kltt-SIdlloweX kIVI00000»SS3»77 D E V"I> Horrn ?rot'tz8»or ^ .lot». Orvlli. "-V- ^ - MDW «M WUD t°.«W WM :^M MWMvW WM MW Beschreibung der XXII Schweizer-Kantone, von C. U. v. Sommerlatt, zu -essen in dreizehn Karten (zwölf kleine und eine größere Karte) erschienenen kleinen Atlas der Schweiz. Mit einer Titel-Vignette» Eigenthum des Verfassers und auf dessen Kosten gedruckt, durch alle soliden Buchhandlungen der Schweiz und Nachbarstaaten zu beziehen, (in teutscher und französischer Sprache gedruckt.) Sasel) gedruckt bei Senk und Mast. 18 3 8 . / 5 >'': L < ' ' Vorwort. Der unerforschliche Welten bau Meister scheint gleichsam die Schweiz zu dem Plätzchen auf dem Sandkorn Erde bestimmt zu haben, woselbst das Erhabenste und Anziehendste der Schöpfung, so wie die furchtbarsten Naturspiele in buntem Gemisch zusammengedrängt sich darstellen sollen, ..... ein Bild im Kleinen der ganzen Erde. Dieses der Schlüssel des noch unzähligen Erdbewohnern unerklärbaren Räthsels, daß Fremdlinge aus allen Erdstrichen und der verschiedensten Stände, schaarenweise ausziehen, die Schweiz (zu deren unberechenbarem Vortheil) nach allen Richtungen zu durchkreuzen; die Mehrzahl derselben kehrt heim, mit seltsam wohlthuenden Empfindungen in der Brust, suhlen sich zur Wiederkehr stark angezogen, und folgen früher oder später dieser Neigung, oder sie bewahren den ersten Eindruck köstlicher Erinnerungen bis an das Grab. Der Herausgeber dieses Buches hat es versucht, durch einfache, klare Darstellung auf dessen Blättern- die oben gestellte Behauptung möglichst zu rechtfertigen. Da aber unter der Sonne nichts Neues erscheint, doch manches in mehr oder IV weniger ansprechender, veränderter Gestalt, je nachdem es Zeit und Umstände gebieten, so hat der Verfasser die ihm zweckmäßig scheinende Weise frei gewählt. Das Schweizervolk hatte den Ruf eiserner Treue und Redlichkeit, der Gastfreundschaft und aller friedlichen Tugenden, durch die ganze Welt, in hohem Grade erlangt, bis vor etwa fünf Decennien eine, durch die Ereignisse mehrerer Jahrhunderte, vorbereitete Umwälzung die veralteten Formen eines großen Nachbarstaates mit unwiderstehlicher Gewalt ergriff; — es erkannten wohl hellsehende und denkende Männer, daß eine der Hauptursachen der ungeheuren Erscheinung, das fehlerhafte System der innern Verwaltung jenes Staates sei; Sperren aller Art trennten die Provinzen des Reichs, der Umlauf der Kräfte stockte in den Pulsadern des Staates, und nur die Last eines gleichen Druckes, zeigte dem Normannen und Gasconier, dem Burgunder und Bretagner, daß sie Franzosen seien. — Ein Tag riß die unnatürlichen Schranken nieder. Die Wogen der gestimmten Volkskraft schlugen brausend zusammen und überschwemmten die zum Theil in sorgloser Ruhe waltenden Nachbarstaaten. Groß und mächtig ward das bezeichnete Reich, aber Mißbrauch des Sieges vermochte solches wieder von seiner, durch Vereinigung der Volkskraft, erlangten Höhe zu stürzen. Der in den überwundenen Staaten ausgestreute Same der Zwietracht, und allen bis dahin hier fremd gewesenen Unheils, faßte aber auch in dem hart mitgenommenen Lande des Hirtenvolkes festen Boden, und ist seitdem zu einer unausrottbaren Giftpflanze erstarkt, deren Wurzeln bis in die dürftigste Hütte, Friede verscheuchend, reichen; Generationen werden vorübergehen, bevor der endliche Zustand des gänzlichen Verschwindens widriger Spannung, des Mißtrauens, der Eifersucht auf den Wohlstand des Mitbruders und an deren Stelle dauerndes Glück wiederkehren wird. Ganz Europa leidet an ähnlichem Uebel, seine kompakte Masse, worin beinahe der gleiche Grad von Aufklärung nnd Finsterniß herrschte, hat die Einheit verloren, indem ein beträchtlicher Theil desselben verjüngt und umgestaltet worden, und die feindselige Spannung so lange fortdauern muß, bis die Einheit und das gleiche Interesse der Staaten wieder hergestellt ist. So lange der Schweizer noch zu dem Teutschen spricht: Du bist ein Sklave, hebe dich weg von mir! Dieser jenem erwiedert, hebe dich gleichfalls weg von mir! alle unruhigen Köpfe Europas finden an deinem schützenden Herde gastliche Aufnahme; so lange der Franzose verächtlich zuruft: weichet von mir! ihr seid ein träges nnanstelliges Volk, und diese erwiedern : geh du mir selbst aus dem Wege, dein Volk gleichet dem Quecksilber, das niemals zur Ruhe kommt, dem Strohfeuer, das wohl leicht auflodert, aber eben so schnell wieder erloschen ist; ihr lasset euch eben so leicht von der eisernen Hand des einen, wie von der Schlauheit des andern unter- VI jochen; so lange die Schweizer, den Britten nachahmend, mit stolzem Selbstgefühl sich rühmen: wir allein sind die wahrhaft freie Nation Europas! Die übrigen Staaten Europas, im Gegentheil dieser Freiheit spotten, welche sie auch in Helvetien und Albion hie und da vermissen; so lange selbst in der Republik Helvetien die einzelnen Kantone sich gegenseitig befehden, anstatt sich in einen festen, nach Innen und Außen geschützten Körper zu vereinigen, jeder sich mit einem festen Wall umgibt; — so lange alle diese aufgezählten und andere ähnliche Bcfehdungen walten, ist die gehoffte goldene Zeit noch ferne, und gut Ding will Weile haben. Was gut ist, was der Idee des Ewigen sich nähert, kurz jegliches Werk, was eines unsterblichen Geistes und Waltens auf das Ewige hinaus würdig sein soll, kann nicht in flüchtigem Zeitraum geschaffen werden; aber je zögernder das ernstliche Beginnen zur Beseitigung grämlicher Umstände waltet, desto weiter wird die Vollendung und Erreichung des ersehnten Ergebnisses entrückt. Wer es jetzt versteht, der fördere zu Tag, was die Gegenwart zu erhellen und zu veredeln vermag, denn nicht das Gleiche kann betrieben werden, was die längst entschwundene Fülle ächter Glückseligkeit schuf, aber Aehnliches. Ohne Arm' und ohne Lanzenschwinger schwingt sich der Speer nicht, Und er trifft nicht das Ziel, wenn höhere Kraft ihn nicht leitet. Möchten diese aus unpartheiischer Brust fließenden Wahrheiten den erfreulichsten Anklang in den Herzen starkmüthiger, vorurtheilsfreier, schweizerischer Biedermänner finden; möge die Schweiz allmählig einer durch die Segnungen der Einigkeit und des gegenseitigen, festen Zutrauens allein nahenden glücklichen Zeitepoche, sich bald erfreuen, in Mitte und zu oberst des stark bewegten Welttheils stets dastehen, den ruhigen und bescheidenen Opfern der Meinungskämpfe und des Schicksalswechsels eine Freistätte, bis zur Versöhnung des Schicksals oder zum alles beschwichtigenden Grab. Aeltere und neueste Werke der gefeiertsten schweizerischen Schriftsteller sind bei Aufstellung dieses Buches sorgfältig vergleichend benutzt, und dankbar die freundlichst mitgetheilten Belehrungen durch sehr ehrenwerthe Männer — beinahe aus allen Kantonen der Schweiz — aufgenommen worden. Mit Dankgefühlen und Bescheidenheit wird der unterzeichnete Herausgeber dieses Werkes die geneigte Anerkenntniß seines Fleißes zu ehren wissen. Bern, zu Ende 1837 . L. b. v. Sommerlatt. Helvetica oder Scliiveizerland. Die Schweiz bildet mit dem benachbarten Savoyen den seltsam merkwürdigen Gipfel der alten Welt, in dessen reizenden Thälern zu graue- ster Zeit mächtige Meeresfluthen wogten, deren Gestade die riesigen Höhenpunkte heutiger Firnen bildeten. Ihre Lage zwischen 3° 38' bis 8« 9' O. Länge und 45° 48' N. Breite; im Norden und Osten vonc teutschen Staaten-Bunde, im Süden vvm Lombardisch-Venetianischen und dem Sardinischen Königreiche, und im Westen von Frankreich begrenzt, enthält auf 770 Quadratmeilen *) in 22 Kantonen 25 Freistaaten, die zu einem Bunde (Eidgenossenschaft benannt) vereinigt lind. Dieser Staaten-Bund zählt nach neuester Aufnahme (von 1837) 2,184,096 Seelen, nämlich: Kantons- Bürgcr. Bürger anderer Kantone. Ausländer. Gesammt- zahl aller Einwohner. I. Zürich.. 217,219 7,991 6,366 231,576 II. Bern ...... 381,200 13,954 4,846 400,000 m. Luzern. 120,512 3,383 626 124,521 IV. Ury. 12,948 537 34 13,519 V. Schwyz. VI. Unterwalden ob dem 39,326 1,128 196 40,650 Wald. VII. Unterwalden nid dem 11,857 500 11 12,368 Wald. 9,804 388 11 10,203 Uebertrag . . 792,866 27,881 12,090 832,837 '1 Mehrere Geographen geben den Flächeninhalt der Schweiz verschiedentlich; einige nahmen früher 88o, auch 88gl^2 Ouadratmeilen an, andere 700, auch wohl nur ögö/z, wiez. B. F. V. Hoffmann in Stuttgart in seinem bekannten Werk: Die Erde und ihre Bewohner." 1 2 Kantons- Bürger, Bürger anderer Kantone. AnSian- der. Aesanimt- iahl aller Einwohner. Uebertrag . . 792,866 27,881 12,090 832,837 vm. Glarus. 28,217 821 310 29,348 IX. Zug. 14,193 1,019 110 15,322 X. Freiburg . . . . 83,234 6,010 1,901 91,145 XI. Solothurn. . . . 59,214 3,274 708 63,196 XU. Basel-Stadttheil . 10,611 8,481 5,229 24,321 XIII. Basel-Landschaft . 35,990 3,952 1,161 41,103 XIV. Schaffhausen . . . 29,462 1,409 254 31,125 XV. Appenzell außer Rho- den. 38,701 1,898 481 41,080 XVI. Appenzell inner Rho- den. . ^ . 9,671 89 36 9,796 XVII. St. Gallen . . . 144,359 11,139 3,355 158,853 XVIU. Graubünden . . . 84,670 2,412 1,424 88,506 XIX. Aargau. 174,992 5,965 1,798 182,755 XX. Thurgau . . . . 78,160 4,463 1,501 84,124 XXI. Tessin. 110,445 299 3,179 113,923 XXII. Waadt. 164,686 14,931 3,965 183,582 xxm. Wallis. 73,673 778 1,347 75,793 XXIV. Neuenburg . . . 40,868 14,534 3,214 58,616 XXV. Genf. 38,156 8,677 11,833 58,666 Somit beträgt die Bevölkerung der Schweiz . . 2,012,168 118,032 53,896 2,184,096 Nicht immer bewegte sich eine solche Anzahl Bewohner auf diesem reizenden, mit himmelhohen Felsengebirgen, Alpen und Gletschern (von welchen große Flüsse nach den entferntesten Ländern abfließen) größten- theils umgebenen Gipfel Europas, nicht immer waren Gestaltung im Allgemeinen und Verhältnisse dieses Landes dieselbigen; wir erlauben uns, bevor wir zur Beschreibung der heutigen Schweiz schreiten, das allmählige krampfhafte Heranwachsen dieses Staates in nachstehender Schilderung, begleitet von synchronistischen und chronologischen Tabellen mit Anmerkungen, welche Helvetien in seinen wesentlichsten frühern Verhältnissen und Hauptumwälzungen darstellen, zu zeigen. Synchronistische Tabelle I. Das alte Helvetica. knxus Hgurimis. kaxus Verliij-enns. ^.ventieus. I?a§us /4»tuatius. Hliretia 8egunnis 69. 69. vurxunrlia ininar 450. 406. ^.irstrasis 496. Ost-Frankreich kexnum trans^urnnum 840. 888. Allemanien Klein oder minder 911. Burgund 1032. Reichslehen der Herzoge Reichslehen der Herzoge Reichslehen der Herzoge von Zähringen von Zähringen von Zähringen 1081. 1112. 1112. Teutsches Reich Teutsches Reich Grafen von Savoyen 1218. 1218. 1250. Eidsgenoffenschaft Eidsgenoffenschaft Von Bern erobert 1315. 1315. 1536. Diese begriffen folgende Aeste: Zürich. Schwyz, Ergöw Uechtland Die Waadt Zug, Glarus, begriff: begriff: begriff: Ury, Appenzell, Luzern, Unter- Bern.Svlothurn, Abt- und Stadt walden. Freiburg, Biel, St. Gallen :c. Reuchatel. Kaiuaei Oermanier klrsetier 8eäunos UNd jetzt Schaffhauser. Bündner. Veraxros Basler. ^IlolrroFer 8eguanier Ober- und Unter- Genfer. Müllhauser. Walliser. Anmerkung »ä lud. I. Die Abtheilungen, welche Helvcticns Stufenleiter zu seiner nachherigen Höhe bezeichnen, fließen unten in eine zusammen; Tiguriner, Burgundicr, Eermanicr, Rhäticr, Seduner, Veragier, Rauraccr, Allobrogcr, Sequanicr vereinigen sich zu einem von Freihcitsdunst beseelten Körper; mit wachsendem Zeitalter ändern fle ihre Namen und mit selbigen ihre Herren, bald römisch, bald allcmanisch, bald fränkisch und burgundisch, dann keusch und endlich Schweizer. 4 Synchronistische Tabelle II. Helvetien unter der Herrschaft der Römer, Burgunder und Allemanier. ^nn» 70. 200 . 406. 408. 413. 440. 450. 477. 486. 510. Römer. Die Helvetier werden den Römern unterworfen. Die Allemanier fallen öfters in Helve- tien ein. ^DieBurgunderfal- len in Helvetien ein und erobern den mittägigen Theil. Die Herrschaft der Römer hört auf in Helvetien. 523. 533. Burgunder. 406. Gottgisell. Gundicar. Sigmund I. Gundobald I. Gundobald II Sigismund II. Guntmar. Hildbert u. Lo- tarius nehmen ganz Burgund ein, wodurch dieser Theil Helvetiens auch an die Franken, anElo- Lvvei Söhne, übergeht. Allemanier. 440. Die Allemanier erobern den östlichen Theil von Helvetien, behalten ihn aber nur 56 Jahr, nach welchem sie von Clo- doveo oder Ludwig I. überwunden und dieser Theil von Helvetien den Franken unterworfen wurde. Anmerkung aä Lab. II. Ällrmanier. Hier gewahren wir eine rohe Völkerschaft, die blos Freiheits- und Eroberungssucht athmete, die nichts glücklich machen konnte, als den r Stahl üi die Brust des Feindes zu senken, und ihr Feind war jeder Nachbar, der ruhiger lebte, als sie. Die Allemanier, eine Räuberhorde, stets den Mordstahl zur Hand, immer im Handgemeng mit den Römern, ihren Nachbarn, von welchen sie kriegen lernten; ein erfochtener Sieg hin und wieder befeuerte ihre Streitlust, und oftmals glückte es ihnen, den Feind von ihren Grenzen zu vertreiben, aber auch mehrere Male wurden sie, z. B. 237. gleich dem Hochgewild in den Wäldern aufgesucht. Kaiser Mariminus war ihr Nimrod; er suchte sie in den verborgensten 260. Dickichten der Wälder und in Morästen auf; schaarenweise fielen sie unter seinem schonungslosen Schwert. Drei und zwanzig Jahre verflossen, allemanische Väter, Bruder und Söhne sammelten sich wieder und drangen von der Donau bis an den Ti- k berstrom; nichts konnte ihrem Eindringen widersteh». 272. Völlig wieder erstarkt und von den Reizen Italiens entzückt, l kündeten sie ihren Söhnen die Herrlichkeit dieses Landes. Kaum s waren 12 Jahre abgerollt, so sahen Mailands fruchtbare Gefilde ' diese unwillkommenen Gäste schon wieder. Roms Stolz, Aure- lianus, aber schlug sie über die Gebirge nach der Donau zurück. 278. Taritus zitterte vor ihnen; aber Probus bändigte das wilde Heer und wies sie zum strengsten Gehorsam zurück. Er starb, und sein Tod gab ihnen so lange neues Leben, bis Kaiser Maximinianus sie beinahe vertilgte. Kaum waren der Allemanier Kräfte wieder ein wenig gewachsen, so griffen sie abermals zum Schwert, überschritten den Rhein und besetzten Gallien; aber Constantinus ließ sein Schwert dergestalt unter ihnen wüthen, so daß Wenige den Ort ihres s Werdens wieder erblickten. Doch Roms Sinken gab den Alle- ; maniern Ermannung und mußte das stolze Rom Frieden anbie- ; ten. Die Allemanier siegten und wurden wieder besiegt, weil zuletzt Zwistigkeiten unter ihnen selbst, über Friede und Krieg entstanden; ihr Muth entwich und endlich begehrten sie römische Gnade. ; 388. Julian prüft ihren Sinn, findet ihn tückisch, betrügt, wie er betrogen werden sollte, und die Betrüger gehen in ihr eigenes ? Netz. Die Allemanier werden Knechte Roms; sie staunen, der ^ Geist ihrer Nation erwacht, sie fühlen sich wieder und Julian s wird zum Frieden genöthigt. Valentin! an trägt Roms Diadem und während dessen dauert der bisherige Wechsel des Sieges der Allemanier. Als sie aber des stolzen Roms tägliches Sinken 6 wahrnahmen,! traten sie wieder zusammen, beunruhigten Helve- 450. tien und nahmen die Tiguriner als Bruder auf. Die Zeit war da, wo sie der Allbeherrscherin Trotz bieten konnten; sie vertilgten jede Spur der Römer aus ihren Gegenden und nannten den eroberten Boden Allemanien. Burgundicr. Die Burgundier, ein Volk, das ursprünglich um daS heutige Polen, Meklenburg, Pommern, Brandenburg, Preußen >c. rc. herum wohnte, wurden um das Jahr 406. von den Gepiden, einem Dazischen (Hungarischen) Volke genöthigt, seinen Wohnsitz zu verlassen; worauf sie über den Rhein in Gallien drangen, daselbst das Burgundische Reich stifteten und den Römern einen Theil (als: Burgund, die I->->nl<- coi»t« und einen Theil des Lionischen, wie auch Vienensem, Savoyen, vauxliin«, Wallis, Sequanien, die Waadt, ttechtland, Ergow, Bisthum Basel und das Sundgau) erobernd abnahmen und behielten, bis die Franken ihrem Reich ein Ende machten. Franken. Die Franken, ein von den Römern oft überwundenes, doch von ihnen so geehrtes Volk, daß solchen erlaubt gewesen, sich mit den vornehmsten römischen Familien zu verbinden, wohnten zwischen dem Rhein, Weser und Main; waren Anfangs in verschiedene Völkerschaften getheilt, deren jede ihr Oberhaupt hatte. Roms Sinken fachte in ihnen Eroberungssucht an. Sie vereinigten sich und wählten (420.) Phara- mund als Oberhaupt und König, nachdem sie ihn an die Spitze des Heeres auf einem Schilde empor getragen. Dessen Sohn und Nachfolger Clodio fiel über den Rhein und nahm den Römern alle Ländereien ab, welche zwischen dem Rhein, Maas und Seine liegen, und bestimmte Amiens zu seiner ersten Residenzstadt; so ward er Herr über die Graf- schaft Artois, Cambresis und die Picardie ic. tc. Meroveus, sein Nachfolger, erweiterte sein Reich mit der Normandie und fast ganz Ist« äe Trance; er war der Stifter der Merovingischen Könige und hinterließ einen Sohn Hilderich, der zu seines Vaters Eroberungen Lothringen, die Städte Paris, Bauvais und viele andere an der Seine und Oise sich zueignete. Ludwig I. übertraf aber alle seine Vorfahren an Tapferkeit und Glück; er nahm den Römern alles, was in Gallien noch übrig war, als: Champagne, Soiffon und alles Land zwischen der Loire und Seine. Stolz auf diese Eroberungen richtete er sein Auge gegen das mächtige Allemanien, griff solches siegreich an und machte das ganze Land zu seinem Eigenthum. Voll Furcht und Schrecken flöhe alles vor ihm her; selbst die Bewohner der rhätischen Alpen zitterten vor seiner Allgewalt und neigten sich (496.) unter sein Zepter. Die Völkerschaften an der Loire erkannten ihn für ihren Herrn, so wie die Bewohner des Westozeans in Bretagne, Maine, Anjou, Touraine und ein Theil der Normandie. Die Westgothen und Burgundier waren nun noch die einzigen, die ihm in Gallien zu überwinden übrig blieben. Er säumte nicht lange, griff (507.) die Gothen bei Poitiers an, tödtete ihren König, theilte die siegreiche Armee und eroberte Touraine, Poitou, Ti- moisin, Perigot, Saintougne, Langoumois; anderseits sein Sohn das Land Albi, Rovegue, Querei und Auvergne. Das Ziel seiner Eroberungen war Oberbretagne; bald meldete sich der unbesiegbare Heldenbezwinger, der Tod, und wies ihm ein enges, dunkeles Grab an. Synchronistische Tabelle m. Helvetirn unter den fränkischen Königen. ^imo Könige in Austrasia oder Ostfranken. Könige in Burgund. Majores Domus und Herzoge in Ostfranken. (Großhof Ilszoros Domus und Herzoge in Burgund. Meisters.) 496. Ludwig I. 511. Dietrich. Lothar I. 534. Dietbert. 550. Dietboldt. ÜÜ6. Lotharius I. Lothar I. 564. Siegbert. Gontram. . . . . Momulus.' 575. Hildbert ii Dietfried. 593. Hildbert n. 595. Dietbert. Dietrich II. Lutsried; Her- Wandelmar. Künzlinlzoge. 611. Dietrich II. Protadius. 612. Siegbert. Hildbert. Theudelane. 614. Lotharius. Wolf. Könige in Austrasta oder Ostfranken. Könige in Burgund. Altares Voinu» und Herzoge in Ostfranken. (Großhof Hlajore» Itanium und Herzoge in Burgund. neisters.) 623. Dagobert. Warnacher. Erpo. 628. Pipin der äl- Aletheus-Ar- tere. nobert. 632. Siegbert. Ludwig II. Grimwald. Flaucatus. 650. Dagobert, ites Mal. 652. Ludwig ii. 655. Hilderich n. Lotharius m. Eberwein. 668. Dietrich m. Wvlfrath. abgesetzt. 673. Dagobert, Wieder eilige- 2tes Mal. setzt. 681. Marti» u. Pi- Gottfried, Dragon, xin, Fürsten. Herzog. Herzog. 690. Pipin, Sou- . Lütfried > Her- verain. Sintle i zoge. 714. Carl Märtet, Souverain. 717. Lotharius Titu- Watillo und lar, König I. Diebold. 721. Dietrich n. Dietrich H. 741. Carlomagn, Pipin. Souverain. 743. Hilderich m letzter König. Anmerkung aä LsI». III. Die fränkischen Könige führten nach und nach die christliche Religion ein und regierten das Land durch Herzogelund Grafen, begingen aber den Staatsfehler, ihr Land bei ihrem Absterben zu theilen, woraus öfters hartnäckige Kriege zwischen ihren Söhnen und Nachfolgern entstunden. Helvetien bekam daher bald einen, bald zwei Herren, welche das Land unter denen Benennungen Burgund oder Allemanien beherrschten. Die große Gewalt, welche diese Beherrscher ihren vomus (Großhvfmeistern) und Herzogen überließen, machten solche stolz und aufrührerisch, so daß sie nach und nach fast alle Gewalt an sich zogen und den Königen nur die Ehre, den Namen "Regent-- zu tragen, überließen. Die mächtigsten dieser Großhvfmeister waren: Eberwein in Burgund und Pipin in Allemanien (696.), das man damals auch Austrasien nannte. Pipins Macht breitete sich über Frankreich und die ganze Schweiz aus, kaum der Titel blieb den folgenden Königen; sein Sohn Carl Martel befestigte seine ererbte Gewalt, und Pipin, sein Enkel, ließ sich vom Papst über ganz Frankreich krönen und steckte den letzten König von Ludwigs Blut in ein Kloster. So kam Frankreich und mit demselben die Schweiz an einen Herrn der fränkischen Nation. Synchronistische Tabelle IV. H e l v c t i c n unter Pipins Nachkommenschaft, den karolingischen Kaisern und Königen. ^»no Könige in Allemanien oder Osifranken. Könige in Burgund. Herzoge in Allemanien oder Ostfranken. Herzoge in Burgund. 750. Pipin wird König über ganz Frankreich. 768. Carolomann, Carl der Große. König. 77t. Carl der große Kaiser herrscht über ganz Frankreich. 814. Ludwig, Kaiser, l 829. Carl der Kahle, Withardus und Kaiser. waren zugleich Rupertus. 833. Ludwig der - Könige in teutsche König. Burgund. 838. Lotharius, Kaiser. / 842. Ludwig der Lotharius, Hugo und her- teutsche König. Kaiser. nach Cvnrad. 876. Carl der dicke Karl der Kahle. Kaiser. 10 Kaiser in Allemanien Könige Herzoge oder Ostfranken. in Burgund. in Burgund 888. Arnolph, Kaiser. Rudolf!., König. Rudolf stiftet ein 899. Ludwig das Kind, neues Königreich in Kaiser, Burgund. Er war nach der letzte von den einigen ein Graf von Carvlingern. Strättlingen, nach andern ein Graf von Paris und Auxerre, ein Sohn des obigen Cvn- rads. Anmerkung sä TaK. IV. Pipin war nun rechtmäßig gekrönter König über Frankreich und die Schweiz und zeugte einen Sohn, der wegen seinen Großthaten Karl der Große benannt wurde und die Kaiserwürden erlangte. Er war eigentlicher Wohlthäter seines Reichs und der Schweiz; er beschränkte die Gewalt seiner Statthalter und forderte strenge Rechenschaft von ihrer Verwaltung. Seine Nachfolger begannen leider wieder mit der Theilung der Schweiz; dessen Enkel Lothar erhielt den Burgundischen, Ludwig, genannt der Teutsche, den ostfränkischen Theil. Zuletzt behielt Ludwig beide Theile bis an seinen Tod. Das immerwährende Theilen der Schweiz schwächte die Macht der Nachkommen Carls des Großen und öffnete den Statthaltern, Herzogen und Grafen den Weg zum Mißbrauch der Gewalt und zur Empörung. Hugo, Statthalter in Burgund, legte den Grund zu einem neuen Burgundiscken Reich; sein Sohn Conrad machte sich zum Herrn darüber, und dessen Enkel Rudolf ließ sich zum König über Burgund krönen. So entstund ein neues Reich in Helvetien, das man und Arelat nannte; es begriff später neben dem westlichen Theil der Schweiz das eigentliche Burgund, Savoyen, Provence, v-ruxbine. Der östliche Theil der Schweiz blieb den Kaisern aus Karl des Großen Stamm. Ludwig das Kind war der letzte Zweig desselben und starb 912 . Synchronistische Tabelle V. Helvetica unter den teutschen Kaisern, bis Burgund wieder an das Reich kam. Kaiser. Könige in Burgund. Herzoge in Allemanien. 912. 918. Conrad i. Heinrich I. Rudolf ». Burcard i. »26. 936. 937. Otto I. Conrad I. Herrmann. 950. Ludvlph. 957. 973. Otto II. Burcard ii. 982. 983. 994. Otto m. Rudolf m. Conrad i. 997. 1VV2. Heinrich H. Herrmann ll. 1604. Herrmann III. 1012. Ernst I. 1015. 1024. Conrad Ll. Ernst II. 1030. 1032. Burgund fällt an das Reich. Herrmann iv. Anmerkung nä 1»I). V. Da der Carolingische Stamm in Ludwig dem Kind wieder erloschen war, so wählten die Teutschen den Herzog Conrad von Franken zu ihrem Kaiser. Dieser ließ den östlichen Theil der Schweiz wieder durch Herzoge beherrschen und setzte Burcarden, Grafen von Buch- horn und Linzgäu, zum ersten Herzog in Allemanien und Schwaben; Burgund oder der westliche Theil gehorchte den Burgundischen Königen, welche ihre Residenz in Petterlingen hatten. Conrad hatte durch die Medereinräumung der Gewalt an die Herzoge das kaiserliche Ansehn sehr vermindert, denn diese kaiserlichen 12 Statthalter begannen bald den schuldigen Gehorsam zu versagen, »ach Souveränität öfters ungescheut strebend, wie z. B. Herzog Burcard !., Ludolf, Ernst II., so daß die wirklichen Souverainen vollauf zu thun hatten, dieselben in Unterwürfigkeit zu halten. Die Grafen, Vasallen des Kaisers und der Herzoge, ahmten das Benehmen der Letzter» nach, hielten sich aber dennoch derselben Parthei mehr zugethan; z. B. Grafen von Windisch, Kyburg rc. rc. Die Kaiser selbst hatten den Staatsfehler begangen, diesen Vasallen, besonders den Bischöfen und Aebten, allzuviele Hoheit einzuräumen, und gerade selbige wurden ihnen später die Gefährlichsten. Rudolf n., König von Burgund, gelang es, die arelatischen und westhelvetischen Länder zu vereinigen und wurde dadurch ein mächtiger Regent. Rudolf m., König in Burgund, starb ohne Kinder und vermachte sein Reich an Kaiser Conrad II., wodurch Burgund dem teutschen Reich wieder anheim fiel. Synchronistische Tabelle VI. Helvetien unter den teutschen Kaisern von 1035. bis zum Anfang der Eidgenossenschaft 1308. Kaiser. Herzoge in Allemanien. Regenten in Burgund. 1035. Conrad II. Cudo oder Otto , Regent. 1038. 1039. Heinrich HI. Heinrich, nachwärts Kaiser. EbendieserHeinrich. 1045. Otto, Pfalzgraf. Reinhold. 1048. 1056. Heinrich IV. Otto von Schweinfurth. 1058. Rudolf von Rhein- felden. 1079. Friedrich von Hohen- staufen. 1081. Berchtvld n. von Zähringen. 13 v»n» 1096. 1120. Kaiser. Herzoge Regenten in Allemanien. in Burgund. Berchtold m. von Zähringen. Conrad von Zähringen. 1125. 1139. 1152. Lotharius. Conrad III Friedrich I. 1185 1190. 1198. 1208. 1217. 1218. Heinrich VI. Philippus. Otto. Friedrich II. 1246. 1273. 1292. 1298. 1308. Das große Zwi- schenreich. Rudolf I. Adolf. Albrecht. Anfang Berchtold IV. von Zähringen. Berchtold V. von Zähringen. auch in Burgund. Berchtold V. stirbt, der letzte vom Zäh- ringischen Stamme, und Allemanien und Burgund kommen wieder an das Reich. der Eidgenossenschaft. Anmerkung »ä Vsli. VI. Graf Otto von Campagnien, Rudolfs Schwester Sohn, betrachtete sich als rechtmäßiger Erbe des Burgundischen Reichs und suchte sein Recht durch Gewalt der Waffen geltend zu machen, dadurch zwischen beiden Prätendenten, dem Kaiser und ihm, ein blutiger Krieg entstand, in welchem der Kaiser die Oberhand behielt (1035.). Otto oder Eudo ergab sich und wurde vom Kaiser mit der Statthalterschaft über Burgund begnadigt. Aber der Stolz dieses Grafen ließ sich nicht lange beherrschen, denn bald zettelte er neue Empörung gegen den Kaiser an, begann Krieg gegen ihn, wurde aber bei Baar in Lothringen 1037. überwunden und getödtet. Kaiser Heinrich IV. hatte unter den Herzogen und Grafen viele Feinde, weil sie sich nicht genugsam geehrt und mehr als Vasallen behandelt wähnten, daher er 1077. durch einen Com- 14 plott derselben zu Lorchheim seiner Würde entsetzt und Rudolf von Rheinfelden, Herzog in Allemanien, an seine Statt erwählt wurde. Dieser neue Kaiser erhielt sich nicht lange, seine getreuesten Anhänger in Burgund und Allemanien verließen ihn, nur die Grafen von Nel- benburg und Montfort, der Abt in der Reichenau und die Stadt Zürich blieben ihm zugethan. Kaiser Heinrich hatte aller Orten wieder so ziemlich die Oberhand, jagte die Anhänger Rudolfs zum Land hinaus und entsetzte ihn des Herzogthums; allein es gelang ihm nicht, ganz Allemanien zu erobern, sondern bloß Schwaben, mit welchem er Friedrich von Hohenstaufen belehnte. Den übrigen Theil von Allemanien behielt der Margraf von Zähringen in seiner Gewalt. Endlich lieferten die beiden Kaiser einander in Sachsen ein Haupttreffen (1080.), in welchem Rudolf sterbend überwunden wurde. Nach Rudolfs Tode belehnte Kaiser Heinrich den Markgrafen Berchtold von Zähringen mit den Allemanischen Landen (t08l.) und wurden von da an Allemanien und Schwaben von einander getrennt. Reinhold, Graf von Burgund und kaiserlicher Statthalter in diesen Landen, wollte sich den Befehlen des Kaisers nicht mehr unterwerfen, daher wurde er von demselben entsetzt und Liese Statthalterschaft <1120.) an Markgraf Conrad von Zähringen übergeben. Hieraus entspann sich blutiger Streit, der damit endete, daß Graf Reinhold, vom Kaiser endlich überwunden, in Gefangenschaft gesetzt, und Uechtland und die Waadt dem von Zähringen überlassen wurde. Um diese Zeit waren die Grafen von Lenzburg, Kyburg, Habsburg, Nap- xerschweil, mächtige Landesherren inHelvetien. Da Herzog Berchtold v gestorben war, fiel alles Land, das er in Helvetien besessen, wieder an das Reich, weil er der letzte seines Geschlechtes, und das mächtige Zäh- ringischeHaus mit ihm ausstarb. Als Friedrich II., der letzte schwäbische Kaiser mit Tod abging, entstund das sogenannte große Zwischen- reich oder Jnterregum, weil während demselben bald dieser, bald jener sich zum Kaiser auswarf, ohne sich behaupten zu können, so daß das teutsche Reich gleichsam ohne einen Herrn war (1273.), woraus seltsame Unordnungen entstunden, bis endlich Rudolf von Habsburg erwählt ward, welchem die Wiederherstellung des Reiches vorbehalten war, dem ferner das mächtige Haus Oestreich seine Gründung und die Schweiz ihre Freiheit verdankt, letzteres zwar wider Willen des Souverain, indem er trachtete den größten Theil der Schweiz vom Reich zu trennen und an sein Haus zu bringen. Was dem Vater nicht durch Politik gelang, wollte dessen Sohn Albrecht mit Gewalt erreichen, verlor aber dadurch beinahe alles, was er in der ganzen Schweiz besaß (1308.). 13 Es entstund hierauf der, die nachherig» Schweizer-Freiheit begründende Bund der drei Länder. Synchronistische Tabelle VH. Helveticas Zustand 1246 - 1273 . ?ur Zeit des sogenannten Zrvisehenreiehs. Während demselben regierten fünf Könige, als: Heinrich, Wilhelm, Conrad IV., Richard, Landgraf Graf Kaiser FriedHerzog v. Thüringen, von Holland, richs Sohn, v. Cornwallis, 1246 — 1247 . 1247 — 1256 . 1250 - 1252 . 1257 — 1262 . Alphonsus, König von Kastilien, 1257 . Es fanden sich während demselben folgende Geistliche Fürsten, Landgrafen, Grafen, berühmte Freiherren, freie Reichsstädte, Städte und freie Länder in Helvetica, als in: Ost-Helvetien oder Allemanien. West - Helv et oder Burgund. e n Geistliche Fürsten oder Oberherren: Bischof von Constanz, Abt von St. Gallen. Landgrafen: im Thurgäu, zu Kyburg. Grafen: im Toggenburg, zu Rapperschweil, Homburg, Baden rc. rc. Berühmte Freiherren: zu Regensberg, Eschenbach, Wart und Kaiserstuhl rc. rc. Freie Reichsstädte: Zürich, Konstanz u. St. Gallen rc. rc. Freie Länder oder drei Waldstädte: Ury, Schwyz, Unterwalden. Geistliche Fürsten oder Oberherren: Bischof von Basel, Lausanne, Genf. Landgrafen: zu Kyburg, Habsburg und Savoyen. Grafen: zu Neuenburg, Nidau, Aarberg, Romont, Griers, Lenzburg, Gransee, Rothenburg rc. rc. Berühmte Freiherren: zu Thvrberg, Buchegg, Aarwangen, Aarburg rc. rc. Städte: Bern, Freiburg und Solothurn rc. rc. Zu dieser Zeit zählte man in der Schweiz: Vornehme gräfliche Familien bei LO. Freiherrliche Familien - iso. Ritterliche Geschlechter " - 1200. Anmerkung sä ?«Ii. VII. Helvetien stund in dem i 3 ten Jahrhundert größtentheils noch unter der Herrschaft stolzer und mächtiger Herren. Der mächtigste war das Haus Kyburg, Erbe der Zähringischen Verlaffenschaft; ihm huldigten Edle und Bauern in Burgund, Kyburg, Lenzburg, Thurgäu, Baden, Burgdorf, Thun, ein großer Theil des Kantons Luzern und das Vorzüglichste vom Kanton Zug. Die Grafen von Habsburg waren ihm die nächsten an Ansehen und Macht, und ihre Erben: Crgäu und die freien Aemter, waren ihnen unterwürfig. Savvyen, nicht minder mächtig, herrschte über die WaaLt und einen großen Theil des Kantons Freiburg. Die Grafen von Neuenburg, Froburg, Rapperschweil, Toggenburg, Sargans, Thierstein, Buchegg, Laufenburg, Rheinfelden:c. rc. waren mächtige Grafen; Eschenbach, Regensberg, Hohensax, Weißenburg, Landenberg, Grandson, Brandes, Lasarraz, viele Freiherren; beinahe von jeder steilen Anhöhe ragte eine Felsenburg, meistentheils Sitz LeS Plaggeistes der armen Landbewohner; die Grafschaft Kyburg zählte deren allein über hundert. Der Zahn der Zeit zerstörte diese Denkmale roher Sitten meistens, einige auch fielen durch Gewalt, welche die Rache übte, in Schutthaufen. ^Lkiila VIII. Eidgenössische Sundes-Tabelle der XIII. Liantonc, zugewandten und verbündeten Orte. 17 -,pkusa<>k Z .*6 ' ' ' ' .V? USl Z -nvGvtzS 2 -UAchiojOS Z ee, 20 ,es t>, .2 - N - Ä Ä -SanqieaL Z ' ' ' ' ' '' cs ' ^ sr S>t- . . . . . ^ ^ ^ 'pivK Z . ^ ^ ^ . . . . '-7> V2 . . . . . 'SnavW Z ^ av ' ' ^ ^ ' . ^ ^ ^ ^ ^ -öng -Z ' ^ ^ ^ ' ' ' ' ^ ' ^ ^ I ' Ä ' ' ' ' ^ mq '-r -jvans^un § ' M eer ' ' ' ^ S) r.-2 't- -küaih-T ^ ^ c» ' ce; ' ' ' ' ^ . . . . A -MSkNF ^ ^ ^ ^ M 'uasxx ^ ' 01 it2 ^ 0>t -»> V ressssl^^^c»s '4>!änk Z ^ ^ ^ A § ' ^ ^ ^ Zugewandte Orte. H § . Ä Ä.Z. D ^ Z Z Z G^-ZA-S - I Z --GMZ-8.Z«. . Z ^ L s LZDD^ZZ.LNZ.Z Z G -N A N D S N 2 16 Anmerkung »,i rul,. VIII. Kaiser Albrecht, Rudolfs Sohn, der die Vergrößerung seines Hauses zum Hauptaugenmerk machte, beschloß drei Fürstenthümer zu errichten, eines in Schwaben, das andere im Elsaß und das dritte in der Schweiz, letzteres sollte begreifen: das Thurgäu, Crgäu, Uecht- land und die Waadt. Sein großer Plan erheischte Politik, viel Geld und sonstige Macht, und im Besitz dieser Erfordernisse, gelang ihm anfänglich die Ausführung so ziemlich; aber die drei Waldstädte in der Schweiz, die ihm gefährlich schienen, mußte er trachten durch mancherlei Aufwendung sich zu versichern, da sie aber seinen Schmeicheleien und Verheißungen kein Gehör verliehen, und vermöge ihrer Freiheiten bei dem Reich durchaus verbleiben wollten, so suchte er sie gewaltsam zu seinen Absichten zu nöthige», vermittelst ihnen gesandter Vögte, die sich jede Tyrannisirung erlaubten, um jene zur Willfährigkeit gegen ihren Souverain zu zwingen. Allein diese drei Waldstädte widersetzte» sich muthig, schlössen unter sich ein Bündniß und jagten die Vögte zum Lande hinaus. Eben da sich Kaiser Albrecht gegen die Waldstädte zur Unterjochung rüstete, ward er von seines Bruders Sohn, dem jungen Herzog von Schwaben, wegen hinterhaltener Erbschaft, meuchelmörderisch erschlagen. Schnell suchte dessen Sohn, Herzog Leopold, die Waldstädte stich zu unterwerfen, wurde aber bei Morgarten von ihnen gänzlich aufgerieben, worauf diese drei Waldstädte in ein ewiges Bündniß zusammentraten, und von da an Eidgenossen hießen. Luzern, von Oestreich hart gedrängt, machte mit den Waldstädten ein Bündniß (1332.) und erhielt den Vorrang. Jetzt hieß diese Vereinigung »der Bund der vier Orte.-- Zürich, von äußern und innern Feinden gedrängt, glaubte sich sicherer zu stellen durch ebenfallsigen Beitritt in den Bund der vier Orte; es schloß mit diesen ein ewiges Bündniß (1351.) und erhielt Vorrang und Sitz. Je mächtiger dieser Bund wurde, desto mehr sahen ihn Bedrängte als eine sichere Mauer gegen Oestreichs Gewalt an; Glarus und Zug traten also auch bei (l352). Bern folgte 1353, erhielt den zweiten Rang und sein Anschluß gab noch mehr Ansehen und Gewicht der Vereinigung, die jetzt mächtig war und ein geschlossenes Ganzes bildete, das man heut zu Tage noch als die acht alten Orte bezeichnet, weil sie 120 Jahre, ohne diesen Bund zu erneuern, beisammen blieben. Die ersten, welche sich wieder zu Bundesgenossen anmeldeten, waren Frei bürg und Solothurn. Der Rath des frommen Einsiedlers, Niklaus von der Flüh, und die Tapferkeit, welche sie während dem Burgundischen Krieg bewiesen hatten, machten sie zu würdigen Bundesgenossen der acht alten Orte; ihnen wurde der zehnte und eilfte Rang angewiesen. Während dem Schwabenkrieg hatte sich Schaff Hausen durch treue Hülfe, und Basel durch Unparteilichkeit den Eidgenosse» werth gemacht; sie wurden daher auf ihr Ansuchen dem ewigen Bund einverleibet, ersteres erhielt die zwölfte und letzteres die neunte Stelle. Gleich nach dem Mailänder- Krieg meldete sich der Stand Appenzell; seine wirkliche Aufnahme in das ewige BünLniß (I5l3.) wurde ihm um so viel leichter gewährt, da es mit den meisten Orten ohnehin gewissermaßen verbündet war. So entstand der Bund der xm Kantone oder Orte. (Wann die zugewandten Orte in das eidgenössische Bündniß getreten sind und mit welchen Kantonen, zeigt vorstehende Tabelle). Statistische Bemerkungen. Die Eidgenössische Republik bestund aus den 13 Städten und Ländern, welche in Tabelle VIII. der Ordnung nach angezeigt sind. Alle sind zu Schutz- und Trutzbündniffen zum Wohl des gemeinsamen Vaterlandes aufs engste verbunden gewesen und bildeten nur einen Staat, jedoch bestund jeder Kanton als freie Republik für sich und durfte in Ansehung seiner Majestät niemand sonst Rechenschaft ablegen. Die Eidgenossenschaft bestund also aus XI» souveränen Republiken, und ihr Staatsrecht beruhete auf Bündnissen und Friedensschlüssen, welche zu verschiedenen Zeiten geschloffen und erneuert worden sind. Alle gemeineidgenössischen Angelegenheiten wurden auf Tagsatzungen verhandelt, gewöhnliche zu Frauenfeld und außerordentliche zu Baden. Bisweilen hielten die Stände von gleicher Religion besondere Tagsatzungen; die evangelischen zu Aarau, die katholischen zu Luzern. Die Regierungsarten der Kantone waren dreierlei, als: aristokratisch, aristodemokratisch und demokratisch. Die unter der ersten Regierungsform wurden durch einen Schultheiß repräsentirt; die oberste Gewalt steht bei den Räthen; die Bürgerschaft hatte keine Zünfte. Die unter der zweiten wurden durch Bürgermeister regiert und die oberste Gewalt stund bei den Zünften, Räthen und Bürgern zusammen. Die unter der letzten werden durch einen Landammann regiert und die oberste Gewalt steht bei dem versammelten Volk oder der Landesgemeinde; übrigens herrschte auch wieder große Verschiedenheit in allen Kantonen dieser drei Regierungsmanieren. Mit diesen 13 Kantonen der Eidgenossenschaft waren noch 11 andere freie Staaten verbündet, jedoch nicht mit sämmtlichen 13 Kantonen, sondern nur mit einigen derselben, daher hießen solche: zugewandte Orte; ferner stunden sie nicht alle in gleich enger Verbindung mit den Kantonen, da nur einige das Recht hatten den Tagsatzungen beizuwohnen, andere aber nicht; erstere wurden 8«eii, letztere 6 »nkce< 1 er»ti »dvetiormn benannt. (Die 8oeit sind in 1 AI>. XIII. mit * bezeichnet.) Die Regierungsweise dieser zugewandten Orte betreffend, so hatte es gleiche Bewandtniß, wie mit den Kantonen, nur einige derselben standen unter einem Souverain, genossen aber demvhngeachtet große Vortheile und Freiheit. 20 Negicrungs-Verfassung dcr öchrvci?. L I t ! Besitzungen in Deutschland unter dem Reichsschutz. Z T - der Schweiz unter dem Schutz der ^ tG j IV. Kantone: Zürich, Luzern, Schwyz und Ll s Glarus. K 8 s N Nf 2: ^ Katholischen unter dem Schuhe des Reichs. G i Reforniirten - . - - Kantons Bern. -s -s»° G ^8° -s - » ^ « x,s Bürgermeister Schultheißen Staatsräthe SinLicS Zürich . . .Basel . . Schaffhausen lSt. Gallen. I Müllhausen .Viel. . . Bern. . . Luzern . . Freiburg . Solvthurn. Neuenburg j Vallengin ! Genf. . . L> 162 280 60 00 54 40 290 100 172 66 64 25 200 . S -S -SZI § ^ - Ury. Schwyz. Unterwalden . . . . Zug. Glarus. AvoenrettjAlchEkwde,, Äppenzenj^^brRhoden s; 60-70 60 58 40 60 00 128 Schutzverwandte. Die Städte Stein und Winterthur. Das St. Zmmerthal od. Herrschaft Erauel. Zofingen,Aarau,Lenzburg und Baden. Die Städte Sempach und Sursee. Die Abtei Bellelai. das Urseren-Thal. die Abtei Einsiedeln und die March. 3t Werfe» wir einen Blick auf die Entstehung des ewigen Bundes der Eidgenossen zurück. Die Eidgenossen verlangten, wie bereits erwähnt worden — Kaiser Albrechts Plan zuwider — unmittelbar beim Reiche zu verbleiben; daher entsendete Albrecht als Reichsvögte dahin, Herrmann Geßler von Brünegg und Ritter von Lan- denberg, beide hartherzige, boshafte Menschen, die auch wahrscheinlich ihre Vollmachten weit überschritten. Gegen bisherige Sitte, hatten sie ihren festen Aufenthalt im Lande der Eidgenossen genommen, erlaubten sich unerhörte Bedrückungen gegen die Bewohner und beschützten die schändlichsten Frevelthaten ihrer Helfershelfer auf empörende Weise. Da traten aus den verbündeten Landen drei wackere Männer zusammen; ihre Namen, die unauslöschlich bleiben werden, sind: Werner Stauffacher, Walther Fürst und Arnold von Melchthal; des letztem Vater hatte der grausame Landenberg die Augen aus- stechen lassen. Diese Männer beschlossen nach ernster Berathung über die Noth des Landes: Jeder solle in seinem Lande die allgemeine Stimmung ausforschen, in wie ferne des Volkes Beistand zu hoffen sei. Erwünscht war das Ergebniß der Bemühungen dieser drei Patrioten; 1307. in der Nacht des 17. Dezembers begaben sich die Häupter, jeder begleitet von 10 seiner Landsleute an einen abgelegenen Ort des Urner- secs, Rüttli genannt, dort schwuren diese 33 Männer einen feierlichen Eid: "mit Blut und Leben die alten Gerechtsame ihres Volkes zu schützen und sie mit Gewalt zu behaupten in der Nacht des kommenden Neujahrs;" dann schlichen sie nach Hause und niemand bemerkte irgend eine Aenderung in ihrer gewöhnlichen Lebensweise. Herrmann Geßler ähnele nichts und war stets mehr bemüht den Muth der Eidgenossen herabzustimmen. Er befahl einen Hut auf eine frei errichtete Stange zu setzen, und wer vorüber gehe, solle hier Ehrenbezeugung leisten. Wilhelm Teil aus Bürgten, kühn und starkmüthig, ging vorbei ohne einer Ehrenbezeugung zu gedenken; da zwang der Tyrann Geßler ihn, einen Apfel mit der Armbrust vom Kopfe seines eigenen Knaben zu schießen, was herrlich dem besorgten Vater gelang; nun fragte der ergrimmte Reichsvogt: zu welchem Zweck er noch einen zweiten Pfeil bei sich habe? worauf der kühne Schütze antwortete: »Hätte der erste nicht den Apfel getroffen, dann gewiß der andere dein Herz." Als Gefangenen ließ Geßler, welchen solche Rede in Rachewuth versetzte, den unbeugsamen Teil in ein Schiff bringen, um ihn im Kerker zu Küßnacht verschmachten zu lassen; allein während eines furchtbaren Ungcwitters fand durch gewag- 23 ten Sprung an das Land der Kühne seine Rettung. Auch der erboste Reichsvogt Geßler entrann den Gefahren des Sturms, aber ihn töd- tete wenige Augenbicke hernach in der Hohlgaffe bei Küßnacht des gewandten Wilhelm Teils sicheres Geschoß. Frei sahe der erste Morgen des Jahres 1308. das Land der Eidgenossen. Die Zwingburgen wurden zerstört, Landenberg und seine Söldner aus dem Lande gesagt; unverweilt kamen die Abgeordneten der drei Länder zusammen und beschworen den uralten Bund wieder. Diese auffallenden Ereignisse empörten den Kaiser Albrecht dergestalt, daß er mit seiner Kriegsmacht vorerst den Aargau besetzte, in seinem Gefolge war sein Mündel, Herzog Johann von Schwaben, dessen väterliches Erbtheil er Hinterhalten hatte, und bei Windisch nächst Baden war es, woselbst Johann und dessen Freunde den grausamsten Mord an Albrecht begingen zum Abscheu der Welt, und Helvetien versagte den Frevlern jede Zufluchtsstätte, während die hinterlassene Wittwe und Kinder die schrecklichste Rache an Schuldigen und Unschuldigen ausübten. Albrechts Sohn Leopold zog mit einem großen Heer gegen die Eidgenossen. Es waren zu den Schwyzern 400 von Ury und SOO von Unlerwalden gestoßen. Bei Mvrgarten (1315.) fiel ein entscheidendes Treffen vor, wobei Leopold außer seiner eigenen Person nichts zu retten vermochte. Mancherlei gefährliche Anzettelungen, auf Unterdrückung der Eidgenossen berechnet, waren stets hin und wieder zu beschwichtigen. Die Stadt Bern mußte 1339. mit dem Adel des Uechtlandes und seinen Verbündeten einen harten Kamps bestehen; das Adelsheer, etwa 10,000 Köpfe, hatte sich bei Laupen gelagert; die Berner mit ihrer geringen Anzahl Verbündeter, kaum 1000 Krieger zusammen, aber beherzt und muthvvll, zogen unter ihrem kühnen Führer, Rudolf von Erlach, den Feinden entgegen und erfochten einen ewig denkwürdigen Sieg. — Noch an 4 Jahre lang hatte Bern mit seinen Gegnern, welche dessen Untergang geschworen hatten, zu kämpfen. Auch in Zü > rich brachen fast zu gleicher Zeit folgenreiche Unruhen aus. Einige vornehme Geschlechter (Konstaffler genannt) hatten sich bisher das Regiment angemaßt, die Bürger endlich dessen überdrüssig, sagten jene fort unter Anführung eines gewissen Ritters Brunn, der sich selbst zum Dirigiren als Bürgermeister wählen ließ, eine neue Verfassung nach seiner Idee einführte und sich eine fast unumschränkte Gewalt anmaßte. Die Vertriebenen sannen auf Rache; sie wollten in Zürich eine allgemeine Mordnacht ausführen, allein ihr Plan wurde verrathen, die Verschwornen übermannt und größtentheils in Zürich erschlagen, wohin 25 sie sich schon angeschlichen hatten, dann zog Brunn mit einer Anzahl gegen Rapperschweil, woselbst die Flüchtlinge des vorigen Raths von Zürich ihren Sitz aufgeschlagen hatten, und zerstörte auf grausame Weise die Burg daselbst w. ic. 1350. Herzog Albrecht von Oestreich drohete nun schwere Vergeltung dieser Rache, was die Zürcher bewog, dem Bunde der Eidgenossen beizutreten (1351.). Herzog Albrecht zog wirklich heran und forderte beineben Glarus auf, sich ihm anzuschließen, diese sandten aber den Zürcher» einige hundert Mann zu Hülfe, schlugen einen Theil des östreichischen Heeres, brachen die Burg von Näfels und traten dem Bund der Eidgenossen, welche auf verschiedenen Seiten gegen die Feinde ihres Landes kämpften, ebenfalls bei (1352.). Zug hatte es Anfangs mit Herzog Albrecht gehalten, fand es aber bald angemessener, dem Schweizerbund sich anzuschließen. Herzog Albrecht, dem von anderer Seite her hülfreiche Hand geboten wurde, gelang es, über 30,000 Krieger vor Zürich zu führen und die Stadt einzuschließen; aber dieselbe widerstand rüstig und tapfer, bis endlich der Kurfürst von Brandenburg (1353.) ihnen Frieden ausmittelte. Darauf trat Bern dem Eidgenossen-Bunde bei. Keineswegs gab sich noch Herzog Albrecht zur Ruhe, im Gegentheil, er veranlaßte selbst den Kaiser, mit bedeutender Macht Helvetien zu beunruhigen und gegen Zürich zu ziehen; allein auch dieser erkannte die Sache der Eidgenossen als gerechter und schloß mit ihnen 1358. Frieden. Während in dieser Ruhe die Bischöfe und Grafen sich in ewigen Anfeindungen unnütz zersplitterten, unterstützten sich die Eidgenossen gegenseitig mit ganzer Kraft, ihre Lande wurden in jeder Hinsicht blühender, und fest verbrüdert boten sie mehrern feindlichen Schaaren, die hie und da neue Kriegsnoth inS Land zu bringen trachteten, männiglich die Spitze. Zu dieser Zeit änderte auch Bern, das seit lange von wenig reichen Familien ganz willkührlich beherrscht gewesen, seine Verfassung (1384.). Die Vorgesetzten wurden abgedankt und bestimmt, daß in der Folge die Bürgerschaft durch Vertreter an dem Regierungsgeschäft Theil nehmen solle. Noch war Oestreichs und des Adels Haß gegen die Eidgenossen nicht erloschen. Neue, von Seiten Oestreichs errichtete Zölle, welche der Eidgenossen Handelsverkehr zu sehr gefährdeten, erweckten neue Uneinigkeit. Von allen Seiten wurde zu den Waffen gegriffen und zwecklose kleine Scharmützel deuteten auf entflammte Kriegswuth. Da wälzte sich eine große Macht unter Anführung des Herzogs Leopold von Oestreich durchs Aargau; bei Sempach (1336.) trafen diese und die Eidgenossen zusammen. Herzog Leopold ließ, ohne sein Fußvolk zu erwarten, die Menge seiner Reiter absteigen und Mann an Mann 24 gedrängt, gleich einer ehernen Mauer, mit vorgehaltenen Speeren in die Reihen der Gegner dringen. Umsonst war der Eidgenossen Widerstand, ihr Blut floß in Strömen, aber die Unmöglichkeit blieb, den LanzenwalL zu durchbrechen; da erscholl plötzlich die Stimme eines hel- denmüthigen Streiters, Arnold Strutthahn von Winkelried: «ich will euch Raum schaffen. Prüder, allein tragt Sorge für mein Weib und Kind!" Bei diesem Ausruf umarmte der ewig unvergeßliche, wackere Unterwaldner von des Feindes Speeren so viel er *assen konnte und drückte seinen Körper in die Spitzen; über seine Leiche, die eine mächtige Lücke bot, stürzten die racbeschnaubenden Eidgenossen mit Blitzesschnelle in die Mitte der Oestreicher; Herzog Leopold fiel und mit ihm erlagen die meisten Ritter den kräftigen Streichen der Morgensterne und Schwerter der wuthentflammten Eidgenossen; wenige entkamen, da bereits alle Knechte mit den Rossen die Flucht ergriffen hatten? Die nächste Folge dieses vollständigen Sieges der Eidgenossen war der Abschluß eines 18 Monat langen Waffenstillstandes mit Oestreich. Das Städtchen Wesen am Ausflusse des Linthflusses aus dem Wallensee, hielt eS ins geheim mit Oestreich und ließ viele derselben Krieger heimlich einschleichen, dann öffneten die Bewohner in einer bezeichneten Nacht (1388.) an 6000 Oestreicher ihre Thore und wurden fast alle Eidgenossen, welche die Besatzung ausmachten, ermordet. Auch an Glarus stellten die Oestreicher gewaltige Forderungen, weil dieses einige Gegenwehr gegen seinen Einzug ordnete, aber fie weigerten kühn, und als Oestreichs Uebermacht ihre Schanzen durchbrach, schleuderten die Glarner, unter Beihülfe ei»es Häufleins Männer von Schwyz, eine solche Masse großer Steine und Felsstücke von ihren Bergen in die Reihen der Feinde, daß deren über 3000 erschlagen wurden und viele in der großen Verwirrung ihren Untergang in den Fluthen der Linth fanden. An verschiedenen andern Orten besiegten damals die Eidgenossen gänzlich die östreichischen Waffen, was zuerst einen sieben-, dann zwanzigjährigen Frieden herbeiführte. Die Eidgenossen errichteten (1393.) ein gemeinschaftliches Kriegsgesetz und beschworen solches, unter anderm: "Muthwillige Fehde zu meiden, in Kriegsnöthen treu zusammen zu halten; in Schlachten selbst verwundet nicht zu fliehen; nicht zu plündern ohne Befehl des Feldhauptmanns; der Gotteshäuser und der Frauen zu schonen." Dieses Gesetz ward von dem Krieg, der mit dem Sempacher Sieg begonnen, der Sempacher Brief genannt. 36 Heilbringend war den Schweizern die Zeit des Friedens, sie benutzten solche, um ihr Gebiet möglichst durch Anwendung erlaubter Mittel zu vergrößern; Städte und Flecken blüheten heran und ihre Verfassungen erhielten zweckmäßigere Aenderungen. Das Ländchen Appenzell, hart bedrückt Lurch die Amtleute ihres Herrn, des Abts von St. Gallen, vernahm kaum die Kunde von dem glücklichen Aufleben ihrer Nachbarn, als auch sie ihre Bedrücker aus dem Ländchen jagten, worauf der Abt Kuno im Bündniß mit beinahe eiem Dutzend schwäbischer Reichsstädte gegen die Appenzeller zog; in der Hohlgüsse, welche zur Höhe Vöge- linseck, nächst dem Dorfe Speicher, führt, fiel ein blutiges Treffen vor (1403.). Die Appenzeller siegten und erschlugen 600 geharnischte schwere Reiter auf derselben Stelle. Herzog Friedrich von Oestreich sandte bald auf des Abtes Kuno flehentliche Bitte ein zahlreiches Hülfs- korps, das aber von dem wackern Hirtenvolke und ihrem verbündeten Häuflein aus Stadt St. Gallen unter Anführung Rudolfs von Wer- tenberg an dem Stoß (ein sobenannter Berg) 1405. vollkommen geschlagen wurde, indessen der Herzog selbst am HauptliSberge von den St. Gallern empfindliche Abweisung erlitten. Nachdem die muthi- gen Appenzeller zum dritten Mal, und zwar unfern dem Dorfe Thal in der Wolfshalde, den Oestreichern noch eine derbe Schlappe angemessen hatten, marschirte Herzog Friedrich in aller Stille mit dem Ueberrest seines Heeres zurück nach Tyrol. Wohl noch 5 — 6 Jahrs dauerten die kriegerischen Neckereien bis Lauernder Friede eintrat; Abt Kuno erhielt wieder seine Einkünfte, aber die Gewalt über Appenzell war dahin. i4ii. thaten die Appenzeller den ersten Schritt, sich dem Bund der Eidgenossen anzuschließen. Im Jahr 1412. ward zwischen Herzog Friedrich und den Eidgenossen ein 50jähriger Friede abgeschlossen und bestätigte Ersterer der Letztem ganzes Besitzthum. Drei Jahre später fand die berüchtigte große Kirchenversammlung zu Konstanz statt, welche über Johannes Huß und dessen neue Lehre entschied und Liesen Märtyrer der Vernunft den Flammen opfern ließ. Durch diesen Anlaß kamen Kaiser Sigmund und Herzog Friedrich in Zwistigkeit, weil Letzterer daselbst nicht erscheinen wollte, um von dem Kaiser seine Lehen zu empfangen. Die Erbitterung der hohen Priester dieser Kirchenversammlung auf den Herzog Friedrich steigerte sich zu hohem Grade, weil er einen der drei gleichzeitigen Päpste in Schutz genommen, welchen die Versammlung absetzen wollte, und Friedrich von Oestreich ward zugleich mit dem Banne der Kirche und 26 des Kaisers belegt, und Letzterer fand es nicht unter seiner Würde, die Eidgenossen aufzufordern, den mit dem Herzoge abgeschlossenen 50jährigen Frieden zu brechen. Die hierauf entstandenen Kämpfe, welche endlich dasjenige, was von den östreichischen Erblanden noch übrig war, in den Besitz der Eidgenossen führte, welche Eroberungen ihnen vom deutschen Kaiser bestätigt und garantirt wurden, und was sich weiter von Glücks-Ereignissen oder empfindlichen Wirren in diesem Lande zugetragen bis zu Ende des I8ten Jahrhunderts, ist zu leichterer Uebersicht und Vermeidung ermüdender Wiederholungen in nachfolgenden chronologischen Tabellen, welche einen Zeitraum von weit über 2000 Jahre bereichen, möglichst genau angegeben. I. Zeitraum. Helvetien vor den Zeiten Julius Casars bis auf seine gänzliche Unterwerfung unter die Nömer. Jahre Zgi Jahre vor Christi Geburt bis 70 I ahre nach Christi Christi Geburt- Geburt. 39t. Die Gallier, in Gesellschaft der Helvetier, belagern Clusium, 390. und erobern Rom. 299. Zogen sie abermals nach Italien und kehrten mit reicher Beute nach Hause. 225. Unternahmen sie wieder einen Zug nach Italien, den Mailändern zu Hülfe, wurden aber von den Römern dergestalt geschlagen, daß sie 40,000 an Todten verloren und 10,000 in Gefangenschaft geriethen. 224. Unterlagen sie den siegenden Römern abermals. 108. Machten sich die Tiguriner (Thurgäuer) auf, streiften durch ganz Gallien bis Marseille, überwanden die Römer, welche um Frieden bitten mußten. 107. Die Cimbrier, Teutonen und Tiguriner verbinden sich mit einander, liefern den Römern eine Schlacht und erschlagen derselben 80,000 nebst 70,000 Sclaven. 102. Marius schlägt die Teutonen und Tigurier bei Aachen aufs Haupt; 20,000 Todte bedeckten das Schlachtfeld, 8000 wurden gefangen. W. Orgetorir, ein reicher Helvetier, rathet seinen Landsleuten, aus ihrem Land nach Gallien zu ziehen; da er sich aber die Vor Oberherrschaft anmaßen wollte, wurde er in Gefangenschaft ge- worin er starb; dennoch zogen die Helvetier aus, nachdem sie ihre Wohnungen (12 Städte und 400 Dörfer) verbrannt. 56. Cäsar überwindet die Helvetier dermaßen, daß kaum ein Viertheil von denselben übrig bleibt, nöthigt sie zum Heimzug und befiehlt ihnen, ihr verbranntes Eigenthum wieder zu bauen; erobert aber Helvetien nicht, sondern nahm sie zu Bundesge- C. G. nossen an. 69. Die Helvetier wollen den Vitellius für keinen Kaiser erkennen und werden darum von dem römischen Feldherrn Cäcinna bekriegt, auf das Haupt geschlagen und den Römern unterworfen, worauf der helvetische Stamm erlosch. 69. Helvetien wird theils zu Rhätia, theils zu Sequania gestoßen, so daß das Ergäu, das Uechtland, die Waadt und ein großer Theil vom Thurgäu zu Sequania gerechnet wurde; der übrige Theil aber, von Pfin an, oder das obere Thurgäu, zu Itllse- ti» xrlm». Die Tiguriner wollten sich niemals dieser Theilung unterziehn, sondern ihren alten Namen behalten. II. Zeitraum. Die Helvetier unter römischer Herrschaft bis die Burgundier und Allemanier Helvetien eroberten. 71-4M. 171. Vidus Victorinus bewahrt die rhätische Provinz wider die germanischen Cattvs (Heffen). 200. Die Allemanier werden durch ihre Streifereien nach den römischen Provinzen bekannt. 212. Die Allemanier überfallen die rhätischen Lande und Hausen darin auf grausame Weise. 237. Abermals zogen sie in Rhätien und Helvetien ein, verjagten die Römer allenthalben, raubten, zerstörten durch Brand und Mord so lange bis Kaiser Maximus sie verfolgte und aufrieb. 260. Wagten sie wieder einen Einfall nach Helvetien, zernichteten nach Möglichkeit alles am Rhein und Bodensee, drangen bis nach Italien, wurden aber vom Kaiser bis über die Donau zurück- gqagt. 23 Nach C. G. Wiederholten fie ihre Zerstörungswuth im Rheinthal und um den 275. Bodensee. 276. Kaiser Probus schlug die Allemanier überall und zwang dieses unruhige Volk zum Frieden. 278. Derselbe Kaiser vertheilte 100,000 allemanische Familien hin und wieder, auch an Helvetien, und theilte Grundstücke und Sub- ststenzmittel unter sie aus. 287. 9 Jahre kaum vorüber, sanden sich die überlästigen Gäste schon wieder ein und mußte viele Gewalt angewendet werden zu ihrer Vertreibung. 307. Nochmalige Wiederholung, aber Kaiser Constantinus griff sie mit Macht an, und sanden über 60,000 den Tod auf dem Schlachtfeld. 354. Magnentius wirft sich zum Kaiser auf und usurxirt Helvetien, wird aber von Constantinus überwunden. - Mehrere Versuche der Allemanier, ihre alten Grausamkeiten aus- 358. zuüben, aber Julianus bezähmt sie, erschlägt 6000. 360. Sie bitten um Frieden, müssen sich aber unterwerfen, 369. Nach einiger Erholung beginnen sie von neuem Krieg mit wechselndem Glück, bis sie bei Solicinio abermals von den Rö- 370. mern aufs Haupt geschlagen wurden. 406. Die Burgundier erobern West-Helvetien und errichten ein neues Königreich. 450. Die Allemanier gewinnen die Oberhand und erobern Ost-Helvetien, womit die Herrschaft der Römer über Helvetien scheitert. - Die Tiguriner vereinigen sich mit den Allemaniern. III. Zeitraum. Die Helvetier unter den Burgundrern und Allemaniern. 440 - 333 . 450. Attika fällt in Helvetien ein, thut großen Schaden und tödtet Sigismund von Burgund, bei Basel. 452. Lenzburg bekommt von den allemanischen Linzgäuern Ursprung und Namen. 496. Ludwig i. überwindet die Allemanier bei Zülpich, wodurch ganz Allemanien oderOst-Helvetien unter sränkischeRegierung kommt. 29 Nach C. G. 509. Sigi smundH. regiert in Burgund. 520. Er wird von Clodomie, König von Orleans gefangen, und in eins» tiefen Brunnen gestürzt. Zhm folgte in der Regierung Guntmar. 52Z. Die fränkischen Könige fallen in Burgund ein und erobern solches. 533. Burgund kömmt ganz an Frankreich. IV. Zeitraum. Von Eroberung des bnrgundischcn und allcmani- schen Reichs durch die Franken, bis zn Errichtung des zweiten burgundischen Reichs. 655 - 888 . 533. Lothar und Dietrich, Könige in Burgund und Austrasia. 533. Dietbert, König über Allemanien und Burgund. 550. Dietbold sein Nachfolger. 556. Lothar i. König über ganz Helvetica. 564, Frankreich wird wieder zertheilt, Gontram wird König in Burgund. - Sieg dert in Austrasien oder Allemanien. 590. Die Lombarden fallen in Burgund ein, werden aber von Herzog Dietfried verjagt. 593. Helvetien wird wieder vereinigt und von König Hildbert II, regiert. 595. Dietbert regiert in Austrasien oder Ost-Franken. - Dietrich n. in Burgund. 600. Lotharius, König von Soiffons, wird von Dietbert und Dietrich überwunden. 602- Dietbert und Dietrich erobern Gasconien. 6ti. Dietrich u. bekriegt Dietbert. 617- Die Ost-Franken fallen in Burgund ein, plündern und verwüsten alles bis an Genf. 618. Lothar II. wird Herr über ganz Frankreich. 623. Er ernennt Dagobert seinen Sohn. zum König über Austrasien, und über Burgund setzt er den Großhofmeister Erpo. - Klein Burgund revoltirt. 628. Dagobert herrscht über ganz Frankreich. Na» C. G. Siegbert, König in Austrasien, Ludwig N in Bur- 632. gund. 647. Burgund revoltirt wieder. 650. Dagobert m. regiert in Austrasien. 652. Wird von Großhofmeister Grimm wald nach Irland verwiesen. - Hildebert, Grimmwalds Sohn, regiert. 654. Hildebert wird an Ludwig ausgeliefert, welcher über ganz Frankreich herrscht. 655. Lothar m., König in Burgund, Hilderichn. in Austrasien. 668. Dietrich, König in Burgund, wird aber abgesetzt, und Hil- derich nimmt Besitz von Burgund. 673. Dietrich wird in Burgund wieder eingesetzt, und Dagobert in Austrasien. 690. Pipin, der zuvor nur Großhvsmeister war, wird König über Austrasien und Burgund. 709. Er unterwirft sich die Allemanier und Schwaben. 712. Er bringt die rebellischen Allemanier ganz unter seine Herrschaft. 714. Carl Martel, Herzog über Ost-Frankreich. 718. Er läßt Lothar zum König ausrufen, und 721. Dietrich, Dagoberts III., Sohn. 733. Carl Martel, Herzog über Ost-Frankreich. 741. Carlomann, König in Austrasien, Pipin in Burgund. 745. Carlomann und Pipin lassen Hilderich m. den königlichen Titel, aber ohne Gewalt. 747. Carlomann geht ins Kloster, Pipin bemächtigt sich seiner Staaten. 750. Pipin wird König über ganz Frankreich. 768. Carl, König in Burgund, Carlomann in Austrasien. 771. Carl, mit dem Beinamen der Große, wird König über die ganze fränkische Monarchie. 800. Carl wird römischer Kaiser. 814. Ludwig, sein Sohn, wird Regent über Helvetien. 829. Ury, Schwyz, Unterwalden und die im Haslithal ziehen dem Kaiser gegen die Sarazenen zu Hülfe, und erhalten zur Vergeltung ihrer Tapferkeit bedeutende Freiheiten. 842. Friede zu Verdun, wo Ludwigs Söhne ihres verstorbenen Vaters Reich zertheilen. Lothar behielt das Kaiserthum, Italien, Austrasien, die Niederlande und Burgund. Ludwig, Ost- Frankreich (ganz Teutschland und Böhmen, Oestreich und Ungarn). Carl, West-Frankreich und Aquitanien. Die Schweiz 51 Na-h wurde also getheilt: Crgäu und Uechtland und die Waadt ge- horten dem Kaiser, Zürich und Thurgäu, Ludwig dem König der Teutschen. 856. Nach Kaiser Lothars Tod geschah abermals Theilung, bei welcher die mittägliche Schweiz an Lothar den jüngern kam. 859. Wurde Abt Hugo, Herzog in Burgund, und 860. Sein Sohn Conrad. 868. Starb König Lothar, worauf Herzog Conrad sich zum Herrn von Burgund machte, doch war König Ludwig der Teutsche eigentlicher Herr über ganz Helvetien. 876. Fiel Helvetien Carl dem Dicken zu. 888. Herzog Rudolf, Conrads Sohn, bemächtigt sich Burgunds und läßt sich zu St. Moritz in Wallis zum König krönen. V. Zeitraum. Von Errichtung des zweiten burgundischen Reichs, bis solches an das teutsche Reich kam. 888 - 1055 . 890. Kaiser Arnolph beherrschte dieser Zeit ganz Teutschland, Burgund und den ganzen Rheinstrom bis nach Holland, er verjagte König Rudolf von Burgund, aber dieser gewann bald wieder festen Fuß im Lande. Rheinthal und Thurgäu werden getrennt. , 917. Ost-Helvetien kömmt unter die Regierung eigener Herzoge von Allemanien und Schwaben. Burkhardt, Graf von Buchhorn und Linzgäu, ist der erste Herzog. 919. Rudolf, König in Burgund, verliert bei Winterthur eine Schlacht, gegen seinen Schwätzer, Herzog Burkhardt in Schwaben. 926. Rudolf n. vereinigt beide burgundische Reiche, das arelatische und west-helvetische. Die Hunnen Hausen übel in Teutschland und Helvetien. 957. Herzog Ludolf, Kaiser Otto I. Sohn, war Herzog in Schwaben, rebellirte aber gegen den Vater, und verlor darüber sein Herzagthum. Zu dieser Zeit wurde St. Gallen mit Mauern umg-ben und zur Stadt erhoben. 970. Die fre en Aemter werden dem Herrn von Altenburg unterworfen. 32 Nach C. G. Die Bauern im Thurgäu empöre» sich unker Heinzen von Stein, werden aber überwunden. 1030. Das Kloster Mury wird gestiftet. 1032. Das Königreich Burgund wird an das teutsche Reich gebracht durch Kaiser Conrad II VI. Zeitraum. Von der Einverleibung des burgundischen Reichs an das teutsche Reich bis zum eidgenössischen Bund. 1033 - 1313 . 1033. Gras Otto von Champagne macht Anspruch auf Burgund und zieht gegen den Kaiser ins Feld, wird geschlagen und der Kaiser zu Genf zum König in Burgund gekrönt. 1036. Das Stift Münster im Aargau wird gestiftet. 1038. Kaiser Conrad gibt seinem Sohn Heinrich das Herzvgthum Allemanieu, nachdem er ihn zum Regenten in Burgund gemacht , wodurch für eine Zeitlang beide Theile Helvetiens zusammen kamen. 1045. Kaiser Heinrich m. setzt Reinhold zum ersten Statthalter in Burgund. 1052. Anfang der Stadt Schaffhausen. 1076. Wislisburg wird wieder zur Stadt gemacht. (—.—) 108t. Herzog Berchtold n. von Zähringen, wird mit dem Herzog- thum Allemanien belehnt, und Friedrich von Hohenstaufen mit Schwaben. 1083. Ursprung des Klosters Engelberg, wie auch 1084. Des Klosters Olsberg bei Basel. iioi. Das Hofgericht zu Zürich wird angeordnet und Berchtold von Zähringen wird Reichsvogt daselbst. 1112. Conrad von Zähringen wird Regent in Burgund, so daß beide Theile Helvetiens wieder unter eine Regierung zusammen kamen. 1120. Das Kloster Kreuzlingen > 1130. " " Jnterlachen ! werden gestiftet. 1148. " " St. Urban ! 1150. Das Schloß Jttingen wird ein Kloster. 1156. Berchtold IV. von Zähringen kommt zu ruhigem Besttz von Klein-Burgund. Nach -if» E. G. 1178. Dießenhosen wird mtt Mauern »mgeden. 1179. Freiburg im Uechtland wird von Berchtold IV. erbaut. 1185. Milden und Burgdorf werden von demselben mit Mauern umgeben. 119t. Berchtold V., Herzog von Zähringen, erbaut die Stadt Bern. 1208. Das Kloster Rüty wird gestiftet. 1218. Berchtold V. stirbt. Die Zähringischen Ländereien werden getheilt, der Graf von Fürstenberg erbt die Graf- und Herrschaften im Breisgäu, Schwaben und Schwarzwald. Der Graf von Kyburg die Länder im Aargäu, in Klein-Burgund. - Zürich, Solothurn, die 3 Reichsländer und Basel erhalten besondere Freiheiten vom Kaiser. Bern erhält die goldene Handveste. 1234. Das Kloster Töß wird erbauet. 1243. Bern erneuert den Bund mit Freiburg. 1250. Bern verbindet sich mit dem Bischof von Sitten und Wallis. 1251. Zürich, Ury und Schwyz schließen ein dreijähriges Bündniß. 1260. Ury, Schwyz und Unterwalden jagen den Adel zum Lande hinaus. 1265. Rudolf von Habsburg hilft den Zürcher» den Freiherr» von Regensberg demüthigen. 1273. Er wird Kaiser. - St. Gallen kömmt in des Reiches Schutz. 1274. Thurgäu kömmt an den Kaiser von Oestreich. 1277. Die Appenzeller erhalten die Freiheit einen Landamman zu wählen. 1284. Rappersweil kömmt an das Haus Habsburg. 1285. Zofingen kömmt an Kaiser von Oestreich. 1291. Die 3 Länder werden von dem Kaiser als freie Leute erklärt. 1295. Bern verbindet sich mit Savoyen auf io Jahre. 1298. Zürich wird von Kaiser Albrecht vergeblich belagert. 1300. Kaiser Albrecht begehrt, die 3 Länder sollen sich an Oestreich ergeben; sie schlagen es derb ab und fordern Bestätigung ihrer Freiheiten als unabhängige Reichsländer. 1304. Der Kaiser schickt ihnen 2 Reichsvögte, Geßler nach Ury, Be- ringer von Landenberg nach Unterwalden. 1305. Geßler steckt zu Altdorf den weltbekannten Hut auf. 1307. Teil will den Hut nicht ehren und muß seinem Sohn einen Apfel vom Haupt schießen. - Walther Fürst von Ury, Werner Stauffacher von Schwyz und Arnold von Melchthal von Unterwalden schwören zusammen. 4 » 34 Nach C. G. Die Verbundenen nehmen nebst andern die Schlösser Rvtzberg, 13VA. Samen und Zwing-Ury unten die Stegen ein und führen die Vögte zum Land hinaus, machen hierauf ein zehnjähriges Bündniß unter einander. - Kaiser Albrecht wird ermordet, da er im Anzüge gegen die 3 Länder war. 1312. Zürich, Schaffhausen, St. Gallen und Constanz verbinden sich auf 3 Jahre. 1313. Schlacht am Morgarlen. - Die 3 Länder machen ihren Bund auf ewig ; dadurch Gründung des helvetischen Bundes. vn. Zeitraum. Von Errichtung des helvetischen Bundes bis zur Reformation. L313-1325. 1318. Kaiser Friedrich von Oestreich macht einen Waffenstillstand mit den 3 Ländern auf 7 Jahre. 1323. Der Graf von Habsburg, Herr zu Rapperschweil verbündet sich mit Oestreich gegen die 3 Länder. - Kaiser Ludwig giebt den 3 Ländern den Grafen von Aarberg zum Reichsvvgt und bestätigt ihnen ihre Freiheiten. 1327. Der Graf von Kyburg, Zürich, Bern, Freiburg, Basel, Straßburg, St. Gallen, Lindau und Ueberlingen verbinden sich auf 1 Jahr — und im gleichen Jahr Mainz, Worms, Speyer, Zürich, Basel, Solothurn, Bern und Kyburg, nebst den 3 Ländern auf 5 Jahr. 1329. Straßburg, Basel, Constanz, Ueberlingen, Zürich, Bern, St. Gallen machen ein Bündniß auf 2 Jahre. 1331. Zürich und St. Gallen werden vom Reich versetzt, aber bald wieder los. 1332. Luzern kommt in den ewigen Bund. 1333. MorLnacht zu Luzern. 1336. Neue Negierungsform in Zürich. 1338. Lauper-Krieg nimmt seinen Anfang, zwischen den benachbarten Grafen, dem Adel und Bern. 1339. Schlacht von Laupen, wo die Berner einen vollkommenen Sieg erlangen. Nach IZ C. G. 1348. Zürich, Eonstanz und St. Gallen verbinden sich auf 4 Zahre, 1344. und verlängern den Bund auf 3 Jahre. - Bern und Peterlingen 1345. Bern und Solothurn machen einen ewigen Bund. - Zürich und Basel 1347. Zürich, Constanz, St. Gallen und Schaffhansen verbinden sich auf 3 Jahre. 1348. Zürich und Basel verbinden sich wieder. 1349. Bern und Freiburg verbinden sich. 1358. Mordnacht zu Zürich. 1351. Zürich und Glarus kommen in den ewigen Bund. 1352. Bern verbindet sich mit Viel auf ewig. - Der Herzog Albrecht von Oestreich belagert Zürich vergeblich. 1353 Bern ! in den ewigen Bund. - Ursprung der Tagsatzungen. - Neuer Krieg mit Oestreich. 1354. Oestreich belagert Zürich, hebt aber die Belagerung wieder auf. 1355. Zwischen Oestreich und Zürich wird ein beständiger Friede geschloffen. 1359. Friede mit Oestreich und der Eidgenossenschaft. 1362. Kaiser Carl IV. bestätigt den eidgenössischen Bund. 1367. Krieg mit Bischof von Basel wegen der Stadt Viel. 1378. Pfaffen-Brief. 1375. Krieg der Engländer in der Schweiz. - Streitigkeiten wegen der Grafschaft Nidau. 1382. Krieg wegen Solothurn, zwischen den Grafen von Kyburg, Solothurn und Bern. 1384. Die Regierung in Bern wird ganz aristokratisch. 1385. Die Eidgenossen verbünden sich mit den Reichsstädten oder dem großen Städter-Bund. - Der Sempacher Krieg nimmt seinen Anfang. 1386. Schlacht bei Sempach, wo die Eidgenossen einen vollkommenen Sieg erhalten. 1388. Schlacht bei Näfels, wo die Oestreichs von den Glarnern geschlagen werden. 1389. Friede mit dem Hause Oestreich auf 7 Jahre. 1393. Eidgenössische Kriegsordnung zu Sempach errichtet. 1483. Anfang des Appenzeller-Kriegs. - Schlacht am Speicher, allwo die Appenzeller über den Abt von St. Gallen und seine Helfer siegten. 36 NachS.S. 1404. Die Stadt St. Gallen verbündet sich mtl den Appenzellern. 1405. Oestreich wird am Stoß von den Appenzellern geschlagen und muß die Belagerung von St. Gallen mit empfindlichem Verlust aufheben. - Schlacht an der Wolfhalden zum Nachtheil Oestreichs. 1409. Die Appenzeller und St. Galler siegen allenthalben und machen beinahe unbegreifliche Eroberungen. 1407» Der Abt von St. Gallen muß Frieden mit ihnen machen und sich in ihren Schutz begeben. 1409. Die Appenzeller und St. Galler werden vor Bregenz geschlagen und verlieren alles Gewonnene — Kaiser Ruprecht macht Friede zwischen Oestreich und den beiden Verbundenen. 1411. Appenzell errichtet ein Burg- und Landrecht mit den 7 Orten. 1412- Der 20jährige Friede mit Oestreich wird in einen 50jährigen verwandelt. 1414. Herzog Friedrich von Oestreich kommt in Acht und Bann, welchen die Eidgenossen vollstrecken und große Eroberungen über Oestreich machen — obwohl gezwungen vom Constanze» Consilium. 1418. Herzog Friedrich entsagt aus alle seine Länder in der Schweiz. 1423. Bündniß zwischen Zürich und Bern. 1425. Zug der Eidgenossen über die Alpen, wegen Bellenz. 1434. Der Stadt Bern wird der Besitz des Aargaus auf ewig von Kaiser Siegmund bestätigt. 1436. Zürcher-Krieg zwischen Zürich und Schwyz entsponnen. 1443. Zürich hängt sich an Oestreich — Schwyz au die Eidgenossen. 1444. Der Delphin kommt in die Schweiz — Schlacht zu St. Jakob bei Basel. 1447. Ende des Zürcher-Kriegs. 1451. Der Abt von St. Gallen wird ein zugewandter Ort der Eidgenossenschaft. 1454. Die Stadt St. Gallen desgleichen. 1458. Rapperschweil kömmt an die 4 Länder: Uri, Schwyz, Unter- walden und Glarus. - Die Eidgenossen erobern das Thurgau. 1463. Rothweil macht ein i5jähriges Bündniß mit den 8 alten Orten. 1465. Die Schweizer thun die ersten Dienste in Frankreich. 1467. Winterthur wird an Zürich verpfändet. - Bern erneuert den Bund mit Savoyen. 1468. Der Abt von St. Gallen kauft das Toggenburg. Nach « 27 C. G. 1468. Krieg wegen Müllhausen — die Eidgenossen ziehen ins Sundgau — belagern Waldshut. 1469. Herzog Sieg mund von Oestreich versetzt die vorderöstreichischen Lande an den Herzog von Burgund — welches der Grund des Burgunder-Krieges gewesen. 1470. Diel Eidgenossen machen einen Traktat mit Frankreich wider Burgund. 1471. 5 Theile von Wallis verbünden sich mit Luzern, Ury und Unter- walden. 1473 . 7 Theile von Wallis desgleichen. 1474. Frankreich schließt ein Bündniß mit den Eidgenossen wider Burgund. - Kaiser Friedrich löst seine Länder wieder von Burgund und verbündet sich mit den Eidgenossen. 1475. Carl von Burgund belagert Neus, muß aber wieder abziehen; der Kaiser macht Frieden mit Burgund und läßt die Cidgenos- wo Burgund geschlagen wird. 1477 1479. 1480 1481. 1484. 1486 1490 1497. 1498. 1499. 1501 1503 1510 1511. sen allein. Frankreich macht auch Frieden und wird treulos an den Eidgenossen. Wallis verbindet sich mit Bern. März 3. Schlacht von Grandson, Juni 21. - - Murten, Schlacht von Nancy, wo Carl das Leben verliert. Erbvereinigung mit Oestreich. Vereinigung mit dem Papst. Bündniß mit Frankreich. Freiburg und Solothurn kommen in den ewigen Bund. ' Vertrag zu Münster wegen den burgundischen Landen. Abermalige Vereinigung mit dem Papst. St. Gallen wird von 4 Orten belagert. Der graue Bund verbündet sich mit den alten Orten, Bern ausgenommen. Der Gotteshausbund. Schwaben-Krieg. Schlacht am Schwaderloch — Frastenz — Dornach — wo die Eidgenossen siegen. Der Kaiser macht Frieden. Basel und Schaffhausen kommen in den eidgenössischen Bund. Bellen; wird von Frankreich den Eidgenossen überlassen. Bund mit Papst Julius II. Zweite Erbvereinigung mit Oestreich. l 38 NachC.G, lüii. Kriegszug inS MailänLische. 1512. Die Eidgenossen setzen Maximilian Sforza zum Herzog in Mailand ein. 1513. Lauis und Luggarus kommen an die Eidgenossen. - Appenzell kommt in den ewigen Bund. 1514. Der Bund mit dem Papst wird erneuert. 1515. Müllhausen kommt in den Bund. - Schlacht bei Marignano, wo die Eidgenossen verlieren. - Mailand kommt an Frankreich. 1516. Ewiger Friede mit Frankreich. 1517. Bern, Freiburg und Svlothurn erneuern ihr Bürgerrecht. 1518. Ablaßkrämerei nimmt ihren Anfang. 1519. Zwingst predigt wider den Ablaß. - Rothweil kommt in den Bund. 1520. Bündniß mit Frankreich, Zürich will nicht eingeschlossen sein. 1522. 16,000 Eidgenossen ziehen Frankreich zu Hülfe. 1525. Die Reformation dringt durch. vm. Zeitraum. Von der Reformation bis zum westphälischcn Frieden. 1623 - 1648 . 1528. Burg- und Landrecht der katholischen Orte mit WalliS. 1531. Erster Cappeler-Krieg. - Badischer Friede oder erster Landesfriede. - Zweiter Cappeler-Krieg. — Schlacht bei Cappel. — Treffen am Zugerberg, wo die Reformirten geschlagen werden. — Zweiter Landesfriede. 1533. Neuer Bund der katholischen Orte mit Wallis. 1536. Bern erobert das äe oder die Waadt. - Ewiger Vertrag zwischen Bern und Genf. 1549. Bündniß mit Frankreich, Zürich und Bern ausgenommen. 1557. Erbvereinigung mit Oestreich erneuert. 1564. Bundeserneuerung mit Frankreich, Zürich und Bern ausgenommen. 1579. Bund zwischen dem Bischof von Basel und den 7 katholischen Orten. 1582. Bundeserneuerung mit Frankreich. Bern tritt auch bei. 1584. Bund zwischen Zürich, Bern und Genf. Nach 59 1586 . Die 7 katholischen Orte stoßen Müllhausen aus dem Bund. - Goldener Bund zwischen den katholischen Orten. 1587. Die katholischen Orte verbünden sich mit Spanien. . Die evangelischen Orte senden dem König zu Navara Hülfe. - Bern und Frankreich bekriegen Savvyen. 1597. Landestheilung im Land Appenzell. 1602. Bundeserneuerung mit Frankreich. Mordnacht zu Genf. 1615. Bund zwischen Zürich, Bern und Venedig. 1617. Friede zwischen Bern und Savoyen. 1618. Unruhen in Bünden. 1620. Veltliner-Mord. 1621 . Die Spanier fallen in Bünden ein. 1624. Frankreich, Zürich, Bern und Wallis kommen den Bündnern zu Hülfe. 1630 . Zürich und die katholischen Orte gerathen in Streit wegen Colla- turrecht im Thurgäu. Desgleichen Zürich und der Abt von St. Gallen. 1633 . Der schwedische General Horn zieht über den Schweizerbvden nach Konstanz. . Die 4 Orte schöpfen Verdacht und ziehen ins Thurgäu. Keffelringischer Handel. 1634. Bund der katholischen Orte mit Spanien und Savoyen. 1635. Neuer Krieg im Veltlin. Der französische Herzog von Rohan hat das Veltlin in Besitz. 1637. Er tritt es den Bündnern ab, die spanische und kaiserliche Völker einlassen. 1640. Die evangelischen Orte vergleichen sich wegen dem Abzüge. 1646. Bauernaufstand im Zürichgebiet. 1648. Befreiung der Eidgenossenschaft von dem Reich, in dem westphä- lischen Friedensschluß. IX. Zeitraum. Dom westphalischen Frieden bis auf die Unruhen, welche die französische Revolution auch über die Schweiz bringt, 1649 - 1789 . 1652. Bundesbeschwörung der katholischen Orte zu Turin mit Savoyen. 4 « NachC.S. 1653. Bauern-Aufstand in den Kantonen Bern, Luzern, Solothurn und Basel, welcher aber bald gestillt wird. - Die katholischen Orte erneuern ihr Bündniß mit Frankreich. 1655. Neuer Bund der katholischen Orte mit dem Bischof von Basel. - Villmerger-Kriegs-Anfang. 1656. Frieden zu Baden. 1663. Der Bund mit Frankreich wird von der ganzen Eidgenossenschaft erneuert. 1664. Wigvltinger-Handel. 1668. Errichtung des Difenssonals. 1673. Wird bestätigt. 1676. Die Eidgenossen ziehen 1100 Mann stark nach Basel um die Grenzen zu bewahren. 1681. Die katholischen Orte erneuern ihr Bündniß mit Wallis. 1683. - - - Solothurn ausgenommen, erneuern daS Bündniß mit Savoyen. 1691. Bürgerliche Unruhen in Basel. 1694. Neuenburgische Sukzessions-Unruhen. 1695. Wartauer-Geschäft. 1696. Die katholischen Orte erneuern ihr Bündniß mit dem Bischof von Basel. 1697. Unruhen zu St. Gallen. 1703. Toggenburgische Händel. 1707. Neuenburg kommt an Preußen. 1710. Maßnerische Händel in Bünden. 1712. Der Krieg im Toggenburg geht an. - Schlacht bei Bremgarten. - - - Villmergen, zweite. - Friede unter den Orten. 1715. Bündniß der katholischen Orte mit Frankreich. 1718. Friede zwischen Zürich und Bern und dem Abt von St. Gallen. 1719. Streitigkeiten zwischen Glarus und den Werdenbergern. 1725. Luzern bekömmt Händel mit dem päpstlichen Nuntius. 1728. Streit zwischen dem obern Bund und dem X Gerichtenbund gegen den Gotteshausbund. 1732. Unruhen im Land Appenzell. - Zug hebt den Bund mit Frankreich auf. 1738. Unruhen in Genf. 1744. - - Bern. 1755. Ausstand der Liviner im Kanton Urv. 41 Nach E. G. 1768. Unruhen in Neuenburg. 1775. Anlegung neuer Landstraßen zum Behuf der Handlung. 1777. Bündniß mit Frankreich. 1789. Genf wird aristodemokratisch. 1792. Die Berner Regierung sendet Truppen in die Waadt um die von Frankreich bedrohten Grenzen zu schützen. Folgen der französischen Revolution. X. Zeitraum. Von Beginn der helvetischen Republik bis auf heutige Zeit. 1798. io. Zanuar. Die Franzosen rücken in die Waadt ein. - Anfang März. Gefechte der Berner gegen das fränkische Heer bei Lengnau, Fraubrunn, im Grauholz und Neueneck. - ü. u. 6. März. Einnahme der Stadt Bern durch die fränkischen Generale Schauenburg und Brüne. - 22. März. Aufhebung der alten Ordnung der Dinge, Einführung der Ochstschen Constitution. - II. u. 12. April. Die Franken plündern die Schatzkammer und Zeughäuser zu Bern und führen ihren Raub nach Lyon ab. 1799. Juni. Die Stadt Bern wird der Sitz der Centralregierung der helvetischen Republik. 1802. Die fränkischen Truppen verlassen die Schweiz und die vermittelst Bajoneten den Schweizern aufgedrungene helvetische Regierung wird durch Contrerevolution aus Bern verjagt. - Oktober. Gefecht zwischen den Regiernngstruppen der Helvetik und den Insurgenten bei Murten. - Napoleon Bonaparte gebietet den kämpfenden Partheien in der Schweiz durch Absenkung des General Rapp Frieden. - Bern schickt Deputirte nach der schweizerischen Consulta in Paris. 1803. Mediativnsakte. Neue Berner-Verfassung. - Dotationsurkunde der Stadt Bern von der helvetischen Liquidationskommission in Freiburg. 1804. 20. September. Aufstand an den Ufern des Zürichsees. Ein durch Berner präsidirtes Kriegsgericht unterdrückt die Unruhen daselbst durch Bestrafung der Volksführer. Erste schweizerische Tagsatzung in Bern. 42 NachE.G. 1805. Ein eidgenössisches Heer deckt die östlichen Schweizergrenzen gegen die kriegführenden Mächte. 1809. Ein eidgenössisches Truppenkorps besetzt die Schweizergrenzs zur Deckung gegen die fremden Heere. « Gründung der in ganz Europa berühmten Anstalten in Hofwyl Lurch Emanuel von Fellenberg. 1814. 8. September. Neuer Bundes-Verein vom Wiener-Congreß am S. März 1815 anerkannt und mit 3 neuen Kantonen, Wallis, Neuenburg und Genf, vermehrt und am 7. August 1815 in Zürich von den Abgeordneten der 22 Kantone beschworen. - Theilweise Restauration der alten, vor der Revolution bestandenen Berner-Regierung. 1815. Es wird nack der Rückkunft Napoleons von der Insel Elba eine Schweizer-Armee von 45,000 Mann zur Disposition der alliirten Mächte gestellt. - Ein großer Theil des vormaligen Bisthums Basel und des Er- guels, so wie die Städte Viel und Neuenstadt, werden zum Ersatz für das Verlorne Aargau und Waadtland der Stadt und Republik Bern vom Wiener-Congreffe zuerkannt. 1817. Erste Tagsatzung der erneuerten Eidgenossenschaft in Bern. 1830. Regeneration der Kantone Zürich, Bern, Luzern, Freiburg, Solothurn, Aargau, Thurgau, Waadt, Tessin, Schaffhausen. Appenzell a. R., Basel. — Vvlkssouverainität. 1831. Bürgerkrieg im Kanton Basel, Trennung zwischen Stadt und Land; Wirren in Neuenburg und Schwyz; Sarner-Bund. 1833. Ankunft gegen 500 polnischer Flüchtlinge auf dem Gebiete der Republik Bern und in Folge derselben weitläufige diplomatische Unterhandlungen mit Vorort und Ausland. 1834. Mißbrauch des Asylrechts der fremden Flüchtlinge durch einen Einfall in Savoyen, daher scharfer Notenwechsel mit den fremden Mächten und Fortweisung eines Theils der Flüchtlinge. — Handwerkspurschen-Tollheiten im Steinhölzli bei Bern. 1835. November. Aufregung im Kanton Aargau wegen Eidesverweigerung der katholischen Geistlichkeit. — Truppenmärsche und Aufgebote. 183S. März. Bewegungen im Berner-Jura wegen der Badener Con- ferenz-Beschlüsse. Die Regierung von Bern sendet Epeku- tionstruppen. - Mai. Fremde Flüchtlinge werden eines beabsichtigten Einfalls nach Teutschland angeklagt. Ausweisung derselben. Verwicke- lungen mit Frankreich eines sogenannten Spions wegen; Sperre Frankreichs gegen die Schweiz; außerordentliche Tagsatzung, welche durch eine Erklärung Frankreichs Bedenklichkeiten beschwichtigt. Nach dem zweiten blutigen Villmerger Kampf, in welchem die Berner den Sieg errangen, war der Eidgenossen Kriegslust verschwunden, zwar innere Zwistigkeiten, Verschwörungen, Umwälzungsversuche, deren Beschwichtigung nicht selten ohne einiges Blutvergießen ablief, tauchten bald da bald dort auf; indessen es verstrichen an neun Decennien eines Jahrhunderts, ohne eine eigentliche Kriegsverwickelung der Schweizer, und selbst im spanischen Erbfolgekrieg (1701.) behauptete die Schweiz ihre Neutralität. Aber diese anscheinende Ruhe der Eidgenossen brachte ihnen wenig Heil. Der gefeierte Geschichtschreiber Heinrich Zschokke entwirft uns über diese Zeitperiode folgende Schilderung: "Dem Schweizerlande ist seit der letzten Villmerger-Schlacht bis " zur zerstörenden Ankunft der Franzosen mitten im Frieden größeres "Verderben zugekommen, als in allen Kriegen zuvor, wider Oestreich "vnd Burgund. Denn in der sechs und achtzigjährigen Ruhe, da die "Schwerter der Winkelriede, Fontana, Waldmann, Hall- „wyle und Er lache verrosteten, zerfraß auch der Rost schnöder Selbst- " sucht und Ueppigkeit immer mehr, und ganz und gar den ehrlichen -- Bund der Alten, und die Eidgenossenschaft zerlösete sich wie ein ver- »wesender Leichnam. Und sie deckten den Leichnam mit Wappenschildern --der Väter prunkvoll, daß man nicht sähe, wie der Geist aus ihm »gewichen sei." Uebrigens kann nicht bestellten werden, daß die Schweiz, wenn gleich nur theilweise, den Segen des Aufblühens der Wissenschaften, der Künste, der Gewerbe, des Handels und vorzüglich des Ackerbaues, sehr wohlthätig empfand, und die spätern Annalen bewahren die Namen der schätzenswerten Männer, welche diese Segnungen ins Leben gerufen und dadurch sich in ihrem Vaterland unvergeßliches Andenken stifteten. Die Umwälzung Frankreichs, welche in ihren Folgen alle Welttheile erschütterte, übte auch auf die Schweiz einen außerordentlichen Einfluß. Auch in diesem Lande entwickelten sich schnell, die lange und künstlich unterdrückten Keime der Unzufriedenheit, und so klug und würdig übrigens die Schweiz während den Kriegen der Franzosen mit ihren zahlreichen Feinden, ihre Neutralität gegen alle Parthien standhaft behauptet hatte, so mußte sie dennoch der französischen List zum Opfer fallen, da von dieser Seite die im Waadtlande ausgebrvchenen Unruhen benutzt wurden, um mit gewaltiger Hand theils die Schweiz ihrer Verfassung zu berauben, und mit der französischen cisalpinischen Republik zu vereinigen. Während in Aarau die Tagsatzungsmänner noch einmal den alten Bundesschwur ablegten, und in Bern (1798.) die eine Parthie Krieg, die andere Parthie Frieden mit Frankreich beschloß, rückte die französische Armee unter Anführung der Feldherren Brüne, Schauen- burg und Menard wie Sturmwind heran; die Schweizer kämpften mit alter Tapferkeit, aber vergeblich, denn in ihrem Rath war Zwiespalt und in ihren Schlachtreihen der verderbliche Wahn des Verraths der Krieger erzeugt worden. Basel war es, was zuerst das Vorbild nach französischem Schnitt lieferte; es wurde aus dem Schweizerlande die ein- und untheilbare helvetische Republik gebildet, an deren Spitze ein Vollziehungs-Direktorium aus fünf Gliedern der Re- gierung stund. Die gesetzgebende Gewalt war zwischen einem Senate und einem großen Rathe, für welche jeder der damaligen achtzehn Kantone zwölf Mitglieder vertheilt, die ihren Sitz in Aarau hatten. Aber mehrere Kantone wollten durchaus ihre bisherige Unabhängigkeit behalten und fetzten Gut und Blut an diese Behauptung, namentlich Ury, Nidwalden, Schwyz und Glarus. General Schauenburg rückte gegen diese an, männiglich vertheidigten sie ihren Herd, besonders die wackern Schwyzer unter dem kühnen Reding, auf klassischem Boden von Morgarten; vieler Tapfern gerechter Jammer über das gefallene Vaterland, verstummte nur mit ihrem Todesröcheln und die benannten Kantone wurden durch die Uebermacht der alles zerstörenden Horde endlich überwunden und zur Annahme der neuen Verfassung gezwungen. Wir können uns nicht enthalten, nachstehende wörtliche drei Müsterchen der hochtrabenden plump schmeichlerischen Erlasse der neu- fränkischen, als Feldherren costumirten und patentirten Blutigel, womit sie das gutmüthige Schweizervolk zu äffen und ihrer Habsucht geneigt zu machen trachteten, (Auszug Berner-Tagbuch vvm 8. März bis 18. Juni 1798) *) hier anzuführen. Dieses erbauliche Tagbuch ist mit einer Vignette bereichert, welche in 6 kleinen Zeichnungen die loyalen Verheißungen der Franzmänner bildlich darstellt, wie solche hier und in gang Helveticn erfüllt wurden. 46 I Freiheit. Französische Republik. Gleichheit. Im General-Quartier zu Bern, den 26. vc. ic. Es lebe die Republik! Es lebe die Constirution! 47 Auszug auS der endlichen Antwort des Präsidenten des Vollziehungs>Direktoriums an die benannten Fahnen-Ueberreicher. Bürgert An dem Zeitpunkt eines feierlichen, der Volks-Souvcrainität gewidmeten FeiieS, geschieht es, daß der Sieg die glorreichen Zeichen der Befreiung einer großmüthigen Nation an dieser Stätte niederlegt. Die Vernunft proklamirt im Angesicht von ganz Europa die Rechte der Menschen, und die Tapferkeit stellt zugleich das Schauspiel eines neuen Triumphs über die Tyrannei vor tc. ic., die fränkische Republik liebt den Frieden rc. ic., aber das Maaß der Verbrechen war voll; die Sieger Italiens und des Rheines erschienen, und gleich waren die Schmähungen, die gegen die große Nation begangen worden, gestraft, gleich war das helvetische Volk gerächt ") -c. ic. In der Fortsetzung heißt es: Schweizcrbürger! ihr biederes, freimüthiges und edles Volk, genießt nun der hohen Bestimmungen, die euer warten, sehet die hassenswerthe Oligarchie auf den Trümmern ihrer Macht hingestürzt, wie sie in den Zuckungen einer ohnmächtigen Wuth ihr Leben aushaucht; betrachtet auf euren Bergen, in eucrn Thälern, das Bild der wahren Freiheit, die wieder zu euch kömmt, um unter euch zu wohnen! Möge das unsterbliche Andenken an eure Voreltern in euren Seelen die Tugend wieder anfachen, die so lange von ihnen abstrahlte, und welche die Frevcltha- ten eurer Tyrannen nicht auszulöschen vermochten. Das schöne Zeitalter Wilhelm Teils fängt für euch wieder an. Knüpft die Bande, die euch vereinigen, wieder fester, geleitet von Zutrauen und Redlichkeit; bedenket, daß alle Schwcizcrsöhne Bruder sind, und wetteifert nur unter einander mit Liebe und Ergebenheit für eure gemeinschaftliche Mutter. Dann werden sich reiche Quellen des Glücks für euch öffnen; ihr werdet glücklich und hochgeachtet sein, die süßesten Verbindungen im Innern und Äußern werden eure Existenz ausdehnen, und eure bürgerlichen und politischen Genüsse verdoppeln. Um diese wünschenswcrthen Wirkungen zu befördern, rächt sich die Franken-Republik mit Wohlgefallen an eucrn Unterdrückern. Und ihr unüberwindliche Krieger, von denen wir mit der süßesten Rührung die neuen Dcnkzcichen der Tapferkeit und des Ruhmes empfangen, ihr, denen die Felsen der Schweiz eben so fruchtbar an Lorbeer» waren, als die Gefilde Tcutschlands und Italiens, welchen Tribut von Achtung und Dankbarkeit legt ihr den Herzen aller Franken auf; welch unerschöpflichen Stoff des Staunens und der Bewunderung gebt ihr der Welt! Ucbcrall, wohin euch die Gefahren rufen, fesseln eure Arme die Glücksgöttin an, und euer letzter Sieg ist immer das Unterpfand zu einem neuen. Noch ein Feind bleibt übrig, dessen Frcvclthaten sich vervielfältigen wie eure Triumphe: wenn er in den Schlachten besiegt ist, setzt er seine Hoffnungen in die Intrigue; kaufmännischen Haß, Pricsterwuth, Zusammenrottung des Adels, politische Schrecken, alle Triebfedern wendet er an, alle Kunstgriffe bietet er auf. Aber kaum hat er seine Ränke angesponnen, so hat sie das Rächerschwcrt der Republikaner wieder vereitelt. Sdelmüthige Krieger! der Augenblick nahet sich, wo ihr endlich den Strom seiner Frevelthaten hemmen, wo ihr ihm Rechnung abfordern «erdet von den Thränen und dem Blute, das er vergossen; dies sind die letzten Arbeiten, die ihr voll Begierde brennt, zu vollenden, da erwartet euch auch der letzte Sieg, bei dessen Gedanken gewiß ein jeder freie Mann sein Herz hochaufklopfen fühlt und euch zum Voraus Danksagungen im Namen der Menschheit zuruft. Sollte wohl heißen; unterjochet. Würdige Gefährten der Krieger, bis euch d,e Sendung aufgetragen, die ihr beim Vollzichungs-Direktorium erfüllt, bringt eucrn Waffenbrudern seine Wünsche, seine Hoffnungen zurück, und empfangt in seinem Namen den Brüderkuß, den ich mit süßer Rührung einem jeden von ihnen zu geben wünsche. Unter solcher belachungswerther Maske, unter solchen erheuchelten Verwänden, berechnet auf die Gutmüthigkeit und Unersahrenheit der Bewohner Helvetiens, trieben die freundnachbarlichen Franzosen ihr grausames Spiel des Eigennutzes und aller die Menschheit entwürdigenden Unthaten, und es fehlte nicht an Vaterlandsverräthern, welche sich eifrig zugesellten, um im Trüben zu fischen und ihre Habsucht oder Rachesucht zu befriedigen. Mit treffenden Worten schreibt der geistreiche Heinrich Zschokke: --so endete der alte Bund der Eidge- --nvssen. Vierhundert und neunzig Jahre hast er bestanden; --in vier und siebenzig Tagen lag er zertrümmert.-- Der neuen Gesammtregierung in Aarau erblühete weder Zutrauen noch Ansehen, allenthalben gährte Zwiespalt, und unerträgliche Lasten gebahr das Bündniß mit der großen Nation. Wie nun der Huldigungseid der eingeführten Verfassung von den Kantonen nach ernstlicher Aufforderung geleistet werden sollte, entwickelte sich in vielen Gegenden die Gährung zu wahrhafter Auflehnung z. B. im Rheinthal, Oberland, Appenzell, Nidwalden, muthig ergriffen einige die Waffen, mehrere tausend Franken wurden getödtet, allein der Verlust, welchen die Schweizer bei Stanz den 9. September 1798 erlitten, trug zur Befestigung der neuen Regierung bei. Auf schweizerischem Boden bekriegten 1799 die Oesterreicher und Russen die Neufranken und nicht selten kämpften in beiderseitigen Heeren Schweizer, die die unglückselige Entzweiung zu Feinden geschieden hatte, bis Masse- nas Sieg in der Hauptschlacht bei Zürich den 25. September 1799 eine Endschaft zum Glück für das Land des Kriegsschauplatzes brachte. Am 7. September 1801 versammelte sich zu Bern eine allgemeine Tagsatzung, da in der Zwischenzeit den obersten Behörden selbst die Ueberzeugung sich aufgedrängt hatte, daß die neueingeführte Verfassung nicht so bestehen könne, entstanden aber bei dieser Tagsatzung so viele Widersprüche, daß ein großer Theil der Abgeordneten nach Hause eilten, und die Versammlung aufgehoben wurde. Der Sturz der Central-Regierung wurde durch den Zusammentritt der Kantone Zürich, Schwyz, Unterwalden, Glarus, Appenzell, Graubünden bereitet; diese erhoben den tapfern Alois Reding zum Land- amman» und berichteten den französischen Consul Buonaparte und der helvetischen Regierung (18. August 1902), daß sie des ewigen Ha- 49 LerS, welcher das Innere der Schweiz gänzlich aufzureiben drohe, müde seien, und daher fest beschlossen hätten sich eine eigene Verwaltungsform zu bilden. Die Feindseligkeiten zwischen den alten und neuen Schweizern oder Helvetiern begannen bei Luzern, und bald erklärten sich auch die Kantone Bern und Solothurn gegen die Helvetik, worauf das Direktorium die Flucht nach Lausanne ergriff. ZuSchwyz ward durch Alois Reding eine gemeineidgenössische Tagsatzung eröffnet, welche als allgemeine Bundesbehörde anerkannt werden sollte. Buonaparte entschied es aber anders, setzte das Direktorium wieder ein, berief eine schweizerische Con- sulta nach Paris, während er 12,000 Franzosen unter Ney in die Schweiz sandte, die gemeineidgenössische Tagsatzung auflösete und Re- ding und Hirzel verhaften ließ. Nachdem beide Partheien Gesandte nach Paris geschickt hatten, erließ Buonaparte die bekannte Mediationsakte (Vermittlungs-Urkunde), welche am 19. Februar den Gesandten der schweizerischen Eidgenossenschaft zugefertigt wurde. Jetzt war die Schweiz ein Bundesstaat von neunzehn Kantonen jeder mit eigener zweckdienlichen Verfassung, sechs LemokratischeSchwyz, Ury, Unterwalden, Zug, Appenzell, Glarus; dreizehn aristokratische, Aargau, Basel, Bern, Freiburg, Graubünden, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen, Solothurn, Tessin, Thurgau, Waadt und Zürich. Der Landammann des jedesmal Lirigirenden Kantons, war nicht nur die erste Magistratsperson desselben, sondern führte zugleich den Titel eines Landammanns der Schweiz. Das Land mußte ein Kontingent von circa 16,000 Mann in Frankreich immer vollzählig erhalten. Napoleon schenkte (1806) das Fürstenthum Neufchatel dem Marschall Berthier, uahm (1809) den Titel eines Vermittlers der Schweiz an, und vereinigte 1810 Wallis mit seinem Reiche, und die Schweiz mußte dem Continentalsystem *) beitreten. Nach Napoleons entschiedenem Fall durch den unglücklichen Feldzug nach Rußland, drang ohne Widerstand (1813.) ein österreichisches Heer durch die Schweiz in Frankreich ein. Die Vermittlungs-Urkunde wurde vernichtet, und im August 1815 von allen Kantonen eine neue Bundesakte beschworen. Oesterreich behielt die ehemaligen graubün- dischen Landschaften Worms, Eleven und Veltlin als Bestandtheil des Machtnahmc Napoleons zur Ausschließung Englands vomHandelsverkehr mit dem europäischen Fcstlandc. 4 lombardisch-venetianischen Königreichs, und die Schweiz (Kanton Aargau) das Frickthal. An Graubünden wurden Rhäzüns und Trasp überlasten. Basel, Bern und Genf erhielten Landstriche, die Frankreich abtreten mußte. Wallis, Genf und Neufchatel kehrten zu ihren alten Verhältnissen zurück, letzteres an die Krone Preußens. Von Seite des Wiener-Congresses ward der Schweiz Selbstständigkeit und Unzertheil- barkeit, und von allen Verbündeten von Paris aus, ewige Neutralität gegen das Schweizerland garantirt. Die Republik Schweiz bestand nun aus 22 kleinern Republiken oder Kantonen, welche seit 181S nach der hier Eingangs Seite i bezeichneten Rangordnung folgen. Gleiche Rechte jeden Kantons und das Bündniß gegenseitigen Beistandes werden heilig gehalten. Nach eigenen Gesetzen regiert sich jeder Kanton selbst und übt alle Souveränitätsrechte aus, welche nicht dem ganzen Staatenbunde ausschließlich vorbehalten sind. Abgeordnete von jedem Kanton bilden die Tagsatzung, welche die von den souveränen Kantonen übertragenen Angelegenheiten deS Bundes besorgt. Der Bundesangelegenheiten Leitung wird einem Vororte übertragen, wenn die Tagsatzung nicht versammelt ist. Der Vorort wechselt unter den drei Kantonen Zürich, Bern und Luzern um, je zu zweijährigem Wechsel. In der jeweiligen Hauptstadt des Vororts versammelt sich die Tagsatzung, bei welcher jeder Kanton eine Stimme hat. Der im Amte stehende Bürgermeister oder Schultheiß des Vororts führt den Vorsitz. Die Tagsatzung erklärt Krieg und schließt Frieden, errichtet Bündnisse mit auswärtigen Staaten (wozu der Kantons- stimmen erforderlich sind), schließt Handelsverträge, bestimmt die Organisation der Contingente ic. Der Gesammtfreistaat hat keine andere Einkünfte, als die, welche die Kantone nach festgestellter Norm zu gemeinschaftlichen Ausgaben leisten müssen. Ein stehendes Heer besteht nicht in der Schweiz, aber erforderlichen Falles geschieht die Aufstellung eines Contingents nach Verhältniß (z. B. von 10» Seelen 2 Mann); jeder waffenfähige Schweizer ist dienstpflichtig. Aus der gesummten Mannschaft wird der erste Bundesauszug, ii>elll8jve aller Militärbranchen (an 34,000 Mann), *) die eben so starke Bundesreserve und endlich die Landwehr (200,000 Mann) gebildet. Erheischt es Kriegsnvth, so rückt erst der Auszug von jeder Waffengattung ins Feld, ihm folgt nöthigenfalls die Reserve, und bei gesteigerter Gefahr die Landwehr. Eiche die Anmerkung auf 81. Früher hatten durch besondere Verträge, Frankreich, Preußen, die Niederlande und Sardinien freiwillige Werbungen in der Schweiz Die beiden ersten Abtheilungen bestehen aus: Waffe. Auszug. Reserve. Im Ganzen. Artillerie . . l,70a Mann i,iz6 Mann 2,sao Mann «0 Kompagnien. Sappeurs . . rar — „ 122 Pontonniers . 71 — 71 Train . . . 1,194 717 1,911 nebst 1828 Pferden zum Auszug und nai zur Reserve. Kavallerie . . 7s6 — 7Z6 li hg Kompagnie». Scharfschützen. 2,000 2,000 2,000 ao Kompagnien. Infanterie. . 27,225 29,239 s6,asa ioz Bataillone. Bataillonsstäbc 666 - 666 » 1,532 " Summa zz,758 Mann ZZ,7S8 Mann 67,öt6 M. t) s) Hicbei ist das Personal aller Branchen des eidgenössischen Gencralsiabs nicht Inbegriffen. Geld-Contingcnt und Mannschaft. Kanton. Schweizer- Mannschaft Franken. zu stellen. Bern zahlt 102,080 5,822 Zürich 72,000 5,700 Waadt 59,280 2,y6a Aargau 28,200 2,210 St. Gallen « 39,250 2,6ö0 Luzern 26,000 1,752 Basel 22,950 913 Thurgau 22,800 1,520 Genf 22,000 880 Ncucnburg 19,200 960 Freiburg is,6oo 1,220 Tesstn 18,020 1,802 Solothurn tZ,s6o 902 Bünden 12,000 1.600 Wallis y,6oo 1,280 Schaffhausen 9,520 a66 Appenzell a.R. .. 7,720 772 Glarus 5,625 282 Schwpz ,, 5,010 602 Untcrwaldcn 1,910 582 Appenzcll i. R. 1,500 200 Zug 1,250 250 Ury 1,180 2Z6 Summa 5ZY,275 55,758 Eine eidgenössische Militär-Auf- stchts-Behörde von der Tagsatzung ernannt, wacht über Organisation und Administration dieser Bundes-Armee, ordnet im Verein mit den Kantons- Rcgierungen die Inspektionen der Mannschaft und des Materials an, und rapportirt über alle Gegenstände des Wchrsnstems der Tagsatzung u. s. w. Alle 2 Jahre werden intägige Uc- bungslager von allen Waffengattungen mehrerer Kantone gehalten. Zur Förderung des Militärwescus dienen ausserdem noch Vereine, mehrere Kantons- Militärschulcn, ganz besonders aber die theoretisch-praktische Schule zu Thun, die jedes Jahr während 2 Monaten für das Genie und die Artillerie eröffnet wird, und zu wiederholten Malen auch auf andere Waffen ausgedehnt worden ist. Gesellschaften und Regierungen ermuntern kräftig zum Gebrauche der Büchse, der nützlichsten und gefährlichsten Waffe des Gcbirgskrieges, die bereits zu einem hohen Grade vervollkommnet ist. Seit mehrern Jahren unterliegt die eidgenössische Militärorganisation einer rcvisionsweiscn Berathung, die jedoch bis heute noch zu keinem entschiedenen Resultate geführt hat. — Es bleiben daher bis auf Weiteres die obigen Ansätze in Gültigkeit. 32 errichtet , was nunmehr aufgehoben ist. Die Bundeseinkünfke betrugen in neuerer Zeit in Summa 6,450,000 Schweizerfranken, die Staatsschulden 3,120,000 Fr. Zu ihrer Tilgung sind die von 1798—1814 aufgelaufenen Zinse der von den Kantonen Bern und Zürich bei der Londner-Bank angelegten Kapitalien von 300,000 Pfund Sterling bestimmt. Den Kantonen war das Eigenthum dieser Summa sammt von 181L an fälligen Zinsen vorbehalten. Es gibt in der Geschichte der Völker, wie in der von einzelnen Menschen, Tage und Ereignisse, welche Glanz und Glück über die ganze künftige Existenz bringen, und wiederum solche, welche eine so unermeßliche Reihe von unbesiegbaren Wirren erzeugen, daß alle Anstrengungen der spätern Zeit dagegen eitel werden, die Folgen nie verjähren, die Wunden nimmermehr vernarben. Auch in der Schweiz kehrte neuerdings die Eifersucht der Landleute (lebendig angefacht durch die Vorgänge, welche Anno 1830 zu Paris Statt fanden,) auf das Ansetzn und Wohlstand der Städte wieder, und begierig, sich nach dem Verhältniß der Masse in die Regierungsgewalt zu theilen, erhob sich da und dort ein Theil des Volks mit gewaffneter Hand, und mit Bedauern sah das vierte Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts abermals helvetisches Bürgerblut fließen. Die bevorrechteten Städte boten zu Cntwerfung volksthümlicher Verfassungen im Allgemeinen willig die Hand; Versassungsräthe und Verfassungskommissionen wurden aufgestellt, welche die neuen Grundgesetze entwerfen mußten, die nachher dem Volke vorgelegt und von ihm angenommen wurden. Nach ausgesprochener Garantie der obersten Bundesbehörde wurden sie in das eidgenössische Archiv niedergelegt. Zuvörderst der Verfassungen steht der Grundsatz der Volkssouveränität, eines zeitgemäßen Repräsentationsverhältniffes, der Volkswahlen und des Revisionsrechts der Verfassung; in ihren Grundzügen ist keine von der andern bedeutend abweichend; Freisinn und volkstümliche Begriffe sind allen mehr oder weniger eigen. In allen ist festgesetzt: die Aufhebung der Lebenslänglichkeit der Regierungsstellen, die Abschaffung aller Vorrechte, Verpönung aller fremden Kriegsdienste; aber Freiheit der Presse und der Meinungsäußerung, freies Petitionsrecht, Oeffentlichkeit der Sitzung der großen Räthe sind anerkannt. Das Nähere ist bei Beschreibung jedes einzelnen Kantons aufgeführt, so wie auch in Betreff des gegenwärtigen wissenschaftlichen Flors, der Unterrichtsanstalten, staatswirthschafllichen Grundsätze, schweizeri- 33 schon Versicherungsanstalten der Mobiliarvermögens *) gegen Brand, Hagelschlag und LebensversicherungS-Banken rc. Wir finden es angemessen, hier uns aller Aeußerungen unserer individuellen Ansichten über die heutige politische Lage der Schweiz zu enthalten, und eine ausführliche gediegene Schilderung den kräftigen Federn unpartheiischer und kühner spätern Historiographen zu überlassen, wir beschränkten uns die darauf bezüglichen wichtigsten Ereignisse in den vorstehenden chronologischen Tabellen anzudeuten. Allgemeine topographische, statistische und ethnographische Notizzen, die Schweiz betreffend. Das liebreizende Alpenland Schweiz, diese höchste Gegend Europas, liegt größtentheils auf der nördlichen Abdachung der sogenannten Centralalpen, deren Aeste sich nach allen Richtungen durch das Land ausbreiten. (Grenzen und Größe s. S. 1.) Große Ebenen sind nicht vorhanden, da auch steile Hügel, Seen und beträchtliche Flüsse rc. noch einen ansehnlichen Theil einnehmen; indessen bieten die sich theilweise darstellenden Gelände, welche nördlich mehr Ausdehnung gewinnen, die wünschenswertheste Fruchtbarkeit, worüber später und an seinem Orte spezielle Erwähnung geschieht. Beginnen wir diese Beschreibung mit Beleuchtung der riesigen Gebirge, nach des seligen Pfarrers Lutz treuer Schilderung, die hier mit wenig Abänderung, als die trefflichste, wieder erscheint. Die eilfte Hauptrechnung der schweizerischen Mobiliarversicherungs-Anstalt gibt zum eilften Male Kunde von dem ununterbrochenen festen Fortschreiten dieses Instituts. Die alljährlich mit dem steigenden Zutrauen des Publikums sich mehrenden Versicherungen haben im letzten Rechnungsjahre einen Zuwachs von circa 7 Millionen erhalten, welcher das versicherte Kapital auf loo Millionen Franken gehoben hat. Der Ucberschuß der Einnahme betrug am Ende des vorigen Jahrs L. 57,829. 88. Der Rcchnungsschluß auf so. Juni I8S7 zeigt einen Ueberschuß von . " ios,566. 17. Er hat sich also vermehrt um.L. »5,736. 29. oder beinahe verdoppelt, obschon die Entschädigungen für Brandschaden T. si,8so. 7? Rappen betrugen, und nur die Hälfte der statutengemäßen Beiträge mit I,. 90,42». 77 Rpp. eingefordert wurden. Es erzeigt sich demnach als Garantie zur Deckung der nächstjährigen Brandschaden: 1) Obiger Ucberschuß von.I,. 103,566. 17. 2) Die statutengemäßen jährlichen Beiträge . . . . » 190,000. — .">) I8S2 Aktien zu T 500 als Garantiefonds verfügbar . . " S70,»oo. — Total I,. 663,966. 17. A l p e n k e t t e. Des Alpengebirges Riesenbau zieht sich als ein großer bogenförmiger Gebirgsgürtel vom mittelländischen bis zu dem adriatischen Meere. Er ist 180 geographische Meilen lang, die Breite aber ist verschieden; am Westende beträgt sie ungefähr 20, am Ostende 40 Meilen, und enthält einen Flächeninhalt von 4200 Quadratmeilen. Er liegt fast genau in der Mitte zwischen dem Aequatvr und dem Nordpol zu beiden Seiten des 45sten Parallelkreises, vom 22sten bis zum 34sten Meridian, also zwischen 12 Längengraden. Dieses Gebirg besteht nicht aus einer einzigen fortlaufenden Kette, sondern, wie alle Alpenländer, aus mehreren Ketten, die aber alle dem Hauptzuge der ganzen Gebirgsregion und zwar in der Richtung von W.S.W. nach O. N.O. folgen. Durch die Gewalt der strömenden Wasser, hauptsächlich aber durch andere uns unbekannte Kräfte, welchen die Erdoberfläche ihre jetzige Gestalt verdankt, ist das Alpenland vielfach zerspalten und zerrissen, so Laß das Ganze die mannigfaltigste Abwechslung von felsigen Hochgebirgsketten und Gruppen, so wie mehr oder weniger tiefen, schroffen, oft sehr schauerlichen, häufig aber auch anmutigen, mit mannigfaltigen Reizen der Natur geschmückten Thälern darstellt. In Hinsicht auf geognostische Bildung zerfällt das Alpengebirgs- land in Uralpen, Kalksteinalpen und Sandsteingebirge. Die Uralpen bestehen aus Urfelsgesteinen, als Granit, Gneiß, Glimmer, Thonschiefer rc. Die Kalksteinalpen begleiten die Uralpen auf beiden Seiten. Die Sandsteingebirge bilden an den äußern Seiten die Kalkmassen die letzten Zweige des Alpengebirges, und gehen vorzüglich an der Nordseite mit Nagelfluh ins flache Land über. In Hinsicht ihrer Erhebung werden die Alpen in Voralpen, Mittelalpen und Hochalpen eingetheilt. Der Südfuß der Alpen ist bedeutend niedriger als ihr Nordfuß. Die Voralpen rechnet man bis 2000 Fuß über dem Meere, sie sind mit schönen Waldungen und Wiesen bedeckt. Die Mittelalpen steigen vom Aufhören des Holzwuchses bis zur ewigen Schneegrenze 8000 Fuß; ihre Oberfläche enthält die eigentlichen zur Alpwirthschaft benutzten Weiden und viele Arzneikräuter. Die Hochalpen steigen bis über 14,000 Fuß absoluter Höhe. Ewige Schneefelder, Eiskrusten und Gletscher bedecken sie, *) oder sie Die Eisdecke der obersten Theile der Hochalpen, da sich keine andere Fcuchtig. keit, als die des Nebels, anlegen kann. mißt bis >75 Fuß. ragen aus kiesen in nackten Felsenwänden empor, die zu steil sind, um von dauerndem Schnee oder Eis eingehüllt zu werden. Nur hie und da an sparsamen, von der Kälte und den zerstörenden Stürmen geschützten Stellen sind sie noch mit Flechten, Moosen und den seltsamsten Alpenpflanzen geschmückt. — Aber auch Liese Vegetation hört über 10,500 Fuß gänzlich auf. Das gesammte Alpengebirg zerfällt in geographischer Hinsicht in drei Hauptabtheilungen: die Westalpen, die Centralalpen und die Ostalpen. Die Westalpen laufen zwischen der Rhone und dem Po in südlicher Richtung und enthalten ebenfalls drei Theile: die Meeralpen, die Cottischen Alpen und Grafischen Alpen. Die Meeralpen erheben sich bei der Mündung des Dar, dem Grenzflüsse zwischen Frankreich und Italien, aus dem mittelländischen Meere, gehen bis zu dem Berge Niso 11,000 Fuß hoch über dem Meere und scheiden Piemvnt von der Provence, in ihnen liegt der e»i <1« (5600 0, der südlichste Alppaß in den Westalpen; auch trennt sich hier bei der Quelle des Tanaro ein zuerst östlich, dann südlich durch Italien hinunterlaufender Zug, der den allgemeinen Namen der Sippen ninnen trägt. Die Cottischen Alpen ziehen sich vom Berge Viso, Quelle des Po, bis zu dem Mont-Cenis (11,1000, dem wichtigsten (6360' hohen) Gebirgspaß in den Westalpen; er verbindet die Straße von Lyon über Chamberi und Susa nach Turin. In diesem Alpenzug liegt noch der Berg Genevre (11,6000, ebenfalls ein beträchtlicher Gebirgspaß (55000 aus Frankreich nach Italien. Die Grafischen Alpen ziehen sich dann vom Mont-Cenis bis zum Montblanc; sie scheiden Savoyen von Piemvnt und in ihnen liegt der Berg Jseran (12,4000 und der Paß über den kleinen St. Bernhard (65700, wahrscheinlicher Uebergangspunkt Hannibals. Die Centralalpen beginnen mit dem Montblanc, dem höchsten Berge der gesammten Al- penkette (14,700 Fuß Höhe über dem Meer), und erstrecken sich in ihrem Hauptzuge bis zum Groß -Glokner (11,980')- 3» ihnen liegen die Hauptwasserscheiden des mittelländischen, schwarzen und atlantischen Meeres. Diese Kette zerfällt in die Penninischen Alpen, die Lepon- tinischen Alpen und die Rhätischen Alpen. Die Penninischen Alpen, welche Piemonl von Wallis scheiden, ziehen sich vvm Montblanc über den 6»! -l« Zerret und 6»l - renLtres zum großen St. Bernhard; zwischen seinen beiden Gebirgs- stöcken, Vointv in (13,2500 <>>> , 1 'Oron, die kbH,,i< n» (12,6700 zum Ilei-vl» oder Matterhorn (Jochhorn, 13,8500 mit der St. Theodulschanze zur Rosa, dem höchsten Berg der Schweiz (14,2200- Mit diesem endigten die Alten den Zug der Pen- uinischen Alpen; wir setzen aber denselben noch fort über den Moro und das Fletschhorn zum Simplon, der bequemsten, aber für den Handel am wenigsten benutzten, unter den vier Hauptalpenstraßen der Schweiz; ihr höchster Punkt ist 6170 Fuß, und sie verbindet Oberwallis mit der Lombardei. Die Lepontinischen oder Schweizeralpen ziehen sich vom Simplon bis zu dem Bernhardin, über das Mäderhorn, Gries, Ru- fenen zu dem gewaltigen Gebirgsstock St. Gotthard, mit seinen Hörnern Fieudo, Fibia und Proza. Eine sehr bedeutende und neu korri- girte fahrbare Alpenstraße (66500 führt über denselben aus dem Innern der Schweiz, am nächsten nach Italien in die Lombardischen Ebenen. Auf seiner Höhe verbindet er das Urseren- mit dem Livinerthal. Oest- lich setzt er den Hauptzug fort über den Berg Kanaro, Lukmanier, Greina, Vogelberg (Rheinwaldhorn) und Ramithorn; diese letzter» tragen auch den allgemeinen Namen ALula. Die Rhätischen Alpen gehen vom Bernhardin (65800, der dritten Hauptstraße, über das Tambvhvrn zum Splügen (6510O, der vierten und ältesten Hauptstraße des Centralgebirges, und dann zum Septimer; hier gabelt sich das Gebirg und bildet das Engadin; der eine Zug geht über den Malöja zum Aont <1,-1 vro, die Berninakette zum Umbrail und Wormserjoch; hier geht der Zug über die Schweizergrenze ins Tyrvl zum Stilfserjoch und dem Orteler (l4,ooo F. üb. M.), dann über den EtschLurchbruch zum Pelegrino an der Westgrenze der Ostalpen. Der andere Zug geht von dem Septimer über den Julier, Albula, Sca- letta, Fluela, Selbretta, Fermunt zum Jnnthalerfenner und dann über die Jnnthalverengung als Tyroleralpen zum Oetzthalerfenner, weiter über den Brenner, Hochgrindel und Dreiherrenspitz zum Großglokner, und vereinigt sich mit den Wir geben hier nur die Höhe der Berge, die auf 10,000 Fuß und darüber stet gen, und die Höhe der vorzüglichsten Mppässc an; die Höhen der übrigen stnd unten bei der nähern Beschreibung der Kantone zu suchen- Ostalpen, welche drei Gruppen bilden: die Norischen Alpen, die Karnischen Alpen und die Julischen Alpen. Die Norischen Alpen bilden den nördlichen und größten Theil der Ostalpen; sie bestehen ebenfalls aus drei Ketten, wovon wir hier nur die mittlere bezeichnen; sie geht unter dem Namen hohe Tauren (Salzburger Alpen) über die Steyerschen Alpen zum Sömmering und fällt mit dem Wienerwald zur Donau ab. Da die Masse des Gebirges in den Ostalpen sich schon mehr ausgliedert, die Ausläufer desselben an Höhe verlieren und sich mannigfaltig verzweigen, so werden auch die Pässe häufiger; wir nennen also hier nur die vorzüglichsten: den Ratt- städtertauren (40000, den Rottenmannertauren (54000 und den Söm- meringpaß (31200- Die Karnischen oder Kärnthinschen Alpen beginnen am Monte Pelegrino, haben noch eine Erhebung von 8000 Fuß; in ihnen liegt der merkwürdige Paß von Pontafel (24120; östlich schließen sich mit dem Terglou (9400"), des östlichen Gletschers im Alpenlande, Die Julischen oder Kraineralpen an, und ziehen sich über den Paß von ALelsberg (21600 bis zum Karst, der mit seinen Zweigen die istrische Halbinsel durchzieht und zum adriatischen Meere zwischen Fiume und Triest abfällt. Von dem gewaltigen Gebirgsknoten, dem St. Gotthard, dem Hauptgebirgsstock des westlichen Europas, dem Mittelpunkt der gesummten Alpenkette und der Wasserscheide dreier Meere: des atlantischen, mittelländischen und adriatischen Meeres, gehen Strahlen nach allen Richtungen; wir bezeichnen aber hier zunächst die den oben beschriebenen Hauptgebirgszug begleitende nördliche Kette. Ein Hauptast derselben läuft über die Furka, Quelle der Rhone. S.W. unter dem Namen Berneralpen bis St. Moritz an die Rhone, und bildet mit dem ihm gegenüberstehenden Hauptgebirgskamm das Thal von Wallis; in demselben Zug befinden sich: der Galenstock (11,3300, der höchste Berg des Urnerlandes, der Grimsel (55700" ein Gebirgspaß aus dem Hasli nach Oberwallis, mit dem Seidelhorn, das Finsteraar- hvrn (13,2340, dem höchsten Berg in den Berneralpen, die Viescher- hörner, der äußere Eiger und der innere Eiger oder Mönch (12,270"), das Jungfrauhorn (12,8700, das Mittaghorn (11,270"), das Breit- horn, das T'chingelhorn (11,690 0, das Sack-, Schilt- und Balmhorn, die Altels (u,6900, das Rinderhorn (10,960"), die Gemmi (ein stark 38 besuchter Paß aus dem Kanderthal nach den Bädern zu Leuk) mit dem Daubenhorn, Schneehvrn, Wildstrubel (10,300'), Norbachstein und Rawyl, SchneescheiLe, Wildhvrn, Arbelhorn und Sanetsch, ferner über das Odenhorn, die Diablerets und die ver>t »le AlorüUs; diesem gegenüber, jenseits der Rhone, steht die ve»t <1« mit welchem die Linie mit den Westalpen zusammen trifft. Ein anderer Hauptast geht von dem fich an den Gotthard anlehnenden Berg Kanaro N.O. über die Berge Sirmadun, Baduz, Cri- stillino und Crispalt (10,240') zum Kreuzlipaß, dann über die Ruplet- tenalpen zum Dödi, dem höchsten Berg des Landes Glarus (12,800'), ferner über den Kistenberg, Hausstock, Jätzschlund (Pamxerpaß), Falzhaber (Segnespaß) und Tschingel zur Scheibe, dem Grenzstock der Kantone Glarus, St. Gallen und Graubünden; weiter über das Ringel- horn und den Galanda bis an den Rheindurchbruch, wo dieser Zug jenseits desselben sich mit dem Rhätikon, der nördlichen Gebirgskette Bündens gegen Vorarlberg, fortsetzt. In demselben liegen: Seffaplana, Gafalljoch, Schweizerthor, Rothhubel, Litznerspitz, wo sie mit dem Jnn- thalerfenner mit der östlichen Hauptkette wieder zusammen treten. Eine dritte Gebirgskette wird noch angenommen, die sich durch die Mitte der Schweiz zieht; sie beginnt mit dem .1'^ östlich vom Genfersee, zieht sich über den veni g« F»ni»u zu dem »ranelsir« an der Südseite des Kantons Freiburg, zum Stockhorn, am Eingang ins Berner-Oberland, geht dann zwischen den Kantonen Unterwalden und Luzern zum Pilatus, von da über den Vierwaldstättersee zum Rigi, ferner über die Mythen zum Weggis, weiter zum Speer und dann hinaus ins Appenzellerland zum Sentis. Da aber diese Kette nicht, wie die erste und zweite, zusammenhängend, sondern durch mehrere Flüsse und Bäche durchbrochen ist, so verfolgen und erweitern wir hier diese durch die Ausläufer und Verzweigungen, die aus der zweiten Hauptkette nördlich hervortreten. Vom 1 »»r geht ein Zweig über den vent ckam-,» und den Sanedurchbruch zum UranclaUe und der Quelle der Sense, wodurch der Kanton Bern vom Kanton Freiburg geschieden wird. Aus den Berneralpen laufen vom Sanetsch bis zum Grimsel mehrere Aeste nördlich in das Berner-Oberland aus, wir behalten uns hier die fernere Beschreibung auf den Kamon Bern vor. Vom Galenstock geht ein Hauptzug wer das Sustenhvrn (10,910') und den Sustenpaß (6980') zum höchsten Lerg des Landes Unterwalden , dem Titlis, dessen höchster Gipfel die Nvlle (10,820'); hier theilt sich dieser Zug und verlängert sich nordwärts über die Surenenalpen (Spannörter) zum Ury- Rothstock, und trennt das Sngelbergerthal vom Reußthal, dann zum Bristen, und trennt Nidwalden von Ury. Der vom Titlis westlich laufende Zug geht über Joch und den Brünig, ein für Reiter sogar brauchbarer Pfad nach dem Brienzergrath und scheidet das Hasliland von Obwalten. Verschiedene Zweige laufen noch in den Kanton Untermalten. Vom Brienzergrath zieht sich nördlich ei» Zweig zwischen den Kantonen Luzern und Unterwalden über den Nessel und Glaubenstock zum Pilatus mit seinem Gipfel Tvmlishorn (71300- Dem Pilatus steht gegenüber der Rigi mit seinem Culm (55500, ein freistehender Berg, der seine drei Füße in den Vierwaldstätter-, Zuger- und Lau- werzersee einsenkt. Vom Brienzergrath zieht sich ein anderer Zweig nördlich über die Scheiben- nnd Schrattenflue zum Napf, dem höchsten Berg des Emmenthals, und scheidet dieses Thal vom Entlibuch. Vom Tödi zieht sich ein Ast zwischen Ury und GlaruS hin, über das Scheerhorn, die Klaridenalpen mit dem Klausenpaß, den Kammerstock zum Scheyen, und Reiseltstock zum Glärnisch, dann über Bragel in Bogensorm durch den Kanton Schwyz über die Mythen und Haken und die Höhen von Biberegg, zum hohen Rhonen- oder Dreiländerstein, und setzt mit dem Aldis im Kanton Zürich fort. Von der Scheibe zieht sich ein Ast zwischen den Kantonen GlaruS und St. Gallen hin über den Berg Spitzmeilen zum Fäspis, dann über den Schilt zum Fronalpstock und Mürtschenstock, und fällt mit dem Ke- renzenberg zum Wallenstädtersee ab; gegenüber erhebt sich der Berg Ammon zum Speer, dem höchsten Berg im Kanton St. Gallen (Tog- genburg), östlich, vcn da zieht sich die Kette über die Felsenhörner der sieben Kurfürsten zuin hohen Sentis, dem höchsten Berg des Landes Appenzell, und zieht sich endlich als Grenzgebirg zwischen den Kantonen Appenzell und St. Gallen zum Kamor, dessen höchster Theil der hohe Kasten heißt. Ein Zweig zieht sich vom Speer über den Hummelwald zum Schnebelhorn, dem höchsten Berg des Kantons Zürich, von da über die Hulfteck zum Hcrnli, wo die Grenzen der Kantone Zürich, St. Gallen und Thurgau zusammentreffen. Ueber die hohe Alpenkette gehen auch vier Alpenstraßen aus der Schweiz nact Italien: über den Simplen, *) auf welcher die Vergl. G. Meyers eignen Worte. Bis zum Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts führten längs der Felsen 0 « Höhe des Uebergangs 6170 Fuß beträgt; über den Gotthard 6650 Fuß; *) über den Bernhardt» 6580 Fuß; **) über den Splügen neben tiefcnAbgriindcn und gräßlichenSchlündcnschmalePfadeübcrdcnSimplon, die nur im Sommer für Fußgänger, höchstens für Maulthicrc gangbar waren. Nach der Schlacht bei Marcngo beschloß Bonaparte, denselben fahrbar zu machen. Die Arbeiten begannen 1801 und waren im Herbst isos vollendet. Von Glys bis Demo d'Ossola ist die Straße in Stunden lang überall 2S Fuß breit, und hat nie mehr als 2^2 Zoll Fall auf das Klafter, so daß die Wagen nicht gehemmt zu werden brauchen. Sie läuft über 22 zum Theil sehr kühne Brücken und durch 6 Fclsengängc (z.st>cr!c»), in denen der Weg durch Ocffnun- gcn beleuchtet wird. Die auf der Schweizcrgrcnzc liegende Ute Gallerie, die sogenannte große, durch harten Granit getrieben, ist Fuß lang. Sie ist unstreitig das großartigste Werk auf dieser Straße. Zur Sicherheit der Reisenden sind y Zufluchtsörter angelegt. Die Ausführung dieses Unternehmens hat gegen tS Millionen französ. Franken gekostet. Mehrmals war dieser Platz das Theater kleinerer Kriegssccnen; bemerkcnswcrth ist der Ucbergang des Generals Bcthcncourt über den Simplon am 27. Mai isoo mit 1000 Mann, weil stc wegen einer durch Lauinen zerstörten Brücke an der Felswand hinüber klettern mußten. Da diese Straße für den größten Theil der Schweiz sehr geringe, für den Handel gar keine Vortheile darbot, so war man darauf bedacht, andere östlich gelegene Pässe fahrbar zu machen. Unter diesen sind die über den Gotthard. Bernhardin und Splügen die wichtigsten für den Handel, und auch seit vielen Jahrhunderten wurden alle Waaren aus und nach Italien über dieselben auf den Rücken der Maulthicrc und Saumrossc getragen. Vergl. Handlexikon von Lutz. Der Paß über den Gotthard ist sehr alt, von Amsteg bis Biaska hat er eine Länge von 18 Stunden. Ury und Tcssin übernahmen die Fahrbarmachung dieses Passes; der erstere Kanton bcstreitet die Kosten durch Aktien, der letztere durch Darlehn. Ury begann seine Arbeiten 1820. Die Breite der Straße ist durchgehcnds 18 Fuß, an einigen Orten zwischen Amsteg und den Schöllcncn 20 Fuß. In den Schöllenen ist das Straßcngefällc 7—lv Prozent, auf den übrigen Straßenstreckcn wechselt dasselbe zwischen »—8 Prozent. Von Amsteg bis zum Urncrloch sind 8 Brücken über die Reuß. Außer diesen Brücken find deren noch viele über die Schluchten der Seitenbächc, die von den Bergen herabstürzen. Die meisten Brücken sind von Stein; diejenige unterhalb Göschenen wird die schöne genannt. Durch die ^ Stunden lange Bcrgschlucht Schöllenen, die durch furchtbar erhabene Schönheit sich auszeichnet, ist die jetzige Straße meist höher als die alte. Beträchtliche Strecken mußten zu diesem Zwecke durch die Felsen gesprengt werden. In den Scitenmaucrn sind hin und wieder geräumige Nischen, in die der Wanderer beim Falle der Lauinen sich retten kann. Gerade über der alten Tcufelsbrücke, die man als Reliquie stehen läßt, erhebt sich die neue 2a Fuß höher als jene, wodurch der Eindruck der ganzen Scenerie unge. mein vermehrt wird. Der 1707 durch den härtesten Felsen gesprengte 220 Fuß lange Gang des Urnerloches wurde erweitert. Von Airolo führt durch das Li- vinenthal eine neue Kunststraße, die an den schmalsten Stellen 6 Mctres Breite und 6 Fuß Fall auf >00 Mctres Länge hat; an wenigen Stellen etwas mehr. Ungemein merkwürdig ist der abenteuerliche Zug des Generals Souwarow über diesen Paß, am 2a. und 2S. September I7yg, mit einer Armee Russen und Kosaken, die 2s,000 Mann stark war, und bei der sich der Großfürst Con- stantin befand, mit 5000 Pferden und 25 tragbaren Kanonen, die Maulthieren auf den Rücken'geladen wurden. Nicht nur der Gotthardspaß. sondern selbst die Tcufelsbrücke, waren der Schauplatz vieler Gefechte der Franzosen mit den Russen. **) Die Straße über den Bernhardin wurde l8ly begonnen und 182; vollen 6510 Friß. * *) Diese vier Straßen gehören zu den erstaunenSwürdigsten Werken, welche in dieser Art jemals von Menschen ausgeführt worden sind. Ueberall erblickt man auf ihnen Gegenstände, die der Beobachtung und der Bewunderung werth sind, und welche durch die reizendsten Kontraste noch mehr gehoben werden. Diese Straßen wurden in der neuesten Zeit aus schmalen, nur für Fußgänger und für Maulthicre gangbaren Pfaden in große, mit Wagen fahrbare Handelsstraßen verwandelt. Der Simplen von 1801 — 1805 ; der Gotthard von 1820— 1828; der Bernhardt» von 1819 — 1823 und der Splügen von 1818 — 1822 . Auch darf der große St. Bernhard, zum Unterschiede von dem kleinen, der in Piemont liegt, nicht unbeachtet bleiben, über welchen zur Zeit der Römer aus Italien nach Gallien eine große Hauptstraße führte. Das Hospitium auf dem großen St. Bernhard ist die erhabenste Wohnung unsers Erdtheiles und liegt 7700 ü. M. Merkwürdige Saumpfade und Bergübergänge über die Alpen gibt es auch sehr viele, die jedoch mehrentheilS während des Sommers gebraucht dct. Sie ist von Tusis bis Rovcrcdo is!^ Stunden lang, und geht über >s größere Brücken, die neu erbaut wurden. Merkwürdig ist die Viktor Emanucls- Brücke, welche 106 Fuß über dem Morsabctke liegt und eine Länge von iss Fug hat. Die Straße ist 18—2a Fuß breit und hat auf das Klafter ungefähr a/2 Zoll Fall. 2 Gallcricn, von denen die des Verlornen Loches eine Länge von 216 Fuß hat, liegen in dem durch die Eingeweide der Gebirge geführten Felspaffe der Viamala, der zu den außerordentlichsten Sehenswürdigkeiten der ganzen Alpenkctte gehört. Wild ist auch der Felsschlund Rofflen, die innere Viamala genannt, mit einer kleinen Galleric. Die volle Summe der Kosten belicf sich auf 70s,585 Gulden (zu 10 Gulden der Karolin), wozu der König von Sardinien 16a,000 Gulden und die Bündnerischeu Gemeinden S7,ooo Gulden beitrugen. *) Der Paß über den Splügen war schon unter der römischen Herrschaft bekannt. Ueber ihn führte die große Straße durch Rhätien von Como durch Curia nach Brigantium (dem jetzigen Bregenz). Die Fahrbarmachung dieses PaffcS begann ISIS und wurde lS22 vollendet. Vier gewölbte Gallerten, von zoo—66s Fuß Länge, und drei Zufluchtshäuscr sind an der Splügenstraße, die 15 Fuß breit ist und so allmählig steigt, daß wenig Vorspann nöthig ist. Die östreichische Regierung zu Mailand ließ diese Straße bauen, welche vom Dorfe Splügen bis Chiavenna eine Länge von Stunden hat. Vom 27. November bis zum i. December 1800 überstieg der General Macdonald mit einer französische» Heercsabthcilung diesen Berg. Vermittelst dieser drei letzter» Alpcnstraßen gelangt man nun aus der östlichen, nördlichen, nordwestlichen Schweiz, aus Deutschland und aus den nordischen Ländern auf den kürzesten Wegen nach Italien. Durch sie ist von jetzt an das mittelländische und adriatischc Meer mit dem ganzen Rhcinbecken bis nach Holland herab in Verbindung gesetzt. Die genannten vier Straßen werden, zwar mit großer Mühe, den ganzen Winter über fahrbar erhalte». Auf den Höhen ist, wie auf allen Alpcnpässcn, der Weg durch Stangen bezeichnet, die von Entfernung zu Entfernung aufgerichtet sind, damit bei tiefem und frisch gefallenem Schnee niemand durch Verfehlung des Weges in Gefahr gcrathc zu versinken. An verschiedenen Orten werden die Straßen durch Brustmauern, durch doppelte und einfache hölzerne Geländer gesichert. 62 werden, die nichts destoweniger eben so gefährlich als mühevoll zu be- wandeln sind. Merkwürdig ist bei einigen von diesen, daß Menschen und Vieh oben über Gletscher, oft mit Lebensgefahr, gehen, während unten aus ihren Cisgewölben Ströme hervorstürzen. Von den Gletschern oder Eisfeldern. An den Kämmen der hohen Alpen oder in ihren höchsten Felsthälern befinden sich die Gletscher. Sie bestehen aus ungeheuern Eislagern und gehören zu den wunderbarsten Erscheinungen in der Alpen- welt, die dem Auge sich in mannigfaltigen Formen und verschiedener Färbung als ein gigantisches Zauberwerk darstellen. Diese Eisfelder, auch Eisthäler, sind oft 6 —10 Stunden lang, 1 — 2 Stunden breit, und das Eis 100—1000 Fuß dick. Die größten und merkwürdigsten sind; im Kanton Bern: der Engstlengletscher, gegen Ury und Un- terwalden, der Unterlauter-, Oberaar- und Finsteraarglet- scher, alle südwestlich von der Grimsel von den Zinkenstöcken herabhängend; der Rosenlauigletscher auf der Haslischeideck; der obere Grindelwaldgletscher von dem Wetterhorn und Schreckhorn sich herabsenkend; der untere Grindelwaldgletscher vom Viescher- und Schreckhorn hinabstarrend; der Gauligletscher im Urbachthal; der Strudel auf dem Letschberg im Kanderthal; der Kützliberggletscher im obern Simmenthal; der Geltengletscher im Saanenlande. Im Kanton Ury: der Wittenwassergletscher zwischen der Fibia und dem Mutthorn; der Lochberggletscher zwischen dem Thierberg und Galenstock, der sich zur Geschenenalp hinabsenkt. Im Kanton Glarus: der Gletscher zwischen dem Kistenstock und Selbsanft. Im Kanton Bünden: der Rheinwaldgletscher im obern Bund, der größte, dem der Hinterrhein entspringt; der Berninagletscher vom Berninakamm herabhangend, der höchste im Bündnerland; der Gletscher in der Sapportalp ob dem Moschelhorn. Im Kanton Wallis: der Rhonegletscher, der sich vom Galenstock herabsenkt; der Aletschgletscher an der Südseite der Jungfrau; der Vieschergletscher unter dem Viescherhorn; der Gletscher im Bagnathal an dem Fuße des großen St. Bernhard. Man zählt überhaupt in der Schweiz 608 mehr oder minder ausgedehnte Gletscher. Andere merkwürdige Erscheinungen in den Hochalpen. Zu diesen gehören, außer den Gletschern, die Bergseen, die in vielen Vertiefungen der Gebirge liegen, und deren Anblick in ihrer 65 öden und todten Umgebung, in welcher ein ewiger Mnter herrscht, l einen traurigen Eindruck macht. Sie werden mehrentheils von Glet- scherwaffern gebildet. Ferner die Wasserfalle, wo sich Wildbäche über hohe Felsen herabstürzen und in den feinsten Staub zertheilt werden. Von diesen behauptet der weltbekannte, gewaltige, 70 Fuß hohe Rheinsturz, Rheinsall genannt, eine halbe Stunde unter Schaffhausen, den Vorrang, obgleich er außerhalb dem Gebiete der Alpenwelt sich befindet; diesem folgt im Haslithal der sehenswerthe Aarsall bei der Handeck, wo sich dieser neugeborne Fluß bewunderungswürdig schön in einen finstern bewaldeten Abgrund stürzt; der schöne Fall des Alpbachs bei Meiringen; die sieben Fälle des Reichenbachs ebendaselbst, von welchen der oberste der prachtvollste ist; der in ebensoviel herrlichen Stürzen in den Brienzersee fallende Gießbach; der Schma- dribach im Amerten und der prächtige Staubbachfall im Lauter- brunnenthal; der Engstligensturz von der Engstligenalp; der schöne Simmensiurz im Simmenthal, der Fall des Gentelbachs im Gen- ^ telthal; die Stäubi im Urner-Schächenthal, bei welchem das Wasser in einen Staub zerstäubt; der Schreienbach im Glarnerland; der schöne Fall der Salance, genannt Pissevache im Unterwallis rc. i Einen ihnen ganz eigenen Reichthum haben die Hochalpen auch an den Krostallhöhlen auszuweisen, die in den Gebirgen von Ury, Bern, Bünden und Wallis vorzüglich sind, und bilden hauptsächlich die Urnerberge, wegen ihres Reichthums an Krystallgruben, den Geburtsort des Krystalls. Man findet in denselben bisweilen Quarzkrystalle von besonderer Schönheit und Größe, die sehr gesucht und an Liebhaber zu guten Preisen verkauft werden. An edlen Metallen ist das Schweizer- gebirg übrigens arm; doch führen einige Flüsse Goldsand. Dagegen findet man Eisen, Blei, Zink, Schwefel, Marmor, Alabaster, Vitriol, Steinkohlen, Torf, Gips u. s. w. und heilsame Mineralquellen; Salz ward bisher nur zu Ber im Kanton Waadt gewonnen, seit kurzem öffnete sich im Kanton Basel eine reichhaltige Salzquelle vielleicht für einen großm Theil des Bedarfs der Schweiz. *) s Das Gewild in dem Hochgebirge ist nicht mehr zahlreich. Von wilden reißmden oder Raubthieren schaden Wölfe und Bären bisweilen, auch Luchse sind nicht ganz selten, ebenso der große Lämmergeier. Man trifft selten auf den höchsten Kuppen noch Steinböcke. Von wilden, Diese Sainc liegt eine Stunde rheinaufwärts von Basel und ig »Schweizer- Halle" >enannt. Das Stcinsalzlager befindet fich aoo Fuß unter dem Spiegel des Rhcils. Die Saline wird von Herrn von Scckendorf, dem Schwiegersohn des kigenthümers Herrn von Glcnk aus Gotha. geleitet. 04 aber nicht reißenden Thieren, sind außer dem Steinbock, die Gemse, das Murmelthier und der Dachs die bekanntesten, denen nachgestellt wird. Besonders wichtig ist die Gemsenjagd, die eine Menge Häute gibt, und das Fleisch bei Vielen zu den Leckerbissen gehört; sie wiegen ausgewachsen 60 Pfund; Nudel von 20 Stück sind selten, und nur im Kanton Bern, Ury, Unterwalden, Glarus, Bünden, Tessin und Wal- lis noch sichtbar. In den Thälern beschränkt sich die Jagd auf Rehe, Hasen, Füchse und anderes Wild von weniger Bedeutung. — Großer Hang zur Jagd, wenige und selten beachtete Jagdgesetze haben das Wild jeder Art vermindert. Fasanen finden sich nur noch am Fuße der Alpen und im Wallis. Sonnen-Auf- und Niedergang in den Alpen. Auf- und Niedergang der Sonne ist eines der imposantesten und ergreifendsten Naturspiele der Alpenwelt; besonders besuchenswerth sind in dieser Hinsicht das Faulhorn, der Rigi, der Albis, der Weis- senstein, der Molesson und unzählige andere Gebirgsstöcke, von welchen die Aussicht unbeschreiblich reizend und groß ist. Die rosenroths Beleuchtung der Schneeberge zu Anfang oder Ende des Tages, heißt das Alpenglühen. Der unsterbliche Albrecht vonHaller (dessen immer blühende Saat seiner irdischen Geisteskraft den ewig fortlebenden Meistersän- ger beurkundet) sagt in seiner unübertrefflichen Alpenschilderung: »Hier, wo der Alpen Haupt die Wolken übersteigt, »Und der crhab'ncn Welt die Sonne näher scheint, »Hat, was die Erde sonst an Seltenheit gezeugt, »Die spielende Natur in wenig Land vereint. «Wahr ist's, daß Lpbicn uns noch mehr Neues giebet, »Und jeden Tag sein Sand ein frisches Unthier steht; ^ »Allein der Himmel hat die Schweiz noch mehr geliebet, »Wo nichts, was nöthig, fehlt, und nur, was nützet, blüht; - Der Berge wachsend Eis, der Felsen steile Wände »Sind selbst zum Nutzen da, und tränken das Gelände.« und wie schön spricht sich der geistvolle Ebel in folgendem Satze aus: »Es gibt keinen würdigern Tempel des Nachdenkens und der Weisheit, als die Himmelschauenden Alpen; sie sind der einzige Wallfahrtsort, zu dem Jeder pilgern sollte, Hem die moralische Gesundheit und Kraft das höchste Kleinod des Menschen dünkt, und der die Befestigung desselben für das wichtigste Geschäft des Lebens hält.-- tiii v. Das Juragebirg. Ein anderes Gebirg in der Schweiz ist der Jura oder Leb erborg, der bei Genf in dieselbe eintritt, und sich von Südwest nach Nordost, in mehreren neben einander fortlaufenden Ketten, die meist Längethäler bilden, bis zum Lägernberg im Kanton Zürich fortzieht. An Höhe kommt er nirgends den Spitzen der Voralpen gleich, enthält aber viele gute Weiden und schöne Wälder, und auch sogar in seinen höchsten Thälern zahlreiche gewerbsame Ortschaften. Seine höchsten Spitzen sind: die Dole, der Mont-Tendre, Deut de Baulion. die Aeguille de Baume, der Chasseron, aste im Kanton Waadt; der Chaumont ob Neuenburg, der Chasseral ob Neustadt im Kanton Bern; die Hasenmatt, der Weißenstein, der Paßwang im Kanton Solothurn; der obere und untere Hauenstein und die Schafmatt, zwischen den Kantone» Solothurn und Basel; die Wasser- und Gysulaflue im Kanton Aargau und der Lägernberg im Kanton Zürich. Ueber den Jura führen folgende Hauptstraßen: i) Bon Genf durch das Dappenthal, und von Nion über St. Cerque nach Frankreich; 2 ) von Dverdon über Orbe nach Pontarlier; 3) von Neuenburg Lurch das Traversthal ebenfalls nach Pontarlier; eine andere über Valengin durch das Ruzthal ins Erguel; 4) von Viel über Bötzingen, Sonceboz, durch den Pierre-Pertuis nach Pruntrut, durch St. Jmer nach La- chauxdefond und durch das Münster- und Birsthal nach Basel. 5) Im Kanton Solothurn über den obern Hauenstein ins Baselische, und 6) von Aarau über die Staffelegg und von Brugg über den Bötzberg ins Frickthal. Noch befindet sich ein, jedoch nicht hoher Gebirgszug zwischen dem Jura und den Alpen, der Jurten oder Jorat. Er erhebt sich auf der Ostseite des Neuenburgersees, zieht sich südlich durch die Kantone Freiburg und Waadt, und senkt sich zwischen Lausanne und Divis steil in den Genfersee. Ueber denselben führt die Straße von Lausanne nach Moudon, Freiburg und Bern, und von Vivis über Chatel St. Denys und Bulle nach Freiburg. Gewässer der Schweiz. Seen und Flüsse bilden sich aus der Menge der auf und aus den Bergen entspringenden Quellen und Bächen, die stets vom schmelzenden Eis und Schnee der Alpen genährt zu kräftiger Stärke gedeihen. ». Die Seen. i;-I,t lie F»IN»I> und der größere Theil der Gewässer des Zura, so weit er in der Schweiz liegt, bilden den Rhein, welcher drei Quellen in Graukünden zählt; der Vorderrhein kommt aus dem kleinen See Thoma, an der 6im» . 1,1 «:>äur, fließt durchs Tavetscher- thal nach Diffentis; hier verbindet er sich mit dem vom Lukmanier durch '1 Der Doubs verbindet, vermittels! der Saone, Rhone und des Elsaiserkanols, die Nordsee mit dem mittelländischen Meere. 70 das Medelserthal kommenden Mittelrhein. Schon bei 60 Bäche haben Liese beide aufgenommen, da sie den Hinterrhein bei Reichen»« erreichen; dieser kommt von dem Rheinwaldgletscher und Tambohorn oder dem sogenannten Paradies. Er erhält sogleich viele Zuflüsse, windet sich durch verschiedene Felsengen, und zählt, bis er Reichen»» erreicht, dreißig Verstärkungen, unter denen die schwarze Nolla und die weiße Albula zu bemerken sind. Von hier an wird der Rhein breiter und mächtiger und schon für Flötze brauchbar, und bald auch für lebendige Schifffahrt. Wer wird nicht von heiligen Gefühlen ergriffen bei dem Anblicke der gewaltigen Natur, welche dem größten Flusse der Schweiz und Teutschlands, und wohl gar dem herrlichsten in Europa den Ursprung verleiht? Wir folgen dem Fürsten der Flüsse aus seiner hehren Wiege und sehen ihn bei Chur mit der Pleffur, bei Malans mit der Landquart sich vereinigen, ihm von Pfäffers her die wilde Tamiua sich beigesellen, und ihn bei Reuti die Ist aufnehmen. In erstarkter Kraft verläßt er unter Fläsch, bei der Bergschlucht Luziensteig, das Heimathland, und bezeichnet bis Rheinegg, wo er in den Bodensee sich ergießt, die Grenze zwischen Teutschland und dem Kanton St. Gallen. In stillem, kaum bemerkbarem Laufe, nehmen wir unsern Rhein dann unfern den lieblichen Ufern des thurgauischen Edens wahr, die Gewässer des Bodensees durchziehend, die nahen Städte dreier Königreiche, und die lebensfrohen Einwohner der stets sich verjüngenden begrüßend; in würdevoller Größe strömt seine Fluth, nachdem sie bei Stein, im Kanton Schaffhausen, sich vom Bodensee geschieden hat, der biedern Stadt Schaffhausen zu, und entstürzt mit furchtbarem Donner im prächtigen Wasserfalle den Felsen bei Lauffen. Nicht duldend hemmenden Widerstand, drängt der starke Freie, mit dem sich bei dem aargauischen Dorfs Koblenz die durch die Limmat und Reuß verstärkte Aar vereinigt hat, tosend und schäumend bei Lauf- fenburg durch das enge Bett schroffer Felsklüfte gewaltsam hindurch, und verläßt endlich unterhalb Basel, nachdem er oberhalb dieser Stadt die am 26. August 1444 von dem Blute jener tapfern, in ruhmvollem Unglücke unterlegenen Eidgenossen, gefärbte Birs empfangen hat, die Schweiz, um so fort einerseits entlang der gesegneten Fluren des glücklichen Landes. Baden, anderseits entlang des fruchtbaren Elsasses, und nahe seiner lebendigen Hauptstadt Strasburg, die schönsten Theile der Gaue Teutschlands zu durchströmen. Sanft gleitend führt uns jetzt der Herrliche hier an ehrwürdigen Tempeln und Domen vorbei, von denen feierliches Festgeläute herüber 71 tönt, und dort an einer ehrsurchtgedietenden Reihe hoher Felsendurgen, den ehmaligen Sitzen entschlafener Geschlechter, und den hehren Denkmälern einer starken, längst verrauschten Zeit, und da an köstlichem Rebengelände vorüber, wo ihn der lustige Winzer geschwungenen Hutes mit frohem Gejauchze, und die muthwillig schäckernde schöne Winzerin mit Hellem Gesänge bewillkommen. Aus jenen über die Bergrücken sich lhindehnenden Forsten schlägt der schallende Ruf des Jagdhorns, und das fernher lautende Gebell der emsigen Rüden, in wild schönem Einklang an unser Ohr; in mannigfaltiger Farbenpracht erglänzen im Abendgolde auf seiner spiegelnden Fläche Wimpel und Schiffe, von de- renkVerdeck uns im Schmelz der Töne der Hauch lieblicher Harmonien anweht; aber auch fernerhin bringt uns Vater Rhein, nachdem er nahe der merkwürdigen Stadt Mainz — so wie früher bei dem freundlichen Mannheim den friedlichen Neckar — auch noch den kräftigen Mainfluß als Reisegefährten angenommen, und sich unterhalb der Riesenfestung Chrenbreitstein, bei Koblenz, mit der raschen »laselln vermählt, die Lahn, Sieg und Ruhr, als Begleiterin adoptirt hat, die Ufer der ergiebigsten Provinz Preußens bespülend, zu den bedächtigen lUHlüeers und den die Meere beherrschenden «ioli-i»,»'«, wo gewinnreicher Verkehr die Völker des Erdballs vereinigt. *) Die Aare folgt nach dem Rhein als zweiter bedeutender Strom der Schweiz. Sie entspringt aus drei Hauptquellen, von denen die erste dem Oberaargletscher, im südwestlichsten Hintergründe des Aarbo- denthalS, auf der Grimsel entströmt; die zweite, am westlichen Ende desselben Thals, aus dem Finsteraargletscher hervorkömmt, während die dritte nordwestlich aus dem Lauteraargletscher stürzt. Bei Vereinigung ihrer drei Arme ist die Aare 6270 Fuß üb. M. erhaben. Die Aare strömt nach den ersten kühn besiegten Schwierigkeiten ziemlich ruhig Lurch das öde Aarbodenthal und nördlich unter dem Grimselspital dahin. Eine enge Schlucht nimmt sie auf, sie stürzt in ihr von Felsen zu Felsen, bis sie wieder beruhigter im Thälchen von Räterisboden 4880 Fuß üb. M. erscheint. Nicht ferne von hier beschleunigt ein jäher Abhang ihren Lauf aufs neue. Sie bildet oberhalb der Handeck-Sennhütte einen sehenswerthen Fall, und stürzt unterhalb (4260 Fuß üb. M.) mit An dcr holländischen Grenze gewinnt der Rhein eine Breite von 1800 Fuß. Er theilt sich bei dcr Schenkenschanze und geht bei Catwik nur als ein Graben noch zur Nordsee. — Die Gesammtlängc des Rheins beträgt 175 Meilen, die von seinen Quellen bis Basel SS mit 15 Brücken. Seine Quellen liegen 7000 Fuß hoch. Sein Gefall ist: Dissentis zsso, im Bodensee irso, bei Laufen 107z, bei Basel 780 , bei Strasburg nsa, bei Worms 28», bei Mainz 256 , bei Köln li2. bei Düsseldorf 100, bei Wesel so und bei Aruheim sS Fuß über Meer. 72 überraschender Schönheit in einen finstern bewaldeten Abgrund. Zhr Lauf wird unterhalb Guttannen weniger brausend. Oberhalb Jmgrund nimmt sie den Urbach und unterhalb den Engstlenbach auf, durchschlängelt die finstere Schläuche bei Meyringen und ergießt sich unter Tracht- Gemeinde Brienz — in den Brienzersee, welchen sie bei Jnterlachen wieder verläßt, um unterhalb des Schlosses Weißenau durch den Thu- nersee zu eilen, den bei Thun wieder verläßt und bis Bern einen Fall von 210 Fuß hat. Von Bern an, welches sie auf drei Seiten umschließt, zieht sie in großen Krümmungen Solothurn zu, nimmt unter dieser Stadt die größere Emme auf, gibt dem Aargau seinen Namen, nimmt bei Wilervltingen die Sane auf und bildet die Insel, auf welcher Aarberg liegt. Bei Brugg drängt sie sich durch enges Felsbett und mischt sich bei Koblenz mit den bläulichen Fluthen des Rheins, welche sie hier bedeutend an Größe übertrifft, denn sie führt von Orbe bis an die See; alle Wasser der Schweiz dem Rhein zu. Von ihrem Ursprung bis hieher hat die Aare einen Fall von etwa 6700 Fuß. Unterhalb Klingnau ist sie 600, bei Brugg nur 65 Fuß breit. Schiffbar ist sie vom Thunersee an. Vom Brienzersee führen bis znr Mündung der Aare 15 Brücken über dieselbe. Die Reuß hat ebenfalls drei Quellen; die mittlere kömmt von dem im Kanton Tessin liegenden Luzsndrosen, auf der obersten Höhe der Gotthardsstraße, die andere vom Oberalpsee, die dritte und kräftigste vom nördlichen Abhänge der Furka, sie vereinigen sich alle drei im Ursernthale, 4350 Fuß üb. M. In raschem Laus durchstreicht sie, die sogenannte Teufelsbrücke passirend, das Hauptthal von Ury und fließt bei Seedorf in den Merwaldstättersee. Sie nimmt nördlich bei Wasen den Mayenbach, beim Dorf Amsteg den Kerstellenbach, durch das Maderanerthal, und den Schächenbach, durch das Schächenthal von Tismar und den Claridenalpen herkommend, auf. Durch den Vier- waldstättersee verstärkt sich die Reuß: bei Brunnen durch die Muotta vom Miesern am Pragel, die Nidwaldener Aa von den Surenenalpen, die Obwaldener Aa vom Lungernsee, welche bei Sarnen den Melchfluß aufgenommen und sich bei Alpnach in den See mündet. Bei Luzern verläßt sie den See, nimmt die kleine oder Waldemme vom Giswyler- stock auf, dann den Abfluß des Aegeri- und Zugersees, endlich die Lorze bei Maschwanden und mischt sich bei Windisch mit der Aare. Die Limmat. Nur von Zürich an bis zu ihrem Erguß in die Aare bei dem Dörfchen Vogelfang, führt sie diesen Namen. Sonst heißt sie Linth in ihrem obern Lauf vom Fuß des Tödi und Selbsanft, wo sich mit ihrer obersten Quelle, dem Oberstaffelbach, der Sand- und 73 Limmernbach vereinigen. Sie passirt unter der Pankenbrücke und erfaßt alle Wasser des Glarnerlandes; bei Schwanden die Sernst und bei Nettstall die Löntsch. Ehemals mündete die Linth eine halbe Stunde unter Wesen in den Abfluß des Wallensees, Maag genannt, und richtete zuweilen furchtbare Verwüstungen an; jetzt aber ist sie durch einen künstlichen Kanal in den Wallenstädtersee, und aus diesem in den Zür- chersee geleitet. Seine Länge beträgt 70,000 Fuß. Im Wallenstädtersee nimmt sie nebst andern Bächen die aus dem Weißtannenthal strömende Seer, und in dem Zürchersee bei Lachen die aus dem Wäggithal kommende Aa (Schwyzer-Aa) auf. Unter Zürich gesellt sich ihr die im Kanton Schwyz entspringende Sihl, welche durch den vom Mythen fließenden Alpbach und durch die Biber verstärkt ist, zu, und bei Die- tikon die vom Türlersee kommende Reppisch. Die Rhone. Auch dieser Fluß hat drei Quellen am Fuße der Furka, 5150 Fuß üb. M., im obersten Theil des Kantons Wallis. Diese Quellen strömen nach ihrer Vereinigung zur Seite des Gletschers, dem sie den Namen Rhonegletscher geben. Der junge Strom wühlt sich durch Eistrümmer und Felsenstücke eine Zeit lang, dann stürzt er aus der wilden Einöde in malerischen Fällen durch waldige Region, brauset durch gewaltige Schlucht, wird wieder ruhiger nach Aufnahme mehrerer kleinen Bäche und verbirgt sich bei Deisch durch eine Tiefe, welche er ausgehöhlt hat und über welche eine merkwürdige steinerne Brücke führt. Von Briegg aus sieht man die Rhone wieder, nachdem solche an 12 Stunden Strecke 3240, Fuß Fall hatte, ruhig fortwallen; aber von hier aus beginnt sie Sümpfe zu bilden, welche besonders die Luft des untern Wallis verpesten. In den Sommermonaten richtet sie große Verheerungen an. Eine Menge größere und kleinere Inseln — zum Theil mit Ruinen ehemaliger Ritterschlösser beschwert — liegen zerstreut in der Rhone. Fünfzehn zum Theil kühn und hoch erbaute Brücken führen über diesen Fluß, welcher in Wallis 80 Bäche aufnimmt, während er 41 Stunden den Kanton durchläuft. Bei le lioveret mündet die Rhone in den Genfersee, dunkelblau entströmt sie diesem See, durchschlängelt den Kanton Genf auf 6 Stunden weit, indem sie noch die Arve, die Lnnckvi, und I,»;,-« in sich aufnimmt, drängt sich durch die Bergschlucht des k^rt l'Leluse, zwischen Hei.« und dem Jura, verliert sich unter Lellj-Lr-ke durch einen engen Felskanal unter der Erde, und eilt sodann Lyon und dem mittelländischen Meere zu. Die Länge des Rhonelaufes beträgt 100 Meilen. Bei Briegg liegt solche 2050 Fuß üb. M., Sitten 1580, Martinach 1430, Lyon 430, bei Mündung der Jsere 320 und Lei dem Einfluß der Dürance 60 Fuß. 74 Der Tessin (u 3kicm<>), welcher dem Kanton den Namen verleiht, entspringt nächst dem Hospiz auf dem Gotthard 6590 Fuß üb. M. und aus mehreren kleinen Seen des Livinerthales, das er durchwogt; zehn derselben fließen ihm vermittelst kleiner Bäche zu; nachdem er die klar» aufgenommen, drängt er sich bei Varia gi-an.1« in gewaltiger Schlucht Lurch den Piotinoberg, stürzt sich bei Oiori.ic«, am Freißer Stalden schäumend über Felsen, verdoppelt sich durch den vl°j-i>o, den er unter vi-.se» empfängt, nimmt die »loes», und unter Qiul.i»se» die ltlarobbia auf, und ergießt sich bei Magadino in den vaxa iriax- xiore (Wasserspiegel, 762 Fuß üb. M.), dem er bei Sesto Calende wieder entströmt. Der Tessin ist seines felsigen Bettes halben bis zu seiner Mündung unbeschiffbar; er richtet öfters große Verwüstungen an. Von Airvlo bis zu seiner Mündung führen 7 Brücken über ihn, von welchen die bei Bellenz die vorzüglichste ist. Unterhalb Pavia vereinigt er sich mit dem Po, mit welchem er sich ins adriatische Meer ergießt. Bei Airvlo 3530 Fuß üb. M., bei Faido 2290, bei kiornico 1070, bei Bellenz 720. Der Doubs kömmt aus einem kleinen See Frankreichs, oberhalb lvoutlie an der Waadtländergrenze, am N.W. Fuße des Risoux, passirt den See von 8t. voint und betritt oberhalb les vre»ets die Schweiz, deren Grenze er auf 12 Stunden weit bildet, nachdem er einen auffallenden Fußfall von 60 Fuß Höhe (8»»t er Kuh gemacht werden. Die beßten Zugochsen hat Aargau und das anstoßende Berner Gebiet. Die Kühe von Schwyz sind minder groß an Gewicht, kaum 5 Ctr., aber eben so geschätzt; Masiochsen von 30 Ztr. sind keine Seltenheit. Das Vieh von Appenzell und Zug ist nicht klein, aber doch nicht über 5 bis 6 Ztr. Das Entlibucher gleicht dem Schwyzer, ist etwas kleiner, von schwärzlichbrauner Farbe, mit weißgrauem Strich über dem Rücken, weiß an den Ohren, Nase und innern Schenkeln; diese Zeichnung ist im Lombardischen so beliebt, daß für ein solches Stück 2 bis 2/2 Louisd'or mehr bezahlt wird, als für jede andere Gattung. In den Kantonen Graubünden und GlaruS sind die Kühe nicht sehr groß, aber milchreich; da man den jährlichen Ertrag auf3780 Pf. Milch anschlägt, durchschnittlich auf eine Kuh täglich 18 Pf. bei frischem und auf ö Pf. bei trockenem ») Der Nutzen einer Kuh während iö bis ,8 Wochen der Alpfahrt läßt lieh im Durchschnitt auf s birSMaaßMilch täglich angeben. Auf jeder Alpe behauptet die stärkste Kuh den Vorrang, an einigem Orten wird sie Ringcrin oder Herr- kuh genannt. Sie schreitet überall voran, trägt die größte Glocke, wird zuerst gemolken, unv die übrizcn folgen ihr nach. 30 Futter. Weniger schön sind die Ra,en in llry, Unterwalden, Wallis, Tessin und den meisten Zuragegenden. Nach angestellten Berechnungen verhält sich die Zahl des Rindviehes zur Volksmenge im Sommer wie 45 zu 100 und im Winter wie 30 zu 100; daher wären im Sommer 955,000, im Winter 637,000, im Durchschnitt 796,000 Haupt Hornvieh vorhanden, worunter mehr als X, Milchkühe. Die Ausfuhr bringt diesen großen Unterschied zwischen Sommer und Winter*). In verschiedenen Gegenden werden auch Geißkäse (Ziegenkäse) — die Zahl der Ziegen vorzüglich in Graubünden, Tessin und Wallis ist beträchtlich — und in der italienischen Schweiz viele Schafkäse gemacht. Aus der abgerahmten Milch wird durch ein aus mehreren zusammengesetzten Verrichtungen S chabzi eg erkäse gewonnen; welcher durch eine Beimischung von SIeinkleepulver die grüne Farbe erhält. Endlich wird noch durch das Einsieden der Nachmolken Milchzucker bereitet. Je höher die Weide für die Kühe liegt, je besser und kräftiger das Futter, und so auch die aus dieser Milch bereiteten Käse. Die besten Schweizerkäse sind: Greyer- ser, Emmenthaler, Simmenthaler, Saaner und Unterwaldner; welche jede Versendung zu Wasser und zu Land in die entferntesten Gegenden gut vertragen. Federvieh. Diese Zucht ist nicht besonders bedeutend; bloß in niedern Gegenden, nächst den Städtchen, werden verschiedene Hühnergattungen gezogen, und im ehemaligen Bisthum Basel viele Gänse, des Flaumes wegen. Bienenzucht. Die Kantone Tessin, Wallis und Appenzell erfreuen sich aller Vortheile derselben, aber nicht allenthalben gedeiht solche; wo übrigens die Lage günstig ist, pflegt man sie sorgfältig; besonders macht die Bienenzucht Fortschritte im Kanton Bern. Thierreich überhaupt. Alle in Deutschland zahm lebenden und sonst einheimischen Thiere finden sich auch ebenso in der Schweiz; so die Insekten und Amphibien. Außerdem noch der Luchs und Steinbock (beide aber äußerst selten), weise Alpenhasen, schwarze Eichhörnchen, Murmelthiere, Gemsen, schwarze und rothe Bären, die großen Lämmergeier, das Schneehuhn, der zierliche Alpenflühvogel; Vipern und Scorpionen (nur im Kanton Tessin). (Ueber Alpen-Insekten und Schmetterlinge s. Alpina S. 86. H.) Großer Hang zur Jagd, viele Freiheit, wenig und beinahe nicht beachtete Jagdgesetze haben das Wild jeder Art sehr vermindert; nur noch in den Kantonen Aargau, Solvthurn, Luzern und Tessin ist etwas ergiebige Jagd. Frau eins behauptet: daß der Werth der schweizerischen Milchprodukte sich «ehrlich über aq,700,000 Schweizcrfranken betrage. Die Fischerei betreffend, so zeigt sich fast allenthalben das nehmliche Ergebniß wie bei der Jagd; die Abnahme der Fische wird täglich fühlbarer, wozu nicht allein die starke Zunahme der Bevölkerung, sondern auch die steigenden Mißbrauche bei der Fangweise und Mangel an Aufsicht über Schonung der Fischbrut und der Laichzeit, am meisten beitragen. Das Nähere über Jagd und Fischerei bei Beschreibung der einzelnen Kantone. Gewerbe und Fabrikation. In den starke Viehzucht treibenden Gegenden finden sich nur die nothwendigsten Gewerbe; Fabriken blühen dort nicht oder nur spärlich; dagegen erfreuen sich derselbe» die industriellen Kantone in Menge. Ein großes Quantum Hanf und Flachs wird alljährlich gesponnen und zu allerlei Zeugen verwebt; oeßgleichen unglaublich viel Baumwolle. Manche Hände und Maschinen sind durch Seidenweberei beschäftigt. Die Verarbeitung der Wolle ist äußerst beträchtlich, aber dennoch nicht hinreichend zum Bedürfniß des ganzen Landes. Fabriken in Kattun, Zitze, Mousseline Percale und Bändern >c. ; Bleichen, Färbereien, Druckereien, Appretureinrichtungen hin und wieder sehr häufig. Großwerkstätt-n von Goldschmieden, Silber- und Schmuckarbeitern , Uhrmachern rc. sehr zahlreich. Feines, mittleres und ordinäres irdenes Geschirr im Ueberfluß. Die Tabakfabriken mehren sich stets, können aber das Ausland noch nicht entbehrlich machen. Viele Gerbereien sorgen ausgedehnter für den Verbrauch im Inlands. Papier und Schießpulver wird von vorzüglichen Qualitäten fabrizirt auch zu Versendungen nach dem Auslande. Es ist bekannt genug, wie viele Hindernisse sich den schweizerischen Manufakturen seit einer Reihe von Jahren entgegenstellen, durch hohe Zölle der Nachbarstaaten, allgemeine Sperren rc., dennoch haben sich solche nicht nur behauptet, sondern noch beträchtlich vermehrt und mithin ausgedehnt. Näheres bei den einzelnen KantoNen. Handel. Haupthandelsplätze und Manufakturstädte der Schweiz sind: Basel, Gens, St.Gallen, Zürich, Winterthur, Neuenburg, Aarau rc.; zumal zählen die erster» sehr reiche Häuser. Durch die in jeder Hinsicht günstige Lage besteht ein lebendiger Waarendurch- gang für Kommissionäre, Speditionshäuser, Fuhrleute rc. Vortheilhaft sind die großen Handelsstrcßeu von Genf nach Rorschach; von St. Gallen nach Chur über den Splügen und Bernhardin in das lombardisch- venetianische und sardinisch: Königreich; die Straße von Basel über den untern Hauenstein nach Lu;-rn, an den Vierwaldstättersee und über den St. Gokthard, eben dahin, vorauf die Simplonstraße führt; selbst der Paß über den großen St. Bernhard ist wichtig. Die Schweiz steht nit allen Ländern Europas und den entferntesten Welttheilen in Handesverbindungen, die sich stets mehr ausdehnen. Ausfuhrartikel ind: Fische, einige Mineralien, Marmor, Baustein, Schiefer ic.; se,r viel Rindvieh: Kühe, Stiere, Mastochsen; 6 82 ansehnliche Quantität Pferde, Ziegen; vorzüglich Käse, Butter; etwas Wein, gebrannte Wasser, getrocknetes Obst, Brenn- und Bauholz, Medizinal - und andere Pflanzen; ein beträchtliches Quantum Seide aus dem Kanton Tesstn, sabrizirte Artikel in Baumwolle, Leinen und Seide; Spitzen, Bänder, Uhren, gegerbte Häute, Holzarbeiten, Maschinen, Bücher, Juwelen und Schießpulver. Eingangsartikel. Viel Getreide, Reiß, Wein und Branntwein, Taback, Del, Südfrüchte, Wildpret, Meerfische, Salz; viele Metalle; Pferde fremder Ra^en; Schafe, Schweine, besonders Merinos; Seide, Baumwolle, Färbestvffe, Medizinalmaterialien, Zucker, Kasse und andere Kolonialwaaren; Wachs, Honig; dann alle Arten Manufakturartikel, besonders wollene Tücher, Kirchenzierathen, Metallarbeiten, Bücher, Edelsteine, Prunkgeräthe. Zur Förderung und Erleichterung des Verkehrs im Innern der arbeitsamen Schweiz, dienen die mit zweckmäßigen Fahrzeugen versehenen Flüsse, die gebahnten und wo es nöthig ist durch Brücken verbundenen Straßen, die Hauptscen, auf welchen sich stets lebendige Schifffahrt bewegt und zumal Lurch die Dampfschiffe, so jetzt allerwärts erbaut sind, recht belebt werden, endlich die in den meisten Kantonen gut eingerichteten Posten und sichere Botenfuhren-Anstalten. Auch ist endlich der vieljährige allgemeine Wunsch erfüllt: daß für die ganze Schweiz nur einerlei Maß und Gewicht eingeführt werde, statt der bisher bestandenen widrigen und beschwerlichen Mannigfaltigkeit. ES besteht wie folgt: Maß und Gewicht. Vvm 1. Januar 1838 an gelten in der Schweiz die, in Folge des am 3. und 5. Februar 1836 von zwölf eidgenössischen Ständen abgeschlossenen Konkordats, neu einzuführenden schweizerischen Maße und Gewichte. Diese schweizerischen Maße und Gewichte stimmen in allem Wesentlichen mit dem badischen Maß und Gewicht überein. Ein Schweizerfuß — 0? Metre — i badischen Fuß; der Fuß wird in 10 Zolle, der Zoll in iv Linien zu 10 Striche getheilt. 2 Fuß — i Elle; 4 Fuß — i Stab (beide werden in Halbe, Viertel und Achtel getheilt); 6Fuß—iKlafter; lOFuß—iRuthe; i6,000Fuß—ischweiz.Wegstunde. Ein schweizer. Hj Fuß — i bad. sU Fuß; i sH Klafter —36ID Fuß; 11HRuthe -- i bad. HjRuthe —100 fUFuß; i Juchart — i bad. Morgen — 400 m Ruthen — 40,000 m Fuß; die m Stunde von 16,000 schweiz. Fuß, Seite oder Juchartinhalt gilt als geographisches Flächenmaß. Ein schweizerischer Kubikfuß — lOOO Kubikzvlle — i bad. Kubik- fuß; das Kubikklafter, das bei Messung von Heu, bei Bauten, Ausgrabungen und Steinbrüchen angewendet wird, faßt 216 Kubikfuß in sich. Das schweizer. Brennholzklaster hat 6 Fuß Höhe und Breite, oder auf der Vorderfläche 36 HIFuß; die Scheitlänge ist noch nicht allgemein bestimmt. 83 Die Einheit der Hohlmaße für trockene Gegenstände ist: das Viertel «Znnrieron) von 15 franzvs. Littres, dem bad. Erster entsprechend; der zehnte Theil desselben ist das Zmmi () — i bad. Mäßlein. — Zum Gebrauch im Verkehr werden auch halbe Viertel und Viertels Viertel nach dem Halbirungssystem zugelassen. Das Zehnfache des Viertels heißt Malter und ist dem badischen Malter gleich. Die Einheit der Hohlmaße für flüssige Stoffe ist die Maß (I« >>ot), von 1)4 sranzös. Litres — i bad. Maß; die Maß wird für den Verkehr nach fortgesetzter Halbirung getheilt. 100 Maß — i Saum — i bad. Ohm.*) Die Einheit des Gewichtes ist das schweizer. Pfund — )4 Kilogramme — 1 bad. Pfund. Es wird eingetheilt: ») für wissenschaftliche Zwecke, so wie für Münzen, Gold- und Silberwaaren, in 50« Gramme, welche den französ. Grammen vollkommen gleich stnd; l.) für den Verkehr in 32 Lothe und fortgesetzte Halbirungen desselben, 100 Pfund ^ i Zentner. An die Meilentafel ist anzureihen: Neue schweizer. Wegstunde s— i6,ooo schweizer. Fuß oder 4,800 Metres); ein Meridiangrad enthält 23/47 Wegstunden; die Größe der Wegstunde beträgt 14,777,77 pariser Fuß oder 0,64s geographische Meilen; i geographische Meile enthält 2,fZ Stunden. Anmerkung wegen dem Weinmaße in der Gegend des Bodensees. (Die Berechnung ist ungemcin bequem.) Man verkauft und kauft dort die Weine nach Fuder, Eimer, Quart, Maß, Schoppen. Ein Fuder hält 3o Eimer, »80 Quart, göo Maß und ssao Schoppen. Ein Eimer hält rö Quart, 32 Maß und 123 Schoppen. Ein Quart hat 2 Maß oder 8 Schoppen. Eine Maß thut a Schoppen und wiegt an Brunnenwasser 2 Pfund, is Loth, 72 Ouintlcin Konstanzen Leichtgewicht. Ein hierländischcr Eimer oder 32 Seemaß thun zu Augsburg 32 und z zehnte Theile einer Schenkmaß, ao. 7 Pintes, 20. Pinien, 16. a Maß, 2g. 6 Maß, 2y. 2 Bocali, zu Basel 30. 6 neue Maß, zu Bern 23. 2 Maß, zu Cöln 25. 5 Maß, zu Dresden ao. 8 Schenkkannen, zu Durlach 28. 2 Eichmaß, zu Frankfurt 20. 7 Maß, zu Hamburg 21. i Kanne, zu Hannover lg. 6Maß, zu Heidelberg 18. 6 Maß, zu Leipzig Zi. 7 Schenkmaß, zu London 80. 7 Wcinpints, zu Mainz 20. 5 Maß, zu Nürnberg 38. s Maß, vm So viel fl. das Fuder, so viel 2kr. gilt der Eimer, und so viel Heller eine Quart. — Multiplicier den Betrag einer Quart mit 3, so hast du diesen vom Fuder. zu Paris zu Prag zu Rastatt zu Rcgensburg zu Rom zu Schaffhausen 2g. 2 Maß zu Straßburg ig. 4 Maß, zu Stuttgart zu Ulm zu Wien zu Winterthur zu Zürich 27. 5 Maß, 31. S Maß, 25. 8 Maß, 2g. l Maß, 2z. 3 Schenkmaß. »4 Münzen. Das Münzrecht übten die alten Kantone vor frühern Zeiten als Regale, und sehr verschiedenartig waren Benennungen und Werthe der Münzen. Im Jahr 1803 wurde als Einheitsmünze der Schweizerfranken in Batzen und Rappen eingetheilt, und 125>^ Gran rein Silber enthaltend, bestimmt und festgesetzt, daß alle Kantone ihren Münzfuß auf diese Geldsorte einrichten; aber auch davon wurde vielfach abgewichen, und Las zum gleichen Zweck seit 1826 errichtete Konkordat der westlichen Kantone wird jetzt kaum mehr gehalten. (Bemerk, von Lutz.) Nach den neuesten Unterhandlungen zu urtheilen, welche von Seiten schweizerischer hoher Behörden gepflogen worden, unterliegt es keinem Zweifel, daß nun auch der Zeitpunkt naht, in welchem ein allgemeiner gleicher Münzfuß durch die ganze Schweiz wirklich eingeführt, und somit dem ernsten Wunsche der hier handelnden und gewerbtreiben- den Mehrheit entsprochen werde, so wie zur Hebung des Verkehrs mit dem Auslande. Im Allgemeinen rechnet man den Louisd'or (Caroline) zu 16 Schweizerfranken 5 10 Batzen oder 100 Rappen in den Kantonen Aargau, Basel, Bern, Freiburg, Luzern, Solothurn, Unterwalden, Ury, Waadt, Wallis, Zug; den Werth von ii Gulden Reichsgeld hat er in den Kantonen Appenzell, St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau. Außerdem gilt der Louisd'or: in Genf 51 k'Iorins petite monnsie oder 14I,ivre«, 10 8ols, 6 Denier« eournnt« (1 l loiin — 20 8ols <> 12 Denier« p. INON. und 1 Divre — 20 8ol« » 12 Denier« cour.); in Graubünden 13^4 Gulden » 70 Bluzger oder 60 Kreuzer; in Glarus 10/2 Gulden » 40 Schillinge; in Luzern 12 Gulden » 40 Schillinge; in Schwyz und Zürich 10 Gulden » 40 Schillinge. (Sonst galt in Schwyz der Louisd'or 13 Gulden » 40 Schillinge); in Tesstu 34 1-ire n 20 8oIcü anstrinco — 37^2 1. il' e Dieinvnt. (in einigen Thälern zu 36 Dir« Venet.); in Ury 13 Gulden » 40 Schillinge n 6 Angster; in Zug 12 Gulden » 40 Schillinge; Demzufolge gilt i Schweizerfranken: in Appenzell, St. Gallen, Schaffhausen und Thurgau 41 Xj Kreuzer Reichsgeld; in Genf 18 8ols Is/z Denier« eour. — 3 klorins 3h^ 8vl« p. inon.; in Glarus 26 <4 Schillinge; IN Graubünden 51 Kreuzer — 59/2 Bluzger; in Luzern und Unterwalden 30 Schillinge; in Neuenburg 10 Batzen. (Man rechnet hier auch nach Livres, 8ols und Denier«, welches Prozent geringer sind, als die gewöhnlichen); in Schwyz und Zürich 25 Schillinge; in Tessin 42 ^ 8olüi austr. — 46 8ol.; in Graubünden 6 Gulden 40 Kreuzer; in Neuenburg 84 Batzen; in Schwyz und Zürich 5 Gulden; in Tesffn 17Lire 2 8oI. oder 15 Dir« 10/2 8ot männliche Geschlecht liebt vorzüglich noch außer diesen Genüssen den ! Becher, Spiel, Tabak, Scheibenschießen und Kegelschieben. Besonderer , Erwähnung verdienen die Schwingfeste (gymnastische Uebungen), welche ^ zu gewissen Zeiten von den Jünglingen und Männern der Bergbewohner abgehalten werden; die berühmtesten Schwinger find die Emmen- thaler und Oberländer des Kantons Bern, Entlibucher, Unterwaldner ! und Appenzeller. Allgemeine Nationaltracht herrscht nicht, jeder Kanton ^ hat auch hierin seine Eigenthümlichkeit; beim weiblichen Geschlecht ist solche sehr mannigfaltig; den Schönen der Kantone Bern, Solothurn, Aargau und Luzern wird von der Mehrzahl der Vorzug eingeräumt. In den wohlhabender» Kantonen zeigt sich sowohl rücksichtlich der Bekleidung überhaupt, wie im Hauptwesen, ziemlicher Luxus, besonders seit neuerer Zeit auch kostspielige Ausmöbelirung der Wohn- und Wirthschaftsgebäude, zweckmäßigere Einrichtung neuer Bauten und sorgfältige Unterhaltung derselben, nebst ihren Umgebungen; überall ist ein hoher Grad von Reinlichkeit sichtbar. Häufig stehen die Häuser auf dem Lande vereinzelt in Wiesen, die von Obsibäumen umgeben und mit silberhellen Büchlein oder klarem Brunnenablauf bewässert werden; andere Wohnungen finden sich an sanften Abhängen höherer Berge erbaut und haben dadurch die Eigenthümer eine bequeme Uebersicht ihrer zusammenhängenden Ländereien; kurz der größere Theil der Schweiz stellt ein wahres Eden vor, dem Ruhe und Frieden ungetrübt erblühen möge. Dampfschiffe ill der Schweiz. Dampfschiffe auf dem Bodensee. Leopold, Wilhelm und Helvetia; ein viertes soll jetzt in Lindau erbaut werden. Fahrten des Leopold. (Preise in Gulden.) Utwyl. 1)4 2 2^ 3)4 1) 4 2) 4 2 1Z 3 2 )4 Ueberlingen. 2 ) 4 2Z4 3) 4 2 2)4 )4 2 ) 4 3 ) 4 1 2ffs l)4 Steckborn. Stein. 2) 4 t)4 1§4 i)4 3 ) 4 i)4 32,4 1) 4 t)4 3)4 2) 4 Schaffhausen. 1 ) 4 2 ) 4 3 ) 4 3Z4 §4 i)4 4) 4 2Z4 4)4 2)4 )4 4 4^ )4 2)4 Rorschach. Preise des ersten Platzes, wobei 50 Pfund Gepäck frei sind. Der zweite Platz und Kinder unter 10 Jahren bezahlen die Hälfte der hier gegebenen Preise. lOO Pf. Uebergewicht zahlen den Preis des zweiten Platzes. 3)4 S4 2)4 i)4 3f4 i)4 i)4 )4 Radolfzell. 2 2) 4 3 ) 4 2 1/2 4 3 Mörsburg. i)4 2 2)4 )4 2)4 i)4 Ludwigshafen (Sernatingen). Lindau. 3)4 1 ) 4 3 2 ) 4 4)4 2 )4 i)4 Dießenhofen. 2 ) 4 4)4 3) 4 Constanz. 2)4 1)4 Bregenz. i)4!Arbon. 8 » Das Dampfschiff Wilhelm geht zwischen Rorschach und Friedrichshafen 5 Mal wöchentlich im Sommer und 4 Mal wöchentlich im Winter hin und her und dient hauptsächlich zum Transport von Getreide und Waaren. Bei 25 Pfund Gepäck zahlt der Passagier auf dem ersten Platze 38, auf dem zweiten Platze 24 Kreuzer. L. Auf dem Gcnfersee. Leman, Winkelried und Wilhelm Teil; davon macht das erstere 670 Fuß und das zweite 540 Fuß in einer Minute; das letztere mit 480 Fuß Geschwindigkeit hat seine Fahrten eingestellt. Preise Cntfer- Auf Auf Plätze. von Genf nung in dem Leman dem Winkelried nach Par. Fuß. in in ister. 2 ter. 39,900 1 Stunde. ISt. i5Min. 8Btz. 5 Btz. 65,280 i St. 38 Min. 2 „ 2 „ 16 „ 8 ,, Holle 101,920 2 „ 31 >, 3 „ 8 „ 24 „ 16 „ lllorz-es 143,630 3 „ 34 4 „ 25 30 20 „ 174,110 4 „ 20 5 „ 22 „ 40 .. 24 „ Vevox 228,080 5 >, 41 „ 7 2 „ 44 30 ,, Villeneuvo 254,680 6 23 „ 7 „ 54 „ so „ 34 Die Tour um den ganzen See kostet die Person 96 Btz. Man fährt um 9 Uhr Morgens von Genf ab. An jedem Landungsort muß man noch für das Ein- und Ausschiffen 4 Minuten rechnen. Manchmal befahren die Dampfbvte auch Las linke oder savoyische Ufer. Hier find folgende Entfernungen: von Genf nach LeUerive 21,480, Hei loonee 40,500, Neoore^orä 51,060, ^volre 73,140, Ilionon 109,140, Lvlan 141,840, Neillerie 173,460, 8. kinFoIxl. 194,220, Loveret 204,720, VUleneuve 221,430 Pariserfuß, wozu der Leman 5 Stunden 51 Min., der Winkelried 7 Stunden 12 Min., indusive des Aufenthalts an den Landungsplätzen, gebraucht. 6. Auf dem maAAroi'e (Langenfee). Der erste Platz von §><->,6,,» nach 8esto L»la»,le kostet 40 Btz., der zweite nur die Hälfte; 2 Ztr. Waaren zahlen bis und 8esi» auf dem ersten Platze 3 Btz. und auf dem zweiten Platze 2/2 Batzen. 9V v. Auf dem Neucnburgcrsee. früher beschiffte ihn l'Dulon. Der Reisende bezahlt auf dem ersten Platze von DnäreLn nach iVeukelrutei 10 Batzen, ,, ,, ^kver6un 21 ,, der zweite Platz ist um /z wohlfeiler. Sobald der Ausfluß des Mur- tenersees (die Lro^e) gehörig vertieft sein wird, wird man sich iu Mur- ten einschiffen. Dieses Dampfbot soll später auch den Bielersee befahren und für den Postdienst so verwendet werden, daß man in einem Tage von Bern nach Genf und umgekehrt gelangen kann. L. Auf dem Thunersee. Lettevue. Es fährt in der schönen Jahreszeit täglich drei Mal hin und her zwischen dem Hütet »eiievu« bei Thun und Neuhaus bei Unterseen. Die Hin - und Rückreise kostet 30 Btz. und die Hinreise ohne zurück 20 Btz. auf dem ersten Platze; der zweite Platz zahlt /z weniger. I?. Auf dem Zürichsce. Der erste Platz kostet: von Zürich nach Küßnacht.10 Btz. ,, ,, Thalweil.12 „ ,, „ ,, Meilen und Horgen.16 (oder i fl. zürich.) „ „ Männedorf und Wädenschweil 24 „ „ „ Richterschweil und Stäfa. . . 28 „ ,, „ ,, Rapperschweil.32 „ (oder 2 fl. zürich.) Der zweite Platz zahlt halb so viel, ebenso Kinder unter 10 Jahren; der Passagier hat L0 Pfund Gepäck frei. 6. Auf dem VierwaldstLttersee (auch Luzernersee). Dampfschiff: Stadt Luzern, macht täglich Course nach Flüelen während den Sommermonaten; im Mai und Oktober dreimal die Woche; im Winter zur Zeit es thunlich ist zwei Fahrten. Der Preis auf dem ersten Platz für eine Person ist: nach Weggis . . 1 Fr. — Rp. nach Gersau . . 1 Fr. 80 Rp. „ Vitznau . . 1 „ 20 „ „ Brunnen. , 2 „ 20 „ „ Beggenried . 1 „ 60 „ „ Flüelen . . 3 „ 20 „ Auf dem zweiten Platz die Hälfte. "I Steht in genauer Verbindung mit alle« .Hauptcoursen der Eilwagen in zürich und Rapperschweil. »1 Gewöhnliche Schiffe. i>) Auf dem Vieleesse zahlt man von Erlach, Gerolfingen, Neustadt und Nidau nach der Petersinsel 20 Btz.; zur Zeit der Weinlese (des Winzerfestes) 3 Btz. die Person. I,) Auf dem Brienzersee: das Postschiff, wofür man sich in Brienz und Unterseen auf dem Postbüreau einschreiben lassen muß; der erste Platz kostet 10 Btz., der zweite 5 Btz.; Las ordinäre Schiff zu 5 Btz. die Person. Ein Extraschiff nach dem Gießbach oder Brienz kostet mit zwei Rudern 40 Btz., mit 3 Rudern 60 Btz. c) Auf dem Genfersee besteht kein eigentlicher Tarif. Auf dem LNFO (Langensee) kostet ein Kahn mit einem Ruder von nach 8esto, ^Iijsera, I.e8!>, kai-lol» 10 Lire, ,, ,, 8/2 .. ,, ,, den Borromäischen Inseln .... 8 .. », ,, kalavrL. 7 .. Intra und Lsveno. 6!4 I.UVLNO.» 4/4 ,, ,, .. 3!4 ,, ,, ,, Lrisssgo. 2/2 " ,, ,, 1/2 ,, ,, lbocarno. 1/4 .. ,, ^rona ,, 8es1o. 1/4 -- ,» ,, I.sve»o. 2/2 >. »> »» den Borromäiscken Inseln und Inir» . 3)4 ,, ,, ,, I'ariolo. 4 „ ,, ,, laUVlNO. 5 „ lntrs 8e»to. 4)4 " den Borromäischen Inseln .... 1)4 -> ,» ,, . 3)4 " ,, I.LVen» ksriol». ü „ ,, ,, ,, den Borromäischen Inseln .... 3 .. ,, ,» ,, laoearnv. 8 ,. k'ariolo ,, den Borromäischen Inseln und 1)4 » „ ,, lUviuo.8 ,, >, I,oesriio.11 I,irvii»o ,, ,, .7 Nimmt man zwei Ruder, so bezahlt man im Durchschnitt die Hälfte und öfters etwas mehr. 92 e) Auf dem L«A„ ck L«A«no kostet ein Extraschiff: von I^UF»na nach Alarcote ,, ,, „ kort» . 1 Ruder 2/2 Lire 2 Ruder 5 Lire 6 ,, kante Usa „ ^gno . . . . 4^/2 >, 9 korlerra 3^/5 k) Auf dem Neuenburgersee sind keine festen Taxen. Man zahlt von Neuenburg nach tin.lretin oder kart->II»nn für zwei Personen mit 1 bis 2 Ztr. Gepäck gewöhnlich 20 bis 25 Btz., mit Kutschen und Pferden aber 40 bis 60 Btz. ; bis Stäffis und bis Murten durch die «ra^e 60 Btz. — Postschiff von Stäffis nach Neuenburg alle Mittwoch Nachmittags 5 4 Btz. die Person. — Ein Extraschiff kostet von Stäffis nach Oranilsan, LartaiIIa> „ Halbnauwen ,,5 56 „ I5/Z ,, „ wozu noch für die Plane (Blähe) 2 Schw. Fr. kommen, ein Fassen ... mit 4 Mann 13/z Schw. Fr., „ „ „ 3 E Von Luzern nach Brunnen kostet: ein Nauwen... mit 9 Mann 20 Schw. Fr., „ „ „ 8 „ 18 „ Halbnauwen „ 5 „ 12 „ Fassen . . . „ 4 „ 10 ,, !> ,, 3 ,, 8 ,, Von Luzern nach Alpnach.kostet das Schiff I Schw. Fr. „ „ „ Weggis und Küßnacht „ ,, „ i ,, jedes Ruder i/z,, " ' i wozu noch 2 Fr. für " l die Plane kommen. 93 hiebe, zahlt man für die Rückreise nur die Hälfte dieser Taxe, wenn nicht länger als 2 bis 3 Stunden gewartet werden muß; im Gegen theil die ganze Taxe. Außerdem gehen Postschiffe nach Gersau, Brunnen, Flüelen, Küß- nacht, Stanzstad und Alpnach; der Passagier bezahlt nach Gersau, Treib und Brunnen 10 Btz. und nach Flüelen 20 Btz. Von Flüelen nach Luzern, Winkel und Alpnach kostet: ein großer Nauwen mit 9 Mann 26 ?^ Schw. Fr., „ kleiner „ 7 ,. 21 sz „ Schiff.„4 ,,1i Von Flüelen nach Stanzstad und Küßnacht kostet: ein gewöhnliches Schiff mit 3 Mann Schw.Fr. Von Flüelen nach Buochs, Burgen und Weggis kostet: ein großer Nauwen mit 9 Mann 20 Schw. Fr. ,, kleiner „ ,, 7 ,, 16 ,, ,, „ Schiff.„4 „ 8/z „ .. „ gewöhnt. Schiff ,, 3 „ 6 „ „ Von Flüelen nach Brunnen kostet: ein großer Nauwen mit 9 Mann 9)^ Schw. Fr. „ kleiner „ „ 7 „ 7^ „ „ Schiff. 4 .. 4 „ „ ., gewöhnt. Schiff „ 3 „ 2 ^g „ .. „ .Ut» „ 2 „ 1-/j Für die Plane, wenn sie verlangt wird, zahlt man 14 Btz. extra. Pvstschiffe gehen außerdem noch nach Luzern und Brunnen. 10 Auf dem Wallenstadtersee: Von Wesen nach Mühlihorn kostet ein Kahn mit 2 Mann 10 Batzen. „ „ „ Terzen. 20 „ ,, „ „ Wallenstadt.33 ,, ,, ,, „ Schnerikon. 12 Schw.Fr. „ „ Zürich.2» „ Außerdem gehen Pvstschiffe a io und 5 Batzen die Person. I) Auf dem Zürchersen Von Zürich gehen jeden Tag in der Woche Nachmittags Schiffe nach den' bedeutendsten Orten des See's; der Preis für eine Persm ist 4 Btz. Es gehen außerdem noch Postschiffe nach Lachen, Echmerikon und umgekehrt (Glarus), wobei der Reisende 3 und 8 Btz zahlt. Extraschiffe sind sehr theuer; das Ruder kostet ungefähr id Btz. per Stunde. So zahlt eine Person von Lachen nach Bußkirch 8 Schilt., zwei Personen io Schilt, per Ruder, und mit Zunahme dir Gesellschaft per Kopf 3 Schilt- mehr; nach Rapperschweil 16 Shill., Schmerikon und Pfäsfikon 30 Schilt., Schirmensee und Rihtersweik 1 st-, nach Utikon und Källhof (bei Stäfa) 1)4 st- per Ruder, nach Stäfa 2fl., Männedorf und Waden schwell 2)4 st-, Meilen und Horgen 3 st., Herrliberg 3^ fl., Kuß- nacht und Thalweil 4fl., Zürich 6fl. m) Auf dem Zugersee: Von Zug und Chain nach Arth und Immenses bezahlt man für 2 Ruder 2 Schw. Fr.; mit dem Botenschiff zahlt die Person 2 Btz. Bei Crtraschiffen muß die Plane noch besonders bezahlt werden. Die Uferbewohner nahe bei Zug setzen für 4 Btz. den Reisenden nach Arth und Immenses über. Zu den Transportmitteln kommen nun noch (Saum-) Pferde*) und Tragsessel. Mehrere Reisende werden sich mit Vortheil der Pferde, welche gewöhnlich 3 Ztr. tragen, zum Transport ihrer Effekten in den Hochgebirgsgegenden bedienen, da durch den begleitenden Knecht der kostbare Führer erspart wird. Pferd und Mann kosten ,«-1- Tag 6 Schw. Fr. und auch weniger, wenn man für längere Reisen akkor- dirt; die Rückreise wird ebenso vergütet, wenn man nicht andere Reisende zur Uebernahme bereit findet. Tragsessel werden mit 2 Kronen- thalern, ja an der Gemmi sogar mit 1 Lvuisd'or bezahlt. Für die Sicherheit der Person dient ein Paß, der in den Hauptstädten von der Polizeibehörde zur Fortsetzung der Reise visirt werden kann. Will man damit in die Nachbarstaaten, so muß man ihn von der respektiven Gesellschaft beim Vororte mit dem nöthigen Visa versehen lassen, wenn man nicht an der Grenze am Weiterreisen verhindert werden will. Im Lande selbst wird man nicht belästigt. Waffen mitzuführen ist unnöthig. ') Der Gebrauch der Saumthierc, sowohl zum Reiten, als zur Fortschaffung der Waaren, ist vorzüglich auf der sogenannten Saumstraße über den St. Gotthard gewöhnlich. Die ganze Straße, welche für die Säumer in vier Tagrciscn abgetheilt ist, erstreckt steh von Altdorf bis Bellinzona. 28 bis zo Stunden weit. Die Ladung eines jeden Pferdes beträgt, nach altem Gebrauch und Gesetz, drei Zentner, und wird auf dem hölzernen besonders dazu eingerichteten Sattel zu beiden Seiten und oben darauf so vertheilt, daß Alles im gehörigen Gleichgewichte ist. Also beladen gehen diese Thiere sicher und im gleichen Tritte hintereinander her. Jedes derselben hat einen Maulkorb, um sie am Fressen, wodurch das Reisen gehemmt würde, zu verhindern, und alle sind mit hclltönen- dcn Schellen versehen, um sie auf der Bahn erhalten zu können, weil vor dem Tosen der Reuß ihre Tritte nicht gehört werden. An den Augen haben sie weit vorstehende Blendledcr, damit sie nicht seitwärts blicken und durch den Anblick von Abgründen und andern Gegenständen scheu werden. Nicht selten ist der Kopf des Pferdes mit einem Fedcrbusch und andern herabhängenden Zierrathen geschmückt, die Ladung des Rückens aber mit einer bunten Decke belegt, und hierdurch erhält eine solche Karavannc von Saumrossen oft ein ungewöhnliches fremdartiges Hinsehen. verkürzter Wegweiser durch die XXII. Schweizerkantone nach den vorzüglichsten Orten, mit Anmerkung wie solche am füglichsten zu besuchen sind; ausgestellt durch einen selbsicrfahrnen Bergsteiger des Bcrncr Oberlandes, während einer langen Reihe von Jahren erprobt. Abkürzungen. Landstraße. kdstr. u Zu Fuß. z. Sß. Kleiner Wagen. kl. W. Zu Wasser. i. Wffr. Zu Pferd. z. Pfd. !! Schöne Aussicht. « Zeichen der Schlachtfelder. ^ Die Schweizersiunden sind zu (ordinairc) leooo Bernschuh oder ibaSo Pariscrfuß berechnet. Straße von Aarau nach Stunden. Bemerkungen. Aarburg 3 Ldstr. einzige Festung in der Schweiz. Aarwangen . 6/ä iä. über Aarburg. Baden.... 5 il. „ Bern. Wettingen . 3)4 irl. Zofingen 3 i9/4 theils fahrbar über Altdorf. Schwyz ... 22 kl. W. über Rapperswyl. Solothurn . 3.4)4 Ldstr. über Ölten. Speicher 2 ist. St. Gasten . 4 ist. über Mgeliseck * Trogen 2 lä. ^ Teufen 2 ist. ! Zug ... - 2.1 kl. W. über Rapperswyl. ^ Zürich.... 15 )/ Ldstr. ,, Wyl. s- 7 98 Straße von Basel Stun- nach den. Aarau.... 10 Appenzell 31 >4 Baden.... 12)4 Bern i) durch's Bisthum 2314 2) über Solothurn "19)4 Viel .... 16)4 6ilaux-6e-kon6s . 23)4 Delsperg 8)4 Einsiedeln . 23 Frauenfeld . 23 Freiburg im Uechtland . 25 Genf .... 47)4 Glarus 31)4 Hofwyl 17-4 Jegenstorf . 16)4 Konstanz 26)4 Lausten 4)4 Lausanne 36)4 Luzern.... 17)4 Münster 9 Neuenburg . 22'X Pruntrut . 8)4 Schaffhausen 17)4 Solothurn . 12)4 Zürich.... 16)4 Zug . 19 Zurzach E Straße von Bern Stun- nach den. Aarau.... 15 Aarberg 4 Aarwangen . 9 Basel .... 23 Biet .... 6 Blumenstein 4)4 Burgdorf . 4)4 Bütschelegg. 3)4 Bemerkungen. Ldstr. über den Hauenstein * 16. „ „ 16. 16. ,, 16. >6. s. Pierre pertiüs. 16. 3 St. bis Liestal. i6. Über 8oneelior. Il „ Laufen. >6. „ Zürich. 16. „ Kaiserstuhl. 16. ,, Büren. 16. „ Bern. 16. ,, Zürich. 16. „ Fraubrunnen. X 16. „ Solothurn. 16. „ Stein a. R. 16. St. Jakob. X 16. ,, Neuenburg. 16. „ Aarau. 16. ,, Lausten. 16. „ Bisthum. 16. ,, Delsperg. 16. „ Waldshut. 16. ,, den Hauenstein. * 16. Brugg. 16. ,, Bremgarten. 16. ,, Waldshut. Bemerkungen. Ldstr. übe« Hindelbank. 16. bei Frienisperg. * 16. Her.vgenbuchsee. oder 19)4 St. über Solothurn. Ldstr. bei Ikidau. X 16. (BM.) über Belp. 16. über Hindelbank. kl. W., Arsstcht wie auf der Rigi. ^ Fortsetzung ron Bern nach Stunden. Bemerkungen. Chur .... 37^ Ldstr. über Zürich. Delle .... 23^ ick. „ Pruntrut. Delsperg 15 Z4 ick. ,, I?ierre-I?ertuis. Crlach .... 8 ick. ,, Aarberg. Freiburg 6 1^. „ Sense. Frutigen 10 iä. > von da z St. in Kandergeg, ' Fuß von der Gcmmi. Genf .... 28 icl. über Lausanne. Gurnigel 4^2 ick. (Bad.) Hofwyl 2/2 i.l. über die Papiermühle. Kuttwyl 9 ick. ,, Sumiswald. Znterlaken . 11 ick. 4 St. zu Wasser. Langenthal . 8/2 ick. über Burgdorf. Laupen 3-/z ick. ,, Wangen. X Luzern l)üb. Morgenthal 20 icl. „ die Kreuzstraße. 2) „ Sumiswald 19/2 iä. „ Engisteinbad. 3) ,, Entlibuch. ISS/z nur k . W. über Langnau. Lausanne 7 Ldstr. über Peterlingen. Meiringen . 17 7 St. z. Wffr. — Thun. Murten s!4 Ldstr. über Gümmenen. X Münster I3s4 Ikl. (Hloutier liruiickvul.) Neuenburg . 10/4 Ldstr. über 3ns. Nidau .... 5 S /4 ick. „ Aarberg. X Petersinsel . 7^/4 icl . u. z. Wffr. — * Pruntrut 2V»/4 ick. über Bellelay 19 St. Saanen I8/2 ick. Zweistmmen. Schaffhausen 28 1.1. Zurzach. Sitten über Vivis 32 iä. (über Gemmi 26 St. zu Pferd). Solothurn . 6^4 ick. über Fraubrunnen. X Sumiswald. 6 iä. ,, Walkringen. Thun .... ick. (hier geht die Bergreihe an). Unterseen IO--/4 4St. z. Wffr. über Thun. Vivis über Freiburg . 19 Ldstr. über Bell (Sülle). Zofingen ll'/s ick. Kreuzstraße bis da 11 St. Zürich .... 23/2 ick. ick. ick. Zug ... . 25/2 ick. über Luzern. Zurzach 21)4 ick. „ Aarau. Zweistmmen. 15)4 ick. an Lenk 3 St. Straße vonBellinzona nach Stunden. Bemerkungen. Aarau .... 45-/4 nur theilweise fahrbar. Altorf .... 22-/4 Ldstr. über den Gotthard. Basel .... 49 ick. Bern über Luzern !4 16 . Briegg, im K. Wallis . 27>/2 i,i. ElefeN (Llüavcnll») < 14-/4 56. Chur üb. denBernhardin 26/2 ick. Ursprung des Hinterrheins. ^ Como ... - 10-/4 ick. bis Mailand 18?4 St. DoZno Vv 88 ola 13/4 ;, 6 I /4 ick. „ Sitten. Genf .... 66/2 56. ,, 56. St. Gallen . 50/2 ick. „ Chur. Lausanne 56-4 ick. „ Sitten. Lecco .... 17 56. Lvcarno 3-/4 56. Lugano 5-/4 ick. Luzern 31-/4 9 St. z. Wffr. Meiringen . 30 nur theilweise fahrbar. AlorI>eAno 13-/4 Ldstr. Neuenburg . . . 69 z. Pfd. über Altorf. 8 « 8 to - Lalellck« . 17/2 15 St. z. Wffr. Solothurn . 47-/« theilweise fahrbar. Vivis .... 52/4 Ldstr. über Sitten. Zürich: . . . 37/2 ick. „ den Gotthard. Zug ... . 32/2 ick. ,, ,, ick. Zurzach 43/2 ick. ,, Luzern. Straße von Chur nach Stunden. Bemerkungen. Aarau.... 33 Ldstr. über Zürich. Altorf über Schwyz . 29'/ ick. kl. W. u. z. Wffr. Altstätten . 15/4 ick. über Maienfeld. Andermatt . 20/2 z. Pfd. vd. z. Fß. Appenzell 17-/4 kl. W. über Altstätten. Basel .... 41-/4 Ldstr. „ Zürich. Bellinzona üb. Splügen 25/2 über das Oberland 32)4 St. Bern .... 46^4 Ldstr. Boronico 26/2 ick. über Albula u. z. Pfd. Bozen.... 46 ick. ,, ick. Bregenz 15/s ick. ,, Feldkirch. 1Ü1 Fortsetzung von Chur nach Stunden. Bemerkungen. ei.inveiiii» über Splügen 17 Ldstr. über Splügendorf 9 St. Como . 28 16. bis Rivaz u. z. Wffr. Davos . z. Pfd. über Lenz. Dissentis 13S/4 z. Pfd. „ Jlanz. Feldkirch Es Ldstr. „ Maienfeld. Gais E 16. „ Altstätten. St. Gallen,Schweizerseite 21/4 i<>. Feldkirch i9St. Genf 75 ;6. „ Zürich. Basel . 23/4 ick. Schaffhausen. Bern . 29/. :>i. „ Zürich. Bischvfzell 6 i-i. ick. Chur 25 i.i. „ Herisau. Dießenhofen iä. „ Zürich. Rapxerswyl 15 kl. W. „ Lichtensteig. 104 Forts. vonSt. Gallen nach Stunden. Bemerkungen. Rbeineck 3>4 Ldstr. Rorschach 2/4 iä. Sargans 17 iä. Schaffhausen 13! L i<1. Pfin. Solothurn 32<4 iil. ,, Zürich. Stanz .. 28/4 i,i. ,, Luzern. Stein a. R- . 11 l-l. Trogen . l/g « 1 . Utznach . 11 / 4 I „ Lichtensteig. Wallenstatt 20 :i. ,, Viel 43/o oder Büren. Bellinzona über Vivis . 67/4 Ldstr. über Donio Do88o1». ;a. Thonen 61 i. biä Kalanelie U. Z. Pfd. Chur 75/4 in. 103 Fortsetzung von Gens nach Stunden. Bemerkungen. St. MpNtz (8t. N»llriee) ,6 Ldstr. über Lvi»„. Neuenburg 2t/a ick. „ Jfferten. Orke Ea r3 Lit. ,, Vonneviüe. 89/2 iä. ,, Doino Do8solri. Schaffhausen 55 ick. „ Baden. Sitten über Thonen . 24^ ick. durch Savoyen. Solothurn E -8. über Büren. Thonen. 5/4 Lli. ,, 6trn8e. Vivis . 16/s ick. oder z. Wssr. Werten. 15/j Zürich . 51 ick. „ Bern. Straße von Glarus nach Stunden. Bemerkungen. Aarau . 24 Ldstr. u. z. Wssr. üb. Zürich. Alters . 18 kl. W., bis Brunnen 3 St. i,t. über Klariden . 12/r z. Pfd. od. z. Fß. Appenzell 15 kl. W. z. Wssr. Basel . 3t/ä Ldstr. über Zürich. Bellinzvna 40/a ick. „ Altdvrs. Bern 37/4 ick. „ Zürich. Chur 14/2 ick. ,, Wesen. Elm 4'/- z. Psd, Enneda. ^2 Straße. Frauenfeld 15 kl. W. über Utznach. St. Gallen 14/4 ick. ,, Lichtensteig. Lausanne 53 Ldstr. ,, Zürich. Linthal . 5 z. Pfd. vd. z. Fß. Luzern . 18 Ldstr. über Richterschwyl. Mollis . 1 /ä ick- X Näfels . 1/4 ick. X Neuenburg 45/2 ick. über Zürich. Stanz . 18/2 kl. W. u. z. Wffr. Schaffhausen 24/2 Ldstr. über Zürich. Schwanden 1/2 z. Pfd. Schwyz. 13/2 kl. W. 16 . über Pragel 10 z. Pfd. Sitten ,, Furka 53 z. Pfd. u. Ldstr. Zürich , 15 Ldstr. od. z. Wffr. Zug . 12/2 kl. W. über Watenschwyl. Straße von Lausanne nach Stunden. Bemerkungen. Aarau . 31)4 Ldstr. über Bern. -^osla . 28^/4 bis Martinach, z. Pfb. 4 i.i. über Morsee. /Vve,,i:Itvs (Wistispurg) 10/4 14. „ Milden. Basel über Aarberg 33^/t 14. „ Solothurn 36)4 St. Bellinzona 56)4 i.i. ,, den Simplen. Bern 17 14. „ Murten. X Lex 10/4 14. ,, Neuenstadt. Chur 6M 14. „ Bern. Como 67 ;4 lä. Murten (Morst) X ' 11/4 14. „ Peterlingen. Milden 4 14. „ Milden. Prunteut (korentrui) . 28>4 14. „ Zfferten. Roll . 5 14. „ Morsee. I^omenmolrer . 7 14. ,, d0880NÄ^. Schaffhausen . 44 iä. „ Bern. 8«8lo - (ÜajeQtle. 56^4 14. Sitten. Sitten . 20 14. „ St. Moritz. Solothurn 21 14. „ Murten. Vivis . 4»/4 14. lkverlloii (Zfferten) 6)4 >«1. Zürich . 3SZ4 14. ,, Bern. Zug . . 41)4 iä. Luzern. Zurzach. 37/2 14. ,, Bern. 107 , Straße von Luzern nach Stunden. Bemerkungen. Aarau iM Lestr. über Zofingen u. Münster, 9 St. Aarburg. 10 itl. ,, iil. iä. Alpnach . 3 z. Wffr. Altdorf . 9^4 9 St. z. Wffr.. 2/4 St. z. Land. Baldegg, 3/4 Ldstr. Basel 17'/4 ,, über Aarburg. Bellinzona 31^4 bis Flüelen z. Wffr. Bern über Zofingen 20 Ldstr. oder über Sumiswald 9-^ St. Bremg arten 7 itl. Brunnen 6 z. Wffr. über Schwyz 8 St., kl. W. Cinstedeln kl. W. Sattel. Engelberg 7'/4 z. Wffr. u. kl. W. Entlibuch 6»/4 Ldstr. Escholzmatt 9'/z ick. Frauenfeld I6S/4 ick. über Zürich. St. Gallen 26 ick. Gersau . 4^2 z. Wffr. Glarus . 18 kl. W. Huttwyl. 8/2 Ldstr. Knutwyl. ös-2 ick. ins Bad. Küßnacht 3 z. Wffr. 3/2 St., mit kl. W. Langnau. 13^/s Ldstr. durchs Entlibuch. Langenthal 11 ick. bis St. Urban 12 St. Meyringen 12 z. Wffr. u. kl. W. u. z. Pfd. Münster. 4/2 Ldstr. Muri 6/2 Neuenburg 29/4 ick. Rigi 7 z. Wffr. u. z. Pfd. Tarnen. S z. Wffr. u. kl. W. Schaffhausen 19/2 Ldstr. über Zürich. Schwyz . 7 über Küßnacht. Sempach 2/2 Ldstr. Solothurn 17 i (Jfferten) Zürich . 21/2 6 14/2 4)4 25 >4 24 23?/s 51 10^ 7 4/2 2 18 s!4 3)4 12/2 21/2 5»/ä 7 -/« 13 6/2 29-/1 7^4 9 20 37 ll/l 15-/2 6)4 30/2 Ldstr. über Büren. 16. „ Ins. 16. Jfferten. 16. „ Aarau. 16. ,, l8oncvl>aü. 16. ,, Waldenburg. 16. „ Altdorf und Gotthard. 16. „ Aarberg. z. Ld. u. z. Wssr. Ldstr. über den See. Ldstr. über 8t. Imer. 16. ,, 8t. Rlalse. über den See. Ldstr. über Aarberg 7 St. 16. Jfferten, 6 St. z. Wssr. 16. od. z. Wssr. iä. 16. od. z. Wssr. bis Jfferten. iä. 16. über Aarberg. 16. ,, Grandson. rä. 16. „ Büren. > 6 . 16. oder z. Wssr. 16. über Bern. 10 « Straße von Stanz nach Stunden. Bemerkungen. Alpnach. 5 Ldstr. über Sarnen. i,t. . 2/2 1/2 St. z. Wffr. Aarau 14 über Luzern 3 St. z. Wffr. Altorf . 8 6 St. z. Wffr., kl. W. Andermatt 16/4 6 St. z. Wffr., Ldstr. Basel 20/4 über Luzern. BeUinzvna 34 „ Altorf. Bern 23 „ Luzern. Chur 30/4 „ Wesen. Einsiedeln 9 theils z. Wffr. u. kl. W. Engelberg 4/4 kl. W. über Storegg. ^ Frauenfeld E 4 über Zürich. Kerns . 2/2 kl. W. über Allweg-Zell. Lungern. 7 ick. „ Saxeln. St. Gallen 29 Ldstr. „ Luzern, 3 St. z. Wffr. Schwpz . Z2/4 3 St. z. Wssr. Sitten über Brünig . 32 z. Pfd. u. über den Grimsel. Solothurn 19 Ldstr. über Luzern. Sarnen. 3 kl. W. ,, Kerns. Saxeln . 4 ick. ,, ick. Zürich . 13 z. Wffr. u. kl. W. Zug . 6 St. z. Wffr. Straßev.Schaffhausen nach Stunden. Bemerkungen. Aarau 13/2 Ldstr. über Kaiserstuhl oder Zurzach. Altorf . 25 i6. „ Zürich. Ol'/j il. neben Tells Kapelle vorbei. Basel - 23 S /4 über Luzern 6 St. z. Wssr. Bern - 26 Chur - 25/2 „ den Wallenstattersee. Einfiedeln 5 kl. W. oder über Hake zu Fuß. Frauenfeld 17 i<>. bis Zürich und Ldstr. Freiburg 32 über Luzern. St. Gallen 24 kl. W. über Zürich v. d. Ldstr. Genf - 53»/j über Luzern v. d. Ldstr. Glarus über Lachen - I3j4 kl. W. über Pragel, 10 St. z. Fß. Lausanne 42»4 über Luzern. Luzern über Brunnen - 7 6 St. z. Wssr., 1 St. kl. W. ;I. über Bern. Bellinzona 38 i Ilossols 25 ick. „ „ i>I. Freiburg 27 iI. „ Neuenstadt. Leuk 7 Ick. „ Siders. Luzern - 49 1,1. „ Furka. Martinach 6 ick. (8 St. z. Fß.) St. Moritz 9 ick. ( 1 V St. z. Fß.) Münster 20 ick. bis Brieg 9 St. z. Pfd. Reuenburg 33 !/2 iä. ,, iä. Zweisimmen E zu Fuß oder zu Pferd. Straße von Solothurn nach Stunden. Bemerkungen. Aarau - 10/2 Ldstr. über Ölten. Aarberg 6/4 ick. „ Büren. Aarwangen 4/4 icl. „ Dürmühle. Altorf - 25!4 ick. „ Luzern u. z. Wffr. Baden - 14/4 ll. „ Fraubrunnen. X Viel - 4'/a i<1. Burgdorf 5)^2 l-l. „ Fraubrunnen. Oliaux cke-konck« 13 ick. „ Bötzingen. Forts, von Solothurn nach Stunden. Bemerkungen. Chur - - 42/4 Ldstr. über Aarau. Delsperg - 13 ick. ,, 8oirce!»or. Frauenfeld - 25 iä. „ Aarau. St. Gallen - 32/ä ,, iä. Genf - - 32 i>>. „ Lausanne. Herzogenbuchsee - 3 ick. Hofwyl - - ä/2 ick. „ Zegenstorf. Konstanz 30 ; 18 ick. „ Brugg. Bern - - 23/2 i<1. „ die Kreuzstraße. Bormio - 50 über Chur. Bremgarten - 4 kl. W. über Birmistvrf. Bülach - - 4 Ldstr. über Glattbruck. LliiLvenna - 40 ick. „ Chur. Chur - 24 » 25 ick. 4 St., Wallenstattersee. Eglisau - 5 ick. über Bülach. Ansiedeln - 8 kl. W. „ Schindellegi. 113 Fortsetzung von Zürich nach Stunden. Bemerkungen. Frauenfeld - Ldstr. über Winterthur. St. Gallen - 16 iä. „ iä. Glarus - - 15 Ldstr. 16 St. z. Fß. Greiffensee - 3 iä. Grüningen - 6!4 iä. Kaiserstuhl - 6!4 iä. Lachen - - 8 iä. oder z. Wffr. Lausanne - 40 i> Fußweg. Fhw. » Fahrweg. S- -> Fuß (Pariser). Sr. Franken. Gasth. » Gasthaus. K. » Kanton. Mktfl. für Marktflecken. gl.N. gleichenNamens. LZM. -- Ouadratmeilen. Pfdf. >. Pfarrdorf. St. » Stunde, gr. Str. » große Straße, r. U. » rechtes Ufer. l. u. für linkes User. N. >. Norden. S. » Süden. O. » Osten. W. „ Westen. Wthsh.» Wirthshaus. Ztr. » Zentner. Kanton Zürich. Äer Kanton Zürich ist durch Große und Volkszahl, durch Wissenschaft und Industrie, durch politischen Einfluß und als Borort einer der wichtigsten Kantone der schweizerischen Eidgenossenschaft. Er liegt nordöstlich und bildet eine ziemlich abgerundete, sich von Süd gegen Nord in die Lange ziehende Gestalt. Ihn begränzen im Westen der Aargau, im Süden Zug und Schwyz, im Südosten St. Gallen, im Osten und Nordvsten der Thurgau, im Norden Schaffhausen und das Großher- zvgthum Baden. An einigen Strecken sind der Zürichsee, die Reuß, Sihl, Töß, Thür und der Rhein die natürlichen Grenzen. Verschieden sind die Angaben über den Flächeninhalt. Eine ganz genaue Messung fehlt. Die Schätzung auf 32 geogr. HZM. mag die richtigste sein. Nach der von Staatswegen im Mai 1836 vorgenommenen Volkszählung ergibt sich eine Gesammtbevölkerung von 231,576 Seelen; die Anzahl der Kantonsbürger ist 217,219, der Schweizer aus andern Kantonen 7,991, der Fremden 6,366 Seelen. Von den Kantonsbürgern sind 106,098 männl. und 111,121 weibl. Geschlechts. Wenige Staaten überbieten, verhältnißmäßig auf Flächeninhalt berechnet, diese Bevölkerung. Der Kanton Zürich wird vom Schneegebirge der Alpen, das südlich und südöstlich neben ihm emporragt, nicht betreten, der Jura setzt nur im Westen durch die Lägern einen Fuß über die Marken; doch durchziehen ihn bedeutende Bergreihen, welche sämmtlich von Südost nach Nordwest hintereinander stehen. Hervorzuheben sind: Die Albiskette im Westen. Sie steigt vom Baarerthal, Kantons Zug, auf, wendet sich, zu den Höhen des Schnabels und Huetli gehoben, gegen das See- und Limmatthal, bis sie bei Oberurdorf sich niedersenkt. Die Länge beträgt 4 Stunden. Auf dem Schnabel-und auf dem Huetliberg (letzterer 2,792 sranz. Fuß über dem Meere) öffnen sich herrliche Aussichten. Neben der Albiskette läuft links noch westlicher der niederere Höhenzug, der nach den umliegenden Dörfern Aeugster-, Affolter-, Hedinger-, Bonstetter -, Wettsweiler- und zuletzt 118 Ettenberg genannt wird. Rechts vom Aldis sondert eine Landhöhe die Sihl vom Zürichsee; ihre Spitze, der Zimmerberg, bietet schöne Aussicht. Im Süden geht der Hoherhone dem Kanton Zug zu. Die oberste Höhe wird als Kreuzpunkt von Zürich, Schwyz und Zug der Dreiländerstein genannt und hat reiche Fernsicht. Im Osten vom Zürichsee erhebt sich eine Bergreihe dem See entlang und fällt in's Limmatthal bei Würenlos nach einem Lauf von 7 Stunden ein. Auf der Forch und dem Pfannenstiel sind schöne Aussichten. Die Allmannskette oder der Walmann dehnt sich von Bachtel über den Rheinsberg, Jltenberg bis gegen Rheinfelden in 7 Stunden aus. Der Bachtel hat besuchte Aussicht. Die Hörnlikette läuft 6 Stunden meist neben der Allmannskette hin. An Aussichten reich sind ihre Gipfel: das Schnebelhorn, der höchste Punkt des Kantons (4,013 franz. Fuß über dem Meer), das Hörnli, der Schauenberg, der Jrchel. Im Westen schneidet sich von Baden im Aargau her die Lägern als Vorberg des Jura ein und endet bei Regensberg; aus der Hochwacht, oberhalb dieses Städtchens, breitet sich eine weite Fernsicht aus. Neben diesen Bergzügen sind nicht zu übergehen der Kohlfirst im nordöstlichen Ende des Kantons, die Egg neben der Lägern und der noch nördlichere Stadlenberg. Mannigfache Thäler ziehen sich durcheinander zwischen diesen Ketten hin. Im Westen der Albiskette sind bedeutend die Thäler der Reuß, der Lorze, der Reppisch und der Boden bei Kappel. Zwischen dem östlichen Fuß des Albis und der Höhe am See höhlt sich das enge höchst interessante Sihlthal durch bis zum Limmatthal. Aber das schönste der Thäler ist das See- und Limmatthal. Das Seethal, ganz oben still und wild, nahe beim hohen Gebirg, neigt weiter unten bis gegen Zürich hinab seine Frucht- und Rebgelände zur klaren Fluth des Sees nieder und umgürtet ihn mit Dorf an Dorf. Breiter dehnt es von Zürich an sich als Limmatthal fort. Jenseits der Bergreihe des östlichen Seeufers öffnet sich das Greifensee- und Glattthal, das größte Zürichs. In seinem Becken stehen der Greisen- und Pfäffikersee; als Nebenthäler schließen sich ihm auf das Katzensee- und Wehnthal u. s. f. Zwischen der Allmanns- und Hörnlikette windet sich das wilde Tößthal herum; es nimmt viele Nebenthäler auf; so das Kempthal, Culachthal u. s. f. Jenseits der Hörnlikette läuft das Thurthal dem Rhein zu. Zwischen der Thür und dem Rhein ist Fläche. Ebenso über dem Rhein das Rafzerfeld. 119 Der Kanton Zürich ist gewässerreich; alle seine Thäler höhlen sich zu Becken von Seen oder Betten von Flüssen. Die Neust nähert sich etwa eine Stunde der westlichen Grenze des Kantons und empfängt dafür die Lorze und Ionen. Die sLimmat, als Linth vom Kanton Glarus her in den Zürichsee gelaufen, mündet bei der Stadt Zürich aus demselben, nimmt unterhalb dieSihl, bei Dietikon die Reppisch zu sich, die vom Türlersee kommt, und eilt in starker Strömung dem Kanton Aargau zu. Die Sihl entspringt im Kanton jSchwyz, gräbt sich in ihrem Thal zwischen dem See und dem Aldis durch, bis sie die Limmat auffängt, mit welcher sich zu vereinigen ihr trübes Wasser noch lange sich sträubt. Der Rhein fließt im Norden bald als Grenze vorbei, bald dringt er in den Kanton ein. Er nimmt die Thür. die Tost, die Glatt auf. Bei Laufen stürzt er sich über Felsen und bildet chen berühmten Rheinfall. Die Thür kommr als Waldstrom vom xbern Toggenburg und endet bei Flaach im Rhein. Die Tost entspringt im Fischenthal, nimmt die Eulach bei Wül« fingen, die Kempt bei Töß aus, »rnd gießt sich bek Tößrieden in den Rhein. Die Glatt entquillt als Aa dem Allmann, durchzieht den Pfäffiker- und Greifensee und mündet bei Rheinfelden in den Rhein. Bedeutend sind die wohlthätigen Flußkorrektionen, die unter der Leitung des edeln Linth-Escher zu Stande gebracht wurden. Unter die schönsten Seen der Schweiz gehört der Zürichsee. Ihn hier weiter zu schildern wäre überflüssig. Die Natur schuf seine Umgebung zum Paradies, menschlicher Geist und Fleiß schufen ihn zu einem Kulturtempel. Auf seiner ganzen Länge von Stunden läßt er eine wundervolle Zaubergewalt aus seinem Schvoße tauchen. — Ein Theil des obern Sees gehört nicht zu Zürich. Die Schifffahrt ist stark. Das Dampfschiff Minerva geht jetzt regelmäßig von Zürich nach Rap- perschwyl. Unmuthig gelegen sind der Greifensee, Stunde lang und 20 Minuten beeilt, und der Pfäffikersee, Stunde lang und 10 Minuten breit. Es sind interessant die kleinen Seen: Türler-, Katzen-, Hütten-, Lützel-, Eppelhausen- und Hausensee. Die geognostischen Verhältnisse des Kantons Zürich sind einfach. Die Lägirn und die Gegend beim Rheinsall zu Laufen bestehen 12 » aus Jurakalkstein; die Lagern ist ausgezeichnet an zahlreichen Thierresten der Vorwelt. Im ganzen übrigen Kanton herrscht die Molaffeformation in großer Mannigfaltigkeit, zumal in vielfachen Mergel- und Sandsteinarten, und in Nagelfluh. Im Osten des Kantons, wie in der Hörnli- und Allmannskette, liegen in beinahe horizontalen Schichten meist Nagelfluh und Sandstein; im Westen, wie in der Albiskette, finden sich Sandstein und Mergel horizontal untereinander. Zu merken sind noch: mehrere Steinkohlengruben; eine Menge zerstreuter Alpen- blvcke um den Zürichsee herum ; zahllose Trümmer der Alpenkalkformation; große Verschiedenheiten der Dämmerte, vom fetten Moorgrund an bis zum magern Kiesgrund; in Kohlenlagern, Torf- und Movrgrund nicht selten Ueberreste verschwundener Pflanzen- und Thiergattungen. Das Klima (mittlere Jahrestemperatur 7 l^s Grad Reaumur) ist in den verschiedenen Gegenden und Jahreszeiten sehr wechselnd; die Witterung unbeständig. Doch ist nach Lage, Klima und Witterung Zürich zu den gesündern Ländern zu rechnen. Nicht so sehr Natur, als der Fleiß menschlicher Hände schuf Zürichs Fruchtbarkeit; nur einige Gegenden find natürlich üppig. Uebrigens brachte nicht nur die den Zürichern eigenthümliche rastlose Thätigkeit den Segen einer guten Landwirlhschaft über ihr Land; wesentlich trug in neuerer Zeit zu ihrer Veredlung auch der Scharfsinn wissenschaftlich gebildeter Oekonomen und Gesellschaften bei. Genau läßt sich nicht angeben, wie viel Land dnm Feldbau, dem Wiesen-, Garten- und Weinbau, und der Waldung gewidmet sei. Neuere Berechnungen liegen leider keine vor. Im Jahre 1774 ergab sich 133,359 Juchart Ackerland, 87,251 Juch. Wiesland, 14,291 Juch. Weinland. Nach im Jahre 1834 eingegangenen Erkundigungen wird auf 14,697 Juch. Wein gepflanzt. Mehr Frucht, als sie selbst konsu- miren, liefern die Bezirke Winterthur, Bülach, Regensberg; andere haben zu wenig. Gering ist Las Ackerland am obern Zürichsee und auf den höhern Bergen. Sehr verschieden ist in Geschmack, Güte und Haltbarkeit der Wein. Gute Weine werden gezogen in Höugg, Weiningen, Meilen, Uetikon, Stäfa, Feldbach, Herrleberg, Winterthur, Neftenbach, Wülflingen, Veltheim, Stadel, Heidenloch, Fulau, Schnas- berg, Wiesendangen, Blumethalden, Trüllikvn, Benken, Marthale», Uhwiesen, zu Buch, Berg, Teufen, Freienstein, Bülach, Rafz, Eglisau, Neqensberg und an den südlichen Seiten der Lagern, der Egg und des Stadlerberges. Jedoch steht auch da schlechter oft neben gutem. Beim Wiesenbau liefern die Bezirke Zürich, Hcrgcn, Meilen nicht genug, dagegen die andern hinreichend, oft noch mehr Futter. Viel Obst wird 121 gezogen um den Zürichsee, bei Egg; viel wird auf Wartung der Bäume gesehen auf dem linken Seeufer. Der Gartenbau erfreut sich in neuerer Zeit größerer Pflege. — Ungefähr 55,700 Juch. Waldung sind im Besitz des Staats, der Gemeinden und Korporationen. Die Privatwaldungen sind nicht berechnet. Die Forstkultur im Kanton Zürich ist eben nicht ausgezeichnet; doch gibt es rühmliche Ausnahmen. Die waldreichsten Gegenden mögen die Horgeregg. das Sihlthal und der Bezirk Knonau sein. Die Viehzucht ist bedeutend; eine Angabe rechnet 46,000 Stück Hornvieh und 3,500 Pferde, die jährlich meist Lurch Stallfütterung ernährt werden. Eine eigenthümliche Rindviehart ist die des Wehmhales. Man klagt über Verminderung der Zuchtstiere. Besondere Sorgfalt für Veredlung der Vieharten findet man am Zürichsee, bei Wvllishvfen, um die Stadt Zürich und Winterthur herum. DaS meiste Melkvieh haben die Bezirke Knonau, Horgen, Meilen, Hinweil, Pfäffikon. Groß gezogen wild am meisten IN Bulach und Regensberg. Das Fettmachen der Kälber wird am meisten in Hinweil, Pfäffikon, ttster, Meilen und Winterthur betrieben. Berühmt sind die Fischenthaler Kälber. Eigentliche Alpenivirthschaft ist keine, wohl aber gibt es einige Sennereien. Die Pferdezucht ist unbedeutend. Esel habe es keine. Die Schaf- und Ziegenzucht ist ebenfalls gering. Die Schweinzucht, früher stark, liefert jetzt kaum den zehnten Theil des Bedarfs. Die Bienenzucht ist in Knonau und Uster bedeutend. Da das Gewild immer mehr sich lichtet, sinkt auch die Jagdlust. Die Fischerei ist dagegen immerfort stark. Ausgezeichnet ist Zürichs industrieller Sinn und Fleiß. Die zürcherische Fabrikation und sein Handel sind auf die Höhe gehoben, und eher als der Vorwurf der Unthätigkeit wird hin und wieder die Furcht vor Uebertreibung rege. Ein besonderes Glück für das Wohl der zürche- rischen Bevölkerung ist, daß weit der größere Theil der Arbeiter mit der Fabrikation auch Landwirthschaft verbindet. Sie sind Weber und Landbauern zugleich, und man kann sagen, daß sie im Schatten ihrer eigenen Reben und Bäume ihr Schifflein schießen lasten. Baumwollenspinnereien sind gegenwärtig über Hundert im Gang, deren Spindeln durchschnittlich auf 200,000 geschätzt werden. Darin sind 5000 Menschen in Thätigkeit. Bei Webstühlen werden an 16,000 Menschen beschäftigt. Die 19 Druckereien brauchen 1,080 Seelen. Türkischrothfärbereien sind8. Kurz, man rechnet zusammen 23,000 Menschen, die mit Baumwollen- fabrikation und Handel sich abgeben, und deren daheriges Einkommen sich auf 1,600,000 Zürichergulden belauft. Dazu find noch anzuschlagen die vielen Hülfswerksiättcn. — Die Seidenfabrikation mag sich auf 10,000 Webstühle ausdehnen. Die Zahl der dabei Beschäftigten/wird 122 auf 12 bis 13,000 angegeben, aber diese Schätzung ist sehr unbestimmt. Die Züricher Seidenfabriken liefern riorenoe, vi-os a« IV-xles, Oros sieLerlln, Alsreeliiio, Alsrceliuettes, Taffent, 8erg«, Levsntinv UNd andere Waaren, die bald so, bald anders heißen; seidene Halstücher, wenig Shawls und sehr wenig Sammet; früher eine ziemlich bedeutende Menge Bologneser- und anderer Seidenster, aber deren Absatz hat jetzt stark abgenommen. Floretseide wird viel gesponnen und verarbeitet. Färbereien sind genug für die Bedürfnisse des Landes. — Die übrigen Zürcherischen Fabrikate sind von keinem großen Belang. Die Wollen- und Leinenmanufakturen, früher groß, sind jetzt gering. — Anzuführen sind: 8 Seifen-, io Kerzen-, 3 lUz-eiiee-, 1 chemische, mehrere Tapeten-, Taback-, Essig - und Mineralwafferfabriken; i Glockengießerei, 1 Glashütte, 5 Buchdruckereien in Zürich, 2 in Winterthur, l in Stäfa, mehrere Buchhandlungen, 4 Steindruckereien, 60 Rothgerbereien. Unter den sich auf 853 belaufenden Waffergerechtsamen werden angegeben: 223 Fruchtmühlen, 161 Sägemühlen, 17 Gerstenstampfen, 115 Raspel- mühlen, 15 Gypsmühlen, 44 Oelmühlen, 29 Schleifmühlen, 36 Loh- mühlen, 4 Hammerschmieden, 2 Lederhammerschmieden, 3 Lehm- und Glasurmühlen, 2 Knochenmühlen und i Pulvermühle rc. — Nach allem diesem läßt sich auf die Lebhaftigkeit des Handels schließen. Eine Handlungsbilanz läßt sich nicht ziehen. Doch übersteigt die Einfuhr die Ausfuhr, die Verarbeitung und Spekulation ersetzen. Zu bemerken ist noch, daß die Zürcherischen Handels - und Staatsmänner von allen politischen Partheien darüber einig sind, daß sie der Handelsfreiheit am meisten ihren Wohlstand zu danken hätten, und dieses Prinzip als die feste Grundlage für jede Gesetzgebung und Unterhandlung betrachten. — Im Kanton Zürich gilt Wechselrecht. — Eine aus 4 Regierungsmitgliedern und 13 Kaufleuten zusammengesetzte Handelskammer beaufsichtigt die Handelsintereffen. Der körperliche und moralische Zustand des Züricher Volkes läßt sich aus dieser dargelegten Entwickelung seiner Kräfte entnehmen. Der Körperbau ist im Durchschnitt kräftig; die Nahrung einfach und genügsam; die Kleidung, früher aus Zwilch, ist jetzt meist aus wollenen, halbwollenen und baumwollenen Stoffen. Die alte Nationaltracht hat sich bei dem jünger» männlichen Geschlecht ganz verloren. Die weibliche Nationaltracht erhält sich aber noch im Bezirke Zürich, Regensberg, Knonau und im Wehnthal. — Die Wohnungen sind bald ganz von Holz, bald von Fach oder Stein; letzterer Bedarf ist jetzt herrschend. Sie haben meist Ziegeldächer; Strohdächer sind ganz im Abgang ; nur in der östlichen Gegend sind hölzerne Dächer. Die Häuser 123 sind meist reinlich und behaglich; besonders charakterisirl die Seeufer ausgezeichnete Reinlichkeit. Ihr Aeußeres verkündet Wohlstand. Die Stadt Zürich ist alterthümlich und unbequem gebaut; aber rings um sie erheben sich eine Menge meist schöner neuer Gebäude. Winterthur ist neuer und geräumig. Das gegenwärtig schwebende Vermögen Zürichs ist groß. Wohlhabenheit ist begründet. — Der Kanton zählt 2 Städte, 6 Städtchen, i Kloster und 137 Pfarrdörfer. In der Zürcherische» Assekuranz sind für 84,740,140 fl. (wovon 23,728,220 fl. auf Zürich kommen) Gebäude versichert; viele noch in ausländischen Anstalten. — Der Grundzug Züricherischen Charakters ist: unsrmüdete Regsamkeit, damit wird verbunden Sparsamkeit, entschiedener technischer Sinn. Der Züricher ist mehr derb und verständig, als gemüthlich. Doch ist er redlich, gastfreundlich und sehr gutthätig. Er hat geweckten Geist für öffentliches Leben und Waffenlust. — Uebrigens prägen sich in den verschiedenen Gegenden sehr mannigfaltige Charakter und Sitten aus. Wie auf dem Gebiete industrieller und technischer Kultur Zürche- rischer Scharfsinn sich eine hohe Stufe erwarb, so steht Zürcherischer Geist in dem Gebiete der Wissenschaft und Kunst fast noch ehrwürdiger da. In allen Zweigen haben sich Zürcherische Namen klassischen Ruf errungen. Man darf nur an die Namen: Breitinger, Bodmer, Bremi, Escher, Fäßi, Füßli, Geßner, Hirzel, Hvttinger, Hegner, Lavater, Muralt, Nägeli, Pestalozzi, Pfenninger, Nahn, Usteri, Hörner, Orelli. Meier von Knonau (s. Gs. Kanton Zürich. 1834), Hegelschweiler, Keller, Bluntschli, Stutz, Vogel u. s. ft erinnern. An diese reihen sich noch die Namen der Nicht-Züricher an, welchen in Zürich die Wissenschaft eine zweite Heimath gab; so die alten Zwingli und Bullinger, Ebel, Rettig, Scherr, Oken, Schönlein rc. Ferner beurkunden den gebildeten und gelehrten Sinn die vielen Gesellschaften und Bibliotheken. Besonders ist rühmlich zu erwähnen, der zumal durch den Vater Nägeli in neuester Zeit im ganzen Zürichervvlk geweckte Sinn für Musik. Beinahe von Ort zu Ort bilden sich Sängervereine, die sich durch ihre Leistungen auszeichnen. Auch ist hier des in der Hauptstadt neuerrichteten Theaters zu gedenken. Vorzüglich aber bezeugt das hohe Interesse für Gesittung und Veredlung das neuorganisirte Unterrichtswesen. Von den Ortsschulen an, durch die Muster - Sekundärschulen bis zur Kantonsschule (als Gymnasium und Industrieschule), ja bis zur Hochschule hat sich das Zürcherische Schulwesen zu einem schönen, fruchtbaren, organischen Bau gestaltet, der von keinem andern Staat, in Berücksichtigung gleicher Kräfte, übertreffen wird. Die junge Hochschule, gestiftet am 28. Sep- 124 tember 1832, ist zwar noch im Werden und vvm Ausland mit Verboten belegt, leistet aber zu ihrer Stellung viel. — Roch sind zu erwähnen: die Armenschule, die Zeichnungsschule, das Blindeninstitut und das damit verbundene Taubstummeninstitut. In kirchlicher Beziehung besteht in dem fast ganz reformir- ten Kanton Zürich die Presbyterialverfaffung. Die kirchlichen Kapitel fallen zusammen mit den bürgerlichen Bezirken. — In geistlichen Dingen steht über die Gemeinde der Stillstand, über den Bezirk die Kircken- pflege, über den Kanton der Kirchenrath. Die oberste kirchliche Behörde ist die Synode. Die Kollatur der Pfründen steht bei den Gemeinden auf einen Vorschlag des Kirchenraths. Ein Theil der Gemeinde Dieti- kon ist katholisch; Rheinau ist ein katholisches Kloster. Für die Katholiken der Stadt Zürich ist eine eigene Pfarre und wird eine eigene Kirche erbaut werden. Politische Verfassung. Die vom Volk mit 40,503 gegen i,72t Stimmen den 20. März 1831 angenommene Verfassung erklärt den Kanton Zürich als einen Freistaat mit repräsentativen Formen, setzt die Souveränität auf die Gesammtzahl des Volkes, welche nach Maßgabe der Verfassung durch den Großen Rath, als Stellvertreter des Volkes, ausgeübt wird. Als Grundsätze stellt sie auf: Gleichheit der staatsbürgerlichen Rechte in der Regel; offener Zutritt zu allen Stellen und Aemtern; Glaubensfreiheit; Freiheit der Presse, das Gesetz bestraft den Mißbrauch, Censur darf nie hergestellt werden; jeder einzelne Bürger, jede Gemeinde oder vom Staate anerkannte Corporation, so wie jede Behörde hat das Petitionsrecht vor dem Großen Rath; Freiheit des Handels und der Gewerbe in der Regel; persönliche Freiheit eines jeden Bewohners; Trennung der Gewalten; Entsetzung eines Beamteten nur in Folge gerichtlichen Urtheils zulässig; Oeffentlichkeit der Verhandlung vor den Gerichten in der Regel; Abschaffung der Peinlichkeit; Unverletzlichkeit des Eigenthums und Entschädigung für Abtretungen, die das öffentliche Wohl erheischt; Lvskäuflichkeit der Zehnten und Grundzinse; der Boden darf mit keiner nicht loskäuflichen Last mehr belegt werden; möglichste Gleichheit der Beiträge zu den Staatslasten nach Vermögen, Einkommen und Erwerb; allgemeine Militärpslichtigkeit aller Kantons - und Schweizer- bürger; Verbot der Militärkapitulationen mit fremden Staaten; Erklärung des gesammten Schulwesens als Staatsangelegenheit. Die gegenwärtig einer Revision unterworfenen Bestimmungen dieser Verfassung über das Wahlsystem lauteten: -'Mit dem ange- 128 tretenen zwanzigsten Jahre wird jeder Kantonsbürger staatsbürgerlich stimmberechtigt und in der Regel wählbar. Ausnahmen davon machen die Allmosengenösstgen, bevormundeten Volljährigen. Falliten, die gerichtlich Akkordirten und Rehabilitirten (in Bezug auf das Stimmrecht auf ein Jahr, und in Bezug auf die Wählbarkeit für Kantonal - und Bezirksstellen für immer); die in Kriminaluntersuchung, und die durch Urtheil und Recht ihres Aktivbürgerrechtes verlustig Erklärten oder Eingestellten. Der Große Rath wird in Zünften gewählt, die Stadt Zürich bildet 13, der übrige Kanton 52 Zünfte; jede Zunft wählt zur Leitung der Wahlgeschäfte auf zwei Jahre hin den Prästdenten aus ihrer Mitte selbst; die Wahlen für den Großen Rath werden vermittelst des geheimen absoluten Mehrs vorgenommen. Prüfung der Wahlen steht dem Großen Rathe zu; von den 13 Zünften der Stadt wählen zwei 6, vierL und die sieben übrigen 4 Mitglieder in den Großen Rath aus den Stadtbürgern; WintertlM wählt 5, die übrigen Zünfte wählen jede i Mitglied aus ihrer Mitte; überdem steht jeder Landzunft die Wahl eines Mitgliedes aus allen Kantonsbürgern, einigen Zünften stehen noch ii Wahlen aus den zünftigen Bürgern der Landschaft zu; 33 Mitglieder ernennt der Große Rath selbst, und zwar ii aus der Stadt, 22 aus der Landschaft. — Um in den Großen Rath gewählt werden zu können, muß man das dreißigste Jahr zurückgelegt haben; der Große Rath wird auf vier Jahre erwählt, je zu zwei Jahren wird die Hälfte erneuert; die Austretenden sind stets wieder wählbar.-- Ueber die Kantonalbehörden und ihre genau abgegränzten Gewalten setzt die Verfassung fest: Dem Großen Rath von 212Mitgliedern ist die Ausübung der höchsten Gewalt nach Vorschrift der Verfassung übertragen; ihm steht die Gesetzgebung und Oberaufsicht über die Landesverwaltung zu; er ist Stellvertreter des Kantons nach Außen (die Verfassung führt die aus diesem Gesetzgebungs- und Oberaufsichtsrecht der Natur der Sache nach herfließen- den Befugnisse speziell aus); nebst dem steht ihm das Recht zu, Bericht über den Zustand der gesammten Landesverwaltung, oder einzelner Theile derselben, einzufordern, dem Regierungsrath und dem Obergericht Mahnungen wegen Verletzung der Verfassung, Gesetze oder Amtspflichten zu erlassen, oder Mitglieder dieser Behörden in den Anklagezustand zu setzen; er hat das Begnadigungsrecht bei Todesurtheilen; er führt die Stimme des Kantons in allen eidgenössischen Angelegenheiten; namentlich soll er Instruktionen im Geist einer kräftigen und für die gemeinsame, vaterländische Bedürfnisse befriedigenden Vereinbarung der eidgenössischen Kantone ertheilen; er wählt mit geheimem absolutem Stimmenmehr den Regie- rungsrakh, das Obergericht, das Kriminalgericht und die Präsidenten derselben; ferner das Kantonalverhöramt, den Staatsanwalt, den An- kistes der Zürcherischen Kirche, den Kirchenrath, den Erziehungsrath; der Große Rath erläßt die Gesetze und Beschlüsse auf Vorschläge des Regierungsrathes; Gesetze und Beschlüsse können im Großen Rathe selbst vorgeschlagen und berathen werden, sie bedürfen aber vor ihrer Annahme der regierungsräthlichen Begutachtung. Der Große Rath wählt seine Präsidenten und Vizepräsidenten auf ein Jahr, welche das nächste Jahr für diese Stellen nicht mehr wählbar sind; seine Verhandlungen sind in der Regel öffentlich; der Staat gibt den Großräthen für ihre Theilnahme an den Versammlungen keine Entschädigung. Der Regierungsrath von 19 Mitgliedern ist die oberste Verwaltungsbehörde des Kantons, welche der Große Rath in oder außer seiner Mitte erwählt; zur Wählbarkeit ist das dreißigste Jahr nöthig; die Amtsdauer ist 6 Jahre; je zu 2 Jahren wird ein Drittheil erneuert; die Austretenden sind wieder wählbar; die auf 2 Jahre gewählten Bürgermeister führen abwechselnd den Vorsitz; jährlich tritt einer ab, ist aber wieder wählbar; dem Regierrungsrath liegt ob: die Entwerfung oder Begutachtung der Vorschläge zu Gesetzen und Beschlüssen an den Großen Rath, und nach erfolgter Annahme derselben Vollziehung; ferner die Führung sämmtlicher Regierungsgeschäfte und Bestellung der für das Regierungswesen erforderlichen Kollegien, so wie des Staatsrathes für auswärtige Angelegenheiten, eines Rathes für die innern, eines Polizei-, Finanz- und Kriegsrathes, eines Rathes für die Gesetzgebung und eines Gesundheitsrathes; er beaufsichtigt den Erziehungs - und Kirchenrath ; er beurtheilt in letzter Instanz die an ihn gezogenen Streitigkeiten im Verwaltungsfache; die Gerichte sind vom Regierungsrathe unabhängig. Das Obergericht von 11 Mitgliedern wird vom Großen Rathe in oder außer seiner Mitte erwählt; Wählbarkeit, Amtsdauer und Austritt wie beim Regierungsrath; zwei Präsidenten führen, jeder ein Jahr, den Vorsitz; die Amtsdauer wie bei den Bürgermeistern; das Obergericht ist die höchste Behörde für die Rechtssachen, sowohl in formeller als materieller Beziehung; an dasselbe gehen die Appellationen und Rekurse von dem Kriminalgerichte und den Bezirksgerichten; Liese stehen unter seiner Aufsicht und Verantwortung; es übt ferner die Oberaufsicht über die Friedensrichter und untern Gerichte, Wer das gesammte Notariats- und Advokaturwesen, so wie über den Rechtstrieb aus; bei Konflikten des Obergerichts und der Regierung entscheidet eine Kommission, in welche von den betheiligten Behörden jede zwei, der Große Rath drei Mitglieder stellt. 127 Als erst» Instanz für all« Krlminalfäli» wird em Kriminalgericht für den ganzen Kanton aufgestellt, bestehend aus einem Präsidenten und vier Mitgliedern, welche der Große Rath auf die Dauer von 6 Jahren ernennt, und die je zu 3 Jahren um die Hälfte einer neuen Wahl unterworfen werden; das dreißigste Jahr ist zur Wählbarkeit erforderlich. Einem Kirchenrath ist die Aufsicht über das Kirchenwesen aufgetragen, dessen Präsident ist der Antistes. Einem Crziehungsrath steht die Aufsicht über die sämmtlichen Schulanstallen, die Förderung der wissenschaftlichen sowohl als der Volksbildung zu. Das Gesetz sorgt für die Organisation des Erziehungswesens und die Errichtung einer Schulsynode. Bezirksbehörden. Der Kanton ist in 11 Bezirke eingetheilt. Jeder Bezirk hat eine Bezirksversammlung als Wahl- behörde, welcher die Wahl des Bezirksrathes, des Bezirksgerichtes und der Dreiervorschlag eines Bezirksstatthalters zusteht; einem Bezirks» rath, welcher aus dem Statthalter, zwei Bezirksräthen und zwei Ersatzmännern besieht, der die Aufsicht über die gemeinsamen Güter des Bezirks, über die Verwaltung der Gemeinden und über die Waisen» pflege führt, in erster Instanz über Verwaltungsstreitigkeiten urtheilt und die Gemeindammänner aus dem Zweiervorschlag der Gemeinden wählt; einem Statthalter, als Stellvertreter des Regierungsrathes; ein Bezirksgericht von fünf Richtern, welche Las fünfundzwanzigste Altersjahr zurückgelegt haben müssen; es bildet die zweite Instanz für die von den untern Gerichten beurtheilten, und die erste Instanz für alle übrigen Zivil- und Strafpolizeifälle, so wie fürMatrimonialsachen. Außerdem hat jeder Bezirk nach Verhältniß der Bevölkerung drei bis sechs untere Gerichte von 3 bis 6 Mitgliedern, die von den Bürgern des Gerichtskreises gewählt werden (Zunftgerichte). Gemeindsbehörden. Jede Gemeinde hat zur Leitung ihrer eigenen Angelegenheiten ihre Versammlungen, ferner einen Gemeinderatb mit einem GemeindSpräsidenten, welche sie selbst wählt. Einem Gemeindammann, der jedoch auch die Stelle des Präsidenten besetzen kann, ist die Vollziehung der Gesetze und Verordnungen und die Handhabung der Polizei übertragen; jede Gemeinde hat ferner einen oder mehrere Friedensrichter, vor den zuerst alle bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten zu bringen sind; jede Kirchgemeinde hat einen Stillstand, welcher aus den Geistlichen, den Vorstehern der Gemeinde, aus wenigstens vier Stillständern, welche die Kirchgemeinde wählt, zusammengesetzt ist, die Verwaltung des Kirchen - und Armen- 128 guts leitet und über kirchliche und sittliche Angelegenheiten wacht; ferner eine Schulpflege, welche aus dem Pfarrer und wenigstens vier von den Kirchgenvffen gewählten Mitgliedern besteht, die Verwaltung des Schulguts beaufsichtigt und für das Schulwesen sorgt. Revision. Nach Umfluß von sechs Jahren kann eine Abänderung der Verfassung auf dem Wege der Gesetzgebung vorgenommen werden. Ein Gesetzesvorschlag dieser Art ist aber einer zweimaligen Berathung durch den Großen Rath zu unterwerfen. Die zweite Berathung findet erst 6 Monate nach der ersten statt. Der angenommene Vorschlag ist dann auch der gesummten Bürgerschaft des Kantons zur Annahme oder Verwerfung vorzulegen. Die Verfassung wird vom Volk und von der Obrigkeit beschworen. Gegenwärtig unterliegt diese Verfassung einer Revision, welche aber Partiell nur das bisherige Repräsentationsverhältniß und das System der Großrathswahlen beschlägt. Da sich gegen dasselbe, vorzüglich weil dadurch die Stadt Zürich auf Unkosten des Grundsatzes der Rechtsgleichheit zu sehr begünstigt war, weitaus die Mehrheit aller Kantonsbürger laut aussprach und da auch der erforderliche Termin von 6 Jahren abgelaufen war, beschloß der Große Rath den 30. März 1837 die Revision über diesen Abschnitt der Verfassung einzuleiten. Er setzte eine Kommission von 13 Mitgliedern nieder und nahm, nachdem dieselbe ihre Entwürfe vorgelegt, den 28. und 29. Juni, als in der ersten Berathung, eine Reform an, deren Grundzüge folgende sind: Der Kanton ist in li Bezirke, in 51 Wahlkreise und diese in Gemeinden eingetheilt; die Stadt Zürich macht nur einen Wahlkreis aus. Alle Bürger des Kantons haben gleiche staatsbürgerliche Rechte, eben so diejenigen Schweizerbürger, in deren heimathlichem Kanton das Ge- genrecht gewährleistet ist. Jeder hat, wenn er die durch Verfassung oder Gesetz verlangten Eigenschaften besitzt, Zutritt zu allen Aemtern und Stellen. Die Erwählung des Großen Raths geschieht theils durch Kreisversammlungen, theils durch ihn selbst. Der Große Rath wird folgendermaßen zusammengesetzt: Jede Kreisversammlung wählt je auf eine Bevölkerung von 120» Seelen des Kreises ein Mitglied in den Großen Rath, mittelst freier Wahl, aus allen wählbaren Bürgern des Kantons; eine Bruchzahl von mehr als 600 wird der vollen Zahl gleich 'gerechnet; der Große Rath wählt je auf 20,000 Seelen des Kantons ein Mitglied in den Großen Rath, mittelst freier Wahl, aus allen wählbaren Bürgern. EineBruch- zahl von mehr als 6000 wird der vollen Zahl gleich gerechnet. Als Grundlage zur Ausmittelung der Stellvertretung gilt die Volkszählung 129 vom Jahre 1836, nach welcher der Große Rath, auf diese Weise gewählt, ll2 direkte und 12 indirekte Mitglieder zählen wird. Je alle 10 Jahre ist die Volkszählung einer Revision zu unterwerfen. Jeder stimmfähige Bürger, welcher die bürgerliche Handlungsfähigkeit erlangt hat und nicht Fallit -c. ist, kann in den Großen Rath gewählt werden; die Mitgbeder werden auf vier Jahre gewählt; der Austritt geschieht gleichzeitig; keine Entschädigung. Diese Reform fällt in sechs Monaten nach dieser ersten Berathung in die zweite, und wird sie auch da angenommen, so wird sie dem Volk zur Genelnnigung oder Verwerfung vorgelegt (siehe Anhang). Nach der jetzigen Stimmung der Mehrheit wird sie in Kraft erwachsen. Im Zürcherischen Staatsleben, sowohl in der Gesetzgebung und Justiz, als in der Verwaltung, herrscht, zumal seit dem Jahre 1831, eine rege, fruchtbringende Thätigkeit, wie sie wenige Staaten auszuweisen vermögen. Reger Volkssinn, die hohe tüchtige Bildung der Staatsmänner, vermögen um so sicherer und fester aufzubauen, da weder Will- kühr noch Laune das republikanische, frische Leben hemmt. Die Civil- und Kriminalgesetzgebung naht ihrer Vollendung, wenn man so sagen darf. Ein treffliches Kriminalgesetzbuch wurde in den letzten Jahren aufgestellt. Der Entwurf eines vollständigen Civilgesetzbuches ist gewachsener Meisterhand anvertraut. Die Gerichtsverfassung und das gerichtliche Verfahren im bürgerlichen Streite und in Strafsachen sind Lurch organische Gesetze in ihren Grundzügen vorzüglich geregelt. Die Reform der Kirchenverfassung hat sich erprobt. Vor allem aber wirkt die Umgestaltung und die jetzige Höhe des Schulwesens tief für die Veredlung und Bildung des Volkes. Das Armengut reicht nicht überall aus, doch besitzen wenige Kantone so vielfache Anstalten für die Verpflegung der Armen als Zürich. Das Pvlizeiwesen ist gut, Bettelei selten. Das Straßenwesen ist, zumal durch Las neue Straßengesetz und durch dessen thätige Durchführung und Anwendung für die Kräfte einer kleinen Republik auf die höchste Stufe gebracht. Nur der Staat wirft jährlich hiefür gegen 150,000 Fr. aus. Für das Jahr 1837 sind im Budget sogar 559,000 Fr. bestimmt. Die Straßen sind eingetheilt in: 1) Hauptstraßen, 2) Landstraßen, 3) Kommunikationsstraßen und Landfußwege, und 4) Nebenstraßen. Die Hauptstraßen sind: 1) die Straße von Zürich nach Dietikvn an die Aargauergränze, 9 150 2 ) die Straße von Zürich nach Rafz an die Gränze gegen das Groß- herzogthum Baden, 3) die Straße von Zürich nach Winterthur und von da eine bis Elgg an die Thurgauergränze, die andere bis Gundetswil an die Thurgauergränze. Eine Menge Landstraßen sind theils bald vollendet, theils in Arbeit, theils beschlossen oder entworfen. Das Finanzwesen ist unter der neuen Verfassung ganz umgestaltet und auf einfache, gerechte und zweckmäßigere Grundsätze redu- zirt worden. Einerseits wurden die Loskaufspreise der Zehnten und Grundzinse, die Getränksabgabe, der Salzpreis herabgesetzt, die Handelsabgabe, die Landjägersteuern zum Wohl des Volkes aufgehoben; dagegen durch Verkauf der wenig abtragenden Domänen, Staatsgebäude, durch den großen Zehent- und Grundzinsloskauf die Einnahmen des Staates wieder ge- äufnet. Das System der indirekten Abgaben mußte dem einer gerechten Vermögenssteuer weichen, welche um so mehr volksthümlich wird, da der Staat für alle gemeinsamen Anstalten ungleich mehr auswirft als ehedem. Man rechnet im Kanton Zürich aus den Kopf 3 Fr. Abgabe, während in Baden 11, in Großbritannien 45 Fr. Das reine Staatsvermögen mag sich auf 13,308,751 Fr. belaufen. Der summarische Inhalt des Büdgets für das Jahr 1837 zeigt eine muthmaßliche Einnahme von 1.720,860 Fr. und eine Ausgabe von i,713,686 Fr., somit einen Vorschlag von 7174 Fr. Die eilf Bezirke, in welche der Kanton Zürich eingetheilt ist, heißen: Zürich, Knonau, Horgen, Meilen, Hinweil, Uster, Pfäffikon, Winterthur, Andelfingen, Bülach, Regensberg. Der Bezirk Zürich, im Westen, an der Limmat, Sihl und am See gelegen, umfaßt dieKirchgemeinden: Großmünster, Frauenmünster, St. Peter, Prediger (diese in der Stadt Zürich), Albisrieden, Birmens- dorf, Uettikon, Urdorf, Dietikon, Schlieren, Altstättcn, Weiningen, Höngg, Wipkingen, Schwamendingen, Neumünster, Seebach, Wytikon, Zollikon, Wollishofen; der Bezirk Knonau, im Südwcsten, vom Aldis gegen das Reußthal gelegen, umfaßt die Kirchgemeinden: Knonau, Hausen, Kappel, Mettmenstetten, Affvltern, Riffersweil, Beugst, Hedin- gen, Maschwanden, Ottenbach, Bonstetten, Stallikon; der Bezirk Horgen, gegen Südosten, zwischen dem Zürichsee, dem Aldis und Hohen- horn sich ziehend, hat die Kirchgemeinden: Wädensweil, Richtersweil, Schönenberg, Hütten, Horgen, Hirzel, Oberrieden, Thalweil, Rüschli- 131 kon, Kilchberg, Langnau; der Bezirk Meil.en, dem östlichen Seeufer entlang, hat die Kirchgemeinden: Meilen, Oetweil, Hombrechtikon, Stäfa, Männedorf, Uetikon, Herrliberg, Erlebach, Küßnacht, Zumikon; der Bezirk Hinweil, im Osten, mit den Kirchgemeinden: Grüningen, Goffau, Lubikon, Wetzikon, Rüti, Wald, Fischenthal, Hinweil, Dürsten, Bäretsweil; der Bezirk Pfäffikon, ebenfalls östlich und nördlich von Hinweil, enthält die Kirchgemeinden: Kyburg, Sternenberg, Bauma, Wyla, Wildberg, Weißlingen, Russtkon, Hittnau, Pfäffikon, Fehr- altdorf, Jllnau, jLindau; der Bezirk Uster, ungefähr in der Mitte des Kantons um den Greifensee herum, begreift die Kirchgemeinden: Greifensee, Egg, Münchaltorf, Maur, Volketsweil, Uster, Schwarzenbach, Fällanden, Dübendorf, Wangen; der Bezirk Wintert hur, an den nordöstlichen Gränzen des Kantons, mit den Kirchgemeinden: Winterthur, Altikon, Ellikon, Dynhart, Wiesendangen, Elsau, Ober- winterthur, Seen, Clgg, Zell, Turbenthal, Schlatt, Wülflingen, Velt- heim, Töß, Senzach. Hettlingen, Neftenbach. Pfungen, Brütten, Dägerlen, Dättlikon, Rickenbach; der Bezirk Andelfingen, der nördlichste Theil des Kantons, am Rhein, hat die Kirchgemeinden: Feuerthalen, Laufen, Andelfingen, Benken, Rheinau, Marthalen, Trül- likon, Stammheim, Osfingen, Flach, Dorf, Berg, Henggart, Buch; der Bezirk Bülach, ebenfalls im Norden, zum Theil über dem Rhein, umfaßt die Kirchgemeinden: Eglisau, Bülach, Einbrach, Dietlikon, Wallisellen, Baffersdorf, Lufingen, Rorbaß, Klvlen, Glattfelden, Rafz, Weil: der Bezirk Regensberg, im Nordwesten, enthält die Kirchgemeinden: Regensberg, Affoltern, Rümlang, Oberglatt. Niederhasli, Dielsdvrf, Regensdorf, Dällikon, Buchs, Otelfingen, Steinmauer, Schöflisdorf, Niederwenigen, Bach, Stadel, Weiach. Noch sind zu merken nebst diesen politischen Eintheilungen die volkstümlichen Benennungen einiger Gegenden, z. B.: Bauernland, welches den Bezirk Uster, einen Theil von Pfäffikon und Bülach umfaßt, und so benannt wird, weil da vorzüglich Ackerbau -st; Fischenthal (sieheunten); Kellenland, unter welchem die Dörfer der obern Töß- gegend, wegen Verfertigung von Kochlöffeln (Kellen), bezeichnet werden; Spinnerland oder die Berggegenden, zumal im Bezirk Hinweil und Pfäffikon; Turbenthal (siehe unten); Unterland oder der Bezirk Regensberg und das Limmalthal im Osten; Wehnthal, zwischen den Lägern und der Egg; Weinland oder die Weingegenden der Bezirke Andelfingen, Winterthur und Bülach. Nach dieser ausführlichen allgemeine« Uebersicht können die einzelnen Ortschaften im Detail schnell durchflvgen werden. 152 Hervorzuheben sind: Stetigst, Dorf im Bezirk Knonau, auf aumuthiger Anhöhe des Aldis; unten der romantische Türlersee; in der Nähe das Wengebad. Aldis, mit seinem aussichtreichen Huetli und Schnabel (5 oben); schöne Stellung der Franzosen im Jahr 1799 unter Massen» vor der zweiten Schlacht bei Zürich, während nach Abzug der Oesterreicher die Russen das rechte See-, Limmat- und Sihlufer besetzten; zu merken ist daS Albiswirthshaus; vormals trug der Albis die Burgen: Hütliburg und Baldern, von den Zürichern um 1268 — die Schnabelburg, bei der Mvrdrache von den Kindern Kaiser Albrechts gebrochen, und die Manegg, des Minnesängers Manesse Burg. Albisaffoltern, Dorf im Bezirk Knonau; Landwirthschaft und Manu- sakturarbeiten; Fundort römischer Alterthümer. Albisrieden, Dorf im Bezirke Zürich; gute Landwirthschaft und Fabrikation; neue Kirche. Altikon, Dorf im Bezirke Winterthur; Landbau; neues Schloß. Altstätten, Dorf im Bezirke Zürich, an der Straße von Zürich nach Baden; Landbau und Fabrikation; römische Münzen. Andelfingen, Dorf gleichen Bezirks, an der Thür; Landbau; schönes Schloß auf dem alten Burgplatz; heftige Gefechte der Oesterreicher, Russen und Franzosen im Jahre 1799. Außersihl, Gemeinde jenseits der Sihlbrücke bei Zürich, besteht aus den Theilen: Vor derSihlbrücke, imKreuel und im Hard; das Pfrund- haus St. Jakob, wonach die Schlacht zwischen den Zürchern und den Eidgenossen im alten Zürcherkrieg benennt wird; der alte Hardthurm. Bachs, Dorf im Bezirk Regensberg; üppiger Landbau; nahe auf einem Hügel Trümmer der Burg der alten Freiherr» von Waldhausen. Bäretsweil, großes Dorf im Bezirk Hinweil, in den Allmannsbergen; Fabrikation; in der Nähe die Täuferhöhle, das alte Schloß Greisfen- berg und die Aussichten auf den Allmann, dem Ebnet und Kopfholz. Bassersdorf, großes Dorf im Bezirk Bülach, an der Straße von Zürich nach Winterthur; Ackerbau und Fabrikation. Bauma, großes Dorf im Bezirke Pfäffikon, an der Tvß; schönes Gelände; Manufaktur; neue Tößstraße. Benken, Dorf im Bezirk Andelfingen, im Weinland; starker Weinbau ; römische Alterthümer; Sage von einem unter Julian hier geschlagenen Lager; 1799 in der Umgegend zwei Gefechte der Franzosen rc. Berg, Dorf im Bezirke Andelfingen, am Jrchel; interessant ist der Schloßberg, das Eichthal, die alte Burg Schollenberg und Spuren der Radegg; hier war Salvmvn Geßners Jugendaufenthalt. 133 Birmensdorf, Dorf im Bezirke Zürich, im Reppischthälchen; Feldbau. Bonstetten, Dorf im Bezirke Knonau; Stammburg des berühmten Geschlechtes der Freiherrn von Bonstetten. Bubikon, DorfimBez.Hinweil; freundliche Lage, Wiesen und Baum- gärten; Landwirthschaft und Fabrikation; alte Malthesercommende. Buch, Dorf im Bezirke Andelfingen, am Jrchel; Weinbau; Sage von den fünf rothen Buchen am Stammberg. Buchs, Dorf im Bezirke Regensberg, in einer fruchtbaren Gegend; Ruinen von einem römischen Standlager. Bülach, Städtchen im gleichen Bezirke, an der Straße von Zürich nach Schaffhausen; schöne Kornfelder und Weinberge; der Bülacherhard ist ein vorzüglicher Eichenwald; Geburtsort von Hans Keller, Helden bei Novarra 1513. Cappel, Dorf im Bezirke Knonau; Schlachtfeld wo Zwingst 1531 fiel; ehemaliges Cisterzienserkloster; Geburtsort I. SimmlerS (1530) und Wohnort Levnhard Meisters (h 1812). Dällikon mit Da nikon, Dorf im Bezirke Regensberg; römische Alterthümer; ehemaliger Edelsitz. Dättlikon, Dorf im Bezirke Winterthur, am Jrchel; Landwirthschaft, Weinbau und Fabrikation; berühmt ist der blinde Steg über die Töß. Dielsdorf, Dorf im Bezirke Regensberg, an der Lagern; Landwirthschaft; berühmt ist das Arbeitshaus, welches nun in eine Waisen- anstalt umgewandelt ist. Dietikon, gravitätisches Dorf im Bezirke Zürich, an der Straße von Zürich nach Baden; Landwirthschast; hier setzte den 25. Herbstmvnat 1799 Massen» von seiner Stellung am Albis her über die Limmat auf das rechte Limmatufer, verwirrte die Russen und errang den Sieg der zweiten Schlacht bei Zürich. Dietlikon mit Rieden, Dorf im Bezirke Bülach; Stöffi von Rieden. Dorf, Bezirk Andelfingen; Landbau; Schloß Gvldenberg; Dübendorf, im Bezirke Wer; Landwirthschaft und Seidenweberei; bei Gfenn vormals ein Kloster; der Dübelstein, ein alter Rittersitz, wurde später von Hans Waldmann wieder gebaut, liegt jetzt in Trümmern. Düreten, Dorf im Bezirke Hinweil; Fabrikation und Viehzucht. Dynhard, Dorf im Bezirke Winterthur; Landwirthschaft; Ceporinus Geburtsort. Egg, Dorf im Bezirke Uster, am Pfannenstiel; ausgezeichnete Obstzucht; Ringler, Pfarrer, -f i53i; im Weiler Rellikon wurde geboren Rel- likon, der Philologe. 154 Eglisau, Städtchen im Bez. Bülach, mit romantischer Lage am Rhein; Landwirthschaft und Durchfuhr; altes Schloß; Junghans Kambli, Held bei Cappel; Gefecht der Franzosen; Salzbohrversuche; römische Münzen. Elgg, großer volkreicher Mktfl. im Bez. Winterthur, in schöner fruchtbarer Gegend an der Straße von Winterthur nach St. Gallen; Schloß, wo 820 der berühmte Notker, der Stammler, geboren; Elisabeth von Clggau, wie Notker, kanvnisirt; in der Nähe eine Glashütte und Steinkohlengrube. Ellikon, Dorf im Bez. Winterthur, unweit der Thür an der Thur- gauergränze. Ellikon, kleines Dorf am Rhein, Bez. Andelfingen. Elsa», Dorf im Bez. Winterthur; Weinbau. Einbrach, ansehnliches Dorf im Bez. Bülach, in einem schönen fruchtbaren Thal; berühmt ist der Königswein, aus einem Weingarten, der den Habsburgischen Königen gehört haben soll; schöner Tannenwald, Embracherhard genannt; ein ehemaliges Kloster; römische Münzen; guter Ackerbau; nahe dabei ist Ober-Einbrach. Enge, eine Gemeinde zunächst an der Stadt Zürich, an der Straße nach dem Albis; gutgebautes Gelände; schöne neue Gebäude; schone Aussicht vom Bürgli; nahe das Sihlhölzchen, berüchtigt durch den Mord des Stuhenten Lessing. Erlisbach, Dorf im Bez. Meilen, an der Mvrgenseite des Zürichsee; trefflicher Wein, Landwirthschaft und Fabrikation; schöne Landsitze, eines jetzt Eigenthum von Benzelsternau, der eine kostbare Sammlung von Originalgemälden angelegt; in der Nähe der schöne Wasserfall Hanggießen. Füllenden, Dorf im Bez. Uster, nicht weit von der Mündung der Glatt aus dem Greifensee. Fehraltorf, Dorf im Bez. Pfäffikon; anmuthige Gegend; Landwirthschaft und Fabrikation; früher ein Schloß. Feuerthalen, Mktfl. im Bez. Andelfingen a. R-, Schaffhausen gegenüber; wohlgebaut; Landwirthschaft, Handwerk und Handel; guter Wein; Bleulerische Kunsthandlung. Fischenthal, im Bez. Hiikweil, in der Allmannskette gelegenes, von hohen Bergen eingeschlossenes Thal, links an der Töß. Höher liegen Waiden und Wald; unten eine Menge zerstreuter Weiler und Höfe; treffliche Kälberzucht; Manufakturverdienst; die Kirche, vom Bischof Salomon von Konstanz im neunten Jahrh, gegründet; im Umfang des Thals ragen das Schnebelhorn, die Hülftegg, Hörnli, 153 Scheidegg auf; einsamer Charakter vom Schindelberg bis an den Tößstock; Wafferfall der Töß beim Burri. Flach, großes und schönes Dorf im Bez. Andelfingen, unweit der Mündung der Thür in den Rhein; guter Weinbau; kleines Schloß. Fluntern, Gemeinde aus dem Zürcherberg, oberhalb der Stadt; schöne Aussicht beim Schlößchen Susenberg, auf dem GeiSberg und Platanen- gülli; ehemals stund in der Nähe der Rittersitz derer von Fluntern, ein Chorherrenstift und die Liebakapelle; Landwirthschaft und Fabrikation. Glattfelden, Dorf im Bez. Bülach, in einem mit Weinbergen umgebenen Thalgelände, nahe beim Ausfluß der Glatt in den Rhein; Aussicht auf dem Laubberg; Lankwirthschaft. Gossau, großes Dorf im Bez. Hinweil; neue Kirche, neue Schul- häuser, Fabrikgebäude und Wohnungen; Fabrikverdienst; guter Obst- und Weinbau. Greisensee, kleines Städtchen oder eher Dorf im Bez. Wer; schöne fruchtbare Lage am östl. Ufer des Greifensees; Landwirthschaft; schauderhaft bekannt ist die Gräuelscene auf der Wiese von Nänikon, wo Ztel Reding die tapfern Vertheidiger des alten Schlosses, Wildhans von Breitenlandenberg und feine Gefährten (1444) enthaupten ließ; der originelle Landvogt Salomon Landolt. Grüningen, ein im Bezirke Hinweil in bergiger Gegend offen gelegenes Städtchen; Landbau und Manufakturen. Hausen, Dorf im Bez. Knonau, am Albis, in gut bebautem Gelände; Landwirthschaft und Seidenfabrikation. Hedingen, Dorf im Bez. Knonau; Landwirthschaft und Fabrikation. Henggart, kleines Dorf im Bez. Andelfingen; in der Nähe der Haarsee, in welchem das Wasser zuweilen verschwindet (Anzeigen eines guten Fruchtjahres). Herrliberg, Dorf im Bez. Meilen, am Zürichsee; Weinbau und Fabrikation. Hettlingen, Dorf an der Straße von Winterthur nach Schaffhausen. Hinweil, volkreiches Dorf am Fuße des Allmanns; große Bauernhäuser; uralte Pfarre; nahe bei der Kirche ehemals das Schloß der Freiherren von Hinwyl; Landwirthschaft, Fabrikation, Handel. In der Nähe das innere Gyrenbad, und das Bad bei Ehrlosen. Hirzel, zerstreute Gemeinde auf dem Horgerberg, gegen die Zuger- gränze; diese Gegend, sammt dem benachbarten Schönenberg, wird als der schönste Theil des Kantons gepriesen; schöne Spaziergänge; der Sihlsprung; der Zimmerberg; an der Letze die blutige Schlacht im Zahre 1443 zwischen den Zürcher» und den Eidgenossen. Hittnau, Ober- und Unter-, Dorf im Bez. Pfäfsikon, Landwirthschaft und Baumwollenfabrikation. Höngg, Dorf im Bez. Zürich, auf einer Anhöhe des rechten Limmat- ufers; Weinhügel; schöne Landhäuser; Weinbau und Fabrikverdienst. Hombrechtikon, großes Dorf im Bez. Meilen ob dem Zürichsee und an der St. Gallergränze; Landwirthschaft und Fabrikation; Aussicht vom Schwesterrain; der Wasserfall Laufenbach; gutes Feldbacherbier. Horgen, großer Mktfl. am südösil. Ufer des Zürichsee, liegt vorn an einer Seebucht, hinten am steilen Berg; schöne Gebäude, die wie in einem Garten stehen; Niederlage und Hafen für Maaren, welche über den St. Gotthard nach Italien gehen; Wohlstand und Rüstigkeit der Einwohner durch Landbau, Industrie und Handel; bekannt durch Kriegsnoth in älterer und neuerer Geschichte; schöne Kirche; in der Nähe der hochgelegene Kurort Boken. Hütten, kleines Dorf im Bez. Horgen, der höchsigelegene Ort des Kantons, an der Schwyzergränze; in seiner Nähe fließt die Sihl (Aittersteg), sieht der kleine, dreieckige, klare Hüttensee und erhebt sich der Hoherhone mit dem Dreiländersiein; Molkenanstalt; schöne Ausflüge; Ackerbau und Viehzucht. Jllnau, 'großes Dorf im Bez. Pfäfsikon. liegt im Kempthal; Ackerbau und Industrie; Wirthlichkeit der Bauersame; Trümmer der alten Moosburg; bei First Aussicht. Kefikon, Dörfchen und Schloß, letzteres auf der Gränze von Zürich nach Thurgau. Kilchberg, Dorf im Bez. Horgen, zwischen dem Zürichsse und Aldis; schöne Aussicht; der Adlisweilerberg; Landwirthschaft und Fabrikation. Kloten, Dorf im Bez. Bülach, groß und wohlgebaut, in fruchtbarer Gegend, an der Straße von Zürich nach Schaffhausen; 1799 Haupt- quartier des Erzherzogs Karl während 3 Monaten; bedeutende römi- sche Alterthümer auf dem Aalbühel; Landwirthschaft. Knonau, Dorf an der Landstraße von Zürich nach Luzern; Landwirthschaft, Viehhandel, reicher Obstwachs; das Schloß, früher des alten Geschlechts der Meyer von Knonau Stammsitz; in der Umgegend Ueberreste alter Burgen und römische Alterthümer. Küßnacht, großes Dorf im Bez. Meilen, auf einer Erdzunge des östl. Zürichsee, mit schöner Lage; Wein - und Landbau und Seidenfabrika- tion; Ueberschwemmung 1779; ehemals ein Johanniter-Ritterhaus; ob demDorf die gebrochenen Burgen Wurp und Balp; Schullehrerseminar. Kyburg, Dorf im Bezirk Pfäfsikon, hoch und wild gelegen; Landbau; Berühmtheit des Schlosses; das alte Grafengeschlecht von Kyburg 157 war eines der mächtigsten in der Schweiz, es herrschte über den Norden Zürichs und Thurgaus und erlosch 1264 ; die Grafschaft fiel an Habsburg, Oesterreich und endlich an Zürich; das Schloß ist jetzt eine Fabrik. Langnau, Dorf im Bez. Horgen, an der Sihl; Landbau, Manufaktur, sehenswerthe Spinnerei. Laufen, Dorf im Bez. Andelfingen, beim Rheinfall. Oben vom Schloß, besonders aber unten am Fels, auf dem Geländer, zeigt sich der Sturz des Stromes erst in seiner mächtig schönen Wuth. Lindau, Dorf im Bez. Pfäffikon, zwischen dem Greifensee und Kemp- that; Landbau und Fabrikation. Lusingen, Dorf im Bez. Bülach, bei Einbrach; kleines Schloß; Landwirthschaft. Männedvrf, schönes Dorf am östl. Zürichsee, Bez. Meilen; trefflicher Obst- und Weinbau, Fabrikation, große Bevölkerung. Marthalen, Mktfl. im Bez. Andelfingen; treffliche Landwirthschaft; römische Münzen. Maschwanden, Dorf im Bez. Knonau, nahe bei der Reuß; Landwirthschaft, große Allmend; Ruine des Schlosses; nicht ferne die Stellen des Stammschlosses Schwarzenburg-Eschenbach. Maur, Dorf im Bez. Uster, am fruchtbaren Maurerberg und am linken Ufer des Greifensee; obstreich; Schlößchen. Meilen, großes zerstreutes Dorf am östl. Zürichsee; schöne Gebäude, herrliche Gegend; guter Acker-, Wein-, Garten- und Obstbau; starke Viehzucht; auch Fabrikation; Wohlhabenheit; alte Kirche mit vorzüglichem Geläute; nahe sind die Aussichten vom Pfannenstiel und von der Terasse. Mettmenstetten, Dorf im Bez. Knonau; gute Landwirthschaft; keine Spuren vom alten Rittersttz. Münchaltorf. im Bezirk Uster, am Greifensee; Landwirthschaft und Fabrikation; auf einem nahen Hügel die Ruinen von Lieberberg. Neftenbach. Dorf im Bez. Winterthur, am Jrchel, bei der Töß; fruchtbare Lage, zumal Weinbau; Manufaktur; in der Nähe die Ruine der Wart, deren letzte Bewohner, Rudolf und die edle Gertrud, die Opfer von Agnes Blutrache waren. Neumünster, ehemalige Kreuzgemeinde, ob der Stadt Zürich, aus den Civilgemeinden Hotringen, Riesbach und Hirslanden gebildet; Menge neuer geschmackvoller Bauten; das Seefeld und der Hottin- gerberg, Lustvrte. Niederhasle, Dorf im Bez. Regensberg; Landbau; geognost. merkw. 138 Niederwenigen, Dorf im Bez. Regensberg, im Wehnthal, am nördl. Fuß der Lagern; Landwirthschast; Gypslager. Oberglatt, Dorf im Bez. Regensberg, im Wiesengelände an der Glatt; Glattkorrektionen; Landwirthschast. Oberrieden, Dorf im Bez. Horgen, am Zürichsee, auf der Höhe zwischen Horgen und Thalweil; Fabrikation und namentlich Weinbau. Oberstraß, oberhalb der Stadt Zürich, an der Straße gegen Winter- thur; gute Wohnungen. Oberwinterthur, Dorf im Bez. Winterthur, an der Straße nach Frauenseld; es ist das der Römer und man findet den Grund der Mauern, Reste der Römerstraße, von Bildern, Münzen, Gewölbe?c. Auf dem Limperg stößt man auf die Grundmauern eines röm. Kastells; in der Nähe find die Schlösser Hegi und Mörsburg. Oetweil, Dorf im Bez. Meilen, jenseits des östl. Gebirges am Zürichsee; Landbau und Manufaktur. Oetweil, Dörfchen im Bez. Zürich, auf dem rechten Limmatufer. Ossingen, Dorf im Bez. Andelfingen. an der Thür; Wein - und Feldbau; Schlößchen Wyden bei Hausen; nahe der einsame Hausersee. Otelfingen, Dorf im Bez. Regensberg, an der Aargauergränze; guter rother Wein. Ottenbach, großes Dorf im Bez. KnvnaU; innerhalb 36 Jahren dreimal halb abgebrannt, jetzt stattlich gebaut und wohlhabend; Landbau und Fabrikation; bei Lunnern bedeutende römische Alterthümer. Pfäffikon, Mktfl. am schönen Pfäffikersee, städtische Gewerbe und Landbau; Trümmer der alten Burg; römische Münzen. Pfungen, Dorf im Bez. Winterthur, am Fuße des Eigelhards; der Pirminsbrunnen; altes Schloß; die Burg Multberg, bei der Blutrache gebrochen. Rafz, Dorf im Bez. Bülach, an der Straße von Zürich nach Schaffhausen, Landbau; das Rafzerfeld, etwa 2 St. lang und 1)4 St. breit, ist eine fruchtbare Ebene. Regensberg, Städtchen auf dem Vvrhügel der Lagern, in der Umgebung Burg genannt; Schloß; Ausstcht von der Hochwacht. Altregensberg war die Burg der berühmten Freiherren, Stifter der Klöster Rüti und Fahr, ihre Trümmer stehen auf einer Höhe am Katzensee, römische Münzen. Regensdorf, im Bez. Regensberg; Landbau, feit jüngerer Zeit vorzügliche Oekonomie; römische Münzen. Rheinau, Städtchen im Bez. Andelfingen, auf einer Landzunge am Rhein, kathol.; Wein- und Feldbau. Das Kloster liegt auf einer 159 Insel; es wurde gestiftet 778 von Wolfhart, einem allemanischen Fürsten; unter seinen Mönchen sind bekannt: der Zrländer Fintan im neunten Jahrhundert, Moritz van der Meer, Basilius Germann, Jldephons Fuchs in jüngerer Zeit. Richtensweil, schöner Mktfl. im Bez. Hvrgen. an der weiten Bucht am südl. Zürichsee, und an der Anhöhe aufgebaut; schöne Wohnungen; Wohlstand, Regsamkeit im Feldbau, Fabrikation, Handwerk und Handel; Waarentransport nach Brunnen; alte Ruine des Schlosses Wädensweil; viele Spaziergänge mit Aussichten über den See, so nach Bach, auf den Beck, nach Wvllerau, auf den Esel, auf die Berghalden, nach Feustsberg, auf den Schönenboden und Etzel, Kurort. Die Bruder Hotze, der eine als General, der andere als Arzt bekannt. Rikenbach, Dorf im Bez. Winterthur; Land- und Weinbau. Riffersweil, Dorf im Bez. Knonau, unter dem Aldis, an der Ionen und an der Straße von Zürich nach Luzern; fruchtbare Gegend und Landwirthschaft; Johann Hegetschweiler, jetzt in Zürich. Rorbaß, Dorf im Bez. Bülach, am Jrchel, nahe beim Einfluß der Töß in Rhein; guter Wein; auf dem nächsten Hügel stand einst der Burgstall der Edlen von Rorbaß; gegenüber das wohlgebaute Freienstein,, die Trümmer des alten Schlosses Freiensiein; das noch erhaltene Schloß Teufen steht ebenfalls in der Nähe über den Rhein und die Töß erhaben. Nebst diesem befanden sich mehrere Schlösser in dieser Gegend; merkwürdig ist der Wasserfall beim Pfarrgarten, die Tufsteingrotte der Lvchmühle und die Grotte bei der Haldermühle. Rümlang, Dorf im Bez. Regensberg an der Glatt; Landwirthschaft und Strumpfstrickerei. Der Landwirth Kleinjvgg oder Jakob Guier auf dem Katzenrüthihof. Rusch likon, Dorf im Bez. Horgen, an der Westseite des Zürichsee; Fayencefabrik, Seidenfabrikation und Landbau. Das Nydelbad und dessen schöne Umgebung. Rüti, Dorf im Bez. Hinweil; Landwirthschaft und Baumwollenfabri- kation. Das Kloster 1206 von einem von Regensberg gestiftet und während der Reformation aufgehoben; Grabstätte der bei Näfels erschlagenen Ritter (originelle Spekulation eines Vorstehers, der die Gebeine bei Näfels mit eigenen Händen ausgrub und in Rüti beisetzte, um Vergabungen an's Kloster zu erhalten). In der Nähe bei Fägsweil der Hohelauf, Waffersturz der Ionen; interessante Gegend beim Pilgersteg. Rußlikon, Dorf im Bez. Pfäfflkon, über dem Kempthal. 140 Schlatt, Dorf im Bez. Winterthur, gegen den Schauenberg; einst standen hier zwei Burgställe. Schlieren, Dorf im Bez. Zürich, an der Straße von Zürich nach Baden; guter Landbau und Manufaktur; in der Nähe das Schloß Schönenwerd; auf dem Kirchhof wurden beträchtliche römische Alterthümer gefunden. Schöflisdorf, im Bez. Regensberg; Landwirthschaft. Schönenberg, Dorf im Bez. Horgen, in schönen obstreichen Gärten zerstreut, auf einem Berg gegen den Kanton Zug hin; gute Land- wirthschaft und Fabrikation. Schwamendingen, Dorf im Bez. Zürich, an der Straße nach Winterthur, jenseits des Zürcherberges. Schwer; enbach, kleines Dorf im Bez. Uster; wohlbebaute Güter. Seebach, Dorf bei Zürich; neue geschmackvolle Häuser; Landwirth- schast und Manufaktur. Seen, Dorf im Bez. Winterthur; Landbau. Senzach, Dorf im Bez. Winterthur; Baumschule. Sihlwald, mächtige Waldung der Stadt Zürich im Bezirk Horgen, größtentheils Fichten und Buche»; darin das Wohnhaus des Jdyllen- dichters Salomon Geßner. Stadel, Dorf im Bez. Regensberg, am Stadlerberg; Feldbau. Stäfa, Bez. Meilen, am Lstl. Ufer des Zürchsee, das schönste, bevöl- kertste und wohl das reichste Dorf der Schweiz; Regsamkeit, musterhafte Landwirthschaft, Kunstsinn und Fabrikation; schöne Standpunkte auf dem Hafendamm, auf der nahen Forch, dem Kessibühel, auf Teufelsoberdieli, im Moritzli, auf dem Laltenberg und im Mühle- hölzli. Freiheitssinn der Einwohner. Badanstalten zu Uerikon, ehemals ein Burgstall. Römische Münzen. Stallikon, Dorf im Bezirk Knonau, auf der Südseite des Huetli- berges, in einem wasserreichen Thälchen; Viehzucht, Ackerbau und Seidenfabrikation; in der Nähe waren der Rittersitz Buchenegg und Sellenbüren, das Schloß des berühmten Geschlechtes, von dem die Klöster St. Bläst und Cngelberg gestiftet worden. Stammheim, Ober-und Unter-, großer Flecken im Bez. Andelfingen, unten am Stammheimerberg, auf einer fruchtbaren Ebene; gegenüber liegen Waltelingen und Guntalingen, und auf Anhöhen die Schlösser Schwandegg und Gyrsberg; das Stammheimerbad; Landwirthschaft. Steinmaur, Dorf im Bez. Regensberg; Landwirthschaft. Sternenberg, großes, am Fuße des Hörnli gelegenes Dorf im Bezirke PfäffikvN; rauhe Berggegend; Feldbau und Manufaktur. 141 Thalweil, schönes Dorf im Bez. Horgen, auf einer Höhe am westl. Ufer des Zürichsee; Landwirthschaft und Fabrikation; Verschönerung; Aussicht vom Kirchhof und vom Etzliberg; ehemaliger Burgstall. Töß, Dorf im Bezirk Winterthur, an der Straße von Zürich nach Winterthur. Das vormalige Kloster, zuerst ein Beguinenhaus, gegründet 1268, am meisten fundirt von der Königin Agnes nach der Blutrache, ist jetzt eine Fabrik. Bläsihof. Trüllikon, Dorf im Bez. Andelfingen. in schönem Gelände? guter Wein, Landbau; Bürkli's Schloß; 1799 Treffen der Franzosen und Oesterreicher. Im nahen Wildisbuch 1823 fanatische Schauderscenen. Turbenthal, Thalgelände im Bez. Winterthur, an der Töß. Das Dorf hat geräumige Häuser; Landwirthschast, Manufaktur und Handwerk. In der Nähe die alten Edelsitze der Landenberge, aus deren Geschlecht zumal der alte Landvogt in Unterwalden und der tapfere Wildhans, Greifensteins Vertheidiger, bekannt sind. Am Schauen- berg liegt das äußere Gyrenbad. Uetikon, Dorf im Bez. Meilen, am östl. Ufer des Zürichsee; schöne Aussicht vom Kirchhof; Landbau und Fabrikation; Konrad Fäsi. Uitikon, Dorf im Bez. Zürich; LandbaU; das Steiner'sche Schloß. Unterstraß, Gemeinde außerhalb der Stadt Zürich, längs der Straße nach Schaffhausen; städtische Gebäude; Landwirthschaft und Fabrikation. Spannweid. Urdvrf, Ober- und Unter-, im Bez. Zürich, bei der Einsenkung des Aldis; Landwirthschaft; römische Münzen. Uster, großes Dorf am Greifensee; üppige Gegend; Landwirthschast und BaumwollenfabrikativN; schöne neue Kirche; auf einem Trauben- hügel das alte Schloß, jetzt eine Baumwollenspinnerei. Schlachtwiese bei Nänikon (s. Greifensee). Volksversammlung im Jahre 1830 zur politischen Reform des Kantons. Römische Alterthümer. Veltheim, Dorf im Bez. Winterthur? Landwirthschast, guter Wein; Konrcd Füßli. Volkettweil, Dorf im Bez. Uster? Fruchtbarkeit? nahe liegtHegnau. Wädentweil, großer schönerMktfl. im Bez. Horgen, am westl. Ufer des Zürichste? Regsamkeit und Wohlstand? stattliche Gebäude und Fabriken? schöne Lage, Aussicht vom Schloß? in der Nähe der Fall des Wildbachs; die Fernsichten von Herrlisberg und Wyden? die Halbinsel Au, mit mächtiger Waldung. General Werdtmüller. Wald, Dorf im Bez. Hinweil, im Allmannsgebirg? stattliche Häuser? Landtau, Viehzucht und Manufaktur? in der Nähe liegen der Bachtel, Hittenberg, Güntisberg und Bahenberg mit ihren Aussichten. 142 Wallisellen, Dorf im Bez. Bülach, an der Skraße von Zürich nach Winterthur. Wannen, Dorf im Bez. Uster, Landwirthschaft und Fabrikation, bedeutendes Torfmoor. Weiach, Dorf im Bez. Regensberg, an der Aargauergränze, Feld- und Weinbau. Weil, Dorf im Bez. Bülach, auf dem Rafzerfeld, Landwirthschaft, Bad im Häuslihof. Weiningen, Dorf im Bez. Zürich, unweit der Limmat und dem aargauischen Kloster Fahr, starker Land- und Weinbau, Schloß. Nach Weiningen eingepfarrt ist Engstringen, mit schöner Lage an der Limmat. An dieser, weiter unten, stand einstens das Städtchen und Schloß Glanzenberg, welche 1268 von den Zürcher» zerstört wurden, die Trümmer wurden zum Bau des an dieser Stätte gegründeten Klosters Fahr gebraucht, sonst blieben wenige Spuren übrig. Wetzikon, Dorf im Bez. Hinweil, am Ende des Pfäffikersee, Landwirthschaft und Fabrikation; musikalischer Sinn; Schmiedlin; altes Schloß. Wiedikon, Dorf im Bez. Zürich, in einem obst- und wiesenreichen Gelände am Fuße des Huetliberges, Landwirthschaft und Fabrikation. Im Jahre »834 großes eidgenössisches Freischießen auf der ausgedehnten Matte gegen den Huetliberg, im Jahr 1836 auf der gleichen Stelle große Volksversammlung, iesendangen, Dorf im Bez. Winterthur; Landwirthschaft, ildberg, Dorf im Bez. Pfäfsikon; herrliche Lage in Wiesen und Fruchtfeldern. Winterthur, an Schönheit und Wohlstand eine der bedeutendsten Schweizerstädte, durch sie führt die Handelsstraße von Zürich nach St. Gallen und Konstanz, vorbei fließt die Eulach, die Ebene, in der sie gelegen, umziehen Wald und Weinhügel, sie ist regelmäßig und stattlich gebaut in zwei Hauptstraßen, in gleicher Richtung nebeneinander, mit acht Querstraßen, meistens Doppelhäuser, Ausfüllung der Stadtgräben. Regsamkeit, Fabrikation, Gewerbe, Handel, starker Verkehr mit Zürich, Kunstsinn, Geselligkeit, Bildung. Merkwürdig sind: Kirche, Spital, StaLtbibliothek mit Münzkabinet, vrnithologische und Mineralienkabinette, Gemäldesammlungen u. s. f. von Privaten, geschmackvolle Landsitze, Ausflüge, nahe: nach dem Heiligenberg und dem Bäumli, entferntere: nach der Mösburg und Kyburg, Schloßhos, Bruderhaus. Das Lörlibad, Schneck, Winter- thurerhard. Auf der Südseite stand das Schloß der alten Grafen. 145 Winterthur war früher bedeutend als Anhängen» Oesterreichs gegen Zürich, jetzt als eine der regsamsten Ortschaften der Schweiz. Sie zählt mehrere berühmte Männer. Wipkingen, Dorf im Bez. Zürich, an der Limmat; schöne Wiesen und Weingelände, Fabrikgebäude und Landsitze, ollishofen, Dorf im Bez. Zürich, am linken Seeufer; schöne Gegend, ülflingen, großes Dorf im Bez. Winterthur, an Ler Eulach; Landwirthschaft und Fabrikation; schöne Gebäude und Fabriken-, gutgelegenes Schloß und die Trümmer der Burgen Alt- und Hohenwülf- lingen; römische Alterthümer. Wyla, Dorf im Bez. Pfäffikon, an der Töß.'; Landbau und Baum- wvllenfabrikation. Wytikon, Dorf im Bez. Zürich; hohe Lage über dem Zürichsee. Zell, Dorf im Bez. Winterthur; starke Baumwollenspinnerei und Landbau; Tufsteinbrüche. Zollikvn, Dorf im Bez. Zürich, auf einer Anhöhe zur Rechten des Zürichsee; mit obst-, wein- und waldreichem Gelände; Seidenweberei. Zürich, Hauptstadt des Kantons, ist an der Ausmündung des See's in die Limmat und dieser entlang hingebaut; in neuester Zeit von den Schanzen befreit, verbindet sie sich durch eine Menge meist geschmackvoller, neuer Bauten mit den Nebengemeinden ringsumher, umfängt die Seeufer von beiden Seiten und rückt, zumal an den östlichen Anhöhen, immer weiter hinauf. Die Limmat theilt sie in die kleine Stadt, die zwischen dem linken Limmatufer und der Sih! in einer etwas hügeligen Ebene liegt, und die große Stadt, die vom rechten Ufer der Limmat an den Fuß des Zürcherberges hingebaut ist; sie werden verbunden durch zwei fahrbare Brücken, von denen die eine noch nicht vollendet ist; unterhalb führen zwei Fußstege hinüber. Die kleine Stadt wird noch durchstellen vom Fröschengraben, Sihlkanal und Schanzengraben. Wohl keine Stadt hat in jüngerer Zeit eine solche Regsamkeit und Lebendigkeit, besonders im Bauen, entwickelt, wie dieses industriöse, rüstige, sich fast ganz neu schaffende Zürich. Die alten engen Gaffen, in denen sich altzürcherische Genügsamkeit trotz allem Wohlstand zusammendrängte, werden nach und nach gelichtet, die Schanzen, in welche alter Stadtstnn sich vergrub, werden gebrochen und auf ihrer Stätte ersteht Bau an Bau-, Zürich sucht freieres Leben. Seit alten Tagen machten sich zürcherische Gelehrsamkeit, Kunst und Handel berühmt, gegenwärtig überbietet aber noch Zürich seinen frühern Ruf; es wetteifert rühmlich mit den eidgenössischen Kulturstädten Basel und Genf. Die vielen Fabrik«? in 144 den meisten Fabrikationszweigen, die trefflichen Handwerke, die Handlungshäuser, welche sowohl mit Vertrieb der fabrizirten Waaren, als mit H-ütersendungen, Wechselgeschäften und vorzüglich mit Spekulationen auf Seide, Baumwolle und Reis sich abgeben, beurkunden die Stufe zürcherischer Industrie; die vielen jetzt lebenden Gelehrten und Gebildeten, die Opfer für Las Schulwesen, die wissenschaftlichen Gesellschaften, Bibliotheken, Buch - und Kunsthandlungen beurkunden die Bildung in Zürich; berühmt ist die zürcherische Mildthätigkeit. Das gesellige Leben allein bedürfte besserer Pflege. Zu merken sind unter den Straßen: Stadelhosen, Thalacker, Hirschengraben, die neuen Quais, dem rechten Limmatufer nach; unter den Plätzen, der Münsterhof, der Weinmarkt; unter den Gebäuden: der große Münster, der Frauenmünster, die Peters- und die Predigerkirche, das Rathhaus, die Hauptwache, das Waisenhaus, die Meise, der Rüben mit dem Museum, das Kasino, Theater und Kanzleigebäude; unter den Privatgebäuden stechen, nebst einigen in der Stadt, mehrere neu» außer derselben hervor. Einige öffentliche Gebäude sind noch im Werden-, viel verspricht man sich von der neuen Post im Kratz, vom Blinden- und Taubstummengebäude und vom Spital bei Fluntern; ein neues Zeughaus, statt der drei alten, ist noch im Projekt; der alte Wellenberg in der Limmat soll abgebrochen werden. Uebrigens drängen sich so viel Baupläne, daß eine Statistik Zürichs von Jahr zu Jahr sehr lückenhaft wird. Unter den Sammlungen sind hervorzuheben: Die Stadtbibliothek in der Wasserkirche mit Werken klassischer Literatur und Geschichte, aller zürcherischen Schriftsteller, kostbaren Hand- schriften, einem Münzkabinet, dem Müller'schen Relief mit Büsten, Bildnissen und chinesischen Bildern-, die Universitätsbibliothek, die medizinische, die juristische, die Bibliothek der naturforschenden Gesellschaft, die der Kantvnallehranstalten; das physikalische und Naturalienkabinet, der botanische Garten, das chemische Laboratorium u. s. f. -, unter den Privatsammlungen befinden sich mehrere Herbarien, mineralogische, gevgnostische, zoologische; Münz-, Gemälde-, Landkarten-, Schweizer- ansichten- und Bildniß-Sammlungen. Zu erwähnen ist noch Las Museum mit einer reichhaltigen Auswahl politischer, wissenschaftlicher, technischer und künstlerischer Zeitschriften. Zürichs ganze Lage und Umgebung ist schön. Man denke mittendurch die Limmat in Heller Fluth schnell strömen, oben den milden, klaren See sich ausdehnen, ringsum nahe Anhöhen, aufwärts auf beiden Seeufern grüne und blaue Bergreihen, und im Hintergründe Lie Alpenfirnen aufragen, niederwärts sich aber das Limmatthal öffnen. 143 und man wird sich ein reiches Bild versprechen können. Auf beiden Brücken, zumal aber auf dem Bauschänzli, einem Jnselchen bei der Ausmündung, sind schöne Standpunkte; weiter aber ist die Aussicht auf der großen Promenade, dem Lindenhvf und auf der Katze; der Schützenplatz, eine Halbinsel, unter der die Sihl in die Limmat fließt und wo S. Geßners Denkmal steht, ist ein schattiger, langer Spaziergang unter Baumgängen; interessant sind die Ausflüge in das Sihl- und Burghölzchen, auf das Bürgli; entferntere Spaziergänge führen auf den Hökler, zu der Mannegg und dem Huetli am Aldis, oder auf die Weid ob dem Limmatthal. Merkwürdige Volksfeste sind: der Berchtelitag, das Sechseläuten, das Knabenschießen. Für Kunstgenuß ist gesorgt durch Konzerte, Theater, Gemäldeausstellung u. s. w. Der alten Stadt Zürich Schicksale in der reichsstädtischen Zeit !. und während den schweizerischen Freiheits- und Bürgerkämpfen zu schildern, muß dem Geschichtschreiber überlassen werden. Nur das noch, daß Zürich ehedem an tapferm, derbem und trotzigem Sinn sich charakterifirte; in der neuesten Zeit aber den Ruf verständiger Weisheit verdient. ! " Kanton Bern. ^)n Beziehung auf Größe und Volkszahl, hauptsächlich aber wegen seines Alles überwiegenden politischen Einflusses, ist der Kanton Bern unstreitig der wichtigste der Kantone der Eidgenossenschaft, und er wird nicht ohne Grund der moralische Vorort genannt. Seine Lage in der Schweiz geht von dem Mittelpunkt dieses Landes nach dem Westen , und zieht sich in beträchtlicher Länge von Süden nach Norden. Er ist im Norden von Frankreich, Solothurn und Basellandschaft begränzt, gegen Osten von den Kantonen Basellandschaft, Solothurn, Aargau, - Luzern, Unterwalden und Uri, gegen Süden von Wallis, gegen We- t sten von den Kantonen Waadt, Freiburg und Neuenburg. Die Alpen- und die Jurakette, so wie der Neuenburgersee und der Doubs bilden -i theilweise natürliche Gränzen. zl Sein Flächeninhalt kann bei der noch wenig vorgerückten trigono- ! metrischen Vermessung der Schweiz nicht mit Bestimmtheit angegeben IN 146 werden. Er wird auf 327 bernische oder 425^, schweiz. UM. oder 173 geogr. LUM. angegeben. Bei der im Jahr 1836 vorgenommenen Volkszählung belief sich die Seelenzahl auf die runde Summe von 400,000; allein nach einer neulich durch die Tagsatzung angeordneten, im Oktober 1837 vorgenommenen abermaligen Zahlung war das Ergebniß die Summe von 408,Ü29 Seelen. Die hohe und beeiste Alpenkette durchzieht denK. Bern in der Richtung von S. nach SO. zwischen diesem Kanton und den K. Wal- lis, Ury und Unterwalden. Außer dieser findet sich noch ein beträchtlicher Theil des Juragebirges in der Richtung von W. nach WN. und N. Minderbeträchtlicher Gebirge und einzelner merkwürdiger Berge werden wir bei ihren Lokalitäten erwähnen. Die Alpenkette, so weit sie den Kanton Bern betrifft, oder die Berner Alpen, berühren in allmäliger Senkung im W. »ent ü« äainan und den südl. Theil des K. Freiburg; von ihnen läuft gegen den Thunersee die Stockhornkette aus, welcher See sie von dem weiter östl. liegenden Hohengant trennt, der wiederum mit der Kette des Pi- latus durch den Brienzergrat in Verbindung steht. Ein mächtiger Arm derselben scheidet im S. S. W., über das Oldenhorn ziehend, Wandt und Wallis. Sie sind in ihren obersten Gipfeln mit ewigem Schnee und Eis bedeckt, und geben einer großen Menge von Flüssen und Bächen ihre Entstehung. Die hauptsächlichsten Gipfel sind: das Finsreraar- horn, dieJungfrau, der Mönch, das Wetterhorn, das Schreckhorn, die Viescherhörner, der Eiger rc., worüber wir, so wie über die merkwürdigen minder hohen Berge in dem alphabetischen Theile nähere Nachrichten geben werden. Die Thäler, welche von den Gebirgen gebildet werden, sind nebst den Bergen unter der Schneelinie theils mit Waldungen bewachsen, theils werden sie zu Weiden und Matten und tiefer hinab auch zu Getreidebau benutzt. Auf den Spitzen dieser Gebirge bieten sich häufig ausgedehnte Fernsichten dar, ihr Genuß kann aber nur durch Mühe und Gefahr errungen werden. Vermöge dieser hohen Gebirge und der auf denselben lagernden ewigen Schnee - und Eismaffen gehört auch der Kanton Bern, mit Ausnahme des Jura, zu den wasserreichsten Ländern der Welt. Ueberall entströmen seinen Bergen und Thälern zahlreiche Bäche und bilden größere und kleinere Flüsse, die alle, mit alleiniger Ausnahme der Zieh!, die in dem Kanton Waadt entspringt, und des Doubs, der ebenfalls diesem Kanton entspringend, nur eine Strecke lang den Kanton Bern berührt und die Gränze gegen Frankreich bildet, so wie eines Theiles der Senfe ursprünglich dem Kanton Bern angeboren, d.h. auf ihrem 147 Grund und Boden ihre Quellen haben. Die hauptsächlichsten unter ihnen sind die Aar, die Emme, die Birs, LiaKander, die Lüt- schine, die Saane (8-ri-ine), die Sense (8lngine), die Hall, die Süß oder Schuß, die Simme, die Gürbe, die Sulz, die Zieh! und der Doubs. Schiffbar sind nur die Aar, die Ziehl, die Emme und eine Strecke des Doubs. Alle sind sehr fischreich, und ihre Wasserkraft setzt eine Menge Mühlen und andere Wasserwerke in Thätigkeit. Auch ihrer wird in der alphabetischen Beschreibung eines Mehrern gedacht werden. Es ist ganz natürlich, daß in einem Lande, wo ein steter Wechsel von Berg und Thal herrscht, auch größere Waffersammler, Seen, sich befinden. Ihre Zahl, wenn auch nicht ihre Ausdehnung, ist sehr bedeutend, und manche von ihnen gewähren durch ihre reizende, öfters wildromantische Lage einen schönen Naturgenuß. Die Bedeutendsten unter ihnen sind: der Brienzer-, der Thuner- und der Bieler- See; die ersten zwei ganz im Kanton gelegen, der letztere bei Landeron den K. Neuenburg berührend. Nur ein kleiner Theil des K. Bern stößt an den Neuenburgersee. Unter den Seen geringeren Umfanges zeichnen sich aus: der Gerzensee, der Amsoldingersee, der Längen- bühlsee, der Uebischisee und der Geistsee. Eine Menge kleinerer Seen liegt im Hochgebirge und in Wildnissen umher; einiger derselben wird noch besonders erwähnt werden. In geognostischer Hinsicht bestehen die Hoch- und Mittelgebirge aus Flöz kalkstein mit vielen Quarzkörnern vermischt, reich an versteinerten Meermuscheln (hierunter zeichnet sich besonders der Längern- berg, etwa 2 St. von Bern, aus), auf Granit, Gneis und Thonschiefer ruhend. Sogar auf dem Hauptkamm findet man noch mancher Orten den grobkörnigen Sandstein. Nur die höchsten Felsen an den Gränzen des K. Wallis gehören der Urformation an. Der Jura ist durchgängig Kalkgebirge. Der Boden der Thäler und der Ebenen ist verschiedenartig, meist steinig und kalt, jedoch gelang es dem Fleiße der Bewohner, einen großen Theil für die Landwirthschaft nutzbar und abträglich zu machen; allein es ist nicht zu läugnen, daß in diesem Fache, besonders im Ackerbau, noch manches gethan werden könnte. Die Anstalten von Hofwpl geben ein unwiderlegbares Beispiel, was menschlicher Fleiß verbunden mit Einsicht und ökonon.sschen Kenntnissen zu leisten vermag. — Außerdem finden sich viele Möser (Moore) in dem Kanton, wovon das sogenannte Aarberger- oder große Moos das ausgedehnteste ist. Schon seit vielen Jahren hegt man den Plan seiner Austrvcknung, und es wäre unstreitig höchst wünschenswert!), wenn die neuesten, von 148 der Regierung Berns hierüber getroffenen Verfügungen den Weg zu einem glücklichen Resultate anbahnten. Die Summe des materiellen Wohlstandes im Kanton Bern würde dadurch bedeutend vermehrt. Das Klima muß natürlich in einem so gebirgigen Lande sehr verschieden und mannichfachen Abwechselungen unterworfen sein. Im Allgemeinen gehört es bei der scharfen, reinen Luft zu den gesündesten, und die öfters unbeständige Witterung übt keinen fühlbaren, nachthei- ligen Einfluß auf den Gesundheitszustand der Gesammtheit dieser Bevölkerung. Die Winter sind in den Gebirgsgegenden lang und kalt. Die Produkte des Landes betreffend, so ist der Ackerbau in den Alpgebirgen und dem Jura ziemlich unbedeutend, dagegen wird in diesen Gegenden die Alpenwirthschaft auf einem ausgedehnten Fuße betrieben. In den Thälern und Ebenen ist der Ackerbau beträchtlicher, indessen ist sein Ertrag für das Bedürfniß des Kantons nicht zureichend. Außer den Getreidesorten baut man viel Rüben, Kartoffeln (diese selbst auch in den höher gelegenen Gegenden), Hanf und Flachs, für deren Emporbringung die Regierung durch Preisaustheilungen sorgt, Futterkräuter und Krapp in vorzüglicher Menge und Güte; etwas Tabak; der Gartenbau wird besonders in der Nähe der Städte und vorzüglich in Bern und der Umgegend sehr gut betrieben; Obst findet sich beinahe im ganzen Kanton und hoch in die Gebirge hinauf. Der Weinbau, hauptsächlich am Bielersee, dann in einem Theil des sogenannten Seelandes und etwas Weniges am Thunersee, ist ungeachtet der ziemlich geringen Qualität des Produktes dennoch sehr abträglich. Die Waldungen find zwar, besonders in den Alpen und dem Jura, in großer Menge vorhanden; dessenungeachtet stehen die Preise des Holzes in Bern ziemlich hoch. Durch eine verbesserte Forstwirthschaft sucht man diesem Uebelstande für die Zukunft abzuhelfen, der hauptsächlich durch eine starke Ausfuhr, eine ziemlich vernachläßigte Forstkultur und durch die Unkenntniß des Werthes des Holzes bei dem Landvolks herbeigeführt wurde. Der Flächeninhalt der obrigkeitlichen Waldungen in dem alten Kanton beträgt 6i,i75Juch. zu 40,000 Berner HZ Fuß, die etwa 22 bis 25,000 Juch. betragenden, noch nicht vermessenen Wälder nicht mitgerechnet. Die Gemeindewaldungen in dem Lerberberg belaufen sich ohne die beheizten Weidgänge auf 74,428 Juch. zu 30,000 Pariser jZj Fuß ; die Partikularwälder auf 27,799 Juch. und die obrigkeitlichen auf 10,947 Juch. An Mineralien findet man Eisen-, Blei- und Kupfererze, wovon jedoch nur die ersten ausgebeutet werden; ferner Krystalle, Gyps, Marmor, Sandstein, schwache Steinkohlenflötze; die Aare und besonders die Emme führen etwas Goldsand, was für das Vorhandensein 149 edler Metalle in den Gebirgen zeugen mag. Salz hat der K. Bern nicht, dem Vernehmen nach aber sollen Nachsuchungen angestellt werden. Der Kanton ist reich an Mineralquellen; die vorzüglichsten Bäder sind: das Gurnigel-, das Blumenstein-, das Weißenburg-, das Engistein- und das Brüttelenbad, eine Menge minder bedeutender Bäder nicht zu rechnen. Die Viehzucht hat einen hohen Grad von Vollkommenheit erreicht, besonders die Rindviehzucht, von der sich verschiedene Abarten gebildet haben. Von Thun bis Meyringen ist das Vieh nicht schön, von mittlerer Größe, mager von Ansehen selbst wenn gemästet, aber sehr ergiebig in der Milch; größer ist es im Oberhasle, klein aber rund im Grindelwald und Lauterbrunnen; schön, groß und fett bei Frutigen, am schönsten und größten im Saanenlande nnd Simmenthale; klein im Emmenthale, aber mit besonders fetter, wenn schon weniger Milch. Der Pferdezucht, so wie auch der Rindviehzucht, greift die Regierung und ein Privatverein durch Preisaustheilungen bei Pferdeschauen und Wettrennen nachdrücklich unter die Arme; der Schlag zeichnet sich Lurch Stärke, Größe und Lebhaftigkeit aus. Die Schafzucht hat seit einigen Jahren bedeutend zugenommen; ein Versuch der Regierung, thibetani- sche Ziegen einzuführen, ist nicht gelungen. Die Schweinezucht reicht nicht aus für den Bedarf des Kantons. Das zahme Geflügel, wenn gleich nicht von zarter Art, gedeiht gut, besonders sind die Gänse im ehemaligen Bisthum Basel sehr häufig und ihr Flaum ein Handelsartikel. Die Bienenzucht ist in Aufnahme und der Honig von Grindelwald einer der besten. Nach der letzten Viehzählung ist der Bestand im Kanton Bern folgender: Pferde: Hengste von 2 Jahren und darüber 634 Stück; Münche (Wallachen) von 2 Jahren und darüber 10,092; Galtstutten von 2 und mehr Jahren 12,146; Mutterstut- ten 5,927; Fohlen unter 2 Jahren 5,838. Rindvieh: Zugochsen 11,12t; Wucherstiere 2,216; Kühe 91,816; Gusti- oder Galt- waare 39,364; Kälber unter i Jahr 21,862. Schafe aller Arten 130,007. Ziegen und Böcke 55,872. Esel 154. Schweine 60,911. Das Wild vermindert sich immer mehr; Hasen (in den Alpen weiße), Rehe, zuweilen Hirsche, Gemsen, Fasanen (selten), Bären und Wölfe selten, Letztere nur im Jura, als Folge gefährlicher Nachbarschaft; wilde Schweine im Leberberg; Füchse, Dachse, und selten wilde Katzen und Luchse. An Vögeln: der Lämmergeier in den höchsten Gebirgen, übrigens selten; der Steinadler, der Flußadler und eine Menge kleinerer Adlergattungen; Auer-, Dirk-, Hasel-, Schnee-, Stein- und Rebhüner, wilde Enten und andere Sumpfvögel. An Zugvögeln: Wachteln, Drosseln und in kalten Wintern auch wilde Schwanen. — 160 Fische: Salmen (Lachse), Forellen, Aeschen, Treuschen, Hechte, Aale, Barben, Alet, Nasen, Karpfen. Ausschließlich eigen sind dem Thunersee der Aalbock, dem Bielersee der Phärit oder Pferret, dem Brienzersee der Brienzling. Industrie. Der beträchtlichste Industriezweig und die Haupt- nahrungsquelle sind, wie schon gesagt, die Land-- und Alpenwirthschaft; aus letzterer geht eine Menge Käse hervor, dessen beste Qualitäten im Emmenthale, im Saanenlande und in Bellelay gemacht werden. Der Saanenkäs hält sich 30 Jahre und ist dann am besten. Im Emmen- thale und Oberaargau wird viele Leinwand sogar aus fremden Stoffen fabrizirt; dagegen sind die Fabriken in Wolle, Seide und Baumwolle ziemlich unbedeutend. Die Seidenzucht keimt auf; man fabrizirt besonders Seidentaffent und floretseidene Stoffe; in Brienz und Jnterlaken Blonden und Spitzen für die Weiberhauben; Strvhgeflechtp; im-Jura, besonders an den Gränzen von Neuenburg, starke Uhrenfabrikation und Spitzenklöppeln. Die Eisengruben zu tlvnr- reittteli», Loui'i'oux, Liesberg, 8>g>i>»i8 und Doreetle beschäftigen die Hochöfen von 6o>ii'i'rl»I«Iii>, Dnüvrvilier, Itellekonl»!»« . Iteucllenette und ^uiiiucourt; sie setzen gegen 700 Arbeiter in Thätigkeit, und liefern Guß-und Stabeisen, Stahl, Blechwaaren, Sensen, Sicheln, Acker- geräthschaften und Waffen. Schieferbrüche finden sich in Frutigen, Wimmis und oberhalb Lenk; Steinkohlen (unbedeutend) bei Boltingen; schöne Steinbrüche bei Lengnau und am rechten Ufer des Thunersees, an dessen linkem Ufer viel Gyps gewonnen wird; die unverbrennliche Hup- perterde zu Schmelztiegeln wird bei Lengnau gegraben. Außerdem werden durch Gesellschaften Gültstein, Hupperterdo, Gyps, Kalk, Merliger- stein, Golzwnler Steinplatten, Steinkohlen und Bausteine ausgebeutet. Die Gerbereien, Lichter- und Seifenfabriken sind im Ganzen unbedeutend. Vorzügliche Ackergeräthe werden in dem landwirthschaftlichen Institute des Herrn von Fellenberg zu Hofwyl verarbeitet. Das Berner Schießpulver genießt eines wohlverdienten Rufes. Gutes Töpfergeschirr wird in Heimberg und im Jura gemacht; Holzschnitzereien im Habkeren- thal, Lauterbrunnenthal, Gadmenthal und Brienz; im Gadmenthale noch Schachtelfabrikation und Marmorarbeiten. Handel. Dieser ist im Ganzen genommen lange nicht so bedeutend, als in manchen andern, besonders einigen Gränzkantonen; indessen ist die Ausfuhr nicht ganz unbeträchtlich und besteht in Hornvieh, Pferden, Leder, rohen Häuten, Käse, Butter, Kirschwasser, Leinwand, leinenen und halbleinenen Bändern, Baumwollenwaaren und Garn, seidenen und halbseidenen Bändern, Papier, Eisenwaaren, 131 Tabak, Getreide und Mehl, Talg und Kerzen, Wein und Branntwein :c. ic.; die Einfuhr dagegen in Salz, Cvlonialwaaren, ausländischen Weinen, Getreide, Tabak, rohem Eisen, Stahl, Kupfer und Messing, Baumwolle, Wolle, Seide, Flachs, Hanf, Futterkräuter- samen, magere Schweine ic. ic. Der Transithandel ist für einige Theile des Kantons Vortheilhaft, und kann durch die fortgesetzten Straßen- verbefferungen es noch mehr werden. Auch die Aare bietet ein zweckmäßiges Communikationsinittel dar, das sich noch weit mehr heben würde, wenn die schon so lange besprochenen Aarecorrektionen einmal zu Stande gebracht wären. Den körperlichen und moralischen Zustand des Volkes in diesem Kantone betreffend, so läßt sich hierüber gar Manches erörtern. Stets war das Bernervolk als ein kräftiger, kernhafter, gesunder und robuster Menschenschlag bekannt. Diese Eigenschaften theilten sich unter beiden Geschlechtern, und noch jetzt sieht man mit Vergnügen jene vollen, kraftstrotzenden Gestalten, den wahren Typus des freien Schweizers. Aber dem aufmerksamen Beobachter kann es nicht entgehen, welchen nachtheiligen Einfluß, besonders in den untern Volksklaffen, der Genuß des heillosesten aller Gifte, der Genuß des Branntweins, übt. Wenn wir die Blüthe der Jugend durchgehen, wenn wir z. B. die Rekruten in dem Alter von 18 bis 2V Jahren betrachten, was erblicken wir? Gestalten, die einen kräftigen Mann verkünden, einen Mann, der den Stürmen des Wetters, wie denen des Schicksals einst Trotz bieten wird? O nein! Weitaus zum größten Theil sehen wir blasse, abgemergelte, hagere Gestalten, ein frühes Greisenalter verkündend! Und dieß ist nichts anders, als die Folge des Leib und Seele verderbenden Branntweins! Erst seit wenigen Jahren wird dieses unselige Getränke in ungeheurer Masse in dem Kanton Bern consumirt; es fand erst dann Eingang, als es von gewissen Seiten dem Volke reichlich gespendet wurde, um dieses zu gewissen Zwecken zu begeistern, oder vielmehr zu erhitzen. Zwar sucht man durch Belehrungen diesem stets wachsenden Uebel entgegen zu arbeiten; allein einerseits hat dasselbe bereits zu tiefe Wurzeln geschlagen, und anderseits sind ihm durch die Freigebung des Wirthschaftswesens überall zu sehr Thür und Thor geöffnet, als daß man von der bloßen Belehrung etwelche Frucht hoffen dürfte. Es ist sehr zu befürchten, daß diese Schwächung des Körpers nicht auch einen Einfluß auf den moralischen Zustand dereinst ausübe, und den geraden, biderben Charakter des Werners, der ihn bisher besonders auszeichnete, verderbe. — Die Nahrung des Bernervolkes ist im allgemeinen gut und kräftig; auf den Alpen erhalten sich die Sen- 132 nen hauptsächlich von Milch und Käse. — Die frühere Nationaltracht verschwindet bei dem männlichen Geschlechte ganz und erhält sich nur noch bei dem weiblichen auf dem Lande, jedoch nicht ganz rein von Einmischung fremder Moden. — Die Wohnungen sind in manchen Gegenden des Landes ganz von Holz, in andern von Fach und Rieg, in den Städten und bedeutenden Flecken werden hauptsächlich gehauene Steine zum Bauen verwendet. Die Strohdächer kommen nach und nach ab, ebenso die in den höher» Gegenden üblichen Schindeldächer, wiewohl die Verfügung der Regierung über Einführung von Ziegeldächer noch öfters auf Widerwillen stößt. Vorzüglich schön gebaut ist die Stadt Bern. Ihre gewöhnlich dreistöckigten, meist aus Stein erbauten Häuser bilden in den Hauptstraßen Bogengänge, unter welchen man vor Sturm und Regen, so wie vor den brennende» Strahlen der Sonne Schutz findet. Der Kanton zahlt 16 Städte und Städtchen und in allem 249 Kirch- gemeinden. In der Brandversicherungsanstalt des Kantons sind nach dem Rechnungsschluß von 1836 56,794 Gebäude in einem die Summe von 100,640,850 Schw. Fr. betragenden Werthe versichert. Außerdem befindet sich in Bern eine allgemeine schweiz. Mobiliarversicherungsund eine allgemeine Hagelaffekuranzanstalt; beide verdanken ihr Dasein den verdienstvollen Bemühungen des verstorbenen Herrn Alt-Schultheiß von Lerber. Wenn Bern in industrieller Hinsicht bis jetzt nichts besonders Ausgezeichnetes geliefert hat, so blieb es doch in wissenschaftlicher und künstlerischer Hinsicht keineswegs hinter den andern Kantonen zurück, und es genügt im wissenschaftlichen Fache folgende Namen anzuführen: A. Morel, von Muralt, A. von Haller, A. L. von Watten- wyl, A. S. Grüner, S. Lerber, V. B. Tscharner, T. E. Haller, I. R. Sinner, Z. Laufser, K. V. von Bonstetten, I. Wyttenbach, M. Wild, S. F. Schmid, B. R. Tscharner, May, von Wattenwyl von Thunstetten, L. und G. von Er- lach, A. und G. Walther. In dem künstlerischen Fache und seinen verschiedenen Zweigen zeichneten sich aus: Nieter, Biedermann, Sonnenschein, Manuel, Wernier, Freudenberger, Ochs, Dünz, Stettler, König, Vollmar, Lafond und der Katzen- Raphael Mind. Sprechende Beweise des Sinnes für Bildung und Wissenschaft sind mehrere gelehrte Gesellschaften und Bibliotheken. Für die Volksbildung geschieht das nur Mögliche. Erst im Mai 1837 hat noch der Große Rath zu Hebung des Primarunterrichtes für jede öffentliche Primarschullehrersteüe eine Zulage von jährlichen 150 Fr. aus der Staatskasse ausgesetzt, und die Gehalte der Normallehrer regulirt. 133 Die hin und wieder im Lande errichteten Sekundärschulen erfreuen sich ^ ebenfalls kräftiger Staatsunterstühung. Es bestehen in Bern, Biet, Delsberg und Pruntrut Gymnasien und Lyceen als Vorschulen für die höhere wissenschaftliche Bildung, für welche durch den Großrathsbeschluß vom 14. Mai 1834 eine Hochschule in Bern gegründet und am 15. Nvv. 1834 ins Leben getreten ist. Außerdem bestehen noch in Bern und dem Kanton die Handelsschule, die Handwerksschule, die Blindenanstalt, einige Taubstummeninstitute und andere Privatanstalten, unter denen vorzüglich die seit einigen Jahren gegründeten Armenerziehungsanstalten in Bättwyl rc. rühmliche Erwähnung verdienen. Für Hebung des Gesanges arbeiten zahlreiche Gesangvereine. In Bern befindet sich ein Theater, das aber noch Manches wünschen läßt; übrigens läßt der einer deutschen Schauspielergesellschaft nun aus der Stadtkaffe verwilligte Zuschuß von 1600 Fr. für die Zukunft Besseres hoffen. Die kirchlichen Rechte der evangelisch - reformirten und der römisch-katholischen Religionsgenoffen sind durch die Verfassung garantirt, welche Glaubensfreiheit ausspricht. Die reformirte Pfarrgeistlichkeit ist in sieben Kapitel eingetheilt, nämlich Bern, Thun, Burgdorf, Nidau, Büren, Langenthal und Jura, welche über 200 geistliche Bedienungen versehen. Ein jedes dieser Kapitel hat seinen Dekan, welcher aus einem von der betreffenden Kapitelsversammlung gemachten dreifachen Vorschlag durch den Regierungsrath ernannt wird. Alljährlich am Mittwoch nach Pfingsten findet eine Generalsynode der reformirten Geistlichkeit statt, um die Berichte der Visitatoren anzuhören und zu berathen, was zur Förderung ihrer amtlichen Wirksamkeit der Regierung vorzutragen sein möchte. Neben den beiden garantirten Landeskirchen bestehen in verschiedenen Landestheilen mehrere geduldete Religionssekten, namentlich Wiedertäufer. An einzelnen Orten halten sich Jsraeliten auf. Die katholische Geistlichkeit steht unter dem Bischof von Basel und ist in sechs Kantonalbezirke abgetheilt. In das bischöfliche Domkapitel wählt die Bernerregierung drei stimmgebende Domkapitularen, von welchen einer in Solothurn residirt. Politische Verfassung. Die am 31. Juli 1831 von einer großen Mehrheit der Stimmenden angenommene Verfassung erklärt den Kanton Bern als einen Freistaat mit repräsentativen Formen, setzt die Souveränetät auf die Gesammtheit des Volkes, die durch einen Großen Rath von 240 Mitgliedern, 200 vom Volke und 40 von dem Großen Rathe selbst gewählt, ausgeübt wird. Die Grundzüge dieser Verfassung sind: Alle Bürger 154 sind vor dem Gesetze gleich, und haben gleiche politische Rechte, sobald sie die durch die Verfassung selbst bestimmten Eigenschaften besitzen; es gibt keine Vorrechte, weder des Orts noch der Person; Bürger, welche in einem andern Staate politische Rechte genießen, können diese nicht zugleich im Kanton ausüben; weder Großräthe noch Staatsbeamte dürfen von einer fremden Macht, weder Pensionen, noch Titel und Orden annehmen; garantirt sind die Glaubensfreiheit, die Rechte der evange- lisch-refvrmirten Landeskirche und der römisch-katholischen Kirche, die Preßfreiheit, so daß niemals weder Censur noch eine vorgreifende Maßregel stattfinden kann, jedoch bestimmt das Gesetz die Strafen des Mißbrauchs der Presse; die persönliche Freiheit, und darf Niemand verhaftet werden, außer in den vom Gesetze bezeichneten Fällen und mit Beobachtung der vorgeschriebenen Formen und Bedingungen, wobei weder unnöthige Strenge noch Gewalt zur Erpressung eines Geständnisses stattfinden darf; Niemand darf seinem ordentlichen Richter entzogen werden; Freiheit der Niederlassung, der Gewerbe und des Handels, unter Vorbehalt gesetzlicher Bedingungen für das allgemeine Wohl und erworbene Rechte; alles Eigenthum ist unverletzlich, Crprvpriatio- nen für das Gemeinwohl finden nur gegen volle Entschädigung Statt; bürgerliche Stellen werden ertheilt auf bestimmte Amtsdauer oder periodische Bestätigung; Behörden und Beamte sind für ihre Funktionen verantwortlich, Entsetzungen vom Amte können nur durch Urtheil des kompetenten Richters stattfinden, Abberufen und Einstellen nur aus den motivirten Beschluß der kompetenten Behörde; Petitionsrecht; persönliche Leistungen und dingliche Lasten, welche gesetzlich abgeschafft oder losgekauft sind, bleiben aufgehoben und können die noch bestehenden Zehnten und Grundzinse abgelöst werden, worüber das Gesetz bestimmt; auch soll künftig kein Grundstück weder durch Vertrag, noch Testament einem Zinse oder einer Rente unterworfen werden, wenn sie nicht loskäuflich sind. Reichen die gesetzlich bestehenden Abgaben für den Staatshaushalt nicht hin, so werden die nöthigen Auflagen möglichst gleichmäßig auf Vermögen, Einkommen und Erwerb vertheilt. Jeder im Kanton angesessene Schweizerbürger ist nach gesetzlichen Bestimmungen zum Militärdienst verpflichtet; mit fremden Mächten sollen künftig keine Kapitulationen mehr stattfinden. Das Staatsvermögen kann nur auf den Beschluß von zwei Dnttheilen des Großen Rathes angegriffen werden. Der Staat sorgt für den öffentlichen Unterricht, das Armenwesen und die Straßen, wozu die Gemeinden beitragen. Die Befugniß zu lehren ist unter gesetzlichen Beschränkungen freigestellt; Niemand darf die ihm anvertraute Jugend ohne den für die untern Schulen vorgeschriebenen Unterricht lassen. Die französische Sprache ist gleich der deutschen die Volkssprache des Kantons, jedoch macht diese in öffentlichen Akten und Urkunden die Ursprache aus. Stimmrecht, Wählbarkeit und Wahlversammlungen. Jedes Individuum einer Gemeindskvrporatson ist Staatsbürger und Wahlmann in den Urversammlungen, wenn er in deren Gebiete wohnt, nach dem Gesetze ehrenfähig und über 23 Jahre alt ist. Um in einer andern Gemeinde zu stimmen, muß man seit wenigstens zwei Jahren in dieser wohnhaft sein, ein Grundeigenthum oder ein darauf versichertes Kapital von mindestens 500 Schw. Fr. bescheinigen, oder eine Pachtmiethe von wenigstens 200 Fr. Jahrzins zahlen, oder obrigkeitlicher Beamter, Offizier im Dienste der Republik, Gemeindsvorgesetzter sein, oder kraft Patent einen wissenschaftlichen Beruf ausüben. Vom Stimmrechte sind ausgeschlossen: welche vorerwähnte Eigenschaften nicht besitzen; Wahn- und Blödsinnige; Personen, deren Ehrenfähigkeit eingestellt ist oder die seit dem I8ten Jahre für sich oder die Ihrigen, deren Unterhaltung ihnen obliegt, eine Armensteuer beziehen oder bezogen und solche nicht wieder erstattet haben. Der Wahlmann muß alle Bedingungen der Stimm- fähigkeit besitzen, im Bezirke der Urversammlung ansäßig und im Ver- zeichniß der Stimmfähigen eingeschrieben sein. Er kann in den Großen Rath gewählt werden, wenn er das 20 Jahr zurückgelegt hat, ein Grundeigenthum oder ein darauf versichertes Kapital von wenigstens 5000 Fr. besitzt (Ausnahmen sind Professoren und Personen, welche für die erste Klaffe eines wissenschaftlichen Faches patentirt sind); Geistliche und Personen mit geistlichen Amtsverrichtungen, fremde Civil- und Militärbeamte sind vom Großen Rathe ausgeschlossen. — Jede Gemeinde bildet eine Urversammlung, Kirchgemeinden über 2000 Seelen können nach Gesetz und Oerllichkeit in mehrere Urversammlungen abgetheilt werden; jede ernennt Lurch geheimes Stimmenmehr je auf 100 Seelen einen Wahlmann; Urversammlungen unter 100 Seelen wählen einen. Die Wahlmänner eines Amtsbezirks, so wie die des Stadtbezirks Bern bilden je eine Wahlversammlung; jede erwählt die nach Verhältniß der Bevölkerung bestimmte Zahl von Mitgliedern in den Großen Rath und den Ersatz für die Austretenden und zwar jedes Mitglied einzeln, durch geheime Abstimmung und absolutes Stimmenmehr, aus der ganzen Masse aller zum Großen Rathe befähigten Staatsbürger. Durch diese Wahlversammlungen werden 200 Mitglieder des Großen Rathes ernannt, die übrigen 40 Mitglieder ernennt dieses Collegium selbst aus Leu wahlfähigen Staatsbürgern des ganzen KautonS. Die Amtsdauec ist sechs Jahre; alle zwei Jahre tritt ein Drittel aus, kann aber sogleich 136 wieder gewählt werden. Jedes Mitglied soll nach eigener Ueberzeugung und ohne Instruktion stimmen; in gewissen Fällen erhalten die Mitglieder Entschädigung. Der Große Rath erwählt aus seiner Mitte und mit Ausschluß des Regierungsrathes alljährlich einen Landammann, einen Dicepräsidenten und dessen Stellvertreter; einen Staatsschreiber aus allen Staatsbürgern auf 6 Jahre, der aber nur Stimmrecht hat wenn er Mitglied des Großen Rathes ist. Der Große Rath ist der Gesetzgeber; er erläutert, ändert und hebt die Gesetze auf; seiner Aufsicht sind die vollziehenden und richterlichen Behörden unterworfen und ihm steht das Begnadigungsrecht zu; er entscheidet über gänzliche Cr- laffung oder Umwandlung einer durch peinliches Urtheil ausgesprochenen Strafe; über Dispensation von gesetzlichen Ehehinderniffen; über Er- theilung des Kantonsbürgerrechts; über Errichtung einer neuen bleibenden Stelle und deren Besoldung; über streitige oder formwidrige Wahlen der Wahlversammlungen und des Regierungsrathes; über Compe- tenzstreitigkeiten zwischen vollziehender und richterlicher Gewalt; über das jährliche Büdget. Er untersucht und genehmigt die Staatsrechnung. bestimmt Steuern, Abgaben und über alle Gegenstände, welche unvorhergesehen eine Ausgabe über 6000 Fr. verursachen, die Anleihen des Staats, welche nicht als bloße Vorschüsse im gleichen Jahre getilgt werden, die Anlage von Kapitalien über lO.oooFr. im Auslande und diejenigen unter 4 Prozent im Inlands; er bestätigt Verträge über Salzlieferungen und jene Verträge, wodurch ein Grundeigenthum des Staats, ein Zehnten oder Grundzins erworben oder veräußert wird, wenn das Erworbene 10,000 und das Verkaufte 4.000 Fr. werth ist. Er ertheilt außerordentliche Gratifikationen über 1000 Fr., die Befug- niß, das Staatsvermögen anzugreifen; er bestimmt Schrot, Korn und Werth der Landesmünzen und ihr Verhältniß zum fremden Gelde, die allgemeine Kriegsverfassung, die Aufstellung und Entlassung eines stehenden Truppenkorps, die Abgeordneten für die Tagsatzung und deren Instruktionen und empfängt und beurtheilt deren Bericht; ihm liegt ob: der Abschluß oder die Genehmigung aller Verträge mit andern Staaten, insofern sie der Bundesvertrag gestattet, und die Ratifikation der Tagsatzungsbeschlüsse, alle Wahlen von Stellen, deren Wirkungskreis den ganzen Kanton umfaßt, oder aus seiner Mitte Hervorgehen müssen, die Ernennung des Kommandanten eines Truppenkorps im Kantonaldienste und aller Offiziere vvm Hauptmann aufwärts. Jedes Mitglied des Großen Rathes hat das Recht, schriftlich einen Gegenstand zur Berathung vorzuschlagen, welche Kompetenz auch ein jedes Departement des Regierungsrathes für seinen Amtskreis und der Regierungsrath ohne 137 alle Beschränkung besitzt, wobei der für erheblich befundene Antrag (Anzug) zur Vorberathung an den Regierungsrath und von diesem begutachtet, dem Großen Rath zur Entscheidung vorgelegt wird. Der Große Rath kann alle an ihn gebrachten Anträge genehmigen, abändern oder verwerfen; er sorgt für die allgemeine Bekanntmachung seiner Verhandlungen, des Budgets, der Hauptresultate der Staatsrechnung und einer jährlichen Uebersicht der ganzen Staatsverwaltung; seine Sitzungen sind in der Regel öffentlich und finden ordentlicherweise'zwei- mal jährlich statt; außerordentlich versammelt er sich, wenn der Land- ammann oder der Regierungsrath oder 20 Mitglieder (diese durch einen schriftlichen motivirten Antrag) es verlangen. Gesetzesvorschläge werden vor der endlichen Berathung durch den Großen Rath gedruckt und bekannt gemacht, damit die Ansichten des Volkes darüber vernommen und berücksichtigt werden können. Die oberstöVöllziehungsbehörde ist der Regierungsrath, vom Großen Rath aus seiner Mitte erwählt; er besteht aus einem Schultheiß (als Präsident) und 16 Mitgliedern, welche dadurch weder aus dem Großen Rath treten, noch besonders bevorrechtet sind; ihr Amt dauert so lange, als sie Mitglieder des Großen Rathes sind; mit ihrer erneuerten Wahl in den Großen Rath sind sie auch wieder in den Regierungsrath wählbar. Dieser gibt jährlich dem Großen Rathe, oder so oft dieser es verlangt, Rechenschaft über die Staatsverwaltung; er wacht über alle höhern Interessen des Staates und handhabt die gesetzliche Ordnung durch nöthig erachtete Vorkehrungen; er ordnet in Fällen von dringender, plötzlicher Gefahr die vorläufigen Sicherheitsmaßregeln an, berichtet darüber dem Großen Rathe und wartet dessen fernern Beschluß ab. Der Schultheiß kann nicht zugleich Lankammann sein; nach einjähriger Amtsdauer ist er nicht wieder wählbar, was durch den Großen Rath aus der Mitte des Regierungsrathes geschieht; dasselbe findet bei dem Vice- präsidenten statt. Im Regierungsrathe dürfen nicht zugleich sitzen: Vater und Sohn, Schwiegervater und Tochtermann, Brüder und Halbbruder, Schwäger, Oheim und Neffe im Geblüt; er zerfällt in sieben Departemente: das diplomatische, des Innern, der Justiz und Polizei, der Finanzen, der Erziehung, des Militärs und des Bauwesens. Die Beschlüsse des Regierungsrathes in Sachen einzelner Personen oder Korporationen müssen motivirt sein; ihm gesellt der Große Rath jährlich aus seiner Mitte 16 seiner Glieder bei, welche, ohne Mitglieder des Regierungsrathes zu sein, an allen Vorberathungen über Verfassungsgegenstände und Gesetze des Staatsorganismus, an Wahlen und Verhandlungen über Bestätigung oder Abberufung derjenigen Staatsbeamten, die sie mit erwählen helfen, mit dem gleichen Rechte, wie die ordentlichen Glieder des Regierungs- rathes Theil nehmen. Diese XVI sind für dos nächste Jahr nicht wieder wählbar, und dürfen weder unter sich, noch mit einem Mitgliede des Rcgierungsrathes in obigen Verwandtschaftsgraden stehn. Regierungsrath und XVI erwählen aus allen Staatsbürgern für jeden Bezirk einen Regierungsstatthalter, der darin die Vollziehung der Gesetze, Beschlüsse und Verordnungen, die Verwaltung und Polizei besorgt', insofern diese nicht ausdrücklich einer andern Behörde für diesen oder jenen Zweig übertragen ist; sein Amt währt 6 Jahre, worauf er wieder wählbar ist, jedoch nicht für den gleichen Amtsbezirk, wenn dieses nicht etwa von der Wahlversammlung des Amtsbezirkes gewünscht wird. Den Unterstatthalter erwählt der Regierungsrath aus einem Doppelvorschlage der Stimmfähigen des Amtsbezirkes (wobei die Vorgesetzten nicht mitstimmen) und aus einem Doppelvorschlage sämmtlicher Vorgesetzten des Bezirks; seine Amtsdauer ist 4 Jahre, worauf er gleich wieder gewählt werden kann; er darf nicht zugleich Gemeindsvorgesetz- ter sein. Aus allen zum Großen Rathe befähigten Staatsbürgern wählt dieser unter den Rechtskundigen, welche beider Sprachen mächtig sind und nicht in obigen Verwandtschaftsgraden stehen, für den ganzen Kanton ein Obergericht, bestehend aus einem Präsidenten und 10 Mitgliedern; zur Vertretung Abwesender ernennt er 4 Suppleanten und für diese in Abwesenheitsfällen noch 4 Ersatzmänner; den Vicepräsidenten bezeichnet das Obergericht aus seiner Mitte selbst. Die Amtsdaucr des Präsidenten ist 5 Jahre und die eines Oberrichters ,5 Jahre; die Oberrichter werden in 3 Klassen für den allmäligen Austritt je alle 5 Jahre getheilt, wobei ste und der Präsident gleich wieder wählbar sind. Dem Obergerichte ist ein Staatsanwalt, als öffentlicher Amkläger, beigegeben; es entscheidet in höchster Instanz alle Appellationen und Streitfälle, die ihm nicht ausdrücklich durch Verfassung oder Gesetz entzogen sind; über alle vor sein Forum gebrachten Fehler und Vergehen, die nicht der Cvm- petenz einer untern Gerichtsbehörde unterliegen, und über alle Verbrechen ohne Ausnahme. Bei Verbrechen, die mir dem Tode bestraft werden können, nehmen die 4 Suppleanten Theil an den Verhandlungen und dem Urtheil. Seine Sitzungen sind öffentlich, wenn dies nicht Staatswohl und Sittlichkeit untersagen; während der Berathung und Fällung des Urtheils treten aber Zuhörer, Partheien und ihre Anwälte ab. — Für den ganzen Kanton werden höchstens sechs peinliche Gerichte aufgestellt, welche alle Verbrechen in erster Instanz beurtheilen; an der Spitze eines jeden steht ein Untersuchungsrichter. — In jedem Amtsbezirke und in jedem durch das Gesetz bezeichneten Gerichtskreise ist ein Amtsgericht, aus einem Präsidenten, 4 Richtern und 2 Sup- pleanten bestehend; nur Stimmfähige, welche über 29 Jahre alt sind, können dazu gewählt werden, der Präsident muß ein Rechtskundiger sein und wird vom Regierungsrath und xvi erwählt aus einem Doppelvorschlag der Wahlversammlung des Bezirks und dem zweier Kandidaten durch das Obergericht; Amtsrichter und Suppleanten werden von der Wahlversammlung des Bezirks ernannt, wobei obige Verwandtschaftsgrade berücksichtigt werden. Die Amtsdauer der Glieder ist 6 Jahre, alle sind wieder wählbar; dieses beurtheilt in erster Instanz und in öffentlicher Sitzung alle vor sein Forum gehörenden Streitfälle und Vergehen, so wie ohne Appellation Alles, was das Gesetz seiner Kompetenz anheimstellt. Der Präsident versieht einzig die Amtsverrichtungen, welche daS Civilgesetzbuch dem Richter überträgt, beurtheilt als Polizeirichter die Fehler oder Frevel, welche nicht in die Klaffe der Vergehen fallen und zwar die geringsten, welche das Gesetz seiner Kompetenz unterwirft, in letzter Instanz, und mit Vorbehalt des Rekurses unmittelbar vor das Obergericht diejenigen, welche diese Competenz übersteigen. — Außerdem gibt es Friedens- und Kriegsgerichte für Militärs im aktiven Dienste. In Hinsicht der Gemeindeadministration wählt jede Ge- meindsversammlung ihre sämmtlichen Vorgesetzten, deren Amtsdauer höchstens 6 Jahre beträgt, worauf sie gleich wieder wählbar sind: sie be- sorgen die Angelegenheit der Gemeinde im Allgemeinen, das Vormundschaftswesen, die Armenpflege, Orts- und Sittenpolizei und das Schulwesen. Die Verfassungen der Gemeinden sind der Genehmigung des Regierungsrathes unterworfen, welcher befugt ist, aus besondern Gründen, jedoch nur in Betreff der Organisation der Behörden, Abweichungen von der Regel zu gestatten. Alles Bürgergut steht ausschließlich unter der Verwaltung der Bürger der betreffenden Gemeinde, über welches die Regierung nur die Aufsicht führt. Revision der Verfassung. Nach Verfluß von 6 Jahren von der Einführung der Verfassung können Abänderungen derselben auf dem Wege der Gesetzgebung stattfinden. Der darauf bezügliche Gesetzesvorschlag ist einer zweimaligen Berathung durch den Großen Rath unterworfen, wobei wenigstens zwei Drittel seiner Mitglieder anwesend sein müssen; die zweite Berathung findet ein Jahr nach der erstem statt; wird dabei der Vorschlag ganz oder mit Modifikationen angenommen, so unterliegt das Gesetz in den Urversammlungen der Ver werfung oder Annahme ; in letzterm Falle erhält es gleiche Kraft und Unverletzlichkeit, wie die Verfassung selbst. Der Kankon ist in 28 Re- gierungsstatthaltereien getheilt, welche wieder in 31 Wahlkreise zerfallen. Das Finanzwesen betreffend, so ist solches in einem blühenden Zustande. Die abgetretene Regierung hat ein fruchtbares Vermögen von mehr als 10,000,000 Fr. hinterlassen, und das ganze Staatsvermögen mit Errechnung der Gebäude, Güter, Waldungen rc. betaust sich über 23,000,000 Fr. Das jährliche Staatsbüdget beträgt etwa 2,600,000 Fr. und der alljährlich sich herausstellende Ueberschuß wird, mit Verachtung auf Kapitalisativn, zu öffentlichen Zwecken verwendet. Seit der neuen Verfassung wird viel von einer Reform des Finanzwesens gesprochen, und mancherlei Plane deßhalb entworfen. Es dürfte aber dieselbe noch nicht so bald ihre Verwirklichung erreichen, da jeder Abänderungsversuch des bisher bestandenen Systems materielle Interessen jeder Art auf eine empfindliche Weise berührt und daher immer auf eine lebhafte Opposition stößt. Für die Verbesserung des Straßenwesens wurde im K. Bern zu jeder Zeit sehr viel gethan, und auch unter der gegenwärtigen Ordnung der Dinge erkaltet dieser rühmliche Eifer nicht nur nicht, sondern gewinnt einen immer höhern Aufschwung. Mehrere Hauptstraßen durchziehen den Kanton, und fördern den Verkehr. Man kann sie in zwei Hauptabtheilungen bringen nach der Art, wie sie von der Stadt Bern auskaufen, nämlich in den östlichen und westlichen Straßenzug. In dem ostl. münden in Bern ein die Straßen von Süddeutschland, der ösil. und eines Theils der nördl. Schweiz, die Straßen von Luzern und dem Werner Oberlande; in den westl. die Straßen aus den Kantonen Freiburg, Waadt, Neuenburg, des Bisthums, Basel, Westdeutschland und Frankreich. Mehrere neue Straßen oder Verbesserungen der bereits bestehenden sind im Entwürfe oder auch schon in Arbeit, wie die Straße auf der Nordseite des Bielersees. Ortsbeschreibung. Aar, die, entfließt dem Lauter- und Finsteraarhorngletscher, nimmt den Bach aus dem Oberaargletscher aus, durchstießt das Aarbodenthal und stürzt durch eine enge Felsschlucht des Grimselspitalkamms nach dem Räterichsboden. Bei der Handecker-Sennhütte bildet sie vereint mit dem Aerlenbach einen der schönsten Wafferfälle; in mehrern Stürzen erreicht sie das Guttanenthal, durchströmt das Oberhasli bis in den Brienzersee, nachdem sie mehrere Bäche aufgenommen. Don diesem See durchzieht sie das Thal gegen den Thunersee, den sie in der Gegend dieser Stadt verläßt, und schiffbar in wilden Fluthen ihren Laus 161 nach Bern fortsetzt. In mannichfachen Krümmungen richtet sie sich, nachdem sie diese Stadt auf drei Seiten umfloffen, gegen Westen, nimmt bei Wyler-Oltingen die Saane, in ihrer Richtung gegen Norden bei Meyenried die Zieht, östl. von Solothurn die große Emme und unterhalb Brugg die Reuß und Limmat auf, und strömt dann dem Rheine zu. Außer den genannten Gewässern erhält sie noch einen großen Zufluß von einer großen Menge kleiner Bäche. Sie ist sehr fischreich und mit wenigen Unterbrechungen von Thun an schiffbar. Aarberg, Amtsbezirk, auf beiden Seiten der Aar, it Kirchgemeinden, mit ungefähr i3,ooo Ew., gutes Frucht-, aber geringes Wiesenland, schone Eichenwaldungen. Aarberg, kl. Stadt, von 7L Häusern und etwa 800 Ew., beinahe und besonders bei hohem Wasserstande gänzlich von der Aare umfloffen. Starker Verkehr auf den hier sich kreuzenden Straßen von Basel, Solothurn, Neuenburg, Lausanne und Bern. Schloß. Gedeckte Brücke über die Aar. Wirthshäuser: Krone, Falken. Aarwangen, Amtsbezirk von mehr als 21,000 Ew., in 10 Kirch- hören; gute Landwirthschaft, starke Leinwandfabrikation und Handel. Aarwangen, Pfdf., in fruchtbarer Gegend am rechten Ufer der Aare an und auf einer kleinen Anhöhe. Schloß. Zollstätte. Zwei Korn- häuser. Viehzucht und Landwirthschaft. Lebendige Handelsstraße. Ablentschen, ein hochgelegenes, kleines, von der Zaun durchströmtes, von steilen Gebirgen umschlossenes Thal mit etwa ISO in Hütten zerstreuten Bewohnern, im Amt Sannen. Viehzucht und Käsebereitung. Eine Hauptmerkwürdigkeit ist das Heidenloch in den Felsen des Gastlvsberges, eine Höhle, etwa 1 Stunde über der Kirche, von ungeheurer Tiefe, ohne Ausgang, woselbst Mondmilch gefunden wird. Adelbvden, hohes schmales Thal im Amt Frutigen, in welchem die Engstlen reizende Wasserfalle bildet. Eine Schwefelquelle und Bad im Hirzboden. Die Thalkirche und Las Pfarrhaus liegen 4000 F. üb. M. Bei 2000 Kühe weiden in diesem Hochthal. Ärgerten, Schlvßruinen auf einem waldigen Hügel des Gurten, i St. von Bern; an seinem Fuße Las freundliche Dorf gl. N. - Aeschi, Pfdf., auf einem Bergrücken zwischen dem Thunersee und dem Untertheil des Kanderthals, 2,700 F. üb. M.; bildet eine mannichfache, besuchenswerthe Aussicht. Affoltern im AmtAarberg, auch Großaffoltern, Pfdf., in fruchtbarer Gegend; Pferde- und Schweinzucht. Affoltern, Pfdf., auf einer Anhöhe, links des Weges von Sumis- wald nach Huttwyl, im Emmenthale; Landbau und Leinwandfabrikation; Handel mit Käse, isländischem Moose ic. II 1V2 Amsoldingen, Pfdf. im Amt Thun, am Fuß des Siockhorns, nahe ei» kleiner See, prachtvoller Landsitz und malerische Ruinen. Im Jahre 1809 bis 1817 fand man hier römische Alterthümer, auch findet man deren in der sehr alten Kirche. Unterhalb des Ortes befindet sich eine Tropfsteinhöhle, deren Länge eine halbe Stunde beträgt. An der Lenk, ein3,340F. üb. M. gelegenes Pfarrdorf, im AmtSim- menthal; sehr interessante Gebirgsgegenden; auf dem Wege nach den sieben Brunnen ist der in mehreren hohen Absätzen sich brechende Wasserfall der Simme, und auf dem Wege nach dem Jffingenthal der des Jfsigenbachs merkwürdig. Der Rätzligletscher und das Ammertenhorn schließen gegen Süden das Thal, eines der prachtvollsten Eis-Amphitheater bildend. Anet, Ins, Eis (ehemals Jnsula), Pfdf., auf .der großen Straße von Bern nach Neuenburg, an einer Anhöhe mit schöner Aussicht, an dem großen Moose gelegen; viel Getreide- und Weinbau; Landsitze. In der Nähe bei Brüttelen fand man röm. Alterthümer; im Jahr 1362 wurden hier die Gugler unter Coucy geschlagen. Sandsteinbrüche. Angenstein, renvvirte Burg auf einem Felsen, an dem rechten Ufer der Birs. von altgothischem Bau; schöne Umgebung. In der Nähe die Ruine Bärenfels. Arni, der Hintere und vordere, zwei Sennberge im Amt Trachselwald, mit schöner Aussicht. Hier werden die besten der berühmten Emmen- thalerkäse verfertigt. Bachalp, eine Gemeinde der Thalschaft Grindelwald, im Amt Jnter- laken; mehrere Mühlwerke, und auf der sogenannten Roßalp der beste Torf. Eine starke Schwefelquelle. Der kleine Hagelsee und der noch kleinere Herensee liegen in einem benachbarten Thalgrunde; das Faulhorn, mit dem höchsten Wirthshause in Europa, erhebt sich majestätisch darin, und an dessen Fuß befindet sich der schöne Bachsee, dessen Abfluß, der Mühlibach, mehrere seltsame Stürze macht. Bätterkinden, Pfdf., auf der Straße von Svlothurn nach Bern. Feld - und Wiesenbau. Geburtsort des berühmten Botanikers Bene- dikt Aretius. Bantiger, der, 3,240 F. üb. M., ein Berg, etwa 2 St. von Bern, mit einer herrlichen Aussicht. »asseclwrt (Altdorf), Pfdf., auf der Straße von Basel nach Neuenburg; Papierfabrik. Beatenberg, St., ein fruchtbarer Berg am rechten Ufer desThuner- see's, dessen felsiges Vorgebirge, die Nase, in denselben sich erstreckt; 163 sehenswertste Stollen eines darüber sich hinziehenden Skeinkohlenflötzes. „ Das Pfdf. gl. N- hat eine reizende Aussicht. In der Nahe befindet sich die Beatenhöhle, eine wegen ihrer Größe (665 F. lang) und ihrer mannichfaltigen Tropfsteinversteinerungen merkwürdige Höhle, aus welcher der Beatenbach einen hübschen kleinen Fall bildet. üotilg-.; , ein altes, in der französischen Revolution säkularisirtes Prä- monstratenserkloster in einem waldigen Thale, in dessen Hofe die Sorne entspringt. Fabrikation aller Bestandtheile einer Uhr und der beliebten sogenannten Jungfernkäse. «eile» roiitsill«!,. Eisenhüttenwerk am rechten Ufer des Doubs, 1 St. von St. Ursitz. Itellerlre (I'rö klc VoLte), ein altes, schon zu Römerzeiten gebrauchtes Bad in einem schönen Thale, St. von Delsberg. Mehrere Burgruinen in der Umgebung. Das Bad ist gut eingerichtet. Bellmund, Dorf, St. von Nidau. Spuren einer Römerstraße. Früher bestand hier ein Cluniazenserkloster, das später auf die St. Petersinsel verlegt wurde. Belp, Pfdf., an der Gürbe und der Aare, deren Spiegel i6Fuß höher liegt als das Dorf, welches durch Dämme gegen ihre Ueberschwem- mungen geschützt wird. Landwirthschaft und Tuchfabrikation. Mehrere Landsitze. In der Nähe der Belpberg, 2 St. lang, mit vielen zerstreuten Häusern, Wiesen, Fruchtbäumen und Gehölz; eine schöne Aussicht bei dem Signal. Viele Versteinerungen, besonders eine ganz versteinerte Austernbank. Bern, Hauptstadt des Kantons, unter 46°57' Br.und 5°5' 53"L-, auf einer von der Aar schluchtenartig umflvffenen Sandsteininsel, in beträchtlicher Länge sich hinziehend, in der größten Breite jedoch nicht mehr als 830 Fuß haltend. Ihre Höhe über dem Meere beträgt an der Aar 1,560, auf der Münsterterraffe 1,656 und am Observatorium 1,792 Fuß. Sie ist in ihrem Innern schön und beinahe durchgängig massiv gebaut, ihre Straßen sind gerade, sehr breit und parallel, die Hauptstraßen und ein Theil der Nebenstraßen sind mit Arkaden versehen, welche nicht allein Schutz gegen Sonnenhitze, Regen und Schnee gewähren, sondern für Handel und Gewerbe sehr bequem sind. Schöne Brunnen, zum Theil mit werthvollen' Standbildern geziert, schmücken die Straßen, welche Bäche, zur Reinlichkeit und zur Herbeischaffung > eines Wasservorraths bei Feuersgefahr eingeleitet, in raschem Laufe 's durchströmen. Auf allen Seiten ist die Stadt mit hübschen, zum Nutzen und Vergnügen eingerichteten Landsitzen umgeben. Am rechten Ufer der Aare liegt die hübsche Vorstadt Altenberg; eine massive, 164 steinerne Brücke führt über die Aar bei dem untern Thore, ein hölzerner Steg in den Altenberg und oberhalb der Schwelle eine Fähre. Eine große, steinerne Brücke über die Aar ist im Entwürfe, um die beiden Stalden (steile Zugänge) auf der untern Seite zu verbinden. Die Bevölkerung der Stadt und ihres Bannes, in ungefähr 1,150 Häusern, beträgt gegen 23,000 Seelen.— Die Stadt wurde im Jahr 1191 durch Herzog Berchthold V. von Zähringen gegründet und 1218 durch verschiedene Freibriefe unabhängig. Unter ihren, im Allgemeinen schönen, Gebäuden zeichnen sich aus: das Münster oder die Hauptkirche im gothischen Styl, auf der Terrasse oder Plattform, von 142t bis 1502 erbaut, mit einem 191 Fuß hohen Thurm, der aber nicht vollendet ist, einem schönen Portal in Bildhauerarbeit, gemalten GlaSfenstern und Schnitzwerk im Chor, dem Denkmal des Schultheißen Steiger und den 6 marmornen Gedächtnißtafeln der 1798 gefallenen Vaterlandsvertheidiger; viele Tapeten und Gewänder von Karl dem Kühnen ec. werden darin verwahrt; die heilige Geist- oder Spitalkirche; die Münze; das Rathhaus; die Stift; das von den Franzosen 1768 geplünderte Zeughaus; das Kornhaus mit seinem bemerkenswerten großen Weinkeller; das prächtige Zuchthaus; das llsiei ,i<- mit dem Theater; das Bürgerspital; das Jnselkrankenhaus; das Casino; das äußere Standesrathhaus (Tagsatzungsgebäude); die Anatomie; das nüiel Crlach (jetzt Bürgergemeindehaus); der Zeitglockenthurm mit künstlichem Uhrwerk; das schöne Ober- oder Murtenerthsr mit zwei in Granit ausgehauenen, kolossalen Bären und dem daranstoßenden Hirschengraben, mit allerlei Rothwild und Geflügel bevölkert; das neue Aarbergevthor mit daran- stoßendem Bärengraben; Las Observatorium, das hvchstgclegenste in Europa, mit dem berühmten Ramsdenschen Azimuthalkreis. — Wissenschaftliche Anstalten: Hochschule; Gymnasium; Real-, Veterinär- und Militärschule; Taubstummenanstalten: in Bem für Mädchen, in Frienisberg für Knaben; die Stadtbibliothek, welche über 40,000 Bände, 1,500 Handschriften und viele alte Druckwerke (Inkunabeln), eine Münz- und Alterthümersammlung enthält, ferner die Bildnisse der Schultheißen von Bern. physikalische, mathematische und astronomische Apparate; die Prediger-, Studenten-, Schulmeister- und medizinische Bibliothek; das Museum der Naturgeschichte mit einer fast vollständigen Sammlung der vaterländischen Säugthiere, Nögel, Pflanzen und Mineralien, und vielen ausländischen Produkten des Naturreichs; Basreliefs des Oberlandes, der Waadt, Wallis und dem Gott- hard; der Schweizer-Insekten- und Conchylien-Sammlung; in einem daranstoßenden Erdgeschosse der Bibliothek befinden sich Kleider und Ge- räthschaften aus den Südseeinseln; Merkwürdigkeiten aus Japan, Kanada und andern Weltgegenden; röm. Alterthümer, der Feldaltar Karls des Kühnen rc.; der botanische Garten mit der Bildsäule des großen Halters. — Gemeinnützige Sti st ringen, vielleicht einzig in der Schweiz in Rücksicht ihrer Zahl und Mannigfaltigkeit: Bürger- und Jnselspital, äußeres Kranken - und Irrenhaus, Gebäranstalt; ein Knaben-und ein Mädchen-Waisenhaus; große Almosenfvnds; Mußhafen für unbemittelte Studirende; Armenschulen; zwei Ersparnißkaffen; Schulsäckel; Chorherrenstiftfvnd; fünf Wittwenstiftungen; mehrere Stiftungen zu Stipendien; eine für ausgezeichnete kindliche Treue; eine Depositen- und Dienstenzinskaffe; eine allgemeine Krankenkaffe; eine Krankenkasse für Künstler und Handwerker, für das Brandkorps, und eine Unterstützungskasse für das Landjägerkorps rc., eine Mobiliar- und eine Hagelassekuranzkasse. — Gemeinnützige Vereine: die natur- forschende, medizinische, ökonomische, musikalische, militärische und Künstlergesellschaft; Gesellschaft schweizerischer Geschichtsforscher; eine Freimaurerloge zur Hoffnung, und mehrere gesellschaftliche Zirkel und Lesegesellschaften. — Wir erwähnten schon oben der berühmten Männer, die aus der Stadt Bern hervorgegangen sind. Der Handel in Käse und Wein ist beträchtlich, im Uebrigen aber ist der Großhandel nicht ausgedehnt, der Kleinhandel dagegen bietet eine große Lebhaftigkeit dar; zu Ostern und Martini finden alljährlich zwei Messen, je von I4tägiger Dauer, statt; an den Dienstagen, Donnerstagen und Samstagen werden Wochenmärkte gehalten, die Frequenz des erstem übertrifft die manches ordentlichen Jahrmarktes. Die Industrie ist im Wachsen, es gibt Baumwollen-, Seiden- und Leinenfabriken. Ausgezeichnet ist die Strohhut-, vor Allem aber die Gold- und Silberwaarenfabrik des berühmten Herrn Rehfues. Kunst- und Buchhandlungen: Burgdorfer, Jenni Sohn, Fischer u. Comp. (auch Buchdruckerei), Walthart; Buchhandlungen: Huber u. Comp., Dalp, Hakler (auch Buchdruckerei); Buchdruckereien: Jenni Vater, Rätzer und Stämpfli; Musikalien- und Jnstrumentenhandlungen von Rothlin und Brugger, mehrere Lithographien und Leihbliotheken. Gasthäuser: Falken, Distelzwang lgl,l>»^e >les KenMsIiomEs), Krone; Wirthshäuser: Storch, Wildenmann, Bär, Eidgen. Kreuz, Adler, Schlüssel; Zunfthäuser: Mohr, Webern, Affe, Schmieden, Metzgern, Pfistern rc. Die Stadt Bern ist reich an schönen Standpunkten und Spazier- gängen. In der Stadt befinden sich die Münster-, Münz- und Rath- hausterraffe, der obere und untere Graben, und vor allem die kleine Schanze; außerhalb der Stadt und in ihrer Nähe: die Enge, der Bremgartenwald, die Tour um den Stadtbach, die unmuthigen Gänge in dem Aarziehledrittel, in der Schoßhalde ic. Weiter enlfernt der Gurten, 2,900 F,, mit ausgebreiteter und reizender Aussicht; der Belpbcrg und Bantiger (s. oben). Ferner die Ausflüge in das Gurni- gelbad 5^ St., in das Blumensteinerbad ü St., auf das Stockhorn « St., den Weißenstein 8>4 St., nach Hofwyl 2 St., nach Bad Engi- stein 2?/g St. und »ach dem Völliger- oder Neuhausbad 1 St. Itcurnvvs^i» (B ri sch w ei ler), Pfdf., 1)4 St. von Pruntrut, Zollstätte; mit Feld- und etwas Obstbau. Pfdf., 2 St. von Münster; Viehzucht und Ackerbau. Viel (vienue), ein altes, freundliches Städtchen mit etwa 2,700 Ew., an der Schüß und nicht fern von dem See dieses Namens in schöner, fruchtbarer und gutgebauter Gegend, mit einem Gymnasium, Bürgerspital, einer großen Jndiennefabrik, einer Baumwollenspinnerei, Gerbereien, einem Drahtzug und einer Pariserstiftfabrik (in Bözingen), bedeutendem Weinbau und Weinhandel. Eine tiefe Quelle oberhalb der Stadt, die manchmal und besonders bei dem Liffaboner Erdbeben sich trübte, versieht die Stadt reichlich mit Trinkwasser und treibt Gewerbe; in ihrer Nähe befindet sich das Denkmal eines gewissen Ville- , der in dieselbe gefallen und lebend eine unterirdische Wasser- fahrt von 300 Schritten in einer Minute gemacht haben soll! — Viele Landsitze, angenehme Spaziergänge und herrliche Aussichten. Geburtsort des berühmten Theologen Wyttenbach, Zwingst Lehrer, und des Ingenieur Watt. Wirthshäuser: Krone, Kreuz, llütei >1» >kur->. Von hier aus kann der Gesiler «Rassei-»!) in 4)4 St. bestiegen werden; Petersinsel 1^4 St. Biglen, Pfdf., auf der Straße von Thun »ach Burgdorf; zwei Gerbereien, ein Bad Dr Landleute. Bipp, Schloßruine und Meierhof, auf einem freistehenden Felsen, bei Wiedlisbach; im Mittelalter der Sitz von Pipins ausgedehntem Co- mitat. Versteinerungen. Bipp, Nieder-, Pfdf., Kirche und Pfarrhaus zeugen noch jetzt von römischer Ansiedelung. Zollstätte Dürrmühle. Bipp, Ober-, am Fuße jenes Schloßberges in fruchtbarer Ebene; Obst- und Viehzucht. Birs, die, entspringt am nördl. Fuße des lOierre-pertuis; bei 6<»»4 stürzt sie sich in den schauerlichen Durchbruch der Berge Moro» und kraiterx , durchstießt das Münster-, Oelsberger- und Lauffenthal, tritt dann in den Kanton Basel, in welchem sie in den Rhein fällt. 107 Sie ist fischreich und flößbar, richtet aber oft Ueberschwemmungen an, Sie nimmt mehrere Gewässer auf, u, a. die Trame, Chaliere, Sorne, Lützel, Raufe, Scheuste, Lüsel. Btanke nburg, ein 1772 wieder neuhergestelltes Schloß bei Zweisimmen, mit Graben; ein bedeutender Hornviehmarkl wird auf den Wiesen von Bettelried gehalten. Blauen, ein beträchtlicher, 2,341 F. hoher, im S. von Basel gelegener Berg, stark bewaldet, mit zerfallenen Burgen, Matten, Dörfern und vielen zerstreuten Hütten. Aus ihm entspringen einige Bäche, Bleienbach, Pfdf., auf der Straße von Burgdorf nach Langenthal; Viehzucht, Acker- und Hanfbau. In der Nähe Ruinen eines unbekannten Schlosses. Blümlisalp oder die Frau, 10,896 F., ein noch nicht bestiegener, mit Gletschern umringter Berg, von dem mehrere mit Gletschern bedeckte Thaler auskaufen. Blume, 4,850 F. im O. von Thun, ein leicht ersteiglicher, pflanzen- reicher Berg, mit schöner Aussicht. Blumenstein, Pfdf., am Fuße des Stvckhorns und an dem Fallbach, der bei der Kirche einen schönen Fall bildet. Die vereinzeltstehende Kirche hat schöne Glasmalereien. — Eine Viertelstunde entfernt befindet sich das Bad gl. N. Es ist gut eingerichtet und angenehni gelegen; sein alkalisch-salinisches Cisenwasser wird zum Baden gegen Rheumatismen, Gicht, Magenkrampf, Sodbrennen, chronische Diarrhöe und andere Schleimflüsse, Gelb - und Bleichsucht, Skropheln, Hysterie, gestörte Entwickelungsperivde und Entkräftung, besonders nach Krankheiten mit Nutzen angewendet. Die Ausflüge von diesem Bade sind mannichfach und der auf das Stockhorn besonders lohnend. Noecourt (Bistingen), Pfdf., 2!4 St. von Delsberg; Getreidebau und Viehzucht; in der Nähe die reichen Erzgruben von Söxrals. 80 F. unter der Erde. Bödelein, ein vom Seegeschiebe gebildetes Thal zwischen demBrien- zer- und Thunersee, das nun fette Wiesen und schattige, mit den schönsten Nußbäumen besetzte Spaziergänge umschließt. Bötzingen, itouje-«» (s. Viel). It,e8 vots (Rudishvlz), Pfdf., an der Straße von Delsberg nach 1 » ei,-lux»!<;tai«is. Viehzucht und Mästung, Viehmärkte und Uhren- fabrikation. Ueberraschende Felspartien am Doubs, besonders auf dem Wege nach der Todesmühle. Bollendingen oder Bolladingen, Dorf, an der Straße von Burg- dorf nach Langenthal. Im vorigen Jahrhunderte fand man hier römische Münzen und Reste eines Mosaikbodens. Völligen, Pfdf., > St. von Bern. unweit des GrauholzeS, in dem lieblichen Thale der Worblen, an welcher Getreide-, Säge-, Walk-, Loh-, Pulver- und Papiermühlen, Eisenhammer rc. liegen. Unten am Dorfe das starkbesuchte Mineralbad Neuhausbad. Voltigen, Psdf., am l. U. der Simme. Alpenwirthschaft; ein ziemlich mächtiges Steinkohlenlager in der Klus. Merkwürdige Höhlen mit vielen sonderbaren Stalaktiten und einer natürlichen Kanzel an dem Wallopberg, wohin der Aberglaube Berggeister (Toggeli) versetzt. «nneourt (Bubendvrf), Psdf., auf der Straße von Pruntrut nach Delle; Zollstätte, Ackerbau, Viehzucht, Fischerei. »onloi (Bumpfel), Psdf., auf demVendlineberg; Getreidebau, Fabrikation von Töpfergeschirr. 8t. Ii»!>lx (Brip), Psdf., an der Straße von 1.1 61>aux-lek,«iäs nach Delsberg. Landbau und Mehmastung, wilde Naturschönheiten und Versteinerungen. Ein schöner Durchpaß durch Felsen gesprengt. Bramberg, Dorf, St. von Laupen; nahe das Schlachtfeld von Laupen, wo die Berner rc. 1339 unter Rudolph von Erlach einen vollständigen Sieg über die Freiburger und den verbündeten Adel erfochten; ein von dem Bürgerverein gesetzter Stein bildet das Denkmal dieser Schlacht. Bremgarten, Psdf., auf einer Halbinsel der Aar, in der Nähe von Bern, mit dem Schlosse Reichenbach, das auf röm. Grundmauern ruht. Pfähle von Eichenholz sollen die Stelle der ehemaligen röm. Aarbrücke andeuten. In der Kirche befindet sich das Grabmal des Siegers bei Laupen, Rudolph von Erlach, nebst «einigen neuern Grabmälern. liresssneoiirt , Psdf., in der Nähe von Pruntrut; Feld - und Obstbau. I.e8 vreuleilx (Brandisholz), Pfdf., am Fuße des Sonnen- (8t. linier ) Berges; rauhes Klima, Uhrmacherei, Flachsspinnerei, Viehzucht. Brienz, Pfdf., am Brienzersee, den schönen Wasserfallen des Gieß- baches gegenüber und am Fuße deS gefahrdrohenden Brienzergrates, der erst noch am 3. Nov. 1824 durch einen Erdschlipf 40 Juch. Landes verwüstete und 6 Personen den Untergang im See brachte. Die auf einem Hügel stehende schöne Kirche wurde 12 IÜ gestiftet; in ihrer Nähe finden sich die Trümmer einer alten Burg. Es wird hier viel, zum Theil sehr schöne und künstliche Holzschnitzerei verfertigt. Die Brienzermädchen find als gute Sängerinnen berühmt. Fischerei (Fang der Brienzlinge) und Handel mit Brienzerkäsen. Wthsh.: Bär, weißes Kreuz. E.rcurstonen zu den benachbarten Wafferfällen und auf die nahegelegenen Alpen. 10 « Brienzer - Grat, ein langer Bergrücken, der sich mit den Ketten des Hochgant und des Pilatus verzweigt; zwei Schwefelquellen mit etwas Vitriol nebst einem Sauerbrunnen. Die Schafalp, welche eine schöne Aussicht gewährt, kann nur von furchtlosen, dem Schwindel nicht unterworfenen Reisenden erstiegen werden. Der kleine, meistens mit Eis bedeckte Ei- oder Maisee bildet muthmaßlich die Quelle der kleinen Cmme. Brienzer-See, 1,78» F. üb. M. Dieser 3^ St. lange, meistens 35 bis 40 Min. und bei Oberried i St. breite, hin und wieder über 500 F. tiefe, fischreiche See breitet sich in einen, von der Aar durchströmten und von ihr angefüllten Wasserbecken aus. Der hier bisweilen wehende Nord- oder Mitternächtlerwind, so wie der Süd- oder Föhnwind sind sehr gefährlich; letzterer kommt stoßweise in Wirbeln vom Grindel herab, reißt Häuser um und entwurzelt Bäume; Laß in solchen Augenblicken auch die höchste Feuersgefahr waltet, ist augenscheinlich. Die Bucht von Zseltwald bietet einen natürlichen Hafen dar; sonstige Landungspunkte sind: Tracht, Brienz, Ehlingen, Oberried und Rinkenberg am rechten, und außer diesen: Zseltwald, Ranft und Ehrschwand am linken Ufer. Die Aar mündet bei Kienholz und verläßt den See bei Lanzenen. Außerdem nimmt derselbe noch auf: die Lütschine, den Syti-, den Ehrschwand-, den Küenzli- und den Furrenbach, aus dem Lauchenhorn entspringend, nebst 14 Bächen auf der rechten Seite des See's, von der Planalp und dem Brienzergrat entspringend, welche mit vielen prachtvollen Wasserfallen dem Becken des Brienzersee's zueilen. Brienzwyler, Dorf, mit vielem Obstwachs. Am Ende desselben lag im fünfzehnten Jahrhundert ein Rittersitz. Brißlach, Pfdf., an der Lüsel, bei Laufen; gute Aecker und schöne Wiesen. Brünig, ein Gebirgssattel im Oberhasle 7,690F., worüber ein starkbesuchter Fahrweg von Unterwalden nach Meiringen und Brienz führt. Die Franzosen drangen zur Zeit der Helvetik über dieses Gebirge nach Unterwalden ein. Auf der Höhe befindet sich ein Zoll-, Wacht- und Wirthshaus, von dem man eine schöne Aussicht hat. Brüttelen, Dorf, an einem Hügel zwischen dem Aarbergermoos und Bielersee. Geburtsort des helvetischen Generals Weber, der bei Frauen- feld gegen die Oesterreicher fiel. Das oberhalb des Dorfes in einem hübschen, kleinen Thal liegende Mineralbad, das 1737 entdeckt wurde, ist von dem jetzigen Besitzer desselben, Herr Negierungsftatthalter Müller von Nidau, auf das Bequemste und Zierlichste eingerichtet 17tt worden; es dient gegen alle Arten von Nervenbeschwerden, Rheumatismus und Hautkrankheiten. Brunnadern. jetztElfenau. Landsitz der Großfürstin Anna von Rußland, St. von Bern. Ehemals stand hier ein Dominikaner-Nonnenkloster, das 1288 nach Bern verlegt wurde. Brunnen, die sieben, ein 40F. hoher Wasserfall, Quelle der Sim- men oder Sieben, der Abfluß eines vom Rätzligletscher genährten Wasserbeckens. Bümplitz, Pfdf., von Bern. Bedeutender Ackerbau, Landsitze; röm. Münzen und Alterthümer. Büren, Amt, auf beiden Seiten der Aar, in niederer, den Ueber schwemmungen dieses Flusses häufig ausgesetzter Gegend. Steinkoh- lenflötz bei Dennwyl, gelber Marmor mit Rostflecken; Bohnerz. Bevölkerung gegen 8000 Seelen in 8 Kirchgemeinden. Büren, kl. Stadt, von circa 1,200 Ew. Brücke über die Aar, an der Straße von Solothurn nach Aarberg. Schloß, Zollstätte; Landbau, Weinhandel, Schifffahrt, Waarendurchfuhr; Gefecht zwischen Franzosen und Bernern 1798, wobei der Ort durch Feuer litt. Hier soll der römische Ort Petenisca gestanden sein, den aber andere nach Bürglen, einem den Ueberschwemmungen der Zieh! ausgesetzten Pfarr- dorfe an der Zieht, versetzen, weil man sowohl in der Zieht als auf dem Lande Münzen und andere Spuren einer früheren römischen Niederlassung hier gefunden. Burgdorf, Amt, am Ausgange des eigentlichen Emmenthals und längs der Emme. Ackerbau und Viehzucht; Leinwandfabrikativn und Handel. Bevölkerung in 9 Kirchspielen ungefähr 19,000 Seelen. Burgdorf («ertlioii>i) , kl. St., über der Emme, in freundlicher und angenehmer Lage, mit etwa 2000 Ew. Auf zwei einander gegenüberliegenden Anhöhen liegen das alte Schloß und die Kirche. In ersterem hatte Pestalozzi während der Revolution seine Lehranstalt; dasselbe hat einen Sodbrunnen 36 Klafter tief. Schöne Aussicht von diesen beiden Standpunkten. Viele Industrie, Jahrmärkte, Fabriken von Tabak, Seidenband, Bleiweiß ic.; Weinhandlungen, Bierbrauereien, Hauptniederlage der in der Gegend fabrizirten Leinwand und anderer Produkte des Emmenthals. Buchdruckerei und Buchhandlung von C. Langlois. Viele Versteinerungen in den umliegenden Sandsteinmassen. Burgistein, Schloß und alter Rittersitz mit einem starken Thurme auf hohem Felshügel an der Gürbe, mit dem am Fuße liegenden Dorfe gleichen Namens. 171 Burgthal (I.-, »oui-x). Pfdf., an der französ. Gränze am Fuße des Blauen und des Römel, in einem waldigen Thale. Kalte Schwefelquelle und unbedeutendes Bad. tlbsive, Bergrücken, nördlich von Delsberg, mit einer malerischen, gothischen Kapelle. 6It.il'inoiIIe (Kalmis), Pfdf., an der Quelle der Alleine, in einem engen, wald- und wiesenreichen Thal; Viehzucht, Ackerbau, Hvlz- und Kohlenhandel. I,.: (Gestler), der höchste Gipfel des Jura in der Schweiz, 4,985 F., zwischen dem St. Jmerthal und dem Bielersee. Er gewährt eine gedehnte Aussicht und dem Botaniker eine reiche Ausbeute. Er ist von Viel und von Neustadt aus beinahe bis an den Gipfel für leichte Wagen zugänglich. Anstalten für Molkenkuren und Fabrikation des beliebten Frauenkäses. klieren»)' (Kevxnqch), Pfdf., bei Pruntrut, in einem obst- und ge- treidereichen Thale. In der Nähe liegt der 25 F. tiefe, 60 F. weite Erbleichter Creugena (Oeux es LI>e»»tj-e, Herenloch) mit periodischen Ueberscbwemmungen. Loeure (Kuef), Pfdf., in einem fruchtbaren Thale, I^j St. von Pruntrut; Landbau und Pferdezucht. Larlian (Ballendorf), Pfdf., an der Scheulte, bei Delsberg Geburtsort des französ. Seehelden I. Bart, dessen Nachkommen noch hier wohnen. LorNeinoillt, Pfdf., im St. Jmerthale; Getreide, Wiesenbau und Fabrikation dauerhafter Töpferarbeit. Lornol, Pfdf., an der Straße von Pruntrut nach Delsberg; fruchtbare Gegend; Fabrikation von Töpferwaaren; Gypsbruch; Spuren eines römischen Lagers. Loui-renäelin (R ennen do rf), Pfdf., an der Birs und am Eingänge des Felsenthales nach Münster; großes Eisenwerk mit Schmelze, Gießerei und Sichelschmiede. Schöner Wafferfall. Louroiix (Lütholdsdorf), Pfdf., zwischen der Birs und der Scheulte. Reiche Eiseagruben. Lourt, Pfdf., an der Birs. Die Straße nach Münster zieht sich hier durch einen felsigen Paß (l«s roekes Cw. in 4 Kirchgemeinden. Frutigen, Mktfl., mit einer im Thäte zerstreuten Pfarrei von mehr als 4,000 Seelen, ziemlicher Wohlstand durch Alpenwirthschaft; Fabrikation der (oben erwähnten) wollenen, gewöhnlich blaugefärbten, sehr dauerhaften Frutigtücher. Wthsh.: Ober- und Unter-Landhaus, i Stunde das Frutiger Schwefelbad mit schlechter Einrichtung. Frutig erthal zieht sich längs der Kander von Frutigen bis zum Thunersee mit reichem Thalgelände und Bergen. Gadmenthal, zieht sich vom Sustenpaß westl. 6 St. lang bis an die Aare längs dem Gadmenbach, und zerfällt in drei Theile, der obere das eigentliche Gadmenthal; den mittlern oder das Neffelthal, und den untern oder das Mühlithal. Es ist rauh und von hohen Bergen und Gletschern umgeben. Die Straße des SustenpaffeS, I8ll erbaut, ist gänzlich im Verfall. Gampelen, Pfdf., an der Straße von Aarberg nach Neuenburg und am Fuß des älvliinoat. Weinbau. 1779 fand man römische Alterthümer und Münzen in der Nähe. Gasternthal, zwischen hohen Eisbergen vom Alpetligletscher bis an die Felsenkluft Klus, die Scheidewand vom Kanderffhal. Einsam und wild mit vielen Wasserfallen. Gentel oder Genthal zwischen der Planplatte und dem Vorsprung des Tellistocks in das Mühlithal sich öffnend ; rauh, ohne Dörfer aber mit vielen Naturschönheiten. Reizende Wafferfälle des Jungibrunnens, des Gentelbachs und ein anderer auf der Roßalp. Gerzensee, Pfdf., am Belpberg, mit 2 Schlössern, mehrern Landhäusern und einem fischreichen See. Gießbach, Abfluß des Hagel- und Hepensees, macht 7 schöne Wasserfälle, wovon besonders der dritte, fünfte und siebente die sehenswer- thesten sind. Hübsche Anlagen neben den untern Kaskaden. Glütsch, Dorf, mit einem guten Gast- und Badhause St. von Thun, auf der Straße nach Saanen. Die kalte schwefelartige Quelle ist nicht bedeutend. Gottstadt, Pfdf., am l. U. der Ziehl, einst ein Benediktinerstift, jetzt eine Knabenerziehungsanstalt. 6i-n„kikoi>t»;ne, Pfdf., 2 St. von Pruntrut; Viehzucht; Fabrikation wollener Mützen und Strümpfe. 177 Grau holz, großer Tannenwald 1/2 St. von Bern. auf der Straße nach Aarau; unglückliches Gefecht der Berner gegen die Franzosen im März 1798. Grellingen, Dorf. im Laufenthale, Zollstätte. Wafferfall und periodische Quelle in der Nähe. Grimsel. frequenter, nicht immer ganz schneefreier Bergpaß zwischen dem Haslithal und Oberwallis, 6,610 F.. mit dem kleinen Hauseck- vder Todtensee. ^ St. tiefer an dem nördl. Abhänge und i» de? Nähe zweier kleinen, unbelebten Seen liegt dasHospital, 5.880F.. gutes Wthsh. und Herberge für arme Reisende; Zollstätte. Gefechte 1799 zwischen Franzosen und Oesterreichern. Schöner Wafferfall der Aar, genannt Handeckfall. An der Grimsel wird viel Bergkrystall von seltener Große gefunden. Reizende Aussicht von dem Seidelhvrn. Von der Höhe geht links ein Fußweg dem Berg entlang zum Rhonegletscher. Grindelwald. weitschichtiges Thal im Amt Jnterlaken, 4 St. lang und s /2 St. breit, 3,520 F. üb. M. Sennenwirthschaft und Viehzucht aus den der Gemeinde eigenthümlichen Alpen ssind das Haupkgewerbe der 2,500 Bewohner; ein viel Tuffstein ansetzender Bach treibt einige Mühlen. Südlich und östlich wird dieses Thal, das seiner merkwürdigen Naturspiele wegen viel erhabener als das von Chamouny ist, von den riesigen, eisbelasteten Felsmaffen der Well-, Wetter-, Schreck- und Viescherhtzrner, der beiden Eiger tc. umgeben. Nördlich ragen das Faulhorn, Rothhorn, Gemsen-, Flüh- und Schwarzenhorn empor. Nordöstlich schließt dieles Thal die große Scheideck. Gegen Westen senkt sich der einzige Ausgang, der schwarzen Lütschine nach, gegen Zweilütschinen. Wegen der kalten Nachbarschaft ist die Luft rein und frisch, im Winter aber oft milder als um Bern; zuweilen ist der Föhn heftig und gefährlich. Das Klima ist meist unbeständig. Es gedeihen nur Kirschen, Gerste, Haber, Roggen, etwas Waizen und wenige Küchengewächse; außerdem erzeugt man vortrefflichen Honig. Prachtvolle Wasserfalle, ungemein reizende und weit- umfaffende Aussichten in der Nachbarschaft. In dem obern Gletscher hat sich im Jahr 1836 eine Höhle gebildet, durch welche man, vermittelst einer durch eingelegte Steine gebildeten Treppe in das Innere des Gletschers gelangt, wo besonders das Farbenspiel beim nahenden Untergang der Sonne einen schönen Anblick gewährt. — Die Häuser- gruppe Gydisdorf oder Gysdorf enthält die Pfarrkirche und 2 Wthsh.: Bär und Adler, mit einem gewöhnlichen Bade. In der Kirche findet man eine aus der nahen Petronellengrotte hierher gebrachte seltsame Glocke vvm Jahr 1044. 12 17U Grünenberg, Trümmer des Schlosses der Edlen von Grünenberg, Amt Aarwangen; die ausgedehnteste Ruine aller bisher bezeichneten, mit schöner Aussicht. Grund, im, ein fruchtbares, von Bergen umgebenes, starkbevölkertes Thal, 1 St. lang, St. breit, im Oberhaßli; einst ein Seebecken. G'steig seimtolet), im Saanenthal. Der Sanetschberg bedeckt mit seinem Scheitel im Winter 6 Wochen lang die Sonne. G'steigthal, 4 St. langes Thal im obern Saanenland; Ursprung der Saane. Guggisberg, Pfdf., an dem r.U. der Sense; kräftiges Volk und nationale Tracht, eigenthümlich in Sitten und Sprache. Gürbe, die, entspringt am RO. des Ganterisch, durchstießt eine meh- rentheils torfreiche Niederung und fallt bei Seelhofen in die Aar. Gurnigelbad; der Berg liegt nördl. in der zu den niedern Alpen gehörigen Stockhorukette, im Amt Sefligen, 6 St. von Bern. An seinem Fuße befinden sich zwei Heilquellen, Las Schwarzbrünnlein und der Stockbrunnen, etwa hg St. von den Kurgebäuden entfernt. Die eine Quelle wirkt auflösend, die andere mehr tonisch; diese Wirkungen sind ausgezeichnet bei chronischen Leiden der Schleimhäute, bei fehlerhaften Vertheilungen und venöser Beschaffenheit des Bluts, bei den meisten Menstruations- und nicht entzündlichen Brust- und Unterleibskrankheiten und deren zahlreichen Folgen. Für die Kurgäste sind alle möglichen Anstalten der Bequemlichkeit und Unterhaltung getroffen, und zu letzterer tragen die an Sonn- und Feiertagen zahlreich herbeiströmenden Guggisberger nicht wenig bei. Eine Art Diligence fährt während der Kurzeit jeden Dienstag io Uhr und jeden Samstag Morgens 5 Uhr von Bern nach dem Gurnigelbad und von da zurück nach Bern, Dienstag Abends um 5 Uhr und Samstag Vormittags 11 Uhr. Säumerwagen mit Gepäck rc. an den gleichen Tagen. Es mangelt nicht an schönen Standpunkten und Gelegenheiten zu Evcursionen. Gurten, der, I,2ü0 F. höher als Bern, und 2 ,övoF. üb. M. Verschiedene Wege führen auf den Gipfel jdieses leicht und angenehm zu ersteigenden Berges, wovon der weiteste 2 St., der nächste ij^St. Zeit erfordert. Er gewährt eine herrliche Aussicht über Bern, das Hochgebirge, den Jura, die Seen von Viel, Neuenburg und Murten. Gurzelen, Ober- und Unter-, zwei nahe beieinanderliegende Dörfer, im S. des Belpberges. In der Nähe die Burgtrümmer gl. N. Gutenburg, Bad, i St. vonLangenthal, ziemlich stark von der Nachbarschaft besucht, mit eisen- und schwefelhaltigem Wasser. Vulkanen, Pfdf., an der Grimselstraße, umgeben von einer hohen Gebirgskette, mit dem Rätzlih, Bünzlauistock, Mährenkorn, Steinhaushorn und Gerstenhvr». Habkeren, enges und rauhes Bergthal, vom Hohgant bis zur Nikolausschlucht sich hinziehend. Mehrere geschickte Holzschnitzler, eine Mineralquelle in der Nabe. Die Bewohsier des Thales sind wohlhabend und bieder; Versteinerungen und Torf; Bergöl. Haderen, Dorf und Bad an der Straße von Huttwyl nach Langen- thal. Eine nahe Trinkquelle soll dem Gurnigelwasser ähnlich sein; das Mineralwasser schmeckt nach faulen Eiern und ist wirksam bei Gliederschmerzen, Wunden, Verhärtungen, Lähmungen, Auszehrung. Hall oder Alleine, entspringt am nördl. Abhänge des Repetsch, fließt westlich gegen Pruntrut und betritt unterhalb voneourt h§s französische Gebiet. Forellenreich. Hand eck, Sellilhütte im Amt Oberhasli, Wassersturz der Aar an der Grimselstraße über einen 100 F. tiefen, finstern Abgrund. Sein Gebrüll, der Gegend Wildheit und der grausenhafte Standpunkt imponiren den Menschen schauerlich. In der Mittagsstunde ist er am besten zu sehen. Hasli oder Oberhasli, Thal von 12 St. Länge, welches sich vom Brienzersee der Aar nach bis zum Grimselhospiz erstreckt. Viele Natur- merkwürdigkeiten. Schöner, kräftiger und geistreicher Menschenschlag, im Ringen sehr geübt und berühmt, und der Sage nach schwedischen Ursprungs. Alpenwirthschaft ist Hauptbeschäftigung; der früher 400 Jahre lang betriebene Bergbau hörte wegen gesteigerter Holzpreise auf. Heidenstadt, bei Wynigen, Amt Burgdorf, vormals römische Niederlassung; in der Nähe wurde viel römisches Mauerwerk, Aschen- krüge, silberne und goldene Münzen ausgegraben. Heimberg. Amt Thun; wohlhabender Ort durch den außerordentlichen Betrieb der Erdenküchengeschirrfabrikation, wovon über 40 Werkstätten in Thätigkeit sind. Heitern, in der, Amt Seftigen, sehr ergiebiges Torfmoor am Belp- berg, wovon alljährlich bloß nach Bern über 3000 Fuder geliefert werden. Herzvgenbuchsee, Pfdf., auf der Straße von Bern nach Aarau. 1810 fand man hier einen Mosaikbvden, und beim Bau der Kirche die Leichname der in Zürich Hingerichteten thebanischen Märtyrer Felix und Regula. 1033 wurden hier die aufrührerischen Bauern vom Berner General von Erlach total geschlagen. Bedeutende Handelshäuser, deren Verkehr sich durch alle Fächer und weit und breit erstreckt, wohleingerichtete Gewerbe aller Gattung vermehren täglich den 180 Wohlstand dieses Ortes und seiner Bewohner,. Gute Einrichtung in Schulen, Waisen- und Armen-Anstalten. Bedeutende Jahrmärkte. Wthsh.: Sonne, weißes Kreuz. Hutlingen, Dorf, i St. von Münsingen; Bank von überaus großen versteinerten Austernschalen oft t ',4 Fuß lang und 10 Pfund schwer. Hilterfingen, Pfdf., am Thunersee. Die Kirche soll 933 vom bur- gundischen Könige Rudolf von Strätlingen erbaut worden seyn. Hindelbank, Pfdf., auf der Straße von Bern nach Aarau. In der Kirche schöne Glasmalereien und ein Grabmal der Frau Langhaus. In der Nähe ein Schloß. Hvfwyl (Wylhof), einst Herrschaftssitz, seit März 1799 ein allge- mein bekanntes landwirthschaftliches und Privaterziehungsinstitut des Herrn E. von Fellenberg, das einiger nähern Beschreibung verdient. Auf einem nach drei Seiten verflachten, an der Höhe des Grauholzes anstrebenden Hügel, verschönert durch den nahegelegenen, bei einer Stunde im Umfange haltenden See, liegen die ansehnlichen Gebäude dieses von allen Fremden, seiner merkwürdigen Stiftungen wegen, sehr besuchten Ortes, dessen Areal einschließlich einiger nächst Zvlli- kofen, Diemerswyl und Maikirch gelegenen Güter an 650 Juch. mit einer Bevölkerung von nahe zu 400 Personen beträgt. Das fqroße Erziehungshaus enthält 7 große Säle, in Allem über 60 besondere heizbare Räume. Das für Lehrer und Zöglinge bestimmte Haus enthält 56 Zimmer, Säle, Billard und ein chemisches Laboratorium. Drei für Realabkheilungen bestimmte Gebäude enthalten 63 Säle und Zimmer, und eine große Reitbahn. Ferner landwirthschaftliche und Fabrikgebäude, Werkstätten für Ackergerälhschasten, Magazine, Dünger- und Jauchenstätten, eine große Wage zu landwirthschaftliche» Versuchen, und eine im römischen Styl ausgeführte Badeanstalt. Das Ganze enthält 229 Säle und größere und kleinere Zimmer, und 33 Kellergewölbe. Es werden jährlich 50 große Ochsen, bei 300 Kälber, Schafe und Schweine geschlachtet. Die Tag- und Knechtenlöhne betragen jährlich 15,000 Schw. Fr. Zwei Armenschulen für Knaben und Mädchen verschaffen unvermöglichen Kindern Unterhalt und Gelegenheit sich zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft heranzubilden; zwei Erziehungsanstalten unter Herrn von Fellenbergs unmittelbarer Leitung, die eine für Realien, die andere für wissenschaftliche Bildung. Für die geistlichen Bedürfnisse aller Konfessionen ist ebenfalls hinreichend gesorgt. Das landwirthschaftliche Institut vervollkommnet sich immer mehr und es werden nur noch gebildete Zöglinge aufgenommen. 181 Jegistorf, Pfdf., im Amt Fraubrunnen. Dieses schöne und große Dorf wurde im Bauernkrieg 1653 geplündert, und 1754 und 1820 ein Raub der Flammen. Jmerthal, St., 9 St. lang und höchstens ^ St. breit, im Jura, von der Quelle der Schuß bis nach Iteuel-enette. Voll schöner Ortschaften mit Landwirthschaft, Viehzucht, besonders aber Uhrenfabrikation. Imer, St. (8t. Imier), Pfdf., am l. U. der Schütz, an der Straße von Basel und Viel nach l» lL»nx-tor taeus) hat. Die 1130 gestifteten Klöster wurden, letzteres 1488 wegen seiner Unsittlichkeit, ersteres durch die Reformation aufgehoben. Schule für Las Klöppeln der hier üblichen Spitzen. Molkenkurort und in der schönen Jahreszeit eigentliche englische Kolonie. Gute Pensionsanstalten. Wthsh.: Landhaus, Bär. In der Umgegend die schönsten Nußbäume der Schweiz. Johannsen, St. (8t. F<--»i), eine ehemalige ;1090 gestiftete Benediktinerabtei , am r. U. der Ziehl. ZoUiiiont, ovaler, aus Sandstein bestehender Berg im Amt Crlach, zwischen dem Neuenburger- und Bielersee, oben mit Feld - und Weinbau. Eine überraschende Aussicht lohnt die Mühe des Ersteigens. Jungfrau, ein gewaltiger Gebirgsstock in den Berneralpen, 12,870 F. üb. M., nach dem Finsteraarhorn der höchste Berg der Schweiz, von allen Seiten mit schrecklichen Abgründen und Einöden umgeben, von Eisthälern und scheußlichen Schluchten durchfurcht. Seit dem Jahre 1812 wurde dieselbe einigemale bestiegen. Zustis- oder Wüstisthal, von Merlingen am Thunersee sich schmal und steil bis zur Scheibe hinziehend; auf seinen Alpen werden besonders gute Ziegenkäse bereitet. Man findet in demselben das sogenannte Sckafloch, eine 14 Fuß hohe, 40 Fuß breite und 360 Fuß lange Höhle voll Tropfstein, im Hintergründe Eis; sie dient den Schafen denn Ungewitter zur Zufluchtsstätte. Kalnach, Pfds., i St. von Aarberg. auf der Skraße nach Murten. Römische Alterthümer. Tabakbau. Kander, d«e, entspringt in der Nahe der Gemmi aus dem Kander- gletscher, ein wilder Bergstrom. Sie bildet schöne Wasserfalle, nimmt mehrere Bäche aus und ergießt sich mittelst eines 171 t bis 1714 durch den Strätklingerberg gegrabenen Kanals in den Thunersee. Kandersteg, im Amt Frutigen. das einzige Dorf im Kanderthal, am r. U. der Kander und an der Oeffnung des Oeschinenthals; in der Gegend viele Schwefelkiese. Kirchberg, Pfds., an der Straße von Bern nach Aarau und am r. U. der Emme. Wohlgebaute fruchtbare Gegend. Landsitze, eine Kattundruckerei. Könitz, Pfds., eine kleine Stunde von Bern, gm Fuße des Gurten; Schloß (einst deutsche Ordenskommende); Landbau, Viehzucht, Salpeterfabrikation. Die ersten Bewohner Berns waren hieher kirch- genösstsch. Kvnvlfingen, Amt, fruchtbar, aus mehreren angenehmen Thälern zwischen der Aar und der Cmme. 24,000 Ew. in 8 Kirchhören. Krattigen, Dorf, am Thunersee; Burgruinen; ergiebige Gyps- brüche und in der Schlucht des Krattiggrabens ein Steinkohlenflötz und Mahlwerke. Eine nahe Quelle schwärzt All Louiivn^eli», Iteuefievette UNd Itelles kontaines ; Wgf- fenfabrik bei Pruntrut tc. Handel mit Holz. Mit Ausnahme der Gegend des Bielersees ein rauhes Klima. Leissingen, Pfdf., am Thunersee, in angenehmer Lage. Gypsfabri- kation. Mineralbad und Molkenkuranstalt. Lengnau, Pfdf., an der Straße von Viel nach Solothurn, am Fuße des Jura; Steinbrüche; Huppertserdegruben (unverbrennliche weiße Erde zu Schmelztiegeln); eingegangene Eisenminen. Gefecht zwischen den Franzosen und Bernern am 2. März 1798. Gut eingerichtetes Mineralbad. Liesberg, Pfdf., im Laufenthal, unfern der Birs; gutes Eisenerz. Limpachbad, rechts an der Straße von Bern nach Thun, mit vier Heilquellen, aus sumpfigem Boden entspringend, empfohlen gegen Rheumatismus, Gicht, nervöse Ueberreizung, Hysterie, Vollblütig- keit, Stockungen im Blutadersystem, Hämorrhoiden rc. Lochbad-Bad, in der Nähe vonBurgdorf, mit einer guten Mineralquelle, gut und billig. Lvtzwyl, Pfdf., an der Straße von Langenthal nach Huttwyl; Fabrikation von Baumwollentüchern und Leinwand; Leinwandbleiche. Lutsch inen, zwei Waldströme. Die schwarze Lütschine entspringt aus dem Grindelwaldgletscher, die weiße aus dem Lauterbrunnenthal. Bei dem Dorfe Zweilütschinen fließen beide zusammen und münden unweit Bönigen in den Brienzersee aus. Lützelflüh, Pfrf., am r. U. der Emme; Bleiche, Färberei. Magerbad, ein sehr unbedeutendes Schwefelbad 1/2 St. vomZGur- nigelbad. Äl-irtinet, eigentlich tLoliiäet, Hammerwerk an der Straße von Münster nach Delsberg. Mayenwand oder Mayenwang, steile begraste Berghalde an der Grimsel, mit einem Fußpfade an den Rhonegletscher. Die vielen Blumen (Mayen) geben ihr diesen Namen. Murmelthiere. Melchnau, Pfdf., südöstl. von Langenthal. Landbau, Viehzucht, Spinnen und Leinwandweben. Mehrere Burgruinen in der Nähe. Merligen, Dorf, am Thunersee, von Weingärten und Nußbäumen umgeben. Schöner grauer Marmor mit vielen Versteinerungen; Erdharz ; seltenes Phänomen der Erdverfaulung. Mett, Pfdf., an der Schütz; sehr alt, man fand hier auf dem Felde an der Zieh! gegen Brügg ein Stück einer römischen Heerstraße und andere Alterthümer. Mettlen, in der, Landsitz bei Bern. Römische Münzen und eine alte Grabstätte, Schwerter rc. wurden hier gefunden. 186 Meyringen, Mktst. und Hauptork der Landschaft Oberhasli. Seltsam gebaute Kirche, mit einem isolirt stehenden alten Thurm. Mildes Klima, reizende und fruchtbare Gegend; schöne Wasserfalle; Molken- kuren; Dachschieferbruch. Schwingfeste: am 26. Juli auf der Engstlenalp und am 10. August auf der Tannalp zwischen Haslern und UnterwalLnern; am ersten Sonntag im September auf der großen Scheidest zwischen Haslern und Grindelwaldnern^ Wthsh.: wilde Mann, Bär und Hotel am Reichenbachfall. Mtöcoui't, (Mieschdors), Pfdf., an der Halle. Ehemals hier das Schloß Stebach, nun eine Bauernwohnung.. Nahe dabei die ehemalige Be- nediktinerprobstei Misere;. Mouline»», (Falkenberg), Pfdf., auf der Straße von Delsberg nach I» OIiaux-lle-boiKis. Pferdemärkte. Zwischen I>I-V L'otit-Fe»n und Ics Veixnidr«« befindet fich ein versteinerter Baum. Aoni-tei-rilile , Bergrücken im Jura, südöstl. von Pruntrut, nur von einer Seite zugänglich, worauf ein Lager von Julius Cäsar gestanden haben soll; römische Münzen. Moos, das große oder Aarberger, eine sumpfige Niederung zwischen dem Murten- und Neuenburgersee und wenig über dem Seespiegel erhaben, 5 St. lang und 1 St. breit, welche vom Frühling bis im Herbst zum Weidgang benutzt wird. Durch die beabsichtigte Entsump- fung des Seelandes und Korrektion der Juragewäffer können hier 40,000 Juch. Land gewonnen werden. Moit, Nouliil «1 los Lclielle» sie Is, jenes ist eine Getreidemühle in tiefer Schlucht des Doubs bei «ois, zu welcher ein steiler Fußsteig im Zickzack führt, und dieses find gefährliche Leitern auf der steilen Felswand am jenseitigen französischen Ufer. Montier (Münster), Amt, im Jura und größtentheils im Thale dieses Namens gelegen. Klima und Boden sind dem Ackerbau nicht günstig, daher Viehzucht die Hauptbeschäftigung der 8 bis 9,000 Ew. der 13 Kirchspiele dieses Amts. Montier. ^ »I , (Münsterthal), das Thal längs der Birs, von ihrem Ursprung bei kierre kertuis an, bis an das Delsbergerthal mit der Straße von Basel nach Viel; oft sehr eng. Mehrere hübsche Wasserfälle der Birs; die Felsen stehen oft 'wie himmelhohe, «senkrecht neben einander gestellte und gewaltsam durchrissene Tafeln und enthalten viele Höhlungen und Versteinerungen^ M«utior-6r!»»Iv'!»I, (Münster), Mklfl., im breitesten Theile des Thales gl. N. am l. U. der Birs; entstand durch ein Kloster, später Chor- herrensiift, welches der heil. Germanus 630 erbaute. Sammlung von Versteinerungen deS Hrn. Moschard. Viehzucht, Fabrikation von Töpferwaaren, Seidenhaspeln, Baumwostenspinnen und Bandweben. Wirthshaus: weißes Roß. Mühlethal, der untere Theil des Gadmenthales und weniger wild als dieses; hatte ehemals einen Eisenhammer und Schmelzöfen für Erz. Münchenbuchsee, Pfdf., 2 St. von Bern. Einst stand hier eine feste Burg, welche 1181 in ein Pilgersxital verwandelt wurde, woraus 125» eine Johannitercommende entstand; seit der Reformation ein Amthaus, in der Revolution ein Crziehungsinstitut Pestalozzi's und nun ein Schullehrerseminar. Münch weiter, Viii»rs I« Noine, an der Straße von Freiburg und ganz von diesem Kanton umgeben; schönes Schloß mit vielen römischen Alterthümern. Münsingen, Pfdf., auf der Straße von Bern nach Thun. Zwei Schlösser. Hier soll einst eine Stadt gestanden haben; weit zerstreutes altes Mauerwerk und römische Alterthümer. Volksversammlung im Jenner 1831 zum Umsturz der alten Regierung. Wthsh.: Löwe, Bär, Ochs. Mummenthal, Dorf, bei Langenthal; in der Nähe finden sich in einem Eichenwalde Spuren römischer Gräber; auch fand man römische Münzen. Murgen- (unrichtig Morgen-)thal, Dorf, an der Murg, die Hälfte bernerisch, die Hälfte aargauisch; Zvllstätte, Kattunfabrik und Färberei, Salzablage, Postbüreau und ein gutes Wirthshaus. Muri, Pfdf., i St. von Bern auf der Straße nach Thun. Man findet hier manche Spuren römischer Niederlassungen, Münzen und andere Alterthümer. Neueneck, Pfdf., am r. U. der Sense, an der Straße von Bern nach Freiburg in fruchtbarem Gelände. Im März 1798 schlugen die Verlier hier die eindringenden Franzosen. lXcuvevrile, Neustadt, Stadt, am l. u. des Bielersees und am Fuße des Chafferal. Einige Erziehungsanstalten. Ruinen auf dem Schloßberge mit einem hübschen Wafferfall. Ausflüge auf die Petersinsel und den Chasseral. Niklaus, St., Dorf, ^ St. von Nidau, auf der Straße von Viel nach Aarberg, mit einem marmornen Obelisk zum Andenken der am 5. März 1798 hier gegen die Franzosen gefallenen Berner. Nidau, Amt, am Fuße des Jura und an beiden Ufern des Bielersees. Ackerbau, Weinbau und Waldungen. Ein Theil desselben ist 187 häufigen und anhaltenden Ueberschwemmungen ausgesetzt. Etwa 12,000 Cw. in 10 Kirchgemeinden. Nidau, Stadt, am Ausfluß der Zieht aus dem Bielersee und an der gr. Str. von Bern nach Basel; 500 Ew. Schifffahrt, Waarenspe- ditiou, Wein- und Ackerbau. Salzmagazin und Schloß, Stammburg der im Mittelalter hier wohnenden Grafen von Nidau; angenehme Lage und schöne Spaziergänge. Wthsh.: Stadthaus, Sternen. Niesen, ein pyramidaler, 7,319 F. hoher Berg, vom Wildstrubel ausgehend, mit »ngemein ausgedehnter Aussicht. Seine höchste Kuppe läuft sehr spitz zu, so daß nur 6 bis 7 Personen darauf stehen können. Er enthält sehr viele gute Alpen und einen großen Reichthum an Alpenpflanzen. Er wird am bequemsten von Mühlenen aus in 2>-^ Stunden bestiegen. IVuxorol. Nerval, (valiis ni,>>->), der Name der Landschaft zwischen Viel, Murten und Solothurn im 7ten Jahrhundert. Oberburg, Psdf., in der Nähe von Burgdorf. Das Bad ist gut eingerichtet und ziemlich stark aus der Umgegend gebraucht gegen Lähmungen und Gliederschmerzen. Oberhofen, Dorf und Schloß, mit einem Burgverließ, i Stunde von Thun, von drohenden Bergen umgeben. Gewächs --sieht aus wie Wein.-- Wthsh.: Traube. Oberland, das. Im engern Sinne versteht man darunter das Land, welches den Thunersee hinan bis zum Gipfel der Grimsel sich erstreckt. Das tiefe Land ist reich an Obst; das mittlere an Waldungen und Weiden; das höhere hat kahle Felsen, Schnee und Eis. Das Volk ist aufgeklärt, aber bei der großen Bevölkerung arm und verliert wegen der vielen durchreisenden Lustwandler, die ihre vollen Beutel unter dem Hirtenvolk öffnen, bedeutend an Thätigkeit. Oenz, Ober- und Nieder-, zwei Dörfer an dem Oenzbach, das erste auf der gr. Str. von Bern nach Aarau und von Solothurn nach Luzern, in sehr fruchtbarem Gelände, Gerberei, Mühlen, Fabrikation. In der Nähe der kleine Burgsee und der Jnkwylersee mit einer kleinen Insel. Oldenhorn, im Amt Saanen; 9,040 F. üb. M., von majestätischen Gletschern umgeben; an seinem »ördl. Abhänge bildet der Oldenbach einen schönen Waffersturz. Oltigen, zwei Dörfer, das eine am r. U., das andere, Wpler-Ol tigen, am l. U. der Aar, bei der Einmündung der Saane, wo zu Römerzeiten eine Brücke über die Aar gestanden haben soll; steinerne Särge und römische Münzen. Oi-vin. (Jlfingen), Pfdf., in einem hohen Bergthals bei Viel; erscheint schon in einer Urkunde von 975 unter dem Namen Ulvin. Ostermundigen, (Ostermannigen), Dorf, in der Nähe von Bern, mit einem schönen Steinbruch und Echo. Papiermühle, mehrere zerstreute Häuser, St. von Bern, an der Worblen, Gasthaus, Papier-, Schneide-, Getreide-u. Pulvermühlen. keilnes, killt lle. Brücke über die Birs, zwischen Röche und Münster; glücklicher Widerstand 1499 und später gegen die Schweden; man steht noch ein zerfallenes Holzgerüste am Eingang einer Höhle, die zur Vertheidigung des Passes eingerichtet war. Der!, (Büderich), Pfdf., im Thäte der Schütz; schon sehr alt und schon von Kaiser Lothar I. Villa ikeUerie» genannt; Burgtrümmer. 150 Fuß hoher Fall des Bergbaches Piffot. Kunst und Wohlstand. Petersinsel, St., im Bielersee, St. im Umfange; ihr höchster Punkt ist 121 F. üb. dem See. Bis 1485 von Mönchen bewohnt, deren Einkünfte später an die Berner-Chvrherren und dann an das dortige Bürgerspital übergegangen. Auf derselben ist für alle Bedürfnisse des Lebens gesorgt; sie hat Getreidebau, Wein- und Holzwachs und Weiden. Man findet auf ihr herrliche Standpunkte. Fest zur Zeit der Weinlese; I. I. Rouffeaus Zimmer, worin er sich 1765 aufhielt, ist unverändert geblieben. In der Nähe die sogenannte Kanincheninsel. Dietionx, le (Pissvn), '/j St. lange Felsenkluft, in welcher die Sorne mehrere Fälle bildet. Unterhalb die Schmieden von DnäerrUie,- und die sieben Brunnen. kivrre-kei'tllis, Amt Münster, Felsenthor im Jura, unweit Dachsfel- den, 40 Fuß hoch, 24 Fuß breit und 12 Fuß tief, mit einer römischen Inschrift. Schöne Aussicht. Im Jahr 1813 und 1814 verschanzten sich die Oesterreichs hier. Unten entspringt die Birs. Planplatte, Alp am Abhänge des Lauberstvcks; vom Grumgrat bis zur Erz- oder Balmereck, oberhalb dem Melchsee, geht Eisenerz zu Tage, das früher ausgebeutet und im Mühlethal geschmolzen wurde. kvrreniiux (Pruntrut), Amtsbezirk; waldige Berge und fruchtbare Thäler wechseln darin ab. Viel Wieswachs und Futterkräuterbau bei übrigens sehr vernachläßigter Viehzucht. 17,000 Cw. in 26 Kirch- gemeinden. Dorrentrux (Pruntrut), Stadt an der Alleine, mit gegen 2000 Cw. in fruchtbarem aber rauhem Klima. Die Halle, jetzt Gasthaus; das von barmherzigen Schwestern bediente Hospital; das Rathhaus, ehemaliges bischöfliches Schloß, mit hübscher Aussicht und altem Thurme, 189 y wahrscheinlich römischen Ursprungs; das ehemalige Jesuitenkollegium mit dem Gymnasium; in der Pfarrkirche befindet sich ein gutes Altarblatt. Tuch- und Waffenfabrik, Kleinhandel, bedeutende Gerbereien, Bierbrauereien, starkbesuchte Jahrmärkte, zwei Buchdruckereien. Hier gefundene Waffen und Münzen lassen römischen Ursprung vermuthen; wahrscheinlich hieß die Stadt ursprünglich I?o»8 (Brücke, « welche die Gemahlin König Dagoberts l. hier erbaute), denn in alten Urkunden erscheint öfters I?o>>8 raiiltrukli» , !Oo»t rainlri», Geburtsort des französischen Geschichtschreibers I' Wthsh.: zwei Schlüssel, Storchen, Bären, weißes Rößli, Sonne. Itangil!,-.,, I>!8 (k>!i>Li8, Repetsch), Berg zwischenDelsberg und Prun- S trut, worauf ein Wthsh. und Landjägerposten, mit schöner Aussicht, r Rapperswyl, Pfdf., bei Aarberg, mit fruchtbaren gut angebauten l Feldern, starker Schweinzncht; Torfmoor. Unglückliche Religions- > schwärmerei 1807. ^ Rawyl (I«8 K»vi»s), ein 7,450 Fuß hoher Bergpaß von an der Lenk nach Sitten, der jetzt ziemlich vernachläßigt ist. Er ist ziemlich gefährlich und an manchen Stellen kaum 1 Fuß breit. Reichenbach, Pfdf., am Fuße des Cngelberges und dem r. U. der Kander; starkbesuchte Viehmärkte. Reichenbach, Schloß, Getreidemühle und Wthsh., in einer wiesen- und holzreichen Schlucht der Aar, 1 St. von Bern. Neichenbach und seine Fälle; entspringt am Schwarzhorn, 7,270 F. üb. M.; nimmt den Scheidest- und Rosenlauibach auf, und bildet ^ zwischen Tschingel- und Burghorn fünf prächtige Fälle, von welchen « der untere, der zweite und der dritte die merkwürdigsten sind; man i hört ihr Brausen stundenweit. s «Mellenetto, Dorf, in einer felsigen Schlucht der Schüß, auf der ' Straße von Viel nach Basel. Ein Eissnhammerwerk, Wthsh. und unbedeutendes Bad; Eisenbohnerz in der Gegend. Reulissen, Amt Obersimmenthal; Berg, 5,510 F. üb. M-, welcher j von Norden nach Süden den höchsten Theil des Simmenthales vom Saanenlande trennt. Auf dessen höchster Stelle ist eine herrliche Aussicht, z Riggisberg, Dorf, auf dem Wege nach dem Gurnigelbade. Die alte h Kirche liegt auf einer Anhöhe; Schloß; ein Sauerbrunnen, gilt für ungesund und schwärzt Alles, was er berührt. Vergebliches Suchen nach Salzquellen vor einigen Jahrhunderten. Rinkenberg, Pfdf., am Brienzersee; vortreffliche Wiesen und Obst- ^ baumzucht. Auf einem benachbarten Hügel befindet sich die in die ! Schloßtrümmer malerisch eingebaute Kirche und Pfarrwohnung mit herrlicher Aussicht. Auf der 1352 von den Brienzern zerstörten Burg lebten der Minnesänger Hans und der Held bei Laupen Kuno von Rinkenberg. In der Nähe das Dorf Golzwyl, am fisch- und krebs- reichen See gl. N.; schöner Steinbruch. Röche, Dorf, in der Felsschlucht der Birs, i St. von Münster und auf der Straße nach Basel; eine vortreffliche Glasfabrik. Nöthen dach, zerstreutes Pfdf., in einem engen Thals am Bache gl. N., der häufig Ueberschwemmungen anrichtet. Die einsamstehende Pfarrkirche im Wirzbrunnen gilt für die Mutterkirche des Emmenthals. Roggwyl, Pfdf., unfern des l. U. der Roth, bei Langenthal; Viehzucht, Feldbau und Leinweberei. Rohrbach, Pfdf., am r. U. der Roth, auf der Straße von Langenthal nach Huttwyl; Landbau und Leineweberei, gute Steinbrüche. Rosenlauibad, 2f^ St- im SW. von Meiringen, auf dem Fw. nach Grindelwald, in malerischbewaldeter Schlucht, am l. U. des Reichenbaches; bequem und so gut eingerichtet, als es die Lokalität gestattet; Molkenknr. Das Wasser ist noch reiner als das von Pfäffers, äußerst heilkräftig und dient zum Trinken und Baden bei Derschleimungen der Brust und des Unterleibes, Verstopfungen, Hämorrhoiden, Glieder- und Hautkrankheiten, Gicht, Rheumatismus, Drüsenverhärtun- gen rc. Eine imposante Umgebung mit dem prachtvollen Rosenlaui- gletscher vom schönsten himmelblauen Eise, dem Well-, Wetter-, Nenfen-, Drossel- und Engelhorn, und dem herrlichen Falle des Weißbachs, unterhalb die Reichenbachfälle. Exkursionen nach Grindelwald, aus die große Scheidest, auf das Faulhorn, ins Urbachthal, nach Meiringen. Nüdeswyl, Pfdf., bei Burgdvrf, am l. U. der Emme. Armen- und Waisenhaus. Rüggisberg, Pfdf., im Amt Sestigen, auf hoher fruchtbarer Berg - fläche. Hatte ein Benediktinerkloster, Las im Jahr 1455 dem St. Viu- zenzkloster in Bern einverleibt wurde, und dessen Kirche nun eine Wagenremise ist. Rügsau, Pfdf., im engen Thale und unfern der Emme, i St. von Burgdorf; Viehzucht, Leinwandfabrikation. Rümligen, Dorf, an der Straße von Bern nach dem Gurnigel- und Blumensteinbads, mit einem schönen Schlosse. Rüthi, Pfdf., bei Buren, alt und nach dem Gemäuer auf den Feldern zu schließen, römischen Ursprungs. Rütihübeli oder Wyckartswyl, Dorf, 3 St. von Bern. Ein Mineralwasser, das im Engisteinerbad getrunken wird, entspringt am Fuße des Rütihübeli. 191 Saane (8->ii,>e), die, entspringt am nvrdl. Abhänge des Sanetsch im Hintergründe des G'steigthales, macht am Arpel einen 300 Fuß hohen Fall, nimmt mehrere Bäche auf, verläßt bei der Ruine von Vanel das Saanenland und geht in das waadtländische ,i'un I>^»t r»m»»6, wo sie wieder mehrere Gewässer aufnimmt; dann durchstießt sie im engen, felsigen, oft schluchtenartigen Bette den K. Frei- burg, wo sie sich abermals durch mehrere Flüsse und Bäcke verstärkt und Freiburg auf drei Seiten umspült. Bei Laupen tritt sie wieder in den Kanton Bern und vereinigt sich bei Wyler-Oltingen mit der Aar. Saanen (Oessei.ax), Amtsbezirk, parallel dem Obersimmenthale, zwischen den Kantonen Waadt, Freiburg und Wallis, aus drei mit dem Saanenthale zusammenlaufenden Thälern (Turbach-, G'steig- und Lauenenthal) bestehend. Soll reich an Mineralien und selbst an edeln Metallen, besonders aber an arzneilichen Pflanzen sein. Umfaßt ^ in vier Kirchgemeinden zwischen 4 und 5000 Bewohner. Uebrigens ein merkwürdiges Hirtenland, umgeben von hohen Bergen und von der Saane durchströmt. Guter Käs wird hier bereitet und in alle Welt- gegenden verführt. Recht harmlose, fröhliche und freiheitsliebende Bewohner und ein mildes Klima. s Saanen, (Q<ü>senax), Mktfl., mit 74 Häusern und etwa 800 Ew, ^ unfern des r. U. der Saane; Schloß; Kirche auf einem Felshügel; j Spital; 5 stark besuchte Jahrmärkte und Käsehandel. Wthsh.: großes und kleines Landhaus. Saanenmöser, Bergübergang zwischen Zweisimmen und Saanen; einförmige und sumpfige Ebene mit Weiden und zerstreuten Häusern. 8->ig»> , 8>!ignel«!j-ior, (k>r»neIles-M<>ul!>FNt'8), Freibergen, Amtsbezirk: der eigentliche Freiberg ist ein hochgelegenes, ebenes, zum Theil wildes Bergthal und Hirtenland, 5 St. lang und 3 St. breit, das erst am Ende des I4ten Jahrh, urbar gemacht wurde, und seinen Namen von der bewilligten Abgabenfreiheit erhielt. Viehzucht, Pferdehandel, wenig Getreide- und Gemüsebau, Futterkräuter; llhr- ' macherei und Spihenklöppeln. In 9 Kirchgem. leben über 7000 Ew. i Smxmelegiei-, (eigentlich 8t. Lexer), St. Leodegari, Mktfl., auf der Straße von Pruntrut nach i-> :-toi,H>,->! (Saugern), Pfdf., am l. U. der Birs und auf der gr. Str. von Basel nach Viel. Sehr alt und hieß unter Kaiser Lothar I. Sörgarn. Hier scheidet sich die französische und deutsche Sprache. Sommerhaus-Bad, St. von Burgdorfz das ziemlich kräftige Schwefelwaffer wird von den Nachbarn benutzt. 8k»,c,4,<>r, Dorf, Zoll- und Posthaus, am l. U. der Schütz, beim Zusammentreffen der Straße von Basel, Viel und I-» 6I>»»x-(!x, Psdf., am l. u. des Dvubs; Obstwachs und Viehzucht. Zn der Nähe Mühlen und ein Hammerwerk (gute Sicheln). Spiez, Pfd., an einer Bucht des Thunersees, soll einst ein Städtchen gewesen sein, welchen Namen noch eins Häusergruppe am See führt. Das Schloß soll von Atkila erbaut worden sein, die Kirche hat mehrere Wappen, Inschriften und Denkmäler. An steiler Felswand am See befand sich einst eine, nun von den Wellen ausgespülte, Inschrift mit den Wappen derer von Strättlingen und Bubenberg als Denkmal, nach der Sage, eines am Hochzeittage hier umgekommenen Brautpaares aus diesen Familien. Staub, der, ein schöner über 500 Fuß hoher Sturz des Engstligen- bacheS im Amt Frutigen, in romantischer Wildniß, im hintersten Grunde des ALelbodenthals; brausend über nackte Felswand auf eine Bank strrzend und dort zuerst in Staub aufgelöst, bildet er höchst seltsam roch einen zweiten Fall. Staubbach, der, im Amt Znterlaken, bei Lauterbrunnen, eigentlich Pletschöach. Prächtiger, an 000 Fuß sich herabstürzender Wasserfall, welchem gegenüber das Jungfrauhorn in seiner majestätischen Größe sich erhelt. Im Sonnenlicht, vorzüglich von Morgens 8 bis 1 Uhr, ihn geseien, wetteifert er mit den Farben des Regenbogens und 196 erweckt Erstaunen. Der Pletschbach entspringt auf der Pletschalp aus 7 Quellen, und macht dort schon ehe er die Staudbachbalm erreicht, einen schonen Fall. Stephan, St., Pfdf-, am l. U. der Simmen und im Obersimmen- thal. Die Kirche soll die älteste des ganzen Thales sein, mit einer Glocke von 1023 oder 1030, und findet sich in derselben noch das steinerne Behältniß, worin einst der Körper des heil. Stephans zu sehen war, zu welchem gewallfahrtet wurde. Stock Horn; ein am Eingänge des Simmenthales liegender Gebirgs- stock, 6,767 F- üb. M. Seine kleine Kuppe bietet eine prachtvolle Aussicht über den Thuner- und Brienzersee und über das Hochgebirg des Oberlandes, den Jura rc. Ende 1800 fand man noch auf dem Stvckhvrn, nahe an dem kleinen See, römische Bronzemedaillen. Strättlingen, der Ewigkeit trotzendes, altes, festes Schloß, 1 St. von Thun; besteht in einem 150 Fuß hohen Thurm, aus 18 Fuß dicken Mauern und mit starker Ringmauer umgeben; dient seit 1660 als Pulvermagazin. Hier stand im Miltelalter eine Burg, der Stammsitz Rudolphs, der 889 zum neuburgundischen Könige gewählt wurde; unterirdische Gänge. Strudel, der wilde, ein begletschertes Felshorn, 10,300 Fuß hoch, 3 St. im S. von Adelboden, zwischen den K. Bern und Wallis, in welch letztem ein beschwerlicher und oft gefährlicher Fußweg führt. Suleck. Gebirgsstock, rechts am Eingänge des Lauterbrunnenthals; wegen der prächtigen Aussicht berühmt. Aus der Suleckalp sind zwei kleine Seen. Sumiswald, Pfdf., groß, schön gebaut und wohlhabend, auf einer Anhöhe und im Thal der Grüne. Viele Industrie, Handlung (in Eisen, Leinwand). Z/l, St. oberhalb an dem l. ll. der Grüne liegt auf einem Felsen Las Armenhaus, bis 1798 ein landvögtliches Schloß. Wthsh.: Bär, worin sich eine permanente Kunstausstellung hiesiger Fabrikate befindet. Sustenpaß, zwischen dem Gadmer- und Mayenthale, auf einer Höhe von 6,980 Fuß. Als der Simplon durch eine französische Mauth- linie gesperrt war, bedurfte der Kanton Bern eine direkte Verbindung mit dem St. Gotthard und Italien, und verwandelte die ehemalige Saumstraße in Gemeinschaft mit dem Kanton Ury in eine Fahrstraße, welche aber seit Napoleons Sturz und der Oeffnung des Simplon immer verfällt, und worauf Gletscher zerstörend einwirken. 'r-tv-lnues (Dachsfelden), Pfdf., am Fuße des berühmten Felsen- thores klerre-I'crtuis. Die Einwohner dieses Kirchspiels sind die 197 ersten gewesen, welche sich für die Reformation erklärten. Bedeutende Schafmästung. Wthsh.: Krone, zwei Schlüssel. Thalgut, Bad am l. U. der Aar, am Fuße des Belpberges und nahe bei Gerzensee; ziemlich gut eingerichtet, aber wenig besucht, heilsam gegen Gicht und Rheumatismus. Thier achern, schön gelegenes Pfdf., 1 St. von Thun. I764?pnt- deckte man hier fünf althelvetische Gräber. Eine der reichsten Aussichten über die Fläche der Thuner-Allmend, das Becken des Thuner- SeeS und die prachtvolle Einfassung dieses Rundgemäldes zieht viele Besucher an. Thorberg, Schloß und Wirthschaftsgebäude, imKrauchthal; einst fester Sitz eines freiherrlichen Geschlechtes; von 1397 bis zur Reformation Karthäuserkloster, dann bis zur Revolutionszeit Amtswohnung, nachher Gefallverwaltung und Verpflegungs - und Strafanstalt. Thun, Amtsbezirk, von den Flächen des Mittellandes bis an dieBerner- Alpen sich hinziehend, voll der lieblichsten Mannichfaltigkeit, mit vorzüglichem Acker- und einigem sogenannten Weinbau, trefflichen Weiden und Wiesen, daher bedeutende Viehzucht. Im S. thürmen sich die Berge immer mehr gegen die Alpen an. In 8 Kirchgemeinden etwa 22,000 Ew. Thun, freundliche kl. Stadt und Amtssitz, die Pforte zu dem Berner- Oberlande, mit hoch über der Stadt thronendem altem Schloß, einst der Sitz der Grafen von Thun, St. nordwärts von dem Thuner- See und an dessen schiffbarem Ausfluß. Vom Schlosse, der Kirche und den dabeiliegenden Wohnungen der Geistlichkeit genießt der Besucher eine angenehme Fernsicht. Rathhaus, Waisenhaus, gute Schul- und Armenansialten; wohleingerichtetes Gemeinwesen und verhälnißmäßig das größte Gemeingut in der Schweiz; Kleinhandel, Landbau, emsiger Betrieb von Handwerken, einige Manufakturen und auch Großhandel, vorzüglich mit Käsen und Leinwand, sind die wesentlichsten Erwerbszweige. Die eidgenössische Artillerieschule trägt auch etwas zur Belebung deo Stadt bei, in welcher, durch ihre anmuthige Lage und die daselbst seit mehreren Jahren eingerichtete Molkenkuranstalt während der Sommerszeit, eine Menge Fremde angenehm weilen. Die Stadt ist sehr all und hatte schon im Miktelalter manche Rechte und schöne Besitzungcn. Gasthäuser: freie Hof, weißes Kreuz, Falken, Krone, Bär, Ochs und besonders das neuerbaute Hotel o« Kelievu« mit Bädern und Dampfschiff. Die Ercursivnen von hier sind mannichfaltig. Thunersee, ehemals Wendelsee genannt; er ist 5 St. lang, i St. breit und 700 bis 730 Fuß tief, und wird von der Aar und Kander 198 durchströmt. Zu seiner Linken erheben steh ungeheure Felsmassen und zur Rechten blüht der Getreidebau, Waldungen rc.; schöne Dörfer und Schlösser wechseln ab. Er ist reich an allerlei Gattungen Fische. Stürme sind selten, und die Schifffahrt ist nur am südlichen Theile bisweilen gefährlich. Die Dampfschifffahrt belebt diesen See in neuester Zeit sehr. Thunstetten, Pfdf-, 24 St. SW. von Langenthal; Schloß, ehemals Johannitersitz. Thurnen, Kirch-, Pfdf., an der Gürben, in deren Thal sich ein bedeutendes Torfmoor ausdehnt; auf der Straße von Bern nach dem Gurnigel- und Blumensteinbad. Toffen, Dorf, ani Längenberge auf der Straße von Bern in's Gur- nigel, mit schönem Schloß und Gartenanlagen. Tuffsteinbruch. Man fand hier römische und druidische Alterthümer und Spuren eines Heidentempels. Trachsellausnen, Dorf, 2 St. von Lauterbrunnen, mit einem ehemaligen Hüttenwerk, dessen Schachte mit silberhaltigem Bleierze sich im Hauriberge befinden. Trachselwald, Amtsbezirk, gehört zum Emmenthale; Wohlstand und Betriebsamkeit. In 9 Kirchgemeinden mehr als 20,000 Ew. Trachselwald, Pfdf., in lieblichem und mildem Thalgelände. Ein festes (Amts-) Schloß auf freier Höhe. Irsinolan Dessous und Dess„8 (Unter- und Obertra IN 1 ingen), jenes ein Pfdf. an der Trame und IM Tramthale iin Amt 6our- telsi-x; bedeutende Jahrmärkte; Fabrikation von Uhren iinLRoßhaar- spitzen. Tribey, eine Häusergruppe zwischen der Ziehl und Aare, wo man auch das römische Detenisc» vermuthet, weil man noch Ruinen, Gaffen und auf dem Berge die Stelle des Castrums sieht. Von ^,<-„iieun> (Wiflisburg) ging die Römerstraße hierher durch das große Moos und wird noch die hohe Straße genannt; von Dvtenlsea setzte sie sich nach Bürzeln über die Ziehl nach Mett, Dioi-re-Deriuis und Xu^ust» It-luracoruin fort; allem Anschein nach theilte sie sich in Mett nach 8olo,lurum und 'Vinilonissa. Trüb, zerstreutes Pfdf. am Trubberg; reich an Alpen, und sich durch die Reinlichkeit und Eigenthümlichkeit seiner Wohnungen auszeichnend, unfern der Luzernergrenze. Im Hintergrund der aussichtreiche Napf. Don einem 1139 hier gestifteten Benediktinerkloster zum heil. Kreuz findet sich keine Spur mehr. Trümmletenthal, eine schauerliche, 2/2 St. lange, mit Fclsentrüm- mern bedeckte und in das Lauterbrunnenthal ausmündende Schlucht, worin sich der Trümmelbach, der aus den drei Hauptgletschern der Jungfrau und der beiden Eiger entsteht, in donnerndem Sturze ein Felsenbett gegraben. Ein Fw. führt auf einem Stege von Baumstämmen an schroffer Felswand auf die Wengern-Scheidest. Tnrbach-Thal, ein Alpenthal mit einem Schwefelbade, 2 St. von Saanen, 1 St. davon das Tromebad. Twann (vou»ne), Pfdf-, am l. U. des Bielersee. Hübscher Fall des Twannbaches. Weinbau. Schöne Aussicht auf der Twannfluh, wo noch einige Spuren von einer Burg. In der Nähe Liegerz (6st-res>e). Unspunnen, Amt Jnterlaksn; hoher viereckiger alter Thurm mit neuem Anbau, aus dichtem Gebüsch malerisch hervorragend. Bekannt durch schweizerische Schwingfeste. Unterseen, kl. St. von etwa 1,200 Cw. am r. U. der Aar, zwischen dem Brienzer- und Thunersee. Sonderbare Bauart, da außer dem Schlosse, dem auf dem Marktplatze isolirt stehenden Rath - und Gasthause, fast alle Häuser hölzern und von schwarzbräunlichem Ansetzn sind; ergiebiger Aalbockfang; Schneidemühlen und Schachtelfabriken, zierliche Arbeiten in Ahorn; Molkenkuranstalten mit Bädern und Mineralwafferkuren. Sehr schöne Standpunkte und Ercursionen. Vrsunne, 8t. (St. Ursitz), Stadt am r. u. des Doubs, in wildem und hvlzreichem Thal, 3 St. von Pruntrut. Im N. steht auf schroffem Felsen das alte, mit festen Kerkern versehene Schloß und nahe bei den Stadtmauern, am Doubs, ist die Felsenhöhle des heil. Ursici- nius, der das vormalige Chorherrnstift gründete. Beträchtliche Gerbereien und unterhalb die Eisenwerke von Helles rontaines. Ursenbach, Pfdf., bei Langenthal, Gerbereien, Strohflechten, etwas Leinwandfabrikation; guter Landbau. Utzenstorf, Pfdf., unfern dem r. U. der Emme, welche öfters an den guten Aeckern und Wiesen Lurch Ueberschwemmungen Schaden anrichtet, auf der Straße von Solothurn nach Bnrgdvrf. Hier lebte bis 1778 der Naturforscher G. S. Grüner. Vinelz, Pfdf., auf einer Anhöhe am Bielersee, in obstreicher Gegend mit schöner Aussicht, besonders von der Kirche und von dem Pfarrhause aus. ViePies (Wir), Pfdf., am l. li. der Scheuste; starker Getreidebau und Eisengruben. Walkringen, Pfdf., an der Straße von Bern ins Emmenthal, mit einem großen Moose. Bedeutende Leinwandfabrikation und Handel. Mineralwasser. Walperswyl, Pfdf., auf weinreichem Hügel, unfern dem großen Moose. 1824 wurde ein großer Theil durch den Brandstifter Wälti- benz in Asche gelegt, der sich sofort vergiftete. Walters wyl. Pfdf., im Vordergründe des Emmenthals; Landbau, Viehzucht, Lejnwandweberei. Wangen, Amtsbezirk, auf beiden Ufern der Aar; fruchtbares Gelände, gute Weide» und schöne Waldungen; Landbau, Viehzucht, Industrie. In 6 Kirchhören gegen 16,000 Ew. Wangen, kl. Stadt, am r. U. der Aar, mit ungefähr i,5.oy Ew.; Schloß und Zollstätte, Sbital, Amtssitz. Vorzügliche Industrie belebt diese» Ort; Tabakfabriken. Rothfärberei, Anstalt zur Roßhaarzubereitung, Salzhandel, Eisenhandel, Töpferwaarenfabrikation, Bleiche. Wthsh.: Krone, Rößli. Wyl, Schloßwyl, Pfdf. und Schloß mit schöner Aussicht, 3. St, von Bern. Der Schloßthurm scheint römisch zu sein; man fand hier römische Bilder und Münzen. Weißenburg, Dorf, am l. U. der Simmen, im engen Simmenlhal. Reine Luft, daher günstig für Molkenkuren; in der Nähe Las Weißenburger- oder Büntschi-Bad; diese laue, schwefelhaltige Quelle ist schon im Jahr 1604 entdeckt, hieher geleitet und seitdem mit gutem Erfolg gegen Brust- und Lungenkrankheiten benutzt worden. Morgens gegen 7 Uhr und Abends nach 7 Uhr fließt die Quelle einige Momente ungleich wärmer, als während der übrigen Zeit. Eine Stunde von diesem Kurort, welcher häufig besucht wird, ist ein 100 Fuß hoher Fall des Mvrgetenbachs. Nach dem Gurnigelbade führt ein Leiternpfad über die Scheikeck. Wetterhvrn, eine 11,153 Fuß hohe Schneepyramide, auch dieHasli- Jungfrau genannt. In demselben findet sich in einer Felswand ein eisenerzhaltiger, rothfarbiger Gang von 60 Fuß Tiefe. Wichtrach, Nieder- und Ober-, zwei Dörfer, in letzterem die Pfarrkirche, auf der Straße von Bern nach Thun. Im März 1798 wurde hier General von Erlach von den demoralisirten Milizen ermordet. Wiedlisbach, kl. Stadt mit etwa 600 Ew., auf der Straße vonSolo- thurn nach Basel. In der Gegend Granitblöcke, woraus man gute Mühlsteine macht. Wimmis, Pfdf., am Zusammenfluß der Simmen und Kander, in fruchtbarem obstreichem Gelände. Einst ein Städtchen, das von den Bernern 1286 und 1303 zerstört wurde, dessen Umfang noch Pfarr und Kirchhof, Kirche und Schloß andeuten. Im Juni und Juli eine Menge von Apolloschmetterlingen; auf dem Grimmiberg eine eisen hastige Quelle, der rothe Brunnen. Wthsh.: Bär. 20t Word, Pfdf., an der Worblen, auf der Straße vo» Bern insEmmen- thal. Gewerbfleiß und guter Feldbau; Bleiche, Hammerschmiede, mehrere Mühlenwerke; ein altes festes Schloß, römische Spuren. Wthsh.: Löwe. Worden, Ober-und Unter-, Dorf und Bad, St. von Aarberg. Das Mineralwasser ist aus mannichfaltige Art wirksam, besonders gegen Gliederkrankheiten. Bequem und billig; gute Pferdezucht. Wynau, Pfdf., am r. U. der Aar und nahe an der Aargauergränze; bei niederm Wafferstande der Aar zeigt sich Steinöl. Guter Feldbau, eine bedeutende Gerberei und Baumwollenfabrikation. Wynigen, Pfdf., auf der Straße von Burgdvrf nach Langenthal. Ackerbau, Hanf und Flachs. In der Nähe der Hof Heidenstatt, bei welchem zuweilen römische Alterthümer gefunden werden. Zieh! (Dl-ielle), entströmt dem Neuenburgersee, fließt nördlich zwischen Erlach und Landeron in den Bielersee, den sie bei Nidau verläßt, und sich nach manchen Krümmungen bei Mayenried mit der Aar vereinigt, von welcher sie jedoch oft zurückgedrängt wird und bedeutende Ueberschwemmungen veranlaßt. Sie ist durchgängig schiffbar. Zinkenstvck, ein Gebirgsstock von 8,310 Fuß, zwischen dem Ober- und Unteraargletscher. Im Fahr 1720 entdeckte man an demselben IN einer Höhe von 7,180 Fuß das größte und reichste Kristallgewölbe mit Kristallen bis zu 8 Ztr. schwer; einer der größten davon findet sich im Museum zu Paris. Zweilütschinen, kl. Dorf im Amt Znterlaken. Vereinigungspunkt der weißen und schwarzen Lütschine. Zweisimmen, Pfdf., am Zusammenfluß der kleinen und großen Sim- men, in reizender Lage, wegen seiner äußerst gesunden Luft für die hier vortrefflichen Molkenkuren ganz geeignet. Spital; Todtenhalle; stark besuchte Jahrmärkte. Wthsh.: Löwe, Bär. Zwingen, Don im Amt Delsberg, am Zusammenfluß der Lüsel und Birs. Nahe ein Schloß in gothischer Bauart, ehemals ganz von der Bits umfloffen, mit herrlicher Aussicht. 202 Kanton Luzern. (^i» Staat mit repräsentativer Verfassung, eine der vier Waldstätte, und in der Rangordnung der dritte der Vororte (auch der katholische Vorort genannt) der schweizerischen Eidgenossenschaft, der er sich im Jahr 1332 anschloß. Derselbe liegt beinahe in der Mitte der Schweiz und auf ihrer Hochebene, zwischen 46° 48' bis 47» 16' 30" nördl. Breite und 50 zg- bjz M. Länge; seine größte Breite zwischen Dessen und Napf beträgt 8 St. 20 M. und seine größte Länge vom Brienzer- Grat bis an die Aargauergränze von Zofingen 10 St. 48 M. Im N- wird er begränzt vom Aargau, im W. von Bern, im G- von Bern und Unterwalden und im O. von Schwyz, Zug und Aargau. Nach trigonometrischer Vermessung umfaßt er 27 ÜIM. Laut der im Jahr 1837 vorgenommenen Zählung beträgt die Bevölkerung 124,521 Seelen, es kommen somit auf 1 HjM. beinahe 4,612 Seelen. Das Klima weicht von dem der K. Zürich und Bern wenig ab, indessen ist die Gegend von Wäggis ungewöhnlich mild. Die natürliche Beschaffenheit der Oberfläche zeigt in dem größten Theile eine sanfte Hügelreihe, zwischen der sich fruchtbare und gutangebaute Thäler befinden, meistens von SO. nach NW. laufend, mit Ausnahme des Rotherbergs, der von SW. nach NO. zieht. Einzig die Gebirge des Entle- buchs, der Pilatus und der Rigi gehören zu den Mittelgebirgen. Der Kanton Luzern hat mehrere Seen, Flüsse und Bäche, die ihn in allen Richtungen bewässern, und nicht allein zur Fruchtbarkeit des Bodens , sondern auch zur Annehmlichkeit des Landes beitragen. Es befindet sich ein großer Theil des Merwaldstättersee's in dem Kanton, ganz der Sempacher- und Baldegger- und ein Theil des Hallwylersee's; außerdem der kleine Rvthsee, der Soppen- und der Durtensee, der Mauen- und der Egoldswyler- so wie der kleine Pilatussee. Es wird derselben in alphabetischer Ordnung noch weitere Erwähnung geschehen. An Flüssen bemerkt man hauptsächlich die Reuß, die kleine oder Wald- Emmen, die Entlen, die Wigger, die Roth, die Suren, die Aa rc., auch sie werden noch näher bezeichnet werden. Der Boden ist dem Ackerbau und der Viehzucht sehr günstig; an Getreide wird nicht nur das Bedürfniß des Kantons erzeugt, sondern auch noch für die Ausfuhr gewonnen. Der Betrieb der Landwirthschaft zeugt von Einsicht und Thätigkeit; Obst - und Gartenbau sind einträglich; 2U3 Wein wird dagegen nur etwas Weniges im Amte Hvchdorf gepflanzt. Die Alpenwirthschaft wird vorzüglich in dem Entlebuch und an dem nördl. Abhänge des Pilatus betrieben und von vortrefflichen Wiesen unterstützt. Der Kanton hat Holz im Ueberfluffe, nur findet es sich häufig an unzugänglichen Orten. Bei Luzern befinden sich ergiebige Sandsteinbrüche; die Lulhern und die kleine Emme führen Gold, auch hat es an Mineralquellen keinen Mangel. Das Thierreich bietet keinen wesentlichen Unterschied mit dem Kanton Bern dar; Gemsen und Auer- hahnen findet man an dem Pilatus; das Rindvieh vom Entlebuch ähnelt dem Schwyzer, ist aber kleiner und nicht so schön, von schwärzlichbrauner Farbe, mit weißgrauem Striche über dem Rücken, weiß an Ohren, Rase und innern Schenkeln, eine Zeichnung, welche im Lombardischen so sehr beliebt ist, daß man dort 2 bis 2!^ Louisd'or mehr für ein solches Stück zahlt, als für ein anderes von gleicher Güte, aber anderer Farbe. Industrie und Handel find im Ganzen von keiner großen Bedeutung, wenn schon die Lage der Hauptstadt am See und der damit verbundenen Gotthardstraße den Transit begünstigt. Ein neuerbautes Dampfschiff dürfte indessen denselben noch mehr beleben, und wenn das Projekt einer Eisenbahn, mit dem man sich gegenwärtig trägt, einst zur Ausführung kommen sollte, so ist allerdings zu hoffen, daß dann diese direkte Verbindungslinie Deutschlands mit Italien den Verkehr sehr heben würde. Zm Entlebuch wird viel Flachs erzeugt und verarbeitet, ebenso auch in den an Bern und Aargau «»gränzenden Orten, wo auch Baumwvllenarbeiten verfertigt werden. Die meiste Industrie herrscht in Luzern; in Kriens befinden sich Pulvermühlen und ein vortreffliches Eisenhüttenwerk. Der Handel besteht, wie schon gesagt, meistens im Transit; dieAusfuhr n Getreide, Obst, Vieh, Käse, Holz, Häuten, Baumwollen- und Leirenwaaren; die Einfuhr in Kolonialwaaren: Tabak, Weinen, roher Baumwolle, wollenen, baumwollenen und seidenen Waaren, Eisen rnd Salz. Eintheilung und Verfassung. Der Kanton besteht aus fünf Aemtern: Luzern, Entlebuch, Willisau, Sursee und» Hochdorf, die in 18 Gerichtsbezirke, 25 Wahlkreise und 106 politische Gemeinden eingetheilt sind. — Allgemeine Grundsätze der Verfassung vom 5. Jan. 183t sind: die katholische Religion ist die Religion des Kantons; das Volk ist souverän und wird durch einen Großen Rath wertreten; es gibt weder Vorrechte des Orts, der Person noch der Gelur-t, denn alle Bürger sind an politischen Rech- 204 ten vor dem Gesetze gleich; Niemand kann gerichtlich verfolgt oder ver- haftet werden, als in den vom Gesetze vorgesehenen Fällen und bestimmten Formen, auch darf Niemand seinem ordentlichen Richter ent zogen werden; garantirt sind: die Freiheit der Presse und Meinungen, das Petitionsrecht, (den Mißbrauch dieser Freiheit bestraft das Gesetz), die fortdauernde Loskäuflichkeit der Zehnten und Grundzinse (der Boden soll mit keiner unablösbaren Last belegt sein noch werden, alle persönlichen und dinglichen Leistungen bleiben abgeschafft), die Unverletzlich- keit des Eigenthums oder die gerechte Entschädigung für die dem öffentlichen Interesse gebrachten Opfer; das Gesetz trägt Sorge für den öffentlichen Unterricht; kein Amt wird auf Lebenszeit ertheilt, (kein Beamter darf ohne Grund vor Ablauf der Amtsdauer entlassen werden, wegen Verbrechen erfolgt die Entsetzung durch richterliches Urtheil und wegen erwiesener Untauglichkeit erfolgt die Entlassung Nachuntersuchung und Regierungsbeschluß); jeder Bürger, selbst die andern Schweizer sind militärpflichtig; Militärkapitulationen mit dem Auslande sind abgeschafft; keine Magistratsperson darf vom Auslande bürgerliche oder Militärstellen, Titel, Orden oder Pensionen annehmen, oder sie verzichtet auf ihre Stelle ; wer letztere Begünstigungen genießt, muß bei Annahme eines Amtes im Kanton darauf verzichten: jeder Kantonsbürger kann das Bürgerrecht jeder andern Gemeinde nach gesetzlichen Bestimmungen an sich bringen. (Durch die Verfassung ist die Revision sämmtlicher Gesetze vorgeschrieben, und in dieser Beziehung zeigte der Große Rath seit 183t eine außerordentliche Thätigkeit, indem die theils neuerlaffenen Gesetze bereits 4 starke Bände füllen. Zu den wichtigsten revidirten Gesetzen gehören das Civilgesetzbuch (noch nicht ganz vollendet), das Polizei- und Kriminal-Strafgesetzbuch. Zn letzterm wurde zwar die Todesstrafe beibehalten, aber nur auf vorbedachten Mord, Hochverrath und Brandstiftung, wenn ein Mensch dabei sein Leben verliert, beschränkt^. — Die souveräne Gewalt übt der Große Rath von 100 Mitgliedern aus, der die höchste vollziehende Gewalt einem Kleinen Rath von lä und die höchste richterliche Gewalt einem Appellationsgericht von 13 Mitgliedern überträgt; beide Gewalten dürfen nie vereinigt und ihre Gränzen müssen- genau bezeichnet sein, so auch die Verantwortlichkeit der Beamte»; bei Konflikten zwischen beiden entscheidet der Große Rath. Dieser erläßt und erläutert Gesetze und Verordnungen, bestimmt jährlich das Büdget und bewilligt die Abgaben, welche für die Bedürfnisse des Staates erforderlich sind; er untersucht die Staatsrechnungen und sorgt für ihre Bekanntmachung; ohne seine Bewilligung darf kein Anlehn. gemacht, keine Bürgschaft übernommen kein Geld im Auslande angelegt werden, noch An- und Verkauf von Staats - oder kirchlichen und geistlichen Gütern stattfinden; er verlangt Rechenschaft über Vollziehung der Gesetze und der von ihm ausgehenden Beschlüsse, so wie über alle Zweige der Staatsverwaltung; er ernennt die Gesandten zu den ordentlichen und außerordentlichen Tag- satzungen und ertheilt ihnen die Instruktionen; er schließt mit andern Staaten und Kantonen Verträge, wenn sie nicht gegen Las Grundgesetz des Kantons und die Bundesverfassung streiten; er übt das Begnadigungsrecht und alle andern Akte des Souveräns. Der Große Rath wird durch seines seiner Mitglieder präfidirt, hält seine Sitzungen in der Regel öffentlich und versammelt sich ordentlicherweise dreimal des Jahres, außerordentlich auf das Begehren des Kleinen Raths, auf Verlangen des Präsidenten deS Großen Raths, so oft entweder für die innere Ruhe oder Erfüllung der Bnndespflichten Truppen aufgeboten werden, und auf das gemeinsame Verlangen von 12 seiner Mitglieder bei wichtigen Angelegenheiten, welche vvm Kleinen an den Großen Rath gelangen. — Der Kleine Rath, der ausschließlich aus dem Großen Rath erwählt wird, unter dem Vorsitze eines seiner Mitglieder — Schultheiß, dessen Amtsdauer ein Jahr, nach dessen Abfluß er zwei Jahre nicht mehr wählbar ist — ist die Vollziehungsbehörde und erläßt die deshalb nöthigen Beschlüsse; er leitet und beaufsichtigt die untern Behörden; legt jährlich oder so oft der Große Rath es verlangt, Rechenschaft über die Verwaltung ab und 'ist dafür so verantwortlich, daß er abberufen werden kann; er schlägt aus freiem Antrieb oder aus Auftrag dem Großen Rath Gesetze ?c. vor, welche von diesem mit oder ohne Abänderungen angenommen oder verworfen werden, wobei der Auftrag einer Kommission übergeben wird, wenn der Kleine Rath zögert; in Abwesenheit des Schultheißen präfidirt der Statthalter, dem das Staatssiegel anvertraut ist; kein Mitglied des Kleinen Rathes kann Mitglied einer andern untergeordneten Behörde sein, wenn solches nicht ausdrücklich vomGesetze bezeichnet ist.— Das Appellationsgericht, das aus allen wahlfähigen Bürgern des Kantons berufen wird, beurtheilt in höchster Instanz alle bürgerlichen, polizeilichen und kriminellen Rechtsfälle; es beaufsichtigt die untern Gerichte; ist für Rechtsverzögerungen und Verweigerungen dem Großen Rathe verantwortlich und kann deßhalb von diesem abberufen werden. Es wird präfidirt durch eines seiner Mitglieder und sind ihm 8 Suppleanten beigeordnet, theils zur Ergänzung von zufälligem Abgang an Richtern, theils um bei To- Lesurtheilen die Zahl der Richter, mit Ausschluß des Präsidenten, auf 18 zu bringen (Hiebei ergänzt sich das Gericht durch das Loos um 6 Suppleanten); sollte bei außerordentlichen Fällen der Zuzug von sämmtlichen Suppleanten nicht genügen, um das Malefizgericht auf die vorgeschriebene Anzahl von 18 Richtern zu bringen, so ist der Defekt durch das Loos aus dem Großen Rath zu ergänzen. Ueber seine Verrichtungen rapportirt es dem Kleinen Rathe. Stimm- und Wahlfähigkeit. Jeder Bürger übt in der Regel sein politisches Bürgerrecht in dem Wahlkreise, in welchem er wohnt, oder in seiner Heimath aus, was er der Behörde 8 Tage vor der Wahlversammlung wissen lassen muß; alle Wahlen geschehen durch das geheime absolute Stimmenmehr. Um stimmfähig zu sein, muß man katholisch, Kantonsbürger weltlichen Standes und 20 Jahre alt sein, ein Eigenthum von 400 Franken versteuern und nicht in Kost oder Lohn stehen, wenn man nicht dieses Vermögen versteuert; außerdem habe» das Stimmrecht: der älteste Sohn, wen» der Vater 800 Franken, der zweite Sohn, wenn der Vater 1200 Franken u. s. w. versteuert und die Söhne mit ihm eine Haushallung bilden; Milizpflichtige, so lange sie im ersten und zweiten Auszug des BundeskvntingentS effektiv eingereiht sind; alle Milizxflichtigen, welche einen Feldzug für sich im Dienste des Vaterlands mitgemacht haben. Ausgeschlossen von der Stimmfähig- keit sind: gesetzlich Bevogtete. Blödsinnige und Arme, welche Unterstützungen empfangen oder diese früher genossen, nicht resiituirt haben; Personen, auf welchen entehrende Strafen lasten oder denen die bürgerlichen Rechte für immer oder einstweilen entzogen sind; Falliten und solche, welche zum Nachtheil ihrer Gläubiger accordirt haben, (Ausnahme , wenn sie später ihre Gläubiger völlig befriedigen). Um Mitglied des Großen Raths zu werden, muß man 25 Jahre alt sein und wenigstens 2000 Franken versteuern; dieß gilt auch für den Kleinen Rath und das Appellationsgericht, und dürfen darin nicht gleichzeitig sitzen: Vater, Sohn und Bruder, Schwiegervater und Schwiegersohn, leibliche Schwager, so lange die Ursache der Schwägerschaft vorhanden ist. In den Aemtern sind die Amtmänner die Stellvertreter der Regierung. Der Große Rath wird gebildet durch Erwählung von 80 Mitgliedern in den 25 Wahlkreisen; diese erwählen dann noch 20 andere, nämlich 6 aus den Gemeindangehörigen der Hauptstadt und 1 aus den Kantonsbürgern daselbst, 7 von der Landschaft und 6 aus allen Kan- tonsbürgern. Alle 2 Jahre am ersten Sonntag im Mai tritt des Großen Raths aus, die austretenden Mitglieder sind wieder wählbar; um diese Zeit geschehen auch die Ergänzungen durch die Wahlkreise und eine Woche später durch den Großen Rath. Jedes Mitglied des Großen Ratbs hat das Interesse des Gesammtwohles nach Wissen und Gewissen zu vertreten und darf daher von seinen Wählern keine Instruktionen annehmen. Der Präsident hat eine Amtsdauer von einer ordentlichen Sitzung zur andern, und darf nickt in zwei ordentlichen Sitzungen nach einander diese Stelle bekleiden. Der Große Rath erwählt aus seiner Mitte den Kleinen Rath und das Appellakionsgericht; die Mitglieder beider Gewalten behalten Sitz und Stimme im Großen Ratb, ohne aber darin irgend ein Vorrecht oder eine Auszeichnung zu genießen. Der Kleine Rath verläßt die Sitzungen, in welchen über seine Verwaltung berathschlagt wird; alle 2 Jahre im Mai tritt i/g beider Gewalten aus, die Austretcnden sind aber wieder wählbar. Schultheiß und Statthalter treten je mit dem neuen Jahr ihr Amt an. Der Große Rath erwählt aus der Mitte des Apxellativnsgerichts dessen Präsidenten; in dem Zeitpunkte, wo derselbe als Mitglied des AppeUationsgerichts im Austritt sich befindet, wird nach stattgehabter Ergänzung desWerichts- hofes zur neuen Wghl des Präsidenten geschritten; der Abgetretene, Falls er wieder als Mitglied des Gerichts erwählt würde, ist auch wieder als Präsident wählbar. Alle untergeordneten civilrichkerlichen und administrativen Ortsbehörden werden vom Volke gewählt. Abänderung der Verfassung: diese kann erst nach tO Jahren (im Jahr 1841) vorgenommen werden. Findet nach dieser Zeit der Große Rath Abänderungen nöthig, so muß er dem Volke das Begehren einer solchen Revision vorlegen; stimmt die absolute Mehrheit der Aktivbürger dem Beschlusse bei, so beruft der Große Rath einen Verfassungsrath von 160 durch das Volk gewählten Mitgliedern, der dann die gewünschten Veränderungen vornimmt und das Resultat seiner Berathung dem Volke zur Annahme oder Verwerfung vorlegt. Aber auch auf das Verlangen von üvo Aktivbürgern aus wenigstens der Hälfte der Wahlkreise kann nach 10 Jahren eine Verfassungsveränderung vorgenommen werden. Kirchenwesen. Die beiden Collegiatsiifte sind durch ein mit dem Bischof Dalberg von Konstanz 1806 abgeschlossenes Konkordat zu Ruhepfründen bestimmt; das von Münster für alte Seelsorger, das von Luzern für die geistlichen Professoren. Frausnklvster gibt es im Ganzen nur drei. Die Cisierzienserinnen zu Eschenbach und Rathhausen und die Kapuzinerinnen vom Orden des heil. Franziskus zu Luzern. Die Ursu- linerinnen sind aufgehoben. Das ganze Kirchenwesen sollte einen höher» Schwung erhalten Lurch die Badener- und Luzerner-Konferenzartikel von 1834, eine Uebereinkunft in kirchlichen Dingen, die zwischen meh- rern Kantonen der Schweiz in Baden und Luzern geschloffen wurde. Der in derselben angegebene Zweck ist: -Die Rechte und Freiheiten der „ Eidgenossen in kirchlichen Dingen wieder aus dem Schntte zu erheben» „die kirchlichen Rechte der untern Geistlichen und des Landesbischofs „gegen die Eingriffe einer fremden Macht (des römischen Hofes) zu „sichern, das Gebiet kirchlicher und weltlicher Gewalt abzugränzen !c.„ Es wurden in Folge dieser Beschlüsse mehrere Verordnungen über das Plazet, gemischte Ehen rc. erlassen, allein die Einführung des Ganzen stieß nicht allein in diesem Kanton, sondern auch in andern und namentlich in dem K. Bern auf religiöse und politische Anstünde, so daß namentlich im letztgenannten Kanton angewandte Waffengewalt selbst seine Ausführung nicht herbeiführen konnte. In Luzern veranlaßten jene Beschlüsse 1835 die Verlegung der Residenz der päpstlichen Nuntiatur von Luzern nach Schwyz. Das Erziehungswesen im Kanton Luzern erhielt durch die Thätigkeit des 1834 verstorbenen Schultheißen E. Pfyffer einen bedeutenden Aufschwung. Mit beharrlichem Muthe überwand er die sich ihm entgegenstellenden Hindernisse und bezweckte ein ausführliches Schulgesetz, das 1830 erschien. Durch ein späteres Gesetz von 1833 wurden Wie- Lerhvlnngs- und Fortbildungskurse an Sonn - und Feiertagen angeordnet, zu denen alle aus den Primärschulen austretenden Kantonsbürger bis zu ihrer Militärpflichtigkeit angehalten werden. Der höhern Cen- trallehranstalt, aus einem Gymnasium und Lyzäum bestehend, steht eine Reorganisation bevor. Finanzen. Die Einnahmen, hauptsächlich von Gränz-und Transitzöllen, Salzregie, Ohmgeld, Stempelgebühr, Postregal, Domänen, Jagd-, Handlungs- und Wirthschaftspatenten, Feuerstätten, Erb-, Hochzeits- und Tapgebühren rc. belaufen sich gewöhnlich auf220,000 Fr., wozu noch die jährlichen Steuerbeiträge der im Kanton befindlichen Klöster und geistlichen Stiftungen mit 19,425 Fr. kommen. Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen nur dann, wenn die Ehre des Vororts auf dem Kanton Luzern lastet. Ortsbeschreibung. Aa, Bach, entfließt dem Baldeckersee und vereinigt sich an der Aar- gauergränze mit dem Hailwylersee. Adligenswyl, Pfdf., nordöstlich von Luzern, i,798 Fuß am Abhänge des Rothenberges gelegen; die Kirche steht auf dem ehemaligen Wohnsitze der Herren von Adligenswyl. Aesch, Pfdf., am obern Ende des Hallwylersee, in fruchtbarem Gelände; beträchtlicher Landbau, Viehzucht und Fischerei. 20r> Altbüren, Dorf, 3 St. von Willisau, am r. U. der Roth; gute Viehzucht und starker Ackerbau; die Burgen Altbüren und Balm (vielleicht Steinberg?) wurden 13W in der Blutrache der Königin Agnes gebrochen. Unfern einige Felswohnungen. Altishofen, Pfdf., an dem l. U. der Wigger,) in fruchtbarer und freundlicher Lage; auf einer Anhöhe liegt ein Schloß. Ehemals machte sich die hiesige Jugend durch Fastnachtspiele und Maskeraden berühmt. Maler Hunkeler wurde hier geboren. Altstad (alteGestad), kleine Insel im Luzernersee, in der Nähe des Meggenhorns; Ruinen einer ehemaligen Waarenniederlage. Augstholzbad, ^St. von Luzern, 2,160 Fuß hoch, auf einer Anhöhe reizend gelegen; mildes Klima, gute Einrichtung. Baldeck, Dorf und Schloß, 2/2 St. von Luzern, am See gl. N.; der alte Thurm heißt Hüneck und war früher eine eigene Burg; er ist ein Belvedere. Baldegger-, oder Heidegger-, oder Reichensee, 1/4 St. lang. St. breit, 1,400 Fuß hoch, von Hügeln umgeben, die sich nicht über 1000 Fuß über den Wasserspiegel erheben. Ballweil, Pfdf., 2f^ St. von Luzern, auf der Straße nach Hochdorf und Lenzburg; guter Ackerbau. Auf einem Hügel steht ein Bauernhaus an der Stelle der alten Burg. Brameck, ein alpenreiches Gelände zwischen dem Entlibucherthal und dem Rümligberg, mit der Larübsrführenden neuen Straße von Luzern nach Bern. Auf der Höhe ein Wthsh. mit reicher und schöner Aussicht; am Fuß das Bad Farnbühl. Buchholz, Dorf und zwei Landsitze, fruchtbare Gegend mit einem kleinen See, südl. von Sursee. Buchrein (Buori), Pfdf., in angenehmer Lage, St. von Luzern, auf einem fruchtbaren, gegen die Reuß ablausenden Hügel. Da, wo die Edeln von Buchrein gewohnt, fand man 1682 alte Silberpfennige. Büren, Pfdf., 1 St. von Sursee, schon auf dem Abhänge eines obst-, getreide- und wiesenreichen Bergrückens gelegen, am ebenen Thalgrunde der Suhr; hinter dem aussichkreichen Pfarrhof sieht man noch Reste des Edelsitzes der Ritter von Aarburg. Buttishvlz, Pfdf., Landsitz; eine hügelige aber fruchtbare Gegend; in der Nähe liegt der Engländerhügel, mit den Gebeinen der bei Obergattwyl 1376 von den Entlebuchern geschlagenen Horden des Grafen Jngelram von Coucy. Ca fielen, Dorf und Burgruine auf einem Hügel, in der Nähe von Willisau. 14 Catharina, St., Kapelle am l. U. der Reuß unfern Luzern, wo bis zur Blutrache 1309 die Stadt und Frauenabtei Eschenbach gestanden habe» soll; letztere wurde später zu Obcreschenbach wieder erbaut. Clusstalden, Flühli, zerstreute Pfarrgemeinde im obern Entlebuch an der kleinen Cmmen, am Fuße jäher, alpenreicher Berge und in Schluchten. Flühli heißt der Theil, worin Kirche, Pfarr-und Wirthshaus liegen. Dagmersellen, Pfds., aus der Straße von Luzern nach Zofingen, im Wiggerlhale. Starker Getreidebau und beträchtliche Viehzucht. Geburtsort des Bildhauers Kaiser. Dietschenberg, schön gelegener Landsitz auf aussichtsreicher Anhöhe, i St. von Luzern. Burgruine Homburg. Dopplischwand, Psds., nahe an der Mündung der Fontänen in die kleine Emmen, von Obstbäumen umgeben, auf einem Bergrücken, der in unmuthigem Wechsel mit Wiesen, Aeckern, Tannengehölz und Wohnungen gegen die Emmen abdacht; darüber die Ruinen von Kapfenberg, muthmaßlich der Stammsitz der Edeln von Lütishosen. Dorenberg, Burgtrümmer bei Littau, 1385 von den Luzernern zerstört; nahe daran eine schöne, mit Gemälden von C. Maratti gezierte Kapelle, bei welcher man 1578 einen Topf mit 1,100 silbernen Brakteaten fand. Durtensee, der, 2,410 F. hoch gelegener kleiner See, der sich in die Roth ergießt. Ebikon, Pfds., i St. von Luzern, auf der Straße nach Zürich, in einem kleinen, anmulhigen, vom Rohnbach bewässerten Thale, mit hübschen Waldungen, Obsibäumen, Wiesen und Aecker n an den sanftansteigenden Halden. Geburtsort des 1786 in Rom ermordeten Medailleurs Schwendimann. Egvldswyl, Dorf, mit einem kl. See gl. N., im Amte Willisau. Eich, Pfds., in fruchtbarer Gegend, am r. U. des Sempachersees. Die Kirche liegt malerisch auf einem Hügel über dem Dorfe; keine Spur von Burgruinen mehr. Eigenthal, ein aus ungefähr 3V Alpen bestehendes Thalgelände an dem Pilatus unter der Bründlisalp, 3 St. von Luzern, auf dem Wege nach dem Pilatus. Vortreffliche, vorzüglich zu Alpenkuren geeignete Luft. Emmen, Pfdf., i St. von Luzern, am l. U. der Reich, unweit der Emmenbrücke, in gut angebautem, übrigens manchmal Ueberschwem- mungen ausgesetztem Lande. Goldwäschereien. Die bedeckte Brücke, auf der Straße von Luzern nach Basel, ist 485 Fuß lang und 20 Fuß breit; dabei befindet sich ein Zoll- und Wlhsh.: der Emmenbaum. 21 ! Emmen, kleine, oder Waldemmen, entsxringNheils aus zwei Quellen zwischen Neffelstock und Tristenberg, welche den Cmmensprung bilden, theils aus mehreren Bächen im Hintergründe des Entlebuchs; sie fließt durch ein schluchtenartiges Thal, macht oberhalb Flühli einen Fall, nimmt mehrere andere Gewässer, u.A. die große Entlen, auf und fällt unfern Wollhausen in die Reuß. Entlebuch, Amt, an der südwestl. Gränze des Kantons, längs der kleinen Emmen in einem sanften Bogen gelegen, zwischen LerPilatuS- kette und dem rom Brienzergrat kommenden Gebirgszugs hinziehend; es ist 9 )^ St. lang, 3sfi St- breit und hat mehrere Seitenthäler. Die Berge gehören zu den Mittelalpen, und sind von kleinen Alp- bächen, Klüften und Schlüinden mehr oder weniger wild durchschnitten; die steilsten Abhänge sind mit Wohnungen und Hütten, üppigen Matte» und hin und wieder mit Tannenwäldern bedeckt. Viehzucht und Handel mit ihren Erzeugnissen sind die Haupterwerbsquelle; Flachsund zuweilen Baumwollenspinnen; Ackerbau nur so viel, als man dem WieswachS zuträglich hält. Die Bewohner sind ein kräftiger, fröhlicher, freiheitsliebender Menschenschlag ; sie zeichnen sich durch Anhänglichkeit an Heimath und Vaterland, Geselligkeit, Witz, wovon ihre Stegreif- oder Dorfdichter am ersten Montag in der Fasten Beispiele geben, und durch ihre gymnastischen Uebungen aus, Eigenthümlichkeiten, worin ihnen unter den Alpenbewohnern vielleicht nur der Appenzeller gleichsteht. Ihr erallirter Freiheitssinn verleitete sie oft zu Ausständen (1414, 1434, 1511, 1513, 1555, 1570, IK3I und insbesondere 1652 und 1653). In 3 Bezirksgerichlskreisen i Entlebuch, Escholzmatt und Schüpfheim, in 9 KirchgemeinLen,»einheilt, leben 18,065 Einwohner. Entlebuch, Pfdf., unterhalb der Mündung der großen Entlen in die kleine Emmen, 5/2 St. von Luzern; Jahrmarkt. Entlen, die große, entsteht aus 3 Bächen aus der Pilatuskette, nimmt die kleine Entlen auf, wühlt durch entsetzliche Schlünde und ist in ihrem Laufe oft sehr verheerend, oberhalb dem Dorfe Entlebuch fällt ste in die kleine Emme. Eschenbach, Ober-, Pfdf., am Bache gl.N., 2St. von Luzern, in fruchtbarer und gut angebauter Gegend; Stammhaus der Freiherren gl.N. (Ulrich und Wolfram waren Minnesänger im löten Jahrh, und Weither Theilnehmer an der Ermordung Königs Albrecht I. von Oesterreich 1308)» Neben der Kirche steht ein Frauen-Cisterzienserkloster. Escholzmatt, zerstreutes Pfdf. auf der Straße von Luzern nach Bern, an der Weißemmen und ani Fuße des rauhen Schwendelberges, auf dessen Gipfel eine Wallfahrtskirche steht. Bedeutende Viehmärkte. 212 Ettiswyl, Pfdf., i St. von Willisau, an der Roth, in fruchtbarer und schön angebauter Gegend; Burgtrümmer. Nahe dabei Weiherhaus, ehemals Schloß von einem Teiche umgeben. Farnbühlbad, auf einer aussichtsreichen Höhe des Brameck, 3/2 St. von Luzern; ziemlich bequem eingerichtet und billig; das Wasser enthält Schwefel, Eisen und Magnesia und ist wirksam bei Hautaus- fchlägen,'Gliedersucht und Lähmungen. Fitznau, Pfdf., am Vierwaldstättersee, 2l4 St. von Luzern und am Fuße des Fitznauerstocks; Alpenwirthschaft, Bierbrauerei. Bad. In der Nähe ist die Grotte Waldisbalm, 170 Klafter lang in den Felsen sich erstreckend, mit Tropfsteinsäulen; ein Bach zerstäubt über dem Eingänge. Geiß, Pfdf., 2St. von Sursee, von Hügeln umgeben, mehr Wiesen- als Ackerbau. In der Nähe der kleine Soppensee. Gislikon, Dorf, Zollstätte und Wthsh., am rechten Ufer der Neust und auf der gr. Str. von Luzern nach Zürich. Götzenthal, Landsitz nahe bei Luzern, in dessen Umgebung sich Spuren von Steinkohlen finden. Grcppen, Pfdf., am Luzernersee und dem sanft ansteigenden Fuße des Nigi, zwischen Wäldchen und Obstbäumen. Bad. Groß-Dietwyl, Pfdf., auf der Straße von Luzern nach Bern über Langenthal, an dem Rothbach, in fruchtbarem Thale; Ackerbau, Viehzucht, Hans- und Flachsbau, Leinwandweberei, Schweinhandel. Grünenberg, Burgruinen auf einem Weinhügel an dem Heideckersee, in der Nähe der zerstörten Feste Reichensee. Gundoldingen, Dorf am Moose gl.N., 2/2 St. von Luzern; Burgruine; von hier war der tapfere, bei Sempach gefallene Luzerner Schultheiß Petermann und der bekannte R u d. Ambu el (Lolliini») gebürtig. Habsburg, Neu-, 1352 von den Eidgenossen zerstörte Burg auf der Ramenfluh, nahe am Luzernersee; noch steht der Thurm. Hallwylersee; von diesem sehr fischreichen, größtenteils im K. Aargau gelegenen See, gehört das südl. Ende zu dem K. Luzern. Hasle, Pfdf., an der kleinen Emmen, 1 St. von Schüpfheim; hier erweitert sich der Thalgrund. Hei deck, Schloß am r. U. des Heideckersee's, angenehm auf einem Weinhügel gelegen. Heiligkreuz, Dorf, Wirthshaus und Wallfahrtskirche, 1 St. von Schüpfheim. Hergiswyl, Pfdf., 2 St. von Wiilisau; wenig Ackerbau, aber starke Viehzucht. 215 Herrgottswald, Wallfahrtsort, i»/g St. von Luzern; schöne Aussicht vom nahen Wirthshause. Hertenstein, Trümmer einer alten Burg, am Fuße des Rigi, am Dierwaldstättersee, westl. von Weggis; von hier stammte der Staatsmann und Luzerner Heerführer C. von Hertenstein. Höldisrieden, Psdf., nahe bei Sempach, auf einem Hügel von Wiesen, Aeckern und Wäldern umgeben, unfern der Quellen der Wynen. Einst ein berühmter Wallfahrtsort auf der Straße von Luzern nach Münster. Himmelreich, hübsches.Landgut auf der Straße von Luzern nach Winkel, mit einem 105 Fuß hohen Observatorium und schöner Aussicht und Umgebung. Hitzkirch, Pfdf., reizendes Thalgelände am untern End» des Baldecker- sees; Obst- und Weinbau. Hatte einst eine Deutschvrdenscommende. Hochdorf, AM, fruchtbar an Getreide und Obst; hat etwas Wein, schöne Wiesen und starke Viehzucht. Fleißiger Anbau; enthält die Bezirksgerichtskreise Hochdorf, Hitzkirch und Rothenburg mit 16,701 Ew. Hochdorf (Hvfderen), Pfdf., 2 St. von Luzern, in reizendem und fruchtbarem Gelände, unfern des Baldeckersee's. Sehr alt; Handel mit feinen Strohhüten von Wohlenergeflecht. 1507 fand man bei der Burgruine Liest röm. Münzen, meist von Silber, in einem kupfernen Gesäffe. Aufenthaltsort des Vvlksdichters Pfarrer B. Häfliger. Hochenrein (Honry), Pfdf., in freundlicher Lage, 3 St. von Luzern, guter Acker- und Weinbau; auf einem Weinhügel liegt das alte Schloß, ehemalige Johannitercommende, mit schöner Aussicht. Unfern das Augsthvlzbad. Korb (Horw), Pfdf., i St. von Luzern, am Abhänge des Bireck- waldes und in einem Wiesenthale; Papierfabrik, Steinbrüche an der nahen Bucht des Luzernersees. Jbenmoos, Bad, St. von Luzern, am Fuße des Lindenberges, in einem reizenden Thale. Gut und bequem eingerichtet, billig und stark besucht. Das Wasser, welches dem zu Pfäffers ähnlich sein soll, enthält kohlensauere Talk- und Thonerde, und wird innerlich und äußerlich gebraucht. Znnwyl (Jbel), Pfvf., unweit der Reuß, in einem wiesen-, holz- und ackerreichen Gelände. Kaltbad, Wthsh. und Bad auf dem Fw. von Weggis zum Rigrkulm, i St. von demselben, eben so weit vom Hospiz und 2l4 St. von Weggis. Ziemlich gut und billig. Das sehr kalte Wasser entspringt aus Felsen nahe bei einer Kapelle, welche die Legende von drei durch König Albrechts von Oesterreichs tyrannische Vögte verfolgten Schwe- stern erhält, wovon die Quelle auch Schwesterborn genannt wird; es enthält Eisen und mehrere Erdarten. Molkenkuren; reine und gesunde Lust und schöne Aussicht, besonders auf der vorspringenden Felsecke Känzeli; St. höher liegt das Rigistaffelwirkhshaus. Am St. Laurenztage feiern die Bewohner des Nigi hier ein Alphültenfest, Sennenkirchmeffe genannt. Ein Fw. führt über das Leiterli und den Seebvden nach Küßnacht. Knutwyl, Pfkf., unweit der gr. Str. von Luzern nach Zvfingen, am Abhänge eines fruchtbaren Hügels und unfern der moosigen Niederung der Suren. >i Ew. 21S Luzern, Hauptstadt des Kantons, a» dem Ausfluß der Reuß aus dem Vierwaldstättersee und durch sie in die kleine und große Stadt getheilt, unter ü» 58" 20" L. und 47" 3' 27" Br.; umfaßt mit dem Banne ungefähr 840 Wohnhäuser und 8,330 Cw.; reizend am Abhänge sanfter Hügel gebaut, von Mauern und Thürmen umgeben; eine große und zwei kleinere Brücken führen über die Reuß.! Sehenswürdigkeiten: Das Nachhalls mit Gemälden aus der Schweizergeschichte und den Bildnissen verstorbener Schultheißen; — Las Jesuitenkollegium und die Jesuitenkirche von 1676, worin sich jetzt das Naturalienkabinet, das Armarium, die Kantonsbibliothek, der Kleine Nathssaal, die Staatskanzlei, Las Archiv, die Büreau's der verschiedenen Rathsabtheilungen nebst mehreren Hörsälen des Lyzeums befinden, in letzterer ein vortreffliches Altarblatt von Fr. Torriani; — die im i7ten Zahrh. erbaute Stifts- und Pfarrkirche St. Leodegar mit dem Kunstwerk ihrer Orgel mit 37 Fuß langen und 2 Fuß dicken Orgelpfeifen und einem schonen Altarblatt von Lanfrancv; — die St. Peterskirche aus dem I2ten Jahrh.; — das Ursulinerkloster mit seiner schönen Kirche, nun zu einem Schullehrerseminar eingerichtet; — das große Stadtspital, seit einigen Jahren von den scsurs xrises versehe»; — das Sentespital, nun zu einem Arbeits- und Kvrrek- tionshaus eingerichtet; — Waisenhaus; — Casino; — Zeughaus, mit dem Panzerhemde Herzogs Leopold von Oesterreich, dem blutbefleckten Panner des Schultheißen Gundoldinge», welche beide den Heldentod in der Schlacht von Sempach fanden, und dem Schwerte des schweiz. Reformators Ulrich Zwingli; — das neuerbaute, den Forderungen der Zeit mehr entsprechende Zuchthaus; — die Münzstätte; — das Theater (aber einstweilen noch in Riß und Planen); das kolossale Denkmal (ein in Fels ausgehauener Löwe 28)^ Fuß lang und 18 Fuß hoch) für die in Paris am 10. August 1792 gefallenen Schweizer, nach Thorwaldsens Modell vom Bildhauer Ahorn in Konstanz ausgeführt. Gemeinnützige Anstalten: die Wittwen-und Waisenkaffe; — die Ersparnißkaffe; — die aus mehreren hundert Mitgliedern bestehende Hülfsgesellschaft, hauptsächlich zur Versorgung kranker Dienstboten ; — die Gesellschaft zur Krankenpflege lediger Handwerksgesellen; die Armenkasse aus dem Ertrag der Vorstellungen der Theater- und Musik-Liebhabergesellschaft gebildet; — die Lehrer-, Alters-, Wittwen- und Waisenkaffe. Im Entwurf ist eine allgemeine Alters-, Wittwen - und Waisenkaffe für den ganzen Kanton. Wissenschaftliche Anstalten, Sammlungen und Vereine: Lyzeum, Gymnasium, französische-, Zeichnungs-, Musik-, Mädchen-, Primär-, Sekundär- undGewerbs-Schule; — Lesegesell- 216 schalt, mit ihrer Bibliothek; — Kantonsbibliothek, seit 1833; --- Bürger- und Stadtbibliothek, mit einer ziemlich vollständigen Literatur für Schweizergeschichte und seltenen Manuskripten; — Bibliothek der Jesuiten (jetzt Lyzeum und Gymnasium) und der Kapuziner; — Kabinet für Zeitungen, Journale ic. und eines zur Bildung des Handwerksstandes; — das Pfyffer'sche topographische Relief der K. Luzern, Unterwalden, des größten Theils von Ury, Schwyz und Zug und der angränzenden Partien von Bern, Zürich und Aargau, stellt geographisch 180 IHSt. dar, wobei die höchsten Berge von 0,700 Fuß io Zoll hoch über dem Luzernersee erscheinen; dasselbe ist 22 Fuß lang, 12 Fuß breit und besteht aus 136 einzelnen Stücken; — das topographische Relief beim Kanonikus Businger ist vom Ingenieur Müller verfertigt, stellt die K. St. Gallen, Appenzell, Graubünden, Glarus und den Vorarlberg (330 IHM.) dar, ist 03 Zoll lang und 73 Zoll breit, bei einem Maßstabe von i: 40,000; — die Kunstsammlung des Malers Reinhard, welche die Schweizer-Nationaltrachten in 46 Familiengemälden (132 Personen) enthält; — Sammlung von Gprrhard's-Mineralien des Herrn I. A. Nager; — Mineralienkabinet des Obersten Pfyffec; — die Gemäldesammlung des Pros. Geiger; — das Rigipanorama bei X. Meyer. — Zwei Klöster (ein Kapuziner-Manns- und Frauenkloster. — Mehrere Buch- und Kunsthandlungen, Buchdruckereien und Lithographien; etwas Fabrikation in Floretseide, viel Baumwollen-, Flachs- und Hanfspinnerei, mehrere Gerbereien, Eisen- und Kupferhämmer, eine Papier- und Chaisenfabrik, Bierbrauereien u. s. w. Der Handel ist trotz der günstigen Lage nicht blühend; er beschränkt sich außer dem Gotthard-Transit, auf Reis, Getreide und Wein; indessen hofft man von der nun in's Leben getretenen Dampfschifffahrt auch Hebung des Verkehrs. Stadt und Kanton waren an Gelehrten, Staatsmännern und besonders Helden ziemlich fruchtbar; unter Letztem zeichneten sich besonders aus: Petermann von GunLoldinge», Anton Ruß, HanS von Hunwyl, Heinrich Haßfurter (zugleich Staatsmann), Kaspar von Her- tenstein u. s. w. Als Dichter zeichneten sich aus: Joseph Euter und Joh. Mol; als Musiker: Chorherr Meyer von Schauensee und Jos. Stalder; als Dramatiker: Jgn. I. Zimmermann; als Naturforscher: Cysat, Cappeler, Lange; als Historiker: Felix von Baltasar, Krauer, Pfarrer Schnyder von Wartensee, Stalder; als Kupferstecher: Jakob Frey; als Medailleur: Schwendimann; als Maler: Reinhard, und als Baumeister: Joseph Ritter. Gasthäuser: Schwan (am See), Wage (an der Reuß), weißes Rößli, Adler, Hirsch und Engel. 217 Schöne Standpunkte, Ercursionen: Im Allgemeinen sind die Umgebungen herrlich und besonders merkwürdig ist das Zusammentreffen großartiger und erhabener mit anmuthigen Nalurschön- heiken, unter welche hauptsächlich die stufenweise sich erhebende, am- phitheateralisch sich darstellende Bergkette zu zählen ist, bei welcher der weltbesuchte Rigi und der intereffante Pilatus die Vordersäulen bilden. Die Reußbrücken: vorzüglich die 1,380 Fuß lange Hofbrücke, in deren Mitte ein Inder für die ausgezeichnetsten Berggipfel, mit 238 biblischen Gemälden; die Kapellenbrücke, 1000 Fuß lang, über den Ausfluß der Reuß, mit 200 Gemälden über die Großthaten der Schweizer; auf der Mühlenbrücke ist Meglingers Todtentanz. — Gibraltar und Gütsch sind schöne Aussichtspunkte auf dem Sonnen- berg, ebenso auf Allenwinden, beim Kapuzinerkloster Wesemlin, auf dem Dietschenberg. — Ausflüge: nach dem Schlöffe Schauensee, an die Bereinigung der kleinen Emmen und der Reuß bei dem verfallenen Schlöffe Stollberg (auf dem Wege dahin, )4St. vor der Stadt, mitten in der Reuß Las Denkmal des 1816 umgekommenen Schultheißen T. Keller), nach dem Bade im Rothen, nach dem Rvthsee, nach Sempach, auf den Pilatus und Rigi u. s. w. Mädchenbrunnen, Mädchen« oder Schongauer-Bad, 6f^St. von Luzern, auf einer Anhöhe des Lindcnberges, ist für Landleute gut eingerichtet und wird viel von ihnen besucht. Das alkalisch-erdige Wasser wird gegen Ausschlag, Leberverstopfungen, Glieder - und Bleichsucht und Lähmungen gebraucht. Mänzberg, Pfdf., auf einem Verberge des Napf; gegen Mänznau hin sollen sich Spuren von Steinkohlen finden. Mänznau, Pfdf., im wiesenreichen Thale, öftern Ueberschwemmungen von Bergwaffern ausgesetzt. Taubstummenanstalt. Malters, zerstreutes Pfdf. mit neuer Kirche und 4,455 Ew-, 2 St. von Luzern, am r. U. der kl. Emme, über welche eine Brücke führt, in einem Thalgelände, Las zuweilen vom Rümlig- und Renkbach leidet ; gute Wiesen und Aecker. viel Wald; scherzweise nennt man diese Gegend das Kropfthal, da die Einwohner sehr mit starken Kröpfen behaftet sind. Erdfälle, besonders 1811 am Schwarzenberg; großer Viehmarkt im Herbst. Die 1594 zerstörte Eisenmine wurde nicht wieder betrieben. Marbach, zerstreutes Pfdf. in einem verengten Thale des Entlebuchs; starker Pferdehandel, guter Flachsbau. Mauensee, Dorf, ^ St. von Surfte, in der Nähe des Mauenfte (3Min. lang, 2sz Min. breit), in welchem ein kleines Schloß liegt, das mit dem Lande durch eine hölzerne Brücke zusammenhängt. » 218 Meggen, Pfdf., i^St. von Luzern, am Abhänge eines wiesen- und baumreichen Hügels am See; in der Nähe, unfern den Trümmern von Neuhabsburg, das von Lanleuten frequentirte Meggenbad. Guter landwirthschastlicher Betrieb. Meggenhorn, ei» niederes Vorgebirge, 1 St. von Luzern, der Altstadt gegenüber; hier stand früher eine Burg, jetzt ein Landhaus mit schöner Aussicht. Meyerskappel, Pfdf., auf einer körn-, obst- und rviesenreichen Anhöhe, unfern des Zugersee's. Münster, Beromünster, Mktfl., l!^ St. von Sursee, in einer rauhen, einförmigen Gegend am Wynenbach, mit gelte» Matten. Das hiesige Cvllegiatstift wurde 850 vom Grafen Bero von Lenzburg errichtet, mit einer im antike» Style erbauten, 1776 ausgeschmückten und erneuerten Kirche, in welcher die von Krüsli in Holz geschnittene Leidensgeschichte sehenswerth ist, so wie in der (wie Jöh. v. Müller sagt: -'sogenannten--) Stiftsbibliothek einige Inkunabeln aus der ersten Buchdruckerei in der Schweiz. Geburtsort vom Historiker Pfarrer Dörflinger und Philosophen vr. Troxler. Neudvrf, Pfdf., in einem hochliegenden Thale, 3s^ St. von Luzern; abwärts gegen Münster und auf dem Hügelrücken nach Eich ist eine sumpfige Ebene. Neuenkirch, Pfdf., an fruchtbarem Bergabhange, 2 St. von Luzern, auf der gr. Str. nach Sursee; Las hier an der Stelle der Kaplanei- wohnung gestandene Dominikaner-Frauenkloster wurde 1588 dem Frauensiift Rathhausen einverleibt; in der Nähe ist eine Waldbruderei. Nottwyl, Pfdf., 3!fj St. von Luzern, auf der gr. Str. nach Sursee; am Abhänge und Fuße eines fruchtbaren Hügels, nahe dem l. U. des Sempachersee's. Oberkirch, Pfdf., am westl. Ufer des Sempachersee's, nahe bei Sursee, auf der gr. Str. nach Luzern, beim Ausflüsse der Suren aus dem See, in obstreichem Gelände; Armen- und Waisenhaus. Pfaffnau, Pfdf., 3 St. von Willisau, auf der gr.'Str. von Luzern nack Langenthal und Basel, auf der Pfaffneren und in einer hügeligen Waldgegend. Ackerbau und Viehzucht. Pfäffikon, Pfdf., 2/2 St. von Sursee. Guter Getreide- und Obstbau. Pilatus, auch Frakmont, seines zweispitzigen, zerbrochenen höchsten Gipfels wegen, genannt; soll seinen Namen von ,>Ue>>s, x!U-»tus (Hut) haben, da auf seinem Gipfel fast immer eine Wolke wie ein breiter Hut sitzt. Außerordentliche Aussicht (sogar den Münster von Straßburg soll man sehen), daher früher starker Besuch, bis man in « 219 neuern Zeiten >en gleichen Genuß auf seinem nordösil. Nachbar, dem Rigi, mit wenizer Beschwerlichkeit fand. Er gehört zu der nördl. Kalkkette der Alxen, hängt im SW. durch den Brienzergrat mit dem Hohgant zusammen und ist nur durch den Thunersee von der Kalksteinkette des Stockhvrns getrmnt, senkt sich aber im O. mit dem rauhen Loppenberg in den Alpnachecsee; streift jenseits über den Burgenstock (zwischen beiden Nasen vom Vierwaldstättersee durchbrochen) und im Fitznauerstock u. s. w. fort; d-r südwestl. 8 St- lange Zug scheidet das Entlebuch von Obwalden. De? eigentliche Pilatus besteht von O. nach W. aus folgenden Spitzern Esel (6,948 F.), Oberhaupt (6,888), Band, Tomlis- horn (der höchste Gipfel von 7,128 F.), Gemsmättli, Widderhvrn (—Feld, 6,9V6F.) und Gttäppstein (6.468F. hoch), ist^St. auseinander liegend; daran lehnen sich noch mehrere schroffe Bergäste: im N. das Glimsen- und im S. das Matthorn (6,758 F. hoch) u. s. w. 6 Fw., 4 von N. und r von S. her, führen auf dieses Gebirge, welches reich an Alpen (diese ernähren des Sommers 4000 Stück Rindvieh), Pflanzen (besonders zwischen Widderfeld und Gnäppstein) und Hölzern ist; am bequemsten und gefahrlosesten steigt man von Alpnach in 4>/z St. auf das Tomlishorn; hinab nach Luzern kommt man auf kürzerm, aber beschwerlicherm Wege am Kaltweh- (Fieber-) Brunnen vorbei, oder weiter, aber bequemer, über die Bründlisalp nach Eginenthal, Herr- gottswald ic. in 5Z4 St. Von der Bründlisalp läßt sich auf kürzerm, aber mühsamerem Wege in 1 St., auf bequemerem Pfade aber in ij/l, St. der wildeste Theil des Pilatus, das Widderfeld. ersteigen; von der Bründlisalp gelangt man über die Oberalp zum Gnäppstein, auf dem Wängengrate, auf welchem ein fast haushoher Felsblock hin und her wankt, gnäppt, wenn sich ein Mensch darauf stellt (daher sein Name); Tomlishorn, Band und Oberhaupt sind jedoch nur von der Südseite zu ersteigen; gefährlich ist die Besteigung des Gemsmätlli's, von welchem man leicht auf das Tomlishorn gelangt. Nach der Kasilenalp (1739 verschüttet) führen von der Bründlisalp gefährliche Pfade, allein sie ist der Versteinerungen, Gemsen und Auerhahnen wegen sehr besuchens- werth. Der Weg auf den Esel ist zwar gemächlich, aber seines spitzigscharfzulaufenden Rückens und der fürchterlichen Abgründe wegen, schauerlich ; unterhalb zeigt sich im NO. in einzelnen Lagen permanenter Schnee. Aufwärts bis zur Bründlisalp ist der Pilatus Winter und Sommer von einem genügsamen und fröhlichen Hirtenvölkchen bewohnt, das bei vielen Eigenthümlichkeiten, besonders der Sprache, leidenschaftlich gymnastische Spiele liebt. Auf dieser Alp liegt zwischen Tannen der durch Sagen und Mährchen bekannte Pilatussee, der seiner Kleinheit und 22V schauerlichen Gerüchte wegen im I2ten Jahrh, die höllische Pfütze hieß. Ueber diesem Teiche (160 Fuß lang und 80 Fuß breit) sammeln sich und entstehen sehr leicht Gewitter; es entsteigen demselben kleine Nebel, welche zu den nahen Felshörnern ziehen, die, sobald ste an denselben hängen bleiben, stch ausdehnen und nach und nach zu furchtbaren Gewitterwolken anwachsen. Merkwürdig ist diese Alp auch eines Echo's wegen, das von den hohen Wänden des Gemsmättli's, Widderfeldes und Tomlishvrn dem Gesänge antwortet, wie vielleicht an keinem andern Orte in den Alpen. Im SO. erblickt man in einer Höhe von fast 600 Fuß, in der Mitte eines hervorstechenden schwärzlichen Felsens, im Eingänge der unersteiglichen Dominik höhle eine Bildsäule des heil.Dominik (von den Bergbewohnern "Unsern Cornell" genannt; diese Höhle geht durch den ganzen Felsen und öffnet stch auf der entgegengesetzten Seite unterhalb der Tomlisalp durch das Mondloch, von der viel darin vorhandenen Mond- oder Bergmilch so genannt. Gefährlich ist der Zugang zu diesem Mondloche, tödtende Kälte stößt hervor, und rauschend enteilt ein Bach dem 16 Fuß hohen und 9 Fuß breiten Eingänge; 10 Schritte nach Innen erweitert stch die Höhle zu großen Gewölben, die sich aber nach 200 Schritten so sehr verengen, daß man durch strömendes Wasser kriechen muß. Bis zu jener sonderbaren Bildsäule vorzudringen, ist noch Niemand geglückt; diese erscheint von der Bründlisalp als weiße, ungefähr 30 Fuß hohe Steinmasse, einem Menschen ähnlich, der stch mit seinen Armen auf einen Tisch stützt, die Beine quer übereinander schlägt und gleichsam den Eingang der Höhle zu bewachen scheint. Für ein zufälliges Werk der Natur scheint ste zu künstlich zu sein, daher hält man ste für die Arbeit der den römischen Legionen entflohenen Römer und soll seither der Weg dahin durch die stete Verwitterung vernichtet worden sein. Vielleicht aber ist sie auch ein Tropfsteingebilde. Der Pilatus besteht aus Kalkstein mit Quarz und Thon vermengt; im ersten Falle bildet er eigene Sandsteine, die bisweilen ganz aus Quarzkörnern bestehen; im letztem Falle Mergel und Thonschiefer, besonders an der Südseite. Versteinerungen sind häufig, besonders um das Tomlishvrn, aus der Kastlenalp und auf dem Widderfelde, das aus einem mit zermalmten Meermuscheln und Num- muliten vermengten Kalkstein besteht; ebenso findet man Fischabdrücke. Oberhalb der Alpmatt, am Fuße des Esels, steht man zwei versteinerte Baumstämme; jetzt wachsen auf dieser Höhe keine Bäume mehr. Auf der Menziger Weide gräbt man Bohnerz. Außer jenem Mondloche gibt es noch die Höhlen des Wind- und Wetterloches. Die schönsten Alpen und Waldungen des Pilatus gehören nach Unterwalden. 221 Rain, Pfdf., nördl. von Liizern, Ackerbau und Viehzucht. Rathhausen, im Z. 1254 gestiftetes Cisterzienser-Frauenkloster, iffj St. von Luzern, am r. U. der Reuß und nahe am Nothsee, einsam in einem romantischen Thäte gelegen; im Kreuzgange stnd schöne gemalte Fensterscheiben. Reichensee, Dorf, an der Aa, welche hier aus dem Heideckersee entfließt, 4^ St. von Luzern, in fruchtbarem Wiesengrunde; einst ein Städtchen, das von den Obstreichem 1385 zerstört wurde; noch steht als schöne Ruine ein Thurm der Burg. Rejchenthal, Pfdf., bei Willisau, von zwei Hügeln eingeschlossen; Ackerbau und Viehzucht. Rengg, ein Bergpaß, zwischen dem Pilatus und dessen östl. Fuße, dem Lopperberg. Der felsige, beschwerliche Pfad führt von Luzern über Hergiswyl darüber ha, nach Alpnach. Hier wurde 1315 gleich nach der Schlecht am Morgarten der Graf von Straßburg von den Unterwaldnern geschlagen und im Herbst 1802 die helvetischen Truppen von ihnen überfallen. Renggloch, ein 1766 vollendeter Kanal zwischen dem Blatten- und Sonnenberg. Der vom Pilatus kommende Kriens- und Renggbach richtete in Luzern zu verschiedenen Zeiten große Verheerungen an; ein Theil desselben, unter dem Namen Rengg- oder oberer Kriens- vach, wurde daher durch obigen Kanal in einer Tiefe von ungefähr 234 Fuß in die kleine Emnen geleitet. Reuß, der Hauptfluß des Kantons, verläßt den Vierwaldstüttersee in Luzern schiffbar, und, durch die kleine Emmen verstärkt, den Kanton bei der Gislikonbrücke. Are Lachse und Aale werden geschätzt. Reyden, Pfdf., 3/2 St. von Willisau, unfern des r. U. der Wigger und auf der gr. Skr. von Luzern nach Zofingen; in einer getreide- und wiesenreichen Gegend; Zollstätte, Salzlagerhaus. Auf einer Anhöhe liegt die ehemalige Maltheser-Comthurei (jetzt Pfarrwohnung) mit schöner Aussicht; schönw Bruch von feuerfestem Sandstein. Rickenbach, Pfdf., 1 St. ron Münster, in hügeligem, wiesen-, acker- und obstreichem Gelände. Römerswyl, Pfdf., in fruchtbarer, freundlicher Gegend, 4 St. von Luzern; gefundene Alterthümer lassen auf römischen Ursprung schließen. Romoos, zerstreutes Pfdf. im Entlebuch, 2>/l. St. von Schüpfheün, am l. U. der großen Fontänen und hoch am Abhänge eines ansstchtreichen Berges. Vergebliche Versuche auf Goldbau im I5ten und I6ten Jahrh. Roth, Pfdf., auf der gr. Str. von Luzern nach Zürich, am Fuße des Rotherberges und in fruchtbarem Gelände; von dem in der Nähe einst 222 gestandenen Schlöffe keine Spür mehr; am Rotherberg ist ein Bruch von feuerfesten Sandsteinen, die auch zum Schleifen gebraucht werden. Rothen, im, Bad, unfern der gedeckten Emmenbrücke. i St. von Luzern. Das Wasser soll Alaun, Salpeter u. s. w. führen, und gegen Haut- und Gliederkrankheiten dienen. Ziemlich bequem und billig. Rvthenburg, Mktfl., ts^St. auf der Straße von Luzern nach Münster, an dem Rothbach, über welchen eine schöne gedeckte Brücke führt, und in fruchtbarer Gegend; 1234 Ew. Einst ein Städtchen, und Noch sieht man Reste der Stammburg der Freiherrn gl!. N. Rothbach, aus dem Soppen- und Durtensee seihn Waffer beziehend, bildet auf eine kurze Strecke die Gränze gegen den K. Bern und mündet mit der Murg in die Aar bei Murgenthcpl. Rothsee, St. von Luzern, eine kleine ^ St. lang, >/g St. breit, 80 F. tief, in einem lieblichen Thale, ist fisch- und krebsreich und fließt durch den Rohnbach in die Reuß ab. Rußwyl, Pfdf., 2 St. von Surfte, in einer getreide-, futter- und obstreichen Gegend. DaS hiesige Vad enthält Schwefel, Eisen, Kupfer und flüchtiges Salz, und ist bei Hautkrankheiten, Lähmungen, Nervenleiden und Fehlern der Verdauung wirksam. Ziemlich gut eingerichtet und billig. Schauensee, Schloß auf einem 300 F. hohen Felsenvorsprung, 1 St. von Luzern, mit schöner Aussicht. Schlacht, Alp auf der Hintern Fluh, im Entlebuch und auf der Gränze gegen Unterwalden, welche ihren Namen von einem Kampfe im Jahr 1380 zwischen Obwaldnern und Entlebuchern hat, in welchem Liese als Sieger eine Fahne eroberten, die zu Schüpfheim aufbewahrt wird. Schötz, Dorf, an der Wigger, 2 St. von Willisau, an der Straße nach Zofingen. Zwischen hier, Zuswyl und Egolzwyl sind bedeutende Moose, die vortrefflich benutzt werden; Ackerbau und Viehzucht. In der Kapelle sollen die Gebeine thebaischer Märtyrer ruhen. Schongau, Mittel-, Nieder- und Ober-, 3 zusammenhängende Ortschaften, eine Pfarrei bildend, auf einer gut angebauten, getreide- reichen, gegen den Hallwylersee sich abdachenden Anhöhe; 6 St. von Luzern; Ackerbau und Viehzucht. Das Schongauer- oder Mädchenbad (siehe diesen Art.) ist in der Nähe. Schratten, die, i/z St. lange Bergparthie zwischen dem Entlebuch und dem Emmenthal, merkwürdig durch ihre gräßliche Zerstörung, voller Spalten und Höhlen, unter welchen das Scheibenloch auf der Scheibenfluh sehenSwerth ist; hat Alpen, ist aber schwer zu bereisen. 223 Schüpfheim, (Schupfen), Pfdf-, am Fuße des Schüpfenbergs und am r. U. der kl. Emmen, über welche eine gedeckte Brücke führt; 7 St. von Luzern; eui Kapuzinerkloster in erhöhter, romantischer Lage. Große Viehmärkte. Ein alter Thurm, die Heimlichkeit genannt (aus den Zeiten der Therbergischen Despotie), bewahrt die Banner und Urkunden der mehr als 400jährigen Freiheit der Entlebucher und dient auch zum Gefängniste. Schwarzenbach, Pfdf., 2>4 St. von Sursee. Seeburg, Landsitz auf der Halden, 3/4St. von Luzern, über welchem sich ein alter Warttburm erhebt. Sempach, kl. Stadt, 230Häuser, 1007 Ew., 3 St. von Luzern und am südöstl. Ufer des Sempachersee's gelegen; fruchtbare Gegend und schöne Aussicht. Alt und schlecht gebaut, mit verfallenen Stadtmauern und Thürmen. St. davon die Schlachtkapelle, an der Stelle, wo am 9. Juli lZSli Hkrzsg Leopold von Oestreich in der Lurch Arnold Winkelrieds Heldentod siegreichen Schlacht fiel; sie enthält die Abbildung der Wappenschilde gefallener Grafen u. s. w., und ein Gemälde des Kampfes; jährliche Feier dieses Sieges. Der Sempacherbrief von 1393 ist das erste Krisgsreglement der alten Eidgenossen. Wthsh. : Kreuz und Adler. Sempachersee, 1608 F. hoch gelegen, Is4 St. lang, St. breit, mit einer Oberfläche von etwas mehr als ^ sD M., fischreich, besonders an Forellen und Krebsen, und der köstliche Balle (Aalbvck). Flache und hügelige Ufer. Bild einer ruhigen und angenehmen Landschaft. Der Abfluß heißt Suren; 1805 wurde er tiefer gelegt. Sörenberg, im, romantisches Bergdorf im kl. Marienthale, dem Hintergründe des Entlebuchs, allwo eine Kapelle und ein Missionshaus der Kapuziner, die den Reisenden freundlich bewirthen. Schwing- fest am zweiten Sonntage des August zwischen Entlebuchern und Brienzern. St. das unbedeutende Bad Salwyden. Exkursionen nach Schüpfheim, nach der Glashütte in Kragen, nach Unterseen über die Bohleck. Sonnenberg, ein i St. von Luzern gelegener, fruchtbarer, gut angebauter Berg, mit schöner Aussicht auf dem Gipfel und Spuren einer Eisenmine. Soppensee, Dorf, am kleinen, fischreichen See gl. N., mit einem alten Rittersitzs bei Willisau. Spisseneck, Vorgebirge des Bireckwaldes am Luzernersee, mit einem schönen Steinbruche und den fast unkenntlichen Spuren der Ritterburg Gristngen. 224 Stutz, der, auch am Lehn, schlößartiger Landsitz am Abhangs des Bireckwaldes, in romantischer Lage ^ St. von Luzern. Suren, die, der Abfluß des Sempachersees, fließt in nordl. Richtung durch ein flaches freundliches Thal in den K. Aargau. Sursee, Amt, fruchtbare, gutangebaute und stark bevölkerte Landschaft, Hügelland und sanfte Thäler, aus den 4 Bezirksgerichtskreisen : Sursee, Rußwyl, Münster und Sempach bestehend und 32,202 Cw. enthaltend. Sursee, Stadt am l. U. der Suren mit 1546 Ew., in schönem und fruchtbarem Gelände und auf der großen Straße von Luzern nachZo- flngen und Basel- Gutes Spital; 1 Kapuzinsr-Mamiskkster außerhalb der Stadt; Landwirthschaft; -4 St. im O. bei der Kapelle Mariazell, am nördl. Ende des Sempachersees ist eine schöne Aussicht. Im I. 1415 von den Luzernern erobert. Wlhsh.: Sonne, Kreuz. Tannenfels, Schloß auf einer Anhöhe über den Sempachersee, St. von diesem entfernt, schöne Aussicht. Thaun oder St. Karl, Dorf, auf fruchtbarer Anhöhe, 1 St. östl. von Sursee, auf dem Wege nach Münster gelegen; keine Spure» deS alten Rittersitzes mehr. Triengen, Pfdf., in der Niederung der Suren, auf der Straße von Sursee nach Aarau ; guter Feldbau, einträgliche Viehzucht, Handel mit LandeSerzeugnissen, Baumwollenweben und eine Baumwollenspinnerei. Udligenswyl, Pfdf., auf hügeligem Boden, am Fuße des Rotherberg, reich an Wiesen, Korn und Obst. Uffhausen, Pfdf., 1(4 St. von Willisau, unfern des l. U. der Luther», in einem mit Wiesen und fruchtbaren Aeckern geschmückten Gelände. Viehzucht. Keine Spuren des alten Rittersitzes mehr. Uffikon, Pfdf., auf kleiner Anhöhe und der gr. Str. von Sursee nach Zofingen. Ackerbau. Urban, St., ein 1193 gestiftetes Cisterzienser-Mannskloster, in fruchtbarem Thals, an der Roth, von Waldungen umgeben, auf der gr. Str. von Langenthal nach Bern; die Kirche hat schöne Stukatur- und Bildhauerarbeiten ; die Bibliothek ist ziemlich reich an geschichtlichen und theologischen Werken, und ist damit das Naturalienkabinet des vi. Lang aus Luzern vereint, wozu sich noch eine physikalische Sammlung und römische Münzen gesellt haben. Gastfreiheit, Wohlthätigkeit und Sorge für Erziehung zeichneten bisher dieses Kloster aus, zu welchem die aus den umliegenden Höfen bestehende Pfarre gehört. Vierwaldstättersee, (s. die allgemeinen Notizen). Derjenige Theil desselben, welcher der Luzernersee heißt (ein Name, den man oft 226 dem ganzen See mit Unrecht gibt), begreift nur das Seebecken von t Luzern bis zu den beiden Nasen, das rechtwinkelig von dem Busen t von Stanzstad und Küßnacht durchschnitten, an dieser Stelle den Namen ^ Kreuztrichter hat. Der Luzernersee ist nur längs dem Bürgen und < dem Lopperberge schroff und felsig, und war sonst von Luzern bis t zum Meggenhvrn mehr Sumpf als See, weßhalb auf der kleinen I Felseninsel Altstad eine Waarenniederlage (Sust) bestand, wovon die I Ruinen noch sichtbar sind. Das Denkmal, welches Abbe Raynal den Stiftern der Eidgenoffeftchaft errichtete, eine 40 Fuß hohe Granit- i Pyramide, zertrümmerte 1796 der Blitz. > Wäsemlin, Kapuziner-Mannskloster auf einer Anhöhe, St. von p Luzern. Bibliothek. Wangen, Groß-, Pfdf.. i^St. von Surfte an der Roth; Ackerbau und Viehzucht. Wangen, Klein-, Pfds-, fruchtbar und angenehm gelegen, im N. von Hochdorf und nahe der Aargauergränze; keine Spur des alten Rittersitzes mehr. Wartenflue, Landsitz, Kapelle und Bauernhof, am Luzernersee und auf der Halden, im SO. von Luzern. Wartensee, Schloß und Kapelle am Sempachersee links der gr. Str. von Luzern nach Surfte: reizend auf einer Anhöhe gelegen. Weg- oder Wäggis, Pftf., am Luzernersee und dem Fuße des Rigl in reizender und fruchtbarer Lage; mildes Klima, so daß Mandel-, Feigen- und Kastanienbäume gedeihen; versorgt das 2 St. entfernte Luzern mit Gartengewächsen; eine Gerberei; Bad. — Verderblicher Schlammstrom vom Rigi her im Juli 1795', wodurch 31 Häuser zu Grunde gingen und 80 Morgen fruchtbares Land überdeckt wurden. Fw. auf den Rigikulm 3 St. Werthenstein, Franziskaner-Mannskloster (1630 gestiftet) und Pfarrei, romantisch 4 St. von Luzern auf einem Felsen am l. U. der Emmen gelegen, über welche eine Brücke führt; Wallfahrtsort; Ruinen der Stammburg der Freiherren gl. N. Wigger, die, entspringt am Münzberg, nimmt rechts die Roth und mehrere kleine Bäche, links aber die goldsandführende, am Napf entspringende Luthern auf; sie fällt bei Aarburg in die Aar und bewässert ein lachendes, fruchtbares, gutangebautes und im untern Theile flaches Thal. H Willi sau, Amt, besteht aus der nördl. Abdachung des Gebirgszuges vom En;i, Napf und Ahorn, und den von Luthern, Wigger, Pfaff- neren und Roth durchstoßenen, sich gegen Aargau öffnenden Thälern; 16 226 in der Tiefe finden sich einige Sumpfsiellen, und obgleich der Boden zuweilen steinig und rauh ist, so ist die Fruchtbarkeit doch vorherrschend. Einträglicher Ackerbau, die guten Wiesen und Alpen begünstigen die Viehzucht; Hanfspinnerei und Weberei; die Leinwandfabri- kate gehen meistens nach Langenkhal; seit Einführung der Spinnmaschinen hat das Baumwollenspinnen unter der ärmer» Klasse aufgehört. In den vier Bezirksgerichlskreisen: Willisau, Altishofen, Zell und Reyden leben in 29 Gemeinden 32,892 Ew. Willisau, Stadt, am l. U. der Wigger und in deren fruchtbarem Thale, am Fuße des waldigen WillibergeS; 191 Häuser, 1,159 Ew. und ein Schloß. Landwirthschaft und Jahrmärkte. Im Stadtkirch- gange, in welchem Ackerbau rind Viehzucht blühen, erkennt man kaum mehr die Stellen der ehemaligen Rittersitze: .Seblen, Amishorn, Buneck, Waniswyl und Hasenberg. ollhausen, Pfdf., am r. U. der kleinen Emmen, mit oll Hausen im Markt, durch eine Brücke verbunden; dieses war einst ein Städtchen, jetzt ein Mktfl. am Ansgange des Entlebuchs und an der Mündung der Siggern in die kleine Emmen; Rittersitz. Wykon, zerfallendes Bergschloß, einst berühmter Rittersitz, der aus vier Lurch einen Graben voneinander geschiedenen Burgen bestand; 1415 zerstörten die Luzerner zwei davon und die dritte wurde abgetragen , die vierte blieb den Cdeln von Buttikon; am Fuße des Schloß- hügels liegt das Dorf gl. N., rechts der gr. Str. von Sursee nach Zosingen, 4 St. von Willisau. Wynikon, Pfdf., an Hügeln und unfern der Niederung der Suren fruchtbar gelegen; guter Acker - und Obstbau, is^ St. von Sursee. Zell, Pfdf., am l. U. der Luthern und auf der Straße von Surfte nach St. Urban und Huttwyl; Ackerbau und Viehzucht. 227 Kanton A r i). (§ÜI reindemvkratischer Freistaat und Wiege der Eidgenossenschaft; führt als Wappen einen schwarzen Stierenkopf im goldenen Felde. Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag und Lebensweise. Der Kanton Ury gränzt gegen O. an die Kantone GlaruS und Graubünden, gegen W- an die Kantone Bern, Wallis und Unterwal- den, gegen S. an den Kanton Tesstn und gegen N. an den Kanton Schwyz; seine größte Länge, vom St. Gotthacd bis zur Schifflände Treib, beträgt 10 St., seine Breite 7 St.; Flächeninhalt 22 sUM. die Bevölkerung 13,840 Seelen. Ueberhaupt ein mittlerer, kräftiger Menschenschlag von gesunder Gesichtsfarbe; besonders zeichnet sich das weibliche Geschlecht durch blendendweiße Haut, blonde Haare und blaue Augen aus. Indessen gibt es in den sumpfigen Gegenden, welche von den geringsten Klaffen, in schlechten Hütten und bei ärmlicher Nahrung, bewohnt werden, auch viele Personen, die verkümmert, blaß und elend aussehen und häufig noch mit Kröpfen begabt sind; ihre Nahrung besteht auch blos aus Erdäpfeln und schalen Mehlbrühen; dagegen nähren sich die wohlhabendem Gebirgsbewohner, außer den Erdäpfeln, noch mit Milch, Käse, Brod, gedörrtem Fleisch, Gemüsen und getrocknetem Obst; die Wohlhabendsten genießen auch feinere Speisen und Wein; aber durchaus würzt Frohsinn und Zufriedenheit das frugalste Mahl des UrnerS; was eine Hauptursache sein mag, daß sehr viele Leute ein Alter von 70, 80 und 90 Jahren erreichen*). Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Der Kanton besteht aus einem Hauptthale, das der Reuß, von welchem mehrere Seitenäste nach O. und W. sich ausdehnen; in der Eigenthümlich ist dem Urncr treue Anhänglichkeit an Religion und Gebräuche seiner Bätcr, untilgbar der Hang in ihm zur Freiheit, die er sich um keinen Preis rauben läßt. Dabei hat er große Achtung für alte Rechte und gegebenes Wort, und dreimal heilig hält er beschworncn Eid. 226 Richtung dieses Quertlyalles der Alpen liegen auch seine beiden fahrbaren Zugänge: am Vierwalldstättersee und St. Gotthard. Das ttrgebirge bil- det den Kern des Laubes; es ist von verschiedenem Korn, und können alle Uebergänge von Ilrthon, Talk-, Glimmer- und Chloritschiefer in Gneus und Granit nachgewiesen werden. Der Boden ist in den Bergen größ- tentheils lehmig, an Hähern Halden locker und staubig; nur das niedere Thalgelände bietet noch einigen abträglichen Boden, selbst für Getreide. Als Wiesen- und Alpsnland eignet sich der Kanton nur für Viehzucht und Alpenwirthschaft; kaum der achte Theil ist angebaut, und jene sind dem Lande einträglicher, so wie das Frachtwesen über die Gotthardstraße. Es gibt zwei Arten Sennvieh, im untern und im obern Reußthale, die kleine Alpenrape, 2 bis 3 Ztr. schwer, feingliederig und meistens von fahler, weißgrauer Farbe, täglich 3 bis 4 Maß Milch gebend; im untern, größern Landestheile die dunkelbraune Schweizerra?e, 3s^ bis 4/2 Ztr. schwer, täglich 4 bis 6 Maß Milch. Jährlich werden an 8000 Stück Rindvieh gesommert, ohne die Kälber; Pferde (etwa 40ü Stück) vortrefflicher Rase; hiemit wird Handel nach Italien getrieben. Esel finden sich keine, auch keine Maulthiere mehr. Schafe, etwas kleiner, fruchtbarer Ra>w, werden etwa 13,000 gesommert, und im, Spätjahre viele verkauft. Etwa 13,000 Ziegen. Im ganzen Kanton, sind nicht über i,500 Schweine. In den höchsten Gebirgsregionen befinden sich Gemsen, Adler, Lämmergeier ic., in denAlpenwäldern Aller-, Birk- und Spiel- Hähne, und eine Menge anderes Geflügel nistet daselbst. Die Thäler sind arm an jagdbarem Wilde, aber an 30 Gattungen wohlschmeckender Fische gibt es in den Alpenseen und Bächen. Wie schon erwähnt, so ist der Landbau unbedeutend, obgleich alle Arten Korn, Gemüse und Hülsenfrüchte gedeihen würden, und Wintergerste und Kartoffeln bis an die Alpen hinan reifen. Dagegen hat der untere Theil des Reußthales und die Nebenthäler beträchtliche Obstzucht. Besondere Sorgfalt wird dem Wallnußbaum gewidmet, und auch viel Kirschwasser gebrannt. — Bergbau besteht nicht mehr. Forstvau. Die Fortpflanzung der Waldungen, welche in diesem kleinen Kanton einen großen Theil des Landes einnehmen und besonders jene steilen Gebirgsseiten bedecken, welche keine andere Kultur ertragen, ist lediglich der Natur überlassen; doch sind vorzüglich diejenigen unter Aufsicht gestellt, deren Bestand die Sicherheit der Ortschaften erfordert, weil der Holzhandel einer der beträchtlichsten Nahrungszweige des Ilrnervvlkes ist. Handel und Kunstfleiß. Einen vorzüglichen Ausfuhrartikel bildet der Ursernkäs und der Holzhandel; es wird nicht nur Brenn- 329 und Bauholz, sondern auch viel« Bretter, GypSlatten, Geigenbretter und andere für Ebenisten zubereitete Holzwaaren ausgeführt. Dann vieles Rindvieh, etwas Pferde, Schafe, Ziegen, Käse, Butter, Unschlitt, Häute, Wolle, Gemsfelle, Pelzwerke, Alpengeflügel, alle Arten Hölzer für Drechsler, Harz, Pech, Potasche, Arzneipflanzen, Kirschen- und Enzianwaffer, Lumpen, Mineralien, als: schöner Granit von Wattingen, Serpentin und Trvpfsteinfvon Ursern, Porphyr an der Windgälle und Marmor von Rhinacht, letzterer in Tafeln geschnitten und pvlirt. Im Hauptort Altdorf werden 8 Jahrmärkte und im Spätjahre 5 be- deutende Mehmärkte abgehalten; namentlich in Spi ringen, auf dem Schächengrund bei Mors, Kluß bei Erstfelden, Amstäg und Ursern *). Einfuhrartikel sind: Salz, Korn. Tabak, Kolonialwaaren, Arzneien, Reis, Wein, Branntwein, Most, Bier, Del, Kupfer, Eisen, Blei, Pulver, Papier, Leinwand, Baumwollenwaaren, feine Tücher, Luxus - und Modeartikel. Die Fabrikation beschränkt sich auf grobes Landtuch zum eigenen Gebrauch, Käsebereitung, und hie und da beginnt das Strohflechten. Der Waarentransit ernährt viele Einwohner. Gebirge und Gewässer. Gebirge. Eine von den vier Hauptalpenstraßen der Schweiz, beim Dorfe Amstäg beginnend, steigt über Wasen durch das Urnerloch (ein im Jahr 1708 durch den Teufelsberg in Felsen gehauener Durchgang von 220 Fuß) und Ursernthal in 9 St. auf die Höhe des St. Gott- hards zum Hvspitium, 6,650 F. üb. M. Diese Herberge soll im iZtcn Jahrh, gestanden haben. Von Amstäg bis zum Urnerloch führen acht Brücken über die in der Tiefe brüllende, bald rechts, bald links liegende Reuß; auf einer derselben, unweit Göschinen, der sogenannten schönen Brücke, oder Tanzenbein, steht auf der Mitte derselben der Gränzstein zwischen Uri und Ursern; auch findet sich in dieser Gegend der Teufelsstein. Die letzte dieser Brücken ist die sogenannte Teufelsbrücke, welche jetzt noch steht, für welche aber 24 Fuß höher eine neue, bequeme und fahrbare Brücke erbaut worden. Die Breite der St. Gotthardstraße ist durchgehends 18 Fuß und das Gefäll beträgt 5 bis 8 ß g; nur in den Schöl- lenen, einer h-j St. langen, durch furchtbar erhabene Schönheiten sich auszeichnenden Bergschlucht, beträgt dasselbe etwas mehr. Doch liegt *) Es wird hier gerechnet nach Gulden, Schilling und Angstcr. b Angster thun I Schilling. 40 Schilling thun I Gulden und IZ Gulden ein Louisd'or (Dublone). 230 auch hier die neue Straße höher als die alte, und in die Seitenwände sind für die Reisenden Sicherheitsxlätze angelegt worden, die sie beim Fallen der Lauinen schützen (s. S. 60). Der Mitten wasser gletscher liegt zwischen der Fibia (9,740 F.), dem Muthorn (9,850 F.) und der Furka; er ist die bedeutendste Quelle der Reuß. Ueber die Furka führt ein viel gebrauchter Paß von Ursern ins Wallis (7,790 F.). Vom Furkapaß erhebt sich das Gebirg zum Galenstock und dann zum Thierberg (I0.290F.); zwischen ihnen liegt der Lochberggletscher, der sich zur Gösckinenalp hinabsenkt. Das Gebirg verfolgt seinen Lauf zum Sustenhorn (I0,9I0F.) und Sustenpaß (6,980 F.) über die Steinalp. Diese Straße wurde von 1811 bis 1817 für kleine Wagen fahrbar gemacht, ist aber jetzt schon an einigen Stellen unbrauchbar. Von hier zieht sich die Kette über das Urazhorn, dem Gränzstock dreier Kantone, zum Grafenberg, dann etwas von der Gränze abweichend, in den Kanton Ury hinein, über den Sckloßberg (9,800 F.), den großen und kleinen Spannörter (9,850 F.), zwei Hörner in den Surenenalpen, an deren Nordseite der ziemlich gebrauchte, aber mühsame Gebirgspaß über das Su- reneneck (7,210 F.) aus dem Engelbergerthal in das Reußthal führt. Mit dem Uryrothstock (9,150 F.) setzt sich ein Zweig des Gebirges bis zum Urnersee fort; die Berge, welche auf der westl. Kautonsgränze bis zur Spitze von Treib fortlaufen, bilden mit diesem das Jsithal. Die auf der Ostgränze des Kantons Ury befindlichen Gebirge sind hier schon früher erwähnt. Gebirgsübergänge nach Graubünden und Warus. 1) Der Paß von Tirams aus dem Oberalpthal nach dem Tavet- scherthal. 2) Der Kreuzlipaß; ihm zur Seite steht der 10,200 Fuß hohe Oberalp stock, ein äußerst beschwerlicher, wohl nur ein gefährlicher Zägerweg, aus dem Maderanerthal ins Tavetscherthal. Vom Sch «erhörn (10,070 F.) zieht sich ein Zweig in den Kanton hinein über die Ruchi und Windgälli (9,018 F.) und bildet mit dem oben angegebenen Zug das Maderanerthal. 3) Der Klausenpaß (5,880F.), am Fuße des Tismar; jenseits dieses Paffes liegt längs dem Flätschbach der Urnerboden; vom Klausenpaß zieht sich ein Nebenzweig nördlich in den Kanton über die Roßstöcke zum Arenberg (5,340F.), fällt bei derTellskapelle in den See und bildet mit dem erstbeschriebenen Zweig das Schächenthal. Das nördlichste Thal des Kantons Ury ist das Riemenstaldenthal. 4 « 231 Sk. Volkhard. Diese schon berührte Berg ist jener Haupt- gebirgsstock in der Zentralkette der Alpen, zwischen den Kant. Wallis, Ury, Graubünden und Tesstn, der die Quellen der Rhone, Reuß, des Rheins und Tessins, 17 Thäler, 8 bedeutende Gletscher und wohl 30 kleine Seen enthält, und dessen Kuppen alle über die Schneelinien sich erheben; er besteht aus Ursels, mit großen Abwechselungen in seinem Gemenge. Granit, Gneus, Glimmerschiefer, Tropfstein, Urkalk, Stein- und Thonschiefer, Urkalkschiefer und Gyps rc., aller Arten Mineralien und seltener Steingattungen, von den werthgeschätztesten bis zu den werthlosesten, werden in und auf den verschiedenen Ausläufern dieses vielverzweigten Gebirges gefunden. Die St. Gotthardsstraße fängt an bei Flüelen, zieht sich durch das Reußthal bis Airolo und geht, vermittelst 5 schöner Brücken, bald auf das linke, bald auf das rechte Reuß- ufer, und an der Mündung des Kärstlenbaches in die Reuß; hier beginnt die eigentliche Gotthardstraße und führt sanft ansteigend, nachdem sich manches Interessante dem Auge, besonders hinsichtlich frappanter Wafferfälle verschiedener Bäche, dargestellt, bis Ursern. Ueber eine kleine gesprengte Brücke gelangt man zur Kapelle im Wyler, unfern welcher die Straße den Wasenerwald verläßt. Manche, jeden Reisenden ansprechenden, imposanten Gegenstände, als: Wafferfälle, besondere Brücken, Naturspiele in seltsamen Felsgeschichten, Zufluchtsgewölbe gegen Lauinen rc. hat man zu passiren, bis die 4,180 Fuß hohe Teufelsbrücke erreicht ist; sie ruht auf kolossalen Granitquadern und ist im Bogen 21 Fuß hoch, Sä Fuß weit und 9S Fuß über der darunter hinrasenden Reuß, welche in ungeheuern Absätzen sich stürzt; die meistens in Felsen gesprengte Straße wendet sich dicht über den Reußfall zum Urnerloche hinauf 2), zieht sich dann durch die immer feuchte Gallerie auf dem fast ebenen Boden des angenehmen Ursernthales bis Andermatt, steigt all- mälig gegen Hospital an und führt, im Zickzack die Reuß mittelst mehreren Brücken überschreitend, zu der Gränze des K. Tesstn und bald darauf an das St. Gvtthard-Hospiz **); von hier geht sie abwärts über Dieß ist eine in den Felsen des Kirchbergcs 1707 gesprengte 1L0 F. lange, ras^ F. hohe und ,6 F. breite Gallerie, welche des wachsenden Holzmangels wegen, die kostbare in Ketten über die Reuß, an steiler Felswand des Kirchbergcs Hangende sogenannte stäubende Brücke ersetzt ; gegen die Reuß hin, welche legiern Berg voni Tcufelsberg trennt, ist ste mit Lichtöffnungen versehen. Hier war schon im löten Jahrhundert eine Herberge, die endlich 162z durch den mailändischen Bischof Friedrich Boromäus in ein Hospiz umgewandelt wurde, worin ein Priester aus dem Orden der Oblaten für den Gottesdienst und die Aufnahme der Reisenden sorgte; allein schon wurde diese menschenfreundliche Stiftung verlassen, und erst ik83 kam ein geräumiges Kapuzincrhospij zu Stande, in welchem zwei Patres die Sorge für die Reisenden hatten, und außer 4 Brücken des Tesstns durch das mehr als schauerliche und wegen seiner Lauinen gefährliche Tremolathal, wo sich der Tessin von ungeheuer hohen Felsen herabstürzt und vom Monat Oktober bis Anfangs Juki kein Sonnenstrahl diese Wüste erleuchtet, durch den Wald Pirtella bis nach Airolo. Die den Gotthard alljährlich passirenden Reisenden werden durchschnittlich auf 15,000 angegeben. Die Regier ung von Ury verwendete allein, ohne daß ein Kantonseinwohner in die Tasche greifen mußte, 804,000 Schw. Fr. auf den Bau der Straße vorn Flüelen bis auf den Gotthard. Gewässer. 1) Seen. Der Vierwaldstättersee (s. S. 67); von diesem gehört der sich von Süden nach Norden 2!^ St. lang ziehende Untersee beinahe ganz diesem Kanton an; er hat steile, senkrechte Felsenufer und ist für die Schifahrt der gefährlichste Theil des See's; jetzt noch mehr belebt durch rege Dampfschifffahrt. Oberalpsee, mit seiner Felseninsel im Ursernthale, ist 1 St. lang und St. breit, beherbergt schmackhafte Fische, besonders Forellen. Auf diesen folgen die kleinern Seen auf Golgern, in der Sewlialp auf Seelisberg, in den beiden Spillau, im Rohr, auf dem Bristen, in der Leutschech, im Crsifelderthal, auf Alplen rc., außer welchen zwischen verschiedenen Berggipfeln noch über 30 kleine Alpenscen liegen. Einige sind sehr tief, wie z. B. der 7000 Fuß hoch liegende, ganz in einem rauhen Felsbecken eingeschlossene, wilde See im Erstfeldenthal. Die wenigsten enthalten Fische. 2) Flüsse. Die Reuß (s. S. 221). Der Schächenbach, ein Waldstrom der reizendsten Gattung, der aus zwei Quellen, am Pismar und dem Scheerhorn entsteht, durch Italienisch, auch etwas Deutsch und Französisch sprechen mußten. - Sie übten Gastfreundschaft und pflegten Verunglückte ohne Ansehen der Person und Religion. empfingen dafür freiwillige Gaben von den bessern Reisenden und Unterstützungen jeder Art von den benachbarten Thälern, von, Postamte in Zürich u. s. w. Um Mitternacht am 10 . April 1775 ward das Hospiz, Kapelle und der große Stall von einer Lauine weggerissen, aber >777 wieder hergestellt: allein imWinter von l?W auf isoo wurde es von dort lagernden Franzosen in eine Ruine verwandelt; das steinerne schwarze Gebäude zwischen dem Lag» und 8 - 11 -,; das alte Spital ist eine gemeine, von einem Tcssinerbauer» besorgte Herberge, welcher jährlich an nooo Armen Nahrung und Nachtlager geben, den Säumern, Fuhrleuten und Reisenden Hülfe leisten, bei Unwetter öfters die Glocke zum Zeichen für Verirrte läuten und wenn er Gefahr ahnet, gegen das Va! Hcnwi» (Trümmclnthal) und die Roduntbrücke patroulliren muß. Dafür kann er die Alp auf dem St. Gotthard benutzen (für us Kühe und so bis go Ziegen oder SchaU, kür eigene Rechnung Wirthen, wozu noch Kollekten kommen. 223 viele Waldbäche vergrößert, schone Wasserfalle bildet, unter denen sich die Staube auszeichnet; von ihm hat das Thal seinen Namen. Der Kärstelenbach bildet sich aus dem Gletscherwasser des hintersten Winkels des Madecanerthales, durchstießt dasselbe und mündet bei dem Dorf Amstäg in die Reuß. Der Ma yenbach, aus den Gletschern am Steinberge gebildet. Mündet erst nach brausendem, kurzem Lauf bei Wasen in die Reuß. Viele kleine, aber gar oft Verheerungen anrichtende Bergwasser fließen der Reuß oder unmittelbar dem Vierwaldstädtersee zu; die erheblichsten unter ihnen sind; der Bolzbach, der Jsenthalbach, der Sagenbuch in Lauenen, der Sisiker- und Grünthalbach ic.; dahin ergießt sich auch die Muotta und Aa. Hauptznge der Verfassung. Der Kanton Ury hat i Marktflecken und 11 Gemeinden, wird in 2 Bezirke und jeder derselben in Genoffamen sUry io, Urser» l*)j, sonst aber in Gemeinden abgetheilt. Die höchste Gewalt steht bei der Landsgemeinde (sie versammelt sich zu Bählingen an der Gant, 1 St. von Aktors, am ersten Sonntag im Mai), zu der jeder gehört, der das 2vste Lebensjahr erreicht hat. Sie ernennt alle Standeshäupter, genehmigt oder verwirft die ihr vvm Landrathe vorgelegten Gesetzesentwürfe und darf über andere Gegenstände nur Raths pflegen, wenn ihr solche früher, (1 Monat vorher) vom eigentlichen Landrathe mitgetheilt worden sind. Dieser Landrath besteht, außer dem regierenden Land- ammann und den übrigen Bundeshäuptern, aus 60 Gliedern, und bildet die ausübende Gewalt. Die Justiz verwaltet der Wvchenrath, das Fünfzehner - und Siebnergericht nach dem Landbuche, und mit noch 54 Individuen vereint, bildet der Kantonsrath das Malefizgericht. Das Appellationsgericht besteht aus dem Landammann, 3 Ammannrichtern und 4 Rathsherren. Sämmtliche Einwohner sind katholisch und von allen Abgaben frei, denn nur die Renten der Gemeingüter, Strafgelder und Zoll- erträgnisse fließen in den Staasseckel. — Der Kanton stellt ein Con- tingent von 238 Mann und gibt einen Geldbeitrag von i,t80 Fr. Die GenossamenUrns sind :Altorfi^;FIüclcn und Sisikon zusammen ^; Bürglcn ob dem Grüble,» i; Bürglcn unter dem Grüble,» >; Schaddorf undErsifeld, zur Klusi; Silcnen, Erst seid jenseits der Reuß und Gurt- ncllcni, Wasen, Gösch inen, Manen und Unterschüchcn l; SPi ringen >; Attinghauscn und Scedorfi; Scelisberg, Jsenthal u«d Baum i und Urser,, für sich l. 334 Kirchen- und Schulwesen. Die Geistlichkeit steht (mit Ausnahme jener von Ursern, die zum churischen Kirchsprengel gehört) unter dem Bischof von Basel. Sie bildet einSertariat des Dierwaldstätter-Kapitels. zu welchem 15 Pfarreien in diesem Kanton gehören, deren Kollatoren jederzeit die Kirchgenvffen sind. Zwei Klöster für Kapuziner und Kapuzinerin- nen sind zu Alters und eine Benediktinerabtei ist zu Seedorf. Die Schulen versehen theils Kapläne, theils Provisoren aus dem weltlichen Stande; auch an verschiedenen Orten die Pfarrer selbst. In Ursern befassen sich sowohl mit den seelsorglichen als mit den Schul» geschäften Kapuziner und einige Weltpriester. Zu Aktors ist ein Gymnasium mit 4 Professoren und eine Zentralschulkommisston. Unter den Ausgaben des Bezirks Ury sind gegen 500 Fr. zur Aufmunterung der Schulen ausgesetzt, und noch verschiedentlich wird durch sachkundige Männer an deren Verbesserung gearbeitet. — In mehreren Gemeinden sind in neuerer Zeit wirklich recht zweckmäßige Schulhäuser erbaut worden ; da aber die meisten Leute im Sommer auf den höchsten Bergen und Alpen wohnen, so wird in vielen Gegenden blos im Winter Schule gehalten. Beschreibung der Landsgemeinde *). (Wörtlich aus der Beschreibung des Kt. Ury von vr. L. F. Lusscr. I8ZU. S.68.1 Schon am Vorabend der Landsgemeinde erinnert die türkische Musik, das Getöse der Trommeln, das Einrücken einer Compagnie des Auszügerkontingents an den folgenden festlichen Tag, an welchem jedem ehrlichen Bürger das stolze Bewußtsein, frei zu sein, frei vor dem ganzen Volk seine Meinung und Ansicht aussprechen zu dürfen, zugleich Fürst und Unterthan, das heißt Gesetzgeber und Unterthan der von der Mehrheit gutbefundenen Gesetze zu sein, auf's Neue auflodert. — O, möchte nie dieser heilige Tag durch demagogische Umtriebe getrübt oder gar von einer verführten Volksmehrheit, Lurch Verwechslung wahrer Freiheit mit roher Willkühr, zum Schaden und zur Schande des Vaterlandes entweiht werden! Nachdem früh Morgens die Musik die Schlafenden geweckt, dann das Militär feierlich in die Messe gezogen, der Hauptgottesdienst vollendet und nachher die Leute gespeist haben, versammelt sich die dienstthuende Compagnie nebst allen Trompetern, Trommlern und der Musik auf dem Rathhausplatz, wo nach und nach die Vorsitzenden Herren, die *) Das ausführliche Gemälde einer Landsgcmeinde wird in den meisten Darstel- singen der Schweiz, ohngeachtel ihrer Bedeutsamkeit, vermißt. 236 Rathsherren von Mors, die Landschreiber und die Fürsprecher auf ausgerüsteten Pferden eintreffen. Um Mittag beginnt der Zug; voraus zwei Zimmerleute, um durch das Volk Platz zu machen, dann der Tambourmajor mit allen Trommlern, Trompetern und der Mustk, hierauf die Compagnie Milizen mit der Landesfahne und von einem Major angeführt. Dann zwei Männer in alter Schweizertracht, halb gelb und halb schwarz, große mit Silber beschlagene Büffelhörner auf den Achseln tragend, sodann zwei Bediente mit den Landsgemeindeprotokollen, Gesetzbüchern und einem sammtnen schwarz und gelben Beutel mit Siegeln und Schlüsseln zu den obrigkeitlichen Gewölben und dem Archive, hierauf die Läufer und Lankweibel mit schwarz und gelben Manteln, und der Groß- weibel in einer gleichfarbigen Toga nach alter Form. Derselbe trägt den Stab mit dem Reichsapfel, über welchem noch ein kleiner mit dem Pfeil durchbohrter Apfel angebracht ist. Der zweite Weibel trägt das in schwarz und gelben Banden eingewundene richterliche Schwert. Dann folgen zu Pferd in schwarzer Staatskleidung mit seidenen Mänteln und Degen, dem Range nach, die Vorsitzenden Herren, und dann ebenfalls zu Pferd, aber ohne Mäntel, die Räthe, Kanzlisten und Fürsprecher, welche dem Zuge beiwohnen wollen. Neben jedem Pferde geht ein Bedienter, welche vor der Revolution Livreen und Hellebarden trugen. So bewegt sich der Zug, nach der Witterung, durch Staub oder Koth von einer Menge Volkes gefolgt oder vorgelaufen, nach dem eine kleine Stunde von Altdorf entfernten Bözlingen, wo das Volk der obern Gegenden denselben schon erwartet. Nach einer Pause von einigen Minuten, während welcher auf dem Hügel über dem Landsgemeindeplatz die Musik die Arie des alten Tellenliedes spielt, nehme» die Rezierungs- glieder, die Geistlichen, und wer sonst noch gerne sitzt und Platz findet, auf der innersten Bank des aus Balken und Brettern erbauten, sich amxhitheatralisch erhebenden Kreises, Landsgemeindering genannt, Platz. Der regierende Landammann stellt sich an den in Mitte dieses KreiseS stehenden Tisch, ihm folgt der erste Landesschreiber und zwei Bediente mit Schirmen gegen Sonne oder Regen. Auf dem Tische liegen die Bücher, der Beutel mit den Siegeln und Schlüsseln, daS richterliche Schwert und Schreibmaterial, unter demselben die Landeshörner, durch welche zuvor das Volk zum Ring gerufen worden, nebenher auf Trommeln die zusammengewickelte StanLesfahne. Die Weibel besteigen eine über dem Ring erkabene Bank, und das Volk stellt sich frei und nach Belieben auf die Flügel der kreisförmigen Bühne, oder schwatzt noch in mannichfachen Gruppen außerhalb derselben, bis der Großweibel mit starker Stimme ruft: »Was Räth' und Landleut' sind, zwanzig Jahr und darüber sind, sollen zusammen an Ring stehen, und das bei ihrem Eid-, *). — Nun eröffnet der Landammann (der, wenn er redet, immer steht, sonst aber nach Belieben sitzen oder stehen kann) in kurzen Worten die Versammlung und fordert dann auf, Gott um Beistand und Segen für die Verhandlungen anzurufen, worauf das ganze Volk mit entblößtem Haupte fünf Vaterunser und fünf Ave Maria betet, und sich dann wieder bedeckt. Darauf liest der Landschreiber die dem Rathe eingereichten Begehren der sieben Geschlechter, nämlich jene Wünsche, die sieben oder mehr ehrliche Männer von sieben oder mehr verschiedenen Geschlechtern vortragen wollen, und nachdem sie selbe einen Monat früher dem Landrath vorgewiesen, auch ohne Widerrede vortragen dürfen. Hat der Landrath ein Gegengutachten nothwendig erachtet, so wird dasselbe ebenfalls vorgelesen. Nun lassen die Vorstände der sieben Geschlechter durch einen Fürsprech ihre Begehren entwickeln, worauf der Landammann erst die Vorsitzenden Herren dem Range nach um ihre Meinung, und dann das Volk überhaupt um dieselbe anfragt, und jeder hat die Freiheit solche zu äußern, nur soll keiner dem andern ins Wort fallen. Erhebt sich keine Stimme mehr, so ruft der Großweibel: »und was gefällt unserm Hochgenüssen wohlregierenden Herrn Landammann?» Worauf dieser auch seine Meinung abgibt, und dann mit lauter Stimme das Mehr ergehen läßt, nachdem er dem Volke die verschiedenen divergirenden Meinungen kurz und deutlich wiederholt hat. Das Mehr selbst ergeht auf folgende Weise: »Wem also wvhlgefällt, daß N. N. zum Gesetz erhoben sein solle, der hebe die Hand auf!» — »wem es aber wvhlgefällt, daß N. mit Abänderung N. angenommen sein solle, der hebe da die Hand auf!» — »wem aber wvhlgefällt, daß der Antrag verworfen werden und es beim Alten verbleiben solle, der hebe da die Hand auf!» rc. Sodann fragt der Landammann sich gegen den Weibel wendend: »Herr Großweibel, habt ihr ein Mehr?» Dieser ruft dann, nachdem er mit den Weibeln Rücksprache genommen: »Ja, Herr Landammann, das (erste, zweite oder dritte :c.) Geschiedene ist erkannt!» Ist aber das Mehr im mindesten zweifelhaft, so ruft er: »Nein, Herr Landammann, Sie werden die Güte haben und die Meinungen noch einmal scheiden.» Kann dasselbe nach mehrmaligem Abscheiden nicht vergeben werden, so werden die Stimmen gezählt, wo dann außer dem Ring für jede Meinung zwei Ehrenmänner von Ansehen sich die Hände reichen und emporhalten, und die für diese Mei- D. h. nicht bei Eiden sind die Landleute verbunden der Landsgemeinde beizuwohnen. aber anwesend nach dem Eide. der da ist: das Wohl deS Vaterlandes -n mehren, nnd dessen Schaden zu wenden, zu stimmen und zu handeln. 237 nung Stimmenden, einen um den andern darunter Wegschlüpfen lassen. Der durch die Mehrheit bestimmte Beschluß wird nun vom Laudschreiber sogleich protvkollirt. Sind nun die Vorschläge der stehen Geschlechter und jene des Landrathes behandelt, angenommen, verworfen oder zu reiferer Berathung auf ein Jahr verschoben, so werden dann in einem Mehr, das Landbuch, Siegel und Brief, Rath und Gerichte, alte Gewohnheiten , und daß das, was durch bemeldte Gewalten durch Mehrheit entschieden worden, ein Mehr sein und bleiben, und keine Gewalt des andern ohne Fug und Recht eingreifen solle >c., wieder bestätiget. Sodann legt der regierende Landammann sein Amt in die Hände des freien Volkes nieder; an das richterliche Schwert gestützt, gibt er Rechenschaft von dem Gang der Geschäfte des abgelaufenen Jahres, berührt die auswärtigen politischen Ereignisse und Verhältnisse, legt dann das Schwert zu den Büchern und Siegeln auf den Tisch und entfernt sich von demselben, sich zu den Alt-Landammännern sehend. Der Landschreiber fragt dann den ältesten Alt-Landamman», wenn der eben Abgetretene erst ein Jahr im Amte war, sonst aber diesen um einen Vorschlag für die Landammannschaft, die dann im ersten Fall, wie auch die Wahl fast immer auf den eben Abgetretenen fällt. Nur selten aber wird einer zum dritten oder vierten Jahr nach einander wieder gewällt. Nun tritt der durch Las Handmehr erwählte Landammann wieder an den Tisch und leistet, nachdem ihm der Landschreiber seine Pflicht laut Artikel 1. des Landbuches vorgelesen, öffentlich den Eid, Hierauf hält er eine Antrittsrede, dann wird der Vaterlandseid, laut Artikel 2. des Landbuchs vorgelesen, und alles Volk spricht denselben mit entblößtem Haupte und aufgehobenen Schwörsingern dem regierenden Landammann nach. Dann legt der Seckelmeister, nachdem er über den Zustand der Finanzen summarische Rechenschaft gegeben, sein Amt zur freien Wahl der Landleute nieder, und die Landschreiber, der Großiveibel, die Läufer und der Ankenwäger stellen sich vor und empfehlen sich zu neuer Wahl und werden wie der Seckelmeister gemeiniglich wieder bestätigt. Dann werden die Gesandten auf die Tagsatzung, und ande.re ledig gewordene Aemter, als Ammannrichter ins Kantonsgericht, Zoller rc, ernannt, und sodann, nachdem die Neugewählten den Amtseid geleistet, die Versammlung aufgehoben, und der Zug setzt sich wieder nach Alters in Bewegung, wo sich dann die Wirthshäuser füllen und überall fröhlicher Jubel herrscht, wenn die Landsgemeinde, wie es in Ury meist der Fall ist, friedlich und ruhig abgelaufen. Während der Landsgemeinde ist der dem Gemeindeplatz ganz nahe Hügel mit fremden und einheimischen Zuschauern angefüllt; etwas entfernter vom Ring ist ein ordentlicher Markt von Erfrischungen, Zuckerwaaren und Lebkuchen, auf welchem sich das junge Volk umhertreibt, oft während den wichtigsten Verhandlungen über neue Gesetze und tiefeingreifende Verordnungen. Mit Verdruß sieht der denkendere Patriot oder Vaterlantsfreund viele Jünglinge vom Lande erst an den Ring springen, ihre Rechte auszuüben, wenn es sich darum handelt, etwa einen Zoller oder Weibel zu ernennen, die zuvor durch Tabakaustheilen und um Gunst betteln sich Anhang verschalst haben. Die Nach- oder Bezirksgemeinden werden acht Tage nach der obigen gehalten. Eine solche ist was die Landsgemeinde, jedoch nur in Dingen, die den betreffenden Bezirk angehen; nie darf dieselbe jedoch etwas verordnen, was sich Mit den Beschlüssen der Landsgemeinde nicht vertragen würde. Dieselbe wird im Bezirk Ury zu Aktors auf dem Lehn gehalten, und die Vorgesetzten, die Kanzlei und Weibel geleiten den Landammann vom Rathhaus aus zu Fuß dahin. Für den Bezirk Ursern ist der Sammelplatz zwischen Andermatt und Hvspenthal. Beschreibung der Ortschaften und anderer merkwürdiger Punkte. Aktors, Flecken und Hauptort des Kantons, mit 156 meist steinernen Häusern und etwa 1,108 Ew., in einem von hohen Bergen umgebenen fruchtbaren Thale, am Fuße des Bannwaldes, zwischen dem Schächenthale und der Reuß. Merkwürdig sind das Rathhaus, die Pfarrkirche, das Schulhaus (Sust) und der Brunnen mit der Statue des Schützen Wilhelm Teils, der die Probe so meisterhaft an demselben Platz bestätigte; das Zeughaus mit den Fahne» so bei Sem- pach und Morgarten siegreich wehten. Seltsames Echo am Thinacht- felsen an der Gotthardstraße. Amsteg, (am Stäg), kl. Dorf, am Fuße des Bristenstocks und der Windgälle, (beide die Höhe von 8,008 F. übersteigend), in sehr warmer Lage. Durchpaß der St. Gotthardstraße; Trümmer einer Burg, Zwing-Ury genannt. Andermatt, liegt 4,446 F. üb. M.; ist der vorzüglichste Handelsort des Kantons, am Eingang des anmuthigen Ursernthales, mit 80 schönen Häusern und über 608 Ew. Merkwürdig ist das Rathhaus, das Ka- xuzinerhvspiz und der sogenannte Thiergarten (Marmvtten-Hegung), im Steingard; sichere Bergführer sind hier stets bereit; viel Handel mit St. Gvtthardsfossilien. Attinghausen, Dorf, Aktors gegenüber, jenseits der Reuß, in malerischer Lage, mit 430 Ew.; hier die Ruine des Stammhauses der berühmten von Attinghausen. 239 i Bauen, kl. Pfdf., mit etwa 106 Ew., am Fuß der Urwängialp, gegen- l über dem Bauenstockfelsen; von der erstem Höhe ein dreifaches Echo » gegen den Letzter»; ohne Gefahr zu besteigen. Hier öffnet sich dem f Wanderer eine wunderschöne Aussicht auf den klassischen Boden der t drei Thäler, Ury, Schwyz und Unterwalden, auf den Vierwaldstätter- x see bis Luzern, über den Sempacher-, Hallwyler- und Heidensee, nach dem bläulichen Jura; entfernter die Vogeseu, den Schwarzwald; auch der Aegerisee und ein Theil des Ziirchersees sind sichtbar, und endlich verliert sich der Blick in den Ebenen Schwabens; in der Nähe ^ eine Schwefelquelle. f Blümlisalp, ein flach-breiter ganz mit Schnee bedeckter Gletscher an der Schwyzergränze. Birstenstock, ein weit in die teutsche Schweiz blickender, pyramidenförmiger Berg 8000 F. üb. M. Bürgten, kl. Pfdf., bei Altorf, am Eingang ins Sckiächenthal. Wilhelm Teils Geburtsort, eine Kapelle jetzt am Platze seines Hauses, zur Feier seines Andenkens. Erstfelden, Dorf, mit 770 Ew., am Eingang des Erstfelderthales, in welchem eine herrliche Ansicht des Faulenbachcr Wasserfalls. Hier nahm 1799 die Insurrektion gegen die Franzosen und die helvetische Regierung ihren Ausbruch. Fisiten, eine große Gemeindsalp, hier nahe am Fuße des Breitfirn- stocks ist die merkwürdige Stelle: Gems lecke genannt; allda finden sich häufig ganze Rudel Gemsen ein, um den alaunhaltigen Schiefer zu belecken und fallen zum Theil der Jägerlist anheim. Flüelen, Pfdf., am Fuße des Rohrstocks und am Ufer des Vierwald- stättersees. Alle über den Gotthard bestimmte Waaren werden hier aus- und aufgeladen; Zollhaus; Schifffahrt und Fischfang. Furka, jener bekannte Gcänzstock zwischen Ury und Wallis. Höhepunkt 7,795 F. üb. M., herrliche Aussicht und gute Ausbeute für den Botaniker. Göschinen, Dorf, mit 250 Ew., am Eingang der Schöllinen, wo die Gotthardstraße über schauerliche Untiefen fuhrt, und die Gegend wegen Lauinenstürzen gefährlich macht. Gotthard, St. (stehe S. 231.) Gyrenfluh, Berg am Vierwaldstättersee; im I. 1760 stürzte hievon ; ein großer Theil in den See. i Hospital, (auch Ospithal), Dorf, am Eingang desGotthardthales, j mit 300 Ew., 4,550 F. üb. M., starker Durchpaß. Beträchtlicher Handel mit Gotthardsfosstlien und Mineralien. Jsenthal, Pfdf., mit 354 Ew., im Thale gl. N., auf dessen nahen Berghöhen ein Hauptaufenthalt der Gemsen, Alpenhasen und Geflügel. Kinzigkulm, ein ungemein steiler Gebirgsstvck, zwischen dem Urner-, Schächen- und Schwyzer-Muottathal, mit einem selbst für Gemsjäger sehr beschwerlichen Pfade, den der kühne Souwarow (1799) mit dem ganzen Heere, auf seinem Zuge über den Gotthard, nach dem Glarnerlande zurücklegte. Klausen, so heißt die Scheideck, über welche der Weg von Ury nach Glarus führt; der Klausen besteht aus Grünwacke und Thonschiefer, der eine dunkslrothe Farbe hat, die sich dem schmelzenden Schnee mittheilt und an Las Blut erinnert, welches auf dieser Höhe im August 1799 floß, als die retirirenden Oesterreicher, Glarner und Urner daselbst mit den Franzosen kämpften. Maderanerthal, (auch Kärstelenthal genannt), eines der merkwürdigsten Alpenthäler der Schweiz, steigt von Amsteg dem Kärstelen- bach 5 St. lang nach; nicht weit mehr, so führt eine Brücke über dieses wilde gefährliche Wasser, zu dem Fall des Ezlibachs, und neben demselben auf dieTerraffeHerrnlimi, wo zwischen demBristli- stock und Oberalpstock das lange steinigte Ezlithal beginnt, von wo ein schauderhafter Weg in das trümmervolle Kreuzlithal nach Bünden führt. Im I. 1799 im Mai und Sept., bei tiefem Schnee, überstiegen mehrere tausend Oesterreicher unter Anführung der Generale v. St. Julien und v. Auffenberg Liese klippcnvollen Höhen, und kaum hatten die Ermatteten die ersten menschlichen Wohnungen erreicht, so wurden sie von den Franzosen angegriffen und es fielen Viele in nutzloser Vertheidigung. Zu Hinterst auf der Ezlialp der Spielauersee. Mayenthal, 5 St. lang, St. breit, gehört zur Gemeinde Wasen an der Gotthardsiraße; 400 Ew. der aufgewecktesten Klaffe machen die Bevölkerung aus. Treffliche Weiden, schöne Wasserstürze des Mayenbachs. Ueberreste einer uralten Schanze und viele Gefahr vor Schneelauinen. Oberalpsee, kl. fischreicher Bergsee, 6,200 F. üb. M., am Fuß des Crispalt, an der Bündnergränze. Aussicht über das ganze Ursernthal. Realp, kl. Dorf, 4,700 F. üb. M., am Eingang in das einsame Sittlialpthal, welches sich auf die Furka erstreckt, ein Kapuziner-Su- perior treibt in dem 1735 hier errichteten Hospiz Wirthschaft. Reußthal, Hauptthal des Landes Ury, welches bei Bözlingen anfängt und in Göschinen endet. Roßstvck, ein über 6,000 F. üb. M. hcher Berg, kann ohne Gefahr über den schönen Kulm und Staffel Spielau bestiegen werden. Botaniker und Entomologen können hier und in den Umgebungen reiche Ausbeute machen. Die Aussicht von der Spitze dieses Berges ist im- 241 posant, über 14 Seen und die schweizerischen Vororte Zürich und Luzern, sammt allen Zwischenorten. Den Gesichtskreis schließen der Jura, die Vogesen, der Schwarzwald, dieHochebnen des Hegaues und Schwabens. Rudolfs- oder Rueßalp, dieselbe erstreckt sich vom Glatten und Windgällen bis an das Muottathal hinab. Es ist eine große geräumige Alp, zur Sommerung für Stiere, Ochsen, Hengste und Wallachen bestimmt. Dieses ist die einzige aller Alpen, welche der Regierung als Dvmaine gehört, und soll ehedem von den Schirmvögten des Landes benutzt worden sein. Sie wurde zuerst dem Schirmvogt Rudolf von Habsburg, nachmaligem Kaiser, überlassen und trägt daher diesen Namen. Rüttli. Wer sollte nicht von dieser einsamen, am Fuße des Selisberges gelegenen, von den Wellen des Merwaldstättersees bespülten Wiese gehört haben, allwo bei stiller Nacht die Männer der Länder von Ury, Schwyz und Unterwalden sich zur Befreiung des bedrängten Vaterlandes zusammen verbanden, und den 7. des Wintermonats 1307, drei und dreißig Verbündete, vor Gottes Angesicht den heiligen Eid zur Rettung des Vaterlandes geschworen? Heilig sei heute noch diese stille Wiese, nicht nur den Urkantonen, sondern der ganzen Eidgenossenschaft! Hehr' Rüttli sei wohl gegrüßct. Dein Name wird nimmer vergeh». So lange der Rhein uns noch fließet. So lange die Alpen besteh«. Schächenthal, circa 6 St. lang, steigt dem Laufe des Schächenbachs entgegen bis auf den Kluspaß, es ist von hohen Bergen umgeben, aus deren einem der Schächenbach, in welchem Wilhelm Teil im Jahr 1354 ertrunken sein soll, entspringt. Hier findet sich ein auserlesen kräftiger Menschenschlag und gute Viehweiden. Schöllinen, so heißt jener Felsenschlund, der stich bei Göschinen in das Reußthal öffnet und oberhalb der Reußbrücke den Anfang nimmt. Scheerhorn, Gebirgsstock an der Gränze gegen Glarus und Grau- bünden unweit dem Tödi, etwa 10,000 F. üb. M.. hat den Namen von seiner Gestalt, die einer Scheere einigermaßen ähnelt. Seedorf, Pfdf., mit 250 Ew., am Fuß des Hertenberges, in dem etwas höher gelegenen obern Dorf, ein schönes geräumiges Frauen- kloster von Benediktinernonnen bewohnt. Seelisberg, Pfdf., mit 410 Ew., 2,300 !F. üb. M., am westl. Ufer des Merwaldstättersees, auf einem steilen romantischen Abhänge über dem Rüttli. Hat seinen Namen von dem nahen See, Solang, >/-, St. breit. 16 242 Silinen, -ie weitläufigste Pfarr^ deF Kantons, welche 2,020 Ew. zählt; aus diesem Dörfchen stammte -er in ganz Europa bekannte Zwerg Sebastian Walker. Sisikon, Pfdf., mit 178 Ew., an der Gränze von Schwyz, nächst dem Vierwaldstättersee. Im Frühling 1801 stürzte eine große Mäste Felsen in den See, ii Menschen verloren das Leben, von welchen nur ein Kind in seinem Bettchen schlafend und auf den Fluthen schwimmend gerettet wurde. Spiringen, Pfds., im Schächenthal, mit 744 Ew. Hier in der Kapelle einige merkwürdige Gemälde von Divnisius Calvart. Surenenalpen, Felsengebirge zwischen Ury und Unterwalden, wo ungefähr 000 Stück Rindvieh und einige tausend Schafe jährlich ge- sdmmert werden. Allerlei schauerliche Volkssagen walten hier. Suren- eck, 7,220 F. üb. M., ein frequenter, über die Surenen von Aktors nach Engelberg führender Paß, wo sich theilweise bezaubernde Aussicht bietet. Im I. 1789 passtrte eine französische Kolonne mit schwerem Geschütz diesen Paß. Tellenplatte, bekannte, bemalte, von Gebüschen beschattete Kapelle, woselbst Wilhelm Teil den kühnen Sprung aus dem Schiffe des Landvogts Geßler gewagt hatte; sie ist 1388, also 34 Jahre nach des Helden Tod, erbaut worden. Alljährlich am ersten Freitag nach dem Feste der Auffahrt Jesu Christi werden feierliche Prozessionen zum Gottesdienste hieher gemacht. Teufelsbrücke, neue, am furchtbaren Schollinen-Felsenschlund der Gotthardstraße; sprechender Zeuge, daß die heutige Zeit in riesenhaften Werken keineswegs der Vorwelt nachstehe. Urnerloch, (siehe St. Gotthard S. 231). Urserenthal, rauhes aber angenehmes, von lebhaften, besonders Gesang liebenden Menschen bewohnt, 3 St. lang, (4 St. breit, zieht sich zwischen hohen, kahlen, pyramidenförmigen Felsen durchs Urner- loch bis an die Furka. Hier dauert der Sommer höchstens 3 bis 4 Monat. Hauptbeschäftigung: Viehzucht, Käsefabrikation, Torsgruben, aber Hvlzmangel. Wasen, Pfdf., an der Gotthardstraße, mit 560 Ew., die von Viehzucht und Waarentranstt sich ernähren. Hier vereinigt sich die Susten- mit der Gotthardstraße und in der Nähe nimmt die Reuß den Mayen- bach auf. Hier ist der gewöhnliche Ruheplatz der von Aktors oder von Flüelen kommenden Reisenden. 245 Kanton Schuiy). Ebenfalls ein reindemokratischer Kanton, Mitgründer der Eidgenossenschaft. Von ihm empfing Helvetien den Name» Schweiz. Das Wappen ist einr other Schild,!in dessen oberm Eck ein silbernes Kreuz steht. Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag und Lebensweise. Dieser Kanton gränzt gegen Osten an die K. St. Gallen und Glarus, gegen S. an Ury und den Vierwaldstättersee, gegen W. an den Vierwaldstättersee und die K. Luzern und Zug, und gegen N. an den Zürichsee. Seine größte Länge ist 8)4 bis 9 St. und Breite 7 St. Flächenraum 18 ÜZM. Einwohnerzahl 39,326. Sowohl die Männer als Frauen des Kantons Schwyz find fröhliche Geschöpfe und von kräftiger, mittlerer Gestalt, blühender und gesunder Farbe, meistens mit dunkelblonden Haaren und heitern, blaugrauen Augen begabt, die mehr Herz als Geist verrathen; mitunter gibt es recht schöne anziehende weibliche Gesichter und Männer vom stämmigsten Schlage. Auch sind 80- und 90jährige Personen nichts seltenes. Der Kanton darf zu den gesündesten gezählt werden, besonders die Gegenden von Einfiedeln und Sihlthal. Die Nahrung besteht bei den Wohlhabender» in Gemüsen, hauptsächlich Kartoffeln, frischem und gedörrtem Obst, Milch, Butter, Käse und Fleisch; Wein wird wenig genossen, häufiger Most (Obstsaft mit viel Wasser gemischt) und der schädliche Branntewein. Die ärmere Klaffe behilft sich größtentheils mit Kartoffeln, Milch, Käse und Kasse, welch' Letzterer bis in die höchsten Alpenhütten verbreitet ist, aber meistens mit fatalen Surrogaten gemischt. Die ehemalige so ehrwürdige Tracht der Männer und Frauen Hai sich nach und nach, der Mode weichend, beinahe ganz verloren. Einer Art Nationaltracht bedient sich blos noch das weibliche Geschlecht in der March. Die Männer vom Lande tragen jetzt wie überall kurze Jacken und lange Beinkleider von Zwilch oder Wolle, die Reichern und Beamteten bei Feierlichkeiten schwarze Kleidung von seinem Tuch nach französischem Schnitt. Häuser von Quadersteinen aufgeführt gibt es in diesem Kanton keine, nur wenige im Hauptort Schwyz sind ganz von Mauer; Land- oder Hauptbauernhäuser aus neuerer Zeit unterscheiden sich von jenen in den Dörfern unbedeutend; sämmtliche Häuser sind von 244 Holz auf einer tz Fuß über der Oberfläche erhabenen Mauer mil ausgemauertem Riegelwerk und Ziegeldächern; Schindeldächer gehören bald zur Seltenheit. Die innere Ausstaffirung der Wohnungen der Landbewohner beschränkt sich auf einige hölzerne Geräthschaften, Tische, Bänke rc. Vor jedem rechten Bauernhause steht ein klarer Brunnen und Bäume zur Beschallung. Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Der Kanton Schwyz gehört zu den sogenannten Bergkantonen der Schweiz. Er ist von verschiedenen Bergreihen durchzogen, von welchen wieder Verästungen auslaufen. Da dieser Kanton außerhalb den Hoch- alpen liegt, und dieselben ihn nur auf einzelnen Stellen berühren, so ist nur hinten im Bisigerthale auf den Berghöhen und auf dem Pfannen- und Redertenstockfirn ewiger Schnee zu finden. Beinahe überall sind die höchsten Gipfel seiner Berge dem kleinen und auch dem größer» Vieh zugänglich. Die Hirten können hier gemächlich ihr heiteres Leben führen, und die Abhänge dieser Berge sind noch immerhin weit hinauf mit Waldung bewachsen*). Der Kanton besitzt viele und große Waldungen, deren Flächeninhalt unbekannt ist; diese und die Viehzucht machen den Hauptreichthum des Landes aus. Man darf sagen, der dritte Theil des Bodens des Bezirkes Schwyz ist mit Waldung bedeckt, *) Alpenwirthschaft am Rigi. (Auszug aus Gerald Meilers gründlicher Befchr. des K. Schwur IL2S). Z. B. der Bezirk Küßnacht besitzt seine Alpen am westl. Abhänge des Rigi auf dem Seebeben. Diese Alpen sind KorporationSgiiter, an denen gewisse Geschlechter (Genossen) Theil haben. Ein Genosse kann i Stier und 10 Kühe auf die Alp treiben rc. ic. Es gibt Land- und Privatalpcn. Die Landalpen sind folgende: Obcralp und Obere mit einer Sommerung für 265 Stöße, Hochfläschen für l»o, Tannfloffcl 10g, Redeten zoo, Schivcinalp SS, Brüschalp so. Diese sieben Alpen sind bcsioßen d. h. auf immer in Erbpacht gegeben oder wirklich verkauft, so, daß Anthcilhabcr ein Bestimmtes auf eine gewisse Anzahl Stöße (2a bis so) an jeder Alp haben. Privatalpcn sind io; nimmt man an, daß im Durchschnitt jede derselben die Sömmcrung für ao Stöße gibt, so zeigt sich, (die Landalpen mit eingeschlossen und ohne diclenige der Gcnossamen), eine Sömmcrung für lZig Stöße. Der Bezirk Schwyz zählt 120 Sennhütten. Die Bezirke Wollrau und Pfäffikon besitzen keine Alpen. In einer Alpenhütte befinden sich gewöhnlich drei Aclplcr und ein Knabe, oder doch ein Senn, ein Knabe und ein Kühgaumer oder Vichhüter. Auf gefährlichen Stellen geht dieser am Abhänge oder Abgrunde unter oder außer dem Thiere, um dasselbe vor dem Hinunterstürzen zu bewahren oder ihm Muth einzuflößen, damit es nicht stille flehe oder sich umzuwenden versuche. Dieß geschieht an vielen steilen Bcrgpfaden, und man nennt dieß untergehen, wobei der Untergehende der größten Lebensgefahr bloßgcflellt ist. Bei Sturm, Gewittern, insbesondere zur Nachtzeit ist dieser Gaumerberuf höchst gefahrvoll und 243 obgleich in neuern Zeiten die Lichtung derselben auffallend erscheint. Die vielen Ziegen, die auf dem Waldboden frei weiden, entfernen jede Hoffnung auf guten Nachwuchs, und ohne die vorhandene Menge Torf würde jetzt schon Holzmangel fühlbar sein. Die holzreichsten Gegenden sind das Muottathal, Jberg und das Alpthal, welchen Waldungen auch bessere Wirthschaft zu wünschen wäre. Die March hat 45 Wälder, deren einige auf und über 30,vov fl. geschäht werden. Die sämmtlichen Berge des Kantons sind Flötzgebirge, wobei die Schichten der Kalkgebirge zwar vielfältig sich krümmen, um- beugen und Gewölbe bilden rc. *). Die Thalgründe im ganzen Lande bestehen aus aufgeschwemmtem Land und sind an abschüssigen Orten größtentheils mit guter Dammerde bedeckt. Die Bedeckung der Bergabhänge ist größtentheils lehmig. In verschiedenen, von Natur und Klima begünstigten Gegenden dieses Kantons swürde der Landbau ersprießlicher sein, wenn nicht Vvrurtheile walteten und das weit bequemere Hirtenleben den Vorzug hätte; denn außer vielen grasreichen und fruchtbaren Alpen hat der Kanton Schwyz auch an den tiefern Bergabhängen und in den Thälern mehrere vorzüglich fruchtbare Gegenden. Im Bezirke Schwyz gehören hierher Schwyz und Arth, im Bezirke Gersau ist es die Parthie nächst dem See, im Bezirke Küßnacht wird die Fruchtbarkeit nur dem Fleiße verdankt; der Bezirk Einsiedeln ist seiner hohen Lage wegen wenig fruchtbar, aber ganz vorzüglichen Bodens erfreut sich die March und steht bei zweckmäßiger Bearbeitung dem beschwerlich, und ein solcher Mann bleibt oft Tage lang in nassen Kleibern. Auch Begüterte überlassen nur selten die Alpenwirthschaft gedungenen Sennen. Meistens betreiben sie dieselbe persönlich oder durch ihre Söhne. Hier lebt der Senne, wie der Städter auf seinem Landsitze, und vergißt in seiner Abgeschiedenheit, mit seiner Heerde beschäftigt, gleichsam die Verhältnisse des bürgerlichen und häuslichen Lebens. Die eigentliche Scnnenarbeit abgerechnet, führt der Haupt- senne ein gemächliches Leben. Das Jodeln und bisweilen das Alphorn sind nicht nur eine Erholung, sondern auch eine Mittheilung gegen entferntere Aelplcr. Die gegenwärtige Behandlung der Schwpzcrkäsc, ist eine Nachahmung des Verfahrens der Brienzer (K. Bern); fette Käse werden zu circa s» Pfd., magere zu 28 Pfd. gemacht. Das Verfahren der Alpenwirthschaft und Käsebercitung ist in verschiedenen Alpen auch verschieden. Wildhcuer gibt es in der Nähe der höher» Felswände, die dem Auge uncrstciglich scheinen, und an welchen sich dennoch einzelne schön begraste Stellen finden. In reichen Grasjahrcn ziehen diese waghalsigen Grasiägcr zu Hunderten aus. Mit Fußeisen versehen, bewaffnet mit der Sense, meistens einem Stocke zur Hand und ein Garn oder Tuch mit sich führend ersteigt der Wildhcuer mit freudigem Muthe, unter steter Todesgefahr, aber nicht immer mit erwünschtem Erfolg, die graffesten Abhänge. Das Wildheu wird entweder zusammengebunden über die Felswände hinuntergeworfen . oder von dem Wildhcuer heruntergetragen. '1 S. die vortrefflichen naturhistorischcn Umrisse des K. Schwuz, in den Gemälden der Schweiz, von Gerold Meuer. >SZ5. Rub: Geognostisches und Mineralien. 246 besten Gelände am Zürichses gleich; nicht weniger gedeihliches Land ist zu treffen in den Bezirken Wollerau und Pfäffikon. Getreide und Gemüsearten, besonders Kartoffeln, auch Flachs und Hanf, Obstbäume, Oelpflanzen, gedeihen in benannten Bezirken, zumal in den tiefern Thalgründen, so gut wie in andern Kantonen. Die Flora dieses aus rauhen Gebirgen, nackten schroffen Felsen, Waldungen, Alpentriften, schönen Berg- und Thalwiesen, Sümpfen, Torfmooren. Ackerland und einigen Weinbergen zusammengesetzten, von Seen bespülten und zahlreichen Bächen durchstoßenen Landes muß natürlich sehr reichhaltig sein; doch, obwohl die Pflanzen der Ebene von den Ufern des Zuger- und vorzüglich des Zürichsee's Hineindringen, weit nicht so reichhaltig, als die Flora des K. Ury, weil in Schwyz die aus Ursels bestehenden Gebirge gänzlich fehlen und keine bedeutenden Firne, bloß einige kleine im Hintergründe des Bistthales, die dortigen wenigen hohen Berge krönen. In mehreren Hochthälern, z. B. auf der Altmatt, um Einstedeln rc., sind ausgedehnte Torfgründe. Ueberall zerstreut liegen sogenannte Fünd- linge, insbesondere am Umriberge, Granit- und Gneisblöcke aus den Thälern des St- Gotthard's, welche aber unbenützt ruhen; dagegen werden aus dem schönen, dichten Kalkstein bei Seewen dauerhafte Brunnentröge, Thürpfosten rc, gehauen. Marmor wird bei Schwyz am Gibel gebrochen und zu Denkmälern auf Gotresäckern benutzt. Schieferplatten werden auf HesstSbvhl gebrochen, finden sich auch hin und wieder dem Kalkstein untergeordnet, insbesondere in der Nähe der Nagelfluh und namentlich bei Einstedeln, Sandßeinbrüche sind in den Höfen am Fuße des Buchberges und am Ezel mit Nutzen eröffnet worden. Der im Ueberfluß vorhandene Lehm wird in Ziegelhütten zu Ziegeln Leformt, gebrannt und damit Handel nach mehreren Kantonen getrieben. — Im Bezierke Einstedeln und auf der Altmatte, Bezirks Schwyz, wird jährlich eine große Menge Torf ausgebeutet, und in der March, bei Wangen, ist eine ergiebige Braunkohlengrube eröffnet. Arm ist der Kanton an Metallen. Der Schmelzofen in Lowerz ist Mangel Erzes längst eingegangen; ebenso die Marmorsäge in Schwyz. Salzspuren sind entdeckt, blieben aber bis jetzt leider noch unbenutzt. Die eisenhaltigen Mineralquellen von Seewen, welche ihrer schönen Lage halber und wegen einer zweckmäßigen Badanstalt Berühmtheit erlangt haben, sind einträglich, ebenso die Alaunhaltigen von Nuolen und die Schwefelquellen am Merg. 347 Kunstfleiß und Handel. Die vorzüglichste Industrie besteht in Käsefabrikation; Gersau besitzt eine Seidenmanufaktur; an 200 Arbeiter sind in Brunnen mit Seidenspinnerei beschäftigt; in Cinsiedeln eine Baumwollenspinnerei, Tuchfabrik und Färberei; eine ähnliche Spinnerei mit 20 Arbeitern in Nuolen; in Sibnen eine Baumwvllenmeberei mit 50 Stühlen; eine Papiermühle und große Spinnerei in Bach; mehrere Wollhutfärbereien in Schwyz, 1 Buchdruckerei allda und in Cinsiedeln 6; Beinknöpffabrik, Wetzstein- und Strohhütefabriken. Der Handel beschränkt sich auf den Verkauf von Rindvieh, Pferden, den Erzeugniffen der Viehzucht, Holz, Bausteinen, Kalk, Gyps und den wenigen Manufakturartikeln; auch etwas Transithandel auf der Straße vom Zürcher- zum Vierwaldstättersee nach Brunnen. Geldsorten wie Luzern^ Gebirge und Gewässer. Gebirge. Die natürliche Abtheilung des Kantons in drei große Thäler mit ihren Verzweigungen gibt die beste Uebersicht: 1. Muotta- thal, 2. das Sihl- und Einsiedlerthal und 3. das Wäggithal. Vom Schreyenstock, der Gränze zwischen Ury, Schwyz und Glarus, läuft ein Gebirge über die Glattalp, den Stoßberg bis zur Frohnalp am See, welches die Südgränze des Kantons gegen den Kanton Ury bildet, in ihm liegt der merkwürdige Paß, welchen Souwarows Armee im Jahr 1799 aus dem Schächenthal durch das Bisithal in das Muotta- thal eingeschlagen. Der Bragel ist ein viel gebrauchter Pfad aus dem Muottalhal ins Klönthal, seine Höhe beträgt 5,180 F. Vom Bragel zieht sich in Bogenform das Gebirg mitten durch den Kanton über die Mythen (5,870 F.) und Haggen (4,470 F.), mit dem Paß von Ein- siedeln nach Schwyz, dem Engelstock, die Hohen von Biberegg und Rvthenthurmpaß zum hohen Rohnen oder Dreiländsrstein (3,H50 F.), durch diesen und obigen Eebirgszug fvrmirt sich das Muottathal. Vom Bragel läuft nördlich in den Kanton, zwischen dem Sihl» und Wäggithal hin, ein Bergzug über den Flubrig (6,300 F.) den großen (5,240 F,) und kleinen Aubrig bis zum Czel (3,200 F.), dem Uebergang aus der March nach Cinsiedeln. Der Rigi, der Stoßberg und der Engelstock bilden das Thal von Lowerz. Der Rigi ist ein freistehender Bergstock von 10 St. Umfang, gleichsam eine ungeheure Felsenpyramide, durch die Vierwaldstätter-, Zuger- und Lowerzerseen, durch die Seewern und 248 Muotta zu einer Insel gemacht, deren höchste Kuppe unstreitig zu den schönsten Warten der Erde gerechnet werden darf. Auf seiner Höhe Kulm, (5,550 F.), steht ein der Aussicht wegen stark besuchtes Wirthshaus. Der Berg selbst ist sehr fruchtbar, er nährt den Sommer über an 4,000 Stück Hornvieh, ohne die Ziegen und Schafe. Man zählt 150 Sennhütten. Als fernere Merkwürdigkeiten werden noch besucht: das Bergloch oder Kesstsbodenloch. das Wirthshaus auf dem Staffel, das kalte Bad, verschiedene Grotten und Wasserfalle und das Hvspitium der Kapuziner. Der Ruft- oder Roßberg, durch seinen Erdsturz vom 2. Herbstmvnat 1806 bekannt, wodurch Goldau und noch drei Ortschaften in wenigen Minuten verschüttet, 457 Menschen und 423 Stück Vieh das Leben verloren und ein Schaden von 2,500,000 Fr. entstanden. Ueber den sogeheißenen Schutt führt die Straße von Arth nach Schwyz. Ueber Brunnen und Mvrschach erhebt sich die merkwürdige, all- zuwenig bekannte Frohnalp, auf deren aussichtsreichem Gipfel ein Kreuz den frommen Glauben der Anwohner kündet. Sie bildet einen Theil des Roßberges, der auf dem Rigi sich Lurch seine weiß angestrichene Kapelle dem Auge bemerkbar macht. Ueber die verschiedenen Berggegenden führen mehrere (unter der Rubrik Ortsbeschreibung) erwähnte Fahrstraßen, verbinden Einstedeln mit Lachen, Richterschwyl und mit Schwyz. Gewässer. Seen zählt der Kanton Schwyz fünf, davon sind drei, die ihn auf große Strecke bespülen, nämlich: der Vierwald- siätter-, Zuger- und Zürichsee, bereits schon in diesen Blättern beschrieben, und zwei im Innern des Landes. ->) Der Lowerzersee, wovon im Jahr 1806 durch den Goldauer- Bergsturz über ausgefüllt wurde; seine Ufer sind am Fuße des Rigi ziemlich wild, die nvrdöstl. auf Wiesen mit Häusern und Obstbäumen besetzt. In demselben liegen zwei liebliche kleine Inseln, er ist 3/HSt. lang und ^ St. breit. I>) Der St- lange und fs, St. breiteGlattalpsee, auf der Glatt- alp, dem der Bistbach entströmt. Flüsse. Größere und kleinere hat der Kanton acht und noch viele Bäche. Die Hälfte dieser Gewässer empfängt der Zürichsee und ^ ergießen sich zum Theil durch die Muotta dem Vierwaldstättersee zu und ein weniges dem Zugersee. Zu Holzflößungen sind sie nützlich, aber schiffbar ist keines als die Linth, welche den Kanton auf eine kurze Strecke durchstießt. Die Linth, an deren beiden Ufern die Korrektion derselben eine kleine neue Welt aus deren Versumpfung erhob; bei dem Schlosse 249 Grynau führt eine 200 F. lange Brücke über Liesen Fluß, unter welcher die größten Flußschiffe durchführen können. Die wilde Aa kommt aus dem Wäggithal und mündet bei Lachen in den Zürichsee. Die Sihl hat drei Quellen, die eine auf dem Twingi 4,800 F. üb. M., einem Paß aus dem Muotta- ins Sihlthal, die andere an dem Miesern am Bragel, die dritte aus der Nachbarschaft des Wäggithals, sie nimmt noch mehrere Gewässer aus ehe sie sich mit der Alp vereinigt. Die Seewern, Abfluß des Lowerzersees, und ergießt sich nach kurzem Laufe in die Muotta. Die Muotta, sie entquillt dem Glattensee auf der Glattalp, von der Nordseite fließen derselben sieben Bäche zu. Von der Südseite sechs Bäche, welche zum Theil hübsche Fälle bilden; nachdem dieser Fluß am Ausgang des Muottathales eine enge Felsschlucht durchtost hat, strömt er in den Vierwaldstättersee. Der Fallenbach, welcher von der Hochfluh zwischen Gersau und Brunnen in den Vierwaldstättersee stürzt und bei anhaltenden Regengüssen einen grausenhaften Anblick gewährt. Eintheilung und Verfassung vom 13. Oktober 1833. Der Kanton ist in sieben Bezirke eingetheilt: Schwyz, March, Einsiedeln, Küßnacht, Wollrau, Gersau, Pfäffikon. Der Hauptort des Kantons und Sitz der höchsten Landesbehörde ist der Flecken Schwyz. Die Souveränität ruht auf dem Volke. Ihm muß jeder Gesetzesvorschlag zur Annahme oder Verwerfung vorgelegt werden. Alle Kantonsbürger haben gleiche staatsbürgerliche Rechte; alle Einwohner sind vor dem Gesetze gleich. Der freie Verkehr, die persönliche Freiheit, die freie Meinungsäußerung ist gewährleistet. Die christkatholische Religion ist die einzige Religion des Staates. Die Verfassung sichert jeder Korporation und jedem rechtlichen Landmanne das Recht, dem Großen Rath Wünsche, Anträge und Beschwerden vorzutragen. Jeder soll ungebunden vor die Gerichte gelassen, Niemand seinem verfassungsmäßigen Richter entzogen, Niemand, außer in den vom Gesetze bestimnten Fällen und Formen, verhaftet oder in Haft gehalten werden. Der Staat sorgt für die Bildung des Volkes. Jeder Kan- tvnsbürger und jeder in ihm angesessene Schweizer ist zur Vertheidigung des Landes verpflichtet. Die Verfassung sichert die Unverletzlichkeit des Eigenthums. Die Loskäuflichkeit der Zehnten und Grundzinse ist ge- währleistet. Jeder Bezirk trägt nach Verhältniß seiner Bevölkerung zu den Staatslasten bei. Die Klöster stehen unter der Aufsicht des Staates; sie können keine Liegenschaften erwerben und sind. wie jeder andere Bürger, der Besteuerung und der Ortspolizei unterworfen. Die Trennung der richterlichen und vollziehenden Gewalt ist anerkannt. Die Verwaltung des Staatshaushaltes ist öffentlich; keine Beamtung lebenslänglich, kein Beamter ohne gerichtliches Urtheil entsetzbar. Die Kantonsgemeinde besteht aus den in bürgerlichen Ehren und Rechten stehenden Kantvnsbürgern, welche das löte Jahr zurückgelegt haben. Sie versammelt sich alle zwei Jahre; außerordentlicherweise so oft der Kantvnsrath sie einberuft, und wird von einem Landammann präsidirt; sie genehmigt oder verwirft alle Gesetzesvorschläge und Erläuterungen, alle wichtigern Verträge mit dem Auslande und den übrigen Kantonen, die Instruktionen der Tagsatzungsgesandten über Krieg, Frieden und Bündnisse; sie allein ertheilt das Kantonsbürgerrecht. Der Große Rath besteht aus 108 von dem Volke erwählten Mitgliedern mit einem aus ihrer Mitte ernannten Präsidenten; versammelt sich ordentlicherweise zweimal im Jahre, und erseht je nach Zwei Jahren ein Drittheil seiner Glieder Lurch neue Wahl. Er erläßt die organischen Gesetze, entwirft Gesetze und berathet die Gesetzesent- würfe des Kantonsraths, entwirft Gesetzeserläuterungen; wählt die Tagsatzungsgesandten, instruirt sie und nimmt ihre Berichterstattung ab; wählt aus dem Kantvnsrath die Regierungskommission und den Panner- herrn; bestellt das Gerichts- und Kanzleipersonal; übt das Recht der Begnadigung; entscheidet über Kompetenzstreitigkeiten der vollziehenden und richterlichen Gewalt; beaufsichtigt die Kantonsverwaltung; bestimmt das Büdget; ordnet das Münz- und Postwesen und die Salzverwaltung; handhabt Ruhe und Sicherheit im Kanton; erläßt Polizei- und Militärverordnungen; wahrt die Rechte des Staates in kirchlichen Angelegenheiten; erläßt die Verordnungen tm Sanitäts- und Erziehungswesen, und genehmigt alle minderwichtigen Verträge mit andern Staaten. Der Kantvnsrath besteht aus 36 durch das Volk gewählten Mitgliedern mit Einschluß des präsidirenden Landammanns, welche je nach zwei Jahren zu einem Drittheil austreten, ist die oberste Vvllzie- hungs- und' Verwaltungsbehörde des Kantons. Er versammelt sich ordentlicherweise jährlich viermal, außerordentlich so oft die.Regierungs- kommission oder der Landammann ihn einberuft. Er entwirft Vorschläge zu Gesetzen und Verordnungen des Großen Raths und begutachtet die von diesem an ihn überwiesenen; er besorgt die Kantvnsver- waltung und bestellt die dazu nöthigen Kommissionen, er bestellt die 261 Schul- und Sanitätsbehörden, erstattet dem Großen Rathe jährlich über seine Geschäftsführung einen vollständigen Bericht und über einzelne Theile, so oft der Große Rath es fordert, entwirft Las Budget; legt dem Großen Rathe jährlich über die ganze Kantonsverwaltung und den Bestand des Staatsvermögens Rechnung ab; hat die Aufsicht über die Rechte des Staates in kirchlichen Angelegenheiten; übt die Oberaufsicht über die Bezirksräthe und über das Straßenwesen des Kantons. Die Regierungskommission besteht aus dem Landammann und vier von dem Großen Rathe aus dem Kantonsrathe gewählten Mitgliedern, wovon je nach zwei Jahren ein Drittheil austritt. Ihr liegt die Vollziehung und Bekanntmachung aller Beschlüsse des Kalt- tonsrathes ob, sie vollstreckt die Urtheile der gerichtlichen Kantonsbehörden, wacht über die Fremdenpolizei des Kantons, ertheilt den Bezirksbehörden Weisungen und ist dem Kantonsrathe verantwortlich. Das Kantonsgericht besteht mit dem aus seiner Mitte vom Großen Rathe gewählten Präsidenten aus 14 Mitgliedern, wovon je nach zwei Jahren ein Drittheil austritt; ist die oberste Civil-, Kriminal- und polizeirichterliche Behörde. Es allein ertheilt über alle Rechtssprüche, die von ihm ausgegangen sind, Revision; ertheilt Wiedereinsetzung in die bürgerlichen Ehren; bestellt für Angeklagte einen Vertheidiger und steht in Würde und Rang neben dem Kantonsrath. Es versammelt sich auf Ladung durch den Präsidenten. In Streitfällen um Cigenthumsrechte zwischen zwei Bezirken spricht in erster und letzter Instanz ein Schiedsgericht ab. Revision der Verfassung. Diese bleibt vom 13. Okt. 1833 auf 8 Jahre in Kraft; nach dieser Zeit kann der große Rath oder eine Bezirksgemeinde auf theilweise oder ganze Revision antragen; wenn sich zwei Drittheile sämmtlicher Kantonsbürger dafür entscheiden, so wird von den Bezirksgemeinden ein Verfaffungsrath nach dem Verhältniß der Bevölkerung gewählt; dieser legt zuletzt seine Arbeiten den Bezirksgemeinden zur Annahme oder Verwerfung vor. Bundes - Contingent. Mannschaft: 602. Geld: 3,010 Fr. Der Kanton Schwyz zählt 6 Flecken, 24 Pfarrdörfer, 58 Dörfer und Weiler, 6 Klöster, 30 Kirchen und 87 Kapellen, ohne die vielen Kleinen (Kapelli genannt), 385 Weltgeistliche und 705 Ordensgeistliche, Nonnen 262. Seit Aufhebung des Bisthums Konstanz hat sich dieser Kanton dem Bisthum Chur angeschlossen; er wird in zwei Kapitel eingetheilt: das Sextariat Schwyz, zu welchem die Bezirke Schwyz. Gersau und Küßnacht gehören, und das Seekapitel, welches aus den übrigen Bezirken zusammengesetzt ist. 232 Ueber die Schulanstalten, die noch völlig in der Wiege schlum- mern, enthalten wir uns jeder nähern Beleuchtung. Im Bezirk Schwyz besteht seit 1827 ein Schulverein aus Lehrern und Schulfreunden. Einige Mitglieder begannen eine Büchersammlung für Schullehrer anzulegen, allein diese kleine Sammlung wurde nicht benutzt. Im Jahr 1830 stieg die Anzahl der schulfähigen Kinder auf 3,850j; von diesen besuchten die Schulen 2,870. Höhere Schulanstalten. Schwyz hat ein Gymnasium; an demselben sind 3 Professoren bei 6 Klaffen angestellt. Die Schülerzahl be- läuft sich auf 20 bis 25. Selten sind alle Klaffen besetzt. Das Kloster Einffedeln besitzt eine Klosterschule, 6 Klostergeistliche bekleiden die Professorate; 38 Schüler wohnen im Kloster und tragen Klosterkleidung. Neben der Theologie ist die lateinische Sprache das Hauptfach aller Klaffen. Aber auch lebendige Sprachen und andere Wissenschaften werden hier gegen mäßiges Honorar gelehrt. Ortsbeschreibung. Altendorf, Pfdf., am Zürichsee, mit 863 Ew., hat gute Wiesen, Obstzucht und Weinbau; nahe die Ruinen der Stammburg der Grafen von Rapperschweil. Arth, Mktfl., im Bezirk Schwyz; Landungsplatz am Ende des Zuger- see's, es leben in dieser Pfarrei 2,129 Ew.; die Pfarrkirche hat ihre Trophäen aus frühern Kriegen durch die Franzosen 1798 verloren, bis auf einige silberne Gefäffe aus der Beute von Grandson i«. ic. Bibliothek des Kapuzinerklosters. Ueberreste der Letzemauer. Arth bildet einen natürlichen Ruhepunkt der den Rigi besteigenden Fremden, s/j St. bis GolLau, nach Schwyz 3 St., nach Lowerz i St., nach Seewen 1 St., nach Zug 3 St., Rigikulm 3 St. Au, Benediktiner-Nonnenkloster, am Ufer der Alp, (gestiftet im I3ten Jahrh.), /z St. von Einsiedeln. Auf-oder Ufsnau. (l»8ul-> Hütte»',); fruchtbare, romantische Insel im Zürichsee, nördl. vom alten Schloß Pfäffikon, sie gehört dem Kloster Einsiedeln, mit einer 973 gestifteten Kirche; hier ruht der berühmte teutsche Ritter Ulrich von Hütten. Bäch, kl. Dorf, am Zürichsee, nächst Richterschweil; merkwürdiger Steinbruch, Eisenschmiede, Papiermühle, englische Spinnmaschinen. Bibereck, Dorf, nahe dem Rothenthurm, Stammsitz der FamilieReding. Bisithal, Seitenthal des Muvttathales, über die Karenalp ein Weg nach dem Stachelbergerbade, ein anderer über die Glattalp in daS Gchächenthal. 233 Brunnen, statt!. Dorf, am Ausfluß der Muotta in den Vierwald- stättersee; hier beschworen die drei Länder am 19. Dez. 1315 den ersten ewigen Bund. Cinschiffungsplatz der aus der östl. Schweiz über den Gotthard bestimmten Gegenstände; Viehzucht; Seidenspinnerei. Nach Gersau i/sSt., Rüttli -/gSt., Tells-Kapelle 12/z St., Luzernü^St. Einsiedeln, Benediktiner-Abtei und berühmter Wallfahrtsort, (alljährlich zählt man daselbst über 150,000 Pilger), mit ausgedehnter Pfarrei, in hohem rauhem Bergthale, zwischen der Alp und Sihl, 2,900 F. üb. M., ward von Weinrad Graf von Hohenzvllern 8Z1 durch Erbauung der ersten Kapelle und Zelle gestiftet. Seit der Gründung sind die jetzigen weilläufigen prachtvollen Gebäude und die majestätische Kirche nach fünfmaliger Vergrößerung im Jahr 1719 letztmals neu erbaut worden. Viele und bedeutende Schenkungen haben die Reichthümer dieses Klosters aufgehäuft. Merkwürdig ist: das schwarze Gnadenbild; die Klosterbibliothek 26,000 Bände; Münz- und Mineraliensammlung; das physische Kabinet; der Kirchenschatz, worunter eine Monstranz von unschätzbarem Werthe; vor dem Kloster ein Brunnen aus schwarzem Marmor mit 14 Röhren, aus einer derselben soll selbst der Herr Jesus Christus getrunken haben. Hier war Ulrich Zwingli, der nachherige Reformator in Zürich, Pfarrverweser, und soll der weltberühmte klillippus I>»rs- eelsus »oinlisstus, von Hohenheim, 1498 hier in der Nähe geboren worden sein. Die Umgegend bringt keinen Fruchtbaum hervor, ist dagegen torfreich. Der Flecken Einsiedeln mit 5,800 Ew., zählt über 70 Gastwirthe und ist mit allen Handwerkern und einer guten Armenanstalt versehen; 22 Sägemühlen, Viehzucht und Alpenwirthschaft. Die Nahrungszweige der Einwohner, die größtenlheils von den Pilgern und Fremden leben, so wie die Anstalten für wissenschaftliche Bildung und Erwerbszweige im Kloster selbst bestehend, sind anderwärts schon beschrieben. Nach Richterschweil 2/2St., Schwyz5Z^St., Rapperschweil 3 St., nach Zug über den Katzenstrick und St. Jost 5 St. Engenberg, Dorf, nahe bei Schwyz, mit den Ruinen der Burg Ez el, ein Bergrücken im S. des Zürchersees, über welchen eine Fahrstraße von Rapperschweil nach Einsiedeln führt, auf welchem 3,310 F. üb. M. die Meinradskapelle und nahe eine prachtvolle Aussicht sich darbietet; hier stand das Haus des riieoplirsstus ksrscelsus von Hohenheim (f1541). Feusisberg, zerstreutes Pfdf., mit 1,750 Ew., am nördl. Abhänge des Etzels, bei der Kirche eine der anziehendsten Aussichten. Freienbach, kl. Pfdf., mit moosigen Ufern, am Zürchersee; siegreiches Gefecht der Schwyzer gegen die Züricher und Oestreicher am 2»4 22. Mai 1443. Hier fielen der tapfere Ulrich von Landenberg und Schultheiß Steiner. Frohnalp, ein über Brunnen 5,430 Fuß sich erhebender aussichtsreicher Berg. Galgenen, Pfdf., Bez.March, an der Straße vwn Lachen nach Glarus, mit etwa 1,200 Ew. und schöner Kirche. Gersau, Mktfl., amMerwaldstättersee, mit 1,350 Ew., schöner Kirche und Rathhaus. Nahrungszweige: Viehzucht, Seidenfabrikation und Handwerke; Länderei am See, üppiger Graiswuchs und herrlicher Obstbau. Gersau, bekannt durch seinen lustigem Gaunerlandtag, war bis zur Revolution von 1708 der kleinste Freistaat auf der Erde. Goldau, ehemaliges Dorf, in einem lieblichem Thäte, zwischen dem Rigi und Roßbcrg, ward nebst den Ortschaften Bustngen, Ober- und Unterröthen, dann Mehreren Häusern von Loiwerz, eine der anmu- thigsten Gegenden, am S. Herbstmvnat 1806, durch den Sturz des Knipenspitzes binnen 4 Minuten in eine der schauerlichsten Wüsteneien verwandelt, mehrere hundert Fuß hoch mit Schutt und Graus bedeckt waren, über 400 Menschen, sammt Thieren, Gebäuden, Gärten, Obstbäumen, kurz Alles was hier eristirt hatte, wurde zerstört, neue Hügel aus Steinblöcken und neue Teiche der graffesten Wildniß hatten sich über den Trümmern des Untergegangenen gebildet. Den Schaden an Gütern rechnete man auf 2/2 Millionen Schw. Fr. Wo Goldau stand, befindet sich nun eine Kirche und ein Gasthaus. Alljährlich wird in dem nahen Arth, am 2. Herbstmonat, zum Andenken dieses trüben Ereignisses ein Trauergvttesdienst gehalten. Grynau, altes Schloß und Kapelle nebst Gasthof, an der Brücke über die Linth; Zollstätte; im I. 1337 Sieg der Zürcher über den Grafen von Homburg-Habsburg. Hacken, Berg, östl. von Schwyz, 4,470 F. üb. M-, reicht mit seinem Fuße, welcher mit Häusern und Baumgärten geziert ist, an diesen Flecken. Die mittlere Höhe nehmen Graswuchs und Sennten ein, aber sein steiles Haupt erhebt sich kahl. Die dort sich entfaltende Aussicht bei dem Wirthshaus übertrifft in einigen Beziehungen diejenige des Rigikulms. Ein Fußpfad führt über ihn von Schwyz in 3 St. nach Einsiedeln, südwärts zwei mit Gefahr zu besteigende Felsspitzen, die Mythen oder Schwyzer-Hacken. Huttensgrab, siehe Auf- oder Uffnau. Höfe, Landstrich aus dem Bez. Wollrau und Pfäffikon bestehend, dem Kloster Einsiedeln gehörend. 36Ü Jberg, Pfdf., >m Bez, Schwyz, mit 1,404 Ew.. in einem Seitenthals des Sihlthales, 3,550 F. üb. M., von Wäldern und Alpen umgeben; Schwefelquelle in wild zugänglicher Schlucht. Jngenbohl, Pfdf., zwischen Brunnen und Schwyz, dessen Wallfahrtskirche auf aussichtsreichem Hügel an dem Muotta und Fuß des Roßberges. Küßnacht, Mktfl., an einer Bucht des Vierwaldstättersees und am Fuß des Rigl. Auf einem Hügel über dem Flecken die Ruinen von Geßlers Burg mit schöner Aussicht. Der Weg von Immenses durch die Hohlgaffe, an der Stelle vorüber, wo der Landvogt gelobtet wurde; hier Tells Kapelle. Nach Luzern zu Land 4St., zu Wasser 2>^St. Zwei Wege nach dem Rigi. Lachen, Mktfl., am Zürichsee, mit 1,467 Cw., in sehr fruchtbarer Gegend, auf der gr. Str. von Zürich nach Glarus, Schifffahrt, Zvllstätte, Post, baut viel Schabziegerklee (Lotus liorteusis). Lowerz, Pfdf., im Bez. Schwyz. mit 450 Ew., am See gl. N., auf der Str. von Arth nach Schwyz. Im See liegen zwei Inseln, Schwanau und Roggenburg, mit malerischen Ruinen. March, schöner fruchtbarer Bezirk, dehnt sich am Ufer der Linth und des Zürichsees bis an die Rapperschwylerbrücke aus; Lachen der Haupt- ort; 9,170 Ew.; starke Viehzucht und Alpenwirthschaft, etwas Feldbau. Maria zum Schnee, St., Kapuzinerhospiz und Wallfahrtskapelle, 4.260 F. üb. M., hier 4 Wthsh. mit Molkenkuren, an der Aa, in einem hohen Thale des Rigi; Spaziergänge auf Rigikulm ^ St., Rigistaffel f^St., ins kalte Bad f^St. In der Nähe die Höhlen Bruder-Eichbalm und Geißenhöhle. Schwingfest am 22. Juli. Morschach, Pfdf., mit 400 Ew., In einer Vertiefung am Roßberg 5,820 F. üb. M. Muottathal, 4 St. lang, f^St. breit; Fhw. nach dem Pfdf. Muotta, welches am r. U. des Flusses, 1,340 F. üb. M.^liegt, und niedliche Wasserfälle, schöne Waldungen und Sägemühlen in der Nähe hat. Fhw. auf den Bragel 3^ St., Glarus 4 St. Die Pfarre Lehnt sich 6 Stunden weit und zählt 1,425 Ew. Das Kloster St. Joseph im I. 1799 ein östeweich. Lazareth, wurde 1280 erbaut; Viehzucht die Nahrungsquelle. Nuolen, Pfdf., im Bez. March, an der Mündung der Aa, mitiooEw. und einem Heilbads von besonderer Güte, in dessen Nähe sind silberne Münzen von Ditus Vesxssiauu« ausgegraben worden. Pfäffikon, Bez., mit 1,298 Cw., an dem Zürchersee. Pfäffikon, Dorf, nahe am Fuße des Ezels; nahe Burgruinen; im I. 1439 Treffen zwischen den Zürcher» und Schwyzern. Reichenburg, Pfdf., mit 78» Ew., an der Gränze des K. Glarus, fast verwischte Burgruinen, wovon es den Namen hat; Schwefelquelle ; Riemen- und Nömer-Staldenthal und Pfdf., im Bez. Schwyz, mit 86 Cinw,, Pest und Schneelauinen haben verschiedentlich hier gewüthet. Rigi (kegln» niontlum), (s. S. 64); acht Wege führen von verschiedenen Ortschaften, die seinen Fuß begränzen, in sehr verschiedenen Richtungen auf die Höhe. Sehr steil ist M den meisten Orten die westl. Seite gegen den Merwaldstättersee. Der Rigi hat eine durch seine örtliche Lage und durch keinen Vorgrund beschränkte, unvergleichliche Aussicht, und ist, durch den Reichthum an seltenen Pflanzen und die bequeme Zugänglichkeit zu den merkwürdigsten Punkten, einer der besuchtesten Berge der Schweiz. Er erhebt sich am Signal beim Rigikulm, nach Usteri, 5,676 F. üb. M. Südlich neigt er sich in's Muottabachthal; nirgends hat der Schnee bleibende Stätte. Auf den Höhen Weiden, tiefer Waldungen, dann Wiesen, zuletzt Gemüse- und Obstgärten. Mehrere tausend Stück Rindvieh werden auf seinen Alpen gesömmert, Molkenkur- und Badanstalt. Zwei starkbesuchte Wallfahrten. Ein Gasthof auf dem Kulm. Die SpizeN Hohrück, Rothstvck, First, Schild, Dosten, Schneeälpli und Hochfluh bieten auch imposante Aussichten. Rigistaffel, eine St. tiefer, bietet ebenfalls einen Gasthof, wovon die Badeanstalt etwa eine ^ St. entfernt ist; hier ist eine Wallfahrt und abermals eine St. tiefer die zweite Wallfahrtskapelle und ein Kapuzinerhospiz nxbst 5 Gasthösen, wovon der größere, zur Sonne genannt, 28 Zimmer und 6» Betten bereit hält. Eine ^ St. über den Gasthöfen ist links, in einiger Entfernung vom Wege, das Denkmal des Herzogs Ernst von Gotha; diesem gegenüber die Tropfsteinhöhle Brudcrbalm, etwas tiefer die Eichhornbalm, Zufluchtsstätte für das Vieh. Die Geißenhöhle, unterhalb des Hospiziums, jetzt eine ärmliche Wohnung. Hier wird am 22. Juli das Schwingfest gefeiert (gymnastische Uebungen der jungen Aelpler). Unter die Merkwürdigkeiten gehört noch der Felsspalt Kessisboden- loch, die Nebel-Abspielungen, auch die ertheiltwerdenden Ablässe zu St. Maria am Schnee :c. Vieles Seltsame zeigt sich noch auf diesem auch in gevgnostischer und botanischer Hinsicht reichen Berge; wir empfehlen daher denjenigen, welche nicht Gelegenheit haben ihn selbst zu besteigen, das Panorama von Heinrich Keller mit Text, Zürich 1807. Die Wege auf den Rigi sind: Arth . . . führt in 34j St. auf den Kulm und wird in 2?ch St. Gvldau . ,, ,, 31/2 ,, " 1, ,, ,» ,, , 2^ Lowerz. . ,, „ 3^ „ ,, „ ,, „ ,, 3 „ Gersau. . 4^ ,, ,, ,, " ,, „ ,, 4 Fiznau. . „ „ 3 „ " " »I ,, ,» 2^2 ,, WäggiS . ,, 3^ „ " „ 2^ ,, Greppen. », », 3^ ,, ,, »» »» ,, 2^^ ,, Küßnacht ,, ,, 3^2 ,, », ,, ,, ,, ,, 2^2 ,, Zmmensee ,, ,, 3^ ,, ,, ,, ,, ,, 2!^ von den Herabsteigenden zurückgelegt. Rothenthurm, Pfdf., in rauher Thalgegend des Bezirks Schwyz, mit 790 Ew.; hat seinen Namen von einem rothen Thurm, Restruine der Lstzemauer. Sieg der Schwyzer (>798) unter dem kühnen Alvys Re- ding über die Franzosen. Sattel, Pfdf- mit 966 Ew., auf der gleichnamigen Höhe der Berg- straße, welche von Schwyz über Einsiedeln nach Sem Zürichsee führt. Hier ist die Kapelle Lee« Iiomv. Schindelleggi, Dorf, an der Sihl, mit gedeckter Brücke unter dem Durchbruch; zwischen Ezel und hohe Rohne, auf der Straße von Zürich nach Schwyz. Treffen am 2. Mai 1798 gegen die Franzosen. Schlagberg, Mineralquelle, deren starkes Schwefelwaffer versandt wird. Schübelbach, Pfdf., anziehende Lage im üppigen Wiesenthale des Bezirkes March, an der Straße nach Lachen, mir 1,720 Ew. Viehzucht und bedeutender Pferdemarkt. Schorno, am Fuße des Morgarten. Von der Letze noch ein Thurm. Eine Kapelle zum Andenken der Morgartenschlacht. Schwyz, Flecken und Haustort, mit 650 Häusern und 4.888 Ew. zur Kirchgemeinde; hat zwei Hauptstraßen, liegt am Zusammentreffen des Muottathales mit den nach Brunnen und Arth sich hinziehenden Thälern und ist von dem Tobet-Dorf und Uetenbache theils durchschnitten, theils umfloffen. — Merkwürdig sind: das Rathhaus, die Porträte von 43 Landammännern >c., das Zeughaus, Schulhaus mit Theater, Spital, prachtvclle Pfarrkirche, das Nonnen-, Kapuziner - und Dominikanerkloster, das Hedlingersche Münzen- und Medaillen- kabinet, Bürgerbibliothek, Armenanstalt >c. — Verschiedene Männer haben hier das Licht erblickt, die sich als Gelehrte, als Krieger oder Künstler Ruhm und Ehre erwarben. Seewen, Dorf, am Fuße des Urmiberges, litt 1799 durch feindliches Zusammentreffen der Oesterreicher und Franzosen, und 1806 durch Ueberschw emmung bei dem Goldauer Bergsturz. Mvlkenknranstalt und 17 2S6 vortreffliches Heilbad. Nach Schwyz )4 St., Brunnen i St., Gersau 2)4 St., Goldau 1)4 St, Cinsiedeln 3)4 St. Sibnen, Dorf, am r. U. der Aa, an der großen Straße nach Zürich. Pferdemärkte und Baumwollenspinnerei. Sihlthal, öffnet sich nördlich gegen Cinsiedeln, zieht sich parallel 3)<, St. lang mit dem Wäggithal bis an den Bragel, wo die Sihl entspringt. Diethelmfelsen mit großen Höhlen, welche Schwefelkies enthalten. Auch Stuttereien und Sennereien der Abtei Cinsiedeln. Steinen, Pfdf., im Bezirk Schwyz, nächst dem Lowerzersee, mit >,360 Ew. Am Platz, wo Werner Stauffacbers Haus gestanden, die heil. Kreuzkapelle. Steinkohlenlager am Steinenberg, hier Wallfahrten zum Bild der heil. Anna. Tuggen, Pfdf., in derMarch, an der Linth-Niederung, mit856Ew. Es empfiehlt sich durch seine Lage ganz besonders. In der Kirchen- gesckichte bekannt durch die Heiligen Columban und Gallus, welche zu Anfang des 7ten Jahrh, nach Helvetien kamen. Tellskapelle (s. Küßnacht). Die Zahl der Wallfahrten zu diesem Heiligthume ist groß. Die Kapelle steht einsam da, prunklvs und ohne andern Schmuck, als der einfache Gottesdienst erheischt. Keiner der übrigen Stifter schweizerischer Freiheit ist so geehrt worden, wie Tell, dessen Gedächtniß noch zwei ihm geweihte Kapellen verewigen; nämlich die an seinem Geburtsorte, die andere wo er sich aus dem Schiff rettete. Westlich von der Tellskapelle steht die alte reich fun- dirte Kapelle St. Martin im Thale. Wäggithal; dieses alpen- und weidenreiche, von hohen Kalkbergen eingeschlossene Thal erstreckt sich 4 St. weit, längs der Aa, von den Glarnergebirgen an bis in die Gegend von Lachen am Zürichsee, und hat seine Benennung vom Wäggisberge, etwa 6,030F. üb. M. Das Dorf Wäggithal, mit 584 Ew., liegt in einem grünen Thalgrunde am östl. Fuße des großen Auberig, der sich hier mit seinen steilen Felswänden imposant darstellt. Die höchsten, von diesem Thale aus sichtbaren Gebirgsstöcke sind östl. die Bockshörner und der Scheinberg oder Hochfläschen, südl. der Zünglispitz; den Hintergrund gleichsam schließend erhebt sich der Nedertenstock, die höchste dieser Bergspitzen; westl. steigt der Fluhberig empor; nördl. die beiden Auberig, dem Thal die Gestalt eines Kessels gebend, vessen schroffe Wände bis auf 5000 Fuß ansteigen. Viehzucht und Alpenwirthschaft ist der Hauptnahrungszweig; auch etwas Feldbau. Wangen, Pfdf., im Bez. March, am Frße eines Weinhügels, mit 1.044 Ew. Viehzucht. Brauukohlengrule. 239 Wollrau, Pfdf., im gleichnamigen Bezirke (der an den Kant. Zürich gränzt und elre» 2,070 Cw. zählt, welche sich mit Feldbau, Viehzucht und Manufaklurarbeiten beschäftigen), zählt 960 Ew. Der sogenannte Hafen ist durch den Mühlebach vom Kant. Zürich geschieden. Anstalt für Gemüthskranke mit künstlichen Bädern. Gefecht 17»8 zwischen den Glarnern und Franzosen. Kanton Unterm alven. (^in reindemokratischer Kanton, der Rangordnung nach der sechste, und einer der Stifter der schweizerischen Eidgenossenschaft; besteht in den zwei Abtheilungen: Obwalden und Nidwalden. Das Kantons» Wappen ist ein silberner Schlüssel in einem von Roth und Silber quer getheilten Schilde. Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag und Lebensweise. Dieser Kanton gränzt gegen O. an den K. Ury, gegen W. an die K. Luzern und Bern, gegen S- an den K. Bern, gegen N. an den Vierwaldstättersee. Von S. gegen N. ist er 10 St. und von W. gegen O. 8 bis 9 St. breit. Flächenraum >2/2 IHM. mit 23,600 Ew., wovon 13,120 auf Obwalden und 10,480 auf Nidwalden kommen, und in 2 Mktfl., 13 Pfarreien und 5 Klöstern vertheilt sind. Die Unterwaldner tragen in ihrer körperlichen Bildung rm Allgemeinen das Gepräge eines Hirten- und Bergvolkes. Nach geschichtlicher Sage sind sie Nachkommen eines schwedisch-germanischen Hirtenstammes. Die Obwcldner sind ein schlankeres, hochstämmigeres Volk als die Nidwaldner, wckche mehr Untersetzt und von starkem, knochigem Körperbau sind; doch gibt es im beiden Theilen viele Männer von tz Fuß. Die Obwaldner sind gewandter im Ringen, die Nidwaldner kräftiger zum Tragen schwwer Lasten; dagegen sind die NidwalLnerinnen blühender und schlanke, als die Obwaldnerinnen, und es werden besonders in der Gegend von Stanz sehr schöne weibliche Gestalten getroffen. Die Gesichtsfarbe beider Geschlechter in beiden Landestheilen ist im Mge- 260 meinen blühend, die Haut weiß, das Auge lebhaft, mehr dunkel als hell und selten blau. Die Haare der Männer Obwaldens sind gewöhnlich schwarz, die der Frauen blond oder röthlich. Die Haare der Männer Nidwaldens sind mehrentheils blond, die der Frauen dunkelbraun oder schwarz. Blinde, Lahme, Taubstumme gibt es wenige und Kretins gar keine. Ganz eigenthümlich war ehemals die Tracht der sämmtlichen Unterwaldner, besonders diejenigen der Nidwaldner. Jetzt besteht die der Obwaldner-Männer in Tuchkleidern nach gewöhnlichem bürgerlichen Schnitt, und die der Frauen ebenfalls in bürgerlichen Kleidern mit Korset und kurzer Weiche. Die Haare sind in Zöpfe geflochten und mit einer silbernen Nadel in der Form eines doppelten Löffels gehalten. Der Nidwaldner Bauer ist fast immer im weißen Hirtenhemd und Hvlzschuhen, das Haar des Vorderkopfes kahl abgeschnitten, im Nacken bleibt es stehen; aber auch diese Mode verschwindet nach und nach. Bei den Nidwaldnerinnen sind die rothen Röcke und rothen Strümpfe, die wollenen Dreiröhrenhütchen, die eisernen Täzchen an den Schuhen und Las steife Tabakspfeifchen verschwunden; sie haben viel von der bürgerlichen Kleidung angenommen; es hat die jetzige weibliche Bauerntracht in ihrem Festputze selbst etwas Idyllisches. Die Staatskleidung der Vorsitzenden Herren im ganzen Kanton ist schwarz, mit weißem Halskragen, Mantel und Degen. Die gewöhnliche Nahrung des Landmanns besteht in Milch, Schotten, Zieger, Käse, Erdäpfel und Obst; der Vermögliche genießt auch Fleisch, welches wohlfeil, aber nicht schmackhaft ist, da keine Mästung getrieben wird. Der Unterwaldner, im Durchschnitt kein starker Ester, liebt aber die seinem Lande eigenthümlichen Leckereien, als: Bratkäse, Fusterli, Ofenkrapfen, Lebkuchen ic. Wein, welcher aus andern Gegenden bezogen werden muß, ist immer theuer, daher wird der im Lande selbst gepreßte Obstmost und leider auch zu viel Branntwein getrunken. Die Häuser in den beiden Landestheilen sind meistens von Holz auf ziemlich hohen Mauern ruhend, welche sauber geweißt sind, sie bilden das Erdgeschoß und enthalten den Keller, oft auch Speicher und Sennhütte. Das gewölbte Gibeldach ist mit von Steinen beschwerten Schindeln oder mit Ziegeln, aber niemals mit Stroh gedeckt; um die Wände des Hauses reichen die Vorlauben zur Waschtrocknung rc. Im Innern der Häuser herrscht eine Reinlichkeit gleich den Appenzellern, und in vielen Häusern findet man sehr saubere Tischlerarbeit. Scheunen (Gaben) und Holzschöpfe sind etwas entfernt vvm Wohnhaus. 26t Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Im Ganzen ist das Klima mild und gesund. Im März sind die Ebenen gewöhnlich schneelos und Ende Aprils .schon zeigt sich bisweilen der Frühling in voller Pracht. Der Winter beginnt in der Regel mit Stürmen. Auf den Vvralpen beginnt die Vegetation Ende Mai, auf den Hvchalpen Anfangs Juli. Die Landökvnomie des Unterwaldners ist vorzüglich die eines Hirten und Sennen. Ackerbau und alle übrige Kultur ist dagegen nur eine unter allem Verhältniß stehende- Nebensache. Gegenwärtig furchet im Lande kein Pflug mehr, obwohl hin und wieder in Berg und Thal Frucht gepflanzt wird. Der hiesige Landbau umfaßt im engern Sinne die Wiesen, die Allmenden, die Nieder, die Alpen, die Sommerweiden, das Wildheu und das eigentliche Pflanzland; im weitern Sinne die Viehzucht, die Sennerei, Obst-, Garten- und Forstbau, Bienenzucht. Der Wiesenbau ist mehrentheils natürlich, aber seit einiger Zeit pflanzt man auch auf rauhen Weiden künstliche Futterkräuter; das Pflanzland lieferte außer Brodfrüchten und Erdapfeln auch noch Gemüse und Hülsenfrüchte, Hanf, Flachs und verschiedenen Oelsaamen, wenn sich mehr mit deren Anbau befaßt würde. Besser ist für den Obstbau gesorgt; außer den gewöhnlichen Obstarten werden auch noch feinere Gattungen in Menge erzeugt; an einigen Orten selbst gute Kastanien und Feigen. Die Behandlung der Wälder geschieht noch im alten System, wo die Noth keine Gesetze hervorrief. Die vorherrschenden Waldungen Unterwaldens sind Nadelhölzer, besonders an den sogenannten Schattenbergen (höhere Gebirgstheile), Laubhölzer in den tiefern Gebirgstheilen; in zerstreuter Pflanzung, besonders in Obwalden, noch ansehnliche Eichen.. Die größern Holzverkäufe finden in neuerer Zeit in Alxnach statt. Mineralien. Weiße und braune Ouarzkrystalle (Engelberger- Alpen), grünen und weißen Flußspath (St. Lauchern, ob Wvlfenschießen), Schwefelkiese und faserige Gypsspathe (Ennetmoos) rc. Marmor findet sich häufig; das größte Lager ist an der Kesselenfluh im Hintergründe des Melchthales, und in der Knerz bei Stanz. Alabaster nur bei Kerns und an der Entlebuchergränze. Kalk und Gyps am meisten in der Richtung der Kernserberge. Die Viehzucht ist und bleibt des Unterwaldners Hauptgewerbe; sie umfaßt vorzüglich das Hornvieh und die Schweine, weniger die *) Der Umfang des sämmtliche» Pflanzlandcs im K. Unterwalde» beträgt etwas über eine Million Klafter, nämlich Obwalden äso.ooo. Rrdwalden 690,000 262 Pferde, und mehr die Ziegen als die Schafe. — Obwalden zählt 7,130 Kühe; eine Kuh, gewöhnlich 5 bis 6 Ztr. an Gewicht, gibt täglich 24 bis 30 Pfund Milch. Ziegen 3,700. Schafe 2,500. Schweine 2,300. Pferde 260. — Niedwalden: Kühe 4,500. Ziegen 2,000. Schweine 100. Schafe 700. Pferde go. — Das Ziel der hiesigen Viehzucht ist die Sennerei, der größte Nutzen also die Käsebsreitung, welche vorzüglich iim Sommer auf den Alpen Detrieben^wird. Man rechnet das Gewicht der in diesem Kanton alljährlich verfertigten Käse auf eirea 20,000 Zentner. Die Bienenzucht ist nicht vernachläßigt und begünstigt durch die üppige Vegetation des Landes, liefert aber dennoch nicht den nöthigen Bedarf des Honigs und auch nicht hinlänglich Wachs für die Kirchen, daher das Mangelnde auL Italien bezogen wird. Die Jagd ist frei, aber außer Gemsen, Füchsen, Hasen, Murmelthieren und Eichhörnchen kein anderes Wild vorhanden; bisweilen auch Geier, Adler, Schnee-Haselhühner ic. Die Herbstjagd geschieht auf allerlei Zugvögel, aber ohne Gewinn. Die Fischerei ist einträglicher; der Sarner- und Dierwaldstät- tersee, die Flüsse und Bäche liefern an 32 Arten Fische, worunter die Alpenforelle »Iglnus) vorzüglich geschätzt ist. Das Thierreich bietet mehrere hundert Arten von Insekten; auch finden sich hier in Menge die heilsamen Blutegel. Kunstfleiß und Handel. Fabriken oder Manufakturen blühen nicht in diesem Kanton, würden auch die Gewerbthätigkeit der Sennereien, der Alpenwirth- fchaft :c., welche mit der Industrie manch' andern Landes wetteifern, hemmen; da auch diese Zweige Kenntniß, Fleiß und Sorgfalt erfordern, die öfters mit nicht gefahrlosen Beschwerlichkeiten verknüpft sind; wie z. B- die Alpsahrt, Käselasten zu tragen über steile Berge, das Wildheuen, das ausgebreitete Einhacken im Frühjahr und Herbst, die Käsebereitung am beständigen Feuer ic. Indessen bestehen an einigen Orten Seidenkämmlereien, viele Leinweber, Drechsler, Tischler und Werkstät- ten, worin eine Menge der saubern und niedlichen hölzenen Milch- geschirre und Sennereiapparate verfertigt werden. Es bestehen außerdem im Lande: i Baumwollen-, i Schnür- und Band - und 1 Gewehrfabrik; 2 Papier- und 3 Gypsmühlen; auch eine Glashütte; mehrere Schiffsbauplätze. s 265 Durch Hantel wud ausgeführt: Käse«), Hornvieh. Schmal Vieh. Holz, Butter. Felle, Papier, Glas. Kalk und Gyps, Holzwaaren-c. Die Einfuhrartikel umfassen fast alle Lebensbedürfnisse, als: Korn, Wein, Bier, Tuchwaaren, Kolonialwaaren, Salz (jährl. 3000 Ztr.), Metalle, Apotheker- und Luxusartikel. - Der Tranfithandel wird, wenn die beabsichtigte Straße über ! den Brünig vollendet ist, mit Vortheil erstehe». Zur Belebung des Verkehrs werde» im Kanton 12 ver- s schiedene Märkte abgehalten. Wochenmarkt besteht nirgends. Es wird i gehandelt nach dem eidgenössischen Münzfuß: Franken, Batzen, Rappen, > oder nach dem Luzernischen: Gulden, Schilling, Angster; 6 Angster zu I Schill., 40 Schill. zu I fl., 3 fl. zu 1 Kronenthlr. oder 4 Fr., 12 st. zu i Duplone oder 16 Fr. Gebirge und Gewässer. Gebirge. Wie schon erwähnt, so bilden zwei Hauptthäler diesen Kanton, die sich vom Vierwaldstättersee nach den mit Schnee bedeckten Gebirgen erheben, unter welchen der Titlis (10,820 F.) das höchste ist. Vom Titlis oder vom Urazhorn zieht sich die Ostgränze des Kantons über den Grafenberg zum Engelbergerrothstock (9.200F.) und Gemsispiel (7.S00F.) zum Brisen (7.600F.), dann über den Gütschen zur Spitze von Trieb, Brunnen gegenüber. In der Süd- und Westgränze liegen folgende Berge: das Grauhorn, das Joch (6,890 F-), Paß vom Engelberg nach dem Gentelthal; Hänglihorn (8,150 F., Geisberg), Erzeck (6.800 F.), großer Laubenstvck (7,750 F.), Glockhaushorn, Hohenstvllen (6.790F.). Giebel, Schvrren und der Brünig (3,580 F.), ein Weg von 3 St. von Lungern nach Meyringen, und das Rothhorn (7,300F.), die Gränze dreier Kantone. Hier beginnt die Westgränze und läuft nordwärts über den Nesselstvck, Feuersteinberg und Glaubenstvck zum Pila- tus. Vom Hänglihorn zieht sich nordwärts ein Nebenzweig durch den Kanton bis zum Vierwaldstättersee über den Tannenbandstock, Joch (6,700 F., Jöchli oder Jauch li), Paß von dem Engelberg nach dem Melchthal, und die Blumalp (5,690 F.) zum Rotzberg. Der Bürgen geht wie eine Halbinsel in den See, scheidet das Stanzerthal von demselben und verbindet den Pilatus mit dem Rigi. Nach der Zolltabcllc des K. Uru, beträgt die jährliche Durchfuhr der Untcr- waldnerkäse im Durchschnitt jährlich g.ooo Spaten oder Fäsichcn, jedes zu b Stück, im Ganzen also Sa.ooo Stück zu circa Zo Pf. 1 es Fr. pr. Zentner. 264 Daß die Gebirge den größten Flächenraum dieses KantonS einnehmen, ist jedem einleuchtend; über alle seine Thäler hinauf ragen, bald einzeln, bald im Chaos verschlungen, eine Menge von Gräten und Hörnern, von Spitzen und Stöcken, von Zinken und Hacken, die wie ein ungeheurer Wall immer höher und höher von Norden nach Süden emporsteigen; doch nur wenige erreichen die ewige Schneelinie; die meisten liegen als nackte Felsen, oder mit Rasen und Waldungen bekleidet, im Mittelgebiete des Hochgebirges. Einige präsentiren sich als ganz romantische Hügel. Gewässer. Das Land ist wasserreich; fast auf allen Höhen, auf allen Ebenen sprudeln Quellen hervor; in allen Höfen und Matten fließen Brunnen. Seen. Vierwaldstättersee (s. S. 67). Lungernsee, in Obwalken, am Fuße des Brünigs, 850 Juch. groß; berühmt durch dessen Tieferlegung, um Pflanzland zu gewinnen und Gefahren abzuwenden. Die Arbeit wurde 1760 begonnen, mehrmals unterbrochen und erst am 9. Januar 1836 glücklich vollendet, wobei die beiden Ingenieure Deschwanden und Sgilzberlger ihre Ge- schicklichkeit besonders bewährten. Saruersee, auch in Obwalden, St. lang und )<, St. breit; liegt zwischen Gyswyl, Sächseln, Schwändi und Sarnen, und erhält sein Wasser vom Abflusse des Lungernsees, der Aa, Sachsler- und Schwändifluß. Dieser See hat reichlich bewohnte Ufern, die mit Waldungen und Wiesen stufenweise begränzt sind. Melchsee, am Jochberg, im Obwaldner Melchthal, 6,000 Fuß üb. M.; derselbe bildet durch seinen Abfluß die Melcha. Kleiner Melchsee, in Obwalden, auf der Kernseralp, 8,600 Fuß lang und 1,900 Fuß breit. Er nährt keine Fische. Sennfeldersee, in der Sachsleralp, am Fuße des Stocks. Tomlisee, in der Alpnacheralp, auf dem Pilatus; in diesen See soll sich, nach der Vvlkssage, der Landpfleger Pilatus, aus Verzweiflung wegen des über Christus gefällten ungerechten Urtheils, gestürzt haben, nachdem er vom Kaiser Tiberius nach Gallien verbannt worden war. Trübsee, ob Engelberg, in Nidwalden, 5.000 Fuß üb. M., 2,740 Fuß lang, 1,850 Fuß breit und 70 Fuß tief; er fließt durch den Pfaffenbach in die Aa. Flüsse. Die Sarner - Aa, neben der Melcha der Hauptfluß Obwaldens, entspringt aus dem Lungernsee; ihr eigentliches Strombett ist 3 St- lang; sie vereinigt sich mit der Melcha und großen Schlieren und mündet in den Alpnachersee. Aa, Waldstrom, im Engelberger-Thale; entspringt in den Sure- nen-Alpen; ergießt sich im Gebiet der Niedwalder Pfarre Buvchs in den Vierwaldstättersee. Mehrere kleine Bache, als: der Schlierenbach, der Mehlbach, der Lielibach. der Kohlthalerbach:c., vereinigen sich mit den bereits aufgezählten Gewässern. _ Einthcilung und Grundzüge der Verfassung. Nicht nur natürlich, sondern auch politisch zerfällt das Land in zwei Hauxtthäler, wovon das hvhergelegene (sie sind durch den Kernwald getrennt) Obwalden und das andere Nidwalden genannt wird. Obwalden besteht aus 7 Pfarrgemei nden: Sarnen, Kerns, Sachslen, Alpnach, Gysweil, Lungern, Engelberg. Nidwalden aus 6 Pfarreien (13 Uertinen): Stanz, Buvchs, Molfenschießen, Beckenried, Hergis- weil, Emmeten. Wie bei den Kantonen Ury und Schwyz, ist auch hier das Volk in der Landsgemeinde Selbstherrscher. Die Landsgemeinde in Obwalden besteht aus allen rechtlichen, 2V Jahre alten Landleuten; sie versammelt sich auf dem Landenberge, bei Sarnen, am letzten Sonntage im April. In Nidwalden treten darin zu gleicher Zeit für Wahlen 14jährige, für Gesetze aber ichährige Landleute auf; Weil an der Aa, bei Stanz, ist der Landsgemeindeort. Beide Theile schicken Wechselsweise Kantonsdepurirte zur Tagsatzung, weil sie zusammen nur eine Stimme haben. Ihre Verfassungen sind einandsr ziemlich ähnlich und in der Hauptsache gleich. Beide Theile stellen eine Demokratie vor, in welcher die Versammlung aller stimm- und wahlfähigen Landleute die höchste Landesbehörde bildet. Diese Lands- oder Volksgemeinden werden alljährlich im Frühling gehalten; sie wählen die ersten Landesvorsteher, die Gesandten zur Tagsatzung, üben die Gesetzgebung aus, ertheilen das Landrecht, nehmen Kenntniß von der Finanzverwaltung und bestimmen die Anlagen. Obwalden hat einen aus den Landesvorgesetzten und 65 von den Kirchgemeinden gewählten RathsglieLern bestehenden und durch den Landammann präsidirten Landrath. Dieser hat die Vollziehung der Gesetze, Verwaltung, polizeirichterliche Gewalt und das Antragsrecht der Gesetze. In Nidwalden ist der ein-, zwei- und dreifache Landrath; der erste wird von den Landesvorstehern und 58 Rathsgliedern aus den 13 Gemeinden des Landes, Uertinen ge- nannt, unter dem Vorsitze des Landammanns gebildet, und hat die öffentliche Verwaltung und Vollziehung der Gesetze; zur Bildung des zweiten wird noch ein verständiger Landmann auf jedes Mitglied des einfachen beigegeben, und ebenso ein zweiter zur Bildung des dritten. Der zweifache Landrath befaßt sich allein mit der Bestimmung des Salzpreises und der Wahl des Salzdirektoriums, der dreifache Landrath aber behandelt Alles, was die Landsgemeinde ihm überträgt. Dann der Wochenrath, der minder wichtige Geschäfte besorgt; der Ertrarath, der in dringenden Fällen zusammentritt, und der Kriegsrath, der die Maßregeln berathschlagt, die bei öffentlicher Gefahr zu nehmen sind. Von Gerichtsbehörden hat Obwalden ein Siebnergericht in jeder Gemeinde; ein Geschwornengericht, als Instanzen für Civil- und Zuchtfälle; ein Landgericht für polizeiliche und minderwichtige pein- licheRechtsfälle, und der dreifache Landrath für todeswürdige Fälle. Ridwalden hat ein Siebnergericht in den bedeutendsten Pfarreien für Civilfälle erster Instanz, unk was unter 30 Gulden ist auch in letzter; ein Geschwornengericht, als Appellationsgerichtsbehörde; den einfachen Landrath für Verbrechen, auf denen nicht der Tod steht, und ein Blutgericht für Kriminalfälle, die tvdeswürdig sind. Jeder Staatsbürger ist zum nöthigen Wehrdienst verpflichtet; beide Landestheile stellen ein Kontingent von 382 Mann und in Geld 1,910 Fr. Vormals brachten die auswärtigen Militärdienste dem Staate und dem Privatmann ansehnliches Vermögen. Diese Quelle fließt nur noch sparsam in den 2 Compagnien, welche Obwalden theils in Neapel und theils im Kirchenstaate, in der vstindischen Compagnie und in der Compagnie, welche Nidwalden ebenfalls in Neapel, und die halbe Compagnie, die es im Kirchenstaate hat. Früher fanden Kapitulationen mit Frankreich, Spanien und Piemont statt. Kirchliches. Der Ritus des Gottesdienstes in diesem Kanton geschieht noch immer nach dem römisch-konstanzischen Rituale, da die bischöfliche Verwaltung von Chur an diesem Punkte bisher noch nichts geändert hat. Außer den 7 Pfarreien mit 21 Kaplaneien und andern geistlichen Stellen zu Obwalden gehörig, und 6 Pfarreien nebst 20 Benefiziaten Nidwaldens, sind noch: Die Abtei Engelberg, Benediktinerordens, mit iö Patres und 7 Laienbrüdern (dieses Kloster steht unter keinem Bischof, sondern unmittelbar unter dem päbstlichen Stuhle und dessen Legaten, gestiftet 1120). L67 Das Nonnenkloster zu Sarnen, Benediktinerordens (gest. 1254), von Engelberg nach Surren verlegt, im Jahr 1615, enthält 17 Frauen und 8 Schwestern, unter dem Vorstände einer Aebtissin und unter der Gerichtsbarkeit des llbts zu Engelberg. Das Kapuzinerkloster zu Tarnen (gest. 1646), enthält 8 Patres und 2 Bruder. Das Kapuzinerkloster >u Stanz (gest. 1581), enthält gewöhnlich 8 Patres und 2 Bruder. Das Kapuzinerinnen- oder Klarissenkloster zu Stanz (gest. 1621), besteht jetzt aus 30 Schwestern, unter dem Vorstände einer Frau Mutter; ste erhalten von den Kapuzinern, als ihren Ordensbrudern, Aushülfe im Gottesdienste. Das Erzieh ungsnesen ist in Unterwalden noch in keinem erfreulichen Zustande, und es bleibt den beiden Regierungen dieses Landes »och Manches zu dessen Förderung zu thun übrig. In Sarnen ist ein Gymnasium mit einigen Lehrern und ein ähnliches findet sich im Klofer Engelberg, ein drittes in Stanz, sämmtliche mit 8 Professoren und 41 Studenten. — In 37 Orten wird durch 44 Lehrer deutsche Schule cehalten. Ortsbeschreibung. (Die mit * bezeichneten gehörnt zu Nidwalden, die andern zu Obwatdcn.) Alpnach oder Altnacht, gr. Pfdf., am Fuße des Pilatus und am Alpnachsee, in einer wiestnreichen Gegend, mit 1,400 Ew., worunter 120 Theiler, denen die 130,000 Klafter Streu- und Pflanzland offen stehn. Im Neubrüchwald bestand (durch Rupp aus Würtemberg) über Hügel und Schluchten, bis 1819, eine 40.000 F. lange Heizleitung, auf welcher die größten Baumstämme in wenig Minuten in die Ebne hinabglitten. Bei der bösen Rübe, hier nahe gelegen, wo drei Kreuze stehen, wurde nach der Schlacht am Morgarten 1315, der Graf von Straßberg, und an der Renk die helvetischen Truppen 1802 geschlagen. Prachtvolle Pfarrkirche; Zollhaus und Waarenniederlage. *Altzellen, (Alzelen), eine kl. Berggem., mit 130 Bew., am Abhänge der Wallenstöcke, mit der Kapelle St. Jost, die eine Abbildung trägt von dem östreichischen wollüstigen Vogt von Rotzberg, wie ihn KonraL Baumgartner hier zur Stelle erschlug; Fhstr. nach Engelberg. *Beckenried, znei, eine Pfarrgem. bildende Dörfer, am Vierwald- stättersee, mit 1,400 Cw., darunter 300 Genossen, denen 18,000 Klafter Pflanzland zustehen. Handel mit Wein, Käse, Holz; Leinweben, Sei- 266 den- und Baumwvllenspinnen; Schiffbauhütten und Alpenwirthschaft; Wafferfall; Burgruine Jsenring. Brünig, Berg, zwischen dem Berner-Haslithal und Obwalden; ein bequemer Weg über denselben nach Meyringen; Zollhaus. "Buochs, bildet mit Ennetburgen (Filialort von hier), eine Pfarrei von 2,000 Seelen. Der Ort hat i,i50Ew., worunter 214 Genossen, diese haben mit den Ennetbürgern ein gemeinschaftliches Pflanzland von 85,000 Klafter, und befahren die gleiche Allmend; naher Wasser- fall des Staubbachs. "Buren, ober, Pfdf., nächst Wvlfersschießen, mit 142 Ew., unter denen 36 Genossen mit 20,000 Klafter Pflanzland. "Buren, nieder, Dorf, mit 227 Ew. und den 36 Genossen, mit 20,000 Klafter Pflanzland. "Drachenloch, heißt die felsige Wohnung des Drachen, der von Strut- hah» Winkelried im I3ten Jahrh, erlegt wurde; am Ende des Riedes steht eine, beiden Winkelrieden gewidmete Kapelle. "Emmeten, Pfarrei, mit 600 arbeitsamen, muntern Ew., darunter 181 Genossen, die nur 6,000 Klafter Pflanzland zur Benutzung haben. Sie liegt auf einer Anhöhe am Fuße des Niederbauerkulm. Es gibt hier auf Windlöchern erbaute Milchkeller, Engelberg, hohes Alpenthal, mit 1,00« im Dorf und zerstreuten Weilern und Häusern häufenden Gemeindsangehörigen; Benediktiner- Abtei; schöner Klosterkirche; 6 Kapellen und verschiedenen Werkstätten und Wasserwerken. Abgeschlossen vom Gebiete Obwaldens, ist das Thal von einem prachtvollen Gebirgskreis umgeben. Unter den Bergen erregt Las höchste Erstaunen der Titlis, durch sein mehr als 170 F. dickeS Eisfeld, von welchem im Frühjahr die Lauinen mit majestätischem Donner herabstürzen. Das Kloster wurde 1121 von dem zürcher- schen Grafen von Seldenbüren gestiftet, und erhielt 1124 vom Pabste Calirtus 11 den Namen »I«»s ai,j><-I«r»m. Engelberg. In des Thales großem Theil vermögen die Sonnenstrahlen nicht einzudringen, dennoch werden in dem schönen, die Abtei umgebenden Garten an Spalieren, wohin die Sonne noch reicht, schmackhafte Baumfrüchte gezogen. Die Klosterkirche liegt 3,200 F. üb. M- und bietet schöne Gemälde; Bibliothek 20,000 Bände; höhere Erziehungsanstalt der Abtei ; große Sennerei. Nach Aktors über die Surenenalp 7!4St., Stanz 4 St. Flühli, ein Felsen im Bergtheile des Kirchgangs Sächsle», nahe am Ranft. Hier steht eine Kapelle vom I. 1620, mit herrlicher Aussicht und dabei das Haus der von Bruder Klaus gestifteten Pfründe. Von 269 diesem Felsen »der Flühli, der ganz nahe seiner Heimath stand, soll Niklaus einst den Brand von Tarnen mit segnender Hand gelöscht haben. Gysweil, Pfdf., mit 1,500 Ew.. am westl. Ufer des Sarnersees, am gefährlichen Länibach und der Aa. Die Kirche steht an der Stelle des Rittersttzes der Edlen von Hunwyl. *Hergisweil, Pfarrei, mit 740 Ew., auf dem Steinberg am Vier- waldstätlersee; 4 Ziegelhütten, t Glashütte, I Papierfabrik, Säge und Kornmühlen, und 5 auf Windhöhlen erbaute Milchhäuser. Joch, Gränzberg, 6,000 F. üb. M-, zwischen dem bernerischen Gentel- und dem Engelbergerthale Unterwaldens; von Meyringen bis zur Spitze üf^St., nach Engelberg 8/2 St. Kaltbad, 3 St. westl. von Garnen, 3,680 F. üb. M., heilsames Wasser, das Schwefel, Alaun, Eisen und Kalk enthält, schöne Aus- ficht vom Sommerberge und dem Hühnergütsch im O.; Fhw. nach Flühli im Cntlebuch 4 Sk. ^Kehrseiten oder Kirscheten, am Bürgenberg, N.W., Filiale von Stanz, mit 107 Ew. und 8 Genossen, mit gleichem Recht wie Stanz- stad, der Ort ist ein liebliches Ufergelände mit schönen Ausfichten, fruchtbar an Obst und Kastanien; in der Nähe der unglückliche Landungsplatz der siegenden Franzosen; es wurde durch Feuer 1798 verheert. Kerns, Pfdf., auf der Straße von Garnen nach Stanz, zählt mit den Filialen St. Niklaus und Melchthal 2,200 Ew., hat 2 Kornmühlen, 3 Sägemühlen, 2 Wergreiben, 1 Färberei, 1 Baumwollen- sabrik; am 1. August Schwingfest. Kernwald, die große Waldung, welche Nid- von Obwalden scheidet, an der Straße von Sarnen nach Stanz. Landenberg; hier stand die am Neujahrstage 1308 verbrannte Burg des östreich. Landvogts, Beringer von Landenberg. Jetzt steht hier das Zeug- und Schützenhaus; es wird an dieser Stelle die Landsgemeinde gehalten. Lungern, Pfdf., am Fuße des Brünigs, mit 1,400 Em., worunter 320 Theiler, welche nur 30,000 Klafter Pflanzland benutzen können. Nächst bei dem Lungernsee, (s. Gewässer), durch dessen völlige Trockenlegung. da er kaum noch 100 Fuß tief ist, konnten 500 Juch. Pflanzland gewonnen werden. Melchthal, 3 St. langes Bergthal, romantisch aber eng, die es einschließenden Berge reichen 6,000 bis 8,000 F. üb. M., öffnet sich bei Garnen und zieht von N. nach S. dem aus dem See gl. N. strömenden Melchbach nach, welcher von allen Seiten kl. Bäche aufnimmt. Das Dorf Melchthal, mit 2 Kapellen, Filial von.Kerus, zählt 200 Ew., 270 darunter 20 Theiler des Pflanzlandes, welches 183t von der Melcha verheert wurde. 2m Dorfe wohnte der geschichtlich bekannte Arnold von Melchthal, einer der kühnen Gründer der Eidgenossenschaft; auch lebte und starb hier am 21. März 1487 der fromme Einsiedler Niklaus von der Flühe. 2» des Thales Hintergründe, am Fuße des Glocken- hausstock, der Melchsee, 6,280 F. üb. M., 4,000 F. lang, 1,000 F. breit; treffliche Weiden und Alpen. * Obburgen, Gemeinde auf der Hochfläche des Burgen, welche mit Stanzstad verbunden ist und 200 Ew. zählt, worunter 20 Genossen. * Pilatus; die auf Nidwalden gehörigen wichtigern Theile dieses Pracht- vollen Gebirges sind das Klimsenhorn, ein Theil des Esels und die an die Hergiswyleralpen stoßenden Felsen der sämmtlichen Nord- und Westseite; die ganze südl. und östl. Seite gehört nach Obwalden, der höchste Gipfel desselben, das Tomlishorn, der größere Theil des Esels, das Gemsmattli, das Widderfeld, die Reustligemvaldfluh, die Steiglt- egg beinahe ganz; imposante Aussicht. (S. K. Luzern.) Römersberg oder Ramersberg, Filialort von Tarnen, sammt Kapelle von 1683, mit 180 Ew., darunter 38 Theiler des Pflanzlantes, die aber keines besitzen. *Rotzberg, *) Felsenkuppe mit umliegenden Weilern, 2,268 F. üb. M. und den Trümmern der Burg deS unglücklichen Funkers Wolfenschießen, welche in der Neujahrsnacht 1308 erstiegen, von den Eidgenossen zerstört wurde. Westl. das Rotzloch, eine schauerliche Felsschlucht, durch welche sich der Mehlbach stürzt und einige schöne Fälle bildet. Berühmte Papierfabrik« und thätige Sägemühlen, besomders die Flatter- säge; am Fuß des Berges mündet der Rotzbach in lren Alpnachersee. Sachslen, (8axui.->), das ist Steinen, wieder Hintere Theil des Dorfes noch jetzt heißt, in der Wallfahrter Sprache: Bruder Klausen genannt, mit i,5ö0Ew., darunter 220 Theiler auf 40,0V0 Klafter Pflanzland, in schöner wiesen - und obstreicher Gegend; prachtvolle Kirche, mit dem Grab Niklaus von der Flühe, zu welchem gewallfahrtet wird; Schwingfest am 26. 2»li; Färberei, Mühlen und Sägen. Garnen, (8»ri,in), Flecken und Hauptort Obwaldens, dessen Kirch- gemeinde mit Schwändi, Kägiswyl, Römersberg und Wylen 3,200, der Flecken selbst 1,036 Ew. zählt, darunter 100 Theiler einiger Wälder und des schönen Pflanzbodens von 40,000 Klafter Gärten sind. **) Von dem französischen I» Hock-, was im Patois I- wo-c heißt. ") Die ursprünglichen Bewohner Sarncns heißen: Freithciler, weil sie im I. lZSo von der Wittwe des ehemaligen Ortsherrn, Freiherr« von Aä, von allen Un- terthanenvcrhältnissen freigesprochen, nun selbst in die freiherrlichcn Rechte eintraten. Als Freithcilcr sind sie die eigentlichen Ortsbürgcr und im Besitze der Gemcindsgüter und namentlich der Wälder Enniried, Römcrsberg und Hochwald, so wie des.ganzen Pflanzbodcns. 271 Garnen liegt äußerst romantisch, am Ufer des Sees g!> N., der An, der Melcha und am Fuße des Landen- und Römorberges, in sonniger, wiesenreicher Ebne; schöne Pfarrkirche, Zeug- und Schützenhaus , Rathhaus, (daselbst seltne Gemälde), schönes Schulhaus, ein Kapuziner- und ein Nonnenkloster. Von der Höhe, wo Landenbergs Burg gestanden, herrliche Aussicht. In jüngster Zeit erlangte dieser Flecken auch eine diplomatische Berühmtheit durch den Zusammentritt, welchen die Gesandten der Urstände und ihrer befreundeten Mitsiände daselbst hielten. Der Sarnersee ziemlich tief und fischreich, 1,600 F. üb. M. Schwand, (Schwand,), zum Kirchgang Garnen gehörige Gemeinde, auf dem Berg gl. N-, welche eine der schönsten und sonnigsten Berghalden bildet, mit 1,500 Ew., darunter 300 Theiler, mit nach Orts- verhältniffen getrenntem Pflanzlande; starke Alpenwirthschaft und Sen- nereien, berühmt find die geschmackvollen Schwanderkäse. Die große Alp reicht vem Agglern bis zum Malus hin; unfern dem See das sehr heilsame Mineralbad WyleN. * Stanz oder Staus, (Sm.lUui»), jetzt der Hauptort Nidwaldens, mit i,204 Ew., war der erste Aufenthalt der Urbewohner des Landes , am Fuße des Berges gl. N., 5,602 F. üb. M., zwischen der Blummatt- und Kalcherlialp gelegen, von herrlichen Wiesen und Obstwaldung umgeben. Die ganze Landschaft, mit 4,530 Seelen, stellt ein Bild klassisch-romantischer Schönheit dar. Merkwürdigkeiten des Fleckens sind: die 132 F. lange und 72 F. breite Pfarrkirche, das innere 52 F. hohe Gewölbe des Schiffs, welches von 15 F. hohen und 6 F. dicken Marmorsäulen getragen wird; 5 Altäre von Marmor, mit Alabasterfiguren und Gemälden, worunter sehr geschätzte sind. Auch die Kirchen des Frauen- und Kapuzinerklosters, so wie die Bibliothek des Letzter» sind sehenswert!); das Rathhaus mit Archiv, in welchem den 22. Dez. 1481 Niklaus von der Flühe die entzweiten Eidgenossen versöhnte, und 2 Säle, die werthvolle Gemälde enthalten. Die Töchterschule im Nonnenkloster, das Waisenhaus und Schauspielhaus. Das Zeughaus enthält u. a. das Panzerhemd Arnolds von Winkelried, auch zeigt man hier noch dessen Wohnhaus. Geburtsort des Bildhauers Christen und des um die Geschichte seines Kantons verdienten Landammanns Zelger. Einäscherung des Orts durch die Franzosen am 0. Sept. 1798, wobei 250 Männer, 102 Frauen und 25 Kinder umkamen. Der wieder aufgebaute Flecken zählt gewerbsame Bewohner, welche sich in verschiedenen Werkstätten beschäftigen, als: Färbereien, Gerbereien, Seifensiedereien, Gewehr- und Schnürfabriken rc. Fhw. nach Stanzstad 1 St., Engelberg 4^ St, Buvchs 1 St., Weil ss St.; 272 hier ist der von großen Linden beschattete und mit Bänken versehene Platz, wo die Nidwaldner ihre Landsgemeinde halten; nach Garnen 3 St. "Stanzstad, neu aufgebautes Dorf, am Merwaldstättersee, am Ende des freundlichen Thales, welches nach Stanz führt, mit 372 Ew., worunter 107 Genossen und 27 Steuerbrüder, oder Gesellschaft der Fischenz. Der Ort ist lebhaft durch seine Schifflände und bildet gleichsam den Hafen von Stanz; Tust und Zollhaus; 500jährige Wachtthurmruine. *Titlis, 10,710 F. Üb. M>, Ausstcht von dessen Gipfel bis Straßburg, (s. Engelbergerthal). *Wolfe »schießen, zerstreutes Pfdf., auf der Straße von Stanz nach Engelberg, die Pfarrei zählt 1,100 Seelen, die Dorfgemeinde 700, unter welchen 128 Genossen, welche 16,000 Klafter Pflanzland benutzen ; nahe beim Dorfe auf einem Hügel stand das ehemalige Stammschloß der von Wvlfenschießen. (Künstler und Gelehrte erzeugte das Untcrwaidnerland verschiedene, obwohl solche in Hirtenländecn seltene Erscheinungen sind. Unsers Wissens hat der Schnitzern AlorS Büstnger, in seiner allcsumfassenden Beschreibung des Kantons Untcr- waldcn. St. Gallen und Bern isäb, auch hierüber ein vollständiges Verzeichnis geliefert.) Kanton G l a r u s. Äer Kanton Glarus ist ein Freistaat mit reindemokratischer Verfassung und der Eidgenossenschaft seit 1352 einverleibt. Der Ursprung seines Namens ist ungewiß; früher wurde er Clarona Glarvna geschrieben, was vom keltischen elaer, giuer (glänzend) und an» (fließendes Wasser) herstammen soll. Er liegt zwischen 46« 48' und 47" 10' Breite und 6° 31' 30" und 6» 55' 45" Länge; seine größte Länge zwischen dem Kistengrate und Niederbilten beträgt fast 7, und die größte Breite zwischen dem Pfannenstiel und Krauchthalpaß 5 St.; sein Flächeninhalt 12,gz UM. Seine Gränzen im W. Schwyz, im N. und O. St. Gallen und im S. Graubünden. Die Bevölkerung beläuft sich auf 20,348 Seelen, demnach leben auf 1 sI>M. ungefähr 2,260 Ew. Das Klima ist wegen der offenen Lage gegen den Nordwind rauh, aber gesund; einige Gegenden jedoch, am Wallenstadtsrsee und dem Linthkanal, find milde und bringen Pfirsiche, Kastanien und Mandeln zur Reife; dagegen 275 sind diese Gegenden nicht so gesund. Die herrschenden Winde sind der Föhn und der Nordwind; jener ist oft gefährlich und fuhrt schnell den Frühling herbei; die Witterung ist ziemlich beständig, der Winter hart und der Sommer in den tiefern Gegenden sehr heiß. Natürliche Beschaffenheit des Bodens. Dieser Kanton gehört den Bergkantonen an, und lehnt sich in den südl. Richtungen an das Hochgebirge; im NW. erhebt sich einzeln der Theil des Glär- nisch, der durch eine Kalkkette durch den Klausenpaß mit den Clariden und den Hochalpen zusammenhängt; diese Partie ist eine Fortsetzung der Rvßstockkette, wild, fürchterlich zerrissen, hat kleine Schneefelder und hie und da etwas Gletscher. Dom Bragel geht die Kalkkette des Wäggis (oder Wiggis) parallel mit dem Glärnisch und scheidet das Wäggi- vom Klönthal; sie entsendet einen Gebirgsast nach N. zum Hirzli. Im O. vom Segnes- oder Flimserpasse setzt sich an der Gränze von St. Gallen das Hochgebirge fort, geht aber bald in ein Mittelgebirge über, das bald sich ziemlich steil an das südl. Ufer des Wallenstaktersees abstuft. Vom W. des Panirerpasses dringt ein mächtiger Gebirgsarm vom Hausstock in Las Innere des Landes, gewöhnlich Freiberg genannt; mehrere kleinere Aeste gehen fast parallel mit ihm vom südl. Hochgebirge aus, ebenso der Selbsanft und der Ruchi. Die Clariden bilden im SW. die Gränze gegen Ury. Zwischen diesen Gebirgen liegt das Hauptthal des Landes, vom Fuße des Tödi bis zur Niedcrung der Linth mit drei Nebenthälerii, sich längs den Quellen der Linth bis zu ihrer Vereinigung mit der Sernft von SW. nach NO- hinziehend. Diese Thäler sind mehrenthsils sehr schmal und von schroffen Abhängen und Felsen eingeschlossen, wodurch beim schnellen Schmelzen des Schnee's und bei starkem Reg«n das Wasser sich plötzlich verheerend über die Thalfläche verbreitet, wie 1762 und 1764. — Die Hauptbestandtheile des Gebirges sind: Kalksteine mit Thonschiefer, Grauwacke und Gyps vermischt, rother und grüner, derbschieferiger Thonstein mit Quarz-, Jaspis- und Lavezkörmern. Gewässer. Seen: Der W allenstadtersee bespült den nvrd- östl. Theil des Kantvms; eine nähere Beschreibung dieses See'S findet sich in dem allgemeinem Theile dieses Werkes, und der andern Seen, wie des Klönthal-, Ober- und Nieder-, Oberbegli-, Diesthaler-, Mutten-See's :c. wird an den betreffenden Orten Erwähnung geschehen. Flüsse und Bäche: Der einzige und Hauptflnß des Kantons ist die Linth, in »eiche sich, alle Gewässer des Kantons ergießen. Sie entsteht aus der Vereinijgung des Limmern- und Sandbaches gleich-oberhalb der PantenbrüEe, und nimmt in auf dem r. U. auf: 18 274 den Dumagel- und Oiesbach, dieSernft; auf dem l. U. den Schreien-, Fälsch-, Lengelbach und die Löntsch. Böden und Produkte. Der meistens aus Gerolle und Schutt bestehende Thalboden ist mehr für Viehzucht als für den Landball geeignet, einzig die Gegend von Mollis bis Bitten ist für jede Kultur empfänglich; die schölnen Alpen begünstigen die Alpenwirthschaft. Aus dem Mineralreiche bezieht man Gyps, Schieferplatten aller Art, schwarzen und schwarz und weiß geäderten Marmor, Farbenerde, sehr guten Tuffstein, Kalk, Krystalle, schöne rosenrothe Flußspathe und ame- thistfarbene Ouarzkrystalle, Schwefelkies, Eisenstein, viele Versteinerungen. Von mehreren Mineralquellen wird besonders das Schwefelwaffer von Stachelberg benutzt. Das Pflanzenreich bietet eine große Man- nichfaltigkeit dar; man sammelt hier den berühmten Glarner- oder Schweizerthee; die Wiesen sind vortrefflich und die Alpen sehr kräuter- reich; die Waldungen lichten sich und werden nicht besonders gut unterhalten; dem Obstbau wird viele Aufmerksamkeit geschenkt, Acker - und Weinbau sind dagegen sehr unbedeutend. Das Thierreich ist wie in Ury; Gemsen, Auerhähne und Lämmergeier sind häufiger; am wichtigsten ist das Rindvieh. Die Kühe sind nicht besonders groß und schwer, aber sekr milchreich und geben einige Wochen nach dein Kalben an SO Pfd. Milch (im Durchschnitt 18 Pfd. bei frischem und 9 Pfd. bei trockenem Futter); gegen 8,000 Kühe werden gesommert, dagegen aber nur ungefähr 5,000 gewintert. Die Ziegen sind sehr zahlreich, weniger die Schafe, die man seit mehr als SO Jahren durch spanische Ra?e veredelt hat. Die Pferdezucht liefert starke und sichere Pferde, hingegen ist die Zucht von Schweinen, Geflügel und Bienen unbedeutend, ebenso Jagd und Fischerei. Industrie und Handel. Beide sind sehr lebhaft, wenn gleich jene manchem Wechsel unterworfen ist; man fabrizirt viel Butter und Käse, besonders ist der Schabzieger (grüner Käse), dem Lande eigenthümlich, nirgends so gut als hier und ein bedeutender Handelsartikel. Die Fabriken bestehen in Leinen-, Wollen-, Baumwollen- und Seiden- Waaren mancher Art; es gibt mehrere große Färbereien und Druckereien, in welchen Leinen, Jndienne ic., vorzüglich aber schöne Mous- seline-Shawls gedruckt werden; 1 Papiermühle; 2 Tuchfabriken; Mous- selinesii ckerei; 1 Vaumwollenkardenfabrik; Verarbeitung des Schiefers zu Schrei,btafeln, Tischplatten und Dachbedeckung, des schönen Masers und Ah vruihvlzes für musikalische Instrumente; man sammelt Medizinal- kräuter umd bereitet den Schweizerthee. Mit diesen Erzeugnissen der Kunst unld Natur, wozu noch Gyps, Kalk, Mühlensteine, Holz, .Leder, Gemsen- und andere Felle kommen, wird ein ausgebreiteter Handel selbst in fremde Welttheile getrieben; der dreißigste Theil der Bevölkerung ist auf kaufmännischen Wanderungen in Europa w. Der Passivhandel besteht in Kolonial- und Farbwaaren, roher Baumwolle, Seide, Tabak, Wein, Salz, Getreide, in rohem und verarbeitetem Eisen, Stahl und Kupfer, Luxusartikel und Tuch. Eintheilung und Verfassung. Durch die am 2. Oktober 1836 außerordentlich versammelt gewesene Landsgemeinde wurde eine neue, mit dem Mai 1837 in Kraft getretene Verfassung angenommen, die von den bisherigen, auf konfessioneller Trennung beruhenden, wesentlich abweicht und deren Grundzüge folgende sind: Der Kanton ist in 17 politische Gemeinden oder Wahl- tagwen eingetheilt: Bitten, Kerenzcn und Mühlehorn, Niederurnen, Oberurnen, Nasels, Mollis, Nettstall, Glarus, Enneda, Mitlödi, Schwanden, Eschen, DieSbach, Rüti, Linththal, Matt und Engi, Elm. Allgemeine Grundzüge der Verfassung. Gleichheit aller Landleute vor dem Gesetze und bei Ausübung politischer Rechte; gänzliche Glaubens- und Gewissensfreiheit; Recht, gemischte Ehen einzugehen und von einer Cvnsession zur andern überzutreten, ohne Nachtheil in Bezug auf politische und Heimathsrechte; Niemand darf anders als nach den gesetzlichen Vorschriften verfolgt oder verhaftet, Niemand seinem ordentlichen Richter entzogen werden; Las peinliche Verhör ist untersagt; das Privateigenthum unverletzlich (für Abtretungen, die das Staatswohl erheischt, gerechte Entschädigung nach dem Gesetz); Preß- freiheit. deren Mißbrauch das Gesetz bestraft; Handels- und Gewerbs- freiheit, Regalien und gesetzliche Bestimmungen, die das Gemeinwohl erheischt, vorbehalten; das Landrecht kann von jedem Auswärtigen erworben werden, wenn in seiner Heimath dem Glarner Gegenrecht gehalten wird; jeder Landmann und jeder im Land angesessene Schweizer ist militärpflichtig; Militärkapitulationen mit fremden Mächten bleiben untersagt; alle Einwohner, so wie die Tagwen und Korporationen, haben gleichmäßig zu den Staatsausgaben beizutragen, Kirchen-, Schul- und Armengüter sind steuerfrei; Oeffentlichkeit in Bezug des Rechnungswesens und Staatshaushaltes; Trennung der richterlichen und vollziehenden Gewalt; der Jugendunterricht und das gesammte Schulwesen stehen unter der Aufsicht des Staates; kein Beamter darf ohne Genehmigung der Landsgemeinde von einer fremden Macht Titel, Orden, Geld oder Geldeswerth annehmen, und Niemand solche Orden >c. in amtlicher Stellung oder im Kantonal-Militärdienst tragen. 276 Politische Rechte, Wahlbestimmungen. Aktivbürger,'womit das Recht verbunden ist, Gesetzesvorschläge an's Memorial zu geben, an Gemeinds- und Tagwen-Versammlungen und an der Lands- gemeinde zu rathen, zu mindern oder zu mehren, zu wählen und gewählt zu werden (die erforderlichen Eigenschaften vorausgesetzt), ist jeder Landmann nach zurückgelegtem I8te», Jahr; ausgeschlossen sind Falliten und Akkordanten, so lange sie nicht rehabilitirt sind, zu entehrenden Strafen Verurtheilte, durch richterliches Urtheil im Aktivbürgerrecht Stillgestellte, Wahn- und Blödsinnige; kein Beamter kann auf Lebenszeit gewählt werden, dagegen ist jeder nach Verffuß der Amtsdauer wieder wählbar; Entlassungen und Suspensionen können nur von kompetenter Behörde ausgesprochen werden; alle Wahlen geschehen durch das freie Handmehr; die Versteigerung von BeLienstungen ist abgeschafft; Landammann und Statthalter werden für 3 Jahre, die Mit- glieder des dreifachen Landraths, des Raths, der Standeskommission und sämmtliche Gerichte für 5 Jahre gewählt; zur Wahl in die Stan- deskemmission oder in das Appellationsgericht Muß man 25 Jahr alt oder Mitglied des Raths, einer Rathskommission oder eines untern Gerichtes gewesen sein; gleichzeitig können in diesen Behörden nicht sitzen Vater und Sohn, Schwäher und Tochtermann, Brüder und Schväger; bei Besetzung der Behörden, Gerichte rc. soll auf verschiedene Landsstheile billige Rücksicht genommen werden. Tie Landsgemeinde, aus allen stimmfähigen Landleuten be- stehead, ist die souveräne Behörde des Kantons, und versammelt sich jährl ch am zweiten Sonntage im Maimonat in Glarus außerordentlich vegen dringlicher Geschäfte auf Beschluß des dreifachen Landraths; zur Kompetenz der Landsgemeinde gehören alle Verfaffungsbestimmun- gen, die Gesetzgebung, Verfügungen über Münzen, Maß und Gewicht, Regalien w., die Oberaufsicht über die Landesverwaltung, in Beachtung der Bundespflicht der Entscheid über Krieg und Frieden, Bündnisse , Verträge rc., die Wahlen des Landammanns, Landstatthalters, der Standeskommission und der Gerichte, die Errichtung und Aufhebung öffentlicher Beamtungen, das Steusrwesen und Verfügungen wegen Bestreitung der Landesausgaben, alle Anschaffungen, Bauten w., deren Kosten die Summe von 2,500 fl. überschreiten, Landrechtsertheilung ; dagegen hat sie kein Recht über die von den übrigen Behörden in Gemäßheit ihrer Befugnisse erlassenen Erkenntnisse und Urtheile^einzu- treten; sie berathet und entscheidet blos über die im Memorial enthaltenen Artikel und Gutachten des Landrathes nach dem bestehenden Reglement. / 277 Der dreifache Landrath, aus den 11 Mitgliedern derStan- deskommissivn, den 35 Mitgliedern des Raths, aus 70 je 2 auf i lkaths- glied aus den Tagwen und 3 vom Rath aus den kathol. Lamleuten derjenigen Gemeinden, welche Lurch die Verfassung kein kathol Mitglied im Rathe haben, aus Rücksichten der Parität gewählten (;usam- men HO) Mitgliedern bestehend, hat alljährlich das Landsgeneinde- Memorial zu begutachten und 4 Wochen vor der Landsgemeinie dem Volke mitzutheilen; ferner liegt in seiner Kompetenz die Behaidlung aller derjenigen Geschäfte, welche ihm die Landsgemeinde zuweiit, die Wahl und Instruktion der Tagsatzungsgesandten und Prüfung ihrw Berichte und Verrichtungen, Anordnung von Truppenaufstellungei, die Aufsicht über Rath und Gericht, Abnahme und Prüfung der Lindesrechnung, Berathung des Büdgets, das Begnadigungsrecht zun Tode verurtheilter Verbrecher, die Abschließung von Verträgen ökvnonischer und politischer Natur, die Wahl derjenigen höheren Beamten, welche nicht der Landsgemeinde vorbehalten sind. Der Rath, aus den 11 Mitgliedern der Standeskommissim, 35 aus den Tagwen und z kathol. vom Rath selbst gewählten Mitgiedern bestehend, bildet die oberste Vvllziehungs- und Verwaltungsbehörie und theilt sich, zu Besorgung der verschiedenen Verwaltungszweige, in 7 ltaths- kommissionen, wovon die Standeskommission ebenfalls eire ist, welche aber, aus dem Landammann, Landstatthalter und noch g Mitgliedern bestehend, voi, der Landsgemeinde gewählt wird. Sie vertritt für die minderwichtigen Negierungsgeschäfte den Rath. Der Landammann präsidirt an der Landsgemeinde, in dreifachen Landrathe, im Rath und in der Standeskommission, und wird in Verhinderungsfällen durch den Landstatthalter, so wie letzterer durch das erstgewählte Mitglied der Standeskommission vertreten. Richterliche Gewalten. Alle Civilstreitigkeiten müssen zuerst vor das Nermittleramt, wie jeder Wahltagwen eines besitzt, gebracht werden. Für den ganzen Kanton besteht ein Civilgericht erster Instanz für alle Civilklagen und Verwaltungsstreitigkeiten, inappellabel jedoch für Gegenstände, deren Werth die Summe von 50 Gulden nicht übersteigt; daneben noch das Augenscheinsgericht für Streitächen wegen unbeweglichem Gut, welche eine Beaugenscheinigung an On und Stelle erfordern; ein Ehegericht, inappellabel für alle Paterntäts- fälle und Ehestreitigkeiten, mit Ausnahme der Fälle, wo beide theile der kathol. Konfession angehören; ein Kriminalgericht, mit nnem unter seiner Aufsicht stehenden Verhöramt, «stinstanzlich für Ver- gehen und Verbrechen und inappellabel für Polizeiübertretungen und Ehrverletzungen durch Wort und Schrift. In letzter Instanz entscheidet über alle Kriminal- und Civilfälle, welche nicht von den Untergerichten definitiv erledigt werden, ein Appellationsgericht, bestehend aus einem Präsidenten und 6 Mitgliedern nebst 6 Suppleanten, welche in Civilfällen fehlende Mitglieder ersetzen, in allen Kriminalfällen aber ohnehin zugezogen werden, wozu in Malefizfällen (wo über Leben und Tod abgesprochen werden soll) noch sämmtliche Mitglieder der Standeskommission kommen. Jeder Konfesstonskheil stellt zu Besorgung seiner konfessionellen Angelegenheiten einen eigenen Kirchenrath auf. Die Geistlichen beider Konfessionen stehen in allen bürgerlichen Beziehungen, in Civil- und Kriminalsachen unter den Gesetzen und Gerichten des Landes und sind pflichtig, gleich allen Landleuten und Niedergelassenen, den vorgeschriebenen Eid zu schwören. Gemeindsbehörden. Die gegenwärtige Eintheilung in Kirch- gemeinden, Tagwen und Dorfschaften, bezüglichjihrer innern Verwaltung, bleibt unverändert. Die stimmfähigen Gemeindsbürger, ^welche in der Gemeinde wohnen, bilden die Gemeindeversammlung, an welcher jedoch bei Wahlen von Mitgliedern des Raths und dreifachen Landraths auch die nicht in der Gemeinde wohnenden Gemeindsbürger Theil nehmen niögen. Jeder Tagwen wählt einen Gemeinderath, bestehend aus einem Präsidenten und wenigstens 3 bis höchstens 10 Mitgliedern, dem Tagwenvogt und dem Tagwenschreiber (dieser ohne Stimme); die Nathsmitglieder sind als solche Mitglieder des Gemeinderatls. Jede Kirchgemeinde, von sämmtlichen stimmfähigen Kirchgenvffen gebildet, wählt ihre Geistlichen und hat einen Stillstand, aus dem Ortspfarrer, als Präsident, und mehreren Beisitzern, unter denen die Rathsmitglieder ohnehin, bestehend, welcher die Sittenpolizei handhabt, das Armenwesen besorgt, die Schulen beaufsichtigt und die einleitende Behörde in Matrimonial- und Paternitätssachen bildet. Die Versammlung der Schulgenoffen bildet die Schulgemeinde mit dem Recht, die nöthigen Verordnungen über ihre Schulen zu treffen, die Verwaltung des Schulvermögens zu besorgen und den Schulvogt und die Schul- lehrer zu wählen. Jeder Wahltagwen hat ein Waisenamt, mit dem, auf Vorschlag des Gemeinderaths, aus dessen Mitte vcm Rath gewählten Waissnvogt, als Präsident, zu Besorgung des Dvrmundschasts- wesens und Beaufsichtigung der Vögte (Vormünder); ferner einen Vermittler (s. oben) und einen Polizeivorsteher. In den Gemeinden Glarus, Netstall und Mitlödi soll wenigstens ein Mitglied L79 kathol. Konfession in den Gemeinderath und das Waisenamt gewählt werden; sämmtliche Gemeindsbeamte werden auf ü Jahre gewählt. Eine Revision der Verfassung kann erst nach 4 Jahren stattfinden, dann aber wird der dreifache Landrath von sich aus oder auf an ihn gelangte Anträge berathen, ob und über welchen Punkt eine solche vorzunehmen sei, und Liese Frage begutachtet der Landsgemeinde vorlegen; spricht sich diese nicht für Revision aus, so bleibt die Verfassung abermals für 4 Jahre in Kraft; wird hingegen Revision beschlossen, so bezeichnet die Landsgemeinde die einer Revision zu unterwerfenden Artikel, und der dreifache Landrath legt dieselben begutachtet der nächsten ordentlichen Landsgemeinde vor. Die Finanzen dieses Kantons sind noch unbekannt. Ortsbeschreibung, Bänzingen, Ruinen einer von Albrecht von Oesterreich zerstörten Burg auf einem Hügel; Stammvrt des Großmeisters der Johanniter, Burkhardt von Schwanden. Beglingen, kl.Dvrf, bei Mollis, auf einer Anhöhe, wo man Spuren der Landwehr (Letze) findet, die über das Linththal von einem Berge zum andern ging; die neue Fahrstraße, mit schönen Aussichten, von Mollis geht hier durch nach dem Brilterwalde und Kerenzen. Bettschwanden, Pfdf., an der Linth; Viehzucht und etwas Fabrikarbeiten. Bitten, Ober- und Unter-, Pfarrgemeinde, am Fuße des waldigen. Biltnerberges, auf der gr. Str. von Glarus nach Zürich und unfern der Linth-Niederung; torf-, wiesen- und ackerreich; der Mühlibach ist oft für Unterbilten gefährlich; auf dem nahen Riede ist eine Schwefelquelle. Braunwaldberg, nordwestl. vom Stachelbergerbade; am südöstl. Abhänge auf der Alp gl. N. ist eine Schwefelquelle, die nach dem Stachelbergerbade geleitet und zum Trinken und Baden benutzt wird. Dieses stärkste Schwefelwasser der Schweiz bricht in einer Grotte aus einem Spalt in grauem Kalkstein hervor, welcher mit gediegenem Schwefel überzogen ist; es füllt in der Minute nur einen Krug, und ist setzt gefaßt und geschlossen. C l a r i d e n, eine begletscherte Bergkette, westl. vom Tödi und sich nordöstl. zum Altenohren hinziehend. Auf einem Theil desselben, dem Kammer- stock, ist der Lieblingsplatz der Gemsjäger, da die darauf befindlichen Salz- leckmnen besonders zur Neumöndszeit von den Gemsen besucht werden. 280 Diesbach, Dorf, im Linthihale , an eimer sonnigen Halde des Diesthalerberges, oberhalb des an der Straße gelegenen guten Wths. Dornhaus macht der Diesbach einen der schönsten Wasserfalle; derselbe kommt aus dem Oiesthale, das drei liebliche Seen und schone Alpen enthält. Dödi, (Tödi), eine gewaltige Gebirgsmaffe auf der Gränze von Glarus und Graubüuden, deren höchste Spitzen fich gegen 12,000 F. erheben. Er trägt eine mächtige Eisdecke unid ist allenthalben von großen Gletschern umgeben; seine schon mehrmals vergeblich versuchte Ersteigung gelang endlich im August 1836 eimigen Gemsjägern und Bergführern. Durnagel- oder Durnachthal, ein unbewohntes südöstl. Seitenthal des Linththales. Elm, Pfdf., am Sernflbach und in dessen Thal, von hohen Bergen umgeben. die nur im N. einen Ausgang gestatten. Viehzucht und Viehhandel; schönster und kräftigster Menschenschlag im Lande. Im S.O. steht man im Tschingelspitz (rir ,1» Seux-ias) das Martinsloch, durch welches die Sonne den 3., 4. und 5. März, so wie den 14. und 15. Sept. alten Styls hindurch scheint und den Kirchthurm beleuchtet. Engi, Dorf, an der Sernst und in ihrem Thale; Viehzucht, Pot- aschensiederei, Gypsgraben und Bergbau auf Schivferplatten im Plattenberg. Bergfall 1679 und Ueberschwemmungen 1762 und 1764; Kretinen. In der Nähe der schöne Wafferfall des HeAbaches. Der in dem Plattenberg gewonnene Schiefer ist von schwavzblauer Eisenfarbe, sein und hart; die Platten liegen schichtenweise und lassen sich nicht, wie der deutsche und Bernerschiefer, willkürlich in dünne Plätt- chen spalten, sondern haben von Natur ihre bestimmte Dicke. Die hieven verwendeten Dachplatten werden weder von Nässe, noch von Flechten und Moos angegriffen. Ennenda, Mktfl., st^St. von Glarus, am Fuße des drohenden Schilt, an der Linth, über welche eine hölzerne Brücke führt; reizende Lage; ausgebreiteter Handel und Fabrikation. Fätschbach, einer der schönsten Wasserfalle im Hintergründe des Linththales; ^,St. vom Stachelbergerbade, auf dem Wege zur Panten- brücke; der Bach mündet unmittelbar in die Linth. Glärnisch, ein einzelner Hochgebirgstheil südwestl. von Glarus; er steht durch den Scheyenstock, Glatten und den Klausen mit den Cla- riden in Verbindung, und zeigt fast allenthalben furchtbare, steil abgerissene Wände und auf der wesil. und nördl. Seite einen 3 St. langen Gletscher; man unterscheidet den Vorder-, Mittel - und Hinter 7 auch Hoch-Glärnisch. Jener erhebt sich unmittelbar und drohend aus dem Thale bei Glarus; der Hinter- oder Hoch-Glärnisch heißt im K. Glarus auch Feuerberg, von der Nvrdseile aber, seiner von zwei Seiten von schwärzlichen Felswänden gartenartig eingefaßten Schneekuppe wegen, das Vrenelis-Gärtli. Er hat Gemsen und ist ersteigbar, wiewohl nicht ohne Mühe. Glarus, städtisch gebauter Hauptort des Kantons, unter 47° 2' 43" Breite und 6° 4B 55" Länge, am Ausgange des Klön- und Linth- thales, in einem kaum St. breiten Tbale an der Linth, über welche 2 hölzerne Brücken führen, und an dem Oorfberge zwischen dem Glärnisch und Schilt; mehr als 4000 Ew., ausgezeichnet durch Fleiß, Industrie und ausgebreiteten Handel, so wie durch Geselligkeit und Bildung. Mehrere JnLiennedruckereien und Färbereien, eine mechanische Baumwollenspinnerei, i Tuchfabrik, 1 Buchdruckerei, i Bierbrauerei, mehrere Spezereihandlungen und Schabziegermühlen. Die alte gothische Pfarrkirche dient beiden Confesstonen und ist unansehnlich , dagegen das neue Schulhaus und Kasino schön, das Ralhhaus mit großen Steinbockhörnern verziert. Sehenswerthe Bücher- und Naturaliensammlung des verstorbenen Chorherr» Blunier. Romantische Umgebung, schöne Aussicht bei der Burg mit einer Kapelle von Felir und Regula. Zwischen Ennenda und Ennetbühl gedeiht noch Wein. Zwischen Glärnisch, Glarus und der Burg liege» die Trümmer eines durch Erdbeben 1594 vom Glärnisch veranlaßten Bergsturzes. Gefechte vom 27. bis 29. Sept. 1799 zwischen Oestreichern und Franzosen. Glarus hat viele ausgezeichnete Männer auszuweisen; als Dichter: Heinrich Loretin, Glarean genannt, Archibald Strub und Gallati;—- als Geschichtschreiber: Egid. Tschudi, I. H. Tschudi von Schwanden, I. P. Tschudi, Ch. Trümpi von Schwanden; — als Stempelschneider: M. Aebli;— als Naturforscher: R. Steinmüller; — als Staats- und Kriegsmänner: Rud. Stüsst (Bürgermeister von Zürich), Jvst Tschudi (Landammann), H. Aebli (der versöhnende Landammann), Matth. und Heinr. am Buel (Helden bei Mfels), Hans Wala, genannt Schüler, rc. Es fehlt hier nicht an mannich- fachen Exkursionen. Kerenzen, zerstreutes Pfdf., am Wallenstadtersee und dem obst- und wiesenreichen Kerenzenberg; arbeitsame Einwohner; die Pfarrkirche liegt angenehm, mit schöner Aussicht in Obstalden; der alte graue Kirchthurm kann eine römische Reliquie sein; ein schöner Standpunkt ist die Reuteck. Klönthal, reizendes Bergthal, auf dem Wege von Glarus nach dem Bragel, zwischen dem Glärnisch und Wiggis, ein romantisches Ge- 282 misch von sanfter und wilder Natur. In seinem langen Wiesenbecken - liegt der liebliche See gl. N., der viele Bäche, besonders die Klön vom Bragel und die Klön vom Glärnisch aufnimmt, 4z St. lang, 4eSt. breit, und Hechte, Barschen, Goldforellen und Trüschen (Quappen) nährt. Denkmal Sal. Geßners. Gefecht zwischen Russen und Franzosen am 30. Sept. 1799. Lengelbach, Dorf, von schönen Wiesen und Alpen umgeben, an der Linth und am Waldbache gl. N., der aus dem Oberblegisee kommt, durch die Felswände dringt und in schönen Fällen über die Wände des Lengelberges der Linth zueilt; an der hiesigen Schwefelquelle stand ehemals ein Bad. Limmernalp, ein großes Alprevier zwischen dem Kästengrath, Selb- sanft, Hausstock und Ruchi, mit dem Limmernbache, dem Abfluß des Gletschers gl. N., welcher durch eine schauerliche Felskluft beim Ueti hervortritt und vereinigt mit dem Sandbach die Linth bildet; und dem Muttensee, t^St. lang, HH St. breit, rings von Schnee und Eis umgeben und selten von Eis frei. Linth kolo nie, Armen-Erziehungsanstalt, bei der Ziegelbrückeam Linth- kanale, woraus Schullehrer, Landwirthe und Handwerker hervorgehen. Linthkanal, (siehe den allgemeinen Theil). Linththal, von der Schlucht unterhalb der Pantenbrücke bis oberhalb Glarus, sich 4 St. lang meistens nördl. hinziehend, und dann in die Linthniederung übergehend. Es hat mehrere Seitenthäler, ist selten über 4a St. breit und gehört zu den tiefsten Alpenthälern. Die betriebsamen Einwohner leben von Viehzucht und Verarbeitung der Baumwolle; das Thal selbst hat schöne Waldungen, fette Wiesen, viele von Weiden umgebene Sennhütten und prachtvolle Wafferfälle. Linththal, Pfdf., an der Linth, oberhalb der Mündung des Durnagelbachs in dieselbe, und am Fuße des verwitterten und drohenden Kirch- berges. Die Gegend ist Erdbeben unterworfen; neben der alten katholischen Pfarrkirche an der Matt, steht etwas südlicher die refor- mirte, im Dorf genannt. Auf dem Wege zur Pantenbrücke liegen die Augüter, bei denen eine Baumwollenspinnerei angelegt worden. Luchsingen, Pfdf., an der Linth; an einer oberhalb des Dorfes befindlichen Schwefelquelle zeigt sich eine bedeutende Efflorescenz von Bittersalz, und kürzlich hat man beim Nachgraben und Einfassen dieses schon so lange bekannten Wassers, schöne Stufen von Gbpskrystallen, gediegenen Schwefel und eine grauliche, beim Zerreiben nach Schieß- pulver riechende Erde gefunden; das Wasser hat ziemlich viel hepati- sche Luft, ist schwächer als das nahe Stachelberger, aber reichlicher, und enthält übrigens noch Bittersalz, es larirt. 283 Matt, Pfdf., an der Sernst und am Fuße deL wiesenreichen Weiß- berges. Ein nicht mehr benutztes Bad. Kretinen, hier Tölpel genannt. Mitlödk, Pfdf., an der Linth, ^,St. von Glarus, an einem sanften Bergabhange gelegen; Handlung, Fabrikation, Viehzucht, Bierbrauerei. Hoch am Glärnisch, im Guppen, ist ein vor 300 Jahren betriebenes, wegen Holzmangel verlassenes Eisenbergwerk, das Ueberfluß an Erz hat. Mollis, Mktfl., in fruchtbarer, wiesen-, körn- und obstreicher Gegend an der Linth; ausgebreiteter Handel und große Fabrikthätigkeit in Baumwolle und Schabzieger; auf dem Kirchhofe ruhen die Gebeine der 1388 bei Näfels gefallenen Glarner; im nahen Boden- walde fand man 1765 200 römische Münzen. Am 28. Mai, 31. Aug., 5. und 25. Sept. 1700 Gefechte zwischen Oesterreichern und Franzosen. Der aus einer Schlucht des Müllerberges kommende Bach ist zuwei- len sehr verderblich. Mühlehorn, Pfdf., am Wallenstadtersee, in einem sehr milden Klima, so daß Kastanien reifen; Handel und Gewerbe. Im nahen DorfMühle- thal sind mehrere Mühlen; Landungsplatz, Fischerei. Gerberei und Hvlzesstgfabrik. Näfels, Mktfl. und Hauptvrt des katholischen Theils des Kantons, in der Niederung der Linth und an dem Landwaffer, das hier den Rauti- bach aufnimmt, der weißschäumend, als unterirdischer Abfluß des Nieder- und Obersee auf der Alp Lberschwändi, ganz in der Nähe aus dem felsigen Thalrande hervorbricht und zuweilen gefährlich wird. Auf einer Anhöhe im W. liegt das Kapuziner-Mannskloster Marienburg; schöne Pfarrkirche. Viehzucht, Gemüsebau, Töpferarbeit und Kalkbrennereien, welche den Weiter-(hydraulischen) Kalk liefern. Schlacht am 9. April 1388 auf den Rautifeldern, wo 11 einfache Steine mit der Jahreszahl 1388 den Kampfplatz bezeichnen, auf welchem die Glarner gegen Oestreich ihre Selbstständigkeit errangen; der Jahrstag wird alljährlich unter dem Namen "Näfelser-Fahrt" gefeiert. Gefecht am 30. August 1709 zwischen Oesterreichern und Franzosen. Bergfall 1762 und 1764 von der steilen Felsemwand des Sonnenberges, wodurch ein Wald begraben wurde. Nettstal, Pfdf., an der wilden Löntsch, welche hier in die Linth mündet, am Fuße des furchtbar drohenden Wiggis, von welchem gefährliche Staublauinen herabstürzen. Fabrikation in Baumwolle, Papier, Strohhüten; thätiger Handel. Eine katholische und eine refor- mirte Kirche. Pantenbrücke, führt über die Linth, bald nach ihrer Bildung aus dem Limmern- und Sandbach; sie ist ro F. lang, 4 F. breit und 284 verbindet die steile Felswand des Altenvhren mit dem untern Ueli, zwischen welchen in einer Tiefe von 140 F. die Linth in schauerlicher Schlucht tobt. Sandalp, (Ober- und Unter-), oder Ober- und Unterstaffel, 2 Alpen am nördl. Fuße des Tödi, jene ist im S. W. und N. von Gletschern umgeben; der Staffelbach bildet einen 840 F. hohen Fall von der Lchsenblanke; die untere Sandalp endet oberhalb der Pan- tenbrücke, an der senkrechten Felswand des Selbsanft. Diese Alp ist in mineralogischer, geologischer und botanischer Hinsicht sehr interessant. Schreien- oder Fismattbach, ein 230 F. hoher schleierartigerWasserfall, über die steile Felswand des Schreienbergs, oberhalb dem Stachelbergerbade. Schwanden, Mktfl., am Zusammenfluß der Linth und Sernft, mit mehr als 2,000 Ew., die von Viehzucht, Handel mit Schiefer und Fabrikation von halbwollenem Zeuge leben; eine der größten Baumwollenspinnereien. Geburtsort des Reformators Paul Schüler. Bisheriger Versammlungsort der reformirten Landsgemeinde. Sernft- oder Klein that, zieht sich längs dem Berge gl. N. vom Hausstock bis Elm. Es ist 4 St. lang, sehr schmal und hat einige schöne Alpen. Im W. liegt der Freiberg, eine vom Hausstock nach N. O. ziehende Gebirgspartie, in ihrem obern Theile sehr wild, die ein gesetzlich geschütztes Revier für Gemsen ist. Stachelberger- oder Braunwalderbad, an der Linth, wo aus waldigem Tobel der Braunwaldbach in diese mündet. Die jetzige vortreffliche Einrichtung besteht seit 1830 und der Besuch ist sehr stark. Das kohlenhaltigen Schwefel, kohlensaure Magnesia, kohlensauren Kalk, schwefelsaures Natrum und Bittererde enthaltende Wasser wird stark versendet und hält sich lange; es dient in Nachkrankheiten von Gicht und Rheumatismen, Gelenk- und Knochenschmerzen, zurückgetriebenen Hautausschlägen, Geschwülsten u. s. m. Das Bad liegt romantisch und lieblich, mild und doch ganz in der Nähe eisiger Schneeberge. Urnen, Nieder-, Pfdf., unfern der alten Linth, am Fuße von Hügeln gelegen, deren einer, mit Wein bepflanzt, die Ruinen der 1386 zerstörten Burg Ober-Windeck trägt; die Str. nach Ober-Urnen ist ein starkes Defilee; guter Feld- und Obstbau, eine Seidenmanufaktur und ansehnliche Gerbereien. Gleich unterhalb liegt auf der Str. nach Lachen, am felsigen Fuße eines bewaldeten Hügels, das Bad, schon im Mittelalter bekannt, mittelmäßig eingerichtet, gute und billige Bewirthung; das Wasser ist im Sommer kalt und im Winter lau, es scheint Schwefel zu enthalten und dient gegen arthritische und rheumatische Zufälle. Ge^en Ober-Urnen hin die Rmne von Vvrburg. 266 Wichten, schöne Alp an den Quellen der Sernft, an sie ^schließt die ansehnliche Erbsalp an. An dem begletscherten Wichlenstock findet man schöne Krystalle. Mehrere gute Schwefelquellen werden nicht mehr benutzt, seit das Badhaus verschwunden ist. Lanton Zug. (^in demokratischer Freistaat seit 1352 in der Eidgenossenschaft, der kleinste und der Rangordnung nach der achte Kanton; er liegt in der Mitte der Schweiz und hat eine fast runde Gestalt; das Wappen ist ein Schild mit weißem Felde, in der Mitte durch einen blaue» Querbalken getheilt. Gränzen, Größe, Bevölkerung. Gränzt gegen O. an die K. Zürich und Schwvz, gegen W. an die K. Luzern und Aargau, gegen S. wieder an den K. Schwyz, gegen N. an den K. Zürich; er ist 6 bis 7 St. lang, 4 bis 5 St. breit und hat einen Flächeninhalt von 4 LjM. mit 15,655 Ew., die sich sämmtlich zur katholischen Religion bekennen; sie sind ziemlich thätig und wohlhabend, und in Schlag, Lebensweise und Sitten den Luzernern, ihren Nachbarn, am ähnlichsten. Viele Zuger sind in der ganzen Schweiz als Geistliche zerstreut. Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Gesundes und gelindes Klima herrscht in diesem Kanton, für letzteres zeugen die am östl. Ufer des Zugersee's wohlgedeihlichen Kastanien. Auf der großen Hochebene der Schweiz gelegen, findet sich nur an der südl. Gränze Bergkerrain. Von den Höhen des Roßberges, des Sattels uud des hohen Rhone bis hinab zur Stadt Zug und dem Baarer-Boden gehend ist Gebirgsland, doch steigen dir Gipfel nicht zu 5,000 F. üb. M. und die meisten Abdachungen sind sanft; der norstwestl. Theil, zwischen dem Zugerberge, der Lorze und der Rsuß, ist fruchtbarer Boden, der sich gegen die Zürchergränze in eine weite Thalfläche ausdehnt, und von der Lorze bewässert wird. Eigentlich ist der Kanton mit Wiesen, Wäldern und Alpen bedeckt; diejenigen der Hochalpen 26 « sind vorzüglicher. Der größtentheils fruchtbare Boden ist dem Sicher-, Wein- und Obstbau günstig, welche auch hin und wieder fleißig betrieben werden, so wie Alpenwirthschaft und Viehzucht. Das Zuger Vieh ist schön, ziemlich groß, nicht übel gestaltet und 4 bis 6 Ztr. schwer; sonst verhält es sich mit dem Thier-, Pflanzen- und Mineralreich wie bei dem Kanton Zürich. Fischerei und Bienenzucht sind nicht unbedeutend. Kunstfleiß und Handel. Beide sind nicht außerordentlich erheblich. Der Gewerbfleiß beschränkt sich auf Verfertigung von Papier (in 3 Papiermühlen), im Spinnen der Flockseide und Baumwolle, in der Lrderfabriffation, und in der Butter- und Käsezubereitung; Liese Fabrikationserzeugniffe, junges Vieh, dürres Obst, Kastanien, Most, vortreffliches Kirschenwaffer, Bretter und andere Holzartikel bilden die Ausfuhr des Landes. Die Einfuhr besteht: in allen Gattungen Kolonial- und Luruswaaren, Salz, Tüchern, Tabak, Baumwollen- und Seidenzeugen. Unbedeutender Transit findet von Zürich nach Brunnen (St. Gotthard) und nach Luzern statt. Zn der Gegend von Menzingen ist ein Steinkohlenlager, dem viel Ergiebigkeit zugetraut wird, kürzlich entdeckt worden. Geldrechnung: den Louisd'or » 12 fl. zu 40 Schillingen. Gebirge und Gewässer. Gebirge. Vvm Rufiberg zieht sich, wie schon erwähnt, der Zugerberg und vom Dreiländerstein der Gubel, als die beiden höchsten Berge in's Innere des Kantons. Längs dem Aegerisee führt ein Weg über die Alp Morgarten und den Sattelpaß nach Steinen, im K. Schwyz, und vom Oberägeri ein anderer über die Altmatt nach Einsiedeln. Gewässer. — Seen. — Zugersee (S. 68). Der Aegerisee, auf der Hochebene im Wiesenthale 2,210 F. üb. M. ts^ St. lang, s/j St. breit, sein Ausfluß, die Lorze. setzt ihn mit dem Zugersee in Verbindung. Südöstl. liegt die Sumpfgegend am Trunsbache, Platz der Morgartenschlacht vom 19. November 1315. Flüsse. — i) Die Reuß (S. 72). — 2) Die Sihl (S. 73). 3) Die Lorze; sie fließt aus dem Aegerisee gegen N-, tritt durch eine Felsenschlucht bei Baar, fällt bei Chain in den Zugersee und eilt dann der Reuß zu. Sie ist sehr fischreich. 367 Eint Heilung und Verfassung. Der Kanton besteht aus 4 Bezirken: Zug, Baar, Aegeri und Menzingen, oder aus dem äußern und innern Amte; zu jenem gehören Menzingen, Aegri und Baar, zu diesem Zug, Cham, Hünenberg, Steinhaufen, Rüsch und Walchwyl. Allgemeine Grundsätze der Verfassung wie in Ury. Die Landsgemeinde, wozu, mit den Ausnahmen wie dort, alle Bürger vom lütenJahr an gehören, ist Selbstherrscher; sie versammelt sich jährlich am isten Mai in Zug, und übt ihre Rechte in den verfassungsmäßigen Gemeinden und durch den dreifachen Rath aus; sie wählt den Landammann, Landeshauptmann, Pannerherrn, Landesfähnrich, Landschreiber und die Tagsatzungsgesandten. Der Landammann, abwechselnd auf 2 Jahre vom innern und äußern Amte gegeben, hat den Borsitz bei der Lanksgemeinde, im Kantons - und dreifachen Landrath und im Kriminalgerichte; er bewahrt das Standessiegel, wohnt im Hauptorte des Kantons, sorgt für die Vollziehung der von den Gerichten gefällten Urtheile und der Verordnungen des Kantonsraths, leitet die an ihn gebrachten Klagen an die Behörde», verordnet die nöthigen Verhaftungen und wacht über die Handhabung der Verfassung; er schwört deshalb jährlich der Lanksgemeinde und empfängt von dieser den Cid. Sein Stellvertreter ist der Statthalter, der Präsident des Kantonsgerichts, für ein Jahr gewählt, (muß im Hauptvrt wohnen). Landeshauptmann , Landesfähnrich und Pannerherr sind lebenslänglich und Mitglieder des Kriegsraths; der Landschreiber führt die Unterpfands- protokolle, die Register über Kauf und Tausch und über Feueraffekuranz, besorgt die Archive, die ihm aufgetragene Cvrrespondenz. unterschreibt nach dem Landammann alle öffentlichen Aktenstücke u. s. w., bewahrt die Staatskasse und legt jährlich davon Rechnung ab, (hat 2 Bürgen nöthig). Die Gemeinden wählen den dreifachen Landrath, gesetzgebende Behörde, den Kantons rath, von 54 Mitgliedern, als oberrichterliche, verwaltende und vollziehende Behörde, und den Gemeinderath. Der dreifache Landrath besteht aus dem Kantonsrathe und 2 Beiständen für jedes seiner Mitglieder. Er berathschlagt über die ihm vom Kantonsrathe vorgelegten Gesetzesvorschläge, Handelsverträge, Bündnisse u. s. w., insiruirt die Tagsatzungsgesandten und empfängt ihre Berichte, er empfängt und genehmigt die Staatsrechnungen. Er versammelt sich jährlich dreimal und außerordentlich, so oft es der Kantonsrath für gut findet. Der Kantonsrath wählt den Statthalter und ein Kriminalgericht von 25 Mitgliedern aus seiner Mitte; er hat 266 die Initiative der Gesetze, leitet die diplomatischen Angelegenheiten und ist die oberste Polizeibehörde; er ist Revisionsrichter, urtheilt über Beschimpfungen und kann uneheliche Kinder legitimsten. Das Kantonsgericht von 6 Mitgliedern, unter Vorsitz des Statthalters, entscheidet über alle Civilsachen, die nicht dem Gemeindegerichte vorbehalten sind. über Erbschasts- und Eigenthumssachen, Fallimente u. s. w. In jeder Gemeinde ist ein Gemeindegericht, aus i PrästLenren der Gemeinde und 2 Mitgliedern bestehend; es entscheidet über geringere Polizeifalle. Der Gemeinderath besteht aus dem Präsidenten der Gemeinde und wenigstens 4 Mitgliedern; er verwaltet das Gemeinde-, Kirchen- und Armengut, die Vormundschaftssachen, fertigt Käufe und Tausche aus. vollzieht die Verordnungen des Kantonsraths u. s. w. Staatsausgaben werden durch den Ertrag der Regalien und durch direkte und indirekte Auflagen bestritten; diese werden vom Kantonsrathe, dem dreifachen Landrathe vorgeschlagen und die direkten Steuern von den Gemeinden, nach dem Verhältnisse ihrer Repräsentanten im Kantvnsrathe erhoben. Bundes-Contingent: 250 Mann. 1,250 Fr. Geld. Kirchen- und Schulwesen. Dieser Kanton gehört in kirchlicher Beziehung zur Diärese des Bischofs von Basel und wählt aus seinen Geistlichen einen Kapitularen in das Domstift zu Solothurn. Er enthält 10 Pfarreien, die ein eigenes Ruralkapitel bilden, wozu noch 35 Benefiziaten kommen, die in demselben theils als Pfarrhelfer und Kapläne, theils als Frühmeffer, Schullehrer rc. angestellt sind. In Zug ist ein Kapuziner-Mannskloster und ein Nonnenkloster gleichen Ordens; auf dem Lande befindet sich die Cisterzienser-Frauenabtei Frauenthal. In Zug sind beachtenswerkhe Unterrichtsanstalten für beide Geschlechter. Das Gymnasium mit 6 Professoren, entspricht seiner Bestimmung, und die Kapuzinerinnen daselbst halten eine Töchterschule, in welcher sie angemessenen Unterricht ertheilen. Ortsbeschreibung. Aegeri- oder Egerithal, starkbevölkertes, von hohen Bergen (wovon der Ruffiberg, Kaiserstock und Rohne die beträchtlichsten sind) umgebenes, reizendes Wiesenthal, worin der weltberühmte Morgarten liegt. Viehzucht, Alpenwirthschaft, Feld- und Obstbau, sowie Seidenspinnen, ernährt die kräftigen und treuherzigen Bewohner. Von Oberägeri, Pfdf., 3 St. nach Zug, 3 St. nach Schwyz, 5 St. nach Zürich; Unterägeri hält im Oktober großer Viehmarkt. 289 Andreas, St., (Umgegend Städli genannt), altes Schloß am Ausfluß der Lorze aus dem Zugersee, mit herrlicher Aussicht; hier stund ein Städtchen, das die Sieger von Sempach zerstörten. Baar, gr. Pfdf., l St. von Zug, an der Str. nach Zürich, 1,380 F- üb. M., in einem durch die Lorze durchströmten Obstwäldchen; Feld- und Weinbau; Zusammentreffen der Straßen, welche von Horgen und dem Albis nach Zug führen; die Höhe Vaarburg, wo das Scbloß der Edeln von Baar stand; an deren nördl. Fuße das Mineralbad Waltersweil; nahe Blickenstorf, der Geburtsort des geschichtlich berühmten Waldmann, Bürgermeisters von Zürich. Buonas, kl. Dorf und Schloß, am westl. Ufer des Zugersee's (s. Panorama von H. Keller), (auch Neu-Hertenstein). Cham, gr. Pfdf., am Ausfluß der Lorze aus dem Zugersee; Viehzucht, Land-und Obstbau, Hammerwerke und Papierfabrik; besuchte Badanstalt und ein Lotterie-Vürellu. Frauen that, 1231 gestiftetes Cisterzienser-Frauenkloster, auf einer stillen, waldigen Insel der Lorze; nahe der Mündung derselben in die Reuß die Burgruine der Freiherren von Eschenbach. Gubel, aussichtreiche Berghöhe mit einer Kapelle und Einsiedelei, in der Pfarrei Menzingen. Hier 1531 Sieg der Katholiken über die Zürcher. Haselmatt, Kirche und Bauernhof, nahe der Haselmattrunse (s. Aegeri- see); hier ist der eigentliche Platz der Schlacht am Morgarten. Josten, St-, Bergrücken, 3,350 F. üb. M., an der Schwyzergränze; Fußweg von Zug nach EinsieLeln; Gefecht 1709 zwischen Oesterreichern und Franzosen. Menzingen, gr. Pfdf., an der Gränze von Zürich, am Fuße eines aussichtreichen Hügels, 3,300 F. üb. M.; ein Rathhaus, 2 Kirchen, Getreide- und Schneidemühlen; Torfstich; Jahrmarkt. Morgarten, kleiner Bergabhang (s. Aegerisee und Aegerithal); Sieg (am 2. Mai 1798) der Schwyzer unter Aloys Reding über Schauen- burgs Horden. Neuheim, Pfdf., auf einem Hügel, oberhalb der Sihlbrücke. Rüsch, Pfdf., aus zwei kleinen Dörfern gebildet, am westl. Ufer des Zugersee's, mit fruchtbarer Umgebung; hier ist der bei Grandson erbeutete Kelch Karls des Kühnen aufbewahrt. Sihlbrücke, an der südl. Seite des Albis scheidet sie den K. Zug von Zürich; es führt über sie eine frequente Straße. An jeder Seite der Brücke steht ein Gasthaus. Steinhaufen, Pfdf., i St. von Zug, mit fleißigen Landbauern- 19 290 Walchweil, Ober- und Unter?, zerstreute Pfarrei am östl. Ufer des Zugersee's. Handel mit Kastanien, gedörrtem Obste, Branntwein und jungen Obstbäumen. Wafferfall Grindwäscheten; herrliche Fernstchten am Rebmättli und Lauterbach; Bergschlipf Brecht: kalte Höhlen in der Felsschlucht im Tobel, worin, nach der Dolkssage, kleine Bergmännchen mit ihren Familien gewohnt haben sollen. Waltersweil, Dorf und Bad, nahe an der Straße von Zug nach Zürich, nächst der Sihlbrücke. Wildenburg, Ruine eines 1355 von den Zugern zerstörten Schlosses, auf einem Hügel am Lorzetobel von Baar gelegen. Zug, gut gebaute Stadt und Hauptort des Kantons, am Fuße des Zugerberges gelegen und am nordöstl. Ufer des See'S, mit 3,200 Ew.; ihre Lage gehört zu den angenehmsten der Schweiz, ringsherum blumenreiche Wiesen, Obst- und Weingärten; schöne Landhäuser. Den See begränzt gegen S. der merkwürdige Rigi, hinter ihm erhebt sich der düstere Pilatus und aus der Ferne ragen die ehrwürdigen, weißen Häupter der Berner Hochgebirge hervor. Der Ort hat starke Wochen- und Jahrmärkte, bedeutende Waarendurchfuhr, Gerbereien, 1 Glockengießerei, 2 Buchdruckereien und Seidenspinnereien. Bemerkenswerth sind: die Pfarrkirche St. Michaelis, die Kirche St. Oswald und diejenige der Kapuziner, alle drei mit werthvollen Gemälden (im Beinhause sind alle Schädel mit den Namen ihrer vormaligen Besitzer bezeichnet); die Stadt- und Kapuziner-Bibliothek; Las neue Armen- und das Zeughaus (letzteres mit merkwürdigen Siegestroxhäen); das Nonnenkloster, mit weiblicher Erziehungsanstalt; das Gymnasium. 1435 versanken, nach donnerndem Knall, zwei Straßen in den See, wobei das Archiv verloren ging und nur noch der letzte Kollin, in einer Wiege schwimmend, gerettet wurde. Gleiches Schicksal, wie 1435, hatten 1504 einige Häuser Zugs. Schöne Standpunkte: auf den Thürmen der St. Oswalds- und Kapuzinerkirche, bei dem Landhause des ehemaligen Generals von Zurlauben, auf der Plattform des Gasthauses zum Hirsch und auf vielen Punkten des Zugerberges. — Wege: auf der großen Straße nach Zürich 5 St., nach Menzingen 2 St., nach Arth 3 St. (zu Wasser 2 St.), nach Aegeri 2 St., nach Atlwin- den 3 St., Immenses und Küßnacht 5 St. Der Kanton Zug hat mehrere wackere Staatsmänner und Krieger, Gelehrte und Künstler aufzuzählen, deren hvchgefeiertes Andenken, durch Biographien bewahrt, der denkenden Nachwelt immer heilig bleiben wird. » Kanton Frei bürg 2!N (r>n Freistaat mit repräsentativer Verfassung, und seit 1481 im Bunde der Eidgenossenschaft; im Westen der Schweiz liegend und der Rangordnung nach der neunte Kanton. Das Wappen ist ein schwarz und weißer in die Quere getheilter Schild. Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag. Gränzt gegen O. an den K. Bern, gegen S- und W. an den K. Waadt, gegen N. an die K. Waadt und Bern und hauptsächlich an den Nenenbnrgersee. Flächeninhalt 26?z s^M. Seine Länge (voll Fröschelz nordöstl. bis ^ttnlons südwestl.) beträgt 14 St. und seine Breite (vom Nenenbnrgersee nordwestl. bis Sanen südöstl.) ungefähr 11 St. Einwohner (nach der neuesten Zahlung von 1837 Alles inbegriffen) 9l,i4S. Diese sind in o Städte, ungefähr 200 Dörfern, 300 Weilern und Meier- höfen, 9 Mönchs - und 8 Nonnenklöstern vertheilt, und bekennen sich alle (mit Ausnahme von etwa 8,000 Refvrmirten des Bezirks Murten) zur katholischen Religion. Es wird theils deutsch, theils französisch, meistens aber romanisches Patois gesprochen. Die Bewohner des Kantons Freiburg sind meistens stark, gewandt und wvhlgewachsen; doch im nördlichen Theil schmächtiger als im südlichen, wo der Aelvler mit allen seinen Eigenschaften hervorstechend ist-, Das weibliche Geschlecht ist meistens mit angenehmen Gesichtszügen und empfehlendem Körperbau begabt; im Greierzerland sind ausgezeichnete Schönheiten, wozu die wenig anstrengenden Beschäftigungen und die reine, stärkende Luft viel beitragen. Die Kleidertracht wechselt sehr, seit die ehemalige solide Kleidung und die ehrwürdigen, langen Bärte der Männer verschwunden sind. Der Festanzug der wohlhabendem Landmädchen besteht beinahe ganz aus Scharlach, schwarzseidener Schürze, weißer Halskrause, einer Zickzack verschlungenen, silbernen Kette auf der Brust, an welcher eine unverhältnißmäßig große Gingge (^„«s Del) hängt, und auf dem Kopf ein reich mit Blumen verzierter Hut; andere tragen ausgepolsterte Haarflechten mit großen Strvhhüten und im Greierzerthal Filzhüte. die mit Blumen, Spitzen und Bändern aufgeputzt sind. Auffallend und einzig in der Schweiz ist die Trauerkleidung; Alles, vom Kopf bis zu den Füßen, schwarz, mit Ausnahme eines weißen Schleiers, der nonnenartig die Stirne bedeckt und von dem Schultern nach dem 292 Rücken m einen Zipfel ausläuft, und einem andern weißen Tuche, das den ganzen untern Theil des Gesichtes verhüllt, so daß nur Augen und Nase sichtbar sind. Die deutschen Bauern kleiden sich meistens in selbstgefertigtes baumwollenes Tuch; im Sommer tragen sie häufig schar- lachrothe Westen, und die Sennen und Küher gleiche Westen mit Bauschärmeln bis an die Ellenbogen von Zwilch und Kattun, welches die Welschen Inguenoü» nennen. Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewcrbsamkeit des Landes. Das Klima, obgleich von auffallendem Wechsel und Verschiedenheit, besonders im Frühling und Herbst, ist im Allgemeinen gesund, und mit dem angränzenden Gebiete des Berner- und Waadtlandes übereinstimmend. Der südl. Theil ist rauher als der nördl., woselbst der Frühling dem des GebirgslandeS voraneilt. Am mildesten ist es im Thale «ro^e und am Murtenersee. Herrschende Winde sind der Nordost- (Bise) und der Nordwind (Joran), gewöhnlich bei kaltem, aber schönem Wetter. Der Boden des Kantons liegt größtentheils auf Sandstein, auch auf Thon, Torf und Tuff. Die besten Steinbrüche der ersten Steinart sind zu und Freiburg, die der Molasse zu Moin-iv vder Murist, und die des marmorartigen Kalksteins zu livtter«»» und Oi-.,ttki,m->r->. Eine schöne Tuffgrube findet man zu 6oru»t»nx, an der Saane, mit Aushöhlungen in Felsen, welche merkwürdige Stalaktiten enthalten. Mitten im Sandsteinkies stößt man oft auf Schwefelkies oder Steinkohlen, auch auf große Blöcke des Urgebirges. Prächtig und fruchtbar ist die Thalfläche, in welcher liuU« liegt und der sich das Thalgelände der Saane bis Monthoven mit seinen verschiedenen Querthälern anschließt; besonders jenes von lll».-»«,») und Asm» von W. gegen O., mit wieder andern Querthälern und Schluchten von N. gegen W. Ein üppiger Graswuchs bedeckt die Wiesen und Bergtriften oft bis auf die höchsten Kulme. Der Kanton ist reich an seltenen Pflanzen und der Botaniker findet ergiebige Ausbeute. Zn geognostischer und mineralogischer Hinsicht ist der Kanton noch nicht durchgängig und ausführlich untersucht worden, so daß Freunden dieser Forschungen hier noch eine weite Fundgrube offen steht. Der Ackerbau wird in den Ebenen des Landes zwar betrieben, deckt aber bei Weitem nicht das Bedürfniß, daher solches durch stete Zufuhr ersetzt werden muß; dagegen ist die Obstzucht ergiebiger, und in einigen Gegenden, vorzüglich am Neuenburgersee, wird auch etwas 295 Wein gebaut; die Weinpflanzungen des Landes nehmen kaum 6 bis 700 Morgen ein. Nach ungefähren Angaben (von 1834) hat der Kanton 68,670 Zuch. Wiesen, 99,371 Juch. Ackerland, 34,480 Juch. Waldung und an 20,000 Juch. Weiden. Nach etwas früherer Zahlung belief sich der Diehstand auf 13,000 Pferde, etwa 250 Esel und Maulesel, 48,000 Stück Hornvieh, 23,000 Schafe, 5,000 Ziegen und 16,400 Schweine. Die Viehzucht ist unter den ländlichen Nahrungszweigen bestimmt der vorzüglichste, und nebst Simmenthal und Saanenland im K. Bern, hat Freiburg, besonders die Landschaft Greierz, die größten Kühe von durchschnittlich 5 bis 6)^ Ztr. und Mastochsen von 14 bis 20 Ztr. Die Käsefabrikation ist bedeutend und die Greierzer- oder Kruxere-Käse gehören zu den allerbesten der Schweiz. Es werden jährlich 24 bis 30,000 Ztr. geliefert. Diese Fabrikation ist ein bedeutender Handelsartikel, welcher jährlich einen Ertrag von 90,000 Schw. Fr. liefert. Vom Mai an bis Anfangs Oktober weiden gewöhnlich 200,000 Kühe auf den Alpen des Kantons. An wilden Thieren findet man, aber selten: Wölfe, Wildschweine und Luchse; bisweilen Gemsen und Rehe; häufiger Berg- und gemeine Hasen. Der Lämmergeier ist rar; an kleinern Raubvögeln fehlt es nicht. Neb-, Schnee-, Hasel- und Birkhühner, Auerhähne. Zagd und Fischerei sind nicht sehr bedeutend. Der Bergbau ist unbeträchtlich; blos bei St. Martin, im Jonethal und am Schurtritzenberge werden etwas Steinkohlen ausgebeutet. Thonschiefer zu Deesve, slontliavn», Drcsur, bei Droe und Lorliieres. Tors findet sich in Menge, besonders auf dem Murtener-Moose. An Mineralquellen ist kein Mangel; es sind deren zu Bonn, Garmisweil, Diernes, Dom Hugoi», Schwarzsee:r. Handel, Gewerb und Kunstfleiß. Es bestehen viele Strohgeflecht-Etablissements und Gerbereien, einige Rothfärbereien, Buchdruckereien, Tabak-, Karten-, Hut- und Lederfabriken: ferner Papier-, Cichorien-, Glaswaaren- und künstliche Blumenfabriken ic. Durch Handel geschieht die Ausfuhr dieser Artikel ; aber einträglicher ist diejenige von Käsen, schönen Pferden, Rindvieh und Schafen, Bau- und Brennholz, Rebpfählen, rohen Häuten und Obst. Einfuhrartikel sind: Salz, Kolonial- und Luxuswaaren, Tücher, Baumwollen- und Seidenzeuge, Wein, Tabak:c. Einiger Transit ergibt sich auf der gr. Str. aus der nördl. und östl. Schweiz über Murten; von Freiburg über Dulle nach Waadt und Genf; auch über portuilmii nach Neuenburg. Geldrechnung in Franken, Batzen und Rappen; der Schw. Fr. zu i« Btz-, der Btz. zu i« Rp. Gebirge und Gewässer. Gebirge. Der südliche Theil des Kantons ist reich an Gebirgen, doch erheben sich dieselben nicht bis zur Schneelinie, sondern bieten meistens herrliche Weiden. Westlich das 6,t8l F. üb. M. erhabene Gebirge Molesson, das größte des Kantons, dessen Gipfel mit einem Kreuz geschmückt ist; dieser Berg ist wegen seiner schönen Formen, un- gemein interessanten Fernsichten und der Reichhaltigkeit seiner Alpen berühmt. Nordwestlich der mit seinen verschiedenen Abstufungen, als Zweig des z<>i-»t, und endlich der Misten lach, fuith,, ob dem Murtensee. Die meisten Gebirge verlieren sich in der Gegend von Murten und des Neuenburgersee's in hügelvolle fruchtbare Flächen. Gewässer. — Seen. Murtensee (s. S. 68). — Neuenburgersee (s. S- 67). Schwarzsee, 6 St. von Freiburg, am Fuße der Geiß- und Nig- gisalp, St. lang, /g St. breit; sehr fischreich. Lussisee, wesil. Z4 St. von emu,-! 8t. Donls, St. lang, ^ St. breit; Tvrfgrund einer moorigen Ebene; fisch- und blutegelreich. Flüsse. Saane (8!>r!»<>), größter Fluß des Kantons; entspringt aus den Gletschern des Sanetsch an der Gränze von Wallis, berührt den Kanton WaaLt, die Thäler von G'steig und Saanen, durchstießt das Land Freiburg und vereinigt sich unter Gümminen mit der Aar. /t,. sie entspringt bei Semsales, wechselt verschiedentlich mit waadtländischem Boden ab, fließt in den Murtensee und aus diesem schiffbar in den Neuenburgersee. Sense (8:>,j>inv), entspringt an der Gränze des Kantons, nahe dem bernerschcn Amte Schwarzenburg, scheidet den Kanton eine Strecke weit vom Bernergebiet und ergießt sich unterhalb der Stadt Laupen in die Saane. Genannte drei Flüsse und eine ziemliche Anzahl Bäche, welche sich größtentheils in diese ergießen, sind alle fisch- und einige auch krebsreich. Eintheilung. Der Kanton besteht aus folgenden 13 Bezirken: Freiburg deutscher Theil, Freiburg französischer Theil, Oorbibres, Greierz, Lutte, lttiütet 8t. Lenin, Kue, Loiuont, lbsrvagnz-, i i'i'l'. Murten. Grundzüge der Verfassung vom 24. Januar 1831. Der Kanton Freiburg ist ein Theil des schweizerisch-eidgenössischen Bundesstaates. Jeder in ihm wohnende Schweizer ist zum Militärdienst verpflichtet. Die Souveränetät geht vom Volke aus. Gleichheit vor dem Gesetze. Gleichheit der politischen Rechte, persönliche Freiheit, Freiheit der Presse, das Petitionsrecht, Loskauf der Bodenzinse, der Zehnten ic. ist gewährleistet. Die katholisch-apostolisch-römische Religion ist die einzige öffentliche Religion des Kantons, mit Ausnahme des reformirten Bezirkes Murten. Die französische Sprache ist die Sprache der Regierung; doch werden sämmtliche Gesetze u. s. w. auch in der deutschen Sprache bekannt gemacht. Der Große Rath besteht aus, durch die Bezirks - Wahlkollegien nach Verhältniß der Seelenzahl (I0VO Seelen geben 1 Abgeordneten) auf 9 Jahre erwählten, Abgeordneten, wovon je nach 3 Jahren ein Drittheil «»stritt, den neueintretende Mitglieder wieder ersetzen, und wird präsidirt durch einen auf 3 Jahre erwählten Schultheißen; er versammelt sich jedes Jahr zweimal im Hauptorte des Kantons. Derselbe übt alle Theile der Souveränetät aus, welche nicht ausdrücklich durch die Verfassung andern Behörden übertragen sind. Er erläßt Gesetze; setzt den Gehalt de^ Beamten fest; bestimmt durchaus das Budget; ernennt und instruirt die Tagsatzungsgesandten; stimmt im Namen des Kantons; übt das Begnadigungsrecht aus; ertheilt die Naturalisation; entscheidet Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem Staatsrathe und dem Appellationsgericht; ernennt die Mitglieder dieser beiden Stellen und — auf einen doppelten Vorschlag des Staatsraths — den Generalinspektor des Militärs, den Oberaufseher der Straßen, den Oberforstmeister, den Staatskanzler und seinen Amtsgehülfen. Der Staatsrath besteht aus 13 durch den Großen Rath frei aus allen Staatsbürgern auf 8 Jahre erwählten Mitgliedern, wovon je ein Mitglied, ebenfalls unter dem Titel eines Schultheißen, 2 Jahre lang LaS Präsidium führt. Folgendes sind seine Befugnisse: Er vollzieht die Gesetze und kann neue vorschlage»; beaufsichtigt und unterweist die untergeord-- neten Behörden, ohne deren Urlheilsfreiheit anzutasten; entscheidet deren Kompetenzstreiligkeiten; verwaltet die Finanzen; legt dem Großen Rathe jährliche Rechnung ab; ernennt und entsetzt seine Stellvertreter in allen Theilen der öffentlichen Verwaltung; verfügt, wenn die Handhabung der öffentlichen Ordnung es fordert, über die bewaffnete Macht; beurtheilt in zweiter Instanz die Verwaltungsstreitigkeiten und die Straffälle der Verwaltungspolizei, und beruft den großen Rath in außerordentlichen Fällen. 206 Das Appellationsgericht, bestehend aus 13 von dem Großen Rathe, aus oder außerhalb seiner Mitte, auf Lebenszeit erwählten Mitgliedern, deren eines je zwei Jahre lang das Präsidium führt, mit einem Generalprokurator zur Seite, der in peinlichen und zuchtge richtlichen Fällen seine Schlüsse zieht, und in Sachen des Staats, der Waisen rc. Las Wort nehmen kann, der Berathung und Beurtheilung aber nicht anwohnt, bildet die oberste richterliche Behörde des Kantons. Bundes-Cvntingent. Mannschaft: i,240. Geld: 18,600 Fr. Ortsbeschreibung. (Diejenigen Orte, in welchen die französische Sprache herrscht, sind mit französischen Lettern gedruckt.) Agy, (tVjjst,.-/.), Weiler, !^Gt. von Freiburg, an der Str. nach Murten, nächst die Ruinen von Englisberg, gegenüber der St. Magdalena- Einstedelei; 1448 Treffen zwischen den Freiburgern und Savoyarden. Llkniive, Mktfl., am l. U. der Saane, 500 Ew.; bedeutende Viehzucht. Merkwürdigkeit: ein 40 F. umfassender Felstrichler am Berg ^ro88e k>rt58e. ^Itibres, Weiler, am Fuß der vn»t «je sinn, AI,; in einem seltsamen Trichter verliert sich ei» Theil des Hvngribachs, um 2 St. weiter, bei lVuirivue wieder hervorzusprudeln. Altenryf, (llautn-rive), ein 1137gestiftetesCisterzienser-Mannskloster, 2 St. südl. von Freiburg, am l. U. der Saane; Schullehrer-Seminar. H.i>e«nelnt, (Ergenzach), Pfdf., 2St. östl. von Freiburg, mitWOEw. Schloßruine zerstört 1475. ^ttulens, gr. Pfdf., I St. von eirntni 8t. venis, mit 635 Ew. Schloß, ehemals Bergfeste, jetzt Wthsh.; herrliche Aussicht; Jahrmarkt. Lubin, 8t. , Pfdf., iSt. von ^.venelie, mit 820 Ew.; schönes Schloß, üevant, xont, oder Asfry, Pfdf., an der Str. von Freiburg nach Lulle, mit 270 Cw., liebliche Ansicht der Greierzalpen, Weiler spvrv ob lllatrnn, Stammvrt des Geschlechtes Asfry; ein Affry empfing die Mediationsakte (1803) aus Napoleons Händen. Bärfischen, (varbereclie) , Pfdf., am l. u. der Saane, mit 600 Ew. Altes Schloß. «elf-ux(Gumschen), Pfdf., an der Str. von Peterlinge.i, mit356Ew.; Wallfahrt zu einem großen Kreuz, welches beim großm Brande 1448 ^ unversehrt geblieben ist. villens, Pfdf., südwestl. von Romont, mit 155 Ew.; Viehzucht; seit 1830 ein kleines Seminar. ? 207 Bonn, Bad, 2 St. van Freiburg, am r. U. derSaaiw. In der Nähe der Magdalena-Einsedelei; Wallfahrtsort Mariahilf und das Bad Garmisweil. Iio88omien8, Dorf, mi:202Ew., westl. vom 6üLteI8t. venls; Schloß- ruinen und Ruine eiies römischen Bades. vroe, (Brück, Brock), Pfdf., mit 686 Ew., am r. u. der Saane, über welche bei einer Ruine eine Brücke führt; Schloß. Hüll«, ansehnliches Städtchen, mit i,472Ew., an der Str. von Frei- burg nach Mvis. Schöne Kirche, bedeutendes Spital, gute Schul- anstalten, Kapuzinerkloster, altes Schloß; starke Handelschaft; bedeutende Jahrmärkte und Viehmärkte; nahe herrliche Aussichtspunkte; auf den Hlolesson 4)2 St. Bürzeln, (»ourxillo«), Dorf, ob der Galternschlucht bei Freiburg; Kirche mit Gnadenbild und 2 großen Landhäusern. «er»:»», Pfdf., am südl. Abhänge der Herr-», mit410Ew.; Schiefersteinbruch. eiiainx oiivlvr-, Levs-, Bad bei Murten, 1,400 F. üb. M. (Galmis), gr. Pfdf., Bez. Greierz, 2,810 F. üb. M., mit 680 Ew.; Schwefelquelle. Die höchste Meierei I« 6« I'Lssert oder Riedmatte, 3,618 F. üb. M. eiiütel 8t. vent», (Kastels), Mktfl., mit 800 Ew., auf der Str. von Freiburg nach Vivis. Viehzucht und Käsebereitung; Jahrmärkte. Lorbiere», (KorberS), Mktfl., an dem r. u. der Saane, mit 180 Ew., Hauptort des Bez.; Schloß; hier ist noch 1731 Katharina Repond als Hexe verbrannt worden. Oormeroll, Dorf, Bez. Freiburg, mit 142 Ew., wohlerhaltener Mosaikboden, entdeckt 1830 . 6»rpataux, Dorf, Bez. Freiburg, mit 285 Ew., an der Saane; reiche Tuffsteingrube. Vonr-Uckier, gr. Pfdf., an der Str. von -4ve»cl>o nach Murten , 640 Ew. vomxierre, Pfdf., am r. u. der Broye, mit 389 Ew.; Schloß; herrliche Aussicht. Lelisrleils, Pfdf., Bez. Hülle, mit360Ew., hier wird bei demPflanzen- fammler Pugia der Schweizerthee fabrizirt; reichhaltiger Schieferbruch. Lstavaxer, (Stäfis), kl. Stadt, auf einem Hügel am Neuenburger- see, mit 1,390 Ew.. ehemals festes Schloß. Dominikaner-Nonnenkloster und Seminar der Jesuiten, Chorherrenstift, Spital, Tuchfabrik; Schifffahrt, Fischerei, Speditionshandel und Ackerbau, sind die Rahrungszweige. le Kibloux, Pfdf., mit 218 Ew., Bez. vhnferN ein Schloß; Strohgeflechtverfertigung. r»ivaxi.x, (Favernach), Bezirk aus 1« Gemeinden und 3,870 Ew. Freiburg, (des Herzogs Berthold von Zähringen freie Burg, im I. 1175 erbaut); Hauptstadt des Kantons und Sitz des Bischofs von Lausanne, i,939 F. üb. M., mit circa 8,000 Ew. in der Stadt, und im Weichbilde 550, welche in 4 Quartiere abgetheilt sind und meistens französisch sprechen. Die Lage der Stadt und ihr seltsamer Wechsel der nächsten Umgebungen ist merkwürdig. Ringmauern mit Thürmen und 5 Thoren, 2 steinerne, 1 hölzerne und 1 ausgezeichnete Eisendraht-Brücke, viele Kirchen, Klöster, sonstige imposante Gebäude, senkrecht aufsteigende Felsen, Schluchten, Inseln,. Wiesen. Gärten, Wälder rc., und tief zwischen Sandselsen eingefurcht, die sich windende Saane. Durch die kühne Eisendraht-Brücke über die Saane (vollendet im Oktober 1834), sind die beiden Theile Freiburgs, welche auf einem Umweg von Z^St. getrennt gewesen, zu 5 Minuten vereinigt, in denen dieser auf einer Höhe von 175 F., in Eisen- draht schwebende, 22 F. breite und 925 F. lange Weg passirt wird; 65 F. hohe steinerne Portale zu beiden Seiten des Prachtwerkes, dienen zur Befestigung, Sicherheit und Zierde. Sehenswerth sind ferner: die Pfarrkirche St. Nikolaus (erbaut 1182), mit 256 F. hohem Thurm, merkwürdiger Bauart, Ausschmückung und kolossaler Orgel, Franziskanerkirche, Augustinerkirche, Kapuzinerkirche und Jesuitenkirche, Jesuitenkvllegium, mit reichen Sammlungen für wissenschaftliches Studium, das Gymnasium, die neue Akademie und das Pensionat der Jesuiten, das Priesterseminarium, die St. Johannkirche, das Rathhaus, einst die Zähringer-Veste, Bürgerspital von barmherzigen Schwestern besorgt, die Wvhlthätigkeilsfabrike, welche viele junge Mädchen beschäftigt, viele andere Anstalten und Gewände, Ka- binete und Kunstmerkwürdigkeiten rc. Auch die Reformisten besitzen nunmehr eine Kirche, welche den 27. Dec. 1837 feierlich eingeweiht wurde; sie liegt nahe am Kapuzinerklvster in der Murtenstraße, an dem Berg, auf dessen Höhe das Pensionat der Jesuiten steht. Kirche, Schule und Pfarrwohnung sind im nämlichen Gebäude. Handel und Fabriken sind nicht besonders bedeutend (Schilderung ders. s. S. 293). Excursionen ins Bad Neigeln, Galternthal, zur Magdalena-Einsiede- lei, aufdieir^r» 3 St., Aole88m»9 St., Bad von Garmisweil l^St., Bonn 2 St., Gurnigel 8 St., - lielleg-^Iv 9 St., Maria- hilf i St., Murten 3St., l>«rt-alI,-»> 5 St., Altenryf 2St., Ii»Il« 6 St., drii^ere« 7 St., Tausanne 12 St., Bern 6 St. Stäfis 6 St. r>„ ckc Itu„i Huxo», kostbare Schwefelquelle bei (ll>u,'m>:, . L99 Gattern, schluchtenartiges Thal, das 1 St. zwischen steil abgerissenen Felsen, am Berg gl. N. hinläuft, und beim untern Theile von Frei- burg, am r. U. der Saane sich öffnet; Mühlwerke, Eisenhammer. Garmisweil, Bad, iXjSt. von Freiburg, an der Saane, 1,950 F. üb. M., mehr Dergnügungsbad. jedoch mit heilkräftigem Wasser. «I!li«lviiii>r8, (Großweiler), Pfcf., Bez. Greierz, mit 400 Ew.; Marmor- und Schieserbruch; Wasserfall des Taunabachs; große Kirschbäumepflanzung. vruxi'i-e, (Greierz), alte kl. Stadt, auf steilem Hügel, am l. u. der Saane, mit 380 Ew.; Schloß, Erziehungsanstalt, reiches Hospital, 5 Jahrmärkte. Heitenried, Pfdf., im deutschen Bez., an der Sense, mit 528 Ew.; Schloß auf steilem Hügel, Wallfahrt zur Holzkapelle im Wald; Ruinen von Schönenfels und Grasburg; Viehzucht und Ackerbau. S»un-li>!Ue^!,rcke. ein 2 St. langes, sehenswerthes enges Thal, mit gleichnamigem Pfdf., mit 430 Ew. Auf 3,000 F. hohem Felsen das von den Bernern 1407 zerstörte Schloß »elli.-j;-»rch; Käsefabrikation, Steinkohlen, Feuersteine. Kaiseregg, am Schwarzensee, wegen Reichhaltigkeit seltener Pflanzen und schöner Fernsicht merkwürdiger Berg. Kerzerz, (6liii.-ires), Pfdf., Bez. Murlen, mit 1,066 Ew., schöne und reiche Gegend. Magdalena-Einsiedelei, is^St. von Freiburg, wurde durch den Klausner Joh. Dupre von Greierz, und seinem Gefährten Joh. Licht, in den Sandselien gehauen; diese enthält mehrere Zellen, Keller, Treppen, einen großen Saal, eine Kirche, 63 F. lang, 36 F. breit und 22 F. hoch, einen 70 F. hohen Thurm von 10 F. Tiefe; der Schornstein 90 F. Höhe und 2 F. Tiefe. Dupre ertrank am 17. Jan. 1708 in der Saane, bei der Ueberfahrt einiger Studenten. Slilesso», höchster Berg des Kantons, siehe Gebirge. Aolikre, Schbßruine, im Bez. Lstavn^er; in den nahen Steinbrüchen finden sich interessante Versteinerungen, Conchylien, Thierknochen nc. Moiltlisrri, gilt eingerichtetes Schwefelbad in schönem Alpgelände, am nördl. Fuße des Mvles^on. Monthvven Ochsenberg, (A-nslxnim), gr. Pfdf., beim Tinapaß, am r. U. der Saane, mit 366 Ew.; vorzügliches Kirschwaffer; viel Strohflichten; große Schieferlager, auch Spuren von dem Dasein verschielener Metalle. Minimier, (Montelier), Dorf, nahe am See bei Murten; Fischerei, Schifffahrt, Rothfärberei, Weinhandlungen, Bierbrauerei. 300 Murren, (Uorat), kl. Stadt, auf einem Hügel, am Murtensee, mit 1,660 Ew., die sich von Ackerbau, Handel und Transit nähren; das Rathhaus mit merkwürdigen Trophäen aus dem Burgunderkrieg, Spital, Seebäder, Waisenhaus, Bibliothek, gute Schulen ic. Die reizende Gegend bietet alle nur wünschenswerthen Erzeugnisse des Bodens dar, und wenig Reisende lassen das einfache Denkmal der Murtenschlacht unbesucht, welches folgende Inschrift trägt: XXII .1, X N6666I.XXVI LLTLIlltl DOlXLOLVI^ innern wovo 8IKIV^lk kL8k rLivilLk Unsere»! Ahnen Eintracht siegte am 22 te» Juni 147«. Neues Denkmal, errichtet durch die Republik Freiburg 1822. lXerlvue,(Schwarzwasser), Pfdf., aml.u. derSaane, mit 226 Ew., der nahe Bergpaß l'Lvi, welcher zu verschiedenen Alpen des lllol«88o» führt, verdient den Besuch aller Reisenden wegen seinen überraschenden Erscheinungen in tiefer Felsschlucht. Quelle, i», (zur Flühe), langes Thal und Pfarrei, im B ez. Oorl-l«--«-, mit 930 Seelen, Hammerwerk, Sensenschmiede, 3 Jahrmärkte jährl. lkvnioiit, (Remund), kl. Stadt an einem Hügel, am l. u. der Glane, mit 1,320 Ew.; schöne Pfarrkirche, Schloß, Kaixuzinerhospiz, 8 Jahrmärkte, schöne Aussicht. Schwarzenseebad, heilsames Schwefelbad, auf dessen l. U-, in schöner Alpenwelt, entdeckt 1783 und neu gebaut 1812 . 8en>8»les, Pfdf., auf der Str. von Lulle nach Mvis, «Mit 610 Ew.; größte Glashütte der Schweiz, mit 160 Arbeitern. Sense, Fluß, siehe Gewässer. Val, 8»iute, (Heiligenthal), am südl. Fuße der Lerra, 3,120 F. üb. M., ehemaliges Karthäüser-, dann Trappisten- und seit 1818 Redemtoristen - (Ligorianer-) Kloster, mit einer Erziehungsanstalt; treffliche Alpenwirthschaft. Vu>88e»8, Pfdf., an der kl. Glane, mit 222 Ew.; Schloß und Badanstalt. Wistenlach, Vuiltx, Landrücken zwischen dem Neuenburger- und Murtensee, erhebt sich 1,971 F. üb. M., bietet herrliche Aussicht; fruchtbares Gelände, schöne Wiesen, Halden mit trefflichen Weinbergen, waldreiche Hügel. Kanton So tot hurn 30 t (§in demokratischer Freistaat mit repräsentativer Verfassung. Seit 1481 im Bunde der Eidgenossenschaft. Das Wappen besteht in einem von Silber und Roth in die Quere getheilten Schild. Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag rc. Gränzt gegen O. an den K. Aargau, gegen W. und S. an den K. Bern, gegen N. an den K. Bern und Bases. Von zwei zu diesem Kanton gehörigen, aber von demselben abgeschnittenen kleinen Landstrichen, das Leimenthal und Kleinlützel nächst Basel, ist der größere vom K. Bern, von Frankreich und Basel, der kleinere von Frankreich und dem K. Bern umgeben. Seine unregelmäßige Gestalt verengt sich bald, bald dehnt sie sich wieder aus; daher die größte Länge und Breite in schiefer Richtung etwa lObis 11 St., sonst aber in der Breite nur 2 bis 4 St. hat. Flächeninhalt 18 IHM.; worauf, nach derZählung von 1837, in 2 Städten, 2 Marktflecken, 131 Dörfern, 17 Weilern, vielen Höfen und Sennhütten, 2 Chorherrnstiften, 5 Mönchs- und 3 Nonnenklöstern 63,106 Seelen leben; welche, mit Ausnahme von etwa 6,000 Refvrmirten, der katholischen Religion angehören. Die Bewohner keS südl. Fußes des Jura sind Gäuer, die der nördl. Thäler aber Schwarzbuben genannt. Das Volk bildet einen kräftigen Menschenschlag, ist treuherzig und bieder, doch häufig nicht ganz frei vom Aberglauben. Der Bucheggberger und Kriegsstetter hat festen und starken Gliederbau, ist mittlerer Größe und phlegmatischen Temperaments; der Leberberg-Gäuer, Thalbewohner und Niederämtler ist größerer Statur, stark und ausdauernd, heiter und aufgeweckt; der Schwarzbube erfreut sich eines schlanken Körperbaues und hervorstechender Gesichtszüge, ist von mittlerer Größe, gewandt und gelenkig. Im Ganzen ist der Solothurner gut gebaut, gesund und unter den deutschen Schweizern zum Militärdienst vielleicht am geschicktesten. Auch das weibliche Geschlecht zeichnet sich durch wohlgebauten Körper und mitunter durch auffallend schöne Gesichtszüge aus. Die frühere Nationaltracht ist fast ganz verschwunden. Die jetzige weibliche Tracht zeichnet sich durch weiße Hauben und den meistens roth und anders gefärbten Jüppen mit langer, dunkler Gestalt aus; der Schnitt ist Nachbildung der Bernertracht. An Festtagen ist die Stirne der Jungfrau mit einem flimmernden, silbernen Kränzchen geziert; die Haare 502 sind in ein rothseidenes Band geflochten; Strohhüte und lange Handschuhe schützen sie vor der Sonne. Die Nahrungsmittel sind wie in den Raichbarkantonen. Da dieser Kanton durchaus sehr gesund ist, so sind di>e Altersjahre 70 häufig, 80 und 90 nichts seltenes. Kretinen, Kropfige und Blinde werden wenige gefunden. Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Der Jura durchzieht von SW. nach NO. in mehrfacher Verzweigung den Kanton. Das Klima ist in den meisten Gegenden etwas rauh, daher wenig Weinwachs, allein Getreide gedeiht über den Bedarf, so daß noch beträchtliche Sendungen nach den K. Neuenburg und Waadt gemacht werden, und noch vieles auf dem Berner Kornmarkt verkauft wird. Der Wiesenbau ist ebenfalls erfreulich, wozu die in neuerer Zeit eingerichteten Wäfferungsanstalten nicht wenig beitragen. Die Obsikultur wird mit Sachkenntniß und Vortheil betrieben und selbst in hochgelegenen Bergdörfern und bei Sennhütten findet man das wohlschmeckendste, feinste Obst. Auch Sinn und Eifer für Gartenbau zeigt sich an vielen Orten; viele auserlesene, köstliche Obffgattungen, manmchfaltiger geschätzter Blumenflor und unzählige Spielarten von Küchenkräutern prangen jetzt auch in manchen Gärten der Lantleute. Der Weinbau soll früher im Kanton sehr ausgebreitet gewesen sein; gegenwärtig werden blos 330 Juch. dieses Geländes gebaut; Ackerland 37,000 Juch.; Wiesen und Gärten 38,000 Juck.; Weiden 13,458 Juch.; ausgerodetes Land 7 bis 800 Juch. Die vorhandenen 150,000 Juch. Waldungen sind Staats-, Gemeines-, Korporations-, Privat- und Rechtsame-Waldungen, die, wenige ausgenommen, nicht vermessen sind; sämmtliche Staatswaldnngen, Hochwälder und Allmen- Len enthalten beiläufig 48,000 Juch. Die 1809 eingeführte Forstordnung bewährt sich wohlthätig. Einheimische Holzgattungen sind: Eichen, wovon aber noch wenig Waldungen vorhanden sind, Buchen, Weiß- und Rothtannen, Fohren, Birken, Eschen, Ulmen, Ahorn, Aspen und Lärchen, die meisten Weidenarten und viele Arten Gesträuche. Viehzucht. Seit zwei Dezennien hat die Kantonsregierung für das Aufblühen derselben Erhebliches geleistet. Der Weidgang besteht seit 1817 nur noch, mit wenig Ausnahmen, auf den Gebirgen; die Aufhebung desselben und die Einführung der Stallfütterung, die durch den Anbau guter Futterkräuter und den künstlichen Wiesenbau unterstützt wird, gehören zu den wesentlichen Verbesserungsmitteln der 305 Viehzucht, weiche wirklich im besten Flor ist. Der Bestand ist folgender: 4,780 Pferde, 27,800 Stück Rindvieh, 13,800 Schake, 5,842 Ziegen, 16,400 Schweine, 25 bis 30 Stück Maulesel. Dcr Kanton besitzt keinen eigenen Biehschlag, es wird daher alljährlich eine Anzahl Zuchtstiere aus den K. Bern und Freiburg eingeführt, so wie viele Kühe und Kalbeln. Das Vieh von rother Farbe und weißgefleckt bildet die Mehrzahl. Aus der Paarung der kleinen Kühe mit den großen Zuchtstieren sind allerlei Varietäten entstanden. Die Alxemmrthschaft wird im Berglande stark betrieben; diejenigen Käse, welche auf den Lim- mernbergen, bei Mümliswyl, gekocht werden, gelten für die beßten, da sie in der Qualität dem Emmenthalerkäse nahe kommen. Ein dem K. Solothurn eigenes Produkt sind die Geiß käse, welche wegen ihrer Kleinheit diese Benennung tragen; es werden viele derselben in die benachbarten Kantone verschickt. — Die Bienenzucht ist durch die darauf verwendete Sorgfalt einträglich. — Geflügel aller Gattungen wirb aufgezogen und verkauft. — Die neuesten Resultate der Versuche in der Seidenraupenzucht und dem Betrieb der Seidenfabrikalion sind für die Unternehmer ermunternd. Große Mannichfaltigkeit zeigt das Mineralreich: Marmor, Gyps, Kalk, finden sich in Menge; auch Versteinerungen; der Reichthum an Eisenerz ist bedeutend. — Zu Bädern werden 6 Mineralquellen benutzt: Allerheiligen, Losdorf, Ammannseck, Attisholz, Meltingen und Flühen. Jagd und Fischerei. Die Jagd ist Jedermann vom 1. Herbst- monat bis zu Ende des Jahres (inelunire der Schnepsenjagd im Frühling) gegen Lösung eines Patents von 8 Fr. (Studenten nur 3 Fr.) erlaubt. Es wurden in den letzten Jahren 200 bis 300 Jagdpatente ausgestellt; daher es denn auch kommt, daß, außer einigen Hasen, Füchsen und Raubvogeln, wenig Gewild sich vorfindet. — Die Fischerei, nicht sehr ergiebig, ist theils Eigenthum des Staates, theils der Gemeinden und Korporationen, welche sie an Partikularen verpachten. Handel und Gewerbfleiß. Die Bewohner des Kantons Solothurn haben mehr Neigung für Landwirthschaft als zum Betrieb von Manufakturen; daher beschränkt sich ihre Fabrikation meistens auf Naturprodukte, als: Käse, nach Art der Emmenthaler, und Geißkäse; Verarbeitung von Eisen in den Hochöfen von Gänsbrunnen und Klus, und auf den Eisenwerken von Ger- lafingen und Matzendorf, welche zusammen jährlich 20,000 Ztr- liefern; ferner werden noch verfertigt: Stroh- und Filzhü.te, baumwollene und .'04 wollene Mützen und Strümpfe; auch die Fabrikation vonSeidenbändern beginnt emporzukommen. Außerdem bestehen: i berühmter Eisendrahtzug, 3 Buch- und 2 Steindruckereien, 1 Glockengießerei, 2 Fayence fabriken, 2 Papiermühlen, 7 Gerbereien, 13 Gypsmühlen sammt Brüchen, 6 Bierbrauereien, 3 Glashütten, i berühmter Mühlsteinbruch, 5 Marmorbrüche und 53 Sägewerke ic. Die verschiedenen guten Straßen, besonders über beide Hauen- steine und von Aarau nach Aarberg, begünstigen den Handel und Transtt. Spedition und Schifffahrt sind nicht unbeträchtlich. Einfuhr: Salz, Tabak, Kolonialwaaren, Baumwolle, Seidenzeuge, Wein, Tücher, Lupusartikel, Brennholz und Kälber. Ausfuhr: Käse, Eisen, Bauholz, Kalk, Gyps, Bau- und Mühlsteine, Marmor, Obst, Getreide und Mastkälber. — Geldrechnung wie im Kanton Bern. Gebirge und Gewässer. Gebirge. Die höchsten Punkte des Iuragebirges, welches diesen Kanton durchzieht, stnd: der Weißenstein (3,950 F. üb. M-), ein Seitenstück des gefeierten Rigi, ebenfalls mit einem Gasthause und der Aussicht über die Alpenkette, vom Sentis bis zum Montblanc; die Hasenmatt (4,478F.üb.M.) und die Rothefluh (4,330F.üb.M.), welche dem Weißenstein zur Seite liegen und auch unvergleichliche Aussichten darbieten; mit dem Paßwang (3,860F. üb. M.) zieht das Gebirge in den Kanton Basel über. Gewässer. Dieser Kanton hat an frischen, gesunden Quellen keinen Mangel; die meisten Dörfer erfreuen sich schöner, laufenden Brunnen; 5 bedeutende Flüsse und 110 größere und kleinere Bäche bewässern das Land; wovon 36 in die Aare, 2 in die Emme. 26 in die Dünnern, 20 in die Lüsel, 5 in die Birs und 7 in die Lützel fließen. Im Leimenthal und bei Kienberg stnd 14 Bäche, von welchen 6 in die Ergötz, 3 in Len Birstg und 5 in den Rhein, durch das Frikthal, fließen. Seen stnd wenige, sie gelten nur als Teiche oder Weiher, wie z. B. der Burgsee bei Aeschi. Flüsse. Die Aar (s. S. 160), die Emme (s. S. 173), die Birs (s. S- 166). Die Dünnern, kleines fischreiches Flüßchen, hat ihre Quelle am «ördl. Fuße des Weißensteins, wird bei der Klus durch 2 Bäche verstärkt, durchströmt das Buchsgäu und vereinigt sich bei Ölten mit der Aar; es gibt darin viele Forellen und eine Art rother Krebse. Die Lüsel; ein WalLwasser, das aus dem Beinwell kommt UNd bei Zwingen sich in die Birs ergießt. E i H t h e i l ii n g. Der Kanton enthält ;> Oberämter: Solothurn, Lädern, Buch- eggberg, Kriegstetten, Balsthal, Ölten, Gösgen, Dorneck und Thierstein. - _ Verfassung vom 18. Januar 1831. Allgemeine Bestimmungen. Die höchste Gewalt des Kantons Solothurn geht von dem Volke ausj sie wird aber nur durch seine Stellvertreter ausgeübt, welche nach der von ihm genehmigten Verfassung gewählt werden. Alle Bürger des Kantons haben gleiche staatsbürgerliche Rechte, alle sind gleich vor dem Gesetze und haben zu allen Stellen und Aemtern Zutritt, wenn sie die erforderlichen Eigenschaften besitzen. Die römisch-katholische Religion ist die Religion des Kantons, mit Ausnahme des reformirten Amtes Bucheggberg. Gewerbe und Handel sind frei. Das PetitivnSrecht ist gewährleistet; ebenso die Freiheit der Presse. Jeder Einwohner des Kantons ist nach dem i6ten Jahre milizpflichtig. Nach Verlauf von lt> Jahren kann eine Revision der Verfassung stattfinden. I. Kantonalbehörden. Der Große Rath besteht aus einem Präsidenten und ik>8 von den Wahlkreisen, den Wahlkollegien und den durch die gewählten Groß- räthe selbst auf 6 Jahre gewählten Mitgliedern, und versammelt sich ordentlicherweise des Jahres zweimal. Er erläßt die Gesetze, nimmt Rechenschaft über ihre Vollziehung und die Staatsverwaltung überhaupt, bestimmt das Büdget, ernennt und instruirt die Tagsatzungsgesandten, schließt Verträge mit andern Regierungen, ertheilt das Kantonsbürgerrecht und die Niederlaffungsbewiiligung geistlicher und anderer fremder Korporationen, übt das Begnadigungsrecht aus und erwählt aus seiner Mitte den Kleinen Rath und seinen Präsidenten, und aus der Gesammtheit der Bürger die Mitglieder des Appellations - und Kantonsgerichts und deren Präsidenten, so wie die Staatsschreiber und die Oberamtmänner. Der Kleine Rath, bestehend aus 17 je nach 2 Jahren zu einem Drittheil anstrebenden Mitgliedern und einem aus seiner Mitte genommenen einjährigen Präsidenten, welcher zugleich Präsident des Großen Rathes ist, ist mit dem Vorschlage und der Vollziehung der von der höchsten Gewalt ausgehenden Gesetze beauftragt. Er erläßt zu diesem Ende, so wie zur Führung der ganzen Staatsverwaltung, die nöthigen Verordnungen, verfügt über die bewaffnete Macht, entwirft die Instruktionen zur Tagsatzung, übt die Verwaltungsgerichtsbarkeit in letzter Instanz aus, bildet mit 10 wettern Mitgliedern des Großen Raths die , 2 « .',06 Wahlbehvrde für alle Stellen, welche nicht dem Großen Rathe vorbehalten sind, und legt alljährlich dem Großen Rathe über alle Theile der Verwaltung Rechenschaft ab. Vollziehungskommissionen, wie in andern Kantonen. II. Bezirksbehörden. Die Oberamtmänner. III. Gerichtsbehörden. Das Appellationsgericht besteht aus 13 , alle 2 Jahre zum sechsten Theile austretenden Mitgliedern, deren eines Präsident ist,' beurtheilt in letzter Instanz alle rekursfähigen Sprüche in bürgerlichen Streitsachen, so wie'in Polizei-, Frevel- und Kriminalfällen. Die Verhandlungen der Gerichte sind in der Regel öffentlich. Das Kantonsgericht besteht aus 9 alle 3 Jahre zum vierten Theile austretenden Mitgliedern, deren eines Präsident, beurtheilt in zweiter Instanz alle appellabeln Civilfälle und bildet in Kriminalfällen die erste Instanz. Gemeindsbehörden. Der Kanton zählt t3l Gemeinden; jede Gemeinde versammelt sich ordentlicher Weise des Jahres zweimal. Die Gemeinden besorgen alle Gemeindeangelegenheiten, mit Ausnahme jener, die sie den Gemeinderäthen übertragen; sie sorgen für die Vollziehung der Gesetze und der zu ihrer Einführung und Aufrechthaltung erlassenen Verordnungen. Den Gemeinden sind die Kirchen-, Schulen-, Armen-, Wittwen- und Waisen-, so wie die örtlichen Polizei-Anstalten, nach den bestehenden Verordnungen und Gesetzen, unter Aufsicht der Regierung überlassen. Ihnen sind die Kirchen-, Waisen- und Vogtsrechnungen u.s. w. anvertraut; die Anlegung von Steuern und deren Verwendung kann nur durch sie festgesetzt und genehmiget werden. Jede Gemeinde wählt auf die Dauer von 6 Jahren einen Gemeinderath, von welchem alle 2 Jahre ein Drittheil austritt. Aus den Gemeinderäthen wählt die Regierung einen Gemeindammann und aus allen in der Gemeinde wohnenden Kantonsbürgern einen Friedensrichter. Die Gemeinde ernennt den Gemeindsschreiber. Die Revision der Verfassung kann nach 10 Jahren stattfinden , wenn sie vvm Großen Rathe nothwendig erachtet wird, sei es durch Petitionen oder auf den Antrag eines Mitgliedes des Großen Rathes; wird im loten Jahre kein solcher Antrag gemacht, so kann dieses nachher zu jeder Zeit geschehen, bis eine angetragene Abänderung angenommen oder verworfen wird; alsdann müssen wieder 10 Jahre abgewartet werden. Bundes - Contingent. Mannschaft: 904 . Geld: l 3 ,L 60 Fr. I 7,07 Kirchen- und Soulwesen. Die Geistlichkeit dieses Kantons, die, mit Ausnahme der seilen Chorstifte zu Solothurn und Schönenwerth und der davon abhingigen Benefiziaten, 68 Pfarreien und Kapla- neien zu verwalten hat, war noch vor wenig Jahren den 3 Diözesen: Konstanz, Basel und Lai/anne, einverleibt, deren Bischof und Domkapitel seit 1828 ihren Wohnsitz in Solothurn haben. In Folge dieser Verlegung der bischöflichm Residenz nach Solothurn ist die dortige Pfarrstiftskirche zum heil. Urs und Viktor zur Kathedrale erhoben worden, und die dabei befintlichen Stiftsgeistlichen haben den Domherrentitel angenommen; zu wclchcn noch die Residentialen aus den übrigen Diözesankantonen: Beri, Luzern, Ury, Unterwalden, Zug, Aargau und Thurga», kommen. Die Ordenögeisilichkeit zählt 5 Manns- und 3 Frauenklister; zu jenen gehört auch die Benediktiner- Abtei Mariastein. — De: rrformirte Amtsbezirk Bucheggberg, über den Solothurn die kirchlchen Rechte im Jahr 1803 erhielt, enthält 4 Pfarreien, deren Seelsorger dem bernerschen Bürgerkapitel einverleibt sind. Jede Pfarrei hat ikr besonderes Chorgericht und in Solothurn ist ein reformirter Schul- und Kirchenrath aufgestellt. Primärschulen sind in Bucheggberg ,7 und in den übrige» Aemtern zusammen 9t, unter welchen mehrere sin), denen ein zweiter Lehrer zugegeben ist. Geräumige und freundliche Schulgebäade werden überall im Kanton wahrgenommen (so weit wörtlich aus Mark. Lutz geogr. Beschreibung der Schweiz, dritte Aufl. S. 122, Bael 1835). — Es sind indessen in Betreff des Unterrichtsfaches bedeutende Fortschritte geschehen. Das Schulwesen steht unter Aufsicht des Kleiien Raths, welcher eine Crziehungs- kommission bildet. Das Gymnasiun besteht aus 6 Klaffen, denen eben so viele Professoren vorstehen. Das Lyceum hat 2 Kurse und 3 Professoren. Die theologische Anstalt tat 3 Klaffen und 3 Professoren. Es besteht eine Turn- und Schwimmanstalt für alle Klaffen. Im Schuljahr 18 ^zj und die folgenden Jahre war die Zahl der Studenten 115. Die Ernennung der 12 Professoren geschieht durch die Wahlbehörde in Folge eines Rufs und fattgefundener öffentlicher Prüfung. — Den Reformirten wurde am 17. Juni 1835 die St. Stephanskirche eingeräumt und solche am 2. August eingeweiht; sehr erbaulich sangen dabei viele katholische Brüder dis erhabene Lied mit: »Wir glaiben all' an einen Gott!-- r 7>orr Ortsbeschreibung. Aeschi, Pfdf., an der Straße von Solothurn nach Herzogenbuchsee, mit 345 Ew., in fruchtbarer, zum Theil sumpfiger Ebene; Ackerbau und Viehzucht; Merkn», bei der Kirche eine 33 Fuß dicke Eiche. Stetigen, ref. Pfdf., mit 193 Ew.; blühender Landbau und Pferdezucht; am nahen Aetigerberg Trümmer der Burg Altschloß und St.'nördl. das Schloß Buch eck. Allerheiligen, Wallfahrtskirche; reizende Lage und Fernsicht, auch schöne Aussicht auf den nahen Krähenbühl. Ammannsegg, Ammannseich, Dorf und Bad, mit 122 Ew., 1 St. von Solothurn. Attisholz', Bad, an der großen Straße von Solothurn nach Basel; das Wasser ist schwefel- und eisenhaltig, vorzüglich bewährt gegen Krämpfe. Es sind viele Anzeichen vorhanden, daß hier ein römisches Bad gestanden hat. Bärschweil (Bärspel), Pfdf., nördl. von Solothurn, mit579Ew., in tiefem Thäte, das durch eine Bergschlucht an der Birs stch öffnet. Gypsbruch. Balsthal, Amt, besteht aus einem Parallelthale des Jura mit mehreren kleinen Seitenthälern, von dem Dünnernfluß bewässert; guter Land- und Obstbau, bedeutende Tannenwaldung, Reichthum anBvhn- erz und Alpenwirthschaft. In 17 Gemeinden wohnen 10.3Z4 Seelen. Ballstall, Mktsl., mit 645 Ew., 4 St. nordöstl. von Sollothurn, an der Straße nach Basel über den obern Hauenstein, mit 941 Ew., inelusive der Klüse, in fruchtbarer Ebene; hinter der Pfarrkirche der Steinbachfall; nördl. die Trümmer der Burg Falkenstein, unter welcher, dem Limmerbache nach, eine Schlucht nach Mümlisweil und dem Berge Paßwang leitet. Fleißige Landarbeiter und Prvfessionisten; 1 Baumwollenzeugfabrik, Rothfärbsrei, Posamentirfabrik, steinerne Brunnenröhren - Bvhreinrichtung, Kartenfabriken; Eisenerzgrube am Fuße des Rockenberg, ^ auf welchem eine schöne Aussicht ist. Bechburg, Alt- und Neu-, 2 nahe Schloßruinen mit Fernsichten. Beinweil, Thal und Pfarrei mit 377 Ew., deren Anfang am westl. Fuße des Paßwang (3,860 F. üb. M.) und zieht bis s-j St. unterhalb des Klosters an der Lüsel hin; romantischwilde Natur, gute Sennereien und Viehzucht. Bettlach, Pfvf., mit5l7Ew., im W. von Solothurn, an der großen Straße nach Viel und am Fuße eines alten Bergfalles. Feldbau und Viehzucht. Auf hohem Hügel die Ruine Straßberg. r 309 Blauensiein, Burgruine an waldiger Höhe bei Laufen; 1412 von den Basiern zerstört. Blauenstein, Klauser-Schloß, unterhalb Ballstall, am Eingänge der Bergschlucht Klus auf einem steilen Felsen, Stammschloß derer von Falkenstein. Buchegg, Burgruine aus angebautem Hügel; Stammhaus der Grafen von Bucheck. Bucheggberg, Amt, südl. der Aar, besteht aus 3 Thälern mit 5,306 res. Ew.; wohlbestellter Landbau; Viehzucht, besonders Pferde. Buchsgau, Gäu genannt, ebene, weite, fruchtbare von der Dünnern bewässerte Landschaft zwischen dem Jura und der Aar, von der Klus bis Ölten reichend. Buchsiten, Ober-, Pfdf., an der Straße von Ölten nach Solothurn, mit 672 Ew.; Zollstätte; Trennung durch die Dünnern vonNieder- Buchsiten; fruchtbare Gemarkung. Büren, Pfdf., mit 476 Ew., in einem Thale nordwestl. von Wagenburg gelegen; Getreide- und Weinbau. Dornach, Dorneck-Thierstein, Amt, durch den Basier Bezirk Birseck in 2 Theile getrennt; enthält 3 Gerichte: Dornach, Leimen und Seewen, mit 5,133 Ew. Dornach, Dvrneck, Pfdf., mit 675 Seelen, am r. U. der Birs, 2 St. von Basel, nahe das Schloß gl. N.; St. nördl. liegt das Dorf Dorneckb ruck mit einem Kapuzinerkloster. Amthaus, Zollstätte, Jahrmärkte, steinerne Brücke. Schlacht 1469, welche den Schwabenkrieg endete. Im Jahr 1813 stürzte bei großem Gewässer die Brücke beim Orte ein, wodurch 37 Menschen den Tod fanden. Cgerkingen, Pfdf., mit 894Ew., im Buchsgau, am l. U. der Dünnern, auf der gr. Str. von Solothurn nach Ölten; herrlicher Landbau; Marmorbruch; frequenter Fußweg über den Egerkingerberg nach Langenbruck. Falkenstein, Schlvßruine auf hohem Felsen, nächst Ballstall, der die Straße über den obern Hauenstein und Paßwang beherrscht. Flühen, Flüe, Dorf und Bad, am Fuße des Blauen, in einem Thalkessel (i,676 F. üb. M.), 2>4 St. von Basel. Das Mineralwasser enthält Eisen und Kalk, und ist dem weiblichen Geschlechte besonders zu empfehlen. Forburg, Ruine der beim Erdbeben 1356 eingestürzten Stammburg der Edeln gl. N-, die bald darauf erloschen find. Gänsbrunnen oder auch St. Joseph (von der dortigen Kirche so genannt), mit 147 Ew., am Fuße des Hintern Weißensteins; Eisen- Z erzgrube; Zollstätte; Fhw. über den Weißenstein nach Solothurn; höchster Punkt 3,540 F. üb. M. Gösgen, Ober-, Pfdf., im Amte gl. N., mit 331 Ew.; Sitz des Oberamtmanns von Ölten; Fähre über die Aar. Ersuchen, Pfdf., im W. von Solothurn, an der gr. Str. nach Viel, mit 1,188 Ew. Hier beginnt der Weinbau, welcher sich am Fuße des Jura hin nach Neuenburg zieht. Grenchenbad (auch Allerheiligen- oder Bachtalenbad genannt), unfern dem Dorf Ersuchen, etwa 300 Schritte von der Straße nach Biet. Außer der anerkannten Kraft des geruchlosen Wassers dieses Heilbades erquickt schon die gesunde Luft dieses reizenden Thälchens, dessen Besucher auf das Angenehmste überrascht werden durch die gute Einrichtung des Bades, die freundlichen Spaziergänge uüd die nahen prachtvollen Fernstchten. Gretzenbach, Pfdf., bei Schönenwerth, an der Straße von Ölten nach Aarau, mit 500 Ew.; wohlangebaute Felder und Obstzucht. Günzberg, Pfdf., auf einem Vorsprunge des Jura. mit 518 Ew.; Gypsmühlen; Fußweg nach Matzendorf über den Jura. Güldenthal, im Jurakhal und in dessen Streichungslinie; Viehzucht, Glashütte und in der Nähe Erzgruben. Hägendorf, Pfdf., i St. von Ölten, an der Straße nach Solothurn. mit 072Ew.; starke Viehzucht, üppige Wiesen und Felder; Fw. durch den schönen Thalschlund nach dem K. Basel. Hasen m alte, höchste Spitze der Solothurner Jurakette (4,488 F. üb. M.) 1 St. vom Weißenstein; Ueberblick der Schneegebirge vom Montblanc bis nach Graubünden, Schwarzwald und Vogesen. Nicht minder reizend ist die liebliche Ansicht von der Aar und Emme, die nicht nur alle Gewässer der Berner nördlichen Hochalpen in sich vereinigen, sondern auch die der K. Freiburg und Neuenburg und eines Theiles der Waadt dem N. zuführen. Fhw. bis in's Münsterthal des K. Bern. Don Solothurn bis auf den Gipfel des Berges 5 St. Hauenstein, Ober-und Unter-, zwei Pässe des Jura, an der Gränze der K. Solothurn und Basel, über welche große Handelsstraßen von Basel in die Schweiz und nach Italien führen, die von 200 Ztr. schweren Lastwagen befahren werden; ersterer liegt im W. zwischen Waldenburg und Ballstall (2,268 F. üb. M.), letzterer 3 St. weiter im O. zwischen Läufelfingen und Ölten (2,138 F. üb. M.); jener ist auf der Nordseite und dieser auf der Südseite steil. Hermes- oder Hermannsbühl, Promenade auf dem Glacis von Solothurn, in Mitte der St. Lvrenzenvorstadt. 511 Hofstetten, Pfdf., nördl. von Laufm, im Amte Dorneck, mit735Ew. Acker-, Wein- und Wiesenland. Nahe die ^Burgruinen Sternberg und Fürstenstein. Holderbank, Pfdf., auf der Straße von Solothurn nach Basel, mit 450 Ew.; östl. die Ruine Bechburg. Jffenthal, Pfdf., im Amte Ölten, aus dem untern Hauenstein, mit 406 Ew. Auf der Höhe lag die Stammburg der Edeln gl. N. Viel Viehzucht und Ackerbau. Kienberg. Pfdf-, im Amte Gösgen, an der nördl. Seite des Jura, mit 490 Ew., in einem wilden Thale, das sich ins Frickthal öffnet; starke Bienenzucht. Klus, interessante Bergkluft, weil hier die erste und höchste Jurakette ganz durchbrochen ist. mit 2 Weilern an Leren Ein- und Ausgang. Die Straße von Basel nach Solothurn führt der Dünnern nach durch diesen Schlund. Hier ist eine Armenversorgungsanstalt und in der Nähe ein Eisenwerk. Ueber dem Dorfe die Ruinen des Schlosses Blauenstein. Kriegsflotten, Amt, zwischen der Aar und dem K. Bern; einträglicher Feldbau und Viehzucht; in demselben das Pfdf. gl. N., mit 132 Ew. und einer Papiermühle. Labern, Amt, am l. U. der Aar, auf der Abdachung des Jura (Läber- berg) von der Bernergränze bis zur Sigger bei Flumenthal; wegen vielem Sumpfland nicht sonderlich fruchtbar. Etwas Feldbau und Viehzucht. Laupersdorf, Pfdf., im Amte Balsthal. mit dem Filialort Höngen 550 Ew.; freundliche Kirche auf einer Anhöhe; Zollstätte. Losdorf, Pfdf., im Amte Gösgen, unter dem Schloß und Bad Wartenfels, mit 964 Ew.; einträgliche Landwirthschaft und Wvllenstricke- rei. Das Mineralbad ist besonders heilsam bei Hämorrhoiden und dem weißen Fluß. Lützel, kl. Pfdf., i St. westl. von Laufen, in fruchtbarem Thale; Ueberbleibsel des ehemaligen Klosters sammt einer Kapelle. Mariastein, Benediktinerabtei und Wallfahrtsort, im Leimenthal, 2s^ St. südl. von Basel, nahe dem zerstörten Bergschloffe Lanbs- kron, hoch über wilder Felsschlucht gelegen. Herrliche Aussicht bei der St. Annakapelle, großer Gasthof beim Kloster und in der Tiefe das Bad Flühen. Matzendorf, Pfdf., im Thale gl.N., am l. U. der Dünnern, in gut angebauter Gegend, mit 658 Ew.; hier eine romantische Einsiedelei, Hammerschmiede, gute Armenanstalt und Steingutfabrik. 1 Meltingen, Pfdf. und Wallfahrtsort, mit 278 Ew., von waldigen und fruchtreichen Höhen umgeben, südöstl. von Laufen, an einem Bache der nördl. in die Birs fließt (1,730 F. üb. M.); hier ein seit 400 Jahren benutztes Mineralbad, besonders gegen Mutterbeschwerden und Unfruchtbarkeit sehr heilsam. Mühledorf, Dorf, im mittlernThaledesBucheggberges, mit3i5Ew. Beträchtlicher Feld- und Wiesenbau; starke Vieh- und besonders gute Pferdezucht. Mümlisweil, Pfdf., vom Limmerbache bewässert, an der Straße und dem Paßwang, mit 076 Ew. Papiermühle, Fabrikation von Karten, Borten, Kämmen, vorzüglich aber Käse und besonders der so berühmten Geißkäse; etwas beschwerlicher Feldbau. Nikolaus, St., Pfdf., St. nördl. von Solothurn, mit dem Filial- ort Feldbrunnen 230 Ew.; unter den reizenden Gegenden der Hauptstadt verdient St. Nikolaus den Vorrang, da Natur und Kunst sich hier mannichfach vereinigen; bei dem nahegelegenen Schlosse Wald egg herrliche Aussicht und in demselben, in der St. Michaelskirche, mancherlei Kunstgegenstände; nicht ferne die vielbesuchte Einsiedelei der heil. Verena; ein von Cypressen beschatteter Grauitblvck mit der Inschrift: --Dem Andenken des Geschichtschreibers Robert Glutz - Blotzheim, geb. in Solothurn 1786, gest. in München 1818, seine Freunde.-- Oberdorf, Pfdf., am Fuße des Weißensieins, mit 533 Ew.; Wallfahrtskirche; Fhw. von hier über Weißenstein nach Gänsbrunnen. Oensingen, Pfdf., an der Dünner», an der Straße von Solothurn nach Ölten; belebter Acker-, Obst- und Wiesenbau; Fabrikation; 3 Jahrmärkte; in der Nähe das starkbesuchte Wilhelm-Teil-Bad. Ölten, Amt, mit 8,450 Ew.; Ackerbau und Viehzucht sind ergiebig und werden als Hauptnahrungszweige betrieben. Ölten, kleine Stadt und Hauptort des Amtes Ölten und Gösgen, mit 1,450 Ew., an der großen Straße von Basel über den untern Hauenstein, von der Aar durchschnitten; auf dem l. U. liegt die größere und schönere Hälfte des Ortes in mehr fleißig gebauter als fruchtbarer Gegend. Schöne Pfarrkirche, gute Schulanstalten, ein Kapuzinerkloster, 8 starke Jahrmärkte, Schiffahrt, Warendurchfuhr; Fabrikation in Draht, i» Hüten, in baumwollenen Mützen und Strümpfen, in Leder, und verschiedenen ander» Handelszweigen; nördlich die Ruine Schlagberg. Paßwang oder Pa schwang, Gebirgssattel (3,740 F. üb. M.), mit Fhw. von Ballstall und Mümlisweil ins Beinweilerthal; herrliche Aussicht. 212 Schnöttwyl, ref. Dorf im Amt Bucheggberg, mit 630 Ew.; Feldbau und starke Viehzucht; Mühlensteinbruch, dessen Ausbeute so werth ist, daß ein Zoll dieser bearbeiteten Mühlsteine 6Fr. kostet (s. S. 25t Strohmeier's Beschreibung des K. Svlothurn, 1836). Schönen werth, Dorf und Chorherrnstift, an der Straße von Ölten nach Aaran, mit 548 Ew.; schöne Kirche mit einem Marienbilde, zu dem gewallfahrtet wird; reizende Aussicht; guter Landbau; einige Seidensabrikation. Seewen, Pfef., im Amte Dorneck, mit 736 Ew. (1,630 F, üb. M.); Feldbau und Holzhandel; seine Umgebung bietet dem Geognosten reiche Ausbeute. Solothurn und Labern, Oberamt, mit 9 Kirchgemeinden; blühender Feldbau, Vieh- und Pferdezucht; Industriezweige finden lebendigen Betrieb. Solothurn, Stadt und befestigrer Hauotort des Kantons, 1 St. vom sükl. Fuße des Jura, mitten im anmuthigen, fruchtbaren Thale (1,286 F- üb. M.), von der Aar durchschnitten, wovon der größte Theil auf dem l. N. liegt und Lurch 2 hölzerne Brücken verbunden wird, hat 4,254 Ew.; jetzige Residenz des Bischofs von Bafel (hieß zu Römerszeiten 8oio,iuium und führte die Straße nach Ii»ur!>cm'»in hier durch, noch manche Ueberreste aus jener Zeit finden sich vor). Sehenswerth sind, wegen ihren schönen Gemälden und sonstigen kunstreichen und merkwürdigen Gegenständen: das St. Ursus- Münster oder die Stadtpfarrkirche, die Jesuitenkirche, die erneuerte Franziskanerkirche, das Rathhaus, das Stadtgemeindehaus, das Zeughaus, das Spital der barmherzigen Schwestern, das Theater, das Zucht- und Waisenhaus, Las Thüringer- (Armen-) Haus rc. Mancherlei wissenschaftliche Sammlungen, z. B.: die Stadtbibliothek mit 8,000 Bänden, Alterthümer ic.; die Bibliothek des Herrn Apothekers Pfluger, welche besonders in physikalischer, chemischer, naturhistorischer und technischer Hinsicht merkwürdig ist; die Bibliothek des Chorherrnstiftes u. s. w. Viele sonstige wissenschaftliche Anstalten und Vereine. Ein Augustiner-, ein Visitantiner- und ein Ursuliner-Nonnenkloster. Verschiedene Fabriken und ansehnliche Handlungen aller Branchen. Künstler und starke Gewerbe treibende Professionisien; auch 3 Buchdruckereien. Bedeutende Waarendurchfuhr zu Land und zu Wasser. Mehrere belebte Jahrmärkte und gewöhnliche Wochenmärkte. Der Thurm der Hauptkirche bietet reizende Aussicht, ebenso die angenehmen Spaziergänge auf den Wällen der Stadt. 1 314 Thierstein, Amt in 2 Gerichten: Thierstein und Gilgenberg, mit 5,687 Ew.; blühende Viehzucht. Thierstein, Schloßruine auf hohem Felsen an dem r. U. der Lüsel, eine der schönsten der Schweiz und ehemaliger Sitz der reichen Grafen von Thiersiein. Trimbach, Pfdf., ^ St. nördl. von Ölten, am Ende einer romantischen Felsschlucht, mit bedeutenden Steinbrüchen und 997 Ew. Ueber Trimbach, auf senkrechtem Felshorn, liegt, aus wildem Gebüsch hervorragend, eine Malierzacke der Ruine Frohburg, Stammhaus der hochberühmten Grafen von Frohburg. Verena, St., Einsiedelei (s. St. Nikolaus). Ein Eremit hat im I7ten Jahrh, diese Kapelle tief in den Felsen gehauen; bequeme Fußwege von Solothurn hierher. Weißenstein, berühmter Kurort auf dem Gipfel des Jura (3,950 F. üb. M.), welcher von Solothurn aus auf bequemer Fahrstraße in Z St. erreicht werden kann, und in Hinsicht seiner ausgedehnten, merkwürdigen und reizenden Fernsicht als Seitenstück des gepriesenen vielbesuchten Rigi bezeichnet wird *). Welschenrohr («osslnierv), Pfdf., am nördl. Fuße der Bolmberge, Amt Balsthal, mit 52» Ew.; Erzgruben und Holzhauerarbeiten ernähren die Bewohner dieser nicht fruchtbaren Gegend. Wolfsweil, Pfdf., an dem l. U. der Aar, Weinau gegenüber, mit 732 Ew.; Wallfahrtskirche; ziemlich Ackerbau und Viehzucht. Zuchweil, Pfdf., St. von Solothurn, Amt Kriegstetten, in romantischer Lage. Hier ruhen die Gebeine Kosciusko's; ein Denkstein verewigt sein Sterbejahr mit der Inschrift: VI86LKX ir o 8 6 i v 8 ir 0 IM xvn. oeroirms »ivceexvn Eine besondere Schrift: »Der Wcißenstein. Die Milch- und Molkenkurcn, auch Molkcnbiidcr auf dem Jura, bei Solothurn, von I. C. Kottmaun, la-a. ei«. Solothurn t82y", liefert eine ausführliche Beschreibung. 1 313 Kanton Basel. Gränzen des Kantons. ^ie sind zum Theil Naturgränzen, zum Theil politische; jene besonders im S-, wo die Kantonsgränzen meist über die Gebirgshöhen des Jura fortlaufen; diese im N. gegen Frankreich und Baden hin. Im N. gränzt der Kanton an Frankreich (vöxarti-meni ) Leimenthal, das theilweise zum Kanton gehört. Jenseits des Rheines zieht sich als letzter Ausläufer des sogenannten Dinkelsberges gegen Basel hin der St. Chrischvnaberg (i,6>0F.) in den Kanton hinein bei der Mündung des Wiesenthales in der Rheinebene. Gewässer. Obgleich der Kanton weder See» noch große Flüße hat — den Rhein, der ihn nur auf kurzer Strecke durchstießt, abgerechnet — so ist t. 517 er doch nichts weniger als wasserarm. Von den wasserreichen Bergen fließen eine Menge kleiner Bäche in die Thäler, so daß jedes Thal. jedes Thälchen meist von einem ziemlich starken Bach bewässert wird. Frische Quellen sprudeln überall, selbst in bedeutenden Höhe», hervor und erquicken mit gesundem klarem Wasser. Unter den zahlreichen Bächen der Thalschasten, ist die Ergötz, die im östl. Theile des Gebirgszuges. an der Schafmatt. unweit dem Dorfe Oltingen. entspringt, das Hauptflußgebiet des Kantons, das nach und nach die verschiedenen Thalgewässer aufnimmt, so bei Gelterkinden, den Bach des Chthales, der bei Zeglingen einen hübschen 40 Fuß hohen Gießenfall bildet, unterhalb Bockten den des Homburgerthales, bei Sissach den des Diegterthales, bei Liestal die vereinigten Frenken des Waldenburger- und Reigolts- wilerthales. Unterhalb Liestal bildet die Ergolz einen Wasserfall von circa 30 Fuß Höhe, fällt dann bei Baselaugst in den Rhein, der von hier den Gränzfluß gegen Baden bildet. Nur in Basel-Stadttheil gehört er ganz dem Kanton an und durchströmt ihn in einer Strecke von i Stunde. Seine größte Breite bei hohem Wasserstande in Basel beträgt 670 F. beim niedrigsten 500 F. Das Gefälle desselben von Basel bis Hüningen ist 11 F. Die Höhe des mittlern Standes des Rheins bei der Brücke von Basel über die Meeresfläche kann auf 780 Parisers, gesetzt werden. Der Thalweg des Rheines an dieser Stelle ist etwa 36 F. breit und 30 F. tief. Im nördl. Theile des Kantons fließt in einer Strecke von i/^ St. die Birs in der Richtung von S. nach N. Dieser oft wilde und reißende Waldstrom fällt >/i St. oberhalb Basel in den Rhein. Voü St. Jakob an bildet er den Gränzfluß zwischen Baselstadt und Landschaft. In der Neuenwelt gibt die Birs einen Theil des Wassers an den, schon in alter Zeit gegrabenen Kanal ab, der unter dem Namen St. Alban- Teich bei St. Jakob vorbei in die Stadt läuft, etwa 40 Räder treibt, sich in der Stadt in zwei Arme theilt und im St. Albanthal in den Rhein fällt. Zwei bis drei St. südwestl. von Basel entspringt in 3 Quellen der Birsig am Fuß des Blauen, in 3 verschiedenen Ländern, über dem Dorfe Wolfsschwyl im Sundgau (Frankreich), über dem Burgbad (K. Bern) und über dem Dorfe Hofstetten (K. Solothurn), durchstießt Las Leimenthal bis er sich in Basel in den Rhein ergießt. Oft verheerend. Ein Kanal desselben, der unterhalb Binningen, s^St. von Basel, gefaßt wird, fließt unter dem Namen Rümmelin- oder Hinterer Bach durch die Stadt und treibt ig Räder und andere Gewerbe und fällt mit dem Birsig in den Rhein. Der Birsig selbst, der unter großen Gewölben Lurch die Stadt geleitet wird, dient besonders zur Reinigung derselben. 316 Nordöstlich vom K. Basel, im Schwarzwalde, am Fuß des 4.610F. hohen Feldberges entspringt die Wiese, die das Wiesenthal (Hebel's allemanische Gedichte) durchströmend bei Riehen jenseits des Rheines in den K. Basel-Stadttheil eintritt und nach einem l^stündigen Laufe, >/§ St. unterhalb Basel in den Rhein fällt. Etwa »4 St. über der Stadt wird ein Kanal, der Riehen- oder Kleinbasel-Teich, in die kl. Stadt geleitet, durch die er in den Rhein fließt. Er treibt in seinen beiden Armen 64 Räder außer- und innerhalb der Stadt. Geognostische Verhältnisse. Da die Gebirge des Kantons größtentheils dem Jura angehören, so finden wir auch ganz dessen Formationen darin. Die äußere Gestalt des Landes steht in einem auffallenden Zusammenhange mit der Stellung der Gebirgsschichten. In den Gegenden, wo horizontale Schichten vorherrschen, wie z. B. in den Basel und dem Rheine näher liegenden Gebirgen zeigen die Thäler keine bestimmte Richtung; wo aber geneigte Schichten sich zeigen die von O. nach W. fortlaufen, wie z. B. näher am hohen Gebirgsgrate des Jura, da wird dadurch schon die Richtung der Thäler bestimmt. Die Gebirge mit geneigten Schichten sind auch höher, als die mit horizontalen. Neben der Juraformation, der Hauptgrundlage des Bodens, treten auch noch ältere Formationen hervor, aber nur an wenigen Stellen. So der ältere Sandstein, bei Äugst am Rheinufer, bei Riehen an der badischen Gränze, überall in beinahe horizontalen Bänken. Er wird häufig als Baustein benutzt. So bestehen alle ausgezeichneten Gebäude Basels, wie das Münster, das Rathhaus u. a. aus diesem Steine, der an der Luft erhärtet?. Die zweite Formation, jünger als jene und sie überdeckend ist der Jurakalkstein in verschiedenen Gruppen: 1 ) Die des aschgrauen Kalksteins in dünnen Schichten, sel- ten Versteinerungen enthaltend. 2) Die des bunten Mergels ausgezeichnet durch den Reichthum an Versteinerungen. Eingelagert sind dieser Gruppe Gyps, Sandstein, Steinkohlen. Die Mächtigkeit der Gypslager z. B. bei Mönchen- stein beträgt 20 Fuß und darüber. Viele Gruben fördern die mannigfache Benutzung des Äypses. Unter und zwischen den Gypsschichten fand Herr Hofrath von Glenk durch Bohren beim rothen Haus, zwischen der Abdachung des Jura und dem linken Rheinufer, 1 St. von Basel, im Juni 1836, in einer Tiefe von 411 bis 462 Fuß ein nach den neuesten Untersuchungen äußerst bedeutendes Steinsalzlager, das sich an dem Gebirg verlieren soll, das sich auf dem rechten Rheinufer erhebt. — 319 Die Einlagerung des Sandsteins zeigt sich in bedeutenden Bänken, so in den Steinbrüchen von Hemmiken in Schichten von i» und mehr Fuß Dicke. Da werden die schönsten Bausteine gebrochen. — Die Steinkohleneinlagerung ist bis jetzt ganz unbedeutend; es sind bloße Spuren kleiner Nester, die der Mühe des Rachgrabens nicht verlohnten. So bei Bretzwyl, Thürnen, Rickenbach, Känerkinden, Muttenz, in der Neuen Welt, im Holee bei Binningen, bei Bottmingen. — Die Mergellager verbreiten sich besonders im östl. Theile des Kantons. Für den Landbau ist diese Gruppe von Wichtigkeit; daher der östl. Theil des Kantons mit diesen Lagern die fruchtbarsten Gegenden enthält. 3) Die Gruppe des ältern Rogensteines liegt unmittelbar über der vorigen und ist überaus reich an Versteinerungen. Der Rogenstein bildet den obern Theil der die Thäler umgebenden Berge des östl. Theiles und ist meist mit Waldung bedeckt. 4) Die Gruppe des jüngern, gelblich weißen Kalk- steins nimmt die oberste Stelle ein und ist ebenfalls reich an Versteinerungen. In ungemeiner Mächtigkeit und in vorzüglicher Ausdehnung erscheint diese Gruppe im südwestl. Theile des Kantons. Der Einfluß dieser Gebirgsart auf die Vegetation ist nicht vvrtheilhaft. Es sind felsige, wenig fruchtbare Gegenden. — Einer neuen Bildung ungehörig ist die Formation des mergeligen Süßwasserkalksteins am Fuße des Dillinger Berges an der badischen Gränze, mit einer Menge von Süßwafferversteinerungen; ferner bei Lnweil auf der Rogensteinebene, bei Kilchberg, Diegten, Benwil u. a. O. Auf die Vegetation wirken diese Lager vvrtheilhaft und bilden einen schweren, zum Anbau des Getreides sehr geneigten Lehmboden. — Neuern Ursprungs sind ferner die Ablagerungen von Geröllen, Sand, Nagelfluh ic. Es ist entweder Rheingeröll, Trümmer «on Urgebirgsarten von Granit, Gneus, Syenit u. a., oder Wiesengeröll mit Trümmern der Ur- felsarten des Schwarzwaldes, oder Birsgeröll mit Trümmern des Jurakalkes und vielen Versteinerungen, besonders Madreporen, Korallen, oft Mammouthszähnen, oder Ergolzgeröll, das z. B. an der Hülftenschanze bedeutende Hügel bildet. — Das Erdreich über den Geröllen ist gemeiniglich ein unfruchtbarer, dürrer und steiniger Boden, wenn nicht Lehm Darüber hingespült worden oder lange Kultur ihn verbessert hat, wie z. B. um Basel herum. Die hier sich darüber hinziehende Erdschicht ist gewöhnlich i bis 2 Fuß tief. — Vorn Leimenthale her, dem Birstg entlang, ziehen Hügel, deren Oberfläche aus mächtigen Lehmablagerungen besteht, unter der Sandstein- schichten sich zeigen; so bei Bottmingen, Therweil und andern Orten. 320 Diesen Bildungen verdanken die nordöstl. Gegenden, besonders Wonnigen, Bottmingen, Therweiler, Allschwyl u. a., ihren sehr ergiebigen, fruchtbaren und festen Boden. Der Lehm dient zur Ziegelbrennerei. — Schließlich bemerken wir noch das Vorkommen von Eisenstein als Bohnerz, auf das jedoch nirgends Bergbau getrieben wird. Es zeigt sich die ansehnlichste Bohnerzablagerung bei Diegten, bei Bubendorf, auf dem Hummel, bei den Billsteinen. — Eine mit der Natur des Landes zusammenhängende Erscheinung find die in der Gegend von Basel häufigen Erdbeben. Fruchtbar war das Erdbeben vom 18. Oktober 1356, wodurch die Stadt zerfiel. Seit dieser Zeit scheinen diese Naturerscheinungen zugenommen zu haben. Noch verdienen hier erwähnt zu werden die verhältnißmäßig zahlreichen Mineralquellen des Kantons. Die bedeutendsten find folgende: 1) Das Bad zu Eptingen, in tiefer Schlucht, hinten im Diegter- thal. Häufig besucht. 2) Das Schaueuburgerbad, hoch gelegen, ob Frenkendorf, am Fuße der Schauenburgersluh; mit herrlicher Fernsicht, was wohl mehr anzieht, als das alte Badhaus. Stark besucht. 3) Das Bubendorferbad, dessen Wasser dem Pfäfferser gleich kommen soll. 4) Das Bad zu Ettingen, in schöner, reicher Gegend, am Fuße des Blauen, mit neuerbautem, trefflich eingerichreten Badhause. 5) Das Bad zu Arlesheim wird wegen seiner gesunden, überaus schönen Lage in der herrlichsten Gegend und wegen der ausgezeichneten Badeinrichtungen stark besucht. Klima. Im Allgemeinen ist das Klima des Kantons, trotz seiner nördlichsten Lage unter den Schweizerkantonen, dennoch mild und gesund. Sehr milde besonders ist es in der Gegend von Basel, dessen mittlere Luftwärme von 1827 bis 1834 im Durchschnitt von 8 Jahren 4-7« 9' R. betrug. Dieser milden Temperatur verdankt man denn das schnellere Treiben im Frühling, so daß. besonders um Basel, die Kirschen-, Obst- und Früchtenärnte gewöhnlich schon vorüber ist, während sie in andern Kantone», die südlicher liege», erst beginnt. Im übrigen Theil des Kantons herrscht jedoch ungemein große Verschiedenheit, je nach Beschaffenheit der Gegend, so daß z. B- im Frühling ebene Gegenden schon angesetzte Früchte zeigen, etwas höhere in voller Blüthe prangen, während die obersten nur unaufgeschlossene Knospen ausweisen. In der Regel sind im obern Kanton die Winter länger und strenger als im 7,21 untern; auch die Gewitter sind dort häufiger, die öfter wegen der sie begleitenden Platzregen und Hagelwetter großen Schaden verursachen. Wasierfluth im Waldenburger-, Höllsteiner- und Diegter-Thale den 15. Juli 1830. — Liestal, Frenkendorf. Füilinsdorf mögen mit dem Rheinthale von Äugst bis Basel die gleichen Verhältnisse und nämlichen Erscheinungen darbieten. Die Rheinwärts sich mündenden Buser- und Arisdörferthäler sind früher als z. B. das Gelterkinderthal. Rauher und kälter sind besonders die über den Thälern liegenden Hochebenen von Rünenberg, Wenslingen, Anweil, Ramlisburg, Wittinsburg u. s. w. Am rauhesten ist natürlich der höchste Abhang des Jura, so baß in Reigoldswyl der Winker 7 bis 8 Monate dauert. -- Unter den das Jahr hindurch wehenden Winden ist der Westwind in Basel wohl der vorherrschendste. Nebel sind ziemlich häufig im Rheinthale und dessen Umgebungen, weniger auf den Höhen. — Reif ist im Frühling und Herbst nicht selten. Er tödtet oft die Blüthen, nicht weniger auch die Weinreben. — Gewitter sammeln sich gewöhnlich am Blauen- oder am Wartenberg, ziehen dann den Gebirgen nach dem Rheins zu und nach dem Schwarzwald hinüber. Fruchtbarkeit. Die oben angegebene verschiedene Beschaffenheit des Bodens zeigt schon die verschiedene Productivität desselben. Der Natur und der Bodenkultur nach darf man behaupten, daß der K. Basel an Fruchtbarkeit keinem andern in der Schweiz nachsteht. — Der Wiesenbau ist musterhaft in den verschiedenen Thalschaften, besonders bei der Leichtigkeit des Wäfferns, und hat hie und da den Getreidebau und den Weinbau, besonders um Basel herum, verdrängt, da er mehr abwirft; denn die Ausfuhr des Wiesenfutters nach dem Elsaß ist bedeutend und gewinn- reich. — Getreidebau wird stark und bis zu bedeutenden Höhen betrieben, wo der Hafer (z. P. in Anwyl, Wenslingen und Oltingen) gut gedeiht. — Auch der Weimbau ist wichtig. An der badischen Grenze wächst im Stadttheil nach Weil hin ein Wein, der dem besten Mark- gräfler zur Seite gesetzt wird. Maisprach, Wintersingen, Benken bringen Weine hervrr, die dem geringen Burgunder verglichen werden. Auch der weiße Mönchensteiner und Pratteler ist geschätzt. Die Grenze des Weinbaues ist bei Buren, Luxsingen, Zyfen, Arboltswyl, Lampen- berg, Höllstein, Häfelfingen, Tecknau, Wenslingen, Anwyl. — Der Obstbau wird überall eifrig und mit Erfolg betrieben. Gedörrte Früchte und besonders das aus Kirschen gebrannte Kirschwasser werfen bedeutende Summen ab. Beinahe jedes Dorf ist von ansehnlichen Baum 21 322 und Gemüsegärten umgeben. Die feinern Gartengewächse und die edelsten Obstarten gedeihen besonders in der Umgegend von Basel. — Die Waldungen, die besonders aus Eichen, Buchen, Fichten und Tannen bestehen, stnd immer noch sehr beträchtlich. Der größte Theil der Waldungen liegt in der Berggegend des Kantons und mit Ausnahme der Baselerhard ist keine Thalebene mit Wald bedeckt. — Eine nicht unwichtige Stütze hatte die Landwirthschaft an dem bis auf die dreißiger Jahre mit segensreichem Erfolge wirkenden, landwirthschaftlichen Verein, der aber seitdem sich aufgelöst hat. — Rindviehzucht wird mit Erfolg betrieben, besonders im südlichen Theil in den Berggegenden, wo grasreiche Alpen und reichbewäfferle Thäler stnd. — Der Vieh stand war im Jahr 1831 (neuere Zählungen fehlen): 2,54g Pferde, 10,779 Ochsen und Kühe. Ferner 6000 Schweine und 5000 Schafe. — An Gewild ist der Kanton arm. Hirsche und Rehe gibt es jetzt keine mehr. Wölfe schleichen sich in harten und schneereichen Wintern aus dem benachbarten Frankreich ein. Wilde Schweine zeigen sich äußerst selten. Sogar die Hasen werden immer seltener bei der Unzahl der Jäger, ebenso Ottern und Dachse. Füchse hingegen, wilde Katzen, Marder und Iltisse werden noch häufig angetroffen. Wachteln, Rebhül-ner, wilde Tauben, Schnepfen und wilde Enten machen zuweilen noch die Jagd ergiebig. — Die Fischerei ist nicht unbedeutend, besondere der Lachsfang bei Kleinhüningen in Baselstadt, am Einfluß der Wiese in den Rhein, zur Zeit des Spätherbstes; ebenso der Nasenfang am Ausfluß der Birs in den Rhein, im Frühjahre. Die vielen Bäche des Kantons liefern schmackhafte Forellen. Bewohner. Nach der im Jahre 1837 aufgenommenen, sehr genauen Volkszählung belauft sich die Einwohnerzahl von Baselstadttheil auf 24,321 Seelen in 4,824 Haushaltungen. Basell^ndschaft enthält eine Ge- sammtbevölkerung von 41,120 Seelen, von^enen 35,925 landschaftliche Bürger, 4,004 Schweizer, 1,166 Ausländer und 25 Heimathlose sind. — Der Menschenschlag von Stadt und Land ist meist mittlerer Statur, selten groß, aber kräftig gebaut und von gesundem Aussehen. — Die Bewohner der Stadt haben, trotz der zusammengeflossenen Bevölkerung aus verschiedenen Ländern, doch eine Stadtphysioguomie, nicht nur in ihrem Aeußern, sonder» auch in ihren Sitten, worin man den alten, reichssiädtischeu Charakter nicht leicht verkennen mag. Von den höhern Ständen und dem gewerbtreibenden Mittelstände unterscheidet sich der Fabrikarbeiter auffallend durch ein meist blasses, mageres Aussehen und oft 325 widrig gemeine Gesichtszüge. — Ein Hauptzug in dem Charakter aller Stände ist Arbeitsamkeit und Thätigkeit, Sparsamkeit und Prunklostg- keit, Wohlthätigkeit und Frömmigkeit. Bei all ihrem öffentlichen Handeln zeigen sie eine entschiedene Abneigung gegen jenes marktschreierische Ausposaunen, das hie und da manche Schweizerstadt charakteristrt. In ihrer Politik huldigen sie eben so wenig radikaler Hohlheit, als dem trägen, starren Stillstand, sondern ruhigem, besonnenem Fortschritt in Verfassung und Justiz, in Kunst und Wissenschaft, in Handel und Gewerbe. — Der Landschäftler heizt eine von dem benachbarten Aar- gauer und Solothurner verschied ene Physiognomie, von meist starken, wenig schönen Zügen; an der blassen, ja oft bleichen Gesichtsfarbe, dem schwächern, zartern Körperbau mag man die Bandweber und Weberinnen leicht erkennen. Auch die Revolution hat ziemlich tiefe Züge in Gesicht und Sitten ihrer Anhänger gegraben. Fleiß und Sparsamkeit zeichnen sowohl den Ackerbauer als auch den Weber aus; nur hat der leichte und reichliche Verdienst des lehtern (wenigstens 30,000 Fr. Arbeitslohn kommen wöchentlich aus Basel in die Landschaft) viele der Sparsamkeit entwöhnt. Dennoch gehört der Kanton, wegen seiner Fruchtbarkeit, der Betriebsamkeit seiner Bewohner, wegen des musterhaften Staatshaushaltes der frühern Regierung zu den wohlhabendsten der Schweiz. — Ein eigenthümlicher Zug im Wesen des Baselbieters ist ein treffender. bilderreicher Mutterwitz. — Im Politischen sowohl, als auch im Kirchlichen und Unterrichtswesen zeigt sich auf der Landschaft das unrerkennbare Bestreben in eine ruhigere, besonnenere Bahn zurückzukehren. — Die deutsche Sprache des Kantons gehört, wenn gleich in Klang und Aussprache verschieden von der ihrer Nachbarn, der oberdeutschen oder schweizerischen Mundart an. Neben dem Deutschen wird in Basel das Französische fast allgemein verstanden und gesprochen. Handel, Gewerbe, Schrfffahrt. Der Handel ist fast ganz in den Händen der Stadt Basel. Ihre günstige Lage. als Verbindungspunkt zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz führte schon frühe zu blühendem Handel und Wohlstand, so Laß sie jetzt einer der ersten Handelsplätze der Schweiz ist. Nicht nur mit den ersten europäischen Handelsplätzen und Seehäfen, sondern auch mit denen fremder Welttheile steht sie in lebhafter Verbindung. Auier starken Bank- und Wechselgeschäften ist Transit- und Speditionshandel von der größten Bedeutung. Die Summe der 1834 aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz eingegangenen Güter betrug 472,15t Ztr.; im Jahre 1835 483,520 Ztr.; im Jahre 1836 324 6I1,116 Zlr. Die Ausfuhr »ach Deutschland, Frankreich und der Schweiz so wie auf dem Rhein betrug: im Jahre 1834 366,662 Ztr., im Jahre 1835 427,402 Ztr,, im Jahre 1836 466,367 Ztr. Ebenso ist der Handel mit einigen Manufakturen, als: Seidenbändern, Seidenstoffen, Leder, Papier, Tabak ic. wichtig. Die Rheinschifffahrt, die erst mitBasel beginnt, ist geregelt und steht mit der des Unterrheins in Verbindung. Mit dem Juli 1838 tritt eine Dampfschifffahrtsverbindung ein zwischen Basel und Straßburg. und -orrespondirtmit der des Unterrheins. — Im Jahre 1836 fuhren 21 Schiffe, jede» zu 760 Ztr. den Rhein hinunter. — Der Kanal Monteur, der bei Hüniugen, hls St. von Basel, in den Rhein mündet, bringt eine Menge Waaren, weßhalb die Rheinschifffahrt selbst, bei großem Schwierigkeiten abnimmt. auf dem Kanal Waaren - Einfuhr: 1834 125,000 Ztr. 1835 141,770 1836 165,316 " auf dem Rhein 1834 47,058 Ztr. 1835 27,447 " 1836 20,305 -- Gewerbe. Wegen seines mannichfaltigen Gewerbsfleißes ist der Kanton mit Recht berühmt. Auch da ist die Stadt Basel der Mittelpunkt und der übrige Kanton nimmt meist nur daran Theil. Er fabrizirt baumwollene und wollene Stoffe, Handschuhe, Strümpfe, druckt und färbt Zeuge und arbeitet auf mancherlei Weise in Metall. Dock- seine wichtigsten Produkte sind: Seidenstoffe, Seidenbänder, Papier, Leder und Tabak. Die fünf Tabaksmanufaktnren der Stadt beschäftigen etwa 300 Arbeiter, die Papiermühlen wenigstens ebensoviel; in Basel sind 6 Papiermühlen, i in Äugst, i in Lausen und i in Wal- denburg. Das Baseler-Papier so wie die Lederarten stehen im besten Rufe. — Schon frühzeitig erscheint die Labrikation von Seidenband von Wichtigkeit. In den letzten Jahren erhielt dieser Geschäftszweig eine bedeutende Ausdehnung und schritt rasch vorwärts. Große Fabrik- Etablissements wurden in der Stadt gegründet, so daß jetzt die Zahl der Bandfabriken auf 28 gestiegen. 14 bis 15 Musterzeichner (Hessin-lieur«) finden Beschäftigung. Die Zahl der Webstühle im Gesammtkanton beträgt etwa 4,000. Der Betrag der Ausfuhren von Bandwaaren aus Basel mag sich auf 10 bis 15 Millionen franz. Fr. belaufen, während Frankreich 1834 nur für 35 Millionen ausführte, wonach ein Kanton von 50,000 Ew. e/ der ganzen französischen Ausfuhr liefert. Die Zahl der Fabrikarbeiter auf der Landschaft und in der Stadt beläuft sich ungefähr auf 12 bis 15,000. Ein großer Theil der Arbeiter in der Landschaft widmet einen Theil seiner Zeit noch dem Anbau eines kleinen 526 Landeigenthums, was nebi der klugen Vorsicht der Kapitalisten und Fabrikanten und bei der Bildungsstufe der Arbeiter eine wohlthuende Sicherheit gegen augenblickliche Noth und euie» Schutz gegen jene druckenden Störungen, wie sie England und Frankreich heimsuchen, gewahrt. Seikenbandfabriken hat dir Landschaft keine und auch die Spinnereien und Schnellweberei im Schönthal und in der Neuen-Welt gehören Baselern an. — Dagegen sind eine Menge Gewerbe über den ganzen Kanton verbreitet und wohl mögen manche derselben an Vollkommenheit mit denen der Stadt wetteifern, wo der Zunftzwang der Entfaltung größerer und blühenderer Gewerbsthätigkeit wohl nicht wenig im Wege stehen mag. Zahlreich sind auf der Landschaft die Getreide- und Sägemühlen; die Tuchfärbereie»; treffliche, erfinderische Arbeiter die Web- stuhlschreiner. In Liestal ist l Buchdruckerei und Buchhandlung. In Basel sind neben schon genannte» von besonderer Wichtigkeit die Gerbereien, die Seidenfärbereien, 9 Buchdruckereie», i Schriftgießerei, 5 Buch-, 4 Kunst-Handlungen u. s. w. — WaS den Verkehr und Handel in neuester Zeit gehoben und befördert, sind die zahlreichen Postverbindungen mit der Schweiz und dem Auslande. Täglich gehen 3 Posten nach Frankreich, i nach Frankfurt, i nach Schaffhausen, 2 nach Bern, t nach Luzern, i nach Zürich, Couriere und Briefposten abgerechnet. Die Landschaft hat keine eigenen Posten; sie erhält für den ausschließlichen Transit frei von Bergzöllen und Straßengeld jährlich 2,800 Fr. Einen noch viel bedeutendem Aufschwung wird Basel erhalten als Mittelpunkt dreier großer wichtiger Eisenbahnzüge, wovon der eine auf dem linken Rheinufer von Straßburg durch das Elsaß, Verändere von Mannheim her durch Baden nach Basel zieht und der dritte von Basel nach Zürich geht. Unterrichtswesen. Ueber das Unterrichtswesen des ehemaligen Kantons Basel, das in den letzten Jahren der Leidenschaft und Parkheifeindschaft absichtlich mißkannt und herabgewürdigt wurde, möge hier eine Stelle aus Franscini's Statistik der Schweiz (bearbeitet vonHagnauer, Aarau 1829) stehen: »In Hinsicht des Erziehungswesens können die schweizerischen Freistaaten in 3 Klaffen getheilt werden. I. Klasse. Erziehungswesen im guten Stand: Zürich, Bern Basel, Schaffhausen, Aargau.'c.-- Dazu macht der Bearbeiter die Bemerkung: --Zürich und Bern hat der Verfasser hier dem Bundesrang nach vorangestellt; dem Sachverhalt nach würd« diese Stelle eher Basel und Aargau gebühren :c.-- 326 Die Unterrichtsanstallen der Landschaft bestehen: 1) in den, in gutem Stand ererbten Primär-, Gemeinde- oder Dorfschulen, die nirgends fehlen. Es zählten die 59 Primärschulen der Landschaft: 1819 . 3,690 Schüler, 1826 im Dezember 4,285 1828 . 4,350 Lange vor den dreißiger Jahren bestand das Gesetz, daß ein Landschul- lehrer nicht unter 300 Fr. Schullohn nebst freier Wohnung, Holz und 2 Juch. Land haben dürfte. Es bestand auch, meist durch freiwillige Beiträge aus der Stadt, ein Schullehrerseminar. 2) in 4 Bezirks- oder jSecundarschulen, wovon 1 mit 3 Lehrern in Liestal, 1 mit 3 Lehrern in Bockten, 1 mit 2 Lehrern in Walden- burg und 1 mit 2 Lehrern in Therweil sich befindet, sie sind erst in neuester Zeit gegründet worden. Jede Primärschule steht zunächst unter einer Schnlpflege; Bezirksund Gemeindeschulen unter der Aussicht eines Kantvnalschulinspek- tvrs, Ler-dem Erziehungsrathe untergeordnet ist. Primär- und Secundarschulen haben jede ihren besondern Schulfond. Unterrichtsanstalten von Baselstadt. Immer hielt Basel Schulbildung als die sicherste und alleinige Grundlage aller wahren Aufklärung, aller ächten Volksbildung und wissenschaftlichen Anstalten, und Wissenschaftlichkeit als die Palladien und Zierden seiner Stadt und Bürgerschaft. Deßhalb konnte auch Troxler sagen: --Basel ist der Schweiz vorangegangen in hohem Sinn und edeln Streben. Es warf seinen Blick in den Himmel und auf die Erde--, — anzuzeigen, wie thätiger Handelsgeist Hand in Hand geht mit reger Pflege der Bildung und Wissenschaft. Und diesen Hvchsinn beurkundete es wieder in neuester Zeit, indem es, trotz der vielen vorhergegangenen Verluste und Opfer, trotz der Kleinheit seines Staates, seine Hochschule erneute und seinen übrigen Unterrichtsanstalten eine Ausdehnung gab, die jeden Vergleich aushält. — Seine Anstalten bestehen: 1) in drei Gemeindeschulen, für die 3 Landgemeinden: Riehen, Bettingen und Kleinhüningen; 2) in vier Stadtgemeindeschulen, nach den vier Kirchsprengeln, worein die Stadt eingetheilt ist. Jede besteht aus einer Knaben- und einer Mädchenschule; 3) in einer obrigkeitlichen Töchterschule mit 5 Klaffen. Sie soll in organischem Zusammenhange stehen mit den Mädchengemeindeschulen. 4) in einer Realschule für Knaben in 3 Klaffen; 527 5) in einem Gymnasium, mit getrenntem humanistischem und realistischem Kurs, in 12 Parallelklassen, Realschule und Gymnasium stehen in organischem Zusammenhang mit den Gemeindeschulen; 6) in einem Pädagogium, ein Mittelglied zwischen Gymnasium und Universität, mit humanistischem Kurs in 3 Klaffen, und einem realistischen in 2 Klaffen; 7) in einer Universität mit 4 Fakultäten. Die Inspektionen sämmtlicher Schulen, so wie die Curatel der Universität stehen unter dem Erziehungskollegium. Neben diesen vom Staate unterhaltenen Anstalten bestehen noch auf Kosten von Korporationen und Vereinen: 1) vier Kleinkinderschulen; 2) eine katholische Schule; 3) eine Knaben- und Mädchenschule im Waisenhaus«; 4) eine Industrieschule der Armenanstalt im Klingenthal; 5) eine landwirthschastliche Armenschule; 6) eine Fabrikschule für Knaben, die in Fabriken arbeiten; 7) eine Zeichnungsschule im Markgräfischen Hofe, bestehend in einer Elementarklaffe, einer technischen und einer Kunstklasse. Aber daß auch der Leib gesund, kräftig und gewandt werde, dafür sorgt: 8) eine Turnschule für Knaben, und S) eine Schwimmschule für Knaben und Erwachsene im Rhein. Kirchliches und Religiöses. Den katholischen Bezirk Birseck ausgenommen, bekennen sich die Bürger des Kantons Basel zu Stadt und Land zur evangelisch-refor- mirten Cvnfesffon. Die zahlreichen katholischen Einwohner der Stadt Basel und ihres Bannes haben eine eigene Kirche mit zwei Seelsorgern. Ebenso ist in neuester Zeit in Liestal ein katholischer Gottesdienst eröffnet worden. Sämmtliche katholische Gemeinden und Kirchen stehen unter dem Bischof von Basel, der auch die Besetzung der Pfarrstellen ausübt. Mit der Lösung des politischen Verbandes löste sich auch die Einheit des kirchlichen Lebens. Die 28 landschaftlichen Pfarrgemeinden stehen unter sich in keinem engern Kirchenverband, da weder Kapitel, noch Synoden, noch ein Kirchenrath vorhanden sind. Die Verwaltung des bedeutenden Kirchen- und Schulgutes des reformirten Theiles bildet einen besondern Zweig des Finanzdepartements der Landschaft. Die Wahl der Geistlichen ist jeder Gemeinde überlassen; die Regierung übt 326 die Bestätigung. Die Amtsdauer ist auf 5 Jahre festgesetzt, nach deren Ablauf Erneuerung statt findet, oder eine ganz neue Wahl. In Baselstadt leitet ein Kirchenrath aus geistlichen und weltlichen Mitgliedern, dessen Präsident der ^»tlstes ist, die kirchlichen Angelegenheiten. Die 4 Hauptkirchen Basels find: i) Das Münster, mit den Veikirchen St. Martin, St. Alban, St. Elisabethen; 2) St. Peter; 3) St. Levnhard; 4) St. Theodor im Kleinbasel. Sodann hat auch der Spital, das Waisenhaus, das Zuchthaus und die Filialkirche von St. Jakob ihre besondern Geistlichen. — Die Geistlichen find lebenslänglich und werden durch die Gemeindeglieder gewählt. Der Große Rath wählt aus einem doppelten Vorschlage den Der Kirchenfond hat gesonderte Verwaltung. Eintheilung und Verfassung. I. Baselstadt. Die Verfassung vom 3. Oktober 1833 enthält folgende allgemeine Grundsätze: Der K. Baselstadttheil bildet einen Theil der schweizerischen Eidgenossenschaft. Die ihm zustehenden Souveränitätsrechte werden von der Gesammtheit seiner Aktivbürger theils unmittelbar, theils durch ihre Stellvertreter, die Großräthe, ausgeübt. Es gibt keinerlei Vorrechte, sondern alle Bürger find an politischen Freiheiten und Rechten und vor dem Gesetze gleich. Die Annahme von Standeserhöhungen von fremden Staaten ist verboten. Jeder Bürger mit den erforderlichen Eigenschaften hat Zutritt zu allen öffentlichen Stellen. Niemand kann außer den gesetzlichen Fällen und Formen verhaftet oder in seinen bürgerlichen Rechten stillgestellt, Niemand seinem ordentlichen Richter entzogen werden. Jeder Kantons- und jeder im Kanton angesessene Schweizerbürger ist zu Militärdiensten verpflichtet. Kapitulationen für fremde Kriegsdienste sollen nicht abgeschlossen werden. Die Freiheit der Presse, das Petikions- recht, die Lvskäuflichkeit der Zehnten und Bodenzinse find gewährleistet. Die Landeskirche ist die evangelisch-reformirte; die Ausübung jeder andern christlichen Confesfion ist gewährleistet. Die vollziehende und richterliche Gewalt sollen getrennt, die Stellen im Großen und Kleinen Rathe periodischen Erneuerungen unterworfen, die Mitglieder der Gerichte nur durch Urtheil und Recht ihrer Stellen verlustig werden. Abänderungen der Verfassung unterliegen der unmittelbaren Genehmigung der Aktivbürger. Das Wappen von Baselstadt ist ein Schild mit weißem Feld und schwarzem Baselstabe. 329 I. Kantonallbehörden. Leo Große Ratb. Diie Ausübung der höchsten Gewalt kommt einem Großen Rathe von 119, Mitgliedern zu, wovon 107 durch die Stadt und 12 durch Las Land gewählt werde». Ihm kommt ausschließlich das Rgcht der Gesetzgebung zu; er ernennt und instruirt die Tagsatzungsgesankten und empfängt «ihre Berichte; entscheidet über Erhebung von öffentlichen Abgaben und Anleihen; genehmigt alle Staatsverträge; bestimmt die Gehalte der Beamten; übt Las Begnadigungsrecht aus. Er prüft und genehmigt die alljährlich von dem Kleinen Rathe abzulegende Rechnung über alle Zweige der Staatsverwaltung. Der Große Rath versammelt sich ordentlicher Weise alle 2 Monate, außerordentlich auf Berufen des Kleinen Raths. Seine Mitglieder sind auf 6 Jahre ernannt; je nach 2 Jahren tritt ei» Drittheil mit Wieder- wählbarkeit aus. Ik. DerKleineRath,als oberste Vrllziehungsbehörde, wird von dem Großen Rathe aus seiner Mitte erwählt, besteht aus den beiden Bürgermeistern, als Präsidenten des Großen Rathes und 13 weitern Gliedern. Sämmtliche bleiben Mitglieder des Großen Rathes und ihre Amtsdauer ist von der Dauer der letztem Eigenschaft abhängig. Der Kleine Rath besorgt alle Theile der Staatsverwaltung und legt dem Großen Rath jährlich Rechnung ab. Er stellt die nöthigen Kollegien und Kammern auf, ernennt die nöthigen Beamten und beaufsichtigt sie; er schlägt dem Großen Rathe die Gesetze vor, welche er nothwendig erachtet, und gibt ihm über diejenigen Gegenstände, welche ihm derselbe zur Berathung überweist, seine gutachtlichen Vorschläge ein; er legt dem Großen Rath den Entwurf des Budgets vor. Richterliche oder besoldete Stellen sind mit der Kleinraihsüelle unvereinbar. Die verschiedenen ihm untergeordneten Kollegien sind: das Staats-, das Finanz-, das Kirchen-, Schul- und Armenkollegium; das Erziehungs-, das Militär-, das Justiz- und Polizeikollegium, das Bau-, das Handels-, Handwerks- und Sanitätskollegium, die Brandversicherungs-, die Kaufhaus-, die Landarmen-, die Notariats-, Post-und Strafanstalten- kommissivnen, die Polizeidirektion, Hypvthekenbuchverwalter, die Regierungsbeamte des Landbezirks. II. Gerichtsbehörden. ^1. Kantvnalstellen. Das Appellationsgericht, bestehend aus 13 von dem Großen Rathe erwählten Gliedern, mit einem von eben demselben aus der Zahl der Glieder ernannten Präsidenten, welche sämmtlich Rechtskenntniffe besitzen müssen, urtheilt in höchster Instanz über alle bürgerlichen und Strafrechtsfälle, welche appellabel I50 sind. Es führt die Aufsicht über die untern Gerichte. Besoldete Stellen sind mit der Appellationsrichterstelle nicht vereinbar. — Die unter seiner Aufsicht stehenden Gerichte sind: Das Kriminalgericht aus 15 Mitgliedern; das korrektionelle Gericht, unter dem Vorsitz des Kriminalgerichtspräs. , welches abwechselnd aus 5 Kriminalrichtern besteht. 11 Bezirksgerichtsstellen. Civilgericht des Bezirks Basel. Civilgericht des Landbezirks. 2. Basellandschaft. Die Verfassung vvm 6. Mai 1832 enthält folgende Grundsätze: Der Kanton ist ein Freistaat und ein Theil der Eidgenossenschaft. Die Souveränität beruht auf der Gesammtheit der Aktivbürger. Die Verfassung gewährleistet die Rechte der Menschen auf Leib, Leben, Ehre und Vermögen; das Vereinsrecht, die Freiheit der Presse, die Glaubensfreiheit, die Unverletzlichkeit des Eigenthums, die Freiheit der Uebersie- delung von einer Gemeinde in die andere, die Loskäuflichkeit der Zehnten, Grundzinse und Weidrechte. Es gibt keinerlei Vorrechte. Es dürfen keine Körperschaften mit "Vermögensrechten ohne Einwilligung der obersten Landesbehörde gegründet werden. Niemand kann verhaftet, in der Ausübung seiner Rechte gehemmt werden, als auf gesetzlichem Wege und in gesetzlicher Form. Niemand darf seinem ordentlichen Richter entzogen, außerordentliche Gerichte dürfen nicht aufgestellt werden. Die Rechte der bestehenden evangelisch-reformirten, so wie der römisch-katholischen Kirche sind gewährleistet. Jeder Kantons - und angesessene Schweizerbürger ist waffenpflichtig. Es dürfen keine Kapitulationen für fremde Kriegsdienste abgeschlossen werden. Der Staat führt die Oberaufsicht über das Armenwesen. Jeder Beamte ist verantwortlich. Das freie Petitionsrecht und die Trennung der öffentlichen Gewalten ist im Grundsatz anerkannt. Die Verhandlungen der gesetzgebenden und richterlichen Behörden sind öffentlich. Jeder Aktivbürger ist ämterfähig; er wird unfähig durch Annahme eines Ordens, Titels, einer Pension von einer fremden Macht. Kein Beamter kann ohne richterliches Urtheil entsetzt, ohne mvtivirten Beschluß der komvetenten Behörde abberufen werden. I. Kantonalbehörden. H.. Der Landrath ist die oberste Behörde des Kantons, übt die gesetzgebende Gewalt und die Oberaufsicht über alle Behörden aus. Jedes Gesetz erhält erst dann Gültigkeit, wenn nicht innerhalb 14 Tagen nach der Publikation wenigstens zwei Drittheile des souveränen Volkes, in mvtivirten Zuschriften an den Landrath, dasselbe verwerfen, dieß ist das Veto. Weiter fällt in des Landraths Kompetenz: die Ab- 351 schließung aller Vertrage mit andern Sitaaten, die Ertheilung der Standes - stimme in eidgenössischen Angelegenheiten, die Wahl der Tagsatzungs- gesandten, die Oberaufsicht über die Verwaltung des Staatsvermögens, die Genehmigung der Etaatsrechmmg, das Begnadigungsrecht. Der Landrath wird durch die stimmfähigen Bürger der 10 Wahlkreise nach Verhältniß der Seelenzahl auf 6 Jabre erwählt; alle 2 Jahre tritt ein Drittheil mit Wiederwählbarkeit aus. Die Zahl seiner Mitglieder ist 64. Sie wählen aus ihrer Mitte den Präsidenten und Vicepräsidenten. Der Landratb versammelt sich alle 3 Monate, außerordentlich auf Begehren des Präsidenten oder des Regierungsrathes. «. Der Regierungsrath ist die höchste Vvllziehungs-- und Verwaltungsbehörde. Er entwirft Vorschläge zu Gesetzen und Beschlüssen des Landrathes und begutachtet diejenigen, die ihm von demselben überwiesen werden. Er besorgt die auswärtigen diplomatischen Angelegenheiten, verwaltet das gestimmte Staatsvermögen, legt dem Landrathe alljährlich Rechnung ab und entwirft das Büdgct. Er wacht über die öffentliche Sicherheit und Ordnung, führt die Aufsicht über alle ihm untergeordneten Behörden, versichert sich der gesetzlichen Verwaltung des Vermögens der Gemeinden und führt die Aufsicht über das Steuerwesen der letztem. Er wohnt den Verhandlungen des Landraihes, auf dessen Einladung berathungsweise bei. Der Regierungsrath besteht aus ü durch den Landrath auS der Gesammtbürgerschaft auf 4 Jahre erwählten Mitgliedern, wovon je nach 2 Jahren 2 oder 3 mit Wiederwählbarkeit austreten. Aus ihnen ernennt der Landrath je auf i Jahr den Präsidenten, der nur im Falle der Gleichheit eine Stimme hat. Vor Verfluß eines Jahres ist er nicht wieder wählbar. II. Gerichtsbehörden. Das Obergericht beurtheilt in höchster Instanz alle bürgerlichen, Verwaltungs- und Straffälle, führt innerhalb gesetzlicher Schranken die Aufsicht über alle unterniAerichte und das Notariatswesen. Es besteht aus 7 durch den Landrath erwählten Mitgliedern, aus deren Mitte der Landrath je für 1 Jahr d>en Präsidenten ernennt. Zur Beurtheilung von Verbrechen zieht es 4 vom Landrath erwählte Beisitzer bei, welche zugleich die Ersatzmänner d er Oberrichter für andere Fälle bilden. Die Amtstau.'r sämmtlicher Mitglieder ist 6 Jahre; sie treten in Abtheilungen von je 2 Jahren mit Wiederwählbarkeit aus. Für die einzelnen Bezirke bestehen Bezirksgerichte. Topographie. Das Gebiet von Vaselstadttheil faßt in sich: i) die große Stadt mit deren Bann; 2) die kleine Stadt und deren Bann; Z) die Dörfer Kleinhüningen, Riehen, Bettingen mit ihren Bannen, die alle auf dem rechten Rheinufer liegen. So liegt Baselstadttheil auf der Grenz- scheide dreier Länder: Frankreich, an das er westl. bei Hllningen, St. Louis und Burgfelden gränzt; an Baden, daS ihn überall auf dem rechten Rheinufer umgränzk; an die Schweiz, wo er an die Ba- fellandschaftlichen Gemeinden Allschweil, Binningen, Reinach, Mönchen- stein und Muttenz stößt. Er beherrscht aber von St. Chrischona bis zur Bruderholzschanze das ganze Rheinthal. Basel liegt unter dem 25« 15" 12 '" östl. Länge und dem 47"33" 34" nördl. Breite (780 Fuß üb. M.), ungefähr 400 Fuß höher als Straßburg. Mild und herrlich gelegen, auf beiden Ufern des Rheines, da wo sich dessen Thal zu der großen, schönen Elsafferebene erweitert, herrscht es, wenn auch nicht politisch, doch durch seinen Handel, seinen Reichthum, durch seinen geistigen Einfluß, durch geschichtliche Erinnerungen aus früher Vorzeit bis auf die jüngste Gegenwart, von den Vogesen bis weit über die westl. Hügelreihe hinaus. Im grauen Alterthume liegt sein Ursprung und seine Entstehung verborgen. Die Sagen und Vermuthungen eines römischen Ursprungs haben die Ausgrabungen römischer Baudenkmale, Inschriften und Geräthe jüngster Tage bestätigt. Zu größerm Wohlstand, Ruhm und Glanz erhob sich die Stadt schon im Mittelalter nicht nur durch ihren Handel und die Männlichkeit ihrer Bürger, sondern ganz besonders dadurch, daß sie ein Sitz ward der Wissenschaft und Kunst, daß sie eine der größten, berühmtesten und fruchtbarsten Hochschulen nicht nur deutscher Lande, sondern von Europa und für Europa war. Eine Reihe berühmter Namen knüpfen sich an dieselbe und gehen bis auf unsere Tage. Wir erinnern an Erasmus, Wyttenbach, Capito, Oekolampad, Sebast. Brand, Pa- racelsus, Vesalius, Plater, Bauhin, Glareanus, Reuchlin, Buxtorf, die großen Buchdrucker, Ammerbach und Froben, Ulrich Zwingli, Hütten, Holbein, Dürer, Grynäus, Werenfels, Culer, Bernoulli, Merian, Wettstein, JsaakJselin, und aus der neuesten Zeit: De Wette, Hagen- bach, Gerlach, Vinet, Jung, Merian, Wackernagel u. a. Das stufenweise Ansteigen des Juragebirges von N. nach S,, die malerische Form der Berge, die Mannichfaltigkeit ihrer Kuppen und Fernsichten, die üppige Pflanzenwelt und reiche Bewässerung erheben Basel und seine Umgebung, dessen Gesichtskreis einerseits der Schwarz 335 wald, anderseits die Dogesen, vorwärts die weiten Gefilde von dem fruchtbaren Elsaß und lieblichen BreiÄgau umschränken, daS im lebhaften Verkehr die Schweiz, Deutschland und Frankreich vermittelt, aber noch durch 2 Flußarme den Rhein umd die Birs der Schweiz zugehalten wird, zu einer der schönsten und belebtesten, fruchtbarsten und mildesten Gegenden Europas. Die größere, auf 2 Hügeln, in Form eines Halbmondes erbaute, mit Befestigungswerken umgebene Stadt, wird mit der ^ebenliegenke», etwa 20 Fuß über dem Rheine erhabenen kleinern Stadt durch eine theils auf hölzernen, theils auf steinernen Jochen ruhende, 630 Fuß lange Brücke verbunden. Großbasel theilt sich dem Ursprung nach in die sogenannte Stadt und die 6 Vorstädte, welche letzten, meist breite und geräumige, jene enge unregelmäßige Straßen haben. Jedoch geben die offenen Plätze, wie der Münsterxlatz, der Marktplatz und der Fischmarkt der Stadt ein freieres Aussehen. Mit frischem, gesundem Wasser ist die Stadt reichlich versehen; denn außer etwa 70 öffentlichen Brunnen hat sie noch viele Partiknlarbrunnen. Wie hoch auch die Vorfahren solch eine Wohlthat schätzte», davon zeugen die kunstreich gearbeiteten Brunnstöcke aus jener Zeit. Wir nennen hier den Fischmarktbrunnen, eines der schönsten Denkmale gothischer Bauart in der Schweiz, überaus reich und zierlich gearbeitet. Politisch zerfällt die Stadt in 8 Quartiere, wovon 6 aus Groß- und 2 aufKlcinbasel kommen; kirchlich in 4 Gemeinden. Großbasel hat 5 Thore: i) St. Alban-, 2) Eschen-, 3) Steinen-, 4) Spahlen- und 5) St. Johannthvr. Kleinbasel hat 2 Thore: i) Riehen- und 2) St. Bläsythor. Basel ist dem Umfange nach die größte Stadt der Schweiz; ihre größte Länge «vm St. Alban- bis zum St. Johannthvr beträgt circa 1,250 Toisen, und ihre Breite vvm Riehen- zum Steinenthor über den Rhein hinüber 750 Toisen; der Umfang beider Städte wird zu 3,125 Toisen angenommen. Im I. 1835 zählte man im Ganzen 2,505 Gebäude. Im 1.1837 betrug das versicherte Kapital der Brandversicherungsanstalt von Baselstadt als einfache Schätzungssumme 27,702,150 Schw. Fr., als Klassenwerih 27,910,275 Fr. Die Gesammtbevölkerung beider Städte und ihrer Banne betrug 1780 etwa 14,778 Seelen. Im 1.1817 16,420 und im I. 1837 22,224 Seelen in 4,422 Haushaltungen. Mag auch Basel seinem Flächenraum nach vielleicht eine doppelt so starke Bevölkerung aufnehmen können, so ist es keineswegs eine schlecht bevölkerte Stadt zu nenren, wenn man die bequeme Bauart und Lebensweise ihrer Einwohne, gehörig berücksichtigt. Basel hat nicht nur viele schöne öffentliche Gebinde, sondern auch eine Menge stattlicher Privatwohnun- aen. Unter jeren nennen wir zuerst daS von 1010 bis 1019 von Kaiser 334 Heinrich H. erbaute Münster, wohl die schönste Domkirche der Schweiz, mit 2 schlanken, durchbrochenen Spitzthürmen von 200 Fuß Höhe, mit weiter entzückender Fernsicht. Historisches Interesse hat der Conci lium- saal in einem Seitengebäude, wo von 1431 bis 1443 die Versammlungen des berühmten Baslerconciliums gehalten wurden. Eine weite, reiche Aussicht bietet die hinter dem Münster liegende Pfalz dar. , St. Leonhard, mit einem auf Quadersäulen ruhenden Kreuzgewölbe. St. Peter, aus dem I3ten Jahrh, ihrer Bauart nach, mit den Grabmälern der großen Mathematiker Bernoulli. St. Martin, die älteste Kirche Basels, soll schon zu König Chlodowigs Zeiten erbaut morden sein. In ihr trat Oecolampad als Reformator auf. Unter den ehemaligen Klosterkirchen ist die der Franziskaner, wegen ihrer Größe, besonders aber wegen ihres kolossalen Chors, des höchsten am Rheinstrom, merkwürdig. Staatsgebäude. Das Rathhaus, 1527 vollendet, in altdeutschem Style erbaut, von außen und innen mit Fresco-Malereien geziert. Altes Schnitzwerk und reiche Glasmalereien zieren die Säle. Am Fuß der großen steinernen Rakhstreppe steht auf hohem Postamente die schöngearbeitete Bildsäule des l»l»i>»ti>i8 rianeug, des Gründers von Basel. Vor der Theilung 1833 war das Zeughaus seiner vielen Siegesdenkmale besonders aus den Burgunderkriegen sehenswerth. Das Kaufhaus, schon im i4ten Jahrh, angelegt und 1758 um die Hälfte vergrößert, genügt, trotz seiner Geräumigkeit, bei der immer größer» Ausbreitung des Handels nicht mehr. Das bei der neuen Rheinschifflände errichtete Lagerhaus, nimmt die zu Wasser ankommenden und abgehenden Waaren auf. Eines der geschmackvollsten Gebäude ist das Posthaus, in Mitte der Stadt. Wenig ausgezeichnet als Gebäude, denn vielmehr durch die Sammlungen, die sie enthalten, sind: Das untere Collegium, mit einem der reichsten anatomischen Theater der Schweiz. Das Haus zur Mücke, am Münsterplatz, in welchem die öffentliche Bibliothek mit 40,000 Bänden, 4,000 Manuskripten in 1,500 Bänden sich befindet; darunter besonders die Akten des Concils, ein altes Evangelienbuch aus dem 7ten Jahrh., Erasmus Original- Testament und dann desselben Lob der Narrheit, mit Federzeichnungen von Holbein am Rande. Sehenswerth ist besonders der Gemäldesaal im gleichen Gebäude, mit vielen Oelgemälden von Holbein, unter denen die Leidensgeschichte, ein Altarblatt in 8 Tafeln die erste Stelle einnimmt; mit Gemälden von Dürer, L. Kranach. Ferner findet sich da eine reiche Sammlung von Handzeichnungen, Holzschnitten, Kupferstichen, Münzen, römische Alterthümer von Äugst und Pompei. Die Bibliothek des Frei-Grynäischen Instituts ist für den Orien- talisten wichtig, sie enthält bedeutende Materialien für Kirchengeschichte und für schweizerische Reformati ausgeschickte insbesondere. Der Falkensteinerhof, auch Museum genannt, enthält außer einer reichhaltigen Bibliothek für Zoologie und Mineralogie einen Saal für zoologische, einige für mineralogische Sammlungen, worunter ausgezeichnet die Versteinerungen, einige Säle mit physikalischen Instrumenten und einen bedeutenden chemischen Apparat, ferners ein Laboratorium. Der botanische Garten. Hier mochte der Ort sein, noch der verschiedenen Vereine zu erwähnen, die durch ihre Leistungen im Gebiete der Kunst und der Wissenschaft, oder durch anderweitige materielle Unterstützung derselben ein Beweis sind von der Liebe und der Theilnahme an regem, geistigem Leben. Wir erwähnen hier: 1) Der naturhistorischen; 2)'der historischen; 3) der juridischen; 4) der theologischen; 5) der philologischen Gesellschaft; 6) der akademischen, -zur Unterstützung der Universität Lurch Geldbeiträge; 7) der Künstlergesellschaft, die Maler, Architekten und Kunstliebhaber zu Mitgliedern hat; 8) eines gemischten Gesangvereins; g) eines Männerchors; io) der Lesegesellschaft mit einem eigenen geräumigen, in altdeutschem Style erbauten Gebäude, einer Bibliothek von etwa 20,000 Bänden, 50 politischen Zeitungen und 54 Zeitschriften; itsder gemeinnützigen Gesellschaft, durch ihr rastloses allseitiges Wirken, eine Zierde und ein Segen Basels, gestiftet 1777 Lurch Jsaak Jselin. Neben den oben bei den Schulen genannten Anstalten verdankt man ihr auch eine Jugend - und Bürgerbibliothek; ferner Las Bestehen einer zinstragenden Ersparniß- kaffe; das Kapital der 2,705 Beitragenden betrug den i. Dezemb. 1837 421,812 Fr. 21)4 Rp. Der Reservefond oder vorschießende Zinsen 28,756 Fr. 05!4Rp. und das Bestehen einer Kranken-Kommission. 12) Der Missions- und 13) der Bibelgesellschaft. Unter den, Korporationen oder Privaten eigenthümlichen, Gebäuden nennen wir hier das Zunfthaus zur Gelten, in schönem vene- tianischem Styl; den Kirschgarten; das blaue und das weiße Haus; den Spießhof, in herrlichem altdeutschem Styl; der mark- gräfische Hof, welcher zu einem Bürgerspital, einem Kranken-, Jrren- und Pfrundhause verwandt werden soll, wozu durch Subskriptionen 274,450 Fr. von 1,480 Beitragenden gespendet wurden. Eine Menge, zum Theil schöner, Landsitze liegen in der nächsten Umgebung, die meisten jedoch in dem 1 St. von Basel entfernten Dorfe Riehen, in obst- und weinreicher Gegend, am Eingang ins Wiesen- thal, an der badischen Gränze. 336 Bettingen, kirchgenösstg zn Riehen, ein Bergdorf, mit schönen Waldungen, Obst- und Weinbau. In seiner Nähe liegt öde und leer aus weitschauenbem Bergrücken die alte St. Chrischvnakirche. Kleinhüni,-gen, Pfdf, >4 St. von Basel, am Ausflüsse der Wiese in den Rhein, der Festung Hüningen gegenüber. St. Jakob, )^St. von Basel, mit einer Kirche, einem Krankenhause, einer Ziegelhütte, einer Jndiennefabrike. Schlacht bei St. Jakob den 26. August 1444. Zwischen St. Jakob und Basel, bei dem schönen Svmmerkasinv, wurde durch Beiträge der Stadtbehörden und der Bürger Basels ein Denkmal in gothischer Bauart errichtet, zum Andenken an jene Heldenschlacht. Basellandschaft. Sie zerfällt in folgende vier Bezirke: 1) Bezirk Sissach, südöstlich, mit den Kirchgemeinden Gelterkinden, Siffach, Winterlingen, Termiten, Rümmlingen, Läufelfingen, Buus und Maisprach, Ormalingen, Rvthenflue, Oltingen. Kilch- berg, mit einer Gesammtbevölkerung von 12,630 Seelen (4837). 2) Bezirk Waldenburg, südwestlich, mit den Kirchgemeinden Wal- denburg, Oberdorf, Langenbruck, Diegten, Bennweil und Höllstein, Reigvldswyl, Bretzwyl, mit einer Gesammtbevölkerung von 8,127 Seelen (1837). 3) Bezirk Liest« l, nördlich, mit den Kirchgemeinden Liestal, Zyfen, BnbcnLorf, Lausen, Arisdorf, Pratteln, Frenkendorf, mit einer Gesammtbevölkerung von 10,160 Seelen. 4) Bezirk Arlesheim, mit den reformirten Kirchgemeinden Mönchen- stein, Muttenz, Binningen, Benken, und den kathol.: Arlesheim, Allschweil, Oberweil, Therweil, Ettingen, Reinach, Aesch, Pfeffin- gen und einer Gesammtbevölkerung von 10,194 Seelen. Ortsbeschreibung. Aesch, kath. Pfdf., Bez. Arlesheim, an der Straße von Delsberg, mit 158 Häusern und 876 Ew., an der Birs, über die eine Brücke zum schönen Schlosse Angenstein führt. Weinbau. Allschweil, kath. Pfd.. Bez. Arlesheim. an der sranz. Gränze, mit i,053 Ew., in höchst fruchtbarer Gegend. Anweil, Bergdorf, Bez. Siffach, mit 303 Ew., wohlhabend, schöne Bauernhäuser; blühender, ausgedehnter Getreidebau. Arboltsweil, Bergdorf. Bez. Waldenburg, mit 334 Ew.; Band weberei; in der Nähe das weitläufige Meiergut, der Arrhvf. AriSdvrf, ref. Pfdf., mit 123 H. und 770 Ew., in obstreichem Thale, Bez. Liestal; Vandweberei; Ackerbau. Arlesheim, kath. Flecken, mit 702 Ew. in 130 H., in schönem, fruchtbarem Gefilde; v. Andlauischsr Hof, mit herrlichen, romantischen Gartenanlagen; eine Eremitage bei dem Schlosse BirSeck mit weiter Fernsicht. Vor der neunziger Revolution war Arlesheim die Residenz des baselerischen Dvmstiftes. Vormalige großartige Kathedralkirche, schönes Bad- und Kurhaus. Sitz des Bezirksverwalters und Bezirksgerichts. Äugst, Dorf, an der Ergolz, mit 367 Ew., auf den Ruinen der vormaligen Kauraeorum; Ueberreste von einem Tempel, Theater, einer Wasserleitung; Münzen, Bildnisse, Geräthe in baselerischen Sammlungen; Bemühungen von Allemandi-Ehinger, um Einführung der Seidemvürmerzucht und Maulbeerbaumpflanzung; blühender Ackerbau. " Benken und Viel, Pfdf., Bez. Arlsshcim, im Leimenthal, mit 547 reform. Ew., in trefflich bebauter und fruchtbarer Gegend; trefflicher rother Wein; Geburtsort LeS in der Schlacht bei Fehrbellin 1675 rühmlichst gefallenen Froben's, Stallmeisters des großen Churfürsten von Brandenburg, Friedrich Wilhelm. Bennweil, ref. Pfdf., Bez. Waldenburg, mit 480 Ew., in obstreichem Thale; zahlreiche Bandweber. / Binningen, ref. Pfdf., Bez. Arlesheim, mit 808 Ew., am Eingang ^ in's Leimenthal, in reicher, fruchtbarer Gegend; Schloß und Herren- ^ sitz; auf einem nahegelegenen Hügel liegt seine Kirche, St. Marga- retha, mit vorzüglich schöner Aussicht; in deren Nähe schöne Landsitze. Bockten, im Bez. Sissach, Sitz der Bezirksschule, Spuren römischer Wasserleitung; im wiesen-, wein-und obstreichen Ergvlzthal. 308 Ew. Bretzweil, ref. Pfdf., Bez. Waldenburg, am Fuße der berühmten Schloßruine Ramstein; Bandweberei; in seiner Nähe der aussicht- reiche, häufigbesuchte Vogelberg. 609 Ew. / Bubendorf, ref. Pfdf., Bez. Liestal, mit 1,193 Ew.; alterthümliche j Kirche, schönes Pfarrhaus; in wein-, getreide- und futterreicher ^ Gegend; starke Seidenweberei; St. südwärts liegt auf hoher ^ Felsspitze Las alte Bergschloß Wildenstein in romantischer Gegend, - im alterthümlichen Geschmacks eingerichtet. In der Nähe, auf her- > vorragendem Fels, die Trümmer der Burg Gutenfels. Nicht weit vvm Dorfe, an der Landstraße, liegt das wohleingerichtete Bubendörferbad. Bukten, Dorf, Bez. Sissach, am Anfang der neugebauten, prächti- ; gen Kunststraße über den untern Hauenstein; in der Nähe die Schloß- - ruine Homburg. 22 33 » Buus, Pfdf., Bez. Siflach, mit 500 Ew,, am Fuße der hochgelegenen Farnsburg; Belagerung derselben durch die Eidgenossen (1444), zur Zeit der Schlacht von St. Jakob an der Birs. Fruchtbares Thalgelände. Dlegten, ref. Pfdf., Bez. Waldenburg, mit 830 Ew., in freundlichem wiesen- und obstreichem Thale. Bandweberei. Eptingen, in engem, tiefem Thalkeffel, häufig besuchtes Mineralbad. In der Nähe die hohe, aussichtreiche Bolchenfluh. Ettingen, kath. Pfdf., Bez. Arlesheim, am Fuße des Blauen; über dem Dorfe die Trümmer von Fürstenstein. Mineralbad; holz- und wiesenreiche Gegend. Frenkendorf, ref. Pfdf., mit 642 Ew., auf weitschauender Anhöhe; bringt das früheste und schönste Obst. 'In der Nähe die Hülftenschanze. Füllinsdorf ist dahin pfarrgenössig, mit 610 Ew. Trefflicher Feld- und Weinbau. Gelterkinden, schöngebauter, großer und wohlhabender Flecken im Bez. Sisfach, mit 1,164 Ew. Zweiter BezirkSort. Wegen seines sorgfältigen Landbaues, seiner vielen Gewerbe, seiner trefflichen Gemeinde-Einrichtung und Verwaltung, seiner thatkräftigen Sorge für Jugendunterricht, der besonnenen, kräftigen Haltung und der Bildungsstufe seiner Bewohner nimmt Gelterkinden wohl die erste Stelle in der Landschaft ein. In der Nähe die wohlgelegenen Landsitze: der Kienberg, die Siegmatt, die Erndhalden mit hübschen Aussichten. Ein Lese- und ein Sängerverein heben das gesellige Leben. Die Stiftung einer Ersparnißkasse für die Landschaft ging von da aus. Bandweberei, Färbereien, Getreide - und Sägemühlen u. A. — Pfarrge- nösfig hieher ist Rickenbach und Tecknau, am Eingang in's romantische Cythal. Höllstein, Dorf, an der Landstraße nach dem obern Hauenstein, Bez. Waldenburg, in der Pfarrei Bennweil. Wolkenbruch am 16. Juli 1830. Kilchberg, kl. Pfdf., auf einer fruchtbaren Hochebene, im Bez. Sis- sach, mit 96 Ew. — Pfarrgenössig hierher sind die Dörfer: Zöglingen, im tiefen Thalgrunde, am Fuße des WvsenbergeS, mit dem schönen Alphvf Mapprach, hat 486 Ew., und Rünenberg, wohlgebaut, aus fruchtbarer, trefflich bebauter Hochebene, mit 460 Ew. Läufelfingen, ref. Pfdf., mit 522 Ew., auf der neuen Kunststraße über den untern Hauenstein. Pfarrer Markus Lutz, fleißiger Sammler historischer, geographischer und statistischer Notizen über die Schweiz in vielen Schriften, starb 1836. A Langenbruck, ref. Pfef., im Bez. Waldenburg, LaS mit dem pfarr- genössigen Bären weil 830 Ew. zählt, an der Kunststraße über den obern Hauenstein; liegt unter allen Dörfern der Landschaft am höchsten, dicht an der SvlvthmnergrLnze. Bedeutender Kurort wegen der Reinheit der Luft, der Nähe schöner Alphöfe; daher eine Menge wohl- erbauter und guteingerichteter Gebäude. Gewerbe, Diehhandel, treffliche Käse und Butter. In der Nähe das alpenreiche Schön that mit seinem allen Klosterhofe und der zerfallenden Klosterkirche. Lause», ref. Pfdf., an der Straße nach dem untern Hauenstein, s^St. von Liestal; Trümmer einer römischen Wasserleitung. Liestal, Städtchen und Hauptort der Basellandschaft, 3 St. von Basel, mit 2,642 Ew. und 320 Gebäuden, in reicher, trefflich angebauter ^ Gegend, an der Mündung der Hauptthäler des Kantons und der Straße nach den beide» Hauensteinen. Hat eine Hauptstraße mit hübschen Häusern und 2 Nebengassen mit sehr betriebsamen, thätigen Bewohnern. — Unter den vielen Gewerben sind zu nennen: i Buchdrucker«, Färbereien, Uhrmacher, Messerschmiede, treffliche Arbeiter u. A. Von Jahr zu Jahr erheben sich außerhalb des Städtchens, längs der Landstraße, neue, meist geschmackvolle Gebäude, die mit der Zeit dessen Vorstädte bilden. Günstig gelegen ist das erweiterte Negierungsgebäuke, Wohlversehen das Zeughaus; zu klein und den ZeitbeLürfmffen so wie der Humanität ganz unangemessen ist das Gefängnißhaus. Liestal ist der Sitz der Regierung und Staatskanzlei, des Obergerichts, des Landrathes. Außer einem Gemeindearmenhaus, findet sich in der Nähe der Kantonsspital, ein für die große, sehr gemischte Masse seiner Bewohner viel zu enges Gebäude, das ' Kranken-, Irren - und Psrundhaus zugleich ist. Pfarrgenösstg hierher ist das Dorf Selbisberg. In der Nähe Liestals liegt, wie in einem Garten, Niederschönthal, mit vielen Gewerben, mechanischen Spinnereien, Hochofen mit Hammerwerk und schönen Landsitzen. Maisprach, ref. Pfdf., Bez. Sissach, im Buuserthal, am Fuße des , Sonnenberges, welcher den trefflichen rochen Maispracher hervorbringt. Mvnchenstein, ref. Pfdf., Bez. Arlesheim, mit 869 Ew., auf einer kleinen Anhöhe an der Birs, am Fuße des setzt in Trümmer liegenden Schlosses Mönchenstein; mit trefflichem Wein. Zu dieser Ge- l meinde gehört die an der Birs und am St. Albanteich liegende s Neue Welt mit einer großen Spinnerei und andern Gewerben, l Muttenz, ref. Pdf., Bez. Arlesheim, mit 1,437 Ew., am Fuße des ^ Wartenberges, mit 3 (römischen?) Schloßruinen, in bäum-, getreide- ünd obstreicher Gegend. Die Aussicht von dem Wartenberg ist ent- zückend auf den Jura, den Schwarzwald, den Rheinstrvm, die Rheinebene, die Dogesen. In dieser Gemeinde liegt das Rothe KauS und in dessen Nähe Schweizerhall mit seinen Salzpfannen; ferner die in den Wirren berühmt gewordene Hard. Oberwyl, kath. Pfdf., Bez. Arlesheim, mit 779 Cw., im Leimen- thale; hat beträchtlichen Wein- und Getreidebau. Oltingen, ref. Pfdf., mit 486 Ew., Bez. Sissach, am westl. Fuße der weidereichen Schafmatte, über die ein Fußpfad nach Aarau führt. Bandweberei. Ormalingen, ref. Pfdf., Bez. Sissach, mit 668 Ew., >/r St. ob Gelterkinden; fruchtbares Gelände. Bandweberei. Pfeffingen, kath. Pfdf., Bez. Arlesheim, mit 259 Ew. und Herr- licher Aussicht auf das Birsthal; in der Nähe die mächtigen Ruinen des Schlosses Pfeffingen. Prattelen, ref. Pfdf., Bez. Liestal, mit 1,124 Ew., in gutgebauter, fruchtbarer Ebene. Pfarrgenössig hierher ist Äugst. Reigvldsweil, ref. Pfdf., Bez. Waldenburg, mit t,i08 Cw., die sich meist mit Bandweberei beschäftigen. Am Fuße der Wasserfalle, in wildromantischer Gegend, von zahlreichen Sennhöfen und Alpen umgeben. In der Nähe, auf hoher Felsspitze, die Trümmer des Schlosses Ryfenstein, in einer Schlucht das malerische Schelmenlvch. Pfarrgenössig ist das Bergdorf Titterten. Reinach, kathol. Pfdf., Bez. Arlesheim, an der Straße nach Dels- berg; 691 Ew. Rothenfluh. ref. Pfdf., Bez. Sissach, mit 726 Ew. Bandweberei. Besonders schöner Menschenschlag; Sage von schwedischer Abstammung; mit 1,284 Ew. Sissach, ref. Pfarrflecken, ansehnlich und gut gebaut; in reizender Lage, wo z Thäler sich münden. Am Eingänge des Fleckens liegt der Ebenrain, ein überaus geschmackvoller, mit englischen Garten- Anlagen gezierter Landsitz. Von der Sissacherfluh übersieht man den Kanton am vollständigsten. Bandweberei, Gewerbe, Ackerbau. Vom Schlosse Bischofsstein sieht man nur wenige Trümmer. Sissach ist der erste Hauptort des Bezirks Sissach. Pfarrgenössig hierher ist Böckten, Thürnen und Jttingen. Therweil, kath. Pfdf., Bez. Arlesheim, l/zSt. von Basel, im Lei- menthal, mit 856 Ew. und neuem, hohem, weitragendem Kirchthurme. Waldenburg, Städtchen und Hauptort des Bezirks, mit 629 Cw., an der Kunststraße über den obern Hauenstein. Neuerbaute Kirche. Auf hohem Felsen die Trümmer der Waldenburg, auf welche ein Pulver- thun» jungst erbaut wurde. In tiefer Thalenge gelegen schließt das Städtchen das ganze Thal. In der Nähe der 80 Fuß hohe Wasserfall im Münsterli. — Zwischen Ober- und Niederdorf steht an der Landstraße die diesen Gemeinden und Waldenburg gemeinschaftliche Kirche St. Peter. Wintersingen, ref. Pfdf., mit 549 Ew., Bez. Sissach, in engem Thalkessel; guter rother Wein und treffliches Kirschwasser. Zyfen, ref. Pfdf., Bez. Liestal, mit 830 Ew., die treffliche Seiden- weber sind. Kanton Schaffhaufen. (§in Freistaat mit repräsentativer Verfassung, seit 1501 in der Eidgenossenschaft. Lage und Grenzen. Zwischen 47° 42' 30" bis 47° 52' 30" Breite und 6° 4' 12" bis 6° 32' Länge gelegen, hat der Kanton seine größte Breite von der nördl. bis zur südl. Gränze von 3/z St., und seine größte Länge von Ler Wulach, im W. von Hallau, bis zur östl. Gränze am Rhein bei Dießenhvfen auf beinahe 5 St. Die Grenzen werden im W. , N., O. von dem Großherzogthum Baden, im S. vom K. Zürich und bei Stein von dem K. Thurgau gebildet. Areal und Bevölkerung. Auf os^sZM. leben nach der Zahlung von 1836: 31,125 Ew., demnach auf i j^M. 4,980 Ew. Das Klima ist mild und gesund; die Oberfläche besteht auS Ebenen und kleinen Thälern mit Hügeln abwechselnd, wovon der hohe Randen' (2,527 F. üb. M.) der höchste ist. Diese Hügel sind cine^Fort- sehung des Jura, somit Kalkstein; auf dem Randen findet man sehr viele Versteinerungen. Gewässer. Seen gibt es nicht. Flüsse: Der Rhein, dessen in der allgemeinen Uebersicht schon Erwähnung geschehen, nimmt unterhalb Stein die Aach und in Schaffhausen den Durach- oder Mühl- thalbach auf. Boden und Produkte. Der Boden ist mehrenthsils sehr fruchtbar; er besteht hauptsächlich aus Kalkstein und enthält Gyps, Mergel, vorzüglich gute Thonerde und viel Bohnerz. Pflanzen- und Thierreich wie im Kanton Zürich. Wein- und Ackerbau werden gut und fleißig betrieben; der rothe Wein ist ziemlich gut. Starke Obstzucht und bedeutender Flachs- und Hanfbau. 543 Industrie und Handel. ES bestehen: eine große Baumwollenspinnerei, 1 Gußstahlfabrik, bedeutende Gerbereien, wovon eine auch Saffian und Leder für die Spinnmaschinen liefert, 1 Hochofen in Laufen verbraucht jährlich an 30,000 Ztr. Erz, daS in den Gruben des Kantons von 70 Arbeitern ausgebeutet wird, er liefert Gußwaaren von 1 Pfd. bis 20 Ztr. Jndiennen- und Strumpffabriken haben fast gänzlich aufgehört, bedeutend aber ist die Fabrikation von Kirschwasser. Der Handel ist nicht sehr ausgedehnt und durch den deutschen Zollverband in enge Schranken gelegt; er beschränkt sich mehrentheils auf die Hauptstadt; etwas Transit und Schifffahrt. — Einfuhr: Salz, Tabak, Seiden- und Tuchwaaren, Luxusartikel, Kolonial- und Metallwaaren, fremde Weine, Baumwolle rc. Ausfuhr: Baumwollengespinnst, Stahl- und Gußwaaren, Leder, Obst,' Kirschwaffer und vorzüglich Weine, Eisenerz rc. Erntheilung und Verfassung. Der Kanton besteht, in Hinsicht auf die Gerechtigkeitspflege, in erster Instanz aus 6 Bezirken: Schaffhausen, Stein, Thayngen, Neunkirch, Unterhallau und Schleitheim. Die Verfassung ist demokratisch und repräsentativ, und gleicht in ihren allgemeinen Grundsätzen derbes K. Zürich. Der Verhaftung muß in 2 mal 24 Stunden das erste Verhör folgen; die Zulassung der Advokaten bei allen Gerichtsstellen findet nicht statt; alle Ernennungen geschehen durch geheime Wahl und absolute Stimmenmehrheit; alle Bewerbungen für erledigte Stellen sind untersagt; wer sich derselben für sich oder andere schuldig macht, verliert auf 4 Jahre sein Aktivbürgerrecht (einfache Meldungen beim Präsidenten der Behörden, die zu wählen haben, sind nicht als Bewerbungen zu betrachten): von 4 zu 4 Jahren findet eine Erneuerung aller Kantonsbehörden statt, die Austretenden sind aber wieder wählbar. — Da, wo Handwerksinnungen bestehen, bleibt die Aufnahme in dieselben und die Ausübung des Meisterrechts dadurch bedingt, daß ein Jeder, der ein Handwerk treiben will, sich über dessen vollständige Erlernung und seine persönliche Fähigkeit dazu auszuweisen hat. Erlernung eines Handwerks aber und die Aufnahme in dasselbe sollen nicht durch lästige Gebühren und Förmlichkeiten erschwert, noch die freie Thätigkeit der einzelnen Meister durch enge Schranken gehemmt werden. Meister der Handwerksinnungen, die Kantonsbürger sind, sind in Betreff des Rechts zur Ausübung ihres Berufes einander gleichgestellt. Für die Errichtung neuer ehehafter Gewerbe muß obrigkeitliche Bewilligung eingeholt werden, wobei daS Gemeindewohl und das örtliche Bedürfniß berücksichtigt sein sollen. — Die un 243 mittelbare Ausfuhr der Landesprodukte ist jedem Kantonsbürger freigegeben und kann selbst in Fällen der Theuerung gegen die Eidgenossenschaft weder erschwert noch gehemmt werden. — Kein Beamter des Kantons darf politische oder militärische Stellen, Titel, Orden, Pensionen und Besoldungen von einer fremden Macht annehmen, wenn er hiezu nicht die Bewilligung des Großen Rathes hat. Zur Stimmfähigkeit gehört ein Alter von 20 Jahren und finden hier die gleichen Bedingungen statt, wie im Kanton Zürich. Eidgenossen oder Ausländer mit einem Gemeindsbürgcrrechte haben gleiches Stimmrecht mit den übrigen Gemsindsbürgern, jene treten aber erst nach 10, diese nach 20 Jahren, vom Zeitpunkte der Erwerbung des Bürgerrechts, in vollen Genuß des Aktivbürgerrechtes (der Große Rath kann verdienten Neubürgern aber die Fähigkeit gewählt zu werden, mit der Erlangung des Ortsbürgerrechtes zukommen lassen): sind Sohne solcher Neubürger noch nicht 16 Jahre alt, so sind sie den gebornen Bürgern des Kantons gleich zu achten, im Gegentheil unterliegen sie gleicher Beschränkung wie ihre Väter. Der Große Rath, von 78 Mitgliedern, ist der Stellvertreter des souveränen Volkes; dazu ernennen jede der 12 Gesellschaften und Zünfte der Hauptstadt 2 Mitglieder (1 aus ihrer Mitte und das andere frei aus dieser Mitte oder der Bürgerschaft der Stadt); sie wählen außerdem je aus ihrer Mitte 2 Kandidaten, welche mit jenen 24 Er- wählten zusammentreten, um aus ihrer Mitte noch 6 Mitglieder deS Großen Rathes zu erwählen. Die Wahlversammlungen der Landschaft ernennen 48 Mitglieder desselben entweder unmittelbar aus ihrer Mitte oder nach freier Wahl aus der Landbürgerschaft. Jeder Stimmfähige kann mit zurückgelegtem 2ä Jahr in den Großen Rath gewählt werden; gleichzeitig dürfen darin nicht sitzen: Vater und Sohn, noch Brüder. Jährlich versammelt er sich zweimal und zwar spätestens 14 Tage vor Eröffnung der eidgenössischen Tagsatzung und binnen 2 Monaten nach Beendigung derselben; außerordentlich kommt er zusammen, wenn es der Kleine Rath oder 20 seiner Mitglieder durch schriftliche Eingabe, unter Anführung der Gründe, verlangen. Funktionen des Großen Rathes wie im K. Zürich; er wählt seinen Präsidenten und Vicepräsiden- ten aus seiner Mitte aus 1 Jahr, worauf sie für das nächste Jahr nicht wieder wählbar sind, den Staats- und Rathsschreiber und den Archivar; die Verrichtungen seiner Mitglieder sind unentgeldlich, nur die Mitglieder der Landschaft können eine Vergütung für Reise und Zehruug ansprechen. Zu einem gültigen Beschluß des Großen Rathes gehören 46 Stimmen; Mitglieder, welche in einem Jahr den dritten Theil der Sitzungen ohne hinlängliche Entschuldigungen versäumen, sind als ausgetreten anzusehen. Der Kleine Rath, von II Mitgliedern, ist die oberste Voll- ziehungsbehörde, seine Prärogativen sind die des Regierungsrathes im K. Zürich; in Streitigkeiten in Bezug auf Komxetenzbefugniffe mir den richterlichen Behörden entscheidet eine besondere Kommission, wozu der Kleine Rath und das Apxellativnsgericht se 2 Mitglieder aus ihrer Mitte und je 2 andere außer ihrer Mitte in dem Großen Rath bezeichnen , worauf diese 8 Mitglieder aus diesem ihren Präsidenten wählen, der keiner der streitenden Behörden angehören darf. Der Große Rath ernennt aus seiner Mitte den Kleinen Rath, dessen Mitglieder nicht unter 30 Jahr alt sein dürfen; Vater und Sohn, 2 Brüder, Schwie- gervater und Tochtermann, 2 Schwäger dürfen darin nicht gleichzeitig sitzen (so auch beim Avpellationsgericht). Die Mitglieder des Kleinen Raths behalten Sitz und Stimme im Großen Rath; nur in den Fällen, wo sie von ihrer Verwaltung Rechenschaft geben, treten sie einstweilen zurück: sie dürfen gleichzeitig weder eine Richter- noch rechnende Kan- tonalverwaltungSsielle bekleiden. Zwei Bürgermeister, aus der Mitte des Kleinen Raths vvm Großen Rath für 4- Jahre gewählt, führen abwechselnd Jahr für Jahr darin den Vorsitz, wobei nöthigenfalls der nicht im Amte stehende der Stellvertreter des andern ist; beide müssen in der Hauptstadt oder deren Umgebung wohnen. Mitglieder, welche den vierten Theil der jährlichen Sitzungen ohne hinlänglichen Grund versäumen, werden neu ersetzt (so auch im Appellationsgericht). Das Appellationsgericht, von il Mitgliedern, ist die höchste Gerichtsbehvrde; an dasselbe gelangen die Appellationen über Civilstrei- tigkeiten, Kriminal-, Konkurs - und Matrimonialfälle; es übt die gleichen Befugnisse wie das Züricher Obergericht; ihm sind 4 Suppleanten beigegeben, welche das Tribunal nöthigenfalls ergänzen, den Sitzungen beiwohnen, aber keinen Antheil an den Verhandlungen haben, wenn sie nicht als Stellvertreter darin berufen sind. Sowohl die Mitglieder als die Suppleanten werden vom Großen Rathe unter seinen Mitgliedern gewählt, wenn sie 30 Jahre alt sind, so auch der Präsident aus der Mitte des Tribunals, auf die Dauer von 4 Jahren, er muß in der Hauptstadt oder deren Umgebung wohnen; einen Vicepräsidenten wählt das Tribunal aus seiner Mitte auf die Dauer von 4 Jahren. Das Kantonsgericht, von 1 Präsidenten und 8 Beisitzern, übt die Rechte der Bezirksgerichte im K. Zürich; es wird bei jeder allgemeinen Regierungserneuerung durch den Großen Rath aus einem Doppelvorschlaae des Appcllalionsgerichis ernannt, wozu sich alle wähl- fähigen Bürger qualifizire», welche 25 Jahr all find: 4 Suppleanten werken auf einen Doppelvvrschlag des Kantvnsgerichts vom Großen Rath ernannt. Das Kriminalgericht beurtheilt in erster Instanz alle Kriminalfälle; es besteht aus einem Präsidenten, den 6 zuerst gewählten Beisitzern und der Kanzlei des Kantonsgerichts, und wird nöthigenfalls durch die beiden übrigen Mitglieder und die Suppleanten der letzten Behörde ergänzt. Ein aus zwei im Kriminalsache erfahrnen Männern zusammengesetztes Verhöramt hat in peinlichen Fällen die Untersuchung zu führen und die Aufträge des Kriminalgerichts zu vollziehen. Die Stelle eines Verhörrichters ist mit der Bekleidung eines Richteramtes nicht unverträglich, doch kann er an der Beurtheilung von Fällen, die er untersucht, nicht als Richter Theil nehmen, sondern muß sich dabei durch einen Suppleanten vertreten lasten. Die Bezirksgerichte, aus einem Präsidenten, 6 Mitgliedern und 4 Suppleanten bestehend, entscheiden in erster Instanz über Schimpf- und Schlaghändel, Streitigkeiten bei vormundschafklichen Verwaltungen, Waisen- und Theilungs-Angelegenheiten, Behandlung und Liquidation der Konkurse und die dabei obwaltenden Streitfragen, Bestrafung der Insolventen. Für die Liquidation der Konkursmassen müssen die Präsidenten Bürgschaft leisten. Diese Gerichte werden vom Appellations- gericht aus einem Vorschlage von 22 Bürgern der einzelnen Gemeinden des Bezirkes gewählt, wobei ein Alter von wenigstens 25 Jakren bedingt ist. Ein Kirchenrath beaufsichtigt das Kirchenwesen, sorgt für die Unterhaltung einer zweckmäßigen Verbindung mit der Synode, für Prüfung und Aumahme von Kandidaten für das Predigeramt rc. Ein Cchulrath sorgt für den öffentlichen Unterricht und für Alles, was zrr religiösen, sittlichen und geistigen Ausbildung der Jugend nöthig ist; er besteht aus geistlichen und weltlichen Mitgliedern. Der Gemeinderath, von vierjähriger Dauer, unter einem vom Kleinen Rathe ernannten Präsidenteck, hat die gleichen Amtsverrichtungen wie im Kanton Zürich der Bezirksrath und Statthalter. — Bei allen Behörden des Kantons dürfen weder Vater und Sohn, noch 2 Brüder die Stelle des Präsidenten und Schreibers versehen. Revision der Verfassung. Sie kann nach 4 Jahren stattfinden und soll I Jahr vor Ablauf dieser Zeit der Antrag dazu gemacht werden; sie fndet statt, wenn die Mehrheit der auf gesetzlichem Wege versammelten stimmfähigen Bürger beim Großen Rath darum anhält, 7,46 und wenn der verfassungsmäßig versammelte Große Rath mit absoluter Mehrheit die Vornahme derselben beschließt. Finanzen. Die Einkünfte fließen aus Zöllen, Kapital-, Häuser- und Gewerbsteuern, dem Salzregal, Patenten, Handänderung, Ertrag der Waldungen und einem fixen Beitrag des Erzgrubenbaues. Die Einnahmen übersteigen die Ausgaben beträchtlich und der ökonomische Zustand ist gut consolidirt. Ortsbeschreibung. Beringen, Pfdf., am Fuße des Randen, auf der Str. von Schaffhausen nach Freiburg im Breisgau; von Weinbergen und Kirschbäumen umgeben, daher viel Kirschwaffer gebrannt wird; ^beträchtlicher Wiesen- und Getreidebau. Berslingerthal, ein enges, einsames, vom Randen bis Schaffhausen 1 ss> St. lang hinziehendes Thal, mit baumlosen Wiesen; eine Ortschaft darin soll im Kriege untergegangen sein; die Straße nach Donaueschingen führt durch. Bohnenberg, auf dem, Wthsh. auf ausstchtreicher Anhöhe nahe bei Schaffhausen. Buch, Pfdf., im Hegau, an der Nach; Ackerbau und Obstzucht; etwas Weinwachs. Buchberg, Pfdf., südwestl. von Schaffhausen, unfern des Rheins; Acker- und Weinbau; im hiesigen Steinkohlenlager kommen zuweilen fossile Kuochen vor. Dörflingen, Pfdf., unfern des Rheins, guter Acker- und Weinbau; auf der Str. nach Stockach. Fulacher-Bürgli, kl. Häusergruppe bei Schaffhausen, am Fuße ei- eines Rebhügels; ehemals eine Burg der im Anfange des I7ten Jahrh, ausgestorbenen Ritter von Fulach. Glich lingen, Pfdf., im Kleltgau und am Fuße des Luckner; wein- und getreidereiches Gelände; im I. ib92 fand man hier römische Gold- und Silbermünzen. Hallau,Ober-, Pfdf., am Fuße eines Rebhügels, nordwstl. vonNeun- kirch; getreidereiche Ebene und bedeutender Weinbau; Wohlhabenheit. Hallau, Unter-, Mktfl., am Fuße des Ober- und Unterberges; fruchtbare Gegend, die vorzüglich'Hanf, Getreide und guten rothen Wein erzeugt; 4 Jahrmärkte; Handel mit Wein und Hanf. Großer Wohlstand; schönes Pfarr- und Wthsh.; die Kirche im Ort war bis I5t0 befestigt, wovon ein alter runder Thurm noch ein Ueberbleibsel sein soll, eine andere Kirche steht 5 Minuten vom Orte, auf einem 347 freundlichen Weinberge, mit vortrefflicher Aussicht auf Landschaft und Alpen. Das hiesige Bad, 3St. von Schaffhausen, ist seit 1825 erneut, bequem, gut und billig und von der Umgegend besucht. Das Wasser enthält Eisen und Schwefel und hebt vorzüglich die Beschwerden des Unterleibs; eine andere Quelle soll an Wirksamkeit dem Schinznacherwasser gleich kommen. — Alte Landestracht. Mechaniker Adam Berger. Haslach, schönes Schloß am Fuß des Hasenberges; beträchtliche Güter, ein Fischteich, 2 Getreidemühlen. Herblingen, Pfdf., uordöstl. von Schaffhausen, auf der Str. nach Tuttlingen; Wein-, Frucht- und Wiesenbau; Schloß auf einem aussichtsreichen Hügel. Klett- oder Kleggau, Landschaft zwischen dem Rhein und Schwarzwald, im SW. und W. von Schaffhausen; fruchtbar und reich an Eisenerz, Typs und Mergel. Ein kl. Theil davon gehört dem K. Zürich. Laufen oder Rheinfall (s. im allg. Theil); er gibt seinen Namen einem gr. Eisenwerke mit Schmelzofen, Schmiede und Maschine zum Schneiden von Nageln u. s. w. am r. U. des Rheins. Löhningen, Pfdf., auf der gr. Straße von Schaffhausen nach Frei- burg im Breisgau; Getreide- und Weinbau; die kl. Kirche liegt auf aussichtsreicher Anhöhe. Lohn, Pfdf., auf einer Anhöhe, an der Aach, mit einer der schönsten und großartigsten Aussichten auf die Schweiz, die Alpen und nach Schwaben. Reichhaltiges Lager einer für Schmelztiegel in Glashütten brauchbaren Thonerde, die selbst nach Italien ausgeführt wird; man verfertigt daraus auch Kinderspielzeug. Merishausen, Pfdf., auf der Str. nach Donaueschingen, am Fuße des Randen, hatte einst einen Rittersitz, in angenehmem und fruchtbarem Thale. Neu hausen, P-'df., am r. U. des Rheins und am Rheinfall, bei welchem das Eisenwerk Laufen und eine Farbholz-Schneidmaschine liegen. Neunkirch, kl. Stadt, mit 166 Häusern und etwa i,3l>0 Ew.; in fruchtbarer Ebene, an der Str. nach Basel; schmutzig; Wein- uud Getreidebau; Wohlstand; guteSchulanstalten; Lesegesellschaft. Naheliegt Osterfingen, Pfdf., in engem Thale; Weinbau; Erzgruben. Für das hiesige, von der Umgegend stark besuchte Bad entspringt das Wasser als Bach am Hasenberg, führt Schwefel und Alaun, nebst vielen Schlamm- und erdigen Theilen und dient gegen Haut- und Gliederkrankheiten, Stockungen und kaltes Fieber. 348 Ramsen, Pfdf., an der Aach, nördl. von Stein; Acker- und Weinbau Randen (Hohe-Randen), eine Bergpartie, nordwestl. von Schaffhausen, zwischen Wutach und Aach, die sich im N. an den Schwarzwald anschließt; der höchste Punkt erhebt sich 2,527 F. hoch und bietet eine der schönsten Ansichten der Schweiz, der Alpen und Schwabens. Reich an Versteinerungen. Auf demselben liegen unter Gebüsch die Burgruinen der Edeln von Randenberg. Roßberg, ein theils bewaldeter Berg im S. von Neunkirch, auf welchem Eisenerz gegraben wird, woraus man weiches und zähes Eisen gewinnt, das zu Blech und Draht besonders gut sich eignet. Schaffhausen, ummauerte Hauptstadt des KantonS, am r. U. des Rheins, über welchen eine hölzerne Brücke führt, von niedern Bergen umgeben, unter 47° 41' 40" Breite und 6" 17" 40" Länge; in etwa 1,200 Häusern in- und außerhalb der Ringmauern leben gegen 7,000 Einwohner, die sich hauptsächlich vom Handel, Waaren- transport und Fabrikation nähren; jener besteht hauptsächlich in Kolonialwaaren, Wein, Getreide, Kirschwaffer, — letztere in baumwollenen und seidenen Zeugen, 1 große Jndiennedruckerei, t große Spinnmaschine mit Gasbeleuchtung, i Gußstahl- und Fsilenfabrik (im Mühlethal), I Steingut- und mehrere Seifen- und Kerzenfabriken, Kutschen-, Wagen-, Pistolen- und Flintenfabrik; 1 Lithographie, i Buchhandlung, 2 Buchdruckereien, 2 Kunsthandlungen. Sehens - werth sind: die Hauptkirchc, das Münster, das Gymnasium, die Mädchenschule, das Spital, der Salzhof, das Rathhaus von alter fester Bauart, die alte Beste Unnvth oder Munnoth, auf einem Hügel an der Ringmauer, 18 Fuß dick in Quadern aufgeführt, mit geräumigem bombenfestem Gewölbe. Anstaltenund Vereine: llolte- s-ium Iluinauitatis (für Theologie, Physik, Philosophie, Mathematik, Geschichte und alte Sprachen), das Gymnasium als dessen Vorschule, Bürger- und Mädchenschule, Waisenhaus, medizinische Bibliothek, 2 Lesegesellschaften und deren Sammlungen, Stadt- und Bürgerbibliothek mit Joh. von Müllers Büchersammlung, seiner handschriftlichen Weltgeschichte und dessen Urkunden, Bibliothek der Geistlichkeit mit Hand- und seltenen Druckschriften, Unterstützungsanstalt für Blinde, Bibelgesellschaft, landwirthschaftlicher Verein, Hülfsgesellschaft, mit einem Institute für Erziehung weiblicher Dienstboten. Kunstsammlungen: die des Antistes Veith, Conchilien- kabinet des vr. Amman. — Im sten Jahrh, waren hier nur Schifferhäuser und später Waarenmagazine; hieraus entstand später ein Flecken, wo 1052 Graf Eberhard von Rellenburg die Abtei Allerhei- 7.49 ligm erbaute, besten Abt Siegfried 1083 Las Kloster St. Agnes stiftete. Von 1799 bis 1800 nahmen Oesterreichs und Franzosen den Ort abwechselnd ein, wobei am 13. April 1799 letztere die schöne Grubenmannsche Rheinbrücke abbrannten, von der sich ein Modell in der Stadtbibliothek befindet; am 7. und 10. Okt. 1799 zogen sich die Russen über Schaffhiusen aus der Schweiz zurück. — Schaffhausen ist der Geburtsort des größten Bildhauers des I8ten Jahrh. Trippel, deS berühmten Geschichtschreiber Jvh. von Müller und dessen Bruders Joh. Georg, gleichfalls als Schriftsteller bekannt. — Gasih.: Falken, Schiff, Krone. Schöne Standpunkte sind auf dem Bollwerk Munnvth, Schießplatz, in der Enge, im Garten zum Fäsenstaub. Excursionen auf Srafenbuck, nach der Klus und dem Mühlethal, nach Lohn, Herblingen, Kloster Paradies, Rheinau, Hoheutwiel, Rheinfall. Schleitheitll, Mktfl., auf der Straße nach Freiburg im Breisgau, an der Wutach; stark besuchte Jahrmärkte und Getreidebau, Weinbau; bedeutender Gypshandel. Giblingen, Pfdf., am Fuße des Randen auf der Str. nach Freiburg im Breisgau; bedeutende Weinberge; Ackerbau; der schönste Menschenschlag des Kantons findet sich hier. Stein, kl. Stadt, mit 1,300 Ew., am r. U. des Rheins, der hier den Untersee verläßt; in anmuthiger Lage, am Fuße von Weinbergen, zwischen Getreidefeldern. Schifffahrt und Spedition, großer Kornmarkt, Weinbau, Weinhandel. Lesegesellschaft mit einer Büchersammlung; Wohnort des Reformations-Geschichtschreibers, Pfarrer Kirchhofer. Nahe auf einem steilen Hügel das Schloß Hohenklin- gen, Stammhaus der Edlen gl. N. Stein steht an der Stelle der römischen Festung 6->i«»1urum, welche die Alemanen zerstörten; im 8ten Jahrh, stand hier schon wieder ein beträchtlicher Flecken, welcher im I. 966 Mauern erhielt und durch die 1005 hieher verlegte Abtei des heil. Georg zu Stein besonders empor kam. — Am 22. Mai 1799 ging hier die Avantgarde und unterhalb bei Paradies die österreichische Armee unter Erzherzog Karl über den Rhein; schon 1633 gingen hier die Schweden unter Horn über den Rhein, zur Belagerung von Konstanz. Wthsh.: Schwan, Krone. Thayngen, Mktfl., nordöstl. von Schaffhausen, auf der Str. nach Tuttlingen. am l. U. der Nach, gegen 1,200 Ew.; Korn-, Wiesen-, Hanf- und Gemüsebau werden vvrtheilhaft betrieben und der hiesige Wein sehr geschätzt. Weißholz, Dorf, in der Nähe von Stein; hier fand man >76« große Stücke Bernstein; Spuren von Steinkohlen. Werd (Word), alter Schlvßthurm im Rhein, gleich unterhalb des großen Wafferfalles; Zoll, reicher Lachsfang, große Waarennieder- läge, 6»i»era viiscur» für die ausgezeichnete Ansicht des Rheinfalles. Wilchingen, Mktfl., mit 900 Cw., Kirche und Pfarrhaus stehen auf einem Rebhügel mit vortrefflicher Aussicht. Kröpfe; Korn-undWeinbau. Kanton Ap pendelt. dieser Kanton, in Helvetiens östlichem Theile gelegen, der dreizehnte im Bundesrang, besteht seit der Reformation aus zwei von einander unabhängigen, demokratischen Freistaaten, Außer- und Jnnerrhoden. welche aber mit einer Stimme nur einen Stand in der Eidgenossenschaft bilden, zu welcher dessen Beitritt im Jahre 1513 geschah. Das beiden Theilen gemeinschaftliche Wappen besteht aus einem schwarzen, aufrecht- stehenden Bären in silbernem Feld. Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag nnd Lebensweise. Der Kanton Appenzell ist ganz vom Kanton St. Gallen umgeben, hat eine beinahe runde Gestalt, mit einer Verlängerung gegen Morgen, und erstreckt sich über 4/2 St- »ach S. und 8 bis 9 St. von W. nach O. Flächeninhalt 8 IHM-, worauf 56.708 Seelen leben; nämlich Außerrhv- den 42,237 und Jnnerrhoden 14,471. Erstere ernähren sich Lurch Ge- werbssseiß, letztere durch den Hirtenstand. Der Volksschlag hat sich mit den Zeiten gewaltig geändert; ihre Vorfahren, die Sueven (Schwaben), waren groß, blond, blauäugig; die jetzige Bevölkerung ist nur mittlerer Größe, aber festknochig und stark, mehr braun als blond, und grauäugig; die Sennen jedoch bewahren durch ihren schlanken, üppigen Wuchs das Bild der ersten Landesbewohner. — Das weibliche Geschlecht ist zarter gebaut und gelangt, wie das männliche, etwas spät zur Reife. Ausgezeichnete Schönheiten sind selten. Nur kurz dauert die jungfräuliche Blüthezeit und der weiße und rosenrothe Teint verwandelt sich in blaßgelb. Die Lebensdauer ist 231 wie in andern benachbarten Kantonen. Verschiedene Krankheiten, auch Kretinismus, Blödsinn und sogar Selbstmorde, sind häufiger bei denen, welche in mit Dünsten Jährenden Kleisters angefüllten Webekeilern ihr Leben verkümmern, als bei solchen, welche in frischer, heiterer Luft, bei einfacher Milchnahrung und Habergrütze sich tummeln. Die Appenzeller sind große Liebhaber von Schmausereien, was sie bei Gelegenheit besonderer Feste in der That recht lebhaft beweisen. Nationaltracht herrscht nicht mehr; nur die Töchter Jnnerrhodens und die Sennen zeichnen sich aus; letztere tragen gewöhnlich nach alter Sitte zwilchene Hosen und Futterhemd und ein rundes, ledernes Käppchen; Feiertagskleider sind kurze, gelblederne Hosen mit darüber gerollten Strümpfen, schneeweißes Hemd, rothes Brusttuch und ein glänzender Hosenträger, bei kühler Witterung eine Jacke. Die Jnnerrhoder Frauen- tracht besteht in einem kurzen, rothen Rocke, engem Mieder und kleiner Haube mit rothen Bändern, gefärbter Schürze, weißen oder rothen Strümpfen und einem Hemd mit schneeweißen, bis zum Ellbogen reichenden Aermeln. Bei Weibern sind die verderblichen Schnürleibchen noch üblich. — Freimüthigkeit, beißender Naturwitz und Verschmitztheit sind hervorstechende Züge des Appenzellers. Er ist sehr gewerbthätig und muntern Humors. Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Das veränderliche Klima, mehr kalt als warm, öftere rauhe Winde und Mangel an fruchtbaren Ebenen, welche Lurch die Menge enger Bergthäler und Schluchten verdrängt sind, lassen, außer üppigem Graswuchs, Arznei- und Futterkräutern, der Landkulkur nur wenig Raum. Alles Uebrige ist Waldboden; geschieht hiervon dann und wann einige Urbarmachung, so entsteht wieder ein fetter Wiesenboken und mitunter ein Acker. Der Boden des Landes erzeugt übrigens Pflanzen aller Art; Dr. Schlüpfer hat davon in seinem --Versuch einer naturhistorischen Beschreibung des K. Appenzell-- ein genaues Verzeichnis geliefert; er zählt 324 Alpen-, 114 Wiesen-, 195 Weiden-, 22t Wald-, 82 Sumpf-, S Wasser- und 2t angebaute Pflanzen und 900 verschiedene Phanero- gamen, ohne die eigentlichen Gartenpflanzen, auf; es fehlen aber dem Kanton vorzüglich die eigentlichen Hochgebirgsxflanzen und die der Thäler von Wallis und Graubünden; Cryptogamisten zählt vr. Custer 300. Wiesenbau »nd Viehzucht werden nach altherkömmlicher Weise betrieben, obgleich Versuche lehren, Laß der größere Anbau verschiedener Futterkräutsr ersprießliche!' wäre, da solche hier ungemein gut gedeihen; dennoch bleibt man beim Alten und beschränkt sich auf Erzeugung gemeinen Grases. Wegen leichtem Absatz von Milch, Butter und Käse wird der kleinste Theil des Viehes selbst gezogen, sondern meistens im Frühling in Graubünden, Tyrol und dem Vorarlberg angekauft, in den Alpen gesommert und im Herbst wieder verkauft. Die Kälber sind ihres delikaten und weißen Fleisches wegen berühmt und werden von den Metzgern in einem Alter von 4 Wochen besonders gerne gekauft. Aus 39 Alpen Jnnerrhodens werden jährlich 6,000 und auf 18 bedeutenden Alpen Außerrhvdens 3,000 Kühe gesommert, nebst i,500 Ziegen, 1,200 Schafen und auch mitunter Schweine. Die S-ammrace der Kühe ist braunschwarz und schwerbeleibt, hat dicken Kopf und kleine Füße. Starke und robuste Pferde werden meistens vom Auslande gekauft. Außer einer geringen Zahl von Raubvogeln, welche sich nach und nach verloren haben, sind alle Gattungen von Vogeln, besonders Singvogeln, vorhanden. Bären, Wölfe, Auerochsen, Eber, Steinböcke, auch Hirsche und Rehe sind seit der Lichtung der Wälder verschwunden und nur noch Marter, Iltisse, Wiesel ic. vorhanden. Bienenzucht wird mit Liebe und Sorgfalt betrieben. Gartenbau und Obstzucht beginnen sich alljährlich zu vervollkommnen. Es werden nicht nur die köstlichsten Obstsorten auf den, den Häusern nahe gelegenen, geeigneten Plätzen gepflanzt, sondern auch alle Gattungen Gemüse und darunter sehr feine, so wie die mannichfaltig- sten Zierpflanzen und ausgezeichnetsten Blumensorte». Selbst Weinreben gedeihen ersprießlich an Spalieren und Häusern. Eigentliche Reb- anlagen findet man in den Gemeinden Walzenhausen, Butzsnberg, Reuti, Wvlfhalden, Heiden und Hirschberg. Wie es mit der Jagd steht, läßt sich aus dem bereits über das vorräthige Wild Gesagten und daraus beurtheilen, daß sie für jeden Landesbewvhner frei ist, ohne Patent. — Die Fischerei ist ebenfalls frei und auch nicht ergiebig; die meisten Fische, die verspeist werden, kommen aus dem Bodensee. Das Forstwesen ist sehr vernachlässigt und die Holzkonsumtivn wegen starker Bevölkerung, den vielen hölzernen Gebäuden, mangelhafter Feuerungsart, Verwüstung durch Naturereignisse, durch Menschen und Vieh rc. in keinem Verhältniß mit dem Nachwuchs. Die gewöhnlichsten Waldbänme sind Tannen und Fichten; seltener sind Eichen, Linden, Ahorn, Buchen rc. Bergbau besteht nicht, da die frühern Erzeugnisse in Steinkohlen und Salz nicht in der Menge aufgefunden wurden um bergmännische Unternehmungen wekker zu begünstigen. — LaiS Mineralreich gibt gute Kalk- und Sandsteine zu Bauten; Kalkspmthkristalle von verschiedener Größe und Farben; Flußspathe verschiedener Gattungen; Steinkohlen bei Trogen, Speicher und unfern Hewisau rc.; Bergkrvsialle (Ungarische oder Schweizer-Diamanten) von der Größe einer starken Erbse, hinter dem Oehrli, in mergelartiger Erde liegend; Tuffstein findet sich in Höhlen und Bächen; Mondmilch in den Klüften des Alpsteins; Glaubersalz nahe bei der Ruins von Urstein; Salpeter, Torf und Thonschiefer wird hin und wieder gewonnen. Mancherlei Gegenstände werden aufgefunden, welche für den Mineralogen nicht ohne Interesse find. — Auch Mineralquelle» entsteigen der Mutter Erde; die besuchtesten sind Las Heinrichs- und Weißbad. Handels- und Gewerbsfleiß. Beide beschäftigen das Gebiet von Außerrhoden, wodurch auch dem innern, kleinern Theil Vortheil zugeht. Die Leinwandfabrikation wurde durch die Baumwolle, besonders in Mousselinen, fast verdrängt; wohl über 10,000 Personen find blos in Außerrhoden damit beschäftigt; es gibt Fabrikanten, welche tOO Weber und 5000 Stickerinnen nahe und fern beschäftigen. — Die Zucht der Seidenwürmer und die Seidenfabrikation ist im Wachsen. Es werden viele fette und magere Käse (zwar denen von Schwyz. Greyerz und Emmenthal weit nachstehend) fabrizirt. Gerbereien, Jndienne- färbereien, Bleichen, chemische Laboratorien, 4 Papierfabriken und eine Pulvermühle blühen täglich mehr auf. St. Gasten ist der Vereinigungspunkt des AppenzellerhanLels. Die Einfuhr besteht in Obst, Wein, Branntwein, Getreide, Salz, Kolonial- und Materialwaaren, Leder, Tücher, Seidenzeugen, Luxusartikel und Vieh tc. — Ausfuhr: Baumwollenfabrikate, Käse, Butter, Kälber, Häute, Holz und Kirschwaffer. — Geldrechnung im Handel nach dem Reichsfuß, wegen der Scheidemünze mit den Nachbarkantonen im Vertrag. Gebirge. Gegen Mittag erhebt sich eine ansehnliche Alpen- kette, die gleichsam dreifach ist. Die äußerste Linie erhebt sich mit dem Kamor, dessen Spitze (5,420 F. üb. M.) der Hohekasten heißt, und zieht sich westlich bis in die Krähalp. Die zweite fängt mit dem Berge Alpsiegel an und zieht sich bis an den Altenmann, wo beide aneinanderstoßen; endlich erhebt sich die dritte mit Bodmen und trifft bei dem hohen Santis, auch Alpstein (7,670F. üb. M.), mit den vorigen zusammen. Zum Säntis gehört das Wi ldkirchlein, am Fuße der Ebenalp, eine ihrer herrücken Aussicht wegen besuchenswerthe Einsiedelei. 25 Gewässer. Das Land ist außerordentlich reich an guten Brunn quellen, jedes Haus besitzt wenigstens eine; hat aber auch drei kleine Bergseen. Der Seealpsee, am östl. Ende der Seealp, i St. lang, St. breit, enthält gute Forellen. Sein Ausfluß bildet den Schwendibach. Der Fächlersee liegt eine Stunde höher im Bergthals, St. lang, St. breit, von nackten Felswänden umgeben, am östl. Ende ein vierfaches Echo. Der Säntisersee, südl. i St-von Brüllisau, St. lang, s-^St. breit, enthält ebenfalls Forellen. Flüsse und Bäche hat es viele die den Charakter der Waldströme tragen und manche Verwüstung anrichten, aber schiffbar ist keiner. Die Gitter entspringt im Süden des Alpsteins aus 3 Quellen, stießt gegen Norden, nimmt an der Gränze die Urnäsch auf und vereinigt sich zuletzt mit der Thür. Die Urnäsch (einst weiße Sitter genannt), ein ungestümer Waldstrom; sie entspringt bei den sieben Brunnen auf Schwägalp, bildet die Gränze zwischen Waldstatt und Hundwyl, Herisau und Stein, und ergießt sich beim Kübel in die Sitter. Der Goldbach entspringt aus vielen Adern, fließt im SO- von Trogen aus Bruder, Stroglerbach und Goldbach zusammen, fließt, durch noch mehrere kleine Bäche bereichert, mehrentheils nach N. durch Schluchten in den Bodensee; soll einst viel Goldsand geführt haben. Die Glatt entspringt im Risiwald, im N. von Schwellbrunn, nimmt bei Herisau den Brüllbach auf und wendet sich im nordwestl. Laufe, nachdem sie sich an der westl. Gränze des Kantons mit dem Weißenbach vereinigt, zur Thür. Der Bären- oder Brüllbach entspringt im südl. Alpthal, brauset über schwarze Felsentrümmer, empfängt mehrere Bäche und verliert sich in unterirdischen Klüften. Der Schwendibach, Ausfluß des Seealpsee's, fischreich, vereinigt sich, nach Aufnahme mehrerer Bergwaffer, mit dem Brüllbach. Mehrere Gewässer, z. B. das Weißwaffer, die Rothi- oder Roth- bach, die Steinach, der Fahlbach, der G'staldenbach, der Matten - oder Mathbach und noch eine Menge kleinerer Bäche durchstießen oder berühren LaS Appenzellergebiet mehr oder weniger verheerend zu gewissen Jahreszeiten. Hauptznge der Verfassung und Einthcilung. Der Kanton Appenzell, obgleich er nur einen Kanton bildet, besteht doch aus zwei voneinander unabhängigen Staaten, Außer- und Jn- nerrhoden, die eben so viele Religionstheile bilde», da jenes evangelisch und reformirt, dieses hingegen katholisch ist. Auf der Tagsatzung haben beide nur eine Stimme, müssen daher bei der Abstimmung abwechseln. In jedem der beiden Landestheile steht die höchste Gewalt in den Landsgemeinden, die alljährlich einmal gehalten werden, in Außer- rhoden zu Trogen oder Hundweil, i» Jnnerrhoden zu Appenzell. Diese Volksgemeinden haben sich vorbehalten die Gesetze zu bestätigen oder zu verwerfen; die bestehenden Gesetze zu entkräften oder zu ersetzen; die Landesbeamten zu erwählen ; die Gesandten zur Tagsatzung zu ernennen und ihnen die Instruktionen zu ertheilen; über Landeseinkünfte und Ausgaben zu verfügen; über Bündnisse, Kriegserklärungen und Friedensschlüsse zu entscheiden, und Fremden das Landrecht zu ertheilen. Die in Jnnerrhoden aufgestellten Behörden sind: der kleine Rath, der die gewöhnliche Polizei verwaltet; der Große Rath, welcher die Gesetze vorschlägt, die Erhebung der Abgaben bestimmt, Beschlüsse erläßt, die Landesverwaltung leitet und die letzte Instanz in bürgerlichen und Kri- minalfätten bildet; der Kleine Rath, der sich in 3 Gänge oder Sektionen theilt, deren jede Wochenrath heißt und abwechselnd zusammen- berufen werden, besteht aus dem Landammann und andern obersten Beamten, und 14 Rathsherrn, aus jedem der 7 Rhoden zwei; der Große Rath hingegen aus dem Landammann, 8 Kleinen und 8 Großen Räthen sämmtlicher Rhoden und dem Kirchenpfleger von Appenzell. — In Außerrhoden ist der Große Rath die oberste vollziehende, verwaltende und richterliche Gewalt, hat die Ernennung der Gesandten auf die Tagsatzung und Konferenzen, so wie die Vorberathung der Gesetzesanträge. Ihn bilden die höchsten Landesbeamten und die sämmtlichen regierenden Hauptleute der Gemeinden. Die Neu- und Alträtheversammlung, bestehend aus den Landesbeamten, den Gemeindehauptleuten und aus einer für jede Gemeinde festgesetzten Anzahl Rathsherren, hat die Wahl der untern Landesbeamten, und von ihr gehen die Sitten- und Polizeigesetze, Las Militärreglement und andere Landesver- ordnungen, so wie alle Verfügungen aus, die nicht ausschließlich der Landsgemeinde angehören. Aus jedem Theile, vor und hinter der Eitler, wählt die Landsgcmeinde einen Landammann, Landstatthalter und andere hohe Beamte, die je zu 2 Jahren abwechseln. Ebenso kann auch der Landammann in Jnnerrhoden nicht länger als 2 Jahre »nun- 331 » »erbrochen an der Regierung sein. — Gemeindsbehörden sind in Jnnerrhoden für Civil- und leichtere Kriminalsälle der Wochenrath, und der Große Rath für solche in letzter Instanz. — In Prozeßsachen ist in Außerrhoden der Gemeinderath die erste Instanz, und der Große Rath die letzte Instanz für Civil- und Kriminalfalle. So ähnlich die Verfassungen in beiden Landestheilen von Appen- zell zu sein scheinen, so finden dennoch einige Abweichungen statt, und sind in den beiden Rhoden in der neuesten Zeit Verbesserungen beliebt worden, die, unbeschadet den Rechten des Volks, sich mit der demokratischen Regierungsform und einer guten Ordnung mehr vertragen. Der Kanton Appenzell stellt zum Bundesheer 972 Mann; Geldkontingent: 9,222 Fr. Kirchen- und Schulwesen. In Innerhoden sind 4 Pfarrkirchen nebst einigen Filialkirchen, 1 Kapuziner- und 3 Nonnenklöster, von welchen 2 auf außerrhodischem Bode» sind, aber doch zu Jnnerrhoden gezählt werden. Außerrhoden enthält 20 Gemeinden und 19 Pfarreien, da die Gemeinde Sutzenberg zu Thal im Kanton St. Gallen pfarrge- ,lässig ist. Sämmtliche evangelische Geistlichkeit versammelt sich jährlich in einer Synode, auf welcher sie ihre kirchlichen Angelegenheiten behandelt. Für den öffentlichen Unterricht wird in Jnnerrhoden wenig gethan , desto mehr aber in Außerrhoden, es wurden daselbst schon im Jahre 1827 an 73 Schulen, darunter viele Freischulen, gezählt. Die Bildungsanstall in Trogen, welche früher von hochherzigen Männern gestiftet und 1829 durch die Kankonsregierung zur Kantonsschule erhoben wurde, hat sich durch ihre rühmlichen Leistungen bereits ehrenvoll ausgezeichnet. _ Ortsbeschreibung. lZu leichterer Uebersicht sind die innerrhodischcn Orte mit ' bezeichnet.) *Altenmann, ein Gebirgsstock (7,650 F. üb. M-), auf der Gränze des K. Appenzell und dem obersten Theil des Toggenburgschen, südöstl. von seinem Nachbar dem Säntis und nördl. an der Krähalp gelegen. ^Appenzell, Hauptort, am l. U. der Sitter, mit 1,45» Ew.; schöne Hügel und hohe Gebirge umgränzen das freundliche Gelände, in welchem eine Menge freuudliche Wohnungen liegen und Feldfrüchte und Gras üppig gedeihen; Bleiche, etwas Handel mit Leinwand, Baum- wvllenwaaren, Schleifsteinen, Holz und Salpeter. Merkwürdig ist die St. Mauritius-Pfarrkirche; das Archiv mit interressanten Dokumenten und eroberten Fahnen und Pannern; das Kapuziner-Manns - und das Franziskaner-Nonnenkloster. Nahe Las Dorfbad, mit welchem auch 267 Molkenkur verbunden ist und bei der Brücke über die Sitter, unter einer großen Linde, die alljährliche Landsgemeinde; im N. liegt die Burgruine Claux. Brüllisau (ehemals Brünlisoye), Pfcf., auf einer vvm BrülliS- auerbach bewässerten Wiese, enge Waldschlucht, die sich i St. dem wilden Bach nach gegen Säntis zieht; Mondmilchhöhlen, Windlöcher, Kalk- und Flußspathkrystalle. Bühl er, Pfdf., längs der Landstraße von St. Gallen nach Gais, in anmuthigem Thale, das reizenden Wechsel in Wiesen, Obst- und schönen Waldbäumen bietet, am r. U. des Rothbachs, welcher viele Wasserwerke treibt; Mouffelinfabrik, Druckerei und Spinnerei mit sehenswerthen Einrichtungen. *Cbenalp, am Ende des Niederalrsteins, schöne Bergtrifte (4,420 F. üb. M.), mit reizender Aussicht über die ganze östl. Schweiz, Bodensee und Schwabenland, an deren Fuß der Seealp-See. An der östl. Wand des Felsenstocks das merkwürdige Wildkirchlein und Einsiedelei, woselbst in einer Felsenhöhle ein Kapuziner wohnt, welcher den Besuchenden dieser Merkwürdigkeiten als Führer dient. Alljährlich werden hier Hirtenfeste gefeiert. Fähnern, kegelförmiger, grasreicher Thonschieferberg, 2 St. nordöstl. von Appenzell« isolirt vom Alpstein und, durch die Sitter, auch von den Vvralpen; viele Sennhütten und an seinem Fuße bei Schwarzeneck und Egger stehen kleine Granitblöckc, und in den südl. Schluchten Lenti- kuliten und Numuliten. Schöne Aussicht beim Signal (4,676 F. üb. M.) Gäbris (Gähberg), im S. von Trogen, woher ein Fußweg nach Gais führt. Auf der Höhe des Wegs (4,080 F. üb. M.) herrliche Aussicht nach Schwaben, Tyrol )c. Gais, Pfdf., berühmter, starkbesuchter Ziegenmolken-Kurort (2,040 F. üb. M.), 1/2 St- von Appenzell und 5 St. von St. Gallen, in zwar baumarmer aber gesunder Gegend, an der Straße von Rhein- thal nach dem Flecken Appenzell; sehenswerthe Kirche und Waisenhaus. Gewerbszweige sindt Viehzucht und Verfertigung der zur Stickerei geeigneten Mouffeline. Ausflüge nach Sommerberg oder Gäbris, Fw. i St., an den Kamorberg 4)4 St.. Trogen t)4St., an den Sän- tis 7)4 St., Fhw. nach Appenzell 1 St., Altstätten 2 St., St. Gallen 2)4 St., Weißbad i)4St., an den Stoß St. Gonten, Pfdf., an der Straße zwischen Appenzell und Urnäsch, in romantischem Thale, in welchem auf erhöhtem Wiesengrunde, am Fuße des Kronbergs (2,604 F. üb. M.), das stark besuchte Gonten- 55 « bad sich präsentirt, außer dessen heilsamem Wasser gegen Gicht und Ausschläge rc. auch Ziegenmolken genossen werden. Grimmenstein, Franziskaner-Nonnenkloster, s^St. vom Schloff« gl. N., im NO. von Rheineck. Grub, Pfdf. (2,382 F. üb. M.), mit 86 Ew., is^St. von Trogen, aus düsterm Wiesengrunde, in fruchtbarem Thale, zwischen schöner Fichtenwaldung; nahe Las Bad Unterrechstein (1,720 F. üb. M.), am G'staldenberg, an der Straße von Trogen nach Heiden, dessen Helles Wasser vorzüglich für Gliederschmerzen und Frauenzimmerkrank- heiten wirksam ist. *Haslen, Pfdf. und Wallfahrtsort, am r. U. der Sitter, welch« hier unterhalb dem Ort die Roth aufnimmt. Der Ort ist berühmt wegen Bereitung vortrefflichen KirschwafferS. Heiden, Pfdf., am l. U. des G'staldenberges (2,124 F. üb. M.), östl. von Trogen, mit herrlicher Aussicht nach dem Bodensee, Schwaben und den Tyroleralpen, in fruchtbarer obstreicher Gegend. Großer Wohlstand durch Gewerbfleiß, besonders durch Baumwollenspinnerei und Stickerei, Kunstsägen ;c. Nahe 3 Mineralquellen, wovon eine, die gegen Rheumatismus und Gicht vorzüglich gut sein soll, als Bad benutzt wird. Heinrich sbad (siehe Herisau.) Herisau, großer schöner Mktfl., mit 2,236 Ew., auf erhöhtem Grunde, am r. U. der Glatt, beim Einfluß des Brüllbachs ( 2,334 F. üb. M.), in fruchtbarer Landschaft, zeichnet sich aus durch wahrhaft geschmackvolle Bauten. Sehenswerth sind: der antike Kirchthurm mit einer 170 Ztr. schweren Glocke und in dessen Erdgeschoß das Landesarchiv; das Waisenhaus. Jndiennen- und Seidenfabriken; dann gibt es in und um Herisau bedeutende Bleichen und Färbereien, viele Appreti- rungen, Papiermühlen, Gerbereien, Bierbrauereien und Branntweinbrennereien, eine Menge Korn- und Sägemühlen, 1 Buchdruckerei und eine Lithographie; östl. St. vom Ort liegt das berühmte Heinrichsbad, ein herrliches Gebäude mit 60 Zimmern für Kurgäste und unmuthiger Aussicht auf die Stadt St. Gallen und den Bodensee, überhaupt ist die Umgegend reich an schönen Standpunkten und Spaziergängcn. (Man lese Professor Scheitlins Schilderung des Heinrichsbads bei Herisau. Konstanz, bei Wallis, 1828.) Hundweil (Hundwyl), gr. Dorf, in einsamer Berggegend (2,370 F. üb. M.), südösil. i St. von Herisau; Viehzucht; Seidenfabrika- tion; Jahrmärkte. Die Hundweilerhöhe erhebt sich südl. 3,975 F. und brewt herrliche Fernsicht. Hier wird (in ungeraden Zähren) die 3Ü9 Laiidsgemeinde, abwechselnd mit Trogen, für Appenzell Außerrhoden abgehalten. Kamor, hoher Gebirgsstock, am östl. Ende des Alpsteins (5,240 F. üb. M.) und weiter Aussicht über die östl. Schweiz, Bvdensee, Rheinthal ic., etwas südl. das Wetterloch, eine 4 Fuß weite, aber sehr tiefe Hohle. Fw. führen von Appenzell in 2!^ b-, von Seenwald in 3)^ St. ohne Gefahr hinauf. *Kronberg, grasreicher Berg mit abgerundetem Rucken, nördl. vom Säntis, mit mehrern Sennhütten; nahe eine Felshöhle und St. Jakobs- brnnnen; alljährliche Hirtenfeste mit Tanz und gymnastischen Spielen. *Meßmer, auch hohe Meßmer genannt, nordwestl. vom Säntis; auf der östl. Seite ein Gletscher, auf der westl. Seite schöne Alpen und Sennhütten. Herrliche Aussicht über 9 Kantone nebst benachbarten Ländern. ^Oberegg, Pfdf., im O. von Trogen, mit 140 Ew., in fruchtbarer Lage; Viehzucht; Verfertigung gestickter Waare und Konstanzett» (halbdicke Leinwand); hier nahe, bei Honeck, wurde 1428 Graf Friedrich von Toggenburg von den Trognern erschlagen. Im I. 1798 verweigerten sie mit Erfolg die Annahme der helvetischen Konstitution. ^Oehrli (m«»s -»»leul.-»), hoher, oben abgerundeter Felsenkopf, mit unersteiglichen Felsenwänden an der nördl. Kette des Alpsteins; höchst wichtig für Mineralogen. Rehtobel, Pfdf., am südwestl. Fuße des Kayen (3,310 F. Höhe)., nördl. von Trogen; viel Gewerbfleiß; Viehzucht. Reizende Aussicht von der Krähenhalde; an dem im W. fließenden Goldbach befindet sich die schauerliche Felsschlucht Kasterloch. Nächst 2 Mühlen, wovon die eine kräftige Mineralquellen besitzt. Rosenberg, Nagelfluhkuppe (2,612 F. üb. M.), l^St. von Herisau. Hier die Ruinen der Burg Rorschach, zerstört 1403 von den Appenzellern. Säntis, oder hohe Säntis; der höchste Berg des Landes <7,776 F. üb. M.), an welchem die verschiedenen Bergreihen des Alpsteins zusammen treffen, theilt sich in 2 Bergspitzen, wovon die höhere hoher Säntis, die tiefere, aber unersteigliche, Ghrenspitz heißt. Am füg- lichsten kann man den Säntis vom Weißbad aus in 6 bis 7 St. gefahrlos mit gutem Führer besteigen. Unbeschreiblich schöne weite Aussicht und auch reiche Ausbeute für den Mineralogen bietet sich auf diesem Gebirge. Schönengrund, Pfdf., am nördl. Fuße des hohen Ham> an der Straße nach Lichtensteig; Fabrikation in glattem Mousselin und Baum wollcntüchern, zählt 182 Ew. und 400 Weber. 300 Schwönberg, Dorf, zwischen beiden Armen der Glatt, mit fruchtbarem Boden; Obst- und Getreidebau. Mehrere alterthümliche Rests seines frühern Flors sind sehenswerth, u. a. findet sich im RathhauS eine Wanduhr vom I. 153t, die gut geht und seitdem keiner Reparation bedurfte. Schwägalp, größte und schönste Alp in Außerrhoden, am nördl. Fuß» des Säntis, die 21 Sennhütten und Sömmerung für 500 Kühe besitzt. Schwellbrunn, Pfdf., an der Quelle des Brüllbachs, im NW. von Herisau; gesunde reine Luft; Viehzucht; Fabrikation von Baumwollen- tnchern und Mousselin; 1 Armenhaus; Jahrmärkte. ^Seealp, idyllisches Alpeuthal, worin der kleine aber tiefe Seealp- See, aus welchem der Schwendibach fließt und in der dunkeln Kluft (Esel genannt) einen schönen Fall bildet. Speicher, Pfdf.. am Fuße von Vögeliseck, iSt. von St. Gallen und f^St. von Trogen, an der Landstraße; volkreich, gewerbfleißig und wohlhabend. Waisen- und Armenhaus; mehrere schöne Standpunkte; große Schlacht 1403. Stein, Pfdf. . auf erhöhtem Wiesengrunde, am östl. Fuße von Vö- gelinseck. Waisenhaus, Missionsgesellschaft; Viehzucht, Ackerbau, Baumwollen- und Seidenfabrikation blühen; in der Nähe das Störg- lerbad mit einfacher Einrichtung. Stoß, am, Kapelle und kl. Dorf, 24 St. im O. von GaiS, an der Str. nach Altstätten, mit reizender Aussicht. Hier schlugen 400 Ap- penzeller unter Graf Rudolf von Werdenberg den Herzog Friedrich von Oesterreich, am 17. Juni 1405. Teufen, Mktfl., 1 St. von St. Gallen, an der Str. nach Gais und Appenzell. Diel Wohlstand durch Neffeltuchfabrikation und Stickerei; Waisen - und Armenanstalt; Papiermühle und Badanstalt. Das Frauen- kloster Wonnestein nur St. entfernt. Trogen, Mktfl. und Hauptort von Außerrhoden (2,690 F. üb. M.), am nördl. Abhänge des Gäbris, in angenehmer wald- und wiesen- reicher Gegend. Versammlungsplatz der Landsgemeinde in geraden Jahren, und der Ort, wo peinliche Urtheile gefällt und vollzogen werden. Schöne Gebäude, vorzügliche Bibliotheken und Gemäldesammlungen; allerwärts lobenswerthes Bestreben für Volksbildung; bedeutende Kantonalschule; landwirthschaftliche Anstalt zur Schurtanne von I. C. Zeilweger; 2 BuchLruckereien, Spinnereien und Bad im Tobel, sehr heilsam bei Gliederkrankheiteu. Urnäsch, Pfdf. (2,550 F. üb. M.), 2St. im N. von Herisau, in schönem, fruchtbaren Thalgclände; vorzügliche Wiesen, Alpen und 261 Waldungen; »esonderS gute Viehzucht; Waisenhaus; Freischuls und eine Badanststt zur Wyden genannt, vortrefflich gegen Gliederkrankheiten, auch Mvlkenkureinrichtung. Urstein, Burgtrümmer (seit 1274), am l. U. der Urnäsch, in waldiger Gegend im O. von Herisau; beim Sprung ist die Schlucht der Urnäsch so enge, daß man sie überschreiten kann. Wald, Pfdf., s^St- östl. von Trogen, bietet schöne Aussicht und seltsam erquickende Luft. Nahrungszweige: Viehzucht und Mouffelin- fabrikation sammt Stickerei; Waisenhaus. Waldstadt (Wahlschaft), Pfdf.. an der Str. von Herisau ins Toggenburg uad nach Appenzell, in freundlichem quellenreichem Thal. Hier ein Bad mit 8 Quellen, vorzüglich bewährt gegen Lähmungen, Krumpfe :c. Walzenhauseu. Pfdf., im S. von Rheineck (2,040 F. üb. M.), bietet weit umfassende Aussicht. Nahrungszweige: Viehzucht, etwas Baumwollenfabrikation, Acker-, Wein- und Obstbau. In der Nähe eine frequeute Irrenanstalt. *Weißbad, Bad und Molkenkurort, in freundlicher Lage, am Fuße der Ebenalp, am Ausgang des Schwendithals, St. von Appenzell, wirkt heilsam gegen Flüsse und Gliederreißen. Auf den Kamor und Hohenkasten 24^ St.. auf den Säntis 6 St., zum Wildkirchlein 1(4 St., Fhw. nach Appenzell 24 St., nach Gais 2 St. ^Wildkirchlein, kl. Kapelle, (4,620 F. üb. M.), in der Hohle eines senkrechten Felsens, in dem noch mehrere Höhlen befindlich sind, durch deren beträchtlichste ein finsterer Pfad nach der Ebenalp führt. Bei einer andern Höhle, einst Einsiedelei, jetzt ein Gasthöflein; überall lohnt sich das mühsame Steigen durch reizende Fernsichten. Wolfshalden, Kirchgem. an der Gränze des Rheinthals; Gewerb- samkeit im höchsten Grade; Kornhandel; Getreide-, Wiesen-, Wein- und Obstbau; Brauereien; Pulvermühle und Waisenhaus. Jm J. 1405 wurde Herzog,Friedrich von Oesterreich, und 1445 die Schwaben von den Appenzellcpn hier geschlagen. Nahe die romantische Bergschlucht Schvnenbühl und ein Bad mit 5 Quellen, heilsam wirkend auf Hypochondrie und gegen Gliederkrankheiten. *Wonne»steia, Frauenkloster, unter innerrhvd. Kastenvogtei, aber in der Gemeinde Teufen liegend. Die jetzigen 23 Schwestern treiben Wirthschaft und leisten medizinische Hülfe bei kranken Kindern. Nahe dem Kloster bildet die Roth einen go Fuß hohen sehenswerthen Fall. 502 Kanton Ät. Gallen. ^in demokratischer Freistaat mit repräsentativer Verfassung; seit 1803 in der Eidgenossenschaft. Lage und Gränzen. Zwischen 46« 53' 30" bis 47° 30' Breite und 60 27' 30' bis 70 20' Länge gelegen, hat der Kanton seine größte Breite von 13 St. vom Kalfcuserthal im S- bis zur Mündung der Steinach in den Bodensee im N. und seine größte Länge von il St. zwischen Hörnt, im W. und dem Rhein im O. von Altstätten. Im N. gränzt er an den K. Thurgau und den Bodensee, im O. an Vorarlberg, Fürstenthum Lichtenstein und K. Graubünden, im S. an diesen Kanton, Glarus und Schwyz und im W. an die K. Thurgau, Zürich, Schwyz und Glarus. Areal und Bevölkerung. Auf 38,zHM. lebten nach der im Jahr 1836 aufgenommenen Zählung 158,853 Seelen, folglich kommen auf 1 sUM. beinahe 4,147 Bewohner. Klima. Im südl. Gebirge, imObertoggenburg und im nordwestl. Theile des Bezirkes Sargans ist es rauh, wie in Appenzell I. Rh., — längs dem Rhein, zwischen diesem und dem Wallensee und längs der Linth milde, aber nicht immer gesund, — im Untertoggenburg und den nördl. Gegenden wie im K. Zürich, — am lieblichsten und zuträglichsten aber am Bodensee. Natürliche Beschaffenheit der Oberfläche. Eine zu den Rheinalpen gehörige Hochgebirgsparthie liegt im S. an den Gränzen von Glarus zwischen Graubünden, dem Kalfeuserthal und dem Weißtannen- thal, die in ihrer Fortsetzung gegen See; und Wallensee zum Mittelgebirge wird; dahin gehört auch der Calanda. Die Kuhfirsten mit ihrer südöstl. Fortsetzung find ebenfalls Mittelgebirge, so wie die Aeste des Alpsteins. Die östl. Kette des Alpsteins, welche mit dem Kamor endet, bildet die Gränze gegen Appenzell. Die Kuhfirsten haben zwischen der Linth und Thür ihre Fortsetzung in den Toggenburger- Bergen, welche sich stark nach NW. senken und deren äußerster Endpunkt das Hörnst ist. — Mit Ausnahme der Ebene längs dem Rheins, die wie jene längs der Linth zwischen dem Zürcher- und Wallensee viele moosige Stellen enthält, und jener Ebene zwischen Rhein und Wallensee, ist alles übrige Land ein bunt durcheinandergeworfenes Hügelterrain, zur großen Hochebene gehörend. Die bedeutendsten Thäler sind Tvggen- hurg^und jene Ebenen. Gewisser. An Seen berühren diesen Kanton: der Boden-, Zürcher- und Wallenstattersee. welche in der Einleitung näher beschrieben sind; anderer kleiner Seen wird an den betreffenden Orten Erwähnung geschehen. — An Flüssen: der Rhein, der ebenfalls im Eingang beschrieben ist; ferner die Thür, Linth (stehe Einleitung). Tamina, Seez, Sarn, Ionen, Goldach, Seeren- und Baierbach, Fahl- und Freienbach und die Aach, deren ebenfalls in der Ortsbeschreibung Meldung gethan werden wird. Boden und Produkte. Jener ist je nach der verschiedenen Höhe auch sehr verschieden. In der südl. Gegend, an der Gränze von Gla- rus, ist er nur für Viehzucht und Alpenwirthschaft tauglich, so auch in den oben bezeichneten Mittelgebirgen und im Obertoggenburg; in allen übrigen Theilen des Landes ist der Ackerbau allgemein verbreitet; fruchtbar sind die Ebenen zwischen dem Rhein und Zürchersee, das Thal des Rheins von der Gränze GraubündenS bis zum Bodensee und das Gestade des letzter»; im Gaster und um Sargans wächst auch Türkenkorn; die übrigen Produkte weichen von denen Zürichs und Appenzells nicht wesentlich ab. Im Hochgebirge kommen Gemsen, Lämmergeier, Uhu, hie und da Bären und selbst Luchse vor. Das schönste Rindvieh findet man längs der Linth und am obern Zürchersee, Pferde sind stark und dauerhaft und von ansehnlichem Schlage um Sargans. Der vielen Alpen und guten Weiden wegen ist Viehzucht Hauptnahrungsquelle, fast nicht minder der Ackerbau, der Obstbau ist allgemein und mit Sorgfalt und Glück der Weinbau betrieben, besonders im Rhein- thale. Die Fischerei ist auf Seen und in Flüssen nicht unbedeutend und die Zagd reichhaltiger als in Appenzell. Die Waldungen sind beträchtlich und besser administrirt als im letzter» Kanton, mit welchem es auch gleiche Mineralien, aber den Vorzug brauchbarer Schieferkohlen und vortrefflicher Eisenerze hat; Bergbau besteht aber nicht. — Unter vielen Mineralquellen ist die von Pfäffers die ausgezeichnetste. Industrie und Handel. Beide sind ausgedehnt und blühend. St. Gallen ist der Hauptsitz der Mousselinweberei und Stickerei, welche sich sehr vervollkommnet hat. Die mechanische Baumwollenfabrikativn nimmt zu, während die Baumwollenspinnerei von Hand, das Weben von Barchent, Flor rc. aufgehört haben; die Spinnereien haben über 88,000 Spindeln. Außerdem gibt es verschiedene Schnellbleichen, Türkischroth- färbereien, Zeugsengereien, eine Flachsspinnerei, Fabriken in Tuch und Halbseidenzeug, eine mechanische Schnellwcberei in Rheineck. Im Zahr 1823 kamen 03,000 Stück, 1828 aber 124,000 Stück Baumwollen - und Leinentücher in die Walke; die Spinnerei in Buchenthal hat 160 304 in St. Georgen 130, in Lichtensieig und Spreitenbach jede 70 bis 80 Arbeiter !i. Den Handel befördern die großen Handelsstraßen nach Deutschland, Italien und die westl. Schweiz, und die Seen. Rorschach ist der größte Getreidemarkt in der Schweiz. Die Ein- und Ausfuhr bestehen in den gleichen Artikeln, wie im K. Zürich; man soll an 3,000 Ochsenhäute und 2,000 Ziegenfelle jährlich aus - und dagegen fremdes Leder einführen; dazu kommen noch Schieferkohlen und kostbare gestickte Mouffeline. Etntheilung und Verfassung. Der Kanton theilt stch in 15 Bezirke: St. Gallen. Tablat, Rorschach, Unterrheinthal, Oberrheinthal, Werdenberg, Sargans, Güster, Seebezirk, Ober-, Neu-, Alt- und Untertoggenburg, Weil, Goffau. Allgemeine Grundsätze der Verfassung: wie im K. Bern; das Volk ist souverän und übt sein Veto aus. Die freie Ausübung des reformirten und katholischen Gottesdienstes ist gewährleistet, so auch das Recht der Eingehung gemischter Ehen. Zeder Kantonsbürger ist bei seiner Gewerbstreibung außerhalb seines heimathlichen Wohn - und Nie- derlassungsortes jederzeit den allgemeinen und örtlichen Polizeiverord- nungen unterworfen; ob und wie weit es denjenigen erlaubt sei, ein Gewerbe zu treiben, welche ohne gesetzliche Niederlassung stch im Kanton aufhalten, bestimmt das Gesetz im Sinne möglichster Beförderung des wahren GewerbsfleißeS und, so viel zulässig, des Gegenrechtes. Die Beamtungen, welche durch unmittelbare Wahlen auf Jemanden fallen, muß er für ein Amt und eine Amtsdauer annehmen (Amtsstellen in den Gemeinden müssen aber in jedem Falle, selbst bei Bekleidung ande- rer Aemter für eine Amtsdauer übernommen werden); das koste Jahr macht von dieser Verpflichtung frei. Jede Religionsparthei besorgt gesondert, unter höherer Aufficht und Sanktion des Staates, ihre kirchlichen und Erziehungsangelegenheiten. Gemeindsbürgerrecht ohne Kantonsbürgerrecht ist ohne rechtliche Folge; Ausländer können letzteres nur dann erlangen, wenn sie gänzlich aus dem frühern Staatenverbande getreten sind. Das Kantons- und Gemeindsbürgerrecht verliert, wer mit Beurkundung seiner anderwärtigen Aufnahme darauf verzichtet, und wer, abwesend, es in einer gewissen Frist nicht erneuert; der Verlust trifft aber nicht die Kinder, welche vor der Verzichtleistung oder Verjährung schon erzeugt waren. Um die Politischen Rechte auszuüben, muß man 2t Jahr alt und ehrenhaft sein wie im K. Zürich oder Bern, Ausnahmen davon wie dort und erwiesen sittenlose Bürger. Stimm fähig in den Gemeindsversammlungen sind alle jene Ortsbürger und r Theilhaber am Gemeindegul, welche m der Gemeinde selbst wohnen und die zur Ausübung politischer Rechte erforderlichen Eigenschaften haben. Die Bürger üben die ihnen gebührende» Wahlrechte, insofern sie nicht auf bloße Gemeindswehlen Bezug haben, in den Bezirksgemeinden aus. Der Große Rath von 150Mitglieder» wird unmittelbar von den Bezirksgemeinden, mit Beobachtung der Parität, erwählt (auf St. Gallen kommen 15 , wovon 3 nicht Gemeindsbürger und von diesen einer wenigstens Katholik sein sollt; er versammelt sich ordentlicher Weise am ersten Montag im Brachmonat und am zweiten Montag im Winter- t monat, — außerordentlich wenn der Präsident es für nöthig hält, wenn l 30 Mitglieder es verlangen und so oft der Kleine Rath es für nöthig erachtet. Seine Funktionen sind die des Großen Rathes des K. Zürich; er erwählt aus seiner Mitte den Präsidenten, der aber nicht Mitglied des Kleinen Rathes sein darf, und ernennt den Staatsschreiber, Kan- tvnskassier und das Verhörrichteramt. Der Kleine Rath von 7 Mitgliedern übt die vollziehende Gewalt , aus; seine Funktionen sind die des Regierungsrathes im K. Zürich; I er wird von. Großen Rath aus seiner Mitte gewählt, so auch sein Prä- ' sident, Landammann genannt. - In jedem Bezirke vertritt ein Bezirksamman» den Kleinen Rath; in jeder Gemeinde ist ein Gemeinderath von wenigstens 5, höchstens 15 Mitgliedern, der Vorsteher, der Ammann heißt, mit inbegriffen, er ist örtliche Vvllziehungs-, Polizei- und Verwaltungsbehörde, insofern er zugleich Derwaltungsrath ist. Jede Pfarrei, Gemeinde oder Genossenschaft, welche ein besonderes Eigenthum besitzt, stellt dieses unter einen Verwaltungsrath von beliebiger Anzahl Mitglieder. Die höchste richterliche Behörde ist das Kantonsgericht von 11 Mitgliedern und 6 Suppleanten; zu einem gütigen Urtheile müssen wenigstens 9, und bei einem Tvdesurtheile alle Mitglieder gegenwärtig sein. Die kriminellen Rechtsfälle behandelt in erster Instanz ein Kriminalgericht von 5 Mitgliedern und 4 Suppleanten; zu einem Urtheile muß das Gericht vollzählig sein. In jedem Bezirke ist ein Bezirksgericht von 7 Mitgliedern und ^ 4 Suppleanten, zur Behandlung der bürgerlichen und korrektionellen j Rechtsfälle; es spricht in erster Instanz über Fälle ab, welche die Cvm- s petenz der Untergerichte übersteigen und in letzter Instanz über jene, , welche von den Untergerichten an dasselbe gelangen; es ist auch die erste Instanz für administrative Streitigkeiten. Je nach seiner Größe hat auch jeder Bezirk ein Unlsrgericht von 5 Mitgliedern und 3 Suppleanten; es spricht ohne Appellation über alle streitigen Gegenstände unter dem Werthe von 4» fl. uns in erster Instanz über solche, wo dieser nicht über 40» fl. steigt. Bezirks- und Untergerichte dürfen nur in vollzähliger Versammlung Urtheile fällen. Für letztinstanzlich abgesprochene Fälle, wo über Verletzung gesetzlicher Formen oder eines bestehenden Gesetzes geklagt wird. -st eine Kassa; tionsbehvrde von ü Mitgliedern und 2 Suppleanten aufgestellt. — Jede politische Gemeinde hat einen Vermittler für bürgerliche und administrative Rechtsfälle. In jedem Militärbezirk wird ein Militärgericht aufgestellt für geringe Militärvergehen in erster und letzter, über Verbrechen aber als erste Instanz. Das Bezirksmilitärgericht besteht aus 7 Mitgliedern (Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten) riebst 3 Suppleanten. Für schwere Vergehen besteht ein Kantonsmilsstgxgericht von S Mitgliedern (Offizieren, Unteroffizieren und Soldaten) und 4 Suppleanten nebst 1 Berichterstatter. Kantons-, Kriminalgericht und Kassationshvf werden vom Großen Rath aus allen wahlfähigen Bürgern ernannt, so auch deren Präsidenten. Den Bezirksammann wählt die Bezirksgemeinde frei aus den wahlfähigen Bewohnern des Bezirks, so wie auch die Mitglieder der Bezirks- und Untergerichte; beide wählen mit Zuziehung der Suppleanten selbst ihre Präsidenten. Gemeinderäthe und ihre Ammän- „er, so auch der Vermittler, werden von den stimmfähigen Bürgern jeder politischen Gemeinde, die Derwaltungsräthe durch die stimmfähigen Bürger an den Genvffenversammlungen erwählt. Das Bezirks- Militärgericht wird von der militärpflichtigen Mannschaft des Bezirks, das Kantons-Militärgericht aber vom Großen Rath ernannt. Die Amtsdauer eines Mitgliedes des Großen Rathes ist 2, des Kleinen Rathes 4, des Kantons- und Kriminalgerichts und des Kassationshofes 6, des Bezirks- und der Untergerichte 4, des Kantons- und Bezirks-Militärgerichtes 2, eines Bezirksammanns 2, eines Gemeind- und Verwaltuugsrathes 2, eines Vermittlers 1 Jahr; die Amtsdauer eines Präsidenten des Großen Rathes geht von einer ordentlichen Versammlung zur andern und ist der Abtretende für die zwei nächsten nicht wieder wählbar; dieses ist auch der Fall bei dem Landammann, dessen Amtsdauer 6 Monate ist. Die Mitglieder des Großen und Kleinen Rathes, dieBezirksammänner, die Mitglieder der Gemeind- und Orts-, so wie auch der richterlichen Behörde» treten nach Ablauf ihrer Amts- Lauer ab, sind aber wieder wählbar. 367 Um in die Behörden gewählt zu werden, muß man stimmfähig und für Kleiurath, Kantonsgericht und Kaffationshvf 30 Zahr, für alle übrigen Aemter 25 Jadr alt sein. (Ausländer werden erst 5 Jahre nach Erlangung des Bürgerrechts wählbar.) Im Kleinen Rathe, Kantons-, Bezirks- und Untergerichte, Kaffations- und Militärbehörde dürfen nicht gleichzeitig sitzen: Vaier und Sohn, Großvater und Enkel, Brüder, Oheim und Neffe, Geschwisterkinder, wirkliche Schwäher und Tochtermann; — in Gemeind- und Derwaltungsräthen: Vater und Sohn, Großvater und Enkel, Brüder, wirkliche Schwäher und Tochtermann, wirkliche Schwä- ger; — in genannten Dikasterien können Vater und Sohn, 2 Brüder, Oheim und Neffe, wirkliche Schwäher und Tochtermann, wirkliche Schwäger nicht zugleich Präsident und Schreiber sein. — Gesetze treten 45 Tage nach ihrer Erlaffung in Kraft, sobald innerhalb dieser Zeit die Anerkennung nicht verweigert wird; sobald 50 Bürger einer politischen Gemeinde es verlangen, muß eine Gemeindeversammlung gehalten werden, ob das Gesetz angenommen oder verworfen werden soll; neigt sich die Mehrheit für den ersten Fall, so ist das Gesetz von ihr anerkannt, im letzten, Falle muß der Gcmeindammann aus dem Protokoll dem Bezirksammann und dieser dem Kleinen Rath Anzeige machen. Revision der Verfassung (seit dem i. März 1831) kann nach 6 Jahren stattfinden, wenn sich die Mehrheit der Bürger an den politischen Gemeinden dafür ausspricht. Finanz-Etat. Die Ausgaben betrugen 1835: 320,724 sl. und die Einnahmen 346,003 fl. Ortsbeschreibung. Aach, die, entspringt am östl. Fuße des Hirschberges und fließt durch die Rheinebene unterhalb Au in den Rhein. Alt St. Johann, Pfdf., im Ober-Toggenburg, in angenehmem Thale, am r. U. der Thür; das ehemalige Benediktinerkloster (gestiftet im Uten Jahrh.) dient zur Pfarrwohnung; bedeutende Viehzucht; eine Wollentuchfabrik und etwas Seidenspinnen; 3 Jahrmärkte. Altstätten, kl. Stadt in schönem und fruchtbarem Gelände im Rhein- thale an einem Bache gelegen, von Weinbergen, Obstbäumen und Aeckern umgeben; in 420 Häusern gegen 2,000 Ew. In der Nähe das Nonnenkloster Mariahilf und auf dem Forst eine Kapelle mit schöner Aussicht. Bedeutende Handels- und Gewerbsthätigkeit; eine Mousselinfabrik; Waarendurchfuhr; 3 besuchte Jahrmärkte; 1 Bibliothek; ^St. das Bleiche-Bad mit schwefelhaltigem Wasser gegen 5«U Rheumatismus, Arthritis, Gliedergeschwulst rc.; gut eingerichtet und Gelegenheit zur Molkenkur. Geburtsort des Baumeisters Haltiner. Altstätten, Hoch-, Neu- und Alt-; Ruinen von Burgen in der Nähe von Altstätten; jene lag hoch auf dem Kronberg; diese standen auf dem Wammesberg. Ammon (Amben), zerstreutes PfLf. am Bache gl. N., der in einem Wasserfalle in den Wallensee stürzt; schöne Aussicht. Viehzucht und etwas Landbau; Salpetersiederei. In der Nähe die Ruinen von Strahleck. And- oder Anwyl, Pfdf., am Abhänge des Tannenberges; schöne Kirche; einige Burgtrümmer. Anna, St., oder Rorschacher-Schloß, große, vormals feste, jetzt zerfallene Burg am Berggclände oberhalb Marienberg, bei Rorschach, mit vortrefflicher Aussicht; Stammsitz der Ekeln von Ramschwag. - Astrakäsera (Astenkaiseren), Alpe am Berge gl. N.. soll ihren Namen von einem an ihrem Fuße gestandenen römischen Lager («astr» esss.n'ea) haben, was aufgefundene Waffen zu bestätigen scheinen. Azmoos, Pfdf., in fruchtbarer Ebene, unfern des Rheins; gute Schul- anstalten. 1709 schlugen die Franzosen in der Nähe dei Trübbach eine Schiffbrücke über den Rhein und drangen, nach Einnahme deS St. Luziensteiges, in Graubünden ein. Auf dem Walzer- und Gon- zenberg früher ergiebige Eisenbergwerke. Au, Pfdf., am l. U. der Aach, die hier mit dem Fahlbach vereint in den Rhein fließt, auf der Straße nach Altstädten; leidet zuweilen durch Ueberschwemmungen; Acker- und Weinbau. Die kaum bemerkbaren Reste der Burg Zwingenstein liegen auf einem nahen Weinhügel und gehören zu Axpenzell I. Rh. Baierbach, schöner 180 Fuß hoher Wasserfall, zwischen Quinten und Wesen, am Wallensee, nach seinem Sturze vereinigt er sich mit dem Serenbach, der wie ein Silberband 600 Fuß an den Felsen des Ammonberges herabgleitet, und strömt Lurch eine finstere romantische Schlucht in den See. Balfries, Berg in der Fortsetzung der Kuhfirsten, dessen Gewässer der Seez zufließen, nachdem sie vorher einen schönen Wasserfall gebildet. Auf demselben ist eine reiche, noch unbenutzte Schwefelquelle. Balgach, Pfdf., an der Straße von Rheineck nach Altstätten, imRhein- thale; Weinbau. Sein besuchtes Bad enthält Eisen und Schwefel und dient bei äußern Krankheiten; es liegt auf moosigem Boden unfern der Aach. Oberhalb erhebt sich auf weinreichem Hügel das Schloß Grünenstein. 36 !» Benken, zerstreutes Pfdf.. am Fuße deS Oberbuchberges, in der Niederung der Linth. Gute Wiesen und Waldungen; Ackerbau und Vieh - besonders Pferdezucht. Das auf einem Hügel gelegene Kloster aus dem achten Jahrh, ging im neuten Jahrh, wieder ein. Auf der Höhe liegen die Ruinen des alten Schlosses Wandelburg. Berneck oder Bernang. Pfdf., am Fahlberg bei Rheineck; guter Wein; Spinnerei, Strickerei; i Papiermühle; Jahrmärkte. Oberhalb liegt auf einem Felsen das Schloß Rosenberg mit vortrefflichem Weinbau. Bern eck, eine aussichtsreiche Hohe bei St. Gallen, auf welcher Abt Eckhard vvn Reichenau 108t eine Feste erbaute, um dadurch die Stadt zu beherrschen: ;die Bürger eroberten und schleiften sie aber im gleichen Jahre; Gebüsche und Tannen bezeichnen noch ihre Stelle. Bernhardszell, Pfdf., an der Eitler, nordwestl. von St. Gallen. Sorgfältiger Feld - und Obstbau. Biberlikopf, einFelsvorsprung des Schänniserberges gegen dieLinth- Niederung, nahe der Ziegelbrücke auf der Straße von Utznach nach Wesen, ein starkes Defilee. Schöne Fernsicht und gute Uebersicht der Entsumpfung der Linth. Denkmal Eschers von der Linth. Bildhaus, Häusergruppe auf der Straße von Lichtensteig nach Utznach; schöne Aussicht. Blatten, malerische Ruinen einer Burg auf einem Hügel südl. von Altstätten, mit schöner Aussicht; unter denselben liegt die Kapelle des heil. Fridolin; besuchte Fähre über den Rhein. Bömmelstein, Burgruine an der Reibscheibe und am Wallensee. Bollingen (Bolzen), Dorf, am obern Zürchersee. Schon im achten Jahrhundert hatte das Kloster Reichenau eine Zelle, die später in ein Kloster verwandelt, bald darauf dem nahen Wurmsbach einverleibt wurde. Grauer Sandsteinbruch. Bruggen, Pfdf., i St. von St. Gallen, auf der Straße nach Zürich unfern der Sitter, über welche die schöne Krätzerenbrücke führt; sie ist 590 Fuß lang, 27 Fuß breit und 85 Fuß über dem Wasserspiegel. Nahe dabei das kleine Dorf Krätzeren mit einer Papiermühle. Brunnadern, Pfdf., am Necker, in hügeliger Gegend bei Lichtensteig. Baumwollen- und Mousselinfabrikation, mehrere Spinnmaschinen, t Bleiche; Viehzucht. Buchberg, Dorf, auf einer Anhöhe bei Rheineck; auf dem wein- reichen Buchberg ist beim steinernen Tische eine vortreffliche Aussicht. Verfallener Stammsitz der Edel» von Buchenstein. Landsitz Greifenstein. 24 370 Buchs, Pfdf., unfern von Werdenberg und des Rheins, gegen dessen Überschwemmungen selbst kostbare Dämme nicht immer schützen. Acker- und etwas Weinbau. Büren, Nieder-, Pfdf., 3 St. von St. Gallen, nahe an derThur, die oft durch Ueberschwemmungen schadet. Viehzucht, Ackerbau und etwas Fabrikation. Büren, Ober-, Pfdf., 4 St. von St. Gallen, auf der Straße nach Zürich, am Zusammenfluß der Thür und Glatt, die oft durch Ueber- schwemmungen schaden. Schloß, eine mechanische Spinnerei in der nahen Buchmühle. Bedeckte Brücke über die Thür. Burg, früher Wal deck, altes Schloß, ^St. von St. Gallen, mit einer Kapelle. Burg, die, kleines Dorf im Obertoggenburg, an der Thür, mit den Trümmern des Schlosses Starkenstein, von welchem das Dorf Brei- tenau jetzt Stein genannt wird. Burg, die, ehemaliger Edelsttz, jetzt Landgut, auf einem Rebhügel bei Marbach im Rheinthale. Burg, auf der, eine Anhöhe nahe oberhalb Rheineck, mit den Resten eines alten Thurmes und einer herrlichen Aussicht. Burg, Dorf, an der Aa, nordwestl. von Utznach, mit den auf einem Felsen liegenden Ruinen der alten Burg Castels. Däger- oder Degersheim, Tägerschen (Tägerasca), Pfdf. im Untertoggenburg, in hügeliger Gegend. Fabrikation in Baumwolle. Dieboldsau, Pfdf., auf Sumpfboden zwischen Rhein und Aach, auf der Straße von Rheineck nach Sargans; leidet zuweilen vom aus- tretenden Rhein. Ackerbau, Pferdezucht und Schifffahrt; Spinnen und Stricken. Dietschwyl, Dorf, Ackerbau, Viehzucht und Fabrikation; Ruinen der Burg Sterneck. Dettenwyl, Landsttz auf einem Hügel, St. von St. Gallen, mit herrlicher Aussicht. Ehemalige Kuranstalt. Ebnat Pfdf., im Obertoggenburg, an der Thür; fruchtbar und schön gelegen. Eine Buchdruckerei; blühender Handel und Bamwollen- fabrikation; eine Baumwollenspinnerei. Schöne Aussichtspunkte auf dem Regelstein und Hüttenbühl. Engelbürg, Pfdf., unfern der Sitker; die Pfarrkirche steht auf dem Bergrücken hohe Tanne mit schöner Aussicht. Ennat- oder Ennetbühl, Pfdf., im Obertoggenburg, im Thäte des Luternbaches; viel Holz und kräuterreiches Berggelände, St. im Osten befindet sich auf weiter Wiese, zum Ried, ein Bad, dessen 371 Waffer Schwefel und viel Eise» hält und zum Trinken und Baden benutzt wird. Ruinen einer Burg. Ermetswyl, Dorf, an der Straße von Rapperswyl in's Toggenburg. Dieser Ort heißt in alten Urkunden Gebartingen. Auf einer romantischen, von Waldungen umgebenen Wiese liegt ein gutes und billiges Schwefelbad. Etsch- eigentlich Aebtisberg (,VI,.,liU,nrx„m), Hof am Tannenberg; Ruinen der Burg der Edeln von Anweil. 13 Fuß dicke Mauern. Falkenstein, Ruinen einer im Appenzellerkriege zerstörten Burg an der Goldach. Felsbrücke, die, oder der Sprung, oberhalb Krummenau, im Obertoggenburg; von einem mit Tannen bewachsenen Felsen gebildet, unter welchem die Thür brausend durchstießt. Fiden, St., Pfdf., <-4 St. von St. Gallen, auf der Straße nachRor- schach. Die Gegend heißt im Tablat. Flawyl, Pfdf., auf der Straße von St. Gallen nach Wyl, unfern der Glatt. Starke Mouffelin- und Baumwollenfabrikation. Flums, Pfdf., i St. von Wallenstadt, an der Seez, die hier den Schilzbach aufnimmt. Sehenswerth stnd das Rathhaus und die Pfarrkirche mit den Grabmälern der Tschudi von Greplang, die hier ein Schloß hatten. Das Flumsereisen, aus den Erzgruben am Ganzen war einst sehr geschätzt. Wein-, Getreide- und Futterbau, Holz- und Pferdehandel. Starke Viehzucht. Schon 766 wird dieses Ortes im Testamente des Bischofs Tello von Chur erwähnt. Forsteck, Schloß zwischen Sennwald und Salez, auf einem 35 Fuß hohen Felsen in einem Forst; von dem im Jahr 1200 erbauten Gebäude steht nur noch der Thurm mit außerordentlich dicken Mauern und schöner Aussicht; Im Walde nach Sar stnd Schwefelquellen. Freudenberg, Wthsh., ^ St. von St. Gallen, auf dem Kreuzberge, mit entzückender Aussicht. Freudenberg, Thurm und Ruine der 1437 von den Zürcher,, zerstörten Burg gl. N. bei Ragaz, mit schöner Aussicht. Frischenberg, Burgruine in der Nähe der Schloßtrümmer vonHohen- sax; beide Schlösser wurden 1405 von den Appenzellern zerstört. Gaiserwald, zerstreutes Pfarrdorf auf dem Gaiserwald oder ToniS- berg, i St. von St. Gallen. Die Pfarrkirche steht in St. Joseph unfern der Sitter. Holzhandel und Flachsbau. In der Nähe der schöne Landsitz Felde. Gallen, St., Bezirk, besteht aus der Hauptstadt und ihren Vorstädten, mit Ausnahme des ehemaligen Stifteinfanges. 372 Gallen, St,, Bisthum seit 1822, begreift 150 Pfarreien, 180 Ka- planeien, 11 MamiS- und 19 Frauenklöster, mit etwa i85,v00Ew.; sein Domkapitel zahlt 7 Residentiales und 8 ForenseS, nebst einer unbestimmten Anzahl Domkapläne. Galle», St., Hauptstadt des Kantons, unter 47035- 49-- Breite und 7° 2' 19" Länge, größtentheils am r. U. der Steinach gelegen. Inner und außer den Mauern zählt sie über 660 Häuser und mehr als lO.OOV Ew. Sehenswerth ist die ehemalige Abteikirche, jetzige Cathedrale fi735 ganz neu aufgeführt, mit schönen Freskomalereien von Moreto. einem Gemälde (die Anbetung) übendem Hauptchor und schöner Orgel^, die nahe liegende Pfalz (ehemaliges Kloster) mit der bischöflichen Residenz, dem Seminar, katholischen Ly- zäum und Gymnasium, Regierungssitz und Kantonsarchiv,—Las Kantonszeughaus, das neue Waisenhaus außer der Stadt, die reformirten Kirchen St. Mangen und St. Laurenz, dasGemeind- haus am Marktplatz für die Niederlage von Jndustrieartikeln mit einem Naturalienkabinet, das Casino. Anstalten und Vereine: die katholische Kantonsschule, das reformirte Gymnasium, die Waisenhausschule, theologische Anstalt, literarische, Hülfs-, naturwissenschaftliche, landwirthschaftliche, Bibel- und industrielle Gesellschaft, das Bibliothekkollegium, der wissenschaftliche Verein, das Bürgerspital, 2 Krankenhäuser, eine Irrenanstalt, Musik-, Casino-, gemeinnützige und Predigergesellschaft, Künstlervereine, Freimaurerloge zur Eintracht. Sammlungen: Stiftsbibliothek mit vielen Handschriften, vadianische oder Stadtbibliothek mit Handschriften, einer Münzsammlung, Büsten ic., — Bibliothek der litterarischen Gesellschaft. — Gemälde- und Kupferstichsammlung von H. v. Gonzenbach, — Natu- ralienkabinete von vr. Zollikofer und Dr. Zyli. — Industrie und Handel: 3 Buchdruckereien, einige Lithographien, 2 Buchhandlungen, 1 Kunsthandlung. — St. Gallen ist in der Schweiz der Mittel-, punkt der Fabrikation und des Handels in Mouffelin, die hier mit den kostbarsten Stickereien in Gold und Silber versehen werden, wogegen andere zum Weißsticken bestimmt, Hände in den Bergen Schwabens, Vorarlbergs und Appenzells beschäftigen; es gibt mehrere Baumwollenfabriken und englische Spinnmaschinen, viele Bleichen. Schon im izten Jahrhundert wurde viele Leinwand gewebt, beson-j ders als nach dem Concilium von Konstanz siele Fabrikanten von dort sich hier niederließen, jedoch hat die Leinwcndfabrikation ab - und die Baumwollenproduktion zugenommen; die diesige Leinwand heißt Konstanzer, Sangaletten führen von St. Gallen den Namen, werden; aber von Böhmen eingeführt und hier gebleicht und zugerichtet; Halstücher und Shawls sind ausgezeichnet und gesucht. Auch die Bereitung von Fellen ist bedeutend, ausgebreitet der Handel mit Zeugwaaren und ansehnlich das Wechselgeschäft; die neuerrichteke Bank steht bereits in gutem Kredit. — St. Gallen entstand nach nnd nach aus den Ansiedelungen um die Abtei; bald begannen die Streitigkeiten zwischen dieser und der neuen Stadt, die oft blutige Kämpfe nach sich zogen und erst mit Aufhebung der Abtei 1805 erloschen. Diese Abtei, Benediktinervrdens, gestiftet zwischen 690 und 700, erhob sich zur berühmtesten Gelehrten-Pslanzschule in Europa. Auch die Stadt St. Gallen brachte einige berühmte Männer hervor, unter denen wir Ulrich Barnbühler als Feldhauptmann, Joach. von Watt (Vakian) als vielseitigen Gelehrten und Reformator, Joh. Keßler als Beförderer der Reformation und Dichter, I. G. Zollikofer als Theologen und ausgezeichneten Kanzelredner anführen. — Es fehlt nicht an schönen Standpunkten und Excursionen, ebensowenig an guten Gasthäusern: wie Hecht, Rößli, Löwe, Hirsch, Ochse. Galle nkappel. St., Pfdf-, auf der Straße von Lichtensteig nach Rap- perswyl. Viehzucht und etwas Getreidebau; fette, obstreiche Wiesen. Erdschlipf 1816. Gambs (Gams), Pfdf., am Fuße des Gambserberges, mit einer Kirche auf einer Anhöhe. Landbau und Viehzucht. Im W. das Schwefelbad Gempelen, reichhaltig und für äußere und innere Krankheiten gut; billig und von Landleuten besucht. Gaster (wahrscheinlich von 6»str» lili^Ue» herstammend), Bezirk und Landschaft am Linthkanal und Wallensee, mit schönen Waldungen, Wiesen und Alpen, aber auch Sumpfboden. Viehzucht (große Rare), Getreide- und Obstbau; etwas Schifffahrt und Fabrikation in Baumwolle. — Zu dem Bezirke gehören: Wesen, Ammon, Benken, Schän- nis, Kaltbrunn und Rieden mit mehr als 7,000 Ew. Gauen (Gaumen), Pfdf., am Fuße des aussichtreichenHüttenbühls, an der Straße von Lichtensteig nach Utznach; anmuthig in fruchtbarem Obst- und Wiesengelände. Georgen, St., Pfdf., St- von St. Gallen an der Steinach, in einem kleinen Bergthals, das sich nach St. Gallen hin in eine Kluft verengt. Das Benediktiner-Nonnenkloster wurde 1834 Aufgehoben. Aufwärts, im sogenannten Philosophenthale, liegt ein kleiner künstlicher See, der alle Zuflüsse der Steinach sammelt und alle Wasserwerke bis zum Bvdensee und die Stadtbleichen bei der trockensten Witterung reichlich mit Wasser versieht. 374 Glattburg, einst Bergschloß und seit 1782 Nonnen-Prämonstratenser- kloster. GvlLach, Ober- und Unter-, 2 Dörfer und Pfarrgsmeinde, 1)4 St. von St. Gallen, an der Goldach, an welcher eine große Spinnerei liegt. Weinbau. Goldingen, zerstreutes Pfdf. am Bache und im Thäte gl. N. Das Thal läuft etwas moosig in die Niederung des obern Zürichsee aus. Der Bergsturz von 1819 verschüttete Kirche, mehrere Häuser und 9 Menschen. 2» einer Höhle am Chamberg soll man goldführende Erze finden, daher der Name. Gonzenbach, Dorf, am Einfluß des Baches gl. N. in die Thür, auf der Straße nach Wyl; ein Kupferhammer. Gonzenberg, 5,909 Fuß hoch. Gegen den Schvllberg hin hat er die reichsten und vortrefflichsten Eisenminen der Schweiz, die früher ausgebeutet wurden und das geschätzte Flumsereisen lieferten. Seit 1787 hörte der Bau auf. Gossau, Bezirk, theils eben, theils hügelig; Obst-, Getreide- und Wiesenbau, viele Waldungen, guter Hanf- und Flachsbau. Landbau und Viehzucht sind Hauptgewerbe der über 8,000 Seele» starken Be- völkerung in den 5 Gemeinden: Gossau, Andweil, Waldkirch, Gaiser- wald und Straubenzell. Gossau, Pfdf., an einem Bache an der gr. Str. nach Zürich, in einer Niederung; schöne Kirche, I Indisnnefabrik, Jahrmärkte; Landwirthschaft und Flachsbau. 1427 wurden hier die Apponzeller vom Grafen Friedrich von Tvggenburg geschlagen. Grabs, Pfdf., nahe am Werdenberg; 2 Hammerschmieden; Viehzucht (besonders Pferde) und Ackerbau. Gegen den Rhein moosig; 2 starkbesuchte Jahrmärkte. Graue Hörner, Gebirgspartie zwischen Geez und Tamina, mit kleinen Gletschern und Seen (der schauerliche Wildsee); der höchste Gipfel 8,760 Fuß. Zn dem Theile Monteluna befindet sich das Drachenloch, eine Felshöhle, 14 Fuß breit, 20 hoch und 30 lang; sie ist schwer zu ersteigen und man gelangt auS derselben in große Felsgewölbe, worin Krystalle gefunden werden. Greplang lang»), ein Schloß in Trümmern, auf einem Fel- senvorsprung im S. von Wallenstadt; war schon zu Römerzeiten und später von der Glarnerfamilie Tschudi beoohnt. Grimmenstein, Ruinen eines ehemals starken Bergschlosses bei Rheineck; schöne Aussicht; 1405 von den Appmzellern zerstört, wurde es ^ zwar wieder aufgebaut, aber auch schon 1116 von den Kvnstanzern in ^ Trümmer gelegt. Am Fuße der Landsitz Vorburg. 1 376 Grub, kath., zerstreutes Pfdf, bei Rorschach; fruchtbares Berggelände L. zwischen dem waldigen Kayen und dem ansstchtreichen Rvßbühel. K Schöne Wälder. ^ Grünenstein, Schloß, imRheinthale, auf einem Rebhügel; seit 1776 i neuerbaut; am Fuße ein Bad. ! Häggenswyl, Pfdf., in der Nähe der Sitter; Landbau und Viehzucht. Nahe die Ruinen von Ramschwag. ^ Hänau oder Hennau, Pfdf., am r. U. der Thür, fruchtbar, obstreich, j ansehnlicher Flachs-, Hanf-, Oel- und Getreidebau; Viehzucht und etwas Fabrikation. In der Nähe liegt die Wotlentuchfabrik Gupfen. Helfenswyt, Nieder-, Pfdf., unfern dem l. U. derThur. Landbau, Vieh- besonders Pferdezucht. Wurde im Appenzellerkriege verbrannt. Helfenswyt, Ober-, zerstreutes Pfdf., im Untertoggenburg im Necker- thale; Landbau und Viehzucht; Fabrikation. Hcmbekg, Pfdf., auf dem Berge gl.N.; Fabrikation und Viehzucht. Hirschensprung, der, kl. Dorf, auf der Straße von Altstätten nach Gargans, die sich hier durch eine Felsenkluft zieht, zu Ende des Zah- . res 1837 aber durch einen Felsensturz verschüttet wurde. Bei der Sprengung dieser neuen Straße 1824 wurden hier fossile Knochen von Steinböcken, Bärenrc. gefunden. Hüttenböschen, kl. Insel im Wallensee, unfern feines Ausflusses, stand vor der Linthkorrektion unter Wasser; hier soll das Stammschloß der Herrn von Müllinen gestanden haben. Jberg, ein 1258 erbautes, vormals festes Schloß, am l. U. der Thür, südl. von Lichtensteig. Ionen (Jona), Pfdf., sj St. von Rapperswyl, am Zonenbache; die Kirche, auf einem Hügel gelegen, der einen heidnischen Tempel getragen haben soll, ist sehr alt und hat in ihrer Mauer einen römischen Altar und eine Inschrift, die hier gefunden wurden. Feldbau, mehrere Fabriken und hübsche Landsitze (besonders der Mayenberg), 2 große Spinnmaschinen, Rvthfärberei, Bleiche. Kalfeuserthal, vorn Sardonagletscher, an der Gränze von Glarus, bis an den Fuß des Calanda sich hinziehend, 3 St. lang, sj St. breit, und nur im Sommer von Hirten besucht. Es enthält 2 große Sennhütten und die Kapelle von St. Martin. Früher muß es bewohnt gewesen sein, da man viele Menschengeripxe gefunden hat. Viel Steinsalz auf den nördl. Alpen, besonders am Monteluna. > Kaltbrunnen, Pfdf., auf der großen Strafe von Rapperswyl nach Wesen; Landbau und Vieh - besonders Pferdezucht; in ke^Nähe ist ein Steinkohlenflötz. 7.76 Kappel. Pfds., um r. U. der Thür, in der Nähe von Lichtensteig; Landbau und starke Fabrikation. Kempraten, Dorf, nahe bei Rapperswyl, an einer Bucht des Zürichsee; Landungsplatz; ein sehr alter Ort, bei welchem man römische Alterthümer gefunden. Kirchberg, Pfrf., im Untertoggenburg; Fabrikation von Schnupf- und Baumwollentüchern; Landbau. Kobelwald, Pfdf., 1/2 St. von Altstätten; nahebei liegt Kobelwies, Dorf, am Fuße des Kamor; das nahe Bad ist sehr alt und nur für Landleute eingerichtet; das Wasser entspringt aus Höhlen des Kamors, ist alkalisch-erdig und wirksam bei Gliederschmerzen und Wechselfiebern. Die bekannte Krystallhöhle ist beschwerlich im Eingänge. Kriesern (Grießern), Pfdf., im Rheinthale zwischen Rhein und Aach; viel Sumpfboden, Landbau. Krinau, Pfdf., bei Lichtensieig; Viehzucht und Fabrikation baumwollener Tücher. Krummenau, Pfdf., am r. U. der Thür, über welche unterhalb eine Brücke führt; Landbau und Handel. Nahe die natürliche Felsbrücke über die Thür, Sprung genannt. Kuhfirsten, die sieben, nackte Felshörner im N. des Wallensee's und auf der südl. Gränze des Obertoggenburgs. Sie tragen auf der Seite dieser Landschaft schöne Alpen und heißen: Leistkamm, Selu- nerruck, Breitenalperberg, Bresi, Scheibenstoll, Zustoll,. Astrakaisara; sie verlängern sich bis hart an den Rhein bei Sargans; die höchsten Punkte in dieser Fortsetzung sind: Sichelkamm, Gemsberg, Alvier und Kameck mit dem eisenreichen Gonzen. Die meisten sind von Tvggenburg her ersieiglich, selbst für das Schmalvieh. Libingen, Pfds., in einem Thale im Untertoggenburg; hieß von dem 1762 hier gest. Benediktiner-Nonnenkloster auch Neu - St. - Gallen. Lichtensteig, kl. Stadt, auf felsiger Anhöhe am r. U. der Thür; 6 St. von St. Gallen, auf der Straße nach Glarus; 129 Häuser, 700 Ew. Starkbesuchte Wochenmärkte, wo der Handel mit Maschi- nengarn und Baumwollentüchern sehr lebhaft ist; 4 Jahrmärkte, besonders für Vieh und Früchte. Litterarische und Tvggenburger moralische Gesellschaft. In der Nähe ist ein schöner Marmorbruch, der aber nur zum Kalkbrennen benutzt wird. Geburtsort des Dichters G. Grob. 1 St. davon die Ruine Neutoggenburg. Lütisburg, zerstreutes Pfdf. am r. U. der Thür, über welche eine gedeckte Brücke führt und i» welche der Necker mündet. Landbau und 7,77 Fabrikation. Ein Seitenflügel LeS alten Schlosses wird zum Schul- Hause benutzt, das Uebrige ist eingerissen. Magdenau, Pfdf-, 3 St. von St. Gallen; Landbau und etwas Fabri- kakion; nahe dabei das Cisterzienser-Nonnenkloster gl. N. Marbach, Pfdf., im Nheinthale, a/j St. von Altstätten, auf der Straße i nach Rheineck. Wein- und Landbau, Stickerei und Baumwollenspinnen. Das Bad ist für Landleute und dient bei Glieder- und Magenkrankheiten, Geschwüren u. s. w. i Margaretha, St., Pfdf., in schöner Niederung am Rhein, über welchen eine Fähre führt, und auf der Straße von Rheineck nach Altstätten; guter rother Wein. Das Schwefelbad wird aus der Umgegend besucht. Maria der Engeln, St., ein Franziskaner-Nonnenkloster im Ober- Toggenburg, auf einer Anhöhe am l. U. der Thür. Mariaberg, ehemaliges St. Gallisches Klostergebäude, St. von Rvrschach, auf einer Anhöhe schön gelegen, mit lieblicher Aussicht auf den Bodensee. Martinsbrücke, ein merkwürdiges Hängewerk über die Schlucht der Gvldach, i St. von St. Gallen, iio Fuß lang, 14 Fuß breit und 86 Fuß hoch über dem Wasserspiegel. Die Schlucht heißt der Martinstobel, ist St. lang, mit vielen Versteinerungen, kleinen Wasserfällen und den Ruinen Falkenstein und Rappenstein. Mels, Mktfl., an der Seez, nahe bei Sargans; schöne Pfarrkirche, i Kapuzinerkloster; 1 Glashütte; gute Mühlsteine und Ofenplatten; I Cisenbergwerk setzt Schmelzen unterhalb des Ortes in Thätigkeit; Töpferarbeit; Holzflößen nach dem Wallensee. Viehzucht, Land- und Weinbau sind Hauptnahrungsquellen. Möttelis - Schloß, eigentlich Sulzberg, (einst festes) Schloß und Meierei bei Rorschach; prachtvolle Aussicht beim alten Thurme. Mogelsberg, zerstreutes Pfdf., nahe dem r. U. des Necker, 1>4 St- von Lichtensteig; Landbau und Fabrikation in Baumwolle. Das hiesige Bad liegt nahe am Necker, hat alkalisch-erdiges Wasser und wird wenig besucht. Mols, Pfdf., am Wallensee und Aulinenberg, der ihm im Winter 18 Wochen lang die Sonne verbirgt; nahe die Ruine Bömmelstein. Montlingen, Pfdf., nahe dem l. U. des Rheins, über welchen eine Fähre führt, südösil. von St. Gallen. Wein - und Ackerbau, Spinnerei und Stickerei. Moßnang (Moßlingen), Pfdf., im Untertvggenburg; Viehzucht und Fabrikation; Jahrmärkte. 376 Mürtschenstock. 7,320 Fuß hoch, dreizackiger Felsberg aw der Gränze von Glarus, im S. vom Wallensee. Murg. Pfdf., am südl. Ufer des Wallensee, auf ebener Landzunge; Weinbau. Im benachbarten Murgthale sind schöne Alpen ind 3 kleine forellenreiche Seen. Neckerthal, ein 3 St. langes, vom Necker bewässertes Thal, vom Toggenburger-Eäntis hinweg bis zu seiner Einmündung ir dasThur- thal bei Lütisburg. Neßlau, zerstreutes Pfdf., nahe am r. U. der Thür, im Sbertoggen- burg; hat schöne Alpen, Viehzucht und Fabrikation; der Landbau ist im Aufblühen. Neu-St.-Johann, Pfdf., am r. U. der Thür, im Oberloggenburg. In der Au bei Sydwald stand ein Benediktinerkloster mit einer schön verzierten Kirche; das alte 1626 abgebrannte Kloster lag in einen, engen, von steilen Bergen eingeschlossenen Thale. Anstalt W Bered- lung des Rindviehes und der Schafe. Notkerseck, 1634 gestiftetes Franziskaner-Nonnenkloster, auf einer Anhöhe St. von St. Gallen; schöne Aussicht. Nydberg, Trümmer einer 1437 von Sargansern und Zürcher» zerstörten Burg oberhalb Mels. Oberglatt, Pfdf., am l. U. der Glatt, über welche eine Brücke führt, auf der gr. Str. nach Wyl. Oberried, Pfdf., im Rheinthale, auf der Straße von Sargans, unfern des l. U. des Rheins; Wein- und Obstbau. Diel Sumpfboden. Oberutzwyl, Pfdf., 4 St. von St. Gallen, auf der Straße nach Wyl. Wohlstand und Gewerbthätigkeit. Fabrikation in Baumwolle; Landbau. — St. davon, im Thale Bischch, Las Waisenhaus. Peterzell, St., Pfdf., am r. U. des Necker, am der Straße von Lichtensteig nach St. Gallen, im Obertoggenburg, in einem kleinen Thale; Las ehemalige Probsteigebäude ist Pfarrwvhnung. Ein unbedeutendes Bad wird nur von Landleuten besucht. Pfäffers, 720 vom heil. Pirmin gestiftetes, nun aber seiner Auflösung nahes Benediktinerkloster, in einem flachen, romantischen Thale, zwischen der Tamina und dem Rhein, neben dem Pfarrdorf gl. N. gelegen, einem 180 Fuß hohen Wasserfalle gegenübcr; das alte Kloster brannte 1665 nieder; das neue ist mit Marmor und einigen guten Altargemälden ziemlich hübsch ausgeschmückt. Schöne Aussichten, besonders über das Rheinthal. Das Dorf hat schön; Wiesen, Weingärten und viele Obstbäume; Viehzucht und Ackerbiu. Ruinen von Wartenstein mit einer Kapelle. — i St. im SW.', über eine natür- 279 ljche Felsenbrücke der Tamina und 250 Fuß hohe Treppe und steilen Felspfad, gelangt man zum berühmten Pfäsfersbade, Las von der übrigen Welt fast abgesondert in einer engen, schauerlichen Felsschlucht liegt, umgeben von ungeheuern, fast abgerissenen Felsenmaffen, in einem Felsspalt, den die Sonne in den längsten Tagen von 9)^ Uhr Morgens bis 4 Uhr Abends, im Juli und August von i l bis 3 Uhr, im Winter nur selten oder gar nicht bescheint. ES ist nur auf einem steilen und schlimmen Wege zugänglich. Das Klima ist gesund und eher mild als rauh; die im I7te» Jahrh, wüthende Pest drang nicht bis hieher. Die Quelle scheint im Jahr 1038 entdeckt worden zu sein; anfänglich ließ man sich mit Lebensgefahr zu ihr hinab und brachte mehrere Tage und Nächte an ihr zu; in der Mitte des I4ten Jahrh, erbaute man hoch über der Tamina ein Badehaus, zu welchem man auf Strickleitern und durch eine Oeffnung im Dache gelangte; 1420 wurde ein geräumiges Badhaus und eine Brücke dazu gebaut. Nach dem Brande von 1629 wurde unterhalb an bequemerer Stelle ein neues Gebäude aufgeführt und die Quelle dahin geleitet; 1704 wurden endlich die gegenwärtigen festen, übrigens klösterlichen Gebäude angelegt, die von einem Berg- schütte 1680 bedeckte Quelle wieder aufgesucht und in einen Felsenkessel gesammelt. 1819 ließ Wassermangel, Veränderung der Temperatur und Beschaffenheit des Wassers das Versiegen der Quelle befürchten; allein die Natur kam zu Hülfe; eine tiefere, nieversiegende Quelle wurde gefaßt und durch ein Pumpwerk in die allgemeine Leitung getrieben. — Die 4 Badegebäude sind Lurch Gänge verbunden; sie fassen 300 Personen. Das Wasser ist an der Quelle von stets gleicher Wärme, rein, hell und durchsichtig, sehr leicht, schmeckt etwas süßlich und fühlt sich seisenartig an; der sogenannte Badeleim setzt sich in den Felsenritzen und Wasserrohren ab, ist zäh, schwer, hellgelb und besteht aus mehreren vom Wafferdampf aufgelösten Erdarten. Das Wasser enthält mehr Luft, als jedes andere dieser Art und erkaltet sehr langsam, so daß es nach 24 St. noch laulich ist. Man bedient sich desselben innerlich und äußerlich; im Allgemeinen ist es reizend, belebend, erwärmend, verdünnend und Gesunden gleichfalls zuträglich; es Lurchdringt schnell alle Theile des Körpers, löst stockende Säfte auf und führt sie ab durch Schweiß und Urin; im Ganzen ist es wirksamer bei phlegmatischem und melancholischem Temperament als beim sanguinischen und cholerischen. — Schöne Standpunkte und Ercursionen finden sich vielfach; der Gang zur Quelle längs der Wasserleitung auf einem 6 bis 700 Schritte langen hölzerne» Stege, 30 bis 40 Fuß über der unterhalb tobende» Tamina, erfordert einen ganz schwindelfreien Kopf; die verschiedenen Quellen J8tt werden in zwei übereinanderliegende Behälter gesammelt; sie fließen in manchen Jahre» nur vom Frühling bis zum Herbst, in andern auch im Winter ohne Unterbrechung; nach einem kalten oder trockenen Sommer sind sie nicht so reichhaltig, als nach einem größten- theils feuchten. Gleich unterhalb verengt sich die Taminaschlucht so sehr, daß sie am sogenannten Beschluß oben gänzlich geschloffen ist: der Weg nach dem Kloster führt darüber. Diese natürliche Brücke ist 290 Fuß über der Tamina; gerade unter ihr, an der linken Seite der Tamina, sieht man eine der schönsten, vom Wasser gebildeten Marmorhöhlen, 28 Fuß tief, 35 Fuß breit und 24 Fuß hoch. Quarten, zerstreutes Pfdf. am Wallensee, hat seinen Namen von der römischen Niederlassung statio. Viehzucht. Räthen- oder Reitenberg, Dorf, beiGoffaU; guter Obstbau; Ruinen der Burg gl. N-, den Trümmern von Lindenberg gegenüber. Ragatz, Mktfl., an der oft verheerenden Tamina und der Straße von Zürich und St. Gallen nach Chur; 700 Ew., Waarenniederlage, künstliche Getreide- und Oelmühle, schöne Alpen und Wälder. Schmetterlingsammlung des Herrn Pfarrers Eisenring. Der alte Rheinlauf zeichnet sich hier besonders ab. Ramschwag, Alt- und Neu-, an der Sitter, jenes eine schöne Ruine, dieses für den Kirchenbau in Häggenswyl abgetragen. Rans, Dorf, 2 St. von Sargans, im Rheinthal, mit einem mittelmäßig eingerichteten Schwefelbad. Rapperswyl, kleine Stadt, mit etwa i,400 Cw., auf einer Halbinsel im Zürichsee, über welchen eine 4,800 Fuß lange, 12 Fuß breite, hölzerne, fahrbare Brücke führt. Römische Münzen und Alterthümer zeugen von dem frühen Dasein dieses Ortes; 1350 wurde es von den Zürchern erobert und zerstört, 1388 und 1414 von den Eidgenossen 8 Monate lang vergeblich belagert und 1656 und 1712 in den einheimischen Kriegen hart mitgenommen. Schöne Aussicht auf den Zürichsee und die Uferlandschaften. Eine Tuchfabrik. In der Kirche schöne Altarblätter und seltene Kirchengefässe. Rebstein, Pfdf., 4 St. von St. Gallen, auf der gr. Str. nach Alt- stätten; mehrere Landsitze und beträchtlicher Wein-, Getreide- und Ackerbau- Mouffelinstickerei. In der Nähe Las Schloß gl. N. Rheineck, kl. Stadt, am Rhein, der iSt. unterhalb in den Bodensee mündet, mit etwa 1,400 Ew.; obst- und weinreiche Umgebung mit vielen Landhäusern; Wohlstand; Handel- und Fabrikation mit leinenen und baumwollenen Zeugen; Bleichen; Färbereien und Landbau; Waisenhaus und Spital; Naturalienkabinet des Herrn Pfarrer 381 Steinmüller. Zwei Ruinen von Ritterburgen. Schöne Fenstergtchiälde in der Kirche. Reizende Aussicht auf dem Buchberg. Rheinthal/ eine 7St. lange Landschaft vom Bodensee nachS. gegen die Appenzellerberge und dem Rhein entlang. Fruchtbar; man erzeugt Obst, guten Wein, viel Flachs, Hanf und Kartoffeln, jedoch weniger Getreide; die Waldungen sind beträchtlich und die Rindvieh- und Schafzucht ansehnlich; man findet Spuren von Steinkohlen, so wie Torf. Es gibt Baumwollenspinnereien, Mouffelinstickereien; Holz- und Durchgangshandel. Sie bildet 2 Bezirke: Ober-Rheinthal mit 6 Gemeinden: Altstätten, Rebstein, Marbach, Eichberg, Oberried und Rütti, mit 16,000 Ew. — und Unter-Rheinthal mit 7 Gemeinden: Rheineck, St. Margaretha, Thal, Berneck, Au, Balgach und Dieboldsau, mit 13,000 Ew. Rvrschach, Bezirk, meistens am Bodensee gelegen, aus Ebenen und Bergen bestehend und fruchtbar. Beträchtlicher Obst-, Wein- und Getreidebau; Fabrikation in Baumwolle, Baumwollenspinnen und Mouffelinweben; Landwirthschaft. In 7 Gemeinden: Rorschach, Ror- schacherberg, Mörswyl, Goldach, Steinach, Unterecken und Engers- ried leben ungefähr 9,000 Ew. Rorschach, Mktfl., mit 1,700 Ew., in fruchtbarer und schöner Gegend, am Bodensee und wiesen- und Holzreichem Hügel, mit schöner Aussicht; frequenter Hafen und Hauptkornmarkt der Schweiz; Kornhaus, Salz- und Waarenhalle. Spedition, Handel mit Wein, Vieh, Butter, Käse, gesalzenem Fleische, Fischen, doppelt dicker oder Kon- stanzer- und Ulmer-Leinwand; Bleichen für leinene und baumwollene Tücher, Spinnmaschinen für Flachs und Wolle, eine neu erfundene Mange. Musikalisches Kollegium, ein Spital, eine Oel- und Minia- turgemälde-Sammlung. In der Nähe ein Kapuziner-Nonnenkloster. Schöne Sandsteinbrüchc. Rvrschach war schon 949 eine St. Gallische Markt-, Zoll- und Münzstätte. Dampf- und Pvstschiffe. Rüti, Pfdf., auf der Str. von Altstätten nach Sargans. oberhalb des Hirschensprungs und vhnfern des Rheins, der durch seine Ueber- schwemmungen oft schadet. Beträchtliche Alpen und Waldungen, Landbau, Viehzucht, Webe» und Sticken von Mouffelinen. Salez, Pfdf., auf der gl. Str. und nahe am gleich verderblichen Rhein. Viehzucht, Ackerbau und Spinnen. Wochenmärkte. Sargans, Bezirk, zwischen dem Wallensee und der Rheinniederung, welche letztere so unbeträchtlich über den Rhein erhaben ist, daß bei der täglich zunehmenden Erhöhung des Bettes dieses Flusses durch LaS Geschiebe zu befürchten steht, es werde derselbe bei einer bedeu- 392 ienden Anschwellung einen Durchbruch gegen den Wallensee machen. Am l. U. des Rheins zwischen Mayenfeld und Ragaz findet sich ein großes feines Sandlager, aus welchem früher Gold gewaschen wurde. Bei Mels werden gute Mühlsteine gebrochen. Im Grezen finden sich Eisensteinlager; durch Flußkorrektivnen könnte viel Land gewonnen werden. Pferde-, Schafe- und Ziegenzucht sind Hanptnahrungsquellen; man erzeugt guten und vielen Wein, so wie Obst, Mais und Kartoffeln. In den 8 Gemeinden Sargans, Ragatz, Pfeiffers, Vilters, Mels, Flums, Wallenstad und Quarten zählt man über 14,000 Ew. Sargans, kl. Stadt, mit mehr als 700 Ew., am Fuße des Grezen; auf einem Marmorfelsen das alte Schloß mit schöner Aussicht. — Durchfuhr, Wein- und Feldbau. Im 1.1441 wurde der Ort von den Eidgenossen verbrannt. Sarn, die (Saar, Garen), entspringt in den grauen Hörnern und stießt oberhalb dem Schollberg in den Rhein. Sar, Pfdf., bei Werdmberg, unfern des Rheins, mit der schönen Sareralp; Viehzucht. Im W. die Ruinen von Hohen-Sar und Fri- schenberg, Stammorte des Grafen Ulrich von H., des Helden bei Murten, und Heinrich von H., des Minnesängers; die Burgen wurden 1405 von den Appenzellern gebrochen. Schännis, Pfdf., auf der Str. von Zürich nach Glarus, im Gaster. Die Kirche enthält die Katakomben der ehemaligen Augustinerfranen- Abtei und 3 Glasgemälde mit den Wappen Rudolfs von Habsburg; der Ort brannte mehrmals ab, und letztmals größtentheils (1824), wo von der St. Galluskapelle nur der Thurm übrig blieb, der heidnischen Ursprungs sein soll. — Die Spitze des Schänniserberges, der Speer, soll eine schönere Aussicht darbieten, als der Rigi. — Auf der Str. nach Wesen steht das Denkmal des österr. Generals Hotze, der hier am 25. Sept. 1709 fiel. — Vieh- (besonders Pferde-) zucht, Landbau. Schmerikon (Schmärken), Pfdf., am obern Zürichsee, in milder und fruchtbarer Lage, >4 St. vom Einfluß der Linth in jenen See; Hafen, Mineralbad im Adler, mit erdigem Eisenwasser zum Trinken und Baden gegen Hustenkrankheiten, Rheumatismus und Magen- krampf. Holz- und Schieferkohlenhandel, fss St. vom Ort eine große mechanische Spinnerei. Scholl- (Schal-, Seal-) Berg, eine Stufe des Gonzen, deren Marmorschichten beim Einfluß der Garn in den Rhein sich steil gegen denselben senken. An der sogen, hohen Wand führte seit 1603 eine in den Fels gesprengte, schmale, 11,000 Fuß lange Straße mit 11 383 bis 12 °o Steigung, welche durch ungeheure Sprengarbeiken im Zahr 1822 nicht nur um 4,200 Fuß kürzer, sondern auch fast ganz eben gemacht wurde; ste führt, vermittelst einer starken Brücke über den wilden Trübbach, sicher über mehrere Klüfte und setzt sich unterhalb, 22 Fuß breit, auf dem 6 Fuß hohen Rheindamm in der Ebene fort. Seebezirk, liegt mehrentheils an und auf den Hohen und in der Ebene des obern Zürichsees und am Linthkanal. Landbau,, Schifffahrt und Fabrikation; reich an Obst, Wein, Gras, Feld- und Gartenfrüchten. Herrliche Buchen- und Tannenwälder, die Weinpsähle, Bau- und Brennholz zur Ausfuhr liefern; Braunkohlenflötz. In 9 Gemeinden: Rapperswyl, Schmerikon, Uznach, Ionen, Eschenbach, Gommiswald, Goldingen, St. Gallenkappel und Crnetswyl leben über n,ooo Ew. Seez, die, entspringt im Gebirge an der Glarnergränze, durchstießt das Weißtannenthal und tritt aus einer Schlucht oberhalb Mels in die Ebene von Sargans, von wo sie in den Wallensee fließt. Eennwald, Pfdf., auf aussichtreicher Anhöhe, zwischen dem Kamor und dem Rhein, auf der Str. von Altstätten nach Sargans. Landbau und Viehzucht. Auf dem Kirchthurm zeigt man den unverwesten Leichnam des im I. 1596 von seinem -Vetter Ulrich Georg ermordeten Freiherr» Hans Philipp von Hohenfax. Die Gegend ist häufigen Erdbeben unterworfen; 1760 stürzten bei Sar große Felsmaffen ein. Sevelen, Pfdf., an der Str. von St. Gallen nach Chur; 2 Gemeind- alpen; Ackerbau und Viehzucht, auch Wein- und Obstbau. Trümmer des Schlosses Herrenberg. Sivn, Prämonstratenser-Nonnenkloster, 1767 gestiftet; links der Str. nach Lichtensteig; schöne Aussicht. Starkenbach, Dorf, an der Thür, im Ober-Tvggenburg; unterhalb auf einem Felsenvorsprung die Ruinen von Starkenstein, gewöhnlich Burg genannt. Stein (Breitenau), Pfdf., am r. U. der Thür, im Ober-Toggenburg, am Fuße des Rothensteins; die Gegend leidet oft von Ueber- schwemmungen und Erdschlipfen. Steinach (Ober-und Unter-), zwei Dörfer und eine Pfrgem., an der Steinach, welche bei letzter»! in den Bodensee fällt. Letzteres hat einen guten Hafen, ein Korn- und ein Kaufhaus und die Pfarrkirche. Gutes Wiesengelände; Wein- und Obstbau. In der Nähe von Ober- Steinach, liegt das alte, noch bewohnbare Schloß gl. N. Tablat, Bezirk; fruchtbar; Obst- und Landbau; Fabrikation. In 4 Gemeinden: Tablat, Wittenbach, Häggenswyl und Mühlen leben ungefähr 7,500 Cw. 384 Tablat (siehe St. Fiden.) Tamina, die, entspringt aus dem Sardonagletscher, durchfließt das Kalfeuser- und das Calandathal, worauf sie sich unterhalb Valens in den Felsenschlund stürzt, in welchem das Bad Pfeffers liegt; oberhalb Ragatz verläßt sie das schauerliche Tobel und mündet gleich unterhalb in den Rhein. Thal, Pfdf., 1/2 St. von Rheineck, in einem Thals; Feld- und Weinbau, Fabriken. Im Fuchsloch werden in einem Sandsteinbruche Mühlen-, Schleif- und Brunnensteine gebrochen; bei der Kirche ist ein ziemlich gutes Schwefelbad. Auf dem Buchberge bei dem steinernen Tische und bei dem Landhause Platte eine entzückende Aussicht. Thür, die, entsteht im Hintergründe des Ober-Toggenburg, aus 2 Bächen, wovon der südl. aus dem Schwendisee an den Kuhfirsten als warme, und der nördl. von dem Säntis und dem Greppelersee als kalte Thür bei Alt St. Johann zusammenfließen. Sie durchfließt den Kanton nach W., NN.W. und N. und verläßt ihn nach ihrer Vereinigung mit der Sitter. Sie ist oft wild und verheerend, besonders im Frühling und Sommer und setzt große Kiesbänke an; im Winter und bei anhaltender Dürre versiegt sie zum Theil. Toggenburg, Landschaft, welche sich von den westl. und südl. Abhängen des Säntis, längs der Thür 10 St. abwärts zieht; sie besteht aus dem Thals der Thür und dessen vielen Seitenthälern, und ist Z bis 5 St. breit, im S. und W. von den Kuhsirsten eingeschlossen, im O. von einem Höhenzuge begränzt, welcher vom Säntis ausgeht. Grasreiche Gefilde, Alpen mit gewürzhaften Futterkräutern, Flachs und Hanf, selten Obst; in dem tiefern Theile Ackerbau, im Ober- Toggenburg Viehzucht, schmackhafte Käse. Wohlstand; Mousselin- und Baumwollenfabrikation sind allgemein verbreitet mit Landwirthschaft. Die Alpenbewohner sind ein schönes, talentvolles und die Musik liebendes Volk. Gegenwärtig ist Liese Landschaft in 4 Bezirke getheilt: Obertoggenburg, mit 7 Gemeinden: Wildhaus, Alt St. Johann, Stein, Neßlau, Krummenau, Ebnat, Kappel, mit etwa 14,000 Ew. Untertoggenburg mit 7 Gemeinden: Mogelsberg. Ganterswyl, Jvnschwyl, Oberutzwyl, Flawyl, Hänau, Dägersheim, mit ungefähr 12,000 Ew. Neutoggenburg mit 7 Gemeinden: Wattwyl, Lichtensteig, Oberhel- fenswyl, Brunnadern, Hemberg. St. Peterzell, Krinau, mit ungefähr 12,000 Ew. Alttoggenburg mit 4 Gemeinden: Bitswyl, Lütisburg, Mvßnang und Kirchberg. mit über 11,000 Ew. . 1 , (Thurthal war der früher« Namen für Obertoggenbnrg, jetzt versieht man darunter die Gegend von Wildhaus bis Alt-St.-Johann.) Toggenburg, Alt-, Ruinen eines Bergschloffes beiWyl, 1 St. vom Kloster Fischingen, von Gebüsch umgeben. Toggenburg, Neu-, Ruinen einer vormals festenBurg, unterGe- büsch, mit schöner Aussicht, 1 St. von Lichtensteig; man findet darin noch mehrere Gewölbe, Keller und 3 bedeutende Schanzen. Tü- oder Dübach, Pfdf., an der Goldach, nahe am Bvdensee; sehr alt und hieß sonst Tüffenbach. Einträglicher Obst- und nicht unbedeutender Weinbau; t Papiermühle. Unterecken, Pfdf., bei Rorschach unfern der Steinach; Landbau und Viehzucht. Utznach, kl. Stadt von 160 Häusern und gegen 1000 Ew., auf der Straße von Zürich nach Chur und Glarus, auf einer schöne» Anhöhe über der Niederung der Linth; alten Ursprungs. Reiches Spital; Landwirkhschast, starkbesuchte Wochen - und Jahrmärkte. In der Nähe die Ruine der Feste Utznaberg, von Rudolf von Habsburg 1266 zerstört; merkwürdige Steinbrüche, sfj St. ein Braunkohlenflötz, 3 bis 4 Fuß mächtig. Vättis, Pfdf., am Eingänge des Kalfeuserthales, in einem von hohen Bergen umschlossenen Thale an der Tamina. Rindvieh- und Schafzucht; Verfertigung von Rebstockpfählen. In der Nähe die periodische Quelle, der Görbsbrunnen, am Fuße einer Felswand. Valens, Pfdf., im Thale der Tamina, 2^ St. von Ragatz. Gute Alpen, Reichthum an Futter und Holz; Viehzucht. In Leu umliegenden Gebirgen finden sich Versteinerungen. Waldkirch, Pfdf., 3 St. von St. Gallen. Getreide-, Obst- und Wiesenbau. i83l fand man hier 6000 Stück römische Münzen in einem steingutartigen Topfe. Eine Schwefelquelle. Wallenstadt (Rhätisch: » I-> Iiir->), kleine Stadt von 102 Häusern und 730 Ew., an der Seez und am Fuße des Ochsen- und Sichelkamms, St. vom östl. Ende des Wallensee's, auf der gr. Str. von Zürich nach Chur; Kaufhaus und Schifffahrt; 2 Jahrmärkte. Durch die Linthkorrektion hat die Gegend sehr gewonnen. Am See das Gestad, der Hafen der Stadt, l Salzmagazin. Ein Dampfschiff, so wie Post- und Botenschiffe. Wartau, Pfdf., auf der Straße von St. Gallen nach Chur, auf dem l. U. des Rheins; 2 Eisenhammerwerke; fruchtbar an Getreide aller Art; Wiesen- und Obstbau, Landwirthschaft. Nahebei die Ruinen des Schlosses gl. N. 23 War keck und Wartonsee, 2 Schlösser bei Rorschach, auf aussichtsreicher Höhe. Wattwyl, Pfdf., an der Thür, St. von Lichtensteig; Baumwol- lenfabriken, Schnellbleichen: Hansel mit Fabrikaten. Gute Schulanstal- ten und i Buchdruckerei. Jenseits der Thür LaS Kloster St. Maria und das Schloß Jberg. Weißtannen, Pfdf., im Thals gl. N., das alpen- und Holzreich ist und schöne Wasserfalle hat. Werdenberg, Bezirk, zwischen Nheinthal und Sarganserland; Wasserscheide zwischen Thür und Rhein; von gleicher physischer Beschaffenheit mit dem Rheinthale. In 6 Gemeinden: Salez, Gambs, Grads, Buchs, Sevelen, Atzmovs, leben über 12,000 Ew. Werdenberg, kleine Stadt von 112 Häusern und 850 Ew., in schönem und fruchtbarem Gelände zwischen dem Rhein und dem Fuße der Kuhfirsten. Oberhalb liegt die Stammburg der Grafen von Werkenberg , groß und fest mit schöner Aussicht. Landwirthschaft, Pferdezucht, Warendurchfuhr, etwas Fabrikation. Wesen, einst Stadt, jetzt Mktfl. von etwa 500 Ew., am westl. Ende des Wallcnsee, gleichsam der Hafen von Glarus, in einer reizenden Gegend; Schifffahrt und starke Durchfuhr, Landbau. 1388 von den Glarner» verbrannt. Dominikaner-Nonnenkloster Wyden. Widnau, Pfdf., im Rheinthale, nordöstl. von Alkstätten, zwischen Aach und Rhein; Feld- und Ackerbau, etwas Viehzucht. Wildhaus, Pfdf., auf der Straße von Sargans in's Toggenburg. Nahebei an einem kleinen See die Ruine von Wild bürg und der Sommerikopf mit vortrefflicher Aussicht; St. westl. das Lisig- haus, wo noch daS Haus steht, in welchem der Reformator Zwingst geboren wurde. Viehzucht, 3 bedeutende Jahrmärkte; schöne Alpen und Wälder. Ein schauerlicher Fußweg auf den Säntis. Mittendach, Pfdf., i St. von St. Gallen, auf der Straße nach Konstanz, tief gelegen; vortrefflicher Feld - und Obstbau; viel Torfgrund. Wurmsbach, Zisterzienser-Nonnenkloster, i St. von Rapperswyl, am obern Zürichsee. Guter Steinbruch. Wyl, Bezirk, enthält in 6 Bezirken: Wyl, Bronschhvfen, Zutzwyl, Oberbüren, Niederbüren, Niederhelfenschwyl, gegen 8,000 Ew.; liegt zu beiden Seiten der Thür und ist fruchtbar; Obst -, Feld- und Weinbau, Fabrikation. Wyl, kl. Stadt, von 204 Häusern und gegen 1,100 Ew., auf der Straße von St. Galle» nach Zürich, in fruchtbarem, besonders wein reichem Gelände unfern der Thür; ein Kapuziner-Manns- und ein 587 Dominikaner-Nonnenkloster mit einer outen Töchterschule. Fabrikation in Leinwand und Baumwolle; Durchfuhr, Wochen- und Jahrmärkte. Zutzwyl, Ober- und Nieder-, Pfdf., an einem Bache der nahebei in die Thür mündet. Reich an Obst, Getreide und Wein. Eine alte Burg. LauLon Graubün-en. ^,'n Freistaat aus drei Bünden (dem Grauen- oder Ober-, dem Zehn- gerichten- und Gotteshausbund) oder Republiken bestehend, seit 1803 in der Eidgenossenschaft. Lage, Grenzen. Zwischen 6° 21' bis 8» 8' 30" Länge und 46° 9' 30" bis 47° 4' Breite hat der Kanton seine größte Länge von 4i St. zwischen Oberalp-Paß und Rambach unterhalb Münster, und die größte Breite von 26 St. von der 8ces» ,>!»»» bis zum ein,» >le1 818801«: im Bernina; er wird bögränzt im N. von Ilry, Glarus, St. Gallen, Fürstenthum Lichtenstein, Vorarlberg und Tyrol, im O. von Letztem« und dem lombardisch-venetianischen Königreiche, im S. von Letzter», und im W. von St. Gallen, Glarus, Ury und Tesstn. Areal und Bevölkerung. Auf 121,4 IHM. leben 88,306 Ew., mithin auf 1 (UM. 729 Seelen. Klima. Im N. der Zentralkette der Alpen wie im K. Ury; im S- derselben haben nur das Calanca- und Misoccothal in ihren untern Theilen mildern Himmel; das Poschiavo- und Münsterthal ist rauh, aber gesund; am rauhsten ist aber das Engadin. Natürliche Beschaffenheit der Oberfläche. Der Kanton liegt ganz im Hochgebirge, von den Rheinalpen, dem Rhätikon, den Engadin- und rhätischen Alpen und deren Zweigen umschlossen. Zwei große Thäler consiituiren hauptsächlich den Kanton: das Rheinthal und Engadin; beide enthalten mehrere Seitenthäler, von denen einige sehr bedeutend stnd; so z. B. auf dem l. U. des Rheins: das Barkuns-, Pontailjas- und Brigelsthal; auf dem r. U.: das Medelser-, Somvir-, Lugnetz- und Savienthal; auf dem Hinterrhein: das Rheinwald-, Schamser- mit dem Farera-, Domleschger- und dein Albulathal; Schalfik und Prättigau gehören dem r. U. des Rheins an. Jenseits der Hochalpen liegen das Calanca-, Misoccv-, Poschiavo- und Münsterthal. 3LU! Gewässer. Die Hauptflüffe, der Rhein und Jnn, sind in dem allgemeinen Theile erwähnt; die verschiedenen Seen, Flüsse und Bäche werden ihre Stellen in der alphabetischen Ortsbeschreibung finden. Boden und Produkte: wie in Ilry, nur find hier die Thäler weiter und fruchtbarer, so daß selbst von Chur abwärts der Weinstvck gut gedeiht und bei Malans ein vortreffliches Gewächs liefert; auch zeigt sich hier die Lärche und Arve in ganzen Wäldern, besonders im Engadin. Zm untern Theile des Misocco- und Calancathale zeigt sich schon italienische Temperatur. Mineralreich. Weißer und grauer Kalk, schöner Marmor von mehreren Arten, wovon der weiße dem carrarischen nahe kommt, Alabaster, Gyps, Tuff- und Mühlsteine, guter Wetzschiefer, schöner Schiefer zu Platten, Spuren von Steinkohlen, Porphyr und Serpentin, große Mergellager; an Metallen ist kein Mangel und es scheint ein größeres Leben in ihre Ausbeutung gebracht werden zu wollen; es findet sich Blei, Zink, Eisen, Silber und etwas Gold. An Mineralquellen ist großer Reichthum. Pflanzenreich. Außer den gewöhnlichen Hölzern kommen noch Lärchen und Arven, von Fruchtbäumen besonders Stein- und Kernobst, viele Nuß- und Kastanienbäume vor. Die Gerste wird fleißig angebaut; Hanf in den tiefern, Flachs in den mittlern Berggegenden. Ferner Erbse», Roggen, Waizen, Hafer, Hirse, Buchweizen, viel Mais, Rüben und Kartoffeln, Tabak. Der Landbau ist wegen der Beschränkungen des Eigenthumsrechtes nicht im Verhältniß zur Bevölkerung; es gibt eine Menge Allmenden, deren Benutzung für viele einzelne Ge- meindegenoffen beschränkt ist, außerdem lastet auf unzähligen Privatwiesen ein unablösliches Weidrecht, Las jede freie Bepflanzung hindert; der Weinbau findet sich nur im Rheinthal unterhalb Chur und im untern Misoccothal. Die Forstkultur ist noch in ihrer Kindheit; Holz ist in Menge vorhanden. Das Thierreich hat an Wild: Bären, Wölfe, Luchse, wilde Katzen, Murmelthiere, Gemsen, Lämmergeier, Stein- und andere Adler, selten Rehe, Hirsche und wilde Schweine; die Gewässer sind fischreich, besonders an Lachsen und großen Forellen. Am Wichtigsten ist die Viehzucht. Das Rindvieh wird sorgfältig gepflegt, obschon die Rare nicht vorzüglich und nur allein im Prättigäu am ansehnlichsten ist; die Schweinezucht ist stark, hingegen die Schafzucht vernachlässigt; Pferde werden nur wenige gezogen. Industrie und Handel. Jene beschränkt sich bloß auf Viehzucht und Alpenwirthschaft; hiezu kommen noch: Landbau, Holzhandel, aus- i 2tw wärllge Etablissements (Conditvreien, Kaffeehäuser, Handlungen). Von bedeutendem Ertrag ist die Warendurchfuhr, die Viehzucht, 'Wein. gedörrtes Obst, Branntwein, Holz rc. Die Einfuhr besteht in Salz, Getreide, Wein besonders aus dem Veltlin, Reis. Pferden, Colonial-, Seiden-, Wollen- und Baumwollenwaaren, Fabrikaten in Metallen, Tabak ic. Erntheilung und Verfassung. Der Kanton besteht aus den angeführten drei Bünden und diese aus 26 Hochgerichten oder kleinen Freistaaten, die oft ganz verschiedene Verfassung, Gesetze und Freiheiten haben und eine föderative Ochlokratie darstellen. Die höchste Gewalt dieses Staatenbundes beruht auf der Gesammtheit der Räthe und Gemeinden, die sich durch die Mehrheit ihrer gesetzmäßig eingeholten und aufgenommenen Willensmeinungen oder Gemeindsmehren äußert. Die Hochgerichte und Gerichte wählen ihre Vorsteher und Obrigkeiten, Lurch welche die niedere Polizei und ihr Justiz- und Gemeindewesen verwaltet wrden; sie können die dahin einschlagenden Ordnungen festsetzen, die aber den allgemeinen Kantonsgesetzen und dem Eigenthumsrechte eines Dritten nicht zuwider sein dürfen; sie ernennen frei aus allen Bürgern ihres Gerichtes ihre Mitglieder zum Großen Rathe und haben das Recht, über die von den Lanoesbehörden ihnen vorgelegten bürgerlichen Gesetze, Staatsverträge und Bündnisse zu berathschlagen und solche anzunehmen oder zu verwerfen. Jedes Hochgericht und Gericht kann mit Zustimmung von ^ seiner Bürger seine Verfassung ändern, wenn diese Abänderung nicht den Kantonsgssetzen zuwider und solche dem Großen Rathe vorgelegt worden. Der Große Rath besteht aus 65 stimmgebendenMitgliedern; ihm wohnen die Mitglieder des Kleinen Rathes berathend bei; er ist die oberste Behörde in Verwaltungs- und Landespolizeisachen und die berathschlagende über die bürgerlichen Gesetze, Staatsverträge und Bündnisse; er wählt die Beamten, Abgeordneten und Stellvertreter des Kantons; er empfängt vom Kleinen Rathe jährlich Rechnung und ist oberster Richter in Streitigkeiten der Gemeinden. Die Standeskommissivn besteht aus 9 vom Großen Rathe gewählten Mitgliedern und besorgt die wichtigeren Regierungsgeschäfte. Der Kleine Rath aus 3 Mitgliedern besorgt die täglichen Regierungsgeschäfte, die Vollziehung aller vom Großen Rathe und eidgenössischen Behörden erlassenen Beschlüsse, die Verwaltung des Kantonsvermögens, die Aufsicht über Landespolizei und Erhaltung der Straßen, die Förderung des Handels und die Oberaufsicht der peinlichen Rechtspflege. 390 C-sn Kantons - Appellati onsgericht entscheidet in höchster Instanz; von einzelnen oder mehreren Hochgerichten können besondere Ap- xellativnsgerichte aufgestellt werden; außerdem besteht ein Kantens- Kriminal - Tribunal für Landstreicher und Gauner. DaS Aktiv- bürgerrecht beginnt mit dem I7ten Jahre; um in Staatsbehörden gewählt zu werden, muß man 20 Jahre alt sein. Die reformirten und katholischen Religionen sind die des Staates; von allen Standesämtern, Commissionen ic. sollen mit Reformirten und mit Katholiken besetzt sein. Die resormirte Geistlichkeit steht inKirchensachen unter einer allgemeinen Synode und die Angelegenheiten der katholischen Klerisei von 3 Kapiteln leitet der Bischof von Chur. Die Finanzen gewähren gewöhnlich jährlicheUeberschüffe der Einnahmen über die Ausgaben, welche zu Deckung der Staatsschulden verwendet werden. Ortsbeschreibung. AI- oder Elbula. Bergpaß für kleine Wagen brauchbar, zwischen Oberhalbstein und Oberengadin. Auf der Spitze ein kleiner See, dem die Albula entströmt. Almens, Pfdf., im Domleschg und unfern des r. U. des Rheins. Kröpfe, Kretinen. Als Molins (zur Mühlen), Pfdf., am Oberhalbsteiner Rhein, in tiefer Schlucht; schöne Wafferfälle, Ruinen des Schlosses Spludatsch. Alveneu (Alvanvw), Pfdf., auf hoher Terrasse, ^ St. vom r. U. der Albula, wo ein Bad gl. N.; ziemlich mildes und gesundes Klima. Die Schwefelquelle entspringt mächtig, nahe am Badhause und ist für verschiedene Krankheiten gut. Alvaschein, Pfdf., am r. U. der Albula; hatte einst ein kleines Nonnenkloster, Schlvßtrümmer. In der Nähe die 360 Fuß hohe Brücke von Solls. Andeer, Pfdf., im Schamserthal, am r. U. des Rheins. Oberhalb der Thurm der t450 von den Bünduern zerstörten Bärenburg und am Rhein die Schlvßruine von Castellaz. Eisenhaltiges Schwefelbad. Ein Viehmarkt. Antonienthal, St,, auch St. Antönien, Seitenthal des Prätti- gau's, fast 3 St. lang aufwärts in den Rhätikon, es öffnet sich durch eine schauerliche Schlucht und hat viele romantische Parthien. Fruchtbar mit schönen Alpen; 3 kleine Seen: Patnaun-, Kaschin- und Kafsiersee. Mineralquellen, die alles röthen, eine Schwefel- und eine Asphaltqnellc. Wegen der häufigen Lauinen seltsame Bauart der Häuser; viele Salzlecken, welche die Gemse» »ziehen. Die kleinen zerstreuten Ortschaften bilden die Pfarrgemeinde St. Antonien. Araschgen, Häusergruppe, t St. von Chur an der Rabiosa, mit dem schlechteingerichteten Bade Belvedere. Ardetz (Ardea, Steinsberg), Pfdf., im Unterengadin, am l. N. des Jnn. Fruchtbare, getreidereiche Gegend; geschätzter Honig. Trümmer von verschiedenen Schlössern. Assa- oder Amsathal, ein waldiges Seitenthal des Unterengadin'S mit einer periodischen Quelle, die im Sommer Morgens, Mittags und Abends fließt. Augi'o, Pfdf., im Calancathal, am r. ll. der CalancaSca. Bald enstein, nach alter Art feste Burg auf senkrechter Felswand bei Thusts, mit kicken Mauern, Felsenkeller und gutem Wasser; schöne Ausstcht. Belfort, imposante Schloßtrümmer auf einem fast unzugänglichen Felsen, zwischen Brienz und Alveneu. Bergün (Rhätisch: Bergogn), Pfdf., an der Albula, auf der Straße von Chur nach dem Albula. Säumerei' und Handel; ergiebige Alpen und viele Wälder. In der Nähe das Tuorzerthal und der Ber- günerstein, ein Felsenpaß an steil abgerissener Felsenwand; auf dem 4 bis 5 Fuß breiten Wege führten hier 1799 und 1800 Oesterreicher und Franzosen Artillerie durch. Bernhardin, Dt. (St. Bernardino), frequenter Bergpaß aus dem Rheinwald- in's Misoccothal, 6,584 Fuß hoch, mit schönem I8s^ Fuß breiter und sicherer Straße; nahe dem Gipfel ein Wirthshaus und an der Straße der kleine Moesasee, der den Bach gl. N. entläßt. Bei dem kleinen Pfdf. B- die schöne Viktor-EmanuelS- brücke und ein vortrefflicher Sauerbrunnen. Im Mai 1799 zogen die Franzosen unter Lecourbe über den Bernhardin. Berninakette, ein Theil der rhätischen Alpen zwischen Bergest, Enga- din und dem Veltlin, voll der mächtigsten Gletscher. Die höchsten Punkte sind der Ligvncio, Monte del Oro, Rosegg, Munterasch, Monte Bianco, Camino, Monte della Disgrazia, Pizzo Scalino. Mehrere Pässe führen darüber hin, u. A. der für kleine Wagen fahrbare, wöchentlich von 7 bis 809 Saumrossen befahrene Berninapaß, an dem sich mehrere kleine Seen befinden. 3 Wirthshäuser. Der prächtige Berninagletscher. Beverin, Piz (Beurin, Basrin, Cornudes, Horn?), Berggipfel im SW. von Thusts; er dient den Anwohnern zur Sonnenuhr und zum Barometer; schöne Aussicht, seltene Alpenpflanzen. 5!>2 Bevers, Pfdf., im Oberengadin am l. U. des Jnn. Reiche Sammlung schweizerischer Säugethiere und Vogel bei Herrn Apotheker Bo- velin. — Au oder a laa ^»gias, wo jährlich die Landgemeinde und ein großer Viehmarkt gehalten wird. Bonadutz (eigentlich Po»-a-tots, Brod für Alle), Pfdf., in der fruchtbaren Gabel des Vorder- und Hinterrheins; schone Getreidefelder und großer Jahrmarkt. Bondo (Bondi, Bund), Pfdf., an der Mündung der Bondasca in die Mara im Bregell, auf eiuer fruchtbaren Vergebene; schöne Ka- stanienwälder. Bregell (Bergaglia, Bergell, rhät. Val Bragajla), enges, rauhes und 5 St. langes Thal oberhalb Chiavenna. In einigen Gegenden fruchtbar. Wohlgestaltete, wohlhabende Einwohner mit italienischer Spräche. Viehzucht und Waarendurchfuhr. Brienz (Brieuzöls), Pfdf., am Ausgange von Davos; alter Thurm der Familie Pvrta. Brjgels (Breil), zerstreutes Pfdf. auf dem Kulmattenberg im Oberlands. Viehzucht. Brusio (Brüs, Brusch), zerstreutes Pfdf. am r. ll. des Poschia- vino, über welchen die hölzerne Teufelsbrücke führt. Bund, Gotteshaus- (französ. I.!»»« ca.I.Ise, ital. 1,.^ c».l>-), seil 1386, hat seinen Namen vvm Bisthum Chur; in 11 Hochgerichten zählt er über 35,600 Ew. deutscher, italienischer und romanischer Zunge. Man findet darin noch 66 Schlösser, Burgen und Ruinen. Bund. Graue oder Obere (französ. grls« o« baute, ital. Lega geisa), hat in 8 Hochgerichten gegen 40,000 Ew. deutscher, romanischer und italienischer Zunge, und 70 Schlösser, Burgen und Ruinen. Er besteht seit 1424. Bund, Zehngerichten- (französ. I,ig»e stei4u»,), Pfdf., zerstreut an einem Abhänge; schöne Aussicht. Die Gegend eignet sich nur für den Bau von Roggen, Gerste. Flachs, Hanf, Kartoffeln; schönes Vieh; vortreffliche Käse. Katholische Kantonsschule. Nahe auf einer Anhöhe die Benediktiner-Abtei gl. N- mit herrlicher Aussicht; 1799 mit einem Theil des Dorfes von den Franzosen verbrannt. — Abt Peter von Pontaningen war 1424 einer der Stifter deS grauen Bundes. Domleschgerthal (Tomliasker- oder Domliaskathal), an dem Rhein, 2 St. lang und 1 St. breit, mit schönen Berggruppen. Mildes Klima; 22 Dörfer und 21 Schlosser, theils in Ruinen, theils noch bewohnt; 6 Bcrgseen; fruchtbar; Viehzucht, Land - und besonders Obstbau; Waarendurchfuhr. Donat, Pfdf., im Schamserthal, hoch und von Felsen umgeben. 3» der Nähe das alte Schloß Castella. Duvin, Pfdf., im Lugnetz. auf einer Bergstraße über tiefer Schlucht gelegen; einträgliche Güter. Ems (Embs), Pfdf., an dem Rhein, auf der Straße von Chur nach Thusis; fruchtbar; der Weinbau beginnt hier. Engadin (Engiadina), hohes Längenthal der Alpen vom Malöja bis zur Gränze unterhalb der Martinsbrücke, 15 St. lang, mit 25 Seitenthälern, vom Fnn durchfloffen und wohl das schönste und reichste Thal der Alpen. Das Oberengadin zieht sich 6 St. lang vvnMa- lösa bis zur Felskluft der Punt auta, selten über ^ St. breit; außer den Seen, welche der Jnn bildet, finden sich noch 10 andere auf den Bergen und viele Gletscher. Der Winter dauert 9 Monate; die Luft ist so trocken, daß man das Fleisch nur an der Luft dörrt und die Fische sich vom Oktober bis März unverdorben erhalten. Es gedeiht nur Gerste; die Gartenfrüchte sind gut; Reichthum an Arven, deren Nüsse sehr gesucht sind. Das Brod wird für Z bis 6 Monate gebacken und vor dem Essen zerschlagen. Die Bewohner sind schön, fleißig, gesittet und sehr wohlhabend; sie wandern häufig aus. Die Käse sind die besten in Graubünden, besonders in Italien gesucht.— Unk er engadin ist 9 St. lang, fruchtbarer und bevölkerter als Oberengadin; viel Alpen- und Landwirthschaft, wenig Obst. Braune und graue Bären. Die Bewohner stehen den Oberengadinern nach und sind nicht so reinlich; stärkere Auswanderung; sie sprechen das Latin. I96 Aus der .-^elüllL!» inosellat» wird der Jvagesst gebrannt, der in Italien sehr beliebt ist, Erosa (Arvsa), Pfds,, in einer wildromantischen Thalschlucht im höchsten Theile des Schalsik, mit einem See gl. N. Farera- oder Fererathal, 6 St. lang, zwischen den Rossten und dem Septimer, sehr schmal. Zn dem obern oder Aversthal ist durch Sorglosigkeit der Holzmangel so groß, daß man Dünger brennen muß. Das Pfds. gl. N. liegt im untern Theile in der Mitte eines Bergkeffels; unterhalb führt der Weg zwischen den Felstrümmern des Bergsturzes von 1794 zum Schmelzofen von Flanell. Der Farera- bach macht einen schonen Sturz. Im Thale vortreffliches Eisenglimmererz von 40 p. Ct. Gehalt; ebenso silberhaltiger Bleiglanz. FeldSberg, Pfds., am Fuße des Calanda, dessen Felsen dem Dorfe den Untergang drohen. Am 13. März 1834 fand ein Einsturz statt. Schloßruinen. Fermunt (lllons Ivi-reue, Eisenberg), eine mächtige Gebirgsparthie zwischen dem Prättigau, Engadin und Mvntafon, voll Gletscher und Alpen. Die Felsen sollen eisenhaltig sein. Fettan (Ftan oder Flaun) im Romanischen. In der Dalpuzzaschlucht ein Sauerbrunnen und nahebei eine Höhle mit Tropfsteinen und Mondmilch. Erziehungsanstalt des Professors a Porta. Erdstöße sind hier häufig. Fideris, Pfds., im Prättigau, unfern der Lanquart, an einem Berg- abhange zerstreut; nahe die Ruinen der Burgen Strahlest und Ca- stels und 3/4 St. davon in einer Thalschlucht das Bad gl. N. mit ü Quellen, wovon 2 Sauerbrunnen, die bei Fehlern des Magens, Verschleimungen, Krankheiten der Leber, Milz und anderer Unter- leibsvrgane kräftig wirken. Filisur, Pfds., an der Albula und auf der Straße nach Chur in Las Engadin, im tiefen Thalgrunde. Nahebei die Ruinen von Greifenstein und das verlassene Bergwerk Bonacelsa. Fläsch, Pfdf., an dem Rhein und dem Fuße der Fläscherfluh. ^ St. davon das Bad gl. N., das für verschiedene Krankheiten in neuerer Zeit wieder besucht wird. — In der Fläscherhöhle findet sich ein inkrustirendes Wasser. Flims, Pfdf., an der Straße von Chur nach Jlanz, in sehr wasserreichem Gelände. Im S- liegt der .Caumasee; der große Flimser- wald theilt die Gemeinden des grauen Bundes in Ob und Unter dem Walde. Fluelathal, ein 4 St. langes Seitenthal von Dasos, am Fluela- passe, hoch und rauh, mit Waldungen und Weiden. Fürstenau, Pfdf., am r. U. des Rheins, beim Einfluß der Albula. über welche beide Brücken führen. Schönes Schloß und hübsche Landhäuser. Ganey, schöne Alp und verschüttetes Schwefelbad, das wieder hergestellt wird, im Prättigau; bläulicher Wetzschiefer. Grono, Pfdf., an der Moesa und der Oeffnung des CalancathaleS, im Misoccv. Italienische Vegetation. Alterthümlicher Thurm Florentiana. Grüsch, Pfdf., unfern derLanquart; schöner Landsitz; Jahrmarkt; oberhalb die malerische Ruine SolaverS. Haldenstein, Pfdf., am l. U. des Rheins und am Fuße des Calanda, der von hier aus am bequemsten zu ersteigen ist, ^ St. von Chur, auf einer mäßigen Anhöhe, mit gutem Acker-, Wiesen-, Wein- und Obstbau und Alpen. Schloß mit herrlicher Aussicht. Nahe oberhalb das 7 Stock hohe Schloß gl. N. mit Gefängnissen, Gewölben, Folterkammern ic., die Schlvßruinen von Grottenstein und Lichten- stein mit alkalischen Quellen; letzteres die Stammburg der Fürsten von Lichtenstein. Heinzenberg, der schönste Berg des Landes, am Fuße Früchte aller Art, in der Mitte Sommer- und Wintergetreide ic. hervorbringend und mit schönen Alpen und Wäldern bedeckt. Mehrere kleine Seen, 9 Ortschaften und viele Höfe liegen auf diesem Berge. Hinterrhein (Rheinwald), Pfdf., am l. U. des Rheins und am Fuße des Bernhardin, wenig Getreide aber viel Heu. Schöner Wasserfall des Weißbaches. Die alle Kirche ist von sonderbarer Bauart. Jenatz, zerstr. Pfdf. unfern der Lanquart im Prättigau; 2 Jahrmärkte, i St. davon in einer Thalschlucht das eisen - und schwefelhaltige Bad gl. N., gegen Haut- und Gliederkrankheiten tauglich. Molken- und Mineralwafferkuren. Jenins. Pfdf., bei Maienfeld, in fruchtbarer Ebene, mit gutem Weinbau. Nahebei die Schloßruinen von Aspermont und von Wineck. Jgis, Pfdf., nahe an der Straße von Chur nach Maienfeld, hinter einem Obstwalde. Sehr alte Kirche mit Grabmälern der Famile von Salis. Viele Kröpfe. Oberhalb die Ruine Falkenstein. Zlanz (roman. Glion), kl. Stadt am Einfluß der Glenncr in den Vorderrhein in fruchtbarer Ebene; ärmliches Aussehen. 20 bis 24 Pfund schwere Lachsforellen im Rhein; großer Viehmarkt. Archiv des grauen Bundes. 39 « Zulier, bequemer und sicherer Bergpaß aus dem Oberhalbsicin in das Engadin. 2 Säule» aus Granit scheinen ein keltisches Denkmal zu sein, übrigens sind auch Spuren vorhanden, daß dieser Paß den Römern nicht unbekannt war. Mehrere Gletscher auf beiden Seiten des Paffes. Juvalta, Nieder- und Ober-, 2 Burgruinen im Domleschg, unfern des Rheins, diese auf pyramidalem Felsen, jene auf beinahe unzugänglicher Höhe. Kästris, Pfdf., i St. von Jlanz, am Dvrderrhein. Asphallquelle. Kretinen. Klosters, Mktfl., an der Lanquart. Viele schöne Alpen und seit I8l6 eine Zink-Schmelzhütte. Langwiesen, am Platze, Pfdf., im Schalfik, an der Pleffur; zwei große Jahrmärkte. Hierher gehört das einsame Sappienerthal. Lanquart, die, entspringt in den Gletschern des Sardasca- und Farninathales, durchstießt verheerend das Thal des Prättigaues bis zum Druserthale, wo sie sich durch die Felsspalte Klus, zur Vereinigung mit dem Rhein, dringt. Sie nimmt mehrere Bäche auf. Lavin, Pfdf., am Jnn und an der Mündung des Lavinerthales. Schöner Landsitz; auf dem Wege nach Süß Zufluchtsorte gegen die Lauinen des Piz Gonda. Luzien steig, St., befestigter Engpaß zwischen dem Fläscherberg und der schroffen Guscheralp. Berühmt durch Gefechte 1499 der Eidgenossen gegen die Oesterreicher, 1799 und 1800 zwischen diesen und den Franzosen; der Paß kann nur durch Umgehen genommen werden. Lugnetz (Lungnetz. roman. Lumnarza), ein 9 St. langes Seitenthal des großen Vorderrheinthales, mit mehreren Auszweigungen. Es wird vom Glenner und seinen Nebenbächen, Rhyn oder Rhein genannt, bewässert und bietet die schönsten Ansichten einer romantischen Hochgebirgslandschaft dar, deren mehrentheils romanisch redende Bewohner nicht minder interessant sind. Viehzucht und bei den trefflichen Alpen gute Alpenwirthschaft; unbedeutender Acker- und noch geringerer Obstbau. Torf im Thalgrunde, mehrere Mineralquellen; Blei- und Kupfererze, viele Krystalle und eine große Menge Gletscher- (Bitter-) Salz. Lukmanier (rhät. Lukmajn, Quolm S. Maria), Bergpaß aus dem Medelser- ins Vlegnothal, früher sehr frequenter Uebergang. Das Hospital St. Maria liegt fast auf dem Kulminationspunkte auf der beträchtlichen Alpweide Prausak (magere Matte) unfern des Felsens Uomo. -1 59S »iLuvis, Pfdf., am Eingairg in's Lugnetz; in der Nähe die Ruine von c Montalta und Caschlatsch. ^Luzei», Pfdf., imPrättigau, zwischen Lanquart und Dalveza; Schloß- ruine Stadion. Madulein, Pfdf., am Jnn, im Oberengadin. Schloßruine Guar- ' daval auf hohem Felsen. Der Ort soll einst mitten in einem See K gestanden haben. ?Malans, Mktfl., in der Niederung des Rheins und am Fuße des i Augstenberges. Der hiesige rothe und weiße Wein (Completer) ist , der beste des Kantons. Wohnort des verstorbenen Dichters 2- G. von Salis-Sewis. Großer Kornmarkt. Malix, Pfdf., 1 St. von Chur, an der Rabiosa, auf der steilen Oberstraße in's Engadin und Bergest. Ruine Strasberg; Viehzucht und Warendurchfuhr. Mineralquelle. — 2n der Nähe der Malixerberg, i wo die Gränzen der drei Bünde zusammentreffen. Malöja (Malvggia), Bergpaß aus dem Engadin in's Bergest. Schon die Römer bedienten sich dieser Straße. Maria, St., Pfdf., an dem Rambach, auf der Straße aus dem Un- terengadin in das Mntschgau. Verkehr mit Salz und Wein. Maria, St., Pfdf., im Calancathal, an der Calancasca; über der Kirche liegen auf einem Felsen die malerischen Ruinen des Schlosses Calanca. Marsch lins, altes Schloß, rechts der gr. Str. von Chur nach Maienfeld und dem Prättigau. Ein von Planta und Nesemann hier errichtetes Institut ging ein. 2n der Nähe die riefe Felsenkluft Klus, aus welcher die Lanquart oft verderblich hervorbricht. Masein, Pfdf., ^ St. von Thusts, auf einer Terrasse des Heinzen- berges, zwischen schönen Obstpflanzungen und Kornfeldern; schöne Aussicht bei der Kirche, ebenso bei dem Schlosse Tagstein. Mastrilser- oder Slrilserberg, Parität. Pfdf. am Abhänge des Calanda, in angenehmer und fruchtbarer Lage; schöne Aussicht bei der kathol. Kirche. Kapuzinerhospiz. Mau ritz, St., einsamstehende Kirche, ^ St. von 2>anz, an der Landwehr. Hier sollen die Frauen von Lugnetz einen Kriegshaufen des Grafen von Werdenberg - Montfort zurückgeschlagen haben, während ihre Männer Liesen selbst bei Mvndaun besiegten (1ZL2). Maienfeld, kl. Stadt auf der Straße von Chur nach Norden; reich an Wein und Getreide. Die alte Stadt ist mit Mauern und Thoren umgeben. Waarendurchfuhr; altes Schloß und der aussichtreiche Thurm Saleneck. Früher eine Goldwäscherei im Rhein. Das Minenfelder- 400 Thal ist sehr fruchtbar, hat schöne Waldungen an den Bergabhängen und auf den Bergen vortreffliche Weiden. Medelserthal (rhät. Val Medel), romantisches Hochthal, vom Mittelrhein bewässert, der zwei hübsche Fälle darin bildet; es ist eng und oft wild, hat aber schöne Weiden, bringt Gerste und Sommerroggen, viel Hanf und Flachs hervor; die Wälder bestehen aus Lärchen, Rvthtannen, Arven und Bergfohren. Viele Gemsen und an Leres Wild, aber auch Bären. Die Bevölkerung nährt sich mit Viehzucht, etwas Ackerbau und Verfertigung hölzerner Gefäffe, welche sie den Tessinern gegen Reis, Getreide und Kastanien überlassen. Die Männer sind meistens groß, stark und bräunlich von Farbe. Die Käse sind fett und gesucht. Schon im I4ten Jahrh, wurden Silbergruben bearbeitet. Mehrfache Erzgänge. Mera oder Maira, die, entsteht aus 3 Bächen am Septimer, nimmt hinter Casaccia den Ordlegna, zu Vicosoprano die Albegna und zu Bondo die Bondasca auf, und fließt nach ihrer Vereinigung mit der Lira nach dem Comersee. Misocco (Misor), s. Cremeo. Das Thal gl. N. oder Val Me- solcina, zieht sich 8l^ St. lang vom St. Bernhardin gegen den Tessin; eS wird von der Moesa durchströmt, ist im obern Theile rauh, zeigt aber im untern Theile italienisches Klima; es gehört zu den schönsten Thälern der Alpen. Die Bevölkerung ist italienischer Rare, sie spricht einen rhätischenDialekt und nährt sich vom Land- und Seidenbau, Viehzucht und Waarentranspvrt. Schon bei Cremeo zeigen sich Kastanien und Nußbäume, Getreide- und Gartenbau; weiter hinab sieht man auf einem Felsen die großen und malerischen Ruinen des Schlosses Masor oder Misocco, die schönsten der Schweiz. Noch weiter unten wachsen Maulbeer- und Feigenbäume; Italiens Boden und Klima beginnen. Moesa oder Muesa, die, entfließt dem See gl. R. am St. Bernhardin, bewässert das Misoccothal, vereinigt sich mit der Calancasca und wendet sich zum Tessin. Sie ist fischreich, besonders an Lachsen, und dient zum Holzflößen. Monstein, Pfdf., am Oavoser Landwaffer, im futterreichen Thale gl. N-, auch Spinathal genannt. Schwefelbad. Moritz, St., hochgelegenes Pfdf. im Oberengadin und über dem See gl. N., dessen Abfluß einen hübschen Wafferfall bildet. 20 Minuten von da befindet sich der Sauerbrunnen gl. N., dessen Wasser den berühmtesten Heilquellen Europa'L an die Seite gesetzt wird. Dieser Brunnen liegt auf einer Sumpfwiese am Fuße des Noseg, von hoher 40t Alpennatur umgeben; weite, grüne Berghänge, Tannen- und Arven- wälder, kleine smaragdne Seen, wilde Bergbäche, schöne Wasserfalle, große Gletscher und himmelanstrebende Felsgipfel. Das Klima ist rauh, aber, wenn man sich vor Erkältungen hütet, gesund, und der hohen Lage wegen die Lust rein und wohlthätig, die Temperatur schnell abwechselnd. Der Sauerbrunnen wirkt vorzüglich wohlthätig bei Verstopfungen, Derschleimungen, Säurebildung, Schärfe der Säfte, Schwäche der verschiedenen Systeme und Organe; er stärkt die Eingeweide, reizt den Appetit ic. Münster, Pfdf., im Münsterthal am Rambach, hart an der Tyroler- gränze. Benediktiner-Nonnenkloster. Münsterthal (Val da Müstair), im SO- des Kantons, jenseits der Centralalpen, von hohen Gebirgen umschlossen. Die Bewohner reden romanisch und treiben Alpeiiwirthschast und Viehzucht. Hei- math des Reformators Galatin, des Dichters und Juristen M. LatiuS und des Litterators Lemnius. In frühern Zeiten schon fand man hier Eisenerz und Silber. Mutta, Ober-und Unter-, Pfarrei eines Nvmadenvolkes; jenes wird im Sommer, dieses im Winter bewohnt; dort ist eine hölzerne, hier eine massive Kirche. Hohe, abgeschiedene Lage von Bergwiesen umgeben. Nolla, die, entspringt am Piz Beverin und richtet oft furchtbare Verwüstungen im Domleschgerthale an; sie vereinigt sich oberhalb Thusis mit dem Hinterrhein. Oberhalbstein (sur Seissa), ein vcn hohen Bergen eingeschlossenes , 6 St. langes und vom Oberhaldsteinerrhein bewässertes Thal mit 4 kleinen Seen und herrlichen Alotriften. Gemsen, Murmelthiere, weiße und graue Hasen, Luchse und Füchse sind häufig. Die Bewohner sprechen romanisch und sind groß und stark. Romantische Hochalpennatur und die Reste von lv alten Schlössern machen dieses Thal interessant. Oberland (s»r Sekva, ob dem Walde), von den Bewohnern Panatutz genannt, ist die große Thallandschaft von den Gränzen von Ursern bis Reichen«», vom Vorderrhein bewässert und passend Vorderrheinthal genannt. Obersaxen, zwstr. Pfdf., ^ St. von Jlanz, in wildem, aber vieh- und weidereichem Gelände. Ehemalige Silberbergwerke; mächtige Eisengruben, die ausgebeutet werden. Ruinen von 4 altem Schlössern. Ortenstein, großes, romantisch auf einem Felsen gelegenes Schloß, unfern LeS Rheins im Domleschg; auf der Spitze eines Hügels die Kirche der Gemeinde Ortenstein. 26 402 Panir (rom. Pignu), Pfdf., in einem hohen Thale im Oberlande, am Bache gl. N. und auf dem Bergpfade über den Panirerpaß, den die Russen unter Suwarow am 5. Okt. 1799 passirten. Viehzucht, wenig Ackerbau, hohe und schöne Wasserfalle. Parpan, Pfdf., 2)4 St. von Chur auf der obern Straße. Schone Alpen, Viehzucht. Fabrikation eines geistigen Liqueurs aus Veltliner- wein; feine Wolle. In der Nähe wurde im i?ten Jahrh, auf Gold und Silber gebaut. PeiLen, Dorf, 1^4 St. von Jlanz, im Lugnetz, am Glenner. Jenseits desselben ein Badhaus und Sauerbrunnen, dessen Wasser dem St. Moritzer ähnlich, hingegen schwächer ist. Peist, Pfdf., im Schalfik, an der Plessur; ungesunde Lage; daher der Name Pebst, Pest. Peter, St., Pfdf., anmuthig im Schalfik, mit dem Rathhaus des ganzen Thales, wo auch die Hochgerichtsgemeinde gehalten wird. Pignieu '(Pignol), Pfdf., im Schamserthal, mit einem gut und bequem eingerichteten Bade. Pisciadell, Pfdf., imPuschlaverthal; ein naher Gypsberg gibt einen Klang, wenn man darauf stößt, als wäre er hohl. Der einst nahe an gelegene Ort Raschariade ging durch einen Bergsturz unter. Platta, Pfdf. und Hauptort im Medelserthal, am Mittelrhein. Plessur, die, Abfluß des Erosasee's, durchzieht Las Schalfikthal und mündet, vergrößert durch mehrere Bäche, unterhalb Chur in den Rhein. Pontailjasthal, ein Nebenthal des Rheins im Oberlande; 2 St. oberhalb seiner Mündung befinden sich Eisen- und Kupferminen, deren Ausbeute in Trons und Ruvis verarbeitet wird. Pontresina, Pfdf., im Thale gl. N.. im Oberengadin. Oberhalb liegen verlassene Schachte, in welchen sonst Erze ausgebeutet wurden. Poschiavino, der, entspringt im Bernina, durchstießt das Thal und den See von Poschiavo und drängt sich durch die Schlucht des Bru- saskerthales zur Adda. Presans, Pfdf., im Oberhalbstein, auf einer Bergstraße, über welcher schöne Alpen liegen. Ruinen des Schlosses Rausenberg und Wallfahrt zu einer Kapelle in der Nähe eines Gletschers. Pretti- oder Prättigau (eigentlich Rhätigau), von hohen Gebirgen umschlossene Landschaft, von der Lanquart wild durchströmt, 9 St. lang und 3 St. breit. Ein schönes und fruchtbares Al^snland, welches das schönste und größte Rindvieh Bündens nährt, reich an äußerst romantischen und auch an wilden Gegenden und von einem schönen, arbeitsamen und kräftigen deutschen Volke bewohnt, das nationalstolz, 405 sich hauptsächlich nur mit Vieszucht und SIlpenwirthschaft abgibt; viele Schneckenmästungen in eigeren Gärten. Zwischen dem Gavier und Madcisa brechen Kupfer- urd Eisenerze; es gibt mehrere Mineralquellen. Pu schlaf (Poschiavv). Mktfl.. im Thale gl. N- Wohlstand und starker Verkehr und Transit zwischen Bunden, Tyrol und Veltlin. t Frauenkloster, 2 Kirchen. — Das Thal gl. N. liegt jenseits der Centralalpenkette und ist 5 St. lang. Es ist nicht überall so fruchtbar wie in der Nähe des Ha-aptortes, wo vortrefflicher Wiesen- und nicht unbedeutender Ackerbau, schöne Weiden und Wälder. Puschlafersee .u ko-iesilav«), am Fuße des Bernina. i St. lang, etwas über St. breit, 170 Fuß tief und sehr fischreich. Er wird vom Bache Poschiavino gebildet. Rhäzüns (kt,wtil, ima), Pftf., am Hinterrhein, auf der Straße von Chur nach Thusis; nahebei Las Schloß gl. N. auf einem Sandstein- felsen, unter welchem ein schönes Echo. Rambach, der, entspringt im Münsterthal am Piz Pisoc, wendet sich in's obere Vintschgau und fällt in die Etsch. Realte (Hohenrhätien), weitläufige Ruinen einer einst von vier Thürmen vertheidigten Burg, auf einem 400 Fuß hohen, nur von O. zugänglichen Felsen, zwischen dem Hinterrhein und der Albula; sehr alt. Schöne Aussicht bei dem nördl. Thurm. Nahe die St. Johannskirche, einst die einzige im Domleschg. Reams, Pfdf., am Oberhalbsteiner Rhein, angenehm in der Mitte des Oberhalbsteins gelegen; Schlößruinen. Reichenau (rhät. I» I»»n oder I» I?on sol). Schloß, isf, St. von Chur, am Zusammenfluß des Vorder - und Hinterrheins. Der Schloßgarten ist für den Botaniker interessant und bietet schöne Aussichten dar. Hier war einst eine Erziehungsanstalt, worin der jetzige König der Franzosen, Ludwig Philipp, Lehrer war. Verschiedene schöne Standpunkte; oberhalb ein Wasserfall. Gefecht zwischen Bündnern und Franzosen am i. und 2. Mai 1799. Remüs, Pfdf., am Jnn, im UnterengaLin, in schöner und kornreicher Gegend; gleich oberhalb die Trümmer des Schlosses Cianuff. Rhätikon, Hochgebirgskette, vom Fermund nach WNW. ziehend, Prättigau vom Mvntafvn scheidend und mit dem Falknis in den Rhein abstufend; wild. gewaltig zertrümmert und stark begletschert. Rhein, stehe Enleitung. Rheinwaldthm (rhät. V»l KI.ei» und Vat : Lsiei»), von dem Adula nach den Rossten sich 5 St. lang und St- breit hinziehend, 404 ein Längenthal der Alpen von Hochgebirgen umschlossen; stark den Lauinen ausgesetzt, mit einem fast 9 Monate langen Winter und von den Nachkommen einer schwäbischen Kolonie bewohnt, die Kaiser Friederich i. zur Bewahrung der Alpenpäffe hierher versetzte. Rvfflen, die, auch innere Via mala, ein halbstündiger Felsenpaß von dem Schamser- ins Rheinwaldthal. Der Hinterrhein und weiter abwärts der Farerabach machen schöne Fälle. Rotels, Pfdf., im Domleschg, unfern des Rheins, auf schönen von Obstbäumen beschatteten Wiesen; Landsitze, bei deren einem eine periodische Quelle. Nahe das Schloß Rietberg auf hoher Felswand. Rothenbrunn, Dorf, am Rhein im Domleschg. Unterhalb der beiden Schlösser Juvalta liegt das alte, seit 1806 gut und billig eingerichtete Bad, das Alles roth färbt. Roveredo (Rogoredo, in der Rossten). Mktfl., im untern Theile des Misoperthals, an der Moesa, mit massiver Bogenbrücke. Der auf dem r. U. liegende Theil heißt von der Kirche St- Antonio. Sei- denkultur und Seidenspinnerei. Ruschein, Pfdf., im Oberlande, bei Flanz; nahebei lag das Schloß Frvnsberg, Stammhaus der Edeln gl. N. Ruvis, Pfbf., im Oberlande; Hochofen und Kupferhammerwerk für die Erze des Pontailjasthales. Saas, Pfdf., im Prättigau, an der Lanquart, auf einer Anhöhe; leidet öfters durch Lauinen; 1689 Bergfall. Salux, Pfdf., im Oberhalbstein; in der Nähe stand der Thurm Va- laca. Geburtsort des Helden Benedikt Fontana in der Schlacht auf der Malserheide 1499. Samaden, Pfdf., im Oberengadin, am l. U. des Jnn; schöne, wie- senreiche Umgebung; reich und gewerbsam; Schwefelquelle. 3 Kirchen und mehrere schöne Gebäude. Samnaun, freundliches und Heureiches Seitenthal im Unterengadin, mit einer Pfarrei. In der Nähe sehr feiner Bvlus und am Berge Mondin goldhaltige Erze. Savien-, Safienthal (rom. Stussavia), 6 St. langes Thal, das sich oberhalb Reichen«» öffnet, vom Savier-Rhein bewässert und höchstens St. breit, von rauhen Bergen umgeben, mit herrlichen Weiden und guter Viehzucht. Mehrere alte Ruinen, viele seltene Pflanzen und malerische Wasserfälle. Scanfs, Pfdf., am Znn, im Oberengadin; in der Nähe, in romantischer Gegend, sind die Drususgräben. 406 Scesa plana (Pandel-r Schroffen), konischer Felsgipfel im Rhä- tikon, mit ausgedehnter Aussicht. Im O. der Lünersee von hohen Felsen bis auf eine eng- Oeffnung eingeschloffen, durch welche er in die Jll abfließt; bei nördl. Stürmen schlägt er hohe Wellen mit solchem Brausen, daß wan es mehrere Stunden weit hört. Schal- oder Schanfik. ein schroffes und wildes, enges Thal, sich 4 St. lang zu beiden Seiten der oft verheerenden Plessur hinziehend. Die Bewohner leben von Viehzucht. Schalke!- oder Schergsnbach, der, im Samnaunthal, macht auf eine kleine Strecke die Gränze gegen Tyrol und mündet in der Schlucht von Finstermünz in den Jnn. Schans (rhät. Gans), t>4 St. langes, ovales, reizendes Thal vom Rhein durchfloffen, nur durch die schauerliche Kluft der Via mala und den Felsenpaß Rofflen zugänglich. Fruchtbare Getreidefelder, schöne Wiesen und Obstbäume, vortreffliche Alpen und Weiden. Es hat il Dörfer, deren Bewohner sich von der starken Warendurchfuhr nähren, und mehrere Schloßruinen. Viele Gemsen und zuweilen Luchse, Bären, Wölfe und Dachse. Früher mehrere Bergwerke. Scharans, Pfdf., unfern der Albula; alte, ehrwürdige Kirche mit einer großen, von einem geschnitzten Rhätusbilde umarmten Linde. Kretinen, trotz der gesunden Lage. Schiers, Pfdf., an der Lanquart. im Prättigau. 1622 am 22. April Sieg der Einwohner mit ihren Nachbarn von Jenatz und Furna über den Tyrannen Baldiron und seinen Gehülfen, den später kanonisirten Kapuziner Fidelis von Sigmaringen. Schlöwis (Schleuis), Pfdf., nahe beiJlanz und demVorderrhein; Oberhalb Las Schloß Leuenberg. 1823 gefährlicher Schlammstrom im Sommer. Schmelzboden. im, auch Hvffnungsau, bedeutendes Hüttenwerk am l. U. des Davoser Landwassers; aus den Erzgruben zur neuen Hoffnung wird Blei und Zink gewonnen. Schmitten (Ferrara), Pfdf., südwestl. von Davos; oberhalb zeigen sich Spuren eines ausgedehnten Bergbaues auf Blei und Eisen. Schuols (Scuols), Mktfl., am Jnn, im Unterengadin, in angenehmer und fruchtbarer Gegend, übrigens von Schneelauinen bedroht. Herrliche und sehr reichhaltige Sauerquellen (20 im Umfange von 2 lD St.), noch stärker als die zu St. Moritz, verlieren sich hier fast unbenutzt; es gibt auch einige Salzquellen, überhaupt soll alles Wasser des Orts mineralische Bestandtheile enthalten. Vorzüglichster Acker bau des Kantons; i Papiermühle. 406 Schweiningen(Savognia), Pfdf-, auf dem Oberhalbsteiner Rhein. Nahebei die Schloßruinen Padna. Sedrun (SaLrun), Pfdf. und Hauptort des Tavetscherthals. Hier gedeihen Roggen, Gerste, Hafer, Rüben und Kartoffeln. Seewis, Pfdf., am Fuße des Berges gl. N.; 6 starkbesuchte Jahrmärkte. Fruchtbarer Boden. Schöne Kirche und schloßartiger Landsitz, Stammhaus des Dichters Salis-Seewis. Septimer. Bergpaß zwischen Oberhalbstein und Bergest. Auf der Höhe ist ein Wirthshaus. An dem Berge befinden sich 3 kleine Seen, die Quellen des Jnn, Oberhalbsteiner Rheins und der Mera. Serneus, Pfof., im Prättigau, unfern der Lanquart i» fruchtbarer Halde. '/2 St. davon das Bad gl. N. auf einer Wiese; gut und billig. Das Wasser ist im Sommer kalt und im Winter lauwarm. Sertigthal, ein Seitenthal von Davos, wild und romantisch; ganze Wälder von Arven, viel Isländisch Moos; schöne Wasserfalle und Gletscher. ES befinden sich im Thale ü Mineralquellen. Sils (Salgias), Pfdf., im Domleschg, in der Gabel des Hinter- Rheins und der Albula; in fruchtbarem Gelände. 2 schöne Schlösser. Die Nolla ist gefährlich und verwüstend. Sils (Seilg, Seglio, Sailjas), Pfdf., im Oberengadi», zwi schen dem gleichnamigen und Silvaplana-See. Jener See ist kaum 3 Monate ohne Eisdecke und forellenreich. Vortrefflicher Gypsbruch und ächter Lavezstei». Silvaplana, Pfdf., am See gl. N-, auf einer, durch einen Berg schütt gebildeten Erdzunge im See, im Oberengadin; reizende, male. rische, aber wilde Umgebung. io Minuten davon Surlag mit einem Sauerbrunnen. Soazza, Pfdf., an der Moesa im Misoccothale; man pflanzt hier noch Mais; Gränze der Seidenzucht. Schöner Wafferfall des Niale di Buffalora. Soglio, Pfdf., im Bergest, Stammort der Familie von Salis. Schöne Kirche; hier gedeiht noch Obst, aber keine Kastanien. In der Nähe ein schöner Wafferfall der Carrogia. Spien (Spina), Seitenthal von Davos, mit einem Bade gl. N. Splügen (Spluja), Pfdf., auf der gr. Str. von Chur nach Italien und am Fuße des Splügen. Wohlstand, starker Waarentransport Die Steinbrüche liefern schöne» Marmor zu Bildhauerarbeiten. Splügen, Paß, stehe Einleitung. Stall« (Bivio), Pfdf., in einer wilden Gegend des Oberhalbsteins; beträchtliche Waarenniederlage. / 407 r> L Slampa, Pfdf., im Bergest. an der Mera; die Skraße geht hier unter « einer Wölbung von zwei gegeneinandergelehnten Granitblöcken durch, k Süß, Pfdf., am Jnn, im Unterengadi»; Ruinen von Burgen; 1572 fand man auf denselben Dolche, Pfeile, Schnallen, Schüsseln, Schei- , ben, Rüstungen, Streitäxte und andere römische Waffen, so wie silberne und eherne Münzen. Salz- und Kornhandel. Sum- oder Somwir, ehemals Val Tenija, L St. langes Thal. zwischen hohen begletscherten Bergen, mit schönen Alpen, Wiesen und Wäldern; malerische Wasserfälle. Gemsen, Murmelthiere und wildes Geflügel finden sich in Menge; es ist wenig bewohnt und ent- ! hält nur 6 Häuser, 2 Kapellen und ein Bad. , Sumwir, Pfdf., am Rhein und dem Ausgangs des Thales gl. N. ' gegenüber. In der Nähe Silber- und Kupfererze. ^ Suvers oder Sufers, Pfdf., am Hinterrhein, im RheinwalLthale. k An dem Berge gl. N. schöner weißer Marmor. Schöne Wiesen, ? Waldungen von Lärchen und Arven; eine Eisenhütte. S Tamins, Pfdf., auf der Straße von Jlanz; schöner Landsitz. Schöne S Waldungen und Holzflößen auf dem Rhein, k Tarasp (Tarasse), Pfdf., im Unterengadin, ron schmutzigem und 8 ärmlichem Aussehen, der einzige katholische Ort im Engadin; Kapu- h zinerhvspiz. In der Nähe alkalisch-muriatische Quellen. ' Tavätschthal, die Wiege des Vorderrheins, ziel-t sich von Dissentis St. nach SW., eines der reizendsten und fruchtbarsten Hochthäler, besonders reich an vortrefflichen Weiden und Alpen, leidet aber oft durch Lauinen, wie 1749 und 1808. Die Männer sind hier besonders schön und stark, fleißig und wohlhabend, sich von Viehzucht und Ackerbau nährend; der Flachs gedeiht vortrefflich und im untern Theile Sommergetreide. Tiefenkasten (6s8te), Pfdf., am Zusammenfluß des Oberhalbsteiner Rheins mit der Albula, in tiefem, von jähen Bergen umgebenen Thale. An der Albula ist eine Mineralquelle, s Tinzen, Pfdf., im Oberhalbstein; schöner, weißer Alabaster. ! Tomils (Dom l), Pfdf., auf einem Hügel im Domleschg; nahe die : Schlösser Paspels und Ortenstein; in der Nähe ein unbenutzter Sauer- , brunnen. Trimmis, Pfdf, i St. von Chur, auf der Straße nach MaienfelL, mit kath. und ref. Kirche. Schlechtes Wasser, viele Kröpfe; eine kalte Mineralquelle im nahen Maschanzertobel soll starken Hunger erregen. Trins, Pfdf., bei Reiche»«», auf der Straße in's Oberland. Romantische Gegend; beschwerlicher, aber ergiebiger Ackerbau; beträchtliche Vieh-, Obst- und Bienenzucht. TronS (Truns, rhät. Tron), Pfdf,, nahe am Vorderrhein, im Oberlands, in fruchtbarem Thals; schöne Aussicht. Eisenhütten und Hammerwerk; Reichthum an Erzen und Holz. Beim Eingang in das Dorf steht noch der mit einem schönen Monumente gezierte, fast abgestorbene Ahorn, unter welchem 1424 die Stifter des grauen Bundes sich versammelten; nebenbei die Kapelle St. Anna mit schöner Vorhalle und einer auf jenes Ereigniß bezüglichen Inschrift. Mehrere Ruinen. Tschapina, Pfdf., am Ende des Heinzenberges; leidet viel durch Bergfälle. Schöne Alpen, kein Kornbau. Torf und Bleierz. Thusis (Tusis, rhät. Tusan), Mktfl., am Heinzenberg und an der verheerenden Nolla. Beträchtliche Jahrmärkte, starker Korn- und Mehhandel; bedeutende Gerbereien; frequente Waarendurchfuhr. Die Gegend ist sehr fruchtbar und angenehm, interessant durch alte Schloßruinen und liebliche Landsitze; an den Ufern des Rheins der erste Weinberg. An der Nolla ein gutes und billiges Schwefelbad. Ballendas, Pfdf., unfern des Vorderrheins, bei Jlanz; alte Schloßruinen; in der Kirche die Gruft der Freiherrn von Sax. 1621 Gefecht auf der Wiese von Prada zwischen Graubündnern und kathol. Eidgenossen. Vals- oder St. Petersthak, ein Theil von Lugnetz, sehr enge und außer Erlen kein Laubholz; die Wohnungen liegen zerstreut; munteres und thätiges Volk. Alpen- und weidereich. Vals (am Platz, St. Peter), Pfdf., im Kreise um einen großen Platz gebaut; es gedeiht noch etwas Getreide. In der Nähe eine laue alkalische Quelle, der des Schlangenbades im Herzogthuni Nassau ähnlich. Valzeina (Valsana, gesundes Thal), freundliches und Heureiches Bergthal im Prättigau. mit zwei Dörfern gl. N. Vatz, Ober-, Pfdf., am Bache gl. N. im N. der Albula, von schönen Wiesen und Bäumen umgeben. Ruinen des Stammschlosses der Freiherrn von Vatz. Die hiesigen Ziegenkäse sind die schmackhaftesten in Graubünden. Vatz, Unter-, Pfdf-, am Berge gl. N., von schönen Feldern, Wiesen und Wäldern umgeben; 1 reform. und 1 kathol. Kirche. Hier der schönste Hanf im Kanton. Via mala ist jene seit 1472 bestehende, so übel berüchtigte, seit der Eröffnung der Splstgen- und St. Bernhardinstraße aber so gefahrlose und für jedes Fuhrwerk praktikable, fast 1/2 St. lange Passage durch eine der grausenhaftcsten Felsschluchten der Alpen, in welcher 409 der wilde Hinterrhein tobend und oft unsichtbar sein Bett eingefreffen hat. Dieser Weg beginnt oberhalb Thusis mit dem verlernen Loche und zieht sich durch Gallerten und über Brücken bis in Las liebliche Schamserthal. Vico soprano (Vespran), Mktfl., im obern Bergell, an der Mera; alter Thurm Castello disotto der Präpvsiki oder Prevost; im Val Al- ; bigna ein schöner Wafferfall. ' Villa, Pfdf., in einem schönen kleinen Thale am Glenner im Lugnetz; i Versammlung der Landsgemeinde. Vittore, St., Pfdf. im unternMisoccothale, an der Moesa; Burgruinen; ein Kollegiatstist und Prvbstei. . Waltensburg (rvman. Uors), Pfdf., am Dorderrhein, in angenehmer und getreidereicher Gegend. Große Burgruine. Auf dem Vepehio- ' berg eine außerordentlich kalte, dem Gesicht und Gehör sehr zuträgliche Mineralquelle. Weißenstein, Wthsh. auf der Straße von Chur über den Albula in's Engadin; unfern 2 kleine Seen, denen die Albula entströmt; Spuren einer Römerstraße. > Wiesen, Pfdf., hoch auf einem Bergabhange nahe des DavoserLand- waffers gelegen. Hier gedeiht noch Roggen, Gerste und Hafer. ' Wilhelmsbad, Bad, s^St. von Chur, an einsamer, steiler und felsiger Halde; ärmlich eingerichtet. Zeusenberg, Alt- und Neu-, 2 Burgruinen im Dvmleschg; letztere wurde 1452 von den Bündnern zerstört. Zizers, Mktfl., 2 St. von Chur, im weiten und fruchtbaren Thale des Rheins auf einem Hügel; der alte Thurm, jetzt Gefängniß für schwere Verbrecher, war einst ein Theil des Schlosses Frida». Ein Kapuzinerhosxiz, ein unbenutztes Heilbad. Zn der Nähe ein der Gesundheit nachtheiliger Sumpf; der Rhein ist zuweilen ein gefährlicher Nachbar. Züge, die, oder Züga, ein Felsenpaß aus dem Davos in die niedere Gegend der Albula, durch Wald und schauerliche Lauinenzüge. Zuz (Suoz), Mktfl., unfern des Jnn imOberengadin angenehm gelegen; reich an Alpen. Sehenswerthe Bibliothek des Majors Piult. 410 Äanton A arg au. >r>n Freistaat mit repräsentativen Formen. — Das Wappen des Kantons ist ein in die Länge gezogener Schild, i» der einen Hälfte mit einer silbernen Binde in Schwarz, in der andern mit drei goldenen Sternen in Blau. Der Kanton Aargau bildet einen Theil der nördl. Schweiz und gränzt gegen O. an Zürich, gegen W. an Bern, Solothurn und Basel- Landschaft, gegen N. an den Rhein, der ihn von dem Großherzogthum Baden trennt, und gegen N. an den K. Luzern. Der Flächeninhalt wird auf 38 HISt. oder 342,000 Jucharken geschätzt. Dieser Angabe fehlt indessen die erforderliche Genauigkeit. Der größte Theil des Landes besteht aus wohlangebauten, in der Höhe mit Wald bewachsenen Hügeln, zwischen denen sich fruchtbare Felder und Wiesenthäler hindurchziehen. Das einzige bedeutende Gebirg ist der Jura, welcher den Kanton von SW. nach NO. durchzieht und hier immer niedriger wird, jemehr er sich in nordöstl. Richtung dem Rhein nähert. Die merkwürdigsten der südwestl. Gränze naheliegenden Höhepunkte, welche aber keineswegs die Schneelinie erreichen, sind: die Wasserfluh und die Gysulafluh, erstere 2,880 und letztere 2,710 F. üb. M. sich erhebend. Der südl. Abhang des Gebirges ist an einigen Stellen jäh, an andern durch kleine Thäler unterbrochen, im Ganzen aber weit steiler, als die nördl. Abdachung, welche sich gegen den Rhein zu in immer kleinern Hügeln und großentheils sehr fruchtbaren Thälern verliert. — In diesem aus Kalkstein bestehenden Gebirge finden sich häufig Spuren von Eisen und eine große Menge von Petre- fakten, namentlich Ammonshörner, Seemuscheln, Korallengewächse rc. in großer Mannichfaltigkeit. Die innern Thäler liegen weit höher, als die angränzenden Ebenen, enthalten aber häufig an der Sonnenseite Weinberge, an der Schattenseite Aecker- und Weideplätze. Letztere erstrecken sich bis auf die höchsten Spitzen und wechseln oft mit Tannen- und Buchenwaldungen. Einige Stellen des Gebirges liefern Alabaster, Marmor und Sandstein. Steinkohlen sind weniger häufig als Gyps, Kalk, Schiefer und Thon. Die Thäler folgen dem Laufe der Flüsse und Bäche und erstrecken sich mit den sie begränzenden Hügelreihen in fast paralleler Richtung von S. nach N. in das Flußgebiet der Aar, welche den Kanton 411 von SW. nach RO. durchströmt und stch, nach ihrer Vereinigung mit der Reuß und Limmat, in den Rhein ergießt. Das Surthal oder Surbthal wird von der im Züricher Amte Regensperg entspringenden Sur (oder Stirb) bewässert. Es hat üppige Wiesen und endigt bei Kleindettingen, wo die Sur stch in die Aar ergießt. Das Limmatthal ist eine Fortsetzung des Flußgebietes der aus dem Zürichsee kommenden Limmat. Es ist anfangs weit und mit vortrefflichen Aeckern und Wiesen versehen, wird aber bei Baden sehr eng und von steilen Anhöhen begränzt. Nachher wird es wieder weiter und endigt bei der Vereinigung der Limmat mit der Aar. Das Reußthal nimmt einen großen und sehr fruchtbaren Theil des Kantons ein. Der südl. Theil dieses Thales in den Bezirken Muri und Bremgarten ist von sauftansteigenden Hügeln begränzt; im Bezirk Baden dagegen ist es größtentheils von steilen und dichtbewaldeten Anhöhen umgeben. Es endet bei Windisch, wo das weite und fruchtbare Flußgebiet der Aar beginnt. , Das Bünzthal wird von der Bünz, einem im Bezirk Muri entspringenden Flüßchen bewässert. Es hat vortreffliche Aecker und Wiesen. Das durch den Hallwylersee und die aus demselben fließende Aa gebildete Thal beginnt oberhalb des Baldeggersee's im Kanton Luzern. Es hat gute Aecker. aber auch viele sumpfige Wiesen. ; Das Kulmer- oder Winnierthal. ein langes, starkbevölkertes k Thal. Es wird von dem Flüßchen Winnier bewässert und läuft parallel mit dem Suhrthal. von dem es durch eine verwaldete Hügelreihe getrennt wird. Beide Thäler haben gute Aecker und Wiesen. Das Wiggerthal wird von der oft starkanschwellenden Wigger j bewässert und endet bei Aarburg, wo der Fluß stch in die Aar ergießt. Die im N. der Jurakette in das Flußgebiet des Rheins aus- ^ mündenden Thäler sind größtentheils schmal, von starkbewaldeten Hügeln ; begränzt und von kleinen Bächen bewässert. § Die Mettau, ein starkbevölkertes aber nicht sehr fruchtbares Thal, ! welches stch vom Jura nach dem Rhein zu erstreckt. In den anstoßenden l Hügeln werden viele Versteinerungen gefunden. > Das Sulzthil. ein enges und rauhes Wiesenthal. Der oft starkanschwellende Suhbach fließt zwischen Kalk- und Gypsbergen. ^ Das Kaiserthal ist weit milder und dem Ackerbau sehr günstig, f Auch der Weinbau gedeiht hier gut. l 412 DaS eigentliche Frikthal, mit den Seitenthälern von Hvrnuffen, Herznach und Wölfliswyl, erstreckt stch bis an den Rhein und ist sehr fruchtbar «an Getreide und Wein. DaS Wegenstetterthal erstreckt sich von SO. nach NW. bis an den Rhein und ist von sanftansteigenden Hügeln begränzt. Der Hallwylersee ist 2 St. lang, ^ St. breit und ziemlich fischreich. Seine sanftansteigenden Ufer sind reich an fruchtbaren Feldern und Weinbergen und bieten eine schöne Aussicht über den Wasserspiegel und über die im Hintergrund liegenden Schneegebirge dar. Dieser See, der einzige im K. Aargau, steht mit dem im K. Luzern gelegenen Baldeggersee durch das Zlüßchen Aa in Verbindung. Produkte. Bei der fast allgemeinen Fruchtbarkeit des Bodens und bei der Sorgfalt, welche auf die Bearbeitung desselben verwandt wird, gewinnt der Aargauer Getreide in mehr als hinreichender Menge. Daneben werden Futterkräuter, Flachs, Hanf, Kartoffeln und Gemüse, aber wenig Oelgewächse gebaut. Der Wiesenkultur wird viele Sorgfalt gewidmet und dadurch ein bedeutender Ertrag an Viehfutter gewonnen. Die Obstbaumzucht ist beträchtlich; nur wird im Allgemeinen wenig für Veredlung der Obstarten gethan. Der Weinbau ist in dem größten Theile des Kantons ein nicht unbedeutender Kulturzweig; der Ertrag ist in günstigen Zähren beträchtlich. In Hinsicht der Qualität stehen die Aargautzr Weine auf gleicher Stufe mit denen der übrigen nördl. und östl. Kantone der Schweiz. Die besten Weine wachsen bei Thalheim, Oberflackhs, Lasteten, Schinz- nach, am Hallwylersee und in einigen Gegenden des Frikthals. Die Waldungen nehmen beinahe den fünften Theil des Flächeninhaltes ein und werden bei einer verbesserten Forstwirthschaft dem Bedürfniß vollkommen entsprechen können. Wildbrät findet stch wenig, am meisten noch im Frikthal. Bedeutender ist die Fischerei. Der Lachs wird im Rhein, die Forelle nebst andern Fischen im Hallwylersee und in den großem und kleinern Flüssen gefangen. Die Rindviehzucht ist sehr beträchtlich. Die Ochsen und Kühe sind zwar kleiner als in den Alpengegenden, aber wohlgebaut und stark. Sie werden viel zum Ziehen gebraucht; weßhalb die Zahl der Pferde verhältnißmäßig geringer ist. Die Schweinezucht ist von Wichtigkeit; dagegen die Schafzucht fast unbekannt. Das Mineralreich bietet außer guten Bruchsteinen, Gyps, Kalk und Marmor nur wenige Produkte. Eisenerz befindet sich an einigen Stellen des Zuragebirges. Eine in der Nähe von Aarau befindliche l / 415 Erzgrube liegt seit mehreren Zähren unbenutzt; die übrigen sind nicht von Bedeutung. Torf wird in den Bezirken Muri und Baden gegraben. Auch finden sich einige Steinkohlenlager, welche einen nicht unbedeutenden Ertrag liefern. Einige an verschiedenen Orten des Kantons aufgefundene Salzquellen sind zu schwach, als daß der Ertrag die Kosten der Salzbereitung ersetzen konnte. Desto reicher ist der Kanton an Mineralquellen, unter denen die zu Baden *) und Schinznach**) wegen ihrer Heilkraft sehr berühmt geworden sind. Industrie. Von vorzüglicher Wichtigkeit für den Kanton Aargau sind die Fabriken und Manufakturen, welche vorzüglich im protestantischen Theile in großer Anzahl und Vollkommenheit vorhanden sind. Dort beschäftigt sich ein großer Theil der Einwohner mit Seiden-, Baumwollen-, Flachs- und Hanfspinnerei, so wie mit der Verfertigung von baumwollenen und halbbaumwollenen Stoffen, Baumwollensammt, Bändern u. s. w. Dort befinden sich große Färbereien, Kattundruckereien, Bleichen und Gerbereien. Auch die Seidenmanufakturen mehren sich mit jedem Jahr. In einigen Gegenden des Kantons, vorzüglich im Bezirk Bremgarten, macht die Verfertigung von Strohgeflecht einen Hauptnahrungszweig der Landleute aus. — Die Städte Aarau, Aarburg , Lenzburg und Zofingen sind die Mittelpunkte der Industrie und des Gewerbsfleißes. — Der Handel ist lebhaft und wird sowohl durch die gut unterhaltenen Straßen und schiffbaren Flüsse, als durch die Messen in Zurzach befördert. — Ausgeführt werden vorzüglich die im Lande erzeugten Fabrikate, Vieh, etwas Getreide, getrocknetes Obst u. s. w. Die Einfuhr besteht in Kolonialwaaren, Tabak, Wolle, Seide, rohe Baumwolle, Tuch, Salz, Del. — Auch der Transit von Deutschland nach dem Innern der Schweiz gewährt manche Vortheile. Bewohner. Der Kanton Aargau hat nach der im Jahr 1837 vorgenommenen Zählung 182,755 Ew.; unter denen sich 174,992 Kantonsbürger, 5,965 Schweizerbürger und 1,798 Ausländer befinden. — *) Die Wärme der nahe beieinander sprudelnden, äußerst reichen Quellen beträgt 38 bis ti<>0 R. — Nach Morell's Untersuchung enthalten 12 Unzen Wasser: Luftsäurc 3Kubikzvll, Glaubersalz Gran, Bittersalz 3^z Gran, Küchen- salz sj^ Gran, Sclenit 8^j Gran, Kalkcrde^g Gran, Bittercrdc 2^b Gran, Eisen Gran. Die Resultate der neuesten, von Herrn Pros. Löwig in Zürich angestellten Untersuchungen kommen diesen sehr nahe. ") Diese Quelle enthält in 300 Unzen Wasser: Schwcfclwasscrstoffgas 120 Kubik- zoll, G«ps 131 Gran, Glaubersalz 120 Gran, salzsaure Magnesia 38 Gran,' Bittersalz 33 Gran, schwefcl- und kohlensaure Kalkcrdc IS Gran, kohlensaure Magnesia 13 Gran, Eisenoxyd 3 Gran, Erdharz 2 Gran; die Wärme der Quelle beträgt 26" R. 414 Die Aargauer stehen, wie fast alle Bewohner der tiefern Gegenden der Schweiz, an Größe, Kraft und Schönheit den Hirtenvölkern der Alpen- gegenten nach. Manche sind sogar mit wirklichen Leibesfehlern, mit Kröpfen und Kretinismus behaftet. Dies ist namentlich der Fall am rechten Aarufer in feuchten, der Sonne wenig ausgesetzten Thalgründen und in Gegenden, welche Mangel an gutem Trinkwaffer haben. Die Zahl der Taubstummen verhält sich zur Bevölkerung wie 1 zu 400. Andere höherliegende Gegenden, deren Klima oft etwas rauh aber gesund ist, äußern dagegen einen wohlthätigen Einfluß auf Gesundheit und Ausbildung des Körpers. Die Aargauer sind in der Regel von mittlerer Größe, mehr gedrungen als schlank und zeigen, wie alle Bewohner der im N. von den Alpen gelegenen Kantone, in der Gestalt und im Volkscharakter den deutschen Ursprung. Wenn auch durch die politische Verfassung, durch Gewerbe und Lebensweise einige Veränderungen unter den Bewohnern bewirkt worden sind, so kann doch Thätigkeit, Streben nach Gewinn und Derbheit als Grundsatz in ihrem Charakter bezeichnet werden. Die Nahrung ist im Allgemeinen einfach und solid. Sie besteht vorzüglich aus gutem Brod, Erdäpfeln, Fleisch, Gemüse und Wein. Anstatt des früher gewöhnlichen Breies ist jetzt Kaffee mit Milch und Brod das gewöhnliche Frühstück. Der in einigen Ortschaften überhand nehmende Genuß des Branntweins gehört bis jetzt noch zu den Ausnahmen. — Eine Nationaltracht findet sich nur unter den Weibern. Sie scheint im alte» Aargau etwas vom französ. Schnitt anzunehmen und ist hier von der Tracht im Freienamte und im Frickthal durchaus verschieden. Die Wohnungen werden jetzt alle aus Steinen erbaut; sie sind geräumig und hell und zeugen von dem fast allgemeinen Wohlstände der Bewohner. Nur hin und wieder findet man noch alte hölzerne mit Stroh gedeckte Häuser, deren hohe Dächer weit vorstehen und die mit kleinen Fenstern versehenen Zimmer fast ganz verdunkeln. Scheune und Stallung ist mit diesen, so wie mit den neuern Häusern gewöhnlich zusammengebaut. Für intellektuelle und sittliche Bildung ist in den letzten Jahren sehr viel gethan, und bei den großen Fortschritten, die das Volksschulwesen nimmt, läßt sich mit Gewißheit voraussehen, daß der Aargau in Beziehung auf Volksbildung einen der ersten Plätze unter den Schweizerkantvnen einnehmen wird. Schon seit längerer Zeit wird dem Unterrichtswesen die größte Aufmerksamkeit gewidmet und alle Zweige desselben sind gut versorgt. Zur Bildung der Volksschullehrer beider Konfessionen besteht ein Seminar, und außer den Gemeindeschulen hat ^ jeder Bezirk in der Regel eine Sekundärschule. Die Kantonsschule l t 416 bereitet theils auf die Universitätsstädten, theils auf das höhere Ge- fchäfrsleben vor. Der Kunstsinn ist bei einem in kleinen Städten und Dörfern lebenden Volke, dessen Streben hauptsächlich auf Erwerb und Brodstudien gerichtet ist, nur gering, er muß bei talentvollen, jungen Männern im Auslande genährt werden. Jedoch zeigt sich im Aargau ein entschiedener Sinn für Musik und Gesang, der vorzüglich durch den verdienstvollen Pfeiffer ausgebildet wurde und noch durch mehrere im Kanton bestehende Musik- und Gesangvereine unterhalten wird. Außer diesen Vereinen bestehen im Kanton mehrere andere, welche vvrnämlich gemeinnützige und patriotische Zwecke haben. Die Gesellschaft für vaterländische Kultur, der Schullehrerverein im Bezirk Baden, der Offiziersverein, der Schützenverein und einige andere sind hier neben der helvetischen Gesellschaft, welche zu Schinznach. und dem Zofingerverein, welcher zu Zofingen sich versammelt, zu nennen. Politische Verfassung. Die jetzige Verfassung des Kantons Aargau besteht seit dem Anfange des Jahres 1831. Durch ein im Dezember 1830 erlassenes Dekret des Großen Rathes, worin derselbe sich vorbehielt, die von dem Verfaffungsrath zu entwerfende neue Konstitution nach Gutbefinden abzuändern, entstand in den Bezirken Baden, Bremgarten, Lenzburg und Muri ein Dolksaufstand, welcher die militärische Besetzung der Hauptstadt und die Zurücknahme jenes Dekrets zur Folge hatte. Die damalige Regierung erklärte sich für provisorisch und einem vom Volke ernannten Verfaffungsrath wurde der Entwurf einer neuen Konstitution übertragen, deren Grundzüge in Folgendem bestehen: »Die Verfassung, als Grundgesetz des Kantons, beruht auf der Sou- veränetät des Volkes. Alle Bürger, ohne Unterschied der Konfession, haben gleiche Rechte und sind zu allen Staatsämtern wählbar; nur die naturalissrten Ausländer müssen zuvor 6 Jahre im Kanton angesessen sein, ehe sie wählbar sind. Der Große Rath ist die höchste gesetzgebende Gewalt. Er ernennt aus seiner Mitte den Kleinen Rath, als die vollziehende Gewalt, und aus allen Staatsbürgern die mit der richterlichen Gewalt bekleideten Mitglieder des Obergerichts, der Bezirksgerichte und des Kriegsgerichts. Die vom Kleinen Rath verfaßten Gesetzesentwürfe werden dem Großen Rath zur Genehmigung vorgelegt und von dem letztem mit Gesetzeskraft versehen. Die übrigen Bestimmungen enthalten im Wesentlichen Folgendes: freie Religionsausübung, Freiheit der Presse (aber ohne Preßgesetz!). Gewerbs- und Handelsfreiheit, Öffentlichkeit der Verhandlungen vor den Gerichten, gleiche Militärpflich 416 tigkeit. — Diese Verfassung soll binnen 10 Zähren revidirt und dem Volke von Neuem vorgelegt werden." Der Große Rath besteht aus 200Mitgliedern. Jeder der48Wahlkreise (s. unten) wählt 4 Mitglieder, von denen das erste 6,000, das zweite 4,000 und das dritte 2,000 Schw. Fr. Vermögen besitzen muß; für das vierte Mitglied ist kein Vermögensausweis nöthig. Die übrigen 8 Mitglieder erwählt der Große Rath selbst aus den Aktivbürgern des Landes. Um stimmfähig zu sein, darf ein Bürger weder Fallit, noch bevormundet, noch kriminell verurtheilt sein. Der Kleine Rath oder die Regierung besteht aus 9 Mitgliedern, mit Einschluß des Landammanns und Landstatthalters, als Vorsteher des Kollegiums. Der Geschäftskreis des Kleinen Rathes zerfällt in folgende Abtheilungen: i) Departement des Innern; 2) Finanzdepartement*); 3) Rechnungskommisston; 4) Baukommissivn; 5) Militär- kommission; 6) Justizdepartement; 7) Pvlizeidepartement; 8) reformirter Kirchenrath; g) katholischer Kirchenrath; io)Kantonsschulrath; ii)Ober- pvstdirektion; 12) Sanitätsrath; 13) Armenkommissivn. DaS Obergericht besteht aus 9 Mitgliedern. Es urtheilt in letzter Instanz über alle vor dasselbe gezogenen bürgerlichen, polizeilichen und kriminellen Fälle. Der Kanton Aargau ist in folgende Bezirke eingetheilt: 1) Den Bezirk Aarau mit 17,389Ew. — Kreise: Aarau, Cnnetfelden, Kirchberg, Suhr. 2) Den Bezirk Baden mit 18,263 Ew. — Kreise: Baden, Kirchdorf, Mellingen, Rohrdorf, Mettingen. 3) Den Bezirk Bremgarten mit 16,175 Ew. — Kreise: Bremgarten, Lunkhofen, Sarmenstorf, Wohlen. 4) Den Bezirk Brugg mit 17,053 Ew. — Kreise: Bötzen, Brugg, Rein, Veltheim, Windisch. 5) Den Bezirk Kulm mit 20,398 Ew. — Kreise: Gantenschwyl, Kulm, Leutwyl, Reinach, Schöftland. 6) Den Bezirk Laufenburg mit 14,501 Ew. — Kreise: Frick, Laufenburg, Mettau, Wölfiswyl. 7) Den Bezirk Lenzburg mit 16,368 Ew. — Kreise: Lenzburg, Oth- marsingen, Schafisheim, Seengen, Seon. 8) Den Bezirk Muri mit 13,863 Ew. — Kreise: Boswyl, Meeren- schwand, Meienberg, Muri. *) Dcr offiziell bekannt gemachte Auszug aus der Staatsrechnung vom Jahr I 8 SS enthält folgende Angaben: Staatseinkünfte 708,888 Fr. Staatsaus- gabcn Fr. « 2^4 Rp. Das bewegliche und unbewegliche Staats- oermvgcn bclief sich Ende 1838 auf S,818,628 Fr. I 8 ^g Rp. 417 9) Den Bezirk Rheinfelden mit 10,154 Ew. — Kreise: Möhlin, Rheinfelden, Stein. 10) Den Bezirk Zofingen mit 24,461 Ew. — Kreise: Aarburg, Britt- nau, Kölliken, Staffelbach, Zofingen. 11) Den Bezirk Zurzach mit i4,i30Ew. — Kreise: Kaiserstuhl, Kling- : nau, Leuggern, Zurzach. ^ Jeder der benannten Bezirkshauptörter ist der Sitz eines Bezirks- s amtes, dem die Vollziehung der Gesetze und Regierungsverordnungen ^obliegt, und eines Bezirksgerichtes, welches über alleJudikaturfälle k in erster Instanz urtheilt. Zur Ausgleichung der minder wichtigen Streitsfälle ist in jedem Kreise ein Friedensrichter angestellt. ! DieGemeindeverwaltung ist in jeder politischen Gemeinde einem § Ammann und einem ihm beigegebenen Gemeindeschreiber übertragen. > Beiden liegt die Aussührung der von dem Gemeinderath gefaßten Be- ! schlüffe ob. Anßerdem werdenVersammlungen von sämmtlichen Gemeinds- l bürgern gehalten. _ ! Ortsbeschrerbnng. liAarau, Hauptstadt des Kantons, in einer schönen und fruchtbaren Gegend, am rechten Ufer der Aar, über welche hier eine im Herbst 1837 vollendete Brücke führt. Die Stadt, welche 4,057 grvßtentheils re- formirte Ew. zählt, ist seit dem Jahre 1812 durch den Bau der neuen Vorstadt, durch das Ausfüllen des Stadtgrabens und das Abbrechen alter Gebäude bedeutend vergrößert und verschönert. Eine neue Zierde erhielt sie später durch den Bau des Regierungsgebäudes, in welchem sich jetzt alle Dikasterien mit ihren Kanzleien und Archiven befinden. Auch für die Versammlungen des Großen Rathes und zur Aufbewahrung der Kantonsbiblivthek ist ein neues Gebäude aufgeführt. Diese öffentliche, für manche wissenschaftliche Fächer nicht unbedeutende Bibliothek wurde im Jahr 1803 durch den Ankauf der Büchersammlung des Generals Zurlauben gegründet, und ist seitdem mit jedem Jahre vermehrt worden. Mit der im Jahre 1801 von Bürgern der Stadt Aarau gestifteten, nachher aber zur öffentlichen Anstalt erhobenen Kantonsschule ist jetzt die Gewerbsschule vereinigt. Letztere Anstalt verdankt ihr Dasein den beträchtlichen Stiftungen der Herren Hunziker und Herose, und erfreut sich jetzt, als Staatsanstalt, des besten Gedeihens. Außerdem befindet sich hier eine Bezirksschule, eine Stadtschule und zwei Töchterschulen. — Unter den Fabriken und Manufakturen der Stadt Aarau sind vorzüglich nennenswerth: die großen mechanischen Spinnereien der Herren Herzog und Comp. und . 27 Feer, die Jndiennemanufakkurelt der Gebrüder Herose, die große Färberei der Herren Hunziker und Comp., die Mtriolölfabrik der Herren Frey und Comp., und mehrere andere Etablissements von geringerer Ausdehnung. Außerdem befindet sich hier eine bedeutende Glocken- und Kanonengießerei, zwei Buchhandlungen, vier Vuchdruckereien, mehrere mechanische Werkstätten, Lithographien u. s. w. Unter den gemeinnützigen Anstalten verdient die von der Gesellschaft für vaterländische Kultur errichtete Taubstummenanstalt eine ehrenvolle Erwähnung. Aarburg, kleine Stadt im Bezirk Zofingen, an der von Basel nach Italien führenden Straße. Ackerbau, Weinhandel, Schifffahrt auf der Aar und Güterversendung sind die vorzüglichsten Erwerbszweige der Einwohner. Neuerbaute Drahtbrücke. Mechanische Baumwollenspinnereien. Cotonefabriken und Färbereien. Ueber der Stadt liegt auf einem Felsen das mit einigen Festungswerken versehene Schloß, welches bis zum Jahr 17W die Residenz eines Bernischen Landvogts war, jetzt aber zum Magazin und Staatsgefängniß umgeschaffe» ist. Altenburg, kleines Dorf im Bezirk Brugg, mit den Ruinen eines alten Schlosses, nach welchem sich einst die Stifter des HabSburgi- schen Hauses Grafen von Altenburg nannten. Auenstein oder Gauenstein, Pfdf., am l. U. der Aar, im Bezirk Brugg; Geburtsort des im Jahre 1805 zu Lenzburg verstorbenen Sachsen - Weiinar'schen Legationsraths G. L. Schneid. — In der Nähe des Dorfes liegen die Ruinen einer alten Burg. Äugst, vormals Kaiser-Augst, ein am Rhein im Bezirk Rheinfel- ken gelegenes Pfarrdorf, wird durch die Ergolz von Basel-Äugst getrennt. Hier lag die alte Römerstadt August» ksuracorum, welche einst als Brustwehr der römisch-sequanischen Provinzen gegen die Einfälle der germanischen Völker diente. Noch jetzt sind einige Trümmer zu sehen, welche die Größe der ehemaligen Stadt beweisen. Auw. Pfdf., im Bezirk Muri. Viehzucht und Viehhandel. Baden, Hauptort eines Bezirks, kleine Stadt an der Limmat, über welche eine bedeckte Brücke führt. Die Stadt ist unregelmäßig gebaut und; zählt 1,844 größtentheils katholische Einwohner. Schöne Pfarrkirche, bei der 7 Chorherren und 3 Kapläne den Gottesdienst besorgen; eine reformirte Kirche; Kapuzinerkloster; Nonnenkloster; Rathhaus; das neue Schloß, jenseits der Limmat, welches bis zum Jahr 1788 der Sitz des Amtmanns der Landvogtei Baden war. Das jetzt fast ganz verfallene, über der Stadt gelegene, alte Schloß, vormals der --Stein zu Bade»-- genannt, war im Mittelalter eine starke Festung und abwechselnd die Residenz des Kaisers Albrecht. Das 419 Schloß wurde I4iä von den Eidgenossen erobert und niedergebrannt, im I7ten Jahrhundert aber wieder aufgebaut und endlich 1712 von den Zürichern und Bernern auf's Neue zerstört. Zuchthaus. Bürgerspital, von der Königin Agnes gestiftet. Die 10 Minuten von der Stadt entfernte» warmen Bäder wurden schon von den Römern benutzt, welche hier eine Festung, LngteUum Tbormaruin, h atten. Die großen Bäder am l. ll. der Limmat, mit mehreren zunn Theil neu erbauten Gasthöfen, bieten alle Bequemlichkeit dar. Die kleinen Bäder, oder Ennet-Baden, liegen am r. U. der Limmat, und bestehen theils aus öffentlichen, theils aus Privatbädern, Außerdem einige Freibäder für Arme. In der reizenden Umgegend werden noch Alterthümer gefunden. Baldingen, zwei Ortschaften, Ober- und Unter- genannt, tm Bezirk Zurzach, mit 249 kathol. Ew. — Schloß, welches bis zum Jahr 1798 die Gerichtsbarkeit über das Dorf nebst einigen Gütern und Gefällen hatte. Balzenweil, kleines Dorf, im Bezirk Zofingen, Pfarrei Ryken oder Glashütten. Ursprünglich ein Hof, den Balz von Wyl IZ61 an die Stadt Zofingen verkaufte. Beinwyl, kathol. Pfdf., mit 808 Ew., im Bezirk Muri. Ackerbau. Viehzucht. Neue Pfarrkirche mit einem unterirdischen Gewölbe mit dem von Wallfahrern besuchten Grabe des heiligen Burkhard. In der Nähe der schöne, dem Kloster Muri gehörige Landsstz Horden. Beinwyl oderBeuwel, großes Dorfmit 1,394 Ew., im Bezirk Kulm; gehört zur Pfarrei Reinach. Ackerbau. Fischerei im Hallwylersee. Berikon, Unter- und Ober-, zwei Dörfer im Bezirk Bremgarten, die zusammen eine Zivilgemeinde bilden. Bedeutende Waldungen. Bewohnbares Schloß. Bernau, Schloß, im Bezirk Zurzach; Pfarrei Leuggern. Ursprünglich Eigenthum der Familie von Roll; im Schwabenkriege von 1499 von den Eidgenossen erobert und in Asche gelegt, aber im I7ten Jahrh, von den Besitzern wieder aufgebaut. Die zum Theil von dem Schlosse abhängenden Bauernhöfe heißen die Bern auhöfe, und gehören zu der Gemeinde Unterleibstadt und zu der Pfarre Leuggern. Besenbüren, großes Dorf, im Bezirk Muri, mit einer zur Pfarrei - Bünzen gehörenden Filialkirche. Ackerbau. Strohgeflecht. Besserstein, Burgruine auf der Spitze des Geisberges, im Bezirk Brugg. Ursprünglich eine Besitzung der Edeln von Villingen. Bettwyl, Pfdf., im Bezirk Muri, mit einem von Landleuten besuchten Bade. Ackerbau. Strohgeflecht. / > 420 Biberstein, Dorf, im Bezirk Aarau; Pfarrei Kirchberg.' Es liegt am linken Aarufer, am Fuße des Jura, und hat ein Schloß, welches bis 1798 ein Bernerischer Amtmann bewohnte. Birmenstvrf, großes paritätisches Pfarrdvrf, an der Reuß, im Bezirk Baden. Die reform. Ew. sind nach Gedenstorf eingepfarrt. Römische Alterthümer. Auf dem nahen Petersberge wurde im Jahre 1825 eine Mineralquelle entdeckt. Wirr, Pfdf., im Bezirk Brugg. Die ganze Pfarrei, welche 2,330 Seelen und 7 Schulen zählt, begreift die Ortschaften Birrenlauf, Birrhard, Brauneck, Lupfig und Scherz. In der Nähe liegt der Neuenhvf, ein einzelnes Landhaus, wo Pestalozzi 1778 seine erste Anstalt errichtete. Birrfeld, ein großes, ebenes Feld zwischen Birr und Königsfelden. Von diesem Orte erstreckte sich eine in der Römerzeit schon angelegte unterirdische Wasserleitung bis zum Brauneggberge. Birrwpl, Pfdf. von 950 Ew., im Bezirk Kulm, nahe am Hallwpler- See. Ackerbau. Fischerei. Strohgeflecht. Die Besitzer des Schlosses Liebegg übten ehemals (bis 1798) Herrschaftsrechte und bis 1808 das Kollaturrecht aus. Bötzen, Dorf, im Bezirk Brugg, mit der Pfarrkirche des Kirchspiels Elfingcn. Weinberge. Bvsweil, großes Pfdf., im Bezirk Muri, mit 1,100 Seelen. Wallfahrtskapelle. Braunegg oder Brunegg, kleines Dorf, im Bezirk Brugg; Pfarrei Birr. Das gleichnamige Schloß auf der Höhe des Berges gehörte im I3ten Jahrh, den Truchsessen von Habsburg; später den Edeln von Hedingen, denen es aber von den Kindern des Kaisers Albrecht genommen und den Söhnen des Landvogts Geßler zum Lehen gegeben wurde. Jetzt ist das Schloß mit den nebenstehenden Oekonomie- gebäuden eine Partikularbesihung. Bremgarten, kleine Stadt von 1,000 Ew., Hauptort eines Bezirks, an der Reuß, über welche eine Brücke führt. Kapuzinerkloster. Papierfabrik. Ackerbau. Bedeutende Waldungen. — Geburtsort des Reformators Bullinger und des Geschichtschreibers Schodeler. — Bezirksschule. Brostenberg, schöngelegenes Landhaus im Bezirk Lenzburg, erbaut 1540 durch Rudvlph von Hallwyl. Bedeutende Weinberge. Brittnau, Pfdf., mit 2,100 Ew., im Bezirk Zvfingen. Leinwand Handel. Römische Münzen und andere Alterthümer. I Brugg, Hauptort eines Bezirks, kleine Stadt von 929 Ew. Land- wirthschaft. Transit. Bezirksschule. Das Jugendfest (Ruthenzug genannt), vielleicht das älteste Fest dieser Art in der Schweiz. Brugg war vormals Sitz der Grafen von Habsburg, namentlich Rudolphs; kämpfte nachher, zum Dank für erhaltene Rechte und Freiheiten, für Oesterreich, und kam endlich 1415 durch Kapitulation, und mit Vorbehalt der Privilegien, an Bern. Es erhielt den Namen »Prvpheten- städtleiii", weil seit der Reformation sich viele Einwohner dem geistlichen Stande widmeten. — Geburtsort Zimmermann's, Reng- ger's, Stapfer's und anderer Gelehrten. — Uralte steinerne Brücke. In den Umgebungen findet man Trümmer alter römischer Anlagen. Buchs, großes Dorf im Bezirk Aarau; Pfarrei Suhr. Es ist fast ganz von feuchten Wiesen umgeben; daher häufiger Kretinismus. Bünzen, Pfdf., im BezirkMuri, in einer fruchtbaren Gegend. Strohgeflecht, eingeführt durch den verdienten Seelsorger Anselm Hedinger. Büttikon, Dorf mit einer Filialkapelle, im Bezirk Bremgarten; Pfarrei Villmergen. Trümmer von römischen Bädern und andere Alterthümer. Stammhaus der Edeln von Büttikon. Bütz, Dorf, im Bezirk Laufenburg, zur Pfarrei Sulz gehörig. Schwache Salzquelle. Burg, kleines Dorf, im Bezirk Kulm; Pfarrei Reinach. Es hat seinen Namen von den Ruinen einer alten Burg, deren Besitzer sich von Rynach nannten. DaS Schloß ward von den Eidgenossen »ach der Schlacht bei Sempach verbrannt. Castelen, Schloß, im Bezirk Brugg, war ursprünglich eine Besitzung der Familie von Mülinen. Es wurde im i?ten Jahrh, erneuert, 1732 an die Stadt Bern verkauft und zur Landvogtei erhoben. Jetzt ist es eine Partikularbesitzung, die bedeutende Weinberge hat. Coblenz, Dorf, im Bezirk Zurzach, am Einfluß der Aar in den Rhein; Pfarrei Klingnau. Schifffahrt. Römische Alterthümer. Dennweil, Dorf, am Hallwylersee, im Bezirk Lenzburg; Pfarrei Seengen. Ackerbau. Strohgeflecht. Densbüren, Pfdf., in einem engen Thäte, an der Nordseite des Staffeleggberges, im Bezirk Aarau. In der Nähe die Trümmer des alten Schlosses Urgitz. Dettingsn, Groß-, großes volkreiches Dorf vont,029 Seelen, am r.U. der Aar, im Bezirk Zurzach, mit einer Filialkirche. Ackerbau. Bleiche. Dettingen, Klein-, Dorf, am linken Aarufer, im Bezirk Zurzach. Scharmützel (1799) zwischen helvetischen Scharfschützen und Oester- reichern, welche hier vergebens den Uebergang versuchten. 422 Effingem, Dorf, am nordl. Fuß« des Bözberges, im Bezirk Brugg; Pfarrei Elfingen. Ackerbau. Weinbau. Eglischwyl. Dorf mit 1,096 Ew. und einer Filialkirche, im Bezirk Lenzburgi; Pfarrei Seengen. Vor 1798 gehörte es zur Herrschaft Hallwyl. Ehrendingen, Ober-und Unter-, Pfdf., im Bezirk Baden. — Ackerbau und Weinbau ergiebig; beträchtliche Gyps- und Mergel- gruben. Eichenderg, schöner Landsitz mit einem Meierhvfe, auf einem Berge zwischen dem Hatlwvlersee und Mllmergen, im Bezirk Lenzburg. Eiken, Pfdf., im Bezirk Laufenburg, an der Straße von Basel nach Zürich. Das Patronatrecht steht dem Stift Rheinfelden zu- — Ackerbau und Weinbau ergiebig. Endingen, Ober- und Unter-, zwei Ortschaften an der Surb, im Bezirk Zurzach. Die reformirten Einwohner sind nach Lagerfelds» eingexfarrt; die Katholiken aber haben zu Unter-Endingen eine eigene Kirche und Pfarre. Zu Ober-Endingen besteht eine 700 Seelen starke Judengemeinde, welche eine Synagoge besitzt und sich vom Handel nährt. Entfelden, Ober-, Pfdf., im Bezirk Aarau, an der Straße von Zürich nach Bern, Die Pfarrei enthält, nebst Unter muhen, drei Schulen und 1,800 Seelen. Fruchtbare Feldmark. Entfelden. Unter-, Dorf im Bezirk A«rau; Pfarrei Suhr. Ackerbau. Sumpfige Wiesen. Fahr, ein im Bezirk Baden gelegenes, vom K. Zürich eingeschlossenes Benediktinerkloster, dessen ökonomische Angelegenheiten von einem Konventualen verwaltet werden. Es steht jetzt unter Administration des Staates, wird aber von der Abtei Einsiedeln als vorgebliches Eigenthum reklamirt. — Die Stiftung geschah 1130 durch den Frei- herrn Luthold von Regensperg, dessen Sohn hier seinen Tod in der Limmat gefunden hatte. Fahrwangen, Pfdf., mit 706 Ew., in der Nähe des Hallwylersee's, im Bezirk Lenzburg. Neue Pfarrkirche. Ackerbau. Weinbau. — In der Nähe die Ruinen der alten Burg Fahrwangen, in welcher die Kaiserin Elisabeth im Jahre 1308 mehr als 60 Edelleute, als Mitschuldige des Herzogs Johann von Schwaben, gefangen nehmen und hinrichten ließ. Fischbach, kleines Dorf am l. U- der Reuß, im Bezirk Bremgarten Torfgräbern. 425 Frick, gr. Mklfl. mit t,093 §w. Schone Pfarrkirche. Spital. Acker bau. Weinbau. Schaffnerei, ehemals von der deutschen Ordenskvm- mende Beuggen abhängig. Besuchte Jahrmärkte. Frick, Ober-, Dorf, im Bezirk Laufenburg. In der Nähe einige Ueberreste der Stammburg der alten Familie Thierstein, die im I6ten Jahrhundert erloschen ist. Frickthal, eine 8 bis 10 St. lange und 4 St. breite Landschaft zwischen dem Jura und dem Rhein. Sie ist sehr fruchtbar an Getreide und Wein. Diese ehemals österreichische Besitzung gvurde in Folge des Lüneviller Friedens der Schweiz zugetheilt. Fridau, Landsitz, am rechten Aarufer, im Bezirk Zvfinge», mit einigen Ueberresten der alten Burg und deS Städtchens Fridau, welche beide im Jahr 1375 zerstört wurden. Gebenstorf, Parität. Pfdf., im Bezirk Baden. Die Katholiken sind der Pfarrei Birmenstorf einverleibt; die protestantische Pfarrei dagegen enthält mit den Filialorten 1,570 Seelen. Der Ort bildete unter dem Namen VUI» einen Theil der Römerkolonie Geishübel, Häusergruppe im Bezirk Zofingen, mit einer Heilquelle und Badeanstalt. Glashütten, nach einer ehemaligen Glashütte benanntes, zerstreut liegendes Dorf, im Bezirk Zofingen. Es bildet mit Ryken eine Pfarrei .«die 1,200 Seelen zählt. Bedeutende Industrie, vorzüglich Verfertigung von Leinwand, baumwollenen Stoffen und Strumpfwaaren. Gnadenthal, Zisterzienser-Frauenklvster an der Reuß, im Bezirk Bremgarten, gestiftet 1344; die 15 Conventualinen stehen unter einer Priorin. Götzhausen, Weiler, nahe dem Schinznacherbade, im Bezirk Brugg. Es soll hier vormals ein römischer Tempel gestanden haben. Gränichen, großes Pfdf., am Eingang in das Kulmerthal, im Bezirk Aarau. Es zählte 2,877 Seelen. Fruchtbare Aecker und Wiesen. Einige alte Ruinen. Heilquelle und Badeanstalt. Gundischweil oder Gontenschwyl, Pfdf., im Bezirk Kulm, ander Luzernergränze, umfaßt nebst Zezwyl 5 Schulen und 3,268 Ew. In der Nähe ist eine Heilquelle mit einem Badehause und ein Steinkohlenlager. Die Pfründe relevirt vom Stift Münster, welches auch den Zehnten hebt. Ursprünglich eine Besitzung der Grafen von Lenzburg. Gysulafluh oder Gislifluh, ein Bergrücken im Jura, nordöstlich von Aarau, 2,090 F. üb. M. und i,870F. üb. der Aar. Dieser leicht zu ersteigende Bergrücken wird, der weiten Aussicht wegen, von Einheimischen und Fremden stark besucht. 424 Habsburg, altes, größtentheils in Trümmern liegendes Schloß auf dem Wülpelsberge, im Bezirk Brugg. Es wurde 1,020 von Radbod von Altenburg erbaut; es war der Geburtsort Rudolphs von Habsburg und durch ihn das Stammhaus der österreichischen Kaiser. Die Mauern des etwa 70 Fnß hohen Schloßthurms tragen ganz das Gepräge des Alterthums, sind aber noch wohl erhalten. Ein anderer, etwas niedrigerer Thurm ist mit jenem durch den mittlern Theil des Gebäudes verbunden, in welchem der Saal mit Nebenzimmern noch wohl erhalten ist. An der Hausflur liegt das ehedem vom Grafen Rudolph, jetzt von einem Wächter bewohnte Zimmer. Wegen der lieblichen Aussicht wird die Habsburg sehr häufig besucht. Hägglingen, Pfdf., im Bezirk Bremgarten, hat nebst Dottikon 2,135 Ew., die sich zum Theil mit Strohgeflecht beschäftigen. Friedenstraktat im Jahr 1531. Im Frühjahr 1788 wurden in der Nähe die Zuger und Freiämtler von den Franzosen geschlagen. Hallwyl, Schloß am Hallwylersee, im Bezirk Lenzburg, Stammhaus der Familie von Hallwyl. Nach dem Aussterben der Grafen von Lenzburg hielten es die Mitglieder dieser Familie mit dem Hause Habsburg; als aber 1415 das Land an Bern fiel, kämpften sie oft für das Interesse der Eidgenossen und erwarben sich bedeutende Verdienste um daS öffentliche Wohl. Hendschiken, großes Dorf im Bezirk Lenzburg; eingepfarrt nach dieser Stadt. Ackerbau. Hermetschweil, Dorf, am l. U. der Reuß, im Bezirk Bremgarten. Es hat eine vom Kloster Muri releoirende Pfarre und eine begüterte Benediktiner-Frauenabtei, die am Ende des I2ten Jahrhunderts von Muri hierher verlegt wurde. Hertenstein, Weiler, am gleichnamigen Berge, im Bezirk Baden; Pfarrei Kirchdorf. Versteinerungen und Mineralien. Herznach, eine aus den Ortschaften Ober- nnd Unter-Herznach bestehende Gemeinde, im Bezirk Lausenburg. In der Nähe Steinlager und Versteinerungen. Hilfikon, Dorf, im Bezirk Bremgarten; Pfarrei Villmergen. In der Nähe, am Fuße des Lindenberges, liegt ein Schloß und neben demselben eine Kapelle, nach welcher häufig gewallfahrtet wird. Hirschthal, Dorf im Bezirk Aaran, eingepfarrt nach Schöftland. — Ackerbau. Viehzucht. Holderbank, Pfdf., an der Landstraße nach Brugg, am rechten Aarufer, im Bezirk Lenzburg. In tzer Kirche ist die Familiengruft der Besitzer des Schlosses Wildegg. 423 Horde», der, Landhaus an der Ostseite des Lindenberges, im Bezirk Muri. Der Horden gehört, nebst einigen tieferliegenden Höfen, dem Stift Muri. Hunzenschwyl, großes Dorf im Bezirk Lenzburg, an der von Zürich nach Bern führenden Hauptstraße. Fruchtbare Feldmark. Ionen, Dorf, im Bezirk Bremgarten, Filial von Lunkhvfen. Ackerbau und Viehzucht ergiebig. Es liegt am Eingänge des von dem Jvnen- bache durchströmten Jvnenthals. Kaiserstuhl, Landstädtchen am Rhein, über welchen eine Brücke führt, im Bezirk Zurzach. Getreide- und Weinbau, aber wenig städtische Gewerbe. Kirchberg, Pfarrkirche und Pfarrhaus, im Bezirk Aarau, auf einer Anhöhe am Fuße des Jura. Große Baumschule. Alterthümer. Kirchleerau, Pfdf., im Bezirk Zvfingen, das nebst Mvsleerau 1,285 Seelen zählt. Es gehörte bis zum Jahre 1798 zu der ehemaligen Herrschaft Rued und hieß ehemals Leerow oder Lsrw. Klein-Dietweil, Pfdf., im Bezirk Muri, an der Gränze vonLuzern. Fruchtbare Feldmark. Viehhandel. Ziegelhütte. Bierbrauerei. Schöne Kirche mit einer Kuppel. Klingnau, Landstädtchen, nahe am Einflüsse der Aar in den Rhein, im Bezirk Zurzach. Das vormalige Amthaus des Bischofs von Konstanz ist jetzt Privateigenthum, und die vor dem Orte gelegene Probstei ist zum Fabrikgebäude umgeschaffen. Landwirthschaft und Schifffahrt. Kölliken, großes Pfdf., an der Bernerstraße, im Bezirk Zvfingen, Fabrikation von Baunnvollenwaaren und Strohgeflecht. Königsfelden, vormaliges Kloster in einer schön angebauten Ebene, im Bezirk Brugg. An der Stelle, wo Kaiser Albrecht ermordet war, bauten dessen Gemahlin und Tochter aus dem konfiszirten Vermögen der wirklichen und angeblichen Theilnehmer des Mordes ein Mino- riten-Mönchskloster und ein Klariffen-Nonnenkloster. Die Königin Agnes selbst, nachdem sie viel unschuldiges Blut vergossen, nahm den Schleier und starb hier in dem Rufe einer Heiligen. In der Kirche sind schöne, wvhlerhaltene Glasmalereien, Wappen und Bildnisse mehrerer Personen aus dem Hause Habsburg und andere Gegenstände von historischem Interesse. — Schon im löten Jahrhundert wurden beide Klöster aufgehoben und die Einkünfte theils zur Verpflegung kranker und armer Personen, theils zur Verbesserung gering dotirter Pfarren verwandt. Jetzt befindet sich in den geräumigen Gebäuden ein vom Staate unterhaltenes Kranken- und Irrenhaus. 42 « Kreuzstraße, eine schön gebaute, in einer schönen Ebene zwischen Zo fingen: und Aarburg gelegene Ortschaft, in welcher sich die zwei Hauptstraßen der nördlichen Schweiz durchkreuzen. Papierfabrik. Rübeli druckerei. Küttigen, großes nach Kirchberg eingepfarrtes Dorf, am Fuße des Jura, im Bezirk Aarau. Bedeutender Weinbau, Gyps- und Mergelgruben, In der Nähe eine Papierfabrik und über derselben die Ruinen der alten Burg Königstein. Kulm-, Ober- und Unter-, zwei große, nahe beisammen liegende und eine Pfarrgemeinde bildende Dörfer. In dem letzter« ist der Sitz des Bezirksgerichtes und des Bezirksamtes, so wie die Kirche und Pfarrwohnung. Die Einwohner sind sehr gewerbthätig. Die Entdeckung von römischen Alterthümern bei Oberkulm hat zu der Vermuthung geführt, daß hier das alte kai>iu»luru,n gelegen. Kunzenbad, angenehm gelegenes Bad unweit der Stadt Zvfingen. Langete», ein weites, trefflich angebautes Thal zwischen Villmergen, Hendschiken und Dottikon. Dort wurden in den Jahren 1656 und 1712 zwei Treffen geliefert, in deren erstem die Katholiken siegten, im zweiten aber geschlagen wurden. Laufenburg, Hauptort eines Bezirks, Landstädtchen mit 650 Cw., am l. U. des Rheins, über welchen eine Brücke zu der badenschen Stadt Klein-Laufenburg führt. Die Strömung ist hier so stark, daß die den Rhein herabkommenden Schiffe hier ausgeladen und an Seilen durch den Waffersturz hinabgelassen werden müssen. Der Lachsfang unterhalb der Stadt ist ergiebig und bildet, nebst Ackerbau, Schifffahrt und Holzflößen. den Haupterwerbszweig der Einwohner. Mehrere milde Stiftungen verdankt der Ort den Cdeln von Man- Lacher und von Grammont, den Pfarrherren Gerber, Egg und Andern. Die Stadt ist der Geburtsort des bekannten Schriftstellers Ernst Münch. — In der äußerst angenehmen Umgegend liegen die Trümmer des alten Schlosses, eines ehemaligen Habsburgischen Besitz- thums, welches im dreißigjährigen Kriege zerstört wurde. Lengnau, Ober-und Unter-, zwei nahe beisammen liegende Ortschaften, welche nebst Freienwyl, Tegermoos und einigen Höfen eine kath. Pfarrei bilden. Die dort wohnenden Reformirten sind nach Schöff- listvrf, im K. Zürich eingepfarrt. Der größere Theil der Gemeinde besteht aus Juden, welche hier eine eigene Synagoge besitzen und sich vom Handel nähren. — Ehrenvolle Erwähnung verdient der Pfarrer Treyer, der sich durch Erbauung zweier Schulhäuser und durch eine Stiftung von 8,000 fl. große Verdienste um die Gemeinde erworben hat 427 Lenzburg, Hauptort eines Bezrks, eine durch Hände! und Industrie belebte Stadt mit 1,755 Ew., an der von Zürich nach Bern führenden Straße gelegen. Ueber de: Stadt liegt auf einem trefflich mit Reben angebauten Berge Las glechbenaunte Schloß, aus festen Mauern, gothischen und modernen Gebäuden bestehend. Bis zum I2ten Jahrh, war es der Sitz der Grafen vor Lenzburg; nach dem Erloschen dieses Stammes wählten die Bernerüchen Landvögte diesen reizend gelegenen Ort zur Wohnung. Gegeiwärtig befindet sich in dem Schlöffe eine Erziehungsanstalt für Knaten, welche unter die besten Institute dieser Art zu zählen ist. Leuggern, Pfdf., im Bezirk Zurzach, am l. U. der Aar. mit einem Kirchsprengel von 2,100 Seelen. Getreide. Wein und Obst. Leutwyl, Pfdf., im Bezirk Ku'm, auf einer Anhöhe nahe am Hall- wylersee gelegen und von Wiesen und Obstgärten umgeben. Verfertigung von Handkarden für Welle, Baumwolle und Seide, welche in einheimische und fremde Fabriken geliefert werden. Liebegg, ein nach Gränichen eingepfarrtes, auf einer Anhöhe im Kul- merthal gelegenes Schloß, im Bezirk Aarau. Dieses bis 1798 Herrschaft!. Schloß ist mit den dazu gehörigen Ländereien im Besitz der Familie Diesbach von Bern. Lindmühle, Getreidemühle in der Gemeinde Birmenstorf, im Bezirk Baden. Hier wurden mehrere Gefässe mit römischen Münzen gefunden. Lunkhofen, Ober- und Unter-, zwei zu einer Pfarrei verbundene Dörfer, im Bezirk Bremgarten. Acker« und Weinbau vorzüglich, im erstem Orte beträchtlich. Mägenwyl, Dorf, imBez.Baden,PfarreiWohlenschwyl. Steinbrüche. Mägden, Pfdf., mit 1,000 Ew., im Bezirk Rheinfelden. Beträchtlicher Weinbau. Mandach, Schloß am Rhein, im Bezirk Zurzach, dem badenschen Pfdf. Rheinheim gegenüber. Es besitzt Ländereien, Wirthschaftsgebäude und eine Bierbrauerei, und wurde vormals nur »die Burg" genannt; woraus die Vermuthung entstanden ist, es habe hier das alte rorum Illlierii gestanden. Mandach, kleines Pfdf., in einem tiefen Thale des Jura, im Bezirk Brugg. In der Nähe liegen die Ruinen des alten Schlosses Wesse nberg, vormals ein Besitzthum der Ritter von Palm. Mellikon, paritätisches Dorf, mit einer katholischen Kapelle, im Be zirk Zurzach. Nach letzterm Orte sind beide Konfessionen eingepfarrt. Die Herren des Schlosses Wafferstelz hatten bis zum I. 1798 bedeu tende Gerechtsame. 428 Mellingen, Landstädtchen, in einer angenehmen und fruchtbaren Ge genv, an der Reuß, über welche eine bedeckte Brücke führt, im Bezirk Baden. Die Stadt ist sehr alt und stand, als Munizipalstadt, bis zum I. 1798 unter dem Schutze von Zürich, Bern und Glarus. Menzingen oder Menziken, großes Dorf, im Bezirk Kulm. Viele schöne Gebäude zeugen von dem durch Industrie hervorgebrachten Wohlstände. Merenschwand, großes Pfdf., mit 1,232 Ew., im Bezirk Muri. Ruinen einer alten römischen Ansiedelung. Fruchtbare Feldmark. Möhlin, großes Pfdf., mit 1,973 Ew., an der Straße von Zürich nach Basel, im Bezirk Rheinfelden. Vortreffliche Feldmark. Das Patronatrecht der Komthurei Beuggen ging im I4ten Jahrh, an Oester-j reich und zuletzt an den Kanton Aargau über. Möriken, Filial von Hvlderbank, im Bezirk Lenzburg, am Fuße der Egg. Ueberreste alter römischer Ansiedelungen. Hier starb der aus Religionshaß vertriebene Zürcher-Prediger Michael Zink. am Ende des i7ten Jahrhunderts. Moosleerau, Filial von Kirchleerau, im Bezirk Zofingen, mit einer Mineralquelle und einer für Landleute eingerichteten Wirthschaft. Morgenthal oder Murgenthal, ein kleines aber gewerbthätiges, von der Murg Lurchfloffenes Dorf, wovon nur ein Theil dem Bezirk Zofingen und der Pfarrei Ryken angehört; der jenseits des Flusses liegende Theil gehört zum Kanton Bern. Bis zum 1.1798 besaß das Kloster St. Urban die Gerichtsbarkeit. Morgenthal, Unter-, hübscher Weiler im Bezirk Zofingen. In der Nähe einige Trümmer des alten Schlosses Frida». Mülligen, Dorf, in der Pfarrei Windisch und im Bezirk Brugg, an der Reuß. Fruchtbare Stecker; Gyps- und Mergelgruben. Muhen, Ober- und Unter-, zwei Dörfer, im Bezirk Aarau. Römische Alterthümer. Mumps, Nieder-, Pfdf., im Bezirk Rheinfelden, am Rhein. Ruinen einer alten Burg; Ackerbau, Schifffahrt. Mumpf, Ober-, Pfdf., im Bezirk Rheinfelden, in einem kleinen Seitenthale. Acker- und Weinbau. Muri, reiches Benediktinerkloster, in einer schönen fruchtbaren Ebene. Das neue, 725 Fuß lange, geschmackvolle Klvstergebäude wurde am Ende des vorigen Jahrhunderts angefangen, aber nicht völlig ausgeführt. Schöne, in Form einer Rotonde gebaute Kirche; Alterthümer; Bibliothek; Münzkabinet. Im Archiv befinden sich wichtige Ur-i künden über das Geschlecht der Grafen von Altenburg und Habsburg., 429 r Die Gründung des Klosters fällt mit der des Schlosses Habsburg in eine Zeit. Zm Jahr 1701 erhielt der Abt Placidus für sich und seine Nachfolger die reichsfürstliche Würde. Das Kloster stand im Rufe der Gastfreiheit und Beförderung der Wissenschaften. Muri (Egg), Dorf, nahe bei dem Kloster, im Bezirk gl. N. ^Muri (Langdvrf), gr. Dorf., südl. vvm Kloster gelegen, an der nach Luzern führenden Landstraße. Muri (Wey), Hauptort des Bezirks, Flecken mit einer Pfarrkirche, deren Sprengel, mit Einschluß des Klosters, 3,000 Seelen zählt. Neuhof, Dorf, im Bezirk Baden. Marmorgruben. Niederlenz, gr. Dorf, im Bezirk Lenzburg. Mehrere Fabriken und Manufakturen. Niederwyl, gr. Pfdf., im Bezirk Zofingen, das mit den kirchgenvs- stgen Ortschaften und Höfen 3 Schulen und 2,206 Cw. hat. Der Stifter der Pfarrkirche, Moritz Boffard, von Zofingen, wurde im I. 1712 zum ersten Pfarrer gewählt. Ackerbau; Manufakturen. In der Nähe eine Mineralquelle. Oberb urg, Häusergruppe im Bezirk Brugg. In der Nähe einige Ueberreste des römischen Amphitheaters von Vindvniffa, die --Bärlis- i grübegenannt. Wichtige Gyps- und Mergelgruben. »Oberwyl, Pfdf., im Bezirk Bremgarten. Die dem heil. Michael ge- ^ weihte Kirche, deren Kollatur vom Stadtrath zu Bremgarten relevirt, ^ hat beträchtliches Vermögen. Fruchtbare Feldmark. >Oeschgen, ein von einer trefflich angebauten Feldmark umgebenes Pfdf., im Bezirk Laufenburg. Kleines Schloß, welches vormals einer Linie ^ der Familie von Schonau-Wehr gehörte. «Oftringen, zerstreutes Dorf, im Bezirk Zofingen. Es bildet mit den l umliegenden Ortschaften eine Gemeinde. Geburtsort Berchtolds, des " Gefährten Rudolphs von Habsburg. -Olsberg, ursprünglich ein Cisterzienser-Nonnenklosier, gegründet 1083, wurde 1782 in ein adeliges Frauenstift verwandelt. Bis zum I. 1834 befand sich in dem geräumigen KlostergebäuLe eine auf Staatskosten unterhaltene Erziehungsanstalt. Die Kirche enthält alte Familienbe- ^ gräbniffe, und ist zugleich die Pfarrkirche für die kathol. Ew. des ° nahen gleichbenannten Dorfes, im Bezirk Rheinfelden. HOthmarsingen, im Bezirk Lenzburg, großes Dorf mit einer Filial- > kirche. Ein Theil des Dorfes hat wegen der feuchten Lage einige ! Kretinen. ain, Hinter- und Vorder-, zwei nahe zusammenliegende kl. Dörfer, am l. U. der Aar, in einer schönen romantischen Lage. 45 « Rei nach oder Rynach, ein großes, durch Industrie blühendes Pfdf., im Bezirk Kulm. Die Pfarrei zählt, nebst Burg, Leimbach und Menzigen, 11 Schulen und 5,000 Seelen. Hier befindet sich eine vor einigen Jahren errichtete Bezirksschule. In der Nähe liegen die Ruinen der alten Burg, aus welcher die Edlen von Rynach stammten. Reitnau, Pfdf., im Bezirk Zofingen, welches auf einer fruchtbaren Anhöhe liegt und nebst den eingepfarrten Ortschaften 3 Schulen und i.3>6 Ew. zählt. Von der alten Burg Reitnau findet sich keine Spur mehr. Rekingen, paritätisches Dorf, am Rhein, im Bezirk Zurzach, mit einer Eisengrube und einer Ziegelbrennerei. Rheinfelden, kl. Stadt, mit i,32t Ew., am l. U. des Rheins, über welchen eine gedeckte Brücke zu den auf einer Insel gelegenen Trümmern des --Steins", und von da an das badensche Ufer führt. Die Stadt ist der Hauptort eines Bezirks. Schöne Pfarrkirche mit einem Kvllegiatstift. Altes RathhauS. Außer den städtischen Gewerben bietet die fruchtbare Umgegend durch Ackerbau und Weinbau den Einwohnern hinlänglichen Erwerb. Papierfabrik; Steinbruch; Transitzoll. Rohr, Dorf, im Bezirk Aarau. Im nahen Walde Spuren einer alten Römerstraße. Man vermuthet, daß d-er Name des Orts von der alten Grafschaft Rore abstamme. Rohrdorf, Ober- und Unter-, zwei nnhe zusammen liegende Dörfer, das erstere Pfdf. und das letztere d-effen Filial, im Bezirk Baden. Tvrfstechereien. Römische Alterthümer. Rothrist, kl. schöngebauter, nach Niederweil eingepfarrter Ort. im Bezirk Zofingen. Lebhafter Verkehr. Kattundruckerei und Färberei des Herrn Rudolf Schauenberg. Rued, Kirch-, Pfdf., im Ruederthal. Die Kirche ist im I4ten Jahrh, von den Edlen von Rued gestiftet und lrotirt. Rued, Schloß-, Filial von Kirch-Rued, mit einem schönen, von weitläufigen Wirthschaftsgebäuden umgebenen Schloß. Rued, Schmid-, Filial von Kirch-Rued. Eisenhammer, Baumwollenspinnerei. Rupperschwyl oder Rubischwyl, Pfdf., im Bezirk Lenzburg. Einige Alterthümer. Saffenwyl, gr. zerstr. Dorf. im Bezirk Zofingen. Baumwollenma- nufaktur. In der Nähe Burgruinen. Sarmenstorf, gr. Pfdf., im Bezirk Bremgarten. Landbau, Stroh- geflecht, Spinnerei. 451 Schafisheim, großes, in einer fruchtbaren Feldmark gelegenes Dorf, im Bezirk Lenzburg. Altes Landschloß. Manufaktur. Spinnerei. Schafisheim bildete bis zum I. 1798 eine besondere Herrschaft, die lange der Familie Hallwyl angehörte. Zn der Nähe Ueberreste römischer Niederlassungen. Scherz, ein zur Pfarrei Birr gehöriges Dorf, im BezirkBrugg. Der nahe liegende Scherzberg enthält Bohnerz. Schinznach, Bad, am r. U. der Aar, im Bezirk Brugg. Dieser am Fuße des Wülpelsberges sehr angenehm gelegene, in neuester Zeit so berühmt gewordene Kurort ist mit einem schönen und geräumigen Gasthofe, mit zweckmäßig angelegten Bädern, Nebengebäuden und andern Bequemlichkeiten versehen. Die im I. 1658 entdeckte Heilquelle hat einen Wärmegrad von 26° Reaum. und ist von vorzüglich heilsamer Wirkung in Krankheiten des lymphatischen Systems, chronischen HautauSschlägen und skrophulösen Geschwüren. Im I. 1760 wurde hier die helvetische Gesellschaft gestiftet und die aargauische Kulturgesellschaft hält hier jährlich eine Zusammenkunft. Schinznach, Pfdf., am l. U. der Aar, im Bezirk Brugg. Starker Weinbau. In der Kirche befindet sich das Grabmal des Generals Ludwig von Erlach; das Dorf ist der Heimathsort deS zu München lebenden Kupferstechers Amsler. Schöftland, großes Pfdf., dessen Sprengel 4,700 Seelen mit 10 Schulen enthält. Seidenfabrik; Ackerbau; Viehzucht; stark besuchte Jahrmärkte. Die Herrschaft, welche vormals im Besitz der Edlen von Schöftland war, kam im Jahr 1664 an die Familie von May, welche dort noch jetzt ein Schloß besitzt. Schupfart, Pfdf., im Bezirk Rheinfelden. Getreide- und Weinbau. In der Nähe liegen auf einem freistehenden Hügel die Ruinen der Burg Herrenheim. Schwarzwasserstelz, Schloß auf einer Felseninsel im Rhein; im Bezirk Zurzach. Römische Alterthümer. Am rechten Rheinufer, auf badenschem Boden, liegen die Ruinen des alten Schlosses Weißwaffer- stelz. Die mit dem erstem verbundene Gerichtsbarkeit von Fistbach erreichte im I. 1798 ihre Endschaft. iSeengen, großes Pfdf., am Hallwylersee, im Bezirk Lenzburg. Getreide- und Weinbau ergiebig. Jahrmärkte. Schöne Kirche. Seon, großes Pfdf., im Bezirk Lenzburg. In der Nähe Ruinen ei- . ner alten Burg. lStafelbach, großes, nach Schöftland eingepfarrtes Dorf, im Bezirk Zofingen. Ergiebige Steinbrüche ersetzen den durch häufige Versumpfungen der Aecker und Wiesen verursachten Schaden. Staffel egg, ei» Bergpaß im Zura, über welchen die von Aaran in das Frickthal führende Straße zieht. Zur Seite der letzter» wird ein mit Spath- und Mergeladern durchzogener Alabaster gebrochen. Staufberg, der, ein freistehender Hügel im Bezirk Lenzburg. Aus demselben liegt die Pfarrei, deren Sprengel 7 Schulen und 2,53V Seelen zählt. Die Stiftung der Pfründe fällt in die Zeiten der alten Grafen von Lenzburg, welche Las Patrvnatrecht dem Stift Münster beigegeben hatten. Stein, hübsches Pfdf., nahe am Rhein, über welchen hier eine Brücke führt, im Bezirk Nheinfelden und an der von Basel nach Aarau, Zürich und Schaffhausen führenden Straße. Stetten, wohlhabendes Dorf, am r. U. der Reuß, im Bezirk Baden ; die Einwohner verwalteten die vorher eer Stadt Mellingen zustehende Gerichtsbarkeit bis zum Z. 1798. Stilli, ein nach Rain eingepfarrtes Dorf, an der Aar im Bezirk Brugg. Fähre. Strengelbach, ein großes, im Bezirk Zofingen gelegenes, und nach letzterer Stadt eingepfarrtes Dorf, wo viele Weber wohnen. Suhr, großes Pfdf., im Bezirk Aarau, an der Berner Hauptstraße. Die ganze Pfarrei zählt 8 Schulen und 4,170 Ew. Die feuchte Lage des Orts ist die Ursache des dort häufig vorkommenden Kretinismus. Sulzthal, das, ein Wiesenthal, im Bezirk Laufenburg, welches sich vvm Bötzberg zum Rhein hinab zieht. Die in diesem Thale liegenden Ortschaften Bütz, oder Unter-Sulz, Ober-Sulz, Rhein- Sulz und Leideken gehören zur Pfarrei Mittel-Sulz. Zn der Nähe des letztem Orts befindet sich eine Dunsthöhle. Das ganze Thal stand vormals unter der Gerichtsbarkeit des Stiftes Säckingen, welches auch das Kollaturrecht ausübte und den Zehnten nebst andern Gefällten bezog. Tägerfelden, großes Pfdf., in einem fruchtbaren Thal, im Bezirk Zurzach. In der Nähe liegen die Ruinen der alten gleichbenannten Burg, Leren Besitzer, Kvnrad von Tägerfelden, im I. 1308 nach der Ermordung des Kaisers Albrecht die Flucht nahm und seine Burg der Zerstörung preisgab. Tättwyl, Dorf. Hier besiegten im I. 1351 die Züricher unter Rüdiger von Manesse eine österreichische Schaar. Spuren einer römischen Niederlassung. Teuffenthal, gr. Dorf, im Wynenthal, Bezirk Kulm. Ueber demselben liegen auf einem Felsen die Ruinen des alten Schlosses Trost- burg, welches im I. 1415 von seinem Besitzer, Rudolph von Rpnach, vergebens gegen die Berner vertheidigt wurde. Thal heim, großes Pfdf., im Bezirk Brugg, in einem von Weinbergen umgebenen Thals des Jura gelegen, liefert guten Wein, Uerkheim, großes Pfdf., im Bezirk Zofingen, mit 1,238 zum Theil wohlhabenden Einwohnern. Veltheim, Pfdf., am l. Aarufer, im Bezirk Brugg. Die Kirche soll von der Cremitin Gysula gestiftet sein. Villingen, Filial von Rain, im Bezirk Brugg. In der Nähe liegen die Ruinen des Schlosses Befferstein. Villmergen, vormals Villmaringen, großes Pfdf., im Bezirk Bremgarten, bekannt Lurch zwei Treffen. Am 24. Jan. 1657 wurden die Berner von den Truppen der kathol. Kantone überfallen und geschlagen; am 25. Juli 1712 dagegen wurden die letztem von den Bernern besiegt. Villnachern, Dorf, im Bezirk Brugg. Ruinen einer alten Burg. Vor dem Wald, ein großes zerstreutes Dorf, in der Pfarrei und dem Bezirk Zofingen. Diele Baumwollenspinner und Weber. In der Nähe liegen die Ruinen des im 1. 1386 durch die Luzerner zerstörten Schlosses Kapfenberg. Wegenstetten, Pfdf., im Bezirk Rheinfelden. Zur Zeit der österreichischen Herrschaft hatten die Freiherrn von Schonau die Grundherrschaft, eltingen, Pfdf., mit 1,150 Cw., im Bezirk Baden, ettingen, eine im Jahr 1227 vom Grafen Heinrich von Rapper- schwyl gestiftete Cisterzienserabtei, am r. U. der Limmat. In der alten, mit merkwürdigem Scknitzwerk und schöner Glasmalerei verzierten Kirche steht ein Sarkophag, in welchem der Leichnam des Kaisers Albrecht bis zur Wegführung nach Speier aufbewahrt wurde; nachher wurde Graf Rudolph von Habsburg-Laufenburg hier beigesetzt. Einige andere Denkmäler sind in den Klostergebäuden zerstreut, und in der übrigens unbedeutenden Bibliothek finden sich einige für die Geschichte des Mittelalters wichtige Chroniken. Wildegg, ein Schloß mit ansehnlichen Gebäuden und Besitzungen, im Bezirk Lenzburg. Es ist seit dem Ende des löten Jahrh. Eigenthum der Familie Effinger von Bern. Am Fuße des Schloßberges, neben der Hellmühle, liegt die gleichbenannte Fabrikanlage der Gebrüder Laue, mit schönen Wohnhäusern und geschmackvollen Anlagen. Wildenstei n, Schloß zur Linken der Aar, im Bezirk Brugg, seit dem Jahr 1815 eine Privatbesttzung. Windisch, Pfdf., im Bezirk Brugg, an der Reuß, über welche eine neue Brücke führt. Das Dorf führt seinen Namen nach der alten Nömerstadt Vinrioniso», welche einst als Gränzfestung gegen Germa . 28 434 nien diente. Noch jetzt finde» fich häufige Spuren des alten Mauer- werkS, und eine wvhlerhaltene Wasserleitung führt dem Kloster KönigS- felden Wasser zu. Aus der Erde sind goldene und silberne Bildnisse römischer Gottheiten, viele Münzen u. s. w. gegraben; übrigens aber ist jede Spur der alten Stadt verschwunden, welche zuerst in» üten Jahrh, von den Hunnen unter Attlia verwüstet und am Ende des 6ten Jahrh, von dem fränkischen Könige Childebert völlig zerstört wurde. — Windisch war in den frühesten Zeiten der christlichen Zeitrechnung der Sitz eines Bisthums, welches im Jahr 594 nach Konstanz verlegt wurde. — Zur besondern Zierde gereicht dem Orte jetzt die schöne Fabrikanlage, in welcher sich eine Spinnerei, Weberei und mechanische Werkstätte befindet. Wittnau oder Weitnau, Pfdf., im Bezirk Laufenburg. In der Nähe stehen die Ruinen des alten Schlosses der Grafen von Homburg. Wölfliswhl, gr. Pfdf., im Bezirk Laufenburg, in einem engen aber fruchtbaren Thäte. Eisenerzgrube. Wohlen, großes Pfdf., im Bezirk Bremgarten. Der Hauptnahrungszweig der Ew. ist die Verfertigung von Strohgeflecht für die hier befindlichen Manufakturen. — Vormals lag hier ein Schloß der Grafen von Altenburg. Wohlen schwyl, Pfdf., an der von Bern nach Zürich führenden Straße, im Bezirk Baden. Im Jahr 1653 wurde der Ort während des Bauern- Aufsiandes fast ganz in Asche gelegt; er ist seitdem öfters und noch vor wenigen Jahren durch Brandunglück heimgesucht worden. Würenlingen, Pfdf., im Bezirk Baden. Im Jahr 1790 wurde ein großer Theil der Gebäude Lurch Brandstiftung eingeäschert. Würenlos, Parität. Pfof., im Bezirk Baden. Landhaus des Abts von Wettingen. Steinbruch. Sparkasse, 1816 errichtet. Römische Münzen und andere Alterthümer. Zeiningen, gr. Pfdf., im Bezirk Rheinfelden. Einträglicher Weinbau. Z»fingen, Hauptort eines Bezirks, alte, doch wohlgebaute Stadt mit Z,000 Ew. Handel und Industrie sind in blühendem Zustande. Unter den gut eingerichteten Unterrichtsanstalten zeichnet sich die Bezirksschule aus; auch die Stadtbibliothek bietet nebst dem Münzkabinet manches Interessante dar. Hier lag das alte roklnium der Römer, wovon noch sehr merkwürdige, mit dem Namen "Römerbad-, belegte Ueberreste vorhanden sind. — Im Jahr 1819 wurde hier von Züricher und Berner Studenten der --Zofinger-Verein-- gestiftet, der jährlich seine Zusammenkünfte hält. Zurzach, Haupkort eines Bezirks, wohlgebauter Marktflecken am Rhein, mit 900 größtentheils reformirten Cw. Der Handelsverkehr wird sehr befördert durch drei lebhafte, besonders für den Lederhandel wichtige Messen, welche indessen in den neuesten, ungünstigen Zeiten gelitten haben, — Das Kollegiatstift war vormals eine im Jahr 881 von Karl dem Dicken gestiftete Benediktinerabtei, Zuzgen, Pftf., im Bezirk Rheinfelden, mit einer fruchtbaren Feldmark und vielen Weinbergen. Kanton Thurgau. (§in Freistaat mit repräsentativer Verfassung, und der ssebenzehnte Kanton im Bundesrange, in der östlichen Schweiz. — Das Wappen ist ein von Silber und Grün schräggetheilter Schild, in dessen beiden Hälften ein silberner Löwe aufrecht schreitet. Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag und Lebensweise. Gränzt gegen O. an den Bodensee; gegen W. an den K. Zürich; gegen S. an den K. St. Gallen; gegen N. an den Bodensee, den K. Schaffhausen und das Großherzogthum Baden, von welchem dieser Kanton durch den Rhein getrennt ist. Seine größte Länge ist 10 bis 12 St. und seine Breite St. Flächeninhalt 16 IHM., auf welchem 82,408 Menschen leben, wovon sich zur reformirten und /j zur katholischen Religion bekennen. — Der Körperbau des Thurgauers ist im Allgemeßnen von mittlerer Größe und zur Magerheit geneigt, was man dem übsrflüssigen Genusse des Obstweins zuschreiben kann. Die Bewohner des See- und Rheinufers jedoch sind von stärkerem Wüchse, überhaupt ist den Seebewohnern Kraft und Kühnheit eigen; landeinwärts ist ihr Wuchs vierschrötiger, aber weniger hochstämmig. Die Thurgauerinn.en erhalten allgemein das Zeugniß, daß sie gut und zart gebaut seien uind sich größtentheils ziemlich feiner Gesichtsbildung zu erfreuen haben. Ein allgemeines Gebrechen beider Geschlechter, vorzüglich des männlichen, sind häufige Leibbrüche, ohne Zweifel Folge der durch den übermäßigen Genuß des Obstweins, oft überreizten körperlichen Anstrengungen; kretinische Mißbildungen, natürliche Taubheit, Blindheit 436 oder VerkrüppelunMnd höchst selten. Der Thurgauer ist an solide Nahrung gewohnt; Hafergrütze ist ein Hauptbestandtheil derselben, gedörrtes und frisches Obst, Gemüse, frisches und geräuchertes Fleisch, Mehl - und Milchspeisen ic., aber Aepfel- oder Birnmost darf dabei durchaus nicht fehlen, und jeder arbeitende Knecht verlangt dessen täglich wenigstens 2 Maß. Die frühern Nationaltrachten der beiden Geschlechter hat die Mode verdrängt, nur der weibliche Theil des Landvolks zeichnet sich noch aus durch pfauenschweifartig verbrämte Hauben, welche spitzenähn- liche Zierrath Schuh über den Hinterkopf sonderbar hinausroicht. Die Wohnungen nach älterer Bauart, meistens ganz von Holz, welche noch aus dem täten und löten Jahrh, stammen, und deren man besonders im Hintern Thurgau noch findet, weichen nach und nach einer festem und bequemern Bauart. Schon im letztverflvffenen Jahrhundert begann die Sitte, die Häuser mit Ziegeln zu decken und die Wände der Gebäude von Fachwerk aufzuführen, das mit Steinkalk oder Flechtwerk und Lehm ausgefüllt wurde. Solches Fachwerk ist mit äußerer Verblendung jetzt beinahe allgemein. Wo Bausteine leichter zu bekommen sind, benützt man solche, um außer dem Keller auch noch den ersten Stock von massivem Gemäuer aufzuführen. Die Einrichtung der Scheunen und Ställe trägt im Wesentlichen noch das ältere Gepräge, jedoch mit mehr Ausdehnung. Jede Haushaltung bewohnt in der Regel ein besonderes Haus, wenige wohnen auf dein Lande zur Miethe und noch seltener trifft man, daß mehrere Haushaltungen ein Zimmer und eine Küche theilen. Viele Gebäude erfreuen sich herrlicher Brunnen, besonders reich hierin ist das Thür- und Murgthal, die Seegegend aber ist dafür desto ärmer, und meistens nur Sodbrunnen liefern hier das nöthigste Trinkwasser, das einen widrigen Schwefelgeruch hat. Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Das Klima wie im Kanton Zürich; von einzelnen Hügelreihen und Bergrücken ist der Kanton durchstreift, doch übersteigen ihre höchsten Kuppen, mit Ausnahme des Hörnliberges (3,590 F. üb. M.), auf der Gränze von Zürich nach St. Gallen wenig über 1,000 Fuß üb. d. Fläche des Bodensee's. Der Seerücken (langer Bergrücken) beginnt bei Rvmanshorn anzusteigen, zieht sich von O. nach W. längs dem See und Rhein hinab bis Stammheim an die Zürichergränze und trennt so Las Seegelände »vm Thurthal. Sein Höhepunkt, zwischen Steckborn und Mittheiln, i »st etwas Über 1.000 Fuß. Waldige Höhen erheben sich iin SO. von Frauenfeld zwischen Murg und Thür. Die Wasserscheide, zwischen ! Thür und Bodensee, mit sehr vielen Schluchten, worin der Hohen- ^ rain, bei Wäldi. ein sehr ausgezeichneter Punkt ist*), j Noch manche reizende Fernsicht gewährt der Kanton z. B. bei Weers- ^ wylen und auf dem Thurberge, auf dem Gäbris und Stollen, auf der f Hitzliswiese und auf der Haid bei Braunau, auf dem Vogelheerd bei k Hauptwyl. Weniger ausgedehnt, aber ganz malerische Ansichten gewäh- ren am Untersee: die Schlösser Arenenberg, Salensteiu, Sandegg, ^ Eugensberg und dieKirche Klingenzell; am Obersee: die Schlösser Ka- stell, Böttikofen, Romanshorn, Arbon, Mammertshofen, der Gersten- s bühl in Etznach und das Pfarrhaus in Altnau; im Thurthale: das i, Schloß Oettlishausen, die Kirche Wärtbühl, der Weinberg von Leut- märkeu, die Kirche Wart, das Schloß Steinegg, das Dörfchen Jselis- berg, dsk Buusel Nächst Frauenfeld, der Stähelinsbuck ober Frauenfeld, die Ruine Laudsberg am Tutwylerberge, die Burgruine Tannegg. Boden und Produkte, im Allgemeinen wie im Kanton Zürich. Der benutzte Boden wird (nach Abzug der Flußbette», Straßen, Seen u. s. w.) auf etre» 200.000 Juch. berechnet; etwa 020 Juch. Garten- und Hanfland, 45,373 Juch. Wiesen, 06,647 Juch. Ackerfeld, 6,840 Juch. Reben, etwas über 2,000 Juch. Weidland und 36,300 Juch. Wald. Häuser 16,601. — Gepflanzt wird nach Art der Dreifelderwirth- schafk. Unter verschiedenen Brodfrüchten gedeiht vorzüglich Spelz oder Korn, aber über den Bedarf Hafer; deßgleichen an Getränk Wein und Cyber. Am stärksten ist die Obstzucht beachtet und manche Orte liegen in einem wirklichen ObstwalLe, wie diejenige der Gegend von Horn und Arbvn und sämmtliche des Seeufers bis Steckborn und vieler Gegenden Thurgau's. Nicht nur wird ein ungeheures Quantuni Birn - und Aepfel- most (Cyber) im Lande verbraucht, sondern auch auswärts verkauft; deßgleichen gedörrtes Obst, und welche Menge wird nicht theils grün, theils zekvchl verspeist*). Auch hat kein anderer Kanton die vortheil- hafte Lage, seine Weine so leicht abzusetzen, wie dieser; begränzt von mehreren Gegenden, woselbst der Boden keinen Weinbau gestattet, und andererseits beglückt mit einer srequenten Wasserstraße längs seiner »ördliyen Gränze. Holrnrain liegt an der Straße von Konstanz nach Frauenfcid. Da die sich hin bietende Aussicht gleichsam der Typus aller tburgauische» Schönheiten ist, so lat hier eine Aktiengesellschaft im Jahre isso einen hohen hölzernen Thurm gebiut, dessen oberstes Stockwerk das herrlichste natürliche Panorama zeigt. "'1 Im Jahr iszz rechnete man den Obstcrtraa im Kanton auf ncl. Bann in fruchtbarer Gegend auf einem Hügel 1,670 F. üb. M., an dessen Fuß die Eitler in die Thür mündet. Sehenswerth das Rathhaus, die,im öten Jahrhundert erbaute Kollegiatkirche St. Pelagius, das alte Schloß. Kattunfabrikation, Färberei, Bleiche, starker Viehhandel, auch Wochen- und 6 Jahrmärkte. Das Bitzibad und Thurbad sind stark besucht. Bottighofen, Dorf am Bvdensee, nächst Konstanz, Schloß, Papiermühle, Landungsplatz. Bürglen, Pfdf., am r. U. der Thür, in obstreicher Umgebung versteckt, mit Schloß. Burg, Pfdf.. am linken Rheinufer am kl. Hügel, bildet gleichsam die Vorstadt von Stein und ist mit derselben vermittelst Brücke verbunden. Bußnang (Bußlingen), bei Weinfelden, am l.U. der Thür, fruchtbare Gegend, Wein und Obst in Menge. Das Schloß der Edlen dieses Namens wurde 1405 von den Appenzellern zerstört. Catharinenthal, St., Frauenstift, Dominikanerordens, gegründet im I3ten Jahrhundert am l. U. des Rheins, St. von Dießenhofen. Dänikon, Tänikon, Frauenkloster, Cistercienserordens, (von seinen Bewohnerinnen unserer lieben Frauen Lilienthal genannt), in flachem Thalgrunde am l. U. der Lützelmurg. Die Gebeine der h. Aurelia sind 1651 aus Rom hierher gebracht worden und Wallfahrten zu diesem Gnadenschatz sind häufig. Dießenhofen, kl. Stadt am l. U. des Rheins, in äußerst fruchtbarer Gegend, mit bedeckter Brücke, Vieh - und Weinhandel, 8 Jahrmärkten, Gerbereien, Schifffahrt und Fischerei, Wein und Ackerbau sehr ergiebig. Egnach, Pfdf., im Amtsbezirk Arbon auf der gr. Str. nach Konstanz. Große Obstbaumpflanzungen, der nahe Winzelnberg (bester Reb- berg im Thurgau); stark besuchtes Dampfbad. 447 Cmmishofen, Dorf im Kresse EgvlShofen, nächst Konstanz, zeichnet sich durch reizende Lage, wie auch durch seine schone Landhäuser aus. Eppishausen, Schloß und kl. Dorf an der Str. von Weinfelden, auf einer Anhöhe; hier wohnt der als Freund aller schönen Wissenschaften weit bekannte Baron Jos von Laßberg. Ermatingen, Mktfl., im Kreise gl. N. und Amtsbezirk Gottlieben, liegt nahe am Untersee und der Seestraße von Konstanz nach Schaffhausen, einer der beliebtesten Landungsplätze. Spedition, Fischerei, Branntweinbrennereien, Gerbereien, Leimfabriken, Küferwerkstätten von Bedeutung bereichern den freundlichen Ort. Acker-, Wein- und Obstbau, Hanfpflanzungen ic. Feldbach. Frauenstift des Cistercienserordens, auf einer Erdzunge des Unterstes nächst unterhalb Steckbvrn. Fisch ingen, Männerkloster des Benediktinerordens, am nördl, Fuß des Hörnst in dem obern engen Thalgrunde an der Murg. Frauenfeld, Hptstdt. des Kantons, am nordwestl. Fuße des Jmmer- und Wellenberges an dem r. U. der Murg, über welche eine bedeckte Brücke führt am felsigen Dorsprung, gelegen in der Mitte schöner Weingärten, ergiebiger Fruchtfelder und lachender Wiestngründe. Beachtungswürdig sind: das hochgelegene alte Schloß, die katholische und reformirte Pfarrkirche, das Rathhaus, das neue Zeughaus, das Stadtkanzleigebäude und das Kapuzinerkloster nächst der Stadt. Ziemlich belebt durch die Straße von Konstanz, und diejenige von Schaffhausen nach St. Gallen und Las Toggenburg; den Verkehr fördern ferner Fabrikation in Baumwollen- und Seidenwaaren, mechanische Spinnereien in Seide und Flachs, bedeutende Werkstätten; Alaun- und Salpetersäurefabriken ic., Buchdruckereien, Dampf- und andere Mühlen. Landbau. Gvttlieben, Mktfl., im Bezirk gl. N. am Unterste, im W. von Konstanz mit altem festen Schloß, (hier saßen einst Papst Johann XXIIl und Zoh. Kuß, letzterer 1415 gefangen), i. Z. 1692 versanken bei heftigem Winde und schwacher Erderschütterung »Häuser in den See. Eine bedeutende Knvpffabrik und Fischerei, auch beträchtlicher Land- wein- und Obstbau. Grießenberg. Weiler, mit einem Schloß in der Schlucht, welche sich auf dem l. U,. der Thür bei Heschikostn ins Thurthal öffnet. Die Stammherrn hatte» sich auf diesem an drei Seiten ganz steilen Felsenhügel eine Festung erbaut, welche in den Fehden des Mittelalters jedem Angriff trotzte, dennoch 1405 den Appenzellern erlag. 44 « Gyrsberg tot«», mittet- und unter-), drei Land- und ehemalige Cdelsitze nächst Konstanz, mit schöner Aussicht. Hauptwyl, volkreiches Fabrikdorf, mit Schloß, Fabrikation von Bamrnvollstoffen und Seidenbändern. Beträchtliche Roth- und Blaufärberei , Kattundruckerei, und aller Gattung Mühlen sichern den Wohlstand dieses OrtS. Heidelberg, Schloßgebäude auf einem anmukhigen mit Reben bepflanzten Hügel, am Abhänge des Lettenberg^s in der Gemeinde Ho- hentannen, s) St. nordwestl. von BischofszeU. Herdern, Pfdf., im N. von Frauenfeld, ohnnveit des r. U. der Thür; auf nahem Weinhügel das Schloß gl. N. müt reizender Fernsicht. Horn, Dorf, am Bodensee auf einer breiten Landzunge, gehört zur Kirchgemeinde Arbon, z»r Landseite ganz v om K. St. Gallen umgeben. Schloß, das ehemals zum Reichsstift Ochsenhqusen gehörte. Hier nahe mündet die Golkach in den See. Bedeutender Landungsplatz. Hub, Dorf, und Postsiation zwischen St. Gallen und Konstanz in der Gemeinde RomanShorn. Hüttlingen, am Fuße des Wellenberges und an der Str. von Wein- felden nach Frauenfeld; oberhalb liegt der kleine See gl. N. mit schwimmenden Jnselchen. Schloß- Zslikon, blühendes Fabrikdorf, an der Str. von Frauenfeld nach Winterthur. Jttingen, Karthäuserkloster am r. Thurufer Frauenfeld gegenüber gelegen. Nächst ein kleiner fischreicher See, der in die Thür abfließt. Kalchrain, Frauenstift des Nvrbertinervrdens, oben cam Abhänge des SteineggerbergeS in der Ortsgemeinde Hutlwylen. Kastel, O., schönes Schloß nächst Konstanz, der Famillis Scherrer von St. Gallen gehörig, mit herrlicher Aussicht über den, Bodensee; gegenüber die Ruinen der Burg U. Kastel auf einem Sandsteinhügel. Klingenzell, Wallfahrtskirche "Maria Hilf» sammt Weiler von 2 Häusern, ehemals Probstei im S. W. von Steckborn. Nächst das Schloß Werdenfels. Kreuzlingen, Abtei regulirter Augustiner Chorherren in der Orts- gemeinbe Engelshofen nächst Konstanz an der Seestraße nach St. Gallen. Sehenswerth sind in der Kirche über i,vov Hvlzfiguren ange- gebracht bei Darstellung der Leidensgeschichte Zesu, so wie die zwei ältesten Steinbilder der Schweiz, Petrus und Paulus. Liebensols. Stammhaus der Edlen gl. N., im S- W. von Steckborn auf aussichkreicher Anhöhe. Noch mehrere Anzeige vorhanden, daß hier der Sitz eines Vehmgerichts gewesen. ^9 Lommi'S, Pfdf., in sumpfigem Thalgrunde des Amtsbezirks Tobet. 2m Schloß Lauchenthal Baumwollenspinnerei. Lurburg, Schloß am Bvdensee, i St. von Arbon, Mineralquelle. Mammertshofen, wohlerhaltene Burg auf der Höhe über dem Dorfe Roggwpl im S. W. von Arbon. Schöne Aussicht und guter Wein. Mühlheim, gr. Pfdf., an der Straße von Frauenseld nach Konstanz und Weinfeldei,, schöne Wiesen, Ackerfeld, Wein und Hanfgärten. Münchwylen, Dorf, an der Murg und an derStr. von St. Gallen nach Winterthur. Baumwollenspinnerei und Maschinenweberei. Münsterlingen, neugebaute Abtei der Benediktinerinnen, auf der gr. Seestraße von Konstanz nach St- Galle». Oettlishausen, schönes Schloß in der Gemeinde Hohentannen, St. von BischvfSzsll, auf steil über die Thür sich erhebender Anhöhe, bietet herrliche Aussicht. Kirche, Mühle und 8 Wirthschaftsgebäudc. Otten oder Ottoberg, Dorf, mit kl. Schloß am Abhänge des Berges gl. N., dessen Gipfel bewaldet ist, unterhalb demselben wächst der gesuchte Ottenberger Wein. Paradies, Frauenkloster, Clariffenordens, am l. ll. des Rheins, t St. im W. von Dießenhofen. Hier wurden »92 die rebellischen Bauern vom Adel geschlagen und darauf eine Kapelle erbaut, bei welcher dieses Kloster entstand. Pfyn, Pfdf., auf einer Anhöhe am rechten Ufer der Thür, in fruchtbarer Gegend, an der Str. von Frauenseld nach Konstanz, Schloß. Hier stand das römische C.-^i-u,» linen. Romanshorn, Pfdf., am Bodensee auf der äußersten Spitze einer Landzunge. Wo das Schloß jetzt steht, stand einst ein röm. Leucht- thurm. Schifffahrt und Fischerei. Salenstein Dorf, in der Kirchgemeinde Ermatingen. Das Schloß, jetzt sehr schön eingerichtet, gehört dem franz. Oberst Parquin; viel gewinnt solches durch die Nähe der Schlösser Arenenberg, CugenSberg, Mannenbach und Wolfsberg. Sand egg, Burgruine und Weiler, auf einem Hvhenvorsprunge oberhalb des Fleckens Berlingen, Ortsgemeinde Salenstein, mit unvergleichlicher Aussicht. Sonnenberg, Schloß mit schöner Aussicht auf dem Immenberg, südöstl. von Frauenseld, ist obst- und weinreich. Stein egg, alterthümliche Stammburg der längst erloschenen Edlen gl. N., rechts an der alten Bergstraße von Stein nach Frauenseld, hoch am Abhänge eines Hügels mit weiter Aussicht auf die Alpen- ' 29 48 « kette. Vortr-^ sicher Wein, große Schäferei. Zm S, W. liegen zwischen 3 Seen die Ruinen von Helfenberg. Spiegel berg, Burgruinen sammt Weiler auf einem Felsenvvrsprunge am südl. steilen Abhänge des Jmmerberges, in der Ortsgemeinde Wetziko». Herrn v. Sxiegelberg werden im iLten Jahrhundert oft genannt. Anmuthige Aussicht. Steckborn, kl. Stadt und Hauptort am Untersee. Wollenmanufak- turen, t mechanische Baumwollenspinnerei, 1 Stecknadel- und i Sxi- tzenfabrik. Guter Land- und Weinbau. Nahe LaS Kloster Feldbach und schöne Landhäuser. Das alte Kastell , Thurm genannt, ist jetzt Kauf- und Vvrrathshaus. Sulzen, Pfdf., an einem Hügel an der Str. von Bischofszell nach Konstanz, Kattunwebereien, Hutfabriken, Weinhandlung und reger Landbau tragen zum Wohlstand des Orts bei. Tänikon. Frauensiift, (s. Dänikon). Tobet, Pfdf., im N. von Weil und gleichnamigen Bezirke an der Str. von Konstanz nach Frauenfeld an einem Bache. Die 1228 gestiftete Jvhanniter-Commende ist jetzt Kantonszuchthaus. Thurberg, Weiler und Schloßruine auf der Höhe des mittlern Ot- tenbergS, dem St. Galler Oberst Rägelin gehörig, gewährt anmuthige Aussicht. Uttwyl, Pfdf., an der Seestraße von Konstanz nach St. Gallen, stark befahrne Schifflände. Speditivnshandel, Getreide und Obstbau. Wäldi, Pfdf., an der Str. von Konstanz nach Frauenfeld, 2050 Fuß über dem Meer, nahe der hohe Rain, ein Signal und Belvedere. Obstreiche Gegend. Wän- oder Wengi, Pfdf., an der Murg in Kreise LoimmiS, bedeutende mechanische Baumwollspinnerei. Weinfelden, schöner Marktflecken und 2terHauptort LeSK. am südl. Fuße des mittlern Ottenbergs im Thurthale. viel Weinbau und fleißig bestelltes Ackerfeld, liegt St. vom r. U. der Thür (schöne Brücke) an der Str. von Frauenfeld nach Bsichofszell. Starke Waa- rendurchfuhr, Handel mit Materialwaaren und Garn. i Buchdruckerei und viele Werkstätten. Schloß auf einem Rebhügel. Wellenberg, Schloß, in der Ortsgemeinde Thundorf am nördl. Abhänge gleichnamiger Höhe, mit anmuthiger Aussicht über die Fläche des Thurthales rc. Werd, kleine grüne Rheininsel mit 1 Weile? und 1 alten Kapelle bei Eschen;, oberhalb Stein; die Römer haktet hier ein Castrum und eine Brücke. 43 » Wolfsberg, neugebautes Schloß und ehemaliger Freisitz in der Ortsgemeinde Ermatingen, gehört dem franz. Oberst Parquin, (in der schönen Jahreszeit Ll>a,nl»es ^»rnles). Zeller- oder Unter-see, 3)4 St. lang und i/zSt. breit, beginnt 14 St. unter Konstanz und fließt bei Stein durch den Rhein ab. Kanton Tessin. Äer südlichste und I8te Kanton (seit 1803) in der Eidgenossenschaft, Freistaat mit repräsentativer Verfassung, jenseits der hohen Alpenkette. Das Kantonswappen, ein in die Länge von roth und blau gespaltener Schild. _ Gränzen, Größe, Bevölkerung, Menschenschlag, Lebensweise. Gränzt gegen O. an Graubünden und die Provinz komo, des lvm- bardisch-venetianischen Königreichs, gegen S. an dieselben, gegen W. an die k. sardinischen Provinzen r->ll.->n-ü>, Ossnla und Wallis, gegen N. an den Kanton Graubünden und Ury; seine nördlichste Wohnung ist das Gotthards Hospitium. Die größte Länge von eiu»8s« bis an die Gränze von Ury, in der Richtung von S. nach N. beträgt 1714, seine größte Breite von S. W. nach N. O. von Ende der im Locarnischen bis zum Berge Greina, in ventoe»IU von lile»:» gegen Graubünden 13)4 Stunden. Flächeninhalt wird auf 53 ßH M. berechnet, aus welchem nach neuester Zählung zu Ende 1836 113,634 Seelen leben, dw sich sämmtlich zur katholischen Religion bekennen, und italienisch in vcrschiedenen Mundarten sprechen, ausnahmsweise der Bewohner von Koseo in Unter-Livinen, 6,iul>iasco, haben dießfalls eine traurige Berühmtheit erlangt, die nur allmählig sich mindert. Diese unglücklichen Geschöpfe entstehen meistens in den dumpfigen Niederungen, wo stets eine verdorbene Luft waltet, nur schlechtes trübes Wasser sich findet, die elendesten Wohnungen bestehen, und über dieses die Frauen den anstrengendsten Arbeiten und Beschwerden bei kümmerlicher Nahrung unterworfen sind. In den gesündern Gegenden Tessins und in der wohl- habendem Klasse finden sich wohl auch Personen, die bei Munterkeit 80 und über 00 Jahre erreichen. Die Nahrung überhaupt beschränkt sich blos bei den Aermsten auf in Wasser gekochtes Mehl aus Mais, der Landbauer hingegen bedient sich auch desselben, aber niit Milch oder Wein, mit Käs oder Butter, der Arme genießt anstatt der Mehlsuxpe auch abgesottene Kartoffeln mit Salz, der wohlhabendere Kaufmann läßt es an Zukost nicht fehlen, und weiß an Festtagen Lurch Zugabe von andern Speisen, gesalzenes und ungesalzenes Fleisch, Wein und Branntwein sich gütlich zu thun. Das Brod von Gersten oder von Kastanienmehl ist jetzt ganz außer Gebrauch. Alljährlich geschehen Fortschritte in besserer Nahrungsweise zum Heil der Einwohner. *) In Städten ist der bei den Landleuten nicht übliche Milchkaffee eingeführt, und der Gebrauch oder besser zu sagen Mißbrauch des Weines sehr stark. Geflügel und Wildpret wird in Menge verbraucht, so wie Fische und alle Gattungen nahrhafter Speisen. Kleidung. In den Städten ahmt man die Mode von Mailand und Como nach; auch auf dem Lande ist die wohlhabendere Klaffe von dieser Nachahmungssucht ergriffen. Die geringern Leute behalten von der alten Tracht so wenig bei als Die Nahrung des Leventinische» Aclplers zeichnet sich bei ihrer Einfachheit durch Güte und Rcichlichkeit aus, die kochet derselbe mit unvermisch- tem NahM. von derselben fließt eine wie Gold reine Butter ab, von welcher ein köstlicher Geruch ausgeht. Eine solche heißt gemein livinisch: xo- 4Ü2 möglich ist, und huldigen dem Geist der Neuerungssucht — zum Schrecken der biedern Alten — überall. Keineswegs herrscht dieser Geist in den Thälern des Locarnischen und und unter den Landleuten der Riviera, der Thäler Al:>roI>I>i-» , und tlolls, wo die Trachten der Weiber noch fast unverändert beibehalten werden. Noch sieht man die breiten Fransen der Länge nach auf den Unterröcken, und sehr breite auf den Oberröcken von Tuch; noch sieht man die Schürzen von der Länge des Kleides, und als Ersatz des Halstuches, und die Hauben und Kappen aber beini Erscheinen in der Kirche, ein weißes Tuch mit Spitzen und Bändern, um solches wie ein Nonnen-Sca- pulier auf den Kopf zu setzen. In kälteren Gegenden ist das Halblein- tuch zur Kleidung an Werktagen, und feines Wollentuch an Festtagen üblich, ersteres wird meistens im Hause gefertigt, letzteres gekauft. 2n heißeren Gegenden wird Zwilch, Barchent oder Gewebe von Hanf getragen. Die Männer vertauschen überall die kurzen Beinkleider gegen die langen, an Festtagen ersetzen sie die übliche Mütze durch den Hut. Scharlachwämser sieht man häufig, und Hosen von Ziegenfellen im Luganischen. von Gemsleder an den Livinern und Die Zierrathcn des weiblichen Geschlechts sind am Halse ein silbernes Kreuz und Ohrenringe von demselben Metall. Die Verheiratheten legen den Trauring, der von Silber ist, nie ab. Goldnes Geschmeide tragen nur die Wohlhabender«. Wohnung. Im ganzen Kanton sind 3 kleine Städte, Lux-uio, lwesrno und velliiiroiia, dann 8 -i lO große Ortschaften, welche auf die Benennung Flecken Anspruch machen. Die Zahl der Dörfer belauft sich auf 300 und diejenige der Weiler auf 400. In dieser Berechnung sind die einzelnen und abgelegenen Häuser nicht begriffen. Beschaffenheit, Fruchtbarkeit und Gewerbsamkeit des Landes. Klima. Wie in Wallis und Graubünden und andern Nachbarkantonen hat der Kanton Tessin ein sehr mannigfaltiges Klima. Oft findet man an einem Ende des Thales Schnee, der sehr spät (in Mitte des August) schmelzt, während am entgegengesetzten südlichen Theil in freier Luft Pflanzen gedeihen, welche in den fruchtbarsten Ebenen der Lombardei ohne sorgfältige Bemühungen nicht bestehen würden. So erstrecken sich beim nordwestlichen Anfange des »svvne-Thales gegen die Grenzen des Wallis und Piemonts die Gletscher bis in den Grund des Thales hinab, und beim südvstl. Ausgange desselben gedeiht herrlicher 434 Wein, reifen auf dem nämlichen Feld doppelte Erndten, Doch sind die Gipfel der Alpen, von denen die tessinischen Hauptthäler von N. nach S. ausgehen, zu Zeiten Ursache so rauher Kälte, um eine Weile vergessen zu lassen, daß man unter dem schönen Himmel Italiens lebt. Nebel belästigen auch zu Unterst in den Thälern und an den Ufern der Seen selten lange. Reif fällt nicht selten im Frühling und Herbst, und richtet besonders im ersten Fall großen Schaden an. Gewitter, auch mit Hagel, sind häufig im Süden des Luganersees. Winde. Auf den Gebirgshöhen erheben sich zuweilen sowohl des Winters als im Frühlinge heftige Wirbelwinde, welche die gefährlichen Gureten tlorxieilt») und Lauinen (8l-»vl»-l) veranlassen. Der Westwind Föhn (kognio oder t»,»»!«) erscheint im Winter und Frühling mit oft verderblicher Wärme, und erzeugt tödtliche Katharre. An den Seen mildern täglich 2 periodische Winde die Sonnenhitze, der Ha,»o»t->n» von N. her beginnt von Mitternacht bis gegen Mittag, der lorerm» oder vrcva am Luganersee blast von S. her von Mittag bis Abends. Beinahe der ganze Kanton ist Urgebirge, nur im südl. Theil finden sich Berge und Hügel von Flötzkalkstein und Kalkschisfer, Gneis, adriger Granit, Glimmerschiefer, Urkalksiein, Tvpfstein und Porphir sind die am häufigsten vorkommenden Steinarten; die Erde, welche dem Gebirge mangelt, durch Gewässer abgespült, ist in den tiefern Thälern so üppig, wie sonst in keinem Kanton, sie steht ohne Dünger der besten Gartenerde gleich. Das Mineralreich bietet eine Menge Fossilien dar, von denen einige zn den Edelsteinen gehören: Rubinen, Topasen, Hia- zinthen und Granate», sie finden sich nebst schönen Krystallen auf dem St. Gotthard (k.!tl>ol»g!e «tu 8t. til-NI,, von 8»u-i8urL, — itiixi- raire i>a üet 8t. ii ol I bui'.Io «tot <':t V. killt), Eisen bei Brenno und Aranno, -Sonvico, Carena im Marobbia-Th., Steinkohlen bei Arogno, Marmor bei Arzo und Stabbio, Granit von allen Arten und an vielen Orten, Dachschiefer hin und wieder, besonders auf dem Rücken des Givnnero, Topfsiei» im keee!-»- und L.->v<,i»;-TH. ic. Sandstein im S. des Luganer-Sees bei V-»lern-» im Bette der Itrexg!.-, so feinkörnig, daß er als Wetzschiefer zum Handel kommt, plastischer Thon um Rivo und bis nach Mailand überall. Gyps weißer und faseriger zu llro^no, OlivoilL. Kalk bei Lsmoriilo, LllStlvue, t.iliuiuo, tiulj»,', .Hl'o!". Ossllliio, tt' lig,'. Klvrt rite. Das Pflanzenreich ist reich an Spezies dos warmen und kalten Klimas, die in der übrigen Schweiz sich nicht finden. Bis auf die Mitte der größten Thäler herab sind die Berge an den erdigen Stellen mit Tannen- und Fichtenwäldern bedeckt, Buchen und Lärchen fanden erst unterhalb an häufig zu werden, diese Hölzer find ein wichtiger Gegenstand des auswärtigen Handels. Es fehlt an Nachdruck der Fvrstpolizei, auch schaden sehr die Unvorsichtigkeit mit Feuer und Einsammeln des Harzes. Ersprießlichere Ausbeute geben in wärmern Gegenden dieKastanien- wälder, ihre Frucht ist ein allgemein beliebtes Nahrungsmittel, ihr Holz dient ausschließlich zu Weinfässer», gibt die meisten Kohlen, und ihr Laub wird zu Stallstreu benutzt. Die Thäler Loventino, lilenio, Alüggla, Verr->8C», und Distrikt It>'iu»-U„!> liefern vorzügliches Wiesenheu, in den übrigen Gegenden ist es weniger gut und Pferden nicht zuträglich. Korngegenden sind Itlenärl^io, theilweise Lug»»» und Locarno, i» andern Gegenden ist der Ackerbau irgend einer andern Kultur untergeordnet. Walzen wird nicht allgemein gebaut, aber häufiger Roggen und Mais, auch pflanzt man Hirse und kleines Türkenkorn auf den Feldern nach der Erndte der Wintersaat. Allgemein ist der Bau der Kartoffeln, welche mit den Kastanien die Einfuhr des fremden Korns stark vermindert haben. Hafer, Oel und Färbepflanzen werden sehr wenig gepflanzt, dagegen Hanf und Flachs für den Hausbedarf. Tabak nimmt einen kleinen Theil des Landbesitzes aller Landleute des Mendrisischen und Luganischen in Anspruch. Wein ist in den Distrikten von Itellioron», Loeorna, Lugano und Menärislo eins der wichtigsten Produkte. Als Nebensache betreiben Leveniina, lilenio, Kiviei'a und Itlaggi» auch Weinbau; die Bereitungsart, Milde des Weines und dessen Dichtheit, so wie der Mangel an guten Kellern mögen wohl die Hauptursache sein, daß sich derselbe, so wie überhaupt in Italien, nicht mehrere Jahre hält, merklich länger ist dessen Dauer in Bergkellern des Laprino, von vlasc», M<-„- tti'Lsio, Oäornico und des Alaggta - Thales; senseits des Gotthards gewinnt der unverfälschte Wein an Stärke und Annehmlichkeit, derjenige von den besten Jahrgängen ist dem schnellern Verderben unterwor- fen. Gemüse - und Gartenbau liegt noch in der Wiege in diesem Kanton, nur hin und wieder beginnen sie aufzutauchen. In den wärmern Thälern gedeiht der weiße Maulbeerbanm sehr gut, die Anpflanzung dieser Bäume, wegen Zucht der Seidenwürmer ist in einigen tessini- schen Gegenden nicht neu, aber in den letzten 20 Jahren erhielt dieser Zweig des Gewerbfleißes eine bedeutende Ausdehnung, so daß solcher dahin gelangte, wo wegen der Rauhheit des Bodens und des Klimas eS nie für möglich gehalten war. Obst wird nur grün genossen, wenig kommt davon ins Mailändische; bei der Menge von Kirschen gedenkt man nicht einmal daran Kirschwaffer zu brennen. Von edlerm Obst sind Pfirsche», Aprikosen und Feigen sehr häufig, nicht so Mandeln, Oliven und Granatapfel. Wailnußbäume und die welschen gepfropften Haselnußbäume; im transcenerischen LanLestheil schöne Früchte. Alle diese Produkte stehen der Viehzucht nach, allenthalben find Alpen und Maiensaße zu benutzen, das Vieh steht in Betreff der Größe und des Milchertrages dem gewöhnlichen Schweizervieh nach, 8 bis 20 Pfund Milch täglich auf eine Kuh; für den auswärtigen Handel dienen nur Käse und Kälber, von jenen führt man jährlich 3,000 Ztr. aus (an Werth 400,000 Fr.). Man hält auch eine große Zahl Geißen und Schafe, weil viele Bergweiden nur von diesen benutzt werden können. Die gewöhnlichen Schafe find nicht viel größer als die der nördlichen Schweiz. Die Wolle ist nicht besonders fein, das Fleisch aber sehr schmackhaft und zart, besser als das der Bergamaskischen, von welchen jährlich einige Tausend eingeführt werden. Es gibt viele Schweine. Stein- und Maulesel find völlig einheimisch, jene find kleiner als die Lombardischen, aber sehr stark, die Säumer halten blos Maulesel, weil sie dauerhafter und leichter zu ernähren sind als Pferde, von diesen hält man nicht viele und blos einheimische Race, welche dauerhaft und an schlechtes Futter gewöhnt, aber häßlich und bösartig sind. Der Vieh- stand zählte 1833 22,600 Stück Rindvieh, 75,000 Ziegen, 23,000 Schafe, 27,200 Schweine, 1,200 Pferde, 600 Maulesel und Esel. In einigen Gegenden zieht man viel und schmackhaftes Federvieh, allein es wird dennoch vieles eingeführt. Für die Jagd ist einige Beschäftigung vorhanden. Viele wohlhabende Bürger und nicht wenig Geistliche sind der Jagd ergeben; der Luganer vor Allen. Gemsen zeigen sich häufig in großen Trupps auf den steilsten Gebirgen von Le- venliua, Kleiiio, ktivlera, klüllinLOir», V. u, und V. Sleinböcke zeigen sich nicht mehr. Bären gibt es häufig, nämlich Alpen- und Obstbären, erstere sind sehr groß, letztere sind kleiner und besuchen die Weinberge. Dem Vieh sind sie gefährlich und oft Ursache, daß eine Alp ganz verlassen wird, wo ihre Schlupfwinkel nahe sind. Die Jagd auf sie ist sehr beschwerlich, daher ihr steter Fortbestand. Auch Wölfe gibt es bisweilen und zahlreich sind Adler und Jochgeier. Fisch- otlern, Dachse, rothe Füchse, weiße und gemeine Hasen gibt es in Menge. Wildschweine und Hochwildxret ist beinahe ganz ausgerottet. Wildgeflügel gibt es ebenfalls in großer Zahl, nur Auerhähne und Schneehühner sind etwas selten. Die Bienenzucht könnte einträglich sein, wird aber sehr gering betrieben. An Fischen ist Ueberfluß jn mehreren Gewässern, vorzüglich an Forellen, Aalen, Drüschen, Kar- 467 psen, Hechten, Lieschen und Alsen—welche in Mitte Juni den Po heraufsteigen — Krebse in einigen moorigen Bächen, werden aber nicht groß. Insekten und Würmer. Niemand bekümmerte sich bis dahin um dieses Studium. Der Scvrpion wird als ein giftiges Thier verfolgt, indessen sind keine der schauderhaften Thaten, welche die Sage verbreitet, von ihm erwiesen. Bergbau. So reich man manche Gegend Tessins an Mineraler- zeugniffen schätzt, eben so wenig ziehen die Einwohner einigen Nutzen davon, und sind die gemachten Versuche bald wieder aufgegeben worden. Mineralquellen, keineswegs fehlen mit guten Eigenschaften begabte derartige Quellen, allein man befaßt sich im Allgemeinen eben so wenig mit Untersuchung derselben, als daß man Nutzen dadurch herbeiführen will. (vr. Carl Lurati Druckschrift über Bezeichnung der Mineralquel- len im Kanton Tessin.) Gewerbsfleiß und Handel. Die Bezirke I-ug-»,» und Memlrisio leisten in ersterer Beziehung einiges von Bedeutung; man fabrizirt Halbtücher, Leinwand für eignen Gebrauch, Tabak, Nutzhölzer, Ziegel, irdene und Lavezgeschirre, Papier in 7 Mühlen, Strohhüte, sodann Seidenspinnereien, Färbereien, Gerbereien, Buchdruckereien, Glashütten, 1 Glockengießerei zu 6»nnI>I>io bei Lux-mo. Nicht unbedeutend ist der Handel, welcher von den Tessinern im Auslande mit Wein, Spezereien, Chocolade, Marronen (gr. zahme Kastanien) ic. getrieben wird, und manches tausend Lire kömmt als Ergebniß der regen Handelsthätigkeit in den Kanton. Der Transit- und Sveditionshandel war viel bedeutender vor Einrichtung der bequemen Straßen über den Sim- xlon, Splügen und Stilfser-Zoch. Der Zwischenhandel mit Pferden und Rindvieh gegen Reis, Wein und Branntwein ist nicht unbedeutend. Einfuhr: Getireide, Mehl, Branntwein, Essig, Tabak, Hanf, Flachs, Baumwolle, Kvlonialwaaren, Schlachtvieh, Salz, gesalzene Fische, Färb- erden, Manufakturwaaren. Ausfuhr: Seide, Käse, Weinhefe, Heu, Stroh, gesponnene Baumwolle und gesponnene Wolle, Maulbeerblätter. Kastanien, Obst, gesalzenes und geräuchertes Fleisch, Schnecken, Bauholz, geschnittenes Bretter - und Brennholz, Kohlen, Eichenrinde, Harz aller Art, Kühe und aller Sorten kleines Vieh, Butter, Zieger, rohe Häute, Wildpret, Fische, Thon, Marmor, Strohgeflecht, Strohhüte. Lavezgeschirr, Leder, allerlei Werkzeuge und Lumpen. Für Stroh- geflecht sollen jährlich über 300,000 L. eingehen ic. Münzen. Die Tessiner rechnen gewöhnlich in Lire, Soldi und De- nari: 100 tessinische Lire sind gleich mit 64 stanz. Livres; 16 Schweizer- franken entsprechen Z7 tessinischen Liren; 6 Lire sind gleich 5 mailändi- 4Ü8 scheu, folglich ist die mailändische Münze 20 Prvceut geringer als die tessinische. Gebirge. Der schon (S. 56) bezeichnete Hauptalpenzug der Cen- tralalxen macht vom Berge Gries bis zum Rheinwaldhorn den gebirgigsten Theil des Kantons und zugleich bis auf jenen Uebersprung beim Hospiz an dem Gvtthard (S. 56) die nördl. Gränze des Kantons aus. Vom GrieS zieht stch ein Zweig bis zum 6,i>» und l,»nir». Gewässer. Seen, ,) Langensee (s. S- 66), 2) Lauisersee, (s. S. 66), 3) Muzzanvsee, rechts von der Straße, welche von Lugano nach Agil» führt, 4) der kl. Origlivsee, auch im Luganischon, liegt in der Hieveeinem nördl. kleinen Thal. Kleine Bergseen gibt es viele in den Zuflüssen der lUchi'g!» und des Tessins. allein die meisten sind eigentliche Teiche oder Weiher. Flüsse, es besteht keine Schifffahrt auf den tessinischen Flüssen, theils wegen geringer Tiefe, theils wegen Unebenheilt des Grundes. Der Tessin, ital. Tieiu» (s. S. 74), Ti<-I„<:,r» (kl. Tessin, ein starker Bach.) — Der Ikrenu» oder lilenio-Tessin, durchläuft das ganze LIexu»-Thal, und vereinigt sich unterhalb ki-lse-l mit dem Tessin. Die durchstießt das Maynthal und stürzt sich bei r.oe»rn» in den Langensee; kurz vor ihrem Ausfluß drängt sich die Naxxi» bei kante -«roll» durch eine enge Schlucht und nimmt die 08»rvne auf. Die Hase» bewässert Las Thal dieses Namens und fließt bei Heuer» in den Langensee. Die i-res», so heißt der Ausfluß des Luganersees, bildet eine Strecke weit die Gränze des Kantons gegen Italien, und mündet unter Tuvta» in den Langensee. Die »rolit»» kommt vom Zöriberg und fällt unter 6iubi»,co m den Tessin. 4L»9 l'iun-eiur, , Bach, kommt von den Alpen vom <3»o,j«,Iultgo , bildet im mittlern Lirinen, gegenüber, einen interessanten Wafferfall und stürzt in den Tesstn. Noch mehrere Flüßchen und Bäche bewässern den Kanton, die manchmal zu reißenden Strömen anschwellen und empfindliche Verheerungen zum Beweise ihres Daseins anrichten. Eintheilung und Verfassung. Der Kanton zerfallt in acht Distrikte: Lugano mit (34,320 Ew.), l»ei»Iri8l<, (16,106 Ew.), Ulenio 8,044 Ew.), irollio/ona (10,271 Ew.), Klrlera (4,258 Ew.), Loeoioo (21,48l Ew.), Hl lllaggi» (7,180 Ew.), Leven«:»» (tl,974 Ew.) — Slllgemeine Grundsätze der Verfassung: wie im Kanton St. Gallen, Hazardsxiele und Lotterien find verboten. Als Aktivbürger muß man nicht nur 25 Jahr alt sein, sondern Grundstücke von 200 Fr. an Werth, oder die Nutznießung von 300 Fr. auf Grundstücke im K. besitzen; sehr schwierig ist die Verlegung des politischen Wohnsitzes von einer Gemeinde in die andere. Oefsentliche Gewalten: in jeder Gemeinde ist ein Gemeinderath von wenigstens 3 und höchstens 11 Gliedern, inel. Ammann (slntlueo) der den Vorsitz hat, mit dreijähriger Amtsdauer, j/g Erneuerung alle Jahr und Wiederwählbarkeik; — in jedem Kreise ein Friedensrichter, ein Beisitzer (Sekretär) und ein Ersatzmann von der Kreisversammlung gewählt; die Funktionen beider Behörden sind wie die gleichnamigen im K. St. Gallen, und in jedem Distrikte ein Statthalter als Vertreter des Staatsrathes. In den Distrikten Zienclrisio, V»I Lellioriooi», !>irler», lileoio und Levenlin» ist ein aus ü Mitgliedern bestehendes Gericht erster Instanz für Civil- und Criminalfälle, und in den Distrikten Lugsno und Loearno sind 2 Gerichte von 5 Mitgliedern jedes, das eine für Civil - und das andere für Criminalfälle. Es gibt für den K. ein Appellationsgericht von 13 Mitgliedern (wovon wenigstens 7 Juristen), vom Großen Rathe frei aus seiner Mitte gewählt, das sich abwechselnd in Log-»«,, 1 !> II!„- 200 » und Loeoroo versammelt; zu einem gültigen Urtheile müssen alle Richter anwesend oder ersetzt sein; Verrichtungen, wie im K. St. Gallen. Höchste vollziehende und administrative Gewalt ist der Staatsrath von 9 vom Großen Rath in oder außer seiner Mitte ernannten Mitgliedern, (au dessen Spitze eines der Letztem mit dem Titel Präsident von Monat zu Monat wechselt), die Funktionen sind die des kleinen- oder Regierungsrathes anderer Kantone, die des Gr. Rathes (von 114 von den Kreisversammlungen gewählten Mitglieder, mit 4jäh- riger Amtsdauer und Wiederwählbarkeit), dieselben wie in andern Kan- 4 « 1 > tonen, er versammelt sich jedes Jahr am erstell Montag des Mai im Regierungssitze (wechselnd in Lugano, liellinrons und I>ocarnc>) auf 1 Monat, wenn der Staatsrath diese Zeit nicht verlängert. Zur Eröffnung einer Sitzung müssen 76 Mitglieder versammelt sein, und kann die Berathung fortdauern, wenn 39 Mitglieder der nämlichen Meinung sind, uno auch jene Anzahl nicht immer beisammen ist. — Um Gemeinde- rath zu werden, muß man 30 Jahr alt sein und ein Grundstück von 300 Fr. oder die Nutznießung davon haben, — gleiches Alter und tOOO Franken der Friedensrichter, sein Sekretär und Ersatzmann, — 30 I. wenigstens und 3000 Fr. Vermögen der Richter erster Instanz, und 5000 Fr. Grundeigenthum der Axpellationsrichter, — von den 3 Groß- räthen jeden Kreises müssen 2 über 30 I., der 3te kann über 25 I. alt sein und Grundstücke von 4000 Fr., oder die gesetzliche Nutznießung davon haben, — letztere von 8000 Fr. und ein Alter von wenigstens 30 I. sind zum Staatsrath erforderlich. — Zu jeder Kantonsstelle ist man wieder wählbar; nur bei Staatsräthen tritt, wenn sie zwei Amts- Lauern oder zweimal 4J. funktionirt, ein Zwischenraum von 2 I. ein; auch kann das gleiche Mitglied des Gr. Raths nicht in 2 auf einander folgenden Sitzungen präsikiren. Im Gemeinderath und in den Gerichten dürfen niclpt gleichzeitig sitzen Vater und Sohn, Brüder, Schwiegervater und Schwiegersohn, blutverwandte Oheime und Neffen, Geschwisterkinder, so bald sie zusammenleben; der Gemeindrathschreiberdarf zum Ammann oder dessen Stellvertreter nicht in diesen Verwandtschaftsgraden stehen; der Säckelmeister muß außer dem Gemeinderathe genommen werden, von welchem Metzger, Bäcker, Wirthe, Wurstmacher ausgeschlossen sind. Obere- und untere Richterstellen dürfen nicht in einer Person vereint sein, und beide sind mit der Advocatur unverträglich. Der Großrath darf keine besoldete öffentliche Stelle bekleiden, mit Ausnahme der Gemeindämler, er kann auch nicht einmal Mitglied oder Ersatzmann eines Gerichtes sein, selbst wenn er seiner Stelle entsagte. Sind im Staatsrathe Mitglieder aus dem Gr. Rathe genommen, so hören sie auf Großräths zu sein; der Staatskassier darf weder dem Gr. Rathe, noch dem Staatsrathe angehören; der General-Capitän kann Mitglied von jenem aber nicht von diesem sein. In kirchlicher Hinsicht steht der Kanton unter den Bischöfen von Mailand und Cvmo; er enthält eine große Anzahl von Klöstern, in welchen gegen 250 Ordensgeistliche wohnen und nahe an 500 Weltgeistliche in 268 Gemeinden. Zu Lellenn besorgen einstedlische Conventualen eine ziemlich besuchte Schulanstalt, überhaupt aber steht das Schulwesen noch weit gegen andere Kantone zurück, was um so auffallender ist, da dieser 46t Kanton in Beziehung auf schöne Künste mehr berühmte Männer geliefert hat, als die ganze übrige Schweiz. Der Kanton Tessin stellt Kontingent zum Bundesheer Mannschaft : 1,804 M., Geldbeitrag 18,048 Schweizerfranken. Ortsbeschreibung. Val kl'alj-no. ein reizendes vom kl. Fluß gl. N. bewässertes, 6 bis 7 St. langes außerordentlich fruchtbares Thal, solches erstreckt sich vom Luganersee bis zu den Bergen 6e»er« und dessen Bewohner sind die gebildetsten, aber auch die verwegensten des Kantons. Mktfl., am Luganersee bei der Mündung des oder Ve- «leskio - Flusses. Chorherrnstift, und schöne Landdechanei-Stiftskirche mit prachtvollem Altar. In der Nähe viele Kohlenbrennereien. Xirolo, der nördlichste Kreis in»iei>s, auch der höchste und kälteste des Kantons, mit etwa 2,500 Ew., welche der regelmäßig wiederkehrenden Auswanderung unterworfen sind. Xirvta (Eriels), Pfdf. und Hauptvrt des gleichnamigen Kreises, 3,794 F. üb. M., durch welches die Str. über den St. Gvtthard führt, nächst dem l. U. des Tessin. Eine Feuersbrunst zerstörte 1739 diesen Ort total, welcher jetzt neu aufgebaut ist. Hier befindet sich ein Haus ii' a4n-ira k, oder am Naretsee vorbei über den Naretpaß (7,490 F. ü. M.) und die Weiden tlanixo I» ins Vst Lsvirrsr-, 7 St., zum Hospiz S. Maria auf den Lukma- nier (durch das v»r !'!<»-> , Doiuo oder im-mi»:) 5, und entweder nach visseatis 5, oder nach Olivoitt! im lilegno-Thal 4 St. Nach Andermatt (Lurch V»I e-mmi-l, am Sella-Hvspiz vorbei durch die Unteralp) 5 St. .4.!-»»»» auch Itanna, Pfdf., im untersten Theile deS Kreises Itrenno, Distrikt L,ug'»n<>, nahe ein Eisenbergwerk. Xrlietlo, gr. wohlhabendes Pfdf., nächst der gr. Str. im Distrikt Del Unroiia, auf fruchtbarer ausstchtreicher Anhöhe. Zwischen hier und livUi»-ioii» befindet sich die rothe Kirche (St. Paul), in deren Nähe 462 unter drei auffallenden Grabhügeln die Schweizer ruhen, welche 1422 im Kampf mit den Lombarden in großer Anzahl fielen. -».roxno, Pfdf., ist die höchstgelegene Dorfschaft des Kreises vormals vortreffliche jetzt ruhende Steingrube, auf fruchtbarem Hügel, aus welchem der kl. Mar.iFjZL-Bach in den Luganersee fließt; dieser Ort lieferte mehrere berühmte Künstler. ^rxa, Pfdf., im Distrikte Nen.li'isi» an der lombardischen Gränze, berühmt Lurch eifrige Betriebsamkeit seiner Marmorbrüche. ^.scon», am I,ago lUnggflare, Hauptort des Kreises ttelle I8N>;->se<>), alte und große Ortschaft der kivlora auf dem l. u. des Blegno, welcher in den Tessin fließt, am Eingang in das Blegno- Thal. Einst vor dem Bergsturz 1312 ein bedeutender Marktflecken. Merkwürdige Stiftskirche, gute Felsenkeller, Weinreben und Maul- beerbäume. »igorla, »I, Kapuzinerkloster auf aussichtreichem Bergabhang nahe von Lugano, mit Wallfahrt. vil-onioo, im Kreis Tsverne auf der Straße von veUlnroll-, nach I,u xsno, 1,520 F. ü. M. Seidenspinnerei. Hier großes Blutvergießen bei dem Rückzug der Oesterreich« 1800. Lisono (Liscione), Pfdf., am l. u. des Luganersees. Seidenspinnerei, Wein- und fruchtbares Gelände. Geburtsort mehrerer berühmten Künstler. Hier endet die Hauptstraße und die Schifffahrt beginnt, wozu stets große Schiffe bereit sind. »lenio oder Brenne, (deutsch Polenzerthal), Landschaft und Thal vom Blegno durchströmt, erstreckt sich zwischen den hohen Gebirgen Graubündeus und des Livinenthals bis zum Fuße des Lukmaniers, ist St. breit und hat einen Flächenraum von 8 H! St. Treffliche Kastanien, gutes Obst, etwas Getreide, mittelmäßigen Wein, aber geringe Weiden, doch ziemlich Viehzucht, besonders Schweine. Suse», deutsches Dorf im »o.-icn-Thale, 3,240 F. ü. M. am l. u. der Kov-inil», Fabrikation von Hvlzgeschirren. Lrisnago, Mktfl., im locarnischen Kreise Isole, am Wests. Gestade des L-lgo Msggio,'«;, Handel und Schifffahrt. Geburtsort des Maler und Bildhauer Caldelli. tlsmpo, Pfdf., im Thalgrunde des Distrikt Klein-,. Zwischen diesem Ort und klnrone eine bedeutende Mineralquelle. L-»>»rl»-Thal, ein kl. Längenthal am südöstl. Gotthard, welches sich bei Urolo öffnet; die seltensten Steinarten sind hier in Menge zu 464 treffen, auch werden aus dem hier einheimischen Gneis gute Müht steine gehauen. tlanokluo, im Thal von Lugano gegen 2 St. von dieser Stadt. Kupferhammer, Glockengießerei, 2 Papiermühlen. L»i>ot»go oder Lax» al»gueüra und Lorgnon«, vffmt sich 2 St. weit von Loearna. Die Mele-ra, welche aus dem Vexerr.n-Thal kömmt, bewässert diesen Thalspalt, welcher äußerst fruchtbare Winkel, und andere, worin die Kälte Siberiens stets hauset, zeigt. Devio, Pfdf. und Hauport des Kr. Lovanna, Distrikts >ulle Haggia; über die Maggi» führt eine schöne Brücke in 3 Bogen. 1,320 F. üb. M. Hier viel Weinbau und jährlich 2 Ernten. Fahrweg nach liocarn0. Dliissso, gr. Dorf, an der gr. Str. von Lugano nach Lonlo nächst der lombardischen Gränze. Fruchtbare Gegend, Kaufhaus, Zollstätte, Tabakfabriken und Seidenspinnereien. Stammort vom Maler A. Valdani. Dlügiogua, Pfdf., mit der ältesten Kirche des Distrikts auf der St. Gott- hardsstraße am l. U. des Tessin, 2,220 F. üb. M., Ruinen eines röm. Wachtthurms; vhnfern ein schöner Wafferfall, der 6rll,iasca. 6I»i>o. Psdf., am l. U. des Tesstn, nördl. von NelUnron», hier liegt am Felsenabhange Las 1484 gestiftete Benediktiner-Nonnenkloster; am Fuße die Ueberreste einer Burg mailändischer Herzoge, und Kalk- steinbruch. Dario <4>-»n6e, (Großzoll) oder des NoutoNiotino, Platifer, am südl. Ende Obsr-Livinens. Dahin gelangt man von r»i,lo durch einen Schlund, welcher zu den schauerlichsten und bemerkenswerthesten Gegenständen der Schweiz gehört; er ist nicht so berühmt wie die Teufelsbrücke, keineswegs aber weniger überraschend. Hat man die Schrecknisse dieses Schlnndes und die Brücken passirt, und kommt endlich beim Zollhause an, welches mit einem großen Thore den Einund Ausgang des Thales schließt, so bietet sich ein weites Thal mit herrlichen Wiesen und Waldungen tc. rn.l». Flecken und Hauptort der tbeventi,,», 2.282 F. bb. M. a. l. U. des Tesstn und an der Str. vom St. Gotthard. Starker Waaren- transpvrt, Färberei, Viehzucht und Ackerbau, Weinbcu, Kastanien - und Nußbaumpflanzungen, Seidenzucht und 2 Ernten. kusio, Psdf., 3,888 F. üb. M., höchstgelegenste und wrhlhabenste Gemeinde des Thales, auf Trümmern eines Bergsturzes in obern Theile des Lavizzarathals am r. U. der M»M», Viehzucht, etwas Landbau, gute Weiden. Straße nach Necci». kioruieo (deutsch Jrnis), ein vom Tesstn durchströmter Mkkfl., 1,888 F. üb. M-, in romantischer Lage, und durch die Gotthrrdsstraße sehr lebhaft. Zwei Kirchen und andere Baudenkmals hohen Alterthums, 2 Brücken, schöne Waffersälle, bedeutender Waarentranspvrt, Jahrmarkt im Juni. Gute Wiesen und Weinbau. Gotthard, St., (s. K. Ury). Ltiol.i-lseo, Psdf-, l) St. von Nellill-inn», an der Str. über den Berg 6e»ere, mit einer schönen Kirche und einer steinernen Brücke über die A»eol>bi». I,»rirr-»'S, oberer Kreis des N.' Thales, das in 3 Nebenthäler ausläuft, V. koeci-i, I?u8ic> und 8»in?iuco, letzteres ist durch die große Alp Qainpo 4 St. breit, mit vielen Seitenthälern, zieht vom Fuße des dlorcu» dem Tesstn nach, abwärts, vom St. Gotthard bis zur Mündung des Lieg,«, bei Nisse». Das Thal bildet 3 Stufen: Ober-, Mittel- und Unter- Livinen. Zwischen St. Gotthard und dem Durchbruchs des kioti,,« ' 20 4S6 bei v-rio xr-när wer einst ein See; unterhalb bis zum Jrnisser Stal- den liegt Mittel-Livinen. und zwischen diesem und der «ivlera Unter-Livinen. Auf diesen drei Abstufungen ist Clima und Anbau sehr verschieden. Die erste Region liefert wohl Weine, aber das Obst und Früchte in geringer Qualität, die zweite ist etwas milder, zeigt üppige Wiesen und schönes Obst; mit der dritten Region beginnt eine Ebene, die sich gegen den Langensee ausdehnt, und hier behauptet der italienische Himmel seine vollen Rechte, die Felder kragen doppelte Ernte, und bei kiornieo gedeihen in bestem Flor Kastanien, Feigen und Maulbeerbäume. Der Haupterwerbszweig der Bewohner ist die Viehzucht; Warendurchfuhr, Fabrikation sehr guter Käse. Leinwandfertigung; mancherlei Steinarten werden hier gefunden und zum Handel gebracht; gute Jagd, aber häufige AusmankMINgen finden bei diesem Volke statt. L.ocsrixi, der größte Distrikt des KantvnS, an VvlkSzahl jedoch dem Luganischen nachstehend, umfaßt 7 Kreise, L,«e»ri>o, igote, Aleter---». Onserirone, lVavegn», Verrsse» Und t4»ml>»rvg»o, hat 4t Gemein- den und nahe an 2l,000 Ew. Viehzucht, Acker- und Weinbau, Sei- denzucht, ergiebige Fischerei. Ausgeführt werden: Wein, Seide, Holz, Käse, Fische. r,oc-»rnn, kl. Stadt, einer der 3 Kantons-Hauptorte, am User des 1,-8» , welcher nahe die aufnimmt, mit ansehnlichen Gebäuden, 3 Klöstern und großem Platze. Mildes, aber gerne Fieber erzeugendes Clima. Das Kloster mit Wallfahrtskirche zur lllsäonna äel 8ssso auf aussichtreichem Hügel, hat schöne Malereien, Fresco-Rundbilder von B. Luino. Stark besuchte Wochenmärkte, Fabrikation von Hüten und grobem Tuch, Glockengießerei, Wein- und Kornhandel, starken Absatz von Butter und Wildpret, 2 Ernten; gute Gasthäuser. Nach den borromäischen Inseln 7)4 St-, (auf einem Kahn mit 2 Ruder 7 Fr.). Locki-ino, Pfdf-, am r. U. des Tesfin, nördl. von Glashütte. Pfdf., am r. Ufer des Itl-gno, Hauptort desvleiUo-Thals, nächst das Mineralbad Itoss». Lug», 10 , der bedeutendste Distrikt des Kantons in jeder Hinsicht, mit 33,000 Seelen. In den schönen Thälern ungemeine Fruchtbarkeit, Seidenzucht und Seidenspinnereien sind allgemein. Starke Seiden- ausfuhr, Tabaksbau, Trüffeln. (Lauis), mit 4,500 Ew., kl. schöne Stadt, der bedeutendste der 3 Hauptorte des Kantons, in reizendster nnd fruchtbarster Umgebung, nördl. des Luganersee's und am Fuße des Br« gelegen, V 467 welcher mit seiner Menge Mrsich- und Mandelbäumen, seinen Reben rc., Villen und Dörfern an der Morgenseite der Stadt emporsteigt. Laubhölzer und Kastanienwäldchen krönen die übrigen nicht hohen Berge und Wiesen, Kornfelder und Gärten, bedeckt mit Mandel-, Maulbeer-, Oliven- und Orangenbäumen, erfüllen die köstliche Ebene. — Die Stadt hat herrliche Gebäude, breite Straßen, und mehrere große Plätze. Bemcrkenswerth sind: die Collegiatkirche auf einer Anhöhe mit anziehender Aussicht; die Franciskanerkirche mit trefflicbem Gemälde von Livini; das geräumige Schauspielhaus, 3 Manns- und 3 Frauenklöster, das Seminar, mehrere Buchdruckereien, Seiden-, Tuch-, Tabak-, Papier- und Pulverfabriken, Gerbereien, Glockengießerei, Eisen-, Kupfer- undMessinghämmer, Kohlenbrennereien, Messe und großer Diehmarkt im Oktober. Starker Gewerbfleiß und Waarenversendung, beträchtlicher Handel mit Fischen, manche Woche gehen 3000 Pfund Forellen nur nach Mailand, genehme Spaziergänge und Ausflüge auf dem See; nach dem M. Br« oder kc»tt->rAll»8», Pfdf., mit Brücke über die , zwei Eisenwerke auf dem Weg nach i'<>»te r-es«. sr-irobbis-Thal, öffnet sich unter «eiiEona, zieht längs der wilden N»ro!-bl» nach bis an den 8t. kiori (Jvrisberg), welcher solches vom lombardisch-venetianischen Königreich trennt, 3 St. lang und 466 kaum St. breit. Viehzucht, etwas Wein, Getreide und Kastanien, Spuren von Eisenerz, am kliori Krystalle, und beim 8»sso ->e>ltk» lurm->Unv, gute Weiden und Waldungen. Weg für Saumthiere nach von»», bisweilen zeigen sich Bären und Wölfe. ltleliüe (Mili), auf einer fruchtbaren Landzunge am Luganersee, und am waldreichen Fuße des ^rbostor», is-^ St. im S. von I,»j-»no, eine Fähre nach Vis8one setzt hier die Cvmmunikation mit der gr. Str. nach tiomo fort. Guter Wein, Heimath des Baumeisters D- Fvntana. zkenärlsio, bildet den Distrikt zwischen dem Luganischen und Comaski- schen in 5 Kreisen: MenI>I>io, lialern», lkonoggio und Kiv», mit 28 Gemeinden und 15,000 Ew., gehört unter die bevöl- kertsten Landschaften der Schweiz und Italiens. Fruchtreich, Seide, Tabak und Wein floriren. Viele Bewohner wandern als Galanteriehändler oder Künstler aus. Uenilrisio, Mktfl., besteht aus einer großen Straße, etwas erhaben gelegen an der Straße von l,uj-->no nach Oomo, 1 St. vom Luganersee, 3 St. vom Comersee, in reizender Gegend, durchschnitten vom Bach Mors, mit 1,700 Ew., 3 Klöster mit Pensionat und öffentl. Schule, Martinimeffe, Seidenfabrikation, gute Felsenkeller, nahe eine Schwefelquelle. Heimath der 2 Maler Torriani und des Biographen Oldelli. Interessante Spaziergänge, z. B- ins liebliche Itlug- xio-Thal, und auf d. Pflanzenreichen M. koueroso 5,557 F. üb. M- Morbid, Unter-, Pfdf., auf einer Anhöhe im S. O. von Menärisio, herrlicher Wein, Steinkohlengrube. Morcote und >'ico Moreote, 2 alte Orte auf gleichnamiger Landzunge im Luganersee, auf einem Felsen liegt ersteres, und höher hinauf vom Berge -4i-t>o8tora beherrscht, das andere, 300 Stufen führen zur Kirche, und eine nahe kleine Kirche enthält werthvvlle Fresco- Malereien von Carloni. Hier schließen sich an, die bedeutendsten Citronengärten des Kantons, Felsengrotten oder Keller folgen dann; Ueberreste eines im I. 1000 erbauten merkwürdigen Schlosses; Heimath des Baumeisters G. Sardis und der Maler D. und G. Fvssati. MuMo-Thal, V-,I Iw-lra, das südlichste Thal der Schweizeralpen, Zieht vom M. keneroso von N. nach S- und öffnet sich unter »Stern», hat 6 Dörfer. Das Dorf Muj-xsso liegt da, wo das Thal am Fuße der hohen Berge endet, und auf diesen die 5 kleinen Dörfer, Weinberge und Wiesen, Kastanien- und Nußbäume. Fußwege führen auf den M. keneroso am »i8b!»o (4,150 F. üb. M.) vorbei an den Comer- See. Heimath des Baumeisters S. Cantina. i 469 vllvoue, Hauptort des gleichnamige» Kreises, 2,790 F. üb. M., im Lieg»«-Thäte am l. U. des vtexn» mit einer Brücke im obern Thäte, Mineralquelle. Straße nach Graubünden über den Lukmanier und Greina. Onsernone-, l,usernon>: - Thal. enges wenig besuchtes Thal, öffnet sich bei Intrax»!» 2 St. westl. von l-ocsino, und steigt zwischen den Thälern Lentovalli und 4 Stunden lang aufwärts bis a» den Berg e->»»rasü» in Sardinien, (5.480 F. üb. M.,) an dessen Fuße sich warme Bäder befinden. Die Männer wandern meistens als Kaminfeger aus, das weibliche Geschlecht nährt sich mit Strohhüte flechten; etwas Wein und wenig Feldbau. lUersonteu, Pfdf., am r. u. des Tessln, über welchen eine Brücke führt, im Kreise viornie« in Kastanien- und Nußbaumwald, am Ausgange des V»t »-> eine Glashütte. kiors - Thal, zieht sich vom obern Livinenthale den Fößberg aufwärts nach N. O. zum Lukmauier zwischen den Hörnern des ronZi«, D» oeiln und 8c»ro auf der nördl. und dem kiotino auf der südl. Seite, 5 kleine Seen, wovon der Dior» oder südl. 5,310 F. üb. M. liegt; hier auf der größten Alp des Kantons werden fette Käse gekocht, auch viele Kristalle gefunden. In der Nähe erwähnter Seen finden sich mancherlei Gegenstände von hohem Interesse für Mineralogen, kolej-^io, Pfdf., nahe der steinernen Brücke über den in den Tesfln mündenden »legn«,, Seminar St. Maria. Vonte-Dresa, Pfdf., an einer Bucht des Luganersee's, aus welcher hier die Dres» abfließt, das l. U. ist lombardisch, daher üZollbureau's. Brücke, große Kirche, schöne Landhäuser, krsio, Pfdf., nächst am r. u. des Tesfln, mit Ueberresten einer mailäud. Feste, und in der Nähe Ruinen einer longobardischen Burg. Viehhandel, guter Wieswachs, schöner Flachs, aber kein Weinbau. lUva, It, 8»n Vit-Ue, Mktfl-, an der südöstl. Seite des Lauiser-See's, schöne Wälder, Geschirrfabriken, Ziegelbrennereien Kirche mit Herr- lichen Gemälden von Morazzoni und Procaccini. Kiviera, Revier-Thal (Pvlese), Thal mit 7 Gemeinden und an 4,500 Ew., 3 bis 4 St. lang und 2 St. breit, erstreckt sich bis zur Oeffnung der Thäler «lexa» und Leve»«:»-», und wird als Fortsetzung des letztem angesehen. Viel leidet das Thal durch Ueberschwem- mung. Einige Weinberge und Kastanienwälder und Viehzucht als Haupterwerb. Die Seide von klvler» ist sehr geschätzt. Ausgeführt werden Bau- und Brennholz, Vieh, Käse, Butter, Fische, Wildgeflügel und Seide. 470 Itovio, Pfdf., am westl. Abhangs des I». veneroso nahe von!»en- ärisia, hier und im nahen wird die beste Seide gewonnen. Geburtsort der Künstler Carloni und Mazzetki. Soiivico, Pfdf., Hauptort des gleichnamigen Kreises, am Fuße d. N. Lrv, obgleich an 2,000 Fuß üb. M., so gedeiht hier dennoch Getreide und Wein. Ruinen des 1407 erbauten und von den Eidgenossen 1513 zerstörten Schlosses. 8t»I>bio, Mktfl., 1 St. südl. von Uellärlslo nach der lvmbardischen Gränze. Soll ein Standort (stsliului») der Reiterei des Jul. Cäsar gewesen sein. Gutes Mineralbad, schöne Aussicht in der Nähe. Obes-iin, Fluß, (s. S. 74). Verrssc.i-Thal. ungomein enges aber 7 St. langes Thal, lwelches einen der locarnischen Kreise und 5 Gemeinden bildet, öffnet sich 1>^ St. nördl. von I.oearno und zieht sich der wilden Verr->8ea nach, zwischen den Thälern Kivlcr» und Mnggi» gegen Norden. Beträchtlicher Wasserfall der Her»««.-, unter der Brücke bei Kor-Ial». Der schmale Weg durch das Thal ist nur für Menschen und Esel brauchbar. Die Wohnungen der elre» 2,300 Ew. in diesem Felsenspalts scheinen wie Schwalbennester an den Bergabhängen zu kleben. Gute Bergweiden, auch gedeihen Kastanien- und Rußbäume, der Weinstock, Türkenkorn und Hanf; viele Bewohner beschäftigt Alpen- wirthschaft, auch Tuch- und Leinenweberei zu eigenem Bedarf, andere wandern aus als Kaminfeger und Holzspalter; aber so sehr man ihrer Thätigkeit Gerechtigkeit widerfahren läßt, so wenig stehen sie wegen ihrer Rachsucht in gutem Ruf. Kanton tvaa-t. (§in Freistaat mit repräsentativer Verfassung, seit 1803 in der Eidgenossenschaft. Lage und Gränzen: zwischen 3» 43' 30" — 4« 55' L. und 46" i i' —460 56' Br. hat der Kanton seine größte Länge von 16 Stunden vom Mont-Noir an der französischen Gränze, bis an die Berner Gränze im Westen von Saanen, und seine größte Breite von der Rhone an der Wal- liser Gränze bis zum Neuenburger-See; er wird begränzt im N. von Frankreich, dem Nenenburgersee, dem Kanton Neuenburg und Freiburg, 471 im O. von letzter«» und dem K. Bern und WalliS, tm S. von letzterm, dem Genfersee und von Frankreich, im W. von Frankreich. Areal und Bevölkerung: auf K6,z M. leben 183,582 Ew.. daher auf i ^ M. 3,249 Seelen. Das Clima ist sehr verschieden: im Jura und den Gegenden im O- und S- O. ist es rauh, aber gesund; etwas milder auf den nvrdl. Abhängen des Jorat, am angenehmsten aber nicht sowohl am Neuen- burger -. als besonders am Genfersee, vorzüglich im Ryf- und Rhone- thalc, obgleich im letzter» hier und da der Gesundheit nachteilige Sunipfstelley sich finden. Natürliche Beschaffenheit der Oberfläche: der Kanton hat nur wenige Ebenen am südl. Ende des Neuenburgersee's und imBroye- und Rhonethale; größtenteils ist er Hügel - und Gebirgsland; jenes wird vom Jorat und Jura, dieses von letzterm und der westl. Fortsetzung der Berneralpen gebildet. Gewässer: 1) Seen, der Genfer-, der Neuenburger-See und Lac de Joux (s. Einl.), Lad de Brai oder Bret, 2t St. von Vevay, fischreich in einsamem Thal, zwischen la Tour de Gourze und M. Pelerin, fast t St. lang, t St. breit und 100 Fuß tief. AuS ihm fließt der Forestay oder Gerenet ab, der bei Glerolles einen schönen Fall macht; an seinem Ufer hat man die Reste der alten röm. Station Bromagus nebst vielen Bronze- und Silbermünzen entdeckt. — L. Bre- taye, 3 an der Zahl, wovon der größte am Chamoffaire auch Lac rond heißt; einer davon hat schwach gesalzenes Wasser. L. Lioson im Or- monds, t St. lang und t St. breit, aus ihm fließt der Hongrin ab; — L. Oiseneaux im Ormonds, sein Abfluß heißt Dard, — L. Rettan auf dem Berge Jsenau im Ormonds; — L. Serai im Or- monts. Flüsse: Rhone (s. Einl.) mit dem Avenyvn, der Gri- onne, Grande d'Eau aus den Gletschern des Oldenhorns, die nahe bei ihrer Quelle einen schönen Fall über die Felsen des Cvulant macht; — die Orbe, s. Vallorbe; der Talent, mündet in den Kanal von En- treroches; — die Mantua, — die Broye, — der Arnon oder Er- nvn, der Hongrin, die Tvurneresse, die Lionne, die Thielle oder Ziehl, die Brine. Der Genfersee nimmt folgende Bäche im Kanton auf: Eau froide (noire) bei Mlleneuve, la Tiniere, Baye de Montreux und de Clarens, die Vevaise, den Forestay, Grenet und Flon genannt, den Braillon und die Lutriva, den Flon, la Chamberonne, die Venoge, die Morges, den Boiron, die Aubonne, die Dulive, die Promenthouse, den 472 Boiron von Crassier, l'Eau d» CranS, den Grenier, die Braile. Kanal von Entreroches (s. Einl.) Boden und Produkte: Jener ist dem Ackerbau nicht allenthalben günstig, wie im Jura, Jorat und in den östl. Gegenden; dagegen wird die Viehzucht daselbst sorgfältig gepflegt. Das Angebaute nebst dem Wald und Weidland betrug im Jahr 1807 nach dem Kataster 458,220 Posen (5 36,562 m> F. par.). Das Mineralreich ist arm; es gibt Kalk, Mergel, Sandstein, verschiedene Marmorarten, einige Spuren von Steinkohlen, fast keine Erze, einige Mineralquellen, aber ein großes Salzbergwerk zu Bex, lange das einzige in der Schweiz. Das Pflanzenreich ist nur im O. und südöstl. Theile ausgezeichnet, was Medizinal- und Fntterkräuter anbelangt, dagegen an den Ufern des See's und im Rhvnethal reich an Wein, der sehr gesucht und weit ausgeführt wird, wie der Ryfwein, der Dvorne, la Cote rc., im Durchschnitt rechnet , man jährlich ungefähr 50.000 Fuder 5 400 (alte) Ber- ner Maas; Obst-, Tabak- und Gartenbau werden mit Vortheil betrieben, im Ryfthale gedeihen selbst Feigen-, Kastanien- und Man- delbäume. Die Viehzucht ist sehr bedeutend, die Pferderace kommt der Freiburgischen nahe und wird nach ihrer Veredlung gestrebt, auch Las Rindvieh ist vom Freiburgischen wenig verschieden; für Veredlung der Maulthiere, so wie der Viehzucht im Allgemeinen sind Prämien gesetzt. Die Bienenzucht liefert in den Berggegcnden ein köstliches Produkt. Von Fischen gibt es Forellen, Hechte :c., von wilden Thieren: zuweilen einen Bären in den Gebirgen, einen Wolf im Jura, Gemsen, Murmelthiere, Füchse, Hasen, Hasel-, Birk- und Schneehühner, Auer- hähne u. s. w., von giftigen Schlangen die Viper. Industrie und Handel: Jene ist nicht ausgedehnt und fast nur auf den Jura beschränkt; man sabrizirt Uhren und Uhrenmacherwerk- zeuge, metallene Waaren, hölzernes Geschirre, vortreffliches Papier, Saffian, etwas Tuch; außerdem gibt es Gerbereien und bei Lausanne einige mechanische Spinnereien. Der Handel könnte bedeutender sein, da Wasser- und Landstraßen ihn begünstigen; lebhaft ist der Transit. Ausfuhr: vielen Wein, Rindvieh, Käse, Leder, Pferde. Tabak, etwas Holz, obige Fabrikate und Salz; die Einfuhr besieht hauptsächlich in Colonial-, Baumwollen-, Seiden-, Tuch- und Luruswaaren. Reis, Oel, Metallen, Droguerien. Eintheilung und Verfassung: Der Kanton besteht aus igDistrikten, 60 Kreisen und 388 Gemeinden. Grundzüge der Verfassung seit 25. Mai 183t: wie im K. Bern. Es dürfen keine Untersuchungen weder des Eigenthums, noch in den Wohnungen statt finden, 473 außer in Fälle», welche daS Gesetz bestimmt. Die reformirte Kirche ist Landeskirche und die kath. Religion in lv Gemeinden garantirt. Die Gemeinden dürfen die Erwerbung des Bürgerrechts nicht versagen; um dieses zu erlangen, muß man Kantvnsbürger, seit 1 Fahr in der Gemeinde ansäßig und 23 Jahre alt sein. Wer in einem andern Kanton politische Rechte genießt, darf dieselben im Kanton nicht ausüben. Das Wahlrecht kann andern Schweizern gestattet werden, wenn in deren Kanton der Waadtländer gleiches Recht genießt. Die Gemeinde- und Kreisversammlungen dürfen unter sich nichts verabreden. — Der Große Rath ist Gesetzgeber und wird von den Kreisversammlungen ernannt, die Amtsdauer ist 5 Jahre bei Wiedererwählbarkeit; er versammelt sich ordentlicherweise in der Hauptstadt am ersten Montag im Mai und am dritten Montag im November, in Sitzungen von wenigstens 14 Tagen und höchstens 1 Monat; der Staatsrath kann außerordentliche Sitzungen und eine Verlängerung verlangen. Der Staat zahlt den Mitgliedern eine Entschädigung. Er hat die Funktionen des Gr. Rathes in Bern, wählt seinen Präsidenten für 1 Jahr aus seiner Mitte und kann seine Sitzungen nur dann eröffnen, wenn sich die vorschriftsmäßige Anzahl Glieder beisammen findet, wobei der Staatsrath (nur berathend) nicht mitgezählt wird. Ausgenommen auf der That ertappt, darf keines seiner Mitglieder während den Sitzungen, ohne seine Einwilligung, verhaftet werden. Der Staalsrath, vvm Gr. Rathe auf die Dauer von 6 Jahren aus seiner Mitte mir Wiedererwählbarkeit ernannt, besteht aus ö Mitgliedern von wenigstens 30 Jahren, und ist höchste Vvllzsehungs - und Verwaltungsbehörde; er erwählt aus seiner Mitte seinen Präsidenten oder Kanzler für 1 Jahr, der nicht im darauf folgenden Jahre wieder erwählt werden kann; die Mitglieder werden alle 2 Jahre zu einem Drittel erneuert und hören auf Mitglieder des Gr. Rathes zu sein. Seine Funktionen find die des Regierungsrathes im Kanton Bern. Die richterliche Gewalt ist unabhängig: kein Glied des Staatsrathes bis in seinen untersten Collegien darf darin aufgenommen werden. Ein Appellationstribunal urtheilt in letzter Instanz und besteht aus 13 Mitgliedern auf 12 Jahre mit Wiedererwählbarkeit und Erneuerung von einem Viertel nach 3 Jahren; ein Richter darf keine andere amtliche Stellung habe», selbst nicht einmal Großrath sein; Las Gericht erwählt seinen Präsidenten auf 3 Jahre. In jedem Kreise ist ein Friedensgericht, unter dem Vorsitz eines Friedensrichters, von wenigstens 4 bis 0 Assessoren; in jedem Bezirke ist ein Gericht erster Instanz von 9 Mitgliedern, wovon jährlich eines austritt, aber wieder wählbar ist. 474 In jeder Gemeinde unter 600 Seelen givt's eine Gemeindeversammlung von allen Gemeindebürgern oder Mitgliedern im Kanton anerkannter bürgerlicher Corpvrationen, die 25 Jahre alt und Familien- haupt sind. In den größern Gemeinde» gibt es Gemeinderäthe von wenigstens 25 bis höchstens 100 Mitgliedern, mit 6jähriger AmtS- dauer, zu einem Drittel Erneuerung und WieLererwählbarkeit. Gemeindeversammlungen und Gemeinderäthe haben Amtsverrichtungen wie im Kanton Thurgau. In jeder Gemeinde ist eine Municipalität aus i Syndikus und wenigstens 2 bis 16 Mitgliedern bestehend, mit 6jähriger Amtsdauer, Erneuerung per Drittel und Wiedererwählbarkeit; sie handhabt die Ortspolizei, leitet das Gemeindegut und Armenwesen u. s. w. Die Kreiswahlversammlungen ernennen I Großrath auf i,ooo Seelen der Bevölkerung (Reste über 500 Seelen zählen für 1,000), der wenigstens 25 Jahre alt sei» muß; naturalisirte Fremde können dazu erst nach 5jährigem Bürgerrechte gelangen. Um Axpellationsrichter zu werden, muß man wenigstens 30 Jahre alt und entweder im Staats- rathe, in einer obern Gerichtsbehörde, oder Actuar im Appellationshofe, oder Mitglied, Actuar während 5 Jahren in einem Gerichte erster Instanz oder 5 Jahre Friedensrichter, Professor der Rechte an der Akademie zu Lausanne, Advokat am Appellationstribunal, graduirter Doktor- oder Lizenziat der Rechte gewesen sein; Doktoren und Lizenziaten müssen aber 3 Jahre bei einem Appellationstribunals-Advokaten praktizier haben. Der Staatsrath wählt die Glieder des Gerichts erster Instanz aus einem Dreier-Vvrschlage des betreffenden Tribunals und des Appel- lativnshofes, und die Friedensrichter aus einem Dreiervorschlage des Appellations-, des Bezirks- und des Friedensgerichtes des Kreises; ihre Amtsdauer ist 9 Jahre mit Wiedererwählbarkeit; sie müssen wenigstens 30 Jahre alt und seit 2 Jahren im Kreise ansäßig sein, so auch seine Beisitzer, die über 25 Jahre alt sein müssen; diese werden vom Staatsrathe aus einem Dreiervorschlage des Friedens- und Bezirksgerichts auf 6 Jahre mit Wiedererwählbarkeit ernannt. Der Gemeinde- rath wird von der Wahlversammlung erwählt, die Mitglieder müssen wenigstens 25 Jahre alt sein und zu letzterer gehören; letztere wählt auch den Spndik und seine Mitglieder in den Gemeinden unter 600 Seelen, in den größern geschieht es durch den Gemeinderath aus seiner Mitte. Gemeinderath und Wahlversammlung ernennen auf 2 Jahre ihre Präsidenten und Sekretäre mit Wiedererwählbarkeit, (Syndik und Mitglieder der Municipalität sind zum Präsidenten wählbar). Drei Viertel aller Stellen im Gemeinderath und in der Municipalität müssen 47Z vo« Gemeindsbürgern besetzt sei». -- Revision der Verfassung: diese kann, wie auch die nöthigen Abänderungen, nur dann statt finden, wenn der Große- und Staatsrath es in 2 aufeinander folgenden, ordentlichen Versammlungen und Abstimmungen für nöthig erachtet, und die Kreisversammlungen solche mit absolutem Mehr genehmigt haben. Finanzen: Die Einnahmen übersteigen stets die Ausgaben. Ortsbeschreibung. , Pfdf., am Jouxsee, hat seinen Namen von einem Prämon- stratenserkloster, wovon noch die Kirche und der Thurm übrig. Zn der Nähe entspringt die Lionne; höher hinauf die Höhlen U'Lnier, von 1 St. Ausdehnung. Agis, Pfdf. bei Orbe; in einem nahen Tuffsteinbruch findet man versteinertes Holz, Pflanzen, Zweige, Moos und Blätter; schöne Grotten. -U, Tour „, im Rhonethal. Versal- lene Salzminen, vortrefflicher Wein besonders bei Tvorne, Spuren von Kretinen; in der Nähe bildet der Fvntanaybach einen 200 Fuß hohen Fall. In dem Hügel Triphon findet man schwarzen Marmor, eben so bei und 1V Min. von Koel»o rothen Marmor. -lo/.eiiict.',? l^relucke). fruchtbare Alp im höchsten Theile des Grionne- Thals. Bei der großen Sennhütte wird jährlich Mitte August (-» I.-» ,ni-e!u,iiteiii, d. h. ersten oder zweiten Sonntag im August) das Hir- kenfest lUicliMitei» gehalten. >rve;es, Pfdf. und Thal bei Hex, 1 St. oberhalb den Salzminen von les Tonäcinoui,. auf grasreicher und fruchtbarer Höhe; 1591 wurde hier die erste Salzquelle entdeckt, welche von der ausgetrete- 476 nen Grivnne bis zum Jahre 1663 verstopft blieb, wo sie wieder he» vordrang und nach veviexx geleitet wurde. Distrikt mit 3 Kreisen, sehr freundliches Gelände, abwechselnd darin Weinhügel, Felder, Weiden und Waldungen; der Wein von I-» Löte ist nach dem Ryfwein der beste im Kanton. sehr alte, einst weit größere Stadt von 1,700 Ew., s/j St. vom Genfersee, oberhalb des Baches gl. N. Das alte Schloß von sonderbarer, beinahe orientalischer Bauart, hat eine reizende Lage und ausgezeichnet schöne Aussicht; die alte Kirche enthält das Grabmal des französischen Helden vu s, Distrikt aus 2 Kreisen, TVvenebes und Luäreüil bestehend, hat ergiebigen Getreideboden, auch etwas Wein am Vullz-, übrigens viel Sumpfland der vi«),- und Ql»»« nach, die zuweilen die Ebene überschwemmen. ^vexclios, Wiflisburg, kleine, schon vor Chr. Geb. erbaute Stadt, St. vom Murtensee, auf der Straße von Lausanne nach Bern, an dem südwesil. Ende des Umfangs vom alten -Xx entieum gelegen. Dieß scheint schon vor Julius Cäsar eine städtische Anlage gewesen zu sein, die unter Vespasian und Tilus ihren höchsten Flor erreichte; im I. 307 wurde sie von den Alemanen und 447 von Attila zerstört, " erst 607 wieder aufgebaut und 9 I. später abermals von den Deutschen verwüstet. daher dieUmgegend Uechtland genannt wurde. Die gegenwärtige Stadt wurde 1076 vom Bischof Burkard von Lausänne gegründet. Die Alterthümer, die Reste eines Amphitheaters und einer Wasserleitung zeugen von ehemaliger Größe und Herrlichkeit dieser Stadt und ihrem großen Umfange. Der Murtensee, nun St. entfernt, bespülte die Mauern der alten Stadt. — Land-, Tabak - und Obstbau. v»I»ig>ie», Pfdf., auf der Straße von kontmäler, hat seinen Namen von den vielen Quellen und Brunnen. vaxluies, Le-Oim«, Pfdf., 1 <4 St. von Orbe, am felsigen Fuße der Hgiiille , soll seinen Namen von »eil Ao„s haben, der von den Kelten verehrt wurde. 477 Ncnex, Dorf, 1^2 St. von Xxo« an der Proinenthouse; ehemals war hier eine Comkhurei; man fand römische Alterthümer »nd in der Nähe soll die alte von den Genfern in den frühesten Zeiten zerstörte Stadt «enevis gestanden haben. «ex, städtisch gebautes Pfarrdorf an dem ^v«n?»n, auf der Str. von Lausanne nach dem Wallis. Jährlich 5 Jahrmärkte, Freimaurerloge I» Neu»,»». — Wichtig sind die hiesigen Salzwerke, deren Salzquellen 1564 bei «!»irvx und «evieux entdeckt, als t'onlan .1 8.'»la^e in der Gegend bekannt sind: sie bestehen aus Salzsiedereien und Gra- Lirhäusern zu vevin und verieux, die Einrichtung und Schachte sind sehenswerth. — Auf den nahen Wiesen von «ex sprudeln 8 Schwefel - und 1 Süßwafferquelle neben einander. Im Wirthshause zur Eintracht befindet sich ein gut eingerichtetes Mineralbad. — «ex ist einer der ausgezeichnetsten Punkte für botanische Ercurstonen, auch der Geognoste findet reichliche Ausbeute. «evieux, ««x-virux, Dorf, St. von «ex am l. u. des ^Vvsneon, Gradirwerk und Salzsiederei, hier findet man schönen Schwefel und verschiedene Versteinerungen. «lere, Pfcf., 2 St. von ^»»I.onn«; Schloß; Papiermühlen; in einer nahen Höhle ist eine natürliche Eisgrube. «lon-ix, Pfdf. und aussichtreiches Schloß bei Verax, der Familie gl. N. seit 700 Jahren angehörend. «on- auch «eanmont, burgähnliches Schloß am Fuße der Dole, an- fänglich ein Cisterzienserkloster. « 0 I>VIII->I' 8 , Pfdf., 1 St. von Vransvn, Land- und Weinbau; in der Nähe werden römische Münzen gefunden. «„II.!, «»llet, Pfdf., am Vl>-»s8eroi>, Landbau, Viehzucht, Uhrenma- cherei und Spitzenklöppeln. «»r8i„8, Pfdf., 3/4 St. von «ölte, hier wächst der beste Wein der I» 6«te; einst war hier eine Abtei. Nahe das Schloß Bursinel, wo 1527 der Löffelbund gegen Genf geschlossen wurde. Lei-guo, 8., , Pfdf., 2s/zSt. vonan derDole; Trümmer einer alten Burg; einst ein Heilbad. Ergiebiger Feldbau und vorzügliche Viehzucht. 1 ^ St. von hier auf dem Berge i.x Oe»ol- lier«.' ist die leicht zugängliche v,-»u„>e cle I» Oenollier«. eine Höhle mit zwei Oeffnungen, welche sich im Innern vereinigen und Eisschichten enthalten. DüLtes» «i'ttex, 01». !»^8 6'en-I»!tiii. « 0 IN»II-2 St. von Orbe, einst ein Städtchen an einem Engpaffe, durch welchen eine stark befahrene Straße in, Mittelalter über den Jura führte. Das dabei stehende Schloß wurde, als es in ein Raubschloß ausartete, zerstört. OoinI«: äe wildes Thal mit einem Dorf, von der l>Hr-ügue bewässert, an der Gränze von Neuenburg; viele thätige Eisenhämmer. Qooelse, Pfdf., 2 St. von kraasoil an der Straße nach Neuenburg, guter Wein, gelber Marmor. Doppel, Mktfl., in reizender Gegend am Genfersee; Weinbau, Fischfang und Schifffahrt. Vor der schweizerischen Revolution eine Ba- ronie; das jetzt dem Herzog von Broglie gehörende Schloß brannte 1536 ab, wurde aber wieder ausgebaut und mit Gartenanlagen geschmückt, in diesen befindet sich das Begräbniß Necker's, seiner Gemahlin und Tochter, der berühmten Stai-l von Holstein. — 2 Jahrmärkte, i Sandsteinbruch. Ossonex, Distrikt von 4 Kreisen, hat viel Korn, schöne Baumgärten, gute Wiesen und Bergweiden im Jura. Dossonex, kl. alte Stadt, auf einer schönen Anhöhe über der Venoge. Landwirthschaft und Viehzucht, 5 Jahrmärkte; 1475 von den Eidgenossen und 1536 von den Bernern erobert. Alte Kirche, altes Spital und auf einer nahen Anhöhe die Ruinen einer Burg. «St-, I,, das 4 ^ St. lange amphttheatralisch erhöhte Gestade des Genfersee's, von der Mündung der Promenthouse bis zu der der Aubonne; ein vortreffliches Rebgebirge. Außer Weinbergen trägt der fruchtbare Boden herrliche Wiesen, Getreidefelder und Obstbäume. «rnüsier, Pfdf., auf dem Boiron, 1/2 St. von Npon, ein Theil davon ist französisch. , 8t., Mktst., am «Ii»58-ron, 2 St. von krsnso»; guter Ackerbau, starke Viehzucht, bedeutende Uhrenfabrikation. Eisenerz. Römische Münzen. «uär-tiu, kl. Stadt, am Neuenburgersee, 1475 von den Eidgenossen erstürmt. Fruchtbares Gelände; Landwirthschaft, Transit, Spedition, Schifffahrt nach Neuenburg. «ull^, kl. alte Stadt, an einem kleinen Busen des Genfersees, 2 St. von Lausanne, an der Str. nach V-vax; vortrefflichen Wein, den schon die Römer schätzten und Lurch Erbauung eines BachustempelS ehrten. Römische Alterthümer. Dappenthal (Vallöe id, in« engen und hohen Waldthale, im ck e» Iiaut N<>IN!„>xon, am Jura. Weinbau; Schloßruinen und in der Nähe römisches Gemäuer und Münzen. Oeorges, 8t., Pfdf-, auf dem Wege von Rolle nach dem Jourthaf, l f^St. oberhalb liegt die Höhle 0.„i»,e «l« 8t. keorges, deren Eis in die Gegend am Genfersee und selbst bis nach Genf verführt wird. King:»», Pfdf., 1)4 St. von Nxon, am Fuße der Dole. In der Nähe das Schlachtfeld von 1535, wo 400 Berner und Neuenburger 3.000 Savoyarden schlugen. Olerolles, altes Schloß, auf einem Felsen am Genfersee, sfj St. von St. Saphorin. Man fand hier römische Münzen, koilion , Pfdf., 1 St. von 6os-iona^; der Sage nach einst eine Stadt, welche durch ein Erdbeben zerstört wurde. Qoumoe»» I» vllle, Pfdf., 3)4 St. von Lausanne, unfern des Talent. Altes Schloß, das dem großen Haller gehörte, lionrre, l» 'l'our .-> Sax« äe Ol-irens, 2 St. von Veva^. Das Klima ist gesund, trocken und beständig. Es ist zu Milch- und Molken-Kuren geeignet. Das Wasser steht dem Stachelberger am nächsten, und wird innerlich und äußerlich gebraucht. l-ane«, I-,, eine 1320 gestiftete und 1538 aufgehobene Karthäuserabtei, an der Str. nach Neuchatel, jetzt ein schöner Landsitz des Hrn. Grafen von Pourtales, nahe am Neuenburgersee. In der Gegend ein Bruch von ächtem Marmor, und nach «---»»so» hin das Schlachtfeld von 1476. I,a->si'iai!, Mktfl., einst Städtchen und Baronie, romantisch an der Vonoxe gelegen. Altes Schloß, Steinbrüche, große Papierfabrike, sehenswerthes Mühlwerk, Wafferfall; im W. das Bad St. Loup; Schwefelwaffer. L»>is»unv, Bisthum, im Sten Jahrhundert von Avenches nach Lausanne und 1536 nach Freiburg verlegt, zur Diöcese gehört der Kanton Freiburg mit seinen 12 Dekanaten und die kathol. Geistlichkeit von Waadt, Neuenburg und Genf, mit mehr als 106,000 Seelen und 127 Pfarreien, (darunter 200 Mönche und 204 Nonnen). r.»»s»nne, Distrikt von 3 Kreisen. Trotz der ungleichen Güte des Bodens ist seine Kultur bedeutend, am sorgfältigsten pflegt man den Weinbau. Herrliche Gestade am Genfersee mit vielen Landhäusern und schönen Standpunkten. k,»u8»nne, Hauptstadt des Kantons, unter 46° 31' 5" Br. und 4» 17' 14" L., auf drei Hügeln und den dazwischen liegenden Thälern gebaut; der Bach Flon fließt zwischen Lausanne und dem Montbenon; aussichtsreich, gesund und mild, 20 Minut. vom Genfersee gelegen, mit etwa 15,000 Ew. Von Gebäuden sind sehenswerth: die Kathedrale im gothischen Style, das schönste Gebäude dieser Art in der Schweiz, sie hat im Inner» 472 Säulen, die größte Orgel 3t 482 im Kanton und viele Denk- und Grabmäler; — das ehemalige Schloß, jetzt Kantons-Rathhaus, — die Kirche St. Laureat, — die kath. Kirche, — das Kantonsspital, — das Stadt-, Zeug- und Schauspielhaus, — die Armenschule, — Münze, — das zweckmäßig eingerichtete Correktionshaus, — das Casino, — das 1587 erbaute akademische Collegium mit einer Kirche, Bibliothek, Zeichnungsschule u. s. w. mit 14 Professuren. Don Anstalten und Vereinen bestehen außerdem: eine Schule für den wechselseitigen Unterricht, eine Armenschule, mehrere Erziehungsanstalten für Mädchen, die Habi- tantenkammer, ein Hospital für Unheilbare; die landwirthschaftliche-. Lese-, Bibel- und naturfvrschende Gesellschaft u. s. w., 2 Freimaurerlogen: l^witiö et ker«överanee, I'Lsgöi'nnc«! UNd eine Grvß- Loge: tii-, >nl Orient Irelvetigue ronian 5 I,»»s»nne. Don Samm lungen zeichnen sich aus: die akademische Bibliothek mit dem Kan- tonal-Museum, die zoologischen Sammlungen, das Kabinet des Professors Chavannes, die Studentenbibliothek, die Gemäldesammlung des Malers Ducroz, Reyniers Münzkabinet und Wyders Menagerie lebender Amphibien u. s. w. — Landwirthschaft oder Pflege der Wissenschaften ziehen die Einwohner mehr an als der Handel; dieser beschränkt sich hauptsächlich auf Landeserzeugniffe, Wein, Felle und Käse; die Waarenspedition ist nicht unbedeutend, es gibt eine Spinnerei, mehrere ansehnliche Gerbereien, Lithographien, Buchhandlungen, Kupserstichdruckerei, Pastellfabrik, Druckereien, geschickte Gold- und Silberarbeiter u. s. w. — Lausanne ist seiner Lage und der Gefälligkeit der Einwohner halber stark von Fremden besucht, und es steht in wissenschaftlicher Bildung auf einer bedeutenden Stufe. — Schöne Aussichten und Standpunkte: Terrasse der Münster- kirche, auf dem Montbenon, la Bergere, am Walde Sauvabellin, beim Signal, bei den Landhäusern Bellevue, Beaulieu, Chabliere, de Deines, Bellevaur, Bois de Band und Vidy, Malley, la Pou- driere, Valan?ay, bei den Dörfern Bursins und Beguin, nach Ouch» u. s. w. — Historisches: das alte Lausanne lag am Seeufer zwischen den Landhäusern Vidy und Dorigni, >/2 St. vom jetzigen Lausanne; im Jahre 456 kam es an Burgund, und 536 durch den Fel- senstnrz, welcher Tauretunum zerstörte und den See über die Ufer trieb, verwüstet, bauten sich die Einwohner auf der Höhe wieder an. Marius, Bischof von Avenches, verlegte im Jahre 580 seinen Sitz in die neue Stadt, Lausanne genannt; dadurch und durch die Reliquien der h. Anna n. s. w. im jetzigen Münster, welche viele Pilger anzogen, vergrößerte sich der Ort. -- 1240 wurde Lausanne bei einer i streitigen Bischofswahl eingeäschert, 147« mußte es sich an ein italienisches Heer ergeben; da der Bischof zu Savoye» hielt, als dieses 1536 mit Bern Krieg führte, mußte er fliehen, worauf die ganze Waadt, von den Bernern erobert, die Reformation annahm. Seit 1798 ist Lausanne die Hauptstadt des Kautvns. , 1 » V»«, Ryfkhal, Distrikt von drei Kreisen, zieht sich fast 4 St. lang und St. breit längs dem Genfersee von Lausanne bis Vevay. Der Weinbau hat hier einen hohen Grad der Vollkommenheit erreicht, und der gewürzhafte Wein ist von anerkannter Güte. Die Rebhügel erheben sich terrafsenweise vom Seegestade 800 F. aufwärts zum Jorat, auf welchem die wilde Hohe Mvnts de Billette und Lutry grasreich und ziemlich bevölkert ist. läeu, le, Pfcf., an dem Jouxsee und am Abhänge des Risoux reizend im Thals gelegen, ehemals ein Kloster; schöne Kirche, 2 Jahrmärkte, läjpneroiie«, Pfdf., 2 St. im W. von Orbe auf der Straße nach Pon- tarlier; altes, aussichtsreiches Schloß. ll.ivree, 8t., Pfdf., t -2 St. von Aubvnne an der Aubonne, welche aus einem Gletscher in einer Höhle entspringt. I.on-,^, Pfdf., i.fH St. von Lausanne auf der Straße von Morges nach Reuchatel. Weinbau, 3 Landsitze. Luee»ü, Lobsingen, Mktfl., an der Broye und an der Straßö von Lausanne nach Bern. Schloß auf einem Felsen, Schwefelquelle. I,uirr, kl. Stadt, i St. von Lausanne, an der Str. in das Wallis, einst fest und hatte vor der Reformation eine Prvbstei. Fruchtbares Gelände und hoher Kulturfleiß. Vortrefflicher Wein, schöne Promenade. Molonlli», Pfdf., 2 St. von Dverdon. unfern der Mantua, Landbau. Nahe la Tour St. Martin, eine Schloßruine. Pfdf., 2 fh St. von Lausanne auf der Str. nach Bafel und Bern. auf dem Jorat in einem Gehölze gelegen; früher eine Prvbstei. Montreux, Pfdf., an einer Bucht des Genfersee's auf der Str. von Lausanne in das Wallis, mit so warmem Klima, daß Südfrüchte gedeihen; die Gärtnerei wird mit Einsicht betrieben, vortrefflicher Wein. Freimaurerloge: I» Meunio» !u,6s. Schöne Aussichten. Nmxlon, Distrikt von 3 Kreisen, von der Broye bewässert, hat in den niedern Gegenden viel Getreide und bei Lucens Tabakspflanzungen; die höher» Gegenden sind waldig und oft fast unfruchtbar. »lvuüo», Milden, sehr alte kl. St- an der Oeffnung des fruchtbaren Thales der Broye und auf der Str. von Lausanne nach Bern. Die Broye theilt die Stadt in zwei Theile, die durch eine massive Brücke verbunden sind. Die alte St. Stephanskirche, das Rathhaus und der viereckige Thurm sind sehenswerth; den römischen Ursprung der Stadt beweisen die hier gefundenen Alterthümer, Inschriften und Münzen. Die Stadt wurde mehreremal erobert. — 2 Min. liegt ein gut und billig eingerichtetes Schwefelbad. Schöne Sandsteinbrüche in der Nähe, bedeutende Jahrmärkte, starke Warendurchfuhr. IXz-on, Distrikt von 4 Kreisen, erhebt sich von dem Gestade des Genfer- fee's bis zum Jura, hat jede Art von Erdreich und daher auch verschiedene Benutzung: Weinbau, einträgliche Felder, Baumgärten und Wiesen. IVz-on, Neust, kl. Stadt auf einer Anhöhe des Genfersee's, an welcher die Vorstadt la Rive liegt; Landungsplatz, Kaufhaus, bedeutende Gerbereien, Fayence- und Porzellanfabrik, 1 Papiermühle zu Cla- rens. Das hochgelegene Schloß hat eine herrliche Aussicht. Gute Erziehungsanstalten, Freimaurer-Loge: l-> vrai« Ulm, Fruchtbare Umgebung und mehrere Landhäuser; war schon zu den Römerzeiten bewohnt, und soll an der Stelle des Schlosses die alte Loloni» ZuU» oder e^estris gestanden haben, von der eins das westliche Helvetien unterjocht wurde. Ollon, Pfdf., im S. O- von Aigle, auf Hügeln und Bergen zerstreut, Viehzucht und Alpenwirthschaft, in oitan-jckaine ist Weinbau. «leb«, Distrikt von 4 Kreisen, liegt theils im Jura, theils an seinen Abhängen und untern Terrassen. Orbe, kl. Stadt auf felsigem Hügel, den die Orbe. über welche eine prachtvolle steinerne Bogenbrücke (108 F. hoch, 286 F. lang und 29^ F. breit) führt, fast umfließt, auf der gr. Str. von MorgeS nach Neuenburg; malerische Umgebung; der Wein ist nicht von besonderer Güte; Feldbau, Waarendurchfuhr, 6 Jahrmärkte. Geburtsort mehrerer berühmter Männer: Reform. Viret, Cardinals du Perron, Mineralogen Bertrand, Arzt Benet rc. Sehr alt und wurden römische Alterthümer hier und in der Nähe gefunden. — An der Orbe 466 geht ein Asphaltier zu Tage, auS dessen Rissen und Klüften Bergöl dringt, ^2 St. entfernt die schone Grotte -»ux Kilo», wo jährlich ein ländliches Fest gefeiert wird. OimonUs, eine Thal- und Berglandschaft gegen die Diablerets, von Hirten bewohnt, die wegen der schlechten Beschaffenheit des Bodens häufig auswandern. Besteht aus 2 Gemeinden, v. clessus und v. ,Ie8!iou8. Es finden sich darin 3 Schwefel- und eine periodische Quelle, und les Mossos, eine der lieblichsten Alpengegenden. Öl'«», Distrikt von zwei Kreisen, im Jvrat, rauh, aber reich an Korn, Steinkohlen und Torf, gute Jagd. Ol' 0 » la villv, Mktfl. an der Broye, 4 St. von Lausanne. St. davon liegt ». I« mit einem gothischen Schlosse. Mehrere Ruinen von Klöstern und Schlössern. Dorf und Hafen von Lausanne, 20 Min. davon am Genser- See; sichere Ankerstelle hinter einer starken Mauer. Eine Mineralquelle. K»l»:xi«ux, Pfdf., ^ St. von Oron auf Sumpfboden und war einst eine Stadt mit einem festen Schlosse; römische Alterthümer, in der Nähe Steinkohlen. L'-»i»l,lgnk- Pfdk-, i/e St. von Cossoner in Holzreicher Gegend; Torf, eisenhaltige Quelle in den nahen Morästen. l'uzk-iin,, Distrikt von 3 Kreisen. Sehr fruchtbar an Getreide, Tabaks- und musterhafter Feldbau. Hügelketten und Wälder umgeben seine von der Broye bewässerte Ebene. kapern«, Peterlingen, kl. alte St. römischen Ursprungs, an der Broye und der Str. von Lausanne nach Bern. Landbau, Waarendurch- fuhr; im ehemaligen Amtshause ein Mädcheninstitut. — In früheren Zeiten verdankte der Ort seinen blühenden Zustand einem von der Königin Bertha von Burgund gestifteten BeneLiktinerkloster; sie und ihr Gemahl wählten die St. Michaelskapelle zu ihrer Ruhestätte, die 1817 wieder entdeckt, nun durch eine Inschrift auf marmornem Deckel bezeichnet ist. l'nv.^ - ,l^n - ll.-iut Itcim.ing, Distrikt von 2 Kreisen, an beiden Ufern der Saane und Fortsetzung des Saanenlandes. Nur Wiesen, Weiden, Alpen und Wälder. Hauptbeschäftigung ist Alpenwirthschaft, es werden 3.000 Stück Hornvieh gesömmert, man fabrizirt Greyerzer- und Fetscherinküse. krängt»», Pfdf. , Stunde von Nyon, schönes angenehm gelegenes Schloß. Alter Ort, man fand römische Münzen und Inschriften. Landwirthschaft und Weinbau, mehrere unbenutzte Schwefelquellen. 1 'rex, 8t., Dorf am Genfersee, 8 St. von Lausanne. Sehr alteKirche, soll einst unter dem Namen Lysins eine beträchtliche Stadt gewesen sein; in der Nähe eine eisenhaltige Quelle. I'utlv, 2 Dörfer !4St. von , das eine liegt mit der Kirche und Pfarrwohnung, nebst den Gebäuden eines ehemaligen Privrats, reizend auf einer Anhöhe, Las andere am Genfersee; guter Wein. »»eil«, Pfdf., 1/2 St. von auf der Str. nach I,!»>5!»E, lehnt sich an einen Felsen; Saline; bedeutende Gppsgruben, schone Marmorarten. Sumpfboden in der Niederung. Holle, Distrikt von zwei Kreisen, zwischen dem Genfersee und henReb- hügeln, auf welchen der gesuchte I» Löte-Wein wächst, gute Felder, Baumgärten und auf der Höhe vortreffliche Wiesen; gute Kastanien. Holle, Mktfl., auf der Str. von Lausanne nach Genf, gnnnithig von Weinbergen umgeben. Altes Schloß mit schöner Aussicht. Das Bad, I» l^ontoloe >1,: Fonvenee, ijt gut und beguem eingerichtet. ko»i»ii>„«,tl>!i', alter Mktfl., i^/j St. von Oil'e, in angenehmem Thäte. Uhrniacherei, Verfertigung von Waagen und Gewichten, NLgel u. s. w. Kougemont (Retschmund), Pfdf., unfern der Saane, il^St. von Dböte:», ck'Oex. Schloß, ehemals ein Cisterzienserkloster, worin 148t die zweite Buchdruckerei in der Schweiz etablirt war. 8t. 8»j>Iiorln, Pfdf-, 3 St. von l.ru,5nili,L , an der Str. nachWallis, auf einer Anhöhe nahe am Genfersee gelegen; gesuchter rother Wein; Feigen im Freien. 8t. 8»tgice, Dorf, 1 St. vonUarz-es, an der Mündung der Venöse; reizende Umgebung. Hier entdeckte man ein altes Grabmal mit Skeletten in Rüstung. Tour Min. von Veeaz', auf der Str. nach Wallis. Altes Schloß in ein Pn'rathaus umgewandelt, mit hübschen Gartenanlagen. Kleiner Hafen; Schifffahrt; starker Weinbau; schöne Landsitze. Triplion, 8t., Dorf;, auf dem Abhänge des Kalksieinhügels la mott», s^St. von Llgle, in der Niederung der Rhone; bei einem oberhalb gelegenen alten Thurme aus dem loten Jahrh, schöne Aussicht. Bruch von schönem, schwarz und weiß geädertem Marmor. In der Nähe fand man römische Alterthümer. Llrslns, Dorf, bei Vveräon; Landbau und Viehzucht; 1608 fand man hier römische Alterthümer und alte Gräber. Valiorlio, Thal und Pfarrei, malerisch und fruchtbar, kon bewaldeten Höhen des Jura eingeschlossen. Am Fuße eines bewaldeten Felsen- fopfes ist die Quelle der Orbe, 680 Fuß unter den Lntonnoirs bei 487 ttonpult in, Zourlhale, IN welche sie sich dorr stürzt; nebenbei die Grotte »ux rees, ein feuchtes und tiefes Felsgewölbe mit beschwerlichem Zugänge und darüber ein zweites Stockwerk, ie von den Landleuten genannt. Die Orbe bewässert das Thal, in welchem sich Eisenschmieden und unter den fleißigen Bewohnern viele Huf-, Nagel- und Waffenschmiede, Uhr-, Gewicht- und Waagen- macher ic. befinden. Distrikt von vier Kreisen, zieht sich am Gestade des Genfersees stark ansteigend gegen die Alpen der De»t >le .?-»>»»„; gute Wiesen und über 2,200 Posen Rebberge. Vevax(Divis), Stadt, am Genfcrsee, schön und mild gelegen. Schloß; die moderne St. Clarakirche, Rathhaus, Spital, Kornmarkthaus, Brücke über die Vevaiso und der Stadtbrunnen in ägyptischem Geschmacke zieren den Ort, so auch ein schöllet Marktplatz. In der Kirche St. Martin sind mehrere Grabmäler. Stark besuchte Jahr- und Wochenmärkte; zunehmender Handel, besonders mit Weinen, Leder und Käsen; bedeutend sind Gerbereien, Tuch - und Uhrenhan- del; gute Arbeiten der Gold-, Silber- und Galanteriearbeiter, Hutfabrikation. — Bildung, geselliger Ton und Wohlstand der Einwohner machen zu einem Lieblingsaufenthalt der Fremden; außer verschiedenen Pensions- und Privaterziehungsansralten sind hier ein zweckmäßig eingerichtetes Kollegium — eine Sektion der Societe -I'Lmu- Istloa; 2 Freimaurerlogen: I» Lonstante et I» 8il«i>eieuso. — Bibliotheken der Lesegesellschaft und Zoffreys; Münz- und Naturalien- kabinet des vi. Levade. Namen und hier aufgefundene römische Alterthümer bezeichnen den Ort als das römische Vlbigcum. 1474 eroberten es die Berner. Feier des Winzerfestes mit Prämienaustheilung an ausgezeichnete Winzer. — Schöne Aussicht und Gelegenheit zu Erkursionen. Vllimv-vl , Pfdf., 2 St. von kaveioo; Ruinen der 1251 er- bauten, durch die Freiburger zerstörten Schlosses. War einst ein Städtchen. ViUeneuve, kl. Stadt, am östl. Ende des Genfersees, auf der Straße von Lausanne nach Wallis, in einer romantischen und wildreichen Gegend, nahe der Mündung der iraick« in den See. Wein- und Landbau; Spital. Das römische r?e»nilucus wurde durch den Bergsturz von Nan-etuniii» zerstört. In der Nähe soll Divico die Römer unter L. Cassius geschlagen haben. Die niedern Umgebungen sind meistens Sumpfland von geringer Vegetation. Vliwv, Dorf, auf wein- und aussichtsreicher Anhöhe, in der Nähe von 488 Roll an der 1-» tläte gelegen. Eine römische Inschrift an einem Hause des Orts beweist die frühe römische Anstedlung. VuMens le eittttean, Pfkf., s^St. von »llorgee, mit einem alten Schlosse; auf dem andern Ufer der Narxes , bei dem Dorf itla»i>-»x, mit einem von der Königin Bertha erbauten Schlosse, bricht man schönen bläulichen Marmor. Herclon, Distrikt von vier Kreisen. Mehr Acker- als Weinbau; gute Feldfrüchte; auf beiden Seiten der Orbe sind viele Moräste. Vvei-llon (Jferten), kleine aber wohl und regelmäßig gebaute Stadt am südl. Ende des Neuenburgersses, in welchen hier die i;».»,, und vrl>e münden, inselartig in den schönsten Umgebungen gelegen. Schloß mit 4 Thürmen, einst von der Erziehungsanstalt Pestalozzi's bewohnt, welche jetzt von Rank fortgesetzt wird; schönes Rath - und Kvllegien- haus; Hafen mit Magazine» und Zollstätte; Spital, Bibliothek. Wein- und Sommisstonshandel; einige Manufakturen in Leinwand und Kattun; 5 stark besuchte Jahrmärkte. — Hier soll das römische Ll.rollunui» gestanden haben, auch findet man »och hie und da altes Gemäuer, Bilderchen, Münzen, Mosaik. Skeletts ic. — Taubstum- me«-Jnstitut. Das Bad von Her-ton liegt stj St. südl., in einer etwas sumpfigen Ebene. Mildes und gesundes Klima, nur muß man sich vor Erkältungen bei der Bise hüten. Die Einrichtung ist gut und zweckmäßig bei billige» Preisen. Das Mineralwasser gehört zu den Schwefelwassern. In einer nahm Wiese ist eine kalte Schwefelquelle. Vvoi'no, Pfef., nahe bei in einem Thalgelände, das 1584 durch einen Bergsall vom Tour g'.Ti zum Theil verschüttet wurde, wobei 122 Menschen umkamen. Auf dem Bergschutt wächst der sehr gesuchte Wein V0» Vvoroe. Kanton Haitis. ^in Freistaat mit repräsentativer Verfassung, seit 1814 in der Eidgenossenschaft. Lage und Gränzen: zwischen 4° 26' — 6° 6' L. und 45° 52' 30" — 460 37 ' 30" Br. gelegen, hat der Kanton seine größte Länge vom Genfersee bei St. Gingolph bis zum Albrun von 22. und seine größte Breite vom Mont Rosa bis zum Breithorn in den Berner Al- pen vo» ll> St.; seine Gränzen sind im N. K. Wandt und Bern, im O. die Kantone Ury, Tessin und das sardinische Königreich. im S- das letztere, im W. ebenso und der Genfersee. Areal und Bevölkerung: auf 90,^ M. leben in 150 Gemeinden und 114 Pfarreien 75,788 Ew., folglich auf 1 M. 838 S. Der sechste Theil des Landes ist unbewohnbar. Klima: außerordentlich verschieden; es vereinigen sich hier oft auf dem Raume eines Tagemarsches die Klimate und Produkte aller Zonen vo» Sicilien bis Island. In dem Rhonelhale oberhalb Brieg und in den Seitenthälern ist das Klima wohl etwas rauh, aber sehr gesund, dagegen abwärts Brieg bis unter Martigny milde und sogar heiß, daher bei den vielen Sümpfen an der Rhone oft ungesund; so steigt ini Sommer das Thermometer bei Sion im Schatten auf 24°, in der Sonne an den Felsen auf 38, ja zuweilen auf 48« R. An vielen Orten fällt die Ernte im Mai, an andern im October ein, und wenn hier das Obst nicht mehr reift, so wachsen dort wilde Mandeln, Feigen, Granaten, Spargeln, Stachelfeigen u. s. w. Natürliche Beschaffenheit der Oberfläche: der Kanton liegt zwischen den beiden mächtigsten Gebirgsketten der Alpen, und besteht hauptsächlich aus dem großen Längenthale der Rhone, von welchem nach N-, S- und S. W- bedeutende Nebenthäler sich in's Hochgebirge hinaufziehen, wovon 3 auf dem rechten und 13 auf dem linken Ufer bewohnt sind; es ist das größte Thal in der Schweiz, von der Furka bis zum Genfersee 35 l ll', Einfischthal, ein 8St. langes von einem arbeitsamen und gutmüthigen Völkchen, das weder Vettel noch Weinschenken kennt, bewohntes Thal, zwischen dem Breithorn und den vent» bt-rneües, welches nur durch die Felsenkluft les I»e»ris oder die Brücken (ein s^stündiger in Felsen gehauener sshenSwerther Pfad), einen Ausgang hat. Viehzucht. Die Berge enthalten Gold, Silber und andere Metalle. besser i;nt,'ei!lo»t, Zehnten im Unter-Wallis von 6 Kirchspielen, mit 9.295 Ew.; besteht aus den beiden Hauptthälern Bagnes und Lvtremont; der obere Theil treibt Alpenwirthschaft und Säumerei, der untere mehr Landbau. Das Thal Lntremvnt ist von der Dranse durchflossen, 7 St. lang, von hohen Bergen eingeschlossen und reich an außerordentlichen Gebirgsscenen. Ardon, Pfdf., an der Lizerne, auf der Str. von Martigny nach Sitten und am Fuße von weinreichen Hügeln, deren Produkt sehr geschätzt ist; fruchtbare Getreidefelder; eine Eissnschmelze für Las Eisenbergwerk zu Olteinin und Dliainosan. Ayent, Pfdf., unfern der Raspüle, 2 St. von Sitten, am Abhänge eines wein- und getreidereichen Berges. 1577 schlugen hier die Walliser ein Korps Simmenthaler. Bagnesthal, ein anfänglich 3 St. lang nach O. und dann St. nach S. sich ziehendes Hvchgebirgsthal. Es nt fruchtbar, offen und freundlich, hat vortreffliche Viehzucht, guten Feld- und Obstbau, auch 493 Mineralien, und ist reich an Naturschönheiten. Die GemSjäger der Thales werden für die geschicktesten und kühnsten gehalten. — Die Pfarrkirche ist seit der Zerstörung des Dorfes Bagnes im Dorf i« in seiner Nähe liegt das schwefelhaltige Bad gl. N. — 4 St. oberhalb I« OI>»I,Ie befindet sich ein Gletscher, der einen See bildet, dessen Abfluß im I. 1818 durch einen Eisdamm gehemmt wurde, wodurch ein neuer See entstand, der bei seinem Durchbruch am 16. Juni, einen Schaden von 1,109,759 Schw. Fr. verursachte. ir»»- oder «ouvermer, Pfdf., l!4St. von Martignv, auf der großen St. Bernhardsstraße, an der Dranse, in einer finstern Gegend, wo in dem kl. Thale Chanissy sich ein Eisenbergwerk befindet; der Hochofen ist im nahen I-, V»lette. Bernhard, Gr. St., eine Gebirgspartic »1 der Kette der pennini- schen Alpen, zwischen dem Thale von Entremont und einem Neben- thale des Aostathales, worüber eine frequente Saumstraße aus der Schweiz nach Piemont führt. Das Hospiz liegt nahe an einem kl. See; es ist dauerhaft von Stein aufgeführt, im untern Stock ist eine geräumige Küche mit immerwährendem Feuer und Schlafstellen für Arme und Landleute; im ersten Stock ist ein stets erwärmter Speisesaal und über demselben die Wohnung der Mönche; der übrige Raum enthält 60 Betten für die Reisenden. Dem Kloster gegenüber liegt ein anderes Gebäude für Waaren und Beherbergung weiblicher Gäste; die kleine Kirche ist niedlich und nebst einigen Gemälden noch mit dem Denkmale des zu Marengo gefallenen Generals Desair geziert. — Wilde und öde Lage, heftigen Stürmen ausgesetzt; im strengsten Winter 20 — 22" Kälte, und mitten in den heißesten Sommertagen gefriert es alle Morgen; im ganzen Jahre sind nur 10 heitere und helle Tage, 8 — 9 Monate Winter und nicht weit vvm Kloster beständig Sckmee; Holz wird durch 30 Pferde während 4 Monaten, 4 St. entfernt, herbeigeschafft. Es befinden sich darin gewöhnlich 10 bis 12 Augustiner-mönche mit einer Anzahl Knechte (Marroniers), und großen abgerichteten Hunde»; mit Hülfe dieses Beistandes müssen die Mönche in den 7 — 8 gefährlichen Monaten des Jahres täglich die Straße besuchen und den Reisenden Hülfe und Rettung bringen, sie pflegen und bis zur gänzlichen Herstellung im Hospiz behalten. Die Todten werden in einer Kapelle des Klosters aufbewahrt, wo sie der scharfen Luft wegen nicht verwesen, nach 2 — 3 Jahren -aber einschrumpfen, und gleichsam Mumie» werden. Diese Sorgfalt, verbunden mit der Verpflegung und Beherbergung von 8 — 9,000 Reisenden, üben die Geistlichen unentgeldlich; wohlhabende Reifende 496 zahlen nach Gutdünken; man berechnet die jährlichen Kosten dieser Gastfreundschaft auf 50,000 Schweizerfranken. Dieser Paß wurde schon in uralten Zeiten, besonders von den Römern gebraucht. Auf der Höhe des Berges stand nahe dem See ein Tempel mit der Bildsäule des von den Anwohnern Penninus genannte» Gottes. Ueber die Gründung des Klosters hat man keine bestimmten Notizen. Oef- ters wurde der Weg von Kriegsheeren gebraucht, und letztmals zog vom 15. bis 21. Mai 1800 eine sranzös. Armee von 30,000 Mann unter Bonaparte zum Siege von Marengo darüber. Binnen- oder Binden thal, zieht sich 5 St. lang vom Rhonethal zum Albrun; sein Ausgang ist so eng, daß nur sein Gletscherbach gl. N. darin fließen kann. Gute Viehzucht, die besten Käse im Kanton. Bramis, Bremois, Pfdf., an der Borgne, i St. von Sitten am Eingang in das Val d'Herens, St. oberhalb befindet sich in wilder Gegend an jenem Bergbache die im loten Jahrhundert in Felsen eingehauene Einsiedelei Longe-Borgne, aus einer ganzen Klosteranlage mit Kirche u. s. w. bestehend; sie ist fast immer von 2 Eremiten bewohnt. Branchier, St., Mktfl., am Zusammenfluß der Dranse von Bagnes und Cntremont, in einem ziemlich fruchtbaren, aber mühsam anzubauenden steilen Thalgelände. Frequenter Waaren- und FremLen- Transport. In der Nähe mehrere Ruinen, eine Eisengrube und ein Bleibergwerk. Brieg, Zehnten, auf beiden Ufern der Rhone gelegen, besteht aus 8 Kirchspielen mit 4,138 Ew.; fruchtbar in der Ebene und reich in den Bergen an schönen Alpen. Brieg, Mktfl., in der Nähe des Zusammenflusses der Saltine mit der Rhone, und am Anfange der Simpjonstraße so wairm gelegen, daß selbst Früchte des südl. Himmels gedeihen. Der Ort gewinnt ein freundliches Ansehen durch den Silberglaiyz der mit Glimmerschiefer gedeckten Häuser und das Farbenspiel de:r Kirchendächer. Sehenswerth: das Jesuitenkollegium und das llrsülinerkloster. — Der Ort litt durch Erdbeben am 1. Nov. und 9. Der. 1755, mehr noch aber durch den Krieg der Oberwalliser gegen die Franzosen, besonders am 11. Mai 1799. Man gewinnt vielen Wein und Saffran, und zieht Vortheil aus der Simplonsiraße. — Don 1770 — 80 wurden oberhalb Naters mehr als 5,000 Pfund Krystalle gegraben, darunter Stücke von 7—14 Ctnr. Cambivlaz, kl. Dorf, im Herensthale an der Borgne. Die Salzquelle, der Floßbrunnen, wurde wegen geringen Ertrags wieder aufgegeben. OIw-nt>ei>7 > Pfdf. > tm Thals gl. N.. welches den Hintergrund d«S V-,1 .l inier bildet, an derVieze, an deren r. u. sich die mit Stalaktiten angefüllte Höhle I» Loi»l»e oder Ik»u,ne >le lietre besindet. eben,in nenk, ein Pfad längs den steilen Abhängen des Montion im Lizernethale, 3 St. von Sitten auf dem Wege über den Cvl de Che- ville nach Ber, mit dem schauerlichen Hundssprunge, einem fast 1800 Fuß tiefen Schlunde an jäher Schieferwand; 2 Wasserfalle erhöhen das Romantisch-Schauerliche dieses gefahrlosen Weges. KN baut, Ober-C., Pfdf., unfern der Rhone; 1643 gestiftetes Bernhardiner-Nonnenkloster. tiantllex. Zehnten von 4 Kirchspielen mit 5,578 Ew., auf beiden Ufern der Rhone; neben erhabener und romantischer Alxennatur, reiche Gegenden vvm Fuße der nördlichen Berge bis zur Rhone. Seine Weine gehören zu den besten deS Kantons und würden bei besserer Behandlung selbst dem spanischen nicht nachstehen; seine ausgedehnten Getreidefelder sind die schönsten des Kantons, leider leidet sein unterer Theil vom nachtheiligen Einflüsse des sumpfigen Rhoneufers. Ontliex, Gundis, Mktfl., auf schönem fruchtbarem Hügel, i St. von Sitten; köstlicher rother Wein Ballio. Eginenthal, zieht sich vom Rhonethal zum Gries- und Nüfenenpaß, vom Bache gl. N. bewässert, welcher beim Eingänge des Thales einen schönen 80 Fuß hohen Fall bildet; Hirtenthal mit vielen zerstreuten Hütten. Elmi- oder Gerenthal, ein kl. Seitenthal der Rhone im Ober- Wallis, vom Bache gl. N. bewässert. Viehzucht und Käshandel. Erschmatt, Pfdf., auf Bergen hoch gelegen, ih^ St. von Leuk, nahebei die Einsiedelei Theel rnit hübscher Kapelle. Evvlena, Pfdf., auf fruchtbaren Matten, hoch an der Borgne im Herensthal, nahe bei der Kirche ein Sauerbrunnen, von der Umgegend besucht. Im S. die hohe Alp Abricolle, deren fruchtbare Weiden seit 300 Jahren von Elletschern bedeckt wurden; im Jahre 1790 fand man Bruchstücke röm. Gemäuers darauf. Ferrer-, zuweilen auch Orsieres-Thal genannt, ist ein Nebenarm von Entrcmont, das sich 5 St. lang zwischen den Eisfirsten des Ma»i- l>l»ne und den Felsgipfeln des gr. St. Bernhardsbergs zum 6al kV'n-ox zieht; mehrere Gletscher; Viehzucht; zwei kleine, mehrentheils gefrorene Seen. I'inb.iiits, rixn-lux, 1H6», Pfdf., am Trient im Hintergrund des Thales von Salvant, nahe an der Gränze von Savvpen. Sorgfältiger Anbau der wenigen Pflanzplätze; hier die kühnsten Gemsjäger. 4U8 Fully, Pfdf., an der Rhone, i St. von Martigny, in der wärmsten und fruchtbarsten Lage, am Fuße des Felsen Folaterra, an welchem ein vortrefflicher Wein wächst. Armuth und Kretins vom stärksten Kaliber. 3m N. liegen in romantischen Ufern 2 Seen. Gemmi, vaul«.-, Walliserberg, 7,160 F. hoher Paß in den Berner Alpen, auf dem Wege von Thun nach den Lenker-Bädern. 3>n W. liegt der Lammerngletscher, der den melancholischen kleinen Dauben- See nährt, welcher in einer flachen Senkung auf der nördl. Seite links des Pfades nach Kandersteg liegt, ohne sichtbaren Abfluß. Abwärts auf dem Wege nach Kandersteg ist das Zoll - und Wirthshaus Schwari- oder Schwarenbach, unter welchem einst ein kleiner See lag und bei welchem im August ein Bergdorf gehalten wird. Großartige Aussicht auf der Hohe des Paffes, der auf der siidl. Seite in einer steil abgerissenen, 2,750 F. hohen Felswand besteht, in welche von 1736 — 41 von Tirolern der Weg von 10,110 Fuß im Zickzack eingesprengt wurde; er ist beinahe überall 3 — 5 Fuß breit und gegen den Abgrund durch eine 3 Fuß hohe Mauer gesichert, an dessen entgegengesetzter Wand eine Leiter hängt, die dort wahrscheinlich zu einer ehemaligen Einsiedelei führte, von der man noch Reste eines hölzernen Hauses sieht. Am Fuße dieser imposanten Mauer liegt das Leukerbad und gleicht unter dem Uebergange in einer Schlucht die Daubenhütte als Zufluchtsort. Die Stellen des Weges, welche mit Felsen überwölbt sind, nennt man Gallerien; es sind deren zwei, die große 1,000 Fuß und die kleine 600 Fuß lang. Gefielen, Nieder-, v»s-eii»till<»>, Pfdf., nahe bei Raron, am F. einer von oben bis unten gespaltenen Felswand. FreguenterIahrmarkt. Gefielen, Ober-, llant-IRatill»,,, Pfdf., an der Rhone in Ober- Wallis; hier treffen die Saumstraßen über Gries, Furka und Grim- sel zusammen, daher bedeutender Transit und Niederlage von Käse aus Hasli. Noch etwas Getreide- und Erdfrüchtebau. 1720 verloren hier 84 Menschen das Leben durch eine Lauine. Gingolph, St., Pfdf., durch die Morge, welche hier in den Ge- fersee mündet, in 2 ungleiche Theile gesondert, wovon der kleinere am r. U. zu Wallis, der größere zu Savoyen gehört; in jenem sind die Post und mehrere Eisendraht- und Nagelfabriken, in diesem die Kirche und eine Mauth; beide Theile bilden nur eine Gemeinde. Nahe im W. an der Straße nach Genf ist die Stelle, wo unter einem wenigstens 500 F. hohen Bergsturz der vcnt «t'Oell« vom Z. 563 das römische Städtchen und Kastell begraben liegen. Das nahe Ochethal hat gute Steinkohlenflöze. 499 Glys, Pfdf., /z St. von Brieg an der Rhone. Hier beginnt die Simploustraße. St. entfernt liegt das Glys-, Naters- oder Brieger-Bad, ein dem Leukerbad an Gehalt und Wirkung fast gleiches, aber ganz vernachlässigtes Schwefelwaffer. Glys litt 1755 und 1756 stark durch Erdbeben. Gombs, K«»«!»«», der höchstgelegene Zehnten von Wailis, ein hohes Thal der Rhone, von ihrer Quelle 8 St. abwärts. Am Abhänge ist das Hochgebirge zum Theil noch mit Wäldern bedeckt, unter welchen grasreiche Wiesen mit Pflanzungen liegen; in den niedern Thalgegenden zeigen sich Laubhölzer und Obstbäume. Die Bewohner, 4,303 Seelen in 13 Kirchspielen, treiben Alpenwirthschaft, sind einfach, stark und tapfer, die Freiheit, Religion und Vaterland liebend, das sie selten verlassen. Grächen, zerstreutes Pfdf., im St. Niklansthal, Geburtsort des berühmten Th. Plater. Gegenüber liegt der Schwefelbrunnen Augst- port-Quelle, die aus einem Felsen hervorsprudelt, und obgleich ohne alle Einrichtung, stark innerlich und äußerlich benutzt wird. Grengiols, Pfdf., zwischen Rhone und Binnen, auf einer Anhöhe. In der Gegend findet man Granaten und Pyriten. Krimi««:'-, Grimseln, Pfdf., i St. von Sitten, von Wiesen und Weingärten umgeben; ein alter starker Thurm ist jetzt die Pfarrwoh- nung. Viehzucht. Höröme»««, ^rinettci, Pfdf., im Vut I ill'Uerons, welches sich von Sitten 11 St. l. zu den Gletschern des Hochgebirges hinaufzieht und in zwei Seitenthäler theilt. Das ganze Thal hat nirgends eine beträchtliche Ebene, aber viele fruchtbare Berge und Hügel mit vielen zerstreuten Wohnungen; im Hintergründe zeigt sich die interessanteste Hochalpen- Natur. Die Bevölkerung kennt keinen Aufwand, lebt fast durch- gehends in einem glücklichen Mittelstände vom Ertrage der Alpen- wirthschafl; man findet in diesem wenig besuchten Alpenthale Biederkeit, Gastwirthschaft und patriarchalische Sitten. Illier, v»l -I' — > Liethal, zieht sich im Unter-Wallis 4 St. l. von NN. O. — SS-W., von der Vieze bewässert, vom Hochgebirge eingeschlossen; Häuser und Hütten liegen amphitheatralisch übereinander an beiden Bergabhängen zerstreut; reich an romantischwilder Natur, Wafferfällen, kühnen Brücken und seltenen Pflanzen. Wackere und wohlgebildete Bewohner. Das Pfarrdorf gl. N. bietet eine schöne Aussicht beim Kirchhofe; Obsthaine im Thalgrunde. Wasser- fälle an den Eisfeldern der vent ,1« lUiueclie, Zehnten von tl Kirchspielen und 4,132 Ew., fast ganz am rechten Ufer der Rhone gelegen, und zieht sich theils nach N. in ein enges aber fruchtbares Thal hinauf, theils in fruchtbarer Ebene hin, hat gute Weinberge und vortreffliche Alpen. Leuk, l,ou2ten Jahrhundert von Hirten und Jägern entdeckt, der Gebrauch deS Heilwassers aber erst im igten Jahrhundert allgemeiner, wo der Kardinal Schinner und mehrere Adelige Häuser aufführen ließen; im I7ten Jahrhundert standen die Bäder im höchsten Flor, allein Lauinen zerstörten die Gebäude im I8ten Jahrhundert zweimal. Seither hat man sich mit hölzernen, größtentheils unansehnlichen Häusern begnügt, nur das weiße Haus und Las Bad der Edelleute sind theilweise von Stein; durch Vorrichtungen hat man sich gegen Lauine» zu schützen gesucht. Es bestehen drei Bäder: das Junkern-, das Herren- und das Armenbad, wovon nur das erste gut eingerichtet ist, das zweite aber den meisten Zuspruch hat. Ganz in der Nähe sind 4 Wirthshäuser. — In dem ganzen Thale findet man Spuren warmer Quellen, die sich meistens gleich und in einer Temperatur von 30 — 42 » R. sind. Mitten unter diesen warmen Quellen fließt der Liebfrauenbrunnen eiskalt vom Mai bis zum September. Der Lorenzbrunnen ist die Hauptquelle und die wärmste; östlich davon die Kotz- oder Brech- quelle, deren Wasser zum Brechen reizt; das Goldbrünnlein, das alles Silber gelb färbt; dieOu eile der Aussätzigen, nur mit einem leichten Dach bedeckt; LerFünfbrunnen, der aus 5 starken Adern springt. Das Wasser enthält Küchen- u. Bittersalz, Gyps, kohlensaures Eisen, kohlensaure Magnesia, kohlensaures Gas und Schwefelwasser- stoffgas. Es ist besonders zu empfehlen bei Krankheiten des Magens und der Derdauungswerkzeuge, Rheumatismen, Gicht, Lähmungen, chronischen Hautkrankheiten, Knochenkrankheiten, Lustseuche, alten Wunden, Nieren- und Blasenkrankheiten. Lötschen-Thal, ein Längen- und Ouerthal der Hvchalpen, 6 St. l. und von der Lonza bewässert. Wiesenreich mit Getreidefeldern, Al- penwirthschaft, sorgfältige Pferde- und Schweinezucht. »larllxnx, Martinach, Zehnten im Unter-Wallis von 8 Kirchspielen und 7,637 Ew., warmes Klima und fruchtbarer Boden; der weite Thalgrund hat schöne Getreidefelder, Obst- und Gemüsegärten, während die Anhöhen mit Reben prangen, welche die vortrefflichen Weine i-> U»rj-N.e und 6o>juewbi» hervorbringen; auf den Bergen sind schöne Weiden und Wälder, und der Honig ist der beste in der Schweiz. Die Sümpfe der Rhone sind der Gesundheit sehr nachthei- lig, und hier findet sich der Hauptsitz des Kretinismus in Wallis. «»rtij;»)-, Martinach, kl. St. mit dem Dorfe 1» v-ltia als Vorstadt, an der Dranse, in breitem und fruchtbarem Thale der Rhone, und am Fuße fruchtbarer Hügel. Schöne Pfarrkirche St. Maria mit vielen an den Mauern befindlichen röm. Inschriften, Prvbstei und Pfarrhof des Stifts auf dem St. Bernhard. Die Lage auf der Straße nach Ober-Wallis, dem Simplon und auf der Saumstraße über den gr. St. Bernhard gewähren dem Orte vielen Vortheil. Mangel an gutem Trinkwasser. — Kamn.l4 St. im S. an der Dranss liegt der Flecken Martigny; großer Detailhandel, Waag- amt und Niederlage der Waaren von und nach dem gr. St. Bernhard; bedeutende Jahr- und stark besuchte Wochenmärkte. Ein Kastanien- wald, der nie angegriffen werden darf, schützt gegen Lauinen; eine röm. Wasserleitung versieht den Ort mit Wasser. Beide Orte litten 1545 und 1818 sehr durch Ueberschwemmungen. Auf den nahen Hügeln wachsen die herrlichen, schon von den Römern geschätzten Weine eoguvi»!»» und I» 41-,Zu der Römerzeiten hieß der Ort Ovtoäuruu», kor»«, LlauiIH, Vicus Vers^rorum und das Thal der Dranse v»llls l?e»»iii». Matterhorn, mo»t Lerviu, l8z-lvio, die dünnste und spitzigste Felsennadel in den Alpen, 13,854 F. hoch; auf ihrem Joche, Lot ,iu Mo»t Orvil» befindet sich in einer Höhe von 10,284 Fuß die Schanze St. Theodul, von den Piemontesern gegen die Walliser angelegt, an welcher vorbei im höchsten Sommer ein Pfad, selbst für Pferde, ins Tournanche-Thal führt. Matter« oder St. Niklausthal, ein Arm des Vispthals, fast 11 St. lang, von der Visp bewässert und im Hintergründe vom Mat- terhvrn und seinem Joche geschlossen. Biederkeit und patriarchalische Sitten der Bewohner dieses von Gletschern eingeschlossenen Thales. Mnurico ltu l-ie, 8t., Pfdf., im N. von Siders auf morastigem Boden, ehemals ein See. Wallfahrten. Msurie«, 8t.. St. Moritz, Zehnten von 5 Kirchspielen mit 5,506 'Ew., größtentheils auf beiden Ufern der Rhone und im Gebirge; fruchtbar. m-turiee, 8t., St. Moritz, kl. Stadt mit etwas über 1000 Ew., im Durchbruchs der Rhone zwischen »e„t cke M.li und vent,1« »lvreles, in einem so äußerst engen Defilee, daß man vermittelst eines Thores das ganze Thal schließen konnte. Merkwürdige Brücke. Sehenswerth sind: Rathhaus, Stift, Abteikirche der regulirten Augustiner-Chorherren nebst Pfarrkirche und Spital, ein Kapuzinerkloster, eine Augustinerabtei mit ansehnlicher Bibliothek und wichtigen Handschriften, altes Schloß; lebhafter Waarenzug vom Genfersee zum gr. St. Bernhard und Simplen, Waaren-Niederlage, steigender' Landbau. — Stunde davon an steiler Felswand die Eremitage X. I> »ui»l>», Welche 562 durch einen Bergsturz der Deut du Midi verschüttet wurde, gestanden hatte, Mörel, Marge, Pfdf., ia/jSt. von Brieg ander Rhone, im engen, aber fruchtbaren Thal, wo der Weinbau beginnt und Kastanien gedeihen. Schloßruinen. Hz St. abwärts liegt auf einem Felsen über der Rhone, Schrecken und Erstaunen einflößend, die berühmte Kapelle und Einsiedelei Höh-Fluh oder n-nites-ltoclies. Montliox, Zehnten im Unterwallis, am l. u. der Rhone; fruchtbare Niederung, romantische Bergthäler. In 10 Kirchspielen leben 7,569 Ew. Aoiitllo^, lUontliex, Mktfl., am Fuße eines Berges an der Vieze; welche ihrer Überschwemmungen wegen durch einen Hügel in einen Kanal geleitet wurde. Altes Schloß auf einer Anhöhe; in der Nähe die Glashütte Enert-Vieze mitten in einem Kastanienwalde; Spital, schöne bedeckte Brücke. Naters, lV->rr<;8, Mktfl., an der Rhone, 20 Min. von Brieg; seine Lage in einer Schlucht gibt ihm ein so warmes Klima, daß selbst Safran im Freien gedeiht; viele Gärten, Nuß- und Kastanienbäume. H»»t- et 2 Dörfer durch die Prinze getrennt, eine Pfarrei bildend, bei Sitten, hoch und aussichtsreich gelegen, schönes und reiches Gelände an Getreide, Weiden und Weinbergen; bei jenem Dorfe wächst der beliebte Wein Oumagne; einige Kretinen und auf dem St. Niklausberge eine Alaunquelle. Orstt-res, Mktfl., im Entremont an der Dranse, auf lieblicher Ebene. Schloßruinen. Man findet zuweilen röm. Münzen. Itterre-L-Voie, kierravoar, (schönstchtiger Fels), im O. von Martigny mit vortrefflicher Aussicht und einer Höhle. Itterre-Nontjoux, 8t., (St. Petersburg), Pfdf-, auf der Straße zum gr. St. Bernhard im Entremont, an der Dranse. Viehzucht, etwas Getreidebau. Römische Alterthümer. — Am Valsorezgletscher ist die Omiille L oder der sich ausleerende Brunnen, von der Gestalt eines auf seine Spitze gestellten Kegels, 115 F. tief; darin sammelt sich vvm Herbst an das Wasser, gefriert wenigstens an der Oberfläche und bricht unterirdisch im nächsten Heumonate beim Aufthauen aus in die Dranse; bisweilen bleibt dieser Behälter leer. I>is8ev»elw, Salanche-Fall, maleriscker Wasserfall, dicht an der Straße von St. Maurice nach Martigny, 2 >4 St. von jener Stadt entfernt, fällt 280 F., senkrecht aber nur 120 F. tief. Raron, lk->r»gne, Zehnten, auf beiden Seiten der Rhone, hat wilde, zerklüftete Gebirge, fruchtbare Alpen, wiesenreiche Thalgründe und ergiebigen Boden an der Rhone. MehrentheilS Viehzucht, etwas Land- unv Weinbau. In 9 Kirchspielen leben 4,565 Ew. von Viehzucht, treu den patriarchalischen Gebräuchen und Sitten ihrer Vater. Rarvn, »»roj-nl-, Mklfl., nahe der Rhone, zum Theil auf einem felsigen Hügel mitte» unter Weinbergen und Matten. Wenige Reste der berühmten Burg gl. N. Rosa, Mte., eine aus mehreren einen Kranz bildenden Hörnern bestehende Gebirgsparkie in der Centralkekte der Alpen. 14,430 Fuß hoch. Nur die zweithöchste Spitze wurde zweimal bestiegen (1821 und 1822 durch Herschel Sohn und Zumstein), die höchste Spitze ist unersteiglich. Die Bestandtheile des Gebirgs sind hauptsächlich Gneis und adriger Granit. Sans, (im Grund), Pfds. im Saasthale; mitten in fruchtbaren Matten; bei der Kirche ist eine eisenhaltige Quelle. Saillon, Mktfl., unfern dem r. U. der Rhone auf einem mit Mauern und Thürmen umgebenen felsigen Hügel; malerische Ruinen der 1475 zerstörten Burg auf einer Anhöhe, an deren Fuß Mantel- und Feigenbäume gedeihen; mitten unter Felsen liegt eine eisenhaltige Mineralquelle. Salgesch, Kalgues, h) St. von Eiters, unfern der Rhone; große Krebse; hier wächst der beste rothe Wein im Wallis; St. oberhalb eine aussichtsreiche Einsiedelei. Eaton, 8»s8ui», Pfdf., auf einer Anhöhe rechts der gr. Str. von Marligny nach Sitten; auf nahem Hügel liegen Pfarrkirche und Ruinen einer 1475 zerstörten Burg. Herrliches Alpengelände, auf welchem die Hirten unter freiem Himmel zubringen. Stanke Eselzucht. Saviese, Pfdf., iXs St. von Sitten, kühne und geschsickte Wasserleitung. Selkingen, Dorf, am r.ll. der Rhone, die ein« Bergbach aufnimmt, - woran ein großes Hammerwerk liegt. Verterbiche Lauine 1827. Siders, Siere«, Zehnten von 12 Kirchspielen uid 7,044 Ew. Das Thal der Rhone ist hier erweitert, die Bergabhcnge sind mit Wiesen, Obstbäumen, Getreidefeldern und Weingärten kedeckt. Kretinen. Eiters, Storre, Mktfl.» nahe der Rhone, über welche eine Brücke und die gr. Str. von Sitten nach dem Simpon führen, in einer der wärmsten und fruchtbarsten Gegenden des Kantons, am Fuße gut cultivirter Anhöhen, aber in der Nähe gefährlicher Sümpfe. Schöne Pfarrkirche und ansehnliche Häuser adelicher Familien; Fabrikation von Smaüte; vortrefflicher Muskat- oder Malvasierwein, schlechtes Wasser, Kretinen. —.Nahe das Dorf gl. N.; dann bei 2 kl. Seen, 50» die alte Karthanse Geronde; auf einem Felsen der viereckigto starke Thurm Gubing. — Hier scheidet sich die deutsche und franz. Sprache und man hört ein sonderbares Kauderwelsch. Simplon, Bergsattel in der Centralkette der Alpen, zwischen St. Gotthard und Mont Rosa. über welchen Napoleon von 1801 bis >805 eine Prachtstraße mit einem Aufwande von 18 Mist. sranz. Frk. erbauen ließ (s. oben S. 59). Leider schaden Lauinen, Bergwaffer und Felstrümmer dieser Straße so sehr, daß sie nur mit einem jährlichen Aufwande von 50 -80,000 Frk. brauchbar erhalten werden kann, eine schwere Aufgabe für den armen Kanton Wallis. Sitten, 8io>l, Bisthum, gilt für das älteste in der Schweiz. Das Kapitel der Kathedrale besteht aus 12 wirklichen und 12 Anwartschaft habenden Stiftsherren (diese versehen Pfründen); der Kirchsprengel zählt 114 Pfarreien; die Regulär-Geistlichkeit des Kantons besteht: aus der Abtei St. Maurice (19), dem Kloster St. Bernhard (28) und Hospiz des Simplon (2), zusammen aus 49 Chorherren, den Kapuzinern in Sitten (7) und St. Maurice (5), den Jesuiten zu Brieg (>5), — im Ganzen aus 76 Mitgliedern, wozu noch die Nonnenklöster der Ursulinerinnen in Brieg (20), der grauen Schwestern in Sitten (8) und Bernhardinerinnen in Collvmbay (20) kommen; rechnet man hierzu noch die Säkular-Geistlichkeit, den bischöflichen Hof und die Benefiziaten der Kathedrale, so erhält man 294geistliche Personen. Sitten, 8Io», Zehnten, an der Rhone; das Thal der Rhone ist um Sitten am breitesten. äußerst fruchtbar und auf beiden Seiten von wohl angebauten Bergen eingeschlossen, hat aber Moräste und eine drückende Hitze (28« Reaum. im Schatten). Schöne Alpen und Wälder. In drei Kirchspielen leben 3,738 Ew. Sitten, 8:«>l, Hauptstadt des Kantons und Sitz des Bischofs und seines Kapitels; von alten Mauern, Thürmen und Gräben umgeben, mit ungefähr 2,500 Ew., an der Sionne, welche nahe in die Rhone mündet; in der Ebene und am Fuße eines Felsrückens, worauf sich die Ruinen deS Schlosses Tourbillv» und Las Schloß Daleria befinden, so wie die kleine Kirche Allerheiligen. Zwischen der Stadt und jenen Ruinen befindet sich auf einem niedern Felsen die Schloßruine Majoria, Sitz der Bischöfe bis 1788, wo durch eine Feuersbrunst nicht nur dieser, sondern auch das für die Schweizer, besonders aber für die Wallisergeschichte an kostbaren Urkunden so wichtige Archiv und in der Stadt 230 Häuser eingeäschert wurden. — Sehenswerth sind: die Kathedrale in gothischem Style mit vielen Grabmälern und einer römischen Inschrift, die St. Theodulskirche, das schöne Rath- Haus in gothischem Style mit einer astronomischen Uhr, die Kanzlei, das von den Franzosen geplünderte Zeughaus, der Kalendenthurm, der Hundethurm, das Jesuitenkollegium, das Kapuzinerkloster, das Hospital, welches 8 graue Schwestern besorgen. — Die Stadt, vb- schon in einer fast paradiesischen Gegend gelegen, ist im Innern unansehnlich und schmutzig; nur allein die Brücke über die Sionne gewährt einen Spaziergang und Marktplatz. Sie ist sehr alt und hat mehreremal durch Belagerungen, Plünderungen, Feuersbrünste und Überschwemmungen schwer gelitten. Mehrere Ruine» in der Nähe, so wie ein kleiner See, worin das uralte Sitten versunken sein soll. Turtman, lo»lten>!,^»e, Psdf., nahe an der Rhone und am Turtmanbach, der einen der schönsten Wasserfalle bildet, auf der Str. von Sitten nach Brieg. Hoitorl-e»8, Psdf., im Jllierthale, an derBiezs; gute Wiesen und fruchtbare Stecker, die kräftigen Einwohner sind gute Landwirthe. — Spuren von Vitriol; das hiesige Bad im Wirthshaus zum Kreuz ist mittelmäßig eingerichtet und billig. Ulrichen, St., Pfdf., an der Rhone, im Oberwallis; auf angenehmer Ebene; unbenutztes Schwefelwaffer. Zwei Kreuze, die Wahlstätten von 1211 und 1419, wo die Walliser den Herzog Berthold von Zähringen und die Berner schlugen. 'V-.uvrlei-, Pfdf., nahe der Rhone, auf der Str. nach Genf; schöne Aussicht bei der Kirche; thätige Papiermühlen; eisenhaltige Quellen. 25 Min. davon liegt die Porte du Sex. eine alte Befestigung; eine Fähre über die Rhone. Ventvn, Ventlw»«, Pfdf., ^ St. von Siders, mit schöner Aussicht; Ruinen des Schlosses gl. N. Viesch, Pfdf., an der Viesch, auf der Str. von Brieg nach der Furka. In einer Höhle des Vieschthales entdeckte man 1757 schöne Bergkrystalle, wovon die zwei größten, 1400 Pfd. schwer, 1799 nach Paris wanderten. Visp, Viege, Zehnten von 13 Pfarreien und 5,044 Ew., fast ganz auf dem l. U. der Rhone liegend, und hauptsächlich aus dem 12 St. langen Mspthale mit einigen Seitenthälern bestehend. Dieses Thal ist reich an wilder, erhabener und romantischer Hochgebirgsnatur, an den seltensten Pflanzen und Mineralien, und wird von einem deutschen Alpenvolke bewohnt, bei welchem die Sitteneinfalt der patriarchalischen Zeit herrscht. Visp, Viege. Mkkfl.. mit 400 Cw., an der Visp, auf der Str. von 207 Sitten nach Beleg. Reizende Lage. Die St. Martinskirche mit dem schönsten Thurme im Wallis und herrlichem Eingänge; in der Nähe die Ruinen von Hübschburg; ungesund wegen der vielen Moräste. Visperter minen, Pfdf., auf einem Berge, südöstl. von Visp; Vieh- zucht und Landbali; nahe an einem kleinen See eine Einsiedelei. Kanton Neuenburg. (^IN Fürstenthum mit republikanischen Institutionen, seit 1814 in der Eidgenossenschaft. Lage und Gränzen: zwischen 4» 6' — 4» 45' L. und 46° 51' — 47° 7' 45" Breite gelegen, ist die größte Länge zwischen les Brenets und Landeron von 5sz Stunden und die größte Breite vom Doubs an der Berner Gränze bis Vaumarcus am Neuenburgersee von 62/z Stunden. Die Gränzen find im N. Frankreich und der Kanton Bern, im O. derselbe, im S- der Neuenburgersee und der Kanton Waadt und im W. derselbe und Frankreich. Areal und Bevölkerung : auf 13 , 7 z IHM- leben 58,616 Ew.. folglich auf 1 mM. beinahe 4,263 Seelen. Klima: im Jura sehr rauh, aber gesund; an feinem Fuße, an den Seen von Viel und Neuenburg, ist es milde und dem Weinbau günstig. Natürliche Beschaffenheit der Oberfläche: Ganz im Jura und an seinem Terrassenabhang gelegen, ist der Kanton gebirgig und nur an den beiden Seen und an der Zieh! Hügelland und eben. Ueber das geognostische Verhältniß des Jura s. die Einleitung. Gewässer. Seen: der Neuenburger- und Bielersee (s. die Eilst.). Der Loclat- und Etaliöressee. jener bei St. Blaise, dieser bei la Brevine find unbedeutend. Flüsse, Bäche: derDoubsss. Eiist.). — DieZihloderThielle, entspringt im K. Waadt, stießt bei Dverdvn als Orbe in den Neuenburgersee und verläßt ihn an seinem nördl. Ende schiffbar wieder; nach kurzem Laufe zwischen etwas sumpfigen Ufern, die Gränze zwischen Bern und Neuenburg bildend, mündet sie unterhalb der Brücke von St. Jean na den Bielersee; — der Seyen, ein Waldstrom, der im Sommer oft beinahe ganz vertrocknet, entspringt am südwestl. Fuße des Chasse- ral, bewässert das Ruzthal, in welchem er die.Sauge und den Torret aufnimmt, und wendet sich unter Valangin durch eine Schlucht gegen Neuenbmg. wo er in den See mündet; — die Reuse oder Arense entspringt bei St. Sulpice aus 5 Armen, und ist muthmaßlich der Abfluß des See's d'EtalidreS; sie nimmt in ihrem Laufe mehrere Bäche auf, bewässert das Traversthal und fällt unterhalb Boudry in den Reuenburgersee. Ihre Forellen sind sehr geschätzt. Boden und Produkte: jener zeigt sich sehr ungleich nach seiner Erhöhung. Der schmale Strich am Reuenburgersee, 4-500 Fuß über demselben, bringt Wein oft von vortrefflicher Qualität hervor; die Terrassen und Thäler 1,000—1,600 Fuß über dem See, bilden das Korn- land und die hohem Partien des Landes das Wald - und Weideland. Mineralreich: Eisenerz, Gyps, Braun- und Steinkohlen, goldhaltige Pyriten u. s. w. Pflanzenreich: Heil-und aromatische Kräuter zu Thee und Branntwein, bedeutende Waldungen und Torfmoore, Getreide nicht ganz zum Bedarf, gutes Obst und vorzüglicher Wein in der Seegegend, etwas Flachs und Hanf. Der Landbau hat besonders im Ruzthale in neuern Zeiten die größten Fortschritte gemacht. 3m Thierreich ist nichts Besonderes, obgleich die Viehzucht und Mästung bedeutend sind. Industrie und Handel: beide sind in blühendem Zustande und ausgedehnt; der letztere hat im Auslande große Etablissements in vielen bedeutenden Handelsplätzen. Uhrenfabrikation (jährlich werden 130,000 Uhren von Gold, Silber und Semilor, und 1,000 Pendulen gemacht, von 7—S00 Franken das Stück) und Arbeiten von Werkzeugen für diese (theils von der Hand, theils durch Maschinen, wie zu Fontainemelon), Spitzenklöppeln (6,000 Arbeiterinnen mit 1 Mill. Franken Verdienst, die Elle von 1 Batzen bis 68 Franken), mehrere Indiennefabriken und Druckereien, Fabrikation von gutem Papier, gebrannten Wassern, Gold-, Silber- und Luxuswaaren, mechanischen Instrumenten, Kalbleder. Die Ausfuhr besteht in diesen Fabrikaten, rohen Häuten, Käse, Wein (im Durchschnitt jährlich 3 Mill. Maas), Mastvieh und Spitzen. Die Einfuhr in Kvlonialwaaren, Reis, Oel, Tabak, Salz, Gold, Silber, Eisen, Stahl, Elfenbein, Tuch- und Seidenwaaren u. s. w., Schifffahrt, GüterversenLung, Fischerei. Eintheilung und Verfassung. Der Kanton besteht aus 21 Kastellaneien oder Meiereien, und ist feit z. November 1707 nach dem Erlöschen der frühern Dynastie (Haus Longueville) in seinem Verhältnisse zum Königreich Preußen ein Für- stenthum, dessen politische Verhältnisse durch dir Konstitution pom.i4. 309 Zu», 1814 und Lurch dir königliche Deklaration von, 3. Sept. 1831 (hienach wörtlich folgend) auf nachstehende Weise festgesetzt sind: "Das souveräne Fürstenthum Neuenburg verbleibt unter der unmittelbaren Herrschaft der Könige von Preußen. Es ist unveräußerlich und untheil- bar. Die freie Uebung dcr protestantische» und der römisch-katholischen Religion ist unter dem Vorbehalte Unseres Oberausstchtsrechts gesichert. Der Kult der erstern steht unter der Synode, der der letzter» unter dem Bischof von Lausanne. Alle Staatsbürger und Einwohner haben die Befugniß, das Fürstenthum zu verlassen und in die Kriegsdienste einer fremden Macht zu treten, außer dem Falle, daß diese mit Uns in der Eigenschaft als Fürst von Neuenburg im Kriege begriffen ist. Die Rückkehr bleibt ihnen zu allen Zeilen offen. Ein Werbbüreau kann ohne Genehmigung des Fürsten nicht errichtet werden. Niemand, der nicht geborner Staatsbürger oder ansäßig ist im Fürstenthum, kann ein bürgerliches oder militärisches Amt bekleiden; ausgenommen hieven ist einzig dcr Gouverneur. Ausgeschlossen von öffentlichen Aemtern sind ferner diejenigen Staatsbürger, welche in Amt und Auftrag eines andern Fürsten oder einer andern Macht stehen. Die Besiallungsbriefe der Staatsbeamten, der Richte,- und der Notare werden anssprechen, daß sie im Amte bleiben, so lange sie sich würdig betragen, daß sie desselben nicht entsetzt werden dürfen ohne eines Verbrechens, der Pflichtvergessenheit, des schlechten Lebenswandels oder der geistigen Unfähigkeit förmlich überwiesen zu sein. Ausnahmen und Abänderungen dieser Regel für den Militärdienst, so weit sie der Bund mit der Eidgenossenschaft erheischt, sind vorbehalten. Freiheit des Verkehrs nach innen und außen, so weit sie nicht durch die Gesetze der Genossenschaft beschränkt wird, ist zugesichert; doch behält sich der Fürst die Befugniß bevor, den Verkauf von Gegenständen polizeilich zu ordnen, welche die öffentliche Sicherheit gefährden könnten, und in Fällen, wo Las allgemeine Beste es erfordert, die Ausfuhr der ersten Lebensmittel zu verbieten. Das Recht des Fürsten, sich in jeder Versammlung einer Körperschaft vertreten zu lassen, wird erneuert. Kein Staatsbürger oder Einwohner kann in das Gefängniß geworfen werden in Neuenburg, ohne eine Sentenz der vier Minister, in den übrigen Gerichtssprengeln ohne eine solche von wenigstens 5 Gliedern des Gerichtshofs, in dessen Bezirk das Verbrechen begangen worden. Bei frischer That oder dringendem Verdacht darf sich die Verhaftnahme nicht über dreimal 24 Stunden erstrecken, nach deren Umfluß der Verhaftete entweder freizulassen, oder, wenn der Gerichtshof seinen Leibhaft erkennt hat, in das Gefängniß zu führen ist. Die Güter eines Verhafteten können vor gefälltem Urtheil weder confiszirt Z10 noch sequestrirt werde». Ohne Gesetz kann weder eine Taxe noch eine Anfinge irgend einer Art erhoben werden. Alle Einwohner sind von ihrem I8ten bis zu ihrem übten Lebensjahre zum Waffendienst verpflichtet ; Loch können sie nur zur Handhabung der öffentlichen Ordnung, zur Vertheidigung des Vaterlandes und zur Erfüllung der Bundesverträge mit der Schweiz verwendet werden. Der Fürst führt ausschließlich die Aufsicht über das Militärwesen, und ordnet dessen Dienst und Verfassung unter Beobachtung der Verhältnisse, in welchen das Fürstenthum zu der Eidgenossenschaft steht. Der König erneuert sein Recht, ein Bataillon Truppen, 400 Mann stark, mittelst einer Kapitulation mit dem Fürstenthume, in seinen Sold zu nehmen, welche einen Theil der königlichen Garde ausmachen, und derselben Vergünstigungen genießen; der Staatsrath schlägt ihre Offiziere vor; den Kommandanten ernennt der Fürst ohne Vorschlag. Liegendes und bewegliches Eigenthum ist unantastbar, den Fall des Bedürfnisses für das allgemeine Wohl ausgenommen, wo die Entschädigung in Versagung des Uebereinkommens durch den Richter bestimmt wird. Endlich um Unsern getreuen Unterthanen einen neuen Beweis Unserer Fürsorge und Zuneigung zu geben, haben Wir beschlossen, die Generalaudienze» als gesetzgebende Versammlung und Rationalrath wieder herzustellen. Die gesetzgebende Versammlung, welche zugleich den Nativnalrath bildet, besteht aus 10 von Uns auf die Dauer von 6 Jahren ernannten und wieder ernennbaren Abgeordneten, und ferner aus Abgeordneten, welche das Volk unmittelbar und zwar in dem Verhältniß erwählt, daß auf 500 Seelen der staatsbürgerlichen Bevölkerung » Abgeordneter kommt. Diese Abgeordneten bleiben 6 Jahre im Amte, treten von 2 zu 2 Jahren zu einem Drittheile aus und sind wieder wählbar. Jeder Staatsbürger hat nach zurückgelegtem 22sten Altersjahre das Recht, in der Wahlversammlung des Bezirks, in dem er ansäßig ist, zu stimmen, wenn er nickt mit einer entehrenden Strafe belegt, nicht aus einer öffentlichen Kasse unterstützt worden ist und wenn er nicht fallirt hat. Wählbar ist jeder, der stimmfähig, außerdem noch geborener Staatsbürger, Mitglied einer Körperschaft oder Gemeinde und im Besitze eines liegenden Guts von wenigstens 1,000 Fr. werth ist und das 25ste Jahr zurückgelegt hat. Die gesetzgebende Versammlung hat das Recht, auf dem Wege der Petition oder der Einsprache Alles das vor den Fürsten zu bringen, was ihr die Wohlfahrt des Staats zu befördern dünkt. Sie ist befugt, selbst in Gesetzen, welche die Verwaltung betreffen, die Initiative zu ergreifen. Kein Gesetz kann ohne die Zustimmung der gesetzgebenden Versammlung gegeben, abgeändert, aufgehoben werden. 31t Die Abstimmung hierüber kann nicht vor 6 Monaten von der Vorlage des Gesetzesentwurfs an Statt haben. Kein Gesetz, das nicht ^ der Stimmen auf sich vereinigt, kann Uns zur Sanktion vorgelegt werden. Jede Einsprache oder Vorstellung, die von ^ der Stimme» unterstützt ist, ist Uns mit Für - und Gegengründen vorzulegen, damit Wir das Bessere vorkehren mögen. Kein Beschluß der gesetzgebenden Versammlung erhalt vor seiner Sanktion und Promulgation durch Uns verbindende Kraft. Ausgenommen sind die Beschlüsse, welche sich auf Erfüllung der Verbindlichkeiten gegen die Eidgenossenschaft beziehen. Alle Angelegenheiten, in welchen Neuenburg eine Stimme bei der Tagsatzung abzugeben hat, sind künftig der Vvrberathung der gesetzgebenden Versammlung zu unterlegen, und die Instruktionen, welche der Staatsrath den Gesandten ertheilt, müssen mit dem Ergebniß jener Berathung übereinstimmen. In der Zeit, welche zwischen dem Schlüsse der Tagsatzung und der folgenden liegt, fällt die Leitung der eidgenössischen Angelegenheiten dem Staatsrathe anheim, doch muß er in alle» Fällen, welche einen Staatsaufwand oder Veränderungen in der Gesetzgebung herbeizuführen vermögen, so wie die politischen Fragen, die mittelbar oder unmittelbar die Ehre und die gemeinsamen Interessen der Schweiz berühren, die gesetzgebende Versammlung einberufen und berathen. Der Tagsatzungsabschied ist in der ersten Sitzung, welche auf dessen Druck folgt, der gesetzgebenden Versammlung vorzulegen. Die Tagsatzungs- gesandten wählt die gesetzgebende Versammlung, doch muß der Stimm- führer nothwendig aus dem Staatsrathe genommen werden. Der Präsident des Staatsraths beruft die gesetzgebende Versammlung zusammen nach seinem Befinden, jedenfalls aber innert eines Jahres; er eröffnet die Versammlung und erklärt sie für geschlossen. Den Präsidenten der Versammlung ernennt der Staatsrath aus einem dreifachen Vorschlage, 2 Vicepräsidenten und 3 Sekretäre ernennt die Versammlung. Ihre Verhandlungen macht sie durch den Druck bekannt... Der Fürst, welcher den HuldigungSeid empfängt, nachdem er zuvor beschworen, die Freiheiten, Rechte und Gewohnheiten des Landes zu ehren, übt die vollziehende und richterliche Gewalt, ernennt zu seinem Stellvertreter den Gouverneur und Staatsrath (8 Mitglieder), alle Kastellane und Maires, Oberstlieutenants, Majors rc. — Die 2l Gerichtshöfe sprechen in gewöhnlichen bürgerlichen Rechtsfällen, und 9 derselben in Kriminalfällen in erster und letzter Instanz; wichtige bürgerliche Rechtsfälle werden an die obersten Gerichtshöfe zu Neuenburg und Valangin appellirk, Kriminalurtheile kann der Staatsrath mildern; Strafurtheile, welche eins Freiheitsstrafe von 4 Jahren und 312 darüber aussxrechen, müssen dem Könige zur Bestätigung vorgelegt werden. Die Finanzen sind geordnet und die Einnahmen übersteigen immer die Ausgaben. Es bestehen keine direkten Abgaben. Ortsbeschreibung. ^uverniei-, Dorf, schon an einer Bucht des Neuenburgersees gelegen. 1 St. von Neuenburg auf der Str. nach Vverckon; der beste weiße Wein des Kantons. «evaix, Pfdf., 2)4 St. von l>eueb»tel, auf der Str. nach ^ror-Ion: schönes weinreiches Gelände, hübsche Landhäuser und ein ehemaliges Priorati «ieä, schönes Landhaus, am Neuenburgersee, große Kattundruckerei. UI»ise, 8t., Pfdf.. 1 St. von lXeucli-ttei, am See. auf der Str. nach Bern, zwischen Weinbergen, Matten und Feldern, theilweise auf einem aussichtsreichen Hügel gelegen; vorzüglicher weißer Wein; große Kattundruckerei; einige gute Erziehungsanstalten für Knaben und Mädchen. In der Nähe liegen der kleine und tiefe Lvclatsee; am Abhänge des (g,Mi»>»nt die Reste des Prämonstratenserklosters I^ontAlzie-^nilrö; weiter unten die Dörfer Ulauterive und la Donäre mit herrlicher Aussicht und vorzüglichem Wein. Nördl. das enge Thal Enge oder Mauleselstraße, worin man eine große Menge eiserner Mauleselschuhe fand. Ikviickrx, Kastellanei und kl. Stadt an einer Anhöhe, von der forellen- reichen Reuse bespült. 2 St. von Neuenburg an der Str. nach Heräan, mit den bedeutenden Fabriken von kr->n,lell-»»i,s und -»>x Isles; Wein-, Getreide- und Wiesenreiche Gegend; vortrefflicher rother Wein hier und im benachbarten Hois-Itoäs. Itreilets, »IIX, Pfdf., in einem Paralleltbale des Jura, 1 St. von Lvcle^ nahe bei dem Doubs, der hier die Gränze gegen Frankreich und einen schönen, 80 Fuß hohen Fall, >1» voul>s, macht, bei welchem 12 Mühlen und ein Hammerwerk liegen. Viehzucht; Uhren» und Spitzenfabrikation. vreviao, I», zerstreute Pfarrgemeinde im höchsten Bergthals des Kantons, rauh und beinahe baumlos; die Kälte steigt in manchen Wintern auf 28 — 30° R. Guter Käse, starke Viehzucht, Uhrenfabri- kativn, Schwefelbad, Torflager. Der n ü'kltaliei-es fließt durch Klüfte ab und bildet wahrscheinlich die Quelle der Reuse; in diesen Klüften sind unterirdische Mühlen angebracht. Die Braunkohlen, 815 welche man in der Gegend gräbt, kommen von jenen Wäldern her. die das große Erdbeben am 18. Sept. 1356 verschüttete. «u«es, Dorf. am Buttesbache, im obern Theile des Traversthales, das hier sehr eng und von steilen Felsen eingeschlossen ist. Uhken- fabrikation; i Zollstätte und die Ruinen des Schlosses Rousstllon. cüt»ux-,le.t'»ntel nach l?ont»rller, welche an fast senkrechten Wänden über dem Abgrund der Reuse angebracht ist. tlolomüier, Pfdf., 1 /g St. von ReuellLtel auf der Straße nach Vv>-r- «loir, reizend auf einer Anhöhe nahe dem Neuenburgersee gelegen. Altes Dchloß. 6art»iUoä, Groß- und Klein-, jenes Pfdf., dieses Dorf, an einer Anhöhe am Neuenburgersee; starker Gemüse-, Obst- und Weinbau; der rothe Wein ist vorzüglich; große Kattundruckerei und sonstige Gewerbsthätigkeit. 6üte aux rees, Kirchgemeinde an der franz. Gränze. Viehzucht; in der Nähe des Pfarrortes sind viele Grotten und Tropfsteinhöhlen, unter denen der Feentempel für die schönste Höhle in der Schweiz gilt; ihr Eingang ist beschwerlich an einem ziemlich steilen Abhänge nahe den Sennhütten vouriuliis; sie ist 200 F. lang, io — 30 Fuß hoch und gewährt eine Aussicht auf das Thal von 8t. Oolx im Kanton Waadt. Lvuvitt, Pfdf., in der reizendsten Gegend des TraversthalS, am Bache Sucre, auf der Straße von NeueLste! nach k«»t»rller. Sitz des Handels und der Fabrikation von Spitzen; in der Gegend sind Eisenminen. Oberhalb liegt zwischen zwei Felsen, gleichsam über einem Abgrunde schwebend, die künstlich angelegte Getreide- und Sägemühle Mloulin >Ie l» Koeüo. 6i'es5iei>, Pfdf., auf der Straße von tXeuelr-ttel nach L-u,e-6ir»rEt, beim Hause lieltevLux rc. kocllekort, Dorf, 1 St. von Neuchatel auf der Straße nach Pontar- lier, die hier am koe durch ein Deßlee in's Traversthal führt. In der Nähe eine Pulvermühle. Vsit cke, Rudolphsthal, i St. br. und St. l. Längen- thal des Jura, vom Seyon Lurchflosssn, öffnet sich unterhalb Valan- gin durch eine Schlucht, worin viele Versteinerungen vorkommen. Vortreffliche Landwirthschaft in diesem von 23 Dörfern gleichsam be- deckten Thale; Jndiennefabriken. Spitzenklöppeln, Strumpfweben, Fabrikation hölzerner Uhren und Uhrenmacherwerkzeug. Mineralquelle bei Cernier; bei Villiers, wo die Quellen des Seyen, Spuren eines röm. Weges; oberhalb St. Martin ist eine tiefe Höhle und im O. der Pflanzenreiche äloux ,1» l>t S-gn«, I», zerstreutes Pfdf. im O. von Locle, in einem 4 St. langen, auf seinen Höhen bewaldeten Längenthale des Jura; gute Weiden, daher Viehzucht; Fabrikation von Uhren und Spitzen. Von hier aus verbreitete D. I. Richard die Uhrenfabrikation über den ganzen Kanton. Der südwestl. Theil des Thales heißt les I>vi»ts mit dem Dorfe gl. N. mitten auf einem Torfmoore, mit 3 Mineralquellen, wovon eine schwefel- die beiden andern eisenhaltig sind; man trinkt und badet und holt das io Min. entfernte Schwefelwaffer in die für Badgäste eingerichtete Wirths- und Privathäuser. Serrlere, Pfdf., in einem tiefen Schlunde des Baches gl. N. am Neuenburgersee, nahe bei Neuchatel; besteht ganz aus Fabrikgebäuden, Eisen- und Kupferhämmern, Drahtzügen, Papier- und andere Mühlen; sehenswerth ist die Quelle dieses Baches in dieser Felsenschlucht, der gleich darauf einen Wasserfall bildet und jene Werke treibt, und die auf einem 90 Fuß hohen Bogen ruhende Brücke. Auf weinreicher Anhöhe liegt das aussichtsreiche Schloß Iie»urex»r<1. 8„Ixiee, 8t., Pfdf., im wilden und engen Thal gl. N. von Felsen umgeben, 6/2 St. von Neuchatel, auf der seit kurzem hier prachtvoll angelegten Straße nach Pvntarlier, die durch den Felsenpaß l» 6Iraine führt, wo die fünfarmige wasserreiche Reuse hervorströmt, und bald darauf Papier- und Oelmühlen, Eisenhammer u. s. w. treibt. Viele Versteinerungen. TKieUe, kont cle, Bogen-Brücke über die Thielle, welche hier den Neuenburgersee verläßt, 2 Stunden von Neuchatel auf der Straße nach Bern; Zollhaus; altes Schloß (Gefängniß.) Kraters, v»l-, Thal und Kastellanei von 4 Kirchspielen mit clre» 6,000 Ew., worünter 1,136 Spitzenklöpplerinnen, 170 Uhren- und 209 Jn- strumentenmacher. Man sammelt medizinische Kräuter und fabrizirt Wermuthgeist, wovon jährlich 130,000 Flaschen ausgeführt werden. Starke Vieh- und beträchtliche Bienenzucht. Das Pfarrdorf gl. N. liegt an der Reuse und der Straße nach Pontarlier; Schloß; Landbau; Uhrenmacherei und Kunstarbeiten. — Unter dem Walde Croir ein Felsen von Rogensiein, von Erdharz durchdrungen, das sich im Thale häufig findet, und hier 9 — 10 F. mächtig ausgebeutet wird. 317 V-U«ux>„, V»IIe»giu, Mktfl., am r. u. des Seyen, 1 St. von Neuchatel, in wilder Lage. Altes festes Schloß auf einem Felsen am Seyon. Die größte Bürgerschaft im Kanton. In der Nähe die bedeutende Jndienne-Fabrik »»--«»räerie. Jahrmärkte. Wirthshaus: Kreuz (Härdi). v-iumareus, Dorf, am Neuenburgersee, 4 St. von Neuchatel an der Straße nach Dverdon; auf einer Anhöhe liegt das aussichtsreiche Schloß mit schönen Gartenanlagen. Verrieres, les, Pfdf.. 7)4 St. von Neuchatel, auf der Straße nach Pontarlier, in einem engen und bewaldeten Thals an der französ. Gränze. Große Wohlhabenheit; Viehzucht; Fabrikation in Uhren, Eisen und Spitzen. Starker Transit. Die Käse dieser Gegend kommen den Greyerzern nahe. Kanton Gent. Freistaat mit repräsentativer Verfassung, seit 1814 ein Stand der Eidgenossenschaft. Lage, Gränzen: zwischen 3° 28' 30" und 305 g- §. und 46° S' — 46° 20- Br. gelegen, ist die größte Länge des Kantons fast 5 und die größte Breite fast 4 St.; im N. machen Frankreich und der K. Waadt, im O. der Genfersee und Savoyen, im S- Savoyen und im W. Frankreich die Gränzen. Areal und Bevölkerung: auf 4,ji m M. leben 58,666 Seelen, daher auf 1 sü M. I 3 , 2 l 3 Seelen. Klima: ist kälter, als das um mehr als 2)4 Grad weiter nördl. gelegene Paris, wegen der höher» Lage und der nahen Schneeberge; die größte Hitze steigt auf 26° und die größte Kälte auf 14° (im Januar 1838 20 °); im Ganzen gesund. Natürliche Beschaffenheit der Oberfläche: der Kanton liegt im südwestl. Theile des mittlern Rhone-Bassins, das zwischen dem Jura, Jorat, den Kalkalxen Savoyens und dem Berge Sion eingeschlossen, ein schönes 6 — 7 St. breites und bis zum großen Rhone- Lurchbruch 18 St. langes Thal bildet, das der Sandsteinformativn angehört, und ein Hügelland bildet. — Der Durchbruch der Rhone zwischen Jura und Dvuache beträgt in der Höhe einige Klafter, in der Tiefe, dem Bett der Rhone 15 — 36 Fuß Breite. Gewässer. Seen: der Genferses (s. Eint.). 2) Flüsse: die Rhone (s. Eint.) mit der Arve; diese entspringt am Col de Bal- me, durchstießt das Thal von Chamvuny und vereinigt sich mit der Rhone unterhalb Genf; sie nimmt während ihres Laufes folgende Gewässer auf: den Arveiron, die Dioza, die Giffre, die Menoge, den Faron, den Nant-Bonnant, die SallencheS; ferner die Bäche der Thäler von Reposoir, Bvrnand rc., lÄire. Die Rhone nimmt einige kl. Bäche auf, worunter der Landon der beträchtlichste ist. In den Gen- sersee fließen im K. nur die Braille, der Vengeron und die Hermance. Boden und Produkte: jener ist fruchtbar, obgleich oft steinig; Getreidefelder und Wiesen, Weinhügel, Obst und Gemüsegärten wechseln vortheilhaft miteinander ab; am weitesten ist der Gartenbau gediehen. Mangel an Holz und Mineralien. Industrie und Handel: der Kunstfleiß der thätigen und unterrichteten Einwohner, verbunden mit einem ausgebreiteten Handel, haben einen hohen Grad von Wohlstand erzeugt, der Hauptsitz von beiden ist die Hauptstadt; man fabrizirt Uhren, Gold-, Silber- und andere Metallwaaren, wollene-, baumwollene- und seidene Zeuge, Tücher, Hüte, Lederarbeiten, auch gibt es mehrere Buchdruckereien, Färbereien, Jndiennedruckereien, 1 mechanische Baumwollenspinnerei (Ca- rouge) u. s. w.; die feinere Uhrmacherei und Bijouteriefabrikation hat gegen 60, die der Uhrgehäuse mehr als 80 Werkstätten. Auch der Transit ist äußerst lebhaft, sowohl zu Wasser und zu Land, und dürfte sich die Echiffbarmachung der Rhone, und durch Verbindung des Genfer- mit dem Neuenburgersee (gegenwärtig im Projekte) noch mehr heben. Die Ausfuhr besteht in den Erzeugnissen dieser Industrie und überwiegt die Einfuhr, welche hauptsächlich in den rohen Stoffen jener Fabrikation: Gold. Silber, Metallen, Glas, Seide, Baumwolle, Wolle, Elfenbein, Edelstein, -- und in Luxus- und Quincailleriewaa- ren, Getreide, Holz, Wein. Oel, Reis, Kolonialwaaren, Vieh, Käse u. s. w. besteht. Eintheilung und Verfassung: der Kanton besteht ausS'Meie- reien oder Gemeinden. Es gelten keine Vorzüge der Geburt und des Ortes oder einzelner Familien; alle Bürger genießen gleiche politische Rechte. Die höchste und gesetzgebende Gewalt geht vom Repräsen tantenrathe aus, dessen Mitglieder unverheirathet wenigstens 30, und verheirathet 27 Jahre alt sein müssen. Er wird gewählr durch alle Bürger, welche jährlich 25 Gulden direkte Steuern oder 350 Gulden Hauszins zahlen, und besteht aus 250 Mitgliedern, welche von dem Staatsrathe von 28 Mitgliedern xräsidirt, auf 278 Köpfe anwachsen. 61 !) Jährlich treten 30 derselben aus und sind erst »ach iJahr wieder wähl- bar; es dürfen von den gleichen Geschlechtsnamen und derselben Familie nicht mehr als 5 darin sitzen. Die 4 Syndiks des Staatsrathes führen abwechselnd den Vorsitz, sie haben auch die Initiative zu Gesetze». Der Nepräsentantenrath beschließt über Abgaben, er kann sie ver ändern oder aufheben; er entscheidet über alle außerordentlichen Ausgaben über 6,500 Fr.; genehmigt, verändert oder verwirft Verträge und Kapitulationen, welche ihm vvm Staatsrathe vorgelegt werden, und nur er allein kann Staatsämter, Tribunale und andere Steilen, welche der Verfassung nicht zuwider sind, errichten; er verfügt über die Münze, das Militär, das Festungswesen. Regelmäßig versammelt er sich am ersten Montage im Mai und Dezember, in Sitzungen von 3 Wochen, wenn sie nicht vom Staatsrathe verlängert werden, der ihn auch außerordentlich versammeln kann. Ausgeschlossen vvm Repräsentantenrathe sind Dienstboten, Verrufene, Bevormundete, Failiten, Entehrte, Personen, welche das Wahlrecht durch gerichtliches Urtheil verloren, Almosen genießen oder genossen haben und Liese nicht zurückerstatteten. Die höchste VollziehungS- und Administrativ-Behvrde ist der Staats - rath von 28 Mitglieder», welche über 35 Jahr alt sein müssen; darunter sind die 4 Syndiks, der Statthalter, der Säckelmeister und zwei Staatssekretäre, welche berathende Stimme haben, und die 5 Staatsräthe im Ober- und Civilgerichte, Nicht mehr als zwei Personen von einer Familie und gleichen Geschlechtsnamen dürfen darin sitzen, eben so wenig Vater und Sohn, Schwiegervater und Tochtermann; die Funktionen sind die des Regierungsraths anderer Kantone. Die Mitglieder des Staatsrathes unterliegen nur dem Grabeau, d. h. der Ausstoßung durch den Repräsentantenrath, bei welchem deßhalb jährlich der Staatsrath darum anfragen muß, und die Absetzung eines Mitgliedes erfolgt, wenn in geheimer Abstimmung 126 Stimmen dafür entscheiden ; Syndiks, Statthalter, Säckelmeister und die Mitglieder des Civil- und Obergerichts sind vom Grabeau ausgenommen. Dem Staatsrathe werden 6Kommissarien für geheime Ausgaben beigeordnet. Der Staatsrath ernennt eine von ihm beaufsichtigte Rechnungskammer, welche sich unter selbstgewählten Adjunkten (die nur auf Befragen berathende Stimme haben) Hülfe verschaffen kann und den Munizipalrath bildet; sie muß aus i Syndik, 3 Staatskäthen und 3 Deputirten des Reprä- fentantenrathes bestehen, denen der Staatsrath noch 4 Munizipalräthe beiordnet, welche Stimmrecht haben und wenigstens 27 Jahr alt sein müssen. Diese Kammer entscheidet über Verwaltungsstreitfälle unter Vorbehalt der Slppellation an den Staatsrath, der in letzter Instanz, 820 ohne mündlichen Vertrag der Parteien, über Gegenstände unter dem Werthe von 1000 Frk. spricht (darüber kann der Kläger an den obersten Gerichtshof Rekurs nehmen). Der Staatsrath kann Verhaftungen vornehmen, allein er muß binnen 24 Stunden den Verhafteten den kompetenten Gerichten übergebe». Jeder Slaatsrath hat 650 und jeder Syndik 1,300 Frk. Gehalt. Die Syndiks werden auf 1 Jahr, die Staatsräthe auf 8 Jahre gewählt. Das Audienztribunal aus einem für 1 Jahr ernannten Statthalter, 6 Auditoren und 2 Sekretären bestehend, ist unter Oberaufsicht des Staatsrathes mit der Polizei beauftragt, hat Las Recht zu verhaften und die Civil- und Zuchtpvlizei-Gerichtsbarkeit in erster und letzter Instanz; auch hat jeder Bezirk einen Gerichtsverwalter für 4 Jahre erwählt, welcher die administrativen Geschäfte besorgt und Richter in Civil- und Zuchtxvlizeisachen ist. Das Civilgerich t besteht aus 7 Gliedern, dessen Präsident und erster Richter aus dem Staatsrathe gewählt werden. Diese Steilen sind lebenslänglich; es urtheilt in bürgerlichen Nechtsfällcn als letzte Instanz über diejenigen Nechtsfälle, welche in erster Instanz das Audienzgericht und die Gerichtsverwalter entschei- den; auch ist es zuchtpolizeilicher Richter für die Republik, mit Ausnahme der dem Audienzgerichte und den Gerichtsverwaltern angewiesenen Kompetenz; von seine» Urtheilen findet zwar Appellation Statt, sie hat aber keine Suspensivwirkung. Das Obergericht besteht aus einem Civil- und einem Kriminalpräsidenten, 8 Richtern und ü Suppleanten; es spricht in Civilsachen in höchster Instanz über erstinstanzliche Urtheile des Civil- und Handelsgerichts , — über zuchtpolizeiliche Sachen in Appellationsfällen vom Civil- und Audienzgerichte, entscheidet mit souveräner Gewalt in allen höher« Criminalfällen mit Vorbehalt des gesetzlichen Rekurses. Das Rekursgericht wird aus 1 Syndik, 6 Staatsräthen, den beiden ersten Gliedern des Audienz- und Handelsgerichts und aus 24 Mitgliedern des Repräsentantenrathes gebildet; es entscheidet über Rekurse gegen Urtheile oder über Begnadigungsrekurse von Urtheilen, welche Leibes- und entehrende Strafen betreffen, wobei Liese nicht geschärft werden dürfen, und über Ungültigkeit in der Prozedur. Der Staatsprokurator, aus dem Repräsentantenrathe gewählt, tragt Sorge für das Vermögen der Minderjährigen und für die Sicherheit des Staatseigenthums, Gemeinwesens und versieht das Amt des öffentlichen Anklägers. Der Kriegsrath steht unter dem Staatsrathe; das Audienzgericht von i Civil- und i Polizeilieutenant und 12 .Richtern und das Handelsgericht u. s. w. Die reformirte Geistlich- 821 kett steht unter einer Synode, welche die Aufsicht über den Kultus führt, — der katholische Klerus unter dem Bischöfe von Lausanne; sämmtliche katholische Pfarrer (21) werden von der Regierung ernannt und stehen zunächst unter 3 Archipresbytern (Genf, Carouge, Chene). Die Finanzen sind musterhaft geordnet: die Einnahmen bestehen hauptsächlich im Salzregal, in Zöllen, Briefpostpacht, Enregistrement, Grund-, Personen- und Vermögensteuer, Thorsperre, Dienstbotenabgaben, Gewerbseinschreibgebühr, Billard- und Wagentaxe u. s. w. und betrugen im Jahr 1835: i,003,48i/, fr. Frk. und die Ausgaben: 947,000 Fr. Ortsbeschreibung. «essiai-vs, Dorf, I St. von Genf, auf der Str. ins Wallis; auf einem Hügel bei dem in alterthümlichem Geschmacke erbauten Thurme Belvedere eine schöne Aussicht auf den See, Montblanc u. s. w. Schönes Landhaus. offene kl. Stadt von mehr als 4,000 Cw., St. von Genf am l. U. der Arve, welche gleich unterhalb die Aire aufnimmt, und über welche eine schöne massive Brücke von 220 Fuß Länge und eine hölzerne Brücke für Fußgänger führen. Große Baumwollenspinnerei, mehrere Gerbereien und eine gute Töpferwerkstätte; Bäder; römische Inschrift an der kathol. Kirche. Mehrere gute Wirths- und Kaffeehäuser. , Landgut und landwirthschaftliche Armenschule nach dem Muster der von Hofwyl, östlich von Genf, zwischen den Dörfern Puplinge und Presinge. Pfdf., am l. U. der Rhone, deren Bett von 255 F. hohen Felsen verengt wird, westl. von Genf; vortreffliche Krebse und in der Nähe die Burgtrümmer von St. Viktor. Schönes Landhaus. Dollonge-Velieitve, Pfdf., nvrdöstl. von Genf, zur Linken der gr. Straße in's Wallis; fruchtbare und reizende Landschaft; Weinberge. Nahebei am Genfersee liegt im Dorfe vellerive ein Schloß auf den Trümmern eines Nonnenklosters. Dotognx, Pfdf., e/b St. nvrdöstl. von Genf, an der gr. Str. in's Wallis, auf einer Anhöhe mit mehrern Landhäusern und schöner Aussicht. rü-uix-Vlves, Gemeinde, nahe bei Genf am See, auf der gr. Str. in's Wallis; dazu gehören die Häusergruppen pre - l'Lvegue, I» 1>rr»,- «isre, N»I->§nr,xi«tle°s, — Gemäldesammlungen verschiedener Privaten, - der neue botanische Garten auf der bürgerlichen Bastion. — Mehrere Ateliers von Künstlern in Malerei, Bildhauerei, Wachs, Kupferstechern; Buchdruckereien, Buch- und Kunsthandlungen. — Nicht nur in Kunst und Wissenschaft behauptet Genf einen ausgezeichneten Rang, sondern auch in Industrie; gegen 3,000 Menschen beschäftigen sich mit der Fabrikation von Uhren und mit Goldarbeiten und Kleinodien; beträchtlich sind die Indiennedruckereien und Fabriken, Gerbereien, Feilen-, Hut- und Schuhfabriken, t Tuchfabrik, i Fabrik seidener und wollener Shawls, 1 Sammtfabrik; außerdem gibt es II große Uhren- und Schmuckhandlungen, 20 Banquiers, I!) Kommissionärs. Der Handel ist blühend und ausgedehnt, wozu die Vereinigung vieler großen Straßen und die Lage an den Gränzen von Frankreich und Savvyen sehr günstig sind. — Schon früh war Genf der Sitz großer Gelehrten, und die berühmtesten Namen glänzten dort. — Cäsar gedenkt bereits Genfs, wo er einen Waffenplatz errichtete; später hatte es in den stürmisch bewegten Zeiten manches Ungemach zu erdulden; noch am 15. April 1798 spielten es französische Intriguen den französischen Truppen in die Hände, und sein Wohlstand nahm ab, bis es 1815 eidgenössischer Kanton wurde. Gasthäuser, Pensionen, schöne Standpunkte in und außer der Stadt, und Gelegenheit zu Exkursionen gibt eS in mannichfaltigen Nüancen. Ocntlxxl, Pfdf., am Genfersee, 1 ^ St. von Genf, an der großen Straße nach Lausanne; mehrere hübsche Landsitze; guter rother Wein. .7U8SZ- l'Lvcguc, Pfdf., 2 St. östl. von Genf, unfern «om Foron- bach, in wasserarmer, aber waldiger Gegend; Ruinen eines Schlosses der ehemaligen Bischöfe von Genf; nahe Las Schloß lc Drei mit lieblicher Aussicht. Meint, Pfdf., i2zSt. nvrdvstl. von Genf, beträchtliche Moräste, i» denen die Ruinen des alten, festen Jagdschlosses koillcliea» liege», nahe der Straße nach Uronan. s-xmnnex, kraixt-; Pfdf., 1'^St. im N. von Genf, an der Str. nach kex, auf einer Anhöhe, mit schönen Landhäusern (61,-Uva» «Iota Vexte), mit der schönsten Aussicht auf den Montblanc; nahe im S- kctU-8ac«nnex mit vielen Landhäusern und schönen Gartenanla- gen; vortreffliche Aussicht bei MorM»». 1 >»i»cx, Dorf. i St. südl. von Genf, auf einer Anhöhe mit einigen Landhäusern; fruchtbare Aecker. In der Nachbarschaft befindet sich Ä34 I» kilirre sur vAmes, ein 6 F. langer und 5 F. dicker Granitblock, auf der einen Seite abgeflacht und mit 4 halben menschlichen, sehr roh ausgehauenen Figuren bedeckt, wahrscheinlich ein alter Grabstein. Versoix, Mktfl., St. von Genf auf der Str. nach Lausanne; Hafen; lebhafter Waarentranspvrt; guter Landbau; orthopädisches In- stitut. In der Nähe das Dorf i» L-uie mit einer Papiermühle und den Ruinen eines Schlosses. Jnhalts-Verzeichniß ^ Allgemeiner Theil. Seite Lage der Schweiz.i Flächeninhalt.1 Bevölkerung.1 Synchronistische Tabellen . . 3 Statistische Bemerkungen . . l9 Abriß der Schweizergeschichte. 21 Bundesverhältniffe . ... 59 Allgemeine topographische, statistische und ethnographische Notizen ....... 53 Alpenkette.54 Alpenstraßen.59 Gletscher.62 Merkwürdige Erscheinungen in den Hochalpen.62 Seite Sonnen-Auf- und Niedergang in den Alpen.64 Juragebirg.65 Gewässer.65 Mineralquellen.75 Landeskultur und Fruchtbarkeit 75 Alpenwirthschaft, Hirtenleben, Viehzucht .78 Industrie.81 Maß und Gewicht .... 82 Bewohner, Religion, Sprache, Charakter, Lebensweise. . 87 Dampfschiffe.88 Gewöhnliche Schiffe. . . . 91 Wegweiser.95 ». Besonderer Theil. (Anmerkung. Da in jedem Kanton die verschiedenen Ortschaften in alphabetischer Ordnung aufgeführt find, so wird eine Wiederholung derselben für überflüssig erachtet und nur die Kantone in ihrer Rangordnung hier aufgeführt.) Seite Seite 1 Kanton Zürich . . . 117 IV Kanton Ury . . . 227 ii » Bern. . . . 145 V. -- Schwyz. . 243 in Luzern . . . 202 VI " Unterwaldeli . 259 Seite vn Kant. Glarus . . 272 vm » Zug. . . . 285 IX » Freiburg. . 29l X " Solothurn . 301 XI » Basel. . . 315 XU " Schaffhause N 341 XIII -> Appenzell . 350 XIV -- St. Gallen . 362 XV. Kant. Graubünden 387 XVI » Aargau . . 410 XVII " Thurgau. . 435 XVIII " Tessin. . . 45 l XIX -- Waadt. . . 470 XX " Wallis . . 488 XXI " Neuenburg. 507 XXII " Genf . . . 517 - Drurkfchlrr und tlerbk^erunWi. S. s. Z. 20. o. o. lies Taeitus statt Taritus. ,, 21. ig. v. o. lies 7 . November statt t 7 . Dezember. ,, 22. .. s. o. u. lies dirigircndcn statt Dirigiren als. 2Z. .. Z. o. u. lies iS 8 ö statt läZS. 28. .. ö. o. „. lies Attila statt Attika. ., äv. is. o. o. ist ganz wegznstrcichcn. ,, ai. 7 . o. u. stnd beizufügen die neuen Kantone: St. Gallen, Graubün den, Aargau, Thurgau, Tcsstn und Waadt. ,, ag. .. 2. o. u. in der Note lies Maßnahme, statt Machtnabmc. ,, St. ,, ,. o. o. lies Spanien statt Preußen. ,. su. ,. is. o. u. lies der Kalkmaffcn statt dic ic. ,, S7. ,. >7. v. o. lies des östlichsten Gletschers im Alpenlandc an statt des östlichen Gletschers im Alpenlandc, ., bt. ,, tg. o. o. Note. lies Mocsa statt Mors»^. 72 . ,, 7 . o. o. lies: den sie bei Thun tc. statt: den bei Thun. .. >». 8 . o-. »> muß der ganze Satz folgendermaßen lauten: Von Bern an, welches sie auf drei Seiten umschließt, nimmt ste bei Wylcr-OItingcn die Saanc auf und bildet die Insel, auf welcher Aarbcrg liegt, dann zieht ste in großen Krümmungen Solothurn zu und nimmt unter dieser Stadt die große Emme auf. .. 7S. ,, st. v. o. lies Seez statt Scer. ,, 7 ». ,, >g. v. u. lies merkwürdigen Fall stakt auffallenden Fußfall. 78 . ,, 6 . v. o. lies Davos statt DaroS. ., 7 g. ,, ig. v. o. lies Keepers statt Grcpcns. , 82. ,, g. v. o. lies Schafe, besonders Merinos, Schweine; statt Schafe, Schweine, besonders Merinos. lll Zum vierten Satz: Auch ist -c. ist zu bemerken, daß nur 12 Kantone das neue Maß und Gewicht angenommen, nicht die ganze Schweiz. ,, 8S. Z. tZ. v. u. lies-tt !-2 Batzen statt lll. ,, ist. ,, q. v. n. lies Batzen statt zs!^. ,, 8 b. ,, r. v. 0. lies s!^ Gulden statt ,, 8 y. ,, s. v. 0. lies sö statt zg. ,, yz. ,, 20. v. u. lies 1^10 statt l^j. ,, Y 8 . die Straße von Basel nach Lauffen geht über Reinach und nicht über St. Jakob. ,, ist. ebenso die Straße von da nach Pruntruk über Levoneourt und nickt über DelSbcrg. ,, gy. von Bern nach Lausanne ist es 17 St. nicht 7. ,, t>I. von Bern nach Nidau über Aarberg bei St. Niklaus. ., loa. von St. Gallen nach Wallcnstadt l 6 St. nicht 20. ,, 107. von Luzern nach Bern über Sumiswald ist rs 18 St. nicht g^> s.iog. Z. il. v. u. lies über Hauenstein tim Bad,) Kalt den unter« Haucoik. ,, lti. von Sitten nach Luzern ist es 41 St. nicht 4g. uz. von Zürich nach Thun ist es zo St. nicht Zö. ,, 114 . von Zug nach Lujcrn geht es nicht über den Aldis. ,, 1 ZZ. Z. 17. v. u. lies paritätisches statt gravitätisches. „»7. „ 4. v. o. lies Suig statt Sulz. ,, 171. ,, 4. v. u. lies 10 St. Länge und 4 St. Breite statt 10 St. Breite und 4 St. Länge. ,, 204. ,, s. v. o. lies Freiheiten statt Freiheit. ,, 221 . „ 14 . v. o. lies StraKbcrg statt Straßburg. ,, 22g. ,, 7 . v. o. und „ röl. ,, 7. v. o. lies Topfstein statt Tropfstein. LZ8. is. v. u. lies Rhinachtfclscn statt Thinacht. ,, 25ö. ,, ö. v. u. lies Abspiegelungen statt Abspielungcn. ,, 2 öS. „ ii. o. o. lies Gteincrberg statt Stcinenberg. Andere, minder bedeutende Druckfehler beliebe der Leser mit der Entfernung des Verfassers vom Druckorte zu entschuldigen. Tabellarische Darstellung der Entfernung der Hauptorte der Lantone der schweizerischen Eidsgcnossenschaft, in Schweizer-Stunde». Aarau. 25 9 41 15 18 Mors. Appenzell. 27 28 32 16 21 22 23 32 47 21 14 39 15 1V 11 23 10 9 22 27 26 22 32 55 12 25 43 26 28 10 37 10 24 38 5 26 8 27 11 15 32 Basel 49 39 17 45 68 16 50 52 26 46 29 15 89 22 35 27 -4 21 16 50 20 Bellen;. Bern. 39 23 24 46 39 30 34 18 24 29 18 43 26 13 26 31 19 16 49 27 55 35 47 32 59 33 47 40 27 48 30 49 33 37 47 30 6 29 36 37 17 52 54 17 10 21 29 24 23 7 19 38 22 24 Chur. Frauenseld. Freibmg. Genf. 28 53 76 15 22 63 31 32 29 53 33 33 61 25 42 31 18 24 23 36 6V 15 ^7 47 48 49 17 37 21 51 17 26 18 8 12 7 Anmerkung. E Die Schweizer-Stunde hat nooy L Schritte zu 2)4 Fuß- Fünf Schwei- ^ zer-Stunden machen ungefähr 6 deut- ^ x sche aus. Z INiovoooollvosS L.LLLLLLLLLLLV s o 24 42 65 43 66 12 58 60 23 7 27 35 26 29 13 25 28 30 Glarus. 13 61 13 52 38 66 22 51 Herisau. 17 43 18 5722 46 24 53 34 67 51 53 10 32 16 16 13 13 54 51 52 24 27 13 57 20 33 25 2 19 14 Lausanne. 56 61 33 14 38 50 19 40 21 36 54 38 40 Locarno. Lugano. Luzern. 36 62 37 50 37 31 3i 53 37 41 38 64 38 52 42 32 54 36 54 38 43 28 5 2V 35 ^7 17 3 24 10 Ncuenburg. Tarnen. Schaffhausen. 33 34 33 35 11 30 29 30 23 30 8 22 3 28 8 14 64 20 24 20 14 Sitten. 15 9 38 31 33 6V Schwyz. 39 46 23 6 22 6 10 Solothurn. 19 22 Stanz 18 19 25 6 11 St. Gallen 20 14 ZF. 6!3ürich. Erläuterung. Die Entfernung findet man sicher, wenn man auf folgende Weise verfährt: Appenzell von Zürich? — Der Finger der linken Hand gehe in der Colonne Appenzell abwärts; mit dem Finger der rechten Hand in der Colonne Zürich nach der linken Hand zu, wo dann die beiden Finger oder Colonnen zusammentreffen, ist die Entfernung von Zürich nach Appenzell, 16 St. So bei allen andern. 3300 3000 2300 2000 1500 1000 300 1V0 Itvxooi.v c^tie^ene /kö/re. — S-Eder vor;üblichsten 6ergcI-D über der Mecressläehe n»cü loisell. <—.—----.-—-> L is ?r - -- ! ^ Z> 8 n ^ Z ° Z s s s " o - Z ^ ? Z ü »S " tS L. »S ^ L« L or n D- s ? « § > L x-i- - !^ ^ °ZL « 8>° I ^ > O «-! . ^ n - Än - s ! ^ ' ff- L' > ^ /k ^ L> ^ ^ A r: § s F ' S ^-;- s' « »s >r-. . ^ r^ ts « ^ ^ ^ 2 : - ss > » /s> /^v ^ 8 k» " L. Hl Z »'? ^ > A x x L L " . j ^ Ä ! /s^ I V «! /b^8 8 Ä." ^ s ss Z L. Z ^ ? ^ 'A' ^ !5 »s Z-8L-Zsr v ^ ! > S' § s ? Z , is -.0 Z H. 5' « ^ l ^ v: »s ^7 L, /^^S8 ?- ^ ^ 8 « ^ >> /b /v L ^ ^ A /b« v 2 ü -s ^ /b/ - ^ ^ - ^ ^ 2 « r- s. s ' L" v- Z L ^ L ^ßß Ä ^ LL -. L. /f< ^ ^ ' ^ AA.- - «r S S A. x> ' ^ vZA > ^ -4 , S ^ ^ 2- L. w ^ ' !7< 8 S ! SSMZ-LE'^F^^ c» p' ^ N «> » °-- : > e» ^ Z " ! " Ä 2 M > »« ? Z " : »L s ^ ? »ee?" § 3000 2500 2000 1500 1000 - 300 ' ^ 5" «: s- § L ^ ^.' ZZ'^ r § ^ " sr ^ « Ä L« -A tS -S x» ^ H < L S ' S^ L00 LvcuvkvcLLLLl V0> SLVI. vvlv »l^8r, I7l S^SLl.. ,r77- l sibIiotkis mm > cr' WW! cxr —1 2. Z 3 >—» ci m co 2 Q. > M w "»k. - L--