallt und durch glühende Thränen das Licht der Augen verloren hatte.— Die hohen Herrinnen lagen beyde in dieser Kirche zur ewigen Ruhe bestattet, Jsabelle im Porphyrsarge vor St. Ludwigs-, späterhin Michaelsaltar, Blanka, die dieses Kloster noch in ihrem letzten Willen bedacht, im alten Chor und sohin unter der sogenannten heiligen Stiege. Wie ein fluchwürdiger Vandalism mit diesen theuern Denkmahlen unserer Fürsten und der alten, nationalen Die M i n or i t e n am Landhaus :c. 95 Kunst gehauset, haben wie mehrmahls zu verdienter Schmach erwähnt. Auch wurde bereits (IX. »79) dargelegt, was der Volksglauben von den zwey Wahrzeichen und Wundern dieser Kirche berichtet: — wie i 34 ö der Satan einen gottesrauberi- schen Communikanten, der das Abendmahl aus Aber» glauben, in einem Tage sieben Mahl empfangen und gleich darauf gahen Todes verblichen, bey Nachtszeit aus dem Grabe gehöhlt und durch die Kirchenmauer, in die er mit fürchterlichem Gebrause zwey Locher gebrochen , die erst in Josephs Tagen vermauert wurden, mit sich hinweggeriffen habe, — dann wie das große (22 Schuh lange, i 4 ' 6 // breite, hölzerne) Kreuz, das nach der Aufhebung in die Klosterkirche desselben Ordens zu Windpassing übersetzt wurde und in Figur und Form, Vergoldung und Farbe, griechische Art und Kunst verrath, aus dem Morgenlande, die Donau aufwärts, bis hierher geschwommen und in der Gegend des goldnen Lammes in der Rossau plötzlich über dem Ufer sichtbar geworden, wie eine zahllose Menge sich vergeblich bemüht, es ans Land zu bringen, — wie es dagegen des folgenden Tages, da Clerus und Volk in feyerlicher Proceffion hinausgezogen, von einem Minoritenbruder, blos mit seinem, darnach ausgeworfenen Ordensgürtel mit leichter Mühe ans Ufer gezogen und nach Sc. Stephan überbracht worden sey, wie man es des andern Morgens zum allgemeinen Erstaunen nicht mehr in diesem Dome gefunden, sondern an der Wand der Minoritenkirche, über der buchheimischen Capelle; — 96 Die M i n 0 r i t e n am Landhaus, rc. In den Tagen König Ladislavs aber und Friedrichs IV. war es bereits auf dem Hochaltar ausgesetzt, wo es bis a 56 g verblieb, da die Protestanten sich dieser Kirche bemächtigten. Außer jenen zwey Fürstinnen des Landes, ruht auch bey den Minoriten, Margarethe dieMaul- tasche, Enkelinn jenes Meinhard von Tyrol und Görz, der ein vorzügliches Werkzeug der Erhebung Rudolphs von Habsburg gewesen und von ihm dafür Kärnthen erhalten, eine Tochter Heinrichs, der (kraft des Erbrechtes seiner Gemahlinn Anna nach der Ermordung ihres Bruders, des letzten Prze- mysliden Wenzel) Böhmen ansprach, aber durch Johann von Luxenburg verdrängt wurde. Margarethe ward als Kind an Johanns Sohn, Johann Heinrich vermählt, aber bald vertrieb sie den bartlose» Knaben und reichte ihre Hand Ludwigs des Bayern Sohne, Ludwig von Brandenburg. Tyrol, dieser Schlüssel Italiens und Deutschlands, war von dem an der beständige Zankapfel zwischen Wittelsbach und Luxemburg. Zwischen den beyden Streitenden freute sich der dritte. Als Ludwig der Brandenburger plötzlich gestorben und Meinhard sein einziger Sohn ihm eben so un- vermuthet und schnell im Tode gefolgt, brach der schöne und geistreiche Rudolph, des Stephansdomes und der Hochschule Stifter, durch Schnee und Eis nach Tyrol auf, zu Margarethen , die er nur zu gut kannte. Er mahnte sie der nahen Verwandtschaft, des alten Erbvertrages, der Unbilden, die sie von den bayerschen Prinzen erfahren und die leidenschaftliche Sie M i nor i ten am Landhaus rc. 97 Frau, stets vorn Augenblick überwältiget, übergab ihm auf der Stelle ihr Erbland Tyrol (26. Jänner i 365 ). Er, ihre Schwäche wohl kennend und den trotzigen Einfluß mehrerer Baronen auf ste, fürchtete arge Rück- fälle und Unruhen; denn das Kunkelregiment, das sie so groß gemacht, mundete den Tyroler Landherren weit besser als Rudolphs staatskluge Kraft; er nahm Margarethen mit sich nach Wien. Er räumte ihr den anmuthigen Edelsitz und das Dörfchen ein, das noch von ihr Margarethen heißt; er besuchteste häufig, ließ diese Frau, deren Blut auch bey vorgerücktem Alter, ewig jung blieb, die Hand eines seiner Brüder hoffen und in diesen Hoffnungen übereilte sie der Tod. Auch die letzte Babenbergerinn ruht bey den Minoriten, Agnes, Leopolds deS Glorreichen Urenkelinn, Enkelinn seines verruchten Sohnes, Heinrichs des Grausamen, Tochter der unglücklichen Gertrud, und Hermanns von Baden. (Vlk. 2. 7. 47.) Ihr erster Gemahl war Ulrich, der letzte Kärnthner- herzog aus dem Hause Sponheim - Ortenburg gewesen, Graf Ulrich von Heunburg der Zweyte. — Die Zeitgenossen beschuldigten Ottokaren, er habe in ihr eine gefährliche Prätendentinn erblickt und sie deßhalb zu dieser zweyten Ehe unter ihrem Stande vermocht. Albrecht, Bischof zu Regensburg (ch 1264 , 3 . Dec.) in diesem Kloster sich por dem eigenen Gewissen verbergend, da er wegen des i 25 o an Con- rad IV. versuchten Königsmordes flüchtig werden und einem würdigern Nachfolger Platz machen mußte, dem Al- bertus Magnus von Bollstatt, Dominikaner von Cöln, II. Jahr,. Denkwürdigkeiten, l. Bd. 5. Heft. 7 98 Die Minor iten am Landhaus rc. Lehrer des heil. Thomas von Aquino, seiner außerordentlichen Geistesgaben und Naturkenntniffe wegen, in aller Welt für einen großen Zauberer geachtet.— Die Grafen von S ch a u m b u rg und S t e rn b e rg haben auch hier ihre Ruhestätte, —vom hohen Adel, jener riesenstarke Marschall Dietrich von P i l l i ch st o r f f, der als ein Jüngling in der Marchfeldsschlacht für Ru- dolph wider Ottokar und als Greis bey Mühldorf wider Ludwig den Bayer für Friedrich den Schonen gestritten, in jenen beyden Schlachten, in denen die vierzehn und die v i e r u n d z >v a n z i g Traut- mannsdorfe fielen. Der Marschall hat die Katha- rinen-Capelle neu umgebaut, reich beschenkt und geschmückt. Darin liegen wohl an vierzig Herren und Frauen, Junker und Edelfraulein dieses Hauses. — Sonst ruhen hier, im Todtenbuche dankbar erwähnt, viele Herren und Frauen von L i e ch t e n st e i n - N i- kolsburg, von Buchheim, Hacke l b e r g , Loseu- stein, Polheim, Neudeck, Rappach, Kranichberg von Petronell, Eckartsau, Thurso von Lichlen- sels und von Sonnberg, Zelking , Potrenstein, Per- gau, Wolfgerstorf, Greifenstein (einst Herren des Zwettlhofes,) Eslarn, Prüeschenk, die Ahnen der heurigen Grafen von Hardeck, Alpentawe oder Eupoldau, Anna die Schenkinn von Dobra, (ch 135 -/) der Herzoginn Johanna, Hofmeisterinn und Diemud von Lamberg (ch »574), der Herzoginn Katharina Hofmeisterinn, Heinrich Malzkasten-Kammermeister Albrechts des Lahmen und Ritter Ulrich, Die M i nor i ten am Landhaus rc. 99 Sohn des Pibro oder Piber, von dem der Biber- thurm und die Biberbastey sich nennen rc. Von den reichen und mächtigen Bürgerfamilien Wiens war eine, die von ihrer, dem Kloster nahen Wohnung, „von den m in n e r e n B rüd ern" hieß, Grifo oder Johannes prope fratres. Daß derley Zufälligkeiten vielen Geschlechtern den Zunahmen gegeben, wurde bereits bemerkt. (X. 99.) Aus den hier begrabenen Bürgerhäusern bemerken wir: die von Tirna und die Colyn; den in den Unruhen wider Albrecht I. hochberühmten Conrad Breiten selber, seine Hausfrau und seine an Ott H ay men von Neuburg vermählt« Tochter; die Griechen von Als und die Griechen von Karna- brunn (die schon mit dem Jajomirgort und mit feiner griechischen Gemahlinn nach Wien gekommen seyn sollen); die Wirsing und die Würfel; die Eranne st und die Urbätsch; die vorn Grashof, von der Säulen und vorn Salzgries; die Krvttendorfer und Maffenpeck; die Fuß und die Flußhart; die Hannsen, Glockel, Harber, Heilpeck und Schweintreiber ic. Nachdem die zunehmende Türkengelahr, Mardern II. das Edict der freyen Religionsübung für den Adel ab- gedrungen, wurde jede, den Protestanten eingeräumte Vergünstigung nur der Sporn noch mächtigern Umsichgreifens. Als sie das Bethhaus im Landhause in der Herrengaffe erlangt und ihre Prediger, vorzüglich Dr. Opitz von jener Kanzel die Gemüther unaufhörlich erbitterten, rissen sie auch die nahe gelegene heil. Kreuzkirche an sich (1569). Der Prediger Friedrich 7 * loo Die M i nor i t e II a m Landhaus re. Nauffer hatte schon i 56 o auf den Beystand einiger mächtiger Landherren pochend , sich mit Weib und Kind und allerley Helfershelfern mit Gewalt in das Kloster einquartirt und die Clausur gebrochen, das Kreuz vom Hochaltare genommen, allerley bilderstürmerische Auftritte veranlaßt, und die Minoriten also bedrängt, daß sie von i 5 o bis auf 7 geschmolzen und ihnen kaum erlaubt wurde, in der Kaiharinen - Cavelle, ihren Gottesdienst zu üben. So währte es, bis die Schlacht am weißen Berge (1620) eine andere Ordnung der Dinge herbeyführte, der böhmische Winterkönig Friedrich von der Pfalz, ein verlaßner und geächteter Flüchtling , der Gegenkönig in Ungarn, Gabriel Bethlen, durch den Nikolsburger Frieden beseitigt war und die kecken Rebellen, die Ferdinanden in der vom Grafen Thurm beschossenen Wiener Burg, Gesetze vorschreiben wollten, unstät in fernen und fremden Landen herumirr- ten. Die Prädikanten wurden aus ganz Österreich verbannt, und in der Kreuzkirche trat der berühmte Prediger Barnabas Prätorius unter ungemesnem Zuströmen der gläubigen Menge auf. In der türkischen Belagerung von i 683 wurde der Thurm völlig zusammen geschossen, die Glocken zerschmettert, das Kloster lag gerade hinter der Hauptangriffs - Fronce des Großweffirs auf die Burg- und Löbelbastey. — 1697 ließ die Gräfinn Margarethe von Traun und Abensberg in dieser Kirche die sogenannte heilige Stiege bauen, jener in Pilatus Hause zu Jerusalem nachgebildet.— 1748 wurde das bereits sehr baufällige Kloster, vorzüglich durch die D ie Minot' iten am Landhaus rc. 101 Unterstützung der großen Theresia wieder in vollkommenen Stand hergestellt/ zum Theile ganz neu erbaut. Bey dieser Gelegenheit wurden , (wie beym Burgbaue uncer Leopold I.) verschiedene Grablampen, Lacrymatorien und Aschenkrüge ausgegraben und um einen Mannsschädel her, sieben Hundsköpfe, in bedeutender Tiefe gesunden; ein Überrest der Sitte, mir zu verbrennen, oder zu begrabe», was dem Verblichenen im Leben am liebsten gewesen. — Der Bücherschatz der Minoriten galt immer für einen der vorzüglichern Wiens. Unter Carl VI. begann P. A l e- Zander G i e sse l (geb. zu Breslau 1694 ch 1766) ein verdienter Tonkünstler, ein wahrhaft sehenswer- rhes Musäum, bestehend aus einer schonen Sammlung römischer Alterthümer, wovon Verschiedenes in Wien und dessen Uingebungen gefunden, zum Theil aber auch aus Ägypten und aus dem Herkulanum war, eine reiche Sammlung von Mineralien, Versteinerungen, Conchilien und zoologischen Gegenständen, dann vortrefflicher Arbeiten aus Elfenbein, Wachs, Holz, Perlmutter, Stein, Erz, Kristall, Steinbocks- und Gemsenhvrnern, mehrere treffliche Schil- dereyen deutscher Schule, insonderheit von Dürer und Kranach,— mathematische, geometrische und optische Instrumente, Edelsteine und Holzgattungen, Münzen und Medaillen, mehrere höchst seltene Mißgeburten. — Der ganze Schatz wurde aber in den mehrmahligen Bedrängnissen des Klosters verkauft, und es ist fast nichts mehr davon übrig, als die beyden herrlichen Globen, Himmels und der Erde, gezeichnet vom Mi- io2 Die SO? i novit en stm Landhaus :c. noriten-General Coronelli und vollendet von P. Tobias Eder, Mathematiker des Cardinal- Bischofs Kollonits. Daß seit 1782 die n. 0. Regierung i,n Minori- tenkloster ihren Sitz hat/ und die Minoriten in Kirche und Kloster der Trinitarier oder Weißspanier in die Alsergaffe übersetzt wurden, ward bereits oben bemerkt.— Die heil.Kreuzkirche wurde hierauf der italiänischen Gemeinde eingeräumt und zu Mari a«Schnee genannt/ welches Fest auf dein Hochaltarblatte von dem verdienten Christoph llnterberger dargestellt ist. — In Kunstrückstcht verweisen wir darauf/ was über die Bauart, über den herrlichen Eingang, welche» die Vignette des V. Bandes darstellt, und der im Werke des Fürsten Lichnowsky im Detail dargestellt ist, dann über das Grabmahl der Königinn Blanka im 1.Hefte S. 10b—109 bemerkt wurde. Die obern und die untern Jesuiten und des ÄroviziathauS bey St. Anna. Die Einführung der Jesuiten in Wien, ihr dortiges Walten und ihr Feuereifer für den in seinen Grundfeste» erschütterten katholischen Cultus, wurde bereits im Verlaufe dieser Geschichten (XI. 227, XII. i6, 25,28/ li 5 ) sowie (XIII.89) ihre Aufhebung nach mehr als 2oojahriger Dauer erwähnt. Was sie der National - Erziehung und Bildung gewesen? welche große Gelehrten sie hervorgebracht? zeigt sich am füg- lichsten in der Geschichtd der wissenschaftlichen und Bil- Die obern undd ie u n t e r n I e s u i t e nrc. io3 dungsanstalten dieser Kaiserstadt. — Der Tag ihrer Ankunft in Wien war der 3i. Biay i55i. Auf König Ferdinands Verlangen und aus Auftrag Julius III. ordnete der damahls noch lebende Stifter Jgnaz von Loyola, eilf Jesuiten aus Rom unter dem P. Niklas Lannoy und dem gelehrten Claudius Jay und Peter Schoorich von Jngolstadt nach Wien ab. —Jay wurde zum Rector, Lannoy zum Minister ernannt.— Ihre erste Unterkunft war im Dominikanerkloster. Ein Theil desselben lag seit der türkischen Belagerung, vor 22 Jahren, im Schütte, und wurde nun auf Unkosten der Hofkammer schnell zu einem Collegium und Capelle wieder hergestellt. In wenigen Wochen gaben sie bereits Privatstunden in den dem Glauben der Vater getreuen Häusern, und übten sich in Beyseyn der Jugend , täglich in Disputarionen. Bald eröffneten sie zu Hause auch alle Grammatikal- und Humanitäts- Claffen, sie belebten von Neuem das gesunkene Studium der alten Sprachen. Das Predigtamt begannen sie bey den nahen L o r e n z e r i n n e n. Zum Andenken dessen versahen bis zur Stunde der Aufhebung stäts die Priester der Gesellschaft Jesu aus dem untern Collegium nächst der Hochschule, diese Kanzel. — i 552 kam von Jngolstadt der durch seinen Katechism bis auf den heutigen Tag berühmte Peter Canisius nach Wien, predigte bey den Dominikanern, bey St. Jacob, bey St. Hieronymus und bey Mariastiegen, aber oft vor nicht mehr als 6— 10 Zuhörern, theils weil die protestantischen Prediger den Jesuiten beym leichtgläubigen und reitzbaren Haufen, alle Gräuel anschul- io4 Die obern unb die untern Jesuiten digten, theils weil sein plattdeutscher Dinlect den Wienern wenig verständlich war. — Aber die Eitelkeit vermochte durchaus nichts Über Canisius. Er und seine Briider zeigten gar bald, es sey ein eitles und vergebliches Hoffen, sie zu schrecken, zu beugen, zu erniedrigen, oder zu ermüden. — Schnell waren auch die Schwierigkeiten Überwunden und der neue Ordeti Überaus popular und den Aposteln der neuen Lehre ein furchtbarer Gegner. Da über 3oo Pfarren in Österreich ohne Seelsorger standen, epcurrirten die Jesuiten auch viele Meilen weit aufs Land, waren Prediger, Beichtvater, Voikslehrer, Gelehrte und Ärzte, unermiidend strebend, A l l e n A l l e s zu seyn. — Canisius wurde Hofprediger. Ferdinand wollte ihm durchaus das Disthum Wien übertragen. Der einfache Mann schlug es in Demuth aus, mußte aber gleichwohl die Venvaltung desselben auf mehrere Jahre übernehmen.— In demselben Jahre, in welchem sein Katechismus erschien (i554), übergab ihnen Ferdinand das Kloster der weißen B r ü d e r oder C a r- m e l i t e n am H o f, wo einst die Burg des Jasomir- gott, Leopolds des Tugendhaften, Friedrichs des Katholischen und Leopolds des Glorreichen gestanden, bis der letztere die neue Burg an der Statte der heutigen begonnen. In die alte kam die Münze; sie hieß davon der Münzhof, und nicht weit ist noch die Mun- zerstraße (VI. 70 , IX. 32). Auch dieses Kloster war in der Reformation ganz ode und noch ein einziger Geistlicher in demselben, von dem man sagte, er sey gar kein Carmelite, sondern ein Weltpriester, der den und das Noviziathaus bey St. Anna. io5 Habit mir angezogen, um das Kloster dem Orden, dessen Freund er war, bis auf günstigere Umstände zu erhalten. Doch die Noch der Zeiten sprach zu gebietherisch. Jener einzige Larmelice wurde zum Pfarrer in Bi- samberg ernannt, und Kirche und Kloster gegen Ende May i 554 den Jesuiten in solchem Zustande übergeben, daß fast gar kein Kirchen- oder Hausgeräthe mehr vorhanden gewesen, die Kirche mir Heu angefüllt, im Convenc weltliche Wohnparteyen, ei» Kornspeicher und ein Zeughaus war! — Dieses Profeßhaus der Jesuiten war das erste in Deutschland. — Nach der Strenge der ersten Satzung war ein großer Unterschied zwischen den Pr ofe ßh ä use rn und Co l leg i en der Jesuiten. Erstere sollten bloß von den frommen Gaben der Gläubigen leben, und durften kein unbewegliches Vermögen besitzen, wohl aber die letzteren. Im July i 554 eröffneten sie, unter dem Prä« fecten Johann Dyrs, ein Convict. Der Vicekanzler Jacob Jonas, gab der erste, seine vier Söhne dahin. i558 kam ein Seminar armer Studenten hinzu, nach der Art des deutschen Collegiums zu Rom. i56o errichtete Ferdinand I. im nahen CollaltischenHause, ein Er- ziehungsinsticut für den Adel, weil aber die protestantischen Stände ihre Kinder nicht dahin geben wollten, kam es zur damahligen Landschaftsschule, zwischen den Dominikanern und dem Scubenthor; das Seminar der Armen aber, in ein von den Jesuiten erkauftes Haus auf dem Judenplatz. Die Pest zerstreute sie mehrmahls. io6 D i e obern und die untern Jesuiten Einer von diesen Zöglingen war (i 564 —1566) der edle Pohle S t a n i s l a u s K o st k a. Er wohnte mit seinem Bruder Paul, der ihn oft und schwer mißhandelte, und mit seinem Erzieher Dilinfky bey einem evangelischen Bürger des Rathes, Kimperger, im Haus zur goldenen Schlange (Nr. 42Ü). Da der protestantische Hausherr dem schwer Erkrankten , keinen katholischen Priester mit der letzten Wegzehrung zuließ, tröstete ihn jene aus seiner Legende bekannte und durch viele Meisterwerke des Meißels und Pinsels verherrlichte Vision der Gottesmutter mir dem Jesukinde und der heil. Barbara. Er genas und zog in Folge jener Vision nach Rom, wo er in den Jesuitenorden trat, aber schon am , 5 . Aug.i 568 , erst lüjährig starb.— Ganz Wien war voll vvm Rufe jener Vision, also daß Stanisla's Wohnzimmer schon anderthalb Jahrzehende nach seinem Tode in eine Capelle umgestaltet war, die 17.37 von Barbara Mohrenfels umgebaut, annoch die Capelle des Pfarrhofes am Hofe ist. Im Jänner 1570 lehrten die Jesuiten Theologie, Philosophie, Dicht- und Redekunst.—1607 verzehrten die Flammen das Collegium , Convict und Seminar und die so nöthige Anstalt stockte durch einige Zeit. Das Convict kam in die jetzige Nuntiatur am Hof, damahls das Haus der Herren Deck, die es von den Erben des durch seine Kriegserfahrung und durch die in Siebenbürgen verübten Grausamkeiten gleich berühmten Marschalls Georg Basta erkauft hatten. — Bey vermehrter Zahl kam das Convict ins harrachische Haus auf die Freyung 1616, — 1623 endlich nach der Landschaftsschule nächst der windhagifchen Biblio- « - und das Noviziathaus bey St. Anna. 107 thek. — ?lm 10. Nov. 1622 wurde das Jesuiten- Collegium der Hochschule incorporirt, was im März 1625 zu vollständigem Vollzüge kam, wie weirer unten noch einmahl erwähnt wird. Wie der erste Ferdinand die Jesuiten in Wien eingeführt, so war es der zweyte, der sie als eine wichtige Staatstriebfeder gebraucht und inmitten der höchsten Noth seines Schatzes und des Kriegeselends seiner Länder, sie mir kaiserlicher Freygebigkeit beschenkt und gestiftet hat. Leopold I. breitete sie in den Provinzen aus und machte sie mächtig an Land und Leuten. Das älteste Collegium am Hof trägt auch Ferdinands II. Nahmen: Caesarea domus professa societatis Jesu fundata a Ferdinando II. Rom. lnip. MDCXXV. Seines Sohnes , Ferdinands III. Witwe, die Kaiserinn Eleonore, ließ den Eingang in dieß Pro- feßhaus mit einer Gallerie prächtig erbauen, laut der Inschrift: Anna Eleonora Augusta, Deo Reginaeque angelorum posuit. MDCLX 1 I. Dreyßig Jahre nach der Gründung des ersten Jesuitenklosters durch Ferdinand, erhielten diese Vä- ter ein zweytes durch seinen Enkel Rudolph. Schon unter Friedrich dem Schönen (i 32 o) hatte eine fromme Bürgersfrau aus Wien nächst St. Johannes Spital und PilgrimhauS in der Kärnthnerstraße, eine Capelle zu Ehren St. Annas der Mutter Maria und dane. ben eine Herberge für Kranke und Pilgrime erbaut. Diese Seitenstraße hieß von einem dort wohnhaften, angesehenen und reichen Bürgergeschlechte die P i p- i o8 D i e obern und die untern Jesuiten pingerstraße, seit jenem frommen Bau aber, auch die Annagasse.— Unter Albrecht V. in dem Jahre , da auf dem Kirchenrathe zu Constanz Johann Huß des Flammentodes starb, ist- 5 , fand sich wieder eine reiche Bürgersfrau, Elisabeth Warten- oi! er in», die das Pilgrimhaus reich beschenkte und die Capelle zur Kirche vergrößerte. — Nach der ersten türkischen Belagerung, iÖ2g, erhielt, ivie wir bereits oben gemeldet, der Stadtrath anstatt des zerstörten B ü rg e r sp i t a l s vor dem Kärnrhnerthore dießseitS der Wien, das Clarenkloster am Schweinmarkt. Die Nonnen waren nach Villach geflüchtet und wie sie heimgekehrt und Ihr altes Kloster zurückforderten, wurden ihnen Pilgrimhaus und Kirche bey St. Anna, den Pilgern aber die Einkehr im nunmehrigen Bürgerspital angewiesen. Als aber die Clarifferinnen in der Pest von i 54 i, die beynahe ein Drittheil der Bevölkerung Wiens hingewürgt haben soll, gänzlich ausgestorben, kamen die R i t t e r v o m St. Stephans Orden in den Besitz von St. Anna; 1682 übergab es Rudolph II. den Jesuiten, welche bereits die ersprießlichsten Dienste geleistet hatten. Sie bezogen aber dieses neue Kloster erst, unter Ferdinand II.—Diesem harten seine rebellischen Unterthanen überall die Vertreibung der Jesuiten als erste Bedingniß gesetzt und gerade dadurch ihrer Wichtigkeit das sprechendste Zeugniß gegeben. So vereinigte er denn die Jesuiten mit der Universität und baute ihnen eine Kirche und Collegium an der Stätte, wo vorhin das alte erzherzog- und das N ov i z i a t h a us b e y S t. A n n a. 109 liche Collegium war, das Albrecht III. den Lehrern und Schülern der Universität gewidmet, wo der Bücherschatz, das Archiv, die Hörsäle, das Studentcn- spital und die durch geraume Zeit von den Protestanten gebrauchte Benedictscapelle stand und ringsherum die Convicte oder Bursen. 1622 geschah jene Vereinigung, 1623 der Einzug der Lehrer und der Studi- renden, 1627 wurde die Stiftung gefertiget, r 63 r vom Cardinal Dietrichstein die Kirche der Gottesmutter und den HH. Ignatz und Xaver geweiht. — Als ein rechtes Siegeskloster zum ewigen Gedacht- ¥ „iß jener Reihe von Triumphen, die vorzüglich der alte Tilly am Präger weißen Berge, bey Wim- pfen, bey Höchst, Skadlo und Lütter über den Winterkönig Friedrich und Dänenkönig Christian, über Christian von Braunschweig, Georg Friedrich von Baden und über den Mannsfeld erfochten, bezeuget es die Inschrift der von Innen nach damahligem Geschmack prächtig verzierten und mit den schönen Gemählden des Jesuicenbruders Pozzo geschmückten Kirche: Deo Victori Triumphatori opt. max. tro- phaeum hoc in memoriam B. Virginis Mariae SS. que Iguatii et Francisci Xaverii Ferdinan- dus II. Imperator statuit MDGXXII. Die Stunde der Aufhebung des mächtigen Ordens schlug demselben zu Wien am 14. Sepc. 1773 nach 222jähriger Dauer. — Nun ist bey den obern Jesuiten das Hoskriegsgebäude, bey den untern das Convict und mehrere Zweige der Hochschule, bey no Die Augustiner auf der Landstraße. St. Anna, die k. k. Akademie der vereinigten bildenden Künste. Die A u g u st i n e r a u f bei- i a n d st r a ß e. Der Augustiner in Wien gedenkt schon eine Bulle Alexanders IV. aus den ersten Jahren König Ottokars 1255 . Damahls stand ihre Clause, (in der ersten türkischen Belagerung bis auf die letzte Spur vertilgt) außerhalb des Werderthores, nach Einigen Überlieferungen gegen die heutige Roßau, nach andern gegen den Prater zu, der damahls sich bis gegen den heutigen Platz der Carmeliter herein erstreckte. Wir werden bey der Geschichte des noch bestehenden Augustinerklosters nächst der Burg vernehmen, wie Friedrich der Schöne die Augustiner aus dem Werd dahin übersetzt und seine Brüder, Albrecht der Lahme und Otto der Freudige, seine Stiftung vollendet haben. — Ferdinand II. mit diesen Augustiner - Caleeaten, mit weiten Ärmeln (cie larga manica) unzufrieden, berief vorzüglich auf den Antrieb der Kaiserinn Eleonore und mit Genehmigung Urbans VIII. i 63 o die unbe- schuhten Augustiner von Prag hierher mit dem Vorbehalte, die Beschuhten und vorherigen Klosterbesitzer sollten nichts destoweniger fähig seyn und bleiben, ein anderes Kloster in Wien zu erhalten. Dieß blieb gleichwohl durch zwölf Jahre ausgesetzt. Endlich legre 1642 Ferdinand III. den Grundstein zum neuen Kloster und Kirche auf einem von der Landstraße bis zur Ungargasse reichenden Garcengrund und weihte die letztere, kraft eines Gelübdes, den Pestheiligen Rochus und Die Augustiner auf der Landstraße, m Sebastian. Wenige Jahre nach der durch den Bischof Breuner geschehenen Einweihung der Kirche, wurde diesen Augustinern auch die Brigitteneapelle in der Tabor- nun Brigittenau übertragen, erbaut zum Gedächtnisse, wie *645 Torstenson vor Wien erschienen und Österreichs edler Heeresfürst, Erzherzog Leopold Wilhelm, an eben dieser Stelle sein Gezelc aufgeschlagen , der schwedischen Kugeln unbekümmert (All. 101). — 1679 starb dieses Kloster beynahe aus, in der großen Pest, als es kaum aus der schrecklichen Feuersbrunst von i 656 wieder erstand und i 683 traf es der neue Ruin der Belagerung Kara Mustaphas. Trotz aller dieser Unfälle erstand das Kloster von neuem, durch reiche Gaben vieler Wohlthäter und durch die Thätigkeit des gelehrten Priors Ferdinand Hanisch.— In den beyden bonapartischen Eroberungen i 8 o 5 und 1809 diente das Kloster als Feldspital für kriegsge- fangene Russen und Österreicher. i 5 Augustiner verloren das Leben im Dienste der Kranken. Die wenigen übrigen verließen mit ihrem Prior AmbroS Ziegler das Kloster und wohnten in Bürgershäusern bis im April 1812 über ste, deren Zahl so sehr geschmolzen, und deren Wirthschaft gesunken war, das Loos der Aufhebung erging. Die Kirche ist noch die Pfarrkirche der Landstraße. Das Chorherrenstift St. Dorothee. Kirche und Stift der regulirten Chorherren des heil. Augustin zu Wien, in der Stadt bey S b. D o- N. i ii* Das Chorherrenstift St.Dorothee. r o t h e e gehört , gleich dem adeligen Frauenstist zu St. Theobald auf der Leimgrube/ nebst der großen Handfeste, der Ordnung zwischen Kaufleuten und Krämern , Laubenherrn, Hausgenossen, dem Schneider-, Fleischhacker- und Judenbrief (VII. 166 biS 180), zu den Denkmahlen , durch welche sich Albrecht der Lahme seinem treuen Wien als der Weise bewährt hat.— Er begann diese Capelle i356, im nähmlichen Jahre als die (Österreichs wohlerworbene Vorrechte, so tief verletzende) goldene Bulle, auf dem Reichstage zu Metz erschien, und zwey Jahre vor seinem Hintritt. Sein Erstgeborner Rudolph IV. vollendete i36o den Bau des Hauses für Weltpriester und der Benesiziaten-Capelle, die zur Ehre St. Dorothees, St. Katharinas, der heiligen Zwölfbothen und der heiligen Erzengel eingeweiht wurde-Diese Stiftung währte durch ein halbes Jahrhundert bis auf Albrecht V., des Lahmen Urenkel, den die Wiener mit solcher Ungeduld erwartet, für den in dem bösen Vormundschaftszwist ihre Edelsten, den Bürgermeister Verlauf hierin zum Vorläufer habend, das eigene Blut vergossen, diesen Albrecht, von dem die große Donaubrücke ist, von dem Wiens vorzüglichste Handels- und Munizipalgesetze sind. —■ Der Lehrer seiner trübseligen Jugend, Andreas Blank, auf Paduas weitberühmter Hochschule gebildet, ,3gi Pfarrer zu Maygen, i4o 3 zu Gars, i 4°6 durch Leopold den Stolzen dem Passauer Bischöfe Georg als Benessziat der St. Dorotheekirche präsentirr, ermunterte ihn, jenes Stift- und Bethkirchlein bey St. Da- Chorherrenstift S t. Dorothee. n 3 Dorothee, unfern* der Augustiner, der alten Kanz- ley und des Harnischhauses, in der Rad- und Färber- straße, in eine Canonie regulirter Chorherren zu verwandeln , die bald so ansehnlich wurde, daß jene beyden Gassen ihre Nahmen verloren und die Dorotheer- gasse hießen (»4»o—1414). — Ein einfacher Stein deckte die (1787 nach Klostcrneuburg übertragenen) Gebeine des Stifters Andreas Blank, bloß seinen Todestag bemerkend, den 9. Juny i 435 . Friedrich IV. ließ den Vordertheil dieser Kirche, in dem Ubergangsgeschmack seiner Zeit, prächtig herstellen, des Sinnes, sie durch Gänge mit den nächstanstoßenden Gebäuden, und durch diese mit der Burg selbst in Verbindung zu setzen und St. Dorothee zur Hoskirche zu machen. Dennoch sind bis auf den heutigen Tag die Augustiner im Besitze dieses edeln Vorrechtes geblieben.— Ferdinand 1. eri- mirte in Kraft einer päpstlichen Bulle dieses Stift von der geistlichen Gerichtsbarkeit des alten Diocesans, des Passauer Bischofs und unterwarf es dem Wiener Bisthum. — St. Dorothee hatte unter seinen Prüb- sten und Chorherren, manch grundgelehrte Männer auszuweisen, und es sind wenige Jahre, daß der letzte und einer der vorzüglichsten derselben in das andere Leben eingegangen ist, der Director des k. k. Münz- und Antiken - CabinetS, k. k. Räch und Ritter dsS Leopold-OrdenS, Franz Nenmann. — Trotz jener Epem- tion waren die Bischöfe von Paffau, fortan vorzügliche Beschützer und freygebige Wohlthäter von St. Dorothee, desgleichen Ludwig Schonebner, dieser Gemeinde Chorherr und dort iin Frieden entschlummert, t>.2ahrg. Denkwürvigkeiteii. l.Dt.z.Hcft. Ü Si 4 D as Chorherren st i ft St. Dorothea nachdem er sein Bisthum Chiemsee aufgegeben hatte, dann das Haus der Grafen von Salm. Die Canonie zählte bis zu ihrer Aufhebung 27 Pröbste und bestand durch Z72 Jahre. I. Am Vorabend des Lucientages 1414 wurde von der Canonie Dürrenstein einer ihrer gelehrtesten und gottesfürchtigsten Männer, Meister Egydius, Profeß zu Wictingau mit mehreren seiner Skiftsbrü- der und mit zweyen Chorherren von St. Polten abgeordnet, die neue Pflanzschule zu gründen, die sogleich bis auf 20 Mitglieder anwuchs und von Albrecht V. anständig dotirt wurde. — Der Pafsauer Bischof Gregor bestätigte diesen ersten Probst im Juny i^iö. Ihm gab Albrecht V. am Marienhimmelfahrtstage i 4 i 4 den Bestätigungsbrief der Stiftung des Andreas Blank; Albrechts Großmutter B e a t ri.r, Burggräftnn von Nürnberg, gab ihr Haus in der Reifstraße zur Vergrößerung des Baues, Andreas Schüeßel, herzoglicher Kellermeister an St. Peters Freythof, sein Erbgut, und 14,6 eben der junge Herzog, das nöthige Salz aus seinem Kammergute. Egyd starb den 8. Febr. 1417. II. Andreas aus Kärnthen, Profeß zu Glatz, hierauf durch kurze Zeit Chorherr in Dürrenstein, erwählt den 16.Febr.r4r7, resignirte 1421, starb den 18. März 142b. Er erhielt »423 einen neuen Brief von Albrechten, der darin sagt, die Stiftung von St. Dorothee sey schon seines Vaters Vorhaben gewesen. Er tauschte 14*7 von den Herren von Liechlenstein-Ni- kolsburg. Gründe vor dem Stubenthor ein und setzte Das Chorher ren sl ist St. Dorothea. i >3 sich in den Besitz der bereits i 4>3 von Harms Zink, Forstmeister in Österreich gemachten Schenkung von Gersthof. Auch erwarb er i 423 die, dem heil. Geist- spiral zu Bulgarn und der St. Egydiuskirche zuGum- pendorf mit Grund' und Burgrecht dienstbare Stampf- mühle niederhalb Gumpendorf, und 1420 den Hof zu Traiskirchen von Niklas Perold, Probst zu Brixen. 11k. Heinrich Buol, ein Clsaßer, Meister der freyen Künste, Baccalaureus der Theologie, Professor am herzoglichen Collegium der Hochschule, -j» den 4. Dec. 1428. IV. Nikolaus de Corona, Visitator der Wiener Hochschule, einer der Vater des Kirchenrathes von Basel, ch den 1. July i 458 . V. Stephan von Landskron, unter welchem die Stiftskirche durch Friedrich IV. umgebaut, vergrößert und verschönert, und am i 5 . Dec. 1 473 vom Cardinal-Legaten Marcus , Patriarchen von Aquilesa eingeweiht wurde. Von Kaiser Friedrich erhielt St. Dorothee mehrere wichtige Briefe: i 443 am Montag vor Ausfahrt, 1460 am Mittwoch nach Maria Em> pfangniß, >492 den 23 . May aus Linz über all sein Besitzthum, » 4 y 3 über 90 Fuder Weins, 1476 am Erchtag nach Dreykönigen über das Sundersie» ch e n h aus zu Sand Johanns in der Siechen Als (Thury). — Vergrößert wurde das Stift 1447 durch Überlassung des Hauses Niklasens von Liechtenstein in der Farberstraße, und durch Mathias Corvins Schenkung des ungarischen Hauses in derselben Farberstraße, gegenüber der Lorecto-Capelle der Augustiner. Mathias' 6 * ii 6 Das Chor her renstift S t. Dorothee. . gab den Dorotheern auch einen Freyheitsbrief am allerletzten Tage seines thätigen Lebens am Samstag vor dem Palmtag 1/490. Probst Stephan starb 1477 . VI. Gregorius Brunnhofer, Ausschuß der Stände. f den 8 . Sept. i5oi. VII. Sigmund Kugelberger, Gründer der schätzbaren Bibliothek, dankte von siechem Alter gebeugt schon i5o3 wieder ab. ch den 2 i. Sept. i5o8. VIII. Bernard Zottmann, von seines Vaters Gewerbe insgemein der Goldschmied genannt, wurde nach Neustadt postulirt 1497 , nach St. Dorothee zurückberufen, resignirte aber diese Probstey bald und starb Lojährig den 4 . April 1559 . IX. Hieronymus Schmidel, dankte seine Würde in wenigen Monathen wieder ab. X. Franz Pichler, aus Tyrol, resignirte i 552. f den 32. May i554. XI. Johann Weiß, genannt Albinus, ein Chorherr Klosterneuburgs, um seines hohen Rufes willen hierher postulirt. ch ,565. XU. Clemens Staffelsteiner, seiner Gelehrsamkeit und Standhaftigkeit in Glaubenssachen wegen, ein Liebling Pius IV. der ihm den 3. Oct. i564 die Pontificalien verlieh, i565. XIII. Gallus Mayer, nur durch wenige Monathe Probst, ch i565. XIV. Georg Karstner, Hofkaplan Map's II., Rudolph's II., der Erzherzoge Ernst und MathiaS, resignirte > 571 . ch den 17 . Juny 1591 . XV. Georg Premier, aus Krain, Mar's II. Das Chorher re nstift St. Dorothee. 117 Almosenier und Burgpfarrer, kam i 5 q 8 nach Herzo- genburg, starb alldort »5go. XVI. Martin Radwieger, ausKrain, ein treuer Bundesfreund der Jesuiten, Official des Wiener Bis- thums, Dechant bey Sc. Michael, »586 Bischof von Neustadt, den »5, April »588. XVII. Christoph Thutl, resignirte »610. ff»6»2 den 25. Sept. XVIII. Andreas Mosmüller, auS Bayern, De- kair zu Klosterneuburg, »610 von daher postulirt, bald aber wieder von den Seinigen zurück berufen und durch einige Zeit mit trefflichem Erfolge, Probst beyder Stifter, Neuburg und St. Dorothee, feit »6»8 zu Neuburg allein. ^ den 1. Dec. »629. XIX. Hieronymus König, erwählt »6»9, erlebte Wiens Gefahr durch die Schaaren Thurns und Berhlen Gabors. ^ den 7. Aug. »625 und hatte zum Nachfolger XX. David König seinen Bruder, erwählt »625. ch den 20. Febr. 1642. XXI. Jakob Nürnberger, ein vorzüglicher Freund und Kenner der Tonkunst und Reformator der Kirchenmusik in Wien. den »5. Oct. »662. XXII. Ferdinand Soyer, ein berühmter Kanzelredner. den 2». Der. »670. XXIII. Hieronymus Heiden, aus bemalten, ritterbürtigen Bürgergeschlechte Wiens, von welchem noch der Heidenschuß seinen Nahmen trägt, mehrmahls Reecor der Hochschule und ein so vortrefflicher Hauswirrh, daß er nicht nur der zweyte Stifter sei- i »8 Das Chorherrenstift St. Dorothee. net Canonie genannt zu werden verdiente, sondern auch von den Ständen und vom Kaiser in Finanzge- genständen häufig um Rath gefragt wurde. Keiner har so viel gebaut. Keiner sür die Wissenschaften mehr gethan als er und sein Stift in so blühendem Zustande hinterlassen. Dazu hatte er noch die große Pest und die zweyte türkische Belagerung zu bestehen, ch den 26. März 1698. XXIV. Ferdinand Noltejus, von Ottdorf, Meister der Philosophie und der freyen Künste, mehrmahls Rector der Hochschule, schmückte die Kirche durch Roth- mayers Pinsel und durch eine großartige Verschwendung von Marmor und Gold. ch den 21. Aug. 1712. XX V. Ferdinand Adler, ein vorzüglicher Förderer des Bücherschatzes, und selbst noch als ein gicht- brüchiger Greis, seines Stiftes und der Stände Geschäfte , mit Heller Einsicht und unermüdeter Thätigkeit fördernd, ch den 9. July 1784. XXVI. Joseph Rosner, ständischer Verordneter, als ,740 mit dem Tode Carls VI. des letzten Habsburgers, die pragmatische Sanction in Wirksamkeit trat, Theresia ihr Erbrecht gegen «ine, feindlich wider sie verbündete Welt zu behaupten hatte, Carl VII. bereits in Prag, als König von Böhmen in Linz als Erzherzog von Österreich ausgerufen und Wien selber mit einer französisch-bayerschen Belagerung bedroht war. — Den Probst RoSner zeichnete auch eine besondere Sorgfalt für die geschichtlichen Denkmahle von St. Dorothee aus. Er ließ alle die alten Grabsteine sammeln und zeichnen und gab hie- Das C h o r h e r r e nsti ft St. Dorothea, ng durch ei» Beyspiel dessen sachkundige Nachahmung/ manchen unersetzlichen Verlust für Geschichte und Al- lerrhumskunde, Genealogie und Heraldik abgewendet haben würde, ch den i 5 . Nov. >769. XXVII. Jgnaz Müller von Feldsberg gebürtig, nach der Aushebung der Jesuiten der großen Theresia Beichtvater und Zeuge ihrer letzten Stunde, f 21. Aug. 1782, woraus St. Dorothea m i tKl 0 ster- neuburg vereiniget, die-Kirche entweiht, im Stiftsgebaude das Versatzamt untergebracht und aus den Gebäuden nachmahls vom Klosterneuburger Probste Gaudenz Dunkler, der neue Klosterneuburger- h 0 s (der allere steht in der Renngasse; der älteste vor dem Schottenthore ging in der ersten türkischen Belagerung zu Grunde) und eine neue Gasse als Fortsetzung der Plankengasse, zur unmittelbaren Verbindung der Spiegel - und Dorotheegasse hergestellt wurde. Die auf Klosterneuburg übergegangenen Hauptkörper von St. Dorothee waren: die Grund-und Ortsgerechtig- keit von Überstockstall im V. U. M. Bi, Rauchen- wart, Neustist und Gersthof im V. lt. W. W., ein Wald bey Kalksburg, die Wulzendorfer und Göllers- dorfer Zehenden. Unter den geschichtlichen Denkmahlen von St. Dorothee verdienen die Grabmähler um so mehr einer Erwähnung, da sie manche hochverdiente Männer und Geschlechter verewigen sollten und gleichwohl unsern Blicken und nur allzuschnell auch dem Gedächtnisse entschwunden sind. — Den Reihen darunter führt das Grab jenes freundlichen Nachbars von St. Do- i2o Das C h o r h e r r e n si if t St. Dorothee. rother, des Grafen Niklas Salm, des Heldenkühnen Vertheidigers dieser Stadt wider den gro- s;en Sul e yman. Es wurde ihm durch C a r l V. und Ferdinand I. errichtet und schon in Wolfgang Schmel- zels Lobreim auf Wien erwähnt: Die O o r o t h e e r ha'n ein schön'S Kölsterlein, Gepaut inwendig wie ein schrein, Darinn Graf Niklas von Salm Grab, 21» welchen d u magst nemen ab, Wie viel schlacht vnd ehrlich that Der Edle Graf begangen hat. Als er aufder Augustinerbastey nächst dem Kärnth« nerthore, neben seinen Freunden Rogendorf und Katzianer, im lehren Hauptsiurm, durch einen abspringenden und den Schenkel zerschmetternden Stein, iin glorreichsten Augenblicke seines Lebens, die Todeswunde erhalten (14. Oct. i52g), war die Verfolgung des Feindes, Salms einziges Augenmerk. Er hoffte durch die Schütt, Gran, vielleicht sogar Ofen vor dem Feinde zu erreichen, schickte seine leichten Reiter rasch durchs Marchfeld voraus und ließ sich, trotz seiner schweren Wunde, trotz des Verbothes der Arzte, trotz des Flehens der Seinigen, eiligst in einer Sänfte nach Marcheck bringen, nach dem ihm besonders lieben Salmhof(X. 204), dort aber hauchte diese patriarchalische Riesennatur aus dem germanischen Urwald der Ardennen, aus einem Geschlechte, das mit hoher Wahrscheinlichkeit bis in die Merowingenzeir zurückgeführt werden mag, im 71. Jahre einer glorwür- digen Laufbahn, den letzten Odem aus. Das Chorherrenstift St. Dorother. i2» Die Leiche wurde nach Wien, nach dem, seinem Hause so nahen Sr. Dorothee gebracht. —Das kaiserliche Brüderpaar Carl und Ferdinand beschloß, den HeldcngreiS, dessen Nahmen seit einem halben Jahrhundert fast an jeden großen Tag festgeknüpft war, durch ein würdiges Denkmahl zu ehren. Es stand vor dem Hochaltar der Kreutzkapelle; ein länglichter hoher Sarg aus grauem Marmor auf drey Stufen. Auf dem Deckel knieet der Held, lebensgroß in vollem Harnisch, in der Rüstung seiner Kürriffer, die mit ihm bey Pavia gestrirten, das große Schlachtschwert am Gürtel, den Helm auf dem Haupt, die Lanze hinter sich gelehnt, die Hände aufhebend gegen das vor ihm stehende Crucifix, an dessen Fuße der Wappenschild von Salm lehnt, die beyden mit dem Rücken widereinandergekehrten Salme, der Grund mit Kreuzchen besäet, die weiß und rothe Wappendecke vom offnen Helme herunterwallend, der Fürstenhut, das Abzeichen uralter freyer dynastenmäßiger Abkunft: Oben gegen das Cruoifir flattert ein Zettel „Tibi soli gloria die Losung des frommen Helden: — die Inschrift lautet: Dis. Man. S. — Incomparabilis Heros , N i- colans Comes aSalm. Divi Ferdinan- di Rom. Hang. ac Boem. Regis. Archid. Aus- triae, ab arcanis consiliis , Cubicular. et Supremus Provinciarum terrae Austriae Capitaneus. Quum D. Fridericus Rom. Imperator Dux Sigismund. D. Maximilian. Rom.Imp. Philippus Rex. Carolus V. Rom. Imperat, et >22 Das Chorherren st ist Sr. Dorothea Ferdiuandus Rom. Caesar. Angusti Fratres rerum potirentur, eorum auspiciis, reip. annis XLV1. fortem atque strenuem operam , domi militaeque navavit. Anno porro Dni. MDXXIX. Solyma rio Turea rum Tyranno, Vie- nam obsessam atrociter oppugnante , dum dirutis moenibus invictum generosi animi robur, pro muro hostium minis opponit, saxo percussus letale vulnus accepit. Divus Ferdinandus pater patriae, virtutis rerum que gestarum gloriae ergo, hoc ei moumenfum fieri curavit. Oh iit IV. die mensis Maji An. Dni. Jesu Salvatoris MDXXX. virtutem posteri imitantor! — An den vier Seitenwänden des Sarkophages befinden sich zwölf Basrelief mit des Helden vorzüglich» sten Kriegesthaten: >.) Schlacht bey Creazzo im vi- centinischen Gebirg, wo Aviano , VenedigS bester Feldherr/ das kaiserlich-päpstlich-spanische Heer unter Freundsberg und Salm/ Colonna und Pescara eingeschlossen und in die verzweifeltste Lage gesetzt/ dieses aber sich dennoch durchgeschlagen und das Heer der Venediger vernichtet hatte. 2 .) Schlacht bey Tokay ( 2 ,. Aug. * 527 )/ die Ferdinanden Ungarns heilige Krone sicherte und den Gegenkönig Johann Zapolya nach Siebenbürgen vertrieb. 3.) Schlacht bey Pavia an Carls V. fünfundzwanzigstem Geburtstage (25. Febr. >525)/ wo Franz 1. aufs Haupt geschlagen/er der König selbst von Salm verwundet/ sein Pferd erstochen und er gezwungen wurde, sich dem Mcekönig Lannoy zu ergeben, zu wessen Andenken Salm des Königs Das Chorherrenstift St. Dorothee. 128 langen Panzerstechcr mir schwarzem Griff und Handkorb erhielt, der lange bey der Familie aufbewahrt, 1817 aber vom Altgrafen Hugo Franz zu Salm - Reif» ferscheid, dem vorzüglich durch ihn gegründeten Fran- zensmuseum in Brünn sammt der Rüstung des Helden Salm überlassen wurde. Eine andere Rüstung bewahrt die Am Krasser Sammlung. 4.) Entsatz von Erlau (Decb. >527). 5 .) und g.) Wien durch den großen Suleyman belagert durch Salm und Rogendorf vertheidigt. 6.) Schlacht bey Bicocca (22. April ,522) wider den Marschall Lautrer und die Schwei- tzer. 7.) Die Eroberung Friauls (i 5 og.) 8.) Veronas heldenmüthige Vertheidigung durch Freundsberg, Salm und Colonna und der Entsatz durch Rogendorf und Liechtenstein (i 5 i 5 .) 10.) Schlacht bey Szinye (» 5 . März 1626) wider Zapolya n.) Schlacht bey Murten (22. Iuny 1477) wit den Schweizern wider Carl den Kühnen von Burgund, »r.) Tokay genommen. — Die Zwischenraume dieser historischen Tableaup füllen zehn Medaillons mit den Brustbildern der Fürsten, denen Salm gedient: Friedrichs jIV. , Maps 1 ., seines Sohnes Philipp, Carls V. und Ferdinands I., Sigmunds von Tyrol und Ferdinands des Katholischen, dann nebst seinem eignen, jene seiner Waffengenossen, Bourbon und Freundsberg.— An diesem herzerhebenden Denkmahl kaiserlicher Dankbarkeit, stiftete einen ewigen Jahrstag nach St. Do- rothee: „Frau Elisabet, wailand Grafen Niklas von Salm des ältern Wittib, geborne Freyinn von Rogendorf, am 26. Sept. i 55 o aus ihrem Hauptgur i 24 Das C h o r h e r r e n st i f t St. Dorothee. von tausend Pfund Pfenig , so bey Sebastian Huet- stocker, röm. kaiserlichen Rath Pürgermaister und bey gemeiner Stadt Wien anliegen.'' — Der Mutter Stiftung mehrte ihr edler Sohn Wolfgang, Dom- probst und nachmals Fürstbischof zu Paffau, eines solchen Vaters würdig, in Italien, in der Schule der Medicäer, bey den Wundern des ewigen Rom gebildet, der vorzüglichsten lebenden und todten Sprachen mächtig, bewunderungswürdig in seznen Bauten, im Wohlthun unermüdet, stäts von Gelehrten und Künstlern umgeben, von Carl und Ferdinand mehrmahls als Reichsvicekanzler begehrt, der erste Vermittler der wüthenden Erbitterung beyder Religionsparteyen durch den, in seinem Capitelhof abgeschlossenen Passauer Frieden. — Sollte St. Dorothee einst „verödet" werden, heißt es in jenem Brief, so sollte der Salmische Jahrstag und die damit verbundene Armenspende, »ach St. Michael übergehen. — Als St. Dorothee aufgehoben und mit Klosterneuburg vereinigt, die Kirche entweiht wurde, ließ der letzte Graf von Salm - Neu- burg das Mausoleum nach seiner mährischen Herrschaft Oppatowitz bringen. Als 1784 die Salm - Neuburgsche Linie erlosch und ihr Besitzthum durch drey Tochter in die Häuser Lamberg, Herberstein und Czer- n i n überging, kam dieß Monument des berühmten Vertheidigers von Wien, an den Ältesten der nächsten Salm'schen Linie, den Altgrafen, seit 1790 Fürsten Carl von Salm - Reifferscheid, Herrn der mährischen Herrschaften Raitz, Jedownitz und Blansko. Es be- sindet sich annoch in Raitz. Wir können nicht um- Das Chorherrenstift St. Dorvthee. 125 hin, den schon ein Mahl (X. 2o5) ausgesprochenen Wunsch zu wiederholen, dieses Denkmahl möge aus dem fernen Land und von dem fremden slavischen Volk, dem der Held und seine Thaten gleichfalls fremd sind, wieder nach Wien zurückkehren und zwar dahin, von wo der erste Lobgesang dafür emporstieg, daß durch den alten Salm und seine Helden, nicht nur eben dieses theure Wien, sondern ganz Österreich und Deutschland und vielleicht der schön» ste Theil des mittlern Europa vor einer neuen Barbarey gerettet worden sind, in den Stephansdom, von dessen mächtigem Thurme, Salm so oft, (wie i54 Jahre nach ihm Rüdiger Starhemberg) der furchtbaren Gefahr ins Auge geschaut. Nebst der Erbgruft der Grafen von S a l m- N eub urg (jene der Salm - R risse rsch e i d ist bey den Schotten) waren bey St. Dorothee, mehrere ausgezeichnete Begräbnisstätten. — Hier lag Lienhart der Rattenberger, einer der Getreuesten Albrechts V. ch i 423 ; Stephan Reus, ein berühmter Rechtsgelehrter und MarsI.Kammerprokurator, -Hi5i4; sein Nebenbuhler Magnus von Hamburg, ch i5io; der Kammerrath Erasmus Baumkircher, f i558; einige Herren von Liechtenstein der Steycrer Linie zu Murau; einige vom mährischen Hause Boskowitz und C z e r n a h v r a, die zu Wien mährend des Fremdlingsjoches Mathias Corvins sich Macht und Reichthum gegründet; Wolfgang Hämmerl, Pfleger zu Rauhenstein und Maps I. Geheimschreiber, der nach seiner Gattinn Tode, hier Chorherr geworden und sein Va- i 2 ß Das C h orh e rr e n stift 0 t. Dorotl) ee. rer Hieronymus Hammerl Sekretär desselben Kaisers und seines Ministers; Matthaus Lang, Cardinal von Gurk, nachmahls von Salzburg; Ludwig Schönebner Bischof zu Chiemsee, der zweyte Stifter von St. Dorvthee, der i5o2 nach abgelegtem Bisthum i» dieses Stift getreten und es mit einer Reihe von Wohlthaten begabt, ch 4> Dec. i5i6; die Freyherren Egg von Hungersbach, von Kreyg und Feistritz, von Eibischmald, Schnelldorfer, Spiegelfeld Khevenhül« ler, Welzer Son Frauenstcin, Stickelreiter, Hofherr von Herstein, Anna Hagkhl, geborne Mordax von Pottendorf, Freyherrn Pögel, Prandau von Sche- nach, Wolf Graswein von Weyer. Der Stein seines Bruders Lukas Graswein, Regenten zu Wien f 5. Jänner. i 546 und seiner Gemahlinn Barbara geborne von Leinz, Witwe des obersten Kanzlers Leonard Harrach zu Rorau wurde auf Verlangen des Reichs- hofrathspräfidenten, Grafen Ferdinand Harrach 1^55 in die Capelle seines Hauses übersetzt. Magdalena HegenmüllergeborneWeitmayr, GattinnJohann Ru- perts Hegenmüller, von Dubenweiler und Albrechtsburg Landuntermarschalls, geheimen Rathes und Gesandten Rudolph's, Mathia's und Ferdinand's !I. Barbara von Spangenstein Gemahlinn deS berühmten Staatsmannes, Gelehrten und Reisenden, auch um die Stadt Wien hochverdienten Hieronymus Beck von Leopoldsdorf ch 22jährig i558; Judith Freyinn von Strein zu Schwarzenau, geborne Gräfinn von Pofing und St. Georgen ch iö5c>; der berühmte Dominikaner Cithard nachmahls Probst zu Leitmeritz, Hof- Das Chorher renstift St. Dorothee. »27 -predig«FerdinandsI. »ndMaps II.,der sich in seinen -letzten Tagen nach St. Dorothee zurückgezogen und 3o. Oot. i566 daselbst f; die Erbgrüfte der Grafen von Herberstein, Puchheim und Khuen, insonderheit des Anfängers ihres hoher,, Glückes, Rudolphs von Khuen und Belast auf Lichtenberg und Gandeck, Map's II. und Rudolphs II. geheimen Raths und Oberststallmei- sterS ch i58i. Ferdinand GrafNogarola, Herr auf?llt- spauer und Ehrenfels', Feldherr in Obernngarn, Gou» verneur zu Raab ch 11 . Kebr. ,5go; die beyden im Zojährigen und in den ungarischen Kriegen berühm- ten Buchheime, Vater und Sohn, beyde Johann Christoph genannt; des alten Niklas Salm Sohn und Enkel, Beyde Ritter des goldnen Vließes, und Lo- cumtenenten in Ungarn. Der Sohn war Oberstkämmerer, Gesandter an den großen Suleyman, Hauptmann ju Preßburg, der Enkel Gränzobrister zu Kani, scha, Überwinder des gefürchteten Arslan Bey, ein heldenmüthiger Vordermann im Enrsatze Pallotas, im Sturme von Toris und Vesprim. An der Wieder- eroberung von Ofen, hinderte ihn nur sein allzufrüher Berichtigungen. Seite 54, Zeile g soll es heißen: sich weder in die Bese» tzung >c. j,i mengen. Seile 42, Zeile 15 soll es. heißen, bey Erdbcrg auf dem Grunde der jetzigen Rauchfangkehrergasse und des rasumows» kyschen Gartenpallastes. Seite 57, Zeile 14 soll es heißen: am 4. Lebr. >255. Seite 51, Zeile is milde statt wilde- Urkunden buch. ll. Iahrg. Denkwürdigkeiten. i.Bd. Z.Hcft< Et Documenta damus! — — — — — — Ovid. Metamorph. I. I cxcv. Kaiser Fridrich II. schenkt dem heiligen Geist- und St. Antons-Spital zu Wien, das Patronatsrechl der Pfarrkirche zn Memmingen- Worms am rZ. April iai5. Fredericus. Secundus. Dei. Gratia. Romanorum. Rex. et Semper. Augustus et Rex. Sycilie. Regi Regum deo omnipotenti placere credimus et ad utriusque uite nobis prodesse felicitatem, si commodis locorum que di- uinis mancipata sibi obsequiis prouidere curauimus et de collalis nobis a deo manum ipsis porreximus largitatis. Animaduertentes igitur multam relligionem pariterque honestatem domus hospitalis mirifici confessoris dei sancti Antonii site in diocesi Viennensi quod que pauperibus Christi in loco eodem innumera caritatis beneficia liberaliter erogeutur, vniuersis Imperii fidelibus tam preseutibus quam futuris duximus innotescendum, quod nos eidem domui hospitalis in subsidium sustentationis ibidem languentium hominum pro salute nostra et remedio animarum progenitorum nostrornm donauimus et perpetuo proprietatis titulo possidendum confirmavimus Jus patronatus ecclesie nostre de Memmingen in diocesi Auguste n- si constitute, cum dote et hominibus utriusque sexus ad ipsam pertinentibus ecclesiam et cum vniuersis iusticiis suis et rationibus sicut progenitores nostri eam possederunt et nos quoque ipsam hactenus tenuimus et possedimus, statuentes firmiter ut prelibate domus ho- spitalis sancti A n t o ni i fratres, quonam ecclesiam eandem per manum fratris Bosonis etsi contraditam transmisimus , liberam de ipsa omni tempore pro utilitate sua disponendi habeant facultatem. Ad huius autem donationis et confirmationis nostre robur perpetuum , hanc 9 * IV urku nde nbuch. paginam exinde conscriptam Sigilli nostri charactere jussimus communiri. Testes hii sunt; Sifridus Maguntinensis Archiepiscopus Apostolice sedis legatus. Conradus meten- sis et Spireusis episcopus imperialis aule cancellarius. Liupoldus Wormacensis episcopus Comes Albertus de Euirstein. Bertholdus de Nissen et Heinricus filius eius. ■Wernherus et Philippus fratres de bonlandia, et alii quam plures. Datum Wormatie Anno dominice Incarnationis , Millesimo CG. XV. xi. kl. Madii. Indictionis 11. CXCVL DirmiciuS Abt von U. L- F. Kloster bey den Schotten zu ^ Wien gibt dem Kloster St- Georgen zu Herzogenburg j einen Baugrund zu Wien vor der Stadt um sechs Ta> lente und um einen jährlichen, auf Michaelis zu entrichtenden Jahrszins- 1233 . In nomine sancte et individue Trinitatis Amen. Notum sit universis Christi fidelibus tam presenti etati, quam et future posteritati quod nos Dirmicius Dei gratia Abbas sancte Marie Scotorum in Wienna cum consensu et bona voluntate tocius nostri conventus Prepositi sancti Georgii et ipsius conventui per interventum et instan- ciaru sui celarii Engelschalci aream quandam juxta dimidiam aream quam Martinus Scriba, nuper a nobis obtinuit contulimus ad jus Emphyteoticum, tali pacto ut ad manus VI Talenta nonis persolvant, et in festo sancti Michahelis aunuatim XII solidos nobis solvant, et si ne- gligerint solvant duplicatam pensionem, adhibita etiam et tuli condicione« ut priusquam aliquid edificcnt in arca dicta murum inter vineam et aream edisicient ad altitudinem muri protensi a Scutario usque ad aream Zeleubi in vinea dicta. Excipimus etiam ut nou audeant eandem aream nec vendere nec obligare nisi nostra primitus yo- V u r k II II de n b u ch. iuntas requisita fuerit et abtenta. ut autem hoc scriptum nullo salsitatis scrupulo possit debilitari. Cedulam pre- sentem sigilli nostri uec non capituli nostri munimine jussimus roborari. Hujus testes sunt. Abbas Felix pre- positus. Felix magister vinearum, et totus conventus. Zeleubus Jacobus filius Widonis* Martinus Scriba, Chunradus hospes. Meinhardns officialis noster. Otto Prew. Ditricus et Wernhardus et Chunradus fratres de Nu/.- dorf. Chunradus et Kalhohus de Sancto Georgio. Wi- sinto et alii quam plures. Acta sunt hec Anno Dominice incarnacionis MCCXXXIII. CXCV11. Gerhard , päpstlicher Caplan, Domherr zu Passau und Pfarrer zu Wien gibt dem von ihm errichteten Frauen- kloster zur Himmelpsorte in Wien, den Weingarten Lembs zu Grinzing. Wien 4, Februar 1271. Omnibus christi fidelibus presentem litcram inspec- turis. Ger h ardus solo nomine dictus Magister canonicus ecclesie Patauiensis, plcbanus wienneasis et domini pape Capellanus, salutem et orationes in domino sein* piteruas. Quoniam facta mortalium , facile labuntur, a memoria, et ea que quandoque bene fiunt, ex oblivione, a posteris subuertuntur. Ideo ego dictus magister. G, prefatus, notum esse cupio, tam presentibus quam futuris, quod pro salute principis terre, patauien- sis Episcopi ple 1) ani w ienueus is, Sociorum ipsius, et viuorum christi vniuersorum et expiatione delictorum, pro redemptione animarum, .scilicet Leup* poldi et Friderici Ducum Austrie et Bertholdi quondam patauierisis Episcopi, qui m i c h i wi en u ensem contulit parrochialem ecclesiam, paren- tumqne meorum et proximorum ac omnium michi commissorum , Monasterium scilicet de porta Celi, * VI U rkII» deIIb II ch. pro virginibus wienne construxi, Prot^stans quod Sororibus prefati Monasterii, que suo michi dumtaxat, extitcrunt tempore obedientes , et fratribus de Jerus (Geras), deo et eisdem ibidem tantum iugiter famulantibus, quandam vineam dictam Lembs , in Grin- cinge sitam , quam a domino Ottone de foro pro Centura, et decem Marcis Argenti puri wienensis ponderis coraparaui. pure contuli propter deum vsufructu dum vixero in eadem michi vinea reservato. Ke vero super lra- lusinodi collacione aliquibus in posterum dubietatis scrupulus possit oriri, presentes literas feci conscribi, ac venerabilis patris domini. Ve* abbatis de Jerus (Getas) atque mei, Sigillorum munimine roborari. Datum» wienne, Anno domini Millesimo, CC. LXX. primo, pridie nonas ffebruarii. presentibus preposito de pernekke. firatre meo Magistro. Th. plebanus de polan, et. O. ple- bauo de Muibach. qui etiam ad meam instantiam exsuper babundanii, eorum sigilla rogati presentibus appenderunt, CXCVI1I. Zeugnißbrief der Häupter der Stadt Wien, Meister Cvnrads von Tuln, Kammergrafen und Landfckrei- bers, Heunlo von Tuln, Richters, des Bürgermeisters Palkram vom Stephansfreithof und der gesammten Wiener Bürgerschaft, daß die Bruder Heimv und Otto das Haus des Wienerbürgers Wirnto, zur Wohnung für die Capläne der Capelle unserer Frau am Gestade (Mariastiegen) angekauft, und die Gewährleistung gegen die allfälligen Ansprüche des Abtes zu den Schotten übernommen haben- Mien den 27. Febr. 1276. Jn nomine sancte et indiuidue trinitatis amen. Cum rerum gestarum series litteris inseritur, vniuerse caJump- nie et controuersie preuenitur materia, ne prestetur litis occasio successori. Üos igitur Magister Chvardusa VII urkund » ribuch. de Tvlua tunc comes Camere et scriba per Au striam. Hcvnlo de Tvlua tunc Judex. Paltramus ante Ciiuitcrium. et Vniuersitas Ciuium Ciuitatis Wienneusis, Adnotitiam vniuersorum tam presencium quam futurorum Yolumus perueaire, quod "Wiernto, Cinis Wieanensis Domum suam infra domum Alberty dicti Zabel, ct domum Alberonis, longi situatam vrgente necessitate propter quedam debita que contcas- cerat dum adhuc viuerefc, vxor sua sicut coram Judice liabuudanti, et sidedigno testimonio aprobauit, de con- sensv et voluntate omnium heredum suorum, pro summa Trigiutaseptem talentorum vendidit, eo iure ac libertate, sicut ipse Wicrnlo a retroactis temporibus habuit et possedit, de svmma etiam denariorum supradictorum ia integrum est pagatus, ct hoc permanum ct assensum do- miuj Heinrici Camerari], qui eiusdem Domus est Juris ciuilis dominus et porrector. Que domus ab heredibus domini Ottonis filij Haymonis felicis znemorie. Heymone videlicet et Ottone, Cappelle sancte Marie superlitus pro Cappellanis et Clericis ibidem deo famulantibus, et psallentibus, «st de patris eorum elemosina et remedio couparata, que elemosiua pro sacristia prefate cappelle facienda fuerat ordinata, per dominum Otto ne m filium Haymo- nis pie memorie in sua vltima voluntate, vt sacerdotes eiusdem Capelle, in eadem domo exnunc in antea perpetuo resideuciam habeant corporalem» Si autem domi«* nus Abbas Scotorum qui tunc pro tempore fuerit, occasione collationis iam dicte Cappelle ipsam domum quondam Wirntonis sue Jurisdieioni addixerit, uel attraxerit , sui iuris, asserens ipsam esse, extunc consilio decreuimus de communi, quod ipsi heredes Haymo et Otto. et eorum quilibet successores, ipsam domum «ne attrahant potestatj , non sibi vendicando ius in ipsa, do- •uec ipse dominus Abbas Scotorum et Couucntus, liti VIII u r k un d e n b uch. cesserint; et quod in eadem domo habere se astruunt in integrum et in totum renuncient omnj iurj. Vt autem hec aput presentes et posteros, robur perpetue obtineant firmitatis , presentem litteram , Sigillorum nostrorum appensione fecimus consignari. Huius rei testes sunt. Dominus Heinricus de Gotteinsvelde. Paltramus ante Cijmiterium. Paltramus. Pilgrimus. Petrus etHeinticusfilij eius. Chvno quondam Magister Monete Wiennensis. Levpoldus et Ditricus in Alta Strata. ‘Wfernherus dictus Speismagister, Sifri- dus Laevblo. Willehalmus Scherandus. Eberhardus Schar- caer. Tyemo, Pilgrimus et Georius. fratres Chriglarij. Chvnradus Hesncr. Chvnradus Vrbaetsch, Levpoldus de quinque ecclesiis. Ernestus institor» Levpoldus Pilhtor- ser. hvgerus. Paltramus et Vlricus fratres in foro ligno» rum. Arnoldus. Johannes, et Mangoldus, Notarij et quam plures alij sidedigni. Datum et Actum Wienne, Anno domini M. CC. LXXVI. Tertio. Kalendas Martii. Jndi- cione Quarta. CXC1X. Conrad der Priester und Leopold der Verweser des Vür- gerspitals bekräftigen den Verkauf eines dahin dienstbaren Weingartens unter Mitwirkung der mächtigsten Bürger WienS, der in den Unruhen zwischen Qttokar und Nudolph und Friedrich dem Schönen berühmten Baltram Vatzo, Otto und Haymo rc. (Gegeben Wien, Unter der Bürger Jnstgel den 2. Febr. 1297.) 2ch C h u n r a t d e r P r i e st e r bey den Zeiten Mai- ster der Bürger Spital zu Wienne, vnt ich Leupolt an dem Chienmarchet, Herrn Herbortes Sun weilent von santP selten bei den Zeiten Verweser desselbenSpi- tals, Wir vergehen, vnt tuen kbunt allen den, die disen Brief lefent, vnt hörrent lesen, die nu lebent vnt hernach chunftich sink, daz Herr Heleweich der Briester der Pfarrer von WeymarS IX u r k un d e II b II ch. nette < treu Phunt Geltes gechauffet hat auf einem Weingarten, der ist gelegen innerhalb der Wienne hinter der Bürger Spital, datze Fron Geiseln Herrn Trautmans Tochter vor Eherner Puritor, vnt habent darzu allen iren Edint ir Gunst unt ir Willen gegeben, an ainen Sohn der haizzet Otte, der was die weil inner Landes nicht; für desselben Sunes Ansprach hat die vorbennnt Frove Fro Geisel vnt iren Ehint rechten Schcrm gelobt, wan sie sein vor rechter ehafker Not nicht verspant mochte, sie muest denselben Gelt verkauften vnt hat auch der vorbenant Briester Herr Helnweich gelobt der vorbenannten Frawen Fron Geyseln, vnt ir Chinden, swanne daz ist, daz Sie oder iren Chint denselben vorbenanten Gelt wider loefen wellenk, so soll in den ze loesen geben reht, als er in daize in gechanffet hat ain Phunt Geltes nmb acht Phunt, vnd die ander» zwai Phunt umb achtjehen Phunt; Wier beschaiden auch daz, daz man ain Phunt denen soll je Weihnahten, ont daz ander an saut Jörgen Tag, vnt daz dritte ze saut Mychhcls Messe. Daz diesen Rede vnt dieser Chauf also stete sei, vnt Bestichait hab, vnt vnuerwandelt bcleibe, darüber habe Wir dem vorbenanten Herrn Helnweigen gegeben, vnt auch seinen Schwestern Visen Brief zu einem Vrkunde vnt zu einem Bezeuge diser Sache, vnt haben in den bestetiget versigelten mit des vorbenanten Spitales Jnsigel, vnt auch mit der Bürger In s igl ze Wienne, Des sint gezeuge, Her Greifte Herrn Otten Sun, her Ha ym vnt sin Brueder her Otte, her Chnnrat der Huebmaister, daz sint Ritter, her Chunrat der Polle Bürger Maister, her Paltraw der Vatz, her Ehunrat der Hcßncr, vnt die andern Bürger, die do des Rates warn, vnt dar zu dise beschaiden Leute, die do u m d a s S p i t a l g e se z j c II lv a r e n, daz ist der Vinch , der Herscheftel vnt der Freunt, vnt ander frum Leute genuege, Diser Brief ist gegeben ze Wienne, do von Christes Gebuert warn Tausend zwai hundert Jahr, vnt in dem siebenten und Neunzi- gisten Jahr an vnser Frowen Abend ze der Liechtmeffe. cc. Elisabeth von Rauhenstein, die Schwiegermutter des mächtigen Albero von Khuenring, vertauscht mit dem Kloster U. L. F, zu den Schotten in Wien, ein Gut zu X Urkunden buch. Zellerndorf um ein anderes in Scharbarn in Beyseyn der edelsten Ministerialen Ostreichs und mehrerer aus den mächtigsten Bürgern Wiens, Conrads des Haar- markters, Ottos und Haymos, Conrad und Heinrich Gebrüder Breitenfelder. Seefeld 19. August 1*99- Psos Elyzabet de. Rauchenstain tenore pre- senlium publice profitemur, quod una cum voluntate bona et consensu Agnetis fili e nostre et generi nostri dni Alberonis dicti de Chvn ringen maturo etiam pre« liabito consilio, dimidium predium quod habuimus iu CelcJerndorf, quod proprietatis jure ad nos pertinebat, de quo dimidia libra et nouem denarij usualis monete singulis annis censualiter persoluebanlur, in modum con- cambij et permutationis donauimus libere et dedimus cum omni jure, quo ipsum habebamus honorabilibus viris domino Willi, venerab. Abbati et Conuentui Ecclesie 8. Marie Scot horum in Wienna pro quodam predio alio dimidio, quod in Scharwarn ijdem' domini habuerunt , de quo quidem predio dimidio quinque Solidi denariorum monete predicte occasione census annui per- solueiitur. Ceterum obligauimus nos in solidum una cum filia nostra et genero nostro perdicto elheredibus ipsorum, pro facienda defensione et tuitione ipsis Dnis. Supra scriptis saluos eos reddendo penitus et liberos ab omni gravamine seu impeditione, que ratione dimidij predii prefati in Celderndorf ipsis a quibuscunque hominum possunt in posterum suboriri. Hujus vero permutationis et facti testes sunt viri nobiles et honesti, duus Leu- toldus de Cbunringen pincerna Austrie, dnus Calochus de Ebersdorf Camerarius Austrie, duus Wuluingus de Kerowej dnus Chunradus de Potpndorf, dnus Otto de Hasclhowe ministeriales, dnus Ber- noldus de Telesprunc, duus Chunradus Honnar* XI ustunden buch. g li a r i u s , dnus Otto et H a i m o fratres, dnus Chuuradus et Haiaricus fratres dc Praiten- felde, dnus Vir. filius magistri monete milites et alii quam plurimi fide digni. In cujus etiam rei testimonium et euidentiam firmiorem presentes litteras sigillo nostro et generi nostri domini Alberonis predicti Sigilli munimine fecimus communiri. Datum in Seuelt Anno Domini MCCXCVIIII. XIIII. Kal. Septembris. (S.P.) (S. P.) CCI. Erzherzog Rudolph IV. läßt die von seinem Vater, Albrecht II. zu bauen angefangene, von ihm aber vollendete und dotirte Capelle, zu Ehren der heil. Dorothea weihen, und in dem Altar mehrere Reliquien)verschließen. Wien den 25. May i36o. NosRudolfus quartus, dei g r*a t i a P a 1 a t i- nus Archidux Austri e, Styrie et Karinthie, PrincepsSweuie etAlsacie, Dominus Carniole, Marchie, et Portus naonis, Nec non sacri Romani Imperii supremus magister Venatorum, primogenitus Illustrissimi principis quondam domini Al- herti Ducis et principis terrarum praescriptarum, Notum fieri cupimus per presentes, Quod nos pure propter deum, ob nostre, nec non preclare Katharine, nate serenissimi Domini Karo ii, Romanorum Imperatoris semper Augusti et Boemie regis, nostre conthora- lis ac Illustrium Friderici, Alberti et Leupoldi Ducum, germanorum nostrorum animarum Salutem , hanc Capellam per memoratum genitorem incoatam eoque Deo volente sublato de medio, per nos constructam totaliter et dotatam — Ipsam ad honorem Beate / XII u r kIIIId e n b u ch. Tliorotliee virginis, sancte Katlierine virginis et mar- tiris , omnium Apostolorum , Archangelorum et Angelorum Dei, ac sanctorum omnium et civium supernorum fecimus consecrari et Reliquias presentibus adjunctas huic Altari ioseri fecimus et includi. In cujus rei evidens testimonium presentes nostro ducali minori Sigillo fecimus communiri. Actum ct Datum Wienne proxima seria secunda post diem Sanctum Peuthecosten, qui luit dies sancti Urbani Pape,, Anno domini millesimo, trecentesimo sexagesimo, Indictione tertia decima Etatis nostre Anno vigesimo primo, Regiminis vero secundo. •}• Nos Rudolfus dux predictus, hanc paginam subscriptione manus proprie roboramus f CC1I. Johann , Domprobst zu Wien, verleihet an den Domdechanten Jacob die Katharinen - Capelle auf St. Ste- phans-Freithof. i368. Nos Johannes 'dei et Apostolice Sedis gracia Prepositus Ecclesie Omnium Sanctorum alias Sancti Ste- phani Wyenn ad Sedem predictam immediate pertinentis Pataviensis Dyocesis honorabili viro domino Jacobo Decano Ecclesie nostre predicte Salutem in domino.... Certam de vestris virtutum el probitatum meritis habentes fiduciam de Capella Sancte Katharina sita in curia Canonicali ipsius nostre Wyennensis Ecclesie predicte de jure et facto vacante cuius provisio ad nos pleno jure pertinere dinoscitur vobis duximus providendum etc. Dat et actum Wyenne Anno Dni. Millesimo CCC. sexagesimo octavo seria tertia proxima ante Lucie virginis. u r k u n d e n b uch. XIII CCI1I. Schirmbrief Herzog Leopolds von Österreich für das Fcauenkloster St- Lorenz zu Wien- Wien den 29. August 1410. Wir Leupolt von goteS gnaden Herczog ju Österreich zu Steir je Karnden vnd ze Krain Graue ze Tyrol rc. Bechcnnen. Daz wir angesehen vnd bedacht haben solich lieb Andacht vnd gute Gnade, die weilent die Hochgebornen Fürsten Herczog Rudolf vnd Herczog Albrecht geprüder Herczoge» je Österreich rc. unsern lieb Bettern lobleichec qedächtnüss gehabt habent zu dem Goczhause vnd der Stifft des Frawn Klosters Sand Laurenczcn hie ze Wienn Prediger Ordens» als wir des mit Iren briefen kuntleichen vnderweiset sei» , vnd haben als ain Nachuolger guter dinge vnd zevördrist durch Got vnd auch vnser vnd vnferer Dordern vnd Nachkäme» Seelen zu haile und tröst das egenante GoczhauS mit allen seinen leutten vnd guter», die darczu gehörent in unser funder gnad vnd scher» men genomen, vnd nennen auch wissentlich mit dem brief, vnd mannen, das bey allen seinen Rechten Freyheiten gnaden , vnd guten gcwohnheitten genadikleich zu schirmen vnd zu halten zu dem Rechten vor allem gemalt und Anrechten als das von alter herkämen ist vngeuerlich. Dauon gebieten wir vnsern lieben ge» trewn — allen Herren Rittern vnd Knechten Phlegern, Burggra» uen, Bürgermeistern, Richtern, Bürgern vnd andern vnsern Un» vertanen, geistleichen vnd weltleichen den der brief gezaiget wirdet» vnd wellen ernstleich daz Sy In die Priorin, vnd das Conurnt des cgenanten Gotzhauses lassen empholhcn sein, vnd Sy bei allen Iren egenanken Rechten Freyhaitten, gnaden vnd guten ge» wonheitren als die Ir egenanles GoyhauS von alter gehabt vnd herbrachr hat, Destikteich schermen vnd halten zu den Rechten von vnsern wegen, vnd nicht gestatten, daz In daran yemand dhaincr» ley Irrung oder beschwärung tue in dhainwels Daran begeend Sy genczleich vnsern willen. Mit vrchund dicz briefs. Geben ze Wienn an Sreytag nach Sank Augustins tag Nach Kristi gepurde ivter- czehen Hundert Iare darnach in dem Gehenden Jare. XIV It rku >1 den buch. CC1V. Beatrix» geboriie Vurggräfinn von Nürnberg, Witwe Herzogs Albrecht III. von Österreich, gibt ihr Haus in der Raifstratze zu Wien, zur Stiftung eines Jahrtags an die Capelle St. Dorothe, behält sich aber den lebenslänglichen Nutzgenuß vor. Bertholdsdorf den 3- May i4i4- Wir Beatrix v on Nüremberg von gotes gnaden Herczoginn zeÖsterreich rc. Bekennen vnd tun kund öffentlich mit dem brief, für vns und vnser erden, daz wir ze »orderst durch gotS vnd vnserrScel hayl willen, dem Krsame» unserm lieden andechtigen Andreen Pharrerze Gors, des Hochgeborn fürsten vnsers lieben SunS vnd EnikleinS Herczog A l- brechtS, herczogn ze Österreich >c. Eantzler und der C appelle ndacz Sand Dorotheezu Wie nn, die er inn- hat, geschafft vnd geben haben, schaffen vnd geben auch wistent- leich mit dem brief, vnser Haws gelegen in der Raiffstraff Laselbs ze Wien» czwischen des Brobsts von Walthause» vnd hann- sen des Schweinpekh» hewsern, In selber mästen, daz wir das- selb haws selber innhaben nuczen vnd niesten füllen vnd mügcn vnuerkümert vntz an vnsern Tod. Wenn aber got über vnS gebcutt, daz wir nicht mcr sein, so sol es mit seinen Zugehörungen ledic« lelch der obgenanten kapelle» sein vnd darhu gehören onvnserrer- ben vnd menicleichS irrung vnd hindernussvngeuerlich doch also daz der vorgenant Andrer, oder wer dieselben fapellcn nach 2m inn- hat vnserr Seelen jcricleich ein gedechtnuss daselbs habe, mit einem ewign Iartag der gehalten vnd begangen werden sol, des nächste» tags nach Sand'Pcrers und Sand Pauls tag, des abents mit einer gesungen Vigili , und des morgens mit einem Secl Ampt mit gezünnten kertzen, vnd mit ander zier, die zu solchen Jartegen gehöret. Vnd daz auch sust all Priester die bey derselben kapellen wanhaft fein werdent, got steticgleich vnd vleistic- leich für vns bitten. Und des ze vrkund geben wir diesen offen brief bestgclt mit vnserm anhangendem Insigel, der geben ist ze Bcrchtoltsdorf am des heilig» krewczs tag, als es erfunden ist. Nach krists gepurd »iertzenhundert 2ar darnach in dem viertzehen- den Iare. urkuIIdeIIbu ch. XV ccv. Herzog Albrecht V. bestätigt die von der Herzoginn Beatrix an die Capelle St. Dorothe gemachte Schenkung des Hauses in der Raifstraße- Wien den 22. May ijiä- Wir Albrecht, von gotes gnaden Herczog ze Österreich , ze Steyr, ze kcrndn, vnd ze krain, Grave ze Tyrol ic Bekennen für vns v»d vnser erben. Als die Hochgeborn türstinn, fraw Beatrix von Nüremberg, Herczoginn ze Österr. rc. vnsre liebe fraw vnd Ane dem ersamen, vnserm lieben andcchtigenAndreenPfarrer zeGor^ vnserm kantzler, vnd der Cappellndacz Santdorotheen ze Wien», die er ynnehat, geschafft vnd geben hat, ir Haws gelegen in der Raiff Straffen daselbs je Wienn, zwischen des Brobsts vonWaltr hawsen, vnd Hannsen des Swempekchen hewsern. Daz wir zevor- derst durch gotes willen vnd nach derselben vnsrer Anen vleissig pet, zu solichen geschefft vnd der gab. vns gunst vnd verhengnuzz gegeben, vnd die bestetket haben, wissentleich mit diesem bricf In solicher maffe, wen die obgenant vnser fraw vnd Ane, mit dem tod abgeet vnd erstirbst, daz dann das vorgemeldt haws, deryetzgenantcnCap- Pellen, ledikleich sein, vnd. dartzu gehören sol, vnd daz auch das ein yegleich Capplan oder Verweser der offtgenanten Eappellen, als andere guter die dartzu gehörent, Jnnhaben vnd niesten, vnd allen seinen frumen damit geschaffen mag, an menikleichs Irrung vnd hindernuzz, Sünder Laz auch der Jartag, in der vorgenanten Eappellen Ierleich begangen vnd ausgericht werde, als den die vorberü- ret vnser fraw vnd Ane aufgesetzet hat zu begeen nach begreiffung irs briefs darüber gegeben vngeuerleich. Mit urkunt dicz briefs. Geben ze Wieun, an Eritag vor Sant Pangrazien tag. Nach kristi ge- purt viertzenhenhundert Jar, darnach in dem vieryehenden 2ar. CCVI. Hanns Permann, Bürger zu Wien, verkauft dieStampf- mühle, unter Gumpendorf'und der Angermühle, mit einem Weingarten und allen Zugehörnngen an Hart» k XVI urkllIIdenbuch. mann von Atteldorf, Bürger zu Wien, um 200 Pfund Wiener Pfenning. Wien den 5. July i4»4. Ich Hanns der Perman Bürger ze Wienn Vcrgich für mich vnd für all mein erben vnd tun kund Allen den die Liesen brief lesent oder hörent lesen die nv lebent vnd hernach künftig find. Das ich mit gutem willen vnd mit wolbedachtem mut zu der zeit do ich es wol getun mochtt- vnd mit Hannden des erbcrn weisen Hern Andres deS Rysen dietzeit des Ratsder Etat zc Wienn vnd Vogt der erbern geistleichen frawen chloster ze pulgarn. Derchaufft hab mein Mül genant die St ah hm ül den Weingarten dabey vnd was zu derselben Mül gehöret alles gelegen niderhalb Gunppendorf vnd niderhalb der Augmül das mir alles weilent mein Hausfraw Anna der Got gnad ledichleich geschafft hat nach des Geschefftbriefs sag den Si hinder ir lassen hat doman von derselben Stamphmül dem Weingarten dabey vnd wasdartzue gehöret allciar dientden vorgenanten geistleichen frawn zePulgarn fünftzehen wicnner phennig ze gruntrecht und zePurkrecht vnd fand Eiligen Capellcn ze Gumppcndorf vierd« halb phunt wachs auch ze Gruntrecht vnd Purkrecht alles anfand MichelStag vnd nicht mer. Die vorgenannte Stamphmül den Weingarten dabey vnd was zu derselben Mül gehöret hab ich rechte vnd rcdleich verkaufft und geben mit allen den nutzen vnd Rechten als ich das alles vnuersprochenleich in gruntrechtS vnd Purk- rechts gewer Herpracht hab vnd als es alles von alter herchomen ist. Dmb zwayhundert phuntwienner phennig der ich gantz vnd gar verrichtet vnd gewert pin. Dem erbern mann Hartmann von Yte l dorff purger ze Wienn vnd frawn Dorothea seiner hanvs- frawn vnd ihr baider erben, Doch also beschaidenleich daS derselb Hartmann Dtcldorf altzeil vollen gcwalt vnd Recht haben soll mit der vorgenanten Mül dem Weingarten dabey vnd was dartzu gehöret allen seinen frumen ze schaffen mit verchauffen oder mit versetzen schaffen machenlvnd geben wem er well vnd alles das damit tun vnd handeln das ihm allerpesst stiegt oder wolgeuellet vnd füllen noch mügen In die vorgenant Dorothe fein Hausfraw , Ir baider erben, noch ander nyemant von ir» wegen daran nicht hindern noch Irren in chaincrlay weis an alles gcucrd Vnd durch pesserr stchcrhait setz ich mich obgenanter Hanns Perman mitsampt allen u r k u IId en b u ch. xvn meine» erben vnuerschaidenleich ober die vorgenannten Mül den Weingarten dabey vnd was zu derselben Mut gehöret als rorge- schriben stet. Dem egenannten Hartman vonDteldorffrawn Doro« theil seiner hawsfrawn vnd ir baider erben ze Rechtten gewern vnd schern, für alle ansprach als grnntrechrs vnd PurkrechtS Recht ist vnd des lanndeS Recht zu Österreich in dem Rechte» so »orgcmelt ist. Wer aber das 2» sürbaS an derselben Mül dem Weingarten dabey vnd was zu derselben Mül gehöret, icht abgieng oder ob 2» icht krieg oder Zuspruch daran auferstunden von wem das wer mit Recht, das füllen vnd lvellen wir 2» alles aufrichte» vnd wicderchcrn an allen 2rn schaden. Vnd füllen auch Gi das haben dacz mir vnd meinen erben vnuerschaidenleich vnd auf allen Vllsern gut das wir habe» in dem Lannde ze Österreich oder wo wir eS haben wir sein lebentig oder tod. Vnd das der chauf für« baS also stet vnd vntzebrochcn belcib Darüber so gib ich obgcnan- >er HannS Perman für mich vnd all mein erbe» 2» den brief zu einem warn vrchund der fach vcrstgilte» mit meinem anhangenden Znstgil. Vnd mit des obgenanteii Vogt Hern Andres des Rylen auch anhangenden 2»stgl. Dartzuc so hab 2ch vleiffichleich gepetcn den erbern man Gymonn den Zjngieffer Bürger ze Wien» das er der Sach zezewg ist mit seinem anhangenden 2»stgil 2m a» schaden. Der brief ist geben je Wienn. Nach kristi gepurd Vieryehenhundert 2ar darnach in dem viertzehendc» 2ar des nech> ficn Phintztags nach fand Vlreichs tage. lMit 3 Siegeln.) GCIV. Herzog Albrecht V. genehmigt das Vorhaben seines Kanzlers Andreas Blank, Pfarrers zu Gars, bey der Capelle zu Sk.Dorvthe in Wien aus seinem Vermögen ein Kloster nach St- Augustins Regel zu stiften, begibt sich der Lehenschaft über besagte Capelle, und verspricht, wenn gedachter Pfarrer früher sterben sollte, die Stiftung nach seinem Willen zu vollführen und des neuen Klosters Vogt und Schirmherr zu seyn- Wien den »5. August Wir Albrecht, von gottes gnaden, Hertzog ze Österreich, ze Steyr, ze Kernden, vnd ze Krain, Herr auf der wynndischcn II. 2 ahra. Denkwürdigkeiten, l. Vd. z. Heft- io XVIII Urktt «deilbuch. Marich, vnd ze Portnaw, Grave ze Habspurg, je TyrvI, je Phyrt, vnd zeKyburg, Marggrave ze Burgav, und Lantgrave in Elsazz Bekennen vnd tu» kund offenleich mit dem bricf, fur vns vnd vnser Erben. Daz für vns kam der Ersam, vns lieber getrewr andechtigcr Andre, Pharrer ze Gors, die zeit vnsec Kantzler, vnd legt vns für, wie er Got zu cren, lob, vnd je dienst, in der Eapellen Sacz Sant Dorothee ze Wienn, die er yetzunt ynnehat, ein Sammung geistl eich e r l e u t, Saut Augustius Orden, stiffien vnd widmen wolt, vnd hielt zu derselben Slifft gegeben, die nachgenanten nutz vnd gult. Des ersten, das Dorff zu der Newstifft, bey Sal- manstorff, in Suffringer Pfarr gelegen, davon die holden daselbs ierleich raihent vnd dienent, zway Phunt, Sechs Schilling, vnd funfczehen phenning, wienner münff gelts. Item daselbs, an dem Hasenegk, im Mitterperg, vnd im Opherkolben , Hundert vnd vier Emmer Weins gelts Perkrcchts , vnd auf „edem Emmer ainen phenning geltö, zu Voytrecht. Item Newntzehen Emmer Weins Perkrechts, vnd zehen schilling, vnd zwantzig phenning wienner Münzz geltS, dicnsts vnd voytrecht, das alles gelegen ist, an dem Alsse gk, auf weiugcrten, vnd auf denselben Weingerten, halben zchent. Item aber Newntzchen Emmer Weins, gelts, Perkrecht, vnd zehen schilling, und zwaintzig phenning, wienner Münfs gelts, dienstS vnd VoytrechtS, alles gelegen in der Walaris, auf Weingertcn vnd auf denselben Weingecten, halben Weinzehent, der zu gemainem Zaren, zwe» dreiling bringet, Item zehen Pfunt Wienner phenning, gelts, dienstS, vnd das Voytrecht, das darzu gehöret, in Praitenseer hard, aus jwainzig Zeuchen weingertcn gelegen, das man alles Ierleich miteinander auf Saut Michels tag dienet. Item Achthalb Phunt Wienner phenning gelts, der Sechs Pfunt gelts'gelegcn sind bey Praitensee, im Hindcrnperg, auf weingertcn, vnd die übrigen zwelif Schilling, in den Smeltzer» auch auf Weingcrten. Item ain halb Phunt, vnd sechs! phenning gelts, auf vier Vierlatl Weingerten, gelegen daselbs im Hindernperg, die man Iehrleich dient für Perkrecht, Voytrecht vnd für zehent. Item, an dem /Alssegk, in der Waligris, vnd in der Hagenaw, Perkrecht, das gestiftet ist, Si- benzig Emmer Weins, mit demBoytrecht, vnd daselbs phenning dienst, auf Weingcrten, Sechs Phunt gelts, vnd daselbs auf fünfzehn Jeuchcn Weingcrten, halben Weinzehent, der bringet ju gemainen Zaren »ainen dreylinz. Item zu Praitensee in dem XIX U i'fun b e n 6 u ch. Amaispach, auf weingcrten, drcw Phunt, und funfzehen phen- Hing gelis, die egenante nutz und gult alle er gekaufft hat, von Hansen und Micheln Gebrüdern den Cjinake». Item ainen Getraid- zehent zu Lewbendorf und dem Greitschenstein gelegen, grozzen und klainen, der bey Siben oder Acht Mutt baiderlay getraid jer- leich bringet, den er von Leupolten und Berchtolden den Wehitt- gern gekaufl hat. Item vierPfunt phenn. gelts, auf den wismat zu kirichslag in der Gosach , das weilent uns lieber Herr und Vater hertzog Albrecht seliger, zu der obgenanten Kapellen gegeben hett, das darnach dauon emphrömdet was worden, vnd das wir wieder dar» zu geben haben. Item fünf Phunt, vnd viertzig xhenning gelts,zu Nt- der» und Obern Liesing auf behaustem gut, vnd auf liberlent. Item ai» halb Phunt, und funfkzehen phcnning gelts zu Spcyslngcn, vnd vier od fünf dreiling Perkrecht und zehent ierleich gult, ett-" wen mer oder mynter, gelegen zu KallcSperg, ze Berchloltstorf, vnd ze Radawn, das uns, mit abgang weilent Hansen von Stu» bemberg ledig worden ist, vnd die wir darhu haben geben. Item ain Haus in der kerner Slrazz, hinter Gant Clären, das der cgenant unser Kantzler vorzeiten gekaufft hat. Item Las HawS, das weilent unSer liebe Fraw und Ane, die Hochgebori» fürstinn fraw Beatrix, hertzoginn ze Österreich selige ic., dartzu gegeben hat, vnd Sechsthalb Phunt geltS, die vor zu der Kapellen gehöret habent. Und pat uns diemükikleich, daz wir zu derselben Stifft unsern willen vnd gunst geben, vnd die bestetten ge» ruchten. Vnd Ivan wir nach lere vnd Weisung kristenleich gesetzd, das habn und gelauben vesticleich, daz wir aller »nsr Werchei,, die wir auf erdreich handeln vnd wurchen, die am pesten zu nutz bringen, was wir in lieb gotes, von dem wir alle gnad vnd guttut emphangen haben, die geistleichen Personen, vnd ander frum leut, die Im stetticleich dicnent, fiirdern, vnd den vns hilff mittailen, damit gotSdicnst, vnd auch vns hayl und gelükch vnzweluelleich gemeret wirdl. Dauon haben wir betrachtet vnd angesehen, der vorgenant Andreen löbleiche begirö vnd fürsatz, vnd haben dadurch, vnd durch vnser vud aller vnser uoruordn vnd Nachkommen Seelen hayl vnd tröst willen, zu der cgenant Stifftung vns willen vnd gunst geben, und die beste» von fürstleich Macht, wiffentlei» mit krafft dicz gegenwerttigen briefs. — In solich mazz, daz derselb uns Kantzler die Sammung geistleich Leut Sant AugustinS Ordens, als dauor berüret ist, in der egemeldten Eappellen, dacz Sank Dorotheen, stifften »nd gewidmen mag, nach geistleich ge- XX Ur k u ii d e nb u ch. setzd und begreiffung Sant Augustius Regel, vnd daz auch denn dieselbe» geistleichcn teilt , die dahin gcstifftct vnd gcwidniet incedent, die vorgenan Perkrecht, nutz vnd gult, ynnehaben, nutzen, vnd niesten fülle» vnd mügen , nach iren notdürfften, mit solichen gnadn, freiheiten, vnd rechten, als andre unsre kloster in vnsm Land je Österreich, vnd ob der Enns gelegen, ir nutz, gult vnd gütter ynnhabent vnd'besitzent. Sunderleich maincn wir, daz Sy ir Wein, die In, von den obgenannt Perkrechten , vnd auch sust werdent oder wachsent, in vnsr Glatze Wien», vertun, verschenk- chcn, oder in ander weg verkanffen mügen, vnd füllen, vnd daz sie Mit denselben Weinen, vnd auch den obgcschriben Perkrechten,nützen vndgülte», die Sie aus dem Land, oder in vnser egenannt Stat ze Wienn haben werdent, oder gewynncnt, gefreyct seyn , vor aller Stewr, vnd andrer unpillcichcr vordrung, an geuerd. Auch haben wir vns der Lchenschafft der obgenannt Cappellcn vertzigen. Also, wen die egenannt Sammung geistleich leutdarIn gestifftet wirbt, als vor begriffe» ist, daz Sy denn selber amen vorgecr od Brobst vnder 2» welen vnd dargcben mügen, der Sy, in geistleich orde- „ug verwese, vnd daz dicselb Welung nach abgang des ersten Verweser oder Vrobsts Hinfür auch gehalten werde, als in anderen so- lichen klöster» des egenannt Ordens, gewonheit ist. Ob auch ge- schech, daz der obgcnant Andre mit dem Tod abgieng er dcnn er die »orgenant Stift zu end brecht, als er Im fürgcfetzt hat, So füllen und welle» wir die obgenant Cappelcn dennoch nicht leihen. Sünder die «genant Stift mit den nützen , die er, dartzu geman- net hat, selber enden vnd volfürcn, In der mast, als er, sie angefangen hat, Sünder mamcn vnd wellen wir des cgenant klosters, wenn das nun gestifftet wirdt Vogt und schcrm sein, vor gewalt »nd unrechten vngeverleich Dttd des zu Drkund vnd ewiger ve- stcnug, hiessen wir diesen brieuc bewaren, mit unserm grossen fürst- leichcn angchangedem Insiegel. Der geben ist ze Wienn an vnser lieben Frawcn tag Assumptionis. Nach Cristi gepurd Viertzehen Hundert Iar. Darnach in dem Vicrtzehenden Iar. ccv. « Hartmann von Zteldvrf, Bürger zu Wien, verkauft die Stampfmühle unter Gumpendorf und der Angermichle gelegen, mit einem Weingarten und anderen Zugchö- rungen, dienstbar dem heil- Geistspital und Kloster zu XXL Urkuii d e n b u ch. Bulgar» und -St. Egyds Kirche zu Gumpendorf, au Hermann Hehl, Kämmerer der Stadt Wien um 280 Pfund Wiener Pfenning und 4 Goldgulden- Wien den 23. September i4>9- 2ch Hart mann von B teldorf Purger ze Wien» vnd ich Dororhc sein Hausfraw, Vergbben für vns und all vnser erben vnd tun kund offenleich mit dem brief alle» lewten gegenbllrtigen vnd künftigen Daz wir mit gucttem Wille» und wohlbedachtem »tuet Zu der Zeit da wir es wol getuen mochttc» vnd mit hanndcn des erbern Wcntzlabs des Ncwnhouec dleyeit kcllermaister in Österreich vnd Verweser der Vogtey zu Gumppendorf, verchaufft haben unsers Siechten kaufguets vnser Mal genant die Stamxhtnül den Weingarten dapey vnd was zu derselben Mül gehöret, alles gelegen nydcr- halb Gumppendorf, vnd nyderhalb der Angermül dama» von derselben Stamphmül dem Weingarten dapey vnd was dartzu gehört, alle Zar dient dem klostcr ze P ulgarn fünfzehen wienner phenntng ze Grundrecht und Purkrecht vnd fand G i l i gc » C appelle n daselbS je Gumppendorf vierdhalb phunt wachs auch ze Gruntrechi vnd Purkrecht alles an satid Michels tag vnd nicht mer. Die vorgenannten «ramphmül den Weingarten, dapey vnd was zu derselben Mül gehöret habn wir Siechtt vnd redleich verchaufft vnd geben mit allen den nutzen vnd Siechten als wir Las alles vnuerfprochenleich in gruntrechlS vnd PurkrechtS gcwer hcrbracht habe» vnd als es alles von alter herkommen ist, vmb jwayhundert vnd Achtzig phunt alles wienner phennig vnd vmb vier gülden gerecht in gold vnd wag, Der wir gang und gar verrichte vnd gewert sey». Dem erbern weisen Hermann dem Hehl dietzeit deSSiatesvndkamerer der S tat je wienn, vnd seinen erben oder wem er dieselb Mül den Weingarten dapey vnd was j» derselben Mül gehöret das er vmb fein ledigS var- undguet gechaufft hat schafft, machtt oder zeit, des er allzeit vollen gemalt vnd Siecht hat fürbaS lediklcich vnd freileich je haben vnd allen iren frumen damit zeschaffen verchauffen versetzen vnd geben wem Bn wellen vnd alles das damit tue» vnd handeln das in aller pesst fügt oder wol gewellet vor aller Irrung, vnd fein auch wir obgenant ich Hartman von Iteldorf vnd ich Dorothe sein HanSfraw mitsambt allen vnsern erben vnucrschaidenlich der »or- XXII ur k u II d e n b u ch. genanten Mül des egenanten Weingartens dapey vnd was zu derselben Mül gehöret als vorgeschriben stet, LeS obgenantcn Her- mans des Hesl r>nd seiner erben oder wem er dieselben Mül den Weingarten dapey und was daran gehöret als yetzgcmelt ist, schafft macht t oder zeit als vorgefchnben stet, Recht gewer vnd scherm für alle ansprach als Gruntrechts Purkrechts vnd des larideS je Österreich Recht ist. Gieng In aber daran icht ab oder stund 2» icht krieg oder ansprach daran anst mit Recht von wem Las wer was Sy des schaden nement das füllen wir In alles ausrichten vnd Widerkern an allen iren schaden vnd stillen auch Sy Las habe» dacz vns vnd vnsern erben vnucrschaidenleich vnd aus allen vnsern guet das wir haben in dem lannde ze Österreich oder wo wir es haben eS sey erbguet oder varundguer wie das genant vnd wo es gelegen ist Wir fein lebentig oder tob vnd daz der kauf sücbas also stet vnd vnzebrochen beleib darüber so geben wir für vns vnd all vnser Erben In den brief zu einem waren vrchund der Sach bestgelte» mit mein obgenantcn Hartmans von Jteldorf aigem anhangendem Instgl, vnd mit des oorgenanten Wentzlabs des Newhouer auch anhangendem Innsigl. Dartzu haben wir vleis- stkleich gepeten den erbern Svman den Zingieffer purger ze Wienn dacz er sein Instgl Zugetzeugnust d'er Sach Im anschaden an den trief gehangen hat. Ander den Instgeln Ich mich obgenante Do- rothe mit meinen trewn vngeuerleich verpind alles das stettzeha- ben das vorgeschrieben stet, wann ich selber nicht Aige» Instgel gehabt hab. Geben ze Wienn am Sambstag »ach Sand MatheuS tag des Zwelispotn und Evangelisten Nach kristi gepurd viertzehen- hundcrt vnd in dem Newntzehnten Iare. LLVI. Elßbeth, des Niklas Herwärts Witwe, verkaufet dem Peter Straffer ihre zwey Äcker an dem Goldeck, dienstbar zu St. Achazi - Capellen auf St. Stephans Freyt- hofe. Wien den j 3 . Jänner 14*1. Ich Elsbcth weilent Niclas Herwärts seligen witib burgerin z« Wienn vergich für mich »und all mein erben-- Das Ich -Mit Hannden des Krbern Hannsc» des Hawerchnappen XXIII u rk It n d e » b tt ch. dietzeit Ambtman der Güter, die daehör» in SannL Achatzy C a p v e ll n in dem P r o b st h o f j n W i e n » Recht vnnd Redleich »erchaufft habmein zwcn Akcher gelegen an de», Goldekk der ain zu nächst des Angeruclder akcher des vier Jeuch sind, der ander des Dierdhalb Zeuch ist zu nächst des R a in p e l st ° r ffe r Akher, die man von den benannten zwain Äkchern Jerleichen dient ainem yeden Eappla» In SannS Achatzy Eapell» vier vnnd zwaintzig Ivienncc Pbenning an Sand Michelstag ze Gcuntdienst- ,Die vorgenannten mein zwe» Akcher als die mit Rayne vnnd Stanne vmbuangen vnnd begriffe» sind, hab ich »erchaufft vnnd geben vmb drew Phuntt wienner Phenning-dem erbe» Pe« tcrn dem Straffer bnrger je Wicnn vnnd feine» erben sürbag lcdichleich vnnd freyleich je haben vnnd allen irn- frumen damit je schaffe»-Dnnd datz der Kauff fürbas also stet vnnd »ntjebrochen beleib, des zu einem warn Vrchund gib ich für mich vnnd all mein erben In den Brief versigilten mit des obgenann- ten Ambtmanns Anhanngnnden Jnsigl. Der fachen ist Gelzeug -der erbet Chunrat auf dem Gotzakcher burger je Wienn mit seinem Anhangunden Jnstg!-Geben je Wienn an Mi- tichon »ach Sannd Agnesen Tag der Heiligen Iunkchfrawn Nach Kristi gepurd vieryechenhundert vnnd in dem Ains vnnd jwaint« jigsten 2ahr. ccvn. Der Wiener Domprobst Wilhelm Thurso wind vom Cardinal Jordan Ursini substituirt, als Groß - Inquisitor und Generalvicar der Heere wider die Hussilen, wider die Anhänger Wiklefs und andere Irrlehren. Speyer den i. Sept. isir6. Jordanus de Ursinis, miseratione divina episcopus albanensis, sacrosanctae romanae ecclesiae Cardinalis, apostolicae seclis Legatus. Curn jugum gravissimum ad perfidos et iniquitatis alumbens Wiklefistas, Hussitaset alios haereticos extirpandum humeris nostris impositura personaliter ubique exequi nou possumus-de prudencia ve- ✓ XXIV urkundeIIbtt ch. nerabilis Dni. Wilielmi Dur« Prepositi ecclesie S, Stephan i, alias omnium Sanctorum Vienne P atavi en, Dioc.-fiducialiter confisi prefato Dno. Preposito omnes et singulos familiares illustris Principis Dni. Alberti Ducis Austrie cum eodem contra dictos hereticos militantes et ad eorundem hereticorum destructionem animis ferventibus auxiliautes. INec non illos exercitum ipsum Ducis sine fraude intercssentes ac eos qui suis propriis expensis contra eosdem hereticos alios destinaverint ydoneos bellatores ac alios quoscunque contra profatos hereticos personaliter accedentes ab omnibus eorum peccatis — — absolvendi ac alios quoseunquc plures ydoneos et discretos per ipsum ad premissa ordinandi — — plenam — concedimus facultatem. Iu cuius rei testimonium presenles nostras literas nostri Pontificatus Sigilli iussimus appensione communiri. Dat. Spire in domibus nostre solite residencie sub anno a nativitate Dni. Millesimo quadringentesimo vicesimo sexto Indics cione quarta die vero dominica prima mensis Septembris Pontificatus sanctissimi in Christo Patris et. Dni. nostri Dni. Martini divina providencia Pape quinti anno nono. CCVIIT. Die Vüffcrinneti zu St. Hieronymus in der Singerstraße zu Wien geloben demSliftbcief de§ Conrad Hölzler, Hubmeister, in Österreich, in allen Punkten und unter einer Strafe von 60 dl. für jedes Verfäumniß nachzuleben. Die Aufsicht über den Vollzug des Stiftbriefes wird zunächst dem Kloster zur Himmelporken, und dann dem Stadtmagistrat zu Wien übertragen- Wien den 29. Octob. 1473* Ich S w e fst e r K u ri i gund Zachledrin, dietzeit M a i- strin des Hawss zu Sand Ieroni m usin der XXV urkund eIIbu ch. Eynnigerstrass zu Wi enn gelegen , Vnd Wir d i e P u s- scrin g e Ilia i u k h l i ch daselbst Bekennen für UNS , vnd all »nser nachkommen Maistrin »nd Pusseriu, Vnd thun kund offen» lich mit dem bricf Allen den Er furkumbt, AIS uns der Edl vcsst Ritter, HerConratHolczler, dieczeit Hubmai' stc r i n Ö st e r r e j ch , zu dem vorgenanten vnserm.HawS zu Sand Herottimus, etlich Stükh und Güter, mit sambt der var- undcn hab , Nach lault feins bestglten GcschcfftS vnd Stifftbricffs, darumben ausgaugen, gegeben vnd geordcnt hat, Darumb wir vnd vnser nachkouien, in dem egenauten GoghauwS zu Sand Ieronimus, alle tag teglich und ewikhlichen, 2m den Gotzdinst volbringen lullen vnd welle», nach innehält desselben seins Ge- scheffls vnd StifftbrieffS, des wir vns mitsambt vnser» nachko» inen, verfangen haben zetun. Dnd der wortten das derselb Gotz- dinst, bester beleiblicher sey vnd ausgericht werde. Dauon so haben wir vns, mit gutem willen, vnd wolbedachkcui mut, zu der Zeit, da wir das wolgekun mochten, mit vnser» irewn Ercn vnd wirden, vnd pev der Gelubd, die wir von vnserr Statut wegen getan, vnd vnser nachkomen fürpaser thun werden, gelobt vnd oerpunden , Geloben vnd verpinden vns, vnd vnser nachkomen auch wissentlich mit dem brief, gegen dem vorgenanten Hubmai- stcr vnd gegen allen den, die den brief innehabent, vnd vnS damit ermonent. Also das wir nu fürbaser teglichen vnd ewigkli- chcn sei», seiner vorfordern aller gläubigen Gelln, vnd aller der von den das Gut herkomen ist, Got, vnser lieben frawn, vnd allen hymelischem here zu lob vnd zu Errn, in dem vorgenanten vnserm Gotzhaws zu Sand Zeronimus, von Messen zu lesen, Jartegen zu begeen, vnd andern guten Werchen, gedenkhen, volfuren, vnd ausrichten sullen vnd wellen an allen abgangkh, Alsdenn das desselben Hubmaister Geschefft, vnd Stisftbrief, von Stukhen zestukhe» , klerlichen inithabent, Darauf dann die Ersamen Geistlichen frawn Sand Agnesen kloster,zu der Hymelportten hie zu Wicnn, die Priori» vnd Ir Con- uent des Ordens Premonstratensts daselbs, von Quattemern zu Quatcmern Icrlich vnd ewikhlichen, zu ainer ydem Quatte- mer im Zar, pey vns vnd vnsern nachkommen Pusserin,zu fand Jeronimus 2r aufsehen vnd vns pey vnserr gewissen erforschen , vnd wir Zn dapey sagen sullen, ob wir solbs alles vol- bracht, vnd ausgericht haben , Damit solche guttat alle souor ge- melt ist, „ach innehält desselben Hubmaister Geschefft vnd Stifft- XXVI urkundenbuch. brieffs, alle ausgericht vnd volfurt werde , Vnd fur solh Ir mue füllen vnd welle» wir, vnd vnser nachkomen Pufferin , 2» vnd Ir» nachkomen alle Qualtemer Ierlich vnd ewikhliheu zu ainerpede» Lluattemer im Iar geben Sechhigkh phening, Vnd ab sich auch begib, das wir oder vnser nachkamen Pufferin, dar 2n»en scwmig erfunden , das wissentlich gemacht vnd zu v»s Pracht wurde, ES wer von Messen zu lese», Iartegen zu begcen, oder anderrguttat halben, wie sich das begeb, als das des egemelten Hubmaister Geschefft vnd Stifftbrief ausweisen, so füllen vnd welle» wir, vmb ain ycdes Stukh so versawmt ist, demselben Klosterfrawen, zu der Hymelportlen zu pcen, alsofft verfallen sein, Sechhigh phening Dnd dartzu den abgang erstatten, vnd vollbringen lasten, an alle wider Red vnd austzug. Wer aber das wir, oder »nser nachkomen Pusterin solhen dinst, zu den Quatleinern im 2ar mutwillig- khlichen versessen, vnd die peen, was wir der schuldig wer» zugeben, nicht ausrichte» walten, wie vorgeschrieben stet, So füllen vnd mugen Sv alsden» des von vns, vnd vnsern nachkomen Pufferin,vnuerschaidenlich bekamen vnd haben,auf allen vnsern Gut- kern, so zu dem vorgenanten vnserm HawS zu Sand Ieronimus, vnd der Stifft gehöret, Wie die genant, vnd wo die gelegen,sind , nichts ausgenomen, Vnd ob auch gcschech , datz wir, oder »User nachkomen Pufferin, desgleichs die cgenanten klostcrfrawn zu »eu Hnmelxorten solh aufsehen nicht teten, vnd alles das nicht vol> fürten, AIS des egenanken Hubmaister Geschefft vnd Stifflbkief ausweisent, alsuor geschrieben stet. So füllen vnd mugen sich alsdenn, die Ersamen Weisen der Vurgermaister, Vnd der Rat, der Stak hie, von solher versawmbnuss wegen, der Stukh v»d Gutter aller, Was wir, oder vnser nachkomen Pusscri» der zu derselben Zeit innehaben werden, vnderwinden, vnd die ainem andern Kloster in der Rechten geben, alsuor gemelt ist, trcwlich vnd vngcuerlich. Des zu ainer Ware» Vrkund geben wir für vns, vnd all vnser nachkomen Maistrin vnd Pufferin des egenanteu hawss zu Sand Ieronimus den brief besigltcn mit des vorgcnau- ten Hawfs zu Sand IeronimuS anhangunden instgl, Vnd zuge- heugnufs der fachen, Haben wir mit fleiss gepeten Die Ersamen vnd die Hochgelertcn Herren, Maister Alexi cn Tumar lerer in den Geistlichen Rechte», dieczeit des Hochwirdige» Fürsten vnd Herren, Hern Dlrichs Bischoue» zu Passaw vnsers gencbigen Herren Official zu Wienn Maister Paul» von Melkh lerer d«r Heiligen geschrift, dieczeit Techant des Capitls Allerheiligen XXVII u r k u II d e n b u ch. tumbkirchen ju Sand Steffan, vnd Pharrer zu Sanb Ie- mtioiKl basclbä, Dnd Sie Ersamen Weisen H a n n se n H e i n l dieczeit Burgermaister der Star zu Wienn , Vnd Ihoman Thengkh dietzeit Star Richter daselbs, das S» 2rc Insigl an den brief gehangen haben, Doch In, 2r nach- komen vnd Erbn an Schaden, Der geben iss'zu Wienn an frey- tag nach Sand Symon vnd Sand Iudastag der Heiligen Zwe- lifpoten, Nach Cristi gepurdt Birzehenhundert vnd im drewvnd Sibentzigisten Iar. (Mit 4 angehängten Siegeln.) CCIX. &• Friedrich IV. überläßt bis auf weitere Andrdnung dem Stifte St. Dorschen zu Wien die Verwesung des Sun» dersiechenhaufes zu St. Johann in der Siechenals mit allen dazu gehörigen Gütern, Nutzungen, Freyheiten und Gerechtigkeiten. Wien den 9. Jänn. 1476, Wir Frid r e ich von Gotsgnaden Römischer Kayser zu al- lennt zeitten merer des Reichs zu Hungern, Dalmacien, Eroa» cicn !c. Kunig Hertzog zu Österreich zu Steyr zu Kernndten und zu Krain, Bekennen daz wir dem Ersamen Geistlichen vnsern lieben Andechtigen dem Probst vnd Conventzn fand Dorolhee zu Wienn, das Sundersiechen Haws zu fand Johanns in der Siechen Allst mit allen seinen gugehorun- gen, Freyhaiten, Gerechtigkaiten vnd alltem Herkamen in Massen vor annder Inngehabt haben Untz auf vnser verrer geschefft vnd bevelhen in gebe» zu verwesen vnd zu Regiern, auch die nutz und gullt dartzu gehörend intzenemen bevolhen haben wissentlich in kraft deS briefs, Also daz Sy dasselb Sunderstech Haws von vnsern wegen Innhaben verwesen Regiern vnd all nutz vnd Rennt, darzu gehörend in nemen Auch die Sunderssechen so ye- tzuzeiten da sein werden, als von alter Herkamen ist, Weingart- ten vnd Güter dartzu gehörend stifftlich vnd pcwlich hallten, vnd I vns oder wenn wir das beuelhen von allem so von demselben S Haws vnd feiner Zugehorung geuallen wirdet Icrlich Raittung tun füllen. Wir tun auch dem bemelten Cloftcrlcwten die sundcr 1 XXVIII u r k IIn d e II b u ch. qnad, fraj von desselben Hoffs wegen nyemands mit In nichts zu gcpicttcn noch zn schaffen haben sol, dann wir allain, Dnd wenn wir das insunderhait beuelhen in khain weis das mainen wir ernstlich. Mit Vrkund des hriefs. Gebt! zu Wien» an Eri- tag »ach der Heiligen dreyer kiinigtag. Nach Cristj geburde vier- zehcnhundert vnd im Sechsundsibentzigisten. Vnsers kaisertumbS im vicrundzwainzigisten Vnserr Reiche deS Römischen im Sechs- unddreissigistcn vnd des Hungrischen im Sibenntzchcnden Jaren. (I.. 8.) ccx. Instruktion und Satzung für das Hansgrafen-Amt in Österreich und zu Wien von K. Friedrich IV. Wien den 7. Juny iäöo. Wir Fridreich von gotts gnaden Römischer Kaiser zu allentzcit- ten Mcrer des Reichs zu Hungern Dalmatien Eroatien rc. Ku- nig Hertzog zu Österreich zu Steyr zu Kcrnndten vnd zu Erain w. Bekennen AIS vnnser Hannfgras Ambt bey vnsern vorder» ffurste» von Österreich löblicher gcdechtnuss gehalten vnd herkamen ist mit den Rechten als von wart zu Wortt hienachgeschrie- ben stcet. Don Erst das nyemands sol erlaubt fein. weder von S w a b e n, von Rögenspurg noch von P a ss a w, noch von anndern ennden zefarn mit seiner Kausmanschaft gen H u n» gern Sonnder Sy füllen mit Jrem Kaufschatz »arn die Rechten Landstrass gen Wienn vnd fülle» da Iren Kaufschatz allen nidcrlegen aufpintten vnd verkauffen, Wer dawider täte, der sol der Stat zu Wienn zu puess geben zway pfunt gollds wann Er des überfarn wirdet, Item es sol auch khain gafft kauffen gold noch Silber, hat Er aber Gold oder Silber, das sol er verkauffen zu der von Österreich Kamer, Item das all Gefft von wenn Sy fein, alspald Sy das Lannd Österreich mit Jrem Kauffchatz beruren, es sey auf Wasser oder auf lande mit derselbe» Jrer Kaufmanschatz die Recht vnd gewöndlich strasS gen Wienn varn füllen vnd da niderlegcn aufpintten vnd hingeben, vnd nicht ain gafft dem anndern Sonnder ai n e m Bürger der mit der Stat leidet Also was »enedigischer Waar ist ausgcnomen gewandt das mag ain gast dem anndern wol verkauffen vngeuerlich, Item XXIX Ur ku i, d e n b u ch. welcher Gafft seinen Kaufschatz durch das lannd füret vnd damit gen Wienn nicht kumbt vnd das niederlegt oder aufpindt wo »>an das begreiffet dem sol man dieselb sein Kaufschatz neme» vnd die geben in drey tail, ainen tail vnnS, als Herrn vnd Lannds» fürstcn, den Mindern tail der Stat hie zu Wienn vnd den dritten «ail ainem Hannsgrafen. Item Es soll auch khaln Qberlenndi- scher Gafft nit durchziehen gen Hungern weder umb sei» gelt schuld noch durch Kauffens willen, hat Er aber souit gellter in hungern , vnd daS sein Notdurft eruordcrt sölich geltfchuld inze- tringen, der sol das tun mit ainS Hannsgrauen willen vnd wisse», Vnd sol darumb sein Recht tun, das Er durch khainerlay anndcrr fach willen Nur allein vmb sein geltschuld gen Hungern ziehe, Dnd wo Er des iibersarn wirdct darum sol Er auch DnnS als Herren vnd Lanndssürsten, der Stat wienn, vnd dem Hanns- grafen verfallen sein die heen als oben berurt ist, Item so sol man haben aus Dencdigischer Waar vnd auf gold vnd Svlber Sechs gesworen vnderiewffl als das die Hanndtuefft Innhalt, Dnd ain yeder vnderkewffl sol haben Fünffyig hfunt wert in der Stat- Item so sol man haben Acht vnderkewffl oder zehen aus Gewannst vnd auf Rawher Waar. Item so sol man haben zehen oder zwelf vnderkewffl auf Roffen, Item sol man auch haben ai n en Pallnpintter die füllen all swern dem Rat, vnd darnach dem Hannsgrauen zu seinen Rechte», Item so mag ain Hanns» graf die Vnderkewffl all zu Im. vorder» über viertzehen tag, oder drey Wochen, vnd sich mit den vnderreden damit die Hanns bey Recht gehalten werbe, Item ob ain Ros Rutzig, oder hertzfchlach» tig were, das hat ain Hannsgras zerichten, als von alter her» kämen ist, Item Es sol khain gafft RoS von Hungern heraus fürn, denn ain Raitpherd sol Im erlaubt seyn, ob Er nach seiner geltschuld mit des Hannsgrafen willen daniden gewesen ist, Item von ainem yegliche» Ross, das von hynnen hin aus- Werts in das laynd fürt sol der Gafft dem Hannsgrauen geben a i- »e» grossen xsenning , Item von ainem neben Ochsen sol ain Gast dem Hannsgrauen geben drey phenning vnd nit mer Essey dann ob Er des Hannsgrauenbrief bcdurffe , so soll Erdem schreiber darumb tun nach seiner bcschaidenhait was er selber wil, Iiem bey dem Pallnpintten, das die Gefft tun sol der Hannsgras noch fein Anwalt nit sein, Wann es sol nyemand darumb wiffen, dann der gesworN Mawtter Auwald ab dem Haws »nd der gesworn Planpintler, Item all Hungerisch wein die der Hungern ffnd oder von den XXX Urkllnd e »buch. Hungern geknufft sind worden , oder von andern lewten die indem lannd nit gesessen sind, Wo die ain Hannsgras oder sein Auwald in dem lannd zu Österreich ankumbt, die sol Er nemen oder nider- siahen, Item anch sol man khainen wein, der enhalb der Picsting gewachsen ist die sullcn her a» die Lastat zu der Tunaw nit gefurt noch herdishalb der Piesting nicht verschenckht werden Sonnder S» susten iiberden Semering gesurtwerden, als vonalter herkämen ist, Item Pier sol man auch nit in das lannd vonMar, Hern oder Behem fürn, darumb seien weilent den von Meys» saw alle 2ar Zehen pfunt phenning geben worden. Also setzen wir von Römischer Kaiserlicher macht, vnd alls Regierender Herr vnd Landsfurst zu Österreich in Krafft des briefs, mainen vnd wellen, das dasselb vnser Hannsgras Ambt Mit den obgeschriben Rechten Ruhinsür auch also gehalten vnd gehandelt werde an- gcuerde. Dauon gebieten wir »unserm dienner, Hannsen Gress unserm Hannsgrafen in Österreich, oder wer kunftigiich vnser Hansgraf daselbS zu Österrrich fein wirdct, das er dieselben Recht zu vnnsern vnd vnserr Statt hie zu Wienn Hannden »esticlich halt, Handel, verwes vnd darinen nyemands übersehe noch überhelff, vnnS die nicht entziehen lassen, vnd das selber auch nit tue in dbain weis als Er vnns das gelobt vnd gesworn hat, dab mainen wir ernstlich. Mit vrkunt des briefs Geben zu Wienn am Mittichen nach sann» ErasemS tag nach Cristi geburde viertze« henhundert vnd im Achtzigisten VnserS kaisertumbs im Rewnund Zwaintzigisten Dnserr Reichs des Römischen im Ainsundviertzigi- sten, vnd des hungerischen im Zwayundzwaintzigisten Iare. 66X1. Kaiser Friedrich IV. bestätigt dem Kloster der Büßerinnen zu St. Hieronymus in Wien die früheren landes- fürstlichen Handfesten und Gabbriefe einiger Privaten; insbesondere aber die freye Wahl ihrer Vorsteherinnen die Aufnahme reumülhiger, sowohl öffentlicher als heimlicher Sünderinnen, die Anstellung eines eigenen Priesters mit Gehülfen in dem Pfacrhofe daselbst, den freyen Verkauf des Getreides, die Weinschenkgerechtig- u r k IIn d en b uch. XXXI feit und Befreyung von Steuern und andern bürgerlichen Lasten. Wien den 3 i. Aug. 1480. Mir Fridre > ch von gotls gnaden Römischer Kaiser zu al- lennzeiten Merer des Reichs zu Hungern Dalmatien Croatien rr. Kunig Hertzog zu Österreich zu Steyr zu Kerndlen vnd zu Crain Herr auf der Windischenmarch vnd zu Porttenaw Graue zu Hab« syurg zu Tirol zu Phirt vnd zu Kiburg Marggraue zu Burgaw vnd Landgraue in Elsass. Bekennen für vnns vnd vnser Erben vnd nachkömen vnd tun kunt offenlich mit dem brief das vnns die Erbern vnser Andächtigen — die Püesserinn zu sannd Ieronimus hie zu Wien» diemntigklich haben anrueffe» vnd bitten lassen. Das wir 2», Ir, vnd Ires Goyhauss Priui« legi, gnad. Recht vnd Freyhait, damit Sy von vnsern vorder» Fürsten von Österreich vnd andern geistlichen vnd welltlichen begnadet, vnd gefreyt seinn, zuuernewen, zubestetten vnd je eon- sirmiren. Und die hernachgeschriben Recht gnad, vnd Freyhait, die Sy nicht hietten von nelvem gnediclich zu geben geruchten. Das wir dann tan haben. Vnd ordnen v»d setzen das dieselben Püesserinn Alsofft des not wirdet ettlich aus 2ne, so gutteS Er« bers Wesens, vnd dartzu tewglich seinn zu 2ren Maisterinn De- chantinn vnd anndern Iren vnd desselben 2res ÄotzhauSS Emb« tern vnd Regierung erwellen vnd brauchen mügen, die allweg in demselben GotzhauSS beleiben, vnd da solcher Regierung, stattut, vnd ordnung auswartten vnd 2r Swestern zu geistlichem Wesen ziehen, auch sunst gut ordnung halten, damit daffelb Closster in aufneme» käme. Wir Ordnen vnd setzen auch das dieselben Püesserinn Frawn aus dem Frawnhaws vnd ann« der Offenbar vnd haimlich Sönnderinn die sich zn Gott keren 3r leben peffern vnd ainen geistlichen pueswerttigen stannd an sich »einen vnd volbringen wellen, zu In in Ir Closs- ter nach Innhall Jrer Stattut nemen, vnd darinen halten füllen, als annder Püefferin daselbs gehalten werden. Wir setzen vnd wellen auch so die Kirchen daselbs zu sann» IeroniMuS, ledig wirdet, Alsofft das Zuschulden kumb«, das dann die ainem Erbern wolgelewnten Briester gelihen werde, der in aigner Person mit seiner anhal Bciestern in dem Pharrhof daselbs sitzen vnd wonen vnd dieselben Püesserinn Peichthöre» vnd anuder Gotz XXXII u r k u IId e IIb u ch. Recht tun, alsofft des not wieder vnd sunst khainem anndcrn Bric- ster sol verliehen werden. Vnd damit dieselben Pücfferinn defixas 3r aufenthali haben vnd Gott desitemffiger dienn „lugen. Tuen wir In vnd Iren, GotzhauS, die sonder gnad, das Sy 2r Wein vnd Trat» so von Irrw paw, vnd Iren nutzen und Rennt- ten geuallend was Sy der yetz haben vnd künfftigklich gewonnen in Lasselb Ir Gotzhaus, vnd annder Hewser füren legen vnd dar- inen verkauffen, veriu» vnd anwerden. Auch dieselben 2r wein niit gewöndlichem ausrürffcn, als annder Gotzhewser vnd vnscr Bürger und 2nwoner mit offen«. Zaiger in vnnserr Stat Wienn von Zapfen ausschennckhen vnd zu gellt bringen mugen, alö offr In des not ivirdet an mcnigklichs Irrung vnd HindcrnufS - Soch vnus und vnsern Erben den Dngcllt von denselben Weinn als sich geburet vorbehalten. So füllen auch von denselben Irren Weinn • vnd Traid und anndern Irei» gut so Sy yetz haben vnd künftig« klich gewonnen mit derselbe«! vnscsr Star Wienn weder mit Stewrn, Wacht, Rabot noch in annder wcgn khainerlay initlei« Lcn tun. Sonder gantz damit als anndcre Eiöstcr in vnser Stat hie zu Wienn dafür gefreyt seyen. Wir haben In auch aus sondern gnaden alle Cloffier Rechte, Clössterliche Freyhait geben die annderr Frawnklöster in vnscrm Fürstentum Österreich und vnn- scr Skat Wienn haben vnd inycsien in allermass vnd Form als ob die hie Inne von wortt zu worlt geschriben waren. Vnd als offt sich begibt das ain Maisterinn daselbS zu sannt IrronimuS init tod verfchaidet ober sust entsetzt werdet. So füllen vnd mugen die obbcmclten Püefferin», mit Rat ains Qfficials auch des pharrer daselbS zu sannt IcronimuS vnd annder Erberer lewt, so Sy vngeucrlich dabey gehaben mügen ain andere Maisterinn auS Ihrer Samung erwcllen , setzen und fürncmen. Vnd wann wir alltzeit begierlich genaigt seyn, all vnser vnderrannen vnd Inwo- ner vnserr Lannde vnd besonnder die geistlichen Personen, so die weltlichen Ere vnd Wollüfft versmähen vnd zu Rugk kern vnd sich in den Dienst GottS vnd pucswärttige» leben ergeben mir gnade »nd hilffe zu »ersehen vnd In die initzelailen. Haben wir gütlich angesehen derselben Püefferinn geistlichs geordcnts vnd Erbcrs leben so Sy fürn, vnd den löblichen Gotsdicnste so in demselben Ircm GotzhauSS durch Sy tcglich volbracht Wirbel des wir dann auch hoffen tailhafftig ze werben, Auch Ir zymlich vnd vleiffig bete. Vnd habe» dardurch vnd aus sonndern gnaden In, Ire» nachkome» vnd Gohhauss wolbedechtlich und mit guter »orbetrgch- t XXXIII u r k ll II d e n b u ch. tlmg der bemelten vnserr vorder» briese vnd handtuestt auch weylent Albrechts Pollen, Han » se » Kanstorffer vnd NiclasenKranhofcr vnserr Bürger l, i e juWienn, vnd Eonrats Hölltzler etwann vnsers Hubmaisters i» Österreich gab und Stifft so Sy ju demselben GotzhawS geben vnd tan haben vnd Hinfür Annder dartzu geben ooer Stiff- ten werden. Auch aller anderr geistlicher vnd weltlicher Frayhait, gnad, gab, Recht vnd gerechtikait, Lewt, gütter, Zinns, Perrkh- recht vnd Zchennt mit allen stnckhen Puncten vnd Artigkeln dari, »en begriffen. Vnd die obgeschribcn Artigkl vnd Recht vnnscrr New» gab von Römischer Kaiserlicher macht, Dnd als Erblicher Regierunder Herrn vnd Landessürst in Österreich gnedigclich ver- newt Bestatt vnd gegeben. Derncwen, Bestatten vnd geben In die auch wiffenlich in Krafft d^S bricffs. Mainen seyen vnd welle» , das Sy vnd Ir Nachkämen die »u Hinfür in Künftigen zeit- ten vnd im vollem Rechten mit allen Iren lewken vnd gnttcrn nutzen niesten vnd brauchen füllen vnd mugen von Allermenigclich ungehindert vngcuerlich. Dauon gebieten wir den Erwirdigen Hochgebornnen, Wolgebornnen Ersamen Edlen vnsern lieben ge- trewn — alle» vnd yeglichen Fürsten geistlichen und weltlichen Grauen Freyn Herrn Ritter» vnd Knechten Haubtlewten Lannd« marschalhen, Verwesern, Hubniaister» , Vitztumben, Pflegern, Burggrauen, Burgermaisterrn Richtern Retten Bürgern Gemain- den vnd allen annder» vnsern vnd des heilige» Reichs, Auch vnn- serr Erblichen Lannden vnd gebiette vndertane» vnd Lieben ge- trewn. Vnd besonnder den obgenanten Bnrgrrmaister Richter vnd Rat hie zu Wienn gegenwärtigen vnd künftigen ernstlich vnd wellen das Sy die abgenannte» Püefferinn vnd Ir nachkämen mit Iren lewtc» vnd güttern bey den vorbcrürten gnaden Freyhai- ten gaben Rechte» vnd gerechtigkaitten vnd diser vnserr Bestatt genntzlich vnd völligilich beleiben lasten, Dnd In daran khainer- lay Irrung ingriff noch hindernuss tun, noch des femands ann- derm zetuen gestatten in khain weis. Als lieb In allen vnd In yedem sey vnfer swere vngnade zuuermeiden. Vnd bey ainer pene nemlich Hunndert Marckh löttiges goldes der sich ain yeder dar- wider tette milsambt den penen in der obbemelten vnserr »ordern brieten begriffen, halb vnns, vnd vnsern Erbe» in vnser Fürstliche Camer, vnd den anndern halben taile den bcmelten Püefferinn vnd Irrn nachkomen vnableslich wtffe zubetzallen verualle» zesein vngeverlich. Mit vrkunt deS briess Besigclt »»der vnserr II. Iahrg. Denkwürdigkeiten, l. Bd. S. Heft, u XXXIV u r k u IId e IIb u ch. kaiserlichen Maiestat Anhanngunden Jnstgl. Geben zu W i enn Phinytag sann» Egidien Abeut. Nach Cristi geburde Diertzehen- hundert und im Achlzigisten. Dnsers KaiscrtumbS im Ncwnund- zwainyigisten, Bnserr Reiche des Römischen im Ainsunduiertzi- gifften »nd deS Hungerischen im Zwayundzwaintzigisten 2are. 66X11. Fridrich IV. trägt die Schlichtung des Zwistes über daS Sonnenbergisch« Beneficium , der Hochschule und dem Magistrat und dem obersten Jeldhauptmann Tobias von Boskowitz und Czernahora auf. Linz am r. Oct. iägr. Wir Friderich von Gotz gnaden Römischer Kaiser- Entbieten dem Edln vnnierm lieben getrewn Dobeschen von Bozkowitz vnnd Tschernahor vunserm obristen Deldhaubtman vnd annder» vnnsern Reten zu Wienn auch den Ersame» andechtigen weisen vnnsern besonderlieben vnnd fc getrewn dem Rector vnnd Doctorefen der vier Facul- tät vnnferer Vniuersitet, dem Bürge rmaisterRich« ter vnnd Rate daselbS zu Wienn vnnser gnad vnnd alles gut, AIS zwischen den Ersamen Erbern vnnsern lieben andechtigen Michelen Pawngarlner licentiaten geistlicher Rechten vnnsern Eapplan ains, vnnd Stephan Volig des annder» tailS von der drevr gestifften Mess wegen auf der Heiligen Zwelffpoten Alltar zu sannd Stephan daselbs zu Wienn, die derselb Pawngartner vnferer lehenschafft vnnd der bemellt Stephan des Stiffts daselbs zu Wienn lehenschafft zesein vermainet, etwas Zwittrecht vnnd Irrung sein, als wir vernommen, Empfelhen Wir-daz 2r den benannten Partheyen fürderlich tag darum für Ew seyet, vnnd benennet Sy vnnd was Sy des berürten Beneficium halben fürbringeu werden vnnd zugcnieffen main höret, vnnd welchem in derselben verhör die bestnnbt Gotsgab Rechtlich zesein erkannt wirdet, denselben von vnnsern wegen da bey hannlhabct, » vnnd von dem andern daran Irrung Zetun nicht gestattet- * Geben zu Lynntz an Sritag nach sann» Iheronimen tag »nno domini et LXXXX1I vnnserS Kaisertumbs im Ainsunduiertzi- gisten (fünfzigisten?) Iare. u r k u n d e n b u ch. CCX1V. XXXV Constantia, Me Meisterin» und das Kloster St- Marien Magdalenens vor dem Schottenthor, verleihet an Georg Egendorffer die Haslische Stiftmesse sammt dazu gehörigen Weingarten vor dem neuen Thurm, dienstbar zur Achazy.Capellen auf St. Stephans Freikhof. Wien den Nov- »5ro. Ich Schwester Sonst» neia Pngklin die zeit Maistein des Frawn Closter fand Maria Magda- len v»e Schottntoe zu Wien und Wie der Eonventt ge< main LaselbS Bechennen-dast der Ehrwirdiq Heer weilent Heer Hannst Hesl selig in vuserm Kloster ain Meff auf Goyleich« nam Altar gestyfft hat die mit den erwirdigen Beiestee Herrn Hannsn Pachele von schwäbisch» werdt verlichn haben und er uns die gedacht Styfft und Meff — — aus freyen Willen widerum resigniert hat darumb haben wir die bemelt Meff-dem er- famen Briester Herrn Jörgen Kgndorfer von Krrmsmiinster- verlichn-Und zu der egena, iten Styft gehörd ain Wein- garitn gelegen vor dem Newen Turm gegen den K l a g> pawm über, genannt die G u g l, zu nagst der I o h a n n i t e r Weingarten davon man jährlich dient-zu fand Ach»tz» Eapvelln auffand Stephans Freithof zu Wienn _zu rechten Grundienst !e. >e. Mit Urkund des Briefs be, siegelt mit unser Maisterin und Eonventt Baider anhangunden Jnsigeln. Gebn zu Wien nach Cristi Gepurd iLio Jar an fand Leopolds Tag. 66X111. Wolfgang Graf zu St. Georgen und Pöstng wünscht den Hausen-Handel auf dem Fischmarkt in Wien in bessern Umtrieb zu bringen und beklagt sich über den geringen Erfolg seines ersten Versuches. Pösing rg. October i5rj. Ersamer vnnd weyser besunder günstiger vnsern frewntlichen gruei mit gueten willen beuor. Wir haben phintztag vnd freytag n * XXXVI I urkundenbuch. nächst vergangen ettliche stuk hawse» auff guet glük gen wienn auff Leu mark geschikt wissen wir nicht aus was »rsach wir wenig nutz aus dem kauff gehabt, vnd walten an zwey- fel hie bey vnns so vil gelt daras gewissen haben. Wie dem ist so schicken wir widerumben bey unseren gegcnburtigen Dvenern ettliche stük versehen uns peffer glük damit zu haben. Ist harauff vnser fleyssig bitt an euch wellet die mit unseren guet auff den Mark gefurdert haben, als wir uns zu euch gentzlich versehen solt ir auch 2m pesten mit sambt anderen ewren mitwanern von wienn emphinden sol mit solicheren fue- drungen oder mcrern vergleicht werden. Was euch onscr Dvenern doneben anzaigen feiten wir wellet den — vollen gelauben jw Pösing Sambstag nach Symonis vnnd Jude anno ic. 1524. CCXVI. Der päpstliche Nuntius, Paul Verger, erlaubt den Wiener Bischöfen, die Caplaneien an St. Stephans Dom, in Anbetracht ihres großen Verlustes, nicht mehr perpe- tuirlich , sondern gleich andern Manual - Beneficien zu verleihen- Wien am 10 . Der. i535, Petrus Paulus Vergerius Justinopoli- tanus Protlionotarius Apostolicus et sanctissimi Domini nostri Pauli Papae tertii, ac sanctae sedis Apos- tolicae ad Serenissimum Principem ac Dominum Dominum Ferdinand um Romanorum — — Regem, ac singula regnorum ipsius Dominia, Civitates, terras et loca etiam Germaniae Nuntius et Orator cum potestate Legati de Latere. Reuerenn; in Christo Patri Domino Joanni Episcopo V.iennensi -Cum Deuo. tio tua nobis debite exponi fecerit, quomodo antecessores et forte nonulli alii — — ante tempora sex uel sorte septem Capellanias in Ecclesia maiori et nunc Cathedrali ad sanctum Steplia- » XXXVll urkuIId e nbu ch. aum — — erexerint, noleutes — — ut possessores dictarum Capellaniarum singulis septimanis certas Missas legerent, ac coetera diuina officia — — agerent, quodque agros et uineas et reliqua bona non alienarent, sed in debita cultura conseruarent — — nihilominus tamen nonnulli possessores dictorum beneficiorum., domos , agros , uineas — — in perpetuum alienauerint et desolati fuerint —- — ita ut dicta beneficia sacerdotem proprium amplius alere non possint —- — Nos — — De- uotioni tuae ——-ac etiam tuis successoribus —- — quotiens capellanias huiusmodi de collatione tua et successorum tuorum Episcoporum Viennensium uacare — -- contigerit — — easdem ac singulas Capellanias non in titulum et in perpetuum, sed quemadmodum alia manualia personae idoneae-conferre — — indulgemus. — — In quorum fidem has praesentes —- —-> Sigilli nostri — — fecimus appensione communiri. Datum Viennae Au stria e anno a nativitate Domini Millesimo quingentesimo trigesimo quinto, quarto Idus Decembris. Pontificatus praelibati sanctissimi in Christo patris et Domini nostri Domini Pauli — — Papae tertii Anno Secundo. XXXVIII u r kIt nd e II b u ch. CGXVI. Ferdinand I. bewilligt , nachdem das früher vor dem Kärnlhnerthor gestandene Bürgerspital in der ersten türkischen Belagerung ausgebrannt und hernach niedergerissen worden ist, gemeiner Stadt Wien zu einem neuen Bürgerspital das bisher dazu benützte St. tLlara Kloster zu Wien. Wien den rc>. Dec. iSZg. Wir Ferdinand von GoteS gnade» Römischer Kunig zu alle» Zeiten merer des Reichs in Germanien zu Hungarn Vehaim Dalmatzien. Croatien vnd Slawonien vnd Khunig, Jnnfant in Hyfpanien Erzherzog zu Österreich Herzog zu Burgundi zu Arabant zu Steyr zu Khürnden vnd Ärain vnd Marchgrav zu Mer- hern, zu Luxyenburg in ober vnd unter Schlesien zu Würtem- bcrg vnd Tvekh. Herzog Fürst zu Schwaben. Gesürsteter Grav zu Habspurg zu Tyrol zu Khyburg vnd zu Görtz vnd Landgraf im Elfast. Marggrav des heiligen Römischen Reichs, zu Bur- gau in ober und nider Lausnitz. Herr auf der Windifch March zu Portnaw vnd zu SalniS ic. Bekhenen für vns vnfere erben vnd Nachkommen öffentlich mit diesen Brief Als gleichwol die Ersa» men Wayfcn vnser besonder lieb vnd getrewen Burgermalster vnd Rate vnser Stat Wien» vorvil verschinen Jarn vnd nemblich vorder TürkenbelagerunginderDorstadtvordemKbärner« tbor ain Bürgerspital darinnen die armen prechenhaftigen vnd schwachen Bürger, Bürgerin vnd derselben eralten vnd verdorben Diener vnd Dienerin vnd andere Prechenhafftigen kranken levt von den guetern vnd einkhomen so darzue gestiffk enthalten worden gehabt. Welches man wie wir bericht ob menschen gedechtnus das Bürgerspital genennt hat, Dnd aber daffelb Bürgerspital in den angeregten greuerliche» des Türkchen gewaltigen Belagerungen vnd vberzugcn Erstlich »erschienen fünfzehen hundert vnd Newn und jivanzigiste JarS ausgeprennt. And folgends im zwai und dreiffigisten sar, gar nicdergeworffenvnd geri ssen worden, darumbc» wir dann auf gedachter Burgermaistep vnd RatS sonnder vunderthenig ansuechen, auch auS genaden vnd angeborner guetigkeit, so wie pittich zsi den Armen Prechen- XXXIX urkunde » bu ch. hafftigcn Lewten trage». AlSHerr vndLandsfurst genediglich bewil» ligt vnd jue geben das zu ainem andern Bürger Spital das Er»» ster j u S a n n d C i a r a i » W i e n n. Nachdem sonst in der Stat kai» pesser Gelegenhalt gefunden werde» möge». Das auch angeregter Cawff halben Imselben kioffter dazumal wenig Clo» sterfrawen vorhanden gewest. Genomen vnd gebraucht. BnddieS» weil gedacht Bürgermaister vnd Rats auf angeregt vnsern gene« digist zuelaffen vnd Bewilligung daffelb Clofftcr j» 2ren Bürger Spital bisher ettlich Iar gebraucht. Vnd wir sy vnö glaubwirdig fürbracht nicht ainen klainen kioffter zu allen notturft vnd won» nung der Armen krankhen Lewt bisher darein gepeffcrt »nd ge» pauk haben S» vns unterthünigklich ersucht vnd gepete». Dast wir Inen solch Sand Clara kioffter als vnnserer vorfordcrn von üster« reich Stifft. Wie daffelb in der Stat mit Mawer umbfangen zn ermelten Ihren Bürgerspital zutransferirc» Erblich vnd zu ewige Zeaitten gcnädigst ervuolgen zu lassen genediglich gern ethen Haben wir solch Ihr gehorsamlich vnd vnderihenig Bitt auch das guet Cristenlich Ivcrkh so hierinen den ?lrmen Lewten, vnd dem nechsten Cristen Menschen beschiecht. Und demnach mit wölbe» dachten muer zeitigem Rat vnd rechterwiffen Als Herr »nd Lands» fiirst auch als obrister Vogt vnd Stifftherr ermeltes EloffterS gnediglich bewilliget. Thun solches auch hiemit wissentlich in krafft diS BrifS also deS gemelter Vurgermaister vnd Rat Jezo vnd nun hinfuran khonnfftigklich das besackt Cloffler zu Sannd Clara mir alle ein vnd zugehörung, wie das mit Mawer. Khirchcn ein gc« müs Garten, Gründten, Khellern, Pöden vnd allen andern vmbfangenen vnd begriffen vnd von alterher zu demselben Closster in der Stat Wienn gepraucht vnd genutzt worden ist, nichts dar» in ausgesendet noch ausgenommen, als zu Ihren Bürgerspital ge« prauchen ncmen, vnd in solchen Faal waS der Arme» Lewt not» surft crvordert mit weytern paw daran verrichten vnd damit hanndle» mugen, wie Sy mit obgemeldten vorigen Ihren Bürger Spital vor dem Khärnerthor thun, vnd hanndlen Hütten mugen an vnnfer vnd mcnigklichs Irrung »nd HindernuSS. Doch Dat die Nutz Nenntzollo einkommen vnd Skifftungen fo vormals den Armen Lewten zu gueten bey dem vorigen Iren Bürgerspital zu» gehörig gewest vor dem Khärnerthor vnd noch khonnfftigklich durch Testament Erbschaft oder in ander weg. Darzue kommen möch» ten. nichts weniger bey diesen, Spital z>! Sannd Clara den armen lewten auch trwlich mitgetaillt vnd guet löblich Ordnung darin» XL U rk ii ndenb u ch. nen gehalten, wie S» dann dem Almechtigen Got darumben antwort. zu geben schuldig sein werden. Vnd wie zu Inen gar nicht zweyffn wellen. Wie uns dann vnd darüber als Herrn vnd LandcSfürsten genediges vnd »ottürsttiges einsehen zehaben ge- Pürk. Dnd gepieten darauf allen vnd »cdcn vnnsern vndcrthane» Geistlichen vnd Weltlichen IN waswirdcnstanndes oder Wesens die sain nymands ausgeschlossen Ernstlich und vefftigklich mit diesem Bris vnd wellen das Snvilgemelt Bürgermeister vnd Rat zu Wien be» dieser vnser genedigjsten Bewilligung vnd ewigen gab. Be- rüewlich beleibcn lasten. S» darwider mit Dringen oder beschweren »och yemandö annder» zcthnn gestatten in kainerla» Wege be» Vermeidung vnser schweren Ungnade vnd straff das mannen wir Ernstuch auch gencliglich vnd vngencdialich vrkunt dies; vnserer khönigllchen Briefs Geben in unser Stak Wien» den zwantzigi- sten lag des Monats Dezembrs Nach Christi Kepurt fünfzehen Hulldert vnd im Ncvnvnddreiffigsten vnserer Reiche des Römischen im Neunten und der andern im Dreyzehenten. CCXV1. Ferdinand I. schenkt der Stadt Wien, die seit der türkischen Belagerung öde liegenden Gründe zu St. Johann in Siechenals, dein Stift St. Dorolhee gehörig und jene des Klosters St. Niklas vor dem Skubenthor zunächst dem Gottesacker, um darauf Lazarethe und Krankenhäuser. auch einen Freythof herzustellen, Neustadt den 18. Der. i54o. Wir Ferdinand von gottes genaden Römischer Khunig zu allen Zeiten mercr des Reichs in Germanien zu Hnnngcrn vnnd Beheim ;c. lhunig Jnfannt in Hispanicn Erhhcrtzog zu Österreich hertzog zu Burgunlldy zu Brabalindt zu Stevr kernndten Chrain vnnd Wirtrcmberg :c. Grane zu Tiroll ic. Lekhennc» offenlltlich mit dieseln brieuc, Alls vnns die Ersalnen wcvscli vnllser bcsonn- der lieb vnnd getrew , N. B u r g e r ma >, st e r und Ratv » n- fer Skat Wieun vnnderkbenigclich ersuecht vnnd gebeten, Das lvir inen die grünndt, Nemblich den aineli bey Sanndt Johanns in der Sieche »als als so ödgcstanndeli. XLl ul' kII >1 denbuch. Vnnd durch Sv i» gegenwärtigen geuerlichen leuf- fcit r n 6 bösen l ü fft, das Lafaret, mit schwerem irem Chossten darauf erbawt worden, so dem Brobst vnnd ConUent zn Sanndt Dorothea zu Wienn zugehörig, Vnnd dann die gründ! der Dden Flegkhen bey Sanndt Nicla, d i e weyil doch dieselben sonst n y m- ber erpawt werden, zuetzeaignen, vnnd Erblich verfolgen ie lassen, genedigelich geruechten, Mit weitterm vnnderthenigi- ste» antzaigen, dasSy Vorhabens ausdieselbengründt, etlich gebew, und Lafaret zwgemainer Stat not- durfft vnnd nutz zuuerrichten vnnd zuuolbringen, Haben wir angesehen solch 2r vnnderthenigist bitt, Bnnd sürnemlich das sonnst solch Ld grünndt also , on menigclichs nutz vnerpawt steen- beliben, Blind demnach vnnd sonnderlich die weil! wir aus vnn- sers Verwalter vnnser Stathalter Ambts Cantzler Regenten vnnd Räten »unserer Niderösterreichischen Lannde bericht vnns vber- schtckht vernomen, daS auf 2r sonder gethane Handlung sich der Brobst von Sandt Dorothea des obbemelten grünndts in der Giechenals bey Sandt2ohanns guetwillig begeben, mit wolbedachkem muet zeittigem Rat vnnd Rechter wissen, Alls Herr vnd Lanndsfürst auch öbrister Vogt vnnd Sttfftherr ermel- ler Clöster, 2nen Vürgermaister vnnd Rath die obgemelten zwen gründt vnnd Flegkhen Nemlich den ainen bey Sanndt Johanns auf der Siechen-als auf Brobst vnnd Eonuents zu Sandt Dorothea bewilligung, die wir hiemit auch genedigelich zuelasse», Vnnd dann denn getzirckh des Elosters zu Sandt Nicla, vnnd desselben baiderseitten, Wie die durch vnnsers Pawschrei- bers Gabrieln Freysingers besichtigung benennt vnnd auszaigt, vnnd vnns alls Herrn vnnd Lanndssürsten haimgestannden sei», frey Erblich zuegeaigent vnnd gegeben, Thue das auch hiemit wissennllich in erafft dits briefs, Also das Sy mit erpawung der Lafaret auf angeregt grünndt 2rem gefallen vnnd notturffr nach rerfaren mugen on menigelichs 2rrung eintrag vnnd hinnder- nusz, doch die weill der yetzig Gots Ackher vnnser Burgkh vnnd der Stat Wienn vast nahennt ligk, das der vor- Fleckh des bemeltem Klosters zu Sank Nicla zu ainem Gotsj- ackher zeordennt und kunfftigilich dartzue gebraucht werde, Dnnd gebieten darauf allen und yeden vnnsern vnderthonen Geistlichen vnnd weltlichen in was wirden Standts oder Wesens die sein nye- manndtS aufzgeschlossen Ernnstlich vnnd vesstigilich mit diesem XLII Ur k und e n b >i ch. brieue vn»d wellen , das Sy vilgcmelt Burgermaister vnnd Rat zu Wien» bey dieser vnnser genedigisteii bewilligung Gnad vnnd gab berueblich belciben lassen, Sy dawider nit dringen oder beschweren noch yemants anndern zethuen gestatten in kainerlay weg oder wcisz bey yermcydung onnscr schweren ungnad vnnd straff, das mainen wir Ernstlich, Mit »rkunndt diiS briefs, der geben ist in onnser Stat Newstat den Achtzehcnndten tag des Monats Decembris, Nach Christi geburde Fiinnffizehenhundert »nnd im Dicrtzigisten, Dnserer Reiche des Römischen im jehcnndtn »nnd der anndern im Viertzehente» Iarenn. eexvn. Der Mahler und Ingenieur Auaustin Hirschvogel, Verfasser des neuen Planes von Wien, nach Ferdinands!, neuer und großer Umstaltung und Befestigung, besteht von St. Stevhan als Grundherrn ein Haus auf der Tagkhcn bey der Himmelspfocte. Wien den i. April i5g6. Ich Augustin Hirsch fogel Maler alhie zu Wienn vnnd ich Eua sein Eeliche Hausfraw Bekhennen für uns vnd unser Erben — — Das wir von dem hochwirdigen Fuersten vnnd Herrn Herrn Friderichen Bischouen zu Wienn Römischer auch zu Hungern vnnd Behaim k. khünig- licher Mt. Hofrath rc. vnnserm gnedigen Herrn recht vnnd redlich —. — bestanden haben das Haus auf der Teckenn beym Hy m,e lp ort en alhie zu Wienn gelegen, Welchs vormals weilent Herr Wolfgang Scheurer Priester vnnd Beneficiat zu Wienn seliger innen gehabt —• —• Reinlich auf drey leyb zu vnnser Beder Chonleut vund Veiten Hirschfogels unsers natürlichen Suns lebtagen-- Benentlich vmd tzehen Phundt Phennig gueter Landswerung in Österreich Jahrlichs Ainss—• — Au Vrkhundt-haben wir obbemelten Chonleut — —■ erbeten die Edlen Erntuefften weisen Herrn Frantzen Lgclschouer, Rö. Kün. Mt. Rath Secretari vnnd Ratschreyber alhie zu Wienn, XLI1I Urkundenbuch. vnnd Andre Rotmayr des Luffern Rats Bürger daselbst das s>) disen Reuerssbrieff mit Iren anhangenden!. Jnstgeln-- ver- ferttigt haben-Geben zu Wienn den Ersten Tag des Monats Apprillis, Nach Christi vnnsers lieben Herrn vnnd Seelig- machers gebnert Funfczehenhundert vnnd Im Sechs viertzigir stein Iare. CCXVIII. , Kaiser Ferdinands I Mandat wider das Spazierengehen, Ringhalten und andere zeitliche Geschäfte im St. Sie« phans-Oom und anderen Kirchen zu Wien. Wien den »Z. Nov- »55g. Wir Ferdinand von Gottes genaden Erwelter Römischer Kaiser zu allen Zeiten Mehrer des Reichs in Germanien, zu Hungarn, Behaimb, Dallmatien, Croatien und Slavonien rc. König, Jnfant in Hispanien, Erzherzog zu Oesterreich, Herzog zu Burgund- Steyer, Cärnthen, Crain, und Wirttenberg, grave zu Tyroll rc. Entbieden N. allen und Jeden unseren und unserer geliebten Söhnen Hosgesind, Landleuten, Stadtvolk, auch unserer hohenschull allen alle zuegethanen und Verwandten, und sonst allen andern unseren Unterthanen und getreuen, Geistlichen und Weltlichen, was Würden Standes oder Wesens die seien, so Sännet Stephanns Thumb, und andere Kirchen allhie in unserer Stadt Wien besuechen, unser gnad und alles gutes. Wiewohl wir Khunt verschiner Jahren offen Befelch ausgehen lassen darinnen wir Euch genediglich angezeigt und Erinnert, wie Enner etlich sein, welche die Kirchen nicht wie sich gebührt, und wohlgezimtt vonAndachts und gebetts halben, besuchen, sondern untern Berkündi- bigung des heilligen Wort goktes und Bollbringung der göttlichen Aemtter, ärgerlicher weiß in denen Kirchen hin und wieder Spalieren, oder auch sonst Haussen und XLIV u r k u n d e n b uch. ttnngc halten« auch allda Encre zeitliche Handlungen verrichten, oder sonsten unnützen leichtfertigen fachen nachgehen und auswartten, und also allein selbs nichts gutes thun» sondern auch ander leuth, an Ihre gebett und Andacht höchlich und merklich verhindern, und also aus den Betthauß ain gewerb- und Spacirhauß machen, und derwegen Euch allen und jeden, sich dergleichen Verbottenen unchristlichen ärgerlichen erzaigungen und halten in den Kirchen gänzlich zu enthalten aufgelegt, und befohlen haben. So werden wir aber glaubwürdig erinnert und, bericht, daß bemelten Unseren derwegen ausgangenen Mandaten, gar nicht nachkommen und gelebt werde, sondern sich Euer Etlich darwider sowohl als vorganz ungebührlich und ärgerlich, darob wir dann nicht unbillig Un- gnädigs mißfallen tragen, halten, und erzeigen sollen. Und dieweil uns aber aus Befelch des Allmächtigen, und erforderung unsers tragenden Kayserlichen und Landesfürstlichen Ambts dergleichen ungebührliche Sachen abzustellen, ine allewege gebühret, uns auch daffelb zugestatten keineswegs gemainet. So ge- biette» wir Euch allen und Euer jeden hiemit übermahlen mit allen Ernst, und wollen niemand ausgenohmen, baß Ihr euch hinfüran, unter den Predigen» und wann die Tagzeiten, und andere göttliche Aemtter, Es sey nun in Sanct Stephan» Thumb, oder anderen Kirchen gesungen und gelesen werden, des Spa- tzierens, Ringhaltens, hanthierens, und dergleichen ärgerlichen, und ungebührlichen ertzeigen, und Haltens, gänzlichen enthaltet, sondern den gotts dienst, gott den Allmächtigen zu Lob und Ehre und Euren Nächsten zur besserung, mit gebührender rechter andacht beywohnet und auswarthet, und Euer Weltliche Händel, geschäft und Spalieren, ausser der Kirchen, und an anderen orten verrichtet. Alles bey Vermeidung Euer Jedes ordennlichen obrigkeitsstraf und unser ungnadt. Und damit diesen unseren Generallgebotr- desto stattlicher gelebt, und darob gehandlet werde. So bevehlen wir allen und jeden obrigkeiten Geistlichen und Weltlichen, Insonderheit aber unseren Land Marschalckh, T Urkundenbuch. XLV Rector, Thumbdechant, Bürgermeister, Richter und Rath Unserer Stadt Wien, Ernstlich und Vestiglich mit diesen Brief und wüsten, daß sie ob diesen Unseren Generall gebott Vestiglich haltend, und gegen den Übertrettern so Euer jeden unterworfen, an alle Berschonung mit ernster straf verfahrt, und euch hierinnen keineswegs änderst haltet, als lieb euch, und Euer jeden seye unsere schwere Ungnad und straf zu vermeiden. Das ist unser Ernstlicher willen und Meinung. Geben in unserer Stadt Wien, den dreyzehenden Tag Novembris Anno u. Zm Neunund Fünftzigisten, Unserer Reiche des Römischen Im Neun und zwaintzigisten und der andern in drey und dreyffigsten. Ferdinand» V JU Erklärung der Kupfer des dritten Heftes. Statue des Heilands, der die Erdkugel in der einen Hand trägt/ die andere emporhebt, ist eines der vortrefflichen Figürchen, (deren jedes eine Höhe von 15 Zoll hat) von rothem Marmor, welche auf der Gallerie des Grabmahles Kaiser Friedrich IV im Paffionschore von St. Stephan stehen. Aus dieser treuen Probe läßt sich die künstlerische Vollendung dieses an Bildwerken so überreichen Denkmahles ermessen, über dessen Gestalt und Künstler im ersten Hefte dieser Denkwürdigkeiten S» n —33 einige Andeutungen gegeben sind» Gelbst Thorwald sen bewunderte diese herrlichen Bildwerke, die er der besten Zeit des classischen Alterthums würdig erklärte. Das zweyte Blatt stellt den heil. Papst und Kirchenlehrer Gregorius vor, nach einem der vier Brustbilder von Kirchenlehrern, die an der Kanzelbrüstung von St. Stephan in den fensterähnlichen Nischen angebracht sind, und welche dieselbe treffliche Künstlerhand verrathen, die das Brustbild Pil- grams, des Thurmbaumeisters und Berfertigers der Kanzel und des kleinen Orgelchores, hervorgebracht hat. Die nähere Beschreibung der Kanzel findet man in dem angeführten Hefte G. 86—88. Die Denkmahle des Bischofhofes. Die Büste des Annius Verus. 1 —■ Diese kleine Marmorbüste , aber von vorzüglicher Arbeit, hatte, so wie das nach» folgende cgyptische Denkmahl, das wahrscheinlich ein römischer Officier (wje es in unsern Tagen gar wohl mit französischen hätte geschehen können,) von den Gestaden des Nil, von Thebais ober Tentyra oder von der Gränzinsel Elephantine bis an den entgegengesetzten nordischen Reichslimes der Donau verpflanzt haben mag, nach einer alten Überlieferung, den nähmlichen Fundort. Sie soll nähmlich, wie schon im zweyten Hefte Seite 161 gemeldet worden, in jener Gegend ausge- graben worden seyn. die vorzugsweise die Fundgrube rö- V » Erklärung d e r K u p^f e r. Mischer Überreste Vindobonas und seiner Castra stativa der fabianischen Cohorte war, nähmlich von den Höhen des Belvedere herunter, rechts und links vom Canal bis zur Mündung der Wien in die Donau. Sie befinden sich im Bischofhofe , kraft grundherrlichen Rechtes ; denn der Ausgrabungsort gehörte zum alten crzbischöflichea Mayerhof an und auf dem Hügel, worauf jetzo ein Theil der Rabengaff« steht, vor dem heutigen Carolinenthor. — Ein weiblicher Kopf, den man eine Agrippina nennen könnte, und der Kopf eines lächelnden Fauns, gleichfalls im Bischofhof bestndlich, scheinen durchaus nicht antik und nur zufällig mit jenen merkwürdigen Monumenten zusammen gekommen zu seyn. Jene Büste des Annius Berus gewinnt einen ganz besondern Werth durch die Ähnlichkeit mit einer großen Marmorbüste in Rom (filus. pio-LIemerrt. Dom. VII. tab. XX. pag. 4o. 41.) in welcher Visconti, auf gleichzeitige römische Medaillen gestützt *), das Bildniß des Annius Berus, Sohnes des Kaisers M. Aurel und der Faustina erkannte. Schon mit dem dritten Jahre seines Alters hatte M. Aurel das geliebte Kind zum Cäsar ernannt, verlor es aber schon im flebenten, wo der Cäsar Annius Verus in Präneste starb, als ihm eine Eitergeschwulst unter dem Ohre war geöffnet worden, im Jahre 170 nach Christi Geburt **). •) Man vergleiche den Medaillon in dem Oimelium llurtria. cum toni II. tab. 4. 8. aus der vom Kaiser Carl VI, angekauften Münzsammlung der Karthäuser in Rom, ob- schon Eckb-l in seiner Ooctr. Num. vet.-VI. pag 83 gegen die Ächtheit desselben Zweifel erhob, die aber bey einem ähnlichen Stücke in der Pariser Sammlung nach Viscontis Zeugniß gar nicht Statt finden sollen. **) Es ist überflüssig zu bemerken, welche Bedeutenheit diese Büste auch dadurch erhalte, daß fie sich gerade zu Vindobona fand, mit Carnunt, einem Hauptwaffenplatz Marc Aurels in dem großen Markomanenkriege an dem Ort seines Todes und Leichenbrandes und hockst wahrscheinlich auch der Ausrufung des Commodus als Imperator. Erklärung der Kupfer. Eine egyptische Pastophore. Dieses egyptische Denkmahl aus Syenit Grünste!», eine hockende weibliche Figur vorstellend, welche vor sich her ein Hei- ligthum hält, wie einen verschlagenen Kasten voran, mit einem halberhobenen weiblichen Kopfe verziert, ist ausgezeichnet durch sein hohes Alter, durch die Eigenthümlichkeit des Volkes, bey dem es entstand und die sich darin so bestimmt ausspricht: Die Vorstellung selbst gehört zu den bekannten. In kleinen reich geschmückten und vergoldeten Kästchen von Holz, in Gestalt von Tempeln, trugen die Egypter bey ihren feyerlichen gottesdienst- lichen Auf- und Umzügen, die kleinen Figuren ihrer Gottheiten und deren Symbole zur Schau. Von dem Worte (rca-og), womit man diese kleinen Behältnisse und Kästchen belegte, bekamen die Träger derselben bey diesen festlichen Gelegenheiten, den Nahmen Pastophoren, womit wir unsere gegenwärtige Figur bezeichnen» Wir halten die Figur für weiblich, und schon bey Visconti (a. a. O. tav. VI. p. 8 .) findet sich eine weibliche Pastophore. Wir glauben unser Denkmahl vor der Zeit der Persischen Eroberung Egyptens, auf jeden Fall vor der Herrschaft der Ptolomäer in diesem Lande setzen zu müssen *): die Haare sind ganz so in kurzen Locken gearbeitet, wie man sie noch jetzt bey den Bewohnern Nubirns vorfindet; die Figur hält in der Rechten das Sinnbild des sogenannten Nilmeffers, in der sehr bescha- digtenLinken den Nilschlüstel. Bemerkenswerth sind bieSandalen an den Fügen, ganz so, wie man sie, vollkommen erhalten, aus Schilfrohr geflochten, in den Felsengräbern und Pyramiden in Egyp- ten bey den Mumien findet, und in den meisten Sammlungen egyptischer Monumente aufbewahrt. ») Einige Andeutungen zum Belege dieser Behauptung findet man in den Sonrabeos egyptiens figures du Musee J, R. Vienne 1824- P- 5 - DMMAM- janaSiil 1 .'""JA . V i |miim»iniiiim»»w))m.t> li4aag!i{!^ ■•V> ? \ • ' 'i !Tnl AaAAAA /Ws/vv o o o 0(10 A/NAAAAA C7 HDD nShM ETH Zürich Bibliothek 03 CD » A ' ; fw i*'' |“L ' ?&V*s . ÄSfe; [ÜM-fd ^7'-E« L8 KMÄ LAL.MM ■'•«•i ‘ F-56S*}. sa»w-v •.■»f r?.„j. Sii.* E ii . • i •: ''■Jyfy