Bücherei Geobot. FORSCHUNGSINSTITUT Rüsel in Zürich C ^7 ^2 23 ^ '-Hübel Denkschrift zur reu des hundertjährigen Stiftungfestes ilcr Naturforschenden Gesellschaft Z ü r i c li a in 3 0. N o v e in h o r 18 4 0. Inhalt: 1. Die wichtigsten Momente aus der Geschichte der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich von ihrer Gründung an bis zur Feier ihres hundertjährigen Jubiläum’«. Mit dem Bildnisse des Stifters, Johannes Gessner. 2 . Bibliographische Notizcu über die Zürcherischen Naturforscher, Geographen , Aerzle und Mathematiker nebst Aufzählung der im Kanton Zürich vorhandenen naturwissenschaftlichen Sammlungen. - -ooo-O OOW Druck v. Zürcher & Furrer. . 30320 : dfe-. : r2 ,l'i Aleil: IPPlrvs: ot Matk: Prof: Stifter rifu' Nnturfbr,schejiilnji Gesellsehctfi in Zurich. Die wichtigsten Momente aus der Geschichte der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich von ihrer Gründung an bis zur Feier ihres hundertjährigen Jubiläum’s. Als Manuseript für die Mitglieder auf Kosten der Gesellschaft gedruckt. Zürich t * Geschichte der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich I * i von ihrer Gründung an bis zur Feier ihres hundertjährigen Jubiläum’s. I 1 Schon vor Ablauf der ersten Hälfte des für die Entwickelung der Naturwissenschaften so wichtigen achtzehnten Jahrhunderts waren auch in der Schweiz Männer aufgetreteu, welche mit ausserordentlichen Talenten und beharrlichem Fleisse eben diese Zweige des menschlichen Wissens theils durch Erforschung der verschiedenen Gebiete der Natur, theils durch kritisches Sammeln des bisher Bekannten, theils auch durch Bearbeitung und Schöpfung neuer Systeme bereicherten und erhoben. Dennoch wurde in den öffentlichen Unterrichtsanstalten der meisten Schweizerstädte, und selbst in Zürich, wo doch für Belebung der classischen Studien so viele treffliche Männer mit nachhaltigem Eifer und Gedeihen wirkten, für die Naturwissenshaften Wenig oder Nichts geleistet. Allein gerade der Hinblick auf diesen mangelhaften Unterricht im Gegensätze zu den umfassenden Kenntnissen eines Scheuchzer, Gessner, Haller und Anderer, und auf die ruhmvolle Anerkennung, die ihrem Geiste und ihrer Gelehrsamkeit von dem Auslande gezollt wurde, der lebhafte Wunsch die Gelegenheit nicht ungenutzt Vorbeigehen zu lassen, um aus dem Schatze ihrer Erfahrungen und ihres tiefen Studiums Belehrung zu schöpfen, und der Reiz der Naturwissenschaften selbst, die durch die Bemühungen der ♦ ausgezeichnetesten Männer mit rasch auf einander folgenden, glänzenden Entdeckungen bereichert wurden, besonders aber auch die erstaunenswerlhen Leistungen der vorzüglich durch Linne in’s Leben gerufenen wissenschaftlichen Vereine, — Alles dieses musste darauf hin wirken, auch in Zürich, wo seit einer Reihe von Jahren viele talentvolle Jünglinge nach vollendeter, meist akademischer Bildung im Auslande, wieder in ihre Heimath zurückgekehrt waren, eine solche gesellschaftliche Vereinigung zu gemeinsamem wissenschaftlichen Wirken zu Stande zu bringen. Diese erste Anregung zur Errichtung einer physikalischen Gesellschaft in Zürich geschah nun im Anfang des Jahres 1745 von einigen gebildeten, meist jüngern Mitbürgern, - «mtir 4 -»»» »>•-— -.— ° - > >: V in deren Namen Dr. Heinrich Rahn sich an den damaligen Professor der Physik und Mathematik am Carolinum, den gelehrten Chorherrn Dr. Johannes Gessner um Rath und i Hülfe zur Ausführung eines solchen Vorhabens wandte. Dieser entsprach der an ihn gelangten Aufforderung mit Freude, und fand sich bereitwillig, einem von dem später als ßürger- meister der Stadt Zürich berühmt gewordenen Hs. Conrad Heidegger und von dem würdigen Sohne des bereits zu höherem Alter angestiegenen edeln Vaterlandsfreundes Obmann von Blaarer kräftig unterstützten Ansuchen zu Folge, der wirklichen Constituirung der bespro- I chenen Gesellschaft eine Reihe von Vorlesungen über Experimentalphysik und Naturgeschichte, als eine Art von Vorbereitung vorausgehen zu lassen. Zu diesem Ende hin vermehrte Gessner seine schon sehr beträchtliche Sammlung von physicalischen Instrumenten, und legte denen, welche an einem solchen naturwissenschaftlichen Curse Theil nehmen wollten, im Oktober 1745 den von ihm ausgearbeiteten Plan dazu vor. Wegen räumlicher Beschränkung, da die Vorlesungen in der Wohnung Gessners Statt finden sollten, wurde die Zahl der Zuhörer auf 18 festgesetzt, nämlich die Herrn Dr. Heinrich Rahn (später Rathsherr). » Dr. Hs. Jakob Schulthess zum Hammerstein. » Dr. Hs. Jakob Gessner (später Amtmann zu Töss). » Rittmeister Hs. Heinrich Escher (später Statthalter). » Hs. Conrad Meier (gew. Amtmann zu Rüti und später Spitalmeister). « Hs. Conrad Heidegger (später Bürgermeister der Stadt Zürich !. » Hs. Conrad Lavater (später Zunftmeister). » Paulus Usteri zum Neuenhof. » Hs. Jakob Ott (in der Schipfe). » Heinrich Waser (später Pfarrer zu Winterthur). | » Hauptmann Hs. Heinrich von Orell (später Seckeimeister der Stadt Zürich), i » Hs. Caspar Ott zur Engelburg (später Zunftmeister). » Felix Werdmüller, Gerichtsherr zu Elgg. » Operator Hans Ulrich Fries (später Zunftmeister). » Hs. Ulrich von Blaarer (später Landvogt und Rathsherr). » Heinrich Escher zum Schönenhof. » Hs. Caspar Schulthess (später Director). » Ludwig Steiner, Uhrenmacher. Gessner begann nun eine Reihe von hundert Vorlesungen im November 1745, die er | in der Regel wöchentlich zwei Male bis gegen Ende 1746 fortsetzte. Sie war von zahlreichen i Versuchen und Vorweisungen begleitet und mit lebhaftem Beifall angehört, so dass Gessner f über die rege Theilnahme sich gegen Freunde mit Wärme äusserte. 1 i I i j ¥ V iß - 5 y ln den nachfolgenden Sommermonaten wurde der Plan für die wissenschaftliche Thätig- keit und Einrichtung der Gesellschaft entworfen, und einer Commission die vorläufige Bestimmung der äussern Organisation und der Gesetze oder Statuten übertragen, nämlich den Herrn Chorherr Gessner, » Dr. Rahn, » Landschreiber Heidegger, und » Hs. Jakob Ott. Ein solcher Entwurf beschlug in folgenden zehn Titeln: 1. Die Absichten und Zwecke der Gesellschaft; 2. die Eintheilung ihrer Mitglieder in ! Membra ordinaria und Membra honoraria; 3. den Ort der Zusammenkünfte; 4. die Zeit der I Zusammenkünfte; 5. die Pflichten der M. ordinaria bezüglich auf die Uebernahme von Arbeiten und Geschäften ; 6. die Freiheiten der M. honoraria; 7. die Pflichten der Mitglieder 1 bezüglich auf Geldbeiträge, Honoranzen, Abschiedsgelder und Bussen; 8. die Freiheiten i der M. ordinaria und der M. honoraria, welche Arbeiten für die Gesellschaft übernehmen; ! 9. die Einrichtung der Wahlen der M. ordinaria und der Officianten der Gesellschaft; ! 10. die Pflichten und Befugnisse der Officianten. Dieser Entwurf wurde am 10. August 1746 den bis dahin zusammengetretenen Mitgliedern vorgelegt und dem Wesentlichen nach von denselben gut geheissen und demnach i die von Landschreiber Heidegger redigirten Statuten definitiv festgestellt. ! An diesem Tage und am 31. August erklärten sich nun von oben erwähnten Herren folgende Eilf zu regelmässiger Uebernahme von Arbeiten und constituirten sich als ordent- . liehe Mitglieder der Gesellschaft: | Hr. Chorherr Gessner. j » Dr. Rahn. | » Dr. Schulthess. » Dr. Gessner. t » Rittmeister Escher. I » Amtmann Meier. » Landschreiber Heidegger. ! » Hs. Jakob Ott. )> Hs. Ulrich von Blaarer. Hs. Ulrich Friess, Operator. » Ludwig Steiner. Die Uebrigen traten der Gesellschaft als Ehrenmitglieder bei, mit Ausnahme des Hrn. Heinrich Waser, der mittlerweile als Diacon nach Winterthur gewählt worden war, und f nunmehr seinen Wohnort daselbst beziehen musste. 6 -> :> > -»-& dC -°-- I t Am 21. September wurden die Officianten der Gesellschaft gewählt, und zwar; | als Präses: Hr. Chorherr Johannes Gessner; j als Quästor und Vicepräses: Hr. Amtmann Meier; als erster Secretär für die wissenschaftlichen Verhandlungen: Hr. Landschreiber Heidegger; und als zweiter Secretär für die Oekonomie: Hr. Ulrich von Blaarer. Gleichzeitig wurde nun einer Commission die Besichtigung eines der Gesellschaft zu J ihren Versammlungen angebotenen Locals in der Limmatburg, so wie einer zum Behuf eines botanischen Gartens einzurichtenden Wiese übertragen, und derselben Vollmacht ertheilt, vorläufig die nöthigen Tractate ahzuschliessen. Dieselbe Commission wurde auch ermächtigt, die zum Anfang der Gesellschaft nöthigen Bücherund Geräthschaften zu bestimmen und anzuschaffen. Schon vor dieser Zusammenkunft halten sich mehr als die nach den Statuten festgesetzte Zahl von 30 Personen zur Aufnahme in die neuerrichtete Gesellschaft gemeldet; so dass die Anzahl der Mitglieder auf 40 und bald nachher noch mehr erweitert werden musste, wobei sich die Hrn. Ordinarii vorbehielten, nach Beschaffenheit des zu erwerbenden Lokals dieselbe zu vergrössern. In der nämlichen Sitzung erklärten sich bereits fünfzehn Mitglieder zur Uebernahme von Arbeiten, und zwar: Hr. Präses Chorherr Gessner ZU Vorträgen über Physik, Mathematik, Naturgeschichte. » Quästor Meier )) D )) die Künste. » Pfarrer Gessner )) )) )) Meteorologische Beobachtungen. )) Professor Dr. Gessner )) » )> Physik und Botanik. )) Dr. Bahn )) )> )) practische Medicin und Chemie. )) Dr. Schulthess )) )) » Naturgeschichte und Materia medica. )) Dr. Meier » » )) Physik und Chemie. tt Gossweiler D » » Naturgeschichte. » Hauplmann Schulthess )) )) )) Agricultur. » Jakob Ott )) » )> Mathematik und Botanik. » Stadtarzt Meier )) )) )) Chirurgie nnd Anatomie. )) Operator Friess )) » )) Chirurgie und Anatomie. )) Wirz 7 ) )) )) Mechanik und Hydraulik. » Steiner )) )) » Mechanik. )) Corrodi » D » Optik und Malerei. ^ In der Sitzung der Hrn. Ordinarii am 4. October wurde nun der Miethcontract für f das Local in der Limmatburg bis Kirchweih 1748 bestätigt, und eine Präliminar-Zusam- V T iß > > ;> raenkunfl der ganzen Gesellschaft auf den 18. October 1746, die erste ordentliche Sitzung aber auf den 9. Januar 1747 festgesetzt. Es wurde auch eine permanente Commission bestellt, welche die Mitglieder zu bezeichnen hatte, denen Recensionen über die neu erscheinenden philosophischen (naturwissenschaftlichen) Schriften jeweilig zu übertragen sei; dieser Commission sollten nebst den vier Officianten der Gesellschaft nach einer Kehrordnung noch vier aus den übrigen ordentlichen Mitgliedern beigeselll werden. Die Präliminarsitzung, welche am 18. October auf dem Gesellschaftshause zum Schwarzen Garten Statt fand, eröffnete der Präses mit einem wohl durchdachten und sorgfältig ausgearbeiteten Vortrage über die Beschäftigungen der physikalischen Gesellschaft, oder über die Wissenschaften, welche dieselbe zu behandeln sich vornehmen dürfte. In diesem Vortrage handelt der Verfasser: 1. Von dem Zwecke und dem Nutzen der Betrachtung der Natur; 2. Von den Anstalten zur Betrachtung der Natur; 3. Von den Haupttheilen der physikalischen Untersuchungen, namentlich I) Naturlehre, II) Naturgeschichte, III) Mathematik, IV) Arzneikunst, V) Technik; 4. Die Naturlehre theilt derselbe: a) in allgemeine Physik, b) Mechanik , c) Hydraulik, d) Hydrostatik, e) Aerometrie, f) Pyrometrie, g) Optik; 5. Die Naturgeschichte wird abgetheilt: a) in Astronomie, b) Geographie, c) Meteorologie, d) Hydrographie, e) Lithologie, f) Botanik, g) Zoologie; 6. Die Mathematik: a) in Arithmetik, b) Geometrie, c) Analysis oder Messkunst von den Grössen überhaupt; 7. Die Arzneikunst: a) in Anatomie und Physiologie, b) Pathologie, c) Semiotik, d) Diätetik, e) Therapeutik, f) Special-Praxis; 8. Technik: a) in Oekonomie, b) Manufactur, c) Archi- tectur, d) Anwendung der Technik in dem Polizeiwesen, d. d. auf allerlei bürgerliche Verhältnisse, e) Instrumental-Technik; 9. Wie die verschiedenen Gegenstände nach den Verhältnissen in welchen sie betrachtet werden, den verschiedenen der angeführten Classen zugetheilt werden können; 10. Eine besondere Aufmerksamkeit wird den Gegenständen zugewendet werden, welche sich auf die Schweiz und insbesondere auf das Zürichgebiet beziehen. — Aus dieser Uebersicht kann einigermassen der damalige Stand der Naturwissenschaften beurtheilt werden, obgleich Gessner in mehrfacher Beziehung seiner Zeit vorausgeeilt war. Nach einer kurzen Ermunterung an die Mitglieder der Gesellschaft zu kräftiger und thätiger Mitwirkung für die Zwecke derselben, wurden die Gesetze und Ordnungen vorgetragen , und die Namen der ordentlichen und Ehrenmitglieder verlesen, hierauf der Generalplan über die Vertheilung der Arbeiten für das nächste Jahr mitgetheilt und endlich die Anzahl der M. honoraria (nach der Zahl der Plätze) auf 56 festgesetzt, sowie die Bestimmung getroffen, dass nunmehrige Bewerber zur Aufnahme in die Gesellschaft einer Wahl zu unterwerfen seien. Die Vertheilung der Arbeiten wurde in tabellarische Form gebracht, jedem der Hrn. Ordinarii der Tag angesetzt, an welchem derselbe der Gesellschaft einen Vortrag zu machen '£ T 8 sich verpflichtete, die Journale und akademischen Zeitschriften und die Verhandlungen zur Berichterstattung und Recension auf die einzelnen, ordentlichen Mitglieder vertheilt. So übernahm z. B. für das Jahr 1747: Hr. Präses Chorherr Gessner die Histoire critique de Berlin, » Quästor Meier ... die hiesigen freimüthigen Nachrichten. » Prof. Gessner ... die Nova acta eruditionis Lipsiensia und die Nouvelle biblio- theque germanique. » Prof. Kramer ... die Göttinger gelehrten Anzeigen. » Dr. Rahn .... die Leipziger Zeitungen. » Jakob Ott .... die Italienischen Journale. Damit aber die Abhandlungen und Recensionen zum Einbinden bequem und in gleichem Format erhalten werden könnten, wurden jedem der arbeitenden Mitglieder zwei Bücher Leuenpapier mit der Verpflichtung zugestellt, dieselben nur für die Zwecke der Gesellschaft zu verwenden. Bereits wurde eine beträchtliche Summe zu Anschaffung von Büchern bewilligt, und bei dem berühmten Mechaniker Brander in Augsburg verschiedene physikalische Apparate bestellt. Für die Anschaffung neuer Bücher ward eine Commission geordnet, in welcher jedes der fünf Hauptfächer: Physik, Naturgeschichte, Mathematik, Medicin, Technik, durch zwei Mitglieder repräsentirt wurde. Um dann eine systematische Uebersicht der seit 1747 erscheinenden naturwissenschaftlichen Bücher zu erhalten, wurden besondere Formulare an die recensirenden Mitglieder abgegeben, in welche die Titel derselben eingetragen wurden; auch ward einem Mitgliede der Stand des Barometers, und einem andern die übrigen meteorologischen Erscheinungen zu genauer, ersteres zu täglicher Beobachtung empfohlen. Die erste ordentliche Versammlung der ganzen Gesellschaft fand nun am 9. Januar 1747 Statt. Dieselbe eröffnete der Präses mit einer zweckmässigen und ansprechenden Abhandlung über die Lage und Grösse der Stadt Zürich und die daher rührenden natürlichen Folgen. Indem der Verfasser die geographische Länge und Breite von Zürich, die Höhe über dem Meere und den Abstand vom Mittelpunkte der Erde angibt, beschreibt er zugleich die Methoden nach welchen die nöthigen Beobachtungen angestellt werden; hierauf untersucht er die natürliche Beschaffenheit der Lage Zürichs in Beziehung auf die Gewässer, den Boden und die umliegenden Berge, gibt dann die Grösse der Stadt, die Anzahl ihrer Einwohner und den jährlichen Zuwachs der Bevölkerung an, leitet aus der Lage derselben auch die klimatischen Verhältnisse, den Druck der Luft, die Beschaffenheit der herrschenden Winde, die mittlere Wärme oder Kälte, und Trockenheit oder Feuchtigkeit ab, und weiset den Einfluss nach, den die Lage und Grösse der Stadt, so wie die physischen und mete- * 9 ■0 | orologischen Verhältnisse auf den physischen und zum Theil auch den psychischen Zustand %' der Einwohner ausüben , u. s. f. — Auch am Schlüsse dieser Versammlung wurde eine Uebersicht der zu verhandelnden Gegenstände für das laufende Jahr mitgetheilt, und die gewohnten reglementarischen Geschäfte vorgenommen. Auf diese mit Sorgfalt entworfene Grundlage bauend, setzte nun die Gesellschaft ihre begonnene Thätigkeit fort, die sich bald vielfach verzweigte, so dass die Geschichte j derselben, wenn sie einen klaren und vollständigen Ueberbliek gewähren soll, die einzel- j nen Richtungen besonders zu verfolgen hat. Für den vorliegenden Zweck mag indessen i eine summarische Uebersicht der wichtigsten Momente in dem bereits durchlaufenen hundertjährigen Zeiträume genügen. Schon vor Ablauf des ersten Gesellschaftsjahres gingen von vielen Mitgliedern Geschenke an Büchern, Instrumenten und Naturalien ein, und es wurden auch nicht unbedeutende Anschaffungen gemacht, so dass die Hrn. Ord. bald die Bestellung von beauf- I sichligenden und besorgenden Commissionen für die entstehenden Sammlungen zweckmässig j erachteten. Ebenso wurde ein Herbarium angelegt, und meteorologische Beobachtungen ! angestellt, und gegen Ende des Jahres 1747 festgesetzt, dass durch das Secretariat alljähr- : lieh der Generalversammlung eine Relation von den Verrichtungen der Gesellschaft während des abgelaufenen Jahres vorgetragen, die Ilauptitel der Rechnungen summarisch mitgetheilt und den Mitgliedern die Gesetze durch Verlesung wieder in Erinnerung gebracht werden sollen. In der ersten Generalversammlung (am 15. Jan. 1748) wurde nun eine Commission j ernannt für Berathung der Mittel, welche zu Errichtung eines botanischen Gartens und j anderer ansehnlicherer Etablissements angewendet werden könnten. Diese Commission fand nun, dass man vorerst darauf bedacht sein müsse, einen Fond zu sammeln, um solche Anstalten ins Leben rufen und erhalten zu können, und zu diesem Ende wurde aus verschiedenen vorgeschlagenen Projecten dasjenige einer Geldlotterie als das vorzüglichste ange- j • nommen, und zur Betreibung desselben eine Commission ernannt, welche nun während der 1 vier folgenden Jahre mit Umsicht, Thätigkeit und Glück das Geschäft besorgte, so dass am 2. März 1752 nach beendigter letzter Ziehung, und nach Abzug sämmtlicher Unkosten, der ' Gesellschaft aus dieser Lotterie ein reiner Gewinn von circa 8000 fl. erwachsen war. Dieses Capital wurde dann an Zinsen gelegt, und unter dem Namen des Lotterie- oder Hauptfonds unter eine eigene Verwaltung gestellt, welcher im Jahr 1754 ein bindendes Reglement zu | y genauer Befolgung vorgeschrieben ward. f Bald nach Gründung der Lotterie nahm die Gesellschaft ein ihr angebotenes Grund- , f X f l> »+ s 2 »*» g/'C' -' C.- 10 — i> :z> stiick bei der Rhanischen Färberei vor dem Niederdorfthore*) auf mehrere Jahre in Pacht, [' und legte daselbst einen botanischen Garten an. , Einer im Jahr 1751 bestellten Commission gelang es nach vielen Unterhandlungen am | 1. Oct. 1756 in dem neu erbauten Zunfthause zur Meisen ein den Zwecken und Bedürf- j nissen der Gesellschaft vollkommen entsprechendes Local um billigen Miethzins zu erwerben, in welchem sie bereits mit Anfang des Jahres 1757 ihre erste allgemeine Sitzung hielt. Es wurden nun Beschlüsse gefasst, die den Zweck haben sollten die Thätigkeit der Gesellschaft aufs Neue zu beleben und zugleich den Mitgliedern die Arbeit zu erleichtern , zumal in den letzten Jahren mehr als ein Mal über die Lauheit, womit die Geschäfte betrieben wurden, Klage geführt worden war. Erst von diesem Zeitpunkte an wurde nun auch ein ordentliches Protokoll oder Tagebuch von den Verhandlungen der Gesellschaft geführt. Bereits war seit der ersten ordentlichen Zusammenkunft der Gesellschaft ein Jahrzehent verstrichen, wesshalb der Secretär Dr.» Hs. Caspar Hirzel hei der Generalversammlung am 10. Januar 1757 davon den Anlass nahm, in einer Abhandlung von dem Einfluss der gesellschaftlichen Verbindungen auf die Beförderung der Vortheile, welche die Naturlehre dem menschlichen Geschlechte anbielet, und von dem Nutzen den unser Vaterland von der naturforschenden Gesellschaft erwarten könne, einen kurzen Abriss von der Geschichte der Gesellschaft ihren Mitgliedern vorzulegen. — Schon hatte dieselbe durch die Einstands- und i Jahrgelder beträchtliche ökonomische Hülfsmittel zusammengelegt, aus denen eine, wenn gleich noch nicht sehr bändereiche, doch viele kostbare Werke aus den verschiedenen Zweigen der Naturwissenschaften und die Abhandlungen fast aller, damals bekannten, gelehrten Gesellschaften in Europa enthaltende Bibliothek, eine nicht unbedeutende Sammlung von physicalischen Instrumenten und Apparaten, grösstentheils aus der berühmten Werkstätle Brander’s in Augsburg, eine seltene von einem zürcherisehen -Künstler (Junker Gerichtsherr Meier zu Weiningen) in Oelfarbe gemalte Sammlung inländischer Vögel, eine Sammlung in natürlicher Gestalt präparirter und über Formen von Baumrinde sorgfältig getrockneter inländischer Fische und viele andere Naturalien angeschafft wurden. Die vorzüglichste Zierde dieser Sammlungen war jedoch das aus 36 Bänden bestehende Herbarium vivum , ein Geschenk des würdigen Chorherrn Gessners, die Frucht eines fast dreissigjährigen Fleisses. Durch die grossmüthigen Darleihungen an Geld und durch die uneigennützigen Bemühungen einzelner Mitglieder war ein zwar als unsicheres Handlehen beworbenes Stück Land zu einem botanischen Garten umgewandelt worden, in welchem bereits über tausend fremde Pflanzen blühten, und von wo aus die meisten Privatgärten der Stadt ihren schönsten Schmuck bezogen. Endlich hatte die Gesellschaft, um ihre Wirksamkeit und die Aeufnung V ) Den gegenwärtig den Herrn Zeller zur Walche gehörigen Garten jf£*“ l C ' © i f ihrer Sammlungen auch lür die Dauer zu sichern, durch eine Lotterie sich ein sehr be- T trächtliches Stammcapilal gesammelt, damit aus dessen Zinsen in späterer Zukunft die nöthigen Ausgaben bestritten werden könnten, in der wohlbegründeten Voraussicht, dass der Eifer für thätliche Unterstützung eines solchen Instituts vielleicht dereinst erkalten möchte, worauf dann dasselbe aus Mangel*an den nöthigen Hülfsmitteln nothwendig ins Stocken ge- i rathen müsste. Es dauerte indessen nicht lange, so erhoben sich Klagen über den Verfall des bota- . nischen Gartens, über die geringe Unterstützung von Seite der Mitglieder und über die I Unzuverlässigkeit des Lehensherrn, durch dessen Schuld ein grosser Theil der exotischen i Pflanzen beim Ueberwintern zu Grunde gegangen waren. Es wurde daher am 9. Januar i 1760 eine Commission bestellt, welche berathen sollte, was weiter mit dem Garten vorzunehmen sei; allein noch während dieser Berathungen kündigte der damalige Besitzer des Hauses, an welches jenes der Zunft zur Waag zuständige Lehen geknüpft war, dasselbe der Gesellschaft auf, welche dadurch genöthigt wurde, die Pflanzen für ein Mal in den Privatgärten einiger Mitglieder unterzubringen. ! In diesen Zeitpunkt fällt auch der Beschluss der Gesellschaft, einen Theil der in ihrer Mitte vorgetragenen Abhandlungen im'Drucke herauszugeben. Der erste Band erschien im Jahr 1761, der zweite im Jahr 1764, und der dritte im Jahr 1766. Für einen vierten Band wurden die einzureihenden Abhandlungen zwar bezeichnet; allein der Druck dersel- ' ben unterblieb aus nicht mehr zu ermittelnden Ursachen. Nachdem schon in frühem Jahren mehrere angesehene Männer des ln - und Auslandes den Wunsch gcäussert hatten, in nähere Verbindung mit der Gesellschaft zu treten, so fasste dieselbe doch erst im Jahre 1761 den Beschluss, zunächst einige schweizerische Gelehrte zu ausserordentlichen Ehrenmitgliedern anzunehmen, während sie iu bescheidener Würdigung ihrer Stellung den auswärtigen in Bang stehenden Männern durch Uebersen- dung ihrer eben erschienenen Gesellschaftsschriften ihre Achtung zu bezeugen suchte. Erst einige Jahre später (1763) wurden auch auswärtige Gelehrte als correspondircnde Mitglieder angenommen. Grosse Thätigkeit entwickelte nun die ökonomische Commission, und schon bewarb sich die nach ihrem Vorbild entstandene ökonomische Gesellschaft zu Bern um eine engere Verbindung. Um den Landbau nach Kräften zu heben und einer rationellen Landwirtschaft die Bahn zu brechen, wurde der Vorschlag zu Ertheilung landwirthschaftlicher Preisaufgaben, welcher von Hrn. Seckeimeister Heidegger (dem nachherigcn Bürgermeister) der Gesellschaft gemacht worden war, von derselben mit Beifall aufgenommen, und sofort ausgeführt. Es ^ wurden nun in dem Zeiträume von 1763 bis 1804 in drei und vierzig ordentlichen und fünf ausserordentlichen Preisaufgaben einige hundert Fragen über die wichtigsten Gegen- *• 12 stände der Landwirtschaft aufgestellt, und meist in zahlreichen Aufsätzen von Landleuten aus verschiedenen Gegenden des Cantons beantwortet. Aus den besten dieser Eingaben wurde dann ein fasslicher Auszug bearbeitet, der dem Druck übergeben, und für einen äusserst billigen Preis Jedem, der es wünschte mitgetheilt, sämmtlichen Preisbewerbern aber unentgeltlich erlassen wurde. * Ebenso wurden im Jahr 1763 auf den Vorschlag des durch Hirzeis Schriften »von der Wirtschaft eines philosophischen Bauers« auch einem grossem Kreise bekannt gewordenen Landmanns Jakob Gujer, genannt Kleinjogg, die sogenannten Bauerngespräche eingeführt. Zu diesem Ende hin wurden auf einen festgesetzten Tag verständige Landleute bald aus der, bald aus einer andern Gegend vor die Gesellschaft beschieden, um in freundlicher Unterredung mit ihnen den Zustand und die Behauungsweise ihrer Güter, und überhaupt die ganze in ihren Gemeinden übliche Landökonomie zu besprechen, damit ihnen zu jeder möglichen Verbesserung wohlmeinender Bat und Anleitung gegeben werden könne. Diese Gespräche wurden auf Grundlage einer Uebersicht des ökonomischen Zustandes der betreffenden Gemeinden gestützt, welche vorher durch verständige Leute aus denselben, häutig auch durch die Ortsgeistlichen, in eigens dazu verfertigte Tabellen eingetragen worden war. Als im Jahr 1765 durch den grossen Bürgermeister Heidegger eine durchgreifende Beform des Schulwesens in Anregung gebracht worden war, nahm die Gesellschaft daran lebhaften Antheil, indem sie namentlich die Errichtung einer Bealschule, die Einführung guter Schulbücher und die Anordnung der „Magistri repetentes« dringend empfahl. Zu gleicher Zeit veranstaltete sie die Uehersetzung und Herausgabe verschiedener zweckmässiger Volksschriften und ordnete die Verbreitung derselben vorzüglich unter dem Landvolke an. Eine wichtige Erwerbung machte die Gesellschaft im Jahr 1767 an dem Lehengute zum Schimmel bei Wiedikon, welches derselben von der Obrigkeit für ein Mal auf sechs Jahre um billigen Zins zum Behuf der Anlegung eines botanischen und landwirtschaftlichen Gartens pachtweise überlassen wurde. Die Einrichtung des Gartens wurde einer besondern Commission übergeben, und sofort von derselben mit Eifer an die Hand genommen. Im folgenden Jahre wurde auch unter der Leitung der ökonomischen Commission auf den Ge- schiebbänken der Sihl als eine Pflanzschule für in- und ausländische Strauch- und Baumarten und als angenehmer Spazierort das Sihlhölzli angelegt, und im Jahr 1771 beendigt. Das Lehen für den botanischen Garten wurde nun je zu sechs Jahren um ohne Schwierigkeit erneuert, und mehr als ein Mal kam die Obrigkeit bescheidenen Wünschen der Gesellschaft zuvorkommend entgegen. Noch mussten indessen die Warmhauspflanzen grösstentheils in den Wohnungen einzelner Mitglieder der botanischen Commission und anderer Pflanzenliebhaber überwintert werden, bis in den Jahren 1781 —82 mit bedeutenden Unkosten ein <6<»< £ - C - « n,' * C f • 13 -mm* grosses Gewächshaus nach dem Muster desjenigen in dem Senkenbergischen Garten zu Frankfurt erbaut wurde. Im Jahre 1768 bewarb sich die bereits drei Jahre früher gestiftete mathematisch- militärische Gesellschaft um eine engere Verbindung mit der physicalischen, namentlich für gemeinsame Benutzung der Bibliothek und der Instrumentensainmlung, sowie für jährliche Relation über ihre Arbeiten und Verrichtungen. Diese Vereinigung kam dann auch zu Stande und dauerte bis zum Jahr 1799 fort. Sie gab nunmehr Veranlassung, dass der Gesellschaft von mehreren Mitgliedern eine Reihe von Vorträgen über reine und angewandte Mathematik gehalten wurden , vorzüglich auch um dieselben zu befähigen, die Mittheilungen der mathematisch-militärischen Gesellschaft mit grösserem Nutzen anzuhören, und überhaupt um dem hei uns vernachlässigten Studium dieser Wissenschaft nach Kräften aufzuhelfen. Durch die Veranstaltung von Volkszählungen zu Stadt und Land hatte die Gesellschaft schon zu wiederholten Malen nicht unbedeutendes Verdienst erworben; mit besonderer Sorgfalt aber scheint dieser Census im Jahr 1769 ausgeführt worden zu sein, und die Resultate desselben gaben zu interessanten statistischen Untersuchungen Anlass. Diese Arbeit wurde früher je zu sechs Jahren um wiederholt, bis die Gesellschaft, durch die allzugrossen, zeitraubenden, kostspieligen und Aufsehen erregenden Bemühungen bewogen, im Jahr 1777 beschloss, dieselben nunmehr nur zu zehn Jahren um zu erneuern. Als nach dem im Jahr 1763 erfolgten Brande des einen, durch einen Strahlstreich entzündeten Thurmes der Grossmünsterkirche, im Jahr 1770 auch der Helm des Carls- thurms abgebrochen und neu aufgeführt wurde, bewarb sich die Gesellschaft, auf Anregung ihres würdigen Präsidenten, bei der h. Obrigkeit um die Bewilligung, dass ihr in diesem Thurm der Raum für ein astronomisches Observatorium Vorbehalten und -die erforderlichen Einrichtungen zu Aufstellung der nöthigen Instrumente getroffen werden möchten. Die Regierung entsprach bereitwillig 1 diesen Wünschen; und der Bau w r urde im Jahr 1771 begonnen ! und im Jahr 1774 beendigt, worauf dann die Apparate daselbst aufgestellt, und sofort fleis- sige, jedoch durch häufige Störungen unterbrochene Beobachtungen unternommen wurden. Die Besorgung des Observatoriums wurde nun einer eigenen Commission übertragen, die bis im Jahr 1786 tbätig war, dann aber allmählig erlosch. Durch die wirksame Verwendung der ökonomischen Commission wurde im Jahr 1771 und folgenden grösstentheils aus freiwilligen in und ausser der Gesellschaft gesammelten | Beiträgen eine eigene Casse errichtet, zur Unterstützung und Förderung des Feldbaues an 1 unbemittelte Landleute. Aus dieser Casse bildete sich nach und nach der söge nannte wohl- i thätige Fond, dessen Bestimmung aber bald verkannt wurde, so dass um den zudringlichen Y t f Forderungen, welche oft an denselben gestellt wurden, und welche zu befriedigen keines- 14 - -ums»* J wegs in der Absicht der Geber liegen konnte, zu begegnen, schon im Jahr 1774 strenge Verfügungen getroffen werden mussten. Endlich wurde im Jahr 1789 der Fond selbst dem ökonomischen einverleibt; jedoch sein Bestehen durch eigene Rechnungsführung gesichert, bis derselbe im Jahr 1814 gänzlich erschöpft, und somit von selbst aufgehoben wurde, j Da im Laufe der Jahre die Statuten der Gesellschaft mancherlei Veränderungen und ! Zusätze erlitten halten, so wurde im Jahr 1772 beschlossen einen »Codex legum « zu veranstalten und einer Commission unter Vorsitz des Hrn. Bürgermeister Heideggers aufgetragen, Vorschläge für allfällig nöthige Verbesserungen der Gesetze zu hinterbringen. Diese Arbeit wurde dann mit Sorgfalt ausgeführt, und im Jahr 1776 vollendet. An der Errichtung der im Jahr 1773 gegründeten Kunstschule, sowie an deren wei- term Fortgang und Gedeihen nahm die Gesellschaft den thätigsten Antheil, zumal mehrere i der ausgezeichnetem Lehrer ihrem Kreise angehörten. | Bereits war die Gesellschaft auch im Auslande zu ruhmwürdigem Ansehen gelangt, so dass viele ausgezeichnete Fremde, welche die Schweiz bereisten, sich um die Erlaubniss bewarben, die Sitzungen derselben besuchen zu dürfen. Von den vielen interessanten Personen , welche in den Protokollen als Gäste aufgezeichnet sind, mögen einige angeführt werden, die um diese Zeit die Gesellschaft besuchten, wie z. B.: Am 20. August 1774 Prof. Murray von Upsala; am 26. Juni 1775 Dr. Göthe von Frankfurt im Begleit zweier Grafen von Stollberg, und Hofrath Sulzers von Sachsengotha; am 16. Sept. 1777 Prof. Alexander Volta aus Como, welcher der Gesellschaft, nachdem er sie zuvor mit Nachrichten und Geschenken bezüglich auf seine Entdeckungen in der Electricitätslehre beehrt hatte, nunmehr den hohen Genuss verschaffte, seine sämmtlichen Versuche von ihm eigenhändig ausgeführt und mit interessanten Erklärungen begleitet zu sehen; u. s. f. i ln dieser Glanzperiode der Gesellschaft erlitt jedoch dieselbe durch den am 2. Mai ; 1778 erfolgten Tod des vortrefflichen Bürgermeisters Hs. Conrad Heidegger einen schweren Verlust. Dieser ausgezeichnete Mann war einer der Mitstifter der Gesellschaft und ihr eifrigster Beförderer und Berather in allen innern und äussern, besonders auch in den ökonomischen Angelegenheiten gewesen. Ihm hatte sie den ersten Entwurf und mehrere nachträgliche Bearbeitungen ihrer Statuten, den Plan zu der ihre ökonomische Existenz bis auf spätere Zeiten sichernden Lotterie, die geschickte Führung eines umfassenden Tagebuchs, zahlreiche und wohlgetroffene Vorschläge zur Belebung und Anregung der Zusammenkünfte, wenn, wie es leider oft geschah, Lauheit und Erschlaffung einzutreten drohten, und später, als er bereits die höchste Würde im Staate erlangt hatte, das Zutrauen und die Zuneigung, i so wie den Einfluss und die Mitwirkung der Regierung zu den Absichten und Zwecken der | Gesellschaft und überdiess eine Menge kostbarer Geschenke an Büchern, Naturalien und i Geld zu danken. Auch in der landwirtschaftlichen Scction war er eines der thätigsten 15 4> "’C ■*Cr~ c — --— 1 — i .. V Mitglieder gewesen. Viele der ausgeschriebenen Preisfragen verdanken ihre Klarheit und { Bestimmtheit seiner letzten Ueberarbeitung, und bei den Unterredungen mit den Landleuten I wusste er sich so sehr das Zutrauen derselben zu erwerben, dass sie nicht selten mit Thränen der Rührung diese Zusammenkünfte verliessen. Als eine Art Testament hinterlegte er zwei Jahre vor seinem Tode einen Plan, wie durch Einführung eines Polizeigesetzes, nach welchem jede Haushaltung ein Stück Land mit Erdäpfeln bepflanzen sollte, unsere Abhängigkeit von den Nachbarstaaten bezüglich auf die nothwendigsten Nahrungsmittel beseitigt, oder doch wesentlich beschränkt werden könnte, und sicherte die Ausführung dieses Planes auch nach seinem Tode durch ein Legat von zwanzig neuen Dublonen, mit der Bestimmung, dass zwei Dukaten, oder beiläufig die Zinse dieses Capitals, alljährlich als Prämie zur Aufmunterung des Erdäpfelbaucs verwendet werden sollten. Ueberhaupt lag ihm die Gesellschaft so sehr am Herzen, dass er in frühem Zeiten nur durch Krankheit und später, als er zu der Würde eines Bürgermeisters erhoben worden war, nur durch amtliche Geschäfte sich von dem Besuche der Sitzungen abhalten liess; und man darf es nicht als Schmeichelei, sondern als den Ausdruck inniger Hochachtung und Verehrung ansehen, wenn in den Protokollen jedesmal sein Erscheinen mit sichtbarem Wohlgefallen, sein Ausbleiben dagegen mit aufrichtigem Bedauern angemerkt wurde. Eine feierliche Parentalion, welche durch Hrn. Dr. Hs. Caspar Hirzel der Gesellschaft in eigens dazu zusammen berufener zahlreicher j Sitzung am 18. Mai 1778 vorgetragen wurde, ehrte das Andenken an diesen wahrhaft grossen Mann; und es wurde von der Gesellschaft beschlossen, an die Unkosten des Denkmals, das mehrere Bürger dem Verstorbenen auf der öffentlichen Bibliothek zu setzen gedachten, einen namhaften Beitrag zu leisten. Einen zweiten unersetzlichen Verlust erlitt bald darauf die Gesellschaft im Jahr 1780 durch den der Geschichte anheim gefallenen Tod des unglücklichen Pfarrers Heinrich Wa- ser. Unzweifelhaft war er neben Chorherr Johannes Gessner bei weitem das gelehrteste Mitglied gewesen, und seine Arbeiten zeugen von ungemeiner Belesenheit, ausserordentlichem Scharfsinn und tiefem practischem Blicke. Er war bereits im Jahr 1765 in die Gesellschaft aufgenommen worden, und leistete derselben bald durch Uebernahme verschiedener zum Theil sehr mühevoller Geschäfte, namentlich als Bibliothekar, als thätiges Mitglied der astronomischen Commission, und bei den Volkszählungen u. s. i. willige und nützliche Dienste. ln mehr als achtzig meist sorgfältig ausgeführten Vorträgen unterhielt er die Gesellschaft über Gegenstände der reinen und angewandten Mathematik, Astronomie und Physik; das vorzüglichste Interesse gewährten aber seine auf gründliches und vielseitiges I Studium sich stützenden zahlreichen Abhandlungen über ökonomisch-politische und staats- wirthschaftliche Gegenstände, von denen einige klassisch genannt werden dürfen. ^ In diesen Jahren wurde für Aeufnung, Sicherstellung und zweckmässige Benutzung >■ 16 — der Sammlungen nicht Unerhebliches gethan. Die Bibliothek erhielt durch Anschaffungen und Geschenke einen werthvollen Zuwachs, und wurde (1778) durch neue Aufstellung und sorgfältige Catalogisirung brauchbarer gemacht; für das Archiv wurde (1773) eine Sammlung aller Dissertationen Zürcherischer Aerzte veranstaltet, ebenso wurden (1774) die der Gesellschaft vorgetragenen Abhandlungen im Manuscripte oder in genauen Abschriften gesammelt, und eine Geschichte der landwirthschaftlichen Versuche auf dem Gute im Heuei (am Hottingerberge) bearbeitet. Auch die Instrumentensammlung wurde durch kostbare Anschaffungen vermehrt, und von derselben (1780 u. 1781) ein raisonnirender Catalog angefertigt. Bereits früher war durch Operator Burkhard (1762 — 64), Begimentschirurg Alibert (1764 u. 65) u. A- der Anfang zu Gründung eines anatomischen Cabinets gemacht worden, als im Jahr 1779 die Gesellschaft den Beschluss fasste, die Geschicklichkeit eines ihrer Mitglieder, des Operator Friess zu Anlegung einer Sammlung von Skeletten zu Benutzen. Leider starb aber der geschickte Anatom noch vor Ablauf des Jahres, und zehn Jahre später wurden die gesammelten Präparate dem anatomischen Theater überlassen. Für die Erweiterung der Naturaliensammlung wurden nicht unbedeutende Geldmittel bewilligt, und für alle diese Sammlungen neuerdings verantwortliche Aufseher bestellt. Den wichtigsten Zuwachs erhielten jedoch die Sammlungen im Jahr 1783 durch die Uebergabe der auf der Wasserkirche aufbewahrten Naturalien, Kunslsachen und Instrumente an die physikalische Gesellschaft. Im Jahr 1785 wurde dann auch das wegen einzelnen Schaustücken und Seltenheiten bemerkenswerthe Cabinet des verstorbenen Landvogt Zollers angekauft, so dass bald über Mangel an Raum Klage geführt wurde, und man für Gewinnung der nöthigen Lokalitäten ernstlich bemüht war. Diese Naturalien wurden nun systematisch geordnet und von denselben ein ausführlicher raisonnirender Catalog angefertigt. Bereits hatten nun diese Sammlungen eine solche 4usdehnung erreicht, dass zu wiederholten Malen verschiedene Mitglieder die Bewilligung naehsuditen, dieselben zum Behuf von Privatcollegien über Naturgeschichte zu benutzen, wie z. B. 1789 Dr. Hirzel jgr.; 1792 C. Escher (nachmaliger Staatsrath und Gründer der Linthcorrection) u. s. f. Um der bisherigen planlosen Anschaffung von Instrumenten vorzubeugen, wurde im Jahr 1789 ein eigener Instrumentenfond gegründet, und derselbe unter besondere Verwaltung gestellt; auch wurde eine genaue Revision der vorhandenen Apparate vorgenommen, das Unbrauchbare oder Ueberflüssige veräussert, das Mangelhafte verbessert und die Bestimmung getroffen, dass von nun an keine Instrumente anders, als auf Antrag der dazu verordnten Commission und auf Beschluss der Hrn. Ord. hin angeschafft werden solle. Das Jahr 1790 begann mit dem Verlust eines der thätigslen und der Gesellschaft innigst ergebenen Mitgliedes, des Pfarrers Rudolf Schinz, welcher während der zwölf Jahre das Secretariat mit grosser Pflichttreue und Sorgfalt bekleidet hatte. Die Gesellschaft » > '> » - 17 verdankt ihm eine Reihe einlässlicher Relationen über ihre Verrichtungen, und eine nicht I unbeträchtliche Anzahl interessanter Vorträge meistens über Gegenstände der Landwirtschaft, die er selbst praktisch zu üben und genau zu beobachten Gelegenheit fand, so wie lehrreiche Rruchstücke aus seinen Reisebeschreibungen, namentlich über die welschen Landvog- teien, in denen er sich längere Zeit aufgehalten hatte; auch bereicherte er das Naturaliencabinet durch eine beträchtliche Anzahl von Naturproducten, die er während seines Aufenthalts in Neapel zu sammeln bemüht war. Die erste fast fünfzigjährige Periode der Wirksamkeit der physikalischen Gesellschaft schliesst sich nun mit dem am 6. Mai 1790 erfolgten Hinscheide ihres würdigen Präsidenten, des Chorherrn Johannes Gessner. Dieser an Gelehrsamkeit wie an Tugend gleich ausgezeichnete Mann, der wahre Gründer, der Ruhm und die Zierde der Gesellschaft, war bis zu seinem hohen Greisenai- ter die Seele sowohl ihres organischen als geistigen Lebens gewesen. Ihm hatte sie den Plan und die nöthigen Einleitungen zu ihrer ersten Einrichtung zu danken; von ihm ging die erste Anregung zu Anlage ihrer Sammlungen aus, zu denen er selbst meistens auch den ersten Grund legte, und oft namhafte Geldbeiträge Unterzeichnete. So z. ß. war er | der Erste, welcher die Gesellschaft mit Büchern und Instrumenten beschenkte, und zum Ankauf eines Grundstücks für einen botanischen Garten eine beträchtliche Summe aussetzte; das schönste Geschenk jedoch, auf welches der Geber selbst den höchsten Werth legen mochte, war sein ausgezeichnet reiches und kostbares Herbarium. Seiner Vorsorge und Bemühung war es vorzüglich gelungen, der Gesellschaft ihre so ansprechende und schöne Wohnung zu erwerben. Aber nicht nur in materieller, sondern auch vorzüglich in wissenschaftlicher Beziehung war Gessner unablässlich darauf bedacht, Alles was zum Nutzen und Gedeihen der Gesellschaft dienen konnte, für dieselbe in Anwendung zu bringen. Aus dem reichen Schatze seiner Kenntnisse und seiner ausgedehnten Belesenheit theilte er fortwährend der Gesellschaft, theils in mündlichem Vortrage, theils auch in schriftlichen Recen- sionen, den summarischen Inhalt je der neuesten litterarischen Erscheinungen, ausserdem aber auch eine Menge eigener Erfahrungen und Beobachtungen, und viele wichtige Abhandlungen über mannigfaltige naturwissenschaftliche Gegenstände mit. Nicht geringeres Interesse gewährten der Gesellschaft seine zahlreichen Miltheilungen aus seiner ausgedehnten Corres- pondenz mit den grössten Gelehrten seiner Zeit, einem Linne, Boerhave, Gronovius, Jussieu, * Gmelin, Seguier, Trew, Brander, Bernouilli, Sulzer, Lambert etc. vorzüglich aber mit seinem vertrauten Freunde Albrecht v. Haller. Von besonderm Werthe waren auch die häufig seinen Recensionen neu erschienener Werke beigefügten biographischen Notizen über 1 die Verfasser derselben. Die Gründung des ersten botanischen Gartens der Gesellschaft, V so wie die Einrichtung des später von ihr beworbenen Gartens, war vorzüglich sein Werk, n 3 v ' fl^ Tr-Cr 18 •*»»*»' so wie er auch bis zn seinem Tode Präsident der botanischen Commission blieb, und durch seine ausgezeichneten botanischen Kenntnisse nicht wenig zum Flore dieser Anstalt beitrug. Ausser den litterarischen Mittheilungen war Gessner auch durch eine Reihe systematischer, häufig mit Vorweisungen und Versuchen begleiteter Vorträge über Physik, Mathematik, Astronomie, Botanik, u. s. f. bemüht, der Gesellschaft nützlich zu werden. Seineneinflussreichen Bestrebungen verdankte die Gesellschaft ihr gedeihliches Aufblühen, und seinem berühmten Namen das wachsende Ansehen im In- und Auslande. Während 45 Jahren ihr väterlich besorgter Leiter und Rathgeber, war der im persönlichen Umgänge so anspruchslose Mann von allen Mitgliedern der Gesellschaft geehrt und geliebt, und hinwiederum waren ihm die Sitzungen derselben, so lange es ihm seine zwar oft gestörte Gesundheit sie zu besuchen gestattete, seine liebste Erholung. Nach mehreren harten Schlägen des Schicksals , die ihn in seinem bereits hoch angestiegenen Alter seiner liebsten Stützen beraubten, bemächtigte sich seiner allmählig eine trübe Lebensansicht, und in den beiden letzten Jahren besuchte er die Gesellschaft, wenn gleich immerfort derselben mit Liebe gedenkend, nicht mehr. Seine Kraft war gebrochen und seine Seele bereitete sich auf das Jenseits vor, welchem sie dann auch am 6. Mai 1790 entgegeneilte. Am 8. Mai empfing die Gesellschaft die schmerzliche Anzeige von dem Hinschiede ihres Stifters und Vorstandes, und am 5. Juli vereinigte sie sich um das Andenken des Seligen feierlich zu begehen. In einer würdigen Parentation wurden von Dr. Hs. Caspar Hirzel die vielseitigen Verdienste Gessner’s namentlich auch diejenigen um die Gesellschaft auseinander gesetzt, und in herzlicher und eindringender Bede den um den Hingeschiedenen trauernden Mitgliedern die Förderung und das Interesse der Gesellschaft aufs kräftigste empfohlen. Eine von Prof. Däniker componirte Trauermusik, welcher Pfarrer Lavater den Text unterlegte, erhöhte die Feier, welcher ausser den Mitgliedern der Gesellschaft auch die Häupter des Staates und der Antistes, so wie eine grosse Zahl der angesehensten Mitbürger beiwohnten. Unter Leitung des neuen am 10. Mai 1790 erwählten Präsidenten, Ralhsherr und Stadtarzt Dr. Hs. Caspar Hirzel, setzte nun die Gesellschaft ihre Thätigkeit fort, und glücklicher Weise gewann sie durch den Beitritt mehrerer an Geist und Kenntnissen reichbegabter, so wie von regem Eifer für gemeinnütziges Wirken beseelter jüngerer Männer kräftige und neu belebende Unterstützung. Durch bauliche Veränderung auf dem Carlsthurm war gegen Ende der Achtzigerjahre in die Arbeiten der astronomischen Commission eine länger andauernde Störung getreten, und das Observatorium für die Benutzung unzugänglich geworden, so dass im Jahr 1787 eine neue Commission bestellt wurde, die einen Plan und Kostendevis zu erneuerter Ein- -O «■# « „.» g -. c ---19 =5»*---‘ > -> ' ä richtung einer Sternwarte entwerfen sollte. Auf die von Ingenieur Fehr eingereichten Vorschläge hin, wurden bald die Arbeiten begonnen und im Juni 1790 beendigt, worauf eine neue Reihe astronomischer Beobachtungen unternommen und jene Commission, der zugleich die Beaufsichtigung der physikalischen Instrumente und Apparate übertragen worden war, permanent erklärt wurde. Als aber im Jahr 1798 Ingenieur Fehr, dem an ihn gelangten Rufe nach Sachsen - Meinungen folgend, Zürich verliess, musste das Observatorium aus Mangel an Freunden der Astronomie wiederum geschlossen werden. Das Wiederauffinden der verloren geglaubten Mineralquelle im Bette der Liinmat, oberhalb des Helmhauses veranlasste in den Jahren 1791 — 92 die Gesellschaft, sorgfältige Untersuchungen über die physischen, chemischen und medicinischen Eigenschaften anzustellen, und allfällige historische Nachrichten darüber zu sammeln. Die Resultate dieser von einer Commission ausgeführten Arbeiten wurden in einem ausführlichen Berichte der h. Obrigkeit übergeben. Die Bibliothek erhielt durch beträchtliche Ankäufe aus bedeutenden Sammlungen, namentlich aus dem Gessnerischen Nachlass, und durch die im Jahr 1794 beschlossene durchgreifende und mit grossen Opfern verbundene Ergänzung der Defecten einen wertb- vollcn Zuwachs; auch w ar für Besorgung der Gescllschaftsschriften bereits im Jahr 1790 ein eigener Archivar bestellt worden. Im Jahr 1798 beschloss die Gesellschaft, nach dem Beispiele und auf die Einladung mehrerer anderer Corporationcn ein Neujahrstück herauszugeben, und ordnete für die Besorgung desselben eine eigene bleibende Commission. Die Ausführung wurde» dann einzelnen Mitgliedern übertragen und das erste dieser für die Jugend bestimmten Geschenke erschien auf das Neujahr 1799. Es ist zu bedauern, dass diese bis in die neuesten Zeiten fortgesetzte Sammlung nicht nach einem ordentlichen Plane durchgeführl wurde, und dass die Bearbeitungen besonders in den ersten Jahren mitunter sehr oberflächlich und dürftig auslielen. Weitaus der grössere Theil derselben ist naturhistorischen Inhalts, und enthält meist kurze Beschreibungen inländischer Thiere, einige derselben von ausländischen, einige von vorweltlichen Geschöpfen. In den spätem Jahren setzten sich jedoch die Bearbeiter dieser Neujahrstückc einen andern Zweck als die Belehrung und Unterhaltung der Jugend vor, und suchten in gedrängten Monographien einige interessante Erscheinungen in den Alpen zu erklären. Unter trüben Aussichten trat die Gesellschaft in’s neue Jahrhundert hinüber. Doch litt dieselbe ungeachtet des allgemeinen Umsturzes aller äussern Verhältnisse in dieser für eine Menge Corporationcn so verhängnisvollen Periode, keine wesentliche Veränderung. Indessen lässt sich nicht läugnen, dass der Einfluss der äussern Unbilden der Zeit in mehrfacher Beziehung auch in dem innern Leben der Gesellschaft sich fühlbar machte. 20 - T Der Besuch der Sitzungen verminderte sich von Jahr zu Jahr, der Gegenstand vieler '°jj | Vorträge schien ein banges Missbehagen der Bearbeiter zu verrathen, die Zahl der austre- j tenden Mitglieder vermehrte sich auf ungewöhnliche Weise, und erst als der politische j Horizont sich wieder zu erheitern begann, fand sich wieder eine Anzahl jüngerer Mit- ; bürger ein, welche sich zur Aufnahme in die Gesellschaft meldeten; selbst der schnelle ! Wechsel mehrerer Officianten dürfte in dem alle Arbeit erschwerenden und auf jedem Ver- hältniss lastenden Druck der Zeiten seinen Grund haben. Den empfindlichsten Nachtheil indessen verspürte die Oekonomie der Gesellschaft theils durch verschiedene unmittelbare Verluste, theils durch verminderte Einnahmen an Jahrgeldern und Geschenken, so wie durch saumseliges Eingehen der Zinse. Um zur Linderung des durch den Krieg herbeigeführten Elendes besonders auf dem Lande nach Kräften beizutragen, zumal in vielen Gegenden des Cantons die Bestellung der Felder theils unmöglich gemacht, theils die Arbeit durch die Heere zerstört und die Vorräthe aufgezehrt waren, beschloss die Gesellschaft, ein bedeutendes Quantum Sommer- : fruchte, namentlich Gerste, Türkenkorn und Erdäpfel anzuschaffen, und um niedrige Preise an dürftige Landleute zur Aussaat abzugeben. Sie bewilligte zu diesem Ende hin der ökonomi- i sehen Commission einen Credit von fl. 2000, worauf durch Vermittelung Dr. Peyers in Mühl- j hausen die Ankäufe besorgt wurden. Allein das Unternehmen hatte keineswegs den gchoff- i ten Fortgang, und verursachte der Gesellschaft, ohne den beabsichtigten Nutzen zu stiften, ! einen sehr bedeutenden Verlust. - Schon gegen das Ende der achtziger Jahre war in Besorgung des botanischen Gar- ! tens einige Lauheit getreten , und verschiedene Mittel, um die Thätigkeit der botanischen Commission zu beleben, waren nur auf kurze Dauer mit Erfolg begleitet gewesen, bis die Aufsicht über den Garten an Dr. Paul Usteri übertragen wurde, worauf diese schöne Anlage rasch ein freudiges Gedeihen zeigte; allein bald drohte derselben (im Jahr 1799) durch die in der Nähe gelagerten fremden Heere der völlige Untergang, der nur durch den schnell eingebroebenen Wechsel des Kriegsglücks von demselben abgewendet wurde. Als dann aber (im Jahr 1801) unter Leitung des Dr. Römers die darniedergelegenen Arbeiten mit neuem Eifer wieder aufgenommen wurden, erhob sich der Garten schnell zu bis dahin noch . nie gesehenem Flor. Einen schmerzlichen Verlust erlitt die Gesellschaft durch den am 18. Februar 1803 plötzlich erfolgten Tod ihres zweiten Präsidenten Dr. Hs. Caspar Hirzel. Bald nach Gründung derselben war Hirzel schon im Jahr 1746»zum Mitgliede angenommen worden, leistete als Besorger der Bibliothek und als Adjunct des ersten Secretärs in den ersten Jahren der | X Gesellschaft nicht unwichtige Dienste, bekleidete dann bis zum Jahr 1752 die vereinigte Stelle £ f beider Secrelariate bis 1759, worauf er das Quästorat des Brauchfonds besorgte, bis ihm f < c < . -c- äß»-€-^£':-*Sr 21 ■=*»!>= im Jahr 1790 das Präsidium der Gesellschaft übertragen wurde; auch war er vom Jahr ? ); 1769 an Präsident der ökonomischen Commission. Ausser den vielfachen Dienstleistungen und der mit Besorgung dieser Aemter verbundenen Mühe, verdankte die Gesellschaft vorzüglich seiner thätigen Verwendung die Wiedererwerbung eines botanischen Gartens, indem er es als erster Stadtarzt bei der Obrigkeit durchsetzte, dass zum Behuf der Einrichtung eines Lazareths für ansteckende Krankheiten, in der Nähe der Stadt ein Landhaus mit einigem Ausgelände angekauft, und das letztere der physikalischen Gesellschaft zur Benutzung um billigen Pachtzins überlassen wurde. Die zahlreichen Vorträge über medicinische und vorzüglich auch über landwirtschaftliche Gegenstände, die Lobschrift auf Kleinjogg den philosophischen Bauer, die Denkreden auf Bürgermeister Heidegger und Chorherr Johannes Gessner, und eine Menge anderer wohl ausgearbeiteter Mittheilungen zeugen von dem Interesse, das er für die Gesellschaft hegte. Seine ausgebreitete Correspondenz mit angesehenen Männern im In - und Auslande, erwarben derselben auch viele nützliche Verbindungen. j Nach einer würdigen am 23. Febr. gefeierten Parentation, wurde dann am 28. Febr. | Hr. Chorherr Heinrich Rahn M. Dr. zum Präsidenten erwählt. ; Im Jahr 1804 veranstaltete die Gesellschaft eine Reihe öffentlicher, mit Versuchen und Vorweisungen begleiteter Vorträge für ein gebildetes Publicum über Naturgeschichte, Physik, Chemie und Astronomie, welche mit Beifall aufgenommen und zahlreich besucht wurden. Um eine von Johannes Gessner angelegte, nunmehr im Besitz des Hrn. Chorherr Rahn befindliche Naturaliensammlung als Eigenthum für die Stadtbibliothek zu erwerben, wurde im Jahr 1805 von einigen Privaten eine Subscription eröffnet, bei welcher sich die Gesellschaft ebenfalls betheiligte, und hierauf (1806) in die beaufsichtigende Direction sechs Mitglieder zu bezeichnen hatte. Später wurde dann auch ein zweckmässiger Austausch verschiedener mineralogischer Schaustücke aus dem Cabinet der Gesellschaft, gegen zoologi- ; sehe Gegenstände, angeordnet. Auch die lnslrumenten-Sammlung erhielt im Jahr 1808 einen ansehnlichen Zuwachs durch Anschaffungen aus dem Breilinger’schen Cabinet, und im Jahr 1811 beschenkte Hr. Hofrath Horner die Gesellschaft mit einer beträchtlichen Anzahl interessanter von seiner Reise um die Welt mitgebrachter Merkwürdigkeiten. Sowie im Jahr 1805 ein ausführliches Register aller Schriften der ökonomischen Commission veranstaltet worden war, so wurde ein ähnliches von den seit 1801 in der Gesellschaft selbst vorgetragenen Abhandlungen verfertiget; und im Jahr 1807 eine durchgreifende | Revision der Statuten beschlossen , welche dann im October 1809 zu Stande kam. Die |d wesentlichsten Veränderungen betreffen die Verordnungen für die seither neu entstandenen 22 r* Commissionen für Beaufsichtigung der Instrumente und für Besorgung des Neujahrstücks, und eine etwas verschiedene Geschäftseintheilung für die Versammlungen der ganzen Gesellschaft, welche letztere von da an die Benennung der naturforschenden Gesellschaft sich beilegte. Nachdem die Gesellschaft schon früher (1779) durch Hofrath Clais von Winterthur einen Plan zu einer Sternwarte auf der obern Schanze (neben der Kronenporte) hatte entwerfen lassen, wurde im Jahr 1810 vorzüglich auf Verwendung einiger Mitglieder der Instrumenten- Commission, an dieser Stelle ein Observatorium angelegt, und im Jahr 1811 vollendet; auch wurden mehrere Apparate wesentlich verbessert, und andere neu angeschafft, wodurch die so lange bei uns danieder gelegene praclische Astronomie wieder aufzuleben begann, zumal auch einige jüngere Männer sich dieser Wissenschaft unter der Leitung Fehr’s und Horner’s zu widmen entschlossen. Am 10. August 1812 verlor die Gesellschaft ihren dritten Präsidenten Chorherr Hs. Heinrich Bahn, Med. Dr. und Prof, der Physik und Mathematik am Carolinum. Er war im Jahr 1768 Mitglied, 1790 Quästor, und 1803 Vorsteher der Gesellschaft geworden, und hatte derselben durch Besorgung ihrer Oekonomie, und Leitung der Geschäfte nicht unwichtige Dienste geleistet. Seine Eröffnungsreden bei den Jahressitzungen, und verschiedenen Vorträge über Gegenstände der Naturlehre, Anthropologie und Medicin, Becensionen merkwürdiger neuer Schriften, und diebelehrenden Anmerkungen, womit er häufig die Vorträge anderer Mitglieder begleitete und ergänzte, zeugten von dem lebhaften Interesse für das Gedeihen des ihm theuer gewordenen Vereins. Als neuer Präsident wurde am 29. August 1812 erwählt, Rathsherr Paulus Usteri, Med. Dr., welcher am 14. Sept. das Andenken seines Vorgängers in einer, seiner vielseitigen Verdienste würdigen, jedoch einfachen Parenlation ehrte. Die Erweiterung der Sammlungen und die mit jedem Jahre steigenden Anschaffungen für die Bibliothek, hatten in den letzten Zeiten die Oekonomie der Gesellschaft so sehr in Anspruch genommen, dass sich dieselbe um neue Hülfsquellen umzusehen veranlasst sah, und es gelang ihren Bemühungen eine ansehnliche und andauernde Unterstützung von Seite des Kaufmännischen Directoriums zu erhalten; auch gewährten die mit verschiedenen Unlcr- richtsanstalten für Benutzung der Sammlungen der Gesellschaft abgeschlossenen Verkommnisse einige Erleichterung; wie z. B. 1812 der Vertrag mit dem Gymnasium, 1817 mit dem medicinischen Institut, 1827 mit der Technischen Anstalt. Wie besonders in frühem Jahren die Gesellschaft oft mit dem Zutrauen beehrt worden war, der h. Obrigkeit über verschiedene landwirtschaftliche, polizeiliche und administrative Gegenstände ihr Gutachten abzugeben, und bisweilen in ihrem Aufträge ihre Ansichten über solche Angelegenheiten dem Publicum vorzulegen; ebenso wurde ihr namentlich durch «?•" ^ *• —-— * 4 tk i. ... n T Usteris Einwirkung häufig die Veranlassung gegeben für verschiedene Regierungs-Collegien ); ^ f 5 - " zweckdienliche Vorschläge einzureichen. So wurde im Jahr 1812 ein durch die ökonomische Commission bearbeitetes Gutachten über die Mittel, die Landwirtschaft und andere Erwerbszweige der Volksklasse in neuen Schwung zu bringen, der Commission des Innern auf ihren Wunsch hin eingehändigt. Ebenso erliess die Gesellschaft im Jahr 1816 auf Verlangen des kl. Raths eine populäre Widerlegung der Vorurteile über die Rlitzableiter Die ökonomische Commission, deren Thätigkeit in den letzten Jahren, nachdem allerdings der eine ihrer Zwecke, nämlich die landwirtschaftliche Kenntniss des Cantons, so gut als möglich erreicht war, der andere aber, die Leitung der Landwirtschaft selbst durch die völlig veränderten Zeitverhältnisse immer schwieriger geworden war, nicht mehr der frühere Reiz sich darbot, und die daher allmälig zu erlöschen drohte, nahm im Jahr 1814 einen neuen Aufschwung, der aber schon im Jahr 1821 wieder erstarb, so dass die durch Resignation erledigte Präsidentenstelle nicht wieder besetzt und die Besorgung allfällig vorkommender Geschäfte einem permanenten Secretariate übertragen wurde, nachdem der ökonomische Fond bereits früher schon (1815) dem Hauptfond einverleibt worden war. Dagegen bewarb sich die wieder in’s Leben getretene mathematisch- militärische Gesellschaft im Jahr 1816 zu erneuertem Anschluss an die naturforschende, welcher auch am 1. Juni zu Stande kam. Ebenso trat in demselbeu Jahre die naturforschende Section | der Culturgesellschaft in Aarau, und die physikalische Gesellschaft in Bern mit der zürche- j rischen in engere Verbindung, welche namentlich die gegenseitige Mittheilung der Verhandlungen zur Absicht hatte. Mit lebhafter Theilnahme suchte der Verein auch die Errichtung der Allgemeinen schweizerischen naturforschenden Gesellschaft, und ihre Zwecke zu befördern. Die Benutzung der bereits zu einer beträchtlichen Sammlung angewachsenen Bibliothek wurde im Jahr 1815 durch die Herausgabe eines Catalogs ungemein erleichtert, und j schon im Jahr 1817 musste demselben ein interimistisches, 1823 aber das erste, 1829 ein \ zweites, 1836 ein drittes, und 1842 ein viertes Supplement beigegeben werden. Nicht weniger verdienstlich war die Anlegung eines neuen topischen Catalogs in dem Jahre 1816. ! Nach dem im Januar 1819 erfolgten Hinschiede des um die naturforschende Gesellschaft, namentlich aber um den botanischen Garten so vielfach verdienten Dr. Joh. Jacob Römers, ging die Leitung dieser Anstalt an Hrn. Leonhard Schulthess im Lindengarten über, welcher durch Erweiterung der Correspondenz und des Tauschhandels, so wie durch thätige Besorgung des Gartens selbst, den immer steigenden Flor desselben sich zur angelegentlichsten Aufgabe machte. ,)) Dem unermüdlichen Eifer des Hrn. Dr. Rud. Schinz gelang es im Jahr 1820 durch j) V eine unter Freunden und Mitbürgern erhobene Subscription für das zoologische Cabinet e — o < / : - C < -i «I 24 t. t bedeutende Anschaffungen an seltenen Thieren zu machen, und auch in den folgenden Jahren erhielt die Sammlung vorzüglich durch seine Betreibung viele werthvolle Geschenke, so dass es bald an dem nöthigen Raume zur Aufstellung gebrach, bis endlich im Jahr 182H die Regierung dem dringenden Ansuchen der Gesellschaft Gehör gebend, derselben zu diesem Zwecke ein geräumiges und passendes Local im Hinteramte anwies, wo dann ungesäumt die Naturalien aufgestellt wurden. Nunmehr flössen derselben von verschiedenen Seiten reiche Geschenke zu, namentlich von den Hrn. Eschcr- Zollikofer, Schullhess-Escher, Rittmeister Klauser, Moquin-Tandon und Dubreuil in Montpellier, Beeldsnyder in Gouda, Bremi- Wolf, Sr. Durchlaucht dem Prinzen M. v. Neuwied, Major Imthurm v. Schaffhausen, und dem Besorger des Cabinets Hrn. Oberrichter Dr. Rud. Schinz. Es wurde deshalb eine Commission zur Beaufsichtigung und ein Reglement für die Benutzung des Cabinets aufgestellt, und das letztere an gewissen Tagen dem Publicum geöffnet. Um die Unterhaltung und Vermehrung der Sammlung auch für die Folge zu sichern, wurde ein eigener zoologischer Fond gegründet, wozu als erste Grundlage ein grossmüthiges Geschenk von fl. 500 ab Seite des kaufmännischen Dircctoriums verwendet wurde. Von da an erschien auch ein systematisches Verzeichniss des zoologischen Cabinets,.und seines jährlichen Zuwachses, das dem Neujahrstücke beigegeben wurde. Am 31. März übergab nun vollends Hr. Oberrichter Dr. Schinz eine förmliche Schenkungsurkunde, wodurch derselbe die bereits in der zoologischen Sammlung aufgestellten europäischen Säugethiere, die ausländischen Vögel, Reptilien und Insecten, welche ihm angehörten, der Gesellschaft als Eigenthum überlicss. Im Jahr 1823 verlor die Gesellschaft durch den Tod mehrere ihrer ihätigsten Mitglieder, unter diesen den Hrn. Staatsrath Hs. Conrad Escher von der Linth, und Hrn. Schanzenherr Joh. Fehr. Der erstere war der Gesellschaft im Jahre 1794 beigetreten, und leistete derselben bald nach seinem Eintritt wichtige Dienste, durch Anordnung und Besorgung des Mineralien- Cabinets, durch Gründung einer geognostischen Sammlung, die er aus eigenen Mitteln anlegte, durch zahlreiche Mittheilungen über Mineralogie, Bergwerkskunde, Geognosie, und Geologie, so wie von interessanten Bruchstücken aus seinen Reisebeschreibungen durch die Hochalpen, und durch die jährlichen Relationen, welche er während der frühem Periode als Secretair der mathematisch-militärischen Gesellschaft* vorzutragen hatte. — Auch als Mitglied der ökonomischen Commission war Escher früher sehr thätig gewesen. Der letztere war schon 1781 in die Gesellschaft aufgenommen worden, nachdem er mehrere Jahre lang Hrn. Prof. Breitinger als Gehülfe bei seinen Vorlesungen über Experimentalphysik unterstüzt hatte. Die Gesellschaft verdankt ihm vorzüglich die Einrichtung und Besorgung der astronomischen Observatorien auf dem Carlslhurm und bei der Kronenporte, welche er zum Theil mit seinen eigenen Instrumenten versah, und in denen er eine Menge schöner Beobachtungen anstellte, deren Resultate er der Gesellschaft mittheilte. Ausserdem unter- f - 3 » jß-Mürt ^ hielt er dieselbe mit zahlreichen Vorträgen über theoretische Mathematik, und über theoretische und praclische Astronomie. Besonders thätig war derselbe auch bei Vermessung i einer Standlinie im Sihlfeld, und bei der trigonometrischen Aufnahme des Cantons, so wie er auch eine Karte des Rheinlhals entwarf, womit er die Gesellschaft beschenkte. Ebenso machte er sich um die Bestimmung und Vereinfachung der Masse und Gewichte verdient, und stellte während einer Reihe von Jahren genaue meteorologische Reobachtungen an, deren Sammlung, nach seinem Tode, von seinen Hinterlassenen der Gesellschaft zum Geschenk gemacht wurde. Von der allgemeinen schweizerischen naturforschenden Gesellschaft aufgefordert, entwarf im Jahr 1825 eine dazu bestellte Commission einen Plan für die von jener herauszu- ! gebenden Denkschriften , und über die Ausschreibung von Preisfragen, welcher ohne wesentliche Veränderungen angenommen wurde; auch ward 1827 aus den Mitgliedern der Gesellschaft für jene ein permanentes General-Secretariat erwählt. Festliche Tage gewährte im August 1827 die Versammlung der allgemeinen Gesellschaft in Zürich. Dem Beispiele anderer schweizerischer Gesellschaften folgend, wurde im Jahr 1826 I der Beschluss gefasst, die jährlichen Relationen über die Verhandlungen dem Drucke zu übergeben. Diese Sammlung wurde dann ohne Unterbruch von dem Secretär Dr. Locher- Balber bis zum Jahre 1832 mit Sorgfalt bearbeitet, worauf nach einem Unterbruch von vier Jahren, noch eine kurze summarische Uebersicht über die Verhandlungen in den Jahren 1832 — 1836, und ein Bericht vom April 1836 bis Ende 1837, aus der Feder des damaligen Secretärs Ferdinand Keller V. D. M. erschien. Auf den Bericht, dass sich im Canton eine Anzahl von gemeinnützigen Vereinen gebildet habe, welche zum Theil auch mit landwirlhschaftlichen Gegenständen sich beschäftigen, wurden im Jahr 1827 einige Mitglieder der Gesellschaft bezeichnet, um sich mit jenen, zum Behuf gegenseitiger Mittheilungen, in Rapport zu setzen; auch ward im folgenden Jahre eine neue landwirtschaftliche Section organisirt, und ein kleiner Fond zur Bestreitung der laufenden Ausgaben bestimmt. Allein die Protocolle enthalten keine weitern Angaben über allfällige Thätigkeit dieser neu erstandenen Commission. Die bedeutend erweiterten Sammlungen, und die starke Benutzung der Bibliothek, machten im Jahr 1828 die Aufstellung eines neuen bindenden Reglements für den Abwart nüthig, und zogen bald eine Totalrevision der Statuten nach sich, welche einige wesentliche Veränderungen in der Organisation der Gesellschaft zur Folge hatte. Der die Geschäfte leitende Ausschuss, oder das Collegium der Herrn Ordinarii, erhielt den Namen eines Co- i mite, und die bisherigen Membra honoraria den Titel: »Ordentliche Mitglieder«. Die J Wählender Commitlirten, des Präsidenten, des Secretärs und der Ehrenmitglieder, wurden f in den Schoos der ganzen Gesellschaft gelegt, und jedem einzelnen Mitgliede auch die k * -—26 -mm-- * Berechtigung zu Vorschlägen für die Wahl von Mitgliedern des Comite, oder von Ehrenmit- J 1 gliedern eingeräumt. Als neu entstanden erscheint in diesen Statuten, die zoologische Casse, * und die oben erwähnte landwirthschaftliche Section. In Folge dieser Revision wurden dann ! im Jahr 1829 säinmtliche Commissionen neu bestellt, oder ergänzt und erweitert. Schmerzlich, und in alle Verhältnisse der Gesellschaft tief eingreifend war der Verlust, den sie durch den am 9. April 1831 erfolgten Ilinschied ihres hochverehrten, vierten Präsidenten, des Bürgermeisters Paul Usteri erlitt. Er war seitdem Jahr 1788 Mitglied, und widmete bald nach seiner Aufnahme seine Kräfte vorzüglich dem botanischen Garten, dessen Beaufsichtigung und Leitung er von 1795 — 1798 fast allein besorgte, bis die Politik für mehrere Jahre der Gesellschaft seine Thätigkeil entzog. Im Jahr 1811 wurde ihm das mit dem Quästorat verbundene Vice - Präsidium übertragen, und im Jahr 1812 ward er I zum Präsidenten erwählt. Er unterhielt die Gesellschaft in mehr als 80, häutig mit voll- 1 endeter Sorgfalt ausgearbeiteten Vorträgen über Gegenstände aus den verschiedensten Gebieten der Wissenschaft, namentlich über Botanik, Medicin und Physik, vorzüglich aber mit zahlreichen Auszügen aus den neuesten Rciseheschrcibungen, Recensionen und kriti- j sehen Uebersichten neuerer naturwissenschaftlicher Werke, Mitlheilungen über das Entstehen und die Thätigkeit wissenschaftlicher Vereine und Anstalten, Biographien ausgezeichneter Männer u. s. f. Von nicht geringerem Interesse waren seine Reflexionen, womit er als , Präsident die Vorträge anderer Mitglieder zu begleiten gewohnt war, und welche die Mit- | theilungen selbst oft an Gehalt und Rcichthum der Ideen, an Geist, Klarheit und logischer Ordnung weit überwogen. Ein besonderes Verdienst erwarb sich Usteri um die Gesellschaft auch durch die lebendige und unwiderstehliche Anregung zur Thätigkeit, durch Aufmunterung und Belehrung der jungem Mitglieder, so wie durch Unterstützung der Zwecke der Gesellschaft, vermittelst seiner weitausgebreiteten Verbindungen mit ausgezeichneten Männern und Vereinen, und durch seinen Einfluss bei den Regierungsbehörden. Nicht unbeträchtlich sind endlich die Geschenke von Büchern, womit er seit einer Reihe von Jahren die Bibliothek bedachte. Als Präsident der Gesellschaft wurde nun Hr. Rathsherr Caspar Horner, Kaiscrl. Rus- i sicher Hofrath, und Professor am Gymnasium erwählt, welcher in einer geist- und ge- 1 müthvollen Parentalion dem Verdienste Usteri’s einen unverwelklichen Lorbeer wand. In demselben Jahre verlor die Gesellschaft noch mehrere ihrer altern Mitglieder, unter diesen auch den würdigen, greisen Staatsrath, Hrn. Hs. Conrad Pestaluz. Derselbe war im Jahr 1770 der Gesellschaft beigetreten, und hatte von 1808 bis 1826 die Verwaltung des Haupt- j fonds mit musterhafter Treue und Geschicklichkeit, und ebenso, von 1792 bis 1837 alc | Präsident der Instrumentcn-Commission, auch den Instrumentenfond besorgt. Durch öffentliches Amt vielseitig in Anspruch genommen, konnte derselbe der Gesellschaft zwar ¥ ♦ IM* -*msfr 27 —c -;;> nur selten in wissenschaftlichen Arbeiten seine Thäligkeit widmen, doch beschenkte er dieselbe noch in seinem siebenzigsten Altersjahre mit einem ebenso ansprechenden als geistvollen Vorträge, der seine genaue Bekanntschaft selbst mit den neuesten Fortschritten der Naturwissenschaften beurkundete. Auch bewies er durch seinen fast ununterbrochenen ! Besuch der Zusammenkünfte der Gesellschaft bis zu seinem hoch angestiegenen Alter die j lebhafteste Theilnahme an dem Gedeihen derselben. j Schon in frühem Zeiten hatte die Gesellschaft zu wiederholten Malen zur Unterstützung naturwissenschaftlicher Unternehmungen nicht unbedeutende Summen verwendet, so z. B. im Jahr 1752 an die zwar verunglückte Expedition eines gewissen Mylius von Berlin nach Nord-und Südamerika; 1763 an die mit schönem Erfolg gekrönte botanische j und entomologischc Beise des geschickten Entomologen Hs. Caspar Füssli nach Bündten j und Veltlin; und auch später wurden verschiedene Sammler von Naturalien mit Beisegeld unterstützt, als sich im Jahr 1834 ihr die erwünschte Gelegenheit darbot, einem Mitgliede, j dem hoffnungsvollen Dr Ludwig Horner, der im Dienste der holländischen Compagnie als | Arzt und Naturforscher nach Batavien zu gehen im Begriffe stand, für Anschaffung von Naturgegenständen zu Gunsten der hiesigen Sammlungen einen Credit zu eröffnen. Leider starb Horner am 7. December 1838 in Folge seiner allzueifrigen und rastlosen Bemühun- j gen bei der mineralogischen und geologischen Untersuchung der Nordküste von Sumatra. ! Nicht zu übergehen sind auch die beträchtlichen Subsidien, welche sie in den Jahren 1805 i und 1824 an zwei ihrer Mitglieder zum Behuf der Fortsetzung ihrer naturwissenschaftlichen Studien im Auslände abreichte. Nach erfolgter Gründung der zürcherischen Hochschule, wurden im Jahr 1833 der | Gesellschaft vom h. Erziehungsralhe Anträge zu käuflicher Abtretung ihrer Sammlungen | gemacht. Die Gesellschaft beschloss nun, nachdem sie die Beralhung dieser Angelegenheit einer eigens dazu erwählten Commission aufgelragen hatte, in Folge eines von dieser eingereichten , wohl motivirten Gutachtens, vorerst wegen Ueberlassung des botanischen Gartens 1 in Unterhandlungen einzutreten, worauf dann im April 1834 der Verkauf der Pflanzen und Geräthschaflen an den Staat um die Summe von 1225 fl. beschlossen, und von der Gesellschaft ratiflcirt wurde. Im Jahr 1835 ward dann auch der botanische Fond dem Haupt- fonde einverleiht. Auf ähnliche Weise wurde im Januar 1834 die Instrumenten-Commission beauftragt, einen motivirten Antrag über Beibehaltung oder Veräusserung der Instrumentensammlung zu hinterbringen, welchem Auftrag dieselbe im November entsprach, worauf der Beschluss gefasst wurde, auch diese Sammlung zu veräussern. Der Verkauf derselben verzögerte sich jedoch bis in’s Jahr 1837, und warf die unbedeutende Summe von circa fl. 900 j ab, welche dann mit dem noch übrigen Reste des Instrumentenfondes dem Hauptfonde ein- | verleibt wurde. jK«“ g < £ - 0 " * 28 Die politischen Begebenheiten zu Anfang der dreissiger Jahre hatten auf die Thälig- keit der Gesellschaft, wenigstens vorübergehend, offenbar ungünstig eingewirkt, indem die Politik des Tages und die rasch auf einander folgenden Ereignisse die Aufmerksamkeit und thätige Theilnahme eines grossen Theils der arbeitenden Mitglieder in so hohem Grade in Anspruch nahm, dass ihnen für die Förderung der Interessen der Gesellschaft wenig Müsse übrig blieb ; auch darf nicht in Abrede gestellt werden, dass durch verschiedene zusam- mentreffende Umstände eine Anzahl besonders älterer Mitglieder veranlasst wurden, sich vom Besuche der Sitzungen zurückzuziehen : ausserdem traten einige, wegen hoch angestiegenen Alters der Buhe bedürftig, aus der Zahl der Arbeitenden zurück, auch wurden andere der Gesellschaft durch den Tod entrissen, während viele sonst thätige jüngere Mitglieder, wegen überhäufter anderweitiger Beschäftigung, die dadurch entstandene Lücke nicht durch vermehrte Thätigkeit zu ersetzen im Falle waren. In Folge dieser Wahrnehmung wurden dann im Jahr 1834 verschiedene Anordnungen zu erneuerter Belebung und regelmässigerer Thätigkeit der Gesellschaft getroffen, und in letzterer Beziehung der Beschluss gefasst, durch den Winter (November bis Mai) wöchentliche, im Sommer aber, mit Beseitigung der bis dahin üblichen Ferien, nur monatliche Sitzungen zu halten. Mittlerweile sollte die Gesellschaft durch den am 3. November 1834 erfolgten Tod ihres fünften Präsidenten, des Hrn. Bathsherrn Hofrath Horners, einen neuen unersetzlichen Verlust erleiden. Horner war gleich nach Vollendung seiner Studienzeit an den hiesigen ün- terrichtsanstalten, im Jahr 1795 in die Gesellschaft aufgenommen worden, und verdankte seinem Beitritte, bei seinem darauffolgenden Besuche der Universität Göttingen die Bekanntschaft mit mehreren ausgezeichneten Gelehrten, so wie die Aufnahme in die dortige naturforschende Gesellschaft. Allein erst seit seiner Rückkehr aus Russland, nach Vollendung seiner Reise um die Welt, als Astronom hei der Expedition Krusensterns, ward er eines der thätigsten Mitglieder des hiesigen Vereines, und in Anerkennung seines Interesses für die Gesellschaft ward er schon im Jahr 1809 zum Ordinarius, im Jahr 1812 zum Quästor und Vicepräsidenten, und im Jahre 1831 zum Präsidenten derselben erwählt. In mehr als 70 Vorlesungen mathematischen, physicaliselien, astronomischen und technischen Inhalts, von denen viele das Resultat langjähriger Untersuchungen und Beobachtungen, die meisten aber die Frucht eines gründlichen und vielseitigen Studiums sind, wusste er die Gesellschaft stets angenehm und lehrreich zu unterhalten. Vorzügliches Verdienst im Interesse der Gesellschaft erwarb sich Horner um die Gründung der neuen Sternwarte und die Fortführung der, besonders von Schanzenherr Fehr begonnenen , astronomischen und meteorologischen Beobachtungen. Mehrere Male war auch Horner das Organ, durch welches die Gesellschaft gemeinnützige Zwecke im Vaterlande zu fördern bemüht war, z. B. durch Herausgabe einer kleinen Schrift, über den Zweck und Nutzen der Blitzableiter, und einer 29 andern, über die Zweckmässigkeit und Nothwendigkeit gleichförmiger Maase und Gewichte. Auch war es vorzüglich Horners Einfluss und Verwendung zu danken, dass sich die Gesellschaft im Jahr 1833 an die Spitze einer Actieneröfl'nung stellte, um das Unternehmen der Tieferlegung des Lungernsee’s im Canton Unterwalden zu einem gedeihlichen Ende zu führen. Nicht minder dankbarer Erwähnung verdient auch die bald nach seiner Heimkehr erfolgte Schenkung seiner auf der Reise um die Welt gesammelten Natur- und Kunstgegenstände. Als neuer Präsident wurde nun der um die Gesellschaft viel verdiente Professor Dr. H. R. Schinz erwählt, welcher 1798 der Gesellschaft beigetreten, bereits in den Jahren 1800—1823 das Secretariat bekleidet, dann in den Jahren 1831 —1834 das Quästorat besorgt hatte, und welcher als der eigentliche Gründer des hiesigen zoologischen Cabinets zu betrachten ist, welches derselbe seit seiner ersten Entstehung mit grosser Aufopferung von Zeit und Mühe und besonderer Liehe pflegt und äufnet. Diese Sammlung, eines der schönsten und werthvollsten Resitzthümer der Gesellschaft, hatte in den letzten Jahren theils durch Geschenke an Geld, namentlich von Hrn. von Mater auf Goldenherg, vom kaufmännischen Directorium, vom löhl. Stadtrath und durch Subscription von einer Anzahl Mitbürgern, theils durch unmittelbare Schenkungen an Naturalien vorzüglich von den Hrn. Director M. Escher, Eschcr-Zollikofer, Stabshauptmann Caspar Schulthess, Consul Sprüngli in Buenos-Ayres, Missionär Honacker in der Krimm, Kammerrath Schleep in Schleswig, Consul Däniker in Rio Janeiro u. s. f., einen reichen Zuwachs erhalten, als nach Gründung der Hochschule die Regierung mit der Gesellschaft wegen Benutzung der Sammlungen in Unterhandlung trat, derselben die schönen Räume anwies, welche das naturhistorische Museum gegenwärtig einnimml, und einen jährlichen Beitrag von fl. 300 zur Unterhaltung und Vermehrung desselben bewilligte. Bald darauf kaufte die Gesellschaft die aus mehr als 700 Stücken bestehende vollständige Sammlung von inländischen Vögeln, Nestern und Eiern, welche Dr. Schinz derselben angeboten hatte um den Preis von fl. 2000 an. Ungeachtet der erwähnten Geschenke und jährlichen Zuschüsse, hatte die zoologische Casse doch seit 1832 fast jedes Jahr einen bedeutenden Ausfall gezeigt, und es standen für Anschaffungen und Besoldungen neue, beträchtliche, und immer steigende Ausgaben bevor, so dass die Gesellschaft, nach dem ihr vom h. Erzie- hungsrathe gegen Ende des Jahres 1836 Anträge zu käuflicher Uebernahme des zoologischen Cabinets gemacht worden waren, endlich am 26. Juni 1837 den Verkauf desselben um die unbedeutende Summe von 4000 Franken beschloss, jedoch unter der Bedingung, dass dieselbe nie von Zürich entfernt werden dürfe, und dass sie im Falle der Aufhebung der Hochschule, der Gesellschaft, wenn diese es wünsche, um die Verkaufssumme wieder überlassen werden solle. Somit hatte nun die Gesellschaft, mit Ausnahme der Bibliothek, alle ihre Sammlungen - - —— --- --- --- veräussert, in der wohlerwogenen Voraussicht, dass die mit jedem Jahre steigenden Ausgaben bald in keinem Verhältniss mehr zu ihren ökonomischen Kräften stehen würden, und dass, in Ermanglung ihr eigentümlicher Localitätcn, sie früher oder später für Unterbringung derselben in grosse Verlegenheit geraten müsste. Zudem war nicht zu erwarten, dass jederzeit sich Mitglieder finden würden, welche mit so viel Aufopferung an Zeit und Mühe, und auf so uneigennützige Weise, wie es bis dahin geschehen war, der so nötigen Aufsicht und Besorgung dieser Sammlungen sich hingeben dürften, was unfehlbar entweder die Anstellung besoldeter, nicht immer zuverlässiger Aufseher, oder dann den gänzlichen Buin derselben hätte nach sich ziehen müssen. Der Hauptzweck dieser Veräusscrungen endlich war die Concentration der immer weiter sich zersplitternden Kräfte zur Aeufnung ihrer wichtigsten und gemeinnützigsten Sammlung, nämlich der Bibliothek, zumal bei den ausserordentlichen Fortschritten, welche die Naturwissenschaften seit Anfang dieses Jahrhunderts gemacht hatten, uud die noch in fortwährendem Steigen begriffen sind, die in dieses weite Gebiet einschlagende Litteratur so ausserordentlich angewachsen war, dass die beschränkten ökonomischen Hülfsmittel lange nicht hinreichten, um nur das Unentbehrlichste anzuschalfen. Dennoch wurden diese Schritte der Gesellschaft in öfl'entlicheu Blättern derselben zur Last gelegt; allein da diese Verhältnisse theils auf irrigen Angaben beruhend, theils nicht leidenschaftslos dargestellt waren, und die Erörterung derselben blos als Angelegenheit der Gesellschaft betrachtet werden durfte, so wurde von dem Comite mit Einmuth beschlossen, diese Angriffe nicht zu beantworten. Die aus dem Verkauf der Sammlungen erlösten Gelder wurden dem Hauptfonde zugewiesen , und nunmehr ward das unantastbare Stammcapilal von 20,000 fl. auf 24,000 fl. erhöht. Um dann ferner die Ausgaben zu reguliren fand man für zweckmässig, alljährlich einen Voranschlag zu entwerfen , da in den letzten Jahren namentlich die Bücheran- schaffungen auf eine die Oekonomie bedrohliche Weise das gehörige Maas überschritten hatten. Als im Jahr 1835 das Museum gegründet worden war, beschloss die Gesellschaft um ihre Theilnalune an dem Gedeihen dieses gemeinnützigen Instituts thätlich zu bezeugen, dem Wunsche der Vorsteherschaft desselben zu entsprechen, und die von der naturforschenden Gesellschaft gehaltenen wissenschaftlichen Zeitschriften auf dem Museum zu allgemeiner Benutzung aufzulegen, wodurch freilich der einige Jahre früher im Interesse der Mitglieder gestiftete Lesezirkel aufgehoben wurde. Obgleich schon in den ersten Jahren die Gesellschaft durch einzelne Mitglieder meteorologische Beobachtungen hatte anstellen lassen, und auch später Ingenieur Fehr solche aus eigenem Antrieb fortsetzte, so blieben dieselben doch, als isolirt und nicht immer mit der nöthigen Genauigkeit ausgeführt , für die Wissenschaft von geringem Nutzen. Als aber Horner auf die Wichtigkeit correspondirender Beobachtungen aufmerksam gemacht, seihst während \r mehr als 20 Jahren eine ununterbrochene Reihe von solchen Beobachtungen mit der ausser- j sten Sorgfalt angestellt hatte, glaubte die Gesellschaft es der Wissenschaft selbst, theils aber ] auch dem Andenken Horners schuldig zu sein, das begonnene Werk fortzusetzen, und be- j stellte zu diesem Ende hin im Jahr 1835 eine eigene meteorologische Commission, welcher , die Anstellung genauer Beobachtungen aufgetragen wurde. Die Resultate ihrer Arbeiten wurden in den ersten Jahren zugleich mit der auf dem St. Bernhard und zu Genf ange- stelllen correspondirenden Beobachtungen in der Bibliotheque universelle bekannt gemacht, seit dem Jahr 1837 in eigenen Heften auf Kosten der Gesellschaft herausgegeben, welche indessen grösstcntheils durch freiwillige Subscription von einigen Mitgliedern gedeckt werden. Um die Thätigkeit der Gesellschaft aufs Neue zu beleben und den Verhältnissen der Zeit Rechnung zu tragen, wurden am 19. März 1838 einige wesentliche Veränderungen in der äussern Form und Anordnung der Zusammenkünfte getroffen, indem von nun an nur monatliche Versammlungen festgesetzt, und die Zeit derselben auf den spätem Abend (im Winter um 6 Uhr, im Sommer um 7 Uhr) bestimmt wurden. Ferner fand man für zweckmässig, dass anstatt einer einzigen Vorlesung jedesmal über mehrere Gegenstände kürzere schriftliche oder mündliche Vorträge gehalten werden möchten. Nach Beendigung der Geschäfte sollte der Rest des Abends gesellschaftlicher Unterhaltung gewidmet sein. Im Jahr 1837 wurden der Gesellschaft einige von ihr bisher beworbene Räumlichkeiten von der Zunftgesellschaft zur Meise aufgekündet, wodurch die Versetzung der Bibliothek in andere Zimmer nöthig ward. Allein schon im Jahr 1840 erfolgte von Seite des Miethsherrn auch die Aufkündung der noch übrigen Localitäten, so dass sich die Gesellschaft genöthigt sah, vorerst auf anderweitige sichere Unterbringung der Bibliothek bedacht zu sein, dann aber auch sich um ein anderes Local für ihre Sitzungen umzuschen. ln Voraussicht dieses bevorstehenden Ereignisses wurden daher schon im Jahr 1839 mit dem Löbl. Sladtralhe Un- 8 _ i terhandlungen angebahnt, um für die Gesellschaft die nöthigen Räume auf dem Helmhause zu gewinnen; allein bald zeigten sich für Einrichtung eines Sitzungslocals daselbst bedeutende Schwierigkeiten und Unbequemlichkeiten, welche zu überwinden nicht leicht gewesen wären. Doch wurden diese Unterhandlungen im Jahr 1840 wieder aufgenommen , worauf mit ver- dankenswerther Bereitwilligkeit von dem L. Stadtrathe, in Folge eines für die Gesellschaft sehr vorlheilhaftcn Tractatcs, die nöthigen Bäume für die Bibliothek auf dem Helmhause eingerichtet wurden, so dass schon im September 1840 dieselbe in das neue Local übergesiedelt werden konnte. Bei diesem Anlasse wurde von der Gesellschaft, ein bereits im Jahr 1833 zur Sprache gekommenes, aber durch verschiedene Umstände nicht zur Ausfüh- ! rung gebrachtes l’roject, die L. Bürgergemeindc der Stadt Zürich im Falle der Auflösung | der Gesellschaft durch eine rechtskräftige Urkunde zum Erben ihrer Sammlungen und ihres £4 e C ^ Cv -Cl*' 0 - 4 - 32 — Capitalvermögens aufgenommen; I das gemachte Anerbieten einzutreten Bedenken fand, so blieb auch diessmal jener Gedanke i ohne weitere Folge. Als endlich im Jahr 1841 der vorübergehend erneuerte Micthcontract mit der Zunft zur Meise zu Ende ging, sah sich die naturforschendc Gesellschaft wegen anderweitiger Bestimmung des Locals genöthigt, ihren seit dem Jahr 1757 inne gehabten Wohnsitz zu verlassen, worauf ihr von der Vorsteherschaft des Lesemuseums für ihre Sitzungen j auf dem Gesellschaftshause zum Rüden ein geräumiges und zweckmässiges Local um billigen Zins überlassen wurde. j Bei der veränderten Aufstellung der Bibliothek erschien das Local für die Unterhai- j tung des bis anhin in derselben aufbewahrten schönen Herbariums nicht geeignet, weshalb j beschlossen wurde, dasselbe dem botanischen Garten als Geschenk zu übergeben. i Als Versammlungsort der allgemeinen schweizerischen naturlörschenden Gesellschaft J J war für das Jahr 1841 Zürich bezeichnet worden, wodurch der Cantonalgesellschaft die Anordnungen für den Empfang derselben und für die Festlichkeiten zulielen. Es wurde zu i diesem Ende eine Commission bestellt, und derselben der für die nöthigen Einrichtungen er- i forderliche Credit ertheilt. Die festlichen Tage selbst gehören zu den schönsten Erinnerungen der Gesellschaft. Im October 1841 wurde eine nochmalige Revision der Statuten für nöthig erachtet, und die Entwerfung derselben einer Commission aufgelragen, welche dann ihre Arbeit im ! März 1843 dem Comite vorlegte, worauf die Gesellschaft dieselben im April des nämlichen Jahres nach einigen Modificationen genehmigte. Die wesentlichsten durch diese Revision ; herbeigeführten Veränderungen in den Statuten beschlagen die Organisation der Gesellschaft, und die Wahl ihrer Officianten. Diese letztem, nämlich der Präsident, der Vicepräsidcnt, der Ouästor-Einnehmer und der Ouästor-Ausgeber, (welche beide Stellen jedoch auf Eine Person vereinigt werden können,) der Secretär und der Bibliothekar, so wie das Comite werden von der Versammlung der ordentlichen Mitglieder gewählt, während dem Comite ^ selbst nur die Bestellung der Oekonomie-, der Bibliotheks- und der Ncujahrstücks-Commission und des Abwarts der Gesellschaft, so wie der Vorschlag für die Wahl der Ehrenmitglieder überlassen bleibt. Die sämmllichen Officianten so wie das Comite, welches wenigstens aus einem Sechstheil der Mitglieder der Gesellschaft bestehen soll, sind auf sechs Jahre gewählt, nach welcher Zeit eine Erneuerungswahl Statt findet. Ihren Verpflichtungen und Befugnissen sind eigene Titel gewidmet, ebenso denjenigen der permanenten Commissionen; endlich wurden dem Vermögen der Gesellschaft und der Bibliothek etc. eigene Abschnitte bestimmt. — 1 ln Folge dieser Revision wurden dann auch sämmtliche Commissionen neu bestellt, st Seit dieser Zeit ist in der Organisation der Gesellschaft keine wesentliche Veränderung j, (jf eingetreten, auch hat sie keine besondere Erlebnisse aufzuweisen; dagegen hat ihre Thätig- ^ y f - - •• .--••.. ■ - 4 keit durch den Beitritt mehrerer besonders auch jüngerer Mitglieder einen neuen Aufschwung genommen; doch unterliegt dieselbe keiner planmässigen Anordnung und Vertheilung in der l Bearbeitung der verschiedenen Zweige der Wissenschaft, sondern es bleibt ziemlich dem j Zufalle überlassen, was für Gegenstände zur Mittheilung gebracht werden. Neben diesen wissenschaftlichen Unterhaltungen besteht nunmehr die vorzüglichste Aufgabe der Gesellschaft in der Aeufnung ihrer Bibliothek, die in den letzten Decennien einen sehr bedeutenden ' Zuwachs sowohl an Ergänzungen als an neuen Werken erhalten hat. Bereits sind nun seit Gründung der Gesellschaft hundert Jahre verflossen und sie steht im Begriffe ihr Jubiläum zu feiern. — Möge dieselbe fortan im Einklang mit der Erweiterung und Ausbildung der Wissenschaft fortschreiten, und ihrem ursprünglichen Zwecke getreu, immerhin unter Berücksichtigung der Forderungen der Zeit, ihre Thätigkeit beurkunden.