ALM ^ -s^s? WWE A-MZ ZMW SS MWÄ einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens von Johann Friedrich Wilhelm Otto. Berlin bei G. C. N a u ck I 8 o o. WO LM Vorerinnerung. §)ie günstige Aufnahme, welche mein Abriß einer Naturgeschichte des Meeres zu erhalten das Glück gehabt hat, ist für mich Aufmunterung gewesen, einen andern Theil der physischen Erdbeschreibung üuf gleiche Art zu bearbeiten. Diese ist nun das Wasser, welches auf der trockenen Hälfte der Erdoberfläche auf mannichfaltige Weise verbreitet ist. Ich hätte die Betrachtung dieses Gegenstandes jenem Abrisse unmittelbar folgen lassen können, ohne die systematische Ordnung sehr zu stören: da ich aber nöthig fand, dem Meere nochmals eine genaue Aufmerksamkeit zu widmen; so erwuchs daraus eine weitere und umständlichere Ausführung dieser Materie. Ob ich nun zwar bei der Bearbeitung derselben, dem Plane jenes Abrisses in der Hauptsache gefolgt bin; so zeigt doch schon ein flüchtiger Blick, Laß der Berichtigungen und Vermehrungen so viele sind, daß derselbe dadurch auf eine wesentliche Art verändert worden ist; wobei ich die Urtheile der Herrn Recensenten, so viel mir erheblich schienen — und wirklich waren sie es einem großen Theile nach — nicht unbenutzt gelassen habe. In der allgemeinen Hydrographie, die ich dem Publikum in diesem Bande übergebe, ist nun alles dasjenige zusammen gestellt, was auf den flüssigen Theil der Erdkugel Beziehung hat, und lasse ich darin, in einer natürlichern Ordnung, das Meer auf die Seen, Flüsse und Quellen folgen. Sie kann als ein für sich bestehendes Werk, aber auch als der Anfang eines Werks über dis physische Erdbeschreibung angesehen werden, welches ich dem Publikum mit einer Vollständigkeit nach und nach in die Hände zu liefern gedenke, die man bei allen jetzt bekannten Systemen und Handbüchern dieser Wissenschaft vermißt. Auf die Hydrographie, werde ich nun die Theorie des Luftkreises, in einem zweiten, im drit- ten aber die Betrachtung des festen Theils unsers ErdkörperS folgen laßen. Hieraus ergiebt sich nun, daß die Anordnung des Ganzen auf den Namen eines Systems nicht Anspruch machen kann, worin das Allgemeine dieser Wissenschaft hatte vor- angeschickt werden müssen. Dieses wird als eine Einleitung in die physische Erdbeschreibung besonders abgehandelt, und für einen eigenen Theil verspüre werden; daß aber die Materien eines jeden Bandes genau systematisch behandelt sind, wird sich bei einiger Aufmerksamkeit leicht entdecken lassen. Ich habe, so viel mir möglich gewesen, bei meinen Arbeiten die neuesten Entdeckungen und Beobachtungen genußt, und die Quellen, woraus ich geschöpft, fast jedesmal angegeben. Die Materialien zu einem Werke, wie dieses, liegen, besonders was das Historische betrifft, in einer großen Menge Büchern zerstreuet, aus welchen man sie nur mit Mühe sammeln kann, und wobei man nicht selten auf Widersprüche stößt, welche zu heben nicht immer eine leichte Sache ist. Es liegen auch noch manche bedeutende Materialien in Wer- kett verborgen, die ich mir, aller Mühe ungeachtet, nicht habe verschaffen können. Vielleicht erhalte ich sie in der Folge, da sie denn Stoff zu einer Nach« lese darbieten werden. Ich habe mich übrigens in meinem Vortrage, der Bestimmtheit, Kürze und Deutlichkeit im Ausdrucke zu befleißigen gesucht, und kein Bedenken getragen, hin und wieder aus Büchern, welche ich gebraucht, unter den nöthigen Veränderungen, Stellen wörtlich aufzunehmen, sobald ich jene Eigenschaften an ihnen entdeckte. Ich befürchte nicht, daß man mir darüber einen Vorwurf machen, und eS mißbilligen werde, wenn ich auf diese Weise, mich der unnühen Mühe überhoben habe, für den passenden und guten Ausdruck des Verfassers, einen andern zu suchen. Berlin, den Zo. März 1800. Der Verfasser. »Hydrographie nennen wir denjenigen Theil der physischen Erdbeschreibung, worin das Gewässer auf unserer Erd, kugel'betrachtet wird. Er unterscheidet sich von dem Theile der mathematischen Geographie, worin vom Kompasse, von der Bestimmung der Länge und Breite des Meeres u. s. w. gehandelt wird, welcher bei einigen Schriftstellern ebenfalls Hydrographie heißt. Mit dem Namen Hydrologie bezeich, nen andre Naturforscher mehrenrheils systematische Verzcich, Nisse der- verschiedenen auf der Erdoberfläche befindlichen Wasser, in so fern sie mit fremden Theilen mehr oder weniger vermischt sind. Dieser Theil der physischen Erdbeschreibung scheint zwar beim ersten Anblicke minder wichtig, und reizt die Wißbe- gierde des Landbewohners gewöhnlich nicht so sehr,'als derjenige, welcher sich mit dem festen Theile der Erdkugel beschäftigt: er verdient aber nichts desto weniger unsere ganze Aufmerksamkeit, und, da die Kenntniß des trockenen Theils der Erde von der Kennt« ß des flüssigen mit abhängt, auch in den Systemen dieser Wissenschaft die erste Stelle. Bis jeht ist die Hydrographie noch nicht im Zusammenhange auf eine zweckmäßige Art vorgetragen worden. Ganz eigentlich behandelten sie Fabricius, Wallerius, Four- nier, Cartheuser und Monnel: aber freilich unvoll, A ' ' 2 Einleitung. ständig und auf eine Weise, die jetzt wenig befriedigen kann -). Sonst aber hat man die Theorie der Gewässer der Erde, als einen Theil der physischen Erdbeschreibung, in den Lehrbüchern dieser Wissenschaft mit abgehandelt, welches am ausführlichsten vom Varenius -), Woodward ?), Nic- riolus '), Lulofs 0, Bergmann und Witterst ach er ') geschehen ist. Was besonders das Meer betrift, so war Doyle der erste, welcher sich um eine gründliche Kenntniß dieses Theils der Erdkugel bemühete. Er hinterließ ein Werk, welches mehrere Nachrichten in sich faßt, die er über diesen Gegenstand von den Seefahrern erhalten hatte r die aber wenig Mf- klären und nur zeigen, daß der Boden des Meeres ungleich, und dies die Ursach seiner abwechselnden Tiefen sey s). Zwei Werke scheinen diesem Gegenstände ganz eigentlich gewidmet zu seyn. Das eine besitzen wir von dem Gra- Hydrorheslogis, oder Versuch durch Betrachtung der Waffe», den Menschen rur Liebe und Bewunderung des Schöpfers zu^ ermuntern, xvfl Zoh. Alb. Fabrici »s, Hamburg 17;?. 6. 2 0 h. ,662. «) Einleitung !>:r Kenntniß der Erdkugel «. d. Hoff. von Kastrier, Gott. undLeipi. >725. 4. S. 2Z2 — 824- e> Physik. Veschr. der Erdkugel a. d. Schw. von Röhl Greifsw. >780 8. -. Theils >, Band, S. 276 — Z87- -) Physik. Erdbeschreib. Wien 1739. S. -8 — 93- ») koderc Lo-Ie äisserialione» st« krinsto inerir. Einleitung. 8 fen Marsili -) und er handelt darin in vier Kapiteln nach einander, von dem Becken des Meeres, der Beschaffenheit und Bewegung seines Wassers und seiner Vegetation, unvollständig und nach den Kenntnissen der damahligen Zeit, auch bloß nach Beobachtungen, die er an der Küste von Languedoc und Provence angestellt hatte. Dasjenige, welches sich auf die lebenden Geschöpfe des Meeres erstrecken sollte, ist der Verfasser schuldig verbliebenchDaö zweite gab uns Popo witsch -). Es ist mit einem großen Aufwande von Gelehrsamkeit abgefaßt, geht aber mehr auf Nebensachen, als auf die Darstellung einer physischen Geschichte des. Meeres. Sander O in einem Versuche, welchen er über die Naturgeschichte des Meeres geliefert hat, trug mehrere Nachrichten ohne Ordnung zusammen, und brachte manches dahin, was auf diesen Theil der Erde nur einen entferntem Bezug hat. Die Betrachtung der im Oceane enthaltenen Körper des Thier-Pflanzen- und Mineral-Reichs gehöret in die eigenen Fächer der besondern Naturgeschichte und kann kein Gegenstand der allgemeinen physischen Erdbeschreibung seyn. Schäzbare hydrographische Nachrichten verdankt die Wissenschaft dem ältern Förster «)- -)IIrstoire xliz'-i/jne äe Ir Mär. Orrvusze eirricirie äe Lzurer ü'-xro« la iratrrre. a ^.mLtercl. 1725. O Untersuchung »om Meere, auf Veranlassung einer Schrift: üo oolnm. Iiis Ilercrril- von dem Herrn Pros. jSchlvari in Altars Herausgegeben. Franks, und Leipj. -750. 4. Ueber das Große und Schöne der Natur, -. Band, Leip. 1784. S. 79 — --t- *) Bemerkungen über Gegenstände der physischen Erdbeschreibung, Na, «Urgeschichte ic. auf seiner Reise um die Welt gesammelt, ssbers. und mit Anmerkungen versehen von G- Förster. Berlin 173z. 8- Seite 44 — S 7 - 4 Einleitung. Alle diese Werke enthalt!:» nun brauchbare Materialien für den Hydrographen, und sie sind überall, so wie auch noch Hübe's Unterricht in der Naturlehre, in einer Reihe von Briefen, nebst den physikalischen Wörterbüchern von Gehler und Fischer benutzt, in übrigem aber bei den einzelnen Materien die Quellen jedesmal angegeben worden. Das Wasser bedeckt bei weitem den grösten Theil der Erdoberfläche. Schbn das Meer nimmt, wie wir in der Folge sehen werden, mehr als die Hälfte derselben ein, und nicht unbedeutend ist der Raum, auf dem trockenen Theile der Erde, welcher von den fließenden und stehenden Wassern bedeckt wird. Alles dieses Gewässer steht mit einander in Verbindung. Es war dem Schöpfer nicht genung, düß er den grösten Theil der Erde der Herrschaft des Meeres unterwarf: das Wasser muste auch von hieraus abgeführt, und, zur Erhaltung der Thiere und Gewächse, über seinen trockenen Theil geleitet werden, gleich den Säften in einem organischen Körper. Dies zu bewirken, ließ er Quellen, Flüsse und Seen entstehen. Alles Wasser, welches auf der Erde sichtbar erscheint, entspringt aus Quellen, welche in Bäche zusammen rinnen, die sich hierauf in Flüsse sammeln, zum Theil Seen bilden, und dann dem allgemeinen Sammelplätze alles Gewässers, den» Meere zu eilen. Der Ocean verschlingt am Ende alles Wasser der Erde: allein er behält diesen Verrath nicht, sondern giebt ihn dem Lande zurück. Dies geschieht nun durch den Luftkrels, welcher von der Oberfläche der Gewässer, vorzüglich des Meeres, eine ungeheure Menge Wassers in dunstförmiger Gestalt aufnimmt. Diese Dünste verbreiten sich hiernächst über das Land, verdichten sich daselbst, und fallen als Thau, Regen, Hagel und Schnee aus der Atmosphäre herab, da sie denn von neuen zur Ursach der Quellen werden. Durch diesen Weg wird nun das Gewässer auf unserer Erdkugel, zur i t Einleitung. . 6 Erhaltung des Ganzen, in einem unabänderlichen Kreisläufe auf eine bewundernswürdige Weise herumgeführt, ohne daß davon das mindeste verloren geht. Dieses Gewässer der Erde ist nun der Gegenstand folgender Betrachtungen. Wir schranken uns darin-bloß aus die allgemeinen Eigenschaften, Beschaffenheiten und Merkwürdigkeiten desselben ein, ohne uns in die Beschreibung seiner einzelnen Theile einzulassen. Diese gehört in die besondere Hydrographie, und ob wir zwar aus dieser manches aufnehmen, und manche Beobachtungen hier aufstellen, welche sich nicht eigentlich durch Allgemeinheit charakterisiren; so geschah dies darum, weil sie uns als Belege und erläuternde Beispiele nothwendig schienen. Indem wir das Gewässer unsers Erdbodens betrachten; so bieten sich folgende Gegenstände unserer Aufmerksamkeit dar: I. Das Wasser überhaupt, nach seinen chemischen und physischen Eigenschaften. - 6. II. Die Quellen: 1) Ursprung der Quellen; 2 ) Natur und Beschaffenheit des Quellwassers; 3 ) Temperatur desselben; >' 4) Beschaffenheit der Quellen in Absicht der Menge und des Laufs ihres Wassers. .. / III. Die fliessenhen Gewässer: < -4 1) Die Flüsse überhaupt; - 4 2 ) Betten der Flüsse; . . 3) Bewegung des Wassers in den Flüssen; 4) Beschaffenheit des Flußwassers; >/- < 5) Besondere Eigenschaften und Merkwürdigkeiten verschiedenes Flüsse; - - / . 4' 6) Uebersicht der vornehmsten Flüsse und Ströme auf unserm Erdboden. 6 Einleitung. IV. Die stehenden Gewässer:' ' ' ' ' r) Die Seen überhaupt; ^ s) Beschaffenheit des Wassers in den Seen; Z) Besondere Eigenschaften und Merkwürdigkeiten verschiedener Seen; 4) Sümpfe und Moräste;. , 5) Uebersicht der vornehmsten Seen unserer Erde. - V. Das Weltmeer: i) Das Weltmeer überhaupt, nach seiner Größe und dem Verhältniß gegen das feste Land. . . . s) Becken des Meeres, als: - - ^ ->) sein Grund und Boden, - K) seine Ufer. ^ - . 3) Wasser des Meeres, - - «) in Ansehung seiner Beschaffenheit, nehmlich:, - des Geschmacks, - . . ^ , der Schwere, der Temperatur, der Farbe und ^ ' - des Leuchtens; - d) in Hinsicht auf seine Bewegung, nehmlich: «) allgemeine: solche' die dem Meere überall und an allen Orren zukommen, als: die Wellen, ... die Weltbewegung, - Ebbe und Fluth besondere: solche die auf gewisse, theils bestimm-, te, theils unbestimmte Orte eingeschränkt sind, als:. Meeresströme, Meeresstrudel, - Wasserhosen. g) Das Weltmeer nach seinen einzelnen Theilen, als: das nördliche Eismeer, das westliche Weltmeer, ^ " >8 Einleitung. 7 das südliche Weltmeer^.id^ das östliche Weltmeer, , das südliche Eismeer. Man trift Wasser in den grösten Tiefen der Erde an. Den Bergleuten widerfahrt es oft, daß sie auf sogenannte wilde Wasser stoßen, welche man schon von fern rauschen hört. Bei den Ausbrüchen der Vulkane stürzen gewöhnlich aus, dem Innern der Erde große Wasserströme hervor. Woher kommt nun dieses Wasser? Macht es einen Theil des großen Kreislaufs aus, der beim Weltmeere anfängt, und in ihm sich endigt; oder müssen wir noch einen andern, in dem Innern der Erde verborgene» Behälter annehmen, welcher mit dem Wasser der Oberfläche keine Gemeinschaft hat; oder ist wohl gar der Kern der Erde mit Wasser angefüllt? Die hierüber vorhandenen Hypothesen verdienen wenig, Aufmerksamkeit, da alles auf Vermuthungen beruht, das menschliche Auge hier nicht einzudringen vermag, und das Innere des Erdkörpers sich unseren Beobachtungen und Nachforschungen gänzlich entzieht. L Erste Abtheilung.' Das Wasser überhaupt, nach feinm chemischen md physischen Eigenschaften. Wasser, in so fern es nicht mit fremdartigen Stoffen verbunden ist, besteht aus einer farbenlosen, durchsichtigen, geschmack- und geruchlosen, unentzündlichen und eppansibeln Flüssigkeit. Verschiedene neuere Naturforscher halten es für eine einfache Substanz, allein aus andern sehr oft angestellten genauen Versuchen scheint zu folgen, daß das Wasser einer Zerlegung fähig sey, und aus einer . Verbindung von Säurestoff (Oxigen) und Wasserstoff (Hydrogcn) bestehe, welche durch die Materie der Wärme zu einer liquiden Form gebracht sind *). Das Wasser ist in den gewöhnlichen Graden der Temperatur ein flüssiger Körper, und die Flüssigkeit, wie erwähnt, die Wirkung der Wärme. Sobald die Temperatur über einen gewissen Grad hinab sinkt, verwandelt es sich in einen conereten Körper, welchen man gefrorenes Wasser oder Eis nennt. Bloß dadurch, daß dem Wasser ein gewisser Antheil von Wärmcstoff entzogen wird, verdichtet es sich zu Eise, und man hat nicht nöthig, zur Darstellung dieses Phä- ») Lavoisier'e System der amiphlvMischen Chemie a. d. Franz, «vn Herml'städk, P. i. ,792. ,S. 120. GirrannerS Anfanet-ründe der amiphloMischen Chemie, Bell. >795- S. 7S. Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 9 Nomens, eine besondere kaltmachende Materie anzunehmen. So gewöhnlich es nun ist, sich das Wasser, seiner Natur nach, flüssig zu denken, so richtig sagt doch der Physiker, daß es nichts anders sey, als eine feste Substanz, weiche ihrer Leichtfiüssigkeit halber schon bei einem geringen. War» megrade schmelzt. Die Rückkehr des Eises zum Wasser wird dar Aufthaucn desselben genannt. Sie geschieht durch Wiederaufnahme der freien Warme, welche dadurch, daß sie dem Wasser die Flüssigkeit ertheilt, gebunden wird. Wenn die Wärme bis zu einem gewissen Grade steigt, so trit sie in eine neue Verbindung mit dem so weit erwärmten Wasser; sie bewirkt eine zweite Formumänderung desselben, und verwandelt es in elastische Dämpfe. Das Wasser fängt an zu sieden, wobei es sich flüchtig zeigt. Hieraus ergiebt sich, daß Eis, tropfbares Wasser und Wasserdampf im Grunde nichts anders sind, als drei verschiedene Zustände oder Formen eines und desselben Körpers. Der zwei und dreißigste Grad des Fahrenheitschen oder Nullgrad des Neaumurschen Thermometers, ist derjenige, bei welchem das Wasser seiner Flüssigkeit beraubt und zu Eis wird. Man nennt ihn den Eispunkt, Gefrierpunkt, und, weil die Temperatur des-zergehenden Eises und schmelzenden Schnees, mit der des gefrierenden Wassers einerlei ist, auch denAufthauungs-Punkt. Dieser Grad ist ein fester, unveränderlicher Punkt und so bestimmt, daß das Wasser sogar, wenn es kälter ist, in dem Augenblicke seiner Gefrierung etwas von seiner Kälte abgeben muß. Man hat daher auch denselben, bei der Eintheilung der Thermometer zu einem Fundamental-Punkt gemacht. Daß das Wasser bis unter den Eispunkt erkalten könne, ohne zu gefrieren, lehrt die Erfahrung. So ist der Zustand einer vollkommenen Ruhe desselben und der Körper, welche es berühren, seiner Eisformation hinderlich, und es bleibt flüssig, wenn es gleich beträchtlich kälter ist, als diese erfordert. In 10 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. einem solchen Falle ist jedoch eine zitternde Bewegung und Erschütterung des Wassers, "wodurch die Wärmetheilchen desselben sich'loßreissen, und plözlich aus ihm entweichen, hinreichend, es auf einmal mit kleinen Eissplittern anzufüllen. Mairan H gedenkt einer Erfahrung, wonach das Wasser in stiller Luft eine Kälte von fünf Reaumurschen Graden, unter dem Gefrierpunkte, ausgehalten, aber bei der Berührung seiner Oberfläche mit einem in Schnee geriebenen Drache sogleich Eissplitter gebildet habe. Man kann das Wasser dadurch schnell und leicht zum Stehen bringen, wenn man es mit einem Stücke Eis in Berührung kommen läßt. So klein nun dieses auch ist, so schießen dann von der berührten Stelle, durch den ganzen Äsaum des Wassers, die schönsten Krystallen an. Zn allen diesen Fällen steigt beim Gefrieren des W'assers das Thermometer sogleich zum Eispunkt in die Höhe. Vorzüglich hat Blagden Versuche angestellt, das Wasser, unter verschiedenen Umständen, unter den Eispunkt hinab zu bringen, ohne daß es gefror. De- stillirtes Wasser ließ sich bis 2^, und 2z, und wenn es eine Zeitlang gekocht hatte, bis 21 nach Fahrenh. erkälten; hartes Brunnenwasser vier bis 25 und 24,' trübes Wasser- aus dem New-River gar nicht. Sauren und Auflösungen von Salzen machten es fähig, daß es noch tiefer unter dem Eispunkte erkaltet werden konnte, ohne zu gefrieren. Ob nun gleich eine vollkommene Ruhe des Wassers .eine solche Erkältung begünstiget, so bringt jedoch nicht eine jede Bewegung ein plözliches Gefrieren hervor, wie bereits Wilke -) bemerkt hat. Heftige Bewegungen des Wassers hindern sein Gefrieren: daher werden die stehenden und gelinde bewegten r) Abhandlung »om Eis«, a. d. Franz. Leipz. I7L2. 8. ») rliilo«. "rrans. Vol. 78- 0.1. x. 126 — 277. übers. in Gren't Journal der Physik, -. B. S. L7> S9S- Z) Schwed. Abhandl- g°. B. Erste Abth. Das Wasser überhaupt. n Wasser, eher mit Eise belegt, als die fließenden; daher gefriert ein Fluß an seinen Ufern früher als in der Mitte, wo gewöhnlich der Zug des Wassers am schnellsten ist. Wasser in verschlossenen Gefäßen kann eine stärkere Kälte ertragen, als das, welches der freien Luft ausgesetzt ist, vielleicht weil die Wärme länger zurück gehalten wird, als bei der unmittelbaren Berührung mit der Luft. Wenn das Eis einmal seine Bildung erhalten hat, so nimmt es in kälterer Luft, und überhaupt durch die Berührung kälterer Körper, sehr leicht einen höhern Grad der Kälte an. Das Wasser wird am ersten da zu Eise, wo ihm zuerst seine Wärme entzogen wird, und dies geschieht an der Oberfläche, wo es mit der erkalteten Lust in Berührung kommt. Hierdurch widerlegt sich nun das so alte als gemeine Vor- urtheil, daß das Eis in den Flüssen auf dem Grunde entstehe, und erst in Gestalt großer Schollen, die man Gründete nennt, in die Höhe komme. Die an dergleichen Stellen befindlichen Spuren von Sand und Erde zeugen auch nicht von ihrer Entstehung am Boden, sondern davon, daß sie vorher mit den Ufern zusammen gehangen haben. Rollet *) hat sich besonders Mühe gegeben, über diese Naturerscheinung genaue Untersuchung anzustellen. Sobald das Wasser dem Gefrieren nahe kommt, und noch mehr in dem Augenblicke seines Gefrierene, so ipie auch selbst eine Zeit nachher, dehnt es sich in einen größer» Raum aus, als es vorher einnahm. Bringt man Wasser in eine lange Röhre, und setzt es so dem Froste aus, indem man darin die Stelle bezeichnet hat, wie weit sich daselbst die Oberfläche des Wässers erstreckte; so wird man deutlich gewahr, daß dasselbe, noch ehe es gefriert, durch die Kälte zusammen gezogen wird, kurz vor dem Gefrieren eine kleine Zeit gleichsam stille steht, in dem Augenblicke des Ge- «) Hisroirs ä« I'.-Vcnä. rc. äs Narrs, 174z. i2 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. frierens aber sich sehr schnell und stark ausdehnt. In dieser Ausdehnung liegt auch der Grund, daß, wenn das Wasser auf seiner Oberfläche gefriert, diese nie gerade bleibt, sondern sich -in der Mitte erhebt, weil sie unmöglich größer werden, und zugleich gerade bleiben kann. Diese Ausdehnung rührt daher, daß Anziehungskräfte die Eisthcilchen gegen einander treiben, um in kristallinischer Gestalt regelmäßige Körper zu bilden. Die Gewalt dieser Attractions- kräfte halten einige auch für die Ursach des Zerspringens der Gefäße, wenn das Wasser darin verschlossen dem Froste ausgesetzt wird. Andere Naturforscher schreiben diese Wirkung der entwickelten Luft zu, welche Meinung jedoch die Versuche des Vauquelin widerlegen. Er setzte nehmlich Wgsser von verschiedener Beschaffenheit einer Kälte aus, die fähig war, es zum Gefrieren zu bringen, und unter diesen auch solches, das nach einer Destillation von mehreren Stunden aus der Röhre des Helms floß, wobei das Wasser folglich den nöthigen Grad der Wärme erhalten hatte, um alle Luft zu entlassen. In allen diesen Fällen zersprangen die Gefäße. Wahrscheinlich ist die Flüssigkeitswärme, welche bei dem Gefrieren des Wassers frei wird, im Stande ein augenblickliches Sieden hervorzubringen, und dadurch einen Theil des Wassers in einen elastischen Dampf zu verwandeln, welcher jene Wirkung verursacht ^). Ueber die Gewalt, womit entstehendes Eis die Gefäße zersprengt, sind viele Erfahrungen vorhanden. Huygens hing im Jahre 1667 einen eisernen Lauf, dessen Wände eipen Finger dick waren, bei starkem Froste, in die freie Luft, nachdem er ihn vorher mit Wasser ganz angefüllt und dieses auf das festeste verschlossen hatte. Dieser zersprang nach zwölf Stunden an zwei Orten, durch die Gewalt des -) Lnn-Ner 6.S V. XIV. x. 286. -) Lichttirbers in Errlebrn'S Narurleh«. Anmerk. rum 4 r 6 §. Erste Abth. Das Wasser überhaupt. »z in ihm gefrierenden Wassers. In den neuesten Zeiten 1784 und 1765 sind von Williams *) hierüber sehr sinnreiche Versuche angestellt worden. Er bediente sich dazu unter andere» der eisernen Bomben, welche er mit Wasser füllte, und nach zugestopftem Mundloche dem Froste aussetzte. Die Wirkungen waren erstaunlich. Ein eiserner Stöpsel konnte nicht so fest in das Mundloch getrieben werden, daß er der Gewalt der Ausdehnung widerstanden hätte. Das Eis warf ihn mit einer großen Schnelligkeit fort, und trieb unmittelbar danach, einen Keil oder Cylinder von Eis zu einer beträchtlichen Hohe durch die Sefnung hinaus. War aber der Stöpsel mit Federn hinein befestigt, die in die innere Seite der Höhlung eingriffen, so daß derselbe nicht heraus getrieben werden konnte; so sprengte die Kraft der Ausdehnung die Kugel, und eine Eisplatte drang durch den Riß rings herum hervor. So ward eine Bombe von 12) Zoll im Durchmesser und iK bis 2 Zoll Metallstärke zersprengt. Williams macht daraus den Schluß, daß die Ausdehnung des gefrierenden Wassers jeden Widerstand überwältige, und daß das Wasser, wenn das Behältniß zu stark sey, pm zersprengt zu werden, im Zustande der Flüssigkeit verbleibe, so stark auch die Kälte immer seyn möge. Das Eis wird, durch die Ausdehnung in einen größern Raum, specifisch leichter, als das Wasser: daher abgerissene Eisschollen auf diesem schwimmen. Williams giebt das Verhältniß des eigenthümlichen Gewichts des Wassers und des Eises wie 18 zu 17 an, indem sich das Wasser beim Gefrieren um ausdehne: Jrving seht das Verhältniß des specifiquen Gewichts des Wassers zum festesten Eise — 12: i-f: alleib es läßt sich hierin nichts genaues und bestimmtes angeben, da sich bei dem Eise selbst eine große Verschie- ») l'ranr. ok Vol. H. 179?. k» 2 Z. Gorh5 aus merkwürdig, und vom Mai ran am sorgfältigsten untersucht und beschrieben worden. Um die Formation des Eises genau zu beobachten, muß man das Wasser in geräumigen Gefäßen von dünnem Glase, einer Temperatur aussehen, bei welcher es in Eis verwandelt wird: jedoch muß die Kalte nicht zu heftig seyn, damit das Wasser langsamer gefriere, und man die Phänomene dabei desto besser beobachten könne. Hier bemerkt man nun, auf der Oberfläche des Wassers, welche die Luft berührt, anfangs ein dünnes Eis- blättchen, worauf Strahlen von Eis entstehen, die aus den Wänden des Glases hervorzugehen scheinen, und gegen selbige unter verschiedenen, und selten unter einem rechten Winkel geneigct sind. An diese Eisstrahlen hängen sich dann wieder andere und hieraus abermals neue U. s. f. unter eben so verschiedenen Winkeln, an. Dadurch werden nun Eisstrahlen in Menge erzeugt, welche Eisblätter bilden, die sich immerfort vermehren, stärker werden, und zuleht, in ihrer Verbindung mit einander, eine zusammenhängende Eismasse ausmachen, Obgleich zum Zerschmelzen des Eises nichts weiter nöthig ist, als eine Temperatur, welche etwas weniges über den Gefrierpunkt erhöhet ist; so giebt es, nach Musschen- broeck's und anderer Beobachtung, doch Fälle, wo eine um mehrere Grade höhere Temperatur der Lust das Eis nicht zu schmelzen vermag. Zum Aufthauen des Eises wird auch eine größere Zeit erfordert, als zum Gefrieren des Wassers. Das Eis schmelzt desto geschwinder, je dichter der wärmere Körper ist, mit welchem es in Berührung kommt: daher zergeht dasselbe im Wasser eher, als an der Luft, eher auf einem zinnernen Teller, als auf der Hand u. s. w. Die Luft löset das Eis nur sehr langsam auf. Hierauf beruht die Erklärung des beständigen Eises auf den Bergen und in den Polarländern, und auch zum Theil die Einrichtung der Eisgruben. »t> Erste Abth. Das Wasser überhaupt. Beim Zerschmelzen des Eises bemerkt man anfänglich eine Art von Schwitzen auf seiner Oberfläche, wodurch es trüber und undurchsichtiger wird. Es besteht dies eigentlich aus vielen Wassertröpfchen, die das Licht verschiedentlich zurück werfen. Wenn sich diese Tröpfchen vereinigen, so bilden sie kleine Adern oder Vertiefungen, welche sie als kleine Kanäle in das Eis eingraben. Fällt die Kälte schnell ab, so erhält die Oberfläche des Eises eine schöne Politur, indem das ablaufende Wasser alle Unebenheiten mit fortnimmt. Die Eisnadeln, in welche das Wasser, beim Anfange des Gefrierens, anschiest, halten sich gemeiniglich am längsten. Weil nun auf diese Weise ein Theil des Eises immer eher aufthauet als der andere, so wird die ganze Masse, wenn sie der Lust von allen Seiten ausgesetzt ist, zuerst ein lockerer durchlöcherter Körper, welcher sich mit leichter Mühe zusammen drücken läßt. Auch ohne Gefrieren kann das Wasser durch die Verbindung mit einem festen Körper, in einen eoncreten Zustand übergehen, wobei es seinen gebundenen Wärmestoff fahren läßt. Beispiele hievon findet man bei der Kristallin rung der Salze, bei welcher sich das Wasser in einen festen Körper verwandelt- und deswegen Kristallisationseie genannt wird. Wenn die Salzkristalle dieses Eis verlieren, so fallen auch ihre Durchsichtigkeit und der Zusammenhang ihrer Theile weg. Einige Salze verlieren dieses Eis bloß an der freien Luft, und verwittern oder zerfallen in lockern Staub, wie z. B- das Glaubersalz; andere verlieren es durch die Einwirkung der Hitze. Diejenigen Salzkristallc, welche ihr Kristallisations-Eis auf die eine oder die andere Weise ein, gebüßt haben, saugen es bei der Berührung des Wassers begierig ein, und es wird dabei eine merkliche freie Wärme entbunden. Das Wasser wird bei einem gewissen Grade der Temperatur zum Kochen gebracht, und in diesem Zustande verwais Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 17 ,pchdelr es sich in Dämpfe oder Dünste. Man nennt ^scn Grad den Sicdpunkt. Wenn man Wasser in einem gläsernen Gesäße der Hitze M setzt, und seine Temperatur einen gewissen Grad der Höhe erreicht hat; so bemerkt man, daß eine Menge. Bläschen sich allenthalben an den Wanden des Gesäßes ansetzen, welche sich nach ^md „ach davon absondern, in die Hohe steigen und auf der Oberstäche des Wassers zerplatzen. Bei verstärkter Hitze nimmt auch die Menge und Größe der besten so daß sie beim Aufsteigen das Wasser trüben. Zuletzt geräth die ganze Masse in Bewegung und das Wasser kocht. Diese aufsteigende Blasen sind nun der Wasserdampf, welcher ganz durchsichtig wie die Luft und, nach dem Entweichen aus dem Wasser, so lange unsichtbar ist, bis er, unter den erforderlichen Umstanden, zerstört wird. Auf diese Weise verwandelt sich das Wasser, bei fortdauernder Hitze, nach und nach in Danipf, und wird als jolcher in den Luftkreiü fortgeführt. . Das Wasser, sobald es in den Zustand des Siedens versetzt ist, hat den höchste« Grad der Hitze, welchen es aushalten kann, und die weitere Zunahme der Temperatur desselben, ihre Grenze erreicht.. Dieser Grad ist nun unveränderlich und bestimmt, in so fern der Druck der Lust auf die Oberfläche des Wassers gleich bleibt: da aber, wie die Er-', fcchrung lehrt, der Druck der Atmosphäre über dem kochenden Wasser sich beständig abändert, so ändert sich auch der Grad der Hitze, bei welchem es siedet, ebenfalls beständig ab. Es wird desto mehr Hitze erfordert, je größer jener Druck 'st, und es siedet bei geringerer Hitze, je minder er ist. Da- her kocht das Wasser auf hohen Bergen leichter, als in lie- s°" Thälern. Del dem mittlern Drucke des Dnnsikrclses cst der 212 des Fahrenheitschcn oder 80 Grad des Reaumur- schen Thermometers derjenige fixe Punkt, bei welchem das Wasser siedet. Der Grund liegt darin, daß die Dämpfe B ,8 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. nicht eher als elastische Flüssigkeit im Wasser gebildet werden, und darin bestehen können, als bis sie einen eben so hohen oder lzoch etwas HLHern Grad der absoluten Elasticität erhalten haben, als die elastische Flüssigkeit besitzt, die auf die Fläche des Wassers entgegen wirkt. Wasserdämpfe sind aus Wasser und Warmestoff zusammen gesetzt, oder sie bestehen aus ihrer Basis, dem Wasser, und einem ausdehnenden Wesen, da jenes an sich nicht ex- pansibel ist, und dies ist die Materie der Wärme. Diese ist gewisser Maaßen das Auflösungsmittel für jene Basis, und durch sie erlangt das wenig elastische Wasser seine Expansi- bilität: denn auch das tropfbar flüssige Wasser besitzt einen gewissen Grad der Elasticität, wie wir weiter unten sehen werden. Die tragen und schwerern Theile des Wassers werden bei der Dampfbildung, durch die schnelle Bewegung der Wärmetheilchen, mit fortgerissen; sie erhalten dadurch eine ähnliche nur minder schnelle Bewegäng, welche ihre Cohä- sion überwindet, und dadurch wird eigentlich die Umänderung des Wassers aus der tropfbar flüssigen in die elastische Form bewirkt. Die Theilchen der Wärme treten mit den Wassertheil- chen in Verbindung. Indem sie nun ihre Kraft bloß auf die Verwandlung des Wassers in Dämpfe verwenden, verlieren sie das Vermögen auf das Gefühl zu wirken, und mit ihrer Bewegung auch das Bestreben, in die benachbarten Körper einzudringen und eine Erhöhung der Temperatur hervorzubringen. Man sagt alsdann von ihnen, daß sie gebunden und für, die Anzeige des Thermometers latent werden. Außer dieser latenten Wärme befinden sich aber in dem Dampfe, nach Beschaffenheit seiner Temperatur, mehr oder weniger freie Wärmetheilchen, welche in seinen Zwi- schenräumen circuliren, seine Theilchen von einander entfernen, und so die Erhöhung der Temperatur und Expansiv- »9 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. kraft des Dampfes verursachen. Diese freien Wärmetheil- chen dienen also dazu, das Wasser in Dampfgeftalc zu erhalten. Der Wasserdampf muß mit der Last einen gleichen Grad der Elasticität besitzen. Er kann sich in dem Innern des Wassers, auf dessen Fläche die Lust drückt, nicht eher bilden, oder das Wasser kann nicht eher kochen, als bis es durch die Hitze denjenigen Grad der Elasticität erreicht hat, welcher der entgegen wirkenden Elasticität der Luft das Gleichgewicht hält. Hieraus folgt nun, daß die Luft zur Erzeugung der Wasserdämpfe eigentlich nichts beitrage, sondern ihr vielmehr durch ihren Druck einiger Maaßen hinderlich sey: denn dieser Druck macht, daß zur Bildung des Dampfs eine größere Menge Wärmemakerie erforderlich ist, als außerdem nöthig gewesen seyn würde. Einige glauben sogar, daß wir ohne den Druck der Luft gar kein tropfbar flüssiges Wasser kennen würden, und daß es, bei der Temperatur worin wir leben, in Gestalt einer beständigen elastischen Flüssigkeit oder in Dämpfen, erscheinen müstb. Allein dies läßt sich wohl nicht erweisen. Um das Wasser im tropfbaren Zustande zu erhalten, gehört nichts weiter, als eine gewisse Stärke des Zusammenhangs der Theile der Flüssig-- keit unter einander. Nun muß es aber zwischen dem Zustande der Festigkeit und der lustsörmigen Flüssigkeit eines. Körpers unzählige Grade der Stärke des Zusammenhangs geben. Wen,, per äußere Druck der Luft eine größere Men- ge von Warmestoss nothwendig macht, um einen Körper in den Zustand einer lustsörmigen Flüssigkeit zü versetzen; so folgt daraus noch nicht, daß ohne diesen Druck schon die geringste Smanrität Warmestoss dazu hinreichend wäre. Za, wenn sich Menge des WärmestoffS, wie der Druck der Luft verhelften sollte; so. müsse, wenn dieser "o würde, jener auch gleich Null werden, d. h. die Körper mästen alsdann ohne allen Warmestoss luftförmig werden *). Ferner ') AllgiM. Liter. Zeit. Jena -7SS. N». -4- 20 Erste Aöth. Das Wasser überhaupt. ergiebt sich hieraus, daß die Verdampfung in verdünnter Lust, und im luftleeren Raume um so schneller erfolgen müsse. Der Wasserdampf ist vollkommen durchsichtig, unsichtbar und farbenios; er steigt in die Atmosphäre und vermischt sich mit der Lust, jedoch nur mechanisch, und behält in dieser Mischung, seine dlsrinctiven Eigenschaften bey. Die Wasserdämpfe sind elastisch. Wirkungen dieser Eigenschaft zeigt schon die Dampfkugel, ein kleines, hohles, birnförmiges oder rundes Gefäß von Blech oder Glas mit einem sehr dünnen Schnabel versehen. Sobald in ihr das Wasser kocht, so strömt der Dampf aus der Oefnung der Röhre, wie ein heftiger Wind, hervor- Hat der Schnabel eine horizontale Stellung, fo bleibt der aus ihm -hervgr strömende Dampfstrahl auch horizontal, und man sieht daraus, daß der Dampf ungefähr eben so schwer ist, als die Luft. Denn wäre er viel leichter, so würde er schnell in die Höhe steigen, wie ein feiner Rauch,, wäre er aber eigenthümlich viel schwerer, so würde er steh stark nach unten krümmen. Läßt mau diesen Dampf in ein mit kaltem Wasser angefülltes Glas hineingehen, so verursacht er keine Blasen im Wasser, welches beweiset, daß er nicht aus Luft besieht: denn Lust, die man ins Wasser bläst oder treibt, erzeugt darin allezeit Blasen.. Die Gewalt, welche eingeschlossene Wasserdämpfe durch die Erhitzung gegen die Hindernisse ihrer Expansion auszuüben im Stande sind, ist außerordentlich groß, und sie bringt bewundernswürdige Wirkungen hervor. Ihre Kraft kann keiner Berechnung unterworfen werden, weil es an Mitteln gebricht, den überaus hohen Grad der Elasticität dieser Dämpfe zu messen. Beispiele geben die bekannten Knallkü- gclchen, der Papinianische Digestor und die Dampf- und Feuermaschinen. Sie zeigen uns, daß die Dämpfe mehr als zu sehr hinreichen, den erstaunlichen Effekt der Vulkane und Erste Abch. Das Wasser überhaupt. 2r Erderschütterungen daraus herzuleiten. Zn den neueren Zeiten sind vom Betanevur.t die befriedigendsten. Versuche über das Wachsthum der Elasticität der eingeschlossenen Dämpft des Wassers, durch eine bestimmte Anzahl von Wärmegraden, angestellt worden. Nach Musschcnbroek ?) wird, durch die Verdampfung ein Kubikzoll reinen Wassers >» einen igooo Kubikzolleu gleich großen-Maum ausgedehnt. Ä» verschlossn» ^«men ist das Wasser fähig eine den Grad des SiedpunktS weit übersteigende Hitze anzunehmen.: ja es kann auf diese Weise bis zum Glühen, erhitzt werden, so daß Blei darin schmelzt, welches -nur bei ssD Graden Fahrenh. geschehen kann. Wenn. man Holz dem Wasser- , dampft aussetzt, so wird es von ihm durchdrungen und erweicht. Man bedient flch dieses Mittels mit Vortheil, um selbst dicke Balken zu krümmen, und sie zum Schiffbaue geschickt zu machen. Der einmal gebildete Wasserdampf bleibt bei seinem Entweichen in die Atmosphäre elastisch, wie die Luft, so lange er die dazu nöthige Wärme besitzt, und der Druck der Luft unverändert bleibt. So bald aber die 'Temperatur niedriger, oder jener sOruck größer wird, verliert er seine Form und verwandelt sich in einen Nebel. Der Nebel ist aber kein Dampf mehr, sondern die abgeschiedene Basis desselben, die wegen ihrer sehr feinen Zert!)e>lung, oder wegen ihrer Adhäsion an den Luftthcilchen, vielleicht auch wegen ihrer Bläschengestalt, in der Luft sich schwimmend erhält, bis ihre Theilche», durch mehrere Annäherung und den Ausam- wentritt, in ihxem Gewichte vermehret werden, und entweder im tropfbaren oder im festen Zustande herabsinkeU. Dir Zersetzung des Dampfs erfolgt sogleich, als er aus *). Hlkmolrs 1., korhe exxanitve äe la v»o varir 4. »»„x Expansion Kraft -c. LeS reim» ÄafferdampsS von Schmier, >n Gren'S neuem Journale der Phys. W. z. Heft- ») t-ittoänct. aä olMos. n»r. 1762. 4. r. r>. L2 Erste Abth Das Wasser überhaupt. dem kochenden Wasser in die freie Lust tritt, welches der von diesem aufsteigende Nebel zu erkennen giebt. Wenn nehmlich die'Wärmctheilchen, durch die Wirkung eines kältern Mittels, weiches sie umgiebt, in zu großer Menge entweichen, so nähern sich die Waffertheitchen, welche durch lene von einander entfernet waren, wieder, und vereinigen sich durch ihre Anziehungskraft. Hierdurch wird nun ein Theil des Dampfs zerstört, und die Wärme frei- welche dann wieder entweicht, und eine fernere Zersetzung des Dampfs verursacht, die so lange dauert, bis die Temperatur des Dampfs zu der Temperatur des ihn umgebenden Mittels kommt. Die Zersetzung des Dampfs bei unveränderter Temperatur, durch den Druck der Atmosphäre, gründet sich in dem Hange der Wassertheilchen, sich mit einander zu vereinigen, so bald sie in ihrer Annäherung eine gewisse Grenze überschritten haben. Durch die Zusammendrückung werden die Theilchen des Wassers gezwungen, sich einander zu nähern und können nun ihre überwiegende Anziehungskräfte ausüben, wovon die Zersetzung des Dampfs die Folge ist. So wenig der Wärmesroff, welcher zur Dampfbildung verwendet wird, noch wärmemachend bleibt, und das Gefühl und Thermometer assieirt, so lange er mit der Basis zum Dampfe vereinigt ist; so wenig bleibt auch das Wasser, das in den Dampf übergeht noch feuchtmachend und ein Gegenstand für das Hygroscop, so lange es mit Wärmestoff zum Dampfe vereinigt ist. Die Dämpfe unterscheiden sich von den Luft- und Gasarten dadurch, daß ihre Elasticität und Expansibilirät durch die Abkühlung und Zusammendrückung verloren geht: die Lust-und Gasarken hingegen in einer jeden noch so niedrigen Temperatur, so wie auch bei einem jeden Grade der Zusammendrückung, elastisch bleiben. Diese werden daher permanent-elastische Flüssigkeiten genannt. Zn den Dämpfen ist der Wärmesroff nur adhärirend, bei den Lust- und Erste Abth. Das Wasser überhaupt^_2z Gasarten aber chemisch gebunden. Die Zersetzung einer Lust- oder Gasarr ist ein chemischer, die Zersetzung de« Dampfes aber ein mechanischer Proceß. Da das Wasser schon bei der Siedhihe flüchtig wird, so sollte man glauben, daß es diese Eigenschaft um so aust fallender zeigen werde, wenn man es noch höheren Temperaturen aussetzt, und daß die Grade der Flüchtigkeit nach den Graden der wachsenden Hitze zunehmen mästen. Allein dies findet nicht Statt, vielmehr verliert das Wasser vorn Siedpunkte an, nach den Stufen der steigenden Hitze, seine Flüchtigkeit immer mehr, bis auf den Punkt der Weißglüh- Hitze, wo es seine Fixität am längsten behauptet. Die neuesten Lehrbücher der Physik und Chemie gedenken dieser merkwürdigen Eigenschaft des Wassers Nicht, ungeachtet bereits Leide nfrost solche durch Versuche dar- gethan hat. Mein vortrefiicher Freund, Herr Klaproth machte jedoch, bei Gelegenheit einer Anzeige in der Jen. allgemeinen Literatur-Zeitung °), die Naturforscher auf diese nicht genung aufgeklärte Sache aufmerksam, und sie veran- laßte ihn durch eigene Versuche, nach weichen er, mit der ihm eigenen strengen Genauigkeit, die Leidenfrostischen theils wiederhohlte, theils erweiterte, sich von der Richtigkeit die- ser Erscheinungen zu überzeugen Es ergab sich daraus * - De cowisiinii nonunllle ffnalieatibn« rractatn». DiNsU >758 er 1798 . x. zo. t«M' Hrn. Pros. Hilbebran» Encyclopädie »esammten Chemie. Erlang, ». Th. -793. S- -SS- v- S. 179z. No. i-z. Der Versuch des Leidenfrost bestand in folgendem. Cr nahm einen inwendig von allem Rost und Schmu, gereinigten, und sauber polieren eisernen Löffel, und ließ ihn über Kohlen bis inmWeikglühen erhitzen. Hierauf «nahm er ihn »vm Feuer und ließ aus einem gläsernen unken in eine dünne Röhre zugespitzten Cylinder, behutsam und vorsichtig einen Wafferrrop-en daraus fallen. Sobald der Tropfen »aS glühende Listn berühr^ lheiltr er sich plötzlich in mehrere größere und kleinere Ksigelchen, sich aber schnell wieder bereinigten, um eine eiiu>g- 24 Erste Abch. Das Wasser überhaupt. unbe;weifelt, daß höhere Grade der Temperatur nach ihrem Steigen die Fixität des Wassers immer mehr begünstigten. größere Kugel zu bilden. Diese Muss« lag nun anscheinend, in Gestalt eines krystallenen KUgelchens, auf dein Boden des Löff.lo, welchen ste nur in einem Punkte berührte, ganz ruhig ohne alle Bewegung, und ohne irgendwo anzuhängen. Bei einer genauer» Beobachtung entdeckte er jedoch, daß dieses Kügelchen stch sehr geschwind um seinen Mittel« Punkt bewegte. Es ward immer kleiner, endlich kaum mehr sichtbar, und verschwand zuletzt, mit einem lauten Geknister, wobei etwas Erde zurück bl.eb. Das Ganze dauerte etwa z4 biS gg Sekunden. Wenn man nun sogleich nach dem Verschwinden dieses KügclchenS einest an« Lern Tropfen auf diele» Löffel, welcher nun bereits einen berrächtii« chen Theil seiner H>tze verloren halte, brachte, so verschwand solcher . binnen g und ic>, und ein dritter an> den so weit abgekühlten Löffel binnen z Sekunden. Wenn der erste Tropfen auf dem durchgeglüheten Eilen mir einem kälteren Körper, als mir einem eisernen Stäbchen be» rührt, oder er in ein and-reS weniger erhitztes Geiäß gebracht wurde, verdampfte er sogleich. Ein Stückchen EiS auf das glühende Ecken ge« bracht, schmolz plötzlich und zeigte dann die nehmlichen Erscheinungen. Herr Klaprorh, bei seinen Versuchen, wobei ich das Vergnügen harte, ein Augenzeuge zu seyn, bediente sich dazu ebenfalls zuerst eines eisernen Löffels, und sie gaben die nehmlichen Resultate. So gleich als das erste Kügelchen verschwunden war, ließ er einen zweiten Tropfen, dann einen dritten ». s. w. daraus fallen, und die Dauer der Kügelchen stand mit den Graden der abnehmenden Hitze im genauesten Verhältnisse. Die Kügelchen erhielten sich kürzere Zeit, je mehr der Löffel sich abkühlte, und der letzte Tropfen ging bei der Berührung desselben sogleich in Dampfgesiair über. Unter den mehreren Versuchen, welche in dieser Absiebt angestellt wurden, hebe ich zwei aus, welche nur mir einem Tropfen gemacht waren. Erster Versuch. isier Tropfen. Dauer 40 Sekunden, 2 — — — 20 — 4- - - 4 - 5- - - 2 - 6 — — — 0 oder Verdampfung. Erste Abth. Das Wi^er überhaupt. 2-; Wie nun die Hitze hier zur Erhaltung des Wassers im tropft arcn Zustande wirkt, bedarf einer nähern Untersuchung; sor Zweiter Versuch. afier Tropfen. Dauer 40 Sekunden. 1 — — — — s — - - 2 — 4 - — — r — S - — — 0 Bei jenem versuche war die Intensität der Hitze größer, mich in «kfolzre der Grad derselben, wobei das Wasser verdampfen kann, spä» ker. Die Lrwige der Versuche insgesammt fiele» nun nicht jedesmal «nier sich ganj gleichförm g anö. Dies kann man anch billiger Weiss nicht erwarten. Denn eines TiieilS ist es nnmöglich, den Grad der Hitze deL durchgeglüheten GefaffeS, beim Anfange deS Versuchs in Messen und bestimmt und genau aniugeben- andern TheNS kann aber auch ein geringer Umstand da!» beitragen, die Dauer des Wafferkfigel» chenS adznkürzen. So wird es i- B. wenn eS mit hineingeflogene» Kohlenstückchen in Berührung kommt, oder sonst in dem Gefäße selbst «In Hinderniß ankrifr, wodurch seine Wirbelbewegung gehemmt wird» zerstört, und daS ist in einem eisernen Löffel fast jederreit der Fall, d» leine Fläche mit jedem wiederholten Versuche immer rauher wird. Hieranf ließ Herr Kiaprorh sieben Tropfen gleich nach einander m den zuvor gehörig erhitzten Löffel fallen Diese Tropfen vereinigten licv nun in eine einzige kugelförmige Masse, welche denn so gleich ihre Bewegung j„ schneller Rotation anfing. Die Gestalt dieser Wasserkur ßel war im 'Anfange ganz rund, dei fortgesetzter Bewegung drückte sie l>ch von oben ein, und auf der obersten Fläche wirbelte ein Fleckchen «MkS weihen Schaums. Der Rand dieser Kugel schien ausgezackt z» sey». Dieses wirklich reizende Phänomen Lauerte -Lo Sekunden, und der Rest verdampfte, da der Löffel immirrelst biS zu dem Grade erkal» war, weicher jene Formumänderung des Wassers zuläßt. Bei einem andern Versuche mir IO Tropfen zeigte steh die nemliche Erscheinung. Die Dauer der Wafferkngel war 200 Sekunden, und ste ward ohne Verdampfung aufgezehrt, weil die Hitze deS Löffels größer hewesei, war. M>r viel mehreren Tropfen wollten die Versuche nicht gelingen, iiefen zwar alle in eine Wafferkngel zusammen, und diese fing ihre Wirbelbewegung an.- allein diese konnte nicht »»geh »der! vor sich ge< den, ihre untere Fläche kam mir dem Eisen in mehr-ren Punkten in Berührung, und das Wasser verschwand mir einem Zischen. Nach Versuchen best« '« Hr. Klaprvrh sich einer Schaale 26 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. viel scheint indessen, daß das entweichende Wasser in seine Bestandtheile zerlegt wird *). Die oben angegebenen drei Zustände des Wassers hiernach aber mit einem vierten zu vermehren, wie L eid e nfrvst thut, berechtigen uns jene Er, scheinungen noch nicht, da die Fixilät hier nicht als ein biet, von reinstem Silber, und dann einer von Platina, welche wie jener Löffel Sder Kohlen biS lum Glühen erhitze waren. Die Erfolge damit kamen mir den vorigen in der Hauptsache überein, nur datz dir Dauer der Kügelchen vor der Zerstörung länger war. Silberne Schaale. Mit einem Tropfen. Erster Versuch. isier Tropfen. Dauer 72 Sekunden. 70 20 2 — Zweiter Versuch. tster Tropfen. Dauer 6s Sekunden. 3 — 4 - s — 6 o Bei drei Tropfen war die Dauer deS WafferkügelchenS aso Sek»n> den und die Verdampfungs, Periode momentan- L. Schaale von Platina. so Sekunde«. Dauer des ersten Tropfens eines WafferkügelchenS von z Tropfen 90 ») Nach den ersteren Versuchen ist solches nnbeiweiselt, denn der eine Be< standtfteil verband sich augenscheinlich mit dem Eisen, entweder ganz oder rum Theil, und opidirte solches, wobei das übrige als Gas in die Luft entweichen muste. Die Erde, welche Leidenfrost al§ Rück, stand deS Wassers gesunden haben will, war vielleicht oxidirtcS Eisen, vielleicht aber auch sonst «ine fremdartige Materie, welche in den Löffel rufällig gerathen war. Ob nun zwar bei den Gefäßen von Silber und Platina kune Oxidakion Statt fand, so scheint doch nach der Analogie der ersteren 'Versuche auch hier eine Zersetzung deS WafferS angenom- m n werden zu können. Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 27 beiider Zustand des Wassers angesehen werden kann. Wenn. das Wasser einem Grade der Hitze ausgesetzt wird, welcher die Glühhitze übersteigt, wen« es z. B. mit geschmolzenem Eisen in Berührung kommt, wird es wieder im höchsten Gr-de flüchtig und elastisch. Die Ausdünstung ist der unwirkliche Uebergang der theile des Wassers in die Luft. Sie werden in die Awifchcn- räume der letzteren ausgenommen, und gehen mit ihr eine innige Verbindung ein, wie die völlige Durchsichtigkeit einer mit Dünsten geschwängerten Luft, das Verschwinden derselben durch die Wärme, und ihr plötzliches Erscheinen in sichtbarer Gestalt durch die Kälte, bezeugen. Die Ausdünstung scheint zwar eine von der Verdampfung ganz verschiedene Operation der Natur zu seyn: sie ist aber in der That nichts anders, als eine wirkliche Verdamp, f»ng, welche bei der bloßen Temperatur der Atmosphäre, also bei einer Temperatur unter dem Siedpunkte vor sich geht. Da hier eine geringere Menge Wärmestoss vorhanden ist, welcher durch seine Verbindung mit dem Wasser diese« dunstför- mig macht, so erfolgt auch die Verdampfung hier langsamer und schwacher. Schon der geringste Grad von Warme ist über vermögend Wassertheilchen loszureißen, und mit sich fortzuführen, und in den Körpern ist allezeit, und selbst in den strengsten Wintern, Wärmestoff genug vorhanden, um Ausdünstungen hervorzubringen. Auf diese Weise' trocknen Körper, welche mit Wasser befeuchtet sind, allmählig aus, d- i- sie verlieren das mit ihnen vermengte Wasser durch die Ausdünstung. Bei der Ausdünstung geschieht die Verdampfung an der Oberfläche: beim Sieden aber auch im Innern d" Flüssigkeit. Andere Naturforscher halten die Ausdünstung für eine chemische Auflösung des Wassers in der Luft: eine Vvrstellungsart, welche unter dem Namen -des Äuflö- 23 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. sungs - Sy.stems bekannt ist, und an je Roi und Hübe 2) ihre Hauptverthcidiger gefunden hat. Sie nehmen an, daß die Lust von der Oberflache des Wassers Theile auflöse und in sich aufnehme; daß diese Ziehkrast der Lust ge- gegen das Wasser immer mehr abnehme, je mehr sich die Lust mit Dünsten anfülle, daß .sie nur eine bestimmte Menge davon aufnehmen könne, und, wenn solches geschehen, damit gesättiget sey. Dieser Sättigungspunkt richte sich nun nach den verschiedenen Temperaturen, indem eine warme Lust mehr aufzulösen vermöge, als eine kalte. Zn einer Luft, welche in der Wärme mit Wasser gesättigt worden, schlage sich dieses beim Erkalten daraus nieder, und werde bei steigender Temperatur wieder aufgelöset. Zn beiden Systemen erscheint die Ausdünstung als eine Auflösung, oder, welches einerlei ist, als eine Verbindung des Wassers mit einem Stoffe. Nur über den Stoff, womit dasselbe sich zunächst vereinigt, sind die Meinungen getheilt. Er ist in dem Auflösungssystcms die Luft, und nach der Verdampfung!? Theorie die Materie der Wärme. An das Auflösungs-System schließt sich die Theorie des Saussurc'an. Ob sie gleich keine Ausdünstung ohne Verdampfung, d. i- ohne Auflösung des Wassers m Wärmestoff zugicbt, so laßt sie doch den Dampf sich nachher in der Luft auflösen, und den so genannten elastischen Dampf bilden, so daß das Wasser in der Luft, durch den Wärmestoff, wenigstens als Zwischemnittel, ausgelöset wird- Anders stellen sich den Ausdünstungs-Proceß ungefähr auf die Art vor, als ein Stückchen Eis in lauem Wasser nach und nach verschwindet. Hier könnte man sagen, das Eis werde in Wasser aufgelöset: allein es wird eigentlich in ») Mein. äs L var, 17L1. x- chg. ») Ueber die Ausdünstung und ihre Wirkung in der Atmosphäre. Leipiig, 17S0. g. Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 2g Wärme aufgelöset, und dadurch zu eben solchem Wasser als das übrige ist *). Herr de Luc -) hat das Auflösungs-System, welches man lange Zeit als richtig anerkannt hat, mit wichtigen 'ründen bestritten und dargethan, daß die Ausdünstung kenfalls durch die Verbindung des Warmcstoffs mit dem -nasser, in niedrigeren Temperaturen, geschehe; daß daraus elastische Flüssigkeit gebildet werde, welche sich mit der Luft vermische. Hieraus erklärt sich schon der Umstand, daß jede tropfbare Flüssigkeit, indem sie verdunstet, Kälte erzeugt: denn derjenige Theil der Flüssigkeit, welcher in die Atmosphäre übergeht, wird vom Warmestoffe fortgeführt, welchen öas Wasser selbst hergiebt, und im Dampfe gebunden wird- Lleberhanpt trift man bei der Ausdünstung auf Phänomene, welche sich nach der Auflösungs-Theorie gar nicht erklären ^ssen. Die gröste Schwierigkeit, welche ihr entgegen steht, 'st aber diejenige, daß die Ausdünstung im luftleeren Raume Ebenfalls Statt findet, daß sie hier so gar, wie auch in verdünnter Lust, am stärksten ist- Nach dem Auflösungs-Systeme läßt es sich schlechterdings nicht begreifen, daß die Ausdünstung gerade da am heftigsten und schnellsten vor sich geht, "w das Auflösungsmittel, die Luft, entweder gänzlich fehlt, ^er doch wenigstens in einer unbedeutenden Menge vorhängn ist. 3m luftleeren Raume erzeugen sich Dünste, und eyhal- ^ sich darin, so lange als die äußere Temperatur dazu hinreichend 'st, d. i. so lange bis der in dem Wasserdunste ent- a^ne Wärmestoff nicht gezwungen wird, zur Herstellung und Erhaltung des Gleichgewichts, in die äußeren Körper Zugehen, und so einen Theil des Wassers fahren zu ) Aller»,. Li, Jrna- ,792. No. 292. ' ) Untersuch,,^^ über die Atmosphäre, ri B> §. 675 u. s.f. Neue SSeen ^ber djx Dletkvrolojiisa. d. Fr. Verl. und Stettin,.». Lh. 1737. 3" Erste Abth. Das Wasser überhaupt. lassen. Der Dunst nimmt im luftleeren Raume selbst die Gestalt der Luft an. Die specifische Schwere der Dünste ist um die Hälfte geringer als die der gemeinen Luft. Wenn nehmlich sie allein oder mit Luft vermischt, eine gewisse ausdehnende Kraft äußern, so ist ihre Masse um die Hälfte kleiner als die eines gleichen Volumens von Luft, welche unter denselben Umstanden dieselbe ausdehnende Kraft zeigen würde. Sie kömmt zusammen gedrückt und dadurch dichter werden, ohne ihre Dampfgestalt zu verlieren, jedoch nur bis zu einer gewissen Grenze, welche sie nicht überschreiten können. Die de Luesche Theorie empfiehlt sich schon dadurch, daß. sie für die Ausdünstung keine neue Ursach angicbt, sondern sie silier bereits bekannten, als mindere Stufe, unterordnet: dagegen das Auflösungs-System zwei ganz analoge Phänomene aus verschiedenen Ursachen erklärt. Es scheint indeß, daß, wenn das verdunstende Wasser der atmosphärischen Luft ausgesetzt wird, die Ausdünstung nicht allein von der Wärme, sondern auch von der Lust mit abhänge, welche das Wasser Lllmählig als Dunst anzieht. Vor einigen Jahren stellte mein verehrter Freund, Herr Hermbstädt, über die Elasticität der Wasserdämpfe Versuche an, die er aber als unvollendet nicht öffentlich bekannt gemacht hat. Wenn derselbe Wasser in Röhren unter Lust einschloß, so verlängerte sich schon bei der mittlern Temperatur des Dunstkreises, die Luftsäule darin, folglich dünstete es durch bloße Wärme aus. Wenn er bei gleicher Temperatur, die Röhren durch einfache Funken elektrisirte, so ging die Ausdünstung schneller vor sich, ließ er aber gar verstärkte Funken darauf schlagen, so erfolgte sie noch geschwinder. Er schließt daraus, daß die Eleemeität bei der Ausdünstung einen großen Einfluß äußere, und glaubt, daß im Kochen die Formumänderung des Wassers bloß durch gebundene .Wärme, bei der Ausdünstung aber durch Bindung der Wär- Erste Abth. Das Wasser überhaupt. zi me und Electricität bewirkt werde. Die Erfahrung, daß jeder Regen mir Spuren von Electricität begleitet ist, scheint dies zu bestätigen. Aus den jetzt vorgetragenen Sätzen werden sich Nun die Umstände leicht beurtheilen lassen, unter welchen die Ausdünstung der Gewässer der Erde bald stärker bald schwächer ist- Als einen Grundsatz nehmen wir an, daß das Wasser unter allen Möglichen Temperaturen ausdünste, und daß bei einerley Druck der Atmosphäre die Ausdünstung desto stärker sey, je größer der Wärmegrad ist, und umgekehrt. Die Wärme der Luft beschleunigt die Ausdünstung. Man sieht oft im Sommer nach starken Regengüssen, daß bas hie und da zusammen gelaufene Wässer, durch die Son- uenwärme schnell vertrocknet, welches in anderen Jahreszeiten nur langsam geschieht. Jedoch muß in diesem Falle die Last trocken seyn', sonst ist bei warmer und feuchter Witterung djx Ausdünstung immer schwächer, als bei kalter und trockener Lust. Man irrt also, wenn man glaubt, daß die Ausdünstung in den heißen Himmelsstriche» überall stärker seyn müsse, als in den gemäßigten und kalten Zonen. Die dort gewöhnliche Feuchtigkeit der Lust ist der Ausdünstung ungemejn hinderlich, und diese daher, des hier unaufhörlich Gehenden Ostwindes ungeachtet, über alle Erwartung ge- riuge. Cassa n *) fand die Ausdünstung hier nicht vollkommen noch einmal so groß, wie die, welche in Paris Statt ' et. Hierin liegt auch der Grund, daß auf unserer Halb- 3e die Ausdünstung bei den Winden stärker ist, welche uus den nördlichen Gegenden, als bei solchen, die aus den südlichen wehen. . Der Unterschied der Ausdünstung im Sommer und im ^ ^ '"deß sehr geringe: ja es können im Winter Aus, ^ Hacker fty„, als im Sommer, bei solchen Wassern, cht die äußexe TempnEr der Lust nicht annehmen, und ) Gren s Lourna, der Physik z Band. S. r-o. Erste Abth. Das Wasser überhaupt. Z2 daher im Winter warm bleiben. Aus diesen steigen die Dünste in kalter und schwererer Lust leichter empor, als in der warmern und leichtern. Die Ausdünstung ist schwacher, wenn der Boden eines Wasserbehälters weich und von dunkler Farbe, und stärker, wenn er hart und weiß ist. Ein weicher und dunkler Grund verschlingt die Strahlen der Sonne, ,cin harter und weißer aber wirft sie zurück. So muß auch an Stellen, wo Feuer unter dem Boden des Meeres glimmt, die Ausdünstung un- gemein verstärkt werden. Winde und Bewegung der Lust sind Beförderungsmittel der Ausdünstung, indem sie die umgebende Lust durch andere erneuern. Ze größer die Oberfläche eines der Lust ausgesetzten Wassers ist, desto geschwinder verdunstet es. Seichte Wasser dünsten starker aus, als tiefe: da nun überhaupt genommen das Wasser des Meeres ungleich tiefer ist, als die Gewässer auf dem Lande, so folgt auch, daß bei diesen die Ausdünstung stärker seyn müsse: wozu noch kommt, daß die innige Vereinigung der fremdartigen Theile mch dem Wasser des Meeres macht, daß die Ausdünstung weit schwerer von Statten geht. Man nimmr'daö Verhältniß wie Z: 7 an *). Ein jedes Wasser ist der Ausdünstung unterworfen, also auch das salzige des Oceans. Ob nun zwar die wässe- richten Theile daraus entweichen, so nimmt die Luft doch auch immer etwas Salz mit fort. Die Anhanglichkei't dieses Körpers zu seinem Aufiösungsmittel ist so groß, daß es demselben aus dem Zustande der tropfbaren Flüssigkeit in den der Dunstsorm folgt. Auch reißen Winde und Stürme dergleichen Thcilchen mit sich fort. Zum Beweise dient der salzige Thau in verschiedenen Gegenden Asiens, und die Ersah- Opers äel OlovsnrbarrstL La L. IVlsrrirro Venetia 1791. r. 33 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. sahrung, daß der Regen, welcher auf dem hohen Meere fällt, jederzeit noch etwas davon enthält. Dieser »»merkliche Uebergang des Wasstrs in den Lichtkreis ist stärker, als er beim ersten Anblick scheint, und hat die wichtigsten Veränderungen in der Atmosphäre zur Folge. Seine Größe zu bestimmen, hat man Werkzeuge angegeben, die jedoch nicht ganz richtige Resultate liefern: die damit an- Sestellre Versuche verdienen indeß immer Aufmerksamkeit. SedUeau *) fand, baß, wenn das, in der Gegend von Paris, jn Dünsten aufgestiegene Wasser, auf eben die Flächt, von welcher es in den Lichtkreis übergegangen war, wieder zurück fiele, Sie Höhe des Wassers jährlich etwa J0— Z2 Zolle betrage» würde. Wenn man erwägt, daß eine jede mit Wasser bedeckte O.uadratmeile im Durchschnitte jährlich über sechshundert Millionen Kubikfuß, und außerdem jeder Mensch ungefähr fünf und dreißig Kubikzolle täglich ausdünnt; so kann man schon hieraus sich einen Begriff von der Menge der wäfferichen Theile machen, welche von der Erde in den Luflkreiö empor steigen. Wenn man ein Gefäß mit Wasser in die freie Lust setzt, so daß eg von oben gegen Regen und Schnee bedeckt ist; s° vermindert sich das Wasser täglich. Wird nun der Ab, in der Höhe desselben von Zeit zu Zeit gemessen und ""gemerkt; so kann man zuleßt herausbringen, wie viel Master aus demselben in einem Monate oder Zahre verdunstet ist. Auch beeisete Wasserflächen find von der Ausdünstung frei: sondern es steigen von ihnen ebenfalls Theile in ^^"°sphäre. Dies geschieht besonders zu der Zeit, wenn asser ch, Begriff ist in Eis überzugehen: denn da das ls nichr setz^ Luft aufgelöst erhalten kann, als das Was- ^ i," ^, 'Velin dieses gefriert, davon allezeit ein ho ab. Die entweichende Luft aber reißt Wasscrthellchm ') Mein. cts t'Lttä. -> kLiiil i6ga. v- r- C 34 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. mit sich fort und verstärkt so die Ausdünstung. Das Eis an sich, obgleich ein harter Körper, dünstet an der Luft merklich aus. Wenn man bei einem heftigen Froste in einem Zimmer, wohin die Sonnenstrahlen nicht dringen können, an dem offenen Fenster eine Wage aufhangt, in die eine Schaale ein Stück Eis, in die andere aber ein Gewicht legt, welches mit jenem von gleicher Schwere ist; so findet man, daß das Ei's nach und nach leichter wird, sich vermindert ünd also der Luft Theile abgiebr. Das Eis in Stücken dünstet so gar stärker aus, als das Wasser/ weil es der Luft eine weit rauhere Oberfläche und daher mehr Berührungs- Pnnkte darbietst. Man kann sich davon leicht überzeugen, wenn man spitzige und scharfe Stücken Eis an die Lust setzt; man. wird diese bald abgestumpft finden, wenn auch die Kälte noch so groß ist. Mairan fand, daß ein Stück Eis, welches dem Nordwinde ausgesetzt war, in einer Zeit von vier und zwanzig Stunden, den fünften Theil seines Gewichts abgegeben hatte. Sonst verliert eine Flache von Wasser immer mehr, ais eine gleiche Flache von Eise, wenn diese glatt und eben ist. Die tropfbaren Flüssigkeiten unterscheiden sich von der Luft und den Dämpfen durch einen weit geringern Grad der Elasticität. Gleichwohl kommt diese Eigenschaft dem Wasser ursprünglich zu, und sie ist die Wirkung des damit verbundenen Wärmestoffs. Da man nun gefunden hatte, daß das Wasser der Zusammendrückung durch äußere Gewalt einen fast unüberwindlichen Widerstand entgegen setze; so sprach man ihm diese Eigenschaft ganz ab, und man glaubte hiezu um so mehr berechtiget zu seyn, da die Versuche derFloren- tinschen Akademie del Cimento *) für die Kompressibilität des Wassers sehr wenig versprachen. Es waren ihrer drei, von welchen derjenige der bekannteste ist, da man eine dünne, Ssxxt äi iianir«!! Lsxerieiire, Fall« nsll' äst cii». I». rel>»e -66-, tot. x. 197. 35 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. große von Silber gegossene Kugel, mit eiskaltem Wasser gss- nau anfüllte, und die Oefnung sorgfältig verschloß, diese Kugel aber hämmerte, r,m das Wasser in einen engern Raum zu zwingen. Statt dieses gehoffren Erfolge drang das Was--. ^r, bei jedem Schlage, durch die Poren des Metalls, wie ueckMer, das durch Leder gepreßt wird. Achnliche Vcr- uche haben Musschenbroeck, Düco, Hvllmann u. a. "lurforscher mit nicht bcsserm Glücke angestellt, welchen andere, als Hamberger, Rollet u. a. die Versuche, das Wasser in verschlossenen Röhren durch Quecksilber zusammen öü drücken, hinzufügten. So sehr man nun hiernach dem Wasser alle merkliche Compressjbilität, mithin auch seine Ela- ssiritäi, welche jene voraussetzt, absprechen zu müssen geglaubt hat; so sehr scheint es doch diesen Versuchen an hinlänglicher Beweiskraft zu fehlen. Es ist sehr wahrscheinlich, daß bei den Zusaminendrückungen der Kugeln die vermeinten Poren, durch welche das Wasser drang, nichts anders als Risse des Metalls gewesen, welches zu dünn und zu schwach war, um der Gewalt des Drucks zu widerstehen; und daß bei Hainberge r's und Noller's Versuchen nur Glasröhren die Lange der Säule» viel zu klein ausfiel, als daß man sehr geringe Veränderungen ihres Volumens hätte wahrnehmen können. Die Eigenschaft der Elasticität des Wassers ist daher auch von aridem Naturforschern mit wichtigen Gründen behauptet worden. Cantvn °) fand im Jahr 1762. daß flüs. uge Materien, jn gläsernen Röhren, die sich unten in glä- bkne Kugel,, endigen, bei einerlei Grad der Wärme in den höher stehen, wenn man den obern Theil verseilen ' ^ gemacht, und dann zugeschmolzen halte: hingegen ) t.svwsntz Lä. «It> I7ZZ. H. AS-- ) äc L r>v. l7;z. v. n. x. -ri. vdllor. voi. I.II. I>. r. t>. 84.0. Voi. t.IV. x>. »S-. Zb Erste Abth. Das Wasser überhaupt. niedriger, wenn die Lust der Atmosphäre noch darauf drük- ken könnte. Durch sehr sorgfältige und oft wiederholte Versuche ergab sich, daß ein Druck, doppelt so groß als der Druck der Atmosphäre, das Wasser um seines Volumens zusammendrücke. Schon die Fortpflanzung des Schalls durch das Wasser und das Abspringen harter Körper von seiner Oberfläche geben seine Elasticität zu erkennen, auch zeigt das Zusammenziehen des Wassers durch die Erkaltung eine Compreffi- bilitat an. Wenn es an sich möglich ist, daß eine Masse desselben einen geringern Raum einnehmen kann, so ist auch nicht abzusehen, warum es sich nicht sollte durch eine äußere Kraft zusammen drangen lassen: obgleich die Kälte hier ganz anders wirkt, als eine äußere Kraft. In den neuesten Zeiten ist nun die Compressibilitat des Wassers durch Versuche des Hrn. v. Zimmermann, mit einem von Herrn Ab ich ersundenen Werkzeuge, außer allen Zweifel gesetzt worden. Sie beweisen, daß das Wasser durch hinlängliche Kraft merklich zusammengedrückt werden könne, und daß es sich, wenn der Druck weggenommen wird, wieder in den vorigen Raum ausdehne *). Das Gewicht des Wassers wird bei Vergleichung der eigenthümlichen Gewichte der Körper, als ein gemeinschaftlicher Maasstab oder die Einheit angenommen, auf welche alle übrigen bezogen werden. Man muß also die Größe dieser Einheit in allgemein bekannte» Gewichtsmaaßen bestim- stimmen können, weil hievon die Berechnung aller absoluten Gewichte der übrigen Körper abhängt, wenn man dieselben aus ihren eigenthümlichen Schweren finden will. Man gebraucht besonders hierzu das destillirte Wasser, weiches als ein gleichartiger Stoff betrachtet wird, dessen specifisches Gewicht man bet einer bestimmten Temperatur n i setzt. *) Die Elasticität des Wassers theoretisch und historisch beschrieben von Zimmermaun.Leipi.i77S.8- 37 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. Es giebt verschiedene Angaben über das Gewicht des Wassers. Eisenschmidt ') setzt das Gewicht des Pariser Kubikzvlleö vorn Flußwasser L Gros 10 Gran. — Brunnenwasser 5 — n — — destill. Wasser 6 — 6 — ur den Sommer; für den Winter aber jedes um drei Gran Sr ßer. Denn, wenn solche Angaben belehrend ausfallen sollen, so muß dabei nicht nur auf die Beschaffenheit des Wassers, sondern auch die Temperatur der Atmosphäre gesehen werden. Nicht allein fremde ihm beigemischte Theile vermehren sein Gewicht, sondern es wird auch in der Kälte dichter, und geht also davon mehr in einen bestimmten Raum. Musschenbroeck der hierauf zuerst gehörig gesehen hat, fand das Gewicht eines rheinländischen Kubikschu- «)es Brunnenwasser in Troysgewichte: bei 42 Gr. Wärme 63 Psd. 2 Unz. t Dr. 4 Gr. — 33 — — 63 — 4 — 4 — 16 — — 5 o — — 63 — o — 3 —Zo; — — 46 — — 6z Z — 4 — 49 — vom Negcnwasser 63 — 3 — 7 ^ 9 — Neuere Versuche über das Gewicht Des Wassers sind von Karsten angestellt. Seinen Bestimmungen gemäß, vnegt ein rheinländischer Kubikfuß reinen destillirten Wassers, dei einer Temperatur von 64 — 66 Grad nach Fahrenheit lrn KLllnischei, Gewicht 602687'. Gran, d. i. 6 A Pfund 14 Loth ^ O-uent. 7- Gran und im Medieinalgewichr 64 Pfund l 3 Dr. 2 Serup. g' Gran. Die neuesten Untersuchungen über diesen Gegenstand ) Ds kvnasiM er msli». Vi-I. LrZoiik. 17öS. S- l>. 172. I-itroMior. !»a xltll. in», r II. §. -499- Anleitn,>z »i,rLeUiei„nü«is»n Kenntniß »er Natur. Halle > 7 SZ- L- t-- ZZ Erste Abth. Das Wasser überhaupt. verdanken wir Herrn Pr. Schmidt in Giessen *). Er fand bei einer Temperatur von 46 - Grad Fahrenh. von destillirtem Regenwasser: das Gewicht eines Pariser Duodecimal-Kubikzolles 370,27 Gran, mithin das Gewicht des Pariser Kubik- schuhes 6g, 426 Pfund Troysgeivicht oder 72, 673 Pfund Kölnisch, von undestillirtem Regenwasser, den Kubikzoll 370, 44 Gtain »der den Kubikschuh 69, 43g Pfund. „von Brunnenwasser, den Kubikzoll Z70,, 6 Grain, oder den Kubikfchuh 6g, 501 Pfund. Das Wasser ist ein flüssiger Körper. Flüssig nennt man insgemein einen Körper, wenn seine Theile so wenig Zusammenhang mit einander haben, daß sie der Trennung einen geringen, kaum merklichen Widerstand entgegen setzen: dennoch aber Anziehung genug gegen einander äußern, um den Sinnen einen einzigen ohne Unterbrechung zusammenhängenden Körper darzustellen. Andere setzen den Hanptcha- rakter einer Flüssigkeit darin, daß ihre Theile unter einander der vollkommensten Berührung fähig sind. Ein jedes Theilchcn des Wassers werde^ nehmlich von allen Seiten gleich stark angezogen, und alle diese Wirkungen höben sich gegen einander auf, und das Theilchen sey eben so beweglich als im leeren Raume. Es könne zwar durch die mindeste Kraft verschoben, nie aber aus der Berührung gebracht werden. Dies beweise offenbar ihr eigenes Bestreben, diejenige Gestalt anzunehmen, wodurch sie in. die gröste Berührung unter sich selbst und also in Las vollkommenste Gleichgewicht kommen, und diese sey die Kugelgestalt. Daß die Theilchen des Wassers durch eine noch so schwach drückende Kraft aus der , ») Sammt. Phyf. machem.' Abtz. r.-B. »7N- s. N- 2 - 59 Erste Abrh. Das Wafler überhaupt. Stelle beweget werden, llege nicht sowohl in dem geringen Zusammenhange als in der Verschiebbarkeit derselben Die flüssigen Materien sind, so wie d;e festen, den Gesetzen der Schwere unterworfen, nur unterscheiden sie sich darin von diesen, daß auch in ihren kleinsten Theilen nicht die mindeste Reibung statt findet. Wenn demnach ein Theil- chen des Wassers zur Bewegung angetrieben wird, so kann auch dieser Theil allein bewegt werden, ohne daß die ganze Masse in Bewegung gerath. In den Eigenschaften der Schwere und der Flüssigkeit liegt nun auch der Grund, daß das Wasser auch bei einer geringen Neigung der Flache, worauf es sich befindet, sogleich nach den Stellen hin ablauft, nach welchen die Neigung gerichtet ist; daß es sich so tief senkt als es nur kann, und also von allen Orten die es erreichen kann, die niedrigsten einnimmt. Wenn es nun dahin gelangt ist, so kommt es nicht eher zur Ruhe, als bis seine Oberfläche in einer völlig wagcrechten Ebene erscheint. Wäre dies nicht, so wüsten gewisse Theile desselben höher stehen, als andere. Das Wasser, also, welches so beweglich ist, würde sogleich °n den höheren Stellen zu den niedrigen herabsinken, und öwtte daher nie in völliger Ruhe seyn. Wenn die Wassermasse in Ruhe ist, so wird ein jedes Milchen derselben nach allen möglichen Richtungen gleich sest^d oder ein jeder Theil derselben, wird durch ^geiles Gewicht und den Gegendruck aller übrigen Theile, w' seinem Orte erhalten. Denn wäre der Druck auf irgend kwti, Theil der Masse nach den entgegengesetzten Richtun- njcht gl^ch g^ß; so würde sich auch bey Theil nach der )tung des stärker« Drucks bewegen, und das Wasser "we nichr i„ Ruhe seyn. Würde ein Wassertheilchrn auf " sticht- schwerer, ohne seine Gestalt und Größe »N verändern; so müsie es, da der Druck des dasselbe umgebenden Wassers immer derselbe bleibt, sich jetzt im 4" Erste Abth. - Das Wasser überhaupt. 4 Wasser erheben oder sinken. Weil es aber einerlei ist, der ! Raum mag mit Wasser oder mit etwas festem angefüllt seyn, so leidet auch das feste Theilchen eben denselben Druck. ' Durch die Elasticität des Wassers wird der Druck desselben auf die Gefäße beträchtlich vermehrt. Diese Vermehrung läßt sich nun keinesweges, durch eine bloße Fortpflanzung und Veränderung in der Richtung des Drucks der l Schwere erklären: sondern sie rührt von einer besondern, > dem Wasser eigenen, und von der Schwere verschiedenen vi Kraft her. Aus dieser Ursach würde das Wasser, wenn es ! sich in einem Gefäße in einen festen Körper verwandeln i könnte, ohne den Raum zu andern, welchen es einnimmt, - das Gefäß viel weniger drücken als vorher: denn es würde, ' wenn das Gefäß verticale Wände und einen horizontale» . Boden hätte,- bloß den letztem so stark als vorher, das ist s mit seinem ganzen Gewichte, die Wände aber gar nicht wei- i ter drücken, weil es alsdann durch seine eigene Schwere gar nicht verdichtet werden könnte. Das Wasser nimmt also die Gestalt der Behälter an, in welchen es eingeschlossen ist, und füllt dieselben nach allen Winkeln und Krümmungen aus, zu welchen ihm ein Zugang offen steht: denn das obere Wasser drückt auf das untere, und nöthigt dieses dadurch, nach allen Seiten hinzufließen, bis es die Wände berührt, die seiner weiter» Ausbreitung i entgegen stehen. Es steht auch in mehreren Behältern- f wenn sie unter einander zusammen hängen, sie mögen eine ! Gestalt, Weite und Lage haben, welche sie wollen, gleich . hoch, und ist darin nur dann in Ruhe und im Gleichge- i wicht, wenn die Oberfläche derselben in einerlei wagerechtee ' Ebene, oder von gleicher Höhe, sind. Sogar bei einem großen - Teiche steigt das Wasser in einem gegrabeüen Loche auf dieselbe Höhe, die es im Teiche hat, wenn es von unten daraus in das Loch dringen kann. - - Zu solchen Fällen muß jedoch das Wasser in allen die- Erste Abth. Das Wasser überhaupt. sen Behältern von einerlei specifischem Gewichte seyn. Ist dieses verschieden, so wird die schwerere Wassersäule, die bei einem gleichen Raumes - Inhalt mehr Gewicht hat, stärker drücken als die andere. Wenn sie mit einander im Gleichgewichte stehen sollen, so müssen ihre Gewichte gleich groß seyn. Es muß demnach das Wasser leichterer Art um so höher stehen, als das schwerere, als die letztere Säule, die erste an eigenthümlichem, Gewichte übertrift. Hieraus erklärt sich der verschieden hohe Stand des Wassers in zweien unter einander in Verbindung stehenden Meeren, wenn sie un- gleich gesalzen sind. Ein jedes Wassertheilchen, welches sich über einem andern befindet, drückt dieses in senkrechter Richtung. Dieser Druck des Wassers auf den Boden des Behälters, richtet sich nun nicht nach der Menge des Wassers in demselben, sondern bloß nach seiner senkrechten Höhe über der Grundfläche des Behälters. Der Druck, welchen der Boden erleidet, ist so groß als das Gewicht einer Wassersäule, deren Grundfläche dem Boden des Gefäßes, und deren Höhe der senkrechten Höhe des Wassers bis zum Wasserspiegel im Gesäße gleich jfl: er nimmt ab, so wie sich die Höhe des Wassers vermindert. Das in einem Gefäße ruhig stehende Wasser wird, so bald eine Oefnung in dem Boden desselben gemacht wird, vermöge seines Gewichts ausfließen, und zwar mit einer Geschwindigkeit, welche ein schwerer Körper erlangen würde, wenn er von einer Höhe herabfiele, weiche der Wasserhöhe im Gefäße gleich jst. Die Summe der Drücke aller Was- senheiichen, muß der unmittelbar darunter liegenden eine Geschwindigkeit ertheilen, weiche es erhalten würde, wenn es von-eben der Höhe frei herabgefallen wäre. Dieses findet nicht allein Statt, wenn jene Oefnung sich in dem horizontalen Boden des Gefäßes, sondern auch dann, wenn'sie sich an den Selten befindet. Zn diesem Falle wird das H.S Erste Al'th. Das Wasser überhaupt. Wasser mit einer desto größer» Geschwindigkeit hervorsprin- gen, je näher die Qeffnung' dem Boden des Gefäßes ist: denn die Ursach der Bewegung des Wassers aus der Oef- nung rührt vom Drucke des Wassers her, und dieser muß bloß nach der Wasserhöhe beurtheilt werden. Der Druck des Wassers äußert steh aus alle Körper, welche es berührt; also auch auf diejenigen, welche man darin untertaucht. Ein Stein fallt unter dem Wasser nieder, weil er eigenthümlich schwerer ist, als das Wasser, und also der Unterschied zwischen dem Drucke des obern und untern Wassers auf ihn kleiner ist, als sein Gewicht: daher ihn das untere Wasser nicht stark genung hinauf drückt. Ein Stück Holz dagegen, welches man unter dem Wasser fest hält, erhebt sich mit Gewalt in die Höhe, sobald man es losläßt: denn es ist eigenthümlich leichter als das Wasser. Ein jeder Körper, welchen man im Wasser untertaucht, verliert dadurch so viel von seinem Gewichte, als das Gewicht des Wassers beträgt, dessen Raum er einnimmt. Ein -Kubikschuh süßen Wassers wiegt 70 Pariser Pfund. Ein Körper also, dessen Umfang einen Kubikschuh ausmacht, verliert, wenn man ihn ganz in süßes Wasser taucht, 70 Pariser Pfund von seinem Gewichte. Denn, würde er beim Untertauchen ganz in Wasser verwandelt, so würde er hier i» Ruhe bleiben, und also mit einer Gewalt von 70 Pfund stärker vom Wasser in die Höhe gehoben, als niedergedrückt melden. Wiegt er mehr als 70 Pfund, so fällt er mir dem Ucberreste seines Gewichts: wiegt er aber weniger, so wird er mit einer Kraft in dieHöhe getrieben, die diesem Unterschiede gleich ist; und dies geschieht allenthalben im Wasser, es sey oben oder in der Tiefe, auf gleiche Art, weil der Körper an allen diesen Stellen in Ruhe bleiben würde, wenn er sich in Wasser verwandelte. - Ein Körper also, welcher eigenthümlich schwerer ist, als das Wasser, fällt zwar in demselben nieder, aber dennoch viel langsamer, als in der Lust, weil in dem Was- Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 4z ser ein so ansehnlicher Theil seines Gewichts verloren geht. Diesen Verlust wirb man sehr deutlich gewahr, wenn man einen Eimess mit Wasser aus einem Brunnen in die Höhe denn er laßt sich leicht ziehen, so lange er noch Ug ist, mir einer sehr kleinen Kraft, über das Wasser heraus ziehen, wenn man ihn z. B. bei den Haaren ergreift. Leichtere Körper werden, wenn man sie mit Gewalt um ter das Wasser taucht, in die Höhe gehoben und genöthigt auf demselben zu schwimmen: aber indem sie schwimmen, bleiben sie dennoch zum Theil unter dem Wasser. Denn so- bald sie sg hgch gestiegen sind, daß das Wasser, welches ihr ^Nerer Theil aus seiner Stelle vertreibt, so viel wiegt als ^ selbst; jo können sie nicht weiter gehoben werden, sondern bleiben j« Ruhe. Man tauche einen Körper von einem Kubiksuß im Umfange, und von 35 Pariser Pfund am Ge- w'cht in stehendem Wasser ganz unter, so wird er mit einer Kraft von 70 Pfund gehoben: da ihn aber zugleich sein eigenes Gewicht mit der Hälfte dieser Kraft niederdrückt; so steigt er, wenn man ihn losläßt, mit 35 Pfund Kraft auf. Dvbald er aber über die Oberfläche des Wassers hervorragt, diese Kraft immer kleiner. Ist er endlich halb außer bem Wasser, so daß er nur einen halben Kubiksuß Raum bemftlben einnimmt, so ist seine hebende Kraft nur Z5 Psttnd groß. Da nun der Körper auch so viel wiegt, so """ er „jchr weiter steigen. Leichte Körper, indem sie schwimmen, tauchen in den Weiten desto tiefer ein, je eigenthümlich leichter diese . ' ^ benn um desto größer wird der Raum, welchen die tge Materie einnimmt, die eben soviel wiegt als sie. ieraus folgt, daß sich jener Körper von einem Kubiksuß 44 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. im Umfange und 35 Pfund am Gewicht im Meerwasser im Schwimmen nicht bis zur Hälfte eintauchen kann, weil ein halber Kubikfuß dieses Wassers mehr wiegt als 35 Pfd. Daher muß man stark beladene Schiffe, wenn sie aus dem Meere in das süße Wasser der Flüsse gehen, etwas erleichtern, weil sie sonst zu tief einsinken würden: dagegen kann man den Schiffen, welche auf den Flüssen schon ihre völlige Ladung haben, noch etwas zugeben, wenn sie sich hernach im Meere befinden. Auch eigenthümlich schwerere Körper können auf dem Wasser schwimmen, wenn sie entweder stark ausgehölt, oder mit leichteren Körpern verbunden sind. So schwimmt ein Kahn von Blech; so schwimmen Steine und Eisen auf hölzernen Flössen; so verhindern die Scaphander oder die Schwimmgürtel und Schwimmkleider, die mit Kork ausgestopft, oder mit luftvollen Blasen versehen sind, daß Menschen im Wasser nicht untersinken. Wenn Schiffe auf dem Boden des Meeres im Sande oder Schlamme festsitzen; so kann man sie oft dadurch wieder flott machen, daß man zur Zeit der Ebbe leere und dicht verschlossene Kasten an ihnen befestigt. Diese werden nun, wenn sie groß genung sind, zur Zeit der Fluth mit solcher Gewalt von dem Wasser in die Höhe getrieben, daß sich das ganze Schiff dadurch zugleich mit erhebt. Das Wasser, wenn es steht, drückt mit seinem ganze» Gewicht; bet dem fließenden hingegen wird ein Theil des Drucks auf die Bewegung verwendet, und er ist also schwächer. Es muß folglich, unter gleichen Umständen, das flies- sende Wasser höher stehen, als das ruhende, und jenes ist so zu betrachten, als ob es ruhete, aber zugleich eigenthümlich leichter wäre. Das Wasser wird in der Natur nie ganz rein angetroffen, sondern es erscheint mit mancherlei fremdartigen Theilen bald mehr, bald weniger vermischt und beladen. Selbst Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 45 die atmosphärischen Wasser, als die reinsten, nehmlich Regen, Thau, Hagel, Schnee, enthalten noch immer etwas davon. Auf ihnen folgen die unschmackhafcen Quell- und Brunnenwasser, und zwar die weichen mehr, als die harten. Sie führen insgesamt Gipserden bei sich, deren Verbindung mehrenrheils durch das kohlensaure Gas bewirkt wird, oder zwischen einer Vermengung und Auflösung das Mittel hält. Die Fluß- »üb stehenden Wasser sind insgemein schon sichtbar voller Unreinigkeiten. Die reinsten Quell- und Fiußr wasser sind diejenigen, weiche über Sand, Sandstein und Kiesel laufen, weil diese sich von dem Wasser am wenigsten angreifen lassen, und dieses vielmehr seine erdigen u. a. Stoffe an sie ablegt, und sich dadurch von ihnen reinigt. Das Wasser läßt sich aber aus allen fremden Verbindungen scheiden, und man findet es alsdann, wenn es hinlänglich bereinigt ist, in seiner ursprünglichen Beschaffenheit wieder, ohne dadurch in seinen wesentlichen Eigenschaften die mindeste Veränderung erlitten zu haben. Dies geschieht durch die Destillation. Auf diesem Wege, kann man sich allein ein reines Wasser verschaffen. Weil das Wasser flüchtig ist, so Seht es ,n Dämpfen über, und die Salze, Erden, Metalle als feuerbeständige Körper bleiben zurück, nur muß dasWas- ser in solchen Gefäßen über destillirt werden, weiche nicht stobst dazu beitragen, es zu verunreinigen. Die dem Wasser beigemischten fremdartigen Stoffe sind t">t demselben auf zweierlei Art verbunden, entweder auf eine mechanische oder chemische Weise; im letztem Falle durch d'e Auflösung. Diejenigen Stoffe, welche mit dem Wasser mechanisch ver nnden sind, erhalten sich darin, ob sie gleich specifisch werer sind, durch ihre feine Zertheilung in der Höhe. enn die Aufwühlung und Bewegung des Wassers die Ver- indung veranlaßt hat, so senken sich die fremde» Theile, sich selbst überlassen, durch ihr eigenthümliches Gewicht zu 46 Erste Abth. Das Wasser überhaupt/ Boden, sobald das Wasser zur Ruhe kommt. Da solche Wasser mit ungleichartigen oder ungleich dichteren Materien in Verbindung treten, so werden die Lichtstrahlen daran auf verschiedene Weise gebrochen, und sie erscheinen daher meh- renlheiis trübe. Ganz anders verhält es sich mit der Anst lösung. Hierdurch entsteht eine Unter sich durchaus gleichartige Masse: daher sie jederzeit klar und durchsichtig sind. Die dem Wasser beigemischten fremden Substanzen, haben entweder eine organische oder mineralische Natur, oder es sind Luft- und Gasarten. Die organischen Stoffe sind in ganz hellen und durchsichtigen Wassern auf das feinste zertheilt, weder durch den Geschmack noch durch den Geruch im mindesten bemerkbar. Sie gehen, wenn das Wasser auch durch zehen und mehrere Lagen Tuchs geseihet wird, mit durch, und sondern'sich aus den geseiheten Wassern in eben der Menge ab, als aus den ungeseiheten. Sie sind darin vollkommen aufgelöset/und am gemeinsten in Regenwasser, besonders dem, welches bei einem Gewitter fällt, wie auch in Wassern, welche der Luft ausgesetzt sind, häufiger als in anderen. Unstreitig erhält das Wasser diese Materien aus der Atmosphäre. Alle organische Körper dünsten sehr stark aus, und der Luftkreis empfängt von ihnen beständig, mit den Wassertheilchen, auch zugleich eine große Menge thierischer und Pflanzenstoffe, welche die Luft verschluckt und auf das feinste zertheilt. Diese Materien führt nun dieLust dem Wasser zu, welche es berührt und es vermischt sich damit. Sie machen eigentlich die Nahrung der Pflanzen aus, und ihnen'muß es zugeschrieben werden, daß das Wasser fault: denn nur allein organische Stoffe sind der Fäulniß unterworfen. Wenn das Wasser anfängt zu faulen, wird es erst trübe. Die organischen Substanzen sondern sich, zum Theil davon ab, häufen sich zusammen und bilden allerlei pflan- zenähnliche Massen, welche oft bei großer Wärme durch dir Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 47 Fäulniß zerstört werden, wobei das Wasser zugleich einen unangenehmen Geruch um sich her verbreitet. So wie nun alle organischen Körper, wenn sie durch die Fäulniß zerstöret weben, zuletzt eine erdige Materie zurück lassen, so geschieht es auch in dem faulenden Wasser. Es setzt am Ende auf dem Boden einen Schlamm ab, und wird wieder trinkbar, helle und geruchlos. Auf den Schift fen pflegt das Wasser, womit man sich vor der Abreise versorgt, auf den Meeren der heißen Himmelsstriche mir großem Gestanke zu faulen: allein es wird nach einiger Zeit wieder genießbar/zum Beweise, daß das Wasser selbst nicht in Fäulniß geräth. , Die bald größeren, bald geringeren mineralrschen Verwischungen der Wasser entstehen auf mehr als eine Weise. Das Wasser ist an sich ein Auflöfungsmittel für eine große Anzahl Körper aus dem Mineralreiche, mit denen es in Verbindung geht, und die seine Beschaffenheit mvdificiren. Hauptsächlich löset es leicht und gern die Salze auf, weiche denn, in Verbindung mit dem Wasser, dieses zu einem fernern Auflösuugsmittel für viele andere Körper machen, die sonst darin unauflösbar sind', indem die Salze hier zu einem An- neiguugsmitlei zwischen dem Wasser und jenen Körpern werden. Die atmosphärische Luft, wenn sie mit dem Wasser in Berührung kommt, wird von diesem in Menge aufgenom- we«. Die Gegenwart derselben in dem Wasser zeigt sich in den häufigen Blasen, die in demselben in die Höhe steigen, wenn man es stark am Feuer erhitzt. Unter den Gasarten 'st das kohlensaure Gas (Luftsäule, fixe Luft) dasjenige, . welches in den Wassern am gewöhnlichsten vorkommt- 2n diesen fremden Beimischungen gründet sich nun die Eintheilig der Wasser, in gemeine oder süße und mineralische. Die ersten enthalten gröstentheils einige erdige nnd salzige Stoffe, mit einem geringen Antheile von kohlensauren Gas. Wenn diese Beimischungen ein gewisses Maaß 49 Erste Abth. Das Wasser überhaupt. überschreiten, belegt man sie mit dem Namen der harten, im entgegen gesetzten Falle aber mit der Benennung wen cher Wasser. Zu jenen rechnet man die meisten Quell, und Brunnenwasser: zu diesen aber einige Quell- und die meh- resten Fluß- und Landseewasser. Die harten Wasser, welche jedoch, wenn sie frei an der Luft stehen, die Natur der weichen annehmen, sind zu manchen ökonomischen und vielen technischen Anwendungen unbrauchbar. So lösen sie z. B. die Seife nur unvollkommen auf, und taugen nicht zum Weichkochen der Hülsenfrüchte. Zn jenem Falle zersetzen sie die Seife, indem sie das Fett von dem Laugensalze absondern; in diesem Falle schlagt sich, da die Kohlensäure bei einer erhöheten Temperatur in die Luft entweicht, die im Wasser aufgelösete Erde nieder, und diese überzieht die Früchte mit einer Rinde, welche das Eindringen des Wassers verhindert. Auch schadet ihr Genuß mit der Zeit, der Gesundheit, indem sie Leibesverstopfungcn veranlassen. Die mineralischen Wasser bestehen aus mineralischen Quell- Fluß- und Landseewassern, wohin auch das Meerwasser gehört. Das Gehalt des Wassers zu erforschen, bedient man sich eines feinen chemischen Processes, welcher vorzüglich auf die Untersuchung der Mineralquellen Ängewendet wird, und in der Folge kürzlich beschrieben werden soll. Schon die Alten glaubten, daß die Summe des Wassers auf der Erde sich nach und nach vermindere, und auch viele der neueren Chemiker erklären sich für diese Meinung, indem sie eine Verwandlung des Wassers in Erde annehmen. Sie suchen den Grund darin, daß die Nahrung der Gewächse aus Wasser bestehe, für dessen Verlust sie keinen Ersatz anzugeben wissen. Diese Nahrung erhalten sie aber, wie erwähnt ist, hauptsächlich von den in dem Wasser befindlichen organischen Stoffen. Boyle und Newton nahmen bereits eine solche Verwandlung an, und Markgraf fand, daß das Wasser, wenn er es gleich dreizehen Mal de- Erste Abth. Das Wasser überhaupt. 49 sriüirr hatte, dennoch einen Bodensatz von erdiger Substanz zurück ließ, welcher auch erfolgte, wenn er es in einem Glase verdunstete. Auch hat man das Schütteln des Wasser« in Gefäßen und das Reiben desselben zu dieser Absicht angewendet. -Hiezu bediente sich WaileriuS, mit gleichem Erfolge, sowohl der Glas - als auch der Metall-Mörser,, worin er, nach eiuem-Meiben von mehreren Scunoen, ein wilchfarbiges Wasser, und in der Folge Erde bekam. Marc- Ataf schüttelte Wasser oft acht Tage lang in einem wohl Verwahrten gläsernen Gefäße, da es sich dann am Ende verdickte und glänzende Körner zeigte *)- Allein bereits Bverharre beftritt eins solche Verwandeiung des Wassers in Erde, und schrieb diejenigen Theiichen, welche nach der Destillation übrig bleiben, dem Staube zu, weicher in der Lust überall umher schwebt, welchem letzter» jedoch Wallerius aus guten Gründen widersprach, Der unsterbliche Lav visier hat unumstößlich dargethan, daß alle Versuche der Chemiker, für die Gegenwart der Erde in reinem Wasser, oder für die Verwandeiung desselben in Erde, threr Absicht keinesweges entsprechen, und daß in allem deken Fällen, wo man nach der Destillation etwas davon gesunden, solches von der Auflösbarkeit des Glases hergerührt hat, und also ein Produkt der Gefäße selbst gewesen ist. Ex destilliere nemlich sehr oste Wasser in einem besondern Gefäße, welches man Peliean nennt, und sich dvn dem gewöhnlichen, darin unterscheidet, daß die Wasser- dämpfe, nachdem sie wieder zu einer tropfbaren Flüssigkeit verdichtet waren, durch zwei Seitenröhren immer wieder auf den Boden des Gefäßes zurückliefen. Die Auflösung des Wassers j„ Dünste und die darauf folgende Verdichtung, SMg also m einem Kreisläufe ununterbrochen vor sich. Er fand etwas Erde aus dem Boden des Gefäßes: als er aber dieses u,ch das Wasser wog, weiches auch vor der *) Mem. äs- ü-ii ss. t Lsr!iir 1756. D Zs Erste Abth. Das Wasser überhaupt. ' ^ Operation geschehen war, entdekte es sich, daß das Wasser * von seinem Gewichte nichts verloren, das Gefäß hingegen ^ so viel eingebüßt hatte, als die Erde wog, welche er darin , antraf. Das, was hier von der Destillation gesagt ist, muß - noch um so viel mehr Statt finden, wenn das Wasser in 's Gefäßen geschüttelt oder gar gerieben wird. Zweite Abtheilung. Von den Quellen auf unserer Erde. ^/.»eilen nennt man die Auögänge und Ausbrüche des jn der Erde befindlichen Wassers, durch welche es zu Tage kommt, um durch sein Zusammenfließen größere Wassersammlungen zu bilden. Sie werden auch Springe und von einigen Naturforschern Brunnen genannt, mit welchem letzter» Worte man jedoch eigentlich nur solche Quellen belegt, welche nicht au« eigener Kraft zum Vorschein kommen: sondern in besonders dazu gegrabenen Höhlungen. Jene trift man auf und an den Bergen und Anhöhen an, diese aber werden mehrentheils in das flache Land verlegt, und sie erfordern in höheren und trockenen Gegenden eine ansehn- i liehe Tiefe. Die Quellen ersterer Art sind überall auf dem Erdbo, den vertheilet, u;,d in allen Gegenden anzutreffen. Ihnen verdanken alle Ströme der Erde ihr Daseyn. Da es ausgemacht ist, daß das frei fließende Wasser jederzeit die niedrigsten Oecter aufsucht, und die Bache und Flüsse von dem Orte ihres Ursprungs weg fliesten; so folgt daraus, daß alle Zweite Abth. Von den Quellen rc. 5 - QuellenUche fliessende Wasser liefern, höher liegen als die nächste Oberfläche des Meeres, der sie zueile». ^«e Menge Quellen befinden sich auch in den Ebenen und -)« lern: aber jederzeit ist eine solche Gegend, dennoch höher a S der Spiegel des Meeres. Sie sind der Gegenstand dieser Abhandlung, welche uns aus folgende Betrachtungen leitet; 1) des Ursprungs der Quellen, 2 ) der Beschaffenheit ihres Wassers, 3) der Temperatur desselben, . ^ 4) der Menge ihres Wassers, und der Verschiedenhe, Absicht ihres Laufs. Erster Abschnitt. Vom Ursprünge der Quellen.' Entstehung und Unterhaltung der Quellen zu erklären, "ahmen die Naturforscher zu mancherlei Hypothesen ihre Zu- ^cht, welche Perrault *) gesammelt und untersucht hat. kommen indeß in der Hauptsache fast «lle mit einander ein, und lassen sich auf wenige Sätze zurück bringen, der A"fiölung dieses Problems beruht hauptsächlich auf Heu Beantwortung der Frage: woher die Berge und Anhö- " chr Wasser bekommen, durch welches die Quellen her- räche und unterhalten werden. Da das Wasser, vcr- 3 e seiner Flüssigkeit und seines Gewichts, immer die nie- einer <"ss der Erde sucht; so bedurfte es allerdings »ätle ^°"^rn Veranstaltung der Natur, um solche Vor- Ist be„, al- von den hohen Gegenden in so reichem D 2 *) v«uvr«5 Llv«^ 52 Zweite Abth. Erster Abschnitt. Maaße unablässig ausgetheilt werden, bis an die Orte der Quellen zu erheben. Die Beantwortung dieser Frage ist nun auf eine sehr verschiedene Weise geschehen, und sie würde befriedigender ausgefallen seyn, wenn man sich nicht immer hätte auf einem einzigen Wege halten wollen. Die Natur ist einfach in ihren Anstalten: allein daraus folgt nicht, daß sie zu einer Wirkung auch jedesmal nur eine Ursach gebrauche; sondern nur so viel, daß alle Wirkungen, welche man in ihrer Oekonomie antrift, durch so wenig Ursachen, als mög> lich, hervorgebracht werden: wobei jedoch mehrere einander Hülfe leisten und sich unterstützen können. Alles, was von den Naturforschern älterer und neuerer Zeit, über diese Materie vorgebracht ist, lauft darauf hinaus, daß die Quellen entweder durch das atmosphärische Wasser erzeuget werden, oder ihren Ursprung unmittelbar aus dem Oceane nehmen, oder einem im Innern der Erde befindlichen Wasserbehälter ihren Ursprung zu verdanken haben. Aristoteles führt bereits verschiedene Meinungen über diesen Gegenstand an: jedoch scheint er sich im Ganzen auf dir Seite derer zu neigen, welche die Berge und Erhabenheiten auf der Erdkugel, als solche Orte ansehen, die das Regenwasser und andere Flüssigkeiten einsangen, und in ihre Behälter verschließen, aus denen sie hiernächst langsam und tropfenweise hervor kommen. Außerdem glaubt er noch, daß die im Innern dieser Höhlen eingeschlossene Lust die Natur des Wassers annehme. Seneca ") tritt dieser Meinung bei, geht aber darin noch weiter, daß er eine Verwandelung der Erde selbst i» Wasser annimmt, um den reichlichen Zugang des Wassers noch begreiflicher zu machen, welches die Quellen in so reichem Maaße liefern. 1) IVLereoroloZ. i. i§. 2) Nutnr. Hiiitesr. z. T- Ursprung der Quellen. 63 Lucrez ') leitet die Emstchrmg der Flüsse so wie auch der Quelle» vonl durchgeseihete» Meerwasser her. Vitruv -) sucht den Ursprung der Quellen in dem Regen» und Schneewasser, weiches sich in die Erde ziehe, und niedersinke, bis es durch Erzt- Stein- und Thonlager aufgehalten und genöthigt werde, sich anzusammeln, und sich Oefnungen nach außenhin zu verschaffen, um dadurch aus- zulaufen. Ost bleibe das N^cnwasser auf den Bergen stehen, und verweile daselbst eine Zeitlang, welches den» das tiefere Eindringen in die Erde befördere. Dies gelte au vvm Schnee, welcher sich besonders auf den Baumln Haufe, nach und nach schmelze, und in di- C-rde dru^ ^ - Mariott- -) erklärt sich im Ganzen für die Memung d-. Bi.r»«, « such. °u,ch -m- ch» »« i» d.ß dyd R-S--" ->»d » " -n. ryen hinrrichcnd sey. alle Quellen mid Msse ell ich w ' . d«k -« in den r-db»d<» durch «->« d-M »h- ^ ntie -md.m,-i d-i dies, K-M- d-'M M-b-« »»„rr-ss-u würde», »u« weichen d»« W»O> ' m den sogenannten Quell zusammen lauft. Perrault «) schreibt den Ursprung der Quellen u Flüsse ebenfalls dem Schnee- und Regenwasser zu: mdep gedenkt er sich ihre Entstehung auf eine von den vorige Hypothesen ganz verschiedene Weise. Zhm scheint es, a das Wasser, welches auf den hohen Flächen fällt, zur -2 vorbringung der Quellen nichts beitrage: sondern d-m v dem an diesen Flächen ablaufenden Schnee- und - egenw - s'rr die Flüsse allein abhingen. Von dem ausgetretenen. der Quellen für unzureichend, und seht an deren Stelle die Dünste, welche aus dem Meere aufsteigen. Da Ketten von - Bergen, über den ganzen Erdboden in mannichfaltigen Mich- s tungen verbreitet sind; so werden die Dünste an solche ge- ' trieben, daselbst durch die Kälte verdichtet, und wieder in eine tropfbare Flüssigkeit verwandelt, welche in das Erdreich dringt, sich daselbst anhäuft, und unter den erforderlichen Umständen wieder zum Vorschein ^ommt. Unter diejenigen, welche die Quellen unmittelbar aus dem Meere entstehen lassen, gehört Kircher H. Er giebt den unterirdischen Höhlen, welche das Wasser desselben durch s verborgene Gänge und Kanäle in sich aufnehmen, Decken, welche, den Helmen der Destillirkolben ähnlich, die aufstei- ^ genden Dünste zu Tropfen verdichten, die denn an den Seiten in die daselbst befindlichen Kanäle ablaufen, und sich r) Thilos. I'runs. 102 . x. 46Z. 2 ) 8ii1)toi-rLiren5. ?Lrt. i. Hh. V. (Üsx. r. Ursprung der Quellen. 55 Ausgangc verschaffen. So soll das Meerwaffer durch eine wirkliche Destillation zur Ursach der Quellen werden. Descartes -) nimmt seine Zuflucht ebenfalls zu dem ^ Wasser des Meeres. Er versetzt in das Innere der Erde, und vornemlich unter die Gebirge, eine Menge Höhlen, welche er durch Gange und unterirdische Kanäle mit dem Meere m Gemeinschaft bringt, und durch sie mit Meerwasser sich anfüllen läßt. Dieses Wasser wird nun durch die innere Wärme der Erde in Dünste aufgelöset, dadurch geschickt gemacht, sich zu erheben, da es denn in diesem Zustande durch Zwischenräume und Oefnungen der Gewölbe, welche d'ese Höhlungen bedecken, aufsteigt, und sich so h°4 erhebt, bis es ftjue Wärme verliert, und sich zu Tropfen verdichtet, Diese fließen nun in einander, und da sie nicht vermögend sind, durch die engen Kanäle wieder zurück zu kehren, lo lamrneln sie sich in Adern, deren sich mehrere mit einander vereinigen, als Quellen hervorbrechen, oder auch beim Bnm- nengraben in der Tiefe angetroffen werden. Diese Hypothese ist vom Rohault H ausführlich vorgetragen, und vom Kühn wieder erneuert worden. Barenins *), Derham ') und andere Natursorssher suchen zwar ebenfalls die Ursach der Quellen in dem Wasser des Meeres: in Absicht der Art und Weise aber, wie eö gegen die Gipfel der Berge hinaus geführt wird, weichen sie vomDe s cartesab. Nach ihrer Vorstellung zieht sich das in H rtincix. xhUo,. r. IV. §. St. -«44- I-. 12 . c-, I». ^ T°da«ke„ Uespeunze »er Quellen und des GenndE-r- r.La. üb,rs. Berl. »ud LeiPi. -746- L- L, L-i-s. « 6«. L«». ,s. m-m. s- Pl,yllc°khe«iggi,^ ^ Enzl. ««„ I. A- FabricinS- Hauw. -7«-. , 8. r. B. L. Hauprll. §6 Zweite Abth. Erster Abschnitt. die Erve g-^-uaaene Wasser des Meeres in die Höhe, als in einem länglichen porösen Körper geschieht, wenn man ihn mit dem -einen Ende in das Wasser setzt. Sie vergleichen das Innere der Berge mit den Haarröhrchen, Schwämmen und kleinen Haufen Sandes, die man in ein Gefäß mit Wasser bringt, so daß sie zu einem großen Theile über sei- uer Fläche hervorragen, in welche sich das Wasser durch die Adhäsion zieht. Kircher unternahm es bereits, diese Hy- pothese durch einen Verbuch zu erläutern. Er verfertigte eine kleine Säule von Givs, an deren einem Ende er eine kleine Oefnung anbrachte, und stellte sie mit dem andern ins Was« ser. Nach Verlauf einiger Stunden, ward er gewahr, daß sich das Wasser durch die Gipsmasse hinauf gezogen, und die Höhlungen angefüllt-hatte. Wenn er hier das Wasser ausleerte, und den Körper trocknen ließ, so konnte er den Versuch widerhohlen. Woodward *) ist derjenige, welcher die Erde als eine mit einer Rinde umgebene Wasserkugel ansieht: Zwischen beiden circulirc ein beständiges Feuer, wodurch der Körper sich immer in einem gewissen Grade cher Wärme erhält, welcher beträchtlich genung ist, eine immerwährende Ausdünstung des ganzen Wasserbehälters zu unterhalten. Die Dünste dringen durch die größeren und kleineren Kanäle in die Schichten der Erdrinde, in die Berge, und verdichten sich daselbst zum Theil wieder. Geschieht dies nun erst in der Höhe, so läuft das Wasser von den Erhabenheiten in Bächen hinab: ereignet sich aber solches in den Schichten, die dem flachen Lande gleich liegen, so werden daraus stehende Wasser oder Quellen. Die innere Wärme der Erde, und die Menge der aufsteigenden Dünste ist stets einerley: die Verdichtung aber, welche von dem Einflüsse Veräußern Wärme abhängt, nach den Graden der letzter» verschieden, *) Phy-. Erdb. oder Versuch einer natürlichen Historie des Erdbodens «. r. Enal, <^'?»rr g. S. 12g. Ursprung der Quellen. 57 Ohne uns auf eine umständliche Prüfung dieser Hypothesen einzulassen, wollen wir nur wieder diejenige« etwas anmerken, welche die Quellen aus dem Meere, oder an« einem Wasserbehälter im Mittelpunkte der Erde entstehen lassen. » Die unterirdische Verdünstung des Wassers giebt keine befriedigende Erklärungsart über den Ursprung der Quellen an die Hand. Hb man gleich zugeben kann, daß es in der Erde geräumige Höhlen gebe, auf deren Boden sich Wasser bestndet; so haben sie doch weder die Gestalt, welche Äir- chcr vorausseht, noch können sich darin, nach Descartes, Dünste so hoch heben, und durch die engen Zwischen» räume in ihren Decken gehen, ohne schon unterweges ver- dichtet zu werden, und herab zu fallen. Es müfle auch, wenn hierin die Ursach der Quellen läge, das Innere der Berge und der Erde längst mit dem zurück gebliebenen Salze bes Meerwassers angefüllet seyn, da um das süße davon in Dünsten entweicht. In wie fern nun das System der Adhäsion des Wassers in den Haarröhrchen auf die Quellen angewendet werden könne, wird sich aus folgendem beurtheilen lassen. Haarröhrchen nsnnt man alle Röhren von geringem Durchmesser, wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Haaren, die ebenfalls hohle Röhren sind. Sie müssen an beiden Seiten offen seyn, und man rechnet schon solche Röhren dahin, deren Durchmesser nur nicht über ^ eines rheinländischen Zolles beträgt. Stellt man die eine Oeftmng in das Was- Hr, so steigt die Flüssigkeit darin auf, und erhebt sich über die Fläche des Wassers, und zwar zu einer größer» oder geringern Höh,, ^ nachdem die Höhlung enger oder weiter ist. Die Flüssigkeit steht in diesen Rvhrchen, weil sie in ihren Theilen schwächer zusammenhängt, als mit den Wänden der Röhre, an den Seiten höher als in der Mitte: wegen der geringen Entfernung aber fließt der Ring, welcher das Was- 58 Zweite Abth. Erster Abschnitt. ser an den Seiten bildet, zusammen. Da die Ursach der Adhäsion fortdauert, so steigt das Wasser abermals höher, fließt wieder zusammess u. s. w., bis endlich das Gewicht der Säule der in den Nöhrchen aufgestiegenen Flüssigkeit mit der Adhäsion, die zwischen dem Glase und der Flüssig? keit statt findet, im Gleichgewichte fleht: und hat also das Aufsteigen seine Grenzen. Der Name Adhäsion wird der allgemeinen Benennung Attraction in einigen besonderen Fällen beigelegt, z. D. wenn von. zweien Körpern der eine flüssig und der andere hart ist. Man sagt alsdenn, daß sich jener an diesen anhänge. Die Theile der flüssigen Ma, terie, welche sich an feste Körper anhängen, werden von der Fläche dieser Körper stärker angezogen, als sie unter sich zusammenhängen; denn die anhängenden reisten sich von den übrigen aus ihrer Verbindung los, um an den festen Körper zu'bleiben. Alle poröse Körper, welche flüssige Materien an sich ziehen, z. B. Schwämme, Löschpapier, Zucker u. dergl. lassen sich als Zusammensehungen von Haarröhrchen ansehen. Nun ist vorerst auszumachen, ob e« im Innern der Erde ebenfalls nach diesen Gesetzen zugehe. Der Versuch des Kircher trägt alle Merkmale einer Erdichtung an sich, und ihm steht ein anderer Versuch entgegen, welchen Per- rault *) in gleicher Absicht angestellt hat. Er bediente sich nehmlich einer bleiernen Röhre, welche er mit durchgesiebten trockenen Sande füllte, und sie senkrecht in ein Gefäß mit Wasser stellte, so daß der untere Theil vier Linien hoch davon bedeckt war. In einem Zeitraume von vier und zwanzig Stunden fand er, daß der Sand fast an 16 Zolle naß geworden war. Um nun zu erfahren, ob dieses Wasser auch seitwärts ablaufen würde, brachte er in der Röhre zwei Zolle hqch über der Wasserfläche im Gefäße eine Oefnung von sie- - ben bis acht Linien im Durchmesser an. Eine kleine Rinne, I. c. x. 7gz. bn. Ursprung der Quellen. 69 - — ——-.--—. . . . .. ebenfalls mir etwas Sand angefüllt, sollte dazu dienen, dar Wasser abzuleiten. Allein der Erfolg entsprach seiner Erwartung keinesweges, indem die hervordringende Feuchtigkeit ganz unmecklich war, und kaum zureichte, den Finger zu be, netzen, und das Löschpapier, welches er in der Rinne unter dem Sande so gelegt hatte, daß dessen Ende hervorragte, zu durchfeuchten. Wenn er sich eines groben mit Kieselsteinen gemischten Sandes bediente, stieg, die Flüssigkeit nur zehen Zolle hoch. Das Wasser steigt in den Haarröhrchen, nach den Gesetzen der Adhäsion auf: aber es bleibt auch an seinen Wänden hängen, und kann nicht auslaufen. So würde es auch, wenn es sich in der Erde und im Sande noch so hoch erhoben hätte, doch nicht überfließen können. Die Höhen, welche das Wasser in den Haarröhrchen erreicht, verhalten sich nach M usschenbroeck wie ihre Durchmesser umgekehrt. Nun steigt in einem Haarröhrchen von o,v6 Zoll im Durchmesser das Wasser 0,61 Zoll. Wie unendlich klein wüste nun der Diameter einer Röhre seyn, darin es >22234 Zoll steigen sollte^, eine Höhe, welche es erreichen müste, um auf den Gipfel des Tafelbergs zn gelangen, wo xz dn Versicherung des Kolbe *) u. a. noch Quellen giebt. Geräumigere Röhren verstatten diese Wirkung nicht. In ihnen steigt das Wasser zwar an den Wänden, aber das in der Mitte nicht, welches sich wegen des schwächer» Zusammenhangs von dem erhobenen Seltenwas- ser durch sej« Gewicht loßreißt. Wie soll auch in diesem Falle das Wasser durch die festen Steinlagcn dringen können; und würden diese Haarröhrchen nicht auch mit den zurück gebliebenen Salztheiichen längst angefüllet seyn? sehr die Woodwardsche Theorie gegen die Erfah- B-schr,,b„ng r>,z D°,seb>rz«§ der guten Hoffnung mir Surfern, *) B Nürnb. 17,-,, 6o Zweite Abth. Erster Abschnitt. rung streite, solches hat de Luc *) umständlich gezeigt. Wenn die Verdichtung der aus dem Innern der Erde empor gestiegenen Dünste, welche sich nach der äußern Wärme richtet, die Ursach der Quellen wäre; so mästen die Flüsse des flachen Landes im Sommer am meisten anschwelle«, weil sich alsd ;-n mehr Dünste unverdichtct in die Lust erhoben haben, und in Regen herabfallen: diejenigen aber, weiche von den hohen Bergen kommen, wüsten im Winter sogleich von ihrer Quelle an sehr zunehmen, weil alsdann die Verdichtung auf den hohen mit Schnee und Eise bedeckten Gebirgen sehr stark und schnell erfolgen würde. Allein von allem diesen geschieht gerade das Gegentheil. Die Bergwas- ser fließen im Winter schwächer, und Flüsse, die von neu gefallenem Schnee oder Regen entstehen, schwellen im Winter mehr an, als im Sommer. De Luc zeigt bei dieser Veranlassung sehr deutlich, daß das Anschwellen der Flüsse, welche von hohen Bergen kommen, ganz von dem Zerschmelzen des Schnees und Eises abhängig sey, welches man aber auf diejenigen, welche im flachen Lande fließen, nur zu gewissen Jahreszeiten anwenden könne. Von den angeführten Erklärungsarten sind die des Ma- riotte und des Halley, wonach die Quellen von dem Wasser aus dem Lufckreise erzeugt und unterhalten werden, als die gegründetsten, von den neueren Naturforschern fast überall angenommen werden. Man kann auch aus dieser Ursach, wenn man das Zerschmelzen des Schnees damit verbindet, von ihrer Entstehung in allen Gegenden der Erde Rechenschaft geben. Einige gründen sich in besonderen und localen Umständen. Die Abhängigkeit der Quellen von dem Wasser der Atmosphäre, als dem Regen, Nebel, Thau, Hagel und Schnee erhält schon daraus einen hohen Grad der Wahrscheinlichkeit, daß die meisten Quellen bei großer Dürre sehr merklich ab- ») UnnrsuchlML über die Atmosphäre. Lh. D. -st. «. f. Ursprung der Quellen. 6r nehmen, und einige zulehr wvhlgau; versiegen/ auch daß sie nie ergiebiger sind als in den nässesten Jahreszeiten. Daß aber das Wasser aus dem Dunstkreise auch hinreichend sey, alle Quellen der Erde zu unterhalten, ist durch Berechnung gen außer Zweifel gesetzt. Marione will gefunden haben, daß schon das Regen- und Schneewasser vollkommen hinreiche, alle Quellen und Flüsse zu unterhalten. Er zeigt aus Wahrnehmungen, daß in der Gegend von Dijon der ganze Inbegriff des fallenden Regens auf jeder Fläche jährlich eine Höhe von flebenzehn Zollen einnehmen würde, wofür er jedoch nur funfzchen Zolle «»seht. Demnach würde auf eine jede Quadrattoise oder sechsfüßige französische Ruthe i 5 , 5 r 84 - 77?6o Kublkzolle, d. i. 45 Kubikfuß in einem Jahre fallen. Wenn man nun . annimmt, daß eine französische Meile 2Z00 Tolsen lang '-st, so müste eine Quadratmeile 5290000 Quadrattoisen aus wache», und also auf eine gevierte Meile jährlich 45 , 2290000 — 2 Z 8 « 5 onoo Kubikfuß Wasserfallen. Nun verlegt er die Quellen der Seine sechszig Meilen oberhalb Paris, und nimmt die Breite der Grenzen, in welchen die kleinen Flüsse und Bäche, die der Seine ihr Wasser geben, enthalten sind, auf fünfzig Meilen an, so daß die ganze Flache, von welcher die Seine bis Paris Wasser empfängt, 3«x, Quadratmeilen beträgt. Auf diese Fläche fallen, nach obiger Rech- unng jährlich Zooo, 2Z6050000 ^ 714150 Millionen Kubik- fuß Wasser. Er hatte aber durch Ausmessung heraus gebracht, daß die Seine, alle Jahre unter dem Pontroyal in Paris 105120 Millionen Kubikfuß - Wasser führe, welches u°ch nicht den sechsten Theil, des berechneten Schnee- und Regenwassers ausmacht. Nimmt man also auch an, daß von diesem Wasser ein Drittheil wieder durch die Ausdünstung verloren gehe, und eben so viel zur Nahrung für Thiere und Pflanzen verbraucht werde; so bleibt doch noch das letzte Drircheil zur Unterhaltung der Quelle« und Flüffs vs Zweite Abth. Erster Abschnitt. mehr als zureichend. Eben' eine solche Berechnung findet man beim Pe krault Sedileau °) bestreiket diese Berechnung. Er erklärt die Breite der Gegend von fünfzig Meilen, deren Wasser zur Unterhaltung der Seine dienen solle, für ganz willkühp tich angenommen, und glaubt, daß man bei einer solchen Berechnungsweise auch Flüsse antreffen würde, die nicht den dreißigsten Theil des Regenwassers ihres Bezirks abführten: dagegen sie.au anderen Orten so dichte beisammen lägen, daß alles Regen und Schneewasser ihrer Gegend, zur Um terhaltung derselben viel zu wenig seyn würde. Um auf einem solchen Wege sicherer zu gehen, sey es nöthig, glaubt er, eine Insel zu wählen, z. D. England und Schottland, und das auf ihr fallende Regenwasser mit dem zu vergleichen, welches sich durch die Mündungen aller ihrer Flüsse ins Meer ergießt. Er findet nach einem Ueberschlage, welchen er auf einige Sätze des Nicei'olus gründet, aber selbst nicht für zuverlässig hält, daß auf jener Insel, kaum soviel Wasser aus der Luft falle, als zur Unterhaltung ihrer Flüsse nöthig sey. Nächst dem Regen und dem Schnee find die Dünste der Atmosphäre eine Hauprursach der Quellen auf unserer Erde. Die Wolken umhüllen die Gipfel der Berge fast immer, und indem sie ihre Electricität verlieren, lassen sie ihre Feuchtigkeit fahren: wodurch die Berge sehr reichlich getränkt werden. Sie zerschmelzen hier gleichsam nach und nach, und es geschieht, nach der Versicherung des de Luc, nicht selten daß solche, indem sie von dem Winde gegen einen Berg getrieben worden, bei der Berührung de« leitenden Berges, sich zum Theil plötzlich verdichten, und als ein Wasserstrom I. c. x. 791, sniv. -) wlem. en leide, weil sich auf derselben e.:r waldiger Berg be, ^"de, der mir beständigen Wolken umgeben sey, und von 'rsen hinlängliche Nahrung für eine große Anzahl von gellen u„d Bächen erhalte, die sich durch das ganze Land " allen Richtungen verbreiten, und den Boden bewässern. auffallende Beispiele hievvn geben die eapverdi- ten ' und Barbados. Nachdem man ihre bewalde, ron jhrrn Bäumen entblößt hat, regnet es da, /l ^ Ersten nicht in drei Jahren. In einigen westindi, wn Asseln, ) führt zum Beispiel eine Quelle bei Upminster in Essex an, welche nicht höher, als hundert Fuß über der Meeresfläche liegt, und ihr reichliches Wasser aus einem etwa fünfzehn bis sechszehn Fuß hohen Hügel erhalt. Er be- merkt dabei, daß man in der ganzen Grafschaft keine Quellen antreffe, die mehr als vierhundert Fuß Höhe über der Flä, ») 2n einer Note zum Lulosr l. Lh. S. s:8. 2 ) Phvstko che, ist njch>d auf die gewöhnliche Weise zu erklären. Sie -) LulvsS S. AS- «ritt na» Lrn Lwarischen. Inseln» a. o. Tram- von Lichtenb,«s veivNS -7LS. S- -B- E 2 es Zweite Abth. Erster Abschnitt. könnte ihren Wasserbehälter nicht anders, als in der Spitze eines einzelnen Berges, zwischen Sande und porösen Steinen haben; dies sind aber Materien, welche wenig geschickt sind, Wasser zu halten, da sie hier sogar vorn Rauche durchdrungen werden. Auch müssen Sonnenhitze mit der innern Wärme des Bergs das, Wasser sofort verzehren, welches seine Spitze allenfalls eingesogen haben könnte. Do- lomieu hält es also für mehr als wahrscheinlich, daß das. Wasser durch eine Art von Verdampfung, die in dem Innern des Berges vorgeht, und wovon die abgesonderten Dünste in die Höhe steigen, und sich da, gleichsam als in einem Helme verdichten, in diese Gegend gebracht, und hier unterhalten werde: eine Vermuthung, welche dadurch noch mehr Gewicht erhält, daß die Quelle am Fuße des Berges warm ist. Eben dasselbe Feuer, welches diese erwärmt, führt der obern das Wasser durch die Verdampfung zu. Sonst pflegt man noch ein paar Erfahrungen anzuführen, bei denen aber immer die Frage ist, ob die Beobachtungen mit der erforderlichen Sorgfalt angestellet sind, und also Glauben verdienen. Auf dem Berge Sdlimost in Slavonien wurden einst Steine gebrochen. Als man zehen Fuß tief gekommen war, drang durch die Ritzen des Gesteins ein starker Dunst hervor, welcher mit einer unglaublichen Schnelligkeit dreizehen Tage lang anhielt, und nach einigen Wochen versiegeten alle Quellen des Berges. Eine Meile von Paris besaßen die Cartheuser eine Mühle, der es anfing an Wasser zu gebrechen, als man in der Nachbarschaft einen Steinbruch angelegt hatte, aus dessen Ritzen ein heftiger Dunst hervorquoll. Sie kauften den Steinbruch, ließen die Ritzen verstopfen, und erhielten die gewöhnliche Wassermenge wieder. *) Die Oberfläche des Landes bekommt aus dem Luft kreise eine große Menge Flüssigkeiten, die sich davon am ») kerrsnl« I. e. Ursprung der Quellen. 69 verschiedene Weise wieder verlieren. Ein Theil fließt auf ihr ab, den niedrigen Stellen zu; ein anderer löset sich wieder in Dünste auf, und eiu dritter dringt in die Erde. Dieser ist eö nun, welchem die Quellen ihr Daseyn verdanken. Das Wasser zieht m die Erde, und dringt in ihre Schichten ein. Dieses geschieht nun um so viel geschwinder, je lockerer der Boden ist, auf weichem es sich befindet; da« her sieht man sandige Ebenen, wenn sie auch keinen merklichen Abhang haben, nach dem stärksten Regen, mehrentheiis trocken, obgleich das Wasser auf ihnen nicht abfließt. Gegen dieses Eindringen des Wassers in die Erde hat Man indeß längst Zweifel erhoben. Seneca merkt bereits an, daß das Regenwasser kaum zehen Fuß in die Erde dringe. Perrault -) und vorzüglich de ta Hire ') haben solches durch mehrere Versuche zu bestätigen gesucht. Dieser grub eine Schüssel acht Fuß tief in die Erde ein, so daß sie ein wenig schief stand, und aus ihrer niedrigsten Stelle eine rwöis Fuß lange Bleiröhre in einen Keller ging. Aus dieser Röhre floß in einer Zeit von fünfzehn Jahren kein Tropfen Wasser ab. Eine andere Schüssel, mit acht Zoll hohen Wänden, deren Mäche vier und sechzig Luadratzolle betrug, ward nur acht Zolle tief, an einem weder der Sonne noch d°m Win^ ausgesetzten Orte eingegraben, der von allen den Durchgang des Wassers hindernden Pflanzen gesäubert war. Auch diese gab vvm i2ten Zun. bis zum folgenden Februar kein Wasser, und dann nur wenig, wenn auf den Regen ein starker Schnee gefallen war. Eben diese Schüssel sechs« Lehn Zolle rief eingegraben, gab nach dem stärksten Regen kein Wasser, und als man Pflanzen darüber einsetzte, vec« dorreten diese aus Mangel an Feuchtigkeit. Aus diesem allen Sieht de la ^ Folgerung, daß das Regemvaffer in 1) Oenv. Stv. 4. 787- -z Melll. ä« » vkris 176z- r- 6s- ?o Zweite Abth. Erster Abschnitt. ein mit Pflanzen besetztes Erdreich nicht über zwei Zolle ein- dringe: es müßte denn der Boden sandig und mit kleinen Steinen gemengt seyn: daher auch nur wenig Quellen vorn Regen und Schnee erzeuget werden könnten. Perrault's Untersuchung zeigt auch, daß das Erdreich auf Hügeln und Flachen, selbst nach starkem und anhaltendem Regen, nicht über zwei Fuß durchdrungen werde. Diesem Einwürfe sucht Mariotte dadurch zu begegnen, daß er zwischen dem rohen und bebaueten Erdreich Hnen Unterschied macht, in welchem letzter» die Kultur die kleinen Leltungskanäle, welche sich bis zu einer großen Tiefe erstreckten, zerstöre. Er beruft sich hiebet auf die Adern, welche man bei dem Brunnengraben antreffe, und auf die Wände in den Kellern der Pariser Sternwarte, an denen nach starkem Regen Wasser hinab laufe. .Es fehlt auch wirklich nicht an Beispielen, welche beweisen, daß das Wasser an manchen Stellen tiefer eindringe, als an anderen. Erfahrungen müssen Hiebei nun wohl das mehreste entscheiden. Zn Sommern, wo eine lange Dürre herrscht, nimmt der Verrath in den Brunnen wirklich ab, und manche versiegen so gar. So sieht man auch in den unterirdischen Hölen und Etztgruben unverkennbare Spuren von dem Eindringen des Wassers. Hier quillt es zwischen den Ritzen des Gesteines allenthalben in so großer Menge hervor, daß man die Gruben nur mit Mühe und Kosten davon befreien kann. Es giebt Gruben, welche ganz ersäufet sind, und wegen des schweren Kostenaufwandes, welcher zur Gewälti- gung der unterirdischen Wasser erfordert wird, nicht so leicht wieder herzustellen sind. Aus der Okeyhöle in England strömt ein neun Fuß breiter, und zwei bis drei Fuß tiefer Bach hervor. Eine ähnliche Wahrnehmung hat de la Hire *) von der Grotte St. Baulme in Provence angemerkt. In den Steinkohlengruben dieser Landschaft werden IVlcm. äs I'Xcsä. » I'rr. 170z. x. 74. Arsprung der Quellen. 7 » die Arbeirer, bei starkem Regen, durch die aus den Decken und Wänden dringenden W.sser benetzt. Le Monnier ') er°a)t, daß in den Steinkohlengruben von Auvergne das Regenwasser in eine Tiefe von 250 Fuß dringe . . ^Ee, welche den felsigten Theil der Berge über« tv^lck' ^ ^ehrentheils eine schwammigte wassersaugende Erde, e )e insgemein nur dünne und feucht ist. Auch ziehen die ^ so häufig wachsenden Moose viele wässerige Theile an, " tragen wenigstens dadurch zur Anhäufung des Wassers kl, daß fie dje geschwinde Ausdünstung desselben verhindern. Das in die Erde eingedrungene atmosphärische Wasser senkt sich durch sein Gewicht so tief, als es nur kommen kann. Es zieht sich durch die Ritzen und Spalten Zwischen dem Gesteine, und sammelt sich in Hölen an, aus denen es sich dann ergießt, und aus ihnen über lang oder kurz zu Tage hervorbricht. Wenn es dergleichen Hölen nicht vorfindet, so senkt es sich so lange, bis es auf eine steinige ^>er andere Erdschicht gelangt, die es nicht weiter durchlaßt. "^st es hieher gekommen, so häuft es sich in der unmittelbar darüber liegenden Erdschicht an, und durchdringt sie von al- keu Seiten, besonders, wenn sie locker und sandig ist. . Diese nassen Schichten, welche man mit dem Namen ^ssergrund, Seegrund belegt, findet man überall in er Erde, bald in größeren, bald in geringeren Tiefen. Sie "gen mehrentheils höher als die Flüsse, zum Beweise, daß "ihr Wasser nicht von diesen empfangen. Zuweilen besteht st die Oberfläche der Erde aus einer solchen Schicht, nahe unter ihr eine dem Wasser undurchdringliche Erd- Ht liegt. Diese Schichten sind desto nässer, jeme.hr es "ki, im Sommer trocknen sie oft, bei dürrem Wetter bis eure ziemliche Tiefe, aus, im Winter aber und im Früh- o« rm«. E. I>, -S4. ) A » Y W,lt Ansana und Ende. S. »z>. ff. 7 » Zweite Abth. Erster Abschnitt. jähre sind sie desto mehr mit Wasser angefüllt. Wenn sich eine solche unter Aeckern befindet, so macht sie diese naß, unfruchtbar und zum Anbau des Wintergetreides oft ganz ungeschickt. Sie haben wegen ihrer Feuchtigkeit wenig Haltung, und daher schlemmen sich die Graben, welche man darin zieht, bald wieder zu. Die meisten Brunnen verdanken diesen Schichten ihr Wasser. Diese Schichten kommen nun oft irgendwo an der Erde zum Vorschein, und in solchen Gegenden dringt das Wasser aus ihnen mit Gewalt hervor. Dies ist nun besonders an den Bergen sichtbar; ferner in den Betten der Flüsse, und in den Schluchten, wo die verschiedenen Erdschichten so zerrissen und durchbrochen sind, daß man oft an beiden Enden einer Schlucht oder eines Flußbettes einerlei Erdschichten in einerlei Ordnung erkennt. - Wenn nun das Wasser, entweder aus den Behältern, worin es sich gesammelt, oder aus den nassen Schichten, worin es sich angehäuft hat, zu Tage kommt; so entstehen in beiden Fällen Quellen, und von dieser Art sind nun, wenige ausgenommen, die Quellen unserer Erde. Das atmosphärische Wasser muß demnach von den Höhen der Berge bis aus eine gewisse Tiefe in die Erde hinab gesunken seyn, ehe es sich in Gestalt einer Quelle zeigen kann. Es werden also auf den höchsten Gipfeln der Berge keine Quellen angetroffen, obgleich andere Wasserbehälter da seyn können. Zwar giebt es bisweilen Quellen oben auf den Bergen, .allein sie liegen immer beträchtlich niedriger, als jene Gipfel. Der Hexen - oder Zauber-Brunnen auf dem Brocken ist eine Quelle, die, ihrer hohen Lage ungeachtet, achtzehen Fuß tiefer liegt, als der höchste Gipfel des Berges, von dem sie ZZ Ruthen entfernt ist. Sie liefert täglich Kubikfuß Wasser, und fließt durch einen Torfbruch, mit mehreren Quellen vereinigt, der Zlse zu. Man hat also nicht nöthig, mit Silberschlag in dem Berge Ursprung der Quellen. ungeheure Holen anzunehmen, worin sich Seen befanden, deren Ausdünstung diese Quellen erzeugte. Hohe Spitzen können, wenn sie auch nicht von großem Umfange sind, dennoch Quellen hiniängiich mit Wasser versehen, da sie so oft von den Wolken bedeckt und aus ihnen getränkt werden. Die Wassersammlungen, wenn es jene.nasse Schichten sind, liegen gewöhnlich mit den Quellen horizontal; wenn rs hingegen Derghölcn sind, oftmals viel höher, und das Wasser verursacht durch seinen Druck, daß die tiefer liegen, den Quellen manchmal mit großer Gewalt hervorsprudeln. Zu St. Venant in der-Provinz Artois ist eine Quelle, die sechs Fuß hoch springt, und aus einer Tiefe von ungefähr Fuß kommt. Wgn machte mir einem eisernen Stäbe «in Loch in den Boden, und so wie mau das Eisen wieder herausgezogen halte, sprang das Wasser hervor. Dieser natürliche Springbrunnen hat nun schon seit So Zähren ununterbrochen Wasset gegeben Zn dem Bezirke von Mode- uo muß man, nach Namazzini's Berichte, um einen Brunnen zu erhalten, fast 63 Fuß tief graben, da man denn auf eine fünf Fuß mächtige und sehr feste Erdlage kommt. Ist diese durchgebrochen, so springt das Wasser mit großer Heftigkeit in die Höhe, und bringt Holz und Steine Mit- Etwas ähnliches bezeugt Popowitsch -) von einer Quelle in der Vorstadt Wiens. Nicht selten liegen die Wasserbehälter oben auf den Bergen in Gestalt kleiner Seen zu Tage, wovon man in der Schweiz häufig Beispiele antrifft- Das in ihnen angesam-' weite Wasser dringt durch kleine Kanäle in den Berg hinein, und kommt denn aus ihm wieder zum Vorschein. Bon dieser Beschaffenheit sind zwei Quellen zwischen Ciuse und Sal- De ,a Theorie- C-de. a..S dem FeEM«« «°» Eschendach. Leiptig 285. . - ) Bemerkungen der ChmMMschm physikalische" vekvnvckischen Des-«' schasl vvm Jahre 1770. 2 Th. S. 1:69. 74 Zweite Abth. Erster Abschnitt. lenchc, welche der Ausfluß des hoch gelegenen Lae de Flaine sind *). .Eine wasserreiche Quelle, nicht weit von Nossiniert im Sanenland am Fuße eines Berges, auf dessen Höhe ei» See seyn soll, welcher durch unterirdische Hölen abfließt, erhalt hierdurch ihre Nahrung. Auch giebt es an einige» Stellen der Erde Bache, welche sich in Spalten oder HöleN verlieren, und am Ende in Gestalt der Quellen wieder her< vorkommen. Man kann die Sammlungen des Wassers in der Erde gewissermaaßen als unterirrdische Seen betrachten, wovon die Quellen die Mündungen ausmachen. Sie geben daher, auch wenn es eine Zeitlang nicht regnet, immerfort Wasser, weil jene Seen sich durch den Niederschlag auf einmal füll len, und ihr Wasser durch die Quellen nur langsam und allmälig verlieren. Die Quellen werden gewöhnlich an den Bergen ange, troffen, und je höher die Gebirge sind, desto häufiger sind auch die Quellen zwischen und an ihnen. So. hat Amerika in seinem südlichen Theile die höchsten Gebirge und auch die größten Flüsse. Bisweilen liegen die Hauptguellen grp, ßcr Ströme in einer ziemlichen Entfernung vom hohen Gebirge: es scheint aber dennoch, daß sie ihren Wasservorrath vorzüglich von diesem erhalten, und eben deshalb bei der größten Dürre im Sommer nicht vertrocknen r) Saussure Reisen durch die Alpen, nebst einem Versuche einer Na, euraeschichle von Genf. a. d. Fr. iLeipj. I ILI>. 1731.. S. roa. II Ly. S. >47. 196. ») vlor äo orixiue Fmulum rankamon. Zweit. Abschn. Beschaffenheit des QueLwassers. 75 Zw eiter Abschnitt, D Beschaffenheit des Quellwassers. a« Quellwasser kommt in Absicht der Reinheit dem atmosphärischen am nähesten. . .Es ist also nicht ganz rein, son- n mit Stoffen mancherlei Art, in sehr vielfachen Verkniffen, vermischt, es davon. Ze reiner es ist, desto weniger enthält und desto leichter und vollkommener geht es bei er Destillation über, oder desto geringer ist der Rückstand, wichen es übrig läßt. Man theilt das Wasser, welches die Quellen liefern, dem Gehalte nach, überhaupt ein: in gemeines und mi- "eralisches Wasser. Das gemeine Quellwasser hat, wenn es rein ist, keinen Geschmack, obgleich eine feine und geübte Zunge auch zwi- chrn verschiedenen Wassern dieser Art einigen Unterschied bemerken kann. Es ist ferner ohne Geruch und Farbe, je- °ch das sarbenloseste nicht immer das reinste, obgleich das *E">ste farbenlos seyn uiuß. Ein reines Quellwasser muß ^uch m seinem Gewichte von dem atmosphärischen und de- ^tcn Wasser am wenigsten abweichen, und in seiner Mi- Ung einigen Antheil von Kohlensäure enthalten. Vorzüglich rein erscheint dieses Wasser, wenn es durch " e Schicht?^ besonders Sandstein, zu Tage kommt. Die das werden gewöhnlich an den Höhen gefunden, wo Luftkreise eingedrungene Wasser noch keine lche fremde Beimischung erhalten hat. Zn tiefer lie- Mittel dienen diese festen Materien zu einem -- e, das Wasser von seinen bereits iU sich aufgenommenen fremdartigen Theilen zu säubern. Von einer außeror- 76 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. deutlichen Reinheit soll, nach des Kolke *) Zeugniß, daS« jenige seyn, welches aus einer Quelle auf dem Tafelberge entspringt, und daher auf weiten Reisen nicht verdirbt, noch in Fäulniß gerath. Bergmann -) erwähnt einer solchen Quelle, bei Helsingborg beleget), deren Wasser einige Kuß hoch über der Erde hervorspringt. Es wird seiner Lauterkeit und Annehmlichkeit halber nach Stockholm verfahren, und kann einige Jahre aufbewahret werden, ohne die mindeste Veränderung zu erleiden. Mineralische Wasser sind solche Wasser, welche Bestand« theile enthalten, die eigentlich dem Mineralreiche angehören. Im Allgemeinen könnte man alle Queüwasser so nennen, da kein einziges ist, welches nicht einigen Antheil davon be- säße, und worin sich nicht wenigstens etwas rohe Kalkerde und salzige Theile befänden. Mineralische Quellen heißen besonders solche, denen davon eine größere, in die Sinne fallende Menge zu Theil geworden ist. Diese enthalten nun ihre Stoffe im Zustande der Auflösung in einem gewissen > Verhältnisse. Einigen Wassern sind sie mechanisch beigemischt, und dies rührt zum Theil von zufälligen Ursachen ' her, und man Nennt sie nur uneigentlich Mineralwasser. Woher bekommen nun die Quellen ihre mineralischen Bestandtheile? Die Versuche, welche von den Chemikern im Kleinen angestellt werden, und ihre Resultate, leiten uns auf das Verfahren, welches die Natur Hiebei im Großen beob, achtet. Wenn wir die Gegenden untersuchen, wo sich Mineralquellen befinden, so sehen wir, daß sie reich an Salzen, Erden und solchen mineralischen Stoffen sind, welche einen Theil des Gehalts der Quellen ausmachen. Die Gegenden sind gebürgig, und von den Bergen manche noch jetzt Vulkane, oder waren vormals solche (wirkliche oder Pseudo- >) a. a. O. r Th. 12 Kap. §- V- -) Pl>. Crdb. i ry. S.*g4' Beschaffenheit des Quellwaffers. 77 Vulkane). Hier liegt überall der Stoff zur weiter» Bearbeitung, durch Auflösung «nd neue Zusammensetzung, bereit. Die mineralischen Huellwaffer erhalten ihre Stosse da er, daß fle in ihrem Laufe unter der Erde mit solchen u stanzen in Berührung kommen, welche, sie aufzulösen verm gen, und dann in sich aufnehmen. Diese Auflösungs- >-'«> des Wassers gegen mineralische Stosse äußert sich nun - entweder unmittelbar oder mittelbar, und sie bekommen ba- Ukch eine Mannigfaltige Natur und Beschaffenheit. So .ieichnen sie sich unter andern durch folgende physische Eigenschaften aus: a) Sie sind, wenn sie ausgeschöpft werden, klar und helle: wenn man sie aber einer höheren Temperatur aussetzt, oder die freie Luft auf sie einwirken laßt; so schlagen sich dann die mineralischen Bestandtheile daraus nieder, indem das Verbindungsmittel mit dem Wasser, die Kohlensäure rc. davon getrennt ist, und die Wasser werden rrübe. Sie haben, in so fern sie mit salzigen, erdigen, metal» iischeu ». a. Theilen gemischt sind» ein größeres eigenthümliches Gewicht, als das gemeine Queliwasser: wenn ffe aber viel leichte Gaßarten enthalten, ein geringeres Gewicht. Sie besitzen einen eigenthümlichen Geschmack, und tinige einen Geruch, welcher bald fein erstickend, bald faulen Eier,, ähnlich ist. Jener ist bald säuerlich, steche^, zusammenziehend, bitter, salzig u. s. w. der B ^ *inen Begriff zu machen, wie die Natur bei " earbeitung der Mineralwasser verfährt, bemerke man und^b^ das Wasser ei» Auflösungsmittel enthält, d" ^"wcalische Materien hinweg läuft, so nimmt es erg ei ,.n Theile mit sich fort. Findet ein solcher ausgelöseter Mineralische Stoff beim Fortfließen nun andere Theile, mit welchem er sich gern vereinigt, so entsteht wieder eine 73 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. Trennung, und darauf eine neue Verbindung mit diesen Theilen. Wasser z. B." welches auf seinem Laufe schwefel- säurehallige Stoffe aufgenommen hat, kann auf NatruM treffen, und es wird aus der Verbindung jener beiden Stoffe das Glaubersalz entstehen. So macht die Säure jener Stoffe im Zusammentreffen mit der Magnesia das Bittersalz, mit der Alaunerde den Alaun u. s. f- Bei solchen Anziehungen der erdigen oder metallischen Substanzen entwickeln sich denn auch Dampfe und Gaßarten, deren manche vom Wasser verschluckt werden. Ze nachdem nun das im Wasser befinde liche Auflösungsmittel beschaffet ist, wird bald mehr, bald weniger von den neuen Substanzen, worüber es hinfließt, aufgelöset werden, so daß es von der einen mehr, von der andern weniger enthalt. Finden diese im Wasser ausgelösete Theile wieder andere Stoffe, die sie vom Wasser trennen, so werden sie daraus niedergeschlagen. Man theilt die Bestandtheile eines Mineralwassers übe» Haupt ein, in flüchage und fixe, oder feste. Zu jenen gehör > ren die Luft - und Gaßarten, auch freie Säuren: zu diesen die Salze, Erden, Metalle. Untör den Gaßarten, welche in den mineralischen Wassern vorkommen, steht das Kohlensauregaß obenan. Diese Gaßart scheint nicht von verwitterten Schwefelkiesen erzeugt zu werden, aus welchen sich eine flüchtige Schwefelsäure, nach Umständen mit brennbarem Gaß verbunden, entwickelt. Die Kalkerde ist wohl vielmehr diejenige Substanz, welche die Kohlensäure hergiebt, und zwar geschieht die Entbindung dieser elastischen Säure entweder durch die bloße Hitze, oder mittelst der aus den aufgelöseten Kiesen frei gewordenen Schwefelsäure. Diese Gaßart verbindet sich sehr gern und innig mit dem Wasser. Das gemeine Quellwasser besitzt von ihm einen geringen Antheil: den Sauerbrunnen oder Säuerlingen ist sie aber in einem beträchtlichern Beschaffenheit des Quellwassers/ 79 Verhältnisse zu Theil geworden, und das Prinzip, worauf die Hauptwirksamkeit dieser Wasser beruht- Die Kohlensaure ist ein Hauptbeflandthcil der Mineralwasser, theils für sich selbst, indem sie darin in einem freien und flüchtigen Zustande vorhanden ist, theils an andere Substanzen gebunden, und als ein 2luflösnngsmittel anderer dann befindlichen Stoffe. Die Sauerwasser enthalten die Ko)en. säure öfters in solcher Menge, daß, wenn sie in gaßsörmigem Zustande daraus entwickelt ist, ihr Volumen, das dalum des Wassers, womit es verbunden war, übertrifft. ^ ihnen den geistigen, stechenden und säuerlichen Ges )ma «, m,d m.ch-, st- st-st" beim Schütteln Blasen werfen. Diese flüchtige Saure hängt indeß mit dem Wasser nur sehr schwach zusammen, und man kann sie leicht davon trennen. Sie wird aus demselben theils durch die-Hitze, theils durch den Frost vertrieben, theils auch durch einen, nach den Verwandschaftsregeln, hinzu gesetzten Körper aus der Verbindung gebracht. Schon durch starkes Schütteln wird sie davon getrennt, wie auch beim Freistehen an der Luft. In allen diesen Fällen werden die mineralischen Substanzen, welche sie aufgelöset erhielt, niedergeschlagen. Was oje eigentlichen Mineralsauren anbetrifft, so vereinigen sie sich gxxn mit dem Wasser; sie bleiben jedoch darin nicht leichr frei, sondern finden bald Substanzen, mit denen sie eine Verbindung eingehen, und so Neutral- und Mittel, salze *) bilden. Man will jedoch Beispiele von Qucllwassern, worin sich Schwefelsäure in freiem Zustande befindet, angetroffen haben. So soll sie bei Latera nicht weit von Vi- terbo, mit Wasser vermischt, frei zwischen den Steinen hervorkommen, und zu gewissen Zeiten gesammelt werden; fer- *) Werbindnnuen Erden. " Sauren mit alkalischen Grundrheilen, Metallen und 8o Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. ner bei Selvena in der Nähe der Stadt Siena allein ihre Existenz ist noch nicht erwiesen. Schwefelsäure mit Kali in Gestalt des vitriolisirten Weinsteins verbunden, trifft ma» selten an: desto häufiger aber mit Natrum im Glaubersalz- Mit Kalk macht sie Gips, und mit Magnesia Bittersalz, mit Thon eine alaunerdige Auflösung. Salpetersäure ist noch nicht frei gefunden worden; aber mit Kalt verbunden macht sie den prismatischen Salpeter. Salzsäure wird bisweilen mit Kali gesättigt angetroffen, und erzeugt das Digcstivsalz, welches aber in Quellwassern nur selten vorkommt; mit Na-i trum verbunden erscheint sie überall und vorzüglich in den Kochsalzquellen. Bisweilen werden diese drei Mineralsäuren gebunden in einem und demselben Wasser angetroffen *). Diese und andere fremdartigen Stoffe machen nun das Wesen dererjenigen Wasser aus, welche man Mineralquellen nennt. Sie sind nun solche entweder im weitem oder en- gern Sinne des Worts, und zwar versteht man unter den letzteren theils solche, die genossen für die Gesundheit der Menschen von heilsamer Wirkung sind, theils solche, welche nicht innerlich, sondern äußerlich gebraucht werden. Jene werden Gesundbrunnen, diese Bäder genannt. Die Mineralwasser sind eine Zusammenhäufung mehrerer Substanzen, welche, bei ihrer Vereinigung mit dem Was- ^ ser, noch unzählige Verbindungen unter sich eingehen können- - Zuweilen enthält ein Mineralwasser von einem Bestandtheile^ so wenig, daß er kaum merklich ist, und dennoch hat er auf ' die Kräfte des Wassers und den Zustand der übrigen einett ungemein großen Einfluß. Die Mineralwasser sind von Zeit zu Zeit Veränderungen unterworfen, welches schon ihre Entstchungsweise vermu- s then läßt. Die Veränderungen, welche im Innern der Erde^ , ' vorge- s -) VLnäetii trrct. äe llicrmis azri ^ r) Llem. ü» s ksrl» »7S7. . > Beschaffenheit des Quellwassers. vorgehen, die verborgene Verbindung mit einem «e neralc, und -endlich auch die Erschöpfung dererjemgen , stanzen, von welchen das Wasser seine Bestandt-eie nahm, geben eben so viele Ursachen ab, die natur iche schaffenheit eines mineralischen Wassers nach und na S verändern. So lehrt die Erfahrung, daß die Meng das Verhältniß der Bestandtheile des Wassers in " derselben Quelle nicht immer einerlei ist, sondern a Uche, tägliche, ja sogar stündlich-Veränderungen s t ftm den; baß, so wie auf der einen Seite die Menge ^ Bestandtheils anwachst, solche auf der ^ nimmt; daß so gar der eine oder der andere manchmal m gänzlich fehlt. genaue, auf Hieraus ergiebt sich nun, ^ ^ Z.im> E-Nd- Mineralwassers nicht Lenken lasse. ' d-n Analy- nur gar zu oft vorkommenden Abweichungen, bet denA ) l-» d„ ">ch- b-s-°wd°"- «ea Zm«, von ChkMttru mmrnommnl mcr , .» «»d MIO,-'-!«- tu» ub-«°- ">«' fein laßt. ... So wie es nun aus diesem Grunde »nmögstch lst, M die Bestandtheil- dieser Art Quellen gewisse Regel s st^ setzen; so ist es -auch begreiflich, daß cm Zettp» . kann, wo die eine oder die andere aus der ) Wellen ganz und gar verschwindet, wenn munl.ch ' rath der Mineralien erschöpft ist, aus welchen ! seine fremden Stoffe hernahm. . M. Mineralquellen sind überall verbreitet, nn - thellungen des Erdenrunds leiden einen Mangel -dar , - sind sie in den mehresten Gegenden noch ganz - b : Ein Schwedischer Gelehrter, der über dte Minera que en < seines Landes geschrieben hat, giebt deren an 30 an, und sie werden in allen Provinzen des Reichs 82 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. ftn *). In Ungarn zählte man schon vor einigen zwanzig Zähren gegen 2Z0 Gesundbrunnen, aber diese sind es bei weitem nicht alle; bloß in dem gebirgigten Theile von Slavonien könnten wohl 5o warme Bäder angelegt werden ). Doch hat vielleicht Deutschland vor allen anderen Erdtheilen den Vorzug, daß hier mit mannigfaltigen Stoffen bereicherte Wasser, zum Nutzen der' Menschheit, im Ueberfluß eich springen. Man hat es längst versucht, die Wasser der Mineral quellen in gewisse Klassen zu ordnen. Den Grund einer solchen Eintheilung nahm man natürlicher Weise von den vorzüglichsten Stoffen her, wodurch das eine Mineralwasser sich von dem andern unterscheidet, und welche jedes besonders charakterisiren. Diese nun jedesmal genau anzugeben, ist nicht ohne Schwierigkeit. Unter den Alten theilte sie bereits PliniuS ein. Wallerius brachte sie in gewisse Ordnungen, Geschlechter und Arten. Cartheuser und nachher Zückert ordnen sie in besondere Klassen. Der letzte war zu seiner Zeit über diese Materie ein Hauptschriftsteller: allein er kannte die Gasarten noch nicht, welche er bloß mit dem Namen Brunnengrist bezeichnete, und die Art und Weise die Mineralwasser zu untersuchen, war damals noch sehr unvollkommen. Hierzu kommt noch, daß man in der Folgezeit noch vortreffliche Mineralquellen entdeckt hat, die ihm unbekannt seyn musten. Eben das gilt auch von dem Werke desKühn -) >) Neue Beiträgt! zur Völker - und Länderkunde von Sprengel und Förster. - Lh. S. -8> zi- -) Schlvartner'S Statistik deS Königr. Ungarn. Pest. - 788 - S- O Systematische Beschreibung aller Gesundbrunnen und Bäder Deutschlands. 2 Aufi. KönigSb. -776. s- Systematische Beschreibung aller Gesundbrunnen und Bäder Deutschlands. BreSlau und Hirschberg -7ZL- Beschaffenheit des Quellwassers. _83 welcher im Grunde nichts weiter geleistet hat, als den Zückert zu vermehren. Remter giebt nur eine allgemeine Ueber« ficht der bis jetzt genau untersuchten Mineralwasser, wohin auch noch einige Taschenbücher gehören. Einige Ungenannte haben jetzt das verdienstliche Werk unternommen, diesen Gegenstand von neuem zu bearbeiten, und liefern ein Werk, in welchem sie, „ach der Klassifikation des Hofmann, alle bis jetzt bekannte Mineralwasser theils beschreiben, theils nahmhaft machen °). Es würde uns zu weit von unserm Zwecke abführen, wen» wir uns auf eine genaue und umständliche Erörterung dieses Gegenstandes, und in Auszählung aller bekannten Mineralquellen unsers Erdbodens einlassen wollten, welche letztere außerdem in das Gebiet der besondern Hydrographie gehört. Es sind auch die wenigsten zureichend umerjucht, und 'st also ungewiß, welche Klassen den übrigen angewiesen werden müssen. Ueberhaupt werden aber die Klassifikationen dieser Wasser immer unzulänglich und mangelhaft bleiben, indem man der Natur gewissermaßen Gewalt anthut, wen» man diese Wasser in Systeme künstlich einzuzwängen jucht. Ihre Bestandtheile kreuzen sich auf eine so mannigfaltige Weise durch einander, daß es oftmals problematisch ist, welcher Stoff darin pradominire, und der Hauptbcstandcheil genannt werden müsse. Wir begnügen uns also, über die bekannten Arten der Mineralwasser einige Betrachtungen kürzlich anzustellen, und duzn Beispiele anzuführen. *) Tabellen über den Geb all der in den murren Zeiten untersuchten Mineralwasser, nach Klaffen und Gattungen. Erfurt -73°. Beschreibung aller Gesundbrunnen unv Bäder der bekannten Länder, vorzüglich Deutschlands. Wo» einigen Aerzten und Che> Msten herausgegeben. - B. Jena und Lei»;. -7S8- S- Taschenbuch für A-Me, Physiker und Vrunneng-isie. zur b-guemen Uebersicht der A-Iul. «are aller in «eueren Zeiten genaner untersuchten Vewndbrunmn und Bäd«r Deutsch,««^, von L. A> Hofmann. Weimar l7Si- S- F 2 84 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. Auf den Namen der eigentlichen Mineralwasser können, so viel man ihrer jetzt kennt, unsers Erachtens, nur folgende einen gegründeten Anspruch machen: Kohlensäurehaltige Quellwasser. Alkalische , - Eisenhaltige - Muriatische - - Bitter- - - Schwefel- r - Salpetrige - - Auf diese lassen wir dann noch einige andere Wasser folgen, denen zwar der Name der Mineralwasser nicht eigentlich gebührt, welche aber jedoch von den mehresien Naturforschern so genannt werden, da sie sich durch fremde in denselben enthaltene Stoffe auszeichnen. Diese sind nun: Seifenartige Quellwasser. Kupfer- - - Alaun- Arsenikal- - - Erdharzige - - Zncrustirende - > - Versteinerungs - - ' Kohlensäurehaltige Hasser. Wir verstehen hierunter die rein - kohlensauerhaltigen Wasser, oder solche, die bei ihrem kohlensauren Gehalte an fixen Bestandtheilen entweder gar nichts auszuweisen haben, oder wo diese darin wenigstens ein ganz unbedeutendes Minimum ausmachen. Von dieser Art ist der kalte Säuerling bei Karlsbad. Herr Klaproth *) fand das Wasser desselben so ausnehmend sauer, daß er zweifelhaft wurde, ob solche Saure *) Beiträge ,ur chemischen Kenntniß See Mineralkörper. i Band. S. 325 - 85 B eschaffenheit des Quellwassers. bloß von dem Gehalte der Kohlensäure herrühre. Durch er u )e ergab sich aber, daß außer dieser keine anderweite remde, äure darin vorhanden war, und er fand, daß die . , ^ entwickelten Gasses, dem körperlichen Im Wasse"^n^ ^ Wassers gleich war, indem rg Kubikzolle D ^0 ^bikzolle kohlensaures Gas lieferten. Fixe n txeile enthielt es fast gar nicht, indem von einer ab, ompftr» beträchtlichen Menge desselben ei» kaum zu be, uer ender Rückstand übrig blieb, welcher sich als salz saures Neutralsalz erwies. Alkalische Wasser. Die alkalischen Wasser enthalten freies Natrum; den größten Theil des Gehalts machen die dabei befindlichen Klauber- und Kochsalze aus, und sie sind theils warm, theils kalt. Man ordnet sie gewöhnlich in erdige und in alinjsche. Die letzteren unterscheiden sich von den eigeneren Salzquellen, oder den Soolen, durch die Kohlensaure, Eriche sie enthalten, und auf welche bei ihrem medizinischen ebrauche eigentlich gesehen wird. Vorzüglich zu bemerkn sind-. - ^os Karlsbad in Böhmen. Wir haben an einem andern 'Orte der Temperatur dieser Mineralquellen Erwähnung gethan. „m, die Bestandtheile des Wassers betrifft, ° verdanken wir derselben genaue Untersuchung und ^stimwung dem Herrn Klaproth. Ob sich nun ^'ch sej„e Analyse nur auf die vornehmsten der Quell Nämlich den Sprudel, den Neubrunnen und ^ ^chloßbrunnen einschränkt; so kommen doch diese den übrige» Nebcnquellen, ihrer innern Beschaffener Nach, überein, so wie anch das Verhältniß der fixen ^fiandtheile in allen sich gleich ist. Was aber den Ge< )a t der Kohlensäure anlangt, so findet sich hierin eine 86 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. merkliche Verschiedenheit, welche Abweichung von einander sich nach den Graden der Wärme richtet, die eine Quelle vor der andern zum voraus hat. Es steht nehmlich die Menge der Kohlensäure mit den Wärmengrade in einem umgekehrten Verhältnisse. Kohlengejäuertes Natrum, Glaubersalz und Kochsalz, ferner kühlengesäuerte Kalkerde, Kieselerde, etwas Eisen- erde, und endlich eine Menge von dem Wasser absorbir- tes Gas, nebst freier Wärme, sind überhaupt die Bestandtheile dieses Mineralwassers. Schwefelkiese, Steinkohlen, Kalksteine und Salzsoo- len sind die rohen Materialien, deren sich die Natur zur Ausarbeitung dieses Mineralwassers bedient. Wie ungeheuer der Vorrath derselben seyn müsse, davon wird man sich einen Begriff machen können, wenn man die Wassermenge und deren Gehalt, die der Sprudel in einem Jahre liefert, in Anschlag bringt. Nach Be- cher's Berechnung dringest aus den fünf Sprudelöf- nungen in einer Stunde 705 Eimer Wasser hervor, welches täglich 16920, also in einem Jahre 6175900 Eimer beträgt. Nimmt man den Eimer zu einem halben Ku- bikfuß an, so macht solches 3087900 Kubikfuß Wasser. Diese enthalten nun: Pfund Civil-Gew. kristallijirbares Natrum. 746684 ' - Glaubersalz r132932 - Kochsalz 23820g - Kalkerde 86020 - Kieselerde i? 36 g Eisenerde 1240 Kohlensaures Gaß 99539 Kubikfuß. Da nun auch die Wassermenge des Neubrunnens, des Mühlbachs und der übrigen aus den Nissen des klüftigen Felsens sich ergießenden Wasseradern zusammen, derjenigen, welche der Sprudel allein liefert, gleich geschätzt werden kann; so Beschaffenheit des Quellwassers. S? erstaunt man mit Recht über die Menge der Produkte, weiche die Karlsbader Quellen, in einem Zeitraum von 43 c> Jahren, als so lange man sie kennt, zu Tage gebracht haben Der Egerbrunnen in Böhmen. Die Quelle entspringt mit den übrigen Säuerlingen des Egerscken Bezirks aus einem Floehlager. Dieses an Schwefelkiesen sehr reiche Steinkvhlenfloetz, durch was für einen Zufall es auch entzündet seyn mag, entwickelt jetzt, da es tiefer brennt, aus den dort liegenden Materialien, die Bestandtheile der Quelle. Das Wasser, welches eine niedrigere Temperatur zeigt, als die freie Luft, ist kristallhelle, scheint, unter vielem Geräusch und Blasenwerfen, aufzukochen, und hat einen angenehmen säuerlichen Geschmack, aber keinen Geruch "). Das Töplitzer Wasser in Böhmen. Die Temperatur desselben ist gg Gr. Fahrenh. Die kristallhelle Quelle ward 1755 beim Lissaboner Erdbeben trübe und röthlich ^). Der Charlottenbrunnen in Schlesien. Das Wasser, welches'aus sieben Quellen entspringt, gefriert im stärksten Winter nicht, und von ihm steigt beständig ein starker Dampf in die Höhe. Es hat an der Quelle einen angenehmen Salzgeschmack, riecht geistig, und ist klar und helle, nur etwas bläulich von Farbe *). Die Mineral-Salzquelle zu Pyrmont M Das Burgbernheimer Bad, oder das Wildbad. ^ Hrn. Kiaprorhs Beiträge. B. S- Hm. ». Rockn itz Briese über das Karlsbad rc. DreSd. und Leip». 17SS. Rruß Beschreib, des Cgerbrunnens. Prag und Drcsd->i794- L- An,brs,i>§ Unters, der Quellen in Toplitz. Leipi- -797- S- Dom Charlottenbrunnen, nebst einer chemischen Prüfung deS Sassgen Mineralischen Wassers. Berlin 1790- ') Tramp ei-§ Beschreibung der salibalrig-n Mineralqiulle iu Pyrmont. Berlin 1794, 88 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. Die Wasser zu Warmbrunn in Schlesien ?). , Der Biliner Sauerbrunnen in Böhmen. Er entspringt aus vier Quellen, deren Wasser mit Kohlensaure sehr angeschwängert ist, welche sich in Gestalt einer Dunstwolke über ihnen entwickelt.. Es setzt am Abflusse einen weißen Kalksinter «b, welcher sich in schönen rhom- boidalischen, undurchsichtigen Kristallen zeigt Das Selterwasser im Trierschen ?). Eisenwasser, Stahlwasser. Wasser, welche kleine abgerissene Theile in Metallgestalt bei sich führen, gehören nicht hieher: sondern nur allein solche, die Metalle ausgeloset enthalten. Metalle werden aber nur dann im Wasser aufgelöset, wenn sie in oxidirter Gestalt vorkommen. Vorzüglich gilt das vom Eisen. Die Kohlensäure ist nun in den Mineralwässern das Haupt - Auflö- sungemittel dieses Metalls, und daher enthalten fast alle Quellen, welche man Sauerbrunnen nennt, etwas davon. Die eisenhaltigen Saucrwasser sind unter alle» am gemeinsten, da man fast allenthalben in der Erde Eisen antrifft. Sie fehlen fast nie in sumpfigen Gegenden, und in der Nachbarschaft der Schwefelkiese, welche mit Schwefel vererztcs Eisen sind. Diese Quellen, welche aber neben dem Eisen noch andere Bestandtheile enthalten, sind äußerlich an dem Eiscnocher, welchen sie absetzen, und an ihrer fettig scheinenden regenbogenfarbigen Haut kennbar, weiche nichts anders, als ein vor seiner Auslösung geschiedenes Eisen ist. Wenn die Kohlensaure ansängt, aus dem Wasser zu entweichen, so kann das Eisen nicht ganz in seiner Auflösung blci- 1) Mög all« Briefe über die Bäder r« Warmbrunn. Berlin >796. 2) Renß Naturgeschichte des Biliner Sauerbrunnens- Prag -733. ») Journal von und für Deutschland. -731. 9 St. S. izr. Beschaffenheit des Qnellwassers. 6g den; ein Theil sondert sich davon ab, und sammelt sich auf der Oberfläche des Wassers, wo es in Gestalt jener Haut erscheint, und hiernächst durch den Säurestoff, welchen sie aus der Luft an sich zieht, jn den Zustand einer starker» Sxidation übergeht: in welchem sie als Ocher zu Boden fällt. Unter der großen Menge der Eisenwasser, woran besonders Deutschland einen großen Ueberfluß h-.t, merken wir einige der vorzüglichsten an: Die Quellen zu Pyrmont. Sie entspringen in einem reizenden Thale, welches von beträchtlich hohen Bergen umgeben, und in der Mitte von einem kleinen Flusse, die Emmer, durchschnitten wird. > Dieses ganze Thai ist voller Quellen, welche jedoch nicht alle mineralisch sind. Oft entspringt in einem Bezirke, mitten unter mehreren Mineralquellen, eine Quelle von süßem Wasser, , welche von der Witterung abhängig ist, und nach langer Dürre versiegt; dahingegen die Mineralquellen immer mit einerlei Starke stießen, zum Beweise, daß der Ort ihres Ursprungs tiefer liegt. Es verdient angemerkt zu werden, daß die Mineralquellen insgesammt auf der einen Seite der Emmer, in einer größer« oder geringeren Entfernung vom Ufer liegen; dahingegen sich in allen Quellen auf der andern Seire keine Spur von Kohlensäure und Eisen findet. Die Mineralquellen brechen mit einiger Gewalt hervor, welches vermuthen läßt, daß ihr Wasser von irgend einem der nahe gelegene» Berge hervorkomme. Die Bestandtheile des Wassers in den verschiedenen Quellen kommen in Absicht auf die Menge und das Verhältniß unter sich überein. Wenn man die vorhandenen Analysen ihres Wassers nnd die Resultate derselben mit einander vergleicht, so findet man zwar die nämlichen Bestandtheile angegeben; abek die Menge des einen und des andern, sehr verschieden bestimmt, an welcher I 9° Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. Abweichung jedoch der Unterschied der gebrauchten Maaße, die Verschiedenheit der angewendeten Zerlegungsmetho- den, und der Unterschied Schuld ist, welcher zu manchen Zeiten unter den Bestandtheilen eines und desselben Wassers Statt finden kann. > Die neuesten, im Zahre 1766 an Ort und Stelle gemachten Versuche verdanken wir Herrn Westrumb. Er fand in dem Wasser Kochsalz, salzsaure Bittererde, Glaubersalz, Bittersalz, kohlensaures Eisen, kohlensaure Kalkerde, Gelernt, und in 100 Kubikzollen Wasser s 187 Kubikzolle kohlensaures Gas. j Die glückliche Mischung des Wassers giebt ihm eine 1 der ersten Stellen unter den Wassern dieser Art, soviel ! ihrer bekannt sind. Es ist nicht mit fixen Bestandtheilen überladen, und doch hinreichend mit reizenden, auflösenden Salzen und absorbirenden Erden und Eisen versehen, wobei es eine Menge des belebenden Princips, des kohlensauren Gaßes enthalt *). > Das Mineralwasser zu Driburg im Paderborn- ^ schen. Es verdient mitgenannt zu werden, wenn von ; Deutschlands vorzüglichsten Mineralwässern die Rede i ist, indem es die Natur mit festen und flüchtigen Be- , standtheilen reichlich begabt hat ^). Das Zmmauer Mineralwasser in Schwaben. Es entspringt aus fünf Quellen, und hat Herr Klap- roth ') solches genau untersucht. Die Quellen zu Spaa im Lüttichschen. Das Wasser > tritt ohne Geräusch aus dem Gebirge hervor, und nur ^ ») Marcard's Beschreibung von Pyrmont. 2 Bände. Lechz. 178s. 17S5. Westrumb's kleine phys. und chemisch. Abhandlung. 2 B. S- 177- 8 B. S. 1. Hr. Westruinb a. a. O. 2 B- 2 H. S. 8 - s) Beiträge. II B. S. Zri. Beschaffenheit des Quellwassers. S» zuweilen fahren einige Blaschen in die Höhe. Es ist an der Quelle vollkommen klar, ohne Geruch, und von einem angenehmen, säuerlichen, scharfen, stechenden, erfrischenden Geschmack *). Der Wildunger Sauerbrunnen im Waldeckschen. Das Wasser kommt aus drei Quellen hervor, uncer denen das aus dem Stadtbrunnen den Vorzug behauptet. Es ist von einem angenehmen säuerlichen Geschmack, und seht vielen Elsenocher ab °). Die Quellen zu Sara toga in der nordamerikanischen Provinz Neuyork. Sie enthalten eine erstaunliche Menge Kohlensäure Muriatische Wasser. Unter den muriatischen Wassern *) — wohinnlan auch das Meerwasser rechnet — versteht man solche, die neben ihrem Hauptbestandtheile, dem Kochsalze, etwas Glaubersalz, Gips, Bittersalz, salzsaure Kalk- und Pittererde mit sich führen. Unter die vorzüglichsten Quellen dieser Art gehören: Die muriatische Quelle bei Erfurt -). Der Zohannisberger Brunnen im Fuldaschen «). Das Markgräfl. Dadensche Bad in Schwaben *) UerxmLuir Oxnsoc. Vol. II §. l >. Ddys. chem. Beschreibung, des Wildunger Brunnens von Stucke. L->p>ig - 7 gi. g. Ebeling's Erdbeschreibung von Amerika. 2 B. S- 672. Don dem lateinischen Worte: Lluii» (Sstsrixo. ciolum.olla XII. 25.) ') ^rell'z N. Entd. in der Chemie. 2 Th. S- -LS- Reichard'L medic. Wvchenbl. 1781. S- 27. -) IVsiaobserv. -uxS. 1'r,i,co5. -77L- U- :66 170. ">) II, n z äv Ikermls Alaraluo - LaSeirswers X-Lsirt. 1790. S. 9- Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. Der Heilbruinien in Baiern ^). Das Wisbad ^). Von der Beschaffenheit der muriatischen Wasser sind auch die Salzsoolen, nur daß diese das Kochsalz in einem beträchtlichern Verhältnisse enthalten. Sie verdienen um so mehr den Mineralwässern beigesellet zu werden, da sich, außer den angegebenen Bestandtheilen, annoch andere erdige,, salzige und sogar manchmal metallische Theile in ihrer Mischung befinden. Einige, besonders Engländische Salzquellen, führen Eisen bei sich. Eine gewisse Menge Wasser kann nur eine bestimmte Quantität Salzes auflösen: hat sie diese aufgenommen, so löset sie davon nichts weiter auf, und man sagt alsdann: das Wasser sey damit gesättigt. Tausend Loth Wasser werden etwa Mit 33? Loth Salz gesättigt, und eine Soole, deren Wasser so weit verdunstet, daß sie aus 33? Loth Salz nur noch 1000 Loth Wasser hat, sängt an, ihr Salz fahren zu lassen. Bis zum Sättigungspunkte geschwängerte Soolen sind selten. Häufiger findet man solche, die s ihres Gewichts, ja wohl noch mehr an Salz enthalten. Aus einer Soole, die ? ihres Gewichts aufgelöset hat, kann man meh- rcntheils mit Vortheil Salz sieden. Die meisten haben aber weniger.«ls ^ Salz. Die Soole von Dieuse in Lothringen, weiche, so*wie Höllische Soole, unter den bekannten eine der reichsten ist, enthalt in einem Ccntner sechzehen Pfund Salz. Das Kochsalz — eine Verbindung von Salzsäure und Natrum — wird dem Wasser dadurch mitgetheilt, daß dasselbe, iudem es über Lagen und Schichten von Steinsalz, oder über Erdschichten hinweg läuft, welche vom Salze durchdrungen sind, Theile davon auflöset, und mit sich fort nimmt. Dergleichen Schichten giebt es nun häufig^ unter der Erd- r) Baiersche akad. Abh- B- 2. Ly. r. -) Klipsteins Miller. Briefe. B- s. H- L- Br. F. Beschaffenheit des Quellwassers. 95 oberflache. Was das Steinsalz betrifft, so kennt man z. B. den ungeheuren Salzstpck, welcher sich aus der Wallachei durch die Moldau, Siebenbürgen nach Polen bis Wieliezka und Bochnia, und nach Ungarn bis Sowan, längs des Strichs der Karpathischen Gebirge hinzieht. So ist das Salz in den Schichten einiger Berge eingemengt, und auch in großen Strecken von Europa, Asien und Afrika in den sandigen und niedrigen Ebenen mit Erde innigst vermischt. Wenn das einmal entstandene Salzwasscr, im Fortstreichen unter der Erdoberfläche, auf Schichten von Schiefer, therthon kommt, und dieser Schwefelkies enthält, welcher durch die Verwitterung in den Zustand der Auflösung über, geht; so wird ein Theil des Salzes, durch die frei gewordene Schwefelsäure zersetzt, und die Salzsäure frei. Sobald diese nun in den Wassern auf Kalkerde trifft, so er, zeugt sie erdiges Kochsalz. Das Glaubersalz oder schwefelsaure Natrum wird dadurch erzeugt, wenn sich jene Schwefelsäure mit dem Grundtheile des Kochsalzes, dem Natrum verbindet; dieses kommt aber auch in andern Quellen hän- sig -vor. Man gewinnt das Kochsalz aus den. Sovlen durch das Abrauchen. Wenigstens gilt dies von den reichhaltigeren, als von den Lothringschen, und den Sovlen in der Franche Comte. Bei den ärmeren, aus welchen man so, wie sie sind, nicht mit Vortheil Salz auskochen kann, hat man, der Holzersparniß wegen, auf Mittel gedacht, sie zu verbessern. Dies geschieht nun durch das Gradiren. Man läßt sie nehmjich unter geräumigen Schupven, die Gradir Häuser genannt werden, aus Dorureisbündcl herabfallen. Das durch Pumpen hoch hinauf getriebene Wasser, wird durch Rinnen auf dieses Strauchwerk geleitet, und indem es sich von hier, gleich einem Rege», in unendlich viele Tropfen zertheilt, so verdünstet es mit Hülfe der Luft, welche diese-Gebäude beständig durchstreicht, und die coneentrirtere Soole wird dann. 94 Zweite Abch. Zweiter Abschnitt. wann diese Operation mit ihr ein Paar Mal wiederholt worden, dem Abrauchen unterworfen. ?^arme Soolen sind sehr selten: doch kannten die Alten bereits die Pagaseische Quelle Bisher sind noch wenig Soolen chemisch untersucht Die fremden Beimischungen erschweren den halurgischen Prozeß, können aber durch den Nebengewinn, welchen sie darbieten, entschädigen. Zn vielen Mutterlaugen bleiben Schwefelsäure, Bittererde und unreines Kochsalz zurück, die sich unter gewissen Umständen auf Salzsäure, Glaubersalz, Bittersalz u. s. w. nutzen lassen. Deutschland hat an Salzquellen einen Ueberfluß, zu deren vorzüglichsten folgende gehören: Die Salzquellen zu Lüneburg von sehr reichhaltiger Soole, die ohne Gradirung versotten wird. Die Salzquellen zu Salzhemme ndorf in Nieder- Sachsen. Die Salzquelle bei Salzdalum unweit Wolfen- büttel. Die Pyrmonter Salzsoole -). Das Salz werk zn Halle im Saalkreise H. Die Salzquellen zu Satzungen und Frankenhausen im Thüringschen. Das Salzwerk zu Außen und Hallsiadt im Oesterreichischen und zu Ha Nein im Salzburgischen. Vorzüglich ist Siebenbürgen reich an Salzquellen. Wenn die Frage von einzelnen besondern Quellen ist, so kann man ihre Anzahl sicher auf mehr als dreihundert rechnen, und ob der Gehalt derselben zwar nicht überall gleich stark ist; so sind sie doch an diesen Produkten so ergiebig, daß man r) riiniiis i..'xxxi. v. 7. Weftrumb's Abhandlungen.IV. Band. Hefki. S.28o. s) Forst er's Gesch. de§ Halleschen S-liwerkS. Haue -79ö- 3. Beschaffenheit des Quellwassers. 95 gar keiner Gradirwerke benölhigt seyn würde, wenn man Salzsiedereien anlegen wollte. Man hat indeß hier Beispiele, daß Quellen ihre Salzigkeit ganz verloren haben, vermuthlich weil die Quellwasseradern ihren unterirdischen Gang verändert, oder den Theil vom Salzstock, über welchen sie flössen, schon ganz aufgelöset haben. Zwischen den hohen Gebirgen, so voll sie auch in ihrer Tiefe von derbem Steinsalze stecken mögen, hat man noch bis jetzt keine Salzquellen angetroffen, auch selbst in den Mittelgebirgen sind sie sehr selten: desto häufiger findet man sie aber in den Vorgebirgen, und zwischen den Bergen und Hügeln des sich verflä- chenden Landes *). Auch Siberien hat eine außerordentliche Menge Quellen auszuweisen, die das schönste Salz geben. Gevrgi ^). fand verschiedene Wiesen dergestalt mit Salzquellen angefüllt, daß sie dadurch zu einem schlammigen Moraste wurden, welcher die Benutzung gänzlich unmöglich machte- Bikkerwasser. Bitterwasser entstehen aus einer Auflösung des Bittersalzes im Wasser; Bittersalze sind aber eine Verbindung der Bittererde mit Schwefelsäure. Wenn sie Zugang zum Natrum haben, so enthalten sie dabei auch Glaubersalz. Bisweilen befindet sich auch freie Bittererde oder Kalkerde daneben, die nur durch die Kohlensäure aufgelöset ist. Diese Wasser besitzen die Eigenschaft, daß sie den Diolensyrup grün färben, und mit keiner Säure aufbrausen; dagegen aber mit einer Auflösung von Kali vermischt, trübe werden, indem ») «. Fichrel's Geschichte deS Steinsalzes in Siebenbürgen. Nürnberg >7So- 4- S- ZL. ZZ. -) Bemerkungen einer Reise im Russischen Reiche. Petersburg 1775. 2 Vd. S. LS7- lind 901 . r>6 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. das darin enthaltene Bittersalz zersetzt und niedergeschlagen wird. Man rechnet dahin:, Das Seid schütz er oder Sedliher Wasser in Böhmen. Es sprudelt aus mehreren Quellen durch einen schwarzen, fruchtbaren Boden, in einer sonst traurigen und einförmigen Gegend, hervor. Es ist geruchlos, von einer unangenehmen Bitterkeit, und sein specifisches Gewicht verhalt sich zu dem Gewichte des reinen destillirten Wassers wie 1016 zu 1000. Die Temperatur weicht in den verschiedenen Quellen von einander ab, und steigt überhaupt bei der abnehmenden Tiefe der Quellen, ist aber in einer und derselben nicht sehr veränderlich Q- Der Bitterbrunnen zu Steinwasser in Böhmen -). Das Ebshamer oder Epsomer Wasser in der Eng- ländfche» Provinz Surrey. Schwefelwasser. Schwefelwassser- oder schwefelhaltige Quellen sind mit geschwefeltem Wasserstoffgas angeschwängert. Das Wasser nimmt diese Gasart sehr gern in sich auf, und es bekommt dadurch einen starken Geruch den faulen Eiern ähnlich, und einen süßlichen Geschmack. Ob es gleich vollkommen klar und helle ist, so trübt es sich doch durch lange Berührung mit der atmosphärischen Lust, verliert feinen Geruch, und läßt körperlichen Schwefel niederfallen, welcher sich auch in Gestalt einer auf dem Wasser schwimmenden Haut absetzt. Heißes Wasser nimmt wenig geschwefeltes Wasserstoffgas in i) Das Seidschiitzer Bitterwasser, beschrieben «an Renk- Prag 179-' 8 . -) O—Reiuy Untersuchung beS Bitterwassers zu Steinwaffer in Böhmen. 1791. g. Beschaffenheit des Quellwassers. 97 in sich auf. In der mittlern Temperatur nehmen 100 Ku- bikzylle Wasser 60 Kubikzolle dergleichen Gas in sich, und nach Hahnemann 42,000 Gran kaltes Wasser so viel Gas auf, daß die Menge des darin enthaltenen Schwefels ioo Gran beträgt. Von den schwefelhaltigen Quellen sind die warmen am gemeinsten. Sie finden sich in der Nachbarschaft der Vulkane, oder an solchen Orten, wo man unterirdisches Feuer annehmen kann. Kalte Quellen dieser Art giebt es gewöhnlich am Ausgange der Mtzgebirge, und in der Nähe von Steinkohlengruben und Salzquellen. Bergmann findet die Erklärung des Schwefelgehalts bei den Mineralquellen am-schwierigsten, da es ihm nie gelingen wollte, aus ihren Wassern, durch die Kunst, Schwefel zu erhalten. Herrn Westrumb scheint es, daß eine große Menge Schwefel dadurch erzeugt werde, wenn irgend an einem Orte sich Schwefelleber im Wasser aufgelöset hat, und gründet darauf eine besondere Eintheüung dieser Wasser. Zu. den vorzüglichsten Quellen dieser Art gehören folgende: Das Athener Bad. Das Wasser quillt aus mehrern Oefnungen warm hervor, in einer Temperatur von m bis 160 Grade Fahrenh. Es hat einen durchdringenden Schwefelgeruch, und ist vom Lueas, Williams und Michels, chemisch untersucht worden Das Gast ein er Wildbad im Salzburger Gebiete' Phys. Erdb. -. B. S. ZiL. -) Lucas Versuch von den Wassern, z ry. ,796. S. 1. Minium» Lrearlse OI! tlie vtrenes ok tlie vrater ot X Oliapsile. I,oiaU. 1772. Michels, über die Nutzbarkeit der in Achen befindliche» Mineralwasser. Kö,„ 17LZ. . ») Barisoni pl,ys. chcm. Untersuchung d«S Gasteine« VadeS. Salj- burg -7L5- G 93 Zweite ALth. Zweiter Abschnitt. Das Weilbachcr Schwefelwasser im Mainzischen Das Abachec Wildbad in Bayern Der Ha so da Schwefelbrunnen bei Hildesheim. Die klare kristallhelle Quelle giebt in jeder Minute nicht weniger als 2 L Eimer, und diese Wassermenge ist in allen Jahreszeiten lind bei jeder Witterung gleich. Das Wasser ist beträchtlich kalt > Das Schwefelwasser bei Nenndorf im Schauen- burgischen. Es ist an hcpätijcher Lust, so wie an substantiellem Schwefel überaus reichhaltig, und von Brockmann untersucht Das Meinberger Schwefelwasser Das Limmer wasser bei Hannover. Die Quelle liefert in vier und zwanzig Stunden i^ooc» Kubikfuß Wasser, von angenehmen erquickendem Geschmacke °). Die Bäder von Baden bei Wien Asten hat sehr viele schwefelhaltige Wasserqucllen auszuweisen. Unter mchrern, die sich am Flusse Surgut befinden, kommt eine in zwei bis drei Sprudeln im Grunde aus einer aschenähnlichen Erde hervor. Das Wasser enthält viele kalkige Theile, und hat einen sehr starken Schwefelgeruch; »6 seht eine weißliche Materie an den Schilfhalmen reichlich ab, und das Moos, welches den Pfuhl umgiebt, in welchem I) Amburge« Versuche mit dem Schwefelwasser bei Weilbach. Mayn» i7üi>- r) Dikrich's Alchandl. vom Abacher Wildbade. Regenkb. 1744. ,) MeycrS Beschr. des SchweselwaffcrS >u Hasoda. HildeSheim -776. «) v. Crell's Beitr. zu den cheni. Annalcn, III. Th. St. 4. -788. S. 447. -) Westrumb II- B- 2. Heft. 1788. Dia-. 5. S. gg. Nachtrag, S. >4-, ->) v. Crell's Beitr. 2. V.*2. St. S. 207. i) Schenk, von den. Bädern der Stadt Baden. Wien -79-- Beschaffenheit des Quellwassers. 99 sich das Quellwasser sammlet, ist mit einer bräunlichen Substanz tuffsteinartig überzogen und versintert *). Salpetrige Wasser. Salpetriger Quellwasser — solcher, die gemeinen prismatischen Salpeter, nemlich Salpetersäure mit Kali verbunden, aufgelöset enthalten — giebt es in Ungarn eine unzählige Menge, und der gröste Theil des in diesem Lande verfertigten Salpeters hat ihnen sein Daseyn zu verdanken. Der Reichthum dieses Naturprodukts ist hier so groß, daß Ungarn jährlich noch einmal so viel davon liefern könnte, als Ostindien dem ganzen Europa giebt- Die allgemeine, seit Jahrhunderten bestehende Klage über das schlechte Wasser in diesem Reiche, mit den davon abstammenden Fiebern, haben den Salpeter zum Grunde. Von dem Samosflusse an bis nahe an Wien, in einer Länge von 70 bis 80 Meilen, und von den Karpathen bis an die Drau in der Breite, ist kaum eine Gegend, wo nicht die mehresten Quellen, mehr oder weniger, von Salpeter untrinkbar gemacht sind. Die meisten dieser Quellen kommen an dreißig Fuß aus der Erde hervor, und man findet sie überall, wo auf Brunnen gegraben wird. Sie sind so reichhaltig, daß sie weder zum Trinken noch zum Kochen taugen; sie sind s i und l 4 lkthig, auch, wenn sie nicht mit Tagewasser vermischt sind, 4 löthig. Mehrere dieser Wasser kommen an etwas tiefer liegenden Stellen, durch die sandig - lehmige Erde, als Schwihwasser hervor, vertilgen die daselbst befindlichen Wirthschaftspflanzen, und bilden unfruchtbare Plätze, die sehr feucht sind, auch Salpeterseen. Auf jenen' dünstet das Wasser weg, und der Salpeter bleibt, mit Erde vermengt, zurück, und wird täglich gesammelt. Merkwürdig ist es, daß Salpeter-Soda- und Glaubersalz-Quellen, oft kaum ») Pallas Reise, 1. Lh. S. -og. Ei 2 roo Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. etliche hundert Schritte weit von einander.gefunden werden, und es scheinen hier die Flöhe, woraus sie entspringen, in verschiedener Tiefe zu liegen '). Seifenartige Wasser. Seifen artige Wasser nennt man solche, die eine gute und feine Thonerde mit sich führen, welche sie bei einer gelinden Verdünstung absehen. Nach Carcheuser -) befindet sich dieser Bestandtheil darin im Zustande einer vollkommenen Auflösung, welches ihre Klarheit zu erkennen gebe. Sie sind in Ansehung ihres fixen Gehalts die unwirksamsten, von seifenartigem Geschmacke, und fettig anzufühlen. Hieher gehören: Die Wasser von Plombieres in Lothringen, welche ihre Thonerde am Rande der Quelle absetzen '). Das Schlangen bad in der Grafschaft Kahenellenbogen. Das Wasser, weiches in seinen Eigenschaften mit dem vorigen übereinkommt, ist lauwarm, von bläulicher Farbe, geruchlos, und von einem schwachen Salzgeschmack, und auf seiner Flache schwimmt die Thonerde in Gestalt einer schmutzigen Fettigkeit »). Der Mochinger Gesundbrunnen in Bayern. Das Wasser ist klar, mitten im Sommer kalt, und von einem süßlichen Geschmack r) Aus einem Vr. des Herr» Dr. Riickert an Herrn Klaproth. M. s. auch Herr» v. Crell's chem. Annal- 179;- >- V. S. 224. Oe'sker-. -) 1. c. x. 84 - H) Miltovtn analere ctss earix r-lvoirenses lts NtoinUieres. Mein. äe » 0Liis 17 4S. ») Walcker's Beschr. des SchlangenbadS 1721. 1724. 1747. mir Larl's Beschr. deffelb- r) Leukyner's Beschr. des Seifenbads zu Marienbrun. 1790. 4 . Beschaffenheit des Quellwassers. ro» Kupfer haltjge Wasser. Kupferhaltige Wasser, Cementwasser, enthalten Kupfer in Schwefelsäure aufgelöset. Aus Unkunde schrieb man ihm sonst die Eigenschaft zu, Metalle zu verwandeln: denn, wenn man ein Stück Eisen in dieses Wasser legt, so findet man nach einer geraumen Zeit an der Stelle der Eisentheile Kupfer, oder jenes doch mit Kupfer überzogen, ohne daß seine Form wesentlich verändert worden ist. Dieses Phänomen ist aber nichts anders, als ein Niederschlag des Kupfers im Wasser. Die Schwefelsäure, durch welche das Kupfer in dem Wasser auflösbar erhalten wird, verläßt das Kupfer, und greift das Eisen an, mit welchem sie in einem nähern Grade der Vermandschaft sieht, folglich auch stärker angezogen wird.. Auf diese Weife kommt, in die Stelle eines jeden EisentheilchenS, ein Kupfertheilchen, und am Ende wird das Ganze eine zusammenhängende Masse von Kupfer. Diese Cementwasser entstehen nun durch eine Auflösung verwitterter oder gerösteter Kupferkiese nw Wasser, und finden sich also in den Bergen, wo solche Kiese vorhanden sind. Unter mehreren dieser Art, welche es hin und wieder giebt, bemerken wir nur einige der bekanntesten. Die Cementwasser zu Neusol in Ungarn. Sie werden in vier und zwanzig Behältnissen, vdek so genannten Kammern, gesammelt. Zn den meisten erscheint das Wasser nur tropfenweise an den Wänden, aber in der einen, welche über zwanzig Fuß tief ist, dringt es in zwei, einen Strohalm dicken Adern, fließend hervor. Im Zahr 1707 gewann man daraus acht und achtzig Zentner Kupfer: aber, nach einer in der Folgezeit geschehenen Ueberschwcmmung und zugetretenemTagewaffer, bekommt man zwar mehr, aber ein geringhaltigere! Wasser, so daß seit dieser Zeit der jährliche Ertrag kaum auf zwanzig Zentner Kupfer steigt *). *) Lei irr xkilot. kraus. Xo. 4Lo. im Hamb. Mas. IV. Bö. Übels. I02 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. Die Quelle zu St. Pölten in Oesterreich. Das Kupferwasser zu Zenichen in Tyrol. Die Cementquelle bei Altenberg im Erzrgebirge Das Kupferwasser bei Schmolniz in Ungarn, sehr reichhaltig an Kupfervitriol. Das Wasser von Fahlun in Schweden. Die Cementwasser bei Wiklow in Jreland -). In Lancaster in Pensilvanien befindet sich ein Cement- wasser, welches außerordentlich reichlich Kupfer abseht, und Eisen sehr schnell in dieses Metall umändert, zugleich aber auch vielen Eisenvitriol enthält. Eine Pime dieses Wassers enthält sechs Gran Kupfer ^). Alaunwasser. Die Alaun wasser enthalten Alaunerde in ihrer Mischung. Sie trüben sich durch Beimischung eines alkalischen Salzes, welches jene Erde aus der Auflösung niederschlägt. Man trift sie nicht häufig an. Cartheuser rechnet dahin die warmen Bäder zu Bath in England, deren Temperatur das hineingesenkte Thermometer auf 100, roi und 10Z Grad angrebt. Auch zählt man eine Quelle bei Crems in Nieder- österreich hieher, so wie auch eine andere bei Halle im Saalkreise »). Arsenikalwasser. Arsenikalwasser, Giftwasser sollen aufgelöseten Arsenik enthalten. Der Arsenik ist im Wasser auflösbar, mehr oder weniger, nach den verschiedenen Stufen seiner 1) Hanib. Magaz. III. B. S. 496. 2) Allgem. Mag«!. VIII. V. S. 2M. s) ruilos. Irinis. V. 49- Ar- 2 . x. 648. Richter in!>. Crell's chem- Annal. 1788- 4- St. S. M 4 - Beschaffenheit des Quellwassers. roz Verbindung mit dem Säurcscoff, und zwar braucht der weiße Arsenikkalk, nach Bergmann'« genauen Versuchen, bei der mittleren Temperatur des Wassers go, vom siedenden aber i5 Theile zu seiner Auflösung. Allein dadurch ist noch nicht erwiesen, daß es dergleichen. Wasser in der Natur wirklich gebe. Am sichersten wäre bei Wassern, worin man Arsenik vermuthet, die Prüfung des trockenen Rückstandes des abge« rauchten Wassers auf Kohlen, oder vor dem Löthrohre, da der etwa aufsteigende knoblauchartige Geruch sogleich den Arsenik verrathen muß. Erdharz ige Quellen. Die Erdharze sind Naphta und Vergöl, welche auf den Flächen verschiedener Quellwasser schwimmen. Die Berg-Naphta ist ein sehr flüchtiges und entzündliches Del, von einem starken durchdringenden Gerüche und weißlicher Farbe. Sie entzündet sich schon in einiger Entfernung vom Lichte, und brennt mit einer bläulichen russigen Flamme. Man findet dieses Naturproduct besonders in Pcrflen und am kaspischen Meere, und ein Theil davon kommt auf den Wassern der Quellen, Flüsse und Seen zum Vorschein, auf denen es, seiner Leichtigkeit wegen, schwimmt. Die Erde ist dort von der Naphta durchdrungen, und sie fließt an den Abhängen der Berge hinab. Bei Astrachan findet mgn sehr tiefe Brunnen, welche eine ansehnliche Menge dieses Products liefern, welches ausgeschöpft, und zu mancherlei Gebrauche angewendet wird *). Bergöl, Erdöl, St ein öl, kommt mit der Naphta überein, nur daß es von unangenehmern Gerüche, und minder flüchtig und entzündlich ist. Es hat aber Leichtigkeit und Unauflösbarkeit im Wasser mit ihr gemein, daher es auch auf demselben schwimmt. Mehrere Quellen in der ») Rein es-S :c. Reise, I. L- S. -5,. io4 Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. nordamertkanischen Provinz.Pensilvanien führen dieses Bergöl mit sich; z. B. eine unweit den Steinkohlengruben in Lu- cerne^ eine andere in der Grafschaft Allegany ist so reichlich damit versehen, daß man in einem Tage einige Tonnen die, ses Oels daraus einsammeln kann. Ein ganzer Fluß, welcher daraus entsteht, hat deswegen den Namen: Oil-Creek erhalten. Außer den Quellwassecn dieser Art gedenkt man noch einiger andern, die bloß mit Dämpfen angeichwängert zu seyn scheinen, welche sich entzünden, so bald man ihnen ein Licht oder eine Fackel zu nahe bringt. Diese Dämpfe entstehen als Wasserstoffgas aus einer Auflösung der sich unter dem Wasser zersetzenden animalischen und vegetabililchen' Körper. Dergleichen Quellen soll es geben: auf dem Wunderberge im Krakauisehen, deren Ausdünstungen stinkend sind; ferner bei Peretta nuvva, nicht weit von Bologna, am Fuße eines Berges, wo die aus dem Wasser aufsteigende Blasen ebenfalls entzündlich sind bei Velleja unweit Piazenza, bei Barigazzo einige Meilen von Modena °), und bei Bro- sely in England ^). Nach einigen giebt es Quellwasser, die mit erdharzigen Substanzen wirklich angeschwängert seyn sollen. Eine Verbindung dieser Art läugncn die Chemiker zwar aus dem Grunde, aus welchem eine Vermischung des Schwefels mit Wasser unmöglich ist: da jedoch auch diese mit einander verbunden werden können, wenn eine alkalische Substanz dazwischen tritt; so wenden sie solches auf die Erdharze an. Cartheuser ") rechnet das Wasser des Dimptinger Brunnens, und einige andere Quellen in der Schweiz, hierher. ComwerU. Lonon. x. ng. -) O s Vo)'. U'Italis. s) rnil. Xo. 482. riiil. tiAN5. -Uir. n. IV. l>. >96- «) I. c. x. g2. SckecrcliL- H^är. Ilelv. x. Z14. Beschaffenheit des Quellwassers. In einigen Quellwassern scheinen besondere noch unbekannte Kräfte zu liegen, die eigene Wirkungen hervorbringen. Eine Quelle, bei Chevreuse in Senlisse, hat die Eigenschaft, daß, wenn man ihre Wasser trinkt, davon nach einiger Zeit die Zähne lose . werden, und am Ende ohne Schmerzen ausfallen. Die Anwohner, welche sich sonst bei ihrem Genusse nicht übel befinden, haben gröstentheils keine Zähne. Das Wasser quillt kalt aus der Erde hervor. Wenn man zehen Quart Wasser über gelindem Feuer verdünsten läßt, so bleiben zuletzt etwa zwölf Gran eines festen alkalischen Salzes zurück. Einer Quelle dieser Art bei Susa in Persien gedenckt bereits Vitruv *). Incrustirende Quellen. Hauptsächlich haben die warmen dieser Art die Eigenschaft, daß sie hineingelegte Körper mit einer Sceinrinde überziehen. Diese Wasser, welche zum Theil auch in die Klasse der eigentlichen Mineralwasser gehören, führen eine ausgelösete Kalk- oder Kieselerde bei sich, welche sie an der Luft absetzen. Je heißer das Wasser ist, desto härter werden diese Rinden. Die aus solchen Wassern abgesetzte Steinmaterie ist übrigens unter den Namen Tuff, Sinter' bekannt. Was die Kieselerde betriff, so betrachtete man sie sonst als einen im Wasser für sich unauflösbaren Körper: allein Erfahrungen haben gelehrt, daß eine wirkliche Auflösung derselben nicht nur in warmen, sondern auch in kalten Mineralwässern, ja so gar in gemeinen Quellwassern, statt finde. Die Hitze ist indessen als ein die Auflösung beförderndes Mittel anzusehen. Hr. Klaproth fand, daß das Wasser des Karlsbader Sprudels in roo Kubikzollen 25 Gran r) l, einer X äans les Klein, äe s l?är1s. 17*2. -) Deytr. II. B. S. 99. io6 . Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. wirklich aufgelösete Kieselerde enthielt. Daß diese jedoch noch nicht die gröste der vom Wasser auflösbaren Menge der Kieselerde sey, und daß vornemlich die heißen Quellen Zslands davbn noch weit mehr besitzen, davon zeigt der Kieseltuff, welchen diese Quellen in so ungeheurer Menge absehen. Die mit Kalkerde angeschwängerten Wasser bilden, durch ihren Kalktuff, allerlei Gestalten: so auch die Isländischen heißen Quellen durch ihren kieselartigen Bestandtheil. Diese Wasser machen sich selbst Schalen und Kanäle, worin sie spielen, und aus ihrem Kieftltuff besteht auch die bewundernswürdige Röhre, welche sich die gröste von Islands heißen Quellen, der Geyser, selbst gebildet hat. Die in dem Karlsbader Mineralwasser befindliche, und durch die Kohlensäure aufgelösete Kalkerde, hat durch ihre Wiederabsehung aus dem Wasser nicht nur das bewundernswürdige Steingewölbe sormirt, sondern es seht auch noch täglich eine erstaunliche Menge von mannigfaltig gebildetem Kalksinter und Tuffstein ab. . Die Athener Wasser sehen ebenfalls einen Tufstein ab, welcher, in Gestalt eines steinigen Kranzes oder Rings, die Ränder der Bader einschließt, und mit den Wänden derselbe» in so festem Zusammenhange steht, daß man ihn nur mit Gewalt davon abbrechen kann. Kalte Wasser dieser Art sind weniger gemein. Eine Quelle bei Tours kommt zwischen großen Kalk- steinlagcn zu Tage, und setzt, auf einem abhängigen Felsen einen Alabaster ab, welcher zuweilen wellenförmig, zuweilen in geraden sechsseitigen Prismen anschießt. Er ist sehr feinkörnig, und giebt an Weiße dem CararischeN Marmor nichts nach *). Der Fürstenbrunnen bei Zena verliert' seinen kalk- artigen- Stoff erst in einiger Entfernung von der Quelle, und von ihm werden hineingelegte Körper mit einer schmuzig- *) NnIIerin äes Sciences Irr Seciere xliiloin«igne äs vzris I7I7- Beschaffenheit des Quellwassers. 107 weißen Rinde überzogen *). Eine Quelle in der Schwedischen Provinz Upland hüllt ebenfalls dasjenige, was hineingelegt wird, in eine Rinde ein Man erwähnt noch eines Quellwassers, welches heiß zu Tage kommt, und gleichsam von selbst zu Stein werden soll. Die Quellen liegen um die Villa Guaneavelica herum, etwa dreißig Meilen von Lima. Ihr Wasser, welches zwar klar, jedoch dick, salzig, und von häslichem Geschmack ist, verbreitet sich über das umliegende Land, und erhärtet zu einem Heils licht-aschgrau, theils zu einem weißgelblichen Steine, wovon jener fester rst als dieser. Man bedient sich dieses Wassers zum Bau, indem man es in Formen ausfänqt, und hart werden läßt. Der gröfte Theil von Guaneavelica ist damit gebauet, und die mehresten Bilder in den Kirchen zu Lima sind aus diesem Materiale geformt Auch hier muß eine Steinmaterie, welche dem Wasser in reichem Maaße beigemischt ist, beim Erkalten absetzen, da eine Coagulation und Verwandlung des Wassers in Stein, von niemanden im Ernste behauptet werden wird. Diese Quellwasser sind überhaupt in dem hohen Landstriche von Peru sehr gemein. Nahe bei Guaneavelica sprudeln an dem Fuße eines Berges in sehr geringen Entfernungen verschiedene Quellen hervor, unter welchen sich vorerwähnte heiße Wasser befinden, da die übrigen kalt sind. Diese Quellen müssen im Innern des Berges sehr nahe an ^einander grenzen, doch aber in Kanälen laufen, die keine Gemeinschaft mit einander haben, da ihre Wasser unvermischt zu Tage kommen. I) Schmidts histor. Mineral. Beschreibung der Gegend IIM Lena. 1779 . 8 - -) Bergmann P. E. -. Tch. S. zo?. s) iIIS« äes Obsei'v. 1°. 1 . Ullas Physik, und histor. Nachrichten vom südl. und nordöstl. America; a- d. Span. von Dle» e. 1 Th. -7L-. 8- >72- ro3 Zweite Abch. Zweiter Abschnitt. Versteinernde Quellen. Mit diesem Namen werden solche Quellwasser bezeichnet, die eine feine Stelnmaterie enthalten, welche in die Körper selbst eindringt. Man findet dergleichen in verschiedenen Gegenden Deutschlands. » Die Analysen der Mineralwasser waren eine lange Zeit hindurch mangelhaft. Nur erst von der Zeit an, da uns eine vollkommene Chemie vorleuchtete, konnre man hierin etwas Befriedigendes erwarten. Ob man nun auch gleich diesen Gegenstand nicht ganz yernachlaßigt hat, so schränken die Untersuchungen sich jedoch nur auf einige der vorzüglichsten Mineralquellen ein. Sowohl die festen als flüchtigen Bestandtheile der Mineralwasser können von einander getrennt, und für sich und nach ihrem quantitativen Verhältniß dargestellt-und bestimmt werden. Die Behandlung ist aber eine der schwersten und feinsten in der Chemie, und erfordert viele Uebung und Sorgfalt. Um die fremden Stoffe überhaupt zu entdecken, darf man das Wasser nur mit solchen Substanzen vermischen, weiche die Verbindung trennen, und aus die Erfolge Acht geben. Dergleichen Stoffe aber werden gegen wirkende Mittel (rsaZsuti-r) genannt. So darf man z. B. wenn man wissen will, ob ein Wasser aufgelösetes Eisen enthalte, nur ein Paar Tropfen Gallapfeltinctur darein fallen lassen. Entstehen schwärzliche oder bräunliche Wolken im Wasser, so enthält es Eisentheile: geschieht dieses nicht, so besitzt es deren nicht, vielleicht aber andere, die denn auf andere Art heraus gebraucht werden müssen. Um die gasartigen Bestandtheile von dem Wasser abzusondern, bedient man sich einer zu pneumatisch-chemischen Versuchen eingerichteten Retorte von bekanntem Inhalte, deren Röhre in ein Quecksilberbad geleitet, und mit einem Beschaffenheit des Quellwassers. 109 mit Quecksilber gefüllten Recipienten überstürtzt ist. Es erheben sich Luftblasen in diesem, die das'Quecksilber daraus vertreiben. Wenn sich aus dem kochenden Wasser keine Luftblasen mehr entwickeln, läßt man die Lüftmasse erkalten, und man findet die Lustmenge, welche in einer bestimmten Quantität Wasser befindlich ist. Sie kann alsdann nach Ku- "bikzollen gemessen auch gewogen' werden. So kann man auch, wenn das Wasser bis zur Trockenheit abgezogen ist, den Rückstand wägen, da sich dann erkennen läßt, wie viel ein Wasser an festen Bestandtheilen überhaupt enthält, und diese lassen sich dann, durch besondere Behandlungen, zerlegen, und nach ihren quantitativen Verhältnissen einzeln darstellen. Wenn man die flüchtigen Bestandtheile eines Mineralwassers von den festen geschieden, und diese besonders dargestellt hat; so bleibt am Ende noch ein harziges Wesen übrig, welches man Harzstof, Extraetivstoff nennt, und dieser besteht aus den ihm beigemischten organischen Theilen, deren oben Erwähnung geschehen ist. > Durch die Bemühung der Chemiker, die Stoffe und ihre Verwandschaften zu erforschen, ist man in den Stand geseht worden, mehrere Mineralwasser, unlwzwar in ziemlicher Vollkommenheit, durch die Kunst, zu bereiten. Man bedient sich im Kleinern dazu vorzüglich der von Nooth erfundenen, von-Parker aber verbesserten, Maschine. Sie besteht aus drei gläsernen, über einander befindlichen, und mit einander verbundenen Gefäßen, in deren unterstes die Materialien, als gestoßener Marmor, Kalkstein, Kreide und^ dgl., geschüttet werden, aus denen sich die Gaöart entwickeln soll, mit der man das Wasser imprägniren will. Diese Materien werden mit verdünnter Schwefelsaure übergössen. Das dadurch entstehende Gas steigt nun durch das zweite mit Wasser angefüllte Gefäß zu dem dritten hinauf. Wenn dieses geschehen ist, so wird das obere abgenommen, verschlossen, und Wasser hineingegossen, welches sich dann durch r ic» Zweite Abth. Zweiter Abschnitt. Schütteln mit dem Gas verbindet. Durch diese Jmprägna- tion erhält das Wasser den säuerlichen Geschmack der Sauerbrunnen, und die Kraft, etwas Eisen aufzulösen *). Dritter Abschnitt. Temperatur des Quell was fers. ^je Temperatur der Quellen ist gewöhnlich von der Temperatur des Luftkreises unterschieden. Gemeiniglich quillt in der wärmern Jahreszeit das Wasser aus der Erde frischer und kälter hervor. Der Grund liegt darin, daß das Wasser mehrentheils tiefer aus der Erde hervorkommt, als die Wärme der Lust darin einzudringen vermag. Man hat Beispiele von Quellen, die eine auffallend niedrige Temperatur besitzen. Eine solche befindet sich auf dem Berge Pila in Frankreich, deren Wasser, .obgleich den Sonnensrralen beständig ausgesetzt, eine solche Kalte h-at, daß man es weder gleich trinken, noch die Hand lange darin halten kann. Eine dergleichen Quelle entspringt am Fuße des Bergs Ven- tvux, und eine auf dem Berge Genevre -). Bergmann H gedenkt einiger schwedischen Quellen,, deren Temperatur nur wenig über dem Eispunkt, und in der Tiefe noch niedriger ist. So steht in der Quelle von Medevi das Thermometer unveränderlich 6:- Grad über den Gefrierpunkt; so behält die 1) Gehler's Phys. Wörterb. Hl. Lh. S. 4vg. 2) IVIom. cle 1'^.caä. ^ kar. 169z. T'. Z) Physik. Erdb. 1 . Lh. S- zo^. Temperatur des Quellwassers. irr Quelle Lvka auch bei der grössten Sommerhitze beständig 6 Grad Warme. Demungeachtet gefrierest dergleichen Quellen nie; die Wirkung der steten Bewegung des Wassers. Dagegen giebt es aber auch Quellen von einer außerordentlich hohen Temperatur. Man theilt in dieser Rücksicht die Quellen in kalte und warme ein. Diese heißen solche, welche die Temperatur des Luftkreiscs übersteigen. Der Grad der Wärme ist jedoch bei ihnen sehr verschieden, und er steigt von der Lauwarme bis zur Siedhihe, und darüber. Die Ursach, welche das Wasser der Quellen in die höhere Temperatur versetzt, findet man von den Naturkunde gern verschieden angegeben. Das Centralfeuer, welchem man vormals alle große Erscheinungen in der unterirdischen Werkstätte der Natur zuschrieb, hat langst seine Anhänger verloren, und eben so wenig halten, bei den mehresten derselben, die in ihren Gegenden sonst vorhanden gewesenen Vulkane die Prüfung aus, da man bei ihnen keine Spur von Vul- kanität entdeckt. Am nutzesten kommen der Wahrheit diejenigen, welche die Entstehung derselben von Kiesen herleiten. Diese Körper sind eine Verbindung des Eisens mit Schwefel, und werden daher Eisen- oder Schwefelkiese genqnnt. Sie finden sich häufig in der Erde. ZHE sie hier mit dein Wasser in Berührung kommen, wie solches nicht selten der Fall ist, so erfolgt eine Zersetzung nicht allein des Kieses sondern auch des Wassers. In diesem Zustande nun setzt dieses seinen einen Bestandtheil, den Sauerstoff, an das Eisen und den Schwefel ab, wodurch jenes verkalkt, dieser aber gesäuert wird. Der Wasserstoff, als der zweite Bestandtheil, verbindet sich mit einem Theile Schwefels aus dem Kiese, und ist nun als geschwefeltes Wasserstoffgas zu betrachten, welcher sich als eine elastische Flüssigkeit in Freiheit zu setzen sucht. Indem das Wasser so zerlegt worden ist, wird der Wärmestoff, welcher ihm vorher den Zustand n2 Zweite Abth. Dritter Abschnitt. der Flüssigkeit ertheilte, frei. Eilt Theil davon geht mir dem frei gewordenen Wasserstoffe in Verbindung, und bildet ihn zum Gas um: der andere bleibt frei, und erzeugt fühlbare Wärme und Erhitzung, welche, nach dem Verhältnisse der Masse des Kieses, größer oder geringer ist, und unter den erforderlichen Umständen sich als Feuer zeigt. Dieses durch die Zerstörung der Kiese und Zersetzung des Wassers erzeugte Feuer, bedarf nun Nahrung und Unterhalt, welche ihm die Kiese selbst in die Länge zu geben unvermögend sind. Es ist begreiflich, daß aufgelösete Kiese nicht wohl allem hinreichen, diejenige Wärme herzugeben, welche mehrere dieser Quellen nun schon feit Jahrhunderten mit unveränderter Kraft bis jetzt erhitzt hat: sondern daß es zur Bildung und Unterhaltung dergleichen Quellen noch eines andern, dem unterirdischen Feuer Nahrung gebenden, Brennstoffs bedürfe. Und dann ergiebt es sich schon von selbst daß Alaunschiefer — vorzüglich aber Steinkohlen — dieser Brennstoff seyn müsse. Ist nun ein unterirdisches Lager von Steinkohlen von großer Mächtigkeit, durch jene entzündete Schwefelkiese, oder auch durch eine andere Veranlassung, erst in den Brand gesetzt, welches an den Orten leicht geschehen kann, wo das Flötz zu Tage ausgeht; so theilt sich dann die Entzündung der ganzen übrigen Masse, in langsamerer oder schnellerer Fortschreitung mit. 'Hier ist nun an ein Verlöschen oder Erkalten so bald- nicht zu gedenken. Erwägt man nun noch, daß diese ungeheuren Massen von undurchdringlichen, und zur Ableitung der Wärme wenig geschickten, Fclsenwändcn eingeschlossen sind', zu welchen der Zutritt der Luft nur sehr geringe seyn kann; so sieht man leicht, daß Jahrhunderte dazu gehören können, ehe die aus einer jolchen Masse entwickelte Hitze wieder in einen ruhenden Zustand übergehen, ..und sich mit dem Ganzen ins Gleichgewicht setzen kann *), Einige ») Hrn. Klaprvth'S Beirr- Bd. 179;. S. zll bis Temperatur -es Quellwassers. riZ Einige Quellen dieser Art laufen mit, einer gleichen Was- sermenge allmählig und ununterbrochen fort: andere jchießen, in einem höher» oder niedrigern Wasserstrahls, nach Zwi- schenräumen, stoßweise, gewaltsam hervor, wie z. B. die Isländischen Springquellen im Großen, und der Carlsbader Sprudel im Kleinen. Wenn das durch die unterirdische Hihe in elastische Dämpfe aufgelösete Wasser, auf geradem Wege, keinen Ausgang finden kann; so drücken die Dämpfe auf die Wasserfläche, und treiben es zu den dem Wasser offen gelaft. senen Höhlungen mit Ungestüm fort. Hat der Wasserdampf sich solchergestalt Luft gemacht, so gehört ein bestimmter Zeitraum dazu, ehe er sich wieder so stark anhäuft, um den Widerstand des gegendrückenden Wassers zu überwinden. Sind diese elastischen Dämpfe schwächer, so bewirken sie bloß ein Ueberlaufen des Wassers aus dem Becken *). Unter, den helfen Springquellen behaupten nun diejenigen, welche die Insel Island auszuweisen hat, den ersten Rang. Sie zeichnen sich vor allen übrigen des Erdbodens aus: denn nirgends ist die Temperatur derselben so hoch,- und an keinem andern Orte werden sie zu einer solchen Höhe empor geschleudert, als hier einige von ihnen. , Die heißen Quellen dieser Insel sind von ungleicher Heftigkeit und Temperatur. Aus einigen rinnt das Wasser, wie aus einer gemeinen Quelle, allmählig hervor, und dann bekommen sie hier den Namen: Laug (Bad); bei anderen wird das kochende Wasser gewaltsam und mit großem Geräusch herausgeworfen, und da nennt man sie Kittel (Kessel); diese sind die bekannten Springquellen. Ihre Temperatur ist ungleich, doch nie unter iW Graden des Fahrenheitschen Thermometers bemerkt worden. Man fand sie zu Larrgar- ») Nach Gren'S Journal der Physik, ir Vd. 4-c>. S>, bar Herr Abr Grub er in Prag ein neues Prinzip der Waffercrhebnng in Maschinen, durch die Kratt »er ldanipllnfr, nebst einer Theorie der cnrknitzscyen und Isländische» Springquellen, gegeben. ' H- II Zweite Abth. Dritter Abschnitt. näß ißg, Igi und 19Z; bei Geyser, Neiking und a. a. O. 212, und auch an einer Stelle eine kleine Wasserader von 213 Graden. Alle künstliche Springbrunnen müssen, in Absicht der Gewalt des Wasserstrahls, einigen dieser Springquellen weichen. Die Wasserkunst -.u Herrenhausen bei Hannover, wirft einen Sttahl, der üngefähr eine halbe Elle dick ist, siebenzig. Fuß in die Höhe; die auf dem Winterkasten bei Kassel einen noch dünnern Strahl 1Z0 Fuß hoch, und die bei St. Cloud in Frankreich einen nicht dickern Strahl 80 Fuß in die Luft. Dagegen hier einige Springquellen Wassersäulen etliche Fuß dick, viele Klafter, ja- wie mehrere Reisenden versichern, hundert Fuß in die.Höhe schleudern. Diese Quellen stehen nun zwar mit den Vulkanen der Insel in Verbindung, jedoch liegen sie nicht immer, ja nur selten, nahe bei ihnen, sondern sie sind im ganzen Lande vertheilt. Man trifft daher heiße Quellen nicht nur an vielen Orten zwischen den Bergen, sondern sogar auf den Gipfeln der Eisberge an, z. B. auf dem Torfä-Väkul, avo es eine große Menge warmer Quellen giebt, und darunter zwei große Springquellen, welche das Wasser, siedend in die Luft schleudern. So findet man auf dem Geitlands-Pökul, am Fuße des Berges, eine lauwarme, und mehrere Spuren von alten Springquellen: denn es ist nichts ungewöhnliches, daß dergleichen Quellen zufallen, und an deren Stellen neue zum Vorschein kommen. Auch findet man solche sogar im Meere,' wozu man bei niedrigem Wasser gelangen kann. Dem Olassen zu Folge, entdeckte man, ohnweit der Insel Oldbiörns- Skiar, in dem sandigen Meeresgrunde, eine Quelle dieser Art, die unablässig an einer Bank hervorsprudelte. Matt vermogte zur Zeit der Ebbe an sie hinan zu kommen: da denn die Schiffer ihre Oeffnung erweiterten, um die Gefäße mit ihrem süßen Wasser zu füllen, woran es der Znsel gebricht. Temperatur des Quellwassers. riZ Unter' den heißen Springquellen Islands, wovon einige mit dem Namen Geyser beleget werden, ist keine mit der- jenigen zu^vergleichen, welche zwei Tagereisen vom Hekla, nicht weit von Skallholt, liegt. Sie stellt ein Schauspiel auf, bet welchem die Natur alles, was sie Schönes und Grauscndes hat, in sich vereinigt. > Hier erscheint eine Ebene, in der man von der einen Seite, in einer weiten Entfernung/hohe, mit Eise bedeckte Berge erblickt, deren Gipset sich gemeiniglich in den Wolken verlieren, die dem Auge den Anblick ihrer scharfen uud zackigen Spitzen entziehen. Dieses Verlusts wegen wird der Beobachter, bei einem gewissen Winde, wieder dadurch entschädigt, daß die Wolken sich alsdann senken, und die Berge selbst bedecken, da man denn ihre Gipfel gleichsam auf den Wolken ruhen sieht. Von einer andern Seite zeigt sich der Hekla, dessen drei mit Eise bedeckte Spitzen über die Wolken hervorragen, und die durch den Rauch, der aus ihnen- emporsteigt, in einer gewissen Weite davon, neue Wolken bilden. Nach einer andern Seite hin, steht noch ein hohes Felsengebirge, an dessen Fuße von Zeit zu Zeit siedendes Wasser hervor rauscht, und wo sich weiter herunter ein Sumpf von etwa einer halben Meile im Umkreise, mit vierzig bis fünfzig siedenden Quellen zeigt, von denen ein dicker Dampf aufsteigt, und sich in der Luft mit den Wolken vermischt. Mitten unter diesen liegt nun die große Quelle, der Geyser, welcher eine nähere Beschreibung verdient. Troll *) vernahm, ungefähr etzre Viertelmeile von der Springqnelle, zwischen welcher und ihm sich noch ein Felsengebirge befand, ein starkes Getöse, dem Rauschen eines Waldstroms ähnlich, welcher sich von Klippen herabstürzt. Er beobachtete die Oefnung, woraus das Wasser hcrvorsprühte, besonders genau. Bisweilen sank es einige Faden rief in «) D. Uno von Troll Miefe, über eine im Jahre -77- nach Man» angestellte Reise, a. d. Schwed. UPsal und Leipzig -77S' §- H 2 n6 Zweite Abth. Dritter Abschnitt. der Röhre nieder, woraus es hervor gestoßen wurde, und es vergingen einige Secunden, ehe ein in dieselbe geworfener: Stein die Fläche des Wassers erreichte. Die Röhre selbst war zirkelrund, hatte 19 Fuß im Durchmesser, und endigte sich oben in ein Becken von Z9 Fuß im Diameter.. Sowohl die Röhre, -als auch das Becken, war aus einer krausen,; stalaktitischen Rinde gebildet, welche das Wasser abgesetzt hatte. Der äußere Rand des Beckens überstieg die Röhre um neun Fuß und einen Zoll. Hier sprang das Wasser zu wiederholten Mahlen des Tages, aber immer nur stoßweise, nach gewissen Zwischenräumen, hervor. Die Anwohner versicherten, daß es bei kalter Witterung höher springe als sonst, und Olafsen u. a. berichten, daß es bis an sechszig Faden in die Höhe geschleudert werde. Vermuthlich hat man sich bloß nach dem Augenmaaß gerichtet, und zu hoch gerechnet. . Die gröste Höhe, welche Troll, durch Messung mit einem Quadranten heraus brachte, betrug zwei und neunzig Fuß. Die Wassersäule erhielt sich vier Minuten, und das Wasser fiel sehr tief in die Röhre zurück, stand einige Minuten ganz still, und fing dann an wieder aufzuwallen: doch ward es nicht in die Luft, sondern nur bis an den Rand der Röhre getrieben. Die Kraft der Dämpfe, welche das Wasser in die Höhe treibt, ist so stark, daß sie nicht nur die Steine welche man in die Oefnung wirft, zu sinken hindert, sondern sie auch sogar mit dem Wasser wieder z-.rück schleudert. Stanley*) merkt an, daß dergleichen Steine an 129 Fuß in die Höhe geworfen würden. Nicht fern vom Geyser, warf an dem Fuße des nahe gelegenen Felsengebirges, eine andere Quelle das Wasser jedesmal eine bis. zwei Ellen hoch. Die Oefnung, woraus dasselbe hervordrang, war nicht so geräumig, und Troil «) run, irLiu. Temperatur des Quellwassers. r>7 glaubte sie mit hineingeworfenen großen Steinen verstopfen zu können. Sie ward damit ganz angefüllt, allein bald nachher sprang das Wasser aufs neue heftig hervor, indem es die Steine auf die Seite geworfen hatte, und spielte nun ganz frei in seinem Kanals. Die Quelle zu Neikum, 2^ Meilen von Hafnifiörd, gehört auch llliter die merkwürdigen dieser Zusei. Sie entspringt in einem fruchtbaren Thals, dessen umliegende Gegenden, in ihrer gänzlichen Unfruchtbarkeit, alle Spuren der zerstörenden Kraft des Feuers an sich tragen. In einem Bezirke von anderthalb Meilen, finden sich über hundert dergleichen heiße Quellen von 212 bis 21Z Fahrenh. Temperaturgraden. Aus jener sprühte das Wasser vormals siebenzig Fuß hoch: nachdem aber die Äefnung zu einem großen Theile durch Einsturz bedeckt ist, so springt der Gtrahl jetzt nur Zo bis 60 Fuß seitwärts weg. Die Hitze des Wassers ist, nach vollendetem Sprunge, noch so groß, daß das Thermometer darin noch 212 Grade wies. Da nun außer Zweifel ist, daß, während des Sprunges, ein Antheil von Wärme verloren gegangen ist; so muß Man annehmen, daß das Wasser in seinem unterirdischen Behälter noch einige Grade heißer gewesen seyn müsse *). , Das Karlsbad verdient unter den warmen Quellen, nach jenen, eine der ersten Srellen. Es wird desselben bereits im fünften Jahrhundert erwähnt, und es ist erst 7370 durch Kaiser Karl IV. bekannt geworden. Es begreift jetzt eigentlich fünf warme Quellen, den Sprudel, das Mühibad, den Neubrunnen, den Gartenbrunnen, und den Felsenbrunnen. Der Kessel des Sprudels, als der Hauptguelle, ist ein bewundernswürdiges, in seiner Art vielleicht einziger Wasserbehälter, welchen die Natur aus dem kalkartigcn Bestandtheile ») OlafsenS und PovelsenL Neise durcl, ASIand; a. b. Dänischen' Kopenh. und Leix>. 1744. 4. Herrn KlaproryS Beirräge rc. n3 Zweite Abth. Dritter Abschnitt. der Quelle gebildet, mit einem dreifachen Marmorgewölbe überdeckt, und zur Ansammlung des, in der nahe gelegenen unterirdischen Werkstatte, ausgearbeiteten Mineralwassers ein- gerichcec hat. Aus diesen fünf Hauptöfnungen ergießen sich mit Umgestüm heiße, und die Atmosphäre mit Dampfwolken erfüllende Sprudel. Die Temperatur dieser Quellen ist nach Becher *) folgende: s) im Sprudel, da wo er hervorbricht, 163 Gr. Fahrenh. d) im Neubrunnen i 43 Gr. c) im Mühlbade isZ Gr., und sie ist bei ihnen zu allen Zeiten, und bei allen Witterungen unveränderlich, ä) im Gartenbrunnen 133 bis 133 Gr. e) im Felsenbrunnen 103 bis 117 Gr. Hr. Klap- roth fand 1793 im Zul die Temperaturen nach Reau- mur s) des Luftkreises 20 Gr. b) im Schloßbrunnen 3 ?z Gr. c) im Neubrunnen -stj Gr. ä) im Liebschen Brunnen 33 / und e) im Sprudel 33 Gr. Der Sprudel — die heißeste und mächtigste dieser Quellen treibt das Wasser nicht ununterbrochen, sondern sprung- und stoßweise, doch nicht auf eine sonderliche Höhe, hervor. Die Stöße folgen schnell, und wohl 40 bis 60 ln einer Minute aus einander, und fördern auch nicht alle eine gleiche Menge Wasser zu Tage. Das Wasser der Aachener Quellen ist ebenfalls nicht von gleicher Temperatur. < Die Quelle zu Burfcheid hat 144 Gr. auf der Oberfläche; auf dem Grunde . 160 — Der Kaisersbrunnen auf der Oberfläche . . 12g — , aus dem Grunde . 144 — Das Kaisersbad, als die vornehmste, zeigt nach Lucas °) Neue Abhandlung von, Karlsbade, 3 Lh. Prag 1772. L- -) Versuch von den Wassern- Temperatur des Quellwassers. ng Versicherung iZ6 Gr. In den übrigen ist die Wärme geringer, und in der Röhre, welche das Trinkwaffer giebt,' so mäßig, daß man es sogleich an der Stelle trinken kann, nemlich m Grad. Zn den Quellwassern der Bäder zu Bath in England, ist die Temperatur ebenfalls- ungleich. ZU dem Königsbade, wo das Wasser am heißesten ist, zeigt das Fahrenheitsche Thermometer roz Grade, in den übrigen nur ioo; in dem so genannten heißen Bade steigt es auf tor Grade, und kalte Quellen liegen hier nicht weit, und an einem Orte kaum sechs Fuß, von einander. Auf der Znscl Lipari entspringt an der Seite eines hohen Bergs eine beträchtliche Quelle, deren Wasser beinahe siedend heiß ist. Es treibt drei Mühlen in einiger Entfernung vom Springe. Die Hitze des Wassers ist noch immer sehr groß, wenn es gleich drei Räder nach einander in Bewegung gesetzt hat, und giebt sogar nachher noch einen starken Dampf von sich. Dergleichen giebt es hier mehrere, deren Wasser siedend heiß ist, und Nicht eher zum'Baden gebraucht werden kann, als wenn es eine Nacht gestanden hat; auch waren die Bäder dieser Insel bei den Alten im großen Rufe Förster *) entdeckte auf der Znsel Tanna mehrere Quellen heißen Wassers, zum Theil dicht, neben einander. Er untersuchte die Temperaturen einiger derselben, und fand sie 191, und zu einer andern Zeit 187 Gr. Fahrcnh. Sie entsprangen am Fuße eines Felsens nahe am Meeresstrandc, und wurden bei hohen Fluten von dem Wasser des Meeres bedeckt. In zweien andern, am Füße desselben, stieg das Thermometer 202 Grade. 1) Dvlo», ieu. a. a. O. S. ;8. S-. -) Beme.MnLen, S. Z6 57. 120 Zweite Abth. Dritter Abschnitt. Das diese Quellen den nahen Solfataren und den Vul- kanen dieses Eylandes ihr Daseyn schuldig sind, ist klar- Förster vermuthet, daß in den unterirdischen Gegenden hier irgendwo ein fließendes Wasser in Dünste zertheilt werde, und sich in den kühlern Höhlungen im Aufsteigen, als tropfbare Flüssigkeit, sammle, und so jene Quellen bilde. Japanischer heißer Quellen erwähnt bereits Barett ius '). Auf Guadeloupe, im Meerbusen Ferri, befindet sich nahe am Meere eine Quelle, worin Eier in Geschwindigkeit hart gekocht werden Dolomieu sah auf der Insel Vulcano einen Was- sersprung an einem Orte, welcher sich ein wenig über.die Meeresflache erhob. Das Wasser stieg zwei bis drittehalb Fuß mit Zischen empor, fiel aber bald wieder. Die Zeit der Ruhe, so wie auch Dauer des Sprungs, währte eine halbe Minute Zhm schien dieses Phänomen von dem Meer- wasser herzurühren, welches eine Oefnung verstopft, wodurch die Dämpfe mit Gewalt hervorbrechen, und dann, wenn sie Widerstand finden, das ihnen entgegenstehende Wasser mit Ungestüm in die Höhe treiben. , In Italien giebt es unter andern bei Abano mehrere warme Springquellen, längs einem kaum dreizehn Fuß hohen Hügel. Eine treibt ein Mühlenrad, und könnte deren zwei treiben. Man badete sich schon zur Römer Zeiten darin "). r) 6e. §. c. 17. !»-. 7. -) L-lssr Vov. i. Er fand den Sand am Ufer je tiefer desto heißer; fo haß man, in der Liefe von einem Fuße, die Hand nicht darin halten konnte: in zwei Fuß Liefe war er brennend heiß, und «s stieg ein Rauch auf mir Schwefelgeruch. O a. O. S. 12. 4) V anstoliki sto tkerna. azri ikarav. Temperatur des Quellwassers. isi Eine sonderbare Erscheinung bei einigen Quellen ist die, daß sie im Sommer zufrieren, oder doch ein eiskaltes, und im Winter dagegen warmes Wasser geben. Zm Bisthume Basel, eine Meile von Bruntrut, soll es eine solche Quelle geben, und fünf Stunden von Granson soll man Wasser in Eiszapfen angesetzt Hden, welches im Winter wieder fchmilzc. Vierter Abschnitt. Beschaffenheit der Quellen in Absicht der Menge und des Laufs ihres Wassers. Äie Menge des Wassers, welches durch die Quellen zu Tage kommt, ist nicht bei allen gleich, sondern unter sich sehr^ verschieden. Aus einigen rinnt es nur schwach und sparsam hervor: andere liefern solches hingegen in Menge, welche von den mehreren oder reichlicheren Zugängen derselben abhängig ist. Der Karlsbader Sprudel giebt aus seinen fünf Oefnungen nicht weniger als 705 Eimer in einer Stunde. Aas der Quelle des Heil. Wynesred's, in der Walliser Grafschaft Flintshire, strömen in einer Minute über ein und zwanzig Tonnen Wasser hervor *). Die Mühlen- guelle bei Upsal liefert etwa 3goo schweb. Kannen in dieser Zeit, und noch ergiebiger ist der Söderköpiugsche Sauerbrunnen, welcher in einer Stunde 108,0,00 Kannen zu Tage bringt. Bei dem Ramuiöser Gesundbrunnen springt ein wasserreicher Strahl, mitten aus einer Wand von Sandstek- SX r 1 n S tourr troiizkom LonU. 1798. S, i22 Zweite Abth. Vierter Abschnitt. nen hervor, und aus dem Sande nicht fern vom Meerufer auf Talwärst in Abolehn, ein ähnlicher eine Elle hoch Unweit Rcading in Pensilvanien ist eine Quelle befindlich, welche über 100 Fuß ins Gevierte hält, und sogleich zu einem beträchtlichen Mühlenbache wird -). Eine große 2 lnzahl Quellen geben mehr Wasser, wenn es stark geregnet hat; so wie überhaupt in den Gegenden, wo es nie regnet, als in dem wüsten Arabien klid in einem Theile von Afrika, Quellen und Flüsse selten find; allein man har auch Quellen, die in großer Hitze mehr Wasser geben, als bei nasser Witterung. Bei den inehrestcn derselben dauert der Lauf, Sommers und Winters, das ganze Jahr hindurch, in einer ziemlich gleichen Wassermenge ununterbrochen fort, und diese heißen gleichförmige Quellen. Bei einigen wachst solche an, und nimmt hernach wieder ab; andere hören zu gewissen Zeiten ganz auf zu fließen. Beide nennt man periodische Quellen. Die periodische Quellen der erstem Art belegt man mit dqm Namen der abwechselnden, die der letztem Art aber heißen aussetzende, jnter- mittirende Quellen. Zu diesen rechnet man solche, die nur zu gewissen Jahreszeiten oder Tagesstunden fließen; sie können durch Schneeschmelzungen und starke Regengüsse gleichförmig, oder in ihrer Art unordentlich werden. Quellen, die im Anfange des Frühlings zum Vorschein kommen, und am Ende des Sommers wieder verschwinden, belegt man mit dem Namen Maibrunnen, Frühlingsbrunnen; diejenigen, bei denen der Lauf täglich unterbrochen wird, werden Zeitbrunnen, und diejenigen, deren Er- gießungen auf unbestimmte Zeiten fallen, Hungerquellen genannt. Nächst diesen giebt eö aber auch noch andere, welche *) Versmann phys. Erdb. r B. S. 284. r)Ebeling'§ Erdbeschreibung und Geschichte «on Amerika. Hamburs, IV. Bd. S. L«. Beschaffenheit der Quellen rc. urz sich. durch besondere Eigenschaften auszeichnen, und es ließe sich von allen diesen Arten ein ausführliches Vcrzeichniß aufstellen, wenn die Schriftsteller, welche ihrer erwähnen, alle Glaubwürdigkeit für sich hätten. Wir begnügen uns einige anzuführen. - . Der ältere Plinius so wie auch der jüngere -), gedenken einer Quelle, die beim Corner See (lacus lariu«) entspringen, und des Tages drermal zu- und abnehmen soll. Scheuchzer erwähnt einer ähnlichen, die fünf Meilen von diesem See entfernt liegen soll. Ein Brunnen im Bis- thume Paderborn verliert sich in vier und zwanzig Stunden zweimal, und erscheint jedesmal nach sechs Stunden nw großem Getöse wieder Auf dem Berge Piro in Peru läuft die Quelle Naquio nur zur Nachtzeit, wenn es aber kurz vorher geregnet hat, stießt sie auch bei Tage. Beim Besag u i li er S -) findet man die Quelle Laywel am Meerbusen Tor- bay, in der cnglandischen Provinz Devon-Shire, beschrieben. Eine merkwürdige Quelle dieser Art findet sich bei Fon- teston oder Fontestorbe in Mirepoix. Sie fließt, nach des Astruc °) And De la Hire Bericht, in den drei Sommermonaten abwechselnd etwa 36 Minuten und 35 Secunden, giebt aber dann 3s Minuten 3 » Secunden kein Wasser. Bei eintretender nasser Witterung fließt sie auch gleichförmig, und sogar ein Regen von zwei bis drei Tagen kaun bei ihr eine beständige Ergießung, wenigstens auf eine gewisse Zeit, hervorbringen. Gemeiniglich fängt sie zwölf Tage nachher wieder an absatzweise zu laufen. Im Jähr 1692 I) Ilisr. E. IM. II. c->x. ioz. IM. XXXI. Ox. r. Lxirr, IM. IV. ex. Z°. «) VIUIos. lrsus. Mrläz. 1. 2 . x. zoz. . ;) LM/sic. cxxcriiu. 1. II- x. Igz. «) Mit. äe k, II. cd. i. 124- Zweite Abth. Vierter Abschnitt. uls der Schnee ganze zwei Moaace hindurch gefroren blieb, und sich kein Regen ergoß, lief sie auch in den Monaten November, December und Januar absatzweise. Wenn diese abwechselnden Ergießungen nach einer großen Dürre fallen, so sind die Zwischenräume kürzer. , -" Die Quelle von Fonsanche beiNismes, unweit desFlus- ses Vendourle, gixbt in vier und zwanzig Stunden zweimal Wasser, und seht eben so oft aus. Jede Ergießung dauert sieben, das Aussehen aber fünf Stunden: jedoch so, daß sich solches jeden Tag um 50 Minuten verspätet. Wenn nehmlich die Quelle heute Mittag um zwölf Uhr zu fließen anfangt , so ereignet sich solches morgen um so viel Zeit später. So verhalt sie sich das ganze Jahr hindurch in ihrem gewöhnlichen Zustande, und nur nach starken Regen wird sie beständig I. ", Die Quelle von Colmar und Sesiez in Provence, seht jedesmal sieben Minuten aus Sie ward im Jahr 1755, beim Erdbeben zu Lissabon, fortfließend, und fing erst 1763 an wieder auszusetzen I. ''Hierher gehört die Quelle bei dem See Bourguet in Savoyen, welche in vier und zwanzig Stunden zweimal ausseht; ferner eine in Poitou; die Quelle von Droguet unter Castros in Lauguedoe u. a. m. Aus einet Quelle auf dem Pilatusberge, und einer andern bei Burgenburg, bricht das Wasser des Tages einige Mahl her, vor. Bei Remus in Graubünden ist eine andere, welche alle Mittage zu fließen anfangt, und des Morgens um neun Uhr nachläßt '). Bei Aelen, in der Landschaft Bern, befindet sich eine, welche nach Plantinus I Berichte, alle sieben Jahre ein Paar Wochen Wasser geben soll. In Ja- -) I. c. x. 2g8- 2) t. c. x. Lgz. 404. 2) Cysar's Beschreibung des Lucerner Sees. 4) Hslveni unrigrr. er uov- r> 72. Beschaffenheit der Quellen rc. ,25 pan giebt es, wenn man dem Varenius glauben darf, eine heiße Quelle, die des Tages zweimal, eine ganze Stunde hindurch, und bei Cachemire eine andere, die beim Scimee, schmelzen im Mai, nur Morgens, Mittags und Abends fließend ist. Bei Wattis in Graubünden sieht man aus einem Felsen zwei Quellen, in einem Abstände von 2L Schritten von einander, hervor brechen, deren wasserreicher.Lauf gemeiniglich vom Anfange hes Aprils bis in den Herbst dauert Eine ähnliche befindet sich in Unterwalden, in der Gegend von Grafenort, deren Wasser von einem entlegenen Orte herkommt. Sie ward im Jahre 1700 bis in den Weinmonath fortdauernd H. Der nahe dabei gelegene Dürr- brunnen ist von gleicher Beschaffenheit. Ein Bach, welcher eins der schönsten Schauspiele in der Schweiz aufstellt, und bet seinem Ursprünge unter dem Namen des verlorenen Brunnens bei den Anwohnern bekannt ist, dringt am Vorgebirge des Räzliberg-Gletschers, aus einer weiten Höhle, vom Frühlinge bis in den Herbst herpor H. Vorzüglich merkwürdig ist der Engstierbrunnen im Bernischen. Diese Quelle ist im doppelten Verstände periodisch: denn ihre Ergießungdn werden sowohl jährlich als auch täglich unterbrochen. Jene dauern, von der Mitte des Mai- mönaths an, bis in die Halste des Augusts: diese von vier Uhr Nachmittags, die Nacht hindurch, bis um acht Uhr des Morgens. Die Zeiten der Ergießungen und des Aussehens fallen jedoch nicht ganz genau auf diese Stunden, wie man sonst vorgab, sondern das Wasser erscheint bald früher, bald -) 6e. c. 17. xr. 7. -) S crer ltiner. klxi». x. 48;, z) Sch-Uchz.-Nat. Gesrh. Grunkr'S EiS-ebir-e des SchweizetlandeS, Bern 176H. 8 , r- Ty. S. -4L- »s6 Zweite Abth. Vierter Abschnitt. später, so wie es auch manchmal eine gute Zeit hindurch ausbleibt, bald auch ununterbrochen fortfließt. Dies gilt auch von dem jährlichen Laufe der Quelle, indem das Wasser bald früher bald später zum Vorschein kommt '). Der Lugibach ist von ähnlicher Beschaffenheit Das Wasser des Pfefferbades, in der Landschaft Sarganz, kommt jährlich um den 5. May zu Tage, und verschwindet gegen den iH. September. Bei Putschlaf in Graubnnden, und an mehreren Orten dieser Landschaft, giebt es Quellen, die in trockenen Zeiten Wasser haben, bei Regenwetter aber gänzlich versiegen In der Provinz Terra di Lavoro, zur Rechten des Nio di Sciavi, finden sich in einem Thals zwei stark fließende Quellen mit klarem Wasser, ungefähr 25 Neapolit. Ellen von einander entfernt. Die erste fließt und versiegt abwechselnd, aber ohne die geringste Ordnung, bald nach einigen Stunden, bald nach einigen Tagen oder'Wochen. Das zuerst hervorkommende Wasser schmeckt eckelhaft, so wie Wasser worin man Alaun gereinigt hat, verliert aber diesen Geschmack in g bis 10 Minuten. Bon ganz andrer Beschaffenheit ist die zweite benachbarte Quelle -). Außer diesen finden sich nun noch Quellen, die gegen die Veränderung des Wetter.s und des Mondes besondere Bewegungen äußern. Jene nennt man wetterwendische Quellen. Sie werden durch die Ausdehnung der unterirdischen Luft veranlaßt, welche durch das Wasser mit Gewalt hervor dringt, daher es rauscht und zu kochen scheint: z. B. der Polterbrunnen in Westphalen. Hierher gehören auch viele Sauerbrunnen, in welchen das kohlensaure Gas, bei sei- 1) 8 dien cd 2. irio. »Ix. 1 °. I. I>. 26. 1°. II. x. 4oZ. 2 ) Das. x. 48Z. O ^VaAeiie I nist. Iiac Nelv. 4) Valisneri. S. v. Cre.'l's neues chemisches Archiv, I. B. S. zog. Beschaffenheit der Quellen rc. »27 ncr Emwickcluiig, im Herausfahren ein heftiges Aufwallen verursacht. Einige Quellen werden zu gewissen Zeiten trübe, nemlich dann, wenn die äußere Luft verdünnt, und die, welche unter dem Wasser ist, heraus zu dringen genöthigt wird, wobei denn, wenn solches mit einiger Heftigkeit geschieht, der Boden aufgerührt werden muß. Auf dem sogenannten.Wunderberge im Cracauischen befindet, sich eine Quelle, deren klares Wasser mit.Geräusch hervorbricht, und zwar unter verschiedenen Umständen, Je mehr sich der-Mond der Opposition mit der Sonne nähert, desto stärker fließt das Wasser, so, daß wenn der Mond voll ist, es sich ssber die Mündung des Kanals ergießt, in welchem es gewöhnlich eingeschlossen ist; ein Umstand, welcher sich ändert, so bald der Planet sich der Conjunctiv,, nähert. Das Wasser soll übrigens nie gefrieren, und der daraus aufsteigende Dunst sich entzünden,.so bald er mit einem brennenden Lichte in Verbindung kommt *). Zwischen Brest und Landeiiau sieht man eine Quelle steigen, wenn in dem angrenzenden Meere Ebbe ist, und fallen, wenn dieses fluchet. Die Ursach liegt darin, daß der Boden der Quelle höher liegt, als die Meeresflache zur Zeit der Ebbe. , Das Wasser der Quelle fahrt nemlich so lange fort zu steigest, bis die Flache des Meeres mit dem Boden der Quelle wagerecht steht, da denn beide zugleich steigen. Wenn aber das . Meer ansängt zu fallen, so zieht das von der Erde eingesogene Wasser sich nach der Quelle hin; daher es eine Weile steigt, und dann anfangt zu sinken, sobald es seine Grenze erreicht hat "). In Grönland entspringen beim Neu- und Vollmonde mehrere Quellen, welche man außer dieser Zeit sticht wahrnimmt I. In dem nordameri- i) Lstrno I. c. x. 414. -) Mein. äe I'^cack. 4 I>-»is ,7,7. ») Ezetk- 128 Zweite Abth. Vierter Abschnitt. kanischen Staate Vermont sieht man in den Niedrigungen am Flusse Connecticut eine schwefelhaltige Quelle, die alle zwei bis drei Jahre einmal versiegt, und dann an einem andern Orte wieder hervorbricht. In der Ortschaft Hannover, im Staate Neu-Jersey, sind auf einer Vergreihe verschiedene Quellen, die alle vier und zwanzig Stunden zwei Mahl Ebbe und Fluth haben, ungeachtet sie über acht Meilen in gerader Linie vom Meere entfernt sind. Ferner giebt es hier in der Grafschaft May, und noch an mehreren Orten, Quellen, die auf dem Boden eines von der Fluth mit Seewasser angefüllten Bachs entspringen, und so wohl zur Fluthzeit, als auch wenn die Ebbe den Bach wasserleer macht, sichtbar sind; und neulich hat man etwa zweihundert Jards von dem südlichen Arme des RaritoN-Flusses, eine, selbst in der' größten Dürre, reichlich fließende Quelle entdeckt, die dennoch versiegt, so bald der Nordwestwind über zwei Tage ununterbrochen weht *). Die'- sv genannten Maibrunnen werden von dem Schnee und Eise unterhalten, welches in der wärmeren Jahreszeit auf den Höhen schmilzt, und sich in Berghöhlen ansammelt, woraus denn das Wasser als Quelle zu Tage kommt. Wenn die Wirkung der Winde gegen den Herbst schwächer, wird, verändert sich ihr Zufluß, und sie hören auf zu fließen, ss bald der Vorrath erschöpft ist. Was die Zeitbrunnen anbetrifft, so entstehen diejemgcn, welche nur des Nachts laufen, ebenfalls von dem Schnee und Eise, welche die Hitze des Tages aufgelöset, und dessen Wasser sich gegen den Abend angesammelt hat. Einige können auch vom Thau, welcher des Nachts über fallt, unterhalten werden. Diejenigen, welche stundenweise aussehen, scheinen sonderbarer: allein sie lassen sich ebenfalls ohne Schwierigkeit erklären, wenn man die Theorie des Hebers auf sie anwendet. Der *) Ebeling'S Erdb. 2. B, S. §oi. S- B. S- ZSS- Beschaffenheit der Quellen rc. 129 Der Heber ist eine gebogene, an beiden Seiten, offene Röhre, von willkührlicher Gestalt, mit einem längern und kürzern Schenkel. Wenn der kürzere Schenkel in ein Gefäß mit Wasser gesetzt wird, so steigt das Wasser in ihr so hoch, als es in dem Gefäße steht. Bringt man es aber dahin, daß es den ganzen Heber anfüllt, so fängt es an, aus- zulaufen, und es fährt damit so lange fort, als der kürzere Schenkel noch unter Wasser ist, und es noch in seine Oef- nung eintreten kann. Die Atmosphäre drückt hier auf beide Oefnungen der Röhre: auf die kürzere durch das Wasser, und auf die längere unmittelbar. Sie verhindert also, daß das Wasser, welches in die Röhre getrieben wird, sich nicht von einander trennen kann. Es erhält vielmehr durch diesen Druck einen stärken, Zusammenhang, und ein Theilchen zieht das andere gleichsam mit sich fort. Das Wasser in einem solchen Heber in den Fluß zu bringen, giebt es nur zwei Wege, entweder durch die Verdünnung der Luft in demselben, mittelst des Saugens an derOefnung des längern Schenkels, oder dadurch, daß der kürzere Schenkel so tief im Wasser zu stehen kommt, daß selbst der höchste Punkt der Röhre sich unter demselben befindet. Denn in diesem Falle fängt das Wasser an, durch sein eigenes Gewicht in den längern Schenkel hinab zu fallen. Es vertreibt die Lust aus ihm, und fließt so lange fort, als die Mündung des kürzern Schenkels im Wasser bleibt. So verfährt nun auch die Natur. Man nehme an, eine solche Quelle sei die Mündung eines unterirdischen heberförmigen Kanals, und es wird begreiflich, daß dieser Kanal das Wasser, wenn es durch irgend einen Umstand aus seinem Gleichgewicht gebracht wird, bis auf den letzten Tropfen, zum Abfließen bringen könne. Dieser Kanal muß sich nemlich im Ansang erheben, und, indem er sich oben beugt, auf der andern Seite tiefer hinab sinken. Man bringe ihn nun an jener Seite mit einer mit Wasser angefüllten Höhle iZc» Zweite Abth. Vierter Abschnitt. in Verbindung, so wird anfänglich das Wasser in dem Schenkel des Kanals so hoch stehen, als in der Höhle, ohne aus- zulaufen. So bald aber das Wasser in diesem Behälter höher steigt, als der höchste Punkt des Kanals, so wird es mit einem Mahle zu fließen anfangen, und so lange damit fortfahren, bis die Berghöhle ganz ausgeleert ist. Der Kanal hört alsdann auf zu fließen, und fängt nicht eher wieder an, als bis vorgedachle Derghöle wieder ganz mit Wasser angefüllt ist. So kann das Wasser in dem Kanale zur Mündung heraus ablaufen, ohne daß sie unmittelbar von, Regen Zufluß hat. Wenn also dergleichen heberförmige Kanäle mit einem Wasserbehälter in Verbindung stehen, aus welchem Wasser zu Tage kommt, so kann sich bei' trockenem Werter, wobei der obere Theil des Kanals leer bleibt, das Wasser in der Quelle erhalten; wenn das Wasserader hoch genug ^ steigt, um den Kanal in seinem höchsten Punkte auszufüllen, so läuft der Behälter aus, und wird trocken, mithin versiegt die daraus entstehende Quelle. Solche Quellen haben demnach Wasser, wenn es trocken ist, und versiegen beim Re- genissetter. Die Hunger-Quellen setzen ganze Jahre hindurch aus, und deuten bei ihrem Ergießen in dürren Jahren auf Miswachs. Sie erfolgen nach einem lange anhaltenden Regen, und füllen solche Derghölen an, die vorher kein Wasser abzugeben hatten. Eine dergleichen giebt es bei Altorf, und in der schwedischen Provinz Ostdahlen eine andere. Viele Quellen versiegen nach langer Dürre, und ihr Wassermangel zeigt ebenfalls eine bevorstehende Unfruchtbarkeit an. Bei Island sprudeln warme Wasser aus dem Boden des Meeres hervor. Unweit der Insel Qldbiörns-Skiar entdeckte man in dem sandigen Grunde eine Quelle, die an einer Bank unablässig hervordrang. Man konnte zur Zeit der Ebbe dahin kommen, da denn die Schiffer die Oefnung Beschaffenheit der Quellen rc. izi erweiterten, um die Gefäße mit ihrem Wen Wasser zu füllen, woran es derZnsei gebricht- An einer anderen Stelle bei diesen» Eylande ist, noch tiefer unter dem Wasser, eine Quelle bor- hattden, welche aus einem Felsen hervor dringt, und gutes Wasser in Menge giebt. Bei der Insel Drapsker entspringen mehrere Quellen süßen Wassers, und bei Sandoe eine auf dem Grunde des Meeres, wovon im Frühlinge der Rand über dem Spiegel des Merkes wahrgenommen wird. Sie ist heiß, und kommt aus zwei Oefnungen, welche sich in einem Felsen befinden. Bei stillem Wetter sieht man den Dampf durch das Meer emporsteigen. Bei Urdholm, einer andern Insel, entspringt noch eine, welche die gröste unter diesen Quellen ist O- Le Vaillant -) entdeckte eine äußerst salzige Quelle in dem Bette des Löwenflusses in Afrika. Dritte Abtheilung. Von den fließenden Gewässern. Wasser der Quellen, nachdem es den Ort seines Ursprungs verlassen hat, erscheint in Gerinnen. Wenn sich mehrere derselben vereinigen, entsteht ein Bach, und durch den Zusammenfluß mehrerer Bache werden Flü sse gebildet. Hieraus besteht nun das fließende Gewässer, welches auf dem trockenen Theile unsers Erdbodens überall verbreitet ist. Mit dem Na- menFluß ist die Benennung Strom gleichbedeutend: nur daß r) Ola fsen's Reise I Ti>. S. 206. 267. > Reise in daS Innere von Afrika; a. d. F. Frkst. a. M. 1797. g. ,52 Dritte Abth. Von den fließenden Gewässern. man darunter insgemein die schneller fließenden Gewässer zu begreifen pflegt. Sonst bezeichnet man auch die großen, schiffbare» Flüsse mit diesem Namen, ohne auf die Geschwindigkeit ihres Wasserzuges Rücksicht zu nehmen. In der Französischen Sprache sind klenves die schiffbaren, auch unmittelbar ins Meer fallenden, rivlsrss hingegen solche, die keine Schiffe tragen, oder sich in andere Ströme ergießen. Indem wir nun diesen Theil der allgemeinen Hydrographie abhandeln, werden wir unsere Aufmerksamkeit 1) auf die Flüsse überhaupt; 2) auf die Betten derselben; 3) auf die Bewegung ihres Wassers; 4 ) auf die Beschaffenheit desselben; und 5) auf die besondern Eigenschaften und Merkwürdigkeiten verschiedener Flüsse, zu richten haben: worauf 6) eine Uebersicht der vornehmsten Hauptflüsse unsers Erdbodens folgen wird. Erster Abschnitt. Von den Flüssen überhaupt. ^ie Theorie des Laufs der Flüsse ist weitläuftig, und manchen Schwierigkeiten unterworfen. Galiläi sagt: er habe bei der Entdeckung der Bewegung der himmlischen Körper, ihrer erstaunenden Entfernung ungeachtet, weit weniger Hindernisse zu übersteigen gehabt, als in den Untersuchungen über die Bewegung des fließenden Wassers, welche doch unter unsern Augen vorgehe. Die Gesetze dieser Bewegung Von den Flüssen überhaupt. rgz zu erforschen, hat seit beinahe zweihundert Zähren die Köpfe mehrerer Naturkundiger und Mathematiker beschäftigt, worunter Galilei, Castelli, Montenari, Casfini, Guig- lielmini, Barrateri, Grandi, Zendrini und Frist vorzüglich genannt zu werden verdienen. Wenn auf eins Naturerscheinung eine Theorie festgestellt werden soll, so muß diese desto mühsamer zu gründen seyn, jemehr die Wirkungen von jener verwickelt sind. Wird nun die Beschaffenheit des Laufs der Wasser erwogen, werden ferner die mannigfaltigen Hindernisse in Betracht gezogen, die den Zug der Flüsse stören und verändern können; so scheint es auffallend, daß man es unternahm, eine Theorie der Bewegung des strömenden Wassers festzusetzen, und dabei auf ein stetes Gesetz zu denken. „Dir Mathematik, sagt Lorgna *), kann uns keinen Dienst leisten in Fallet,, wo alle Data fehlen, und wo man mit der Berechnung um keinen Schritt weiter kommt, als allein unter der Bedingung von tausenderlei Voraussetzungen, die einen an sich verwickelten Gegenstand nur noch verworrener und unsicherer machen können. Vielfältige Versuche und genaue Nachforschungen, un- abgebrochene Beobachtungen und wohlbedächtige Schlüsse werden vielleicht mit der Zeit über den Lauf des Wassers einiges Licht verbreiten, der bloß der Physik zugehört, und kein Gegenstand der Mathematik seyn kann." Das Wasser hat, seiner Natur nach, ein Bestreben, jederzeit den niedrigsten Stellen zuzufließen; daher laufen auch die Flüsse von den höheren Gegenden des Erdbodens den niedrigeren zu. Sie haben einen Abhang nach derjenigen Seite hin, nach welcher sie sich fortbewegen, so daß ihre Oberfläche, wenn sie ruhig wäre, in Gestalt einer schiefen Ebene erscheinen würde. Auf einem völlig horizontalen Boden findet keine Bewegung des Wassers Statt, und ließe ») NicdeiLlxs ii-torno sN» Uetls. vctocikn eix. ^>, rg. Dritte Abth. Erster Abschnitt. >34 sich, wenn die Erde eine vollkommen runde Kugelfläche wäre, darauf kein fließendes Wasser gedenken. Auf dem Erdboden giebt es aber lauter Erhöhungen und Vertiefungen, Gebirge Berg- und Landrücken, Abhänge, und diese geben dem fließenden Wasser seine Richtung, und bestimmen seinen Lauf. Büffon lehrt *), daß die allgemeine Richtung des Laufs der Flüsse von Ästen nach Westen, und von Westen nach Ästen gehe, und daß nur wenige nach Norden und nach Süden liefen. Ihm zu Folge müssen in Amerika, wo eine Gebirgskette von der Magellanischen Meerenge bis an die Landenge von Panama, und von hier bis in die unbekannten Länder von Nordamerika, gerade von Norden nach Sü» den gestreckt ist, die Flüsse in einer auf die Bergiinie senkrechten Richtung dem Meere zueilen; in der alten Welt aber, da in dieser die Hauptgebirge ihren Gang mir einander in gleich laufenden Linien von Osten nach Westen nehmen, sich nach des, Zwischenräumen bequemen, welche diese Gebirge von einander trennen, und also in der nehmlichen Richtung laufen. Allein ein Blick auf den Erdglobus zeigt das Ungegründete dieser Behauptung, und daß die Flüsse in so verschiedenen Richtungen auf der Erdfläche strömen, daß es ungereimt wäre zu sagen, sie liefen vorzüglich einer bestimmten Gegend zu. Die Oberfläche des festen Landes hat, im Ganzen ge-. nommen, eine Neigung nach dem Meere hin, als dem niedrigsten Theile der ganzen Erdfläche: es fallen daher alle Flüsse zuleht ins Meer. Zwar giebt es in gewissen Gegenden, als in 'Arabien und andern heißen Ländern, Flüsse, welche zuweilen das Meer nicht erreichen, sondern sich in den brennenden Sandwüsten verbreiten, und daselbst nach und nach versiegen: allein dennoch kommen einige von diesen, *) Allgcm. Naturg. « Lh. S. -;z. f. s. Von den Flüssen überhaupt. >35 wenn sie vieles Wasser haben, mehrentheils bis an das Meer. Der Lviret und die Jrette verlieren sich ganz in der Erde. Einige Flüsse fallen in Landseen, worin sie sich verlieren, als die Wolga u. a. in dem kaspischen See. Jene Neigung der Erdoberfläche ist anfänglich und in den höchsten Gegenden am stärksten, vermindert sich allmählig, und ist nahe am Meere beinahe unmerklich. So finden die Flüsse, welche aus hohen Gegenden kommen, anfangs den größten- Abhang, da sie hingegen gegen das Meer zu fast auf einem horizontalen Boden fortlaufen. Wenn hin und wieder Quellen von Flüsse» nahe am Meeresufcr entstehen, die ihr Wasser nach dem Innern des Landes schicken, so folgt daraus so viel, daß diese Küsten erhabener sind als ein Theil des Binnenlandes. Die Flüsse zeigen demnach, durch ihren Lauf, die Lage der Oerter und Länder gegen einander an. Es giebt aber zweierlei Ungleichheiten auf unserer Erde. Eine fallt in die Augen, indem sich ihre Oberfläche plötzlich erhebt oder senkt, und diese sind die Berge; die andere ist ein »«merklicher Abhang, obgleich oft eben so groß, und manchmal größer als erstere, und diesen lehren uns hauptsächlich die Flüsse kennen- Beide aber bestimmen die Richtung ihres Lauft. Man hat angemerkt, daß selbst der Boden dines Landes, auf welchem sich Letten hoher Gebirge befinden, allezeit erhabener liegt, als das angrenzende Land von zweien entgegengesetzten Seiten, und überhaupt, daß ein Land, welches Häher liegt, als alle dasselbe begrenzende Länder, jederzeit mit den höchsten Bergen beseht ist. So beweisen die Quellen der Weichsel und der Theis, daß der Boden worauf die Karpathen stehn, schon höher liegt, als Polen und Ungarn; ^ denn die Quellen befinden sich am Fuße der Berge, und zeigen also die Erhöhung des Bodens an, worauf die Berge stehen. Eben so beweisen die Quellen der Elbe und einiger kleinen Flüsse, welche in die Oder fallen, daß der Boden des Dritte Abth. Erster Abschnitt. ,z6 Riesengebirges höher liegt, als Böhmen und Schlesien. Aber die allerhöchsten Berge in Europa sind die Alpen, und diese findet man auch auf dem erhabensten Orte dieses Welttheils. Eben so ist der höchste Theil Asiens mit den höchsten Bergen beseht, und es verbreiten sich von da viele Ketten von Gebirgen. So nehmen die Mvndberge in Afrika, und die Gebirge in Peru wahrscheinlich die erhabensten Gegenden dieser Welttheile ein. Da der Ort, welchem ein Strom zufließt, niedriger ist, als derjenige, wüher er kommt, so ließe sich wohl durch Berechnung herausbringen, wie viel der eine höher liegt, als der andere, wenn man nur das mittlere Gefalle der Flüsse genau und richtig angeben könnte. Diejenigen Länder sind höher als alle umliegende, welche von diesen keine Flüsse empfangen, und sie dagegen mit solchen nach allen Richtun cn versehen. Es läßt sich also hiernach die Lage der Länder gegen einander beurtheilen. Hieraus ergeben sich nun unter andern folgende Resultate: a) Da in der Schweiz Flüsse entspringen, welche auf weiten Wegen nach allen Himmelsgegenden hin strömen, so muß sie auch das höchste Land in dem westlichen Europa seyn. Aus ihr geht der Rhein nach Norden, die Rhone nach Westen, der Znn nach Osten, und der Tessino nebst der Adda nach Süden. b) Frankreich muß auf der östlichen und südlichen Seite ein viel höheres und gebirgigteres Land haben, als auf der nördlichen und westlichen. Dies beweiset der Lauf der Seine, Loire, Garonne. Die Rhone, welche nach Süden fließt, macht zwar hier eine Ausnahme; sie hat aber das Gebirge durchgebrochen, um sich südwärts einen Weg in das mittelländische Meer zu eröfnen. «) Da in Spanien kein Fluß nach Norden in das atlantische Meer fällt, der Ebro aber unweit der Küste da- Von den Flüssen, überhaupt. >37 selbst entspringt, und gegen Süden in das mittelländische Meer eilt; so muß längs jener Küste ein hohes Gebirge gegen Abend hjnstreichcn. ä) In Italien muß sich, der Länge nach, ein Gebirge hin ziehen, weil die dasigen Flüsse zu beiden Seiten abfließe». Dieses Gebirge, welches unter dem Namen des . Apenins bekannt ist, muß nicht in der Mitte des Landes, sondern mehr nach der östlichen Seite hin liegen, weil die Flüsse, welche nach Osten laufen, kürzer sind, als diejenigen, welche nach Westen fließen- v) Die südliche Hälfte Deutschlands muß weit höher seyn, als die nördliche, welches der Lauf des Rheins, der Weser, Elbe, Oder und anderer Flüsse anzeigt. k) Zwischen Polen und Ungarn muß sich ein Gebirge von Osten nach Westen erstrecken, weil die Ströme zu beiden Seiten senkrecht abfließen. Nächst diesem Gebirge, welches wir unter dem Namen der Karpathen kennen, muß Siebenbürgen, welches zwischen Ungarn, der Wallache! und Moldau in der Mttte liegt, das höchste Land seyn, denn von hieraus strömen Gewässer nach Westen, Süden und Osten. §) In Asien ist die erhabenste Gegend um Kaschemire, Thibet, und große Wüste Gobea; denn von hieraus läuft der Indus gegen Westen', der Ganges nach Süden, der gelbe Fluß gegen Osten, und der Jrtisch, nebst noch andern großen Strömen, gegen Norden. b>) In dem Innern von Afrika entspringen ebenfalls aus einer erhabenen Gegend der Nil, der Senegal, und mehrere andere Flüsse, welche nach verschiedenen Richtungen fortlaufen. l) Im südlichen Amerika liegt der Boden eines Theils von Peru am höchsten, denn hier entspringen Flüsse, welche nach alftn Seiten fortströmen. 1Z8 Dritte Abth. Erster Abschnitt. Die Größe eines Muffes wird theils nach der Länge sei« nes Laufs, theils nach seiner Wassermenge, geschätzt, welche beide mit einander im rechten Verhältnisse stehen, indem ein Strom desto mehr Wasser durch die Seitenflüsse empfängt, je weiter er fließt. Die sämmtlichen Quellen, Bäche und Flüsse, deren Wasser in einen Strom zusammenfließt, vom Ursprünge an bis zu seinem Ausflusse, oder der Bezirk und Flächeninhalt eines Landes, dessen Wasser der Fluß ableitet, und von dem er unterhalten wird, machen das Gebiet desselben aus. Diele Flußgebiete, deren Betrachtung uns mit einem Blicke die hohen und niedrigen Stellen eines Landes, und die Richtung derselben, kennen und unterscheiden lehrt, liegen in den höchsten Gegenden eines Landes oft nahe bei und dicht neben einander. So entsteht aus dem Fichtelsee der Mayn und die Nabe, von welchen der erste zum Gebiete des Rheins, der andere aber zum Gebiete der Donau gehört. Das Brockenbette, ein Torfbruch auf der Höhe des Brockens, theilt sein Gewässer zwischen der Eibe und der Weser, und man kann es mit einer Handvoll Torf, dem einen oder dem andern Flusse, nach Belieben, abdämmen. Aus dem See Zr- gen, in der erhabenen Gegend des Baikalsees, kommt der Fluß Chiios hervor, und nimmt seinen Lauf westwärts nach dem Selcnga.. Eben dieser See Zrgen empfängt den Ausfluß aus einem andern nahe dabei gelegenen See, und dieser hat mit einem dritten Gemeinschaft, aus welchem ein Strom nordostwarts, und also fast in einer entgegengesetzten Richtung, dem Wittin zueilt *). Da die Größe des Gebiets eines Flusses in ziemlich richtigem Verhältnisse mit seinem Bette steht, so ließe sich aus den Landcharten, welche die Gebiete der Ströme angeben, die Breite und Tiefe wenigstens ungefähr und so gut ») Pallas R-is-n III. B. S. -83- Von den Flüssen überhaupt. iZg bestimmen, als es ohne eine wirkliche Messung zur Stelle - möglich ist. Mein verehrter Freund, der Königl. Preuß. Major des Ingenieur-Corps, Herr Müller, dem ich mehrere schätzbare Bemerkungen über den Laus der Flüsse verdanke, hat dieser Sache seine Aufmerksamkeit vorzüglich gewidmet. Um das Gebiet eines fließenden Wassers selbst zu messen, bediente er sich einer guten Charte, worauf der Fluß von seinem Ursprünge an, mit allen einfallenden Bächen und Flüssen verzeichnet war. Er ullizog mit feinen Bicili- nien den ganzen Raum, vom Ursprünge eines jeden Bachs bis zum andern in gerader Linie, theilte diese ganze Figur in so viel Dreiecke, als Selten waren, weniger zwei, und rechnete alle diese Dreiecke, vermittelst des auf derselben Karte verzeichneten Meilenmaßes, aus. So entwarf er eine Berechnung des Gebiets einer beträchtlichen Anzahl Flüsse, «ach deutschen Quadratmeilen, wovon wir die vorzügilch- sten anführen wollen: ' Amazonenfluß - L8,3o5 Q. M. Platastrom - 71,665 — Lorenzstrom - 62,330 — Mssissipi - ' 53,636 — Oby - ' 63,776 — Zenisei - - 47,ooi — Lena - 36,M — Amur - - 53,559 — Hoang-Ho - 33,666 — Ganges - 20,224 — Wolga - 3o,i54 — Nil - 32,620 — Senegal - 25,614 — Dwina 5,890 — Don - - 6,ogg — Weichsel - 3,576 — Duero - 1,633 »4o Dritte Abth. Erster Abschnitt. Tago 1,357 Q.. rr. D r Seine 1,236 — Loire 2 , 3?3 — Garonne - Postrom - i,4ic» — Trent L 43 g — Donau / 14,423 — Rhein L 3,593 - Weser 874 — Elbe - 2,800 — Oder - 2,072z — Es fällt mehr Niederschlag auf dem Gebirge als im flachen Lande. Da nun die loseren Erdtheile, welche das Wasser durchlassen können, dem letzter» zugespület werden, die zurück bleibenden Erdtheile aber sich fester vereinigen, und dichter werden; so muß der Niederschlag in den Gebirgen mehrenthrils sichtbar und zu Tage abfließend In dem flachen Lande hingegen sinkt der gröste Theil des Niederschlage! zwischen diesen, lockeren Erdtheilchen, hinab, und schleicht auf dem Wasserhorizonte, unseren Augen unsichtbar, am Rande der tief liegenden Flüsse, Seen und Brücher wieder hervor. Das sind die Ursachen, warum man in den Gebirgen weit mehr fließende Wasser antrifft, als im flachen Lande. In dem Gebirge nemlich braucht der Niederschlag, welcher auf eine Quadracmeile fallt, zu seinem sichtbaren Abflusse einen Kanal von zwanzig, dreißig und mehrern Quadratfuß Durchschnittsfläche; im flachen Hochlande nur einen halb so große», und im flachen, zumal sandigen Mittel- und Niederlanden, sieht man sogar in manchen Gegenden, auf einer ganzen, und auch wohl auf mehreren Quadratmeilen, keinen Tropfen sichtbar abfließen. Denjenigen Fluß, welcher mehrere Flüsse in sein Bettb aufnimmt, nennt man den Hauptfluß: alle übrigen aber, Von den Flüssen überhaupt. »4» die sich mit ihm vereinigen, und da, wo sie in ihn anslau- fen den Namen verlieren, heißen Nebenflüsse, Seiten- flüsfe. Der Hauptfluß geht immer in einem tiefern Grunde als seine Nebenflüsse, da diese in ihn einfallen, und er ihr Wasser abführen muß. Flüsse, die nach einem kurzen Laufe das Meer erreichen, werden Küscenflüsse genannt,und hierher gehören auch die Flüsse der Inseln, Halbinseln und Landengen. Steppenflüsse nennt man solche, die sich am Ende im Sande verlieren. Wenn ein Fluß sich theilt, so heißen diese abgesonderten Theile Arme, und da hat man, nach dem unten anzugebenden Standpunkte, einen rechten und einen linken Arm. Sind diese Arme von ungleicher Stärke, so spricht man von einem Haupt- und von einem Nebenarme. Diese Arme leiten nun entweder das Wasser ins Meer ab, oder sie vereinigen sich, nach einiger Entfernung, wieder mit einander. Der Raum, in welchem das Wasser eines Flusses sich fortbewegt, heißt das Bette desselben, oder auch sein Rinnsal. Der untere Theil wird der Grund und Boden, auch die Sohle, und die hervorstehenden Seiten, welche das Wasser einschließen, werden seine Ufer genannt. Das rechte Ufer ist dasjenige, welches, wenn man den Strom abwärts fährt, zur rechten Hand, das linke aber, welches zur linken Seite liegen bleibt. Die Ausdrücke: diesseits oder jenseits eines Flusses können irre führen, wenn man nicht weis, weicher der Standtpunkt des Redenden ist. Das äußerste Ende eines Flusses, wo er sich in einen andern Strom, oder in einen See, oder in das Meer ergießt, führt den Namen der Mündung. Ost theilt sich ein Fluß gegen das Ende seines Laufs in mehrere Kanäle, durch welche das Wasser zugleich abläuft, und diese habstr bei den Hauptströme» oft ihre eigenthümlichen Namen, z. B. die Nogat bei der Weichsel. Bei den Flüssen, die sich ins Meer ergießen, besonders l i/j.2 ' Dritte Abth. Erster Abschnitt. bei den Küftenflüssen hat die Mündung gemeiniglich eine senkrechte Stellung gegen das Ufer. Ein jeder Fluß hat seinen eigenthümlichen Namen, wenn er nur einigermaßen von Bedeutung ist. Eine sonderbare Abweichung hievon trifft man auf der Insel Korsiea an, wo jedesmal der Fluß den Namen des Orts bekommt, welchen er zunächst berühre. Von einem oder dem andern, welche in eins zusammen fließen, erhält sich nur der Name des einen. Gewöhnlich hat der größere dieses Vorrecht, und folglich sollte in einem Flußgebiete die vom Meere am weitesten entfernte Quelle diese Ehre haben. Allein die Gewohnheit hat hier manchmal Ausnahmen gemacht; denn so müste das Wasser, welches wir unter dem Namen der Elbe kennen, eigentlich die Moldau heißen, weil der Ursprung dieses Flusses ungleich weiter vom Meere entfernt ist. So hat auch der Gebrauch manchen zusammen fließenden Strömen, in ihrem vereinten Laufe, ganz andere Namen gegeben, als sie vor der Vereinigung hatten, welches unter an, dern bei der Weser der Fall ist. Die beiden Flüsse, welche nach ihrer Verbindung diesen Namen führen, sind die Fulde und die Werre. Wir merken hier noch einige Benennungen an, die sich nicht sowohl auf die Größe, als auf die besondere Beschaffenheit einiger fließenden Wasser beziehen. In den Hochgebirge» giebt es Rausch- und Waldbäche, welche man gemeiniglich früher hört, als sieht; Gieß- und Sturzbä- ehe Benennungen die sich von selbst erklären, Und auf Eigenschaften gründen, die ein fließendes Wasser nicht durchge- hends, sondern nur an bestimmten Orten, hat. Wildbäche haben, von ihrem Ursprünge an, alles lose Erdreich von den Felsen ihres ganzen Gebiets bereits äbgewaschen. Sie fließen nur eine kurze Zeit nach einem starken Regen, oder beinr Aufthauen des Schnees, und haben dagegen bei trockenem Wetter ein wasserleeres Bette. In flachen Niederlanden Von den Flüssen überhaupt. '43 findet man Lachen. Diese vertreten hier die stelle der Flüsse, haben keine eigentliche Ufer, und einige sogar keinen sichtbaren Abfluß, sondern das Wasser verdunstet theils, theils schleicht es unter der Erde unsichtbar landeinwärts hin. Sie sind überall mit Erlen, allerlei Gesträuch, Schilf undRohr bewachsen. Faulflüsse sind chlche, deren Wasser nicht sichtbar abfließt, weil sie, nach Verhältniß des abzuleitenden Wassers, ein zu breites und tiefes Bette haben. Nicht alle Flüsse, obgleich die meisten, haben ihren Ursprung aus Quellen. Wenn ein Fluß seinen Anfang aus einem quelligten und schlammigten Boden nimmt, so sagt man, daß er sich entspinne. Kommt er sichtbar aus der Erde hervor, so entspringt er, und der Orc, wo dies geschieht, ist ein Spring. Ist endlich sein Ursprung ein See und klares Wasser, oder ein Bruch und trübes Wasser, so sagt man, daß er daraus entstehe. Die Zahl der lehren, ist nicht minder beträchtlich. So entsteht der Don, zehen Meilen südlich von Moskau, aus dem SeeZwan; decAma- zonenfluß aus einem See sechszehen Meilen von Lima: ferner gehören hierher der Lorenzstrom, Missiffipi u. a. m. Um die Größe eines Flusses zu bestimmen, sieht man nicht nur auf seine Länge, sondern auch auf die Breite und Tiefe. Bei der Länge bringt man gewöhnlich seine Krümmungen nicht in Anschlag, oder höchstens nur die gröstcn darunter. Meistens denkt man sich hiebei eine gerade Linie, von der Quelle an, bis zu seiner Mündung, oder man'befählt ihn abwärts, und berechnet darnach die Länge: daher denn die verschiedenen Angaben entstehen, die wir bei den Bestimmungen des Laufs der Flüsse antreffen. Unter den Strömen unserer Erde behaupten, in Ansehung der Größe und Wassermenge, die Amerikanischen den Vorzug; die zweite Stelle in der Rangordnung nehmen die Asiatischen ein, und auf ihnen folgen die Afrikanischen. Europa ist zu sehr vom Meere durchschnitten, und eine zu Dritte Abth. Erster Abschnitt. r-44- schmächtige Ländermasse, als daß sich in demselben so große Flüsse bilden könnten, Australien ausgenommen. Nur in sei- nem östlichen Theile, wo es an Asien stößt, nimmt es in einem zusammenhängenden Striche, eine ansehnliche Breite ein, und hier hat es auch seine größten Flüsse, denen in dem westlichen Europa nur wenig beikommen. Gleichwohl besitzt Europa Flüsse von ausnehmender Schönheit. „Man hat zwar, sagt Hr. v. Bülow in Amerika viel mit schönen Flüssen geprahlt: allein es ist wohl keiner unter ihnen, welcher sich dem Rhein an die Seite setzen ließe, sowohl in Hinsicht auf die Schönheit des Ufers als auch des Flusses selbst. Den Hudsonsfluß, Connecticut und Delaware ausgenommen, stehen alle Nordamerikanifchen Flüsse der Düna, dem Rhein, der Seine, der Garonne, dem Tago u. a. weit nach; auch sogar die meisten in Ansehung der Länge des Laufs. Schiffbar sind sie, wegen der Wasserfälle, nicht so tief ins Land hinein, als die europäischen Gewässer, ausgenommen bei hohem Wasser. Wenn sie, wie die Susquehannäh, wegen ihrer Breite, ein im jestätisches Ansehen haben, so sind sie dagegen nicht tief, und bei niedrigem Wässer zum Durchwaten. Daß Hiebei nicht von dem Misslssipi, Missouri, auch nicht von den großen Strömen Südamerika's geredet werde, versteht sich von selbst." Einige Naturforscher haben es versucht, durch Berechnung, heraus zu bringen, wie viel Wasser der Ocean von den Flüssen in einer bestimmten Zeit erhalte, und wie lange diese ihren Wasservorrath in den Raum des Weltmeeres ausleeren müsten, um solchen ganz mit Wasser anzufüllen. Keil «), und nach ihm Büffon um einen ungefähren Ueberschlag von der Menge des Wassers zu machen. I) Freistaat von Nordamerika, 2. Lh. S. 24, -) kixLiuiiirtioa ok Luruet' s tlleor/, Lonstoii I/Z4- x. 226. r) Astzem. Nar. Eesch. 2. Th. S. i6l. verzl. mit I. Th. S. 2go. Von den Flüssen überhaupt. i4Z chen, welches das Weltmeer aus allen Flüssen in sich aufnimmt, betrachten die eine Hälfte der Erdkugel als mit Wasser bedeckt, und die andere als trockenes. Land. Schon dieses unrichtige Verhältniß giebt zu erkennen, wie fehlerhaft ihre ganze Berechnung ausgefallen sey; wenn man auch einräumen wollte, daß die von ihnen angegebene mittlere Tiefe des Meeres, zu einer viertel Italienischen Meile, sich rechtfertigen ließe. Da die Fläche der Erdkugel 170,981,012.Qnadratmeilen betragt, heißt es bei ihnen, so muß hiernach die Fläche des Meeres 60,490,5o6 Quadratmeilen enthalten, welche durch ) der Mccrestiefe oder 2Z0 Toisen multiplicier, zur Menge des gesammten Wassers im Weltmeere 21,372,626 Kubikmei- len geben. Zur Beurtheilung des Wassers nun, weiches das Meer aus den Flüssen in sich aufnimmt, sehen sie einen großen Strom, dessen Geschwindigkeit sowohl, als die Menge seines Wassers, hinlänglich bekannt ist, und ein solcher, ist der Po. Ehe dieser Fluß ins Meer fallt, macht seine Breite 100 Bononische Ruthen oder 1000 Fuß aus. Seine Tiefe beträgt zehen Fuß. Aus Berechnungen weis man, daß er in einer Stunde vier Meilen, die Meile zu 955 Toisen angenommen, zurück legt. Folglich erhält das Meer aus dem Po stündlich 200,000, täglich aber 4,600,000 Kubikruthen Wassers. Eine Kubikmeile aber begreift 125,000,000 Kubik- rnkhen, folglich werden sechs und zwanzig Tage Zeit erfordert, ehe dieser Strom eine Kubikmeile in das Meer abführt. > Hierauf bestimmen sie das Verhältniß, welches zwischen dem Po und allen übrigen Flüssen der Erde zusammen genommen Statt findet. Sie nehmen an, die Menge des Wassers, welches das Meer aus den Strömen aller Länder empfängt, verhalte sich wie der Umfang ihrer Fläche: das von dem Po und den darein fallenden Flüssen benehte ^nd aber stehe mit der Oberstäche der ganzen trocknen K 14-6 Dritte Abth. Erster Abschnitt. gerade in dem Verhältnisse, in welchem der Po mit allen übrigen Flüssen der Erde steht. Der Po durchläuft, von seinem Ursprünge an, bis zu seinem Ausflüsse, einen Strich Landes von 36 o Meilen in der Lange, und die von beiden Seiten darin einfallenden Flüsse entstehen aus Quellen, die etwa sechzig Italienische Weiten von ihm entfernt sind. Er benetzt also mit seinen Nebenflüssen einen Strich Landes, der 36 c> Meilen lang, l2o Meilen breit, im Ganzen also 43 ,6c« Italienische Qua- dratmeilen groß ist. Die Oberfläche des ganzen Erdbodens macht 85,490,606 Italienische Quadratmeilen aus. Die Menge des Wassers, welches aus allen Flüssen ins Meer stürzt, muß folglich 1874 wähl größer seyn, als die Menge desjenigen, das der Po allein dem Meere zuführt. Da nun sechs und zwanzig Flüsse, wie der Po, dem Meere täglich jeder eine Kubikmeile Wasser geben; so folgt, daß das Meer in Zeit von einem Jahre aus 1874 Flüssen, wie der Po ist, 26,308 Kubikmeilen erhalten müsse, und daß alle diese Ströme in einer Zeit von 812 Jahren 21,372,626 Kubihneilen, oder gerade so viel Wasser ins Meer ergossen haben, als der ganze Ocean in sich begreift, und daß folglich zur Ausfüllung des Meeresraums durch diesen Weg nicht mehr als 612 Jahre nöthig wären. Schon vorher stellte RiccioluS ') in dieser Absicht eine Berechnung an, und zwar ebenfalls durch Vergleichung- des Postroms mit den übrigen Flüssen der Erbe, wobei er folgendes Verhältniß der Größen annimmt: Italiens Flüsse, mit den dazu gehörigen Inseln - - - 8 Poströmc. Spaniens - - - 6 Frankreichs und Hollands « 28; - Englands - , - 6 , -1) rekorm. X. OLx. 7 . Von den Flüssen überhaupt. »47 Tcutschlands und des Nordens, den Oby mit gerechnet - 88z Poströme. Asiens - < - 465 - Zllyriens, Dalmatiens, Griechenlands, Thessaliens, Thraeiens , 2 - Afrikas , , - iM - Nordamerika'S - , « 61g , Südamenka's , , 2240 , 3653 Poströme. Es kommen also, wenn die noch unbekannten Flüsse mit in Anschlag gebracht werden, etwa viertausend Poströme heraus. Wenn nun, ihm zu Folge, der Po in einer Stunde §00,966,000 Kubikfuß Wasser giebt, so müste das Meer jährlich 465 z geographische Kubikmeilen Wasser empfangen; aber Sedileau hat bereits angemerkt, daß fast alle diese Schätzungen zu hoch angegeben worden sind, und oft doppelt so viel, als die wahre Größe, betragen. , Auch nach den neuesten von dem de la Metherie angestellten Berechnungen beträgt die Wassermenge, welche die Flüsse dem Meere zuführen, bei weitem nicht so viel. Er nimmt nemlich, nach einem Ueberschlage, an, daß die Flüsse Frankreichs jährlich dem Meere etwa 9000 Millionen Kubiktoisen Wasser zubrächten. Nun verhalte sich die Ober, fläche des festen Landes zur Oberfläche Frankreichs wie 444 t i. Wenn man nun annähme, daß alle Flüsse der Erde verhältnismäßig eben so viel Wasser in das Meer ergössen, als dieses von den Strömen Frankreichs erhält; so würde die ganz? Menge Wassers, welche durch die Flüsse in das Meer übergeht, 444x9000 Millionen oder 3,996,000 Millionen Ku- bikloisen ausmachen. Eine Kubikmeile von 2233 Totsen ent- ») IVleinoir- Ls 1 'L.cLä. L var. ikg;, ») Theorie der Erde. r Ll>. S. 282. ff. Dritte Abth. Erster Abschnitt. >48 hält 11,717,550,189 Kubiktoisen, und so werden also, nach jener Voraussetzung, alle Flüsse des Erdkörpers jährlich nur 341 Kubikmeilcn in das Meer bringen. Nimmt man nun, nach einem ungefähren Ueberschlage, die Menge Wassers im Meere zu 1,530,820 Französischen Kubikmeilcn an; so würde ein Zeitraum von 4463 Zähren dazu erfordert werden, wenn die Flüsse eine solche Menge Wassers, die der Menge desselben im Ocean gleich ist, darein ausleeren sollten. Es ist sehr begreiflich, daß die Gründe, worauf diese und ähnliche Berechnungen beruhen, sehr unsicher sind; es können also die Resultate daraus nicht anders als höchst un- zuverläßig seyn. Das Verhältniß der ganzen Oberfläche des festen Landes, gegen einen einzelnen Theil derselben kann schon aus dem Grunde keinen richtigen Maaßstab an die Hand geben, da die Ausdünstung, welche eure ungeheure Menge Wassers den Flüssen entzieht, in den kalten Ländern bei weitem geringer ist, als in den wärmer». Es ist in die Augen fallend, daß ein Gegenstand, wie dieser, keine Genauigkeit zuläßt. Zweiter Abschnitt. Bonden Betten der Flüsse. ^as fließende Wasser, wenn es frei und sich selbst überlassen ist, richtet sich in seinem Laufe nach dem Gesenke und Abhänge des Bodens, und wendet sich jederzeit nach derjenigen Stelle hin, die am niedrigsten ist, wenn sie solche erreichen kann. Da nun, wie schon der Augenschein lehrt. Von den Betten der Flusse. >49 diese Stellen auf dem Erdboden nicht immer in gerader Linie fortgehen, sondern bald vor, bald zur Seite, liegen; da sowohl Erhöhungen als Vertiefungen hier ganz unregelmäßig umher zerstreuet sind; so müssen auch die fli-ßendcn'Was- ser, wofern sie nicht zu verschiedenen Absichten an bestimmte Orte hin geleitet sind, von ihrem Lause öfters abgelenket werden, und bald nach dieser, bald nach jener Seite' hin, ausweichen. Man wird solches schon im Kleinen, nach starken Regengüssen gewahr, da das Wasser an den Abhängen in Krümmungen abläuft, indem es sich in dem Erdreiche' kleine Rinnen aushölf: daher d'er geschlängelte Lauf, in dem wir mehrentheils die Bäche erblicken. Man sagt von einem Körper, daß er sich in einer krummen Linie bewege, wenn er seine Richtung beständig ändert. Da nun ein Körper, welcher nur von einer Kraft in Bewegung gesetzt wird, keine andere als eine gerade Linie durchläuft, so folgt, daß er eine krummlinigte Bewegung erhalten müsse, sobald mehrere Kräfte auf ihn wirken, welche ihn. alle Augenblicke nöthigen, seine Direktion zu verändern: Zn diesem Falle befinden sich nun die Flüsse der Erde. Jene Ursachen ändern bei ihnen beständig die.Richtung der Wasserbewegnng, in welche sie durch den Füll verseht waren. Sie gehen nie lange in einer geraden Linie fort, sondern weichen von ihr, bald mehr, bald weniger ab. Ist die Senkung des Abhangs groß, so wird das Wasser, sich selbst überlassen, nach und nach eine größere Geschwindigkeit annehmen, manche im Wege liegende Hindernisse überwältigen, und mir sich fortreißen, und sich mehr einen geraden, als gekrümmten Weg bahnen; und man sieht daher, daß größ- tentheils diejenigen Wasser, weiche von steilen Anhöhen herab fließen, sich die geradesten Kanäle ausgeholet haben. In wenig abhängigen Flächen dagegen,, wo das Wasser minder schnell fließt, treffen sie mehrere Hindernisse an, die sie nicht zu überwinden vermögen; und daher kommt es, daß sie sich iZo Dritte Abth Zweiter Abschnitt. hier oftmals, in außerordentlichen Krümmungen, dahin winden. Aus diesem Grunde findet man nün den geradesten Lauf der Flüsse, bei ihrem Anfange, wo sie das größte Gesälle haben, und die vielen und unregelmäßigen Abweichungen von der geraden Linie, desto häufiger, je näher sie dem Ausflüsse kommen, weil ihr Fall hier am geringsten ist. Die Betten der Flüsse pflegen nie, als in einer weiten Entfernung von den Mündungen, in einer Länge von einigen Meilen gerade fortzugehen. Die Wilden in Amerika, wenn sie unbekannte Gegenden durchstreifen, beurtheilen daraus, ob sie im Innern des Landes, oder in einer Gegend sich befinden, die den Küsten des Meeres nahe liegt. Wenn sie in einer Strecke von fünfzehn bis zwanzig Meilen an einem Flusse eine gerade Richtung wahrnehmen, so machen sie daraus den sichern Schluß, daß sie sehr weit vom Meere entfernet sind- Das Gegentheil folgern sie daraus, wenn sie an ihm häufige Beugungen und Veränderungen, in der Richtung seines Laufs, entdecken. Auch Europäische Reisende haben diese Beobachtung in wenig bekannten. Ländern benuht. Bei dem so geringen Gefälle der Flüsse gegen dar Meer zu, indem sie hier fast auf einem wagerechten Boden gehen, ist die geringste Vertiefung zur Seite, oder der mindeste Unterschied in der Dichtigkeit und dem Widerstände des- Erdreichs schon hinlänglich, sie von ihrem geraden Wege abzulenken: und hierin liegt auch die Ursach, warum sehr viele von ihnen sich in verschiedene Arme theilen, ehe sie ins Meer auslaufen. So fließt die Donau durch sieben dergleichen in das schwarze Meer, und die Wolga hat deren noch eine größere Anzahl auszuweisen. Zeder Fluß gräbt sich seinen Kanal durch eigene Kraft aus, und prvportionirt ihn nach der Menge des abzuführenden Wassers. Er räumt in seinem Laufe alle ihm im Von den Betten der Flüsse. »5r Wege stehende Hindernisse hinweg, wofern sie von der Art sind, daß er sie zu überwältigen vermag. Der Wasserzug geht zu denenjenigen Stellen hin, wo er den wenigsten Widerstand antrifft, und er nagt das Erdreich in der Tiefe so, wohl, als an den Seiten so lange aus, bis die Kraft desselben dem Widerstände gleich ist. Diese Kanäle sind ansang* ltch klein, erweitern sich aber nach und nach je nachdem es der mehrere oder mindere Zuwachs des Wassers nothwendig macht. Diesem ungeachtet, hält Vareniue die Betten der Flüsse für das Werk der Menschen. „Nie, sagt er, wird sich das Wasser, so wie es seine Quellen verläßt, selbst einen Kanal bilden, sondern sich vielmehr über das umliegende Land ausbreiten, bis die Menschen seinen Lauf bestimmen, wozu die Natur selbst nichts beitragen kann." Ein aufmerksamer Blick auf die Natur selbst, hätte ihn leicht seinen Irrthum einsehen lassen: ob man gleich einräumen kann, daß es einige Flüsse auf der Erde gebe, deren Lauf durch die Kunst an bestimmte Orte hin geleitet worden ist. Daß das Wasser sich selbst überlassen, sich indeß nicht immer ihm angemessene Betten graben könne, dies wird man unter andern in der Lombardei gewahr. Hier ist der Boden, bis auf einen geringen Abhang gegen das adriatische Meer, wasserpaß, und das Wasser kann sich nicht, wie in andern Gegenden der Erde, dje niedrigsten Stellen aussuchen, um sich sein Bette zu bilden. Es breitet sich daher, wenn es von den Bergen herab fließt, in der ganzen Ebene so weit aus, als seine Menge es jedesmal erfordert, und so entstehen jene sonderbaren Flußbetten, wovon man ihres Gleichen in andern Ländern nur stellenweise und im Kleinen findet. Diese Betten sind vielleicht durch das fließende Wasser in so langer Zeit nur ein wenig tiefer geworden, als das angrenzende Land; allein die Erde, welche es von den Bergen abspült, ersetzt diesen Abgang wieder. Diese Flußbetten von unver- 152 Dritte Abth. Zweiter Abschnitt. hältnißmäßiger Breite sind kein geringes Uebel für diese Gegenden, denn sie nehmen an sich schon zu viel Raum auf der fruchtbaren Ebene ein, und außerdem hindert, bei einem etwas starken Anwuchs des Wassers, nichts seine weitere Ausdehnung und Ergießung über die Felder *). Der Grund und Boden, worauf sich das Wasser fortbewegt, besteht aus allerlei Erdarten, vorzüglich aber Sande; zuweilen laufen sie über Felsen und festem Gesteine chniweg. Man kann sich in fedem Flusse ebene Flächen gedenken, 'welche queer durch ihn gehen, auf seine Richtung senkrecht sind, und ihn bis auf den Grund durchschneiden. Diese nennt man den Durchschnitt oder das Profil eines Flusses, und durch einen jeden solchen Durchschnitt geht, wenn der Fluß zur Seite keinen beträchtlichen Zufluß oder Abfluß hat, in einer gegebenen Zeit, eine gleiche Menge Wassers. Diese Durchschnitte verändern sich nun, je nachdem die Menge des Wassers in einem Bette zu- oder abnimmt. Es braucht demnach ein großer Strom einen Kanal von einem größeren 'Profil, weil er mehr Wasser abführt, als ein kleiner, welcher weniger ableitet. Das Profil eines Flusses muß seiner Wassermenge pro, portionirt seyn. ,Wenn es an einem Orte größer ist, als die Masse des Wassers erfordert, welches er abführen muß; so wird sich diese Stelle nicht beständig in dieser Größe crhal, ten, sondern der Strom wird so lange Erde und Sand dahin führen und anhäufen, bis er in dem Bette so viel aus, gefüllt hat, daß seine Bahn die gehörige Weite und Tiefe erhält. An der Stelle nemlich, wo das Profil eines Stroms zu groß ist- breitet sich der Fluß um so viel weiter aus. Er fließt daher mit verminderter Geschwindigkeit, als weiter *)Marcard'§ Reise durch dir Fron«. Schweiz und Italien. Hamb- ,7gg. L- i Theil. S. AS. Von den Betten der Flüsse. 15z oben, wo er mehr eingeschränkt war, und laßt also den mit- geführten Sand und Schlamm fallen, wodurch das Bette erhöhet wird: es geschehe dieses nun auf der einen oder der andern Seite, oder in der Mitte. Ist im Gegentheil das Profil des Flusses an einer Stelle zu klein, so wird der Strom hier reißender. Er erhalt also mehr Kraft durch seine Schnelligkeit, die Ufer anzugreifen und so lange zu zerstören, bis er die gehörige Breite und Tiefe bekommt. Wenn nemlich das Wasser in einem solchen engen Raum eingeschränkt wird, wodurch es nicht ganz ablaufen kann, so schwillt es über demselben an, und erlangt dadurch einen -höher» Stand. Wenn nun das Strombette sich unterwärts wieder ausbreitet, so erhält das Wasser dadurch eine größere Schnelligkeit, wühlt den Boden auf, und untergrabt die Ufer. So wie die Senkung oder der Abhang des Bodens ist einem Flusse den Fall oder das Gefalle desselben bestimmt, so versteht man unter dem letztem besonders die Abweichung der Oberfläche eines Flusses von der Horizontallinie, in einer gewissen Weite. Ze größer diese Weite ist, desto größer ist auch das Gefalle, bei einem gleichen Abhänge der Oberfläche. Man findet übrigens das Gefalle eines Flusses durch das Wasserwägen. Hierzu bedient man sich eines Werkzeugs, welches mit einem Fernrohre versehen, und so eingerichtet ist, daß man der Achse des Fernrohrs, durch ein Bleiloth, oder sonst auf eine andere Art, eine vollkommen horizontale Lage geben kann. In dem Fernrohre ist ein Kreuz von sehr feinen Fäden angebracht, deren Durchschnitt genau in die Achse des Fernrohrs fällt. Mit diesem Werkzeuge stellt man sich an das User eines Flusses, und läßt in einer weiten Entfernung an demselben Ufer jemanden eine Stange in die Erde stecken, an welcher er eine weiße, mit einem schwarzen Kreuze bezeichnete Tafel, hinauf und herab bewegen kann. Sieht man nun durch das horizontal gestellte »S4 Dritte Abth. Zweiter Abschnitt. Fernrohr nach der Tafel, und laßt diese an der Stange befestigen, sobald der Durchschnitt der Fäden im Fernrohre, die allemal so gestellet sind, daß sie sehr deutlich auf den Gegenständen erscheinen, die man durch das Fernrohr sieht, den Mittelpunkt des lchwarzen Kreuzes bedeckt; so ist offenbar dieser Punkt mit dem Auge des Beobachters, oder der Achse des Fernrohres in einer horizontalen Linie. Man darf also nur messen, wie hoch das Auge und.der Mittelpunkt des Kreuzes über der Oberfläche des Flusses erhoben sind, und eine Höhe von der andern abziehen, und man wird das Gefälle des Flusses in der Weite zwischen dem Beobachter und der Stange mit dem Kreuze erhalten. Die Erfahrung lehrt, daß die Neigung oder der Abhang der Oberfläche der Flüsse, sowohl gegen die Mündungen, als auch im Ganzen genommen, gewöhnlich überaus geringe ist, so daß gewöhnlich ihr Gefälle auf tausend Fuß nur etwa einen Zoll, oft auch weniger beträgt. Man chat das Gefalle zweier Flüsse in Ostfriesland sehr genau gemessen, und es auf tausend Fuß Weite, bei dem einen z, bei dem andern aber i; Zoll gefunden '). Adanson -) merkt an, daß der Senegal von Podor bis an das Meer, in einer Strecke von sechszig Französischen Meilen seines Laufs, nicht viel über drittehalb Fuß Gefälle habe. Nach dem de la Condamine hat der Amazonurflnß, von seiner Mündung bis an zweihundert Seemeilen aufwärts, ioz Pariser Fuß - Gefälle, welches auf tausend Fuß Weite ^ Zoll ausmacht, indem eine Seemeile 2ggo Pariser Klafter oder 17100 Fuß hält. Von den Flüssen Italiens weis man, daß sie, in der letzten Hälfte ihres Laufs, einen sehr geringen oder gar keinen Fall des Bodens gebrauchen; daß derselbe vielmehr bei ihren Mündungen oft eine entgegengesetzte Abhängigkeit hat. 1) Brahm'L AnkangSgrnnde der Wafferbaukunst. §. roz. ») Reise nach Senegal. S. 67. Von den Betten der Flüsse. '55 Von dem abnehmenden Gefälle gegen den Auslauf der Flüsse besonder«, führt Lulofe den Fluß Marwede als Beispiel an. Dieser hat oberhalb Dortrecht Z Zoll, unterhalb Dort- recht aber, nach dem Meere zu, nur Zoll Gefälle auf rcxx) Fuß Weite. Hieraus ergiebt sich, daß die Regeln, welche die mehre, sten Schriftsteller über die Senkung des Bodens in den Flußbetten festsetzen, unrichtig sind. Vitruv giebt auf icxr Fuß iZ, Seamozzi auf iooc> einen Fuß, und Bar- ratteri auf roo Fuß 2Z Fuß Gefälle. Wendet man nun die kleinste von Scamozzi angegebene Senkung auf die Donaü an, so mäste die Mündung diese« Strome mehr als eine halbe teutsche Meile tiefer liegen, als ihre Quellen. Am weitesten geht Kühn, indem er bei dem Laufe der Flüsse, bloß auf die Senkung des Bodens Rücksicht nimmt, ohne den Druck des Wassers mit in Rechnung zu bringen. Diese Vernachlässigung verleitete ihn zu dem abentheuerli, chen Satze, daß dieser Strom, von seinem Ursprünge an bis zum Ausflusse, ein Gefälle von zwei teutschen Meilen habe. Die Betten der Flüsse sind in den flachen und ebenen Gegenden ihr eigenes Werk; so lange diese aber in gebirgig, ten Strecken laufen, werden sie gezwungen, sich in ihrem Zuge, nach den Abhängen und den verschiedenen Richtungen der Berge zu bequemen. Ist der Abhayg auf beiden Sei, ten des Flusses gleichförmig, so pflegt der Strom seinen Lauf fast gerade in der Mitte des dazwischen liegenden Thals zu halten; ist aber einer von den Bergen steiler und abschüssiger, als der andere, so ist die niedrigste Stelle des Thals nicht mehr in der Mitte, sondern dem steilen Berge näher, und der Strom wird auch diesem näher vorbeifließen. Allenthalben also, wo man auf der einen Seite eines Flusses Berge oder steile Hügel, auf der andern aber nur ganz flache Anhöhen wahrnimmt, wird man den Fluß, gewöhnlich den Fuß der steilsten Hügel benetzen, und ihnen in ihren iz6 Dritte Abth. Zweiter Abschnitt. Richtungen überall folgen sehen, ohne von denselben abzuweichen, bis etwa auf der entgegengesetzten Seite wieder andere Hügel vorkommen, deren Abschüssigkeit beträchtlich genug ist, die niedrigste Stelle des Erdreichs weiter von dem stark abschüssigen Hügel zu entfernen. Die Flüsse ebenen den Boden, worauf sie fortgehen, wenn sich darauf Ungleichheiten befinden. Denn, wenn derselbe eine starke und gleich darauf eine sehr geringe Abschüssigkeit hat, so muß der Strom, der immer desto schneller fortgeht, je größer sein Fall ist, an jener Stelle sich geschwinder, und an dieser langsqmer bewegen. Err reißt also dort immer Erde mit sich fort, und setzt sie hier wieder ab. So wird der höhere Theil des Bodens immer niedriger, und der niedrige immer höher: die Ungleichheit des Bodens verschwindet dann zuletzt, und das Wasser bewegt sich gleichförmiger. Auf diese Weise haben nun die Flüsse unfehlbar allenthalben, wo sie über Sand und Erde fortgingen, alle Hindernisse weggeschafft, die ihrem gleichförmigen Laufe entgegen standen; aber auf einem felsigen Boden vcrmogten sie solches nicht, weil der Stoß des Wassers zu schwach war, die Felsen zu zerreißen: daher findet man an diesen Orten theils Wasserfälle, theils Stromschnellen. Indessen scheint es doch, daß reißende Ströme sich an manchen Stellen durch harte Felscnmassen Pässe, mittelst Durchbruchs oder Durchspülung, bereitet haben *). Pini führt das Beispiel des Flusses Tirino an, welcher durch zwei enge Pässe läuft. An den beiden Seiten des ersten stehen zwei senkrecht abgeschnittene Wände eines nemlichen Berges, welche beide vollkommen mit einander übereinstimmen.. Bei dem zweiten steht zur rechten des Flusses ein kleiner Berg, ") Durchspülung ist eine allinählige, Durchbruch^hingegen eine plötzlich ausgeübie Waffergewalt. Jenen Gang wählt Die Natur häufiger alfi diesen. Von den Betten der Flüsse. »57 welcher von dem auf der linken Seite abgeschnitten zu seyn . scheint *). Ohne Zweifel sind in den hohen Gegenden Süd- amerika's, die Quebrada's, oder Seffnungen in dem Boden zwischen ungeheuren Felsenmassen/ durch das Neiden und Abspülen, welches der schnelle Zug des Wassers verursacht hat, hervorgebracht worden. Diese Räume zwischen zweien an beiden Seiten befindlichen Ebenen sind zum Theil so groß, daß sie oben. im Freien zwei und mehrere Meilen breit sind. Je tiefer sie gehen je mehr- verengen sie sich, und ganz unten strömen die Flüsse,- wo sie ihr Bette in der Mitte haben. Die Windungen und Krümmungen, in weichen sie laufen, gleichen denen vollkommen, welche die Höhen auf beiden Seiten haben, und die Uebereinstimmung ist so groß, daß wenn beide Seiten sich vereinigten, sie auf das genaueste in einander einpassen, und einen ebenen und ununterbrochenen Boden ausmachen würden, so daß nicht die mindeste Oeffnung übrig bliebe. Diese Flüsse sehen ihren Lauf, durch solche von Bergen eingeschlossene Schluchten beständig fort, bis sie in dem niedrigsten Lande heraus kommen, und in einem flachen Bette dem Meere zueilen. Besonders merkwürdig ist der kleine Fluß Chapplancas. Dieser läuft eine halbe Meile weil in einer Schlucht, welche in dem lebendigen Felsen mit einer solchen Genauigkeit eingehauen zu seyn scheint, daß die auf der einen Seite herausstchenden, und auf der andern eintretenden Ungleichheiten vollkommen auf einander passen -). Die Betten der Flüsse liegen tiefer als das Land zu beiden Seiten; indessen giebt es doch Hiebei nicht selten Ausnahmen. Wenn nemlich die Ufer eines Flusses, irgend in einer Gegend von der Beschaffenheit sind, daß sein Wasser -) Oxnscolt euUe seiende e entls arte. Dom. IV. x. 2gZ« Ulla» »hyskan und blstor. Nachrichten vorn südlichen und nordöstlichen Amerika, a. d. Spanisch, v. Diese. Lein». -78-- 8- S, rz. *58 Dritte Abth. Zweiter Abschnitt. sie nicht übersteigen, oder sie nicht zum Weichen bringen kann; so wird dieses gehindert, die tieferen Stellen aufzusuchen, und so kann es geschehen, daß die neben dem Flusse liegenden Ländereien niedriger sind, als sein Bette. Daß der Boden der Flüsse unter gewissen Umständen erhöhet werden könne, lehrt die Erfahrung. Zendrini ver- sichert solches von dem Po, und überhaupt von den Flüssen des Venetianischen Gebiets, und soll der Boden des Arno in einer Zeit von hundert Jahren beträchtlich höher geworden seyn. Die Tiefe eines Flusses ist an den verschiedenen Stellen verschieden. Bald findet man die gröste Tiefe an dem einen oder dem andern Ufer, bald in der Mitte des Stroms. Seltener ist sie jedoch mitten im Flusse, und oftmals zieht sie sich queer über ihn hinweg, von einem Ufer zum andern. Bei den Flüssen, so wie bei dem Meere, sind hohe Ufer ein Merkmal großer Tiefen, so wie die niedrigen Kennzeichen eines flachen Wasserstandes. Der Abstand des einen Ufers von dem andern bestimmt die Breite eines Flusses. Der Widerstand, welchen das Erdreich dem Laufe des strömenden Wassers entgegenseht, ist an den Selten geringer, als in der Tiefe: daher sind die Betten der Flüsse viel breiter als tiefer. - Die Flüsse, wenn sie andere aufnehmen, werden der Erfahrung zu Folge breiter, als sie vorher waren; sie müssen also auch bei ihren Ahndungen am breitesten seyn, und in der Breite desto mehr abnehmen, je weiter man sie von dem Ausflüsse in das Land hinein verfolgt. Wenn zwei Ströme sich mit einander vereinigen, so ist jedoch die Breite des vereinigten Stroms allezeit geringer, als die Summen der Breiten beider einfachen Ströme: denn da die Wassermenge durch die Vereinigung größer wird, so vermindert sich auch der Verlust der Geschwindigkeit, welchen das Wasser durch den Widerstand des Bettes leidet; er Von den Betten der Flüsse. *59 bewegt sich um so schneller, und breitet sich desto weniger aus. Gmelin berichtet, daß die Lena, welche oberhalb der Mündung des Kirenga nicht mehr als vierhundert Faden in einer Stunde fortläuft, nachdem sie diesen Fluß zu sich ge, nommen, in dem nemlichen Zeitraume drei Werste und hundert Faden gehe. Die Geschwindigkeit der Wasserbewegung nimmt in dem Verhältniß zu, als die Menge des Wassers anwächst. Betrachtet man einige von den Flüssen, weiche in den Maragnon fallen; so wird man durch den Anblick getäuscht, und es scheint, daß ihre Breite die des Maragnon übertreffe; gleichwohl setzt dieser Strom, nachdem er solche in sein Bette aufgenommen, seinen Lauf ohne den mindesten sichtbaren Zuwachs in der Breite fort Guigliel, mini merkt an, daß der Po, nachdem er den Arno, Welcher vormals nach Ferrara ging, mit sich vereinigte, und noch überdies den Fluß Panara aufnahm, k,eine Veränderung in der Breite zeige, und schloß daraus, daß ein kleinerer Fluß sich mit einem großen vereinigen könne, ohne daß dieser seine Breite und Höhe verändere. Genette führt Hiebei auch den Rhein an. Dieser Fluß empfängt bei Mainz den fast eben so großen Main, ohne einen merklichen Zuwachs in der Breite. Weiter hinauf bekommt er bei KLlln die Mosel und mehrere kleinere Flüsse: dessen ungeachtet ist er bei Kölln weniger breit. ' Die Breite der Flüsse nimmt desto mehr zu, je näher diese dem Meere kommen, es müste denn seyn, daß sie sich theilten: denn in' diesem Falle wird ein jeder Arm wieder beträchtlich sckmäler, als vorher der ungethellte Hauptstrom war. Man findet indeß auch hierin Abweichungen. Vorn Rhein trennt sich die Waal, und die beiden Arme gehen in der Breite fort, welche vorher der vereinigte Fluß hatte; ja ») iNloa erc. naNire äel ürroii. 0. 7. i6o Dritte Abth. Zweiter Abschnitt. die Assel, die sich weiter hin bei Arnheim vom Rhein ab-' sondert, ist nicht viel schmäler und seichter, als der Rhein bei Emmerich. Der Kanal, den ein Fluß die mehreste Zeit des Jahres > hindurch anfüllt, heißt sein Sommerbette; die Breite, welche alsdann sein Wasser bedeckt, seine Normal-Breite, und die senkrechte Tiefe des Wassers seine Normal-Tiefe. Das Winterbette ist der Raum, den der Fluß einnimmt, wenn er über seine Normalbreite hinaus geht. Wenn ein Fluß auch sein Winterbette übersteigt, so sagt man: daß er «ustrete. Wenn er dagegen ungewöhnlich klein ist. und selbst sein Sommerbette nicht anfüllen kann, so holt er darin wieder einen schmälern, und nach Beschaffenheit der Orte einen .noch gekrümmtem Kanal aus. Beim Wiederanwachs des Flusses wird man über diesem Kanal einen schnellern Wasserzug verspüren, und hier ist dann die Strombahn befindlich. Stromenge heißt der Ort, wo ein Fluß schmäler ist, als seine Normalbreite daselbst, und Stauung, wo er breiter ist, als jene. Wenn die Breite der Stauung die Normalbreite eines Flusses mehrmals übertrifft, so nennt man solches einen See, wodurch der Fluß seinen Lauf fortsetzt. Kolck heißt die Stelle in einem Flusse, wo er tiefer ist, als seine Normaltiefe, und Untiefen befinden sich da, wo er seichter ist. Gebirgsflüsse haben bei ihrem starken Gefalle felsigte, steinige und kiesige Betten, und fließe» meist ohne Ufer in ausgewaschenen Höhlungen, so daß wenn ihre Tiefe es nicht verhindert, man in ihnen fast aller Orten durchwaten kann. Die Flüsse des flachen Hochlandes haben schon an mehreren Stellen Ufer; in flachen Mittcllanden haben sie fast durchgehends Ufer, und in flachen Niederlanden schlänge!» sie sich in steilen Ufern, und mit Sande und Triebsande angefüllten Betten hin. Die Von den Betten der Flüsse. 161 Die Ströme nehmen Flüsse in ihr Bette auf, die ihnen auf beiden Seiten, und öfters aus weit entlegenen Gegenden, zulaufen, und so eilen sie dann in einem ««getheilten Laufe dem Meere zu. Oftmalen theilen sie sich vor ihrer Ergießung, in einem größer« oder geringern Abstände, in Arme, welche sich mehr oder weniger von einander entfernen, um das Meer zu erreichen. Bei einigen Flüssen ist diese Entfernung sehr ansehnlich. So läuft der Rhein bis zu seinem Eintritt in die Niederlande, fast in einer geraden Richtung von Süden nach Norden. Jetzt aber geht der Hauptstrom. die Waal, gerade nach Westen; diesen Zug nimmt auch der zweite Arm der Lech, dahingegen der dritte, die Assel, gerade nach Norden läuft. Eine merkwürdige Trennung eines Arms von seinem Hauptstrom würde in dieser Rücksicht diejenige seyn, welche einige Reisende dem Nil beilegen^ Dieser Fluß soll, nachdem er Dongola durchströmt, aber Nubien noch nicht erreicht hat, sich in zwei Ströme theilen, wovon der eine sich gegen Westen wendet, um auf diese Seite das Meer zu erreichen. Jenes *) ist einer der neueren, welche diese Sache bestätigen, und sie scheint ihm dadurch noch mehr Gewicht zu erhalten, daß der Nil, wenn er »«getheilt bliebe, seinen im Winter erhaltenen Zuwachs des Wassers nicht fassen, sondern Städte und Dörfer, sammt ihren Bewohnern, begraben würde. Von den verschiedenen Armen eines Flusses hat der längere auf gleichen Weiten ein kleineres Gefälle, als der kürzere. Das Wasser wird also, da es langsamer fortgeht, in dem längen« mehr Sand absetzen, als in dem kürzern. Dadurch wird nun in jenem die Tiefe des Wassers, folglich auch seine Geschwindigkeit immer mehr vermindert, und folglich die Versandung befördert und vermehrt. Zuletzt muß der längere Arm aus diese Weise durch die Versandung ganz Ueber den Lauf des Nils; in den neuen Deirräzen turn. von Spren» -el und Förster, z V. S.. -g-' L i6s » Dritte Abth.^ Zweiter Abschnitt. unbrauchbar werden, wenn man nicht diese durch die Kunst zu verhindern sucht. Beispiele solcher Versandungen finden sich bei mehrern Flüssen. Von den sieben Armen, wodurch sich der Nil, nach den einstimmigen Zeugnissen der Alten, 1ns Meer ergoß, sind nur noch zwei vorhanden. Eben so ist jeht, von den verschiedenen Armen der Donau, fast nur einer noch schiffbar: die übrigen sind stark versandet. Da die Weichsel durch die Nogat auf einem viel kürzern Wege ins Meer gelangen kann, so wendet sie sich gröstentheils dahin , vermehrt die Geschwindigkeit des Wasserzugs, und so geschieht es, daß der nach Danzig gehende Hauptarm ftnmer mehr versandet, und dadurch die Schiffahrt auf selbigem mit der Zeit ganz unmöglich werden wird. Veränderungen in den Betten der Flüsse süid nichts ungewöhnliches, und man findet hin und wieder in den Ebenen alte, von den Strömen, verlassene Bahnen. So sieht man z. B. an der Elbe, Saale, Mulde, daß da, wo vor dreißig und mehreren Zähren, der volle Strom ging, jetzt Wiesen, Triften und Gebüsche liegen: dahingegen er sich durch die nutzbarsten Felder neue Wege gebahnt hat. Wenn ein Strom an der steilen Seite eines Berges hinläuft, so kann es durch die Länge der Zeit geschehen, daß der'Abhang des Berges flächer wird: denn von einem steilen Abhänge führt der Regen die Erde weit häufiger und gewaltsamer hinweg, als von einem sanften. Unter diesen' Umständen muß der Fluß nothwendig seinen Kanal verändern, um seinen Lauf in der grösten Tiefe des Thals fortzusetzen. " Wenn hiernächst sich einem Strome Hindernisse entgegen stellen, die er nicht zu überwältigen vermag, so wird sein Ablauf gehemmt, ind,em der Zufluß noch fortdauert. Die Folge davon ist, daß das Wasser höher steigen, und rückwärts anschwellen muß, bis es an den Ufern eine Stelle findet, wo es seine Bahn verlassen, und nun von hier aus seinen Lauf über die niedrigen Ebenen fortsetzen kann. Von den Betten der Flüsse. 165 in die es sich ein neues Bette gräbt. Jene Hindernisse werden ^nun zum Theil durch Überschwemmungen verursacht, welche den witgeführten Schlamm und Sand an Stellen absetzen, wo er sieh 'anhäuft, und das Wasser zurück drängt. Auch Eisstockungen ziehen ihm, besonders in engen, und hohen und steilen Ufern, einen Wall vor, den er nicht zu zerreißen vermag. Man sieht wirklich die gröstcn Veränderungen in den Flußbetten während eines Eisgangs. Selten entsteht auch ein solcher, wo nicht auch zugleich der Strom anschwillt. Hier wird nun die Eisdecke-gehoben. Zst das Eis dick und noch nicht mürbe, so wirkt es gegen die Ufer, und zwar als ein harter Körper, der nicht wie das Wasser ausweicht, daher es ungleich mehr Schaden anrichtet. Die Gewalt, welche das Eis auf die Ufer ausübt, richtet sich nach der Geschwindigkeit, mit der es sich fort bewegt, und nach der Größe seiner Schallen. Dergleichen Veränderungen der Flußbetten köirnen nur nach und nach geschehen: oftmals werden sie aber auch plötzlich durch Erdbeben und Vulkane bewirkt. Wird durch 'Erderschütterungen der Boden eines Flusses gehoben, fo muß das Wasser den etwa daneben entstandenen niedrigern Ort suchen, mithin sein voriges Bette verlassen. Ufcrbeschädigungen in den Betten der Flüsse ientstehen auf mancherlei Art. Nächst dem Eise werden sie durch die Schnelligkeit, mit welcher ihr Gewässer, wenn es hoch geht, dahin strömt, durch Wellen, wenn das Wasser gegen die Ufer angetrieben wird, hervorgebracht. Die hohen und senkrecht abgeschnittenen Ufer sind es, welche der Fluß zerreißt, die niedrigen gemach sich erhebenden bleiben unverletzt. Das Wasser nemlich, so wie auch das Eis, stoßen allemal nach einer fast horizontalen Rich- tusig auf die Ufer. Sind diese senkrecht, so ist der Stoß fast gerade gegen sie gerichtet, und die ganze Bewegung des L 2 Dritte Abth. Zweiter Abschnitt. 164 Wassers und des Eises wird durch den Stoß vernichtet. Erheben sich dagegen die User nur sanft und allmählig, so werden sie schief gestoßen, das Wasser und das Eis behält einen ansehnlichen Theil seiner Bewegung, und der übrige wird durch den Stoß vernichtet; folglich ist der schiefe Stoß gegen die flachen Ufer nicht so stark, als gegen die abschüssigen. Hierzu kommt noch, daß bei den steilen Seitenwanden der Flüsse die Erde sich nicht erhalten kann, wenn das Wasser die untere zerreißt; sie löset sich daher in großen Stücken ' ab, und fällt hinunter: dagegen der obere Theil eines sich allmählig erhebenden Ufers unerschüttert bleibt, wenn gleich der untere angegriffen wird. Ueberhaupt ist der Stoß auf die ihm entgegen stehenden Ufer entweder geradelinigt, oder schräg. Zm erstem Falle, wenn die Fläche Widerstand zu leisten vermag, wirkt der Stoß, wie erwähnt worden, in sich zurück; kann die Fläche - -» aber nicht widerstehen, so muß sie weichen. Bei dem schrä- ^ gen Stoß auf gleiche Flächen, verhalten sich seine Kräfte wle die Winkel, unter welchen der Stoß geschieht; je schrä- die Linie ist, welche den Stoß empfängt, desto weniger ^ Schaden hat sie zu befürchten. Wenn der Strom bei einer gehörigen Breite und Tiefe immer geradelinigt fortginge, so würden die Ufer nicht beschädigt werden; aber die vielen Krümmungen sind stets neue Hindernisse, die den Strom abhalten, durch den kürzestem , Weg, welchen er jederzeit sucht, dem Orte seiner Bestimmung zuzulaufen. Es müssen also die im Wege stehenden Stellen der Ufer immer angegriffen werden, und der Strom nagt unaufhörlich an ihnen, untergräbt solche, und so geht immer ein Stück nach dem andern vorn Lande verloren, und ' wird vom Wasser verschlungen. Die Flüsse streiten unaufhörlich, sowohl gegen den ungleichen Grund, als gegen die-« Ufer, wenn solche mit seiner Richtung nicht parallel strei- Von den Betten der Flüsse. 165 chen, oder die Strombahn in der Mitte des Flusses liegt. Geht diese hart an einem Ufer weg, so macht sie dieses steil: beugt sich ein Fluß rechts, so ist sein linkes Ufer steil, wendet er sich dagegen links, so ist es das rechte. Wenn anhaltende Winde über einen Strom wegstreichen, jder Strich des Windes aber gegen die Ufer-geht, so erregt er Wellen, welche auf die Ufer wirken, und dies desto stärker, je heftiger die Winde sind. Veränderungen an den Stromufern verursachen, nächst den sogenannten Heegern, auch die Inseln. Heeger sind solche Stücke Land, die sich an einem oder dem andern Ufer anlegen. Dieser Anwuchs des Landes, welcher manchmal von beträchtlicher Größe ist, entsteht mehrentheils an einem vorspringenden Theile des Users; selten aber, oder fast nie, in einer Krümmung, oder in einem eingehenden Winkel am Ufer. Obgleich dieser Anwuchs dasjenige Ufere woran es sich gelegt hat, gegen die Angriffe des Wassers schützt: so schadet er doch dem gegenseitigen, denn der zusammengedrängte Strom wird dahin getrieben, und beschädigt dasselbe. Inseln bestehen aus Stücken Landes, wenn solches ganz vom Wasser umfiossen ist, und beim höchsten Wasserstande noch daraus hervorragt. Wenn ein solches Stück aber nur bei hohem Wasser überschwemmt wird, bei niedrigem dagegen trocken bleibt, und dabei mit allerlei Laubholz, Grase und Schilf bewachsen ist; so wird es ein Werder genannt. Beide spalten den Strom, bald in der Mitte, bald dem einen oder dem andern Ufer näher. Wenn eine Insel entstanden ist, so arbeitet der dadurch eingeengte Strom stets an den Ufern, an denen er allemal schneller hinweg geht, als an der Insel. Solche Inseln sind nun beiden Ufern nachtheilig: denn befinden sie sich mitten im Strome, so leiden beide Ufer zugleich, und um so stärker, je mehr jene im Umfange zunehmen. Der eingeengte Fluß wird an beiden i66 Dritte Abth. Zweiter Abschnitt. I Ufern tief, greift diese an, und zerstört sie so lange, bis er den ihm angemessenen Kanal erhalten hat. Von den Inseln, welche naher am Ufer liegen, leidet dasjenige am meisten, welches ihnen am nächsten ist. Bisweilen wird der kleinere Arm mit Erde und Sande ausgefüllt, und dann entsteht ein Heger, welcher die Insel mit dem Ufer verbindet. Manchmal geschieht es, daß der ganze Strom sich in den kleinern Arm hinein wirst. So wie sich nun dieser verstärkt und ausbreitet, so leidet auch das Ufer an dieser Seite. Im Winter, wenn das Eis auf dem Flusse fortgeht, schiebt der Strom solches auf die Insel in die Höhe; der Fluß geht nun um den Eisberg herum, und seht hinten allen losgerissenen Sand an, wobei die Ufer sehr zerrissen werden. Inseln, vorzüglich in der Mitte eines Stroms, entstehen gewöhnlich an Stellen, wo das Flußbette eine unver- hältnißmäßlge Breite erhalten hat: oberhalb aber sich eine Stromenge befindet. Hier wird der Wasserzug heftig, und sind die Ufer feste, so wühlt das Wasser den Schlamm und Sand vom Boden auf, welchen es so lange fortreißt, bis es jene ausgedehntere Stelle erreicht hat. Hier läßt das träger gewordene Wasser jene Theile fallen, uyd es entstehen Untiefen, welche sich mit der Zeit zu Inseln erhöhen. Man bedient sich mehrerer Verwahrungsmittel gegen die Uferbeschädigungen. Steile und-hohe Ufer läßt man, im Sommer, wenn das Wasser am niedrigsten ist, von oben her abstechen, und ihnen durchaus, bis unten aus dem Boden, eine allmählige, gleichförmige Abdachung geben. Diese muß um desto größer seyn, und sich unter einem desto kleinern Winkel über die Horizontalfläche erheben, se lockerer die Erdart des Ufers ist. Man kann diese Abdachung mit Reisern von Korbweiden bestücken, die an den Ufern der Flüsse sehr gut fortzukommen pflegen, die man überhaupt fast allenthal- Von den Betten der Flüsse. 16-7 den an den Gestaden in Menge findet, und welche die Natur schon dahin gepflanzt zu haben scheint, um sie ge, gen die Angriffe des Wassers zu schützen. Dieser biegsame Strauch ist gegen die Gewalt der Ströme von ungemeinem Nutzen. Er halt das über ihm fließende Wasser auf, vermindert die Geschwindigkeit desselben merklich, und zwingt es dadurch, seinen Sand und Schlamm abzusetzen: unter dem Eise aber krümmt er sich, ohne zu zerbrechen. Große Bäume sind nachtheilig, besonders deswegen, weil bei Ue- berschwemmungen die Erde zwischen, den dicken hvizigten Wurzeln ausweicht und sich ablöset, wodurch große Löcher in der Erde entstehen. Sonst faßt man die Flüsse noch mit Mguern, oder mit hölzernen Bollwerken und Faschinen ein. Beide sind kostbar, und die hölzernen Bollwerke wenig dauerhaft, weil das Holz an der Oberfläche des Wassers, wo es baid naß, bald trocken wird, sehr geschwinde fault. Dib Packwerke von Gesträuchen und Faschinen thun gute Dienste, mid sind den Bollwerken von Holz vorzuziehen. Niedrige Ufer können durch Bewallung und Dämmk verwahret werden. Diese verhindern dann die weitere Ausbreitung des Gewässers über die niedrigen Gegenden des nahe gelegenen Landes. Der Strom wird genöthigt, in seinen Grenzen zu verbleiben; er behält dann den erforderlichen Grad der Geschwindigkeit, und reinigt dadurch den Boden in seinem Bette. Ueberschwemmungen, welche dem Ufer schädlich sind, tragen jedoch auch dazu bei, dasselbe allmählig zu erhöhen. Wenn die Ströme stark, anschwellen, so ist ihr Wasser gewöhnlich sehr trübe, und mit erdigen Theilen beladen. Beim Anfange des Ergießens über die Ufer, läuft es ganz gemächlich über dieselben hinweg, und sogleich sinken jene fremde Theile aus dem Wasser nieder. Es läutert sich dann desto mehr, je weiter es sich in däs Land hinein verbreitet. Auf solche Weift werden alle schlammige Theile, welche der r68 Dritte -Abth. Dritter Abschnitt. Zug des Wassers nicht im Strome selbst weiter treibt, an den Ufern abgesetzt, und diese dadurch nach und nbch mehr erhöhet, als die Ebenen landeinwärts *). Dritter Abschnitt. Bewegung des Wassers in den Flüssen. Es giebt zweierlei Ursachen der Bewegung des fließenden Wassers aus der Erdflächc, und diese liegen entweder in dem Falle, oder im Drucke desselben. Bei der ersten wirkt.das Wasser allein durch seine Schwerkraft, eine Kraft, welche die flüssigen Körper mit den festen gemein haben. Wenn das Wasser über einen abhängigen Boden fließt, ist seine Bewegung dem Gefälle, oder der Höhe der schrägen Fläche, über welche es sich bewegt, und also hauptsächlich der Schwerkraft zuzuschreiben, obgleich ihre Wirkung von derjenigen verschieden ist, welche bet festen Körpern Statt findet. Ze größer nun dieses Gefälle der Betten ist, desto geschwinder lauft auch das Wasser in ihnen. Mit welcher Schnelligkeit stürzen nicht die Gewässer- in den gebirgigten Gegenden, besonders nach starken Regengüssen, und bei einem plötzlichen Aufthanen des Schnees und Eises herab? Sie reißen große Steine mit sich fort, ukd werden zu reißenden Strömen. Die Erfahrung lehrt aber auch, daß die Geschwindigkeit des strömenden Wassers sich nicht immer nach der Senkung des Grundes richte, worüber es sich fortbewegt. So *) Abhandlung von den in Strömen und Flüssen befindlichen, den Ufern schädlichen Heegern und Inseln. DreSden 179s. 6. Bewegung des Flußwassers. 16g hat z. B. die Donau weniger Gefalle, als der Rhein, und der Zug ihres Wassers ist bet ihr doch schneller; so hat die Loire, nach Picard, dreimal mehr Fall, als die doppelt so geschwinde Seine. Es muß also noch eine andere Kraft vorhanden seyn, welche hiebet mitwirkt, und diese liegt in dem Drucke der oberen Theile des Wassers auf die unteren, also in seiner Höhe. Dtt Druck des Wassers äußert sich, wie wir wissen, nicht nur in verticaler Richtung, sondern auch nach allen Seiten hin, und zwar so, daß die Seitenwirkung dieses Drucks der senkrechten völlig gleich ist. Weil aber dieser Druck nur ein bloßes Bestreben ist, und keine wirkliche Bewegung hervorbringen kann, es sey denn, daß das Gleichgewicht zwischen den zunächst an einander stehenden Wassersäulen auf- , gehoben sey; so ist es klar, daß die wirkliche Bewegung, und also auch die Geschwindigkeit dieser Bewegung im Allgemeinen davon abhänge, wenn das Gleichgewicht der zunächst an einander stehenden Wassersäulen mehr oder weniger aufgehoben ist. Der Druck kann nur alsdann eine Bewegung hervorbringen, wen» er bei der nächstfolgenden Wassersäule größer ist, als bei der nächst vorhergehenden, d. h. es muß die Oberfläche des fließenden Wassers in einem Kanale, der einen horizontalen Boden hat, etwas Abfall haben. Daß die steigende Höhe des Wassers, mithin sein Druck, auf die Geschwindigkeit seiner Bewegung einen großen Einfluß habe, wird man an allen Strömen gewahr. Man sieht, mit welcher Schnelligkeit sie im Frühjahre, wenn sie angeschwollen sind, forteilen, und wie langsam sie dagegen tm Sommer, bei kleinem Wasser, dahin schleichen. Die Bewegung des Wassers in den Strömen, auf einem abhängigen »std fast horizontalen Boden, muß also als die Wirkung der Schwerkraft und des Drucks, in einigen Fällen aber auch, als die Wirkung von beiden zugleich, angesehen werden. 170 Dritte Abth. Dritter Abschnitt. Nahe beim Ursprünge der Flüsse ist die Wassermenge klein, die Senkung des Bodens dagegen groß. Hier wird also die Bewegung und Geschwindigkeit des fließenden Wassers- durch da- Gefälle allein bestimmt. Gegen die Mündung zu ist der Abhang des Bodens geringe, die Masse aber groß, die Geschwindigkeit eines Stroms also bloß die Wirkung des drückenden Wassers. Zn den mittleren Gegenden desselben ist sie bald von der einen, bald von der andern, bald von beiden Ursachen zugleich abhängig. Hieraus folgt nun, daß ein großer und tiefer Fluß, unter gleichen Umständen, und bei einem gleich großen Gefalle, geschwinder fortlaufen müsse, als ein kleiner. Auch bestätigt dies die Erfahrung. Ein kleiner Fluß in Schweden ging, nach dem Elvius, in einer Sekunde fast durch Pariser Schuh: die Seine, welche viel größer ist, als jener Fluß, durchläuft nach Mariotte, bei einer mittlern Wafferhöhe, in derselben Zeit, fast Pariser Schuh. Aus dieser Ursache muß man auch Kanälen und Rinnen desto mehr Gefalle geben, je schmäler sie sind, Wäre der Fall des Wassers in dem Bette eines Flusses durchaus gleich, so würde es auch mit einer stärkern Bewegung herabschießen. Der untere Theil des Stroms müste sehr seicht werden, wenn er sich auch nicht erweiterte, wie doch durch das Anstoßen des Wassers an die User geschehen wird. Da aber das Bette der Ströme, den Mündungen näher, immer horizontaler wird, als weiter oben; so fließt auch dort das Wasser nicht so schnell, und hält dadurch das obere Wasser auf, welches nun einen Theil seiner Kraft, die es durch den Fall erhalten hat, anwenden muß, um das untere Wasser fortzudrängen. Hierdurch wird nun die Geschwindigkeit der Wasserbewegung in den Flüssen gemäßigt. Ferner wird in gcbirgigten Gegenden der schnelle Lauf der Flüsse dadurch gehemmt, daß sie sich auf ihrem Zuge in Seen ausbreiten. Dies ist unter andern der Fall bei dem Bewegung des Flußwassers. 171 Flusse Glommen in Norwegen -) und -bei mehren, in der Schweiz "), die außerdem mit einer reißenden Schnelligkeit dahin strömen würden. Alle Flüsse — die Bergflüsse, und solche, die einen fel- sigten Boden haben, ausgenommen — nehmen in einiger Entfernung von ihrem Ursprünge, immer eine gleichförmige Bewegung an: indem die zunehmende Geschwindigkeit, die aus dem Falle entsteht, durch die Reibung und andere Hindernisse mehrentheils vernichtet wird, und ohne Zweifel würde diese Reibung endlich beinahe die ganze Vernichtung der Geschwindigkeit zu Wege bringen, wenn nicht zugleich die Wassermasse, oder ihre Höhe größer, und dadurch der Geschwindigkeit zum Theil das wieder erseht würde, was ihr durch die Reibung entzogen wird. Einige haben die Klebrigkeit der Wassertheile unter einander als eine Ursach der Bewegung oder der Geschwindigkeit angesehen: diese Eigenschaft muß aber vielmehr im Allgemeinen als ein Hinderniß derselben betrachtet werden. Die Bewegung des Wassers ist nicht nur bei den verschiedenen Flüssen verschieden, sondern auch bei einem und demselben, hier langsamer, dort geschwinder. Die Donau, deren Wasserzug durch ganz Ungarn langsam ist, wird bei Belgrad sehr geschwinde. Oft wird die Bewegung und Geschwindigkeit eines Flusses dadurch verändert, daß sich sein Bette entweder zusammenzieht oder sich erweitert: denn die Ströme gehen am schnellsten, wo sie am engsten sind, und am langsamsten, wo sie ihre gröste Breite haben. Gewöhnlich pflegen sie aych da, wo sie in enge Ufer eingeschlossen sind, am tiefsten zu seyn, weil das schneller fortströmende Wasser seinen eigenen Boden starker aufwühlt und vertieft, r) Ponroppidan'L Versuch einer natürl. Historie von Norwegen. Kopenhagen 1 B. 175z. L- S. - 6 z. 2) kUil. l-r-ns. VoU. Z5. x. ». Dritte Abth. Dritter Abschnitt. eben dadurch aber einen Theil seiner Geschwindigkeit verliert, indem der Durchschnitt durch den Fluß oder sein Profil größer wird. Wenn dagegen ein Strom auf und zwischen Felsen fließt, die seinen Bode/i erheben und auch verhindern, daß er sich an den Seiten nicht ausbreiten kann, so wird seine Geschwindigkeit verstärkt. Die außerordentliche Schnelligkeit großer Ströme, wenn sie enge Passe durchzustreichen genöthigt werden, ist hauptsächlich dem Drucke des Wassers zuzuschreiben. Der wasserreiche Amazonenfluß hat zwischen den Cordilleras vier enge Passe, unter welchen der zwischen St. Zago und Dorja, Punto genannt, der vornehmste ist. Der Strom, welcher, ehe er an den Paß gelangt, sLc» Klafter breit ist, drängt sich auf einmal zwischen zweien parallel laufenden Felsenwänden hindurch, und behält an eine? Stelle nur 2L Klafter Breite. Die Geschwindigkeit nimmt so sehr zu, daß, obgleich daselbst sich keine Wasserfälle befinden, das Wasser dennoch hinab zu stürzen scheint. Das Fahrzeug, worauf de la Condamine *) war, durchlief hier mehrere Klafter in einer Secunde. Noch merkwürdiger ist der Paß, durch welchen der Connecticut an einer Stelle strömt. Etwa zweihundert Meilen von seiner Mündung, wird dieser ansehnliche Fluß von zweien hohen steilen Gebirgen so enge eingeschlossen, daß seine ganze Breite in einem Striche von vierhundert Essen, nicht über fünfzehn Fuß beträgt/ Hier erblickt man ein wunderbares Schauspiel der Natur. Das Wasser wird an diesem Orte, ohne Frost, bloß durch den heftigen Druck, und die daraus erwachsende ausnehmende Schnelligkeit, zwischen den widerstehenden Felsengebirgen, zu einer solchen Härte, zusammen gepreßt, daß man kein Brecheisen hinein zwängen kann. Blei, Eisen und Kork sind hier von gleicher Schwere. In einer unbegreiflichen Schnelligkeit und hart wie Eis, fließt der Strom mit einer unwider- ») Reise nach Südamerika. S. rao. Bewegung des Flußwassers. r?S stehlicher, Gewalt hindurch, und zersplittert Bäume mit eben der Leichtigkeit, als der Blitz. Die Gestalt dieser wunderbaren, noch bei keinem Flusse bemerkten, Enge ist ein Zickzack, mit schiefen Winkeln *). Diese auffallende Erscheinung zu erklären, ist nun nicht nöthig, eine wirkliche Verwandlung des Wassers in einen festen Körper anzunehmen: sondern die ungeheure Schnelligkeit seiner Bewegung macht sie allein begreiflich. Je größer die Fläche des Bettes bei einem Flusse ist, desto größer ist überhaupt die Bewegung, welche in der sie berührenden Wasserschicht verloren geht: je größer aber dagegen die ganze Wassermasse in Ansehung dieser Schicht ist, desto »»merklicher wird der Verlust, wenn er sich durch die ganze Masse vertheilt. Man nehme z. B. einen Fluß von tausend Ellen Breite; man setze, daß in ihm das Wasser um zwei Ellen wachse; so wird sein Bette dadurch so wenig vermehrt, daß man es, ohne einen großen Irrthum, noch für eben so groß ansehen kann, als es vorher war: denn was sind zwei Ellen auf jeder Seite gegen tausend Ellen? Aber die Wassermasse hat sich in einer Breite von, tausend Ellen auf zwei Ellen hoch, und also sehr beträchtlich vermehrt; folglich vertheilt sich derselbe Verlust in der Bewegung jetzt durch eine viel größere Masse. Er ist also auch viel weniger merklich als vorher, und deswegen läuft der Fluß auch viel geschwinder. Wenn sich ein Strom sehr schnell bewegt, so wird ein großer Theil seines Gewichts auf die Bewegung verwendet, und desto weniger bleibt dem bloßen Drucke übrig; desto beträchtlicher ist also auch der Unterschied in der Höhe des schnell fließenden und ruhenden Wassers, welches mit jenem Gemeinschaft hat. Dieser Unterschied ist nun an den Strömen, die selbst an ihren Ufern schnell fortfließen, sichtbar, *) Beiträge zur Völker - und Länderkunde von Sprengel und Förster. » T. S- i -s- 174 Dritte Abth. Dritter Abschnitt. wenn sich an den Seiten etwa Löcher von stehendem Wasser befinden. Daher kommt es, daß die Flüsse in ihrer Strombahn, wo sie merklich schneller gehen, als an anderen Stellen, erhöhet sind, so daß wenn man eine Linie queer durch den Fluß an seiner Oberfläche zieht, solche nicht gerade, sondern krumm, bauchig und über der Strombahn am höchsten ist; und diese Convexität nimmt nach dem Verhältnisse zu, je größer seine Geschwindigkeit ist. Es ist also die Oberfläche eines strömenden Flusses, von einem Ufer zum andern gerechnet, nichts weniger als wagerecht. Zn Frankreich hat man, wie Büfson anführt, durch Messungen gefunden , daß in der Strombahn des Aveiron das Wasser einige Fuß höher stehe, als an den beiden Ufern. Das langsamer fließende Seitenwasser drückt bei einerlei Höhe stärker, als das in der'Strombahn: es wird also das untere Wasser immerfort von den Seiten nach der Strombahn getrieben, wodurch sich diese nothwendig erheben muß. Allein diese Erhebung hat auch die Folge, daß dagegen das obere Wasser von der höheren Strombahn beständig zu den Seiten hinab fließt. Wenn ein Fluß in ein Meer auöläuft, welches Ebbe und Fluth hat, und sich zur Zeit der Fluth das Meer immer höher erhebt, so verhindert sie dadurch den Ablauf des Stroms immer mehr. Indessen stößt der Strom in der Mitte, da, wo er am schnellsten geht, das Meerwasser am stärksten zurück. Also steigt dieses Wasser an den Seiten, wo der Fluß langsamer fortgeht, höher, als in jener Strombahn, und es fließt deshalb sowohl von oben als auch von unten in diese ein. Dessen ungeachtet über wird dadurch das Gleichgewicht zwischen dem Hauptwasser und dem Sei- tcNwasser des Stroms nicht hergestellt, so lange die Fluth fortfährt, daflelbe zu stören. Denn, je Mehr das Seitenwasser in die Strombahn eindringt, um desto mehr wird diese in ihrem Zuge beschleunigt, und desto stärker stößt sie >75 Bewegung des Flußwassers. das Meerwasser fort. Zu diesem Falle ist also der Strom an seiner Mündung in der Strombahn niedriger, als an den Seiten: sonst findet, aber das Gegentheil Statt. Die von de.m .fluchenden Meere abstammende Bewegung des Wassers wird in einigen großen Strömen auf hundert und mehr Meilen verspürt. ^ Da, wo ein Fluß am tiefsten fließt/sagt man, daß in demselben der Strom oder die Slrombahn befindlich sey. Die Schiffe, welche beladen sind, folgen bei kleinem Wasser allezeit dieser Strombahn, und suchen immer die tiefsten Stellen, wdil sie sonst in Gefahr kommen, auf dem Sande sitzen zu bleiben. Hier läuft nun auch der Fluß am schnellsten Man kann überhaupr einen breiten Fluß so ansehen, als ob er aus einem Hauptflusse, und zwei Nebenflüssen zusammen gesetzt sey. Die Flüsse ändern-übrigens ihre Strvmbahnen oft sehr merklich, besonders nach starken Eisgängen, weil durch sie das Bette oft an einigen Stellen vertieft, an andern aber erhöhet rvird. Die Flüsse laufen, wenn die Bewegung des Wassers allein die Wirkung des Gefälles ist, in der Tiefe etwas langsamer als an ihrer Oberfläche; bei Flüssen aber, deren Bewegung durch den Drück des Wassers bestimmt wird, nimmt, die Geschwindigkeit des Wassers voll der Oberfläche bis zu dem Boden hin, wie die Versuche des Zendrini, Lvrgna, Michelotti u. a. beweisen *). Der langsame und schleichende Gang wenig wasserreicher Flüsse wird dadurch mit verursacht, daß, indem sie iu ihren Betten fortgehen, selbige am Grunde und an den Seiten durch Erde, Steine ü. s. w., woran sie stoßen, be, ständig in-ihrer Bewegung aufgehalten werken. Ob nun zwar durch diesen Widerstand nur die Bewegung derjenigen Theile geschwächt wird/ welche den Grund und die-Seiten unmittelbar berühren: so hängen doch solche mit dem *) InStitULioiU aTeoesiiick, ä'läi'LiUica scc. äeU I' i i-i. 176 Dritte Abth. Dritter Abschnitt. übrigen Wasser zusammen, und ziehen es also mehr oder weniger zurück, so daß zuletzt die ganze Wassermasse langsamer fortgeht, als sonst geschehen würde. Zu großen Flüssen scheinen jene Hindernisse der Bewegung des Wassers im Ganzen weniger Abbruch zu thun. Das Wasser tritt beim Ausstößen an dieselben in die Höhe, und wirkt denn, vermittelst dieser Erhebung, durch das Gewicht. So ist auch die Rauhigkeit und Ungleichheit des Bodens Hiebei von keiner Erheblichkeit, da die dadurch entstehenden Vertiefungen vom Wasser selbst ausgefüllet werden, dessen glatte und ebene Fläche, weil es hier als stehend angesehen werden muß, dem aufliegenden statt eines Bodens dient. Ganz anders verhält es sich aber mit den Hindernissen, welche Rohr, Schilf, Gebüsch und Wasserpflanzen dem Laufe des Wassers entgegen fetzen: denn diese hemmen dje Bewegung des fließenden Wassers merklich. Die Geschwindigkeit eines Flusses zu messen, bediente sich Zendrini einer in dem Wasser Hangenden Kugel, indem sie von dem Strome genöthigt wird, sich in eine andere als senkrechte Lage zu stellen. Die Schwere dieser Kugel muß nach der größern oder geringern Geschwindigkeit des Stroms eingerichtet seyn, welche, da er. der Kugel entgegen wirkt, sie'zwingt, von der senkrechten Linie abzuweichen. Die Geschwindigkeit des' fließenden Wassers ist mun größer oder geringer, je nachdem der Abweichungswinkcl größer oder kleiner ist. Bei einer tiefern Eintauchmig beobachtete er einen größern Abweichungswinkel von der senkrechten Linie. Sonst gebraucht man in dieser Absicht, für die Oberfläche des Wassers, hölzerne Kugeln, welche da in das Wasser geworfen werden, wo der eigentliche Strom zieht. Denn, wenn zwei Menschen mit richtigen und übereinstimmenden Uhren aus eine ansehnliche Weite von einander gestcllet werden, und der eine aus seiner Uhr den Augenblick, wo er die Kugel in das Wasser wirft, und der andere den, wo sie Bewegung des Flußwassers. *77 sie bei ihm ankommt, auf der seinigcn genau bemerkt; so weiß man die Zeit, in welcher die Kugeln, und auch das Wasser, auf dem die Kugel schwimmt, und welches sich eben so geschwinde bewegt, als sie, von dem einen Orte bis zum andern gelangt. Die Entfernung beider Oerter muß man auf das genaueste messen, und so laßt sich die mittlere Geschwindigkeit eines Flusses zwischen zweien Orten um desto richtiger erhalten, je weiter diese von einander entle- gen sind r). Das Wasser eines Flusses rührt ursprünglich von seinen Quellen her. Zn so kleinen Kanälen es im Ansang daher rinnt, so sehr nimmt es in seinem weiter» Laufe zu, ohne von einer sichtbaren Nrsach einen fremden Zuwachs zu erhalten. Es ist also offenbar, daß es auf seinem Wege auf viele Quellen stoßen müsse, die theils aus dem Boden, theils an den beiden Ufern verborgen sind- Es fließt unter der obern Decke des Erdreichs ein größerer Vorrath Wassers zu, als es von der Quelle empfängt. Man bemerkt an mehreren Flüssen sehr auffallend, daß ihre Wassermenge an verschiedenen Stellen sogar beträchtlich zunimmt, ohne sich mit andern Flüssen verbunden zu haben; so wie sie auch dagegen an anderen Orten abnimmt, ohne daß durch einen Arm ein Theil davon verloren geht"). Büffon behauptet, daß die Flüsse mit ihrer Feuchtigkeit I) Bruning'S Abhandlung über dle Geschwindigkeit des fließenden Wassers, und die Mittel, fie auf allen Liefen in bestimmen, a. d. Hall. von Kränke. Frft. a. M. -798. 4. Da »ach Messungen, die Vruning angestellt, die graste Geschwindigkeit keinesweges in der Oberfläche der Ströme, sondern einen »nd mehrere Fuß darunter, anzutreffen ist; so erfand er ein Werkzeug, um die Geschwindigkeit deS fließenden Wassers in allen Tiefen zu erforschen; welches in der verram«. 1in§ van iNaz-xerken Verbauten en v> erstere Stnkken, betr. st«, Doc>rsn)'stinAen eu Werken etc. Hasz 1798. beschrieben und abgebildet ist- 2) zeritzi Ox-nsan!. flieset, x. M 173 Dritte' Abth. Dritter Abschnitt nicht tief in die Erde einzudringen vermöchten, und daß einige Zoll unter den Sohlen das Erdreich ganz trocken sey. Nach anderen hingegen ist jeder Strom eine Art eines unterirdischen Sees, dessen gröster Theil, längs der Ufer hinab, unter der Erde verborgen liegt, sich weit umher verbreitet, und bei welchem der offene Fluß nichts weiter ist, als der Kanal des Zu- und Abflusses. Wenn man in einer Nie- drigung an irgend einer, Stelle; ein Loch gräbt, so füllt sich dieses, wenn es nur etwas rief ist, merklich mit Wasser an. Man erhält allenthalben Brunnen, auch in einer beträchtlichen Entfernung vwn Flusse, und in diesen steigt und fällt das Wasser, so wie im Flüsse, zum Beweise, daß es von diesem herkommt. Sogar Keller, die sonst trocken sind, füllen sich mit Wasser an, wenn der Fluß hoch anschwillt. Die Ursach dieser unterirdischen Wassersammlung ist nicht schwer zu erklären. Die meisten Ströme fließen in einem Bette von Sande und lockerer Erd,e. Ihr unteres Wasser muß also, bei dem geringen Gefalle, das Bette um so mehr durchdringen, je stärker es von dem obern gedrückt wird, oder je höher der Stand des Wassers im Flusse ist. Büf- fon's Theorie paßt mir auf solche Flüsse, die am Abhänge der Gebirge fließen, und ein starkes Gefalle haben; bei den Flüssen im flachen Lande verhält es sich ganz . anders, denn hier haben die wenigsten von ihnen einen festen Boden, welcher das Eindringen des Wassers'verhindern könnte. Wenn nun an einem solchen Orce ein Fluß durch das sich darein ergießende Regen- und Schneewasser anschwillt, und also seine Fläche ^sich erhebt; so wird auch jener verborgene See größer als vorher, und ein ansehnlicher Theil des nun hinzu gckommnen Wassers verliert sich unter der Erde. Die Oberfläche der Flüsse steigt und fällt, je nachdem die Wassermenge darin zu- oder abnimmt. Wenn die Flüsse durch Schneeschmelzungcn und starken Regen ungewöhnliche Vorräthe von Wasser erhalten, so wachst zuerst die Ge- Bewegung des Flußwgssers. r?9 schwindigkcit in der Tiefe: da denn hier bisweilen der Zufluß abgeführt wird, ohne daß die Oberfläche des Stroms steigt. Wird jener annoch verstärkt, so wird auch die Geschwindigkeit auf der Oberfläche größer; wenn nun demun- geachtct der Kanal nicht, alles Wasser fördern kann, so tritt dieses über die Gestade, und überschwemmt die Niedrigungcn^ bald mehr, bald weniger. So bald der Strom ausgetreten ist, wird die Geschwindigkeit des Wassers geringer, welches denn zur Folge hat, daß, nach einmal crfolgtcr Ergießung, die Ueberschwcmmnng noch viele Tage fortdauert. Denn, wenn auch nach dem Uebersirömcn das Wasser wirklich nicht so häufig als vorher nachkommt, so hört doch die Ergießung nicht auf, weil sie mehr in der verminderten Geschwindigkeit, als in der Menge des zuströmenden Wassers liegt. Es ist einerlei, ob dieselbe Menge Wasser.langsamer, als zuvor abläuft, oder ob ein größerer Verrath von Wasser von neuem beständig" zuströmt. Wäre dies nicht, so würde man oft die Ströme nur eine oder zwei Stunden überlaufen, und aisdenn sich wieder in ihre Ufer einschränken sehen, welches doch nie geschieht. Hiebet kommt aber hiernachst auch der Wind in Betrachtung. Wenn dieser, dem Zuge des Stroms anhaltend entgegen weht, so dauert die Ueberschwemmung länger fort, weil er der Geschwindigkeit des abfließenden Wassers Abbruch thut: weht er hingegen mit dem Zuge des Wassers nach einerlei Richtung, so wird die Ergießung nicht allein geringer, sondern sie ist auch von kürzerer Dauer. Bei Ueberschwemmungen steigt das Wasser öfters zu einer erstaunenden Höhe. Lessep *) berichtet von dem ^ Flusse Okhota, daß seine Ergicßungen für die umliegenden ! Gegenden äußerst gefährlich seyen. Wenn er aus seinen Ufern ^ tritt, so setzt er nicht nur die nahen Felder unter Wasser: sondern er schwillt auch zu einem Strome an, der in eben' Reisen durch die Wüsteneien deS Russischen Asiens. , M 2 i8» Dritte Abth. Dritter Abschnitt. dem Maaße furchtbar wird, als >cr sich ausdehnt Er soll bisweilen zwei Fuß über die Gipfel der höchsten Bäume steigen; und kann man daraus auf seine Verwüstungen schließen. Die meisten Überschwemmungen der Flüsse sind regelmäßig, und binden sich an gewisse Zeiten. In unserm Erdgürtel sind fast alle Ströme und größeren Flüsse, dem Austrcten in einem Zahre dreimal unterworfen. Dieses Anschwellen ist unter dem Namen: der Frühlings- Sommer- und Herbst-Wasser bekannt. Wenn Schnee und Eis aus den Gebirgen schmelzen, so ergießen sich alle fließenden Wasser. Ze nachdem nun in einem Winter viel Schnee gefallen, und dickes Eis gefroren ist, auch das Wetter schnell von der Kälte zur Wärme übergeht, oder hingegen Frost und Thauwetter abwechseln, so ist auch das Frühlingswasser größer oder kleiner. Das Sommerwasser entsteht gemeiniglich nur in den Hauptflüsscn. Wenn nemlich der in den Gebirgen später aufthauende Schnee durch entfernte Bäche und weite Umwege fließen muß, so sind einige Monate erforderlich, ehe sich dieses Schmelzwasser in den Hauptstrom sammeln kann. Dazu kommt noch, daß in unserm Erdstriche gewöhnlich in dem mittlern und untern Gebiete eines Stroms starke Sommerregen fallen. Wenn nun dieses Wasser mit jenem Schneewasser zugleich in dem Strome eintrifft, so ist dieses Sommenvasscr um so viel stärker. Bevor der Winter eintritt, giebt es gewöhnlich anhaltende Regen, wodurch die Flüsse in etwas anschwellen. Wenn nun ein Fluß schon mit Grundeise geht, und seine Krümmungen zufrieren, so wird der Wasserlauf in etwas gehemmt, und hieraus entsteht das Herbst- oder Winter- wasser. Nebrigens sind bei kleinen Flüssen die Wolkenbrüche, Bewegung des Flußwassers. 131 und bei großen die Eisstopfungcn, als Ursachen außerordentlicher Ueberschwcmmungen anzusehen. Einige Ströme sind ihrer jährlichen periodischen Ergie- ßungen wegen berühmt, wodurch sie sich für ihre Gegenden wohlthätig beweisen, theils durch die Bewässerung des Bodens, in Ermangelung des Regens^ theils dadurch, daß sie dem Lande einen fruchtbaren Schlamm zurück lassen. Hieher gehören nun vorzüglich die Ergießungen des Nils, eine Naturerscheinung, welche schon in den ältesten Zeiten die Aufmerksamkeit der Philowphen um so mehr -auf sich zog, weil man ihre Veranlassung nicht erforschen konnte. Thales sehte sie an die etesischen Winde, welche in der heißen Jahreszeit über das mittelländische Meer, dem Strome entgegen wehen, diesen dadurch in seinem Laufe hemmen, und ihn zwingen sollen, über seine Ufer auszutreten. Anaxagoras schreibt sie dem in Aethiopien schmelzenden Schnee zu. Der eigentliche Grund dieser Ueberschwemmun- gen liegt aber, wie man jetzt weiß, in der erstaunlichen Masse des Regens, welcher in Abnssinien vom April an bis in den September fällt. Die unzählige Menge der Bäche und Flüsse, welche der Nil in sein Bette aufnimmt, schwellen ihn an, und vorzüglich giebt der weiße Fluß, der aus einem Lande kommt, wo es fast unaufhörlich regnet, demselben einen nie versiegenden Strom, welcher ihm an Größe nur wenig nachzieht. Die Ueberschwemmung tritt in Aethiopien schon am Ende deS Mai's, in Egypten aber erst im Zun ein. Der Fluß steigt sechs und vierzig Tage, und fällt eben so lange Zeit. Der Nordwind hat darauf einen großen Einfluß, indem er nicht nur die Wolken gegen die Gebirge des innern Afrika s treibt, sondern auch den freien Abzug des Wassers im Strome verhindert. Bei einem Südwinde fällt dasselbe in einem Tage eben so viel, als es in vieren gestiegen war. 182 Dritte Abth. Dritter Abschnitt. Von den ältesten Zeiten her glaubte man, daß Egyp- ten diesem Flusse sein Daseyn zu verdanken habe; daß es einst ein Arm des Meeres gewesen, aber durch die Lange der Zeit, und die ungeheure Menge Schlamm, welche der Strom abgesetzt, ausgefüllt und in Land umgeschaffcn worden sey. Diese Meinung ist indeß nie so allgemein gewesen, als man vorgiebt, nicht einmal von dem Delta überall behauptet, und schon längst von manchem Reisenden, als Heymann und Bruce widerlegt worden. Es ist indessen nicht zu laugnen, daß der Boden Egyptcns von diesen abgesetzten Erdtheilen immer mehr erhöhet werde, und daß das Wasser jetzt viel höher steigen müsse, als vormals, ehe eine Überschwemmung erfolgen kann. Ausgemacht ist es, daß Egypten diesen Ergießungcn des Nils seine ganze Fruchtbarkeit schuldig ist, indem es in diesem Lande niemals regnet; daher sagt schon Ovid: ll's nullo» telliis k>i-l Postulat irnbres, ^rlcla nee plnvio 8>i^1icc. S.2S- Igo Dritte Abth Vierter Abschnitt. Das Wasser der Kerka in Dalmaticn führt in ihrem obern Theile eine Menge Kalkerde mit sich, welche es abseht, und ist daher zu Steinverharcungen und Zncrustatio- nen sehr geneigt. Zn diesem Tophstein findet man schöne Abdrücke von Pflanzen, und die Steinverhärtungcn find überdies sehr dienlich zum Mauerwcrk, da sie sich sehr leicht behauen lassen, dem Einflüsse der Luft widerstehen, und dabei sehr leicht sind *). Wir haben bereits oben -) eines Flusses gedacht, der Bergöl mit sich führt. Von eben diesem Oele ist denn auch wohl die Erscheinung des entzündbaren Wassers im Turkey- Creeky (vermuthlich richtiger Turtle-Creek) in Pensylvanien zu erklären, deren ^Schöpf in seinen Reisen gedenkt. Das Wasser eines jeden Flusses hat seine eigene, obwohl sehr schwache Farbe. Daher unterscheidet man oft da, wo sich zwei Flüsse mit einander vereinigen, das Wasser des einen von dem Wasser des andern, auf eine beträchtliche Weite. Da, wo die Arve in die Rhone fällt, scheint diese der Vereinigung ausweichen zu wollen. Sie stemmt sich an der entgegen gesetzten Seite, und man sieht, einer großen Länge nach, das bläuliche und klare Wasser der Rhone, neben dem grauen und trüben Wasser der Arve, in eben dem Bette, aber abgesondert, fortlaufen. Einen ähnlichen Unterschied bemerkt man auch bei den Mündungen der Flüsse, wo sie sich in Seen, oder in das Meer ergießen. So zeichnet sich die Rhone, noch eine Viertelmciie in den Gcn- fersee hinein, durch ihr bleiches milchfarbiges Wasser, aus; so ist der Nil durch sein weißes Wasser in einem großen Abstände vom User »och kennbar. Wenn man ein würfelförmiges Maas nimmt, von welchem jede Seite inwendig genau einen Pariser Fuß groß iss; >) FortiS Reise in Dalmatien. I Th. S. -6-. 2 Th. S. vt- -) S. >c>4. Beschaffenheit des Flußwassers. so wiegr das Flußwasser, weiches diesen Raum ausfüllt, oder der Kubikschuh Flußwasser, an siebenzig Pariser Pfund, zu W Loth Köllnischen Gewichts gerechnet. Das Wasser der Flüsse fängt an, auf der Oberfläche zu gefrieren, und nicht im Grunde. Gleichwohl entstehet auch unter der Eisdecke, und zwar an den Seiten der Ströme oder den Ufern, ein Eis von lockerer und schwammigter Beschaffenheit, mit Erde und anderen Unreinigkciten angefüllt. Dieses Eis, welches auch Grundeis genannt wird, entsteht nur an solchen Stellen, wo der Fluß sich langsamer hcwegt, weil die Bewegung sein Gefrieren um desto starker hindert, je schneller st» ist. Dergleichen Stellen giebt es allenthalben in jedem Flusse. Wenn an jenen Stellen, nicht weit vorn User, eben der Fluß zugefroren ist, und man hauet ein Loch in das Eis; so erscheint in demselben gleich darauf ein Stück solchen Eises, welches durch die Bewegung des Wassers von den Seitenwanden der Flüsse abgerissen ist, und von unten in die Höhe kommt. Dieses Eis.wird nach und nach häufiger, seine Stücke frieren zusammen, schieben sich an und über einander, und bedecken zuletzt den ganzen Fluß mit eiyer holperichcn Rinde, von weißem wenig durchsichtigen Eise. Ein sehr heftiger und plötzlich eintretender Frost kann machen, daß ein Fluß, so wie oft die Newa, allenthalben bis auf den Grund zu Eise wird. Nimmt dagegen die Kälte allmahlig zu, so bilden sich bloß einige Schollen, die auf dem Flusse schwimmen, sich vermehre», an und auf einander geschoben werden, zusammen frieren, und zuletzt den ganzen Fluß bedecken. Hat der Frost etwas geschwinder zugenommen, so bleiben oft über der Strombahn einige Löcher, die sich den ganzen Winter hindurch offen erhalten, ohne zuzufrieren: unfehlbar, well das Eis, welches nun den grösten Theil des Flusses bedeckt, verhindert, daß die Kalte in ihm nicht so stark eindringen kann, um das Wasser an 192 Dritte Abrh. Vierter Abschnitt. diesen Stellen, wo es sehr unruhig und tief ist, zum Ge, frieren zu bringen *). Die Fahrt auf Strömen ist weit sicherer, als auf dem Meere und den Landseen, und da, wo die Tiefe des Wassers noch außerdem durch gute Stromkarten bestimmt ist, fast ganz ohne Gefahr. Gewöhnlich haben auch ansehnliche Flusse, nach ihren Mündungen hin, eine solche Tiefe, daß große Seeschiffe eine weite Strecke hinauf segeln können. Es ist daher eln glücklicher Umstand für ein Reich, wenn ihm die Natur einen oder mehrere schiffbare Flüsse verlieh. Indessen hat die Flußfahrt mit noch manchen Drängeln zu kämpfen, welche die Schiffahrendcn öfters zu ihrem großen Verdruß und Nachtheil erfahren. Ueberhaupt ist, wo keine besondere Hindernisse vorhanden sind, die Fahrt die schiefe Fläche hinab, oder mit dem Strome leicht und geschwinde, ihm entgegen aber äußerst mühvoll und beschwerlich, da man häufig sich nicht der Segel bedienen kann, und das Fahrzeug nur durch vorgespannte Zugpferde von der Stelle zu bewegen ist. Hiernächst läßt sich bei den Flüssen ein fester Wasserstand nicht erwarten. Eine nasse Jahreszeit, Schneeschmelzungen auf den Bergen, schwellen sie gewöhnlich hoch an, so daß sie anstecken, die nahen Gegenden überströmen, und die Schiffahrt zum Theil, wenigstens die dem Strome entgegen, erschweren, wo nicht unmöglich machen. Wenn anhaltende Dürre die Wassermcnge-vermindert, und sie niedriger macht, so können große Schiffe weder auf- noch abwärts fahren. Oft machen die Flüsse große Krümmungen, und die Fahrt von einem Orte zum ändert, wird dadurch auf das unangenehmste aufgehalten; die Entfernung zweier solcher Oertcr beträgt bisweilen in gerader Linie nur ein paar Stunden, dagegen die Serpentinenbahn des Wassers viele Meilen ausmacht. Auch sperren Sandbänke Hübe's Briefe- i, B. S. Beschaffenheit des Flußwassers. 19Z bänke die Fahrt-für die Schiffe entweder gänzlich, oder machen sie doch unsicher; so wie ferner hervorragende und verborgene Felsen in dem Bette eines Stroms die Fahrt sehr gefährlich machen. Wenn Flüsse durch menschenarme Waldgegenden strömen, so reißt der schwellende Strom die stärksten Baumstämme vom User in das Bette, wo sie denn, wenn das Wasser wieder fällt, sitzen bleiben. Hat nun ein weniger dauerhaft gebaueteö Schiff das Unglück, auf einen solchen Baum zu stoßen, so geht es sehr oft mit der Ladung verloren. In den heißen Erdstrichen hat die Nothwendigkeit, die verbrannte Erde zu tränken, so wie in den kalten, die Nothwendigkeit, die überflüssige Feuchtigkeit abzuleiten, die erste -Veranlassung zur Erfindung der schiffbaren Kanäle gegeben. Als Handei die kultivirten Nationen beschäftigte, suchte man durch solche künstliche Wasserleitungen Flüsse mit einander oder mit dem Meere zu verbinden. Man findet bereits Spuren davon in dem tiefsten Alterthume, und in den neueren Zeiten hat man solche auf einen hohen Grad der Vollkommenheit gebracht. Alle vier Erdtheile haben dergleichen auszuweisen. Unter allen Ländern zeichnet sich indeß China durch die Menge und Größe seiner schiffbaren Kanäle aus. Kerns kann sich eines Uunlyangho rühmen, jenes prachtvollen und unermeßlich kostbaren Kanals, welcher ganz China von einem Ende bis zum andern durchschneidet, und eine Menge Flüsse in vortheilhaste Verbindung seht. Durch ihn wird das ungeheuer bevölkerte Pecking mit den erforderlichen Bedürfnissen versehen. Die Nutzbarkeit der Kanäle äußert sich vorzüglich dadurch, daß sie überhaupt die Schiffahrt darauf mehr begünstigen. Die Kanäle sind an sich sicherer, als die Meere, Seen N 194 Dritte Abth. Vierter Abschnitt. und Flüsse. Asts ihnen hat man von den Hindernissen nichts zu fürchten, welche sich der Fahrt auf jenen entgegen stellen, und sie nicht selten so gefahrvoll machen. Der Kanalschiffer hängt nie von den Launen des Windes ab. Versagt ihm dieser seine Dienste, so läßt er sein Fahrzeug durch Pferde ziehen, oder er spannt sich selbst vor die Zugleine, und ist immer sicher, den Ort seiner Bestimmung zu erreichen; auch vom Eise hat derselbe nichts zu besorgen, dessen Schollen den See - und Flußschiffen öfters so nachthei- lig sind. Kanäle sind zu jeder Zeit fahrbarer, als die Flüsse, deren Wasser bald so hoch ist, daß sie alles überschwemmen und mit sich fortreißen, bald so seicht ist, daß kein Schiff darauf fortkommen kann: dagegen der Wasserstand der Kanäle immer derselbe bleibt. Hierzu kommt noch, daß die Kanäle eben so leicht vorwärts und rückwärts befahren werden können, weil der Wasserstand zwischen zwei Schleusen eine völlig horizontale Flache ausmacht, und folglich kein Strom darauf Statt findet. Ein Hauptvortheil der Kanäle besteht darin, daß die gewöhnlichen Wasserwege dadurch ungemein verkürzt werden. Diese Abkürzung der Fahrt kann auf mehrere Art bewirkt werden, indem man theils Halbinseln oder Erdengen durch- gräbt, theils zwei Flüsse mit einander in Verbindung seht, theils endlich, daß man große Schlangenwindungen durchsticht, welche die Schiffahrt so sehr verzögern. Nächst der Abkürzung der Wege beweisen sich die Kanäle auch noch dadurch wohlthätig, daß sie die Schiffer in den Stand sehen. Fahrten zu vermeiden, wo ihnen mannichfaltige Gefahren drohen. x Der Kanal von Holstein verkürzt die Fahrt aus der Nordsee in die Ostsee um Zehentheile, indem alle Schiffe, die aus dem Kanal zwischen Frankreich und England, aus Beschaffenheit des Flußwassers. -95 den Niederlanden und vcn den teutschen Küsten an der Nordsee kommen, einen Umweg von Zoo Seemeilen ersparen, wenn sie, statt durch den Sund, durch diesen Kanal in die Ostsee fahren. Der prachtvolle Kanal von Languedoc überhebt die Franzosen eines ungeheuren Umweges um zwei Königreiche. Durch die Verbindung der Flüsse Forth und Clyde, wurde die Fahrt aus der Nordsee nach Irland um 800 Englische Meilen abgekürzt, und der nur anderthalb geographische Meilen lange Sandwich-Kanal in dem Nordamerikanischen Freistaate macht eilten unangenehmen Weg von fünfzig Seemeilen unnöthig, um aus der Barestaple- in die Buzzards-Bay zu gelangen. Wie wohlthätig ist nicht der Kanal von Glasgow, der ansehnlichste unter allen- die Großbrittannien auszuweisen hat, da man durch ihn den Gefahren einer Reise um das nördliche Schottland ausweichen kann! Die nördliche Küste der Schottischen Hochlande betragt an 70 Englische Meilen. Außer den , dunkeln Nebeln, und den häufigen Stürmen der nördlichen Gewässer iwird die Schiffahrt hier durch Klippen, Strudel und die heftigen Ströme zwischen den Orkaden und dem festen Lande gehemmt, so daß diese Fahrt von den Seeleuten für eine der schwierigsten und gefährlichsten in Europa gehalten wird. Einer gleichen Ursache verdankt der Kanal von Ladoga sein Entstehen. Beim ersten Anblicke eines Plans von diesem Kanal *) fühlt man sich nicht abgeneigt, ihn für völlig überflüssig und unnütz zu halten, indem er mehrere Meilen weit nahe am Ufer eines großen schiffbaren Landsees, des Ladogasees, hinlauft, welcher vor seiner Anlage sehr häufig be, fahren wurde. Ist man indeß mit der Beschaffenheit dieses gefährlichen Fahrwassers näher bekannt, auf welchem vormals Hunderte von Barken mit ihren Ladungen zu Grunde ») Coxe Reis« durch Polen, Rußland u. s. w. Iu>S dem Enrl. 2. B. N 2 196 Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. gingen; so wird man die Nothwendigkeit und Nützlichkeit dieses Kanals nicht verkennen können *). Fünfter Abschnitt. Besondere Eigenschaften und Merkwürdigkeiten verschiedener Flüsse. ^er Abhang und die Senkung des Bodens der Flüsse und Ströme ist, ihrer ganzen Länge nach, in der Regel unbedeutend und geringe. Wenn er etwas beträchtlich ist, so entstehen Strom schnellen: bricht er aber auf einmal und jähe ab, so werden Wasserfälle gebildet. Wasserfälle oder Cataraeten sind demnach solche Stellen in den Flüssen, wo das Wasser von einer bald größern, bald geringern Höhe herab stürzt. Ihrer giebt es auf allen Theilen der Erde, und sie sind, nach dem Verhältniß der Höhe und der Wassermenge bald mehr, bald weniger beträchtlich. Wir werden die vornehmsten dieser Naturseenen hier kürzlich beschreiben. Der Wasserfall, welchen der Nordamerikanische Fluß Niagara auszuweisen hat, steht hier billig obenan. Er wird zwar in Ansehung der Höhe von-einigen andern über- troffen, aber keiner ist ihm in Absicht der Wassermenge, welche sich durch denselben herab stürzt, zp vergleichen: denn er ist der Ausfluß^von vier großen Wassttsammlungen Nordamerika s, mir allen ihren zahlreichen Zuflüssen und Quel- »> Man sehe über »lesen Gegenstand »je lesenSwerthe Abhandlung des Herrn Seetz en, in dem Journale für Fabrik, Handlung u. s. «. «eipiig. Jahrgang 1798. r 7 S 9 - Besondere Eigensch. u. Merkwürdigk. verschieden. Flüsse. »97 len. Er gewährt eine majestätische Scene. Wer ihn zum erstenmal sieht, kann sich auf einige Minuten nicht sammeln; jeder Theil desselben scheint ein Wunder. Personen, die ihn ganze Jahre hindurch zu betrachten Gelegenheit haben, dünkt er jedesmal prächtiger und neu. Dieser Cataract ist von vielen, obgleich oft sehr unrichtig, beschrieben worden. Die zuverläßigsten Nachrichten geben uns Kalm, Pouchot, Ellicot und Cauelin. Aus ihren in der Hauptsache übereinstimmenden Berichten ist nun folgende Beschreibung entstanden. Der Niagara ist Anfangs eine halbe geographische Meile breit, und hat so weit einen meist fahrbaren Schnellstrom, wird aber nach fünf Meilen immer reißender, so wie er sich dem Orte des Sturzes nähert. In einem engen Bette zusammen gedrängt, fließt er bis zu einer kleinen, mit Bäumen bewachsenen Felseninsel, welche mitten in dem Flusse liegt, und sich 12 bis i/soo Fuß lang -bis an den Fall erstreckt, den sie in zwei Theile spaltet, und wo ihr breites Ende hervorragt. Der Strom wird schon etwas oberhalb des Falles auf beiden Seiten von einer dreifach über einander hinauf liegenden Bergkette eingeschlossen, welche von Westen nach Osten hin streicht. Bereits drittehalb Meilen vor seiner Ergießung kann der Strom, wegen seines ungestümen Wassers nicht mehr befahren werden, indem er hier aus einer Reihe lauter kleiner Cataracten besteht. Jene Insel, am Ende etwa 120 Fuß breit, trennt den Wassersturz und verschönert den Anblick nngemein. Durch den südwestlichen Fall drängt sich eine viel größere Wassermasse, als durch den nordöstlichen. Dort ist auch der-Strom oberhalb des Falls viel heftiger; er sprudelt und schäumt über verborgene Klippen, und reißt pfeilschnell und unwiderstehlich, alles, was sich ihm nur von fern nahet, in den Abgrund, Man kann von oben her deutlich sehen, wie sehr sich seine Fläche senkt, ehe er an die Felsenreihe gelangt, über die er 198 Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. sich hinab stürzen soll. Diese Westseite des Falles ist auch höher als die andere. P- Hencpin schäht übertrieben den Fall auf 6 oc> Fuß. Die Franzosen haben die Höhe, auf das genaueste trigonometrisch gemessen, zu 137 Französische Fuß angegeben, womit auch Kalm übereinstimmt. Charlevoix und Pouchot nehmen isto bis igo Fuß an: Mr. Cauölin fand nach gleichen Messungen und einer andern mit einem hinab gelassenen Bleilothe, die westliche istz, die östliche aber 163 Fuß hoch, und will für die Abweichung der nassen Loth.- leine nur etwa zehrn Zolle abrechnen, so daß das Verhält/ niß beider Höhen etwa gleich bliebe. Von dieser Höhe wälzt sich der doppelte Strom mit heftigem Getöse, welches sich in der Ferne bis zum Rollen,des Donners verstärkt, in eine unergründliche Tiefe. Die von hohen Felsen umgebene Kluft, welche die in schäumenden Strudeln sich empörenden Wasser aufnimmt, gewährt einen schaudcrvollen erhabnen Anblick. Man sieht, wenn man unter ihren schrofen Ufern steht, die von fern sich herabneigende Fläche des Stroms über dem Falle, und dann auf einmal den senkrechten Sturz desselben; unterhalb aber den an vierzig Fuß aufbrausenden Strom, der theils in mächtigen Wogen, theils in Wolken von Schaum aufgelöset, gegen den Fall zurück geworfen wird. Dem dicksten Nebel gleich, steigen die Dünste hoch gen Himmel, und erscheinen bei heiterer stiller Luft, weit ins Land hinein, dem Auge als eine Rauchsäule, vom Brande großer Waldungen erzeugt. Die Sonne malt in diesen Dunstwolken die herrlichsten Regenbogen. Unmittelbar unter dem Falle sieht man dicke Wassermassen runden Haufen gleich aufschwellen, dann plötzlich bersten, und den schäumenden Wasserstrahl erstaunlich hoch hinauf sprühen, und so wie der eine vergeht, erheben sich neue, und platzen wie die vorigen. Zm Winter senkt sich der Nebel auf die umliegende Gegend, wird an den Bäumen zu Eise, umschließt ihre Zweige mit Kristallen, an welchen sich die Son- Besondere Eigeirsch. u, Merkwürdigk. verschieden. Flusse. 199 nenstrahlen auf das schönste brechen: der Boden bebt in der nähern Gegend umher. Hier ist das Getöse nicht immkr so stark, daß man sich einander nicht könnte sprechen hören, aber weiterhin verhallt es lauter, und bei stiller Luft kann man es in einer Entfernung von mehr als vier geographischen .Meilen deutlich vernehmen: sehr selten aber, und wenn der Wind günstig war, soll es beinahe neun Meilen weit gehört worden seyn. In der großen Kluft, welche sich unterhalb des Falles anderthalb geographische Meilen weit erstreckt, hat der Strom noch einen Fall von wenigstens fünf und sechszig Fuß. Man glaubt, aber nicht aus sehr wahrscheinlichen Gründen, daß hier bei dem letzten Felsenriff ursprünglich der große Fall gewesen sey, und nun, so wie die Gcwait des Wassers die Felsen abschleife, immer weiter zurück gehe. So weit die Kunde der Europäer reicht, hat er jedoch seine Stelle nicht verändert, wie die schon im vorigen Jahrhunderte bemerkte Lage der Insel mitten im Falle beweist. Unterhalb des Wasserfalls findet man eine große Menge einer weißlichen Substanz, welche der Schaum des Wasserfalle ob ldö kalls) genannt wird. Sie liegt entweder in kleinen Klumpen zwischen den Steinen, oder sie legt sich als eine Rinde an die Fclsenwand. Es lst eine Art von Kalksinter, und vielleicht ein Niederschlag aus dem Wasser, welches ihn von dem Felsen abgeschliffen hat *)- Der Cohoes - Wasserfall in dem Nordamerikanischen Flusse Mohawk, nicht weit von seiner Mündung. Eine schief liegende Felsenwand geht von einem hoch aufsteigenden Ufer zum andern gueer durch den Fluß, dessen Breite hier 900 Fuß betragt. So giebt es Evans und nachher *) Ebelinz'S CrLb. 2 B- 8. Unter den neuesten Reisenden hat ihn Welrl in seinen travels tuonZIi tlie Krrites ok??ortIr äon 1799. 4. gur beschrieben, und drei Ansichten in Kupfern davon ger 200 Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. Castiglioni an; andere haben eine Engländische Viertelmeile und Morse nur hundert Yards oder dreihundert Fuß. Die senkrechte Höhe des Felsens macht nur idreißig Fuß: wenn man aber den starken Fall des Flusses, oberhalb des Wassersturzes dazu rechnet, so beträgt derselbe überhaupt sechszig bis siebenzig Fuß. Nach Evans Messung fällt er senkrecht fünf und siebenzig Fuß herab. Die mehrere -oder mindere Anhäufung des Wassers in - dem Flusse veranlaßt diese unter sich abweichende Angaben, so wie auch die wenig mit einander übereinstimmenden Beschreibungen. Kalm, der ihn im Sommer bei sehr niedrigem Wasser sah, fand nur ein paar kleine Ströme, welche durch Hölungcn in den Klippen? herab flössen, und sich in dem untern meist trocknen Felsenbetie in einen schmalen Abzugskanal vereinigten. Smith *) beschreibt ihn so einförmig, als den Fall aus einem Mühlengerinne. AIs Ca- stiglioni ihn sah, gewährte er schon einen größern Anblick. Er fand den Sturz an der Mittagsseite ununterbrochen, nördlich aber brach er sich auf dem Felsen in unzähli- chen Strahlen und kleinern Fällen. Ein weit auffallenderes Schauspiel erblickte hier Pownal nach einer großen Anschwellung des Flusses. Der reißende Strom füllte den ganzen Raum zwischen den hohen Felsenufcrn. Man sah ihn schon von weitem pfeilschnell herab schießen, und nun wälzte er sich in einem einzigen großen, mit Ungestüm andringenden, Wassersturze über die Felsenwand nieder. Der Boden bebte an beiden Usern. Die Wassermasse barst da, wo sie in einer etwas schiefen Fläche oder in Bogen herab stürzte, oftmals mit dem gröstcn Ausbruche, und zerplatzte in Dunstwolken, die rollend, wie der Rauch eines großen Geschützes, empor stiegen. Der herabschießende Strom sprang schäumend in dicken Wassersäulen wieder zu der Höhe zurück, von welcher er hinab fiel. Das Getöse des *) Mst. ok Xen- - Hli, r>. 2Z0. Besondere Eigensch. u. Merkwürdig!, verschieden. Flüsse, so r Falls war so stark, daß man ein heftiges Donnerwetter, welches über ihm herzog, kaum bemerkte. Der Staubregen, welchen der Wasserfall verursachte, verbreitete sich meist eine halbe Englische Meile herum, und die Sonne malte in demselben die schönsten Regenbogen *). Der Genessee - Fluß, indem er sich auö einer hoch liegenden Ebene sanft gegen den Ontariosee zu herabneigt, gelangt langsamer an die dreifache Bergstufe, deren bei dem Niagara-Fall Erwähnung geschehen ist. Hier macht er nun ebenfalls einen dreifachen Cataraet, wovon der unterste keine volle geographische Meile von der Mündung des Flusses entfernt ist, durch die er sich in den Ontariosee ergießt.- Dieser Waffersall hat eine Höhe von 7Z Fuß, der mittlere aber ist unbeträchtlich. Eine viel größere Höhe hingegen hat der dritte, welcher nach Adlums Flußkarte von Pensylvanien 96 Fuß senkrecht betragt. Charlevoix giebt dem untern Falle 60, und dem obern ivo Fuß, so wie auch jenem eine Breite von zwei, diesem aber von drei Arpens Der Hudsonsfluß hat um den 43°i2> N. Br. einen Wasserfall, welcher aber noch nicht beschrieben ist '). Der Wassersall des Passaick-Flusses unterscheidet sich sehr von den meisten ,übrigen 'der Nordamerikanischen Ströme. Der Fluß hat oberhalb desselben, in einem Bette, das etwa vierzig Parks breit ist, einen langsamen ruhigen Lauf zwischen felsigten mit Kiefern bewachsenen Bergen, bis sich ihm auf einmal ein mächtiger Felsen entgegen stellt, der seinen Strom gänzlich hemmen würde, wenn er nicht von oben herab, bis weit in die Tiefe durch ein paar Spalten gewaltsam zerrissen wäre. Durch eine derselben, die nach Morse 4 bis 12, nach Chastellux 25 bis Zo Fuß breit ist, >) Ebelinz-S Erdb. 2 Sk S. 656. -) Das. S. 665. s) Das. S. 647. 202 Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. (denn die andere hat keinen Ausgang) stürzt sich der Fluß, nachdem er gezwungen worden, einen spitzigen Winkel zu machen, 70 Fuß tief, in einer zusammenhängenden Masse, senkrecht in einen grundlosen Schlund herab, der von Felsen umgeben ist. Aus diesem großen Behälter, in welchem der Fluß sich ruhig ohne aufzubrausen von seinem Falle zu erholen scheint, windet er sich zwischen den Fclsenufern heraus, und verbreitet sich zu einem ziemlich ansehnlichen stillfließenden Strom. Oberhalb dieses Wasserfalls ist nicht weit davon ein kleiner, wo das Wasser ein paar Fuß über einer hervorstehenden Felsenwand senkrecht hinab gleitet, welcher aber jenem äußerst malerischen gar nicht gleich kommt *). Der kleine Fluß Natchauge hat unter anderen einen sehr romantischen Wasserfall, etwa eine englische Meile von seiner Mündung. Ein Felsen von etwa zwölf Fuß senkrechter Höhe, erstreckt sich queer durch den Fluß, der vorher sein stilles Wasser gleichsam sammelt, um nun auf einmal in einer ununterbrochenen Fläche über den Felsen auf ein steinig- tes Bette hinabzugleiten. Daselbst wird der Fluß von zwei rauhen Klippen, deren eine ziemlich hoch, und weit herüber ragt, in einen sehr engen, etwa 260 — 260 Fuß langen Kanal zusammen gepreßt. Dieser, voller spitziger Klippen, sinkt immer tiefer mit vielen Krümmungen herab, und der reißende Fluß drängt sich schäumend und brausend hindurch in ein vorliegendes breites Becken. Der große Wasserbehälter und der ungestörte senkrechte Sturz des Stroms, die plötzliche Wildheit desselben, die ausgehölten Felsen an den Usern, bilden mit der ganzen Gegend umher eine der schönsten Landschaften 2). Der ansehnliche FlußStafsord hat in Connecticut, zwi- r) Cbeling?s Crdb. 3 B. S. «Z85- O.Ebelinz's Erdb. 2 B. S. igr- Besondere Eigensch. u. Merkwürdigk. verschieden. Flüsse. 20z sehen Canaan und Salisbury, wo er Fuß breit ist, einen prächtigen Wasserfall von etwa 60 Fuß senkrechter Höhe -). Im Lorenzstrome, ein wenig unter dem See Ontario, befindet sich der Cataraet des H. Ludwigs, und drei andere sieht man in dem Frauziskus-Flusse, welcher sich in jenen ergießt, und noch einen andern in dem Mississipi, unter dem Namen des H. Antons von Padua bekannt. Nordamerika ist überhaupt der Hauptschauplatz dieser Naturscenen, und es ist hier fast kein Fluß, der nicht wenigstens eine von mehr oder weniger Bedeutung auszuweisen hatte. In Südamerika stürzt der ansehnliche Fluß Bogota iZ — r6 Meilen von Santa Fe von einem Berge mit einer erstaunlichen Gewalt herab. Der Fall muß, nach den Höhen zu urtheilen, womit man ihn vergleicht, zwei bis dreihundert Klaster betragen, und er ist völlig senkrecht Vorzüglich prachtvoll, obgleich nicht senkrecht, ist derjenige, welchen der Fluß Parana an einer Stelle macht. Der Strom schießt mit Gewalt aus dem höchsten Felsengebirge, durch einen Fall von zwölf Meilen herab, und auf die Spitzen ungeheurer Klippen hin, wodurch das Wasser wieder auf eine erstaunende Höhe zurück prallt, und zwar so, daß der Stamm des Flusses sich spaltet, und erst nach allerlei Umwegen sein zerstreutes Gewässer wieder sammelt, welches sich indessen in Wirbeln herum dreht. Die Heftigkeit des sich herab stürzenden Stroms ist so groß, daß man auf der ganzen Strecke des Falls nichts als Schaum sieht: auch wird das Getöse auf vier Meilen weit vernommen -). Wir wenden uns zu den Europäischen Wasserfallen, 1) Eb kling's Erdb. L B. S. Igr. -) Sonxner Vo^. -NI keron. 2) Dodrizhoffer-s G-sch. derAbiponen. r Ttz. S. 234. Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. LoH. welche zwar den meisten Amerikanischen in Absicht der Wassermenge weichen, sich aber doch durch manche eigenthümliche Schönheiten auszeichnen. Wir merken nur die vornehmsten an. Der Wasserfall in dem Flusse Glomm bei Sarp in Norwegen steht hier billig obenan. Sein wasserreicher Strom fällt auf einmal sechszig Fuß hoch über.einen Felsengrund hinab, und bildet in diesem Betracht den grösten Wasserfall in Norwegen: da es hier noch verschiedene andere giebt, die in Absähen hinunter stürzen, welche zusammen genommen eine größere Höhe ausmachen. Das zerstiebte Wasser verhindert, daß, wenn man den Cataract in einiger Entfernung sieht, es um ihn her zu regnen scheint. Pontoppidan sagt, daß man das Geräusch davon vier bis fünf Meilen vernehme: allein nach Wilse *) ist eine Meile genung. In Schweden ist der Wasserfall Trolhetta (Zauber- höle) berühmt. Er besteht eigentliche aus verschiedenen Ca- taraeten, die in einer gewissen Weite von einander liegen. Die eigentliche Trolhetta ist der vornehmste. Hier stürzt ein Strom mit einem fürchterlichen Getöse, auf die unten befindlichen Klippen herunter. Die gröste Höhe beträgt doch nicht mehr als sechs Fuß senkrecht. Der durch das öftere AnpreÜen des Wassers verursachte Staubregen soll, wenn man dem Herbin glauben darf, im Winter dergestalt zusammen frieren, daß das Ganze eine Eismasse bildet. Sechs Meilen von Gothenburg fällt der Wenner von verschiedenen Stufen ins Meer hinab, deren Herb in zehen angiebt. Die sämmtlichen Wasserfälle der Trolhetta sollen etwa i2g Fuß Senkung ausmachen. Die Dah leibe hat bei Elkaleby einen schönen von Wraxal beschriebenen Wassersall. Der Fluß geht eine ganze Strecke in einem breiten und ruhigen Laufe fort, bis *) Allsem. geogr. Cphsmeriden, Mai -788., woselbst eine Abbildung dieses WasserfallS vestiidlich ist. Besondere Eigenfth. u. Merkwärdigk. verschieden. Flüsse, soz er durch eine Reihe Klippen und eine hohe Insel von etwa einer Viertclmeile im Umfange in drei Hauptarme getheilt wird, die sich wüthend herab stürzen, und einen Cataract bilden, welcher dem im Rheine bei Schafhausen wenig nachgeben soll. Die Insel trennt den Fall in zwei Theile, von dem der westlichste der schönste ist. Die Breite des Stroms beträgt hier beinahe eine Viertelmeile, und die senkrechte Höhe des Sturzes dreißig bis vierzig Fuß. Unter ihm rauscht der Strom in einem schmalen Bette fort *). In dem Lappländischen Flusse Torneo fanden die Mitglieder der Pariser Akademie der Wissenschaften nicht weniger als acht Wasserfälle. Der Rhein zeichnet sich durch häufige Wasserfälle aus, von welchen einige sehr beträchtlich sind. Man giebt ihm insgemein zwei größere und sieben kleinere Cataracten. Noch ehe die Verbindung des vorder«, mittlern und Hintern Rheins vor sich geht, hat der letztere zwei Wasserfälle. Unter allen ist derjenige am berühmtesten, welchen der Strom ^ nach jener Vereinigung bei Schafhausen erleidet, und unter dem Namen des Rheinfalls bekannt ist. Von dieser Stadt an geht der Fluß zwischen Klippen auf einem felsig- tcn und unebenen Boden eine halbe Meile fort. Durch die Hindernisse, welche sich seinem Zuge entgegen setzen, bekommt er eine ungestüme Bewegung, in welcher er mit einem schnellen Laufe dem Orte entgegen eilt,'wo er mit großer Gewalt den Felsen hinab stürzt. Sein Fall, durch dessen Heftigkeit ein großer Theil des Wassers in Dünste ausgelöset wird, erzeugt einen beständigen Nebel. Der Sturz des Wassers ist indeß hier nicht völlig senkrecht. Er beschreibt im Fallen anfänglich einen Bogen, wird bald darauf durch die hervorstehenden Klippen ausgehalten, und in mancherlei Richtungen geworfen, bis er zuletzt, zwischen drei Felsen senkrecht in das ihm von der Natur bereitete Bette ») ?»re Reise nach Schweden im 2 . >784- 206 Dritte Äbth. Fünfter Abschnitt. hinab fällt. Die Höhe dieses Falls wird von den Reisenden verschiedentlich angegeben. Die älteren reden von i5o, ic>o, go, 75 Schuh: neuere sehen sie aber nur auf dreißig. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Höhe des Falls vormals beträchtlicher gewesen, die Felsen vom Wasser untergraben und umgestürzt sind. Das Gestein der Felsen ist kalkartig, und sie tragen auch unverkennbare Spuren der Zerstörung an sich. Ein zweiter Wassersturz dieses Flusses bei dem Schlosse Laufen ist weniger ansehnlich. Zerstreute Felsen beengen hier auf einmal das Bette des schnellen Stroms, und zertheilen sein Gewässer, welches sich mit Schaum überzieht. Diese Felsen machen eine schroffe Wand von etwa efo, nach andern 70 und mehreren Fuß Höhe. Diese feste Wand wird von drei oder vier sonderbar geformten Klippen bethürmt, und zwischen ihnen stürzt sich mit noch einigen grün spiegelnden Wasserbächen durchschlängelt, der fast in lauter Schaum aufgelösete Strom, unter einem entsetzlichen Gebraust in die Tiefe, aus der er in die Höhe aufwallt und sprudelnde Wogen empor wirft, von denen ein Theil zu Staub und Dunst getrieben, bis zu den Wolken aufsteigt: daher denn diese ganze Gegend mit ewigem Schnee und Nebel erfüllt ist *). Derjenige Cataraet, welcher zwischen Schafhaustn und dem Städtchen Zurzem befindlich ist, behauptet unter den kleineren die erste Stelle; die bei Rheinfels, St. Goar und Dingen verdienen kaum angemerkt zu werden. Unter den kleineren Wasserfällen, in so fern ihre Größe von der Wassermenge bestimmt wird, hat die Schweih mehrere von außerordentlicher Schönheit. Hieher gehören unter andern: Der Wasserfall des Alpbachs, welcher mit einer gn- sehnlichen Wassermenge über drei Absähe eines hohen fast senkrecht abgeschnittenen Felsens herab fallt. So groß das ») Andreä'S Briefe aus der Schweitz. 2 Anst. 1776. S. 4 L- Besondere Eigensch. u Merkwurdigk. verschieden. Flüsse. S07 Geröse ist, mit welchem dieser Bach sich seines Wassers entledigt, so sanft und mit so vieler Stille geschieht dagegen das Herabströmen eines andern Bachs, welcher jenem zur Seite liegt. Hier bemerkt man kaum die Flüssigkeit und die Bewegung des fallenden Wassers; es gleitet schleichend herab, und bildet einen Spiegel, hinter dem sich ein Theil des Felsens verbirgt. Der Wasserfall des Staubbachs. Der einzige in seiner Art. Er befindet sich im Lauterbrunnen-Thale nn Canton Bern. Er stürzt sich nicht den Felsen gerade hinunter, sondern dringt über seine Wand, gleich als aus einer Röhre hervor. Das Wasser zerstiebet sofort in der Luft in einen zarten Staubregen, und der Qbertheil der Klippe bleibt an zwölf bis funfzehen Fuß tief ganz trocken. Die Wassersäule fallt hiernachst auf einen hervorstehenden Absatz, dessen Flache schief ist, und hier wird sie nun vollends aufgelöset, und weit abwärts getrieben, so daß man unten zwischen ihm und den Felsen trocken hindurch gehen kann. Es wird behauptet, daß im Winter daraus eine eben so große Eissäule entstehen solle, daß man zweifele, sie werde den Sommer wieder wegschmelzen. Wenn die Strahlen der Sonne auf die Wassersäule fallen, so bilden sie einen schönen Regenbogen, und oft sieht man einen Widerschein davon an der Felfenwand, oft doppelt auf dem Boden, Seine ganze Höhe wird auf noo Fuß geschäht *). Vorzüglich merkwürdig ist derCataract des Flusses Velin» in Spoletto, Caduta della Marmore genannt, dessen bereits die Alten erwähnen -). Der Fluß entspringt vler- zehen Meilen von Terni, und ergießt sich, nachdem er verschiedene Flüsse aufgenommen, in den Lago della Marmore. Von hier aus soll er vormals einen ändern Lauf gehabt hall Gruner'S EiSgeb. d. Schw. ») Virxil. a,vi>. L>. Vll. v. Lkz, sog Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. ben, als jetzt. Weil er nemlich der Stadt Terni gefährlich wurde, so leitete man ihn aus den Abgrund, in welchen er sich -gegenwärtig hinab Arzt, und in so fern verdankt er sein Daseyn der Kunst. Der Velino wird, sobald er den See verläßt, wegen Abschüssigkeit des Bodens reißender, bis er den Ort des Falls erreicht, welcher eigentlich aus drei über einander liegenden Kascaden besteht. Die vornehmste hat eine senkrechte Höhe von 200 Fuß. Sein Anblick erregt ein angenehmes Erstaunen. Das Wasser stürzt mit einem entsetzlichen Getöse in den Abgrund. Die Höhe, welche es zurück zu legen hat, macht, daß es in der Lust zertheilt, und in einen Regen und Schaum verwandelt wird, welcher, indem er von den unten befindlichen Felsen abprellt, in einen weißen Dampf, wolkenähnlich wieder empor steigt, in welchem die Sonnenstrahlen sich brechen und schöne Farben erscheinen. Die ganze Luft der nahen Gegend ist mit dem feinsten Staubregen erfüllt, der sich weit über den Berg erhebt. Die Pflanzen und Blätter der Bäume sind beständig mit einem weißen zarten Staube überzogen, der, sich leicht abwischen läßt. Er besteht aus den abgespülten' Theilen des Marmorfelsens, welche sich mit dem Wasser vermischen, und zurück bleiben, wenn dieses verdunstet *) Der Cctina oder Tilurus der Alten in Dalmatien hat unweit Duara, einem Bcrgschlosse, einen überaus schönen Wasserfall, den die Anwohner Velika' Gubariza nennen. Das Wasser stürzt in einer vertikalen Höhe von igo Fuß, mit einem Getöse herunter, welches durch den Widerhall an den nackten Felsen ungemein verstärkt wird. Viele eingestürzte Steinmassen, an denen die Fluthen sich zerschlagen, hemmen den Lauf des Stroms und vermehren seine Wildheit. Das aufgelösete Wasser erhebt sich in Wolken. Zwei große Felsen stehen, wie Pfeiler zur Seite des Falls. Etwa eine *)Dvlkmann'S Nachrichten von Italien. z B. S. L7». BesondereEigensch. u. Merkwürdigk. verschieden. Flüsse.. Log eine halbe Meile von hier stürzt der Fluß abermals eine Höhe von zwanzig Fuß herab, und bildet den Mala Guba- riza, oder den kleinern Fall. Auch der Kerka oder Titius der Alten hat verschiedene Wasserfalle, von weichen einige ein überaus malerisches Ansehen haben *). Der Nil ström hat unter mehreren Wasserfallen, davon Bruce acht größere anmerkt, nur zwei vorn Belange, nemlich den bei Alata, und einen andern bei Syene. Jener gab ihm einen prächtigen Anblick: man hat jedoch seine Höhe zu sehr vergrößert. Die Missionarien sagen, sie betrüge sechszehen Ellen, oder fünfzig Fuß. Bruce, giebt sie nach einer ungefähren Messung auf vierzig an. Der Fluß war hier vom Regen außerordentlich angeschwollen, und cr stürzte, in einer «»getheilten Wassermasse, etwa eine Viertel geographische Meile breit, ohne Absatz, mit solcher Gewalt herab, daß das dadurch verursachte Getöse ihn eine Weile betäubte. Ein dicker Rauch oder Nebel bedeckte den Fall rings umher oben und unten, und über dem Strome bezeichnete er seinen Lauf, indem man das Wasser nicht fließen sah. Das Wasser stürzte in ein tiefes Decken im festen Gesteine, und bildete mehrere Wirbel gegen den Fuß des Sturzes. Ein Theil des sich herab wälzenden Stroms schien mit großer Gewalt, theils gegen den Felsen zurück zu prellen, theils in der Linie des Stroms selbst vorwärts zu laufen, und durch dieses Aneinanderstoßen entstand ein heftiges Aufbrausen. In der Gegend von Syene ist das Flußbette eine halbe Englische Meile breit. Das Wasser wird durch große Zo bis 40 Fuß hohe Blöcke von Granit in verschiedene enge Kanäle getheilt. Der Fluß, nach einem langen Laufe zwischen den Felsengebirgen Nubiens, sucht sich nun mit Gewalt auszubreiten. Indem er an den Granitblöcken allenthalben Widerstand findet, und dadurch gleichsam zurück getrieben wird, trifft er auf den von oben herab kommenden Strom. *) Ferli'ö RUN» durch Datmakie». r Lh. S. nj. -85. >87- O 210 Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. Das Anprellen an die Felsen, und das Zusammenstoßen des Wassers verursacht eine heftige Bewegung mit einem großen Getöse begleitet Der Senega, so wie der Zaire in Congo haben beide einen Wassebfall, davon der letzte besonders ansehnlich und an dreißig Faden hoch ist. Das Wasser beschreibt im Herabfallen einen Bogen, unter welchem man weg geht ->). Unter den Strömen Asiens haben der Ganges und Tigris Wasscrfälle auszuweisen »). Jsbrand Zdes fand in dem Flusse Tunguska einen Fall, da das Wasser längs eines schiefen Weges von einer halben Meile, mit einer unglaublichen Schnelligkeit niederstürzt, - so daß man das Geräusch davon mehr als drei Meilen weit vernimmt. Der höchste Wasserfall ist vielleicht derjenige, welcher sich vor dem Gebirge Kinnie-Balluh auf der Znsel Bornes befindet. Er liegt an der westlichen Küste, und noch eine gute Strecke vom Ufer. Man hat ihn auf der Küste von Abai auf 3; Teutsche Meilen weit gesehen '). Auf der In, sel Quibo stürzt sich ein Bach von klarem Wasser eine Höhe von 43o Fuß hinunter °). Von Flüssen, welche sich unter der Erde verlieren, und hierauf wieder zum Vorschein kommen, ist bei den Alten vieles gefabelt worden. Plinius ?) erzählt, daß der Al- phäus in Arkadien bis zur Quelle Arethusa in Sicilien, unter dem Meere fortgehe, und daß Körper, welche man in den Fluß werfe, aus der Quelle wieder zum Vorschein kä- ») Bruce Reisen. 1 B. S. an. z B. H. 424. L) nist. xe-1. äe Vo)-ZA. 1°. z. II ilisi. ord. ksrr. x. 90. -) Beirr. zur Völker- und Länderkunde, z Lh. S. 248. An son's Reisen. Nist. II. 10Z. v. g. Besondere Eigensch. u. Merkwürdigk. verschieden. Flüsse. 21 r meir, wovon jedoch schon Strabo daö Ungereimte bemerkt. Die Rhdne, welche von Genf aus, in einer Breite von 2 bis 3 vo Fuß fließt, wird unter dem Fort Ecluse in ein Bette von Lo bis 100 Fuß zusammen gedrängt. Ungeheure wink- lichte Felsenmassen erheben sich zu beiden Seiten, und ihre scharfen Ecken treten in den Strom aus. Losgerissene Fel- scnblöcke ragen aus seinem Bette hervor. Hier strömt der Fluß mit reißender Schnelligkeit, und stürzt sich dann anscheinend in einen Abgrund, wo derselbe vor den Augen verschwindet. (Ua perrs cku Idlions). Er verbirgt sich auf sechszig. Schritte lang. Die Decke, worunter der Fluß in seinem unterirdischen Kanale fortläuft, sind nicht abgerissene Felsenstücke und Schutt und Trümmer, wie Saussnre < sagt, sondern eine Masse eines zusammen hängenden Felsens. Das gänzliche Verschwinden findet auch nur im Winter Statt, denn im Sommer, wenn der Fluß von den Schneeschmelzungen auf den Alpen sehr hoch geht, bedeckt sein Wasser alle diese Felsen. Man kann also über die natürliche Brücke, welche die Natur hier gebaut hat, nicht zu al-' len Jahreszeiten trocknen Fußes hinweg gehen Der bei den Alten so berühmte Timavus stürzt bei 'St. Canciano, wohin er von der Stadt Fiunle kommt, an dem Fuße des Berges in eine Höle, und nachdem er auf der andern Seite wieder zum Vorschein gekommen, fällt er von neuem in einen Abgrund, aus welchem er durch sieben, theils größere, theils kleinere Oeffnungen, bei Dwino hervor kommt, und dem Meere zuläuft. In der Engländischen Grafschaft Sur- rey ist der Fluß Mole (Maulwurf) welcher bei Darking am Fuße des Bor-Hill, an einem Orte verschwindet, und bei Leatherhead in brausenden Quellen wieder hervor kommt: wenn nicht der Dach am letzter» Orte, der Ursprung eines neuen Flusses ist, welcher ebenfalls den Namen Mole führt. *) Dolssel xlrtoresqi-io et urtv^trorr snr uns Harris äu. Rkons. Vol. 1. - O 2 212 Dritte Abth. Fünfter Abschnitt. Hieher gehören ferner der Mcdway und Devond. Aehnlichc Bewandniß hat es mit einigen Flüssen in der Nornian- die Die Guadiana verliert sich einige Meilen von ihrem Ursprünge, erscheint aber hierauf wieder in einem See, welcher 0^08 v->UM68 er äs kortngal, xar ködert äs VanAonä)'. ä karls cker Oela- in grobe 178V. Frankreich. Die Garonne. Sie entspringt in der Landschaft Co- minge in den Bergen von Aure, geht anfänglich in einer nordöstlichen Richtung vor Toulouse vorbei, dreht sich dann ganz nach Norden, worauf sie sich nach Nordwesten wendet, und, nachdem sie sich bei Bec d'Ambez mit der Dordogne vereinigt hat, den Namen Gironde annimmt. Sie fällt bei Tour de Cordovan in das Atlantische Meer. Die Fluch steigt in ihr beinahe dreißig Französische Meilen. N. U. Dordogne. Lot. Tarn. Ille. L. U. Gers. Arrats. Gimone. Baise. Die Loire. Ihr Ursprung ist auf den Seveunischen Gebirgen auf der Grenze von Languedoc. Sie nimmt anfänglich einen Lauf von Süden nach Norden, wendet sich dann nordwestlich, und geht hierauf ganz westlich, da sie sich dann unter Nantes in das Atlantische Meer ergießt.' Es befinden sich viele Felsen in diesem Strome, vornehmlich über Roane, in einer Gegend, welche Saut de Piney genannt wird. R. U. Loir. Sarte. Bourbince. L. U.. Zndre. Allter. Die Seine. Sie kommt in Burgund vhnweit Seine zum Vorschein, läuft im Anfange nördlich, dann westlich, und endlich in vielen Krümmungen nordwestlich, und ergießt sich zwischen Havrc de Grace und Honfleur in den Dritti- schen Kanal. Sie wird bei Troyes schiffbar. R. U. Oise. Marne. Aube. L. U. Rille. Eure. Loing. Vonne. 21g Dritte Abth. Sechster Abschnitt Die Rhone. Sie entspringt in der Schweitz am Fuße der Furka, aus deren Gletscher- sie im Anfange ihre Hauptnahrung erhält. Sobald sie den Gletscher verläßt, ist sie schon einem kleinen Flusse ähnlich, durchschlängelt darauf den fast ebenen Boden eines kleinen Thals, und stürzt sich hernach durch 'Abgründe über wilde Felsen herab, um ins Walliserland zu eilen, welches sie in der Mitte durchschneidet. Hierauf strömt der Fluß bei Villeneuve in den Gen- fersee, welchen er bei Gens wieder verläßt, sich bald darauf mit der, den Savoyischen Gletschern entfließend.!, Arve vereinigt, sich durch den Paß bei Eciüse hindurch drangt, auf einige Zeit in den Felsen den Augen entzieht, an der Grenze zwischen Savoyen und Frankreich südwestlich fortläuft, und dann westlich bis Lion vordringt, wo er auf einmal eine südliche Richtung annimmt, in welcher er dem mittelländischen Meere zuströmt. Er ergießt sich in den Meerbusen von Lion. R. U. Savne. Garden. Ardeche. L. U. Js'erc. Drome. Duranee. Teutschland. Niederlande. Schweitz. Die Donau. Ob zwar dieser Strom Teutschland nur zu einem Theile angehört, so wollen wir jedoch seinem Lauf hier kürzlich beschreiben. Er entspringt bei Doneschingen am Schwarzwalde in Schwaben. Es kommt zwar von dem Wasser, welches unterhalb dieses Orts fließt/ ein größerer Theil in den Flüssen Briege und Breege her: allein der von Doneschingen laufende Dach ist von jeher in dem Besitz des Namens der Donau gewesen. Nachdem dieser Fluß den Ort seines Ursprungs verlassen, fließt er in einer südostwärtS gerichteten Diagonallinie mitten durch Schwaben. Er geht hierauf von Westen nach Osten durch Baiern, welches er in einem großen nordwärts ausbeugenden Bogen, in seiner Uebersicht -er Hauptflusse unseres Erdbodens. 219 ganzen Lange durchschneidet, worauf er in den Oesterreichi- schen Kreis eilt. Von hier aus tritt die Donau in Ungarn ein, theilt sich unwcitPresburg in verschiedene Arme, welche Inseln bilden, und sich bei Comorre wieder vereinigen. Sie geht darauf eine Zeitlang südöstlich, welche Richtung sich dann auf einmal in eine südliche, und dann in eine östliche abändert; in dieser durchströmt sie den nördlichen Theil des Türkischen Reichs, und stürzt sich durch verschiedene Mündungen mlt einer außerordentliche!,'. Heftigkeit ins schwarze Meer. Die ganze Länge ihres Laufs wird von einigen zu 700, von anderen zu 270 Meilen angegeben. Die erste Zahl scheint zu groß, die andere, alle Krümmungen mitgerechnet, zu klein zu seyn. N. U. Lech. Iser. Znn. Ager. Ens. Raab. Save. Drave. L. U. Altmühl. Naab. Regen. Morava. Waag. Theiß. Pruth. Der Rhein. Er' wird in Hinsicht auf seinen Ursprung in den vordern, mittlern und Hintern Rhein abgetheilt. Der vordere entspringt in der Nachbarschaft des Oberalpsees bei dem erhabenen Lima del Baduz, und läuft durch ein enges Thal nach Disentis. Der mittlere Rhein kommt an dem Lukmanierberge zum Vorschein, und fällt unterhalb Disentis in den vordern. Der Hinterrhein hat seinen Ursprung aus einem ungeheuren Gletscher, der in einem wilden Thale bei dem Vogelberg liegt, und vereinigt sich mit lehterm bei Bo- naduz und Reichen«». Von nun an läuft der Rhein gegen Nordosten durch das Schamserthal nach Ehur, Sargans und durch das Rheinthal bei Rheinek in den Bodensee, aus welchem er bet Cystniz in den Untersee geht, den er bei Stein wieder verläßt, um Schafhausen zu erreichen, wo er bei der Stadt Laufen den schönen Wasserfall bildet. Unter Koblenz eilt er den vier Waldstädten vorbei nach Basel, wo er eine merkwürdige Krümmung macht, indem er aus einer westli- 220 Dritte Abth. Sechster Abschnitt. ch'en Richtung, die er von dem Dodensee an behauptet hat, auf einmal in eine nördliche übergeht. Er wendet sich nun nach Teutschland, und trennt dieses Reich aus eine weite Strecke von Frankreich. Bis Mainz wird er der Oberrhein, von hier an aber der Niederrhein genannt. So wie er in die Niederlande eintritt, theilt er sich in zwei Arme, wovon der eine die Waal genannt wird: der andere aber der eigentliche Rhein ist. Jene fallt vereinigt mit der Maas in die Nordsee, dieser geht durch den Pannerdensischen Kanal, und theilt sich wieder in zwei Arme, davon der eine der Südersee zufließt, der andere aber unter dem Namen des Rheins sich wieder in zwei Arme theilt, von welchen der vornehmste der Leck sich! mit der Maas vereinigt, welche daselbst schon den Namen Merwede angenommen hat. R- U. Jll. Neckar. Main. Lahn. Ruhr. Lippe. L. U. Thun. Aar. Mosel. Die Scheide. Sie hat ihre Quellen in der Picardie auf dem Marlinsberge, fließt in einer nordöstlichen Richtung durch Hennegau und Flandern, theilt sich bei Sandvliet in zwei Arme, davon der eine die Ostschelde, der andere die WestschelLe oder der Hond heißt, die sich hiernachst beide in die Nordsee ergießen. R. U. Dyl. L. U. Leye. Die Weser. Sie entspringt unweit Eisfeld im Ko- burgschen, unter dem Namen der Werra, geht m vielen Krümmungen nordwestwärtö nach Münden. Hier läuft sie mit der aus dem Fuldaischen kommenden Fulde zusammen, worauf sie den Namen der Weser annimmt, unter welchem sie in einer fast nördlichen Richtung in die Nordsee ausläuft. R. U. Leine. L. U- Hunde. Die Ems. Sie entspringt im Paderbornschen, durchströmt das Disthum Münster der Länge nach, und geht aus Uebersicht der Hauptflüsse unseres Erdbodens. 221 demselben durch Ostfriesland in den Dollart, einen Busen der Nordsee. Sie ist an ihrer Mündung sehr breit, und theilt sich in zwei Arme, welche die Znsel Borkum einschließen. Ebbe und Fluch bemerkt man auf drei Meilen im Strome, und bis dahin dringt auch das salzige Meerwasser. Vom Ursprünge bis zum Ausflusse geht sie in einer beinahe nördlichen Richtung. R. U. Leda. ' Die Elbe. Ihr Ursprung ist auf dem Rücken eines niedrigern Gebirges in der Herrschaft Kynast in Schlesien aus eilf Quellen. Sie läuft anfänglich südwärts, darauf nach Westen, dann nach Nordwesten durch Böhmen, Sachsen, das Brandenburgische Gebiet, Lüneburg bis Drunsbüttel, wo sie sich in die Norder- und Süderelbe theilt, hierauf einen sehr breiten Strom bildet, in weichem sie der Nordsee zueilt. R. U. Havel. Stör. L. U. Moldau. Eger. Saale. Mulde. Die Oder. Ihre drei Quellen befinden sich im Perau- ner Kreise auf der Grenze des Olmüher Kreises, unweit des Dorfs Kvsel. Sie durchschneidet Schlesien seiner ganze», Länge nach, und theilt sich hierauf unter Vierraden in vier Arme, wovon der südliche eigentlich die Oder heißt, macht dann bei Stettin den Dammschen See, geht durch das große und kleine frische Haf, und ergießt sich endlich in drei Ausflüssen, Pewne, Schwine und Diveno in die Ostsee. Zhr Lauf ist, bis auf einige Abweichungen, nordwestlich. R. U. Warthe. L. U. Neisse. Bober. 222 Dritte Abth. Sechster Abschnitt. Die Brittischen Inseln. England. Die Themse, Thames. Dieser Strom, der gröste im Reiche, hat nach der Meinung einiger zum Theil in Dukinghampshire, zum Theil in Wiltshire seinen Ursprung, indem er aus dem Zusammenfluß der zwei Flüsse Thame und Isis entstehe, woher der lateinische Name ThamesiS. Sie durchströmt einen Theil des Reichs in einem südwärts gerichteten Zuge, wendet sich dann nach Osten, geht durch London, und fällt sechszig Englische Meilen davon in einer weiten Mündung in die Nordsee. Die Mceresfluth erstreckt sich in diesem Strome nicht nur bis zu dieser Hauptstadt, sondern geht noch weiter hinauf bis Kingston. Der Severn oder die Saverne. Sie entspringt auf dem hohen Gebirge Plinlimon in der Grafschaft Mont- gommerp, 'wendet sich erst gegen Nordosten, und dann gegen Süden, in welcher Richtung sie sich in den Bristol- Kanal ergießt. Der Trent, gegen den Ausfluß Humber genannt, mit welchen! Namen man eigentlich den Meerbusen belegt, in welchen sich dieser Fluß, nebst noch einigen anderen kleineren, ergießt. Der Trent hat eine fast nördliche Richtung, und ist durch den Bridgewaterschen Kanal mit der Mersey, und einen andern mit dem Severn verbunden. Schottland. Die F>orth. Sie entspringt in dem Distrikte Men- teith, und lauft von Westen nach Osten in den Firth (Meerbusen) of Fcrth. Dieser Fluß ist der schönste und ansehnlichste unter allen dieses Reichs, macht aber so viele Krümmungen, daß solche von Stirling bis Alloway vier und zwan- Uebersicht der Hauptsiüfse unseres Erdbodens. 225 Meilen betragen, ungeachtet beide Setter nur vier Meilen von einander entfernt sind. Die Clyde. Der zweite Fluß in Ansehung der Größe- Sie entspringt am Berge Tinto an den Grenzen der beiden Grafschaften Peebles und Lamerk bei Anandaie, nimmt einen nordwestlichen Lauf, Lanerk, Hamilcon und Glasgow vorbei, in den Firth of Clyde. Die Tay. Dieser Fluß, welcher sich besonders durch seine Breite auszeichnet, entsteht aus dem See Tay. in Breadalbin, und fällt in den Firrh of Tay. Die Spey. Sie entspringt in den Bergen von Dade- noch, -mitten in Znverneß, bildet bald darauf den See Spey, und fällt nordwärts in den Murray-Firth. I r e l a n d. Die Shannon. Sie entspringt in der Grafschaft Leitrim, theilt die Insel von Norden nach Süden fast in zwei gleiche Theile, bildet in ihrem Laufe verschiedene Landseen, und am Ausflüsse bei Llmmerick einen langen schmalen Meerbusen. Die Narrow. Ihr Ursprung ist in Queens County; sie strömt gerade von Norden herunter, und vereinigt sich oberhalb Roß mit dem von Westen kommenden Neor. Beide Flüsse nehmen« nun den Namen Roß an, und gehen durch den Hafen Warersord in das Meer. Italien. Der Po. Er entspringt auf dem Berge Vefo, einem der höchsten unter den Alpen, iin Piemontcsischen, und geht anfänglich in einer nach Süden gerichteten Beugung ostwärts. Hierauf wendet er sich gegen Norden, Turin vorbei, nach Montferat, wo er wieder in einer östlichen Mich- 224. Dritte Abth. Sechster Abschnitt. tung Mailand durchströmt, Cremona von Parma trennt, Mantua durchschneidet, den obern Theil von Ferrara benetzt, eine geraume Strecke von seinem Ausflusse sich in zwei Arme theilt, dadurch die Insel Armino bildet, und sich dann in mehreren Mündungen im Adriatischen Meere verliert. R. U. Tanare. Trebbia. Taro. Seechia. Pari are. ' L. U. Dora. Stura. Sessia. Tesino. Lambro. Adda. Oglio. Atincio. Die Etsch, Adige. Sie entsteht in der Grafschaft Tyrol an der Grenze von Graubünden aus einigen Seen, und geht durch den südlichsten Winkel des Landes nach Italien. Ihr erster Lauf ist westlich, dann wendet sie sich südwärts, bis auf eine Strecke von Verona. Nun nimmt sie eine östliche Richtung an, nähert sich in dem Venerianischen Gebiete dem Po auf eine gewisse Weite, läuft mit ihm fast parallel, und ergießt sich hierauf durch mehrere Mündungen ins Adriatische Meer. N. U. Nos oder Neis. L. U. Passeyr. Evsach. Avis. Der Arno. Seine Quellen sind an den Grenzen von Nomaniola auf dem Berge Falterona, einem Theile des Apeninischen Gebirges. Er durchströmt ganz Florenz, und fällt bei Pisa in das Toskanische Meer. Maroni cli Lolls cli Valcka8«a: äellc» Ltg- to anlico et iricxlsriio clel llums ^rno. Die Tiber. Sie hat ihren Ursprung auf dem Apeninischen Gebirge an den Grenzen des Florentiner Gebiets, durchstießt den Kirchenstaat, nimmt viele Flüsse von geringer Bedeutung in ihr Bette auf, und fällt nicht weit von Rom in das Toskanische Meer, und zwar durch zwei Mündungen. Der östliche Arm bei Ostia ist jetzt sehr seicht, und also der Hafen nicht mehr vorhanden, welcher ehemals hier befindlich war. Dän- Uebersicht der Hauptflüsse unseres Erdbodens. 225 D ä n n e m a r k. Der Guden oder Guden saue, auf der Halbinsel Jütland der gröste. Er kommt von Torrild-Herred an den Grenzen des Stifts Rypen, läuft in den Skanderburger See, beugt sich dann nordostwärts, und ergießt sich in das Kattegat. Die Ey der) Ihr Ursprung befindet sich in dem Hol- steinschen Kirchspiele Darko; sie geht durch den Flemhuder See, scheidet Jütland von Teutschland, und ergießt sich in did Nordsee. Man hat sie in den neueren Zeiten durch einen Kanal mit der Ostsee in Verbindung gebracht. Norwegen. Der Tydalen-Elv ^Strom) entspringt an der Schwedischen Grenze, geht in einer Richtung von Osten nach We, sten durch den See Selboe, daraus nordwestwärls, und ergießt sich bei der Stadt Drontheim in eine Bucht des NordmeereS. Der Gäulen oder Guulen kommt von Skarsfield, geht ebenfalls westlich, und vereinigt sich etwa eine Meile von Drontheim mit dem Wasser der gedachten Bucht. Der Syre. Er entfließt einem See in Zoqle-Field. Dein Lauf ist ganz südlich; nachdem er zwei Seen durchströmt hat, wendet er sich gegen Westen, um das Meer zu erreichen. Zudem er zwischen zwei Felsen in einen engen Raum zusammen gedrängt wird, schießt er pfeilschnell in den Ocean, welcher dadurch, auf einige Meilen weit, aufrührerisch gemacht wird. Der Otter an-Fl. Er geht mit jenem fast parallel, ebenfalls südlich, bei Christiansand ins Meer. Der Glommen.-Elv. Der gröste von Norwegens Strömen, und daher auch Stör-Elv (der große Fluß) genannt. Er legt einen langen Weg zurück, in einer südlichen P 226 Dritte Abth. Sechster Abschnitt. Richtung, geht durch mehrere Seen hindurch, bildet bei Sarp den oben beschriebenen Wasserfall, und ergießt sich unweit Friedrichsstadt in die Nordsee. Der Nid-Elv. Er strömt, nachdem er unterweges einen länglichen See gebildet, in einem südöstlichen Laufe in die Nordsee. Loven-Elv u. a. ^ Schweden. Die Dal-Elfe. Sie wird aus dem Zusammenfluß der Ost- und West-Dal-Elfe gebildet, welche beisse in einer südöstlichen Richtung bis zu dem Ort ihres Zusammenflusses laufen. Der vereinigte Strom behält diese Richtung bei, wendet sich dann nach Nordvsten, und ergießt sich in den Bothnischen Meerbusen. Die Görha-Elfe. Dieser wasserreiche Strom entfließt der südlichen Spitze des Wcner-Sees, läuft südlich, und fällt durch zwei Arme in die Nordsee. Der Mvtala - Strom. Er entsteht aus dem Wettersee, aus welchem er durch verschiedene kleinere Seen in einigen Krümmungen östlich läuft, und in die Ostsee fließt. Er hat bei Norköping einen Wasserfall. Oestliche Länder Europens. Die Weichsel. Sie entspringt in dem Fürstenthum Teschen, beim Anfange des Karpathischen Gebirges, in einer geringen Entfernung von den Quellen der Oder. Nachdem sie in einer östlichen Richtung Gallicien von Lodomirien getrennt, lenkt sie unweit Sendomir ihren Laus nordwärts, dann nordwestwärtö durch Neupreußen bis Thorn, wo sie dann wieder nördlich abweicht, und Westpreußen durchströmt. Bei Montan trennt sie sich in zwei Arme, davon der östliche, Uebersicht der Hauptflusse unseres Erdbodens. 227 die Nogat genannt, ins frische Haf strömt, und der west- llche unter dem Namen der Weichsel, sich wieder in zwei Arme theilt, davon der westliche sich unweit Danzig in die Ostsee, der östliche aber ins frische Haf ergießt. R. U. Sän. Wieprz.. Bug. Drewenz. L. U. Pilica. Der Pregel. Bei Georgenburg in Ostpreußen laufen zwei Flüsse in ein Bette zusammen, die Angerappe, welche von Süden, und die Inste r, welche von Osten herkommt, und der vereinigte Strom führt dann jenen Namen. Er fließt nun westwärts, theilt sich vor Königsberg in zwei Arme, die sich hjernächst in dieser Hauptstadt wieder vereinigen, und eine Meile davon ins frische Haf fallen. L. U- Alle. Die Memel oder Riemen. Sie entspringt in dem Russischen Polen, strömt in einem beinahe ganz westlichen Laufe bis Grodno, nimmt in vielen Krümmungen nunmehr eine nördliche Richtung an, wendet sich' dann wieder westwärts, trennt sich unweit Tilsit in zwei Arme, von welchen der nördliche unter dem Namen der Russe, der südliche aber unter der Benennung Gilge ins kurische Haf. strömen. R. U. Jura. Dubissa. Willis. L. U. Schesschupe. Die Düna. Ihr Ursprung ist in Rußland bei Biala, nicht weit von dem Ursprünge der Wolga. Sie wendet sich erst südwärts, beugt sich hierauf nordwcstwärtö, und geht, nachdem s»e Litthauen und Liefiand durchströmt, unter Riga bei Dünamünde in die Ostsee. N. U. Die Ewst. Die Dwina. Sie entsteht in der Russischen Provinz Wologda aus der Vereinigung der Suchoua und Zug, und geht in einer nordwestlichen Richtung bei Archangel ins weiße Meer. sLg Dritte Abth. Sechster Abschnitt. N. U. Pineg». L- U. Waga. Der Don. Er entsteht aus dem Ivan Osero, nördlich von Woronesch, strömt erstlich südöstlich, darauf von da an, wo er sich der Wolga am meisten nähert, südwestlich ins Asovsche Meer. Sein Lauf soll sich auf 250 Meilen erstrecken. N. U. Donek. Der Dnepr. Sein Ursprung ist im Walisischen Gebirge, südwestlich von Moskau, westlich von den Quellen der Wolga. Er geht in vielen Krümmungen südwärts, beugt sich darauf etwas gegen Osten, und geht dann in einer südwestlichen Richtung ins schwarze Meer. Die Länge seines Laufs wird auf 210 Meilen geschäht. R. U. Bug. Pripietz. L. U. Desn'a. Der Dnister. Er entsteht in Lodomirien am Karpr- thischen Gebirge aus einem See, und strömt in einer südlichen Linie, nachdem er zu einer Grenze zwischen dem Russischen Reiche und der Moldau und Beffarabien gedient, in das schwarze Meer. II. Asiatische Flüsse. Da die beiden Erdtheile Asien und Afrika in Hinsicht ihrer Gestalt von Europa sehr abweichen, und eine mehr zusammenhängende Ländermasse ausmachen; so ist auf sie eine Klassifikation der Flüsse nach den einzelnen Reichen nicht anwendbar. Um jedoch bei Aufzählung derselben auch hier einige Ordnung zu beobachten, werden wir sie nach der Lage der Küsten eintheilen, aus welchen sie dem Meere zustießen. Hiernach ordnen wir sie in Nord- Ost- Süd - und Westflüsse. Es kommt hiebei nicht sowohl die eigentliche Richtung der Ströme in Erwägung, als vielmehr der Ort Uebersicht der Hauptflüsse unseres Erdbodens. 229 der Mündung, indem z. B. ein Fluß in Süden ausströ- uzen, und doch zum grösten Theile eine östliche oder westliche Richtung haben kann. N 0 r d f l ü s s e. , Der Ob oder Oby. Von dem nordwestlichen Abhänge, in dem Winkel, wo der kleine Altai und das Kusnetkische Gebirge zusammen stoßen, fließt der Tschulyschman ab, geht in den See Altin, und wird nach dem Ausflusse daraus Bü genannt. Hierauf läuft er mit der Katunaja zusammen, und heißt num O b. Von nun an geht er westwärts, dann nach Nordostcn, darauf nordwestwärtS, und endlich nach Norden, in welcher Richtung er sich durch einen länglichen Busen in das Eismeer verliert. R. U. Tom. Tzulim. Ket. Waga. Kasim. L- U. Jrtisch. Der Zenisei- Aus den Gebirgen Changai und Ir- gentargak entspringen der Beikem und Ulukem, und fließen in ein Bette zusammen. Dann nimmt dieses vereinigte Gewässer den Kemtschjug auf, und heißt nun Jeniset, unter welchem Namen er nunmehr in einer nördlichen Richtung dem Eismeere zueilt. R- U. Tuba. Die drei Tungusken. L. U. Tscherna. Turuchan. Die Lena. Sie entspringt am Abhänge eines Gebirges im Westen des Baikalsees, läuft durch Ostsiberien erst nordostwärts bis Aakutsk, daranf nordwestwärtS in das Eismeer. N. U. Wittim. Olekma. Äldan. L- U. Wilui. Der Jndjgirska. Sein Ursprung ist auf dem Ja- blonoi-Ehrebet in der Provinz Ochozk, sein Lauf erst nord-^ 2Zk1 Dritte Abth. Sechster Abschnitt. westlich, dann nördlich, in welcher Richtung er ins Eismeer fällt. L. U. Bystraja- Der Kolyma. Er entspringt auf dem vorigen Gekjr, ge in Ochozk, trennt diese Provinz von Jrkuzk, und ergießt sich, nachdem er anfänglich nordwcstwärts geflossen, in einem nördlichen Laufe in das Eismeer. R, U. Amolon. Anjui. Ostflüsse. Der Anadyr. Er entsteht an eben diesem Gebirge, aus einem See, geht Anfangs von Norden nach Süden, dann aber ostwärts durch das Land der Tschuktschen, und ergießt sich durch den nach ihm benannten Busen ins Meer von Kamtschatka. Der Amur, von den Tungusen Sachaltn-Ula genannt. In der Russischen Provinz Nertschinsk in Südosten des Baikelseeü vereinigen sich die Flüsse Zngoda und Onon, und nun heißt der Fluß Schi lka. Von hieran läuft er nordostwärts bis zur Grenze des Amurlandes, wo er den Karlon aufnimmt, und nun bekommt er den Namen Amur, Unter welchem er erst ostwärts, dann fast nordwärts in das-Ochozkische Meer läuft. R. U. Songari. Ulurk. L. U. Tschikiri. Henkon. Dex Schara-oder Sira-Murin. Er kommt vom östlichen Abhänge des vom Nertfchinskischen Gebirge zum Kutschuk.ag streichenden Kettengebirges, fließt von Westen nach Osten in der östlichen Mongoley, darauf südostwärtS nach Leaoton, wo er Leao-Ho heißt, und geht dann südwärts in den Meerbusen von Pekin. R. U. Lohan. L. U. Hueu-Ho. Uebersicht der Hauptflüsse unseres Erdbodens. 2I1 Der Hoang-Ho, oder der gelbe Fluß, bei den Tar- tarn: Cara-Murin. Er kommt theils vorn nördlichen Abhänge eines Gebirgszweiges, der aus dem östlichen Thibet in das westliche China hinüber streicht, theils aus benachbarten Seen. Er strömt von Süden nach Norden, dann in umgekehrter Richtung, wendet sich hierauf ostwärts, und fließt in das Meer. Sein Windungsreicher Lauf erstreckt sich wenigstens auf Zoo geographische Meilen. Er niyrmt eine unsägliche Menge eines gelben Schlammes auf, so daß er nicht nur selbst seinen Unterscheidungs - Namen daher erhält, sondern ihn auch dem Meere mittheilt, mit dem er sich verbindet. N. U. Hoei-Ho. Hoai-Ho. L. U. Olan-Murin. Fuen-Ho. Der Zang-tse-Kiang. Er entspringt in den Gebirgen, welche die nordöstliche Grenze von Thibet und der Choschotey ausmachen. Sein Laus geht anfänglich von Norden nach Süden, dann beugt sich der Strom nordwärts, und fließt hernach in einer östlichen Richtung durch China in das Ostchinesische Meer. S ü d f l ü s s e. Der Si-Kiang. Sein Ursprung ist auf der Grenze von See-tschuen und Zunnan. Er fließt von Westen nach Osten, und ergießt sich in den Meerbusen von Canton. Der Menan-Kom oder Cambodia. Er entspringt in der Thibetanischen Provinz Kahang, durchstießt dieses Land von Norden nach Süden, geht dann in dieser Richtung, unter dem Namen Kien-Long-Kiang, nach China, tritt dann in Laos ein, und durchströmt das Reich Cambo- ja, aus dem er in das südliche Chinesische Meer fällt. Der Menan oder Siam. Sein Ursprung ist in Pe- gu auf der Chinesischen Grenze zu suchen. Er tritt darauf LZ2 Dritte -Abth. Sechster Abschnitt. in Siam ein, und, nachdem er dieses Reich der Länge nach durchschnitten, ergießt er sich bei Bankok in den Meerbusen von Siam. Sein Lauf ist beinahe ganz von Norden nach Süden gerichtet. Der Pegu oder Lu-Klang. Die Thibetanische Provinz Kiang enthält die Quellen dieses Stroms. Er durchströmt in einer südlichen Richtung den östlichen Theil von Thibet, geht so durch eine kleine Strecke des Chinesischen Reichs nach Pegu, welches er in eben dieser Richtung durchströmt, worauf er sich in den Meerbusen von Pegu ergießt. Der Jrabatti oder Ava- Er entspringt in den Ge, biegen der Thibetanischen Provinz Amdoa, durchstießt von Norden nach Süden die Reiche Ava und Pegu, und ergießt sich durch mehrere Ausflüsse in vorgebuchten Meerbusen. Der Buramputer, der Tenasserim oderMegma. Er entfließt dem Schneegebirge Kantaisse, durchströmt ganz Thibet von, den äußerst.n Grenzen gegen Kaschimir, dann wässert er das Königreich Assam, und tritt bei Rangamatty in Bengalen, vermischt sein Wasser nahe am Ausfluß des Ganges mit demselben, und so vereinigt, fallen beide in den Meerbusen von Bengalen. Die Richtung seines Laufs ist erst östlich, dann westlich, und am Ende südlich. Der Ganges. Auf gedachtem Gebirge, nicht weit von dem Ursprünge des vorigen, befinden sich die Quellen dieses Flusses. Er fließt westlich ab, wendet sich dann nach Süd- osten, Osten, und endlich nach Süden, da er sich denn in den Bengalischen Meerbusen ergießt. N. U. T schumna. L. U- Gagra. Der Indus oder Sind. Ihn bildet in Panjab in Hindustan der Zusammenfluß mehrerer Flüsse von dem Gebirge Handukesch. Nachdem er die Staaten der Seiks durchströmt, fällt er durch verschiedene Mündungen ins In- Uebersicht der Hauptflüsse unseres Erdbodens. 2ZZ dische Meer. Sein Lauf geht ziemlich in *der Richtung von Norden nach Süden. W e st f l ü s s e. Der Euphrat/ Der Ort seines Ursprungs wird von den Erdbeschreibern verschiedentlich angegeben. Eigentlich kommt er aus Aderbischan, läuft durch Armenien südlich, dann westwärts, und in einer Krümmung wieder nach Süden, worauf er sich südostwärts wendet, so Zrak-Arabi durchschneidet, und sich unter Basrah in den Persischen Meerbusen ergießt. Jetzt vereinigt er sich bei Koma mit dem Tigris, mit welchem Namen auch einige Geographen den vereinigten Strom belegen. Vormals strömte er mehr südlich in seinem eigenen Bette in den Meerbusen. N. U. Karo so», e. U. Khabour. Der Tigris. Er kommt im Norden von Diarbekie zum Vorschein, scheidet in seinem südöstlichen Laufe Al Ge- sira und Kurdistan von einander, und durchströmt in dieser Richtung Irak-Arabi mit dem Euphrat fast parallel, mit dem er sich, wie erwähnt, vereinigt. L. U. Diala. Gkoße und kleine Zab. Der Ast an. Sein Ursprung ist fast in dek*Mitte Arabiens, aus der er in einer beinah östlichen Richtung dem Persischen Meerbusen zuströmt. Der Sir. Er entspringt in dem Gebirge Karatschuk, und läuft, einige Krümmungen- abgerechnet, nordwestwärtS in den See Aral. Der Amu oder Gihon. Belur - tag in der großen Bucharei ist das Gebirge, welchem er entfließt. Er durchströmt hierauf den südwestlichen Theil dieses Landes, und geht, nachdem er den Tokay aufgenommen, jetzt in den See Aral. Vormals nahm ihn das Kaspische Meer auf. Die, Dritte Abrh. Sechster Abschnitt. Richtung seines Laufs ist anfangs westlich, dann nordwestlich. Der Jemba. Er entspringt auf dem Uralschcn Gebirge, durchströmt in einem südwestlichen Laufe die Landschaft Orcnburg, und ergießt sich in den nördlichsten Theil des Kaepifche» Sees. Der Ural, sonst Jaik genannt. Sein Ursprung befindet sich am westlichen Abhänge des Uralgebirges, und er geht erst südlich, hierauf westlich, dann wieder südlich ins Kaspischc Meer. Die Wolga. Sie kommt von dem Waldaischen Gebirge im Europäischen Rußland aus einem See, läuft erst südost- dann südwärts, und erreicht, nach einem Laufe von beinah esoo geographischen Meilen, den Kaspischen See. Nach der ältern Begrenzung von Europa gehört ihre obere Hälfte diesem Welttheile zu. R. U. Okka. L. U. Kam«. m. Afrikanische Flüsse. Nordflüsse. Der Nil. Seine Quellen befinden sich an den hohen Gebirgen mitten in Abyssinien. Er wendet sich, nachdem er den Ort seines Ursprungs verlassen, nördlich, und geht in den See Dembea, verläßt solchen wieder, beugt sich dann südwärts, und umgeht in einem Bogen seine eigene Quellen, worauf er sich wieder nordwärts wendet. Er macht nun in Nubien eine starke Einbeugung nach Westen zu, geht dann in einem nördlichen Laufe durch Egypten, woraus er sich in sieben Ausflüssen ins mittelländische Meer ergießt R. U. Tacazze. L. U. Weißfluß. Uebersicht der Hauptflüsse unseres Erdbodens. »Zg Steppen-Fluß. Der Niger. Er entfließt, nach den neuesten Bestürm münzen dem Hochlande von Zoilonkodoo in n Gr. N- Dr. und 7 Gr. westlicher Länge von Greenwich, wendet sich erst beinahe in Nordosten, dann nach Osten, und ergießt sich in den See Ghana, aus weichem er in zwei Armen wieder heraus tritt, welche sich unweit der Stadt Tombuctoo wieder mit einander vereinigen. Man kennt ihn nunmehr in einer Strecke von H5o teutschen Meilen bis an die östliche Grenze von Wangara. Weiter als bis hieher hat man keine glaubwürdige Angaben für die Fortsetzung seines Laufs. Allem Vermuthen nach ergießt er sich in einen See, und ver- dünstet, oder er verliert sich in Sandwüsten oder Morästen, nachdem er Wangara regelmäßig überschwemmt hat. W e st f l ü s s e. Der Senegal. Er entspringt mit dem vorigen unter einerlei Breite und unterm 6° westlicher Länge von Gr. Die erste Richtung seines Laufs geht gegen Norden, dann wendet er sich gegen Westen, kurz vor seinem Ausfluß ins Atlantische Meer aber parallel mit der Afrikanischen Küste südwärts. R. U. Kokero. L. U. Faleme. Der Gambia. Sein Ursprung befindet sich ebenfalls unter dem n Gr. N- Dr. und unter dem 9° westlicher Länge von Gr. Die erste Hälfte seines Laufs ist gegen Nordwesten gerichtet: dann strömt der Fluß in vielen ansehnlichen Krümmungen westwärts in das Atlantische Meer. Der Rio Grande. Der Ort seines Ursprungs ist unbekannt. Er strömt erst nordwestwärts, dann wendet er sich ganz westwärts, und ergießt sich in einer weiten Mündung vor den Bissagos-Inseln in das Atlantische Meer. Der Zaire. Er entspringt auf dem Gebirge Chissala, 2Z6 Dritte Abth. Sechster Abschnitt. geht nordwärts durch den See AHuilhunda bis Kundi, wo er sich westwärts beugt, um in dieser Richtung das Atlantische Meer zu erreichen. S ü d f l ü s s e. Der Elephantenfluß. Er entspringt in dem Lande der Haneumquas, geht erst südwärts, dann gegen Südwesten, worauf er sich in einer südöstlichen Richtung in das Aethiopische Meer ergießt. O st f l ü s s e. Der Zambeze oder Kuama. Sein Ursprung ist noch unbekannt, und er fließt in einem östlichen Laufe, durch drei Mündungen in den Kanal von Mosambique. N. U. Chiveira. L. U. Suabo. Der Coaro. Mann kennt nur den letzten Theil seines Laufs, wonach er sich in einer östlichen Richtung in den gedachten Kanal ergießt. IV. Amerikanische Flüsse. Nordamerika. Der Lorenzstrom. Die Länge dieses Stroms kann man an 900 Englische Meilen annehmen, wenn man bis zu den Seen Ontario und Erie, von da zum See Huron, alsdann zum Obersee, Holtzsee, den See Winepig und endlich zum Medowssee hinauf geht: denn die Wasser aller dieser Seen vereinigen sich mit einander, und ergießen sich zuletzt in den Lorenzstrom, und außerdem verschlingt er noch zahlreiche Flüsse Kanada's. Da, wo er aus dem See On- Uebersicht der Hauptflüsse unseres Erdbodens. 257 tario heraus tritt, hat er schon eine Breite von 10 —.12 Englischen Meilen. Er bildet in seinem Laufe viele Daye, Hafen und Inseln, und fallt beim Cap Rosire durch eine weite Mündung ins Atlantische Meer. Seine Richtung vvm See Ontario an ist nordöstlich. Der Paecataqua. Er vollendet seinen ganzen Lauf in Neu-Hampshire, und hat seinen Ursprung m zwei Armen aus eben so viel kleinen nahe bei einander gelegenen Seen. Anfänglich heißt der Strom Salmon-Fall-Ri- ver, und erhält nach einer langen Strecke erst den Namen, welchen er der großen Bay mittheilt, durch die er sich in das Atlantische Meer ergießt. Sein Lauf geht von Norden nach Süden. Der Merrimak. Er entsteht in New-Hampshire aus zwei Armen, deren nördlichster am weißen Gebirge seinen Ursprung hat, und läuft südsüdwestwärts nach Massachu- scts, wo er sich aber bald nach Nordostsn weydet, und nach einigen großen Wassersällen ins Atlantische Meer stürzt. Der Connecticut, oder der lange Fluß, wie sein Indischer Name besagt. Er entspinnt sich aus einem Moraste im Kanadischen Hochlande. Sein Lauf zwischen New- Hampshire und Vermont geht anfangs meist jüdlich, worauf er sich stärker westwärts wendet, und gegen das Vermont- sche Hochland zufließt, welches ihn in die Richtung seines südwestlichen Laufs zurück treibt. Weiter hinab drängt er sich durch ein enges Felsenbette zum großen Fall- und eilt nach Massachusets. Nun wendet er sich mit starken Krümmungen zwischen einzelnen Bergen, läuft sodann immer breiter und tiefer durch Connecticut, meistens gerade südwärts bis zu einer Weite von 10 geographischen Meilen vom Meere. Von hier .verliert der Fluß seine vorige Schnelle, bis er sich in den Long-Jsland-Sund ergießt. Sein ganzer Lauf muß aber 70 bis go geogr. Meilen betragen, da er in gerader Linie durch vier Grade der Breite fließt. LZg Dritte Abth. Sechster Abschnitt. Der Hudsonfluß. Seine Entstehungsarme sind noch nicht hinlänglich bekannt : man weiß nur so viel, daß sie aus den vielen kleinen Seen in dem Waldgebirge der nordwestlichen Wildniß entspringen. Der westliche Arm hat seine Quellen in kleinen Seen, welche dem, in einer entgegen gesetzten Richtung, dem Lorenzstrome zueilenden Oöwegatsche- flusse seinen Ursprung geben. Der östliche Arm kommt au« dem Scaron-See. Der Saeondago, welcher von der Süd- westseite in den Hudson fließt, kann gleichfalls als ein Ent- stehungöarm des großen Stroms angesehen werden. Von nun an strömt der vereinigte Fluß südwärts, beugt sich auf einmal ostnordöstlich, nunmehr geht aber seine Richtung immer nach Süden, anfangs mit geringer Abweichung gegen Südosten, dann aber mit einer ein wenig stärker» Neigung gegen Westen, oftmals aber gerade von Norden nach Süden herab. Oben bei der Neu - York - Insel trennt sich der Ostfluß von dem Strome, läuft längs der östlichen Küste der Insel hinab, bis er mit dem Nordfluß — eigentlich Westfluß — vereinigt wird, und die New-York-Bay bilden hilft. Dieser Strom, welchen man auch den North- Rtver nennt, muß nach Sauthier's Karten vom Urquell an bis New-York an 70 geographische Meilen berragen. R. U. Mohawk. KaatS-Kill. Palz-River. L. U Batten-Kill. Housack. Crotonfluß. - Der Delaware. Er entspringt, was seine beiden Hauptärme betrifft, in New-York. Der westlichere, oder Mohok-Arm, stößt, ehe er sich mit dem östlichen, dem Popachton, vereinigt, und zum Delawarestrom wird, an die nordöstliche Ecke des Staats. Der Strom geht abwechselnd, bald nach Südwesten, bald nach Südosten, anfangs zwischen hohen Ufern. Zuletzt lenkt er seinen südwestlichen Lauf Philadelphia vorbei, in die »ach ihm benannte Bay. R. U. Schuglkill. Die Susquehannah. Die Zweige ihres östlichen Uebersicht der Hauptflusse unseres Erdbodens. 239 Stamms haben ihren Ursprung innerhalb New - Dork. Wenn die östliche und westliche Susquehannah, welche letztere jenseit des Allegany-Gebirges entsteht, sich vereinigt hat, strömt sie in einer südwestlichen Richtung in die Chesapeak-Bay. R. U. Juuiata. Conewago. L- U. Mahony-Creek. Swetara. Der Mjssjssjppj. Er entsteht aus mehreren Armen, die den Canadischen Seen entfließen, verstärkt sich bald ansehnlich-. und legt in einem südlichen Laufe an 6oc> geographische Meilen zurück, bis er sich durch zwei Mündungen in den Mexikanischen Meerbusen ergießt. N. U. Redfluß. Missouris. L. U. Uisconsin. Zllinois. Ohio. Südamerika. Der Oronoque. Er entspringt in der Bergkette, die Peru von N.u-Granada scheidet, zwischen dem i und crGr. N. Br. nimmt zuerst seinen Lauf nach Ost-Süd-Osten, un, gefähr auf nc> bis 120 Vteilen durch das weit ausgedehnte Land von Neu-Andalusien. Hier breitet er sich nun in zwei Aeste aus, von welchen der eine sich nach Süden wendet, der andere aber, welcher seinen Namen behält, seine Richtung nordöstlich nimmt, und, der Dreifaltigkeitsinsel über, durch mehrere Mündungen ins Atlantische Meer fällt. Man kann sicher annehmen, daß sich sein ganzer Lauf auf 45 c> Meilen erstrecke. Durch den Nio Negro steht dieser Strom mit. dem Amazonenflusse in Verbindung. R. U. Akire. Caroni. Cauca. Rupura. L. U. Mamoc. Apure. Meta.. Der Amazonenfluß oder der Marannon. Der Hauptursprung dieses großen Stroms, welcher das ganze feste Land von Südamerika von Westen nach Osten durchschneidet, ist schwer zu bestimmen. Einige glauben, daß er sein Wasser von den Andes bekomme: die gemeinere Mei- »4" Dritte Abth. Sechster Abschnitt. nung ist, daß er in dem Spanischen Gebiete Tarma entstehe, und daß sein Lauf von dem Dorfe Lagune, oder von dem großen See von Lauricocha, ungefähr unter n Graden S- Dr. seinen Anfang nehme. Von hier fließt er gegen Süden, und lenkt sich unvermerkt nach Osten. Hernach wendet er sich nordwärts bis zur Stadt Zaen, wo er eine Beugung macht, und seinen Lauf gegen Osten fortsetzt, bis er sich durch eine Vdündung, deren Breite sich von dem Aequator bis zu zwei Graden N- Br. erstreckt, in das Atlantische Meer ergießt. Man schätzt die Länge des Flusse« von Lagune an bis ans Meer auf 625 Meilen. N. U. Zingu. Tapajos. Madeira. Ukayale. L. U. Paru. Parima. Jea. Der Essequebo. Er entspringt in dem Caribanischen Guiana oder der wilden Küste, durchströmt, nachdem er durch den Fluß Riponouni eine ansehnliche Verstärkung erhalten, das Holländische Guiana in einer fast nördlichen Richtung, und fällt unter 12 Grad N. Br., etwa 12 Meilen südlich vom Cap Nassau ins Atlantische Meer. Seiner Mündung, welche mir niedrigen Znscln und Untiefen angefüllt ist, giebt man eine Breite von drei Meilen. L. U. Cajoni. Masserouni. Der Magdalenenfluß, oder Rio grande. Er scheint seinen Ursprung in dem Gebiete von Popajan zu.haben, durchströmt Neugrenada Mid andere Theile von Terra Firma in nördlicher Richtung, und fällt etwa um n Gr. N. Br. in den Meerbusen von St. Martha. N- U. Bogota. Casare. L. U. Cauea. Der Franziskusfluß. Sein Ursprung ist in Brasilien, welches Land er in einer nördlichen Richtung benetzt; er wendet sich darauf ostwärts, und fällt etwa um der 10 Gr. S. Br. ins Aethiopische Meer. Der Silberfluß, oder die Parana. Er entspringt in I Don den stehenden Gewässern der Erde. § 4 » in Brasilien, läuft anfänglich westlich, wendet sich dann nach Südwesten, darauf südostwärts, in welcher Richtung er ins Aethiopische Meer fällt. Die Breite seiner Mündung beträgt an 2L0 Englische Meilen, ein Uferabstand, wovon wir in unserer Hemisphäre kein Beispiel haben. Er läuft an 600 Meilen weit, von seinem Ausfluß bis zum Ursprung des Flusses Parana. R. U. Nio salado. Rio vermejo. Paraguay L. U. Uruguay. Vierte Abtheilung. Von den stehenden Gewässern der Erde. Gewässer auf unserer Erde sind diejenigen, welche ohne eine solche Bewegung erscheinen, wodurch sie ihren Ort verändern, und werden also.in dieser Hinsicht den fließenden entgegen gesetzt. Mau theilt sie ein: in Seen^ Sümpfe und Moräste. Teiche sind kleinere in enge Grenzen eingeschlossene Wasser, ihre Existenz aber mehren- theils das Werk der Menschen Wenn das Wasser in einem auf allen Seiten eingeschlossenen Bezirk von geringem Umfange zusammen fließt, so nennt man diesen Raum auch wohl einen Kessel; so bilden die sieben Quellen am Niesen- gebirge, woraus die Elbe entsteht, einen Kessel. Die Seen sind der Hauptgegenstand, auf den wir jetzt unsere Aufmerksamkeit richten werden: und wir wollen dann die Sümpfe und Moräste betrachten. Diese Abtheilung zerfällt in fünf Abschnitte, worin 4 . sch2 Vierte Abth. Erster Abschnitt. 1) von den Seen überhaupt; 2 ) von der Beschaffenheit ihres Wassers; 3) von den besondern Eigenschaften verschiedener Seen, und 4) von den Sümpfen und Morasten gehandelt werden wird: worauf denn 3) eine Uebersicht der vornehmsten Seen unserer Erde diese Abtheilung beschließen soll. Erster Abschnitt. Von den Seen überhaupt. ^as Wort: See, im Masculin gebraucht, bezeichnet eine Sammlung stehenden Wassers auf dem trockenen Theile des Erdbodens, wenn sie so groß ist, daß das Wasser darauf Wellen schlägt. Diese Gewässer werden auch Landseen, und in der Niedersächsischen Mundart Binnenseen genannt. Oftmalen seht man die Landseen den Berg- oder Gebirgsseen entgegen. Sind dies? Art der stehenden Gewässer von einem ausgezeichneten Umfange, so belegt der Sprachgebrauch sie auch wohl mit dem Namen Meer; z. B. das Kaspjsche Meer, das todte Meer u. a. m. Seen sind stehende Gewässer, welche allenthalben vom Lande eingeschlossen sind, und mit dem Weltmeere keine sichtbare, wenigstens keine unmittelbare, Gemeinschaft haben: denn wenn das letztere Statt findet, so gehören sie zu den mittelländischen Meeren, Ein Strom also, welcher einem stehenden Gewässer entfließt, und sich hiernächst in ein nahes Meer ergießt, verbindet zwar beide mit einander, jedoch mit- Von den Seen überhaupt. -43 telbar, und durch diese Gemeinschaft wird jenes nicht zu einem mittelländischen Meere. Ganz anders verhau es sich, wenn sie beide durch eine Meerenge zusammenhängen. Man muß daher das schwarze Meer nicht den Seen, sondern den mittelländischen Meeren beizählen. Jenes ist von verschiedenen Erdbeschreibern deshalb geschehen, weil Man dieses fast von allen Seiten eingeschlossene Gewässer, seines süßem Wassers wegen, oftmals zur Winterszeit ganz mit Eise belegt findet. Die Seen werden von einigen eingetheilt: in Ursprüngliche oder neu entstandene. Jene nennt man solche, die vor dem Anfange der Geschichte bereits vorhanden gewesen sind: diese aber, welche in bekannten Zeiten entweder von der Natur hervorgebracht sind, oder ihr Dae seyn den Händen der Menschen zu verdanken haben Die erste Entstehung dieser Gewässer laßt sich von den: ursprünglichen Zurücktritte der Gemäßer des Meeres herleiten: denn da, wo ein oder Mehrere überall von Bergen eingeschlossene Thäler wateii, konnte das Wasser nicht abfließen; ^es blieb also hier stehen, und bildete einen See. Dte Zahl der ursprünglichen Seen im ersten Verstände ist wohl bei weiten: die grkste auf Unserer Erde. Um die Art ihrer Entstehung einzusehen, Müssen wir auf die Merkmale Acht geben, wodurch sie sich von einander unterscheiden, und wonach sie von den ältern Naturforschern, als von Kircher -), Varenius b) u. a. in gewisse Klass n geordnet worden sind, welche EiNtheilung die neueren auch beibehalten haben. Die Hauptkennzeichen der Lastdseest gründest sich darin: H Gatterer's Abriß der Geographie. S. 7?. ') 8nbt. k. I. i., 5. 8- I. o. 4, ») Leogr. Aen. vrox. 6. Ls2 244 Vierte Abth. Erster Abschnitt. ->) daß sie einen Abfluß aber keinen sichtbaren Zufluß haben: b) daß sie Flüsse aufnehmen und wieder von sich fassen: c) daß sie Flußwasser empfangen, aber keins abführen, und 6) baß sie weder Zuflüsse noch Abflüsse haben. Die Seen der ersten Klasse entstehen aus Quelle», in einer so niedrigen Lage, daß ihr Wasser hoch steigen, und sich weit ausbreiten muß, ehe es eine Stelle erreicht, durch die es abfließen kann. Sie haben zwar größtentheils von außen her auch Zugänge von fließendem Wasser aus Quellen; allein der Abfluß ist bei weitem stärker, als diese sicht- baren Zugänge, und überdies müssen sie auch den Nleder- schlag aus der Atmosphäre, weicher sowohl auf die Wasserfläche, als auch auf das gegen sie gesenkte Land fällt, mit abführen. Seen dieser Art findet man in den Gebirgen, und aus ihnen nimmt eine große Anzahl Flüsse ihren Ursprung. Seen der zweiten Klasse entstehen auf einem, von jenem ganz verschiedenen Wege. Man kann sich ihre Bildung auf zweierlei Weise vorstellen.. Wenn man sich eine Ebene gedenkt, die einen sehr engen Ausgang hat, durch welchen Gewässer abfließen, so kann es geschehen, daß dieser Ausgang auf irgend eine Art, z.. B. durch aufgeschwemmtes Land, mit den Trümmern eines eingestürzten Berges u. s. w. ausgefüllt und verstopft wird/ so daß das Wasser nicht frei auslaufen kann. Dieses wird sich nun ansammeln, und die Ebene in einen See verwandeln. Dieser Fall wird jedoch nur sehr selten eintreten, und wenige Seen werden auf diesem Wege ihr Daseyn erhalten haben. Wenn hiernächst ein Strom in seinem Laufe eine rings herum verschlossene Vertiefung antrifft, so kann er seinen Weg nicht eher weiter fortsetzen, als bis er solche ausgefüllt hat; und hieraus entsteht ebenfalls ein See. Dieser kann also als eine Er- Von den Seen überhaupt. 24Z Weiterung des Stromes selbst an dieser Stelle angesehen werden. Zst nun ein solches Gewässer von weitem Umfange, so ergießen sich wohl mehrere Flüsse in dasselbe, und es wird ihm auch nicht leicht an verborgenen Quellen fehlen. Gemeiniglich hat aber ein solcher See nicht mehr als einen Ausfluß an der niedrigsten Stelle seines Ufers, und dieser empfängt jedesmal den Namen des grösten in ihn einfallenden Flusses. Zn den Wettersee ergießen sich an vierzig Flüsse, deren Wasser der einzige Motalastrom abführt. Der Weenersee nimmt das Wasser von vier und zwanzig Flüssen in sich auf, welches der einzige Göthastrom ableitet. Daß Flüsse durch dergleichen stehende Gewässer hindurch strömen können, ohne sich mit diesen zu vermischen, ist eine alte, aber eben so »«gegründete Sage. Das Wasser aus beiden vermischt sich allerdings mit einander, ob es gleich nicht zu läugnen ist, daß man einen Strom, wenn er mit Heftigkeit in einen See eindringt, oft eine weite Strecke am Laufe und an der Farbe des Wassers unterscheiden kann. Dies sehen wir im Genfersee an der Rhone, im Bodensee am Rheine, und in anderen kleineren des Schweitzer- landes. Mehrere Europäische Flüsse bilden dergleichen Seen: vorzüglich zeichnet sich aber das nördliche Amerika in dieser Hinsicht aus. Sie sind überhaupt die gemeinsten, so wie auch ihre Entstehungsart am leichtesten zu erklären ist. Die Seen aus dieser Klasse verändern gewöhnlich ihre Höhe zu verschiedenen Zeiten, je nachdem sich die Menge des Zuflusses und des Niederschlage aus dem Luftkreise ändert. Da sie Zuflüsse aus entlegenen Gegenden erhalten, so kommt es Hiebei nicht bloß auf die Witterung in der Nachbarschaft derselben, sondern hauptsächlich auf die Veränderungen an, welche in den.Gebirgen vorgehen, aus denen sie ihr Wasser empfangen. Daher können sie stark an- 246 Vierte Abth. Erster Abschnitt. wachsen, wenn der Schnee im Gebirge schmelzt, ohne daß man in ihrer Nähe Regen oder Nässe bemerkt, ' Die Natur und Beschaffenheit der.Seen aus der dritten Klasse ist schwerer zu erklären, denn hier entsteht die Frage: wo bleibt das Wasser, welches diese Gewässer durch die Flüsse und durch den Niederschlag erhalten? Man sollte glauben, sie, würden in einer zu berechnenden Zeit dermaßen anschwellen, daß ihr Wasser sich irgendwo einen Ausweg suchen müste, durch welchen es abflösse: allein dies geschieht nicht. Diese Seen erhalten gerade so viel Wasser, als zum Wiederausfüllen des Raums erforderlich ist, welcher durch die Ausdünstung und sonst verloren ging; denn erhielten sie weniger, so würden sie abnehmen und kleiner werden, welches ebenfalls gegen die Erfahrung ist. Einige dieser Seen, welche in den heißesten Erdstrichen liegen, können wohl durch den sandigen Boden und die Ausdünstung so viel Wasser verlieren, als sie empfangen. Bei den mehresten ist es aber schwer zu bestimmen, wo die Wassermenge bleibt, welche ihnen sichtbar zugeführt wird. Hier giebt es aber keinen andern Ausweg, als Heu Luftkreis und da? umliegende Land, Wenn man sich dergleichen Wasserbehälter in einer gewissen Höhe zwischen Bergen denkt, deren nicht eben dicke Masse von einer solchen Beschaffenheit ist, daß sie dem Wasser einen allmähligen Durchgang verstattet; wenn diese Berge an tiefere Thäler grenzen, so kann das Wasser aus jenen Behältern entweichen. Und im unteren Thäte in Quellen, Bächen und Flüssen zum Vorschein kommen, De ja Me- therie *) führt hiezu ein Beispiel an. Ueber dem See Nantua liegt ein anderer, der von dem Thäte Nantua durch einen natürlichen Damm, von einer lockern Consistenz getrennt ist. Dieser obere See, weicher Zuflüsse hat, zeigt keinen Ablauf: es scheint aber, daß sein Wasser durch ver- ») Th. der Erde. lt. B, S. -z6- Von den Seen überhaupt. 247 borgene Kanäle in den See Nantua übergehe, aus welchem ein beträchtlicher Bach abfließt. Die seltsamste Erscheinung giebt in dieser Hinsicht der Kaspische See. Er verschlingt unter mehreren Flüssen auch die Wolga, den Jaik und Emba, drei überaus wasserreiche Ströme, ohne an einer Stelle sichtbar abzulaufen. Da man nun durch Berechnung gefunden, daß die Ausdünstung bei weitem nicht zureichend sey, den ganzen Vorrath des zufließenden Wassers, so wie auch dasjenige abzuführen, welches die Atmosphäre liefert; so verfielen einige Erdbeschrelber auf den Gedanken, es mittelst unterirdischer Kanäle in den Persischen Meerbusen oder das schwarze Meer abzuleiten. Als einen Bestätigungsgrund dieser unterirdischen.Verbindung mit dem ersten, führen sie an, daß man Blätter von Stauden- gewächsen auf demselben treiben sähe, welche nirgends, als am Ufer des Kaspischen Meeres wüchsen: so wie die Vereinigung mit dem schwarzen Meere von anderen aus einem ähnlichen Grunde und auch deshalb behauptet wird, weil, wenn der Sstwind auf die Fläche des Kaspischen Sees drückt, das schwarze Meer sich in ungewöhnlich hohen Wogen auf- thürme, und wenn Westwinde auf dieses fallen, jener sich auf eine gleiche Art erhebe. Um diese Meinung noch ein, leuchtender zu machen, giebt der P. April dem Kaspischen See zwei furchtbare Schlünde, welche das Wasser im Wirbel gewaltsam an sich reißen, und dem Meere zuführen sollen. Alle jene Voraussetzungen sind willkührlich angenommen, und durch keine Beweise unterstützt; besonders ist das Daseyn jener Schlünde, welche auch de Fex und andere Ncisebeschreiber angemerkt haben, in der Folge nicht bestätigt worden, und so wenig die Anwohner, als auch besonders die Schiffer, welche dieses Gewässer von Jugend auf befahren haben, wissen nicht das mindeste davon. Wenn zwischen dem See und den benachbarten Meeren «ine unter- -48 Vierte Abth. Erster Abschnitt. irdische Gemeinschaft Statt fände, so würde fener an Der/ sclmdenheiten der Seethiere nicht so arm seyn, als er wirklich ist. Gmelin -) muthmaßt, daß das Kaspische Meer sein überflüssiges Wasser landeinwärts verliere, und daß man daher an den Stellen des Landes, die mit dem See sich in einer horizontalen Lage befinden, Salzgruben anträfe. Die beiden großen Steppen, welche sich von demselben nach Osten und Westen ausdehnen, bestehen aus einem Grunde, wo das mit Bittersalz versetzte Kochsalz, so wie der See es liefert, in Kristallen anschießt. Der See Aral, und viele andere in den ungeheuren Steppen Asiens gehören ebenfalls hieher. Auch bei dem todten Meere nehmen einige unterirdische Ableitungskanäle an: allein unter mehreren Berechnungen, die in dieser Hinsicht angestellet worden sind, hat D. Shaw «) es wahrscheinlich gemacht, daß unter diesem wärmer» Himmelsstriche die Ausdünstung völlig hinreiche, nicht nur das Wasser des einströmenden Jordans, sondern auch aller übrigen kleineren Flüsse, welche vor den Gebirgen einfallen, in den LttftkreiS zu erheben. Die Seen aus dieser Klasse verändern', einige ausgenommen, die Höhe ihrer Wasserfläche nicht merklich, ihrer zum Theil beträchtlichen Zugänge ungeachtet. Die Seen der vierten Klasse sind im Ganzen'von geringerer Bedeutung; sie trocknen ein und schwellen an, nach Beschaffenheit der Witterung. Einige von ihnen sind wegen besonderer Erscheinungen merkwürdig. Sie scheinen, theils aus zusammen gelaufenem Schnee- und Negenwasser, theils auch aus dem, welches sich aus den höher gelegenen Gegenden dahin zieht, zu entstehen. Vielleicht stehen auch -) Reife durch Rußland Hl L». S. -z>. ») Reise. « Lg. Von den Seen überhaupt. 249 - - > ———-——. einige derselben, durch verborgene Kanäle mit andern Gewässern in Verbindung. Außer den angeführten kann eS noch mehrere Entste- hungsartcn der Seen geben. Von auStretenden Strömen weiß man, daß sie oftmalen auf dem Lande Gewässer zurück lassen, welche hernach lange stehen bleiben, und bloß zur Zeit der Ueberschwemmung wieder neuen Zuwachs erhalten. Bisweilen hat sich auch wohl das Meer bei heftigen Aufwallungen über gewisse Gegenden ergossen, und daselbst Seen hervorgebracht, welche salziges Wasser enthalten, wie z. B. das Harlemer Meer, und verschiedene andere in Hplland. Erdsälle, und das Einsinken des Bodens können Veranlassungen abgeben, daß Seen gebildet werden. Wenn sich eine solche Veränderung ereignet, so wird das Wasser an diesem Orte zusammen laufen und den Raum ausfüllen. Ostmalen bedeckt eine Erdrinde ein unterirdisches Wasser, welches dann zum Vorschein kommt, wenn jene einsinkt. Noch jetzt stellt Ostfrieöland ein Beispiel eines solchen unterirdischen Sees auf. Er ist ein unergründlich tiefes Gewässer, dessen Oberfläche mit einer so festen Erdrinde überzogen ist, daß man darüber ohne Gefahr hinweg reiten und fahren kann. Die Einwohner der Dörfer in der Nähe bedienen sich desselben zum Rösten des Flachses, indem sie in jene Rinde Löcher graben, und den Flachs hinein stecken. Nicht ohne Grund befürchtet man, daß nach mehreren Jahren, wenn etwa die Decke von dem andringenden Wasser abgespült worden, die Erde einsinken, und sich der unterirdische See in einen Sumpf verwandeln werde *). Der See Locrin entstand durch den Einsturz eines Berges, zu dem ein Erdbeben Veranlassung gegeben hatte, und es ereignet sich kaum eine etwas beträchtliche Erderschütterung, die nicht mehreren solcher Gewässer das Daseyn gäbe. I» *) Jahrbücher der Prenß. Monarchie. -799- S- aga. LZo Vierte Abth. Erster Abschnitt. Calabrien entstanden bei dem Erdbeben von 1783 über hundert solcher Seen. An Orten, wo Vulkane einstürzen, kommen dergleichen Gewässer zum Vorschein. So entstand der See Averno bel Puzzuoli; so sind die Seen Agnano und Astruni eingestürzte Mündungen ehemaliger Vulkane *), Wahrscheinlicher Weise gehört auch das todte Meer hieher, von welchem noch jetzt von Zeit zu Zeit Rauchsäulen empor steigen. Der See Onci auf der Insel Nipon entstand in einer Nacht an einer Stelle, welche die Erde verschlungen hatte. Der Arendsee in der Altmark ist, aller Wahrscheinlichkeit nach, durch einen Erdfall gebildet. Dieses eine halbe Meile im Umfange haltende Gewässer ist, nach den Berichten der ältesten Geschichtschreiber des Landes, durch das Einsinken einer Stelle im Jahre yiL entstanden, wozu ein Erdbeben die Gelegenheit gab. Im Jahre 166Z. am 2L. November versank bei einer ähnlichen Erderschütterung, abermals ein Stück Landes, von zweihundert Schritten im Bezirk, mit einem Berge in diesen See, und sein Flächeninhalt ward dadurch noch um ein ansehnliches vergrößert -)- Nächst diesen giebt es auch Seen, die nur zu gewissen Zeiten in dieser Gestalt erscheinen; und diese sind bloß das Werk der Ueberschwemmungen. Von dieser Beschaffenheit ist der See Tarayes in Südamerika. Dem P. Jos. Sanches Labrador zufolge fließt der Paraguay in einem Bette von Norden nach Süden herab, und theilt sich dann in drei Arme. Bei den hier gewöhnlichen Ergießungen schwellen diese Arme zu einer unglaublichen Höhe an, und setzen das Land auf zweihundert Meilen unter Wasser. Die Europäer, welche hier ankamen, hielten das angesam, Feeder'S Briefe aus Welschland. HerauSiezed. von Born. Pro- 1773, S. > 43 - »)Dieter!ch'S Sendschreiben von dem Arendseeischen Erdfall -686. Rikter's Sendschreiben von dem ic.Arendsee. SvnderShausen 1744. Von den Seen überhaupt. sZi melke Wasser für einen beständigen See, in dessen Mitte sie eine Znseb setzen *), Die Seen sind bald von größerm, bald von geringerm Umfange, und von ungleichen Gestalten auf unserer Erdfiä- che vertheilt. Auf den Gebirgen, welche mehrere breite neben einander hinlaufende Rücken haben, und zwischen ihnen trifft man größere und kleinere Seen an, die fast alle von länglicher Figur sind. An dem flachen Niederlande sind sie ebenfalls häufig und mehrentheils von runder Gestalt. Am Hange der Gebirge, so wie in dem flachen Hoch- und Mit- tellanve findet man wenig dergleichen, da die Neigung der Fläche dem Wasser keinen ruhigen Stand erlaubt, und sie durchgespült oder ausgebrochen sind- Daher erkläret es sich, daß es in manchen Ländern ganz daran fehlt. So finden wir in Polen, welches einen Abhang des Karpathischen Gebirges ausmacht, keine Seen, dahingegen das flach und niedrig liegende Preussen deren Me ungeheure Menge auszuweisen hat. Das.Becken eines Sees besteht aus seinem Grund und Boden und den Seiten. Die Umfangslinie wird, wenn sie flach ist, der Rand, wenn sie aber hoch ist, das Ufer genannt. An den Seiten befinden sich Buchten und Erdzungen: auf dem Boden erheben sich aber Inseln und Werder, Halbinseln und Halbwerder. Die mehresten Seen sind rein von Inseln, andere besitzen deren bald mehr, bald weniger. Ein großer See in Nordamerika unterm 60 Gr, N. Br. ist gleichsam damit ganz besäet, und die Inseln liegen so nahe an einander, daß es das Ansehen hat, als ob eine Menge von kleinen Flüssen sich zwischen ihnen unordentlich hinschlängelttn, Er wird daher der Inselsee genannt. I) Dobriihoff,r'L Geschichte -er Ahiponen, I Th. S. rrs. ») Hearne's Reifen a. Enzl. Berlin --97- S. 8t- 2Z2 Vierte Abth. Erster Abschnitt. Die Tiefe der Seen steht gewöhnlich mit ihrer Größe in einem rechten Verhältniß. Sie ist in einem und demselben See oft sehr verschieden, und manchmal überaus ansehnlich. Im Wettersee findet man an einigen Stellen auf dreihundert Faden, in dem Schotkländischen See Tay, aber auf sechshundert Faden keinen Grund. Der Genfersee hat zwischen Lausanne und Mellery an manchen Orren acht- bis neunhundert Fuß, und an anberen-etwa einen Büchsenschuß vom Lande, schon fünf bis sechshundert Fuß Tiefe. Nicht selten verändern die Seen ihre Größe und Ge, statt. Dieses Schicksal scheint das Kaspische Meer gehabt, dasselbe mit dem benachbarten See Aral ein einziges Gewässer ausgemacht zu haben, und durch den Sand und Schlamm, welchen die Flüsse hineingeführt, von einandert abgesondert zu seyn. Diese Vermuthung erhält dadurch noch mehr Gewicht, daß sich auf der Ostseite kein bedeutender Fluß in den Kaspischen See ergießt, so wie auch der See Aral keinen Fluß auf der Westseite in sich aufnimmt. Hierzu kommt noch, daß auch dieser allmähitg sein Wasser verliert, welches an dem stark mit Rohr und Schilf bewachsenen Ufer süß, in der Mitte aber salzig und bitter ist. Was besonders die Seen betrifft, au« denen Flüsse heraustreten, so ist es wahrscheinlich, daß diese den Kanal, in welchem sie dem See entfließen, nach und nach erweitern und vertiefen werden. Es wird also immer mehr Wasser aus dem See ablaufen, und da dieser nicht in eben diesem Verhältnisse Wasser empfangen wird, so muß er immer kleiner werden. Man will auch wirklich bemerkt haben, daß die meisten Seen, durch welche fließende Wasser hindurch gehen, an Größe abnehmen. Der Genfersee erstreckte sich in den älteren Zeiten viel weiter als jetzt; er ging, wie man glaubt, bis an das Fort Ecluse, und bedeckte also da« Wal- liserland, einen Theil von Savoyen uq- der Schweitz- Auch durch aufgeschwemmte.Erde und Sand können die Bon den Seen überhaupt. 255 Seen in ihrem Umfange verringert, und nach und nach kleiner werden; so wie auch die sich hinein ergießenden Bäche und Flüsse dazu beitragen, durch den Sand u. dergl., welchen sie mit sich führe», das Bette derselben zu erhöhen. Viele Seen sind von der Erde verschwunden, und entweder Theile des Meeres oder des trockenen Landes; andere werden ausgetrocknet, und ihr Boden wird urbar gemacht. Mehrere Geschichtschreiber reden von Seen, die man heut zu Tage vergebens sucht. Herodot berichtet, daß Thessalien vormals nichts weiter war, als ein großes, auf allen Seiten von Bergen eingeschlossenes Gewässer. Auch Bövtien scheint sonst einen großen See gehabt zu haben, der sich zu den Zeiten des Jnachus verlaufen hat. Die Chinesischen Jahrbücher melden, daß zu den Zeiten des Uao in den Gebirgen der orientalischen Tatarey ein See sich befand, welcher aus- trat und Ueberschwemmungen verursachte. Ein Reisender, welcher die Oberfläche der Erde mit Aufmerksamkeit betrachtet, wird noch jetzt an vielen Orten Spuren von ehemaligen jetzt trocknen Seen gewahr werden. Sulz er >) bemerkte auf einer Harzreise auf der schiefen Ebene vom Brocken bis an den niedrigsten Theil des Thals bei Jlsenburg, mehrere Kessel in einem Kreise neben einander, die unter sich durch enge Kanäle in Verbindung standen, und es ergab sich aus allen Umstanden, daß hier mehrere Seen über einander gewesen seyn müssen, deren Wasser sich allmählig verlaufe!» harte. Die Landschaft la Dombe mit einem Theile von la Bresse, macht einen Kessel, der wahrscheinlich sonst mir Wasser ausgefüllt war: auch die Ebene vor Mont Brisson, welche rund herum von Bergen eingeschlossen ist, hat vormals einen ähnlichen Kessel ausgemacht, dessen Damme bei Balbigny von der Loire durchbrochen seyn werden -). r) IVlem. äe 1 '^crä. ä Berlin. 1762. De la Nerherie a. a. O, 2 Tl). S. zon -54 Vierte Abth. Erster Abschnitt. Lama non behauptet, daß der Kessel vor Paris ehemals ein See gewesen sey. In den nördlichen Theilen der Erde trifft man mehr Seen und stehende Gewässer an, als in den südlichen, und es scheint, daß solche in den heißen Erdstrichen besonders selten sind. Die Ursach dieser Erscheinung ist nicht schwer aufzufinden. Die Gebirge der heißen Gegenden sind überhaupt genommen sehr steil, und die Ströme haben hier folglich mehr Kraft, als in anderen Gegenden, und überdies regnet es dort gewöhnlich nur eins gewisse Zeit im Jahre, welche man die Regenzeit nennt. Zu dieser Zeit fallt eine ungeheure Menge Wasser aus dem Dunstkreise herab, welche große Ueberschwemmungen hervorbringen. Die starken Ergießungen zerstören theils die die stehenden Gewässer umgebenden Dämme/ und erweitern nach und nach die Kanäle und Abzugsgraben derselben; theils bringen sie viel Erde und Sand mit, welche sich in den Betten der Seen ansammeln, den Boden erhöhen, und ihn nach und nach in trockenes LaNd verwandeln. In den niedrigen Gegenden der heißen Erdstriche ist die Wärme so groß, daß dadurch eine starke Ausdünstung bewirkt, und mittelst derselben eine große Menge Wasser hinweg genommen wird. In der That sehen wir auch zur Sommerszeit alle kleineren Gewässer an der Küste von Afrika fast ganz trocken werden. Das häufige Regenwasser > führt auch hier jährlich eine große Menge Sand und Erde in die Seen, vergrößert ihre AblaUfskanäle, wodurch sie sich geschwinder verlieren. Indessen giebt es, wie wir unten sehen werden, in den heißen Erdstrichen dennoch jetzt stehende Gewässer von ansehnlicher Größe. IN den kalten Zonen verhält es sich ganz anders. Hier fälld Nicht so viel Wasser zu einet und derselben Zeit auf einmal aus der Atmosphäre herab, sondern es regnet fast zu Von den Seen überhaupt. -55 allen Jahreszeiten. Die Flüsse führen weniger Sand und Erde in die Seen ab, versorgen sie aber dagegen mir einer zureichenden Menge Wasser, und die Sommerwärme kann hier nicht diejenige Wirkung auf die stehenden Gewässer äußern, weiche sie in den heißen Ländern hervorbringt *). Wir treffen daher in den kalten Erdstrichen die meisten Seen an. Die Oberfläche der Seen ist zu eingeschränkt, als daß eine Ebbe und Fluth durch die Kraft der Sonne und des Mondes darauf hervorgebracht werden könnte. Indessen giebt es doch Seen, deren Wasser sich unter gewissen Umständen erhebt, und wieder fällt, wie wir unten sehen werden. Landseen von großem Umfange sind für die Schiffahrt oft sehr gefährlich. In dem Schwedischen Weenersee sind eine unglaubliche Menge Schiffe zertrümmert- Waaren versunken und Menschen verschlungen worden. Dies fand auch auf dem Ladogasee statt, daher Peter I. bewogen wurde, den wichtigen Kanal- welcher sich längs des Ufers hinzieht, anlegen zu lassen. Sonst haben große Landseen den Vorzug, daß sie wegen ihrer Tiefe von beträchtlich großen Schiffen befahren werben können; die Schiffe des Weenersees sind sogar mit drei Masten versehen. *) De la Merkierieic. 2 Lh. S- soi. Vierte Abth. Zweiter Abschnitt. 256 Zweiter Abschnitt. Beschaffenheit des Wassers der Seen. ^ie Beschaffenheit der stehenden Wasser ist von dem Quell- und Flußwasser sehr verschieden, und sie stehen diesen in Absicht der Reinheit weit nach. Auch weicht der Gehalt des Wasser« der Seen »ngemein ab, und ist unter sich verschieden. Manche zeichnen sich indeß durch eine vorzügliche Klar, heit aus, wie z. B. der Genfersee in der Schweih und der Wettersee in Schweden, in weichem letztem man bei zwan- zig. Klaftern Tiefe eine kleine Münze auf dem Boden desselben unterscheiden kann: die meisten haben dagegen ein sehr gemischtes FNd trübey Wasser. Das Seewasser ist das schwerste, und verhält sich zum Regenwasser wie loog bis ii2o zu 1000. Es geräth leicht in Fäulniß, legt einen starken Bodensatz ab, und geht bei der Destillation schwer über. Aus den faulenden Sümpfen besonders entwickelt sich eine Menge brennbarer Luft oder Sumpfluft, die man auch durch bloßes Umrühren aus ihnen erhalten kann, indem man die sich alsdann erhebenden Luftblasen in eine mit Wasser angefüllte und umgekehrte Flasche treten läßt. Die dem Secwasser beigemischten fremden Substanzen sind theils organischer, theils mineralischer Natur. Die Hauptklasse der Seen führt jedoch ein süßes Wasser. Wenn die mineralischen Stoffe dem Seewasser in einem beträchtlichen Verhältnisse beigemischt sind, so machen sie sich durch den Geschmack und Geruch, und auf andere Weise kennbar. Eine nicht unbeträchtliche Anzahl führt dergleichen, von welchen wir die vorzüglichsten anmerken wollen. Salz- Beschaffenheit des Secwaffers- 2.47 Salzseen führen ein mit Koch- und anderen Salzen ««geschwängertes Wasser. Dergleichen hat Asien in großer Menge auszuweisen, und besonders ist Slberien gleichsam damit besäet. Selbst die ausgedehnten Steppen, welche zwischen dem Iaik und Jrlisch liegen, wie auch die Steppen östlich vom Jrtisch bis an den Ob, und diejenigen, welche nördlich vom Alkäischen Gebirge sich bis zu den Grenzen des Russischen Reichs erstrecken, sind voller Salzquellen, dpren Wasser an mehreren Orten in geräumige Behälter zusammen läuft. Nach Pallas Meinung theilt das Gebirge, welches sich vom Iaik ostwärts durch die Kirgisische Steppe erstreckt, und an das große Alkäische Gebirge anschließt, den Flachen und Ebenen die vielen Salzquellen mit, wovon diese an unzähligen Orten durchdrungen sind. Unter diesen Seen giebt es nun viele, welche reiner Kochsalz bis zur Sätigung enthalten: andere geben bittere und alkalische Salze. Merkwürdig ist es, daß unter den zahlreichen, sehr wenig von einander enLssrnten Seen der Jsetkischen Provinz, einige sehr gutes süßes Wasser fühgen, dahingegen andere Kochsalz, andere Bittersalz, »och andere Bittersalz und Schwefelleber enthalten; ja Seen, welche vormals Kochsalz geliefert, sind jetzt mit Bittersalze ganz gesättigt. Der Tschubaret, welcher gegenwärtig sehr salzig ist, soll noch vor wenig Jahren süß und fischreich gewesen seyn. - . Da es-uns zu weit führen würde, wenn wir auch nue die beträchtlichsten dieser Seen beschreiben wollten; so be, gnügen wir uns, nur von einigen derselben Nachricht zu geben. Auf der östlichen Seite des Zaik befinden sich zwei. Seen, welche den Anwohnern eine reiche Ausbeute von Salze darbieten. Der eine wird der Grjäsnojc-Osero (der kothige See) genannt. Er hat fast zwanzig Werste im Umfange, und liegt in einer freien und ebenen Sieppc, R 258 Vierte Abth. Zweiter Abschnitt. welche aus einem gelben mit Sande vermischten Lehmboden besteht. Das Wasser darin ist untief, und seinen Grund bedeckt ein weicher bläulicher Schlamm, der sich gern mit dem Wasser vermischt, wenn es. vorn Winde bewegt wird. ES setzt Salzrinden an, wovon die stärksten im Jul und August einen Finger dick sind, und diese Rinden erzeugen sich vorzüglich in heißen und trpckenen Sommern '). Der andere ist der Jnderskische See. Dieser Salzsee, bei weitem größer als jener, hat etwa achtzig Werste im Um, fange, eine runde Gestalt mir geringen Buchten: Er ist dem Anscheine nach nur von geringer Tiefe. Mehrere, theils beständige, theil« in trockenen Sommern versiegende Quellen, welche sämmtlich ein reines, zum Theil vollkommen gesättigtes Salzwasser enthalten, ergießen sich in den See. Das Wasser des Sees selbst ist eine völlig saturirte Soole. Da er bei dem beständigen Zuflüsse reichhaltiger Soolen eine ungeheure Fläche zur Ausdünstung darbietet, so begreift man leicht, daß sein Grund überall mit einer Salzrinde überzogen seyn müsse, welche weiß, fest und auf eine Viertel-Arschins dick ist Um Gurjef giebt es Salzseen von verschiedener Gestalt und Größe. Im Frühjahre findet man aus dem schlammigen Boden derselben kein Salz, sondern alles ist in eine - starke Soole verwandelt: allein im Sommer liegt auf dem schwarzen Schlamme eine feste reine Salzrinde von weißer Farbe, etwa eine Spanne dick. Unter dem Schlamme soll zu allen Zeiten ein festes Steinsalz angetroffen werden. Die Soolen sollen auch Bittersalz enthalten ^). Unter den zahlreichen Salzseen der Zsetkischen Provinz zeichnet sich der Sovotschie - Osero aus. Er besteht eigent- r) Pallas Reisen. I B. S. -sg. a) Daselbst S. 4cS. r) Daselbst S. 4«^. Beschaffenheit des Seewassers, szy lich aus zwei Seen/die nur durch eine schmale Landenge von einander abgesondert sind. Der südliche, in einer Lange von drei Wersten, enthält eine völlig gesättigte Soole und eine Menge Glaubersalz. Das Salz schlägt sich nicht eher nieder, als wenn die Luft kalt wird, und löset sich wieder auf, wenn warme Witterung einfällt. Der nördliche See ist minder salzig. Vormals sollen beide reines Kochsalz enthalten haben *). Vorzüglich berühmt ist der reiche See Elton oder Alton im Astrachanschen, welcher dem Jnderekischen an GrS, ße wenig nachgiebt. Er hat eine länglich-runde Gestalt, und umher steile Ufer, welche zwei bis vier Klafter über den niedrigen Strand erhaben sind. Der Grund des Sees ist' flach, und ohne alle Vertiefungen. Das Ufer ist von Salz, bächen durchschnitten, die größer und kleiner sind, und deren Soolen sich bald mehr, bald weniger dem Sättigungspunkte nähern: auch giebt es kleine Quellen am dem ^Gestade und auf dem Boden des Sees. Die Soole, welche auf diese Weise in den Behälter zusammen rinnt, hat eine weite Oberfläche zum Verdünsten, das Salz bleibt zurück, und legt sich in jährlichen Rinden an. Es wird nur aus einigen Stellen am Ufer Salz gebrochen, und die daher entstehenden Vertiefungen füllen sich in wenig Jahren wieder mit Salz an. Die Salzschichc, welche den Boden bedeckt, ist Noch nicht bis in die Tiefe erforscht. Man pflegt, nach Wegräümnng des obersten Salzes, welches noch nicht die gehörige Festigkeit erhalten hat, und locker ist, nur die schrillen darauf folgenden vier festeren, ungefähr einen Wer- schvck dicken, Zahrlager oder Rinden wegzubrechen, welche durch schwarze Schlammstriche von einander unterschieden stnd. Unter dieser vierfachen Rinde liegt der schwarze Schlamm einige Spanne rief, und darunter sind wieder Salzschjchten verborgen, welche dünner, aber härter und Pallas Reis«. L V. S. Z4S- R 2 2üc> Vierte Abth. Zweiter- Abschnitt. fester sind/ als die oberen. Tiefer einzudringen ist wegen des flüssigen Schlamms nicht möglich. Das Sommersalz ist das beste, und am wenigsten mit Bittersalze verunreinigt. Die Zahl der Arbeiter an diesem See pflegt selten unter tausend zu seyn. Sonst war die Tiefe der Soole dem Brechen des Salzes hinderlich: jetzt aber ist der See seichter geworden. yebrigens ist der salzige Thau um denselben eine gewöhnliche Erscheinung *). Der Bogdinskoi ist ebenfalls-ein sehr reicher Salzsee. Bei einem Umkreise von dreißig Wersten ist er so seicht, daß, wenn der Wind das Wasser nach einem Ende hin treibt, sich aus dem andern in dem See waten laßt. Die Soole ist überaus rein und besser als die Eltonschs. Der Boden des Sees beftchr aus einem sandigen Schlamm, der sich jahrweise mit Salzrinden belegt, deren ebenfalls mehrere über einander liegen. Der Kaspische S>ee hat auch ein salziges Wasser, dem gemeinen Meerwasser ähnlich, obgleich weniger gesalzen, welches gegen die Ufer sogar süß wird. Gmeltn fand darin Glaubersalz, und eine von dem Meerwasser verschiedene Bitterkeit, die er mit der von der Galle vergleicht, und der Naphta zuschreibt. Zy der Nachbarschaft des Kaspischcn Sees liegen eine große Menge Salzseen, die, ihrer Beschaffenheit nach, Busen des gedachten Sees gewesen zu seyn scheinen. Sie Haben, entweder durch das Verschlemmcn und Verwehen, oder wahrscheinlicher durch den allmähligen Abzug des Sees, ihre vormalige Gemeinschaft mit demselben verloren , und ihre» Salzvorrath dem zurück gebliebenen, und durch die Ausdünstung verminderten Seewasser zu verdanken. Die meiste» befinde» sich in weit ausgebreiteten Vertiefungen der dasi- gen Steppe, in welchen eine große Wassermasse zurück blei- den konnte, deren Salz mit der verstärkten Soole sich in »^Pallas R-eisen. L' B. S. Ü;s. Beschaffenheit -es Seewassers. 261 diesen tiefsten Stellen sammeln mnfle. Die in der Nachbarschaft des Kaspischen Meeres, besonders zwischen dem Wolga- und Kumaflusse, scheinen säst alle, so wie auch in Taurien der Fall ist, diesen Ursprung zu haben *). Vorzüglich verdient noch der See erwähnt zu werden, welcher in Palästina liegt, und unter dem Namen des tod, ten Meeres, des Salzsees, des Schwefelsees bekannt ist. In Absicht seiner Größenbestimmung weichen die älteren Erdbeschreibcr sowohl, als die neueren sehr von einander ab, so wie auch seine Figur auf den Charten verfehle, deutlich vorgestellt ist. Nach Pokoke's Bericht wird seine Länge gemeiniglich auf vierhundert und achtzig Stadien, und die Breite auf achtzig angegeben. Weil man nun sechshundert Stadien- auf einen Grad rechnet, so würde hiernach die eigentliche Länge des Sees zwölf, und die gröste Breite zwei geographische Meilen betragen. Ep erstreckt sich in seiner Länge von Norden nach Süden, indem er sich in einem halben Zirkel krümmt, dessen innere Seite gegen Westen gekehrt ist. Das Wasser dieses Sees ist, nach Maundrel's, Thevenot'-s, Arvieux, Nau's und Thompson'6 Zeugnisse klar und helle, nach Troilo van der Gröben und Eotwyk trübe und schwarz, nach Po koke aber von der Farbe des Meerwassers. Vorzüglich zeichnet es sich durch seine Salzigkeit aus, wobei es einen bittern, zusammen ziehenden, alaunähnlichen Geschmack hat. Auf Galläpfel gegossen, nimmt es eine Purpurfarbe an, und mit Kali verbunden, setzt es einen erdigen Niederschlag ab -). Der Salzgehalt des Wassers ist außerordentlich groß, und einige halten es für ganz saturirt. Hierin liegt auch die Ursach -) Pallas VemerkunL«» auf einer Reit« In die südlichen Statthalterschaften des Russischen R-ichS. I V. Leipi- -799- 4. S. 25s. 2Ä- -) I> rr 7 i-i ssrans. Slc>. 46s. x. !4S- ' 262 Vierte Abch. Zweiter Abschnitt seines großen eigenthümlichen Gewichts, wonach es sich gegen das gemeine Wasser wie 6 zu 4 verhält. Dieses macht, -aß kein Thier darin zu Grunde gehen kann, und daß Menschen, die in den See tauchen, nicht versinken, daß Fische, welche ihm der Jordan zuführt, auf die Oberfläche des Wassers getrieben werden, wo sie sterben. Die Bitterkeit scheint von dem Kalke der Gegend herzurühren: denn Kochsaljsäure mit Kalkerde giebt den bittersten Geschmack. Das Wasser löset die Salztheile von seinem Boden auf, denn die ganze umliegende Gegend ist mit diesem Minerale angefüllt, und da wegen der großen Wärme hier eine Men«' ge Wassers in Dünsten entweicht, so bleibt am Ende eine Salzsoole zurück. Die kalk- und thvnartigen User des See« sind in ihren Hölungen voller Salz. Außerdem schwimmt auf diesem Meere eine harte, glänzende, pechfarbige, und wenn sie angezündet wird, mit einem stinkenden Gerüche brennende Materie sehr häufig. Es ist diese das Judenpech oder der Asphalt. Diese Materie kommt vom Boden des Meeres in die Höhe, aus welchem vorher Rauchsäulen und schädliche Ausdünstungen aufzusteigen pflegen, welche es höchst wahrscheinlich machen, daß da« todte Meer weiter nichts, als ein eingestürzter ungeheurer Vulkan sey. Hieronymus, Josephus und andere Schriftsteller der Alten erzählen, daß der See nichts lebendiges, weder Fische noch Schaalthiere ernähre. Maundrel will jedoch an seinem Gestade ausgeworfene Conchilien gefunden haben. Unter der großen Menge von Reisenden, welche Palästina in unseren Zeiten besuchten, ist es noch keinem gelungen, lebendige Geschöpfe darin zu entdecken. Sie bestätigen vielmehr, daß alle Fische, die mit dem Wasser des Jordans dahin getrieben werden, sogleich sterben *). *) Rolurräl «x monnrueutis vsteribu» IHnstrrtL I-ib. r. 57. Michaelis Abhandl. vom todten Meere in dem neuen Beschaffenheit des Seewassers. söz Auch Afrika enthält eine Menge Seen von verschiedener Größe, die ein gesalzene« Wasser haben; da sie von einer Ansammlung des Regenwaffers entstehen, so scheinen sie ihren Salzgehalt bloß durch das Auslaugen der salzigen Erde her zu nehmen *). > Siebenbürgen hat mehrere Salzlaken. Zu Aischakna in der Albenser Gespannschaft, sieht man bei nassem Wetter eine große Wiese mit Salzwasser bedeckt, welcher nach der Austrocknung in dürrer Zeit eine seste Salzblüte zurück läßt, die zum Gebrauch eben so gut als das Steinsalz dient ^). Auch Teutschland hat eine Merkwürdigkeit dieser Art auszuweisen. Dieser ist der eine Meile lange und eine Vier- telmeile breite Salzsee in der Grafschaft Mannsfeld. Der Salzgehalt in diesem See ist mit dem der Ostsee gleich. Er steht mit einem andern, etwa eine halbe Meile davon entfernten See in Verbindung, welcher süßes Wasser hat. Seen, welche S ocha oder Natrum enthalten, findet Man häufig in Ungarn, besonders im Bihorer Comltate. Sie sind daselbst unter dem Namen Feyerto bekannt, worunter man in der Landessprache einen weißen See versteht: denn im Sommer erscheinen sie, theils wegen des auf der Oberfläche liegenden verwitterten Sodasalzes, das mit Sande vermischt ist, theils wegen der Farbe des Sandes ganz weiß. Sie liegen in einer kaum merklichen Vertiefung, werden aber durch die ununterbrochen fortdauernde Ansammlung des Natrums bald mehr, bald weniger ausgegraben, so daß einige bei anhaltendem Regen in der Mitte eine Tiefe von anderthalb bis drei Fuß erlangen. Diese Seen sind an ihren Ufern mit Kalipflanzen bewachsen, und werden, wie Hamb. M-izariu. I u.LVand. Büschins'S Trdbischr. L «usz. II Th. r Abth. S. MS. r) ve Da lian t a. a. O. ') ». FichtelS G-sch. S. zL-Z6. 264 Vierte Abch. Zweiter Abschnitt. solches aus den Schriften des Plinius und anderer erhellt, schon seit Jahrhunderten benutzt. Von diesen Seen ist eine so große Anzahl vorhanden, daß man jährlich fünfzig tausend Centner der reinsten Soda leicht dararw gewinnen könnte. Beinahe alle Comjtate besitzen davon drei bis viere, und mehrere zwölf bis vierzehen- Sie halten ein besonderes Streichen, denn zwischen ihnen trifft man die reinsten Glaubersalze, weiterhin Salpetererden, und an einigen Stellen alaunhalttgen Sand in Menge, und, wgs das merkwürdigste ist, sie alle, so nahe sie auch bei einander liegen, in der grö- sten Reinigkeit. Diese Seen, wenn sie anders nicht zu tief ansgegraben sind, trocknen in den dürren Jahreszeiten ganz aus, füllen sich aber bei starkem Regen wieder, ihrer Größe ungeachtet: jedoch verdunstet das Wasser in vier bis fünf Tagen von neuem, besonders wenn sich heftige Winde einstellen, die hier sehr häufig sind: denn diese werfen das Wasser auf die trockenen, erhitzten sandigen Ufer, welche das Wasser in Menge und begierig eiusaugen und das Ausschlagen des Sodasalzes bewirken. Das Wasser ist beinahe süß. Wenn die Seen ausgetrocknet sind, so ist die Einsamm- lung, wenn die Witterung sie nicht hindert, ungemein ergiebig Der Umfang der Seen ist' von einer Viertel- bis zu einer halben Stunde. - Nicht fern von diesen Seen, und fast in ihrer Mitte, befindet sich ein ganz runder, vier bis fünf Fuß tiefer See, von etwa hundert Schritten im Durchmesser, der seit undenklichen Jahren als Bad berühmt ist. Sein Wasser hat einen unangenehmen laügenartjgen Geschmack, ist ungefähr anderthalb- bis dreilölhig, und besieht aus dem reinsten dasalze, welches auch am Gestade, wie in den übrigen Seen, mit Sande vermischt, auswittert. Er trocknet nie aus, ungeachtet er von. außenher keinen Zufluß hat, und scheint daher durch Quellen unterhalten zu werden; er ist aus d?t' Beschaffenheit -es Seewassers. 265 Oberfläche warm, in der Tiefe von einem Fuße aber, auch in den heißesten Tagen, sehr kalt *). Unter den Glauber- salzseen dieses Landes befindet sich ein vorzüglich reichhaltiger am Neusiedlersee, sechs bis acht Stationen von Wien. Die Wüste des H. Macarins in Unteregypten hat auch Seen auszuweisen, welche Natrum liefern. Wenigstens kennt man ihrer zwei, welche schon bet den Alten berühmt waren, und von Plinius und Strabo in die Gegend zwischen den Städten Nauerates und MeMphis verlegt wurden. Zhr Daseyn wird durch die Berichte neuerer Reisenden bestätigt. Sicnrd -) redet von zwei Seen, wovon er den einen den großen See nennt, ihm eine Länge von 4 — Z und eine Breite von i Meile giebt, und unweit dem Kloster des H. Macariu« eine große Tagereise westwärts vom Nil hin verseht: dem andern legt er eine Länge von 3 und eine Breite von ij Meilen bei, in einer Gegend, die eine Tagereise von Alerandrien entfernt ist. Sa- vary 0 spricht so wie Albert nur von einem See, allein die Mehrheit derselben hat überwiegende Zeugnisse für sich. Sicard *) beschreibt einen See, von welchem er sagt, daß «r im Frühlinge, Sommer und Herbste trocken sey, aus dem aber im Winter eine Flüssigkeit ausschwitze, welche zu 4 — 3 Fuß hoch-den festen und harten Boden des Sees bedecke: allein nach der Bestimmung der Lage und der Größe scheint dieser von den beiden vorigen verschieden zu seyn. Tourtechot ') gedenkt eines Sees, welcher im Sommer Natrum liefere, und sich im Winter mit einem andern ver- 1) Rstckert'r Beschr. der Sodassen in Ungarn, in ». Crell'S chemischen Annalen von -79Z> - B. S. 525. >) dloeiv. lVlöm. kh. S. «04. Beschaffenheit des Seewassers. 267 aufsteigende Gestank, den faulen Gern ähnlich, verbreitet sich drei bis vier Werste umher. Er ist ohne merkliche Be,' wegung, und gefriert nie, da seine Temperatur um 30 Gr. höher ist, als die der freien Luft: vielmehr steigt bei dem stärksten Froste von ihm ein Dampf empor. Das Wasser ist vollkommen klar und helle. Der See wird von einer Schwefelquelle unterhalten, die sich in seinem tiefsten Grunde befindet. Sein Boden ist überall mit einer Haut überzogen, welche einen schwarzen Schlamm bedeckt. Sie scheint von organjscherlNatur, und kein Bodensatz des Schwefclwassers zu seyn. Ein Bach leitet das Wasser aus diesem See in einem tiefen Kanale ab. Erst in diesem legt das Seewassee seine schwefelich - kalkigten Bestandtheile in Gestalt einer milchweißen Gallert ab. Zm Anfange dieses weiß überzogenen Kanals ist das Wasser vollkommen klar und helle: nach einem Laufe von fünfzig bis sechszlg Faden wird es nach und nach weißlich, und den Molken ähnlich, welche Farbe es fast einen Werst weit behält, und dem Surgut, in welchen es sich ergießt, mittheilt. Es giebt auch Seen, deren Wasser wie das in einigen Quellen, eine versteinernde Eigenschaft besitzt. Hieher gehört der Lough-Neagh in Zreland. Sein Wasser durchgingt da« Holz, ohne seine Gestalt zu verändern, mit einer eisenhaltigen Materie, die bisweilen von einem und eben demselben Stücke nur eine» Theil angreift, den andern aber unverändert läßt. Der letzte verbrennt im Feuer zur Kohle, indeß der erste nur glüht und etwas leichter wird, weil noch einige unveränderte Holzfasern mit einer bläulichen Farbe verbrennen. Gepulvert wird er vorn Magnete angesogen. Die eisenhaltige Materie scheint im Wasser nicht gleichförmig vertheilt, sondern fleckweise damit vermischt zu. seyn: auch friert im Winter nicht die ganze Flache des Sees i», sondern er behält hin und wieder offene Stellen *). Id. 7-rsus. No. >28. x. M, s63 Vierte Abth. Zweiter Abschnitt. Einige Seen haben salziges Wasser, ob sie gleich sichtbar keine andere Zuflüsse haben, als von süßem Wasser. Der Zamuscha in Siberim hat ein salziges Wasser, welches auf seiner Oberfläche ganz roth erscheint, wenn die Svnnensiralen darauf fallen. Der See Kirze soll an einem Ufer salziges und am andern süßes Wasser haben. Was aber von einem See in Mexiko berichtet wssd, daß er sowohl salziges als auch süßes Wasser neben einander habe, und zwar so, daß jedes einige Quadratmeilen einnehme, be- ' darf noch einer genguern Untersuchung, ehe man auf eine Erklärung davon denkt *). Am Kap ist das Wasser abwechselnd salzig und süß. Es giebt hier eigentlich zwei Jahreszeiten, nemlich die trockene, welche den Sommer, und die Regenzeit, welche den Winter vorstellt. Während dieser wird das Wasser dieser Seen trinkbar und süß; bei der Hitze im Sommer verdunstet es gröstentheils, und es bleibt ein concentrirteres Salzwasser zurück , Von der Temperatur der Seen gilt zum Theil auch das, was wir von der Meeres - Temperatur unten sagen werden. Seen, deren Wasser wärmer ist, als die sie umgebende Luft, sind vulkanischen Ursprungs. In der Witte der Insel Pentellaria, und zwar auf einem Berge, befindet sich der See Bain — die ausgefüllte Vertiefung .eines alten Kraters. Er hat achthundert Schritte im Umfange, und eine unermeßliche Tiefe. Sein Wasser ist lauwarm. Oft wird man ein Aufwallen gewahr, welches von der herausfahrenden entwickelten Luft herrührt. Fische befinden sich natücüchrr Weise darin nicht; aber, anstatt die Vigel zu verjagen Her gar zu tödten, wenn sie darüber hinweg fliegen, wie man vormals von dem See Avernus vorgab, werden sie im Gegentheile durch die angenehme Warme noch mehr I) pliilos. U'rans-ict. adr. ll. x< zzo. -) Le Brillant. Beschaffenheit des Seewassers. 269 herbei gelockt, so daß man im Winter die ganze Fläche des Sees von Geflügel bedeckt steht '). Das was man bei den Seen Blüthe des Wassers nennt, rührt zum Theil von dem Saamenstaube verschiedener Baumarten, Wassermoose u. s. w. her. Hievon unterscheidet sich diejenige übel riechende, grüne, haarfSrmige, schlüpfrige Substanz, welche man zur Sommerszeit aus den Seen findet. Sie ist ein Vyssus, welcher an warmen Tagen von dem Grunde des Wassers aufsteigt, und es färbt, zur Nachtzeit aber wieder zu Boden sinkt. Unweit Danzig soll es einen kleinen See geben, auf dessen Mitte in den Monaten Iun, Zul und August, alle Zahre eine solche grüne Materie hervorkommt, welche vom Winde gegen das Land getrieben wird, und dem'Hornvieh, Hunden und Hüh- nern tödlich ist, wenn sie es mit dem Wasser trinken, den Pferden aber nicht schadet Dritter Abschnitt. Besondere Eigenschaften verschiedener Seen. verschiedene Seen zeichnen sich durch besondere Eigenhei- hciten aus. Hieher gehören besonders diejenigen, welche periodisch gänzlich ablaufen, so daß ihr Boden auf einige'Zeit trocken bleibt, dann sich aber aus einmal wieder mit Wasser füllen. Unter diesen steht nun der Lzirknitzer See obenan. -) D»lom>ei> a. a. L>. S.-U- -) rmi. Irsiii. Ldr. II. x. »2«. 2"?0 Vierte Abth. Dritter Abschnitt. Der. Eurkniher See *) im Herzogthum Krain, nicht weit von Adelsberg belegen, und von dem Flecken Czierkniha so genannt^ hat io seiner Länge drei Viertelmeilen, in der Breite aber eine halbe und an anderen Orten eine Viertel, Meile. Dieses Maaß findet nur dann Statt, wenn der Wasserbehälter nicht durch lange anhaltendes Regenwetter ungewöhnlich angeschwollen, oder seine Wassermenge durch trockene Witterung vermindert worden ist. Gegen Süden und Norden wird er von den Langen zweier großer Berge, gegen Osten und Westen aber von kleineren Bergen und noch niedrigeren Hügeln begrenzt. Da der Boden des Sees keine ebene Fläche sondern ungleich ist, so ist auch seine Tie- fe verschieden, welche noch außerdem durch die auf demselben befindlichen Ablaufögräben und Schlünde verändert wird. Wenn er sich in seinen gewöhnlichen Grenzen erhält, beträgt seine Tiefe, die Gräben ungerechnet, etwa vier Klafter, über diesen aber an manchen Stellen fünf bis sechs, und an anderen sieben,, acht bis neun Klafter. Die größeren Berge, so wie auch die kleineren, so wie vermurhlich auch der ganze Boden des Sees, bestehn aus Kalkstein-Schichten, welche mit einer großen Menge zu Tage ausgehenden, und wahrscheinlich noch mehreren verborgenen Hölen und Grotten durchlöchert sind. Hauptsächlich verschließt der Birnbaumer Wald, oder der Be.g Javornig auf der Mittagsseite geräumige Klüfte in seinem Schooße. Diese Hölen enthalten beständig Wasser, welches ihnen durch die vielen Rihen und Spalten aus dem Gebirge stets zufließt. Unter diesen Oeff- nungen und Hölen giebt es zwölfe, die Wasser speien und »)v. N ro w n ' , Lceonnt concerninz tks 3er, in rkil. rrsiis. lk6g. No. 54. I>. 108Z. yuerie» »Iiswers rsla- »inx ro an aooonnt ßiven L Lrown ikiU, Ho. 109. x. 194. Vslvasor in »cris ero-Uir. Inxsiens. Uo anno 1S89. I>- 6 ; 4 - Eeeinbers's aründliche Nachrichr »on »ein im Innern Krain lleoen- »en CUrknitzer See. Grätz >76'- 4 - Besondere Eigenschaften verschiedener Seen. 27» verschlingen, und deren, die es bloß aufnehmen, sind acht und zwanzig an der Zahl. Wenn nasses, ungestümes und stürmisches Wetter einfällt, so werfen jene Hölen, zum Theil mit großem Getöse, den Springbrunnen ähnlich, eine ungeheure Menge Wasser von sich. Besonders geschäftig beweisen sich Hiebei zwei Hölen in dem genannten Berge, und ohne sie würden alle übrige Bäche und Quellen, die sich in dieses Thal ergießen, nicht vermögend seyn, dasselbe in einer so beträchtlichen Tiefe auszufüllen. Steinberg versichert, daß die übrigen Zugänge des Wassers bei beständig anhaltendem Regen, den See innerhalb zwei Tagen kaum bis auf die Hälfte ansüll, ten, dahingegen diese zwei Hölen, bei einem nur wenig Stunden anhaltenden, und niit Sturm und Gewitter begleiteten Regen, denselben so schnell unter Wasser sehten, da§ die auf ihm befindlichen Fischer öfters kaum, durch die schleunigste Flucht, der Gewalt des andringenden Wassers entrinnen könnten. Diese zwei Hölen htißen Urania Jamma und Such« Dulza. In ihnen sind auf allen Seiten die Oefft nungen sichtbar, durch welche das Wasser aus dem Innern des Berges in diese Hauptkanale eittdringt. Mit allem dem stießt der See ungleich geschwinder an als ab: denn wenn auf dem umliegenden Gebirge viel Regen fällt, so wich er wohl in einer Zeit von vier und zwanzig Stunden ange, füllt; um ausgeleert zu werden, braucht er aber gewöhnlich fünf und zwanzig Tage. Daß der See sich zu bestimmten Zeiten seines Wasser- vorraths entledige, ist eine bekannte Sage; er hält aber in Ansehung des An- und Ablaufs keine gewisse Zeit, und richtet sich hierin nicht etwa nach den Jahreszeiten. Bloß das regnigte Wetter kann .ihn anfüllen, und das trockene ihn ausleeren. Ost geräth er zweimal des Jahres, nemlich einmal des Sommers und einmal des Winters in Abfluß, und bisweilen dauert er zwei bis drei Jahre iy seinem vvl« «72 Vierte Abth. Dritter Abschnitt. len Maaße. Vom Zahre 1707 bis 1714, und also in einer Zeit von ganzen sieben Jahren ist er nur ein einziges Mahl abgelaufen. Er entledigte fich im Winter des letzten Jahres, und gab eine erstaunende Menge Fische zur Ausbeute. Sobgld trockenes-Wetter eintrifft, und eine Zeitlang fortdauert, ohne von Sturm und Regen unterbrochen zu - werden, so entledigt sich der See durch seine Schlünde nach und nach, auf eine beständig regelmäßige Weise, und in dieser Rücksicht ist der Ablauf desselben eben so merkwürdig, als seine schnelle Ausfüllung. So wenig sich die innere Beschaffenheit der wasserspeienden Kanäle erklären läßt, eben so wenig -kennt man die Art, wie das Wasser durch die Ablaufs-Schlünde sich verliert, und die Ordnung, welche letztere bei der Ausleerung-des Wassers beobachten, die sich jedoch in der Hauptsache nach der höheren oder niedrigern Lage richtet. Weitn es dem See an zureichendem Zuflüsse fehlt, und derselbe folglich abnimmt; so verliert sich das Wasser aus einigen Gruben zugleich, aus anderen aber nach und nach, jedoch dergestalt, daß das Wasser in jeder Grube Tage und Stunden hält. Einige von ihnen verlaufen sich innerhalb fünf, andere zwischen zwei und dxei Tagen, wieder andere binnen wenig Stunden? Diese Ordnung, dieses nach gewissen unwandelbaren Gesetzen sich ereignende Ablaufen ist ein Gegenstand, welcher dem, der die Beschaffenheit des Sees untersuchen will, allerdings nicht wenig Schwierigkeiten macht. Wenn der See zur Herbstzelt angefüllt wird, so bleibt er in diesem Zustande bis in den Winter, da er denn fast immer mit einer Eisdecke belegt wird. . Wenn derselbe ganz zugefroren ist, so nimmt das unter dem Eise befindliche Wasser, bei Anhaltender, scharfer und trockener Kälte, in seiner Ordnung nach und nach ab. Die ausgedehnte Eisfläche, welche sich nun nicht mehr halten kann, bekommt Risse, zerbricht und fällt zusammen. Aus Besondere Eigenschaften verschiedener Seen. 2^ Aus dem, was wir gesagt haben, sieht man ein, was von jener bekannten Sage zu halten sey, daß man auf diesem See in einem Jahre fischen, jagen, säen und arnten könne: man sieht aber auch, daß der ganze See nichts ane ders sey, als eine Uebcrschwemmungsart, zu welcher es ge, nung ist, wenn in eben der Zeit mehr Wasser heranflicßt als abgeführt werden kann. Bei diesen wechselseitigen Zu- und Abflüssen, hat die Natur keines Hebers oder Siphons nöthig: mithin fallen alle von Kircher und anderen sinnreich ausgedachce Erklärungen von selbst weg *). Fast auf die nemliche Art erklärt Fortis -) den An, und Abfluß eines Sees an dem Berge Cvcorich in Dalma, tien. Die Grotten diese« Berges haben zu gewissen Zeiten nur einige Schuhe hohes Wasser; mir allem dem speien sie, aus der obern Oeffnung im Frühjahre und im Herbste, mit erstaunlicher Gewalt, so viel Wasser, daß sie das drei Vier, telmeiicn lange Thal in einen tiefen See verwandeln. Wenn zu der Zeit der Schnee auf dem Gebirge schmelzt, auch Regen einfällt, so ist die Ergießung um vieles beträchtlichen Auch dieser See richtet sich nach der Regenzeit: aber der Jessero auf der Insel Cherso verlaßt periodisch in einer Zeit von drei bis vier Jahren seine Ufer, der Boden trock, net aus, und dann wachst er wieder stufenweije zu seiner vorigen Größe an. Bei Kauen in Ostpreußen ist ein See, welcher drei Jahre lang voller Wasser und fischreich. seyn, nachher aber andere drei Jahre einen trocknen Boden haben, worauf er sich wieder anfüllen, und so stets abwechseln soll Von diesen periodischen Seen unterscheiden sich nun i) Gruber's Briefe holographischen und physikalischen Inhalts, aus Ärain L bis ia Brief. O Ui ossaivaräoni soxra is isole :ü LNerso o ä'OZsrv. O Lcra ^caä. Nar. Cur. Der. II. Ito. S. S -74 Vierte Abch. Dritter Abschnitt. diejenigen, die zwar beständig Wasser haben, deren Fläche aber zu gewissen Zeiten steigt, und zu anderen sinkt. Von dem Kaspischen Meere erzählt Hanway, es sey «ne alte Sage, daß das Wasser in demselben dreißig Jahre lang steige, und in den nächstfolgenden dreißig Jahren wieder falle. Gmelin giebt nun zwar zu, daß es mit der Abwechselung des Wasserstandes darin zwar seine Richtigkeit habe, aber'er erklärt die Meinung für falsch, daß die Natur hier eine gewisse Ordnung beobachte. Es kommt hier alles auf die Witterung, auf die Winde und auf die Flüsse an, die sich ihres Verrathe in diesem See entladen. Man weiß, daß das Wasser in warmen und trockenen Jahreszei, ten niedriger steht, als in den kaltess und feuchten. Die Vermehrung des Wassers in den Flüssen, so wie die verminderte Ausdünstung, haben auf den Stand des Wassers einen großen Einfluß: über alle diese Umstände binden sich an keine gewisse Zeit. So gründet sich auch das, was man von dem siebenjährigen'periodischen Steigen des Wettersees in Schweden erzählt, nicht auf sichern Beobachtungen. Seine Höhe ändert sich zwar, und zuweilen auf sechs, acht und mehrere Fuß in zwei bis drei Wochen: aber diese Veränderungen richten sich nicht nach bestimmten Zeiten, sind also in diesem Verstände nicht periodisch, und der See verliert sein Wasser auch nie gänzlich *)- Vorzüglich rechnet man den Genfersee hieher. Das Wasser desselben ist nicht beständig von gleicher Höhe, sondern gemeiniglich steigt es vom April bis in den August, und fällt vom September bis in den December. Der Unterschied der Höhe beträgt gewöhnlich fünf bis sechs Schuh. Der Grund davon ist sehr einfach. Da die Höhe des Sees von der Menge des Wassere abhängt, welches die Rhone hinein bringt, diese aber mit allen anderen einfallenden ") Bits mann P. L. S. Z4r- Besondere Eigenschaften verschiedener Seen. 275 Flüssen von den Alpen kommt, wo es im Winter fast ine regnet; so erhält derselbe von ihr nur dasjenige Wasser, welches sie aus den Quellen und dem Regen, welcher in den niedrigen Thälern fallt, bekommen. Zm Gegentheil schwellen sie im Sommer an, durch den zu dieser Zeit auf den Gebirgen, in ihrem ganzen Umfange, fallenden Regen, und durch das Schmelzen des Schnees, welcher sich während des Winters auf den Bergen gesammelt hat. Außer diesem regelmäßigen Steigen des Wassers im Sommer, sieht man zuweilen an stürmischen 'Tagen den See sich auf einmal vier bis fünf Schuh hoch erheben, dann eben so schnell wieder sinken, und so abwechselnd einige Stunden lang fortfahren. Man nennt diese Naturerscheinung Lmcliss. Sie ist nur wenig merklich an den Ufern des Sees, wo er am breitesten ist, mehr an seinen Enden, hauptsächlich aber bei Genf, wo er am engsten ist. Bertrand nimmt an, daß elektrische Wolken das Wasser des Sees anziehen und erheben, und daß, wenn dieses Wasser hernach herunter fällt, und wieder gehoben wird, dadurch die Schwebungen entstehen, deren Wirkung, wie bei der Ebbe und Flurh, desto merklicher ist, >e enger die Ufer sind. Saussure -) glaubt gleichfalls, daß schnelle und loeale Veränderungen in der Schwere der Luft zu dieser Erscheinung das ihrige beitragen, und diese einen Augenblick dauernde Ebbe und Fluch hervorbringen können, indem sie auf eine verschiedene Weise auf die Fläche des Sees drückt.' ? Es giebt Seen, welche hoch gehen und toben, wenn gleich der Luftkreis um sie herum still und ruhig ist. Bewegungen dieser Art werde» vielleicht von Winden veranlaßt, die durch unterirdische Gänge und Hölen mit mehr oder weniger Heftigkeit ausbrechen. So soll der Wettersee sich bei dem ruhigsten Wetter oftmalen ln hohe Wellen aufchürmen >) Reisen durch die Alpen. «. d. Fr. l Lh. S. ro, -1- u. ff. Ber-monn. S. L-)6 Vierte Abkh. Dritter Abschnitt. Ein gleiches erzählt man von dem See Lomond in Schott- land. Der Vejafee in der Portugiesischen Provinz Alenkcjo soll gegen die Zeit eines Ungewitters ein Getöse verursachen, welches man einige Meilen weit vernimmt In Ansehung des Verhaltens beim Gefrieren bieten einige .«Feen besondere Erscheinungen dar. Der See Neß in Schottland soll nie zufrieren, sondern einen beständigen Dampf von sich geben. Der See Monar uud ein kleiner See in Strahcrrik frieren von dem Februar an, selbst bei der strengsten Kälte, nie ganz zu, nach dieser Zeit aber werden sie in Einer Nacht mit Eise beletzt, welches dann in der zweiten schor« eine ansehnliche Dicke erhält. Der kleine Lo- chan-Wyn oder grüne See ist das ganze Jahr hindurch mit Eise bedeckt, und bei anderen Schottländischen Seen thauet das Eis nur in den heißesten Sommern auf Pallas gedenkt eines Sees, zwischen dem Nina und Syr, von den Tartarcn Bulamy - Kul genannt, aus dem, ehe er im Winter gefriert, eine Art von Gebrülle vernommen werden soll- Gewisse Mischungen, warme Quellen, Bewegung, können verursachen, daß das Wasser kein Eis sehen kann. Beständige und kühle Schatten, umgebende Berggipfel mit ewigem Schnee bedeckt , hindern das Aufthauen des Eises u. s w. ^ She wir diesen Abschnitt schließen, wollen wir noch einer höchst sonderbaren Wafferbewegung gedenken, welche sich am 12. Sept. 1764. Vormittags um 9 Uhr in dem Schott- 'ländischen Loch-Tay ereignete. Dieser See hat an einer Seite einen Busen von 160 Fuß Lange und 200 Fuß Breite. 1) Van der Durge's Reise. r) ^ooonnt vk somo cxkraoiainLL-x in Scotisnä. trz- ItlLksn- 2ie. IXvinr. X. Iij, x, Z07. r) Reise. Ill B. S. ,->sl. Besondere Eigenschaften verschiedener Seen. 277 In diesem sah man das Kaiser sich ungefähr sünf Rnthen unterhalb seiner gewöhnlichen Grenzen zurück ziehen, und in vier bis fünf Minuten wieder zufließen. So ebbete und fluthete es nach einander drei oder vier Mahl, während einer Viertelstunde, bis es zusammen auf einmal von Osten und Westen in einem entgegen gesetzten Strome gegen eine Linie mitten durch den Busen herein brach, und auf seiner tiefsten Stelle, da, wo er in den See tritt, etwa in Gestalt einer großen Welle, zu einer Höhe von sünf Fuß, sich über die gewöhnliche Wasserfläche erhob, wobei es den Grund des Busens, in einer Entfernung von go bis roo Parks von seiner natürlichen Grenze, trocken ließ. Wenn die Ströme solckergestalt auf einander stießen, verursachten sie ein klatschendes Geräusch und Schäumen; und wenn der stärkste Sroß von Osten herkam, so rollte die Welle, nachdem sie ihre gröste Höhe erreicht hatte, nach Westen, wobei sie abnahm, und zuletzt ganz verschwand, sobald die Welle sich gelegt hatte, floß das Wasser mit einiger Gewalt zurück, so daß es einige Pards über seine natürliche Grenze trat: dann ebbete es wieder etwa 10 Pards, kehrte zurück, und fuhr fort zwei Stunden lang auf diese Weise zu ebben und zu fluchen, wobei die Ebben etwa an sieben Minuten auf einander folgten und allmählig schwächer wurden, bis sich das Wasser wieder in seinen gewöhnlichen Stand setzte. Zur Zeit, da diese wellenförmige Bewegung in dem Busen verspürt wurde, sah man einen demselben entfließenden Fluß zurück gehen, so daß sein Bette wasserlecr und trocken erschien. Während dieser ganzen Zeit war das Wetter still. Zn dem nächsten und den vier folgenden Tagen verspürte man nur eine Ebbe und Fluth in geringerem Grade, und der See zeigte noch bis zum rZ. Oktober eine ungewöhnliche Bewegung. Da man in der Gegend des Sees gar keine Spur von einer Erderschütterung wahrgenommen, woraus man diese Erscheinung allenfalls hatte erklären kön- L?3 Vierte Abtb. Vierter Abschnitt. nen, so bleibt sie für den Naturforscher ein schwer aufzu- lösendes Räthsel *). Vierter Abschnitt. Von den Sümpfen und Morästen. ^ie Wassersammlungen, welche man Sümpfe nennt, schließen sich gewissermaßen an die Seen der vierten Klasse an. Einige Naturforscher bezeichnen mit diesem Namen die-, jenigen Seen, welche keinen sichtbaren Abfluß haben, und in diesem Sinne wären dann auch das todte Meer, der See Aral, das Kasplsche Meer u. a. Sümpfe. Wir verstehen darunter solche stehende Gewässer, welche weder sichtbare Zu- noch Abflüsse haben, dabei von geringem Umfange sind, und einen tief erweichten Boden besitzen. Sie entstehen da , wo Quellen in niedrigen Gründen entspringen, aus denen das überflüßige Wasser nicht hinlänglich ablaufen kann: da, wo Abhänge die Gegenden einschließen, von welchen das abfliegende atmosphärische Wasser sich sammelt, und zum Theil in die Erde einzieht. Sie werden auch in großen ^und niedrig liegenden Waldungen oft dadurch gebildet, daß das sich hier zusammen gezogene Gewässer aus Mangel der Verdünstung bleibend wird, indem die Luftwärme nicht leicht in einen dichten Waid eindringt, auch Schnee rmd Eis sich daselbst länger halten, als im Freien. Der *) 'trans. ok tke rc>^. Society Lälnbnrgk Vol. r. Läiub. anä tiriri »768. p. 2oo. Von den Sümpfen und Morästen. 279 Sümpfe giebt es eine große Menge in allen Welttheilen; die wenigsten aber hat Afrika auszuweisen. Ganz kleine meistens mit unreinem Wasser angefüllte Behälter werden Pfühle, und wenn sie ganz trübe sind, Pfützen, Tümpel genannt. Regenpfühle bestehen aus zusammen gelaufenem Regenwaffer, welches bei dürrer Witterung vertrocknet. Moraste nennt man Gewässer, die durch Vermischung mit erdigen Substanzen einen Theil ihrer Flüssigkeit einge, büßet haben, so daß sie weder mit Schiffe» und Kähnen befahren, noch von Menschen ohne Einsinken des Fußes betreten worden können. Sie nehmen solche Landstriche ein, welche niedriger liegen, als der übrige Boden, wohin sich mehr Wasser gezogen hat, als davon abfließen kann. Nächst diesem haben auch wohl manche Moraste dem ehemals zurück getretenen Meere ihr Daseyn zu verdanken; besonders die, welche man an den Küsten oder in Ländern findet, von denen es gewiß ist, daß sie vormals Meeresgrund waren. Die Tiefe der Moraste ist sehr verschieden, und erstreckt sich öfters auf mehrere Fuß. Sie sind nicht selten mit einer schwankenden Kruste überzogen, die mit Holz, Gesträuchen und Rohre bedeckt sind, und heißen dann Moore, Brücher, Fennen. Bisweilen beherbergen sie in ihrem Schooße ganze Waldungen von eingestürzten Bäumen in beträchtlicher Tiefe. So findet man unter dem Torfe, wovon auf der Insel Seeland jährlich viele tausend Fuhren gestochen und verführt werden, große Stücke des festesten Kiehnholzes. In Ostfriesland liegen ganze Wälder umgestürzt unter einer Bedeckung von Torfmoosen *). Unweit der Stadt Fallköping in Schweden befinden sich zwei Moräste, in welchen man an den bewachsenen Stellen, zu Tage oder auf der obersten Fläche, Stücke von Bäumen oder *) Beschäftigungen der Berlinisch, «arurs. Eesellsch. Hl B> S. 146s. Schriften derselben, v B. 2gc» Werts Abch. Vierter Abschnitt. - > 1 - . . ... . . > . . -.- Wurzeln derselben amriffr. Wenn man das eine Jahr alle diejenigen, welche zum Vorschein gekommen waren, hinweg räumt, so sinder man in dem folgenden davon eben so viel und oft noch mehrere wieder '). In der sumpfigen Gegend Englands, welche den Namen der Insel Axholm führt, gräbt man Eichen und andere Baume in Menge aus. Auf der s'n.sel Man findet man'in einem Moraste, Curra gh genannt, Bäume in einer Tiefe von acht, zehen bis zwanzig Fln: ja überhaupt grabt man beinahe in allen Morästen von Sommerset, Ehester, Lancaster und Stafford Baume aus. Bei Brügge in Flandern werden, in einer Tiefe von 40 bis 5 » Fuß, sehr wohl erhaltene Bäume, so dicht wie in einem Walde, gefunden. In der Gegend von Arezzo in einem Thale des Arno liegt ein ganzer Wald unter der Erde. In einigen Gegenden Dänncmarks fand man in dem Torfmoore in der Tiefe von einigen Ellen Nüsse, Kirschkerne, Hörner von verschiedenen - Thierarten, vorzüglich Hirschgeweihe °). Es giebt sogar Stellen , wo man bearbeitete Stämme an-v trifft. In allen diesen Gegenden deckte Holzwuchö die Oberfläche der Erde weit früher als Torf; sie waren trocken und vielleicht bewohnt. Ihr jetziger Zustand war ohne Zweifel die Folge von Ueberjchwemmungen und Fluchen, die sich nachmals über diese Landstriche ergossen. Schatten chnd Feuchtigkeit begünstigen übrigens das Wachsthum der Moose. Ihre Wurzeln, nebst den Wurzeln und Daumblättern und Zweigen, Gras und Staub liefern die zaserige Erde, weiche man unter dem. Moose antrifft, und legen den Grund zu einer neuen Erzeugung der Oberfläche des Erdbodens. Der Moräste giebt es eine große Menge überall auf unserer Erde: besonders reich aber daran sind das nördliche Europa und Amerika. In den Niederlanden sind die Torf- Schwel,. Abhaulil. XXIX D. P»i>t»PSidan'« Dännem. S. zp. Von den Sümpft» und Morasten. 2g r Moore häufig, und wer kennt nicht die Pomptinischcn Sümpft, die an der westlichen Küste von Italien an zehen Meilen in der Länge und drittehalb in der Breite sich hinunter ziehen, deren Auötrocknung man seit mehrern Jahren vergeblich versucht, und zu diesem Ende große Summen Geldes ohne Nutzen verwendet hat. In Norwegen liegen die Moraste an den Bergen hingestreckt, und machen an einigen Orten die Straßen unsicher. BeiLessoe hat man, nach Pon- toppidan, fast eine Meile lang einen hölzernen Damm über einen solchen weggeführt, und wenn ein Pferd von ihm einen Fehltritt thut, so versinkt es augenblicklich, und ist ohne Rettung verloren *). Ueber den Morast Sövenhäz, nahe bei der Stadt Raab ln Ungarn, hat sich eine Meilen lange, feste, jedoch schwankende mit Grase reichlich versehene Rinde gespannt, worauf Vieh weidet. Thamas-Kuli- Kan führte ein Kriegesheer über einen solchen, aber weniger festen Morast in der Persischen Provinz Chorassem. Man sah Pferde und Reiter auf der einen Seite plötzlich verschwinden, und war genöthigt, Verkehrungen zu treffen, daß die Pferde sicher auftreten konnten -). Da eine korfige mit vielen Wurzeln durchflochtene Erde eigenthümlich leichter ist, als das Wasser, so begreift man bald, daß sich zuweilen Torfmoore von vielen Morgen im Umfange durch die Gewalt des Wassers erheben, vorn Boden losreißen und fortschwimmen konnten. Der Morast Holway-Neß in England ward mit Häusern und Bäumen plötzlich theils gehoben, theils fortgerückt, nachdem es vorher stark geregnet hatte ^). Eine ähnliche Begebenheit ereignete sich in der Irländischen Grafschaft Galway am 8. April 1745. Es erhob sich ein heftiger Sturm, wobei O riuio-. Vr.in,. iro. 6s- r) Innres eäiüauk. <-! curlenr. Vow. IV. 7>. >) lUiilo-. Vr.ii,,. L82 Vierte Adrh. Vierter Abschnitt. eine erstaunliche Menge Regen, einem Wolkenbruche ähnlich, niederfiel. Als er nachließ, fing ein Torfmoor an bewege lich zu werden, schwamm fort, und ließ sich dann auf einer niedrigen Wiese von ungefähr dreißig Morgen nieder, wo es sich zum großen Schaden des Eigenchümers derselben fest/ sehte, sich ausdehnte und das Ganze bedeckte *). Hieraus erklärt sich nun die Entstehung des Schwimm/ bruchs oder der schwimmenden Inseln. Diese beste/ hen öfters aus beträchtlichen Strecken eines leichten Erd/ reichs, welches aus Wurzeln, Schilf, Rohr, Blättern und allerlei Gewachsen zusammen gesetzt, und mit einander verbunden, bei Überschwemmungen vom Wasser gehoben, durch ^ den Wind vom Lande abgerissen, und hin und her getrieben ! wird. Sie besitzen oftmals Leichtigkeit und Festigkeit genung, ! große Lasten zu tragen. ^ Znscln dieser Art, ob sie gleich unter die seltensten Erscheinungen gehören, waren den Alten nicht unbekannt. H e, rodot gedenkt einer solchen in Egypten, und Theophrast ^ einer im Orchomenischen See in Böoticn, deren Daseyn auch Pliuius bestätigt. Eben dies meldet auch Die- nys von Halicarnaß von dem See Contigliano im Kirchenstaate. Es sey eine Insel auf demselben, berichtet er, welche fünfzig Schritte im Durchmesser halte, einen Fuß über ! dem Wasser hervorrage, beweglich sey und vom Winde umher getrieben werde. Varro 'sagt, daß er in Lydien Inseln schwimmen und tanzen gesehen. Zu den Schriftstellern, welche über diesen Gegenstand am ausführlichsten sind, gehören Plinius 0 mid Seneca «). Iransact. ol kds rv^-. Irisii Lcräem. 7°. II. Ondiis »78». ») Ursr. i.M. XVI. l). zz, ^ I. e. II. l). g6. I., III. 0. rl. Von den Sümpfen und Morasten- sgz Dieser und anderer unverwerflichen Zeugnisse- ungeachtet, waren jedoch mehrere der neueren Naturforscher geneigt, diese Erscheinungen für ein Werk der Einbildungskraft zu halten: aber freilich aus dem unzulänglichen Grunde, weil diejenigen schwimmenden Inseln, deren die Alten Erwäh, nung thun, jetzt nicht mehr vorhanden such. Wer begreift aber nicht, daß Massen dieser Art, — eine lockere Zusam- mensügung pflanzcnartiger und holziger Materien, die bald geschwinder bald langsamer verfaulen — nicht Jahrhunderte in diesem Zustande verbleiben können; daß ihr zartes Gewebe sich mit der Zeit auflösen, die gröberen das Ganze zusammenhaltenden Theile sich absondern, dem Wasser das Eindringen verstatten, und am Ende zu Boden sinken müssen. Es fehlt jedoch nicht an Beispielen dieser Art aus den neueren Zeiten. So schwamm vormals eine Insel auf dem Gerdauer See in Preussen. Sie war von einem solchen Umfange, daß hundert Stück Vieh darauf weideten. Im Jahre 1707 ward sie in drei kleinere Inseln getrennt, und noch jetzt ist ein kleiner Ueberrest vorhanden *). Berg, mann '^.gedenkt einer schwimmenden Insel in dem Schwe- bischen See Ralängen im Jonköpings-Lehn, welche dort Nödholm genannt wird. Sie war sichtbar in den Jahren >6g6, 1727, 17A, 17^3, 1750, 1767, 175g und 1766. In dieser Zeit ist sie nur zweimal im August empor gekommen, aber nie vor dem dreizehnten, sechsmal im September, und zweimal im Anfange des Oktobers. Sie versank hierauf wieder im September, Oktober und zuweilen im Anfange des Novembers, nachdem sie sich bisweilen nicht über sechs Tage, wie 175g, gezeigt hatte. Im Jahre 17^7 war sie vom 17. Amzust bis zum 21. Oktober, also vier und sechszig Tage sichtbar, das längste, so viel man weiß. Sie hatte ») T^ö'st älsL. ä« insiilL rrst.iute ?rdbeschr. s Lh. S. sor' Vierte Abth. Vierter Abschnitt. °Ü4 scchszig alte Stubben, von welchen damals sechs und zw m, zig weggenommen wurden. Im Jahre 1766, den Tag nachher, als sie gesunken war, oder den 4. Nov. stand sie dre, bis vlertehalb Ellen unter dem Wasser. Sie hielt fünf, zig Ellen in der Lange und zwanzig bis dreißig in der Brei, te. Sie kommt jederzeit auf einer Stelle zum Vorschein, wo es umher sehr tief ist. Der Wind scheint darauf keinen beträchtlichen Einfluß zu äußern: denn 1727, den Z. Oktob. kam sie bei einem starken Winde empor, und sank am 19. desselben Monats mit demselben Winde wieder. Von ihrer Absonderung vom Lande sind keine Nachrichten vorhan, den. Schwimmender Inseln in Norwegischen Seen, zum Theil mir mäßigen Bäumen bewachsen, erwähnt Pontop, pidan Die Geschichte der Akademie der Wissenschaft ten in Pabis -) erwähnt dergleichen in einem Teiche bei St. Omcr. -Varcnius und Marti niere reden von einft gen schwimmenden Inscln des Schottlandischen Sees Lo, mond, so wie Gemimano Montanari von dergleichen in den Thälern Ribago unv Csnrellazzo H. Die neuesten Erscheinungen dieser Art stellt die Halb, insel Rovigo auf, ein Stück der Lombardey, welches von den Flüssen Etsch, Po u. a. umgeben ist. Hier giebt es mehrere Inseln, die ei» Spiel der Winde und der Ströme sind. Sie weichen an Gestalt und Größe sehr von einander ab, und die grösten halten über hundert Morgen. Sie bestehen aus Schichten, die eine Rinde über dem Boden bilden, und heben sich vornemlich wenn Flüsse durchbrechen, und das Wasser unter sie eindringt ->). Naturg. von Norwegen. 1 V. S- -87. -) Z. 1700 und -746- s) 6 LSts11i UaocaltL ä'nnrori vtc. Des Gr. Silvestri Abhandl. »on den schlv,«men»m Inseln der Von den Sümpfen und Morasten. «-8Z Man hat es versucht, Moräste in festes und kulturfähi- geö Erdreich umzuwandeln, und hin und wieder niit glücklichem Erfolge. Dies war besonders der Fall mit dem zwb scheu Jngvlstadt und Neubürg belegeueir Landstriche, welcher unter dem Namen des Donaumoores bekannt war, und vier Äuadraimeilen enthielt. Dieser große Bezirk bestand bisher aus einem unübersehbaren Morast, welcher in den nassen Jahren einem ungeheuren See glich, den Unkundigen nie ohne Lebensgefahr zugänglich, und nur durch einige trockene aber sandige Stellen unterbrochen war. Er war zum Theil mit niedrigem Gesträuche,, zum Theil mit Moosen, gröstcn- theils aber mit schlechten, sauren Sumpf- und Futterpflanzen bewachsen und diente zu nichts, als daß die Anwohner ihr Vieh dahin trieben, welches aber meist bis an die Knie im Schlamm watere, oft gar versank, und einiges Heu, oder vielmehr saures Stroh bereiteten. Auch hier fand man in den Torflagen von i bis 30 Fuß Tiefe, viele unverwese- ke, bis auf den Kern, schwarz durchbeihte Holzstamme alle in einer Richtung liegen. Das ganze Moor hatte auf die Wirthschaft und die, Gesundheit der Anwohner die Nachtheil ligste Wirkung. Der Kurfürst von Baiern, Karl Theodor beschloß, diesem Uebel abzuhelfen, und schuf diese schreckliche Wüste in eine fruchtbare und reihende Landschaft um *). Die Moräste, ob sie zwar der Gesundheit nachtheilig sind, beweisen sich doch manchmal darin nutzbar, daß sie zu Viehweiden gebraucht werden können, wenn sie oberhalb fest und mit Grase überwachsen sind. Besonders werden sie dadurch wohlthätig, daß sie einem von Holz entblößten Lande alleren und neueren Zeiten, auS dem Jral. in der Zralirnis. Bibliothek. II B. S. 221 . Fr. «. P. Schrank'S Briese üder das Donaumvvr. Mannheim -79l> 4- v. Areriy's aktenmüßi«, Donaumoor - Kulrurzeschichte. Mannh. I79L- 4- sHS Vierte Abth. Vierter Abschnitt. Materialien zur Feuerung geben, indem sie mir der Zeit zu einem ergiebigen Torflande werden, da sie die Werkstatte des Torfs sind. Der Torf ist ein Gemenge von unzählich vielen kleinen zum Theil in Erde verwandelten Wurzeln von allerlei Sumpfgewächsen, die sich unter einander verbunden haben, und mit fetten und erdharzigen Theilen durchdrungen sind. Es giebt mehrere Arten desselben, die aber nicht alle zureichend untersuchet sind. Das Land, welches den Torf er, zeugt, ist insgemein sumpfig und naß: es giebt aber auch alte mehr ausgetrocknete Torflager hoch über dem Wasser, mitten unter anderen Erdschichten von verschiedene» Materien. Man findet Torfmoore an unzählbaren niedrigen und dem Wasser nahen Stellen des festen Landes; oft wird aber auch an höheren Orten Torfland angetroffen, wie denn z. V. der Brocken damit fast ganz überzogen ist. Da die Materie des Torfs, welche weder dem Mineral- noch dem Pflanzenreiche ganz zugehört, zu ihrer Bildung eine Menge Wassers nöthig hat; so liegt die Ucsach seiner Bildung auf den Höhen der Erde darin, daß das Erdreich hier besonders geschickt ist, die angezogenen atmosphärischen Feuchtigkeiten in sich aufzunehmen und zu erhalten. Um Torf zu erzeugen, sticht man in einigen Gegenden Gruben von sechs Fuß Tiefe und fünfzehn bis zwanzig Qna- dratfuß Oberfläche aus, die sich mit Wasser füllen, und im ersten Jahre ein grünes, schleimiges Moos erzeugen. Im zweiten Jahre liegt dieser Schleim schon zwei Fuß dick auf dem Wasser, und man unterscheidet darin eine Menge zarter Faden mit Blättern und Blumen. Im dritten legt sich Moos an, welches den in der Luft schwebenden Staub und Saamen auffängt, und eine Menge Sumpfgewächse, Schilf und Gräser hervorbringt. Diese werden nun im vierten Jahre so schwer, daß sie in ihren Betten niedersinken. Man drückt sie alsdann auf dem Boden zusammen, so daß Von den Sümpfen und Morasten. «8? nach mehreren Wiederholungen dieser Operation die ganze Grube innerhalb eines Zeitraums von dreißig Jahren ausgefüllt ist. Dennoch würde dieser Tors vielleicht Jahrhunderte brauchen, um dem alten Torfe ähnlich zu werden I. Unter den eigentlichen Torflagern gräbt man auch wieder solche Moorerde auf, als diejenige ist, welche den Torf bedeckte, und in dieser Moorschicht trifft man auch häufig Thon und losen Sand an. Da in den Marschländern, wo die Pflanzen faulen, der starken Vegetation ungeachtet, kein Torf entsteht, und der Schlamm nicht brennbar ist; so vermuthet de Luc die Erzeugung des Torfs hange von der Natur des Wassers ab, welches in den Mooren bräunlich wie ein schwacher Kaffee aussieht, und eine Fäuliiiß widrig'e Kraft hat, die es vielleicht von dem Safte der Heide (Lrlcs, durch das Abspülen erhalte Es giebt aber auch Moräste, deren feste Substanz uip verbrennlich ist, und aus einer bloßen Vermischung des Wassers mit einem sandigen und lehmigen Boden bestehen. r) Veckmann'6 Beitrage rur Oekonomie und Tameral - Wissenschaft. IV. Lh. Briefe über die Geschichte der Erde. 2 Band. Leipgg 1782. S- 322, r) ». Crell'S Annalen v. -- 84 - - B- S. 457. «dilgaard'j «dhanbl. »om Torfe a. ». Dän. Kopenh. 1765. L. 283 Viert? Abth. Fünfter Abschnitt. Fünfter Abschnitt. Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. I. Europäische Seen- Europa besitzt, besonders in seinen nördlichen Theilen, eine große Menge Seen, die zwar nicht vom ersten Range, doch in manchem andern Betracht merkwürdig sind. Portugal, Spanien und Frankreich haben keine Seen von Bedeutung auszuweisen: dagegen enthält Italien mehrere, unter welchen folgende angemerkt zu werden verdienen. Lago di Locarno oder Lago maggiore, im May- ländischen. Er ist L6 Italienische Meilen lang, an den mehresten Stellen 6 breit, und in der Mitte go Ellen tief. Sein Boden ist steinig, und das Wasser von einer hellen grünlichen Farbe. Auf allen Seiten schließen ihn bewaldete Hügel ein, und er enthält mehrere Inseln, unter denen Isola Bella und Jsola Madre die berühmtesten sind. Der Fluß Ticino durchströmt denselben. Lago di Garda im Veronesischen Gebiete. Seine Länge Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. sgg Länge beträgt 7 bis 9 / und die Breite 3 bis ch geographische Meilen. Er ist auf allen Genen mit Bergen umgeben, zwischen welchen Sturmwinde gewöhnlich sind, die auf demselben hohe Wellen erregen, und ihn zu manchen Zeiten gefährlich machen. Lago di Como, ln dem Gebiete von Malland. Seime Länge von Süden nach Norden erstreckt sich auf Zli Italienische Meilen: ihn durchströmt die Adda. -Lago di Lugano, in eben diesem Gebiete. Er ist 4 Teutsche Meilen lang, und auf eine sonderbare Weise gekrümmt. Lago d'Agnano, im Neapolitanischem Die Schweitz ist, als ein gebirgigtes Land, vorzüglich reich an Seen. Viele derselben liegen nicht gerade in den tiefsten Thälern: ' ja man trifft sogar auf den. höchsten Bergen dergleichen an verschiedenen Stellen an, wo sie dem atmosphärischen Was, ser ihre Entstehung und Unterhaltung zu verdanken haben. Dieses Wasser sammelt sich daselbst an, indem die festere» Erdlagen dasselbe hiiidcsn, darin einzudringen. Die vornehmsten sind: Der Genfersee. Er ist merkwürdig wegen seiner Größe, der Schönheit und Klarheit seines Wassers, so wie der abwechselnden Gestalt seiner mit dem angenehmsten Grün bedeckten Gestade, der reihenden Bildung seiner Hügel und der schönen Aussichten, welche er darstellt. Er liegt in der Mitte eines breiten Thals. Die Rhone läuft durch dasselbe, und findet hier ein großes, ihr von der Natur bereitetes Becken, welches sie ausfüllt. In diesem großen Behälter legt der Strom alle fremden Theile ab, die sein Wasser trüben, so daß er denselben klar und helle verläßt. Mallet's und Pietet's T , L90 Vierte Abth. Fünfter Abschnitt. Ausmessungen zu Folge beträgt die Länge des Sees vop Genf bis nach Villeneuve in gerader Linie 33670 Französische Klafter, und die gröste Breite von Rolle bis Thonon 7Z00, nach Fatio aber 7200 Französische Klafter. Von Neus oder Zvotre bis Genf, ist er un- gleich schmäler, und wird von den zwei Vorgebirge» Promenton und Zvvire an, der kleine See genannt, und hat daselbst nirgend mehr als iz Stunden in der Breite. Der See nimmt gegen seine beiden äußersten Enden hin nach und nach ab, und bekommt fast die Gestalt eines Mondsviertels. Die Tiefe des Sees ist nahe bei Genf nicht beträchtlich, wächst aber E Stunden weiter hin an. Der kleine See ist nirgends tiefer als 300 Fuß; in der Mitte des großen Sees Neus gegenüber fand Saussure ebenfalls nur eine Tiefe von Zoo Fuß, ein wenig weiter hin aber von 33o Fuß. Bei Eviass, eine halbe Stunde vom Ufer traf Saussure 620, und bei den Felsen von Meisterte gLo Fuß. Der Neuenburger See. Er ist etwa 8 bis 9 Stunden lang, und 2 breit, und erstreckte sich vormals weiter als jetzt. Obgleich seine Tiefe nicht sehr beträchtlich ist, so friert er doch nur selten zu. Er steht durch den angenehmen und fischreichen Fluß die Ziel mit dem Bielersee in Verbindung, so wie durch den Fluß Breye mir dem Murtensee, welcher 2 Meilen lang und nur eine kleine Stuüde breit ist.. Der Thuner See. Er ist 3 Stunden lang, i breit, und auf allen Seiten durch Berge eingeschlossen. Die Aar ergießt sich fn denselben, und verbindet ihn mit dem Brlenzer- oder Vierwaldstädter See. Dieses Gewässer hat eine sehr unregelmäßige Gestalt, und da es allenthalben von hohen Bergen umgeben ist, besitzt es auch eine verhältnißmäßige Tiefe. Es nimmt unter Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. 291 vielen Bergwasiern auch die Reuß auf, welche den See bei Lueern wieder verläßt. Der Wallenstädter See. Er ist 4 Stunden lang, eine kleine Stunde breit, und auf allen Seiten von steilen Bergen eingeschlossen. Der Zürchersee. Er erstreckt sich auf 10 Stunden in der Länge, ist aber nkr eine Stunde breit, an einigen Stellen 80 Klafter tief, und an anderen dagegen sehr seicht. Man theilt ihn in den obern und untern See ab Seine Ufer sind überaus reitzend, und ihm entfließt die Lnnmat. Die Niederlande. Ein Landstrich, welcher noch jetzt Spuren ehemaliger Überschwemmungen auszuweisen hat. Dies zeigt unter andern kleineren besonders das Harlemer Meer. Ein ansehnliches Gewässer, welches durch das 15 mit der Südersee in Verbindung steht, und an mehreren Stellen dieses Landes findet man ehemalige Seen ausgetrocknet, z. B. das Naardencr Meer. Die Britti sehen Znseln. England besitzt wenig Seen, und diese sind von geringem Belange. Schottland hat deren mehrere auszuweisen, welche, ob sie gleich nicht von ausgezeichneter Große sind, dennoch wegen ihrer Gestade merkwürdig sind, die mit malerischen Scenen prangen. Hieher gehören Loch (See) Tay. Loch Ness. Z„ dessen Nachbarschaft sich ein Zo Klafter langer Bergsee befindet, welcher nie gefriert, dagegen T 2 Werte Abth. Fünfter Abschnitt. 29s der 17' Meilen davon entfernte Lochanmyn, oder der grüne See, das ganze Zahr hindurch mit Eise bedeckt ist. Loch Lomonb. Die Landschaft Lochaber hat den Namen von den vielen Seen, die den alten Hochländern zur Schutzwehre dienten, um sich von den Niederländern unabhängig zu erhalten. Zreland enthält zahlreiche Seen zum Theil von am sehnlicher Größe. Die beträchtlichsten sind: Lough (See) Neagh. Einer der grösten Landseen in unserm Wclttheile. Er hält 28 Englische Meilen in der Lange, und im Durchschnitte 10 in der Breite. Man giebt ihn an 100,000 Morgen Flächeninhalt. Er nimmt mehrere Flüsse in sich auf, deren Wasser nur durch die Van« abgeleitet wird: "da jedoch ihr Bette lange nicht geräumig genung ist, um zur Zeit der Regengüsse alles Wasser abzuführen, welches zufließt; so steigt der See oft plötzlich und verursacht Uekerschwemnnmgen. Lough Earne. Er wird in den obern und untern See eingetheilt, und auf der Stelle, wo sie zusammen stoßen, liegt die Znsei mit der Stadt Zeniskillen. Der Obersee ist 20 Meilen lang und 9 Meilen in der grösten Breite. Er ist ganz voller zum Theil bewohnter kleinen Eilande und Werder. Die gröste "Tiefe des Sees beträgt 20 Jards. LoughLane. - Deck. ^ Ney. T e utschland besitzt noch eine beträchtliche Anzahl Seen : denn eine große Menge derselben ist ausgetrocknet, und in fruchtbares Land verwandelt. Unter die vorzüglichsten gehören Uebersicht der voriiehmsten See» auf unserer Erbe. 295 In Schwaben. Der Dodensee, Kostnitzer, Bregenzer See. Der größte See des ganzen Teutschen Reichs und ein Grenz, gewässcr gegen Helvetica. Er ist in seiner grösten Aus, dehnung 16 Stunden lang, 4 breit, und besteht aus zwei von einander abgesonderten Seen, dem ober» oder, dem eigentlichen Bodensee, und dem untern oder dem Zellersee. In dieses Gewässer ergießt sich der Rhein auf der Südseite, und kommt auf der Westseite wieder hervor. In Oesterreich. Der Alben oder Altersee. , Traun.- oder Gmündnerse0, , H alstat terfee., In Steiermark. Der Gründlsee. » Aitenaussersee. - W^ildsee. » Turrachersee. , Diesingsee. In Kärnthen. Der Ossiachersee, durch seine große Tiefe merkwürdig, , Werth.- oder Klagenfurtersee, »L Meilen lang und fast ^ Mile breit: , 'Milstädtersee. , weiße See. In Krain. Der Czirknih er See, , Wochheimer In Tyrol. ' Der Achensee. , Gardsee. ^ Kaldonatz. L94 Vierte Abth. Fünfter Abschnitt.' In Barern. Der Eh iemsee. - Waliersee. r Tachensee. » Aden« oder Wolfgangsee. - Mattsee. , Wurmsee. In der Mark Brandenburg. Der Straußsee. Die Müggel, eine Erweiterung, der Spree. Der Uckersee. - Gr. Paarsteinsee. - Arendsee. / Ruppinersee. In Pommern. Der Dammsche See, eine Erweiterung der Oder. / Maduisee. ^ Kummerosche See. In Mecklenburg. Der Mürizsee. - Planensche See. In Westphalen. Der Dümmersee, im Münsterschen. Das Wyseder Meer, in Ostfriesiand. - Wibelsbuer Meer, daselbst. DLnnemark hat auf der Insel Seeland verschiedene Seen, worunter zu bemerken: Der Furesee. - Esromsee. - >Arrcsee. Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. 29^ N 0 r rv e g e n enthält eine beträchtliche Anzahl stehender Gewässer/ unter welchen die vorzüglichsten sind: Der Miöse»see, der gröste im ganzen-Reiche von einer unregelmäßigen länglichen Gestalt. Der Stoersee., - Famundsee, an der Schwedischen Grenze, läng- lich, von Norden nach Süden gestreckt, mit einer In» scl in der Mitte. , Randssee. S pirillensee. - Selboesee. - Snaasensee. 5 Söndresee. . - Tindsee. , Schweden ist überaus wasserreich, und besonders Finnland davon ganz zerrissen. Vorzüglich zeichnen sich folgenbe Seen an Größe aus: Der Weenersee. Der westliche Theil desselben wird Dalbosee genannt. Er ist bei weitem der gröste im ganzen Reiche, indem seine Länge an lg und seine Breite an 8 bis 12 Teutsche Meilen beträgt. Die Göthaelf verbindet ihn mit der Nordsee. Der Wettersee: in einer länglichen Gestalt von etwa 20 Teutschen Meilen Länge und 4 >n der Breite von Norden nach Süden gestreckt; an einigen Stellen an 60 Faden tief, und an anderen fast unergründlich. Er stießt durch den Motalastrom in die Ostsee aus, und man glaubt, daß er mit dem vorigen eine unterirdische Gemeinschaft habe. Sy6 Vierte Abch. Fünfter Abschnitt. Der Htelmarsee — von Osten nach Westen ausgedehnt. Der Mälarsee — von eben dieser Gestalt, aber bei weitem größer. — Er ist mit Inseln angefüllt, und der Söderstroin leitet sein Wasser in die Ostsee ab. Die Seen Asnen und Summen sind von weniger Bedeutung. Der See Siljan von Nordwesten nach Südosten gestreckt. In Lappland sind besonders zu merken die Seen Enara. Tornea. Lulea. Und im Russischen Lappiand der Zmandra. In Finnland behaupten den Vorrang der Uleasee — durch den Fluß gleichen Namens mit der Ostsee verbunden. der Pajendesee — von Norden nach Süden gekehrt, mit vielen Buchten und Armen. Die an einander hängenden Seen Saima. Pilavesi und Puravesi sind durch den Fluß Woxen mit dem Ladogasee in Verbindung. , Preussen. Zn diesem Lande sind die Seen so häufig, daß es sogar bei dem Soldauischen Amte als eine Seltenheit angesehen rvird, daß sich außer dem Städtschen Mühlenteiche kein Landsee darin befindet. Aeltcre Erdbeschreiber sehen die Anzahl auf zweitausend: allein man kann jetzt deren in Ost- vrrnssen höchstens Zoo, und in Westvreussen 160 annehmen, Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. 297 wett sehr viele derselben abgestochen, und in Ackerland und , Wiesen umgeschaffen worden sind. Unter den annoch vorhandenen sind die vornehmsten: Der Spirdingsee — der griste von allen. — Er hat 12 bis 14 Teutsche Meilen im Umfange, und ein reines, gesundes Wasser. Von ihm dehnen sich verschiedene Arme aus, und er enthält eine beträchtliche Anzahl Werder und Inseln, wovon zwei bewohnt sind. Der Warsau« oder Warschausee, — von 2 Meilen in der Länge. Der Angerburgsche See — von 6 bis 7 Meilen in der Länge und i bis iZ in der Breite. Er hängt durch die Angerapp mit dem Strengelschen, und durch ein kleines namenloses Flüßchen mit dem Leventiner- see zusammen. Der Resauersee. Man glaubt, daß er mit dem vorigen, von welchem er nur eine halbe Meile entfernt liegt, in einer unterirdischen Verbindung stehe. Wasserstrudel, welche bei Stürmen den Schiffern gefährlich werden, machen das Daseyn derselben wahrscheinlich. Der Leventin. Das Eis dieses Sees soll bei eintretendem Thauwetter nicht auf der Oberfläche schmelzen, sondern zu Boden sinken. Der Wisstttensee. Der Passernick. Er begreift sieben Berge in sich, die mit ihren Wurzeln tief unter dem Wasser verborgen sind, und an den Seiten derselben steht das Wasser iZ bis 16 Faden tief. Der Drausensee — allenthalben mit Bergen eingefaßt. Der Margensee. Der Gneserich — ein schmaler in mancherlei Krümmungen auf sechs - Meilen in die Länge sich ziehender See, »mit fruchtbaren und anmnthigen Werdern besetzt, -93 Vierte Abth. Fünfter Abschnitt. Liefland hat einige beträchtliche Seen, unter denen angemerkt zu werde» verdienen. Der Peipussee. Dieses ansehnliche Gewässer liegt an der Grenze Rußlands, und hangt durch.eine Verengerung des Users mit dem Pleskowscben See zusammen. Jener ist an sich iZ, aber in Verbindung mit vielem iL Meilen lang; seine Breite, die gegen Süden immer mehr abnimmt, beträgt 6 bis 10 Meilen. Unter den verschiedenen Inseln, welche er enthält, ist eine bewohnt. Eine große Anzahl Flüsse ergießen sich in denselben, und sein Wasser wird durch den Narwastrom in den Finnischen Meerbusen abgeführt. Die Werzjerwe — 5 Meilen lang und 2 breit. Dieser See läuft in Süden spitz aus. Der wasserreiche Fluß Embach ergießt sich aus ihm in den vorigen See. Der Lubahnsche See — etwa 6 Meilen lang und 2 breit.' Außer diesen enthält Liefland Noch eine beträchtliche Anzahl kleinerer Seen. Rußland enthält ansehnliche Gewässer. Hieher gehören Der Ladogasee — über 25 Meilen lang und. 12 breit: nach anderen aber beträgt die Länge Zo und die Breite i 5 Meilen. Der See Onega — 46 Meilen lang und Zo breit. Diese beiden Seen stehen mit einander, und durch die Newa mit dem Finnischen Meerbusen in Verbindung. DerJlmensee. Der See Belosero, aus welchem ein Theil der Wolga entsteht. .4 Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. 299 Der Johanntsses (Iwan Ssero). Aus ihm strömt ein Theil des Dons hervor. Ungarn. Der Plattensee oder Balaton, Moldau. Der Rosowasee. L i v a d i e n. Der See Copais. H. Asiatische Seen. Asien ist sehr reich an Landseen, nur sind die wenigsten davon genau bekannt. Vorzüglich verdienen bemerkt zu werden: Der Kasptsche See— einer der grösten Landseen auf der Erde. — Sein Flächeninhalt macht zwischen Zooo bis 6000 Quadratmeilen aus. Die Länge von Süden nach Norden ist gegen iLo, und die gröste Breite an 70 Quadratmeilen. Nach dem Gr. von Ferrieres- Sauveboeuf soll dieser See bei,Astarbad abfallen, und, mittelst eines unterirdischen Kanals mit dem Persischen Meerbusen zusammen hängen:, andere verbinden ihn auf diese Weise mit dem schwarzen Meere. In ihn verlieren sich ansehnliche Ströme, als die Wolga, der Yaik. Der See Aral (Adlersee) — östlich neben der Nordhälfte des Kaspischen Meeres. Er hat ein salziges Was- b scr, und begreift viele bewohnte Inseln in sich. Seine Zoo Vierte Abth. Muster Abschnitt. Seme Lange beträgt an Zo geographische Meilen, die Brette gegen r 5 , und sein Umfang go. Die vornehm» sien Flüsse, welche er aufnimmt, sind der Syr, Darf» und Amu. Der See Altiii — am Südende von Westsiberien. Durch ihn geht der Ob. Der Baikalsee. Seme Länge beträgt' gegen 70 bis 6» geographische Meilen, und seine Breite ro. Er ist vom December bis in den April zugefroren, an beiden Set» teil nur steilen, nackten Gediegen eingefaßt, die von ihm den Namen führen, und enthält mehrere Inseln. Der Scicnga süeßr in ihn hinein, und der Angari aus Hm hervor. Der See Hinka — in dem südlichen Amurlande. Aus ihm ergießt sich der Muri. Der See Kulon. Zhn durchströmt der Fluß Äerlon, der nach seinem Austritt aus demselben Argun heißt. Der See Saisan — zwischen dem kleinen Alcai in Nordosten, und dem Alginskot - Sirr in Südweste». Durch ihn geht der Jrttsch. Das todte Meer. S. oben S. 261. Zn Kleinasien sind zu bemerken die Seen Ulubad. Diga. Marmene. m. Afrikanische Seen. Von dem Innern dieses Welttheils wissen wir zu wenig, um seine Gewässer zu kennen. Er enthält indeß verhältnismäßig weit weniger Seen als die übrigen. Die bekannteren sind folgende: Der See Menzal-o oder Manzale in Unteregypten. Er erstreckt sich von Damiat nach Gaza, längs des nnk- Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. Fc>r telländischcn Meeres in einer Länge von — rg Teutschen Meilen von Osten nach Westen,-und in einer Breite von L Meilen. Ein sandiges Gestade von z Meile Breite sondert ihn vom Meere ab. Er hat nur 5 bis 6 Fuß hohes Wasser, welches zur Zeit der Nil-Ueberschwemmung süß, die übrige Zeit des Zahres hindurch aber salzig ist; er.hat eine Kommunikation mit dem Meere. Birket el Kerum (Charonssee), vier Meilen von Fium in Mittelegypten. Po coke schätzt seine Länge auf 5o, und die Breite auf Zc> Meilen. Er erstreckt sich weit In Libyen hinein, hat ein salziges, zur Zeit der Niler- gicßung aber ein trinkbares Wasser. Der Stand des Wassers ist darr» bisweilen sehr niedrig, und zwei starke Quellen in dem See machen, dass er nicht ganz austrocknet. Der See Faravn, im Staate von Tunis. Der See Burnu in Nigritien, dessen eigentliche Lage unbestimmt ist. Der See Dembea oder Tsana in Myssmien- durch welchen der Nil seinen Lauf nimmt. Der See Aquilunda, dessen Lage noch ungewiß ist. Der Marawi oder Zambre, im Lande der Koffern. Der g'röste Landsee Afrlka'ö, so viel ihrer bekannt sind. So weit man von ihm Nachricht hat, erstreckt er sich in einer Länge von 70 Meilen vpn Südwester, nach Nordosten. Ck enthält eine Menge unbewohnter Inseln. Die Seen Saxra, wenig bekannt. Zawja, in Abyffinien. Maberia, i„ NigritiM. Z0S Vierte Abth. Fünfter Abschnitt. IV. Amerikanische Seen. Nordamerika. Unter den zahlreichen stehenden Gewässern dieses Erdbezirks sind vorzüglich bemcrkenswerth: Der obere See, wegen seiner nördlichen Lage, und der große See, wegen seines großen Umfangs, so genannt: denn wahrscheinlich ist er der grösie Landsee der Erde. Sein Umfang betragt an 2000 Englische Meilen. Das Wasser in demselben ist von einer außerordentlichen Klarheit, und in der Tiefe von einer Eiskalte. Unter vierzig Flüssen, die in ihn einfallen, sind einige von ansehnlicher Größe. Die Straße von Maria, durch welche sem Wasser auefließt, verbindet ihn mit dem folgenden. Der See Huron, von dreieckiger Gestalt, und etwa iooo Englische Meilen in der grösten Breite. Er hängt am nordwestlichen Ende durch eine Straße mit dem folgenden See zusammen. Der See Mischigan. Seine grösie Länge beträgt an 280, und seine gröste Breite 40, im Umfange enthalt er aber fast 600 Meilen. Zn ihm befindet sich eine merkwürdige Kette kleiner Eilande, die Zo Meilen süd- westwärtö in den See hinein läuft, und einen schönen Anblick gewährt. Sie heißen die Biberinseln. Ein Theil des Sees wird die grüne Ducht genannt. ' Der See Winnebago. Er hängt mit vorgedachter Bucht an ihrer Südseite durch einen breiten Fluß zusammen, ist etwa i5 Meilen von Osten nach Westen lang und 6 breit. Der See Pepin — eigentlich eine Erweiterung desMis- sissipi — ist an 20 Meilen lang, 6 breit, und an ve». schiedenen Stellen sehr tief. Uebersicht der vornehmsten Seen auf unserer Erde. zoz Der. See Bourbon — der nördlichste von den bisher entdeckten — erhält sein Wasser aus dem Fkisse gleiches Namens. Seine Länge van Süden nach Nrorhen beträgt an go Meilen. Der See Winepek. Er erstreckt sich ebenfalls von Norden nach Süden, in einer Lange von beinah 200 Meilen, und in seiner grösten Breite von etwa 100 Meilen, nimmt eine große Anzahl beträchtlicher Flüsse auf, und ist voller Inseln. Der Holzsee. Seine Länge von Osten nach Westen beträgt an 70, und seine gröste Breite etwa 40 Meilen. Der Regensee. Eine Erdzunge theilt ihn in der Mitte in zwei Theile. Er ist fast durchgängig sehr seicht, in seiner grösten Breite nicht über 20 Meilen, in der Länge aber, beide Abtheilungen zusammen genommen, auf Zoo Meilen ausgedehnt. Ostwärts von diesem See liegen verschiedene kleinere, die sich in einer Kette bis an den Oberste hinziehen. Die rothe See — von fast ganz zirkelrunder Gestalt, und 6o Mcileu im Umkreise. Der Weißbärensee. Er gehört zu den nördlichsten Gewässern, woraus der Mississipi seinen Ursprung hernimmt, und hat mit dem vorigen von einerlei Größe. Der See St. Clara — von etwa Zo Meilen im Umfange. Er empfängt durch den Fluß Huron, welcher aus dem südlichen Winkel des Sees Huron kommt, das Wasser aus dem Oberste, Mischigan und Huron. Der See Erie. Er hängt mir dem vorigen mittelst der Straße Detroit zusammen, ist fast Zoo Meilen lang von Osten nach Westen, und seine gröste Breite beläuft sich auf ungefähr -so Meilen. Er verliert sein Wasser auf der Nordseite durch den Fluß Niagara, welcher in den See Ontario fallt. Vierte Abth. Fünfter Abschnitt S 8- S. u. ff. Fünfte Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. ZoZ Fünfte Abtheilung. Das Weltmeer. Erster Abschnitt. Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe , und seinem Verhältnisse gegen das Land. §beltmeer, Ocean heißt diejenige Wassersammlung auf unserer Erdkugel, welche das feste Land auf allen Sei« ten umgiebt, und, ob sie gleich vielfältig in dasselbe eindringt, doch unter sich ein zusammenhangendes Ganze ausmacht, welches an vielen Stellen durch die Znseln unterbrochen wird. Es ist nur ein Weltmeer, und von ihm sind alle Gewässer, die man mit dem Namen Meer belegt, Theile, und mit einander sichtbarer Weise verbunden. Schon die Alten kannten die Kontinuität des Meeres, und, da sie nur von der alten Welt wüsten, so glaubten einige, wie Thales von Milet, daß diese darin schwämme. Welches Mittels bediente sich der Schöpfer, dieses Gewässer von dem Trockenen zu scheiden, und jenes in seine Grenzen einzuschließen? Da das Wasser eigenthümlich leichter ist, als die erdigen Theile, so würden, da.noch alles sich im flüssigen Zustande befand, diese gegen den Mittelpunkt der Erde haben sinken müssen, und das Wasser hätte sonach das ganze Land bedeckt, und zum Wohnplah für Menschen und eine große Anzahl anderer organischer Geschöpfe untaug- U Zo6 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. lich gemacht. Hier ist nicht der Ort, darüber etwas auszumachen, da diese Materie in die Schspfungs- und Bildungsgeschichte der Erde gehört. Der Ocean ist eine zusammenhängende, nach den Gesetzen der Schwere, abgerundete Fläche: oder vielmehr, es ist ein Theil der Erdoberfläche, welche eine sphäroidische Gestalt hat, und an allen Orten der Erde säst gleich weit von ihrem Mittelpunkte entfernt ist. Das Centrum des Meeres ist auch der Mittelpunkt der Erde, wobei man sich indeß die Meereöfläche in völliger Ruhe gedenkt. Diese ist nun zwar nie überall in vollkommenem Gleichgewicht und in gänzlicher Ruhe: aber die Bewegung derselben ist so unbedeutend, daß die Oberfläche der Meere so wenig als die Oberfläche des Landes durch die Berge, dadurch gehindert wird, in Kugelgestalt zu erscheinen. Das Land ragt auf allen Seiten über der Meeresfläche hervor, und man kann dieses als die niedrigste Horizontalfiäche der Erde, und den Halbmesser derselben als den Erdhalbmesser annehmen. Die Größe des Weltmeeres und sein eigentliches Verhältniß zum Lande läßt sich nicht mit vollkommener Bestimmtheit angeben. Ein flüchtiger Blick auf den Erdglobus hätte indeß den Delisle belehren können, daß das von ihm angenommene Verhältniß, wonach er die eine Hälfte der Erdkugel als eine Wasserfläche, die andere aber als Land-ansieht, nicht das wahre sey. Es ist vielmehr gewiß, daß ei» bei weitem größerer Theil der Erde mit Wasser bedeckt ist. Gemeiniglich seht man fest, daß etwa zwei Drittheile ihrer Oberfläche Wasser, und ein Drittheil Land einnehmen. Da nun die ganze Kugelfläche der Erde 9,282,060 geographische Quadratmeilen in sich faßt, so macht der trockene Theil 3,094,020 und das Meer 6 ,igg,o 4 c> solcher Meilen aus. Herr v. Zimmermann *) hat die über diesen Gegenstand ») Geographische Geschichte deS Menschen und der allgemein verbreiteten vierfüßigen Thiere« L V. S. Z7- , Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. §07 vorhandenen Berechnungen mit einander verglichen, und für die noch unbekannten Länder ein geringes Maaß angenommen. Nach einem Mittel, giebt er das Verhältniß von 2,166,082 zu 6,070,696, das ist von 10 zu 27 an: woraus denn erhellt, daß der Ocean mehr als das Land betrage, daß dieses aber mehr als ein Drittel ausmache. Da jedoch, nach der Herausgabe seines schätzbaren Wecks, so manche neue und bedeutende Entdeckungen in der Erdkunde gemacht worden sind, so mögte diese Bestimmung jetzt wohl etwas anders ausfallen. Die genauere Erörterung dieser Materie findet indeß in der allgemeinen physischen Erdbeschreibung ihren eigentlichen Platz. „Will man sich von der ungeheuren Menge des Wassers, sagt Büsfon *), welches die Meere in sich fassen, einen Begriff machen, so muß man überhaupt eine gewisse durchgängige Tiefe annehmen. Setzt man sie auch nur aus zweihundert Toisen, oder auf den zehnten Theil einer Französischen Meile, so ergiebt sich, daß Wasser genung vorrä- thjg sey, die Erde überall sechshundert Fuß hoch damit zu bedecken. Wollte man nun dieses Wasser in eine Masse zusammen bringen, so würde sie eine Kugel bilden, deren Dnrchmesser mehr als sechszig Französische Meilen betrüge." Der gröste Theil des Oceans liegt auf der südlichen Halbkugel. Zu welch einer ungeheuren Wasserfläche erstreckt sich nicht hier das Meer zwischen Asien und Amerika, vom Vorgebirge der guten Hoffnung bis nach Neuseeland rc.? Wenn wir uns die Erdkugel unter dem Aequator getheilt, vorstellen, so zerfällt sie in zwei Halbkugeln, die sich auf eine auffallende Weise von einander auszeichnen, indem grö- sientheils die nördliche aus Land, und die südliche aus Wasser besteht. Wenn der i 65 Grad der Länge unter den messingenen Meridian eines Erdglobus, und der Globus selbst auf die südliche Polhöhe von 5o Graden gestellt ") All«, N. G. l B. S. rgs. u 2 3o8 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. wird, so theilt der Horizont beide Halbkugeln von einander ab, und es zeigt sich über demselben von dem festen Lande nur die südlichste Spitze von Amerika, und etwas von der Halbinsel Malacea und Cochinchina von Asien; alles übrige sind Znseln und Meere. Man könnte hiernach die Erde füglich in die Land- und Wasser-Halbkugel abtheilen *). Einige Naturforscher halten es für unwahrscheinlich, daß die Gegend um den Südpol herum mit Wasser bedeckt sey: sondern sie verlegen dahin ein Continent, dessen Daseyn . jedoch nie erwiesen werden, und von dem besser unterrichteten Theile der Geographen bestritten wird. Ein großes festes Land in Süden scheint ihnen um deswillen nothwendig, damit es bei Umdrehung der Erdkugel um ihre Achse das Gleichgewicht erhalten, «nd der Ländermasse' auf der nördlichen Halbkugel zum Gegengewichte dienen könne. Allein dieser Unterschied ist in Betracht der ganzen Masse der Er, de von so geringer Erheblichkeit, daß er unmöglich eine Veränderung in der täglichen Bewegung der Erdkugel hervorbringen kann. Gesetzt, die Höhe des Erdrückens über der Oberfläche des Meeres betrüge 6000 Fuß — und nur wenig Gegenden erreichen diese Höhe — und die Tiefe des Oceans betrage eben so viel; so macht dieses zusammen nur etwa den fünfzigsten Theil einer Linie bei einem einfüßigen Erdglobus, oder den fünften Theil eines mäßigen Sandkorns. Würde also, wenn sich auch in dieser Kugelschaale Gebirge auf Gebirge wälzten, und Oceane und Länder ihre Stellen wechselten, solches die Lage der Erdpole und der Achse im geringsten zu verändern vermögen? Wohl so wenig, als ein Erdglobus vor einem Fuße inr.Durchmesser merklich aus dem Gleichgewichte kommt, wenn ein Znsect da« Papier zernagt, womit die Kugel überzogen ist. Wäre nun ein Südland zu dieser Absicht auch nothwendig und vorhanden, so würde *) Heu. Dode Anleitung iur allgemeinen Kenntniß der Erdkugel. Berlin -7S6. 8- S> 220 . Don dem Weltmeere überhaupt, seiner Grüße rc. Zog dieses doch nicht mit dem Lande auf der nördlichen Hälfte der Erde ins Gleichgewicht kommen können, da die bis jetzt schon bekannte Menge des Wassers auf der südlichen, die aus der nördlichen so weit übersteigt. Aus Cook's Entdeckungsreisen ist klar, daß in der Süd.hemisphäre diesseits des sechzigsten, und in einigen Gegenden des ein und sie- benzigsten Grades, außer den Inseln, kein Land zu erwarten sey. Kann auch nicht — wenn anders das System von dem Gleichgewichte in allen Theilen der Erdkugel, zur Umwälzung um ihre Achse, erforderlich ist — dem Mangel des Landes, wenn er von Bedeutung wäre, auf eine andere Art abgeholfen seyn? Könnten nicht im Grunde des Meeres, und überhaupt in den Ländern der südlichen Hemisphäre solche Körper verborgen liegen, deren Gewicht das Gleichgewicht herstellt? Der Ocean umfließt auf der südlichen Hälfte der Erdkugel das Land ununterbrochen, so daß man z. B. von der südlichen Spitze Afrika s und Amerika's aus, die ganze Halbkugel umschiffen kann. Zn wie fern er nun auch das auf der nördlichen umgebe, läßt sich nicht bestimmen: denn obgleich in Ansehung der alten Welt die Wassergrenzen ins Reine gebracht sind, so findet doch dieses bei der neuen nicht statt, weil die Versuche der Seefahrer, eine nordwestliche Fahrt um Amerika zu finden, bis jetzt noch von keinem glücklichen Erfolge begleitet gewesen sind. Alles Wasser hat, wie wir gesehen haben, sich selbst überlassen, und im Zustande der Ruhe, in seinen Behältern eine wagerechte Fläche. Da nun alle Meere unter sich zusammenhängen, so muß auch der Spiegel des Oceans horizontal, d. i. gleich weit vom Mittelpunkt der Erde entfernt, oder welches einerlei ist, von gleicher Höhe seyn. Es müssen jedoch besondere Ursachen obwalten, welche Hiebei eine Abänderung machen, da auch die Erfahrung vom Gegentheile zeugt. Schon die^Alten wüsten dies, und sie hielten Zia Fünfte Abth. Erster Abschnitt. die Sache um so wichtiger, da auf diesem Umstände viel be- ruht, wenn es darauf ankommt, daß Erdengen zwischen zweien Meeren durchgestochen werden sollen. So glaubte bereits Aristoteles, daß das Weltmeer um den Nordpol höher sey, als unter dem Aequator, und von dort, gleichsam als aus einer Quelle, hervorströme. Nach anderen soll das Meer zwischen Ostindien und Afrika, das mittelländische an Höhe weit übertreffen. Von dem ^ ungleichen Stande des letztern gegen den Arabischen Meer- i busen, hielt man sich ehemals so fest überzeugt, daß nicht ! nur die ältesten Könige Egyptens daher den Vorsatz aufga- > bcn, beide Meere mit einander zu verbinden, sondern auch l ihre Nachfolger Bedenken trugen, die Erdenge von Suez zu durchstechen, aus Bcsorgniß, daß ein Theil ihrer Besitzungen am mittelländischen Meere durch Überschwemmung zu Grunde gerichtet werden mügre. Wahrscheinlicher ist es indeß, daß die Sache nicht sowohl aus dieser Ursache unrcr- blieben, als wegen Schwierigkeit^ und Kostbarkeit des Unternehmens. Es konnte vielleicht hier auch eine politische Rücksicht eintreten, weil man erwog, daß die neue Straße auch von anderen Europäern würde beschifft, und durch sie der Indische und Persische Handel geführt werden, wobei die Bewohner Egyptens an ihren Zollgefällen eine beträchtliche ! Einbuße erlitten haben würden. Es ist jedoch ausgemacht, daß bereits in den ältesten Zeiten ein .^anal vorhanden gewesen sey, der aus dem östlichen Arme des Nils in das rothe Meer gegangen. Delisle hat solches aus dem He- rödot, Diodor von Sieilien, Strabo und dem Arabi- i schen Schriftsteller Elmazin mehr als wahrscheinlich ge- ^ macht *). Herodot bezeugt, daß Necus, ein Sohn des ! Psammitichus, einen Graben in das rothe Meer zu zie- ! hell angefangen, daß Darius denselben tiefer gemacht, und ! *) Illsrolrs <1e 1'^.OLäein. ü. 'karis 1702. x. log. srnv« Von dem -Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. §n Ptolemäus ihn vollendet habe O- Wenn Kühn *) das mittelländische Meer bei Alexandria wenigstens eine halbe Teutsche Meile höher macht, als das Atlantische am Ama- zonenflusse, und bei Panama 2,^ höher, als es an der Mündung des Maragnvn ist; so sind dieses Folgerungen aus dem von jhm zu groß angenommenen Falle der Flüsse. Es fehlt indessen nicht an Erfahrungen, welche für den »»gleichen Stand des Gewässers der Meere sprechen. Als im Jahre 1762 der Holsteinische Kanal angelegt wurde, fand man, daß die Nordsee in ihrer mittlern Höhe acht Fuß niedriger war, als die Ostsee. Nordenancker ') nimmt daher Veranlassung zu glauben, daß die Ostsee ursprünglich in die Klasse der Landseen gehöret habe, von denen man sich den Begriff macht, daß sie höher liegen, d. i., daß ihre Oberfläche erhabener sey, als der Spiegel des Meeres unter gleicher Breite. Er glaubt, daß dieses Meer vormals bei Orssund und die Bclte durchgebrochen sey, um sich mit der Nordsee zu vereinigen; daß es ferner durch das fortgesetzte Ausströmen mit der Zeit niedriger werden, und sich am Ende, vielleicht auch wohl durch einen geräumigern Ausbruch, mit dem Ocean ins Gleichgewicht setzen werde. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird jedoch das letztere nie geschehen, und die Ostsee ihren Hähern Stand wohl aus immer behaupten. Sie befindet sich ncmlich in dem Falle aller kleineren Meere, in welche sich viele und wasserreiche Flüsse ergießen, besonders wenn ihre.Ausdünstung wegen der Kälte nur schwach ist- Solche Gewässer erheben sich höher, und fließen in hie benachbarten Meere ab. Aus einem entgegen gesetzten i) Vlinit Historie itrnnrL». VI. 6. ZZ. sst. N-erstrrMi Lg. eUir. VLt. r) Gell. »on Ursprung d. Quellen. Von den Strömen der Ostsee, a. d. Schwell, «bers. von Grönixs Leipi. 1795. in g. ZIS Fünfte Abth. Erster Abschnitt. Grunde bleiben andere dergleichen Meere, welche in Ver- hältniß ihrer Ausdehnung weniger Flüsse aufnehmen, niedri- ger, besonders wenn sie wegen der Wärme einer starker» Ausdünstung unterworfen sind. Hieher gehört das mittelländische Meer, in welches das schwarze und das Atlantische einstießen. Es ist verhältnißmäßig groß, wird sehr erwärmt, und empfängt nur wenig Flüsse, z B. auf der ganzen Afrikanischen Küste keinen von Belange, außer dem M. In das kleinere schwarze Meer hingegen fallen die Donau, der Dniester, Dniepr u. a. m. Aehnliche Verschiedenheiten findet man in allen Meeren, welche von festem Lande oder Inseln größtentheils eingeschlossen sind, und sie verursachen Strömungen in den Meerengen und Durchfahrten zwischen den Inseln. Der ganze Ocean ist zwischen den Wendekreisen, wo er mehr ausdünstet, etwas niedriger, als in den kälteren Gegenden nach den Polen zu. Aenderungen im Stande ^des Meeres bewirken ferner Ebbe und Fluch: diese sind aber, ob zwar nicht unbedeutend, doch nur periodisch, und liegen mehr in einer fremden Ur- sach, als in der natürlichen Beschaffenheit des Meeres. Auch ist es gewiß, daß die verschiedene Schwere der Meergewässer einen ganz gleichen Stand der Fläche des Ocean« nicht überall gestatte; der Unterschied kann aber von keiner Bedeutung seyn, da das höhere Wasser auf das niedrige eindringen muß, um sich mit ihm ins Gleichgewicht zu setzen. Der Unterschied der mittlern Höhe bei Meeren, die mit einander im Zusammenhange stehen, ist nur gering, und vielleicht nie größer, als acht bis zehen Fuß. Mann nimmt daher mit Recht, bei Bestimmung der Berghöhen, die Meeresfläche als eine allgemeine Grenze an, nach welcher man die Höhen derselben berechnet. Ist z. B. ein Berg tausend Pariser Klafter über das stille, und ein anderer zwölfhun- dert Klafter über das Atlantische Meer erhoben; so sagt Don dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. 3,5 man, dieser Berg sey zweihundert Klafter höher als jener, weil das stille Meer mit dem Atlantischen Meere zusammenhängt, und also die Höhe beider Meere nur um eine Kleinigkeit verschieden seyn kann. Nach Picard's Bestimmung beträgt die Höhe der Pariser Sternwarte über die Fläche des mittelländischen Meeres acht und vierzig Klafter, und über den Spiegel des Atlantischen Oceane sechs und vierzig Klafter. Sie ist also bet beiden fast gleich, da der Unterschied von zwei Klaftern hier nicht in Betrachtung kommen kann. Ulloa fand bei allen Beobachtungen, die er an mehreren Stellen in Amerika gemacht hatte, daß der Stand des Quecksilbers im Barometer 27 Zoll uz Linien war. .Da nun an den meisten Küsten Europens die Höhe des Merkurius 28 Zolle beträgt; so folgert er daraus mit Recht, daß die Oberfläche des Meeres fast überall von gleicher Höhe seyn müsse, und daß man zu Panama und Portobello ohne Grund zweifele, daß das Atlantische mit dem stillen Meere einerlei Höhe habe *). Der Ocean ist auch in der weiteste» Entfernung vom Lande nicht höher, als der trockene Theil der Erde: beide zusammen bilden vielmehr eine Fläche von fast gleicher Höhe. So wie aber auf der einen Seite die Berge hievon etwas abweichen, so giebt es auch Gestade, die wenigstens zu gewissen Zeiten niedriger sind, als die Fläche des Meeres, welches sie benetzt, und daher durch Dämme in Sicherheit gesetzt werden müssen, wie z. B. die Küsten Hollands. Wenn man auf einem erhabenen Orte steht, und von da aus ins weite Meer blickt, so scheint dieses sich je weiter je mehr zu erheben, bis es zuletzt mit dem Auge in einer Linie gesehen wird. Hier liegt aber eine Täuschung zum . *) liirroriqne äe D. Oeorß« Inrrn er D. ^.ntvine äs 171 loa L Lmst. er 1752 . 4- vo^rrAS isir en par HIr. äe 1s OonäLmine. HIemoi- res äs L 1746. Fünfte Abth. Erster Abschnitt. Zi4 Grunde, und man kann, ohne sich auf die Art und Weise einzulassen, wie solche hervorgebracht wird, voti dem Betrüge gar leicht überzeugt werden, wenn man bei einem Strome, in einiger Entfernung von demselben, sich auf eine Anhöhe begiebr, und von hier stromabwärts die Gegend, so weit das Auge reicht, übersieht. Man wird nemlich alsdann gewahr, daß diejenigen Stellen, die doch »»bezweifelt nie-' driger liegen, eben so erscheinen, und daß es nicht anders aussieht, als wenn die den Strom hinabfahrende Schiffe sich an einer Anhöhe befänden, und bemühet wären, den Gipfel zu erreichen *). Die Flüsse laufen irgend einem Meere zu, weil nun der Ort, welchem das Wasser zufließt, niedriger ist, als der, woher es kommt; so folgt, daß das Meer die niedrigsten Stellen auf unserem Erdboden einnehmen müsse. Dem St- Pierre °) scheinen die Pole die Quellen des Meeres zu seyn. Er betrachtet die beiden Halbkugeln der Erde als zwei Berge, die sich an ihrem Fuße unter dem Ae- quator mit einander vereinigen, und die Pole als die Gipfel derselben. Diese bestehen nun, wie er glaubt, aus Gewölben von bloßem Eise, deren Höhe eine jede Erhabenheit des Landes weit übertrifft, und welche machen, daß die Erde in jener eiförmigen Gestalt erscheint, welche Tycho de Brahe und Kepler ihr beilegen. Der Fuß dieses Eisgewölbeö dehnt sich am Nordpole mehr als zweitausend französische Meilen, und'am Südpole noch weiter aus. Diese beiden Eismassen vermehren Nun die Gewässer des Oceans, wenn sie durch die Wirkung der Sonne, die sie abwechselnd zum Theil schmelzt, aufgelöset, in dasselbe einströmen: so wie diese Gewässer vermindert werden, wenn ein Theil davon durch die Vai snü xsoxr. zsu. LS. ^mst. in 12. x. izi. reg. ») Betrachtungen über die Natur. a. d. Frani- i ry. Görlitz 1795. 8 S. rag. 149. Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. 3,5 Ausdünstung zurück geht, und sich bei Entfernung der Sonne an den Polen als Eis anseht. Von dem Rande dieses Eisgewölbes lösen sich nun während des wechselseitigen Sommers der Polargcgenden große Stücke ab, welche ihren Weg gegen die Linie nehmen, wo sie denn, bei ihrem Eintritt in die wärmeren Himmelsstriche, wohin sie unter Begünstigung der Ströme gelangen, welche beiden Polen entfließen, zerschmelzen, um auch einen Ersatz gegen dasjenige Wasser abzugeben, welches dem Oceane zwischen den Wendekreisen durch die stärkere Ausdünstung entzogen wird. Nichts berechtigt uns aber, das Daseyn solcher Eisberge anzunehmen. Die abgeplattete Gestalt der Erdkugel ist durch neuere Beobachtungen außer allen Zweifel gefetzt. Maupertuis berechnet aus Vergleichung mehrerer Wahrnehmungen, daß der Durchmesser des Aequators sich zur Länge der Achse wie 176 zu 177 verhalte, worin ihm auch de la Caille beistimmt. Nach la Lande ist der Erddurchmesser um seines Längenmaaßes größer als die Erdachse: der Ueberschuß des Erddurchmessers betrug an achlze- hen Französische Meilen. In dem Supplementbande setzt er den Unterschied auf ^--7. Herr Hübe *) bezeichnet das Verhältniß der Achse zum Durchmesser wie 177 zu 178, Frist wie 230 zu 231, und Herr Klügel wie 180 zu 187- Der größere, oder der Durchmesser des Aequators beträgt 6,359)982, und der Durchmesser Lurch die Pole 6,524,894 Toisen. Wenn man nach einem Mittel den Unterschied der beiden Durchmesser berechnet, und einer Teutschen Meile 38 oZ Toisen giebt, so macht der Ueberschuß des Erddiame- tcrs vor der kleinern Achse 6r« Teutsche Meilen. Zm Ganzen genommen scheint das jetzige Verhältniß und die gegenwärtige Lage und Stellung des Landes gegen O D« relliiri» torms, V 7 ,I 50 V. >78». Fünfte Abth. Erster Abschnitt. 516 das Meer seit der elwanigen lehren ^>auptrevolution der Erdkugel immer Statt gefunden zu haben. Die.Baye und mittelländische Meere sind also wohl nicht als nach und nach entstandene Einbrüche des Wassers in den neueren Zeiten, als Wirkungen des sich selbst überlassenen Oceans auf das feste Land anzusehen, welche nie so gewaltsam seyn können. Man darf nicht glauben, daß das Meer etwa sich hier einen Weg gebahnt haben werde, als ein Fluß, welcher sich über eine Wiese ergießt, nachdem er vorher die Dämme zerrissen hat. Hier hätte der überschwemmte Theil so viel niedriger liegen müssen, als jetzt die Fläche des Wassers über seinem Boden steht. Dieses findet man nun bei keinem Theile des trockenen Landes, es wüste denn etwa der ganze bedeckte Raum versunken seyn. Man hat aber auch noch andere Gründe, welche diese Behauptung unwahrscheinlich machen. , Man nehme z. B. an, daß die Meerenge von Gibraß tar vormals verschlossen, und der Raum, den nun Wasser bedeckt, trockenes Land gewesen und versunken sey. Wohin hätten sich wohl die Flüsse ergieß?» sollen, welche ihm aus Europa und Afrika zuströmen: oder, wie würden auch diese haben entstehen und fortdauern können, da sie von d?r Ausdünstung des mittelländischen Meeres mit genährt werden? Wie verschieden würde vor den Zeiten eines solchen Einbruchs die Beschaffenheit des festen Landes von derjenigen gewesen seyn, worin wir es jetzt erblicken? Die Winde aus Norden, welche nun für die Afrikanische Küste, besonders Egypten, erfrischend und wohlthätig sind, da sie über eine Wasserfläche hinweg streichen, müssen sonst Dürre und Unfruchtbarkeit verbreitet haben. Noch schlimmer würden di? mittägigen Länder Europens daran gewesen seyn, da die brennenden Winde Afrika's, indem .solche über einen wasserlosen Raum hinweg gegangen, sie ihre verheerende Kraft würde haben ganz fühlen lassen. Man denke Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. Ziy sich überhaupt in die Stelle dieses Meeres und der Ostsee trockenes Land. Welch eine unförmliche Masse des Conti- nents, zum grösten Theil unbewohnbar aus Mangel der ge, hörigen Bewässerung! Das Weltmeer scheint im Ganzen weder abzunehmen Noch zu wachsen, sondern seine Wassermenge in gleichem Verhältniß zu bleiben: denn obgleich mehrere,Gegenden von den Küsten sich weiter entfernen, so nähern sich ihnen auch andere wieder, und die meisten behaupten noch diejenigen Stellungen, welche sie vormals gehabt haben. Schon sii den älteren Zeiten standen verschiedene Philosophen in dem Wahne, daß die ganze Summe des Wassers auf dem Erdboden sich allmählig verringere. Es scheint jedoch dasjenige, was bei ihnen davon vorkommt, mehr auf eine Verrückung des Wassers und des Landes, als auf eine wirkliche Wasserverminderung zu gehn. Diese Hypothese ist neuern Ursprungs, und Mailler vielleicht der erste, welcher sie förmlich vorgetragen hat *). Sie fand in der Folgezeit, besonders unter den Schwedischen Gelehrten, Anhänger und Vertheidiger, unter denen Dalin *), Celsius und Linne *) die vornehmsten sind. Man wähnte nemlich überall Spuren eines vormaligen höhern Standes des Mee- 2 ) 011 Lntt'Stlens stelln xiillosoxlis Instien avsc 11» mis-' tcs menioires Us lVlaillcr ä Ussls 1749. Eib Buch, welches aus einem Gemisch von Wahrt,eilen und Zrrhümern, von Thalsaclven und Fädeln «usammen gesetzt ist. Sein Haupeargnmenr ist: unsere Länder waren vormals Meeresgrund, und find eS jetzt nicht mehr, also muß daö Meer nothwendig abgenommen haben.^Maecrisr ste-crixkioi» üs I'Lzvxra etc. a la Laxe 1740. r. II. ») Gesch. des Reichs Schweden, r V- S. 42. und Vorrede «um 2 Bande. S. 4. u. f. ») Abhandlungen der Schwer. Ackd. vom 2- -74;- e) Linve»itat»s »c-stam. V«I. H. i>.'4«t- Zr8 Fünfte -Abth. Erster Abschnitt. res entdeckt zu haben, und glaubte dadurch beweisen zu kön- nen, daß eine solche 2kbnahme des Wassers, nach den Gesetzen der Natur, nothwendig erfolgen müsse. Diese Meinung ist aber nicht ohne Gegner geblichen, und es sind für beide Theile wirklich Gründe vorhanden. Es lassen sich Orte in Menge anführen, wo der Ocean allmählich das Land verlassen, oder wo dieses die See nach und nach verdrängt hat, und, noch immer mehr in der Ausdehnung gewinnt: dagegen giebt es aber viele Stellen, wo das Meer dem Lande Abbruch gethan hat. Der Gegenstand verdient eine nähere Beleuchtung. Von dem Zurücktreten des Meeres giebt es Spuren in großer Anzahl. Mehrere Städte, die bei ihrer ersten Anlage am Meere standen, entfernte die Folgezeit davon; das Fahrwasser ist hin und wieder seicht, und an mehreren Stellen zu dieser Absicht unbrauchbar geworden. Klippen, die vormals unter Wasser standen, sind nach und nach über seine Fläche zum Vorschein gekommen, und erheben sich noch mehr. Gestade, wo man vor wenigen Zähren kaum einzelne Steine über dem Wasser entdeckte, sind jetzt fast ganz trocken f vormalige Sandbänke im Meere sind an vielen Orten in fruchtbares Erdreich umgeschaffen, wcitgestreckrc Strandufer sind trocken geworden, und man ärntet nun da, wo sonst Fischerei getrieben wurde. Körper, die dem Meere eigenthümlich sind, als Schaalgehäuse, ferner Ancker und anderes Schiffgeräthe liegen außer dem Gebiete des Meeres. Dies sind Thatsachen, welche nicht bestricken werden können. Merkmale dieser Ereignisse hat man besonders an der Ostsee wahrgenommen. Varenius schon behauptet, daß das Wasser hier in beständigem Abnehmen sey, und daß Preussen vormals nicht so hoch über seiner Flache hervorgeragt habe, als jetzt. Dalin will ausgerechnet haben, daß die Ostsee seit Christi Geburt an dreizehen Klafter in senk- Aon dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. Z19 rechter Linie gesunken sey. Er seHt die jährliche Abnahme des Wassers noch auf keinen halben Zoll, und folgert dar- aus, daß Schweden in den ältesten Zeiten gar nicht habe bewohnt werden können, indem es ganz unter Wasser gestanden, und höchstens nur die Gipfel seiner Berge über dasselbe hervorgeragt hatten. Mit ihm stimmt Celsius in der Hauptsache überein, indem er annimmt, daß das Wasser in diesem Raume, innerhalb eines Jahrhunderts, etwa fünf und vierzig geometrische Zolle sinke. Er merkt dabei an, daß Haftn, deren Ufer nicht steil sind, und nicht von tiefem Wasser zeugen, allmählig seichter geworden wären; daß Oer- ter am Bothnischen Meerbusen, welche jetzt ziemlich tief im Lande liegen, noch den Namen Sund führen, welchen jsie damals erhielten, als sie am Ufer angeleget wurden, und zieht daraus die Schlußfolge, daß das Fahrwasser, welches jetzt hier selten tiefer ist, als zwanzig bis dreißig Klafter bei fortdauernder Abnahme sich zuletzt gauz verlieren müsse. Dieser Meinung ist auch Pontoppidan *), welcher das Sinken des Wassers besonders an den Dänischen Küsten wahrgenommen haben will. Algarotti sucht dies ebenfalls zu beweisen. Man hat an verschiedenen Stellen in diesem Meere in Felsen Zeichen eingegraben, um danach das Verhalten des Wassers bei seiner Abnahme zu beurtheilen. Dergleichen befinden sich nun bei Ratam unter dem 6-s Gr. N. Dr- im Bothnischen Meerbusen vom Jahre 17^9, i 7 ? 4 '- bei Sto- re-Nebb, einer Felseninsel ziemlich weit in die See hinein, nicht fern von der Sradt Piteo vom I. 1751; bei Wargö, einige Meilen von der Stadt Wasa vom I. bei Löfgrundet, anderthalb Meilen von Gefle vom Zähre 1731. Im Jahre 1733 sah man diese Zeichen nach, NaturMori^e von Dännemark. S. 86- u. f. 2) I srkiLL LNI Is Liirri» rrsä. ä» I ltul. 1769. Dekt. >L. Z20 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. und es fand sich, daß bei Ratam sich die Mittelhöhe der Meeresfläche, in einer Zeit von sechs und dreißig Jahren, siebenzehn Zolle, und während der letzten eilf Jahre fünf und einen halben Zoll vermindert habe. Bei Rebb war die Senkung, nach Verlauf von vier und dreißig Jahren, sie- bei,zehn Zolle, bei Wargö, in dreißig Jahren, vierzehen und einen halben Zoll, und bei Löfgrundet, in vier und fünfzig Jahren, neun und zwanzig Zolle Hiernächst beruft man sich auf einige alte Seecharten der Venetianer, auf welchen der Ostsee ein weit größerer Umfang gegeben wird, als sie genwartig hat. Hierzu kommt noch, daß Pässe zwischen den Schären, wo vor fünfzig Iah/ ren große Fahrzeuge durchgegangen, jetzt nur kleineren Booten den Eingang verstatten, und daß in dem Meerbusen von Fielbaka, wo man bei Menschengedenken noch mit Kähnen herumfuhr, jetzt Gras gewonnen wird. Von einigen Städten Lüpplands weiß man, daß sie in vorigen Zeiten eine bequeme Einfahrt für Schiffe gehabt haben, ob sie gleich jetzt drei bis viertausend Schritte vom Meere entfernt liegen, und in Helsingör stehen Eisenhämmer und Oefen an Orten, die vor achtzig Jahren vom Meere überschwemmt gewesen sind -). Als einen Beweis, daß das Meer sich von den Küsten Preussens entferne, führt man eine alte Tradition an, wonach dieses Land in den ältesten Zeiten vom Meere ganz bedeckt gewesen sey, und zeuge hievon noch der Bernstein, den man auf zwanzig und mehrere Meilen davon findet. Hart- knoch erzählt, es sey zu seiner Zeit eine allgemeine Sage gewe- r) Nordenancker a.'a. O. S. 9- u f. ») Hannovrische nützliche Sammlungen vom I. 175S. Neues Hamburg!» scheS Maga,in. z B- -5- Stück. Oelrich'ö histor. geogr. Nachrichten von Pommern. Berlin 1771. S. 7». und Zusätze S. rr- Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. Zsr gewesen, daß das Meer vormals bis Culm gereichet habe. Die Stadt Danzig soll vor einigen Jahrhunderten der Ostsee so nahe gestanden haben, daß sie vor Ueberschwemmun- gen nicht sicher gewesen. Auch soll hierin der Grund liegen, daß das Wasser im Weichselstrome von Jahr .zu Jahr seich, ter wird. Aehnliche Erscheinungen liefern uns auch andere Meere. In der Nordsee erhalten einige Provinzen mir jedem Jahre einen Gewinn am Lande. Zwischen den Küsten von Nor, folk in England und von Seeland sieht man jetzt eine Sandbank, an einer Stelle, wo sich die Fluthen des Teutsche» und Französischen Meeres begegnen, und es ist wahrscheinlich, daß diese Bank mit der Zeit zu einer völligen Landenge werden wird *). Der Hafen Hith in der Provinz Kent ist, der Mühe ungeachtet, die man an seine Erhaltung gewendet, dennoch ausgefüllt; man findet daselbst Schaalenge- hause unter einer Decke von Schlamm und Erde, worauf jetzt Vieh weidet. Astruc -) meldet, und andere Schriftsteller bestätigen es, daß das Meer sich seit langer Zeit von der östlichen Küste Languedoes, zwischen der Stadt Agde und der Mündung der Rhone allmahlig entferne. Man weiß, daß Ludwig der heilige, in den Heereszügen nach Egypten und Tunis, sich mit seinem Heere zu Aiguemortes einschiffte^ welches damals ein berühmter Hafen war, ein Ort, welcher jetzt eine Stunde vom Meerv entlegen ist. Psalnodie, noch tiefer im Lande belegen, stand auch am Ufer des Meeres. Der ganze Strich Landes von Pisa nach Livorno, die Stelle mit eingerechnet, woraus dir Stadt erbauet ist, besteht aus einem schlammigen Secstrande, von dem man einen Theil urbar gemacht hat. Die Hügel und Anhöhen, welche östlich „ach diesem Ufer liegen, sind Am I *) ^dilos. 1'rans^et. abriäA. Vol. IV, Qlsmoire» ä» 1'^eaäsm. äs Läoutx». x. r. L Z22 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. Häufungen von Erde und Schaalcngehäusen, woran sich ihre Entstehung sofort erkennen läßt. Das Meer ist auch hier zurückgewichen, und 'hat überall Seeerzeugnisse nachgelassen *). Niebuhr fand, auf seiner ganzen Arabischen Reise, daß das Wasser sich zurück gezogen hatte, und glaubt daraus folgern zu können, daß der Arabische Meerbusen vormals eine weitere Ausdehnung gehabt habe. Besonders verdienen die Küsten des glücklichen Arabiens angemerkt zu werden. Sie sind sehr unfruchtbar. Auf iZ bis 16 Meilen vorn Ufer erhebt sich das Land bis an den Fuß der Gebirge. Hier verändert sich der Schauplatz plötzlich aus einer sandigen Wüste in einen fruchtbaren Boden. Dort findet man viele Schaalgehäuse u. a. Produkte des Meeres, welche Jahrhunderte da gelegen zu haben scheinen. Wenn man nun noch das Abschüssige des Bodens dazu nimmt, so wird es wahrscheinlich, daß dieses Land aus dem Meere angewachsen sey. Das senkrechte Ufer der gegen über liegenden Küste von 'Afrika, wo das Wasser in gleichem Verhältniß zugenommen haben mag, bestärkt den Beweis für diese Meinung Nach dem Zeugnisse mehrerer Schriftsteller lag Dämmte in Egypten noch tm Jahre 1247 an einem Haftn, und ist jetzt an zehen Meilen weit vom Meere entfernt. So ist auch die Znsel Pharus durch den Nil mit dem festen Lande verbunden worden. Das Meer bei Navenna ist fast auf eine Teutsche Meile zurück gewichen, und der ehemalige Haftn m einen fruchtbaren Boden verwandelt. Ein Thurm, welchen Pabst Pius V bei der Mündung der Tiber am Ufer des Meeres bauen ließ., war noch vor 145 Jahren an Gorani Nachrichten von Italien, a. d- Fr, ; Th. Kölln 17W. s- S. 98- Jrwiu's Begeben-, einer Reise :c. ans dem Englischen. Leip;. 17L-- S. 17. Don dem Weltmeere überhaupt, seiner Große rc. 525 tausend Schritte davon entfernt. Nach glaubwürdigen Nachrichten zeigen sich bei Gibraltar sichtbare Spuren, daß das Meer auch da abnehme und die Ufer sich erhöhen. Kalm meldet, daß auch in Amerika Merkmale eines abnehmenden Meeres gefunden werden, und daß sogar bei den Jndiern die Sage gehe, daß das Meer vor vielen Menschenaltern Gegenden beherrschet habe, die jetzt an -hundert Englische Meilen von seinem Gebiete entfernt sind. Längs den Küsten des Eismeeres findet man in einer Höhe, welche jetzt weder von der Fluth noch von den Meereswellen erreichet werden kann, Baumstämme, die das Wasser vormals ans Land geworfen hatte: ja man traf einst ein Fahrzeug im Lande, fünf Werste vom Ufer, westwärts der Mündung des Lena an Von der Südsee erwähnt Förster eines Umstandes, der auch hier die Abnahme des Wassers scheinbar macht. Man kennt die Würmer in den Litophyten, die fast überall im Meere, vorzüglich aber in der Südsee, ihre wunderbare Gehäuse von steiniger Substanz erbauen. Diese.sogenannte Korallfelsen sind gewöhnlich auf dem Boden des Meeres schmal, und stehen gleichsam auf einem Stiele, breiten sich aber oben dergestalt aus, daß Felsen dieser Art, welche bis sunfzehen Fuß hoch und am Stamme kaum drei Fuß dick sind, oben achtzehen Fuß im Durchmesser haben. Die Thiere, welche den Ban aufführen, können außerhalb des Wassers nicht leben: daher wird er nie über die Fläche des Wassers fortgesetzt. Gleichwohl fand Herr Forstsr, auf dem Riffe, welches das Turtle-EhlandS einschließt, einige Lithophyten von erwähnter Größe, die völlig über dem Was- Beschreib, einer Reise nach dem nördlichen Amerika, a. d. Schweb. L Th. S- 162. . ') Müller's Samml. Rassisch. Geschieht. Bemerkungen. S. isz, X 2 3-4 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. ser standen, uyd worauf man, außer dem Gebiete der Mee- resfluth, bereits einen Anfang der Vegetation erblickte. Dir Hälfte der Zusein, mit ihren Waldungen und Wohnungen, müste zugleich mit überschwemmt werden, wenn die Fluth jene Felsen erreichen sollte. Diese Beispiele, deren Verzeichniß man noch um vieles vergrößern könnte, beweisen nun allerdings, daß sich das Meer in einigen Gegenden zurück gezogen habe, ünd niedriger geworden sey: daß es aber auch Eroberungen mache, und nun Stellen einnehme, die verwais über seine Fläche hervorgeraget haben, davon giebt es ebenfalls unbezweifelte Erfahrungen. Schon die Ostsee stellt hierüber Zeugnisse auf. Man weiß, daß das Wasser hier nicht auf allen Seiten zurück tritt, sondern daß auf der Südseite derselben das Land wirklich verliert. Pommern hat durch den Anwachs des Wassers an seinen Küsten beträchtliche Verwüstungen erlitten. Die Insel Rügen ist vormals größer gewesen, und hat mit dem festen Lande zusammen gehangen, aber durch das heftige Andringen des Wassers, eine starke Verminderung erfahren. Sie verlor im Jahre iZoZ ein großes Stück Land, wodurch zwischen ihr und der Insel Rüden ein Zwi- schcnraum von anderthalb Meilen entstanden ist. So soll eine vormals berühmte Stadt Vineta, auf einer Insel längs den drei Ausflüssen der Oder belegen, im achten oder neunten Jahrhunderte, mit einem ansehnlichen Stücke Landes vom Meere verschlungen worden seyn *). Noch jetzt sind manche Gegenden an der Küste nicht außer Gefahr, von dem Meere, über dessen Spiegel sie nur wenig hervorragen, *) B'isching'S Magazin für dir Historie und Geographie, vm xy. S. Z 87 biS 448. Hr. O. L. R. Zöllner in seiner Reise nach der Insel Rügen Berl. -797- 8 . S. 464 bis 427 . hak erwiesen, daß eine solch« Sradr nie existirt habe; folglich der angegebene Untergang eine ' dloß« Erdichlung sey. Von dem Weltmeere überhaupt, feiner Größe rc. §25 — ---- - * verwüstet zu werden, wie denn die Insel Wollin nicht selten in Wassersnoth geräth. Hr. Zöllner*) erzählt von einem Hause, welches seit Menschengedenken durch die Macht der - Wellen zweimal weiter landeinwärts gedrängt worden sey. Die See thürmte vor ihm einen großen Sandhügel auf, welcher van Zeit zu Zeit nicht nur höher ward, sondern auch nach dem Lande immer »Leiter zurüch trat. Er näherte sich dem Hause immer mehr, und am Ende ward diese« von dem anschwellenden Sande zusammen gedrückt. Dasjenige, was man in Preussen wahrgenommen haben will, das Sinken des Wassers an den dasigen Küsten zu be- stätigcn, giebt in dieser Hinsicht keinen Beweis ab. Wenn sich jene Tradition nicht etwa auf eine Hauptrevolution - des Erdballs bezieht, so gehört sie gewiß zu den fabelhaften Ueberlieferungen: denn daß dieses Land bereits seit zweitau- send Jahren bewohnt gewesen, ist ausgemacht, weil schon damals an den nemlichen Orten, als jetzt, Bernstein gesammelt wurde. Die verminderte Tiefe des Weichselstroms ist ganz anderen Ursachen zuzuschreiben. Er war ehemals nicht so breit als gegenwärtig, dagegen aber tiefer, und im Stande, große und schwer beladenc Schiffe zu tragen. Sein reißendes Wasser hat sich nach und nach auf beiden Seiten mehr Raum verschafft, und durch die abgerissene Erde das Bette des Flusses von Zeit zu Zeit erhöht, wodurch es seicht und »«schiffbar geworden ist. Eine andere Schwierigkeit, das Fallen des Wassers in der Ostsee aus dieser Seite mit der Erfahrung zu reimen, zeigt sich, wenn man den Ausfluß der Weichsel und aller übrigen in dieses Meer sich ergießenden Flüsse, mit einiger Aufmerksamkeit betrachtet. Bringt man gleich nicht in Altschlag, daß sie, besonders bei starken Regengüssen und Schneeschmelzungen, viel Sand, Schlamm und andere Ma- 0, a. O. S. ZsS Fünfte Abkh. Erster Abschnitt. terien ins Meer führen, und also dessen Boden allmählich erhöhen; so wüsten sie, wenn das Wasser, wie man glaubt, so sehr abgenommen hätte, sich in ein lnehrere Fuß tiefes Meer hinab stürzen, welches aber nirgends der Fall ist. Heftige Sturmwinde, welche diesen Strömen die Meeres, wellen entgegen treiben, halten noch jetzt das Wasser dersel- ben so auf, daß sie genöthigt werden, sich über die Ufer zu ergießen. Auch haben sich diese Flüsse in ihr jBette nicht tiefer eingeschnittcn, weil ihre Gestade nicht höher geworden find. Uebrigens ist die.Richtigkeit jener Venctianischen See- charte» noch sehr zu bezweifeln, und auf ihre Bestimmung , der Größe des Baltischen Meeres wenig zu bauen. So hat man auch Erfahrungen, daß im mittelländischen Meere an verschiedenen Stellen die Höhe des Wassers - wachse. Von dem Abriatischcn Meere wird besonders ge- meldet, daß es sich an den Küsten DalmatienS augenscheinlich erhöhe, und weiter um sich.greife. Man wird in manchen Gegenden an denselben Reste ehemaliger Gebäude im Wasser gewahr. Auch in Venedig ist dieser Anwuchs merklich. Zendrini bezeugt schon, daß man den MarkusPlah habe erhöhen müssen, damit er nicht zur Flnthzeit Überschwemmungen bloßgestellt sey, auch daß die marmornen Stufen beim Pallaste St. Markus, welche im Anfange des sechzehnten Jahrhunderts, zur Bequemlichkeit der Schiffah- renden, angeleget worden, zur Zeit der Fluth einen Fuß tief unter Wasser-stehen. Manfredi fand, daß die Fußböden der drei Kirchen zu Navenna, welche etwa vor zwölfhunderc Zahlen, erbauet worden sind, acht Zolle tief unter der Oberfläche des fluchenden Meeres lagen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß sie bei ihrer ersten Anlage so gestanden, sondern alle Vermuthung da, daß sich das Wasser hier erhöhet habe, wo nicht etwa jene gesunken sind. .In diesem Falle be- l finden sich auch die Ufer von Crain, wo immer mehr Land j vom Meere erobert wird. Maillet'ö Beobachtungen, in Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. Z27 Alexandrien gemacht, bestätigen das nemliche, und auf diese Weise scheint das ehemalige Carthago durch das Meer zu Grunde gerichtet zu seyn H. Von der Nordsee behauptet Pontoppidan -) ausdrücklich, daß das Wasser derselben die Dänischen Küsten allmählich angreife, und sie besonders da, wo sie steil und hoch sind, nach und nach aushole, so daß sie endlich zusammen stürzten. So verliert Zütland an der Seite dieses Meeres immer etwas von seinem Gestade, vornemlich an solchen Stellen, wo es nicht von den Dünen und Sandhügeln beschützt wird. Dies ist nun bei Ryssenstein sehr merklich, wo der Borberg, dem Ansehen nach, schon die Hälfte verloren hat, und immer mehr einbüßt. Die Insel Godwin in England, hat das Meer vom Lande abgespült, und sie steht jetzt unter, Wasser -). Die Bewohner von Ccilan sagen, daß diese Znjel durch einen Einbruch des Oceans von der Halbinsel Zndien getrennt sey; daß die Insel Sumatra von Malacca abgerissen worden, scheint die zwischen beiden befindliche Menge von Klippen und Sandbänken zu verrathen. Was folgt nun aus allen diesen Erfahrungen und Thatsachen, deren Richtigkeit man nicht bezweifeln kann? Glwiß so viel, daß uns nichts berechtige, eine gänzliche Verminderung des Wasservorraths aus dem Erdboden anzunehmen. Um diese darzuthun, müste man das ganze Verhältniß des Landes, dessen sich das Wasser bemächtigt hat, so wie desjenigen, welches trocken geworden ist, die Tiefe des Meeres und die Figur seines Bodens genau kennen. Dies allein würde uns in den Stand setzen, die Räume zu vergleichen, Bruce von Kinnaird Reisen jur Entdeckung deS MlL a. d. Engt. «.Volkmann. 1 Lh. S- 20. der Einl. Namrg. «on Dänueniark. 3) ki>il. adriäx. Vol. IV. Z2F Fünfte Abth. . Erster Abschnitt. welche das Wasser in den verschiedenen Zeiten eingenommen hat. Aber wie ist solches möglich? Mit einer weit größer» Wahrscheinlichkeit kann man eine Verrückung des Wassers annehmen, bei welcher seine Menge die nemliche bleibt, und wo dem Wasser das auf der einen Seite entzogen wird, was das Land auf der andern verliert *). Für jene Wasser- Verminderung scheinen doch die Korallfelsen in der Südsee, so wie jene in den Felsen eingegrabene Merkmale hauptsächlich zu sprechen. Was jene betrifft, so können solche wohl mit den anliegenden Eylanden, durch unterirdisches Feuer bei Erderschüt- temngen, empor gehoben seyn: eine Erklarungsart, welche jedoch auf diese nicht anwendbar ist, da die nördlichen Gegenden keine Spur von dergleichen Feuer zeigen. Ucberdies müste die Erhebung derselben unter Umständen geschehen, welche die Ursach nicht leicht verkennen lassen. Sie müste gewaltsam und schnell erfolgen, nicht aber nach und nach und »»merklich. Es ist auch nicht glaublich, daß solche fest angewurzelte Felsen, gleich Steinen von geringerer Masse, durch das Eis gehoben seyn sollten. Wenn in der Stellung derselben irgend eine Veränderung vorgehen kann, so würde sie vielmehr in einem Sinken bestehen; aber auch angenommen, daß die Ostsee von Jahr zu Jahr in ihrer Fläche niedriger werde, so folgt daraus noch keine Wasserabnahme für den ganzen Ocean- Wenn bei einer Verrückung des Wassers die Abnahme desselben das eine, der Anwachs aber das andere Meer allein träfen, so ließe sich hicvon wohl ein Grund gedenken; schwieriger ist es aber, zu erklären, wie es zugehet, daß bei einem *) Oll Laxlacemenk äcs merz. Scnxve 1788. 8 . Zn dieser kleinen Schrift werden mehrere Ursachen vorgetragen, weiche den Stand des MeereS in den verschiedenen Gegenden erhölien oder erniedrigen, »osier Ovsvrrarioirs Liir la xUxsiiieea, srrr 1'klsroire narrireUe ietc. » ka- i>r. 4. XI-'. p. 4gg. , Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. 529 — - _ und demselben Meere Landvermehrung und höherer Wasser- stand zugleich wahrgenommen wird, wie das besonders bei dem mittelländischen Meere der Fall ist. Es scheint jedoch, daß die Beschaffenheit der Ufer hierzu Veranlassung giebt. Erhöhungen des Meeresbodens werden nur da statt finden können, wo die Ufer flach und niedrig sind. Hier kann das Wasser seine fremden Theile ruhiger absetzen, als an den hohen Küsten, wo es tiefer und ungestümer ist. Dadurch nun, daß das Wasser auf der einen Seite weggedrängt wird, muß es an einer andern steigen. Es^ist Hiebei zu merken, daß das Wasser eines Meeres wohl abnehmen kann, ohne zugleich an seiner Oberfläche zu sinken: so kann auch die Größe der Wafferverminderung aus dem Sinken der Oberfläche allein nicht geschlossen werden. Es sey O. L. v. (Fig. i.) der Meeresgrund, in welchem das Wasser nach einem gewissen Abnahme-Gesetz, an einer unbeweglichen Klippe V. von O. nach L. fallen sollte: daß aber während solcher Zeit der Boden des Meeres durch dasjenige, was die Flüsse absehen, oder andere Ausfüllungen dergestalt erhöhet werde, daß O. L. O. O. 1.. mit O. A. v. gleich werden, so muß die Fläche des Wassers bei O. stehen bleiben. Dies kann nun an vielen Orten statt finden. Die Flüsse führen jährlich eine große Menge erdiger Theile ins Meer, und es wird von Zeit zu Zeit eine unbeschreibliche Menge Schaalengehäuse, Korallen u. s. w. auf dem Boden abgesetzt. Wo lassen nun die Vertheidiger der Wafferverminderung die Theile des Wassers, welche.für den Erdboden verloren gehen? Einige glauben, daß die Waffertheile, indem sie durch die Ausdünstung emporsteigen, endlich die höchsten Stellen der Atmosphäre erreichten, und von da in die At- mcsphären anderer Weltkörpcr übergingen: andere nehmen eine Verwandelung des Wassers in feste Theile an *). ') S. ob«» S. 48. ff, 33» Fünfte Abth. Erster Abschnitt. Die Lehre von der Wasserverminderung scheint den meh- resten Naturforschern mit der weisen Einrichtung des Schöpfers im Widersprüche zu stehen. Wenn durch die Ausdünstung des Meeres Theile verschwinden, so können es nur die reinern seyn. Das Salz müste zurück bleiben, und dieSal- zigkeit des Meeres dadurch von Jahr zu Jahr verstärkt werden. Die Fische und andere Seethiere würden sich bald in einer Flüssigkeit befinden, die ihren Bedürfnissen nicht mehr angemessen wäre, und die Folge davon würde ihr Untergang seyn. Regen und Thau müste n aufhören; das Meer würde zuletzt in Kristalle anschießen, und der Erdboden in eine Wüste verwandelt werden, wenn nicht etwa nach New ton'6 Theorie ein Komet die Erde wieder mit einem neuen Was- servorrath versorgte, oder, bei der Verwandelung des Wassers in feste Körper, eben so viel Erde jährlich zu Wasser würde. Diesem könnte man nun zwar entgegen sehen, daß bei der Ausdünstung des Meerwassers nicht bloß die reinen Wassertheile davon gehen, wie etwa in einem Destillirgefä- ße; sondern daß auch durch Stürme und Winde substantielle fixe und flüchtige Salztheile mit fortgerissen werden: allein durch diese Operation der Natur würde doch immer ein gewisser Antheil des reinen Wassers für das Meer vernichtet werden, mithin seine Summe sich vermindern, und da dieser Verlust auch auf die Sttöme und Flüsse der Erde einen Einfluß haben würde, so erhielte der Ocean immer weniger Wasser, als er verliert I. Der ganze Inbegriff des Wassers, worin das feste Land und die Inseln liegen, heißt das Weltmeer, der-Ocean. *) Bergmann'S phys. Erdb. 2 B. S.211. ff. BrowalliuS historische und physikalische Untersuchung dbr vorgegebenen Verminderung des Wassers und Vergrößerung der Erde. a. d. Schwer, von Klein. Stockholm. 1756. 0: PisanSki Bemerkungen über die Ostsee, besonders an den Küsten von Preussen- KönigSb. in Pr. 1732. 8 - S. 21. ff. Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. zzi Meere nennt man insbesondere diejenigen Theile desselben, welche unmittelbar das Land berühren, und von ihm zum Theil eingeschlossen werden, auch von ihm öfters den Namen führen, als das Teutsche, Spanische Meer. Mit diesem wird im gemeinen Leben häufig das Wort See verwechselt, und eins für das andere genommen. So sagt man: die Südsee, das Südmeer, die mittelländische See, das mittelländische Meer. Die Nordsee, die Ostsee kennt man nur unter die? sen Namen, und unter dem Nordmeere versteht man insgemein den Theil des Oceans, welcher sich über diesem etwa bis zum,gc> Gr. N Br. erstreckt. Bei einigen ist das Wort See gar nicht üblich, als das schwarze, rothe, Adriatische Meer. Wenn das Meer durch kleine Oeffnungen in das Land dringt, so daß es sich hierauf wieder erweitert, so nennt man jene Oeffnungen Meer engen, und in der Schiffersprache Straßen, die Meere hingegen mittelländische Meere. Jene verbinden auch öfters Hauptmeere mit einander. Meerbusen, Baye, Golf.e *) sind solche Stellen, wo das Wasser in das Land dringt, ohne Engen zu passiren. Man verwechselt nicht selten den Ausdruck, mittelländisches Meer und Meerbusen. Dies geschieht unter andern von VareniuS und Lulof's, welche die mittelländische Meere längliche, die eigentlichen Golfe aber breite Meerbusen nennen. Die Meerbusen haben eine weite Mündung, als z. B. der Biscaische, Bothnische, Genuesische Meerbusen. Von den mittelländischen Meeren haben einige an den Bewegungen der Ebbe und Fluth unmittelbaren An- ») Sinns. Varenin> sagt: Sinus In xroprio loyuerulo terrae sinus snnt non ücesni ^ seä 2>Otius OOOclni kraclliu, r-'tmi er xrocurren- tes x-ntes. ^ro^rrie ^vssumus sluus oevAiri, uki in so xeninsnlas teirae. Veinin utus IvHuenäi dbrinuit. I. o. 1». 332 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. theil, als z. V. das mittelländische, andere nicht, als die Ostsee. Hafen überhaupt heißt ein Ort am Meere, wo Schiffe in Sicherheit liegen, und ihre Ladungen absehen und neue einnehmen können: insbesondere nennt man so eine Bucht, wo die Schiffe bequem vor Anker liegen, ohne von Winden beunruhigt zu werden. Die Erfordernisse eines guten Hafens bestehen darin, daß die Schisse ohne Schwierigkeit ein- und auölausen können; daß er eine hinlängliche Tiefe und festen Ankergrund habe, vor den gefährlichsten Winden, besonders Sturmwinden, sicher fty, und zum Ein- und Auslaufen der Schiffe bequem liege. Diese Eigenschaften sind nnn gewissen Häfen entweder alle, oder nur zum Theil, von der Natur gegeben worden. In Europa findet man keine Seeküste, welche mehr 'vortreffliche Stellen, Flotten in sich zu fassen, auszuweisen hatte, als die Englandische. Sie hat überall eine so günstige Lage, daß man fast immer sichere Zufluchtsorte und so gute natürliche Häfen findet, daß weiter nichts nöthig ist, als die Anlegung einiger Bakterien. An den Küsten der neuen Welt findet man insbesondere schöne Häfen. In anderen Gegenden fehlen sie dagegen ganz. So trifft man längs deö Gestades der Halbinsel Indien, vom Ganges an bis zur Insel Selon in der Lange von zweihundert Meilen keinen Hafen an, woran die Gewalt Schuld ist, welche das Meer unabläßig gegen diese östliche Küste ausübt. Man will überhaupt bemerkt haben, daß wenn man die verschiedenen Hafen an allen Meerufern durchgeht, die Zahl derselben auf den Westküsten die gröste sey, vorzüglich in den Indischen Meeren I. Burnet -) giebt die Sammlung des Wassers, welche ?) Krünitz ökonom. Encyclopädie. 21 Band. S. 1. und ss- Gcnril in den neucu Saninil. von Rciscbeschreib. Hainb. 2 Ty. 1781. S. >66. 0) In 7 'eHtiris soor», origiiienr 6t nttltLtiones Aeneoales orUis »ostrt coiuxtecvens. -vmstel. 1794, 4. Lib. I. Cox 7. 8- Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. Zzz man Meer nennt, gröstentheils für zwecklos und unnütz aus. Wenn man auch -nicht in Betrachtung ziehen ivill, daß es zahllosen Heeren von Geschöpfen zum Aufenthalt dient, welche darin ihren Unterhait finden; so versorgt das Meer den trockenen Theil der Erde ununterbrochen mit einem reichlichen Vorrathe von süßem Wasser, und wer sieht nicht, daß, wenn das Wasser der Erde, welches doch endlich dem Meere zufließt, nicht wieder zurück käme, dieses seine Grenzen längst überschritten, und das Land verschlungen haben würde. Das Meer, welches ununterbrochen zur Entstehung der Dünste, Wolken, Gelegenheit giebt, scheint auch das wirksamste Mittel zu seyn, der zu großen Anhäufung des Kohlenstoffs vorzubeugen, welcher beim Athmen der Thiere, beim Verbrennen u. s. w. immer in so großer Menge in den Dunstkreis übergeht. Es saugt nemlich diesen Stoff immerfort ein, und befreit dadurch die Atmosphäre von einem Bestandtheile, der sie früher oder später zur Unterhaltung des Lebens der Thiere und anderen Absichten untauglich machen würde. Die scheinbar unverhältnißmäßige Größe des Oceans gegen das Land ist übrigens kein so Nachtheiliger und ungün, stiger Umstand für die Erdbewohner, als manche glauben mögen. Man stelle die Leichtigkeit der Wasserfahrten gegen die Beschwerlichkeiten und Hindernisse, welche von -den Landreisen gewöhnlich unzertrennlich sind, und man wird finden, daß die Länder durch die Gewässer mehr unter sich verbunden, als von einander getrennt sind. Die Gewalt, welche der Mensch über das Weltmeer erhalten, war im Anfange allgemeiner Nutzen, und niemand behauptete ein Recht auf ei» Element, welches für jeden geschaffen zu seyn schien. Das Meer stand jedem offen, bis zu den Zeiten Justinians. Einer seiner Nachfolger, Leo begnadigte alle diejenigen, welche an der Küste seiner Staa- 334 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. ten wohnten, mir dem Rechte, so weit ihr Besitz reichte, allein Fischfang treiben zu können. Der Thracische Dospho- rns war die erste Gegend des Meeres, welche auf diese Weise in gewisse Herrschaften getheilt war. Zn der Folge der Zeit hat es in Europa oft die grösten Kriege veranlaßt, wenn es darauf ankam, welche Nation auf dieses Element ein ausschließendes Recht ha^en sollte. So besaß der vorma- lige Freistaat Venedig das Adriatische Meer. Die Englän- der haben indeß säst allein einen weit ausgedehnten Besitz aller der Meere, welche England, Schottland und Jreland umgeben, und sie üben darauf eine fast uneingeschränkte Herrschaft aus. Jedermann weiß, daß der Flor dieser Nation fast allein auf der Oberherrschaft über das Meer beruht, so daß, wenn sie diese einmal verlieren sollte, dadurch zugleich ihr Wohlstand wankend gemacht werden würde. Zhr haben wir es auch zu verdanken, daß wir mit dem Meere jo bekannt sind. Die Häfen, Bayc, Strome, Untiefen sind vielleicht genauer und sorgfältiger untersucht worden, als selbst manche Gegenden des festen Landes. Das Weltmeer besitzt einen unerschöpflichen Verrath von lebenden Gejchöpfen; es enthält Pflanzen und Mineralien, wovon die mehresten von eigener Art sind. Fast jede Meeresküste wimmelt von theils bekannten, theils noch nicht gesehenen Thieren. Nur eine Summe anhaltender Beobachtungen, für jede derselben, könnte der bis jetzt mangelhaften Kenntniß davon einigermaßen abhelfen, und weil die Beispiele da, wo man den Anfang nn Beobachten gemacht, einen so außerordentlichen Reichthum an Bewohnern zeigen; so läßt sich daraus mit Recht auf das Ganze schließen. Der Ocean enthält aus mehr als einer Ursach einen größer» Vorrath von animalischen Produkten, als das Fand. Schon die Größe des Raums, den er einnimmt, übertrifft, wie wir wissen, bei weitem den Umfang des trockenen Lan- Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. Zzz des, und da sind alle Theile von der Oberfläche an bis zur untersten Tiefe zum Aufenthalt lebendiger Geschöpfe gleich geschickt, so daß man hier nicht, wie auf dem Lande, Himmelsstriche unterscheiden, und den Wohnplah der Thiere nicht nach dem Flächeninhalt schätzen darf. Hauptsächlich begünstigt die Temperatur die Bevölkerung im Meere. Die höchsten und niedrigsten Temperaturen, welche dle Atmosphäre angiebt, machen einen Abstand von mehr als iZo Graden Fahrenheit. Ob diese nun zwar eigentlich die Luft angehen, so wird doch der Erdboden selbst, wenn er einer fortdauernden Hitze und Kälte ausgesetzt ist, dadurch mit angegriffen. Wir haben Erfahrungen von dem tiefen Eindringen des Froste in die Erde, so wie auch von der Hitze. Adanson bezeugt, daß die Sonne den Sand von Senegal so sehr erhitze, daß man Eier darin sieden könne, und selbst in dem südlichen Siberien reißt die Hitze den Boden aus einander, so wie auch hier der Frost mehrere Fuß in die Erde eindringt. Das Meer hingegen ist weder einer so großen Hitze noch Kälte fähig. Beide gehen, wie wir wissen, nicht tief ein, und nirgends findet daselbst eine weit von einander abstehende Temperatur statt. Die äußersten Grade der Lustwärme finden sich von iog Graden über Null bis alif 126 Graden darunter; ein Abstand von 134 Graden. Das Meer hingegen zeigt nur 42 Grade Unterschied, nervlich vorn 26 bis zum 6Z Grade. So verhielre sich demnach die Größe der Abwechselung der Meeres-Temperatur zu der der Lust wie 23^: ^2 z. 56 : 1,00. oder der Bewohner der freien Lust wäre einer sechs- tehalb mahl so starken Veränderung der Temperatur ausgesetzt, als das Seethier. Wer einigermaßen den Werth des Unterschieds von Zehen und mehr Graden Thermometerhöhe kennt; wer dabei auf die Wirkung des Anhaltens und der Dauer größerer oder geringerer Wärme Rücksicht nimmt, der sieht schon hieraus 336 Fünfte Abkh. Erster Abschnitt. deutlich, daß die Seethiere viel bequemer zu allen Zeiten alle Theile des Oceans bewohnen können, als die Landthiere die verschiedenen Erdzonen. Hiebei kommt ihnen auch die Natur ihres Wohnorts selbst zu Hülfe. Das Thier auf dem § Lande kann, wenn es ihm irgendwo zu kalt oder zu heiß wird, sich nicht sogleich in solche Theile der Erde versetzen, welche eine seiner Natur angemessene Temperatur haben. Es müßte zu diesem Ende oftmals viele Meile» weit fortrücken, und hier stehen ihm Berge, Flüsse, Seen beständig im Wege. Ganz anders ist es mit dem Seethiere beschaffen. Dieses taucht in eben der Zone nur hundert Klafter tiefer, wenn etwa die Oberfläche des Meeres durch die äußere Luft zu sehr erwärmt oder erkaltet ist. Es kann daher das Meer an allen Orten gleich ansehnlich bevölkert seyn, und wirklich, so viel wir auch jetzt durch die Erfahrung wissen, so ist kein Strich desselben bekannt, der nicht eine Menge davon auszuweisen hätte. Die kalte Zone ernährt eben so viel Thiere, als die Gegenden, welche den senkrechten Strahlen der Sonne ausgejeht sind. Das Meer enthält eine große Menge von Thierarte» von außerordentlicher Größe und Kleinheit. Welch ein Abstand von dem Wallfische bis zu den leuchtenden Pünktchen und andern den »»bewaffneten Augen nicht sichtbare» Geschöpfen! Von den kleineren Thierarte» traf Hiil in den Blättern eines Meergrases rnicroscopische Insekten an, wel- j che den Rüssel in das Mark des Blatts senkten, um daselbst ' wohnende noch kleinere Thiere zu ihrer Nahrung aufzusuchen. Das Leuchten d?s Meerwassers rührt, wie wir wissen, zum Theil von Meergeschöpfen her. Baster zeigte nicht nur drei verschieden« Thierarten in einem Tropfen, son- -) Hainb. Magaz. XIX B. S. szr. r) Oxusc. »nd-eclv. 1°. i. Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. ZZ7 sondern entdeckte auch an einigen Sertularien zwölf verschiedene wunderbar gestaltete Geschöpfe. So gab das Meerwasser dem Rose I eben so viel Jnfusionsthiere, als das süße Wasser. Man steht gewöhnlich Austcrschaaleu und andere aus dem Meere hervorgeholte Körper mit vielen kleinen Schaalthiercn und Gewürmen besetzt. Zwischen den Stacheln der Seeigel leben wieder andere Thiere, und diese bleiben beständig an ihrem Orte. In sechs Unzen Meer- wassers fand Planeus bei Nimmt 6700 Ammonshörner, wovon 1Z0 einen Gran wogen. So sind auch die größeren Bewohner des Oceans in allen Theilen desselben in ungeheurer Menge vorhanden. Der Walisisch und andere, welche mehrentheils von viel kleineren Seethieren, oft von Gewürmen leben, finden sich unter allen Himmelsstrichen in allen Theilen des Oceans. Ihr Daseyn in den Meeren der nördlichen Polargegenden ist allgemein bekannt. Cook und Förster trafen davon eine Menge in Süden an, und Narborough °) machte schon vormals dön Schluß- daß die Gewässer um das südliche Amerika außerordentlich fischreich seyn müssen, weil die Zahl der hier lebenden Seelöwen, Seekälbcr, Penguinen, die sich alle von Fischen nähren, überaus groß ist. Auch bezeugt Vidaure 2), daß die Küstenmeere um Chili Wallsische hegen. Aber nicht bloß die kalte und gemäßigte Zone dient ihnen zum Aufenthalt wie z. B. das Japanische Meer, sondern selbst in der heißen findet man sie im Ueberfluß. Sie bewohnen die Gewässer des grünen Vorgebirges und »m Madagaskar: ja Pyrard I traf ihrer um Ceylon so viele r) VM!. „Lns. Vol. H , 7-7. Allgem. E«sch. der N. Th. XII. S. 57- O Geogr. und nakürl. Geschichte von Chiii. Hamb. i7Se. Vovcix. Vur. 1S70. I. x. zz;. 333. Fünfte Abth. Erster Abschnitt. an, daß sie den Schiffen kaum den Durchgang verstattetest/ Am Vorgebirge der guten Hoffnung sind sie nicht selten, und an den Küsten von Congo ist ihre Zahl so ansehnlich, daß die Bewohner derselben ordentlich auf ihren Fang aus- gehen. Noch reichlicher ist die Küste von Brasilien damit versehen. Nicht nur am Cap Augustin ist ein eingerichteter Fang, sondern die Portugiesen haben auch einen dergleichen nicht minder beträchtlichen unweit der Catharineninsel. Hier fing man jährlich an achthundert Walisische, und gesetzt, daß sie auch nicht alle eigentliche Wallfische gewesen sind, so waren eö doch ähnliche Thierarten, die ebenfalls fleischfressend sind, und einen ungeheuren Reichthum animalischer Wesen voraussetzen. Aus Bergen in Norwegen führt man in einem Jahre oftmals sechszehn Ladungen Dorschrogen aus -). Von ihnen gehen etwa sieben Körner auf einen Gran, also 40,320 auf ein Pfund, und auf ein Schiffpsund 11,289,606. Wie viele Schiffpfunde gehören aber nicht zu einer Ladung. Man fand in einer Makrele 546,631 Eier, und in einer Scholle 135,7400 So bezeugt Pallas daß der Rogen ei, nes einzigen Hausens oft zweihundert Pfund wöge. Da nun fünf Rogenköriier ungefähr einen Gran ausmachen, so enthält ein Pfund 28,0«), -und die Anlage zu 5 Millionen 760,000 Fischen. Tremarec H versichert sogar, daß man in einem Stockfische über eine Million Eier angetroffen ha- ! be. Die wäre es auch ohne diese unbegreifliche Fruchtbar- i kett wohl möglich, daß das Nordmeer allein 80 Französische Schiffe, von loo Tonnen ein jedes, und 200 Holländi- 1) Pontoppidan's Nak. Gesch. v. Norm. S. 27s. 2) vlitlos. riLN 5 Lcr. 1767. 2) Reisen, i Th. S- -AS- *) Allgem. Reifen. XXI. S. 05. Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. zgg sche — die der übrigen Nationen ungerechnet — mit Stockst, schen versehen könnte v). Von deb Bank von Terre neuve wird der gröste Theil Europens mit Stockfischen aller Art versorgt: und die Küsten desselben im gemäßigten Erdstriche haben von dem Thunfische ähnliche Vortheile. Die Sardelle u- a. geben je, nen an Reichthum nichts nach. Dos mann zählt eine große Verschiedenheit von Seefischen an den Guineischen Küsten, und bekannt sind die Schaaren der Bontren u. a. Seefische in den Wendekreisen. Eben so reich ist auch das Südmeer. Förster, ob er'gleich bei seiner Weltumseege- lung keine geschickten Fischer am Bord hatte, und sich da, bei an den mehrestcn Stellen nur kurze Zeit aufhielt, entdeckte dennoch vier und siebenzig völlig neue Arten Fische. Steiler und Krascheninikow rechnen ebenfalls für das Ochozkische Meer nicht nur viele neue Arten Fische, sondern auch Wallfische, Phoken und Seelöwen. Cook fand die Eisfelder zwischen Asien und Amerika mit letztem oft ganz bedeckt. Unter allen Fischgattungen scheint indeß der Hering die übrigen an Menge weit zu übertreffen. Nach einer mäßigen Berechnung haben die Menschen gewiß jährlich tausend Millionen seil mehreren Jahrhunderten getödtet, und gewiß werden eben so viel von den Thieren gefressen. In dem Norwegischen Kirchspiele Svanoe wurden im Jahre 17^8 in einer einzigen Bucht so viel Heringe gefangen, daß man achtzig Jachten damit anfüllen konnte. Zur Ladung einer Jacht werden hundert Tonnen erfordert, und eine Tonne enthält von den Norwegischen kleinen Heringen 1200 Stück/ Da nun nach Pontoppidan I wegen ihrer Menge eben so viel in der Ducht erstickt und umgekommen sind, so muß r)Lremarec a. a. O- a. a. O- S. -s-. § 2 34» Fünfte Abth. Erster Abschnitt. dieser Bezirk über neunzehen Millionen in sich gefaßt haben. Fabricius *) versichert, daß man au« einer einzigen mit dem Netze umspamtten Bucht manchmal Heringe für viele tausend Tonnen ausschiffte. Aus Bergen allein wurde» jährlich einige hundert Schiffsladungen davon ausgeführet, und im Jahre 175,2, in welchem der Fang nur mittelmäßig war, sind vorn Januar bis in den Oktober aus dieser Sradt n,oiZ Lasten oder 132,156 Tonnen verschifft worden. Rechnet man nun noch diejenigen hinzu, welche aus anderen Plätzen verschifft, ferner die, welche daseist verzehret, oder zum Köder für die übrigen Fische im Lande ver, brauchet werden; so kann gedachte Zahl gewiß mit drei vervielfältiget werden, wodurch eine Summe von 396,46g Tonnen heraus kommt, von solchen nemiich, die nur in diesem Lande gefangen werden. Die Holländer schicken jährlich tausend bis zwölfhundert Vüftn auf den Heringsfang aus, wovon auf jede gewöhnlich 25 Lasten gerechnet werden, und viele davon werden wohl zweimal damit angefüllt, wenn anders der erste Fang geschwind genung ans Land gebracht wird. Nimmt man nun an, daß nur tausend Düsen ausgehen, so fangen sie, den Brisen zu 25 Last, und jede Tonne, wovon 12 eine Last ausmachen, zu 1000 Heringen gerechnet, jährlich 624,060,000 Stück. In Schottland und Jreiand thut man den Heringen keinen geringern Abbruch: denn allein aus Clyde in Schottland werden jährlich auf Zo,ooo, und aus Parmouth 40,000 Tonnen verführet. Rechnet man nun noch dasjenige hinzu, was an den übrigen Küsten von Großbrittannien, Holland, Brabant u. s. w. gefangen wird, so kommt eine ungeheure Menge heraus. Ueberdies salzen die Franzosen etwa 60,000 Tonnen jährlich ein, und um und in der Chesapeak-Bay spülen die Ueberschwcmmunge» davon an das Land einen solchen Ueberfluß, daß, wenn sie ') Reise nach Norwegen. Hainb. >779. S. ago. oir dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. 34 l ^ hier in Faulniß gerathen, sie der Gesundheit der Einwohner nachtheilig werden. So sollen sie nach dem Job raub und Krascheninikow in Kamtschatka so häufig vorkommen, daß man daselbst nicht selten in einem Zuge für vier Tonnen fängt. Auch müssen diejenigen mit in Anschlag gebracht werden, welche die Ostsee in so reichem Maaße liefert. Zh- rer werden viele tausend Tonnen den Schweden und Dänen zu Theil, derer nicht zu gedenken, welche die Holstein- schen, Mecklenburgischen, Liefländischen u. a. Fischer fangen. Die Provinz Dohuslehn in Schweden ist seit langer Zeit her mit einem reichen Heringsfange gesegnet. Man kann im Durchschnitte rechnen, daß etwa 400,000 Tonnen frische Heringe jährlich zu Thran gebrannt werden. Ungefähr 200,000 werden eingcsalzen und geräuchert, und 16 bis 20,000 Tonnen frische Heringe werden theils an die Land- leute verkauft, theils nach Dannemark und Norwegen aus, geführt, so daß man mit ziemlicher Zuvcrläßigkeit z. B. den Fang von 1779 bis 1764 jährlich auf 600 bis 650,000 Ton, neu schätzen kann *). Man könnte leicht in Versuchung gerathen, zu glauben, daß das Meer, wegen seiner fast überall gleichförmigen Temperatur, nur eine geringe Abwechselung von Thierarten auf- stellen könne, und daß jede Art der Meerbewohner auch in jeder Zone anzutreffen sey. In der That liegt auch hierin eine von den Ursachen der ungeheuren Menge von Individuen, wodurch das Meer belebt wird; allein einige Arten scheinen doch gewissen Strichen des Meeres angewiesen zu seyn. So verlassen die Saugefische so wenig, als die meisten Doraden die wärmeren Zonen; so gehören einige Trichrerfische dem Chinesischen Meere:' dahingegen die Ostin- dischen Küsten-Meere unter gleichen Breiten von den Spie- *) Schriften der nanirf. Geselllch. in Berlin. V V. S. Z 7 -. Bloch's ökonomische Narurgesch. der Fische Deutschlands. I Lh. 4. .S. 196. ff. 34 - Fünfte Abth. Erster Abschnitt. gelfischen und Klippfischen, welche dort fehlen, bewohnt werden. Aber dies dient auch zu einem Zeugnisse, daß nicht allein die Meerestemperatur den Wohnplatz dieses oder jenes Thieres bestimmt, sondern auch die Nahrung und der Boden, auch beides zusammen. Daher hat unstreitig der diesseitige Theil der Ostsee Austern, welche dem entgegen gesetzten Schwedischen fehlen. So wird ein Fjsch, der fich von Insekten nährt, welche das Mcergras, den Tang bewohnen, nur dann an der Oberfläche sich sehen lassen, wenn dieses Gras, welches nun schon den Einfluß der Verschiedenheit der Atmosphäre fühlt, das Fortkommen seiner kleinen Bewohner begünstigt. Der Spritzfisch muß nur in Ostindien einheimisch seyn, weil sich da die Znsektenarten finden, welche er zu seiner Nahrung aus der Luft, durch einen Wasserstrahl, herunter schießt. Wenn wir zwischen der Bevölkerung auf dem Lande und in dem Meere eine Vergleichung anstellen, so erscheint jenes beinahe als eine Wüste. Es muß also hier die Haupt- ursach fehlen, weiche die Bevölkerung der Polargegenden hindert, und' in der heißen Zone befördert. Augenscheinlich ist solches dort die ungeheure Kälte. Zwischen dem 77 und 79 Grade N. Br., wo nach Cranz ') in zwei Monaten oft gegen zweitausend Wallfische gefangen werden, wie gering ist da die Anzahl der Landbewohner? Wo ist überhaupt einer der fünf Welttheile, der innerhalb so wenig Quadratmeilen so viel fleischfressende Ungeheuer hervorbrächte? Die großen Landrhiere, der Elephant, das Kameel, das Fluß- - Pferd, das Nashorn, das Pferd sind fruchtfressend. Die Niesenschlangen und Krokodile leben zwar von Thieren, allein von jenen giebt es nur wenig Individuen, und diese bewohnen eigentlich große Flüsse. Auch die Natur der Seethiere, in der Art, sich zu er- > *) Gesch. von Grönland. S. i44- Von dem Weltmeere überhaupt, seiner Größe rc. 345 nähren, vcrdienr hier in Betrachtung gezogen zu swerden. Da sie lebendige Geschöpfe zu ihrer Nahrung gebrauchen, und ihre Verdauungskräfte sehr schnell wirken, so sind sie gezwungen, sich in beständiger Thätigkeit zu erhalten, in steter Regsamkeit auf den Raub auszugehen, oder ihren Feinden auszuweichen. Die Landthiere sind mit ihnen hierin gar nicht zu vergleichen, da sie sich von weit wenigem Nach- siellern umgeben sehen. Die vierfüßigen Landthiere, selbst die großen Kahen- und Hundegeschlechter sind nur schläfrig. Ein Löwe, eine Hyäne ruhen nach genossenem Futter stundenlang, da selbst bei dem ruhenden und stillstehenden Fische, doch gewöhnlich die Flossen in Bewegung sind, und die Ruhe nur Minuten^ lang dauert. Es gehört unter die weisen Veranstaltungen der Natur, daß sie das Meer an allen Orten so außerordentlich bevölkerte. Zndem sie nemlich die meisten Seethiere fleischfressend schuf, so erwuchs daraus auf mehr als eine Art die Erhaltung des Ganzen. Nur einer wollen wir gedenken. Die ungeheure Menge der im Meere absterbenden Thierkörper würde ihm eine allgemeine Fäulniß bereiten, und es seine tödtende Luft über das Land verbreiten, und die Atmosphäre anstecken, wenn picht die ununterbrochene Regsamkeit der zahllosen Schaaren der Thiere mit dazu beitrüge, das Wasser in steter Bewegung zu erhalten. Hier herrscht ein ewiger Krieg. Das, auf Beute ausgehende Seethier wird weder durch Berge, noch durch die Verschiedenheiten der Climate gehindert, mit der ihm eigenen Schnelligkeit, von der Oberfläche in die Tiefe, von den Polen zum Aequa- tor, zu fahren. Es verschlingt den Raub, oder wird aridem zur Beute, mischt das wärmere Wasser mit dem kältern, das salzige mit dem minder gesalzenen Wasser. Aus den verzehrten Geschöpfen erzeugen sich neue Stoffe, neue Brüten ganzer Geschlechter; dem sterbenden Thiere bleibt keine 344 Fünfte Abth. Erster Abschnitt. Zeit zur Fäulniß, denn es geht schnell von einem Leben zu dem andern über *). Die' Gewächse und Pflanzen auf dem Boden des Meeres können in allen Zonen wachsen/ weil dasselbe nie bis auf den Grund gefriert oder erwärmt wird, und also fast allenthalben dieselbe Temperatur hat. Der Seetang, das Seegras (kucns nakans) findet sich sowohl unter dem Aequator, als an den beiden Polen. Unter der zahllosen Menge der Seegewächse sind viele überall anzutreffen; andere verlangen vielleicht ein mehr concentrirtcs Seewasser, oder einen besondern Boden. Die an den Ufern des Meeres wachsenden machen nur allein eine Ausnahme aus Ueberhaupt herrscht darin ein auffallender Unterschied, daß auf den Spitzen der höchsten Landberge alles felsig, öde und unfruchtbar ist, dahingegen die Gipfel der Seeberge fast immer bewachsen angetroffen werden. ' Zweiter Abschnitt. Becken des Meeres. g. Grund und Boden des Meeres. Decken ») des Meeres nennt man denjenigen Raum, in welchem das Meer auf allen Seiten eingeschlossen ist. Der untere Theil dieses Beckens heißt Grund und Boden, die Seiten werden Küsten, Ufer und Gestade genannt. i) Hr». von Zinnnermann'S geogr. G- rc. m V. S. 4>. ff,67. ff. -) Hrn. Willdenow'S Grundriß dir Kräuterknnde. -792. L- S- Z6Z. r) LLLsiii. IVIarsüi. Grund und Boden des Meeres. 345 Die eigentliche Beschaffenheit des Meeresbodens ist noch in ein Dunkel gehüllt, und wird uns, dem grösten Theile »ach, immer fremd bleiben, da hier genaue Untersuchungen nicht wohl tvöglich sind. Die Entdeckungen, welche wir darüber durch das Auge an den seichteren Stellen, durch die Wahrnehmungen der Seefahrer mit Hülfe des Senkbleies H und durch die Taucher erhalten haben, sind äußerst, unbedeutend, und geben uns keinen allgemeinen tteberblick. Hauptsächlich muß man sich Hiebei aus die Nachrichten der letzten verlassen, so wenig man auch auf ihre Zuverlaßigkeit rechnen kann ») Nach Kalm (Reise - Th. S. ;?,) erforschen die Seefahrer die Beschaf, fenheir des Meeresgrundes auf folgende Weise. Man klebt etwas Butter oder Talg unter daS unken ein wenig ausgeholte Senkblei, und zwar bedient man sich jenes gemeiniglich im Winter, und dieses im Sommer. Wenn daS Gewicht herabgelassen ist, so bleibt von den Materialien des Bodens dasjenige daran kleben, woraus man aus die Beschaffenheit desselben schließt. -) Die Taucher stürzen sich nackend in das Wasser, und werden cS gewohnt, ohne Athemzug einige Zeit unter seiner Fläche zu verweilen, oder sie bedienen sich der sogenannten Tauchersl ocke. In der großen Glocke dieser Art, welche Halley erfand, und die geräumig genung war, fünf Personen zu fassen, denen allen man frische Luft zuführen konnte, ist man fünfzig Faden tief gestiegen. Zn dieser Maschine, welche »om Mastbaume eines Schiffs herab gelassen wurde, konnte Halley, wenn das Meer stille war, und die Sonne darauf schien, vollkommen gut sehen, lesen, schreiben: wenn e§ aber unruhig ward, und sich trübte, befand er sich in einer solchen Finsterniß, Laß er genöthigt wurde, ein Licht anzuzünden. Unter den Tauchern, die sich vor, züglich merkwürdig gemacht, gab eS, nach dem Zeugniß des Kircher, einen ln Sicilien, weicher Nicolaus hieß, und zu den Zeiten deS Königs Friedrich lebte. Er hatte wegen seiner Geschicklichkeit im Schwimmen und dem Ausdauer» unter dem Wasser, den Namen Pescecvla, Fischnickel, erhalten. Dieser Mann war von Äugend auf der See gewohnt, und nährte sich von Austern und Fischen, die er roh aß, auch an die Bewohner der Küste verkaufte. Durch seine lange Bekanntschaft mit dem Meere, machte er eS endlich zu seinem eigenen Elements. Er brachte oft mehrere Tage im Wasser zu. Oft schwamm er von Sicilien nach Kalabrien, wohin er Briefe überbrachte. Eben so 346 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. Man nimmt gemeiniglich an, daß der Boden des Mee- res, sowohl seiner Gestalt nach, als auch in Ansehung sei» ner Materialien, mit dem festen Lande übereinkomme, und daß jener gewissermaßen als eine Fortsetzung von diesem zu betrachten sey. Gewiß ist es, daß er, wie der trockene Theil der Erdkugel, höhere und niedrigere Berge, fiächere und tie- fere Thaler auszuweisen hat, daß sich darauf Materialien von mancherlei Art befinden, daß er Gewächse und Pflane zen hervorbringt, welche freilich von eigener Art find. Dasjenige, was wir von den Materialien auf dem Bo, den des Meeres aus der Erfahrung wissen, ist von geringer Bedeutung. So viel lehrt sie uns, daß auch hier, so wie auf dem festen Lande, die Verschiedenheit der Stein- und fand man ihn nicht selten »wischen den Liparischen Inseln. Beide Mee» resgegenden sind als höchst gefährlich bekannt. Dieser so außerordentliche Mann konnte nun dem Könige nicht lange «erborgen bleiben, und er befahl, ihn zu sich zu führen. ES kostete in, deß nicht wenig Mühe, den Nicolaus aufzusinden, da er »ie meiste Zeit in den Liefen des Wassers «erlebte. Man fand ihn endlich, und brachte ihn vor den König. Dieser harte schon lange über die Veschas, senheit der Scylla undCharybdls etwas gewiffers zu erfahren gewünscht, und trug ihm daher auf, den Grund des Wafferwirbels zu untersuchen, und um denselben zu dieser Unternehmung desto geneigter zu machen, ließ er einen goldenen Becyer hinein werfen. NieolauS stürzte sich in den Schlund, wo er augenblicklich verschwand. Ganze drei Viertel, stunden sah man nichts von ihm. Endlich erschien er wieder, hielt den Becher trimnphirend in die Höhe, und brach mit Gewalt durch die Wellen hin an das Ufer. Die Aufklärung, welche er dem Monarchen über die Natur de§ Wirbels gab, genügte indeß diesem nicht, und er forderte ihn auf, daß er sich noch einmal iu den Abgrund hinab begeben sollte. NicolauS lehnte solches im Anfange ab, indem er die Ge« fahr vorstellte, ließ sich aber endlich doch durch den Gewinn eines zweiten Bechers, dem ein Beutel mit Gelde beigefügt wurde, anreihen, einen wiederholten Versuch zu machen. Dieser mißlang ihm aber, und er ist nie wieder zum Vorschein gekommen. So erzählt Kircher die Sache aus Nachrichten, die er auS dem Archive des Kö< nigS von Sicilien entlehnt haben will, für deren Zuverläßigkeit wir , jedoch nicht bürgen können. K.rliaii, Llrobsri Muirsttis subier- raueus. Lom. t. x. 7g. sog. Grund und Boden des Meeres. 347 Erdarten groß sey, und die vom Meere bedeckten Theile im Ganzen, sowohl in Absicht der Mischung als auch Abwechselung der Flächen, mit dem Trockenen übereinkommen. In einigen Gegenden bedeckt ein hoher Schlamm den Boden des Meeres, und diese sind vornemlich solche Stellen, wo die Flüsse die erdigen. Theile absetzen, welche sie mit sich fortgerissen haben. An anderen Orten liegen Sandarten von mannichfaitiger Beschaffenheit und Farbe, noch an anderen Stellen findet man Schaalengehäuse, Korallenge- wächse, Steine, Pflanzen, Gräser, und nach Kircher gar Blumen — vermuthlich Korallen. In gewissen Gegenden findet man Schichten von Salz, Erdharz u. dgl. Der Meeresboden um die Küsten Hollands besteht aus Lehm und Schlamm, dessen obere Schicht mit Sande bedeckt ist: jene liegen in abwechselnder Höhe über einander. Donati *) hat die Schichten des Adriatischen Meeresgrum des mit vieler Sorgfalt untersucht, und sie von Marmor, Feldsteinen, Sand und allerlei festeren und lockeren Erd - und Steinarten mit Kies, Metallen u. s- w. gemengt gefunden, welche zusammen mit Betten von Schlamm, Sand, zu einer steinharten Masse zusammen gebacken , waren, in welcher unzählige Meerthiere eingeschlossen lagen. Diese Betten sollen sich nach und nach erhöhen, und die Schichten mit den Schichten des nahen Landes mehrentheils parallel laufen, auch ähnlichen Gehalt haben. Bet Sibinico in Dal- matien liegen die Schaalthicre an sechshundert Fuß hoch. Bei Marseille ist der Meeresgrund mit dem schönsten Marmor bedeckt, und auf den Maldivischen Inseln bauet man Kilt lauter Steinen, die einige Klafter tief aus dem Meere hervor geholct werden. Marsili gab sich viele Mühe, die Beschaffenheit des *) Oell-r 8tor!s nanirals 8a§§1o äsl 8i§n. D. Vita. liri .0 OonLii ete. In V^ne/na 1750 . 4- 343 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt Bodens im mittelländischen Meere zu erforschen. Seine - Wahrnehmungen gehen mehrentheils nur auf die Gegenden an der Küsre von Provence und Languedoe, und klären we- nig auf. Er fand Lagen von Erdharz, Salz u. s. w., ,wel- ^ ehe zwischen Steinschichten fortliefen. Auf ihnen breitete sich eine Schicht von Materialien anderer Att aus, als Sand, Schaalengehäuse, Erde u. s. w., die ein schleimig- tes Wesen mit einander verbunden hatte. Diese Rinden sollen sich von Zeit zu Zeit vermehren, und eine große Verschiedenheit von Farben zeigen, die zuweilen die steinige Substanz selbst durchdringen. Sie geben durch eine chemische Zerlegung solche Bestandtheile, als diejenigen sind, woraus die Seegewächse zusammen gesetzt sind, zum Beweise, daß sie gröftencheils davon ihren Ursprung haben. Die Gegenden, wo er feinen Sand antraf, befanden sich nah an den Mündungen der Flüsse, als der Rhone und anderer kleinerer, welche aus Languedoe einströmen. Man unterscheidet bei denssBoden des Meeres den ursprünglichen, allgemeinen, permanenten von dem zufälligen, neuen und veränderlichen, dessen genaue Kenntniß in den verschiedenen Strichen des Meeres für den Seefahrer von Nutzen seyn kann. Der erste dient dem zweiten zur Grundlage, und kann nur als der eigentliche Meeresgrund angesehen werden. Er ist derjenige, dessen > verschiedene Lagen mit denen überein kommen, die wir im Znnern der Erde finden; er besteht aus Mergel, Thonerde, Sand, Schaalthiere, welche wagerecht, in einer großen Ausdehnung und Dicke öfters von hundert Fuß und darüber liegen. Ihm gehören ferner die unermeßlichen Strecken der Madreporen und anderer Korallenarten, welche den Felsengrund bedecken. Der zufällige besteht aus einer Anhäufung von Meerigelstacheln aller Art, von Bruchstücken von Korallen, Schnecken, Muscheln, von Seepflanzen, Kies, Glimmer, abgerundeten Steinen, einigen ganzen Schaalengehäu- ' Grund und Boden des Meeres. 349 sen, jedoch in geringer Anzahl und in mäßigen Strecken ausgestreuet, von kleinen Kieseln, gefärbten Sand u. s. w. Es ist jedoch schwer, in gewissen Gegenden beide Arten von einander zu unterscheiden *). Es giebt allerdings der Ursachen mehrere, welche in der Beschaffenheit des Meeresbodens Veränderungen hervorbringen können, und wirklich hervorgebracht haben, und daher kommt es denn auch, daß die Schiffer selten einen reinen Felsengrund, sondern fast immer Sand, Schlamm, verfaulte Gewächse, Schaalengehäus: u. a. Materialien dieser Art antreffen. Die Gestalt des Mccrbodens ist nicht regelmäßig, sondern durch Erhabenheiten und Vertiefungen unterbrochen. Die Unebenheiten des Meergrnndcs sind zum Theil sehr ansehnlich, und die Inseln und Klippen, welche über der Wasserfläche hervorragen, als die Gipfel der höchsten Berge darin anzusehen. In der Karte, welche Buache von demjenigen Theile des Meeresbodens geliefert hat, welcher zwischen Afrika und Amerika liegt, und die ganz nach den Sondirungen der Seefahrer entworfen ist, finden wir eben dieselben Flächen, als auf dem festen Lande, abwechselnd mit allen Erhabenheiten und Vertiefungen. Die Tiefe des Meeres bestimmt diejenige Linie, welche von seiner Oberfläche an «nein Orte bis zum Grunde desselben senkrecht gezogen wird. Aus dem, was wir gesagt haben, erhellet nun, daß die Tiefe des Wassers im Meere unter sich selbst höchst ungleich seyn müsse. Und wirklich findet der Seemann solches bestätigt, und das Meer manchmal an einer Stelle unermeßlich tief, eine mäßige Strecke davon aber Sandhügel und Klippen, kaum zwanzig bis dreißig Faden unter der Wasserfläche liegen. Die mehrestcn *) Mrrrsili. Dicznsinsi-s reinar-Hiiss sVr 1s §onä äs 1a msr. N O2i«-r OkservAr. 1 'om. VI. x. 43g. lom. XVIll. i'. 595. Z5c> ^ Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. Unebenheiten dieser Art trifft man in der Nachbarschaft des festen Landes und in den kleineren Meeren zwischen demselben an, wo es bald geringe Tiefen, bald jähe und große Abgründe giebt. Mitten auf dem hohen Meere ist in der Regel der Boden mehr stufenweise abhängig, und die Tiefen nehmen nach dem Verhältniß der horizontalen Distanzen ordentlich zu und ab. Wir haben von der Verschiedenheit der Meerestiefen in einem geringen Bezirke auffallende Beispiele. So fand man in dem Brittischen Kanale an einer Stelle, in einem Abstände von zwei Schiffslängen, an einem Orte eine Tiefe von dreißig, und, an einem andern Orte von mehr als hundert Faden So berichtet Herbinius °), daß in dem Bothnischen Meerbusen bei der Insel Laland der Grund des Meeres so uneben sey, daß man an einer Stelle keinen Grund finde, dahingegen eine andere nahe dabei gelegene nur zehrn Fuß Tiefe habe. In dem Grunde bei Brcd- fiörd in Island, welcher ebenfalls sehr ungleich ist, bemerkt man besonders eine lange Vertiefung, die aus dem hohen Meere in die Mitte des Golfs hinein laust. Anstatt daß die Tiefe des Wassers da, wo die Schiffsbvote liegen, sagt Olassen nicht leicht über zwanzig, dreißig und vierzig Faden ist, so findet man am Rande dieser Stelle über 160 Faden, und in der Mitte gar keinen Grund. Gegenden dieser Art giebt es um dem Vorgebirge der guten Hoffnung und bei Zeilon. Wie oft hat es sich nicht zugetragen, daß Schiffer in Gegenden, wo man es am wenigsten vermuthete, auf dem Sande sitzen geblieben sind, da doch nahe dabei kein Grund anzutreffen war? Diese Ungleichheit des Bodens im Meere gilt fast von 1) L oyle äs funäo maris. Leck. I. 2) In rract. äs aämiiarkäis mniiät caksraclls. ») Reise, r Th. S. -o>. Grund und Boden des Meeres. 351 allen Orten in demselben, man mag ihn mit dem Senkblei erreichen können oder nicht. Es läßt sich daher der Satz als allgemein annehmen, daß der Scegrund weder eben, noch von einer regelmäßigen Hölung, sondern daß er dem Lande ähnlich sey, voller Abwechselungen von Hügeln, Bergen, Thälern, Klippen. Dieser Sah leidet Anwendung sowohl auf den Grund des Meeres überhaupt, als auch auf seine einzelnen Theile- Wo ist nun die tiefste Stelle im Oceane, oder giebt es mehrere dergleichen und von einerlei Größe? Man sieht die Unmöglichkeit leicht, diese Frage zu beantworten. Schon ist es schwer zu bestimmen, in welchem Theile des Oceans sich etwa die grösten Tiefen befinden mögten. Gemeiniglich nimmt man an, daß die Tiefe des Meeres im Durchschnitte bis L Teutsche Meile betrage. Eine größere Tiefe mag eö vielleicht an wenig Orten geben; an vielen macht sie nur einige Klafter aus, und an den meisten kann man sie mit dem Senkblei ergründen. Dem Hales geben die Inseln Anlaß, zu glauben, daß die Tiefe des Meeres überhaupt nicht sehr beträchtlich seyn könne; allein er scheint nicht erwogen zu haben, daß die mehresten derselben in der Nähe des Comments liegen, wo das Meer der Regel nach von geringerer Tiefe ist. Man findet wirklich sehr große Tiefen in dem Oceane, und schon zeugen die ungeheuren^Wogen in gewissen Gegenden davon. Anson *) redet von einer Stelle zwischen 60 Reise um die Welk. Leip». - 749 -S. Z6. Silber schlag in seiner Eeogenie. i Th. Berlin -730. S. 65. sagt: „Gar ru lief kann Las Meer nicht seyn. ES ist allenthalben bevölkert. Da nun ein lebendes Geschöpf stch bewegen muß, die Ausdehnung seines Körpers aber desto mehr Widerstand stndek, je tiefer eS stch aufhält, wie aus der Hydrosta, tik erweiSlich ist; so würde auf einer gar j» großen Tiefe wegen deS übermäßigen Drucks der Wassersäule kein Seethier seine Muskeln ausdehnen können, ohne eine Gewalt zu gebrauchen, die ste sprengen müste. A»S diesem Grunde wird man mich nicht tadeln, wenn ich be» 352 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. und 90 Meilen südwärts von der Küste Brasiliens, wo man mit einer Schnur von 1Z0 Klafter keinen Grund finden konnte. Förster versichert, in den südlichen Breiten oft ein unergründliches Meer angetroffen zu haben. Man hat es als einen Grundsatz angenommen, daß die größten Meere die tiefsten sind; daß alle Meerbusen und Meerengen ein flacheres Wasser haben, und daß überhaupt die Tiefe nach und nach zunehme, je weiter das Meer sich vorn Lande entfernt. Wenn es nach den gewöhnlichen Gesetzen der Abschüssigkeit und Vertiefungen geht, so scheint darin allerdings eine Uebereinstimmung mit den Küsten zu seyn, daß sich das Meer an flachen Ufern allmahlig und erst in einer gewissen Entfernung vertieft: an schroffen und senkrecht abgeschnittenen aber eine anliegende Tiefe zu haben pflegt. Ulloa ") sagt: „Man bemerkt, daß der Grund unter dem Wasser in Ansehung seiner Flachen und Ungleichheiten, die Beschaffenheit des außerhalb befindlichen festen Landes nachahmt. Zn den Gegenden daher, wo das Land in einer großen Strecke flach und niedrig ist, hat der an dasselbe grenzende Boden des Meeres eben die Gestalt. Dies zeigt sich in den Gc-, genden, die man in der Spanischen Sprache von der Son- da zu benennen pflegt: denn daselbst findet man, in einer beträchtlichen Entfernung von dem über der Mcercsflache sichtbaren und hervorragenden Lande, eben den Grund und Boden, und von da nimmt die Tieft des Wassers bis zu den Küsten immer mehr und mehr ab. Dies bemerkt man an dem Gestade von Florida, in der Bucht von Panzacola und in Haupte, das Meer sey nicht tiefer als die Oberfläche des feflen Landes , über dem Wasserspiezel." *) Nachrichten vvm südlichen und nordöstlichen Theile von Amerika. 1 Th. 17S-. S. 37. Grund und Boden des Meeres. 55Z in dem ganzen Mexikanischen Meerbusen, der die Küste vom Campeche, bis an die Ufer der Bay von Honduras in sich begreift. Ganz anders ist es mit den Gegenden beschaffen, wo,das ans Meer grenzende, oder wenig davon entfernte Land sehr hoch ist: denn daselbst steifst man an den Küsten ' eine große Tiefe an; es laßt sich daher längs den Küsten des ! Südmeeres kein Grund finde», und mau muß erst im Gesichte des Landes oder nahe dabei seyn, um ihn zu erreichen-" Schon vor ihm hatte Damvier ^ eine lange Erfahrung gelehrt, daß an Stellen, wo jähe Klippen die Ufer verwahren, das Meer tief sey, und sich daftlbst nur selten Anker werfen ließen; an -solchen hingegen, wo die Ge- H stade sich allmählich nach dem Meere neigen, der Grund flach und zum Ankern geschickt sey. Je schroffer und steiler also, ihm zu Folge, die Küsten des Meeres sind, desto grö- ^ ßer ist auch hier seine Tiefe. Man befindet sich nemlich in ' ^ diesem Falle an der halben Höhe eines Berges; das sanft sich neigende Ufer läuft in eben dem Abhänge über und un, ^ ter der Oberfläche des Wassers fort. Förster -) laßt jedoch diesen Sah nur unter Ein- - schrankung gelten. Er behauptet, daß er allein auf große Län- > der anwendbar sey, gleichwohl aber im Südmeere eine Aus- ! nähme leide. So passe er nemlich auf Neuseeland, Neue«- § ledonien, die Neuhebridiisthen Inseln und das Feuerland, an I deren steilen Küsten das Meer bis dicht an das Land eine beträchtliche Tiefe hat. Dagegen fand er außerhalb des Eingangs in die Duskybay mit Klaftern Grund, welchen er - doch in der Bay selbst mit 60 Klaftern nicht erreichen konnte. Eben so hatte er längs der südlichen Küste des Feuerlandes zwischen Cap noir und der Christmeßbay erst Ho bis 2o, hernach 60 bis 70 Klafter Tiefe, und zuletzt im Ein, r) Reise um die Welt. ») Äemerk. S. 4z. f. ' , Z ' 354 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. gange dieses Hafens, mir go Klaftern keinen Grund angetroffen. Auch an der Küste von Südgeorgien bemerkte er eine allmählig abnehmende Tiefe, konnte aber am Eingänge der Poffessions - Day mit 4; Klaftern den Grund nicht erreichen. Vornemlich scheinen ihm die Inseln im Südmecre davon eine Ausnahme zu machen. Sie haben, ihrer flachen, und niedrigen Ufer ungeachtet, um sich ein tiefes, unergründliches Meer. Diese Inseln sind aber von ganz eigener Art; sie sind Korallenriffe, ein Werk der Lithophyten. Das Riff, welches m einiger Entfernung von den Ufern der Tahei- tischen Eben? die Insel einschließt, steht ebenfalls wie eine Felsenmauer in dem unergründlichen Meere. Das länglich runde Riff in der Nähe des Turtle-Eylands, welches fast allenthalben von der See bedeckt wird, steht auch senkrecht in einer unermeßlichen Tiefe. Diese Ufer, ob sie gleich nicht hoch über die Wasserfläche hervorragen, sind an sich steil, 'und neigen sich nicht in einem sanften Abhänge dem Meere, mithin sind sie gcmissermaaßen eine Bestätigung der Regel, welche wir vorgetragen haben. Diese angenommene Uebereinstimmung des Meeresgrundes mit dem festen Lande führte nun einige Naturforscher noch weiter, indem sie behaupteten, daß die Fläche des Meeres an den Küsten beinahe eben so weit über dem Boden desselben hervorrage, als sie unter dem höchsten Punkte des Landes liegt: oder daß die Summe der Hölungen^in dem Oceane eben so viel ausmache, als die Höhe der Berge auf dem Lande beträgt. Dampier hat diesen Satz ebenfalls zuerst vorgetragen. Vorausgesetzt also, daß die Tiefe des Meeres mit der Höhe der Berge in gleichem Verhältnisse stehe; so müsten, da diese sich um den Aeguakor befinden, hier auch die grösien Tiefen seyn;. so müste die Tiefe des Oceans gegen den höchsten Berg Chimborasso am meisten, und etwa 3220 Klafter betragen, als so viel seine Höhe nach Grund und Boden des Meeres. 355 jung des Doublier ausmacht; so müste ferner der tiefste Grund eine Richtung haben, die mit der Kette der Evrdi- lercn fast parallel liefe, und nahe an Peru und Chili liegen. Aus dem nemlichen Grunde würde das Meer an der östlichen Küste Asiens nur flach seyn; die Tiefe des Ärlanti, schen Meeres würde sich auf 2200 Klafter erstrecken, als so hoch der Berg Pieo auf der Insel Teneriffa über dem Spie, gel des Meeres erhaben ist. Nach dem Eassini ist der Canigou, oder die höchste Spitze der Pyrenäen, r^oo Toisen oder g^oo Fuß über die Fläche des mittelländischen Meeres erhaben, und Marsili ') fand in einer'Weite von vier und fünfzig Meilen vom Berge eine Stelle von dieser Tiefe. Solchemnach kann man dieses Meer für ein langes mit den Schweiher, Savoyer und Pirenäischen Gebirgen parallel laufendes Thal ansehen. An der nördlichen Küste von Asien müste das Meer mit einer geringen Tiefe nordwärts laufen, in welcher Wargaz, Nova Zemlja und andere unbekannte Anhöhen im Eismeere, als Gipfel der in das Meer sort- streichenden Uralschen Gebirgskette zu betrachten: dagxgen müste die Berjngsstraße nebst dem angrenzenden Meere von Kamtschatka und weiter südlich als ein langgestrecktes Thal, von dem östlichen Gehänge dieser hohen Bergrücken anzusehen seyn, dessen Tiefe der Höhe der Berge prvportionirt wäre. Nach dieser Meinung wäre es denn auch gewiß, daß in der Südsee sich die tiefsten Stellen im Meere befinden müsten. Den Grund hievon sucht man nun in der nothwendi,' gen gleichförmigen Verlheilung der Massen auf unserer Erdkugel, indem die Höhe der Berge auf der einen Seite das ersetze, was in ihrer Nähe dem Lande durch das Meer entzogen wird. Man erinnere sich jedoch desjenigen, was wir über diesen Gegenstand bereits oben gesagt haben I. c. i>. 1?. ») Seite Zo». Z - 356 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. Hierzu kommt noch, Daß die angeführten Berge wahrscheinlicher Weise vulkanischen Ursprungs, mithin hohl, also, ihres großen Umfangs ungeachtet, verhältnismäßig jnicht schwer ! sind. Von dem Pico wenigstens scheint es gewiß, daß er durch die Gewalt des unterirdischen Feuers aufgethürmt worden ist. > Bis jetzt ist noch kein zuverlässiges Mittel bekannt, welches uns in den Stand sehte, die Tiefe des Meeres zu erforschen.' Dies ist auch wirklich weit schwieriger, als die > Höhe der Berge zu messen. Man hat seit hundert und mehr Jahren Diesen Gegenstand einer vorzüglichen Aufmerksamkeit werth geachtet: doch waren die darauf abzweckenden Bemühungen ohne sonderlichen Erfolg. Das, erste Mittel, dessen man sich bediente, war eine mechanische Messung, die auf verschiedene Weise versucht worden ist. Das zweite gründet sich auf ein Werkzeug, welches man frei auf den Grund des Meeres /allen, und wieder herauf kommen läßt, vermittelst dessen man die Tiefe zu bestimmen sucht. Es ist das bekannte Bathometee oder der Tiefenmesser. Zur Erforschung der Meerestiefe auf die erste Weise ^ bedient man sich eines Senkbleies von dreißig bis vierzig Pfunden an Gewicht, welches an einer hinlänglich starken Schnur ins Wasser hinab gelassen wird. Dieses Mittel ist bei gewöhnlichen Tiefen anwendbar, bei großen aber ganz unnütz, und unmöglich, j damit den Grund zu erreichen. Das Seilwerk ist Mao für sich von geringerer Schwere, als ein Theil des Wassers von gleichem Raume, es'kann aber die Schnur zuletzt in einer solchen Länge ablaufen, Haß sie mit dem Bleie, nach dem körperlichen Inhalte beider, der Schnur und des Gewichts weniger wägt, als dDs Wasser unter einem gleich großen Raume. In diesem Falle sinkt das Wursblci nicht weiter, sondern es wird mit der Schnur vorn Wasser getragen, und entfernt sich dann nach einer Grund und Boden -es Meeres. ZZ7 schiefen Linie vom Fahrzeuge, indem es von seiner senkrechten Richtung abweicht. So wird es denn vom Schiffe fortgeschleppt, und der Seemann glaubt keinen Grund da finden zu können, wo er ihn wohl würde angetroffen haben, wenn das Blei tiefer gesunken wäre. Auch geschieht es, daß das Loth in noch mäßigen Tiefen durch untere StrHme fortgerissen, und dadurch verhindert wird, auf den Boden zu kommen *). Daher entstehen unstreitig die vielen Schiffernachrichten von den unergründlichen Stellen im Oceane, welche, man insgemein für solche ausgiebt, wo das Wasser durch ^chlünde in das Innere der Erde dringen soll, um entfernte Meere in einer unterirdischen Gemeinschaft zu erhalten. Sobald man richtigere Proben erfinden wird, so möchten wohl die wenigsten Stellen von einer solchen Tiefe übrig bleiben. Bnffon schlägt zwar vor, man solle, zur Ergrnndung der großen Tiefen sich einer Kette von Eisen, oder einer andern Materie bedienen, welche schwerer ist, als das Wasser. Hier könnte man zwar das anzuhängende Gewicht ersparen, aber wie schwer würde wohl eine noch so schwache Kette seyn, wenn man damit auf zwei bis dreihundert Klafter Tiefe reichen wollte? Wie wenig wären sie zu regieren, und was für einen Raum würde sie im Schiffe, einnehmen? Es lassen sich also überhaupt durch das Senkblei nur geringe Tiefen mit Sicherheit heraus bringen, und soll dies geschehen, so muß dabei das Meer ganz ruhig, das Schiff unbewegt und von Strömen frei seyn. Dies ist nur selten Die Seeströme machen beim Sondiren mir dem Wurfblei die Haupr- fchwierigkeir: denn eS ist fast keine Gegend im Meere,, wo ste nicht in gewissen Liefen mehr oder weniger stark aniurreffen wären. Von ihnen wurde Marsili bei seiner Tiefenmessung im griechischen Meere am meisten gehindert, indem er ihrer bisweilen drei über einander antraf die in gan> widriger Richtung liefen. 358 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. der Fall, da die Fahrzeuge alle Augenblicke von der Stelle rücken. So ist es unmöglich, ansehnliche Tiefen lothrecht zu messen, weil bei jener Bewegung die Schnur mit dem Ge- Wichte zurück bleiben, und eine schiefe Richtung annehmen muß. Oft wird auch noch das Wurfblei durch Gegenstände, welche es unter dem Wasser antrifft, von seiner lothrechtrn Rich- tung abgebracht. Alle Proben, welche man bi?hex mit dieser Messung angestellt hat, geben nur mindere Tiefen mit Zuver- läßigkeit, an. Cook'hatte auf seiner Fahrr einigemal solche Messungen im Südmeere, fern vom Lande, vorgenommen, und mit dem ausgeworfenen Blei auf 2Z0 Klafter keinen Grund finden können, und dies war gerade unter dem Ae- quator. Zu anderen Zeiten hat er auf dem großen Weltmeere, in höheren nördlichen und südlichen Breiten, bei 150 und 2lo Klaftern keinen Grund angetroffen. Alle diese Versuche sind nach dem Ausspruche des Herrn Förster *) ganz unzulänglich, und Cook hat auch wenig dergleichen Messungen angestellt, weil er sich von ihrer. Nichtigkeit nicht viel versprach. Dieser und anderer Schwierigkeiten wegen, waren die Naturforscher längst darauf bedacht, eine andere Methode zu erfinden, die Meerestiese zu erforschen, und ihren Bemühungen verdankt ein Werkzeug sein Daseyn, welches, ein Engländer Robert Hook zuerst angegeben, und damit im Beiseyn verschiedener Gelehrten schon im Jahre 166Z auf der Themse, und im Kanale von Scheerneß mehrere Ver- ») Bein. S. 4L.» wo er sagt: „Zu den Versuchen, die Liefe deS Oceans zu messen, gehört etwas mehr, alS ein Wursblei und ein? lang« Schnur. Das Schiff selbst muß in seinem Laufe aufgehalten, und, wie der Seemann sich ausdrückt, in den Wind gelegt werden. Die halb« Mannschaft muß bei solchen Gelegenheiten' aus dem Verdecke seyn, theils um die Segel in die rechte Lage zu lbringen, theils um daS schwere Blei wieder herauf zu ziehen." Grund und Boden des Meeres. 359 suche angestellet hat *). Es ist der oben genaimte Batho- Meter. Dieses Instrument besteht aus zwei Körpern, einem der leichter, und einem der schwerer ist, als das Wasser. Sie sind auf eine solche Art zusammen gefügt, daß, sobald der schwerere beim Niedersinken auf den Grund kommt, und daselbst aufstößt, der leichtere sich sogleich davon j ablöset, und bis zur Wasserfläche empor steigt. Die Tiefe wird Hiebei aus der ganzen Zeit bestimmt, in welcher beide vereinigte Körper von der Wasserebene bis auf den Boden hinunter fallen, der leichtere aber über dem Wasser wieder zum Vorschein kommt. Hook bediente sich dazu einer Kugel von Fichtenholze von etwa sechs Zollen im Durchmesser und drit- tehaib Pfund am Gewicht, welche ganz mit Firniß überzöget war. An diese Kugel wird ein konisches Bleigewicht, fünftehalb Pfund schwer eingehaket, und zwar so, daß, so-' j bald dieses Gewicht auf den Boden oder sonst einen harten Gegenstand im Fallen aufstößt, eine an dem Haken angebrachte Feder heraus springt, und die obere Kugel losmacht, ' welche unmittelbar darauf in die Höhe steigt. Dieses Werk- ' zeug ließ Hook in verschiedene. Tiefen des Wassers von zwölf bis dreißig Klaftern hinunter fallen. Bei allen Ver- ' suchen fand er, daß die . Kugel in eben derselben Zeit vom ! Grunde wieder herauf stieg, in welcher sie mit dem Gewichte zu Boden gesunken war. Er bemerkte, daß die Bewegung der Kugel niederwärts und aufwärts, etwa fünf Fuß in jeder Sekunde betrage. Die Zeit, nach einem richtigen Sekunden-Pendel, die Tiefe, die Versuche selbst, wurden alle genau bestimmt, auch die Dauer des Falles und des ; Stechens scharf genung untersucht. Dieses Instrument wur- ! de auf eine gewisse Tiefe z. B. von vierzehn Klaftern, mit j und ohne Schnur niedergelassen, damit durch diese Vorsicht j Nliilos. r-'-i-ii. N. g. sr 24. Vot. >. i>. »47. 4Z9> 560 Fünfte Abih. Zweiter Abschnitt. die Zeit des Nlederfallens genau bemerkt werden könne. Bei Verfertigung dieses Werkzeuges fand Hook keine gröl ßere Sä)wierigkeit, als den Haken an dem kegelförmigen Bleigewichte so gehörig zu krümmen, und in die Feder so einzupassen, daß die Kugel beim Ausstößen des Gewichts auf dem Boden sogleich loskommen und aufsteigen konnte. Um ter den vielen Instrumenten, welche er zu dieser Absicht machte, bekam er zuletzt eins, wo die Einhakung so geschickt angebracht war, baß der obere leichtere Körper sich ohne Schwierigkeit ablöscte, und sofort wieder herauf kam. Er Machte mit verschiedenen dergleichen Werkzeugen Versuche unter genauester Beobachtung der Zeit, vom Niedersinken des ganzen Werkzeugs bis zum Aufsteigen des leichteren Körpers über dem Wasser, und rechnete davon die Hälfte auf jede dieser Bewegungen. Damals bot sich ihm schon die, wichtige Bcmerküng dar, daß schwere Körper, die im Wasser sanft niedersinken, bei ihrem Falle in demselben eine gleichförmige Geschwindigkeit vom Anfange bis zum Ende des Sinkens behalten. Sie fallen nicht, wie Körper in der Luft, mit beschleunigter Geschwindigkeit, sondern sie durch, laufen in gleichen Zeiten gleiche Räume. Auch sogar beim ersten Anfange des Falles im Wasser, bewegen sie sich nicht geschwinder, als beim tiefern Falle, und eben eine solche gleichförmige Bewegung trifft bei den seichteren Körpern zu, wenn sie im Wasser in die Höhe steigen. Die Wahrheit dieses Satzes, auf welchem bei Berech, nung der Tieftn alles ankommt, ist durch neuere Naturforscher bestätigt worden *). Ihre Versuche haben erwiesen, daß der fallende Körper ein gleiches Verhalten beobachte, er mag sich in süßem oder salzigem Wasser befinden; daß die Geschwindigkeit eines solchen sich nach der Dichtigkeit und *> Oommenk. Noilvn. V. v. I. P. 2go. Neue Samml. von AbiüMdl. der narurf. Gesellsch. in Dann«/ » V. S. 112. ff. Grund und Boden des Meeres. 3»r Flüssigkeit des Elements richte, worin er fällt, so daß, wenn diese vermehrt wird, jene abnimmt; ferner daß die Geschwindigkeit fallender Körper abnehme, wenn ihre Oberflä-, che vermehrt wird, und die Masse die ncmliche bleibt. ' So wichtige Dienste nun auch diese Art von Tiefenmessern leisten kann, so wenig gefiel sie doch dem Desaguilicrs. Er bemerkte noch Fehler daran, welche beim Gebrauche auf so mancherlei Weise durch Wellen, Seeströme und andere Hindernisse unrichtige Anzeigen geben musten, und nahm, nach Hales Beispiel, den Druck des Wassers zu Hülfe- Weil dieser nun in einerlei Tiefe nach allen Seiten einerlei ist, so erfand er ein Meßinstrument, an welchem man, mittelst des in einer Glasröhre aufsteigenden Quecksilbers, den Druck des oben aufliegenden Wassers am Boden des Mee- .-b, folglich die Tiefe selbst ersehen konnte. Dieses Werkzeug war dem ganz ähnlich, welches Hales *) beschrieben hat, und dessen er sich bediente, die AusdehnungSkraft oder den Druck der Luft zu erforschen. Es war eine Art Glocke, in welcher eine gläserne Röhre unten am Boden derselben, mit dem offenen Ende im Quecksilber stand, oben aber Angeschmolzen war. Ueber dem Quecksilber befand sich etwas Honig oder Theriak, einige Linien dick in der Röhre, damit man durch dessen Ankleben an ihrer inwendigen Seite sehen konnte, wie hoch das Quecksilber im der Röhre gestiegen sey. Die^ Glocke hatte einen messingenen Hals, und eine Hülse, wodurch oben an derselben eine luftleere Kugel, oder eine starke Blase befestiget werden konnte, welche zum Aufsteigen der Glocke diente. In dem messingenen Halse der Glocke und unten am Vodenrande waren Löcher angebracht, wodurch das Wasser hinein dringen, auf das Quecksilber drücken, und es solchergestalt in der Röhre zum Steigen bringen konnte. Unten befand sich ein Gewicht mit *) Statik der Gewächse- Lg. Erfahrung. S. 121. s. Z6s Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. einer Feder, wodurch die Glocke sammt der leeren Kugel auf den Seegründ hinab gezogen wurde. Sobald das Gewicht den Boden erreicht, und daselbst angestoßen, lösete -sich die Glocke mittelst einer Feder ab, und stieg wieder in die Hö< he. Desaguiliers hat diesen seinen Tiefenmesser zwar genau beschrieben *), aber man findet nicht, daß er damit auf dem Meers Versuche vorgenommen, wozu er doch die beste Gelegenheit hatte. Das wenige, was er gethan hat, besteht darin, daß er den Apparat in ein cylindrisches Gefäß mit Wasser sehte, selbigen mit einem Deckel wohl verschloß, und nachher so viel Luft hinein preßte, bis ihr Druck dem Wasserdrücke von 4» Fuß Höhe gleich kam. Dies zeigte ihm, wie hoch das Quecksilber in der Röhre steigen müsse, wenn das Instrument auf diese Tiefe ins Wasser gelassen worden wäre. Um indeß damit Versuche im Großen anzustellen, müssen sich Hindernisse gezeigt haben, wodurch der Gebrauch beider Arten Tiefenmesser schwierig gemacht wurde. Dieser Hindernisse giebt es auch mehr als eins. Wer kann z. D. die Sekunde so genau angeben, wenn gerade das Werkzeug wieder über das Wasser herauf ist, da es die mehreste Zeit weit vom Fahrzeuge, auch wohl weit von dem Orte, wo es niedergelassen worden ist, wieder zum Vorschein kommt. Auch die richtige Bestimmung der Zeit, welche zwischen dem Verschwinden und Wiedererscheinen des Instruments verfließt, ist nicht so leicht, zumal bei großen Tiefen. Man müste mit beiden Werkzeugen erst Versuche in solchen Tiefen anstellen, wo noch mit dem Senkblei Grund zu erreichen ist, und das Gewicht selbst, des Heraufziehens wegen, an einer Schnur halten. Man müste ferner einen schmierigen Haken oder einen krumm gebogenen Schöpfrand von dem obern leichtern Körper über das angehängte Gewicht hervorragen lassen, damit dieser zuerst auf *) I'Iiilos. trsus. 4»L- Grund und Boden des Meeres. 36z den Grund stieße, und zugleich einige Theile der Materialien mit in die Höhe brachte, um gewiß zu seyn, daß das In- strument auch wirklich auf den Grund gekommen, und auch zu erfahren, wie dieser beschaffen sey u. s. w. Wenn auch das Gewicht auf dem weichen, etwa mit Schlamm bedeckten Boden ohne Stoß und sanft aufseht; so bleibt das ganze Werkzeug daselbst sitzen, ohne jemals wieder in die Höhe zu kommen. Mehrere Schwierigkeiten dieser Art hat Ha- noiv ') über diese Tiefenmesser vorgetragen. Ueberhaupt scheint es, daß das Werkzeug des Hook dem Instrumente des Desagulliers vorzuziehen sey, zumal nach der bequemern Einrichtung des Bacialli -). Das Gewicht hängt vermittelst einer Zange an dem obern leichtern Körper. Durch die Arme dieser Zange geht eine Schnur, an welcher das Gewicht niederhängt, und die Zange scharf zuzieht, damit sie den Zapfen des obern leichtern Körpers fest hält. Sobald, das Gewicht auf den Boden kommt, und die Zange nicht weiter -zuzieht, wird selbige durch die zwischen den Armen liegende Springfcdern geöffnet, geht von dem Zapfen los, und läßt den leichtern Körper sogleich fahren, und in die Höhe steigen. Man sieht leicht, daß sich diese Einrichtung schon durch ihre Einfachheit^ empfiehlt. In Ermangelung einer richtigen und zuverläßigen Art die Meerestiefen zu messen, welche uns noch fehlt, bleibt die Aufgabe immer ungewiß, wie weit sich diese erstrecken. Da die Höhe der grösien Berge noch nicht zwanzig tausend Pariser Fuß betragt, so scheint, nach dem angeführten Grundsatz, die Tiefe des Meeres auch nur höchstens dieses Maaß zu erreichen *). 1) Uoxmat. I>. II. §. 615 — 621. 2 ) IVloliNelli in Dommeiit. L011011. 1. V. I>. I. x. 280. S09. ») MttenbcrgischkL Wochenblatt inr Aufnahme der Naturkunde!c- >791. St. 49. üv. L-- 564 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. Ursachen mancherlei Art können in der Gestalt des Meeresbodens Veränderungen hervorbringen. Dergleichen sind die zerstörende Kraft andringender Fluchen und der Erd« beben. Sie verursachen Einstürzungen des Landes, über welches sich das Wasser verbreitet. So sind vielleicht einige Landengen und andere Theile des festen Landes verschnürn« den, und Inseln unsichtbar geworden. So haben auf der andern Seite vulkanische Ausbrüche Erde vom Meeresgrun« de hervor getrieben, und Inseln und Untiefen gebildet. Auch tragen die Lithophyten dazu bei, die Figur des Meeresbodens zu verändern. Diese wurmartigen Thierpflanzen bauen im Meere aus der Tiefe ihre kalkartigen Wohnungen auf, und an den Stellen, wo solches geschieht, entstehen seichte Ocrter, Riffe und felsenartigc Massen, die den Seefahrern öfters sehr gefährlich werden. Da zwischen den Wendekreisen'die Winde vorzüglich von Osten her wehen, so bemühen sich diese Thiere, aus einem unbegreiflichen Triebe, ' die von den Winden aufgetricbencn Wellen mit ihrem Baue auszuschließen. Sie errichten zu dem Ende, in einer zusammen hängenden Kette ihre künstlichen Gebäude, und legen Dämme . N. . S- 272. Ufer des Meeres. Z67 Angriffen des Meeres sicher gestellt, gegen welche die Wellen ihre ganze Gewalt ausüben, ohne jedoch eine andere Wirkung hervorzubringen, als die Oberfläche zu glätten, und die schönen ästigen Steingewächse nach und nach zu zerstören, und in Staub zu verwandeln. Dünen nennt man Gestade, die ihre Entstehmig dem Sande zu verdanken haben, welcher von den Meereswellen aufgeführt, oder durch die Flüsse zusammen geschlemmt wird. Es bildet sich daraus am Rande des Meeres eine Art don Wulste, welcher an manchen Orten aus mehreren con- centrischen Reihen hinter einander bestehet. Diese Dünen verdienen eigentlich nicht den Namen der Ufer, da sie vor den Küsten hin gestreckt liegen: doch können sie mit der Zeit zu Usern werden, wenn der Raum, welcher sie vom Lande treünt, ausgefüllt wird. Ihre Höhe ist verschieden, und an sich unbedeutend. Von allen dreien unterscheidet man den Strand, mit welchem Namen man denjenigen Theil des Meerufers belegt, welcher abwechselnd von der Fluth bedeckt und von der, Ebbe getrocknet wird. Er ist sehr niedxig, und wenn er aus einem leichten Sande besteht, so kann es geschehen, daß dieser, wenn der Wind die Wirkung der Wellen unterstützt, zu einer größer» Höhe aufgethürmt wird, als-diese reichen, und dann verwandelt er sich in Dünen. Da die Wassersammlung des Weltmeeres die niedrigsten Gegenden der Erde einnimmt, so sind auch die silfer gemeiniglich die. niedrigsten Stellen des Landes. Wenn das Land sich bald mehr, bald weniger vom Meere erhebt, so senkt es sich auf der andern Seite wieder, bis es sich aufs neue in eine Wasserfläche verliert, oder sich wieder erhebt, und so verschiedene Reihen von Höhen und Vertiefungen bildet H. *) Büfson's allgcm. N. . Krpenh, -72Z- S. >22. ') Briefe über die Geschichte »er Erde und »eS Menschen, a, d. Fr. »7gl. L.» Band. S- >6Z. Aa 2 572 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. Zurücktreten des Meeres giebt, sind seiner Hypothese gerade entgegen, da sie die östliche Küste von Amerika angehen, wo doch das Meer seine zerstörende Kraft ausüben sollte. Daß jedoch die Fluchen des Meeres an'manchen Örter» die Ufer allmählig angreifen, davon haben wir bereits Beispiele angeführt. Eben so wissen wir, daß neue Ufer entstehen können, wenn Land dem Meere entzogen wird. Diese allmählichen Ansätze sind indeß nur in denenjenigen Gegenden möglich, wo der Grund des Meeres nicht sehr ftief unter .der Wasserfläche verborgen ist; denn hier bleibt der Schlamm liegen, welchen die Flüsse mir sich führen, oder das Mcerwasser seht Erdtheile ab, die es anderswo losgerissen hat. An Stellen, wo die Küsten der Länder aus hoher» Felsen bestehen, welche von einem tiefen und unruhigen Meere bespület werden, laßt sich ein Landzuwachs nicht denken. So erstreckt sich von den Küsten der Teutschen und Niederländischen Provinzen an der Nordsee, in der Breite einer Meile und darüber, ein hoher sandiger Grund, Las Watt oder Haf genannt, welcher kaum zwei bis drei Fuß unter der Fläche des Landes erniedrigt, ja an manchen Stellen mit dieser von einer Höhe ist. Man sieht leicht, daß dieser Vorgrund, wenn sich Stoff zum Ansehen finden sollA einer Erhöhung wohl fähig ist, und dies geschieht auch durch den Schlamm, welchen das Wasser auf diesem ^ Watt absetzt. Dieser Schlamm ist aber kein Theil des j Meerwasserö; die fremden Theile, welche es hier zurückläßt, sind nicht sowohl anderwärts durch das Wasser abgerissen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach Theilchen von» Torfe, woran die Provinzen Friesland, Gröningen, Oldenburg, Münster u. a. einen so großen Ueberfluß haben. Die Torfmoore liegen mehrentheils landeinwärts und höher, als das Küstenland. Zahlreiche Wasserleitungen führen das Moor- Ufer des Meeres. 873 Wasser, welches mit Erdtheiicn sehr beladen ist, zum Meere ab. Da es ziemlich schnell abfließt, so haben diese Theil- chen nicht Zeit, sich zu setzen; sie werden damit fortgerissen, bis dasselbe sich mit dem Wasser des Meeres vermischt. Diese Vermischung geht alsdann vor sich, wenn dieses abebbet, und sich so weit verlaufen hat, daß das Landwasser solches überwältigen kann. Das die Torftheilchen enthaltende Landwasser drängt qlsdann das Sedwasser fort, und vereinigt sich am Ende damit, indem das letztere sich mit der Fluth wieder landwärts ergießt. Der kleinste Theil von dem ausfließenden Landwasser kommt nach seinem Ausflüsse gleich ins Meer, und das meiste erst dann, wenn es sich mit dem Scewasser verbunden hat, in dieser Vermischung mit der Fluth zum Lande zurück kehrt, und mit der folgenden Ebbe wirklich ins Meer abstießt. Das mit der Fluth landwärts sich ergießende Seewasser enthält diese Theile, und oft in solcher Menge, daß sie dem Wasser seine Durchsichtigkeit benehmen. Da, wo nun das Wasser aus dem seichten Grunde am ruhigsten stehen bleibt, ohne von anderen Ursachen in Bewegung gesetzt zu werden, sehen sich die Erd- theilchen am häufigsten ab. Es bleibt elu Schlamm zurück, und der Boden wird nach und nach höher, fester, allmählig über das Wasser erhoben, und geschickt, benutzt zu werden, wenn er nemlich durch Dämme vor Überschwemmungen gesichert wird. Die Küsten vergrößern sich durch den Schlamm, welchen das Meer auf den Boden abseht, wodurch dieser allmählich erhöhet wird, nach einer länger» und kürzern Reihe von Zähren, und dehnen sich nach allen Seiten aus. So lange das Wasser ihre Oberfläche noch eben deckt, dienen sie Mancherlei Meeresgeschöpse» und Pflanzen zum Aufenthalt. Hier nähren sich der Nadelfisch, die Scholle, der Stichling, bcr Krebs und ein ganzes Heer von Schaal- und anderen Thieren, welche hier als Verfolger oder Verfolgte in buntem / I Z?4 Fünfte Abth. Zweiter Abscknitt. Gewühl durch einander lebe». So wie sich aber der Boden des Meeres an den Usern so weit erhebt, daß man ihn schon öfters aus dem Wasser hervorragen sieht, so verändert sich die Scene auf eine auffallende Weise. Die Thiere gehen ihrem Elemente nach, welches sich immer weiter von den Küsten entfernt, und der Tang u. a. werden durch Kolonien aus dem Pflanzenreiche verdrängt, deren Natur diesem Boden angemessen ist: nemlich solche, die zwar des salzigen Mcerwasserö bedürfen, aber auch genungsame Sonnenwärme verlangen, um jenes in ihre Bestandtheile aufnehmen zu können. Erhebt sich das Ufer noch mehr, so daß es nur selten, und allein von hohen Fiuthen überschwemmt wird; so werden auch jene immer seltener, und der Abgang wird durch andere Gewächse ersetzt, welche eine Rasendecke bilden, die durch jede Fluch neue Nahrung zum frischen Wachsthum erhalt. Der Niederschlag der Erdtheile aus dem Wasser richtet sich nach der mehrern und geringern Warme des Sommers. Je größer die Hitze und Dürre tst, desto stärker fällt dieser aus. Die Ruhe, welcher sie zum Sinken bedürfen, finden sie nicht nur in den, den Winden und Strömen weniger ausgesetzten Gegenden, sondern auch während der höchsten Fiuth und niedrigsten Ebbe, als zu welcher Zeit das W.affer einige Minuten lang stille steht. Seit vierzig Jahren sind hier viele tausend Morgen Landes dem Meere entzogen worden: besondere prangt gegenwärtig mit schönen Häusern und Kornfeldern ein großer Theil des Meerbusens Dollard, wo im Jahre 1277 mehr als fünfzig Städte und Dörfer in das Meer versunken sind *). *) Kriegsmann über den Landgewinn einiger Provinzen an »er Nordsee, in den wöchentlichen 'Hallischen Anzeigen v. 2. 179z. Nnm. 8- 9- -o. »nd 11. Weis über das Entstehen »eS S-eschlamniS in den Schriften der narurf. Gesells. in Berlin. Vll Band. -7LS- S. 275. ff. Ufer des Meeres. 375 Bei dem oben erwähnten Zurückziehen des mittelländischen Meeres an den südlichen Küsten Frankreichs bei Ai, guesmortes ist ein Landanwachs sichtbar, welcher jenes zurück drängt. Die Natur bereitet hier schon seit mehreren Jahrhunderten eine Veränderung unter unseren Augen. Ungeheure Lagunen, welche sich durch Sandbänke, seit länger als zweitausend Jahren, vom Meere trennen, werden nun bald in ein fruchtbares Erdreich nmgeschaffen werden. Jetzt findet man hier noch zahlreiche Moraste. Fast der ganze Landstrich von Niederlanguedoc scheint das Werk des Meeres zu seyn. In der ganzen Ebene, welche sich von der Mündung der Rhone bis zu den Pyrenäen hinzieht, findet man Bänke von Schaalengehäusen und MeereekLrper allerlei Art. Abgesetzte Theile aus dem Meerwasser, welche diesen durch die Rhone mitgetheilt sind, haben diese Ebenen gebildet. Dieser Strom führt eine ungeheure Menge von Kieseln, Sand u. ss. w. mit sich fort. Ein Theil dieser Materialien bleibt sofort bei seiner Mündung liegen, ein anderer ist mit in das Meer fortgerissen worden, und dieser wird wieder durch die Strömungen des Meeres an die Ufer zurück geworfen. Ein Strom dieser Art ist in dem Golf von Lion außerordentlich schnell. Nachdem er die Küsten von Provence durchlaufen hat, eilt er der Mündung der Rhone vorbei, nimmt alle Materialien, die diese ins Meer führt, auf, und setzt sie nach und nach an den Ufern dieses Golfs ab. Diese Absätze sind desto beträchtlicher, je mehr man sich dem Flusse nähert. Sie sind nichts anders als Bruchstücke, welche das reißende Wasser der Rhone, in größeren und kleineren Stücken, auch als Sand zerrieben, mit sich fortführt. Das mittelländische Meer ist eine oft ganz ruhige Was- scrmasse, welche weder durch Ebbe und Fluth noch von Winden sehr in Bewegung gesetzt wird. Wenn nun eine Strömung mit fremden Köxpern beladen, an seine Küsten Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. 3^6 anschlägt, was wird geschehen? Die Materialien, welche ^ von der Strömung mit fortgerissen sind, können, da sie schwerer sind, als das Wasser, sich darin nur allein durch die Kraft der Bewegung erhalten, welche jene Kraft der Sckwere überwindet- Sie werden abgesetzt, sobald das Wasser zur Ruhe kömmt, oder die Bewegung nicht stark ge- nung ist, die Wirkung des Gewichts dieser Körper zu hindern *). Die Küsten Italiens sind gröstcntheils mit Marmor und anderen Steinäxten eingefaßt, deren mannichfalrigc Lagen man schon von weitem erkennt. Die Klippen der Ufer gleichen in einer gewissen Entfernung senkrecht abgeschnittenen Meerespfeilcrn. Die Französischen Ufer von Brest bis nach Bourdeaux sind fast überall, bis an die Wasscrebene mit Felsen besetzt, welche blinde Klippen machen. Auf gleiche Weise sind auch die Spanischen und Portugiesischen Küsten mit Felsen von festem Gesteine umgeben, einige wenige Stellen ausgenommen ^ die man zu Ankerplätzen eingerichtet hat. Die Englandische, so wie die gegen derselben über liegende Französische Küste, bestehen ganz auö!Kalkstein mit horizontalen Schichten von Feuersteinen untermengt. Sie sind steil und abgebrochen, und ihre Höhe richtet sich nach der Beschaffenheit der Berge, und ist bald hundert, bald zweihundert und fünfzig Fuß über dem Spiegel des Meeres erhaben; die niedrigsten Stellen sind achtzig bis hundert Fuß hoch r) konzet »ir Is« »tkerrirslinents cies Lote» äs I-rnzneUoc. Lo- riisr Observ. 'row. XIV. x. 2 gi. 5iüv, -) Düffon a. S. S- -73- ») Bolkmann's Abhanbl. über den MeereSsand; im Göttin-esch. Map. 4 3ai>ro. r Stück. S. 49. ff. Ufer des Meeres. °!"7 Die Norwegischen Uftt sind fast durchgängig fteü: ja an mehreren Orten überhangend, und das Meer dicht an diesen Klippen ein bis vierhundert Klaster tief; auf den langen und unebenen Sandbänken dagegen der Grund seicht. Die Schwedischen Küsten sind mit einer unzählbaren Menge Klippen, welche Scheeren (Skären) genannt werden, eingefaßt, welche das Anlanden gefährlich machen. Diese Klippen und Inseln sind von verschiedener Größe, liegen nahe bei einander, und letztere sind zum Theil bewohnt. Die Küste von Grönland besteht aus lauter spitzigen und hohe» Felsen auf beiden Seiten. Island ist überall, so wie auch Spitzbergen und Nova ZeMlja, ein hohes, felsigtes Land- Die Gestade von Holland sind überaus niedrig und flach, und sie erscheinen beinahe niedriger, als das Meer. Sie sind also als ein Meisterstück der Kunst anzusehn. Hier giebt es eigentlich kein Feld, sondern alles ist Sumpf, von dem der gröste Theil als Wiese erscheint. Vor demselben befinden sich Bänke, die aus Schlamm und Thon bestehen, aber mit Sande bedeckt sind. Zwischen diesen und dem Lande liegen jene Dünen, eine Schuhwehr desselben gegen die Meereswogcn. Sie sind von abwechselnder Höhe von etwa Zo bis Lo Fuß, und bald breiter, bald schmäler. Dir erhabensten sieht man an der Küste des Kennemer Landes, bei e'Gravesand, Sandvoort, Patten und Egmont. Die bei Schevelingcn, Kattwyk und Nordwyk sind zwar nicht so hoch, aber sehr stark mit Dünenpflanzen und anderem dichten Gesträuche bewachsen, wodurch sie einen gewissen Grad der Festigkeit bekommen. Zwischen dieser Dünenkette und dem Lande liegt der flache Strand in einer abwechselnden Breite. Die Dünen, so wie der Strand, sind dem stürmischen Meere ausgesetzt, welches daher oft Theile von ihnen wegschwemmt: ja bei hohen Fluchen geschieht es nicht selten,, daß ganze Dünen weggerissen werden, 373 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. so wie sie auch unter anderen Umständen einen Zuwachs er-, halten können *). Die Nehrung an der Preußischen Küste ist eine bloßx, bisweilen nur ein- öfters drei- und vierfache Kette von Sandhügeln, im Durchschnitte etwa eine Biectelmeile breit. Ein paar Stellen in der Mitte sind so schmal, daß bei heftigen Stürmen die Wellen fast darüber hinweg rollen, und der Sand ist so leicht, daß der Sturm in einer Nacht oft einen Hügel verweht, und dagegen wieder einen andern aufthürmt. Die Dünen bei Pondichery liegen anderthalb Meilen von der Stadt, südwärts am Gestade des Meeres. Diese dürren Sandberge erstrecken sich längs des Strandes nach Süden hinab, und laufen etwa noch zweihundert Toisen gegen Westen. Le Gentil -) beobachtete einige dieser Dünen. An gewissen Tagen glichen sie einer flüssigen Materie, und waren in steter Bewegung, wenn es nemlich die Nacht hindurch geregnet hatte. Die Küste der Halbinsel am Meerbusen von Bengalen ist sehr flach, und steht fast iminer unter Wasser, daher man sie in einem Abstände von drei Englischen Meilen nicht gewahr wird. Die Küsten von China, des Meerbusens von Siam, die ganze Küste von Koromandel und der umliegenden Gegend von Malacca, auch die nicht weit davon belesene Insel Sumatra, sind gröstentheils niedrig, und bequem zum Ankern: jedoch hat die westliche Seite dieser Insel sehr steile und hohe Ufer. Von eben dieser Beschaffenheit sind die meisten Inseln an der östlichen Seite von Sumatra, als die Inseln Bornes, Celebes und viele andere minder beträchtliche, welche hier und da zerstreuet liegen, und gute Berkhey'S Naturzeschichke «on Holland, ä. d. Ho«, i Theil. Leipi- 1779- g. S- 67. 202. 207. -) Neue Samml. »on Reiseb. Hamb. 2 Th. S. 24s. Ufer des Meeres. 379 Rheoe» mir vielen seichten Gründen haben. Besonders bildet die Westseite der Inseln lauter hohe und steile User'). Die Küste von Sibcrien ist überall niedrig und flach: das östliche User von 'Asien bis zur Spitze von Kamtschatka mch- renthcils hoch und selsigt. Die ganze Küste von Guinea in Afrika bekommt durch ihr Grün ein schönes Ansehen: der gröste Theil des Landes längs derselben ist sehr niedrig und Ueberschwemmungen ausgesetzt. Von dem Vorgebirge Gardafu, der nördlichsten Spitze Afrika's bis nach Mozambique, in einer Länge von 55o Meilen macht die Küste eine Einbeugung. Vom Vorgebirge Mozambique bis zum Cap de Corrienles sind 170, und von da bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung Z^o Meilen. Von hier geht die Küste nordwärts ein wenig abgerundet nach Westen zu, so weil das Königreich Congo sich. erstreckt. Der gröste Theil dieser Küsten ist niedrig, und Ueberschwemmungen bloßgestcllt. Die Küste von Senegal besteht aus einem flachen, sandigen, weißen Erdreiche. Die östliche Küste von Nordamerika, Leren Außeulinie von Nordosten nach Südwesten fallt, ist in den nördlichsten Gegenden von Labrador, Neuland u. s. w. herab fast durch, gängig steil, schroff und felsig. Einige vorspringende schma- ^ le, sandige Bänke, als Cap-Cod, Cap-Zinn, machen keine geltende Ausnahmen. Schon längs der ganzen Küste der Bassins- und Hudsons-Day ist das Land sehr schroff, und von einem fürchterlichen Ansehen. Die Ufer haben viele Buchten und Anführten, welche mit Schnee und Eise angefüllet, und bis aus den Grund zugefroren sind. Indeß findet man in der Hudsons-Bay auch hin und wieder flache User. Diese Küste nun nimmt um den ein und vierzigsten Grad der Breite eine verschiedene Beschaffenheit an. Der *) Dampier. 88o Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. südöstliche Theil von Long-Jsland, und von da längs dem Meere hinab bis Florida, stellt nur ein einförmiges, niedriges und sandiges Ufer dar. Das letzte, hohe Land in jener Gegend sind die Hügel von Neversink bei Sandy-Huck auf Jersey, und von da findet sich nichts ähnliches bis zu einigen Sandhügein in Florida, die jedoch nichts anders sind, als vom Meere aufgeworfene Dämme, und dabei nicht höher, als andere Wälle, welche überall an dem Gestade von Florida, Carolina und Virginien vorkommen. >Die Nordamerikanische Küste bis nack Florida hinab, hat dieses durchaus gemein, daß sie überaus flach ist, und sich vom User des Meeres an, nach den inneren Gegenden und nach den festen Felsenreihen zu, gemächlich erhebt: und eben so fällt auch der feste Grund seeeinrvärts nur allmäh- lig ab, und die Ti^fs des Meeres nimmt sehr langsam zu. Ehe man eilte Tiefs von fünfzehn Faden erreicht, muß man sich schon sehr weit vom Ufer entfernt haben. Dieser letzte Umstand ist eine für die Seefahrer wichtige Bemerkung, und lehrt sie die Gefahren einer an sich so niedrigen und nicht über fünf bis sechs Seemeilen zu entdeckenden Küste zu vermeiden. Das Senkblei, welches die Tiefe des Wassers anzeigt, unterrichtet zugleich von der Entfernung des dem Auge noch verborgenen Landes, wo nicht mit genauer Bestimmung, doch ungefähr. Kommt man aber in den ein und vierzigsten Grad N. Br., so werden die Ufer steiler, das Land wird gebjrgigt, und schon jenseit des 45. Grades nimmt die Küste die oben erwähnte Beschaffenheit an; hier aber sind schöne Häfen und Landungsplätze desto häufiger. Vom ein und vierzigsten bis zum fünf und dreißigsten. Grade der Breite, oder der Gegend des Cap Hatteras ist, nach Angabe aller guten Karten, der südwestliche Abfall mit Einbug der Küste weniger beträchtlich, als von diesem Cap an, längs der Küste von Georgia, Carolina und Florida, weiche letztere der großen Wirkung des ihnen nähern Gulf- Ufer des Meeres. 36* stroms vielleicht ihren liefern Ausschnitt zu verdanken haben. Die ganze Landstrecke, zwischen dem Oceane und der erwähnten Felsenreihe, ist eine gegen das Meer ganz gemächlich sich neigende Fläche, welche nirgends durch Unebenheiten unterbrochen wird, als längs der verschiedenen, theils stehenden, theils fließenden Wasser. Erst an dem vom Oceane bespülten - Ufer findet man in der Länge fortlaufende Dämme, die das Werk des Meeres sind. Wenn man von Wil- mington nach Eharlestown die untere, oder längs der See gelegene Straße reiset, so geht der Weg auf sechzehen Englische Meilen unmittelbar am Raäide des Meeres hin, über die so genannte lange Bay, und diesen ganzen Weg hat man zur Rechten,^ in verschiedener Entfernung von einem bis zu zweihundert Schlitten, eine mit dem Meere parallel laufende Reihe Wälle drei, zehen bis sechszehen Fuß hoch. Der Sand, woraus der Strand besteht, erlangt durch das Bespülen des Wassers eine besondere Festigkeit und glatte Oberfläche, gleich dem Boden einer geschlagenen Tenne. Wird nun durch die Länge der Zeit, und durch solche Din- dungsmittel, als sie wahrscheinlich aus dem Meerwasser erhält, die ganze Masse hart, so entsteht daraus der sogenannte Muschelstein. Dies ist bei der Znsel Nord-Veach der Fall. Der Sand ist übrigens von der Sonne und dem Wasser so weiß gebleicht, daß das Auge leidet, wenn man lange darauf sieht. Sobald er noch nicht auf jene Art verbunden worden ist, hebt ihn der geringste Hauch des Windes wie Schnee empor. Diese vom Oceane aufgeworfene Wälle erscheinen auf ihrer nach dem Meere gekehrten Seite beinahe senkrecht abgebrochen, auf der entgegen gesetzten aber abhängiger, und mit Gewächsen bekleidet. Eben so ist die Küste der südlichen Hälfte von Nordamerika, dicht vor dem festen Ämde mit einer Reihe niedrig Zg2 Fünfte Abth. Zweiter Abschnitt. ger, schmaler, von Norden nach Süden sich erstreckender Eylande beseht, innerhalb welcher kleine Fahrzeuge weite Reisen längs der Küste machen können, ohne den Gefahren des hohen Meeres bloßgestellt zu seyn. Die Ufer der Westindischen Eylande bestehen aus Kalkfelsen, welche da, wo sie auf erhöhcten und entblößten Stellen der Luft ausgesetzt sind, oder am Meere vom Wasser ausgespület worden, an ihrer Rinde schmutzig-schwarz und hart, unten aber weiß, kleinkörnig und zerreiblich sind. Ihr lockerer Zusammenhang gestattet, daß die ««prellenden Wogen sie auf eine seltsam in die Augen fallende Weise aushölen und durchlöchern *). Die Insel Cuba ist an ihrem Ufer mehrentheils flach, niedrig, und an einigen Stellen sogar mit der Ebene des Meeres gleich; die nahe dabei gelegene Insel Domingo ist dagegen in den meisten Gegenden hoch, und an der Westseite steil. Die Küsten des Mexikanischen Meerbusens sind flach, vorzüglich an Louisiana. Das Land um den Mississipi ist besonders sehr niedrig, so daß viele Gegenden desselben unter Wasser stehen, und nur an den hervorragenden mit Schilf bewachsenen Stellen zu erkennen sind. Es ist schwer, daselbst und an der benachbarten Küste zu landen, weil das Meer sie bedeckt, und man sie erst in einer gewissen Entfernung gewahr wird. Von gleicher Beschaffenheit sind die Küsten von Iueatan, um den Meerbusen von Honduras und Carrhagena, und daher zu Zeiten überschwemmt. So sind auch die Ufer von Guiana, vom Sronoko bis an den Amazonenflnß in einer Lange 125 geographischer Meilen, schlammig, hier und da mit Sandbänken besetzt, und mit unzugänglichem Dickigt bewachsen. Ueberhaupt trifft man in ») Hrn. Schoepf's Beiträge zur mineralogischen Kenntniß des östlichen Tlieils von Nordamerika.! Erlang. 178;. 8- S. 1. f. Desselben Reise durch einig- Provinzen der Nordamerikanischen Scaalen. Erlan». >782> S. 2 Band. S. 58g. Ufer des Meeres. 5Ä5 den Gegenden, die in der Nachbarschaft großer Flüsse liegen, dergleichen der Oronoko, Madalena u. a. sind, sehr niedrige Küsten an. Die Gestade von Brasilien laufen von der Mündung des Amazonenflusses an i35o Meilen ostwärts bis an das Cap St. Noque, und von da wenden sie sich gegen Süden bis nach Paraguay; das Küstenland ist mehr niedrig, als hoch, allein überaus angenehm, indem es abwechselnd aus Wiesen und Wäldern besteht. Die Küste vom Amazonenfiusse bis an den Rio de la Plata ist ebenfalls flach; auf der Westseite von Amerika von dem hohen Lande bei Guatimala in Mexiko bis nach Lalifornien ist der gröste Theil der Ufer niedrig *). Dritter Abschnitt. Wasser des Meeres. Beschaffenheit des Meerwaffers. a. Geschmack des Meerwassers. ^aS Wasser des Meeres zeichnet sich durch seinen eigenthümlichen Geschmack vor allen übrigen Wassern des Erdbodens aus: nemlich durch seine Salzigkeit und Bitterkeit, eine Eigenschaft, die von den fremden Theilen abhängt, welche demselben beigemischt sind; denn sobald man solches davon durch die verschiedenen Wege trennt, welche wir in der Ulloa I Ttz. S. 12 . Haresink'S Beschreibung von Gulana, oder der wilden Küste von Amerika, a. v. Holl. von Fabri. r Th. Berlin *784. 6. S. 2 . Z. OaiLxier Vo^. 1'. H. p. 476- 3N4 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Folge werden kennen lernen, so bleibt ein reines und süßes, oder, wie der Seemann es nennt, frisches Wasser übrig. Wenn wir die Menge der fremden Theile betrachten, welche das Meerwasser von seinem eigenen Boden auflöset, oder von vermoderten Thieren und Gewächsen erhält, die dieses Element bewohnen; wenn wir Hiebei in Anschlag bringen, was die Flüsse in diesen allgemeinen Sammelplatz ausleeren *); so wird man es sehr begreiflich finden, daß dem Mecrwasser schon hierdurch ein ganz eigenthümlicher Geschmack mitgetheilt werden müsse. Dieser Geschmack macht es nun völlig ungenießbar. Ob man gleich ein Glas voll davon hinunter bringen kann, es auch als ein Mittel gegen die Seekrankheit angerühmt wird; so verträgt es doch der Magen selten, und es erregt bei den mehreften Uebelkeit und Erbrechen. Wenn das Wasser in der Kajüte fault, so ist es beinah unmöglich, den Gestank wieder hinaus zu schaffen, und viele Reisende werden von diesen Ausdünstungen krank. Man wäscht auf den Schiffen nur das gröbste Zeug damit, und dieses wird, wenn es auch noch so lange an der Sonne gehangen hat, und völlig trocken zu seyn scheint, doch sogleich wieder feucht, so bald die Luft naß und regenig wird °). So dient es auch dem Menschen nichts weniger als zum Nahrungsmittel. Marsili ließ damit Brod backen. Die Gährung ging gut von statten, auch bekam es eine schöne Farbe: allein der Geschmack war salzig, und als es einen Tag alt war, konnte man es vor Bitterkeit nicht essen. Man hat es versucht, das Meerwasser in seine Bestandtheile zu zerlegen, und gefunden, daß es, außer dem süßen OLavoisier nennt ras Meer: das Spülwasser der protzen Werkstätte der Narur. ») Äaim'ö Reise. » Lh. S. iZo>. k r Geschmack des Meerwassers. 385 süßen Wasser, gemeines Küchensalz, ein aus Salzsäure und Bittersalzerde bestehendes Mittelsalz> und etwas Gyps und Kalkerde enthalte, welche fixe Bestandtheile durch das kohlensaure Gas im Zustande der Auflösung erhalten werben. Bergmann O fand tn dem Seewasser, welches Sparr- mann 1776 auf der Höhe der Canarischen Znseln iu sechs- zig Faden Tiefe ausschöpfen ließ, folgende Verhältnisse in jedem Schwedischen Kannen-Maaße. Kochsalz - - 2 Unzen 433 Gran. Salzmagnesie - — - Z 6 c> - Gyps , - 2 - 45 - Lavoisier entdeckte in vierzig Pfunden Meerwasser, welches man in Diep e geschöpft hatte, folgende Bestandtheile. Kochsalz, welches Mineralalkali znm Grundtheile hatte 8 Unz. 6 Quenr. Glauber- und Epsomsalz - —- , 4 ? 26 Gr. Zerfließbares Kochsalz mit kalk- erdigem Grundtheile - l - 5 - ic> - Zerfließbares Kochsalz mit dem Erundtheile des Epsomsal, zes - , - - 1 - — - — - Baume untersuchte ebenfalls verschiedentlich Meerwasser, welches zwölf Fuß unter der Oberfläche im 34 Gr. »4 Min. N. Br. ausgeschöpft war, und fand darin erdiges Kochsalz, Selenit und Glaubersalz O- Hieraus erhellt also, daß das Meerwasser in die Klasse der muriatischen Wasser gehöre. Die Salzigkeit kommt r) Dirs. üs Lqna xelaxica. Oxnsc. t. x. tgr. Schwer. Ab!>. ». I- - 777 - S) snr l'nsaxs äs l'esxrlk äs vln. äsirs äss vnnerales. IVIsm. äs 1 '^.o-iä. a karls. 1772. x. 2. Desselben physisch chem. Schriften, a. d. Fr. von Weisel. « B. S, » 4 S. d) Däsm. äs » kLr. 1737. x. 547 » 649 » Db 336 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. demselben allenthalben ohne Unterschieb zu: jedoch nicht überall in gleichem Grade. Im Ganzen ist der Salzgehalt stärker, je weiter sich das Meer von -en Polen entfernt. Die Ursach liegt in der durch die Sonnenwärme erzeugten größern Ausdünstung, weiche das süße Wasser fortnimmt: da denn die Salztheil» l chen dichter zusammen kommen müssen. So ist, wie die Erfahrung lehrt, die Salzigkeit des Meerwassers an den Küsten Norwegens geringer, als in den südlichen Europäischen Gewässern, und unter den heißen Himmelsstrichen. Aus einem ähnlichen Grunde nimmt aber die nach Norden zu verminderte Salzigkeit gegen die Pole wieder zu, und dies ist die Wirkung der strengen Kälte, welche dem Meerwasser ebenfalls eine Menge süßen Wassers durch den Frost ent- i zieht. Da, wie wir in der Folge sehen werden, das Eis bloß aus süßem Wasser besteht, so behält das zurückbleibende seinen Salzgehalt in einem concentrirtern Zustande bei. > So merkt Andersen H an, daß die Salzigkeit des Meer- ! Wassers bei Zsland stärker sey, als an den Küsten Norwegens. Was demnach in der heißen Zone durch die Hitze bewirkt Ivird, geschieht in der kalten durch den Frost. Die Beobachtungen, welche des^Pages -) in dieser Absicht aufgezeichnet hat, scheinen indeß hiemit im Wider- ! spruch zu stehen. Er stellte sie in dem Raume von Lo Graden südlicher bis zum 82 Gr. nördlicher Breite an, bediente sich dazu einer Wasserwage und des Wassers aus zehen Fuß Tiefe. Er fand den Grad der Salzigkeit in den heißen Zonen geringer, vielleicht aber bei feuchter Lust, welche, wie wir gesehen haben, der Ausdünstung hinderlich ist. Es dürfen uns aber seine Abweichungen nicht irre machen, da man Nachrichten von Jtland und der Straße Davit. Frankfurt und LUPUS -747- 2 ) Reisen rc- S. 7lr- Geschmack des Meerwassers. 36? nunmehr weiß, daß seine älteren und neueren Reisen ge, Mache sind, ohne daß er sich von seinem Schreibtische entfernte, und ohne ein aufgespanntes Segel zu sehen. Sein Werk besteht vielmehr aus zusammen getragenen Nachrichten, in die man um so mehr Ursach hat, Mißtrauen zu sehen, da die Quellen nicht bekannt sind, würaus er geschöpft hat. Seinen Bestimmungen zufolge enthielten hundert Pfunde Meerwassers in der südlichen Breite: unter dem 40 ° L» ' - - - Pfund Salz. - - 4 o 12 - - - 4 ; - - - 40 Zo - - , 4 - - - - 2Z 54 - - - 4 - - - 20 24 - - - r L < - I 16 - - - 31 F in der nördlichen Breite: - 4 22 - - 31 - - - - 10 -4 - - R - - - - 25 - - - - N - - - 39 r - r - r 4 - - - - 43 - - r 4 L F - 59 - - - - - 31 r - - - 64 - - - / - - 4 i - ' L - - 74 - - - - 4 r - - - - 6 r zwischen Eisfeldern L 4 - - Von dem Meerwasser, welches während der Fluth um das Schiff angefroren war, enthielten hundert Pfunde 1 Pf. Salz. Das Thermometer stand drei Grade unter dem Gefrierpunkte. Eben solche Stücke, acht Tage aufbewahrt, gaben in hundert Pfund ; Pf. Salz. Das Thermometer stand ein oder zwei Grade unter dem Gefrierpunkte. Bb 2 888 Fünfte Abth. Drittem Abschnitt. Dasselbe Eis, drei Wochen aufbewahre, zeigte, bei einer Temperatur von sechs bis eilf Graden unter dem Gefrierpunkte gar kein Salz mehr. Da, wie wir unten sehen wer, den, gefrorenes Meerwasser durchaus süße ist, so müssen die wenigen Salzkheilchen Ihm äußerlich angehangen haben, oder zufälliger Weise hinein gerathen seyn. Nach angestellten Beobachtungen halt das Meerwasser bei Island ^ bis L Salz gegen seine Schwere; an der Küste von Norwegen ^ bis bei Wallon daselbst -x bis 2V, im Bothnischen Meerbusen L bis an der Teutschen Küste bei Cumberland bei Northumberland und Durham an der Mündung der Themse A; im Britti- scheu Kanale um HollaNd L; um Frankreich um Spanien Ein ungleicher Abstand vom Lande macht in dem Salzgehalte des Meerwassers einen beträchtlichen Unterschied. Zn den Meerbusen, welche viele und große Flüsse aufnehmen, ist das Wasser an diesem Stosse weit ärmer, als auf dem hohen Meere. Dies gilt auch von den Gegenden an den Küsten. Da z. B., wo die Rhone sich in das Mittel- ländische Meer ergießt, ist es ungleich weniger salzig, als weiter hinein. An dem Gestade um die Mündung des Pla- tastroms und des Orenvquc, so wie auch an der Küste.von Congo, beim Ausflusse des Zuear, enthält das Meer süßes trinkbares Wasser. So ist nach Bergmann*) bei Go- thenburg und Halmsiadt in Schweden das Wasser weit ärmer an Salze, als bet Marburg, wo dergleichen Ergießun- gen nicht statt finden. Dagegen sind auch Fälle vorhanden, wo der Salzgehalt des Meerwassers durch salzreiche Flüsse noch verstärkt wird, wie z. B- an einigen Stellen des Meeres um Tunis und Algier. Es wird als ausgemacht angenommen, daß das Meer- ') Ph. Erdb. - B. S. zSi. Geschmack t.'s Meerwassers. Z89 Wasser in dem Verhältnisse salziger weriw, als seine Tiefe wächst. Die Beobachtungen des Sparrmann scheinen diesen von Wallerius und Bergmann zuerst vorgetragenen Satz auss neue zu bestätigen, welcher sich in der Voraussetzung gründet, daß die Salztheilchen ihres größer» Gewichts wegen sinken müssen, wozu denn noch komme, daß das Wasser der Oberstäche durch Regen und Schnee verdünnt wird: vorzüglich scheinen ihn die Beobachtungen des Marsili zu begünstigen. Dieser fand in der Meerenge von Constantinopel die eigenthümliche Schwere des Wassers an der Oberfläche und auf dem Grunde von 62 zu 72, und hiemit stimmen die von Wilke, im Oresunde gemachten Beobachtungen, wonach er das Gewicht zwischen dem obern und untern Wasser, aus 10,0^7 zu io,lgg setzt, übereil,: allein es giebt auch wichtige Gründe dawider. Man kann einräumen, daß das Salz, wenn es in einem ruhig stehenden Wasser aufgelöset wird, sich nach und nach zu Boden senke, so daß nach einiger Zeit die Auflösung auf dem Boden des Gesäßes stärker ist, als oben: allein hievst, läßt sich keine Anwendung auf das Wasser des Oceans machen, welches bis zur grosicn Tiefe durch Ebbe und Fluth, Strömungen, Winde, Thiere in steter Bewegung erhalten wird, und wo außerdem die Salztheile mit dem Wasser weit inniger verbunden sind, als in einer Salzauf- lksung ersterer Art. Der -Beobachtung des Marsili fehlt es wohl an Beweiskraft, da sie in Meerengen zwischen zweien ganz ungleich gesalzenen Wassern gemacht ist, und dieses Verhältniß nicht auf die angrenzenden Meere, am wenigsten aber auf den ganzen Ocean, ausgedehnt werden kann. Das von ihm angegebene Verhältniß ist übrigens an sich schon fehlerhaft: denn angenommen, das obere Wasser sey süß gewesen — ob es gleich wirklich salzig war — l» konnte doch das untere die angegebene Schwere nicht besitzen. 39» Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. da eine vollkommen gesättigte Salzlauge nicht viel darüber geht. Bladh fand durch angestellte Versuche auf dem hohen Meere, daß bei fünfzig Faden Tiefe in der Salzigkeit des Mcerwassers kein merklicher Unterschied statt finde, wenn man anders annehmen darf, daß sich das Gewicht nach der Salzigkeit richte. Zugleich merkt er an, weiches auch mit Sparrmann's Berichte übereinkommt, daß das untere Wasser v on dem ekeln un d widrigen Geschmack deS .otzLlL frei sey, und daß aus diesem Grunde die Salzigkeit — Obgleich an sich nicht st ärker — doch die Zunge meh r re ihe. Überhaupt zeigen die verschiedenen Urtheile der Kostenden deutlich gennng, daß der Geschmack zu Bestimmung des Salzgehalts so unmerkbar verschieden gesalzener Wasser nicht zureiche, da es hier auf einen Unterschied von höchstens einigen Tausendtheilchen ankommt. Hermelin merkt an, daß beim Wallon-Salzwerke in No-wegen, das Wasser zum Versieben dreißig- Fuß tief unter der Oberfläche heraus geschöpft werde« weil die Soole hier um vier Grade stärker sey, als oben. Er fügt jedoch hinzu, daß das Wasser an der Oberfläche, wenn im Frühlinge das Eis zuerst weggeht« welches bloß aus süßem Wasser besteht, eben so stark gesalzen sey: daß aber in den Früh» lingsfluthen, und wenn Regen einfallen, sich der Salzgehalt in der Maaße vermindere, je größer oder geringer die Beimischung des süßen Wassers sey. Dieses letztere verbindet sich nicht sogleich mit dem Meerwasser, sondern schwimmt anfänglich, da es leichter ist, oben auf der Fläche des Wassers, bis es sich durch die Bewegung mit einander mischt. Unter der Oberfläche behält es seine Salzigkeit gleichförmiger. i) Neue Abhanb!. der Schweb. Acad. 2 V. S- rw. ff. -) Schweb. Aby- v. 2. 17. S. 59- Geschmack des Meerwassers. Zg» Büffon giebt das Wasser der Oberfläche für salziger aus, als das in der Tiefe. Der Grund dieser Behauptung ist nicht angegeben, so viel aber doch gewiß, daß die Salzbereiter am mittelländischen Meeri sich des. obern Wassers bedienen, welches bei der höchsten Fluth in die Sümpfe gelassen wird, um solches abdampfen und in Kristallen anschießen zu lassen. Die Beschaffenheit des Grundes und Bodens trägt auch zu der mehrern oder mindern Salzigkeit des Meerwassers bei. Seichte Stellen dünsten stärker aus, als tiefe, weil sie bis auf den Boden erwärmt werden, und müssen daher salziger seyn. So ist nach Bergmann -) bei Carlscrona z. B. das Wasser auf flacherem Grunde beträchtlich wärmer, als auf dem tiefern Boden, Md dies ist vielleicht die Ursach, daß in dem Meerbusen von Californien die Salzigkeit gegen das Land bei verminderter Tiefe zunimmt. Mancherlei Umstände können auch bewirken, daß der Salzgehalt des Meerwasserö an einem und demselben Orte nicht zu allen Zeiten gleich ist. Hierzu tragen Jahreszeit und Witterung bei. An der Küste von Cumberiand bekommt man nach einer starken Dürre und nach einem Regen nur ^ Salz, und bei Malabar wird das Meerwasser zur Regenzeit bisweilen trinkbar, vielleicht durch wirkliche Verdünnung, oder dadurch, daß das süße Wasser die obere Fläche bedeckt. Stürme rühren das Meer bis zu einer gewissen Tiefe auf, und mischen mehr oder weniger das ungleich gesalzene Wasser. Zn Island soll, nach Olafsens Bericht, das Wasser während der Ebbe salziger seyn, als zur Zeit der Fluth, welches sich in dem Bothnischen Meerbusen umgekehrt verhält, so daß der gemeine Mann von der Zunahme des Salzgeschmacks auf die Annäherung der Fluth schließt-). ) Ph. Erdd. i Lh. S. 36;. -) Versmann a. a. O. S. M. s. 592 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Hier sollen auch die Jahreszeiten viel mitwirken, so daß das Wasser um die Wintersonnenwende K, um die Zeit der Nachtgleichen und um die Sommersonnenwende hält Palmstruck behauptet, daß in diesem Meerbusen um die Wintersonnenwende Zo Tonnen Wasser zu einer Tonne Salz gehören, um die Nachtgleichen 1Z0, und um die Sommersonnenwende Zoo. Woher rührt nun die Salzigkeit des Meerwassers? Lichte nberg zweifelt, ob die Frage: woher das Meerwasser sein Salz erhalte, wirklich einen vernünftigen Sinn habe. Nemlich das Meer empfängt nicht Salz, sondern es behält nur das, was es Einmal hat. Dies ist auch natürlich, da es durch die Ausdünstung kein Salz, sondern nur Wasser verliert', welches die Flüsse wieder ersehen. Die Frage wäre also: woher das Meer sein erstes Salz erhalten habe? Diese seht zum voraus, daß das süße Wasser das ursprüngliche, das Meerwasser aber aus diesem durch Beimischung des Salzes entstanden sey. Freilich können die Menschen nicht anders Salzwasser hervorbringen, als indem sie süßes Wasser mit Salze vermischen: allein hieraus folgt noch nicht, daß die Natur eben so handeln müsse. Viele Materien, die wir als zusammengesetzt ansehen, sind von der Natur auf einmal durch eine einzige Operation erzeugt worden, und also in so fern wirklich einfach. So scheint auch das Meerwasser das erste ursprüngliche Wasser unserer Erde, und alles süße durch die Ausdünstung aus dem Meerwasser entstanden zu seyn. Wir wollen darüber die Gedanken einiger der berühmtesten Naturforscher kürzlich vernehmen *). Aristoteles lehrt, daß die Salzigkeit des Meeres durch die gröberen Ausdünstungen erzeugt werde, welche aus *) Philosophische Abhanbl. des Problems; woher das Meer seine Sättig» tigkeit habe. Eoehenb. »757. Geschmack des Mecrwassers. 593 dem Grunde desselben hervorkommen, und durch die Sonnenhitze verbrannt,- in den Ocean zurück fallen. In den neueren Zeiten hat man diese Hypothese wieder aufgewärmt, und näher zu entwickeln gesucht Von dem Boden des Meeres steigen nemlich unaufhörlich Dünste auf, welche sich erheben, und genöthigt werden, sich mit dem Wasser zu vermischen. Sie verbinden sich mit vegetabilischen und animalischen Stoffen, führen einen Theil davon mit sich fort, und machen, daß das Meerwasser salziger, schwerer und bitterer wird. Von diesen.Substanzen gehen die leichteren zur Oberfläche, die schwereren behaupten die tieferen Stellen. Diese fremdartigen Theile suchen sich zu trennen, die flüchtigen machen sich los. Es kommt zu einer Gährung. Die Wärme vermehrt sich, und das Meer reinigt sich beständig von dem Ueberflusse dieser Materie»., gleichsam durch einen innern Krieg, und sie verursachen eine- große Bewegung. Die festeren Theile sinken zu Boden, und die flüchtigen steigen in den Dunstkreis empor. So soll das Meersalz sich täglich bilden, so täglich zerstört werden. Der Boden des Meeres bewirkt das erste, und seine Oberfläche das letzte. Das Salz und die bituminösen Theile werden durch die Wärme und Gährung verfeinert: sie entgehen dem Meere, und erheben sich in die Luft, um sie zu nähren, in Bewegung zu setzen, Gewitter hervorzubringen u. dgl. Die festeren Theile dienen den Thieren als Materialien zum Bau der Schaalengehausc und Korallen. Diese Theorie zeigt nun leicht, daß die Salzigkeit des Wassers im Meere so wenig zu - als abnehmen könne. Wenn aus dem Innern der Erde mehr Dünste als gewöhnlich hervvordringen, so ist die Gährung, folglich die Zer- setzung größer, und der Lustkreis erhält der Theile mehr: *) Nonler Otiserv. 1°. Vlll. x. 17- 394 Fünfte Abch. Dritter Abschnitt. brechen aber weniger Dünste hervor, so ist auch die Bewegung der Theile schwächer. Man kann die ungeheuren Landseen, deren es in Nordamerika so viele giebt, als einen Einwurf gegen diese Hypothese anführen. Wenn, wie Bergmann auch zum Theil zu glauben geneigr ist, diese Dünste mit den durch die Fäul- niß der Thiere und Pflanzen, und andern im Wasser vertheilten Materien das Seesalz erzeugten; so müsien diese Wassersammiungen gleichfalls salzig seyn, weil aus ihnen-eben« falls Dünste hervorstcigen müssen. Diesem Einwurf sucht man indeß dadurch zu begegnen, daß hier die strenge Kälte der Fermentation des Meersalzes hinderlich sey; daß ihr Wasser auch in der That schon eine Anlage habe, salzig zu werden; daß sie doch diese Eigenschaft nicht in einem höhern Erade.erhalten könnten, weil sie in großen Strömen abflössen, und durch Bäche und Flüsse immerfort wieder süßes Wasser bekämen. Marsili und einige andere Naturforscher schrieben diese Eigenschaft des Meerwassers dem Steinsalze und den Salzquellen zu, welche sich auf dem Boden des Meeres befänden. Das Daseyn derselben laßt sich nicht läugnen. Boyle bezeugt, irgendwo in der heißen Zone ganze Massen von Salz in fester Substanz angetroffen zu haben, dessen er sich bei Zubereitung der Speisen bediente. Sollten nun auch diese Massen in hinreichender Meng: vorhanden seyn, und sich allenthalben so weit verbreiten, daß sie den Ocean überall stark genung salzen könnten; so steht doch immer noch die Schwierigkeit im Wege, daß das Meer nur in der Tiefe, Nicht aber an der Oberfläche salzig seyn müste: denn Stürme bewegen das Wasser in einer gewissen Tiefe nicht. So wenig der ausgelösete Zucker in einer ruhig stehenden Tasse alles durchsüßt, so wenig wird das Meerwasser hier durchaus gleich salzig werden, wenn nicht etwa Ebbe und Fiuth, und die sich stets bewegende» Seethiere das bewirken, was Geschmack des Meerwassers. 395 der Löffel in der Tasse. Einigen Naturforschern ist es daher wahrscheinlich, daß die Salzbanke aus dem Boden des Meeres vielmehr ein Niederschlag aus dem Wasser, als eine Ur- fach ihrer Salzigkeit seyen. Dies macht auch der Umstand wahrscheinlich, daß man zwischen den Schichten dieser Salz- Maffcn Meeresgeschöpfe, als Schaalthiere u. s- w. angetroffen hat. Man findet sie in allen Tiefen, und ungeheure Berge über ihnen aufgethürmt, wenn solche nicht etwa von einer spätern Formation sind. Auch scheinen die Salzstöcke auf dem trockenen Lande, nach Franklin und Popo- witsch -), so wie auch Dorn für das Salzwerk bei Torda in Siebenbürgen beweisen will, keinen andern Ursprung zu haben. Fichtel O macht indesstn gegen diese Entstehungsweise der Salzbänke im Meere erhebliche Einwendungen. Noch nie hat man auf dem Boden des Meeres, wie er glaubt, Rinden, nicht einmal von der Höhe eines Zolles gefunden, da er doch überall damit bedeckt seyn müste. Er ist vielmehr der Meinung, daß sich das Salz in dem Wasser des Oceans beständig aufgelöset erhalte, so wie in den Salzteichen, deren er eine Menge sah, aber niemals das geringste von einer Salzpräcipitation darin entdeckte, ungeachtet sie mehr als Salz enthielten. Man findet zwar auf iem Boden des Kaöpischen Meeres und des Persischen Meerbusens Salz: allein dieses Salz, welches hier nur an eiligen Stellen angetroffen wird, ist, wie er glauot, kein Niednschlag oder Bodensatz, sondern ein ursprünglicher Salzstock. Wir haben indeß oben mehrmals zu be- I) xxxeriwents anst Odrervsrions on I'. H 79 - Unr. c Meere. Brief über Mineralog. Gegenstände- S. ,57. «) Minealogische Bemerkungen von den Karpathen. - Tb. Wien 1791. K. II. Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. 396 merken Gelegenheit gehabt, daß die Salzseen Asiens sehr starke Salzrinden auf dem Boden absetzen. Die Ver- dünstung eines Meeres, wobei ein Salzniederschlag zurückbleibt, ist an sich wohl gedenkbar: allein kein Niederschlag von so ungeheurer Dicke. Es können allerdings beim Ab, und Rückzüge des Oceans ansehnliche Gewässer und kleine Meere übrig geblieben seyn, durch deren allmähliche Vcr- dünstung und Austrocknung Salzmassen entstanden sind. Berechnet man jedoch nur für die Mächtigkeit von Zoo Fuß den Meeresstand, welcher zu einem so großen Niederschlage erforderlich gewesen wäre, und nimmt man dabei an, daß das Meerwasser zwolflöthig gewesen sey; so ergiebt sich schon eine Höhe von Zooc> Fuß. Nun erwäge man, ob es nach dem Zurückzuge der großen Gewässer noch wohl solche par, ticuläre Stellen auf dem Erdboden habe geben können. Zst nun, wie daraus nothwendig folgt, der Salzniederschlag be, reits im alten Meere vor einer der Hauptrevolntionen der Erde geschehen, wie war dabei eine Austrvcknung, ein Bodensatz, und zwar durch allmähliche Verdünstung, möglich? Es muste hier allenfalls eine unterirdische Feuerkraft hinzrr- tretcn, um eine große Ausdünstung zu bewirken *). Halley behauptet, daß die Flüsse dem Meere seine Salztheile nach und nach zuführten. Wer sieht iber nicht, daß dieser Weg wenig geschickt sey, dem Oceane davon eilten hinreichenden Verrath mitzutheilen, da das Salz der Flüsse mit dem Meerwasser in keinem merklicher Verhältnisse steht? es müste auch in diesem Falle das Wasser in der Nähe der Küsten am salzigsten seyn, wovon uns iber durch die Erfahrung das Gegentheil bekannt ist. Fernr müstcn alle Landseen, welche Flüsse aufnehmen, aber keim, wenigstens beträchtliche, wieder abgeben, folglich eben piche De- ») Seruve Versuch einer neuen Theorie der Salzquellen. Den 17Z8. S- S. auch Allgem. Lik. Zeir. v. 3 .17g-. S. -or- Geschmack des Meerwaffers. SS? hälterwie das Meer sind, gleichfalls salzig seyn, welches auch wider die Erfahrung ist. Maison-neuve*) nimmt eS als einen Grundsatz an, daß das Salz in allen Körpern vorhanden, Mit ihnen von gleichem Alter, und durch alle drei Reiche der Natur verbreitet sey- Nur das Wasser wäre ursprünglich frei davon, seiner Natur nach süß, und ohne allen Geschmack. Da wie es nun salzig finden, so müste es diese Beimischung aus jenen Körpern erhalten. Auf welchem Wege? darüber erklärt er sich folgendergestalt: Das Wasser besitzt die Eigenschaft, sich die leichtesten Theile der Körper, welche aufgelöset sind, zu eigen zu machen, und sie in seine Zwischenräume aufzunehmen: allein es hat nicht die Kraft, sie selbst ganz aufzulösen, und die Salztheilchen auszuziehen. Denn, wenn es dies vermögt?, so müste das Fluß- und Landseewasser ebenfalls damit geschwängert seyn, weil sie eben die Materialien enthalten, durch welche das Meerwasser salzig wird. Hiezü ist nun eine besondere Kraft erforderlich. Nachdem er nun gezeigt, daß die Gährnng solche nicht seyn könne, so glaubt ex, sie in derjenigen Bewegung gefunden zu haben, welche man Ebbe und Fluth nennt. Die Flüsse, welche dem Meere diese Substanzen zuführen, können eben so wenig gesalzen seyn, als die Landseen. Diese nicht, weil sie sich in dem Zustande einer völligen Ruhe befinden, jene nicht, weil sie in einer gleichförmigen Bewegung dahin fließen. Die Ebbe und Fluch vermag es allein jene Körper in jenem Grade zu zerstören, daß das Wasser sie vollends auflösen, und die leichtern Theile, als das Salz, in sich aufnehmen kann. Wenn das Wasser solchergestalt so viel aufgenommen hat, als es tragen kann, und es also gesättigt ist, so wird der Ueber- Nori er vdssrv. ro«, XU. x. «92. suiv. 898 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. schuß nach den Gesetzen der Schwere zu Boden sinken, und Salzschichten bilden. Wenn das Land auf diese Weise dem Meere immerfort Salz abgiebt, welches doch nie dahin wieder zurück kommt, da die Ausdünstung nur das süße Wasser hinweg nimmt; so würde jenes nach und nach alles Salz verlieren müssen. Man ficht sich in tausend Schwierigkeiten verwickelt^, und man wird schwerlich eine genugthuende Antwort erhalten, so lange man die Salzigkeit als eine Eigenschaft ansieht, welche in dem Meerwasser nach und nach entstanden ist. Alle jene Hypothesen setzen zum voraus, daß das Meer ursprünglich süß gewesen sey. Wo blieben aber damals die zahllosen Thier- und Pflanzengattungen, denen das Meer zum Aufenthalte angewiesen ist, und welche das süße Wasser nicht vertragen können? Und würde nicht das Meer auf diesen Wegen immer einen starkem Grad des Salzgehalts, endlich bis zur Sättigung, erhalten, da nur das süße Wasser in Dünsten davon geht? Es kann also wohl keinem Zweifel unterworfen seyn, daß dem Meere die Salzigkeit nicht erst nach Verlauf vieler Jahrhunderte, sondern gleich im Anfange mitgetheilt worden sey *). Dies war nöthig, um seinen Bewohnern ein ihnen angemessenes Element zu geben, auch, wo nicht, wie man insgemein glaubt, es so vor der Fäuiniß zu bewahren, doch dadurch das Maaß der Ausdünstung festzusetzen, damit das Land in der Nähe der Meere gegen Wolkenbrü- che gesichert, und den entfernteren Gegenden eine zureichende Menge Wasser, in leichteren Wolken, zugeführt werde. Sein Salzgehalt muß also urjpränglich seyn, so wie auch die Mischung der übrigen Bestandtheile, welche dem Meerwasser seinen ihm eigenthümlichen Geschmack geben. Durch die -) Barbieri von Hinzen» Gedanken von der urspran-lichen Salzl-k-it d«S MeereS, im z Th. des allzem. MazazinS. Geschmacks des Meerwassers. 399 innige Mischung, Derselben wird verhindert, daß die öligen Theile nicht die Fläche des Wassers bedecken, noch das Salz gleich zu Boden sinkt. Diese dem 'Meere eigenthümliche Salzjgkeit k.!»in nun auf keine merkliche Art vergrößert oder verringert werden, sondern muß sich immer gleich bleiben. Der Ocean verliert zwar durch die Ausdünstung eine große Menge süßes Wasser: allein von diesem fallt wieder ein beträchtlicher Theil ins Meer zurück, und das übrige bekommt er durch den Vorrath wieder, welchen die Flüsse hinein führen^ so daß der Abgang wieder erseht wird. Die Bitterkeit ist ebenfalls eine Eigenschaft des Meerwassers. Marsili bracht», durch Zusammenmischung eines halben Loths Kochsalz mit 48 Gran Steinkohlen in 26^ Lothen süßen Wassers, eben den Geschmack hervor, welchen das Wasser des Meeres bei Provence auf seiner Oberfläche hatte. Fast auf eine ähnliche Weise bereitete G.melin aus Kochsalz und weißer Naphta ein Wasser, welches dem Wasser des Kaspischen Meeres völlig gleich kam. Beide leiten die Bitterkeit von bituminösen Theilen her, welche vermittelst des Kochsalzes im Wasser aufgelöset seyen, welchem auch, in Ansehung des Kaspischen Sees, Hablizl -) bei- 'stimnit. Mit diesem mag es, da sich Ströme von weißer und schwarzer Naphta darein ergießen, damit vielleicht seine Nichtigkeit haben: allein bei dem Wasser des Oceans muß der Grund seiner Bitterkeit anderswo liegen. Dies erhellt besonders aus den Versuchen des Maquer, Sage und Lav visier, welche bei der chemischen Untersuchung des Zu- denpechsees nicht das mindeste von einem erdharzigen Wesen darin haben entdecken können Eben dasselbe hat auch ') Reise durch Rußland. 5 B. S. 25g. *) Neue nordische Beiträge. 4 Band. S. 11. ff. O Lleiu. ä» L var. x. 6Z. 4oo Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. PDissonier dargethan. Wenn man gleich zugeben kann, daß das Weltmeer Verschiedene Küsten bespüle, die an diesem Produkte reich sind; daß davon Ströme ins Meer laufe», und ganze Massen davon auf seiner Oberfläche schwimmen, wie Marsili solches bezeugt; so ist es doch schwerlich in so großer Menge vorhanden, und überall so vertheilt, daß damit das Meer gleichförmig versehen werden konnte. Die Bitterkeit des Wassers liegt vielmehr in einigen der vorhin angeführten Bestandtheile, welche sich allenthalben in seiner Mischung befinden. Sie ist, so wie der Salzgehalt, in den verschiedenen Gegenden bald größer, bald geringer, und nach Bergmann'S Behauptung an der Oberfläche stärker, als in der Tiefe, wobei die große Menge der in die Fäulniß übergehenden und in die Höhe getriebenen thierischen und vegetabilischen Substanzen dazu mit beitragen, das Widrige dieser Bitterkeit zu vermehren *). Die dem Meerwasser beigemischten fremden Stoffe machen nun, daß man dasselbe nur mit Ekel und nie mit Er, quickung trinkt. Die Seefahrer sind also sehr übel daran, wen» der Verrath des süßen Wassers auf ihren Schiffen zu Ende geht. Mitten auf einer unermeßlichen Wasserfläche befinden sie sich in Gefahr, vor Dunst umzukommen, oder zu verbrennen, wenn unglücklicher Weise das Schiff in Brand geräth, da dieses Wasser nach der Behauptung einiger nicht taugt, das Feuer zu löschen. Weil es nun beschwerlich ist, die Schiffe bei jeder Seereise mit einem großen Borrathe süßen Wassers zu belasten, sich auch, weil eö in Tonnen mitgeführt wird, darinnen bald Würmer erzeugen, und es in Fäulniß geräth so war man schon lange darauf ,) Schwer. Abh. «8 Band. Mazarin für das Neuest« aus der Phys. »- Lichtenbers- 4 B- S. SS- -) Anson lobe in diesem Stück- das Wasser der Themse: -auch melket er, daß das Wasser auf »er Insel Caiharina, wenn eS ,we! Tale in Fast Geschmack des Meerwassers. 401 darauf bedacht, ein Mittel ausfindig zu machen, wodurch das Meerwasser von jenen fremden Theilen befreit, und in eine trinkbare Flüssigkeit verwandelt werden könnte. Manche Seefahrer nehmen einen Vorrath für drei Monate auf ihren Reifen mit sich, weil sie gewiß sind, zwischen dem 3o- und -fo. Grade nördlicher Breite, Regen anzutreffen. Sie breiten alsdann Matten über das Schiff, von welchen das aufgefangene Wasser in die Gefäße fließt: allein dies findet nur in den wenigsten Gegenden statt. Entsalzen laßt sich das Meerwasser leicht; weit schwerer aber ist es, ihm seine Bitterkeit zu benehmen, jedoch nicht unmöglich, wie man vormals geglaubt hat *). Wenn die Verdünstung und der Anschuß des Salzes gejchehen ist, so bleibt von dem Meerwasser eine dicke gallertartige Lauge übrig, in welcher diejenigen Theile verborgen sind, welche ihm seinen bittern Geschmack geben. Diese Substanzen hindern jedoch nicht, daß man ein klares und trinkbares Wasser davon abziehen könne. Das erste Mittel, das Wasser des Meeres von seinen fremden Beimischungen zu trennen, ist das Seihen. Schon die Natur braucht den Sand, um dasselbe von den Unreinigkeiten zu säubern. So läutern die Dünen bei Hartem das Wasser des angrenzenden Meeres, und es fließt aus diesen vollkommen klar und süß hervor, und man bedient sich desselben zum Bleichen der Leinewand Aus eben diese Weise erhalten die sandigen Gegenden von der Natur ein lern gestanden, sich selbst reinige, indem es unter einem unerträglichen Gestanks einen Schaum von sich gebe, der aber bald zu Boden sinke, und ein süßes Wasser zurück lasse.; S. dessen Reise um die Welt- E. 4S- -) Z. B. der Derf. des Aufsatzes: 8111 Uoarr sto inor. Uosisr Intro- Micr. arix Observatioiis snr lom. 1. x. 251. ') Beschäftigungen der Gestiisch. nakurf. Freunde in Berlin, s Ban». S. zo. C e ssos Fünfte Abkh. Dritter Abschnitt. reines und angenehmes Luellwasscr, und vorzüglich wird das an und für sich schon reinere Regenwasser zur grbsten Lauterkeit gebracht. Marsili hat solches bereits angemerkt, und durch Versuche gefunden, daß funfzehen Pfunde Wasser, bei einer Seihung durch Gartenerde, ein Pfund und vier' zehen Unzen verloren, und daß von diesem Gewichte des Wassers, wenn dieses durch verschiedene mit Sande angefüllte Gefäße lief, noch mehr zurück blieb. P. Labat ') meldet, daß man an allen sandigen Bayen süßes Wasser finde, wovon auch Luloss Beispiele aus der Gegend von Bergen op Zoom, und sonst aus den Niederlanden anfuhrt; er erklärt dasselbe jedoch für Regenwasser, das sich durch den Sand und andere lockere Erden einziehe, und wegen seiner Leichtigkeit über dem Meerwasser stehen bleibe, weil man, beim tiefern Graben in dieser Gegend bis zur Mccresfläche, das salzige Seewasser wieder antreffe. Man hat es daher versucht, den Sandstein zum Fissuren auf den Schiffen zu gebrauchen. Dieser kann es nun zwar von den gröberen Unreinigkeiten frei machen: allein ihm einen guten Geschmack zu geben, vermag er nicht, wenn man sich auch dazu des eigentlichen Filtrjrsteins bedient, welchen Canada und Mexiko von so vorzüglicher Art liefern. DelandeS schlug Wachskugeln, in Form gläserner Lampen, vor, um das Mcerwasser sich durchziehen zu lassen: allein, dieses braucht viele Stunden, um durchzulaufen, und, ob es gleich einen Theil seiner Bitterkeit und den Salzgeschmack ganz verliert, so wird doch das Wachs selbst davon unrein und schmutzig, so daß diese Kugeln erst gerci- i) Vo^AZes Is1e8 Iraiic. äs 1'^meri- Geschmack des Meerwassers. 405 ihrer Absicht. Auch soll Deejardins eine außerordentlich schnelle Art erfunden haben, das Seewasser trinkbar zu wachen, so daß er in einer Stunde vierzig Pinten Wasser reinigte Auf Looks Schiffen bediente man sich der von D. Jrving erfundenen Maschine, wodurch das Meerwass scr ebenfalls vom Salze und aller Bitterkeit befreiet ward °). Nellant b) hat eine Verfahrungsart angegeben, die nur im Falle der dringendsten Noth angewendet werden kann: denn der Ertrag von dreißig Pinten täglich ist nur eine schwache Hülfe für ein zahlreiches Schiffsvolk. 1) «. Crell'S chem. Annalen, r B- S. 48 »- ^ Ilorier Observ, T. XIV. x. Ai6, Zrviug erhielt von dem Brittu schcn Parlamente für seine Erfindung eine Belohnung von viertausend Pfunden Sterling. Sie unterscheidet sich von dem Apparate des D. Lind im Grunde durch nichts, als die Vortheile, welche er dabei anzu» dringen wufie. Da ncmljch die Matrosen vier Tage in der Woche kein Fleisch, sondern bloß Mehlspeisen, Erbssuppen oder etwas ähnliches bekommen, und während dieser Zeit einer von den großen SchiffSkeffcln nicht gebraucht wird; so pflegt man diesen mir Meerwaffer zu füllen, weil er sonstzu sehr vorn Feuer leiden würde. Hrving brachte «ine kupferne Röhre oben in dem höliernen Deckel dieses Kessels an, worin fleh die Dünste sammelten, welche i» die Vorlage abgeleitet wurden. Damit nun die Verdichtung der Dünste desto schneller von statten gehe» mögre, so ward jene Röhre durch eine noch geräumigere, die ebenfalls von Kupfer war, hindurch gesteckt, und ein Matrose muflc beständig frisches Wasser hinein pumpen, um die Röhre geschwinder abzukühlen. Man destillirte also viermal in der Woche ungefähr hundert und zwanzig Quarr, ohne einen größer» Aufwand von Feuerung, alS sonst z» Bereitung der Speisen erforderlich war. Allein hiemit war dem Bedürfnisse noch nicht abgeholfen: denn da die Mannschaft hundert und zwanzig Personen stark war, so fiel auf eine jede alle zwei Lage nur ein Quart. Sollen zureichende Portionen vestillirt werden, so muß die Arbeit den ganzen Tag und auch bisweilen die Nacht hindurch fortgesetzt werden, wozu kein Schiff auf langen Reisen Brennholz oder andere Feuerung j» hinlänglicher Menge mitnehmen kann. Försters Bei». S. Li- f. ') Mb,bocke simple st aisee cks reiiäre I'ean cie mer potabls. Ho- Tier Observ- T. -. x. x. -L7- rilil. Trans, cks 177a. 406 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. An den Schriften des i). Gregorius findet man über diesen Gegenstand eine Erfahrung aufgezeichnet. Man nimmt ein Gefäß, füllt solches mit Mecrwasser an, und setzt es auf das Feuer. Wenn nun das Wasser wahrend der Erhitzung i.-i Dünste aufgelöset wird, so fangt man sie in wohl gereinigten Schwämmen auf, welche, wenn sie genung ein- gesogen haben, ausgedrückt werden, und ein trinkbares Wasser geben. Dieses ganz einfache Verfahren kann in Fällen der Noth immer von einigem Nutzen seyn. Auf den Fall nun, daß durch kems der angeführten Wege auf dem Schiffe süßes Wasser zu erhalten wäre, schlägt man noch ein Mittel vor. Man hat nemiich die Bemerkung gemacht, daß Personen, welche in ein warmes Bad gehen, daraus einige Unzen schwerer hervorkommen, als sie vorher waren. Der Körper muß folglich so viel Wasser eingesogen haben. Dies zeigt sich noch mehr, wenn sie sich zuvor alles Trinkens enthalten,«und durstig in das Bad gehen. Sie befinden sich danach sehr erfrischt, und man > glaubt daher, daß beim gänzlichen Mangel des süßen Was- ^ sers auf dem Meere, ein warmes Bad von Seewasser die Stelle des erstem ersetzen könne, und daß auf diese Weise ^ die Schweißlöcher eine hinlängliche Menge von Feuchtigkeiten einsangen würden, ohne daß man vorn S^lze Beschwerlichkeiten empfände, weil die Feinheit der Gefäße nicht gestatte, daß die gröberen Theile eindringen könnten. Hierdurch,kann den Menschen das Leben vielleicht so lange gefristet werden, bis Zeit oder Zufall Hülfe leisten. Als Columbus lange herum geirrt hatte, und am Ende alle ! Lebenömittel aufgezehret waren, suchten sich viele Matrosen ! das Beschwerliche des Hungers einigermaaßen dadurch er- ^ träglich zu machen, daß sie ihre Kleider in das Meerwasser j eintauchten, und so naß sie waren, anzogen. Im Jahre I i?55 erhielten sich unter ähnlichen Umständen einige Englische Matrosen durch den Gebrauch dieses Mittels acht Tage Geschmack des Meerwassers. 407 länger, als diejenigen, die sich desselben nicht bedienten, und jene retteten dadurch ihr Leben '). Die Erfahrung hat gelehrt, daß das Akeerwasser, seines widrigen und ekelhaften Geschmacks ungeachtet, gleichwohl heilsame und nährende Stoffe enthalte; die Patagonischen Pferde trinken es ^). In England wird dasselbe seorbuti- scheu Personen, und solchen, die von tollen Hunden gebissen worden sind, mit Nutzen zum Trinken und Baden verordnet: auch soll-einst ein Seefahrer, als er im Ost- indischcn Meere auf eine Insel verschlagen wurde, der es an Quellen gebrach, durch den Genuß dieses Wassers in kurzer Zeit von der Wassersucht geheilet worden seyn ^). Wäd. Daeier führt aus einem Scholiasten des Aristophanes an, daß die Griechen gewohnt gewesen wären, m ihre Weine Meerwaffer zu gießen, um sie dadurch vor dem Verderben zu schützen. Man glaubt insgemein, daß das Meereesalz dazu diene, das Wasser vor der Faulniß zu bewahren: allein neuere Erfahrungen haben gezeigt, daß die Körper in dem Meerwasser eben so geschwind faulen, als im süßen. Man kann vielmehr die Salzigkeit, nebst den Mischungen seiner übrigen Bestandtheile, als eine Urfach ansehen, welche die Fäulniß des Wassers eher befördert, als hindert. Man weiß, daß vieles Salz in wenig Wasser die Faulniff zurück hält, wenig Salz aber in vielem Wasser sie beschleunigt. Boyle nahm eine Menge Seewasser an der Engländischen Küste, und sehte es frei hin, da es denn anfing, nach einigen Wochen einen fauligten Geruch um sich her zu verbreiten. Es ist vielmehr gewiß, daß die Bewegung des Meeres durch 1) Mö serS patriotische Phantasien, r Th. S. Z67. *) HatvkeSWorth Gesch. i Ly. 2) loonä. HVluxLL. » 746 . x. 42. 4c>3 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Winde, Ebbe und Fluth, Ströme das Mittel sind, das Mcerwasser vor dem Verderben zu sichern, welchem eine ruhige Wassermasse ausgesetzt ist. Rob. Hawkins erwähnt einer Windstille, wo das Meer einige Tage hindurch ohne alle Bewegung geblieben sey. Es war im Jahre iLgc», als er mit einer Flotte vor den Azorischen Inseln lag. Das Meer war während dieser Zelt mit einer Art Gallert, mit kleinen Schlangen, Vipern und Schnecken bedeckt, die verschiedentlich gefärbt und noch zum Theil lebendig waren. Man vermogte nicht, einen Zober Wasser zu schöpfen, ohne eine Menge solcher Thiere mit zu erhalten. Das Schiffsvolk verfiel allmählig in Krankheiten, und ein Theil davon starb plötzlich weg. Eine geschwinde Entfernung aus dieser Gegend war das einzige Rettungemittel für die Lebenden. Voyle erzählte einer seiner Freunde, welcher auf dem Indischen Meere zwölf bis vierzehen Tage eine große Windstille erduldet hatte, daß das Wasser endlich zu stinken angefangen, so daß sie, wenn solche länger gedauert hätte', am Ende alle würden haben umkommen müssen. Mit jenen Bewegungen verbindet sich, wie wir wissen, noch eine andere, deren Ursach nicht weniger von Bedeutung ist, und diese wird durch die zahllose Menge und Schaaren der Seethiere hervorgebracht, die in einer beständigen Regsamkeit leben, und von der Natur mit dazu bestimmt zu seyn scheinen, in den^ inneren Theilen des Oceans, wo die Wirkungen jener Kräfte schwächer oder gar nicht jvorhanden sind, diejenige Bewegung hervorzubringen, welche mit jenen zusammen genommen macht, daß das Meer nicht in Fäulniß geräth. Henry *) hat Versuche angestellt, das in Gefäßen aufbewahrte Meerwasser vor dem Verderben zu schützen. ») Physik, rc. Abhandlungen der Gesellschaft r» Manchester. - Lh. S. L-> ff. Geschmack des Meerwaffers. 409 Er hatte hier zwei Wege vor sich, entweder dem Wässer ungelöschten Kalk oder Kochsalz hinzuzusetzen: da aber, wie Wir wissen, das letztere in nicht zureichender Menge hinzugethan, eher ein Beförderungsmittel der Fauln,ß ist; so wählte er das erste, dessen fäulnißwidrige Kraft in Beziehung auf das gemeine Wasser er kannte. Aus seinen Versuchen ergiebt sich, daß lebendiger Kalk, im Wasser aufgelöset, die Bittersalzerde von der Salzsäure trennt, und so aus dem'Mecrwasser niederschlägt, indem der Kalk sich mit der Salzsäure verbindet, und in bem Wasser als Kalksalz oder salzsaure Kalkerde aufgelöset bleibt. Das Wasser bekommt also anstatt des vorigen Salzes ein anderes. Die Bittersalzerde wird, da das Fällungsmittel ätzender oder kohlensäureleerer Kalk ist, ebenfalls ätzend und kohlensaurelcer niedergeschlagen, in welchem Zustande sie im höchsten Grade faulnißwidrig ist. Da sie im Wasser unauflöslich ist, so erhält sich dieses, ohne sich mit ihr zu vereinigen, und es erfolgt weiter keine Veränderung, als daß nun- rnehro an die Stelle der salzsaure» Bittererde oder Kalkerde das Kochsalz tritt. Die Zusetzung des Kalks zum Meerwasser hat indeß ihre bestimmten Grenzen, welche man nicht überschreiten kann, ohne das Meerwasser ganz zu verändern, und in Kalkwasser zu verwandeln. Zwei Skrupel waren hinreichend, ein Quart Wasser auf diese Weise vor der Fäulniß zu bewahren, obgleich dadurch nicht alle salzsaure Bittererde zersetzt wurde. Wenn man noch ein Quentchen Kalk zusetzte, so schlug es alle Bittersalzerde nieder, kam aber noch mehr hinzu, so entstand Kalkwasser. Wenn das Meer oder ein salziger Landsee zu gewissen Zeiten die Ufergegenden überschwemmen, und in ihren Vertiefungen hie und da stehende Wasser zurück lassen; so wei? den diese, in den heißen und trockenen Landern, von der Sonne bald ausgetrocknet, und dann findet man sie mit einer Menge Salz angefüllt. Sollte einmal die Hitze der Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. H.I0 Sonne über dem Meere eine ansehnliche Verstärkung erhalten, oder ein Theil seines Wassers in Abgründe versinken; so würde man bald große Würfel von Salz entstehen sehen. Dle Kunst und das Bedürfniß der Menschen bedienen sich dieses Weges zur Gewinnung des Salzes. In den meisten südlichen Landern Europcns, als in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien und an den Afrikanischen Küsten der Barbarei, bereitet man alle Jahre viele tausend Centner Salz aus dem Wasser des mittelländischen Meeres, welches, weil es meistens in den Buchten oder Bayen gewonnen wird, Baysalz genannt wird. Man legt nemlich in den heißesten Monaten an den Usern, wo der Boden aus Thon besteht, welcher das Wasser nicht eindringen läßt, Behälter an, welche geräumig und flach sind, stampft selbige fest, und füllt sie hierauf einige Zolle hoch mit Meerwasser an. Die darauf fallenden Sonnenstrahlen, verbunden mit den Winden, welche über der ruhigen Wasserfläche hinweg sti'M-en, befördern die Ausdünstung, und das Salz bleibt in den Gruben zurück, wo es denn, nach den verschiedenen Farben des Thons ebenfalls verschiedentlich gefärbt erscheint, und gemeiniglich grau, schmutzig und fettig ist. In einigen Gegenden bringt man es so zum Verbrauch auf die Tafeln: m Holland aber wird es verfeinert, d. h,, man löset.es in großen Gesäßen im Wasser auf, und kocht es in Pfannen, wobei der Abgang zu Boden fallt, und das geläuterte Salz sich an den Seiten der Pfanne kristallisiert. Wenn während der Zeit, daß das Meerwasser in den Behältern verdunsten soll, ein -Regen fällt, so wird die Soole dadurch verdorben. Man läßt also den Behälter ab, und füllt ihn von neuem mit Meerwasser an. * In den kälteren Erdstrichen läßt sich aus dem Meerwasser das Salz nicht mit Vortheil absondern, weil hier die Ausdünstung viel schwächer, und das Wetter unbeständiger ist. Wollte man aber durch das Sieden daraus Salz gewinn ! Geschmack des Meerwassers. 4,1 rien, so würde die Operation, da das Wasser hier weniger gesalzen ist, mehr kosten, als das Salz werth ist: denn je ärmer die Soole ist, desto länger muß sie kochen, und desto mehr Feuerung hat man nöthig, bis so viel Wasser verdunstet, daß das Salz sich davon absondern kann. Auf einigen Ostindischen Inseln bereitet rnan das Salz bloß dadurch, daß man allerlei Holzwerk anzündet, und das Meerwasser darüber hergießt *). Man hält dafür, daß zum Einpockeln des Fleisches, so wie zu allen Speisen, welche auf den Schiffen gebraucht werden, das Meersalz vor dem schönsten Quellsalze bei weitem den Vorzug habe -). Daher laßt die Admiralität in Rußland, wo man doch das beste Salz in Ueberfluß hat, alle Zahre etliche Schiffsladungen von Baysalz kommen. Dieses Produkt ist es auch, womit die Heringe und andere Seefische eingesalzen werden Von der Mischung und Verbindung des Meerwassere mit Thon- und Kalkerden, mir thierischen und vegetabilischen Substanzen soll es herrühren, daß dasselbe an manchen Orten gleichsam ftifenartig wird. Daher das heftige Schäumen des Meeres bei starken Stürmen, welches öfters so groß ist, daß man meinen sollte, ganze Reihen von Schneebergen zu sehen, welche sich an den Strand Hinlagern. b. Schwere des Meerwassers. Das Mecrwasser ist eigenthümlich schwerer, als das süße Wasser, das heißt: eine bestimmte Menge des einen wägt mehr, als eine gleiche Menge des andern. Voyle untersuchte den Unterschied beider, und fand, daß er nicht r) Oekonom. Bibl. XI. S. 8. O Beckmann'S Technologie. S. 312. e) No^Ie's Iiacts cnnsisliiix ot ovservar. rwonl tbe Salriies ol wo SkL. In dessen Werken- III B. S. 357- Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. ^12 mehr, als den fünf und vierzigsten Theil seines Gewichts ausmachte. Dem Musschenbroek *) zufolge verhalt sich die Schwere des Mcerwassers zu der des Negenwassers, wie ivZo zu i zige des Meeres weicht aber htcvo» auf eine auffallende Schwere des Meerwassers. 4*5 Weise ab. Dieses fährt im Erkalten fort, sich zu verdichten, selbst noch jenseit des Punkts, wo süßes Wasser gefriert. Der Gefrierpunkt liegt bei diesem noch tiefer unter dem 32 Gr. Fahrenh. Bkadh verschaffte sich vor seiner Abreise reines Schneewasser, und erforschte seine verschiedene Schwere für jeden Grad des Thermometers vom Gefrierpunkte an bis 28. Grad über Null. Die Resultate verzeichnete er in einer Tafel, welche er dann, bei der Bestimmung der eigenen Schwere des Meerwassers, zum Maaßstabe annahm. Er verglich nemlich das absolute Gewicht des lehtern, welches ihm jenes Werkzeug angab, mit dem Gewichte des Schnee- wassers für den Thermometergrad, welchen das Meerwasser bei dem Versuche hatte. So kam die eigene Schwere des Meerwassers im nördlichen Oceane, nach der Abwägung vom 26. Jan. 1774 1,02779: denn dieses Wasser wog bei einem Grade Warme 21152 Gewichte; aber Schneewasser in eben dem Raume und bei gleicher Wärme 20580: 21152 — 1: 1,0277g. Die Temperatur hat hier einen großen Einfluß. Wenn man die eigenthümliche Schwere beider Wasser, bei zwölf Gr. Wärme mit einander vergleicht, und die vom Schnee- wasser — 1 seht, so bekommt das Meerwasser seine — 1,02789, aber beim zwanzigsten Grade 1,02719, und beim acht und zwanzigsten 1,02895. Ward nun erwähntes Meerwasser bei einer noch geringern Wärme gewogen, und mit Schneewasser von gleicher Temperatur verglichen, so wurde der Unterschied in dem Gewicht noch größer. Den Jrthümern zuvorzukommen, welche unvermeidlich sind, wenn man den Erfolg solcher Versuche mit einander vergleicht, die bei verschiedener Wärme angestellt sind, berechnete Bladh die gefundenen eigenen Gewichte für2o Gr. des Schwedischen Thermometers, und stellte sie in eine Tafel auf, woraus sich folgende Resultate ergeben. Wir wie- 4>6 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Verholen hier nochmals, daß diese Versuche das obere Was, ser des Oceans betreffen. i) Das Wasser des Atlantischen und Äthiopischen Meeres ist am schweresten in der Nahe der Wendekreise, wo sein Gewicht bis 1,0230 und 1,0263 geht. 2Z Von den Wendekreisen nimmt das eigenthümliche Ge- wicht ab, sowohl gegen die Linie als auch gegen die Pole in so großen Breiten, als die Versuche reichen, nemlich bis zum sechzigsten Grade nördlich, und sieben und dreißig südlich vom Aequator. Indeß erhellt aus Jrving's Versuchen von 1773, daß das Wasser im offenen Meere gegen den nördlichen Polarkreis leichter ist, als in der gemäßigten Zone: denn die Schwere des Wassers im Eismeere, bei 20 Graden, kam nach seinen Versuchen am 26. Juri im 74 Gr. N- B. ungefähr 1,023g, und den 3. Jul im 76 Gr. 1,0260. 3) Das leichteste Wasser zwischen den Wendekreisen ist nicht viel schwerer, als das in der Nordsee. Das eigene Gewicht des erster« geht nicht über 1,0262 und 1,0264. Von dem Umstände, daß das Wasser bei den Wendekreisen schwerer ist, als unter der Linie, glaubt Bladh die Ursach darin zu finden', daß alle Wasserdünste, wel- . che innerhalb der heißen Zone vom Meere aufsteigen, von den beständigen Winden gegen die Linie getrieben würden, wo sie in Regen niederfielen. Es ist' merkwürdig, daß in den Strichen des Atlantischen und Ae- thiopischen Oceans, über welchen beständige Winde Herr- ' schen, das Meerwaffer gemeiniglich am schwersten ist, wenn der Passatwind frischer geht: gegen die Linie aber in der Maaße, leichter wird, als der Wind nachläßt, bis man etwa bei drei Graden N. Dr. an die Grenze kommt, wo beide Passatwinde zusammen stoßen; hier ist das Wasser am leichtesten. 4 ) Das schwereste Wasser befindet sich nicht genau unter Schwere des Meerwassers. 4*7 den Wendekreise», so wie das leichteste nicht gerade unter dem Aequator: sondern die ganze Stellung in diesem Meere hat sich etwas nordwärts gezogen. Eben so verhält es sich nun auch mit den Winden; die nordöstlichen erstrecken sich gemcinkich in höheren Breiten nordwärts von der Linie, die südlichen südwärts, von derselben. Z) Las schwerste Wasser sowohl, als das dazwischen befindliche leichteste, geht nicht ganz parallel mit dem Ae, quator, sondern wendet sich an der Afrikanischen Küste ein wenig nach Norden, an der Amerikanischen aber nach Süden. 6) Das schwerste Wasser im Indischen Meere, dessen eigenthümliches Gewicht nur bis 1,0272 und 1,0274 geht, reicht gleichwohl bis an die Nähe des südlichen Wendekreises, liegt aber südlicher, als im Aethiopischen Meere, und es scheint die geringe Abweichung desselben vom Parallele, nach einer Gegend zu gehen, die das im 'Aethiopischen Meere entgegen ist. 7) Die Mittelzahlen von dem eigenthümlichen Gewichte des Wassers bei zwanzig Graden Warme waren, nach Vladh's Versuchen, folgende: im Atlantischen Meere zwischen 35 Gr. nördlicher Breite und der Linie auf der Hinreise 1,02726 » - Rückreise 1,02743 im Aethiopischen Meere zwischen der Linie und Z 5 Gr. der Breite anf der Hinreise 1,02735 - - Rückreise 1,02749 im Indischen Meere zwischen dem Eap und der Insel Java 1,0266, und im Chinesischen Meere zwischen der Linie und der Küste von China 1,02.405. Der Unterschied zwischen dem eigenthümlichen Ge Dd Fünfte Abth. Dritter Abschnitt- 4'3 Wichte des Wassers im Atlantischen Meere rührte daher, weil Bladh auf jener Reise nur wenig Gratst von der Afrikanischen Küste, bei dieser aber auf dem hohen Meere segelte. Hieraus folgt, daß 8) das Meerwasser näher am Lande gemeiniglich leichter ist, als weiter m den Ocean hinein. Der Grund liegt in der Verdünnung desselben mit dem süßen Wasser, welches sich theils aus dem häufigen Regen sammelt, theils ihm durch die Flüsse zugeführt wird. Ze häufiger der Zugang vom süßen Wasser, und je geringer die Tiefe an den Küsten ist, desto leichter findet man das Strandwasser. Aus dieser Ursach ist das Wasser in der Straße Banca so ungewöhnlich leicht: denn dieser Sund hat eine sehr gering? Tiefe, und es regnet hier so stark, daß sich in dieser Hinsicht wenig Stellen auf der Erdkugel damit vergleichen lassen. Die Straße Sund«, welche nicht weit davon belegen ist, mag wohl eben so viel Zufluß von süßem Wasser haben; aber die Tiefe ist größer, folglich auch das Wasser hier schwerer, als dort. So ist auch das Wasser im Chinesischen Meere > leichter, als in anderen. Es ist sehr eingeschränkt und flach, und auf den Seiten vom Land? umgeben, auf de n es stark regnet. Es hat also verhält- nißmäßig weit häufigern Zufluß an süßem Wasser, als irgend ein anderes. Daß das Wasser um dieEanariene inseln, die Znseln Ascension und St. Helena schwerer ist, als weiter hinein, rührt daher, weil diese Inseln um sich herum eine große Tiefe haben, und dem Meere nur wenig süßes Wasser geben, weiches einen merklichen Unterschied in der Schwere des Wassers bewirken konnte. Wtlke *) beschreibt ein Werkzeug, wodurch man aus *) Schw-d. Aihandl. «. 2- 177 ». B. 3S Schwere des Meerwassers. 4'9 einer Tiefe, sie sey, weiche sie wolle, Wasser herauf holen kann; es ist aber eine genaue hydrostatische Waage zur Bestimmung der Schwere des Wassers erforderlich, an deren Stelle man aus) eine Salz probe oder das Haloseop gebrauchen kann. Dieses Werkzeug besteht aus einer hohlen, elfenbeinernen Kugel, worein eine fünf bis sechs Zoll lange Röhre' befestigt wird. Die Abtheilungen auf der Röhre müssen die verhaltnißmäßige Schwere des reinen Wassers, und aller möglichen Mischungen mit Salztheilchen ausdrücken. Vermittelst dieses sehr einfachen Instruments, läßt sich das Gewicht des Wassers durch das bloße Eintauchen entdecken, und die verhaltnißmäßige Heinyeit des Wassers danach überhaupt bestimmen- c. Temperatur des Meerwassers. Die Sonnenstrahlen bringen aus der Lust in das Meer, ÄS eine ebenfalls durchsichtige Flüssigkeit ein: allein der Wi, derstand dieses dichter» und schwerern Elements stumpft ihre Kraft, und schwächt nach und nach die Stärke derselben, so daß sie nur zu einer mäßigen Tiefe gelangen können. Was sich unter derselben befindet, ist durchaus finster BouIuer?) hat gezeigt, daß das Meerwasser in einer Tiefe von 679 Fuß seine Durchsichtigkeit verliere. Düf- son -) glaubt durch Versuche dargethan zu haben, daß das *) Jeder durchsichtige Körper schwächt die Stärke des einfallenden Strahls in Verhältniß seiner Dicke. Wenn gleich hohe und gleich dicke Schich- ten eines solchen Körpers gleiche Durchsichtigkeit besitzen, so wird die Verminderung der Kraft deS LichkS durch eine abnehmende geometrische Reihe r» bestimmen seyn, da denn die letzte daS Licht völlig vermehren Muß. *) Lssat ch'Oxtiyus sur la xraäatioa sto la Irriviörs. karls 176a. 4. I>- 264. *) LxoPros Le 1» Natur», karis 1780. 8. x. 17. Dd 2 420 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. l Meer schon in einer Tiefe von iöo Fuß aufhöre, erwärmt zu werden. Da die Llistwärme durch das Zurückprallen der Soru umstrahlen erzeugt wird, so muß, weil das Meerwasscr diese gröstentheils in sich aufnimmt und verschluckt, die, Wärme hier auch ungleich geringer seyn, und in dem Verhältnisse abnehmen. Die Wärme des Landes kann also mit der Wärme des Meeres nicht ins Gleichgewicht kommen. Auf der andern Seite scheint aber auch die Kälte nicht sehr tief in das Wasser des Oceans eindringen zu können. Wenn seine Oberfläche durch die äußere Luft erkaltet, so theilt sie der nächsten Wasserschicht ihre Kälte mit, welche wieder einer dritten, und diese einer vierten u. s. w. ihre e Wärme entzieht. Die Vertheilung der Kälte verringert sich auf eben die Weise, wie ein kalter Körper einem minder kalten seine Kälte mittheilt, da denn beide endlich eine gleiche Temperatur erhalten, welche zwischen der Temperatur beider in der Mitte steht. So stellen sich einige Naturforscher die Sache vor; wir werden aber sehen, daß dasjenige, was sie der Mittheilung zuschreiben, eigentlich die Wirkung der innern Bewegung im Wasser ist, welche beim Wechsel der Temperatur und aus der Veränderung des specifischen Gewichts der einzelnen Wassertheile entsteht, indem die durch die Kälte verdichteten, und die von der Wärme ausgedehnten ihre Stellen veräm dem, und Wechselsweise sinken und steigen. Dieser Unterschied in der Dichtigkeit des warmem und kältern Wassers ist nun zureichend, einer Masse desselben, sie sey so tief sie wolle, zur Winterszeit eine gleiche Temperatur mitzutheilen. ! Wenn eine Masse sehr kalter Luft auf der stillen Oberfläche eines Gewässers ruht, so müssen die obersten Wasser- theilchen, indem sie ihre Wärme der kalten, sie berührenden Luft abtreten, und also dichter und eigenthümlich schwerer werden, als die wärmeren Theilchen, worüber sie stehen/ Temperatur des Meerwassers. 4.21 natürlich sinken. Statt ihrer steigen die warmem zur Oberfläche hinauf, setzen dort gleichfalls einen Theil ihrer Wärme ab, und sinken darauf ebenfalls, und auf diese Weise bleibt die ganze Masse in Bewegung, so lange der Prozeß des Er- kaltens dauert, und auf diesem Wege muß nach und nach in der ganzen Wassermasse eine fast gleichförmige Temperatur entstehen. Je mehr nun das Wasser bei einer gegebenen Temperatur ausgedehnt war, desto starker müssen die wärmern Theile aufsteigen, amd desto größer ist die Bewegung im Innern des Wassers. Ganz anders verhalt es sich, wenn die Wärme der äußern Lust die Temperatur des Wassers übersteigt, und also das auf der Oberfläche wärmer wird, als das im Grunde. Hier begünstigt nun der Unterschied in der Dichtheit auch den in der Temperatur des obern und untern Wassers. Das erste wird durch die Warme ausgedehnt, specifisch leichter, und bestrebt sich, den obern Platz zu behaupten: dagegen das letztere, welches dichter und schwerer ist, in der Tiefe zu bleiben sucht. Eines Theils hat aber die Warme des Luftkreises keine erhebliche Wirkung auf die Gewässer des Meeres, obgleich die Mittheilung der Wärme, wie einige Naturforscher glauben, durch das Wasser weit schneller von statten gehen soll, als durch feste Körper. Die Temperatur wird aber auch in diesem Falle ziemlich gleichförmig werden müssen, da in dem Oceane sich fast an allen Orten Strömungen befinden, die. sich in großen Tiefen bewegen; da Stürme und Winde einen Theil desselben unter einander mischen, da Ebbe und Fluch und das unzählbare Heer der Meerthiere das Gewässer des Meeres, in allen Tiefen durch einander rühren. Hierdurch.wird das wärmere und kältere Wasser auf eine auffallende Weise mit einander gemischt. Das Mecrwasser kann demnach nirgend von einer weit unter sich abstehenden Temperatur seyn, wenn auch jene Ursachen nicht hinreichend seyn stlltcn, in demselben 422 Fünfte Abts,. Dritter Abschnitt. zur Sommers - und Winterszeit, eine ganz gleichförmige Temperatur von der Oberfläche bis zum Boden zu unterhalten *). Wenn die Oberfläche des Wassers mit Eise überzogen ist, so wird, da dieses einen sehr schlechten Wärmeleiter abgiebt, der Uebergang der Wärme aus dem Wasser in die Lust sehr erschwert, und die Eisdecke selbst dient demselben zu einer warmen Bekleidung, die es zugleich gegen die Beunruhigung durch den Wind schützt. Gleichwohl lassen jene Eisschichten Wärme durch sich heraus dringen, wenn sie noch unter dem Gefrierpunkte ist: wenn sie hingegen diesen Punkt übersteigt, so wird die innere Warme zurück gehalten, und bleibt eingeschlossen *). Diese sonderbare Erscheinung erklärt sich dadurch, daß die Wärme über dem Gefrierpunkte einen Theil des Eises an der untern Fläche auflöset, und es in iWasser verwandelt, durch diese Veränderung der Form aber an das letzte gebunden und verhindert wird, als freie Wärme zu wirken. Die Warme unter diesem Punkt erhält sich in einem freien Zustande, und sie kann also durchgehen. Ueber die eigentliche Beschaffenheit der Temperatur des Wassers in dem Weltmeere können nun an: besten Thermometer-Beobachtungen entscheiden: allein einestheils haben wir deren nur wenige, anderntheils sind auch die mehresten derselben nicht so geeignet, daß sich vieles daraus folgern ließe. Wenn sie entscheiden sollen, so müssen sie mit großer Genauigkeit in verschiedenen Entfernungen vom Lande, zu allen Jahreszeiten in allen Tiefen angestellet, und mit der Atmosphäre verglichen werden. v. Saussnre Reisen, rc. , Th. S. Zg. Er. ». Rumfort über daS Gcketz, wonach daS Wasser nahe am FroNyunkl seine Dichtigkeit ändert, in den Annalen der Physik, r B. 4 St. S. 4s6. ») Magaiin für daS Neuesie au§ der Physik, i B. s St. S. -g. Temperatur des Meerwassers. 423 Marsili *) stellte bereits im Jahre 1706 und 1707 dergleichen Beobachtungen unweit Cassis längs der Küste von Provence an. Ihrer sind aber einestheils nur wenig, anderntheils tst auch das Thermometer, welches er ge- braucht, zu unbestimmt angegeben, und scheint wenig empfindlich gewesen zu seyn; so wie auch nicht bemerkt worden, wie viele Zeit nöthig war, das Thermometer in die Höhe zu ziehen, und ob es während des Heraufziehens nicht verändert wurde. Das Wesentliche seiner Beobachtungen besteht im Folgenden. In den Monaten December, Januar, Februar, März und April zeigte das Thermometer in den verschiedenen Tiefen von ic>, ig, 20, Zo und 120 Faden fast beständig ioL- höchstens 10^ Grad. Der Unterschied betrüg also nur einen Viertclgrad, da hingegen das Thermometer auf der Oberfläche des Wassers 3- Grad zeigte. Im Jun scheint diese Gleichförmigkeit aufzuhören: denn die drei Beobachtungen, welche er an einem Tage machte, gaben bei und bei 120 Faden Tiefe einerlei Temperatur mit der äußern Lust an, und bei ioo Faden eine Differenz von zwei Graden. Marsili ward aber bei der letzten durch ein feindliches Schiff in seinen Untersuchungen gestört, und tst weit entfernt, sie für zuvcrläßig auszugeben. Auch stehen sie offenbar mit sich im Widersprüche; denn wem wird es nicht unwahrscheinlich, daß die Temperatur des Wassers bei i2o Faden eben so wie bei i; Faden mit der Lust gleich sey? Sie sind eilfertig gemacht, und Marsili zieht auch nur aus der erster« die Folgerung, daß die Temperatur des Meeres gröstentheils gleich sey. Er glaubt zwar in der Folge, daß, da seiner Hypothese gemäß, einige Korallenar- ten nur im Sommer blühen, dies eine Verschiedenheit in der Meeresremperatur zu erkennen gebe, die mit jener Thermometer-Wahrnehmung streite. Allein man weiß jetzt, daß *) t. 0 . x. ,6. pt. 6. X 424 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. andere ähnliche Geschöpfe, nemlich einige ZnfusionSthiere nur in gewissen Monaten erscheinen, der Grad der Warme mag abwechseln oder nicht. So können bei diesen Meerthie,' ren gleichfalls Nebenursachen ihr Fortkommen begünstigen oder zurück halten. Und gesetzt, baß einige dieser Geschöpfe empfindlicher gegen die Veränderung cher Temperatur sind, so wird ja hier eine solche Abwechselung nicht geläugnet, sondern nur viel minder, als in der Atmosphäre, angegeben. Unter den folgenden Naturforschern, weiche die Tempe, ratur des Meerwassers untersuchten, ist Hellant. vielleicht der erste. Obgleich seiner Observationcn nur wenige, sie auch nicht aus die für uns brauchbare Weise angestellet sind; so verdienen sie doch Aufmerksamkeit. ' An den Küsten zu Guiholm stand im Jul ein hinab gelassenes Thermometer in der Fluch auf 10 Neaumürsche oder 54; Fahrenheitsche Grade. Diesen Stand behielt es auch während der Ebbe, aber das Thermometer in freier Lust stand auf 72Z Grade nach Fahcenh. Drei Tage hinter einander stand es im Anfange des Augusts in der Fluch, so wie in der Ebbe 474 dergl. Grade. Weit vom Lande war es einige Tage vorher in der Tiefe auf 52 ;, zwei Tage darauf wieder auf 47' Grad. Hellant merkt Hiebei an, daß das Wasser während eines Sturms, und gleich, nach demselben am kältesten gefunden sey, daß sich dies jedoch nach der größer» oder geringern Tiefe richte, indem es bei ersterem kälter sey, als im letzter» Falle. So werde es auch unweit des Landes wärmer angetroffen, als fern davon. Da diese Wahrnehmungen gar keine Tiefe, und nur selten den Grad der Luftwärme angeben, so sind sie freilich mam gelhaft. Mylius machte 17 Z 3 bei seiner Ueberfahrt nach 1) Abhandl. der Schwed. Akad. xv B. S. 320. -) Phyflkal. Belugisnngen. Berlin 17Z3. s- z Band. S. rs-, ff; Temperatur des Meerwassers. 4»5 England ähnliche Versuche. Das Thermometer zeigte in freier Luft 72, 71-- und 70 Gr. Fahrenh-, da das ins Meer gesenkte bei 6 und n und 13 Fuß (vermuthlich Faden) nur auf 6zr, 64 und 65 stieg. Also war selbst bei dewverschie- denen Tiefen der Unterschied nur ein Grad, und überhaupt das Meer zehen Grade kalter als die Luft. Douglas H stellte 1796 unweit Norwegen Versuche über diesen Gegenstand an. Am gten Jul unter dem 65 Gr. n Min. N. Br. zeigte das Meerwasser bei 210 Faden Tiefe 48 Fahrenh. Grade. Eben so warm war auch damals die Oberfläche des Wassers, so wie auch der Luft. Hundert Faden tief hingegen war die Wärme 46 Grad, also zwri Grade geringer. Im 70 Gr. Z2 Min. N. Vr. zeigte das Thermometer den 22. Mai in freier Luft 40 Grad, auf der Oberfläche des Meeres 37 Grad, und in einer Tiefe von achtzig Faden 39 Grad. Also waren hier Fälle, wo die größere Tiefe etwas wärmeres Wasser enthielt. Das Meer soll überhaupt, zufolge dieser Wahrnehmungen, ungleich kalt seyn, doch gaben die Grenzen 5 g und 46 Grade. Chappe d'Auteroche H fand in eben dem Jahre, auf seiner Reise nach Californien, unweit den Canarischen Inseln, den Z. Januar das Thermometer bei hundert Faden Tiefe auf 62/0 Grade Fahrenh., da das in freier Lust 72^ Grad zeigte. Es war zu vermuthen, daß die Untersuchungen Phips H, Bayly's und Forster's H, welche in den tiefen Gründen des Meeres mit besseren Werkzeugen vorgenommen worden sind, mehr als die vorhergehenden lehren rliN. T'raiir. Vol. 60. I.orlL. 179,. x. Zg. Vov,izL en Lalitorreis etc. xnt>I. xar Varsint « varts 1772. I>- 2Z- Reise nach dem Nordpol. O Vemerkunzen. S- §6- 426 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. würden. Phips und gröstenrheils Zrving'ö Observationen geben folgende Resultate: Stand des Thermometers. Polhöh». Zeit. Tiefe nach in der an der in freier Klaftern. Tiefe- Oberfläche. Lust. 66 ° 24' 20 ZUN 760 26 Gr. — 4Ä 76° 3' 30 Zun Vörmittags ng 3i — 4"? Nachmittags n5 33 — M 54' 8 - 11 Zun 32 49 5i 55 6 n° 12 Zun 65 44 — — 6o° 4 August 60 39 36 32 ?5° 4 Sepremb. 633 40 55 66 » 6 o° 7 Septemb. 56 50 5? 60 Man hatte bei diesen Versuchen das Instrument auf das beste dazu eingerichtet/ daß es, während des Heraufziehens, die Temperatur der Tiefe behielt, oder doch nicht merklich verlor. Fast um dieselbe Zeit stellten Wales, Bayly und Förster ihre Beobachtungen im Südmeere an. Förster bediente sich, um den Grad der Warme des Meerwassers in einigen Tiefen zu erforschen, gleichfalls des Fahrenheitfchen Thermometers mit Abtheilungen auf Elfenbein. Es ward jedesmal in einen kleinen hölzernen Cylinder gesteckt, der an beiden Enden mit einer Klappe versehen war, welche während der Einsenkung des Werkzeugs das Wasser durchließ, im Heraufziehen aber sich schloß. Seine Versuche wurden jederzeit bei heitern und windstillen Wetter angestellt, welches auch in einem Boote nickt wohl anders möglich war. Bayly'S *) Beobachtungen sind in folgender Tafel enthalten. *) Odservations mnäe in tlie rims oF a vo^2§e rov^räs tks Lontk Temperatur des Meer! Kiffers. 427 Zeit. Tiefe veS Thermometer L»eci»omerer Poihöye. Meeres. in der Liefe. in freier Luft. August. 80 68 Gr. ' ?2r r4 Gr. südl. Dezemb. 160 33 - 3-i 58 - März. l4o 56 - 64 60° 16' Hr. Förster giebt außer diesen noch folgende: Septemb. 65 66 - 755 0" 52'nördl. 100 53 - 60 34° 48' - Dezemb. IQO 34 - 3o 55 icx> 345 - 33 55° 26' - Januar. roo Z2 - 37 64 - - Bis auf die Beobachtungen des Marsili scheinen die übrigen wenig Belehrendes zu enthalten, indem sie sich gar bisweilen einander aufheben. Hellant und Jrving observirten in denselben Theilen » des Meeres. Jener sagt, daß das Meer wahrend eines Sturms kälter geworden sey: dieser behauptet, es unter solchen Umständen warmer gefunden zu haben. Die Wahrnehmung des letztem scheint ihm in dem Reiben der Wasscrtheilchen während des Sturms sich zu gründen: allein das Reibem kann nur feste Theile in eine höhere Temperatur versetzen, und das Wasser hat unter diesen Umständen keine Empfänglichkeit für die Wärme. Bei jener kann durch die heftige Bewegung der stürmenden See kälteres Wasser dem warmem zugemischt seyn, und die mit dem Thermometer untersuchte Wsssermasse sonach eine niedrigere Temperatur angenommen haben. Douglas und Hellant sagen beide: das Meer sey in den tieferen Schichten wärmer, als in den höheren, da Jrving nur bei etwas höheren Breiten, so wie Bayly im Südmeere das nemliche bezeugt. Hiewider kann man xols anä ronnZ. rks ülr. 'Wales anä AI. 1777. v. 205. Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. 428' nun anführen, daß die Strömungen alle Arten von Rich- tnngen haben, und daher mehrere Temperaturen hervorbringen können. Uebrigens bestätigen diese Wahrnehmungen dennoch, daß die gröste Hitze nie tief in das Meer eindringe: denn die Grade 66, 71, 72, 75, 7L-, welche das Thermometer in freier Luft zeigte, gaben für die gleichzeitigen Untersuchungen im Meere fast durchgehends zehen Grade weniger. Bei den Hellantschen war sogar eine Differenz von zwanzig Graden. Hohe Grade der Kälte sind ^ci allen Beobachtungen nicht vorgekommen: da alle diese Angaben für die freie Luft höchstens den Gefrierpunkt zeigen, so konnte das Meer keine außerordentliche Erkältung von außen- her erlitten haben. Indeß zeigt doch die Beobachtung des Irving, daß das Meerwasser sich bis zum 26 Grade erkältet hatte. Er legte der Englischen Societät der Wissenschaft ten 1776 Versuche über das Gefrieren des Meerwassers vor *). Es sehe bei ungefähr 2g Gr. dickes Eis an, und da hier in der Tiefe von 780 Faden selbst der 26 Grad vorkommt, so wird auch hierdurch die Meinung von der Entstehung des Eises im freien Meere bestätigt. Diesen beträchtlichen Grad der Kälte, welchen Phips Beobachtung zeigte, darf man wohl als einen Rest des hohen Winters der Polargegenden ansehen: denn da dieser Grad nur zum Anfange des JunS angetroffen ward, so hatte sich die unterste Masse noch nicht wieder erwärmen, oder ihren hohen Grad der Kälte noch nicht wieder verlieren können, während daß die so viel leichtere Atmosphäre schon wieder bis zum H8. .erwärmt war °). Förster folgert aus seinen Wahrnehmungen, daß das Meer unter der Linie und zwischen den Wendekreisen in 1 ) rkllos. trrns. Vol. 66. x. i. Hrn. ». Zimmer mann'S oeogr. Gesch. z e:l>. S. 70. ff. s) Dem. S. K. Temperatur des Mecrwassers. 42g der Tiefe kühler, i» den höheren Breiten aber, abwechselnd bald. wärmer, bald kalter, bald von gleicher Temperatur sey. Eine kurz vorher gegangene Veränderung in der Luft, oder eine verschiedene Richtung und Heftigkeit des Windes Mag vielleicht dergleichen Verschiedenheit bewirken. Aus den Versuchen, welche Bladh ") in verschiedenen Gegenden gemacht, folgert er, daß sich auf dem hohen Meere, bei einer Tiefe von fünfzig Faden kein ordentlicher Unterschied Zwischen der Wärme des obern und untern Wassers weiter finde, als in so weit, daß das obere, um einen oder ein paar Graden über oder unter seiner gewöhnlichen Wärme, durch starken Sonnenschein bei stillem Wetter um Mittag zuweilen erwärmt, oder durch Regen und Wind von kälteren Luftstrichen abgekühlet wird. Auch das Eis hat wahrscheinlich keinen geringen Einfluß auf die verschiedenen Temperaturen des Meeres in den hohen Breiten, so wie man über-, Haupt annehmen kann, daß die Temperatur des Meeres gleich der der Luft gewissen periodischen Abwechselungen unterworfen ist, wiewohl in einem geringern Grade. Es können auch besondere Ursachen bewirken, daß das Meer in verschiedenen Gegenden und Tiefen einen sehr abweichenden Grad der Warme hat. Kalte Ströme machen auch einen großen Unterschied in der Temperatur an der Oberfläche und in der Tiefe. Wenn das Meerwasscr das nach einem Verluste eines großen Theils seiner Warme hinabsinkt, da, wol dies geschieht, nicht wieder erwärmt werben kann; so muß es, weil seine specifische Schwere größer ist, als die des Wassers in derselben Tiefe unter warmen Breiten augenblicklich anfangen, sich auf dem Grunde des Meeres nach dieser' Gegend hin auszubreiten, und folglich gegen den Aequator zufließen, da denn dieses einen Strom von entgegen gesetzter Richtung auf der Oberfläche hervorbringt. Ein *) Abhandl. der Schwer. Akad. D. S. rvgj - 43» Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. solcher Strom scheint der unten beschriebene Gulfstrom zu seyn. Man findet in den heißen Zonen in großen Meeres- tiefen, daß die Temperatur des Wassers daselbst um vieles niedriger ist, als die mittlere jährliche Temperatur in diesen Gegenden. Mulgrave fand in der Breite von 67° am 20. Zun bei der Temperatur der Luft von 49 -° die Temperatur des Meeres in einer Tiefe von -Mo Fuß, sechs Grad unter dem Gefrierpunkt, oder 26° nach Fahrenheit. Den Zi. August war in der Breite von 69°, wo die mittlere Temperatur ungefähr 38 ° zu seyn pflegt, die Temperatur des Meeres in einer Tiefe von 32°, während die Temperatur der, Atmosphäre 59; betrug. Vorzüglich auffallend ist der Unterschied der Temperatur in der Gegend der Wendekreise. Man findet zwischen der Wärme des Wassers auf der Oberfläche und in einer Tiefe von 3600 Fuß einen Unterschied von 3r Graden, indem gewöhnlich die Temperatur auf der Oberfläche 64 Grad, und"in erwähnter Tiefe 33 Gr. ist. *). Alles die Wirkung der kalten Ströme aus den Polargegenden. Man hat Meerpflanzen aus dem Grunde heraus gezogen, die ganz heiß waren. Das unter dem Boden des Meeres glimmende Feuer theilt dem darüber stehenden Wasser seine Wärme mit. So fand man das Meer an einer Stelle/- nicht weit vom Gestade der Liparischen Insel Vul- cano so hcjß, daß das Wasser beim Berühren eine schmerzhafte Empfindung erregte. Man sieht um dieses ganze Eyland herum sehr oft Luftblasen aus dem Wasser aufsteigen, und über seiner Flache zerspringen, so daß es zu kochen scheint. Unmöglich ist es nicht, daß eine so große Menge Wassers bis zum Sieden erhitzt werden könne: allein jene Blasen lassen sich weit besser durch eine starke Entwickelung des Kohlenstoffgaßes erklären, das sich durch das Wasser erhebt, und in Freiheit seht. Es kann seyn, daß die aussah- *) kkil. I'rnns. 1792. Temperatur des Meerwassers. 43» rende Luft öfters entzündlich ist/ und daß in diesem Falle Flammen über der Fläche des Wassers erscheinen, deren mehrere Schriftsteller! gedenken. *). Man will bemerkt haben, daß das Wasser der Ostsee in den heißesten Sommern kühlerssey, als in anderen Meeren. Das salzige Wasser des Oceans verdichtet sich, wie wir gesehen haben, beim Erkalten nach anderen Gesehen, als das süße. Da es im Erkalten fortfährt, sich zu verdichten, selbst noch jenseit des Punkts, wo das süße gefriert, so hört die innere Bewegung hier nicht, wie im süßen Wasser, bei einer Temperatur von 40° auf. Die oberen Theile sinken Nach dem Verlust ihrer Wärme immerfort von der Oberfläche hinab; statt ihrer steiWen wärmere herauf, und bei diesem beständigen Zuflüsse der wärmeren Theiichen nach der Oberfläche wird der Lust ohne Vergleich mehr Wärme, als von süßem Wasser bei derselben Temperatur mitgetheilt. Alle am Meere belegene Länder haben also ei» mildes Klima. An der Westseite des untern Italiens ist die Meeresluft so Warm, daß die Povieranzenbäume daselbst an den Ufern süße Früchte tragen, die tiefer im Lande sauer bleiben. England liegt weil nördlicher als Teutschland: dessen ungeach,- wt ist daselbst der Winter weniger streng als bei uns. Dort lassen sich viele Bäume in freier Luft fortbringen, die man hier jn Gewächshäusern zieht. Von Schweden begrenzt das -istecr fast zwei Drittheile des Landes, und es macht, daß ü>eder Wärme noch Kalte zu der Heftigkeit gelangen, welche lü Gegenden herrscht, die weiter von demselben abliegen. Auch dje ganze Küste von Norwegen hat mitten im Winter d'ne gemäßigte Lust, und nur selten dauert eine strenge Kälte drei Wochen. Jn der Gegend von Bergen regnet es des Winters häufig, und in Carolina kommen am Gestade Meeres Bäume fort, die tiefer im Lande nicht aus, Dolomit» Reift. S. 24. ff. 43° Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Lauem. Die kalten Ströme in den Tiefen des Oceans tragen aber dazu bei, die außerordentliche Hitze der Gegenden zwischen den Wendekreisen zu mildern. Man darf nicht glauben, daß, weil wir das Meer in den gemäßigten Erdstrichen nicht beeiset sehen, es überall ächt gefriere. Die Erfahrung hat gelehrt, daß das Meer- i '.sser dieser Verwandelung allerdings fähig sey, und die f'oiaraegenden besitzen einen ungeheuren Verrath vom Eise. , n aisdann, wenn die ganze Masse des Wassers beym Er- tüten ei -e gewisse Temperatur erreicht hat, mithin die in- ?re Bewegung desselben stockt und anfhört, verdichten sich a,e Theüchen an her Oberfläche nicht ferner, indem sie ihre Wärme fahren lassen. Sie bleiben oben, und erkalten nun lehr bald zum Gefrieren, da denn ihre gebundene Wärme > frei wird, und das Eis sich zu bilden anfängt. stvir finden das Eis im Oceane entweder in großen Massen, oder in kleinern Stücken. Jene neiMt man Eisbänke, Eisinsein, Eisberge, diese Eisschollen, Treibeis. Eisfelder heißen ganze Strecken, bald mehr, bald weniger mir einander verbundenen Eises allerlei Art, in einer großen Ausdehnung. Von den einzelnen Eismassen, welche gegen die Pole im Weltmeere schwimmen, giebt es welche von ungeheurer Größe. Oft ragen sie weit über die Fläche des Meeres hervor, und bilden Wellenlänge Ebenen, auf denen sich bisweilen Eisberge erheben, die ihnen das Ansehen einer Landschaft geben, mit abwechselnden Hügeln, Thälern, Schlössern, Thürmen und Häusern. Sie machen einen unbeschreiblichen Eindruck auf den Seefahrer. EINS, Maritens, Look u. a. geben diese Eismassen so hoch an, daß sie Schiffen mit ausgespannten Segeln gleichen; der erste tragt sogar kein Bedenken, ihnen eine Höhe von iZoc» bis igoo Fuß beizulegen. Sie, sagen einstimmig, daß der Schein, welchen sie von sich geben, schon sichtbar sey/ r wenn Temperatur des Meerwassers. 433 wenn sie sich noch unter dem Horizonte befänden. Denis *), indem er von dem Eise spricht, welches alle Sommer von Norden aus bis an die Neufoundlandschen Bänke gelangt, sagt, daß es darunter Massen gebe, welche die Höhe der grösren Thürme erreichten; daß sie in einer Entfernung von fünfzehn bis achtzehen Französischen Meilen gesehen würden, und in dieser Weite, durch ihre Kälte bereits fühlbar seyen; daß diese großen Stücke, worunter man welche von i.5o Französischen Meilen antreffe, gleichwohl schon zur Hälfte geschmolzen seyen, wenn sie an jene Lander gelangen, weiche Grenze sie auch nicht zu überschreiten pflegten. Förster -) sah schwimmende Eismassen von zweitausend Fuß Länge, vierhundert Breite und zweihundert Höhe. Es giebt Eisstärke, die an Größe den Bergen gleichen, und von solchem Umfange, daß sie bisweilen den Boden des Meeres in einer Tiefe von sechszig bis achtzig Klaftern berühren, da indeß der obere Theil viele Klafter über der Mecreeffache hervorragt H. * Wenn man annimmt, daß sich die Schwere des Wassers zur Schwere des Eises wie 10 zu 9 verhalte; so muß nach bekannten hydrostatischen Gesetzen die Masse des Eises über dem Wasser, zu der in demselben in dein nemlichen Verhältnisse stehen, woraus sich auf die erstaunliche Größe derselben schließen läßt. Gesetzt, ein Stück Eis mit parallelen Seiten zeigte ein Zehentheil seines Inhalts über dem Wasser, eine Voraussetzung, die noch sehr mäßig ist -); so enthält in Hist. nsnir. üe LsxcemrionLte. Ion». 2. Lk- i. I>. 44. 4L. E) Reisen, i B. S. 70. 2) SlassenS Reise. - D. S. 275. L 0Ie in. xkilvs. krans. L'o. Er. Zrvino in Phips Reisen Merkt »n, daß ein Stück des aUerfestesten Eises bis auf im Schnee, Ee 4S4 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. dem Falle, daß die Länge nur eine Englische Meile, die Breite eine Viertc'mieile, und die Höhe über dem Wasser hundert Fuß betragt, es 696,690,000 kubische Fuß soll, des Eis über dem Wasser, und neunmal so,viei unter dem Wasser, oder zusammen genommen einen Würfel von 6,960,600,000 Fuß. Nach des Pages Berichte giebt es in den nördlichen Meeren keine eigentlichen Eisberge, diejenigen ausgenommen, welche aus der Straße Davis herkommen, und deren Höhe ungeheuer ist. Gleichwohl fand er das Ufer von Spitzbergen von Distanz zu Distanz damit besetzt. Zu diesen haben, seiner Meinung nach, die hohen Eisfelder, welche entweder an der Küste gestrandet, oder aus der Ducht nicht hatten herauskommen können, die erste Grundlage her, gegeben. Die Gestalten der Eisinseln sind öfters sonderbar, und wegen des zertrümmerten Ansehens überaus malerisch. For- ster segelte bei einer dergleichen vorbei, welche von außeror, deutlicher Größe war, und in der Mitte eine große grotten, ähnliche Oeffnung hatte, die ganz hindurch ging, so daß das Tageslicht von der andern Seite her durchschien. Einige die, ser Massen waren wie Kirchthürme gestaltet, andere wie Py, ramiden, Obelisken,, Ruinen, u. dgl. Er zählte über hun, dert große Eismassen um das Schiff herum. Vom Mast, bäume entdeckte man an hundert und sechszig, darunter manche eine halbe Meile lang waren. Dies gab einen gro, ßen und schauderhaften Anblick, denn es schienen die Bruchstücke einer zerstörten Welt da zu liegen. Zu einer andern Zeit kam er vor einer Znsel vorbei, welche mir einem ontsetz, pichen Krachen zusammen fiel. Diese Eismassen umringten Wasser versank. Mairan Abhandl. vom Eise. Er säst, Laß im süßen Wasser nur stx dsS LiseS hervorrage. ') Forster'S Bem. S. 60. Temperatur des Meerwassers. 435 die Schiffe oft haufenweise, und sehten ihrem Laufe die grSsten Hindernisse entgegen. Er bemerkte, daß- die Eisflächen von außen her mit kleinen Brocken eines durchlöcherten Eises von schwammigter Substanz umgeben waren, welches durch die stete Bewegung der Wellen schon so weit zerstört war. Darauf folgte ein unabsehbares Feld eines festen Eises, mit dazwischen stehenden oder darin eingefrorenen ungeheuren Eiömassen, von allerlei seltsamen Figuren. Die Bewegung her Eismassen im Meere ist sehr langsam, und sie wessen beinah unmerklich fort: denn da der gröste Theil derselben unter dem Wasser steht, so kann die Macht der Westen und Winde nur wenig darauf wirken. Strömungen sind vielleicht die Hauptkräfte, wodurch sie von der Steife gebracht werden: doch mögen die heftigsten derselben nicht stark genung seyn, sie in vier und zwanzig Stunden zwei Englische Meilen fortzuführen. Wenn nach Lade's H Bemerkung die Beweglichkeit der Eismasscn so stark seyn soll, daß sie bei stürmischem Wetter der Spur eines Schiffs so genau folgen, als ob sie in dem Laufe desselben mit fortgerissen würden; so ist dies nur wohl von den kleineren Stücken und Eisschollen zn verstehen. Des Pages fand die Bewegnng des Eises auf dem nordischen Oceane sehr unregelmäßig. Er sah Eisbänke im freien Meere nach' den verschiedenen Windstrichen treiben, welche in einem Zeitraume von acht Stunden nach eben so viel Gegenden liefen. Einige zogen mit »«gemeiner Geschwindigkeit daher, und schwammen dann auf einmal langsamer: andere wendeten sich bald nach dieser, bald nach jener Seite. Den Grund hieven sucht er in der mannich- faltigen, sowohl obern äss untern Gestalt dieser schwimmen- ! den Körper, welche den Winden und den Strömungen so > Trrränetion äes Vo^azes ä e xar l'revsr. ') Reifen. S. 6öL. Ee 2 436 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. verschiedene Flächen entgegen stellen. Was die großen Eis- Massen betriffr, so kann, wie erwähnt, der Wind nur wenig Eindruck auf ste machen. Ihre Bewegungen rühren zum Theil von dnn Zusammenstoßen derselben an einander her, und andern ihre Richtung, je nachdem sie an dieser oder. jener Seite getroffen werden. Eine Eisbank, auf welche eine andere in ihren Mittelpunkt stößt, muß in einer gleichförmigen Richtung mit ihr fortrücken: wird sie aber an dem einen Ende aufgehalten, so dreht sie sich um, und ihr anderes Ende bekommt eine Geschwindigkeit, nach Maaßgabe der Entfernung bis an den Ort, wo es angestoßen hatte. Wenn diese Spitze im Herumdrehen auf eine andere trifft, so vermindert es ihre Geschwindigkeit, und wird,^>>.t!' ' sie nicht so stark ist, als die andere, sich nach einsr ai .m Richtung drehen, auch wohl zerbrechen. Auf dies' Arr stoßen und - zertrümmern sich die Eismassen beständig unter einander. Die Lage des Eises ist nach den Jahreszeiten und Meeresgegenden verschieden. Am 20. Dezember 1772 fand Förster es zwischen dem ,50 nnd gr. Grade südlicher Breite, den 12. Dezember 1773 hingegen ward das erste Eis im 62 Gr. der Breite, und am 27. Januar 1775 am 60 Grade sichtbar. Am 2g. Februar desselben Jahres traf Förster an der nemüchcn Stelle, wo er vor sechs und zwanzig Monate», des vielen Eises wegen, nicht weiter hatte gegen Süden vordringen können, keine Spur mehr davon an. Unter dem Winde von großen Strecken Treibeises fand Förster immer eine ungewöhnlich ebene See *). Diese *) Ebene See, in dem Sinne, wie der Seemann eS nimmt, ist nicht immer eine gan» ruhige und glatte Wasserfläche. Wenn bei einem deftigen Winde keine hohe Wellen gehen, weil Land oder EiS die Gegend schützt, und dem Schwünge des Wassers entgegen stehe, so nennt man dies schon eine ebene See, sollte auch kein Segel mehr vor Sturm aus' gespannt bleiben können. Temperatur des Meerwassers. 437 Bemerkung machte er auch am 17. Zan. 1773 im 65 Gr. 13 Min. südl. Br., als das Schiff in das letzte Eis kam, da zu gleicher Zeit auf der dem Winde entgegen gesetzten Seite des Eises hohe Wellen schlugen. Die Grönlandsfahrer nennen das in großen Strecken bei einander liegende Eis: gepacktes Eis, weil die Wellen die kleineren Stücke über einander anhäufen. Das, was bei ihnen Eiüblink heißt, nemlich ein weißer Widerschein am Horizonte, bemerkte Förster, so oft er in die Nähe großer Eisfelder kam: ja er konnte nach dieser Erscheinung allemal gewiß seyn, daß er nur wenige Seemeilen yom Eise entfernt war. Gemeiniglich erblickte er eine Menge weißer Sturmvögel *), als Vorboten des Eises. Das Meerejs erscheint gewöhnlich in einer weißlichen Farbe, und öfters lassen sich an den Eismasseu verschiedene Arten von Weiß unterscheiden, die in Schichten von sechs zu sechs Zollen über einander liegen. Dieser Umstand be- weist, daß dergleichen große Eismassen zum Theil nach und nach durch den Schnee vergrößert werden: denn, da-dieser von verschiedener Beschaffenheit, bald grob - bald kleinkörnig ist, bald in leichten federigten Flocken herabfallt; so müssen unfehlbar die besondern Schichten desselben von verschiedener Dichtigkeit seyn, mithin auch sich der Farbe nach unterscheiden. Das Meereis jst jedoch nicht immer weiß, sondern oft, gemeiniglich aber gegen die Oberfläche der See mit einem schönen Sapphir - oder Bergbiau gefärbt, welches vermuthlich ein Widerschein des Wassers ist. Zwar zeigt sich diese Farbe zuweilen wohl zwanzig bis dreißig Fuß über dem Meere, allein dann rührt sie wahrscheinlich von Meer- wasscrthcilchcn her, die bei stürmischer Witterung auf das Eis geschleudert, und in seine Zwischenräume durch den Frost *) xrocellaiia nivsü. 433 ' Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. eingeschlossen sind. Des Pages *) nahm wahr, daß ver- schiedene Erhöhungen und Krümmungen der Eisfelder eine blaue Farbe hatten, welche aber verschwand, sobald er seinen Scandort änderte, und also zufällig war. Große Eismassen erkälten die Luft stark genung, um den Unterschied fühlbar zu machen. Am i c. Dezember 1772 an einem hellen und gelinden Tage, stand das Fahrenheit- sche Thermometer in freier Luft auf 41 Grad, ehe Förster eine große Eismasse erreicht hatte, unter deren Winde das Quecksilber auf 37z Grad fiel. Als er um etwa fünf Uhr Nachmittags das Eis hinter sich gelassen hatte, stieg es wieder auf 41 Grad. Die Eiöinsel mogte etwa eine Englische Meile lang und hundert Fuß hoch seyn. Am c 3 - Dezemb. Morgens stand das Thermometer auf Z2 Grad, indem es die ganze Nacht hindurch geschneiet hatte. Zwischen sieben und acht Uhr näherte man sich einer Menge Eisinseln, deren einige von erstaunlicher Größe waren. Um acht Uhr zeigte das Thermometer 37z Grad, da sich das Schiff unter dem Winde großer Eismassen befand. Die Erfahrung lehrt, daß sowohl die größeren Massen als auch die kleineren Stücke Eises, welche im Oceane schwimmen, kein salziges,, sondern ein süßes Wasser geben. Diese Eigenschaft des Meereises war bereits den alteren Naturforschern bekannt. Thomas Bartolinus -) redet davon, und Samuel Reiher fand nicht lange nachher die Sache einer nähern Prüfung werth. In den neueren Zeiten, nemlich in dem strengen Winter des Lösten Jahres stellten zwei Engländer, Edward ») Reise. S. 674. s) vs rrivls nsn meälco odssrvationes varias. ^.ee. Lrssmi tollnl äs ÜAnra nivls Olsssrt. Hakn. i66l. r) LxperimentniL novinn yno aynas marinas änlcsäo examinat» äesorUiLnrr. Liel 1797. 4. ^cra Lr. äs ,797. mens. Sexr. Temperatur des Meerwassers. 439 Nairne *) und D- Higgins über diesen Gegenstand Versuche an, deren Erfolge sehr von einander abwichen, und sich in mehreren erheblichen Punkten geradezu widersprachen. Sie scheinen daher über die Sache nur wenig Licht zu verbreiten. Higgins erhielt nemlich, beim Froste aus dem Meerwasser/ein loses, schwammigtes, mit Salzthellen durchdrungenes Eis in dünnen Blattchen: dagegen Nairne ein festes Eis in Stachen bekam, welches, nachdem er es im süßen Wasser abgewaschen, und von den daran äußerlich hängen, den fremden Thejlchen gesäubert hatte, ein süßes Wasser lieferte, weiches eigenthümlich leichter war, als ein Gemisch vom Schnee- und Negenwasser, und dem destillirten hierin am nächsten kam. Es scheint indeß, daß sich auf die Versuche des Higgins nicht viel bauen lasse, da er sie bei weitem nicht mit der erforderlichen Genauigkeit angestellet hat. Er nahm die dünnen EiSblättchen, welche nur schwach zusammen hängen, sogleich aus dem Gefäße heraus, in weichem er das Meer- wasser dem Froste ausgesetzt harte, und fuhr damit so lange fort, bis die übrig gebliebene Soole anfing, in Kristallen von Kochsalz anzuschießen. Hätte er sich weniger übereilt, und die dünnen Blättchen bis zu ihrer Erfrierung in größere Stücke ruhig gelassen; so würde er ohne Zweifel, wie Nairne, ein derbes, von allen Salzthellen freies Eis erhalten haben. Dieser Versuch kann also nicht als ein gel, tender Einwurf gegen die Sache selbst betrachtet werden, da sie durch die Beobachtungen anderer Naturforscher ge- nungsam bestätigt ist. Frobisher wüste bereits, daß das Eis im Meere nach D->rr.iiixtoir's Lecoiiä, »rixxtemsnt ty tlis xrovLvtlitx ok re»- tks I^oräxols. x. i2i. 14.2. *) kkll. T'ransLet. 66. 44» Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. dem Zerschmelzen frisches, trinkbares Wasser gebe, und bediente sich dessen schon 1578 zum Genuß. Zehn Davis ließ iZ 85 ein ganzes Boot mit Eise beladen, welches ihm Trinkwasser lieferte. NigaAt sammelte im Jahre 1763 in der Gegend von Calais Mcereis, und untersuchte solches. Er-ließ es eine Stunde lang an einem Orte liegen, wo das Thermometer über Z2 Gr. Fahrcnh. stand, damit das Salz, wasser davon ablaufen konnte. Als er es hierauf geschmolzen und durchgeseihet hatte, besaß es weder Geruch noch Geschmack; es lösete Seife auf, und diente zum Kochen der Hülsenfruchte, welches bekanntlich ein Kennzeichen eines wei, chen süßen Wassers ist. " Förster *) stellt vollgültige Zeugnisse in der Sache auf. Er behauptet ausdrücklich, daß alles auf dem Meere schwimmende Eis ein süßes Wasser gebe, welches trinkbar sey, und er fand einigemal süße Quellen auf schwimmenden Eisfeldern, an Orten, wo sich das aufgethauete Wasser gesammelt hatte. Da man sich auch dessen vielfältig auf den Schiffen, in Ermangelung des süßen Wassers, zu dieser Absicht bedient; so räth er die Vorsicht an, keine schwammigte vom Anspülen der Wogen durchlöcherte Stücke zu nehmen, weil das Salz in die Zwischenräume eindringt, und nicht wieder davon abläuft, wenn es auch noch so lange lliegen bleibt. In der Nachbarschaft großer Eisfelder findet man viele kleine aber feste Stücke Eises, weiche ein gutes Wasser zum Genusse geben. Man nimmt vorzüglich diejenigen, welche den größeren Eismassen am nächsten liegen, und wählt besonders solche aus, die bequem in ein Boot gehoben werden können. Diese legt man auf dem Verdecke des Schiffs, eins über das andere, damit die Tropfen des Meerwassers, welche ihm von außen anhängen, bequem davon ») Bemerkunoen rc- S. 6i. S. auch seine Reis» um die Welt- i Ttz. S. L». Temperatur des Meerwassers. 44» ablaufen können. Sobald das Eis hier durch die Wärme der Luft, zu .zergehen anfängt, wird es in den großen Schiffs, kessel gethan, und vollends aufgelöset, das übrige aber in kleine Stücke zerstoßen, durch die Spundlöcher in Fässer ge, packt, und die Zwischenräume werden mit dem bereits Ge, schmvizenen ausgefüllt. Auf diese Weise erhielt Cook sich und feine Gefährten wenigstens neun Monate damit. Adanson r) erwähnt einer Thatsache, die jenen Er, fahrungen zur Bestätigung dient. Er hatte an zwei Stellen im Oceane eine Flasche mit sehr salzigem Mecrwasser gefüllt, und beide mit nach Frankreich genommen, in der Absicht, den Grad der darin enthaltenen Salzigkcit näher zu untersuchen. Auf dem Wege von, Brest nach Paris, den er im Winter zurücklegte, zersprangen diese Flaschen von der strengen Kälte, und das Eis darin zerging in ganz süßes Wasser. Hier war die flüssig gebliebene Soole abgelaufen, und der Rückstand bestand aus reinem Eise. Es ist eine bekannte Sache, daß die Bierbrauer in Amsterdam, da Holland wenig gutes Wasser hat, sich schon lange des Meereiseö bei ihren Brauereien bedienen und irren also diejenigen, welche beh«upten, daß Cook derjenige gewesen, welcher diese Entdeckung zuerst gemacht habe °). Unter den vielen Zeugnissen dieser Art begnügen wir uns, noch die Versuche des Lorgna und Bozza anzufüh, ren, welche zwar das Meerwasser unmittelbar nicht angehen, sondern andere mit fremden Stoffen vermischte und ge/ mengte Wasser betreffen: denn auch ihre Läuterung durch den Frost geht nach eben dem Gesetze vor sich. Lorgna füllte eine Flasche-bis zu zwei Durcheilen mit Reise nach Senegal. S. agr. -) Lekonom. Blbl. vni V. S. z6r. >) Forster'S Geschichte der Entdeckungen und Schiffahrten in Norden. Franks, a. d. S- >7Lt- in L- S. sag. 44-2 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Wasser, verstopfte fle wohl, kehrte sie dann um, und stellte sie anf den Hals in den Sand. Das Wasser, welches im Froste flüssig blieb, senkte sich in den -Hals, und konnte leicht abgeschieden werden. War dies geschehen, so schmelzte Man das Eis, und ließ es auf diese Weise drei bis viermal hinter einander gefrieren, bis es ganz süß war. So behan- delte er die trüben Wasser der Etsch, das eisenhaltige Wasser von Neeoaro, Harn und Mistfauche, und er bekam durch wiederholtes Gefrieren ein eben so reines Wasser, als auf dem Wege der Destillation. Bozza stellte ähnliche Versuche mit Wasser an, in welches er Thon zerlassen hatte. Die erdigen Theile wurden durch den Frost niedergeschlagen, und das Wasser war ausgethaut ganz rein. Er goß ferner Schwefelsäure ins Wasser, und färbte es mit Lackmußtinktur. Durch das Gefrieren schied sich der färbende Stoff und die Säure, und das Wasser war ohne Geschmack und Farbe *). Bekannt ist es, daß bei Weinen und anderen > geistigen Getränken ebenfalls eine Trennung der wässerichen Theile von den geistigen durch den Frost erfolgt, welche letztere sich gegen die Mitte der gefrierenden Masse concentri- ren. Das nemliche findet man bei der Milch, dem Essig u. s. w., wo sich die Flüssigkeit auf gleiche Weise absondert. Bei dem Gefrieren des Meerwassers verwandeln sich die >> Theile des reinen Wassers in Eis, und die fremdartigen scheiden sich dann ab. Lorgna gründet diese Absonderung darin, daß die gleichartigen Theile des Wassers wahrend des Frosts sich einander anziehen, die ungleichartigen aber zurück gestoßen werden. Um aber die eigentliche Art und Weise einzusehen, wie die Natur hier wirkt, bemerken wir, als eine aus der Erfahrung bekannte Sache, daß die auflösende Kraft gegen die Salze durch eine erhöhet? Temperatur vermehrt, und durch *) Xirnales äs eto. xar 7. Xlk. x. »6cr. Temperatur des Meerwassers. 443 eine erniedrigte vermindert wird, und daß das Meerwasser selbst bei der mittlern Temperatur.des Dunstkreises, nicht wit Salztheilen gesättigt ist, sondern noch eine .größere Menge davon auflösen kann, als ihm die Natur mitgetheilt hat. Diesemnach kann das Meerwasser ungesehen werden, als eine Mischung, oder vielmehr als ein Gemenge, im chemischen Sinne des Worts, s) von süßem Wasser, und k>) von einer Salzauflösung. Sobald die Tempetatur der Atmosphäre hinreichend hoch ist, bleibt die Salzauflösung mir dem süßen Wasser in einer gleichmäßigen Vertheilung. Wenn aber bei einer verminderten Temperatur des Dunstkreises der Wärmestoff aus dem Wasser entweicht, um sich mit jenem ins Gleichgewicht - zu sehen, und die Temperatur auf 32 Gr. Fahrenh. zurück kommt; so geht das Wasser aus dem Zustande einer tropfbaren Flüssigkeit in den des festen über, nemlich diejenigen Theile, welche nicht zur Auflösung der gegenwärtigen Salztheile erforderlich waren; die übrigen.aber, welche mit den Salztheilen in Auflösung stehen, bleiben flüssig, und so entgeht das Eis und die Soole, welche letztere denn sich nach hydrostatischen Gesetzen zu Boden senkt. Merkwürdig ist hiebst die Erscheinung, welche Neyher wahrnahm, daß das Meerwasser selbst unmittelbar unter dem Eise süß gewesen, und ihre Nichtigkeit ist wohl nicht in Zweifel zu ziehen: denn man weiß, daß Wasser, im Kochsalz aufgelöset, bei einer bis zum Gefrieren nahen und immer zunehmenden Erkältung, immer mehr von dem aufgelöseten Salze abseht, worüber schon Boerhave in seiner Chemie Erfahrungen beigebracht hat. Hieraus crgiebt sich nun die Beantwortung der Frage: °b das Meerwasser gefrieren könne? Es verbinden sich nein- 444 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. lich die gleichartigen Theile des Wassers zum Eise, indem sie ihr Ausdehnungsprinzip, die Wärmematerie verlieren. Der Regel nach, sollte nun daS' süße Wasser in dem Meere sich bei der angegebenen Temperatur von 32 Grad in Eis verwandeln: allein dies geschieht nicht, und wir wissen aus der Erfahrung, daß das Meerwasser bei derjenigen Temperatur, worin das süße Wasser gefriert, noch immer flüssig bleibt. Das Meer braucht schon einen Hohn, Grad von Kalte, wenn es mit Eise belegt werden soll. Wenn die Seen und Flüsse längst von, Eise starren, kann das Meer noch immer befahren werden. Um den Grad zu finden, in welchem das Meerwasser gefriert, stellte Nairne mehrere Versuche an, welche ihn lehrten, daß der sg Gr. Fahrenh. derjenige sey, in welchem das Meerwasser zu Eise wird *). Der Grund hieven scheint darin zu liegen, daß alle Salzauflösung in dem Meerwasser, mit den Theilen des süßen Wassers gleichmäßig vermengt ist, ein mit Salztheilen verbundenes Wasser aber eine viel niedrigere Temperatur aushalten kann, als das süße. Denn die Salzauflüsung äußert auch noch in einigem Grade eine Anziehungskraft gegen denjenigen Theil des Wassers, welcher zur Darstellung der Auflösung geradezu nicht beiträgt. Noch bis jetzt ist un- untersucht, wie sich das Meerwasscr bei noch niedrigeren Temperaturen verhalte. Wahrscheinlich muß bei verstärktem Froste am Ende keine Soole, sondern das Salz in fester Substanz zurück bleiben. Die Natur verfährt hier eben so, wie bei dem Verdunsten einer Salzauflösung in einer erhö- heten Temperatur, wo die wässerichen Theile entweichen, und das concrete Salz übrig bleibt. Wird das Meer durch Ströme beunruhigt, so entsteht kein Eis, wenn auch gleich bei langer Fortdauer der Kälte, die ganze Wassermasse bis i i *) OI)5erv. IX. x. Z6s. Temperatur des Meerwassers. 445 zu dem Grade erkaltet ist, wo die oben gedachte innere Der wegung aufzuhören pflegt. Denn obgleich die oberen Theil- chen beim fernern Erkalten nicht mehr herabzusinken streben, und deshalb zum Gefrieren geneigt sind, so besitzen sie doch Noch freie Wärme, die ihnen entzogen werden muß, ehe die Eisbildung anfängt. Da nun die Störung des Wassers durch den Wind lein Theüchen lange genung mit der kalten Luft in Berührung läßt, um ihr aüf einmal diese Warme ' abtreten zu können, so kommt es nicht sobald zum Gefrieren. Das Wasser verliert jedoch in diesem Falle eine große Quantität Warme, und zwar bei dem Winde mehr, als in stiller Luft, und daher entsteht, sobald der Wind aufhört, und die Kälte noch anhält, das E'S desto schneller. Da das Produkt des Meereises süßes Wasser ist, so sind verschiedene Naturforscher dadurch verleitet worden, zu glauben, daß das Meerwasser nicht gefrieren könne: denn sie sehen zum voraus, daß es mit Inbegriff seiner fremdartigen Stoffe sich in Eis verwandele, folglich ein salziges Wasser liefern müsse. Dergleichen salziges Eis will nun Cranz *) wirklich gefunden haben, und er behauptet ausdrücklich, daß, wenigstens die flacheren Stücke, woraus die Eisfelder der nordischen Meere bestehen, Salzwasscr enthiel- « ten. Förster nahm daher Veranlassung, auf seinen Reisen das Meereis allerlei Art zu untersuchen, es mogtc flach seyn, oder aus Klumpen bestehen: er bekam aber jedesmal süßes Wasser, woraus er mit Recht folgert. Laß sich entweder von einer Halbkugel der Erde auf die andere nicht ' schließen lasse — wozu jedoch kein Grund vorhanden ist — oder daß Cranz sich geirrt haben müsse. Wahrscheinlich hat er seine Beobachtungen an schwammigtem Eise gemacht, dem äußerlich Salztheile anhingen, welche in seine Zwijchen- räume eingedrungen waren. ') Gksch. von Grönlan». 446 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Büffon läugnct das Gefrieren des Meerwassers, und läßt, das Eis darin bloß aus den Küstenwassern, oder dem, welches die Ströme und Flüsse dem Oceane zuführen, entstehen, und hiermit stimmt auch Lomonossow übcrcin. Jener beson- ders hält das Gefrieren des Wassers im freien Meere, unh fern von den Küsten für unmöglich und beispiellos. In diesem Wahne geht er so weit, daß er behauptet, das Meer zwischen Nova Zemlja und Spitzbergen unter dem 79 Grade N. Br. könne seiner großen Ausdehnung wegen nie gefrieren, und unter den Polen selbst müsse ein reines nnd freies Meer seyn. Gesetzt nun auch, daß die Eismassen der nördlichen Po, largegenden sich aus der angeführten Ursache erklären ließen: wie ist aber solches in den südlichen Polargegenden möglich, da hier kein Land ist, dessen Flüsse dem Oceane das Eis in so ungeheurer Menge zuführen könnten? Wenn auch künftige Entdeckungen uns eins. dergleichen kennen lehren soll, ten — woran man jedoch zu zweifeln alle Ursache hat — wie verschieden würde seine Lage uud Beschaffenheit von derjenigen seyn, welches die nördlichen Gewässer begrenzt? Eine kleine Betrachtung und Vergleichung beider wird hier- über keinen Zweifel übrig lassen. Die Flüsse des nördlichen Asiens, als der Ob, Zenisei u. a. m., welche ihr Wasser dem Eismeere zuführen, entspringen im 48 und Zc> Grade N. Br., also unter einem Himmelsstriche, wo allerlei Erdfrüchte gezogen werden köm nen. Mit ihnen vereinigen sich andere Flüsft, weiche ebenfalls milderen Gegenden entfließen. Ihr Lauf bleibt ziemlich genau in der Richtung von Süden nach Norden, so wie die Küsten selbst, die Buchten abgerechnet, sich von Westen nach Osten erstrecken. Die klenreren Bäche, welche hoch im Norden entstehen, haben eigentlich keine Quellen, sondern sie leiten bloß den im Frühlinge geschmolzenen Schnee, und den Sommer hindurch etwas Regenwasser ab. ^>m Herbste Temperatur des Meerwassers. 447 sind sie mehrentheils ganz verschwunden: auch ist es sehr begreiflich, daß in einem ewig gefrorenen Erreiche keine Quellen entspringen können. Schon im 60 Gr. N. Dr. zu Zakutsk ist die Erde mitten im Sommer zwei bis drei Fuß tief unter der Oberfläche völlig gefroren. Man versuchte in den Zähren 1780 und 1786 daselbst einen Brunnen zu graben, erreichte auch mit großer Mühe und Arbeit in zwei Sommern eine Tiefe von ein und neunzig Fuß: doch auch hier war der Boden so gefroren, und schlechterdings kein Wasser vorhanden, daher das Unternehmen aufgegeben werden muste *). Mit der Lage und Beschaffenheit dieses festen Landes vergleiche man nun das südliche Comment, wenn eins vorhanden ist. Dieses muß nun dem Pole naher liegen, als die Seefahrer bis jetzt vorgedrungen sind, folglich allenthalben jenseit des sechzigsten Grades, und an einigen Stellen über den ein und siebenzigsten Grad hinaus, und seine Küsten müssen sich ebenfalls von Osten nach Westen erstrecken. Die Flüsse desselben müssen aus seinem Innern von Süden nordwärts laufen, um das Meer zu erreichen. Da! man nun bereits im 54 Grade auf der Insel Südgevrgien, mitten iM Sommer eine äußerst heftige Kälte angetroffen hat, indem das ganze Land mit Schnee bedeckt, aste Häfen mit Eisklumpen angefüllt, und nirgends Spuren von Quellen und Flüssen zu finden waren; so läßt sich wohl nicht erwarten, jenseit des ein und siebenzigsten Grades, oder gar unter den Polen selbst Flüsse anzutreffen, wo sie doch entstehen müssen, wenn sich ihr Daseyn annehmen ließe. Bekanntlich ist die Kälte in den Südpolargegenden ausnehmend streng, und überhaupt die südliche Halbkugel in gleichen Breiten kälter, als die nördliche. Dies bezeugen alle Wetterbeobachtungen. Die Sommer mit beständigem ') Gmelin'S des Litern Reise nach Siberlen. 2 B- S> §20. zsz. 443 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Schnee und Eise, die damit bis an die Küsten bedeckten Berge des Feuerlandes, des Staatenlandes, lassen darüber keinen Zweifel übrig. Noch sind indeß die Ursachen nicht entwickelt, welche bewirken, daß die Kalte der südlichen Halbkugel die auf der nördlichen an Heftigkeit soweit übersteigt. Als eine davon kann man jedoch den Umstand ansehen, dag die Sonne in den nördlichen Zeichen des Thier- kreises acht Tage länger weilt, als in den südlichen. Hierdurch wird der Winter der südlichen Halbkugel um so viel Zeit verlängert, und der Sommer in dem Verhältnisse abgekürzt, wodurch die Kälte um 22jZ oder beinahe um größer werden kann, als in der nördlichen Hälfte unserer Erde. Dieser ausgemachten Thatsache widerspricht jedoch Büfson, indem er vorgiebt, daß die Seefahrer die Südgegenden aus keinem andern Grunde für kälter ausgegeben hätten, als weil sie das Eis hier in einem weitem Abstände von den Polen angetroffen hätten, welches aus besonderen Ursachen herrühren könne. Eines Umstandes ist hier noch zu erwähnen, welcher sehr einleuchtend beweist, daß, wenigstens unter dem Himmelsstriche, worin sich noch Vegetation findet, kein Südland anzutreffen sey. Alle nördlichen Meere werfen eine so beträchtliche Menge Treibholz an die Gestade von Nova Zemlja, Spihbergen, iGrönland u. s. w. aus, daß diejenigen, welche dort überwintern müssen, sich mit Brennholz hinlänglich versehen können, da auf allen diesen Küsten kein Baum wächst. Zn den südlichen Gegenden findet man kein Treibholz. Diejenigen, welche behaupten, daß das Meer nicht gefrieren könne, haben überdies die Erfahrung wider sich. Barez sah auf Nova Zemlja das Meer im September einige Zolle dick gefrieren, und andere Reisende fanden, daß der Ocean schon im August gefror, und daß er im Winter in einer Nacht mit einige Zolle dickem Eise belegt wurde. Von Temperatur des Meerwassers. 449 Von der Ostsee weiß man, daß ihre Oberfläche oft zu dem festesten Eise gefroren ist. Im Jahre 1333 reifere man von Lübeck nach Preussen und Dännemark auf dem Eise, und es waren auf demselben hin und wieder Herbergen errichtet. Dies geschah auch in den Jahren 1399 und 1423. Sechs Jahre nachher, so wie auch 1439, war dieses Meer wieder überall mit dem festesten Eise belegt, so daß ähnliche Reisen aus Holstein nach Preussen u. s. ip angestellet wurden. Im Jahre iggL war dieses Meer zwischen Rostock und Dännemark, zwischen Föhnen und See, land, so befroren, daß Fußgänger und Schlitten mit Ochsen und Pferden bespannt, über das Eis hinweg gingen. Bei dem Froste im Jahre 1709 hatte das Eis die Ostsee an den Küsten Preußens dergestalt belegt, daß man von den höchsten der auf selbigen befindlichen Thürme das Ende davon nicht absehen konnte. Dies wird auch bei der im Jahre 17^0 eingefallenen Kälte, welche jene noch um einige Grade übertraf, unfehlbar geschehen seyn: nur sind keine Wahrnehmungen davon vorhanden -). Das schwarze Meer gefriert oft, seiner südlichen Lage ungeachtet. Strabo I berichtet, daß die Völkerschaften am Bosphorus Cimmerius in Karren quer über dasselbe zu fahren pflegten, und daß Neoptolemus, ein Feldherr des Mithridates Eupakor, mit seiner Reuterei, auf dem Eise an einer Stelle eine Schlacht gewonnen habe, wo er den Sommer vorher mit seinen Schiffen einen Sieg zur See erfochten hatte. Aus einer Erzählung des Marcel li- strus Comes I wissen wir, daß im Jahre 401 die ganze 1) LncUUolser i» OUronolozi». I'ttilcot. >644. p. Z7r. Schlitz in der Preuß. Chronik. EiSIeben ,599. S. 1,4. KSniltverg. wö« chentt. Nachrichten v. I. 1741, Vo, 4 Z. 44 - 2 ) 6evKr. I.M. VI. x. NL. Lig. 2)4» Scalizori «a. Lrissb. x. ;7- Tl 45o Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Oberfläche dieses Meeres mir Eise bedeckt gewesen, welches im Frühlinge dreißig Tage lang durch den Propomis in berg/ hohen Massen getrieben wurde. Zonaraö *) führt an, daß die See zwischen Constantinopel und Skutari zu einer Zeit , so stark gefroren gewesen, daß man mit beladenen Wagen darüber hinweg fuhr. Demetr. Kantemir °) bemerkt, daß im Jahre 16z; ein heftiger Frost eingefallen sey, wahrend dessen man von Constantinopel nach Jscodar habe zu Eise kommen können. Im Jahre L 6 o war das mittelländische Meer so befro- ren, daß man zu Wagen und Pferde über das Ionische Meer nach Venedig reisete Im Jahre 1234 traf dieser Fall wieder ein, so daß die Venetianischen Kaufleute ihre Waaren über das befrorene Meer führen konnten, wohin sie wollten. Die Nordsee war, dem Sämund Frode zufolge, 1408 zwischen Dännemark und Norwegen so beeiset, daß die Wölfe über das Eis aus einem Königreiche in das andere liefen. Das große Nordmeer gefriert in beträchtlichen Entfernungen von den Küsten '). In der Mitte des Dezembers - 1631, da Cap. James auf Charlekons Eyland überwinterte, gefror die ganze Hudsonsbay. Diese Thatsychen beweisen nun unwidersprechlich, daß das Meerwasser an und für sich gefrieren könne, ohne daß i> es nöthig sey, dazu das Wasser der Flüsse zu Hülfe zu neh, men, und daß die große Ausdehnung eines Meeres dessen 1) in Oonsrant. Loxron^mo. 2) Histor^ ot tNs Orliman Lmxire, und tde moSsrn nnivers. kistor/. I Vol. V. I>. Z7. i) Hermann. Loutracrns ax. Visror. Scrixt. 1°. II. x. 2Z6. > ») ax. 'rNorm. 'vortaenm Serie re§. Oan. Hain. 1705. in 4 . i'. 4>- ^ r) Müller'S Samml. Ruff. Geschicht- Z B. S. 4 '. Temperatur des Meerwassers. 42» Gefricrung nicht hindere. Büffon führt zwar dagegen an, daß das schwarze Meer, wegen seiner geringen Breite, und wegen der zahlreichen Flüsse, die sich von Norden her in dasselbe ergießen, nicht merklich salzig sey. Allein, wenn man dies auch zugiebt, so stehen ihm immer die übrigen Meere im Wege, bei denen die Ursach ihres Gefrierene augenscheinlich nicht dem süßen Wasser zugeschrieben werden kann, welches sie aus den Strömen i» sich aufnehmen. So ist z. B. einleuchtend, daß das Gefrieren der Nordsee zwischen Dannemark und Norwegen nicht in dem Eise liege, welches die Flüsse mitbringen: denn diese sind in Verhältniß mit dem Meere nur klein, und ihr Wasser von geringer Bedeutung. Dies bestätigen auch Wilke's °) halostarische Versuche, nach welchen dieses Meer, selbst in dem Hafen von Landscrona, sehr salzig ist. Aber ist das Land bei Bildung des Eises nicht wenigstens als ein fester Punkt unentbehrlich, an welchem es sich ansetzen könne? Dem Büffon scheint es so; aber in Nair- ne's Versuchen entstand das Eis nicht am Rande des Gefäßes, sondern mitten auf der Oberfläche, und es schoß seine Krystallen unterwärts an. Unstreitig wird das Eis zuerst da gebildet, wo die Kälte am heftigsten wirkt. Weil nun der Luftkreis mit der Fläche des Meeres in Berührung kommt, so muß sich das Eis nothwendig von oben nach unten formiren, das Wasser immer tiefer hinab erkälten, und der Gefrierung fähig machen, indem ihm die Warmemate- rie, welche das Wasser im flüssigen Zustande erhält, allmäh- lig entzogen wird. Man kann voraussehen, daß die erste Gerinnustg des Wassers bei stillem Wetter geschieht, welches nach Förster's Erfahrung in den hohen südlichen Breiten nichts ungewöhnliches ist. Wenn es nun in dünneren Flä- r) Mg. N. G. I Th. Abiiandl. der Schw. Ak. zz B. S. 66. Ff 2 452 Fünfte Abth. Deiner Abschnitt. chen zusammensriert, so zerbricht der 'Sturm hernach den gleichen Eisfelder, die Stücke werden über einander geschoben,' gefrieren wieder zusammen, und bilden große Massen. Auch läßt sich mit vieler Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die ganze Gegend des Südpols, bis zum achtzigsten Grade der Breite, ganze Zeitalter hindurch mit einer einzigen ringe- theilten festen Eiömasse bedeckt sey. Der Rand dieses un, geheuren EiöeontinentS wäre dann allein einigem Wechsel unterworfen, indem er des Winters durch den frischen Ansatz an Umfang zunähme, und, bei der Rückkehr der gelindem Jahreszeit, wieder von den Winden beschädigt, und seine Bruchstücke den Strömungen des Meeres Preis gegeben würden. Wie leicht können nicht Eisfelder ukd Massen, zwischen denen das Meer mit unzähligen kleineren Eisschollen besäet ist, da, wo der Wind nicht Gewalt hat, hohe Wellen zu erregen ^ bei eintretendem Winter, wieder zusammen gefrieren, ohne daß man im geringsten nöthig hat, ihnen einen festen Punkt zu geben, oder ein Land, an welches es sich ansetzen kann? Man hat der Entstehung des Eises auf dem hohen Meere noch einige andere Einwürfe entgegen gesetzt. Den ersten nimmt man von der Beschaffenheit des Eises her, welches Hig- gins aus dem Meerwasser bekam. Dieses war undurchsichtig, dagegen die Eismassen gröstentheils hell, und von schöner blauer Farbe sind. So scheinbar dieses Argument auch einigen ist, so wenig kann es doch von Gewicht seyn, wenn man die Wirkung einer heftigen nnd anhaltenden Kälte erwägt. So wie der Frost mit Schneegestöber eintritt, pflegt es gemeiniglich ein undurchsichtiges Eis auf den Seen und Flüssen zu geben, das im Anfange vor der völligen Erhärtung wie ein weißlicher Teig aussieht. In der Folge kann nasse Witterung und Thanwetter, worauf sich wieder kalte Nächte einsinken, die Farbe und Consistenz des Eises dergestalt verändern, daß es zuletzt durchsichtig wird wie Krystall. Temperatur des Meerwassers. 453 Der zweite Einwarf betrifft die ungeheure Größe der Eismassen, welchen HigginS eine gelindere Temperatur giebt, als zum Gefrieren erforderlich ist. Das Gegentheil wird aber aus dem klar, was wir oben gesagt haben. Die Kälte ist im Winter heftig genung, das Wasser des Meeres bis zum Gefrieren zu erkälten, und der Frost hält mit ununterbrochener Stärke lange genung an, um das Gefrieren großer Eismassen zu bewirken. Sollte gegen diese Sache noch irgend ein Zweifel statt finden können, so wäre eö leicht, solchen durch Versuche allenfalls mit künstlichem Seewasser zu heben. Gerardin *) schlägt folgendes Mittel vor: Man nehme Meerwasser, fülle ' damit eine Thermometerkugel von wenigstens drei Zollen im Durchmesser, wickele sie in Leinwand, und benetze solche zu verschiedenen malen mit Aether, je nachdem dieser ver, dünstet ist. Bei dieser Operation muß das Meerwasser mitten im Sommer zu dichtem Eise gefrieren. Man kann sie auf eine doppelte Weise veranstalten, entweder in Berührung mit der äußern Luft, wen» die Thermometerröhre offen bleibt, oder wenn diese hermetisch verschlossen wird. Sollte das Wasser auf diesem Wege nicht zum Gefrieren zu bringen seyn, so hält er es für mehr als wahrscheinlich, daß es auf dem.hohen Meere einer Verwandelnng dieser Art nie fähig seyn werde, da hier das Hinderniß der größer« Masse und der Bewegung hinzutritt. Hiernach wäre nun die Entstehung des Eises auf dem hohen Meere völlig entschieden; schwerer aber scheint es, zu erklären, wie die Eismassen zu einer so außerordentlichen Höhe sich austhürmen können, da sich kein Grad der Kälte gedenken läßt, welcher im Stande sey, das Wasser in einer solchen Tiefe in Eis zu verwandeln. St. Pierre er- - *) Harter Ovrerv. ?oni. IX. x. xkr. O Betracht, liber d!, Not. i Ich. 45 > Funfte Abth. Dritter Abschnitt. klärt die Sache ohne Schwierigkeit, indem er annimmt, daß diese Eismassen Bruchstücke von den ungeheuren Eisgewölben seyen, welche er unter die Pole hin verlegt. Schade nur, daß ihre Existenz noch so zweifelhaft ist. Egede hält die großen Massen für abgebrochene Stücke des auf dem Lande gebildeten Eises. Uns scheint die Formation dieser ' Eisklumpen mehr als einer Ursach zugeschrieben werden zu müssen, und wer wird es wagen, alle verschiedene Arten der Entstehung dieser Massen anzugeben? Gesetzt das Eis, welches bei stillem Wetter entsteht, könnte nicht über zwölf Fuß dick werden, so zerbricht hernach der Sturm dergleichen Eisfelder. Die Stücke wiegen eins das andere nieder, werden - über einander geworfen, gefrieren bald wieder zusammen, uud thürmen sich zuletzt in Wellenlänge Massen von 20 bis 60 Klaftern im Durchmesser hinan. Mertens ') in seiner Beschreibung von Spitzbergen sagt, daß die Eisberge aus solchen Stücken bestünden, die über einander geschoben sind. Augenscheinliche Kennzeichen einer ähnlichen Zusammensetzung, nemlich Schichten, davon jede mehrere Schuh dick waren, fand Förster -) in den Jahren 1772 und 1773 an vielen Eismassen. Des Pages bemerkte ebenfalls, daß die hohen Eismassen aus mehreren Lagen Eises bestanden, welche sich theils über, theils unter einander geschoben hatten. Man sieht oft große Stücke Eis von dem Gipfel der Eisberge herabfallen, welches nicht geschehen könnte, ^ wenn sie aus einer einzigen dichten Masse bestünden. Hiernächst trägt auch der Schnee, welcher oft mehrere Ellen hoch fällt, vom Regen aufgelöset wird, wieder gefriert, und immer mehr Festigkeit erhalt, viel dazu bei, die Eis- > berge zu einer ^so unglaublichen Höhe aufzuthürmen. Auch i) Vo)'k>xs -11 Itorä. Tom. H. x> 64. -) Bemerkungen. -) Reise. S. sr;- f. lSL f- Temperatur des Meerwassers. 455 hier bilden sich Schichten, welche das Auge leicht wahrnimmt. So sormiren sich nach des Pages Berichte die Spihbergischen Eiskolossen. Ihre erste Grundlage macht der Schnee eines jeden Jahres, der durch die Sonnen- warme halb geschmolzen, und durch den darauffolgenden Frost in Eis verwandelt wird, nach und nach sich erhöht, und in einer Reihe von Jahrhunderten zu der Höhe gebracht worden ist, worin man sie erblickt. Die Sonne/ welche den Schnee oder Reif schmilzt, der sie bedeckt, kann nur einen halb geschmolzenen Theil zurück gelassen haben, welcher durch den Frost zu festem Eise erhärtet. Die Sonne, weiche hier zwar Kraft genung hat, die Oberfläche des Schnees zu schmelzen, ist nicht wirksam genung, das Eis selbst aufzuthauen, und das Schmelzen der Oberfläche muß diese Theile' durch den daraus folgenden Frost noch fester vereinigen. Förster *) sah in den südlichen Pviargegenden Eisberge, die regelmäßige beinahe gleich dicke Lagen über einander hatten. Durchsichtige und undurchsichtige Schichten wechselten mit einander ab, woraus er folgert, daß das Eis, ehe es vom Winde oder von der Fluch in Schollen zerbrochen war, ganz mit Schneewasser bedeckt gewesen sey. Sobald das Mcerwasser auf den Schnee kam, gefror dieser zu undurchsichtigem Eise, bis die Winde die Schollen über einander schoben, und auf diese Art jene Massen bildeten. Es kann aber auch über ein hohes Vorgebirge der Sturm den Schnee auf das unten gefrorene Meer treiben, und da einen hohen Schneeberg machen, der im Frühlinge vom Regen, von den Bächen und geschmolzenem Schnee angefeuchtet wird, , und so zusammen gefriert. Diese Masse wird ein Eisberg, welchen Stürme und große Fluthen losreißen, und ins Meer führen. ') Gksch. S. 426. 456 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Förster erblickte eine Eisinsel, wenigstens von einer halben Meile in der Länge. Die Wellen brachen sich an ihr, als an einem unbeweglich stehenden Felsen, und schlugen, ungeachtet sie niedriger waren, als jene Eismassen, dennoch so hoch hinan, daß der Schaum oft weit hinaus sprühte. Wahrscheinlich gefriert das Wasser, welches so auf das Eis gejagt wird, daselbst an, woraus sich auch mit die außerordentliche Anhäufung der Eismassen erklären läßt. Im Sommer zergeht das Eis allmähiig, da die Temperatur des Wassers, worin es schwimmt, in dieser Jahreszeit um etliche Grade höher wird, als der Gefrierpunkt. Schon im süßen Wasser, dessen specifisches Gewicht, zu dem der Lust sich wie r,ooo zu 000,1 oder 0,002z verhält, wenn beide gleich warm sind, schmelzt das Eis weit leichter, als in der Luft. wegen der Wasserthcilchen, die sie berühren: mithin muß da« noch schwerere Mcerwasser noch mehr darauf wirken. Wenn der Schnee, welcher die Eismassen vereinigt, durch die Nässe und Wärme aufgelöset wird, und die Verbindung aufhört, so gehen die Eismassen, welche vorher zusammen hingen, aus einander. Die Erhöhungen, welche durch ihr Gewicht gehalten werden, stürzen ein. Die Hauptmasse, welche oftmals auf eine ungleiche Art, -von ihrer Last befreiet wird, hebt sich an einer Seite in die Höhe, und taucht an der andern unter. Wenn die gelinde Witterung anfängt ihren Einfluß auf die Eisflächen zu äußern, so pflegen diese auch wohl zu bersten, und fallen dann plötzlich aus einander. Ein solches Zerfallen einer großen Eisbank geschieht allemal mit einem starken, dem Donner ähnlichen Getöse. Förster *) war öfters Augenzeuge von der Wirkung des Mcerwassers auf das Eis. Ungeheure Massen, welche unter dem Wasser all- *) Geschichte ic. S. zSZ. Temperatur des Meerwassers. 457 —-—--- mählig angefressen waren, stürzten mit einem entsetzlichen Krachen ein, und zerfielen in kleine Trümmer, oder schlugen um, und erhielten durch den Verlust eines Theils einen andern Schwerpunkt. Einigemal war er einer dieser zerberstenden Eismassen sehr nahe. Da, wie gesagt, die Stücke einen andern Schwerpunkt bekommen, als zuvor das Ganze hatte; so geschieht eö vielfältig, daß sie im Wasser ein Paarmal umschlagen, um im Schwimmen in die Lage zu kommen, welche ihr Schwerpunkt erfordert. Eins dieser sich umwälzenden Stücke kam seinem Schiffe so nahe, daß kaum fünf bis sechs Ellen daran fehlten, um es zu erreichen, da es denn gewiß zerschmettert oder doch sehr beschädigt seyn würde. Große Eismassen erfordern indeß lange Zeit und ein sehr warmes Klima, um ganz aufgelöset zu werden. Zm Atlantische» Meere sind Eieinseln unter dem Ho Grade N. Dr. gesehen worden, und in der Meerenge von Belleisle hat ein Reisender, welcher sich mehrere Zahre in Neufound- land aufgehalten, ein großes Eisfeld beobachtet, das dort auf dem Grunde sitzen geblieben, einen ganzen Sommer hindurch gelegen hatte, und erst im folgenden Zahre ganz geschmolzen war. In der nördlichen Halbkugel sieht man fast alle Zahre das Eis herabwärts aus Norden zu dem gemäßigten Himmelsstrich hin treiben, so daß es scheint, als wirkten Strömungen oder Anziehungskräfte von den Polen nach dem Aequator hin, durch welche jene große Eismassen in dieser Richtung beweget werden. Die stärkere Ausdünstung des Meeres zwischen den Wendekreisen bewirkt dies, indem das nördliche Wasser zufließen muß, um den Abgang vom Gleichgewichte zu ersetzen. Das Eis bedeckt einen großen Theil der nördlichen und südlichen Halbkugel gegen die Pole zu. Förster fand im 5 o bis 67 Grade Eis, und andere Seefahrer haben ebem 458 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. falls im Frühlinge und Sommer in ziemlich geringen Breiten, z. B. im 49 und 52 Grade Eis angetroffen. - Die Schiffahrt durch das Eis erfordert »»gemeine Vorsicht und Gcschicklichkeit. Man wählt natürlicher Welse in den Eisfeldern die Kanäle, welche am wenigste» mit Eise belegt sind. Ueber die kleineren zertrümmerten Eisfelder segelt man hinweg. .Matrosen vorn auf dem Schiffe helfen den Stücken mit langen eisernen Stangen nach, tauchen sie unter das Schiff nieder, oder stoßen es von demselben seitwärts hinweg. Ist ein Kanal im Eise nur mit einer dünnen Fläche Eises belegt, so dringt man wohl mit vollen Segeln darauf ein. Wenn sich geradeaus kein Durchgang öffnen läßt, und sich seitwärts ein schiffbarer Kanal befindet, den nur ein schmales Eisfeld von jenem trennt; so wird die Stelle aufgesucht, wo dieses Eisfeld, da sie sich gemeiniglich an einander hängen, seinen Vereinigungspm,°t hat. Hier dringt das Schiff mit der Seite seines Vordertheils 'ein, bricht dm Schnee und das junge Eis, trennt^ die Schollen, und bahnt sich einen Durchgang. Die große-Gefahr, welcher die Schisse in den Eisfeldern ausgesetzt sind, besieht in dem Pressen der Eismasseü, I wenn diese auf das Schiff drücken. Ist dieser Druck so stark, daß er das Eis zerbricht, in welchem das Schiff eingeschlossen ist, und erlaubt seine Dicke n.cht, daß es in kleinere Stücke zerbrochen, zerrieben und unter einander geschoben wird; so setzen sie dem Schiffe einen große» Widerstand entgegen. Dieses muß, da es die Stücke nicht zerreiben kann, ihre ganze Gewalt aushalten, und wird zerdrückt, wenn es schwacher ist, als sie. Wenn- hingegen das Eis nur von geringer Dicke ist, so bricht es beim Pressen leicht entzwei, es wird zerrieben, und die Schollen werden iunter einander geschoben. Wenn nun unter solchen Umstanden ein Schiff auf ein stärkeres Stück trifft, als es selbst ist, so l geht es unvermeidlich zu Trümmern. , ! Temperatur des Meerwassers. 459 Auf diese Weise gehen nun alle Jahre einige Schiffe verloren. Die Beschädigung des Schiffs geschieht jedesmal von hinten, nachdem es auf die Seite gelegt, das Vordertheil tief in das Eis eingedrückt ist, und der Druck mit aller Kraft auf das Hintertheil wirkt. Wenn das Schiff so auf der Seite liegt, so stellt es dem Eise den schwächsten Theil seiner Einbeugung, und am Hintertheile die gerade Linie seiner Hmtersteven, oder eine concave Wölbung entgegen, welche weniger Widerstand leistet, als eine convexe. Oftmals strandet es auch auf dem Eise, welches sich unter dasselbe schiebt, und mit den benachbarten Bänken zusam- Menhängt. Wenn ein Schiff in ein Eisfeld gerathen ist, so pflegt man es durch Anlegung eines sogenannten Bassins zu verwahren. Hiezu bedient man sich der Sägen von Fuß Länge und 7 Zoll Breite, und 2z Linien Dicke, deren Zähne i' Zoll lang sind. Diese Sägen haben oben zwei Löcher, um eben so viel Handhaben in Form eines Kreühes durchzustecken, an welchen leicht iZ bis 16 Menschen arbeiten können. Wenn das Eis zu dick ist, oder zur Arbeit nicht Menschen, genung vorhanden sind, so errichtet man eine Kurbel, an welche die Säge befestigt wird, indem man sie an dem untern Ende mit Gewichten beschwert. Durch das Ziehen an der Kurbel wird sie in Bewegung gesetzt. Es giebt Sägen von verschiedener Größe, je nachdem das Eis mehr oder weniger dick ist. Bei Anlegung eines solchen Bassins zeichnet man erst den Umfang, welchen man ihm geben will, zersägt darauf nach und nach das Innere, und räumt das Eis hinweg. Man taucht dasjenige unter, welches jm Wege ist, und zieht das Schiff in diesem Behälter hinein, nachdem vorher das Steuerruder abgenommen worden ist. Das Schiff kommt in demselben so zu stehen, daß das Vordertheil gegen den Eingang gerichtet ist. Wenn es Zertrümmert werden sollte, so mäste es in der Richtung von 46a Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. vorn nach hinten geschehen: hier hat es aber seine gröste Festigkeit. Die Holländischen Schiffe, welche die nordischen Meere befahren, sind besonders und eigends für die Eisschiffahrt gebauec. Vorzüglich stark ist ihr Vordertheil. Das ganze Schiff ist doppelt mit Eichenholze überkleidct. Um die Wasserlinie ist solches unumgänglich nöthig, und auch nnren von Nutzen. Wahrend des Preffens bekommt es manchmal harre Stöße von Stücken, welche unter dem Eise hervor treiben, indem sie hier einen leeren Raum antreffen. Diese Eisschollen heben sich, und beschädigen auf diesem Wege das Untertheil des Schiffs, welches ihnen entgegen steht. Die Gefährlichkeit der Eisfelder ist im Sommer größer, als im Winter. Zu dieser Zeit sind sie mehr mit Schnee bekleidet, welcher ihre Stöße weniger heftig macht, und sie zerbrechen leichter. Die Wärme hingegen theilt ihnen eine Art von Elasticität mit, die sie weniger zerbrechlich macht. Besonders muß man sich vor den Vorgebirgen des EiseS in Acht nehmen, die unter dem Wasser lieget:, an welchen ein Schiff leicht scheitern kann *). Sonst sind nach Förster die Eismeere bei klarem Himmel und offener See wohl zu befahren: allein sobald in Nebel und Kälte gleich gefrierende Dünste sich überall an die Segel und das Tauwerk ansetzen, und zuweilen zu Klumpen von G bis ^ Pfund Eis gefrieren, welche bei dem geringsten Blasen des Windes abspringen, und auf die Köpfe der Seeleute fallen, und welche die Segel und das Tauwerk so steif und brüchig machen, daß sie bei der geringsten Bewegung zerspringen; dann wird die Schiffahrt höchst unangenehm und gefährlich. Ungereimt ist übrigens das Vorgeben derer, welche be- I) Des Pages Reisen. S. 6 L 5 . ff. 68». Geschichte. S. zSS. Temperatur des Meerwassers. 46» Häupten, daß das Treibeis Feuer fange, und als Holz gebraucht werden könne. Man hat nemlich bisweilen aus dem Eise in der Ferne Flammen hervorkommen gesehen, und fiel nicht darauf, daß diese durch starke Reibung des Mischen dem Eise in Brand gerathenen Treibholzes entstehen konnten *). Das Treibeis bringt manche Veränderungen auf dem Grunde und an den Ufern des Meeres hervor. Wenn es gegen solche angetrieben wird, so hat es Macht genung, Bänke u. dgl. wegzuführen, und an anderen Stellen wieder auszuwerfen. Bergmann -) führt davon verschiedene Bei, spiele an. Auch hat es aus das Ciima mancher Gegenden einen nicht unbedeutenden Einfluß. Wenn einige Jahre nach einander kalte Sommer einfallen, so geschieht es, daß das Treibeis, welches sich an gewisse Küsten angesetzt hat, ungeschmoizen liegen bleibt. Da nun jährlich neues Eis hinzukommt, und eine solche Masse die Luft umher erkaltet; so wird endlich die Wirkung der Sonnenstrahlen schwächer, und eine solche Küste bleibt beständig vom Eise eingeschlossen. Auf solche Art werde» nun manche Küsten unzugänglich, und die Winde, welche über solche Striche hinweg wehen, werden kälter, als sie vorhin gewesen waren. ä. Farbe des Meerwassers. Wenn man sagt, das Meerwasser habe eine Farbe, so heißt das so viel: das Wasser erscheint so, so lang es im Meere ist; denn sobald man es In einen Behälter leitet, dessen Tiefe wenige Zolle beträgt, oder es in einem Glase betrachtet, so zeigt es sich vollkommen durchsichtig, klar und ohne Farbe. Nichts desto weniger entdeckt man an demsei« ^ olassen« Reise. - B- S. »7S. Vh, Erdb, a B. S. so/« 462 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. ben auch in seinem reinsten Zustande, wenn man durch eine beträchtliche Masse hindurch sieht, eine grünliche schwache Farbe. Es kommt darin mit dem weißen Glase überein, dessen Faxbe ins Grünliche fällt-, wenn man von der schmalen Seite durch eine dicke Glastafel hindurch sieht. Die eigentliche Farbe, worin das Wasser im Meere erscheint, ist ebenfalls eine blaßgrüne Farbe, welche durch ihren Glanz dem Auge gefällt, und ihm wohlthut. Dieses Grün geht in anderen Gegenden in eine blaue Farbe über, welche da am dunkelsten ist, wo das Meer eine ansehnliche Tiefe hat, und bei Abnahme dieser nach den Küsten zu lichter wird. Die Seefahrer sind daher auf dergleichen Abweichungen der Farbe, zumal in unerforschten Meeren, sehr aufmerksam, um Untiefen zu vermeiden, weshalb man in solchen Fällen die Tiefen mit dem Senkblei genau untersucht *). Die grüne und blaue Farbe ist diejenige, in welcher das Meer gewöhnlich sichtbar wird. Das helle Blau des Himmels wird besonders im Spiegel der Wellen zu dem schönsten bergähnlichen Grün °). Nach Pontoppidan ist die Nordsee in der grünen, und nach Kalm ') das Atlantische Meer in einer blauen Farbe sichtbar. Die Farbe des Meeres wird nicht, wie einige Naturforscher behaupten, durch eine zurückstrahlende Kraft seines Wassers hervorgebracht, da dieses farbenlos ist. Die Verschiedenheit der Farben überhaupt entsteht daher- daß einige Körper manche Gattungen von Strahlen stärker zurück werfen, als andere. - Zene sind die Brechbareren. So wie die Strahlen in der Brechbarkeit ver- *) DLlr^mxls's LLsinvir vk L Lkirrt ok rks Lon-tlisrn x. 7. ») Forst er'S Bemerk. S. 47. r) Reise. 2 Ly. S. 165. Farbe des'Meerwassers. 463 schieden sind, so mancherlei sind auch die Farben, welche sie hervorbringen. Einige haben das 'Vermögen, die Empfindung der rothen Farbe und keiner andern, andere der grünen u. s. w. zu erregen. Alle halbdurchsichtige Körper bestehen aus Substanzen, zwischen welchen überall undurchsichtige Theile verbreitet sind. Diese undurchsichtigen Theile befinden sich in einer solchen Entfernung von einander, daß die weniger brechbaren Lichtstrahlen durch ihre Zwischenräume gehen, andere aber, welche mehr brechbar sind, von diesen Theilchen, durch den durchsichtigen Stoff, zwischen den undurchsichtigen Substanzen und der Fläche des Wassers, zurück geworfen werden. Zn diesem Falle befindet sich nun auch das Wasser im Meere. Die in ihm vorhandenen undurchsichtigen Theile, welche elnzeln genommen unsichtbar und unmerklich sind, äußern jedoch auf die Lichtstrahlen ihre Wirkung merklich genung', wenn sie sich in Menge bei einander befinden. Diese Theile von erdiger und anderer Substanz besitzen nun die Eigenschaft, daß sie die brechbareren grünen und blauen Strahlen zurück werfen, und die rothen ganz frei und in Menge bis auf eine ansehnliche Tiefe'durchlaßen. Dies bestätigt folgende Erscheinung. Hatley iixß sich an einem sonnenhellen Tage, in einer Taucherglocke sehr tief ins Meer hinab. Als er einige Faden tief gegangen war, fand er, daß der Theil seiner Hand, worauf die Sonne durch das Wasser und ein kleines GlaSsenster in die Glocke schien, ro- senroth, hingegen das Wasser unter sich, so wie auch die untere Fläche seiner.Hand, worauf das Licht vorn Wasser zurückfiel, grün gefärbt war *). *) Xewton. Oxtic I,. I. u. II. xrox. x.> xioNI. L. Scherfer leitet dieses Phänomen von zufälligen Farben her. »Äst eS nicht natürlich, lind seine Worte; idaß unter dem Hinablassen Halle» die Auge» länger auf da§ grüne Wasser, welches er beständig, sowohl bei dem Fenster, alS auch unter den Füßen hatte, geheftet habe? Wenn er 464 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Ob wir gleich die fremden Stoffe, welche dem Mecrwasser beigemischt sind, nicht genau kennen, die erdigen und sal- zigen ausgenommen, welche man durch die chemische Zerle- gung erhält; so ist doch ausgemacht, baß sie in der Regel eine etwas stärkere Kraft besitzen, das Licht zurück zu wer- fen, als diejenigen, welche in der Atmosphäre herum schwim- mcn, wenn sie am reinsten ist: denn die an den Theilchen der dünnsten Lust zurückgeworfenen Strahlen zeigen jedes- mal eine blaue Farbe, dagegen die Theilchen des Mecrwas- sers an den mehresten Orten auf einen großen Theil der weniger brechbaren Strahlen wirken, woraus die grüne Farbe entsteht. Das Meerwasser in großen Massen wird von dem Zurückstrahlen der unzählichen, ihm beigemischten Theile undurchsichtig. Diese Undurchsichtigkeit ist so stark, daß das Auge sie nicht zu durchdringen vermag: selbst dann nicht, wenn das Hinderniß, welches von dem durch die ungefärbten Theile auf der Oberfläche zurück geworfenen Lichte entsteht, dadurch hinweggeräumt wird, daß man das Wasser tiefer unten, durch eine hinein gesenkte, inwendig verdunkelte, und vorn mit einer Glasplatte versehene Röhre, betrachtet. Das Meerwasser ist jedoch an manchen Stellen sichtbar von großer Klarheit und Reinigkeit, und der Boden des Meeres hier, in einer Tiefe von mehreren Faden, so deutlich zu unterscheiden, als ob das Wasser nur einige Ellen hoch stünde. An Orten, wo das Wasser nicht durch Meerthiere und Landströme getrübt wird, erscheint die Klarheit oft sehr auffallend. So ist es um dir Westindischen Inseln demnach daS Aug« auf feine Hand warf, 1» muste diese rörhlich erscheinen , vbschon auf dem untern Theile diese Scheinfarb« wegen der stärker» Zurückstrahlung des grünen LichrS nicht merklich war, und wir haben schon gesagt, daß eine grüne und rothe Scheinsarve nichts alS einen Scharten gebe." S. seine Abhandl. von den rufälligen Farben. Farbe des Meerwassers. 465 sein beschaffen. Wenn man in einem Boote zwischen ihnen Herumfährt, genießt man des herrlichsten Anblicks; das Fahrzeug schwimmt auf einer kristallenen Flüssigkeit, in der es wie in der Luft zu hangen scheint. Reisende, des Anblicks ungewohnt, werden oft schwindlich. Unter fich sieht Man auf dem reinen weißen Sande, welcher den Boden bedeckt, jede Kleinigkeit, tausenderlei Gewürme, Seeigel, Meeersterne, Schnecken, Muscheln. .Man schwebt über ganzen Waldungen von herrlichen Seepflanzen, von Gor- gonien, Korallen, Aicyonien, die durch ihre Gestalten und Farben das Auge nicht minder ergötzen, und von den Wo« gen so sanft hin und her bewegt werden, als die blumenreichen Gefilde der Erde vom Winde. Das Auge tauscht sich bei Beurtheilung der Tiefe. Man wähnt, mit der Hand Pflanzen pflücken zu können, welche doch zehen und mehrere Fuß tief stehen *). Eben dies bestätigt auch Ca- tesby von dem Wasser um da» Bahamischen Inseln, wo er in einer Tiefe von zwanzig Faden ein ähnliches Schauspiel sah. Das Wasser im Arabischen Meerbusen soll eine größere Klarheit besitzen, als irgend ein anderes im Oceane: besonders in der Gegend von Swaken bis zum Ende des Meerbusens, wo es so durchscheinend sey, daß das Auge an zwanzig Faden tief auf den Grund zu dringen vermöge. Außer der angeführten Ursache'von der Farbe de§ Wassers im Meere, deren Wirkung sich auf das Ganze erstreckt, giebt es noch besondere, weiche theils zufällig sind, theils nur von gewissen Gegenden im Oceane gelten. Der zufälligen Ursachen kann es sehr viele geben. Hie- her gehören die Erscheinungen, welche von einer Strahlenbrechung der Sonne gegen die Wolken herrühren, in welchen Fällen das Meer als ein Spiegel wirkt. Solche Flecke Schöpf's Reisen. - Ty. S. 4Lo. G g 466 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. zeigen sich dem Beobachter in einer gewissen Stellung gegen die Sonne. Sie werden in einer andern Gestalt ficht- ^ bar, wenn das Schiff fortgeht, und ändern Lage, Figur und Größe, je nachdem die Wolken sich verändern. Mar- sili ') sah im Dezember 1706 eine Stunde vor Sonnenuntergang eine blutrothe Wolke, welche sich von Mitternacht gegen Mittag erstreckte, und die Fläche des Meeres schien mit dem nemlichen Noth gefärbt; ein Umstand, welchen das abergläubische Schiffsvolk für eine übele Vorbedeutung hielt. Ueberhaupt tragen die Wolken, oder die ganze Farbe des Himmels, dazu bei, das Auge zu täuschen. Eine vorüberziehende Wolke giebt oft einem Striche im Meere eine ganz abstechende Farbe, und läßt den Seemann, wenn er nicht genau darauf Acht giebt, Sandbänke und Untiefen befürchten. Es gehört ein geübtes Auge dazu, in solchen Fällen den Schein von der Wahrheit zu unterscheiden -). Im Sturme färbt der Schaum das Wasser weiß. Bei einem dergleichen, welchen Marsill im November 1706 erduldete, bildeten sich, in den in die Höhe geschleuderten Tropfen von den Strahlen der Sonne, von Zeit zu Zeit kleine Regenbogen. Als Des Pages auf der Höhe von Spitzbergen war,, fand er das Meer in verschiedenen Gegenden von Distanz zu Distanz schwarz, an Stellen, wo mcin keinen Grund entdeckte. Man versicherte ihn, daß man diese Farbe nur in den Sonaten April und Mai wahrnehme,^ und daß diese Stellen im Zul und August auf eben die Art weiß erschienen. Th. Smith sah 176g auf seiner Reise nach Cvnftantinopel das Wasser in einer Gegend himmel- r) 1 . v. x. 20. 2 ) Forster'S Bem. S. 47- 2) I. 0. x. 21. «z Relsrn. S. 7ü. Farbe des Meerwassers. 46? blau, und wenn die Sonne darauf schien, purpurroth. Schooten fand, daß das Meer beim CapDesire in einem Striche roth gefärbt war, weil ein Einhorn daselbst seinen Zahn abgestoßen, und dabei viel Blut verloren harte. Bladh *) sah am 27. Jun 1772, zwischen den Inseln die beiden Brüder und Lueipara bei Sumatra im Ostlndi- schen Meere, rothes Wasser, wodurch das Meer mit Streifen und Flecken überzogen war. Das ausgeschöpfte Wasser im Glase war helle: man erhielt aber zugleich eine Menge lichtgrauen Schlamms, welcher aus feinen, dem zerquetschten Grase ähnlichen Faden bestand, die grau erschienen, aufgetrocknet aber eine ffchöne Cochenillfarbe hatten. Wenn es im Glase mit diesem Schlamme die Nacht hindurch stehen blieb, so sah man am folgenden Morgen-, daß sich die fremden Theile zu Boden geseickc hatten, die das Wasser bei der Ebbe aus den Wäldern mitgenommen, wohin es bei der Fluth gestiegen war. Dergleichen Wasser nahm Bladh auch bei der Insel Baby am 20. Aul d- I. wahr, als er das chinesische Ufer im Gesichte hatte. Das Wasser war weniger roth, und jener vegetabilische Schlamm darauf dünner gesäet, aber feiner zertheilt. Ale er sich am 7. Fcbr. 177Z in dem Meridiane von Madagascar befand, erblickte er mehr solche Stellen. Nachdem das Schiff zuvor über einen grünen Strich hinweg gesegelt war, traf man auf einen rothen Streif, welcher sich vot/ Nordosten nach Südwesten zog. Ahn bildete an der Südwcstseite eine dicke blaßrothe, zjegelfar- bige Masse, welche von schlammigter Beschaffenheit war, nach Nordosten immer dünner wurde, und sich am Ende gänzlich verlor. Diese Materien glichen der bei Lueipara und Baby, waren aber fast gänzlich vermodert, in einen Schleim ausgelöset, und färbten daher so schwach. Noch *) Schweb. Ab Hand!. 27 B- S. 174. Gg 2 468 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. fand Bladh außerhalb der Nhede am Vorgebirge der guten Hoffnung im März desselben Monats das Meer eben so gefärbt. Es schwamm eine rbthliche Materie aus dem Wasser, die aber von einer ganz andern Beschaffenheit war, in unförmlichen Stücken zusammen hing, und einem dicken, zähen Schleime glich. Vor der Mündung des Piatastroms hat man das Meer in einer ansehnlichen Ausdehnung oft ganz roth gefunden, und Gewürme als die Ursach dieser Erscheinung angegeben i). Von eben dieser Farbe fanden es auch Carly 1633 im 5v Gr. N. Dr., Genet siebenzehn Jahre darauf an der Küste von Brasilien, und Le Maireund Schooten unterm 35 Gr. N. Br., welche Krebse für die Ursach halten. Byron, aus seiner Fahrt von Rio Janeiro nach Port De- sire, sah am i 4 - Novemb. 1764 die See an einer Stelle so roth als Blut, und sie war mit kleinen Schaalthieren von eben dieser Farbe bedeckt, die unseren Krebsen glichen, aber viel kleiner waren Die rothe Farbe des Mcerrs zwischen dem Cap Corrienies und den Sebaldsinseln schreibt Dampier ebenfalls einer Menge kleiner Thiexe zu, welche er Krebse nennt, und Tremarec sah an den Norwegischen Küsten das Meer von kleinen Fischen roth gefärbt. Aus einer ähnlichen Ursach soll die Farbe des Meerbusens uon Californien herrühren, und er davon den Namen ruar» vmmeio erhalten haben. Sargasso überzieht die Fläche des Meeres an manchen Stellen dergestalt, daß man glaubt, auf viele Meilen weit, eine Wiese.vor sich zu sehen. Dies ist der Fall auf der westlichen Seile Afrika'ö vom w Gr. nördlicher bis zum 34 Gr. südlicher Breite, so wie auch um Florida. Bei der Bank, welche sich vom Vorgebirge der guten Hoffnung r) Varenins I, c. x. 164. -) HawkeSworth Gesch, » B. S. »r. Farbe des Meerwassers. 469 einige Grade ins Meer hinein erstreckt, trifft man zu allen Zeiten grünes Wasser an. Oft erscheint es auch an beiden Seiten derselben, noch ehe man mit einem Bleilothe von gewöhnlicher Länge Grund antrifft, auf ähnliche Art grün gefärbt. Die Westseite der Bank besteht aus einem feinen Thongrundc, die östliche aus Sand und Scksiamm. Einige Reisende geben die große Menge Pflanzen, welche hier an gewissen Stellen des Meergrundcs dicht in einander verwachsen sind, zur Ursach an. Da das Wasser durchsichtig ist^ und unter gewissen Umständen in beträchtlicher Tiefe, so liegt allerdings in der Beschaffenheit des Meeresbodens, die Ursach der Farbe des Meeres in verschiedenen Gegenden. Bei Vera Crux ist das Meer von dem unter ihm befindlichen weißen Boden von dieser Farbe, und bei den Maldivischen Inseln aus einer entgegen gesetzten Ursache schwarz. P. Lobo fand im rothen Meere den Grund der rothen Farbe, welche an mehreren Stellen sichtbar ist, in einer Gattung von Meerpflanzen -). D. Zu an de Castro ') legt diese Farbe den Korallen bei. Nach ihm ist die Gegend von Swaken bis Caffir, in einer Strecke von sechs und dreißig' Meilen, überall voller Sandbänke und Klippen mit Korallen, von denen man zweierlei unterscheidet, nemlich die weißen und hochrothen. r) Iiiskoitcjiie ä'^bisriirie xar ts v. toroins l.obo. Er sagn „Wir gingen sehr vst am Ufer deS MeereS hinab» schifften auch ziemlich weit in dasselbe hinein, »nd beobachtete» mit Fleiß die Farbe deS MeereS mit ihren Abänderungen. Nie haben wir gefunden, daß die Farbe deS rothen Meeres von der Farbe deS Weltmeeres unterschieden sey. Nirgend haben wir eS rötylich angetroffen, außer da, «0 eS viele Pflanzen von einer Gaitung hegte, die man GueSmon nennt. Weil das Meer an solchen Stellen nicht sehr tief war, ließ ich einen Neger untertauchen, um welche von diesen Pflanzen zu holen. Sobald fie weggenommen waren, bekam das Meer seine gewöhnliche Farbe." ') «llgem. Reisen. - Lh. Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. 470 Diese sind an vielen Stellen mit einer Art eines grünen, an anderen auch eines dunkel orangefarbigen Schleims überzogen. Da das Wasser von großer Klarheit ist, so scheint es die Farbe dercrjenigen Gegenstände anzunehmen, über welchen es steht. > Wenn z. B. die Klippen mit einem grünen Schleim überzogen sind, so pflegt das Wasser dunkelgrün auszusehen: liegt unter demselben ein bloßer Sandgrund, so erscheint es ganz'weiß; dahingegen die Felsen und Korallen, die mit einem rothen Schleim bedeckt sind, dem Wasser eben solche Farbe geben. Weil nun die rothe am häufigsten vorkommt, so glaubt de Castro hierin den Grund von der Benennung dieses Meeres zu finden *). e. Leuchten des Meerwassers. Das Leuchten des Meerwassers nennt man diejenige Erscheinung, da das Wasser des Oceans, zu gewissen Zeiten und an gewissen Orten, glänzend und feuerig aussieht. Dieses Phänomen ist eins der schönsten in der Natur, dessen Anblick, nach dem einhelligen Gestandniß der Seefahrer, alle Vorstellung übertrifft, und keine Feder würdig zu beschreiben vermag. Es ist noch nicht so lange her, daß man es mit Aufmerksamkeit betrachtete, und man halt dafür, daß Amerikus solches zuerst wahrgenommen habe. Vermöge dieser Eigenschaft scheint das Meer zur Nachtzeit, vornemiich wenn es still ist, auf seiner Fläche mit Myriaden funkelnder Sterne bestreut. Bisweilen ereignet sich solches auch bei bewegtem Meere, wenn die Wellen sich brechen, und gegen feste Körper anschlagen. Zu gewissen Zeiten leuchtet der Weg, auf welchem das Schiff fortgeht, ») Physik, und philos. Abhandlungen der Gesellsch. der Wissensch. Manchester, a. d. Engt. Leipzig 17SL. 2 Th. Leuchten des Meerwassers. -sogleich einer Straße von Feuer. P. Bourzes *) drückt sich darüber so aus: „Die Wasserfurche, welche das Schiff hinter sich läßt, giebt bei Nacht einen Glanz von sich, bald wie Feuer, bald wie der Mond, bald ganz weiß wie Milch. Mehrmals hängen diese Erleuchtungen in weiten Flachen zusammen: zu einer andern. Zeit findet man sie unterbrochen und gar nur fleckweise. Leinewand ine Meer getaucht, wirft, wenn sie geschlagen,wird, Funken von sich -), und was dergleichen Erscheinungen mehr sind. Dieses Licht leuchtet öfters so stark, daß man zehen bis zwölf Fuß über dem Wasser dabei lesen kann." Bvyle sammelte bereits Nachrichten von diesen Erscheinungen, so gut man sie zu seiner Zeit von den Seefahrern erhalten konnte, und machte sie bekannt. Durch sie wissen wir, daß das Meer bisweilen in einem großen Umfange, und so weit das Auge reicht, glänzend erscheint: zu einer andern Zeit t>ber nur alsdann leuchtet, wenn es gegen feste Körper anprellt; daß diese Erscheinung in einigen Gewässern von gewissen Winden abhängig ist; daß bisweilen ein Theil der See leuchtet, indeß der benachbarte dunkel ist. Dourzes beobachtete im Zahre 1704 auf seiner Reise nach Indien das Leuchten des Meeres. Manchmal konnte er in der Spur des Schiffs die leuchtenden Theile von den nicht leuchtenden genau unterscheiden. Bei jenen fand er nicht überall einerlei Gestalten, sondern sie erschienen bald als leuchtende Punkte oder Sternchen, bald als Kugeln, einige von einer bis zwei Linien im Durchmesser, andere in der Größe eines Menschenkopfs; bisweilen bildeten sie Necht- 1) l.Lttres eZilisutes. ikoni. IX. karis 17Z6. Najo 11 iuLmoirss xonr servir a Histoirs cte La;eniie. 2. H. !>. 8 - ' >)LöfliMgs Reise nach den Spanischen Ländern in Europa und Amerika. a. d. Schwed. Berlin und Skcalsund 1766. 8. S. 7. f. 105. 4?2 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. ecke drei bis vier Linien lang, und einer oder zwei breit. Zu gewissen Zeiten waren alle diese verschiedenen Gestalten auf einmal sichtbar: zu anderen erschienen und verschwanden sie plötzlich wie Blitze. Nicht bloß die Spur des Schiffs tm Wasser wurde auf diese Art erleuchtet, sondern auch die Fische bezeichneten ihren Weg durch einen so lichten Strich, daß man sie der Größe und Gattung nach erkennen konnte. Zn dem ausgeschöpften Mcerwasser sah er, wenn er es im Dunkeln ein wenig umrührte, jederzeit eine unzählige Menge Lichttheilchen u. s. w. Boyle, wenn er die Ursach dieser Erscheinung aufzusuchen bemüht ist, greift zu weit, indem er sie aus gewissen allgemeinen Gesehen unserer Erdkugel oder unsers planetari- schen Wirbels herleitet, die er jedoch nicht angiebt, und wodurch im Grunde nichts erklärt ist '). Von nicht besserm Gehalte ist die Hypothese derer, welche das Leuchten des Meeres den Feuertheilchen zuschreiben, womit die Sonne den Tag über das Meer erfüllt hat, welche sich hiernächst vereinigen, und zur Nachtzeit aus dem Wasser heraus fahren sollen. Bourzcs sucht diese Erscheinungen aus der Beschaffenheit des Meerwassers, aus seinem Schleime und seiner Fettigkeit zu erklären: denn er will bemerkt haben, daß das Wasser desto stärker leuchte, je fettiger und schmieriger es ist. Rollet gab sich, während seines Aufenthalts in Venedig, im Jahre 17^9 viele Mühe, die Ursach des Leuch- tens beim Meerwasser zu erforschen, und er glaubte, sie in gewissen glänzenden Insekten gefunden zu haben. Auf diese Vermuthung waren schon vor ihm Vianelli und Gri- 1) VMIo». ltraus. Vol. zg. x. 40. Vorlesungen über die Experimentalphysik, v Tl>. S. zz. ») Nuove saoxert« iurorna alle lud uotkniue ädl' a r) VK^O 8 . ti'siis. Vol. HX. x. 44-6. s) NLtnr.is Ltl. XII. x. 1095 . DLrto11uu6 ä* 1 n.ee Aiii.ivtk 1 i.nm. ») La. Oe^eäe Iiist. nat. äes xokssons. 7. f. r 7 gö. preise nach SkNkg. S- Leuchten des Meerwassexs. 479 selbst hatte» das Ansehen glühender Oefen. Dieses schöne Schauspiel erneuerte sich täglich. Es zeigte sich immer unter anderen Peränderungen, weil ich täglich neue Fische und Neue Schaalthiere zu betrachten hatte. Mitten in der dicksten Finsterniß unterschied ich deutlich die Gestalt dieser Thiere an den Strahlen des Lichts, die ein jeder Theil derselben von sich warf. Tausend verschiedene Lagen, welche ich ihnen gab, gewährten mir das Vergnügen, dieses Schauspiel bis ins Unendliche vervielfältigen." Diquemare *) fand den Hafen und die Gegend um Havre auf der Oberfläche ganz mit Thierchen angefüllt. Je Mehr er ihrer antraf, desto stärker leuchtete das Meer, in einem Glänze, den das schönste Nordlicht nicht erreicht. Im Zahre 1775 erblickte er das Meer, wie mir Oel überzogen. Bei der Untersuchung des Wassers fand er es ganz mir kleinen kugelrunden Thierchen angefüllt, welche dasselbe trübten. Wie ungeheuer ihre Menge seyn müste, sah matt daraus, daß diese Lage von beträchtlicher Dicke war: das Wasser unter ihr erschien klar und helle. Das Meer wurde von einem Nordwestwinde schwach bewegt, zu einer Zeit, da das Barometer auf 26 Zoll 2^ Linien, und das Thermometer auf i 3 Gr. stand Diese Thiere leuchteten nur im Dunkeln. Das Meer strahlte den 20. und 21. Mai au, ßerordenclich davon, so wie das daraus geschöpfte Wasser, im Gefäße; wenn man davon etwas auf den Fußboden goß, so funkelte es wohl drei Minuten. Aus einem Gefäße in das andere gegossen, bildete eö einen glänzenden phvsphvrischen Strom, wobei man die feinste Schrift lesen konnte. Der Schein eines Wachslichts vernichtete den Glanz nicht, er schwächte nur solchen, und machte ihn bläulich. Nichts sah schöner aus, als wenn nüm das Wasser durch einen Tuch *) Obs. siu- Is Inmisre 784- S. Seile 5- l- ,) Reise. 1 Ttz. S. iro. Leuchten des Meerwassers. 48» wird in der Nordsee überall bemerkt. Auf meiner Fährt nach Norwegen schien es mir in den grausen Nächten, wenn die Fluchen über das Schiff schlugen, nicht anders, als ob die ganze Decke desselben mit Feuer überstreuet würde. Noch starker aber glänzte das Wasser, wenn es mit Gewalt auf etwas einstürzte. Mir selbst begegnete es damals, daß sich eine Welle zum Theil über mich ergoß: ein Vorfall, der mich meinen Reisegefährten in den Blitzen unzähliger Funken sichtbar machte. Es kam mir, wenn die Bootsleute die Ruder in die Höhe zogen, bei der Dunkelheit der Nacht nicht anders vor, als wenn sie Schaufeln voller Funken auf das Meer ausgössen, welche eine ganze Strecke im Wasser fortgetrieben wurden. Das Seevolk nannte diesen Schein, Morild." Cook *) beobachtete an einem Abende einen lichten Glanz auf dem Atlantischen Meere. Der Ocean schien Lichtstrahlen auszustoßen, die den Blitzen ähnlich, aber lange nicht so lebhaft, waren. Sie zeigten sich so häufig, daß wohl acht bis zehen in demselben Augenblicke gesehen wurden. Man warf ein kleines Netz aus, und fing eine Medusen, art, die, als sie am Bord kam, ein weißes Licht von sich gab, und einem in Fluß gebrachten Metalle ähnlich sah. Mit diesen Thieren wurden zugleich einige sehr kleine Krab, ben gefangen, die zu drei verschiedenen Gattungen gehörten- Ein jeder dieser Krebse strömte so viel Glanz um sich her, als ein Johanniswürmchen, ungeachtet sie viel kleinerem», ren, als dieses. D'ZspreS de Manevilctte, Verfasser des unter dem Namen Iclszowus orisntal bekannten Seeatlasses, war oft Augenzeuge dieses Phänomens, unter anderen in einer Ge, gend des Indischen Meeres gegen die maidivischen und la- Medivischen Inseln zu. Hier erschien das Meer zu allen *) Hawkesworth Gesch. L Th. L. »5. Hh 4Sr Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Zeiten in einem vorzüglichen Glänze: jedoch war dieser tu den Monaten Mai, Jun, Zul, August und September am stärksten. Zn Nächten ohne Mondschein, bei schwachem Winde, schienen die Wellen leuchtende Ströme zu bilden. Man wähnte Gruppen von Feuer zu« passiven, vorzüglich in dem Kanale zwischen gedachten Inseln. Als er im Zahre daselbst war, erregte dieser Schein unter dem Schiffsvolke eine große Bestürzung, indem es glaubte, in ein Feuermeer zu gerathen. Ihm war der Schein eine Bestätigung, daß er sich in der Nähe der Küste von Malabar befände. Hodheu und Ripille legten einige Zeit nachher diese Gegenden zurück, und entdeckten die Ursach des Leuch- tenö in glänzenden Geschöpfen von ausnehmender Schönheit und verschiedenen Gestalten. D "Apres sah dieses Phänomen auch in der Straße von Malaeca und im Chinesischen Meere, jedoch minder schön. Eine merkwürdige Erscheinung dieser Art bekam auch Förster *) zu Gesichte, in der Nacht vom 29. bis zum Zo. Oktober 1772, bei frischem Winde, einige Meilen vom Vorgebirge der guten Hoffnung. „Kaum war es dunkel geworden, als das Meer im vollen Feuer zu stehen schien, ! Jede sich brechende Welle hatte einen leuchtenden Saum, und wo das Meer vom Schiffe berührt wurde, zeigte jenes Streifen vom phosphorischen Lichte. So weit^daS Auge in , die Ferne reichte, stellte sich überall diese Erscheinung dar, ^ und selbst die unermeßlichen Abgründe des Oceans schienen l mit Lichte geschwängert zu seyn. Große leuchtende Körper, welche man aus der Gestalt für Fische erkannte, schwammen um das Schiff her. Einige näherten sich demselben, andere ^ entfernten sich seitwärts so schnell, wie Blitze. Zuweilen kamen sie einander nahe, und traf es sich, daß ein kleiner einem größern begegnete, so kehrte jener eilends um, und Bemerk. s. Leuchten des Meerwaffers. 4YZ suchte zu entkommen. In dem ausgeschöpften Meerwasscr fand man eine unzählige Menge kleiner Kügelchen, welche sich unglaublich schnell bewegten. Nachdem das Wasser eine Zeitlang ruhig gestanden, schien die Anzahl dieser leuchtenden Körper merklich verringert, kaum aber rührte und bewegte man das Wasser, so ward es wiederum hell, und Funken fuhren darin in allerlei Richtungen lebhaft umher, auch selbst, nachdem es allmählig wieder ruhig geworden war. Man hatte den Eimer vermittelst eines Stricks von der Decke herabhängen lassen, um die Bewegung vom Schiffe zu hindern, und das Wasser ruhig werden zn lassen. Dessen ungeachtet bewegten sich diese Lichtstäubchen hin und her, und das Funkeln verstärkte sich, so ofte man mit der Hand, oder mit einem -Stocke, in dem Eimer rührte. Im erstern Falle blieb zuweilen ein solches phosphorisches Fünkchen, von der Größe eines kleinen Nadelknopss am Finger sitzen. Dc.s Vergrößerungsglas gab die kugelförmige Gestalt und braune Färb» dieser gallertartigen durchsichtigen Pünktchen zu erkennen." Der Jesuit Tachard auf seiner Reise nach Siam im Jahre i6gZ nahm wahr, daß das Meer zwischen den Wendekreisen, wenn die Wellen hoch gingen, und sie sich brachen, mir Feuer bestreut war. Unter dem Aequator zeigte sich eben dieses Phänomen in schwachen Blitzen bei ruhigem Meere. Le Genril *) sah in dem Kanal von Mozambike in einer stürmischen Nacht das Meer überall im Feuer stehen. Das große Focksegel warf von diesem Leuchten des Meeres einen solchen Widerschein von sich, als wenn es von einer Menge Lampen erleuchtet worden wäre. Oben auf dem großen Mäste zeigte sich ein St. Elmsfeuer, und, nach der Versicherung der Seeleute, soll das Meer in dieser Gegend *) vamml von Rils,e. Hamb. I Ly. Hh - 484 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. beständig glühen. Er führt hiebet an, daß diese Erscheinung im Indischen Meere weit häufiger vorkomme, als im Oceane über dem dreißigsten Grade, sowohl dies- als jenseits des Vorgebirges der guten Hoffnung. Um die Zeit, wenn die Orkane einfallen, scheuete er sich immer, das Meer leuchten zu sehen, weil man es als einen Vorboten einer nahen Wetterveränderung ansah. Da es ihm nicht gelingen wollte, in dem ausgeschöpften Wasser unter dem Vergrößerungsglase Körper zu entdecken, welche diese Erscheinung hätten hervorbringen können, so ist er geneigt, das Leuchten hier für eine Wirkung der Eleetricität zu halten. Bajon untersuchte die leuchtenden Pünktchen, fand ihre Gestalt sphäroidisch, und das Licht verstärkte sich, je mehr ihrer bei einander waren. Der gröste Theil dieser Punkte sckien sich über dem Wasserspiegel zu erheben, und in den Luftkreis zu verlieren. Er bemerkte nicht, daß sie sich vermehret hätten, wenn er in die Nähe des festen Landes E»m, oder an den Mündungen der Flüsse: vielmehr schienen sie hier schwächer. Einige Leuchtungen scheinen fix, und sie bleiben in den nemlichen Abständen von einander: andere dagegen scheinen sich vom Meere loszumachen, und auf verschiedene Weise über seine Fläche zu springen, am häufigster, geradelinig. Es giebt Tage, wo diese Leuchtungen zahlreicher und lebhafter sind. Sie verändern sich nach den Umständen, ^ welche von der Richtung dek Winde und dem Zustande der Atmosphäre abzuhängen scheinen. So sind z. B. ihnen die Nordwinde günstig, feuchte Witterung aber zuwider. Sie vervielfältigen sich, je naher man der heißen Zone kommt. Ueberhaupt aber trifft man diese Erscheinung in allen Him- melstrichen an. Cou drei, irre bemerkte-sie allenthalben des Nachts, von den Küsten Europens bis zum Innern des Meerbusens von Mexiko, vom Lorenzstrome bis zum Britti eben Kanale. Alan sieht das nemliche auf dem Leuchten des Merrwa.ssers. 485 und in anderen Theilen des Oceans. Auch auf der Ostsee steht man in den Binnenwassern und Buchten, oft im Herbste und später, des Nachts im Wasser einen blassen Schein, an Farbe den hellblauen elektrischen Funken ähnlich. Dieses reihende Phänomen zeigt sich manchmal beim sanften Wehen und leisen Rauschen des Windes, noch schöner aber bei stillem Wetter, wo es unter der Bewegung der Ruder und im Kielwasser des fortgleitenden Schiffs flammt. Beim Zle hen der Netze an diesen Stellen gewahrt es einen schönen Anblick, indem das Springen der Fische einen Schein von sich giebt, welcher einem matten Blitze gleicht. Nach Aussage der Schärenbewohner ist dieses Leuchten fast immer ein Zeichen eines schnell entstehenden Ost- oder Nordostwindes Mehrere Seefahrer haben die Oberfläche des Meeres an verschiedenen Stellen ganz weiß wie Milch gefunden. Man bemerkt diese Erscheinung ebenfalls des Nachts und nur selten, an den Ufern und Küsten. New land sah sie im Meere um Surate gegen acht Uhr des Abends. Das Wasser zeigte sich milchfarbig, mit untermischten kleinen schwarzen Strafen, welche sich hindurch schlängelten. Er nahm sie noch an anderen Orten wahr, und sie dauerten von der angegebenen Zeit bis zum Anbruch des Tages. In dem Wasser, welches er ausschöpfen ließ, sah er eine unermeßliche Menge fremder Thiere^ weiche durch ihren Glanz das Auge blendeten. Der Schaum, welchen die Meereswellen bilden, leuchtet ebenfalls in allen seinen Punkten; er gleicht dem Schnee m einer Silber- und Perlenmutterfarbe, und leuchtet desto lebhafter, je dunkler die Nacht ist. Versuch über einen besondern Schein im Wasser der Ostsee, oder dar in den Schären von Wernido sozenannre Schwachkeuer von Olof Wassrröni. Annalen der Physik. - B. Z St. S. 8ur I «5 sxxsreiioes iairerises äs äs insr, Rorisr Observ. 2°- H. I>. »Z, kdU, rraru. 1772, 48« .Fünfte AkH- Dritter Abschnitt. Diquemare *) glaubt, daß nicht allein die Verschiedenheiten in der Farbe des Lichts bei diesen Erscheinungen, sondern auch die Arten der leuchtenden Thiere zu einer Anleitung dienen könnten, zur Nachtzeit zu bestimmen, in welcher Meeresgegend man sich befände; und daß es daher für die Schiffahrt vom Nutzen seyn würde, wenn man die Beobachtungen über diesen Gegenstand weiter triebe, als bisher i geschehen ist. L. Bewegung des Wassers im Meere, a. Algemeine Bewegungen. Wellen des Meeres. Das Wasser des Meeres ist dem allgemeinen Gesetze, wonach es, sich selbst überlassen, eine horizon-tale Fläche annehmen muß, ebenfalls unterworfen. Wenn wir daher sehen, daß es sich in einem gänzlichen Ruhestände be. findet, so können wir gewiß seyn, daß es sowohl im Ganzen als auch in seinen einzelnen Theilen vollkommen wage» recht stehe, oder doch von dieser Lage »«merklich abweiche. Das Areerwasser, in seiner völligen Ruhe, erscheint in einer spiegelglatten Fläche, und man sagt alsdann in Holland im Sprüchwvrt von ihm: es sey so glatt, daß man darauf schreiben könne. Es ist aber im Ganzen niemals in völliger Ruhe, sondern diese wird auf mancherlei Weise gestört, woraus denn die verschiedenen Arten der Bewegung seines Wassers entstehen, welche wir nach und nach betrachten wollen. Sie sind entweder allgemeine, weiche dem Meere überall, und besondere, die ihm nur an gewissen, theils bestimmten, theils unbestimmten Orten zukommen. 8,ir I'nrsxs qn-'oil xonrroit trire ek'S RM». m xy. S. ,»4- Schwer. Abh. VII B. S. zz. ») KalmS Reffe. - B. S. 4SS. tznresr. ir»nir. *) Hier. »it. läb. ll. c<>x. »os. Zc>2 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. daß die Sonnenstrahlen, welche durch die Wellen in verschiedenen Richtungen gebrochen werden, frei und ungehindert. hindurch fallen können. Für diese so. wunderbar scheinende Kraft des Oels werden auch aus der Folgezeit mehrere Zeugnisse angeführt, und der Aberglaube ließ es zu diesem Ende gar weihen. Erakirn us von Rotterdam ') kannte sie, und -noch jetzt soll sie unter den Seeleuten, besonders den Holländischen, eine nicht unbekannte Sache. seyn. Zn den neueren Zeiten war Frau klin derjenige, wel, cher diesem. Gegenstände eine vorzügliche Aufmerksamkeit widmete. Als er die Entdeckung gemacht hatte, daß ein Tropfen Oel sich schnell über einen großen Raum einer Wasserfläche verbreitete, und darauf eine dünne Decke bildete, von welcher dem Auge Negenbogenfarben entgegen strahlten; so beschloß er, die Sache näher zu erforschen, und ob ihm gleich nicht alle Versuche nach Wunsch gelingen wollten, so erklärt er sich jedoch im Ganzen für jene Kraft des Oels. Frist -) stellte im Jahre 177Z auf dem Corner See, und 1777 auf dem Adriatischen Meere Versuche an; da sie aber fruchtlos abliefen, und das Oel weiter keine Wirkung hervorbrachte, als daß die Wellen, wenn sie brachen, weniger schäumten; so erklärt er alle bisherige Erfahrungen durch optischen Betrug. Die Sache bedarf indessen allerdings noch fernerer Untersuchung, da zu viele Zeugnisse vorhanden sind, welche für sie sprechen. Sie hier alle anzuführen, würde uns zu weit leiten; wir verweisen, daher unsere Leser auf einen hierüber 1) s iscens.r. N.rt>.i. x. 282. ») Oxnscoli ütosokei. MULUS 17L1. Dritter Aussdt r 2eU arioo« u«u ONs SnNP LPIL. Wellen des Meeres. 5oZ besonders bekannt gemachten Aussatz und einen andern des Schiffökapitäns Müller °), in welchem letztem nicht nur die Fälle angegeben werden, in denen man vorn Qele Gebrauch zu machen pflegt, sondern auch die Wirkungen desselben näher bestimmt sind- Diese bestehen nun darin, baß das Oel eine beunruhigte Wasserfläche, ebene, und das Wasser selbst klar und durchsichtig, mache. Daß das Oel. auf Gewässer von geringem Umfange, als in Teichen und Landseen wirken, und durch seine Verbrek, tung auf eine ohnehin nicht sehr angeschwollene Wassermasse, leicht eine ruhige Flache hervorbringen und erhalten könne, ist allenfalls begreiflich: allein hierdurch ist die Anwendbarkeit dieses Mittels auf das Gewässer des Meeres noch nicht erwiesen. Hier scheint es allerdings, daß es eine vergebliche Hoffnung seyn würde, wenn man sich schmeicheln wollte, das Toben des Meeres durch etliche Flaschen, oder auch Fässer Oel zn besänftigen. Da eine jede Welle auf das benachbarte Wasser einen Einfluß hat, und Ursach wird, daß es sich zn einer ähnlichen Well« erhebt; so ist nicht abzusehen, wie ein dünner Ueberguß von Hele die Erhebung des Wassers an einer Stelle hindern sollte, indeß rund umher sich hohe Wellen thürmen; denn auf der einen Seite ist der Druck zu groß, als daß die geringe QMNtität einer leichtern Flüssigkeit ihr das Gleichgewicht halten könnte, und auf der andern Seite ist die Zähigkeit des Oels nicht stark genung, um zu bewirken, daß die Wellen unter ihm sich gegenseitig vernichten oder beträchtlich vermindern sollten. 3 » Hrn. v. Zach'S allgem. geogr. Evyemeriden. 2 B. S. s-6. und Hrn. Pros, KrieS Bemerkungen darüber. Daselbst z V- 6 242. ») Ueber den Gebrauch, den Seeleute »om Oele machen, das Brechen »er Wellen zu verhindern: im Götting. Magaj. der Wiffensch. und Lirerar. » 2 »hrg. 6 Sr. 5°4 Fünfte Abch. Dritter Abschnitt. Allein dies berechtigt uns ketnesweges, dem Oele alle Wirkung auf das Wasser abzusprechen. Das Oel auf das Wasser gegossen, muß, da es specifisch leichter ist, als die- seö, schwimmen, und, nach hydrostatischen Gesehen, streben, sich in eine horizontale Lage auszudehnen, und es muß bloß wegen des starker« Zusammenhangs seiner Theile unter einander, eine außerordentlich feine und ununterbrochene Decke auf dem Wasserspiegel bilden. Dieser Uebcrzug verhindert nun das Eindringen der Luft in das Wasser, folglich die Entstehung der Wellen an diesem Orte. Es kann sich auch nur allein auf einer horizontalen Wasserfläche ausbreiten, um > jene Decke zu formiren, mithin nicht im Stande seyn, diejenigen zu vernichten, welche einmal ihre Bildung erhalten haben. Müller glaubt, daß durch das Oel, nur das Brechen der Wellen unter gewissen Umstanden verhindert oder vielmehr verringert werde. Das Brechen besteht aber in einem > Ueberstürzen des Gipfels der Welle, gegen den hohlen, vom Winde abgekehrten Theil derselben, und es ist die Folge von dem geringen Zusammenhange der Wassertheilchen. Eine zähere Flüssigkeit würde sich weder zu hohen Wellen erheben, noch würde der obere Theil sich so leicht von dem übrigen Wasser losreißen. Das Oel bewirkt also nur, daß die Was- scrtheilchen sich nicht so leicht von einander trennen: folglich verhindert es, daß die Luft so leicht hinein dringen und es durchwühlen kann. Das Wasser wird dadurch selbst einer zähern Flüssigkeit ähnlich, und schon deswegen werden die Wellen sich nicht so hoch erheben. Wenn man ein Schiff, fügt Müller hinzu, so hoch auf den Strand als möglich sehen wollte, und deshalb eine beträchtliche Menge OelS aus- gösse, so würde dadurch bewirkt werden, daß die Welle, welche in ihrem natürlichen Zustande als Brandung brechen muß, nunmehr» nicht so leicht und so früh bricht: sondern ' gleichsam als ein dicker zusammen hängender Wulst, sich den Wellen des Meeres. 5«L Strand beträchtlich weiter hinauf walzt. Verhindert aber das .Sel das Brechen der Welle, so verhindert es auch feine Wirkung. Durch den überstürzenden Gipfel der Wellen bekommt das darunter liegende Wasser eine größere Geschwindigkeit, und wälzt sich also mit größerer Stärke die Welle hinan, oder stößt gegen das Schiff. Folglich macht das Sel, daß die Welle sich nicht so hoch thürmt, und das Schiff nicht so stark erschüttert. Die weniger hohe Welle wirkt auf die folgende wieder mit verminderter Kraft und so fort, so daß die Wirkung bei der fünften, sechsten Welle schon sehr Merklich seyn muß. Die wellenförmige Bewegung des Wassers setzt daS! Erheben eines Theils der Wasserfläche zum voraus. Körper, welche darauf schwimmen, widerstehen diesem Erheben durch ihr Gewicht, folglich auch der wellenförmigen Bewegung, und zerstören sie zum Theil. Es scheint also einigen Naturforschern, daß die so sehr gepriesene Eigenschaft des Oels, die Wogen des Meeres zu, stillen, nicht sowohl in seiner Zähigkeit und Flüssigkeit, als vielmehr darin liege, daß es ein leichterer Körper ist, als das Wasser. Hieraus folgern sie, daß alle Körper, welche leichter sind, als daö Wasser, und dabei mehrere Ausdehnung haben, als die Tropfen oder Massen, welche das Sel macht, eben diese Wirkung, aber in einem höhern Grade, hervorbringen müsten. Hr. Achard räth lzu diesem Ende an, sich verschlossener leerer Fässer zu bedienen, in welche das Wasser nicht eindringen kann, oder, welches noch besser sey, blecherner Kasten, von sechs bis acht Fuß Grundfläche, und zwei Fuß Höhe, die mit Luft jange- füllct seyn müsten, und dem Wasser keinen Eingang verstatteten. Die Schiffe könnten, glaubt er, ohne dadurch ihre Ladung zu sehr zu vermehren, immer einige Dutzend dergleichen Fässer oder Kasten mit sich führen, die man in dem Falle, daß die Bewegung des Wassers Gefahr drohete, über Bord werfen, und mit Stricken an die Schiffe befestigen Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. 506 könnte. Hr. Achard versichert, mit solchen blechernen Kasten Versuche im Kleinen gemacht zu haben, welche von erwünschterem. Erfolge waren, als wenn er sich des Oels bediente. So wissen wir, dass man den. Wirbel des Mael, stroms aus gleiche Art besänftigt..' Es würde immer darauf ankommen, daß dieses Mittel im Grossen angewendet würde, um über dessen Brauchbarkeit zu urtheilen. Müller macht gegründete Einwendungen dagegen, unter welchen vornemlich die ist,, daß diese Fässer oder Kasten mit Heftigkeit gegen das Schiff geworfen, und entweder dieses beschädigen, oder auch selbst zu ! Grunde gehen würden- Bei dem Oele ist es gewiß ein wesentlicher Umstand, dass dadurch eine große zusammenhängende Fläche bedeckt wird, welches bei solchen Körpern wegfällt. Daß ein Fahrzeug über die schlüpfrige Bahn desSelö schneller hinweg gleiten werde, als über eine Fläche von Wasser, wird wohl niemand von einem Körper im Ernste behaupten, welcher, indem er schwimmt, sich um die Hälfte bis zu zwei Drittheile in das Wasser eintauchn Man hat diesem Gebrauche des Oels die Wahrnehmung entgegen gesetzt, daß die Stille eines auf diese Weise beruhigten Wassers nur von kurzer Dauer sey'» ferner daß das Meer hernach sein Ungestüm verdoppele, und endlich, daß ein Fahrzeug, welches einem Schiffe auf einer solchergestalt beruhigten Fläche im Laufe folgt, einer um so größer« Gefahr ausgesetzt sey, wofür jedoch keine glaubwürdige Zeugnisse vorhanden sind. Nicht nur das Oel, worunter jedoch nur die fetten Oele, als Baumöl, Rübeöl, Leinöl zu verstehen sind, sondern auch die thierischen flüssigen Fette, der Trahn, dienen zu gleicher Absicht. Aetherische Oele sind hierzu nicht brauchbar, und würde ein Schiff, welches z. B. Terpentinöl geladen hätte, und sich dessen beim Sturme bedienen wollte, seines Zwecks gewiss verfehlen. Dieses Sei verbreitet sich zwar äußerst Wellen deS Meeres. 5°7 schnell über eine Wasserfläche,, allein seine Decke ist so dünn und so schwach,, daß sie durch die geringste äußere Kraft würde zerrissen werden. Pennant *) gedenkt einer Beobachtung,. welche von den Fischern der Seekälber in Schottland gemacht worden sey. Wenn diese Thiere einen fettigen Fisch fressen,, so wird das Meer in dieser Gegend außerordentlich ruhig: ein Umstand, den sie als eine» Wink benutzen, dergleichen Thiere an solchen Stellen aufzusuchen. Pringle, erfuhr ebenfalls in Schottland, daß man schon von weitem diejenigen Stellen entdecke, wo sich Heringe in Menge aufhalten: denn hier sey das Meer von der öligen Fettigkeit, die diese Fische von sich gäben, ganz ohne sichtbare Bewegung. Man rühmt abee von dem Oele nicht bloß seine Kraft, die Wellen zu besänftigen, sondern auch seine Eigenschaft, das Wasser klar und durchsichtig zu machen. Dies kann nun auf eine doppelte Weise geschehen; entweder das Hei besteht aus einzelnen Tropfen, oder es bildet eine zusammenhängende Fläche. Im ersteren Falle lassen sich die Tropfen als Linsen betrachten, dann aber erstreckt sich ihre Wirkung nur auf ihre Brennweite, und man kann nicht sagen, daß sie überhaupt das Wasser klar und durchsichtig machen. Im letztem Falle kann es die Durchsichtigkeit des Wassers nur in so fern vermehren, als es feine Oberfläche ebnet -) Lrit. rooi.*iv. Voi. -) Man sehe noch über diese Materie; Abhandlungen der Ges. der Wissen- sch. -u Manchester, ll Th. S. 261. ff. Achar d'K Sammt. phys. und chem. Abhandl. L B. S. 8Z. ss. Z8SS^ snr les. Modells äs äiraiinrer les Lausers ätz 1s. mer?3.r ätz , äu. xouäroiv on ä« 3 So furchtbar indessen dem Seemanne die stürmischen Fluchen des Meeres sind, so unangenehm und beschwerlich fallen ihm auch diejenigen Gegenden im Meere, wo eine immerwährende Windstille herrscht. Ein Strich dieser Art befindet sich zwischen dem vierten und zehenten Grade nörd- licher Breite, und dem zwanzigsten und dreißigsten Grade westlicher Länge. Hier herrscht eine fast beständige, mit Regen, Donner und Blitz verbundene Windstille, weshalb auch diese Gegend im Meere, Regensee, Donnersee und Unge- wittersee genannt wird. Wehe dem Schiffe, welches unglücklicher Weise dahinein verschlagen wird. Schon Colum- bus erfuhr alles Ungemach auf diesem Meere, als er auf seineb dritten Reise in diesen Strich gerieth. Er kam ganzer acht Tag; hindurch nicht von der Stelle, und obschon der.Himmel bis auf einen Tag beständig mit Wolken bedeckt war, so erduldete er doch eine so große Hitze, daß das Pech am Schiffe zerrann. Es scheint beim erstem Anblick sonderbar, daß Schiffe, welche dem Vorgebirge der guten Hoffnung zueilen, es angemessener finden, auf einen Theil des Weges die Afrikanische Küste zu verlassen, und von den Inseln des grünen Vorgebirges ab, einen Hafen in Südamerika zu erreichen, aus welchem sie dann, queer über das Atlantische Meer steuern. Die eben angeführte windstille Gegend, nebst noch anderen, die sich auf der Afrikanischen Seite so häufig befinden, rechtfertigen den Seefahrer, in einem so auffallenden Umschweife, einen westlichen Lauf zu nehme» *). Die Wellen des Meeres äußern gegen die Küsten der Länder bald mehr bald weniger Kraft, sie anzugreifen und zu zerstören. Man muß nun Hiebei steile und flache Ufer unterscheiden. ^ i *) alle ok 6ov«rnor viril ix «ke. eomxilsS. Fron» imlientio vrxers. iMiuloil 17g-,. 4. ' Wellen des Meeres. 509 Die erste Meereswelle, welche steh gegen einen flachen Strand hinwälzt, findet an demselben einen sanften Abhang, an dem sie zuerst mit ihrer ganzen Stärke hinaus schäumt; aber bald erstirbt ihre Kraft, und sie sinkt durch ihr Gewicht nieder. Anstatt den Strand zu zerstören, seht sie vielmehr ein wenig Schlamm, Schaalen^ehäuse u. a. Seeerzeugnisse ab, welche sie in ihrem Wege mit sich fortgerissen hak. Dies geschieht nun auch bei den folgenden und allen übrigen Wellen. Ein niedriger Strand wird also von den Wellen nicht zerstört, sondern vielmehr allmähiig erhöht, so lange der Abhang noch sanft bleibt, und die Welle das, was sie mitbrachte, nicht wieder zurück nehmen kann. Da nun der vorliegende Meeresgrund ausgehöiet wird, so rollen hiernächst die von den Wellen erhobene Materien wieder hinab, und alles bleibt in seinem vorige» Zu, stände. Das feste Land ist also an allen Orten gegen die Anfalle des Oceans gesichert, wo das Land niedrig ist. Ist aber eine Küste steil, so kommt es darauf an- ob sie aus einem festen Gesteine oder aus solchen Materialien zusammen gesetzt ist, welche das Wasser aufzulösen vermag. Zn jenem Falle stellt sie dem Meere einen unüberwindlichen Wall entgegen, in diesem aber wird sie untergraben, und sie stürzt ein. Allein nach und nach füllt sie die umliegende Gegend aus, der Strand erweitert und erhöhet sich, die vor, her steilen Küsten verwandeln sich in abhängige, und alles kommt in den vorher beschriebenen Zustand zurück, wo das Meer nichts weiter zerstören kann. So wie die Winde vornemlich Welkn erregen, so sind sie auch die Hauptkräfte, ein Schiff in Bewegung zn sehen, und es darin zu erhalten. Diese ist gewöhnlich überaus schnell, und man rechnet, daß bei anhaltendem Winde ein Schiff in vier und zwanzig Stunden 60 bis go Meilen zurücklegen kann, und es braucht zu dieser schnellen Fahrt Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. 5rc> nur ein Steuerruder *). Das Schiff/ worauf sich Hr- Förster befand, legte im kalten Himmelsstriche der südlichen Halbkugel fast achtehalb Seemeilen in einer Stunde zurück, und Ansons °) Schiff sieben Englische Meilen binnen eben dieser Zeit. Er reder noch von einem Schiffe, welches in Südosten vom Staatenland in einer sehr heftigen See zehen dergleichen Meilen in einer Stünde zurücklegte. Der Sroß eines mit vollen Segeln fortgehenden Schiffs ist so heftig, daß er ein so ungeheures Thier, als der Walisisch ist, tödten kann. Hr. Förster sah auf seiner Reise, daß, da einige Wallfische um sein Schiff herum sich zeigten, verschiedene derselben ein Vergnügen daran sanken, unter das Schiff zu tauchen, um uuf der andern lvieder hervor zu kommen. Einer derselben mußte bei diesem Spiele nicht tief genung gegangen seyn, und das Schiff wogte ihn im Fortgehen aus dem Rücken berührt haben, denn als er wieder zum Vorschein kam, färbte er sogleich das Meer mit seinem Blute, und doch ging das Schiff nur mit gelindem Winde, und der. Wallfisch queer durch. Wäre es mit starkem Winde gegen ihn angesegelt gekommen, so würde gewiß der Tod des Thiers erfolgt seyn. Angria, ein berüchtigter Seeräuber, hatte ein Mittel, wodurch er seine Schiffe in den Stand sehte, mit einer solchen Schnelligkeit die Wellen zu durchschneiden, daß ihm schwerlich ein Fahrzeug entging, wenn er darauf Jagd machte. Er hielt zu dem Ende selten eins seiner Schiffe länger als einen Monat in der See. Nach dessen Verlauf ließ er sie in eine Dogge bringen, und ihre untere Fläche mit Kokosnüssen abreiben und glätten. Daß auf diese Weise gesäuberte Schiff flog nun mit einer unglaublichen Leichtig- r) Maktinet's Catechismus -er Natur« t Th. S. zsz. ») Dessen Reisen. S. 24. Log, ») Geschichte re. S. zro. Wellen des Meeres. Zu keit über bie Fluchen hinweg. Denn es ist bekannt, daß stch an den Boden der Schiffe, zumal wenn sie lange in den See gewesen sind, eine Menge von Schaalchieven ansaugen, die seine Bewegung -außerordentlich schwerfällig wachen *). Die Länge des zurück gelegten Weges, und die «Geschwindigkeit des Laufs von einem Schiffe zu finden, bedienen die Seefahrer sich des sogenannten Loggs, oder der , Log leine. Dieses Werkzeug besteht aus einem Stücke ^ Holz von der Figur eines gleichschenklichen Dreiecks, sechs . bis sieben Zolle hoch, an dessen untere Seite ein Bleigewicht ! befestigt wird, so daß es sich so eben unter die Oberfläche i des Wassers eintauchen kann. An der oberen Seite dieses ^ Holzes wird ein langes dünnes Seil angebracht, und dann ! läßt man es vom Hintertheile des Schiffs in das Meer fal- ' len. Hier dient es zu einem unbeweglichen Punkte, wonach i wan die Geschwindigkeit des Laufs eines Schiffs bestimmt, I indem zugleich die an denselben befestigte, um einen I Haspel oder eine Spindel, die ein Bootsmann in der Hand > hält, gelegte und in gleichweit von einander befindliche Kno- , ten abgetheilte Logleine, so wie das Schiff fortgeht, sich abwindet. Bet dieser Operation erstreckt sich die Logieine jüber der Oberfläche des Wassers, der Länge nach, und aus der Beobachtung, wie viel Knotenlängen in einer halben Minute ^ davon abgewunden worden, ergiebt sich dann, wie geschwinde das Schiff in der Zeit fortgesegelt ist, und wie Welt es etwa in einer halben Stunde fortkommen werde, wenn sonst alle Umstände gleich bleiben. Die Abmessung der Zeit geschieht gewöhnlich mittelst einer Sanduhr, die in einer halben Minute oder den hundert und zwanzigsten Theil einer Stunde abläuft. Die Logleine ist durch Knoten in gleiche Theile rchgr- i *) Kalmus Reise, i L». S. 4zö - 512 Fünfte Abth. Dritter Mfchnitt. theilt. Gewöhnlich ist bei den Französischen Seefahrern der hundert und zwanzigste Theil von ^ einer Seemeile, die auf 17100 Französische Fuß gerechnet wird, oder 47z Fuß das Maas von einem Knoten zum andern: aber etwa sechszig Fuß von dem Logg geht erst die Abtheilung -er Leine an, damit das Logg außerhalb des Leewassers ruhiger in der See liegen kann. Gesetzt nun, es sind, währenddes Loggen, welches gewöhnlich eine halbe Mnsttte dauert, von dem Anfangs, punkte der Abtheilung an zu rechnen, sechs Knotenlängen der Logleine von dem Haspel abgewunden, so ist das Schiff 6L. — Minuten fortgesegelt, und es wird also in einer Stunde 120^ — 2 Meilen zurück legen. Dieses Werkzeug belehrt demnach den Seefahrer von der Geschwindigkeit des Schiffs in Ansehung des Meeres, wöbet er voraussetzt, daß das Logg da, wo es ausgeworfen wird, rmverrückt liegen bleibe. Allein hier machen die Meeres, ströme eine Aenderung. Durch sie wird sowohl das Logg als auch das Schiff gemeinschaftlich nach der Richtung jener zugleich fortgeführt, und es kommt darauf an, ob das Schiff vom Winde mit dem Seestrome« nach einer, oder nach einer entgegen gesetzten Richtung, oder unter einem gewissen Winkel fortsegclt, um zu bestimmen, ob und wie es dadurch von seinem wahren Laufe abgelenkt worden ist- Daö Meer bewegt sich zwischen den Wendekreisen von Osten nach Westen, und das Wasser legt in einem.Tage zwei bis drei Meilen zurück. Segelt man nun nach Westen, so zeigt das Logg nur an, wie viel ein Schiff sich geschwinder, als das Ästeer bewegt hat. Geht der Lauf jdeS Schiffs gegen Osten, so wird es durch den Strom etwas zurück geführt, und der Schiffer wird, nach dem Logg gerechnet, einen größer» Weg gemacht zu haben glauben. Steuert ein Schiff unter dem heißen Himmelsstrich von Süden nach Norden, und von Norden nach Süden, so wird Wellen des Meeres. ZIs wird es mit der Loggleine parallel von seinem Wege nach Westen abgeführt u. s. w. *). Aus diesem erhellet nun, daß die Schiffer in allen Gegenden des Oceans die Richtung und die Geschwindigkeit der Meeresströme kennen müssen, wenn sie dieses Werkzeug mit Sicherheit gebrauchen wollen. Es ist also ein unzuverlässiges, und bei bösem Wetter überaus unbehülfiiches Instrument. Hopkinson in Philadelphia hat daher eine Art von Logg vorgeschlagen, welches zweckmäßiger und dabei einfach ist. Es besteht aus einer kupfernen Röhre, ungefähr zwei Zoll im Durchmesser, welche bis unter den Kiel hinab geht, und oben bis an die FlottliNie reicht, wenn das Schiff seine volle Ladung hat. Diese Röhre ist unken umgebogen, etwa wie ein Picotscher Strommesser, und so gestellt, daß ihre Mündung gerade nach der Richtung, in welcher das Schiff segelt, gekehrt ist. Das Oberiheil der Röhre ist so gekrümmt, daß es durch eine ^effnung, welche im Schiffe über dem Wasserspiegel angebracht ist, bis an das Vorder- kastell hinauf reicht. Am Ende desselben ist ein Deckel angebracht, in welchem ein Loch befindlich ist, in welches eine gläserne Röhre, von der Größe einer gewöhnlicheil Darome- rerröhre paßt, unv da angekültet wird. Das Seewassek nimmt seinen Wasserstand in der kupfernen Röhre, und kommt in der gläsernen Röhre, welche über diesem Wasserstand ist, nicht zum. Vorschein. Gießt man aber Oei in diese Röhre, bis es hinauf steigt, so bekommt man es zu sehen, weil das Oel obenauf schwimmt. Die Glasröhre trägt eine Seal«/ davon der Nullpunkt auf den Stand des Oels trifft, wenn das Schiff in Ruhe ist. Segelt aber dasselbe, so wird das Wasser, sammt dem darauf schwimmenden Sele, in den Röhren durch den Zug, und nach Verhält- *)Hrn- Böse Erläuterung der Sternkunde und der dam gehörigen Wissenschaft». -> Aufl. 2 rh> S.'7L-- ff. ' Kk 6>4 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. niß der Geschwindigkeit, mit welcher sich das Schiff fort, bewegt, mehr oder weniger in die Höhe getrieben, und giebt dadurch das nautische Maaß seiner Fortrückung zu erkennen *)- Die mehrcsten Völker des Alterthums, welche wegen der Schiffahrt bekannt sind, gebrauchten die Segel nur selten, und auch nur dann, wenn ihnen der Wind gerade in den Rücken blies, so daß sie mit vollen Segeln recht vor dem Winde gehen konnten. Blies der Wind stark und etwas seitwärts, so waren sie genöthigt, sogleich in einen Hafen einzulaufen. In den mittleren Zeiten,' da man anfing, den weiten Ocean zu beschissen, gebrauchte man Segel, auch wenn der Wind von der Seite kam. Die geschickte Stellung der Segel, um von dem Winde die ausge- brcitetsten Vortheile zu ziehen, ist indep ein Vorzug neuerer Zeltest./ Die Kunst, mit halben oder beinahe widrigen Winden, oder wie es die Schiffsleute nennen, bei dem Winde zu segeln, ist eine der wichtigsten Erfindungen der Menschen. Auf dem Schiffökompasse sind zwei und dreißig Striche ober Gegenden angegeben, von woher der Wind kommen kann, und diese hat man mit besonderen Namen belegt. Der Wind mag nun aus einem derselben wehen, und man kann demungeachtet sich desselben bedienen, um nach zwanzig verschiedenen Strichen oder Himmelsgegenden hinzusegelnl Der Kompaß oder die Schiffsrose ist ein magnetischer Stahl, der auf einer spitzigen Nadel in einem konischen Hute sich herum bewegen kann. Aus diesem Stahle ist eine zirkelrunde Pappe befestigt, auf welcher die zwei nnd drei-, ßig Winde des Kompasses verzeichnet sind. Zudem sich nun bei der Wendung des Schiffs die Magnetnadel stets nach dem magnetischen Pole hin dreht, so dreht sich auch zugleich die daran befestigte Windrose. Die Büchse mit dem Kompasse sieht nun gerade vor dem das Steuerruder regierenden Snrell. Bl. der Jen. alle. Lit. Zeit. l-g6. Xo. i6o. Wellen des Meeres. 5i5 Menschen, der sein Gesicht nach dem Vorderthelle des Schiffs richtet; und so kann er genau beobachten, nach wetz chem^Striche des Kompasses der Lauf des Schiffs gerichtet ist. Da nun die Schiffsrose in Z60 Grade abgetheilt ist, so kommen gerade nj Grad auf einen Strich des Kompasses, und da man, nach der jetzigen Art bei dem Winde zu segeln (d. h. der Gegend so nahe zuzusegeln, von welcher der Wind herbiäßt, als möglich ist) sich auf sechs Striche vom Winde ab entfernt; so kam man auf 67z Grad vom Winde ab, ihm schon entgegen steuern, und zwar an jeder Seite der Gegend, da der Wind her kommt. Da nun zweimal 67Z hundert fünf und dreißig Grade machen, so kann man Nach 225 Graden mit einem jeden Winde segeln. Es ist wahr, daß, da der Wind beim bei dem Winde segeln, die Segel und das Schiff nur seitwärts in einer schiefen Richtung trifft, das Schiff dadurch allemal etwas abgelenkt wird: allein wie viel solches eigentlich betrage., das läßt sich nur auf dem Schiffe selbst, durch den Augenschein und aus den übrigen Umständen, beurtheilen *). Bewegung des Meeres von Osten nach Westen. Die Bewegung des Meeres von Osten nach Westen ist ein Zug des Wassers, welcher sich auf dem hohen Meere, wo das Wasser sich ganz frei bewegen kann, ohne durch das feste Land, oder die Znseln eingeschränkt zu werden, am leichtesten und regelmäßigsten zu erkennen giebt: aber auch bei windstillem Wetter in einer.sanften wellenförmigen Richtung sich äußert. Diese Bewegung, welche die Holländer Diennng nennen, macht einen Strom, welcher stark genung ist, das Wasser zwei bis drei Meile» in einem Tage fortzutreiben. *) Forster'S Gesch, S. r-L- >04. Hr. VSde re..?. 766. ff. Kk 2 Zi6 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Diese Bewegung des Weltmeeres ist hauptsächlich zwischen den Wendekreisen merkbar, wo sie auf die Schiffahrt einen nicht unbedeutenden Einfluß äußert. Wenn ein Schiff unter diesem Himmelsstriche nach Westen segelt, so bewegt es sich geschwinder: geht aber sein Lauf nach Osten, so wird es durch den Strom des Wassers immer etwas zurück geführt. Geht endlich der Lauf des Schiffs unter emem ge, wissen Winkel mit der Richtung des Seestroms, so beschreibt es entweder einen größer» oder kleinern Weg. So lehrt die Erfahrung, daß die Schiffe von den Mo- luetischen Inseln zu dem Vorgebirge der guten Hoffnung, und aus Europa nach Amerika weit bequemer und geschwinder segeln, als zurück. Diese Ostbcwegung in den heißen Zonen wendet sich nordwärts vom Aequator etwas südlich, und südwärts von demselben etwas nördlich; aber auch außer den Wendekreisen findet man Spuren von diesem Strome des Meeres. So ist er auf dem mittelländischen Meere sehr merklich, und der Grund, daß man von Syrien und Palastina nack Ztalien schneller als zurück segelt. Herbinus ch bezeugt eben dies von der Ostsee. Zn der Magellamschen Straße äußert dieser Strom, weicher überhaupt an den Küsten und in den Meerengen am stärksten ist, eine heftige Wirkung, daß man seinen ausgezeichneten Zug noch eine geraume Zeit im offenen Meere gewahr wird, und dieser Umstand soll auch .dem Mageilan Anlaß gegeben haben, zu vermuthen, daß sie zwei Meere mit einander verbinden müsse. Varenius gedenkt, als einer bekannten Sache, daß das Atlantische Meer beständig gegen die Küsten von Amerika ströme, und daß dagegen das stille Meere von diesem Welttheile abfließe, welches am Vorgebirge der Ströme zwischen Panama und Lima sichtbar sey- -) I. c. I.W. i. c-ix. n. §. s. ; . . Bewegung des Meeres von Osten nach Westen. S17 Vüffon sieht diese Bewegung als eine Wirkung der Ebbe und Fluch an, und so viel ist auch gewiß,, daß dieser Strom im neuen und vollen Monde jederzeit heftiger ist, als in den Vierteln. Wenn man erwägt, daß der Mond in einem Zeitraume von vier und zwanzig Stunden von Osten nach Westen läuft,' daß immer ein anderer in Westen gelegener Punkt der Wasserfläche unter den Mond zu stehen kommt, und folglich die Erhöhung des Wassers in dieser Richtung geschehen muß, daß der Ablauf des Wassers nach jener Seite vor sich gehe, wo es abnimmt und niedriger wird; so scheint es allerdings, daß man Hiebei auf die Ebbe und Fluch mit rechnen müsse. Die Hauptursach liegt indessen wohl in der Bewegung der Erde um ihre Achse, welche in der Richtung von We- / sten nach Osten geht. Die Bewegung ist eigentlich ein stu-l- fenweise und periodisch erfolgendes Zögern und Verweilen? des Wassers gegen die schnelle aber gleichfalls periodische Bewegung der Erdkugel "). Das Wasser als ein flüssiger Körper, ist von geringerer Schwere, als der feste Theil der Er.de, und da es aniii diesem sonst durch nichts als diese Schwere verbunden ist, so bleibt es beim Schwünge zurück, und scheint gegen Westen zu laufen. Die Erde hat bekanntlich eine doppelte Bewegung. Die erste ist ihr jährlicher Umlauf um die Sonne, und die zweite um ihre Achse. Weil nun die Erde beim Fortrücken auf, ihrer Bahn in riner spiral-schrägen Richtung vom Aequator an nach und nach nordwärts, und dann südwärts den Einfluß der Sonne empfängt, so entsteht hieraus eine Modifikation der Ostbewegung nach Norden und nach Süden. Bei diesen Bewegungen der Erde geräth nun zwar die ganze Menge des Meerwassers ebenfalls in Bewegung, aber die einzelnen Schichten des Wassers haben eine ungleiche *) Gatterer's Abriß n. S. L7- 5rS Fünfte Abch. Dritter Abschnitt. Geschwindigkeit, die sich nach den verschiedenen Graden ihrer eigentlichen 'Schwere richtet, so daß zu einerlei Zeit das obere Wasser mehr oder weniger westwärts, und das untere mehr oder weniger ostwärts, und umgekehrt, sich be- wegen, kann *). Ohnstreitig trägt auch der immerwährende Ostwind, welcher vornemlich seine Wirkung zwischen den Wendekreisen äußert, zu dieser Bewegung mit bei. Dieser Wind wird von der Sonne verursacht, welche die Luft ausdehnt, und dadurch vor sich her treibt, so wie die Erde bei ihrer täglichen Umdrehung immer neue Punkte der Atmosphäre entgegen stellt. Wir bemerken diesen Wind täglich in der Morgendämmerung, wenn übrigens die Lust still ist; so wie diese Morgendämmerung täglich um die Erde geht, so folgt ihr auch der Wind unaufhörlich, und treibt also die Gewässer in eben der Richtung fort: denn Dampier bezeugt aus mehreren Wahrnehmungen der Seefahrer, daß überall, wo ordentliche Winde herrschen, die Ströme ihrem Zuge in gleicher Richtung folgen. Sowohl in den Meerengen der Philippinischen Inseln, und in allen Kanälen, welche die Maldivischen Eylande von> einander scheiden, als auch in dem Mexikanischen Meerbu, ftn, zwischen Cuba und Zamaica geht der Zug des Wassers in dieser Linie. Zn der Meerenge von Paria ist diese Bewegung so heftig, daß die Seefahrer dadurch veranlaßt worden sind, sie das Drachenmaul zu nennen. Auch in dem Meere von Canada wird das Wasser sehr stark von Osten nach Westen bewegt. Dies gilt auch von dem Tactarischen Meere, und von der Meerenge Waigaz, durch welche der Ocean, weil er hier gewaltsam durchläuft, ungeheure Eis- massen hindurch treibt. Das stille Meer fließt ebenfalls durch die Engen von Japan von Osten nach Westen in das -) «allerer Abr. D. Lg. i Bewegung des Meeres von Osten nach Westen. Z19 Meer gegen China, das Indische Meer in eben dieser Richtung durch die Straße von Java und durch die übrigen Pässe zwischen den Moluckischen Znseln. Einige der älteren Erdbeschreiber, als RiccioluS -), Fournier O, Vossius O, gedenken auch eines immerwährenden Stroms von beiden Polen nach dem Aequator hin, welcher die Schiffe weit geschwinder von den Canari- schen Znseln nach der Linie, als zurück bringe. Der Beob, kchtungen über diese Ströme giebt es zwar nur wenige, und sie sind unsicher, indem die neuesten Seefahrer davon nichts erwähnen. Die Sache selbst jhat aber nichts unwahrschein, liches, und ihr wird durch die Eismassen, welche alljährlich von den Polen weg nach den wärmeren Gegenden treiben, und daselbst schmelzen, Gewicht gegeben. Vossius glaubt, daß die nördlichen Meere weit mehr Flüsse aufnähmen, und daß sich der dadurch gesammelte Ueberschuß des Wassers nach Süden zöge. Mit größerm Rechte kann man sie als die Wirkung der stärkern Ausdünstung des Oceans zwischen den Wendekreisen betrachten, die das Wasser daselbst ernie, drigt, und" in die Stelle des Abgangs das Wasser von den Polen her herbei zu fließen nöthigt, um das Gleichgewicht zu erhalten. Diese Bewegung scheint indeß nur äußerst schwach, und an jenen Eismassen bloß merkbar zu seyn. Nach St. Pierre sind die nördlichen und südlichen Ströme, die Folge seiner Polarergießungcn, welche er bei der Ebbe und Fluth die Hauptrollen spielen läßt, die einzigen allgemeinen im Oceane 1 ) 6eo. rek. l., X. 0- 8. K. ») N/Uroxr. I-iv, IX. L. 22 . 2) vs orni et xsoxresrn iüololarri»«. «) Bitt. I B. S. »48. 520 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Ebbe und F l u t h. Ebbe und Fluth ") nennt man das tägliche Steigen und Fallen des Wassers im Meere, indem es nemlich sich an zwei Stellen auf der Erdkugel täglich zweimal hebt, und an zwei anderen Orten so oft wieder sinkt. Bei dieser Bs, rvegung erhebt sich das Meer allmählig, so daß es seine Ufer auf eine beträchtliche Weite überschwemmt, steht nach- her cnva eine Viertelstunde scheinbar stille, senkt sich hieraus wieder nach und nach, und zieht sich von den Küsten zurück. Die Erhebung desselben heißt die Fluth, und sein Fallen Ebbe, und beide wechseln ohne Unterlaß beständig ab. Sie ist die merkwürdigste der allgemeinen Bewegungen des Meeres. Die Urfach dieses sonderbaren Phänomens zu entwickeln, hat in den alteren und neueren Zeiten den Forschern viel zu schaffen gemacht. Die Philosophen Griechenlands und Italiens scheinen sich wenig um sie bekümmert zu haben. Zhre Kenntniß davon konnte auch nur sehr beschränkt seyn, weil sie an einem Meere wohnten, auf welchem sich diese Bewegung beinahe unmcrklich äußert, und man damals aus Mangel eines sichern Wegweisers es nicht wagte, das hohe Meer zu beschissen» Man'hat, nach den zu Toulon gemachten Beobachtungen, zwar gefunden, daß hier 3 Stunden rZ Minuten, nachdem der Mond durch den Mittagskreis gegangen ist, die Fluth einen Fuß hoch steige, und bei den höchsten Springfluthen, und wenn noch andere Nebenursachen hinzu treten, sich an ^wci Fuß erhebe; allein dieses Steigen des Wassers ist so unmerklich, daß niemand darauf achtete. Sobald man aber in den Oeean gelangte, wurden Ebbe und Fluch eine so auffallende Erscheinung, daß *) ^.esnrs, sceesnir er rsoessnr, Huxns sk warls; Iss iu»- i'ess, ünx er rellux äe 1a mer. Ebbe «nd Fluch. 521 Man sie zuerst als ein Wunder betrachtete. Lalius fand sie so, als er in der Meerenge die Schiffe der Carthager unter dem Adhcrbal angriff *). CurtiuS schildert daher sehr richtig das Erstaunen, in welches Alexander mit seinem Kriegeshcere versetzt wurde, als sie in Zndicn ihre Schiffe vom Wasser entblößet sahen. Homer °) führt indeß bereits an, daß der Strudel der Charybdis sich täglich dreimal erhebe, und wieder zurück gehe: eine Stelle, welche Strabo durch die Ebbe und Fluth erklärt. Herodot und Diodor aus Sieilien legen diese Bewegung ausdrücklich dem rothen Meere bei. Aristoteles gedenkt ihrer an einigen Orten seiner Schriften, und sägt ch, daß sich diese Erhebungen des Meeres nach dem Monde richteten. So schreibt auch Pytheas die Ebbe und Fluth dem Monde zu, wenn ihn anders der Verfasser, welcher seine Aussage aufschrieb, richtig verstanden hat *). Aus einer unrecht ausgelegten Stelle der Kirchenväter ist die Sage entstanden?, Aristoteles habe sich in den Ocean gestürzt, aus Verdruß, daß er die Ursach jener Erscheinung nicht zu entdecken vermögt?. Zustinus Martyr ') sagt von ihm, er sey vor Gram gestorben, weil er die Natur des Euripus nicht habe. erklären können, und gedenkt der Ebbe und Fluth gar nicht. Die Römer, als sie ihre Eroberungen bis an das Atlantische Weltmeer ausdehnten, erlangten eine vollständigere Kenntniß davon- Cäsar 0 gedenkt dieser Bewegung des ,) LiVii kistor. Lid. XXVIll. c-x. Zo. s) Oä^ss. XII. ro§. 3) vs muiräo 4- snl> kn. 4) xinrarelms äs äictls er xlacnis xkilosoxkor. Läb. III. rrt. 17. -8. r) Ooliort. sä Orsec. <) Oo Lello ALllico IV. 622 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Meeres: da er aber mit den Strömungen derselben unbe, kaum war, so geschah es, daß er zu einer solchen Zeit meh, rere Schiffe einbüßte. Strabo giebt die Erscheinung nach den drei Perioden richtig an, und erklärt sie, nach dem ! Posidontus, dadurch, daß das Meer die himmlischen Be, wegungen nachahme, bei welchen drei ähnliche Perioden statt fänden. Pltniuö -) schreibt sie dem Monde und der Sonne zu. Seneca ') und Macrobius schildern diese Bewegung ziemlich richtig. Die Neueren entwarfen zur Erklärung der Ebbe und Fluth mancherlei Hypothesen. Galiläi *) versuchte es, sie von der doppelten Bewegung der Erde herzuleiten. Wal- lls *) erklärt die Phänomene derselben aus der Bewegung des gemeinschaftlichen Schwerpunkts der Erde und des I Mondes. > Wenn der Ocean an einem gewissen Orte höher wird, ' so darf man nicht glauben, daß er durch eine in ihm vorge, ! hende Bewegung anschwelle, wie etwa die Milch im Kochen. Diese Erhebung des Meeres wird durch eine wirkliche Anhäufung des Wassers verursacht, welches von anderen Stellen herbei geführt wird. Es ist ein wahrer Strom, welcher sich auf dem Meere wohl wahrnehmen läßt, und der das Wasser denenjenigen Stellen zutheilt, wo die Fluth ist. Um dies einzusehen, muß man bemerken, daß es auf dem weit ausgedehnten Raume des Meeres immer Gegenden giebt, wo das Wasser niedrig ist, wenn es an anderen hoch steht. Es ist demnach unrichtig, daß, wie einige vorgeben, ») 6eozr. I.W. HI. s) Ilist, H II. Lax. 97, r) Os xroviä. 0.1. Os cosmlco V 1 -N. 4 > ») ve Lerni insri«. Oi>. lom. II. x>. 7Z7. 54«,. Ebbe und Fluch. 523 während der Fluth, die ganze Masse im Meere zunehme, und bei der Ebbe sich wieder vermindere- Die. Menge des Wassers und der Raum, welchen es einnimmt, bleibt immer gleich: aber es wird darauf eine schwankende Bewegung hervorgebracht, wodurch das Wasser. abwechselnd von einem Orte zum ander» geleitet wird. Wenn es an einer Stelle hoch steht, so ist es auf der andern niedrig, also sind Wachsthum und Abnahme in den verschiedenen Gegenden immer gleich. , - Die so genaue Uebereinstimmung dieser Bewegung des Meeres mit der Bewegung des Mondes ließ-den Beobachter bald eine Verbindung beider als Ursach und Wirkung vermuthen. Die Veranlassung dieser Erscheinung entdeckte Kepler, welcher sich in seiner Physik des Himmels darüber so ausdrückt: „Der Kreis der anziehenden Kraft, die jm Monde ist, erstreckt sich bis zur Erde, und zieht das Wasser der heißen Zone an, wirkt arss die Oerter, wo er vertikal steht, »«merklich auf begrenzte Seen und Busen, merklich auf den Ocean, dessen Bette sehr groß ist, und das Wasser hat die Freiheit, ein Gleiches zu thun, d. i. zu steigen und zu fallen;" und in seiner Astronomie des Mondes: „Die Ursach der Ebbe und Fluth in der See scheinen die Körper der Sonne und des Mondes zu seyn, welche das Wasser der See an sich ziehen." Des Cgrtes glaubt, der Mond, wenn er über der Erde weggeht, drücke auf die Atmosphäre, welche diesen Körper umgiebt, diese hinwiederum auf das Wasser, und zwänge es also, niedriger zu werden, wodurch es an einem andern Orte zum Steigen gebracht werden müsse. Wäre dies der Fall, so wüste das Wasser an den Stellen am niedrigsten seyn, über welchen der Mond steht, welches aber der Erfahrung zuwider ist. Auch ist dieser Planet zu weit von der Erde entfernt, und ihr Dunstkreis zu niedrig, als daß der Mond sie auf diese Weise erreichen könnte. Kein 5-4 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Druck, kein Stoß kann diejenige Kraft seyn, weiche dieses Phänomen veranlaßt, sondern es ist eine Ursach vorhanden, die das Wasser erhebt und wieder erniedrigt. Die Muthmaßung des Kepler bewog den großen Newton, die Sache näher zu untersuchen. Er behandelte Liesen Gegenstand ausführlich, ohne jedoch seine Berechnungen auf alle Erscheinungen dabei zu erstrecken, und machte sich diese Theorie gewissermaßen zum Eigenthum, indem er die Ursache entdeckte, aus welcher das Wasser zu gleicher Zeit auf der dem Monde entgegen gesetzten Seite steigt und fallt *): denn Kepler glaubte, daß die Gegenwart des Mondes einen Stoß verursache, welcher in seiner Abwesenheit einen andern Hervorbringe. Der Mond wirkt auf die Erde, und diese auf jenen mit einer Kraft, welche von einigen anziehende Kraft, At- traetion, von anderen aber allgemeine Schwere der Weltkörper gegen einander genannt wird, eine Kraft, die durch so viel andere Erscheinustgen hinlänglich bestätigt ist. Vermöge dieser Eigenschaft streben beide Körper sich einander zu nähern. Sie würden auch gezwungen werden, zusammen zu treffen, wenn nicht, zu Folge der geradlinigen, oder tangenticllen Bewegung des Mondes, diesem Körper eine Kraft, sich vom Mittelpunkte der Erde zu entfernen, mitge- Newton xiinoix. xltil. Natur. inatlt. lstd. IN. xrop. Ls. §- 37- Hallt» gab der Theorie LeS Newton eine wettere Ausdehnung, in, dem er sie auf Fälle anwendet, die sonst nnerkiärbar waren, wobei er durch Auflösung der schwereflen Phänomene zeigt, daß fle überall paßt. Diejenigen meiner Leser« welche in duft Materie tiefer einludrlngm be« gierig find, «erweise ich auf dessen MIsoellaiivL onriosa Vol. I. und die rlülo-. TranEt. No. ik . Die. Akademie der. Wffensch. in Paris veranlaßte, durch einen !m Jahre 1740. ausgesetzten Preis, die drei vortrefflichen Abhandlungen deS Daniel Vernoulli, Mac>Laurin und Euler, welche der Genfer Ausgabe von New ton'S Principien von 1760 beigefüget worden find, und fast alles erschöpfen, was fleh über die Ebbe und Flurh sagen läßt. Man sehe auch vesastti- liers vkxsiHus. Ebbe trüb Fluch. 525 theilt wäre, die allezeit unter einem rechten Winkel, gegerr die in einem gewissen Verhältnisse schwächere Kraft wirkt, mit welcher ihn die Erde anzieht: und da die Centralkräfte den Mond nie verlassen, so wird er von beiden zugleich ane getrieben, schwebend erhalten, und in einer mehrentheils kreisförmigen Laufbahn um die Erde herum geführt. Diese anziehende Kraft der Weltkörper vermindert sich, die Massen bei Seite gesetzt, nach dem Quadrat der Entfern nnng von dem anziehenden: oder, je näher ein Theilchen der Materie dem anziehenden Körper ist, desto größer ist auch die Geschwindigkeit, mit der es sich demselben nähert. Es muß hiernach ein Körper auf der Erde vom Monde desto stärker angezogen werden, je näher, und desto geringer, je entfernter er ihm ist. Das Bestreben der Erde, sich demselben zu nähern, muß sich überhaupt nicht allein gegel/daS Land, sondern auch gegen das Wasser äußern: und zwar, je schiefer die Richtung dieser anziehenden Kraft ist, desto weniger wird sie bewirken können, und umgekehrt, je gerade- linigter oder senkrechter sie ist, desto stärker muß ihre Kraft seyn. Auf diese Ungleichheit der Kräfte, mit welcher die an den verschiedenen Orten der Erde liegenden Körper angezogen werden, muß man hier vornemlich sein Augenmerk richten. Denn, wenn alle Körper gleich stark vom Monde angezogen würden, so müsten sie alle zugleich dieser Kraft nachgeben, und würden also ihre Lage gegen einander nicht verändern. Aber sobald die Kräfte, mit denen sie gegen den Mond angezogen werden, ungleich sind, so wird ihre Lage und Ordnung unter einander zerrüttet, - wofern nicht diese Körper durch solche Bande zusammen geknüpft sind, die durch diese Kraft nicht getreiM werden könyeu. Wenn z. B. drei Körper sich nach einander von einer und derselben Seite mit gleicher Geschwindigkeit bewegen, und man einem jeden von ihnen eine neue Kraft mittheilt, 626 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. jedoch so, daß sie bei dem ersten am stärksten, bei dem zweiten geringer, und bei dem dritten am schwächsten ist; so werden sich ihre Entfernungen von einander beständig jver- größer», ob sie sich gleich von der nemlichen Seite her bewegen, und zwar mit größerer Geschwindigkeit, als vorher. Man setze drei Fahrzeuge, welche auf einem Wasser mit gleicher Geschwindigkeit hinter einander daher schwimmen. Sie werden, dem einförmigen Zuge des Wassers überlassen, in gleicher Entfernung von einander fortbeweget werden. Nun nehme man aber an, daß sich in dem vordersten vier Menschen, in dem mittelsten zwei, und in dem letzten ein Mensch befinden, daß diese Personen auf einmal anfingen zu rudern: so wird die Bewegung der Fahrzeuge beschleunigt werden, jedoch auf eine verschiedene Weise. Die vier Personen in dem vordersten werde:» diesem eine größere Ge, sckwindigkeit mittheilen, als die zwei in dem mittelsten, diese demselben wieder mehr, als der eins in dem letzten. Die Fahrzeuge werden sich voneinander entfernen, und die Personen in der Mitte werden, wenn sie nicht auf ihre eigene Bewegung 'Acht geben, wähnen, daß das erste Fahrzeug vorwärts, das letzte aber zurück gehe. Eine ähnliche Bewandniß hat es nun auch mit der Anziehungskraft der Mondes, welche er auf die Erde äußert. Der Mond muß einen Körper in auf der nach ihm gerichteten Seite, welche ihm an« nähesten ist, zu allen Zeiten, mit einem stärker»» Grade der Kraft an sich ziehen, als einen andern, welchen wir uns im Mittelpunkte der Erde L. vorstellen, und diesen wieder mehr, als einen dritten an der Stelle L. auf der von ihm abgewendeten Seite der Erde, als welche von ihm am weitesten entfernt ist. Aehn, liche Körper in L. und O. werden beinahe so stark angezogen, als der Mittelvunkc L, weil sie sich beinahe in dem Abstände befinden, als der Körper in Bei dieser Artrackion, welche der Mond auf die Erde Ebbe und Fluch. 627 äußert, können nur die festen Theile der letzte n, da sie durch eine Kraft mit einander verbunden sind, welche jene übertrifft, bei ihren verschiedenen Entfernungen, nicht auf eine ungleiche Weise angezogen werden, sondern sie bewegen sich alle gleich schnell nach dem Monde zu, mit einer dem Mittelpunkte zukommenden Geschwindigkeit, worin man sich die ganze Schwere der Erde vereinigt vorstellen kann. Ganz anders verhält es sich mit dem Wasser. Der Zusammenhang seiner Theile ist nur schwach, und es ist von einer nachgebenden 'Narur. Es muß also seiner Schwere gegen das Erdcentrum ungeachtet, nach dem Maaße der verschiedenen Grade der anziehenden Kraft in größerer oder geringerer Weite, schwächer oder stärker gereiht werden, sich dem anziehenden Körper zu nähern. Der Erfolg davon ist indessen nur schwach, weil die Erde, nach de la Lande, siebenzig Mahl mehr Materie enthält, als der Mond, und ihr Mittelpunkt der Meeresfläche fast sechszig Mahl näher ist, als das Centrum des Mondes: gleichwohl äußert sich die Atkraetion desselben auf eine auffallende Weise. Wenn unter diesen Umständen ein Körper in sich dem Monde geschwinder nähert, als ein anderer in L., so entsteht daraus nothwendig, daß der Körper in sich vvm Mittelpunkte L. gegen den Mond zu entfernen bemühe. Einen Körper vvm Mittelpunkte entfernen, heißt ihn erheben. Es muß folglich das Wasser gerade unter dem Monde, oder an der Stelle auf der Erde, in Acren Scheitelpunkte der Mond erscheint, da solche demselben näher ist, als alle übrige Theile des Erdkörpcrs, sich am geschwindesten gegen den Mond von L. nach a bewegen, und einen Hügel bilden, dessen Spitze gegen den Mittelpunkt des Mom des gerichtet ist. Wenn nun immer dieselbe Menge Wassers auf der Erdfläche bleibt, so kann es unmöglich auf der einen Seite steigen, ohne nicht zugleich auf der andern zu fallen. Es muß daher bei K und ä eben so niedrig werden. 5^3 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. als es zu derselben Zeit bei steigt. Jene Erhöhung zu bilden wirb also erfordert, daß das Wasser von der benachbarten Oberfläche sowohl, als auch in der Tiefe dazu beitrage, und dies geschieht nach dem Verhältniß der Nähe zu diesem Planeten. Der Punkt, in dessen Zenith der Mond steht, erhebt sich zuerst, die näheren Wasser folgen alsdann mit vcr- ^ mindertet' Geschwindigkeit nach, und hierauf die entfernte- ^ ren. Wenn nun der ganze Theil des Meeres unter dem Monde hoher wird, und einen Wasserhügel bildet, so muß ' das Wasser inn Meerhorizonte in eben dem Verhältnisse sin- > ken. Auch läßt sich dieser Umstand durch den Druck des Wassers im Meere erläutern; der Mond macht an diesen Stellen durch seine Einwirkung das Meerwasser wirklich leichter. Die schwereren Wasser fließen also unterwärts von den Seiten zu, und erheben das Meer an jenen Orten, wo denn das erhöhete Wasser von oben nach allen Seiten abfließt. ^ Da nun die Erhöhung des Wassers auf der gegen den Mond gerichteten, oder ihm am nähesten Seite der Erdkugel aus dem Bestreben des Wassers sich dem Monde zu nähern erklärt wird; so scheint aus dieser Ursach eine Erniedrigung des Wassers auf der von ihm abgewendeten Seite gefolgert werden zu müssen. Welches kann nun der Grund seyn, daß solches zu eben der Zeit an der dem Monde entgegen gesetzten, und von ihm abgekehrten Seite, wo kein Planet ist, welcher anziehen könnte, ebenfalls geschieht? Es giebt, der Erfahrung zufolge, in dem Weltmeere zwei Erhöhungen, deren eine dem Monde zugekehrt, die andere aber davon abgewendet ist. Wenn wir Fluth haben, so sehen unsere Gegenfüßler gleichfalls Fluth, und eben so ist es mit der Ebbe. Ohne eine dritte Ursach sollte man vielmehr glauben, daß der Planet das Wasser an der Seite, welche feiner anziehenden Kraft entgegen steht, eher drücken als in die Höhe heben müsse. Dieser Umstand, welcher sich nach der 5W Ebbe und Fluch.' der Hypothese des Descartes und Wallts nicht um bers, als auf eine sehr gezwungene Art erklären !ä,.>:. folgt aus der Newton scheu Theorie sehr leicht und natürlich. Eben dieselbe Kraft des Mondes, welche die ihm zuge- kehrte Seite der Erde an sich zieht, nöthigt,auch die andere, sich ihm zu nähern. Der Körper in L. wird vom Monde aber weniger angezogen, als ein ähnlicher, welcher sich im Mittelpunkte L. befindet. Dieser muß sich also dem Monde mehr nähern, als bey Punkt L., und letzterer wird zurück bleiben. Die Wirkung ist, daß der Punkt 6. sich vom Mittelpunkte entfernt, und sich also erhebt, weil Erhebe» nichts anders ist, als sich vom Ceizkrum entfernen. Der Punkt im Meere, welcher auf dieser Seite im Nadir liegt, ist auf der ganzen Erdkugel vom Monde der entfernteste, und empfindet daher die Wirkung der Attraktion am schwächsten. Weil aber der Mittelpunkt sich schneller gegen den Mond bewegt, als das Wasser an dieser Stelle, so sucht er den festen Kern der Erde vom Wasser abzuziehen, und da er den Zusammenhang nicht aufzuheben vermag, so vermindert er ihn doch, d. i., er verringert die Schwere des Wassers gegen den Mittelpunkt, welches den Erfolg hat, daß Las Wasser daselbst gehoben wird. Berechnungen haben gezeigt, daß das Bestreben, nach dem Monde zu gehen, für die ihm nähesten, und die von ihm entferntesten Theile sich verhalte, wie die Zahlen Zo und 32, wenn man für den Mittelpunkt der Erde Zi annimmt. Folglich werden die beiden Endpunkte ihres gegen den Mond gekehrten Durchmessers ziemlich mit gleicher Kraft vom Mittelpunkte entfernt. Einige nehmen bei Erklärung dieses Phänomens die Centrifugalkraft *) mit zu Hülfe. Die Attraetion des ') Mas siebt diesen Namen ,einer Kraft, Mit der bei LentraibeweSunM «in Körper sich sterS v»m Mitteipunkce des Krümnumgskreisir ,„t> Ll 5Z0 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Mondes am Mittelpunkt der Erde, hält der Schwungkraft ihres Mittelpunkts genau das Gleichgewicht, und erhält folglich denselben in seinem Kreise. Dagegen ist die Anziehungskraft auf der gegen den Mond gekehrten Seite größer, und auf der von ihm abgewendeten geringer, als am Mittelpunkt, so daß da) wo die anziehende Kraft am stärksten, die Centrifugalkrast am schwächsten ist. Folglich verursacht das UebermaaS der Attraction, daß das Wasser an der Seite der Erde, welche dem Mond zu alle» Zeiten am nä- hesten ist, steigen muß; dahingegen an der von, Monde am meisten entfernten Seite die Attraction am schwächsten, und die Schwungkraft am stärksten ist. Aus dieser Ursach wird das Wasser durch die Uebermacht der Centrifugalkrast daselbst eben so hoch steigen, als es an der entgegen gesetzten Seite durch das UebermaaS der Anziehungskraft sich erhebt *). Man sieht hieraus, daß an allen Orten des Meeres das Wasser sich erheben müsse, sowohl wenn der Mond im Zenith, als auch in dem Nadir eines Srtö, d. h. nicht nur wenn der Mond am höchsten über, sondern auch am höchsten unter demselben steht. In den Zwischenzeiten, wenn der Mond beim Auf- und Untergänge seinen Stand hak, äußert er keine Kraft zu erheben: vielmehr entsteht dann eine entgegen gesetzte Wirkung, wonach das Meer niedriger wird. Bei diesem wechselseitigen Steigen und Fallen des Wassers im Oceane, unterscheidet man vornemlich folgende fernen sacht. Sie wird auch Schwungkraft genannt. Centralbewe- gung heißt, wenn ein bewegter Körper während seiner Bewegung durch irgens eine Kraft immer nach einem gewissen unveränderlichen Punkt hin getrieben wird, welche außerhalb der Richtung ieiner Bewegung liegt. *) Ferguson'» Astronomie, nach Newton'» Grundsätzen erklärt; a. d. Engl. vonKirrhhof. Berlin und Stettin - 78 L- S- - Th. S. >73. ss- Ebbe und Fluch. LZr Zustände. Der höchste Stand, welchen das Wasser bei der Fluch erreicht, heißt die hohe, volle See, hohe Fluth Wenn es sich nach Verlauf einiger Zeit wieder zuzück zieht, so wird das Ablaufen Ebbe -) genannt. Nach Vollendung derselben har das Meer den niedrigsten Stand, ^ und heißt: tiefe See worauf denk ein neuer Zufluß anfängt, und ein Steigen des Meerwassers oder Fluth-) veranlaßt. Die Erfahrung lehrt überhaupt, daß bei der Ebbe und Fluth drei sehr merkwürdige und regelmäßige Perioden ein- . treten, nemlich eine tägliche, eine monatliche und eine jährliche. Die tägliche ist die zweimalige Abwechselung der Ebbe und Fluch, die binnen 2^ Stunden erfolgt, und die Dauer derselben stimmt vollkommen mit dem Zeitraume zwischen zwei auf einander folgenden Durchgängen des Mondes durch den Mittagskrcis überein. Bei der monatlichen Periode ist die Bewegung des Wassers im Oceane in jedem Monate zweimal am stärksten und zweimal am schwächsten. Was die jährliche Periode betrifft, so sind die Fluchen um die Zeit der Nachtgleichen im Neu - und Vollmonde viel stärker, in den Quadraturen aber viel schwächer: im Gegentheil sind sie um die Zeit der Sonnenwenden im Neu, und Vollmonde schwächer, und in den Qüadratscheine stärker als sonst. Wie nun diese Perioden entstehen, wird aus folgendem klarwerden. ») tL vLUte rüst, ») reünx. ») 1a dass« m»r. Ll 2 -) ÜIIX. 552 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Wenn wir uns die Erde als eine bloße Wasserkugcl vorstellen, oder auch als einen festen Körper,welcher überall mit einem flüssigen Wesen bedeckt ist; so wird dieses genöthigt werden, die Kugelgestalt zu verlassen, und einen länglich, runden Körper bilden, .dessen größter Durchmesser gegen den Mond gerichtet ist Es würde also, wenn jemand in einiger Entfernung von der Erde über den Punkt L. gestellt werden könnte, ihm die Wasserfläche nicht in der runden Figur L. 6. v., sondern in der elliptischen Gestalt ->.k>. c. cl. erscheinen. Die aus dem Meere hervorragenden festen Theile hindern zwar die Erde nicht ganz diese Figur anzunehmen: allein es kommt hier ein anderer Umstand in Betrachtung, welcher in dieser Bewegung wichtige Veränderungen hervorbringt, und dieser ist die Umdrehung der Erde um ihre Achse, und das Fortrücken des Mondes auf sei, ner Bahn. Wenn die Erde sich nicht um ihre Achse drehete, und der Mond beständig auf einem Punkte über dem Meere ste, hen bliebe; so müste man allezeit an zwei Stellen das höch, ste§ und an zwei anderen das niedrigste Wasserl haben, und die Figur bliebe immer eine und dieselbe: so aber wech, sein Ebbe und Fluch auf der Meeresfläche beständig ab, wodurch die Gestalt der Erdkugel immerfort verändert wird. Die Bewegung der Erde um ihre Achse geht in einem Zeitraume von vier und zwanzig Stunden vor sich. Der Mond kommt also binnen dieser Zeit nach und nach über andere Theile des Meeres zu stehen, bis er wieder in den Meridian gelangt, aus welchem er getreten war, und das Wasser in jedem Mittagskreise muß sich in dieser Zeit zweimal erheben und zweimal fallen. Werm wir uns demnach gerade unter dem Monde in eine Znsel gedenken, so hat sie zu der Zeit hohes Was, Ll»irrnk U« I» üxnrs L, Is rsrr», r»ri» 174z. L. L53 Ebbe und Fluch. ser; ist sie weiterhin in L. fortgerückt, und sechs Stunden ' vorn Monde iveg, so hat sie niedriges Wasser. Zst sie auf der dem Monde entgegen gesetzten Seite, zwölf Stunden vom Monde, am äußersten Punkte 6., so hat sie abermals hohes, und wenn sie bis O. gegangen ist, achtzehen Stun- den vom Monde, niedriges Wasser, bis sie nach vier und zwanzig Stunden wieder den ersten Punkt erreicht, da sir denn wieder hohes Wasser hat. Wenn also der Mond in der geraden Linie M. bliebe, so würde die Znsel in in einem Zeiträume von vier und zwanzig Stunden zu einer und derselben Zeit zweimal Fluchen und eben so viel Ebben haben müssen. - - Dies trifft aber nicht genau zn, sondern Ebbe mch Fluch kommen jeden Tag später, als an dem vorhergehenden. Hievon liegt nun die Ursach in der fortrückenden Bewegung des Mondes auf seiner Bahn. Da nemlich dieser Planet in jedem Monate seinen Weg östlich durchläuft, und die Erde sich gleichfalls in vier und zwanzig Stunden in die, ser Richtung dreht; so ist der Mond auf seiner Bahn schon etwas weiter fortgerückt. Wenn also die Fluch an irgend einem Orte, an einem gewissen Tage, zn einer gewissen . Stunde angefangen hat, ihre gröste Höhe zu erreichen; so kommt sie an demselben Orte des anderen Tages später, und so fällt Ebbe und Fluch nach und nach auf andere Stunden, so wie der Mond auch jeden Tag immer später und später durch den Meridian jenes Orts geht. Unter diesen Umständen muß also die Znsel in ^., wenn sie wieder unter den Meridian des Mondes kommen will, sich schon viel weiter, und zwar von H.. nach s. bewegen, ehe sie den folgenden Tag das höchste Wasser haben kann. Dieser Unterschied beträgt nun völlig fünfzig Minuten, und so viel kommt auch die Fluch oder das höchste Wasser später. Die Seefahrer nehmen zwar nur acht und vierzig Minuten, und sie würden Recht haben, wenn der Mond 5Z4 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. völlig dreißig Tage gebrauchte, ehe er wiederum wechselte: da es aber nur 29 Tage 12 Stunden 44 Minuten und Z Sekunden, in der mi.tlern Zahl, sind, so muß er sich täglich etwas weiter bewegen, und dieser Unterschied beträgt ungefähr zwei Minuten- Es kann also die Znsel, während der Zeit,, daß der Mond seinen Kreislauf in 29: Tagel^fn der runden Zahl vollbringt, nur 28z Mahl vom Monde zu Monde wieder herum kommen, und folglich nur doppelt so viel Fluth und Eiche jn r>. und c., also sieben und fünfzig Fluchen und,-eben so viel Ebben haben: oder, welches einerlei ist,, wahrend der Asond zweimal wechselt, welches .59 Tage i Stunde 28 Minuten und 6 Sekunden ausmacht, haben wir 57 doppelte Fluchen und eben so viel Ebben. Hiernach sollte man nun glauben, daß an jedem Orte hie Fluche» alsdann am höchsten seyn mästen, wenn der Mond geradx jm Zenith oder Nadir eines Orts steht. Allein dies trifft nicht zu, sondern das Meer ist zu dieser Zeit weder hoch noch niedrig, und die Fluchen finden sich nicht eher ein, als einige Stunden nachher, wenn der Mond durch den Mittagskreis gegangen ist: ein Umstand, woraus man übereilt geschlossen hat, daß das Newtonsche System Nicht das wahre sey, und daß die Erhebung des Wassers .einer andern Ursach als der Attraktion des Mondes zugeschrieben. werden müsse. Der Grund dieser Erscheinung liegt aber in dcr> Eigenschaft des Wassers, welche man die Trägheit desselben nennt, >und die nicht gestattet, daß es in dem Augenblicke der Culkn i nation *) des Mondes seine» höchsten Standpunkt erreicht. Vermöge jener Eigenschaft strebt das Wasser, in dem Zustande zu verbleiben, worin es einmal versetzt ist, *) So nennt man den Durchgang desselben durch den MttagökreiL. Man sagt ncmlich von den Gestirnen, welche bei ihren, täglichen Umlaufe eben durch den Meridian gehen, daß sie culminiren - denn sie erreichen ku derselben Zeit ihre grüste Höhe, Ebbe und Fluch. 535 bis. eine andere Kraft sie wieder aufhebt. Diese Trägheit zu überwinden, erfordert die Kraft des Mondes einen Aufwand von Zeit, welcher die Erhebung des Wassers aufhält. Dieses Hinderniß verspätet nicht nur die Periode, und macht, daß das hohe Wasser in erst einige Zeit nachher kommen kann, nachdem der Mond bereits durch M. oder N. gegangen ist, sondern es vermindert auch die Größe der Fluch und Ebbe. Hiebei verdient noch folgendes in Erwägung gezogen zu werden. Wenn*der Mond in ist, bemüht er sich, das Wasser zum Steigen zu bringen. Nun kann dasselbe nicht steigen, wenn nicht seine Quantität vergrößert wird. Es muß demnach Wasser von anderen nnd selbst entlegenen Orten h-rfließen. Nun gehört aber Zeit dazu, ehe eine hinlängliche Menge Wasser zusammen gebracht werden kann. Ob nun gleich die Attractivn des Mondes au einem Orte alsdann am stärksten ist, wenn er gerade in dem Meridian desselben steht; so hört doch seine anziehende Kraft nicht mit einem Male auf, daselbst zu wirken, sondern die Erhebung dauert noch einige Zeit fort, wenn er den Meridian bereits zurück gelegt hat, und diese Fortdauer der At- trgction erhält das Wasser noch in seinem angeschwollenen Zustande so lange, bis die Neigung des Wassers zum Fallen der anziehenden Kraft gleich ist. Das Wasser, wenn es sich durch die Attractivn des Mondes gehoben hat, würde selbst dann noch ein wenig steigen, wenn der Mond, da er in den. Mittagskreis tritt, mit einem Male vernichtet würde. Das Steigen und Fallen des Wassers geschieht. nicht mit gleicher Geschwindigkeit- Wenn die Fluth bis zur grö- sten Erniedrigung herab gesunken ist, bleibt das Wasser stehen, als wollte es sich von seinem Falle erholen; dann fängt es an, mit einer allmählig zunehmenden Geschwindigkeit, zu steigen, und zwar am schnellsten in der mittlern Zeit der Erhebung; hierauf steigt es nach und nach langsamer LZ6 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. bis zur höchsten Fluch, und wenn es diese erreicht hat, steht es wieder eine Weile stille. Beim Herabsinscn zum tiefsten Stande folgt es eben den Gesetzen. Daß nun die Fluch beim höchsten und beim niedrigsten Stande eine Zeitlang stille steht, ist wieder die Wirkung der Trägheit des Wassers, indem einige Zeit erfordert wird, um in ihm die neue Bewegung zu erregen. Das Steigen und Fallen des Wassers bei der Fluch und der Ebbe hat eine Aehnlichkeit mit dei^ Bewegung eines Pendels, nur mit dem Unterschiede, daß dieses sich beim tiefsten Falle am geschwindesten bewegt. Ganz kann es auch mit dem Steigen und Fallen einer Welle verglichen werden, da auch hier die geschwindeste Bewegung, in dem Wellen- thale angetroffen wird. Ueberhaupt genommen mäste, wenn die Erde überall mit Wasser bedeckt wchre, der Mond den Meridian eines jeden Orts, wenn die Fluch daselbst am höchsten ist, drei Stunden zurück gelegt haben. Weil aber die Erde nur zu einem Theile mit Wasser umgeben ist, und die mancherlei Vorgebirge, Buchten u. s. w. sich in allen Richtungen ins Meer erstrecken, auch Inseln, Klippen und enge Pässe das Wasser aufhalten; so wird der regelmäßige Lauf desselben dadurch sehr gestört, so daß an manchen Orten die Fluch alsdann am höchsten ist, wenn der Mond den Meridian des OrtS schon weit zurück gelegt hat. Indessen die Entfernung des Mondes von dem Mittagskrcise des Orts sey, welche sie wolle, so tritt doch die höchste Fluch den folgenden Tag beinah um dieselbe Zeit ein, wenn der Mond wieder in gleicher Entfernung vor dem Meridian steht. 2ln allen Orten im Oceane, die sich innerhalb der Wendekreis befinden, oder nicht weit außerhalb derselben liegen, und deren Fluch nicht durch die erwähnten Hindernisse gehemmt wird, finden sich die höchsten Fluchen erst drei Stun, den nach, des Mondes Durchgang durch den Mittagekreis 537 Ebbe ulid Fluth, eiii, wie unter anderen die Engländer auf der Insel St. Helena an der Afrikanischen Küste wahrgenommen haben: doch mit dem Unterschiede, daß sie etwas früher kommen, wenn der Mond, von dem neuen oder vollen Lichte zu dem nächsten Viertel, als wenn er von einem Viertel zu dem neuen oder vollen Lichte übergeht. Weit' von den Wendekreisen, und wo jene Hindernisse vorhanden sind, tritt die Fluch später ein, mehr oder weniger, nach Beschaffenheit der Umstände. Nun müssen wir noch einer bei der Ebbe und Fluch mitwirkenden Ursache erwähnen. Diese ist die Sonne, welche in Verbindung mit dem Monde, bei dieser allgemeinen Bewegung des Meeres, besondere Erscheinungen veranlaßt, und uns erst einen vollständigen Begriff aller Umstände giebt, welche die Ebbe und Fluth begleiten. Alles was wir von der Kraft des Mondes, daö Wasser des Meeres in Bewegung zu setzen, gesagt haben, läßt sich auch auf die Sonne anwenden. Auch dieser Himmelskörper wirkt auf die Erde, mit einer ähnlichen Kraft, als der Mond, und zieht die näheren Theile stärker, die entfernteren aber schwächer an. Diese Kraft der Sonne ist sogar weit größer als beim Monde, indem sie hauptsächlich die Bewegung der Erde bestimmt, und sie in ihrer Laufbahn erhält. Da indessen der Abstand dieses Körpers über vierhundert Mal größer ist, als die Entfernung des Mondes, so ist die Attraction in Absicht auf die verschiedenen Theile der Erde bei ihr ungleich schwächer. Ihrer Größe gegen den Mond ungeachtet, ist die Erde in ihrem Abstände von der Sonne so klein, daß die anziehende Kraft derselben auf alle Seiten beinahe gleich wirkt. Newton *) berechnete, daß die Schwere des Meer, *) vrox. zS- Z7. 533 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Wassers nach der Sonne sich zu ihrer schwere nach der Erde wie i zu 128,662,000' verhalte, und zieht durch Vergleichungen Mit den Wirkungen der Schwungkraft, daraus d.en Schluß, daß das Wasser an, den Stellen, die unter der Sonne, oder der Sonne entgegen gesetzt, liegen, nur 23^ Pariser Fuß höher seyn müsse, als an den Stellen, welche 90 Grad von der Sonne abstehen. Die Schwere gegen den Mond fand Newton etwa ^ mal so groß, daß also beide Kräfte zusammen das Wasser auf ior, und wenn der Mond in der Erdnähe ist, auf 12Z erheben könnten. De la Lande setzt die Schwere gegen den Mond auf dreimal so groß, als ge- Len die Sonne, welches im Ganzen auf dem offenen Meere etwa acht Fuß Fluth betragen würde. Es ist aber gcnung, hier nur. so viel zu wissen, daß diese Kräfte hinreichend sind, die Bewegung des Meeres zu verursachen, und daß die Kraft des Mondes wegen seiner Nähe Hiebei weit stärker ist, als die Kraft der Sonne. Der Mond und die Sonne veranlassen nun eine zusammen gesetzte Bewegung des Meeres, wodurch in der That zwei Arten pocr Ebbe und Fluch entstehen, deren eine von der Sonne,, und die ander/ vom Monde erzeugt wird. Die Mondesfluch richtet sich nachher Bewegung, des Mondes, und rückt von einem Tage zum andern tz Stunden rückwärts: die andere, weiche dem Laufe der Sonne folgt,, würde immer gerade auf eine Stunde des Tages falle,»^ wenn sie allein wäre. Diese beiden Körper bestimmen nun die Bewegung der Ebbe und Fluch, so wie man sie in dem Meere wirklich antrifft. Da nun diese das Wasser wechselseitig erheben und erniedrigen, so wird, wenn beide Kräfte gemeinschaftlich zur Erhebung und Erniedrigung wirken, die Fluth und Ebbe um so viel größer seyn: wenn sie aber einander entgegen wirken, so daß die eine das Meer zn erheben sucht, wenn die andere es niedriger macht, so wird die eine durch die andere 539 Ebbe und Fluch. — > - — > geschwächt werden, d. i., die Mondsflutb und Mondöebbe durch die Sonne. Nachdem also diese beiden Kräfte entweder nach einer und derselben, Richtung, oder gegen einander wirken, werden Ebbe und Fluch größer oder kleiner. Weil die Sonne das Wasser in, vier und zwanzig Stunden an einem Orte zweimal erheben, und eben so oft sinken lassen sollte, wenn kein Mond vorhanden wäre,, der solches innerhalb 2s Stunden 5o Minuten verrichtet;...so sieht man leicht, daß die Veränderung, welche die Sonne in der Bewegung des Meeres hervorbringt, in so fern solches auf den Mond ankommt, jeden Tag anders seyn müsse, je nachdem nemlich diese beiden Wirkungen mehr oder weniger mit einander übereinstimmen, oder gegen einander streiten. Sobald die Sonne,und der Mond mit der Erde in gerader Linie stehen, wirken die Anziehungskräfte beider Körper gemeinschaftlich mit vereinigter Kraft, und heben also die Fluth höher, als zu einer ändert» Zeit: ist hingegen dar Mond im.Mittagskreise und die Sonne im Horizonte desselben, so wirken beide Körper auf die Erde kreuhweise, denn die Sonne ist alsdenn mit der Ebbe in gerader Linie, und vermindert Lurch ihre Attraction, daß das Wasser daselbst nicht so tief sinken, folglich auch die Fluth, .unter dem Monde und, an der von ihm abgekehrten Seite, nicht so hoch steigen kaun, als geschehen würde, wenn der Mond allein und die Sonne gar nicht vorhanden wäre. Jene nennt man Springfluth, diese aber Nipfiuth, sodte Fluth; jene ereignet sich im Neu- und Vollmonde, diese aber in den Vierteln oder Quadraturen. Zur Zeit des Neumonds nemlich sind die Sonne und der Mond in Conjunetlon, d. h., sie befinden sich beide über einander, auf einer Seite der Erde, und bringen alsdann hier die verstärkte Erhebung des Wassers-hervpx. Am Vollmonde sind die Sonne und der Mond in Opposition, d. i. sie stehen einander gerade gegen über, nemlich die Sonne an 54 <> Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. der einen, und der Mond aüf der andern Seite der Erde. Auf derjenigen nun, welche vom Monde abgekehrt ist, muß das Wasser, welches wögen seiner geringen Schwere gegen diesen Planeten zurück bleibt, durch die Wirkung der Son- nenattraetion noch mehr gehoben werden. Diese beiden Kör- per wirken alfd in gerader, wiewohl entgegen gesetzten Richtung, weiches denn den Erfolg hat, daß die Erhöhung auf beiden Selten größer, und die Achse der'Ellipse länger wird. Zn den Vierteln sind dle Sonne und der Mond am weitesten von einander entfernt, und muß also die beschriebene Wiiküng erfolgen. Hieraus erglebc sich nun, daß Ebbe und Fluth vom Neumonde bis zum ersten Viertel nach und nach kleiner werden ftnüss-m, weil alsdainn die Wirkungen der Sonne und des Mondes allmähiig weniger übereinstimmen- und tMmer mehr gegen einander streiten; daß sie vom ersten Viertel bis zum' Vollmonde zunehmen müssen, weil dio Wirkungen beider Himmelskörper immer harmonischer werden. Aus einem gleichen Grunde wird diese Bewegung des Meeres vom Vollmonde bis zum letzten Viertel immer kleiner, und von diesem bis zum Neumonde immer größer. Der Mond, wenn er uM die Erde geht, beschreibt auf seiner Nahn eure Ellipse, woraus denn folgt, daß er zu gewissen Zeiten der Erde näher seyn muß, als zu anderen. Dieses hat nun auf die Größe der Fluchen einen bedeutenden Einfluß, indem sie sich desto höher erheben, je näher der Mond der Erde ist, und desto niedriger werden, je weiter er sich von der Erde entfernt. Die gröste Erdnähe verhält sich zur grösten Erdferne wie 8 zu 7. : Weil nun die Ufer des Meeres sehr unregelmäßig gestaltet sind, und das Meer selbst eine sehr verschiedene Tiefe hat; weil das Wasser, wie wir bereits angemerkt haben, in den Dayen und Meerengen auf eine verschiedene Weise strömt; da selbst Winde und Meeresstürme in der Stärke der Fluch eine große Aenderung zu Wege bringen können; so dürfen'wir nicht erwarten, daß Ebbe und Fluch'sich überall so regelmäßig zeige, als wir angenommen haben. ! Am ordentlichsten äußert sie sich auf dem hohen Meere, w» ! jene -Hindernisse nicht vorhanden sind. Aus diesem Grunde i läßt sich also die Frage: wie hoch sich das Meer bei der Fluch erhebe, und wie tief es bei der Ebbe sinke? nicht all, gemein beantworten. Die Höhen des Wassers würden sich, so wie auch die Zeiten nur alsdann genau berechnen lassen, wenn der Ocean allenthalben von gleicher Tiefe wäre. Dies alles hindert jedoch nicht, daß man, wenn alle Umstände Mit Aufmerksamkeit genau erforscht werden, nicht eine jede vorkommende Erscheinung erklären könnte. Der Unterschied der Springfluthen und der Fluchen der Mondsvicrtel ist nach Verschiedenheit der Gegenden und Zeiten veränderlich. So sind z. B. zu St. Malo jene ge, wöhnlich 5 o, und diese iZ Fuß hoch. Bei Bristol steige» die ersteren auf 42, und die letzteren auf 2L Pariser Fuß. Die grösten Fluchen fallen, der Erfahrung zufolge, an den Küsten etwas früher, und die kleineren etwas später, als die mittleren daselbst anzukommen pflegen. Ueberhaupt ist aber die eigentliche Springfluth nicht die gröste, sondern die darauf folgenden erste, zweite und dritte pflegt noch im, Mer zuzunehmen, und daher 36 Stunden nach der wahren Springfluth des Neumondes oder des Vollmondes die höchste Fluch zu seyn. Eben so fallen auch die kleinsten Fluchen Mehrentheil« so viel Stunden nach den Mondesvierteln ein. Die Ursach dieser Erscheinung liegt nun in der Eigenschaft des Wassers, wonach es sucht, in dem Zustande zu verblei, I den, worin es einmal versetzt ist, bis sie eine andere wie, der aufhebt. Am meisten wird die Fluch durch die entgegen gesetzte Bewegung des Wassers in den Flüssen vekzögert, wenn 542 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. sie in solchen hinauf steigt. Flüsse, die sich in Meere er, gießen, worin Ebbe und Fiuth ist, müssen zuerst bei ihrem Ausflusse, und hernach immer höher hinauf anschwellen, wenn sich das Meer zur Zeit der Fiuth erhebt. Zm Ama- zonen'flusse ist die Flnth auf 20c» Seemeilen von seiner Mündung an in das Land hinein merklich: allein sie braucht auch etliche Tage Zeit, um so weit vvrzuschreiten. An dem Ausflüsse, der Seine bei Havre de Grace steigt die Fluch bis Neuen ikr Stunden; vom Ausflusse der Themse bis London in 3 Stunden. Die Springflurhen verspäten sich, in Ansehung des Durchgangs des Mondes durch den Meridian, um desto län- ger, je mehr die Küsten durch Znseln oder durch gegen über liegende Lander eingeschränkt sind. So bleiben sie "zu St. Malo und Plymouth 6 Stunden, zu Havre de Grace 9 Stunden, zu Calais und Dover n; Stunden, am Ausflusse der Themse um 12 Stunden zurück. Am letzten Orte kommt, wenn der Mond mit der Sonne um zwölf Uhr Mittags durch den Meridian geht, die Springfluth am Tage des Neulichts erst um Mitternacht an. In einigen Gegenden verspätet sich die Fluth um ganze Tage. Nicht selten fallen Ebbe und Fiuth an Stellen, welche nicht weit von einander liegen, auf sehr verschiedene Zeiten, da sie doch, der Regel nach, zu einer Zeit eintreffen sollten. Wenn z. B. am Tage des neuen oder vollen Lichts um 12 Uhr in Seeland und Vlissingen hohes Wasser ist, so erscheint es erst drei Tage nachher zu Rotterdam, Amsterdam und Dortrecht: anderer Beispiele nicht zu gedenken *). Manch- mgl kann dadurch, daß mehrere Fluthen durch verschiedene Wege bei einer Küste fast zugleich ankommen, eine Unregelmäßigkeit in der Ebbe und Fluch entstehen. Zn dem Ha- ») V,r«nins I. e. xr. ij. Ebbe und Fluch. 543 fen BatshaM in Tunktn dringt die Fluch durch zwei Meerengen, durch dle eine früher als durch die andere, und verursacht dadurch binnen 24 Stunden nur einmal Fluch und Ebbe. Ost entsteht eine Unordnung von heftigen Winden, j welche die Fluch in ihrem Laufe entweder aufhalten, oder diesen beschleunigen. Der Regel nach, sollte das Wasser überall fast sechs Stunden und zwölf Minuten steigen, und wieder in eben so viel Zeit fassen: allein hier findet sich auch manche Abweichung. Zu Maeao fluchet das Wasser neun Stunden, und ebbet nur drei. In der Mündung der Havana hat Man sieben Stunden hohes und fünf Stunden niedriges Wasser: dagegen in der Mündung des Senegal 4 Stunden lang hohes und 8 Stunden niedriges Wasser ist. In dem Chinesischen Hafen Tunkin in 20° iZ' N. Br- hat man nach Hall ey's -) Berichte noch dieses sonderbare: wenn der Mond durch den Aequator geht, so steht das Wasser den Tag darauf stille; weicht er nun in der Folge ab, so verspürt man Bewegungen der Ebbe und Fluth, jedoch nur eine Ebbe und eine Fluch, und zwar findet sich die gröste Fluth beim Untergänge des Mondes ein. So wachsen Ebbe und Fluth nach und nach mit der Abweichung des Mondes, bis zum siebenten oder achten Tage, und vermindern sich die darauf folgenden sieben Tage allmählig wieder. Wenn der Mond seine Abweichung verändert, so verschwinden sie, und die Ebbe wird in Fluth verwandelt. Zn der Folge hat man die gröste Ebbe beim Untergänge, und die gröste Fluth beim Aufgange des Mondes, bis sich seine Abweichung ändert. Nach dem Dam Pier °) hat' man an den r) kteivro» xk. »Lt. I.: m. xr. -4» VUilos. s'rLns. »br. Vol, r. 2) Lei L!>. L. 544 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. . j Küsten von Neuholland das höchste Wasser drei Tage nach dcm vollen oder neuen Monde: aber auch chies war nicht ohne Veränderung, denn man fand, daß die siebente Fluch nach dem Neumonde höher stieg, als die sechste. Dam- pier vermuthet, daß diese Erscheinung durch ein weit ausgestrecktes Land verursacht werde, welches zwischen Neuhol- ! land und Neuguinea liege; oder auch, daß das Meer zwi- ^ schen beiden Ländern einen Durchgang habe, oder daß sich da eine große Bay befände. Eine andere Unregelmäßigkeit sieht man zu Bancoc am Menam in Siam, zwölf Meilen von seiner Mündung. Hier ebbt das Wasser zur Zeit des neuen und vollen Mondes 12 Stunden; eben so lange fluchet es, und es steigt alsdann zwanzig Fuß. Zu anderen Zeiten aber erfolgt die Bewegung in der gewöhnlichen Ordnung. Etwas ähnliches findet man dreißig Meilen von Bancoc bei der Stadt Siam *). Zu Cuxhasen entsteht durch den Seewind bisweilen Fluch auf Fluth. Hier ist der gewöhnliche Unterschied zwischen dem höchsten und niedrigsten Wasser, das ganze Jahr hindurch, 10 bis 12 Fuß. Wenn aber der Wind im Herbste und Winter zwei bis drei Tage lang etwas stark aus Süden gewehrt hat, und sich darauf nach Südwesten wendet, so steigt die Fluth wohl zwanzig Fuß hoch. Folgt hierauf ein Sturm aus Nordwest, so kann das Wasser bei der einen Fluth noch 6 bis g Fuß höher auflaufen. Dreht sich ein anhaltender Sturm aus Südwesten nach Westen, und bei angehender Fluth nach Nordwesten, so dauert die Fluth anstatt 6 wohl 10 bis n Stunden. Das Wasser kann unter diesem Umstände wohl 30 Fuß hoch steigen, und die Deiche und Dämme an der Eibe sind alsdann in Gefahr, weggerissen zu werden. Solche Fluchen hatte man 174? um Weihnachten, 1751 gleich *) Ouvr-lA. »äoxk, 1°. Vt. x, ike. Ebbe und Fluch. 645 gleich nach Michael, und 17Z6 um Martini. Wenn die Fluch 10 bis 11 Stunden gedauert hat, so währt die darauf folgende Ebbe auch langer, als die gewöhnlichen sechs Stimden. Die neue Fluch kann das Wasser nicht wieder zu der vorigen Höhe bringen, wenn gleich der Sturm fort, dauert. Der Landwind hat keinen so merklichen Einfluß auf die Ebbe Von dergleichen sonderbaren Abweichungen bei der Ebbe und Fluth, an mehreren Orten und zu gewissen Zelten, lassen sich noch viele Beispiele anführen, vonchenen Varenius, Riccioli und Kircher eine große Menge gesammelt haben, die aber nicht alle zuverläßig sind. Die Fluchen sind da am stärksten, wo das Meer an große Länder stößt, welche das Wasser aufdämmen, oder da, wo es sich durch enge Pässe hindurch drängen muß, in den Meerbusen und Hafen, wo es wegen des eingeschränkten Raums nur durch Aufsteigen zu einer größer» Höhe in Ruhe gebracht werden kann. Vorzüglich gilt dies von den Meerbusen, die gegen Osten geöffnet sind. Hrer erhebt sich die Fluth öfters mir einem, dem Rauschen eines reißenden Waldstrvms ähnlichen, Getöse auf 30, 40, 60 und mehrere Fuß, so daß sie bald die Gestade weit überschwemmt, bald den Strand auf viele Meilen trocken läßt. Die höchsten Fluchen sind, so viel man weiß, bei Camboya, Pegu, Tun, kin. Newton merkt an, daß die Fluth und Ebbe in dem stillen Meere ungleich größer sey, als in dem Atlantischen r vermuthlich weil jenes weit ausgedehnte Gewässer freier be, wegt wird, da auf die in engere Grenzen eingeschlossene Meere der Mond nicht so ungehindert wirken kann. Die Fluchen und Ebben sind unter dem Aequator nicht eben größer als anderswo. ES giebt zwar in den heißen Erdstrichen Küsten, wo die Fluch außerordentlich hoch steigt: allein ihre Erhebung hat in den angeführten Umständen Triebu dBeicht, von Arabien. Kopekch. r-7». 4. ä. 41L. Mm 64« Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. ihren Grund. Sonst sind mitten in dem Meere des heißen Erdstrichs, nach dem einhelligen Zeugnisse der glaubwürdig« sten Neisebeschreiber, selbst die grösten Fluchen nie höher, als einen, zwei bis drei Fuß. Wir haben hier Beobacht»»« gen von der Insel Helena, unweit der Küste von Afrika, von den Philippinischen und Moluckischen Inseln. Die Spring- fluthen sind an der westlichen Küste von Sumatra nicht über vier Fuß hoch, die Folge der Lage dieser Insel in einem offenen unbegrenzten Gewässer, wo die Fluch sich nicht so sehr anhäufen kann. Dies ist ferner der Fall bei Martinique, Taiti, Guinea und in vielen anderen Gegenden. Le Gentil, Adanson, Deverdun und andere Seefahrer bestätigen diesen Satz, und selbst am Vorgebirge der guten Hoffnung steigt die Fluch höchstens auf drei Fuß. Bei Gouan, einer der Räuberinseln, erhebt sie sich, dem Dampier zufolge, nur auf zwei-bis drei Fuß. Im Gegentheile findet sich, daß, wenn man in den gemäßigten Erdzonen nach Norden hinüber geht, die Höhe der Fluchen zunimmt. Bei den Canarischen Inseln, etwa unter dem Zo Grade der Breite, steigen die Springfiuthen auf 7 bis 8; an den Küsten von Marocco und Spaniens, von der Meerenge von Gibraltar bis an das Vorgebirge St. Vincent, also bts zum 37 Gr. der. N. Br-, an den Küsten von Portugal und Spanien bts etwa zum 43 Gr. auf 12; vom Vorgebirge Finisterre bis zum Ausfluß der Garonne, also bis an den 46 Gr. auf i 5 ; bet der Insel Ne und bis zum 48 Gr. auf 18, in der Bay von St. Malo unterm 49 Gr. auf 20 bis 45 Fuß, auch höher. Von hier fangen die Fluchen an den Küsten der Normandie an, allmählig wieder kleiner zu werden bis zum Pol: sie sind aber in der Hud- sonsbay noch immer merklich, und oft weit größer, als unter dem Aequator. Wargentin fand, an der Küste von Norwegen um Bergen, die Fluch stark und ordentlich. Auch bezeugen Heilan tö Beobachtungen, in der Gegend des Ebbe und Fluch. S47 Nvrdcap gemacht, daß auch hier diese Bewegung des Meeres noch beträchtlich. war, und es wird aus Newtons Theorie wahrscheinlich, daß die Ebbe nicht einmal unter den Polen verschwinden müsse, wenn anders das Meer daselbst pein ist, und mit dem übrigen Gewässer in Verbindung steht. Es scheint also, daß im Atlantischen Meere die Fluch zwischen dem 40 und 5 o Gr. der Br. überhaupt am griffen sey, und von da gegen den Pol air einer, und gegen den Aequator auf der andern Seite immer mehr abnehme. Selbst an den Schottischen und Irländischen Küsten steigt sie fast überall auf ig Fuß. Zn der südlichen Halbkugel scheint eben dieses Gesetz statt zu finden: wenigstens erhebt sich nahe an der Magellanischen Meerenge die Fluch aus 20 bis 25 Fuß. Zn Europa ist die Ebbe und Fluch nach den Nacht, gleichen stärker, als im Sommerpunkt. De la Lande*) leitet solches aus verschiedenen Ursachen her; einmal weil die Süd- und Westwinde alsdann heftiger sind, und mehr Was, ser herbei führen; sodann, weil die Fluch des Sommer, punkte, wo der Ort des Wassersphärvids weiter gegen Nor, den fallt,, zwischen dem festen Lande von Afrika und Ame, rika mehr gesperrt wird, und nicht so leicht an unsere Küsten dringen kann, als um die Nachtgleichen; endlich weil die zwei Fluchen in den Sonnenwenden sehr ungleich sind, und sich daher zum Theil wieder aufheben: dagegen die zwei täglichen Fluchen um die Nachtgleichen ungefähr gleich sind, und also ihre Wirkung merklicher wird. Läge die Bahn des Mondes im Aequator, so würde die gröste Erhebung des Wasserhaufens allezeit nach einer Rich, tung um die Erde herum gehen, und er auf beiden Seiten immer niedriger werden bis an die Pole, wo in solchem Falle immer niedriges Wasser wäre, und also Ebbe und ä« » rark 177s, Mm 2 S43 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Fluch nicht statt finden könnten. Auch an den den Polen nahe liegenden Küsten würde diese Bewegung nur schwach und unmerklich seyn, zumal diese Gegenden, wegen des Eises, und der Stellung der Küsten, der Fluch und Ebbe noch be, sondere Hindernisse entgegen setzen. Aber der Weg des Mondes am Himmel liegt schief gegen den Aequator, und weicht von selbigem auf beiden Seiten nach den Polen gegen dreißig Grade ab. Die Erhöhung des Wassers muß folglich ebenfalls diese Richtung nehmen. Wenn sich also der Mond nordwärts vom Aequator befindet, so muß auch in allen nördlichen Gegenden die Fluch am stärksten seyn, und gegenseitig verhält es sich, wenn der Mond in dem süd, - lichen Zeichen verweilt. Wenn sich der Mond gerade über einem der Erdpole her Erde befände, so würde sich hier das Wasser heben, und eine Ellipse entstehen, deren Achse mit der Achse der Erde in einer Richtung liefe, und es würden alle Punkte, die in einem Parallelkretse enthalten sind, mit gleicher Kraft angee zogen werden. Auf solche Weise würde das Wasser allezeit auf einer Höhe bleiben, wenn sich gleich die Erde binnen 24 Stunden um ihre Achse bewegte. Zn den Gegenden der Erde um den Aequator kommt die Fluch von Osten nach Westen: in den nördlichen und südlichen dagegen geht das Wasser vorwärts und zurück nach Süden und nach Norden, wenn ihm nicht die Lage des Landes eine andere Richtung giebt. WeiP das Wasser im Meere sich an einem Orte erheben soll, so muß es an einem andern sinken. Dies findet nun nicht statt bei Meeren, welche in einen engen Raum eingeschränkt sind. Der Mond, indem er über diesen steht, zieht ihre Oberfläche von allen Seiten gleich stark an, und macht dadurch das Wasser überall gleich leicht: folglich kann kein Theil desselben höher gehoben werden, als der andere. Dies erwogen die Gegner der Newtonschen Theorie Ebbe und Fluch. Z4S nicht, weil sie daraus, daß auf den eingeschränkten Meeren keine Ebbe und Fluch sichtbar ist, einen Grund hernahmen, dieselbe als unzureichend zu verwerfen. In diesem Falle befinden sich das mittelländische Meer, das Kaspische, die Ostsee u- a. Manche hängen zwar mit dem Oceane zusammen: allein die Kanäle, wodurch sie mit ihm in Verbindung stehen, sind zu enge, als daß sie in der kurzen Zeit Wasser genung empfangen und von sich geben, folglich in ihrem Stande merklich erhöhet werden könnten- Indeß will matt doch diese Bewegung in einigen sehr schwach wahrgenommen haben, z. B. in der Ostsee *). Von dem mittelländischen Meere weiß man, daß sich bei Marseille, an der Küste der Barbarei, im A'd'riatischen Meere eine, wiewohl schwache Ebbe und Fluth äußert. Zeder Naturforscher muß, bei der Erklärung der Ebbe und Fluth, sich schlechterdings gezwungen finden, der New- tonschcn Lehre zu folgen, und die Schwere des Wassers gegen den Mond und die Sonne anzunehmen, deren Daseyn sich in diesem Phänomene so augenscheinlich zeigt. Selbst diejenigen, welche mit Newtons Schwere nicht überall zufrieden sind, wie z. B. Euler, sind genöthigt, mit ihm einzustimmen, weil es ihnen sonst ganz unmöglich seyn würde, über die Ebbe und Fluth etwas Befriedigendes z« sagen. Es ist wahr, daß sich Newton nur damit begnügte, die vornehmsten Umstände dieser Erscheinungen in der Kürze anzuführen, und ihren Zusammenhang mit der allgemeinen Schwere zu zeigen, daher den spätern Naturforschern noch manches zu ergänzen übrig blieb. Hr. Hübe -) beschuldigt ») 1° itii äirxnk. äs veslixÜ! Nnxn« st reünxns in»rl» in mrri d»I. riso, riÄsrerkim sä Visrnlss osriuni. 1 /Vitiend, 1760. ») Unlkrricht in r«r NatMlehr« ic. z ry. S. 240. ff. r AZc» Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. indeß diesen großen Mann und seine Anhänger, daß sie bet der Erklärung der Ebbe und Fluch des wahren Gesichts Punkts verfehlet hätten, indem hier nicht sowohl die Frage sey: woher es komme, daß das Meer an einem Orte höher und an dem andern niedriger stehe, als vielmehr welche Ur- sach so gewaltsame und sonderbare Bewegungen in dem Meere hervorbringe; daß man Hiebei nicht sowohl auf die Größe der Kräfte, mit welchen die Sonne und der Mond auf die Erde wirken, als aus ihre Richtung sehen müsse; daß die durch die Wirkung jener beiden Himmelskörper auf der Erdlage entstehende Tangentialkräfte es eigentlich seyen, durch welche Ebbe und Fluch erzeugt werde. Diese Distinctivn könnte nun leicht auf den Gedanken leiten, als hätten jene Männer auf die Bewegung der Erde um ihre Achse gar keine Rücksicht genommen, und ihre Berechnungen wären bloß für die stillstehende Erde, für den Stand des Meeres gegen den Mond, nicht aber für seine Bewegung gegeben worden, welches doch keinesweges der Fall ist. Hr. Fulda ") rechtfertigt jedoch den Newton und seine Anhänger gegen diesen Vorwurf, indem er die gemeine Theorie mit der'Meinung des Herrn Hübe zu ver- einigen sucht, und zeigt, daß sie nicht bet jener einfachen Vorstellung allein stehen geblieben sind, sondern daß sie auch andere Kräfte, die bei Umdrehung der Erde um ihre Achse dieser Bewegung des Meeres behülflich oder hinderlich sind, in Betracht gezogen haben. Da eine genaue und umständliche Erörterung dieser Sache außer den Grenzen mnserer Abhandlung liegt, so verweisen wir unsere Leser auf ihre Schriften. ») Bemerkungen über Hrn. Hübe Erklärung der Ebbe und Flnrh in GreäS neuem Journal der Physik. 4 B.» H. S, 28- K Strömungen. 55 1 i>. Besondere Bewegungen des Meeres. Strömungen. Strömungen, Strvmgänge, Ströme des Meeres *) sind eine Sammlung Wasser in dem Gewässer des Meeres, welches wie zwischen zwei Ufern in einem Bette dahin fließt, in einer Richtung und Geschwindigkeit, die mit dem übrigen Wasser nichts gemein Hat. Dieser Ströme giebt es leine sehr große Menge und von verschiedener Beschaffenheit in dem Oceane. Einige fließen schneller, andere, langsamer; einige dehnen sich mehr in die Länge und Breite aus, andere sind schmäler und kürzer; manche gehen hin nnd wieder zurück. Ueberhaupt lassen sich die Ströme des Meeres in zwei Klassen theilen, nemlich in beständige oder unveränderliche, und unbeständige oder veränderliche. Die Ursach der unbeständigen Ströme sind unstreitig die Winde. Sie richten sich jedesmal nach ihrem Zuge, und wenn sie den Strich derselben nicht immer ganz genau halten, so liegt der Grund dieser Abweichungen in der verschiedenen Lage und Stellung der Ufer. Auch hat der allgemeine Strom des Meeres von Osten nach Westen hierauf einen nicht unbedeutenden Einfluß, weil aus dessen Vereinigung mit dem Wasserzuge, welchen die Winde hervorbringen , eine Mittelrichtung entstehen muß. Schwerer ist es, die Ursachen anzugeben, welche die beständigen Strömungen erzeugen. Büffo n glaubt, daß r) Fr. eonrans- Span. cori-ienres. Dan. Ilernonllli memoirs rnr 1a narnre er 1a ean.se äes (^onrans er 1a manlere äe les ol)- rsrver er les äetermlner. Heeenil äe xleees äe xrlx äs 1'^eaä. Ü.6S Selenes a 1?aris Tour. VII. All-. N. G. 2 Lh. S. -So. ff. 552 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. sie gewissermaßen das seyen, was die Flüsse auf dem Lande sind, indem er doppelte Reihen von Seegebirgen annimmt, , die er sich als dje Betten und Ufer dieser Meeresströme vorstellt- Diese Erklärung hätte allerdings einige Wahrscheinlichkeit für sich, wenn es nicht ausgemacht wäre, daß die Strömungen nicht nur an der Oberfläche schneller sind, als in der Tiefe, sondern daß sie sich hier auch ganz verlieren: ja, wir werden in der Folge sehen, daß öfters das obere Was, ser eine Strömung hat, unter welcher eine andere befindlich ist, die jener gerade entgegen geht, so wie auch im Lustkreise Winde in entgegen gesetzter Richtung über einander wehen. Aus der irrigen Voraussetzung, daß man den Ursprung der Ströme von den Unebenheiten des Grundes im Meere herleiten müsse, zieht Büffon die Folgerung, daß, wenn jener ganz eben und wagerecht wäre, kein anderer Zug des Wassers statt finden könne, als die allgemeine Bewegung von Osten nach Westen, und etwa noch einige andere, welche von den Winden erzeuget würden, und mir ihnen einerlei Richtung haben wüsten. Bei den unteren Strömen, wenn es dergleichen giebt, müssen freilich die Unebenheiten auf dem Meeresboden den Zug des Wassers leiten, und^ben die Verschiedenheiten hervorbringen, welche man an der Oberfläche zwischen den Inseln, Sandbänken und Klippen gewahr wird. Daß die Bewegung, worin das Meer durch die Anziehungskräfte des Mondes und der Sonne verseht werden, im Allgemeinen bei den beständigen Strömen eine der Hauptursachen sey, ist unläugbar, und schon daraus ersichtlich, daß die stärksten Ströme sich wirklich in solchen Gegenden befinden, wo jene Bewegung am heftigsten ist, und mit dieser,in einer Richtung gehen. Wenn die Oberfläche der Erdkugel ganz aus Meer bestände, so würden die Ströme überhaupt regelmäßig seyn, und in gewissen Directivnen Strömungen. 553 und mit bestimmter Geschwindigkeit und Stärke fließen. So aber werde^ sie, durch das aus demselben hervorragende Land, auf eine mannichfaltige Art modificirt. Die unregelmäßige Lage und Figur der Länder verursacht, daß nicht allein die Richtung, sondern auch die Geschwindigkeit der Ströme, sowohl in dem großen Weltmeere, als auch insonderheit in den kleineren mehr eingeschlossenen Gewässern, sich. ins Unendliche verändern müssen. Dych ist die Gestalt der Länder, mit den Inseln und Klippen, so wie überhaupt ein jeder Widerstand, welcher sich der allgemeinen Bewegung des Wassers der Meercsfläche entgegen stellt, und an welchem es im Andringen zurück gedrängt wird, nicht die einzige Ursach der verschiedenen Direktionen eines Stroms. Die Winde, wenn sie stark genung sind, das Meer in Bewegung zu setzen, auskaufende Flüsse und andere noch bis jetzt nicht völlig entwickelte Ursachen, spielen hier ebenfalls nicht unbedeutende Rollen. Beständige Winde bringen beständige Ströme in großer Anzahl hervor. Wenn der Wind eine geraume Zeit immerfort aus einem Striche weht, so müssen die Wellen seiner Richtung folgen, und der Oberfläche des Ästeereö eine ncm- liche Strömung geben. Die Winde treiben das Wasser vor sich hin, welches dann, wenn es sich gegen ein Ufer sammelt, und sich daselbst anhäuft, seitwärts gedrängt wird. Die Abhängigkeit der Ströme von den Winden ist an vielen Orten, besonders aber zwischen den Maldivischen und Indischen Inseln, sichtbar. Hier gehen sie beständig mit dem Wmde, und so wie dieser seine.Richtung periodisch ändert, so verändert sich auch der Zug des strömenden Gewässers. Die Umsetzung des Windes geschieht indeß hier nicht aus einmal, sondern allmahlig, indem er nach und nach schwächer wird, und sich am Ende ganz legt. Die Strömungen « gehorchen ihm, jedoch nicht auf der Stelle, sondern nach 554 Fünfte Abkh. Dritter Abschnitt. einem gewissen Zeitraum und mit verminderter Geschwin- bigkett. Da nun so viele Ursachen an den Seeströmen Antheil nehmen, die noch dazu sich mit jedem Augenblick verändern; so begreift man leicht, daß es unmöglich sey, die folgen zu berechnen, oder Regeln für den Lauf der Ströme sestzu, setzen, und woher es komme, daß man selbst in den bekaon- ten Gewässern so wenig mit diesem Phänomene vertraut ist. Nur an solchen Stellen, wo gewisse loeale Umstände statt finden, wo z. B. ein Fluß, der vom Lande ansläuft, oder Ebbe und Fluth herrschend sind und alle übrigen Veranlassungen überwiegen, wird die Direetion und Zeit der Ströme bestimmt und regelmäßig, so daß man sie voraus wissen kann. Da das Wasser zwischen den Wendekreisen in dem Atlantischen Oceane unabläßig gegen das feste Land von Amerika, und im stillen Meere gegen China, Neuholland und die Moluccischen Inseln angetrieben wird; so ist klar, daß dasselbe längs den Küsten nördlich und südlich am festen Lande hinströmen müsse. Der Wasserzug muß also von Amerika in dem milden Erdgürtel der nördlichen Halbkugel von Güdwesten nach Nordosten, und in der südlichen Hemisphäre von Nordwesten nach Südosten gehen. Wir finden daher, daß in jener aus der Bay von Mexiko sich eine Strömung nordostwärts bis nach Jreland und Norwegen hinzieht. Eine ähnliche Strömung werden wir in dieser gewahr, welche von der Küste Brasiliens das Wasser des Oceans, bei dem Vorgebirge der guten Hoffnung vorbei, in das Indische Meer führt. Jener Strom wird durch den Widerstand, welchen er an den Irländischen und Norwegischen Küsten antrifft, genöthigt, wieder nach Westen bis zur östlichen Küste Grönlands zurück zu kehren, welches mit desto größerer Kraft geschieht, da ihm über dem Nordcap Strömungen. 555 der vom Sibirischen Meere herkommende Strom begegnet. Dieser Meeresstrom bricht sich an Neuholland, und eilt darauf wieder in dem kalten Erdgürtel westlich. Förster *) fand daher jenseit des Feuerlandes bei dem Cap Horn, und an der Straße le Maire eine starke von Osten herkommende . Strömung, welche man auch bei Staatenland und den Neujahrsinseln wahrnimmt. In dem Südmeere sind eben solche Strömungen, nemlich zwischen den Wendezirkcln von Osten nach Westen, und in dem milden Erdgürtel von Westen nach Osten, bemerkt worden. Der Strom, welcher aus dem Mexikanischen Meerbusen nördlich zieht, ist unter dem Namen des Golfstroms bekannt, und unter allen am genauesten beschrieben. Er nimmt seinen Lauf beinahe nordöstlich, und bleibt nach den Krümmungen der Küste von Nordamerika in einem verschiedenen Abstände von derselben. Er ist den Schiffern merkbar bis beinahe auf der Höhe der Neuländischen Bänke: je weiter er sich aber nun nordwärts dreht, desto mehr breitet er sich aus, und seine Kraft vermindert sich; dessen »geachtet behält er aber Stärke genung, die ihm entgegen köm- > wenden Schiffe in ihrem Laufe zu verzögern, wenn sie nicht günstige Winde haben, die jene Wirkungen überwältigen. Alle von Europa nach den südlichen Gegenden Amerika s segelnde Schiffe müssen ihn an einem oder dem andern Orte durchschneiden. Mit frischem Winde geschieht dieses leicht: ist dieser aber nur schwach, oder es fallen gar Windstillen ein, zur Zeit, daß sich die Schiffe im Strome befinden, so werden sie durch seine Kraft, auf eine ihnen oft unmerkbare Weise von ihrem wahren Wege ab- und rückwärts getrieben, oder wenigstens in ihrem iLaufe aufgehalten. Es entstehen daher sehr häufig Irrungen in der Schähung des zurück gelegten Weges bei einem Fahrzeuge, und die Seefahrer fin- *) Gkfch. rc. S. ZZi. 556 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. den sich nicht selten in ihrer Rechnung betrogen, wenn sie dem Lande nahe zu seyn wähnen. Dieser Strom, welchen man auch an der schönen blauen Farbe des Wassers erkennt, die näher zur Küste immer grüner wird, behält in der Mitte mrd Höhe des Atlantischen Meeres nicht immer dieselbe Breite, Richtung und Gcwalt: denn es versteht sich, daß die Macht starker Winde und Stürme, auch aus entfernten Gegenden durch ihre Wirkung auf den Ocean hier Einfluß haben, und zufällige Veränderungen hervorbringen müsse. Unter gewissen Umständen wird er für die Schiffahrt äußerst beschwerlich. Es hat sich mehrmals ereignet, daß Schiffe, die von Newyork aus nach den südlichen Hafen segeln woll, ten, in den Strom gericthen, und Lurch ihn in einer ent, gegen gesetzten Richtung fortgeschleppt wurden. Der Golfstrom ist einer von den Strömen auf der Oberfläche des Meeres, welche durch die kalten Ströme auf dem Grunde, von den Polen nach dem Aeqnator hin, erzeu, get werden. Er ist ein Strom gegen den Nordpol, auf dessen Richtung die Passatwinde, und die Gestalt des festen Landes von Nordamerika, Einfluß haben. Nach anderen hat er hauptsächlich dem Ostwinde seine Entstehung zu verdan, ken. Durch diesen werden die Gewässer des Oceans unab, laßig zwischen den Antillischen Inseln in die Mexikanische Day getrieben, und daselbst angehäuft. Da dem Wasser hier allenthalben das feste Land entgegen steht, dessen weiteres Fortströmen gegen Westen verhindert, und das zunächst am Lande befindliche doch immer von dem nächstfolgenden gedrängt wird; so bleibt kein anderer Ausweg übrig, wodurch der Mexikanische Meerbusen sich seines Wassers entladen kann, als der enge Kamch zwischen Florida und den nördlichen Bahamischen Inseln, welcher nicht über zwqnzig Seemeilen breit ist. Indem nun durch diesen in Verhältniß engen Paß sich die große Masse des andringenden Wassers beständig ausleeren muß; so erhält es eine solche Stärke, Strömungen. 557 daß ihm kein Schiff, auch mit dem besten Winde entgegen »u steuern vermag, und daß nur ganz kleine Fahrzeuge dicht an den- Ufern hin schleichen können, wo das Wasser seicht, und die Kraft des die Mitte haltenden Stroms »»merklich ist. Dieser Seestrom, nachdem er dem Zwange seines engen Kanals entgangen, und die nördlichste der Bahama Inseln vorbei ist, nimmt eine ähnliche Richtung mit jener Küste, und bleibt ihr ziemlich nahe, so, daß die von Nordamerika aus absegelnden Schiffe oft, nach vor wenig Stunden gelichteten Ankern, sich darin befinde,». Der Strom seht seinen Zug zwar noch weiter gegen Norden und Nord- osten durch den Ocean fort: indem er aber nach und nach eine größere Breite gewinnt, und sich weiter von der Meerenge, die seine Geschwindigkeit, verstärkte, entferM, so verliert er auch von der Gewalt, die er in jenem Bezirke äußerte. Die Wirkung des Golfstroms erstreckt sich indeß hoch, hinauf in den nördlichen Ocean, und geht sogar bis zu den nördlichsten Gegenden von Europa, wie die fremden an Ireland, den Orkneys, Faroe-Inseln u. s. w. angespülten Körper beweisen Diese finden nun, wem» auch der eigent- ltche Golfstrom nicht so weit reicht, doch andere Meeresströme, von welchen sie mit fortgeführt werden. Aus den nemlichen Ursachen entstehen zwischen einig-m andern der Westindischen Inseln noch andere, jedoch miutoec beträchtliche, Wasserzüge und Strömungen, die ihre Richtung nordwärts nehmen, aber dabei veränderlich sind. Man be, merkt diese vorzüglich nur denn, wenn wegen starker Ost- *) LIcxlne äs trnmitms iocNcis qni. solsnt sfi Orcafinm litor» ach. xvllt: in ikiiil. 1- uns. n, 222 . verrate Ir vov^ I o !lie Nevriche-!. -774- I>. -SS- Unter den angeführten Früchten befinden üch vorzüglich rothe und schwane Bohnen oder Erbsen, welche wahrscheinlich von -vvrtts xrsc-aorinz herkomme», aber alt Guineische Früchte angegeben werden. F » rfier ' S Gesch. S. sr-. 558 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. winde der gewöhnliche Kanal nicht alles Wasser zu fördern vermag. Auf dem hohen Meere ist es bisweilen schwer zu bestimmen, ob man in dem Golfstrome sey oder nicht. Um dies zu erfahren, pflegt man wohl einen leichten Körper über Bord zu werfen. Wenn dieser, bei Windstillen oder auch bet schwachen nördlichen und östlichen Winden, vom Schiffe ab nordwestwärts bewegt wird; so nimmt man solches als einen freilich nicht durchaus zulänglichen Beweis an, daß das Schiff sich in der Strömung befinde. D. Blagden *) hat durch rhermometrische Beobachtungen gefunden, daß die Wärme des Wassers ein, doch ebenfalls nicht ganz untrügli, ches, Mittel für die nemliche Absicht an die Hand gebe. Das Wasser des Golfstroms kommt schnell, und beinahe in gerader Linie aus Gegenden her, in welchen es, durch einen langen Aufenthalt unter heißer Luft und Sonne Zeit genung hätte, erwärmt zu werden. Es behält daher einen gewissen Grad der Wärme für den grösten Theil des Laufs, selbst in den Wintermonaten, und unterscheidet sich daher von dem übrigen Wasser des Oceans, welches in den Gegenden nördlich von dem Wendezirkel, aus mehrern Ursachen, weniger erwärmt seyn kann. Er fand die Temperatur des Wassers im Golfstrome gegen siebenzig Grade Fahrenh., da sie außerhalb desselben zehrn und mehrere Grad geringer war. Merkwürdig ist die Beobachtung der Seefahrer, daß dieser Strom, wenn der Wind aus Nordosten und ihm also entgegen weht, stärker und schneller fließe. Wahrscheinlich liegt die Ursache darin, daß durch die Nordostwinde auch der.Paffatwind zwischen den Wendekreisen verstärkt, und folglich eine größere Menge Wasser in den Meerbusen einund mit vermehrter Kraft durch den Kanal ausgetrieben wird. Vkilas. > Strömungen. 659 Die Bewegung des Wassers ist übrigens, wenn der Wind in irgend einer nördlichen Richtung wehr, äußerst widrig und beschwerlich, indem er die Fahrzeuge gewaltsam umher wirft. Es ist hier sogar Gefahr, denn es geschieht nicht selten, daß die Schiffe von der entgegen gesetzten Bewegung des Meeres und des Windes ganz und gar umgeworfen werden, und entweder auf der Stelle sinken, oder flottliegend fortgetrieben werden. In dem Golfstroms dieses Bezirks findet man nach der gemeinen Sage keinen Grund. Es mag hieran theils die Stärke des Wasserzugs, theils aber auch die tiefere Auswaschung des Bodens im Meere, Schuld seyn, welche doch da, wo der Strom am eingeschränktesten fließt, am ersten zu erwarten wäre. ' g Die erwähnten nordwestlichen Ströme, welche sich hie» und da zwischen den Westindischen Inseln verspüren lassen- werden mehr als sonst bemerkt, wenn die Wasser des Mexikanischen Meerbusens, außer der gewöhnlichen vom Winde bewirkten Anhäufung, noch durch die vom Regen angeschwollenen Flüsse vermehrt werden, und der Verrath sich nicht durch den Golfstrom allein entladen kann *). Im Atlantischen Meere °) befindet sich unweit Keil Küste von Guinea ein ansehnlicher Strom, welcher, von deni Vorgebirge der guten Hoffnung bis zu dem Meerbusen Fett nando Po, von Westen nach Osten, und also in einer Richtung läuft, welche der allgemeinen Sstbcwegung des Meeres gerade entgegen ist- Er ist so heftig und reißend, daß die Schiffe, welche von dem User Moura nach dem Flusse ») Hrn. Schöpf'S Reisen ic. -r Lh, S. ZgS. Desselben BelrrS-k. S. -4- - i ») Don den Strömen des Atlantischen MeereS handeln ro-vnst in Ii)-. äronllc auch »anliest lldservstivn» 0» kke sllanlio oeean. 1787- 4. mit einer Karte und Noten von Franklin. rranLIi» i» i»z. ritims Odeeivslionr in den Vi aireaet, pt tli» iu»eri«W öskietx Kelch »t rkitachelxkia Vot. H> x. ZiL. 56 c> Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Benin wollen, einen Weg von mehr als sechszig Meilen in zwei Tagen zurücklegen: dahingegen sie zur Rückreise isechs bis sieben Wochen gebrauchen. Die Schiffer suchen ihm also auszuweichen, weit ins Meer hinein zu stechen, und nehmen einen großen Umweg, um der Unannehmlichkeiten überhoben zu seyn, die mit der Fahrt auf diesem Meere »er, bunden sind. Haben sie aber einmal das Unglück gehabt, in seinen Wirkungskreis zu gerathen, so müssen sie streben, das hohe Meer zu gewinnen, welches doch nicht anders gesche, hen kann, als durch Hülft eines Sturms, der sich in dieser Gegend plötzlich zu erheben pflegt, und die Schiffe mit sich fortreißt. Indeß müssen sie oft ganze Jahreszeiten hindurch zurück bleiben, weil alsdann eine beständige Windstille und keine andere Bewegung auf dem Meere herrscht, als die von den Strömen herrührt, welche hier aber beständig ge, gen die Küste gerichtet ist *). ' . , Unterhalb der Bank am Vorgebirge der guten Hoffnung zieht ein Strom in einer heftigen Bewegung gegen Süden, und zwischen diesem Vorgebirge. und der Insel Madagascar,- besonders an der Afrikanischen Küste, zwischen jener und der Landschaft Natalis, trifft man einen an, Hern an, der sich überaus stark von Nordvsten nach Südwesten bewegt, so daß maw einen sehr frischen Wind haben muß, um nach jener Insel hinauf zu kommen -). Zwischen den Maldivischen Inseln läuft der Indische Meeresstrom, in den parallelen Kanälen, zwischen den At- tollons, mit dem Winde sechs Monate im Jahre von Osten nach Westen, und die anderen sechs Monate in entgegen ge, setzter Richtung. Dieser Strom, dessen wir bereits gedacht, ist so reißend, daß es den Menschen unmöglich fallen würde, > von r) V»rsntu,s in. x. §. Bergmann'« Erdb. S. Strömungen. 66 » von einer zu der andern zu kommen, wenn die Natur nicht auf eine sonderbare Weise für sie gesorgt hätte. Sie hat Nemlich jeden dieser Attollons durch ganz besondere Kanäle getheilt, welche sie in Diagonallinien zerschneiden, und deren äußerste Punkte an die Enden der größeren parallelen Kanäle stoßen, dle sie trennen. Wenn man also von einem ^ dieser Distrikte nach dem andern hin will, und der Strom nach Osten zieht, so geht man von dem, w» man sich befindet, durch den östlichen diagonalen Kanal, wo das Wasser ruhig ist, heraus, und, indem man sich hernach dem Strom, der durch den parallelen Kanal geht, überläßt; so gelangt man zu dem entgegen gesetzten Attollon, roo man durch die Oeffnung seines diagonalen Kanals, welcher westlich liegt, hinein geht. Eben so verfährt man in dem Falle, wenn der Strom, sechs Monate nachher, seine Richtung ändert. Mit Hülfe dieser innern Verbindung durchstreichen die In, sulaner zu allen Jahreszeiten ihre Eylande von Norden nach Süden, trotz der Heftigkeit der Strömungen, weiche sie durchstießen *). Bei Ceylan geht eine Strömung, von der Hälfte des Märzmonats bis in den Oktober, von Norden nach Süden, und die übrige Zeit umgekehrt. Zwischen Malacca und Co- chin zieht ein Strom gegen Osten, vvm April bis zum Ende des Augusts, nachher aber mit der grösten Heftigkeit gegen Westen, so daß das Wasser brauset, als wenn es gegen Felsen anprellre. Bei Sumatra, in der Straße Sund«, giebt es einen schnellen Strom, der zur Zeit der Westwinde acht- zehrn Stunden südwestlich zieht, und die Schiffe gegen den Wind forthilft; zur Zeit der Ostwinde aber so lange nach Osten geht, und die übrigens sechs Monate dem herrschenden Winde gehorcht. Die Straße Vanca hat ordentliche Fluthwechsel von achtzehen Fuß, aber sie sind unvermögend Nn 562 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. den Strom zu hindern, welcher bei östlichen Winden gegen Nordwesten, und bet westlichen gegen Südwesten lauft. Nicht selten wird eine Zeit von zwei Monaten dazu erfordert, sich in denselben so hinein zu arbeiten, als in einer günstigen binnen eben so viel Tagen geschehen kann. Unweit Celebes gehen die Seeströme nach verschiedenen Richtungen, und sind veränderlich: denn bald laufen sie jüd- bald nordwärts, und dann ist wieder ganz und gar keine Strömung zu bemerken ')- Bei Java, Manilla und an anderen Orten finden sich sehr mächtige Stromgänge, die aber das ganze Jahr hindurch unveränderlich sind. An der westlichen Küste von Amerika laufen die Ströme unabläßig von Süden nach Norden: wahrscheinlich die Wirkung des hier beständig herrschenden Südwinds. Von Morro de Puercos bis Malpelo gehen die Ströme nach Südwesten und Westen, und von da nach St. Fran- cisco gegen Süden und Südwesten die Zeit hindurch, da der Nordwind herrscht. Beim Südwinde ziehen sie nach Norden und Nordwesten, von Helenens Vorgebirge südlich nach St Franztsco, von da aber nach Malpelo gegen Osten, und darauf nach Morro de Puercos gegen Nordwesten und Westen An den Küsten von Per« soll das Wasser gegen Norden, und am Feuerlande heftig gegen Osten strömen. Vom Silberflusse bis zum 16 Gr. Br. längs der Küste wird ein südlicher, und vom Cap St. Augustin ein starker Wasserzug gegen Norden oder Nordwesten verspürt. In der ganzen Strecke des mittelländischen Meeres erkennt man eine starke von Westen nach Osten gehende Strömung, die Wirkung desjenigen Stroms, welcher mitten durch die Meerenge von Gibraltar hinein kommt, und seinen Weg r) Hawk-Sworry Selch. - rtz, S. 4or. ») VUo». Strömungen. 66Z durch das Meer nimmt. Der Zug des Wassers in der Straße bis zum Vorgebirge Ceura ist äußerst schnell, so daß es in einer Stunde zwei Meilen fortrückt. Er wird aber oberhalb Ceuta, wo beide Ufer schon achtzehen Meilen von einander abstehen, weniger heftig, und schreitet in einer Stunde kaum eine Meile vorwärts. Der Strom bleibt noch eine Zeitlang in dieser Richtung, bis diese, durch die Stellung der Ufer und andere Umstände', auf verschiedene Weise mod'ficirc wird. Die Nordsee hat ebenfalls Ströme auszuweisen. Wenn in ihr südwest- und westliche Ströme entstehen, so treiben ste das Wasser gegen die östlichen Küsten nach Skagerak und weiter ins Cattegat hinein: besonders aber wenn der Nord- Westwind lange und mit Heftigkeit in dem Oceane weht, drängt er das Wasser zwischen den Orkadischen und Hitlandischen Inseln in die Nordsee, in noch größerer Menge, gegen die östliche Küste, in die Hamburger Bucht. Der Widerstand des Landes und die Macht der andringenden Winde zwingen denn das ungewöhnlich hoch aufgetriebene Wasser, zu einer stromähnlichen Fluch, längs den Küsten, in einem östlichen und nordöstlichen Zuge, durch Skagerack zwischen Norwegen und Jütland. Dieser zufällige Strom schwenkt sich weiter in einer östlichen Richtung um Skagerud herum, zwingt den nördlichen Strom hinauf in die Nordostbucht zu weichen, drangt sich dann südwärts in das Cattegat, läßt ein todtes, bisweilen wirbelndes Wasser zwischen sich und dem auslaufenden Strome, der dann der Schwedischen Küste näher kommt, hohes Wasser in ihren Scheren verursacht,' und seinen Lauf gegen die Belte und den Sund fortsetzt. Hier geräch er mit den auslauftnden Strömen in Streit, die er nach einer von den beiden "Seiten drängt. Er bricht eines Theils durch den Sund, wo er der Seeländilcben Küste folgt, während d?r auslaufende nördliche Scrom längs der Küste Nn 2 S64 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. von Schonen streicht. Zum -größer« Theile dringt er durch die Belte, und steigt so in die Ostsee mit einem streitigen » Gange gegen die auslaufenden Ströme, so weit es seine Stärke mit sich bringt *). Mit vorzüglicher Sorgfalt hat man die Strömungen der Ostsee beobachtet. Sie sind außerordentlich stark, die Wirkung einer unermeßlichen Menge Gewässers von Regen und Schnee, welches sich ganz oben in Norden, von den Lappländischer. Felsen, und von allen Anhöhen um die Küste ! herum, durch unzählige kleine Bäche, zu vielen und großen Flüssen sammelt, und sich aus denselben ins Meer stürzt. Dieser außerordentliche Zulauf vorn Wasser in dem beschränk, len Raume der Ostsee erzeugt Ströme, "indem das Wasser der Gegend zufließt, wo es in die Nordsee abläuft. Diese " bleiben nun ununterbrochen, so lange jene Zuflüsse nicht aufhören, oder der Ablauf gehemmt wird. Sie sind jedoch um ter sich mancherlei Veränderungen ausgesetzt, sowohl in Ab- ficht auf die Richtung als Geschwindigkeit. In schmäleren Betten fließen sie schneller, und richten sich in ihrem Zuge nach den Streckungen und Buchten des Sundes: auf weit- läuftigen Fahrten breiten sie sich gemächlicher aus. Wo es mehrere Strömungen giebt, laufen sie durch einander unter Modifikationen, welche ihre Lage veranlaßt; begegnen sie Vorgebirgen, so beugen sie sich mit verstärktem Zuge um selbige herum; treffen sie abgesonderte Hindernisse auf ihrem Wege, so umringen sie solche, und vereinigen sich demnächst unten wieder mit vermehrter Geschwindigkeit; stoßen sie auf andere Ströme, so ziehen sie sich seitwärts in einem Mittelwege, welchen die Kräfte beider bestimmen. Aus diesen ^ und anderen Ursachen leiten sich nun die vielfältigen und ungleichen Strömungen in den Schären her, welche die Schis- I fahrt so gefährlich machen. ») Nord«nailk«r. Strömungen. 56Z Diese Ströme entstehen nun in dem Borhnischm Meerbusen gleich bei Torne in Norden. Von hier bis Quarten ergießen sich acht und vierzig große Flüsse in denselben, und die Strömung ist sehr merklich in einer Richtung von Süd- Süd-West bis an den letzter» Ort, wo der Meerbusen sich mit einem sechs Meilen breiten Halse endigt, und woraus die Fahrt des Stroms sich durch die beiden Fähren We- stra- und Oestra-Quarken, auf beiden Seiten der Insel Holm in dem Borhnischen Meere weiter ausbreitet. , Dieses Meer erhält nun einen neuen Zuwachs von zwei und vierzig Flüssen, welche die Gewalt der von oben herab kommenden Strömung vermehren, die erst in Süd-Süd- West, hernach gegen das Ende südlich bis Aland zieht, welches ihren Zusammenhang trennt, und ihre Fahrt bricht, theils durch Alandhaf, theils durch Delen und Vattuskiftet. Durch Alandshaf, dessen Breite etwas über fünf Met- ' len, und die Länge an acht Meilen beträgt, streicht der Strom in Südosten mit vermehrtem Zuge von vier Flüssen ganz bis an die vordersten Klippen der Stockholmer Schären; er nimmt weiter hin einen südlichen Gang, unter einfallenden sieben Strömen, ehe er von den Inseln Gothland Und Oeland getheilt wird, durch den Calmar-Sund, mit zugestoßenen zwei großen Flüssen in einem süd, süd-westlichen Laufe, und durch den Strudel, zwischen Oeland und Gothland, in einer südlichen Richtung. Durch Delen und Vattuskiftet verbreiten sich die Strömungen, unter einem Zugänge von zwölf Flüssen, in so viele besondere Strömungen, als Inseln, Klippen in den weit- läuftigen Schären zwischen Aland und Finnland vorhanden sind; bis sie sich endlich südwärts von Köker zu einem ge, rueinschastlichen Stromgang sammeln, und so lange südlich streichen, bis der Strom aus dem Finnischen Meerbusen dazu stößt. ^ Ganz oben in diesem Meerbusen geht der Strom in 566 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. verschiedenen Umwegen um die Inseln Seskär, Lavensari, Tyters und Hogland in südwestlicher Richtung, nach der Streckung des Meerbusens ganz bis Porkala-uvd; je- doch, mit einer zunehmenden Fahrt von dreißig einfallenden Flüssen, ändert er hiernächst seinen Lauf in West-Süd« West, und wendet sich um Dagö in die Ostsee, um sich mit der gedachten Strömung von Kökar zu vereinigen. Dieser Stromgang bekommt hierdurch einen merklichen Zuwachs in seinem Zuge, wird aber zugleich von seiner Lahn abgeleitet, nach einem zusammen gesetzten Wege vo^ Oesel ^vorbei, wo er von dem zustoßenden Strome zwischen Svarsoerort und Domesnäs, unter einem Einlauf von sieben- zehn Flüssen in den Nigaersee seinen Lauf wieder nach Südwesten verändert. Er streicht in dieser Richtung fort, vor der südlichen Spitze von Gothland vorbei, mit verstärkter Kraft von hem auf der nördlichen Spitze einfallenden Strome zwischen Gothland und Oeland, und von dem auf der südlichen Seite gegenwirkendeu Zuflüsse von sieben und zwanzig Flüssen von den Teutschen Küsten bis nach Bornholm. Diese Insel umringt er, theils an der nördlichen Seite gegen Schonen, wo er zehen Ströme aufnimmt, theils auf der südlichen Seite gegen die Wvllinscbe Bucht zu, wo er durch den Zuwachs von neun Flüssen eine Verstärkung erhält, und sich westlich nach dem gemeinschaftlichen Sammelplätze aller Ostseeströme, zwischen Astad und Vitto zieht. Von hier sehen sie ihren Lauf aus der Ostsee durch den Oresund und die beiden Belle mit vermehrter Geschwindigkeit fort. Ein Theil streicht in Südwesten nach der WiSmarschen Bucht, woselbst fünf Flüsse einfallen, krümmt sich um Feh- mern herum, in die Colberger Heide hinein, wo wieder drei Flüsse einfallen, und geht darauf in einer beständigen Beugung um Fühnen herum, und dann durch den kleinen Beit. Ein anderer Theil läuft ganz westlich, in verschiedenen Strömungen. 567 Wasserzügen, zwischen den Inseln Moen und Laland, und hierauf in den großen Belt. Der dritte Theil strömt in einem nördlichen Gange nach Helsingborg hinauf, unter einem Zuwachs von acht Flüssen, durch den Oresund in das Cattegat hinein, und dann weiter nach Norden. In dieser Ordnung wird nun der Lauf der Strömun- gen in der Ostsee beständig fortdauern, weil sie eine natürliche Folge ihres Ursprungs und der Beschaffenheit des Meeresbodens sind. Indessen können zufällige Ursachen Hiebei Aenderungen machen. Dieser giebt es nun mehrere. Sie sind von dem mehr oder weniger einfallenden Wasser aus den Flüssen, und von starken Winden abhängig, welche, indem sie mit den Strömen, oder ihnen entgegen wehen, die Geschwindigkeit entweder vermehren oder vermindern. Manchmal erstirbt das Wasser an der Oberfläche. Langwierige Seitenwinde nölhigen sie in geräumigen Gegenden, sich in ihrem Laufe zu krümmen. Der erwähnte Strom der Nordsee hat indeß auf die Srrömungen des Baltischen Meeres einen merkwürdigen Einfluß. Er dringt in die O-stsee, und seine Schritte in derselben einzeln zu verfolgen, hieße eben so viel, als die Nich-> tung der auslaufenden Ströme in einer umgekehrten Ordnung wiederhvlem Je heftiger und anhaltender der Westwind in dem Oceane weht, desto höher erstrecken sich diese Gegenströme in die Ostsee hinauf. Wenn sie bis zur Höhe von Stockholm dringen, oder noch weiter in die Borhmsche See; so steigt das Wasser an allen diesen Küsten in den Stockholmer Schären, in dem Finnischen Meerbusen, zu einer ungewöhnlichen Höhe. Tritt denn zugleich em Südwest - oder westlicher Sturm in der Ostsee ein, so wird der Was- serfiuß in dem gedachten Meerbusen größer, der zufällige Strom drängt sich längs der Russischen Seite hinein, und der gewöhnliche an der Finnischen heraus. Entsteht dagegen 56F Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. ein süLLst ' oder östlicher Sturm, so steigt der zufällige Scrom noch weiter hincmf in das Borhnische Meer, und veranlaßt eine Fluch, welche die Schweden Upsiö nennen. , Ereignisse dieser Art treten indeß nicht oft ein: gemeiniglich in den kühleren Jahreszeiten, da die Winde am langwierigsten und stärksten sind; sie dauern auch selten länger als einige Tage *). Auch das Spanische Meer soll einen beträchtlichen Strom auszuweisen haben °). Außer diesen Strömungen kennt man noch mehrere aus den Berichten der Seefahrer: es giebt ihrer aber anch eine große Menge, welche theils unbekannt sind, theils noch einer genauern Untersuchung, in Ansehung ihrer Richtung, Größe, Stärke, bedürfen. Vielleicht giebt eö Ursachen, welche neue erzeugen; vielleicht verlieren sich andere aus der Zahl der vorhandenen. Manche werden ihnen nicht anders bemerklich, als wenn sie den Weg, welchen sie gesegelt sind, mit dem vergleichen, welchen sie hatten zurücklegen sollen: denn nicht selten befinden sie sich in dem Falle, die Ursach der Abweichung der Schiffe vom rechten Wege bloß der Gewalt solcher Ströme, welche sie mit sich fortgeführt haben, zuschreiben zu müssen. Es erhellt hieraus, daß ihre Kenntniß für die Schiffahrtskunde von großer Wichtigkeit sey, und wirklich, werden sie in Hinsicht auf ihren Lauf und ihre Größe auf den Seecharten mit Sorgfalt verzeichnet. Besondere Hülfsmittel zu ihrer Kenntniß sind, daß man auf die Oberfläche des Wassers Acht giebt, desgleichen auf den Gang des Schaums längs den Küsten, und auf die ausgeworfenen sogenannten Schlffrschnüre u. s. w. -) Nordenankar. Man sehe SbethauPt Iterznelan "rrsmarso relation S'ii» voxaz«? Uaiis ia Mkr äil Rorä -767. >768- Eckeber-'s Rede van den MerreSströmen -ehalten in der Schweb. Aca». der W. »76s, Ber-mann a. a. S. S. ZS-- Strömungen. 56s Die Geschwindigkeit der Strömungen ist unter sich sehe verschieden: am schnellsten gehen sie in den Meerengen, zwischen Inseln und Sandbänken. Als Cook über den 307 Grad der westlichen Länge kam, fingen die Wirkungen der Meeresströme an beträchtlich zu werden. Je weiter er kam, desto schneller wurden sie, so daß er fünf Tage lang jeden Tag nicht weniger als zwanzig Seemeilen südostwärts getrieben wurde *). In den Lazarus-Schären, jvenn man nach den Philippinischen Inseln segelt, soll der Wasserzug an einigen Stellen so heftig seyn, daß er einen Ankertau von 24 Zollen im Durchmesser zerriß '). Die Meeresströme aus Norden, welche EU! 6 1746 und 1747 auf seiner Reise in der Hudsonsbay bemerkte, verstärkten sich an Schnelligkeit, je mehr sie an Breite zunahmen. Er fand den Lauf dieser Strömungen in der Wagersbay so reißend, daß das Wasser in einer Stunde acht bis zehrn Meilen zurück legte. Er vergleicht sie daher mit einer Mühlenschleuse. Barenz fand nördlich und südlich von Neuseeland einen beständigen Eisstrom, welcher von Osten kam, und mit einer reißenden Schnelligkeit dahin floß, so daß er ihn, wie Ellis, mit einer Schleuse verglich. Es gab unter den Eiömassen welche, die 36 Klafter tief im Wasser gingen. In einigen Meeren hat man in verschiedenen Tiefen Ströme entdeckt, die in entgegen gesetzter Richtung über einander laufen. Obgleich Büffon einen solchen doppelten Wasserzug den hydrostatischen Gesetzen zuwider erklärt,' so bestätigt ihn doch die Erfahrung, und man wird derglei- r) Hawkeswort» s B. S. zs 7 - «) ronrnier Hxärozr. L. g. cd. Kr. » R- k» d«r Sstind. Tomp. r V. «) N. G. r Ttz. S- 22,. 57 « Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. chen Strömungen unfehlbar in allen Meerengen antreffen, weil die Gewässer auf beiden Seiten fast allemal von verschiedener Salzigkeil sind. Salzigere Meere aber haben ein schwereres Wasser, und stehen dahero niedriger, als die minder gesalzenen. Wenn nun beide eine Straße verbindet, so müssen diese in jene abfließen, und weil durch solchen Zuwachs die Höhe und der Druck dann zunimmt, so muß das untere Wasser in das ausströmende Meer zurück laufen. ' D. Smith vermuthete längst, und die Folge hat eS gezeigt, daß in der Meerenge von Gibraltar ein solcher dop-' A^^vvelter Wasserzug wirklich vorhanden sey, von dem der obere mittelländische, der untere aber ins Atlantische Meer . Folgende Thatsache hak dies außer allen Zweifel ge- seht. Als im' Jahr 1712 mitten in der Straße ein Holländisches Schiff von einem Französischen in den Grund geschsj, sen wurde, fand man einige Tage nachher Trümmer und anderes Gerüche davon auf dem Atlantischen Meere schwimmen, welche nun nicht anders hiehcr gekommen seyn konnten, als durch den Weg eines untern Stroms. Daß Hub, son *) mit allen seinen Schiffstauen in der Meerenge keinen Grund fand, rührte unstreitig auch von diesen wider einander laufenden Strömen her, deren jeder einen Theil des Taues mit sich fortriß, der obere gegen Osten und der untere gegen Westen. Die Ursach dieser Strömungen liegt aber unstreitig in der größer» Salzigkeit des«-mittelländischen Meeres. Marsili fand in der Meerenge von Constantinopel den Zug des obern Wassers südlich und des untern nördlich, und obgleich Nay und Büffon vermuthen, daß bei dieser Beobachtung ein Fehler vorgegangen sey; so ist sie doch in der Folge von dem Abte Spalt anzani bestätigt, und die Sache außer allen Zweifel gesetzt worden. /-P /^"S /geht ») rUII. Irrn,. Ito. zSL> V. -gr. Strömungen. 57» Zn dem Sunde haben Etigländische Seefahrer in vier bis fünf Faden Tiefe einen untern Strom entdeckt, der dem obern entgegen geht. Man ließ nemiich einen mir einer Ka- nonenkugel beschwerten Korb, bis über diese Tiefe, in das Wasser hinab, und das Boot ward sogleich in seinem Laufe gehemmt, auch hernach gegen den obern Strom desto star- ker fortgezogen, je tiefer jener ging Auch verdienen solche Strömungen in Betrachtnng zu kommen, welche, an beiden Seiten-der Ufer in den Meer/ engen, dem Hauptstrome entgegen ziehen. Schon die Flüsse des Landes zeigen uns, daß leichte Körper, als Spreu u. dgl. längs der Gestade gegen den Strom schwim- wen. Noch merklicher sind sie in den Landseen. P. Charte» o ix ^), als er den See Mischigan befuhr, konnte an acht gute Französische Meilen, mit Hülfe dieser Seltenströme, in einem Tage zurück legen. Am auffallendsten zeigen sie sich auf dem Meere. Dampier hat über diese Gegenstimme eine Menge Beobachtungen gesammelt, welche-in den engen Pässen zwischen den Inseln innerhalb der Wendekreise sehr gemein sind. Von dem mittelländischen Meere weiß man, daß an beiden Seiten der Straße von Gibraltar, der Strom nicht immer in dasselbe geht. Er scheint sich nach der Ebbe und Fluch zu richten, und läuft des Tages zweimal zurück, indeß das Wasser in der Mitte diesem Meere ununterbrochen zueilt. Die Seefahrer, welche zur Straße hinaus wollen, benutzen solche Zeit, und halten sich vorzüglich an die Afrikanische Küste, wo sie weniger von Klippen zu befürchten haben. Hier werden sie mit dem Strome fortgerissen, welcher sie zur Straße hinaus bringt James r°> 7U,iI. avr. ll. «) Uisr. äs I-l iivnv. Irsncs. V. VI. x. s, s) I'eirills äi»r. ovserv. Müll». 2°. I. P. gh, M S?2 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Bewrel *) sagt, baß es zwischen den Orkadischen Inseln zwei entgegen gesetzte Ströme gebe, davon einer aus Nord, Westen, der andere aus Südosten komme; daß sie ihre schäm mende Wogen bis an die Wolken sprühten, und die Meer» enge umkehren zu wollen schienen. Eine wichtigt Bestätigung der Strömung des Meeres von Südwcsten nach Nvrdosten in dem nördlichen kalten Erdgürtel ist die Menge Treibholzes, welches in Ireland, Schottland, den Ferroe- und Orkney's Inseln, in Island, Norwegen, Lappland an das Land geführt wird. Da sich unter denselben sehr viele Westindische Holzarten befinden, so ist es gewiß, daß sie durch den Weg einer Strömung in jene hegenden gelangen. Meeresstrudel. Strudel nennt man diejenige Erscheinung auf dem A)eere, da das Wasser desselben in einem beständigen Wir, bel herumläuft, oder eine kreisförmige Bewegung macht. Man hat diese Bewegung des Meeres lange Zeit für eine Wirkung der Abgründe und Schlünde in dem Boden des Meeres gehalten, welchö das Wasser verschlingen, und dem Innern der Erde zuführen sollen. Jetzt kennt man ihre Natur und Beschaffenheit besser, und man weiß, daß wenn ein Wasser, in mehreren Richtungen gegen einander getrieben wird, das entsteht, was man einen Wirbel nennt, dessen Gestalt der Figur eines umgekehrten Kegels gleicht, von dem das Innere hohl ist. Erscheinungen dieser Art sind schon in Flüssen, als an den Pfeilern der Brückenbogen, besonders in schnell fließenden Strömen, im Kleinen sichtbar. Die Strudel stellen im Meere gewissermaaßen das vor, was die Orkane in der Luft sind. Beide sind nichts anders, *) Osliee» L» 1 'Lco««. rom. VII. x. 140L. Meeresstrudel. 57I als Wirbel, von welchen letztere tn der Atmosphäre durch widrige Winde erzeuget werden. Einander entgegen laufende Ströme sind also die Ursach der Wirbel oder Strudel im Meere, und zwar kann man die Ebbe und Fluch als die hauptsächlichste Veranlassung derselben betrachten. Wenn diese Ströme mit der Fluth nach der einen, und mit der Ebbe nach der entgegen gesetzten Seite, bald zu- bald ablaufen; so sieht man leicht, daß sie das, was sich ihnen auf eine gewisse Weite nähert, an sich ziehen, mit sich fortreißen, oder gar ve-schlingen, und zu einer andern Zeit wieder von sich geben können. Der Euripus, oder chalcidische Meeresstrudel war schon den Alten ein Gegenstand der vorzüglichsten Aufmerksamkeit, obgleich ihre Nachrichten davon sich iehr widersprechen. Man verstand darunter eine,Meerenge im Archipel zwischen dem alten Döotlen und der Insel Euböa. Gegen die Mitte dieser Meerenge, wo sie am schmalsten ist, sieht man das Wasser, bald von Norden, bald von Süden, und zwar zehen, zwölf bis vierzehen Mal,des Tages mit der Geschwindigkeit eines reißenden Stroms daher fließen. Strabo ^ und Pomponius Mela gedenken desselben, sie weichen aber in der Erklärung seiner Wirkungsart von einander ab. Livins ') sagt von ihm, daß er so unordentlich und unbeständig sey, ^>s der Wind. Hiermit stimmt auch die Erzählung des Paul Lucas ») überein, welcher versichert, daß der Euripus seine Bewegung in einer Stunde wohl sieben Mal, zu anderen Zeiten aber nur ein Mal in zwei Tagen verändere. Der Jesuit Dabin r) Veoxr. I. IX. s) Oe sinr ordts I.W. II. 2, ») IIi«t. läd. 2;. Lsx. 6. «) Vvxsx. ÜLiu I» Vrece äs 17,4, l'ow. l, x. 2Ü». r) kliil. lisriL. »dr. r. v. x. -SS- 574 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. welcher sich zwei Zähre lang in Negroponte aufhielt, nnd von hier aus Beobachtungen angestellt hatte, erklärt ihn von der Ebbe und Fluth abhängig. Seinem Berichte nach, hat derselbe unterMg Tagen, in denen der Mond seine Lauft bahn vollendet, zwanzig Tage, in welchen er ordentliche Ebbe und Fluch hat: jedoch kommen am 10, n, 12, iZ, 21, 2Z, 2g, 25 und 26 Tage des Monats die Ebbe und Fluth allezeit 12, iZ oder 14 Mal in vier und zwanzig Stunden. Placentia *) schreibt, daß die Bewegungen des Euripus achtzehn, bis neunzehen Tage im Monate um richtig und eilfe richtig gingen. Loirius fand seinen Ab- und Zufluß alle sechs Stunden regelmäßig und die Bewe, gung heftig. Es fällt in die Augen, daß in diesen Angaben noch sehr viel unbestimmtes und widersprechendes sey. Hier sind noch genauere Beobachtungen erforderlich, wobei eine nähere Kenntniß des Meerbodens in dieser Gegend, über die eigentliche Natur und Beschaffenheit des Strudels, Licht geben würde Alle Umstände geben indeß eine Verbindung dieser Erscheinungen mit der Ebbe und Fluth zu erkennen. St. Pierre will jedoch diese Eutstehurgsart nicht gelten lassen, da diese Bewegung im mittelländischen Meere kaum merklich sey. Er sucht vielmehr den Grund in den Schneeschmelzungen und Regengüssen auf den Gebirgen, welche, in verschiedenen Entfernungen davon, in Böotien und auf der, Znse! Nearoponte befindlich sind. Besser kennt man den Norwegischen Meerstrudel, wel- ») In Lzüo reälvlvo. ' ») 7onrn. äes 8Av»n5 an. »7Zg. IsiLv. x. Lr. NLrrsosksr Loms ä« xliysique. 2. x ng. ») Brtt. r Ly. S. 164. ff. Meeressirudel., 5§5 cher der gröste unter den bekannten und, unter dem Namen ds» Mahlstroms, seit langen Zeiten berüchtigt ist. Diesen führt er, der Söge nach, weil er alles zu Boden mahlt, was in seine Gewalt geräth. Auch heißt erEstoskesirom, von einer Klippe, Maske genannt, die sich in seiner Mitte befindet- Von diesem Wirbel behauptete man ausdrücklich, daß er das Wasser in.den Abgrund stürze. Das Gegentheil davon ist aber nunmehro unbezweifelk, seitdem Scheide- rup darüber Beobachtungen angestellt hat, welche vorn Vrowallius *) bekannt gemacht worden sind; indem sie uns zu gleicher Zeit belehren, daß die fürchterlichen Wirkungen, die ihm die älteren Schriftsteller beilegen, größtentheils übertrieben sind Demungeachtet ist ein Schiff, welches unvorsichtiger Weise in den Wirkungskreis dieses Wirbels geräch, unwiderbriglich verloren. In solchem Falle wird es durch den Aug des Wassers anfänglich genöthigt, einen entgegen gesetzten Lauf zu nehmen. Die Bewegung des Schiffs, die erst sehr sanft ist, wird nach und nach heftiger, bis es endlich in engeren Kreisen herum getrieben wiro da es denn augenblicklich verschwindet, und die Bruchstücke davon erst «ach Verlauf von sechs Stunden wieder, zum Vorschein kommen. Nach Schelderup ist indeß die Wirkung des Wirbels nicht so gefährlich, indem die beste Fischerei in dem heftigsten Strome getrieben werden soll, und die Fischer wohl wissen, baß ein Stück Holz, in den Wirbel geworfen- ihn nach und nach besänftigt. Bei voller Fluth und bei ganz gefallenem Meere ist er am ruhigsten. Ding's Berichte zufolge, welcher ihn ebenfalls sah, soll er gar keine Wirbel r) Abh. »er Schwer. Ak. Xll B. S. r77. riiii. S'rgns. kio. 240. s) Xiroltsrr 9 II. A. 9. VsreirLi K. o. xr. z. Herblnins äs CLtarsstis. ») In äüserr. ä« §nrLÜe »orwssteo vnlxo Morksstrs» Ksür. 1741. 5?6 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. haben, sondern an deren Stelle hoch aufgechürmte Wellen, welche in Spitzes auslaufen. Eine Hauptgefährlichkeir ma- chen eigentlich große Wasscrsturze, mit Sturmwinden begleit tet, die hier sehr gewöhnlich sind, und diese wird durch die in dem Meere befindlichen blinden Klippen vergrößert. Der Mahl ström liegt an der Küste Norwegens, unter dem 78 Gr. N. Br. etwa vierzig Meilen in Norden von der Stadt Drontheim entfernt. Hier erstreckt sich südwest, ltch vom festen Lande, auf sechszig Norwegische Meilen lang, eine Reihe größerer und kleinerer Inseln, an der Zahl sechs, die Lofoden genannt, in das Meer hinein. Zwischen dem festen Lande, und der ersten dieser Inseln, so wie auch zwi, schon einer jeden derselben, ist die Durchfahrt nirgends über eine Achtelmeile breit. Am Ende, oder der äußersten Spitze der Inseln, befinden sich in Südwesten noch zwei andere, die von den Lofoden und unter einander selbst, durch ziemlich breite Kanäle abgesondert sind. . Sie heißen Wären und ! Rösten. Mitten in dem Kanale, welcher jene Inseln von den Lofoden trennt, steht, jedoch etwas mehr gegen Osten, > die Klippe Moske. Zwischen dem festen Lande, welches hier eine Einbeugung macht, und den Lofoden-Inseln, ist der unter dem Namen Westfiörden bekannte Meerbusen befindlich. Der Mahlstrom erstreckt sich von Süden nach Norden in einer Breite von zwei, und von Oste» nach Westen in einer Länge von vier bis fünf Meilen, zwischen der Landspitze von den Lofoden und Waron. Er streicht ungefähr sechs Stunden von Norden nach Süden, und andere sechs . Stunden zurück, und wechselt so beständig ab. Schon dieser Umstand giebt zu erkennen, daß bei dieser Bewegung die Ebbe und Fluch hauptsächlich im Spiele sey: ob sie gleich mit derselben nicht einerlei Strich hält, sondern in einer entgegen gesetzten Richtung erfolgt, so daß wenn die Mee, resfluth nördlich zieht, der Strom südwärts geht, und umgekehrt. Das Meeresstrudel. -577 Das Sonderbare bei dieser Bewegung ist, daß der Strom nicht m einer Richtung wie andere Ströme, welche sich durch Pässe hindurch drangen, vor - und rückwärts lauft: sondern daß er, gleich im Anfange seines Zugs, von der geraden Linie abweicht, und am Ende eine Direction'nimmt, die der ersten gerade zuwider ist. Wenn nemlich das Meer sich in halber Fluth befindet, und sein Wasser nordwärts zieht, läuft der Strom nach Süden. Je mehr nun in der Folge die Fluth wächst, beugt sich der südliche Strom erstlich nach Südwesten, dann nach Westen, hierauf nach Nordwesten und endlich nach Norden. Wenn der Strom in Norden ausgelaufen ist, und eine kleine Weile stille gestanden hat, welches um die Zeit geschieht, wenn das Meer halb gefallen ist; so wendet er sich auf eben dem Wege zurück, erst nach Nordwesten, dann nach Westen, und endlich nach Süden, wo er so lange verteilt, bis das Meer von neuem halbe Fluth hat. Auf solche Weise dreht sich der Mahlstrom, durch eine und dieselbe Hälfte des Kompasses, vorwärts und wieder zurück, und dies innerhalb zwölf Stunden. Es ist, wie gesagt, augenscheinlich, daß Ebbe und Fluth diese Erscheinung verursachen. Das Meer fluchet in sechs Stünden von Süden nach Norden, und ebbet in so viel Zeit von Norden nach Süden. Im erstem Falle theilt sich das eingeschlossene Wasser an den Lofoden in zwei Hälften. Die eine westliche voll, bringt ihren Lauf ohne einiges Hinderniß: die andere östliche aber wird in Osten und Norden gegen das Land, in Westen aber gegen die Inseln aufgethürmt, und das Wasser in dem Meerbusen ansehnlich gehoben. Die engen Pässe zwischen den Lofoden-Jnseln reichen nicht zu, alles Wasser aus dem Meerbusen in den Ocean zu bringen: rs fallt also dahin zurück, wo es- die mindeste Höhe hat. Dies geschieht nun Nach dem Qrte hin, wo die Klippe Moske steht, und gegen O o 573 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. die Durchfahrt zwischen den Lofvden und der Insel Waren. Hieher dringt das Wasser mit Gewalt, um das Meer zu erreichen, und hier ist es, wo der Strom der Fluch begegnet. Im Anfange der Fluch hindert diese den Strom nicht gerade gegen dieselbe südwärts zu streichen: wenn sie aber bis zur Hälfte gestiegen ist, bekömmt sie eine größere Kraft, sich dem Mahlstrvme zu widersetzen. Sie zwingt das äußerste Ende desselben auszuweichen, und zwar nach derjenigen Seite hin, wo kein Land ihr Widerstand leistet, und das Wasser am niedrigsten ist, d. i. gegen Westen. Ze mehr nun die Fluch anwächst, desto mehr wird auch die Richtung des Wassers verändert; der Strom geht also auf die vorhin erwähnte Weise gegen Norden, wo er mit der Fluch in einer Richtung kommt, und so lange darin bleibt, bjs die Fluch halb gefallen ist, indem das angeschwollene Wasser nicht so bald abgeführt wird, und indeß höher steigt, als das Meer an der Seite der Znseln. Im zweiten Falle läßt sich die Strömung ungefähr auf eben diese Art erklären. Sobald das Meer wieder aufgehört hat zu fluchen, fängt es an zu fallen, und zwar von Norden nach Süden. Nun liegen die Lofvden in einer geraden Linie nach West-Süd-West hingestreckt. Gegen dieselben, das Land und den Strom, welcher seinen Lauf noch nördlich hält, wird das Wasser aufgekhürmt. Sobald nun das Meer in der Ebbe gefallen ist, und eine große Menge Wasser aus dem nördlichen Meere sich wieder gesammelt hat, giebt der Strom nach, wendet sich von Norden nach Südwesten (denn in Nordosten liegen ihm die Lofvden im Wege) und so weiter, bis er nach Süden gelaugt. Doch fällt er in seinem Laufe nach Süden nicht eher, als bis das Meer aufs neue halb gestiegen ist, und der Umlauf wieder anfängt. Wenn der Strom am heftigsten ist, macht er Wirbel von ansehnlicher Größe, die aber zum Theil vorn obersten Meereöstrudel. L7S Rande bis zur untersten Spitze nicht mehr als zwei Farn, mar, oder Schwedische Klafter, tief sind. Die Meeresstrudel der Scylla und Charybdis ha, ben den Alten Stoff zu manchen fürchterlichen Schilderungen dargeboten. Dichter und Geschichtschreiber beeiferten sich um die Wette, das Auffallende dieser Naturscene würdig zu schildern. Aristoteles ") giebt davon einen umständlichen Bericht, und mehrere Beschreibungen finden wir beim Virgil, Ovid, Lucrez. Sallustius, Seneca, Strabo, Plinius und Mela aufgezeichnet. Gegenwär, tig erblickt man diese Wirbel mit geringerm Entsetzen, und ihre Wirkungen scheinen weniger furchtbar. Es sey nun, daß, nach Verlauf so mancher Jahrhunderte, die heftige Be, wegung der Ströme die ihnen entgegen stehende Klippen nnd Felsen überwältigt und zerstört hat, oder daß die Meerenge erweitert, und dadurch dem Wasser ein größerer Raum zu einem freien und ungehinderten Lauf eröffnet worden ist; ge- nung mehrere Reisende, welche den Kanal zwischen Calabrien und Sicilien passirten, geriethen in Verwunderung, wenn sie sahen, daß man so wenig auf diese Wirbel achtete. Die Sache läßt sich indeß sehr leicht erklären, ohne daß man nöthig hat auzuuehmen, daß mit dem Kanale selbst eine Veränderung vorgefallen sey. Man darf nur erwägen, daß sich die Schiffahrt in jenen Zeiten noch in ihrer Kindheit befand; daß ein unbedeutender Sturm die Schiffer schrecken, und wenn ein Fahrzeug diesen Wirbeln zu nahe kam, es ihnen schlechterdings an Hülfsmitteln fehlen muste, der Ge- fahr auf eine geschickte Art auszuweichen. Die Wirbel der Scylla und Charybdis liegen in dc§n Kanale von Messiua. Den Strom, welchen hier das Meer verursacht, nennen die Schiffer Rema. Bei stillem Wetter soll er einen regelmäßigen Lauf beobachten, der, wenn Oo 2 *) Oe »ltiiliiLnair. Lax. 58o Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. er von Süden nach Norden geht, der steigende, und umgekehrt der fallende heißt. Mehrere Ursachen hindern diesen Strom, sich in der gewöhnlichen Regelmäßigkeit zu erhalten. Hieher gehören Sturmwinde und Windstöße, die hier sehr häufig sind, den Strom zwingen, zeitiger zu kommen, und ihn von seiner Richtung ablenken. Außerdem giebt es noch nahe an der Scylla mehrere, gegen einander streitende Wasserzüge, nicht weit vom Lande, welche dort unter dem Namen Capi di Rema bekannt sind. Sie liegen in einiger Entfernung vom Lande, und rühren von der Ungleichheit des Meeresbodens an der Küste von Calabrien und Sicilien * her, welche den Lauf des Hauptstroms modifieiren. Hierdurch werben nun Wirbel erzeugt, die zu gewissen Zeiten vermögend sind, ein Schiff in den Grund zu treiben. P Einer dieser Wirbel bei der Scylla ist vor allen sehr gefährlich. Hier begegnet der Strom, welch« längs der nördlichen Küste Siciliens herkommt, einem andern, der an den Ufern Italiens hinab läuft. Dieser Wirbel ist nicht merklich, wenn nicht beide mit Gewalt auf einander stoßen, ob er gleich beim Süd- und Südostwinde allezeit gefährlich ist. Bei jenem brechen sich die Meereswogen mit solcher Gewalt an den Felsen unter dem Wasser, daß, .indem sie zurück prallen, sie ein großes Schiff, geschweige ein kleines Fahrzeug in Gefahr setzen; und bei diesem fallen, zumal wenn er sich mit dem Ostwtnde vereinigt, bei einem, dem Anscheine nach, ruhigen Meere, von den benachbarten Bergen jählings Windstöße auf die Fläche. Wenn nun alsdann hier Schiffe verunglücken, so ist der Wirbel der Scylla nicht immer daran Schuld. Von einem hoch gelegenen Orte auf der Küste kann man das Zusammentreffen der beiden Ströme, als die wahre Ursach des Wirbels, erkennen. Die HL- len, welche sich unter der Wasserebene befinden, tragen auch dazu bei, die Bewegung des Wassers unordentlicher und heftiger zu machen: so wie die Reihe der Berge, oder große Meeresstrudel. 53 1 Klippe«, die in der Mitte des Kanals" auf dem Grunde des Meeres aufgestellet sind, durch ihren Widerstand nichts weiter verursachen, als daß das Wasser um so viel heftiger schäumt und sprudelt. Die Entfernung der Charybdis von den Wirbeln der Scylla wird insgemein auf neu» Italienische Meilen angegeben. Sie liegt bet der Spitze, welche die schmale Landzunge ausmacht, die den Hafen von Messina bildet, und zwar auf der linken Seite *). Der Wirbel der Charybdis ist eben so wenig, als die der Scylla die Folge eines unter ihm befindlichen Schlundes in dem Boden des Meeres. Wenn, wie es beim ersten Anblicke scheint, sich hier tiefe Abgründe befinden, so sind diese die Wirkung des Wirbels, keinesweges aber die Ursach desselben: denn es ist bekannt, daß das strömende Wasser, wenn es sich an etwas, zumal unter einem schiefen Winkel bricht, greife Vertiefungen auszuwaschen vermögend ist. Um sich von der Wahrheit noch mehr zu überzeugen, darf man nur erwägen, daß dieser Wirbel bei stillem Meere und langsam laufenden Strome schwächer und kaum sichtbar ist. Rührte er von Schlünden unter dem Meere her, so müste er zu dieser Zeit sich viel heftiger äußern, weil das aus dem Strome gerissene Wasser durch nichts gehindert wird, sondern sich in aller Geschwindigkeit herum drehen, und die Kraft seiner Schwere ganz ausüben kann. Der Strom des Meeres, welcher unruhig durch die Mitte des Kanals läuft, ist auch hier die Hauptursach des Wirbels. Er richtet seinen Lauf gerade auf die Spitze der Landzunge, welche den Hafen von Messma einschließt, und indem er auf selbige unter einen spitzigen Winkel stößt, wird er gebrochen, und bildet einen Refrationswinkel, wel- ») I-Ni« äexiruw, liwvnm irre-InictL c.k,r>->)Lis Inkcn-lk. 0 v i U. 582 Fünfte Ahth. Dritter Abschnitt. cher dem Einfallswinkel gleich ist. Weil aber die ganze Richtung des Wassers dem Zuge des übrigen Stroms entgegen ist, und solchen nicht zu überwältigen vermag; so wird er von diesem gezwungen, seine Direktion nach und nach zu verändern, und daraus entsteht ein Wirbel, der desto heftiger ist, je mehr die Geschwindigkeit des Stroms zunimmt'). Das Getöse übrigens, welches man vernimmt, sobald man auf dem Strome zwischen Kalabrien und Sieilien kommt, rührt von dem sich an einander stoßenden Wassex her. Eben dieselbe Menge Wasser, welche durch die Straße von Gibraltar und in dem weiten Umfange ^>es Ionischen Meeres läuft, muß auch durch den Kanal zwischen Sieilien und Afrika hindurch. Weil nun dadurch das Wasser in dem Kanale von Messina sehr zusammen gedrängt wird, und den Druck, welchen es bekommt, eine geraume Zeit bcibchält; so stößt es an einander, und verursacht jenes einem entfernten Donner ähnliche Getöse -°). Noch verdienen folgende Meeresstrudel angemerkt zu werden, welche uns Tremaree -) kennen lehrt. Drei befinden sich unter den Federinseln, im Bothnischen Meerbusen, welche die Mälerströme genannt werden. Einer davon zwischen Viderö, Swinö und Bordö ist nicht sehr gefährlich. Wenn der Wirbel am stärksten ist, so zieht er ein Boot zweimal in einem Kreise herum, und dann vier bis fünf Mal wieder zurück. Gegen Süden von Sandö befindet sich ein anderer, die Mühle genannt, dessen Wasser ununterbrochen sich in einem Kreise herum dreht, und bei >) Aldo la Grane von den Strömen und Wirbeln in dem Kanale von Meff.na. in der Italienischen Vidlioty. i B. S. 49 bis zg. aus dem 61 or>ioie U'Itali». X. Vol. x. 10Z, 5099, «) Ovovalee iniiuäns niLtkemalioi» loin. II. Iract. §> cle lontivu» el Nnwiurlnls xr<,9>. ZZ. 40. e) Nsiae. ä'nie Voze. Meeresstrudcl- 583 Sturm und Fiuth sehr gefährlich ist. Der dritte/ südlich von Siderö, oder der Sambö-Mönch, soll die Fahrzeuge, wenn sie in seinen Wirkungskreis gerathen, in den Gruyd ziehen, auch noch dann, wenn er am ruhigsten ist. Zn seinem äußersten Kreise ist er an achtzig bis neunzig Faden tief, und das Wasser dreht sich ohne alles Geräusch. Wei, ter hinein beträgt seine Tiefe fünf und zwanzig bis dreißig Faden, und das Meer wird daselbst unruhig. Zm Znnern des Wirbels macht die Tiefe nur acht bis zehen Faden, und das Wasser bildet mehrere Schneckengänge. Der Grund besteht aus kleinen Felsen, deren Spitzen sich dem Wasserspiegel bis auf acht Fuß nähern. Ein Boot auf diesen Grund getrieben, dreht sich mit großer Schnelligkeit im Kreise herum, und wird den Schneckengänge» zugeführt *). Zn dem Long-Zslands-Sunde an der Nordamerikanischen Küste befindet sich ein Strudel, rks ?ot genannt, über einer zehen Fuß mit Wasser bedeckten Klippe, welcher alles an sich reißt und verschlißt. Wassersäulen. Wassersäulen, Typhonen, Wasserhosen °) in der Art, wie wir sie hier beschrieben finden, sind durch die r) Pa» l LucaS Ferr. Reise. Bergmann a. O. S. L3-- Ir^ärolb, I.. Z. Lax. 2. 2) Grabes attraetrvae; nnbes xenstnlae; rnvas tnrbineae marrnae; marines ac^nae useensne in allnnr; xreekei. Franz. rromUee. Engk« vrarer-xont-. Die Japaner, bei denen dieses Phänomen in Übeln Rufe steht, nennen solcher: springende Drachen. Llrarleroiir disrnirs cie saxon. Prlestley's Geschichte und gegenwärtiger Anstand der Elektricität, a. d. Engl. von Krünitz. Berlin und Stralsnnd >772. 4. S. 4Z7- ff. Thom. Shaws Reisen und Bemerkungen verfch. Theile der Levante betreffend. Leipz. 1765.4- S. 2x9. i.emerx Lonres oi vbemislrx. Lä. 4. x. 1 6. kdilos. träne. 175z. Iio. 42F. LominerL. Irrer. Korinb. k. V. 1751. x. 198. 584 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Berichte der Seefahrer hinlänglich bestätigte Erscheinungen auf dem Meere: ob es gleich Naturforscher gegeben hat, die ihr Daseyn bezweifelten. So hält sie Erles -) für nichts weiter, als für einen starken Regenschauer aus einer dicken Wolke, die sich in komischer Gestalt bis auf die Fläche des Meeres herabscnkt. Man kann gcwissermaaßen sagen: der Typhon sey ein hohles in Bewegung gesetztes Gewölke, dessen Untertheil auf das Meer stößt, durch welches er sich mit Wasser füllt, wie eine Röhre thun würde, aus welcher man die Luft gepumpct hat °). Dampier giebt uns davon eine kurze Beschreibung in folgenden Worten: ,»Die Wassersäule ist ein Theil von einer Wolke, welcher bis auf eine Meßru- the weit, von dem schwärzesten Theile des Gewölkes herab hängt, gemeiniglich sich in einen Winkel neigt, oder in der Mitte gekrümmt ist. Diese Säule läuft am untersten Ende schmal zu, und ist, dem Scheine nach, nicht viel dicker als ein Manusarm, dehnt sich aber nach den Wolken hin weiter aus. Wenn das Wasser in Bewegung geräth, sieht man es beinah auf hundert Fuß in der Rundung schäumen, und sich gelinde herum drehen, bis der Wirbel anfängt zu wachsen. Hierauf steigt es in Gestalt einer Säule in die Höhe, welche zunächst an der Meeresfläche hundert Schritte im Durchmesser hält, nach »nd nach sich verengt, und zuletzt mit der Säule selbst zu einer Dicke wird. Durch sie scheint nunmehr das Wasser des Oceans bis zu den Wolken zu steigen, welches man daraus erkennt, daß die Wolke nach und nach größer und schwärzer wird." Dieses Zeugniß eines Seefahrers, welcher ein genauer r) rkilos. trans. Vol. 49. ükers. Im Hamd. Mas. lö V. S. r2l. -) kllnLus bist. N2t. I,. II. Zo. beschreibt sie folüendermaaßen : vocatnr er colrrmus, enw. k.xis8»tu8 Immor se §u- «tinet. Lx eoäoIN xerieio et in Iorr§rrm, nrrbe» AHri.rm.rraK!r. Wassersäulen. 535 Beobachter war, wird allein hinreichend seyn, die Wirklich, keit einer solchen Naturerscheinung außer allen Streit zu setzen. Wir wollen indeß noch einige ausführliche Berichte davon beibringen, die uns zugleich Anlaß geben werden, über die Umstände, welche dieselbe begleiten, Verglejchungen anzustellen, welche uns bei der Erklärung Dienste leisten können. Thevenot *) erzählt: „Wir wurden in dem Perst- schen Meerbusen, zwischen den Inseln Quesomo- Lareka und Ormus, gewisse trompetenförmige Wolken oder Dunstsäulen gewahr. — Der erste Typhon erschien nördlich zwischen uns und der ersten Insel, etwa einen Büchsenschuß welt vom Schiffe, dessen Vorderthetl gegen Nordosten ge, kehrt war. Hier sahen wir, daß das Wasser kochte, und sich ungefähr einen Fuß hoch über die Fläche des Meeres erhob. Von Farbe sah es weislich aus, und über demselben schwebte ein schwarzer dicker Rauch. Wir glaubten einen angezündeten Strohhaufen zu erblicken, aus dem, statt der Flammen, ein bloßer Dampf aufstieg. Man vernahm dabei ein dumpfes und dem ähnliches Getöse, welches ein Strom zu verursachen pflegt, der mit starkem Zuge ein tiefes Thal durchläuft, und dieses Geräusch war »och von einem andern vernehmlicher« begleitet, welches am besten mit einem heftigen Gezische der Schlangen oder Geschrei der Gänse verglichen werden kann. Kurz darauf erblickten wir eine dunkele Röhre, gleich einer Rauchsäule, die schnell nach den Wolken empor wirbelte. Diese Röhre war nicht viel dicker als ein Finger, und stieg unter beständig fortdauerndem Geräusche, in die Höhe. Das Licht entzog sie hernach nnscren Augen, und wir erkannten, daß es mit ihr aus war, indem wir sie nickt höher steigen «) Reist I» Ciirova,- Asien und Afrika. Franks, a. M. -69z. 4, , xh, S. »6; wo sich auch einige dieser Säulen abgebildet finden. 686 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. sahen. Ueberhaupt war sie nicht über eine Viertelstunde sichtbar gewesen." „Hierauf erschien eine andere, die eben so wie die vorige entstand. Fast zu gleicher Zeit erhob sich neben dieser eine ähnliche in Westen, und, unmittelbar darauf eine dritte neben der zweiten. Die entfernteste von allen stand ungefähr einen Flintenschuß von uns. Sie alle schienen ein stark dampfender Strohhaufcn von etwa zwei Fuß zu seyn, und verursachten ein solches Getöse als die ersten. Wir bemerkten nun, daß aus den Wolken eben so viele Röhren sich auf die Stellen hinab ließen, wo sich das Wasser erhoben hatte. An der nach den Wolken gerichteten Seite, war jede dieser oberen Röhren so gestaltet, wie der untere Theil einer Trompete, oder deutlicher: sie hatten die Figur eines durch ein Gewicht senkrecht ausgedehnten Thiereiters. Diese Röhren waren blaß und durchdichtig, denn sie schienen alle bereits gebildet zu seyn, noch ehe sie Wasser zogen. So längs sie noch leer waren, ließen sie sich eben so wenig erkennen, als eine helle Glasröhre, die man, ohne sie mit gefärbten Säften anzufüllen, in einiger Entfernung gegen das Tages, licht hält. Die Röhren waren nicht gerade, sondern an einigen Stellen gekrümmt, standen auch nicht einmal völlig senkrecht. Vielmehr erschienen sie von den Wolken an, wo sie gleichsam eingeimpft waren, bis an die Stellen, wo sie Wasser zogen, stark gebogen. Das sonderbarste war, daß sie der zweiten Wassersäule der vom Winde fortgetriebenen Wolke, woran sie fest hing, ordentlich folgte, ohne zu zerreißen, oder die Stelle zu verlassen, wo sie Wasser zog. Sie bildete vielmehr, da sie hinter dem Kanal der ersten Wassersäule vorbei getrieben wurde, eine Zeitlang mit demselben ein förmliches Andreaskreuz." „Zm Anfange waren alle drei Röhren nicht einen Finger dick, nur bei der Wolke hatten sie, wie erwähnt, eine größere Ausdehnung; in der Folge aber nahm die Röhre der Wassersäulen. 587 ersten Wassersäule merklich zu. Von den anderen beiden habe ich nichts weiter zu sagen: denn die erste dauerte nach ihrer Entstehung nicht langer, als jene, welche wir vorher in Norden gesehen hatten; die zweite in Süden nicht über eine Viertelstunde; die dritte blieb etwas länger, und von ihr halten wir das meiste zu befürchten. Zhr Kanal war anfänglich einen Finger, hernach so dick, als ein Arm, bald darauf wie ein Bein, endlich wie der Stamm eines Baums, den ein Mensch umfassen kann. Wir konnten das Wasser in diesem durchsichtigen Körper, dessen Umfang bald oben bald unten zunahm, ganz deutlich in die Höhe sich schlängeln sehen. Damals glich die Röhre einem, mit einer flüssigen Materie angefüllten Darm, in welchem man durch den Druck der Finger den Saft steigen und fallen lassen kann. Hierauf zog sich die Röhre zusammen, und ward noch dünner als ein Arm, ungefähr wie ein Gedärme, welches man durch senkrechtes Niederziehen verlängert. Bald darauf ward sie so dick als ein Bein, und kurz darauf'wieder ganz enge. Endlich sah ich das auf der Meeresfläche empor gestiegene Wasser niederfallen. Das daran stoßende Ende der Röhre trennte sich davon, und zog sich so enge zusammen, als ob man es gebunden hätte. Vor dem Schein, welcher beim Abzug der Wolke hervorbrach, verschwand die Röhre gänzlich vor meinen Augen. Ich sah mich noch eine Weile danach um, ob sie noch einmal zuni Vorschein kommen würde: denn ich hatte wahrgenommen, daß die Röhre der zweien Wassersäule an dieser südlichen Seite, wohl drei bis vi-w- 'mal abzureißen schien, aber immer gleich darauf wieder unversehrt zu Gesichte kam, denn das Licht hatte allemal nur die eine Hälfte davon sichtbar gemacht: allein meine Aäkf- merksamkeit war umsonst. Ich konnte weder die erstem noch einmal, noch auch neu entstehende Wassersäulen entdecken." 633 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Gentii *) giebt von den Wasserhosen folgende Beschreibung: „Bei stark bewölktem Himmel erblickten wir Vormittags um eilf Uhr, etwa eine Viertelmeile um unser Schiff herum, sechs Wassersäulen, welche sich mit einem so sanften Geräusche bildeten, als ein unter der Erde hinweg fließendes Wasser zu verursachen pflegt. Dieses Geräusch verstärkte sich von Zeit zu Zeit, und glich dem Pfeifen .oder Schwirren des Tauwerks an einem Schiffe, wenn es ein heftiger Wind durchsauset. Jetzt erst sahen wir das Wasser stark aufwallen und sich anderthalb Fuß hoch über die Fläche des Meeres erheben. Ueber diesen gleichsam kochenden Stellen schwebte ein Nebel, oder eine dicke blasse Rauchwolke, die endlich, zu einer Art von Röhre umgebildet, nach den Wol, ken hinauf stieg." „Diese Röhren oder Wassersäulen bogen sich nach allen Gegenden hin, wo der Wind die Wolken Hintrieb, an denen sie befestiget waren. Der stärkste Wind konnte sie nicht entzwei reißen; sie schienen sogar nach eben dem Maaße länger oder kürzer zu werden, als die Wolke höher oder niedriger schwebte." „Ein allgemeiner Schreck hatte sich unser beim Anblick dieser Naturbegebenheit bemeistcrt. Um einem Unfälle -auszuweichen, zogen wir die Segel ein, und ladeten unsere Kanonen: denn die Schiffslcute glaubten, der Knall derselben erschüttere die Luft so sehr, daß sich diese Wassersäulen davon zertheilten. Allein wir waren der Sorge bald überhoben, unser Heil in diesem Rettungsmittel suchen zu müssen: denn, als einige derselben eine Viertelmeile, andere noch näher um unser Schiff herum getanzt hatten, wurden wir gewahr, daß die Röhren, nach ungefähr zehen Minute» ») Reise um die Welt. i Lh. S. igi. Wassersäulen. 589 sich nach und nach enger zusammen zogen, sich von der Meeresfläche losmachten, und zuletzt ganz verschwanden." Bligh *) hat davon folgende Nachricht aufgezeichnet: „Am 9- April um neun Uhr Morgens, als wir gegen die freundschaftlichen Inseln steuerten, ward das Meer um gestüm, und gegen Osten sammelten sich schwere Wolken. Bald darauf sahen wir nicht weit von uns eine Wasserhose, die sich hinter dem schwarzen Hintergrund von Wolken sehr gut ausnahm. Nach einem Ueberschlage mogke ihr Durchmesser oben zwei Schuh uud unten acht Zoll haben. Kaum hatte ich sie bemerkt, als ich sie schnell auf das Schiff zueilen sah. Wir änderten unverzüglich unsern Lauf, und zogen alle Segel, außer dem großen Fock, ein. Bald nachher schoß diese Wassersäule, in einer Entfernung von weniger als ze- hen Schritten hinter uns rauschend vorbei, ohne daß wir von ihrer Nähe irgend eine Wirkung verspürten. Sie schien etwa zehen Englische Meilen in einer Stunde zurück zu legen, und in der Richtung des Windes nach Westen zu gehen. Eine Viertelstunde nachher, als sie bei uns vorüber war, zerrann sie wieder. Der Zusammenhang der Säule, die höher als unsere Schiffsmasten stieg, mit der Fläche des Meeres unter ihr, war dadurch sichtbar, daß die See in einem kreisförmigen Raume von etwa sechs Schritten im Durchmesser unruhig, und der Mittelpunkt dieses Raums, wegen der wirbelnden Bewegung des Wassers um sie her auögehölt erschien. Von dem äußern Umfange dieses Kreises ward das Wasser in einer Spirallinie heftig hinauf geschnellt, die das Auge bis zu einer Höhe von funfzehen bis zwanzig Fuß verfolgen konnte. Dort entzog es sich unserm Blicke, so daß wir von der Vereimgung desselben mit der darüber Hangenden Säule nichts gewahr wurden. Es läßt ») Reise in dar Südmeer >e. a. ». Enrl. nebst Surville Reise in dar Südmeer von G. Förster. Berlin -7SS- S- S. -SL- Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. 69o sich nicht voran» sagen, was für eine Beschädigung die Wassersäule uns zugefügt haben würde, wenn sie gerade über uns weg gegangen wäre. Ich fürchte, sie hätte die Masten wegnehmen können, doch würde sie schwerlich das ganze Schiff zu Grunde gerichtet haben." Wir schließen mit einer Beschreibung, welche uns Förster *) von dieser Erscheinung mitgetheilet hat. § „Am Mai 177Z, zwischen drei und vier Uhr Nachmittags, befanden wir uns in ^ 0 0 ks Meerengö, zwischen den beiden Inseln von Neuseeland, dem Cap Stephans gerade gegen über. Der Wind legte sich allmählig, und an dessen Statt trat eine beinahe gänzliche Stille; den Tag zuvor hatte es stark geregnet, und die Nacht hindurch der Wind heftig, getobt. Am Morgen war, bei frischem Winde heiteres gelindes Wetter, und das Thermometer stand auf zöz Grad. Um ein Viertel nach vier Uhr erblickte man einige dicke Wolken in Südwesten, und auf dem südlichsten Theile des Vorgebirges schien es zu regnen. Unmittelbar darauf entstand auf der Oberfläche des Meeres ein weiölicher Fleck, auf welchem eine Säule emporstieg, die sich mit eiüer andern, welche gleich danach aus den Wolken hervor kam, vereinigte. Drei andere Säulen dieser Art, davon.die nächste ungefähr drei Engt. Meilen (6c> auf einen Grad) vom Schiffe entfernt seyn mogte, entstanden bald nachher. Zu Unterst an der Oberfläche der See hatte jene nächste Säule ihre gröste Breite, welche uns in der Entfernung siebenzig blö achtzig Klafter zu betragen schien. In dem Kreise, wovon dies der Durchmesser war, bemerkten wir das Meer in heftiger Bewegung, und es stiegen Dünste, wie ein Staubregen in die Höhe, welche von der-Sonne beschienen, glänzend und goldfarbig gegen die Wolke abstachen, sonst aber ») Bemerkungen. S. 93. ff. Reise um die Welk wahrend der Jahre ,772 , b!§ 1775 in dem Schiffe the Resolution. 1 B. -772- 4- S- -4o. ff- Wassersäulen. 59i ivHß aussahen. So wie die Säulen sich uns näherten, indem sie in der Meerenge abwärts zogen, konnten wir sie deutlicher beobachten. Oben nach den Wolken hin, war ihr Durchmesser ebenfalls größer, als in der Mitte: denn hier machte er kaum drei bis vier Fuß aus. Das Wasser wurde in einer Spirallinie hinauf getrieben, und oft schien es bloß einen hohlen Cylinder zu bilden, und innerhalb der Säule einen leeren Raum zu lassen: denn die Farbe war in der Mitte und an den Rändern verschieden, und die ganze Säule stellte sich dem Auge wie eine Glasröhre dar. Die Wolken rückten Nicht immer mit der nemlichen Geschwindigkeit fort, als der untere Theil der Säulen auf dem Meere, wodurch diese eine schiefe Lage erhielten, und bisweilen ganz gekrümmt wurden. Auch hatten sie unter sich weder einerlei Schnelligkeit noch die nemliche Richtung, sondern sie gingen einander vorbei, so daß wir sie zuweilen, wegen ihrer Schiefe kreutzweise stehen sahen. Je mehr sie sich uns näherten, desto größere Bewegung verspürten wir im Meere, welches in kleinen kurzen Wellen brach. Es wehte auch ein leichtes Lüftchen, jedoch von so unbeständiger Art, daß es in einer Viertelstunde fast aus allen Ecken blies. Die erste oder südlichste Säule dauerte am längsten; die nördlichste war uns am nächsten, und schien in ihrer südlichen Bewegung sich uns noch mehr nähern zu wollen. Allein jener angeführte Unterschied zwischen dem schnellen Zuge des obern und untern Theils der Säule verursachte endlich ihre gänzliche Vernichtung, weil sie durch die zu große Ausdehnung zuletzt zerrissen wurde." „Wir waren noch mit diesem Schauspiele beschäftigt, als plötzlich, in einer Entfernung von etwa fünfhundert Klaftern zur Rechten des Schiffs, ein Raum von fünfzig bis sechszig Klaftern im Durchmesser auf der Oberfläche des Meeres in eine heftige Bewegung gerieth. Kurz gebrochene Wellen stürzten sich schnell »ach dem Mittelpunkte hin, wur- 592 Fünfte, Abth. Dritter Abschnitt. den daselbst in einen feinen Dunst zerstiebet, und wirbe^en in Schneckcngängen gegen die Wolken hinan. Der Nähe dieses Dunstes war es unstreitig zuzuschreiben, daß wir die Säule, welche in Vieler Wasserhose entstand, nicht zu sehen bekamen. Wir vernahmen dabei ein Getöse, gleich dem Rauschen der Wasserfalle in tiefen Thälern. Der bewegte Raum auf dem Meere kam uns jetzt immer näher, und stand endlich gerade dem Schisse über, in einer Weite von nicht mehr als zweihundert Klaftern. Zu gleicher Zeit fielen etliche Hagelkörner auf das Verdeck, und wir erblickten hinter der ncmlichen Wasserhose noch eine zweite. Es entstand nemlich, wie zuvor, ein Nebel von weißem Dunste, der sich schlänge'md aufwärts wirbelte, und eine nach oben hin allgemach sich schmälernde Gestalt annahm. Eine lange schlanke Wolke, die nach unten hin am dünnsten war, schien zur aufsteigenden Säule herab und ihr entgegen zu kommen. Sie vereinigten sich bald, und bildeten einen langen aufrecht stehenden Cylinder, dessen Bewegung nach Südosten ihm in kurzer Zeit eine krumm gebogene Gestalt gab. Endlich brach er wieder, und in dem Augenblicke der Trennung sah man in der Nähe blitzen, ohne daß ein Donnerschlag gehört wurde. Die nähere Wasserhose war nur kurz vorher verschwunden. Jetzt war es genau fünf Uhr, und das Thermometer zeigte 54 Grad. Während dieses Phänomens hatte es mehrmalen geregnet." Man hat verschiedene Hypothesen ersonnen, die Entstehungsweise dieser Naturbegcbcnheit zu erklären,, und die Sache ist um so schwieriger, da die Wasserhosen auf dem Meere nicht solche Wirkungen hervorbringen, welche bleibend sind, und sich nach überstandener Gefahr ruhig untersuche» lassen. Die erste dieser Theorien ist diejenige, welche diese Meteore von Luftwirbeln abhängen läßt, die sich in der Atmosphäre so erzeugen, wie die Wirbel im Wasser; und wirklich, Wassersäulen. 593 v , lich, wenn wir die Erscheinungen genau betrachten, welche bei den Wirbelwinden vorkommen; so werden wir zwischen ihnen und denen, welche die Typhonen begleiten, eine große Uebereinstimmung gewahr. Beide haben neben der Bcwe- gung m die Runde auch die mit einander gemein, daß sie über ganze Gegenden hinweg streichen, und alles verheeren, was sie in ihrem Laufe antreffen. Man stelle sich, sagen die Anhänger dieser Meinung, der auch Musschenbroek zugethan ist, m dem Meere zwei Ströme vor, die in einerlei Richtung nahe bei einander find. Das Wasser zwischen ihnen, welches für sich ohne Bewegung ist, wird durch den Stoß der Ströme genöthigt, mit in Bewegung zu gerathen, und diese Bewegung muß in einer kreisförmigen Richtung geschehen, wie ein horizontal liegendes Rad, wenn es an seinem Umkreise in gerader Linie gestoßen wird. Diese Bewegung ist um so starker, je schneller der Zug der Ströme ist, und sie theilt sich nach und nach dem ganzen zuvor im Ruhestände befindlich gewesenen Wasser mit. Auf diese Weise entstehen Wirbel, nicht allein an der Oberfläche, sondern auch in der ganzen Tiefe des zwischen beiden Strömen befindlichen Wassers, jedoch mit dem Unterschiede, daß sich das obere mit größerer Leichtigkeit herumdreht, als das untere, welches von der Last des obern gedrückt wird: daher denn der ganze Wirbel die Gestalt eines umgekehrten Kegels annehmen muß. Diese Sätze wendet man nun auf die Bildung der Wassersäulen an. Die Luft- und Dunstwirbel müssen auf die nemliche Art hervorgebracht werden, und ebenfalls die Gestalt eines umgekehrten Kegels annehmen, so wie die Wirbel des Wassers im Meere. Es mögen nun in der Atmosphäre ein -oder mehrere Luftströme entstehe», so wird jedesmal der an.,der Seite derselben befindliche ruhige Theil der Luft heftig gestoßen werden, und, von der Luftmasse gleichsam losgerissen, in eine wirbelnde Bewegung versetzt Pp 694 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. werden. Diese verschiedenen Bewegungen sehen nun eine > große Dichtheit der Wolken zum voraus, und sie müssen ein Herabfallen wässeriger Dünste bewirken, welche dann, in, dem sie sich mit der wirbelnden Lust vermischen, wegen ihrer ^ Menge den dicken Rauch, den man bei diesem Meteore ^ wahrnimmt, und, wegen ihrer außerordentlich schnellen Be, wegung, das Geräusch verursachen, rvelches dabei gehört wird. Bei dieser Hypothese wird nun angenommen, daß die > Erscheinung ein Wind begleite: allein solches ist wider die Erfahrung. Die Typhonen ereignen sich nur bei ruhiger Lust, und zeigen sich gewöhnlich an Orten, wo Windstillen zu herrschen pflegen. Wenn die Winde- sie hervorbrächten, so müste auch die Wirkung weit anhaltender und in einem größer« Umfange zu verspüren seyn. Da es auch aufsteigende und niedersteigende Wassersäulen giebt, so lassen sich höch, stcnö diese daraus erklären. Andere Naturforscher nehmen daher zu unterirdischen Dünsten ihre Zuflucht, und behaupten, daß wirkliche vulkanische Ausbrüche die Ursache dieser Erscheinungen seyen; allein auch hieraus werden nur die aufsteigenden Wassersäulen erklärt, und was die Unzulänglichkeit dieser Meinung am meisten beweist, ist daß diese nur an einem gewissen bestimmten Orte ausbrechen könnten, dahingegen die Wassersäulen fortrücken, und sich bald hier bald dorthin bewegen. Ucberdies ist der'Dunst, welchen man bei dieser Gelegenheit verspürt, kein eigentlicher Rauch, sondern wässerichter Natur, und ein durch eine Kraft zertheiltes Wasser- Zn diesem Falle müste auch die Wirkung des Feuers durch das Thermometer offenbar werden; beiden Forsterschen Wahrnehmungen fiel es aber sogar, anstatt zu steigen: zum Beweise, daß die Lust wirklich kälter geworden war. Büffo» *) unterscheidet ganz ohne allen Grund zwei i ») MS-M> N: G. 2 B. Wassersäulen. 595 Gattungen dieser Erscheinungen. Die eine entsteht seiner Meinung nach, aus einer dicken von widrigen Winden in einen engen Raum eingepreßten Wolke, welche eine walzenförmige Gestalt anzunehmen gezwungen wird, und verursacht, daß das Wasser in derselben Gegend auf einmal in großer Menge herabfällt. Die andere, von ihm eigentlich Typhvn genannt, steigt mit großer Gewalt aus dem Meere zu den Wolken empor, und die>e ist eine Wirkung des unterirdischen Feuers, welches die eingeschlossene Luft in Menge befreit, die sodann das Wasser des Meeres in die Höhe treibt, Schaum und Dunst erzeugt, und sich mittelst einer Säule an die Wolken anhängt. Eine andere Erkiärungsart ist diejenige, nach welcher man die Wolken, welche über den Wassersäulen wahrgenommen werden, mit einer Dampfkugei vergleicht, aus deren Oeffnung die Materie der Wassersäule hervordringe. Auf diese Weise erklärt Dom Lami die beiden Wasserhosen, welche sich in den Zähren 1680 und 1687 in Rheims und la Brie auf dem Lande zeigten. Mein diese Vergleichung ist nichts weniger als paffend: denn eine aus bloß wässerigen Dünsten bestehende Wolke, deren Theile nicht mit einander zusammenhangen, kann ja der ausdehnenden Kraft, die man Nach dieser Hypothese in den Wolken annehmen, und als die Triebfeder betrachten muß, welche die Materie der Wasserhose in die ihr eigene Wirksamkeit setzt, nicht Widerstand leisten. Hiezu kommt noch, daß die Wolke bei weitem nicht den Grad der Wärme besitzt, welchen das in einer Dampskugel enthaltene Wasser hat. Nach dieser Meinung mästen auch die Wasserhosen eine konische Figur haben, nicht aber die, welche wir an ihnen wahrnehmen. Neberzeugt von der Unzulänglichkeit dieser Erklärungsarten, haben verschiedene Naturforscher andere Gründe aufgesucht, das Schwierige dieser Nacurbegebenheik zu enthül- Pp 2 596 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. len. Beecaria *) hat sich viele Mühe gegeben, darzu- thun, daß dieses Phänomen eine Wirkung der Elektricität sey, und daß es durch die Anziehung zwischen den Wolken und dem Meere,, oder dem Erdboden bestehe. Ihm sind Franklin, Wtlke, Brtsson, ReimaruS, Cavallo u. a. gefolget. Man ließ es indeß anfänglich, so wie in anderen Fällen, also auch hier bei einem leeren nichts sag»nden Ausdrucke bewenden, indem man bloß im Allgemeinen die Elektricität für die Ursach dieser Erscheinung angab. Brissen ging weiter, und theilte die Wassersäulen richtig in auf- und niedersteigende ein, wobei er zu gleicher Zeit erfolgende Ab- und Zuflüsse des elektrischen Fiuidums annahm: allein es lassen sich ohne diesen doppelten Strom, bloß durch einen > einzigen alle Umstände und Erscheinungen Hiebei gut erklären. ^ Wenn die elektrische Flüssigkeit aus irgend einer Ursach ihr Gleichgewicht verloren hat, d. i. wenn sie sich entweder im , Luftkreise oder auf der Erde angehäuft hat; so strebt sie, dieses aufgehobene Gleichgewicht wieder herzustellen, welches so viel heißt: sie sucht aus dem Orte, wo sie im Uebermaaße ! vorhanden ist, zu demjenigen hin zu dringen, wo sich eine ! geringere Menge derselben befindet. Geseht mm, daß sich ' dieses Fluidum in einer Wolke zu stark angehäuft hat, so wird es sich in die Erde, oder in das Meer, oder in die Flüsse zu verbreiten bemüht seyn; hat es sich dagegen in der Erde oder in dem Meere u. s. w. angehäuft, so wird es suchen in die Atmosphäre zu dringen. Zn beiden Fällen können Wasserhosen entstehen, wenn nemlich die ausbrechende elektrische Flüssigkeit entweder einen Theil der Wolke oder des Wassers mit sich fortreißt. Im erstem Falle werden sie niedersteigende, im zweiten aber aufsteigende genannt. LIettrIcisvio ritlkctsls er nsnirsle x. ro§. 1k. Wassersäulen. 597 Da es durch die angeführten Wahrnchungen außer allem Zweifel geletzt ist, daß sowohl die aufsteigenden als die sich niedersenkenden Wasserhosen nicht unbeweglich sind, oder an einem und demselben Orte bleiben: da es vielmehr gewiß ist, daß sie oft mit großer Schnelligkeit einen beträchtlichen Raum durchlaufen, so darf dieser Umstand nicht unerklärt bleiben. Was die niedersteigenden Wassersäulen anlangt; so muß man erwäge», daß die mit einem electrischen Fluidum stark angefüllten Wolken oft von benachbarten nicht electrischen angezogen, bisweilen aber auch von den Winden hin und her getrieben werden. Was die aufsteigenden Wassersäulen betrifft, so scheint es schwerer, ihre Beweglichkeit vollständig zu erklären: allein die Sache läßt sich doch aus dieser Theorie gut begreife». Die Wolken, welche durch die eben angeführten beiden Ursachen in mannichfaltigen Richtungen beweget werden, müssen, wenn ein Theil der Meeresfläche mit Electricität überhäuft ist, und dieser Ueberschuß sich auf eine in Bewegung gesetzte Wolke fortpflanzt, die Wassermasse mit sich fortreißen, und sie nöthigen, ihrem Zuge zu folgen. ^ Diese Hypothese wird auch durch andere Umstände unterstützt. Bei diesen Erscheinungen bemerkt man durchgängig schwärzliche, und bald mehr bald weniger röthliche Wolken, von der nemljchen Beschaffenheit, wie sie sich während der Gewitter zeigen. Man hat bisweilen weißliche und gelbliche Flammen, mit einer ungemeinen Geschwindigkeit umher fahren gesehen. Die Wasserhosen entstehen gemeiniglich in denen Monaten, in welchen sich Donnerwetter einzustellen pflegen, wie denn auch Blitze, Regen und Hagel ihre gewöhnliche Begleiter sind, oder darauf zu folgen pflegen. Lauter Erscheinungen, welche von der Gegenwart eines elektrischen Fluidums zeugen. Was aber die elektrische Natur der Wassersäulen noch augenscheinlicher beweist, ist dies, daß Körper von ihnen angezogen und fortgestoßen werden. So beobachtete man bei einer Wasserhose, welche sich im Jahre 698 Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. 1770 bei dem Dorfe Pommier zeigte, daß sie verschiedene Körper, die sie auf ihrem Wege antraf, heftig an sich zog, dann von sich stieß, und umher zerstreute, daß sie Bäume zerbrach, aus der Erde riß, und mit sich fortführte u. s. w. Es läßt sich auch dieses Phänomen durch einen Versuch künstlich nachahmen. Eine sehr einfache Darstellung davon gewährt es, wenn man die Kugel einer geladenen Flasche, an das Wasser in einer metallenen Schaale, oder in einer irdenen Schüssel; wenn man ferner einen großen Wasser- tropfen auf den Knopf einer isolirten geladenen Flasche bringt, und ihm den Knopf einer andern Flasche nähert, welche mit der entgegen gesetzten Eleetrieität angefüllt ist. Hier wird der Tropfen auf eine seltsame Art weggesprützt, besonders wenn man zu gleicher Zeit die Belegung der isolirten Flasche berührt *). Folgender Versuch dient besonders zur Vorstellung einer niedersteigenden Wassersäule. Man lasse eine jsolirte und mit dem Leiter einer in Bewegung gesetzten Electrisirmaschine, in Verbindung gebrachte Person mit der Hand einen kleinen abgerundeten metallischen Cylinder halten, dessen unteres Ende mit einem großen Wassertropfen versehen ist. Hierauf bringe man an eben dieses Ende, jedoch in einer gewissen Entfernung von demselben ein Gefäß, in welchem sich Wasser befindet. Man wird alsdann beim Ausbruche des elektrischen Funkens, den Wassertropfen sich verlängern, und eine konische oder cylindrische Figur annehmen, und, wenn das Gefäß nicht zu weit von dem Ende des metallischen Cylinders absteht, das darin befindliche Wasser wirklich berühren sehen. Von einer aufsteigenden Wasserhose giebt uns nachstehender Versuch einen Begriff. Man verfährt eben so wie *) Vollst. Abhandlung der theoretischen und praktischen ClecrricitLr, nebst einigen Versuchen von Liberi» S Lavallo a. d. Engl. r Anst. -783- S. 198. ff. Wassersäulen. 599 bei jenem Experimente: nur bringt man an das Ende des Cylinders keinen Wasserlropfen, sondern -statt dessen ein Gefäß mit Wasser. Man sieht alsdann in lctzterm einen kleinen Wasserbcrg gegen den Cylinder sich erheben. Wendet man nun den Wassertropfen zugleich mit an, so erhalt man eine Vorstellung von einer doppelten, d. l. zugleich auf- und niedersteigenden Wasserhose. Wenn man das mit Wasser angefüllte Gefäß einem mit einem Wassertropsen versehenen Cylinder, oder ohne solchen darhält; so wird man auf der Oberfläche des Wassers eine wallende Bewegung deutlich gewahr, und man sieht, daß sie derjenigen ähnlich ist, die man auf der Fläche des Meeres rings um die Wassersäule wahrnimmt. Diese wallende Bewegung wird von der anziehenden oder zurückstoßenden Kraft der Eleetrieität hervorgebracht, und wenn man den Versuch im Dunkeln anstellt, so sieht man die kleine Wassersäule mit einem clectrischen Lichte erfüllt. Diese durch die Kunst hervorgebrachten Erscheinungen, bei denen man sogar, wenn man den mitz-einem Wassertropfen versehenen Cylinder sich über dem Wasser hin und her bewegen läßt, die Beweglichkeit der Wassersäulen nachahmen kann, dienen zur'Bestätigung dieser Theorie um so mehr, da diese Erscheinungen, nach der Versicherung mehrerer Seefahrer, sogleich verschwinden, wenn man ihnen die Spitze eines Degens oder Messers vorhält *). Diesem allen ungeachtet sind indeß noch nicht alle Umstände, welche diese Naturbegebenhcit begleiten, befriedigend und vollständig entwickelt. Noch bleibt es dunkel, woher die heftige Wirbelbewegung kommt, welche die Hauptursach ihrer gewaltsamen Wirkung ist. Diese Bewegung ist aber unleugbar, und durch alle Beobachtungen hinreichend bestätigt. *) Die Electrixität der Lusterschtimmgm a. d. Fr. deS AblS Berkvlon »e St. L«>are. - B. >792. L- S. -42. ft. i 6oo Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Man hat gesehen, daß feste'Körper in der aufsteigenden ! Wassersäule, wie in Schraubengangen, in die Höhe getrieben wurden, und bei den auf dem Lande emporsteigenden Staub- faulen fällt solches noch deutlicher in die Augen. Die Was- serhose, welche D. Lami im August 1690 in der Gegend um Rheims wahrnahm, war mit einer solchen Wirbelbewegung verbunden, welche nachgiebige Körper, die sie auf dem Wege antraf, zu einer sehr großen Höhe hinauf führte, und andere, welche mehr Widerstand leisteten, entweder zerbrach, oder doch außerordentlich erschütterte. Cavallo führt zwar an,.daß es dem Bekct bisweilen gelungen sey, auch durch j Lie Electricität solche Wirbel von Papierspänen hervorzubrin- ! gen, wenn er nemlich zwei isolirte mit Staniol überzogene Bretter vier bis fünf Zolle weit aus einander gestellt, beide auf entgegen gesetzte Weise electrisirt, und auf das untere leichte Körper gestreuet hatte: er gesteht aber, daß dies eine Erscheinung sey, welche sich nicht nach Gefallen hervorbringen lasse, daß sie vielmehr von irgend einem unbekannten Umstände, entweder im Grade der Anziehung oder der ' Menge der Späne, oder dem Abstände der Bretter abhängen müsse. Dennoch ist, wie gesagt, diese Bewegung das Hauptsächlichste bei dem Phänomen. Nur durch sie übt die Säule eine Gewalt aus, welche die bloße elektrische Anziehung nicht zu bewirken vermag. ^ Reimarns wagt es zwar nickt, die Ursach dieser Wir- ! belbewegung zu erklären, glaubt aber doch, daß sie in den Wolken liege, und durch die Elektricität nur rege gemacht werde, wenn gewisse noch unbekannte Umstände mit wirken. Dryhouft's Beobachtung, bei der die umdrehende Bewegung der Wolke selbst noch vor der Entstehung des Schweifs wahrgenommen wurde, scheint dies zu bestätigen. Reima- rus sucht daraus begreiflich zu machen, warum die Wasserhosen nie bei heftigen Stürmen entstehen, weil diese nem- . lick die Umdrehung stören, imgleichen warum diese Wirbel Wassersäulen. 601 Nicht bei jedem Gewitter und in manchen Gegenden des Meeres öfter als in anderen entstehen, weil die zur Wirbelbewegung erforderlichen Umstände nicht immer, und au einem Orte mehr vorhanden seyn können, als au anderen. Er begegnet endlich den Einwürfen, daß nicht alle Wasserhosen mir Blitzen sich endigen, und manche auch nach erfolgtet Berührung des obern und untern Theils dennoch fortwähren, dadurch, daß man die Blitze vielleicht nicht allemal gewahr werde, und die heftige Bewegung des Wassers wegen seiner Trägheit auch nach aufgehobener Anziehung, noch eine ziemliche Zeit fortdauern könne. Hr. Girtanner *) will jedoch die Wasserhosen für keine elektrische Wirkung gelten lassen. „Außerdem, daß es unbegreiflich ist, sind seine Worte, daß eine säulenförmige Wolke einen Funken aus dem Wasser sollte ziehen können, so dauert auch der electrische Funke nur einen Augenblick, hingegen die Erhebung des Wassers unter der Säule so lange, als die Wasserhose sichtbar ist. Er versucht es daher, die Erscheinung auf folgende Art zu erklären. Man stelle sich zwei Luftzüge in entgegen gesetzter Richtung vor; diese theilen der Luftmasse, durch welche sie getrennt sind, eine schnelle kreisförmige Bewegung um eine beinah senkrechte Achse mit. Geht nun diese kreisförmige Bewegung sehr schnell vor sich, so erhalten die kleinsten Theile der Luft, welche durch diese Bewegung fortgerissen werden, sehr bald eine beträchtliche Centrifugaikraft, welche, indem sie dieselben von der Achse der Rotation entj^rnt, den Druck vermindert, welchen diejenigen Theile vorher erlitten, die nahe bet der Achse sind. Die erste Wirkung dieses verminderten Drucks ist, daß dadurch die Luft bei der Achse mit Wasser übersättigt wird, und daher läßt dieselbe eine größere Menge ») Ans-Mg-Lkiinde der «nliphwMilchen Chemie. Berlin -792. 8- S. Lö2. ft. 6c>s Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. Wasser fahren; sie verliert ihre Durchsichtigkeit, und erscheint in Gestalt eines säulenförmigen Gewölks. Die Was- sertheilchen erhalten eine größere Zentrifugalkraft, als die Lusttheilchen, weil sie größer und schwerer sind, und, indem sie die Luft mit sich fortreißen, h«lfen sie noch überdies den Druck, welchen die Centraltheile leiden, vermindern. Da nun dies? dem Druck der Atmosphäre, in der Achse der Rotation nicht länger widerstehen können; so verstatten sie der Luft »n den beiden Enden der Achse den Zutritt, wie in einer luftleeren Röhre. Weil aber die eindringende Luft bald eben das Schicksal hat, als die Lust, an deren Stelle sie trat, so entsteht ein beständiger.Luftzug. Die Lust, in, dem sie durch die Achse durchgeht, verliert ihre Durchsichtigkeit, unterhält die Undurchsichtigkeit der säulenförmigen Wolke, und geht in horizontaler Richtung davon. Daher der Regen, welchen die Wasserhose um sich verbreitet. Die Lust, welche an beiden Enden der Achse zufließt, reißt die Gegenstände, welche ihr nicht widerstehen können, mit sich fort. Entsteht der Typhon auf dem Wasser, so wird sich dieses in die Höhe heben, und wie in einer Säugpumpe eingezogen werden *). Die Wassersäulen drohen den Schiffen auf dem Meere große Gefahren. Wenn sie auf ein' Fahrzeug treffen, so verwickeln sie sich dergestalt in die Segel, daß sie es bisweilen In die Höhe heben, und hernach in den Grund stürzen lassen. Besonders kann dieser Unfall kleinen Fahrzeugen begegnen.. Sollten sie auch nicht vermögend seyn, ein Schiff empor zu heben, so zerreißen sie doch wenigstens die Segel, und überschütten es mit ihrem ganzen Vorrathe von Wasser, welches denn insgemein ihren Untergang zur Folge hat. Unstreitig ist auf diese Weise manches Schiff verloren gegan- *) Mlemvirer sur les xrincixanx xkenoiLeries äe la ALeteorolozis xar M. Qlonßv. Wassersäulen. 6oz gen, von welchem man nie wieder stlwas erfuhr. Dam- pier theilt uns davon folgende Erzählung mit: „Der Anführer eines Schiffs, welches den Namen Blesssing führte, dreihundert Last trug, und nach der Küste Guinea segelte, ward verschiedene Wasserhosen gewahr, von denen eine gerade an sein Schiff kam. Da er keinen Wind hatte, sich von ihnen zu entfernen, so blieb ihm nichts übrig, als sich dadurch gegen sie.in Bereitschaft zu sehen, daß er Segel einzog. Sie rückte mit großer Geschwindigkeit heran, zerplatzte aber kurz vorher, ehe sie das Schiff erreichte, mit einem entsetzlichen Getöse, wobei das Wasser rings umher zu steigen genöthigt wurde. Der Scurm tobte stark, und ergriff das Schiff mit solcher Gewalt, daß er auf einmal einige Masten zerbrach, es aus die Seite warf und beinahe umstürzte: allein bald kam es wieder in seine Lage, indem es der Wind bei der entgegen gesetzten Seite faßte, und auf die andere Seite warf, wobei wieder einige Masten verloren gingen." Wasserhosen sind in der Straße von Malacea und im i Chinesischen Meere sehr gewöhnlich. Sie zeigen sich oft an den Küsten des mittelländischen Meeres, besonders bei trübem Himmel, wenn der Wind aus verschiedenen Gegenden zugleich weht. Sehr häufig entstehen sie bei dem Vorgebirge Laodieea, Carmel u. a. O. Sparrmann sah deren verschiedene auf den überschwemmten Reisfeldern am Canton- fiusse in China. Man thut auch einer Erwähnung, welche sich auf dem Genfersee gezeigt hat. Ihr oberer Theil war an einer schwarzen Wolke befestigt, der untere viel dünner, und hing bis auf das Wasser hinab. Sie war nur ein paar Minuten lang zu sehen, und in dem Augenblicke, da sie verschwand, wurde man einen dicken Dunst gewahr, welcher von der Stelle in die Höhe stieg, wo man diese Erscheinung wahrgenommen hatte. Das Wasser schien hier zu koche» und sich zu erheben. Die Luft war, so lange die Säule 6oss Fünfte Abth. Dritter Abschnitt. stand, »«gemein dick, und beim Verschwinden ließ sie weder Wind noch Regen zurück *). Eine Wassersäule, welche Mars den auf Sumatra erblickte, war ihm so nahe, daß er den innern Wirbel von der Masse, die sie umgab, sehr deutlich unterscheiden konnte Sie schien in der Bay von ' Bengalen entstanden zu seyn, und nahm ihren Zug queer über die Halbinsel weg: allein ehe sie noch auf der andern Seite das Meer erreichte, verschwand sie allmählich, ohne vieles Wasser fallen zu lassen, oder andere nachtheiiige Fol- ' gen zu äußern, denn sie zog sich wieder in die Wolke hinein, , von welcher sie abhing. Man will das Wasser der Wasserhosen auf dem Meere ! süß befunden haben. „Es ging, sagt P. Lobo eine ! Wasserhose über unsere Schiffe hinweg, die uns aber mehr Gutes als Böses that. Wir fingen ihr Wasser auf, und tranken davon, da es süß und wohlschmeckend war." Auch Mcliing hatte dasWasser aus einem Typhon süß befunden. Wenn eine Wasserhose über erhitzte Sandfelder hinweg streicht, so nimmt sie die Eigenschaft der brennenden Winde Nubiens und Guineas an. Adanson begegnete einer solchen auf dem Meere bei Senegal. Sie erschien nach ' einem Ungewitter, nachdem sich der Wind gelegt hatte, in Gestalt einer Rauchsäule, die> sich um sich selbst drehte. Zhre Dicke war zehrn bis zwölf Fuß, die Höhe aber zweihundert und fünfzig, und sie ruhte mit ihrem untern Ende aus dem Wasser. Sobald die Neger sie gewahr wurden, ruderten sie aus allen Kräften, um ihr zu entgehen. Sie fürchteten die Wirkung derselben, welche darin bestehen soll, daß sie diejenigen, welche hinein gerathen, erstickt. Die r ) Diel», äe I'Lcsa. s ») kistvriyne äe -) Reise. S. Wassersäulen. 605 Hitze, welche sie um sich her verbreitete, war in einem Abstände von vierzig Fuß so stark, daß die nassen Kleider der Schiffsleute zu rauchen anfingen, ob sie gleich nicht lange genug dauerte, selbige zu trocknen. Die freie Luft hatte damals nur' fünf und zwanzig Grad Wärme. Sie gab einen starken Geruch von sich, der mehr salpetrich als schwefelich war. In den philososophischen Transactionen -) wird erzählt, daß sich eine Wasserhose, die sich in Lincolnshire zeigte, zuletzt in einen Feuerstrahl verwandelt habe. D- Mereer erzählt, daß er bei Antigoa nicht weit von dem Eingänge in den Johanneshasen drei Wassersäulen gesehen, davon die eine ihren Weg über den Hafen genommen habe. Ihre Bewegung war langsam und ungleich: denn sie ging nicht in gerader Linie fort, sondern sprungweise. Als sie über den Hafen gekommen war, zeigte sich in dem Wasser ein Kreis von etwa zwanzig Ruthen im Durchmesser, der durch die Bewegung des rauschenden Wassers und den überaus lebhaften Glanz, welchen er von sich gab, ein eben so reizendes als schreckliches Schauspiel darstellte, dessen Schönheit durch den um den leuchtenden gezogenen dunkeln Kreis noch mehr erhöhet ward. So wie die Wassersäule das Uker erreicht hatte, riß sie Latten, Stangen und Bauholz mit sich fort. Im Jahre 17-sg verursachte eine Wasserhose in verschie- genen Vierteln der Stadt Rom große Verwüstungen. Sie zeigte sich in der Nacht, und kam von dem benachbarten Meere her. Der P. Boöcowich machte diese Erscheinung in einer besondern Schrift bekannt -). Ungeachtet der großen Dunkelheit konnte dieses Meteor ganz deutlich gesehen werden, weil es von allen Seiten Flammen ausstieß. Als Wakefield über die Meerenge von Gibraltar Vol. 47. »c>. go. x. 478. ») Soxra i! nirdiue. Kam» 174-. 6o6 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. segelte, fuhr eine Wasserhose plötzlich neben dem Schiffe ' herab. Langstaff auf seiner Reise nach Indien sah eine I dergleichen über dem Hintcrtheil seines Schiffs hinweg ge- I Heu, und ganz nahe am Schiffe des Capit. Howard stieg I ebenfalls eine Wasserhose herab. Cadwalader Colden > hat dergleichen Erscheinungen viele in Westindien beobachtet. In der Straße Sunda hat man Wasserhosen wahrgenommen , von denen einige den Springbrunnen glichen, und sie reichten beinahe bis an die herab hängenden Wolken: andere waren dem Spritzen eines Walisisches ähnlich *). Vierter Abschnitt. Das Weltmeer, nach seinen Haupt - und besonderen Theilen betrachtet. > ^as Weltmeer laßt sich mit weniger Bestimmtheit einthei- ^ len, als das Land, weil es überall gleichförmig zusammen - hängt. Dennoch ist es bei seiner weiten Ausdehnung sehr nöthig, die einzelnen Mecresgegenden von einander zij unterscheiden, und sie mit eigenen Namen zu belegen. Es ist eine natürliche Eintheilung desselben möglich, und es lassen sich physische, und wo diese nicht zureichen, mathematische Gren, zen festsetzen. So wie bei dem Lande Meere und Gebirge seine natürlichen Grenzen ausmachen, so sind die physischen Grenzen der Meere, theils festes Land, theils Seegebirge, vpn ») Staunt»» Reise der Cnzl. Gesandschasr nach China a. d, En-l. - B- Das Weltmeer. 607 denen die Inseln, Klippen und Sandbänke die Gipfeb und Rücken sind. Buache -) bauete zuerst das Daseyn der Seegebirge aus gewisse Grundsätze, und ob zwar nicht zu leugnen ist, daß er dergleichen in Gegenden angenommen hat, wo man entweder gar keine, oder ganz andere, als er vorgestellt, gefunden — ein Fehler, wozu er durch unrich, tige Charten verleitet worden ist — so verdient seine Bemühung doch im Ganzen Beifall. Gatte rer in seiner Klassifikation der Meere -) gründete sich hierauf, indem er die Windarten und die Abweichung des Kompasses damit verband. Die Magnetnadel lm Konrpasse zeigt nicht allemal gerade nach Norden, sondern sie weicht an den mehresten Orten der Erde theils nach Osten, theils nach Westen ab: auch ist die Richtung an keinem Orte unveränderlich. Die magnetische Mittagslinie ist also an den mehresten Stellen auf der Erde von der wahren Mittagslinie verschieden. Es giebt hier nur zwei Stellen, wo die Magnetnadel von dieser Linie gar nicht abweicht, oder wo die Abweichung Null ist. Alle Oerter nun, welche dieser Linie, die Gatterer Meridiane des Kompasses nennt, in Osten liegen, haben eine westliche, die in Western aber eine östliche Abweichung. Da nun diese Abweichung der Magnetnadel sich an allen Orten des Erdenrundes, wegen der Beweglichkeit ihrer Pole beständig verändert, so ist die daher genommene Bestimmung der Lage der Meere nicht für alle Zeiten richtig. Zn London z. B war die Abweichung im Jahre 1Z76 i,; Grad östlich: sie nahm aber nach und nach immer mehr ab. Nachher fing sie an westlich zu werden, wuchs allmählich bald langsamer bald geschwinder, und ist jetzt noch 22 Grad. IVlemotr. äe I'LoaS. » r->ris. 7752. x. 569. -) Abriß der Geographie. Görtingen -77S- 8- S. 60 bis 72, Kurier In, begriff der Geographie. Götiing. 1783- l B. S. 21. ff. Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. Zn Paris wär diese Abweichung 1606 Null, vorher aber östlich und nachher westlich. Die Lage der Meere zu bestimmen, bedienen wir uns nun der physischen Grenzen des festen Landes und der See, gebirge. Da wo sie aufhören, kann man Meridiane und Parallelkreise zu Hülfe nehmen, wodurch, wenn man sich darüber vereinigte, die Meere viel genauer unterschieden würden: als durch die physischen Grenzen möglich ist, welche auf manchen Seiten gänzlich mangeln. Man kann den Ocean überhaupt in fünf Weltmeere, so wie die Erde in fünf Wclttheile ordnen. Diese Einthei- lung ist nicht ganz willkührlich, sondern auf die Natnr gegründet. Es lassen sich bei Betrachtung der Erdkugel fünf große Wassersammlungen unterscheiden, wovon zwei um die Pole liegen, zwei andere, die alte und neue Welt von einan, der trennen, und einer in Süden, der alten Welt befindlich ist. Hiernach zerfällt der Ocean in jene fünf Haupttheile, die wir überhaupt und nach ihren einzelnen Theilen betrach, ten wollen. Sie sind: 1) das nördliche Eismeer; 2) das westliche Weltmeer; 3) das südliche Weltmeer; ' , das östliche Weltmeer: - - 5) das südliche Eismeer Das nördliche Eismeer. Das nördliche Eismeer, dieser erste Theil des Oceans hat den Nordpol zu seinem Mittelpunkt, und die nördlichen Küsten von Europa, Asien und Amerika zu physischen Grenzen. Als mathematische kann man den arctischen Polarkreis anneh, *)GaSpar!'s Handbuch der neuesten Erdbeschreibung. 1 Band. Wei, mar -797- S- S. L>I. ff. Das nördliche Eismeer. 609 annehmen. Es liegt also ganz in der kalten Zone. Die Gegenden um den Pol find unbekannt: bestimmter und genauer kennt Man die Küsten der alten Welt, in so fern sie den Rand dieses Meeres einschließen. Sie ziehen sich, in einer Ausdehnung von mehr als 160 Graden in die Länge, vorn Nordcap in Lappland bis zum Osteap, indem sie zwi- schen dem 6z. und 78. Gr. mehrere Busen und Inseln, besonders aber Nova - Zemlja (das neue Land) bilden. Viele und große Flüsse, als die Dwina, Petschora, der Ob und Jcnisci, die Lena, Zndigirska und Kowyna stürzen sich von dieser Küste in den Ocean. Die Gruppe beeiseter Znseln, welche man unter dem Namen Spitzbergen kennt, liegt zwi, schen dem Nordcap, Nova.-Zemlja und Altgrönland, in der l Mitte, dem letzter» etwas näher, und erstreckt sich über den achtzigsten Grad der Breite. Sie theilt den Arm des Meeres in zwei enge Durchfahrten, wovon die westliche zwischen Spitzbergen und Grönland kaum scchszig geogr. Meilen 1 , breit, und des Eises wegen, oft über den Lo Grad, nicht schiffbar ist. Die Umgrenzung des Eismeeres gegen die ! Küste von Amerika ist, außer einigen noch sehr schwankend angegebenen Punkten, gänzlich unbekannt. Die nördlichste ' Gegend, wo man die Küsten des alten oder Ostgrönlands, Spitzbergen gerade gegen über, gesehen hat, liegt im 79 Gr. der Br. und etwa im 9 Grade westlicher Lange von Green- wich. Man weiß aber nicht einmal den Entdecker, sondern nur das Zahr der Entdeckung anzugeben. Von diesem Punkte an, bis an das Vorgebirge des Prinzen von Wallis, welches die westliche Spitze von Amerika, und die östliche Grenze der Dehringsstraße bildet, ist ein Zwischenraum von tLo Graden in der Länge .befindlich, so daß also die Küste der neuen Welt, welche den Eisocean umgiebt, mit der Küste der alten Welt, bis auf einige Meilen eine gleiche Ausdehnung hat. Allein die einzigen noch bekannten Punkte dieser Küste sind die von Hearne 1771 und von Makenzie 6i» Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. 1789 entdeckten Mündungen des Koppermine- (Kupfergruben) und Makenzie-Flusses, wovon jene im 70 Gr. 42 Min. N. Dr. und 24g östlicher (112 Gr. westlicher Länge), diese aber im 66 Gr. 42 Min. N. Dr. und 225 Gr. Zo Min. ! östlicher (134 Gr. 30 Min. westlicher) Länge angenommen werden. i Das nördliche Eismeer hängt zwischen Asien und Ame- ! rika mildem Kamtschatkischen, und durch dieses mit dem großen Ocean zusammen. Die Vereinigung geschieht mittelst der Behringsstraße, in welcher sich die äußersten Spitzen beider Welttheile einander aus noch nicht volle zehrn geographische Meilen nähern. Man begreift sehr leicht, daß es überaus schwer seyn müsse, durch diesen Weg in das Eismeer zu gk langen. Die Meerenge ist das Ende eines trichterförmigen Meerbusens, indem der Ocean sich oberhalb derselben zu beiden Seiten vom 70 und 73 bis zum 66 Grade allmählig verengt. In diesen beschränkten Raum muß nun das aus dem Eismeere südwärts schwimmende Eis sich sehen, und z um so mehr unbeweglich werden, da dle Tiefe des Wassers ^ darin nirgends über dreißig Klafter beträgt. Dies wird um ' so einleuchtender, wenn man erwägt, daß von einem jeden Stücke schwimmenden Eises im Meerwasser der zehente Theil hervorragt, die übrigen neun Theile aber unter die Wasserfläche sinken. Es kann also von einem Würfel Eises, der fünfzig Fuß hoch über dem Wasser Ischwimmt, behaup- tee werden, daß er sich 42 o Fuß tief eintauchen müsse. Ein solcher Würfel braucht, um eben schwimmen zu können, schon eine Tiefe von 65 Klaftern, wenn er nicht etwa mit einem Eisfelde zusammen hängt, dessen ausgebreitete Fläche ihn tragen hilft. Das Eismeer steht ferner mit dem Atlantischen Oceane in Verbindung, und zwar zwischen dem Nordcap und der östlichen Spitze von Altgrönland in Amerika, wo das Meer über 160 geographische Meilen breit ist, Allein durch diese DaS nördliche Eismeer. 6ir Oeffnung ist dasselbe zugänglich. Vielleicht hängt es auch mit der Baffinsbay zusammen, die in diesem Falle, der geo, graphischen Lage nach, selbst einen Busen des Eismeeres ausmachen würde. Man nennt dieses Meer sehr schicklich den Eisocean, indem es, auf welcher Seite man auch hineinzubringen wer, sucht hat, jederzeit mit Eisbergen und an einander hängen, den Eisfeldern, oder beeiseten Flächen, bedeckt gefunden wor, den ist. Man hat zwar einzelne Beispiele von sogenannten Grönlandsfahrern, oder Schiffen, die auf den Wallfischfang ausgegangen sind, daß sie zwischen Spitzbergen und Grön, land, bis auf einige Grade, ja sogar bis auf einen Grad vom Pole, eine offene See gesunden haben: allein diese sei, tenen Ausnahmen berechtigen uns keinesweges zu hoffen, daß eine freie Fahrt nach dem Pole, und Über denselben hinaus zwischen der alten und neuen Welt bewerkstelliget werden könne. Zn einem Sommer, welcher durch eine vor, züglich milde Witterung, die Menge des Eises auf diesem Meere beträchtlich verminderte, ließe sich ein Wagestück von der Art unternehmen und ausführen: allein wer kann das Zahr zum voraus bestimmen, welches einer solchen Schis, fahrt am günstigsten ist? Die große Schwierigkeit in Be, schiffung des Eismeeres liegt unstreitig darin, daß, den Aus, sagen der Wallfischfänger nach, das Eis erst im September wegschmilzt, wenn bereits die Aequinoctialstürme dem See, fahrer drohen, und vermöge der schiefen Richtung der Erd, achse in ihrer Bahn um die Sonne, die ganze Polargegend eilt, in ihre sechsmonatliche Nacht zu versinken. Vom 21. September bis zum 21. März herrscht ununterbrochen Finsterniß, in einem Kreise von 23: Graden der Breite, oder ZLo geogr. Meilen um den Pol; eine Finsterniß, die durch Nebel und Stürme nur noch schrecklicher und gekähr, sicher wird, und die erst im Winter, wenn alles vom Eise Qq 2 6l2 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. starrt, dem Glänze des Mondes und der am reinen Him- mel funkelnden Sterne weicht. Ob nun der nördliche Ocean, in seinem Mittelpunkte ganz offen, oder mit immerwährendem Eise belegt, oder gar noch mit einem unbekannten Lande ausgefüllt sey, bleibt künftigen Seefahrern zu entdecken übrig. Als Sook durch die Dehringsstraße gegen Norden schiffte, kam er bis zum Eiscap im 70 Gr. 29 Min. N. Br. -). Das Eismeer hat, nach den Berichten der Seefahrer, gegen die übrigen Theile des Weltmeeres meistens nur flaches Wasser. Die Winde auf demselben sind veränderlich, jedoch die Ostwinde die herrschenden, und unter diesen die nord- und süd - östlichen. Eine sehr gewöhnliche Erscheinung auf diesem Meere ist das Treibholz. Ellts beschreibt dasselbe als Stücke Bauholz von ansehnlicher Größe, und glaubt, daß, weil Egede-) auf Grönland Birken, Ulmen und andere Holzarten, von mehr als achtzehen Fuß lang und Armsdick gesehen, solches daher kommen müsse. Da die östliche Küste von Grönland kälter ist als die westliche, so vermuthet er, daß die Größe des Holzes auf dieser, so wie auf der Norwegischen, noch beträchtlicher seyn müsse. Allein des Holzes, ,velcheS in Grönland, und auf dem noch wärmer» Jelande wächst, ist so wenig, daß, wenn es auch zehen Jahre! hindurch so viel davon abgeben sollte, als man da herum treiben sieht, der Verrath längst erschöpft seyn müste Hiezu kommt noch, daß das Holz nie so nah .am Meere wachst, daß es vom i) Geschichte der Reisen, die seit Cook, an der Nordwest - und Nordost- Küste voll, Amerika, und in dem nördlichen Amerika selbst, von Mea- reS, Dixon, Portlok. Loxe, Long u. a. unternommen worden, a. r. Engl. von G. Förster. 5 Band. Berlin -791. 4. S. - 4 . ff. ») Beschreibung und Naturgeschichte von Grönland, a. d. Dänisch, von Krünitz- Berlin 176z. s- Das nördliche Eismeer. 6iZ Wasser weggespület werden könnte, und daß das Meer zwischen Kamtschatka und Amerika, und an der nördlichen Küste Asiens, ebenfalls eine ungeheure Menge Tretbholz auszuweisen hat. So findet man bei der Bäreninsel, bei Island und Spitzbergen viel davon, wie auch an allen Inseln, welche von Kamtschatka bis nach Amerika reichen. Dieser Verrath kann unmöglich von den wenigen Bäumen herrühren, welche auf Grönland, Island fern vom Meere, und in von Winden gesicherten Thälern wachsen. Wahrscheinlich ist es, daß die Siberischen großen Flüsse, welche durch weit gestreckte Holzreiche Gegenden strömen, und viele andere große Flüsse aufnehmen, beim Eisgange im Frühlinge, von den überschwemmten und untergrabenen Ufern, diese erstaunliche Menge Holzes losreißen, und in, das Meer führen. Wie viel Holz die Flüsse des Amerikanischen festen ' Landes ins Weltmeer bringen, kann man leicht ermessen, wenn man die Größe der Ströme, das dichte Gehölz und die FrühlingSfluthen in Erwägung zieht. Der Lorenzstrom besonders ist zu gewissen Zeiten ganz damit angefüllt, und andere Nordamcrikanischc Flüsse führen eben so viel, als die auf Neufoundland und Labrador, in den Ocean. Die Ströme der Hudsonsbay, vornemlich der Churchill, Hayes, Nelson, Albany, kommen aus dem Innern eines Landes, wo vieles und großes Holz wächst. Man weiß aus mehreren Reise- Nachrichten, daß in dem Mexikanischen Meerbusen, und bei Vera Crur treibendes Holz gefunden wird, welches aus Florida kommt; und es ist bekannt, daß die Flüsse in Amerika, welche unermeßliche Waldungen durchlaufen, einen so ungeheuren Vorrath von losgerissenen Bäumen mit sich fortführen, daß diese bisweilen in Gestalt ganzer Inseln erscheinen. Nach Catesby *) Berichte spülen die großen Flüsse Virgi- niens ganze Waldungen los, werden dadurch in ihrem Laufe *) Natur»! Hislorx- ot LLrolins. Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. gehemmt, und genöthigt, sich über ihre Ufer zu ergießen, da sie denn das eroberte Holz in das Meer führen *). Aus allem diesen wird begreiflicher, wo das viele Holz herkommt, welches man in den nördlichen Gewässern antrifft, als wenn man es aus den kärglichen Holzungen von Grönland, Zs- land und Norwegen herführt -). In dem nördlichen Eismeere bemerken wir vornemlich: All der nördlichen Küste Europens und Asiens: Das weiße, Meer. Ein ansehnliches Gewässer, welches von dem Russischen Lappland, bis auf einen geräumigen Kanal, eingeschlossen wird, iwodurch es mit dem Oceane in Gemeinschaft steht. Es verschlingt dreizehn ansehnliche Flüsse, die das ohnehin nicht sehr salzige Wasser desselben noch mehr versüßen. Die südliche Bucht ist gleichsam mit Inseln besäet. Nach Büffon soll dieses Jjöeer ^ Ostsee in Verbindung stehen, «emlich vermittelst 'des Sees Ladoga, welcher mit dem Finnländischen Meerbusen durch einen breiten Strom vereinigt ist, und vermittelst des Flusse« Swir, der den See Ladoga mit dem See Snega verbindet, aus welchem der Fluß Onega in das weiße Meer ströme. Hr. Müller') widerspricht aber dieser Behauptung, und belehrt uns, daß der Fluß Onega nicht aus dem See dieses Namens, sondern aus dem See Latscha bei Kargopol entspringe. Ungeachtet die Gewässer des weißen Meeres und des Sees Onega ssch einander sehr nähern, so ist doch noch keine künstliche Wasser-Communication zwischen beiden eröffnet worden. ») Schriften der Drontheimschen Gesellschaft, z Band, S- »z bis 2g. Olafsen - Band S. 271. ») Forst er'S Geschichte :c. D. 45z. f. ») Bstfsons alle- N. G. 2 Th. S. >92. s. und die Anmerkuno darunter. Das nördliche Eismeer. 615 L. Der Meerbusen vonPetschora; ein Arm des Meeres, welcher sich in einer Breite von etwa acht bis zehen Meilen in das'Land hinein erstreckt. In ihn ergießt sich der Strom gleiches Namens, und der Golf scheint mehr eine Menge vvm Flusse zusammen gehäufter Wasser, als ein salziger Busen des Meeres zu seyn. 6. Das Carensische, das Meer vvnNvva Zemlja: es wird auch von einigen Reisenden das stille Meer genannt. Vormals hielt man es bloß für ein mittelländisches Meer: jetzt aber weiß man, daß es ein Theil des Eismeeres ist. Es wird gegen Nordwesten von der Insel Nova Zemlja, und in Süden und Osten von Asien begrenzt. In Westen verbindet es die acht bis zehen Meilen lange Meerenge Waigaz, und in Osten eine weite Seffnung mit dem Eismeere. Aus diesem Meere geht der Meerbusen Sby, in einer südlichen Richtung, und aus diesem der Basische Meerbusen südöstlich tief ins Land hinein. v. Der Zeniseische Meerbusen, an der Mündung des großen Stroms, von weichem er den Namen führt. Er dringt tief ins Land mit einer geräumigen Oeffnrmg, verenget sich in der Mitte, breitet sich aber gegen die Mündung des Flusses wieder etwas aus. ' L Derjenige Meerbusen, in welchen sich der Fluß Lena ergießt. Er wird durch das Wasser des Eismeeres ausgefüllt, und hat eine sehr weite Oeffnung. k. Ein weiter Golf, in dessen Mitte sich der Fluß Jans mit dem Meere verbindet. Seine östliche Spitze ist Swiatoi-Noß, oder das heilige Vorgebirge. An der nördlichen Küste von Amerika: Die Baffins-Bay. Sie ist als ein Theil des Eismeeres zu betrachten, und führt den Namen von ihrem Entdecker, dem Steuermann Bassin, welcher das Gestade derselben meist umschiffte. Dieser große Busen 6i6 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. liegt über der Hudsonsbay, mit welcher er durch die Meerenge Nameles Street zusammen hängt, und begreift mehrere kleinere Golfe in sich, von denen IonaS Lancasters Sound, Aldermam Iones Sound die vorzüglichsten sind. Das westliche Weltmee r. Das westliche Weltmeer, oder der Amerika«!- ^fch e Ocean, auch schlechtweg der Ocean genannt, hat zu seinen natürlichen Grenzen in Osten, die westlichen Küsten von Europa und Afrika, und in Westen die östlichen Küsten von Amerika. Gegen Norden stößt es an Island und das nördliche, gegen Süden an das südliche Eismeer. An seinem südlichen Theile hängt es, in Osten um das Vorgebirge der guten Hoffnung herum, mit dem Indischen, und in Westen um das Cap Horn, und durch die Magellantsche Straße mit dem östlichen Weltmeere zusammen. Hier bedarf es nun mathematischer Grenzen, wozu man die Meridiane der genannten beiden Vorgebirge, oder den Z6. Grad östlicher, und den Grad westlicher Länge machen könnte. Dieses Weltmeer hat in der heißen Zone beständige Sstpaffate,.oben und unten aber veränderliche Winde, worunter die westlichen die herrschenden sind. " Dieser Ocean wird durch den Asquator in zwei Hälften getheilt, nemlich: - s) das Atlantische und b) das Aethiopische Weltmeer. l) Das Atlantische Weltmeer. Dieser Ocean hat nach einigen von dem Gebirge Atlas in Afrika, nach anderen aber von der berühmten Atlantis der Alten, einer verschwundenen wahrscheinlich fabelhaften Insel desselben, seinen Namen erhalten. Im besonbern Verstände nennt man das- Das westliche Weltmeer. 617 jenige Meer so, welches die Afrikanische Küste um jenes Gebirge benetzt. Sein nördlicher Theil, bis zu einem Seegebirge, das von der Meerenge von Calais, über Südengland und Südireland nach Neufoundland hinüber laufen soll, genauer vielleicht bis zum 5c>. Grade N. Br. heißt das Nordmeer (Mar del Nort). Die vornehmsten Inseln dieses Weltmeeres sind in Osten die Brittischen, Azorischen, Canarischen, Capverdischen; in Weste» die Westindischen und Eiskimvischen Inseln. Theile desselben sind: in Osten. A. DieNordsee, oder dasDeutsche Meer. ESHat zu Grenzen: die Brittischen Inseln in Westen, Deutschland und die Niederlande in Süden, Dännemark und Norwegen in Osten, und ist ein inlegrirender Theil des Oceans, mit. welchem es gegen Norden in einer völlig offener Verbindung steht. In seinem südwestlichen Theile aber hängt es durch die Straße von Calais mit ihm zusammen. Die nördliche Grenze dieses Meeres ist nicht genau bestimmt, daher man auch seine eigentliche Größe nicht angeben kann. Die Tiefe dieses Meeres übertrifft die Tiefe der benachbarten Ostsee um vieles, und beträgt an gc> bis go Faden. Man bemerkt sogar in der Schlucht zwischen der Doggerebank (über welcher das Wasser scichl ist) der Weißen und der Wellöbank, eine wachsende Tiefe gegen Westen, welches mit den Erfordernissen eines ehemaligen Flußbettes übereinkommt. Gegen England zu scheint der Grund sich wieder zu heben '). Ostwärts drängt sich das Wasser dieses Meeres, durch einen großen Busen, das Skagerack oder Kattegat (Kahenloch) *) Wredc zevlogische Beobachrunzen über einen Theil der südbalt'ischen Länder. -79 e> 8. S. 9Z. 6i8 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. zwischen Norwegen und Schweden auf einer, und Dän- nemark auf der andern hinein, und steht von hieraus ^ durch den Sresund, und die beiden Veite mit dem Baltischen Meere in Zusammenhang. Die Suydersee, ein mittelländisches Meer, kann als ein Theil oder Busen der Nordsee betrachtet wer, den. Sie liegt zwischen den Provinzen Holland, Utrecht, (Feldern, Oberyssel und Friesland in der Mitte, hat in der gröstcn Breite sunfzehen Meilen, an anderen Stel< len aber fünf bis scchse, und in der Länge von Süden nach Norden zwanzig Meilen. Gegen Norden begren, zen es die Insel» Texel, Vlieland, Schelling, Neuland u. 'a. Die Gegend der See war in den alten Zeiten festes Land, durch welches sich ein Arm des Rheins, nachdem er vorher einen See gebildet, unter dem Namen Flevo in die Nordsee ergoß. Etwa im drei- zehnten Jahrhunderte brach das Meer hier ein, bedeckte die ganze Gegend, und ließ jene Inseln zurück, welche der See noch jetzt zum Schutze gegen die Gewalt seiner andrängenden Wogen dienen. In dieser See giebt es viele seichte Stellen, zwischen welchen die Fahrwasser Texelstrom, Vliestrom u. a. durchlaufen *). - Der Doklart, ein Meerbusen an der Friesischen Küste, war vormals ein Strich Landes, welches vierzig Dörfer enthielt, und im Jahre 1277 versank. Er ist ein ge- jährliches Fahrwasser, wegen der darin vorkommenden vielen Sandbänke und Untiefen, und sein Umfang nimmt von Jahr zu Jahr ab. L. Die Ostsee, das Baltische Meer. Adam von Bremen -), welcher im eilften Jahrhunderte lebte, ist der erste, bei dem man den Namen bsltlmun r)BerkY«y'r Naturg. 2 Lh. S. -og. ») in irrer, äs »itn vsnia». x. r4S. Das westliche Weltmeer. 6ig inLrs antrifft. Woher diese Benennung entstanden, darüber sind die Meinungen getheilt. Einige leiten sie von dem lateinischen Worte Kalten» her, weil die See die an ihre liegenden Länder gleichsam wie ein Gürtel einschließe Nach anderen kommt sie von dem Worte Belt her, welches noch jetzt in Friesland einen Einbruch des Meeres bezeichnet. Vielleicht sind die beiden Belte von einem Durchbrüche des Meeres entstanden, und führen daher noch jetzt diesen Namen *)- Einer andern Vermuthung zufolge hat eine in diesem Meere belegene Insel, oder daran stoßende Landschaft Baltia, zu jener Benennung Anlaß gegeben. PliniuS so wie auch Solinus thun ihrer Erwähnung. Das Wort Bal- tia hat man aus der altprenßischen Sprache herleiten wollen, in welcher Baltus die weiße Farbe bedeutet, und Samland soll darum mit diesem Namen belegt worden seyn, weil die Küste dieser Landschaft überall mit weißem Sande bedeckt ist '). Wenn es richtig ist, daß lange vor der christlichen Zeitrechnung unter Preussens Königen einer g:wesen, welcher BaltuS geheißen, so ließe sich der Name des Meeres vielleicht davon ableiten. Die Benennung Ostsee erhielt sie von den Dänen, welchen sie gegen Morgen liegt, so wie auch die Nordsee bei ihnen den Namen Westsee von ihrer Lage gegen Därmerrrark bekommen hat. Die südöstliche Küste hieß in den ältesten Zeiten Griechenland »). »)8eIwo1L in ckroiücv siavornm. I. ») Göttin?. An», «v» ,,l. Sachen. »769. > 4 S St. ,) Si5t. n»t. L. XXXVII. c. r. 4) 6. Zo. 5) kraelvrin- ä« orv« xotkico. s) Ikr« äii!. a« xerezrinatiouibn» xentinm 8«xeeatrionaliuw> in 6raevi»n>. I7xs-ll »758. 62 a Fünfte Abth. - Vierter Abschnitt. Das Baltische Meer ist auf allen Seiten vom Lande umgeben, bis auf drei Engen, vermittelst deren es mir der Nordsee zusammen hängt. Diese sind der Sund oder Oresund, zwischen der Dänischen Insel Seeland und der Schwedischen Provinz Südgothland; der kleine Belt, zwischen der Insel Fühnen und Iütland, und der große Belt zwischen den Inseln Seeland und Fühnen. Das Gewässer der Ostsee ist ein mittelländisches Meer, und kein Landsee, wozu es Büsfon machen will: denn auch zugegeben, was er von einem Durchbruchs derselben in das Teutsche Meer sagt; so kommt es nicht darauf an, was das Meer nach seiner sonstigen Beschaffenheit gewesen, sondern was es gegenwärtig ist. So viel ist gewiß, daß die steilen und abgebrochenen Ufer des Sundes an der Dänischen Seite, und die Uebereinstimmung der Klippen an beiden Seiten der Küste, in Hinsicht auf das Gemenge der Erd- und Steinäxten, Anlaß geben, zu vermuthen', daß das Wasser der Ostsee sich in späteren Zeiten hier einen;Weg ins Teutsche Meer gebahnt habe, so wie solches vorher durch die Delte geschehen ist Die Ostsee hat eine sehr unregelmäßige Gestalt, und ist gegen Mittag von der. Küste von Mecklenburg, Pommern, Preussen, Curland und Liefland umgeben, welche Gestade sie auch zum Theil ostwärts begrenzen. Gegen Norden hat sie Lappland und andere Schwedische Provinzen; gegen Westen Dännemark und Holstein. Man giebt diesem Meere einen Raum von 36Z0 Quadratmeilen. Wenn man den eingeschränkterl» Umkreis ansieht, der auf den Charten eigentlich unter diesen Namen begriffen wird; so enthält dieselbe etwa neunzig ') Schive». Abh. Z8 B- S. 104. Das westliche Weltmeer. 621 geographische Meilen von Norden nach Süden, von den Alandschen Schären bis an die Teutsche Küste bet Wollin, Danzig und Wismar, und- bloß einige dreißig Meilen von Osten nach Westen, von der Schwedischen Küste -bis an die Curlandische, in welchem Bezirke sie jedoch die großen Inseln Gothland und Oeland in sich faßt. Betrachtet man die Ostsee in der weitesten Bedeutung, wonach sie die Schären und Meerbusen in sich begreift, welche Bedeutung am gemeinsten ist; so ist sie dennoch nicht größer, als etwa neunzig bis hundert Meilen von Stockholm bis Petersburg, und etwa hundert sechs und siebenzig Meilen von Tornev bis an die Teutsche Küste. Von den Busen dieses Meeres merken wir die größeren an; diese sind: a) der Bothnische Meerbusen. Dieser nördliche Theil der Ostsee wird durch eine Reihe vorliegender Inseln und Klippen, welche sich von Schweden nach Finnland ziehen, von dem südlichen getrennt. Er streckt sich von Süden nach Norden, und wird von Lappland, Finnland und Bothnien eingeschlossen. Seine Länge von Torneo bis Quarten beträgt Zi, uud die Breite von Carton bis Rebb 17 geogr. Meilen. Auf ihn folgt das eigentliche Bothnische Meer, welches von Quarten bis Aland gg Meilen lang, und von Hudwix- wal bis Bjorneburg Io Meilen breit ist. d) Der Lies- lan bische Meerbusen, zwischen Liefland und Eurland in einer Länge von 60 Meilen, e) Der Finnische Meerbusen, welcher sich zwischen Esthland und Finn- iand hinzieht. Seine Länge von Petersburg bis Dagö, Norre-Udd beträgt 60 Meilen. Die Breite ist ungleich; 17 Meilen von Friedrlchshamm bis Narwa-Bugten, 6 Meilen zwischen Porkala-Udd und Nargö bej Reval *). *) N ordeaankar. S. is- 622 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. Daß der Bvthnische Meerbusen mit dem Nordmeere eine unterirdische Gemeinschaft habe, sucht Her bin durch Zeugnisse darzuthun, worauf jedoch nicht viel zu bauen ist. . Dagegen kann man aus der Ostsee in das Kaöpische Meer schiffen, nemlich aus dem Finnischen Meerbusen, durch die Newa in den See Ladoga, aus diesem durch den Fluß Wolchow in den Jlmensee, aus welchem man durch den Fluß Msta, den Kanal bei Wische, Wolotschek und die Taromga in die Wolga gelangt, welche ine Kaspische Meer führt *). Die Tiefe der Ostsee ist unbeträchtlich von fünfzehn bis zu zwanzig Klaftern: an manchen Stellen beträgt sie kaum halb so viel. Das Wasser kann also bei Sturmwinden nicht aus so tiefen Gründen ausgehvben und aufgewühlt werden; folglich sind die Wellen kleiner als in anderen Meeren. Die vielen nahen Küsten und Inseln, und die sehr veränderlichen Winde und häufigen Stürme machen es für die Schiffahrt gefährlich. Die Hauptge- fahr rührt von den vielen Klippen und Untiefen her, womit sie angefüllt ist, und bei einem Sturme bietet sie nur selten große Räume dar, auf denen sich das Schiff ohne Gefahr dem Winde überlassen könnte. Das Wasser der Ostsee hat ein helleres und gelbliche, res Grün. Man hat wahrgenommen, daß es, selbst in den heißesten Sommern, kühler sey, als in anderen Meeren unter der nemlichen Breite- Auch ist es weniger salzig, wovon der Grund in den vielen Flüssen liegt, welche ihr Wasser mit dem ihrigen vermischen. Es ist folglich leichter, und die Schiffe sinken daher tiefer in dasselbe ein, und segeln also bei übrigen gleichen Umständen darin minder schnell, als in den benachbarten Meeren. *) B ÜschinaS neueste Srdbeschleibuni. Hamb. r Lh. S- S7- Das westliche Weltmeer. 625 Der Ostsee fehlt es an Ebbe und Fluch. Zwar will Hr. Chemnih in dem Meerbusen, die Krogerbucht genannt, eine ziemlich starke Bewegung dieser Art ge- funden haben: allein Hr. Müller -) führt dagegen an, daß dasjenige, was man für die Wirkung der Ebbe und Fluch hält, von einem Winde herrühre, welcher aus Südwesten kommt, das flache und ebene Ufer weit und breit vom Wasser entblöße, wenn er aber aus Nordosten weht, wieder hineintreibe. O. Der Brittische Kanal Ein Arm des Atlantischen Meeres, welcher die Brittischen Inseln von Frankreich scheidet, und das Teutsche Meer mit ihm verbindet. Diese Meerenge fängt bei der Spitze und dem Vorgebirge Lezard an, hat bei ihrem Eingänge eine beträchtliche Weite, und bildet m der Normandie einen Meerbusen, dessen innerste Spitze bei Avranches zu finden ist. Bis zum Pas de Calais erhält sich die Meerenge in einer ansehnlichen Weite: hier aber läuft sie auf einmal schmal zu, so daß sie nach Picards und de la Hire Ausmessung nicht mehr als 21369 Französische Fuß beträgt. Es ist eine allgemein angenommene Meinung, daß an dieser Stelle vormals Frankreich mit England durch eine Erdenge zusammen gehangen, und dieses einen Theil des Continents ausgemacht habe. Die Akademie zu Amiens gab diese Muthmaßung zur Untersuchung auf, und Desmarers bestätigte sie besonders durch die Wahrnehmung, daß der Kanal bei Calais die höchste Gegend 1) Beschr. ,iner Reise ic. in den Beschäftig- »er «aturk. Gesellsch. in Der, lin » D. S. 200. und Schriften derselben z B. S. 4S4- ») Anmerkungen zu jener Beschr. In den ge». Schriften 2 B. S. irs. e) l.s IVlsvcli«; tb» «ngliek Llisuel. 624 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. des Meergrundes ausmache, daß er eine Erhabenheit bilde, welche nach beiden Seiten, sowohl nach dem Teutschen als auch nach dem Atlantischen Meere zu, in gleichem Verhältnisse, und in gleicher Regelmäßigkeit abnehme und sich senke. Sonach scheint diese Erhöhung eine Art von Bergrücken unter der Fläche des Meeres, und der Ueberrest der alten Erdenge zu seyn, die wahrscheinlich eine Verlängerung der Küstengebirge von Bou- lonnois war, bekannt unter dem Namen der Berge von Autun, welche sich jetzt bei Calais endigen, aber so auf der andern Seite in die Landspitze Kents, und so weiter durch die übrigen Theile Englands fortstreichen. Die Beschaffenheit der Steinlagen bei Calais und von Dotier ist einander ganz gleich. Der Kanal hat seine weiteste Ausdehnung bei dem westlichen Anfange zwischen den Sorlinger oder Scylly- Inseln, oder auch dem Lands-End und der gegen über liegenden Insel d'Ouessant. Hier beträgt seine Breite an dreißig Französische Meilen. Er erhält sich darin bis in die Gegend, wo sich die Küsten des Cap Paverel und de la Hogue wieder enge zusammen ziehen, und diese sind nur sechszehn Meilen von einander entfernt. Hierauf sieht man den Kanal, beim Ausflusse der Seine, und anderer von der Normandie einfallenden Flüsse sich erweitern: aber zwischen Beach Head und dem Cap .St. Valori fangen die Gestade an, sich wieder zu nähern. Von hieran wird der Kanal unmerklich enger, bis er sich in dem Pas des Calais, zwischen zwei hohen Küsten zusammen drängt. Er wird also in einer Strecke von igo Französischen Meilen aus einer ansehnlichen Breite in einen sehr engen Paß eingeschlossen. Von Pas des Calais an breitet die Meerenge sich plötzlich wieder aus, und endigt sich zwischen Texel und der Englischen Küste bei Norwich. Die Das westliche Weltmeer. 625 Die Tiefe des Kanals ist sehr ungleich. Bei den Scylly Eylanden ist er am tiefsten, nemlich 70 und mehrere Faden, gegen die Insel Ouessant, und an der Spitze Lands End hält er 60 bis 66, in der Gegend der Insel Guernsey bis 2o Faden und darüber, zwi- scheu der Znsel Wight und dem Cap Baufleur Zo bis Zg Faden, weiterhin bei Dieppe und Brach Head 20 bis 2g Faden, und in der Meerenge selbst zwischen Calais und Dover 10 bis 15 Faden. Hier ist aljo die kleinste Tiefe. Ostwärts der Meerenge nimmt dieselbe wieder zu. O. Der St. Georgen Kanal, oder das Irländische Meer zwischen England und Zreland. In demselben liegt die Znsel Man, und aus ihm geht die Bristolbay, worin sich die Saverne ergießt, tief in England hinein. L. Das Biecaische Meer, oder der Meerbusen von Gascogne. Er dringt in einer ansehnlichen Breite zwischen Frankreich und Spanien ein, und seine innerste Spitze befindet sich zwischen St. Sebastian und Ba- jonne. Der Anfang ist bei dem Gebirge, Ortegal, und das Ende bei Brest. Ein Theil des Golfs, welcher tief in das Land hineinbringt, ist derjenige, welcher das Gestade der Landschaft Aunis bespült, vor welchem die Inseln Rc und Oleron hingestreckt liegen. i?. Das mittelländische Meer. Es liegt zwischen den drei Theilen der alten Welt, hat unbeständige Winde, in der Verenge von Negropontc eine unrcgelmä, ßige, im Adriatischen Meerbusen eine ordentliche, und bei Marseille eine schwache Ebbe und Fluth. Sein Flächeninhalt wird gewöhnlich aus zwanzig tausend Qua- dratmeiien angegeben: allein die geringste Vergleichung zeigt, daß es, seine große Buchten ungerechnet, noch einmal so viel Raum einnimmt. De l'Jsle seht seine Länge von Alexandrette bis Gibraltar auf LoZ, die Breite Nr 626 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. aber nach einer Mittelzahl auf ^ Grade. Es steht mit dem Oceane bloß durch die Meerenge von Gibraltar, welche auch. schlechtweg die Straße heißt, und wo Europa und Afrika sich am meisten nähern, in Verbindung. Diese Meerenge, die berühmteste und wichtigste von allen, ist auf der Afrikanischen Seite sieben Meilen lang. Die Europäische greift in einen halben Bogen ein. Die Breite derselben wird sehr verschieden angegeben. Hudson ^ bestimmt sie auf fünf Engl. Meilen, Rob. Vaugondy'S. Charte auf i? Schwedische Meilen Und D'Anville noch nicht voll auf eine geogr. Meile. Dieses Gewässer hat mehrere Busen, von denen die größeren als abgesonderte Meere betrachtet werden, und eigene Namen führen. Hieher gehören: s) DaS schwarze Meer. Büffon halt auch dieses für einen Landsce, und glaubt, daß es um deswillen nicht als eine Fortsetzung des mittelländischen Meeres angesehen werden könne, weil es sein Wasser nicht aus diesem erhalte, sondern vielmehr das seinige darin ergieße. Es scheint aber sein Salzwasser wirklich aus dem mittelländischen Meere, und zwar durch den Weg eines untern Stroms zu erhalten: denn, obgleich der obere Strom jenem Meere aus dem schwarzen beständig zueilt, so weiß man nun doch, daß in der Meerenge ein Scrom in der Tiefe die entgegen gesetzte Richtung hält. Das oben ausfliesende Wasser ist weniger salzig, als das unten einströmende. Das schwarze Meer hat Zgon Englische Quadratmeilen im Umfange, und enthält nach Bergmann 1) kkil. transaet. No. Z88- 2 ) DIem. ä.e 1'^.eaä. äss Insvr. T. zo. a. a. O. 2 Lh. S. sz«. Das westliche Weltmeer. 627 Hioo Quadratmeilen. Nach Büffon ist es 250 Französische Meilen lang und 100 breit. Es verschlingt eine große Menge Ströme, worunter die Donau, der Dniester- Dniepr, Don, Bog und Don- jek, von Büffon unrichtig Doneck genannt, die vorzüglichsten sind. Der Don vereinigt sich mit dem lehtern, und bildet, ehe er in das schwarze Meer fällt, einen beträchtlichen See, welcher unter dem Namen: mäotischer Sumpf auch Meer von Asov bekannt ist, auch das Meer von Zabache, von den Nüssen Soreo More, und den Türken As- sak Dengissi genannt wird. Dieser See, womit sich die unter sich zusammen hängenden Gewässer des mittelländischen Meeres schließen, hängt nun mit dem schwarzen Meere durch die Straße von La ffa zusammen. Er streckt sich von der Crimmischen Tar, tarei bis nach Asov in einer nordöstlichen Richtung. Seine Länge beträgt über hundert, die Breite aber zwanzig bis fünf und zwanzig Meilen, nach Büffon. Der Schlamm, welchen die Flüsse dahinein führen, soll es zur Schiffahrt von Tage zu Tage untauglicher Machen. Das schwarze Meer hängt in Süden Mit dem Meere von Mürmora durch die Meerenge von Con- stantinopel zusammen. Dieses Meer, kleiner als das Asovsche, hat in Osten auf der Seite von Asien zwei nicht unbedeutende Meerbusen, den M. B. von Zsnid und den von Mudania, auch verschiedene Inseln. Diodor aus Siciliett und andere schreiben: der Pontue Euxmus sey in den ältesten Zeiten ein an, sehnlicher Fluß, oder ein Landsee gewesen, welcher mit dem Aegäischen Meere in Gemeinschaft gestanden, habe aber, nachdem er durch den Verrath des Rr 2 628 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. Wassers, welchen er aus den hineinfallenden Strömen erhalten, zu sehr angeschwollen, an der Seite . der Cyanäischen Znseln, und hernach bei dem Hel- lespont sich einen Weg eröffnet. Auf dieses Zeugniß gründet Tournefort die Meinung, daß das durchgebrochene Wasser des schwarzen Meeres ein mittelländisches Meer gebildet, welches in der Folgezeit so angewachsen sey, daß es am Ende bei Gibraltar von neuem durchbrechen müssen; eine Meinung, für die sich bereits Strabo,erklärt hat. Polybius glaubt, daß der BosphoruS einst durch Sand werde verstopft werden, welchem auch B n f- fon beitritt, Tournefort aber aus besseren Gründen widerspricht. Das Wasser des schwarzen Meeres ist von dunklerer Farbe, als das im mittelländischen Meere. Ob es nun daher, oder von den Stürmen, welche es beunruhigen, seinen Namen erhalten, ist ungewiß. Diese toben auf demselben schrecklich, und erregen Wirbel, welche die Schiffe gewaltsam umher werfen. Sie rühren daher, daß die Winde in diesem Kessel nirgends einen Ausgang finden, sondern an den schroffen Seiten der Gebirge auf allen Seiten Widerstand finden"). Da übrigens dieses Meer die fließenden Wasser großer Länder von Europa und Asien verschlingt; so ist das Wasser desselben süßer, als im mittelländischen Meere, und es gefriert also weit leichter, daher man es mehrere Male ganz bcfroren gesehen hat. Die Lage und wahre Gestalt diefts verschobenen i) Osozr. Lid, i. kliirii 6lst. nrr. Lid. IV. c»x. »r. «t xroosm. L. iv. 2) Vo>aze äs tid^rlii» x. -4«. Das westliche Weltmeer. 629 und verunstalreten Gewässers ist übrigens fast in allen jetzt vorhandenen Charten fehlerhaft vorgestellt. Kürzlich hat der Astronom Beauchamp eine Charte davon entworfen, und nach Paris geschickt- Von hier aus werden wir also vielleicht bald eine bessere Charte erhalten. Eine kleine kritische Charte — jetzt die richtigste — befindet sich bei einem Aufsätze: über die Lage und wahre Gestalt des schwarzen Meeres, in den all gemeinen geogr. Epfiemeri- 1>) Das Aegäische Meer, der Griechische Archipel, von den Türken das weiße Meer sAk-Denghisi) oder das Meer der Inseln (Adalar-Denghisi) genannt. Es hängt in Nordosten durch den Hellespont, oder die Meerenge der Dardanellen, welche gekrümmt und in ihrem schmalsten Theile etwa Zoo Faden breit ist '), mit dem Meere von Marmorn zusammen. Verschiedene Meerbusen gehen aus demselben ins Land. c) Das Ionische Meer. Es bespült die westlichen , Ufer von Morea, Livadicn und Albanien, enthält tue Inseln Corfu, Cefalonia und Zante, und hat folgende Meerbusen: den Golf von Arcadia, den Goif von Lepanto oder von Corinth und den Golf von Arta- ü) Das Adriatische Meer, oder der Golf von Venedig. Jenen Namen entlehnte er von der Stadt Adria im Venetianischen Gebiete am Gestade des Meeres. Dieser Meerbusen geht in einer Richtung von Südosten nach Nordwesten, zwischen ») Von dem Hellespont und den angrenzenden I Gegenden haben wir «om D'Anviile eine Beschreibung und Charte. Dleiu. äs 1'LcaL. Us» Inscr. r. XXVIII. Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. 6Zo dem 40 und 46 Gr. N. Br, tief ins Land, und macht Italien gröstentheils zu einer Halbinsel. Auf der Westseite begrenzen ihn die Italienischen Staa< ten, auf der Ostseite -Dalmatien und ein Theil der Europäischen Türkei. Oben stößt er an das Her- zogthum Crain, wo das Meer eine kleine Einbeugung macht, die unter dem Namen des Golfs von Trieste bekannt ist. e) Der Meerbusen von Stranto, oder Tarent, von den Landschaften Otrantc- und Calabrien umgeben. I) Der Golf von Squiliace, unten an der Cala- brischen Küste. Z) Der Golf von Genua, Das Ligurische Meer. K) Der Meerbusen von Ljon- i) Das Syr tische Meer, an der Afrikanischen Küste, in welchem sich der Meerbusen Cabeö oder Syrtis mjnvr, und der Golf von Sydra oder Syr« tis majyr befinden. Das mittelländische Meer enthält eine Menge größerer und kleinerer Inseln, und es ergießen sich darin eine große Anzahl beträchtlicher Flüsse. Durch die Meerenge von Gibraltar werden, wenn man die Breite' derselben nur auch auf eine halbe Meile, und die Tiefe auf zwei hundert Fuß annimmt, und dabei die Geschwindigkeit des Stroms auf eine halbe Meile in einer Stunde seht, in einem Jahre 567 Billionen und 6^8,000 Millionen Kubikfuß Wasser in das mittelländische Meer geführt, wodurch seine Fläche an zwei und zwanzig Fuß höher werden mäste. Wenn man nun in Erwägung zieht, daß der Po hundert Millionen Kubikfuß Wasser auf eine» Tag, und also das ganze Jahr hindurch drei Billionen und 6 Zo,ooo Millionen Kubikfuß Wasser lie, fers; wenn nun außerdem noch acht große Ströme in das Meer fallen, von welche» der Nil allein sieben Mal Das westliche Weltmeer. 6zi so groß geschäht wird, als der Po '); >o muß, wenn wir jenen auch nur dreißig Mal so groß annehmen, er doch jährlich an 109 Billionen, und Loo,oyo Millionen Kubiksuß Wasser hineinbringen, und die Meeresstäche über vier Fuß erheben. Bet allen diesen beträchtlichen Zuflüssen, und da die Seitenströme in der Meerenge weit schwächer sind, als der mittlere Strom, und kaum das durch diesen empfangene Wasser wieder zurück schicken können, müsie nun der Stand der Meeresfläche sich sehr erhöhen. Gleichwohl findet man nicht, daß in der Höhe derselben eine Veränderung vorgehe, sondern diese bleibt sich immer gleich. Die Ursach hievon anzugeben, scheint sehr schwierig zu seyn. Da die Ausdünstung kaum zehrn bis zwölf Fuß mehr wegnimmt, als der Niederschlag aus dem Luftkreise liefert; so kann durch solchen Weg das einfließende Wasser nicht verschwinden, indem dazu eine wenigstens zwanzig Mal stärkere Ausdünstung erfordert würde. Es muß demnach die Natur sich eines andern Mittels bedienen, die Fläche des Meeres in gleicher Höhe zu erhalten, und dieses scheint in dem Strome zu liegen, welcher in der Straße von Gibraltar, in der Tiefe des Kanals, dem obern entgegen aus dem mittelländischen in das Atlantische läuft. Kir- cher und Kühn führen das überflüssige Wasser durch unterirdische Züge ab, Halley und Büffon durch die Ausdünstung, welche Popowitsch durch einen unter dem Boden des Meeres befindlichen großen Feuerheerd verstärkt, dessen Daseyn die häufigen vulkanischen Ausbrüche in und um dasselbe zu beweisen scheinen O. Der Meerbusen von Guinea an der Afrikanischen Küste. Schwel». Abtzandl. vom I. ,7^. ») Bon dem mittelländischen Meere setze man die Charte deS Bonne, nach airen und neuen Reisenachrichr. verfaßt. Wien bei Schrämbl -787- 6Z2 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. In Westen: Der Hudsons Meerbusen. Die Entdeckung desselben war die Frucht der Versuche, eine nordwestliche Fahrt in das Eismeer zu finden. Zm Zähre 1610 >ah Hudson zuerst diese nach ihm benannte Bay. Dieser Golf, welcher eben so gut den Namen eines mittelländischen Meeres verdient, als das Baltische und verschiedene andere, liegt zwischen dem Lr und 65 Gr. N. Br. und dem 77 und g 5 Gr. westlicher Länge von London. Er beträgt in seiner ganzen Lange von der Mündung des Flusses Nvdway und Moose bis Wahlcbone Point 970 Englische Meilen, und in der Breite vom Diggsvorgcbirge bis in die Gegend des ChurchilflusseS 690 Englische Meilen. Er ist überall vom festen Lande umgeben, und wird gegen Norden von verschiedenen großen Znseln und von noch unerforschten großen Landstrichen begrenzt Gegen Westen ergießt sich in ihn der Hayes- und Nelsonfluß, welcher letzte einige Meilen schiffbar ist, und vor der Mündung beider liegt die Hayeeinsel. Durch diese Flüsse steht die Bay mit den großen Seen von Canada in Verbindung. Mit dem Ocean hängt er, außer der Cumberlandeenge' und Fro, bisshersstraße, durch die Hudsonsstraße, zwischen einer , Inselgruppe und Labrador zusammen. Die Durchfahrt ist da, wo sie am engsten ist, funszehen bis achtzchen Meilen breit. Von den kleineren Busen, welche aus demselben ins Land treten, bemerken wir folgende: s) Die Wagcrsbay. Sie ist eigentlich die Mündung des Wagerflusses, am Ende nicht viel über eine Meile breit, weswegen-die Fluth hier so stark rauscht, als in einer Schleuse. Weiter hinein erweitert sie sich aber bis zu zwölf Meilen, und Ebbe und Fluth sind minder heftig. b) Die Re pulse bay. Sie liegt über jener in einer Das westliche Weltmeer. 6ZZ weiten Mündung, zwischen dem 66 und 67 Gr. N. Br., und dem 6Z und 6g Gr. westlicher Länge von Ferro. Vor ihr befindet sich die Insel Bar, ren, oder Southampton-Insel. L. Der James Meerbusen. Er ward 16Z1 vom James entdeckt, und kann auch als der südlichste Theil der Hudsonsbay angesehen werden; er erstreckt sich vom 51 bis zum 53 Gr. N. Dr. Der Hudsons Meerbusen, die Baffinsbay, und alle Meere von Labrador bis zum Cap Farewel scheinen ein ins Land durchgebrochenes Gewässer zu seyn. Dies be- zeugen big hohe Spitze beim gedachten Cap, und die östlichen hohen Klippen bet der Resolntioninsel, Salisbury und allen Inseln der Hudsonsbay, welche nach Westen zu sich in flache Spitzen endigen, als wenn sie von einer östlichen Fluth nicdergespült worden waren. Die Meeresgegend um die Bassins- Hudsons - und James - Bay wird die Westsee, das Eskimoische Meer genannt. O. Der L 0 renz - Meerbusen, ungefähr zwischen dem 42 und 5 i Gr. N. Br. Auf der West- und Südseite begrenzen ihn die Provinzen Neubrittannien und' Neu- schottland; gegen Osten die Inseln Neufoundland und Cap Breton. Er ist solchergestalt sehr vom Lande eingeschlossen, und nur Durchfahrten von größerer oder geringerer Breite vereicnigcn ihn mit dem Meere: die nördlichste von ihnen, zwischen Labrador und Nenfound- land ist unter dem Namen der Meerenge von Belle Jsle bekannt. Eine andere befindet sich zwischen Neu- foundiand und der Königsinsel, und eine dritte zwischen dieser und Akadien. Diese Bay hat ihre Benennung von dem Lorenzsiro- me, welcher sich in einer weiten Mündüng in sie ergießt, vor welcher die Insel Anticosti hin gestreckt liegt. 654 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. In seiner Mitte sind die Magdaleneninseln, und unten die Inseln St. John befindlich. Ein Theil dieses M. B. führt den Namen: der rothe See. v. Der Meerbusen Fundy in Neuschottland. Er dringt so tief in diese Provinz ein, daß ihr südöstlicher Theil, gegen den Ocean zu, die Form einer dreieckigen Halbinsel erhält, die nur durch eine schmale Erdzunge mit dem festen Lande zusammen hängt. Seine Küste hat viele Daye, Buchten und Häfen, unter welchen der Hasen von Chebucto als einer der vorzüglichsten in der Welt angemerkt zu werden verdient. Er hat guten Untergrund und Wasser genung für die gröstcn Krieges« schiffe. Diese Bay ist unter anderen auch deshalb merkwürdig, weil sie eine von den Gegenden ist, in welcher die Fluthen auf unserm Erdboden am höchsten steigen: denn sie erheben sich hier an vierzig Fuß Engl. Maaßes. L. Die Caökobay an der Neuengiändlschen Küste, zwischen dem Vorgebirge Elizabeth und Small Point. Sie ist 5 geogr. Meilen weit, und geht 3 Meilen ins Land hinein. Sie enthalt viele Sunde, Duchten und Häfen, ist eine der schönsten in Nordamerika, voll kleiner Inseln, zwischen welchen die Schiffe sichern Ankergrund haben, hinlänglich tief, für die grksten, und hat Raum für mehrere Flotten. An ihr liegt der wichtige Portlandhafcn. Sie macht den Eingang zu dem Kennebeckflusse, dessen ei- gentliche Mündung sich bei dem Vorgebirge Small- Point (g3°4o' N. Dr.) befindet. Dieser Eingang ist voll zum Theil großer und bewohnter Inseln, welche sich alle, dem Laufe des Flusses gemäß, von Norden nach Süden erstrecken. An denselben und in ihren verschiedenen Fahrwassern, welche in die Merry-Meeting- Bay führen, und wenigstens für kleine Fahrzeuge schiffbar sind, liegen gleichfalls einige gute Häfen auch für größere Schiffe, als Small - Point - Harbour, New- Das westliche Weltmeer. 635 Meadows-Harbour, Middle-Bay u. a., welche man als Theile der Caskobay ansehen kann *). Die Saeobay, unterhalb des Vorgebirges Elizabeth, von welcher die Scarboroughbay einen Theil ausmacht. Südlich daran liegt der Winter-Harbour (Winterhafen) am Ausflüsse des S«eo '). O. Die Wells bay, auf der Nordseite des Vorgebirges Bald-Head; sie ist minder tief und geräumig »). H Der Pork-Harbour, an der Mündung des Flusses gleiches Namens. Vor demselben zieht sich ein Felsenriff ins Meer hinein. I. Die Bay der PaScataqua-Hafen genannt. Er ist einer der vorzüglichsten in ganz Nordamerika, sowohl wegen seiner Größe, Tiefe, Güte des Untergrundes, als auch wegen der vor allen Stürmen gesicherten Lage. Er geht über zwei geogr. Meilen ins Land. Die grö- sten Schiffe gelangen bis an das äußerste Ende desselben, die kleineren Fahrzeuge aber biß an die untersten Wasserfälle des Pascataqua-Flusses, der sich in ihn ergießt. Der Haupteingang nördlich an der Küste von Main, ist etwa eine Vicrtelenglische Meile weit, und ein bis zehen Klafter tief. Das ihn umgebende Ufer ist mit Felsen beseht. Die Fluch steigt zehen bis vierzehen Fuß hoch. Eine Bucht derselben ostwärts von der Stadt Porthsmouth heißt der Pool L. Die Passamaquadabay, auch greatBay genannt. Sie ist geräumig, hat einen doppelten Eingang, und durchgehende eine Tiefe von zehen bis zwanzig Klaftern. r) Edelings Lrbbeschr. , B. y. » 7 L- Lor. ») Ebelino a. a- O. S- >76. -) Daselbst. «) Daselbst. 6z6 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. I.. Die Machiaebay; sie!hat inwendig eine sandig- Küste, ist kleiner und minder tief. Die Penobscotbay. Sie erstreckt sich weit landeinwärts, und ist sehr geräumig; ihre Sstscite ist von einem großen Jnselhausen und die Westseite von hohen Bergen gedeckt. Zm Grunde derselben liegt oben nordwestlich die Belfastbay, und gegen über, der, Hasen Bagaduse. Die Broadbay; etwa vier Seemeilen westlich von jener. Sie liegt beim Vorgebirge Pemaquid, unter dem Schutze eines Berges in Nordosten, und Kieler Inseln vor dem Eingänge. Sie geht zwei gcogr. Meilen ins Land hinein, ist aber keine Meile breit. O. Die Zpswichbay, mit dem Neubury-Harbour, welcher wegen des flachen Wassers auf einer Sandbank am Eingänge nicht für große Schiffe tauglich ist. Vor ,hm liegt die lange und schmale Plumbinsel. ^ k. Die MassachusetSbay. So heißt die See vom ! Vorgebirge Ann bis südwärts über das Cape-Cvd hinab, deren südliche Gewässer die Cape-Cvdbay ausmachen. Von jener sind die Cape-Cod Hafen, welcher drei Engt. Meilen ins Land geht, und der Boston Haftn der innere Theil. Letzterer ist so weit, tief und sicher, daß Zop Schiffe darin vor Anker liegen können: allein der Eingang Ist durch die vielen, in und vor dem Hafen befindlichen Znseln und Sandbänke so enge, daß kaum zwei große Schiffe durch das Fahrwasser zugleich einlaufen können. Für kleinere Fahrzeuge sind mehr Zugänge vorhanden. Die Nantasket-Rheede bei Point Aldcrton gehört zu diesem Hafen. Die Eape-Codbay wird von dem Halbzwksl einer Erdzunge eingeschlossen, und hat oben bei ihrer Oeffnung zwischen den beiden Landspitzen Gurned-Hcad in Westen, und Racc-Point beim Vorgebirge Cod in Osten eine Weite von etwa sechs See- ! Das westliche Weltmeer. 657 weilen. Sie ist tief und überaus sicher. Die Fluch steigt innerhalb derselben auf zwölf Fuß, und die Spring- fluch sechszehen: da sie auf der Ostscite des Cape-Cod und in der nahen Buzzardebay nur eine Höhe von fünf bis sechs Fuß erreicht. Innerhalb dieser liegt die Ply- monthbay, welche ein enges nicht sehr tiefes Fahrwasser zwischen Sandbänken hat. Der südliche Theil der Cape, Cobbay wird die Darnstaplebay genannt *). (Z. Die Buzzardsbay. Sie liegt auf der Südseite der großen Erdzunge, welche die Cape-Codbay einschließt, und enthalt mehrere gute Häfen. Die Inseln hier herum haben keine gute Häfen: viel, mehr ist der Sund zwischen denselben und der Erdzunge, wegen der Krümmungen des Fahrwassers, durch die vielen unsteten Sandbänke und Untiefen der Schiffahrt äußerst nachtheilig. Noch weit gefährlicher sind die Sandbänke, welche sich von der Südostspihe der Insel Nantuket, südostwarts bis gegen den N. Br. in die See erstrecken, und sich in einen Klippenhausen endigen, an welchem alle Jahre viel Schiffe scheitern. U. Die Narragansetbay — ehemals Nahantikbay — trennt das südliche feste Land von Rhode-Island, ist gegen vier geographische Meilen lang, und endigt sich oben in die Prvvlüence - Bristol, und Mount, Hope- bayen. Die Inseln dieses Staats, Blok,Island ausgenommen, werden alle von ihr umfaßt. Ihrer Eingänge sind drei, nemlich die Narragansetfahrt westlich, welche fünf bis sechs Klafter Tiefe hat; der Rhode.Islands Hafen, oder die mittlere Fahrt, zwischen der In- sei dieses Namens und dem Eylande Cononnicut, dessen tiefster Kanal funfzehcm bis zwei und zwanzig Klafter hat; und die östliche Seakounet-Durchfahrt vier bis 7 EVeline'S Er-b. 6Z8 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. zwölf Klafter tief. Alle drei sind geräumig, ohne Sandbänke, daher sie einen der schönsten und sichersten Hafen in ganz Nordamerika bilden. Aus der letzter» leitet der sehr schmale und fahrbare Kanal, Pocassetfluß genannt, in die Mount-Hopebay, welche vier bis fünf, und die Providencebay, welche nur drei Klafter lies ist. Die Dristolbay ist nur eine kleine Bucht. 8. Die Newhavenbay. Ein geräumiger Hafen an der Stadt dieses Namens, bei welcher sich eine Untiefe befindet, die sich wohl eine Engl. Meile in denselben hinein erstreckt. Weiterhin hat die Day viertehalb Faden bei der Ebbe, und bei gewöhnlicher Fluch uur zwei Fuß höheres Wasser. Der Ankergrund ist gut, und die Länge der Bay beträgt etwa dreiviertel geographische Meilen. 1. Der Hafen von New London — eigentlich die weite Mündung der Thames — ist einer der besten in Nordamerika. Vom Eingänge bis zur Scadt, welche an seinem westlichen Ufer liegt, ist er meist drei Engl. Mei, len lang, und immer wenigstens drei Vierrelmeilen breit. Er hält durchgehends fünf bis sechs Klafter tiefes Wasser einen reinen Ankergrund, und ist für große Schiffe sicher und bequem. Eine verborgene Klippe ist leicht zu vermeiden. 17. Der Long-Zslands-Sund. Et scheidet die Neü- yorksche Insel gleiches Namens von Connecticut, und ist an der Küste des letzter» Staars minder tief, als an der jenseitigen. Die Fluch steigt darin sechs bis acht Fuß. Er heißt bei den Schiffern der Tcuseisgürtel (üis cksvck dslk), verengt sich in Westen zwischen den Neu- yorkschen Küsten immer mehr, und hängt, mittelst des Höllenthoreö (llsUZats) mit dem Ostfluffe zusammen. Dieser Paß wird durch den Zusammenstoß der Ebben und Fluchen des Sundes und des Oftfiusses, welche hier Das westliche Weltmeer. 639 durch die kleinen Inseln sehr gedränget werden, zwischen Felsenufern und Klippen, sehr gefährlich. Der Sund ist hier eine halbe Engl. Meile, das heftig und nach verschiedenen Richtungen strömende Fahrwasser aber nur 2/jo Fuß breit. In demselben ist nur ein einziger schmaler Kanal, welcher die Schiffe sicher hindurch führt. Erfahrene Lootsen, deren es hier nicht wenige giebt, finden denselben bald, vermittelst der bei so nahen Küsten nicht schweren Landkennung: aber ihn zu verfehlen, ist auch gewisser Untergang. Man vergleicht mir Recht diese Meeresgegend mit der Scylla und Charybdis, so wie sie die Alten beschrieben haben. Südlich ist nemlich ein alles an sich reißender und verschlingender Strudel (lüg ?c>r) über einer zehen Fuß mit Wasser bedeckten Klippe, aus der Nordseite des Stroms ein kaum aus dem Wasser hervorragendes Felsenriff CLKs Li-^inA auch eine Sandbank, an der kleinen Insel Barran nebst einer andern (Hw Lack.), an welchen die^See sich wüthend bricht. Die beste Zeit zur Durchfahrt ist wahrend der Fluth. Die Enge des Sundes oder der westliche Theil desselben hat bis zum Hellgate ein Fahrwasser, gewöhnlich von vier bis dreizehn Klaftern, und nur einmal eine geringe Tiefe von 3; Klaftern, auch verschiedene gute Ankerplätze. Die drei Fclsenhölen auf der Westseite des Hellgate, machen die doppelte Einfahrt, wovon die nördliche nur bei der Ebbe, die südliche aber bei der Fluth sicher ist *). V. Die Newyorkbay. Man kann sie als die Mün, düng der beiden Arme des Hudsonsflusses betrachten. Sie besteht aus zwei Theilen. Die nördliche, oder die eigentliche Bay dieses Namens, wird von New-Yersey, Long-Island und New - York - Island eingeschlossen. ') Ebelinz. Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. 6^a Sie hängt durch einen schmalen Kanal, von den Holländern de Killip genannt — mit der Newarkbay in New-Jersey zusammen, und faßt einige kleine Inseln in sich. An beiden Seiten des Fahrwassers, welches ; Engl. Meilen breit, und Ms bis zehen Klafter tief ist, wird sie durch Sandbänke, die sich wenig verändern, eingeschränkt. Ihr Ausfluß geht'zwischen Staaten-Eyland und Long - Island, durch die Meerenge (r!>s Narrow«), welche kaum zwei Engl. Meilen Breite und in der Mitte acht bis stebenzehen Klafter Tiefe hat. Sie führt in die südlichere Bay, welche größer als die nördliche ist, und sich unten mit der Raritonbay verei, nigt. Nordöstlich geht sie in eine Ducht aus, welche die Gravesanbbay heißt. In Osten und Westen wird sie durch Sandbänke, die von gedachten beiden Inseln auslaufen, eingeschlossen, und hat bts zur Mündung am Meere, bei der kleinen Insel Sandy-Hook in Neu- Jersey, ein Fahrwasser von etwa vier geogr. Meilen Länge, und höchstens ^ Meile Breite. Die Tiefe beträgt vier bis acht Klafter: queer durch die äußerste Mündung aber geht eine Sandbank, welche nur R Klafter tiefes Wasser hat. Die Bay gefriert, außer in den heftigsten Wintern, nie zu: auch ist sie vor Siürmen sicher, nur nicht vor südwestlichen. Ihre Fluch steigt sechs, höchstens sieben Fluch hoch: daß sie frei von Schiffswürmern ist, gehört unter ihre Vorzüge *). HV. Die Rariton-Bay, oder der Amboy-Sund Sie öffnet sich in die Neuyorker, und ist weiter lind tiefer, obgleich auf beiden Seiten von Sandbänken eingeschlossen. An dem einen Ende befindet sich der schöne Hafen von Amboy. X. Gard- *) Edtling. Das westliche Weltmeer. 6chr X. Gardners - Island - Sund; ein Meerbusen an der Ostseite von Lang-Island, welcher einen schönen, zu allen Jahreszeiten und bei jedem Wetter, sichern Ha, fe„ für eine Kriegesflotte enthält. X. Die Delawarebay, Sie hat auf der Seite von Neu-Versey Sandbänke, und darüber höchstens tunfze, hen Fuß tiefes Wasser. Eine Ducht in derselben, die Nantuketbay, ist nur für kleine Schiffe tauglich, denn sie hat nur sechs Fuß Wasser und einen geringen Umfang. 2. Die Chesapeakbay. Durch die Ergießung des Flusses Susquehanna gebildet, an der Küste von Ma- ryland, welche Provinz dadurch in zwei Hälften getheilt wird. AL. Der Meerbusen von Mexiko. Er wird von Louisiana, Mexiko und der Insel Cuba eingeschlossen^ hängt mit dem Weltmeere, durch einige Meerengen und Durchfahrten von geringer Breite, zusammen, und nimmt in Norden viele und große Ströme auf, ob er gleich nicht sehr tief ist. Der südlichste Theil heißt die Bay von Campeche. LL. Der Meerbusen von Honduras. en Berkleisund, die XualtePiabay u.,a. m. Das Cap Victory macht nördlich die äußerste Endspitze der Meerenge aus *). *) Chart« her Maiellanischen Straße von Slmedillo, 176g »»§ xich, Ss 2 »44 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. Die Fahre durch die Magellanische Straße wird für äußerst beschwerlich ausgegeben. Wallis wurde beinahe vier Monate darin uufgehaiten, indem er am 17. Decemb. 1766 in dieselbe einlief, und den n. April 1767 sie wieder verließ. Byron zieht die Fahrt durch Liese Meerenge der um das Vorgebirge Horn vor. Seiner Meinung nach kann Nicht nur ei» einzelnes Schiff sondern auch ein großes Geschwader, zu einer günstigen Jahreszeit, nemttch mit dem Monate December, die Straße i« weniger als drei Wochen durchsegeln, und man hat auf diesem Wege allenthalben Fische und grüne Kräuter zum Genuß in Menge. Look brachte mit dem Umschiffen des Feuerlandes, oder des Caps Horn nur drei und dreißig Tage zu. Hiernach scheint es nun rachsam, diesen Weg zu nehmen: allein hier bleibt immer die Frage übrig, ob es besser sey, durch die Straße 1 e Maire, oder östlich um das Staatenland herum zu steuern. Anson schlägt das letzte vor, Cook aber unterscheidet zwei Fälle, und glaubt, daß man nach Aktleitung der Umstände, bald diesen bald jenen Weg wählen müsse L. Die Straße le Maire. Sie wird aus der Westseite vom Feuerlande, auf der östlichen aber vom.Staa, tenlande begrenzt, und ist etwa fünf Meilen lang und eben so breit. Die Buy des guten Successes liegt fast in der ,Mitte auf der Seite des Feuerlandes, und man erblickt sie, bei der Einfahrt von Norden her, sogleich in der Straße. Dieser Meerbusen dringt etwa . drittehalb Meilen, ins Land. Der Ankergrund ist hier überall gut, und das Wasser 7 bis ro Klafter, tief °). sestellk und verbessert und vermehrt «eu herauS-eaebm »0« SchrSmdl » 787 - ' ° HawkeLworth GesK. 1 Lh. S, 8r. r Lh. S. §7. s«. Das. 2 Th. S. 6i. - -. 'Das südliche Weltmeer.' 645 Das südliche Weltmeer. Das südliche Weltmeer, auch der Indisch» -Ocean genannt. Seine natürlichen Grenzen sind in Osten die Westküste von Neuholland und Neuguinea, in Westen die Ostküste von Afrika, in Norden die Südküste von Asien, rmd in Süden das südliche Eismeer. Seine mathematischen Grenzen können seyn, in Westen der Meridian des Caps, vder der 36 Grad, und in Osten der Meridian der Süd» spitze von Neuguinea, oder etwa der rZo Grad östlicher Län, ge, beide von der Insel Ferro an gerechnet. Es liegt zum Theil in der heißen, zum Theil in der gemäßigten Zone. Auf diesem Gewässer herrschen nicht nur in den verschiede, nen Gegenden desselben, sondern auch zu verschiedenen Iah, reSzeiten ganz verschiedene Winde, worunter die regelmäßig abwechselnder, Monsoone die bekanntesten sind. Diese Win, de sowohl, als die Beschaffenheit des Meeres selbst, welches mit Inseln, Klippen und Untiefen wie besäet ist, machen die Schiffahrt auf demselben äußerst schwierig und gefährlich. Es enthält unter allen Meeren die meisten und grösten In, sein des Erdbodens, nemlich die zahlreichen Inselgruppen der Laquediven, Makdiven, Molucken, Philippinen und Sun, Lischen Inseln in Asien, und in Afrika die große Insel Madagaskar, mit den umliegenden kleineren Inselgruppen, auch außer diesen noch eine Menge zerstreuter Inseln. Als Theile dieses Meeres sind folgende Gewässer zu betrachten. Der Kanal von Mozambique. Er liegt zwischen Afrika und der Insel Madagaskar, welche vormals mit dem festen Lande zusammen gehangen haben mag, zwischen dem iZ und 26 Grad südlicher Breite. Diese Meerenge, an sich von einer ansehnlichen Breite, wird durch Sandbänke sehr eingeengt, welche zu einer freien und ungehinderten Fahrt nur einen schmalen Strich 646 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. übrig lassen. Auf ihr herrschen abwechselnd Ost, und Südwestwiiide-! Es ist eine äußerst stürmische Meeres, gegend, und man hat auf dem ganzen Wege durch den, selben beständig mit fürchterlichen Orkanen zu kämpfen, und mit ungeheuren Wellen, die sich in entgegen gesetz, ter Richtung an einander brechen. Oft stürmt es aus Nordwcsten, Süden und Südwesten zugleich '). L DasArabi-sche, Persische oderJndische Meer; von Afrika, Arahien, Pcrsien und Ost- oder Vorder, Indien begrenzt: es ward vormals das rothe Meer -) genannt, und hat halbjährig abwechselnde Nordost- und Südwestwinde. Wir bemerken in ihm einige Meer, Hufen: diese sind: s) Der Arabische Meerbusen, das Schilfmeer, Jom Suf. Es wird von den Europäern unrich, tig, wiewohl allgemein, das rothe Meer genannt. Der Grund der Benennung ist ungewiß, auch bei den Arabern nicht gewöhnlich. Daß dieser Meer, busen nicht mehr roth sey, als das schwarze Meer, oder der Griechische Archipel, welchen die^ Türken das weiße Meer nennen, oder irgend ein anderes in der Welt, ist durch die Zeugnisse der besten Rei- sebeschreiber hinlänglich bestätigt. Es ist also nicht wahrscheinlich, daß es seinen Namen daher bekom, Le Gentil in den Sammlung rc. s B, S, 257. ») Ueber den Ursprung dieses Namens giebt eS verschiedene Meinungen. Strabo und Arrian nennen den Arabischen und Persischen Meerbusen, nebst dem Meere »wischen Babelmandeb und der Indischen Halbinsel, daS röche Meer. Hervdot belegt den Arabischen Meerbusen mit diesem Namen, aber SfterS noch dem Persischen, und MenochuS nennt allezeit den letzten so. Die wahre Weraulaffung dieses NamenS ist noch un- auSgemacht. Das Wasser ist nicht gefärbt, und eS sind nur hin und wieder Stellen vorhanden, wo dasselbe von gewissen Pflan»en, welche auf dem Boden wachsen, roch erscheint: aber dies findet auch bei anderen Meeren statt. Das südliche Weltmeer. 647 men haben sollte. Der Ocean geht zwischen Arabien und der Insel Socotova in einer südwestlichen Richtung in das feste Land, und bildet die Straße Dabelmandeb. Hier verenget sich das Gewässer, und erweitert sich hernach in dem Arabischen Meerbusen, welcher sich zwischen Arabien einer, und Abys- sinien, Nubien und Egypten auf der andern nordwestlich zieht. Die bekannte Erdenge von Suez scheidet ihn von dem mittelländischen Meere, und macht gleichsam einen Damm gegen die Gewässer des erstem, welcher die Vereinigung beider hindert. Es sind Gründe vorhanden, welche vermuthen lassen, daß der Arabische Meerbusen wirklich höher siehe, als das mittelländische Meer, und daß ein Anwachs des letzter» erfolgen müsse, wenn diese Erdenge zerstört werden sollte: allein auch angenommen, daß der Stand des Wassers in beiden Merren gleich hoch wäre, so würde doch die Fluch, welche den Arabischen Meerbusen viele Fuß hebt, eine große Menge davon ins mittelländische Meer treiben. Die Fläche dieses Meerbusens beträgt an Z^cx, O.uadratmeilen. Sein oberer Theil heißt Bahr (Meer) Kolsum, von einer Stadt dieses Namens, welche in Egypten am Gestade dieses Meeres lag, und endigt sich oben in zwei kleine spitz zulaufende Golfe. Der eine längere, Bahr Assuer oder Linus dk-ro^olitsrms, zieht sich nordwestlich zwischen Arabien und Egypten bis zur Stadt Suez; der andere Bahr el Alcoba, oder Linus aelanüss dringt in das steinige Arabien ein. Bruce *) merkt an, daß in diesem Meere alle Häfen auf der Westseite tief, auf der Ostseite hingegen versandet seyen, mit ») «eisen - B. S. S7;. 648 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. vorliegenden Bänken- Dies rührt unstreitig von den heftigen Nordwestwinden her, weiche ldie einzi- gen beständigen starken Winde auf diesem Meere find. Sie erzeugen schnelle Stürme, welche an die Qstküste stoßen, und den Sand, welcher aus Arabien hinein geweht wird, daselbst anhäufen. Kircher ') behauptet, daß dieser Meerbusen mit dem mittelländischen Meere eine unterirdische Gemeinschaft habe, -und führt zur Bestätigung an, daß man im Jahre 1342 in dem Meerbusen einen , Deiphin gefangen, und ihu mit einer an ihn befestigten Kupftrtafel -) wieder in Freiheit gesetzt, da er denn noch in demselben Jahre, bei Damiate wieder. gefangen worden. Wenn die Sache sich wirklich so verhält, so scheint es kaum möglich, daß dieses Thier in so kurzer Zeit den Weg um ganz Afrika hätte zurück legen können. D Anville hat in den lVlsmoii-ez «ur l'LMpra von diesem Meere eine Charte geliefert, und eine genauere besitzen wir von Niebuhr. b) Der Persische Meerbusen. Nachdem das Meer bereits einen tiefen Busen mir einer weiten Mündung gebildet hat, verengt es sich auf einmal in eine Straße, welche von der an ihr liegenden Stadt ^ Ormus den Namen führt. Diese Straße ist nun der Eingang zu dem Persischen Meerbusen, welcher sich nordwestlich ins Land hinein zieht. Er grenzt nach Süden und Westen an Arabien, gegen Osten und Nordosten an Pcrsien, und erstreckt sich in der Länge von dem Arabischen Vorgebirge Muffun, r) IVttrnL. SM)terr. 1°. i. x. A6. igi. «) Mit der Inschrift- Abdalla, Daffalvon Sue», schenkt, Mir daS L«' Sen mit diesem Zierratye im Jahre 7L0 der Herira. Osts südliche Weltmeer. 64s dan bis Schat el arrab, oder bis an den Ausfluß des Euphrats und des Tigris. Die Stürme, welchen jene Straße ausgesetzt ist, haben zur Gewohnheit der Indischen Schiffer Anlaß gegeben, ein kleines Fahrzeug zu bauen, welches sie als ein Opfer zu Salem in das Meer stoßen, um die Wuth der Wogen zu stillen. Zur Zeit der Nordwestwinde, welche hier den ganzen Sommer hindurch herrschen, ist die Fahrt sehr gefährlich *). Dieser Meerbusen ist der Perlenfischerei wegen, die an seinem Strande betrieben wird, von Alters her berühmt. Plitt ius gedenkt der Znsel Tylos darin, als xlnriinis In8i-Z3rlli8 cslsberrlma. Er tritt auf zweihundert Meilen ins Land. Der Arabische und Persische Meerbusen sind einer starken Ebbe und Fluth unterworfen, und nehmen Theil an den Bewegungen des Oceans. Sie liegen nicht, fern vom Aequator, und ist also die Bewegung des fluchenden Meeres vorzüglich stark; sie find beide lang und schmal, jedoch wird in dem Arabischen Meerbusen eine weit heftigere Aufwallung des Meeres verspürt, weil er, obgleich dreimal so lang und eben so enge, doch keinen einzigen Strom in sich aufnimmt, welcher der Bewegung der Fluth entgegenarbeiten könnte: dahingegen der.Persische Meerbusen an seinem äußersten Ende landwärts beträchtliche Flüsse verschlingt. Von diesem Meerbusen hat D'Anville ebenfalls eine mit vielem Fleiße ausgearbeitete Charte geliefert, und hernach Niebuhr. e) Der Meerbusen von Sindi, berühmt wegen der Schnelligkeit und Höhe des fluthenhen Meeres. ») Der Pages leistn. S. ;o6. z»7- 650 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. Hier wächst das Wasser geschwinder, als in irgend einer andern Gegend des Erdbodens. Eine Menge großer Ströme, als der Indus u. a. ergießen sich in denselben. ü) Der Meerbusen von Cambaya oder Guzu rate. Er geht über fünfzig bis sechszig Meilen ins Land, und nimmt zwei ansehnliche Ströme auf, den Tapti und Baroche, welcher letztere beim Pietro della Valle der Mezzt heißt. 6. Der Golf» von Bengalen. Ihn schließt in We- sten Vorderindien, und in Osten Hinrerindien, ober/ aber Bengalen ein, in einer wetten gegen Süden gekehrten Münduyg, In Westen verbindet ihn die Straße von Zei- ton mit dem Arabischen, und in Osten die Straße von Malacea mit dem Indischen Znselmcere. Die letztere scheidet die Halbinsel Malacea und die Insel Suma- tra von einander. Sie ist Stürmen und häufigen Ge- wittern, auch einer Gattung von Wirbelwinden ausgesetzt, welche die Portugiesen Sumatra nennen. Die Fahrt darin geht zwischen zwei Sandbänken hindurch, und ist so enge, daß die Schiffe leicht auf den Strand gerathen können, wenn sie nicht alle Vorsicht gebrauchen. Die eine dieser Sandbänke liegt von Nordwesten nach Südosten hin gestreckt, die andere zieht sich mehr von Osten nach Westen. Jene hat zwei bis vier Klaf, ter Tiefe, und an der nördlichen Spitze ein bis anderthalb. Die Winde sind periodisch, wie im Arabischen Meere *). v. Der Indische Archipelagus, ein Meer der periodischen Ost- und Südwinde. Es begreift in sich: ->) Den Meerbusen von Siam; in Süden von der Halbinsel Malacea, in Westen und Norden von »d Le Gentil a. a. O. S. 8L- Das südliche Weltmeer. 651 dem Königreiche Siam, und gegen Osten von dem Königreiche Camboya eingeschlossen. b) Den Meerbusen von Tungkin; begrenzt in Westen und Norden von» .Königreiche Tungkin, und in Osten vom Chinesischen Reiche. Hier tritt eine Erdzunge heraus, welche unten durch eine Straße von der Insel Hainan abgesondert ist. Aus dem Chinesischen Meere läuft die Fluth gegen die Küsten von Cvchinchina zwischen den Paracellen (einer unzähligen Menge kleiner Inseln und Schären, welche eine längliche, an vierhundert Englische Meilen von Süden nach Norden gedehnte Gruppe bilden) und der Insel Hainan hindurch. Da nun das Gewässer, wenn es von jener Küste zurück kommt, nicht Stärke genung hat, der unablässig von Osten andringenden Fluth zu widerstehen; so wird es längs der Küste hinauf nach Norden in den Meerbusen getrieben, wo es keinen andern Ausweg findet, als die schmale Meerenge zwischen Hainan und jener Erdzunge. Da aber dieser Kanal gerade nach Osten geöffnet ist, so wird das Wasser, welches der unabänderliche Strom herbei führt, solchergestalt in den Busen gezwängt, wo, durch er ungewöhnlich hoch anschwellt. Hieraus entstehen nun sehr hohe Fluchen, und jene Unregelmäßigkeit in der Bewegung des Wassers, deren oben Erwähnung geschehen ist *). c) Das Südchinesische Meer (Nan-Hai), welches in Osten die Inseln Formasa und Luzon oder Manila, in Norden das Chinesische Reich, in Westen ') Reis« der EliM/wen G-fandschase aa Seu Kaiser in China von Staun» ron i Band S- 4«6. 6z 2 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. das Reich Cochinchina, und in Süden die Insel Borneo u. a. begrenzen. Außer diesen merken wir noch einige durch die Reift, berichte der Seefahrer bekannt gewordene Meerengen und Straßen an: s) Die Straße Sunda, Sonda; zwischen dem westlichen Ende der Insel Sumatra und der öftli, chen Spitze der Insel Java. Ihre Länge an der Seite von Java, bis an die Spitze von Bantam wird auf zwanzig Teutsche Meilen, an der Seite von Sumatra aber auf sunfzehen Meilen gerechnet. Ungefähr anderthalb Meilen von der Javanischen Küste liegt das Prinzen-Eiland in der Mündung der Straße. Durch die Lage dieser Insel, die je« doch von Sumatra weiter als von Java entfernt ist, wird der Kanal in zwei Hälften getheilt, und müssen die Schiffe, welche nach Batavia bestimmt sind, nach der Richtung der Insel einen nördlichen oder südlichen Eingang nehmen: jedoch ist jener bei weitem der bequemste *). t>) Die Straße Banca, zwischen den Inseln Sumatra und Banca. Sie ist fast so breit, als der Kanal zwischen Frankreich und England, und hat in der Mitte vier und zwanzig Klafter Tiefe -). c) Die Straße von Macassar, zwischen den In, sein Borneo und Celebes oder Macassar. Das östliche Weltmeer. Das östliche Weltmeer, oder der große Ocean, übertrifft, der Länge und Breite nach, an Größe alle Haupt- ») SoreneelS Auswahl der Nachrichlen ,ur Aufklärun, der Wölker- und Länderkunde, z V. S. L 5 - ')HawkeSwor:h -c. i V. S. 127. Das östliche Weltmeer. 625 meere bei weitem. Es erstreckt sich in einer Ausdehnung von hundert und dreißig Graden, oder beinahe zweitausend Seemeilen, von der östlichen Küste Asiens bis zur westlichen von Amerika, nervlich vorn iZo bis zuni 260 Grade, als so viel die Entfernung beider Welttheile von einander da ausmacht, wo sie am grasten ist. Look irrte in den hohen Breiten desselben vier Monate und zwei Tage herum, und legte dreitausend Seemeilen zurück, ehe er Land erblickte. Dieses ungeheure Gewässer wird für die heutige Erdkunde sehr unschicklich, wiewohl fast allgemein, das stille, friedfertige Meer (mars xsclüeurn) genannt, indem die neuesten Weltumseglrr es um einen Theil des Ruhms gebracht haben, welchen es wegen seines ruhigen Verhaltens, au« Unkunde, seit Magellans Reise behauptet hatte. Dieses Meer ist nur zu gewissen Zeiten und an manchen Orten stille, besonders in demjenigen Theile, welcher zwischen den Wendekreisen liegt, weil daselbst das ganze Zahr hindurch östliche Passatwinde wehen, und Stürme selten find. Des Pages segelte im zchenten Grade N. Dr. vierzehen Tage lang, ohne einen Tau und die Stellung der Segel verändern zu dürfen. Außerhalb der Wendekreise, auf beiden Seiten, sind die Winde veränderlich, und' das Meer ist stürmisch, hauptsächlich in seinem nördlichen Theile, wo es den fürchterlichsten Orkanen ausgesetzt ist "). Der Aequator theilt dieses Meer in zwei fast gleiche Theile, in das nördliche und südliche. Was von dem Krebszirkel gegen Norden liegt, hat bisher noch keinen Namen erhalten: was aber gegen Süden vom Zeichen des Steinbocks liegt, heißt eigentlich das große Südmeer. Das östliche Weltmeer hängt in Norden durch die Beh- ringsstraße mit dem nördlichen Eismeere zusammen: in Süden aber gegen den Antarktischen Zirkel mit dem südlichen ») HawkeSwocrh Gksch. r xh. S. 447- x 664 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. Eismeere. Auf den Seiten gegen Westen und Ästen sind die Gestade von Amerika und Asien seine Grenzen. Zn Südwesten hat sich seiner Gewalt die Felsenreihe des Zndi, schen Archipels entgegen gestellt/ an welcher die Wogen sich brechen, und durch die Kanäle zwischen den Inseln sanfter in den Indischen Ocean hinein strömen; in Südoften verbin- bet es die Magellanische Straße mit dem Äthiopischen Meere. Dieser weit ausgedehnte Ocean läßt sich in drei beson, dere Meere theilen, nemlici- a) in die Nordsee, K) in die Mittelst und c) in die Südsee des großen Oceans. Die Nordsee des großen Oceans. Sie reicht von Behringsstraße bis zum Wendezirkel des Krebses, und liegt folglich in der nördlichen gemäßigten Zone. Auf ihr wehen veränderliche Winde, worunter jedoch die westlichen die herrschenden sind. Als Theile dieses Meeres merken wir an: Zn Norden: A. Das nördliche Jnselmeer, auch das Meer von Kamtschatka genannt. Oben verbindet es die Behringsstraße, oder, nach einer ältern Benennung, die Meerenge Anian, welche Büsching mit dem Namen die Cooksstraße bezeichnet wissen will, mit dem nördlichen Eismeere. Diese Meerenge befindet sich zwischen der Tschutkischen Landecke, oder dem Nordcap, auf der Seite Asiens, und einer Spitze des festen Landes von Amerika, dem Cap des Prinzen von Wales, zwischen dem 66 und 66 Gr. N. Br. Nach den Berichten und Charten von den Entdeckungen in diesen Gegenden fällt die Spitze Asiens in den 20 g;- Grad, so wie die gegen über liegende unter den 2 vgL Grad der Länge des Meridians von Ferro. Soichemnach enthält die Breite der Straße einen Grad, welchen die Russischen Charten auf vier bis fünf Grade bestimmen. In Westen wird das Das östliche Weltmeer. 65s Meer von der Halbinsel Kamtschalka, und in Osten von der westlichen Küste von Nordamerika begrenzt. Unten scheidet es eine Reihe Inseln, welche sich von Kamtschatka bis nach Alaska hinüber zieht, und unter dem Namen der Aleutischen, Adreanofschen und Fuchs, jnseln bekannt sind, von dem übrigen Theile des Oceans. Aus ihm geht der Nortonsund und die Bristolbay in das feste Land von Amerika hinein: auf der Asiatischen Seite aber der Anadyrsche Meerbusen, in welchen sich der Fluß Anadyr in einer weiten Mündung ergießt, tief ins Land; und macht das Vorgebirge des H. Thaddäus in Süden seine äußerste Spitze. In Westen. A. Das Ochozkische, oder Tungusische Meer, auch Lam genannt. Es liegt jenem Meere in Südwesten, von welchem und dem übrigen Theile des Oceans es durch Kamtschatka und die Kurilischen Inseln getrennt wird, mittelst welcher jene Halbinsel mit der Nordspihe von Japan zusammen hängt. Es endigt sich oben in das Penschinsche Meer in einer nordöstlichen Richtung, welches in zwei kleine Meerbusen ausgeht, nemlich den Golf von Jeshiga und Penschina Die Insel Sacha- liän.'Anga-Hata, oder die Insel der Mündung des schwarzen Flusses, bildet zwischen ihr und dem festen Lande eine Meerenge in einer gekrümmten Richtung. Büffon nennt dieses Gewässer unrichtig das Meer von Kamtschatka, ein Fehler, welchen er aus dem Russischen Atlas aufgenommen hat L. Das Meer von Korea. Es hängt in Norden mit jenem Meere durch die Straße Tessoi, zwischen dem festen Lande und der Insel Matsumy zusammen, und -) Charte »er Entdeckungen iwischen Siberien und Amerika SIS »UM I. »7So. in P»uaL neue n»rd. Bein. I B- 6Z6 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. wird östlich durch die Japanischen Inseln, westlich aber von der Halbinsel Korea und der Chinesischen Tartarey begrenzt. Gegen Süden vereinigt es sich durch die Straße von Korea mit dem östlichen Chinesischen Meere. O. Das Sstchinesische Meer (Chin. Tong-Hai). Es macht in seinem nördlichen Theile einen Busen, welcher bei der Mündung des gelben Flusses (Hoang Ho) auf der einen, und bei der Insel Fougma auf der andern Seite seinen Ansang nimmt, und sehr tief ins Land geht. Er bildet zwei Golfe, den einen, die Bay von Nankin, und den andern, welcher sich bis an die Provinz Pckin erstreckt, etwa fünf und vierzig Meilen von der Hauptstadt dieses Namens. Dieser Meerbusen, welcher von China, der Tartarey und der Halbinsel Korea begrenzt wird, und Hoang-Hay, oder wie andere schreiben, Wharrg-Hay, d. i. das gelbe Meer heißt, ist erst in den neuesten Zeiten genauer bekannt geworden: besonders durch die Reise der Englischen Gesandschaft an der Küste von China im Jahre 1793, welcher wir auch eine richtige Charte desselben verdanken. Man fand die Tiefe dieses Meerbusens nie über 42 Faden, in tiefem Wasser den Grund meistens schlammig, an der seichten Stelle aber sandig. Das Ostchinesische Meer, und das Meer von Japan ist ein höchst unruhiges Gewässer, und berüchtigt durch Wasserhosen, Orkane und fürchterliche Stürme. Hier hängt das ganze Glück der Schiffahrt von der Güte der Segel ab. Das Fahrwasser von Batavia nach Japan, auf beiden Seiten der Insel Formosa, ist so gefährlich, daß von den dahin gehenden Schissen gewöhnlich das fünfte verloren geht. Der gefährlichste Zeitpunkt fällt in den Wechsel der Monsoons oder Passatwinde. Die« ser.Wechsel trifft gewöhnlich in die Monate April und Oktober, indeß oft auch beträchtlich früher und später. Der Das östliche Weltmeer. 657 Der gefährlichste ist der, wenn sich der Mmd von Nordosten nach Südwesten verändert, weil dann insge- mein heftige Stürme die See aufregen. Besonders pflegen sie an der Küste von Japan außerordentlich zu wüthen, und wenn sie zu einem Tuffun werden, so kann keine Gewalt und Stärke ihnen widerstehen. Ihre Verheerungen sind unglaublich, und nicht minder unbegreiflich ist die Wuth, mit der sie aus jeder Himmelsgegend toben *). In Osten. Hier verdienen folgende Busen, Sunde und Einfahrten an der Westküste von Amerika bemerkt zu werden: A. Der Cooksfluß; lm 69 Grade N-Br. und 256 Gr. östlicher Länge von Greenwich. Ein Arm des Meeres, welcher nordöstlich tief in das Land geht. L. Prinz Williams Sund; in demselben Grade der Br. und 212 Grade östlicher Länge von. Greenwich. O. Croß-(Kreuz-) Sund; um den L6I Grad N. Br. und 222z Grad östl. L. v. G. v. Portlokbay; im 57Z N. Br. und ^23, östl. L> ») Man nennt das fürchterliche Phänomen, welches flch, bei dem Wechsel der regelmäßig herrschenden Winde, in den Meeren von Indien ereignet, Tuffun, Liffun. Gegen das Ende eines MvnsvvnS scheine sich die Atmosphäre mit elektrischer Materie zu überladen, die alSdenn in Ge wittern, Wirbelwinden, Wasserhosen losbricht. Von so gewaltsamen- Skörungen des atmosphärischen Gleichgewichts find die Beispiele in den gemäßigten Erdstrichen äußerst selten oder gänzlich unerhört. Zu diesen Zeiten hütet man flch sorgfältig in See i» gehen, und nicht selten erhält der Sstpassatwind »or dem Dezember diejenige Beständigkeit, welche alle Gefahr benimmt. Mrar es in der Geschichte der Reisen >e. r B. S. S>. S-. Tt 6Z8 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. L. Salisburysund; im 5?Z Gr.N.Br.und224^^r^ ^ östl. L. v. G. r. Norfolk fund; im 57 Gr. N. Dr. und 225 Er. der vorged. Länge. O. See 0 ttersund; im 55 ? Gr. N- Dr. und 22bß Gr. der Länge. H. Bucarellysun d; im 55; Gr. N. Br. und 227 Gr. der Länge. I. Nepeanfund; zwischen dem 53 und 54 Grade N. Vr- und 2Z0 und 233 östl. Länge. Vor ihm liegen die beiden Inseln der Königinn Charlotte, welche durch Dix0nL Meerenge von der Amerikanischen Küste, unter sich aber durch den Renn eis fund getrennt werden. L. Nutkasund. Coo? entdeckte ihn auf seiner letzten Seereise, und gab ihm den Namen Königs Georg Sund; bei den Anwohnern ist er unter jener Denen, nung bekannt. Sein Eingang fällt in den 49 Grad 33 Min. nördl. Breite und in den 2Z3 Gr. 12 Min. vergeb, östl. Länge. I.. Barclay 's fund; im 49 Gr. N. Br. und 234 Gr. der Länge. Er ist nicht so geräumig als jener, enthält aber viel sichere Ankerplätze, nnd den guten Hafen Es, fingham. LI. Fuca's Einfahrt; zwischen dem 46 und 49 Gr. N. Dr. und dem 235; Gr. östl. Länge. Sie ward im Zahre 1592 vom Juan de Fuca, einem Griechen, in Diensten der Spanischen Krone gefunden, ihr Daseyn Das östliche Weltmeer. 659 ward in der Folge verdächtig gemacht, aber 1787 durch den Cap. Barclay bestätigt, indem er sie mit allen vom de Fuca angegebenen Merkmalen wieder entdeckte. N. Quiksandbay; im 45 ' Gr. N. Br. und 236 Gr. der Länge. v. Agnillarü Einfahrt; von Sebastian Fiscaino 1602 im ^3 Gr. N. Br. entdeckt. In der Gegend von dem 43 Grade N- Br. etwa bis zum Z7 Er. und noch höher ist es nun, wo man anstatt einer ausgebreiteten Fläche festen Landes, einen ungeheuren Busen des großen Oceans, oder ein mittelländisches Meer von vielen hundert Meilen ln der Länge und Breite ivahrgenommen haben will. Er ist das Westmecr, welches in Absicht seines Daseyn« nunmehr keinem Zweifel weiter unterworfen seyn soll, obgleich die Lage seiner Theile noch nicht ins Reine gebracht sey: vielleicht aus dem Grunde, weil die Brittischen Seefahrer, welchen man die neuesten Nachrichten verdankt, die Sache absichtlich zu verdunkeln gesucht haben. Da die Versuche, eiue nordwestliche Durchfahrt von Osten her, aus der Hirdsonsbay, bisher von keinem glücklichen Erfolge begleitet gewesen sind', sie auch vielleicht nie erforscht werden wird, weil der Geist des Monopols, weicher in Ansehung dieser Bay in England herrscht, die Auffindung derselben eher hindern als befördern wird; so ist dies vielleicht von Seiten des großen Oceans her zu erwarten. Hier scheint eine Durchfahrt möglich, wo nicht mit großen Schiffen, doch mit kleineren Fahrzeugen, wo nicht eine eigentliche Durchfahrt, jedoch auf eine andere Weise eine Verbindung mittelst der Flüsse und Seen. Tt 2 Fünfte Aöth. Vierter Abschnitt. 66c> Ueberhaupt waren die Westküsten von Nordamerika, oder Neu-Albions lange unbekannt, und sie wurden, so wie die gegen über liegenden Asiatischen, häufig verrückt, erweitert, verenget, durch muthmaßliche Ströme, Inseln, Einfahrten zerstückt, und hier überhaupt der Einbildungskraft ein weiter Spielraum gelassen. Ob sich nun gleich durch die Bemühungen der neuesten Seefahrer ein großer Theil der Dunkelheit verloren hat, so bleibt doch noch vieles aufzuklären übrig '). k. Der Merbusen von Californien, welcher auch inars vei-mejo heißt, zwischen der Halbinsel Californien und dem festen Lande von Amerika. Die Mittelsee des großen Oceans, oder das eigentlich sogenannte stille Meer. Es liegt zwischen beiden Wendekreisen, folglich in der heißen Zone, hat Ostpassatwinde, und enthält die schönsten und grösten Inselgruppen Australiens, und in Osten an der Amerikanischen Küste: Man seh«: Charte des Nordens von Amerika', zur Beurtheilung »er Wahrscheinlichkeit einer nordwestlichen Durchfahrt gezeichnet von G- Ferster und gestochen von Zäck. Berlin 1791. Entwurf der neuesten Entdeckungen an der Nordwestküste von Amerika von G. Förster gestochen von L- Läck >791. Um bei dem Streite, ob jene Küsten festes Land oder zerstreuet« Inseln find, Gewißheit zu erhalten, bekam Van» couver, ein ehemaliger Reisegefährte CookS, den Auftrag, dort alle Meerbusen, Mündungen der Flüsse, Einfahrten und Straßen auf das genaueste zu untersuchen: und er hat dieses gefahrvolle Unternehmen mit der grösten Vorsicht und Beharrlichkeit so glücklich ausgeführt, daß alle bisherig« Hoffnungen, dorr auS einem Meere inS andere schiffen zu können, völlig Verschwunden sind. -V vo^aze ok tks Korst Laoiüo Ocean anst ronnst riis VCorlst bx Oax. Vanconvera Eine darin befindliche Charte stellt im Allgemeinen dir ganz« nordwestlich« Küste der neuen Welt, nach seinen Erfahrungen vom zo bis zu»» Ls Gr. N. Br. genauer und vollständiger dar, als alle bi« jetzt vorhandenen Darstellungen dieser Länder. Das östliche Weltmeer. 66, A. Den Meerbusen von Panama. Da sich Amerika in dieser Gegend von einer ansehnlichen Breite in einen schmalen Strich Landes zusammen zieht, so wird dadurch ein Golf mit einer weiten Mündung gebildet. L. Die Bay Bonaventura. 6. Den Meerbusen von Guapaquil. Die Südsee des großen Oceans; von dem Wendekreise des Steinbocks bis zum südlichen Etsocean. Sie hat wieder veränderliche Winde, unter welchen die Westwinde herrschend sind, In diesem Meere befindet sich Neuseeland, welches aus zwei Inseln besteht, die durch die etwa vier bis fünf Meilen breite Cooksstraße getrennt werden; ferner Neuholland, welches durch die Endeavoursstraße von Neuguinea abgesondert ist. Sonst ist dieser Theil des Meeres ganz rein von Inseln. An der westlichen Küste von Chili und Magellans-Land befindet sich: Der Golf von Chonos, oder der Archipel Guate- cas. Die ansehnliche Insel Chiloe streckt sich vor demselben der ganzen Länge nach hin. L. Der Meerbusen von St. Trinidad über der Ma- gellanischen Meerenge, vor welchen die Dreieinigkeitsinseln liegen. Das südliche Eismeer. Dieses Meer hat den Pol zum Mittelpunkte, und erstreckt sich wett in die gemäßigte Zone hinein, so daß man 662 Fünfte Abth. Vierter Abschnitt. feine zirkelrunde Begrenzung wenigstens schon auf den sech, zigsten Grad südlicher Breite sehen muy. In dieser Aus« dehnung kommt es der Inselgruppe, welche das südliche En, de von Amerika bildet, sehr nah, und erreicht das südliche Thule, welches sich vielleicht in dasselbe hinein erstreckt. Es ist ein unfahcbares Gewässer, wegen des Treibeises, der Eisfelder, Stürme, Nebel und Kälte. Cook war der einzige, der es rings herum umschiffte, und sich auch hinein wagte. Bis jetzt ist darin noch keine Spur vom Lande ent« deckt worden, und ein bewohnbares Comment ist hier gar nicht zu erwarten *). ») S- oben. N-'rlni, gedruckt bei G. Hayn, in der Zimmerstraße Ro.sg. Bei Nauck in Berlin sind verlegt. I. Philologische und Schulbücher- Dictionaire ^ortatik lran^ois et allemsnd, et Lllemand Lran- cois, oder gcer Hieil lies klandbucbs der sraiirosisciien L^raclie, Ar. g. (unter der Drelle.) slicii ttnuI) tbe enAÜrb and uerman. Ar. Z, (unter d. Lrede.) Ebers, I. Englische Sprachlehre für die Deutschen, nach Sheri- dan's und Waiksr'S Grundsätzen, -te mit Accenren versehene Aufläge- gr. 8. izov. so Gr- für Schulen und in Menge genommen ?6 Gr. Fibel — neue — mit Kupfern au- der Naturgeschichte. 8. gebunden- 5 Gr- (Das Dutzend davon i Rthlr. rs Gr-, gebunden - Rthlr.) — dieselbe mit illum- Kupfern, gebunden s Gr- (Da- Dutzend ; Rthlr- 6 Gr., gebunden g Rthlr. r« Er.) Orammaire nonvelie tianxoise et allemrnds a 1'uIaAe des ecotes x- I- Lrnour. IIäs eäition. . Liceronis Vita ex oratori» scri^ris excer^Iit Verba ixsa retinuit 178z. 1 lirblr. Z (sr. — pr-rexes>til ct exeni^la rocke kaeiendi, bene dicendi e Cicerone , in usum ls^mnaiii keAÜ soacbimi 80. L0L0A. g 6r. Müchler, I. G- Französisches Lesebuch für die ersten Anfänger. Zke Allst, 8. 179s. 6 Gr. Ovlds lAevsinorpbossn kür Sobulen, von 6. X. L. Leides, nur einem VvorrrercllcLr. g. 17^6 0 Or Poppe, I. F. Grundriß der Europäischen Staatengeschichte, in Verbindung der Erdbeschreibung und Sraatskunde zum Gebrauch der Schulen, gr. 8. 12 Gr. Dbe Vicar ok Walcekesd, accenruirr von st. Lbsrs. g. 1797. r6 6r. Woll, 1° L. Lrsske an Herrn Hosratb Ile^-ne. Lins sseilaAs 2U den neusten ssnlersucbuuAen über den Homer, 8- 17,^7. 12 ssr. Xeno^bontis ^ro^raedia, Araece. hfaclr der 2 eunifeben A.ns- Aabs, mit einem Wortregister von kbieme, Z. 16 6r. Von allen diesen Bückeru finden für Schule», wenn sie in Menge von 10 Exemplaren genommen werden, noch geringere Preise Statt, als die hier angegebenen, obgleich auch diese schon sehr billig Asttzt sind. n. Juristische Bücher- Amelangs, Archiv des Prenß. Rechts, n Baud 1799. r Rthlr. 18 Gr. desselben ar Band. gr. 8. 1799. r Rthlr. i- Gr- Beiträge zur Kenntnitz der Justizverfassuna und der juristischen Literatur in den Preuß. Staaten, von Eisenberg und Stengel ir — 5r Bd. gr. 8. 7 Rthlr. 12 Gr. Igger», v. Oehrbuclr des d4stur und rlllgeinciiien krivst- reebts und genieinen ?reuüisciien kecltts, in 4 landen. 1797- Ar. g. z kldlr. 12 Or. Oericlirsordnung — Lllgerneins — kür die kreuilis. Ltssteu A llieüe. gr. 8 . 4 Iltlilr. Ü Or. OLndrecbt — allAkineines — kür die kreulltkdhen gtLLten, 4 Drude 1794 - A74 8 . 6 Dtliir. — dnlkeibe ant LebweitLerpa^isr g Kltilr. — Luk Lllhreib^ilxier mit breitein ksnde in Ar. 4- 9 ldtblrr III. Botanische Bücher. ldnns — 6. -1. — Lpecies ^Isntarum, curr Wlldenore. I'cnn. I. und II. Ar. g. 1799. 7 Dtblr. ig Or- Wildenow, C. L. Berlinische Banmzucht mit Kupfern, gr. 8. 1796. 2 Rthlr- ar Gr. IV. Medizinische Bücher. Iltugustin, Os I'r. 14 . — de ö^>inr ventokn oilium eccedunc icone» ^uetuor. 4 1798. 1 Htblr. 12 Or. O^ihemeriden, medicinikclre, IierLusgegeben ^om Oeibmedi, du» I'oriney. 1. 8tüch. g. 1799. 16 Or. Voetr, Or. 0 . — de morbis ligamentorum, ex msteriei eni- mglis, cuin obkervLtione Dlecltelii Lccedunt icone», duo. 4. dkaj. 1799- I ktblr. Ilarwood, D. 3 /Üem einer vergleichenden. Anatomie und Dli) liologis, aus dein Onglikcnen rnit Anmerkungen und 2IusLtren von 0. WiedemLnn I. Oekc. ülit 10 Lupker- titleln rnedisn. 4- ^798. g Utirlr. Noch! sind bei mir verlegt: Rouffeaus sämmtliche Werke, übersetzt aon C. §. Cramer, io Theile. Druckpap. ü Rthlr. 2; Gr. — dieselbe« auf Schreibpav. mit Kupf. ' 9 Rthlr. 4 Gr. — dieselben auf Holland. Pap. mit Kupf. i; Rthlr. 14 Gr. Emil, 4 Thle-, einzeln. Druckp. 2 Rthlr. Schrribp. 4Rthlr.roGr. Heloise, 6 Theile, Druckpap. ; Rthlr. 8 Gr. — Schreidpap. mit Kupf. 4 Rthlr. ro Gr- Lc.r.- 's KAM LtzL», - V.. ' ^ ^'>-