Ueber die Organisation öffentlicher Schulen und Erziehungsan st alten. Don v. August Herman Niemeyer, Kbnigl. Preuß. Obcrconsistorial- und Oberschulmtb, Pos. der Theologie und des Kbnigl. Pädagogiums und Waisenhauses Director. Zweyte verbesserte Auflage. Halle, bey dem Verfasser und tn Commission der Waisenhaus - Buchhandlung, i 8 o 5- A n Vorsteher, Lehrer und Freunde öffentlicher Schulen. erinnere ich mich eine Schrift bey ihrer ersten Erscheinung mit so warmen Wüiffchen und Hoffnungen dem Publikum übergeben zu haben, als diesen Versuch über das öffentliche Schab und Erziehungs- wcsen, welcher zunächst für die dritte Ausgabe meiner Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts bestimmt ward, aber auch für sich ein Ganzes ausmacht. Meine Wünsche gründeten sich auf die täglich zunehmende Ueberzeugung, theils von der Wichtigkeit dieser Anstalten für den Staat, theils von der dringenden Nothwendigkeit, endlich einmal so vielen Mißbrauchen und Gebrechen, welche noch in zahllosen Schulen Deutschlands herrschen, abzuhelfen. Meine Hoffnungen berühren nicht auf der Meinung, als würde mir gelingen, was so vielen trefflichen Vorarbeitern in diesem Fach nicht gelungen ist, eine allgemeine Schulreform, da wo sie nöthig ist, zu Stande zubringen. Sie beruhte auf den Umstanden der Zeit und dein Glück meines Vaterlandes. Der Zeitpunkt schien gekommen A 2 zu seyn, wo oft entworfne Plane zur allgemeinen Verbesserung der Ausführung ganz nahe waren. Schöner hatte sich ein so pädagogisches Jahrhundert als das vorige, nicht endigen, segenvoller ein neues nicht anfangen können, als mit der Vollendung eines Werks, von so großem Umfange. Wenn ein Theil dieser Hoffnungen gleichwohl noch nicht erfüllt ist, und ein allgemeiner Verbesserungsplan der Schulen unsres j,am des noch im Rath der Weisen liegt, so darf dieser Aufschub wenigstens nicht Hoffnunglos machen, da in einzelnen Provinzen schon so thätig Hand aus Werk gelegt ist. Der preußische Staat ist zwar nur ein Theil von Deutschland, aber Deutschland ehrt diesen Staat. Wird es ihn nicht auch hierin nachahmen wollen? Haben nicht schon einzelne Staaten angefangen? Und sollten nicht endlich die, welche zur Besserung der Schulen, zur Aufmunterung des Schulstandes, zur Ausführung so vieler allgemein anerkannten vernünftigen Ideen, Beruf und Macht haben; sollten Patrone, Magistrate, Ephoren, geistliche Colle- gien und Schulmänner in großen und kleinen Städten, wo noch alles in einem Verderben liegt, das hie und da jede Vorstellung übersteigt, sollten sie nicht endlich erwachen? Nicht endlich, nachdem ganze Ge- 5 nerationen ganz verwahrlost, oder verkehrt unterrichtet sind, sich zur ernstlichen Besserung entschließen ? Nicht endlich einsehen, daß an manchen Orten der Verfall der Lehrmethode und der Schulzucht so groß ist, daß man die ganze Schulverfassnng einer neuen Revision untere werfen, und wo es auf das Heil oder das Verderben des heranwachsenden Geschlechts ankommt, kein altes Recht, kein verjährtes Herkommen, abhalten müsse, eine gänzliche Umformung, als die einzige radikale Kur zu unternehmen? Man hat allerdings das Recht, von dem Staat die thätigste Mithülfe zu der Reform des Schulwesens zu erwarten. Die Regierung bar die Macht und die Mittel in Handen. Aber man überspannt doch auch leicht die Anforderungen und — möchte ich fast hinzusetzen — man schadet der Sache, wenn man alles von obcnhcc erwarten will. Es ist unmöglich, daß die höchste Behörde in alle Details der einzelnen Bedürfnisse eindringe. Sie verfahrt nach allgemeinen Principien, und kann kaum anders. Sie traut es denen zu, die den einzelnen Schulen naher sind, jene allgemeinen Principien zu modificiren. Selbst wo sie maaßgebend spricht, erwartet sie, daß man Vorstellungen machen werde, wo die Anwendung der Vorschrift locale Hindernisse findet. Dieß wird häufig viel zu wenig beachtet. Man fügt sich dem Befehl, murrt darüber in der Stille, und ist zu trage dem Uebel abzuhelfen. Ueberhaupt lehrt auch die Erfahrung, daß häustg das Beste, was von wohlthätigen Anstalten und Einrichtungen eristirt, das Werk eines oder mehrerer patriotischen Männer war, die ohne höhere Veranlassungen abzuwarten, ohne über jede Kleinigkeit anzufragen, aus innerem Drang eines echten Gemcingeistes Hand aus Werk legten, und in der Stille in einen» Jahre oft mehr zu Stande brachten, als, wenn man den langsamen Gang der Form gegangen war, vielleicht ein Decennium erfordert haben würde.^ Solche im Stillen wirksame Männer, sind sicher auch im Auge der Regierung die achtungswürdigsten Mitbürger. Das Verdienst, wonach ich bey dieser Schrift gestrebt habe, war kcinesweges, durch neue ungehörte Projecte Aufsehen zu erregen, alles Alte zu verwerfen, alles Neue anzupreisen. Das Alte ist sehr oft das Bessere und daß man das Alte mit dein Neuen vertauscht hat, ist bey vielen Schulen die Hauptquelle ihres Verderbens. Der GUst der Zeit scheint sogar selbst in vielen Stücken mehr zu jenen zurückzukehren. Nur das Entschiedn? und Bewährteste habe ich zusammenstellen lind die Grundsätze über die -Organisation aller , Arten von Schulen zu einer leichten Uebersicht bringen 7 wollen. Das wenigste sind gerade neue Ideen. Es sind die Ideen der erfahrensten unter den Alten und Neuen, die sich aber auch mir durch meine bisherigen Schulerfahrungen bewahrt haben. Hie und da wird man einen bescheidenen Vorschlag finden, den ich gerne aufgeben will, wenn nur das ausgeführt wird, was die Sachkundigsten ohne Ausnahme als Gut anerkennen. Vollständigkeit habe ich mit Kürze zu verbinden gesucht. Alles, was in dem größeren Werk, den Grundsätzen der Erziehung und des Unterrichts schon gesagc war, ist hier weggeblieben. In der Literatur hoffe ich, daß mir nur wenig und schwerlich etwas sehr Wichtiges entgangen seyn soll. Denn ich habe viel darüber gesammelt und ich darf sagen aus das Ganze einen mühsamen Fleiß verwendet. Ich weiß,, wie sehr Schulmännern, die nicht so nahe an den Quellen sind, damit gedient ist. Doch werden mir hier,, wie überall, Belehrungen und Zurechtweisungen, höchst willkommen seyn. Der jetzige neue Abdruck unterscheidet sich übrigens im wesentlichen nur wenig von dem ersten. Doch ist keine Seite ohne Verbesserungen oder auch kleine Nachtrage, namentlich in der Literatur, geblieben. Möge durch diese Schrift auch nur an einigen Orten dankendes Gute gewirkt, und wenigstens das, wozu 8 beynah nur ernster guter Wille gehört, in Erfüllung gebracht werden. Denn Geld ist es bey weitem nicht allein, wodurch dem Schulwesen geholfen wird. Eifer für die Sache und Thätigkeit vermag oft noch weit mehr, und jenes ohne diese geht doch nur verlohren. Freilich ist es leicht möglich, gerade hier früh zu ermüden, denn Leiden über getauschte Hoffnungen, Erfahrungen von abnehmenden Gemeingei'st, bleiben nicht aus. Auch mir hat meine Arbeit für die Jugend manche Stunde meines Lebens getrübt, aber der Freuden sind — ich hoffe jeder treue Schulmann sagt das mit mir — der Freuden sind doch mehr gewesen. Und so wollen wir denn Alle, die Gott gewürdigt hat, zu der Bildung des kommenden Geschlechts unmittelbar mitzuwirken, uns ferner keine Hindernisse müde machen lassen, mulhig forcarbeiten und auf Hoffnung aussäen, Halle den 12. Dec. 1804. Einleitung. i. Bestimmung des Gesichtspunkts. <^-ie Hauptgrundsätze des öffentlichen Unterrichts und der öffentlichen Erziehung, können keine andern seyn, als die, welche der Methodik und Pädagogik überhaupt zum Gruude liegen müssen. Sie fließen aus der Natur der menschlichen Kräfte und dem allgemeinen Zweck, welchen wir uns bey ihrer Ausbildung als den lehren und würdigsten zu denken haben, die heranwachsenden Menschen so moralisch gut, so verständig, so brauchbar zu machen, als es ihre natürlichen Kräfte und ihre künftigen Bestimmungen erlauben und fordern. Jede Unterrichts- und Erziehungsanstalt, soll ein Beförderungsmittel dieses großen Zwecks seyn. Aber das, wodurch sich öffentliche Anstalten von dem unterscheiden, was in der häuslichen Erziehung für die Bildung des Verstandes und Herzens geschieht, macht besondre Grundfähe darüber nöthig, auf die sich, mit Uebergchung derer, welche hier aus den allgemeinen Grundsätzen der Erziehung und des Unterrichts *) Literarische Vorarbeiten. ro vorausgesetzt werden, die folgende Abhandlung einschränken wird. Nach einer vorläufigen Darstellung der Wichtigkeit des Schulwesens in allen seinen Zweigen für den Staat, und die Erfordernisse, welche allen Arten von Lehranstalten gemein sind, sollen in Beziehung auf die einzelnen Arten derselben, die Gcsehe ihrer Organisation, welche durch alte und neue Erfahrungen am meisten bewahrt, oder durch die besondern Bedürfnisse des Zeitalters bestimmt sind, entwickelt, und dadurch zugleich ein neuer Versuch gemacht werden, den bisherigen Mangeln so vieler schon bestehender Institute abzuhelfen. *) Diese sind ausführlich abgehandelt in meinen Grundsätzen der Beziehung und deS Unterrichts für Eine», Erzieher und Schulmänner. Z Theile. Halle. Fünfte Ausgabe i kjoch Hierauf wird in der Folge oft verwiesen werden. § tt « rarische Vorarbeite». Auch hier fehlt eö nicht an einer Menge vortrefflicher Vorarbeiten. Denn seitdem überhaupt in Deutschland das Interesse für Erziehung der Jugend erwacht ist, hat man auch ernsthafter auf die Verbesserung der Schulen gedacht; und nachdem einzelne neuere Pädagogen gewissermaßen allen bisherigen Schnlverfassungen den Krieg angekündigt haben, ist ein gewisser Kampf zwischen den Vertheidigern des Alten und des Neuen entstanden. Dieser hatte wenigstens das Gute zur Folge, daß man an vielen Orten aus einer gewissen Schlaf- Litcrarische Vorarbeiten. i > ^ucht erwachte. Nachdem die Hitze des Streits vor-, über ist, und schon mehrere der Streitenden vom Schauplatz abgetreten sind, ist eine ruhige Prüfung gcfolgr, und manche sehr nothwendige und heilsame Reform zu Stande gekommen, aber auch mancher schimärische Vorschlag vergessen. Die literarisch enVo r a e beit e n sind übrigens von einer doppelten Gattung. Sie beziehen sich entweder auf das ganze öffentliche Schul- und Erziehungswesen, oder aus einzelne Arten von Lehranstalten. An merk. Gewissermaßen gehören züoörderst alle allgemeine Schriften über Methodik und Pädagogik auch hieher. Ihre Anzeige findet -man im i. Th. der Grunds. S. 8— to.zo8.9- Unmittelbar beziehen sich auf die öffentlichen Anstalten: Z 0 u r n a l e und M a gazi n e für Schul- und Er- zichuugt-wesen. Unter den älteren, in denen auch manches edle Korn aufbewahrt siegt, sind zu bemerken: Lasinlaluaa., oder von dem gegenwärtigen Austande der berühmtesten Schulen. Eisenach 1741 — 48. (4 Nrhlr.) d^ova LalLolabriaa, 2 Tom. 1748 — 1751. ( 2 Rthlr.). Biedermanns Altes und Neues von Schulsgchcn. 8 Theile. Halle 1752 — 54. (2.Rthlr 16 Gr.). Magazin für Schulen und die Erziehung überhaupt. 6 Baude. Nördlmgeu 1766 — 72. (4 Nthir.). Allgemeine Bibliothek für das Schul- und Erzie- hungswcscn. Nördsingcn 177z —86. ti Bde (14 Rthlr 46 Gr.). 12 Litcrarische Vorarbeiten. Pädagogische Unterhandlungen. Ein Journal für Eltern und Erzieher. Z Jahrgange. Leipz. (1777 — 8i.) (5 Nthlr.). Guts Muths (noch fortgehende) Bibliothek der pädagogischen Literatur.von, Jahr 1800. z Bände, jedes 4 Stück. Gotha. (4 Rthlr l 2 Gr.). U. Einzelne Abhandlungen über das öffentliche Schul- und Erziehungcwesen, oder Sammlungen mehrerer über verschiedne Arreir öffentlicher Anstalten. Archiv für die ausübende Erziehungskunst, 12 Theile. Gießen 1777 — 85. (5 Nthlr 12 Gr.). Resewitz Gedanken, Vorschlage und Wünsche zur Verbesserung der öffentlichen Erziehung. 5 Bde. Berlin 1781 — 86. (5 Nthlr.). Allgemeine Revision des gcsammten Schul- und Er- ziehungSwesens, von I. H. Campe. S. oben i. Th. Braunschweigischcs Journal philosophischen und pädagogischen Inhalts, von Trapp, Stuve, Heusinger und Campe. 1788 — 91. (i 6 Nthlr.). Gedikc Schulschristen. 1.2. Sammt. Berlin 1789 — yz. (2 Nthlr 2 Gr.). ^ Archiv der Erzichungskunde für Deutschland, (von Srephäni). 4 Bündchen 1792 — 94. (1 Rthlr 20 Gr.). Gedanken und Erfahrungen eines vieljährigen Schul- lehrers, von J. P. Sattler. Nürnberg 1800. (20 Gr.). I Schramm Verbesserung der Schulen in moralisch-politischer, pädagogischer und policcylicher Hinsicht. Oder Versuch eines umfassenden Werks über die öffentlichen Anstalten zur Bildung der Jugend und Aufklärung des Volks. Dortmund 180z. (1 Nthlr 6 Gr.). Literarische Vorarbeiten. iZ I. F Zöllner Ideen über Natioualecziehung, r.TH. Berlin 1804. (1 Rthlr 12 Gr.). H. Stephan! System der öffentlichen Erziehung. Berlin iSoz. v. Tnrk über zweckmäßige Einrichtung der öffentlichen Schul- und UnterrichtSanstaltcn, als eines der wirksamsten Beförderungsmittel einer wesentlichen Verbesserung der niedern Volksclassen. Neustreiitz 1805. L. Naisonnirte Beschreibungen einzelner Schul- und Erziehungsanstalten, wie sie Fürst ende rg, Resc witz, Röttger, Döring, Snet- lagc, Riemann, Christiani u. a. geliefert haben. ch). Specielle Schriften über einzelne Arten der Lehr- und Erziehungsanstalten, Landschulen, gelehrte Schulen u. s. w. Von diesen werden die wichtigsten, so wie die noch specielleren über einzelne Materien, in den folgenden einzelnen Abschnitten genannt werden- 14 Wichligkeu der JugenLbilbung'überhaupt. Erste Abtheilung. Allgemeine Blicke auf öffentliche Lehr- nnd Erziehungsanstalten und ihre dringendsten Bedürfnisse. Z- Wichtigkeit der Iugendbi ldung überhaupt. Es darf als erwiest!, vorausgesetzt werden, daß der Einfluß einer zweckmäßigen Erziehung und Bildung des Menschen in den Jahren seiner Unmündigkeit, auf sein ganzes Kben von der größten Wichtigkeit ist. Mögen Einzelne durch seltne Fähigkeiten, oder,durch hin- tennach eintretende günstige Umstände, manches Versäumte nachholen und die sorgfältig gebildeten übertreffen; mag das beben für manche bildender seyn, als die Schule; in der Regel bleibt doch Vcrsänmniß nnd Verwahrlosung in der Jugend unersetzlich für Kopf und Charakter. Was nun von dein einzelnen Menschen gilt, gilt auch von der ganzen Gesellschaft. Ein Staat, dessen Bürger den Vortheil einer zweckmäßigen Bildung entbehren, wie unähnlich muß er dem Staate seyn, worin die meisten diesen Vorzug genießen! In diesem werden Kenntnisse und Sittlichkeit, in jenem wird Unwissenheit und Rohheit einheimisch ston. Jener wird allenfalls durch Gewalt nnd Strenge beherrscht, dieser wird durch Weisheit und Güte regiert werden können. Nothwendigkeit u. Wichtigkeit öffentlicher Bildungsanstakten. i z Jener wird sich nach und nach selbst zerstören, oder den Klägern zum Raube werden. Dieser wird durch innere Kraft bestehen, und selbst seine Nebenbuhler und Feinde werden ihn nur mit Achtung nennen können. 4 - Nothwendigkeit und Wichtigkeit öffentlicher Vildn » gsc> nst 0 lren. Bildungsanstalten oder Schulen gehören daher in einem wohlgeordneten Staat, zu den wichtigsten Gegenständen der Aufmerksamkeit. Denn da bey weitem die mehresten Eltern unfähig sind, ihren Kindern den Vorrach von Kenntnissen beyzubringen, welche sie zu ihrer Bestimmung nöthig haben, zum Theil auch für ihre moralische Erziehung selbst zu sorgen nicht im Stande sind, so ist es Bedürfniß geworden, öffentliche Einrichtungen zu machen, welche jenen Mangeln zu Hülfe kamen, und worin alle der Bildung Fähige, Gelegenheit fanden, Bildung zu empfangen. Wie wenig es aber hicbcy gleichgültig seyn kann, ob jene Einrichtungen an sich zweckmäßig oder zweckwidrig sind, in wessen Händen sie sich befinden, und ob sie ihrer Bestimmung treu bleiben, liegt am Tage. Wie käme es sonst, daß bey dem größten Ueberstuß von Schulen , gleichwohl so wenig durch sie gewirkt, so wenig gebessert, oft sogar so viel verderbt wird? Wie wäre es zu erklären, daß der Stand, der sich dem würdigsten aller Geschäfte, der Menschenv eredlung ausschließend gewidmet hat, noch hie und da in einer so ,6 Nothwendigkeit der Bildung für alle VolkSclassen. tiefen Verachtung liegt? Wie könnte es endlich dem ersten Anschein nach so leicht, bey näherer Untersuchung aber so äußerst schwer seyn, Personen in Menge zu finden, welche dein Lehrer- und Erziehergcschäft ganz Skiwachsen waren? 5 . Nothwendigkeit der Bildung für alle Volksclassen. Und gleichwohl ist im Staac eine sehr große Menge von Personen zu diesem Geschäft nöthig, da es keine einzige Classe von Staatsbürgern giebt, die nicht der Bildung fähig und würdig wäre. Die Zeiten sind vorüber, wo man nur einen Theil der Menschen als vernünftige und freye Wesen, die andern als Maschinen und Sclaven, bloß zum Gebrauch der ersteren bestimmt, folglich bloß mit Hinsicht auf diese einer Bildung bedürftig, oder auch nicht bedürftig, betrachtete. Wo sich jetzt noch etwas von jenem finstern Geist findet, — der, indem er sich zu erheben glaubt, am tiefsten unter seine eigne Würde hcrabsinkt — da muß er wenigstens, um nicht der öffentlichen Verachtung Preis gegeben zu werden, die Maske der Humanität erborgen, und hinter dem Vorwande, daß einem Theil der Menschen das Licht schade, und die Aufklärung ihn unglücklich mache, sein Wesen treiben. So möchte er gern überreden, daß er aus lauter Liebe eine Vormundschaft über den Geist des Volks übernehme, und ihm seine Rechte bloß verschweige, um sie ihm desto mehr zu sichern. Nothwendigkeit der Bildung für alle Volksclassen. 17 sichern. Aber eine gesunde und menschenfreundliche Philosophie, unterstützt von einer durchaus humanen Religion, sieht in diesem Vorgeben nur zu deutlich die Antriebe der Herrschsucht und des Stolzes, und läßt sich nicht abhalten, es laut zu predigen, daß jeder Mensch verbunden sey, seinen Mitmenschen zu dem Genuß ihrer natürlichen Rechte zu verhelfen, und daß das erste dieser Rechte der freye Gebrauch des eignen Verstandes, oder die ungehemmte Erkenntniß der Wahrheit ist. An merk. Daß hier nur von der Allgkni ein heil des Rechts eines jeden Menschen, zum Besitz jeder ddm menschlichen Geiste erkennbaren Wahrheit zu gelangen, und in keiner Sache vorsätzlich getäuscht zu werden, die Rede sey, nicht aber von der Methode, wie die Wahrheit, nicht von der Vorsicht, mit der sie gelehrt werden müsse, ^ bedarf kaum einer Erinnerung: Unstreitig kann unweiss Mittheilung der Wahrheit, — nur nicht die Wahrheit selbst — einzelnen Menschen schädlich werden. Unstreitig giebt es auch eine Uebercultur. — Has nähere hicvon da, wo von den Volksschulen dik Rede seyn wird. Ueber die Frage selbst „ob Aufklärung des Volks an sich schädlich sey? sehe man dir, durch die Derliner Preis- frage: Ueber die Aufklärung des Volks, veranlaßten Schriften, nebst vielen andern von Röchorv, Campe, Decker, Ewald, Zerrenner, Salat u. s. w., worin sie von beyden Seiten erwogen ist, deren vollständige Aufzählung hier zu weitläufig seyn würge. c 18 Verschiedenheit der Dildungsanftalten für vcrsch. Volksclasien. 6 . Nothwend>qe Verschiedenheit der Dildunqsanstalte» für die verschiedenen Volkeclassen. 2lber diese natürliche Gleichheit des Rechts an die Ausbildung der intellecruellen und moralischen Kräfte, hebt die nothwendige Verschiedenheit der Staatsbürger nicht auf,, wodurch vielmehr das Gemeinwohl der ganzen Gesellschaft vorzüglich erhalten und befördert wird. So verschieden sie an natürlichen Anlagen, Neigungen und Fähigkeiten, so ungleich sie durch die äußeren Verhältnisse sind, unter welchen sie geboh- ren wurd-n, eben so verschieden sind die Bestimmungen, welche ihnen entweder durch die Natur, oder durch die Umstände angewiesen werden. Um diese zu erfüllen, sind theils ganz versehiedne Arten von Kenntnissen und Fertigkeiten, theils ist ein sehr ungleiches Maaß derselben nothwendig. Sind nun öffentliche Bildungsaustalren überhaupt dazu bestimmt, einem jeden zu dem Grade von Ausbildung zu verhelfen, dessen er zu seiner Bestimmung bedarf, so folgt auch, daß diese unter sich selbst eben so verschieden seyn müssen, als die Bestimmungen der Menschen verschieden sind. 7 - Gründe dieser Verschiedenheit. Zwar läßt sich in der frühern Jugend noch nicht mit Gewißheit sagen, bis auf welche Stufe sich jeder Einzelne erheben, und welche Stelle er einst im Staat am glücklichsten ausfüllen möchte. Auch läßt sich keine Gründe dieser Verschiedenheit. scharfe Grenzlinie der Aufklärung und des Wissens, zwischen den verschiedenen Classen und Ständen der Bürger ziehen, noch einem jeden seine Geistesnahrung wie nach Maasi und Gewicht zutheilen. Gleichwohl sind, im Ganzen genommen — wogegen einzelne Ausnahmen nichts bedeuten — unzählige Staatsbürger schon durch ihre Abkunft und Geburt gleichsam in die Classe eingeschrieben, zu welcher sie in der Folge gehören sollen;— die Kinder der Landbewohner zum Landleben, die Kinder der Handwerker zu bürgerlichen Gewerben; die Kinder der Reichen und Angesehenen zu den verschiedenen Staarsa intern; oder die Einrichtung des Staats bestimmt sie dazu, z. B. zum Militärdienst. Es sondern sich folglich schon früh, alle Bürger des Staats in einzelne . Gesellschaften, nicht nur nach dem Wohnort, in Landleute und Sradtebewohner, sondern auch nach der künftigen meistentheils schon zeitig gewählten oder vorgeschriebenen Lebensart, in Handwerker, Künstier, Kaufleute, Soldaten und Gelehrte. Es ist also auch gar wohl eine gewisse Norm gedcnkbar, worin und auf welche Art jede dieser Bürgerclasscn unterrichtet werden müsse. Sie kann aber nicht eher angewendet werden, als bis die vcrschiednen Lehr- und Erziehungsanstalten gehörig von einander abgesondert sind. An merk. Die Idee einer solchen Absonderung lag den Normalschulen z. B. >»> Oesterreichischen zum Grunde, B 2 22 Planlosigkeit der meisten öffentlichen Schulen. und war an sich ohne Tadel. Schade daß c>n Werk, das man mit einem in dieser Sache so ungewöhnlicken politischen Ernst und Eifer trieb, nicht glücklicher ausgeführt wurde, und nur ein unförmliches Ganzes hervorbrachte. Eine sehr gründliche und lehrreiche Beurtheilung findet man in der Allgemeinen deutschen Bibliothek, und auch besonders abgedruckt unter dem Titel: Freymüthige Beurtheilung der österreichischen Nvrmalschulcn und aller zum Behuf derselben gedruckten Schriften. Berlin 178Z. (16 Gr.). Hiermit vergleiche man die Allgemeinen Ideen über die einer jeden besondern Mcnschenclasse Deutschlands zu wünschende Ausbildung und Aufklärung. Als Vorarbeit zu einem allgemeinen Schulverbesscrungsplan. Leipzig 1792. (9 Gr.), und die Erinnerungen darüber, in den Schles. Provinz. Kl. Sept. 1787. ^»nd dein Braunschw. Journal i. B. ldi. i. 8 - Planlosigkeit der meisten öffentlichen Schulen. Zu einer solchen höchst nothwendigen Absonderung der öffentlichen Schulen, nach der verschiednen Bestimmung der Lernenden, sind allerdings unter uns schon manche Schritte geschehen. Aber theils sind noch einige sehr wichtige übrig, theils sind jene noch bey weitem nicht allgemein. Es giebt schon in Deutschland Lehranstalten aller Art, welche nach einem wohl- übcrdachken Plan angelegt sind und verwaltet werden. Aber sie sind noch so einzelne und seltene Erscheinungen, daß die Wirkung davon aufs Ganze nur gering seyn kann. Den allermeisten Schulen fehlt es doch noch gänzlich an der planmäßigen Einrichtung, und der auf Planlosigkeit der meisten öffentlichen Schulen. 21 die einzelnen Bürgerclassen, welche darin unterrichtet werden, berechneten Zweckmäßigkeit, ohne welche die jugendlichen Kräfte und Fähigkeiten, nie eine ihnen recht angemessene Richtung erhalten, und nie wahre Fortbildung der Nation zu Stande kommen kann. Diese Planlosigkeit hat vielmehr unvermeidlich eine zwiefache üble Folge. Es wird i) in den meisten, besonders den gewöhnlichen Stadtschulen, Vieles getrieben, wovon der künftige Bürger, Handwerker, Künst» ler und Soldat nicht den geringsten Gebrauch machen kann, wodurch er aber gleichwohl die Zeit für etwas weit Besseres verliert. Der gelehrte Zuschnitt, welchen sie fast alle haben, tödtct bey vielen, die nicht zu den vorzüglichen, sich selbst bildenden Kopsen, gehören, die aufstrebende Wißbegierde; todte Worte treten an die Stelle der Gedanken; die Vorstellung, doch in der; Folge keinen Gebrauch davon machen zu können, hindert selbst den formalen Nutzen, der sich sonst wohl von jedem Studium für die Uebung der Geisteskräfte er? warten laßt; und die Langeweile, die natürliche Folge eines jeden zwecklosen Unterrichts, ist sogar häufig die L?.uelle der Un sittlich keit, welche so viele Khrlingr auszeichnet. Dagegen wird 2) in den meisten Schulen das gar nicht, oder wenigstens nur als Nebensache getrieben , was für die bey weitem größere Anzahl der Schüler gerade das Wichtigste wäre, weil es in einer unmittelbaren Beziehung auf alle Geschäfte ihres künftigen beben? sieht« oder ihnen doch , welche be- > 22 Planlosigkeit der meisten öffentlichen Schule». bensart sie wählen mögen, für immer nützlich bleibt, indeß sie von dem, was am meisten getrieben wird, gar keinen Gebrauch mehr machen können. 9 . Fortsetzung. Ein Blick auf den gegenwärtigen Zustand des Schulwesens in Deutschland, selbst nach so lauten Aufforderungen von Seiten der Einsichtsvollsten der Nation, wird jene Bemerkungen bestätigen. Zwar sind, durch eine Art von Nothwendigkeit, die La n d sch u len, worin der so wichtige und achtungswerthe Bauernstand, diese Kraft und Stütze des Staats, erzogen wird, von den übrigen abgesondert. Aber wie viele giebt es unter diesen, selbst nach allen trefflichen Vorarbeiten des Zeitalters, in denen lehrfahige Männer und zweckmäßige Lehrplane gefunden würden? Eben so schlecht steht es noch um die Bürgerschulen in den meisten größeren und kleineren Städten. Sie sind zum Theil ohne alle oder nur unter einer scheinbaren Aufsicht, in den Handen der untüchtigsten, oft für jedes andre Geschäft verdorbnen Menschen, die, ohne daß jemals Rechenschaft gefordert würde, ihr Wesen ungestört forttreiben. Was die Kinder darin lernen, ist oft nichts als eine unfruchtbare Religion, eine unzusannnenhän- gende Moral, ein höchst dürftiges Lesen, Schreiben und Rechnen. An Gewöhnung zur Arbeitsamkeit, worin diese Schüler ihr ganzes künftiges Leben zubringen sollen, Planlosigkeit der meisten öffentlichen Schulen. 2z ist gar nicht zu denken. Die Stadtschulen sind fast ohne Ausnahme lateinische Schulen, obwohl auf vielen, unter hundert Schülern kaum zwey das Latein in der Zukunft gebrauchen, das gleichwohl den größten Theil der Lchrstnnden — fürs künftige Vergessen — einnimmt. Von einer zweckmäßigen und im wahren Sinn standes m a ßigen Bildung der künftigen Handwerker, Künstler, Kaufleute ist gar nicht die Rede. Als gelehrte Schulen betrachtet, erfüllen sie aber eben so wenig ihren Zweck, weil bey der Menge derselben lind der Dürftigkeit des Auskom- mens, sehr viele ungeschickte und ungelehrte Männer zum Unterricht gebraucht werden müssen, um nur die Stellen zu füllen. An merk. Es ist bekannt genug, wie sehr in unsern Zeiten von unsern angesehensten Männern im Fach der Pädagogik und Staatsverwaltung, auf eine Absonderung der Schulen, nach den verschiednen Bestimmungen der Schüler gedrungen wird. Was von R. sewitz (in seinen Gedank n, Vorschlägen und Wünschen rc. 2ten uitd zten Th. und in desselben Erziehung des Bürgers rc. S. 12. f.) — von Trapp (Revis. Werk, i 6 cer Tb.) — von Steinbart (Vorschläge zu einer allgemeinen Schulvcrbesse- rung 1789.) — von Stuvc und vielen andern in eignen Schriften und zerstreuten Flugblättern, auch mehreren Journalen, (z.B. Berliner Monatsebrnr vom Mm. von Zed- litz 1787. — Kraunschweigischcs Journal 1788) darüber gesagt ist, hat man gelesen, zum Theil gebilligt; aber — auch Hand angelegt? — Hie und da sreynch! Und vorzüglich in dem Prcuß. Staate in mehrern der ncu- acquirirten Provinzen. Aber wie zahibar sind die Orte Deutschlands, wo jene Zdeen wirklich in Ausführung gc- S4 Schwierigkeiten mancher Schulverbefferungen. bracht sind! Wie unzählbar die, wo noch nicht ein Schritt zur Verbesserung geschehen ist! Man muß also immer fortfahren, diese Klagen zu wiederholen, bis die Wirkung sichtbar wird. IO. Schwierigkeiten mancher Schuko er« besser unge n. Daß sich der Ausführung der an sich so einleuchtenden Idee, die verschiedenen Stande der menschlichen Gesellschaft, auch schon in der Jugend, in den Schulen abzusondern, und jeden nach einem eignen bestimmten Plan erziehen zu lasten, wichtige Schwierigkeiten entgegensehen, ist nicht zu verkennen; und man muß billig genug seyn, zu gestehen, daß hie und da mehr die Gewalt der Umstände, als der Mangel des guten Willens die Ursach ist, daß man zurückbleibt. Die wichtigsten dieser Schwierigkeiten sind: i) der so. äußerst dürftige Gehalt, welcher mit den meisten hehr- und Schulstellen auf dem lande und in Städten verbunden ist, und die bey vielen derselben gänzlich fehlende Aussicht auf Verbesserung und Beförderung; das. hieraus 2) entstehende Vcraltern so vieler Jugend- lehrer, in einem Geschäft, das Munterkeit des Geistes und des Körpers erfordert; z) die Menge kleiner- Städte^ in welchen höchstens eine Schule bestehen fann, die folglich alle Classen der Lernenden umfassen muß; 4) die Anhänglichkeik an gewisse Ob- seshüuz?p. und Rechte, welche besonders abgeneigt Die Schwierigkeiten sind nicht unüberwindlich. 2 § machr, in Schulen, die eine gelehrte Form gehabt haken, und aus denen einzelne Gelehrte hervorgegangen seyn können, den Ton herabzustimmen, und sie, wie man es nennt, zu bloßen Bürgerschulen zu erniedrigen. 5) Der noch immer fortdaurende Einfluß mancher Personen, die entweder aus blinder Anhänglichkeit an das Alte und Hergebrachte, oder aus Stolz und Eigensinn, den augenscheinlichsten Verbesserungen, statt sie zu befördern, nur Hindernisse in den Weg legen, und so zuletzt die regste Thätigkeit derer lahmen, die Einsicht und Kraft genug besäßen, solche Verbesserungen zu Stande zu bringen, n. Dir Schwierigkeiten sind nicht unüberwindlich. Diese'Schwierigkeiten sind gleichwohl nicht unüberwindlich. Es ist doch an manchen Orten, in ganzen Provinzen schon möglich geworden, selbst die niedrigsten Lehrstellen bedeutend zu verbessern. Es kommt nur auf ein Gesetz an, daß niemand ein! ehrer des Volks werden könne, eh er sich als Lehrer der Jugend durch Fleiß und Lehrgaben dazu empfohlen habe; man muß es nur einsetzn wollen, daß es pflicht- mäßiger sey, einen unfähig gewordnen Lehrer zu versorgen, als eine ganze Menge herauswachsender Bürger- durch seinen Unterricht zu verwahrlosen; man muß nur auch klein eStadtschulen gehörig umformen, und den Bedürfnissen einer kleinen Stadt angemessen Mgr I 26 Die Schwierigkeiten sind nicht unüberwindlich. chen; muß nur in jeder Provinz für eine oder einige recht vorzügliche Gelehrtcnschulen sorgen , und dadurch die Wenigen, die etwa die Schule der Vaterstadt vorziehen möchten, bestimmen, sich wenigstens die legten Jahre in diese bessere Bildungsanstalt zu-Gegeben; muß endlich das, was auch auf der Bürgerschule zur Vorbereitung für den künftigen Studirenden geschehen kann, nicht allen lernenden zum Gesetz machen. Anme r k. Es ist nicht nothwendig, ja nicht einmal rathsam, bey einer Absonderung der Schulen für Studircnde und Nichtstudirenoe, alle lateinische Lccnonen in den letzteren abzuschaffen. Die ersten Lehrgöge»stände haben beyde Classen von Lehrlingen mit einander gemein. Sie können ohne den allergeringsten Verlust, wenigstens bis ins zwölfte oder vierzehnte Jahr, gemeinschaftlich in den allgemeinen wissenswürdigen Vorkenntnissen unterrichtet werden. Dann wird es sich ohngefähr entscheiden, wer zum Smdiren, oder wenigstens zu einem Stande, worin ihm einige Kenntniß der lateinischen Sprache nützlich seyn kann, bestimmt werden soll. Für diese gewiß kleine Anzahl, gebe es eine, oder wenn die Schule frequent ist, mehrere Classen, worin der lateinische Elementarunterricht ertheilt werde, indeß die übisigcn Schüler- mehr das treiben, was dem künftigen Bürger und Handwerker zu wissen frommt. Nur die eigentliche gelehrte Bildung , werde ausschließlich für die Gelehrtenschulen gespart, deren es dann weit weniger in jeder Provinz geben darf. M. s. C. L. F. Lach mann über die Umschaffung vieler unzweckmäßigen sogenannten lateinischen Schule» in Bürgerschulen. Berlin 1800. (12 Gr.). Sorge dos Staats für das Schulwesen. 27 rr. Sorge des Staats für das Schulwesen. Durch Obrigkeiten, Schulpatronen, Prediger, Schulmänner selbst, oft sogar durch thätige Privatpersonen, kann zur Vervollkommnung des öffentlichen Schulwesens, und namentlich zur Ausführung der vorhin angezeigten Ideen sehr vieles geschehen. Indeß muß der Staat oder die Landesregierung doch in manchen Fallen das meiste thun. Zwar kann ohne Gefahr für das Ganze und für den einzelnen Staatsbürger, dem Staar nicht in so fern ein Recht über die Erziehung zugeschrieben werden, als dadurch eine Beschränkung der elterlichen Gewalt in der Bildung ihrer Minder begünstigt würde. Denn ein solcher Eingriff könnte in den allerdrückendsien Despotismus und in die Unterdrückung aller wahren Ausbildung übergehen, wovon selbst unser Zeitalter warnende Beyspiele aufgestellt hat. Aber dieß ist nicht zu fürchten, wenn sich der Staat darauf einschränkt, gute und mannich- faltige Anstalten zur Erziehung einzurichten, einem jeden Staatsbürger, der davon Gebrauch machen will, Gelegenheit zur Unterweisung und moralischen Ausbildung seiner Kinder zu verschaffen, diese öffentlichen Anstalten der Aufsicht mehrerer sachkundigen und geprüften Männer zu übergeben, und auf ihre Vorstellungen zu achten; wo es an den nöthigen Fonds fehlt, oder diese schlecht verwaltet und unverhältnißmäßig vertheilt werden, für ihre Herbeyschqffung imd gewissem 28 Sorge des Staats für das Schulwesen. hafte Anwendung zu sorgen; endlich die Verdienste des Schulmanns aufzumuntern und zu belohnen. Schrankt sich die Regierung hierauf ein, so wird der Zweck, die Menschen auch für den Staat zu erziehen, vollkommen erreicht '), und es ist von einer solchen Vorsorge nach festen Principien wohl unstreitig mehr zu hoffen, als von dem hie und da gethanen Vorschlage, das ganze Schulwesen der Privatindustne und Concurrenz aller Stande zu überlassen, sich von Seiten des Staats gar nicht darum zu bekümmern, und ihm eben dadurch einen weit glücklicheren Schwung zu geben ?). g) Ueber die Grenzen der obrigkeitlichen Gewalt- in Absteht der Erziehung, sind bekanntlich die Lehrer des Natur- und Staaterechts verschiedner Meinung. Die meisten vereinigen sich darin, daß der Staat das Recht habe, öffentliche Erziehungsanstalten anzulegen, wenn es nur von den Eltern abhängig bleibt, welcher sie sich bedienen wollen; daß dem Staat das Recht der Aufsicht zukomme, ob ein Kind erzogen werde, folglich auch das Recht, alle« zu hindern, was Erziehung aufhebt und unmöglich macht. M. s. mehr über die Materie in den /«,- /ia- von VilIaume, Daunou und Klein, auf Veranlassung der Berliner Preisfrage 1780. und einige sehr lesenswerthe Aufsähe über die Frage: Ob der Staat sich in Erziehung mischen soll? im Braunschweigischen Journal, z. 8- und 9. St. vom Jahr 1788. Desgleichen lieber die Erziehung des Menschengeschlechts durch den Staat. Von K. S. Zachariä. Leipzig 1802. Man vergleiche auch Stephanie Grundriß der Staats - Erziehungswissenschaft. Weißenfels 1797. (10 Gr.), mit den wichtigen Bemerkungen darüber von dem Herrn Minister von Massow in Gedikens Sorge des Staats für das Schulwesen. Annalen des preußischen Kirchen- und l —zkes Heft. Schulwesens, L) Erziehung für den Sraat kann wohl schwerlich etwas anders heißen, als eine Erziehung, welche dafür sorgt, daß der Erzogene dem Staat nicht nur unschädlich, sondern auch brauchbar und patriotisch, d. i. für das wahre Interesse des Staats gestimmt und thätig werde. Das erste und zweyte geschieht unfehlbar, sobald er vor asten Dingen zum Mensche» in der edelsten Bedeutung des Worts, zu einem vernünftig denkenden und handelnden Wesen erzogen wird. Auf die Art der Brauchbarkeit kann die frühere Bildung nur in so fern Rücksicht nehme», als es der Wunsch der Eltern ist, oder die äußern Umstände cS rathsam machen, KKchcr gewissen Stande» zu widmen. Jede Vorschrift des Staats hierüber, konnte der Freyheit und den natürlichen Rechten, welche unter einer guten Regierung jeder Bürger behalten muß, sehr gefährlich werden; man könnte ja einer Classe von Menschen wohl gar aste Bildung, alle Kenntniß ihrer Rechte versagen, um ihr desto sichrer jeden Druck aiinlnthcn zu können. In dem Staat giebt es eine Menge von Stellen, zu deren Ausfüllung Bürger von versch edncn Kräften und Fähigkeiten erfordert werden. Wer etwas rechts lernt — was es auch sey — wer seine Fähigkeiten ausbildet, wozu es auch sey — wer ein moralisch guter Mensch wird, — der paßt gewiß in eine oder die andre dieser Stellen. In Sparta gab cS nur eineHauptbestimmnng dcS Bürgers — die Vertheidigung des Vaterlands. — Da fand eine Erziehung für den Staat in der strengen Bedeutung statt. Wer möchte eine selche Einseitigkeit zurückwünschen? Die Erzichnng der Perser, wie sie die Cyropädie beschreibt, ist eine Dichtung Xenophons. Wer möchte sie gerade so in unsern Zeiten rcalisirt sehn wollen? Sorge nur der Staat, daß die Menschcngattung gut werde. Die gute Menschengattung wird schon weiter sorgen, daß der Staat gute Bürget bekomme. Interesse für den Staat und Bürg er sinn kann indeß auch unmittelbar befördert werden, und sollte eS allerdings — Sorge des Staats für das Schulwesen. Zv unter den nieder» Stände», durch eine verständliche Belehr rung über das Gute der Verfassung, und über die Nothwendig, ,keit mancher Lasten zum gemeinen Besten; wozu die Vergleir chung andrer, durch gewaltsame Erschütterungen, wenigstens nicht zunächst glücklich gcwordner Länder ebenfalls das ihre dem tragen wird; unter den höher» Srändc», durch eine gehbe rige Aufklärung ihres Verstandes über den eigentlichen Zweck des Staats, über die Wichtigkeit gesellschaftlicher Verhältnisse und Verbindungen, über die Pflichten und Rechte guter Bürger, und über den Wcchselgewln», wen» gegenseitig die Regierenden und die Regierten ihre Pflichten erfülle». Siebe C. D. Deß über die Erziehung für den Staat, r. und 2. Theil. Leipzig 1799. (2 Rthlr >6 Gr.). Z) M. s. Mauvillvns phvsiokratische Briefe an Herrn Dohm. Draunschwcig 1780. Auch Mirabeau (über die Nationalorziehung. Berlin 1792.) war dieser Meinung. So paradox der Satz klingt, so wird er doch von beyden Schriftstellern mit Scharfsinn vertheidigt. Auch kann man vieles, was sie sagen, in al,1'toa(wc> zugeben. Nur scheinen sie die Menschen nicht zu nehmen, wie sie sind, und ganz zu vergessen, daß die größere Menschenmenge viel zu wenig Sinn für die Nothwendigkeit eines zweckmäßigen Unterrichts hat, um sich selbst Mühe darum zu geben, oder auch nur immer unter mehrern vor- handnen Lehrern den besten zu wählen. rZ. Vortheile für den Staat aus einer weißen Vorsorge für Schulen. Eine solche weise Vorsorge des Staats für die Bildung seiner Bürger, wäre unstreitig zugleich eine Sorge, für seine innere Vervollkommnung sowohl, als für die Sicherung und Erhaltung seiner eignen Verfassung. Vortheile für den Staat aus weiser Vorsorge für Schulen, zi Denn mit der wahren Aufklärung und der Cultur echter Sittlichkeit, wird innerer Wohlstand ganz unfehlbar gleichen Schritt halten. Eben diese Moralin sehe Cultur wird aber auch, indem sie die Menschen gesetzmäßiger und tugendhafter macht, ein besseres Verwahrungsmittel gegen alle bürgerliche Unruhen und gegen den Revolutionsgeist werden, welcher in unsern Tagen so viele Länder ergriffen und zunächst unglücklich gemacht hat. Sie wird dauernder wirken, als alle Policeyanstalten, welche, indem sie die guten Bürger durch Mißtrauen erbittern, die schlechten nur verschlagner, gewiß nicht besser machen. Gerade die Vernachlässigung dieser moralischen Ausbildung war eine Hauptquelle mancher gewaltsamen Erschütterungen. Wodurch könnten überdicß wohl die Lehrer geneigter gemacht werden, den Geist eines wahren Patriotismus in ihren Schulen zu wecken, als wenn sie an sich selbst die Erfahrung machen, wie wohlthätig, wie wahrhaft väterlich die Regierung sey? Sie werden keiner Befehle bedürfen, Gehorsam und treue Anhänglichkeit gegen diese zu predigen; sie. werden den jungen Staatsbürger in jedem erleichterten Fortschritt seines eignen Verstandes, einen Beweis erblik- ken lassen, daß die Regierung das Urtheil aufgeklärter Bürger nicht fürchte, sondern Aufklärung begünstige, weil gerade diese den Vortheil der bürgerlichen Sicherheit unter dem Schuh des Gesehes am besten begreift», und selbst manche unvermeidlichen zr Vortheile für den Staat aus weiser Vorsorge für Schulen. Einschränkungen nur als nothwendige Uebel zur Erhaltung des Ganzen betrachten lehre. So werden öffentliche Schulen zugleich Beförderungsmittel des Vürgersinnes, so wird durch sie, neben dem guten moralischen, auch ein National-Charak- ter gebildet werden. Anmerk. S. von Rochow von der Bildung des National - Charakters. Leipzig 1779. (5 Gr.). Zöllner über Nationalerziehung. Berlin i8oz. (t Nthlt l2 Gr-). Zweyte zz Zweyte Abtheilung. Von den allgemeinen Erfordernissen wohleingerichteter Schulen. 14. Uebersicht. Ä8ie verschieden auch immer die öffentlichen Schulen in Absicht ihres nächsten Zwecks und der ungleichen Classen ihrer Lehrlinge seyn mögen, so haben sie doch als Lehranstalten und als öffentliche Lehranstalten wiederum vieles mit einander gemein, das nur durch die eigenthümliche Bestimmung einer jeden modisicirt wird. Die Haupterfordernisse, welche bey allen oder doch den allermeisten Schulen, wenn sie ihrer Bestimmung entsprechen sollen, beachtet werden müssen, beziehen sich i) auf die Lehrer; 2) auf den Lehrplan; z) auf die Anzahl und Classification der Lernenden; 4) auf gewisse äußere Anstalten und Lehrmittel; 5) auf die allgemeine Beförderung der sittlichen Cultur neben der Cultur des Verstandes; 6) auf die positiven Beförderungsmittel des Fleißes und der Sittlichkeit; 7) auf die Mittel der Erhaltung der Ordnung und innern Vollkommenheit der Schule durch Aufsicht und Schulp 0 licey. Die hierüber aufzustellenden Grundsätze beruhen theils auf richtigen Begriffen von den C z4 Allgemeine Erfordernisse wohleingerichteter Schulen. Absichten, welche bey allem öffentlichen, sowohl dem höher» als dem niedern Unterricht erreicht werden sollen, theils auf Erfahrungen, durch welche Mittel und unter welchen Bedingungen dieß allein erreicht werden könne. Anmcrk. i) Wenn es scheint, als ob mehrere von den i» dieser Abtheilung vorzulegenden Grundsätzen, nur auf gelehrte Schulen anwendbar waren, so liegt der Grund bloß darin, daß fast alle unsre öffentlichen Schulen, die niederen ausgenommen, gelehrte oder lateinische Schulen sind. Entstünden daraus, nach den § 9. gethanen Vorschlägen, mehr Bürgerschulen, wie schon hie und da geschehen ist, so würden diese im Grunde eben die Organisation haben müssen, und was von den Lehrern, dem Lehrvlan, der Clas- sistcation der Schüler gesagt ist, würde eben so wohl auf sie anwendbar seyn. Daher mußte es hier unter die allgemeinen Grundsätze über das Schulwesen gebracht werden. 2) Außer den zerstreuten Ideen, welche in den allgemeineren Schriften über dcts Schulwesen liegen, sind hier vorzüglich empfchlungSwerth: F. Gedike Aristoteles und Basedow, oder Fragmente über Erziehung und Schulwesen bey den Alten und Neuern. Berlin 1778. (16 Gr.). F. Stuve über das Schulwesen. Züllichau 178z. (lo Gr.). Warnefried. Oder: Ueber die Ve b sserung alter Schulanstalten. Ein Gutachten an die Schulpatronen. Leipzig 1787. (14 Gr.). G. S- Steinbart Vorschläge zu einer allgemeinen Schulverbesserung, in so fecy sie nicht Sache derÄirche, sondern des Staats ist Züllichau ,789. (12 Gr.). Trapp über öffentliche Schulen, im täten Bande der Revision des Erziehungswelens. Erstes Haupterforderniß in Absicht der Lehrende». zz Degen Beyträge zu den Wünschen und Vorschlägen zur Verbesserung der Schulen und ihres Unterrichts, z Stücke. Erlangen 1798 —1800. (12 Gr.). Ursachen, warum es schwer hält, die niedern Volksund Bügerschulen so zu verbessern, wie sie verbessert werden sollten und könnten in Guts Muths V>bl. v. I. 1802. z B. 4 St. S. Z74. Eine Menge andrer hicher gehöriger, größtentheils aber die Vorgänger wiederholender Schriften, wird man in eben dieser Bibliothek angeführt finden. 15 - Erstes Haupterforderniß, in Absicht der Lehrenden. Strenge Wahl. Die sorgfältige Wahl der Lehrer steht unter allen Erfordernissen einer guten Schule oben an. Amts- fähigkeit, durch die nöthigen Kenntnisse und Lehr- gaben, und Sittlichkeit des Charakters sollten die unerläßlichen Bedingungen seyn, ohne deren Erfüllung auch das kleinste Schulamt keinem anvertraut werden dürfte. Wo man durch unabänderliche Umstände gedrungen ist, von einem oder dem andern Stück abzusehen, da werden sich die nachtheiligen Folgen auch auf eine oder. die andre Art, früher oder später, aber unfehlbar hervorthun. Daher würde allerdings, wenn von dem Ideale einer Schule die Rede wäre, von der niedrigsten bis zur höchsten kein ichrer anzustellen seyn, der nicht genugthuende Proben gegeben hätte, daß er Geschicklichkeit, Vertrag, Autorität und den Charakter habe, welcher dem Schulmann ge- C 2 Wahl der Schallehre Z6 zicmt. Allein dieß bleibt bey der Menge der nöthigen Lehrer ein bergebner Wunsch, und wie sollten selbst Lehrgaben erworben werden, wenn nicht auch Anfängern und Ungeübter» Lehrcrstellen anzuvertrauen waren? Selbst mit den Lehrerseminarien müssen ja Schulen verbunden seyn, in welchen die Candidaten des Schulstandes ihre ersten Versuche machen. Die Forderung muß also in die Grenzen des Möglichen und Ausführbaren zurückgewiesen werden. Es muß nur allen, welche mit der Besetzung der Schulstellen — seyn sie auch noch so klein — zu thun haben- Pflicht bleiben, sich durch nichts fremdartiges bestimmen zu lassen, sondern allein durch die Ueberzeugung, daß unter den Umstanden und in dem vorliegenden Fall, keiner für die Stelle zu finden sey, der geschickter lind moralischer wäre, als der, welchem man seine Stimme giebt. Niemand würde endlich in ein öffentliches Schnlamt aufgenommen werden, der nicht zweckmäßig nnd u»parteyisch geprüft wäre. A n merk. I) Die Strenge allein macht eine Prüfung nicht zweckmäßig. Vorzüglich thut es die Rücksicht auf die Dell i in m u n g des zu Prüfenden. In vielen nach einer allgemeinen Form angestellten Prüfungen, kommen oft gerade die Kenntnisse und Fertigkeiten gar nicht an die Reihe, welche künftig das Hanplgeschäst des Lehrers werden sollen. M. s. die reifen Gedanken „Ueber die Methode zu exami- nircn „ in Gedikens Schnlschriften. 2) Die ziemlich allgemeine Gewohnheit, Probelektionen (wie Probcpredigten) halten zu lassen, scheint unzertrennlich mir manchen Unbequemlichkeiten verbunden zu seyn, so bald Mittel zuv Vs-rbcsserung des Sckulstandrs. 37 sie vor den künftigen Schülern des anzubellenden Lr..,rerS abgelegt werden, müssen. Schon die Idee, in ihrer Gegenwart gewogen und vielleicht zu leicht befunden zu morsen, hat für den Mann von zartem Gefühl etwas Beunruhigendes. Der erste Eindruck kann dabey selbst nicht recht vortheilhafr auf die Schüler wirke». Wäre es nicht besser, man wählte ganz fremde Schüler, welches an größeren Or ren wenig Schwierigkeit machen würde? — Freylich karrn die einmal hergebrachte Observanz auch wohl den Nachtheil vermindern, und manchem Lehrer gerade die glücklich, abgelegte Probelektion das erste Ansehn verschaffen. r6. Mittel zur Verbesserung des Schutstandes. l) Billigkeit der Forderungen an Schallehre»'. Das allgemeinste Mittel zur Verbesserung des Lehrendes sind gute Bildungs- und Vorbcreitungs- anstalten, oder Seminarie n '). Da die Einrichtung derselben sich auf die verschiedenen Zwecke einzelner Schnlsiellen bezieht, so wird davon besser in den folgende» Abschnitten die- Rede seyn können. —- Aber auch in der ganzen -Organisation des Schulwesens kann etwas liegen, wodurch entweder gute Lehrer gewonnen, oder selbst die besten unbrauchbar werden. Soll man zuvörderst hoffen dürfen , daß sie selbst im Amte noch immer fortschreiten, wie an Kenntnissen, so an Lehrgeschicklichkcit, so muß man die Forderungen an sie nicht überspannen. Dazu gehört besonders, daß viele Schullehrcr in allen Fächern bewein,' dert seyn, und in allen Sprachen und Wissenschaften Unterricht geben sollen. Bey den niedern Volks- und z8 Billigkeit der Forderungen an Schullehrer. Bürgerschulen ist dieß weniger der Fall, indem hier der Kreis der von ihm vorzutragenden Gegenstände an sich so begrenzt ist, daß man wohl verlangen darf, daß der eine Lehrer, der oft nur angestellt werden kann, ihn allein auszufüllen im Stande sey. Aber desto häufiger überspannt man die Forderung bey höhere», besonders auch gelehrten Schulen. Dieß ist eine natürliche Folge der Einrichtung, daß ein Lehrer eine Classe allein in allen Lectionen zu besorgen hat, folglich auch in allen dazu erforderlichen Kenntnissen geübt seyn soll. Es mag einzelne Männer gegeben haben und noch geben, welche so viel zu leisten im Stande sind. Aber wie selten werden sie seyn, und wie immer seltner werden, da sich der Kreis des Wisscnswürdigen täglich mehr erweitert, und eine gewisse Vielseitigkeit ohnehin immer allgemeiner verlangt wird! Und selbst wo ein Lehrer sener Forderung genügen konnte — würde es nicht mehr nachthcilig als Vortheilhaft für die Folge seyn? Würde er nicht i) dadurch genöthigt werden, zu vielcrley fortzutreiben, statt sich einigen Fächern ganz widmen, und dadurch für seine Schüler immer nützlicher machen zu können? Würde er 2 ) nicht ganz natürlich in einem Fach, das er nicht aus Neigung, sondern nur aus Noth mit beybehält, bey weitem nicht so gut unterrichten, als ein anderer, der gerade dieses Fach zu seinem Hauptstudium bestimmt hat? Es hat folglich entschicdnc Vorzüge, wenn dey Schullehrer nicht an eine Classe gebunden ist, sondern in ver- Verhütung zu gehäufter Arbeit des Schulmanns. oy schiednen Classen unterrichtet, welches aber in den meisten Schulen eine gänzliche Veränderung des angenommenen Plans vorausseht 1) Ueber die Bildung zum Lehrstande sehe man das Ausführliche in meinen Grundsätzen der Erziehung Lter Theil ister Abschnitt. 2) Von der Hauptschwierigkeit, die in dem Finanzwesen liegt, das weitere im § 22. 17. 2) Verhütung zu gehäufter Arbeit des Schulmanns. Eben so wichtig ist es ferner zur Erhaltung geschickter Lehrer, daß sie nicht zu sehr mit Unterricht s st u n d e n überhäuft werden, wie dieß gleichwohl bey den meisten Schulen der Fall ist. Hiebey macht es 1) allerdings einen großen Unterschied, worin sie unterrichten. Einige Lectionen erfordern eine so sorgfältige Vorbereitung, oder sind mit so vielen Nebenarbeiten , z. B. Durchsicht und Correctur der Arbeiten der Schüler verbunden, daß sie füglich für zwey oder drey andre gelten können, bey denen der Lehrer, so bald er sich erst einige UebuNg erwarb, kaum nöthig hat, irgend etwas vorher und gar nichts nachher zu thun. Gleichwohl ermüdet 2) alles Unterrichten an sich schon; und gerade der Unterricht, bey welchem der Geist des Lehrers wenig Interesse findet, ermüdet den thätigen Mann am meisten, stumpft ihn ab, und hat einen Mechanismus zur Folge, welcher das Verderben so vieles Jugendunterrichts ist. Auch ist z) eine zu große 4 ° Anstellung junger Mitacbeittr Anzahl von täglichen Lehrstunden die vornehmste Veranlassung, warum so viele Schullehrer, wenn sie einmal im Amt sind, in ihrem eigenen Studieren wenig oder gar nicht fortrücken, und wohl gar die Erholung von dem sie drückenden Schuljoch, in sinnlichen und ihr Amt herabwürdigenden Vergnügungen suchen, bey denen sie an Geist und Sitten zurückkommen. Nicht weniger hangt 4) viel davon ab, wie die Schulstellen in Absicht der Cinkünsre beschaffen sind. Sind diese der Art, daß sie dem Manne ein anständiges und bequemes Auskommen sichern, und ihn nicht in die Nothwendigkeit versehen, durch Nebenarbeiten und Privatunterricht das Fehlende zu erwerben, so kann unstreitig mehr Schularbeit gefordert werden, und es werden z. B. vier, auch wohl fünf regelmäßige Stunden des Tages, zum bffenrlichen Unterricht nicht zu viel seyn. Aber das übelste ist, daß gerade an denen Schulen, wo die Lehrer am schlechtesten salarirk sind, sie auch am meisten von äberladner Arbeit zu Boden gedrückt werden. Anstellung junger Mitarbeiter bey jeder grossen Schule. Es giebt ein sehr nahe liegendes Mittel, von dieser Seite den Lehrstand an vielen Schulen zu erleichtern, die Anstellung junger Gehülfen, (Collaboranten), welche dadurch zugleich selbst zum Schulstunde zugezogen werden. Da dieß junge kraftvolle Männer seyn bey jeder großen Schule. 4r müssen, die aber immer noch für sich selbst zu sorgen haben, auch an vielen Orten durch Privatinformation ihre sage verbessern können, so würde der Aufwand so gar groß nicht seyn, wenn man nur einigen guten Wil- lcn hatte, Schulen — besonders Stadtschulen — wesentlich zu verbessern. Dadurch wird zugleich einem andern Uebel abgeholfen, das so manche Schule drückt. Man kann Männer, die bey der Schule alt und grau und eben dadurch für dieselbe unbrauchbar geworden sind, nach und nach ihrer Geschäfte — zum großen Vortheil der Jugend, oft zugleich zur verdienten Belohnung für treu gethane Arbeir — mit hinlänglicher Unterstützung entlassen, statt daß jetzt ganze Decentsten hingehn, wo man zwar unaufhörlich über die Untätig- lichkeit dex alten Ncctorcn oderConrectorcn u. s.w. klagt, die Schulen auch von Jahr zu Jahr mehr sinken sieht, und gleichwohl nichts thut, um dem Verfall und dein Verderbniß des heranwachsenden Geschlechts zu steuren. An merk. Die Erfahrung hat an vielen Orten bewiesen, daß« ehrenvolle Entlassung veraltcrter und humane Entfernung unbrauchbarer Schulmänner beynahe das einzige Mittel war, wodurch mancher tief hcrabgcsunkcne» Schule geholfen werden konnte, und wirklich geholfen wurde. Gesetzt , der alte Schulmann war auch Anfangs dagegen, so empfand er zu bald in seiner Bequemlichkeit den Vortheil, und söhnte sich leicht mit dem aus, was ihm beym ersten Anblick, wie alles Ungewohnte, mißfallen hatte. — Jfur sollte man auch dem Emeritus im wahrsten und edelsten Sinn des Worts, in seinem Alter, wo ohnehin manche Nebenquellen des Erwerbes wegfallen, seine wenigen ührst 42 Gelegentliche Untersuchung gen Tage nicht durch Nahrungssorgen verkümmern, und ihn so sehen, daß er die AmtSentlaffüng oder Amtserleich- terung als eine wahre Wohlthat betrachten kann. Gelegentliche Untersuchung über stehende und veränderliche Lehrer. Es entsteht hierbei) im Allgemeinen die Frage, ob einer Schule beständige (stehle) perän- der liehe Lehrer vortheilhaftcr seyn möchten. Bey ih rer Entscheidung kommt es theils auf die Beschaffenheit der Schule selbst, theils auf den Sinn an, worin man beyde Benennungen nimmt. Bey den Land- und niedern Volksschulen ist es wohl entschieden vor theilhaft, wenn der taugliche Lehrer lange in seinem Amt bleibt, und nur dann erst dispensirt wird, wenn Alter und Geistesabnahme seine Brauchbarkeit einschränkt oder aufhebt. Er steht ohngefähr in demselben Verhältniß wie der Prediger, und kann, je länger er unterdcr Jugend eines Orts lebt, desto mehr an Erfahrung, folglich auch an Amtsfähigkeit gewinnen. Bey allen übrigen Schulen ist ebenfalls höchst wünschenSwürdig, daß die ersten Stellen von Männern bekleidet werden, welche durch längere Erfahrungen den übrigen Lehrern vorleuchten, und das Amt nicht als einen für wenige Jahre, sondern vielleicht für das ganze Leben übernommenen Beruß betrachten. Weniger nothwendig hingegen, in mancher Hinsicht, sogar weniger Vortheilhaft, scheint dieß in Ansehung über stehende und veränderliche Lehrer. 4g der übrigen Lehrer, besonders an Schulen, wo einmal viele Lehrer nöthig sind. Werden alle Stellen mit stehenden, auch wohl durch Familienverbindung stritten Lehrern beseht, so hat dieß mcistentheils die Folge, daß nur ein kümmerliches Auskommen damit verbunden ist, daß man sehr mittelmäßige Männer dazu wählen muß, und daß diese dann gewöhnlich, ohne wahren Nutzen in ihrem Amte zu stiften, ein gedrücktes Leben bis ans Ende fortführen. Werden dagegen bey jeder größern Schulanstalt den oberen Lehrern, welche feste Stellen haben, einige Unterlehrer zugesellt, die der Schule, wars auch nur auf wenige Jahre, ihre besten Kräfte widmen, und dann .in vortheilhaftere, mit Aussicht auf Versorgung verbundne Hauslehrer-stellen, oder in höhere Schulämter, oder in Prediger-stellen übergehen, so wird unstreitig für den Unterricht der niedern Classen weit bester als bis jetzt gesorgt seyn, und auch die älteren und stehenden Lehrer werden dadurch manche Erleichterung bekommen. Ein zu häufig e r Wechsel der Lehrer schadet übrigens allemal; und wo dieser statt findet, da ist an keinen festen Plan des Unterrichts, an kein harmonisches Hinwirken zu einem Zweck zu denken. An merk. ES kann seyn, daß mancher Lehrer, der, jung und unerfahren bey einer Schule angestellt, bloß aus Mangel an Uebung und Erfahrung noch oft in der Wahl dessen, was er lehrt, und in der Art, wie er es lehrt, bedeutende Fehler mackt, und selbst durch Uebcrfluß schadet. Aber schon der Eifer, womit er die Sache treibt, die Neuheit, die 44 Anständigere Besoldung des Schullehrers, ihn reizt, sich alle Mühe zu geben, das Bestreben, sich Achtung bey seinen Schülern zu erwerben, macht auf der andern Seite manches wieder gut; und er nützt doch wenigstens mehr, als der alte abgelebte Schulmann, der seinen gewohnten Gang fortschleichr, alles ohne Geist und Leben vortragt, unbekümmert, wie viel oder wenig »r ausrichte. Jener weckt doch vielleicht den Geist des eignen Fleißes; dieser erregt einen Ekel an den Wissenschaften. Man vergleiche A F. Hecker Untersuchung der Frage: Ist es für Schulen vorthcilhaster, beständige oder veränderliche Lehrer zu haben? Berlin 1788. ro. z) Anständigere Besoldung der Scholle h r e r. Zweckmäßigere Vcrthcilung des Schulgeldes. Eins der größten Uebel, welches den Lehrst« 11 d überhaupt und namentlich auch den Schulst and ganz besonders drückt, ist theils der geringe Gehalt, womit sich so viele Schullehrer noch eben so begnügen müssen, als zu der Zeit, wo alle Bedürfnisse um die Hälfte wohlfeiler waren, theils die Art, wie sie einen Theil ihrer Besoldung empfangen. Seine Erhaltung — wenigstens seine bessere oder beschränktere Existenz — ist an sehr vielen Orten von der Anzahl und von der Freygebigkeit der Lehrlinge abhängig gemacht. Dadurch wird der Schullehrer nicht nur oft in seiner Einnahme zurückgesetzt, sondern er verliert auch in der Achtung, und was das schlimmste ist, er wird, wenn er Zweckmäßigere Verseilung des Schulgeldes. 45 nicht eine seltne Charakterfestigkeit besitzt, moralisch verdorben. Nun ist es Zwar weder rhunlich noch rathsain, das, was für Unterricht bezahlt wird, gänzlich abzuschaffen. Es sollte sogar hie und da mit dem steigenden Wohlstände auf der einen, mit der steigenden alle durch Geld salarirte Personen am meisten drückenden Theurung auf der andern Seite, erhöht werden. Denn welche Ausgabe kann wohl für Eltern pflichtmaßiger seyn? Aber es giebt ein Mittel, die so verderbliche Art, wie es entrichtet wird, abzuschaffen, ohne irgend einen Theil in seinen Rechten zu verletzen, und dadurch allein schon eine höchst wichtige Reform der Schulen zu Stande zu bringen. Es müßten nehmlich alle diese Einnahmen von Beamten oder solchen Personen angenommen werden, die davon gänzlich unabhängig wären, und sie bloß zu den Schulfdnds lieferten, aus welr chcn dann die Schullehrer zu salariren waren. Ehe diese allerdringendste Reform nicht zu Stande kommt, müssen viele Wünsche für innere Verbesserung der Schulen — Wünsche bleiben, und noch ferner eine große Menge langer Staatsbürger Opfer einer alten aber höchst verkehrten Einrichtung werden. Daß sie möglich ist, wenn höhere und niedere Obrigkeiten den ernsten Willen haben, beweisen die schon hie und da vorhandnen Beyspiele. An merk. i) Dieser Punkt scheint zwar nicht zunächst in «ine Schrift , welche die Grundsätze der Erziehung 46 Anständigere Besoldung der Schullehrer. und des Unterrichts entwickeln soll, zu gehören, sondern mehr einen Theil der besondern StaatSwirthschafc auszumachen. Aber er isr von zu großer Wichtigkeit für das ganze Schulwesen, als daß man nicht jeden Anlaß nutzen sollte, ihn zur Sprache zu bringen. Man bemerke daher zur Erläuterung des im § Gesagten: /z,. Die Gehaltsverbesserung betreffend,' so ist sie unstreitig, wenn man die große Menge der Schulen und die Dürftigkeit so vieler Schullehrer, der abgeholfen werden müßte, berechnet, eine der schwersten Aufgaben. Man hat allerley Plane gemacht, sie zu lösen: — man hat erhöht: Auflagen, besonders auch auf gewisse Classen der Bürger, z. D. die-Hagestolzen, bessere Verwendung der Fonds, welche so manche reiche Kirchen, reiche Kämmereyen, und andere reiche und unnütze Stiftungen besitzen, desgleichen Einziehung manches entbehrlichen Predigerstellen u. s. w. vorgeschlagen. Ada» hat besonders auch auf eine thätigere Unterstützung von Seiten des StaakS gedrungen. In dem allen liegen we- niaftens einzelne ausführbare Ideen, so bald nur die Machthaber Ernst und Liebe zur Sache zeigen. Die Provinziell- und Lokalumstäude müssen hier die Staatsbeamten , zu deren Behörde dies gehört, leiten. Die in mehren, Ländern festgesetzte Einrichtung, das Oekonomische des Schulwesens mit den Kammern zu verbinden, ist von einleuclmndem Nutzen, da diese am ersten (namentlich durch die erhöhten Pachtungen) solchen Uebeln abhelfen können. 8. Die Vertheilung des Schulgeldes be, treffend: r) Das Uebel einer unzweckmäßigen Einnahme und Vertheilung selbst, ist beynah allen Schulen, von den höchsten bis zu den niedrigsten, gemein. Auf G y mnasie n und gelehrten Schulen werden zwar die Lehrer salarirt. Aber ein nicht unbedeutender Theil ihrer Einnahmen besteht in den Schulgeldern, wel- Zweckmäßige Ve^cheilung des Schulgeldes. 47 che von den Schülern ihrer Classe entrichtet, auch wohl in den freyen Geschenken, welche ihnen bey gewissen Gelegenheiten (Weihnachten, Geburtstagen) überbracht werden, zum Theil auch wohl beym Jahreswechsel, am Gregoriuoscst u. s. w. erdetet und ersungcn werden müssen. In den Trivial- Bürger- und Landschulen ist eben dieß der Fall. Nach der Anzahl der Kinder, welche in jeder Woche oder jedem Monat die Schule besuchen, riechet sich der Wohlstand oder die Dürftigkeit des Lehrers. Ein einziger sehr harter Winterfrost kann ihn um die Einnahme der ganzen Woche, gerade wenn er sie am nöthigsten hat, bringen. — Selbst Erziehungsanstalten sind nicht ganz frey von diesem Uebel. Die Beschaffenheit des Vermögens der Zöglinge hat oft Einfluß darauf, ob der einzelne Lehrer besser oder schlechter steht. 2) Die Nachtheile, welche hieraus fließen, sind unverkennbar. a. Die Einrichtung ist zuvörderst drückend für den Lehrer. — Seine Zufriedenheit, — zuweilen sogar bey übrigens schlechten Stellen, sein Auskommen, — ist abhängig gemacht vom Zufall — von dem wandelbaren Vertrauen, — von Wind und Wetter — von hundert kleinen Umständen — nicht selten von der besseren oder schlechteren Dcnkungsart seiner Collcgen. Sein Wohlstand sinkt, wenn der ihrige steigt, und selbst seinen steigenden Wohlstand verbittert ihm der Neid. 1). Die Einrichtung ist ferner häufige Veranlassung zur Geringschätzung des Schullehrers. Dieß ist sie i. schon an sich, durch die so oft bey den Kindern angeregte Idee, daß sie selbst den Unterricht bezahlen, oft so spotlwohlfeil bezahlen können; 48 Anständigere Besoldung der Schullehrer. 2. durch das Demüthigende, diese Bezahlungen selbst in Groschen und Pfennigen einnehmen, .und wohl gar einmahnen zu müssen; z. durch die Gewalt, welche undankbare oder übeldenkende Eltern dadurch bekommen, dem Lehrer seinen verdienten Lohn zu schmälern, ihn durch Wegnehmen ihrer Kinder zu strafen, oder sich an ihm, wenn er seiiw Pflicht vielleicht gerade am redlichsten gethan hat, zu rächen; 4. durch die Abhängigkeit, in welche alles An» nehmen von Geschenken, die noch dazu oft auf die un« delikateste Art gegeben werden, versetzt; Z. durch die erniedrigenden Mittel, sich etwas besser zu stehen, wozu die ganze Einrichtung manche Schullehrer verleitet. L. Wenn diese Bemerkungen, die jeder Mann von richtigem Gefühl unterschreiben wird, vielleicht vielen an das Herkommen gewöhnten, besonders sich dabey wohl befindenden Schullehrern nicht einleuchten werden, so ist dieß selbst ein Beweis, daß die gewöhnliche Einrichtung auch für den moralischen Charakte r des Schul- lehrers verderblich ist. — Zwar ist sie das nicht ohne Ausnahme — denn einzelne vortreffliche Männer des Standes beweisen, daß sie den so nah liegenden Versuchungen widerstehen können; --- aber sie ists doch sehr häufig. Es entsteht so leicht 1, ein gewisses illiberales Wesen; ein kleinlicher Geld- geiz/ eine niedrige Habsucht; 2. eine höchst schädliche Parteylichkeit gegen die, von welchen Vortheile zu hoffen sind; gegen die Bezahlenden und Reichern vor den Acrmeren oder Freyschülern durch besondre Schonung, schmeichlerisches Lob gegen die Eltern u. dgl. z. ein kriechendes Wesen, wo etwa Hoffnung ist, dadurch etwas zu gewinne»; 4- Zweckmäßigere Verseilung des Schulgeldes. 49 4. manche Versäumniß der Pflicht, wo oer Lohn ausbleibt oder zu svariam eingeht; 5. so manchem Sinnen auf niedrige Kunstgriffe, um Schüler an sich zu ziehen; seine Classe voll zu machen; Geschickte zurückzuhalten; Ungeschickte aufzunehmen; weit mehr mit Hinsicht auf das sich mehrende ober mindernde Schulgeld, als auf das Verdienst oer Schüler; 6. alle die moralischen Uebel, welche Nahrungssorgen so leicht her''evsühren. Verstimmung, üble Launen, Ermüden im Amt u. s. w. Z) Allen diesen Uebeln wäre abgeholfen, wenn überhaupt ernstlich daraus gedacht würde, die Schulmänner besser zu salariren; nächsivem aber, wenn 1. auf allen Stadtschulen und Gymnasien, — wie schon an manchen Orten wirtlich geschieht, - alles Schulgeld in eine gemeinschaftliche Lasse flösse, und aus dieser von dem Ad >ninistrat 0 r desSchul- fonds, verhälmißmäßig an die Lehrer vertheilt würde. Da einmal vermehrte Einnahme für die meisten Menschen ein Antrieb zur Thätigkeit ist, so würde auch hier dieser Vortheil nicht wegfallen, weil bey der Frequenz der Schule ja alle Lehrer gewönnen. 2. Wenn auch in den untern Volks- und Landschulen, die Eltern, welche es vermöchten, angehalten würden, für jedes ihrer schulfähigen Kinder ein Bestimmtes an die Schulcasse zu zahlen. Diese würde wohl am bequemsten mit dem Kirchenärarium verbunden. Denn selbst die Richter und Kirchenvorsteher, die einige zur Verwaltung vorgeschlagen haven, denken zum Theil über Schulvedürsniß um nichts vernünftiger, als die gemeinen Dauern und Bürger, und sind auch nicht immer zuverlässige Cassenverwalter. Durch jene Einrichtung, wurde bann die daraus fließende Einnahme des SchuUebrerS von dem wirklichen Besuch der Schule und dem Wfllen der Eltern ganz unabhängig. D zo Achtung und bürgerliches Ansehen des Schulstandes, Die Schule, wird auch sicher besser besucht werden, so bald für jedes schulfähige Kind etwas entrichtet werden muß, und der ganz dürftigen hat sich ohnehin Staat und Obrigkeit anzunehmen. Außer vielen andern Schriftstellern über die Schulver- besserungen, ist diese Materie am ausführlichsten, von Band au in dem Verbesserungsplan für lateinische Schulen in Provinzialstädten ins Licht gesetzt, auf die Einwürfe gründlich geantwortet, und ein Plan vorgelegt, von deni man sich wundern muß, daß tr nicht mehr Aufmerksamkeit erregt hat. Vorschläge zur Verbesserung des Gehalts der Schuliehrer thaten — Gedike in der Schrift: Aristoteles und Basedow — Steinbart m den Vorschlägen zur allgem. Schulvcrb. rc. S. 68 ff., womit die Beurtheilung dieser Schrift in der Allgem. Literatur-Zeitung von, Jahr ,789. zu vergleichen ist. 2, Auf Privarlehrer und auf Winkelschulmcistrr, wie es deren in vielen Städten giebt> ist das Bemerkte nicht anwendbar. Sie müssen sehen, wie sie sich mit den Eltern abfinden. Aber in der Regel sind gerade solche, da sie niemand genau beobachtet, der Jugend oft mehr verderblich als nützlich. Ihr Unterrichten ist zum Theil ein bloßes Handwerk, wovon sie sich zu nähren suchen. Sie bedürften wenigstens in einem wohlgeordneten Staat einer weit genaueren Prüfung und Aufsicht, würden aber auch überhaupt weniger Glück machen, wenn die öffentlichen Schulen übemll das wären, was sie seyn sollten. 2 t. 4) Achtung und bürgerliches Ansahen des S ch u l st a u d e s. Schon durch solche Anstalten (20.) würde dem Schulstande auch mehr äußere Achtung verschafft werden. Doch ist dieß nicht das einzige Mittel. Un- Achtung und bürgerliches Ansehen des Schulstandes. 51 . streitig steht er in den bürgerlichen Vechackutssn noch viel zu weit zurück; lind wenn sich gleich der wahrhaft achtungswürdige Mann darüber leicht für seine Person beruhigen kann, so sollte doch wohl einmal durch öffentliche Anstalten und Verordnungen dafür gesorgt werden, daß der Schullehrcrstand, so lange nun noch einmal Rang in der Gesellschaft ist, auch bürgerlich mehr gehoben lind seine öffentliche Achtung mit der Wichtigkeit seines Geschäfts in das gehörige Verhältniß gesetzt würde. Er ist in seinem Einfluß auf das Ganze, aufs wenigste gesagt, eben so wichtig als der Predigerstand; und wenn saure Thätigkeit bey schlechtem lohn gerechte Ansprüche an Achtung giebt, so ist es wohl nicht zweifelhaft , ob mehr Schulmänner oder mehr Prediger die gerechteren daran zu machen haben. Bey den Schülern wird freylich die Achtung von dem bürgerlichen Rang ihres Lehrers nicht allein abhängig seyn. Der junge, unbefangne, noch von keinen privilegirten Vor- urtheilen verschrobene Jüngling, hat einen andern Maaßstab des Verdienstes. Aber ein öffentlicher Stand verdient auch öffentliche Ehre. Hieben werden gleichwohl vernünftige und rechtschaffne Schulmänner auf den äußern Rang, der ja unter gebildeten Menschen bey gesellschaftlichen Zusammenkünften, immer mehr für eine lächerliche Thorheit gehalten zu werden anfangt, weit weniger Werth sehen, als auf eine ehrenvolle Behandlung, besonders von Seiten der Obern, der Patrone und der Elrern. Es ist unglaublich, D s 52 Achtung und bürgerliches Ansehen des Schulstandes. wie sehr sich oft geistlicher und weltlicher Stolz, gemeiniglich mit grober Ignoranz gepaart, gegen Man- ner vergessen kann, die an Kenntniß und Verdienst so weit höher stehen; unglaublich, welche Kalte und Gleichgültigkeit selbst viele Eltern gegen sie beweisen; wie^sie Lehrer mit dem dürftigen Schulgelde für abgefunden und belohnt halten können, denen sie ihre Kinder anvertrauen, um in ihnen den Grund ihres ganzen Wissens und ihrer Brauchbarkeit für das ganze Leben zu legen. Freylich erniedrigt sich der Schulmann nur zu oft selbst. Aber noch öfter macht verächtliche Behandlung kriechend; und wer sich einer bessern unwerrh macht, der wird sie ohnehin nicht finden. A n m e r k. Man muß unstreitig die verschiedenen Arten von Lehrern und Schulen unterscheiden. Der bürgerliche Rang ist nun einmal von dem bürgerlichen Wohl- st ande nicht ganz zu trennen. Cr wird sogar in Ermangelung des letzteren drückend, wie man an allen verarmten Edelleuten sehen kann. 1. Der Landschullehrer ist in seiner Art so ach- umgswüroig, als der Director der berühmtesten Sradlschule. Aber er lebt unter andern Verhältnissen, und in andern Verbindungen. Er würde aufhören der gute Schulmeister zu seyn, wenn cr zu vornehm würde. Nur muß er in seinem Kreise 'Achtung und Ehre genießen. Er muß keine erniedrigenden Geschäfte zu thun verbunden seyn, z. B. Glocken ziehen, was jeder Dauerknabe kann. Er muß nicht wie der Dedlen te des Predigers erscheinen; cr muß, sobald er Sitten und Verdienst hat, eben so gut wie dieser, einer Stelle an dem Tisch des Edelmanns werth geachtet werden. 2. Zn Stadtschulen giebt es noch manche Ueber- reste alter Observanzen, die den Schulfremd herabsehen. Achtung und bürgerliches Ansehen des Schulstandes. 5Z wenn er sich z. B. seinen Unterhalt vor den Thüren er- singen muß, welches die Obrigkeit so leicht abstellen könnte. Auch steht er hier offenbar zu st'hr hinter dem Predi- gerstande zurück. Die Prediger selbst würden sich ehren, wenn sie auf die Abstellung solcher Verkehrtheiten antrügen, daß z. B. bey fcycrlichcn Gelegenheiten der ehrwürdigste Veteran von Schulmann, dem jüngsten Prediger, dessen Lehrer er vielleicht gewesen ist, »achtreren muß. Beyde Stände sollten, selbst ihrer Aehnlichkeir wegen, > aliir icliol s obnnxji ü,i>c etian, buni ,>>aeeepru>os, ut non pcillint i»ltie,uis nci: ec ißi» ( 3 eI>l>Ias plinniunas kchbo^o) memini ms boe »iieiaie, cnm pl>nes i-im »nuo» illg rariaus i'lux e>i>m. Lnm ei exenlaee lacr„m inlcitus- rem, ills ve-o eciam ms z>>>ille»rce beeilte, -liebst: dism conlnlenän laeps bons eonlilis coeinnipi; >ne veic> isetinz IiisstkLtcnibns ennnlini incellifle-e, csite liebexe, ljilili eller ulii« jnventnti. dtA.rariu ge s. IN. Oei»e,n in Lenk lti Opp, Kberneieis, P.488- Daß dieß auf junge Lehrer und Anfänger im Schulamt nicht anwendbar ist, versteht sich von selbst. Bestimmung des Verhältnisses d. Schullehrer unter einander. 55 ^2, «) Gehörige Bestimmung des Verhältnisses der Schullehrer unter einaudcr. ' Wenn gute Lehrer alle nur mögliche Nutzbarkeit bekommen sollen, so ist der Antheil, welchen sie all der ganzen Verwaltung der allgemeinen Angelegenheiten der Schule nehmen, gewiß nicht gleichgültig. Nur da kann bey ihnen ein gemeinsameL Interesse erwachen, wo jeder Lehrer sich als ein freyer und activer Mitarbeiter an dem Wohl des Ganzen, nicht als eine bloße Lehrmaschine betrachten, wenn er vielmehr darauf rechnen darf, daß auch seine Stimme gehört und geprüft werde, so bald von allgemeinen Angelegenheiten die Rede ist Hiebey entsteht die Frage, welche Regierungsform in dem kleinen Schulstaate den Zwecken desselben die angemessenste seyn möchte. Sie ist eben so vielseitig als die nämliche Frage auf den Staat angewendet, und es dürfte sich für eine der monarchischen ähnliche eben so viel, als für die mehr republikanische sagen lassen, im Allgemeinen aber auch hier die beste Verfassung in der besten Verwaltung, oder eigentlich wohl in der Beschaffenheit der verwartenden Personen gefetzt werden können. Die Erfahrung lehrt indeß, daß Einheit des Plans und Kraft in der Ausführung, durch zu viele Personen von gleichem Ansehn allemal leidet, und daß selbst da,, wo es den Schein hat, als regierten Hunderte, gewöhnlich nur Einer oder wenige regieren. In so fern scheint §6 Bestimmung des Vertzältnisses eö auch für die Schulen vonheiihafc, wenn sich die Regierung des Ganzen in den Händen eines Mannes, (Rectors, Aufsehers, Director6) befindet , der entscheidet und ausführt. Aber diese Regierung muß eingeschränkt seyn, wenn sie nicht entweder zu n Despotismus, oder — im Fall, daß der Erste im Schulstaat Gutes zu wirken keine Fähigkeit, und gleichwohl Gutes zu hindern Macht hat,— zum Verfall der Schule führen soll. Jede Schule muß folglich ihre Constitution haben, worin die Rechte und Pflichten eines jeden Mitgliedes desSchulsenatö genau bestimmt sind, und wenigstens denen Lehrern, we'che einige Erfahrung besitzen, ein Stimmenrecht bey allem, was zum allgemeinen Besten dient, eingeräumt, der Rccror aber von einer zweckmäßig organisieren Schule ommission abkangig, und für alles, was er allein thut, verantwortlich gemacht wird. Wo- in Schulen eure solche Constitution fehlt, oder wo sie mangelhaft ist, da sollte sie eingeführt oder abgeändert Werden. Das gelingt nirgends besser, als wo Lehrer einer Schule sich hierüber selbst vereinigen, was da nicht ausbleiben wird, wo reines Interesse für das Beste der Schule, alle andre kleinliche und selbstsüchtige Leidenschaften verdrängt hat. i) Sobald der Unterricht nicht mehr an eine einzelne Classe gebunden ist, so entsteht schon dadurch mehr Gleichheit unter den Lehrern; zugleich aber auch mehr Fähigkeit, das Ganze zu übersehen, da nach der jetzigen säst durchgängigen Einrichtung, der Lehrer der ersten Classe von den übrigen der Schrillerer unter einander. ^7 klaffen durchaus gar keine Kenntniß hat und haben kann. Laben mögen denn die oben eingeführten Namen von Neckor, Conrecror, Subrector, Tertius, O.uar^ tus und andre, wenn sie nur nicht gar zu unpassend und einseitig smd, (wie Cantor, Summissar.ius) immerhin sortdaucrn. Es mag auch, was immer für die Menschen ein Sporn bleibt, die Ascension mit Gewinn für die Einnahme verbunden seyn. Wenn nur kein verächtlicher Nebcnbegrjff irgend eine Schulgelle schon durch den Namen herabseht. 2) Bey Schulen, wo der Vorschlag den älteren und stehenden Lehrern, jüngere Collaboranten zuzugesellen (18.) , ausgeführt würde, dürfte es nicht rathsam seyn, auch diesen sofort das Stimmenrecht einzugcsrehen. Ein bescheidner junger Lehrer, der noch gar keine Erfahrung, wenigstens keine Kenntniß der besondern Verfassung der Schule hat, wird dieß ohnehin nicht verlangen. Oft aber sind gerade die jüngsten Lehrer in manchen Fällen am wenigsten bescheiden. Die dünken steh mit ihrer Einführung, wie durch Inspiration, alle die Kenntnisse überkommen zu haben, an welchen die Geübtesten nicht auslernen zu rönnen glauben. Sie mei neu nicht schnell genug ihre neuen Rechte geltend machen zu können. Es ist also aus jeden Fall gcrathner, daß auch ste ihre Lehr- und Probejahre haben, wenn es gleich vernünftig und billig ist, sie von Zeit zu Zeit an den Verhandlungen Theil nehmen zu lassen, auch wohl ihre Meinung da zu hören, wo sie besonders Gelegenheit gehabt, Bemerkungen zu machen. Für den Direcror der Schule ist dieß zugleich eine gute Gelegenheit, sie auch von Seiten ihres Urtheils kennen zu lernen. Daneben wäre es aber sehr bildend für sie, zumal für solche, die keine pädagogische Vorbereitung gehabt hätten, wenn der erfahrne Vorsteher ihnen ein pädagogisches und didaktisches Collegium läse, darin seine Erfahrungen mittheilte, und überall auf oie besondern Verhält- 58 Zweytes Haupteeforderniß. Lehrplan. nisse und Bedürfnisse der Schule, an welcher sie arbeiten sollen, Rücksicht nähme. 2Z. Zweytes Hanpterforderniß. Lehrplan. Das zweyte Ha unterfordern iß einer guten Schule ist ein bestimmter lehrplan, ohne welchen al- les viel zu sehr der Willkühr der einzelnen Lehrer überlassen bleibt. Dieser ist theils ein allgemeiner, theils ein besonderer. Der allgemeine bestimmt i) die Gegenstände des Unterrichts, welche überhaupt und in einzeln Abtheilungen der Schule zu gleicher Zeit getrieben werden sollen '); 2) das Zeit - maaß, welches für einen jeden bestimmt ist, und die Stunden, in die eine jede Lection fallen soll; z) die Lehrbücher, nach welchen der Unterricht zu ertheilen ist; 4) die Privatübungen und Arbeiten, welsche von den Lehrlingen zu fordern sind. Von den Erfordernissen dieses allgemeinen Lehr plans in den einzelnen Gattungen von Schulen, wird in den folgenden Abschnitten das Nähere gesagt werden. Ein Auszug davon sollte beständig an dem gangbarsten Orte der Schule, vor den Augen der Lehrer und Schüler hängen, weil es für beyde mancherley Nutzen hat, zu wissen, was auch in andern Classen getrieben wird.— Der besondre Lehrplan enthält die speciellen I nstructi 0 nen für eine jedeClasse, und bestimmt näher: i) die Le crion selbst; 2) das Pensum, was innerhalb eines gewissen Zeitraums geendigt werden Zweytes Haupterforderniß. Leärplan. muß; z) die Arbeiten, womit die Schüler kin und außer der Classe zu beschäftigen sind, und die Gesehe, welche sie dabey zu beobachten haben; 4) die besondern Lehrbücher, und 5), wenn eine Schnlbibliothck vorhanden ist, eine Nachweisung der vornehmsten Hülfsmittel. Von dieser Jnsiruction für jede Classe muß eine Abschrift so lange in den Handen des Lehrers seyn, als er die Classe hat. Uebermmmt sie ein andrer, so sey das erste, daß sie ihm übergeben werde i) Die Frage, ob es überall rathsam sey, mehrere Gegenstände zu gleicher Zeit zu neiden, die besonders bey gelehrte» Schulen von Wichligkeir ist, wird bey den ein- , zclncn Gauungen der Schulen, noch besonders erörtere werden, s) Der b 0 llk 0 mmne Lehrer bedarf freylich keiner In struction für sich; denn er ist ja selbst der geschickteste, sie zu entwerfen. Aber wie wenig Lehrer sind vollkommen! Auch soll der Lehrcr aus der Jnsiruction über den Lehrplan seiner Classe weder die Materie noch die Form seines Unterrichts erst lernen,— sondern sie soll ihm »pr das Verhältniß seiner Classe zu den übrigen Classen genau bestimmen, und eine Anzeige enthalten, welche Grcn- zen er, seinem Unterricht stecken müsse, wie viel Zeit ihm gegeben sey, und was die Erfahrung in Ansehung der Beschäftigungen der Schüler als das nützlichste gelehrt habe. Wenn ein jeder Lehrer hinter diese Jnsiruction die Erfahrungen , welche er selbst bey seinem Unterricht gesammelt, niederschriebe; die Lehr- und Hülfsmittel, die ihm besonders zu stauen gekommen, anmerkte; von bewährt gesunducn Methoden Auskunft gäbe: so würden diese Jnstruelionsbü- eher nach und nach einen Schatz von pädagogisch - methodischen Bemerkungen enthalten, welche zu den Reichthümern 6o Tagesstunden des Unterrichts. einer Schule gezählt zu werden verdienten. Schon Franke und sein Gehülfe Freyer, ein in seinem Zeitalter sehr verdienter Schulmann, suchten diese. Idee zu rea- listren. 24. Tagesstunden des Unterrichts. Der Lehrplan bestimmt auch die Tagesstunden für jede Lection, und dieß ist keine gleichgültige Sache. Die allgemeinen Rücksichten sind i) die Gesundheit, da z. B. lehrstunden unmittelbar nach der Mahlzeit für Lehrer und Lernende unbequem und drückend sind; 2) die Erhaltung guter Ordnung in den lehrstunden, daher man, besonders bey stark besetzten Classen, die lichten Tagesstunden, in denen keine andre Erleuchtung nöthig ist, vorzuziehen hatte; z) die Geistes thatig- ik e i t, welche in den Morgenstunden größer als in den spätern, und in den erstem Vor- oder Nachmittagsstunden größer als in den folgenden zu seyn pflegt, die aber auch bey gewissen Lchrgegenstandcn mehr als bey andern erfordert wird; 4) Die Beschaffenheit der Materien, um, so viel es sich thun laßt, die zu plötzlichen Uebergange von einer zur andern zu vermeiden, auch anstrengendereVerstandesübungen mitGedachtnißübungen, oder mehr mechanischen Beschäftigungen abwechseln zu lassen, solche Gegenstände aber, welchen nur einige Stunden der Woche gewidmet sind, nicht durch die Trennung der Tage zu sehr zu zersplittern. Die besondern Rücksichten, welche Lehr- und Schulbücher. 6r bey einzelnen Lehranstalten zu nehmen sind, werden in der Folge angeführt werden. 25. Lehr/ und Schulbücher. Der Lehr plan bestimmt auch die Lehr- oder Schulbücher. Keine Schule kann ihrer ganz entbehren; sie können selbst dazu beytragen, eine gewisse Regelmäßigkeit und das Eingreifende in den Plan des ganzen Unterrichts zu bringen. Bey einer Schule, welche veraltete Lehrbücher hat, ist eine Revision derselben ein sehr dringendes Bedürfniß, weil es weit schlimmer ist, durch unbrauchbare den Lehrer zu binden, oder auf die Wissenschaft selbst ein verächtliches Licht zu werfen, als gar keine vorzuschreiben. Gerade die schlechten Schulbücher verleiten auch am ersten zu willkühr» lichen Abänderungen, welche nie bey öffentlichen Anstalten zu billigen sind. Bey der Einführung neuer hat man aber 1) vor allen ihren innern Werth und ihre wirkliche Brauchbarkeit in Anschlag zu bringen, und sich so wenig durch die Neuheit als durch die Berühmtheit des Namens alkin leiten zu lassen. Es würde daher eine Schuldirection vorsichtig handeln, wenn sie Erfahrungen solcher Lehrer, welche bereits darüber unterrichtet hatten, zu Rathe zöge, oder allenfalls den Privatgebrauch eine Zeitlang begünstigte, ehe sie ihn durch öffentliche Einführung autorisirtc. Daneben ist aber auch 2) die Woh lfeilheit des Preises, innere Güte vorausgeseht, bey der Wahl zwischen mehreren —E' ^ , 6L Lehr- »nd Schulbücher. » " " > > ' ^ > , ^ .> > . .. nicht zu übersehen, damit die Anschaffung nicht drük- kcnd für die Aermereu werde. Ohnehin sind gerade wohlfeile Schulbücher lehr oft die bessern: denn sie sind kurz und gedrängt, lassen dem Lehrer Stoff übrig, und sind nichtwie manche sogenannte Schulausgaben fremderAukdren — mit Noten überladen. Ist eine Schule einmal wieder mit guten Lehrbüchern versorgt, so bleibe sie nun auch so lange wie möglich dabey. Gesetzt auch, ein neu erscheinendes überträfe das durch Erfahrung bewährte, von einer oder der andern Seile, so ist doch eine zn häufige Abänderung nicht rathsam. Sie mach: besonders junge Lehrer geneigt, Fehler zu finden, wo keine sind, um nur etwas Neues in den Händen der Schüler zu sehen, oder um die Fehler ihrer eignen Methode auf das Lehrbuch wälzen zu können. Für andre hingegen , die sich einmal an das Eingeführte göwöhnt haben, wird zu häufiger Wechsel drückend» A n m e r k. i) Man könnte doch die Anschaffung der Schulbücher den Schülern oft sehr erleichtern, wenn man thätig genug wäre, sich mit denen Verlags Handlungen in eine Verbindung zu setzen, welche die Preise merklich herabsetzten, oder auch bey fremdem Verlag einen ansehnlichen Rabat gaben, Einem ärmeren Schüler ist ja die Ersparung weniger Groschen oft schon eine große Wohlthat. Die Buchhandlung, welche diese Schrift Llte procleüer. z) Von der Wahl der Lehrbücher für einzelne Arten von Schulen, wird in dem folgenden Abschnitt das Nähere gesagt werden, wo auch Vorschlage gethan werden sollen, wir man den ärmeren Classen zü Hülfe kommen könne. 26. Drittes Haupterforderniß. Zahl und Classi- ficativn der Lehrlinge. >) Gehöriges Verhältniß der Anzahl zu dem Zweck und der Einrichtung der Schule. Sollen Lehrer ihren Lehrlingen «schlich, soll der Lehr» plan gehörig befolgt werden, so ist es nicht gleichgültig, wie groß die Anzahl der Lernenden ist, und wie sie geordnet und vertheilt sind. Dieß führt auf ein drittes Haupterforderniß jeder guten Schule — gehör rige Verhaltnißmaßigkcit der Schülerzahl zum Zweck und der übrigen Einrichtung des Ganzen, und Planmäßigkeit in der Claffification. Ist zuvörderst die Frage , „0b eine gr 0 ße Frequenz der innern Güte einer Lehranstalt mehr nachtheilig als Vortheilhaft sey?,, so dürfte man folgendes als Resultat unbefangner Untersuchung betrachten können, i) Jede zu große Summe von Menschen, eng mit einander verbunden, bildet 64 Drittes Haupterforderniß. Zahl u.Classification der Lehrlinge. sich schwerer, als wenn die Gesellschaften klein sind. Selbst da, wo die Ayzahl derer, welche Aufsicht und Unterricht in ihrer Hand haben, mit der Menge steigt, ist doch die Uebersicht des Ganzen durch ein so vermehrtes Aufseher- und Lehrerpersonal schwerer. 2) Es kommt also darauf an, ob die Schule selbst wieder genug einzelne Abtheilungen leidet, um keiner Classe zu viel Lehrlinge zutheilen zu müssen. (§ zi. 2. z.). Dürfte man sich bloßen Idealen überlassen, so würde eine Zahl zwischen zwanzig und dreyßig Lehrlingen das höchste seyn. Da eine solche Begrenzung aber ben dem Bedürfniß so vieler Lehranstalten im Staat, und hey der großen Menge der unterrichtSfahigcn Kinder am wenigsten möglich ,st, so sollte man wenigstens in keiner Art von Schule die Zahl von fünfzig überschreiten, in den höher» Schul- anstalten aber, wo irgend möglich, nicht über drei,ßig in einem Zimmer hinausgehen. Die Zahl solcher Classen und der dazu nöthigen Lehrer muß dann weiter entscheiden , wie stark das ganze Chor einer Schule seyn könne, z) Jede Vermehrung der Abtheilungen, wodurch die Zahl der Lehrlinge einer Classe vermindert wird, ist ein Gewinn für das Ganze und für die Einzelnen; sede Zusammenziehung von mehrern Classen ein Rückgang der Schule. 4) Die Abtheilung einer und derselben Classe in mehrere Ordnungen, die aber in einem Zimmer zugleich unterrichtet werden, ist nur ein Nothbehclf, so bald die Schülcrzahl dadurch ver^ größer! wird. Ist diese aber gehörig beschrankt, so kann es Verhältniß der Anzahl zur Einrichtung der Schulen. 65 es nützlich seyn, die Schüler, wären auch deren nur zehn bis zwölf, nach ihren doch immer vcrschiednen Kenntnissen znr Erweckung des Wetteifers in gewisse Abtheilungen zu bringen. Ist die Schule zugleich E r- ziehungs an statt, so ist eine Verminderung der Anzahl oft vortheilhafter, als eine zu starke Vermehrung, wovon das Weitere in einem besondern Abschnitt. Anme r k. Auf die Frage: Ob die Frequenz einer Schult Leibst für ihren innern Werth entscheidend sey ? —hat man mit Recht geantwortet, daß Frequenz zwar sehr oft ein Zufall, oder eine Art von Nothwendigkeit, oder eine Wirkung des Vorurthcils der Neuheit, so wie das Gegentheil ebenfalls die Folge von dem allen seyn könne, daß aber eine dauernd zahlreiche Schule, iu'.mer ein gewisses öffentliches Vertrauen, besonders da voraussetze, wo zwischen mehreren Schulen die Wahl frey ist, und daß thätigen und patriotischen Lehrern das Vertrauen des Publikums nie gleichgültig werden dürfe. Dabey wird aber den rechtlichen Schulmann, schon sein eignes moralisches Gefühl theils in das Wort des alten Somenlns, „nmlo loliolami ss s- lolarain, gamn -NLkolnrain „ einstimmen lehren, theils vor der Anwendung aller kleinlichen Mittel bewahren, die Schule frequcnl zu machen, deren sich die bedienen, „gui Lolllgunr 8 n«n kevooirar« «lil'oi- ^lrnao, rieo ingonii L x z> e ri m c: n ro, keck nni- »itivNL kalutanriuiii er illooeliiis aftnla- tionis. Lio. ols c-auD- cooiupt. elog. c. 2I. Nicht einmal klug «st ein solches Benehmen, da es so bald verächtlich macht. ^ Wie wahr sagte daher ein schr achtungswürdigcr — leider schon der Welt entrißner — Schulmann: Lum s>E>:ego»x„i e^ntllem oommeiillicrim, c^ui slieuuin a kus ^eikona z>ureL E Llassens« stein. b6 . - >>. «I eil , ^mt>i,i„te üiEvs ei>'c-umi^o, >x>j;^»ktc>, k>^nlU«„en6ies,iü» s-nei'nIoL, numei um o<'ße> e, lelegne obnoxium PLienlibus vet inch»s potc„dtiiut>>is icrlclene. — 8it nUlii, veUm, coiirentus, cNAm itt >ne etiam e»>nm liiilonem Uie- vuitte, <^,iotonmcjne UU iint r>»ilui, r>e,yie anxis eil'eiün- nnm kjut lint, slinite>m te couveitmir, -illeiiiir- rzue msgetni litt m^Unt. Fleier vttn vi. äe 8e>M- d > 8,iecnli ßenin n d t« i t » v, chlenSiäillE.»^ ^»Le Mum emsnüsc, o^tims. Uei'vl. L77A. 27 . 2) Classensvste 1». In Absicht der Classisication der Schüler beym Unterricht, hat man bisher eine doppelte Methode befolgt. Man hat entweder gewisse durchaus feststehende Schulclasfcn angenommen, wonach der Schüler in allen bectionen zur ersten, zweyten, dritten u. s. w. gezahlt wird, oder man hat ihn in jeder Lection seinen besondern Stuftngang gehen lassen. Z,n letzteren Falle hat man folglich bloß auf die Summe von Kenntnissin, welche er sich in einer Sprache oder Wissenschaft erworben hat, gesehen, und diese von dein Maaß »einer Kenntnisse in andern Fächern unabhängig gemacht. Im erstem hat man entweder vorausgesetzt oder doch gefordert, daß er in allen gleichen Schritt halten müsse. So entschieden die becrion gelassen vor den feststehenden und durch alle Theile des Schulunterrichts durchgehenden Schn l- clalsen einen bedeutenden Vorzug zu behaupten scheinen, 10 muß man doch gerecht genug seyn, da?, was sich sUr dm in den meßten alteren und.noch in vielen Gründe für die feststehenden Schulclassen. 67 neueren Schulen herrschend gebliebne Einrichtung sagen laßt, nicht ganz zu übersehen. 28. Gründe für die feststehenden Schulclassc». Wenn man das ganze Chor der Schüler in eine bestimmte Zahl von drey, vier, auch wohl sechs, sieben und mehr Elasten theilte, und für jede dieser Elasten einen bestimmten Lehrplan festsetzte, so ging man dabey unstreitig von der Idee aus, daß jeder Schüler von Jugend auf in derselben Schule unterrichtet werde, folglich von der untersten Stufe anfangen mäste. Man nahm ferner als ausgemacht an, daß von jedem, der eine gelehrte Schule besuche, auch verlangt werden könne, daß er alles erlerne, was in dem Kreise des Schulunterrichts liege, und er möge künftig bestimmt seyn, wozu er wolle, dennoch nichts zu treiben sich weigere, was einmal Theil jenes Unterrichts sey. Man schloß endlich, der wahrhaft fleißige Schüler werde auch in allem fleißig seyn; werde durch Fleiß, was ihm etwa an Talent für eine oder die andre Wissenschaft abgehe, ersehen, und sonach in allen zu gleicher Zeit zur Versetzung in eine höhere Classe reif, so wie im Fall des Unfleißes auch in allen derselben unwürdig seyn. Da man nun überdieß einer jeden Schulclassc auch einen eignen lehr er für alle Lectionen anwies, so meinte man, ein solcher werde eben darum seinen Schülern desto nützlicher werden können, weil er sie in E 2 68 Gründe für die getrennten Lectiensclassen. allen lectionen unterrichte, dadurch genauer kennen lerne, und jedem, wo es ihm etwa fehlt, am besten nachzuhelfen im Stande seyn. Un'er den Schülern aber werde der Sinn für eine gewisse Classenehre erhalten, und die Translocation wichtiger gemacht, wenn sie sich allezeit auf alle Lectionen zugleich beziehe. In dem allen ist nicht nur manches sehr Scheinbare, sondern auch manches'Wahre. - 29. Gründe für die getrennten Lectionselassen- Wenn man indeß die Sache nicht bloß abstract ansieht, sondern mit der Erfahrung vergleicht, so drangen sich dem Unbefangnen folgende Bemerkungen auf: 1) Der Fall, das; die Schüler in jeder Art von Kenntnissen verhältnismäßig gleich weit gekommen sevn sollten, wenn sie in eine gelehrte Schule eintreten, leidet zu viele Ausnahmen, um als Regel angenommen werden zu können. Sie mögen durch bloßen Privatunterricht oder in einer niederen Schule vorbereitet seyn, man wird sie fast immer in einer oder der andern Art von Kenntnissen zurück finden, wenn sie auch in den übrigen noch so weit gebracht seyn sollten. 2) In unsern gewöhnlichen Stadt- und Bürgerschulen, giebt entweder die Re'igionskenncniß oder die lateinische Spräche den Maaßstab, nach welchem die Classe bestimmt wird, die man dem Eintretenden anweiset. Aber je mehr er darin geleistet hat, desto weiter ist er oft in allem übrigen zurück. Er wird gleichwohl so behan- Gründe für die getrennten LectionSclassen. 69 delr, als wäre er auch darin schon zu einer höheren Ordnung reif, weiter einmal, als Tertianer', Quartaner u. s. w. im Latein, Tertianer oder Quartaner in Altem werden muß. Und so versäumt er oft unersetzlich die Elemente andrer Sprachen und Wissenschaften, und bleibt auf immer darin obcrsiachig lind seicht, z) Bey der Verschiedenheit der künftigen Bestimmung, die zum Theil wenigstens dem Schüler schon zeitig bekannt ist, bleibt es bcynah unmöglich, ihm ein Interesse für ge« wisse Theile des Schulunterrichts beyzubringen, von denen er für die Zukunft nicht den geringsten Gebrauch absieht. Muß er sie glcicbwohl treiben, so treibt er sie mir Verdruß, und die kostbare Zeit, die sich für weit nützlichere Gegenstände gewinnen ließe, geht vcrlohrcn. Dazu kommt 4), daß es crfahrungswidrig ist, daß der Jüngling bey gleichem Fleiß in allem was er lernt, auch gleiche Fortschritte machen könne. Wenn ex nicht ganz mechanisch siudirt, so wird er immer gewisse Fächer mit größerem, andre mit geringerem Interesse betreiben. Sein Kopf wird einiges schneller, andres langsamer fassen. Es wird folglich die Versetzung in eine höhere Classe in einer Lecnon ihm eben so nachtheilig seyn, als das Zurückbleiben in der andern. ;) Endlich wird gerade die Verschiedenheit der Lehrer, wenn die oben (H 16.) gemachten Bemerkungen gegründet sind, in den meisten Fallen Vortheile gewahren, welche sich nur in sehr seltnen Fällen bey einem Lehrer ni allen Fächern erwarten lassen. Resultat. Resultat. Aus der Vcrgleichung dieser Gründe für und wider die Lcctiousclassen, im Gegensatz der festen oder allgemeinen Schule lassen, ist allerdings das Ucbergewicht auf der Seite der ersteren. Da es jedoch auch sein entschiedncs Gute hat, wenn der Schüler in Allem, was er lernt, möglichst gleichen Schritt halt, so würde es am besten seyn, wenn man besonders bey denen, welche von der untersten Classe an die Schule besucht haben, dahin arbeitete, daß sie in keiner Lcction zurückblicken. Nur muß es der Primaner und Secundaner seinem Fleiße, aber nicht der U trab ander! ich keit des Schulplans zu danken haben, daß er Primaner oder Secundaner in allen lccrio- nen ist. Sobald daher ein Schüler die Versetzung in irgend eine Lection — sey es aus Mangel an Fleiß oder an Talent — nicht verdient, da bleibe er zurück. Es ist sehr heilsam, daß er durch die niedere Classe an seine noch unvollendeteÄusblldung erinnert werde, da im Gegentheil hohe Classennamen seinem Dünkel schmeicheln könnten. Ihn in der lection, worin er für eine höhere Classe reif ist, zurückhalten, weil er in den übrigen noch unreif ist, ist nicht allein ungerecht, sondern wird auch in den meisten Fallen mehr schaden als nutzen, weil es verdrießlich und trage macht. Anmerk. Die Claffification der Schüler nach den einzelnen Lektionen, ist von den meisten neuern Schriftstellern über das i Viertes Hanxtcrford. Aeußere Anstalten und Lehrmittel. 71 Schulwesen als die zweckmäßigere empfohlen worden. Das einzige Kriterium einer guten Schule ist sie freylich nicht. Man kann selbst ohne Bedenken vieles von dem, was ein einsichtsvoller Schulmann neuerlich für die Beybehaltung der gewöhnlichen Classification auf den ältern Schulen gesagt hat, (Ehlers Beyträge zur Kritik des Schulunterrichts, i. St.S. 126.), zugeben. Nur scheint mir von dem Vers. auf unwichtige Vortheile zu hoher Werth gesetzt, manches offenbar Schädliche — wie der Llassenstolz —> unter die Vortheile gerechnet, und zu wenig auf die ganz unleugbaren Inconvenienzen >ür einzelne Subjeete Rücksicht genommen zu seyn. ZI. Viertes Hauptcrforderniß. Aeußere Anstalten 11 «d Lehrmittel. D ch u l g e b a u d e. Schon das Local einer Schule, kann der Erreichung wichtiger Zwecke bey dem Unterrichte eben sowohl vortheilhaft als ungünstig seyn. In unbequemen lind planlos angelegten Schulgebauden lag oft schon der Grund, daß manches Gute nicht um ein halbes Jahrhundert früher ausgeführt wurde. Und doch wird selbst von baulustigen Regierungen, Domcapiteln, Magistraten, Edelleuten, an die unentbehrlichsten Gebäude weit früher gedacht, als an diefc wichtigen National- gebaude. — Zu den allgemeinsten Erfordernissen eines zweckmäßigen Schulhauses, würde zu rechnen seyn: i) Ruhige, gesunde und freye läge, und Entfernung alles besten, was eine reine suft hindern oder verderben könnte; 2) lehrzimmer — bloß zum x Viertes Haupterforderniß. Lehren, zu keinem andern Gebrauch bestimmt — welche weder zu groß noch zu klein, weder zu hoch noch zu niedrig sind, sondern mit der Zahl der Schüler, bey welcher doch ein gewisses Maximum statt finden muß, und mit dem Hauptzweck des Vertrags, ohne Anstrengung des Lehrers verständlich zu werden, in gehörigem Verhältniß stehen; z) eine hintan.„'sche Anzahl von Lehr; immer», um die Classen in einzelnen Hallen gehörig theilen zu können; 4) ein größerer Verkammlungssaal, oder, wenn es seyn kann, einige geräumige Säle, zu verschiednen Bestimmungen, wo bald die ganze Schule, bald mehrere Classen bequem zusammen gegenwärtig seyn können; ;) ein freyer Plah, Spielhof oder Garten, damit der Schüler auch zwischen den Stunden von Zeit zu Zeit freye Luft schöpfen und sich bewegen könne; 6) an st ä n- dige und gesunde Wohnungen für die Lehrer, so fern diese auf dem Schulgebäude selbst wohnen müssen, welches jedoch, wenn dadurch mehrere Familien in einen engern Raum zusammengedrängt werden, nur für den Ersten als Aufseher des Ganzen rarh- sam bleibt. Die besondern Erfordernisse beziehen sich auf dieArtcn der Schulen selbst. Eine jede macht ihre eignen Einrichtungen nothwendig; aber keine ist so klein, ausweiche nicht wenigstens die erste, zweyte und fünfte Forderung anwendbar wäre. Anmcrk. Die Namen der alten Lehrgebäude und Lchrplätze Hai man beybehalten. Aber welche Gebäude sind das oft, die man Gymnasien, Lyceen, Athenäen nennt! Aeufcre Anstalten und Lehrmittel. 2Lo ist auch nur die entfernteste Aehnüchkeit mit dem, was die Alten — freylich aber auch wohl nur in reichen Hauptstädten — für diese Ansraiten thaten? Wenn denn nur wenigstens nicht die Gesundheit der Lehrenden und Lernenden, durch die dumpfen, feuchten, keliermasugen Lchrstm- mer so mancher öffentlichen Schule des Vaterlands aufs Spiel gesetzt würde! Es giebt an so vielen Orten leer stehende öffentliche Gebäude, welche mit der 'leichtesten Abänderung Schulen eingerichtet werden könnten, wenn man nur ernstlichen Willen hätte. Schulpatronen, welche es dulden können, daß das wohlthätigste Haus der Stadt — der Bildn ngsort der Bürger — einem Kerker gleiche, indeß an die Vergnügung-orte immer mehr gewendet wird, unterhalten recht geflissentlich ein Denkmal ihrer eigne» Gleichgültigkeit gegen Las, was jedem das Wichtigste seyn sollte. S. Ueber die Einrichtung der Schulen in Rücksicht aus die Gesundheit, von Weckherlin. Etuttg. 1799. (i2Gr.). Z 2. Innere Einrichtung. Pracht und Luxus gehören nicht in die Schulen. Schmutz, Geschmacklosigkeit, eigensinnige Bcybehalrring alter Formen, wo Erneuerung Bedürfniß ist, ebenso wenig. Daß sich das Auge auch an das Schlechte gewöhnt,— dieß isis gerade, was man verhüten sollte. Um Reinlichkeit und Zweckmäßigkeit des nöthigen Gerarhs, der Tische, Bänke, Tafeln zu erhalten, u. s. w. ist kein großer Aufwand, sondern nur eine wachsame Aufsicht der dazu bestellten Personen nöthig. Noch mehr Werth hat es, wenn der Schüler selbst Sinn dafür bekommt, nichts mmhwillig zu verderben, zu beschmutzen, zu zerschneiden, zu zerstören, und auch 74 Innere Einrichtung der Schulgcbaude und Classen. in dem reinlichen lind geschmackvollen Aeusieren einer Schule einen Theil seiner Ehrcckelzt. Dieser Sinn der Verständigen erwacht da am ersten, wo sie wahrnehmen, daß man nichc das Schlechteste für ant genug für die Schule halt, sondern si: zelbst angenehm umgeben will, und dann bewacht er die Unordentlichen noch bester, als das Geseh. Bey manchen Gerathschaften z. B. den Tischen, ist auch die Rücksicht auf dtc Gesundheit desgleichen auf die Schonung der Augen, besonders beym Schreiben, nicht zu vergessen, und zu sorgen, daß das Tageslicht, wo irgend möglich zur linken, allenfalls von dorne einfalle. UcbrigenS scheint eine solche Stellung der Tische und Banke die rachsamste, bey welcher der Lehrer, der überhaupt, besonders bey dem Unterricht der Kleinern, nie zu viel auf dem Katheder thronen muß, von allen Seiten hindurchgehen, und Alles was vorgeht, genau beobachten kann. Sihe auf erhöhten Srufengerüsten, haben, wenn sie allzu starke Classen nicht nothwendig machen, von dieser Seite einiges Unbequeme, und wenn die Tische vorn mit Brettern verschlagen sind, können stein mancher Hinsicht so verderblich werden, als die nach und nach selbst aus den Klosterschulen verschwindenden Mantel und Schalanne n. An werk. Wenn man die Lehrzimmer mancher Schulen besucht, und hier die kaum mehr zusammenhastcuden Vobilicn, und von allen Seiten die Cpu'en des Zcr'äörungsgeistcs wahrnimmt, so muß man glaubn,, daß es darauf angelegt sey, sie nächstens zu schließen. Und Loch erblicht man dieß Eigentliche Lehrmittel. Bibliothek. 7Z so oft in recht wohl dotirtcu Schulen, wo die Zim- mer der Dwecroreu, Nendanten und Ockonomieausseher für Meublemagazine des nelicstcn Geschmacks gelten könnten. Der Jugend ist allerdings der Zerstörungsgeist eigen, und bey der besten Ansucht und Schulyolicey wird immer etwas verwüstet. Am häufigsten ist dies; der Fall, wo die Schüler Langeweile haben. Man wird aber in der Erfahrung finden, daß, je mehr man sie an das Geschmackvolle auch im Aeußercn gewöhnt, und sie auffordert, sich selbst Gesetze zur Erhaltung desselben zu machen, sie desto.eher vom Zerstören zurückkommen. Am Schlechten, glauben sie, sey wenig mehr zu verderben. Zerstörung sey auch wohl das nächste Mittel, etwas besseres M bekommen. Die natürlichste Strafe ist übrigens, daß der Zerstörer den Schaden von seinem eignen — vielleicht zum Vergnügen bestimmten — Gelde ersetzen muß. 38 . Eigentliche Lehrmittel. S ch u l b i b l i o t h e k, Es ist keine Schule so unbedeutend, daß ihr nicht zuvörderst eine, ward auch noch so kleine, Büchew- sanimlung zu wünschen wäre. Denn theils sind noch zu viele behrer so schlecht salarirt, daß sie bey so manchen andern unentbehrlichen und keinen Aufschub leidenden Bedürfnissen für sich und ihr Haus, an den Ankauf selbst der allernöthigsten Bücher nicht denken können; theils kann man nicht verlangen, daß ein jeder alles das selbst anschaffen soll, was mehr für die Schule gehört. In bandschulen müßte diese Bi bliothek, welche nur ein sehr geringes Capital erforderte, -6 Eigentliche Lehrmittel. Bihliotl'ek. zum Inventarium derP fa r r e gehören, unv von dem Prediger in Verbindung mit dem Schuilehrcr jährlich wenigstens um ein Paar Sckriften vermehrt werden. Wer dazu den kleinen Fonds von wenigen Thalern, gesetzt er wäre nickt angewiesen, nicht durch Verbindungen mit Beförderern des Guten herbeyzu- schaffen weiß, dem fehlt es gewiß an Eifer und Thätige keit. In Bürger- und Gelehrten schulen ist ein eigner Bibliothekar aus dem Personal der Lehrer zu Wahlen, der aber nach einer bestimmten Jnstruction die Fonds verwenden, und nickt, wie so häufig geschieht, seinen Privatneigungcn in der Bereicherung einzelner Fächer auf Unkosten andrer folgen darf. Alles kommt bey einer solchen Schulbibliothek auf ihre Brauchbarkeit für den Schulzweck an. Weder die Menge noch die Seltenheit oder Sonderbarkeit der Bücher giebt ihr einen Werth. Es würde sogar verdienstlich semi, nützliche Handbücher gegen Raritäten und Curiositatcn einzutauschen. Einige Hauptsckn'ften über Pädagogik und Didaktik, vorzüglich aber die Hülfsqueklen derjenigen Theile des Unterrichts, welche in der Schule getrieben werden, müssen überall die Hauptfächer seyn. Hat die Schule so viel Fonds, oder kann sie sich ihn durch ihre Schüler verschaffen, daß neben der Bibliothek zum Gebrauch der Lehrer, auch eine Sammlung sogenannter Lesebücher für die Lernenden angelegt werden kann, so wird dadurch der wichtige Zweck, die Jugend vor einer planlosen Lcserey Sammlungen zum Gebrauch bey dem Unterricht. 77 zu bewahren, wo nicht ganz erreicht doch befördert werden. Anmerk. Wo noch gar keine brauchbare Schulbibli'othek - und auch kein Fonds dazu vorhanden ist, da denke man sich oft die Schwierigkeit sie anzulegen, und den erforderlichen Aufwand zu groß. Man erschrickt vor den Ladenpreisen auch nur der Hnup:bächer. Er»» recht lha.-ger Schulmann würde aber durch Ausmerkfamkelc auf Auktionen, durch Verbindung mit Buchhandlungen u. s. w. oft weit wohlfeiler zu einer guten Sammlung kommen können, und sich dadurch ein bleibende» Verdienst um so ma.nche Schule erwerben, ohne zu öffenrlichcn Collecten seine Zuflucht zu nehmen, die das Publikum ermüden. — Außerdem könnte man die Gelder der Strascaffe, wo dergleichen existirt, besser aber feststehende Antritksgelder zu Fonds der Bibliothek machen. Da diese nur einmal gegeben werden, so würden sie nur für die Aermstcn drük- kend seyn, denen man sie erlassen kann. — Ware eS zuglcich cine sogenannte Lesebibliothck für die Schüler, so würde ein kleiner wöchentlicher oder monatlicher Beytrag ganz in der Ordnung seyn. Dieß alles ist zweckmäßiger, als wenn die Schüler selbst Bücher schenken, die osr schlecht gewählt und ohne Werth find. Z4. Andre Sammlungen zum Gebrauch bey dem Unterricht. Nicht minder wichtig ist so mancher andre Apparat von Lehrmitteln, Naturalien, Modellen, Instrumenten, landch arten, Kupferstichen. Nicht jede Schule bedarf einen gleich ansehnlichen Vorrath. Aber in keiner sollte es an einigen 78 Fünftes Hauptcrforderniß. Rücksicht auf Gesundheit dieser Lehrmittel, die zur Beförderung der anschauenden Erkenntniß so diensam sind, ganz fehlen. Ihre Hcr- beyschaffung ist oft kaum so schwer, als ihre sorgfältige Aufbewahrung und Erhaltung. Einheimische Fabriken , Manufakturen, Künstler und Handwerker würden allenthalben gern kleine Beytrage liefern. DiePro- ducte der Gegend lassen sich von den Schülern selbst sammeln. Selbst in den kleinsten Städten liefern Kramladen und Waarenlager so manches. Wie sehe kann durch die Vorzeigung der Ob/eccc statt bloßer Beschreibung alles versinnlichc werden! Auch verdeutlichende Kupferstiche über die Naturgeschichte, sind in unsern Zeiten, — für das Bedürfniß der niedrigsten Schulen brauchbar genug — um äußerst geringe Preise zu kaufen. Bey großen Lehranstalten hat die Anschaffung durch die Beyträge wohlhabender Schüler und ihrer Eltern, so wie durch die Erweckung des Patriotismus geschickter Künstler noch weniger Schwierigkeit. An merk. Vorschläge zur Anschaffung solcher Apparate und Nachweisungen, wo sie zu finden, sehe man im isicn Theil m. Grundsätze der Erzieh, und des Untcrr. tz 47. 187. 197. 35 . Füllst es'Haupterforderniß. Rücksicht auf körperliche Gesundheit und sittliche Cultur »cb.en der Cultur des Verstandes. Der nächste Zweck der Lehranstalten ist die Bildung der Erkcnntnißkräfte. Aber selbst um diesen Zweck ganz zu erreichen, darf die Rücksicht sowohl und sittliche Cultur der Schüler. 79 . auf die übrige, namentlich die körperliche lind moralische Ausbildung, nicht ganz aus den 'Augen Verkehren werden. Wie theuer wird alles Wüsten erkauft, wenn man die Gesundheit daran verliert, und ein siecher Körper den Genuß und die Anwendung desselben zum Kesien der Welt einschränkt. Und auf dein moralischen Charakter des Menschen beruht sa doch sein eigentlicher Werth, und hat selbst hinfort auf die Art, wie der Verstand sich bildet und äußert, einen so bedeutenden Einfluß. — Was also zuerst die körperliche Ausbildung betrifft, so ist sie zwar, wenigsienL ihrem positiven Theile nach, mehr die Sorge der Eltern und Erziehungsanstalten. Aber negativ wenigstens kann auch sede Schule dazu mitwirken, wenn die Luft, in welcher der Lehrling einen so beträchtlichen. Theil des Tages athmet, rein erhalten wird; wenn in den Schulzimmcrn eine gehörige Temperatur der Warme und Kalte herrscht; wenn man streng auf die durchgängige Reinlichkeit des Körpers hält, und hierin selbst die Mangel der häuslichen Erziehung verbeffcrn hilft; wenn alles, was in der Stellung des jugendlichen Körpers, der freyen Lage und Entwicklung seiner Glieder nachtheilig werden kann, vermieden, ihre Regsamkeit nicht durch unnatürlichen Zwang gehemmt, auch der Schüler, der immer krumm und schief siht, die Objecte dicht vor das Auge halt u. s. w. unablässig erinnert und gewarnt wird; wenn man den Schülern vergönnt, nach einer oder ein Paar Lehrstunden auf eine 8o Fünftes Haupterfordenüß. ?,tückscht auf Gesundheit halbe Viertelstunde ihre Sitze zu verändern, und wo möglich der freyen Luft zu genießen; wenn man die Lehrstunden zweckmäßig ordnet; wenn man endlich in den Anforderungen an junge Leute, besonders in den Zähren ihres besten Wachsthums, mäßig ist, und keine Veranlassung giebt, daß sie sich den gerade dann so unentbehrlichen Schlaf abbrechen, oder die nöthige Bewegung lind Aufheiterung versagen. (Mau Vergleiche über dieß alles m. Grunds, d. Erz. i. Th. i. Abschn. i. Kap.). Z6. Fortsetzung. Nicht minder wichtig ist die Rücksicht auf die sittliche Cultur neben dein Unterricht. Sobald Lehrer nicht bloß gelehrte, sondern auch moralisch achtungswürdige Männer sind, so wird ihnen schon ihr eignes Gefühl ein Interesse an der Moralität ihrer Lehrlinge einstoßen. Sie werden keine Gelegenheit unbenutzt lasten, die guten moralischen Anlagen in ihnen anzubauen, und sowohl das sittliche als religiöse Gefühl, nicht etwa bloß bey dem Religionsunterricht, sondern auch bey jeder andern Gelegenheit anzuregen. (Grunds. 1. ?h. § 148-). Sie werden sich erinnern, wie Viele Söhne lind Töchter einer häuslichen guten Erziehung fast ganz entbehren, und um so mehr diesen Mangel zu ersetzen suchen. Schon das Betragen der Lehrlinge, wird ihnen wahrend des Unterrichts genug Gelegenheit dazu verschaffen. Aber auch das Verhalten derselben außer der Schule darf nicht unbeachtet, bleiben. Es giebt immer und sittliche Cultur der Schüler. 8r immer Mittel, davon Nachricht zu bekommen, und wo einigermaßen die Eltern wohlmeinend und mit ihren Schullchrern zufrieden sind, werden sie diesen selbst dazu behülflich seyn. In den Verzeichnissen, worin der Fleiß jedes Lehrlings bemerkt wird, muß eben sowohl das sittliche Betrügen bemerkt, und wenigstens von Zeit zu Zeit darüber öffentlich geredet werden. Wenn die Schule nicht allzu zahlreich ist, würde ein wöchentliches, oder wenigstens ein monatliches Zeugniß von sehr guter Wirkung seyn, und wären gar Eltern dahin zu bringen,-was wenigstens bey den gebildeten Standen kerne Schwierigkeit haben sollte —- auch ihren Kindern Zeugnisse ihres häuslichen Betragens auszufertigen, und den Schullchrern zuzustellen , so würde der Nußen davon wenigstens bey vielen sehr bald sichtbar werden. Auch würden von Zeit zn Zeit — am besten des Sonntags — bloß auf die Jugend berechnete Vortrage und Gespräche über moralische Materien nicht ohne Erfolg bleiben ^). Da alle diese Mittel darauf abzwecken, das Gefühl und den Charakter zu veredeln, so wird dadurch am sichersten auf die Verbesserung des herrschenden Tons gewirkt, da die Erfahrung lehrt, daß das Gure eben so wohl als das Böse Ton werden kann. Wohl der Schule, wo dieser Ton (mores) beynah die Gesehe entbehrlich macht ')! r) Wenigstens würde sich davon ungleich mehr Nutzen erwarten lassen, als von dem zu frühen Besuchter Kirchen, wep 8 82 Sechstes Haüpterforderniß. Positive Beförderungsmittel cher eine von' den Ursachen der Gleichgültigkeit dagegen in reiferen Jahren ist. Man könnte in solchen sonntäglich e n S ck ulversammlungen, nach Beschaffenheit der Lehrlinge, recht eigentlich eine Religion und Moral, wie die Jugend sie bedarf, vortragen, und auf ihre Gesinnungen wirken. So lernten sie die Bestimmung des Sonntags kennen, ohne davon gedrückt zu werden. Proben solcher Ansprachen haben wir von Salz mann, Nesewiy, Rath mann, Dolz. Eine ähnliche Sammlung von Schulreden, ist von mir unter dem Titel: Reden an Jünglinge oder Beschäftigungen der Andacht und des Nachdenkens. Halle 179z. (la Gr.) herausgegeben. 2) Das Beste über diesen für jede Schule so wichtigen Gegenstand, und mehr noch als der Titel verspricht, findet man in K. T. Thieme über den sittlichen Ton in öffentlichen Schulen. Leipzig 178s). (4 Gr.). Man sehe auch die Preisschrift von Volmar: Wie lernt ein Lehrer seine Schüler kennen? Tübingen rfjoz. Z 7 - Sechstes Haüpterforderniß. Positive Beförderungsmittel des Fleißes und der Sittlichkeit. 1) Schulgesetze und SchuldiSciplin. Jede Schule muß Gesetze haben, welche nicht nur dem eintretenden Lehrling bekannt gemacht und erklärt, sondern auch zu bestimmten Zeiten, am besten jährlich oder etwa halbfahrlich, bey Eröffnung eines neuen Lectionscursus erneuert werden. Diese Gesetze betreffen eben sowohl das sittliche Betragen, als Fleiß und Regelmäßigkeit in Hinsicht auf die Schulvcr- hältnifse. Auch sollten sie, wenigstens iiu Allgemeinen die Folgen der Beobachtung und Uebercretung besinn- des Fleißes u. der Sittlichkeit. Schulgesetze u. Schuldisciplin. 8Z men. Das, was man die Schulzu ch t oder Schul- disciplin nennt, sollte der beständige Nachhall dieser Gesetze seyn. Je natürlicher die Belohnungen und die Strafen sind, desto besser. Alles, was davon im Allgemeinen gilt (Grunds, i Th. § 122-111.), gilt auch bey den öffentlichen Schulen. Durch die Art der Belohnungen sowohl als der Bestrafungen, kann ungemein viel für die Veredlung der Schüler gewonnen, durch sie unendlich viel verderbt werden. Alle Auszeichnungen durch Ehre sind mit großer Vorsicht anzuwenden. Sie können leicht den Ehrtrieb bis zur unmoralischen Leidenschaft verstärken, und der Fleiß wird zu leicht das bloße Product der Lohnsuchr und der Eitelkeit. Niedrige Strafen dagegen machen auch niedrig und schlecht. Die barbarische Schulzucht der vorigen Jahrhunderte, welche hie und da alle Vorstellungen überstiegen hat, war eben die Ursach der Menge von sclavischen Seelen, die aus den Schulen hervorgingen, und erdrückte manchen aufstrebenden Geist. Mehrere neue Erfahrungen scheinen zu beweisen, daß sich die Kinder aller Stände ohne körperliche Züchtigungen erziehen lassen, und daß sie ein einziger Tadel oder Herabsetzung empfindlicher strafen kann, als den Hartgcstäupten die schmerzlichste Körperstrafe. Wo man indeß die Jugend sehr verwildert findet, muß man nicht sowohl durch öffentliche Ankündigung., daß eine edlere Behandlung an die Stelle der bisherigen Zucht treten solle, als durch einzelne Versuche und Anwendung derselben zu ihr übcr- F 2 8L Sechstes Haupterforderniß. Positive Befärderungsmittek gehen. Daß man mir dann nicht in den entgegenstehenden Fehler falle! Eine schlaffe Disciplin, stetes Nachgeben, weichliches Schonen Und Vergünstigen der Ausnahmen vom Geseh, parteyische Rücksicht aufStand und Vermögen, die Verkehrtheit, seine Schule lieber wild und ausgelassen, als leer haben zu wollen — dieß sind die größten Uebel, die eine Schule treffen können, so wie Disharmonie unter den Handhabcrn der Gesehe ihr ohnfchl- barer Ruin. Wo diese, wenigstens in diesem Stück unzertrennlich zusammenhalten, da müßten sich endlich selbst verwilderte Jünglinge und nachlässige Eltern zur Ordnung bequemen. Sobald alle Lehrer nach den Gesehen gehen, so klagt zuverlässig niemand mehr über Strenge oder Ungerechtigkeit. Selbst die unerläßliche Ausschließung gefährlicher Mitglieder wird dann allgemein gebilligt. A „merk. r) Die meisten Gtsctze älterer Schulen bedürfen einer genauen Revision. Es ist allemal von übler Wirkung, wenn auch nur ein einziges da steht, das nicht mehr anwendbar ist, oder wenn auf manches durch einen stillschweigenden Vermag nicht gehalten wird. Gute Schulgesetze müssen übrigens l) höchst deutlich; 2) kurz und bestimmt; es müssen ihrer g) so wenig als möglich; es muß 4) ihr Ton ernst aber human; auch 5) wo der Grund des Gesetzes dunkel ist, die Vorschrift motivirt seyn. 2) Den allgemeinen Grn ndsä tze n über Belohnung und B e st r a fu n g, würde etwas an innerer Wahrhcitfchlen, wenn sie nicht mkch auf S ctz ulcn anwendbar waren. Der Mensch darf in der Schule durchaus nicht anders, als außer der Schule erzogen werden. Der einzige Unterschied liegt in demDeysammcnsenn mehrerer. Eine Schult deL Fleißes u. der Sittlichkeit. Schulgesetze u.SchuldiScivlin. 85 ist ein Staat im Kleinen. Nun soll die bürgerliche Rechtspflege sich zwar selbst der Erziehung so viel als möglich nähern, und bey Strafe und Lohn die Handlungen nicht bloß objectiv, sondern vorzüglich snbjectiv betrachten. 'Aber eine zu genaue psychologische Beurtheilung, würde theils die Handhabung der Gesetze zu abhängig von Privarurcheilen des einzelnen Richters machen, theils in den Augen Andrer nicht selten als Ungerechtigkeit erscheinen. Eben dieß ist auch eine Rücksicht, besonders bey Schulstrafcn. In den Familien giebt es keine geschriebnen Gesetze. Der Wille der Eltern modificirt sich in tausend Fällen nach den Umständen. Zn der Schule giebt es wie im Staat ein positives Gesetz, und da dieß der Schüler wie der Bürger kennt, so kann er es selbst nicht ungerecht finden, wenn er nach dem Gesetz auch da gerichtet wird, wo seine Handlung an sich mehr illegal, als Wirkung eines bbsen Willens, folglich unmoralisch war. Dennoch ist es nicht rathsam, mit einzelnen Gesetzen, besonders solchen, bey deren Uebcr- trctung die Absicht die Moralität bestimmt, positive Stra- fcn unabänderlich zu verbinde». Da, wo mehr Trägheit, Unordnung, Vergeßlichhei t, die Ursach des Fehlers ist, hat es weniger zu bedeuten. So kann z. D. auf Zuspälkommcn, Etwas liegen lassen, Etwas vergessen, eher eine positive Strafe für Alle gesetzt werden, als auf eine Lüge, eine Zänkerey, einen hitzigen Widerspruch. z) Gerecht behandelt zu werden, ist eine der frühsten Forderungen des Menschen, die sich schon im Kinde regt, und mit der sich bildenden Verminst immer starker wird, Daher ist Belohnen und Bestrafen die wichtigste Ausgabe für den Lehrer. Denn davon hangt ein großer Theil seiner Achtung bey den Lehrlingen ab. Er kann die Furcht, — aber nie die Achtung durch ein willkührliches Benehmen erzwingen, 4 ) Daß in niedern Schulen die Kinder durchaus anders als in höher» behandelt werden müssen, ist eine Meinung, welcher man nicht stark genug widersprechen kann, so bald sie zur 86 Sechstes Haupterforderniß. Positive Beförderungsmittel Geringschatzigkeit der ärmcrn Volksclassen fuhrt. Niemand wird zum Sclaven gebohren. Also ist auch niemand einer sklavischen Behmidlung von Natur bedürftig. Man stumpft die Menschen gewöhnlich erst ab, um sie sklavisch behandeln zu können. Gerade in den niedern Stünden wirkt bewic, sene Achtung und Aufmunterung oft stärker, weil sie weniger daran gewöhnt sind. Der Trieb, moralisch geachtet zu werden, ist dagegen bey Kindern der höhen, Stände oft unglaublich schwach. §) Da in der öffentlichen Erziehung, die auf den Ehr trieb Beziehung habenden Lohn - und Strafmiltel gerade die anwendbarsten sind, so ist doppelte Vorsicht nöthig, daß er nicht irre führe, und daher hier, wie überall, die größte Sparsimkeit im Belohnen und Bestrafen anzuempfehlen. Denn die Haupttendenz auch der öffentlichen Erziehung, Muß doch iminer bleiben, den Menschen dahin zu erheben, daß er das Gute um des Guten selbst willen thue. Eine Bestreitung der in vielen Schulen üblichen schändlichen Strafmittel, und der damit verbundenen Mißbrauche , wird man in unsern Zeiten kaum noch erwarten, ob wohl ein bekannter übrigens verdienter Schulmann, Arletius in Breslau, noch im Jahr 1784 in seinem Testament bedauerte, nicht reich genug zu senn, um ein Legat zur Unterhaltung eines neuen Zachthatte rs mit Disciplin oder Ochsenziemer bewaffnet, aussetzen zu können (Berl. Monatschrist 1784. S. Z72.), auch noch genug Lehrer übrig sind, die pöbelhafte Schimpfwörter, Ohrfeigen, blindes Hineinschlagen i» die Menge, und an- dreMißhandliingen zum Wesen des Schulmanns rechnen.— Uebrigens hat man fast mehr Ursach, theils vor einer ganz planlosen und in stetem Widerspruch mit sich selbst stehenden, theils und besonders in gelehrten Schulen vor einer zu erschlafften Disciplin zu warnen, welche zu den Mißverständnissen der neuern Pädagogik gehört. Es giebt auf des Fleißes u. der Sittlichkeit. Schulgesetze u.Schuldiscivlin. 87 jeder großen Schule Einzelne, für die Zaum und Gebiß gehört. Aber die Furcht vor heranwachsenden rohen Gymnasiasten und Schülern, welche ein elendes Studententhnm schon auf die Schule bringen möchten, ist meistenthcils die Ursach solcher Erschlaffung. Und dieß verderbt denn Schulen und Akademien zugleich. Hauptscbrifksieller über diese Materie sind Resewitz, Große, Campe, Gedike und Albanus. M. s. auch: Die Theorie von Strafen und Belohnungen auf Schulen. Zwey gekrönte Preisschriften, aus dem Holländischen übers. von Jakobi. Erfurt, 1798- l)8- 2) Versetzung in höhere Classen. Die Aussicht, durch Fleiß ein gewisses Ziel zu erreichen, und dann einen höher« Rang unter seinen Mitschülern einnehmen zu können, ist ein mächtiger Antrieb für Kind und Jüngling. Zu dem Ehrtriebe gesellt sich der oft noch stärkere Trieb nach Veränderung, nach Neuheit der Beschäftigungen. Daher der brennende Eifer bey dem Anfang neuer Lcc- tioncn. Aus diesem Grunde wird es: 1) je größer die Schule ist, desto besser seyn, wenn man den Lehrlingen viele Ziele stecken, folglich viele Classen machen kann. Da aber 2) zu jeder Classe besondere Lehrer erfordert werden, deren Vermehrung die Umstände selten leiden, so ist selbst die Theilung einer Classe in mehrere Ordnungen ein Hülfsmittel. Es werden der Stufen dadurch mehrere, und die zunächst zu ersteigende kleinere liegt dem Auge des Schülers naher, und 88 Besetzung in höhere Classen, macht ihm sein Annähern an die größere bemerkbar rec. z) Die Versetzung aus einer niedern in eine höhere Classe, muß hauptsächlich durch die Reife füv diese bestimmt werden. Eben daher wird sie immer fehlerhaft bleiben, wo von dem Fortrücken in einer, z. B- der sogenannten Hauptlecnon, das Fortrücken in allen abhängt. (§ 27 — zo.). Diese Reife ist nicht immer die Frucht des regsamen Fleißes und des eignen Verdienstes, oft mehr des glücklichen Kopfs, Gleichwohl muß der Fleißigere zurückbleiben, so bald es sein Schaden seyn würde, wenn man ihn weiter führen wollte. Charakter und Betragen kann gar keinen Einfluß aus die Versetzung haben, so wie Zurücksetzung nur eine zweckmäßige Strafe für Unfleiß, nie für andre Vergehungeu ist. 4) Der Tag der Versetzung muß in jeder Schule ein sey etlicher Tag seyn. An keinem sind die jungen Gemüther guter Ein? -rücke fähiger. Anmerk. Das Wiklkührliche in den Versehnng'en in höhere, oder dem Zurückhalten in niedern Classen, ist auf vielenSchulen hie Felge ihrer fehlerhaften Organisation, besonders der Einrichtung, nach welcher e i n Lehrer das Monopolium i» einer Classe hat, oder eines fehlerhaften Herkommens, wornach jeder nach einer gewissen Zeit aus der Classe kommt. Erst wenn dieses Uebel gehoben ist, wird sich hoffen lassen, daß jeder Translocation eine gemeinschaftliche Uebeplegung sämmtlicher Lehrer vorhergeht. In Schulen , wo nur e i n Lehrer ist, niuß es ihm freylich überlassen werden. Hoffentlich wird er gegen die Kinder der Vornehmen und Reichern nicht so lieblos seyn, daß er sie uox Schulprüftingen. Ihre Gesetzt. 8Y der Zeit versetzen sollte. — Zuweilen kann für den weniger Fähigen aber sehr Fleißigen doch das Fortrücken eine Aufmunterung seyn, und wenn sich der Lehrer ihm besonders privatim widmen kann, von größerem Nutzen, als ein gar zu beschämendes Zurückbleiben. Einer muß ja doch sn jeder Classe der Schlechteste seyn. Z9. ;) Schulprüfunßen. Ihre Gesetze. Lehrende und Lernende bedürfen von Zeit zu Zeit einer neuen Anregung ihrer Thätigkeit, wozu Schul- Prüfungen — recht angestellt — ein vorzügliches Mittel sind Soll aber dieser Zweck ganz erreicht werden, so muß auch die ganze Einrichtung zweckmäßiger seyn, als man sie auf den meisten Schulen findet. Es muß r) alle und jedeArtvon Täuschung der Zuhörer dabey gänzlich wegfallen. Folglich sollte 9) keine besondre Vorbereitung auf das Examen vorhergehen; denn man will nicht wissen, ob der Schüler in der lehren Zeit, sondern, ob er überhaupt aufmerksam und fleißig gewesen sey. ich Noch weit weniger darf dem einzelnen Schüler vorher gesagt, oder wohl gar aufgeschrieben werden, welche Fragen man ihm vorlegen werde, welche Antworten er geben solle n. s. w., welcher unverantwortliche Mißbrauch gleichwohl auf vielen niederen und höheren Schulen noch bis auf diesen Tag herrschend ist. o) Nicht bloß die guten Kopie, die dreisten oder geschwätzigen Antwortet-, müssen hervorgezogen werden; auch die übrigen, die dem Lehrer keine Ehre bringen, müssen an die Reihe kom- Schulprüfungen. Ihre Gesetze. Y2 men. Denn man will nicht die Aöpfe, sondern den Fleiß kennen lernen. Es muß 2) die Prüfung eine wahre Prüfung der Lernenden seyn, folglich wirklich gefragt, nicht doeirt werden, der Examini- rcnde muß nicht sich, sondern seine Schüler hören lassen. Dabey ist z) der Geist der Billigkeit mit dem Geist der Genauigkeit und des Ernstes zu verbinden. Man bestehe nicht sowohl eigensinnig auf einer jeden einzelnen Frage, sondern suche nur zu erforschen, ob der Schüler überhaupt das Vorgetragene gut faßte, ob er zu deutlichen Begriffen und zu einer gewissen Uebersicht gelangc sey, ob er mitVcrstand und Geschmack gelesen habe, ob er Grund und Rechenschaft von seinem Wissen geben könne. Schon dadurch wird 4) das Examen nicht zur bloßen Gedächtniß-, sondern auch zur Verstandesübung und Prüfung werden. Denn da hier nicht bloß vom Auswendiggelernten die Rede ist — welches jedoch auch einen Theil des Examens ausmachen kann — so wird der fähige Schüler allerley Anlaß bekommen können, seine höher» Seelen- krafte — Nachdenken, Scharfsinn — desgleichen Gegenwart des Geistes, Gewandtheit und Fertigkeit im Ausdruck zu beurkunden. Daher besteht die Hauptkunst des Examinators darin, den Schüler, wenn er schon etwas gebildet ist, viel reden zu machen, und für seine Person sehr wenig zu reden '). i) Die Hauptvortheile wohl angestellter Prüfungen sind: 1. Der Lehrer findet dadurch eine Gelegenheit zu zeigen, daß er mit Nutzen gelehrt haoe. Wenn er von Zeit Wer soll prüfen? yr zu Zeit öffentlich, also auch in Gegenwart seiner Col - legen examinircn muß, so wird er, besonders in höher» Schulen, seltner aufhören, die Sachen und die Methode zu studiren, -weil er natürlich ihr Urtheil mehr als das der unwissenden oder leichter zu befriedigenden Schüler fürchtet. 2. Der S chüle r sieht mit dein Prüfungstage zugleich einer'öffentlichen Billigung oder Mißbilligung dessen, was er bis dahin leistete, entgegen. Auch bekommt er Dreistigkeit, von dem, was er gelernt, Ncd' und Antwort zu geben. z. Zugleich sind Schulprüfungen als Ziele zu bedachten, welche immer etwas Aufmunterndes haben, und neue Kräfte in Thätigkeit setzen. Können sie gleich über die Vrr- setzung nicht allein entscheiden, so gehen sie ihr doch am natürlichsten vorher. 4. Die Feierlichkeit solcher Tage, die Vcrsam m lung fremder Personen um den Schulkreis, wirkt selbst rnit. Es sind ja die einzigen, au welchen das Publikum Gelegenheit hat, zu zeigen, daß es die Bildung der Jugend für eine wichtige Angelegenheit halte, was aber leider, sogar von vielen Eltern, viel zu sehr versäumt wird. 2) Die Kunst, gut zu examiren, gehört unter die seltensten. Es verwandelt sich gar zu leicht in ein Docireu. 4O. Wer soll prüfen? Man hat hie und da geglaubt, der Täuschung der Zuhörer bey einer Schulprüfung würde am sichersten vorgebeugt werden, wenn man das Geschäft der Prüfung fremden Personen übertrüge. In einzelnen Fällen kann dieß ohne Bedenken geschehen ; es kann dem Schulmann selbst angenehm seyn, wenn sich y- Wer soll prüfen? sachkundige Männer von den Fortschritten seiner Schüler auf diese allerunverdachtigste Weise überzeugen. Aber es als allgemeine Regel anzunehmen ist nicht rathsam. Denn i) bleibt doch der verständige und gewissenhafte Lehrer auf jeden Fall auch der geschickteste Examinator, u) weil er am besten weiß, wie viel er von seinen Schülern fordern darf, daher selbst auf die verschleimen Fähigkeiten und den bemerkten Fleiß, und Unfleiß im Fragen Rücksicht nehmen kann, ohne deßhalb Parteylichkeiten zu begehen; d) weil seine Lehrlinge seiner —- selbst der Sprache, der Manier, gewohnt sind, und so leicht durch einen Fremden, den sie zum erstenmal, und gewöhnlich wenn er nicht sehn human ist, mit Aengstlichkeir hören, verwirrt werden; o) weil eben daher die Prüfung den Subjecten weit mehr angepaßt werden, lind weder zu leicht, noch zu schwer ausfallen wird, 2) Es sind auch überhaupt nur wenige Menschen geschickt, die Jugend zu examiniren; entweder weil viele selbst nicht alle die Kenntnisse, worauf es gerade ankommt, bey der Hand haben, oder weil es ihneimvenigstens ganz an einer wahren kateche- tischen Methode — oft den gelehrtesten am allermeisten — fehlt. Sie werden daher entweder sich in dem Kreise der allertrivialsten Fragen herumdrehn, oder so dunkel werden, daß die Schüler durchaus die Fragen nicht fassen können. Auch entstehen g) schon aus der llnbekanntschaft eines Fremden mit den Schülern dje größten Unbequemlichkeiten, und es trifft sich häufig, Oeffentlicbe und Pn'vate.raiiu'nä. y^z daß gerade der am meisten und wohl öffentlich gepriesen wird, der dem Lehrer und allen Mitschülern als der Vcrdienstloseste bekannt ist, weil der fremde Prüfende sich in der Person irrre, oder weil er mich wirklich durch Zufall eine einzelne gute Antwort gab, die nun für sein übriges Wissen als entscheidend betrachtet wird. Eher könnte man es noch billigen, daß einem oder dem andern Zuhörer die Wahl des Lehrstücks überlassen würde. Schdn dadurch könnte' viel Verdacht einer Täuschung wegfallen. Indeß bleibt es am allersicher- sten, auf die eigne Ehrlichkeit und den sittlichen Charakter des Schulmanns zu rechnen, und überhaupt den Geist in der Schule herrschend zu machen, daß jede Verabredung und V o r b c r e i t u n g auf eine öffentliche Prüfung, jedes Einvcrstandniß der Schüler mit dem Lehrer, von den Schülern selbst für unwürdig und schimpflich gehalten werden, - 41. Leffentliche und Srivatexaminü. Schulprüfungen sind übrigens entweder öffentliche oder P rivatexamina. Zu jenen pflegt der Zugang jedermann, zu diesen aber nur Personen, die mit der Schule enger verbunden sind, offen zu stehen. Es läßt sich schwerlich im Allgemeinen entscheiden, welche die bessern sind. Die bloße Menge von Menschen, wenn sie nicht aus Urtheils fähigen Richtern besteht, wirkt auf die Lehrlinge, besonders in gelehrten Schulen, wenig. Gleichwohl kann die P u - > d4 Oeffentliche und Privatexamina. bli'cirät das Gute haben, die Schulen mehr zum Gegenstände einer allgemeinen mit Interesse verbundenen Aufmerksamkeit zu machen. (z9- Anmerk. z.) Nur hat dann die Schulpolizey dafür zu sorgen, daß Alles, was Unruhe und Störung veranlassen kpunte, vermieden werde, und daß man ganz unberufne Zuschauer abweise. Sind die Umstände aber der Art, daß von der öffentlichen Prüfung gar kein wesentlicher Ruhen zu erwarten ist, weil das Publikum entweder gar kein Interesse daran nimmt, und bloß einzelne Gaffer als Repräsentanten desselben erscheinen; oder weil zu wenige Menschen in der Nähe sind, die wirklich urtheilen können: so ist es allemal rathsam, sich auf den engeren Schulkreis einzuschränken, aber dennoch dem Prüfungstage eine gewisse Feierlichkeit zu erhalten. Gemeiniglich pflegen solche Prüfungen auch strenger zu seyn; daher auf manchen Schulen, neben der jährlichen oder halbjährigen öffentlichen Prüfung, vierteljährige Privatexamina mit Nahen gehalten werden. Sie müssen übrigens auch dazu benutzt werden, den Lehrlingen Gelegenheit zu geben, von allen ihren' erworbnen, auch mechanischen Geschicklichkeiten Proben vorzulegen. Anmerk. i) Wo das Chor der Schule zu groß ist, z. B. ^ bey zahlreichen Bürgerschulen, sind Abtheilungen nothwendig , weil die Anwesenheit zu vieler unbeschäftigten jungen Levte Störungen zur unvermeidlichen Folge hak. Manche Schuleramina werden unter einem solchen Geräusch gehalten, daß Lehrer und Lernende sich kaum verstehen können. Censur. Schulprämieir. 95 Man strömt zu, um die Kleidungen der Kinder zu mustern, nicht, um ihre Fortschritte kennen zu lernen. 2) Eine Musterung der eignen Arbeiten, und hiebe» auch ihrer Diarien-, Schreib-, Zeichen-, Rechen- und Colleclaneenbücher, Narhere»e n, Stickercy en u. s. w. würde mannichfaltigcn Nutzen haben. Auch müßte man streng darauf halten, daß die Arbeiten und Bücher aus den unteren Classen nicht vernichtet würden, damit der Schüler am Ende seiner Schuljahre.alle seine UcbungSsiücke übersehen könnte. Durch solche Mittel bekommt Alles, was zur Schule gehört, eine Wichtigkeit im Auge des Schülers, und dem Schüler muß nichts wichtiger seyn, als die Schule. S. Meierotto über die öffentliche Schulprüfung. Berlin 1785- S e i d c nsl ü ck e rs Vorschlag zu einer (aber doch wohl nicht durchaus?) zweckmäßigen Einrichtung des gewöhnlichen Schulcxamen. Dortmund 1799. 42. 4) Censur. Schulpramicu. Unter den Beförderungsmitteln des Fleißes und der Sittlichkeit in öffentlichen Schulen, hat man in neueren Zeiten besonders von den Censure n, in welchen bey gewissen Abschnitten des Schulcursus jeder Schüler durch ein bestimmtes öffentliches Urtheil nach Verdienst gewürdigt wird, gure Wirkung erwartet, . sowohl weil er selbst dadurch belohnt oder bestraft wird, als weil dadurch die Eltern mit in das Interesse der öffentlichen Erziehung gezogen werden. Auch hat die Erfahrung gelehrt, daß dergleichen Urtheile i) schon dann - nützlich sind, weil sie die Lehrer in einer be- Lensuk. Sckmtpräniieri. ^6 ständig regen Aufmerksamkeit auf ihre Schüler erhalten; daß sie aber auch 2) üuf die I u gend in der höchsten bis zur kleinsten Schule sehr stark wirken. Ob nun gleich z) an dieser Wirkung der angeregte Ehr trieb vorzüglichen Antheil hat, so würde es doch widersinnig seyn, die Benutzung einer so schonen Anlage der menschlichen Natur, den Wunsch geachtet zu werden, geradehin für ein schädliches und verwerfliches Erziehungsmittel zu erklären. Da gleichwohl 4) eine falsche Anwendung desselben wirklich mit entschiedncr Gefahr für den Charakter verbunden ist, und die Erfahrung gleichfalls lehrt, daß Censuren oft mehr schaden, als nutzen, so kommt alles auf eine wühl überlegte Organisation der ganzen Ccnsureinrichtung an, bey welcher möglichste Einfachheit in dem Plan, strenge Un Parteylichkeit, Humanität im Urtheil ohne Schlaffheit, die Hauptgesetze sind. Zu große Publicität der Urtheile hindert jene unerläßlichen Erfordernisse, und dürfte daher sehr einzuschränken seyn. Am bedenklichsten sind s) gewisse Arten von Belohnungen und Auszeichnungen, welche Kinder nur gar zu leicht eitel machen, Erwachs- nern gleichgültig, oder zu oft von ihnen gemißbraucht werden. Sehr viel kommt auch Hiebey auf die Volksclasse an, welche mar? durch solche Mittel erziehen will. Anmerk. 1) Der Zweck und die Einrichtung der Censur ist entweder .bloß einfach, oder zu summ engeseht: Censur. Sckulprämieir. 97 -X. Der einfache Zwe er besieht in derBekannt « machung des Schülers mit dem Urtheil, welches er sich bey seinen Le.-rern durch seinen Fleiß und sein Betrugen erworben hak, wodurch er erinnert werden soll, in wiefern er fortgerückt oder zurückgegangen, was man an ihm vermißt, worin man mit ihm zufrieden ist. Ein Conduitenbuch muß ohnehin eine jeoe gute Schule, auch zm» Nachsehen für sie Vorsteher, über ihre Schüler halten. Dadurch, daß die darin befindlichen Urtheile ihnen entweder im Kreise der Mitschüler bekannt gemacht, oder den Eltern mitgetheilt werden , soll jene Erinnerung an Eindruck gewinnen. Sie sollen bewogen werden, ferner Achtung zu verdienen, oder sie sich künftig wieder zu erwerben. Der Mensch bedarf überhanvt, und in der Jugend am meisten, äußerer Antriebe. Wer sollte nicht wünschen, daß ein so guter Antrieb in allen Schulen allgemeiner angewendet würde? Unpartcylichkeit und Genauigkeit, und das Iubaltreichc und Bildende des Urtheils, giebt ihnen den Haaptwertb. Daher sollten, wo mehrere Lehrer zu einer Schule gehören, solche Urtheile immer gemeinschaftlich besprochen werden. Nur dieß kann Harmonie in sie bringen. Die Ausführlichkeit oder Kürze, die Sprache und Einkleidung, die Beschränkung auf die stärksten Züge, oder dir feinere Ausmahlung des Bildes — muß durch die Anzahl der Lehrlinge, den Stand und die Bildung der Eitern bestimmt werden. Ei» feines psychologisches Urtheil, kann man »i:r von dem gebildeten Schulmann und den, Erzieher der gebildeten Stände erwarte». Ein solches muß — wie ein erfahrner Schulmann so wahr be- mcrkl — sich durchaus nicht auf bloße allgemeine Vezcichmmgs- worter, (fleißig — Sittlich — Dabeihast u. dgl. —) einschränken , sondern zeigen, in welcher Art sich das Gute oder Fehlerhafte bey diesem oder jenem äußere, es muß dem, der sich bessern will, eine Art von Nachhülfe geben; es muß jedem sagen, worauf man in Absicht seines Fleißes, seines Verhaltens, G Censur. Schulprämien. 98 seiner Charakterbildung bis zur nächsten Censur vorzüglich merken werde. Entwcrfung einer solche» Censur ist kein leichtes Werk, aber eine vortreffliche pädagogische Beschäftigung für Leb- , rer, besonders in Erziehungsanstalten. Den» sie üben sich dabey im Beobachten, Vergleiche», und werden erinnert, daß man die Erzichungskunst nie auslerne. Au bezeugen, ob N. N. im vcrfloßncn Zeitabschnitt „träge „ oder fleißig gewesen, verlernt oder zugelernt, die Schule ordentlich oder unordentlich besucht, sich ruhig oder unruhig, gehör- „sam oder ungehorsam, zänkisch oder friedlich bewiesen, sich „reinlich oder schmutzig gehalten,., dazu ist auch der geringste Landschullehrer fähig. Warum sollte es also nicht auch in Land- und Bürgerschule» nützlich seyn, durch eine solche Censur Kinder und Eltern aufzumuntern? Hie uad da hat man durch gedruckte nur auszufüllende Schemata die Sache schon erleichtert, was auch bey sehr stark besuchten Schulen uncntbehr- lich ist. L. Zusammengesetzter ist der Zweck und die Einrichtung, wo, außer der Bestimmung des persönlichen Werths des einzelnen Schülers, auch sein Verhältniß gegen seine Mitschüler beabsich.iget wird, und eine Classification nach Sitten - oder Censurclassen eingeführt ist. Diese Censureüirichtuiigcn haben u) bedeutende Schwierigkeiten. Die Bestimmung idcS Verhältnisses wird sehr mißlich, wo Moralität gewürdigt werden soll. Der redlichste Lehrer kaun irre». Bloße Gesetzmäßigkeit aber entscheidet zu wenig über inneren Werth. — Sie haben aber auch b>) clwas Bedenkliches. Denn -a) die Versuchung oder die Gefahr, gegen einen zum Vortheil des andern ungerecht zu werden, liegt allzu nahe. Es entsteht dann unter denen, welche die Censur entwerfen sollen, entweder eine Fcdlerjagd, oder ein Bemänteln und Verheimlichen der Fehler derer, die sie in Schutz nehmen wollen. Censur. Schulpramien. 99 t>b) Der Schüler findet zu leicht auch da Ungerechtigkeit in der Classificakivn, wo sie höchst gerecht ist, weil mau> ihm die Gründe nicht immer sagen kann, warum man seine Mitschüler harter oder gelinder beurtheilt. cc) Selbst wenn die Mitschüler sich unter einander ihren Rang anweisen sollten, wie man hie und da versucht hat, mischen sich zu leicht Leidenschaften ein. äck) Die Aufmerksamkeit wird zu sehr von der Censur auf die Ccnsurstelle gelenkt, zumal wo die Eltern selbst weit mehr auf den Rang ihrer Kinder, als aus das Urtheil über sie achten, und so wird denn der Hauptzweck verfehlt. Wo daher eine solche Einrichtung noch nicht vorhanden ist, dürfte es kaum ratbsam senn, sie einzuführen. Nur wenn die Schüler an sie gewohnt find, könnte ihre plötzliche Aufhebung schaden. 2) Die Publikation der Urtheile ist in dem kleinen Schulstaat nothwendig. Aber sie muß aufs mindeste eben so schonend, im Grunde noch schonender, als im bürgerlichen Staate seyn. a) Schüler einer Schule kennen sich einmal unter einander, beobachten sich oft genauer als die Lehrer selbst, und haben gleiches Interesse. Ihr Schulte ben ist für sie ein öffentliches Leben. Es ist also auch unbedenklich, es öffentlich zu beurtheilen. Jedoch könnten in den großen Schulen die Größer» von den Kleine r n getrennt werden. Dieß ist sogar pädagogisch rathsam, weil man oft den Erwachsnern etwas sagen muß, was für die Jüngern noch nicht gehört. l>) Eltern muß nichts verborgen seyn, was ihre Kinder betriff; sonst kann nimmermehr Harmonie in die Erziehung kommen. Es wäre also eine schädliche Weichlichkeit, wenn man sie nicht mit dem Urtheil über ihre Kinder bekannt machen wollte. Vi-tterkeir in diesem Urtheil, Härte im Ausdruck würde sie freylich 1O0 Censur. Schulpramien. doppelt kränken. Aber beydes ist auch nicht nothwendig. Man muß Eltern nichts schriftlich geben, was man erforderlichen Falles ihnen nicht mündlich sagen würde. Wenn man schreibt, sollte man sie sich eben daher immer als gegenwärtig denken. c) Aber fremden Zuschauern, welche die Magier zu den Schulprüfungen treibt, diese Urtheile mittheilen > ist eine Unbiiligkeit gegen die Jugend, eine Unfreundlichkeit gegen die Eltern hart getadelter Kinder, eine Nahrung für die Eitelkeit der Gelobten, und ein unfehlbares Abstumpfen zwey zarter Gefühle, der Schaum und der Deschcidenheft. Nur Verbre che r n liest man ihr Urtheil öffentlich vor. Selbst Gerichtsstuben sind deni Gaffen der Neugier verschlossen. Und in Schulen wollte man den vielleicht verirrten Jüngling, dem Spott vermischter Zuschauer Preis geben, und den stillen Elternschmerz durch so l ch e Beschimpfung verstärken? Künstlern u. st w. als auf den Universitäten hervorthun. Und doch werden diese Folgen im letztem Falle gerade von denen Lehrern, durch deren unverantwortliche Untreue im Amt sie veranlaßt sinh, am ersten der akadcmu schen Verfassung zur Last gelegt. 2) Eine obere Schul- und Classe ninspcction ist bey jeder größer» Schule nothwendig. Am schicklichsten versieht sie der Erste bey der Schule. Durch sie erhält man Lehrende und Lernende in gehöriger Aktivität. Der Besuch der Classen kann, wenn er nicht in einem bloßen D u r eh streich c u besteht, sehr nützlich werden. Die Schüler werden dadurch in einer guten Ordnung und oft in ciücr heilsamen Furcht erhallen. Die jungen Lehrer werhen in Absicht ihrer Methode beobachtet, und man kann ihnen manchen lehrreichen Wink geben. Aber eine beständige Gegenwart eines Znspieienken bey dem Unterricht eines jungen LcbrerS, ist niehr rathsam. Die Gründe, warum sie es uichr ist, leuchten von selbst ein. z) Schul conferenzen sind, von allen Seiten betrachtet, wesentliche Einrichtungen jeder Schule, obwohl die besondere Organisation derselben nach der Beschaffenheit der Schulen und nach de» Umstanden zu bestimmen ist. Ze größer und je zusammengesetzter die Anstalt, desto öfter sind sie zu hallen. i Erhaltung des Flores der Schule. ioz Es giebt für diese Conferenzen theils gewisse stehende Artikel, welche wenigstens sehr oft zum Vortrug kommen müssen — Methode — Schülbesuch — Aufführung — allerley Bedürfnisse — Policeysachen; — theils zufällige, welche die Umstände an die Hand geben. Bey Landschulen würde zunächst nur der Prediger und der Schullehrcr, von Zeit zu Zeit auch der Znspcctor, die Conferenz ausmachen. Erstere werden doch wohlthun, eine bestimmte Zeit, etwa monatlich, dazu festzusetzen. Es bleibt besser in der Ordnung. Bey B.ürger- und Gelehrtenschulen sind die sämmtlichen Lehrer zur Conferenz zu ziehen. Es kann aber dabey öfter zweckmäßig sevn, wenn zuweilen nur die Oberlehrer und dann wieder alle sich versammeln. Von Zeit zu Zeit würden auch die Ephoren den Vorsitz haben. Alle Gegenstände, die irgend Aufschub leiden, sollten das erstemal bloß zur Dclibcration vorgetragen, und erst Aas zweytemal decrctirt werden. Von jeder Conferenz ist ein Protocoll aufzunehmen, nachmaiS allen Mitgliedern vorzulegen, und von diF'sen zu unterschreiben, damit was besprochen und beschlossen äst, auch im Andenken bleibe. So wird Thätigkeit und Gemeingeist in einer Schule erhalten. Selbst die lebhaften Debatten, welche manchen Schulmann vor Coufcrcnzcn scheu machen, haben ihr Guter, wen» nur dahin gesehen wird, daß sie nicht ausarten. 4) Schulmänner, denen ihr Amt und ihre^Pfilcht über alles heüig ist, bedingen freylich keiner Aufseher. Aber man muß nicht nur in Anschlag bringen, daß diese noch selten sind, sondern auch, saß selbst der Bessere sich nach und nach i'enrachla.s'gen, müde werden, und besonders bey fehlender Aufmunterung und Ui cerstützung erschlaffen kann. Es'darf also nirgends all einer Aul,ach fehlen, und sie muß in der Siebentes Haupterforderniß. io6 Nähe seyn. Bey den Landschulen ist der Schullehrer dem Prediger, der Prediger dem Znspector, dieser dem Cc> nsistorium verantwortlich. Bey den Stadtschulen müßte die Schulcommission aus mehren» Sachkundigen bestehen. Die neuern Schriftsteller über Schulwesen klagen fast allgemein darüber, daß die Schulen noch überall unter der Aufsicht der Prediger und geistlichen Lonsistoricn standen. S. unter andern: Rcscwitz Gedanken und Vorschlage, i. Th. S. 17. Basedow Vorstellungen an Menschenfreunde über Schulen. — Stuve über das Schulwesen , S. 4. 5. und Seidenstücker über Schulin- spcction, oder Beweis, wie nachtheilig es in unsern Zeiten sey, die Schulinspection dem Prediger zu überlassen. Helmstadt 1797. Daß hiedurch an einzelnen Orten eben sowohl, als durch unverständige, vcrbefferungsscheue und eigensinnige Magistrate und andre Schulpatronen, die nicht zum geistlichen Stande gehören, sehr viel Gutes gehindert seyn kann, und daß es ein sehr verkehrter Grundsatz seyn würde, jeden als Prediger vielleicht recht brauchbaren Mann, für einen geschickten Schulephorus zu halten, ist gewiß nicht zu leugnen. Nur sollte man es nicht übertreiben. Auch sollte nicht der sichtbare Unwille gegen den ganzen Predigerstand, so viel Theil an den Klagen und Vorschlägen haben. Consistorien und geistliche Jnspecwren, die das sind, was sie seyn sollen, eignen sich auf jeden Fall am besten zu der Aufsicht über die Schulen — nicht so fern sie Prediger oder Geistliche sind, sondern so fern sie oft selbst im Schn lfach gearbeitet haben, und auch außerdem die Art von Gelehrsamkeit, welche sie billig von den niedern Volks- tehrern unterscheiden sollte, sie mehr als Andre dazu geschickt macht. (S. K. 6. a/c/i /V. 0/s-ico-'u-n c«na» /l/i-r/a-u-n hastleulinr-. 1788 ). Auch hängt die Sorge für die Schulen so genau Sorge für die Erhaltung des Flores der Schule. 107 mit ihrem Beruf zusammen, alles was zur Bildung und Besserung der Menschheit beytragt, zu ihrem besondern Au« genmcrk zu machen. Alle übrigen Stände entfernen sich durch ihre Derussgeschäfte zu sehr von dem Interesse an solchen Gegenständen, und Ausnahmen davon sind äußerst selten. Wenn indeß die Aufsicht über die Schulen ferner in den Händen der Geistlichen bleiben soll, so ist es desto nothwendiger , daß man nur Männer von wirklicher Gelehrsamkeit und von reifem Urtheil wähle. Das letztere ist vor allen dazu wichtig. Es lehrt sie unter andern die Schranken, innerhalb welcher sie sich gegen geübte und erfahrne Schulmänner halten sollten, am besten beobachten. Man geselle ihnen aber noch andere erfahrne und patriotische Geschäftsmänner, die mit dem Zeitalter fortschreiten, zu, und wo von gelehrten Schulen die Rede ist, sey wenigstens in der Schulcommission ein wahrer Gelehrter, der nicht nur Sitz, sondern auch Stimme zu haben verdient. An ganz bestimmte Stellen sollten die Schulcphoren durchaus nicht gebunden seyn. Darin liegt die Unbrauchbarkeit so vieler von ihnen. §) Schulschristen (Programme) können eine doppelte Bestimmung haben. E n t webe r man benutzt die Sitte, bey jährlichen Schulperioden irgend eine wissenschaftliche oder gelehrte Materie, die sich gerade zu einer kürzern Abhand lung eignet, auszuführen. So ist manche treffliche Schul- schrift von gelehrten Schulmännern entstanden; und es ist zu wünschen, daß dieser einer gelehrten Schule sehr angemessene Gebrauch nicht ganz abkomme. Des Schulmanns Kenntnisse empfehlen ja selbst die Schule. — Oder man handelt, theils allgemeine pädagogische Gegenstände. lhe.i!s specielle Materien mit Beziehung auf die Schule ab. Diese Art von Programmen sind häufiger geworden, seit durch Basedow das ganze Schulwcseff mehr Publiciräk bekommen hat. Sie haben den cnkschiednen Vortheil, Laß. -MX 108 Oberstes Landeskollegium für die Dckmlen. da sie deutsch geichrckeeu werden, dadurch eine aligemei- ncre Thcilnehmung an der Schule erweckt wird; daß der Schulmann eine so natürliche Gelegenheit decommt, ^cgen seine Mitbürger offen zu sprechen, manche patriotische Wünsche zur Sprache kommen zu lassen, und ähnlichen Patriotismus zu wecken. Wie viel ist in unsern Zeiten schon hie- durch Gutes gewirkt worden! Wie vlx! wirkten z. B. Stutz c und Licbcrkü!) n — auf diesem Wege! (S. L i e- berkühnö kleine Schriften, 1791.). Auch bey wohl eingerichteten Bürgerschulen wären dergleichen Schul- schriscen nicht mansch. Gin Paar gedruckte Seiten, welche die Kinder von jedem Gramen mir nach Hause brächten, könnten schon viele gute Ideen im Umlauf bringen. Sie könnten zugleich eine Legitimation enthalten, was im ver- floßnen Zeiträume von Seiten der Schule geschehen sey, und eine Erklärung, in welchen Stücken man mehr von den Eltern unlersitcht zu werden wünsche. 44 - Oberstes Landeskollegium für die Schulen. Es muß indeß einen lohten Nercinigliugspunkt geben, von weichern die Direktion dos ganzen Schulwesens im Staate ausgeht, und dein in vorkommenden Fallen jede Schule verantwortlich ist. Sollte ein so wichtiger Gegenstand nicht eben sowohl als andre Fac« und allgemeinen Instruktionen. Jene werden schon deßwegen selten mit rechtem Eifer und Gewissenhaftigkeit angefertigt, weil man es so leicht berechnen kann, daß die Obern durchaus nicht im Stande sind, sie zu lesen, sie folglich doch bey den Acten revoniren werden. Diese bringen höchstens eine gewisse Förmlichkeit und Gesetzlichkeit hervor; enthalten oft etwas in der Ausführung Unmögliches, und verlieren dadurch an Ansetzn, oder veranlassen Täuschungen. Einzelne Schul- aufsehet', die einen kleinen Kreis zu übersehen haben, müssen allerdings aus dem, was darin vorgeht, genau bekannt seun. Für die höheren Obern werden aber, wenn etwas Gutes dadurch bewirkt werden soll, nur die Resultate gehören. Auch gehen für Männer von Kraft und Einsicht, bey zu vielen mechanischen Arbeiten zu viel kostbare Stunden verkehren, die für das Gemeinwohl benutzt werden könnten. Z) .In kleinern Ländern bedarf es gerade nicht eines so großen Collegiums. Aber es sollte doch eine eigne Deputation aus einem andern Collegium ernannt werden, worin wenigstens ein gelehrter und erfahrner Schulmann wäre, welcher sich nicht begnügte abzuwarten, bis etwas von Schulsachen einginge, sondern eine beständige thätige Aufsicht auf das ganze Schulwesen führte. Ein recht fähiger Schulinspector, der von andern Geschäften frey, immer umherreiste, und die Schulen, von der größten bis zur kleinsten, besuchte, wäre eine wohlthätigere Person für ein kleines Land, als so mancher Zagd-, Hof- und Cammerjunker, Cammerherr, Maitre de Plaisirs s. w. ohne Geschäft und Verdienst. m ! Dritte Abtheilung. , Von den besondern Gattungen öffentlicher Unterrichts- und Erziehungsanstalten. Erstes Kapitel. Von den Landschulen. 45 . Literarische Vorarbeiten. Es gehört zu den wohlthätigsten Folgen einer echten Aufklärung, daß der Unterricht und die Bildung einer so achtungswürdigen Volksclasse, wie der Landmann ausmacht, seit geraumer Zeit ein so vorzüglicher Gegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit, und ist doppelt erfreulich, da auch hierin Deutschland für das Ausland Muster geworden ist. Mau hat nicht nur theoretisch bewiesen, daß der Bauer so gut als der Städter einer geistigen und moralischen Bildung empfänglich, und daß Unterricht dazu das wichtigste Hülfsmittel sey; sondern man hat auch schon Hand an die Verbesserung mancher Landschule gelegt, Seminarien für Lehrer eröffnet, Lehrbücher ausgearbeitet, Methoden entworfen, und Magazine zur Sammlung aller dahin gehörigen guten Vorschlage oder Erfahrungen veranstaltet. Diese theils theoretischen, theils praktischen Schriften, dürfen dem, welcher in diesem Fache arbeiten will, nicht unbekannt H2 eLltcrarische Vorarbeite». bleiben. Die folgende Abhandlung kann ohnehin nur die wichtigsten Resultate daraus sammle». , An merk. Das, was nur seir dreyßig Zähren, besonders seit den durch den Domherrn von Nocho w mit einem seltnen Eifer unternommenen Versuchen zur Verbesserung der Landschulen, über diesen Gegenstand geschrieben ist, macht schon eine kleine Bibliothek aus. Zndeß hat man an den Hauplschristen genug, da viele andre bloße Wiederholungen der in jenen enthaltenen 'Zdeen sind, und nur das einzige Verdienst haben, durch die Wiederholung diese Ideen noch mehr in Umlauf zu bringen. Als Zdcenmagazine sind die schätzbarsten: * Landschulbibliothck oder Handbuch für Schullchrce auf dem Lande (von Prenninger), l — 4. Band, 1779 90. (4 Nthlr 4 Gr.). * Der deutsche Schulfreund. Ein nützliches Hand- und Lesebuch für Lehrer in Bürger- und Landschulen. Herausgegeben von H. G. Zerrc 11 nc r. Erfurt 1791—. ,801. 24 Bande, (jeder 6 Gr.) und defse l b e n Neuer deutscher Schulsr. Berlin ltzoi —1804. bis jetzt 7 Bande, (jeder 10 Gr.) welche Predigern und Schullehrern in Bürger- und Landschulen vorzüglich zu empfehlen sind. Ueber die Aufklärung und Bildung des Landvolks und der niedern Volrsciassen überhaupt: Zerrenneb über Volksausklärung, ihre Hinder« nisse und Vorschläge, denselben wirksam abzuhelfen, 'Magdeburg 1786. (7 Gr.). Ueber die böchstnöthige Verbesserung der Dorfschulen» Ein frevmüthiges Wort u. s. w. Leipzig 1792. 6 Gr.). E. G v. Reck über die Verbesserung der Landschulen. Hannover 1796. (16 Gr.). * Borschlag zur Verbesserung der Landschulen in Relewitz Gedanken und Wünschen. 2, Dds. z. Siück. S. 20 — üo. Ueber über die Landschulen. uz Ueber die Bildung der Land schul lehr er: * O Rochow) Versuch eines Schulbuchs für Kinder der Landleute, oder Unterricht für Lehrer in niedern und Landschulen. Berlin 1790. (9 Gr.). * Praktisches Handbuch für Lehrer in Bürger- und Landschulen, von Villaurne. Hamburg l800. aceAuflage. (14 Gr.). Frcymülhige Bemerkungen über Volkserziehung, Volkssütlichkeit und Volkswohlstand. Leipzig 1790. (12 Gr.). Anweisung für Landschullehrer zur Verbesserung des bisherigen Unterrichts; von H. L. F i sch e r, i. und 2. Theil. Leipzig 1789 —YI. (20 Gr.). Gedanken und Vorschläge zur Verbesserung des Volks durch Verbesserung seiner Lehrer. Leipzig 1791. (12 Gr.). Beschreibung der Rckanschen Schule. Dritte ganz umgearbeitete mit durchgängigen Erläuterungen, pracrischen Anweisungen und Beyspielen für Lehrer in niedern Bürgerund Landschulen vermehrte Ausgabe, von C. F. Rie- mann. Berlin 1798- (22 Gr.). Dieß kann man als eins der Hauptbücher betrachten, so wie die von dem D. v. No ch ow zu Nekan, und auf andern seiner Güter organisirten Schulen die ersten Muster aufstellten. (S. v. Rochow Geschichte meiner Schulen. Schleswig i 795. (8 Gr.). Man findet in Riemanns Schrift Theorie und Praxis vereinigt, und kann durch sie vieler andrer Schriften entbehren. I. E. C. Haun allgemeiner Schulmethodus, oder praktische Anweisung für Aufseher und Lehrer niederer Schulen jeder Art, wie auch für Privatlehrer, zur leichten und nützlichen Führung ihres Amts — in Verbindung mit genau darstellenden Tabellen. Erfurt 1801. E. F. Frank Handbuch für angehende Landschullehrer zur leichten Uebersicht ihrer Pflichten und zweckmäßig- H H4 Dildungsfähigkeit des Landvolks. sten Methoden für jede Art des Schulunterrichts. Hannover 1802. (y Gr.). * A. Ovcrberg Anweisung zum zweckmäßigen Schulunterricht für die Schullehrer im Hochstift Münster. Münster i/yz. (i Nthlr 12 Gr.). Eine sehr vollständige Uebersicht der wichtigsten Vorschlage und Auszüge aus den besten Schriften, findet man in Krünitz Encyklopädie, 6i. Theil, und daraus auch einzeln abgedruckt unter dem Titel: Die Landschulen, sowohl wie Lehr- und Arbeitsschulen betrachtet, von Krünitz. Berlin 1794. (r Nthlr 4 Gr.). 46. Vildungsfähigkeit des Landvolks. Das Kind des ärmsten Landbewohners kann eben so gut verständig werden, als der Sohn des Edel> manns und des Fürsten. Dieses Verständigwer» den bleibt die größte Wohlthat, die man ihm, seine, künftige Lage mag seyn welche sie will, zu erzeigen im Stande ist. Selbst sein physisches und moralisches Wohlseyn steht in einem gewissen Zusammenhange mit seiner geistigen Ausbildung. — Dieß alles lehren sowohl die allgemeinen Peobachtungen der menschlichen Natur, als Erfahrungen über die Sache selbst, an welchen es in unserm Zeitalter nicht mehr fehlt. Es ist durch beydes unwiderleglich, daß i) eine gewisse Cultur des Geistes, der Gefühle und der Sitten, sehr wohl mit den Geschäften, welche dem !andmann sein Beruf auflegt, verträglich ist; 2) daß er selbst diesen seinen nächsten Beruf um so besser erfüllen, und den Grenzen der Ausbildung des Landvolks. uz mannichfairigen Uebeln, welche die Folgen der Stupidität, der Unwissenheit, des Aberglaubens und der Rohheit sind, um so sicherer entgehen wird, je mehr er auf eine seinerBestimmung gemäße Art >cul - tivirt ist; z) daß er auch in allen seinen übrigen Verhältnissen als Staatsbürger, Unterthan, Hausvater u. s. w. nicht nur pflichtmäßiger, sondern auch glücklicher leben kann, je mehr man ihn die, seiner Menschenwürde gebührende Achtung beweist, und ihn zu einem freyen Gebrauch seiner eignen Vernunft zu verhelfen bemüht ist, wenn auch selbst im Anfang sein unterdrückter Geist diese Wohlthat nicht erkennen, wohl gar zurück stoßen sollte. 47 - Grenze» der Ausbildung. , Dabey ist aber nicht zu leugnen, daß die eigenthümliche Lage des Landvolks, besonders in gewissen Gegenden; die große, zum Theil wohl unabänderliche Dürftigkeit und der Druck der Armuth, die beständige Beschäftigung mit mechanischen Arbeiten, der beschränkte Gesichtskreis und die Einförmigkeit der Gegenstände, welche auf den Landbewohner wirken, eine ganz andre Methode seiner Bildung erfordert, und daß Man äußerst vorsichtig seyn müsse, nichts zu unternehmen, was man nicht auszuführen im Stande ist. Denn einen so hohen Werth wahre und vollendete Aufklärung an sich hat, so nachtheilig ist die halbe unvolien- H 2 116 Seminarien für Landschullehrer. dete, welche zu jenem oberflächigen und seichten Wissen führt, das den Menschen eingebildet und geneigt macht, sich über seine Sphäre zu erheben, ohne gleichwohl die Kräfte dazu zu haben. Und so wünschenswürdig die Verallgemeinerung gewisser Kenntnisse bleibt, so sehen sich ihr doch in dem wirklichen Leben so vieler — zu den allernicdrigstcn Geschäften unentbehrlichen — Menschen fast unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Gesetzt aber atich, es wäre unter jenen den Landmann drückenden und beschrankenden Umständen möglich, ihm zu einem höher» Grade von Cultur, die an Verfeinerung grenzte, zu verhelfen, so würde es doch auf keine Weise rathsam seyn, weil er sich dabey leicht in seiner Lage unglücklich fühlen, und also an Lebensruhe und Lebensgenuß verlieren würde, was er etwa an Begriffen und Kenntnissen gewonnen hatte. 48. Seminarien für Landschullehrer. Wahl der Seminaristen. Je leichter nun hier die Grenze überschritten werden kann, desto wichtiger ist, wie überhaupt für die Volksschulen, doch ganz vorzüglich für die Landschulen, eine wohl überdachte und sorgfältige Vorbereitung der Lehrer, in eignen dazu bestimmten Seminarien. Ben ihrer Einrichtung entstehen drey Hauptfragen: 1) Wer soll in diese Seminarien aufgenommen werden? 2) Worin soll der Unterricht der Seminaristen bestehen? z) Wie sollen sie überhaupt für ihr Geschäft vorgeübt Wahl der Seminaristen. 177 werdenk Bey der ersten Frage: welche Subjecte sich am besten zu Lehrern in den niedern Volksschulen schik- ken dürften, ist vor allen Dingen nicht zu übersehen, daß selbst nach manchen Verbesserungen, die Lage der meisten Lcindschullehrer so eingeschränkt, und ihr Auskommen so kümmerlich ist, daß, wer einigermaßen in einem andern Beruf sein Durchkommen zu finden hoffen darf, schwerlich geneigt ist, sich zu jenem zu entschließen, und wer sich allenfalls in der Jugend, durch einen gewissen Eifer für die Sache getrieben, keine Schwierigkeiten abschrecken ließ, sich doch, wenn er alter und kalter geworden, und von Nahrungssorgcn gedrückt wird, leicht unglücklich zu fühlen anfangt. Aus diesem Grunde ist es, so lange nicht eine sehr bedeutende Verbesserung der Stellen in der Provinz, für die sie bestimmt sind, zu Stande gekommen ist, auf keinen Fall rath- sam, in Landschullehrer-Seminarien Personen aufzu- nehmen, welche an einen gewissen Wohlstand gewohnt sind, oder in einer wissenschaftlichen Bildung schon zu bedeutende Fortschritte gemacht haben. Aus diesem Grunde dürfte schwerlich, ohne eine totale Veränderung der ganzen Lage der Dinge, auf Candidaten des Predigtamts zunächst zu rechnen seyn '). Rathsam schien es Vielen, die Lehrer des Landvolks aus dem Land Volke selbst zu nehmen. Wenn denn nur auch der vorbereitende Schulunterricht immer so gut gewesen wäre, daß sie nicht im Seminarium selbst gewissermaßen alle Elemente erst lernen müßten,.wodurch ihr Seminarien für Landschullehrer. n8 Geist selren die Gewandtheit erhält, welckc doch zum Lehrer, auch selbst der Elemcnrarkenn kniffe, nothwendig ist. Gewiß giebt es Köpfe auch unter dem Bauern- > stände, die jene Entbehrung durch eigne Kraft und ^ großen Fleiß ersetzen, und dann sind sie unstreitig sehr ! taugliche Landscbullehrer. Außerdem aber möchten junge ^ Leute aus den ärmeren Ständen, welche in einer guten > gelehrten Schule wenigstens die mittlern Classen, und ein Alter von siebzehn bis achtzehn Jahren erreicht hät- ^ teu , und besondre Anlage und Neigung zum Unterrichten zeigten, wohl die schicklichsten Subjecte für ein Se- I nnnarium seyn. Handwerker, die ihre Profession i oft aus Scolg oder Arbeitsscheu aufgeben, haben selten ^ die nöthigen Vorkenntnisse undLehrgaben verwöhnte und sittlich verdorbneBedienten am ailerselcen- ^ stcn. Invaliden im Militairstande siltd fast ^ nie für solche Posten geschickt '). i) Vielleicht könnte, wie schon einige Schriftsteller vorgeschlagen haben, die Regierung eines Landes, auch selbst bey Pa- tronatstcllen das Gesetz machen, daß niemand eine Landpredigerstelle übertragen werden solle, der nicht einige Jahre Landschullehrer gewesen. Ein solches allgemeines Gesetz scheint aber mehrere sehr wichtige Bedenklichkeiten zu haben. i. Es würde ein zu häufiger Wechsel der Land- schullchrer entstehen, die oft gerade dann abgehen wür- ' den, wenn sie eben brauchbar zu werden anfingen. Wie > oft würde ein neuer ungeübter Lehrer eintreten! Wie viel müßte die Schule unter diesem beständigen Wechsel verlieren! Bildung des Seminaristen. ny » > - - > >» > 2. Der Landschullchrer besorgt auch die Leitung dcsKir- chengcsangeS, die Orgel u. s. w. Wer sollte es auch sonst? Wie kann man das von jedem Predigtamtscandidaten erwarten? Unter den Bauern ist allzuseltcn jemand dazu geschickt. g. Es würde, was noch weit bedenklicher ist, vielen Mitgliedern des Predigerstandes ein sehr wichtiges Bilduugs- mittel entzogen werden — die Hau sl eh r e rstel l cn. Die meisten Theologen sind arm, haben also in der Jugend den Vortheil einer besseren und feineren Erziehung entbehrt. Auf den wenigsten Schulen und Gymnasien haben sie einen Ersatz gefunden. Auf den Akademien sind sie wohl noch ungebildeter und einseitiger geworden. Kamen sie von diesen sogleich in die — selbst nach allen möglichen Verbesserungen immer nur dürftig bleibenden — Landschul- stellen, entbehrten darin alles bildenden Umgangs — weiche Aussichten für den Predigcrstand! .Den, Aufenthalt in guten Familien, haben sehr viele Prediger fast allein ihre Bildung zu danken. Selbst in schlechteren last sich doch wenigstens Menschenkenntniß lernen, wenn gleich hier auch oft Verderbniß des Charakters und schlimme Verwöhnung zum churus die Folge ist. 4. Wenn schon jetzt die beschränkte Lage des Prediger- standes, fast überall die Söhne der Wohlhabenden vom Studium der Theologie zurückschreckt, so dürfte dieß ein solches Gesetz noch weit mehr thun. Damit soll indeß nicht behauptet werden, daß nicht an einzelnen Orten, wo die Landschulstellen merklich verbessert sind, auch Candidaten mit großem Nutzen sie verwalten und sich auch so auf das Predigtamt, besonders unter den Augen guter Prediger, vorbereiten können. Dieß würde selbst dein Stande Ächtung verschaffen! Nur müßte man nicht schlechte Candidaten wählen, als ob sie dazu gut genug wären. 12» Bildung der Seminaristen. Aber allgemein sollte der Predigerstand selbst für die Schulen nützlicher gemacht werden. Das läßt sich auf einem andern Wege erreichen. S. § 52. 2) Es bedarf kaum der Erinnerung, daß es keinen Stand giebt, aus welckem nicht einzelne gute Subjecte für ein Landschullehrerseminarium hervorgchn könnte n. Indeß dürfte es doch gut seyn, gewisse allgemeine Principien bey der Wahl zum Grunde zu legen, und nur nach der allersergsältigsten Prüfung von ihnen abzuweichen. Sogar die unglückliche Idee, invalide Soldaten zu Schulmeistern zu bestimmen, könnte ja wohl in einzelnen Fällen gelingen. Es giebt sehr gescheute, hinlänglich gebildete , humane und in mehrern Fertigkeiten geübte Unter- vfficiere, welche eine geringe Verwundung in den besten Jahren zum Dienst, aber nicht zu einem ruhigern Geschäft unfähig gemacht haben kann. Aber dieß alles sind A y s - nahmen. M. s. Ueber die Bildung künftiger Volksscbullrhrer in Gymnasien, in Guts Muths Bibliothek, istog, " z B. S. 176. vorzüglich B. r. S. 24z. v. I, i8oz. und 1 P. S. 2or. v. I. r8c>2. 49. Bildung der Seminaristen. Intellektuelle. Das Seminarium hat nun dafür zu sorgen, daß junge Männer, welche sich zu Lehrern in Landschulen oder auch nur für niedere Bürgerschulen bilden wollen, intellektuell — moralisch,— Pädagog i s ch zu einem solchen Amt vorbereitet werden. Der allgemeinste Grundsah der in tellcctuellen Bildung sey: „über Alles, was sie künftig die Kinder des Volks lehren sollen, zuvörderst ihnen selbst deutliche und zu- Intellecttielle Bildung der Seminaristen. irr sammenhänaende Begriffe beyzubringen, und so fern es mechanische Fertigkeiten sind, ihnen zu de- ren Erwerbung behülflich zu seyn, dabey aber so wenig als möglich über die Grenzen jener Kenntnisse und Fähigkeiten im Unterricht hinauszugehen *). „ Das letz tere ist besonders für junge Männer in hohem Grade gefährlich, theils weil sie darüber die Gründlich keil und Genauigkeit im Erlernen der Hauptsache versäumen, theils weil die Versuchung ihnen so nahe liegt, sogleich von dem, was sie selbst kaum halb gefaßt haben, wieder Gebrauch im Unterricht zu machen. Vor allen Dingen wäre daher auf eine recht deutliche und sichre Erkenntniß der Religion und Moral hinzuarbeiten, und damit die Anleitung zu einem recht verständigen und praktischen Gebrauch der Bibel, als dem Buch, von welchem bis jetzt noch fast allein die intellemielle lind moralischeBildung der niede ren Stände ausgeht, zu verbinden. Beydes giebt 2) Am laß in Menge zu Verstandes Übungen. Nächst dem sind z) die g c m e i n n ü tz i g st en naturwissen schaftlichen Kenntnisse, desgleichen das Nöthig sie aus der Erdkunde, Weltgeschichte, Sprach lehre, den landcsgesetzcn, dem fand bau und der Gesundheitslehre; 4) Fcrtigkeit im richtigen lesen, Rechnen, kalligraphischem und orthographischem Schreiben, und einem natür liehen und verständlichen schriftlichen Ausdruck der Gedanken; endlich 5) Vocal- undZnstru 122 Jntelleetuelle Bildung der Seminaristen. menralmusik die Hcuiptgegeilstände, womit die Seminaristen bekannt zu machen, und worin sie zu üben sind. Dieß kann theils durch unmittelbaren ihnen zu ertheilenden Unterricht, theils durch eine — aber sehr sorgfältig gewählte und durchaus auf ihre Bestimmung berechnete — bectüre geschehen. Ich wünsche zu irren, wenn ich befürchte, daß doch ein Theil unsrer neueren Schulseminarien in und ausser Deutschland, gegen diesen ersten Grundsatz fehlt. Von einigen ist es notorisch. Die Vorsteher, oder wenigstens Unterichrer, welche mcistenthcils Männer sind, die eine eigentlich gelehrte Bildung genossen haben, unterscheiden viel zu wenig, was für sie selbst nützlich und interessant seyn mag, von dem, was dein künftigen Landschul Meister frommt. Eine Folge davon ist, daß zwar a) inmier auf Aufklärung des Verstandes, besonders in der Religion hingearbeitet wird, daß aber die Art, wie dieß geschieht, viel mehr geschickt ist, Zweifler an Allem zu bilden, als sie in der Ncligionscrkcnntniß zu gründen, weil es so ganz an der nüchternen und bescheidnen Lehrweisheit fehlt, ohne die bey dem Volk durch Religion nichts auszurichten ist. Daher wird die Bibel, die doch einmal das Buch des Volks ist, und auch in weisen Händen, zumal wenn man sich erst einer allgemeinen Handbibel für die Un gelehrten bedienen könnte, es auch zu bleiben verdient, viel zu sehr bey Seite gelegt, und statt reine religiöse und moralische Ideen aus ihr zu entwickeln, ein abstraktes Neligions- und Moralsystem hineinphilosophirt, womit hernach der Schulmeister, wenn er nun über die Bibel lehren soll, nichts anzufangen weiß. Dazu kommt, daß man tz) häufig zu viel speculative Untersuchungen ln den Unterricht mischt, und wohl gar höhere Philo- Intellektuelle Bildung der Seminaristen. 12z sophi.e — welchen Namen sie auch trage — jungen Männern mittheilt, die mit einer gesunden natürlichen Logik und mit einer auf Geweinstnu und Erfahrung gegründeten Sirrenlehre vollkommen ausreichen könnten, aber durch jenen für sie recht unglücklich angeregten Hang zum Speculiren verwirrt und verschroben werden. — Man kaun vor dieser Uebercultur nicht laut genug warnen. Sie verderbt die besten Köpft, und macht sie zum populären Unterricht gänzlich ungeschickt. — Hoffentlich wird man auch davon, so wie von dem Glauben an eine allein seligmachende Philosophie zurückkommen, und wieder mehr die Bahn des gesunden Menschenverstandes wandeln. 2) Von allen im § angeführten Gegenständen, ist dem gering, freu Schullehrer ein gewisses Maaß zu wünschen. Denn von ihnen allen kann er von Zeit zu Zeit im Schul- amt Gebrauch machen. Einige sind ganz wesentlich. Der Einsicht und Weisheit des Lehrers der Seminaristen muß es überlassen bleiben, wie weit er in einer jeden zu gehen habe. Indeß ist eine gewisse Norm darüber, wclcke da« Material bestimmte, und die Grenzen absteckte, in einem jeden Seminarium zu wünschen, damit der Wechsel des Lehrers nicht zu viel Wechsel in dieMelh 0 de bringe. Ueber die Methode selbst sind die dahin gehörigen Abschnitte im ersten Theile der Grundsätze der Erzieh, und bes Untcrrrichts zn vergleichen; besonders S. gg-p, z6y. Z82. 408. 428. 502. der zten Ausgabe. 50 . Moralische Bildung der Seminaristen. Die moralische Bildung künftiger Landschul- lehrer ist nicht minder wichtig. Sie sollten billig so gut als die Prediger das Vorbild einer Gemeine, ihr Haus* licheö und öffentliches Leben sollte eben so lehrreich als »24 Moralische Bildung der Seminaristen. ihr Unterricht seyn, um so mehr, da verenge Kreis, worin sie leben, sie der Beobachtung eines jeden Ge- ineinglicdes so bloß stellt. Unstreitig wäre es zur Erreichung jenes Zwecks am vortheilhaftestcn, wenn Land- schullehrer - Seminaricn auch wirklich auf dem Lande selbst angelegt würden. Die Einfachheit der Lebensart und der Sitten, die Entfernung von den künstlichen Bedürfnissen, von den Verwöhnungen, von den Lustbarkeiten, von den Verderbnissen der Städte, welche ja auf junge Leute gerade in diesen Jahren sehr stark wirken, würde in ihnen einen genügsamen, reinen, einfachen Sinn erhalten, sie an Arbeitsamkeit, Frngalität, Sparsamkeit und Bescheidenheit leichter gewöhnen, als wenn sie von dem allen das Gegentheil um sich her erblicken. Läßt sich dieß nicht ausführen, — wie es denn seine eigenthümlichen Schwierigkeiten hat — so muß nur die Aufsicht desto genauer, das Verhältniß zwischen dem Aufseher und den Seminaristen desto bestimmter, die Zeltanwendung desto abgemeßner, strenge Moralität Bedingung der Aufnahme und des Bleibens im Seminar seyn. Man muß ihnen selbst dabey die Wohlthat erzeigen, sie zwar nie geringschätzig, aber äußerst einfach zu behandeln. Selbst zu viel Theilnahme an feinen gebildeten Gesellschaften, oder an öffentlichen Lustbarkeiten dürfte für ihre künftige Lebensart nicht zweckmäßig seyn. Der Mensch verwöhnt sich in den Jugendjahren gar zu leicht, und diese Verwöhnung macht ihn hernach unbrauchbar und unglücklich. Pädagogische Bildung der Seminaristen. I2Z An merk. In manchen Nesidcnzstädten großer und kleiner Fürsten, werden die Choristen, welche hernach Landschul« lehrer werden sollen, mit bey den Theatern gebraucht. Schwerlich könnte es einen schlechteren Bildungsort für ihre künftige Bestimmung geben. Was soll so viele Eindrücke auf die Phantasie junger Leute wieder austilgen, die hier gemacht werden? Aber dieß ist nicht der einzige Fall, wo man wichtigere Rücksichten über den Bedürfnissen des Luxus und der Vergnügungssucht aus dem Auge verliert. 5l. Pädagogische Bildung der Seminaristen. Die pädagogische Bildung der Seminaristen besteht in der Anleitung zur wirklichen Führung ihres AmtS, wozu die Bekanntmachung mit den Materialien des Unterrichts die Vorbereitung war. Diese wird ihnen theils dadurch verschafft, daß sie in bestimmten Stunden bey dem Unterricht, welchen die Lehrer des Seminariums Kindern von verschiedenen Altern und Fähigkeiten ertheilen, zugegen sind, um Methode zu lernen; theils durch unmittelbaren Unterricht über Erziehungskunst und Methodik; theils durch eigne Uebungen im Unterrichten, sowohl in Gegenwart eines lehrers oder auch andrer Seminaristen, als auch nach und nach allein;— daher einem jeden Seminar eine Schule zugeordnet seyn muß. Nächst- dem sind sie mit allen Theilen und Verhältnissen ihres künftigen Amts gehörig bekannt zu machen, wozu auch Aufgaben aus dahin gehörigen Schriften dienen können. Und da noch immer so manche Stunde übrig 126 Pädagogisch- Bildung der Seminaristen. bleiben wird, — indem es kaum rathsam wäre, sie durch unaufhörliche Geistesarbeiten zu ermüden — so dürften diese am kirchlichsten zu mechanischen Beschäftigungen, solchen vorzüglich, von denen auch auf dem Lande guter Gebrauch gemacht werden kann, (Gärtnerey, Bienenzucht, Seidencultnr,) angewendet werden. Ein eigentliches Handwerk führt gar zu leicht den Schnllehrer von seinem wichtigen Beruf ab, und verwandelt die Schnlstnbe in eine Werkstatt. Aber man kann in vielen Dingen Geschicklichkeit und Industrie beweisen , ohne ein Professionist zu seyn. Und das wird weder den Schnllehrer entehren, noch auch seinem Geschäft hinderlich seyn. Aumerk. Die meisten dieser Ideen sind vollständiger, als es hier möglich war, theils in den allgemeinen H 45. genannten Schriften, theils in den besondern Entwürfen und Verordnungen für Landschullchrerseminarien entwickelt, und auch hie und da schon glücklich ausgeführt. Von der Einrichtung der S ch ulmeisterstminarien in Berlin, Halberstadt, Wesel, Kiel, Oehrin. gen und mehreren andern, giebt dtrünit? in der Seite 114. angeführten Schrift, vollständige Nachrichten und Auszüge der darüber vorhandenen Schriften. Ueber die trefflichen Anstalten deS verdienstvollen Grafen v. Revent- low zu Troll eburg auf Fühnen,, findet man einiges in Rcsorvitz Gedanken w. 5. Th. 4. St. 6z. Auch vergleiche man F. Herzberg Gedanken über die zweckmäßige Bildung der Landschullehrer in Seminarien. Berlin 1790. und Rchms Nachricht und Beschreibung des Schulichrcrsemmars zu Cassel. 1796. (6 Gr.), und I. C. Salfelds Geschichte des Königl. Schullehrer, Unmittelb. Mitwii'k. der Landpred. zur Verb. der Landschulen. 127 Seminarii und dessen Fnyschule zu Hannover, lkoo. Horstigs Uebung der Seminaristen — in ihrer Selbst- bildung. Halle i 8 or. ^ Wenn die Wirkung besserer Schullehrer noch nicht so in ! die Augen fallend ist, als man vermuthen sollte, so muß ! man nicht vergessen, theils daß die folgende Generation ! hier eigentlich erst entscheiden kann; theilsdaß auch außer ' dem der Bildung und Besserung des Landvolks noch viele Hindernisse im Wege stehen, weichen die Schulen nicht allein abhelfen können. S. Zcrrcnners deutscher Schul- , freund, 2. B. S. z. 52. Unmittelbare Mitwirkung der Landprcdiger zur Verbesserung der Landschulen. "Gesetzt auch, daß nach und nach durch die vorge- schlagnen Mittel gute Landschullehrer immer zahlreicher würden, so ist doch die Hoffnung dazu für das Allgemeine vor der Hand noch eben so entfernt, als die Aussicht auf eine durchgängige Verbesserung der Salarien. Aber es giebt ein Mittel, welches noch naher liegt, und bey einem ernstlichen Willen der Regierungen und Con- sistoricn ausführbarer ist. Die Geschäfte vieler Landprediger stehen, im Durchschnitt genommen, mit den ! Geschäften andrer nicht besser besoldeter Staatsdiener in gar keinem Verhältniß. Es giebt einzelne höchst beschwerliche Stellen. Aber bey weitem die meisten sind, gegen das gerechnet, was viele Stadt Prediger, was alle Schulmänner, viele geistliche und weltliche Räthe und andre Beamte in großem und kleinern Posten, tag- 128 Unmittelbare Mitwirkung der Landprediger. sich arbeiten müssen, so äußerst unbedeutend, schränken sich fast auf den einzigen Sonntag oder einige wenige Wochenstunden ein , daß man, ohne die geringste Ungerechtigkeit gegen einen Stand zu begehen, der sich durch Fleiß und gemeinnützige Wirksamkeit erst recht achtungswürdig machen kann, von ihm auch eine unmittelbare Theilnahme am Schulunterricht fordern, wenigstens jeden neu anzustellenden Prediger dazu verbinden konnte. An manchen Orten würde man noch dazu wohl thun, die Prediger von unnützen Geschäften, z. B. Wo- chcnpredigten, so bald sie fast niemand mehr besucht, zu entbinden. Einen Theil des Unterrichts, namentlich den Religionsunterricht, konnten sie dagegen unbedenklich eben so gut besorgen, als in so vielen kleinen Städten derselbe Mann eine Prediger- und Schulstclle zugleich verwalten muß. Das mehr Mechanische des Unterrichts (Lesen, Schreiben, Rechnen, Gedächtnißübungen) würde dann auch ein mittelmäßiger Schullehrer, wenn einmal kein besserer da wäre, versehen können.— Außerdem kann und wird jeder thätige Prediger auch auf manche andre Art, besonders durch Umgang mit seinem Gehülfen in der Bildung des Landvolks, durch Besorgung und Verbreitung guter Schriften, so wie durch recht fleißigen Schulbesuch, sich sehr viel Verdienst um die Landschulen erwerben können '). i) Der hier gethane Verschlag, die Landprediger zur Theilnahme am Unterricht in der Schule zu verpflichten, kann ») nicht zur Verbesserung der Landschulen. isy s) incht so gemeint sc. il, als sollten dadurch die Land- schullehrer überhaupt entbehrlich werden, wie man hie und da bestimmt vorgeschlagen hat. Dieß machen nicht nur die Orte, wo kern Prediger wohnt, unmöglich, son- dern es würde auch in der That hart seyn, auf einmal alles von dem Prediger zu verlangen. Das Thun und Treiben des Predigers, der nicht aufhören soll ein Mitglied des gelehrten Standes zu scnn, ist und bleibt schlechterdings ein anderes, als das des — auch noch so braven Schulmeisters. — Er würde also entweder ein schlechter Schulmeister seyn und bleiben, oder, am Abend zum Studiren ermüdet, m seiner eignen Cultur zurückgehe», und gewiß seine Predigten nur um so nachlässiger betreiben. Wie viel schätzbares haben wir nicht in verschiednen Fächern der Literatur so manchem geschickten Landprediger zu danken. Aber — noch einmal — der thätigste Mann würde stumpf und müde werden, wenn er Tag für Tag die nicht geringen Beschwerden eines vier - bis fünfstündigen Unterrichts der Dorfjugend ertragen sollte. Es ist dieß zwar das Schicksal sehr vieler Prediger in Städten, die zugleich Ncetoren oder Conretto- ren kleiner Stadtschulen sind. Aber man muß das harre Loos Einzelner nicht noch allgemeiner machen. Auch kann K) nicht von allen Landpredigern dasselbe verlangt werden. Denn die, welche beschwerliche Filiale, gehäufte Wo- chenarbeilen, und mannichfaltige Pastoralgeschäfte haben, wovon so manche in die Zeit des Schulhattens fallen, die daneben auch genöthigt sind, ihre Wirthschaft zu besorgen, behalten nicht zu viel Zeit übrig. Aber o) desto billiger ist die Forderung an die, welche, oft bey den ansehnlichsten Pfründen, die allerbequemste Lage, und außer den wenigen Taufen und Trauungen nichts, als die Sonntagspredigt und einen Theil des Jahrs den Unterricht der Karechumenen zu besorgen haben. Gerade ihre Ge- schäftlosigkeit, ihr eigentlicher Müßiggang, zu welchem sich bey so vielen ein sinnliches Wohlleben gesellt, muß alle izo Erfordernisse jeder guten Landschule. wohldenkcnde und für das Gemeinwohl interessirte Men- ' scheu unwillig machen, wenn sie damit vergleichen, unter welchen Lasten von 'Arbeit so viele treffliche Männer im Staat bey dem dürftigsten Lohn seufzen. Man kann es sich auch nicht verbergen, daß eben darin ein Grund liegt, warum der Landpredigerstand in vielen seiner Mitglieder so hcrabgcsunken ist, indem nur wenige ohne äußere Antriebe und bestimmte Geschäfte thätig bleiben, und ebendaher, statt sich fortzubilden, immer unwissender, oft sogar immer unsittlicher werden. Man vergleiche über diesen Vorschlag F. S. H Sack über dieDerbefssrung desLandschulivcstiis. Berlin 1799- ^ (8 Gr.) mit der ausführlichen Kritik derselben in der N. A. ^ D. Vibl. 50. V. i. St. S. Z4 — Z«., und Treu m a n n s Urtheil im Journal für Pred. 41. D. 2. St. 2) Auf diese Art sind schon viele würdige Landprediger in ihrem Kreise sehr nützlich geworden. Von herrlichem Nutze» würden unter andern regelmäßige Zusammenkünfte benachbarter Prediger und Schullehrer seyn, welche vorzüglich auf den Zustand und die Verbesserung des Schulwesens abzweckten, und die auch von Znspcckoren in Gang gebracht werden könnten. Ein schon ausgeführtes Projekt einer solchen Landschulconferenz findet man im Zerrönne r scb e n Schulfreunde, l. B. S. 52. Diese ganze Schrift (§ 112.) enthält eine Menge Beyspiele, wie viel in diesem Fach durch thätige Prediger schon jetzt gewirkt wird. Und wie viel mehr mag nicht auch im Stillen gewirkt werden! Erfordernisse 5 Z. jeder guten Landschule. Die Landschulen selbst betreffend, so sind zn ihrer möglichst zweckmäßigen Einrichtung die Hanpterforder- nisse 1 ) der Unterrichc 6 plan, oder feste Grund- Unterrichtsplan. igi sähe über das, was und wie es gelehrt werden soll; 2) die Schuldisciplin und Schulordnung; > z) das Aeußere, was zum Unterricht nöthig ist. ^ Nur wo in diesem allen eine gewisse Harmonie statt > findet, und dann auch fortgehend die übrigen Unter- richtsanstalten für das Volk in den Plan eingreifen, ^ laßt sich etwas dauernd Gutes erwarten. Schon aus diesem Grunde leuchtet es ein, von welcher äußersten Wichtigkeit die gemeinschaftliche von gleichen Principien ausgehende Wirksamkeit des Gutsbesitzers oder ^ der Obrigkeit, des Predigers und des Schullehrers sey, ohne welche selbst die größte Thätigkeit von der einen > oder der andern Seite beständig gehemmt bleiben muß. ! 54 - nnterri ch t spla n. Dem Unterrichtsplan liege das Principium zum Grunde, den Kindern des Landvolks zu einer deutlichen und praktischen Erkenntniß alles dessen zu verhelfen, was entweder einem jeden Menschen, auf jeder Stufe der Cultur zu erkennen nöthig und nützlich ist, so bald er als ein vernünftiges Mitglied der menschlichen Gesellschaft betrachtet wird; oder was in der besondern sage, worin sich der sandmann befindet, zu einem verständigen, ruhigen und zufriednen Leben, folglich auch zu einer dazu dienenden Betreibung seiner Berufsgeschäfte am unentbehrlichsten ist. Hicrbey ver. gesse man nicht, wiewenigZeit und Hülfsmittel Z r Unterrichtsplan. 1^2 das Landvolk zur eigentlichen Cultur seines Verstandes hat; wie sehr die ganze Lebensart, aus lauter mechanischen und höchst einförmigen Beschäftigungen zusammengesetzt , seinen Jdeenkreis verengt. Man vereinfache folglich alles, was man lehrt, so viel nur immer möglich ist; und lehre lieber sehr wenig, aber dieses Wenige so klar, so genau, so gründlich, und wie- verhole besonders Gedachtnißsachen so oft, daß es ihm unverlierbares Eigenthum werde, und in die ganze Masse seines Jdeenvorrarhs übergehe. Nie verleite der einzelne fähige Kopf den Lehrer, weiter zu gehen, als für den ganzen Kreis nützlich ist, weil dieser dann unfehlbar versäumt, und durch seichtes Halbwissen verwahrlost werden muß. Da mau nun vor der Hand nur wenigen Lehrern die gehörige Weisheit und das richtige Maaßhalten zutrauen kann, so wird unstreitig eine Norm des Unterrichts, welche seine Grenzen absteckt, für die meisten zu wünschen, aber auch auf diese Norm zu halten seyn, weil sonst alles zu sehr der bloßen Willkühr überlassen bleibt. 5 5 . Lehrgegcustände in Landschulen. Der Unterricht selbst bestehe i) in allgemein- nützlichen Fertigkeiten, wozu Lesen, Schreiben und Rechnen gehört; 2) in Beschäftigungen des Verstandes, durch eine recht einfache und durchaus praktische Religions- und Sitten lehre, woran sich eine Menge für jeden Menschen wisseuswür- Lehrgegenstände in Landschulen. igg diger Kenntnisse am besten anknüpfen lassen. Hierbey ist aber z) beständig auf die Cnlrnr der Sprache so weit zu sehn, daß die Kinder theils den, der richtig spricht, verstehen, theils sich selbst deutlich lind richtig ausdrücken lernen. Nichts übt die Dcnkkraft so sehr, als gerade dieß, und macht allein fähig, mit Verstand zu leleu und mit Nutzen einen Vortrag zu hören. Nachstdem müssen die Kinder 4) mit sich selbst, auch in Hinsicht auf Gesundheitslehre, desgleichen mit der sie umgebenden Natur, ihren allgemeinsten Gesehen, ihren merkwürdigsten und am nächsten liegenden Erscheinungen, zur Verhütung des Aberglaubens, wie auch 5) mit ihrem eignen Wohnor r, der Erde, so weit es für sie nützlich ist, bekannt gemacht werden. Sie müssen 6) wenigstens so viel von der Landesverfassung kennen lernen, als nöthig ist, mit den allgemeinen Rechten, welche ihnen zukommen, und den Pflichten, welche sie gegen den Staat zu erfüllen haben , nicht unbekannt zu bleiben. Weise Belehrungen darüber werden ^auch hier das sicherste Mittel seyn, ruhige und treue Bürger zu erziehen. A n merk. 1) Die Methodik dieses Unterrichts in allen im tz. angegebnen Kenntnissen, ist im Ganzen die nehmliche, welche überhaupt den der Ertheilung desselben für alle Stände — denn er gehört für alle — beobachtet werden muß. Sie ist im isten Theil der Grunds, des Unterrichts ausführlich entwickelt, und es sind daher auch die schon oben Z 4y. Anm. 2. angeführten Abschnitte, auch hier nachzulesen. 2) Die Cultur der Muttersprache gehört zu dem, was, wie in allen Schulen, so auch in den Landschulen insonder- Lebrgegenstände in Landschulen. IZ4 / . heit, am meisten versäumt, wohl gar in diesen für ganz überflüssig gehalten wird. Und doch ist sie geradezu, schon als Fundament aller Verstandesbildung, eins der alterwich- tigsten Stücke. Wer nicht richtig sprechen kaun, kann auch weder deutlich denken, noch verstehen, was andre sagen oder schreiben/ Ganz vorzüglich wichtig ist es da, wo die Volkssprache platt, und die Schule der einzige Ort ist, Hochdeutsch zu lerne», worin ja doch gepredigt, gelehrt, geührieveu wird, Gesetze gegeben werden u. s. w. M> s. im dcutichcn Schulfreunde, 5. B. S. 26. z) Die Grenzen des Unterrichts den den einzelnen Gegenständen, bestimmt zum Theil der Grad der Cultur der Proviirz oder des Dorfs, wo die Schule liegt. Einige Gegenden sind noch so weit zurück, daß man sich begnügen muß, von allein nur die ersten Elemente beygebracht , und die Seelenkraste aus dem tiefste» Schlummer geweckt zu haben. Dieses ist besonders da der Fall, wo die Leibeigenschaft den Bauernstand noch so hart drückt, daß er vor der Menge der Frohnen kaum zum Gefühl seiner eignen freuen Existenz kommen kann, und durch eine zu weit getriebene Cultur nur noch unglücklicher werden würde, bevor die Regierung ihm zu dem Besitz seiner natürlichen Rechte verhelfen, und gegen Unterdrückung, gegen Mißbrauch der Gewalt, gegen verjährte Ungerechtigkeiten in Schuh genommen hat. Hierzu ist an vielen Orten schon der glücklichste Anfang gemacht. Die Leibeigenschaft ist in bedeutenden Ländern in und außer Deutschland aufgehoben. Einzelne Gutsbesitzer haben selbst die ersten Schritte dazu gethan. Der glückliche preußische Staat freut sich eines.Negenten, der darüber schon bey mchrern Gelegenheiten seinen väterlichen Willen sehr bestimmt erklärt hat, und dessen Auge gewiß auch noch in die wenigen Provinzen seines großen Reichs dringen wird, wo der Bauernstand noch viel zu gedrückt ist, als daß an irgend eine Cultur durch Unterricht zu denken wäre. I Lehrmittel in Landschulen. ig5 Indes hat die Betrachtung der wahren und vielleicht nicht ganz abzuändernden Lage des ärmeren Theils des Landvolks, doch einige achtungswürdigc Schriftsteller, z. B. Sack über die Landschulen, bewogen, es für problematisch zu halten, ob selbst das Lesen lernen für alle unentbehrlich sey? So gut man dieß in nbltr-av,« zugeben könnte, so scheint mir doch, wie die Sachen liegen, und da so viel andres an dieser Uebung hängt, rathsamer zu seyn, daß mancher lieber etwas zu viel, als zu wenig lernt, und daher Sorge zn tragen, daß die Schulzeit nicht immer mehr abgekürzt werde. Man vcrgl. hiermit die unten bey den Militärschulen angeführten Schriften, über die Königl. Preuß. Circnlarverordnung. 56. Lehrmittel in Landschulen. Auch die Hülfsmittel des Unterrichts müssen sehr einfach seyn. Bücher sind im Ganzen nicht das Mittel, das Landvolk zu belehren und zu bilden , ob sie wohl hie und da in Gemeinen, welche der Wohlstand und die Nahe der Städte der Cultur schon etwas naher gebracht hat, für einzelne mißlich werden können. Die meisten sind entweder außer Stande, sie anzuschaffen; oder die Lecrüre paßt sonst viel zu wenig zu ihrer ganzen übrigen Lebensweise und der Art ihrer täglichen Beschäftigungen. Man kann aber auch in dem Schulunterricht mit der Bibel — mit einem guten Gesangbuch — und einem recht zweckmäßigen Lehr- und Lesebuch für die niedern Dolksclaffen vollkommen ausreichen. Die Bibel ist einmal das allgemeinste und geachtetste Volksbuch. Ein weiserAns - Lehrmittel in Landschulen. rz6 zug würde ihren Gebrauch noch ungleich nützlicher, sogar in mancher Hinsicht unschädlicher machen. — Gesänge bleiben am leichtesten in dem Gedächtniß der Kinder, lind haben eine wohlthätige Kraft unter den mannigfaltigen Wechseln des Lebens, wenn sie nur wirklich im edelsten Sinne des Worts erbaulich sind. Ein lehr - und Lesebuch könnte in einer ganz einfachen Sprache und in möglichster Kürze, die ganze Summe von Kenntnissen enthalten, von der zu wünschen wäre, daß sie ein jeder aus der Schule mit Hinwegnehmen möchte. Fällt die Anschaffung auch dieser wenigen Bücher einzelnen zu schwer, so ist, wo nur Obrigkeiten und Lehrer guten Willen haben, nichts leichter, als eine Anzahl derselben zum Eigenthum der Schule zumachen, und das Abgehende von Zeit zu Zeit zu ersetzen. AnN1 erk. I) So lanqe noch keine Handbibel — welche meiner Meinung nach nichls enthalten darf, als das durchaus verständliche und durchaus anwendbare, eingeführt ist, so lange muß wenigstens eine jede Schule eine bestimmte Norm haben, was aus der ganzen Bibel gelesen und nicht gelesen werden soll. Für den Lehrer werden hiezu die Grundsätze l. Th. S. 487. angeführten Schriften nützliche Hülfsmittel seyn. 2) Verbesserte Gesangbücher sind in Menge vorhanden. Bey vielen hat das Volk nickt genug gewonnen. Sie sind zu kalt und zu wenig populär. Viele alte Gesänge greifen viel stärker in die Ideen und Gefühle des gemeinen Mannes ein. Man kann daher auch mir alten Sammlungen noch sehr viel Gutes in diesem Kreise fristen, so lange man der bessern entbehrt. Lehrmittel in Landschulen. IZ7 z) An Lesebüchern für Land- und Bürgerschulen ist rein Mangel, ob es gleich an einem solchen, wie hier angedeutet ist, noch fehlen möchte. Vor allen enthalt der Rochowsche Kindeüfrcund in 2 Theilen eine Menge Materialien, mit freier Hinsicht auf die Bedürfnisse des Landvolks. Die neueste Ausgabe ist in Brandenburg lHoo. erschienen, (2 Gr. 6 Pf.) womit Loren; Anweisung zu dessen Gebrauch, 17^.5; und Funk Stoff zur Unterhaltung darüber, 1797, (10 Gr.); desgleichen v Roch ow — Handbuch in karechet. Form, 1789. (4 Gr.); Katechismus der gesunden Vernunft, 1790. (6 Gr.); Summarium, 1796. (12 Gr.) von dem Lehrer zu vcr- gleichen wäre. — Ferner: Beckers Noth- und Hülts- buchlcin, 2 Theile, (t2Gr.), wovon auch eine Ausgabe für katholische Landleute vorhanden ist, und Fausts Gc> sundheitotatechismus, (9 Bogen für2Gr.) findet steh schon jetzt in sehr vielen Landschulen. F. P. Wilm se n Deut scher Schulfreund, ein Lesebuch für Volksschulen, Ber. lin 1804. (4 Gr.). — Das an sich nützliche und auch wohl feile Seilecsche allgemeine Lesebuch für den Bürger und Landmann, 1801. (9Gr.) enthalt doch noch zu viel für die Bestimmung der Landschulen. Auch hier ist noch manches Verdienst übrig. 4) Einem thätigen Prediger kann es nicht schwer werden, mit Beyhülfe wohldenkender Menschen — wenn der Gutsbesitzer oder die Obrigkeit sich das Verdienst will nehmen lassen — einen Vorrarh der nöthigen Bücher für die Schule anzuschaffen, die in der Schule bleiben, und von Zeit zu Zeit erneuert werden müssen. Kinder, die so arm sind, daß sie dieser Hülfe nöthig haben, werden auch schwerlich außer der Schule Gebrauch von diesen Lehrmitteln machen können. Auch die Nechentaseln und Schreib- b ü ch e r, werden am besten in einem Schrank der Schul- stube verwahrt, der überhaupt in keiner fehlen sollte. Nothwendige Absonderung der Kinder. lZ8 57 - Nothwendige Absonderung der Kinder. Mit dem behrplan hangt auch die Absonderung der Anfänger von den Erwachsenen genau zusam- inen, ohne welche sich, wo nur ein Lehrer und nur ein Lehrzimmer ist, bey weitem nicht alle Zwecke des Unterrichts erreichen lassen. Vor Vollendung des sechsten Jahres sollte billig in der Regel kein Kind aufgenommen werden. Dann müßte aber eine jede Landschule, sie sey so klein als sie wolle, zwey Abtheilungen haben, und wo es irgend thunlich ist, müßten diese wenigstens die meiste Zeit abgesondert unterrichtet werden, so daß, wenn die Größern die Schule verließen, die Kleinern, die ohnehin weniger Stunden haben sollten, in ihre Stelle traten. Dieß wäre wenigstens bey denen Lcctionen nothwendig, wo unvermeidlich durch den Unterricht, welcher der einen Hälfte gegeben und von der andern bloß angehört wird, Unaufmerksamkeit und Gedankenlosigkeit befördert werden muß. Bey andern Lectionen ist das Bcysammenseyn, wenn es der Raum erlaubt, unschädlicher , wie z. B> bey den Schreibstunden der Grö- ßcrn , wo die Kleinern allenfalls im Ksen oder Rechnen geübt werden können. Anmerk. Die Eltern, welche Anfangs gewöhnlich gegen diese Einrichtung sind, würden doch bald zu überzeugen seyn, daß ihre Kinder auch bey wenigem Stnnden nur gewinnen, nie verlieren können, so bald jeder Abtheilung die ihr vejrunmre Zeit ganz gewidmet wird. Sie Schulbesuch. Sommerschule. iZ tet werde. Auch das findet leider bey dem Landvolk große Schwierigkeiten. Sie haben ihren Grund theils in der Armuth oder der Pflichtvergessenheit der Eltern, welche bey jeder Gelegenheit Kinder, die sie zu irgend einer Arbeit gebrauchen können, von der Schule zurück- halten theils in der Entlegenheit der Schule von 142 Schulbesuch. Sommerschule. dem Wohnort, wo die Entfernung nebst der Witte, rung häufige Unterbrechungen des Schulbesuchs so be^ greiflich macht In den Sommermonaten ist bekanntlich diese Unterbrechung so groß, daß an sehr vielen Orten für die Erwachseuern, die man zur Arbeit braucht, gar kein, für die Kleinern höchstens ein kurz dauernder Unterricht statt findet, so daß, was im Winterhalbjahre gelernt ist, im Sommerhalbjahre ge^ mciniglich wieder ganz oder größtentheilö vergessen wird. Dieses letztere große Uebel ist nicht unüberwindlich, wenn gehörige Einrichtungen getroffen werden; diese aber sind nothwendig, wenn eine wesentliche Verbesserung der Landschulen zu Stande gebracht werden soll ?). Ein wenn gleich unvollkommnes Supplement der Sommerschulen sind Sonntagsschulen, die auch außerdem, besonders für Kinder, die bereits dem Schulunterricht entwachsen sind, sehr viel Gutes stiften Annen. Anmerk. i) Die Frage: Ob der Obrigkeit und dem Staat die Macht zukomme, Eltern zu nöthigen, ihre Kinder zur Schule zu halten? ist schon beantwortet (Z 12. und Anm.)— Es würde sich auch zeigen, daß man, sobald nur der erste . Unwille, den die wohlthätigsten Neuerungen allemal erwecken , vorüber wäre, sich bald fügen, und wenn vollends den Kindern rechte Lust zur Schule gemacht würde, die Eltern , zu deren Herzen der Weg immer am sichersten durch die Kinder geht, bald billigen würden, was sie anfangs getadelt hätten. Es versteht sich dabey von selbst, daß alle solche Verfügungen nach dem Locale modifitirt, und auf eine ^ sanfte Art ausgeführt werden müssen. Beförderung der Sittlichkeit in Landschulen. Disciplin. 14k 2) Ob es nicht die bloße Humanitär erforderte, auch hierin Er, leichterung;u schaffen, und ws die Entfernung gar zu groß ist, Katecheten stellen zu stiften? z) An vielen Orten giebt es gar keine Sommer schulen. Auch wo sie sind, verdienen sie oft kaum den Namen. Denn ein so fragmentarischer Unterricht kann nichts fruchten. Erleichtert werden aber die Sommerschulen schon da, wo die Eitern die grösiern ihnen brauchbaren Kinder das ganze Jahr hindurch, wegen ihrer Absonderung von den Kleinern viel mehr zu Hause haben. Dann könnte auch, die allerdringeudste Arbeitszeit (die eigentliche Erndte) etwa ausgenommen, die Sommerschule nur drey Tage für die Größen,, drey Tage für die Kleinern, und gerade in den bequemsten Stunden gehalten werden. Dann entbehrten doch die Eltern die erwachsnen Kinder wöchentlich nur neun Stunden, und diese kamen gleichwohl nie ganz aus der guten Schulordnung heraus. 4) Da der Sonntag ein allgemeiner Nuhecag von andern Arbeiten ist, so könnte dann wenigstens durch einige Stunden Unterricht manches im Gedächtniß erhalten werden, wenn es denn ja für manche Schulkinder unmöglich seyn sollte, die Schule die Woche über zu besuchen. Der dadurch in der Woche so erleichterte Schullehrer könnte auch nichts dagegen einwenden. 'Außerdem waren S 0 n n t a g s s ch u l e n vortreffliche Mittel, mit der Jugend, die nicht mehr in die Schule geht, Wiederholungen anzustellen, und die Gegenstände des Schulunterrichts noch ferner mir ihnen zu treiben. Die bloßen Katechisationen sind dazu nicht hinreichend. 59 - Beförderung der Sittlichkeit in Landschulen. Disciplin.- Ein Hauptzweck des Unterrichts und seine schönste Frucht ist der Einfluß auf Sittlichkeit. Die- 142 Beförderung der Sittlichkeit in Landschulen. Disciplin. ser wird aber in Schulen nicht bloß durch Belehrungen über die Psticht, sondern auch durch diejenige Art von Erziehung, welche die Schuldlsciplin giebt, erreicht. (S. oben § Z7.) Dazu ist in den Augen vieler Schullehrer die Handhabung des Straft rechts das einzige Mittel, da es doch nur das lehre ^ seyn sollte. Es kann Falle geben, und sie werden bey I einer herrschend gewordenen Verwilderung häufiger seyn, wo den Ausbrüchen roher Sinnlichkeit oder tiefer Bosheit selbst härtere auf die Sinnlichkeit wirkende Straft mittel entgegengesetzt werden müssen. Aber diese Falle werden allen Erfahrungen zufolge seltner werden, wenn man die bessern Triebe zu wecken und zu benutzen versteht. Wißbegierde und das Verlangen nach Achtung und Lob liegt in jeder menschlichen Seele, also auch in den Seelen der Kinder des Landvolks. Durch Benutzung beyder Triebe kann inan für den Unterricht Interesse, lind für das sittliche Gute Liebe erwecken. Wenn Achtung und Lob nur der pünktlichen Erfüllung der Psticht, nur dem willigen Gehorsam, nur der Auf- ! richtigkeit und Wahrhaftigkeit, nur der Bescheidenheit und Höflichkeit zu Theil wird; wenn Trägheit, rohe Wildheit, Unreinlichkeit, Frechheit, Schamlosigkeit sicher auf Verachtung und Zurücksetzung rechnen kann, so werden gute Gewöhnungen gewiß nicht ausbleiben. Nur eigentliche Laster und Verbrechen, Dieb- stahl, Widersetzlichkeit gegen Eltern und Lehrer, vorsätzliche Mißhandlungen Andrer, besonders Schwäche« Beförderung der Sittlichkeit in Landschule». Disciplin. 74z rer, selbst der Thiere, werden jene härteren Strafen, die ja selbst die bürgerlichen Gesetze bestimmen, zu erwarten haben. Wenn dann auch im Aenßercn dafür gesorgt wird, daß die manuichfaltigen Reize zu Tastern und Sitcenverwildcrungen, welche so oft in dem Druck und der ungerechten Behandlung des Landvolks ihren Grund haben, wegfallen, so laßt sich unstreitig eine wirkliche Veredlung des Landvolks erwarten. Selbst die äußern Sitten, die zwar nicht städtisch verfeinert, aber doch in einem gewissen Grade gemildert werden sollen, weil eigentliche Sittenrohheit mit einer moralischen Cultur unverträglich, ist-, werden durch gute Gewöhnungen in der Schule zur Ordnung, Reinlichkeit, Ruhe, Anständigkeit und Sitrsamkeit am meisten gewinnen, zumal wenn der Schullchrer auch ein Auge auf das Verhalten der Kinder außer den Schulstunden richtet, und von Zeit zu Zeit die Eltern von dem Prediger in besondern Versammlungen, oder bey andern schicklichen Veranlassungen, nur nicht in Gegenwart der Kinder, über die Erziehung ihrer Kinder belehrt werden. Anmerk. Ueber die Ausführbarkeit und die Mittel vergleiche man wieder die Riemannsche Beschreibung § 89 — ic>8- und in v. d. Reck über die Verbesserung der Landschulen, den schönen Abschnitt von der Schul« disciplin, S. 205. Auf Beförderung der Sittlichkeit nehmen unmittelbar Rücksicht: M. L. Polhmanns Sitlenbuch für den christlichen Landmann mit wahren Geschichten, Leipzig 144 Beförderung der Arbeitsamkeit. 1791. (8 Gr.). Nehm an die L.hrer niederer Bürger- und Landschulen über frühe Wolluftsünben im deutschen Schulfr. 6. Band. Ueber die Reinlichkeit und deren Beförderung beym Landvolk sehe man im Jou nal für Deutschland, vom I. 1786. 2ces Stück. 1788. Ztes Stück. 1789. 6keö Dt. 6c). Beförderung der Arbeitsamkeit. Arbeitsamkeit ist ein eben so sicheres Verwahrungsmittel vor Sittenverwilde rung, als vor Noth und Dürftigkeit. Es würde daher ein wichtiger Gewinn seyn, wenn auch auf dem Lande mit den Lehrschulen Arbeitsschulen verbunden werden könnten. Sie scheinen zwar ein noch dringenderes Bedürfniß in Städten, und hier auch in der Regel ausführbarer zu seyn. Allein wenn man den gänzlichen Müßiggang so vieler heranwachsenden Kinder des Landvolks in gewissen Gegenden, besonders im Winter, die Arbeitsscheu bey mäßigen Geschäften, die noch so viel Nebenverdienst erlaubten, wenn man den wichtigen Vortheil, welchen Arbeitsamkeit auch selbst auf Wohlstand haben müßte, bedenkt; wenn man damit vergleicht, wie viele Kinder in andern Gegenden keinen Augenblick verlieren, so sollten Schwierigkeiten nicht zu sehr abschrecken; man sollte vielmehr die nun schon vorhandnen trefflichen Vorschläge und Anstalten dazu benuhen, um sie nach Beschaffenheit des Orts und der Umstände nachzuahmen. Anmerk. Aeußere Hülfsmittel zur Erhaltung guter Ordnung. 14z Anmerk. Eine ziemlich vollständige Sammlung aller über die Verbindung der Arbeitsschulen mit den Lehr schulen auf dem platten Lande gemachten Versuche und Erfahrungen, findet man ebenfalls in Krü- Nitz S. 114. angefüyrter Schrift. — Sehr gute, und da, wo bey dem Prediger und Schullehrer gleich guter Wille ist, auch ausführbare Vorschlage, hat ebenfalls der H. Semina- risteninsvector v. d. Reck zu Vückeburg gethan. S. die H gy. angeführte Schrift S. 171. — Mehr von Industrieschulen H 67. 6l. Aeußere Hülfsmittel zur Erhaltung guter Ordnung. Die gute Ordnung kann nur dadurch im Gange erhalten werden, daß genau darauf geachtet wird, ob auch die einzelnen sie pünktlich erfüllen. Es ist daher nothwendig, daß auch in den Landschulen Verzeichnisse des Fleißes und Unfleißes, des ordentlichen und des unordentlichen Schulbesuchs, der guten und der schlechten Aufführung gehalten werden, welche nicht nur von dem Prediger, sondern auch von dem obern Aufseher und der Schulcommission nachge- sehn und von Zeit zu Zeit in der Gemeine zu einer gewissen Publicitak gebracht werden müssen. Das erstere ist auch an den meisten Orten schon Vorschrift, wird aber nur zu häufig parteyisch oder mechanisch betrieben. Das letztere müßte der ganzen Einrichtung erst Kraft und Nachdruck geben, und die Eltern würden dadurch Mehr in das Interesse des Schulwesens hinein gezogen werden. Denn meistentheilö würde der Oadel der Kirr- K 146 Aeußere nöthige Anstalten. Schülhaus. Schulstube. der, die Eltern unmittelbar mit treffen. Auch zweckmäßig angestellte Schulvisitatio ncn und Prüfungen werden diesen Zweck befördern. A n m e r k. Alles Einschicken von Tabellen und Registern, Te- siimonien und Censuren hilft nichts, wenn man keine Folgen davon verspürt, und von Seiten derer, für welche die Urtheile niedergeschrieben werden, keine weitere Notiz davon genönnnen wird. Selbst die, welche die Mühe des Verfcrtigens solcher Tabellen übernehmen müssen, werden dadurch ermüdet, und die Vorstellung, daß sie alles nur schreiben, damit etwas a«k gelegt werden könne, hat «inen gedankenlosen Mechanismus zur natürlichen Folge. 62. Aeußere nöthige Anstalten. Schull) aus. Schulsrube. Auch gewisse äußere Anstalten sind wesentlich bey einer guten Landschule. Dahin gehört vor allen Dingen das Schulhaus und die Schulstube, welche theils von der Wohnstube des Schullehrers, wenn nicht Störungen und Unschicklichkeiten aller Art entstehen sollen, abgesondert seyn, theils mit der Anzahl der Lehrlinge in einem gehörigen Verhältniß stehen muß Durch beydes wird für die Gesundheit der Kinder sowohl als des Lehrers gesorgt. Hiezu trägt die darin zu erhaltende Reinlichkeit und tägliche Lüftung nicht wenig bey '). In der Schulstube selbst bedarf es nur sehr weniger Vorrichtungen. Das Bedürfniß der Kinder — kleinerer sowohl als größerer führt sie von selbst herbey. Doch ist es selbst für das Aeußere nöthige Anstalten. Schülhaus. Schulstube. 147 Lernen nicht gleichgültig, wie Banke und Mische beschaffen, und wie sie gegen einander gestellt sind. Eine schwarze Tafel znm Anschreiben; eine Buchstaben-, Syllabir- und Lesetafel von großem Druck, ein ver- schloßner Schrank zur Aufbewahrung der Bücher, Tafeln, Federn u.s.w. und wenigstens eine Sanduhr sind die nothwendigsten Gerarhschaften. Künstlicher bedarf es hier nicht. Einige kurze gedruckte Belehrungen über wichtige praktische Gegenstände, dergleichen es seht viele giebt, und eine gute Karte von Deutschland und von der Provinz, würden die beste Zierde eines solchen Zimmers seyn ^). 1) Ueber die Einrichtung der Landschulhäuser sehe man Bsehe ks Entwurf einer Anweisung zur Landbaukunst. Göttingen 1792. 2. Th. S. l66 fst 2) Was I. H. Stußin seinem Programm -^ovT-o^s- Po;. 60GLl76z. und /. tpf. 6 s - ne ^ in seinen Opu/l.'. I, x. 6i. schon bemerkt hatten, und auch Frank in seinem System der medicinischcn Policey bestätigt, daß die Ausdünstungen junger Leute wohlthätig für die Gesundheit wären, hat neuerlich ein Ungenannter, als einen grossen und beneidenswerthen Vortheil der Schulmänner, man weiß nicht, ob im Scherz oder Ernst, ins Licht gesetzt, und die Schulstuben als Oerter beschrieben, worin man die wahre Lcbenstinktur antreffe, und sicher seyn könne, sein Leben darin zu verjüngen. — Daß dieß ja nicht vor das Ohr mancher Schulvatronen und Edelleute komme, die sonst aus lauter Fürsorge für das Leben der Schuilehrer, die Schulstube wo möglich noch enger nmchen möchten, um die heilsamen Ausdünstungen zusammen zu halten ! z) Zu solchen gedrückten Tafeln für die Schulstube gehören: Struve Noth- und Hülfstafel für Erfcorne, K s 148 Von Bürgerschulen überhaupt. Erhängte, Ertrunkene, (r Gr,). Desselben i. Tafel vorn tollen Hundsbiß, von Giften, vom Verhalten beym Verschlucken, Ersticken, Gewitter, (i Gr.). — Zwey andre: Ueber Feuersgefahr und deren Vermeidung. KLthen. (2 Gr.). Zweytes Kapitel. Don den Bürgerschulen überhaupt und ihren verschlednen Gattungen. 6z. Von Bürgerschulen überhaupt. Wie man den Bürgerstand von dem Bauernstande, wegen der eigenthümlichen Verhältnisse und Bestimmungen eines jeden, unterscheiden kann, so findet auch zwischen den zur Bildung beyder Stände bestimmten Anstalten ein gewisser Unterschied statt. Zwar grenzt der Bürgerstand allerdings in seinen untersten Classen an den Stand der Landlente, und die Summe der für ihn nöthigen und nützlichen Kenntnisse möchte von der, welche wir jenem bestimmten, nur wenig verschieden seyn. Aber theils hat er doch gewisse eigenthümliche Bedürfnisse; theils verbreitet er sich in so verschiedene Zweige, und ein Theil seiner Mitglieder berührt nicht nur die Classe der gebildetsten Stande so nahe, sondern gehört, so bald man nicht Bildung mit Gelehrsamkeit verwechselt, selbst mit zu jenen, daß in dieser Hinsicht die Organisation der Bür- Von Bürgerschulen überhaupt. gerschiilen auch ein besonderer Gegenstand der pädagogischen Aufmerksamkeit geworden ist. Anmerk. Unter den literarischen Vorarbeiten verdient F. G. Resewitz Erziehung des Bürgers zum Gebrauch des gesunden Verstandes und zur gemeinnützigen Geschäftigkeit. Kopenhagen 1776. (16 Gr.), die erste Stelle, da diese Schrift so vielen Antheil an der allgemeinen Aufmerksamkeit auf die zweckmäßigere Bildung der Ungelehr- ten hat, Mit ihr sind in Desselben Gedanken, Vorschlägen und Wünschen rc. die Fragen, die bürgerliche Erziehung betreffend, 2. D. g. Stück. S. 80. und 5. B. 4. St. der Aufsatz, über Nationalcrzichung, besonders S. y., und Gedjke über den Begriff der Bürgerschulen. Berlin 1799. zu vergleichen, Außerdem nehmen auf diese Schulen besonders Rücksicht: Rist Anweisung für Schullehrer niederer Schulen, 1798- (20 Gr.), Horst ig Anweisung für die Lehrer in Bürgerschulen. Hannover 1796. (9 Gr.). C. F. Mosers Taschenbuch für deutsche Schulmeister auf die Jahre 1786 — 97. Ulm. (z Rthir 2 Gr.). Materialien des Unterrichts für die Bürgerschulen, sowohl die niederen als höheren, sind in mehreren Schriften von Based 0 w, Funk und Junker gesammelt. Dazu kommt noch Fröbing Bürgerschule, r—4. D. Hannover 1792 —1800. (6 Nthlr 4 Gr.); v. Rvch 0 tv Materialien zum Unterricht in Bürger- und Industrieschulen. Berlin 1797. (Z Gr.); und Allerley Fragen zur Beförderung des Nachdenkens, ein Leitfaden für Lehrer, von A. Härtung. DerUn 1794. (z Gr.). Nachrichten von hier und da angelegten und wohl eingerichteten Bürgerschulen, finden sich in den S. 112, uz» Bestimmung der Bürgerschulen. iZo angeführten Zeitschriften, womit man sowohl die kurze Nachricht von der Einrichtung der Freyschule in Leipzig, von Plato, 179z., als eine ausführlichere in dem Schulsr, io> Band. S. 7z. zu verbinden hat; des- gleichen die Nachr-cht von der neuen Bürgerschule in Leipzig von Grdike. igoz. 64. Bestimmung der Bürgerschule», Die ersten Gegenstände des Elementarunterrichts haben nun wieder alle Bürgerschulen mit einander gemein, so wie den Zweck, jeden Bürger auf die Stufe der Ausbildung zu heben, welche billig jeder Mensch, der in einer civilisirren Gesellschaft lebt, erreichen sollte. Daneben wäre auf die Kenntnisse Rücksicht zu nehmen, bey welchen sich vorher sehen läßt, daß der Bürger, in seinen zwar vcrschiednen, aber doch ähnlichen Berufsarten, den meisten Gebrauch davon werde machen können. So bald aber die einzelne Bürgerschule auf eine bestimmte Elaste der Bürger berechnet wird, muß die eigenthümliche Bestimmung derselben den Maaßftab und die Beschaffenheit der Lehrgegenslände an die Hand geben. Wenn daher von der Organisation der Bürgerschulen überhaupt die Rede ist, so haben wir theils auf die Schulen ffür die niedern Bürgerelasscn, die man auch — sehr unbequem — Handwerksschulen genannt hat, theils auf die Schulen für Kinder aus dem gebildeten Mittelstände, deren weitere Bestimmung noch unentschieden ist, theils auf die besondern Anstalten für den künftigen Kaufmann, Von den niederen Bürgerschulen. lZi Künstler, Forstmann und Oekonomen Rücksicht zu nehmen. Anme r k. Auch die Militärscl, u l e n und die abgeso n- derten Töchterschulen, könnten in einem gewissen Sinn zu den Bürgerschulen gezählt werden. Da sie gbex doch gewisse ganz eigenthümliche Bestimmungen haben, so sind ihnen besondere Abschnitte gewidmet worden. I. Von den niederen Bürgerschulen, 65. Beschreibung. — Lehrgegenstairde» Es giebt in großen Städten einen niederen B ü r- gerstand. In kleinen Landstädten macht er die größte Zahl der Einwohner aus. Aus Kindern dieses. Stan des gehet theils die große Classe der dienenden Personen, theils die der Handarbeiter hervor.. Oft leiden es nicht einmal dieUmstande,daßdie beyden Geschlechte in diesen Schulen getrennt werden können, weil gemeiniglich nur ein Lehrer vorhanden ist. Doch sollte man, wo es irgend möglich ist, darauf bedacht seyn, wenigstens diese in so manchem Betracht für Unterricht und Sitten wichtige Absonderung zu Stande zu bringen, und die Schule wenigstens unter zwey Lehrer zu theilen, wovon der eine die Anfangögründe lehrte, der andere den Unterricht der Reifern besorgte. Wo die Cantoren mehrerer Stadrkirchen zugleich Schul- halter sind, wäre dieß der Obrigkeit ein Leichtes, 152 Lehrgegenstände. Anmerk. S. Resewitz Versuch über die Lehrart und den Inhalt des Schulunterrichts in den kleinen Städten. Magdeburg 17YY. (6 Gr.). 66 . Lehrgegenstände. Die Lehrgegenstände für die Anfänger sind zunächst dieselben, welche bey den Landschulen aufgezahlt wurden (§ 5;.), unter den mechanischen Fertigkeiten Lesen und Schreiben, unter den Verstandesübungen, Unterricht in den gemeinnützigsten Vernunftkenntnissen, besonders aus der Natur, in der Religions- und Sir reu lehre, in dem Rechnen und in dem richtigen Sprechen und Schreibe nderMuttersprache. Für die Kinder reiferen Alters, welche mir dem Ausrrirr aus der Schule ihrer bürgerlichen Bestimmung naher kommen, würde eine doppelte Belehrn»« von großem Nahen seyn. Man müßte 1) eine Uebersicht der mannichfaltigen Geschäfte des Lebens, eine recht populäre Technologie, mit Beschreibungen der verschiedenen Na tu rpr oducte, woraus unsre Nahrungsmittel, unsre Kleidungen, Wohnungen, Geräthschaften hervorgehen, vortragen, und die Nuhbarkeit der einzelnen Handwerker beschreiben, und damit wäre 2) das nöthigste aus der Erdk linde zu verbinden, und hier, bey Erwähnung des Va rer- landes und der Provinz — was doch das wichtigste für diesen Stand ist —- zugleich das, was von der Landesverfassung und den Gesehen jedem Bür- Lehrgegsnstände. ger bekannt seyn muß, beyzubringen. — Endlich muß man z) den meist zu allgemeinen moralischen und religiösen Unterricht, in eine recht eigentliche Moral für diese Volksclasse verwandeln, und darin namentlich die besondern Pflichten der dienenden Personen , desgleichen der Arbeiter und Handwerker, sowohl in staatsbürgerlicher Hinsicht, als in Beziehung auf die, für welche sie arbeiten, verbunden mit einer practi- schen Gesundheitslehre vortragen, lauter Gegenstände, über welche in diesem Stande richtige und deutliche Begriffe noch viel zu selten sind. Ein recht zweckmäßiges sehr- und Lesebuch könnte hiezu als Leitfaden dienen, wozu wenigstens vorgearbeitet ist. Anmerk. i) Ueber die Methodik der § 6z. und 66. genannten Gegenstände s. die § 49. 2te Anmerk. angeführten Abschnitte der G r nnds. derE r z. und des Unte r richt s, in welchen auch die Hülssschriften genannt sind. r) Materialiensammlungen, in Form von Lesebuch ern, liefern unter andern folgende Schriften: Nützliche und angenehme Schule zum ersten Unterricht fürStadt- und Landkjnder. Bayreuth 1792. (12 Gr.). S. Ludwigs Bürgerfrcund, ein Lesebuch für Bürgerschulen, zte Auflage. Berlin 1796. (6 Gr.). F> L. Wagners neues Handbuch der Jugend in Bürgerschulen. Franks, am Maym i799. (8 Gr.). Desselben Lehren der Weisheit und Tugend in auserlesenen Erzählungen, Fabeln und Liedern. Leipz. 1799. (8 Gr.). G. L. Schra- ders elcmentarisches Lesebuch, z B. Leipzig 1797 —99. (l Rrhlr 4 Gp.). S. I. Ramann moralischer Unterricht in Sprüchwörtern, 6 Bände. Erfurt 1790- — 1800. (2 Rthlr). Desselben Neue Sammlung von Sprüch- wörtcrn, 4 Samml. Effun 1804. (2 Nthlr4-Gr.). Der 154 Hndustrieclasse. Volkskreund, ein Lesebuch für Bürger, z Bde. Schleswig 1792 - 94. (i Rrhlr 12 Gr.). Der rechtschaffene Handwerker. Berlin 1796. (6 Gr.). H. L. Pfaff unterhaltendes Historienbuch für Bürger und Bauersleute. Gotha i8ss. (9 Gr.). A. C Müller Exempelbuch zu Fausrs Gesundheikskatechismus, 2THG Hannover 179A. 1796. (9 Gr,). Ba!) rdt Moral für den Bürgcrstand. Halle 1790 (16 Gr.). Die Schule der Erfahrung oder durch Schaden wird man klug. Berlin i8oz. i —4. D, (2 Rchlr), — Unter den L > edersaminlungen empfehlen sich Hoppcnstädt Lieder für Volksschulen, neue Auslage, Hannover 1822. (l Nthlr), und mit Melodien 2 Rchlr. Geistliche Rcligionsgesänge für Bürgerschulen, zunächst für die jzrcyschule in Leipzig. Leipzig 1798. (8 Gr.). Gastliches Gesangbuch für Stadt- und Landschulen , von T. L. Kämpfe und I. K. F. W 0 kcnius. Leipzig 1797, (16 Gr.). Ziegenbein Religion in den besten Liedern deutscher Dichter. Braunschweig 1798. (igGr.). A. Hartungs Licdersammlung. Berllni797. (8 (Är.), Splittegarbs Lieder zur Bildung des Herzens. i2. 17?S> (d Gr.), 67 . I n d u st r i e c l a s s e. Für diese Classe von Kindern wird aber eine mit der Letzt schule verbundene In dustriean statt von der allergrößten Wichtigkeit seyn. Denn wem ist frühe Gewöhnung zur Arbeitsamkeit nöthiger, als gerade denen, welche künftig durch diese Tugend theils ihre eigne Existenz so sehr verbessern und selbst ihre Moralität sichern, theils dem gemeinen Wesen so nützlich werden können? Von einer mit jeder lehrschule für die niedern Stände verbundenen Industrieclasse, ist um so Zndustrieclasse. 155 weniger zu fürchten, daß sie der VerstandcSbildung schaden werde, da gerade dadurch in allen den Schulen, wo nur ein Lehrer angestellt ist, oder wo nach der Menge per Kinder selbst zwey zu wenig sind, eine Absonderung und Theilung in Elasten möglich wird, wodurch der Unterricht nothwendig gewinnen muß. Daß diese ArbcikS- klaffen bey Knaben ungleich mehr Schwierigkeit haben, als bey Mädchen, ist eben so wenig zu leugnen, als daß sie — Anfangs wenigstens — durchaus nicht finanz- mäßig berechnet werden dürfen, sondern daß man den Gewinn an Geschick, Arbeitöliebe und Ordnung mit in die Einnahme sehen muß, wenn sie die Kosten balanci ren soll. Aber Schulen sollen ja nicht Fabriken, sondern Bildungsanstalten seyn. Sie sollen den Staat eben darum etwas kosten, weil er dadurch brauchbare Bürger gewinnt, und ein industriöses Volk das Staatsvcrm.ögen unfehlbar vermehrt. An Planen und Vorschlagen, wie diese Arbeitslasten anzulegen, womit die Kinder zu beschäftigen, und was sonst daben für Vorsichtigkritsregeln zu beobachten, fehlt es sehr Nicht mehr. Auch sind sie durch die Erfahrung schon an vielen Orten bewährt. Es kommt also nur darauf an, sie allgemeiner zu benutzen. A nme r-k. i) Die Hauptschrist ist : A. W age m an n über die Bildung des Volks zur Industrie, Göttingen 1791, (r Rthlr), womit zu vergleichen ist: Desselben göttiiu gisches Magazin für Industrie und Armenpflege, r — 4 Band. 1789 — 1797- (5 Rthlr.). Ferner; Sextry über die Bildung der Jugend zur Industrie, Wtkingen 156 Mittel, den Unterricht in den niedern Bürgerschulen 1785. — Das Jndustrlrfchulwefcn, ein wesentliches und erreichbares Bedürfniß aller Bürgerschulen. Von C. ?. F. Lachmann Braunschweig 1802. (i Nthlr.). Ein wohl durchdachter Plan über die Arbeltsclaffe von R > eman sieht in der Berliner Monatsschrift vom Jahr 1792. October. — Eine Menge gesammelter Ideen zur Prüfung giebt die S. 114. angeführte Schrift von Krünitz, und Her fers gesammelte Nachrichten von Industrieschulen. Regensbnrg l7yz. (12 Gr.). 2) Gerade diese Arbeitsschule» wären auch die Orte, wo man gute Schriften für das Volk, an denen es jetzt so wenig fehlt, Schriften in der Manier des Volköfreundes von Schiez, des Thüringer Boten und ähnliche Salzmannische, Becker sehe und Steinbecksche, die Nationalzeitung, auch das brauchbarste aus Provincial-, Intelligenz- und patriotischen Wochenblättern durch Vorlesen gemeinnützig machen könnte. Denn wenige Kinder aus diesen Standen können zu Hause lesen, oder Bücher kaufen. 68 . Mittel, den Unterricht in den niedern Bürgerschulen dauernd nützlich zu mache». S 0 n n t a g S s ch u l e n, Bey dem Austritt aus diesen niedern Bürgerschulen, welcher gemeiniglich schon im vierzehnten bis fünfzehnten Jahr erfolgt, und womit auch die Confirmation verbunden zu seyn pflegt, hört für die Allermeisten, die nun in Dienste oder zu Handwerken übergehen, fast gänzlich alle Gelegenheit sich fortzubilden , oder auch nur das Erlernte im Andenken und in der Uebung zu erhalten, auf, wogegen nun lau- dauernd nützlich zu machen. Sonntaqsschulen. IS7 ker körperliche Thätigkeit cilitritr, bey welcher die geistige sich nach und nach verliert. Vielleicht war dieß ein Grund, warum die Alten die Beschäftigung mit einem Handwerke eines freuen Menschen unwürdig hielten. In so fern konnte schwerlich etwas wohlthätigeres für diese Classe gedacht werden, als eine sor tdau ern- de Gelegenheit, in manchem Angefangenen weiter zu kommen Denn ohne diese wird endlich alles Lesen, Schreiben, Rechnen, Alles, was von nützlichen. Kenntnissen erworben war, wieder ganz verlernt, folglich der Zweck der Schule kaum halb erreicht. Gerade hiezu waren wieder Sonntags schu len ein gutes Mittel, so fern nur die Sache nicht übertrieben, und jungen Leuten in den Jahren des Wachsthums auch Zeit genug gelassen würde, ihre körperlichen Kräfte zu üben. Welch ein Gewinn, wenn an jedem kleinern oder grösseren Drte, Stadt oder Dorf, junge Personen, die im Dienst oder auf der Lehre waren, wöchentlich nur eine oder ein Paar Stunden fortgesetzten Unterricht—- bestünde er auch in bloßen Wiederholungen — genießen, und die unentbehrlichsten Uebungen unter den Augen eines Lehrers fortsetzen könnten! Es haben hie und da schon Prediger, ohne alle Rücksicht auf Gewinn, aus reinem Patriotismus dergleichen Anstalten angefangen. Sie haben Schreib-, Rechen- und andre Lehr- schulen für solche, die nicht mehr die Schulen besuchen, eröffnet. Zeder andre gebildete Mann, dem die Bedürfnisse des Volks am Herzen liegen, würde r Z8 Mittel, den Unterricht kn den Niedern Bürgerschulen hiezu ebenfalls fähig seyn, und keine vernünftige Obrig- keit könnte etwas dagegen einwenden. Sie müßte selbst ein Beförderungsmittel der Sittlichkeit darin erkennen. Nur Zwang dürste dabey nie statt finden. Anfangs würden gewiß nur die bessern jungen Leute den Vortheil benutzen. Indeß könnte es vielleicht auch dahin kommen, daß kein Lehrling hinter dem andern würde zurückbleiben wollen. r) Mit dem wachsenden Flor der Gewerbe und des Handels, wird für die mechanischen Arbeiter, wie schon Garve (Versuche über Moral und Literatur, g. Theil S. 41.) bemerkt hat, die innere Ausbildung nur »och mehr erschwert. Dieß ist auch ganz natürlich. Die Theilung der Arbeiter, welche zur Vollkommenheit jeder Manufactur nöthig ist, schränkt jeden Arbeiter auf die bloße Wiederholung einfacher Operationen ein, führt seinem Geist also immer weniger Kenntnisse zu, und giebt ihm zu einer lebhaften 'Aeußerung seiner Kräfte eine geringere Veranlassung. In England, wo in einigen Manufakturen diese Theilung am weitesten getrieben ist — steht die Classe der gemeine» Manufaccur- arbeiter an Aufklärung weiter als ihres Gleichen in andern Ländern zurück. Eben dieß gab zum Entstehen der Sonn- kagsschulen die erste Veranlassung. 2) Zu diesen Sonntagsschulen gab Rob. Raikes, ein Buchdrucker zu Gloucester, mit Zuziehung eines benachbarten Predigers Stock, im Jahr 1784 die erste Idee. Sie wurde so unglaublich schnell an sehr vielen Orten aufgefaßt, daß man im Zahr 1788- in ganz England schon an ioo,oos Kinder zählte, die darin Unterricht genossen, und im Jahr 179z belicf sich die Anzahl der Sonntagsschulen in England auf 889- Man sehe kettle: r» « />i'e-rck on Kis -/taLkt/Zun-nr g/ Tonrior» dauernd nützlich zu Machen. Sonntagsschulen. izy 1785. Macaulay über die Vortheile der Sonn- tagsscbulen. Aus dem Englischen von Ziegen dein. Braunschweig 1794. (6 Gr.), und Berlinische Monatsschrift. Jul. 1788. Ob sie wohl in England mehr Bedürfniß als in Deutschland sind, da man dort ;. B. den Wortheil der sonntäglichen Kirchenkatechisationen fast ganz entbehrt, so sind sie doch auch hier zu Lande schon hie und da nachgeahmt worden. Auch giebt es an jedem Ort immer eine Anzahl humaner und thätiger Menschen, in deren Kreise von Zeit zu Zeit von nützlichen Anstalten die Rede ist, und die durch vereinte Thätigkeit so manches auszufüb- ren vermögen. Man muß ja nicht gerade Prediger oder Schulmann seyn, um so etwa» zu veranstalten. Und was wäre wohl leichter, als ein Paar Zimmer für den Sonntag ausfindig zu machen, wo lehrbegierigc junge Leute, nach dem Geschlecht abgesondert, einige Stunden nützlich zubrachten, indeß die Rohen diese Stunden in Müßiggang und Laster verschwenden? Was erfordert geringern Auf- wand, als einen brauchbaren Schuihalter dafür mäßig zu bezahlen? Wie viel Gutes ließe sich oft mit einer Summe jährlich von zwanzig bis dreyßig Thaler ausrichten! — Auch dieser Gedanke sey hier auf Hoffnung hingeworfen. Vielleicht daß er hie und da aufgeht. , Man sehe auch die lcsenswerthe Schrift: Ueber die zu verbessernde Erziehung unsrer Künstler und Handwerker. Nürnberg 1788. (5 Gr.). II. Von den Bürgerschulen für die gebil« dereren Stande. 69. Wichtigkeit und Bedürfniß derselben. Von der ärmeren Classe der Bürger, unterscheidet sich in einer jeden etwas bedeutenden Stadt eine l6o Wichtigkeit und Bedürfniß der Bürgerschulen. nicht geringe Classe wohlhabender Einwohner— Manufakcuristen, Kaufleute, Civilbediente, Rentirer, Oekonomcn, Künstler, Gelehrte, Prediger,— die ihr Amt oder ihr Wohlstand auf eine etwas höhere Stufe der Ausbildung gehoben hat. Ihre Kinder werden gewöhnlich für den Stand und das Geschäft ihrer Eltern bestimmt. Aber ehe sie dazu übergehen, ist es sehr wünschenswerth, daß sie nicht nur in den allgemein unentbehrlichen Elementarkenntnissen, welche § 66. genannt sind, sonchcrn auch in so manchen andern, für jeden geschäftigen Bürger brauchbaren Kenntnissen und Wissenschaften unterrichtet, und dadurch verständig, klug lind gesittet gemacht werden. Nur so ist zu erwarten, daß dieser große und wichtige Theil der Nation, in der Aufklärung seines Verstandes mit seiner übrigen Lebensweise gleichen Schritt halten, und daß selbst die allgemein gewordne Lectüre, welche durchaus eine gewisse Grundlage von Kenntnissen vorausseht, zu seiner Fortbildung wirklich etwas beytragen werde. Diesen Zweck befördern bis seht die allerwenigsten Stadtschulen, welche von den Kindern jener Bür- gerclaffe besucht werden. Sie sind noch immer auf g e- lehrte Erziehung berechnet, fangen mit Latein an, und enden wieder mit Latein; oder gerade das, was für die Meisten das Wissenswürdigste wäre, fällt erst in obere Classen, zu welchen die nicht zum Studiren, sondern für das bürgerliche Leben bestimmten Kinder nicht gelangen. Daher sollten die unteren Abtheilungen dieser Wichtigkeit lind Bedürfniß der Bürgerschulen. i6r dieser Schulen ohne Ausnahme in eigentliche Bürge r sch u l e n verwandelt werden. (§ 8 — n.). Anmerk. Man hat dergleichen Schulen, wie sie hier gewünscht werden, Realschulen genannt, weil sie sich nicht bloß mit Spra ch-, sondern auch mit Sachkenntnissen (Realien) beschäftigen. Um die Ausführung der Zdee hat sich I- I. Hecker, der Stifter der Berlinischen Realschule- welche man hernach an mehren. Orten nachgeahmt hat, vorzügliche Verdienste erworben.. Man sehe davon seine Sammlung der Nachrichten von, Anfang und Fortgang der Realschule von 1749 - 1768, verglichen mit des jetzigen Direccors A. I. Heck er kurzem Abriß der Geschichte der königlichen Realschule. Berlin 1797. (6Gr.), und vergleiche: G C Hartes Gedanken von den Realschulen. Bremen 1766. (5 Gr.). 7o. L e h r g e g e n st a n d e. Die Gegenstände des Elementarunterrichts haben nun diese Schulen, wie schon bemerkt, mit allen Schulen gemein. Hinzukommen muß aber Folgendes: i) Noch genauere Kenntniß der Muttersprache nach Regeln. Es ist äußerst wichtig/ auf das Ueber- einstimmende aller Sprachen in ihrer allgemeineren Bildung , welches sich auf die Form und die Gesehe des Denkens gründet, aufmerksam zu machen; aus der Jdeenverbindung die Beziehungen der Wörter auf einander entdecken zu lehren, und durch Gewöhnung an Construction bey der deutschen Lectüre, sowohl Verstand und Nachdenken zu üben, als auf Erlernung fremder 1Ü2 Lchrgegensiantt, Sprachen vorzubereiten. Hiemit werden 2) Uebungen jn deutschen Aufsahen aller Art, besonders Briefen, Relationen, auch kleineren Geschastssachcn verbunden. Wie viele Personen der gebildeten Stande sind im Schreiben, bloß weil sie nicht dazu geübt sind, weit hinter ihrem Conversationston zurück! z) Unten den historischen Kenntnissen verdient vorzüglich getrieben zu werden: Erdbeschreibung, allgemeine Geschichte, und namentlich die vaterländische, ttcbsi Belehrung über die Landesverfassung, Naturgeschichte, nebst einer Auswahl von Biographien merkwürdiger Menschen, insonderheit solcher Männer, die sich der Nation durch irgend ein Verdienst unvergeßlich gemacht haben. 4) Unter den w i Ilse »schriftlichen ist Mathematik und Natur- lehre fürs gemeine leben, Technologie, Gesund- hcitSlchre, eine praktische Logik oder Anweisung zum richtigen Gebrauch des Verstandes, so wenig als eine recht praktische Tugend- und Klugheirs- lehre Zu vernachlässigen, und mit dem allen eine gewisse Bildung des Geschmacks zu verbinden. ;) Unter den Sprachen verdient nach der deutschen die französische, wegen ihrer so allgemeinen Verbreitung und Brauchbarkeit, die nächste Stelle. An einer lateinischen Lection mag es für die, welche über ihre Bestimmung noch schwanken, auch nicht ganz fehlen. (S. § n. Anmqrk.) 6) Kalligraphie und Zeichenkunst sind unter den Lehrgegenstande. I6Z Mechanischen Beschäftigungen am wenigsten zu versäumen. An merk. l) Sowohl die Methodik als die Lehrbücher und Hülfsschriften sämmtlicher im § angeführten Lehrgegenstände, findet man Grundsätze i. Th. Lter Abschn 2. Abth., womit besonders auch § 41 — 62. zu vergleichen ist. Andre hicher gehörige Schriften find cbendas. § 164. und IY2. genannt. L) Der Apparat der Lehrmittel muß bey diesen HS- Hern Bürgerschulen schon ansehnlicher seyn. Ein Naturalien- und Modellen - Saal, ein physikalisches Cabiner und eine etwas reichere Äibliothek waren sehr wünschenswürdig. z) Da in diesen Schulen großentheils Kinder aus den gebildeten Standen unterrichtet werden, so findet auch eine genauere Sitten censur, wie sie K 42. beschrieben ist, bey ihnen statt, und läßt sich sehr wohl mit den halbjährigen Prüfungen verbinden. Eben diese geben auch Anlaß zu Proben von der Cultur des Geschmacks, welcher sich unter andern in gutem Vorlesen und Declamiren auscrlcsner Stücke, desgleichen in Kunstprodukten, Rissen, Zeichnungen, Modellen u. s. w. zeigen kann. III. Handlungsschulen. 7r. Bestimmung dieser Schulen. Man fangt an allgemein einzusehen, daß den Kaufmann, wenn er nicht auf einer sehr niederen Stufe stehen bleiben, oder alles dem Glück, nichts sei- L. 2 i64 Bestimmung der Handlungsschulen. nein Verstände zu danken haben soll, sein Geschäft nicht bloß mechanisch betreiben, sondern mit einem hellen Kopf auch einen Vorrath von Kenntnissen verbinden muß Gerade diese erwirbt er sich in seineü Lehrjahren am wenigsten - wo er meistens zu bloß mechanischen Arbeiten gebraucht wird ^). Es wird ihm daher schon sehr zu statten kommen, wenn er auf einer wohl eingerichteten Bürgerschule (69. 70.) erzogen ist. Aber es wird noch besser für ihn durch eigentliche Handlun gssch u leii gesorgt seyn- an welchen zugleich der künftige Fabrikant und länd- wirth, auch Wohl Kün stler, mit Nutzen Theil nehmen kann. Mit den ersten Ele m enten sollte sich eine solche Schule kaum befassen, und den Unterricht, der bis inS elfte oder zwölfte Jahr gegeben werden muß, voraussetzen. Auch dann noch wird vieles, wozu der Grund gelegt ist- fortzusetzen und dabey das zu treiben seyn, was § 70. von jeder h öheren Bürgerschule gefordert ist. Aus der Bestimmung der Schüler aber ergiebt sich von selbst, daß Arithmetik, Kalligraphie, Geographie, besonders auch mit Hinsicht auf dieProducce und den Handel der Lander (Commerzgeographie), Moral für das bürgerliche und namentlich k a u f m ä n n ische Leben, worin Ehrlichkeit, Treue, Worthalten, Pünktlichkeit, -Ordnung, Genügsamkeit an mäßigem Gewinn, als Haupttugenden des Kaufmanns dargestellt werden müssen, nebst Uebungen im Gcschäftsstil vorzüglich zu betreiben sind, und diesen i Bestimmung der Handlungsschulen. 165 Gegenständen ungleich mehr Zeit als in andern Schulen zu widmen ist. 1) Die von Busch gestiftete und von ihm in Verbindung mit Ebcling, Brodhagen und Normann viele Jahre fortgesetzte, nun aber eingegangene Ham bürgi- sehe Handlungsakademie, ist die Mutter aller ähnlichen Institute in Deutschland. (S. Umständliche Nachricht von der Hamburg. Handl. Akademie von Z. G. B ü sch, 1775.). Ihre älteste T 0 chte r ist die, durch den Eifer würdiger Euratom» und erfahrner Directorcn noch fortblühcnde, Magdeburgische Handlungsschule. (Nachricht qn das Publikum, die Magdeb. Handl. Schule betreffend, 179z.). In Berlin existirt ein Handlnngsinftitut, das aber weniger Erziehungsanstalt als Schule ist, unter der geschickten Leitung des Tnreclor Schulz. Aehnliche Institute sind, mit wechselndem Erfolg, in Crevctd von Schehl errichtet und von Nognart fortgesetzt, in Nürnberg von Leuchs, in Elberfeld von Wejssenstein. Auch in Hannover, Erfurt, Wien, Düsseldorf, Draunschweig, Homburg und Offenbach sind dergleichen errichtet, 2) Der Entwurf, „das; junge Leute, die auf einer Hand- lungsschule gewesen, leicht glaubten, schon die Sache zn verstehen, ehe sie in die Lehre kamen, und daher oft eingebildet würden,,, wird wegfallen, wenn mau auf einer solchen Schule alles nur vorbereitend treibt, und besonders den Scclcnkraftcn durch zweckmäßig gewählte Gegenstände eine solche Richtung giebt, die in der Folge das mit Verstand thun heißt, was Andre bloß mechanisch thun. Das wird sie denn auch sichern, nicht bloße Kaufleute zu werden. Denn der bloße Kaufmann bleibt, wie man schon oft bemerkt hat, um so mehr in der Cultur des Verstandes und des Charakters zurück, je mehr die !66 Eigenthümliche Lehrgegenstände. .- , -^_-_i_ , Seotonkräite bey igm nur die einige Richtung auf Ge- j winn nehmen. Daher ist der Kaufma nusgei st und Kaufmannston mit Recht unter wahrhaft gebildeten ! Menschen in üblen Ruf gekommen, wovon die Schuld , nicht auf den an sich so nützlichen, so achtungswürdigen, so j unentbehrlichen Stand, sondern nur aus die schlechte Erziehung und Bildung dieses Standes fällt, Daraus erklärt es sich, daß den dem, der nichts als Kauf- mann ist, außer der Klugheu des Gowimigcistes, so oft eine gänzliche Einschränkung des Verstandes, und daher eine mehr unwissende, als hochmürhige Gleichgültigkeit gegen alle gcldlostii Vorzüge der Menschen gefunden wird; daß er nur eine bewundernde Verehrung gegen große Capitalistcn, dagegen eine rauhe Geringschätzung der Gelehrsamkeit und der Künnc zeigt; sich alberne, dreist hingesagte Urtheile über Werke des Geistes oder des Talents erlaubt, wo ihm die Bezahlung eine Befugnis zum Urtheilen zu geben scheint; daß sein Aufwand modr dochmnihig und großthuend als geschmackvoll, seine Häuslichkeit eigen,innige ^ Ordnung, seine Religion — höchstens regelmäßiges Kirchenaehcn, Freygebigkeit gegen die Prediger, und häusliche Stuiidenandachb ist. Dsrgl. Platncrs Aphorismen, Th. f 74; "-745, 72 . Eigenthümliche Lehrgigenstande, Das Unterscheidende des Unterrichts in Handln ngsschnlcn, besteht theils in der Mittheilung solcher Kenntnisse, welche in einer unmittelbaren Beziehung auf die Handlung stehen; theils in der Verschaffung der Fertigkeiten, welche dem Kaufmann unentbehrlich sind, wenn er sich einigermaßen über das Gemeine erheben will. Zu den Kenntnissen gehöret 1) Waaren ku nde, welche so viel irgend möglich durch ein bey der Schule vorhandneä i Eigenthümliche Lehrgegenstande. 167 Waarenkabinet im Kleinen anschaulich zu machen ist. 2)H and lu ngs wisse n schaft der vecschiednen Acren des Handels; Commission, Speditionshandel, Rehderey oder Frachthandel, Assecuriren, GelvcourS und Wechselhandel der verschiednen Banken u. s. w.; z) Geschichte der Handlung; 4) Sprach« kenntnisse, besonders auch in kaufmännischer Hinsicht, namentlich des Französischen, Englischen und Italienischen. Zu den Uebungen und Fertigkeiten gehören i) das kaufmännische Rechnen, und wenn es die Zeit leidet, praktische Mathematik für Kaufleute; 2) praktischer Unterricht im Buch halten und in der Waaren- calculation; g) Uebungen im deutschen, französischen — auch wohl englischen und italienischen Sch reiben, sonderlich in der k a u fm a n - irischen Corrcspondenz; 4) Gewöhnungen zu diesen und jenen kleinen kaufmännischen Geschäften, wenn der Ort, wo die Handlungsschule ist, — der unstreitig immer eine bedeutende Handelsstadt seyn müßte — dazu Gelegenheit giebt. Ist die Handnmgs- schule zugleich Erziehungsanstalt, so wird es ein Hauptaugenmerk bleiben müssen, daß alle Verwöhnung verhütet, und die Lebensweise und Subordination wenigstens eine Vorbereitung auf das werde, was der Lehrling in seiner nächsten Lage erfahren wird. Airmerk. r) Zur merk ant« tischen Buch erkennn« iß überhaupt, und der im Z genannten Theile des kaufmämii- stl>en Unterrichts insonderheit, gehören i68 Eigenthümliche Lehrmittel, Bcckmanns Anl.ltung zur Handlungswissenschafk, nebn Entwurf zurHandlungsbiblivthek. Göttingen 1789. (8 Gr.). Grubecs Literatur für Kaufleute. Franks, und Leipz. V Zl. 1794. (16 Gr.). Eine vollständige Uebersicht des Neuesten in diesem Fach seit 1785 - 95 - liefern die beyden Repertoria der Allg. Literat. Zeit. Hiermit hat man die Journale und Hand- lungsbibliotheken von Schedel —Busch und Ebeling zu vergleichen, die, so wie die Bohn scheu Schriften, nach der neuen Bearbeitung von Brod Hagen, Ebeling und Nermann — die HandlungLzeitung von Hildt — die Anleitungen zur kaufmännischen Corre« spondenz von May, Sinapius, Büsch und der Berlinische Briefsteller für junge Kaufleute von Volte. 1799. (20 Gr.) — zum Rechnen und Buchhalten von Hoif, Bohrens u. a., den Lehrern solcher Handlungsinstitute zu empfehlen sind, Ein gutes Hülfsmittel sind auch die lkoornrox kr-MvoltLX ä I'ulgAe cle la je^insÜu, gui is vouv ooiriinLvLe, LVSC I'sx^liontlnii clox teiviiiex Iss plus clUiic:ilLS ^1. Z'. Z?^or?s/r^aZ. Kerl. 1824. r) Ueber die Erziehung des Kaufmanns s. man-. I. M. Leuchs allgemeine Darstellung der Handlungswissenschaft., yebst einigen Gedanken über kaufmännische Erziehung Nürnberg 1791. (8 Gr.), Düse das Ganze der Handlung, t. Band in z Abth. pnd a. Band r Abkh. Erfurt 1798 - 1800. (8 Rthlr.). Canzlers Abhandlung über die Bildung zur Hand? lung bestimmter Jünglinge, im Leipz. Journal für Fabriken und Kanus. 1795. S. zar. z) Ueber die Moral des Kaufmanns findet man zwar nup fragmentarische, gbcr wichtige und fruchtbare Gedanken sowohl in Ggrvens Anmrrf. W Cicero's zfen Buche^ Kunstschulen. 169 von den Pflichten, S. 67—IZ2. , als — in Zöllners Lesebuch für alle Stände, y. Theil, S. zi — 84. — Fried länders Briefen über die Moral des Handels, und — in dem Journal für Fabrik und Handl. vomJahr 1796. May, October und Dec. Etwas über die Moral der Kaufleute von Veill 0 d t er. —- S. auch Zoll»- kofcr über die Morql des Kaufmanns, Leipzig 1789. (6 Gr.). IV, Kunstschulen, 7Z, Der Name ist unbestimmt. Entweder versteht- man darunter Institute, welche zur Erziehung einzelner Classen von Künstlern, z, B, Mahler, Bildhauer, Musiker bestimmt sind, aber gewöhnlich den Namen von Akademien erhalten, und hier ausser unserm Plan liegen; oder man versteht Schulen, jn welchen neben den allgemeinen, jedem Menschen von Bildung zu wissen nöthigen Kenntnissen, besondere Mücksicht auf künftige Künstler genommen wird, und vorbereitende Uebungen veranstaltet werden. Außer den § 70. genannten Lehrgegenstandcn, würde es hiev hauptsächlich auf eine recht praktische Betreibung dey Mathematik, zumal gewisser Theile der angewandten, auf Cultur des Geschmacks, sowohl durch die Werke der redenden als-der bildenden Künste, auf Geschichte der Kunst und auf Bekanntmachung mit den für den Künstler besonders wichtigen Theilen der Literatur anzulegen seyn, Dadurch würde, Ms ss 1—0 .Kunstschulen. oft der Fall nicht ist, der Künstler urchc nur an allgemeiner V.rstandesbildung gewinnen, sondern der Verrath von Ideen würde selbst seiner Kunst in vielen Fallen beförderlich werden können. Nur große Städte eignen sich zu Kunstschulen dieser Art. Da übrigens die zeichnenden Künste in einer so genauen Verbindung mit vielen Gewerben und Geschäften des bürgerlichen Lebens stehen, so ist es schon ein großer Vortheil, wenn in Städten, wo es keine Kunstschulen, giebt, deren überhaupt noch sehr wellige sind, eine Aü- stalt vorhanden ist, wo die Lehrlinge und Gesellen der Handwerker Anleitung zum Zeichnen bekommen. , Jede Obrigkeit sollte dafür Sorge tragen; Kunsifleiß und guter Geschmack würde dadurch gewinnen. Aumerk. Mau s. den Entwurf einer neuen Einrichtung der Kunst Schule bey der K Realschule in Berlin. 1785.; A. Brey istgs Skizzen, Gedanken, Entwürfe, Umrisse, die bildenden Künste betreffend, -Hefte. Magdeburg 1799. i8uo. (l8 G>'.); und vergl. I. A. Ortlof Preiöschrift über die Handwerker und ihre Ausbildung. Erlangen 1799. (8 Gr.). V. Institute für besondre Bestimmungen. 74 . Auch für den künftigen Oeko nomen, Forstmann und Bergmann lassen sich ähnliche, ganz auf seine Bestimmung berechnete Institute denken, und es sind dazu auch schon hie und da glückliche Versuche Institute für besondre Bestimmungen. i-, gemacht worden. Indeß können sie, wegen der Schwierigkeit einer hinreichenden Anzahl erfahrner lehrcr, nie zahlreich werden. Auch scheint es gerade bey der Vorbereitung zu diesen Geschäften ganz unentbehrlich, eine beständige Praxis mit der Theorie zu verbinden, folglich unmittelbar unter den Augen der Sachkundigen zu lernen. Wird also nur dafür gesorgt, daß die Jünglinge, welche zu jenen Geschäften übergehen sollen, in zweckmäßig eingerichteten Bürgerschulen die allgemeinem Kenntnisse einsammeln können, und eilt man nicht zu früh mit ihnen von diesen hinweg, so würde der Zweck, auch diese Stände mehr zu cultiviren, dennoch erreicht werden können. Anmerk. Die Idee cir-es Forstmsiituts hat z. B. Wechsle in erst zu Waltershausen im Gothaifchcn ausgeführt, und setzt dasselbe seit mehreren Jahren zu Dreißig bey Mei- uingen fort. S. auch Stoutz— Betrachtungen über die Anlegung der L rgniaunssckulen — in den Beobachtungen aus der Naturkunde von der Berlin. Gesilisch. der Naturforsch. Freunde, 2. Band. — Die vortreffliche Freyberger Bergakademie ist selbst im Auslande nicht unbekannt. Drittes Kapitel. Von den Töchterschulen. 75 . B 0 r e r i u n e r u n g, Man mag noch so verschieden über die beste Art der Erziehung des weiblichen Geschlechts, besonders von ,7? Von den Töchterschulen. l. > , »? » > ! ' " — - >—— — . > — » Seiten des Grades ihrer Ausbildung in den mittlern und höheren Standen, denken — wovon ein Mehreres jn der 4ten Abtheilung — darüber sind wenigstens die Verständigen einig, daß deutliche Begriffe von allgemein nützlichen Dingen und Uebung im richtigen Denken, dem Mädchen so nothwendig als dein Knaben, daß daher ein zweckmäßiger Unterricht ein allgenzeincs, obwohl auch im Ganzen noch zu wenig beachtetes Bedürfniß sey; daß endlich von der zweckmäßigen Bildung der Töchter nach den verschiednen Ständen, ungemein viel für die Güte der künftigen Generation abhänge. Die angeregte Thätigkeit für das Schulwesen, hat wenigstens angefangen, auch hierauf schon einen wohlthätigen Einfluß zu äußern, obwohl über Töchterschulen noch wenig und meist nur beyläufig geschrieben ist. Anmerk. Vieles über diesen Gegenstand kommt in hen allgemeinen Schriften über weibliche Erziehung vor. Auch enthalten die encyklopädischen Werke für den Elementarun- > serricht, so wie die Schriften über Land- und Bürgerschulen, piele brauchbare Materialien. Man vergleiche hiemjr den kurzen aber schönen Aufsatz von Stuve über die Nothwendigkeit der Anlegung öffentlich?? Töchterschulen für alle Stände, welche dem zweyten Fragment von Eam- pens ungenutzten Mitteln zur Beförderung der Industrie. Wolftnbüttel l?86., beygefügt ist. Desgleichen j Ustcri über dir Töchterschule in Zürich, und A. Har- , fungs kurze Nachricht vpn der Einrichtung der Ber» ! lsiier Zöchkkrschyle, Berlin 1792. ! Unterricht auf dem Lande.. t 7g 76 . Unterricht der Landmädchen. So wünschenswerth in allen Schulen eine Ab; sonderung der beyden Geschlechter an sich wäre, so ist doch zunächst in den niederen Ständen nicht darauf zu rechnen. Sie würde mehr Lehrer, mehr Lehrzimmer und mehr Aufwand erfordern, als die bisherige Einrichtung. Indeß ist auch das Bedürfniß einer solchen Absonderung hier weniger dringend, als in den mittleren und höheren Standen. In den Landschulen kommt es ja hauptsächlich auf das an, was billig beyden Geschlechtern gemein seyn soll; auf die Erlernung der unentbehrlichsten Elementarkenntnisse, auf die ErwcckliUg der Aufmerksamkeit und des Nachdenkens, auf die Ausbildung des gesunden Mensch cn- schenverstanVes, auf die Anregung und Belebung sittlicher Gefühle durch religiösen und moralischen Unterricht, und auf gewisse Fertigkeiten, welche dem Mädchen eben so nützlich als dem Knaben werden können. Die Anweisung zu weiblichen Arbeiten kann entweder im Hause gegeben werden, Wels doch in dieserir Stande seine begreiflichen Schwierigkeiten hat- ydet die Kinder bleiben eine Stunde langet als die KttübM bey einer Lehrerin. Bekommen die Land- und niederer Bürgerschulen nur zunächst die zweckmäßige Einrichtung, die in den vorigen Kapiteln beschrieben ist, so kann auch ferner der Unterricht beyder Geschlechter ohne Bedenken gemeinschaftlich ertheilt werden, da zumal Töchterschulen für die armer» Classen die Einfachheit der Sitten, nnd die glückliche Unbe- kanntschaft mit einer allzu frühen Cultur der feinern Gefühle, es auch von andern Seiten unbedenklicher macht. 77 ' Töchterschule» für die ärmer» Classe» der Stadtbewohner. In etwas großem Städten läßr es sich indeß eher erreichen, daß die Mädchenschulen von den Knall» e n s ch u l e n getrennt werden. Es ist auch schon an vielen Orten geschehen. In diesem Falle würde der Lchrplan, im Ganzen genommen, keiner Abänderung bedürfen. Denn es laßt sich nicht absetzn, welche von den § 66. genannten Lehrgegenstandcn man der weiblichen Jugend, auch der niedrigsten Volksclafse, entziehen sollte. Indeß würde doch der Lehrer sichs zum Gesetz zu machen haben, bey der Behandlung der einzelnen Materien eine beständige Rücksicht auf das Geschlecht und dessen wahrscheinliche künftige Bestimmung zu nehmen, in der Methode selbst aber die Eigenthümlichkeit desselben möglichst zu benutzen, auch dse in der Natur gegründete frühere Entwicklung nicht zu Übersehen Der Unterricht in weiblichen Arbeiten ist aber hierum so wesentlicher, se mehr auch dadurch die armern Classen an Brauchbarkeit für das Leben, und selbst an Mitteln gewinnen, sich ihren Unterhalt reichlich zn verschaffen. Ungeschicklichkeit und Trägheit gehören zu den ergiebigsten.Quellen des weiblichen Elends der Stadtbewohner. i7S i) Die künftige Bestimmung der Kinder der ärmcrn und arbeitenden Classe, macht Geschicklichkeiten, auf die besonders junge Lehrer so gern hinarbeiten, z. B. schriftliche Aufsätze- u. dgl. ganz entbehrlich. Arbeitslust ist viel wichtiger als Schreib- und Leselust für sie. Daß man ja dir Grenzen hier nicht überschreite. Man thut den Kindern den schlechtesten Dienst. I) Dazu ist in der That bey allen Arten von Lcctionen Gelegenheit. Zn dem moralischen Unterricht, von den Pflichten und der Bestimmung des weiblichen Geschlechts, würden die Beyspiele vornehmlich von guten Töchtern, Dienstboten u. s. w. herzunehmen seyn. Diese weiblichen Dienstbsthen sind oft sehr früh zum Kindcrwarren bestimmt. Warum nicht sie gelegentlich lehren, was Kindern besonders schädlich und nützlich ist wie man sich bey Krankheiten derselben zu verhalten habe? u. s. w. Zn den Materialien, zur C'rwcckung der Aufmerksamkeit auf die uns umgebende Welt und ihre Theile, würde man besonders auf solche Kenntnisse, welche dereinst in der Wirthschaft brauchbar sind, zu sehen haben. Zm N e ch e n u n - ler richt giebt es ebenfalls vieles, was gerade dem weiblichen Geschlecht interessanter als dem mistigen ist; — die Preise gewisser Lebensrnittel und Haushaltungssachen, gewisse R echnungsarten und N e chnungsvorrhei -- l e, wovon in der Wirthschaft oft Gebrauch gemacht werden kann. Auch bey dem Schreibunterricht könnte man manches von weiblichen Kenntnissen beybringen, und zu den Schrcibübungen besonders dergleichen Aufgaben wählen, die künftig selbst von Dienstbothen oft verlangt werden, z. V. kleine Rechnungen über Ausgaben, — Marktzettel u. s. w. z) Zn den weiblichen Arbeitsclasson ist Alles, was bloß Küngeley und selten vorkommende Arbeiten betrifft, zu entfernen, und nur dahin zu sehen, daß das allgemein brauchbare recht gelernt werde. Die zweckmäßige Einrich- 176 Töchterschulen für die mittlere Bürgerclasse. tung der Jnduftrieclasse bringt dieß ohnehin mit sich, und sie ist bey Mädchenschulen für die ärmern Classen das uncnr. behrlichste Bedürfniß. 78 . Töchterschulen für die mittlere Bürgerclassc. In Töchterschulen für die wohlhabendere Bürger- classe, würde man unstreitig einige Schritte weiter in der Ausbildung gehen können, obwohl, so lange nicht von den eigentlich gebildeten Standen die Rede ist, auch hier die Grenzen nicht zu sehr zu erweitern sind. Die leichte Bildsamkeit, und das schnelle Fassungsvermögen der Mädchen, könnte manchen Lehrer leicht dazu verführen. Man darf aber nicht vergessen, daß für seht wenigstens das Männliche Geschlecht in diesen Standen noch nicht genug gebildet wird, Und daß selbst manche Handwerke einer höher» Geistesculrur Hindernisse in den Weg zu legen scheinen. Es muß folglich in der Bildung des andern Geschlechts auch ein gewisses Verhältniß dazu beobachtet werden. Daher bleiben auch in diesen Töchterschulen die Hauptgegenftande dieselben, welche § 66. genannt sind. Von einer Frau, die einen rechtlichen Bürger glücklich machen soll, fordert Man doch hauptsächlich nur, daß sie einen gesunden Verstand und ein richtiges Urtheil über Dinge des bürgerlichen Lebens habe; daß sie das Praktische der Religion kenne, und auf das Leben überzutragen wisse; daß sie Mit den allgemeinen Men- fchenpflich ttN und mit den Pflichten ihres Ge-- Töchterschulen für die mittlere Dürgerclasse. r?7 Geschlechts in allen ihm eigenthümlichen Verhältnissen gehörig bekannt sey; daß sie von der Natur, und besonders denen Produkten derselben, welche ein gewisses ökonomisches Interesse haben, sich deutliche und richtige Begriffe erworben habe, und dadurch vor thörichtem Aberglauben und blinder Anhänglichkeit an das Hergebrachte verwahrt bleibe; daß sie zwar fern von lese sucht, aber doch im Stande sey, ein aemeinnüHiges Buch mitVerstand zu lesen; daß sie orthographisch und kalligraphisch schreiben, sich in den gewöhnlichen Aufsaßen, Briefen, Quittungen u. dgl. richtig ausdrücken, und, so weit es für das Hans nöthig ist, rechnen könne; daß sie endlich so viel von ihrem Vaterlands und Wohnorte wisse, als billig jeder active Staatsbürger und jede Staatsbürgerin wissen sollte. Aber eben so wichtig ist es für sie, daß sie damit Geschicklichkeit in weiblichen Arbeiten und Geschäften verbinde, die ja ihr eigentlicher Beruf sind. Findet sich alles dieses zusammen, so wird sie unstreitig die Pflichten einer Hausfrau vollkommen erfüllen, und aller übrigen Kenntnisse ohne allen Schaden, oft so gar zu ihrem wahren Besten entbehren. Wer möchte nicht wünschen, in den Töchtern unsers Bürgerstandes solche ehrenwerrhe Hausfrauen aufwachsen zu sehen? Dazu sind aber noch in den meisten Mädchenschulen die Anlagen und Anstalten zu schlecht. Worauf es bey ihrer Verbesserung, bey M 178 Töchterschulen für die gebildeten Stände. dem Lehrplan und bey der ganzen Einrichtung des Unterrichts ankomme, ergiebt sich aus dem Vorigen. A n m erk. i) Die Lehrb ü ch e r in diesen Schulen könne» und müssen auch fürs erste, in Ermangelung eigener, dieselben seyn, deren man sich in den Knabenschulen bedient. Ein recht zweckmäßiges Lesebuch für sie, welches auf die in diesem § und in der Anmcrk. zu K 77. gemachten Bemerkungen Rücksicht nähme, gehört noch unter die Bedürfnisse. Zum moralischen Unterricht ist auch hier der Rochowsche Kiuderfrcuud, von Schlez bearbeitet, vnd Reinhards Mädchenspiegel, Halle 1799. (8 Gr.) vorzüglich zu empfehlen. 2) Daß auch in dieser Schule Lchrstunden mit Arbeitsstunden abwechseln müssen, bedarf keines Beweises. ES ist dabey vorzüglich zu wünschen, daß die Lehrerinnen recht geschickt, theils recht lehrfahig, theils recht moralisch gut, von gesetzten Jahre», von ernstem und sanften Charakter seyn, und das; die Vorsteher der Schulen ein genaues Auge auf sie haben mögen. Abwechselnd kann in diesen Arbeitsclasscn auch etwas, nützliches vorgelesen oder gesungen werden. 7S> Töchterschulen für die gebildeten Stande. > Für die gebildeten Stande, wozu der sogenannte vornehme Bürg erstand und der Adel gehört, sind wenigstens in großen Städten gute Töchterschulen ein nm so größeres Bedürfniß, je mehr sie fast allein das Mittel werden können, einer gewissen falschen Bildung zuvorzukommen, die entweder durch manche Hauslehrer und Gouvernanten oder durch verkehrte bectüre veranlaßt wird. S» bald man nehmlich zugiebt, Töchterschulen für die gebildeten Stände. i7y worüber man doch endlich einmal einverstanden seyn sollte, daß dre Erfüllung aller weiblichen Pflichten mit einem wahrhaft aufgeklarten Verstände, einem Verrath gemeinnüylger Kenntnisse, und einer durch Wissenschaft und Kunst hervorgebrachten Cultur des Geschmacks sehr wohl bestehen, und daß ein junges Frauenzimmer dieß alles besitzen könne, ohne deshalb an den verrufnen Namen einer Gelehrten Ansprüche zu machen, so ist es auch höchst wünschenswürdig, daß es dazu an zweckmäßigen Anstalten nicht fehle. Sie sind fast das ein- ^ zige Mittel, den Ton der weiblichen Gesellschaften zu verbessern. In diesen dreht sich noch so allgemein die Unterhaltung — wenn ja das Spiel zur Unterhaltung kommen laßt — um kleinliche Gegenstände, bloß weil sie der Neugier, der Eitelkeit oder der Verleumdung Nahrung geben, herum, oder betrifft, wenn sie köstlich ist, die Hausangelegenheiten der Küche, der Kinderstube und der Dienstbothen, aber auch dieß nieistentheils auf eine Art, wobey nichts gewonnen, nichts gebessert, nichts gelernt, sondern nur die Zeit verschwatzt wird, und, wenn man sich getrennt hat, eine Jede nur Seoff mitnimmt, über das, was von andern gesagt ist, unfreundliche Anmerkungen zu machen. In dem letzteren Fall sind nicht sowohl die Gegenstände der Unterhaltung, als die Art ihrer Verhandlung das, was man tadeln muß, und gerade dieß hat seinen Hauptgrund in der mangelnden Geistesbildung. M - Gegenstände des Unterrichts r8o 8v. Gegenstände des Unterrichts. Daß man sich denn nur hüte, die Ausbildung junger Frauenzimmer in den höher» Standen allein', oder auch nur hauptsächlich darein zu setzen, daß ihr Geschmack durch allerley unstreitig zierende und gefällige Kenntnisse und Künste gebildet werde. Denn diese sind allenfalls entbehrlich; ja sie sind sogar schädlich, wenn das viel Wichtigere und eigentlich Wesentliche, die wahre Aufklärung des Verstandes, die Gewöhnung an ein deutliches, richtiges und ordentliches Denken, und die Cultur des Herzens durch Erkenntniß und erweckte Liebe zur Pflicht, darüber versäumt wird. Die bey weitem wichtigsten, mit beständiger Uebung des Verstandes und Anregung des eignen Nachdenkens zu verbindende Gegenstände des Unterrichts, sind daher Bekanntmachung mit den gemeinnützigen Kenntnissen aus der Natur und dem menschlichen seben, Unterricht in der praktischen Religion s- und Sittenlehre; dazu komme eine planmäßige Erlernung der Muttersprache, Anleitung zum verständigen und fruchtbaren Lesen nützlicher, d. i. solcher Bücher, in denen wirklich etwas gelernt, nicht bloß die Phantasie beschäftigt wird, und die auch wohl eine nähere Beziehung auf Bestimmung und Geschäfte des Geschlechts haben; — ferner allgemeine Uebersicht der Geographie und Geschichte, Uebungen in den mechanischen und an- in höhern Töchterschulen. 78k dern Fertigkeiten, Schreiben, Rechnen, besonders Kopfrechnen, Zeichnen, besonders mit Hinsicht auf weibliche Arbeiten; endlich auch französische Sprache. Die Bildung des Geschmacks kann am besten mit dem Unterricht in der deutschen Sprache und dem deutschen Stil, der sich vorzüglich auf Briefe und Aufsähe aus dem gemeinen Leben einzuschränken hat, desgleichen mit der Lcctüre guter deutscher Schriften verbunden werden, wobey sich auch manche zum Verstehen der Werke des Geschmacks unentbehrliche Sachkenntnisse, z. B. aus der Mythologie, gelegentlich beybringen lassen. Anmerk. i) Die Methodik der im § angeführten Lehr- gegenstände, darf hier ebenfalls aus den dahin gehörigen Abschnitten des ersten Theils vorausgesetzt werden. Von den dazu nöthigen Lehrbüchern gilt, was § 77. Anmerk. i. gesagt ist. Es steht zwar auf manchen der Zusatz: „ f ü r Damen, fürjunge F r a u e n z i m m e r „ u. s. w. Wir haben Sprachlehren, Seelenlehren, Naturleh - ren, Geograph! een, Geschichtbücher, Rechenbücher, Botaniken, und was nicht alles mehr? — für die Damen. Man findet aber hinter diesem Schilde, mit wenigen Ausnahmen, selten etwas anders, als was jedes andere Buch für Männer und Jünglinge enthalt. Indeß thun doch Lehrer und Vorsteher wohl, sich mit der Literatur der Schriften, welche besonders für das weibliche Geschlecht bestimmt sind, näher bekannt zu machen, selbst um vor manchem Buch warnen zu können, was sich gefällig ankündigt. 2) Bey der Geschmacksbildung, ist bey dem weiblichen Geschlecht ganz besonders in Anschlag zu bringen, was in den Grunds. Th. i. § 98. Anm. 2. über die Lectüre gesagt ist. Denn ein zu Gegenstände des Unterrichts iFr starker Hang zum Lesen ist jungen Frauenzimmern um so gefährlicher, weil ihre Phantasie bey einer stilleren Lebensart ohnehin so leicht thätig wird. — Auch gehören zu dieser Bildung nicht alle die Uebungen, weiche für Jünglinge nützlich sind. So macht z. D. das mit A c: ion verbundn? Declamircn, nicht einmal einen angenehmen Eindruck; denn man findet mit Neckt, daß es sich mit der Weibir ch - keit und der liebenswürdigen Bescheidenheit nicht wohl verträgt, wenn ein junges Mädchen vor einem großen Publikum allein dasteht, und eine Rede hält. Für Kinder hat es etwas unna ürliches, für Erwachsnere etwas Theatralisches. Lehre man sie nur richtig und angenehm vorlesen. Bey kleinern Dialogen fällt das Unnatürliche eher weg, wenn die Gespräche selbst mehr unschuldige Zamilienstencn sind. 81 - Fortsetzung. Weibliche Handarbeiten. Geschicklichkeit in den weiblichen Handarbeiten ziert jedes Mädchen und jede Frau, selbst in den höchsten Ständen; und wer Sinn für das Wahre und Gute hat, sieht sie alle lieber am Stickrahmen und Nähtisch, als an Spieltischen, wäre auch selbst jene Arbeit nur Spiel der Nadel. Ein guter Grund ist hier wie überall zu legen. Die Arbeiten, welche allgemeine Bedürfnisse sind, Stricken und Nähen, desgleichen die Anleitung zum vorcheilhaften und geschickten Zuschneiden der verschiednen zum Anzug und Putz gehörigen Stücke, sollten Hauptsache bleiben; und man müßte vorzüglich darauf halten, daß sie zu einem Hohen Grade von Vollkommenheit gebracht wür- in HSHern Töchterschulen. i8Z den. Denn es ist gut, wenn auch die reichste Frau wenigstens über fremde Arbeit aus eigner Kenntniß urtheilen kann. Erst wenn diese erworben ist, gehe man zu den feineren und künstlicheren, besonders der Stickerey über, damit nicht über dem Entbehrlichen das Unentbehrliche versäumt werde *). Wie nützlich wäre es, wenn hiemit eine Art von Technologie und Waaren künde verbunden chürde, um theils das Entstehen und die Verarbeitung der verschiednen Products, (Wolle, Zeuge, beinewand, Kattun, Baumwolle, Seiden, s. w.); theils die Güte und den Werth schätzen zu lehren. Dieser Unterricht ließe sich sehr wohl von einem die Aufsicht führendem Lehrer, während der Arbeitsstunden ertheilen '). Von dem Unterricht selbst und den Lehrerinnen gilt, was §,77. Anm. 2. bemerkt ist. 7) Sehr geschmackvolle Werke, welche sich anf weibliche Kunst- arbeiten beziehen, sind: I F. Netto Zeichen-, Mahlerund Skickerbuch zur Selbstbelehrung für Damen. Mir ausgemahlten Kupfertafcln und auf Tasten! mit Seide und Gold gestickten Modelltüchern, Leipzig 1799 — r8oo. z Thle. (27Nthlr. — Bloß mit ausgemahlten Kupfeuafeln, iy Rchlr.). Wasch-, Bleich-, Platt - und Rähbuch, mit 12 Kupfern, (z Nthlr 12 Gr.). Desgl. Neueste Muster zum Sticken für Damen, z Sammt. Leipzig (10 Rchlr.). 2) Dazu kann der Lehrer sich aller techn 0 i 0 gisch e n Werke, (Grunds. I.TH.S.4ZZ-), desgleichen des Bohnschen und Schedelfchen Waarenlcxicons und Wörterbuchs, und der Hausmutter von Germershausen, (8 Rthlr. 12 Gr.), wie auch mancher lehrreichen Aufsätze in dem l?4 Wer soll in Töchterschulen unterrichten? Journal des Luxus und der Moden, 1786 — 99. bedienen. z) Ueber die Nähschulen von der physisch-moralischen Seite betrachtet, ist der Aufsatz im deutschen Schulfreunde, 15. D. S. z. Wohl zu beherzigen. 82. Wer soll in Töchterschulen unterrichten? Daß der Unterricht der Tochter, die noch in den Kinderjahren sind, in den niederen Standen von Lehrern besorgt werde, hat kein Bedenken. Anders ist der Fall bey erwachsenen Schülerinnen und überhaupt in den durch Sittencultur verfeinerten Ständen. Junge Lehrer sind in der That nicht die schicklichsten Personen, um Frauenzimmern, die sich den Jahren der Reife nähern, oder schon dazu gelangt sind, über Gegenstände Unterricht zu ertheilen, die theils sehr viel Ernsthaftigkeit theils sehr viel Vorsicht erfordern. Man müßte das Spiel der menschlichen Empfindungen und Leidenschaften, und die Gewalt der Phantasie in den kritischen Jahren der Entwicklung nicht kennen, um daran zu zweifeln. Am sichersten würden unstreitig weibliche Lehrerinnen seyn. Schade nur, daß gerade an diesen ein so großer Mangel ist, und ungeachtet der Menge von Erzieherinnen und Gouvernanten, es noch an allen Anstalten zu ihrer Bildung fehlt; daher denn auch die meisten so unwissend sind, daß die — oft noch dazu höchst unvollkommne — Kenntniß der französischen Sprache, alle übrigen Mängel bedecken muß. Unter diesen Umständen eignet sich ein gesetzter und verheyra- Cultur der Sittlichkeit in Töchterschulen. i8s rheter Mann am allerbesten zum lehrer solcher Schulen, so wie gebildete, verständige und tugendhafte Frauen zum Unterricht in den weiblichen Arbeiten. Indeß werden auch geprüfte junge Männer unter gehöriger Aufsicht des Vorstehers oder der Vorsteherin unterrichten können. Es ist aber sehr rathsam, daß, wo es irgend erreicht werden kaun, diese Aufsicht nie fehle. A n m e r k. Wenn erst mehr allgemeines Interesse an solchen Anstalten erwachte, die doch für alle Eltern in größeren Städten so wichtig sind, so dürste auch wohl mancher Mann in andern nicht zu sehr beschäftigten Aemrcrn nicht abgeneigt seyn, am Unterricht Theil zu nehmen. So könnte ein geschickter Prediger, oder ein Schulmann, der etwas Zeit übrig hatte, den Religionsunterricht, ein andrer die g e - meinnützigen Naturkenntnisse, ein andrer die Geographie und Geschichte, ein andrer das mehr ökonomische übernehmen. Warum müssen denn gerade nur Canvidaten oder eigne Lehrer zum Unterricht gebraucht werden? 8Z- Cultur der Sittlichkeit in Töchterschulen. Je mehr das weibliche Herz durch seiue sanftere Stimmung guter Eindrücke empfänglich, je lenksameres im Ganzen, und je geneigter es ist, auf guten Rath zu hören, desto leichter wird es auch verständigen Lehrern und Lehrerinnen werden, zu einer guten Erziehung durch den Schulunterricht mitzuwirken, und sie selbst da, wo sie im Hause fehlt, gewissermaßen zu ersetzen. Im Allgemeinen geschieht dieß schon durch die gute Ordnung und PtillttstaMt, wozu man die Lehrlinge gewöhnt, und 186 Cultur der Sittlichkeit in Töchterschulen. durch das bey aller Gelegenheit erweckte Gefühl für das Gute und Ehrende. Ganz besonders sind bey diesem Geschlecht auch in der Schule die Zugenden zu befördern, welche ihm wo möglich noch unentbehrlicher als dem unsrigcn sind: Reinlichkeit, Anständigkeit im Anzüge, die selbst mit der Dürftigkeit verträglich ist, > Schicklichkeit, Beseheidenheic, strcnge Sitt - > samkeit in M i e n e n und Gebehrd en, Frcund - ^ l i ch k c i t, G e f ä l l i g k e i t, F c i e d fe r t i g k e i t, Nachgiebigkeit, Zufriedenheit. Die ganze Behandlungsart der Schülerinnen müßte Hiebey auf den Charakter und die Bestimmung ihres Geschlechts berechnet j seyn. Gutes Beyspiel, reiner Sinn in allem was gesprochen wird, Entfernung von allein Leichtsinn, aller Frivolität, aller Tandcley, mehr ernster als rührender oder wohl gar empsindelndec Zon — dieß ists, wqs den Lehrer des weiblichen Geschlechts geziemt. Dadurch kann er oft vieles auslichten, was die häusliche Erziehung versäumt oder verderbt. Auch in den positiven Hülfsmitteln ist eine weise Rücksicht auf das Geschlecht zu nehmen *). A n merk. Eine harte Schulzucht ist hier noch mehr an der unrechten Stelle. Aber die stärkeren Anregungen des Ehrtriebes scheinen fast eben so bedenklich zu seyn. Wenn das weibliche Geschlecht mehr schon von Natur mehr Hang zur Eitelkeit hat, so lehrt doch die Erfahrung, daß er sehr leicht entsteht, und daß der Lharakrer unglaublich dadurch leibet. Daher sind alle Arten von auffallenden Auszeichnen, alle Ehren - und Tugendzeichen als Bekohlt ungs Mittel, alle Ranglisten, alles zu laute öffentliche Bedürfniß der Militärschulen. 187 Lob schwerlich zweckmäßig, wenn sie auch bey einzelnen unschädlich seyn sollten. Sie erwecken hier auch noch mehr Neid, als bey Knaben. War die gute Tochter und Gattin immer am meisten leiten soll, ist neben dem Pfliehtgc fü h l das Bewußtseyn, Zufriedenheit und Liebe erweckt zu haben. Wo Kindern dieß gelang, da äußere man es durch stillen Beyfall, durch ernstes und sehr mäßiges Lob in den wöchentlichen Zeugnissen, durch bcwicsucs Vertrauen. Auch das ist Erziehung fürs künftige Leben. Sie lernen — „Verdienst durch stille Häuslichkeit „und bey Verdienst — Unsichtbarkeit. So halte man es auch bey den P r ü funge n. Man hüte sich selbst hier, Talente schimmern zu lassen. Das weibliche Talent wird liebenswürdiger hinter dem Schleyer der Verborgenheit, und bildet sich in der Stille am besten aus. Der Jüngling muß auf der Bühne des Leben» als Sprecher, Redner, Lehrer, Richter eine Rolle spielen. Der Schauplatz des Weibes ist das Haus. Man führe , also auch in frühen Jahren mit den Kenntnissen und Tugenden der Kinder dieses Geschlechts keine Schauspiele auf. Man schwächt dadurch so leicht die schöne schüchterne Weiblichkeit, und regt allerley Leidenschaften an, die nur zu früh von selbst erwachen. Das übrige gehört mehr zur weiblichen Erziehung, wovon Grundsätze 2. Th. 4. Abschn. nachzulesen ist. Viertes Kapitel. Von den Militärschulen. 8 - 4 - Bedüriniß dieser Schulen. An allen größeren Staaten macht der Stand der Krieger einen sehr ansehnlichen Theil der Volksmenge aus. Fürs erste ist auch keine Hoffnung, daß das Zeitalter 188 Bedürfniß drr Militärschulen. der allgemeinen Aufklärung und der wahren Human isation kommen werde, wo man einsähe, daß der Krieg „der Menschheit Brandmark alle Jahrhunderte durch,, ganz aufhören, daß Vernunft und Gerechtigkeit, nicht das Schwerdt, zwischen den Fürsren und den Völkern richten müsse. Es werden noch lange große flehende Heere, so drückend sie auch für den Staat sind, nöthig seyn, um ihn zu sichern; es werden noch lange unzählige Menschen die Opfer der unvermeidlichen Uebel werden, welche in der Narur des Militärstandes liegen. Selbst die guten Regenten, welche ihren Völkern den größten Segen, die Erhaltung des Friedens zu sichern wünschen, werden sich nur um so mehr genöthigt sehen, sich durch eine furchtbare Macht Ansetzn bey eroberungssüchtigen Nachbarn zu verschaffen. Bey diesen Aussichten ist es doppelte Pflicht des Staats, dafür zu sorgen, daß ein Stand, der für die Erhaltung der Ordnung und Ruhe ohnehin so viel aufopfern muß, wenigstens eben so gut als andre Stande das Glück der Erziehung und Ausbildung genieße, ohne welche er dem Staate, statt ihn zu sichern, gefährlich wird. 85 - Eoldarenschulen. Für Soldatenkinder sind schon haustg Regiments- nnd Garnisonschulen angelegt. Diese können im Grunde keine andre Einrichtung haben, als gutesand r oder niedere Bürgerschulen. Die Soldatenschuleir. !. i8y ^ Kinder können in den Jahren, wo sie diese besuchen, ^ nur zu Menschen und verständigen Staatsbürgern überhaupt erzogen werden. Der Unterricht kann aber um so planmäßiger seyn, da die bey dem Soldatenstande nothwendige strengere Subordination ihnen den Vortheil gewährt, daß sie regelmäßiger besucht werden, und gute Schulordnung in ihnen oft erreichbarer ist, als bey den Kindern freoerer Bürger. Ein großer Theil Soldatenkinder, wird zwar schwerlich in der Folge zu dem Genuß aller seiner natürlichen Rechte kommen; er wird so mancher härtern Behandlung, welcher auch die weiseste und gütigste Regierung nicht ganz abhelfen kann, unterworfen bleiben. Darauf kann aber der Unterricht keine Rücksicht nehmen. Der Schulmann kann sich nur e i n Ziel vor- I stecken; — die Veredlung der Menschheit in i allen ihren Gliedern. Ihm muß es höchster Zweck seyn, ^ jeden Menschen zum Gefühl seines Menschenwcrths zn ^ bringen. Durch Erweckung eines moralischen Sinnes ^ und einer praktischen Religiosität, muß er allein das Gefühl des künftigen Druckes zu mildern und die innere Kraft zur Ertragung desselben zu stärken suchen. Hierauf arbeite er bey dem Religionsunterricht hin, und suche daneben vorzüglich die Tugenden, welche den ^ Kriegern nöthig sind, hervorzuheben. Daneben erwecke er aber besonders den Thätigkeitstrieb bey Kindern, die ihren künftigen Zustand durch Arbeitsamkeit, Geschicklich- keit und Brauchbarkeit zu mancherley Geschäften, so sehr werden erleichtern können. Verbindung der Solda - Sotdatenscbuleii. lyo tensä)ulcn mit einer Jndustriean statt rst daher überall wünschcnswürdig. Anmerk. t) Die Soldaten- oder Garnisonschulen, lassen sich unbedenklich mit den niedern Bürgerschulen vereinigen, wie auch an vielen Orten dieß wirklich der Fall ist. Denn die UmerricktSbedürfnisse sind ja für alle ärmeren Classen " dieselben. Auf das weibliche Geschlecht hat die militärische Abkunft gar keinen Einfluß, und von den Knaben können ja viele zu einem Handwerk übxrgehn, ehe sie in den Dienst treten. Nur in großen Garnisonen, und wo das Regiment stark ist und viele Kinder hat, kann eine Negimentsschule ^ durch die Ordnung und Regelmäßigkeit, welche die Seele ^ des Militärs ist, oft eine bessere Einrichtung bekommen, als eine gemischte. Auch ist sie eine Erleichterung für den armen Soldaten, sobald sie eine Freyschule ist. s) In dem Lehrplan und in den Gegenständen, fallt die Sol- damsschule ganz mit einer guten Landschule zusammen. Sie kann auch dieselben Lehrbücher haben, und kaum dürfte ein rigne.rSoldatenkacechismus — dergleichen jedoch von C. D. Küster, 2 Theile, Skendal 1799. (9 Gr.), vorhanden ist — nöthig seyn, da die Anwendung einzelner Materien auf diesen bestimmten Stand wohl dem geübten Lelwer zugetraut werden darf. Ein recht zweckmäßiges L e - sebuch, wozu cS an Materialien nicht fehlen kann, würde wenigstens ein großes Bedürfniß seyn. Einige Vorarbeiten sind da; z. D. Lesebuch zu», Besten der Garnison- scduikmdcr, Brerlau 1735. (zGr.), und Lesebuch für Soldattnschulen. 1794. (20 Gr.). Die musterhafte Einrichtung der S 0 lda 1 ensch u le in Dotsdam, welche ste vorzüglich dem Eifer des Hrn. Feld, Propst K le tsch e verdankt, ist zwar durch keine einzelne Beschreibung, aber doch durch anderweitige öffentliche Nachrichten bekannt genug. Man sehe unter andern die Gott). Zeitung, Beylage zu St. si. von, Jahr 1787. > Bildung der Offnere. ryr Man vergleiche die Schrift: Ueber militärische Institute und Garnisonschulen, in Rücksicht auf die Königl. Preuß. Crroularvccordming vom ;t. Aug. 1799. den Unterricht in Garnisonschulen betreffend für jede Staats- Verfassung berechnet, von I. M. Wolfrath. Hamburg il'oo. ( 6 Gr.), und die Bescheidne Prüfung der Cir- rulaiVerordnung — den Unterricht in Gariusonschulcn betreffend, so wie der darin enthaltenen Grundsätze über Volksschulen und Dolksnnterricbt überhaupt. Von F, H H. H — in der Monalöschrifr für Deutsche. Lcipj. i 8 oo. Apr. May. Iuu. Iul. 86 . Bildung der Offi eiere. Aber nicht minder wichtig, und selbst für die Untergeordneten höchst wohlthätig, ist die Bildung der Officiere. Wenn es auf der einen Seite eine sehr allgemeine und von so manchen vortrefflichen Mitgliedern dieses Standes eingestandene und laut beklagte Erfahrung ist, daß ein sehr großer Theil derselben in einer ganz unglaublichenUnwiffenheit liegt,nnd hinter einem gewissen äußern Glanz, der nur die Färb c dcrCulnir giebt, die höchste Uncultur verbirgt; daß eben dieß, verbunden mit einem thörichten Dünkel auf Geburtövorrechte, bey vielen die wahre O.uelle ihrer dlnsittlichkeit und der unwürdigen Behandlung der Subalternen ist: so muß man auf der andern Seite gestehen, daß noch so wenig für die Bildung dieses Standes im Allgemeinen geschehen ist, und daß besonders in klcineren Garni - soncn die Sache so große Schwierigkeiten har, daß sehr viele Officicre mehr zu bedauern als anzuklagen iy2 Nothwendigkeit eines vorbereitenden Unterrichts sind. Das einzige, was hie und da geschieht, geschieht entweder durch Kadetten Häuser (wovon im 6ren Kapitel), oder durch die Feld- und Garnison Prediger. Es schrankt sich aber entweder bloß auf den Religionsunterricht oder auf mathematische Kenntnisse ein, welche letzteren zwar dem Officicr nützlich, aber bey weitem nicht das einzige Mittel seiner Bildung, und ohne anderweitige Vorbereitung doch nur an ihm verlohren sind. 87 - Nothwendigkeit eines vorbereitenden Unterrichts für die Junker. Das Hauptübel liegt unstreitig darin, daß die meisten Officiere beynah noch in den Zähren der Kindheit, so gut als ganz unwissend, in den Dienst trersn, wodurch sie zugleich in vielen Garnisonen, aller weitcreir Gelegenheit zur Ausbildung entbehren. Der Gedanke, daß, je früher sie eingeschrieben sind, desto schneller ihr Avancement seyn werde, wirkt so mächtig, daß selbst reiche Eltern, deren Kinder nie Mangel leiden dürften, sich nicht abhalten lassen, mit ihren Söhnen so sehr zu eilen als sie nur können, und sie oft auf Zeitlebens zu verwahrlosen, um ihnen zum Ersatz einige Jahre früher eine Compagnie zu verschaffen. Ob eine so frühe Aufnahme eigentlicher Kinder, welche im Fall eines Krieges auch militärisch bedenklich scheint,von Staatswegen untersagt werden könne, muß hier höheren Einsichten überlassen bleiben. So lange sie gestattet wird, für die Junker. I9Z wird, und es für den Junker keine Bedingungen giebt, wie weit er in Kenntnissen gekommen seyn müsse, so ist das Bedürfniß desto größer, daß entweder bey einem jeden Regiment eine eigne Unterrichtsanstalt enstire, worin die künftigen Officiere alles das lernen, was in jeder Bürgerschule für die gebildeten Stande getrieben wird (§ ?o.), oder daß sie den größten Theil des Jahrs vom Dienste bcfreyt, zum Besuch der Stadtschule in allen für sie brauchbaren Lectionen angehalten, und, wie sich von selbst versteht, ihnen dabey zu ihrem eignen Besten nicht die geringsten Ansprüche auf Ausnahmen oder Distinctionen zugestanden werden. Eine oder ein Paar tägliche Stunden bey dein Feldpredi- gec oder einem andern Lehrer, etwa in der Mathematik, sind bey weitem nicht hinreichende Da sie größtenteils fast gar nichts wissen, so müssen sie ja erst Lesen, Schreiben, Rechnen, richtig deutsch sprechen, deutschen Stil, Geographie, Geschichte und die französische Sprache, sie müssen über sich und die Welt, über Religion und Moral, besonders auch über die Bestimmung ihres Standes vernünftig denken lernen, ehe man zu den eigentlichen KriegSwissenschaf- ten übergchn kann. Sie müssen erst gebildete Menschen werden, ehe sie gebildete Dfficiere werden können. ! Anmer k. Es mögen hier einige Ideen und Fragen an Sach. kundige, ihre Srelle finden, weiche aus den vatriotischen Wunsch hervorgehen, einen so respectabeln Srand, als der N 194 Nothwendigkeit eines vorbereitenden Unterrichts der Vertheidiger des Vaterlandes ist, auch durch innere Bildung gehoben, und dadurch des Ansehens und Ranges, den er genießt, in der Folge innncr würdiger zu sehen. i) Da es seine Schwierigkeit hat, die Junker und Officicre in die öffentlichen Schulen ihrer Garnison zu sclstcken, auch nicht überall die Schulen für sie passen — würde es nicht thunlich seyn, so, wie ein jede» Regiment einen Feldprcdiger, einen Audiceur, einen Obcrchirurgus, einen Quartiermeister hat, auch einen Regiments- lehrcb anzustellen? L) Könnte dieser nicht gegen ein Gehalt, das ihn wenigstens dem Feldpredigcr gleich sehte, verpflichtet werden, n) die jungen Leute völlig schulmäßig in allen Ele« mentarkcnntniffen zu unterrichten, l>) sie, wo möglich, unter seiner Aufsicht außer dem Dienst und den Lehrstunden, als ihr Erzieher, alsö auch vielleicht in der Kost zu haben? Die Ausgabe, welche dieß dem Staat allerdings verursachen würde, gchörre doch unrer die nützlichsten, und würde reiche Zinsen tragen. Auch könnten ja die Eltern wohlhabender Kinder, Beyträge zur Erhaltung des Lehrers geben, so wie sie schon jetzt so manches an meist unnützen lind schlecht besorgten Privatunterricht wenden. Dieser Privatunterricht könnte dann ganz wegfallen, wenn die ganze Bildung planmäßiger wäre. g) Wäre es nicht rathsam, diesem Ncgimentslehrer einen militärischen Rang zu ertheilen, um die Subordination, die sonst schwer halten dürfte, auf dem militärischen Wege zu erreichen? Und könnte ihm nicht die Aussicht gesichert werden, nach einer Reihe diesem Geschäft gewidmeter Jahre, entweder auf die besten Negimenlö- guartiermeister- öder andre Civilstcllen rechnen zu dürfen? 4) Wenn dieß fürs erste noch zu große Schwierigkeiten hätte — welche vielleicht Männern von Metier mehr für die Junker. 195 als mir einleuchten, — ließen sich denn nicht in jeder selbst mittelmäßigen Stadt ein Paar Personen ausmit- keln, welche diesen so höchst nöthigen Unterricht planmäßig besorgten, damit nur etwas für so viele junge Leute geschähe, die künftig die wichtigsten und belohnte» ste» Posten im Staat erreichen sollen, und die jetzt ganz unglaublich schlecht, oder vielmehr, den Dienst abgerechnet , gar nicht erzogen werden? 5) Könnten bey der Cavallcrie, welche meistentheils zerstreut in kleinen Flecken liegt, die jungen Leute nicht wenigstens ein halbes Jahr um das andre vom Dienst befreyt, und an einem Centralort auf die vorige Art um ierrichrct werden? Zch bescheide mich, nicht zu wissen, ob dieß alles ausführbar seyn wird. Aber das bleibt unleugbar, daß eine wesentliche Aenderung der ErziehungSatt der jungen Ossiciere nothwendig ist, wenn das Corps derselben an Geist und Herz so gebildet werden soll, als es alle würdige Chefs und alle übrige Staatsbürger wünschen müssen. Die hohen Kriegsschulen sind ohne elementarische Vorbereitung sän stalten fast ohne allen Nutzen. — Zu dem Preußischen Staat ist besonders seit der Regierung seines jetzigen Monarchen schon ausnehmend viel geschehen, und man darf sichre auf die glücklichsten Folgen für die Veredlung und Ausbildung des heranwachsenden Officiereorps rechnen» Man sehe auch § is. 88 - Eigentlicher militärischer Unterricht- Wenn NUN durch den vorbereitenden Unterricht der Grund gelegt ist, dann kann zu der eigentlichen Bildungen den Kriegswissenschaften übergegangen werden. Dieß wird die angemessenste Beschäftigung N - ry6 Eigentlicher militärischer Unterricht. in Fricdenszciten seyn '). Am besten möchten wohl darüber bey einem jeden Regiment, die Offi eiere selbst, welche darin erfahren waren, den Unterricht ertheilen. Auch der Feldprediger, oder. irgend ein anderer Lehrer könnte wenigstens an den: Unterricht in den Hülfswissenschaften Theil nehmen. Denn die dem Officier nöthigen Kenntnisse, theilen sich in streng militärische und in Hülfswissenschaf- ten. Zu den ersteren gehören vorbereitende reine Mathematik, allgemeine Principien der mechanischen und optischen Wissenschaften, lind mathematische Geographie. Diese müssen sowohl theoretisch als praktisch durch Feld messen, Zeichnungen und A ufnahmcn von Gegende n getrieben werden. Unmittelbar bezicht sich auf das Militär: — die Taktik nach allen ihren Theilen, sowohl die niedere als höhere, oder wie sie 'Andre eintheilen, die reine und angewandte; die Gesch ü n- Wissenschaft (Artillerie), die B r fe st i g u n g s w i s senschaft und die Strategie. — Die Hülfs- wissenschaften sind die höhere phufische und politische Geographie, womit auch die Lee küre der Zeitungen (denn selbst diese lesen nicht einmal alle Officicrc, und können sie zum Theil aus Unkunde der Terminologien nicht verstehen), die Geschichte, besonders die neuere Statistik, das Natur-, V ö lker-und Kri egör echt, womit end, lich die Geschichte der Kriege und der Kriegs- Eigentlicher militärischer Unterricht. 197 Wissenschaft zu verbinden seyn würde. Die Bildung des Geschmacks wird, wenn Zeit übrig ist — und wie sollte sie im Frieden nicht übrig seyn ? — ein Qfficicr, der sich selbst acbtct, nicht entbehren wollen. Uebungen in guten, besonders militärischen Aufsahen, Rapports, Instruktionen, sind ihm ja selbst zum Metier unentbehrlich. Unter den Künsten ist das Zeichnen, und insonderheit Uebung in allen Arten militärischer Zeichnungen das wichtigste. Der Unterricht selbst seht einen Apparat von Büchern, Karten, militärischen Planen, Modellen und Instrumenten voraus, woran es einem Regiment so wenig als einer Schule fehlen sollte. 1) Einer der wichtigsten militärischen Schriftsteller, ?>/. sni^iillire cin L»t>nier, SNNSIN- »snc l'sir rniütsiee, lnnt, cnnnno (laus rnnte -intse lsienss, i'sc, s perlnacte, nn'il lUNs srrsna,s <;ns l'o» ksll^ lL ßnei i s, ^>»n>- as>s>i sinles snn-.inent v„ 1» >!,nr luiee, je ei nis sn sonceaies, gue iss grinils (Irl^itsinei-, i ne l»nr lormä« c^us pur I-t prurigns lsnle, vnk c>e llysc« i luire bisn 6e lunce?, cionc il« le leioienc l'i!« iivvienc ecnäie les rä^Ies er les prinsipes >1es ry8 > Versuch einer vollständigen Militärbibliothek (von Walt!) er). Dresden 1783. (22 Gr.), und die Fort-, i setzung 1^799. (10 Gr.). Ueber dir Bildung der Officiere s. man: I. C. I l) n patriotischer Verstich über die Bildung > eines Officiecs. Leipzig 1791. (14 Gr.). > v. Schölten, Was muß ein Officier wissen, wenn ! er die Pflichten seines Standes erfüllen will? Dessau und Leipzig 1782. (4 Gr.) ; vorzüglich aber des Obersten v. Nic 0 lai Versuch eines Grundrisses zuv Bildung desOfficiers. Ulm 1775. (i Nthlr4Gr.), und > Desselben Anordnung einer gemeinsamen Kriegs- j schule für alle Waffen. Sturtg. 178 t. (l Nthlr 12 Gr.). ! Unter den Lehrbüchern für die eigentlichen Kriegöwisscn, ! schaften: I Mauviilon Einleitung in die sämmtlichen militärischen Wissenschaften für junge Leute, die bestimmt sind, als Offiziere zu dienen. Brnunschwcig 1783. 84. (i Rchlr 18 Gr.). F Mein errs — Lehrbuch der gesummten Krieqs- wiffenschaft für Officiere bey der Infanterie und Ca- vallcrie. Halle ^789. 90. (4 Nthlr). G. v. Scharn horst Handbuch für Officiere, in ^ den angewandten Theilen der Kriegöwissenschaften. > i. Theil. Artillerie. Hannover 1824. m, K, (3 Nthlr), G. Venturini Lehrbuch der angewandten Taktik oder eigentlichen Kriegswissenschaft, z Theile. EchleS- ' wig 1798 — 18oo. (14 Nthlr 12 Gr.). ^ Einen ausführlichen Plan der Lehrmethode j für die Militärakademie in Berlin nach der Instruction der Generale Friedrichs II. hak der Chef derselben H. v. Mosch auch deutsch übersetzen lassen. Berlin 1782, Vcsiimmung der Gelchrtcnschulen. Literar. Norarbeiteir. iyy Fünftes Kapitel. ' Don den G e l e h r t e n f ch u l e n. 89 - Bcstimmltug derselben. Literarischs Vorarbeiten. Aer Begriff der Gelehr fa m k e i t ist schwer zu bestimmen. Der Sprachgebrauch verbindet indeß fast allgemein damit die Idee einer classischen Bildung durch die alten oder sogenannten gelehrten Sprachen, und die damit in Verbindung stehendeil Wissenschaften. Auch ist kein Zweifel, daß das, was man Humaniora nennt, keinem wahren Gelehrten entbehrlich ist, da es so sehr in alle übrige Wissenschaft ken eingreift, und wenigstens das Studium ihrer Quellen es so nothwendig macht, daß sich die Versäumnis; allezeit auf eine oder die andre Weise rächt. Ein Andres ist tiefere Kenntniß der Philologie^ Diese lUiin nur von einer einzelnen Classe von Gelehrten gefordert werden, und ihr höheres Studium gehört mehr auf die Akademie als auf die Schulen, welche nur den Grund zu einer classischen Gelehrsamkeit legen sollten. Es müssen daher in einem gewissen Alter die Humaniora für die, welche znm Studirerr bestimmt sind, die Hauptbeschäftigung werden. Dieß ist auch von Allen, die über gelehrte oder lateinische Schulen — rvis man sie häufig im Gegensatz 202 Bestimmung der Gelehrtenschulen. deutscher Schulen nannte — geschrieben haben, mit unbedeutenden Ausnahmen anerkannt worden. An merk. Die älteren Schriftsteller über Schulwesen, haben größtenthcils gelehrle Schulen im Sinn. Vieles bey ihnen ist für unsre Zeiten und Einrichtungen nicht mehr anwendbar; vieles beruhte auch auf einer Geringschätzung der vaterländischen Literatur; vieles ist in neuern Schriften mir Auswahl benutzt und für jetzi- g e Bedürfnisse bearbeitet, wodurch die Lesung der älteren Schriften entbehrlich wird. Jenes ist z. B. der Fall mit I. F, Coclestinus,von Schulen und deren Verfall, auch wie demselben aufzuhelfen, Straßburg 1568; mit Ach Alsa/rci-'i (lon1HÜ8 cka inkorinaucla juventuts. Iz- lebias lZ8z; / //»/r/rn llexaeria lallolioa. Oor» nrunck. löig; /- c i I). cls Inclo lilkrarlo revrs aperiencko; desselben alalliaiL und der 8ckiola chauinZiana, welche Schriften auch unter dem Titel: o^nto. cls iuftir. scliolastloa. ilanas i7Zo. (6 Gr.) zusammengedruckt sind; La/e/ll cks pnsrili ecluaat. srl lireras. 1605; L. ^ii Lontult. cls taUolarairi er lru,Ii»r>i,n rarions. 1660. — Dazu kommen noch die Erfinder mancher gelehrten Charlatanerien im Erlernen der gelehrten Sprachen, wie v on gewissen Seiten /l. L 0 »r s n l u §; damr K -r r - c - u L. T r 0 tz e n d 0 r f u. a., in deren Schriften und Methoden allerdings auch manche gute Zdce lag. (Vergl. Rnhk 0 p f Geschichte des Schulwesens, i Th. Bremen >794. (1 Rthlr), undI. Kapp zur Erholung für Lehrer und Freunde der Schulen. Dayreuth r. 2. D. 1785. 86. (12 Gr.)). Naher liegen unsern Zeilen: 6. conlul- taftoriex cke lfterarnm ftn>1Ü5 isoks sr raligiofs infti- ruancllb, naa non cia publicaruni baftvlai-mn uln, tio er ckischj>Irria fanatioro. Lvtftaa 1705. (l6 Gr.). Literarische Vorarbeiten. 2V1 /. M. Inftiruriones roi faliolaktiLLis. N'nas — /- Orst. cls ozirima raUons ckocencli in faliolis larini«. Ista^-ae L»m. 1720. — Noch näher: Ehlers Gedanken von den zur Verbesserung der Schule nöthigen Erfordernissen. Alwna 1766. (20 Gr.). Bandau Verbesserungsplan für lateinische Schulen in Provinzialstädten, 2 Theile. 1781 — 1786. (i Rthlr). Hofbaucr über die Perioden der Erziehung, besonders zur Grenzbcstimmung des Unterrichts auf Universitäten und den nächst höheren Schulen. Leipzig 1800. (1 Rthlr 6 Gr.). Abhandlungen über die Wichtigkeit des alten Sprachstudiums auf gelehrten Schulen, und Apologien desselben gegen manche herabsetzende Urtheile einzelner neuerer pädagogischer Schriftsteller enthalten die Grund s. i Th. h 201. Anm. z. genannten Schriften. Niemand hat vielleicht den Einfluß desselben auf die wahre Bildung des Geschmacks und selbst auf sittliche Verbesserung, mit so viel Deredtsamkeit, und von so manchen neuen Seiten darzustellen gewußt, als der berühmte englische Parlamentsredner k . in seinem in Deutschland wenig bekannt gewordnen Werk: Urlulfli Lcluaarion, ar liis 8ourae8 ob Diiotcker in 6raar Luirain. Uoiickon 1796. 90. Lehrcrseminarien für gelehrte Schulen. Was zuvörderst die Lehrer an gelehrten Schulen betrifft, so ist hier ganz vorzüglich eine Ausführung der § 17. ff. gethanen Vorschläge, eine Verbindung jüngerer Collaboranten, mit wenigen alteren und stehenden Lehrern zu wünschen. Können jene noch vorher in einem Lehrerseminar vorbereitet seyn, so ist 23 ) Lehrerseminaren für gelehrte Schulen. desto mehr für ihre Nutzbarkeit zu hoffen. Indeß ist auch ein gutes philologisches Semina ri um auf der 'Akademie, und die Benutzung der Vorlesungen > oder der besten Schriften über Pädagogik und Didaktik dazu hinreichend. Könnten die Seminaristen dabey zugleich in einer gelehrten Schule, unter der Leitung eines erfahrnen Mannes, Uebungen im Unter- ! richt anstellen, so wäre Alles zur Erreichung des Zwecks geschehen. Dabey ist nur zu wünschen, daß sie auch den Unterricht in den Elementen nicht verschmähen, lind nicht gleich Ansprüche auf höhere Schulclassen machen, in welche sie ohnehin gar zu leicht einen akademischen Vertrag bringen, wobey die ungeübteren Schüler zurückbleiben. Dieß pflegt auch geschickten jungen Philologen häufig zu begegnen. Sie versäumen, über dem eignen Studium der Sprachen und der Sachen, gar leicht das Studium der Methode, wie sie für die Schule gehört. An merk, Gelehrte Schulen und Pädagogia, an welschen junge Männer mehrere Jahre gearbeitet haben, können selbst als die besten Seminarien für höhere Schul- ftcllen betrachtet werden; und Ephoren und Magistrate würden unstreitig oft für ihre Schüler besser sorgen, wenn sie sich an die Vorsteher derselben wendeten, statt auf die Empfehlungen von Gönnern und Verwandten, die diesem und jenem jungen Mann nur bald zu Amt und — Frau helfen wollen, allzugefällig zu achten, wodurch denn so viele ohne alle Kenntniß deß Schulwesens in die Aemter > kommen, Lchi'plcm in gelehrten Schulen. 2OL 9l. L e h r p l n n. Da sich aus dem Zweck gelehrter Schulen ergiebt, 'daß in ihnen die Erlernung der alten Sprachen die Hauptsache ist, so muß auch diesem Sprachunterricht der größere Theil der Lehrstunden gewidmet werden. Ware eine rechr gründliche und planmäßige Erlernung der Muttersprache, und daneben auch wohl einer fremden neueren Sprache vorhergc, gangen, und das Latein erst im zwölften bis vierzehnten Jahr angefangen, so würden ihm noch weniger Stunden abgehen dürfen; denn zur Bildung des deutschen Ausdrucks fände sich bey den fremden Sprachen, bey tteberseßungen, bey Nachahmungen Gelegenheit genug, und die fremde neue Sprache erfordert nur wenig Zeit, um in der Uebung zu bleiben. So lange dieß nicht geschieht, wird man zufrieden seyn müssen, wenn die eine Hälfte der Unterrichtszeit den Humanioren — wozu außer den classischen Sprachen auch das Nöthigste aus den Hükfskennt - uissen, wie z. B. der alten Geographie, Mythologie, den Alterthümern gehört — bestimmt wird, und die andre Hälfte den übrigen nöthigen Schulkenntnifsen übrig bleibt. Es sind nehmlich auf jeder gekehrten Schule, außer dem stufenweisen Unterricht in Religion und Moral, nach und nach zu lehren: Arithmetik lind Mathematik, Naturgeschichte des Menschen und der drey Reiche drx 2O4 Lehrplan >n gelehrten Schulen. » Natur, 9?aturlehre, praktische Logik, Geographie und Geschichte, Rhetorik, deutsche und französische Sprache, Kalligraphie lind wo möglich Zeichne u. Für die künftigen Theologen kommt der hebräische Sprachunterricht dazu. Dieß Alles ist schulmäßig zu lehren. Die strenge wissenschaftliche Behandlung gehört auf die Akademie, die clementarische vorbereitende und mehr allgemein bildende auf die Schulen. Aus dem Religionsunterricht muß keine Dogmatik, Polemik und Kirchcn- geschichte, aus der praktischen Logik und dem übenden Philosophiern mit den Schülern keine Metaphysik und wissenschaftliche Philosophie, aus der Moral keine Kritik der praktischen Vernunft, aus der Naturwiffenschaft keine höhere Naturphilosophie, aus der Rhetorik keilte transcendentale Aesthetik, aus der Geschichte keine akademische Statistik werden. Diese zu frühe Behandlung höherer Wissenschaften auf Schulen; diese un- zeitigen Mrsuche, da schon die höheren Seelcnkrafre anzustrengen, wo es vielmehr auf Cultur des Gedächtnisses, der Phantasie und des gesunden Verstandes ankommt; dieser akademische Ton in den Vorlesungen — das ist das Verderben mancher Schulen. Hier fließt die Quelle des oberflächigen Wissens und der Unwissenheit in den Elementen, besonders der Sprachen; des Dünkels, womit die Universität bezogen, des Unfleißes, der auf der Universität bewiesen wird, weil man meint, fast alles schon auf der Schule gehört Lehrplan in gelehrten Schulen. 205 zu haben *). Nur eine kurze Encyklopädie und Methodologie des Studiums, das der bald abgehende Schüler wählen will, ist im letzten Halbjahr aus der Schule nützlich, und wäre selbst dann entbehrlich, wenn jeder Studirende das erste Semester bloß propädeutischen Vorlesungen widmen könnte oder müßte. *) Eben daher sind akademische Gymnasien, worauf die Schüler schon als Studenten behandelt werden, selten zweckmäßige Schulanstalten. Man hat wohl die gute Idee dabey gehabt, sie zu Zwischeninstikuten, die den Ueber» gang von der Schule zu der Akademie bahnen sollten, zu bestimmen, vielleicht auch selbst in die Disciplin schon mehr Liberalität zu bringen. Allein die Ausartung liegt nur zu nahe. Der akademische Name ist zu gefährlich. Aus Gymnasiasten werden Studenten, wie aus Lehrern Professoren geworden sind. Sie besuchen und versäumen'die Stunden, wie es ihnen gefallt. Viele sehr würdige Männer, welche an solchen Anstalten arbeiten, fühlen recht wohl diese Unbequemlichkeit; aber sie vermögen dem Uebel, das zu tief in der Verfassung liegt, nicht abzuhelfen. Ueber die schädliche Erweiterung der Grenzen des Schulunterrichts in vielen neuern Schulen, s. m. in biologi« plrzlicus erc. Vol. II. IAp 5 . istvl. ( I Nthlr 8 Gr.) die Vorrede. Dann: Suttingers Versuch einer psychologisch pädagogischen Erklärung zweyer Erscheinungen, die man zu unsrer Zeit an Studirenden bemerkt. Leipzig 1799. (8 Gr.). — Eine sehr durchdachte und auf Erfahrung gegründete Abhandlung: Ueber die Grenzen des öffentl. Unterrichts auf gelehrten Schulen hat ohnlängst ein einsichtsvoller Schulmann H. P. Göri n g in dem Neuern Jahrbuch des Pädagogiums zur l. Fr. in Magdeburg 1804. geliefert. Hie und da scheinen mir t»e Grenzen des Schulunterrichts doch etwas zu sehr erweitert zu seyn. Öeffentlicher Lectionsplan Lü6 9-. Oeffentlicher Lectionsplan. MitBeziehung auf das, was schon oben (§27 ff.) Lm 7 lllgemeinen über das Classensystem gesagt ist, bemerken wir in 7lbsicht der weiteren AnordnuNg der Lcctio- nen, der Bestimmung der Tages- und Woche,istundcn, bey den gelehrten Schulen Folgendes: Es kommt i) darauf an, wie viel Lehrer die Schule hat, und ob sich für ein Fach in mehreren Classen auch mehrere ! Lehrer finden. Ist dieß der Fall, so wird der Plan ^ leichter. Findet sich für ein Fach, z. B. dieMathe - matik, das Französische nur ein Lehrer, so wird er verwickelter. Es kommt 2 ) in Anschlag, ob alle Schüler alles, was gelehrt wird, lernen, oder von der Theilnahme an einigen Lectionen dispensirt werden. Billig sollte dieß auf gelehrten Schulen bloß bey der i hebräischen Sprache geschehen '). Das Griechi- ^ sche ist, an sich betrachtet, allen Studirendcn nützlich, > und lohnt, recht gelernt, jeden die daran gewandte > Mühe reichlich, auch ohne alle Rücksicht auf künftigen Gebrauch 'Selbst z ) die B e s ch a f f c n h e i k der I Schüler und das Zufällige in der stärkeren oder ! schwächeren Anzahl in einer Elaste, kann Einfluß auf ! den Lectionsplan haben. Es kann zuweilen manche ^ Classe eine Zeitlang ganz eingehen, eine andre getheilt, oder auch eine mit einer andern verbunden werden. Je Mehr ein Lectionsplan auf diese veränderlichen Umstände Rücksicht nimmt, desto zweckmäßiger wird er. > in gelehrten Schulen. -7 -- Es darf daher keine unwandelbaren Vorschriften geben, sondern es muß vor jedem neuen LectionscursuS von dem Coilegium der Lehrer besprochen werden, wie der Plan am besten für die jedesmal vorhandnen Schüler einzurichten sey, und wie ein jeder Lehrer der Schule, durch Uebernehmung bald dieser bald jener Leotion am nützlichsten werden könne. Nur muß man nicht ohne Noth zu oft etwas andern. So viel möglich behalte vielmehr der Lehrplan ein festes Schema, und werde nur nach dem Bedürfniß modificict Selbst höhere Behörden sollten nie ins Detaill gehende Vorschriften für alle Schulen geben, da die Lokalität so Verschieden ist; sie sollten dieß vielmehr der Einrichtung der Sachverständigen jedes Orts überlasten. 1) Unverantwortlich wird diese dem Theologen, der mehr als bloßer Volkslehrcr seyn soll, unentbehrliche Sprache, jetzt auf vielen gelehrten Schulen versäumt. — Man vergleiche das lesenswerthe Programm: Beantwortung der Frage: Ob es nöthig sey, auf Schulen die hebräische Sprache , zu lehren, und warum sie so selten hier ihr Glück mache; von I. F. Blühdorn. Berlin ifyz. (4 Gr). 2) Wo das Erlernen des Griechischen manchem Schüler, der durchaus keinen Sprachkovf hat, zu viel Zeit und Am srrengung kostet, und eigentlich erzwungen werden muß, da würde man gleichwohl besser thun, davon zu disvensircn. Viele Schüler sind in dein ersten Unterricht zu sehr versäumt, als daß man die Gegenstände des Lernens nicht vielmehr vereinfachen müßte. Auch laßt es sich bey vielen zu gewiß vorhersehcn, daß sie in der Folge alles wieder vergesset, werden, so bald der Zwang aufhört. S. § yft Anmerkung 2. Pnvaistundon. z) Obas wohl seinen Vortheil hüt, wenn jede Lecrion in allen Clasftu in dieselbe Stunde fällt, so müßte man doch da, wo offenbar ein für das Fach unbrauchbarer Lehrer eine Classe übernehmen müßte, lieber davon abgehen, und einen geschickten Mann in mehreren Classen nützlich zu machen suchen. — Gut wäre eS auch, wenn schon im Voraus auf den Fall, daß ein Lehrer eine Zeitlang aussetzen müf le, Rücksicht genommen , und ein VicariuS aufbewahrt würde. Denn unter den gewöhnlichen Combinationen zwener Classtn leiden oft beyde. Man vergleiche über jenen Vorschlag:, der freylich ein ziemlich starkes Lehrpersonal voraussetzt, F. W. Döring Nachricht von der gegenwärtigen Verftlffting des Gymnasiums zu Golha. Gotha 1794. (z Gr-.). P r i v a t st u n d c n. Eine äffte und sehr allgemeine Observanz unterscheid det öffentliche und Privat stunden. Auf einer gut organijirten Schule sollte aber billig Alles, was zu den allgemeinen Lehrgegenst ariden gehört, öffentlich gelehrt, und bloß die entbehrlichen Wissenschaften oder Künste sollten besonders erlernt werden. Die gewöhnlichen Privarstundcn, welche bey vielen gelehrten Schulen die Lehrer als einen Theil ihrer Einnahme berechnen müssen, haben mancherley Nachtheile. Sie geben Gelegenheit, daß auf die öffentlichen Lectiouen, von Lehrern und Lernenden weniger Fleiß gewendet wird. Sie veranlassen eine gewisse Ungleichheit umter den Schülern, von denen nur die wohlhabender n im Stande sind, die Stunden zu bezahlen, und Privatstundex. 20Y und dadurch den ärmeren vorkommen. Sie geben ferner Gelegenheit zu manchen Zwistigkeiten unter den wh- rern, und unterhalten die Übeln Verhältnisse unter ihnen. Dieß Alles wird durch die Vortheile eines ge- ! wissen Wetteifers, der allerdings auch sein Gutes haben ^ kann, schwerlich ausgewogen. Sie machen endlich ! Ordnung und Zusammenhang im Lehrplan fast ganz unmöglich. Dadurch kann es aber Eltern und Lehrern nicht verwehrt werden, daß einzelnen Schülern, welche in diesem oder jenem Stück versäumt sind, in besondern Stunden nachgeholfen werde. Dieß ist ein Privatcontract, welcher die Schule nur in so fern angeht, als darauf gesehen werden muß, daß i) Lehrer nicht seine meiste Zeit und seine besten Kräfte, auf Unkosten der Schule, diesem einträglichen Unterricht ^ widme; und daß es 2) tragen Schülern nicht zu leicht j gemacht werde, sich auf diesem Wege fortzuhelfen, wohl gar ihre Aufgaben zu erleichtern, oder sich mit dem Treiben zu vieler Dinge auf einmal zu zerstreuen; überhaupt z) das Annehmen und Aufgeben solcher Stunden für Einzelne, ein Gegenstand der allgemeinen Be- rathschlagung der Lehrer bleibe. Anmerk. S. Plagemanns Sckulscbrift über die Prir vatstunden der Lehrer an öffentlichen Schulen. Schwerin und Wismar 1790. 0 210 Rspttitlonsffunden. Cchulkenen. 94 - Repctitionsstundcir. Beyläufig von S ch u l f e r i e n. Die meisten Privatstundcn würden schon dadurch, entbehrlicher werden, daß man in dem Schulplan mehr darauf dachte, bestimmte Wiederholungen zum Gesetz zu machen. Denn an dem Halbwissen so vieler jungen Leute, hat gerade der Mangel an Wiederholung, welche viele" Lehrer fast mehr noch als die Schüler scheuen, vorzüglichen Antheil. Es muß aber eine doppelte'Art von Wiederholung angeordnet werden. Es sey 1) Regel, in allen lectioncn, ganz besonders, aber da, wo es Gcdachtnißsachen betrifft, wenigstens wo-' chcntlich einmal das, was in der Woche, m 0 na t- l i ch das, was im Monat, vierteljährig das, was im Vierteljahre vorgetragen ist, ganz genau wieder durchzufragen. Auch dazu können die Privat- examina (41.) bestimmt werden. Es sey 2) Ge- seH, zu bestimmten Zeiten, wozu etwa gewisse Wochen ausgesetzt werden könnten, eine allgemeine Wiederholung dessen anzustellen, was schon in unteren Classen erlernt worden ist, aber so gar leicht über der Beschäftigung mit andern Gegenständen wieder vergessen wird. Dadurch wird dem Schüler die ganze Summe seiner eingesammelten Kenntnisse erhalten, und der Grund bleibt fest, auf welchem hernach immer fortgebauc werden kann. Auch die Schulfe - rien können, besonders für dic Erwachöncren, hiezu eine 211 Nepetltionsflunden. Schulferien. treffliche Veranlassung geben. Es muß nur Lon werden , sie dazu zu benutzen *). *) Der Lehrer und der Lernende verlangt und bedE lwn zu Zeit eine Erholung. So sind die F e r i e n, die man fast bey allen gelehrten Schule n findet, entstanden. Nur das Uebermaaß ist schädlich. Sie selbst haben einen ent- schiednen Nutzen für Gesundheit, Heiterkeit und was weniger beachtet wird, für Geistesbildung. Dabey wäre aber zu wünschen, daß ein Unterschied zwischen jüngern und älteren Schülern gemacht werden möchte. Jene .önnen sich auf längere Zeit nicht selbst beschäftigen, und wenn sie daher wochenlang ohne alle Schule sind, so verwildern sie, oder verwöhnen sich zum Müßiggang. Würden ihnen auch nur ein Paar Stunden des Tages gegeben, so könnte man diese zugleich benutzen, um ihren Privatsieiß zu leiten. Die Schüler des reiferen Alters hingetz'cn werben diese Zeit zur Generalrepctition, zum Nachlesen, zu manchen andern freyen Beschäftigungen, auch wohl zu instruktiven Fußreisen, anwenden, können. Es,kann dieß, wie Erfahrungen lehren, gewiß Sitte unter.ihnen auch ohne Gesetz werden. Der treffliche holländische Humanist Wyttenbach, fällt von den Ferien fohlendes hicrmii ganz übereinstimmende Urtheil:. Lrnn nnilri« in red usinH »rinn uolrrornin hepienftain Lämirari l'dleo, taun in conlritusncUs kerüs, «pisrum n^>. xorrnnirarsin er lahnhrirarein psreipi voluerunr rnnn a krokslloriinis aä animnrnni oor^orrimgne recregrionenii tmn insxime a clikechnlis aä. r s n e titi o n ein inkrsu- rarionsnr^us ktnäinrnin. — Iluee keriara rs- ^ericio, nr per «kirnn er niinvrcrn helcinMonein haera» zwnriniuni vrilet ach inreriorem intellixeiiriani; .plnrimrinli ch-rbsr er volupkariz continua piogrellnuw. sniinaävei lir^ ne, er inelcamenti ach stnüii laboriscjns o,n>lcs»ti.»ir!. kr-tekario ach Loloxss lr.ilrorivür. 17^. XXIX. O s 212 Beschäftigungen des Pnvatfleißes. Meierotro von den nothwendigen und freywilligen Schulferien. 1786. C. G. M üllers Programm über die Ferienreisen der Gymnasiasten. Leipzig i8oz. 95 - Beschäftigungen des Privatfleißes. Der Lehrer muß es für eben so wichtig halten, dert Schüler außer als in der Classe zweckmäßig zu beschäftigen '). Hiebey kommt Beschaffenheit und Menge der Beschäftigungen in Anschlag. In Absicht der Beschaffenheit der Privatarbeiten sehe Man i) auf die Kräfte der Schüler, und besonders darauf, ob sie auch schon wissen, wie sie es anzufangen haben, sich vorzubereiten oder eine Arbeit zu verfertigen. Man sollte daher jedesmal bey dem neuen Anfang eines Lec« rionscursus, und bey der ersten Aufgabe, eine recht methodische Anweisung geben, wie der Schüler es anzugreifen habe. Dieß wird fast allgemein versäumt und dadurch für so manchen Schüler Arbeit zur Quaal gemacht. Man sehe 2) allf das Verhältniß des Nutzens zum Zeitaufwandes; z) auf die Verbindung der Aufgaben mit dem, was er jetzt gerade treibt. — In Absicht der Menge vergesse i) der Lehrer, der nur in einer Lecrion unterrichtet, nicht, daß andre Lehrer auch Privatarbeiten fordern. Es werde daher beym Anfang des Cursus unter den Lehrern eine gewisse Uebereinkunft getroffen, wie viel Ansprüche jeder an den Privatfleiß machen wolle. Ueberladung erdrückt den besten Kopf, und läßt Beschäftigungen des Privatfleißes. 21z ihn zu keinem Genuß seines Lerncns kommen, weil er nur immer darauf bedacht seyn muß, zu rechter Zeit fertig zu werden. 2) Auf die Vielheit dessen, was zusammengeschrieben wird, werde nie ein besonderer Werth gesetzt. Dadurch wird nur das schnelle und flüchtige Arbeiten förmlich autorisirt und fast erzwungen ; auch bleibt dem Schüler dann kein Augenblick, wo er etwas nach ganz eigner Wahl thun könnte, z) Man überrechne auch als Lehrer seine eigne Zeit. Schriftliche Arbeiten, die nicht genau durchgesehen und verbessert werden, haben nur einen geringen Nutzen. Je mehr man aber aufgiebt, desto sichrer ist gewöhnlich der Schüler, daß auch desto weniger durchgesehn wird l) Beschäftigungen des Privatfleißes auf gelehrten Schulen , sind — Vorbereitungen und Wiederholungen in allen Classen — in den Sprachclasseu Uebersetzungen/ Interpret lationen und Stilübungen — in den wissenschaftlichen, Ausarbeitungen einzelner Lehrstücke — endlich auch eigne Aufsätze und Auüzüge aus guten Schriften in allen Sprachen, worin gelesen wird;— dieß alles, wie sich versteht, nach Maaßgabe der Kräfte und Vorkenntuisse. Man s. Gedike Gedanken über die Beförderung des Privatfleißes auf öffentlichen Schulen. Schulschr. i. Th. S. Z 22 . Ein Mehrercs über die Methode, den Privatste iß bey einzelnen Lehrgegenständcn zu beschäftigen, über Stilübungen, C 0 rrekturen u. s. w. findet man G r um d s. r. Theil z. B. § 164. 175 ff- lyZ- Anm. soy. 22z. r) Zu solchen zeitraubenden und wenig nützlichen Arbeiten gehört z B. das viele Abschreiben und Zusammentragen aus Nedeübungen. si4 hunsert Bü.bcrn. Kann es gleich einigen Nutzen gaben; so läßt sich doch bey so beschränkter Zeit offenbar etwas besseres aufgeben. z) Der hohe Werth, den mancher Schulmann auf die Menge dessen setz:, was die Schüler zustmmcnschreibeii, hat außer dem im H bemerkten Schaden, auch sür ihn selbst den Nachtheil , daß er häufig betrogen wird. Die Schüler wissen es zu gew'ß, daß er die Hefte ihrer Arbeit nur zählt, nicht liest, und versteyen sich bald darauf, — weitläuftig zu schreiben, einerley zwenmal zu liefern, ganze Bogen auszuschreiben, und was der Täuschungen mehr sind, — die der Legrer selbst veranlaßt hat. Was kann es auch für Aufmunterung für den Jüngling seyn, daß Arbeiten, die viele Wochen gekoster haben, von keinem Menschen angcsehn, im Schularchlv zur Parade deponier werden? 96. R e d e ü b u n g e n. Uebungen in der mündlichen Beredtsamkeit, sind seit von ältesten Zelten fast zuin Wesen gelehrter Schulen gerechnet wdrden. Selbst in den strengeren ^losterschulen trieb man oft mit Sclmlcomödien ein gewaltiges Unwesen. Etwas der Art hat sich auch fast allgemein erhalten. Nur einige neuere Schulmänner sind diesen Uebungen nicht günstig geblieben. Der Mißbrauch, zu welchem sie Gelegenheit gaben, war auch hie und da zu einer Höhe gestiegen, auf der er dem Unbefangenen nicht unbemerkt bleiben konnte. Nicht Wo- ' chen, Monate gingen verlohren, um einen Schulart« - ein zustudiren. Erst zuarbeiteten sich die behrer mit den Reden und Dialogen; dann versäumten die Nedeübungen. --I5 Schüler L.ehrstunden und Arbeiten mit dem Memoriern. Eben so viel Zeit ging über dem Probiren hin, und der ganze Zweck war am Ende, einem gemischten Publikum ein Schauspiel zu geben, und wohl gar durch griechische und hebräische Reden Langeweile zu machen Wenn man für die Beybehaltnng der Rede Übungen und Schulaktus stimmen soll, so muß zuvörderst alle der Mißbrauch, welchen sie so oft veranlaßt haben, gänzlich wegfallen. Die Zeit, welche darauf gewendet wird, muß mit dem nächsten Zweck, welcher dadurch erreicht werden soll, in einem richtigen Verhältniß stehen. Sie müssen endlich zugleich Mittel werden, wichtige Zwecke z. B. Bildung des Geschmacks, der Sprache, der körperlichen Beredsamkeit zu befördern. i) Gegen die Rcdcübungen findet man ein und das andre erinnert in Campens Revis, Werk, Th. 4. S. 414 ff.; eine Vergleichung der Gründe fü r und wider in der Vorrede zu Fulda's oratorischem Magazin. Halle tsto?. (20 Gr.). So bald Nedeübungen angestellt werden, ist es durchaus nicht zweckmäßig , bloß die erwachsenen Schüler, etwa Primaner , daran Theil nehmen zu lassen. Diesen mag allenfalls der Vorzug bleiben, zuweilen ein vorzügliches Stück eigner Arbeit zu declamiren, Aber das Talent zu reden muß früh geübt werden, und man kann diese Uebungen als Gelegenheiten betrachten, junge Leute mit dem Auserlesensten der "deutschen und ausländischen Literatur bekannt zu machen, indem sie classische Stellen ins Gedächtniß fassen müssen. Man vergl. was oben (Grundsätze i. Theil § 178. 179.) darüber bemerkt ist. — Zu weit getriebnes Theaterwesen, besonders alle eigentliche Narren- und Prüfung und Behandlung der Köpfe -i6 Posscnsvrcle, und Geschmacklvggteiten solllen gänzlich verbannt seyn. Es erfüllt und verbildet die Köpfe. Zu häufige Wiederholungen solcher Schulaktus und Schauspiele, kosten auch auf Gymnasien und streng gelehrten Schulansial- ten zu viel Zeit. — Ein andres ists in Erziehungsinftiru- tcn wo sie einen pädagogischen Nutzen haben können, wovon im folgenden Kapitel ein Mehreres. 97 - Prüfung und Behandlung der Kopfe auf gelehrten Schule», Gerade auf diesen Schulen ist es von der äußersten Wichtigkeit, daß die Verschiedenheit der Köpfe, oder der Anlagen und Fähigkeiten nicht übersehen werde. Denn dadurch, daß jemand hier studirt, ist es ja weder schon entschieden, daß er zum gelehrten Stande tauge, noch auch, daß er gerade für alle Theile der Gelehrsamkeit Fähigkeiten habe. Um nun jenen Zweck zu erreichen, ist es noch nicht genug, daß der Lehrer in seinem öffentlichen Unterricht vorzüglich auf die Schüler von mittlern Fähigkeiten, welches freylich die meisten sind, Rücksicht nehme; er soll auch der Bessern nicht vergessen, die Schwachen nicht ganz versäumen, und unter den Mittleren wieder einen gehörigen Unterschied machen, indem derselbe Kopf für ein Fach ausgezeichnete , und für ein andres fast gar keine Talente besitzen kann. Auf Schulen, wo ein Lehrer die Schüler in allen Lectionen unterrichtet, scheint dieß leichter. Aber es läßt sich auch auf andern, durch eine öftere Besprechung der Lehrer über die Fähigkeiten der Schüler, auf gelehrten Schulen. 277 die ein stehender Artikel der Schulconferenz seyn sollte, erreichen. Wird dieß versäumt, und kennt jeder Lehrer kein andres Principium, als von allen in jeder Lection gleiche Anstrengung zu fordern, so kann gerade eine übrigens sehr wohl geordnete Schule vielleicht weniger vorzügliche Köpfe bilden, als eine unregelmäßige, in welcher der junge Mensch sich beynah ganz selbst überlassen ist. An merk. 7) Das Letztere scheint die Erfahrung zu bestätigen. Aus Schulen ohne alle Aufsicht, Disciplin und Schulordnung, wo kein Lehrer rechtes Ansehen hatte, keiner den cr- wachsneren Schülern etwas zu sagen wagte, wo die Schüler in den Classen lasen und vornahmen was sie wollten, sind einzelne vorzügliche Gelehrte hervorgegangen, über denen man nur allzugcneigk ist, der Unzähligen, die verwahrlost sind, zu vergessen. Gerade das V e r- kehrte und Zweckwidrige gab jenen Köpfen Stoß und Richtung. Aber wer möchte solche Erfahrungen be- ^ nutzen, um Mißbrauch zu heiligen ? 2) Hier einige praktische Regeln, über den im § enthaltenen Gegenstand, mit Ucbergehung dessen, was im i. Theil der Grundsätze Z 62. 6g. über die Prüfung der Köpfe gesagt ist. s) Eine Zeit lang lasse man den Schüler nicht nur alles treiben, sondern fordre auch überall gleiche Anstrcu- gnng. k>) Zeigt sich etwa nach einem Jahre, daß er, bey dem rastlosesten Fleiß und besten Willen, in einer oder der andern Sache ganz zurückgeblieben ist, so muß man beynah urtheilen, daß er dafür keinen Kopf habe, z. D. kein Sprachkopf, kein mathematischer Kopf sey, und daß ihm zu rathen seyn möchte, sich einem Fach zu widmen, dar 2l8 Prüfung und Behandlung der Köpfe auf gelehrten Schulen. ihm angemeßner ist. Wenigstens sen nian in solchem Falle nachsichtiger, und fordre nicht das subjektiv Unmögliche. c) Sind überhaupt die Fähigkeiten zu beschränkt, so erweise man doch ja dem Jüngling die Wohlthat, ihm vom Studiren im eigentlichen Sinne abzurathen. Es ist Gewi n n für ihn und fHr die Wissenschaften. Eine Prüfung der Köpfe in den mittlern Classen, mit Hinsicht auf die Wahl der Lebensart, wäre eine treffliche Anstalt. Im Preuß. Staat wird sie mit den Canton- Pflichtigen vorgenommen. Es wäre sehr zu wünschen, daß es überall, auch ohne diese beschrankte Rücksicht geschehen möchte. — Die Schule kann freylich die Eltern nicht zwingen, wozu sie ihren Sohn bestimmen sollen. Aber rathen sollte sie ihnen doch, und würde wenigstens von einigen gehört werden. — Das Vermögen kann nie Hauptrücksicht seyn, eins aber doch, wenigstens bey manchen Studien (z. D. dem medicinischen) neben bey in Anschlag gebracht werden. ck) Zeigt sich nach einiger Zeit, daß der Schüler für ein Fach ein ganz vorzügliches Talent habe, so suche man gerade dieses Talent in ihm zu entwickeln, und halte ihn nicht durch eine Menge von Dingen auf, für die er doch nie Sinn und Geschick bekommen wird. e) So bald die Schüler auf einer Schule nach den Lektionen versetzt werden, so wird das zwar die Folge haben, daß mancher in gewissen Lektionen zurückbleibt, indem er in andern immer fortrückt. Das schadet aber nicht. Etwas muß er doch von Allem was die Schule lehrt, wissen, und nur da, wo alles Unterrichten verloh- ren seyn würde, mag er endlich von der Lektion diöpensirt werden, in der er bey allem Fleiß nicht weiter kommt. Wie lernt ein Lehrer seine Schüler kennen? — Eine Prcisschrift von Vollmar. Tübingen isioz. Aufmunterungen u. Unterstütz, fleißiger Schüler. Stipendien. 21Y 98 - Aufmunterungen und Unterstützungen fleißiger Schüler. Stipendien. Unstreitig haben die weiseren Stifter von Sch ulken eficien, Frey stellen und Stipendien nicht die Absicht gehabt, bloß die Anzahl der Studirenden zu vermehren, sondern Venen, deren glückliche Anlagen und natürliche Thätigkeit mit ihren Hülfsmitteln in keinem Verhältniß standen, ihre Jugendbildung zu erleichtern. Diesen Gesichtspunkt sollten daher auch alle Administratoren fasten, und dabey, wenn nicht etwa die Verordnung des Stifters die Wohlthat auf Familien eingeschränkt hat, sich nicht nur vor allen den schreyenden Ungerechtigkeiten hüten, welche so viele Stipendienverleiher der Parteylichkeit, der Rücksicht auf angesehene Verbindungen wohl gar auf Bestechungen anklagen, sondern auch die bloße Dürftigkeit und Armuth nie zum Maaßstabe des Verdienstes annehmen. Eine gewissenhafte Commission, die kaum aus bloßen Schullchrern bestehen dürfte, müßte bestimmen, wer sich durch Fähigkeit, Fleiß und Sitten der Beförderung seines Studircns würdig mache. Eine eben so gewissenhafte Obrigkeit müßte den Vermögenszustand der Eltern untersuchen. Die Stipendienvertheilung müßte endlich unbeschrankte Publicitat bekommen. Ehe dieß nicht allgemeine Regel wird, so werden ferner, wie bisher, eine Menge unwürdiger Menschen, die einflußreiche Vater oder vornehme Gönner haben, in dem Besitz der I 220 Aufmunterungen u. Unterstütz, fleißiger Schüler. Stipendien. Stipendien und Beneficien seyn, indeß das unbemerkte und vergessene Talent kümmerlich Brodt suchen und vielleicht für die Welt verlohrcn gehen wird. Selbst der Nothbchelf, sich schon auf der Schule durch I n - formation durchbringen zu müssen, kgnn die schad- lichsten Folgen haben. Anmc r k, i) M. s. die gründliche Abhandlung von Stipendien und den Rechten d.rselben, vonI. E- Sieben- kees. Nürnberg 1786. (10 Ar.) 2) Daß junge Leute von reiferem Alter sehen auf der Schule Versuche machen, jüngere zu unterrichten, kann nicht allgemein getadelt werden. Es ist nicht nur für den Aermeren ein Hülfsmittel, den Vortheil des öffentlichen Unterrichts, selbst desto länger zu genießen, sondern es ist auch eine nützliche Vorübung, da ja Unterrichten die künftige Bestimmung vieler ist, und sich auf der Universität nicht immer Zeit und Gelegenheit dazu findet, Einige Versuche wären sogar jedem Schüler höherer Classen zu empfehlen, Sie geben Gewandtheit, und lehren die Sachen ernsthaft behandeln. Nur ist das häufige Inforiniren dem Mißbrauch zu sehr ausgesetzt, als daß nicht ein wachsamer Schulmann sich darum bekümmern, und wenigstens durch Rath und Vorstellungen das Ueberschreitcy des Maaßes zu verhindern suchen müßte, lieber dem beständigen Stundengeben in Privathäusern, wird entweder dem eignen Fleiß die beste Zeit geraubt, und der junge Lehrer fängt an, alles auf Vortheil und Gewinn zu berechnen, so daß er selbst immer mehr zurückkommt, und völlig unreif die Schule verläßt, der er nur halb gelebt hat. Oder er will beydes verbinden, und überarbeitet sich so sehr, daß die besten Kräfte des Körpers, in den Jahren, wo derselbe noch im Wachsthum sieht, verzehrt sind, und «in kränkelndes und verkürztes Leben die ganze Ausbeute ist, die er von der Schule davon trägt, ohne vielleicht je die Früchte Beurth. der mit vielen Schulen verbundenen Singchöre. 221 seines so übermäßigen Fleißes erndten zu können. Erzwingen laßt sich Hiebey nichts; aber durch Rath und Aufsicht vieles verhüten und leiten. 99. Beurtheilung der mit vielen gelehrten Schule» vcrbundncn Singchore. Ein ziemlich allgemein anerkanntes Verderben sehr vieler öffentlichen Schüttn, sind die damit verbundenen Singchöre. Chor schüfer sind sehr häufig ein' Haufe verwahrloster Kinder und Jünglinge, die von Jugend auf, oft aus Noth, eine Nebensache für Hauptsache halten, ungleich wichtigere und bleibend nühlicheKeirntrnffe darüber versäumen, sich an keine regelmäßige Ordnung gewöhnen, und nur zu oft durch, rohe Sitten, so wie, wenn sie heranwachsen, durch einen vornehmen Ton und grobe Widerspenstigkeit gegen ihre Lehrer, ein sehr ftbles Beyspiel auf der Schule ge-, ben. Sie sind um so gefährlicher, da sie gemeiniglich zu Schulstellen in niedern Schulen zu gelangen suchen , und nun durch einen planlosen und elenden Unterricht auch der heranwachsenden ihnen anvertrauten Jugend schädlich werden. Die seltnen Ausnahmen, welche es hievon giebt, können gegen diese fast allgemeine Erfahrung nicht in Anschlag kommen; und daß viele gutgeartete junge Leute durch die Aufnahme in das Chor, weniger durch ihre eigne Schuld, als durch die Schuld der ganzen Chorverfaffung, geistig und moralisch verderbt werden, beweiset nur noch mehr gegen die Verfassung selbst. Eine gänzliche Abschaffung der Beurtheilung der mit vielen Schulen Smgchöre würde zwar dem Uebel am besten abhelfen, und in der That der Verlust für das gemeine Wesen dabei) an den meisten Orten höchst unbedeutend seyn. Da indeß die Cultur des Gesangs an sich kein un- würdiaer Gegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit ist, vielmehr auf allen Schulen zu wünschen wäre, auch durch die Abstellung der Mißbrauche die Einrichtung selbst eine andre Gestalt gewinnen würde; so müßte man nur i) eine strenge, mit den unvermeidlichen Nebengeschafren des Chors vertragliche Regelmäßigkeit, in die Geschäfte und Arbeiten der Chorschülcr bringen, und diese ohne Ausnahme, eben so gut wie die übrigen Schüler, den Gesehen unterwerfen, wozu die Obrig-' keit am besten mitwirken konnte. Auch waren 2) die Chorschüler, nur etwa mit Ausnahme der vorzüglichsten' Köpfe, die man billig Kurch anderweitige Unterstützung in eine bessereäage bringen sollte, nicht zum gelehrten Stande, sondern zu Schulte hrern in den Volksschulen zu bestimmen, und nur dazu gehörig vorzubereiten. A n m e r k. Es verdient die allerreiflichsts Aufmerksamkeit der Schulcollegien, Obrigkeiten und Schulmänner, dieser „Legion zum Theil priviiegirter Müßiggänger, „ wie sie Reservitz irgend wo genannt hat, anders zu organinren; sie einer sehr strengen Aufsicht zu unterwerfen; die, welche sich nicht in die Ordnung fügen wolle» — sey ihr Singtalent noch so groß.— zur Handarbeit zu verweisen, ober dem Staat auf andre Weise brauchbar zu machen. Der ausgezeichnete Kopf, den der Zufall darunter geworfen hat, wird doch wohl einen Beförderer oder Für- verbundenen Singchöre. L2Z sprecher finden. Es ist grausam, ihn in dieser Lage zu lassen. Die mittlern Köpft mögen die Kunst üben, aber sie sollten doch mehr lernen als Singen, selbst wenn sie eigentliche K ünstler zu werden Talent hätten. Sie müßten den Unterricht einer guten Bürgerschule genießen, und allenfalls die mittlern Classen einer gelehrten mitnehmen. Dann (etwa im i6 — 17 Zahr) müßten sie wählen. " Wahlen sie das Studiren — so höre das Lhorsingen auf; Wahlen sie das Schulamc in Land- und Bürgerschulen, so ertheile man ihnen täglich einige Stunde» vorbereitenden Unterricht, wie er oben § 48. ls. beschrieben ist; wozu, wenn auch kein Schullehrerseminarium am Ort wäre, doch wohl einer,der Schullehrer geschickt seyn wird. Privatinfor» Marionen sind für solche Jünglinge zweckmäßig, und können bildend sür ihre Bestimmung werden. IOO. Sorge für die intellcctuclle und moralische Reife zum Uebergang zur Akademie. Es ist von der äußersten Wichtigkeit für den Staat und selbst für die Einzelnen, daß die Zöglinge gelehrter Schulen, die sich dein eigentlichen Studiren, folglich in der Zukunft einem Amt und zum Theil den w ichtigsten und höchsten Posten widmen wollen, nicht früher zu den hohem Schulen oder Akademieen übergehen, als sie von Seiten ihrer Kenntnisse und ihres Charakters zu einem so entscheidenden Schritt vollkommen tüchtig sind ^). Die Beurtheilung, wenigstens der Kenntnisse, kommt der Schule zu; und wenn sie dabey streng und «„parteyisch verfahrt, so machen sich selbst die Schüler nach und nach eine gewisse Regel, nach 2Z4 Sorge für die intellektuelle und moralische Reife welcher sie sich eines ehrenvollen Zeugnisses zum Abgänge würdig oder unwürdig sehen. Eben daher sollte anfallen gelehrten Schulen eine Prüfung jedes Abiturienten nach festen Grundsätzen Lan- desgeseß seyn, und jeder sollte hinwiederum in die strengste Gewissenhaftigkeit in der Ertheilung der Zeugnisse ihre Ehre setzen '). Schwieriger ist die Beurtheilung des Grades der moralischen Ausbildung und der Reife des Charakters, ob gleich auch darüber die letzten Zeugnisse nicht schweigen sollten. Denn es gilt nicht bloß von Erziehungsanstalten, es gilt auch von den gewöhnlichen Stadtschulen und Gymnasien, daß sie die sittliche Cultur ihrer Schüler zum Theil wenigstens in ihrer Gewalt haben, und zuverlässig weit mehr dazu beytragen konnten, als in den allermeisten Fällen, wenn man die Erfahrung frägt, zu geschehen pflegt b). i) Die Wichtigkeit einer vollendeten Vorbereitung auf den Schulen zur Akademie erhellt vorzüglich daraus, daß 1) gewisse Kenntnisse, die dort versäumt sind, fast nie wieder nachgeholt werden,, indem das akademische Studium sie seiner Natur nach voraussehen muß. Und dieß sind zum Theil Kenntnisse, deren Versaumniß sich fast immer rächt. Hiezu kommt, daß 2 ) der akademische Unterricht selbst nur dem nützlich werden kann, der dazu durch die Schule vorbereitet ist. Aus die Unwissenden, an keine Gründlichkeit Gewöhnten kann und soll er billig keine Rücksicht nehmen. Er soll keine Nachhülfe seyn; er soll weiter führen, und unter Voraussetzung eures hinreichenden Vorraths, der bey jedem 22Z zum Uebergang zur Akademie. jedem höhern Studium nothwendigen Materialien, nun auch die Hähern Seelenkräfte in Thätigkeit zu setzen suchen. Wie wichtig aber auch z) eine gewisse Reife und Gesetztheit des Charakters sey, um auf der Akademie gegen so viele Gefahren aus- zudauern, bedarf keines Beweises. 2) Prüfungen der Schüler zur Akademie sind bey weitem zweckmäßiger auf den Schulen als auf der Akademie selbst, schon darum, weil der Schüler noch langer verweilen kann, wenn er nicht bestand. Ist er einmal auf der Universität, so kehrt er nicht wieder zur Schule zurück. In den Preuß. Staaten sind aus diesem Grunde allgemeine Maturitäts- examina eingeführt, die überall nachgeahmt zu werden verdienen. Sie haben schon den großen Nutzen, daß der Fleiß der Jünglinge bis auf den letzten Augenblick ihres Schulbesuchs thätig erhalten wird, da sonst viele in dem letzten Zeitabschnitt über der Vorstellung des nahen akademischen Himmels, der guten Anwendung des irdischen Schul- lebens vergessen. Selbst der Trägere, der solcher Motiven bedarf, wird noch einmal recht angespornt, und alle wiederholen selbst frühere Lecüonen wieder mit Eifer, woran ohne diese Veranlassung schwerlich gedacht seyn würde. Sollen aber diese Maturitätsexamina wirklich dazu dienen, daß weniger Unwissende oder Halbgebildete auf die Akademie kommen, so müssen sie nach festen Principien organisier werden. Es muß i) Vor allen Dingen eine allgemeine Regel geben, was von dem, der ein Zeugniß der Reife zum wirklichen Studiren erhalten will, gefordert werden soll. Aufs wenigste gehört dazu grammatische Kenntniß der Muttersprache, der französischen, der lateinischen und (wenn er es getrieben) der griechischen und hebräischen Sprache; — Fähigkeit in diesen von ihm erlernten Sprachen nicht allzuschwere Schriftsteller, auch ohne sie vor- P 226 Sorge für die intellektuelle und moralische Reift her gelesen zu haben, übersetzen und erklären, und bey schwereren Stellen sich wenigstens einigermaßen helfen zu können. (Vorher noch nicht gelesene Stellen würden weil sichrer entscheiden, wie weit Lie erworbue Sprach- kenntniß reicht, als die bloße Wiederholung eines schon bekannten Stücks, die oft nur das gute Gedächtniß beurkundet.) Ferner muß er in keinem Theil der Uuiver, salgeschichte ganz Fremdling, vielmehr mit den Hauptperioden der Geschichte bekannt seyn und sich orientiren können. Dasselbe gilt von der Geographie. Von den malhematischen Wissenschaften muß er wenigstens Arithmetik und Geometrie inne haben. Daneben muß er im Stande seyn, sich wenigstens in denen Sprachen, worin auf Schulen Aussähe gemacht werden, namentlich der teutschen, französischen und lateinischen, ohne erhebliche grammatische Fehler schriftlich auszudrücken ; endlich auch von der Lehre und den Pstichtcn der Religion so viel Auskunft geben können, daß daraus Deutlichkeit und Zusammenhang in seinen Begriffen wahrzunehmen ist. 2) Die Prüfung sey theils schriftlich theils mündlich; n ieere nur unter gehöriger Aufsicht, um alle Täuschung abzuschneiden. zP Wenn die Lehrer der Schule selbst prüfen, so ist wenigstens zu wünschen, das; den Kphoren oder andern Anwesenden die Wahl des Lehrstücks überlassen bleibe. 4) Da einzelne Schüler von den genannten Gegcir- siänden sich gerade nur das Nothdürflige, andere aber ! weit mehr zu eigen gemacht haben können, so ist es billig, ^ auch in dem Zeugniß der letztem die Grade hervorzuhe- ! ben, und dadurch das subjecciv so versthiedne Reif und Unreif näher zu bestimmen. . i 5) Die Prüfung .wird am Besten so nahe als möglich vor den Abgang angestellt. Denn dir Zeit nach dcrsel - ben ist doch für die meisten verloren. Der gewissen- ! hafte Schulmann, der es wohl mir seinen Schülern zum Uebergaug zur Akademie. 227 meint, wies ihnen ja doch schon in der Mitte des letzten Halbjahrs sagen können, ob er sie für reif zur Akademie halle, und im Gegenfall warnen, den Schritt nicht zu früh zu thun. 6) Schulen, die ohne Ausnahme alle Abgehende mit den besten Zeugnissen versehen, machen sich immer verdächtig , und sollten billig von Zeit zu Zeit einer Controlle höherer Behörden, durch Nachexaminiren Einzelner unterworfen werden. Dieß würde vorsichtig machen. Man vergl. § Z9- 40. Z) Die Erhaltung der Moralität und die Charakterbildung der Schüler auf Gymnasien und Stadtschulen, ist allerdings eine schwere Aufgabe, indem sie gewöhnlich nur während des Unterrichts unter dem Auge der Lehrer, die übrige Zeit ' in ihren Familien oder in fremden Häusern als Kostgänger zerstreut sind, wo sie in beiden Fallen nur zu oft mehr Gelegenheit und mehr Reiz zur Immoralität, als zum Gegentheil finden. Indeß kann selbst solchen häuslichen Verderbnissen doch von der Schule auf manche Art mit entgegen gewirrt werden, und es lehrt auch wirklich die Erfahrung, daß manche Züngiinge diesem Einfluß weit mehr als ihren eignen Eltern zu danken haben. Aber wenn dieser wichtige Zweck erreicht werden soll, so ist außer dem, was schon oben § Z7. über diesen Gegenstand im, Allgemeinen gesagt ist, 1) vor allen Dingen zu wünschen, daß auf gelehrten Schulen der Schüler seine Lehrer eben so sehr wegen ihres moralischen Charakters und Wandels achten könne, als wegen ihrer Kenntnisse, wovon leider so oft das Ge- aentheil bey Schulmännern start findet, deren Kopf und Gelehrsamkeit ausgezeichnet ist. Ist jenes der Fall, so werden «) solche Schullehrer gewiß nicht unbekümmert und gleichgültig seyn, wie Charakter und Sitten ihrer Schüler beschaffen sind; und diese werden es bemerken, daß ihnen P 2 228 Bedürfniß der Erziehungsanstalten im Staat. selbst große Talente und ernster Fleiß keine allgemeine Achtung erwirbt, wenn der Charakter nicht achtcns- wcrlh ist. z) Selbst die Obrigkeit eines jeden Orts sollte gröbere Excesse außer der Schule poiizeymäß-g betrachten und ahnden, damit die jungen Srudirenden nicht früh den Wahn bekommen, mit welchem so viele die Akademie betreten, daß ihnen mehr als andern Ständen frey stehe und ungestraft hingehen müsse. Daher sollte man 4) von Seiten aller Schuldirectionen endlich einmal einig werden, jede Nachahmung sogenannter akademischer Freyheiten, Sitten, Kleidungen, sie haben Namen wie sie wollen, aufs strengste zu untersagen. Dieß würde auf die Akademieen selbst einen vortheilhafteu Einfluß haben, und die Wiederherstellung einer weisen Strenge oer so erschlafften Schulzucht würde die größte Wohlthat für die Jünglinge seyn. Z) Endlich müßte auch in dem Zeugniß bey dein Abgänge das Betragen des Schülers wahrend seiner Schulzeit offen und wahr charakterisier werden. Sechstes Kapitel. .Von den Erziehungsanstalten. 101 . Bedürfniß derselben im Staat. schulen, in welchen junge Leute nicht bloß unterrichtet, sondern auch erzogen werden, folglich in und außer den Lehrsiunden zugegen sind, scheinen zunächst nur für solche ein Bedürfniß zu seyn, welchen der Tod frühzeitig ihre natürlichen Erzieher entrissen hat — für E l - kernlose oder Verlaßne. Aber sie sind auch in Bedürfniß der Erziehungsanstalten im Staat. 22Y den mittleren und höheren Ständen nach und nach für Kinder noch lebender Eltern Bedürfniß geworden, weil r)eine gute Schule oft zu entlegen von dem Ort ihres Aufenthalts war, um die häusliche Erziehung mit dem öffentlichen Unterricht verbinden zu können; weil 2) die Seltenheit erfahrner Erziehungsgehülfen sie eine gut eingerichtete öffentliche Anstalt vorziehen ließ, oder z) eignes Gefühl von ihrer Unfähigkeit zum Erziehen, oder Bcquemlichkeirsliebe sie zu der Ueberzeugung brachte, daß eine Erziehung außer dem Hause, für ihre Kinder oder Pstegebefohlnen einen besseren Erfolg hoffen lasse. Wir werden aus den angeführten Gründen solcher öffentlichen Erziehungsanstalten nie ganz entbehren können, und es muß also dem Staat und allen wohldenkendcn Staatsbürgern sehr viel daran gelegen sevn, daß sie den möglichsten Grad von Vollkommenheit erreichen. Unter sich selbst sind sie wieder sehr verschieden. Für dürftige Verwaiste sind Waisenhäuser, für den mittleren und höheren Stand sind Erzieh ungsinstitutc (Pädagogia), für den Mili- karstand Cadetten hauser, für den Adel Ritter- akademieen, für das weibliche Geschlecht Pensionen, endlich auch für eine sehr unglückliche Menschenclasse Taub stummen Institute bestimmt. Anmerk. Die Frage, über die Vorzüge häuslicher und öffentlicher Erziehung, gehört unter die allcraltesic» in der Pädagogik. Von Q. uinctilian an bis auf die neuesten pädagogischen Schriftsteller, hat man für und wider die eine oder die andre gestritten. Sehr oft sind die Entscheu 2Z0 Soll man Waisenhäuser beybehalten? düngen nur darum so ungleich ausgefallenweil man mehr davon ausging, wie es seyn sollte, als wie es wirk- l i ch ist. Die neueste Abhandlung ist eine Prcisschrist unter dem Titel: k.e»- canckns i»/rrc«e,ra!ae /»-./ u/?tara pi-ae//cr?rti/^»rL! ? ^l. Ls/r^ra. läps >797- (14 Gr>). Eine andre: Ueber die öffentliche und häusliche Erziehung, welche die Gründe und Gegengründe sehr gut würdigt, steht in Bauers philosophischen Versuchen über Gegenstände der Moral. i. Ty. Leipzig 179.7. (r Nthlr). I. Waisenhäuser. IO2. Soll man sie beybehalten? Bey denen Anstalten, welche der Pflege und Er- ziehung unvermögender Verwaisten bestimmt sind, ist es neuerlich zweifelhaft geworden, ob nicht ihre allgemeine Auflösung zum Besten der Gesellschaft zu wünschen sey, und dagegen eine ganz andre hie und da schon ins Werk gesetzte Einrichtung für sie allgemein zu werden verdiene. Die Erfahrung kann hierüber allein entscheiden. Aber sichre Resultate aus ihr zu ziehen, hat gerade hier große Schwierigkeiten. Daher möchte es wenigstens rathsam seyn, nichts zu übereilen, um nicht, wieso leicht geschieht, den Geldgewinn für die Erhaltung mehrerer gar zu hoch in Anschlag zu bringen, wenn moralischer Verlust auf der andern Seite zu fürchten seyn sollte. Sichrer wäre es wohl, mit den S.oll man Waisenhäuser beybehalten? 2 g r vorhanvnen Attstaltcn dieser Art die Vorrheile möglichst zu verbinden, welche für die ärmeren Stande in einer HauSerziehung zu liegen scheinen. A n in e r k. i) Die Haupteinlvürfc gegen die gewöhnliche Er- Ziehung in den Waisenhäusern, treffen theils die Verfassung selbst, theils zufällige Uebel. D. Ue bor h a u p t meint nmn: s) Das Zusammenleben vieler Kinder sey der Sittlichkeit schädlich, und,-ihrer Ausbildung hinderlich; N) Waisenkinder sollten,zu bürgerlichen Gewerben und Handlhierungen, .oder zum Diciren erzogen werden; dazu stnde sich,hicr zu wenig Vorbereitung. L) Man könne die Wdhithgt einer freyen Erziehung auf mehrere ausdehnen, wxM..mg.y,die Kinder in Familien, besonders auf dem Lande vertheilte^lyo^urch beträchtliche Kosten erspart w.urhen., L. Insonderheit beruft >,ü«n sich auf die unver- hältnißmäßige M orralitat in den Waisenhäusern, die Ungesundhejt, die inhumane Behandlung der minder, die Unbeholfenheit der darin Erzognen, ,oder in, andern Fällen die Verwöhnung zu einem Wohlleben, das für die . folgenden Lagen nicht passe. .2) Dagegen, lassen sich indeß auch sehr.erhebliche Gegcngründe anführen. Man kann nehmlich geradezu leugnen, daß die angeführten Uebel nothwendig und unzertrennlich mir Waisenhäusern zu- , samnMhangen- ob sie sich wohl fn den meisten finden - mögen. Mail kann U. .aus der Erfahrung beweisen, daß der Unterrichts- und Erziehungsplan, in einer wohl eingerichteten Anstalt viel harmonischer seyn, und auf die wahren Vortheile der Kinder berechnet werden kann. Dagegen sind Soll man Waisenhäuser beybehalten? -Z2 L. solche Familien, welche Kinder gegen Bezahlung zu sich nehmen, zwar einzeln, aber sicher nicht in Menge zu finden, worin sie auch wirklich gut erzogen werden. Man trägt nur gar zu leicht das Ideal von rechtlichen Familien im Bürger- und Bauernstände auf zu viele über. Aber wenn man weiß, wie es in den meisten um die Erziehung eigener Kinder steht, so kann man schon daraus schließen, wie es um die Erziehung fremder stehen werde, die gegen ein geringes Kostgeld aufgenommen sind. Hier kann sie gegen Bedrückungen, elende Kost, harte Arbeit selbst gute Aufsicht der Prediger dder der Obrigkeit nicht ganz sicher stellen. Man kennt auch diese Aufsicht schon! — Es ist O. die Ungesundheit und Mortalität nichts weniger als allgemein; sie kommt allein auf die Rechnung der Vorsteher, nicht der Anstalten an sich. Wo für Gesunde und Kranke.recht gesorgt wird, werden Wenigere in Waisenhäusern als in Familien kränkeln und sterben. Man vergleiche die genauen Mortalitätslisten des Hallischen Waisenhauses, in der Beschreibung und Geschichte desselben in seinem ersten Jahrhundert, l/yy. (l Nthlr). Von ,zv Knaben, welche ehemals Jahr aus Jahr ein erzogen wurden, starben z. B. in einem Zeiträume von 20 Jahren dreymal in Jahresfrist;, d.reyinal 2, siebenmal,, und siebenmal keiner. — Von dem Braunschweigi- schen Waiscnhause hat S t >1 v e beyuah dasselbe bewiesen. Brannschweig. Journ. 1788- L. Wenn Handwerker und Herrschaften vorzüglich gern Kinder aus guten Waisenhäusern in Lehre und Dienst nehmen, so muß die Erziehung doch wohl nicht so ganz unzweckmäßig seyn. ?. Es bleibt also nur noch der Vortheil übrig, daß man mit gleichen Kosten, ihrer mehrere auswärts erziehen kann. Eh aber nicht gewiß ist, daß sie Erfordernisse guter Waisenanstalten. 2Z? eben so gut erzogen werden, daß besonders Geistesbil düng eben so wie in einem guten Waisen Hause be fördert werden kann, so ist dadurch nichts entschieden. In der Regel ist das Wohlfeilste das Schlechteste, Die Schriften über diese Materie s. bey § roz. IOZ. Erfordernisse guter Waisenanstalten. Die Hauptgesetze einer guten Erziehung in Waisenhäusern, sind — Planmäßigkeit, sowohl im Unterricht als in der Behandlung für die künftige Bestimmung, und Verhältnißmäßigkcit-in allen Einrichtungen zu versage, worein die Vorsehung unvermögende Waisen versetzt hat. Hieraus fließt: i) Einfachheit in Kost, Kleidung, Wohnung, Lebensart, Vergnügungen und sorgfältige Verhütung aller Verwöhnung, verbunden mit steter Hinsicht auf Erhaltung und Stärkung der Gesundheit, auf Ordnung, Reinlichkeit, Pünktlichkeit; 2) zweckmäßiger Unterricht fürKiu- dek, die für Gewerbe und Dienst bestimmt sind, nach dem § 66. angegebnen Plan; z) zwar höchst vorsichtige und sparsame, aber doch sorgfältige Aushebung vorzüglicher Köpfe, und Veranstaltung eines ihren Talenten angemessenen höher« Unterrichts; 4) möglichster Ersatz der frühen Entbehrung der Eltern, durch eine humane, obwohl ernste und feste Behandlung, und fleißige Benutzung der aus ihrer Lage hervorgehenden eigenthümlichen Motive zu Fleiß und Wohlverhalten; eben da- 4Z4 Erfordernisse guter Waiseuanstalten. her ;) zweckmäßige Wahl Ver Personen, welche die Aufsicht außer den lehrsrunden führen; und 6) Beförderung der Industrie durch Arbeitsstunden sowohl für die Knaben als für die Mädchen, nicht etwa für die Fabriken, um großen Gewinn dadurch zu machen, sondern bloß um Geschick und Arbeitstrab zu wecken. Kann es seyn, so gebe man 7) Knaben und Mädchen auch einige Gelegenheit, sich in Geschäften zu üben, die sie künftig treiben sollen; besonders den letzteren einige Kenntniß ökonomischer Dinge, wozu die Wirthschaft in dem Waisen- hause, oft selbst Anlaß giebt. So .diel möglich, werde endlich 8) dafür gesorgt, daß sie bey ihrem Austritt in Lagen kommen, die für ihr Fortkommen und ihre lichtest gleich Vortheilhaft, und bey den Knaben den bey ihn'cn bemerkten Anlagen am angemestensten, sind. A n ni erk. Die angeführten Grundsätze bedürfen keiner' Erläuterung und gehen aus den. allgemeineren, die .öden abgehandelt sind, von selbst hervor. Äle Bestimmung eist nee Waisenanstait giebt ihnen nur gewisse Modlsicarionch'. Für die zu b u raerli el) enG etvc ebb n 6e stimmte n Finder, sind in der Regel verständige und rechtschaffne Bürger und Bürgerinnen zur 'Aufsicht geschickter, . als bloß Studirle.. , 0 Von den Schriften über W a isenhauser hiev nur einige wichtigere, in welchen auch das, was für und wider die Veybchaltung solcher Austeilten gesagt werden kann, mit Einsicht und Ruhe abgehandelt ist. Im Z. 1780 schlug die Hamburgische patriotische Gesellschaft die Preisaufgabe vor: „Die Erfordernisse guter Waisenanstalten. 2g5 Erziehung der Waisen in Waisenhäusern oder durch Beköstigung in und außer der Stadt zu vergleichen. „ Die beyden Schriften, denen der Preis zuerkannt ward — von Stark und Haun — erklärten sich beyde sehr lebhaft 'gegen die ' Waisenhäuser. — Gleichwohl ward kurz darauf das sehr ansehnliche große Waisenhaus in Hamburg aufgeführt. — Eben so verrheidigt das Aus-thun der Kinder in Familien: W. H. Schul; in der Nachncht von der neuen Einrichtung der Verpflegung der Waisen in den Herzogt. Wennarschen Landen. 1785., womir der Versuch einer Geschichte der Waisenanstaic zu Weimar. 1795. zu vergleichen ist. Für die Beybehaltung der Waisenhäuser, unter Voraussetzung einer gehörigen Verfassung und Abstellung der Miß-' brauche, stimmen: Villaume über die Waisenhäuser, im Braunschm. Journ. 1786. Dec. Ein Ungena n n ter tm Journal von und für Deutsch!, v. I. 1786. z. Stück. S. C. Litzmann Vertheidigung der Waisenhäuser in seinen Aufsahen. Berlin 1784- A- F- Lstulfs im Versuch zur Beantwortung der Frage: Wie sind Waisenhäuser anzulegen? u. s. w. Göttingen 1785- (6 Gr.> Von beyden Seiten zählt und prüft die Gründe: Wagemann im Gott. Magazin für Industrie und Armcnpsicge, s. B. z. Ci. VII. II. Erziehungsanstalten für Söhne aus v c sss ch iednen Sta n d e n. 104. Zweifel über ihren W.crth. Ob Anstalten, wo in die Stelle der nat ä rlichen Erzieher fremde Personen, in die Stelle der Geschwister, unbekannte Gespielen, ungleich an ^ 2Z6 Erziehungsanstalten für Sühne Sinn, an Sitten, an Lebensweise treten; wo für die Zöglinge alle engeren Familienverbindungen auf einmal, und bey weiter Entfernung oft auf viele Jahre zerrissen werden; wo endlich eine gewisse Einförmig- ! keit der Lebensart unvermeidlich ist; — ob solche An- ! stalten der Ort sind, worin der jugendliche Charakter ! am vortheilhaftesten ausgebildet werden könne, — dar- ^ über lassen sich wichtige Zweifel erheben. Ueber die Vorzüge des öffentlichen Unterrichts in gewissen Jahren ist man bald einverstanden; aber öffentliche Erziehung bleibt in den Augen Vieler, auch Unbefangner,— höchstens ein nothwendiges Uebel. Manche Gründe dagegen, beziehen sich freylich nur auf die unbeschreiblich schlechte Beschaffenheit vieler solcher Anstalten, in welchen Erziehung und Unterricht verbunden ist — Ihre zum Theil von den Oberen ganz unverantwortlich geduldeten—Gebrechen und Schändlichkeiten mehr ans Licht gebracht zu haben, gehört zu ! den unverkennbaren, auch wirklich schon in mancher heilsamen Reform, wenigstens stillschweigend anerkannten Verdiensten der neueren Pädagogik und der Publici- lat. Andre Gründe aber sind mehr aus derNatur solcher Anstalten hergenommen. Sie beziehen sich auf die Unvollkommenhcit und Schwierigkeit der eigentlichen j Erziehung, die sowohl in den Erziehenden, als ^ in der tage derer, welche erzogen werden sollen, ihren Grund hat. Wer ««parteyisch ist, kann Gbeydcs nicht verkennen '). aus berschiednen Standen. 2-Z7 1) So sah Rousseau die Sache an, wenn er bey allen Gelegenheiten im Emil die Kloster- und Collegienerziehung herabwürdigte. Nur solche grundverdotbene Znstirute scheinen auch manche neuere pädagogische 'Schriftsteller gekannt zu haben, wenn sie sie alle in dem gehässigsten Licht darstellten. Seitdem manche selbst dergleichen errichteten, scheinen sie einzusehen, daß tadeln leicht, aber jedem Tadel entgehen desto schwerer sey. ^ 2) Die unleugbaren Unvollkomm enheiten aller, besonders größerer Erziehungsanstalten — bey denen sie gleichwohl noch immer große Vorzüge vor sehr vielen Familienerziehungen, besonders der höheren Stände , haben können, — sind folgende: /t. Von Seiten der Erzieher. s) Sie machen viele Erzieher nöthig, und der erfahrnen und geübten sind so wenige. Manche müssen sogar hier ihre erste Probe machen, wie dieß freylich auch bey Hausteinen, immer der Fall ist. Sie müssen oft gewählt werden, ohne daß man im Stande ist, ihre Erzieher- und Lehrertalente vorher genau zu prüfen. Und sind sie einmal gewählt/ so bleiben gerade die Unbrauchbareren am längsten in der Anstalt, und fallen ihr zur Last, ohne wesentliche Vortheile zu stiften. b) Lehrer an Lrziehungshausern werden wegen der engen Sphäre, worin sie leben, so leicht einseitig, und der wirklichen Welt, bey eingebildeter Kenntniß derselben, unkundig. Weil sie ein CorpS bilden, kann da, wo Harmonie unter ihnen ist, Eviseitigkeit sogar Lspric ä- Lcirps werden. Und doch solle» sie junge Leute für die Welt erziehen. c) Wo keine Harmonie ist, arbeiten sie sich unter einander, und oft alle dem Vorsteher entgegen. ci) Die enge Verbindung, worin sie mit den Zöglingen stehen, und das Interesse der letzteren, alle ihre Schwächen ausfindig zu machen, schadet ihnen leicht an der Achtung. Auch ist es an sich weit leichter, sich bey wenigen Zöglingen, als im Kreise einer ganzen Schule in Ansetzn zu erhalten. Erziehungsanstalten für Sühne vz8 Is. Von Seiten der Lage der Zöglinge. ») Das Böse, das immcr schneller gedeiht als das Gute, wird in einer so enge» Verbindung leicht anst ckend. In einem ! so gemischten Haufen müssen üble Beyspiele häufiger vorkommen, und werde» für unbefestigte Gemüther oft unwiderstehlich. h) Die mancherley wohlthätigen Einwirkungen der Familien» c'r bind n u gen fallen weg. Mit ihnen also auch das, was die sanfteren Gefühle anregt, was das wahre Menschenleben kennen und mit ihm chWpathisircn lehrt, was den Charakter mild ' und geschmeidig, die Sitten feiner und gefälliger machen kann, ! oh es wohl auch an sehr vielen jungen Leuten im häuslichen Leben ! vermißt wird. c) Das Gemisch der jungen Leute von so vcrschiedncn Jahren, Körper- und Geisteskräften, ist für einzelne unter ihnen mit manchen Gefahren und Versuchungen verbunden, vor denen sie nicht immcr gesichert werden können. Selbst die Gesundheit kann anss Spiel kommen, da unter einem großen Hausen auch der Schwächere nicht geschont wird, und sich wohl selbst nicht § schont. ^ st) Ist der Ton dcr Anstalt auf Insubordination, Rohheit, wohl gar schon frühes Sttidontcntstnm gestimmt, so ists für den schjvä- cheren Charakwr äußerst schwer, sich zu halten, und es zu wagen, besser als die andern zu seyn. Daher sind Aeußerungen herzlicher Empfindungen, der Dankbarkeit, der Liebe, des offne» Zutrauens etwas, dessen sich dcr Zögling leicht schämen lernt. Kinder und junge Leii'c haben an sich schon eine» gewissen Hang, , die Schwachen.ihrer Lehrer auszuspähen. Dieser wird aber auf Erziehungsanstalten noch sehr dadurch befördert, daß der Gesichtskreis so klein ist, und, was einem entgeht, der andre bemerkt, wodurch sich dcr Gclst dcr Liebe und Anhänglichkeit noch mehr verliert. Denn wer ihn äußert, gilt gar zu leicht bey den andern für ' ritten Schmeichler. v Die Einförmigkeit, — auch das Pünktliche, auf bestimmte Stunden gesetzte und Unfrcywilligc, das in einem Erziehungsm- stitut in Allem, sogar in den Vergnügungen nothwendig ist, macht gleichfalls, .leicht einseitig, und wo nicht — wie wohl mehr in vor rPou Aeiro» vor Kali war, p e d u I! t! s ch — Loch schttchtcril und unbeholfen, oft auch ocidrießlich. Man sehe B ü sch über die Einförmigkeit des Lebens und ihre mannichfaltigen Einflüsse auf die Menschen in ihren verschicdncn Verhältnissen, in seinen Erfahrungen. Hamburg 1790. 1. Band. 105. Grunde für ihren bedingten Werth. Pflichten des Vorstehers. Wer indeß weiß , wie es um die Erziehung in sehr vielen Häusern, besonders auch der Reichen und Vornehmen steht, wird, jener Mangel ungeachtet, dennoch gut eingerichtete Erziehungsanstalten als Rettungsinstitute betrachten, in welchen es wenigstens vielen Zöglingen ungleich leichter gemacht wird, der Welt brauchbar zu werden; theils wegen der doch unleugbar besseren Vcrstandesbildung, als in d'en meisten Pri- vaterziehnngen, theils wegen der Bewahrung vor dem Einfluß noch schlimmerer, und durch Eltern oder Haus- ' freunde gleichsam autorisirterBeyspiele *). Selbst mangelhaften Anstalten danken noch sehr Viele ihre ganze intcllectuclle und moralische Bildung. — Den Un- vollkommenheiten, welche in dem Erziehnngspersonal liegen, kann wenigstens durch den jedesmaligen V 0 r steher des Ganzen, dessen Verantwortlichkeit, so wie sein Einfluß unstreitig hier noch wichtiger als bey blaßen behrschulen ist, von vielen Seiten vorgebeugt und abgeholfen werden, wenn er so viel möglich vorsichtig wählt; wenn er im Umgänge mit feinen ihm untcrgeord^ten 2^0 Lagt und Pflichten der Lehrer. Mitarbeitern Ernst, mir Humanität, Unparteylichkeit mit Schonung verbindet; wenn er selbst seiner Pflicht treu lebt; gegen die 'Achtung, die sein Amt fordert, ! eben so wenig gleichgültig als auf der andern Seite hcrrschsüchtig, gegen den Rath und die Vorschlage verständiger Mitarbeiter nicht gleichgültig, vor allen Dingen uneigennützig, mit einem Worte die Seele, und zwar eine vernünftige und gute Seele der Anstalt ist. Es giebt ja — sagt Rousseau, der wahrlich kein Freund der öffentlichen Erziehung war — keine häusliche Erziehung mehr in den großen Häuser n. Die Gesellschaft darin ist so allgemein und vermischt, daß keine Ernge- zogenheit weiter darin statt findet, und daß man sogar bey sich zu Hause wie im Publico lebt. In Verbindung mit aller Welt, hat man keine Familie mehr. Die Einfalt der häuslichen Sitte erlischt mit der Vertraulichkeit. Emil. §tes Buch. io6. Vortheile der Lage und Pflichten der Lehrer. Herrscht nun erst im Ganzen ein guter Geist; wird Erziehung allgemeine Angelegenheit; werden durch häufige Conferenzen gewisse Grundsätze und Erfahrungen zu festen Regeln, zum Gemeingeist; so fügt sich der jüngere Lehrer, wenn er nur nicht gar zu leichtsinnig, zu unbildsam, zu selbstsüchtig, zu eingebildet oder zu genialisch ist, bald in den öffentlichen Geist, und wird, wenn er Rath annimmt, dann auch sicher vpn seinen erfahrneren Mitarbeitern unterstützt. Der gefürchccten Einseitigkeit wirkt auf einer andern Seite die Lage und Pflichten der Lehrer. 24k die Mannichsaltigkeit der Köpfe und Charaktere, die hier verbunden leben, entgegen. Die verschieden Talente und'Fähigkeiten erwecken, wo nur irgend etwas zu erwecken ist, Nacheiferung. Die unvermeidlichen Lasten und Beschwerden des Amts erleichtert das Beyspiel und die collegialische Theilnehmung. Es bilden sich unter einzelnen feste und edle Freundschaften, die für das ganze Leben wohlthun. Auch selbst Fehler des Einen werden oft durch die Stärkeren und Erfahrneren wieder unschädlich gemacht. Liebe und Zutrauen der Zöglinge belohnt doch oft auch die saure Mühe, wenn man nur Erwartungen und Forderungen nicht überspannt. (S.Grunds.2.TH.§z7.Anm.). Dabey hat ein jeder gleichsam einen eignen kleinen Staat; hat seine Elaste, seine ihm zunächst Untergebenen zu regieren, und dieß ungleich freyer als in Privathausern. Denn seine Norm ist ja nur ein unwandelbares Geseh, dem sich der vernünftige Vorsteher so gut als er unterwerfen wird. Dieß giebt ihm eine gewisse Sicherheit und Selbständigkeit. Und sind endlich die Freuden, welche man in dieser Lage genießt, nicht glänzend oder künstlich, so können sie wenigstens rein und stärkend seyn. Anmerk. l) So bildend für das Acußere ist das Leben auf einer Schule vielleicht nicht, als in mancher guten Erudition; aber desto mehr bildet sich oft der Geist durch fleißiges Fortstudiren, und reift zu Aemtern, in welchen Kenntnisse und Seelenstärke oft mehr als äußere Form gefordert wer- 242 Methode der Erziehung den. Nur muß der Scudiergeift unter den Lehrern herrschen ; sonst bleiben sie von allen Seiten zurück. 2) Familienumgang braucht ja auch nicht nothwendig zu fehlen. Es wäre zu wünschen, daß an solchen Anstalten immer einige Lehrer verheyrathet seyn könnten. Wo nur vier oder fünf Lehrer, wie an Kloftcrschulen, verheyrathet, und keine jüngern Mitarbeiter vorhanden sind, daist oft gar kein Umgang, eben wegen der Verheyrathung. Aber wo jüngere und altere verbunden arbeiten, da findet er sich gewiß. Nur muß ein jeder, dem das Wohl des Ganzen anliegt, dazu mitarbeiten, daß die Uebel, welche von allen klvsterahnlichcn Verfassungen fast unzertrennlich scheinen , so wenig als möglich aufkommen; das Aufpassen, das Gistsaugen aus Allem, was noch so unschuldig ist, das Hin- und Hertragen, das Unfrieden stiften, der kleinliche Drodt- neid, der lächerliche Llassenstolz, die Rcchthaberey u.s. w. Alle die im 2. Th. d. Grunds. H 28 - Zo. ausgeführten Pflichten, liegen übrigens auch den Lehrern in Erziehungsanstalten ob. 107. Methode der Erziehung i» Erziehungsanstalten. Beförderung des Fleißes. Was die Unvollkommenheiten betrifft, welche in der Lage der jungen Leute in Erziehungshäusern ihren Grund haben, so würden manche allerdings weg- fallen, wenn man sich bloßen Idealen überlassen dürfte Da aber diese gar nicht, oder nur äußerst selten ausführbar sind, so muß man desto mehr auf Mittel denken, wenigstens das möglichste Gute durch zweckmäßige Einrichlungen zu erreichen. Dieß hat z u- vdrderst in Absicht der intellectuellen Bildung keine Schwierigkeit, so bald die Anstalt geschickte und in Erziehungsanstalten. -4Z thätige Lehrer in allen Fächern besitzt, und die Grund; sätze befolgt werden, welche oben (2. Th. S. 217 ff.) sowohl im Allgemeinen, als mit Hinsicht auf die besondern Arten der Schulen vorgetragen sind. Es läßt sich sogar — sowohl durch eine nähere Beobachtung und Leitung des Privatfleißes, als durch die Entfernung von Zerstreuungen in Familien, wie auch durch den stärker erweckten Wetteifer, — noch mehr, als auf bloßen Schulen ausrichten, so bald nur der Geist des Fleißes und der Arbeitsamkeit auf ihnen einheimisch geworden ist. Diesen kann man daher nicht genug befördern. Jedes mit der Gesundheit vertragliche Mittel muß dazu aufgeboten, es muß die Ehre des Instituts davon abhängig gemacht werden, daß recht viel darauf gelernt wird. Dieß Lernen muß aber nicht in Vielwisserey, oder einem bloßen Lustwandeln in allen Gebieten der Wissenschaften bestehen. Es muß mit Mühe und mit Anstrengung erworben seyn. Spielen ist nicht arbeiten, und zur Arbeit, nicht zum Spiel soll sich jederMensch bestimmt halten. In Arbeit und nützlicher Thätigkeit soll er künftig seinen wahrsten Lebensgenuß finden '). t) Identisch dürften solche Anstalten nur sehr klein seyn, wodurch ein eigentliches Familienleben möglich würde. Die Vorsteher müßten dem Publikum das Opfer alles engern Familiengenusses bringen. Die Anstalt selbst müßte sich auf eine ganz bestimmte Classe von Zöglingen , seyn es nun Kinder oder Mittlere, oder Jünglinge einschränken. Sie müßte lieber auf dem Lande als in der Stadt 244 Methode der Erziehung in Erziehungsanstalten. angelegt werden. Gleichwohl müßten alle zu jeder Art von physischer und intcllectueller Ausbildung nöthige Personen und Lehrmittel vorhanden seyn. Welche Kosten setzt dieß alles voraus! Wie klein würde die Anzahl solcher Institute bleiben! Wie schnell haben sich die, welche so anfingen, zu größeren Instituten erweitert und erweitern müssen! Man vergleiche Hiebey die Salzmannschen Schriften, z. B. Ueber die Erziehung. Leipzig 1784. (14 Gr.), und Christian« Nachrichten aus dem Erziehungsinstitut bey Coppenhagen. 1824.'(6 Gr.). 2) Dieß ist die Seite, von welcher man unstreitig mit der meisten Gründlichkeit die vor zo Zähren mit großem Aufsehen angekündigten, in mancher andern Hinsicht schätzbaren Institute, unter dem Namen der Philanth'ropine, getadelt hat. Von dem einem Ertreni einer unvernünftigen Zwangsmethode, die in einzelnen, bey weitem nicht in allen Schulen herrschte, sprang man zu dem andern, alles zu erleichtern, alles spielend zu lehren über; und der Erfolg hat gezeigt, daß mancher Jüngling nach fünf bis acht Jahren philanthropischen Unterrichts, von vorn anfangen mußte. Dieß haben auch viele würdige Männer, welche selbst eine Zeit lang darin arbeiteten, laut gesagt. Das Schulwesen bedurfte einer Reformation, aber keiner R e v 0 l u t i 0 n. Die Verständigsten der Nation, schenkten Basedows ersten Aeußerungen und Schriften ihren Beyfall. Aber sie mußten ihn zum Theil zurücknehmen, als sie bemerkten, daß die rüstige Hand so viel gesundes Korn mit der Spreu über die Tenne warf. Ob gleich der Enthusiasmus für oder wider die Philanthropine vorüber ist, so wird man doch noch jetzt in den darüber gewechselten Schriften sehr viel Lehrreiches finden. — Man s. im zten Theil der Grunds. „Die neueste Geschichte der Pädagogik. „ Moralische Erziehung. 245 IO8. Moralische Erziehung. Schon durch den auf alle Weise genährten Trieb, etwas Gründliches zu lernen, ist auch hier sehr viel für die sittliche Bildung gewonnen. Damit sind nun die eigentlichen Erziehungsmittel zu verbinden '). Eignes immer vorleuchtendcs Beyspiel ist die erste Forderung an jeden Erzieher. Hier, wo er so aufmerksam beobachtet wird, ist sie doppelte Pflicht. Eine genaue Aufsicht auf das Betragen der Zöglinge, und die Gewöhnung, von Allem Rechenschaft zu geben, liegt schon in der Natur der Anstalt. Sie trage eben so wenig die Miene der Sorglosigkeit als der Aengst lichte it und des Mißtrauens '). Die Hauptnorm des sittlichen Betragens sind die Gesetze, von welchen , als dem Vcreinigungspunkt aller zur Erziehung mitwirkenden Personen, billig alles ausgehn muß, was geboten und verboten wird. Denn Harmonie in den Forderungen und in der Rechtspflege, ist Hauptsache bey Erzichungsinstitutcn. Der Gehorsam und die Gesetzmäßigkeit der Zöglinge, die freylich auch hie und dadurch Strafen erzwungen werden muß, (§ Z7-), suche man im Umgang mit ihnen durch Erwerbung des Sinnes für das Wahre, Gute und Schöne, für das, was dem Menschen allein einen daurcnden Werth giebt, durch Warnung, Aufmunterung, herzliche Thcilnehmung an Allem, was ihnen begegnet, durch gewonnenes Vertrauen, endlich auch 246 Moralische Erziehung. durch weise Anwendung religiöser Motive, zur eigentlichen Moralität zu veredeln. Auch ihrem Umgänge unter sich suche man diese Richtung zu geben, und durch die Besseren, obwohl mit Vorsicht, und nie vergessend , daß auch sie noch nicht ganz ausgebildet sind, auf die, welche weniger gut sind, zu wirken. Entschieden schädliche Mitglieder, an welchen die Versuche der Besserung verlohren sind, entferne man ohne Ansehen der Person. i) Die Ausführung dieser Skizze findet man im i. Abschn. des i. Theils der Grunds. Denn von allen den allgemeinem Grundsätzen der Erziehung, kann ja eben so gut in der öffentlichen Erziehung Gebrauch gemacht werden. Eins der größten und fast unüberwindlichsten Hindernisse/ dauernd auf seine Zöglinge zu wirken, findet der Erzicder in den unaufhörlichen Zerstreuungen, welche sie i» Erziehungsanstalken umgeben, wodurch ernstes Nachdenke» so oft, und selbst beiden fcyerlichstcn Anlassen, unterbrochen und ein gewisser Leichtsinn genährt wird, bey welchem sich der Charakter so langsam bildet. Es wird unstreitig hier dem Jüngling viel schwerer i» sich zu gehen, wovon doch alle innere Güte beginnen muß. Fängt crs auch zuweilen an, so verdrängt die Lustigkeit seiner Gespielen nur allzuschncll den ernsten Gedanken. Daher ist besonders religiöser Sinn in der häuslichen Erziehung weit leichter zu wecken und zu nähre», als in der öffentlichen. Daher mache» selbst die wohlgemeintesten und herzlichsten Erinnerungen, die man vielen zugleich giebt, weniger Eindruck, weil sich entweder der eine so leicht vor den übrigen der guten Empfindung schämt, oder der gemachte Eindruck durch den Leichtsinn andrer auf der Stelle ausgetilgt wird. Daher mindert das tnaias sia- dullle malorum. auch den Eindruck empfindlicher Strafe». — Aus diesen Gründen muss man mehr durch stille, einsame Unter- Haltungen zu wirken suchen. Was man da sagt, bleibt gemeinig- Moralische Erziehung. 247 lich tiefer in der Seele. Man muß aber auch dem heranwachsenden Jüngling zuweilen Gelegenheit schaffen, allein zu seyn, besonders allein oder mit einem Freunde, der Natur genießen zu können. Er kommt sonst, wenn er immer nur im Chor ist, nie zu sich selbst. 2) Die Art der Aufsicht ist einer der schwersten Punkte in der Organisation solcher Anstalten. Man muß sie in dieser Hinsicht selbst wieder von einander unterscheiden. .-X. Bey einigen dieser Institute ist das Chor der Schüler, wäiv auch nur 1Z0, zu groß, als daß das Personal der Lehrer, die zugleich Erzieher seyn sollen, damit in einem richtigen Verhältniß stünde. So stnd z. B. auf Klosterschulen oft nur drey oder vier Lehrer, unter welche Unterricht und Aufsicht der auf der Schule Wohnenden, sich theilt. Es bleibt also nichts übrig, als daß der Hebd 0 - madar oder Inspector, in allen Stunden, wo die Schüler nicht in den Classen sind, in den Versammlungssälen, Stuben, Cellen, Schlafkammern umhergehe und nach deni Rechten sehe. Weil es nicht anders seyn kann, so gewöhnt sich der Schüler bald daran, und der Bessere, dem ein solches beständiges Bcschleichei, an sich mißfallen muß, sagt sich, daß es zu seiner eignen Ruhe um der Schlechteren willen nöthig sey. Dasselbe ist der Fall bey den Vergn ü - gungen, wo ein Inspiricnt, und auf den Schlassälen, wo ein Aufseher unentbehrlich ist. Gesetzt auch, Kosten und Raum litten es, so würde es nicht einmal rarksam seyn, eine Menge junger nnerfadrncr Männer, die allenfalls zum Lehre», aber nicht znm Erziehe» tauglich seyn möchten, anzustellen. Denn gerade durch sie leidet das An- schulder Vorgesetzten ani meiste!!. Aber ein Paar gesetzte Schul- amtscandidateii oder Collaboraiitcn sollte» doch bei) lerer solchen Ecdnle, und in den Stunden, wo die Schüler außer der Schule versammelt sind, mit Autorität vcnchen unter ihnen sey». Dieß Ware bester, als das bloße Vssitiren und Jnspiciren, das immer zu Gesetzwidrigkeiten hinter dem Rücken gleichsam ansfordcrL. 248 Moralische Erziehung. Schüler über Schüler zu Ausschern setze», hak schon wegen des daraus entstanbncn, mit Recht verhaßte» Pennalis- mus und den bekannten Bedrückungen, welche sich Ober- und Untergescllen, Senioren oder wie man sie sonst nennen will, bekanntlich gegen die Untergeordnete» erlauben, viel wider sich. Unter vielem andern, was hierüber geschrieben ist , s. man: (Wcishuu) Ueber die Schulpforte. Nebst einigen vorläufige» Betrachtungen über die Schulcrzie- hlina überhaupt. Berlin HIO(lCl.XXXVI. (,6 Gr.). Voll Geist und Laune! — G eichwohl konnte die Einrichtung auch ihr GutcS haben, wenn man, immer glücklich in der Wahl, nur die langer Bewahrten den Jüngeren zugesellte, und wenn man es möglich fände, die Grenzen der Autorität scharf genug abzustecken, um vor Mißbrauch sicher zu seun. Wo der Schüler zu viel, der Lehrer zu wenig sind, bleibt doch bcimah nichts andres übrig. Ist der Ton der Schule gut, so hat es auch weniger Bedenken. 8. Bey andern nicht so srequenten und wohlhabenden Instituten, theilt man das ganze Chor in Familien von 6, 8, 12 jungen Leuten, und ordnet einer jeden einen Lehrer zu. Da er unter ihnen wohnt, so verliert die Aussicht gerade dadurch das Aengstliche, wenn er nur wirklich ein väterlicher Freund ist. Nur muß man wünschen, daß der Raum nicht zu beschränkt sey. Bewährte Jünglinge könnte man indeß dadurch unterscheiden, daß sie unter einer entfernteren Aussicht wohnten. Dieß wäre auch ein Mittel, das Lehrerpersonale mehr einzuschränken. Sofern die Aufsicht auf den besondern Punkt der Sit- tenunschuld und Reinheit gerichtet ist — wofür man bey der öffentlichen Erziehung das meiste fürchtet — sind die allgemeinen Erfahrungen und Grundsätze über diese Materie zu vergleichen, Grundsätze i.TH.Z zz - z8. z) Strenger Gehorsam verträgt sich sehr wohl mit einer liberalen Erziehung; und man thut jungen Leuten den schlechtesten Dienst von der Welt, wenn man ihnen die Pflicht eines solchen Gehorsams erläßt. Nur Moralische Erziehung. - 4 <) muß man es verstehen, sich in Achtung zu setzen und zu erhalten. (S. Große und Ncsewitz: Wie kann sich ein Lehrer in einer öffentlichen Schul- und Erziehungsanstalt eine ihm nöthige und brauchbare, und dabey der Jugend nützliche Auctoritat erhalten? Desgleichen: Welche Eigen schasten muß ein guter erziehender Schullchrer ha- ben? In Nesewih Gedanken i. B. 2. Sr. und 2. B 2. St.). Durch Locke, Rousseau, Basedow sind unstreitig manche Begriffe von Lehreransehn und von Subordination sehr berichtigt worden, und man hat allgemeiner begreifen lernen, was vernünftige Behandlung der Jugend heißt. Aber auch das ward in vielen neuen Instituten übertrieben, und so trat, an die Stelle der Sclave- rey, Insubordination und Zügellosigkcit. Man erzog unter Spiel und TanLelcyen; wollte ein arkadisches Leben führen: begünstigte zwanglose Freyheit und Eigenmächtigkeit, worin man nichts als Kraft sah, und machte eine schon erschlaffte Generation von Menschen noch schlaffer und untauglicher, indem sie in der Folge als junge M a n u e r ohne Plan und Ordnung leben und handeln wollten, wie sie als Knaben gezogen und gewöhnt waren. IOY. Fortsetzung. Erhaltung eines zufriednen Geistes. Wenn der pädagogische Grundsatz richtig ist: Je froher die Jugend erhalten wird, desto eher wird sie vor dem Bösen bewahrt, desto leichter wird Gutes in ihr geweckt und genährt — so ist seine Anwendung ganz vorzüglich in Erziehungsanstalten nöthig. Die von ihnen unzertrennbare Einförmigkeit des Lebens, die Erinnerung an sonst genossene häus- -52 Moralische Erziehung. liche Freuden, die Sehnsucht nach Unabhängigkeit — rLKüiem rr.) In dasSchul- lcben selbst bringe man eine gewisse Man n i chfa l ti g- keit. Dieß geschieht durch öftere feyerliche Schul- tage — Probearbeiten — Prüfungen. Davon spricht die ganze Schule, und vergißt andrer Ideen. Damit wechsle dann auch Vergnügen; recht viel Mannich- faltigkeic der körperlichen Spiele und gymnastischen Uebungen , mechanische Arbeiten, viel Naturgenuß in jeder Jahrszeit, Fußrcisen, Baden, Eislauf; von Zeit zu Zeit eigentliche Erholungstage, von denen lange vorher und nachher gesprochen wird; in Winterabenden zumal, an Sonntagen mehr häusliche Unterhaltung durch Gesang, Gesellschaftsspiele, wobey die jungen Erhaltung eines zufriednen Geistes. 25k Leute selbst etwas anzuordnen, zu dirigiren, bestimmte Aemter zu versehen haben. Ganz vorzüglich scheinen Uebungen in Declamation, Action, Dialog, Musik, physikalische Versuche, mit einer kleinen häuslichen Feierlichkeit verbunden, wobey Classe mit Classe wech selt, Gutes zu wirken. Dieß vereinigt die Aufmerksamkeit Aller auf einen Punkt, füllt leere Stunden nützlich aus, und giebt wieder unschädlichen Stoff zum Gespräch. Anmerk. Der Mangel an Verschaffung jugendlichen Lebensgenusses in Klöstern und klosterarrigon Anstalten, ist die eigentliche Quelle des tiefen Verderbens, das hie und da darin gewohnt, und sie in so Übeln Ruf gebracht hat. Diese Einengung mußte den aufstrebenden Geist erdrücken oder zur Verzweiflung bringen; diese versagte Krafraußerung mußte den Kräften die widernatürlichsten Richtungen geben. Oft im Angesicht der schönsten Natur mußten Jünglinge ihre Tage hinter den Mauern vcrscufzen; mußten dicht an den Quellen des Genusses verschmachten; wurden zu Bette getrieben und in dumpfe Säle verschlossen, wenn ihre Tret" ber anfingen, des Abends froh zu werden. — lind dennoch verlangte man, daß sie da gut und zufrieden bleiben sollten. — Hoffentlich gehört das meiste hievon zu dem, was vorüber ist. Doch giebt es noch Anstalten, wo jugendliche Lust und Freude Sünde heißt. I 10. Police» in Erziehungsanstalten. Die Erhaltung der guten Ordnung im Aeußern, der gehörigen Verpflegung der gesunden und kranken Zöglinge, und eine weise Verwaltung ihrer ökonomischen Bedürfnisse, ist in Erziehungshäusern, wegen ihres 2Z2 Policey in Erziehungsanstalten. Umfangs, wo möglich noch wichtiger als in Familien. Dieß muß daher ein stehender Artikel in der Conferenz seyn. Im Aeußern des Hauses, den Lehr- Wohn- und Schlafzimmern, den Höfen u. s. w. kann nicht sorgfältig und streng genug über die Reinlichkeit gewacht werden. Es übersteigt alle Vorstellungen , in welchem Grade sie gleichwohl in vielen, oft gerade in den reichsten Erziehungsanstalten vernach- laßigt, und Ekel und Schmutz bis zur Verpestung geduldet wird. Wie ist es da möglich, den so wichtigen Sinn für Reinlichkeit und Ordnung in die Jugend zu bringen? Bey der Verpflegung ist Sorge für gute, reinliche Zubereitung, für Gesundheit und gehöriges Maaß viel vernünftiger als aller Ueberstuß. Das gilt auch von der Kleidung, bey welcher Auszeichnungen der Reicheren auf keine Weise zu begünstigen sind. Ob völlige Gleichförmigkeit (U n i fo r m) rathsam sey, müssen die Umstände bestimmen. Die ökonomischen Angclegenheiten, die Anschaffung der Bedürfnisse, die Berechnungen der Pensionsgelder, die Auszahlungen u. s. w. sind wenigstens bey größeren Anstalten am besten in den Handen eines gewissenhaften Mannes, der bloß dafür lebt. Ihre Vertheilung unter die einzelnen Lehrer ist eine Belästigung für sie, und führt viele andre leicht in die Augen fallende Unbequemlichkeiten bey sich. Als Erzieher haben sie indeß die Pflicht, ein Auge auf die Verwendung des Taschengeldes und die Ordnung in den Sachen ihrer An- Erziehungsanstalten für den Adel. Nitterakademieen. 25z vertrauten zu haben; denn es ist ja ein Theil der Erziehung. Anmerk. Näsonnirte Beschreibungen von Schul- und Erziehungsanstalten, wie die, von denen bisher die Rede war, gehören zu den lehrreichen pädagogischen Schriften. Man hat dergleichen über das Carolinum in Brauüschweig von Jerusalem (Nachgel. Schriften 2 Th.), über Ile- feld von Heyne, über das Kloster Bergen von Nesewilz, über das Philanthr 0 pin von Basedow, über das Kloster L. Frauen zu Magdeburg von Nötiger, über das in Kopenhagen blühende Erziehungsinstitut von Christiani, über Schnepfenthal von Salzmann u. s. w. — Wie die vorher entwickelten Grundsätze in einer hiesigen Erziehungsanstalt angewendet werden, findet man in meiner Vollständigen Nachricht vom Königl. Pädagogium. Halle ifioz. (10 Gr.). III. Erziehungsanstalten für den Adel. m. Nitterakademieen. Es ist nicht der kleinste Vortheil, daß in den gewöhnlichen Schulen und Erziehungsinstituten, Kinder aus verschiednen Standen, ärmere und reichere, vornehmere und geringere zusammen, und auf völlig gleichen Fuß erzogen werden. Sie lernen da recht anschaulich, daß die Natur keine Stande kennt, und in der Vertheilung der Gaben und Fähigkeiten auf keine Stamm- und Ranglisten Rücksicht genommen hat. Sie schließen sich enger an einander an; und die Kim- 2Z4 Erziehungsanstalten für den Adel. Nitterakademieen. der der Begüterten bringen, wenn der Ahnen- und Reichthumsstolz nicht gar zu radical ist, mehr weltbürger- lichen Sinn aus den Schulen, als sie gewöhnlich mit hinein brachten. Dieses Vortheils entbehren die Institute, welche bloß für den Adel gestiftet sind; die am meisten, wo nicht einmal die militärische Bestimmung gleichsam einen Entschuldigungsgrund einer solchen Absonderung an die Hand giebt. Dazu kommt noch ein andres Uebel. Man hat sich in Absicht des Unterrichts gewöhnt, zu glauben, daß der junge Edelmann die Wissenschaften zwar gerade nicht ganz-zu versäumen, aber doch die ritterlichen Exercitien mehr als Hauptsache zu betrachten habe; in Absicht der Erziehung aber, daß der junge Edelmann anders als der Bürgerliche behandelt werden müsse. Diese Verkehrtheit der Begriffe haben verständige Edelleute längst eingesehn, und nicht erst von dem Geist unsrer Zeit lernen dürfen. Aber der Name Ritteraka- demie giebt doch diesen Instituten etwas Anziehendes. Endlich kann auch selbst der akademische Name ihm schädlich geworden seyn. Denn weil Akademie en auch Professoren haben müssen, so ist der Elementarunterricht, den unwissende Edelknaben ja so vorzüglich nöthig haben, in Vorlesungen aus- - geartet, wovon sie nichts fassen können. Wo diese Fehler statt finden, ist eine völlige Umformung der Verfassung die einzige Hülfe. Ladettenhauser. Militärakademieen. -55 Anmerk. So lange die Verfassung bleibt, kann durch die Einsicht und den Eifer geschickter und wohldenkender Männer , deren es so manche an den Ritterakademieen Deutschlands giebt, der etwa zu befürchtende üble Einfluß der angeführten Umstände wenigstens sehr vermindert werden, und es leidet keinen Zweifel, daß aus solchen Instituten einzelne sehr gute Zöglinge hervorgegangen sind. 112 . Cadetten Häuser. Militärakademieen. Cadettenhäuser können bey einer guten Einrichtung zu den wohlthätigsten Anstalten für den ärmeren Adel gehören, dessen Kinder zum Kriegsdienst erzogen werden sollen. Denn wenn sie gehörig eingerichtet, mit treuen und geschickten Lehrern versehen sind, und auch die moralische Erziehung nicht versäumt wird, so kann hier weit besser, als im Hause, ein Grund der nöthigen und für jedermann unentbehrlichen Kenntnisse gelegt werden. Häufig ist nur die Anzahl zu groß, wenigstens zu unverhältnißmäßig gegen die Anzahl der Lehrer und Aufseher, und es ist überall schwer, wo viele nöthig sind, dazu lauter Männer zu finden, die nicht bloß Begriffe von äußerer Gesetzmäßigkeit, sondern auch richtige Vorstellungen von wahrer Sittlichkeit und Charakterbildung haben. Ucbrigcns sind hier dieselben Bemerkungen anzuwenden, welche bey den Erziehungsanstalten überhaupt, und in Absicht des Unterrichts, besonders die, welche bey den Militärschulen vorgetragen sind. Eben dieß ist der Fall bey Militärakademieen, welche nichts anders als Cadettenhauser. Militärakademieen. äZ6 Erziehungsanstalten für die Erwachsncren zu dem besondern Zweck des Kriegsdienstes sind. Der Unterricht sowohl als die Erziehung, kann in ihnen planmäßiger als bey den Regimentern möglich ist, betrieben, und wenn Lehrer und Lehrmittel, Oberaufsicht und Prüfungen so sind, wie sie bey guten Anstalten seyn sollen, so kann aus ihnen unstreitig eine rechte Auswahl vorzüglich gebildeter Officiere erwartet werden. Da dieß noch nicht überall, jedoch schon jetzt in einigen solchen Instituten der Fall ist, so dürfte auch hier noch eine Reform nöthig seyn, bey welcher man nicht bloß Militär- personen, sondern auch Schulmänner und Pädagogen hören sollte. Es würde sich da besonders finden, daß auch auf sie ihr Name (Akademieen) nachteilig wirkt, und leicht die Professoren zu einer akademischen Lehrart veranlaßt, bey der viel zu wenig gelernt wird, weil sie nicht schulmäßig ist; daß aber auch eben dieß keinen vortheilhaften Einfluß auf die moralische Erziehung hat. Anmerk. In Absicht des Lehr Plans ist §88. ff. und der Erziehung § 127. ff. zu vergleichen. Außer den § 88. genannten Schriften enthalten — aber in einer beyspiellos barbarischen Sprache — viel feine und fruchtbare Bemerkungen: des Grafen von Kinsky allgemeine Principien zur öffentlichen und besondern Miluärerziehung. Wiener Neustadt 1787. (16 Gr.). Desgleichen: O. G. Wolfs Versuch über die sittlichen Eigenschaften und Pflichten des Soldatenftandes, für junge Leute von Stand und Erziehung, die sich den Waffen gewidmet haben. Leipzig 1787. (16 Gr.). Die Weibliche Erziehungsanstalten. Beurtheilung. Erfordernisse. 257 Die Cadettenhäuscr und Militarakademieen ar ^>.r preussischen Staaten zu Berlin, St 0 lpe u. s. >v. haben in neueren Zeiten sehr wichtige Reformen erfahren, und es zeichnet sich unser Staat auch von dieser Seite vor vielen andern aus. Interessante Nachrichten von Schulen und Militärschu- len und Anstalten enthalten unter andern Rügers Geschichte und Besckrcibuna des Soldateninstiruts zu Annaburg. Leipzig 1787- (16 Gr.). N u? militärische Bibliothek, i —4ter B. Marburg 1789. 1790. (2 Nthlr 16 Gr.). Desgleichen: Der Soldat in der campend. Bibliothek. Halle 1795. Das vollkommenste militärische Bildungsinstitut in Frankreich, das seinem Plan nach noch etwas weiter greift, ist unstreitig die Laole pol^tsLhn!9n6 (seit 1796) in Paris, dessen Original- Constirution man unter andern im Journal Frankreich vorn Ia>,r 1797. i. St. vollständig findet. Don einige!, andern ähnlichen Instituten sehe man Meyers Fragmente aus Paris. Hamburg 1798- rt?r Theil. IV. Weibliche Erziehungsanstalten, uz. Beurtheilnng. Erfordernisse. Die Erziehung der Töchter außer dem elterlichen Hanse, hat im Allgemeinen noch weit mehr wider sich, als die Erziehung der Söhne. Barer können oft durch Amt und Beruf abgehalten werden, diese zu erziehen. Mütter sollten das nie, und wenn ste sich irgend dazu geschickt fühlen, und ihnen dennoch etwas über diese Pflicht geht, dem sie abhelfen könnten, so verdienen sie den Namen der Mütter nicht. Gleichwohl giebt N Unterricht und Erziehung es Falle, wo durch eine gute Pension ganz entschieden auch für Töchter besser als zu Hause gesorgt ist. Haupterfordcrnisse einer solchen Pension stnd i)daß vor allen Dingen die Vorsteher derselben alle dazu erforderlichen Eigenschaften des Kopfs, des Herzens und der Sitteubildung besitzen. Gewöhnlich sind es Vorsteherinnen von reiferen Zähren, oft Unver- heyrachete. Gewiß giebt es auch unter ihnen achtungö- würdigc Personen, welche sehr geschickt dazu sind. Aber in der Regel waren doch wohl Verheyrarhetc vorzuziehen, damit die Pension einer Familie so nah als möglich käme, der Mann das Wichtigste des Unterrichts besorgen, und überhaupt das Ganze der Erziehung leiten könnte. Gebildete Prediger und Pr e d igcr fra u cu, die hinlänglichen Raum und nicht zu viel eigne Kinder harten, würden sich hier viel Verdienst erwerben können. Aus eben diesem Grunde — damit es möglichst Familicnerziehung bleibe — darf 2) die Anzahl der weiblichen Zöglinge nie sehr groß seun. Zahlreiche Pensionen sind weder für Geistes- noch Herzensbildung geschickt. Auch fallt in ihnen die Gelegenheit, sich zu der weiblichen Bestimmung vorzubereiten, noch weit mehr weg. 114. Fortsetzung. Unterricht. Erziehung. In Absicht des zu ertheilenden Unterrichts sind z) die S. Z58. enthaltenen Grundsätze zu befolgen. in weiblichen Erziehungsanstalten. -59 Zu den dort genannten Gegenständen werden hier noch die Musik und dieTanzkunst kommen. Es liegen 4) bey derErziehung sowohl die allgemeinen (in den Grunds. i.TH. 2.Abschn.2.TH. 4. Abschn. ausführlich entwickelten) pädagogischen Principien zum Grunde; sofern aber die Lage der Zöglinge doch manches mit der Lage der Jünglinge in Erziehungsanstalten gemein hat, wäre, so weit es thunlich ist, alles, was darüber § 105 — HO. bemerkt ist, auch hier anzuwenden. Dabey scheint es im Grunde weit vortheilhafccr, wenn die Pensionärs so lange als möglich vor sehr zerstreuenden und leicht zur Eitelkeit führenden Vergnügungen bewahrt bleiben. Die Bildung für die Welt findet sich zeitig genug. Und gerade dort werden so manche Keime übler Neigungen, vor denen der weibliche Cha - rakter ganz besonders zu sichern ist, des Leichtsinns, der Eitelkeit, der Modesucht, der Verleumdungösucht, des Neides und der Mißgunst, der Eroberungssucht (Coquetterie), u. s. w. am meisten genährt. Damit gleichwohl 5) nicht diese beschränkte Lage auch hier die Uebel klostermäßiger Anstalten herbeyführe, oder eine zu angestrengte und ununterbrochne Beschäftigung des Geistes, der Phantasie und der Speculation zu viel Nahrung gebe; so ist dafür zu sorgen, daß Man- nichfaltigkeit der Geschäfte und Wechsel der Arbeit, bey gutem Muth und Willen erhalte; daß ein reges Interesse für weibliche Beschäftigungen geweckt werde, daß Oekonomie, Gartenaufsicht, Führung der HauS- R 2 26 o Unterricht und Erziehung Haltung schon hier beginne; daß Narurgenuß mit Lernen wechsle, daß einiger, recht ausgesuchter Familien- nmgang verschafft werde, und keine Gelegenheit zu kleinen einfachen Haus festen ungenutzt bleibe. Da 6) gemeiniglich die Kinder au Alter verschieden sind, so hat es etwas sehr bildendes und recht eigentlich zweckmäßiges , wenn den Erwachöneren das Amt übertragen wird, sich der Kleineren anzunehmen, und zwar sehr bestimmt, so daß Jede weiß, was in dieser Hinsicht von ihr gefordert wird. H5. B e s ch l i, ß. Je kleiner 7) der Kreis ist, desto weniger hat man nöthig, zu künstlichen Erziehungs-, Lohn-und Srraf- mittcln seine Zuflucht zu nehmen. Meritentafeln, Ranglisten, Aufzeichnen jedes Fehlers oder jeder gu» ten That, und was der pädagogischen Tandeleyen mehr sind u. s. w., kann eine recht weise und feste Erziehung völlig entbehren. Sie führen so leicht von der Natur ab, und wecken schädliche Leidenschaften, gerade im weiblichen Charakter am ersten (§ 8 Z-). Aber eine ganz vorzügliche Strenge sollte man 8) in diesen Anstalten gegen Solche beweisen, von denen man entdeckt, daß sie der Unschuld und Tugend, oder auch nur dem geraden, offnen und arglosen Sinn der klebrigen gefährlich werden. Es ist freylich unmöglich, lauter unverdorbne Kinder aufzunehmen, da auch sehr frühe Jahre nicht vor Verderbniß schützen. Sie werden ja eben darum in weiblichen Erziehungsanstalten. 261 oft aus dem Hause entfernt, um gebessert zu werden. Aber sobald der Schade für andre zmentschieden ist, tritt eine höhere Pflicht ein. Nicht bloß grobes Vcrderbniß der Sitten, unreine Gespräche und Handlungen, sondern auch Lügenhaftigkeit, heimliches Wesen, Aufhetzerey , Verlaumdung u. f. w. werden dann zur Entfernung bestimmen müssen. A n m e r k. S. F. H. C. Schwarz Grundriß einer Theorie der Mädchcncrzichung. Zena 1792. (12 Gr.) Auf Erziehung in Pensionen nimmt Rücksicht Andre' Hber die Bildung der Töchter. Göttingen 1789. (6 Gr.), verglichen mit der Campend. Bibliothek, XII. Abtheil. Das Weib, i. Heft. Goekings Plan zur Errichtung einer Erziehungsanstalt für junge Frauenzimmer. Frankfurt am Mayn 178z- (4 Gr.). Von der trefflichen Anstalt der Dem. C. Rudolphi in Hamburg und seit 18OZ. in Heidelberg ist dem Verfasser keine gedruckte Nachricht bekannt. Vorsteher solcher Anstalten werden auch in den beyden Pensionsgeschichten — Iulchen Grünthal. Berlin 1798. (2 Rthlr), und Hermes für Töchter edler Herkunft — manchen Wink finden, den sie doch ja benutzen mögen. Ueber die Verschiedenheit der Beschäftigungen sind in Heusingers pädagogischer Schrift: Familie Werthheim, 1797 — 99 - 1 —4ter TH. (4 Rthlr) sehr anwendbare Vorschlage geschehen. V. T a u b st u m m e n i n st i t u t e. 116. Es hat schon in alteren Zeiten nicht an Menschenfreunden gefehlt, welche Versuche machten, die Unglücklichen, welchen zwey so wichtige Vermögen, wie Gehör und Sprache, und dadurch zugleich die allcruneucbehr- 262 Taubstummeninstltute. lichstcn Mittel zur Bildung des Geistes fehlten, wenigstens um einige Stufen zu heben, und durch einen ganz auf ihr Bedürfniß berechneten Unterricht, und eine demselben analoge Erziehung, zwischen ihnen und der menschlichen Gesellschaft, von welcher sie das Schicksal abgeschnitten zu haben schien, das Band wieder anzuknüpfen. Doch hat unstreitig diese so äußerst schwere, von allen allgemeinen Regeln abweichende Didaktik und Pädagogik, erst in unsern Zeiten bedeutend gewonnen. Im Unterricht hat man sich in zwey Haupme- thoden getheilt, wovon die eine von Schrift ausgeht, welche den Taubstummen durch Gebehrden erklärt wird, und wobey sie gewöhnt werden, das, was sie empfinden und sich vorstellen, sogleich mit Schristzügen zu verbinden; die andre von der Ton spräche anfangt, gewisse Tonschwingungen in den -Organen hervorbringt, den Lehrling von da zur Schriftsprache führt, und damit Gebchrdenzeichcn verbindet, um ihn so mit dem Sinne der Wörter bekannter zu machen. Ueber das Material des Unterrichts, sind seit der allgemeinen Berichtigung der Begriffe über das, was der Jugend verständlich und wisscnswürdig ist, ebenfalls die Vorstellungen zweckmäßiger geworden, und man hat es wenigstens in protestantischen Landern aufgegeben, sogar die Mysterien der Religion dazu zu rechnen. — In Absicht der Erziehung treffen die Bemerkungen über die Eigenthümlichkeiten in den Charakteräußerungen und Neigungen dieser Unglücklichen ziemlich genau zusammen. Wenn Taubstummen,'nstituw. -6z aber so manche ihrer Erzieher sich dadurch berechtigt glaubten, eine rauhe Erziehungsweise anzuwenden, und sie bloß thierisch abzurichten, so hat andre ein desto humanerer Geist geleitet, und eine zwar feste und ernste, aber dabey wahrhaft menschliche Behandlung denen zum ersten Geseh gemacht, welche sich diesem schweren aber desto verdienstlicheren Geschäft zu widmen Muth und Talent haben. An merk. Niemand wird hier eine Ausführung dieses ganz speciellen Theils der Pädagogik erwarten. Man muß darüber die Erfahrnen hören und lesen. Es wird hinreichen, auf einige Hauptschristen, in welchen Mail über diesen Gegenstand weitere Belehrung findet, zu verweisen. Eine etwas vollständigere Geschichte zur Literatur des Taubstummenunterrichts — steht als Anhang in G. Raphels Kunst, Taube und Stumme reden zu lehren. Mit Anmerk. von A. F. Pelschkc. Leipzig 1801. (i Nthlr). Unter den alteren sind des SpanrerS I. P. Bonnets (1622.), der Engländer W. Holder (1696.) und J.Wallis (165g.), des Holländers Ammann (1692.) die Taubstummen betreffende Schriften, die wichtigsten. In unsern Zeiten haben sich in Frankreich drr im Jahr verstorbne Albbö welcher eine st muet§ , zias ta uais <ös 5 F§nsi ,-retb»-ichuer. kar',8 1776. UNd die ^esidub/e mum'öss ct'iu/tsuiss /er /ou^i st inueti sonFs^-res zias uns /«u§us s^zissisnss, und §ica,sein noch lebender Nachfolger, welcher einen «t'iirstsuctisu ct'un /ous^i - »rüst cis , paus /ssui.- cr t'ö-tucatioa cis^ /ousctt - ,nust^. Vari8. -Vn. Vlll. herausgab, große Verdienste erworben. Auch hat Lou- v) es Os5.'iio,rtiss.r ein o» cun/sctssa/ion5 /us /er/ouscii - ,^ust-. ?n>is /cn. VUl. bekannt gemacht. 264 Taubstummeninstitute. Von den beyden letzten Schriften ist eine Uebersetzung mit erläuternden Anmerkungen von Eschke angekündigt. Zn Deutschland sind Taubsiummeninstitute angelegt und werden zum Theil noch fortgesetzt, in Wien von Stock und May, in Leipzig von H e i n ecke, fortgesetzt von Pet>'chke, in Großen! in den bey Gießen von Arnoldi, vorzüglich in Berlin von Eschke, bey Zürich von Keller — auch außerhalb Deutschland für Ungern zu Walzen — in Edin bürg zu Draidw 0 0 d u. s. w. Neuere Hauptschriften sind S. Heinecke's Beobachtungen über Stumme und über die menschliche Sprache. Hamburg 1778. (8 Gr.). Derselbe über die Denkart der Taubstummen und die Mißhandlungen, denen sie ausgesetzt sind. Leipzig 1780. (z Gr.). F. Stocks An? leitung zum Unterricht der Taubstummen, i. Th. Wien 1789. (20 Gr.). I. L F. Arnoldi praktische Unterweisung taubstumme Personen reden und schreiben zu lehren. Gießen 1777. und Fortsetzung 1781. (9 Gr.). E. A Eschke üb.r Stumme, eine Benhülfe zur See- lenlehre und Eprachkunde. Berlin 1791. (8 Gr.). Einzelne sehr interessante Aussatze stehen von ihm in dem Magazin zur Erfahrungsseelenkunde, der Berliner Monatsschrift und dun Genius der Zeit. Auch hat er ein Lesebuch für Taubstumme, mit Kupfern, in 2 Heften. Berlin 1796. 98. herausgegeben; desgleichen: Kurze Beobachtungen über Taubstumme, mit Anmerkungen von Biester, Reimarus herausgegeben von I.Ar 11 emann.' Berlin 1799. Im 2ten Theil wird H. D. Eschke auch eine Literatur dieses Faches liefern. Von seinen praktischen so verdienstlichen und glücklichen Bemühungen, findet man unter andern in den Jahrbüchern der preuß Monarchie, 1798. S-pt. und Oct Nachricht, — Wolke über den Unterricht der Taubstummen, Schwerhörigen und Blinden. Mit Kupf. Leipzig 1804. (a Nthlr 8 Gr.). r6z Uebersicht der abgehandelten Materien. (Die Zahlen bezeichnen die Paragraphen.) Ä-on dem Unterricht und der Erziehung in öffentlichen Schul- und Erziehungsanstalten, Einleitung, i. Literarische Vorarbeiten, 2. Erste Abtheilung. Allgemeine Blicke auf öffentliche Lehr- unh Erziehungsanstalten, I. Wichtigkeit der Iugendbildung überhaupt, z. II. Nothwendigkeit und Wichtigkeit öffentlicher Bildungsan- stalten, 4, III. Nothwendigkeit der Bildung für alle Volksclassen, 5. IV. Nothwendige Verschiedenheit der Dildungsanstalten für die verschiedenen Volksclassen, 6, Gründe dieser Verschiedenheit, 7. V. Planlosigkeit der meisten öffentlichen Schulen, 8. 9. Schwierigkeiten mancher Schulverbesserungen, 10. — die jedoch nicht unüberwindlich sind, n, VI. Sorge des Staats für das Schulwesen, 12. Vortheile für den Staat aus einer weisen Vorsorge für die Schulen, iz? 266 Uebersicht der abgehandelten Materien. Zweyte Abtheilung. Von den allgemeinen Erfordernissen wohleingerichtetcr Schulen. Uebersicht, 14. II. Allgemeine Haupterfordernisse rX. in Absicht der Lehrenden. g) Strenge Wahl derselben, 15. U) Mittel zur Verbesserung des Schulstandes. «) Billigkeit der Forderungen an Schullehrer, 16. jZ) Verhütung zu gehäufter Arbeit des Schulmanns, 17. — Anstellung junger Mitarbeiter bey jeder großen Schule, 18. Gelegentliche Untersuchung über stehende und veränderliche Lehrer, Anständigere Besoldung der Schullehrer. Zweckmäßigere Vertheilung des Schulgeldes, 20. ä) Achtung und bürgerliches Ansehen des Schulstandes, 2t. Welchen Grad von Achtung der Schulmann fordern könne? Anmerk. r) Gehörige Bestimmung des Verhältnisses der Schul- lehrcr unter einander, 22. 8. In Absicht des Lehrplans. Nothwendigkeit einer Zm siruction dazu, 2g. worin zu bestimmen die Tagesstunden des Unterrichts, 24. I>) die Lehr- und Schulbücher, 25. Zahl und Llassification der Lehrlinge. 3) Gehöriges Verhältniß ihrer Anzahl zum Zweck und der Einrichtung der Schule, 26. Uebersicht der abgehandelten Materien. 267 d) Llassensystcm, 27. Gründe für die ftsistehenden Schulclassen, 28. Gründe für die getrennten Lec- tionsclassen, 29. Resultat, zo. V. Aeußcre Anstalten und Lehrmittel. s) Schulgcbaude, zi. innere Einrichtung derselben/ Z2. d) Eigentliche Lehrmittel. «) Schulbibliothek, zz. Andre Sammlungen zum Gebrauch bey dem Unterricht, Z4. L. Beförderung der körperlichen und sittlichen Cultur neben der Cultur des Verstandes, zz. Bildung der Sittlichkeit in den Schulen, z6. ?. Positive Beförderungsmittel des Fleißes und der Sittlichkeit. а) Schulgesetze und Schuldisciplin, Z7. Von Deloh» nungen und Bestrafungen, Anm. k>) Versetzung in höhere Classen, z8. c) Schulprüfungcn. Ähre Gesetze, 39. Wer soll prü fcn? 40. - Oeffcntliche und Privatexamina, 41. б) Censur, Schulprämicn, 42. 6. Sorge für die Erhaltung des Flors der Schule. s) Schulordnung, 4Z. und Anm. 1. h) Schnlconferenz, 4 Z- und Anm. 2. z. c) Schulcommission, 4Z- und Anm. 4. 6) Schulschriften, 4 Z- und Anm. 5. e) Sbcrstes Landeskollegium für die Schulen, 44. »68 Uebersicht der abgehandelten Materien. Dritte Abtheilung. Von den besondern Gattungen öffentlicher Unterrichts- und Erziehungsanstalten. Erstes Kapitel. Von den Landschulen. I. Likerarische Vorarbeiten, 45. -V, Zdeenmagaziue, Anm, L. Ueber die Bildung der Landschullehrer, Anm. II. Dildsamkeit des Landvolks, 46. Grenzen derselben, 47, III. Von Seminarien sür Landschullehrer. .-V. Wahl der Seminaristen; aus welchem Stande man sie wählen sollte, 48. und Anm, L. Bildung der Seminaristen: intellektuelle, 4y, moralische, 50. pädagogische, 5l, IV. Unmittelbare Mitwirkung der Landprediger zur Verbesserung der Landschulen, 5». V. Erfordernisse jeder guten Landschule,5z. 1) Unterrichtsplan, 54, Lehrgegcnstände, 55. 2) Lehrmittel, §6. z) Nothwendige Absonderung der Kinder, 57, 4) Regelmäßiger Schulbesuch, Sommerschule, 58. 5) Beförderung der Sittlichkeit, Disciplin, 59. 6) Beförderung der Arbeitsamkeit, 60. 7) Aeußere Hülfsmittel zur Erhaltung guter Ordnung, 6l. 8) Aeußese nöthige Anstalten. Schulhaus. Schulstu- be, 62. Uebersicht der abgebandelten Materien. 269 Zweytes Kapitel. Von den Bürgerschulen überhaupt, und nach ihren verschiedenen Gattungen. I. Von Bürgerschulen überhaupt, 6z. Ihre Bestimmung, 6 z. II. Einzelne Arten. -ü. Niedere Bürger- und Handwerksschulen, 65. «) Lehrgegenstände in denselben, 66. k) Jndustricclasse, 67. c) Mittel, den Unterricht in diesen Schulen dauernd nützlich zu machen. Von Sonntagsschulen, 68. L. Bürgerschulen für dir gebildetem Stande, s) Wichtigkeit und Mangel derselben, 69. 6 ) Lehrgegenstände, 70. L. Handlungsschulen. а) Bestimmung dieser Schulen, 71. б) Eigenthümliche Lehrgegenstände, 72. I). Kunstschulen, 7z. L. Institute für andre Bestimmungen, des Oekonomen, Forstmanns und Bergmanns, 74. Drittes Kapitel. Von den Töchterschulen. I. Vorerinnerung, 75. II. Verschiedene Arten dieser Schulen а) auf dein Lande, 76. б) für die unteren Classen der Bürger in Städten, 77. e) für die mittlere Vürgerclasse, 78. cl) für die gebildeten Stände, 79. X 270 Uebersicht der abgehandelten Materien. - - ---- - - . n-*°- III. Gegenstände des Unterrichts, 80. 8l. IV. Beschaffenheit der Lehrer und Lehrerinnen, 82. V. Cultur der Sittlichkeit in Töchterschulen, 8z. Viertes Kapitel. Bonden Militärschulen. I. Vorerinnerung. Bedürfniß dieser Schulen, 84. II. Einzelne Anstalten zur Bildung des Militärs. Bildung der Soldatenkinder, 8A. 8. Bildung der Officiere, 86. a) Nothwendigkeit eines vorbereitenden Unterrichts für die Junker, 87. b) Eigentlicher militärischer Unterricht, 88. Schriften über diesen Gegenstand, Anm. Fünftes Kapitel. Von den Gelehrtenschulen. I. Bestimmung derselben. Literarische Vorarbeiten, 8A. II. Lehrerseminarien, yo. III. Lehrplan, 91. /X. Oeffentlicher Lecrionsplan, 92. L. Privatunterricht, 9z. L. Nepetittvnssiunden. Beyläufig von Schulferien, 94. V. Beschäftigungen des Privatfieißes, 95. L. Nedeübungen, 96. IV. Prüfung und Behandlung der Köpfe auf gelehrten Schu« len, 97. V. Aufmunterungen und Unterstützungen fleißiger Schüler, Stipendien, 98- Uebersicht der abgehandelten Materien» 2-r VI. Beurtheilung der mit vielen gelehrten Schulen verbundenen Singchöre und deren nothwendige Verbesserung, 99 - VII. Sorge für die intellektuelle Und moralische Reife der Abgehenden. — Ucwer das Abituncnteücramcn und Zeugniß, 100. , » Sechstes Kapitel. Von den Erziehungsanstalten. I. Ihr Bedürfniß im Staat, lai. II. Verschiedene Arrcn solcher Anstalten. -V. Waisenhäuser. Qb sie beyzubehalten? 102. und Anm. Gründe dafür und dawider, Anm. Erfordernisse guter Waisenanstalten, 10z. k. Erziehungsanstalten für Söhne aus verscbiednen Standen. s) Zweifel an ihrem Werth, rog. d) Gründe für ihren bedingten Werth. «) Pflichten des Vorstehers, 105. S) Vortheile der Lage und Pflichten der Erzieher, 106. 7) Methode der Erziehung. na) Beförderung des Fleißes, 107. iib) Moralische Erziehung, 108. ioy. S) Policey in Erziehungsanstalten, no. L. Erziehungsanstalten für den Adel. a) Nitterakademieen, m. d) Cadettenhäuser. Militärakademieen, 1^2. 272 Uebersicht der abgehandelten Materien. v. Weibliche Erziehungsanstalten. L) Beurtheilung derselben. Erfordernisse, uz. b.) Unterricht. Erziehung, 114. uz. L. Taubstummeninstitute, n6. !M°^