“V*.. VSjil » . ■ - v ■S %Y •s? ,r.Cj MWL i:>*\ > 7 ^ fest -• ■. ■iT- V : v ;>■ ■ja&— eyträge — r-S Beyträge }u einer Monographie der Mvlasse, oder Geognostische Untersuchungen über die Steinarten und Petrefacten/ die zwischen den Alpen und dem Jura gefunden werden; mit besonderer Rücksicht auf den Canton Bern und die angrenzenden Theile von Freyburg, Luzern und Solothurn, von B. Studer. Mille miracula movet, faciemque mutat locis, et defert montes 9 subrigit plana, Valles extuberat, novas in profundo insulas erigit. Hsec ex quibus causis accidant, digna res est excitti. Qnod, inqms^^waww&jpm operas? qno nuRum majns est , nosse naturam. Seneca q. n. |sf., jhß. Mit zwey lithographirten Blättern. BerN/ 1825. Bey Christian Albrecht Jenni, Buchhändler. , W:: Wm- mm '•.V'C 1 «ü ) m 4 -tstiü- ’^'p-iß «! '! f 'i! v -3?; 'Ä-f 5 ^J-, -^■rf Vorrede 3D£att unterscheidet an dem großen Amphitheater unserer AlpenauSsichten drey Stufen, die sich, wie an einzelnen Ge- hirgsabhängen die Regionen der Bäume, Weiden und Glet- ' scher, längs der ganzen Alpenkette, vorzüglich aber an den Berner-Alpen auffallend auszeichnen. Die niedern Bergreihen, die sich in immer sanftern Wellen allmählig in'S hüglichte Land versiächen, zeigen gerundete, weiche Formen, nur selten wird daS schöne Grün durch nackte Felsen unterbrochen, und auch dann verläßt es wenigstens nicht die obersten Höhen; die Hügelzüge folgen keiner bestimmten Richtung, und die meisten Thäler sind sichtbar durch langsame Auswaschung entstanden, deren verschiedene Epochen sich zuweilen noch an den sanft abgerundeten Terrassen der Thalwände erkennen lassen; nur in der Nähe der höhern Gebirge ordnen sich die Reihen mehr schon der Alpenkette parallel, die Abhänge werden steiler, die Rücken schärfen sich zu, und erheben sich wohl bis über die Grenze der Baumvegetation, aber auch hier noch stoßen die Weiden auf dem schmalen Grate zu-immen. — Die Bergketten hinter diesem grünen Vorgrund tragen einen ganz andern Charakter. Schroffe Felswände, von vielen und tiefen Schründen durchzogen, oben scharf zulaufend, oder seltsame Zacken und Kuppen tragend, folgen, Ruinen von Riesenmauern ähnlich, die vordem die innere Alpenwelt ver- IV Vorrede. schloffen geholten, der gleichförmigen Richtung des Hoch- gebirgs; oder es sind kühn aufgethürmte Pyramiden und es- lossale Gebirgsstöcke, durch schmale Joche verbunden, in ihren Formen schon den Eisgebirgen selbst sich nähernd; überall eckichte Ustiriffe und scharfe Kanten, überall die Vegetationsdecke durch Felsen, tiefe Risse und Trümmerhalden verletzt, das nackte Gestein meist die höchsten Gipfel bildend; ein wilderes Aussehen, eine mit Grau gemischte Violetfarbe und größere Höhe unterscheiden diese Gebirge von den ihnen vorliegenden Bergreihen. — Hoch über dieß mannigfaltige Gewirr von Hügeln, GebirgSzügen und Felsgruppen erheben sich endlich, gleichsam einer andern Welt angehörend, die mit Schnee bedeckten Hochalpen, der mächtige Wall, der den Süden vom Norden scheidet. Leichte, edle Formen mildern den Eindruck der ungeheuren Massen, und eine ewige Eisdecke, deren Gletscher bis in die Thalgründe hinunterhängen, umhüllt wohlthätig den nackten, wild zerrißnen Fels und seine schauervollen Spalten. Wie die Figur des Krystalls durch die Mischung seiner Bestandtheile bedingt wird, so die Form der Gebirge durch ihre Steinart und ihre innere Struemr. Sanft gerundete Hügel, in deren Abhänge jeder kleine Bach sich- ein Bett gräbt, deuten auf leicht zerstörbare Sand - und Mergelmassen, steil und gleichförmig ansteigende Thalwände auf stark geneigte, festere Schichten, nackte Felsen und Armuth der Vegetation auf dichtes Gestein mit glatter Oberfläche, das keine Wurzel aufnimmt und keine Dammerde zurückhält. Daher bezeichnet auch im Alpengebirge der Wechsel der Formen einen Wechsel der Steinart, und der geübte Geognoft kann dieselbe und ihre Schichtenlage oft aus der Ferne schon errathen H. H Reiche Belehrung über das Verhältniß der GebirgSformen zur Stcinart enthalt die neueste Arbeit meines Hochverehrten, berühmten Lehrers, Hm. Hofr. HauSmann: „Die Flötzgebilde Vorrede. 1 v Die Reihe der hohen Schneegebirge steht auf der Grenze zwischen den granitartigen Bildungen und dem in unsern Alpen so ausgedehnten Kalk- und Schiefergebirge. Ihre Gipfel und Rücken find zum Theil selbst noch aus krystallinischen Steinarten, aus Granit, Gneus, Syenit, Glimmerschiefer u. s. w. gebildet, und.zwar gerade diejenigen, die fich durch ihre schlanken Nadelgestalten auszeichnen, wie das Finsteraarhorn und die Schreckhörner, — es find senkrecht aufgerichtete Tafeln von Gneus - und Glimmerschiefer, die wir im Profil sehen; oder, wenn fie bereits dem Kalkgebirge angehören, so ruhen fie doch auf jenen Gesteinen, und diese gehen an ihrem südlichen, nicht selten auch am nördlichen Fuß zu Tage. — Noch vor kurzem wurden diese krystallinischen Formationen Urgebirge geheissen, und man erkannte in ihnen den geschichteten Niederschlag aus dem höchsten und ältesten Meere, das die Erde bedeckte , als noch keine Spur von organischem Leben fich entwickelt hatte, und mechanische Naturkräftc allein die Stoffe banden; seitdem man aber granitartige Gesteine mit Lagern wechseln gesehen, die deutliche Ueberreste von Pflanzen und Thieren enthalten, ist der Glaube an das hohe Alter derselben sehr gesunken, und, nach einer Menge von Analogien, glaubt man fie nun eher denjenigen Bildungen vergleichen zu müssen, die, in feurigem Fluß aus den Tiefen der Erde emporgetriebcn, noch in unsern Zeiten zuweilen die dicke Kruste der Felslager zersprengen, ihre Trümmer mit in die Höhe reisten, und über der Spalte hohe Kegel von Schuttmassen und erstarrten Laven aufthürmen. Das Medium, in dem fich die Kalksteine, Schiefer und Sandsteine gebildet haben, die fich vor dem Eiögebirge bis an die gerundeten, ganz bewachsenen Hngelreihen ausdehnen, der Weser". Mit Ungeduld fleht man dem zweyten Bande der Formen der leblosen Natur entgegen, worin dieser wichtige Gegenstand vollständig behandelt werden soll. VI Vorrede. ist weniger zweifelhaft/ da wir in mehrern ihrer Lager noch Ueberreste von Meerthieren finden; desto dunkler ist aber bis jetzt die Ursache der regellosen Lage ihrer oft seltsam gekrümmte»/ oft senkrecht stehenden Schichte»/ und der furchtbaren Zerspaltung ihrer Massen geblieben. Ein unerwartet Helles Licht scheinen aber nun über diese Räthsel Hrn. von Buch'S schöne Beohachtungen im südlichen Tyrol zu verbreiten. Unter der Hülle wild zerrißner Kalkgebirge hat dieser große Naturforscher den schwarzen Augitporphyr gesunde»/ ein Erzeugniß unterirdischen Feuers/ durch dessen Hervordringen die Sandstein- und Kalklager theils aus einander gerissen / theils viele lausend Fuß über ihr früheres Niveau erhoben/ und der Boden des ganzen Landes wie eine Blase ist aufgeschwellt worden. Was bey dem Granit - und Gneuö- gebirge nur noch Vermuthung bleibt/ wird hier zur fichern Thatsache/ und das furchtbar große Phänomen/ von dem unsere Vulkane nur eine schwache Vorstellung geben könne»/ wiederholt fich gleichsam vor unsern Augen in seinen Pro- dueten. Obgleich nun in unsern Kalkalpen bis jetzt noch kein Gestein ist entdeckt worden/ das auch nur entfernte Aehnlichkeit mit Basalt oder Trachyt'hätte/ so ist doch hohe Wahrscheinlichkeit vorhanden/ daß auch ihre Erhebung und Zertrümmerung durch unterirdische Kräfte bewirkt worden sey. ES ist möglich/ daß das aufwärtSdrängende Agens nirgends die schwere Decke ganz zu sprengen vermocht hat , eS kann auch sey»/ daß wir/ obschon davon umgeben/ es verkennen/ daß z. B. im Gyps / der so häufig unter unsern Kalkalpen hervortritt/ dasselbe fich verborge»/ und Dämpfe von Schwefelsäure die tiefern Kalklager zerfresse«/ aufgedunsen/ und mit ihrer ganzen aufliegenden Last zu Gebirgen aufgerichtet haben 2 ), Auf die wichtige / reingeognoftische/ in unsern Alpen 2) Hr. von Buch äußert zum Theil diesen Gedanken in der Abh. über den Dolomit/ S. so, Berl. Akad. Schr. iS 23 . Vorrede T1I aber auch mit ungewöhnlichen Schwierigkeiten verbundene Arbeit/ die Sönderung unserer Kalk-- und Sandsteine in fest begrenzte Formationen/ und die Vergleichung dieser Formationen mit denen anderer Gebirge/ wird seit Jahren vergebens gedrungen'/ und aus Mangel fester Grundlagen herrscht darüber die größte Mannigfaltigkeit der Meinungen. Die Mehrzahl der Anfichten vereinigt sich dahin/ einen großen Theil dieser Kalksteine und Conglomerate alö Ueber- gangsgebirge zu betrachten. Einige Sandsteine und Conglomerate heissen daher Grauwacken, ein Theil des Kalks Ueber- gangskalk; aber noch hat man stch nicht darüber verständigen können/ bis in welche Entfernung vom Hochgebirge diese Benennungen auszudehnen seyen / und beynahe jedkr Naturforscher setzt ihnen eigene Grenzen. Nach Hrn. von Buch'S ältern Anfichten wird der Ueber- gangskalk in der Schweiz von einem Conglomerat bedeckt, das Hr. von Buch für das Todtliegende der deutschen Geognofie hält / und auf diesem Conglomerat liegt ein jüngerer Kalk/ der eigentliche Alpenkalk, oder Zechstein der Norddeutschen. Im Profil von Bex und Villeneuve betrachtet er als Uebergaugö- kalk und Grauwacke den Kalk und die Sandsteine, welche die Salzquellen umgeben; als Todtliegendes den bräunlichen Quarzsandstein/ der die Spitze der DiableretS und des Ol- denhorns bildet , und mit nördlicher Einsenkung in den Boden der Ormondöthäler niedersteigt/ wo er zum groben Conglomerate wird; als Alpenkalk die ganze Gebirgskette der Tour d'Ay und des Molezon/ die in den Cantonen Freyburg und Bern gleich hinter den grünen Vorbergen in wilden Felsen emporsteigt / und als Stockhornkette stch am Thuner-See endet 3 ), Im Profil von Matt und GlaruS besteht nach Hrn. 3 ) Ich erlaube mir hier die Benutzung eines äußerst wichtigen Ma- nuscripts: „Catalogue des roches de Neuchatel “ / das Hr. von Buch der Stadt Neuenburg geschenkt hat; es ist dasselbe durch viele Copien fast Eigenthum des Publikums geworden. VIII Vorrede von Buch das ganze Gebirge, das Bündten von Glarus scheidet, aus Uebergangskalk und Grarrwacke, bis nach Matt, wo das Röche-Todte in dem berühmten Sernfter Conglomerat folgt, und der Alpenkalk in den letzten Reihen der Kalkgebirge, zwischen Schwanden und dem Ausgang des Linth- thales 4 ). Alle Formationen, die in andern Gegenden auf dem Zechstei» liegen, der bunte Sandstein, der Muschelkalk und die Kalk- und Rogensteinlager des Jura wären demnach an der Nordseite der Alpen ganz ausgeblieben. Auch Hrn. Escher von derLinth hatten seine vieljährigen Beobachtungen zu diesem Resultate geführt, allein in den letzten Jahren seines Lebens scheint er noch weiter gegangen zu seyn, und, in Uebereinstimmung mit Hrn. vonCharpentier, allen Kalk bis an unsere Sandstein- und Nagelfluhhügel als Uebergangskalk, und alle-Sandsteine, die damit wechseln, als Grauwacken betrachtet zu haben 5 ). Das Urtheil dieser zwey Naturforscher, welche eine sehr genaue, nicht aUf flüchtigen Reisen erworbene, Kenntniß unserer Alpen mit einer eben so gründlichen Bekanntschaft mit der deutschen und fran- zöstschen Geöguofie vereinigen, muß unstreitig hier als eine Autorität von erstem Range gelten. Indeß sind zwey Geognosten / die auf einem ganz neuen Wege der Untersuchung bis jetzt vom schönsten Erfolge begleitet worden stnd, zu Resultaten gelangt, die mit den eben erwähnten den vollkommensten Gegensatz bilden. Nach Hr. Buckland 6 ) ist der eigentliche Uebergangskalk (mountnin- 4 ) Magaz. der Berl. Naturf. Bd. III. Es gehören die hier citirten Arbeiten zu den ersten Versuchen das geognystische Alter unserer Kalkalpen zu bestimmen. Hr. von Buch/ den wir vorigen Sommer einige Zeit bey uns zu sehen die Ehre hatten, wünscht indeß, daß seine frühere Anstcht nicht mehr als seine jetzige betrachtet werde/ und scheint überhaupt jede nähere Classification unserer Kalkgebirge für noch zu wenig fest begründet zu haltest. D’Aubuisson Geogn. II, p. 352. Journ. de Phys., i8ri Juill. Vorrede. rx limestone) iti unsern Alpen gar nicht vorhanden/ und zunächst dem krystallinischen Uebergangsgebirge findet man nur Grauwacke mit untergeordneten Kalklagern; was Hr. von Buch srüher für das Todtliegende hielt/ ist nur zum Theil diese Gebirgsart/ und gehört größtentheils dem bunten Sandstein (red marle) an; die Kalkgebirge zerfallen in ältern und jünger» Alpenkalk: jener / der HochgebirgSkalk von Escher/ der UebergangSkalk der HH. von Buch und von Charpentier/ ist der deutsche Zechstein und Rauhkalk (magnesian-lime- stone)/ dieser ist Jurakalk und Rogenstein (Ooral-rag/ 6orubrastt, Lias/ Oolites)/ und der^Kalk und Sandstein/ der die Diableretö deckt/ gehört bereits der Greensand-Formation an. Hr. Brongniart -) neigt stch ebenfalls mehr zu dieser Anficht hin. Er läßt zwar den größer« Theil des Kalkgebirges in dem Rang/ den Hr. von Buch ihm angewiesen/ aber den petrefaetenreichen Kalk/ den man auf den Gipfeln einiger unserer Gebirge findet/ zählt er/ wie Hr. Buckland/ der Greensand-Formation bey/ und auf den Diablerets und in den grünen Aubrigsandsteinen vermuthet er sogar Lager des groben Pariserkalks (calc. grossier)/ den andere Geognosten für noch jünger/ als den Sandstein unserer Ebenen hätten. Zwischen diesen Extremen hält Hr. Boue * 8 ) ungefähr die Mitte. Auf das Rothe-Todte/ worunter er wahrscheinlich daö Sernfter Conglomerat und die Grauwacken von Bex versteht/ läßt er den Zechstein folgen/ auf diesen den bunten Sandstein/ ganz wie Hr. Buckland; den Kalk der Stockhornkette setzt er aber dem deutschen Muschelkalk gleich/ und bezweifelt das Vorkommen von Juraformationen in den Alpen/ auf das Hr. Buckland so großes Gewicht zu legen scheint; den grünen Sandstein der Aubrig und des Grümdten ") Environs de Paris, p. 33 / t et 42/,. 8 ) Edinburgh Philos. Joura. V. IX, p. 148. x Vorrede. bey Sonthofen zählt er ebenfalls der Greensand-Formation bey. Alle Gebirge, Hügel und Thalboden zwischen der vordersten Alpenkette und dem Jura bestehen aus groben Con- glomeraten, Nagelfluh geheissen, feinkörnigen Sandsteinen und Mergeln. Durch keinen der vielen und tief liegenden Ströme, durch keinen Schacht ist noch, in einiger Entfernung von den begrenzenden Kalkgebirgen, ihre Grundlage aufgedeckt worden. Am Jura ruhen fie auf seinen südlich fallenden Lagern, an den Alpen findet ein Anstössen statt, das oft wie ein Einschiessen unter die Kalkkette aussteht, und wirklich lange Zeit dafür angesehen worden ist. So hatten früher sowohl Hr. R. Meyer, als Hr. Escher 9 ) dem gleichförmigen südlichen Fallen der Na- gelfluh und des Kalks längs der ganzen Alpenkette geschloffen , der Kalk sey der Nagelfluh aufgelagert und jünger, und da dieser. Kalk damals allgemein als Zechstein betrachtet wurde, so mußte die Nagelfluh das Rothe-Todte vorstellen. Hr. Efcher erhob indeß bereits in einer Note zu seinen- längere Zeit vor dem Abdruck geschriebenen, Briefen Bedenken gegen diese Anficht, und als Hr. Ebel ste, ungefähr um dieselbe Zeit, in sein classisches Werk über die Alpen austiahm, bestritt er fie im vierten Bande der Alpina, und suchte es wahrscheinlich zu machen, daß der Kalk fich nur über die Nagelfluh hinüberlehne, indem seine Schichten weit steiler als die der Nagelfluh einfallen, und diese letzter» demnach an seinen Felswänden abgebrochen seyn müssen. Seine Bemerkungen scheinen wirklich die Mehrzahl der Geognosten überzeugt oder doch wankend gemacht zu haben, und auch die spätern Beobachtungen Hrn. Ebels, im Tiefenbachtobel bey Gersau, die seine frühere Ansicht anfänglich zu begünstigen schienen, dienten, nachdem es Hrn. Efcher gelungen, tiefer in den Tobel Alpina l, S. 258 -, II, S. 16. Vorrede. XX hineinzudringen , und die sich so abnorm zeigenden Verhältnisse vollständig aufzufassen, nur die allgemein gewordene Ansicht noch mehr zu befestigen 10 ). Hr. Escher ") in der merkwürdigen Beschreibung des Profils zwischen Zürich und Urseren, die man als die Grundlage unsrer schweizerischen Geognosie betrachten kann, theilte das ganze Eonglomerat - und Sandsteingebirge in ein den Alpen näher liegendes, das aus festem Sandstein und Nagel- fiuh bestehe, und meist stark südlich eingesenkt sey, und in ein fast immer horizontal geschichtetes, in welchem lockerer Sandstein mit Mergel wechsle., ,Er hielt es für wahrscheinlich, daß has erstere älter sey, wollte eS aber auch nicht gut heis- sen, als Hr. Ebel im Bau der Erde die eine Formation alS älteres, die andere als jüngeres Sandstein- und Mergelgebilde auftreten ließ. — ES hat in der That diese Unterscheidung bey einer schärfern und allgemeinem Prüftrng sich nicht bewährt. Man fand bald, daß die Nagelfluh keineswegs auf die sogenannte ältere Formation eingeschränkt sey, so wenig als der Mergel auf die jüngere, und zwischen den ältern und jüngern Sandsteinen zeigten sich so allmählige Ueber- gänge, daß schon im Jahr 1802, also lange vor der Bekanntmachung jenes Profils, Hr. Escher ^annehmen mußte, in der südwestlichen Schweiz verlaufen sich beyde Formationen in einander. Im Jahr iso9 erklärte es Hr. von Buch ") für eine Ungereimtheit, die Conglomerate des Rigi und Ent- lebuchs von den grauen Sandsteinen des Cantons Zürich, oder des Gurten bey Bern, oder von der Molasse der Waadt und der Gegend von Genf trennen zu wollen. — Man kann indeß die Sache nicht als ganz beseitigt ansehen, bis wir über die Sandsteine vollkommen im Klaren sind, die in mehrern ") Leonhards Taschcnd. VI, S. 374 . Alpina II. Alpina I, S. 285. ") Magazin der Berliner Naturf. lll, S. 176. XII Vorrede. Gegenden zwischen die Nagelfluh und den Kalk eingeschoben sind; eS ist möglich, und durch Beobachtungen, die ich anführen werde, glaube ich es zur Gewißheit zu erheben, daß, wenn auch ein beträchtlicher Theil von Hrn. EbelS älterm Sandsteingebilde dem jüngern beygezählt werden muß, doch immer noch einiges zurückbleibt, das sich diese Auflösung nicht will gefallen lassen. Nach einem ihrer ausgezeichneten Glieder, dem lockern Sandstein der französischen Schweiz, heißt man nun ziemlich allgemein die ganze Lagerfolge von Nagelfluh, festen und lockeren Sandsteinen und verschiedenen Mergelartcn, um sie von andern Sandsteinformakionen durch eine Localbenennung auszuzeichnen, die Formation der Molasse, und deutet damit zugleich an, daß man alle Theile derselben als unter einander zusammenhängend und unter ähnlichen Verhältnissen entstanden betrachte. Es zieh« einige Geognosten vor, diese Formation Braun- kohlesandftein (gvt's ä lignites) zu heißen, weil sie das Vorkommen von Braunkohle in derselben als charakterisirendes Kennzeichen anerkennen- so wie das der Schwarzkohle (houille) im Steinkohlesandftein. Allein noch ist nicht ausgemacht, ob die Braunkohle wirklich einer Sandsteinbildung eigenthümlich, oder mehrern gemein sey, ja es ftägt sich noch, ob unser Sandstein die mächtigsten Lager davon auszuweisen habe. Dann ist die Benennung eine systematische, d. h., sie bezeichnet nicht sowohl eine GebirgSart einer bestimmten Gegend, deren Natur und Alter noch in Frage stehn kann, als eine Formation des geognostischen Systems. Bis jetzt ist aber weder im System ein eigener Braunkohlesandstein aufgenommen, noch ist unser Sandstein, sowohl petrographisch, als. durch seine Lagerung, so scharf bestimmt, daß er selbst gleichsam als die ideale GebirgSart gelten könnte, nach welcher in Zukunft andere erkannt und dem System einverleibt werden dürften. Eben so wenig kann ich die von Hrn. Kefer- Vorrede. XIII stein 15 ) gewählte Benennung/ Mergelsandstein/ billigen / da dieselbe bereits als eine petrographische eingeführt ist/ und sich Mergelsandsteine fast in allen Formationen finden. Von ähnlichen Betrachtungen geleitet/ die ich dankbar alö die Quelle der mcinigen anerkenne/ schlägtHr. von Humboldt ") die Benennung Aargauersandftein vor. Da aber der Sandstein im Aargau nur in den Abarten erscheint/ die dem Jura näher liegen/ und in einer derselben / dem Muschelsandstein so ausgezeichnet/ daß man leicht glauben konnte/ es sey vorzugsweise diese mit jener Benennung gemeint/ so möchte dieselbe leicht Verwirrung bringen. Von allen vorgeschlagenen Benennungen scheint mir daher die zuerst angeführte am meisten Vorzüge in fich zu vereinigen. Sie ist/ wie Hr. von Humboldt wünscht/ geographisch/ und bezeichnet durch einen Provinzialausdruck die Gegend/ in der die Steinart vorkömmt/ ohne doch die Grenzen derselben zu bestimmt anzugeben / und zugleich könnte fie später auch als systematische Benennung dienen/ wenn die Molasse - Formation/ als eine allgemein verbreitete/ ihre Stelle in der geognostischen Lagerfolge erhalten sollte; ja fie verdiente dann sogar den Vorzug vor viele«/ die/ im verjährten Gebrauche/ vielleicht dieselbe Formation bezeichnen/ wie z. B. vor den Namen Plastischer-Thon/ grober Kalk, Londner- Thon u. s. w. / da es am besten seyn wird, für eine Formation, die in der einen Gegend als Thon/ in einer andern als Kalk, in einer dritten als Sandstein auftritt, eine Benennung zu wählen, die ihre.oryktognoftische Natur ganz unbestimmt läßt. Unglücklicherweise hat man indeß angefangen mit dem Wort Molasse, in rein petrographischem Sinn, überhaupt alle mürben Sandsteine mit Mergelbindmittel zu bezeichnen, fie mögen nun dieser oder jener Formation angehören, oder gar noch nicht systematisch bestimmt seyn. Sollte diese Uebung s5 ) Geognoff. Deutschland. v 'j Gisement des roches. XIV Vorrede. herrschend werde«/ so müßte man freylich/ bey der nnglaub- lichen Mannigfaltigkeit der GebirgSarten der Molaffe-Formation/ die bequeme Claßbenennung derselben ganz fahren lassen; die festen Molassen müßten dann Kieselkalk / oder Kalk- psammit heißen/ wodurch ihre geognoftische Verschiedenheit von den so ähnlichen Sandsteinen/ oder Granwacken der Kalkalpen ganz verwischt würde/ die lockern Arten behielten zwar ihren Namen / es würde aber damit auch nur ihre petrographi- fche Beschaffenheit bezeichnet/ und man müßte sich'ö gefallen lasse«/ bald auch von Molassen zu lese»/ die mit Jurakalk wechseln/ oder die dem Uebergangögebirge angehören. Ich gebe z»/ daß letzteres einem französischen Schweizer weniger auffallen dürfte/ als die Beyworte/ dicht/ fest/ hart/ die man im Verfolg mit dem Worte Molasse verbunden finden wird; desto mehr aber gewiß dem Geognosten/ der es gewohnt ist/ in den Namen auch die Lagerung angedeutet zu finden. Wir bedürfen allerdings einer doppelten Nomenklatur/ einer petrographischen und einer geognoftischen / und die erstere ist sogar in Sprache und Wissenschaft die ursprüngliche gewesen. Die Worte Granit / Porphyr , Sandstein und überhaupt jede vor der wissenschaftlichen Ausbildung der Geognofie übliche Bezeichnung einer Gebirgöart ist rein petrographisch / und die Wernersche Schule erst suchte auö diesen Worten/ die fie vorfand/ eine geognostische Nomenelatur zu bilden. Waren die Benennungen bereits für GebirgSarten von verschiedenem Alter in allgemeinem Gebrauch/ so zeigte fie die geognostische Lage derselben durch Vorsetzwörter an/ wie Urkalk/ Ueber- gang§kalk u. s. w./ war jenes nicht der Fall/ so gab fie einem ursprünglich petrographischem Wort eine geognostische Nebenbedeutung. ES ist dieß letztere besonders für die Sandsteine geglückt: die Benennungen Grauwacke/ Todtliegendes/ bunter Sandstein u. s. w. find alle aus Localbenennungen zu allgemein-geognostischen geworden/ und ein Bewohner der Gegenden/ wo sie in der Volkssprache üblich sind / würde ge- Vorrede. XV wiß nicht weniger verwundert seyn, wenn er viele der Steinarten sähe, die man jetzt Grauwacke, oder bunten Sandstein heißt, als ein Genfer oder Waadtländer über unsere festen und harten Molassen. Dieselben Gründe sprechen dafiir, daß auch die ursprünglich schweizerische, oder wenigstens alpinische Benennung Nagelfluh auf die Conglomerate der Molasse-Formation beschränkt bleibe. ES ist zwar dieß Wort noch nicht wie jenes in eine petrographische Nomenelatur aufgenommen worden, und bis jetzt den alpinischen Conglomeraten eigenthümlich geblieben, dagegen hat es aber hier und da eine eben so gefährliche Ausdehnung, theils auf ältere Bildungen, z. B. die Kalkconglomerate des Alpenkalks, theils auf die neuesten KieSlager erhalten. Da die Worte Conglomerat, Breccie, pou- dingue, zur Noth noch durch ein Beywort individualifirt, allen petrographische» Bedürfnissen genügen, so sehe ich nicht ein, warum man die geognostische Sprache nutzlos um eines der ihrigen bringen wollte. Nach dieser philologischen Erörterung, die niemand über- fiüssig finden wird, der die Macht der Worte auch in den Naturwissenschaften kennt, die sich doch mehr als keine andern nur mit Sachen beschäftigen, kehren wir zu unsrer schnellen Uebersicht der alpinischen Gebirgskunde zurück. Die Molasse-Formation trägt in der Nähe der Alpen unstreitig den Charakter einer sehr alten und sehr mächtigen Bildung. Die Festigkeit ihrer Steinarten, die sich, in feinkörnigem Zustande, nicht von den ältesten Grauwacken unterscheiden lassen, die ungeheure Dicke ihrer Schichten, die starke Einsenkung derselben und die Regelmäßigkeit, mit der das Streichen und Fallen auf weite Entfernungen hin fortsetzen, alles kündigt uns an, daß wir den Vorhof, wenn nicht schon das Innere der Alpen betreten haben. Wenn man nach dreystündigem Steigen den Rigikulm erreicht hat, oder auf der schwindelnden Höhe des Speers steht, und dann XVI Vorrede. mit einem Blick die Riesentreppe von Nagelfluhlagern über- sieht, die man so mühevoll hinaufgeklettert ist, so muß man lächeln über die Theorie der Geognoften, welche diese ungeheure Masse von Conglomeraten für Bildungen der nächsten Alpengewässer ausgaben, und die Bedingungen ihrer Entstehung so genau entwickelten, als ob von den KieSbänken eines Bergftromes die Rede wäre; man wünschte sie aus ihrem Cabinet auf den herrlichen Standpunkt hinreißen und der Natur selbst die Vertheidigung ihrer Würde übergeben zu können. Als das Nagelfluh-und Molassegebirge, besonders durch die nicht genug zu erhebenden Arbeiten Hrn. Eb els, bekannter wurde, glaubte man sich daher gezwungen, demselben einen höher» Rang anzuweisen, und verglich es, theils mit dem Todtliegenden, den Angaben Hrn. EbelS und seiner Vorgänger über die Auflagerung des Alpenkalks folgend, theils mit dem bunten Sandstein, indem man mehr die Molassen, als die Conglomerate berücksichtigte, und mit Hrn. Escher nur ein Anlehnen an den Alpenkalk zugab. Die letztere Ansicht wurde noch vor Kurzem, obschon als zweifelhaft, doch als die wahrscheinlichste, in den Geognosien der HH. D'Aubuis-- son und Bonnard angeführt. Aber auch in diesem bescheidenern Rang scheint die Formation sicsimicht halten zu können. Die HH. Brongniart, Beudant und Buckland, welche diese Bildungen mit besonderer Austnerksamkeit untersucht und nach ihrer Lagerung, ihren GebirgSarten und Petrefaeten mit den analogen Formationen anderer Länder verglichen haben, urtheilen nun dahin, daß die Molasse-Formation weder dem bunten Sandstein, noch überhaupt einer Sandsteinformation des SecundärgebirgeS, sondern den Tertiär-Formationen angehöre, und die Mehrzahl der Geognoften scheint diesem Aus- spruch bewährter Richter unbedingt zu vertrauen. Das Tertiärgebirge, die obere Ordnung in der trefflichen Classification der HH. Conybeare und Phillips 17 )/ folgt in Geölogy of England and Wales. Vorrede. ^ XXVII gleichung bezogen werden, sobald von diesen Sandsteinbil- düngen (der Molasse) die Rede ist"/ sagt Hr. Beudant 25 ), die Untersuchung der verschiedenen Molassen wird auch von Hrn. Cuvier den Geologen auf'S Dringendste empfohlen 2& ), — „von einer vollständigen Monographie der Molaffe kann, nach Hrn. von Buch, die ganze Theorie des AlpengebirgS abhängen." — Sowohl im Interesse der vaterländischen, als der allgemeinen Gebirgskunde scheint daher das Thema, das ich mir vorgelegt habe, nicht übel gewählt zu seyn. Leider kann ich nicht so viel Gutes von der Ausführung desselben rühmen, und dem Wunsche des Hrn. von Buch muß ich mir selbst gestehen, lange nicht entsprochen zu haben; denn wofern vielleicht aus der systematischen Form, in der diese Schrift erscheint, jemand auf eine erschöpfende Behandlung des Gegenstandes schließen sollte, so würde er stch aus dem Inhalt nur zu bald überzeugen, daß es mit dem nur Aphorismen versprechenden Titel ganz ernstlich gemeint ist. Es deutet jene Form auf das Ziel, nach dem ich gestrebt habe, dieser auf den unvollkommenen Erfolg meiner Anstrengungen. Nach dem Beyspiele mehrerer berühmter Vorbilder, fand ich es zweckmäßig, den nähern petrographischen und geogno- stischen Erörterungen einen allgemeinen Abriß der topographischen Beschaffenheit und Physiognomie des Landes vorangehen zu lassen, in der Ueberzeugung, daß ein Gemälde aus der wirklichen Natur ein deutlicheres Bild des äußern Charakters unserer Formation erwecken werde, als eine ermüdende Zusammenstellung abstrakter Formbeschreibungen. Es soll dieser Abriß zugleich auch den Bezirk näher bezeichnen, dem die Mehrzahl meiner Beobachtungen ange- hört. In einem Zeitraum mehrerer Jahre ist es mir nicht Voyage en Hongrie. 25 ) Oss. foss. V, ade part. p. 9 UNd P- 5oo. XXVIXI Vorrede. möglich gewesen, alle Gegenden der Schweiz, in denen die Molasse Hügel und Gebirge bildet, so genau kennen zu lernen, daß meine Resultate alle Localfarben hätten abstreifen , und eine allgemeine Bedeutung erhalten können; sie beziehn sich also zunächst immer auf meine Umgebungen, d. h. auf den Canton Bern und die angrenzenden Theile von Solo- thurn, Luzern und Freyburg, und erscheinen oft ganz in der Form von geognostischer Topographie. Die Beschreibung dieses Gebiets macht gleichsam den Kern aus deö Ganzen; die Beobachtungen aus Gegenden, die über seine Grenzen Hinausliegen, sind dagegen größtentheilö Früchte eines beschränkten Aufenthalts und einer weniger vielseitigen Ansicht, und durften daher nicht mit jenen schärfern verschmolzen werden; auch habe ich sie meist nur um die Allgemeinheit der gewonnenen Resultate zu zeigen und nicht als Grundlage derselben gebraucht. Die Höheangaben, welche in diesem ersten Abschnitt und in der Folge vorkommen, habe ich, sofern es nicht trigonometrische Bestimmungen sind, nach barometrischen Messungen, zu denen Hr. Regt. Fueter mir auf die zuvorkommendste Weise mit correspondirenden Beobachtungen behülflich war- auö den Tafeln meines berühmten Lehrers, Hrn. Hofr. Gauß, berechnet. Ich hielt es für unnöthig, die Originalbeobachtungen mit anzuführen, da auf jeden Fall diese Beobachtungen, deren Zeit und Ort nicht immer nach Ramond's Vorschriften ausgewählt werden konnten, größer« Fehlern unterworfen seyn mögen, als die Formel , auf der jene Tafeln beruhen, und eine spätere Berechnung daher keine höhere Genauigkeit bringen würde. Den Grad dieser Genauigkeit wird man nach den in den Roten angeführten einzelnen Resultaten beurtheilen können, aus denen das im Text aufgenommene das Mittel ist; alle Höheangaben, zu denen keine Rote beygefügt ist, sind Resultate einer einzigen Beobachtung. Das Maximum des Fehlers einer einzelnen Beobach- Vorrede. XXIX tung, d. h, jhx^x Differenz vom Mittel, glaube ich eher zu hoch, als zu tief zu schätzen, wenn ich es gleich io m annehme; in der That findet man unter den einzelnen Resultaten, die meistens mit verschiedenen Jnftrumenten, theils Heber-, theils Gefäß-Barometer von sehr guten Meistern, und in sehr ungleichen Tagö- und IahrSzeiten erhalten wurden, niemals einen so starken Unterschied. Räch einem geometrischen Nivellement wurde die Höhe des BaromererniveauS auf unserm Observatorium über daS Niveau des Hrn Fueter gleich 25 -°,2 gefunden. Die absolute Höhe des Observatoriums ist noch einiger Ungewißheit unterworfen. Nach einer trigonometrischen Verbindung mit Straßburg , wird sie von Hr. Pros. Tr echsel zu 1791 sranzöstsche« Fuß, oder 581,8 Meter angenommen ^). Der mittlere Barometerstand mit sechs untern Niveau's verglichen, giebt nach Hr. Delcr oz W) im Mittel 576,2---, mit dem ungünstigsten, dem Stand von Shuckburgh, 564---. Ich muß indeß hier bemerken, daß ein Element in den Rechnungen von Hrn. Del- croz, nämlich die mittlere Temperatur von Bern, unrichtig auf 8 °,26 R. angesetzt wird, welches die mittlere MittagS- temperatur ist. Wir besitzen noch gar keine Reihe von Beobachtungen , auö der sich unsere wahre, mittlere Wärme herleiten ließe; nach ungefährer Schätzung auö der Höhedifferenz und Breite 29 ) würde fie nur auf 7°,8 steigen. Der Einfluß aus die absolute Höhe ist fteylich von keiner großen Bedeutung. Ich habe mich an die erste Angabe von 582--- gehalten / welche allen von den HH. Trechsel, Frey und Lüthardt berechneten und zum Theil publieirten Höhen zum Grunde liegt. — In der topographischen Beschreibung der Nagelfluh - und Petrefaeten- lager der Gegenden zwischen Bern und Thun fand ich es indeß, damit die Höheverhältnisse lei chter aufgefaßt werden Biblioth. univ. X. 21. IS ) Idem X. 8. 29 ) JXAuLuisson Geogn. I, p. 434. xxx Vorrede. möchten/ zweckmäßiger / statt absoluter/ relative Höhen zu ge- branden. Ich habe daher in diesen beyden Abschnitten zum untern Niveau die Ebene von Belp gewählt/ deren ^absolute Höhe/ in der Nähe deS Pfarrhauses/ ich gleich 530-° gefunden habe. Die größten Schwierigkeiten hat'mir die Bestimmung der südlichen Grenze der Molasse-Formation entgegengesetzt/ und der Wunsch/ wenigstens diesen Punkt vollständig in's Reine zu bringen/ ist vorzüglich Ursache gewesen/ daß ich mit der Bekanntmachung dieser Arbeit so lange gezögert habe. Leider ist es mir nicht gelungen/ alle Nebel zu zerstreue«/ die bisher diese Grenze dem Scharfblick der geübtesten Geognosten verdeckt haben / im Gegentheil möchten meine Beobachtungen/ wenn ste auch mehrereS beseitige«/ im Ganzen die Dunkelheit doch eher vermehren / als vermindern. — Wir haben bereits schon gesehen/ wie leicht in der Nähe der Alpen die Neigung der Schichten zu grobem Irrthum verleiten könne / und wie sehr wir im Gebrauche dieses Merkmals der Auflagerung auf unsrer Hut seyn müssen. Noch verfänglicher ist aber die Beschaffenheit der Gebirgsarten selbst/ die wir hier finden. Wenn man/ ohne fich genauer umzusehen/ aus den niedrigern Gegenden des Molassegebiets in die rauher« Thäler der höher« Sandsteingebirge tritt/ so glaubt man zuverläßig sich mitten in einer ganz verschiedenen / sehr viel ältern Formation zu befinden: die große Festigkeit des Steins/ den man oft für dichten Kalk/ oder Kieselschiefer halten könnte/ die starke/ vom Grunde der Thäler bis auf die höchsten Rücken gleichförmige Neigung der Schichten/ das Schroffe aller Formen / und die ausgedehnten, wild aufgerissenen Felsen/ geben jedem Handstück/ wie dem ganzen Gebirge einen Charakter/ der mit demjenigen der Molasse im grellsten Widerspruch steht. Wenn man indeß zu bestimmen sucht / wo die eigentliche Molasse ihr Ende erreiche/ und an diese/ vermeintlich ältere Formation anstoße/ so steht man Vorrede, XXXI sich, nach langer Bemühung, in der einen Gegend zur Annahme gezwungen, daß , so sehr auch der ursprüngliche Eindruck dawider streitet, gar keine Trennung vorhanden sey, und alle diese so ausserordentlich verschiedenen Steinlager derselben Formation angehören, ja daß die älter scheinenden sogar die aufgelagerten, jüngeren seyen, — ein Resultat, da§ so auffallend an den ftühern Streit über die Austagerung des Alpenkalks erinnert, daß man es zurücknehmen möchte, so wie man es ausgesprochen hat, — in andern Gegenden sind die Sandsteingebirge, welche, nach ihrer Steinart und Lage, als die Fortsetzung von jenen erscheinen, deutlich genug von der Molaffe geschieden und zeigen sich wirklich alö ältere Bildung, dagegen ist ihre südliche Grenze so unklar, daß man im Zweifel bleibt, ob ste nicht gar den Kalk unterteufen, und der einen oder andern der im Innern der Kalkalpen anstehenden Sandsteinformationen angehören; man glaubt diese neue Anficht auch auf die frühern, diesen so ähnlichen Gebirge ausdehnen zu können, und schmeichelt sich schon die Aufiösung des großen Räthsels zu besetzen, aber vergebens, es zeigen sich jene eben so nahe mit der Molasse verwandt, als diese mit dem Kalk, und am Ende sieht man keinen andern Ausweg, als die sich so ähnlichen festen Sandfteingebirge selbst zu trennen, und die einen als Molasse, die andern als ältere Formationen zu betrachten. Daß indeß diese Erklärung den Knote« mehr zu zerschneiden, als aufzulösen scheint, läßt sich nicht verkennen. Man hat bis dahin, in der Schweiz wenigstens, diese Zwischenformationen nicht genug berücksichtigt, aus dein natürlichen Grunde, weil sie in den Gegenden, die am sorgfältigsten untersucht worden sind, von der Nagelfluh fast ganz verdrängt werden; in unsern Umgebungen bilden dieselben aber eigene Gebirgszüge, und forderten mich daher zu einer genauern Beachtung auf. Der Wunsch, die Aufmerksamkeit geübterer Geognosten auf diese gewiß äusserst merkwürdigen XXXII Vorrede. Bildungen hinzulenken / und das Unbefriedigende meiner Resultate hat mich bewogen/ dieselben mit einer Ausführlichkeit zu behandeln/ die/ ohne diese Vorerinnerung/ vielleicht im Mißverhältniß mit den Übrigen Theilen der Schrift geschienen hätte. Den nämlichen Vorwurf möchte ich auch von einem andern Abschnitte/ der Beschreibung der Nagelsluh/ abzuwenden suche»/ worin man vielleicht die lange Aufzählung und die ermüdende Charakteristik einzelner Gerölle/ als zu sehr in'S Kleinliche gehend / tadeln möchte. Indeß verspricht uns eben diese sorgfältige Durchsicht jener räthselhaften Trümmergebirge die wichtigsten Ausschlüsse über ihre Entstehung und über die Natur der letzten Erdrevolutionen. Ich möchte die Nagelfluhgerölle mit den fossilen Knochen vergleichen/ aus denen Hr. Cuvier auf so wundervolle Art die Gerippe der untergegangenen Thierwelt wieder hergestellt hat. Zuverläßig darf man hoffen / durch ein genaues Studium der verschiedenen Gebirgsarten dieser Gerölle/ durch ein Zusammenstellen der sich verwandten und vorzüglich der oft noch im nämlichen Geröll verbundenen heterogenen Gebirgsarten/ auf ähnliche Art unter der Leitung der allgemeinen Geognosie/ das Gebirge/ aus dem sie abstammen/ wieder eonstruiren zu könne»/ als es Hrn. Cuvier gelungen ist/ aus einzelnen Knochen/ mit Hülfe der allgemein-anatomischen Gesetze/ auf das ganze Gerippe zu schließen. Ich habe diesen Versuch nicht gewagt/ er wäre unserm Hauptgegenstand zu fremd gewesen/ auch würde meine Geröllsammlung/ obschon sehr beträchtlich / noch lange nicht dazu hingereicht haben; indessen hoffe ich durch einzelne Beyspiele/ die sich von selbst darboten/ wenigstens die Möglichkeit dieser Wiederherstellung zu beweisen. ES ist bekannt/ wie divergirend die Meinungen über den Mutterort der Nagelfluhgerölle sind. Nach der Analogie der am Fuß und an den Abhängen der meisten Gebirge vorkommenden Trümmer/ glaubte man lange Zeit/ sie wären aus der M.M ' ' - Vv. Äorrede. xxxm der Zerstörung nächstgelegener Felöarten hervorgegangen und durch die Alpengewässer gerollt und aufgehäuft worden. So noch Saussure^), so auch Hr. Ebel 33 ). Indessen vermuthete bereits der erstere, die bunten Granite und Porphyre, die er in der Emme fand, deren Zusammenhang mit der Na- gelfiuh ihm aber unbekannt war, möchten aus dem Schwarz- wald abstammen, und Hr. von C-hambrier^) wies später wirklich mehrere identische Gebirgsarten in den Vogesen nach. Auch Escher sprach sich wiederholt für eine nichtalpinische Abstammung vieler Nagelfluhgerölle aus ^). Hr. E b e l suchte dagegen diese ftemdartig scheinenden Gebirgsarten von den Porphyren der südlichen'Alpen, des Etschihales und der angrenzenden Gegenden, herzuleiten. Um in dieser schwierigen Untersuchung einen sichern Weg zu gehn , legte ich auf unserm Museum eine Sammlung von Nagelfluhgeröllen an, die ich nach den verschiedenen-Schichten ordnete, aus denen sie gebrochen waren. Je nach der Mannigfaltigkeit wählte ich aus jeder Schicht 20 bis 30 verschiedenartige, bis ich die charakierisirenden erschöpft zu haben glaubte, und zugleich im Stande war, die vorherrschenden von den seltenen zu unterscheiden. Auf das hin bereiste ich, vorzüglich zu diesem Zwecke, den südlichen Theil desSchwarzwaldes, von Basel bis Albbruck, und sammelte die Gerölle der Wisleth, Wiese, Wehr, Murg und Alb; aus jedem dieser Ströme habe ich ungefähr so Gerölle mitgebracht, welche zuverläßig aüS dem Schwarzwäld abstammen, da ich an den Strömen immer so weit aufwärts gestiegen bin, daß keine fremdartige Beymengung- z. B. von alten KieSlagern des Rheins zu befürchten war. Die Aechtheit der Gerölle ließ sich leicht an der Abwesenheit aller Kalk- und Sandstein- 32 ) Voyages §. et §. 1Z60. 33 ) Bau der Erde II. S. * *7. — Anleit. Rigi. 3 H Journal de Phys. Vol. (m. p. 3S ) Alpina I. G. 279; II. S. 13. «eoiih. Taschenb. VI. S. 372. (*) XXXIV Vorrede. arten erkennen; viele Habe ich auch im. Schwarzwach selbst anstehend gefunden. Von mehrern Alpenreisen her besaß ich ferner auf dem Museum Sammlungen aus dem Gletscherschutt des Steinen--/ Triften-/ Vorderaar-und Gasterengletschers/ die GebirgSarren/ die in den Gletschern von Grindelwald vorkommen/ waren mir/ theils aus Beschreibungen dieses sehr besuchten ThaleS/ theils aus ältern Sammlungen bekannt/ und ich durfte demnach glaube»/ den petrographischen Charakter deö krystallinischen Gebirgsftocks/ der die westliche Schweiz gegen Mittag.begrenzt/ mit hinreichender Genauigkeit beurtheilen zn können. Westlich vom Gasterenthale enthält die vordere Cemralkette nur noch Kalk- und Sand- steinformationen. Hiemit waren alle Elemente / welche auf die Lösung der Aufgabe einstießen können/ - vollständig vereinigt/ und eine auch nur stüchtige Vergleichung zeigte nun sogleich die weit größere Annäherung/ und zum Theil die Identität der Ragelstuhgerölle mit den Gebirgsarten des Schwarzwaldcs als mit denen der Hochalpen. Die weitem Belege zu diesem merkwürdigen Resultate , werde ich an gehörigem Orte anführen. Die genauere Bestimmung unserer fossilen Conchy- lien nach ihren Gattungen und Arten wird sehr erschwert und oft unmöglich gemacht durch die fast allgemeine Zerstörung der Schale und besonders aller innern Theile des Schlosses. Die meisten werden nur als Steinkerne gefunden/ und auch bey den wenigen/ deren Schale zum Theil noch,erhalten ist/ sind doch alle feinern Charaktere verloren gegangen. ES versteht sich daher von selbst/ daß. von einer so vollständigen Bestim- mung/ wie wir Hrn. Lamarc eine über die.Pariser/ und Hm. Brocchi eine über die subapenyinischen Conchylien verdanken/ für unsere Petrefaeten nicht die Rede seyn kann. Ueberdieß fühlte ich oft sehr empfindlich den Mangel mehrerer und zum Theil der vornehmsten Hülfsmittel. So z. B. standen mir keine bedeutendem Sammlungen/ weder Vorrede. XXXV frischer, noch fossiler Meereonchylien zu Gebote, mit denen ich die unsrigen hätte vergleichen können; eine der Pariser Pechefatten ausgenommen, die ich größtenteils der Güte des Hrn. von Ferussac verdanke. In Betreff der Molasse- Petrefacten selbst fand ich dagegen, theils in der Sammlung des Museums, theils in derjenigen von Hrn. Pros. Meis- ner, theils endlich in den Sammlungen meiner jünger« Freunde,und öfter«Reisegefährten, der HH. Meyer, Mous- son, Otth, Stürler, Zehender, Ziegler, eine sehr schöne Auswahl nröglichst gut charakterisirter und seltener Stücke. Eben so empfindlich, wie den Mangel ausländischer Sammlungen, fühlte ich denjenigen mehrerer Hauptwerke, wie Martini, Knorr, Listen, Parkinson, welche sich überall nicht in unserer Stadt finden. Die ältern Werke, von Lang, Scheuchzer, Bourguet, in denen sehr viel Abbildungen von Molasse-Petrefacten enthalten sind, die zum Theil, besonders in Lang-, recht gut wären, können zu systematischen Bestimmungen natürlich nicht dienen, da sie selbst derselben entbehren, und in dieser Rücksicht auf einer Linie mit den Petrefacten selbst stehn. Deßungeacht darf ich hoffen, mit Hülfe zuvörderst von Sowerby und Brocchi, dann der Encyclopedie , Lamarc und mehrerer anderer Werke, das bescheidenere Ziel, das ich im Auge hatte, nicht verfehlt zu haben. Die Untersuchung fossiler Körper kann nämlich aus einem dreyfachen Standpunkte betrachtet werden r Man setzt sich entweder vor,, das System der organischen Wesen durch das Wiederauffinden Verlorner Gattungen und Arten zu ergänzen, und dasselbe überhaupt nicht nur auf die heutige Welt, sondern auf alle Formen auszudehnen, in welchen die Lebenskraft sich je. geoffenbaret. hat. ,,Diese großartige Idee scheint vorzüglich den HH. Cuvier und Lamarc und den deutschen Naturforschern in München und Bonn vorzuschweben. ES ver- XXXVI Vorrede. langt die Ausführung derselben den hohen Grad von Genauigkeit in den einzelnen Bestimmungen, der jede Arbeit auszeichnen soll, welche Anspruch macht, neuen Namen in unsern naturhistorischen Registern eine Stelle zu erwerben und zu sichern. Der zweyte Standpunkt ist rein geognostisch, und den Zwecken dieser Wissenschaft untergeordnet. Man studiert die fossilen Körper im Zusammenhang mit den Schichten, die sie einschließen, und hofft, in den mit der Altersfolge der Erdlager wechselnden Formen sichere Kennzeichen zur geognosti- schen Bestimmung abgesonderter Felöschichten zu sinden. So wie aus dem frühern Standpunkte die Erscheinung des Organismus, mit Abstraction von allen Zeitverhältnissen, als Ein Ganzes betrachtet wird, das wir uns bemühen, aus der noch lebenden und aus der untergegangenen Schöpfung vollständig aufzufassen, so berücksichtigt man auf dem zweyten gerade das Successive in dieser Erscheinung, und sucht für jede durch den Wechsel der Steinlager bezeichnete Epoche der Vorwelt einen Schattenriß der damaligen belebten Natur zu entwerfen, der, für sich ein Ganzes bildend, diese Epoche und ihre Bildungen charakterisire und vor allen übrigen auszeichne. Eine bedeu- tende Anzahl von Geologen, unter denen Hr. von Schlot- heim, Hr. Brongniart und die englischen Naturforscher im ersten Rang stehn, ist gegenwärtig mit dieser chronologischen Anordnung der organischen Formen und der Aufstellung eines phyto- und zoologisch -geognostischen Systems beschäftigt. Daß übrigens auch der erstere Zweck sich mit diesem leicht verbinden lasse, beweist fast jede Seite des über mein Lob erhabenen, classischen Werks von Hrn. Cüvier. Man kann endlich diese letztere Bearbeitung der fossilen Naturgeschichte als vollendet voraussetzen und sich ihrer Resultate bedienen, um das geognostische Alter einer noch zweifelhaften Formation zu bestimmen. Es ist klar, daß zu diesem, mehr topographischen Zweck nicht jene äusserst ge- Vorrede. XXX YII mauen, erschöpfenden Forschungen verlangt werden, so wenig, als man z. B. bey der Aufsuchung eines Minerals im orykto- gnostischen System alle physikalischen, krystallogischen und chemischen Untersuchungen wiederholt, welche bey der Begründung der Species waren vorgenommen worden; so reicht die Bestimmung der Gattungen, denen die Petrefacten angehören, meistens schon hin, um die Formation zwischen ziem- lich enge Grenzen einzuschließen, und glückt es dann noch, auch eine beträchtliche Anzahl von Arten zu erkennen; so wird man selten, mehr über die organische Epoche, deren Ueberrefte man untersucht, im Zweifel seyn. Dieser dritte Standpunkt ist aber gerade der unsrige, es ist der einzige, den man wählen kann, da die unvollkommene Erhaltung unserer Petrefacten die scharfen Bestimmungen, die jene höher» Zwecke fordern, nicht zuläßt. Obschon man, wie wir später sehn werden, nicht erwarten darf, sich auf demselben ganz frey umsehen zu können, und von allem Irrthum frey zu bleiben, so glaube ich doch, daß eine neue, mit bessern Hülfsmitteln unternommene Bearbeitung die wenigen, aber nicht unwichtigen Folgerungen, die sich mir aus meinen Untersuchungen zu ergeben scheinen, wohl erweitern und befestigen, aber nicht wesentlich modificiren oder gar widerlegen werde. Die Zeichnungen zu den zwey Lithographien verdanke ich der Freundschaft der HH. E. Vollmar und G. Sind er. Die erste Tafel, von Hrn. Studer, enthält oben die Aussicht vom Längenberg auf die Gebirgs- und Hügelreihen des Berner- Oberlandes und des Emmenthals und dient, theils zum Belege der kurzen Schilderung unserer Bergformen, im Anfang dieser Vorrede, theils als vollständige Profilzeichnung des höher» Theils der Molaffe-Formation, ihres südlichen FallenS in der Nähe der Kalkgebirge, ihrer Umbiegung in der Falken- fiuh und ihres nördlichen Fallens im Kurzenberg; theils endlich soll sie die topographischen Karten über einen großen Theil des Gebietes, das wir nun näher kennen lernen wollen, xxxvm Vorrede ergänzen und einigermaaßen ersetzen. Die untern Profile, deren Lage gegen den Meridian, an beyden Enden der Grundlinie durch den Grad angezeigt ist, in dem fie den Horizont schneiden (die Grade von Nord ostwärts gezählt), zeigen, in vier der interessantesten Punkten, die Lagerungsverhältnisse der Nagelfluh und Molasse zu dem ältern Sandsteingebirge und unter sich selbst. Die genaue Detailkarte der zweyten Tafel, von Hrn.Vollmar, war eine unentbehrliche Zugabe zu den sehr in's Einzelne gehenden Loealbeschreibungen des vierten Capitels. Ihr Maaß ist Vmooo der wahren Größe. Mit ehrerbietiger Dankbarkeit endlich erkenne ich die mannigfaltige Erleichterung, die mir die freye Benutzung des hiesigen Museums gewährt, und das schmeichelhafte Zutrauen, womit die Hohe Stadtbehörde meine Anordnungen auf demselben zu genehmigen und möglichst zu unterstützen geruht hat. Alle Gebirgsarten und Petrefacten, die ich während der Ausarbeitung dieser Schrift und früher einzusammeln Gelegenheit geftrnden, sind von mir mit der öffentlichen Sammlung ver, einigt worden, auf sie beziehn sich die Nummern, die oft den fpeeiellen Beschreibungen beygefügt sind, und jedermann steht es frey, durch eigene Ansicht die Richtigkeit meiner Angaben zu prüfen. Es ist damit der Grund gelegt zu einer allgemeinen Sammlung der schweizerischen Steinarten, von der sich später, sowohl die vaterländische Industrie, als die Wissenschaft wichtige Dienste versprechen dürfen. Vorrede. XVII der Reihe der Erdlager unmittelbar auf die Formation der Kreide/ der jüngsten des Secundär- oder Flötzgebirges , oder der obern Mirtelordnung. Da nun die Molasse sichtbar dem Jurakalk aufgelagert ist/ und die letzten Lager des Jura der Kreide angehören/ so scheint in der That die neuere Ansicht über die Natur der Molasse fest genug begründet. Ich mochte indessen zu bedenken geben/ daß die Molasse in der Nähe und im Innern des Jura nicht mehr als die mächtige Formation auftritt/ die an den Alpen und gegen die Mitte des großen Schweizerthales hohe Gebirge und Hügel bildet/ sondern gewöhnlich nur in wenig bedeutenden/ zerrissenen Sandmassen/ kaum von . den neuesten Anschwemmungen zu unterscheiden / vielleicht größ- tentheilö wirklich denselben angehörend und au§ zerstörter Molasse regenerirt. Der Stammsttz der Formation liegt unstreitig in der Nähe der Alpe«/ dort müssen wir Licht suchen über ihr Alter und Herkommen , und nicht bey ihren ausgewanderten und ausgearteten Gliedern. Von den Enkeln auf die Vorfahren schließen zu wollen/ wäre gewiß ein eben so grober Verstoß gegen alle Erfahrung/ als oft das Umgekehrte. In der Gegend von Paris und London liegt auf der Kreide eine Thonformation (arZile plasttgue) die öfters Sand aufnimmt/ und in einen wahren Sandstein übergeht/ zuweilen auch mit Gerölllagern wechselt; in England ist der Sand und Sandstein sogar vorherrschend. Von organischen Ueberresten enthält sie nefterweise Braunkohle und bituminöses Holz/ seltner/ theils Süßwasser-/ theils Meerconchylien. — - Auf diesen Thon und Sandstein folgt eine neue Formation , die bey PariS größtentheils aus einem sandigen Kalk von verschiedener Festigkeit (calcaire grossier)/ in England gewöhnlich aus Thon (London clay ), mit untergeordneten Lagern von Sandstein/ Mergel und Kalk und platt ellipsoi- dischen Knauern (Septarä) von merglichtem Kalk besteht 18 ). In beyden Ländern zeichnet sie sich aus durch die große Menge * 18 3 Geology of England and Wales. xvm Vorrede. und die gute Erhaltung der in ihr eingeschlossenen fossilen Conchylien. DieHH. Beudant und Bück land sehen die Nagelfluh und Molasse für die Plastische Thonformation an, und finden den Pariserkalk (calc, grossier) in den Lagern von Muschelsandstein wieder , welche die Molasse längs dem Jura, zu Tour-la-Moliere bey Estavayer, auf dem Bucheckberg mt& - besonders ausgezeichnet im Aargau, zu Mägenwyl, Mellingen und Würenloö, bedecken. Hr. Beudant hat die Molasse- Formation beynah längs der ganzen Alpenkette bis tief in Ungern verfolgt und sie hier, wie in der Schweiz, theils ältern Sandsteinformationen, die er für das Steinkohlegebirge ansieht, theils dem Jurakalk aufgelagert gefunden. Der ununterbrochene Zusammenhang, die vollkommene Uebereinstimmung der Gebirgsarren, die Gleichförmigkeit der Lagerung, und eine Menge anderer Umstände lassen über die FormationS- Jdentität der Schweizer Molasse und der Ungrischen keinen Zweifel zu; diese wird aber von einem sandigen Kalk bedeckt, den Hr. Beudant und wie es scheint, alle Geognosten, die feine Sammlungen gesehn, für Pariserkalk anerkennen, und die Molasse, zwischen Jurakalk und Pariserkalk eingeschlossen, nimmt demnach ganz die Stelle des Plastischen Thons ein, mit dem sie ohnedieß, besonders wie derselbe in England erscheint , die größte Aehnlichkeit hat. — Man wird leicht ge- stehn, daß es schwer seyn würde, jedes geognoftische Theorem mit einem so gründlichen Beweise zu versehn. Die Ansicht des Hrn. Buckland 19 ) weicht nicht wesentlich von der eben erwähnten ab, nur betrachtet er mehrere unserer Braunkohlelager mit Süßwassermuscheln, wie z. B. die von Käpfnach und St. Saphorin, als bedeutend jünger als die Molasse, während Hr. Beudant sie mit zu dieser Formation zählt. Journal de Phys. 1821. Juill. Vorrede. XIX Hr. von Humboldt?») sucht ungefähr dieselbe Ansicht mit mehrern Thatsachen/ die ich sogleich anführen werde / dadurch in Einklang zu bringen/ daß er die Molasse-Formation als parallel/ sowohl mit dem Plastischen Thon und dem Pariserkalk/ als mit der zunächst auf diesem liegenden Gyps- formation annimmt/ so daß die Molasse beynah die ganze Lagerfolge des Tertiärgebirges/ aber mit verwischten/ nicht/ wie zu Pariö und in England , mit Sicherheit zu bestimmenden Formationsabsonderungen/ darstellen würde. Ziemlich abweichend sind hingegen die Resultate/ die Hr. Brongniart?')/ freylich nur mit großer Behutsamkeit und als noch sehr der Bestätigung bedürfend , in mehrern Schriften bekannt gemacht/ oder wenigstens angedeutet hat. Zu besserm Verständniß derselben müssen wir aber die obere Ordnung auch in ihren jüngern Gliedern kennen lernen. Der grobe Kalk wird zu Paris durch eine Mergel - und Gypsformation bedeckt/ welche das Grab einer Vorwelt gewesen ist/ und in unglaublicher Menge die Knochen mannigfaltiger/ jetzt ganz unbekannter Land- und Sumpfthiere/ Anoplothenen/ Paläotherien/ Lophiodonten u.a.m. einschließt. Im Hügel von Montmartre / der in dieser Hinsicht/ durch die unsterblichen Verdienste Hrn. Cuvier's/ vorzüglich berühmt/ und deßwegen als Typus der ganzen Formation betrachtet worden ist/ hat der Gyps ein bedeutendes Uebergewicht vor dem Mergel; es scheint aber nicht/ daß sich dieß anderwärts eben so verhalte , und das Vorkommen der Formation zu PariS dürste wohl eher ftir ein seltnes/ ganz locales/ alS für das normale anzusehen seyn. — Zu Buchsweiler sind die Knochen in einen hellgrauen/ dichten Kalk eingeschlossen/ der in horizontalen Lagern auf Jurakalk liegt; zu Momabusard bey Orleans in einem harten Mergel/ der von Dammerde bedeckt wird/ und eine Mächtigkeit von ungefähr 20 Fuß zeigt; zu 20 ) Gisement des roches, p. 3o8. 21 ) Env. de Paris, p. 353. XX Vorrede. Argenton ttt einem ähnlichen Mergel von mehr als iS Fuß Dicke; an allen diesen Orten sind , wie zp PariS, einige Lager ganz angefüllt mit Süßwasserfchnecken; anf der Insel Wight/ der einzigen Stelle in England/ wo diese Formation ist aufgefunden worden/ hat man noch keine Knochen/ sondern nur Süßwasserfchnecken entdeckt/ und die Steinart ist ebenfalls nicht Gyps/ sondern ein sandiger/ zuweilen durch eine Bey- mengung von Kohle braun gefärbter Kalk-oder Thonmergel. Auf diese höchst merkwürdige Süßwasserformation folgen Lager von Sand / Mergel und Kies/ zuweilen agglutinirt zu festem Masse«/ oft eine sehr große Menge von Meereonchylien enthaltend/ welche größtentheils von denen des PariferkalkS verschieden sind/ und dagegen fast ohne Ausnahme mit den noch heut in unsern Meeren lebenden Arten übereinstimmen. Zu PariS zeigt sich diese Formation auf der Höhe von Montmartre/ und zeichnet sich durch zwey Lager mit fossilen Austern auS/ die sehr gut erhalten sind/ da der darüber liegende Sandstein hingegen nur undeutliche Steinkerne enthält. In England/ wo dieselbe in Effex und Suffolk unter der Benennung Crag erscheint/ und auf der Insel Wight haben die fossilen Muschel»/ die sie einschließt/ meistens sehr wenig gelitten. Vielleicht gehört auch der harte / zum Theil Kieselgeschiebe enthaltende Sandstein dieser Formation an/ aus dem die Druidensteine zu Stonehenge und AmeSbury besteh». Endlich liegt auf dieser obern Meerformation an mehrern Orten/ alS das letzte jüngste Glied des Tertiärgebirges/ eine Süßwasserformation/ die aus merglichten/ hellbräunlichen oder gelblichweißen Kalkschichten besteht/ und sehr viele Süß- waffereonchylien enthält. Mehrere Gründe/ die mir von großem Gewicht scheine«/ haben Hrn. Brongniart anf die Vermuthung gebracht/ daß daS Analogon unserer Molasse-Formation eher in diesem jünger« Theile deö Tertiärgebirges, alS im Plastischen Thon und Pariserkalk zu suchen sey. — ES sind in den Braunkohle- Vorrede. XXI lagern der Molässe Knochen und Zähne gefunden worden, welche nicht einmal Thieren vom Alter derjenigen von Montmartre, sondern solchen angehören, die anderwärts im aufgeschwemmten Lande gesunden werden; es können daher diese Lager unmöglich den Plastischen Thon bezeichnen, wie Hr. Beudant annimmt, und um so weniger kann die ziemlich hoch aufliegende Molasse dieser Formation beygezählt werden. — Die Meerpetrefaeten der Schweizermolasse waren zwar Hrn. Brongniart so viel alö unbekannt, als er die neue Ausgabe der Environs de Paris bearbeitete, kurz vorher aber hatte Hr. Prevost seine wichtige Beschreibung der Wienergegend 2i ) im Druck erscheinen lassen, und gezeigt, daß die Petrefacten der dortigen Molasse auffallend mit denen der subapenninischen Hügel übereinstimmen, — eine Zusammenstellung, die, in Bezug auf unsere inländischen Petrefacten, früher schon , und wie ich glaube der erste, Hr. I. A. Deluc 23 ) versucht hatte. Um dieselbe Zeit, als die Arbeit von Hrn. Prevost, war auch Hrn. SchläpferS Verzeichniß der St. Galler Petrefacten 24 > erschienen, welches zu demselben Resultat führte; diese Abhandlung , in der Hr. Brongniart sichere Grundlagen zu seinen Vermuthungen gefunden hätte, scheint aber in Paris nicht bekannt geworden zu seyn. -- Nun aber sind die fossilen Muscheln der subapenninischen Hügel wesentlich verschieden von denen des Pariserkalks, und ihre Arten finden sich größtemheilö noch in unsern Meeren, Hr. Brongniart glaubt daher diese Sand- und Mergelbildungen, die wir durch das classische Werk von Hrn. Broechi sehr genau kennen, mit der obern Meerformation von Montmartre und dem Crag von Suffolk in Verbindung setzen zu sollen, und wirklich lassen sich dieselben aus dem mittlern Italien durch Piemont und das südliche Frankreich bis in die Nähe der Parisergegend fast ohne Unterbrechung ver- 22 ) Journal de Phys. 1820. Nov. p. 23 ) Naturwiss. Anzeiger in. Nr. 5 , 24 ) Neue Alvma I. G. 268. XXII Vorrede, folgen. Aus dem Anschließen unserer Mokllsse an die sub- apenninischen Formationen folgt also von selbst auch ihre Identität mit der obern Meerformation. Es ist dieser kurze Abriß deS gegenwärtigen Zustandest der alpinischen Geognosie wohl hinreichend, um zu zeigen, wie dringend jeder Theil derselben eine neue und schärfere Untersuchung fordere; auch erklärt stch wohl am beßten aust demselben, warum seit der Erscheinung des genialen, und um die Begründung und Aufklärung der vaterländischen Ge- birgskenntniß höchst verdienstvollen Werkes Hrn. Ebels kein neuer Versuch gemacht worden ist, eine umfassende Geognofie der Alpen zu schreiben, die den Forderungen unsrer Zeit entspräche. Wer dürfte an die Vollendung des Gebäudes denken, während die Grundpfeiler, die man für die festesten hielt, zu wanken beginnen, oder gar zusammenstürzen? Hr. Escher selbst, dem,wir die ersten wissenschaftlichen und mit höherm Sinn aufgefaßten Ansichten über die Natur unserer Gebirge verdanken, scheint in spätern Jahren und je mehr sich sein Reichthum an geognostischen Studien, an Profilzeichnungen und Panoramen aus allen Gegenden der Schweiz anhäufte, die Aufstellung einer umfassenden Theorie, wie früher der große Saussure, immer schwieriger gefunden zu haben; sein unbefangner, klarer Verstand zeigte sich in der strengen Crilik, mit der er alle voreiligen Versuche prüfte und zurückwies, eben so sehr, als sein tiefes Gemüth in der Begeisterung für das gemeine Wohl, dem er seine Lieblingöwissen- schaft und sein Leben zum Opfer gebracht hat. Was aber weniger zu erklären seyn möchte, ist, daß un- geacht des Vortrities so großer Meister, ungeacht rings um uns her, in Italien, Frankreich, Deutschland, die Geognosie mit Riesenschritten vorwärts geeilt ist, und ein allgemeines , immer noch steigendes Interesse gewonnen hat, bey Vorrede. XIIII uns/ ich spreche nur von dem, was zur öffentlichen Kenntniß gelangt ist, sogar die Vorarbeiten zu jenem großen Werk in'S Stocken gerathen, oder gar noch nicht angefangen sind. Die sehr veränderte Gestalt, in welcher der Ban der Erde im pengebirge in unsern Tagen erscheinen würde, ist mehr Wirkung von refleetirrem, als von eigenem Licht, und mit Beschämung muß man sich gestehen, daß wir unsre Alpen, die Bundeslade der getrennten Schweizerftämme, mit weniger Fleiß und Liebe durchforscht zu haben scheinen, als andere Völker ihre Kieshügel und Sandhaufen. — Wahr ift's indessen, daß sich der gründlichen Gebirgöforschung in der Schweiz mehr Hindernisse, als in keinem jener Länder entgegensetzen. Die Armuth des Landes an mineralischen Produeten beschränkt den Beobachter, der anderwärts oft die wichtigsten Aufschlüsse in den Gruben der Bergwerke findet, bey uns fast ausschließlich auf die natürlichen Felsen und Anbrüche; der Berg- mannsftand, aus dem sich die Mehrzahl der gründlichen Ge- birgsforscher entwickelt, hat aus demselben Grunde in der Schweiz gar keine Existenz erhalten, und auch die verwandten Berufsarten, deren Bedürfniß sich immer dringender flih- len läßt, je mehr unsere begünftigtern Nachbarn in aller Art Industrie uns voraneilen, der Stand der Straßen- und Wasserbaumeister ;. B., sind bis jetzt noch ohne Unterrichtsanstalten, und ohne Aussicht auf Anstellung und Gehalt geblieben. Die Geognosie steht aber auch darin im vollkommensten Gegensatz mit ihrer ältern Schwester, der Astronomie, daß sie, ein Kind unserer eisernen Zeit, lange nur unter dem Schutz gewinnbringender Gewerbe ein Obdach fand, während diese erst, nachdem man sie in Tempeln verehrt hatte, ihre Diener auch mit irdischen Gütern beschenkte. ES geräth endlich nur zu oft in der erhabenen Natur unserer Alpen der besonnene Ernst der Detailbeobachtung in Streit mit dem poetischen Gefühle. Auch der Wüthigste muß sich, bey'm Anblick dieser großen Massen, gestehen, daß sein Leben nicht aus- XXIV Vorrede. reichen werde/ nur einen kleinen Theil derselben mit Genauigkeit zu untersuchen ; das ermüdende Anklopfen und Nachzählen der einzelnen Schichten an den tiefern Gehängen, das Abmessen ihrer Neigung/ die nähere Betrachtung der Steinart/ erscheint ihm wie Pygmäenarbeit/ es reißt ihn fort auf die Höhen/ die ihm allgemeine Uebersichten versprechen/ auf die erhabenen Gipfel/ die seit seiner Kindheit ihn gelockt/ und in der unaussprechlichen Wonne/ die dort seiner wartet/ fühlt er sich der tief unter ihm liegenden bewohnten Erdfläche, der Menschheit und allen ihren Interessen entrückt/ die Spannkraft seines Willens erschlaffet, und selbst die edle Begeisterung fiir Wissenschaft weicht dem ungemischten/ innigen LebenS- gefühl, das seine ganze Seele fesselt. Eine gründliche und von dem Wechsel der Systeme unabhängige Geognosie unserer Alpen kann' aber nur aus genauen Detailbeschreibungen hervorgehen, und diese können nur Inländer liefern, da sie allein im Falle sind, eine Gegend nach allen Richtungen zu durchforschen, und interessante Punkte nöthigenfallö mehreremale zu besuchen. Nur sie werden, voll Liebe zu allem, was der Heimath angehört, jeden Fels und jeden Hügel interessant und der Beschreibung würdig finden, wenn er auch kein Weltsystem unterstützen sollte; nur von ihnen dürfen wir erwarten, daß sie, als treue Chronikschreiber der Natur, die vielartigen Materialien fleißig zusammentragen, deren Sammlung so viel Mühe und so wenig Ruhm bringt. Vergebens werden wir von den Anstrengungen und dem Genie fremder Forscher wahre Aufklärung über die Natur unsrer Gebirge zu erhalten hoffen, wenn wir nicht selbst auch zu mehrerer Thätigkeit erwachen, und, jeder in seinem Kreise, wenigstens jene Vorarbeiten zu fördern streben, deren glückliche Ausführung mehr Fleiß und unbefangenen Geist, als seltne Talente und Kenntnisse erfordert. Um auch das meinige in dieser vaterländischen Aufgabe nicht versäumt zu haben, wage ich es, diese Schrift der Vorrede. XXV Beurtheilung des geognostischen Publikums zu unterwerfen. Treue Darstellung dessen/ was ich auf mehrjährigen Reisen gesehen und gesammelt/ ist daö einzige Verdienst/ nach dem ich gestrebt habe/ und durch unverdrossenes Eintreten in alle wichtigern Details und gewissenhafte Angabe des Grades von Zuverläßigkeit/ den ich in die Beobachtungen setzen zu können glaube / hoffe ich sowohl übereilten Folgerungen vorgekommen zu seyn/ als auch meiner Arbeit eine künftige Brauchbarkeit zugestchert zu haben. Auf die öfters beygemischten allgemeiner» Ansichten und Hypothesen lege ich wenig Gewicht; man kann sie/ wenn man will/ als rhetorische Versuche betrachten/ in Me x Monotonie einer trocknen Beschreibung einiges Leben zu bringe»/ in Wahrheit aber hielt ich mich für verpflichtet/ da alles Sammeln und Beobachten ohne eine leitende Idee zwecklos und unnütz ist/ die Beobachtungen selbst aber hiedurch öfters influencirt werden/ zum Behuf einer kritischen Würdigung meiner Angaben diejenigen Ideen anzugeben/ die mir vorgeschwebt hatten.— Möchten die/ mit unsern Alpen dnrch langes Studium vertrauten GebirgSfor- fcher in Lausanne/ Bex/ Aarau/ Basel/ Zürich/ diese Schrift ihrer Beachtung nicht ganz unwerth finden/ möchte wenigstens der Muth/ mit so geringer Ausstattung an's Licht zu treten/ fie bewegen könne»/ «n§ mehr/ als bis jetzt geschehen/ von ihren wissenschaftlichen Schätzen mitzutheilen. Die Formation der Molaffe schien mir vorzugsweise eine neue Untersuchung zu verdienen. . Sie ist für uns Schweizer unstreitig die wichtigste/ da fie Unterlage eines sehr großen und zwar des fruchtbarsten und bewohntesten Theiles unsers Landes ist/ dessen Agricultur/ Wasser- und Straßenbau aus einer nähern Kenntniß des Bodens und des allgemeinen Baumaterials wesentliche Vortheile ziehen kann. In wissen- schaftlicher Hinsicht hätte ich mir zwar von jeder andern al- pinischen Formation eben so reiche Ausbeute versprechen dür- ken/ es schien mir aber/ des Vorzugs der leichtern Unter- XXVI Vorrede. \ suchung nicht zu gedenken, natürlich und einem allgemeinern llle Plane geognostischer Alpenstudien entsprechend/ an der jüng- . du» sten zuerst meine Kräfte zu prüfen. Eine stchere Bestimmung die der neuern Formationen wirft viel Licht auch auf die älter»/ Hr die stch in häufigen Fällen nur durch die ihnen aufgelagerten — Bildungen erkennen lassen. Ist die Molasse bunter Sand. na stein/ oder gar Todtliegendes und der letzten Kalkkette an- ab» gelagert/ so fallen alle Meinungen/ welche diesen Kalk alt für Jurakalk/ oder Kreide erkläre»/ von selbst weg; ist ste da» hingegen neuer und gehört ste dem Tertiärgebirge an/ so haben wir für unsern Alpenkalk unter allen Kalkformationen fük des geognoftifchen Systems ganz freye Wahl. — Die Wich- Bl tigkeit dieser Arbeit läßt stch auch aus einem andern Ge- zu stchtSpunkte noch betrachten. Die nähere Bestimmung einer in schweizerischen GebirgSformation könnte am Ende eine An- B« gelegenheit von nur localem/ mehr topographischem als geo- fiel gnoftifchem Interesse scheinen/ da es der allgemeinen Geo- de» gnofie insoweit gleichgültig seyn mag/ ob dieses oder jenes rm einzelne Gebirge aus Plastischem Thon/ buntem Sandstein/ ge oder Gräuwacke bestehe; aber das Auftreten der Molaffe in At einem so beträchtlichen Theil von Europa/ die colossalen Masse«/ die sie/ in der Schweiz vorzüglich/ bildet/ ihre man- ich nigfattige Beschaffenheit in unserm Lande/ die alle Nüancen sti vom Harten zum Weichen und Locker»/ vom Schwarzgrauen pj zu ganz hellen Farben / von derRagelfiuh mit cenmerschwe- La ren Geschieben zum feinkörnigste»/ dichtem Kalk/ oder Quarz- Gl felö ähnlichen Sandstein durchläuft/ die Mannigfaltigkeit äu und der Reichthum ihrer Petrefacten endlich / lassen uns / ei» wenn nicht ein neues Glied des geognostischen Systems zu ge finden/ doch zuverläßig sehr wesentliche Zugaben und Erwei- be terungen zu der Charakteristik eines bereits aufgenommenen hö erwarten. Auch haben sich mehrere unsrer ersten Geognosten ~ bereits über das dringende Bedürfniß dieser Untersuchung ausgesprochen: — »auf die Schweiz muß immer jede Ver- Erstes Capitel. Die äußern Formen der Gebirge/ Hügel und Thäler. ^Mir haben schon vorhin bemerkt , wie die bis oben bewachsenen Gebirge und Hügel, mit deren näherer Untersuchung wir uns nun beschäftigen wollen, von den Alpen gegen den Jura zu allmählig an Höhe abnehmen und sich zuletzt kaum mehr über die Bildungen des aufgeschwemmten Landes zu erheben vermögen. Etwas ähnliches'scheint'auch nach der Tiefe statt zu finden; denn so wie in der Nähe der Alpen auch in den tiefsten Profilen und Abgründen noch keine Spur einer verschiedenartigen Grundlage entdeckt werden kann, so sieht man am Jura hingegen die Molaffe dem Kalk oft in so geringer Mächtigkeit aufgelagert, als ob die Formation sich hier vollkommen auskeilen wollte. Die ganze Masse von Steinarten, die das große Thal zwischen beyden Kalkgebirgen ausfüllen, scheint daher die Gestalt eines coloßalen Prisma'S zu haben, das mit einer Seitenfläche senkrecht an die Alpen anstößt und mit der entgegengesetzten Schärfe den Fuß des Jura bedeckt. Die obere Abdachung dieses Prismas, oder der ElevationSwinkel, unter dem man am Fuß des Jura den über die Horizontal - Ebene emporragenden Theil seiner himern Fläche sehen würde, beträgt in unsern Gegenden, wenn wir die Höhe der Gurnigelberge und die Distanz an den Bieler-See zum Grunde legen, ungefähr 1», 46', im Emrnenthal, für den Napf und die EnMnung nach Aarwan. gen 1°, 46', in der mittlern Schweiz, zwischen dem Rigi und der Gegend von Mellingen 1°, 55', im Mittel also i°, 50'. 2 I. Cap. Die äußern Formen Dem Beobachter am Jura stellt fich die Gesammtheit i dieses Hügellandes/ wenn , bey etwas düsterer Atmosphäre/ die Umriße der Bergrücken und die Schatten der.Thäler weniger scharf erscheinen/ wirklich als eine ununterbrochene sanft i ansteigende Ebene dar; wenn man aber mehr gegen Mittag zu i vorschreitet / so wird dieser einförmige Eindruck beynahe ganz j ausgelöscht: man findet breite Thäler und ausgedehnte Ebenen / j erhöhte Plateaux und langgezogene Rücken / und bemerkt nur < an der stetö wachsenden Erhebung und größer« Steilheit k , der Hügel/ daß die frühere Vorstellung nicht ganz Täuschung \ war. ' ! Die Gebirgszüge, welche den Alpen Näher , liegen/ tragen meist noch einen alpinischen Charakter. Ihre , Richtung ist die der anstoßenden Kalkketten/ mit denen ste , gewöhnlich durch stark erhöhte/ sattelförmige Plateaup/ oder durch hohe Querjoche zusammenhängen; die Umriße der f Rücken find ziemlich scharf; die dem niedrigen Land zugekehr- t ten Abhänge steil/ nicht selten felsigt/ oft auch durch Stufen e unterbrochen/ an mehrern lassen fich die Kanten der mächtigen ( Schichten/ die zuweilen einige Meilen weit gleichförmig fort- ( setzen / auch unter der Grasdecke erkennen und geben dem § Abhang die Gestalt einer riesenhaften Treppe; die mittäg- 5 lichcn Abhänge; find! weniger geneigt/ aber sehr uneben und bucklicht. z ES beginnt diese Reihe paralleler Vorgebirge bereits in \ der Gegend von ViviS und begleitet die Kalk kette des $ Molezon bis fast in die Nähe von Lulle; bey Chätel St. y Denis, Semsale und noch mehr westlich steht man nur die § höchsten Gipfel des Molezon hinter den steilen / meist mit z Tannwald bekleideten Wänden dieses VorwallS emporragen. t Wo das Kalkgebirge plötzlich abbricht/ wird auch ste stark g erniedrigt/ aber schon bey Greyerz steht man ste wieder am andern Abhang desMcklezon fortsetze« / bis hoch in das Sannen-Thal hinauf/Md auch an der rechten Thalseite ver. 2 3 der GeArge, Hügel und Thäler. deckt sie wohlthätigem Auge die fürchterlich schroffen Fels, mauern der Raye de Pezarneza. Der Mont-Alire muß schon einer andern Claffe von Gebirgen angehöre«/ denn seine Kalk-Wände erreichen den »bersten Rücken und seine Form ist mäßig/ wie die der Kalk- gebirge , doch ist er «och stark bewachsen; aber in dem scharfen Rücken der 1731--- (5326') hohen 0 Bera/ so auffallend ähnlich dem Rücken den von ewigem Schnee bedeckten Gnens- maffen der Thierberge/ und in dem sanft gewölbten Buckel der Schweinsberge übersteht man die beyden Extreme der Formen dieser Vorgebirge mit einem Blick, und kann wohl über die nahe Verwandtschaft des einen dieser Berge mit dem andern, aber unmöglich über ihre Verschiedenheit von den Kalkgebirgen im Zweifel bleiben. Höher noch als die Bera und die Schweinsberge erheben sich vor dem westlichen Theil der Stockhornkette die Gnr, nigelberge, in der HaÜstädtegg 1419“ (43680/ in der Pfeife I657 m (S102O, im Schöpfen 1726-° (53130 ,, im SeeliSbühl 1753-° (53960/ im obern Gurmgel 15L4--- (47840. 0 ES ist indeß dieser hohe Rücken nur als die nördliche Grenze einer ausgedehnten Gruppe bewachsener Verberge zu betrachten, die zwischen Kaisereggschloß am Schwarzen-See und Hallstädtegg eine Breite von wohl »wey Stunden erreicht und durch die verschiedenen Zufiüsse der Sense in mehrere Gebirgsjüge zertheilt ist. Im Seelis- bühl nähert sich die Gurnigelkette dem Kalkgebirge am meisten und stößt daselbst in der Wasserscheide der Sense und Gürbe an den Gantrisch. Ihr südlicher der kalten Sense zugekehrte Abhang ist sehr uneben, aber ganz bewachsen, theils mit Alpweiden, theils mit Tannwald; am nördlichen sind« man wild zerstörte Felsen unten an der Pfeife und am Trigvn. Bestimmung von Hrn. Pros. Trechsel. O Alle diese, so wie die nächstfolgenden Angaben beruhen auf trigvn. Meßungen von Hrn. Jng. Hauptmann Lütbardt. 1 * I 4 I. Cap. Die äußern Formen Schupfen, doch bedeckt finsterer TannwM auch den größten Theil desselben. Parallel mit der Gmnigelkette streichen nördlich der I300 m (40020 hohe, nach beyden Seiten steil abfallende Schwende lb erg, östlich die hochgewölbte G ibeleg g und noch mehr nördlich' feie I054 m (3245,) hohe RüggiSbergegg; selbst im Plateau desLängenbergs glaubt man, in der B ü sch e l-- egg und jmEbnat, noch Spuren dieses ParallelismuS zu erkennen. Zwischen dem steilen östlichen Abfall des Gurnigels und Thun fehlen die Gebirge dieses Ranges gänzlich und die Kalkkette fällt beynahe frey von aller Bekleidung in die Ebene von Blumenstein und Amsoldingen, die fich, nur von wenig bedeutenden Hügeln und sanften Erhebungen unterbrochen, bis an den Fuß der nördlich liegenden Plateaux erstreckt. ES ist diese Niederung als ein Theil des großen KesselS des Thu- ner-SecS zu betrachten. Hinter Thun aber erhebt fich wieder ein neues und weitläufiges System von bewachsenen Gebirgen, ein ausgedehntes t sehr unebenes Plateau, das sich südlich an die Kalkkette der Ralligftöcke anlehnt, gegen Norden sich in dem steil zu- geschärften Kamm der Honeggen und dem mehr gerundeten H o mberg endet, und von Thun biSRalligen das östliche Ufer des Thuner-Sees bildet. Das Innere dieser dreyeckigten Ge- birgSmasse wird vielfach durchschnitten von Tobeln und Wasser- rünsen, die gegen die Zuhl auslaufen, welche in westlicher Richtung daS Plateau mitten durchschneidet und zwischen den Honeggen und dem Homberg in einer engen Felsspalte den Ausweg ins große Aarthal findet. Von den Ralligstöcken bis zu der Blume über SigriS- wyl, dem höchsten Punkte des Plateau's, wenn nicht die Honeggen sie noch übertreffen, ist kaum noch eine Spur von dem gleichförmigen Streichen mit der Alpenkette zu entdecken; das Gebirge erscheint in gerundeten Massen, welche steil, der Gebirge , Hügel und Thäler. s wohl selbst in senkrechten Felsen in den See abfallen , und durch tiefe Graben wie zersägt sind; aber von da bis Thun bemerkt man in der Höhe des Abhangs mehrere Einschnitte, die nicht nur Joche zwischen anstoffenden Seitenthälern, sondern Vertiefungen zwischen parallelen Rücken, also unvoll. kommene Längemhäler zu seyn scheinen, und bey Thun selbst endigt sich das Gebirge in ausgezeichneter, von den Köpfen der südlich fallenden Schichten gebildeter Treppenform. Unverkennbar ist aber der schöne ParalleliSmuS mit der Alpenkene in dem breiten Rücken des BuchholterbergeS und in dem nördlicher liegenden Kurzenberg. Der erstere, nach beyden Seiten ziemlich sanft abfallend, erhebt sich im Stauffenhubel auf U57 m , in der Aeschlenalp auf I2i6 m3 ) und endet gegen das Diesbachthal in der durch ihre Größe und Höhe ausgezeichneten Falkenfluh. Der andere, durch die breite Wasserscheide von Linden mit jenem zusammenhangend, kehrt seinen steiler«, doch nirgends entblößten Abhang den Alpen zu, der nördliche hingegen erstreckt sich mit geringer Abdachung bis an den Fuß des Blasen. Wie am Buchhol- terberg ist auch nur am westlichen Ende der Fels abgedeckt Fast wie die Gurnigelberge der Stockhörnkette, so liegt wohl die nicht viel niedrigere Loch feite den Schratten vor, nur ist das westlich auskaufende Längenthal kürzer als das Thal der kalten Senfe und der hohe Querdamm, der beyde Ketten verbindet, erweitert sich zu einer Ebene, auf der mehrere Alpen liegen. Sonst erstreckt sich die Aehnlich- keit bis auf die Beschaffenheit der Abhänge; der mittägliche verflacht sich ziemlich sanft in vielen Unebenheiten, der nörd- liche fällt steil gegen Schangnau äb.— Auch daS östlich an- stossende Hürndli zeigt ähnliche Verhältnisse. Vorzüglich ausgezeichnet sinden wir sie aber in dem langen und mäßigen Rücken der Bäuchlen wieder, der sich hinter Eschholzmatt steil bis zu großer Höhe erhebt, gegen das Kalk gebirge aber 3) Nach eigenen, leider nicht controllieren Barom. Meßungen. 6 ' I. Cap. Die äußern Formen so langsam abfällt/ daß selbst die Wald-Emme ihr Bett sich in ihren Fuß graben mußte; ein hoher Querdamm/ an dessen Seite die Hilfern hinunterstürzt/ verbindet die Bauchten / wie das Hürndli und die Lochseite/ mit den Schratten. Wir könnten diese Parallelketten wahrscheinlich längs dem ganzen nördlichen Saum der Alpen verfolgen. Die Far- nern und First/ die Wandfluh und das Schwarzflühli am Pilatus/ der Rigi/ die hohen Kette»/ die in Appenzell dem Säntis vorliege«/ diejenigen zwischen Bregen; und dem Jllenhal / die sich im Rindalberhorn bis auf 1813™ (55820 0 erheben/ gehören alle in diese Gruppe regelmäßig streichender alpinischer Gebirge und werden auch in den Topographien gewöhnlich mit den Alpen vereinigt. In weiterem Abstände von dem Kalkgebirge wird t>er. Parallelismus undeutlicher / die Rücken verlieren an Höhe und breiten sich dafür mehr aus , das erhöhte Land erscheint in Gestalt von Gebirgöstöcken und Plateaux/ und die Ausläufer derselben verlieren sich zuletzt/ mit immer abnehmender Höhe und häufig durchbrochen von Querthälern, in den Niederungen am Jura. So liegt den parallelen Nucken des GurnigelS/ der Gibelegg und Rügglsbergegg der weitläufige Gebirgöstock des Längendergs vor/ östlich gegen daS Gürbenthal schroff/ zum Theil in ausgedehnten Felsen abfallend/ westlich gegen die Sense zu sich abdachend/ und in seinem Innern von Tobeln zerrisse»/ die seine Gewässer dem Schwarzwasser zuführen. Seine größte Höhe erreicht der Längenberg in der Bütschelegg/ 1063 m (34740/ unfc im Tschuggen/ 1003™/ als die mittlere Höhe desselben kann die von Zimmerwald/ 868™ (26720/ gelten 0 / der^Thalboden an der nordöstlichen Ecke des GebirgöftockS/ bey Belp/ hat/ wie früher schon bemerkt worden / eine Höhe von 530™. 0 Weiß/ Süd-BaiernS Oberfläche. 0 Die erste und letzte Höhe nach trigon. Messung von Hrn. Lüthardt/ -er Gebirge, Hügel und Thäler. ,7 Von geringerer Ausdehnung / sonst aber manche Aehn- lichkeit mit dem Längenberg darbietend/ folgt mehr östlich das Plateau des BelpbergS, auf drey Seiten von -er Aar und Gürbe umflossen und steil gegen ste abfallend/ an der Nord - West - und Oft - Seile sogar, im Hintergrund halbkreisförmiger Tobel/ deren Wände von der obern Kante des Berges trichterförmig nach unten zusammenlaufen / den nack- ten Fels zeigend; an der schmälern Mittag-Seite in einen niedrigern Hügelzug sich verflächend, der mit dem hüglichten Land von Amsoldingen und Blumenstein in Verbindung steht. Der in zahlreichen / zerstreuten Höfen bewohnte Rücken dieses Plateau'S ist sehr uneben; niedrige Gräte durchziehn ihn., wie auch den des LängenbergS/ in der Richtung von Süd nach Nord und zertheilen die Fläche in sanft vertiefte Mulden; ausserdem finden fich auch Unebenheiten von größerer Bedeutung. Die mittlere Höhe deö Plateau'S mag 820™ betragen/ seine größte Höhe/ 90o m 6 ), erreicht eö in der Harzeren / ungefähr in der Mitte desselben. Ausgedehnter als die beyden vorigen zusammen ist der mächtige GebirgSstock der Emmenthal- und Entlebuch- Gebirge/ zwischen der Aare und den flächern Gegenden des Cantons Luzern. Voml 41Z» (4351') hohen Napf und dem R o m o se r - E n z i/ seinen höchsten Punkten, als von demHaupt- stamme auS/ gehn lange GebirgSzüge/ die selbst wieder häu- stge Ausläufer und Sporen aussenden/ nach allen Richtungen und bilden ein sehr erhöhtes und vielfach durchschnittenes Land, in dem fich der Charakter dieser GebirgSgruppen vollständig entwickelt hat. Die Rücken find selten scharf und erweitern fich öfters zu beträchtlichen Flächen, die mit den Abhängen bald merkbare Kanten bilden, bald mit sehr lang- samer Biegung fich in dieselben verlaufen. Die Abhänge bestehn theils aus mehr oder weniger geneigten gleichförmi- 6 ) Sowohl diese Höhe als die des Napfs nach trigon. Messung von Hrn. Prof. Trechsel. 8 I. Cap. Die äußern Formen gen Ebene»/ die oft Stunden lang ohne Unterbrechung fortsetzen , theils aus einer Verbindung kleinerer geneigter Ebenen und ellipsoidischer Segmente verschiedener Krümmung/ die mit sanften Einbiegungen und Stufen unter einander zusammenhängen; das letztere mehr bey höher« und mächtigern Hügelmassen/ das erstere bey den niedrigen Hügelzügen des liefern Landes; öfters haben die Bäche sich tiefe Graben in den Abhang eingefreßen/ oder gar, bey einem schiefen Lauf an denselben/ kleinere Hügel davon abgelöst; nicht ungewöhnlich ist auch das plötzliche steile Abbrechen eines langen gedehnten HügelzugeS/ als ob wilde Fluchen das Ende davon weggerissen hätten. Selten aber ist der feste Fels von der Dammerde entblößt und sowohl diese jähen Abstürze als die steilen Ufer der Bäche find meist mit Wald und Gesträuch bekleidet; nur in dem Theil des Gebirges/der den Alpen näher liegt / findet der Geognost noch größere Aufrisse und Felswände. Wer die großartige Natur der höher» Alpen lieb gewonnen/ weilt nicht gerne in diesen an Abwechslung der Formen und malerischen Effekten armen Gegenden , aber der Freund der Industrie und des öffentlichen Wohls erfreut sich des Anblicks der reichen Dörfer und Flecken in den fleißig angebauten Thälern/ der zahlreichen Höfe und Alphütten/ die/ im Schatten von Linden oder Ahorne»/ den rundlichen Buckeln und Stufen der Abhänge auffitze«/ der künstlich bewässerten Matten in den tiefern Ländereyen > der fetten Weiden und besser gehaltenen Wälder auf den Höhen. Ein Zweig dieses mächtigen GebirgsstockS begrenzt / vom Enzi ausgehend/ nördlich das Thal von Marbach und Schang-, nau und kehrt demselben einen starken Abhang und nackte Felsen zu; bey Kröschenbrunnen wird er von der JlfiS/ beym Rebloch von der Emme durchbrochen und stößt am linken Ufer der letzter» mit der östlichen Ausbreitung des Buch- holtrrbergS und Kurzenbergs zusammen. Der Naterö/ in der 9 der Gebirge, Hügel und Thäler. Gegend dieses Zusammenftossens steigt auf 1222-°. 7 ) Die Richtung dieses GebirgSzugeö und, wie wir später sehn werden, auch die Neigung seiner Schichten lassen ihn in der That als die östliche Fortsetzung jener beyden Berge und mithin noch als eine Parallelkette betrachten. Wie die Zuhl unter Schwarzenegg und wie die Bäche, die von Sigriswyl her in den Thuner-See fallen, werden auch die Jlsiö und Emme, so lange sie im Profil dieses GebirgszugeS fliessen, zwischen hohen senkrechten Felsen enge eingeschlossen, und beym Reb- loch stoffen beyde Uferwände in der Höhe sogar zusammen und bilden eine natürliche Brücke. Zwischen diesen'beyden Strömen, wo stch das Gebirge im Rämisgum bedeutend erhebt, setzt von diesem aus ein, neuer Rücken in nordwestlicher Richtung bis gegen Signau fort und endet stch hier an der Emme; aber gleich hinter Signau steigt im Blasen eine neue Bergreihe auf, wenn es nicht die vorige ist, die hier von der Emme durchbrochen worden, und streicht in gleicher Richtung, von nun an die Wasserscheide zwischen der Aar und Emme bildend, fort bis nordöstlich von Bern, wo ste im Bantiger noch die Höhe von 95 o m 8 ) erreicht und dann an seiner Westseite in der Sto- ckernfluh steil abbricht. Kaum! lassen stch die flachen gerundeten Hügel, das Grauholz und der Mannenberg noch als ihre letzten Stufen betrachten. Andere Ausläufer des Napfs erstrecken stch nördlich gegen Zofingen und Aarburg bis in die Nähe des Jura's, ziemlich stark erniedrigt zwar und durch Querthäler zerschnitten, doch unverkennbar mit jener großen Gebirgsmasse in^ Verbindung stehend. ES würde uns aber zu lange und weder sehr lehrreich noch angenehm aufhalten, wenn wir dieses Labyrinth von Rücken, Plareaux und Hügeln in allen seinen Theilen durchwandern wollten. 7 ) Mittel zw. den Barom. Resultaten 1222 / 0 . 1221 , 8 . 8 ) Trigon. Bestimmung von Hrn. Pros. Trechsel. 10 I. Cap. Die äußern Formen Es ist höchst merkwürdig wie alle Ketten und GebirgS- stöcke unserer Gegenden in einer geraden Linie, die vom Fuß des Molezon aus parallel mit dem Jura bis nach Wiet- lisbach oder Aarburg fortsetzt, plötzlich und steil abgeschnitten sind. So der ganze steil abfallende Rücken vor der Molezon- Kem und der Bera, der Schwendelberg und das große Plateau des LängenbergS an der Sense, in unserer Nähe der sonst so flache Gurten, Her Bantiger in der Stockernfluh und von da aus alle westlichen Verzweigungen des Emmentha- ler - Geb irgsftocks. Zwischen dieser Linie und dem Jura trägt das Land einen ganz andern fast entgegengesetzten Charakter. Kein Hügel mehr vermag sich aus 1000 » 9 ) zu erheben und alle streichen in langen, auffallend parallelen Zügen mitten aus der Waadt bis an die Grenzen des Aargaus. Das Streichen ist dem Jura parallel, man sollte glauben es wiederhole sich an seinem Fuß der einförmige Bau seiner Kalkgebirge; aber, ungeacht ihrer Länge, sind es keine wahren Ketten, sondern Plateaux: keiner ihrer Abhänge ist der meist horizontalen Schichtung parallel, auch flössen sie nicht in einem schmalen Rücken zusammen, sondern biegen sich in eine zuweilen sehr ausgedehnte obere Fläche um. Schon im Grau holz und in der nordöstlichen Fortsetzung desselben gegen Burgdorf, fast senkrecht auf die Richtung der Bantiger-Reihe, glaubt man diesen neuen Charakter zu erkennen, deutlicher noch ist er im S ch ü p b e rg und in dem mäßigen, 834» hohenFrienisberg entwickelt;aber am auffallendsten tritt er uns in den Hügeln entgegen, die dem Jura noch näher liegen, in dem 642» hohen Mistelachberg und seiner südwestlichen Fortsetzung längs dem Neuenbubger-See, in dem 668» hohen Julimont mit 9 ) Die höchste Stelle des Jorat finde ich auf 3018 ' oder 980-» angesetzt, der höchste Rücken in unserm Canton zwischen der angegebenen Linie und dem Jura , der FrieniSberg, steigt nach einer Barom. Messung auf 834 m. 11 der Gehirge, Hügel und Thäler, breitem, ebenem Rücken und steilen Abhängen, in dem 567°> hohen Jensberg, in dem Dotzingerberg in dem 675--- hohen Bucheckberg ^°), der in zwey parallelen Zügen sich aus der Nähe von Aarberg bis fast nach Wangen erstreckt; sogar alle kleinern Erhebungen des Landes folgen der gemeinsamen Richtung. Dasselbe Gepräge tragen die drey Seen und die ausgedehnten Moore und Sümpfe dieser Gegenden. Es scheinen überhaupt diese Seen ganz anderer Art zu seyn, als diejenigen, die wir am Ausgang der meisten Alpthäler finden: ihre Richtung ist die der anstossenden Gebirgsketten, da die Alpen- Seen hingegen meist Querthäler ausfüllen, und ihre Tiefe, wenn man den einzigen Angabe», die wir darüber besitzen, trauen darf, beträgt kaum den Viertel derjenigen des Genfer- See'S, des Thuner-See's, deö Vierwaldstätter-See'S und der übrigen tiefen Becken am Saume der Alpen. — Höchst merkwürdig ist auch die geringe Verschiedenheit des Niveau'S in diesem ganzen Bezirke. Nach einem äusserst scharfen Nivellement hat Hr. Prof.Trechsel die absolute Höhe deö'Murten-See'S gleich 432, 1 “4 (13310, diejenige des Neuenburger-See'S gleich 432,-° 2 (13300 5) und die des Bieler-See's gleich 431, ---4 (13280 gefunden, und alle drey Seen grenzen südlich und nördlich an große Moore und Ebenen, deren Niveau sich ebenfalls kaum merklich ändert. Südlich vom Neuenburger-und Murten-See dehnen sich diese Ebenen bis nach Lnireroelies uud bis Petterlingen, nördlich vom Murten-See bis nach Aarberg aus; bey Meyenried, wo die Aar mit der Zihl zusammenfließt, ist ihre mittlere Höhe 427, m 5 (13160, also nur 3---, 9 geringer als die des Bieler-See's und von da bis Solothurn fällt sie nur um 2--- (60; von Jferten oder Lntreroolies bis Solothurn, auf eine Länge von 20 Stunden, beträgt also der Fall der Gewässer nur bey 7-°, (20', 5) und irgend eine Hemmung des 0 Nach Barom. Messungen, die letzte Angabe bezieht sich auf die Höhe über Balm und ist das Mittel zwischen 6748 67° 12 I Cap. Die äußern Formen Aar-AbflusseS von dieser Höhe würde das Land MttEntre- roches bis unterhalb Solothurn und von Murren bis Neuenburg entweder Periodisch/ wie zum Theil jetzt schon, oder fortdauernd in einen einzigen großen See verwandeln. ") , Jm Aargausinden wir nichts ähnliches wieder. Die Hügel- züge, statt dem Jura parallel zu streichen, nehmen, aus dem Canton Luzern her, eine fast senkrechte Richtung gegen denselben und nirgends, auch in der übrigen Schweiz nicht, erweitert fich der Thalboden zu so ausgedehnten, beynahe horizontalen Ebenen. Gegen Mittag erheben sich in den Canronen Zug und Schwyz erhöhre Plateaux, wie auch bey uns näher an den Alpen, aber mit etwas verändertem Charakter. Es sind große Kessel, fast ringsum von einer Hügelreihe umschlossen, deren Abhänge stch sanft in den immer noch bedeutend hoch gelegenen mittleren Grund verlaufen. So der Kessel von Egeri, dessen innere Fläche zum Theil von dem schönen See eingenommen ist, so auch der noch größere Keßel von Ei n- ") Alle diese Höhen-Angaben sind mir gefälligst von Hrn. Professor Trechsel mitgetheilt worden, der sich durch das mit beyspiel» loser Thätigkeit und selbst auf Unkosten seiner Gesundheit ausgeführte Nivellement jener Sumpf- Gegenden, die einzig sichere Grundlage jedes CorrectionS-Planes, hohe Verdienste um unser Vaterland erworben hat. Möge eS mir erlaubt seyn bey dieser Gelegenheit meinen frühern Lehrer, der zuerst mich mit Liebe für ernstere Naturstudicn erfüllt und durch aufmunternden Unterricht . meine schwachen Bemühungen so oft unterstützt hat, hier öffentlich meiner größten Hochachtung und innigsten Dankbarkeit zu versichern. Genauere Nachrichten über die Verhältnisse jener Gewässer sindet man in der vortrefflichen Schrift : „Bericht der Schwellen-Com- mißion über die Aar,Zihl, den Murtem-Neuenbyrger- und Bieler- See, die den Hhm. Oberst - Lieutenant Koch zum Verfasser hat. Mehrere wichtige Bemerkungen stehn auch im Bericht der Com- mißion für die Flußverbefferungen im Seeland, von ihrem Präsident Hhrn. Oberamtmann Mao. 13 der Gebirge/ Hügel und Thaler. stedeln, der zwar nur in seinem vorder» Theil diesen Gebirgen, in seinem Hintern aber bereits den Kalkgebirgen angehört.— Ein ausgezeichnetes erhöhtes Land finden wir endlich im Appenzell, besonders im östlichen Theil des CanronS wieder. In mancher Rückficht wird man an unser Emmemhal erinnert/ nur ist die Thalbildung weniger entwickelt , die Vertiefungen, die das Plateau manigsaltig durchschneiden, find "meist enge Tobel geblieben und die Wohnungen stehen daher größlentheilS auf der Höhe. Doch es ist Zeit nun die Thäler selbst auch näher zu betrachten. Da in der Nähe der Alpen öfters mehrere Ketten der bis oben bewachsenen Gebirge dem allgemeinen Streichen der Alpenkette folgen, so läßt stch die sonst nur in Gebirgen höherer Ordnung gebräuchliche Eintheilung der Thäler in Längenthäler, die den Kettenparallel laufen, undQuerthäler, die sie durchbrechen, auch hier anwenden; nur dürfen wir nicht ausser Acht lassen, daß dieselbe nur so lange eine Bedeutung hat, al§ die Gebirge Ketten bilden, längere Züge deren Richtung mit ihrer innern Struktur in genauem Causal- zusammenhang steht, und sie daher nicht auch auf die Einschnitte und Thäler der Plateaux ausdehnen, obgleich dieselben jene oft täuschend nachahmen und wohl gar die unmittelbare Fortsetzung davon sind. ' Die Längenthäler ausserhalb den Kalkgebirgen errei- chen selten eine bedeutende Ausdehnung, und besonders diejenigen nicht, welche die Kalkkette zu ihrer einen Thalwand hätten. Gewöhnlich steigt die bewachsene Gebirgsart an der Kalkkette noch ziemlich hoch hinan, Schuttkegeln ähnlich, die aus der Zerstörung der höher» Kuppen entstanden wären, und auch der Thalweg erhebt sich bald bis auf die Höhe des Sattels, oder des Plateau'S, welches die beyden Ketten verbindet. Die beträchtlichsten Längenthäler liegen daher innerhalb der bewachsenen Gebirge, so das Thal der kalten Sense, 14 I. Cap. Die äußern Formen Las Thal zwischen dem Buchholterberg und Kurzenberg, der größte Theil des Entlebuchö/ daS Costanzer-und Simaögun- ter- Thal in Süd- Baiern. Selten indeß ist der Thalboden auch dieser Thäler, obschon sie zuweilen eine nicht geringe Breite erreichen, sehr eben und gleichförmig; ja mehrere werden sogar von einer Wasserscheide quer durchschnitten, wie z. B. das zweyte der genannten Thäler durch die ziemlich hohe Wasserscheide von Linden, das lange Entlebuch- thal in seinem Hintern Theil durch die Wasserscheide zwischen der Jlfis und Emme. Man kann diese Wasserscheiden alS Erhebungen betrachten, die den Satteln zwischen der ersten bewachsenen Kette und der Kalkkette analog sind. In weit höherem Grade verdienen aber unsere Aufmerksamkeit die großen Querthäler, welche den mächtigen Prismatischen Damm, der den Alpen vorliegt, nach seiner ganzen Breite zerschneiden und die angesammelten alpinischen Gewässer dem ebenen Lande zuleiten. Sie sind die natürlichen Grenzen aller der Ketten, Gebirgsstöcke und Plateaux, die wir längs der Alpen unterschieden haben, die Hauptthäler der ganzen flächern Schweiz. Nach unserer vorigen Bemerkung dürfen nur diejenigen unter den vielen die Alpen senkrecht treffenden Thälern als Querthäler betrachtet werden, welche wahre Ketten durchsetzen, und auch unter diesen zeigt sich eine große Verschiedenheit, je nachdem Grade ihrer Entwicklung; denn während die einen nur die bis oben bewachsenen Gebirge durchbrechen und sich an der äußern Kalkkette zuschliessen, haben andere auch diese, ja alle Gebirge zweyten Rangs gesprengt und nehmen ihren Ursprung an der Centralketre selbst. DaS westlichste und bedeutendste Querthal letzterer Art steigt von dem großen. Bernhard hinunter, durchschneidet an seinem westliche» Ende das große Längenthal des WalliS und mündet als Rhonethal, immer von hohen Gebirgen eingeschlossen, sich in das Becken des Genfer-SeeS und gegen das 15 der Gebirge, Hügel und Thaler. niedrige Hügelland der Waadt aus. Kein anderes bis an den Gotthardt hat vermocht die vordem der beyden, von diesem Gebirge westlich laufenden Centralketten zu durchbrechen; nur in dem nahen Savoy finden wir dieselbe Erscheinung, in dem Thale der Arve/ wieder. Der größte Theil des Rhonethales gehört indeß den Gebirgen höherer Ordnung a»/ und wo es zwischen Claras und Lausanne die Sandsteinketten durchsetzt , wird der ganze Thalboden bereits vom Genfer-See ausgefüllt. Das nächste größere Querthal ist dasjenige der Saane. Am nördlichen Abhang der Kalkkette der Tour de Meyen tmb des Rüblihorns nimmt es seinen Ursprung, verbindet fich aber durch 'eine östliche Seitenöffnung mit einem Querthal/ daö auch diese Kette durchbricht und dringt so bis an die vordere Centralkette, wo die Saane den Gletschern der Diablerets und des Oldenhornö entquillt. Das, liebliche Greyerzthal steht fie zwischen seinen rundlichen Hügeln und durch die zwischen Greyerz und Broc erweiterte Thalebene sanft dahinfließe«; am'Fuße deö Alire hat fie sich ein bey is m tiefes Bett in das feste Gestein eingegraben; die Ufer in dem breiten Thale/ find abwechselnd flacher und höher, bald mit sanftem Abhänge, bald felsigt. Bey Freyburg windet fie fich in einem grienigen Bett, von schroffen Felsen und Halden eingeschlossen, wohl bey 100" unter der obern Fläche des Landes, durch die breite Sandsteinmasse; auch ihre Zuflüsse sind hier in engen Tobeln oder Felsspalten verborgen. Unter weniger wilden Umgebungen erreicht sie Laupen, doch zeigen selbst tiefer noch, bey Gümmenen und bis zu ihrer Vereinigung mit der Aare zu Wyleroltigen, ihre Ufer häufig, und zuweilen in hohen und ausgedehnten Wänden, den nackten Fels. Bon allen Querthälern ist aber das Aarthal für uns das wichtigste, weil es in einem vollständigen Profile die ganze Reihe von Gebirgen und Hügeln durchsetzt, auf die unsre fol- senden Untersuchungen sich zunächst beziehen werden; auch 16 I. Cap. Die äußern Formen scheinen in ihm alle Eigenthümlichkeiten der Querthäler/die in andern oft nur vereinzelt/ oder/ durch Hinzutreren einer besondern lokalen Beschaffenheit der Gebirge/ verworren erscheinen/ sich vollständig und in großer Einfachheit entwickelt zu haben. Es ist schwer zu entscheiden , welches der vielen Quer- thäler unseres Oberlandes als der Anfang des Aarthales zu betrachten sey und im Grunde hat die Frage selbst keine innere Bedeutung. Von dem Becken des Thuner-See'S aus t in welchem zuerst das Thal vollkommen ausgebildet erscheint/ gehn/ wie von dem Stamme eines kräftigen BaumeS/ eine Menge Verzweigungen nach allen Seiten / durchsetzen das Gebirge immer mehr sich verästelnd bis in seine hintersten Winkel und führen in zahllosen Canälen die Quell-und Gletscher- Wasser der vorder« Cemralkettt/ vom Geltenhorn oberhalb dem Rawylpaß bis an den TitliS, dem Hauptthale zu. Bereits in seinem obern Theile/ wo der See sich um das Ende der Wandfluh/ die Rast/ ostwärts biegt/ scheint aber dieses seinen Charakter zu ändern/ und in der That stößt es hier zusammen mit dem LängenthaldeS Brienzer-See's/ durch welches es mit den Hähern Querthälern des Oberhasli in Verbindung zu stehen kömmt / ganz wie daö Saanenthal mit denen von Gsteig und Lauenen durch die Querbiegung von Rougemont , oder wie das Rhonechal mit dem übrigen Wallis durch den Winkel von Martinach. ES ist der Gebirgöstock des Breit- hornS und GspaltenhornS und die davon ausgehende Bergreihe des SchilthornS/ der Schwalmeren und des Morgens/ die das Wassersystem des Brienzer-See'S und der Ebene von Umerften von demjenigen der Kander und Simme scheiden; in dem bewachsenen Rücken von Aeschi/ der wie ein Schuttkegel an den Morgen ansteigt / aber größtentheilS aus festem Gestein besteht / setzt diese Wasserscheide längs dem westlichen Ufer des Thuner-Sees fort/ bis beyde parallel laufende Quer- thäler in die Streichungslinie der Stockhornkette komme«/ schließt 17 der Gebirge, Hügel uM-Thäler. schließt sich dann hier an den Hügelzug von Strätlingen und hielt / bevor die Kunst denselben durchstochen hatte / die östlichen und westlichen Gewässer bis weit unterhalb Thun auseinander: ja in dem Stockenthal und Gürbemooö glaubt man den früher«/ von der Aare getrennten Lauf der Kander und Simme bis nachBelp verfolgen zu können. Die beyden Kalkketten der Wandfluh und der Ralligstöcke sind am Thuner-See jäh abgeschnitten und ihre Felswände senken sich schroff in eine Tiefe von mehr als 200 m ; ausgleiche Art ist der ausgedehnte Gebirgöstock der Blume quer durchrissen/ und bis unterhalb Thun hat man zur Rechten ein an- haltendes Profil gewaltsam abgebrochener mächtiger Felslager. Nur mit Mühe und zum Theil vergebens sucht man am linken Ufer nach der Fortsetzung dieser Gebirge. Die dem Justi- thal genau gegenüber liegende Niesenkette verräth an ihren äußern Formen einen ganz verschiedenen Charakter/ und eher noch möchten die Stockhorngebirge/ die sich bey Reutigen plötzlich zu endigen scheinen , aber in sehr niedrigen / meist bewachsenen Hügeln noch bis Spietz fortlaufen/ früher sich an die östlichen Kalkgebirge bey Merlingen angeschlossenhaben; die Fortsetzung der bewachsenen Voralpen von Sigriswyl und der Blume möchte man dagegen in der Gurnigelkme vermuthen; beydes mit Unrecht/ wie wir bald sehn werden. Die bey Querrhälern gewöhnlich ziemlich deutliche Uebereinstimmung der gegenüberstehenden Thalwä'nde ist hier/ und auch bey andqrn großen Querrhälern am Saume der Alpen/entweder nie vorhanden gewesen / oder durch spätere Ereignisse beynahe ausgelöscht worden. Bald unterhalb Thun verliert das Aarthal den Charakter eines Querthales/ um den eines Stromthales anzunehmen: die Bergketten und GebirgSstöcke endigen sich nicht mehr in steilen Abstürzen gegen dasselbe/ sondern verflachen sich in sanften Abstufungen , und zwischen den Formen der einen und andern Thalwand ist nun vollends fast jede Spur von Ueber- 18 I. Cap. M äußern Formen einstimmung verschwunden. Der Strom fließt in einem mei- stentheils breiten/ durch Kiesbänke/ aber nicht durch Felsriffe unterbrochenen Bette / das er nicht selten übertritt und auf Unkosten des anstossenden Landes zu erweitern sucht; nur der Belpberg und seine südliche Fortsetzung bilden eine Strecke lang ein Hochgestade/ das westliche Ufer dehnt sich dagegen in eine schöne Ebene aus und hebt stch, theils mit sanfter Rundung / theils in Terrasse»/ die ehemalige Gestade seyn möge«/ erst in einiger Entfernung vom Fluße gegen die Hügel der rechten Thalseite. Näher bey Bern/ nachdem vorher das rechte Ufer stch wieder mehr erhoben/ das linke dagegen mit dem nördlichen Ende des Belpberg'S stch verflacht und der Ebene des GürbechaleS angeschlossen hatte/ treten nun wieder beyde Ufer mit hohen und steilen Abhängen enger zusammen/ und/ wie bey Freyburg/ scheint die Aar sich nur mit Mühe durch das erhöhte Land durchgearbeitet und in seltsamen Krümmungen ihren Weg, gleichsam mit Tappen, gefunden zu haben. Zuweilen fallen beyde Gestade in steilen/ einförmigen Abhängen dem Strome zu , nicht selten ist ein Abhang ungefähr in der Mitte gebrochen/ der untere Theil ist senkrechter/ nackter FelS/ der obere zieht sich flächer aufwärts und weicht oft'beträchtlich zurück/ so daß sich eine mittlere Stufe bildet; abwechselnd am einen und andern Ufer findet man auch mehr oder weniger ausgedehnte Stromkessel und Ausweitungen/ oder vorspringende Landzungen, bald im gegenwärtigen Niveau des Flusses und nur durch Dämme vor seinen Einbrüchen gesichert/ bald in größerer Höhe/ oft mehrere, Terrassenartig, übereinander. Nachdem die Aare endlich den südwestlichen Fuß des Frienisberg'S durchbrochen und den Rinnsal der Saane betreten, wird ihr Lauf regelmäßiger und freyer, und, obschon sie nun von Aarberg an die große Ebene des Seelandes durchstießt, behält sie doch noch hinreichenden Fall. Erst unterhalb Dotzingen und nach ihrer Vereinigung mit der Zihl werden die Verhältnisse schwie- 19 . der Gebirge / Hügel und Thäler. nger, der lockere Schlammboden weicht jedem etwas stärker» Andrang, die Wasser werden in der fast wagrechten Ebene zwischen Meyenried und Solothnrn nur durch die nachflieffen- den fortgeschoben, so daß das Auge die Bewegung kaum wahrnehmen kann, und bey starken Anschwellungen wird die Zihk aufgestaucht, sogar zurückgedrängt, und der ganze Wasserspiegel der drey See'« um mehrere Fuße erhöht. Ich fand die Höhe der Aar zu Hasli im Grund, kurz vor ihrem Eintritt in die finstre Schlucht des Kirchets, gleich 619- (1906'), bey Thun setzt sie Hr. Pros. Trechsel auf 572--- (1760'), bey Bern aufLi3-° ( 1580') bey Aarberg auf 448-° (1378'), bey Meyenried endlich auf 427-° (13160. Die Thalebene fällt daher von Thun bis Meyenried um 145---, und, unter der Voraussetzung, daß dieselbe gleichförmig geneigt sey und den Horizont in einer den Alpen und dem Jura parallelen Linie schneide, mit einem Fallwinkel von ungefähr iol) Minuten. Zwischen der Saane und der Gürbe wird das Hügelland noch von zwey Strömen durchschnitten, die unsrer Aufmerksamkeit nicht entgehen dürfen. Der westlichere derselben und bedeutendere, die Sense, entströmt, wie die Aar und fast alle großem Alpenstrome, einem See, dem 1059-" hoch liegenden Schwarzen-See, der zwar im Schooße der Kalkgebirge liegt, aber keine seiner Ketten ganz zu trennen vermocht hat. Als ein ungeregeltes Berg. Wasser fließt sie, zwischen Felsblöcken dnrchsprudelnd, aufschma- lem, bewaldetem Thalgrund, bis GutenmannShauS, wo sie sich mit der kalten Sense vereinigt, die auch wieder einem östlichen Längenihal angehört, durchbricht dann mit ihr die Kette der Gurnigel-und Schweinsberge und tritt nun iuö Gebiet der Plateaup und niedrigen Hügel. Von nun an verschwindet auch größtentheilS die bisherige Aehnlichkeit der Formen beyder Ufer. Das rechte hebt sich, theils in runden, nur am Fuß hier und da senkrecht aufgerißenen Hügeln, theils in basteyähnlichen Absätzen, gegen die Höhen von Ryssenmatt 2 * 20 I. Cap. Die äußern Formen und Guggisberg/ das linke dehnt sich in die Niederungen von Plafeyen aus. Von der Guggersbach- Brücke an / wo die Sense in das Streichen des Schwendelbergeö und in das Plateau von Schwarzenburg und Freyburg eindringt / bis nach Laupen/ fließt sie/ wie die nahe Saane, nicht mehr in einem wahren Thalgrund/ sondern in einer Ritze des erhöh, ten Hügellandes/ und beyde Ufer fallen steil / meist in nack- ten Felswänden / unmittelbar ins Strombett ab. Nur bey großen Anschwellungen vermag indeß die Sense dieses ganz auszufüllen / gewöhnlich windet sie sich/ in Krümmungen/ oder in Arme zertheilt/durch ihre selten überwachsenen Kiesbänke/ und wird von einer Uferwand an die andere geworfen/ ohne je einen sehr bedeutenden Fall zu erhalten. Die Sense bildet in ihrem obern Theile noch ein wirkliches Querthal/ ganz analog den Thälern der Saane und Aare / nur auf einer niedrigern Entwicklungsstufe; aber der andere Strom/ auf den ich hingedeutet/ das Schwarz, w äffe k/ durchbricht nicht einmal die bewachsenen Verberge/ und sein Bett erhält daher schon nahe am Ursprung den ausgezeichneten Charakter aller Stromthäler/ welche die erhöhten Plateaux durchsetzen/ die tiefe Lage unter der angebauten hüglichten Fläche/ die senkrechten nackten Ufer. wände und die geringe Neigung des Strombettes; doch fin- det man in dem Schwarzwassergrunde öfterS/ als in dem der Sense / bewachsene Flecke/ ja selbst einige Wohnungen. Auch zwischen der Aare und Reuß werden die vorder» Ketten/ sowohl der bewachsenen/ als der Kalkgebirge/ mehre- remale durchbrochen/ aber keiner dieser Ströme hat vermocht ein bedeutendes Querthal zu bilden. Die Emme/ welche den Hohgant von den Schratten trennt und mehrere der vorliegenden Nagelfluhketten durchstießt/ arbeitet sich nur mit großer Anstrengung durch die nahe an einander tretenden Felsen und mächtigen Schutthalden des Buembach'S/ verliert sich dann ganz in der tiefen der Gebirge / Hügel und Thäler. ri Schlucht des Rebloch's und gewinnt erst unterhalb Eggiwyl- etwas freyern Raum. Der Grund ihres Stromthales erwei- tert sich von da immer mehr , so daß schon große Dorfschaf- ten in der Ebene Raum finden/ die Abhänge werden sanfter/ die Hügel erniedrigen fich und bey Burgdorf muß der Strom zwischen Dämme eingeschlossen werden/ damit er nicht in seinen Anschwellungen die reichen Ebenen deS untern Em- menthales mit Kies überschwemme.— Die Quellen der Emme find kaum über eine Stunde von der Ausmündung der Aare in den Brienzer-See entfernt/ und wären die Brienzergräte nicht da/ so hätte der Abfluß aller Gewässer des HaSlithaleS durch den Rinnsal der Emme eines der schönsten Qnerthäler der Schweiz gebildet. Eine nähere Beschreibung der übrigen Qnerthäler/ welche die mittlern und östlichen Cantone durchzieh»/ wäre ermüdend und zwecklos / denn bey allen wiederholen fich die nämlichen Verhältnisse/ und die Verschiedenheiten liegen nur in der mehr oder weniger fortgeschrittenen Entwicklung und in der Anzahl der durchbrochenen Gebirgsketten. Nur drey Ströme erreichen noch die Centralketten und bilden Querthäler/ die mit denen der Aar/ Saane und Rhone verglichen werden können: die Reuß/ die von dem mächtigen Knoten unserer Hochgebirge dem Urner-See zuströmt und uns das schönste Profil der Alpenkette schenkt; die Linth/ welche/ der Saane ähnlich/ nur bis an die nördliche Centralkette anzusteigen vermag/ und der Rhein endlich/ der/ wie die Rhone/ seinen bedeutendsten Zufluß aus einem großen Län- genthal erhält/ das fich/ in merkwürdiger Symmetrie mit dem WalliS/ ebenfalls bis an den Gebirgsstock des Gotthard'S erstreckt. Ausser den Gewässern ihrer Quellen nehmen die Flüsse der Querthäler noch zahlreiche Ströme und Bäche auf / die in den erhöhten Plateaux und in den Hügelreihen der Nie. derungen selbst entspringen. Eine Menge von Seitenth«. 22 I. Cap. Die äußern Formen lern/ die sich in das Hauptthal ausmünden, durchzieh« das erhöhte Land, sie selbst empfangen wieder von beyden Seiten her Thäler und Graben des dritten Rangs, und so geht die Verästlung weiter fort bis in die kleinen Bachgraben und Wasserrünse, die ihren Ursprung an den Abhängen selbst nehmen. Mehrere dieser Secundär-und Tertiär-Thäler haben noch eine sehr bedeutende Ausdehnung: ihr Thalgrund ist oft breit und eben, ihre Längenerstreckung beträgt nicht selten, bey kaum bemerkbarem Ansteigen, einige Stunden und es wiederholen sich, ein merkwürdiger Unterschied von den Seitenthälern der Hochgebirge, an den Abhängen und im Thalgrund alle Eigenthümlichkeiten des Hauptthales. Oefterö auch wird das erhöhte Land zwischen zwey Hauptthälern nach seiner ganzen Breite von einem Secundärthal durchsetzt, in welchem die Wasser, in entgegengesetzten Richtungen, von einem Wassertheiler auSlaufcn, der sich zuweilen gar nicht merklich über die andere Thalfläche erhebt. So das Thal von Hab- stetten und Krauchthal zwischen der Emme und Aar, das Wangenthal zwischen der Aar und Sense. Auch die Seeun- därihaler selbst werden auf solche Art häufig unter sich und mit den Hauptthälern verbunden. Der Thalgrund dieser Durchschnitte liegt nicht selten beträchtlich höher, als derjenige der anstossenden Thäler, so daß sie nicht am Fuß des Thalabhangs sondern in mittlerer Höhe mit denselben zusammenflössen. Nirgends findet man die große Mannigfaltigkeit dieser Bildungen und die ganze Folge der Entwicklungsstufen der Thäler, vom ebenen, breiten Hauptthal bis in den engen, steil ansteigenden Graben und den erst im Entstehen begriffenen WasserrunS, vollständiger vereinigt, als in den wettern Verzweigungen des großen Napfplateau's, in dem Hügelland zwischen Bern und Burgdorf und im Emmenthal. Das Studium genauer Detailkarten dieser Gegend, oder die Aussicht von einem erhöhten Punkte, z. B. vom Bantiger, oder vom 23 der Gebirge, Hügel und Thäler. Heiligenlandhubel, wird gewiß weit klarere Vorstellungen von den besondern Verhältnissen des ganzen am Fuß der Alpen ausgedehnten Hügellandes erwecken, als eine Beschreibung, die sich bemühte, nicht nur die allgemeinen Umrisse, sondern auch alle Einzelnheiten des Bodens treu darzustellen. t 24 II. Cap. Erster Asschnitt. Zweytes Capitel. Geognostisch e Beschreibung. Es ist bereits in der Einleitung bemerkt worden/ wie große Schwierigkeiten sich der schärfer» Eingrenzung der Mo- lasseformatioii/ besonders in der Nähe der Alpen, entgegen setzen, weil daselbst eine Menge täuschender Uebergänge zwischen! Molasse und andern Sandsteinen jede Trennung säst unmöglich zu machen scheinen, indem ferner gerade diejenigen Stellen, die für die Beobachtung der Auflagerungen die wichtigsten wären, meistentheils durch Gebirgöschutt oder Vegetation bedeckt sind. Wenn wir indeß zu einer klaren Einsicht in die geogno- stischen Verhältnisse der Molaffe gelangen wollen, so können wir einer genauern Untersuchung ihrer Begrenzung unmöglich ausweichen; und sollten die Resultate dieser Untersuchung nicht die Evidenz besitzen, daß sie in wenig Sätzen zusammengestellt werden könnten, so müssen wir uns gefallen lassen, selbst in allen Detail der localen Beobachtung einzugehen , und alle ihre vereinzelten Ergebnisse besonders kennen zu lernen. Erst wenn wir auf diesem Wege alle problematischen Bildungen, welche die Grenzen der Molasse unsicher machen, bezeichnet und von ihr getrennt haben werden, können wir, ohne Verwirrung fürchten zu müssen, an die Be- schreibung der Formation selbst schreiten. 25 Grenzen der Molaffe - Formation. Erster Abschnitt. Grenzen der Molasse - Formation. I. Südliche Grenze. Noch ist im Innern der Alpen, d. h. hinter den nördlichsten Kalkgebirgen niemals eine Gebirgsart gefunden worden, welche mit gut charakteristrter Molasse verglichen werden könnte. Nicht einmal an den Abhängen, oder im Grund der Thäler, welche jene Gebirge durchbrechen, hat dieselbe hineinzubringen vermocht, sondern sobald man, im Ansteigen dieser Thäler, zu Kalkfelsen kommt, so ist man auch sicher fortan keine Molasse mehr zu sehn. Diese höchst merkwürdige und, so viel mir bekannt ist, in der ganzen Ausdehnung der Alpenkette keine Ausnahme leidende Thatsache, verbreitet, auch ganz isolirt, schon viel Licht über die Natur und Entstehung dieser Gebirgsart. Wie und durch welches Medium dieselbe gebildet worden seyn mag, eS muß dieses Medium nothwendig nur ausserhalb der Kalkkette gewirkt, oder doch die Materialien, aus denen es die Molaffe zusammensetzte, nur ausserhalb derselben gefunden haben. Denn die Annahme, es seyen im Innern der Alpen die früher vorhandenen Molaffelager durch die Bergströme und Bergwasser weggeschwemmt worden, würde die Allgemeinheit des Phänomens lange nicht zureichend erklären, und man könnte umgekehrt denjenigen, der sie uns entgegen- siellte, fragen, warum denn in den innern Jurathälern, warum in vielen wilden Thälern hierwärts der Kalkalpen die Molaffe liegen geblieben? Der Kalk der äusserstem Kette scheint nicht durchgehendS derselben Formation anzugehören, es ist hier aber nicht der Drr über diese Verschiedenheiten einzutreten. Wir werden diesen Kalk, sey es nun UebergangSkalk, oder Zechstein, oder 26 II. Cap. Erster Abschnitt. gar Kreide/ oder hier dieses/ dort jenes/ als unsere äusserste Grenzmauer betrachten und nur diejenigen Bildungen in unsere Untersuchung aufnehme«/ welche diesseits derselben liegen. Von dieser Grenzmauer ausgehend betreten wir eben das Gebiet der räthselhaften Zwischengebilde / welche die Molasse mit alpinischen Gebirgsarten in Verbindung zu setzen scheinen. Ich werde dieselben mit möglichster Sorgfalt untersuchen und quer durch bis zu unzweydeutiger Mvlasse verfol- gen. Die Lagerungsverhältnisse einzig können entscheiden/ welche davon getrennt werden müsse«/ denn der schwankende Charakter der Gebirgsart und die Seltenheit und Unbestimmtheit der Perrefacten müssen uns gegen alle Folgerungen mis- trauisch machen/ die nur auf diese letzter» Grundlagen gestützt wären. Wir gewinnen durch diese Auszeichnung der Lagerung vor den übrigen Gegenständen der geognostischen Beobachtung überdießnoch den Vortheil/ die ganze Petrogra- phie der Gebirge , die wir als Glieder der Molasse-Formation erkennen werden/ auf unsern folgenden Abschnitt verspüren zu könne«/ wo sie an ihrem Orte seyn wird/ da ste hingegen in diesem Abschnitt mit derjenigen älterer Gebirge vermischt / leicht Verwirrung gebracht hätte. Gruppe der Gchweins-und Gurntgelberge. Der Schwarze See/ lac Domeynaz/ ist sowohl in malerischer als in geognostischer Rücksicht eine der merkwürdigsten Stellen der niedrigen Alpen. Obschon nur 1059°* hoch gelegen/ erinnert die Einsamkeit und wilde Natur der Umgebungen und das dunkle grünliche Blau des Wassers/ in dem sich nur nackte Felsen und Alpweiden spiegeln/ an die düstern Seen der Grimsel und des St. Bernhards. Im Hintergrund dieses Kessels wird eine schroffe Wand die aus schwarzem Kalk besteht/ ein Vorwall der Regardi- stuh/ vom Wasser bespült. Man kann das Streichen der Schich- 27 Grenzen derMolasse-Formation. ttw etwas westlicher/ am Paß nach Val-SLinrei beobachte«/ wo ein vom südlichen Abhang der SchweinSberge herströmen- des Bergwasser sich über dieselben hinabstürzt. Sie fallen mit 20 ° nach 144° 12 ). An beyden Ufern des See's ist Gyps anstehend/ von dem charakteristischen hellbräurilichen porösen Kalk — Rauchwacke von Freiesleben— begleitet. Das Schwefelbad /. früher auf diesen leicht zerstörbaren Felsen erbaut, ist im vorigen Jahrhundert in sich zusammengestürzt. Am östlichen Ufer sieht man den dunkeln Kalk in der Höhe über den Gypö gelagert/ aber in keinem der Anbrüche kann man das unmittelbare Zusammentreffen beyder GebirgSarten beobachten. In der Höhe wird man über dem Badhause eine Felswand gewahr/ die man aus der Ferne für eine Schutthalde zu erkennen glaubt. Wenn man aber durch sumpfigte Alpengehänge/ bis zu, derselben ansteigt/ so sieht man bald/ daß es regelmäßige Schichten sind , deren sonderbare Struktur NUt7 die Täuschung verursacht. Dickere Schichten wechseln mit Lagern von Schiefer und stehn oft ziemlich weit über dieselben heraus; ihre Köpfe sind aber nicht, wie bey'm Kalk/ oder bey der Molasse, gerade abgeschnitten , sondern wie die schrägen Felder eines Schachbrett's/ gezackt/ als bestünden sie aus an- einander gereihten / mit ihren Kanten hervorstehenden Quadern. Die Absonderungen zwischen den Schichten sind vollkommen eben und äusserst vollkommen/ nur der Druck scheint die Schichten / bey ihrer geneigten Lage , über einander zu erhalten. Der Schiefer besteht aus derselben Gebirgsart/ als die dickern Schichten , und auch an diesen bemerkt man oft deutliche Neigung zu schiefriger Absonderung. 12 ) Die zweyte Zahl bezeichnet den Grad des Horizonts/ 36o Theilung/ gegen den die Schicht einfällt. Die Azimuthe sind vom wahren Nord östlich gezählt/ die Abweichung der Magnetnadel zu 20°westlich angenommen. 28 II. Cap. Erster Abschnitt. Ueber die Natur des Steines kann man nicht lange im Zweifel seyn. ES ist ein sehr harter Sandstein, größten- theils aus eckigten Quarzkörnern bestehend, mit Kalkcement, meistens von so feinem Korn, daß man ihn wohl mit dichtem Kalk verwechseln könnte, dann auch in allen Uebergängen bis zum grobkörnigen. In diesem bemerkt man ausser den Quarzkörnern auch sehr viel dichte Kalkkörncr, späthigen Kalk und blätterigen Feldspath. Die Quarzkörner mehrerer Arten hängen so fest zusammen, daß kleine Stücke mit starken Säuern digerirt nicht zu Sand zerfallen. Die Hauptabsonderung glänzt oft von vielen weissen, fest anhängenden Glimmerschüppchen; oft auch ist ste mit schwarzem Bitumen überzogen; oder noch öfters bedeckt von kleinen Stücken verkohlter Pflanzen, als ob diese zerhackt worden wären; niemals ist es mir gelungen, deutliche Pflanzenformen zu erkennen. Der Querbruch der feinkörnigen Arten ist uneben, 'in'S Splittrige, mehr oder weniger quarzartig schimmernd; durch die Anlage zum Schiefrigen erhält er oft Treppenform. Ausser der Hauptabsonderung besitzt der Stein noch andere, die sie theils senkrecht, theils schief durchsetzen; zwey derselben flössen unter dem Winkel des Kalkspath'S zusammen, und dieser mannigfaltigen, meist sehr deutlichen Absonderungen wegen ist die Gebirgöart äusserst leicht zerstörbar. Am Fuß aller auS ihr bestehnden Gebirge liegen mächtige, doch größ- tentheilS überwachsene Schuttkegel, deren Trümmer meist polyedrische Formen haben; man findet zuweilen regelmäßige Parallelepipeden mit den Winkeln des Kalk-Rhomboid'S. Die vorherrschende Farbe ist ein mehr oder weniger dunkles Rauchgrau, in'S Bläulichgraue, Grünlichgraue und Bräunliche übergehend. Die Polyedertafeln sind oft mit einer, wenig Linien bis einige Zoll breiten,, ocherrorhen oder rostbraunen Einfassung umgeben. DaS speeif. Gew. ist 2, 6 biS 2, 7 . Richt selten wird der Stein von engen Klüften durchsetzt, welche mit Kalkspath ausgefüllt sind. Diese merkwürdige Ge- 29 Grenzen der Molaffe - Formation. birgSart bildet deutlich die obersten Schichten der Schweinsberge, und wenn man zwischen diesen und der Regardifluh in die Val-Sainte hinübersteigt, so findet man bis gegen GalmiS zu Trümmer derselben. Die Schichten über dem Bad- bause fallen sehr regelmäßig nordwestlich, mit 25° nach 336°, und müssen daher dem Gyps und dem dunkeln Kalk aufgelagert seyn,' obschon man aber auf dem Wege nach Plafeyen immer im Profil derselben bleiben muß, so sucht man doch vergebens anstehende Felsen, und nur amden Trümmern in den Tobeln bcö: Abhangs kann man sich überzeugen, daß man die GebirgSart nicht verlassen habe.. Bald bemerkt man diese Trümmer auch in den zahlreichen Wassergraben ber rechten Thalseite, man ficht zugleich die Kalkftlsen der Kaiseregg in den Hintergrund treten und hinter der bis oben beweideten Hohmatt/ von der diese Trümmer herftammen , verschwinden; aber auch hier ist nichts Anstehendes. Vollkommen analog find die Verhältnisse im benachbarten Muscherenschlund. Polyedrische Sandsteintrümmer vom Eingänge an bis fast in die hintersten Weiden, an der einen wie an der andern Thalseite, dann der poröse, conglomeratartige Kalk und Gyps, und erst, wenn man am Fuß des Gantrisch bereits die höchste Kette zu besteigen anfängt, der Kalk der Stockhorngebirge. Ungefähr eine halbe Stunde bevor man, vomSchwarzen- See her, an die Vereinigung beyder Sensen gelangt, sieht man an der linken Thalseite deutliche Spuren nördlich fallender Schichten; aber weiter vorn schlägt dieses nördliche Fallen in ein südliches um, ohne daß man, wegen dem Schutt und Wald, den Uebergang, wahrscheinlich durch horizontale Um- biegung, beobachten könnte. Man kömmt nun in ein ziemlich ausgedehntes Profil regelmäßig mit 60° nach 150° fallender Schichten, die dem Thal, daö man verläßt, ihre breite, sehr ebene Fläche zukehren. Die Absonderungen find eben so voll- kommen als an der Felswand über dem Bade, aber die fchie- 30 II. Cap. Erster Abschnitt-. ftigen Lager sind weniger mächtig und der Stein ist überhaupt fester. Es zeigen sich einige neue Abänderungen. Ein lichtbläulichgrauer/ sehr feinkörniger Sandstein von grosser Härte; schwach quarfartig schimmernd. Beynah nur mit der Loupe bemerkt mau in dem hellgrauen Grunde eine große Menge äusserst kleiner dunkelgrüner Punkte/ etwas deutlicher sind sie in dem bräunlichen Rande des Steines. Der Totalemdruck erinnert sehr an einige härtere Varietäten der Molasse. ' ' .' Ein ziemlich Heller, bräunlichgrauer, kleinkörniger Sandstein, sehr hart, Quarzglanz; in dieser Grundmasse grössere Gerölle, bis zur Grösse einer Bohne, von Quarz , Kie- selschiefer, Granit) dichtem Kalk u.s.w., die sich oft so anhäufen, daß man bald Nagelfluh zu sehn erwartet- aber die Lager erhalten nie über einige Centim. Mächtigkeit und ihr Cement geht ohne Absonderung in die andere Sandsteinmasse über. .Die Schichten setzen mit gleichem Fallen auf das rechte Ufer über und bilden daselbst die Grundlage der Hallstädtegg, des westlichen Abfalls der ausgedehnten Gurnigelkette. Auch an dieser ist das Gestein nur an wenigen Stellen entblößt, und in den meisten Anschürfungen und Graben kömmt nur Schutt und zertrümmertes Gebirge zum Vorschein. Ziemlich ausgedehnte Felsen findet man an der Nordseite der Pfeife. Schichten, oft von mehreren Meter Dicke, sind hoch über einander aufgerhürmt, aber, als hätte die Grundlage gewankt, so furchtbar zerrissen und lose zusammenhängend, daß man bey jedem Geräusche den Einsturz befürchtet, und daß die Furcht nicht ganz leer sey, bezeugen die ungeheuren, zum Theil noch frischen Trümmerhalden an ihrem Fuß. Das Fallen der Schichten ist steil südlich, aber bey der regellosen Lage derselben läßt sich der Winkel nicht genau bestimmen. Die Steinart ist der Sandstein der Schweinsberge; meist eltinkörnig, zuweilen kleine Gerölle einschliessend, die beson- - ders an der Außenfläche der etwas verwitterten Blöcke auf- 31 Grenzen der Molaffe-Formation. fallen und dieselbe sehr rauh machen;, sehr hart und weniger abgesondert/ dicke Schichten zeigen oft keine Spur von Absonderung und sind auch nicht durch Schiefer getrennt; im Bruch Quarzglanz, ohne rothe Einfassung. Feinkörnige Arte«/ denen der Schweinsberge ganz ähnlich/ fehlen auch nicht/ sowohl dunkelbräunlichgraue/ als dunkelgrünliche/mit Anlage zu schiefriger Absonderung. Merkwürdig sind auch klein-und grobkörnige Arten/ einigen Varietäten der Molasse/. besonders in der Nähe von Nagelfluh/ ähnlich/ mit deutlicher Sand, stein-Struetur/ hellbräunlichgrau/ mit sparsam eingesprengtem weissem Glimmer / unabgesondert; ferner ein sehr feinkörniger/ homogen scheinender Sandstein/ unebner Bruch in's Splittrige, matt , schimmelgrau, von vielen äusserst kleinen Glimmerpünktchen am Lichte schimmernd unabgesondert. Andere Felsen in der Nähe zeigen Abwechslung dünn- schiefriger Schichten mit dickern , die wie Würfclreihen her- ausftehn und aus der Ferne wie größere Blöcke in einer Schutthalde aussehtt/ ganz wie wir es über dem Schwarzen- See gefunden. Dieselben Sandsteinarten/ besonders die kleinkörnige/ die wir zuerst beschrieben , sind auf dem obern Gurnigel und am Schupfen anstehend; am letztern in hohen Felsen / deren mächtige Schichten mit 28 ° nach 169° fallen. Auf dem obern Gurnigel ist südwestliches Fallen/ und von beyden Seiten senken sich also die Lager dem Seeligraben zu, in dessen Hintergrund GypS ansteht, über dem Gyps Kalk. i3 ), Auch über der Quelle des Schwarzbrünnlein, in ungefähr gleicher Höhe, sindet man ziemlich ausgedehnte Kalkfelsen, in schwach südlich fallenden, fast horizontalen Schichten, bräunlichgrau und röthlich, von Kalkspathadern durchzogen, kleine Belemniten-und Trigonellen - Abdrücke ") von kaum ") Der Gyps wurde in diesem Graben zuerst von den eifrigen jungen Mineralogen HH- L. Ziegler und A. Zehendcr aufgefunden. Der 'In!;, iamellosa Park. ähnlich. 32 II. Cap. Erster Abschnitt. L Centim. Größe einschließend. In dem Stollen des Stock, brunnens endlich, ungefähr in der Höhe des Gypfes im Seeli- graben, ist man zuletzt auf Rauchwacke gestossen. Auch hier scheint daher der Gyps und die Rauchwacke von Kalk und der Kalk von dem harten Sandstein bedeckt zu werden. Die ganze ausgedehnte GebirgSgruppe, in deren SchooS die verschiedenen Zuflüsse der Sense entspringen/ die Gur- nigelkette/ und alle die bewachsenen Verberge bis an die Kalkfelftn des Ochsen, Ganrrisch und der Kaiseregg, die SchweinSberge und gewiß auch die damit zusammenhängende Lern, gehören demnach einer Sandsteinformation an, die auf einem Kalk ruht, der von dem gewöhnlichen Kalk der Stock. Hornkette verschieden scheint, und deren vorherrschende Steinart wir unter dem Namen Gurnigelsandstein auf folgende Art charakterisiren wollen: Sandstein von sehr feinem, kleinem und grobem Korn. Körner von Quarz, dichtem Kalk, Feldspath u. s. w. mit Kalkeement. Anlage zu schiefriger und dünnschiefriger Ab. sonderung. Im Querbruch uneben inö Splittrige, oft mit schwachem Elasglanz schimmernd. Bräunlichgrau, bläulich, grau, nicht selten ziemlich dunkel. Hart und schwer zerspreng, bar. Qefters, besonders auf den Absonderungen, weisse Glim- merblättchen, oft auch verkohlte Pflanzentheile. Nicht selten von Kalkspathadern durchzogen. Spee. Gew. 2, 6— 2, 7. Sehr deutlich abgesonderte Schichten bildend, dickere oft mit dünnschiefrigen abwechselnd und zahnarrig hervorstehend. Von der Lern scheint diese Formation durch den Thal. boden der Saane hindurch an die Nord. und West-Seite der lVlolexon^Kette überzusetzen, und dieselbe bis an dem Genfer. - See zu begleiten, an dessen südlichem Ufer man sie wahrschein, sich in den Voirons wiedersinden würde. Daö felsigte linke Ufer der Saane, abwärts von der Brücke von Broe, besteht aus einem krumm-und dickblättri. gen, graulich, schwarzen Mergelschiefer, in welchem eine Menge 33 Grenzen der Molasse - Formation. Menge äusserst fein zertheilte, weisse Glimmerpünktchen schim- mern. Untergeordnete Lager von kaum i Decim. Mächt, besteh» aus einem dichten, rauchgrauen, dem vom Schwarz- brünnlein sehr ähnlichen Kalk, in welchem ich einen Abdruck der nämlichen Trigonellen fand. Das Fallen, etwas wellen- förmig, ist mit ungefähr 45° südlich. An der Straffe steht man ferner in dem Mergelschiefer ausgesonderte Nester, oft von mehr als 1 Meter Dicke / von sehr grobkörnigem festem Sandstein; Körner von Quarz, oft milchweiß, Feldspath, Kalk u. s. w., theils eckig, theils gerundet, häufig von 3 Millim. Durchmesser, auch große Blätter von schwarzem, zum Theil fettglänzendem Thonschiefer, durch die fein zerriebenen Theile derselben Steinarten sehr fest verkütlet, die Totalfarbe grau mit einem Stich in's Grüne, von weiffen Kalkspathadern durchzogen. In dem wilden Tobel der Vevaise, hinter Chätel St. Denis, findet man wieder den Kalk des Schwarzbrünnlein, hier in großer Mächtigkeit, erst einem grauen Mergelschiefer eingelagert, wie bey Broc, dann denselben ganz verdrängend; die Schichten, von 2 Decim. Mächt., fallen mit 35° nach ioo°. Höher am Berge, wenn man gegen den Molezon, oder nach Albeuve zw geht, muß der Gurnigelsandstein diesem Kalk in großer Mächtigkeit aufliegen, denn fast alle Trümmer in der Gegend gehören ihm an; anstehend fand ich ihn etwa eine halbe Stunde über 8t. OemZ, aber in nicht großer Ausdehnung. Der Gurnigelsandstein ist nicht Molasse und seine Con- glomerate find nicht Nagelfluh. Die Molaffeformation stößt in südlich fallenden Schichten an den Fuß seiner Gebirge und scheint ihn daher zu unterteufen; da aber, wie wir gesehn / Kalk, Mergelschiefer/ Gyps und Gebirgsarten, die sich ganz den ältern alpinischen Formationen anschlicssen, die eigentliche, evidente Grundlage des GurnigelsandsteinS find; da ferner am südlichen Abhang seiner Massen, und in s 3 34 II. Cap. Erster Abschnitt. den Querthälern, oder Tobeln, die sein Profil aufdecken, keine Spur von Molasse wahrgenommen wird; so muß diese ihm nur vorliegen und also jünger seyn. Dasselbe geht auch aus der nähern Betrachtung des Zusammenstossens beyder Formationen hervor. Verfolgt man das rechte Ufer der vereinigten Sensen nordwärts, so wird der Fels anfangs durch Gebüsche und Grashalden verdeckt ,1 bis man den Fuß der Hallftädtegg bald verlassen hat. Ungefähr in der Mitte zwischen ihr und der Höhe von Guggisberg erhebt fich das Ufer in einem kreisförmig gerundeten- von der Sense mitten durchschnittenen Hügel, an dessen oberem Theile man wieder deutliche Schichtung wahrnimmt. Ein, bis zwey Decimeter mächtige Schichten folgen ganz oben dem äussern Umriß in regelmäßig eon- centrischen Windungen; in mittlerer Höhe bilden fie Wellen, deren Mittelpunkte gegen diejenigen der obern schachbrettförmig liegen; diese tiefern Schichten setzen im Profil gegen Mittag noch weiter fort, verflachen sich indeß nach und nach und scheinen da, wo die Vegetation daö Ufer bedeckt, in'S Horizontale überzugehn. Das südlichste Ende derselben liegt schon beynah vertikal unter dem Gebirgskamm der Gurnigel- kene. S. Taf. I. Fig. i. Obschon ich in der ganzen Ausdehnung der Molasse- sormation kein zweytes Beyspiel so großwellenförmiger (der Durchmesser der obern hält wohl 25") und zugleich so hoch im Halbkreis gewölbter Schichten kenne, so muß doch die Steivart derselben, nach ihrem ganzen Charakter, für Molasse erklärt werden: ziemlich fest, bräunlichhellgrau, von mittlerem Korn; in einigen der Heruntergefallenen Stücke fand ich Blättcrabdrücke, die mit den in der Molasse nicht seltenen, Weideblättern ähnlichen, Abdrücken vollkommen übereinstimmen. Nördlich von dieser merkwürdigen Bildung ist das Ufer wieder auf etwa zwanzig Schritte durch Vegetation bedeckt, dann erscheint ganz unten am Ufer ein ungefähr 5 ra mächtiges 35 Grenzen der Molasse - Formation. Lager von Nagelfluh/ durch dünne Molasselager in Schichten von etwa 1 -° Mächt, zertheilt/ mit höchstens südlich ein- schiessend. Unmittelbar unter demselben steigen einige meter- dicke Molasselager auf; dann schiefrige Molasse; bey der Gug- gersbachbrücke endlich/ senkrecht unter dem höchsten Kamm der Guggisberger-Hügel/ Molaffe/ in Felsen von 20bi6 Höhe/ unten in2Decim. mächtigen/ oben in sehr dicken Schichte»/ durch dünne/ graulichblaue Mergellager getrennt/und noch weit nördlich fortsetzend. Auch hier noch regelmäßiges Fallen mit 3° nach i4o°. Die genaue / immerhin merkwürdige Uebereinstimmung dieses Fallenö mit demjenigen dess Gurnigelfandsteineö bey'm Zusammenfluß der Sense/ könnte leicht Täuschung veranlassen; erwägt man aber/ daß der Fallwinkel hier 60° und in der Molasse nur 3° beträgt / daß ferner diese / in der südlichen Fortsetzung des grossen Schichtengewölbes/ bedeutend hoch über dem Ufer/ fast horizontal wird/ während die Schichten des Gurnigelsandsteins unter das Niveau der Sense einsinke»/ so muß jeder Gedanke an Umerteufung verschwinden und die Molasseformation da > wo sie an den Gurnigel- sandstein anstößt/ wirklich abgebrochen erscheinen. Noch gefährlicher für die richtige Beurtheilung des Verhältnisses beyder Sandfteinformationen könnte die Beobachtung ihrer gegenseitigen Lagerung in der Nähe des Gurnigel- bades werden. Beynah der ganze nördliche Abhang der Kette ist in dieser Gegend mit Schutt/ von/ wahrscheinlich in sich selbst zerfallenen/ Gurnigelsandsteinschichten bedeckt/ so daß man kaum hoffen darf/ die Molasse und den Gurnigelsandstein irgendwo in unmittelbarem Zusammentreffen zu entdecken/ und sich nothwendig mit den Wahrscheinlichkeiten begnügen muß / die aus dem Fallen beyder Formationen in ihrer größten Annäherung hervorgehn. Nun ist sehr characteristische Mo^ lasse aus Laas/ etwas tiefer als das Bad/ anstehend/ in ziemlich mächtigen Schichten/ die mit 42° gegen 151« fallen; im 3 * 36 II. Cap. Erster Abschnitt. Grunde des Seeligrabens erscheinen dieselben wieder in einer ausgedehnten Schichtenfolge von Molasse, buntem Mergel und Nagelfluh, die sehr regelmäßig mit 30 ° gegen 140 ° eingesenkt ist, und von dem Schütte bedeckt wird. Die Neigung der Molaffeschichten ist hier so groß, oder eher größer, als die des in der Höhe anstehenden Sandsteins, und ihre Folge ist in eben dem Grade regelmäßig, als die der obern Schichten in Unordnung und der Zerstörung nahe ist; nach einer in der Geognoste oft üblichen Logik könnte man daher die Auflagerung der höhern Schichten aufdie tiefern für erwiesen Haltens aber glücklicherweise sind die wahren Grundlagen des Gurnigel- sandsteinS, der Kalk und GypS, hier auch am nördlichen Abhang der Kette und in geringer Entfernung von der Molaffe anstehend, und diese muß daher in der Tiefe an dieser ältern Formation sich endigen, gerade wie an der Sense am Gurni- gelsandstein selbst. Von» Gurnigel bis an das östliche Ufer des Thuner- See'S habe ich keine Stelle gefunden, die der Beobachtung der südlichen Grenze der Molasseformation günstig wäre. Die wenig hohe Hügelreihe der Zwieselberge, die stch aus diesen Niederungen erhebt, gehört noch dem Kalkgebirge an, die damit parallele Hügelreihe von Srrärligen besteht dagegen schon aus neuerem Kies und Alpenschutt, und wo, in der Nähe des Glütschbades, die Kander, in tiefem Bette, die erste Hügelreihe durchbrochen hat, findet man an ihrem Ufer eine mächtige, von Rauchwacke und dichtem Kalk begleitete Gypsformation, an welche unmittelbar die Sand-undKieS- Massen des Strätligen-Hügelzuges und der Ebene von Reu- tigen anstoffen. Erst in der Gegend von Thierachern und Gurzelen findet man, iu wenig ausgedehnten Anschürfungen, wieder Spuren von Nagelfluh.— Ich gehe daher sogleich zu 37 Grenzen der Molaffe-Formation. der zweyten Gruppe über/ welche zwar eine weit 'geringere Strecke als die erste umfaßt/ aber an Mannigfaltigkeit und Interesse ste noch übertreffen möchte. Gruppe von Ralligen. Siehe Taf. i. Fig.2. Man gehe von Merligen/ dem Ufer folgend/ auf Ralligen zu> so wird man schon am Ende des innern südlichern) Dorfes eine Gebirgsart finde«/ über deren Ratur man nicht gleich in'S Klare kommen kann. ES ist eine harte ' dunkelgraue Masse/ mit erdigem Bruch/ durch mehrere Ablösungen / oder Klüfte in unregelmäßige größere Blöcke zertheilt. Ueber Streichen und Fallen bleibt man im Dunkeln - denn man ist nicht ficher die Schichtungsabsonderung von den übrigen zu unterscheiden. Von anstossenden Gebirgsarten ist nichts sichtbar/so daß sogar der Zweifel fich erheben könnte/ ob man es nicht etwa nur mit einem Heruntergefallenen Fels zu thun habe / ein Zweifel/ der durch eine allgemeinere Anficht der Gegend / in der man fich befindet/ noch mehr Kraft erhält. Eine steile/ aber sehr unebene/durch mehrere tiefe Graben gefurchte Halde steigt vom Seeufer gegen dieRallig- stöcke an. Sie ist zum Theil bedeckt mit Trümmern und GebirgSschutt/ welche die Vegetation noch nicht vollständig hat einhüllen könne«/ und die von den zerrißenen Felsen in der Höhe/ große Strecken Landes verwüstend/ hinuntergestürzt find. Die größer» Blöcke werden seit langer Zeit verarbeitet und liefern den bekannten Merliger-Marmor. An mehrern Stellen bemerkt man indeß auch anstehenden Fels ' und darf hoffen durch eine genaue Detailuntersuchung nähern . Aufschluß über die Lagerungsverhältnisse zu erhalten. Man bleibt von Trümmern umringt bis man zu dem alten Thurm von Ralligen kömmt. Von da steigen zwey pa- rallellaufende finstere Graben in die Höhe; der erste / südlichere/ 38 II. Cap. Erster Abschnitt. der Eigengraben, der andere der Lehmerengraben. Ueber dem Thurme, am rechten Ufer des Lehmerengrabens erheben sich steile, doch größtentheils mit Gesträuch bewachsene Felsen, die man bald für Nagelsiuh erkennt. Nicht ohne Mühe kletterte ich den Eigengraben aufwärts , und fand auch sogleich Nagelsiuh anstehend. Große abgerundete Rollsteine, einige mögen wohl über ein Meter im Durchmesser haben, sind sehr fest verküiter durch einen klein- und feinkörnigen Sandstein von grünlichgrauer und bräun- 'licher Farbe; eine wahre Molasse, die oft vorherrschend wird, und eigene Lager bildet, die indeß durch keine Absonderung von dem Bindmittel der Nagelsiuh getrennt sind. Diese Lager sind horizontal, auch die Mehrzahl der Rollsteine liegt mit ihrer breiten Fläche horizontal; bey'm Gesammtüberblick dieser Felsen, vom See aus, kann man sich von der Allgemeinheit dieser Lagerung noch weiter nördlich von Ralligen ganz überzeugen. Höher wird das Gestein, etwa 5 m im Ansteigen, durch Lehm verdeckt, der von einer Gebirgsart abgeschwemmt ist, die gleich oberhalb ansteht. Es ist ein sehr feiner, etwas sandiger Mergelschiefer, abfärbend, zum Theil fett anzu- fühlen, von sehr seiner, gerad-und krummblättriger Textur, vollkommen matt, nur von mikroskopischen Glimmerschüppchen auf den Absonderungen schimmernd, grünlichgrau in'ö Bräunlichgrüne, im Querbruch dunkler als im Hauptbruch, in Säuren stark brausend, vor dem Löthrohr zum grauen und weissen Glase schmelzend; darin eingeschlossen stumpfkantige Stücke eines der übrigen Masse ähnlichen, aber sehr harten Mergels, ohne Textur, von Nußgröße und kleiner, mir einer ocherbraunen Rinde überzogen, ( auch auf den deutlichern Absonderungen des MergelschieferS oft diese röthlichbraune Farbe); wahrscheinlich thoniger Sphärosiderit. In diesem Gestein 1 Deeim. dicke untergeordnete Lager, die, mit aus- und einspringenden Kamen, aus der weichern, aber sehr vor- 39 Grenzen detz Molasse-Formation. herrschenden Grundmasse hervorstehn. Sie besteh» aus einem äusserst festen Sandstein / von so feinem Korn / daß ergänz homogenscheint; im Bruch uneben / splimig; von mehreren Absonderungen durchsetzt , aber ohne Anlage zum Schiefrigen; matt / nur von äusserst kleinen Glimmerpünktchen am Licht etwas schimmernd / schwärzlich grau; in Säuren stark aufbrausend und einen Rückstand von Quarzsand hinterlassend; von Kalkspath. ädern durchsetzt/ auf einigen Absonderungen mit einem Anfing verkohlter Pflanzentheile/ öfters mit Pechglanz; die nach Aussen gekehrten Flächen sind mehr oder weniger tief von einer ocherrothen Rinde umgeben. Die Schichten fallen regelmäßig mit 4L°nach90°. Da ich bis in die Höhe dieselbe Gebirgsart ohne Unter- brechung anhalten sah/ so stieg ich quer über in den Lehmerengraben / immer in derselben Höhe bleibend. Am linken Abhang ist auch hier der Mergel anstehend; mit gleichem Fallen; am rechten hingegen Nagelfluh/ in mehr als hundert Fuß hohen/ nur stellenweise mit Gebüsch und Wald besetzten Felsen. Höher im Graben erscheint der Mergel bald auch am rechten Abhang/ nach 95° fallend; aber die Nagelfiuh setzt in der Höhe/ in großer Mächtigkeit/ wohl noch zweyhun- dert Fuß weiter östlich / gegen den Anfang des Grabens fort/ und in den nördlichen Tobelndeö Stammbachs/ Pfännenbachs u.s.w./ ist vom Seeufer weg bis ganz in die Höhe nur Nagel- fluh anstehend. Die Nagelfiuh/ anders kann man sich die Sache nicht denken/ stößt hiev in horizontalen/mächtigen Schichten an den steil östlich fällenden Mergel/ und bedeckt ^rhn zum Theil. Wenn man in dem Eigengraben/ oder Lehmerengraben noch mehr ansteigt/ so kömmt man in die Strasse/ die von SigriSwyl nach Merligen führt. In dieser ist, gleich über dem Eigengraben/ schon wieder eine neue Gebirgsart anstehend/ in einem Profil von ungefähr 10 ". ES sind dicht/ deutlich abgesoriderte Schichten eines 40 II. Cap. Erster Abschnitt. feinkörnigen, ziemlich festen Sandsteins, der aufden ersten Blick Aehnlichkeit mit fester« Molassearten zu haben scheint. Er hat große Neigung zu schiefriger, zum Theil krummschie- friger Absonderung, ist im Bruch feinerdig und matt, grünlichgrau, mit eingemengten, besonders auf den Hauptab- fonderungen schimmernden Glimmerblättchen, übrigens mit Säuren brausend und zu Sand zerfallend, auch von Kalkspath- adern durchsetzt. Die Hauptabsonderungen sind oft ganz mit über einander liegenden Pflanzentheilen bedeckt, in halb verkohltem Zustande, braun und schwärzlich ohne Glanz, oder schwarz mit Pcchglanz; unkenntlich, aber dem Anschein nach vo«2 weichen Theilen, Blätter»/ Stengeln u. s. w. Diese Schichten fallen mit 55° nach loo; und sind vielleicht nur die vorherrschend gewordenen, aber mehr verwitterten harten Sandsteine, die wir tiefer im Mergel eingelagert gefunden hauen. Folgt man der Strasse gegen Merligen zu, so kömmt man nach wenigen Schritten in ein zweytes Profil von wohl 25 m Ausdehnung. Die ersten, untersten Schichten besteh» noch ganz aus der eben beschriebenen Sandsteinart. Das Korn wird in einigen gröber, die Glimmerblättchen größer und auf den Absonderungen gehäufter, die Braunkohle zeigt sich in gleicher Menge, und man erkennt deutliche Stücke von Blättern' der Bruch immer seinerdig und matt. Dickere Schichten wechseln mit Sandsteinschiefer, aber auch jene zeigen.immer Neigung zum Schuftigen. Das Fallen ist mit 50° gegen 110 °. Auf jeder Absonderung des dünn zerspaltenen Schiefers findet man den Ueberzug von Braunkohle. Einige Schritte weiter folgen dunkelbräunlichgrüne, 6 Deeim. dicke Sandsteinschichten , nur durch die Farbe von den frühern verschieden. Sie fallen mit 66 ° gegen lio°. In diesen, als unregelmäßige, zum Theil über ein Meter dicke Nester ausgesondert, ein gröberes Conglomerat, das auffallend an dnL Conglomerat.be» Broe erinnert, so wie auch Grenzen der Molaffe-Fokmation. 4i der umschließende Sandstein manche Aehnlichkeit mit dem dortigen Mergelschiefer darbietet. Eckigte, 2 Millim. große Körner find in eine feine Grundmasse eingekneter, welche die umschliessende Sandsteinart zu seyn scheint und mit derselben ohne Trennung zusammenhängt/ auch wie ste mit Säuren aufbraust/ ohne sich indeß in starkem Verhältniß auszulösen. Die Körner sind gegen das Bindmittel vorherrschend. Die Mehrzahl derselben besteht aus graulich-und grünlichweissem durchscheinendem Quarz. In einigen Nester«/ fast in gleicher Menge, die Gebirgsart vorzüglich auszeichnend / dunkelsaftgrüne, fast schwarze, im frischen Bruch Firnißglanz zeigende Körner, deren Natur mir nicht klar geworden ist. An meh- rern glaube ich einen pemaedrischen Querdurchschnitt bemerkt zu haben, doch sind die Umrisse nicht scharf genug, um bestimmt zu entscheiden. Sie lassen sich mit der Messerspitze sehr leicht zu einem hellbräunlichen Pulver zerschäben, sind vor dem Löthrohr unschmelzbar, werden aber durch das Glühen attrae- torisch für die Magnetnadel; in Borax lösen sie sich langsam auf, die Glaskugel ist, noch heiß, hellsaftgrün, erkaltet, fast wasserhell; ein Beweis von Eisengehalt; in Salzsäure sind sie aufiöölich, mit Hinterlassung eines Rückstandes, der wie Kieselgallert aussieht. Ausser diesen Substanzen beträchtlich viel Körner von weissem und röthlichweissem Feldspats» mit Perlmytterglanz. Glimmer unterscheidet man nur unter der Loupe als/.einzelne weisst Blättchen. Noch andere Substanzen erlauben keine nähere Bestimmung. Weiterhin erscheinen gleichstreichende, aber fast senkrechte graue Kalkmergelschieferlager, in dünpe Blätter zerspalten. Damit abwechselnd dichter Kalk, hellbläulichgrau, mit wenigen und kleinen Splittern, krummblättrige Textur; in Lagern von kaum i Centim. Dicke, in der Fortsetzung des Profils aber bald an Mächtigkeit zunehmend, zuletzt als senkrechte Folgen ellipsoidischer Knauer, um die sich der Mergelschiefer zwiebelartig herumbiegt. Der Kalk dieser Knauer hat die I 42 II. Cap. Erster Abschnitt. blättrige Textur verloren und besitzt vollkommen muschligen Bruch, mit wenig Splittern; er wird von Kalkspathadern durchzogen; auf einigen krummen, unregelmäßigen Ablösungen sitzt ein dünner, dunkelgrauer, glänzender und fettig anzufühlender Ueberzug, der Anlage zum Fasrigen zeigt. In Säuren aufgelöst hinterläßt der Kalk einen feinen, hellbräunlichen Rückstand. Leider ist hier das Ende dieses äusserst merkwürdigen Profils und auch beträchtlich weiter südlich sieht man in dieser Höhe nichts Anstehendes mehr; wir müssen daher versuchen, ob die aufgefundene,, schöne Schichtenfolge sich nicht vielleicht in den obern Gegenden! des Abhangs vervollständigen lasse. Wenn man den Lehmerengraben von der Strasse an weiter, ansteigt, so bleibt man ohne Unterbrechung in den regelmäßig östlich fallenden Schichten des harten Braunkohlesandsteins. Ungefähr is?- über der Strasse führt ein Fußweg durch den Graben, über den eine kleine Brücke gelegt ist. Am nördlichen Ende derselben, drängt ein ziemlich ausgedehntes Bord von Felsen, die man bey einer- flüchtigen Ansicht für anstehend halten möchte, den Fußweg an den Graben an; aber die Schichten fallen mit 80° gegen so, und doch dauert auch über der Brücke das weniger steile, fast genau östliche Fallen immer fort. Die Gebirgsart ist ebendieselbe, nur härter und sich dem Gurnigelsandstein noch mehr nähernd, immer mit einer Menge Braunkohle in leichten Mnflügen auf den Absonderungen, und unter denselben deutliche Blätterformen, Weideblättern ähnlich, mir starker Längerippe r aber ohne Spur von Querrippen. - " - > -■> - Mitten in dieser Folge fast senkrechter Schichten wird der Sandstein plötzlich etwas gröber, ohne von seiner großen Festigkeit zu verlieren , eine Menge erdiger gelblicher Punkte geben ihm ein feingesprenkeltes Aussetzn, es mengen sich glatte Nester von sandigem Schieferthon ein und größere Gerölle, bis zu mehrern CentiMerer im Durchmesser, fast aus- Grenzen der Molasse - Formation. 43 schließlich aus schwarzem Feuerstein bestehend; man erwartet wahre Nagelfluh folgen zu sehn, aber der gewöhnliche Sandstein wird sogleich wieder vorherrschend und die Gerölle bleiben ganz aus. Von höherem Interesse ist eine zwar nur schmale Einlagerung von foßilen Schalthieren in eben diesem Sandstein mit Gerölle« / und eine zweyte in der Fortsetzung dieser Felsen/ gleich über der Brücke, im gewöhnlichen vorherrschenden Sandstein. Die Schalen sind größtentheils noch erhalten, einige besitzen selbst noch schwachen Perlmutterglanz/ die meisten aber sind halb calcinirt und so morsch, daß man keine vollkommen aus dem harten, sie fest umschliessenden Stein losmachen kaun. Eine nähere Vergleichung dieser Petrefaeten führt aber zu einem Resultate, das, obschon nicht ganz isolirt und neu, doch immer nur mit größter Vorsicht aufgenommen werden darf. Es scheinen nämlich auch hier Süßwaffer-und Meerbewohner unter einander gemengt zu seyn, und die erstem aus so verschiedenen Geschlechtern, daß man kaum annehmen darf, die Aehnlichkeiten seyen nur,Täuschung. 3« den Süßwasserarten glaube ich zählen zu sollen in! 83. Hochgewundne Schnecke mit ovalem, unten aufgeschlitztem Mund. Sehr ähnlich der meianopsis bucci- noidea ?er./doch ist derinnere Rand der Oeffnung gerade und nicht concav. Länge I4 mm , Dicke 5 mm . Ziemlich häufig. -Cylindrische Schnecke mit rundem Mund, von der Form einer Pupa. Länge 9 mm , ®iäe 5 mm . — 93. Kleine Muschel, die in bedeutender Menge da ist, von Cyclas rivalis nicht zu unterscheiden. Länge 8^/ Breite 10 -»-». — 91 . Größere Arten, die zu der Gattung Cyclas, oder Cyrene gehören möchten. > Entschiedene Meerconchilien sind hingegen AA II. Cap. Erster Abschnitt. ml 92. Mehrere Individuen der Gattung Cardium, oder Arca/ mit zahlreiche«/ aber starken Rippen und sehr gewölbter Schale. Breite 18°"". Noch an mehreren andern Stücken steht man Trümmer von Muscheln mit Längenstreiffen und Rippen. Ich übergehe kleinere Arten von mannigfaltige«/ aber weniger ausgezeichneten Forme«/ deren Geschlecht ich nicht zu bestimmen wage. Die Mengung beyder Thierelassen findet übrigens in beyden Schichten und meistens in den nämlichen Handstücken statt. Dieselben Petrefacten erscheinen an der linken Seite des Grabens/ oberhalb der Brücke/ in den regelmäßigen Schichten selbst, zwar in weit geringerer Anzahl / aber deutlich genug, um jede Täuschung unmöglich zu machen. Die Schichten fallen noch ziemlich weit oberhalb der Brücke immer gegen 100. Höher aber wird die Schichtung unregelmäßig und man steht auf der rechten Seite des Bach's deutliche Wellenbildung. Darum darf man sich nicht verwundern, bald ein Fallen nach 148 , bald eines nach 207 zu messen, wenn auch beyde auf längere Strecken hin noch so anhaltend schienen. Am Ende des Grabens, oder vielmehr seiner felfigten Einfassung, steht man wieder große Gerölle in dem Sandsteine, der Schichtung parallel, aber nur in einer sehr geringen Dicke. Die Gerölle find meistens Kalksteine, theils schwarz mit rauhem Bruch, wie.oft der dunkle Kalk in den Alpen, wenn er verwittert, theils körnig und dunkel- grau, schimmernd, mehrere stimmen mit den Kalksteinen, die wir bald näher werden kennen lernen, vollkommen überein; ferner Sandsteine, die von den hier anstehenden gar nicht zu unterscheiden find ; auch fand ich einen lichtgrünen Feuerstein und einen kleinkörnigen weissen Granit, nichts den Alpen fremdes. Der Sandstein,,berste einschließt, steht dem Bind- mittel der Nagelfluh unserer Molassehügel so gleich, daß man beyde in Handstücken nichr unterscheiden könnte; er geht aber Grenzen der Molasse - Formation. 45 bald in den gewöhnlichen Sandstein über und scheint nur durch Verwitterung ss entstellt zu seyn. Wir nähern uns nun dem Kalkgebirge der Ralligstöcke, das in ausgedehnten Felsen , vor dem Berglistock durch, den Abhang, an dem wir uns so lange verweilt haben/ in der Höhe umschließt. Am Fuß dieser Kalkwand fällt unS ein Fels in's Auge, der nicht aus Kalk zu bestehn scheint, aber vielleicht die Grundlage desselben an den Tag bringt..Wenigstens sieht man, nicht viel höher, sich über ihn eine Felswand ausbreiten, dann folgt eine äusserst steile, aber nicht mehr unterbrochene Halde, und nun die Ralligstöcke selbst. Die Entfernung von dem obern Ende des Grabens biS an diese Stelle mag wohl eine Viertelstunde betragen. Wir finden an dem Fels einen sehr festen, grünen Sandstein in dicken Schichten, mit einem dünnschiefrigen Mergelschiefer abwechselnd. Der Sandstein ist stark zerklüftet und vielfach abgesondert, der Mergelschiefer sehr zerstörbar; auch ist eine große Schutthalde noch ganz frischer Trümmer am Fuß der Felswand ausgebreitet. Gewöhnlich erscheint der Sandstein als eine feinerdige feste Masse, hellgrün mit blau und grau gemischt, in's Saftgrüne und Grünlichbraune; zuweilen ist das Dunkelgrün hell gefleckt, wie bey'm Variolit; vollkommen matt, mit rauher Bruchfläche. In Säuren löst er sich, nach kurzem Aufbrausen , nur wenig auf, verliert aber die Farbe und wird grau- lichweiß, unter der Loupe erscheinen die so behandelten Stücke als ein granitähnlicheö Gefüge von Quarz und wenig Feld- spath. Wenn man sie aufschlägt so sieht man, daß die Säure bloß ander Oberfläche gewirkt hat. Vor dem Löthrohr wird die grüne Farbe rothbraun, in größerer Hitze bilden sich durcheinander weiße und schwarze Glaskügelchen. In dieser Grundmasse, theils Kalkspath in einzelnen Blättchen, oder kleinen Nestern, oder als Adern, theils Ab II. Cap. Erster Abschnitt. wisse, undurchsichtige Theile mit schwachem Perlmutterglanz/ theils auch größere Quarzkörner/doch letztere nur in sehr geringer Menge. Die weiffe Substanz erscheint zum Theil in viereckigten Blättchen, welche man nur für Feldspath ansehen kann, zum Theil aber auch in feinenPünkcchen und Aederchen, so innig mit der übrigen Masse verschlungen, daß man nicht bezweifeln kann, sie sey, wieder Kalkspath, erst im Stein selbst gebildet worden. Auch mengen sich zuweilen graulichschwarze schimmernde Blätter ein, wie wenn Tropfen eineö fein zertheilten Thonschiefers auf den Stein gefallen wären. Als Abänderung wird die Masse so feinkörnig und hart, daß sie splittrigen Bruch annimmt und ganz homogen scheint. Die Farbe ist dann ein bräunliches Grau, in dem nur wenig Grün mehr sich zeigt. Man könnte leicht glauben eine der feinkörnigen Axtendes Gurnigelsandsteins zu sehru Nur selten gelingt eö, bey der großen Menge der nach allen Richtungen gehenden Absonderungen, frische Bruchflächen dieser Abänderung zu erhalten. Der Fels ist wie aus kleinen polyedrischen Stücken, ohne regelmäßige Formen, zusammengebacken. Glimmer fehlt in keiner der verschiedenen Arten, aber besonders in der letzten häuft er sich, in ganz kleine Blättchen zertheilt, , auf einigen Absonderungen so an, daß man Glimmerschiefer zu sehn glaubt. In den erdigen Arten von bestimmlerm Grün ist er selten. Andere Absonderungen sind mit einem braunen, oder schwarzen, schwach glänzenden, Thonhämchen überzogen, dann oft mit rundlichen Unebenheiten, warzig. Dieser Ueberzug zuweilen zum Fasrigen sich neigend und dann der Substanz auf den Kalkknauern der Merlingerstrasse ähnlich. Der Kalkspath und die noch unbestimmte weiffe Substanz erscheinen deutlicher auf den Kluftflächen. Dkr erste in durcheinander liegenden Rhomboiden, oder krystallinischen Körnerformen, die, ihrer Kleinheit und Unbestimmtheit wegen, nicht näher charakteristrt werden können. 47 Grenzen der Molaffe-Formation. Letztere, in ihrem vollkommensten Zustande, als sehr flache PriSmen mit deutlicher blättriger Textur, stark perlmutter- artig glänzend, zu kleinen Rosen, eoncentrisch strahlig, angehäuft ; auch unregelmäßig durch einander und übereinander liegend; immer der Kluftfläche, die sie trägt, parallel. Die Verwitterung scheint sehr leicht auf dieß schöne Foßil einzuwirken und verändert eö zu einem sandig anzufühlenden wrissen Mehl. In Säuren löst eö sich mit Aufbrausen bis auf eine nicht beträchtliche Gelatina auf. Vor dem Löth- rohr läßt es sich ohne Mühe unter schwachem Aufblähen zum wetssen, Durchscheinenden Glase schmelzen. Der Kalkspath mengt sich übrigens meist so innig mit demselben, daß eS schwer hält beyde Substanzen ganz rein zu erhalten. Ich bin auf die Aehnlichkeit dieses FoßilS mit Laumonit zuerst durch Herrn von Charpentier aufmerksam gemacht worden, der eS, in einem ganz ähnlichen grünen Sandstein, auch in den Gebirgen von Bex aufgefunden hat. Der nämliche Sandstein erscheint wieder bey der Gypsmühle zu Kraltigen, ferner, in großer Mächtigkeit, regelmäßig mit Mergelschiefer wechselnd, am Eingang des Kienthales, und, als Knauer im Mergelschiefer, unten an der Tellenburg. Ich fand auch Geschiebe davon in der Vevnise hinter OBätel 8t. Denis, Sehr wichtig ist unter den Abänderungen dieser Gebirgs- art ein feinkörniger Sandstein, grünlichbraun, mit Neigung zum Schiefrigen, die Absonderungen von vielen Glimmer- blättchen schimmernd, und zum Theil mit schwärzlichen Pflan- zenbruch stücken bedeckt; nach allen Merkmalen von dem bräunlichen Sandstein der Merlingerstrasse, der das grüne Con„ glomerat einschließt, nicht zu unterscheiden. Auch hier scheinen, einigen Bruchstücken zufolge, welche einen stetigenUeber- gang der feinkörnigsten Arten in grobkörnige zeigen, diese mehr nesterweise und nicht als eigene Schichten vorzukommen. 48 II. Cap. Erster Abschnitt. DaS Fallen ist sehr gleichförmig nach 114/ aber unter Winkeln die von 15° bis 50° wechseln. Aus diesen letzter« Thatsachen ergiebt stch mit größter Wahrscheinlichkeit, daß man sich hier immer noch in der tiefer anstehenden Formation befinde/ und daß der grüne Sandstein/ den wir so eben kennen gelernt/ eine/ der untern grünen Ge- birgöart analoge/ Einlagerung sey: mit etwas veränderter Eigenthümlichkeit/ und sehr viel mächtiger/ indem die Höhe der Felswand bey 26 m und ihre horizontale Ausdehnung wohl gegen 30™ beträgt. Wir haben jetzt noch die Verhältnisse dieser merkwürdigen Gebirgsart auch gegen die höheren Formationen auözu- mitteln. Wenn man den Wßweg , der bey diesem Felö vorüber führt gegen daö Juftithal zu verfolgt/ so sieht man deutlich dem grünen Sandstein einen sehr festen dunkelgrauen Sandstein aufgelagert; mit Anlage zu regelmäßig dickschiefriger Absonderung / schwärzlichgrau in's Bräunliche/ im Querbruch rauh in'ö Splittrige/ mit schwachem GlaSglanz schimmernd/ auf den Absonderungen einzelne Glimmerblättchen/ mit Kalk- spathadern. In Säuren stark aufbrausend , mit Hinter- lassung einer/ noch die Form des Stück's beybehaltenden Quarz- fandmasse. Auf diesen Sandstein ist wieder derselbe Mergelschiefer aufgelagert , der mit dem grünen Sandstein wechselt; in wellenförmigen/ aber immer östlich fallenden Schichten. Dann folgt der frühere dunkelgraue Sandstein / viel inniger gemengt/ dunkler/ in'S Bräunlichschwarze/ ganz homogen scheinend / aber immer noch mit Glimmer gemengt/ in wellenförmigen/ theils schiefrigen/ theils mehrere Decimeter dicken deutlich abgesonderten Schichten; sehr zäh und im Anschlagen stark bituminös riechend. Weiter südlich ist die Gegend mit hoch ansteigenden Trümmerhalden von Kalkfelsen und mit Wald bedeckt/ und die ersten Felsen/ die man findet/ gehören schon ganz bestimmt der Kalkformarion an. Auch Grenzen der Molasse - Formation. Auch die Felswand/ die wir von fern über dem grünen Sandstein bemerkt hatten / besteht aus Kalk. Unten in dicken Schichte»/ die aber gegen die Höhe zu an Mächtigkeit verlieren und dann eine lange Schichtenfolge 2 Decim. dicker schwach wellenförmiger Schichten bilden/ die mit 45°nach 100 fällt. Die Steinart scheint identisch mit dem^dunkeln Sandstein/ oder Kieselkalk/ den wir so eben verlassen haben, und vielleicht befindet man sich selbst in den gleichen Schichten. Auf dieser/ wohl bey 30™ mächtigen Ablagerung liegt ein dunkelbräunlichgrauer ziemlich grobkörniger Kalk/, der in Rogenstein übergeht nnh derselbe Marmor ist, den man in Merligen verarbeitet. Auch sind eine Menge Spuren von Petrefacten darin sichtbar, aber der Stein ist so dicht, daß sie im Innern kaum bemerkt, und nur durch Zufall herausgeschlagen werden können. Alle Schichten riechen im Anschlagen stark bituminös. Die Ralligstöcke selbst endlich besteh» aus Kalk, und werden in der Höhe, wie die DiableretS, die Niesenkme, der Hohgam «nd Pilatuö durch einen harten, quarzigen Sandstein von graulich - und röthlichbrauner Farbe bedeckt. Die Schichten fallen bis oben östlich'. Der Fels, bey dem wir uns so lange verweilt haben, ist nicht die einzige Stelle, wo der grüne Sandstein ansteht. Man findet eine zweyte, nur wenig höher als daS Conglomerat an der Merligerstrasse, aber beträchtlich weiter südlich. Auch hier scheint der Kalk den grünen Sandstein zu bedecken, da aber die Lagerung weniger deutlich und zum Theil wohl in Unordnung ist, so wollen wir unö nicht in eine längere Beschreibung derselben einlassen. Ruft man sich jetzt noch einmal die Verhältnisse der verschiedenen Anbrüche an diesem Abhang, von der Nagelfluh des Eigen-und Lehmerengrabens bis zum Kalk der Ralligstöcke, in's Gedächtniß zurück; erwägt man die Wiederkehr derselben Steinarten mit geringer Veränderung in allen Höhen, 4 so II. Cap. Erster Abschnitt. und immer begleitet von der Braunkohle; erwägt man endlich die große Regelmäßigkeit des Streichens in der ganzen AuS- dehnung dieses Gebirges; fa' wird man schwerlich die Aufeinanderfolge der verschiedenen Lager, so wie wir ste kennen gelernt haben, nämlich: Mergel mit harten Sandsteineinlagerungen, harter Sandstein, harter Sandstein mit Geröllen und Muscheln, brauner Sandstein und Conglomerat, Kalkschiefer, grüner Sandstein mit Mergelschiefer, harter Sandstein oder Kalk mit Quarzsand gemengt, Mergelschiefer, sandiger dunkler Kalk, Marmor —bezweifeln können. Einige Schwierigkeiten, und zwar nicht leicht zu hebende, dürfen wir uns keineswegs verhehlen. Es ist ein offenbarer Widerspruch, daß die Nagelfluheinlagerung/ die wir in der Höhe des Lehmerengrabens gefunden, Gerölleder höher anstehenden Kalkarten enthalte, und doch dieselben unterteufe; es ist ferner ein Widerspruch mit den bewährtesten Resultaten der neuern Grognoste, daß Lager mit Petrefaeten, deren Formen so große Aehnlichkeit mit noch jetzt lebenden Gattungen zeigen, älter seyen als Rogenstein und marmorartige Kalklager, die wahrhaft petrifieirte Körper einschliessen; auch die überall verbreitete Braunkohle und die einzelnen Blätterformen, die wir später in der Molaffe wieder finden werden, verlangen eher eine Vereinigung mit den jüngsten, als mit Gebirgen von so hohem Alter, wie man eS unsern Kalklagern fast allgemein zuschreibt. Wir könnten gegen diese Einwürfe anführen, daß, für's erste, da jeder Fels in unseren Gegenden, wo weder Schachte, noch Sodbrunnen gegraben werden, nur an der Oberfiäche beobachtet werden kann, man die Möglichkeit zugeben müsse, daß sowohl die Gerölle, als die fossilen Muscheln sich später erst in die von der langen Berührung mit Wasser aufgeweichte Aussenseite, oder in Spalten des Sandsteins einge- mengt haben; daß ferner die braune, ja oft hellbraune Farbe der kohligten Theile nur eine Wirkung des bleichenden Ein- 51 Grenzen der Molasse-Formation. flusses der Atmosphäre, und die scheinbare Braunkohle ursprünglich eine Schwarzkohle gewesen sey, die sich, in so kleinen Theilen und in so verändertem Zustande, schwerlich befriedigend von der Braunkohle unterscheiden lasse; daß endlich die hier gefundene Formation nicht isolirt stehe, sondern sehr viel Aehnlichkeit zeige und zum Theil identisch sey mit einer, freylich noch wenig untersuchten, aber im Siebenthal, im Frutigthal und in vielen andern innern Alpenthälern vorkommenden und immer als sehr alt, oft selbst als Grauwacke betrachteten Sandstein-Formation. Aber alle fernern Erörterungen über diesen Gegenstand müßten uns unvermeidlich tief in die Untersuchungen, Räthsel und Streitigkeiten verwickeln, welche die Geognosie der Kalkalpen in so großer Fülle darbietet, und der eigentliche Zweck dieser Schrift würde uns ganz aus dem Auge gerückt. ES genügt mir gezeigt zu haben, daß die Grenze der Nagelfluh in dieser Gegend zu suchen sey, und daß die Formation hier, mit plötzlichem Abbrechen der mächtigen Nagelfluhlager, an ein Gebirge anstoße, das wir, nach allen seinen Verhältnissen, von der Molasse-?Formation ausschliessen müssen; und eS bleibt mir jetzt zunächst nur noch zu untersuchen übrig, wie diese Nagelfluh mit der eigentlichen Molaffe zusammenhange. Hierüber werden wir in der folgenden Gruppe Aufschluß finden. Gruppe der Bäuchlen, Lochseite und Honeggen. Es läßt sich an den nördlichsten Kalkketten in unsern Gegenden dasselbe stufenweise Hervortreten beobachten, auf das Hr. Escher 15 ) im Jura aufmerksam gemacht hat, und zwar sind eS ebenfalls die westlichen Ketten, welche am weitesten vortreten, so daß also auch von dieser Seite das große Schweizerthal gegen Abend zu verengt wird. ’*) Naturw. Anz. Oct. 1820. 4 * r 62 II. Cap. Erster Abschnitt. Die lange Stockhornkette endigt sich nahe am Tbuner-See, wie wir gesehn/ im Kapfbey Wimmis/ und die Ralligstöcke können , wegen der abweichenden Beschaffenheit ihrer Steinart , nicht als die Fortsetzung derselben betrachtet werden; daö Vor- . kommen des grünen Sandsteins im Frutigthale deutet vielmehr auf eine Verbindung mit innern Alpenketten. Auch die Ralligstöcke erreichen bald ihr Ende im Schöriz; aber hinter ihnen durch zieh« sich weiter östlich die Sohlflühe/ die im Hohgant sich zu ihrer größten Höhe erheben/ jenseits der Emme dann als Schrattenflühe fortsetzen/ noch einmal von der Waldemme bey Flühli durchschnitten werden und sich erst bey Brudern/ im Schimberg. zu endigen scheinen. Zwischen dem PilatuS und den Molaffehügeln bey Luzern ist nun keine Kalkkette mehr eingeschoben. Nördlich von Flühli/ dem östlichen Ende der Schratten/ der Schaafmatt und dem Schimberg vorliegend / erhebt sich / wohl mehr als 5000Fuß über's Meer/ der breite Rücken der Bäuchlen. ( S. Taf. 1. Fig. 3.) Sein Profil ist am schönsten durch die Hilfern aufgeschnitten und zeigt an der Ryschibodensiuh sehr regelmäßige/mit ungefähr 30° südöstlichfallende Schichte«/ welche deutlich zur Hauptmasse des Berges gehören und fast bis auf den obersten Rücken entblößt sind. Bevor man indeß von Marbach her an diese Fluh gelangt / muß man am Fuß der Bäuchlen sanftere Gehänge übersteigen, deren Felsart in mehrern Graben zu Tage geht. Es ist rother Mergel, abwechselnd mit gemeiner Molasse und Nagelfluh / deren Gerölle eine große Mannigfaltigkeit farbiger Granite, Porphyre u. s. w. zeigen. Die Schichten fallen sehr regelmäßig mit 53° nach 110 °. Das Gestein der höher» Felsen lernt man aus den vielen Trümmern kenne» / die über diese Vorberge ausgestreut sind. Es ist ein sehr fester Sandstein / der mit dem grauen Gurnigelsandstein auffallende Aehnlich. keit hat/ und wie dieser häufig mit einer braunrothen Kruste/ »der mit einem Anflug von Braun- und Pechkohle bedeckt 53 Grenzen der Molasse-Formation. ist. Auch Blöcke von Nagelfiuh mischen sich darunter, aber nicht von der tiefer anstehnden Art, sondern^.mit Kalk-und Sandsterngeröllen. So wie man in den Wald tritt, erscheint auch fester Fels, und man ist nun im Profil der Ryschi- bodenfiuh selbst. Weiche, aschgraue Mergellager, dem Mergel bey Ralligcn sehr ähnlich, wechseln mit Schichten eben des harten Sandsteins, den man schon aus seinen Trümmern kennt, von der Mächtigkeit einiger Decimeter bis zu mehrern Me- lern, oft von so feinem Korn, daß er kaum von dem dunkeln Kalk unserer Alpen unterschieden werden kany; dann folgt auch die Nagelfluh mit Kalkgeröllen, in Schichten von vielen Metern Dicke, immer abwechselnd mit dem harten Sandstein und mit Mergel. Die Schichten fallen mit 2»° nach 115°. Dieselben Steinarten findet man auf dem Hintern Rücken der Bäuchlen, oberhalb Flühli, immer mit gleichem Fallen. Die Sandsteine scheinen sich indeß oft wieder der gemeinen Molasse nähern zu wollen, ihr Korn wird deutlicher und gröber, ihre Farbe Heller; auch in der Nagelfluh findet man, neben den vorherrschenden Kalkgeröllen, wieder andere von Granit und farbigen GebirgSarten, die auch in der untern Nagelfluh vorkommen. Bey Flühli selbst endlich, am rechten Ufer der Waldemme, herrschen grobkörnige, hellgraue Sandsteine von bedeutender Festigkeit, die mit 55° nach 120 ° fallen; an der Strasse nach Schupfen feinkörnigere Sandsteine mit Pechkohletrümmern, die vielen Molassen sehr nahe kommen, mit 4o° nach 102° fallend; endlich Nagelfluh mit vorherrschenden Kalk- und Sandsteingeröllen, nicht selten aber auch mit farbigen Hornsteinen, farbigen Graniten, Porphyren u. s. w. Einen weniger vollkommnen Durchschnitt gewährt der tiefe Tobel, zwischen dem Hürndli und der Loch feite, aus dem die Steiglen hervordringt, denn der Raum zwischen dem Sandstein, und Kalkgebirge, der bey Flühli ganz 54 II. Cap. Erster Abschnitt. frey ist/ wird hier durch die hohen Alpen ausgefüllt/ welche jene zwey Berge mit den Schratten verbinden. In großer Ausdehnung sind hingegen an der Nordseite die tiefern Lager entblößt. Sie scheinen den mittlern, nicht den untersten der Bäuchlen zu entsprechen, und in der That steht das Hürndli etwas zurück gegen diese und der Kalkkme mehr genähert. Der Sandstein, in zahllosen Schichten von 2 Decim. Dicke, unter denen fast periodisch eine bey 2 Meter mächtige erscheint, herrscht vor in der Tiefe, hart/ aber meist grobkörnig, wie die Lager bey Flühli, zum Theil selbst Molassen ähnliche Höher folgen auch mächtige Lager von Kalknagelfluh, dann ein sandiger bunter Mergel, nun auch harte, sehr feinkörnige Sandsteine, ohne sichtbare Sandsteinstructur, hellaschgrau, oder grünlichgrau in mannigfaltigen Abänderungen. Das Fallen ist immer mit ungefähr 40° südöstlich. Noch weiter als das Hürndli steht die Lochseite zurück.' auch finden wir an ihrer Westseite die Nagelfluh mit mannigfaltigen Geröllen, deren Nähe die obersten Schichten der Bäuchlen verrathen, zu großer Mächtigkeit angewachsen, da hingegen die feinkörnigen , dichtem Kalk ähnlichen Sandsteine fast ganz verschwunden scheinen. Sowohl bey Schangnau, am Ufer der Emme, als auf dem obersten Rücken, sieht man nur grobkörnige, immer zwar sehr feste, Sandsteine, die in großen ebenen Tafeln brechen und mit den Sandsteinen des Hürndli und von Flühli in eine Classe zu setzen sind. An der Emme stehen sie senkrecht, oder fallen eher noch gegen 357°, die Neigung wird aber sehr bald südlich und schwächer; an der Südwestseile mißt man 57° gegen 142°. Die Nagelfluh, die an der Nord - und Nordwestseite in mächtigen Lagern mit dem Sandstein wechselt, istnochganz die aus Sandstein-und Kalkgeröllen bestehende, einförmige Nagel- fluh der mittlern Bäuchlen; aber die Emme aufwärts, im Buembach, folgen Schichten, die an Mannigfaltigkeit far- 55 Grenzen der Molasse-Formation. biger Granite / Porphyre u.s.w. keinen andern nachstehen, so daß man mehrere Dutzende von Geröllen zerschlagen kann , ohne zwey identische zu finden. Auch zeigt fich hier zwischen den Nagelfluhschichten ein harter Sandstein/ fast dichtem lauchgrünem Quarz ähnlich, den man eher in der Gruppe der Gurnigelberge zu sehen erwartet hätte. Leider ist in diesem Durchschnitte, wie'in den vorigen, das Anstössen des Sandstein- und NagelfiuhgedirgeS an den Kalk verborgen. Sobald man in die Nähe der Scheibenfiuh und des östlichen Fusses des Hohgams kömmt/ erscheinen stark geneigte/ zum Theil senkrechte dunkle Kalkschichten, mit Mergel wechselnd, oft großwellenförmig/ aus großer Höhe bis auf den Grund des Emmebettes niedersteigend; die geneigten Schichten gegen 140° bis 150" fallend. Alpweiden und Schutthalden bedecken die Grenzen beyder Formationen längs dem ganzen Hohgant- und Schrattengebirge. Das also wäre im Allgemeinen die Beschaffenheit der hohen Rücken, auf die wir schon im vorigen Capitel, als in diesem Theile der Alpen den Gebirgszug der Vera, der Schweins-und Gurnigelberge darstellend, aufmerksam geworden find. Die Mehrzahl der Sandsteinarten und der damit wechselnden Mergel scheinen diese Ansicht sehr zu unterstützen^ denn ihre Achnlichkeit, theils mit den Gesteinen der Gurnigel- gruppe, theils mit denen von Ralligen, ist sowohl orykto- gnostisch, als nach ihrem Vorkommen im Großen so täuschend, daß man nicht anftehn würde, fich in der Fortsetzung jener Formationen zu glauben, wenn man nur Sandstein und Mergel hier fände. Aber das abnorme Auftreten von Nagelstuh in so bedeutenden Massen fordert zu einer genauern Prüfung aus, bevor wir entscheiden, und mahnet uns den bisher unter der Leitung der Lqgerungsverhältniffe und des Zusammenhangs mit den angrenzenden Gebirgen befolgten Weg, nicht voreilig zu verlassen. 56 II. Cap. Erster Abschnitt. Wenden wir uns nun vorerst zu dem nördlichen Abhang dieses Thales, so muß schon aus der Ferne uns das allge- meine nördliche Fallen in diesen Gebirgen auffalle» / so ganz entgegengesetzt demjenigen der südlichen Thalseite. Tiefer landeinwärts/ schon bey Kröschenbrunn und Trubschachen sieht man indeß nur noch horizontale Schichten, und in der Höhe / östlich über Kröschenbrunn / biegt sich das nördliche Fallen deutlich zur wagrechten Lagerung um. Ohne bedeutende Abweichungen dauert diese fort/ längs der Jlfis und Emme, bis in die Hügelgruppen und Plateaux des niedrigen Landes/ und die Verbindung der Molasse dieser Gegenden mit den nördlich fallenden Lagern des großen Horden / Rämisgum/ Binzberg/ Gerstengrat/ ist so innig/ daß es unmöglich ist, auf irgend eine Art die eine von den andern zu trennen. Die vorherrschende Gebirgsart dieser letztem Gebirge ist indeß Nagelfluh, und zwar dieselbe Nagelfiuh mit mannigfaltigen Geröllen, die wir am nördlichen Fuß der Bäuchlen und am südlichen Abhang der Lochseite gefunden; eine Menge ausgezeichneter Granite und Porphyre ist allen dreyen ge- mnn. Dagegen findet man kein einziges Lager, das ausschließlich, oder auch nur vorherrschend Kalkgerölle enthielte, und auch die festen, kalk-oder quarzgesteinähnlichen Sandsteine sind ganz verschwunden. An ihre Stelle tritt wahre Molasse, so gut characterisirt, als ob sie in der Nähe von Bern oder Freyburg gebrochen wäre, theils als Lager, theils nesterweise, im Anfang nur sehr untergeordnet, gegen das mittlere Emmenthal zu aber immer mächtiger werdend, endlich die Nagelfluh fast verdrängend und sich der großen Molasse, Formation der Schweiz anschliessend. Nur der bunte Mergel erscheint auch als Glied dieser Formation, und, merkwürdig genug, den Massen von rothem Mergel am Fusse der Bäuchlen gerade gegenüber, und wie diese als Grundlage des Gebirges. Indeß scheinen die Mergel beyder Thalseiten nicht ganz gleicher Art zu seyn. 57 Grenzen der Molasse - Formation. Wo das Thal gegen Abend sich zuschließt, zeigt sich, auf dem linken Ufer der Emme, der hohe Grat der Hon eggen schon nach Form und Lage als die Fortsetzung der Lochseite. Er hat wahrscheinlich früher mit derselben wirklich zusammengehangen. Die innere Beschaffenheit rechtfertigt diese Vermuthung. Wie an der Lochseite findet man Sandstein mit Nagelfluh abwechselnd und mit starken Winkeln , 45— 60” gegen 170 — 200°, südlich/ statt wie bisher südöstlich/ eingesenkt; in Folge vielleicht des auch südlichern FallenS der Hohgantkette. Die Nagelfluh ist sehr mannigfaltig/ doch findet man auch Lager/ besonders an der Nordseite/ die sich der Einförmigkeit der tiefern Lochseite. Nagelfiuh nähern. Der Sandstein vieler Schichten unterscheidet sich in nichts von dem grobkörnigen, harten Sandsteine der Lochseite; er wird häufig wie dieser von Kalkspathadern durchzogen und spaltet in große ebene Tafeln. Andere Schichten zeigen eben so große Uebereinstimmung mit Molasse und ahmen selbst lalle äussern Formen derselben, das Abrunden der Ecken, die Ablösung großer Blätter, daö Zerfallen in Sand, so täuschend nach, daß man nicht mehr ansteht, sich mitten im Molassegebirge zu glauben. Zwischen jenen festern Schichten und diesen lockern ist aber durchaus kein Formationsunterschied, keine scharfe Trennung nach einer höher» oder tiefern Lage der einen gegen die andern, keine Abweichung des Fallens vorhanden, und die ganze Masse des Gebirges muß nothwendig als eine ununterbrochene > Folge von Ablagerungen, als Eine Formation betrachtet werden. Der steile Grat der Honeggen erniedrigt sich bey Schwar- zenegg, ziemlich stark abfallend, bis auf 930™; aber die Fortsetzung desselben läßt sich leicht noch bis an das Aarthal verfolgen. Zwischen diesem Gebirgszug und den Ralligstöcken besteht das ganze Plateau der Blume aus der nämlichen mannigfaltigen Nagelfluh. Die Sandstein - oder Molaffelager erscheinen nur noch sehr untergeordnet und werden gegen SigriS- 58 II. Cap. Erster Abschnitt. wyl zu von den Geröllmassen fast ganz verdrängt. Das Fallen ist anhaltend steil südlich, bis in die Gegend von Oberhofen, hier wird der Fallwinkel kleiner und die Schichten biegen sich allmählig in die horizontale Lage um, in der wir sie bey Ralligen kennen gelernt haben. Auch der breite Rücken des Buchholterberges schließt sich dieser mächtigen Nagelfluhformation an. In der engen Spalte, welche die Rothache durchfließt, sieht man deutlich seine Schichten, immer noch mit südlichem Fallen, in das Plateau von Schwarzenegg übersetzen, und auch aus der Ferne überzeugt man sich, daß die südlichfallenden Nagelfluhlager der Riederenfluh, am westlichen Ende dieses Plateau's, dieselben sind, die an der Falkenfluh durch das Thal der Rothache abgeschnitten werden. Allein in der Falkenfluh selbst glaubt man ein allmähliges Umbiegen des Fallens zu bemerken, und der Buchholterberg erscheint in diesem Profil als ein riesenhaftes Gewölbe, dessen flacher aber gleichförmig gekrümmter Bogen dem äusser» Umrisse des Berges folgt. Wirklich findet man auch, wenn man von Diesbach gegen die Aeschlenalp ansteigt, am nordöstlichen Ende der Falkenfluh nördlich fallende Schichten, und auch die Schichten des Kurzenbergs fallen regelmäßig gegen Nord, und vereinigen sich, wie die Nagelfluhlager des Hintern Emmenthales, mit der Molasse der niedrigen Hügel. Diese Lagerungsverhättnisse scheinen keinen Zweifel mehr über die wahre Natur der Gebirgsarten zu gestatten, die wir nun von der Bäuchlen bis an das Aarthal ohne Unterbrechung verfolgt haben. Die Sandsteine, so ähnlich sie auch dichten Gesteinen, oder Grauwacken seyn mögen, sind wahre Molassen, die Conglomerate eigentliche Nagelfluh, die Bäuchlen, die Lochseite, die Honeggen und alle Gebirge bis an die Mergel- und Sandsteinformation von Ralligsn gehören der Formation der Molasse an. Wie an der Sense und am Gur- nigel, stößt diese, theils in horizontalen, theils in südlich- 59 Grenzen der Molasse - Formation. fallenden Schichten, an die ältere Sandstein- oder Kalkformation nnd ist hier plötzlich abgebrochen/ nordwärts aber biegen sich ihre Lager um/ wie die Bogen eines Gewölbes, oder reisten wirklich auseinander, was im Thale von Marbach scheint der Fall gewesen zu seyn, und ihr nördlich fallender Theil vereinigt sich mit der Molaffe der tiefern Gegenden. Die Auflagerung von GebirgSarten, die einen fo ausgezeichnet ältern Charakter tragen, wie die Sandsteine und Conglo- merate der Bäuchlen, auf eine Formation, die wir sonst, ihres lockern Zusammenhalts wegen, zu den allerjüngsten zählen, und die große Aehnlichkeit jener GebirgSarten mit den Sandsteinen, die, theils in ganz ähnlichen topographischen Verhältnissen, im Gurnigel und in den Schweinsbergen, theils in innern Alpenthälern, im Siebenthal, Habkerenthal, gefunden werden, ist indeß allerdings eine der räthselhaftesten Erscheinungen in der Geognosie. Die Formation von Ralligen scheint bis Flühli nirgends mehr in größerer Ausdehnung zu Tage zu gehen; doch findet man am Fuß der Kalkkette ihre Spuren an mehreren Stellen. So ist z. B., ungefähr in der Mitte zwischen SigriSwyl und Eriz, nur etwa 50 m von den senkrechten Kalkselsen entfernt, ein ziemlich grobkörniger, grüner Sandfteinschiefer anstehend, der mit Säuren fast gar nicht braust und, wahrscheinlich von zersetzten Schwefelkiesen, rorhbraun gefleckt ist; die Schichten fallen mit 7o — so 0 gegen 130 — 160 °. Auch unter den Geschieben der Wasserrünse, die von den Schratten in die Alpweiden auf dem Hürndli und der Hintern Lochseite ausraufen, fand ich grünlichbraune, schiefrige Sandsteine, die mit dem Sandstein, der an der Straße nach Merligen das grüne Conglo- merat einschließt, vollkommen übereinstimmen. Oeftlich von der Bäuchlen tritt die gewöhnliche Molasse auch an das rechte Ufer der Waldemme, und die harten Sand- 60 II. Cap. Erster Abschnitt. stein- «nd Nagelfluhgebirge halten sich immer ganz nah an die Kalkfelsen. Man findet die erster», auch in südlich/mit 47° nach 134°/ fallenden Schichten, etwas westlich von Heiligenkreutz,oberhalbSchüpfheim, und an derBram- egg, häufig mit untergeordneten Lagern mannigfaltiger Na- gelfluh, die letzter« hinten an der Entle, unten an Müllern- mooS, mit schwachem, in der Höhe aber ziemlich starkem, südlichem Fallen. An der Nordseite des Pilatuö werden die stark südlich eingesenkten Nagelfluh- und harten Sandsteinschichten der Wandfluh und des Schwarzflühli nur durch das schmale Thälchen der westlichen Rümligquelle von dem Kalk der Trockemattegg geschieden, und dieser Kalk fällt auch südlich, und unter einem geringern Winkel als die vorliegende Bergkette. Im K r i e n b a ch findet man eine Menge großer Blöcke, die auffallend den GebirgSarten der Gurnigel- gruppe ähnlich sehn, wahrscheinlich aber auch dem, bis an den Luzerner-See fortsetzenden Sandstein - und Nagelfluhgebirge angehören, das wir mit der Molaffe vereinigt haben. Der R i g i. Das unerwartete Resultat unserer Untersuchungen über die Bäuchlengruppe findet die schönste Bestätigung in der geognostischen Beschaffenheit desRigi, den man überall, wo von Nagelfluh und ihren Verhältnissen zum Kalkgebirge die Rede ist, zuerst nennen hört, den jährlich mehrere Tausende von Reisenden aus allen Ländern Europas besteigen, unter denen auch manche seyn mögen, die der innern Struktur des Berges einige Aufmerksamkeit schenken, und auf den man sich daher füglich, als auf eine anerkannte, europäische Autorität berufen kann. Die Grundlage des Rigi ist an den Ufern des Küßnachter- See's aufgedeckt.' ES ist gewöhnliche Molasse, die mit Lagern und Nestern mannigfaltiger Nagelfluh wechselt und mit verän- 61 Grenzen der Molaffe-Formation. derlichem meist starkem Winkel dem Rigi zufällt. Ihre Schichten zeigen sich schon am Luzerner - See bey Seeburg, am Meggen- horn wird die Nagelstuh vorherrschend/ und diese ganze Lagerfolge hängt unmittelbar zusammen mit den Molassehügeln am Rorhhauser-See und tiefer landabwärts. Wie am nördlichen Fuß der Bäuchlen erscheint im Gefolge dieser Molasse und Nagelfluh auch rother Mergel. In einer Mächtigkeit/ die vielleicht nicht geringer ist/ als die der aufliegenden Nagelfluhmasse von Rigikulm/ bildet er die hohen Felsen und-finstern Schluchten zwischen Immenser und Art, nur von einzelnen Zwischenlagern einer festen Molasse unterbrochen/ und steigt bis auf die Höhe der Seebodenalpen, deren sanftes Vortreten unter den Nagelfluhwänden/ die von Kulm und Staffel schroff abstürzen/ für sich schon die Gegenwart einer verschiedenartigen und weichen GebirgSbildung hätte errathen lassen. Die Nagelfluh der tiefern Lager/und bis sehr hoch hinauf, enthält fast ausschließlich Kalk- und Sandsteingerölle aus den nähern Alpen/ in den obern Schichten hingegen und auf Kulm mengen sich auch farbige Granite und andere den Alpen fremde GedirgSarten bey, ganz so wie wir es in der Bäuchlengruppe gesunden haben. Auf diese Verschiedenheit der obern und untern Rigi-Nagelfluh hat früher schon Hr. von Chambrier 16 ) aufmerksam gemacht. ES ist beynahe überflüßig zu erwähne»/ wie sehr auch die so oft beschriebene Lagerfolge am Zuger-See mit unsern Ansichten zusammenstimmt. Den Sandstein zwischen Zug und Walchwyl habe ich in keiner Hinsicht von der etwas festem Molasse, wie sie bey Bern vorherrscht, verschieden gefunden; auch die Nagelstuh, die damit wechselt, oder Nester darin bildet, scheint mir von der Rigi-Nagelfluh sehr abzuweichen, indem sie fast ausschließlich aus farbigen Urgebirgsarten besteht, die den Alpen größtemheils fremd sind. Erst jenseits Walch- 16 ) Journ. de Phys. T. St. P. 24. 62 II. Cap. Erster Abschnitt. wyl ist der Sandstein etwas fester/ doch immer der Molasse ähnlich/ und einer mächtigen bunten Mergelbildung untergeordnet. Man kömmt nun an eine hohe Felswand deutlich abgesonderter scharfkantiger Schichten eines Sandsteins, wie man ihn oft an der Bäuchlen / oder in der Gurnigeigruppe zu sehen gewohnt ist/ sehr fest im Bruch/ ohne deutliche Sandstein- structur/ splittrig und wachSglänzend / dunkelbräunlichgrau > aber bald nachher folgen wieder hellere Sandsteine / die stch/ zwar immer noch sehr fest/ doch eher wieder den gewöhnlichen Molassen anschliessen/ auch die Nagelfluh ist jetzt wahre Rigi-Nagelfluh. Das Profil ist zu oft unterbrochen als daß man über das Vorherrschen des einen oder andern Sandsteins und über ihren Charakter im Großen befriedigenden Aufschluß erhalten könnte. Alle Schichten fallen südlich gegen iso 0 / die, letzter« mit etwas stärker« Winkeln. Das anhaltend gleiche Fallen scheint auch hier keine , Trennung zwischen den weniger festen GebirgSarten nördlich von Walchwvl und den südlichen zu gestatten / auch hat noch niemand versucht/ sie als zwey verschiedene Formationen aufzuführen ;denn Hr.Escher/ in der erste»/ claßischen Beschreibung dieses Profils 17 ) / und Hr. Ebel 1S ) setzen die Grenze ihrer beyden Sandsteinbildungen in die Nähe von Zug/ und unterscheiden südlich von derselben nur noch die zwey Formationendes Sandsteinsund der Nagelfluh / immer jedoch nur durch die trügerische Beschaffenheit der GebirgSart und nicht durch die Beobachtung deutlicher Lagerungsverhältniffe geleitet; später haben stch/ wie bereits in der Einleitung bemerkt worden/ auch diese zwey Trennungen nicht gerechtfertigt. Ueber die merkwürdigen Verhältnisse des Tiefenbach- TobelS finde ich es / nach Hr. Ebe lS und EfcherS genauen Untersuchungen/ fast überflüßig/ näher einzutreten. Daß die l7 ) Alpina. Thl. 2. lS ) Bau der Erde. H-S- 24. Anleitung/ Art. Zug. 63 Grenzen der Molasse - Formation. mit höchstens Fallwinkel an die steil eingesenkte Kalkwand des VitznauerstockS anstossenden Nagelfluhlager diesen unmöglich unterteufen können, davon überzeugt man sich am beßten aus einiger Entfernung, z. B. von Buochs auS/ wo man die ganze Struktur des Bergesund die allgemeinen Verhältnisse des Vitz- nauer-undTiefenbach-Tobelsmit einem Blick zu überschauen vermag. Die Nagelfluhlager sind so hoch aufgeschichtet/! daß sie, wenn ihr Streichen nicht unterbrochen wäre, nicht nur bis Ger. sau, sondern bis an den Urner-See die sichtbaren Grundlagen des Gebirges bilden müßten / denn noch über Vitznau liegen sie in einer Höhe von wenigstens iooo ra über der Seefläche; dagegen sieht man gleich hinter Vitznau das Kalkgebirge, die Fortsetzung des Bürgenbergö, wie eine Schale sich an die Mgelfluh anschmiegen und vom Seeufer bis, auf die Höhe ihre Schichten fast senkrecht abschneiden; von Vitznau bis Gersau, man mag nun den malerisch schönen Landweg wählen, oder zu Schiffe dem Ufer folgen, findet man nur Kalk anstehend, und in dem Graben, der, etwas östlich von Vitznau, den Fuß des Vitznanerstocks am tiefsten aufdeckt und fast genau die Grenze beyder Formationen bezeichnet, konme ich weder Nagelfluh, noch Spuren von Geschieben derselben entdecken. In der Höhe glaubt man jedoch die Nagelfluh noch bis in die obern Gehänge des Tiefenbachs überftreiffen zu sehen, und in der That zieht sie sich an der Ostseite des Rigi noch bis in die Nähe von Schwanau im Lauerzer-See, und muß daher auf der Höhe über Gersau noch anstehend seyn. Das Vor- kommen von Nagelfiuhtrümmern bey Gersau, oder auch von anstehender Nagelfluh, in Spalten des Kalkgebirgs, dürfte demnach nicht eben sehr befremden. Ich darf indeß nicht unerwähnt lassen , daß die ganze merkwürdige Lagerfolge im Tiefenbach-Tobet mir die größte Aehnlichkeit zu haben scheint milder Sandsteinformation des Siebemhales, deren Profil so vollständig an der Strasse nach dem Weißenburgbad auf. geschnitten ist, derselben Formation, die westlich von Gersau 64 II. Cap. Erster Abschnitt. am Bürgenberg, östlich am Schtpytzerhacken, den durch die Mengeseiner Petrefaeten, besonders Nummuliten, berühmten grünen Sandstein einschließt. Grobkörnige Conglomerate und rother Thonschiefer sind dieser Formation nicht fremd, man findet den letzter» z. B. in eben jenem Profil der Weißenburg- Strasse, erster« an vielen Stellen deö Srebenthals, und ich muß gestehen, daß die Conglomerate des Tiefenbach-Tobels mich eher noch an diese letzter», als an Nagelfiuh, erinnert haben; die grauen, wenn man sie anschlägt, find so dicht ver- schmolzen, daß man kaum noch die Umriße der, an der Aussen, stäche sehr deutlichen Geschiebe unterscheidet, und das Bind- mittel der rothen ist ein Mergel, der mit dem rochen Mer- gel des SiebenthalS vollkommen übereintrifft. Ich achte aber den Ausspruch-der Hn. Escher und Ebel, welche diese Conglo. merate für Ragelstuh anerkannt haben, zu sehr, als daß ich auf diese Bemerkung einiges Gewicht legen möchte, und zwar um so weniger, da ich das erstemal den Tiefenbach-Tobel während eines heftigen Gewitterregens, das anderemal bey hoch angeschwollenem Wasser besuchen mußte, und deßwegen vielleicht nicht mit der erforderlichen Ruhe und Umsicht habe beobachten können. Die südliche Grenze der Molasse-Formation folgt, östlich vom Rigi, ungefähr der Linie von Schwanau nach dem Kloster Auw bey Einsiedlen (an der Strasse von Einsiedeln nach Schindeüegi tritt bunter Mergel in großer Mächtigkeit auf) durchschneidet dann bey St.Joseph die östliche Thal. feite, und gleich unterhalb Vorder-Wäggithal die Aa. Der braune Sandstein von Ralligen ist hier in einem niedrigen Rücken anstehend, der sich vom Fuße des großen Aubrig quer durch's Thal nach dem Spitzberg zieht, und steht wahrscheinlich in enger Verbindung mit dem grünen Rummu. litensandstein, dem die hohen Kalkfelsen der beyden Aubrig auf. 65 Grenzen der Molasse - Formation. aufgesetzt find. Kurz vorher, ehe die Aa in die Ebene aus- stießt, hat sie am Fuß der Eisenburg ein ausgedehntes Profil südlich fallender Sandsteinschichten aufgedeckt, das als die treuste Copie der Profile der Hilfern und Steiglen gelten kann. Auch hier also ist die Nagelfluh dem Sandstein aufgelagert. Das Hirzlt am Ausgange des Thales von Glarus, der hohe Speer zwischen Gaster und Toggenburg gehören noch dem Nagelfluhgebirge an; so auch die hohen Borwälle des Sentis hinter Urneschen und Appenzell; bey Hard tritt, nach Hrn. Ebel, die Grenze der beyden Formationen itt's Rheinthal. Am Ausgange deö Jl l e rth a ls kann man am westlichen Fuß des Grümdten die Auflagerung des Kalks auf den grünen Aubrigsandstein am Schanzle beobachten. Den Ral- ligersandstein habe ich nirgends bemerkt. Hingegen ist die Aehnlichkeit des Kalks mit dem hellgrauen Kalk im Profil fcerVevaise, oder der Saane beyLr- 00 , oder bey'm Schwarz, brünnli am Gurnigel, oder mit demjenigen, der an der SigriS- wylftraße Lager und Knauer bildet, oder endlich mit dem Kalk der Aubrig in jedem, auch. zufällig scheinenden Merkmal so groß, daß man kaum die Identität aller dieser Kalkformationen bezweifeln kann. Derselbe Kalk, der bey Ralligen über dem grünen Sandstein ansteht, bedeckt in mächtigen Schichten den westlichen Theil des Grümdten. An seiner Nordseite zieht sich eine mächtige Decke der bestens charaktcrifirten Molasse bis fast auf die oberste Höhe; die Schichten fallen mit 45° nordwestlich, dem Abhänge harallel, Und find also unstreitig dem Berge aufgelagert. Gegen Westen ist diese Decke senkrecht abgeschnitten, und bildet-einen wohl 5o™ hohen Absturz. Die Molaffc ist fest, von verschiedenem , meist kleinem Korn, Nagelfluh, die gegen Osten zu wieder erscheinen, aber bald nachher auf immer verschwinden soll, habe ich nicht gesehen, auch keine Gerölle in den Bachrnnsen, 66 II. Cap. Erster Abschnitt. die ihre Nähe verrathen hätten. Nördlich sieht man nur sanft verflöchte, niedrige Hügel, die wohl auch aus Molasse bestehn mögen. Alle Verhältnisse sind demnach so einfach als möglich, und die in den schweizerischen Alpen so lange vergebens gesuchte Auflagerung der Molasse auf den Kalk so evident, daß man glauben möchte, die Natur habe hier im Solde der Geognosten gestanden. Ganz anders ist die Westseite des JllerthaleS beschaffen. Eine, wenigstens zwey Stunden breite, Nagelfluhformation, in mehrere Bergreihen zerspalten, und bis gegen 2000 m über'S Meer ansteigend, begrenzt das Thal weit über Immen- stadt hinauf. Die Formen erinnern an's obere Emmenthal, oder noch eher an's hohe Appenzellerland, aber in der Ausdehnung deö Gebirges stehen beyde zurück, denn von der Jller bis an den Rhein findet man ein Labyrinth seltsam in einander verschlungener Thäler und Gründe, wie nirgends in der Schweiz diese Formation sie zeigt. Und die Nagelfluh ist nicht etjva, wie Hr. Uttinger zu glauben scheint,") anderer Art^ und mit der östlichen Sandsteinformation zu vereinigen, eS ist wahre Schweizer-Nagelfluh, und ihre Gerölle stimmen auffallend mit denjenigen des Speers / des Rigi und, sonderbar genug, noch besser mit denen von GuggiSberg «herein. Südlich von diesen Conglomeraten fand Hr. von L up in 20 ) einen Mergelschiefer, der mit demjenigen des Lehmerengrabens bey Ralligen übereinstimmen möchte, über demselben einen dunkelgrünen Sandstein von so dichtem Gefüge, daß man ihn bald für Grauwackenschiefer, bald für körnigen Quarz halten könnte, noch höher war dichter Kalk und Rogenstem.anstehend. Wie in einem Spiegel sehen wir also im Illerthal das Bild des Thuner-See's wieder, das Vordringen des Kalks l9 ) Leonh. Laschend. 7. SQflttk Alpina IV. S. 90. 67 Grenzen der Molasse - Formation. Segen die Ebene und das plötzliche Verschwinden eines Con- glomeratgebirgeS , das an der andern Thalseite in Höhe und Mächtigkeit mit'Kalkgebirgen wetteifert/ nur verkehrt/ was hier östlich ist/ dort westlich. II. Oestliche und Westliche Grenze. Ich kann mich kürzer fassen über die Begrenzung der Molasse-Formation gegen die übrigen Weltgegenden. So weit sich die Alpen erstrecke»/ fo weit hat man sie auch auf ihrer Nordseite von Molasse begleitet gefunden. Oestlich kann man sie mit Hrn. von Flurl 21 ) durch ganz Süd - Baiern verfolgen. Wie im Jllerthal tritt noch an mehrern Punkten an der südlichen Grenze der Nummuliten- Sandftein der Aubrig auf/ und schließt reiche Bohnerzlager ei«/ die vorzüglich zu Aschau und Bergen benutzt werden. Auch die Sandsteine der Bäuchlen, oder vielleicht des Gur- nigelS/ erscheinen wieder/ und liefern sehr gesuchte Schleifsteine/ durch deren Zurichtung mehrere/ ausschließlich damit beschäftigte Dorfschasten sich zu großem Wohlstand emporgeschwungen haben. In Ungarn hat Hr. Beudant Molaffe gefunden/ so weit östlich er vorgedrungen ist/ und zwi- schen ihr und dem Kalkgebirge ist ihm ebenfalls eine Sandstein-Formation von größerer Festigkeit und scheinbar älterem Charakter aufgefallen/ die er geneigt ist für die Formation des Kohlenfandsteins zu halten. Auch seine Beschreibung des Karpathen-Sandsteins paßt bis in alle Detail auf die Sandsteine der Gurnigel- oder Bäuchlen- Gruppe. Die Molassen der Dauphins und tor Provence sollen mit den unsrigen/ auch abgesehen von der Uebereinstimmung der Perrefacten/ eine-sehr große Aehnlichkeit habe»/ und Hr. d'Aubuisson ist geneigt/ auch die in mancher Rücksicht 21 ) Beschreibung der Geb. von Baiern. L * 68 II. Cap.' Erster Abschnitt. ganz analoge Sandstein - und Mergelformation am nördlichen Fuß der Pyrenäen für eine unsrer Molasse entsprechende Bildung anzusehen. III. Nördliche Grenze. Alle die räthsclhaften Gesteine, die wir in der Nähe der Alpen gefunden hatten, und die uns oft in Ungewißheit liessen, ob wir sie Molasse, oder Grauwacke, oder Kalk nennen sollten, die colossalen Nagelfluhgebirge, die längs den Alpen fast mit jeder Stunde Weges eintretende Umkehruug aller Verhältnisse, alles dieses ist an der entgegengesetzten nördlichen Grenze größtentheils verschwunden. Die Molasse zeigt sich da in ihrer einfachsten Form, und, obschon auch am Jura und in seinen innern Thälern andere Sandsteine vorkommen, die mit der Molasse verwechselt werden könnten, so behält der Streit über ihre wahre Natur doch immer nur loeales Interesse, und kann unmöglich den ganzen Förmations- Begriff gefährden; es kann niemals, wie an den Alpen, in Frage kommen , ob der Jura auf der Molasse, oder diese auf jenem liege, da die Auflagerung der letzter» entweder unmittelbar auf Jurakalk, oder auf dem eisenschüssigen Mergel, der seine letzten Schichten bedeckt, an mehrern Stellen keinem Zweifel Raum läßt. 22 ) Um die Natur dieser Verhältnisse durch ein Beyspiel zu erläutern, erlaube ich mir, ausHrn. von Bu ch'S ungedrucktem Catalog der Gebirgöarten von Neuenburg, die höchst schätzbaren Nachrichten über die Molasse von Boudry hier einzuschalten. „ 149. Sehr feinkörniger Sandstein, die Körner Quarz, mit sehr vielen äusserst kleinen Glimmerblättchen, das Cement kalkartig, es braust mit Säuren. Von Boudry. 22) Sehr wichtige Belege und Aufschlüsse über das Verhältniß der Molaffe zum Jurakalk dürfen wir uns von der Fortsetzung der Beyträge zur Geognosie von Hrn. Reg. Rath Rengger versprechen. 6S Grenzen der Molaffe-Formation. Eine allgemeine Formation und keineswegs eine auf diese Gegenden beschränkte Loealbildung. Das ganze Thal der Schweiz zwischen den Alpen und dem Jura ist damit bedeckt, und sie erhebt sich bis zu 2000 Fuß. Aus ihr besteht die ganze Waadt von Vevay bis Yverdon, und von Coppet bis Bulle. Der Sandstein zeichnet sich vorzüglich aus durch sein feines Korn und die Glimmevblättchen, die sich gewöhnlich m sehx großer Menge beymengen. Mit diesem Charakter heißt er Molasse. Er wechselt mit Sandstein von größerem. Korn, mit Lagern von Geröllen, deren Natur, besonders in der Nähe des Hochgebirges, leicht zu bestimmen ist. Man versagt im gemeinen Leben diesen Sandsteinen den Namen Mo- lasse, doch ist ihr geologischer Charakter und ihr Verhältniß zu den angrenzenden Gebirgsarten nicht verändert, und der Geolog sieht sich daher genöthigt, sie mit in den allgemeinen Begriff aufzunehmen. — ES ist diese Formation, die sich auch vor den Attsgang des Val de Travers abgelagert hat, die einzige Stelle, wo sie über den See gedrungen ist. Hat dieser Ausgang auf irgend eine Art vielleicht die Ablagerung der Molasse gerade vor ihm her befördert? — Die ersten Molasselager bilden daS steile Ufer zwischen Bevaix und Cortaillod; es sind Conglomerate eygrosser Gerölle, meistens Kalkarten, also von gleicher Natur, wie das Gebirge, an das sie sich anlehnen, vergebens würde man alpinische Gebirgsarten, Granite, Gabbro'S, suchen, und hierdurch unterscheiden sich diese Lager wesentlich von den Kieshügeln zu Colombier und Bosle. Diese Conglomerate weichen bald der feinen Molasse, die hierauf sich der ganzen Strecke, welche dieser Formation am Fuß des Jura eingeräumt ist, bemächtigt. Kaum erreicht sie eine Höhe von 200 Fuß über die Seefiäche. Die Schichten erheben sich sanft gegen Nordwest." Oestlich von Boudry läßt sich meines Wissens die Aus- lagerung der Molasse auf den Jura nicht mehr beobachten, bis in die Gegend von Solothurn. — Bey Selzach erhebt 70 II. Cap. Erster Abschnitt. sie sich nur wenig noch über den Thalboden. Aber bey So- lothurn findet man sie nur wenig tiefer als Günzberg/ mehr als 200">hoch üöer der Aar/ und die beträchtlichen Hügel/ die sie bildet/ lassen den Verdacht/ daß man etwa die Mergelsandsteine der Jura-Formation damit verwechselt habe/ nicht rege werden. Wo die Schichtung sichtbar ist/ zeigt sie sich dem Abhang parallel/ oder horizontal. Die erste Jurakette ist indeß nicht die nördlichste Grenze der Molasse/ so wie die erste Alpenkalkkette ihre südliche; sie dringt in die innern Jurathäler ein/ bedeckt zum Theil den Thalboden/ oder lagert sich an die Abhänge. Nicht in allen zwar/ viele sind ganz frey davon; aber welche es sind/ und ob sich in der Lage der Thäler/ ihren Verbindungen und Oeffnungen die Gründe dieser Auswahl auffinden lassen/ ist bis jetzt noch nicht untersucht worden. Mit der Entfernung von den Alpen ist aber auch ein all- mäliges 'Absterben der vorzüglichsten Eigenschaften dieser Formation verbunden. Die dem Hochgebirge nachstrebende»/ viele tausend Fuß hohen Bergrücken sinken zu unansehnlichen Hügeln zusammen; die nie durchbohrte/ durch keinen Abgrund bis auf ihr Tiefstes zerrissene Decke zerfällt von selbst in einzelne/ dünne Lappen; das kräftige Cement/ das die Körner/ fester als Kalk und Granit sind/ zusammenhielt/ ist verschwunden/ und der lose Sand wird von jedem Regenguß bedroht. Wer will bestimme«/ wie weit in den Jura hinein/ oder über denselben hinaus sich diese vereinzelten Molasse-Inseln erstrecken? wer sie immer von aufgeschwemmtem Land und neuern Flußbildungen unterscheiden? Man hat sie noch gesehen bey Dorn ach und unterhalb Basel bey Binzen und Fischingen/ die Stadt Basel selbst ruht auf einer solchen Insel/ und bey Bottmingen und Binningen enthält diese Molasse Petrefakten / welche denen des BelpbergS analog 71 Grenzen der Molaffe - Formation. scheine». 23 ) — Molasse umgiebt zum Theil, wie in Ungarn, die Trachytfelsen des Heg aus, es ist aber nicht deutlich, ob sie nur angelagert, oder durchbrochen ist. — In den Ebenen Süd-BaiernS zeigt sie sich noch bey Kronburg an der Jller, bey Ober-Günzburg, Jrsen und Dorfe», verliert sich aber bald ganz unter dem aufgeschwemmten Land, und verläuft sich vielleicht in dasselbe. 24 ) Es war wohl sehr natürlich, daß man sich fragte, ob denn diese ärmlichen und isolieren Sandhügel derselben Formation angehören, die einen Rigi, einen Speer, ein Rind- alberhorn hervorzubringen vermocht hatte; und man darf sich nicht wundern, wenn ausgezeichnete Naturforscher, denen die Auflagerung auf den Jura wohl bekannt war, es noch in Zweifel setzten, ob die Nagelfluh und der sogenannte ältere Sandstein den Apenkalk unterteufen, oder nur an ihn anstoßen. Auch jetzt noch, wo der ununterbrochene Zusammenhang zwischen der Jura. Molasse und der festesten Nagelfluh nicht mehr geläugnet werden kann, müssen wir doch annehmen , daß heyde unter sehr verschiedenen Verhältnissen und vielleicht in weit auseinander stehenden Epochen gebildet worden seyen. ZweyterAvschnitt. GebirgSarten der Molasse-Formation. ES trete» im Gebiet dieser Formation, so weit eS mir bekannt ist, unr drey Steinarten so selbständig und in so großen Massen auf, daß wir sie parallel neben einander setzen 33 ) Merlan, Gcbirgsbild. Basels, und in MeiSnerS Annalen, Ister Band, 2teS Heft. Weiß, Süd-Baiern, S. 113 und 120 . 72 II. Cap. Zweyter Abschnitt. können; der Sandstein nämlich , den ich nun , sobald er dieser Formation angehört, er mag hart, dichtem Kalk oder Quarz ähnlich, oder als loser Sand erscheinen, Molasse nennen will; die Nagelfluh, oder das Conglomerat abgerundeter Gerölle mit Sandsteinbindmittel, und der Muschel fandst ein. Die Molasse giebt der ganzen Formation den Namen, ste bildet die Grundlage derselben, ste ist am allgemeinsten verbreitet, eS gebührt ihr daher billig der Vorrang. Aber unter den Molassen selbst herrscht eine so mannigfaltige Verschiedenheit, daß sie unmöglich alle in einer Beschreibung zusammengefaßt werden können, wenn wir nicht wieder auf die ursprüngliche Begriffsbestimmung zurückfallen wollen. Ich ziehe daher vor, wie im vorigen Abschnitt, die Systematik mit der Localtopographie zu verschmelzen, und die Haupt- abänderungen nach verschiedenen Gruppen von einander zn trennen. Die Wahl dieser Gruppen mag nicht ohne Grund zufällig heißen, eS bestimmte mich vorzugsweise eigene nähere Bekanntschaft mit einer Gegend; bey genauerer Prüfung wird man indeß finden, daß damit ungefähr die drey Zonen der den Alpen näher liegenden Gebirge, der erhöhten Plateaux und Hügelzüge, und der Niederungen am Jura bezeichnet werden. i. M o l a s s e. Gruppe von Schangnau und Luzern. Wir haben die allgemeine Beschaffenheit und die Lage- rungs-Verhältnisse dieser Gruppe, die den großem Theil der südöstlichen Grenze von Luzern, die Lochseite, Bäuchlen, First und die Umgebung der Hauptstadt umfaßt, im vorigen Abschnitt kennen gelernt, und können also sogleich, ohne in den localen Detail noch einmal einzutreten, zur Charakteristik 73 Gebirgsarten. Molasse. der vorherrschenden/ und diese Gruppe vorzüglich bezeichnenden Sandsteine/ und ihrer untergeordneten Lager schreiten. Dichte Molasse. Schwer zersprengbar. Glasritzend. Im Großen theils unebner/ theils großmuschliger Bruch/ mit rauher oder splittriger Brnchsiäche. Matt oder schwacher Wachsglanz. Hellgrau/ dunkelbläulich und bräunlichgrau/ lauchgrün. Mit Säuren stark brausend/ ohne in Sand zu zerfallen , auch länger vom Wasser bespült nicht merklich an Festigkeit verlierend. Dicht in einander gefügte eckigte Quarzkörner/ die sich meist nur an der halbverwitterten Aussen- stäche/ oder nach Behandlung mit Säuren erkennen lassen/ zerstreute/ oft sehr fein zertheilte Glimmerschüppchen. Spec. Gew. 2 / 6 — 2 , 7. — In dicken , oft über l m mächtigen Schichten- dickschiefrig abgesondert/ und in dünnern Schichten; eine einzelne dicke Schicht folgt oft auf Tausende dünner/ in großer Ausdehnung vollkommen parallel und gleich deutlich abgesonderter. Noch mehrere andere Absonderungen / von denen zwey sich unter dem Winkel des Kalk- spath-Rhomboids schneiden. Der Glimmer häuft stch vorzüglich auf den Absonderungen sehr an. Die sehr vollkommene Absonderung macht die Gebirgsart sehr zerstörbar/ die Trümmer erhalten polyedrische Formen / und die Verwitterung färbt sie von aussen hinein röthlichbraun. Es ist diese Gebirgsart/ die oft/ besonders die Abänderung von dunkelgrauer Farbe/ dichtem Kalk so ähnlich sieht/ daß man sich nur durch chemische Behandlung von ihrer wahren Natur überzeugen kann. Andere Abänderungen/ z. B. die lauchgrüne/ dürften eher mit gemeinem Quarz/ oder Prasem verwechselt werden. Die Hellern Arten sind indeß vorherrschend. Grobkörnige Molasse. Schwer zersprengbar. Sehr unebner Bruch , die Körner reissen auseinander ohne zu brechen. Graulichweiß/ bräunlichgrau/ bläulichgrau. Mit Säuren brausend/ ohne in Sand zu zerfalle«/ auch im Wasser 74 II. Cap. Zweyter Abschnitt. seine Festigkeit behaltend. Dicht in einander gefügte und schwer zu trennende Körner, vorzüglich Quarz, auch Hornstein von schwarzer, brauner, rother Farbe, blättriger Feld- spath, Kalk, bräunlichgelbe erdige Körner, schwarzer Thon- schiefer, weißer Glimmer; in nicht constamen, sehr verschiedenen Verhältnissen. Die Größe der Körner sehr ungleich, im Mittel zwischen L und 10 Deeimillim. Durchmesser, mit größer» von 2 — 3 Millim. und mit kleinen Geröllen von der Größe einer Bohne gemengt. — In Schichten, oft von beträchtlicher Dicke, oft nur von einigen Decimetern, deutlich abgesondert, und in letzterm Fall leicht in große Tafeln von sehr gleichförmiger Dicke brechend. Die halbverwitterten Flächen derselben von fest ansitzenden, wie aufgeleimten Körnern, sehr rauh. Ich darf kaum erinnern, daß zwischen diesen beyden Molassen, welche besonders in den an den Kalkalpen anstoßenden Gebirgen der Bäuchlen und Lochseite vorherrschen, zahlreiche Mittelstufen statt finden. Indeß sind sie auch nicht blos als die Extreme einer stetig fortschreitenden Reihe zu betrachten; denn! sonst müßten die Mittelstufen dieser Reihe das vorherrschende Gestein seyn, und die beschriebenen Molassen nur als Ausnahmen gelten; wovon gerade das Gegentheil statt findet. Feste Molasse. Ziemlich schwer zersprengbar. Im Großen flachmuschliger Bruch; unebene, rauhe Bruchfläche, mit Anlage zum Splittrigcn. Oft so feinkörnig, daß die Körner nicht unterschieden werden, oft auch kleinkörnig. Man. Bläulichgrau, bräunlichgrau, nie dunkel, bey anfangender Verwitterung sich von aussen hinein bräunlich färbend. Durch äusserst kleine, schwarzgrüne Körnchen, in veränderlicher, oft ziemlich großer Menge, erscheint der Stein, ganz in der Nähe gesehn, schwarz auf grau punktirt, die Anzahl der Pünktchen ist indessen zu gering, als daß sie auf die Totalfarbe wesentlich einstießen könnte. Ohne die- 75 Gechirgsarten. Molasse. selten würde der Stein von feinem Korn fast ganz mit der dichten Molaffc zusammenfallen; in kleinkörnigen Arten feh- len zuweilen die Pünktchen. In Säuren stark brausend, aber uur sehr langsam zu Sand zerfallend; der Feuchtigkeit lange ausgesetzt/ z. B. in Steinbrüchen/ etwas mürber werdend/ nnd sich an der Oberfläche mit einer dünnen Lage von losem Sande bedeckend. Die Körner größtentheils eckigte Quarz- theilchen; mehr oder weniger viel/ zuweilen größere , oft nur durch den Glanz erkennbare Glimmerblättchen. Spec. G. 2^6 — 2 , 1 . — In vollkommen abgesonderten/ sehr ebenen Schichten von gleichmäßiger/ 2 — 4 Deeim. starker Dicke/ zuweilen auch mächtiger. * Man findet diese Molasse/ welche einen Uebergang zwischen den vorigen und den folgenden Arten bildet/ vorzüglich in der Umgegend der Stadt Luzern. Man glaubt sich an die Hilfern/ oder an die Schweinsberge versetzt/wenn man aus einiger Entfernung / die deutlich und parallel abgesonderte»/ nur wenig Decimeter dicken und steil / zuweilen senkrecht fallenden Molasselager erblickt; aber die nähere Untersuchung läßt doch selten/ oder niemals/ wie dort/ im Zweifel über die wahre Natur des Steins / und zeigt zugleich auch so viel UebereinftimmendeS mit den Molassen der niedrigern Gegenden/ daß man unentschieden bleibt/ nach welcher Seite die Annäherung größer ist. Man findet sie schon an der Südseite des Blatten- berg s/ oberhalb dem Renggloch; ihre Schichten/ zum Theil in's Schiefrige übergehend/ stehn senkrecht/ oder fallen eher steil südlich. So auch an der Nordseite des SonnenbergS/ oberhalb Littau/ in großen ebenen Tafeln zwischen 155 und 335° stehend; hinter denselben erscheint Nagelfluh mit mannigfaltigen Geröllen. Am östlichen Ende deS Sonnenbergs/ bey der Stadt/ fallen die Schichte»/ mit 70° nach 338°. Im Steinbruch bey dem Löwen neben dem Thor große/ sehr ebene Tafeln von i — 4 Deeim. Dicke / die mit 54° nach 330° fallen. 76 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Von da bis Ebikon immer ziemlich steil nördlich fallende Lager desselben Sandsteins. Oestlich vom Roth - See auch wellenförmige Schichten. Der Uebergang des südlichen Fallens in das nördliche/ in einiger Entfernung von den Alpen, ist uns keine neue Erscheinung/ aber wie unerwartet/ wie räihselhaft hier die Art, wie dieselbe vorgeht: fächerförmig scheinen die Schichten nach der Tiefe zu stch auszubreiten/ und gegen Norden zu immer flacher einzufallen. Wer hätte geglaubt, die Schichtung des Gotthards in der Molasse wiederzufinden! Die Sandsteine am Zug er - See, südlich von Walch- wyl, die Hr. Kbel älteren Sandstein geheissen hat, gehören größrentheilS zu der festen Molasse. Auch in der östlichen Schweiz, bey St. Gallen und Trogen, bey Rheinegg und Bregenz zeigt die Molasse häufig diesen Charakter, seltner in der westlichen. Untergeordnete Lager und Massen. Nagelfluh. Die nähere Beschreibung dieser GebirgS- art und ihres Verhältnisses zu der Molasse wird in einer eigenen Section folgen. Grauer Mergelschiefer. Weich und schwach abfärbend, etwas fett anzufühlen, aschgrau, im Querbruch dunkler als im Hauptbruch, von sehr kleinen Glimmerblätt- chen schwach schimmernd, mit Säuren aufbrausend, vordem Löthrohr zum grauen Glase schmelzend. ES ist der Mergelschiefer, den man im Profil der Hilfern als Einlagerung, oder Grundlage der dichten Molassen findet, in einer Mächtigkeit von mehrern Metern. Andere graue Mergelarten, die indeß weit seltner find, als in der folgenden Gruppe, nähern stch, durch Aufnahme von Sand, mehr den gemeinen Molassen. Bunter Mergel. Nur äusserlich aufgeweicht, im Innern sehr fest, selbst dichtem Kalk ähnlich, mit sehr rauhem, 77 Gebirgsarten. Molasse. unebenem Bruch, die Bruchstücke amorph, meist scharfkantig; doch Spuren von dickverworren blättriger Absonderung; mit Säuren stark brausend; dunkel blutroth, violet, bräunlichgrau, hell grünlichgrau, zuweilen gefleckt, die Farben überhaupt mehr nach großen Flecken, als schichtweise abwechselnd, häufig in einander verwaschen, öfters von mikroskopischen Glimmerblättchen schimmernd. Am nördlichen Fuß der Bäuchlen, vorzüglich ausgezeichnet aber, als Einlagerung der Nagelfluh, am Grüsisberg bey Thun. Er erreicht zuweilen eine Mächtigkeit von zehn und mehr Metern. G e m e i n e M o l a sse. Da unsere Gruppen nicht besondere Formationen, sondern willkührlich begrenzte Zonen einer einzigen Formation sind, so müssen nothwendig in jeder auch die Gebirgsarten der benachbarten erscheinen. So nun in dieser die gemeine Molasse, die vorherrschende Gebirgsart der erhöhten Plateaux und ihrer Ausläufer. Wie sich erwarten läßt, meistens an der nördlichen Grenze unserer Gruppe, doch nicht ausschließlich. Wir haben sie auch in dem Nagelfluh. gebirge von Thun gesunden. Braunkohle. Als Anflug pechkohleartiger Theile und Trümmer auf sehr vielen Absonderungen, selten in bedeuten- dern Stücken, die noch holzartige Struktur zeigen. Besonders häufig in den Schichten der Bäuchlen. Das Nähere im vierten Capitel. Eingemengte Fossilien. Thoniger Sphärosiderit. Gleich außenherFlühli, an der Straße nach Schüpfheim, ist grobkörnige Molasse anstehend , auf deren Absonderungen Pechkohletrümmer, oft wie von zerdrückten Rohren, in beträchtlicher Menge durcheinander liegen. Nach der Höhe nehmen die Körner an Größe zu, die Struetur wird unordentlicher, und eS mengen sich viele ganz dünne Nester oder Blätter eines äußerst feinkörnigen, von Glimmerpünktchen schimmernden Sandmergels 78 II. Cap. Zweyter Abschnitt. bey. Die obersten Lager endlich bildet ein sehr feinkörniger Sandfteinschiefer/ derselbe vielleicht / der tiefer nestartig erscheint/ mit ebenen Absonderungen/ hellgrau und ocherbraun. Er umschließt rundliche Knauer eines festen MergelS/ der wie ein thoniger dichter Kalk aussteht/ dunkel bräunlichgrau/ und mit einer , oft mehrere Millimeter dicken , Kruste von braunrothem Thoneisenstein überzogen / der sichtbar durch Verwitterung der Knauer entstanden ist. Kalkspath. Ein treuer Begleiter dieser Gruppe/ besonders der dichten und grobkörnigen Molasse und deS bunten Mergels. Als Ausfüllungsmasse der Klüfte / und in Adern den Stein nach verschiedenen Richtungen durchdringend; nicht selten auf den, Absonderungen krystallisirt , gewöhnlich in der Primitivform / auch in flachen / federartig nach der Primitivform gestreiften Rhomboiden (e-iuiLxe) ; es scheint wirklich Kalkspath und nicht Brannspath; die Krystalle sind oft waffer- hell/ und lösen sich in Säuren mit sehr starkem Brausen auf. Gruppe von Bern. Nachdem wir in der vorigen/ subalpinischen Gruppe Molassearten kennen gelernt habe»/ die sich nach ihrer ganzen Beschaffenheit noch den ältern Gebirgsbildungen anschließe»/ in deren Nähe wir sie finden/ betreten wir nun in der mittlern Zone das Gebiet der vollkommen charakterisirten / gleichsam zu ihrer Reife gelangten Formation. Die vorherrschende Ge- birgsart dieser Zone will ich gemeine Molasse nennen/ und / da ich über ihre Charakteristik nothwendig mehr in's Einzelne werde eintreten müssen/ ihre nähere Beschreibung in getrennten Sektionen behandeln. Beschreibung der gemeinen Molasse, Korn und Bestandtheile. Das Korn der gemeinen Molasse ist gewöhnlich so fein , daß mit unbewaffnetem Auge wohl die sandsteinartige Struktur/ aber nicht die einzelnen 79 Gevirgsarten. Molasse. Körner unterschieden werden können/ wenn sich dieselben nicht durch Glanz oder Farbe auszeichnen. Im Durchschnitt mag die Körnerdicke nur l — 2 Decimillim. betragen. Größerkörnige Arten sind indeß auch nicht selten; da aber die feinkörnigen vorzugsweise alS Baustein gesucht werde«/ so sind alle größer« Steinbrüche/ welche fast einzig die Gebirgsart anstehend zeigen, in diesen angelegt / und die gröber« meist mit Dammerde und Vegetation bedeckt. Gemeine Molassen von dem groben Korn der Bäuchlen-Gruppe sind indeß sehr selten. — ES ist eine ziemlich verbreitete Meinung/ daß in denselben Schichten die Körner alle von um, gefähr gleicher Größe wären; ich habe dieß nur in sofern bestätigt gefunden? als sich für viele Arten zwey Grenzen angeben lassen/ die aber oft weit auseinander stehe»/ zwischen welchen die Körner/ in Rücksicht ihrer Größe/ eingeschlossen sind; bey vielen fehlt die untere Grenze/ und die Körner finden sich von der obern an von jeder Größe bis zum feinsten Staub / so daß ihre Menge mit der Größe in umgekehrtem Verhältniß steht: bey andern sind Körner von mittlerer Größe vorherrschend/ und ihre Menge nimmt gegen beyde Grenzen zu schnell ab; noch bey andern ist die obere Grenze so unbestimmt/ daß man auch nach Zerreißung größerer Stücke nicht gewiß ist/ ob man auch die größten Körner gefunden habe. Eine Angabe über die mittlere Körnergröße muß überhaupt immer sehr schwankend bleiben/ und sich immer der obern Grenze näher«/ da unwillkürlich/ wenn man über das Vorherrschen einer Körnerart urtheilen soll/ auch die Größe und Farbe berücksichtigt wird , und man diejenigen für an Anzahl überwiegend hält/ die an Masse mehr betragen/ oder durch ihre Farben sich mehr auszeichnen. Die nämliche Schwierigkeit tritt uns entgegen , wenn wir über die Verhältnisse der Gerölle in der Nagelfluh ein Urtheil fällen wollen. Die Hauptbestandtheile des BindmittelS sind kohlensaurer Kalk / Thonerde/ Talkerde und Eisenoxyde / in sehr veränder- 80 II. Cap. Zweyter Abschnitt. lichen Verhältnissen; zuweilen ist der kohlensaure Kalk fast ganz rein. Alle Arten brausen mit Säuren heftig auf und zerfallen zu Sand. — Das Bindmittel ist indeß kaum als für sich bestehend zu betrachten, und scheint vielmehr aus den allerfeinsten, von deri zerstörbarsten Substanzen herrührenden Theilen zu bestehn; unter der Loupe unterscheidet man nur Körner, die in einem feinen, gleichartigen Staub eingehüllt sind. Der Sand, den man durch Säuren von diesem Bindmittel befreyt hat, besteht aus eckigten, graulich-durchsich- tigen, seltner wasserhellen Quarztheilchen, zuweilen ohne andere Beymengung, öfters mit röthlichen, grünen, gelben, schwarzen Körnern von Feldspath, Hornblende, Kieselschiefer und andern Ur- und Uebergangsgesteinen, doch bleibt der Quarz immer vorherrschend. Häufig find, aber auch in sehr verschiedenem Verhältniß, filberweiße, seltner braune oder schwarze Glimmerblättchen bevgemengt, oft so fein zertheilt, daß man sie nur bey starkem Lichte an ihrem Glänze erkennt. In den schiefrigen Arten häufen fich diese Blättchen auf den Absonderungen an und folgen denselben mit ihrer breiten Fläche. Selten fehlen die grünlichschwarzen Pünktchen, die wir schon in der festen Molasse gefunden haben; fie zeichnen diese Art vorzüglich aus. Auch ihre Menge ist indeß sehr veränderlich , und mehrere gemeine Molassen, besonders die von gröberm Korn, scheinen ganz frey davon. Zusammenhalt. Er ist immer geringer, als derjenige der festen Molasse. Frisch gebrochen ist die gemeine Molasse von dem Wasser, das fie im Berg durchdrungen hat, so aufgelockert, daß man von freyer Hand die nicht gar zu dicken Stücke und Kanten zerbrechen kann; durch das Trocknen und die Berührung mit der freyen Luft gewinnt fie aber größere Festigkeit, so daß sie mit großem Vortheil als Baustein und selbst zu architektonischen Verzierungen und zur Seulptur benutzt wird. Fast alle Gebäude der Städte Lausanne , 81 Gevirgsarten. Molasse. sänne / Freyburg , Bern «. s. rv. sind anö größer» Quadern dieses Steins aufgeführt/ und die feinen gothischen Schnitzereien an den Münstern dieser Hauptstädte, die freystehenden kleinen Figuren in den dramatischen Darstellungen über den Hauptportalen, die allem Unwetter ausgesetzten emporstrebenden Thürmchen und Spitzen, haben sich Jahrhunderte durch, zum Theil sehr gut, erhalten. In neuerer Zeit ist der berühmte Grabstein zu Hindelbank in diesem Stoff gearbeitet worden. Die Bruchfläche ist uneben, rauh und sandig; erst wenn der Stein lange getrocknet, benimmt man ihm das Sandige durch Abreiben. - ' So wie die frühern Arten neigt sich.auch die gemeine Molasse zu dickschiefriger Absonderung, und läßt sich, besonders in trocknem, erhärtetem Zustande, zu größer« Tafeln zerspalten, mit ebener oder kleinwellenförmiger Spaltungs- fiäche. Die Bruchstücke erhalten daher oft zwey parallele Flächen. Zuweilen auch wird diese Neigung so deutlich, daß die Steinart in einen wahren Sandsteinschiefer übergeht. Es ist eine Regel unserer Baumeister, den Stein immer so zu legen, daß die Absonderungen horizontal (aufs Lager), nicht senkrecht (aufs Häuptli) seyen, damit die Feuchtigkeit nicht durch diese unsichtbaren Absonderungen aufsteige, und der Stein nach und nach sich abblättere. Specifisches Gewicht. Da sich diese Molasse vom Wasser ganz durchnässen läßt, und also eine Menge kleiner Poren enthalten muß, so kann man, bey der Angabe des specifischen Gewichts, entweder nur das der festen Theile für sich bestimmen und alle Poren als nicht zur Masse des Steins gehörend betrachten, oder man kann den ganzen Raum als das Volumen des Steins ansetzn, der von seiner Außenfläche eingeschlossen ist. Die erste Angabe ist mehr in. mineralogischer, die zweyte mehr in technischer Rücksicht interessant; aus beyden läßt sich, theils das specifische Gewicht des durch- 6 83 II. Cap. Zweyter Avschnitt. «äßten Steins / theils das Gewicht des aufgenommenen Was. fers finden. Heißt man p das fpeeififche Gewicht des Steins ohne seine Poren / P sein speeifisches Gewicht mit den Poren , P' das specifische Gewicht des durchnäßten Steins/ l /m den Theil seines Gewichts , den der Stein an Wasser aufnimmt r g das Gewicht eines Stücks / d seinen Verlust im Wasser/ a das Gewicht des aufgenommenen Wassers / so ist p = g JL = a_ _ P—P * d-»-a m g Pp 1-t-P Die Gewichte von i Cubikfuß großen Stücken Sandstein aus den Steinbrüchen von Ostermundigen und Wabern/ die Herr Professor Trechsel in der Vergleichung Bernerischer Maaße mittheilt/ find uns sehr schätzbare Hülfsmittel zur Bestimmung dieser verschiedenen Größen/ denn die Molasse jener Steinbrüche trägt gleichsam den Normalcharakter un- serer gemeinen Molasse. ES ist nach jenen Angaben: p P P' 1 /m Steinbruch v. Ostermundigen/ oben 2/426 2,166 2,273 o,o494 ---mitten 2,451 2,191 2,297 0,0484 -—-unten 2,485 2,219 2,326 0,0482 Alte Kirchenbank . . - 2,492 2,232 2,336 o,o466 Steinbruch von Wabern, oben . 2,387 2,177 2,265 o,o4i4 — — — — unten . 2,406 2/302 2,343 0,0178 Die Ungleichheit der Werthe von p und die schwache Abnahme von .Vm beweise«/ daß die Zunahme der Schwere P nach der Tiefe zu nicht allein der Compreffion / sondern eher einem veränderten Verhältniß der Gemengtheile zuzuschreiben sey; vielleicht haben die obern Schichten durch die Tagwasser von ihrem Kalk verloren. Nach Abwägungen , die ich vermittelst eines sehr empfindlichen Nicholson'schen Gravimeters/ bey einer mittlern Tem. Gebirgsarten. Molaffe. 83 peratur von 10 0 R. angestellt habe / finde ich für die aus sehr entlegenen Gegenden herkommenden Molaffen folgende Werthe: P P P/ V'm Lindenbach bey Schwarzenburg . 2/596 2/333 2/434 0,0435 Mittethstusern, Straße n. Schwärzend. 2/592 2/238 2/374 0 / 06,0 Riedburg/ Gchwarzwasserbrücke . 2/608 2/363 2/457 0,0397 Wasserstollen auf dem Gurten 2/510 2/179 2/311 0,0606 Wabern - Steinbruch / mitten • 2 / 495 . 2 / 194 ' 2.314 0,0551 — — — — unten 2/581 2/257 2/382 0,0557 Ostermundigcn-Steinbruch / oben 2 / 4<)5 2/169 2/299 0/0602 Stockern-Steinbruch . 2/515 2/167 2/306 0,0639 Steinbruch bey Ins 2/605 2/395 2,476 0,0336 Gerolsingen am Bieter-See 2/615 2/394 00 C 3 0,0354 Linkes Emmeufer bey Solothurn 2/630 2 / 4,31 2 / 5 P 6 0 / 03 qS Die Molaffen aus der Gegend von Schwarzenburg verrathen durch ihr höheres Gewicht ihr subalpmischbs Vaterland/ doch bleiben sie noch ziemlich -weit. von der festen Molasse von Luzern entfernt. Die drey Mölassen aus der Rähe des Jura sind , wie wir später sehen werden , mehr als Ausnahmen / und nicht als die in jenen Gegenden vorherrschenden Arten zu betrachten. Farbe. Die gewöhnlichen Farben der gemeinen Mo- lassc find ein ziemlich reines Graublau- oder Smalteblau/ und ein ebenfalls mit Gran gemischtes Oelgrün, beyde ziemlich dunkel / wenn der Stein naß ist / aber durch das Trocknen hell werdend. Man unterscheidet demnach Mischen blauen Steinen und gelben- und schreibt denselben oft besondere Eigenschaften zu: daß der gelbe Stein besser aushalte im Feuer- der blaue im Wasser; daß der eine eher verwittere als der andere u. s. >v. Nach Versicherung erfahrner Bauverstän- diger findet aber kein sehr bedeutender/ constanter Unterschied zwischen beyden Steinarten statt/ und die wesentlichen Eigen- 'schasten des guten Bausteins/ Härte und feines Korn für gewöhnliche und Wasserbauten / Weichheit und gröberes Korn 6 * i 84 II. Cap. Zweyter Abschnitt. gegen daS Feuer/ finden fich sowohl bey dem blauen/ als bey dem gelben Stein. Der Baufiein ifi im Allgemeinen desto geschätzter/ je tiefer einwärts im Berg er gelegen hat. Die Farben wechseln mit den Lagern/ so daß oft ganze Schichtenfolgen gelb , andere blau find; der blaue Stein scheint gewöhnlich tiefer zu liege«/ dex gelbe höher; selten sieht man/ auch in großen Steinbrüchen / mehrere Abwechslungen. In der Glühhitze wird der Stein roth. Verwitterung. Die gemeine Molasse setzt der Verwitterung / wahrscheinlich nach den verschiedenen Verhältnissen der Bestandtheile und des Aggregationszuftandes , ungleichen Widerstand entgegen. Die einen Arten blättern fich nach und nach ab / die Blätter zerfallen in Sand/ alle Ecken und Kanten werden zerstört/ der Stein erhält große runde Formen und bedeckt fich mit einer oft dicken Kruste von lockerem Sand. Bey ander«/ die ihr Bindmittel weniger schnell verliere«/ lösen sich durch den Frost die der Schichtung parallelen Blätter von einander/ und die Spaltung wird zur schiefrigen Absonderung. Erst später unterliegen auch diese Molasseschiefer der Einwirkung der zerstörenden Kräfte/ und zerfallen in Sand. Sehr oft lösen sich auch durch den Frost große und dicke Tafeln ab / die noch lange der Zerstörung trotzen/ und an die Außenfläche der-Felsen angelehnt/ oder durch einzelne Punkte befestigt sind. Man könnte , durch diese Tafeln irre geleitet / oft senkrechte oder stark geneigte Schichtung zu sehen glauben. Einer eigenthümlichen Verwitterung ist der Stein unterworfen / wenn in seiner Nähe fich faulende organische Substanzen befinden. Die Kohlensäure im Bindmittel wird durch Salpetersäure nach und nach verdrängt, es bildet fich Kalk-- 85 Gebtrgsarten. Molasse. säetet?/ und da dieser zerfließt/ so zerfällt der Stein z« Sand. Dieser Krankheit sind besonders unsere Gebäude sehr unterworfen/ und durch das Vordringen der salpeterfauren Feuchtigkeit/ nach den Gesetzen der Capillarität, theilt sich dieselbe leicht dem ganzen Gebäude mit/ wenn man nicht Sorge trägt/ die krankhaften Quadern durch frische zu ersetzen. Man erkennt die angegriffenen Theile an der/ durch das Einsaugen der Feuchtigkeit dunkel gewordenen / Farbe des Steins / und an der mürben - aufgeblätterten Beschaffen, heit seiner Oberfläche. Um dieser Verwitterung vorzubeugen/ baut man entweder die Fundamente pon einer ander« Steinart/ oder bekleidet die Grundmauern bis etwa 1 Meter über dem Boden mit Tafeln von Kalkschiefer/ und andern besser ausdauernden Baustoffen. Man hat auch / aber mit zweydeu- tigem Erfolg/ versucht/ den Kalksalpeter durch Schwefelsäure zu zerstören und in Gyps zu verwandeln. — Einige Molasse«/ die gelben vorzügliche sollen dem Salpeter mehr als andere ausgesetzt seyn; auch soll ein angesteckter Stein/ wenn man ihn unter gesunde Steine versetzt/ diesen die Krankheit mittheilen; wahrscheinlich aber nur die Feuchtigkeit/ die er einsaugt und nicht Salpetersäure. Durch das abwechselnde Naß- und Trockenwerden muß indessen der Aggregationözu- stand des Steins zuletzt auch zerstört werden , besonders durch Mitwirkung des Frostes. Struktur im Großen. Die Molasse ist überall in Schichten abgesondert , deren Mächtigkeit vom Schiefrigen bis zu mehrern Metern anwächst. Es giebt zwar Felsen und Steinbrüche von zwanzig und mehr Meter Höhe/ an denen sich äußerlich keine Spur einer Absonderung entdecken läßt; es ist aber nur die Natur des Steines hieran Schuld , dessen Zusammenhalt an der Aussenfiäche durch die atmosphärischen Wasser und die Werkzeuge der Arbeiter aufgelöst wird / so daß die ohnehin wenig deutlichen Absonderungen durch Sandkörner/ oder einen sandigen Schlamm verdeckt werden. Daß 86 II. Cap. Zweyter Abschnitt. viele dieser Absonderungen eigentliche SchichtungSabson- dernngen seyen, d. h. von einer periodisch unterbrochenen Ablagerung herrühren, läßt sich kaum bezweifeln, da oft nicht nur die Steinart der Schichten verschieden, z. B. die eine kleinkörnig, die andere feinkörnig / die eine blau, die andere gelb ist, sondern die Absonderungen selbst zuweilen durch eine dünne Lage von Letten, oder durch einen Anfing von Braunkohle ausgezeichnet werden. Ob aber auch die nur durch Spaltung zu entdeckenden Absonderungen in diese Classe gehören', oder ob dieselben nicht vielmehr vom Zurückzug der Steinsubstanz beym Trocknen, oder von chemischen Ursachen herrühren, will ich dahingestellt lassen. Höchst auffallend ist eine Struerur, die ich z. B. zu Wabern in einem kleinen Steinbruch am Fußweg auf den Gub- ten, auch sonst an mehrern Stellen bemerkt habe. Die Molaffe ist in große, platte, scharfkantige Ellipsoide von 5 bis 15 Meter Länge und '/% bis l Vi Meter Hohe abgesondert, colossalen Convexlinsen ähnlich, die eingreifend über einander liegen und durch dünne Mergellager getrennt sind. Eine ähnliche Struetnr kann man im großen Mühlsteinbruch zu Schnott- wyl beobachten; nur tritt hier noch das Sonderbare hinzu, daß einige dieser Linsen mit Nagelfiuh, andere mit Sand gefüllt sind, und daß sie sämmtlich nicht liegen, sondern stark geneigt sind. Dieselben Bildungen werden wir in kleinern Dimensionen auch in den untergeordneten grauen Mergellagern wiederfinden. — Es scheinen sich bey'm Zurückzug der Stein- substanz die feinern, schlammigen Theile von den gröbern getrennt, in die entstandenen Zwischenräume gesetzt und den Mergel gebildet zu haben. Auch die wellenförmige Schichtung, besonders die kleinwellenförmige , ist der Molaffe nicht fremd, zuweilen äussere sie'sich nur in sanften Vertiefungen auf der breiten Fläche der Schichten. In großen Wellen habe ich sie nur an dem Senseufer, gegenüber Plafeyen, gesehen. 87 Gebirgsarten. Molaffe. Nicht ganz selten bemerkt man Klüfte / »velche die Schicht ten theils senkrecht, theils schief durchsetzen (Gutenbrünnen- siuh). Untergeordnete Lager und Massen. Die Gruppe der gemeinen Molasse ist , wie die Formation überhaupt/ arm an ausgezeichneten Einlagerungen; in be- rechtlicher Menge finden sich dagegen untergeordnete Gebirgsarten / die noch mehr oder weniger den Charakter der vorherrschenden tragen , und in allmähligen Abstufungen sich an dieselbe anschließen. Sie alle hier aufzuzählen wäre unmöglich / ich hoffe aber , daß die getroffene Auswahl hinreichen werde, das Bild zu vervollständigen/ das ich von dieser Formation zu entwerfen suche. ES sind übrigens diese / mit der gemeinen Mo- : lasse sehr nahe verwandten , Lager als wesentliche Glieder der Formation zu betrachte«/ die ihr eben so gut/ als die gemeine Molasse selbst angehören. Ich rechne dahin 1) verschiedene/ von der gemeinen bedeutend abweichende Molassen; 2 ) grauen und bunten Mergel und Thon; 3) Nagelflnh. Ausserdem kommen aber noch einzelne Loealbildungen vor/ deren Entstehung mehr zufällige«/ nicht allgemein wirkenden/ Ursachen zugeschrieben werden muß. Die einzigen mir bekannt gewordenen sind 4) die Steinkohle - und Stinksteinlager , deren Beschreibung ich auf das vierte Capitel verspäten will/ und 5) der dichte Kalk von Käpfnach. Auch die nähere Beschreibung des bunten Thons und der Nagelfluh kann nicht wohl von den Gegenständen der folgenden Abschnitte getrennt werde«/ und bleibt daher besser bis dahin verschoben. Kleinkörnige Molasse. Nicht selten trifft man in einer mächtigen Ablagerung gemeiner Molasse einzelne Lager an/ die sich durch ihr großes / mit unbewaffnetem Auge gut zu unterscheidendes/ Korn bedeutend von den übrigen unterscheiden. Zuweilen treten noch andere Charaktere hinzu; sie 88 II. Cap. Zweyter Abschnitt. sind locker und zu Bausteinen ganz unbrauchbar; sie enthalten in größerer Menge/ als die einschlieffenden Schichten/ vielfarbige Feldspathkörner; es liegen sogar einzelne kleine Gerölle darin zerstreut (Wabern-Steinbruch). Das Korn wird wohl auch so groß , daß sich die Molasse der grobkörnigen nähert / doch fehlt meistens die bedeutende Festigkeit / die wir unter die Merkmale dieser Art aufgenommen haben. Feste Mo lasse. Von der Luzerner-Molasse nicht zu unterscheidende Lager finden sich / nur untergeordnet statt vorherrschend/ im ganzen Gebiet dieser Formation/ selbst bis an den Jura. Weil aber nicht größere Folgen von Lagern über-, einander liegen / und die Neigung gewöhnlich sehr gering ist/ so beschränkt sich die Aehnlichkeit mehr nur auf die Steinart selbst/ und die Felsen behalten im Großen die Eigenthümlichkeiten der gemeinen Molasse. Doch bemerkt man auch hier die deutlichen Absonderungen der , gewöhnlich nur einige De- cimeter dicken/ Schichten/ die den Sandstein in jener Gruppe so auszeichnen. In der Sprache unserer Bauleute heißen diese sehr gesuchten Steine Rautenplättli. * Harte Molasse. Den festesten Sandsteinen der Bäuch- len oder der Schweinsberge im Zusammenhalt nicht nachstehend. Feinkörnig/ so daß der Bruch Anlage zum Klein- splittrigen zeigt; doch erkennt man an der Unebenheit der Bruchsiäche/ an der Verwirrung / die in der Richtung und dem Erscheinen der Splitter herrscht , und in einzelnen schwarzgrauen Punkten die Sandsteinstruetur. Auch kleinkörnig. ES schimmern ziemlich viele mikroseopische Kälkspath- schüppchen / die sich auch wohl zu kleinen Aederchen und Nestern anhäufen/ so daß eS beynahe scheint/ als ob das Bindmittel großentheils spathartig wäre. Die Glimmer- schüppchen in geringer Menge und äußerst fein zertheilt. Hellgrau in große / wenig Deeimeter dicke Tafeln abgesondert/ auch wohl großschalig/ oder als platte Ellipsoide im Sand/ lose an- und übereinander liegend. 89 Gebirgsarten. Wolasse. Ich habe Lieft Molasse besonders als Muttergestein von Pttrefacten gefunden/ in Gegenden/ wo sonst die gemeine Molasse vorherrscht (Längenberg/ Belpberg)/ und vermuthe/ daß die organischen Theile vorzüglich Ursache der auffallenden Härte und Festigkeit gewesen seyen. Sie erreicht gewöhnlich nur eine geringe Mächtigkeit. Lockere Molasse. Die vorherrschende Art der nächsten Gruppe/ wohin ich für ihre nähere Beschreibung verweise. Auch in dieser Gruppe nicht selten/ und zwar nicht nur gegen den Jura zu / sondern bis in die Nähe der Alpen. Sie erscheint daselbst oft mit ihrer ganzen Eigenthümlichkeit / ihren harten Knauern u. s. w. (Ober-Emmenthal/ Straße von LauperSwyl nach Oberthal). Sand. Sogar Lager von feinem/ durch kein Cement verbundenem Sand fehlen nicht. In wie fern dieselben ursprünglich/ oder erst durch Verwitterung festerer Schichten entstanden seyen/ wird sich schwer entscheiden lasse»/ da eS in den meisten Fällen unmöglich ist/ sich zu versichern/ ob die Abwesenheit des Bindmittelö nur oberflächlich sey/ oder sich tiefer hinein erstrecke. Die zwey letzten Arten sind übrigens so nahe mit einander verbunden / daß es oft ziemlich willkührlich ist/ ob man eine Schicht so/ oder anders benenne. Scharfe Grenzen sind überhaupt in dieser Formgtion nirgends zu setze»/ wie ich immer von Neuem erinnern muß. Grauer Mergel. Der treuste Begleiter der Molasse in dieser Gruppe. Man wird foten Felsen von einiger Ausdehnung sehen/ ohne ein oder mehrere ^lergellager/ die sich durch ihre dunklere Farbe / oder ihre deutlicher abgesonderten/ dünnern Schichten sehr gut von dem übrigen Gestein unterscheiden lassen. 90 lf- Cap. Zweyter Abschnitt. Er steht oft der Molasse, besonders der blauen , nach seiner ganzen Beschaffenheit so nahe, daß man ihn kaum noch davon trennen kann, und wohl merglichte Molasse nennen möchte. Auch wo er bestimmter charakterisirt ist, enthält er immer einen bedeutenden Antheil Sand, und der kohlensaure Kalk scheint ihn auch selbst in seinen. Uebergängen in Letten und Töpfcrthon nicht zu verlassen. Wenigstens habe ich'nie d'er Molasse angehörende Thonarten gefunden, die nicht mehr oder weniger mit Säuren gebräuft hätten. Glimmer fehlt fast niemals. Sein Zusammenhalt ist oft, wo er vor der Feuchtigkeit geschützt ist, ziemlich beträchtlich, und übertrifft wohl den der gemeinen Molasse. Die thonigen Arten werden im Wasser weich und schlammig. Seine Farbe ist ein ziemlich dunkles Schiefergrau, in's dunkel Smalteblaue, Bräunlichgraue, Gelbliche; getrocknet zuweilen hell blaulichgrau; mehrere Arten behalren aber die dunkle Farbe bey. Nicht selten wechseln hellere Farben mit dunkeln streifenweise ab, so daß der Querschnitt einem Pand- jaspiS ähnlich steht. Er bildet eigne Lager in der Molasse, von der Mächtigkeit weniger Centimeter bis zu 10 bis. 20 Metern; ist dann oft dickschiefrig, zuweilen dünnschiefrig. Oft wechseln dickere und dünnere, ziemlich feste und vollkommen ebene Schichten, so daß man Tafeln von 1 Quadratmeter Oberfläche und kaum s Centimeter Dicke brechen kann; oft auch erscheint er in dickern schwach- und kleinwellenförmigen Schichten von 5 bis 10 Centimeter Dicke, ke durch senkrechte Ablösungen in prismatische Stücke von ungefähr quadratischem oder rhombischem Durchschnitt, und 2 bis 3 Decim. Länge getheilt stnd. Daö Wellenförmige theilt stch zuweilen auch den angrenzenden Molaffeschichten mit (Gutenbrün- nenfluh, Wabern). Die Ablösungen der Molaffe fand ich meistens sehr bestimmt, und nicht durch allmählige Uebergänge 91 Gebtrgsarten, Molaffe. der einen Steinart irr die andere verwischt.— Die Verbindung des grauen Mergels mit der Molasse erinnert oft an die sonderbaren Gemenge von Kalk und Grauwacke , die Herr B e u- d an t z5 ) beschreibt/ und di'e wir auch in unsern Alpen so häufig finden. Dünne Schichten von Mergel/ oft nur wie Häutchen / wechseln unzähligem«! mit nicht viel dickern Molaffeschichten / oder vielmehr beyde bilden nur eine einzige zusammengesetzte GebirgSart/ die aus in einandergreifenden Mergel- und Molassetheilen besteht/ und schiefriges Ge- siige hat. Die Molasse zeigt meist Neigung zu ellipsoidischen Formen; fie schwillt m, zieht fich wieder zusammen/ keilt stch auS / entsteht bald darauf von Neuem , oft auch hangen die Ellipsoide zusainmen/ phne Auökeilung. Der Mergel / fest und feinsandig/ umschließt die Molasse von beyden Seiten/ und zertheilt sich eher/ als stch von ihr zu trennen. Die meisten Stücke/ die man losschlägt/ zeigen auf beyden Seiten merg- lichte Blätter oder Schalen mit ebener Absonderungsfläche und einen Kern von Molasse. Eben so häufig ist auch der Mergel der Molaffe untergeordnet; er vermag nicht mehr ihre Schichten zu zerschneiden und von beyden Seiten her zusammenzuschließen / die Molasseschichten selbst wachsen an Mächtigkeit , und so geht das Ganze zuletzt in die großellip- foidische Bildung über/ deren wir früher erwähnt haben/ oder/ bey gleichförmiger Mächtigkeit/ in ein Abwechseln dünner Mergellager mit dicken Molasselagern. Auch in diesem letzter« Fall trennen sich die Schichten in der Mitte des MergelS/ sv daß eine Hälfte desselben an der obern/ die andere an der untern haften bleibt. — Die Oberfläche des Mergels schimmert oft von Glimmerschüppchen/ und hat ein gewässertes Ansehn / wie der Uferschlamm t ach kürzlich zurückgetretenem Wasser.— Endlich/bey immer abnehmender Mächtigkeit der Mergellager/ zerreissen dieselben/ und eS bilden Voyage enHongrie, III, P. 92 II. Cap. Zweyter Abschnitt. sich auf den Absonderungen der Molasse nur einzelne rundliche scl Flecken, dunkelblaugrau auf hellgrau/ die/ wenn man sie tu von der Molasse ablöst/ eine geringe Vertiefung zurücklassen. be Durch Zunahme an Thongehalt geht der schiefrige Mer- S gel in Letten/ der massige in Töpferthon über. Die meisten si, unsrer Thongruben/ zu Ziegelbrennereien oder Töpferarbei- « ten/ gehören indeß wahrscheinlich dem aufgeschwemmten Lande vc an/ oder sind so gelegen/ gewöhnlich nur von Dammerde und et neuern Anschwemmungen bedeckt/ daß sich unmöglich bestimmen läßt/ ob sie mit ihrer Unterlage vereinigt werden dürfen/ oder ob sie neuerer Entstehung sind. So z. B. bey Steffisburg / in den Gruben der Heimbergertöpfer. Feine Thon- ai arten sind der Molasse-Formation wohl ganz fremd. ke Kalk. Ueber Käpfnach am Zürcher-See/ bey 100» si über der Seefläche und 70 -» über der Steinkohle/ wird eine h, bey 6 m mächtige Kalkformation ausgebeutet / welche in mehr u oder weniger dicke horizontale Schichten abgesondert ist. d! Der Kalk ist etwas fett anzufühlen/ im Bruch uneben/ w hellgrau/ vollkommen matt; auf unregelmäßigen Querabfon- w derungen schwärzlichbraun angelaufen/ wie von Mangan- d oxyd/ zuweilen mit Dendriten. In Säuren hinterläßt er. T einen ziemlich starken thonigen Rückstand. Er sieht einem i, verhärteten Kalkmergel ähnlich/ und ist wohl den grauen Mergeln der Molaffe beyzuzählen/ und nicht als eine unab- n hängige Formation zu betrachten. Indeß habe ich die letztem t nirgends noch so fest und mit einem so starken KalkgehaU ge- Q funden. n Die Absonderungen sind nicht selten mit Kalkspathkry- si stallen / var. dodecaedre/ von ungefähr gleicher Dicke als d Höhe/ besetzt. ( Die Kalklager werden von der Steinkohle durch feste t Molasse/ in gemeine übergehend/ getrennt. Der Aufseher r des Steinkohlewerkö/ Herr Ginöberg/ sagte mir/ daß unter 1 dem Kalk ein schwarzer Kohlenmergel liege. Auf ihm liegt r 93 Gebirgsarten. Molasse. schiefriger bunter Mergel, zum Theil auch beträchtlich fest und Kalkknauer einschließend, aber im Wasser sich aufweichend, bey 5 Deeim. mächtig; dann folgt, in 2 Decim. mächtige Schichten abgesondert, ein sandiger grauer Mergel, wie er sich häufig auch anderwärts findet; auf ihm liegt die Dammerde , und man steht auf der sanft ansteigenden Ebene, die sich vom Bruch bis an den Fuß des höhern Rücken der AlbiSkette erstreckt. Beygemengte Fvssilicn. , Harte Knauer. Es erscheinen in der gemeinen Molasse auch zuweilen Verhärtungen, wie wir sie in der lockern werden kennen lernen, nur sind sie, wegen der größer» Festigkeit des sie einschließenden Gesteins, weniger auffallend; z.B. ziemlich häufig in einer grobkörnigen Schicht des Wabern-Bruchs, und zu Ostermundigen. Sie unterscheiden sich oft gar nicht durch ihr Korn, oder durch sichtbar vermehrtes Bindmittel, von der übrigen Molasse, so daß man ihre Härte erst gewahr wird, wenn man sie zu zerschlagen versucht; dennoch scheint die Verschiedenheit, wie die der harren Knauer in der lockern Molasse, einzig in dem größer» Verhältniß, oder noch eher in der' veränderten Natur des Bindmittels begründet zu seyn. Gerölle. In sehr gleichförmig gemengter Molasse kommen zuweilen einzelne, zerstreute Gerölle vor, von l bis 6 Cen- tim. Durchmesser, aus eben so mannigfaltigen und denselben Gebirgsarten bestehend, als die Gerölle der Nagelflnh, und wie diese stark abgerundet. Nicht selten häufen sie sich, parallel. mit den Schichtungsabsonderungen, an, und bilden ausgedehnte Gerölllager, oft nur von der Mächtigkeit eines einzigen Gerölls, oft zu wahrer Nagelfluh anwachsend, deren Bindmittel die einschließende Molasse ist, und, ohne Spur von Absonderung, mit derselben zusammenhängt. Das Vorkommen, sowohl der dünnen, kaum bemerkbaren Gerölllager, als der unregelmäßig zerstreuten einzelnen Gerölle, ist in den Molassen 94 II. Cap. Zweyter Abschnitt. um Bern ziemlich gewöhnlich. Die mächtigern Lager/ die man des Mangels aller Absonderung wegen / und weil das Bindmittel oft in sehr starkem Verhältniß vorhanden ist , auch noch alS Molasselager betrachten könnte t sind mehr auf daS Gebiet der mit Molasse wechselnden Nagelfluh (Längenberg / 'Belpberg/ Bantiger/ Burgdorf) beschränkt. Thon-Gallen. Knollige Einmengungen von grauem / grünlichgrauem/ gelbem und braunem Thon/ theils feinsan- dig/ theils fett anzufühlen/ sind ziemlich gewöhnlich / doch erlangen sie selten eine bedeutende Größe. Knollen von mehr als 1 Decim. Durchmesser sind mir in unsern Gegenden nicht vorgekommen. Sie sind zuweilen mit Eilenhydrat impregnirt / und verwittern dann leicht/ wenn sie in Berührung mit Wasser und mit der Atmosphäre kommen. K a l k sp a t h. Die Aussonderung des KalkspathS in Adern oder Drusen ist sehr selten in der gemeinen Molasse / deren Porosität und geringer Zusammenhalt keiner Flüssigkeit gestattet / sich in ihr zu sammeln und rein von Beymengung zu bleiben. Selbst in den untergeordneten Lagern , die keine Hindernisse dieser Art in den Weg legen/ in der festen und der meist durch Kalkspath verkütteten harten Molaffe , habe ich nur in wenigen Fällen bedeutende- Adern oder Krystalle gesehn. Die kalkige Flüssigkeit/ die näher an den Alpen in solchem Ucbermaaß vorhanden war/ scheint hier kaum hingereicht zu haben/ dem Bindmittel noch einige Festigkeit zu geben. Bittersalz. An vielen Molassefclsen (besonders im .Längenberg/ bey der Guggersbachbrücke , an der Gutenbrün- nenfluh/ bey Dägertschi) wittert in nicht unbeträchtlicher Menge Bittersalz auS/ theils zartfaftig/ die Fasern senkrecht auf die Fläche des Steins gefetzt/ theils feinmehligt/ schneeweiß. Silbersolution wies auch (ine Spur von Salzsäure nach. An der Gurenbrünnenfluh findet man diese Auswitterungen sowohl an der gemeinen Molaffe/ als an dem tiefer liegenden/ blaugrauen Mergel. 95 GeVü'gsarten. Molasse. Schwefelkies und Braunkohle. Diese beyden, eng verbundenen Substanzen verspüre ich auf den Abschnitt über die organischen Ueberreste, die stch in der Molaffe finden. Kruppe des Seelandes. Die Molasse der vorigen, gleichsam daS Centrum der Formation einnehmenden, Gruppe geht in unmerklichen Abstufungen gegen den Jura zu in einen sehr mürben Sandstein und in Sand über. Wo die Grenze der beyden Vorkommen zu setzen sey, ist nicht einmal annähernd zu bestimmen; denn man findet immer noch Glieder der einen Gruppe bis 'ganz mitten in die andre hinein; vollkommen charakterifirt tritt aber die Molasse in dieser ihrer letzten Umwandlung, in der Gegend der drey See n, zwischen Solothurn und Jferten, auf, und ich will daheb das Gebiet derselben Gruppe des Seelandes nennen. Die vorherrschende Steinart dieser Gruppe ist eben der lockere Sandstein, den man ursprünglich in der französischen Schweiz und bey Genf durch den Namen Molaffe bezeichnete. Ich will ihn, je nachdem er noch einigen Zusammenhalt, oder gar keinen mehr zeigt, durch zwey besondere Beywörter mt- terscheiden. Lockere Molasse. Ziemlich feiner, durch ein kalkiges Bindmittel, dessen Daseyn man indeß nur am Aufbrausen mit Säuren bemerkt, so schwach agglutinirter Sand, daß der Stein bey einem leichten Schlag, oder im Wasser, meist zerfällt. Die Farben find größtentheils die der gemeinen Molaffe, ölgrün und hellgrau find vorherrschend. Wo fich der Stein in größer« Felsen zeigt, wie z. B. am südlichen Ufer des Neuenburger-See's, bemerkt man hier und da Schich- tungsabsonderungen, gewöhnlich aber find alle Absonderungen verwischt, und man kann den Neigungswinkel der Schichten nur an den festern untergeordneten Lagern erkennen. 96 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Da dieser Stein jeder äußern Einwirkung so geringen Widerstand leistet / so wird er am Ufer der See'n und laufenden Wasser zuweilen tief untergraben, und erhält sonderbare runde Formen von Gewölben und Bauchungen; gewöhnlich aber ist er überwachsen / oder bildet steile Sandhalden/ aus denen die ftsteru Schichten und harten Knauer oft ziemlich weit hervorstehn. Sand. Ziemlich grober Sand/ die Bestandtheile der Molasse enthaltend; nur durch die Feuchtigkeit einigermaßen zusammengebacken/in trocknem Zustande keine festen Formen annehmend; zuweilen noch schwach aufbrausend; ölgrün/ gelblichgrau, graulichweiß. Vom Sand des aufgeschwemmten Landes nur dann zu unterscheiden / wenn er Glieder der Molaffe-Formation umschließt/ oder von ihnen bedeckt wird.. Seine Trennung von der lockern Molasse muß übrigens oft willkührlich bestimmt werden/ denn viele Schichten/ die an der Oberfläche zum Sand gehören/ möchten tiefer hinein wohl eher Molasse zu nennen seyn. unte rge or dn cte La ge r u n d Ma ssen dieser Gruppe. Molasse. Es ist kaum nöthig zu erinnern, daß die gemeine Molasse, ja sogar die feste Molasse, noch bis über die Mitte dieser Gruppe hinaus erscheint, hier und da den Felsen größere Festigkeit ertheilt, und zuweilen auch als Baustein benutzt wird. Wir haben schon im Artikel über. das spccif. Gewicht der gemeinen Molasse, einige Bruchstücke aus dieser Gruppe kennen gelernt, die an Festigkeit und dichtem Gefüge die Molassen der vorigen Gruppe eher übertrafen, als daß sie hinter ihnen zurückgeblieben wären. Der Kalkleim scheint, wie wir auch im Folgenden bemerken werden, sich in diesen Gegenden ungleichförmiger, als sonst, vertheilt, und während der größte Theil der sandigen Molasse ihn fast ganz entbehren mußte, sich desto mehr auf einzelne Stellen zurückgezogen haben, 97 Gebirgsarten. Molaffe. haben, einem elastischen Körper ähnlich, der stch bis auf einen bestimmten Grad ausdehnen und spannen läßt, wenn aber die ausdehnende Kraft diesen Grad überschreitet, zerreißt , und in den getrennten Stücken zu der ursprünglichen Dichtigkeit zurückkehrt. Harte Knauer. Dieses Concentriren des Kalkleims offenbart stch vorzüglich auffallend in den wunderbaren Verhärtungen , die diese Gruppe ganz besonders auszeichnen. Aus der lockern Molasse, oder aus dem Sand, ragen oft einzelne, oft mehrere, mit der Molaffe abwechselnde, aussen abgerundete Lager hervor, von einigen Decimecer Mächtigkeit, der Schich- tung parallel liegend, und als untergeordnete härtere Lager zu betrachten. Nicht selten erleidet die Mächtigkeit dieser Lager Unterbrechungen: nachdem beyde Absonderungen einander eine Zeit lang parallel geblieben, nähern ste stch einander, und die Schicht scheint ganz abreißen und sich in platte Ellipsoide theilen zu wollen, bald aber entfernen ste stch wieder auf die gewohnte Distanz und laufen wie zuvor parallel, bis ein neuer Knoten erscheint. Die Trennung geht aber häufig wirklich vor stch, und statt von zusammenhängenden Lagern, wird die Molaffe von dicken, in der Mitte ziemlich ebenen, an den Kanten abgerundeten, oder scharf auslaufenden Tafeln durchzogen, die oft in beträchtlicher Horizontalentfernung von einander, aber der Schichtung parallel liegen. Am merkwürdigsten erscheinen diese Knauer in mächtigen Molasse- lagcrn, die keine Neigung zu Absonderungen besitzen. In wunderbaren Formen durchzieh» ste dann die Molasse nach jeder Richtung; zuweilen aufrecht stehenden Baumstämmen ähnlich mit abgeschnittenen Aesten und Wurzeln, oder Nie- senknochen mit noch deutlichen Gelenken; zuweilen glaubt man die Trümmer eines in Sand begrabenen Säulenganges zu erblicken. (Kirche von Balm am südwestlichen Ende des BucheckbergeS, nördlicher Abhang des Julimont, aussen" her Erlach.) 7 98 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Die Beschaffenheit dieser Lager und Knauer ist sehr verschieden / aber immer zeichnen ste sich durch eine Festigkeit aus , die derjenigen der festen und harren Molasse nicht nachsteht/ ste zuweilen noch übertrifft. Das spee. Gew. schwankt zwischen 2 , 3 und 2/6, Einige scheinen grösttentheils aus dichtem Kalk zu be- stehe«/ und find einigen Abänderungen der dichten Molasse ähnlich / mit fplittrigem Bruch/ ohne erkennbare Sandstein. . structur/ sogar an den scharfen Kamen durchscheinend/ asch. gra»/ gelblich/ bräunlichgrau. Andere sind deutliche/ sehr feinkörnige Sandsteine/ den festen Molassen ähnlich/ zuweilen noch feinkörniger und mehr den festen Mergelarten genähert. Noch andere endlich unterscheiden sich äusserlich gar nicht von dem großkörnigten Sand/ der sie einschließt , man bemerkt keine Spur von Bindmittel zwischen den Körnern/ und diese scheinen lose an einander zu hängen; nur wenn man ste trennen will/ erkennt man an dem starken Widerstand/ den sie leiste»/ das Daseyn des Kaltleims/ und in Säuren zerfallen die Knauerstücke/ nach längerm / heftigem Aufbrausen ganz zu Sand. Alle diese verschiedenen Abänderungen kommen ohne Unterschied in der lockern Molasse wie im Sand vor; viele Schichten sind indeß ganz frey davon. Nach einer Analyse eines harten Knauerö aus dem Stein- hruch von Schnottwyl/ zu den dichten Arten ohne Sandstein- ftruetur gehörend/ fand Hr. Prof. Brunn er in 100 Theilen: kohlens. Kalk 45/ s Eisenoxyd 5 , 8 Thonerde 3/ 9 Kieselerde 37/ o Wasser 5 , 2 Kali und Verlust. 2 , 3 100/ o 99 GehirgHarten. Molaffe. ES scheinen diese Knauer den sogenannten Septarin des Londnerthons analog zu sehn, welche in England, als ein vorzüglich geschätzter Mörtel, ein nicht unwichtiger Gegenstand der Industrie sind. Knauer von Kalk.' Auf' ähnliche Art mögen die Knauer von fast reinem Kalk entstanden seyn, die ich auf dem Bucheckberg, zwischen Aetigen und Mühledorf, zunächst dem letzter« Dorfe, und bey Court, incher Sandgrube des westlich liegenden Hügels, gefunden habe; es scheint hier ein langsameres Trocknen und das lockere Gefüge des Sandes der Aussonderung des Kalks noch günstiger gewesen zu seyn. An beyden Stellen ist der Kalk dicht, bräunlichgelb, in'S Weiße an der Aussen- fläche, knollig und warzig, im Bruch eben in'S Feinsplittrige, die Bruchstücke scharfkantig; am erster» Orte zeigte er sich, in einem seh« feinen Mergelsande, als zellige Knauer von höchstens i Decim. Dicke, aus kaum 5 mm dicken, warzigen, gekrümmten Kalkscheibchen zusammengebacken, Kalktuf ähnlich; an letzterm in horizontalen Folgen 5°^ dicker Kalkscheibcherr, die selbst in ihrem Innern oft noch mit Sand ausgefüllte Räume zeigen, und zuweilen sich zu dünnen Lagern von einigen Metern Ausdehnung vereinigen. Der Kalk hinterläßt in Säuren einen nur sehr geringen Rückftgnd. Grauer Mergel. Der graue Mergel, ohne ganz zu fehlen, ist in dieser Gruppe von weit geringerer Bedeutung, als in der vorhergehenden, wo er eine Hauptrolle spielt. An seine Stelle tritt die folgende, für die Charakteristik dieser Gruppe und der ganzen Formation vorzüglich wichtige Mergelart.. . ; Bunter Mergel und Thon. In seiner reinsten Gestalt, als ein ziemlich feiner bunter Thon und Letten, zum Theil mit Fektglanz, gewöhnlich in ganz unregelmäßige Bruchstücke mit sehr unebnem erdigem Bruch zerbröckelnd, als Letten mit zwey parallelen, fettglänzenden Absonderungen und groß- muschligem Querbruch; überall, wo ich ihn angreifen konnte, 7 * loo II. Cap. Zweyter Abschnitt. aufgelockert und vom Wasser erweicht; vorherrschend braun, roth/ auch bläulich roth/ zuweilen abwechselnd mit berg- blau, meist beyde Farben in einander verwaschen/ nicht selten bräunlichgelb, oder bläulichgrau. Diese Thonarten sind in den meisten Fällen durch die Bestandtheile der Molasse/ die sie einschließt/ verunreinigt. ES mischen sich Kalktheile und Sandkörner ei»/ und erzeugen einen groben sandigen Mergel; eö erscheinen selbst Nester von reiner Molasse in diesem Mergel/ so wie umgekehrt Mergelnester in der Molasse/ und beyde Steinarten stnd häufig so innig in einander verwebt/ daß man nicht mehr weis, ob man das Ganze noch Molasse oder Mergel heissen soll. Alle Hügel am Fuß des Jura und im Seeland/ der Miftelachberg/ der Julimont, der Jensberg/ der Bucheckberg , enthalten in der Tiefe oder gegen die Mitte zu untergeordnete/ mehr oder weniger mächtige/ bunte Mergellager/ zuweilen sehr rein/ oft durch Nester und Trümmer von Molasse durchsetzt. In der Gegend von Aarberg und Lyß scheint der bunte Mergel der Molasse sogar das Gleichgewicht zu halten / wenn nicht überwiegend zu werden. Am rechten Aarufer/ zwischen Aarberg und der Einmündung der Saane ist er in ungefähr 4o m hohen Felswänden anstehend/ und trägt den/ aus lockerer Molasse bestehenden, Rücken des Frienisberges. Schon bey Aarberg, an der durch fossile Ueberreste von Quadrupeden merkwürdigen Rappenfluh, enthält er untergeordnete Lager und Nester von lockerer Molasse; bey Wyleroltigen werden diese mächtiger, und drücken die Mergelschichten gleichsam enger zusammen; noch mehr südlich, gegen Gümmenen, steht der Mergel immer mehr zurück, bis er zuletzt nur noch einzelne, sehr unter- geordnete Lager bildet. Ein solches, kaum einige Decimetcr mächtiges Lager drängt stch durch die Molaffe bis nach Laupen, wo es an der bey so™ hohen Felswand wie ein schmaler, dunkelrother Streifen erscheint. Geblrgsarten. Molasse. 4 01 Die Felsen erleiden von Aarberg weg beynahe keine Un- rerbrechung; gegenüber Wyleroltigen besonders ist von der Aar und Saane das Hügelland furchtbar steil abgeschnitten, man kann daher alle Verhältnisse der verschiedenen Lager mit großer Sicherheit verfolgen. Das Fallen ist allgemein sehr schwach südlich/ sehr häufig auf bedeutende Strecken hin horizontal/ in jedem Fall immer zu schwach/ als daß das allmählige Verschwinden des bunten Mergels nur durch ein Einfinken unter Tag zu erklären wäre. Der Sandstein bey Laupen gehört noch größtenteils znr lockern Molasse/ die sonst den bunten Mergel begleitet/ das rothe Lager ist ferner nicht etwa in der Tiefe, sondern in großer Höhe über der Sense anstehend; es scheint nach diesem eher ein Auskeilen des Mergels in der Molasse / veranlaßt durch das allmählige Anschwellen der schon bey Aarberg ein- gemengten Molasselager/ als ein einfaches Verschwinden der Mergellager gegen Mittag zu unter den höhern Ablagerungen von Molasse , statt zu finden. In dem romantischen Thälchen von Lopsigen bildet der bunte Mergel überall den Thalboden. In die lockere Molasse/ die ihn bedeckt/ hat sich in der Höhe beyder Thalwände der Landmann geräumige Wohnungen eingegrabem Auch in der Gegend von Schöpfen bildet der bunte Mergel den Thalgrund. In der Umgebung von Bern kann man denselben an mehrern Stellen beobachten / aber immer bleibt er sehr untergeordnet; z. B. am rechten Aarufer bey Wolen/ am Riederen- Rain , zwischen Gümmenen und Bern/ am linken Aarufer östlich von der Reubrück/ meist unter dem Wasserspiegel verborgen. Alle diese Stellen sind noch als zu der mächtigen Ablagerung von Aarberg und Wyleroltigen gehörend/ gleichsam als die letzten Ausläufer derselben in die Gruppe der ge- meinen Molasse/ zu betrachten. Südlich von Bern und in den höhern Theilen der Gegend / im Frieniöberg / Gurten / Ban- 102 II. Cap. Zweyter Abschnitt. 'tiger, Belpberg/ Längenberg scheint er ganz zu fehlen. Zwi- schen Bern und Guggisberg/ und zwischen der Saane und Emme habe ich ihn überhaupt nirgends als zu Laupen gesunden. Hingegen zeigt er sich wieder in der Nähe des Gurnigel- sandsteinö/ auch der Molasse eingelagert/ aber immer nur in den tiefsten Stellen. So am Laubbach unter Guggisberg auf dem Plötsch/ im Seeligraben unten am Gsirnigelbad/ am Fuß Her Giebelegg, wenn man über's Schwarzwaffer geht. Auf dem Plötsch wird der Mergel von lockerer Molasse mit harten Knauern bedeckt/ wodurch die Aehnlichkeit mit den Jurahügeln noch vermehrt wird. In dem Profil dieser Gegend an der Sense kömmt der bunte Mergel nicht zum Vorschein. Sehr mächtige bunte Mergellager sind der Nagelfluh von Thun untergeordnet. Aber durch die früher angeführten Merkmale unterscheidet er sich bedeutend von dem Mergel der Seelandgruppe/ und dieses Vorkommen kann also keineswegs als Beweis einer/ ohnedieß wenig wahrscheinliche»/ Einlagerung des Seelandmergels in die Thuner-Nagelfiuh gelten. Eine sehr mächtige Mergelbildung/ die zwischen dem bunten und grauen Mergel schwankt/ bedeckt ferner die Nagel- fluh an dem nördlichen Abhang des östlichen Buchholter- bergs. Ihre Farben sind hellgraulichblau und bräunlichgelb/ auf den Absonderungen sind die Schichten oft mit einer bräunlichen/ glatten/ schwach fettglänzenden Rinde überzöge»/ die Festigkeit ist gering/ und die deutlichen Ablösungen veranlassen an steilen Orten nicht selten Bergrutsche. In keinem der zahlreichen und tiefen Wasserrünse ist , meines Wissens / die unter diesem Mergel liegende Nagelfluh aufgedeckt worden; da aber beynahe auf allen Seiten in der Tiefe Nagelflüh ansteht , bey Schangnau / bey Eggiwyl , bey Dies- bach / an der Rothache/ so läßt sich an der Auflagerung nicht zweifeln; nur bleibt es ungewiß/ ob der Mergel mit der 103 Gebirgsarten. Molasse. Nagelstuh zu der nämlichen Formation gehöre , oder zu einer jünger«/ und diese Ungewißheit kann / da derselbe nicht bedeckt wird/ schwerlich gehoben werden. Im Thale von Marbach erscheint hingegen der bunte Mergel wieder mit allen Charakteren/ die ihn in der Nähe des Jura auszeichnen/ am Fuß des Binzberges/ und am Abhänge des Schärlig. Er scheint daselbst muldenförmig der Molasse eingelagert/ welche höher mit Nagelfluh wechselt/ und zum Theil eine bedeutende Mächtigkeit erreicht. Die Straße über den Schärlig wird bey nasser Witterung durch den aufgeweichten Mergel sehr beschwerlich. Auch weiter östlich ist dieser Mergel/ mit sehr mannigfaltigen Farben/ an der Ostseite der Bramegg anstehend , und auch da von mächtigen/ theils gemeine«/ theils lockern Molasseschichten bedeckt. Endlich schließt sich an diese/ oft unterbrochene Erscheinung des bunten Mergels in der Nähe der Kalkalpen auch daö Vorkommen mächtiger Mergellager an der westlichen Thalseite bey Einsiedeln; dieselben wechseln mit fester Molaffe und fallen mit 40° nach 140°. Vollkommen gleiche Verhältnisse / wie im Seeland / zeigen sich in dem schönen Profil des nördlichen Theiiö der Molasseformation / welches der Rhein zwischen Schafhausen und Kaiserstuhl durchschneidet. Bey'm Rheinthal ist noch Kalk anstehend. Es ist der unterste Fuß des Jura/ über den sich der Rhein hinunterstürzt/ denn bald.unterhalb fließt er schon zwischen Molasse. Unterhalb Rheinau besteht das Ufer aus buntem Mergel/ theils in dicken Schichte»/ theils schiefrig, horizontal gelagert. Bey Balm lockere Molasse in mächtigen Schichten mit harten Kuauern/ theils als platte Ellipsoide/ theils als Lager. Bey Buchberg sehr hohe/ felsige Ufer r bis ein Fünftel der Höhe horizontale rothe Mergellager von vorzüglicher Reinheit und scharf abgesondert von der damit wechselnden Molasse/ höher nur lockere Molaffe mit hervorstehenden harten Lagern und Knauern. Die Lagerung scheint immer io4 II. Cap. Zweyter Abschnitt. noch horizontal/ so wie man aber der Landspitze bey Teuffen sich nähert/ wird auch die Höhe der Mergellager über dem Wasser geringer/ und beträgt an der Landspitze selbst kaum noch 3 Meter / und wenn man nun gegen Eglisau zu wieder eine nördliche Richtung nimmt/ so steigen auch die Mergel- lager wieder höher / ja selbst stärker als sie früher zu fallen schienen/ denn/ wenn zwischen Rheinau und Teuffen der Neigungswinkel ganz unmerklich war/ und das südliche Fallen nur in gröffern Entfernungen/ durch die Abnahme der Ordinaten über dem Flußnivea»/ erkannt werden konnte/ so ist hingegen hier die südlich geneigte Lage der Schichten sehr deutlich zu unterscheiden. Bey Eglisau steigt der rothe Mergel/ mit Molasse wechselnd/ schon wieder beträchtlich hoch. Nach den Trümmern zu schließen/ die man aus den beyden Bohrlöchern herausgebracht hat/ nehmen die bunten Mergelschichten gegen die Tiefe zu bald ein Ende > und ruhen auf einer noch sehr dicken Ablagerung von Molasse. Bey Kaiserstuhl endlich ist man wieder von den äussersten Lagern des Jurakalks eingeschlossen. Gyps. Das Vorkommendes saftigen Gypses in der Molasseformation scheint ausschließlich auf diese Gruppe beschränkt/ wenigstens sind mir gar keine Angaben bekannt/ die das Gegentheil vermuthen ließen. Ja man sollte beynahe glauben/ daß selbst in dieser Gruppe nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil/ nämlich die Gegend zwischen Genf und Neuenburg/ diese Substanz auszuweisen habe. Die einzigen Thatsachen/ die ich kenne/ werden von Saussure / 26 ) Graf RazoumovSki 2T ) und Hrn. von Buch angeführt/ die erster» beziehen sich auf die Gegend von Genf und den südlichen Saum des Jura in der Waadt/ diejenige des Hrn. von Buch/ die ich aus dem mehrmals eitirten Catalog hier 26 ) Voyages d. 1. A. §. 52 et suiv. 2?) Jorat II. p. 132. Gebirgsarten. Molasse. 105 mittheilen will, auf die Umgebung von Boudry am Neuen- burger-See: „ Nr. 151 und 152. Blaulichgrauer Mergel mit kleinen Adern von saftigem Gypö mit Seideglanz, von 1 Zoll Mäch- ligkeit biö zum Verschwinden; bald verbunden, bald getrennt, anschwellend, kleine Stücke Mergel einschlieffend, und sich wieder verlierend. Südöstlich von Boudry an der Sagne.“ „DaS Stück zeigt was im Großen statt findet. Der GypS bildet im Mergel keine Lager von anhaltender Mächtigkeit, sie zertheilen und verlieren sich, sie schwellen auf, und er. sterben kurz nachher, und obschon sie bisweilen die Dicke von einem halben Fuß erreichen, so ist eS doch nur für wenige Augenblicke. Desto beträchtlicher ist ihre Anzahl, denn es ist beynahe keine Stelle von 20 Fuß im Mergel, wo man nicht wenigstens ein kleines Fäftrchen gewahr würde; plötzlich wird es dicker, aber kurz darauf fällt eS in seinen vorigen Zustand zurück." „Der Mergel ist der Molasse untergeordnet; er wird davon bedeckt an dem Abhang, an dessen Fuß man ihn findet, und seine Grundlage ist eine Molasse von gleicher Art. Die Schichten heben sich sanft gegen Nordwest, sie treten daher am Abhang deö Berges gegen Boudry successiv hervor. Ihre Folge läßt sich aber noch leichter an den Ufern der Reuze beobachten: der Bach hat sich in diesen wenig Widerstand leistenden Massen sein Bett gegraben, und man sieht ihr Profil mit gleicher Schärfe, als eine Zeichnung es geben könnte. Der GypS setzt unter dem Hügel durch, auf dem Boudry gebaut ist, die Fundamente der Häuser sind fast alle in diese Steinart eingegraben. “ Aus dem Aargau und aus der östlichen Schweiz weis ich nicht einer Stelle zu erwähnen, wo man GypS in der Molasse gesunden hätte. Die sonst noch in dieser Gruppe vorkommenden unterge. ordneten Massen und einzelnen Fossilien, wie die Lager von / 106 JJ. Cap. Zweyter Abschnitt. Braunkohle und bituminösem Mergel , die Lager von Nagelfluh/ die Braunkohlenester mit Schwefelkies und Eisenoxyd/ werde ich in spätern Theilen dieser Arbeit untersuchen. Thon- gasten hat die lockere Molasse mit den Molaffen der vorigen Gruppen gemein. 2. N a g e l f l u h. Man begreift unter dieser Benennung die gröbern Con- glomerate mit sandsteinartigem Bindmittel/ welche in den subalpinischen Hügeln vorkommen/ und nicht dem aufgeschwemmten Lande angehören. lObschon es wohl am natürlichsten ist/ den Sandstein/ der'M Nagelfinhgerölle werküttet / Molasse zu heiffen/ indem/ wie ich schon bemerkt habe/ in mehrern Fällen dieses Bindmittel unmittelbar mit den einschließenden Molaffelagern zusammenhängt/ und sich in nichts von denselben unterscheidet/ so würde man doch irren/ wenn man in den vorhergehenden Beschreibungen die gewöhnlichsten.Merkmale dieses Bind- mittels wiederzufinden glaubte. Die auffallendsten Abweichungen des NagelfluhküttS von der Molasse betreffen das Korn und die Farbe: Das Korn ist meistens gröber/ so daß die Sandfteinstrue- tur selten zweifelhaft bleibt/ und die Körner sind sich weniger gleich an Größe. In die größer» Zwischenräume haben sich kleinere Gerölle eingelagert/ in die Räume / die diese lassen/ noch kleinere/ und so abwärts/ daß man in Verlegenheit ist/ die Grenze zwischen Kütt und Gerölle zu bestimmen; eben so wie wir in einem ähnlichen Fall keine sichere Trennung der Molassekörner vom Bindmittel derselben vorzunehmen wußten. In einigen Arten/ und nicht den seltensten/ ist das Cement in der That eine Nagelfiuh vow kleinerm Kor»/ so 107 Gebtegsarteii. Nagelfluh. daß man - -eigentlich drey mitMre Geröll- oder -Korngrößen angeben könnte/ die der großen Gerölle/die der-Gerölle des Cements / und die Größe der Körner -imSandstein. Häufig auch ist indeß das'Bindmittel ein wirklicher/ kleinkörniger Sandstein / der nicht nur wenig kleinere Gerölle einschließt/ sondern selbst die großem Gerölle oft trennt und steh zu Nestern und Lagern anhäuft/ letztere zuweilen mit schie- frigen Absonderungen/ zuweilen auch unabgesondert/ so daß auf beyden Seiten der größern Bruchstücke die Eindrücke der Gerölle erscheinen. Endlich ist die Nagelfluh oft auch durch einen feinen Mergel verküttet/ der/ obschon in manchen Fällen sehr fest-/ fich doch im Wasser erweicht und die Nagelfluh leicht der Zerstörung aussetzt. Ein merkwürdiges Verhältniß findet zwischen der Figur der Körner und Gerölle und ihrer Größe statt. - Die größern Gerölle find/ wenn ihre Gebirgsart nicht etwa fchieftig ist/ gewöhnlich ganz abgerundet/ die kleinern/ die aufder Grenze zwischen Geröll und Bindmittel steh«/ zeigen mehr schon po- lyedrtsche Formen mit stark abgerundeten Ecken und Kanten/ die Sandkörner find eckigt/ zuweilen bis an's Scharfkantige grenzend, lassen fich die Ursachen dieser Erscheinung leicht in der Entstehungsart der Nagelfluh nachweisen. Die Sandkörner und kleinern Gerölle find nämlich unbezweifelt als der Abfall der fich an einander reibenden und zum Theil fich zertrümmernden größer« Gerölle zu betrachten. War dieser Abfall so klein/ daß er nicht mehr gerollt/ sondern ohne Rotation weiter getragen wurde/ so behielt er die Form/ die er ursprünglich erhalten hatte/ die Form-nämlich von Trümmern und Splittern/ bey/ und blieb eckigt und zum Theil scharfkantig/ war er aber/ wie dieß besonders bey der Zertrümmerung eines GeMes der Fall seyn mußte/ noch so groß/ daß die Reibung und Rotation Einfluß auf ihn gewinnen konnten/ so rundete er fich von neuem ab/ und da jene beyden Kräfte in einem geraden Verhältniß stehn zur Masse und-zum 108 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Volumen der Körper/ so mußte auch die Figur derselben das Gepräge dieses Verhältnisses erhalten. Daß übrigens diese Theorie nur da ihre Anwendung findet/ wo Gerölle und Bindmittel aus den nämlichen Substanzen bestehen/ ist kaum nöthig;« erinnern. In mehrerenNagel- stuhamn/ z. B. in denen mit Mergeleement/ scheint kein so inniger Zusammenhang zwischen Geröll und Kütt statt zu finden/ und wenigstens ein beträchtlicher Theil dieses letztem schon ursprünglich dem schlammigen Strom/ der die Nagelfluh ablagerte/ beygemischt gewesen zu seyn. Die Farbe des Bindmittels kömmt am ersten mit derjenigen der grobkörnigen Molasse überein; ölgrüne/ oder dunkelblaugraue Farben habe ich/ ausgenommen in den Lagern und Nestern/ die in den Gruppen von Bern und vom Seeland vorkommen/ niemals gefunden. Nicht selten hingegen erscheine»/ und zwar in ganzen Gebirgen/ braune und rothe Farbe«/ wie wir ste nie in der Molasse seh«/ wenigstens nie da/ wo ste selbstständig erscheint/ denn einzelne»/ der rothen Nagelfluh untergeordneten Lagern theilt fich auch die Farbe der einschließenden Steinart mit. In Betreff der Festigkeit hingegen durchläuft die Nagel- fluh alle die verschiedenen Phasen/ die wir in der Molasse gefunden haben. Sie ist in der Nähe der Alpen oft so hart/ d. h. der Kütt hängt unter fich und mit den Geröllen so fest zusammen/ daß man nur mit großer Anstrengung einzelne Stücke oder Gerölle losschlägt/ und unter den Molassen aller Gruppen nichts festeres anzugeben wüßte. Sehr oft ist der Kalk/ der das Bindmittel verküttet/ sogar krystallifirt/ und der Sandstein schimmert von mikroskopischen Spathschüppchen/ oder enthält auch größere Nester und Adern von Kalkspaih. Nicht ganz richtig ftihrt man oft das Zerbrechen der Gerölle bey'm Zerschlagen der Nagelfluh als einen Beweis sehr großer Festigkeit an. Bey'm Zerschlagen kleinerer Blöcke sehr fester Nagelfiuh habe ich häufig die Gerölle aus dem Kütt 109 Gebirgsarten. Nagelfluh. losreissen und nur diesen brechen gesehen/ versucht man aber nur einzelne/ hervorstehende Gerölle herauszuschlagen/ so'ist leicht zu erwarte«/ daß/ wegen der am einen senkrecht/ am andern schief wirkenden Kraft/ eher daS Geröll als das Bind- mittel nachgeben werde. Auch kann das mörtelartige Cement/ ohne noch sehr fest zu sey«/ größer« Zusammenhang haben/ als lang gerollte/ zum Theil von mehrfachen Absonderungen durchsetzte Gebirgsarten. ■ In größerer Entfernung von den Alpen nimmt auch die Festigkeit der Nagelfluh ab/ wie die der Molasse; doch ist sie im Allgemeinen immer fester als diese/ und nur in einzelnen Fällen ist ihr Kütt wahre lockere Molasse oder gar Sand. - Ueber die Größe der Gerölle lassen sich keine allgemeinen Sätze aufstellen. In einigen Schichten herrscht die größte Ungleichheit/ so daß Blöcke von i Meter Durchmesser und kleinere Gerölle bis zur Körnergröße durch einander liegen (Ralligett/ SchänniSberg). In andern ist die Größe zwischen engere Grenzen eingeschlossen/ und man kann mit einiger Bestimmtheit eine mittlere Geröllgröße angeben. Gewöhnlich fällt diese zwischen st bis 8 Centim. Durchmesser. Daß die gröbsten Gerölle immer in den tiefsten Schichten liegen/ habe ich nicht bestätigt geftrnden/ die Schichten von Ralligen beweisen das Gegentheil. ES würde sich auch dieses Gesetz nur dann erwarten lassen/ wenn die ganze Nagelfluhablagerung gleichsam aus einem Guß wäre/ und auch in diesem Fall hätte eher das specifische Gewicht/ als daS Volumen die Sönderung der Gerölle bestimmt. Hingegen ist es allerdings auffallend/ daß die großen Blöcke nur zunächst den Alpen in der Nagelfluh vorkommen. Verschiedene Schichten zeigen * md) einen verschiedenen Grad der Erhaltung ihrer Gerölle. In einigen ist die Verwitterung der Granite und anderer Gebirgsarten sehr weit vorgerückt/ vorzüglich/ wie eS scheint/ durch Oxydationsprozesse des Eisens/ so daß sich oft kaum mehr daS ursprüng- ho II. Cap. Zweyter Abschnitt. liche Gestein erkennen läßt/ und wenigstens die Farbe kehr verändert ist. In andern hingegen findet- man 'die Gerölle noch so frisch/ als ob fie erst vom Muttergestein wären geschlagen worden. Da man indessen selten dazu kömmt/ ftische Anbräche zu sehen / so möchten viele dieser Verschiedenheiten fich sehr einfach aus der kürzern oder länger« Dauer ihrer Entblößung von aller Bedeckung gegen Wasser und Atmosphäre erklären lassen. Statt einer oberflächlichen Charakteristik der Gebirgs- arten/ aus denen die Nagelfluhgerölle bestehen/ finde ich es der Wichtigkeit des Gegenstandes angemessener/ die Ablagerung gleichsam Schicht für Schicht zu untersuchen/ und alle Schichten/ die ihrer Lage und Beschaffenheit nach vereinigt werden müsse»/ in Gruppen zusammen zu- fassen. Ich beschränke mich zunächst/ wie in den übrigen Theilen dieser Arbeit/ auf die Nagelfluh unsers CantonS/ die ich einzig mit mehrerer Sorgfalt untersucht habe; was mir von der Nagelfluh anderer Gegenden bekannt ist/ werde ich in einem Anhang nachfolgen lassen. ■ ■ ■ > - Die Gerölle jeder Gruppe habe ich nach dreyen Classen abgetheilt/ in Gerölle südlicher/ nördlicher und zweifelhafter Abstammung. Die erste. Classe begreift diejenigen/ welche ich in den Alpen anstehend gefttttden habe/ die zweyte diejenigen/ die mir/ nach den in der Einleitung erwähnten Untersuchungen/ ganz unzweydeutig mit GebirgSarten des Schwarzwaldes oder des Jura übereinzustimmen scheinen/ die dritte wird durch die -Auffchrift näher bezeichnet. ES soll durch diese Eintheilung indeß keineswegs der Finalumersuchung über den Ursprung und die Bildung der Nagelfluh vorgegriffen^ werde»/ denn diese darf nicht allein auf die Natur der Gerölle fich stützen; ihr Zweck ist bloS/ als eine künstliche Clasfi- fication die Ueberficht zu erleichtern/ und fie schien mir hiezu aus mehrern Gründen geeigneter/ als eine rein petro- graphische / in welcher Alpenkalk und Jurakalk / weißer und Gebirgsarlen.'' Nagelstuh. l 1 1 rother Granit^ dicht neben' einander wären zu stehen ge- kommen. " . Gruppe von Guggisberg. Der Gebirgskamm des Schwendelbergs ist die höchste Erhebung zwischen der Gurnigelkette und dem Jura/ und eine der hohem Erhebungen der Molasse-Formation überhaupt. Die Abhänge dieses Kamms sind äusserst schroff/ und stossen in der Höhe fast zusammen; die Dicke ist daher im Verhältniß der LängenauSdehnung sehr gering , doch beträgt auch diese / von der Sense bis Ryffenmatt gerechnet / nur bey einer guten Bernstunde. Nach aller Analogie der äußern Formen sollte man senkrechte/ oder steil emporstehende Schichten einer ällkr Zerstörung Trotz bietenden Felöart erwarte» / und doch liegen die Schichten fast horizontal/ und bestehen aus Con- glomeraten. Der Gedanke / daß man hier den letzten Ueber- rest einer vordem die ganze Schweiz bedeckenden Ragelfluh- masse vor sich habe/ dringt sich fast unwiderstehlich auf/ so sehr Mäü ihm sonst auch abgeneigt seyn mag. Die Nagelfinh /-welche den Rücken des-Schwendelbergs und Guggeröhorns bildet/ hat zu ihrem Kütt einen graulich- und bräunlichweißen Sandstein mit kalkigem Cement n»d Körttern von sehr ungleicher Größe / welche größtentheilS aus Quarz besteh»; auch einzelne weiße Glimmerblättchen sind beygemengt. Der Kütt umschließt die Gerölle sehr fest. Die Größe der Gerölle ist sehr verschiede»/ im Durch-, schnitt mögen sie 5 Centim. Durchmesser haben. In den obersten Schichte»/ auf Guggershorn/ findet man auch einzelne Blöcke von 1 Meter im Durchniesser. Sie liegen ohne Regelmäßigkeit durcheinander. Die Mannigfaltigkeit der Gebirgsarten ist sehr gering. Gerölle f ü i> 1 i ä> c t Sl b st a m m u n i. Schwärzlich rauchgrauer Kalk/ mit mehrern Absonderungen, so daß er bey'm Schlagen leicht in Stücke zer- 112 ]I. Cap. Zweyter Abschnitt. springt; die Bruchstäche von kleinen Kalkspathschüppchen ziem- lich stark schimmernd; von weißen Kalkspathadern durchzogen. — Ein nicht zu verkennender Alpenkalk. gg. 8. 2 . Sehr fester Sandstein/ mit Kalkcement; feinkörnig/ mit einzelnen größern Quarzkörnern; unebner/ oder groß- muschliger/splittriger/schwach schimmernder Bruch; im Kern dunkel blaulichgrau/ am Rand bräunlich; geradschiefrig abgesondert. — Gurnigclsandstein. sb. 12/ 13. Gerölle nördlicher A b st a m m u n g. 3. Dichter bräunlichweißer Kalk. Unebner Bruch in'S Splittrige/ mit vielen Splitter«/ von vielen sehr kleinen Spathschüppchen schimmernd. Die dichten Kalktheile oft als runde Körnchen im Kalkspath ausgesondert / so daß der Stein einen Uebergang in Rogenftein bildet, gg. 4 , 6. 4. Gelblichweiße und braune dichte Kalkarten. Groß- muschliger Bruch/ von Spathschüppchen mehr oder weniger schimmernd, sh. 4 / 5 / 7 , 9. 5. Körniger Kalk. Undurchsichtige Schuppen mit Perlmutterglanz/ gelblichweiße mit bräunlichgrauen gemengt/ bis zu 2 Millim. Größe. Zerstreute ochergelbe/ erdige Theile, «b. 2. ES ist fast nicht zu bezweifeln/ daß diese Kalkarten sämmtlich aus dem Jura abstammen. Sie stehen in einem sehr bedeutenden Verhältniß zu den übrigen Geröllen. Gerölle ungewisser Abstammung. 6. Fein- und kleinkörnige feste Sandsteine mit Kalkcement. DaS Bindmittel in sehr kleinem Verhältniß. Die Körner meistens Quarz/ auch Feldspath und Kalk. Weiße Glimmerblättchen. Schwarze Pünktchen. Bräunlichweiß/ bräunlichgrau/ ochergelb/ dunkelbrau. sb. 10/ h. gg.il/ 14/ 15. Diese Sandsteine sind unter den Geröllen vorherrschend. Am nächsten fallen sie mit dem Gurnigelsandstein zusammen / doch 113 Gevirgsarten. Nagelfluh. doch sind mir bey diesem nie ähnliche Farben vorgekommen/ und der Kalk ist in einem stärker» Verhältniß. Man kann ste auch mit dem Sandstein des Niesen und Hohgant vergleichen/ aber in diesem fehlt der Kalk meiftenL^ganz / und die Farben stimmen nicht besser überein. 7. Muschlige Hornsteine/ mit mehrern ebenen Absonderungen. Bräunlichgrün und blaßröthlich/ oder violet/ in einander verwaschen, gg. 9. sb. 6. ES wäre schwer zu entscheiden/ ob diese Hornsteine/ die wahrscheinlich alS Knauer im Kalk läge»/ aus den Alpen oder anderswoher stammen; doch wäre ich eher für das Erstere geneigt. Wenn man von der Guggersbachbrücke aufwärts gegen Schwarzenburg oder Guggiöberg steigt/ so steht man nach und nach mehreremal diese Nagelfiuh mit Molasse wechseln; die Nagelfluhschichten liegen aber meist schon zu hoch/ als daß ste noch im Profil am Ufer erscheinen könnten. Das Fallen ist immer schwach südöstlich. In ungefähr mittlerer Höhe zwischen dem Sensegrund und dem Guggeröhorn ist der Molasse auch eine Mergelschicht eingelagert/ welche eine Menge der gewöhnlichen Molassepetresaeten enthält. Der Gipfel des GuggerShornö wird gebildet durch einen dey I5 m hohen/ bey 30 m von O. nach W./ und etwa io m von N. nach S. ausgedehnten NagelfluhfelS / der nach allen Seiten senkrecht abgeschnitten und daher fast unersteiglich ist. Ganz oben sollen sich Trümmer zerstörter Molasselager befinden. Von seinem Fuß weg ziehen fich sehr steile Nasenhal- de«/ nördlich nach Wahlenhaus/ südlich nach Guggiöberg/ aus denen an mehrern Stellen ebenfalls Nagelfluh hervorragt. An der Fluh selbst bemerkt man keine Sch'chtungSabsonde- vung; einige Stellen , wo dass Bindmittel keine Gerölle enthält/ sowohl an der nördliche»/ als westlichen Seite/ deuten 8 11 A II. Cap. Zweyter Abschnitt. auf horizontale Lagerung; die häufigen Quellen an dem Abhang von Guggisberg scheinen aber auch hier eine schwache Einsenkung nach Süden zu beweisen. Nordöstlich fällt der Gebirgszug des Guggershorn und Schwendelberg , unter Wahlenhaus ( irs m unter dem Gipfel des Schwendelbergs) in 30-° hohen / wohl über eine Viertelstunde anhaltenden Felsen in die Ebene von Schwarzenburg ab. Diese ungeheure Nagelfluhmasse scheint durch eine einzige Absonderung in zwey horizontale Lager getheilt zu werden. Deutliche senkrechte Spalten/ zwischen denen die Nagelfluh sanfte Bauchungen macht/ geben der Fluh das Ansehen von an einander gereihten dicken Thürmen. In gleicher Höhe scheinen an der Westseite/ gegen die Guggersbach- brücke zu/ nur abwechselnde Nagelfluh- und Molasselager/ von der Dicke weniger Meter / zu liegen. Eine ähnliche Anhäufung von Nagelfluh begrenzt den Schwendelberg südöstlich. Das Thälchen zwischen der Hall- städtegg und dem GuggerShorn wird/ etwa eine Viertelstunde östlich von Guggisberg/ durch eine fast bis in die Höhe des Dorfs erhobene Decke/bis auf eine schmale Spalte geschlossen. Die Decke hängt nördlich und östlich mit dem Plateau zusammen / auf dem Ryffenmatt/ der Schwendelberg und daS Guggershorn stehn. Gegen Mittag scheint fie schwach anzusteigen/ fällt aber/ am Fuß der Pfeift / plötzlich in 20 bis 30 Meter hohen Felsen senkrecht ab und bildet mit dem Abhang der Gurnigelkette die letzte Thalverengung. An diesen Felsen bildet ein Sandstein Zwischenlager/ der mit dem Sandstein auf dem Rigikulm eine große Aehnlichkeit zeigt: er ist sehr hart und äußerst feinkörnig / mit unvollkommen splimigem Bruch/ grünlichgrau/ znm Theil dunkelroth gefleckt / und im Querbruch gebändert/ auf den Ablösungen von sehr vielen/ aber von bloßem Auge nicht erkennbaren Elimmerschüppchen stark schimmernd; theils schiefrig in kleinwellenförmigen Lagern/ theils in meterdicken Nestern mit !lb- che md »fel icU m in- etv in- ln- [et- ch- 'X, den ül- lide des ws- :an daS zn- 30 mg der ?eit m- oth ;eu ren in- nit Gevirgsarten. Nagelfluh. 115 schaligen Absonderungen; er steht übrigens in Verbindung mit dem Kütt der Nagelfluh. Die Gerölle / große und kleine durcheinander, wie oben auf Guggershorn, bestehen aus denselben Gebirgsarten, die ich eben erst angegeben, nur scheinen die harten Sandsteine fast alle übrigen zu verdrängen. Das Fallen, an dem untergeordneten Sandstein erkenn, bar, ist, wie das der obern Fläche des Plateaus, schwach nordwestlich. Weiter gegen den Schwendelberg zu scheinen die Schichten stch in's Horizontale und schwach Südlichfallende umzubiegen. Die Schichten der ganz nahen Guruigel- kette hingegen fallen auch hier stark südlich; die Stelle kann daher auch unter denen angeführt werden, welche ein höheres Älter des Guruigelsaudsteins, und eine Trennung desselben von der Molasse - Formation begründen helfen. Westlicher als diese Felsen habe ich keine Anzeigen dieser Nagelfluh gefunden. Es ist möglich, daß die Giebelegg, welche ungefähr in der Fortsetzung des Schwendelbergs liegt, zum Theil daraus besteht; der Berg ist aber von allen Seiten so bewaldet, daß man wenig Hoffnung haben kann, irgendwo anstehenden Fels zu finden. Die größte Mächtigkeit scheint diese Nagelfluh im Schwendelberg zu erreichen; die ganze Dicke, vom Fuß der nördlichen Felsen bis auf den Grat des Schwendelbergs, mag gegen 450 " betragen. Schon bey Guggisberg theilt fie stch aber in einzelne Lager und wechselt mit Molasse ab, und noch am rechten Senseufer fche-im die Molasse, wenigstens in der Tiefe, sogar vorherrschend zu werden. Indessen mag diese Abnahme au Mächtigkeit auch nur scheinbar, und der größere Theil der Nagelfluh durch Vege- tation bedeckt seyn; denn es ist nicht zu bezweifeln, daß die Ablagerung noch tief in den Canton Freyburg übersetze. Zwar habe ich am linken Senseufer das Anftehude dieser Formation nicht auffinden können, aber die Menge großer 8 * 116 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Blöcke einer mit der Guggisberger vollkommen identischen Nagelfluh überzeugte mich / daß ihr Stammort nicht sehr ent- fernt / und daß die Mächtigkeit ihrer Lager von nicht geringer Bedeutung seyn könne. Im Thal der Saane ist Nagelfluh in den Gegenden von Pont-la-ville und Corbieres gefunden worden 28 )/ und erinnert man stch/ daß Razoumovski die Nagelfluh von Vevay und St. Denis bis nach Bulle verfolgt hat / daß er diese Nagelfluh als der Molasse aufgelagert beschreibt/ und großentheils als aus Jurakalkgeröllen bestehend 30 )/ so wird man nicht anstehen/ den Schwendelberg für das östliche Ende der mächtigen Nagelfluhablagerung zu halte«/ welche den Camon Freyburg mitten durchschneidet/ an beyden Seiten der Vevaise hohe Felsen bildet/ und vom Genfersee zwischen Cully «ab Clarens abgeschnitten wird. Die Gerölle/ die ich bey Chätel-St. Denis aus der Nagelfluh gesammelt habe / stimmen in der That mit den Geröllen von GuggiSberg vollkommen überein. Gruppe von Thun. Sehr bestimmt erreicht hingegen diese Nagelfluh/ wenn nicht schon bey Ryffenmatt/ wo der Schwendelberg plötzlich stch erniedrigt/ doch in der Ebene von Blnmenftein und Thu«/ ihre östliche Grenze; denn weder auf den niedrigen Hügeln dieser Ebene/ noch weniger in den hohen Gebirgszügen/ die ste östlich begrenzen / läßt stch eine Fortsetzung derselben auffinden. Die Nagelfluh wird überhaupt zwischen Ryffenmatt und Thun so beschränkt und beynahe unterdrückt von der vorherrschenden Molasse/ welche nicht nur im Innern des Längenbergs und bis an die Gurnigelkette überall die Grundlage bildet/ sondern bis fast auf die obersten Höhen/ den 2«) Alpenrosen auf 1824, Reise auf den Molton. «) Jorat, II, p. 3 g. 3o ) Memoires de Lausanne, I, P. 76. 117 Gebirgsarten. Nagelfluh. Tschuggen/ die Rüggisbergegg / die Bütschelegg/ ansteigt / daß man die einzelnen Lager/ die sich noch vorfinden , nur als die äußersten Verästlungen der zwey mächtigen Gruppen von Guggisberg und Thun betrachten kann. Ich habe im Frühern schon auf das große Gebiet der Gruppe von Thun / die fich von den Ralligstöcken weg bis in das Thal von Dießbach und Mthenbach erstreckt/ aufmerksam gemacht; ich habe ihre Verhältnisse / sowohl zu den südlichen Gebirgsarten über Ralligen / als zu der Molaffe des Kurzenbergs entwickelt / und kann mich daher hier jetzt auf die innere Beschaffenheit derselben beschränken. - Die Hauptmasse aller Gebirge dieser Gruppe besteht aus einer Nagelfluh/ die fich von derjenigen von Guggisberg wesentlich unterscheidet/ obschon auch einige Gerölle beyden gemein find; denn so wie diese kaum Spuren von UrgebirgS- arten auszuweisen hatte — ich fand nur einige/ sehr wenig ausgezeichnete/ wahrscheinlich alpinische/ Granite an der Südseite des SchwendelbergS — so werden in jener die mannigfaltigsten Granite und Porphyre oft vorherrschend/ und der Wechsel ihrer Farben und Mischungen ist so groß/ daß man nur mit Hülfe ausgedehnter Sammlungen hoffen darf/ ein treues Bild dieser GebirgSart entwerfen zu können. Alle Schichten tragen im Allgemeinen das Gepräge einer gemeinschaftlichen Abstammung ihrer Bestandtheile und einer analogen Bildung. Nicht selten schien mir freylich in dem einen Lager diese/ in einem andern jene Gebirgsart vorherrschend / und es mag fich auch so verhalten; aber die wahrhaft charakteristischen Gerölle fehlen in keiner derselben/ und wir können daher/ ohne Gefahr Heterogenes durcheinander zu menge»/ alle in Einer Darstellung zusammenfassen. Doch werde ich zum Schluß noch einige allgemeine Bemerkungen über ihre Vertheilung nach den verschiedenen Schichten/ und über die sonstigen geognostischen Verhältnisse dieser Gruppe überhaupt beyfügen. 118 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Das Bindmittel dieser Nagelfiuh ist meistens ein fester, grobkörniger Sandstein, der der grobkörnigen Molasse sehr nahe steht, bkäunlichgrau, grünlichgrau, mit weißen Glim- merblättchen, nicht selten von Kalkspathadern durchzogen, zuweilen auch ein feinerer Sandstein, ebenfalls fest, der aber schon in Mergel übergeht und vom Wasser erweicht wird. Gerölle südlicher Abstammung. 1. Graulichschwarzer Kalk. Sehr feinsplittriger Bruch mit sehr vielen Splittern, innig gemengt mit Kiesel, von weißen Kalkspathadern durchzogen. Zuweilen findet man ihn mit schwarzem Hornstein verwachsen, ml. 49, 50, 51, 52, 68 rc. Deutlicher alpinischer Kalk. Diese Gerölle fehlen in keiner Schicht, aber fie find immer sehr untergeordnet, und ihre Anzahl nähert sich nie, auch nur von fern, dem Verhältniß, das fie in den Lagern der Bäuchlen und Lochseite behaupten. 2 . Sehr feinkörniger harter Sandstein mit kalkmerglich- tem Bindmittel. Feinsplittriger Bruch. Dunkel blurroth. Matt. bb 36. Von dem sandigen Mergel, der am Grüfisberg Lager in der Nagelfluh bildet, nicht zu unterscheiden. Besonders häufig in den Schichten der Falkenfluh; ob er südlich von Thun auch vorkommt, darf ich nicht entscheiden. G e r v U e nö rrlicher Abstammung. 3. Granit von großem Korn, mit porphyrartigen, hell- fieischrothen Feldspathkrystallen von i Centim. Durchmesser. Die übrige Masse ein Gemeng von sehr vielem, größtentheilS verwittertem tombackbraunem Glimmer, dichtem, apfelgrünem, auch halb verwittertem Feldspath und Quarz. Der Perlmutterglanz der großen Krystalle hat fich sehr gut erhalten, ml. 54. Die Aehnlichkeit dieses, in mehrern Schichten, z. B. am Gumenbach bey Sigriswyl, vorherrschenden Granits mit Gebirgsarten. Nagelfluh. i is Schwarzwäldergranit/ dem deö mittlern WiesethalsB., ifl auffallend. 4. Granitporphyr. Schmutzig vielem dichter Feldspath , gelblichweiße/ auch blaßfieischrothe Feldspathprismen/ zum Theil von i Centim. Länge; stark glänzender Quarz in beträchtlichem Verhältniß/ sehr wenig rabenschwarzer Glimmer, tu. 7. — Scheint eine Varietät des vorigen. Ganz identische Gerölle fand ich in der Wehr und Wisleth. 5. Granitporphyr. Dunkelblaulichrother dichter Held- spath / weißer und grüner blättriger Feldspath mit hochfiersch- rothen/ i Centim. langen Feldspathprismen. Dunkelgrüner Glimmer in sechsseitigen Tafeln. Wenig Quarz. tu. 57. — Wahrscheinlich auch auS dem Schwarzwald/ und mit dem vorhergehenden zu vereinigen. 6. Kleinkörniger Granit.' Apfelgrüner, inö Weiße übergehender/ unvollkommen blättriger Feldspath. Dunkelgrüner Glimmer. Die drey Bestandtheile in gleichem Verhältniß, ml. 39.— Von dieser Granitart eine Menge Varietäten. Ue- bergänge in's Feinkörnige/ mit nur sehr kleinen Glimmer« blättche»/ und zum Theil blaßpfirstchblüthrothem Feldspath; die Farbe verwaschen mit der weißen und grünen? und wahrscheinlich ein Produkt der Verwitterung. Der Glimmer auch weiß und hellgrün, ml. 38. — Auch in'S Grobkörnige übergehend; mit dunkelkarminrothem blättrigem Feldspath; der kleinkörnige und grobkörnige am nämlichen Geröll, ml. 3i. — Sehr kleinkörnig/ theils mit vollkommner Granitstructur/ theils gneusartig / weißer , röthlichweißer oder rother Feldspath mit Perlmntterglanz , weißer oder tombackbrauner , oft ausgezeichnet krystallistrter Glimmer? grauer Quarz. Zu« weilen häuft sich der Glimmer nesterweise an; zuweilen verdrängt auch der Quarz den Feldspath fast ganz. tu. 84. Diese Granite zeigen ebenfalls große Aehnlichkeit mit den Schwarzwäldern/ vorzüglich in der ausgezeichnet granitarti- gen Struktur und dem deutlich charakteristrten / nicht talk- 120 II. Cap. Zweyter Abschnitt. artigen Glimmer. Die vorletzte Art besonders erinnert an den dunkelgrünen GneuS bey Murg und die ihn durchsetzenden Adern von kleinkörnigem, hellröthlichem , freylich fast glim- merleerem Granit. In der Murg und Alb habe ich vollkommen übereinstimmende Gerölle gefunden/ bey Todtmoos/ am Berg nordwestlich / ebenfalls. 7. GneuS. Sehr viel graulichschwarzer/ fein zertheilter Glimmer/ lagerweise angehäuft/ gelblich weißer und röth- licher blättriger Feldspath in Adern/ wenig Quarz. tu. 36. * Diese Gneuöart stimmt noch besser mit dem GneuS zwischen Lauffenburg und Seckingen überein. Ebenfalls aus dem Schwarzwald scheinen folgende drey Granite: 8. Kleinkörniger Granit. Der in beträchtlicher Menge vorhandene sehr spröde Quarz mit starkem Glanz macht das Anfühlen mehr als gewöhnlich rauh. Dunkelblaulichfleisch- rother blättriger Feldspath mit weißem und spangrünem gemengt; der erstere vorherrschend in sehr feinen Theilen/ der rothe und grüne auch in größern Prismen. Kein Glimmer , aber fein zertheilte Hornblende/ zum Theil auch in Prismen von i Millim. Länge; nur sehr untergeordnet. t§. 2 . 9. Granit von größerm Kor«/ doch nicht grobkörnig. Viel Quarz. Hochfleischrother blättriger Feldspath/ mit sehr wenig gelblichem Feldspath/ stark perlmutterartig glänzend. Aeußerst wenig schwefelgelber Glimmer. Einzelne mikroskopische Schwefelkieswürfelchen. tg. i, 10. Kleinkörniger Granit. Graulichfleischrother dichter Feldspath; ziemlich viel stark glänzender , zum Theil auskryftal- listrter Quarz; gelblichrother blättriger Feldspath in kleinen Prismen; sehr wenig schwarzer Glimmer. Die Gebirgsart könnte auch al§ Porphyr aufgeführt werden, tu. 28. 11. Ein ausgezeichneter Porphyr! Dunkelfleischrother dichter Feldspath/ unebner Bruch/ feinsplittrig mit vielen Splittern/ schwacher Wachsglanz/ als Grundmasse; hell- 121 Gebirgsarten. Nagelfluh. fleischrothe , zum Theil bis i Centim. lange, perlmutterglän- zende FeldspathpriSmen. Einzelne zerstreute Quarzkörner und dunkelgrüne Glimmerblättchen. In einigen Stücken fehlen Quarz und Glimmer ganz. tu. 85. Ich habe unter den Geröllen der Alb mehrere ganz identische Porphyrgerölle gefunden. Im Allgemeinen find die Schwarzwälderporphyre jener Gegend blässer/ und besonders die Prismen fast weiß. Die dunklere Farbe der unfrigen könnte auch Folge mehr vorgerückter Verwitterung seyn, doch scheinen die Prismen sehr frisch. 12 . Wahrscheinlich gehört auch diesem Porphyrgebirge an: ein inniges Gemeng von dichtem Feldspath und Kiesel. Sehr hart. Unebner feinsplittriger Bruch, in'ö Rauhe. Schwacher Wachsglanz. Dunkelkirschroth mit Dunkelgrün nüaneirt, von dunkelgrünen Adern durchzogen. Ausgesonderte Quarzkörner und Hochfleischrother blättriger Feldspath in geringem Verhältniß und kleinen Theilen, tu. 17. 13 . Roch ein Porphyr. Dunkelgraulichviolete Grund- masse von dichtem Feldspath; mit sehr vielen, meist nur 1 Millim., seltner 3 bis 4 Millim. langen Prismen von hell- fleischrothem/ fast weißem, oder hellgrasgrünem Feldspath, die meisten verwittert, die wenigen, die ihren Glanz erhalten haben, mehr in'ö Braunrothe. tg. 29 . Wohl auch ein Schwarzwälder. 14. Kleinkörniger Gabbro. Dichter grüner Feldspath mit dunkelgrünem/ zum Theil verwittertem, Diallag. Von Absonderungen durchsetzt, auf denen äußerst dünne dunkelgrüne Häutchen liegen, ml. 4o. — In einem ähnlichen Gabbro liegt der Diallag, wie der Glimmer im Schriftgranit; die verwitterten Theile desselben find dunkelkarminroth. ml. 36. Ich finde in meiner Schwarzwäldersammlung fast identische Gabbro's. Mit dem Wallisergabbro find fie gar nicht zu verwechseln. 122 II. Cap. Zweyter Abschnitt. 15. Dichter Kalk/ bräunlichgelb; großmuschliger Bruch/ die Bruchfläche eben in's Feinsplittrige. Mit Adern oder Nestern einer weiche»/ specksteinartigen Substanz/ die sich in Säuren nicht auflöst und zum weißen Glas schmilzt, ml. 47. 16. Dichter Kalk; gelblichgran/ fast weiß; vollkommen ebener großmuschliger Bruch, tu 79. Beyde Kalkarten mit nach andern Abänderungen kommen fast in allen Schichten vor/ aber immer in äußerst schwachem Verhältniß/ unter Tausenden von Geröllen kaum eines. Es ist deutlicher Jurakalk. Gerölle zweifelhafter Abstammung. 17. Eine Grundmasse von dichtem Feldspath/ dunkel- graulichgrün/ zuweilen mit einem röthlichen Anstrich/ zuweilen auch in's Dunkellavendelblaue/ oder in's Hellschimmel- graue/ öfters auch rein lauchgrün/ mit ausgesonderten Theilen von seladongrünem/ oder auch hellfleischrothem Feldspath/ theils dichtem , als ob es nur Splitter der Grundmasse wären/ theils blättrigem/ aber ohne Krystallform; außerdem viele stark glasglänzende Quarzkörner , die Gebirgöart vorzüglich charakteristrend. Zuweilen in ein inniges Gemeng übergehend/ in welchem man den Quarz an dem starken Glanz erkennt/ der sich der ganzen Masse mittheilt. Selten und immer sehr untergeordnet mengen sich auch schwache Glimmer- blättchen ein. tu 38 , 92 , 93 / 95 , 96 , 99 . ES ist mir unbekannt/ woher diese unvollkommnen Porphyre/ die in allen unsern Nagelfluhschjchtenwieder erscheine«/ abstammen mögen; ich habe weder in den Alpen , noch im Schwarzwald etwas Aehnliches gesunden/ doch vermuthe ich sie eher nördlich/ vielleicht in mir nicht bekannten Theilen des Schwarzwaldes , oder in den Vogesen. 18. Ein seladongrüneö dichtes Fossil. Unebner Bruch/ vom Klein - ins Feinsplittrige und Erdige. Matt. Wird vom Stahl geritzt/ ritzt Glas. Zum schwarzen Glas schmelzend, ml, 64. 123 Gebirgsarten. Nagelfluh. Diese Steinart, Leren Natur mir eben so unbekannt, als ihr Stammort ist/ erscheint in allen Nagelfluhschichten der Thunergegcnd'wieLer. 19. Inniges Gemeng einer dunkel graulichvioleten Substanz, wahrscheinlich ein mit Kiesel gemischter Feldspath, mit einer hellgrünen. Vor dem Löthrohr ziemlich schwer zum dunkelgrünen Glas schmelzend. Unebner, äusserst feinsplittri. ger Bruch, mit vielen Splittern. Matt. Die grüne Substanz sondert sich aus in Adern und Nestern, und zeigt Anlage zu blättriger Textur mit Perlmutterglanz. Außerdem Adern von Kalkspath, oft mit der grünen Substanz gemengt. Letztere möchte am ersten zum Epidot gehören. t§. 19. Man findet Gerölle, welche die beyden letzten Stein- arten, ml 64 und tg. 19, verbunden enthalten, z. B. bb 27, 28. 20. Inniges Gemeng von Quarz mit blaulichfieischrothem Feldspath und sehr wenig gelblichem Feldspath. Ohne Glimmer. Stark schimmernd. t§. 11. 21. Inniges Gemeng von dunkel fleischrorhem Feldspath und Quarz. Unebner, feinsplimiger Bruch. Ausgesonderter milchweißer Quarz mit Fettglanz und dunkel hochfieisch- rother blättriger Feldspath. Kleine Nester einer dunkel grasgrünen Substanz, bb lo. 22. Dunkel blutrother Hornstein. Splittriger Bruch in'ö Kleinmuschlige, von feinen Quarzadern durchzogen, tu. 22. 23. Ausgezeichnet muschliger Hornstein. Licht spargel- grün, schimmernd, schwacher Wachsglanz. Beyde Hornsteine, besonders der erstere, fehlen wohl in keiner Schicht, sie sind aber immer nur sparsam und in sehr geringem Verhältniß beygemengt. 24. Ein Sandstein, den man leicht für Nogenstein halten könnte. Er braust heftig auf i'n Säuren; die agglutinirten Körner sind unauflöslich, hart, unschmelzbar, grau, schwarz, röthlich u. s. w.; wahrscheinlich Kieselarten, von ungefähr » 124 II. Cap. Zweyter Abschnitt. 5 Deeimillim. Durchmesser; die meisten rund , einige mit Krystallfiächen. Sie find vom Kalk sehr fest umschlossen , dieser ist aber überwiegend und der Stein zerfällt in Säuren zu Sand. Schmutzig violet/ in's Wachsgelbe. tu. 41, Auch dieser Sandstein erschein in allen Schichten wieder, aber nie in größerer Menge. ,26. Feste, sehr feinkörnige Sandsteine mit Kalkeement, zum Theil von Kalkspathadern durchzogen. Quarzkörner, so enge zusammengedrängt, daß der Stein ein Quarzfels scheint, mitunter auch dunkelgrüne Körner. Der Bruch uneben in'6 Splittrige. Graulichbraun, ochergelb. ml. 46, 48. Es sind zum Theil dieselben bräunlichen Sandsteine, die auch in der Guggisbergnagelfluh vorkommen. 26. Fester, grobkörniger Sandstein. Körner von Quarz vorherrschend, auch Körner von Hornstein, Kieselschiefer, weißem Feldspath; von sehr ungleicher Größe, bis zu 2 Mil- lim. Durchmesser. Kalkiges Bindmittel. Schwach bräun- lichgelb in'S Graulich- und Bräunlichweiße. ml. 65. Den Gurnigel- oder Bäuchlensandfteinen nicht unähnlich. Wir haben gesehen, daß zu Ralligen die Nagelfluhlager, mehr Blöcke als Gerölle einschließend, horizontal an die Ral- ligermergel anstoßen. ES ist schwer, in den wilden Tobeln zu einer allgemeiner« Ansicht dieser Nagelfluh zu gelangen; so viel ich bemerkte, schien mir die Mehrzahl der Gebirgs- arten, und besonders die großen Blöcke, aus zweifelhaften Ge- birgSarten, unter denen die Sandsteine (25) und (26) vorherrschten , und nur in sehr geringem Verhältniß aus Gebirgsarten nördlicher Abstammung zu bestehen. Große Gerölle oder Blöcke von rothen Graniten, oder Jurakalksteinen habe ich nie gesehen. Schon im Lehmerengraben verliert indeß die Nagelfluh zum Theil diesen außerordentlichen Charakter, und ihre Ge- 125 Gebirgsarten. Nagelfluh. rolle, so wie die der übrigen Lager dieser Gegend, sind mehr von gewöhnlicher Größe. Doch erscheinen noch hm und Wieder im Stammbach, sogar noch im Hünibach bey Thun, große Blöcke eingeknettet. Die Schichtung ist immer undeutlich bis gegen Oberhosen. Die Bergwasser haben zwar an mehrern Orten sich wohl bey 100 "- tief in das Nagelfluhgebirge eingefreffen, und siürzen in Schrunden mit senkrechten, oder überhangenden Wänden, zuweilen nur so weit von einander abstehend, als der Bach Breite hat, dem See zu. Aber die lehrreichsten Stellen sind meistens ganz unzugänglich, und an den übrigen, zum Theil auch noch sehr hohen, ist selten eine Spur ' von Absonderung sichtbar. Mit einiger Aufmerksamkeit entdeckt man indeß einzelne dünne Zwischenlager, oder eher platte Nester eines molasseähnlichen Sandsteins. In der Nähe von Ralligen scheinen dieselben noch ganz horizontal; aber oben am Guntenbach, bey Sigriswyl , fallen sie schon mit etwa 15° südlich. Noch mehr gegen Thun zu wird das südliche Fallen immer deutlicher, und erreicht zwischen Ober- hosen und Steffisburg einen wohl zwey Stunden durch anhaltenden Winkel von 30 bis 40 Die Riesentreppe am nördlichen Fuß des GrüsiSberges, aus 10 "- dicken, über einander aufsteigenden Nagelfluhlagern gebildet, offenbart, ob- schon mit Wald und Weiden bekleidet, und Wohnungen auf ihren Stufen tragend, die innere Struktur dieses GebirgS bis weit in die Ferne. Die Beschaffenheit der Nagelfluh scheint zwischen Ralligen und Dießbach nicht unwichtige Abänderungen zu erleiden. In der Höhe des Gumenbachs sind noch, wie zu Ralligen, die harten . Sandsteine und grünen Granitarten vor- herrschend. Im Hünibach, am Ende des See'S, mischen sich Nester von grobem Sandstein und dem früher beschriebenen harten 126 II. Cap. Zweyter Abschnitt. rothen Mergel ein. Auch hier noch sind harte Sandsteine vorherrschend , doch auch die Granite häufigvorzüglich ausgezeichnet/ in den mannigfaltigsten Varietäten die Art (6). Die Schichten fallen hier mit 28 ° gegen 170°. Am Fuß des GrüsisbergeS/ bey Glockenchal / findet man bis in etwa Höhe denselben harten / aber durch'6 Wasser langsam aufgeweichten , rothen und blaulichgrauen Mergel , mit starkem Kalkgehalt / und an einzelnen Stellen selbst in dichten Kalk übergehend; im Kleinen krummschiefrig / im Großen'geradschiefrig abgesondert. Ueber demselben eine bey 20 ™ hohe Nagelfluhschicht mit einzelnen Molasseneftern. Die kleinkörnigen / röthlichweißen Granite der Art (6)/ die rothen Granite überhaupt/ und die unvollkommnen Porphyre (17) sind hier vorherrschend. Im Lauenengraben / einem wilden Tobel nördlich von Glockenchal/ ist man im Liegenden der 10 biö 20 Meter mächtigen Einlagerung von buntem Mergel.'f.Dieß Liegende besteht aus abwechselnden Molasse- und Nagelfiuhschichten/ zum Theil auch nesterförmigen Einmengungen der einen in die andre/ bey 10 ™ tief; dann folgt wieder bunter Mergel// bis auf eine untere Nagelfluhschicht. Die Granitartcn/ grüne und röthlichweiße/ find hier vorherrschend/ in weniger starkem Verhältniß erscheinen die ganz rothen Granite. — Die mächtige Einlagerung von Mergel und wenig festen Molasselagern / hat in früherer Zeit wahrscheinlich sehr zerstörende Einstürze am Grüsisberg verursacht/ und vielen Antheil an seiner gegenwärtigen/ hier bedeutend eingebogenen Gestalt genommen. Auch die Einstürzungen bey Oberhofen rühren wohl aus einer ähnlichen Ursache her. Noch nördlicher/ an der Dornhalden/ wird das Bind- mittel der Nagelfiuh zu wahrer , gemeiner Molaffe , die auch ohne Gerölle in Zwischenlagern und Nestern erscheint. ES scheinen hier die dunkeln harten Sandsteine wieder vorherrschend/ auch die Granitporphyre find sehr häufig. 127 Gebirgsarteu. Nagelfluh. Ungefähr eine Stunde unterhalb Thun, an der Heim- berg - oder Riederenfluh, smd rothe Granite wieder in großer Menge und Mannigfaltigkeit vorhanden. Sie find auch größ- tentheils sehr gut erhalte«/ und fitzen ungemein fest und so dicht in einander / daß man fast kein Bindmittel gewahr wird. An der Falkenfluh endlich find die Porphyre (M und die rothen Sandsteine (2) sehr vorherrschend , auch die grünen Granite nicht selten; aber die rothen scheinen nur in sehr schwachem Verhältnisse vorzukommen. Die Gerölle fitzen auch hier sehr fest in dem harten Sandstein ihres Bindmittels. Die Mächtigkeit dieser Nagelfluhablagerung erscheint ungeheuer/ wenn man/ was allerdings das Natürlichste ist/ die Ursache der geneigten Lage ihrer Schichten in einer / allen gemeinschaftlichen/ Einsenkung oder Erhebung sucht/ und also die nördlichsten Schichften als die tiefsten/ die südlichsten alö die jüngsten betrachtet. Nimmt man / um nur ein Minimum zu bestimme»/ an / die unterste Schicht liege irr der Gegend der Rothache/ die oberste bey OberhofeN/ und im Zwischenraum fallen die Schichten mit 25° südlich/ so ist die senkrechte Dicke der Ablagerung gleich 3500 --°/ waö mehr als 2 A Schweizerstunden beträgt/ und der senkrechten Höhe unsrer höchsten Gebirge über's Meer nahe kommt! Man kann fich aber auch vorstellen/ es haben in der früher horizontalen Nagelfluhdecke mehrere partielle Einsenkungen statt gefunden/ und die verschiedenen GebirgSzüge/ in die fich die ganze Ablagerung theilt / stehen ungefähr in demselben Verhältniß zu einander , das man auch zwischen dem südlicheinfallenden Kalk und der daran stoßenden Nagelfluh voraussetzt. Die äußere Gestaltung des Landes ist dieser Annahme theils günstig/ theils entgegen; es scheinen einerseits wirklich innert dem Gebiet der Nagelfluh fich Spuren von Längenthä- lern zu finde»/ die wohl nicht anders/ als durch innere Einsenkungen längs der Streichungslinie zu erklären seyn möchten ; andrerseits aber bildet die Blume hinter SigriSwyl 128 II. Cap. Zweyter Abschnitt. gleichsam ein Centrum, an das sich die ganze Masse zwischen Ralligen und Thun, ohne bedeutende Einschnitte zu erleiden, anschließt, so daß man nicht wohl einsieht, wie die Lager hier bey gleichem Fallen nicht auch einander aufliegen sollten. Nähme man aber alle Lager zwischen Oberhofen und Thun als zu einem Ganzen gehörend an, so brächte man doch die Dicke der Ablagerung nur etwa auf die Hälfte, oder % Schweizerstunden, herunter, was immer noch allen Glauben übersteigt. Gruppe der Bäuchlen und Lochseite. Wir haben am nördlichen Fuß der Bäuchlen noch Nagelfluh gefunden voll rother und grüner Granite, Porphyre n. s. w., ganz mit den Geröllen der Thunergruppe übereinstimmend. Höher nun folgt eine lange Reihe von Lagern, welche, gleich wie die des Hürndli und der Lochseite, fast ausschließlich Gerölle von Kalkstein und Sandstein enthält, kaum von der Größe eines Ey's, und so dicht in einander gefügt, daß man nur mit Mühe das Bindmittel gewahr wird. Die Einförmigkeit und die meist grauen oder schwarzen Farben dieser Nagelfluh stehen in auffallendem Contrast mit der bunten. Mannigfaltigkeit der tiefern Lager. Die große Mehrzahl der Gerölle besteht aus folgenden Gebirgsarten: 1. Dichter Kalk, dunkel rauchgrau in's Bräunliche, großmuschliger Bruch mit sehr feinsplittriger Bruchfiäche, von weißen Kalkspathadern durchzogen, lc. 6. 2 . Dichter Kalk, hell bräuulichgrau, in kleine, eckigte Bruchstücke zerspaltend, die Bruchfläche von sehr vielen mikroskopischen Splittern schimmernd. Mir Nestern von dunkelgrauem Feuerstein, lc. 12 . Beydes Kalkarten der zunächst anstossendcn Ketten. 3. Sehr fester Sandstein, graulichschwarz, von äusserst feinem, auch mit bewaffnetem Auge nicht erkennbarem Korn. Rauhe, V29 Gebirgsarten. Nagelstuh. Rauhe/ durch feine Pünktchen schwach schimmernde Bruchfläche. Diese Pünktchen scheinen weißer Glimmer; derselbe zuweilen auch in großem Blättchen ausgesondert. In Säuren aufbrausend/ aber nur wenig auflöSlich/ der Rückstand/ ohne Veränderung der Form oder Festigkeit/ einem schwarzen dichten Kalk ähnlich. Vor dem Löthrohr stch mit einem durchsichtigen Glas überziehend/ ohne ganz zu schmelzen. Von Adern durchzogen/ dte aus Quarz/ scheinbar in Körnern/ und Glimmer besteh»; grobkörniger und Heller als die übrige Masse. Theils unabgesondert/ theils mit Anlage zum Krumm - und Dickschiefrigen. Ich lasse eS unentschieden/ ob es wirklich ein Sandstein sey/ oder eine chemische Mi- schung von Quarz/ Thon und Kalk. ie. 5 . 8 . 9. ES ist der in den Hintern Alpemhälern und unter den großen Geschieben der niedrigen Gegenden häufige sogenannte Eisenstein. 4 . Fester/ feinkörniger Sandstein/ mit noch erkennbarer Sandsteinstructur/ rauhem Bruch in's Feinsplittrige/ bräunlichgrau. lc. 10, Den Sandsteinen dieser Gruppe vollkommen ähnlich/ und wahrscheinlich von den nächst angrenzenden Lagern her- stammend. Er könnte indeß auch der ältern Sandsteinformation angehören/ die auf den himern Kalkketten , dem Hoh- gant/ z. B./ vorkömmt/ Ebels Alpensandstein. Auf dem Rücken der Bäuchlen mengen sich diesen Geröllen bunte Urgebirgsarten bey/ und die Mannigfaltigkeit wird wieder etwas größer/ doch bleiben die Kalk-und Sandsteine der Alpen immer sehr vorherrschend. Es finden sich darunter: 1. Groß- und kleinkörniger Granit/ zum Theil beyde mit einander verwachsen. Sehr wenig Quarz/ weißer und grmckichweißer blättriger Feldspath/ rabenschwarzer Glimmer in größern Blättern. Manchen Alpengraniten ähnlich, hc. 5. 17. 9 130 II. Cap. Zweyter Abschnitt. 2. Feinkörniger/ granitartiger Gneus/ graulichweißer Quarz/ röthlichweißer t stellenweise dunkel pfirsichblüthrother Feldspath/ dunkel tombackbraune und einzelne weiße Glim- merblättche«/ nesterartig angehäuft, bc. 1 5 . 16 . Es ist dieselbe/ den Alpen fremde Gneusart/ die wir bey Thun gefunden, (tu. s 4 .) 3 . Conglomerat. Erdige/ blurrothe Grundmasse/ mit eingewickelten weißen Quarz - und Feldspathkörnern / und größer«/ aus weißem Feldspath und vielem schwarzem Glimmer gemengten Stücken, bc. 22. Einer Abänderung des Sernfter - Conglomerats sehr ' ähnlich. 4 . Nagelfluh. Theils kleinkörnig/ so daß man ste noch als Sandstein betrachten könnte/ theils Gerölle von 1 Centim. enthaltend. Die Gerölle bestehen aus Feuerstein / schwarzem und rothem Kieselschiefer/ äusserst feinem gelblichem Sandstein mit Kalkcement/ weißem Quarz/ dichtem hellgrauem und. graulichschwarzem Kalk. Das Bindmittel ist ein aus denselben Bestandtheilen zusammengesetzter Sandstein/ der mit Säuren heftig brauöt. bc. 9. 20. ES ist dieselbe Nagelfluh / die auch in den obern Schick), ten des Rigi so häufig vorkömmt und zum Theil/ als Zeuge eines uralten Conglomeratgebirges / das man nur noch in seinen Trümmern findet/ großes Aufsehn erregt hat. Ich wäre geneigt ihren Mutterort in nicht großer Entfernung zu suchen und ste als Bruchstücke vom Bindmittel derselben Nagelfluh zu betrachte»/ in der ste als Geröll erscheint. Es ist ja gewöhnlich der» Fall/ daß unter den Geröllen der Conglomerare auch die GebirgSarten stch finden/ mit denen sie abwechseln/ oder denen ste aufliegen. 131 Gebirgsarten. Nagelfluh. Gruppe des Emmenthals. ES ist nicht mein Zweck/ unter diesem Titel in eine weitläufige Beschreibung der Emmenthaler Nagelsiuh einzu. treten/ die Hülfsmittel/ die ich besitze/ würden hiezu lange nicht ausreichen. Ich habe zwar Gerölle an vier Punkten gesammelt/ die mir zweckmäßig gewählt scheinen/ um zu einem Ueberblick der ganzen Formation zu gelangen; nämlich/ in der Gegend von Schangnau/ bey Eggiwyl/ auf dem Schärlig bey Kurzenbach und bey Grünenstein zwischen Trubschachen und Kröschenbrunn; aber an allen diesen Orten war die Mannigfaltigkeit der Gerölle so groß , daß ich kaum zu einer klaren Einsicht über das Vorherrschen der einen GebirgSart gegen die andere gelangte/ und gar nicht hoffen darf/ auch nur die Mehrzahl der verschiedenartigen Ge- steine gesammelt zu haben. Auch die Lagerung ist mir nur in den beyden Thälern der Emme und Jlfis näher bekannt/ in die Seitemobel/ des letztem besonders/ und an die Ostseite des Napfs bin ich noch nicht vorgedrungen. Indeß glaube ich/ daß die Sätze/ die ich in letzterer Hinsicht aufstellen werde/ wenig bedeutende Abänderungen von neuen Untersuchungen zu befürchten haben/ und ziemlich allgemein auf das ganze vom Napf beherrschte Gebiet von Schangnau bis Luzern/ oder bis zum Ende der großen Nagelfluhabla- gerung ausgedehnt werden können. Saussure hat der Untersuchung der Emmegerötte ein eigenes Capitel in seinen Reisen gewidmet. Die Gerölle der kleinen Emme sammelte er 'zu Luzern/ die der großen scheint er entweder durch Corresponden; erhalten/ oder im untern Emmenthal/ vielleicht in den Gegenden von Kirch- berg untersucht zu haben. Sein Kennerblick sagte ihm sogleich/ daß diese Gerölle nicht aus unsern Alpen stammen könnten./ und er stellte daher zuerst die Vermuthung auf/ daß dieselben aus nördlichen Gebirgen möchten hergeschwemmt worden seyn. 132 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Daß Saussure nicht höher an beyden Emmen angestiegen war, hatte indeß zur Folge/ daß er in einen doppelten Irrthum über die Natur dieser Gerölle verfiel. Da die Nagelfluh/ die er näher gesehn haben mochte/ die von Vevay nämlich und die vorn Rigi/ ihm nur Kalk/ Feuersteine und Sandsteine dargeboten hatte/ so glaubte er/ jene Gerölle seyen unmittelbar aus Norden an die Stellen geschwemmt worden/ wo er fie gesammelt/ und bezweifelte sogar/ daß man ste südlicher gls Bern noch finden würde. Hätte er an den obern Ufern jener Ströme das Nagelfluhgebirge untersucht/ und in ihm den seeundären Stammort der Mehrzahl der ihm so auffallenden Skeinarten/ gefunden/ vielleicht würden seine Ideen über die letzten Revolutionen der Erde wichtige Modificationen erlitten haben. Hätte er ferner diese Nagelfluh und die hinter ihr liegenden Gebirge näher kennen gelernt , so wüüde er gewiß auch die zweyte Klippe vermieden und nicht wahre Aboriginer/ die Num- muliten der Aubrig/ die in der Frist vieler Jahrtausende nur von Wäggithal bis Zürich/ und von den Schratten nach Burgdorf gekommen find/ mit nordischen Abkömmlingen verwechselt haben. ES scheinen nicht alle Schichten der Emmemhaler Na- gelflnh aus denselben Geröllen/ oder wenigstens nicht in gleichen Verhältnissen/ zusammengesetzt. Vielleicht zufällig/ habe ich nirgends die rothen Granite und Porphyre vorherrschend/ und die Mandelsteine überhaupt nur sehr selten gefunden. In der Nagelfluss von Schangnau glaubte ich am meisten feine Sandsteine zu sehen. In derjenigen von Eggi- wyl/ zunächst dem Dorfe/ konnte ich zu keiner Uebersicht gelange«/ rothe Granite/ grüne Granite/ Gabbro's/ fremde Kalkarten lagen in größter Mannigfaltigkeit durcheinander; aber etwas nördlicher bestand in einer der Molasse untergeordneten Schicht die Mehrzahl aus Quarzarten. Eben so mannigfaltig wie zu Eggiwyl fand ich die Nagelfluh zu Kurzen- 133 Gebirgsarten. Nagelfluh. bach, besonders die grünen Granitarten zeigten flch da in allen Abänderungen/ welche die Gruppe des Belpbergs und LängenbergS auszeichnen. Bey Trubschachen hingegen schienen mir Quarzarten/ einheimische Kalkarten/ feine Sandsteine und überhaupt wenig ausgezeichnete Steinarten vor- zuherrschen. Im Allgemeinen ist mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen/ dieß beweisen die Gerölle im Flußbett der Emme, die uns ungefähr als ein Mittel aus sehr vielen Schichten dienen können/ daß die Urgebirgsarten in der Emmenthaler Nagelfluh in weit ftärkerm Verhältnisse stehen/ als die Kalk-und Sandsteinarten/ und die Gerölle nördlicher oder ungewisser Abstammung ebenfalls in stärkerm Verhältniß/ als diejenigen alpinischer Herkunft. In so fern findet also eine große Aehnlichkeit zwischen dieser und der Thunergruppe statt; aber wenn wir nun auch Geröll für Geröll vergleichen/ so sehn wir bald/ daß wir uns übereilt hätten/ wenn wir bey jener allgemeinen Anficht stehen geblieben wären. Nicht daß fich keine identischen Gebirgsarten in beyden Gruppen vorfinden/ besonders unter den rothen und röthlichen Graniten und rothen Porphyren ; aber das Verhältniß derselben zu den verschiedenartigen ist dennoch so gering/ daß man kaum annehmen darf/ man sehe hier die Fortsetzung der Schichten von Thun vor fich. Die in diesen so häufigen unvollkommenen Porphyre (17)/ die Granitporphyre (3, 4), die Jurakalkarten fehlen im Emmenchal entweder ganz/ oder find doch sehr selten; dagegen find die hier so häufigen grünen Granite/ die Serpentine und grünen Porphyre / bey Thun in äusserst geringem Verhältniß/ die so ausgezeichneten Mandelsteine und Vario- Uteit / auf deren Beschreibung Saussure vorzügliches Gewicht legt/ scheinen ganz zu fehlen. . Weit näher steht hingegen diese Gruppe, in Rücksicht ihrer Gerölle , der Gruppe des Belpbergs. Die grünen Granite, die körnigen Quarze, die Serpentine, selbst viele 134 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Nuancen rother Granite/ die ich im Belpberg/ aber nicht bey Thun gefunden/ smd beyden gemein und in beyden vorherrschend/ und wenn die Mandelfteine im Belpberg zu fehlen scheine«/ oder in der That fehle«/ so darf uns dieß eben nicht wundern / da sie auch im Emmenthal selten vorkommen. Für die nähere Beschreibung dieser Gerölle verweise ich auf die folgende Gruppe und für diejenige der Mandel- sieine auf Saussure. Daß die Gruppe deö Emmenthals näher mit derjenigen des Belpbergs/ als mit der Thuner zusammensiimmen werde/ hätten wir übrigens schon au§ den Lagerungsverhältnissen vermuthen können. Beyde gehören nämlich schon in die Reihe der nördlich fallenden Gebirge/ und müssen daher zu der Zeit/ als die uns unbekannte Kraft die Nagelsiuhformation aus ihrer ursprünglich horizontalen Lage in der Mitte erhob/ oder an beyden Enden einsenkte/ in ähnlichen Verhältnissen/ oder gar im Zusammenhang gestanden habn. — DaS nördliche Fallen ist besonders deutlich in dem Gebirge zwischen der Emme und Jlfis/ es zeigt sich am Ufer der Emme/ nur langsam gegen Norden zu abnehmend/ selbst bis Signau; am Jlsisufer hingegen lenkt es / wie schon bemerkt worden / bereits in's Horizontale um. Von Schangnau bis Schupfen macht der Thalboden die Scheide zwischen dem nördlich und südlich fallenden Gebirge, aber von Schupfen abwärts liegt das Entlebuch ganz im Gebiet der nördlichen Einfenkung und schließt sich an die Gruppe von Luzern an. Der Uebergang in'S Horizontale scheint allgemeine Regel; entweder so, daß die früher nördlich fallenden Schichten sich umbiegen und horizontal fortlaufen/ oder daß die Mächtigkeit gegen die Tiefe zu anwächst/ so daß die obern Lager auf eine weniger geneigte Ebene zu liegen kommen. Es ist meistens unmöglich zu entscheiden/ welche von beyden Ursachen anzunehmen sey, da das Anstehende oft unterbrochen 135 Gebirgsarten. Nagelfluh. und die Veränderung der Winkel so gering ist/ daß man selten ein Lager auf größere Distanzen hin verfolgen kann. ° Au6 dem nämlichen Grunde ist man auch in Verlegenheit zu bestimmen/ wie man sich das Verhältniß der Nagelfluh zu der nördlich daran stoßenden Molaffe zu denken habe. t Die Neigung der Schichten scheint zu gering/ um ein ' Unterteufen der Nagelfluh unter die Molasse zu rechtfertige»/ und wo die Lagerung horizontal ist/ fällt diese/ freylich sehr einfache , Erklärung von selbst weg. Untersuchen wir aber die Grenzen beyder GebirgSarten selbst etwas genauer/ so finden wir ringö um das Nagelfluhgebirge herum , in dessen Mitte sich der große Horden erhebt/ eine bald weitere/ bald schmälere Zone abwechselnder Molasse - und Nagelfluhschichten ausgebreitet; oft halten sich beyde Gebirgsarten das Gleichgewicht/ oft ist die eine/ oft die andere vorherrschend/ die Lagerung meist horizontal oder dem Horizontalen genähert/ selten bedeutend nördlich fallend. Zu dieser Zone gehört die ganze Gruppe des BelpbergS und Längenbergs/ die ich bald näher beschreiben werde/ um dnrch ein einzelnes Beyspiel auch den Detail dieser Verhältnisse aufzuhellen; die Stadt Bern liegt an ihrer westlichen Grenze; von da nimmt sie nordöstliche Richtung/ schließt die Stadt Burgdorf ein > die man als ihren nördlichsten Punkt betrachten kann/ und breitet sich dann/ dem östlichen Abhang des Ahorni und Napf in einiger Entfernung folgend/ in's untere Entlebuch und in die Gegend um Luzern aus. Die Mannigfaltigkeit der Gerölle dieser mit Molasse wechselnden Nagelfluh ist eben so groß/ als im Emmenthal/ sowohl in jeder Schicht für sich betrachtet/ als zwischen verschiedenen Schichten. Viele enthalten die buntesten rothen und grünen Granite/ Porphyre u.s. w./ andere vorherrschend nur grüne Granite/ wieder andere fast ausschließlich Quarzgerölle/ oder alpinische Kalkarten und Grauwacken. Ein allgemeines Gesetz dieser Abwechslungen wird sich kaum auf- 136 II. Cap. Zweyter Abschnitt. j finden lassen. Die Gerölle/ welche den Alpen fremd scheine»/ > stimmen/ sowohl im Allgemeinen als Stück für Stück/ mit den Geröllen des Emmenthalö vollkommen Verein. - ! So findet' man am Blasen / der recht mitten in dieser Zone liegt und wohl seine iioo m Höhe haben mag/ im An- ! ' steigen .von Langnau her/ erst einen kleinen Bruch lockerer ! Molasse mit harten abgeplatteten Knauew/ in horizontaler j Lage; über demselben eine dünne Schicht kleiner Gerölle/ auch nur durch diese Molasse verküttet. Auf der Höhe / wo | die Südwestseite vom Gipfel bis zu einer sehr beträchtlichen Tiefe aufgerissen ist/ und steile Felswände zeigt/ eine Menge abwechselnder Molasse- und Nagelfluhschichten/ von verschiedener Mächtigkeit/ horizontal liegend; die Nagelfluh behauptet das Uebergewicht/ die Molasselager haben oft nur2Deeim. Mächtigkeit/ die Nagelfluhlager oft 5 m ; die unterste Schicht der Felswand/ ungefähr 3o m unter dem Gipfel/ besteht aus einem sehr feinen/ fett anzufühlenden hellblauen Mergel/ bey 8" mächtig / tiefer folgt wieder Nagelfluh. Das Bindmittel der Nagelfluh ist ein grober/ harter Sandstein/ ihre Gerölle meist Alpenkalk/ Alpengrauwacken/ weißer Quarz/ doch feh- len auch die bunten Granite nicht. In dieser Zone vor- j züglich ist das früher erwähnte Vorkommen zerstreuter Gerölle in Molasseschichten/ der dünnen/ nur ein oder wenige Gerölle in der Dicke haltende»/ Gerölllager/ oder auch dickerer Lager mit Molaffebindmittel/ das ohne Unterbrechung mit der obern oder untern Molaffe zusammenhängt/ sehr gewöhnlich. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient aber auch die Erscheinung größerer oder kleinerer Nester und stockförmiger Anhäufungen von Nagelfluh in der Molasse/ die freylich den Molasscnestern im Nagelfluhgebirge analog find/ aber sich durch ihren weit größer« Umfang vor ihnen auszeichnen. Man steht solche Nester/ von vielen Metern Ausdehnung und Dicke/ unten an den Felswänden bey Burgdorf/ und kann daselbst ihren ganzen Umriß verfolgen; noch andere werden i Gebirgsarten. Nagelfluh. 137 i wir in der Gruppe des BelpbergeS kennen lernen. Wahrscheinlich gehören auch viele Nagelfluhlager in diese Classe/ und werden nur für Lager gehalten/ weil ihre Begrenzung bedeckt ist; es ist wenigstens sehr auffallend/ bey horizontaler ! Lagerung/ oft an der einen Thalwand dicke Nagelfluhlager j zu seh»/ an der andern in gleicher Höhe nur Molasse; oder/ ^ in der Fortsetzung derselben Thalsette/ an durch Wald und Vegetation getrennten Felsen oft keine Spuren der Nagel- | fluh des einen an dem zunächst liegenden wiederzufinden. Bey- ■ spiele dieser sonderbaren Erscheinung werde ich ebenfalls in i der folgenden Gruppe geben. Die Gesammtheit dieser That- ! fachen scheint einiges Licht auf den dunkeln Zusammenhang des Nagelfluhgebirges mit der Molasse zu werfen. Man sollte ihnen zufolge glaube»/ daß mehr eine Appofition als Superpofition statt habe/ daß die Nagelfluhlager bey ihrer Annäherung zur Molasse von ihrer Mächtigkeit verlieren und Molasselager eindringen lasse«/ bis zuletzt die Molasse so vorwaltend wird/ daß die Nagelfluh nur noch« getrennt/ an ! Stellen/ die ihrer Ablagerung besonders günstig seyn mochten/ aufzutreten vermag. j Wir hätten demnach bis dahin drey Arten des Zusammenhanges zwischen Nagelfluh und Molasse kennen gelernt. In der Bäuchlengruppe und am Rigi/ wahrscheinlich auch im Allgau und überhaupt in allen südlich eingesenkten hohen Nagelfluhgebirgen/ liegt die Nagelfluh in dicken Schichten auf dichter/ grobkörniger oder fester Molasse/ und wechselt an der Grenze eine längere Zeit hindurch mit ihr ab/ in regelmäßigen gleichförmig dicken Lagern. In der Gruppe von Guggisberg/ und überhaupt in der westlichen Schweiz/ ruht die Nagelfluh/ in der Tiefe gleichfalls mit längerer Abwechslung beyder Steinarten/ auch auf gemeiner Molasse/ und diese greift zum Theil selbst unter ihr durch / und erscheint an ihrer Südseite (Guggisberg); doch wird die dichte/ grobkörnige und feste Molasse hiedurch nicht verdrängt (Vevay/ 13a II. Cap. Zweyter Abschnitt. Latour). In den nördlich fallenden Nagelfiuhgebirgen scheint die ganze Nagelfluhmasse ungeheure stockförmige Einlagerungen in der Molasse zu bilde«/ über die sse in der Höhe/ da wo sie am mächtigsten ist/ bedeutend hervorragt/ während an den Seiten/ theils ihre Schichten mitnbnehmen- der Mächtigkeit sich in der Molasse austeile«/ theils als kleinere stockförmige Lager und Nester/ wie Satelliten ihren Planeten/ sie umgeben. Gruppe des Belpbergs. Der Belpberg mit dem Längenberg und Gurten liege«/ wie schon bemerkt worden/ in der Zone abwechselnder Nagelfluh- und Molaffeschichten. Das Schwarzwasser trennt diese Gruppe von derjenigen von Guggisberg; ungefähr wenig- ; stenS/ denn es kommen auch noch Theile der Belpberggruppe ! jenseits dem Schwarzwasser vor. Die Nagelfluh ist noch sehr mächtig im Belpberg/ ich wüßte nicht zu sagen/ ob sie oder die Molasse vorherrschend sey. An der Ostseite fallen die Schichten schwach südlich/ an der Nordweftseite/ also gerade über Belp/ schwach nördlich / wie die gegenüber liegenden Schichten des LängenbergS; es scheint also eine Art von Umbiegung im Innern des Berges statt zu haben. In der Tiefe muß man die Schichten für ganz horizontal halten. — Die ganze Masse des Berges läßt sich mit ziemlicher Sicherheit in fiinf Stockwerke oder Lager theilen; nämlich/ von oben abwärtö/ mit Uebergehung der tiefer einwärts auf dem obern Plateau noch vorkommenden beträchtlichen Erhöhungen / deren innere Beschaffenheit durch Vegetation verdeckt ist. (S. Taf. l. Fig. 4.) l) Nagelfluh/ von verschiedener Mächtigkeit/ oft bey 30 m dick. Theils unbedeckt/ besonders an der nordwestlichen und östlichen Seite / theils wenig mächtige gemeine 139 Gebirgsarte». Nagelfluh. Molasse tragend. Sie enthält nicht selten Bruchstücke dicker Austerschale«/ und an ihrer untern Ablösung an mehreren Stellen sehr viel zum Theil gm erhaltene Perrefacten. 2) Gemeine Molasse/ theils in dicken Schichte»/ theils schiefrtg/ bey loo m mächtig. Im obern Theil und gegen die Mitte zu stnd ihr die reichen Petrefaetenlager untergeordnet. 3) Nagelfluh / ungefähr 3 o m mächtig. Meist mit gemeiner Molasse als Kütt und nach oben/ durch allmählige Abnahme der Gerölle/ sich in dieselbe verlaufend/ nach unten scharf begrenzt. A) Feste Molasse in deutlich abgesonderten Schichten. Bey 20 m mächtig. Dieses/ so wie das folgende/ nur selten zum Vorschein kommende Lager ist sehr deutlich am Marchbach/ gegenüber Münsingen/ zu beobachten. Die Molasse ist in Schichten von 1 — 2 Decim. abgesondert/ die an den Seitenwänden des TobelS hervorstehe«/ wie die harten Schichten des Gurnigelsandsteins / und im Bett des Bachs breite und sehr ebene Stufen bilden. Die Absonderungen stnd mit Glimmerblättchen bedeckt. Ein blauer sandiger Mergel bildet Zwischenlager/ die feste Molafse ist aber vorherrscheüd. In einigen Schichten steht man schalige Absonderungen/ die stch um Knaucr von einigen Decim. Durchmesser herumbiegen. Nach längerm Steigen gelangt man zu senkrechten Nagelfiuh- wänden. Die Trennung zwischen beyden Gebirgsarten ist ganz scharf/ aber sehr uneben/ eö ist als ob größere Blöcke Molasse von eckigten Formen auf der obern Fläche der Molasse gelegen hätten/ als die Nagelfluh stch abfetzte. Die Nagelfluh selbst enthält noch Nester von Molasse. 'B) Nagelfluh/ durch gemeine Molaffe nur locker verküttet/ mit untergeordneten Molasselagern/ nach und nach/ durch 140 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Abnahme der Gerölle, in die obere feste Molasse übergehend. Vom Aarnfer bis etwa in 25-° Höhe. Die Verschiedenheit der Lager nach ihren Geröllen zwingt mich hier von der bisherigen Behandlungsart abzuweichen, indem nothwendig aus dem-Verschmelzen aller Lager in eine gemeinschaftliche Darstellung ein unrichtiges Bild aller, so wie jedes einzelnen, entsteh» würde. Ich werde daher jede der drey Nagelfluhmassen besonders untersuchen, und auch die beyden obern noch ferner zertheilen, wenn sie an verschiedenen Punkten zu sehr unter fich abweichen sollten. Obere Nage lfl u bma,'se: Bey Hohburg, 230-° über Belp. Beträchtliche Felsen, die fich, von der nordwestlichen Ecke des Berges an, durch mehrere Tobet ziemlich weit an der Westseite verfolgen lassen. Man findet hier viele Gerölle wieder, die zu den ausgezeichnetsten der Thunernagelfluh gehören: kleinkörniger Granit mit fleifchrothem und seladongrünem Feldspath; dichter dunkel blaulichrother Feldspath mit ausgesonderten gleichfarbigen Feldspathprismen und stark glänzendem Quarz; dichter graulichgrüner Feldspath mit ausgesondertem stark glänzendem Quarz. bp. 56. 60. 62. Vorzügliche Beachtung verdient aber eine Gebirgsart, die in den übrigen Lagern des Belpbergs nie fehlt, und auch der Emmenthaler Nagelfluh angehört. Es ist ein dunkelgrünlichgrauer, körniger Quarz mit starkem Firnisglanz, mit einzelnen weißen und schwarzen Glimmerblättchen und kleinen eingesprengten Schwefelkieswürfelchen. Der Stein braust schwach auf mit Säuren, ohne aber zu zerfallen. Die Körner find zum Theil auch so deutlich begrenzt, daß man den Stein für einen Sandstein halten könnte. Es wäre wohl nur am Fels selbst zu entscheiden, welche Anficht die richtige sey. bp. 65. Gevirgsarten. Nagelfluh. 141 Nicht zu verwechseln damit sind: feinkörnige harte schwärzlichgraue Sandsteine/ welche dem feinkörnigen Gur- nigelsandstein/ oder alpinischen Grauwacken ähnlich sind. b?. 52. 70. Der Glanz ist für jene charakteristisch. Bey Gerzensee 200"über Belp. Am südöstlichen Ende des Berges. Die horizontale Nagelfluhfchicht wird durch fchiefrige Molasse bedeckt. Ich habe keinen einzigen rothen Granit gefunden/ hingegen in beträchtlicher Menge die grünen Granite des Em- menthals. Vorherrschend sind aber deutliche alpinische Ge- birgsarten/ dunkle Kalksteine und Grauwacken/ Kalk mit Kiesel gemengt und mit weißem Glimmer u. f. w. Durch diese Bestandtheile weicht die Schicht so stark von der gewöhnlichen Nagelfluh ab/ daß ich sie wohl für eine neuere Anschwemmung erklären möchte/ wenn in ihren Lagerungs- Verhältnissen irgend ein haltbarer Grund dafür aufgefunden werden könnte. Die ausgezeichnetste Granitarc ist: ein Granit von mitt- term Korn/ fpangrünem dichtem Feldspath/ dunkelgrauem stark glänzendem Quarz/ und in geringem Verhältniß rabenschwarzem Glimmer. Er zeigt zuweilen Anlage zu krumm- blättriger Absonderung. Auf : den Absonderungsflächen des FeldfpathS oft ein leichter Anflug von gelbem Eisenoxyd, welcher von der Verwitterung grünlichschwarzer Häufchen mit Fettglanz herzurühren scheint/ die sich fest an den Feldspath anschmiege»/ und vorzüglich die Neigung zur Äbson-., derung verursachen, gz.' 13 . 15 . Der Stammort dieser Granite ist mir unbekannt. Auch hier finden sich die fein- körnigen sandsteinähnlichen Quarzarten mit Firnisglanz. '' Mittlere Nagelskuhmasse. ■ ■ Unter Hohburg/ 100" über Belp. An einem Vor- sprung/ auf dem die Ruine des alten Schlosses von Belp steht. Es ist die tiefste Stelle/ an der bey Belp noch An- \A2 II. Cap. Zweyter Abschnitt. stehendes gefunden wird. Die Nagelfluh wechselt mit Mo- lasse. DaS Bindmittel ist ein grober/ weißlicher Sandstein/ in dem die Gerölle ziemlich fest sitzen. Die Gebirgsarten unterscheiden sich im Allgemeinen nicht wesentlich von denjenigen der Thuner Nagelfluh. Die rothen Granite stnd vorzüglich häufig/ auch die dunkelgrünen unvollkommenen Porphyre fehlen nicht; Kalkarten/ sowohl al- pinische als fremde/ habe ich/ vielleicht zufällig/ keine gefunden. Ausgezeichnet stnd: Inniges Gemeng von stark glasglänzendem Quarz / dunkelrothem Feldspat!) und einer feinzertheilten schwarzen Substanz/ vielleicht Hornblende/ die drey Bestandtheile in gleichem Verhältniß. Mit ausgesonderten großen FeldspathpriSmen von frischem Perlmütterglanz. Ein sehr schöner Porphyr, dp. 37. Wahrscheinlich/aus dem Schwarzwald. Inniges Gemeng von graulichweißem Quarz und rose- rothem Feldjpath/ mit ausgesonderten größer» Quarzkörnern. bp. 38. — Ein ganz identisches Geröll fand ich in der Wehr. . " . \ Feinkörniger Granit. Weißer und gelblichweißer blättriger Feldspach/ grauer Quarz/ kleine rabenschwarze Glimmer- blättchen/ in gleichen Verhältnissen. Der Feldspath liegt stellenweise in so'gleicher Richtung/ daß die Bruchfläche vollkommen den Effekt des Schillerfteins hervorbringt, bp. 46. Eine sonderbare GcbirgSart. Dunkelblutrother klein- muschkiger Hornftein/ mit starkem Wachsglanz/ übergehend in einen gleichfarbigen erdigen , ohne Glanz. In dieser .Grundmasse/ wie eingeknetet/ eckigte Stücke/ zum Theil von mehrern Centimetern Länge/ ohne regelmäßige Formen/ einer fpangrünen Steinart/ die ziemlich schwer zur schwarzen Schlacke schmilzt/ hart/ von unebnem / äusserst feinsplittrigem Bruch / schwach schimmernd. Diese Stücke hangen oft durch so schmale Bänder zusammen/ daß man an der gleichzeitigen Bildung derselben mit der Grundmasse kaum zweifeln kann. 143 Gebirgsarten. Nagelfluh. Die grüne Steinart zeigt sehr viel Aehnliches mit der bey". Thun (No. is) beschriebenen. Die Breccie ist so ausgezeichnet/ daß es nicht schwer halten sollten ihren Srammort mit Gewißheit aufzufinden. In d?n Alpen würden wohl aber alle Nachforschungen vergeblich seyn. Bey Oberaar/ 11 6 m über Belp. Aus dem obersten Theil des mittlern NagelfluhlagerS. Die Molasse/ welche in größerer Höhe die Petrefactenlager einschließt/ ist deutlich der Nagelfiuh aufgelagert/ und geht allmählig in dieselbe über/ so daß man nicht sagen kann/ wo die Nagelfluh anfängt und die Molasse aufhört. Unter den Geröllen find milchweiße/ grauliche/ gelbliche Quarze/ theils gemeiner/ theils Fettquarz/ vorherrschend; dann auch die glänzenden körnigen Quarze; ferner GneuS und Glimmerschiefer von alpinischem Character; rothe Granite und Alpenkalkarten fehlen nicht/ aber ihr Verhältniß ist sehr gering. — Die Mehrzahl der Gerölle scheint von einem zerstörten/ vielleicht alpinischen/ Talk-und Glimmerschiefer- gebirge herzustammen. Man kann zu diesen letzter» zählen : Milchweißer Quarz/ woran noch ein Stück dunkelgrauer Talkschiefer anfitzt/ der Quarz selbst ist von gelblichen seide- artig glänzenden Talkblättchen durchdrungen, oa. 74. Kleinflasriger Gneus. Vollkommene <^neusstruetur/ dem Glimmerschiefer fich nähernd. Der Feldspath gelblichweiß/ blättrig / gegen den Quarz vorherrschend; der Glimmer fein zertheilt/ aber in ganzen Lagen zusammenhängend/ stark schimmernd/ grünlichgrau und goldgelb in einander verwaschen. oa. 76. -Großkörniger Granit. Blaßbräunlichweißer/ stark glänzender und hellgrüner/ beynahe matter blättriger Feldspath/ ersterer vorherrschend und ausgezeichnet blättrig; graulichweißer Quarz; dunkel grünlichbraune Nester von halbverwittertem Glimmer, oa. 73. — Dieser Granit und die zwey 144 II. Cap. Zweyter Abschnitt. vorhergehenden Gerölle sind von alpinischen GebirgSarten nicht zu unterscheiden. Sowohl den Alpinischen Grauwacken/ als/ und noch näher/ den glänzenden körnigen Quarzarten verwandt ist eine Feinkörnige Grauwacke. Die Hauptmasse scheint schwärzlichgrauer/ schimmernder Thonschiefer/ fein zertheilt; in demselben dichte und späthige dunkelgraue .Kalktheile/ graulichschwarze stark firnisglänzende Quarzkörner/ silberweiße Glim- merschüppchen/ ocherbraune erdige Punkte, oa. 77. Ferner/, ein dunkel schwärzlichgrauer Quarz mit starkem FirniSglanz. Mit Anlage zum Schiefrigen. Im Quer brach splittrig mit vielen Splittern/ auf den Absonderungen mit sehr feine»/ fest anhängenden, weißen Glimmerschüppchen 6c* deckt. DsrH-uar; gegen den Glimmer so vorherrschend und die Neigung zum schiefrigen so schwach / daß man das Geröll nicht Glimmerschiefer nennen kann. Ein schwaches Aufbrausen mit Säuren und eine zwar undeutliche Anlage zu körniger Struktur läßt eher an eine Vereinigung mit dem vorhergehenden denken, oa. 78. Bey Unteraar/ 57---über Belp. An der untern Ablösung der Nagelfluh/ die hier deutlich einer/ wie sie/ horizontalen Molasse - und Mergelbildung aufliegt/ welche große Aehttlichkeit mit derjenigen am Marchbach zeigt. Die mit grauem Mergel wechselnden festen Molasselager sehen aus wie Kalkschichren im'Schiefergebirge. Die Nagelfluh ist Mars davon abgesondert. Der Kütt der Nagelfluh ist eine grobe lockere Molasse/ sehr verschieden von ihrer Grundlage/ und der obern Molassebildung näher stehend. Die Gerölle sind wenig mannigfaltig/ größtenteils weiße und grauliche Qüarze/ dichter und körniger Alpenkalk / alpinische Grauwacke u. s. w. Granite selten und von nicht ausgezeichneten Farben. Nach allen Merkmalen steht die Nagelfluh den neuern Anschwemmungen sehr nahe. Sie ist aber deutlich der Hauptmasse des Berges eingelagert/ 145 Gevirgsarten. Nagelffuh. eingelagert, und auch die Gerölle haben im Allgemeinen so große Aehnlichkeit mit denjenigen von Oberaar/ daßman an dem nahen Zusammenhang beyder Schichten/ ich'möchte sagen an ihrer Identität/ nicht zweifeln kann. Die Schichten von Oberaar sind aber aufs engste mit der Petrefäeten- lager einschließenden obern Molasse- und diese mit der obern Nagelfiuh/ verbunden/ so daß eine Trennung derselben von der Molasse-Formation auch die Absonderung wenigstens dieser ganzen Seite des Belpberges nach stch ziehen würde. - Ich hebe unter den Geröllen folgende aus: - Graulichweißer Quarz / splittriger Bruch " mit vielen Splittern/ Neigung zum Körnigen/ zum Theil deutlich körnig/ mehr oder weniger schimmernd/ zwischen Fett - und Glaöglanz. oa. 55 . 56 , 57 . Graulichweißer/ zum Theil b'räunlichgrauer Quarz/ sehr deutlich' körnig , mit ziemlich starkem Firnis - und GläSglanz. Er schließt ein beträchtliches Stück dichten/ zum Theil in Ocher übergegangenen Wasserkieö ein. oa. 59. Beyde Quarze gehören der Hier so häufigen und auch im Emmenthal vorkommenden Classe körniger Quarz? an. Gemeiner Serpentin/ feinsplittriger Bruch mit vielen Splittern.- Ausgesonderte / zum Theil über i Centim. lange sehr stark metallglänzende Parthien von bläurigem Diallag/ von hellgrünlichweißer Farbe. Ern ausgezeichneter Schiller- stein. oa; 54 . Man erinnere sich daß Sauffure auch'unter" den Em- menthalgeröllen einen Serpentin gefunden hat/ unsere Sammlungen besitzen ebenfalls mehrere aus jenen Gegenden. Am Marchbach/ 37" über Belp. ES ist die früher beschriebene/ unregelmäßig/ über scharf getrennt/ der festen Molasse aufliegende Nagelfluh/ über die sich der Marchbach in einen nur von unten zugänglichen Tobet hinabstürzt. '. Die Gerölle tragen ganz den Charaeter derjenigen von Ober - und Mteraar , doch scheinen die körnigen Quarze zu 1-46 II. Cap. Zweyter Abschnitt. fehlen. Dagegen sind dichte, schwach durchscheinende splitt- rige Quarzarten, von weißer und blaulichgrauer Farbe, zum Theil von Glimmer, Talk oder Chlorit durchdrungen, vorherrschend. Auch die zähen Abänderungen des dunkeln Alpenkalks, die Granite mit dichtem seladongrünem Feld- spach und glänzendem Quarz, die gemeinen Serpentine, find häufig. Röche Granite, ohne ganz zu fehlen, find selten. Die Gerölle find nur locker verküttet, an den Fuß der Felsen lehnen sich Schutthalden ganz loser hinausgefallener Gerölle. Man findet die obere Ablösung dieser Nagelfiuh an der Straße nach Gerzensee, wofie den Marchbach durchschneidet, I 02 m über Belp. Untere Äagelflubmatse. Bey'm Schütz enfahr. Am Ausfiuß des March- oder Sagibachs in die Aare. Die Quarzgerölle find etwas seltner als in der mittlern Masse, Serpentine habe ich keine gefunden, doch ist der allgemeine Charakter der Gerölle nicht wesentlich von dem der eben untersuchten verschieden. Die Quarzarten find immer noch in starkem Verhältniß, -und tragen dieselben Spuren der Glimmerschieferformation, auch die körnigen Quarze fehlen nicht; die grünen Granite find identisch; die rothen fehlen, -wie oben, fast ganz; Alpenkalke find in pngefahr-gleichem Verhältniß beygemengt., -:Aeusserst merkwürdig war mir ein eckiges Stück von 2 bis 3 Decim. Länge, das ,ganz in der Nagelfiuh eingeschlossen und von hellblauem Thon umgeben war. Nach seiner ganzen Beschaffenheit muß man es für ein Bruchstück der feinkörnigen grünlichgrauen Sandsteinschichtcn von Ralligen halten, oa- 133. Ich erwähne auch noch einer, in allen Lagern des Belp- bergS vorkommenden, sehr kleinkörnigen Granitart, ausblau- lichgrauem Quarz, weißem Feldspath, schwarzem oder ziem- lrch großem filberweißem Glimmer bestehend, mit mannigfaltigen Abänderungen, in'S Großkörnige, mit vorherrschen- 147 Gevirgsarten. Nagelfluh. dem Quarz Mt wenig Glimmer u. s. w. — Ueber ihre alpinische oder nichtalpinische Abstammung will ich nicht urtheilen. .-v ' : Die Mächtigkeit der Nagelfluhlager scheint im Belpberg ziemlich eonstam zu seyn/ und man sollte daher glauben/, auch in den. umliegenden Gebirgen eine ähnliche Abwechslung bedeutender Nagelfluh - und Mblasselager, als die Fortsetzung der Belpberger/ wiederfinden zu müssen. Die Natur entspricht aber diesen Erwartungen, nicht ganz. s Gegen Mittag zu, in dem Hügelzug.,' der sich als Fortt setzung deö Belpbergs, aber beträchtlich-niedriger, in die Ebenen von Thun erstreckt/ scheint die Nagelfinh, soviel man auö den wenigen Anschürfungen und Felsen schließen-.kann, vorherrschend zu werben. Auch gegen Osten zu dürft« wir eher eine größere Anhäufung- der-Nagelfluh als das Gegentheil vermuthen: die Haube zeigt an ihrer Ostseite, wo man einzig größere Felsen sehen kann, , mehr Nagelfluh als Molaffe; am Ballenbühl, über Münstugen, find fast keine Anschürfungen von nacktem .Feld; aber, weiter östlich, am Blasen habe ich schon früher.auf daS Uebergewicht, das die Nagelfluh behaup- m, aufmerksam gemacht. Auch näher bey Bern, -am Den- tenberg scheinen beyde Gebirgsarten sich.wenigstens das Gleichgewicht zu halten und chen .noch könnte man die Nagelfluh mächtiger glauben.' Aber'westlich und nördlich erhält die Molaffe entschieden.das Uebergewicht. Gegenüber Kramburg, an der Westseite des Belpbergs, wo die mittlere Nagelfluhmasse in mächtigen Felsen ansteht, ist auch der Längenberg durch die bey 100™ hohe weit ausgedehnte Gutenbrünnenfluh aufgerissen, ungefähr zwischen. i§0 und 250™ Höhe über Belp. Unterhalb dem Felseri findet man zwar einige zum Theil sehr große Nagelfluhblöck.e, deren Mutterorr mir unbekannt sst, aber an der ganzen Felswand ist', mit Ausnahme eines kaum 10 * m II. Cap. " Zweyter Abschnitt. 2 Deeim. mächtigen Gerölllagers keine Spur von Nagelfluh zu sehn. Und zwar liegt der Grund nicht etwa darin/ daß die Höhe der Felswand ungefähr mit derjenigen des großen Molasselagers am Belpber'g zusammentrifft/ denn wir werden später sehen, daß am Längenberg alle mit dem Belpberg con- cordanten Punkte beträchtlich höher zu suchen sind. In meh- rern kleinen Steinbrüchen und vielen Anschürfungen auf sehr verschiedenen Höhen, längs dem ganzen östlichen und nordöstlichen Abhang des LängenbergS, ist immer nur Molasse sichtbar. Bey Bern und am nördlichen Abhang des Gurten, wo der Fels fast in jeder Höhe aufgebrochen oder angeschürft ist, vom Niveau der Aare bis auf 336 ™ (Gurtenfpitze) stößt man überall auf Molasse oder grauen Mergel, und nur selten auf untergeordnete, wenig bedeutende Nagelfluhnester und schmale Gerölllager. - • Eben so nördlich und östlich von Bern, in den großen bey 50 und mehr Meter hohen Steinbrüchen, zu Oftermun- digen, ganz nahe bey'm Dentenberg, der noch so viel Nagel- fluh'enthält, zu Stockern, an der Abendseite des Bantiger, zu Thorberg, an den hohen Felsen des Lindemhals und längs dem Aarufer. In der nämlichen Höhe, in der amSchützen- fahr Nagelfluh ansteht, findet man am Aarufer zu Märch- ligen, nur eine Stunde mehr nördlich, und zu Bern, zum Theil beträchtlich hohe Molaffefelsen. Auch längs dem ganzen Lauf- der Sense von Guggisberg bis Laupen, der Aare von Bern bis Aarberg, der Saane von Freyburg abwärts, deren tiefliegende Flußbetten die Molasse- Formation an vielen Orten bey 100 bis 200 Meter hoch aufgerissen haben, sucht man vergebens nach Spuren von Nagelfluh, oder wenn sie auch vorkommen, so sind es schmale Trümmer und Nester, von unregelmäßiger Begrenzung, die in der ungeheuern Sandsteinmasse nicht bemerkt worden wären, wenn das Auge des Geognosten Nicht Fels für Fels sorgfältig durchsucht hätte. i4g Gebirgsarten. Nagelffuh. Im Innern des LängenbergS ist die Nagelfluh eben so selten/ als in seinen äussern Umgebungen/ ohne jedoch ganz zu fehlen. Ein ziemlich bedeutendes Nagelfluhlager, das Bruchstücke dicker Austern einschließt/ bildet den höchsten Rücken der Bütschelegg; ein weniger dickes bedeckt die beyden Jmi, und schließt ebenfalls/ theils Bruchstücke/ theils ganze Exemplare von großen Austern ein. Quarzgerölle sind in beyden vorherrschend und beyde bedecken unmittelbar die reichen Petre- factenlager des LängenbergS. Wir können daher nicht wohl anstehen diese Nagelfluh mit der obern Masse des BelpbergS zu vereinige»/ obfchon sie/ wie wir im Abschnitt über die Petrefacten näher sehen werden/ beträchtlich höher liegt. Unterhalb dieser höchsten Punkte des LängenbergS/ in den tief eingeschnittenen Graben/ in den mannigfaltigen An- schürfungen und kleinen Steinbrüchen an den Abhängen/ habe ich nur Molasse , oder kaum erwähnungöwerthe Lager und Trümmer von Nagelfluh gefunden. In dem westlich von den Jmi gelegenen/ ste an Höhe noch übertreffenden Tschuggen ist selbst auf der obersten Höhe Molasse anstehend, die nur noch Spuren von Nagelfluhlagern zeigt. Höchst merkwürdig ist aber die Form stockförmigex Nester/ welche hier die Nagelfluh nicht selten annimmt. An den meist sehr hohen und senkrechten Felswänden, zwischen denen das Schwarzwasser in einem breiten Bett von der Giebelegg gegen die Sense zu strömt , habe ich nur beym Einfluß des von Schwarzenburg Herstammenden Lindenbachö Nagelfluh gesehen. Mehrere Schichten von 1 - 3 Meter Mäch. tigkeit, horizontal, wie die Molasse dieser Gegend, erscheinen an der linken Felswand, streichen etwa 20" nördlich in der Molasse fort und keilen sich dann deutlich in derselben aus, indem die Molaffe zwischen ihnen anschwillt, und ste zuletzt ganz verdrängt. Nördlich und südlich und an der nur bey I 5 m entfernten rechten Felswand steht man nichts als Molasse. 150 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Etwas südlicher kann man in den'engen Felsschluchten des BütschelgrabenS einganz ähnliches Vorkommen beobachten. Nachdem man, von Osten her dem Wasser folgend, lange Zeit horizontale schiefrige Molasse und ein nur wenig Decimeter dickes bald wieder ersterbendes Gerölllager gesehen, wird man unweit des Schwarzwaffers durch die Erscheinung einer von geringer Dicke bald bis zu 8-^ Mächtigkeit anwachsenden Nagel- stuhmaffe überrascht, deren Profil an die südliche Wand gezeichnet ist. Eben so schnell, wie fie angewachsen, finkt die Mächtigkeit wieder, die Masse ist wie gänzlich abgeschnitten, dann folgen Trümmer von Nagelfluh in der Molasse, die oft wieder zu größer» Nestern anschwellen, die Molaffe und Nagelfluh greiffen keilförmig in einander, zuletzt verliert fich, noch vor dem Ausfluß in die Schwarzwasserau, jede Spur von Nagelfluh. Die Nagelfluh an der Südostseite deö Gurten steht in vollkommen analogen Verhältnissen zur Molasse. Eine Nagel- fluhschicht von unbekannter Mächtigkeit, indem fie nur etwa 2 -° über die Dammerde hervorragt, wird von Molasse. bedeckt, mit schwachem östlichem Fallen. Von dieser Schicht steigen dicke Verzweigungen schief in die Molaffe aufwärts, fich nach Westen wendend, nehmen dann bald die Richtung des allgemeinen Streichens, schwellen an und endigen fich in abgerundeten Formen. Auch ganz isolirte, zum Theil mehrere Meter lange, abgeplattete Nester von Nagelfluh und einzelne Gerölle schwimmen gleichsam in der Molasse, und umgekehrt dringt auch Molasse in die Nagelfluh ein. An der andern Thalseite, im Gummeröloch, ist in gleicher Höhe Nagelfluh anstehend und einer mehrere Meter über der Dammerde ent- blösten Molasse aufgelagert; es läßt fich daher vermuthen, daß auch am Gurten die Nagelfluh nur der Molasse eingelagert sey und nicht tief unter die Dammerde hinumersetze. Diese Nagelfluh trägt immer noch im Allgemeinen den Charakter derjenigen des BelpbergS. Graulichweisse und far- 151 Gebirgsarten. Nagelfluh. bige Quarze, schwach durchscheinend, grostsplimigen Bruchs, zwischen Fett-und Glasglanz, und mannigfaltige grüne Granite sind vorherrschend, auch die körnigen Quarze fehlen nicht. In geringerem Verhältnisse stehen die meisten charakteristischen Gerölle der ThunerMagelfluh, rothe Granite, dunkelgrüne und graue unvollkommene Porphyre mit starkglänzenden Quarzkörnern, innige Gemenge von dunkelrothem dichtem Feld- spath mit Kiesel u. s. w. Ich will noch einige besonders aus- heben, um den Catalog dieser Gruppe damit zu ergänzen. Klein- fast feinkörniger Granit. Blastziegelrother blättri- ger Feldspath, graulichweisser wenig glänzender Quarz, sehr fein zertheilter schwarzer Glimmer. Feldspath und Quarz vorherrschend. Von Quarzadern durchzogen, wb. 30. Ziemlich grostkörniger Granit. Blättriger, blaulich- fleischrother Feldspath, einige Theile ziehen mehr in's blast Violett, andere in's ein Fleischrothe, graulichweisser Quarz, rabenschwarzer Glimmer, wb. 29. Auch häufig im Emmenthal. Ziemlich grostkörniger Granit. Fleischrother blättriger Feldspath mit wenig spangrünem Feldspath, graulichweisser Quarz, schwarzer Glimmer. Feldspath und Quarz vorherr- schend. wb. 36. Kleinkörniger Granit. Hochfleischrother blättriger Feldspath , glänzender grauer Quarz, sehr wenig dunkelgrüner Glimmer, wb.35. Granitporphyr. Graulich fleischrothe Grundmasse, ein kaum mit unbewafnetem Auge erkennbares Gemeng von Quarz und dichtem Feldspath; wachsglänzend', dunkelbräun- lichfleischrothe stark glänzende und sehr wenig spangrüne Feld- spathkrystalle. Grauer Quarz in Körnern. Kein Glimmer. wb. 38. Der grüne Granit, den ich bey Gerzensee angeführt habe, §2.15, aber weniger verwittert. Die dunkeln Theile die den Feldspath umhüllen zeigen stch deutlich alS grünlich- bleygrauer talkartiger Glimmer, wb. 43. 152 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Kleinflaftiger GneuS. Grauer Quarz/ grünlichweisser/ auf den Absonderungen sich anhäufender und stark glänzender Talk / grünlichweisser Feldspach / meist von kleinen Talktheilen umhüllt, wb. 47, Dieser GneuS und mehrere ähnliche wb. 40-52. 63 - 67/ theils Gneuft / theils Granite stammen wahrscheinlich aus unsern Alpen. Dunkelgraulich violeter durchscheinender Quarz mit star- - kem Firnisglanz; kleinmuschliger Bruch/ mit Anlage zum Körnigen. In dieser Grundmasse streifenweise sehr kleine prismatische Theile von strohgelber Farbe/ zum weissen Glas schmelzend/ ohne Spur von blättriger Textur und nur schwach wachöglänzend. Der Stein ist von Absonderungen durchsetzt/ die senkrecht auf den Streifen stehen, wb. 66. Dieselbe Grundmaße ohne weitere Beymengung. Der deutliche köpnige Bruch giebt dem Stein daö Ansehen eines Sandsteins; er braust nicht in Säuren. ES ist die Gebirgs- ! art ( an. 78.) von Oberaar. wb. 57. Dieselbe Grundmasse ohne gelbliche Theile/ aber mit weissem schichtweise liegendem Glimmer , also ein Glimmerschiefer. Ochergelbe Punkte/ vielleicht von verwittertem Glimmer/geben dem Stein grosse Aehnlichkeit/ theils mit alpinifchen Grauwacken/ theils mit ( oa. 77.) von Oberaar. wb. 58, 59. Sehr harter Sandstein. Graue und braune Quarzkörner/scheinbar ohne Bindmittel/ doch schwach aufbrausend mit Säuren/ die Bruchfläche der eines körnigen Quarzes ähnlich/ schwach glänzend. Auf einer Absonderung weiffer Kalk- spath und mikroftopifche auskrystallisirte Quarzdodekaeder. wb. 62. ^Aeusserst fester/ sehr kleinkörniger Granit. Blaulich- grauer Quarz/ blättriger Jeldfpath mit starkem Perlmutterglanz/ strohgelbe Theile/ schwarzer starkgläuzender. Glimmer. wb. 61. 153 Gebirgsarten. Nagelfluy. Die fünf letzten Gebirgsarten und eine große Anzahl identischer, oder nahe damit verwandter vom Belpberg scheinen nicht, wie man erst glauben möchte, aus einem Sandstein- oder Grauwackegebirge, syndernZuS einer demur- oder ältern Uebergangsgebirge angehörenden Quarzformation, die mit Glimmer- und Talkschiefer in Verbindung steht, herzu- stammen. Der einigen Geröllen, immer sehr untergeordnet, beygemeugte Kalk möchte vielleicht von einem Eindringen des kalkigten Nagelfluhbindmittels herrühren. Obfchon die mit Säuren untersuchten Theile immer aus dem Kern der Gerölle geschlagen wurden und diese noch sehr frisch schienen, so kann ich ein solches Eindringen in fauftgrosse, lange gerollte und im Wasser gelegene, dazu meist aus heterogenen Theilen zusammengesetzte Steine nicht für unmöglich halten.— Uebri- genS ist mir weder in den Alpen, noch in den nördlichen Ge- birgen eine Quarzformation bekannt, die man als Mutterort dieser Gerölle betrachten könnte., Ausserhalb der Zone der sich austeilenden Lager und abgerissenen Nester ist die gemeine und lockere Molasse in ausgedehnten Bezirken frey von jeder Spur von Nagelfluh und die einzige fremdartige GebirgSart, die sie noch begleitet, ist der graue oder bunte Mergel. ES erscheinen indeß wieder Nagel- fluhmassen in der Nähe des Jura und selbst in seinen innern Thälern, unter höchst merkwürdigen Verhältnissen; da aber ihre Beschreibung innig mit den Gegenständen des folgenden Abschnitts verflochten ist, so will ich sie bis auf diesen ver- sparen, und hier als Anhang nur noch, um die Allgemeinheit unserer bisherigen Resultate zu zeigen, der Nagelfluhbildun- gen anderer den Alpen näher liegender Gegenden erwähnen. 154 II. Cap. Zweyter Abschnitt. L u z t x tt. In einer Sammlung von Geröllen/ die aus der Nagel- fluh bey Tribschen gebrochen wurden, wahrscheinlich noch den südlich fallenden, oder senkrechten Lagern angehörend, finde ich nur sehr wenig rothe Granite und keine rothen Porphyre, hingegen einen grünen dichten Feldspath mit stark glänzendem Quarz, mit den unvollkommnen Porphyren von Thun vollkommen übereinstimmend, mehrere grüne Granite, die mehr an die Gruppe des Belpbergs erinnern, dunkeln Alpenkalk und denselben bräunlichweissen Rogenstein mit ebener Bruch- fläche, der in der Ragelfinh von Guggisberg vorkömmt. Also auch hier wieder, wie in den Gruppen unserer Gegend, Gerölle, die in allen den sonst verschiedenen Nagelfluhgebirgen etwas Gemeinsames anzeigen, im Ganzen aber mehr Annäherung zu den südlichern Gruppen. Ganz nahe bey der Stadt, am Weg nach der Emmebrücke, also schon in der nördlich fallenden Molaffe, scheinenLrünliche Granite, dem gewöhnlichen Alpengranit ähnlich, und entschiedene Alpenkalkarten sehr vorzuherrschen.— Am Rochen- See hingegen, noch mehr nördlich, wurde auch ein Serpentin gefunden, unter sehr vielen wetssen und bräunlichen Quarzen mit splittrigem Bruch, welche in dieser Gegend vorzuherrschen scheinen. Die Aehnlichkeit mit der Nagelfluh deö Belp- bergS ist nicht zu verkennen. Rigi und Zuger-Gee. Ich habe hier nur das schon früher Angeführte wieder in Erinnerung zu bringen: am Rigi, die Uebereinstimmung der Nagelfluh mit derjenigen der Bäuchlengruppe, sowohl in den tiefern nur aus Kalkgeröllen bestehenden Schichten, als in den höher«, welche auch mannigfaltigere Gerölle enthalten; am Zuger-See, das Abwechseln der Nagelfluh mit bunten Geröllen mit Molasse, wie an der Grundlage der Bäuchlen, und wie zwischen Thun und Diesbach; bey Schindellegi, Nagel- Gebirgsarten. Nagelfluh. 155 fluh in Nestern der Molasse untergeordnet, und noch mehr nördlich, gm Zürcher--See, nur Molasse. Avpenzell und St. Gallen. Als Vorwall des Hohen - Säntis erhebt sich ein mächtiger Rücken, mit steilen doch ganz mit Weide bedeckten Abhängen, in der Höhe scharf zulaufend, von tiefen Tobeln durchschnitten und, nach feiner Höhe, feinen äusser» Formen und seiner Benutzung ganz den Alpen angehörend. Man kann bereits aus der Ferne an der Treppengestalt feiner Abhänge die regelmäßig südlich fallenden Schichten unterscheiden. Dem Thalwasser folgend bin ich von Urnäfch aus bis an den Fuß dieses hohen Rückens, nach Gerstengfchwend vorgedrungen, wo eine hohe. und ausgedehnte Felswand, über welche die Urnäfch schäumend hinunterstürzt meiner Neugierde ein Ziel setzte. Ich hoffte die dichte Molasse, oder eine andere Grundlage der Nagelfluh zu finden, aber die Nagelfluh ist auch hier noch ausschließli ch herrschend. Ihre Gerölle bestehen größ- tentheilö aus schwärzlich - bräunlich - und röthlichgrauem dichtem Kalk, der zuverläßig aus den jüngsten alpinischen Kalk- gebirgen abstammt, aus Glimmerschiefer, der, durch Verwitterung des sonst grünlichgrauen stark glänzenden Glimmers, einen röthlichen Anstrich erhalten, und aus einem dunkelrothen, mehr oder weniger grobkörnigen Conglomerat, dem die eckigen weissen Quarzbrocken ein porphyrartiges Aussehen' geben, vollkommen identisch mit dem Conglomerat des Sernst- thaleö. Rothe Granite fehlen nicht ganz, aber sie zeigen, im Gegensatz der Mannigfaltigkeit im Emmenthal und bey Thun, die größte Einförmigkeit; eS ist ein Granit von mittlerm, eher kleinem, aber deutlichem Korn, blaulichrothem, bald Heller, . bald dunkler, blämigem Feldspath, graulichweissem Quarz, äusserst wenig grünlichgrauem Glimmer, oft fehlt derselbe ganz. Die nämliche Granitart, oder eine ihr sehr ähnliche kömmt auch in unserer Emmenthaler und Thuner Nagelfluh vor. 156 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Die Nagelfluh, immer mit den nämlichen Geröllen, hält an bis etwa eine halbe Stunde nördlich von Urnäsch; hin und wieder, z. B. an dem Hügel südlich von Urnäsch, ist ihr ein harter, meist grobkörniger Sandstein eingelagert, der nur das von Geröllen entblöSte Bindmittel zu seyn scheint. In der Gegend der Brücke, die nach Hundwyl führt, folgt aber nun schiefrige feste Molasse, wie die Nagelfluh südlich fallend und dieselbe also unterteufend; erst hier geht demnach das tiefere Sandsteingebilde zu Tage, das ich in Gerstengschwend aufsuchte. Da6 Anstehende wird von da an eine beträchtliche Strecke Weges durch Vegetation bedeckt; das sanfte Verflächen der Hügel und ihre runden Formen deuten auf Molasse. Bey Hundwyl, in den tiefen Tobeln der Urnäsch, findet man die Molasse emblöst, mit grauem und buntem Mergel wechselnd, . in ausgedehnten Felsen und mit regelmäßig nördlichem Fallen, j unter einem Winkel von ungefähr 30°. Ob das südliche Fallen ! durch Umbiegung in das nördliche übergehe, was das wahrscheinlichste ist, läßt sich hier nicht ausmachen. Bey den zwey Brucken, wo die Gitter fich mit der Urnäsch vereinigt, bestehen die senkrechten nackten Wände des tiefen Tobels aus gemeiner Molasse und grauem Mergel, welche Nagelfluhnester umschliessen, die fich nach allen Seiten auSkeilen und auch die Molasse in fie eingreiffen lassen. Das Fallen bleibt immer nördlich. Diese Einlagerungen von Nagelfluh find auch um St. Gallen herum noch sehr häufig; fie zeigen fich au den stei- . len Abhängen bey der großen Sitterbrücke, wo die Molasse, ausser dem grauen, auch bunten Mergel aufnimmt; in dem kleinen Tobel an der südwestlichen Ecke der Stadt; bey St- Geörgen; an dem Muschetberg u. s. w. Die Gerölle find zum Theil dieselben wie hinter Urnäsch, Kalkarten, Sernfter- Conglomerat, rother Granit, aber in andern Verhältnissen. Die Kalkarten treten mehr zurück und die KieselgebirgSarten werden vorherrschend; es mengen fich in starkem Verhältniß 157 Gebirgsarten. Nagelfluh. granitartige Syenite mit dunkelgrüner Hornblende, grünlich- weissem Feldspat!) und grünlichgrauem Glimmer bey, auch eigentliche grüne Granite, zum Theil identisch mit denjenigen der Belpberggruppe, und weisse Quarze mit Spuren von Chlorit oder Talk. "0 üb« B nie r n. ^ Ich habe die mächtige Nagelfluhformation, die daöJller- thal vom Rheinthal scheidet, sowohl.in ihrem südlich fallen- den Theil, am Paß von Gatter über die Kette des Rindalber- hornö, als in ihrem nördlichfallenden, zwischen Weiler und Bregenz besucht. Man glaubt sich in die Region der höher» Alpen versetzt, wenn man von Sonthofen her inchie Hintern Theile des Bleich- achthaleö eindringt und stch vonhöhen, mit Weide oder Tann^- wald bekleideten Gebirgen, von alpinischen Pflanzen, von freyweidenden Viehheerden und von Sennhütten umgeben fleht. Die Aehnlichkeit wird noch täuschender, wenn man von der Gatteralp die Höhe des Grates erklimmt und dann zu seinen Füssen plötzlich den furchtbaren Abgrund erblickt, von weit ausgedehnten wilden Felsen gebildet, über die ein schmaler Pfad, wie über die Kalkwände der Hochalpen, flch steil nach der ersten jenseitigen Alp windet. Die Felsen werden durch die Köpfe der Nagelfluhschichten gebildet, die mit großer Regelmäßigkeit, unter- einem Winkel von 70° gegen 165° fallen. Das ganze Gebirge, auch das nördlich ihm vorliegende, besteht aus Nagelfluh, und südwärts erblickt man erst in bedeutender Entfernung die zerrissenen Stöcke und nackten Felswände der ersten Kalkkette. Unter den Geröllen, auf der Höhe des Grates sowohl, als an den Abhängen, fand ich nicht eine einzige UrgebirgSart, keinen Porphyr, keine Quarze, sondern fast ausschließlich die rauch- grauen und rothen Kalksteine, und die grauen,- braunen und rothen Hornsteine, die südlich in den Kalkalpen der Walser- 158 II. Cap. Zweyter Abschnitt. thäler anstehen; ausserdem auch bräunlichgelbe Kalksteine mit ebenem/. Im Großen muschligem Bruch/ röthlichbraune sehr unreine Kalksteine mit rauhem/ feinsplittrig.em Bruch/ und Uebergänge derselben in harte Sandsteine/ deren aller Stammort ich-nicht anzugeben weiß/ die aber unwillkührlich an die Gerölle von Guggisberg erinnern; endlich zwey gelblichweiße Kalksteine mit Anlage zu rogensteinartig'er Bildung/ identisch mit denen von Guggisberg und Lstzern / nur daß an der Aussen- ' fläche deS einen fich deutsche Nummüliten zeige»/ theils rund/ ! theils elliptisch / von höchsteuS-3 Millimff'Durchm. Jm Thalboden von Simasguni/? am nördlichen Fuß dieses Gebirges fand ich anstehende Molasse / mit 7o0-nach 180 ° fallend/ sehr hart/ den auch anderswo in die Nagelfluh eingelagerten Sandsteinen ähnlich. Sie scheint indeß hier vor- ! znherrfchen und das ganze Thal verdankt vielleicht der Aus- ; Waschung dieser Zwischenlager seine Entstehung. Aber am ! Ausgang des Thales gegen Stauffen ist wieder in hohen Fel- j sen Nagelfluh?anstehend/ und bis über Stauffen hinaus findet man große Blöcke/ , oder Anschürfungen dieser GebirgSart/ und immer mit denselben Geröllen. In einem Tobel gegenüber Stauffen glaubt man die südlich fallende Nagelfluh/ wie an der Bäuchlen und/ im- Wäggithal/ von fester oder dichter Mouche unterteuft zu sehen. . u^ Die Hrn. .Weiß und UtcknKer führen unter den Geröllen dieser Gegenden./ wie'es scheint etwas-siiblicher, auch Granit/ GneuslUNd Glimmerschiefer an^ und zwar öfters in sehr großen Blöcken; auch die Austagerung von Ragelfinh mir Ur- gebirgsarten auf Kalknagelfluh scheint stch also hier zu wiederholen, - • An der Weißach / . um Stauffen herum und an der Rotach fand -ich in der Straffe und in den Kieslagern viel grüne Granite/?S.yenite/-.Serpentine/ die.auf.die Nagelfluh des Belpbergs hindeute»/ alle meine Bemühungen die Nagelfiuh anstehend zu finden wären aber fruchtlos. Auch Hr. von I Gebtrgsarten. Nagelfluh. 159 Lupin 3*) fand in der Gegend von Wangen nichts als UrfelS- gefchiebe/ und namentlich Serpentin. Die Rotach fließt zum Theil schon in der mit Nagelfluh abwechselnden nördlich fallenden Molasse/ bald zeigt sich äst den Thalabhängen die eine Gebirgsart, bald die ändere vor- herrschend/ die Nagelfluh mehr südlich/ im Bregenzerwald und am Sulzberg/ die Molaffe bey Weiler und Schcffran. Bey Langen/ wo die Straffe fast bis auf die oberste Höhe des Gebirgs ansteigt/ und bis Bregenz fand ich in den Nagelfluh ausschließlich bräunlichgelben Kalk/ spliMig/ mit vielen und sehr kleinen Splittern / am Lichte star-schimmernd/ im Kern des Gerölls zuweilen hellgrau/ und geMichweiffen Kalk mit ebener Bruchfläche/matt. , Kaum ist es möglich der Betrachtung der Nagelfluhgebirge einige Aufmerksamkeit zu widme;;/ ohne seine Gedanken in das Gebiet der Hypothesen über die Ursachen und den Stammort dieser ungeheuren Geschiebablagerung hinüberschweifen zu lassen; aber die Schwierigkeiten / mit denen jeder Versuch einer Erklärung zu kämpfen Hak/ zeigen,;dann auch sogleich, daß wir noch lange nicht genug Materialien besitzen/mrirM irgend haltbares Gebäude begründen zu können: Daß die Nagelflnh ein wahres mechanisches Conglomerat und nicht etwa eine Gemische Bildung sey / wird niemand^ der je Nagelfluh gesehen/ .einen Augenblick beWeifelN/ ein einzelnes Geröll/ ein Kalk mit eingeschloßnem.FeuerstM./- oder'Spathadern könnte zum Beweise hinreichen. Das^Fae» tum/ daß dieses Gebirge durch die Wirkung fließender Wasser aus der Zerstörung älterer Formationen hervorgegangen /M daher auch bis jetzt allen Hypothesen über seinen UrsprungHUM Grunde gelegt worden / und die Verschiedenheit der Ansichten hat einzig die weitere Ausführung desselben betroffen. Man 3 '9 Alpin« vi. : S. 62 . " ' 160 II. Cap. Zweyter Abschnitt. dachte bald an alpinische Bergwasser, bald an Meeresströmun- ^ gen, bald an gewaltige/ aber vorübergehende Fluchen, und ließ die beyden letztem entweder von Mittag her über die Alpen einbrechen/ oder aus Norden an sie ansiossen. Die Herleitung der Nagclfluh aus den Alpen findet so- ' wohl in der Natur der Gerölle / alö in ihren allgemeinen Verhältnissen/ kaum zu chrseitigende Schwierigkeiten. Von allen den mannigfaltigen Porphyre«/ bunten Graniten/ Mandel- steinen u. s. w. die sich in der Thuner und Emmenthaler Nagel- , sink) in so großer Menge zeigen/ ist noch nicht einer als in den Alpen anstehend nachgewiesen worden , und man kennt in dem Theile der Alpen- der einzig hierin Betracht kommen kann, nicht einmal Formationen/ die denselben analog wären. Wollte man einwende«/ daß diese Formationen durch Gletscher ver- borgen , oder in den großen Wildnissen der Hochalpen unbe- ; kannt geblieben seyen/ so widerspricht diesem/ daß diejenigen Gebirgsarten, die man, unter der Voraussetzung einer Abstammung der bunten Gerolle aus unsern Hochgebirgen/ ebenfalls sehr häufig in der Nagelfluh zu sehn erwarten sollte, die weissell Granite, die Gneüse, die mannigfaltigen Talkgesteinb der Celttralketten, wenn sie nicht ganz fehlen, doch nur MeN'und immer noch sehr zweydeutig in der Nagelfluh vorkommen, was-um so auffallender erscheinen muß, da dieselben ! Gebirgsarten bis in unsere Ebenen, ja bis hoch an den Jura hinaus iit grossen Blöcken und kleinern Geschieben ausgestreut sind. Alle-deutlich alpinischen Gerölle der Nagelfluh gehören dagegen'Wr 'dem nächst ^gelegenen Kalk- und Sandsteinketten anals ob die Akpenftröm'e, oder die Meeresfluthen, die sie angehäuft haben,' auf diese allein eingewirkt hätten. Man begreift überdicß nicht, durch welches Alpenthak die Ströme, welche die großen Geschiebmassewdes EmmenthalS, des Appen- xellerlandeS, des IlllgauS gebildet, geflossen ftyn könnten, und will man, um diesem Eimvurf vorzubeugen, die Entstehung der Nagelfluh der heutigen Thalbildung vorhergehen und durch Fluthen Gevirgsarten. Nagelfluh. löi Fluthen entstehen lassen/ welche die Alpenkem überstiegen , so bleibt doch immer noch die Frage unbeantwortet warum sich dieses Conglomerat nur am äusser» Saume der Alpen gebildet und nicht auch wenigstens Spuren in ihrem Innern zurückgelassen habe. In weit günstigerem Lichte erscheint die Hypothese / welche die Strömungen aus Norden herkommen und die Nagelfluh aus der Vermengung nördlicher Geschiebe mit alpinischen entstehen läßt. Die schöne Uebereinstimmung vieler Gerölle mit Ge- birgSarten des SchwarzwaldS/ ihre Anhäufung gerade an der diesem Gebirge zunächst liegenden Stelle der Alpen/ im Em- menthal und bey Thun/ ihre nur allmählige Abnahme gegen Morgen/ wo der Jura stets niedrig bleibt und'die schärfere Begrenzung derselben gegen Abend/ hinter dem hohen Rücken der Hasenmatt und des Chaßeral/ daß Vorkommen von Jurakalk in der Freyburgischen und Waadtländischen Nagelfluh/ das schon erwähnte Ausbleiben von Geschieben der höhern Alpen und die Menge von Trümmern aus den vordersten Kalk- und Sandsteinketten/ an welche die fürchterliche Brandung Fes Urmeeres anprallte , alle diese Thatsachen erklären sich so "befriedigend/ daß man nicht an'stehen kann/ dieser Ansicht vor der frühern einen großen Vorzug zu gebe«/ und wohl gar das Problem für vollkommen gelöst zu halten. Bey einer genauern Untersuchung der Verhältnisse des Nagelfluhgebirges zu den Kalkketten und zu der übrigen Molasse- Formation stößt man indeß auf neue Schwierigkeiten / die sich überhaupt jeder Theorie entgegensetzen/ welche die Nagelfluh als eine an die äusseren Kalkketten angeschwemmte Bildung betrachtet. Es beweist vorerst die auffallende Gleichförmigkeit der Schichtenlage in dem Nagelfluh- und im angrenzenden Kalkgebirge/ daß die große Umwälzung/ welcher Art sie gewesen seyn mag/ durch die das Kalkgebirge seine gegenwärtige Gestalt erhalten hat/ die Nagelfluhformation -zugleich betroffen 162 II. Cap. Zweyter Abschnitt. habe. Die Thäler der Molasse / die in größerer Entfernung von den Alpen sich in vielen Richtungen durchkreutzen , und sichtbar ihre Entstehung den in den Molassehügeln selbst oder in den.Alpen entspringenden Gewässern verdanke«/ streichen in der Nähe der Hähern Gebirge regelmäßig der Alpenkette parallel und werden zu wahren Längenthälern. Dieser äussern Gestaltung entspricht die innere Struktur. Die eine Thalwand ! zeigt die Fläche/ die andere das Ausgehende der Schichten/ l oder beyde zeigen die Fläche/ oder das Ausgehende/ und die i Thalvertiefung steht im engsten Zusammenhang mit dem Fallen und Streichen der Gebirgslager/ ganz so/ wie man es in den siahe liegenden Kalkgebirgen zu sehn gewohnt ist. Mit bewun- demngöwürdWr Regelmäßigkeit fallen längs der ganzen Al- penkette die angrenzenden Nagelstuhlager dem Hochgebirge zu , : zuweilen fast parallel mit den Schichten der Kalk- und Sand- ! fteingebirge/ gewöhnlich mit etwas geringerem Winkel/ aber immer mit gleichem Streichen. Auf die erste Nagelstuhkette folgt oft eine zweyte/ die ebenfalls südlich eingesenkt ist /auf diese eine dritte/ und das Verhältniß der vordem Nagelsinh- i ketten zu den Hintern ist vollkommen dasselbe/ wie das der^-, letzten Nagelstuhkette zu der 'ersten Kalkkette/ ja durch mehrere Kalk- und Sandsteinketten hindurch läßt sich diese Gleichförmigkeit verfolgen. ! Noch auffallender als das gegenseitige Verhältniß beyder Gebirge ist die Lage ihrer BegrenzungSfiäche. Man sieht nirgends die Molasse oder die Nagelsinh dem Kalk oder Sandstein wahrhaft aufgelagert/ wie etwa die Nagelsinh auf Molasse/ nirgends ist die BegrenzungSfiäche den Schichten der jünger« Formation parallel/ sondern gewöhnlich durchschneidet sie die Absonderungen beyder Formationen/ oder nähert sich eher noch dem Parallelismuö mit der älter»/ und die Nagelstuhlager brechen an der breiten Fläche der Kalklager ab. Fast immer ist die Begrenzungsfläche stark geneigt/ nicht selten senkrecht/ oder sie schießt gar unter das ältere Gebirge Gebirgsarlen. Nagelfluh. 163 ein t so daß man oft nicht begreift/ wie dieses , ohne von der vorliegenden Nagelfluh unterstützt zu seyn, in seiner überhan- genden Stellung beharren könnte; z. B. bey Ralligcn/ wo das anstoßende Gestein ein mürber Mergelschiefer ist/ der nur durch die Nagelfluhmauer vor gänzlicher Zerstörung geschützt worden zu seyn scheint/ oder im Vitznauertobel/ wo die hoch aufgeschichtete Nagelfluhmaffe des Rigi wie ein Wall vor den Einsturz drohenden Kalkwänden des VitznauerstockS liegt/ und gewiß überall/ wo Nagelfluh und Kalk so aneinander flössen/ daß der Kalk nothwendig von der Nagelfluh unterteuft werden müßte/ wenn die Schichten der letztern nicht plötzlich abgeschnitten wären. Wenn aber die Kalklager zugleich mit dem Nagelfluhgebirge sind aufgerichtet worden/ wenn fle ohne die Stütze/ den dieses ihnen gewährt/ wieder zurückfallen müßte« / so ist die Voraussetzung/ daß die Nagelfluh durch Anschwemmung an die so wie jetzt aufrechtstehenden Kalkwände gebildet worden sey/ mit sich selbst im Widerspruch; nehmen wir dagegen an / der Kalk sey zur Zeit dieser Anschwemmung noch in horizontaler Lage gewesen/ so wird es noch schwieriger/ sich klar zu machen/ auf welche Art die Kalkschichten in ihre gegenwärtige Lage zu der Nagelfluh haben kommen können; denn obgleich das Kalkgebirge schon damals sehr hoch seyn mußte / wenn nicht auch Anschwemmungen auf der obern Fläche seiner Lager statt haben sollten / was den Beobachtungen zufolge der Fall nicht war / so fleht man doch nicht ei»/ wie bey der Umwälzung / die seine tiefern Schichte»/ oder gar die untere Ablosungsfläche in Berührung mit der Nagelfluh gebracht hat / Raum genug zu der starken Drehbewegung vorhanden seyn konnte. Die eine wie die andere Annahme verwickelt uns demnach in gleiche Schwierigkeiten/ und eine dritte/ die nur eine mittlere seyn könnte / würde die Widersprüche beyder vereinigen. Es läßt uns endlich die Hypothese der Anschwemmungen 11» 164 II. Cap. Zweyter Abschnitt. vollkommen im Dunkeln über den wahren Erklärungsgrund gerade der allerauögezeichnetesten Eigenschaften des Nagelfluhgebirges. Wir finden dasselbe in so genauer Verbindung mit der Molaffe/ daß es unmöglich ifi/ beyde als verschiedene Formationen zu trennen/ und doch unterscheidet es fich von derselben durch seine schärfer«/ mehr alpinischen Formen/ durch seine Gebirgsarren/ die man bald für dichten Kalk/ bald für Quarzfels/ bald für Grauwacken zu halten versucht ifi / durch seine regelmäßige» / fiark südlich fallenden Schichten. Es ist der Molasse aufgesetzt/ und hat doch so große Aehnlich- keit mit den ältern Sandsteinformationen/ die den Kalk be- gleiten / daß man nur durch die genauesten Detailstudien vor Verwechslung geschützt ist. Die häufige Einlagerung von grauem Mergel/ buntem Mergel/ Gerölllagern in der Molaffe/ das Vorkommen zahlreicher Petrefactenbänke , sowohl mit Meerconchylien als mit Süßwasserschnecken / und die große Verbreitung der Formation deuten auf eine langsame und ruhig erfolgte Ablagerung; da hingegen die oft mehr als 10 und 20™ dicke«/ unabgesonderten Nagelfinhlager/ das auf die Nähe der Alpen beschränkte Vorkommen dieser Geröll- massen / und der/ mit Ausnahme zerriebener Pflanze«/ gänzliche Mangel an Petrefacten/ eher ein plötzliches Aufhäufen oder Aufschütten ganzer Gebirge von Rollsteinen vorauszusetzen scheint. Die Natur besitzt , so viel wir wissen / außer der Kraft des fließenden Wassers nur noch ein Mittel/ um feste Ge- birgsmassen in Gerölle zu verwandeln/ nämlich die Reibung von Fels an Fels. „ Nachdem ich “/ sagt Herr von B u ch 32 ) / ,,i» den basaltischen Inseln (Madera / Santa Cruz von Teneriffa/ Groß-Canaria) Puddinge gesehen/ an deren Bildung das Wasser gewiß keinen Antheil genommen hat/ nachdem ich 32 ) Lettre ä M. A. de Humboldt, in den Alm. de Chimic. Besonders abgedruckt in gr. 1. 75 , 173 Gebirgsarten. Nagelffuh. fccve» hohe» Werth der Name der beyden Geognosten Bürge ist, die jene interessanten Gegenden am Ausgange des WalliS bewohnen; und über die letzter» dürfen wir hoffen, einst von eben dem großen Naturforscher Licht zu erhalten, der auf so geniale Art die Räthsel des Fassathales und der Dolomit- Pyramiden gelöst hat. Mein Zweck bey dieser Abschweifung war nur) darauf auf- merksam zu machen, daß an mehrern Punkten im Innern der Alpen Conglomerate vorkommen, die sich, bey näherer Untersuchung, der Nagelstuh eben so nahe verwandt-zeigen möchten, alö die Sandsteine, die sie begleiten, einigen Molassen nahe stehen, und daß, wenn es auch gelänge, die Möglichkeit einer Anschwemmung der Nagelfluh aus Süden oder Norden dar- zuthun, immer noch andere analoge Bildungen unser warten, an denen so beschränkte. Localerkkärungen fast nothwendig scheitern müßten. — Die Uebereinstimmung der Habkeren- Granite mit den Nagelfluhgeröllen des Emmenthals, wenn sie sich bestätigen sollte, wäre immerhin als eine der merkwürdigsten Erscheinungen zu betrachten, und wenn man überlegt, daß beyde Conglomerate in gerader Linie liegen mit dem Schwarzwald und den Vogesen, die selbst auch von Süd nach Norden streichen, und aus identischen Gebirgsarten bestehen, so möchte man, von den Ansichten Hrn. von Buchö erfüllt, beynahe glauben, daß diese lange Kette von bunten Graniten und Porphyren, die von Frankfurt aus bis Basel sich fast ohne Unterbrechung verfolgen läßt, unter dem Jura, unter der Molasse und unter den Kalkalpen durch, sich bis an unsere höchsten Gebirge forterstrecke, und durch die bey'm Emporsteigen der Alpen mit hinaufgerissenen Trümmer ihre Nähe verrathen habe. 174 II. Cap. Zweyter Abschnitt. 3. M u s ch e l s a n d st e i n. Dse Gebirgsart, die ich mit diesem Namen bezeichnen ' will, hat schon früher die Aufmerksamkeit der Geognosten auf sich gezogen. Gras Razoumovski^) betrachtet sie als eine Ab, lagerung des großen Land-See'6, der nach dem Zurückzug des Meeres längere Zeit durch noch die ganze niedrige Schweiz und Süd-Barern bedeckt haben soll, die tiefern Lager also als Meer-die obern als Süßwasserbildungen; Hr. R. Meyer 33 ) beschreibt sie als eine Kalksteinmasse, voll von Perfteinerun- gen und eingemengten kleinen Geschieben; Hr. Escher 39 ) in einer frühern Abhandlung, als einen zwischen dem Jurakalk und der Molasse liegenden, sehr verfteinerungsreichen Sandstein, in einer spätern als einen der Molasse aufliegenden Muschelsandstein; Hr. Ebel^) unterscheidet ihn nicht von der übrigen Molaffe. Da mir die zum Theil schon eingeführte und durch Hrn. Eschers Autorität unterstützte Benennung, Muschelsandstein, nicht unpassend scheint, so will ich keine neue vorschlagen; sie hat vor der Benennung, Muschelmolasse, die vielleicht systematischer scheinen möchte, den Vorzug, das Formations-- alter noch unbestimmt zu lassen, und auch auf gröbere Con- glomerate ausgedehnt werden zu können, da hingegen Molasse mit einem näher bezeichnenden Worte verbunden, bis dahin nur auf eigentliche, feine Sandsteine ist angewandt worden. Es zerfällt nämlich diese GebirgSart, in ihrer ganzen Ausdehnung betrachtet, ebenfalls in einen Sandstein und eine Nagelfluh, deren gegenseitiges Verhältniß aber, wie wir sehen werden, mehr nochmals in dem bisher beschriebenen Theil der Molaffe-Formation, von Dunkel umgeben ist. 37 ) Jorat II. p. 137. Mem. de Lau.s. III. p. 203. 3S ) Alpina I. p. 254. 3? ) Alpina I. p. -81 et 284. 4o ) Bau der Erde 11. 42 ». f. \ Gebirgsarten. Muschelsandstein. 175 Sandstein. Der Muschelsandftein im engern Sinn besteht, wie die Molasse, größtentheils aus Quarzkörnern, die durch ein kalk- artiges Bindmittel verküttet sind. Seine Festigkeit ist ge- wohnlich sehr bedeutend und nähert stch derjenigen der har- ten Molaffe; die Ueberreftc organischer Körper haben wahrscheinlich, wie bey diesem, die bindende Kraft des Cements erhöht. In Säuren zerfallen auch die festesten Arten zu einem Haufwerk von -Sand. Die grünlichschwarzen Pünktchen, die wir in vielen Mo. lassen gefunden, scheinen dem Muschelsandstein vorzüglich eigen, und fehlen, so viel mir bekannt, niemals. Ausserdem aber zeichnet ihn vor der Molasse die Beymengung einer grünlichen Substanz aus, die vielleicht mit jenen Pünktchen nahe verwandt ist, und in dünnen, saftgrünen oder grünlichbraunen, zuweilen wachsartig glänzenden Häutchen den Stein durchzieht, oder den einzelnen Geröllen und Muschelkernen fest ansitzt. Wenn dieselben mehr angehäuft sind, so erhält die Totalfarbe des Steins einen sehr auffallenden Stich in'S Grüne. Endlich kommen nicht selten auch größere grüne Theile vor, mit runden, oft kuglichten, platt sphäroidischen, cylindrischen Formen, von der Größe eines HirökornS bis zu der einer großen Bohne, aussen glatt und grünlichbraun, im Bruch sseinerdig und hell graulichgrün, theils halbhart, theils leicht zerreiblich. Hr. Prof. Brunner, der auf meine Bitte diese Körner gefälligst der chemischen Analyse unterworfen hat, theilt mir folgende Resultate mit: „Mit Hülfe einerLoupe bemerkt man im Bruch einzelne Quarzkörnchen. 'DaS spee. Gew. ist 2, 552. — Vor dem Löthrohr schmelzen ste. nicht, es entwickeln sich aber Wasserdämpfe und ein deutlicher cmpyreumatischer Geruch. Werden sie nach dem Erhitzen mit Wasser befeuchtet, so reagiren sie alkalisch. In Salzsäure und Salpetersäure lösen sie sich 176 ll. Cap. Zweyter Abschnitt. j mit Aufbrausen leicht und größtentheils aus. In 100 Thei- ; len war enthalten: Wasser nebst thierischer (?) Substanz 5 , s Kieselerde und Spuren von Manganoxyd 16 / 2 36/ 7 i 40 / 1 1 / 2 100 / 0 “ Nach dieser Analyse scheinen die Körner nahe verwandt mit dem im Greensand vom Havre vorkommenden Fossil/ das Hr. Berthier analyfirt hat. 41 ) Charakteristisch für den Muschelsandstein ist/ wie eS ! die Benennung andeutet/ die große Menge der ihm beyge- mischten Ueberreste von Schalthieren. Einige SchichtungS- absonderungen sind ganz mit Steinkernen von Cardien und Cythereen (?) bedeckt/ und nicht selten folgen mehrere Lage»/ nur durch dünne Sandsteinmassen getrennt/ nahe aufeinander. ! Auch der Stein selbst wird häufig von unverwitterten Schalbruchstücken durchdrungen/ oder von nefter-undstreisenartigen Anhäufungen derselben ganz verdrängt. Zuweilen sind auch nach der Erhärtung einige Schalen verschwunden, und haben leere Stellen zurückgelassen, die im Querbruch sich als feine, länglichte, etwas gebogene Poren zeigen, und deren Wände nicht ganz selten mit mikroftopischen Kalkspathkrystallen bekleidet sind. Der Kalkspath ist überhaupt ein treuer Begleiter des Muschelfandsteins: er durchzieht ihn in feinen Adern, bildet kleine Nester, und scheint oft, besonders bey den fester» Abänderungen als eine feinschuppige, oder splittrige Masse die Sandkörner ohne Beymischung eines andern Cements zu verbitten. In größer» Krystallen habe ich ihn nie gefunden. Arnial. des Mines 1820 p; 197. PhoSphorsaurer Kalk Kohlensaurer Kalk Eisenoxyd Talkerde Verlust Spuren 177 Gebirgsarten. Muschelsandstein. Ungeachtet dieses starken/ das der Sandkörner überwiegenden Verhältnisses/ in dem der Kalk erscheint/ geht der Stein indeß meines Wissens niemals in eigentlichen Kalkstein oder auch nur in sandigen Kalk über , und die Sandsteinstructur bleibt immer deutlich. Das Korn desselben ist eben so mannigfaltig verschiede«/ als das der Molasse. Im Aargau fand ich es ziemlich fei«/ in unserm Canton größer. Nicht selten sind/ bey einem mittlern Korn/ kleine Geschiebe beygemengt/ und besonders zeichnen stch darunter/ z. B. im Bucheckberg/ kleine Steinchen von höchstens 1 Centim. Durchmesser auS/ stumpftckig/ sehr glatt und fast spiegelnd/ schwarz/ dunkelbraun/ seltner grünlichschwarz/ im Bruch hingegen bräunlichgelb/ flachmuschlig und eben; Hornstein oder Feuerstein ähnlich/ nur ist die Beschaffenheit der Äussenfläche auffallend. Auch die Farbe des MuschelsandfteinS durchläuft alle der Molaffe eigenthümlichen Nüancen. Wo die Anzahl der Muschelschalen bedeutend ist/ nähert ste stch dem bräunlichweißen; wo die grünen und braunen Pünktchen und Flecken in beträchtlicher Menge vorkommen/ wird der Totaleindruck durch diese modificirt; an vielen Orten, im Aargau ist der Stein graulichblau , in unserm Canton öfters ölgrün. Wie die meisten Molaffen zeigt er Neigung zu dickschie- friger Absonderung und wird daher zu Steinplatten benutzt (IenSberg/ Bucheckberg), Hn den Steinbrüchen des Aargau's findet er stch aber auch in dickern Schichte«/ welche schon zur Zeit der römischen Herrschaft (Mägenwyl) zu Bausteinen gebrochen wurden; bey Würenlos wird er vorzüglich zu Brunnkaften verarbeitet. Die geognostischen Verhältnisse des Muschelsandsteins find sehr einfach: Er bildet auf allen Hügel«/ die sich am Fuße des Jura zu einer gewissen Höhe erheben/ bis ungefähr in die Mitte des großen Thales zwischen dem Jura und den Alpen/ die 12 178 II. Cap. Zweyter Abschnitt. obersten Lager , und ist meist nur durch unbedeutende lockere Molasselager von der Dammerde getrennt/ nicht selten auch unmittelbar in Berührung mit derselben. Seine größte Mächtigkeit scheint er im Aargau zu erreiche»/ wo er/ zwischen Zofingen und Regensperg/ in zahl- reichen und großen Steinbrüchen ausgebeutet wird. Bey WürenloS ist seine Masse bey is m dick/ bey Mellingen und Mägenwyl vielleicht noch dicker; in unserm Canton schwerlich je über 4 — 6 Meter. ES ist indeß schwer hierüber zu stchern Resultaten zu gelangen/ denn das Zusammentreffen des Gesteins mit der tiefern Molasse läßt sich nur selten beobachten. Da/ wo ich diese Trennung gesehen (Aetigkofen im Bucheckberg) ist ste scharf und ohne Uebergänge. Auch die obere Absonderung ist meistens sehr bestimmt. Beydes wohl eher wegen der Verschiedenheit des Zusammenhalts/ als wegen ursprünglicher Formationöverschiedenheit. Der Stein nähert sich aber der Molasse zuweilen so sehr/ daß man ihn/ wenn er nicht Petrefacten enthielte/ unmöglich davon unterscheiden könnte/ und da das Vorkommen der Petrefacten doch immer als etwas Zufälliges betrachtet werden muß / so bezieht sich jede Grenze eigentlich nur auf die deutlich characteristrten Lager des Muschelsandsteins und nicht auf seine ganze Ausdehnung. Der westlichste Hügel/ auf dem ich den Muschelsandstein gefunden/ ist der Jensberg/ zwischen Aarberg und Nidau. Die Mächtigkeit läßt sich nicht bestimme«/ aber die lockere Molasse geht nur wenig tiefer zu Tage. Die Schichten/ nur wenig Deeimeter dick/ fallen sehr gleichförmig mit 25° nach 4°. Der Steinbruch liegt gegen Mittag , auf der obern Fläche des Hügels/ 567" hoch. Die Fortsetzung dieser Lager erscheint auf der nordwestlichen Ecke des B u ch e ck b e r g e s / oberhalb Balm / auf 675" Höhe. Die Schichten sind mächtiger als auf dem Jensberg und bilden gegen Osten ein schroffes/ ziemlich weit nördlich Gevirgsarten. Muschelsandstein. 179 laufendes Felsbord. Sie fallen mit I6°nach 260 °. — Wahrscheinlich würde man auf allen Hähern Punkten dieses langen Hügelzuges diesen Stein wiederfinden/ auch find mehrere Steinbrüche darin angelegt. Die bekannteste Bruchstelle ist der Bockstein/ in der Nähe von Aengkofen/ ein Felsriff/- das mehrere Meter gegen Westen aus einem Felde hervorragt / und als eine steile Wand fich südlich zieht. Die Schichten liegen horizontal/ ausgenommen am nördlichen Ende/ dem eigentlichen Backstein./ an dem fich eine loeale Störung der Lagerung zeigt. Die Höhe beträgt 537". ^ 41 ). Bey Utzigen/ östlich von Bern/ und den Alpen beträcht. lich näher als jene Stellen/ 705™ abs. Höhe/ wird auf der Ebene unter dem Schloß ein Stein ausgebeutet / der mit dem Muschelsandstein/ in Rückficht der Petrefacten sowohl/ als seines äusser» HabituS/ sehr große Aehnlichkeit hat; nur find die grünen Theile nicht deutlich vorhanden/ wenigstens nicht als Körner/ die schwarzen Pünktchen und grünlichbraunen Flecken fehlen hingegen keineswegs. Die Schichten find von geringer Mächtigkeit/ liegen unmittelbar unter der Dammerde und ruhen auf Nagelfluh. Sie fallen mit 3° nach 82 °. Am gegenüber liegenden D e n t e n b e r g / im Gümliger- thal/ findet man in gleicher Höhe 44 /)/ an der obern Kante des Hügels , Bruchstücke von Muscheln in der Nagelfluh selbst. 'ES ist eine Nagelfluh/ die in Molasse übergeht/ mit vorherrschendem/ sehr grobem und hartem Bindmittel/ und zerstreut eingesprengten/ kleinen Geröllen. — Auch am Abhänge des Bantigers/ zu Aeschi/ 667" abs. Höhe/ fand ich einen harten/ groben Sandstein/ ganz angefüllt mit kleinen Bruchstücken Mittel zw. sAi,6 un& LÄ/ 0 . — Ich hatte die Ehre auf meinem ersten Besuch des Bucheckbergs den um die Naturkunde des Clintons Solothurn viel verdienten Herrn Professor Hugi zu begleiten. *0 Die beyden Höhen stimmen zufällig bis auf einen Decimeter überein. 12 * * 180 II. Cap. Zweyter Abschnitt. von Muschelschalen. — Endlich sollen aus diesen Gegenden die Platten herrühren/ auch grober Sandstein mit Geröllen und Muschel»/ mit denen mehrere Gebäude in Bern/ z. B. das Münster - und Schulgebäude unterzogen sind. Man kann' diese Punkte als die letzten und südlichsten Spuren des Muschelsandsteins betrachten. Oeftlich vom Bucheckberg und/ wie die erst erwähnten Fundorte/ bereits ausserhalb dem Gebiet der dem Jura parallelen Hügel/ stndet man diese GebirgSart sehr ausgezeichnet auf den Hügeln bey Burgdorf anstehend. Auf der GyS- naufluh/ 687 m hoch/ nur 2 -» unter der Dammerde/ durch eine röthliche Molasse mit harren Knauern davon getrennt; über Raumöthal/ 7oo m abs. Höhe, ziemlich hoch von Molasse bedeckt; auch auf der nordöstlichen Fortsetzung dieser Hügel gegen Bleyenbach. In mehrern großen Steinbrüchen/ die diesen Fundorten ziemlich nahe und gleich hoch liegen , konnte ich indeß keine Spur von Muschelsandstein auffinden. Noch mehr östlich bildet diese Steinart die obersten Lager auf der Höhe über Brittnau bey Zofingen/ und auf der andern Thalseite, bey'm Wyckenschloß. An beyden Orten wird sie gebrochen, und die Petrefacren von Wycken werden häufig schon von Lang und Scheuchzer citirt. Der Brittnauer- siein nähert sich bereits sehr der Molasse / doch fehlen weder die characteristischen Petrefacten/ noch die grünen Theile; aber in dem Steinbruch/ der/ etwas nördlich von Wycken/ durch ein Seitenthal davon getrennt wird/ erblickt man auch diese letzter» nicht mehr/ der Stein ist oryktognostisch durchaus nicht von der gemeinen Molasse zu unterscheide»/ welche tiefer an mehrern Orten ansteht, und nur die wenigen Steinkerne von Muscheln, die den Muschelsandstein besonders auszeichne»/ lassen seine Natur errathen. Von Zofingen an folgt nun, wie schon bemerkt worden, eine fast ununterbrochene Reihe von Steinbrüchen,End- selben, Lenzburg, Mägenwyl, Mellingen, Wü- 181 Gebirgsarten. Muschelsandstein. renloS, Poppelz, südlich bis nach Bremgarten, und vielleicht noch weiter, östlich bis in die Nähe von Regen- sperg. Die abs. Höhe dieser Lager ist wahrscheinlich geringer als in unserm Canton. • Weiter östlich verlassen mich die Spuren dieser Gebirgsart. Nach einer Note in Andreäs Briefen, S. 68 , sollte man fast glauben, ste im Thurgau und bey Berlingen am Umer- See wiederzufinden, und auch Hr. Karg^) erwähnt mehrerer Molasselager mit Meerpetrefaeten zu Bodmann, He- dingen, Berlingen undZell, die vielleicht hiehergehören. Ganz unverkennbar habe ich fie aber, noch beträchtlich viel östlicher, auf der obersten Höhe eines MolaffehügelS bey Burkartöhofen, zwischen Stauffen und Weiler in Süd- Baiern, gefunden. Es fehlen zwar auch hier die grünen Körner, aber die Lagerung der Gebirgsart, als Decke der etwas tiefer anstehenden Molasse, ihre deutliche Absonderung in Tafeln von wenig Deeimeter Dicke, ihre Festigkeit und die Natur ihrer Bestandtheile, ihre Peirefacten endlich, besonders die vielen auf den Absonderungen sitzenden Cardien, lassen keine» Zweifel übrig. Sie wird, wie auf dem Bucheckberg und JenSberg, in kleinen, mitten im Wald liegenden Steinbrüchen, unregelmäßig und mit öfterer Unterbrechung, ausgebeutet. Die Schichten fallen mit 26° nach 320 °, die tiefer anstehende Molasse hingegen liegt horizontal. — Die niedrigen Hügel dieser Gegend würden gewiß auch jeden Nichtgeogno- sten an die Gegenden des Aargau's und Seelandes erinnern. Der Muschelsandstein begleitet die Molasse auch in die innern Thäler des Jura, und erscheint daselbst in Verhältnissen, die unsere volle Aufmerksamkeit verdienen. In dem Thäte von Tavannes und Court, das westlich durch die Höhen der Freyberge und den Engpafi vonPierre- Permis, östlich durch den 1037™ hohen Wassertheiler zwischen Court und Gä'nsbrunnen zugeschlossen ist, und seinen Wassern 43 ) Schriften der Schwab. Naturf. Bd. l. S. 56 . 182 II. Cap. Zweyter Abschnitt. nur durch eine enge Felsspalte gegen Münster einen Ans- lauf gestattet/ ist besonders in der Nähe von Court der ganze Thalboden mit Molassesand bedeckt. Am Fuß beyder Thalwände findet man niedrige Hügel/ mit runden Formen und fast ganz bewachsen/ und in der Mitte des Thales/ zwischen Bevilard und Court/ eine etwas höhere/ durch zwey Kuppen ausgezeichnete Hügelreihe/ welche insgesammt/ nach den An- schürfungen und einzelnen Felsen zu urtheile»/ theils aus Molasse/ theils aus Süßwasserkalk bestehen. Das Vorkommen des letzter» werden wir an seinem Orte ausführlich behandeln/ und uns hier nur auf die Molasse und die zunächst damit verbundenen Gebirgöarten beschränken. — Ganz nahe bey Bevilard zeigt ein Hügel der südlichen Thalseite/ der fich durch seine eönische Form auszeichnet/ an mehrern Stellen den nackten Fels. Seine Höhe über dem Thalgrund beträgt nur 4i m , und die abs. Höhe des Thalgrundes fand ich bey Sorvilier gleich Toi m . Die Steinart ist ausgezeichneter MuschelfandsteiN/ demjenigen des BucheckbergeS täuschend ähnlich und voll grüner Theile/ in 6 Decim. bis über l Meter mächtigen Schichten horizontal gelagert; seine Grundlage ist nicht sichtbar/ aber im Thalbach ist Molassesand entblööt; in der Höhe wird er unmittelbar von Dammerde bedeckt. ~ Weit merkwürdiger ist ein mit jenem in der nämlichen Reihe stehender Hügel bey Sorvilier/ dessen Profil an dem Wege nach den obern Alpen vollständig aufgerissen ist. Biö ungefähr 20 « über dem Thalgrund zeigt dasselbe nur Molassesand und grauen Mergel; denn folgt ein bey mächtiges Lager von grünem Muschelsandstein , auf diesem ein 1 Decimeier mächtiges Lager von SüFwafferkalk mit Planorben und Lymneen/ und auf diesem wieder der vorige grüne Muschelsandstein / 2 m mächtig. Die Lager fallen regelmäßig schwach nördlich. Der Fels ist so steil , daß man an der Einlagerung des Kalks in den Muschelsandstein nicht zweifeln kann; und die Steinart des obern und untern Sand- Gebirgsarten. Muschelsandstein. 183 steinlagers ist in Handftücken unmöglich zu unterscheiden. Man findet in dem Süßwasserkalk hin und wieder einzelne Gerölle von bunten Urgebirgsamn und Quarzgesteinen/ welche in diesem rings von Kalkfelsen umschlossenen Thäte sehr auf- fallen müssen; aber mehr noch erstaunt man, über dem obern Muschelsandftein wahre Nagelfluh zu sehn, bey 5 ra mächtig, nur von der Dammerde bedeckt, und so reich an den mannigfaltigsten Geröllen, bunten Graniten, Porphyren und vorherrschend splimigen Quarzarten, alö irgend ein Lager der Nagelfluh bey Thun oder im Emmenthal. Viele dieser Gebirgsarten stimmen auch vollkommen überein mit den Nagelfluhgeröllen des Emmemhals, besonders die bunten Granite; es finden fich ferner, in bedeutendem Verhältnisse, dunkle Kalkarten, deren Stammort man nur in den Alpen suchen kann; aber auch nach längerm Suchen gelang es mir nicht, ein Geröll von Jurakalk zu finden; und diese Ausnahme ist um so auffallender, da etwas näher bey Court die erste Stufe der mittlern Hügelreihe von einem Conglomerat bedeckt wird, das ausschließlich Jurakalkgerölle enthält und das ich nur deßwegen nicht Nagelfiuh nennen kann, weil das Cement nicht aus Quarzsand , sondern ebenfalls aus kleinen Körnern von Jurakalk besteht. UebrigenS find die Geschiebe in jener mannigfaltigen Nagelfiuh so frisch alS irgend an den Alpen; die meisten find faustgroß und einige gar von 3 Deei- meter Durchmesser. Dieß alles zusammengenommen setzt uns in nicht geringe Verlegenheit, wenn wir eine wahrscheinliche Erklärung geben sollen, wie diese Nagelfiuh hier entstanden sey. Sie von Norden her durch den ganzen Jura durchzuführen, ist ein vergeblicher Versuch, denn die topographische Beschaffenheit deö Thales, die Seltenheit oder vielmehr gänzliche Abwesenheit ähnlicher Ablagerungen in den nördlichern Thälern, das Vorkommen von Alpenkalk unter den Geröllen, und das Wegbleiben von Jurakalk find mit dieser Voraussetzung auf keine Weise zu vereinigen; eben so wenig 184 II. Cap. Zweyter Abschnitt. vermögen wir indeß einzusehen, durch welchen Canal diese Gerölle von Süden her eingedrungen seyn könnten/ und das Ausbleiben von Jurakalkgeröllen ist auch bey dieser Annahme- ein unauflösliches Räthsel. — Das schwache nördliche Fallen scheint hier Folge der Auflagerung auf den Fuß der Thalwand; aber in dem letzten Hügel dieser Reihe/ gleich hinter Court/ stnd die Muschelsandfteinlager/ zwar auch nördlich/ aber so steil eingesenkt/ mit 65° nach 34o°, daß sie fich unmöglich in dieser Lage haben bilden können / und nothwendig eine gewaltsame Umwälzung erlitten haben müssen. Wo finden wir aber den Hebel dazu in diesem engen Thale? — ES frägt sich nun zunächst/ um den Gegenstand dieses Abschnitts fest zu halten/ ob in allem dem Vorhergehenden wohl hinreichende Gründe liegen/ den Muschelsandstein von der Molasse zu trennen/ und als eine für sich bestehende Formation zu betrachten. Ich glaube nein. Die Bestandtheile beyder Gebirgsarten stnd dieselben/ und wenn der Muschelsandstein mehr Sand enthält und fester verbunden ist/ so haben wir auch in der Molaffe Lager und ganze Folgen von Lagern gesehen/ die an Festigkeit und Kalkgehalt den Mufchelsandstein vielleicht noch übertreffen. — Seine Lagerung/ als oberste Decke der Molasse reicht nicht hiN/ um ihn von seiner Unterlage abzusondern/ denn auch in andern Formationen findet man oft Verschiedenheiten, und weit auffallendere/ zwischen den ältern und jünger» Schichten, und überdieß wird er ja auch von Molasse bedeckt. — Er geht endlich an mehrern Orten in gemeine Molasse über, indem seine unterscheidenden Merkmale nach und nach ausbleiben. Ja selbst mitten in deutlichen Schichtenfolgen desselben, z. B>, in den Aargauerfteinbrüchen, kommen oft Lager vor, die durch Abnahme des Kalkcements und Mangel der grünen Theile der Molasse sehr nahe stehen, oder ganz damit zusammenfallen. Würden auch die Petrefaeten aus- 185 Gebirgsarten. Muschelsandstein. bleiben, so sieht man gar nicht ein, wie es möglich wäre, die beyden Gebirgsarten zu unterscheiden. Alle petrographischen und geognostischen Untersuchungen scheinen daher die Ansicht zu unterstützen, die den Muschel- sandstein a!S eine bloße Modisication der Molaffe betrachtet, entstanden durch eine spätere Beymischung organischer Theile und Muschelschalen, so wie auch in unsern Meeren die obersten Lager des Sandgrundes eine wesentliche Veränderung erleiden mögen; eine Ansicht, die indeß sehr gut sich mit der Annahme verträgt, daß die Petrefacten des Muschelsand- steinS wesentlich von denen der eigentlichen Molasse verschieden seyen, oder dieselbe vielmehr beynahe vorauszusetzen scheint, N a g e l f l u h. ES wäre nicht ganz richtig, wenn man die Nagelfluh des Muschelsandsteins, oder die Muschelnagelfluh, nur als einen Gerölle einschließenden Muschelsandstein betrachten wollte, obschon sich allerdings die nahe Verwandtschaft beyder Gebirgsarten nicht verkennen läßt. Das Bindmittel dieser Nagelfluh besteht ebenfalls theils aus Sand, theils aus zerbrochnen Muschelschalen, die sich lagerweise oft so anhäufen, daß sie den Sand fast verdrängen. Die Schalen liegen Nicht selten der Schichtung parallel und befördern so die Absonderung in Platten, doch findet man häufiger dicke Lager, in denen sie keiner bestimmten Richtung folgen, und dem Stein durch ihr Ineinandergreifen große Festigkeit geben. Viele Schalen sind, wie im Muschelsandstein, nachdem der Stein schon erhärtet war, verschwunden, und haben leere Räume zurückgelassen, die im Querbruch als schmale Poren erscheinen, die Wände derselben sind meistens mit Kalkspathkrystallen wie candirt, zuweilen füllt auch der Kalkspath den ganzen Raum aus. Die 186 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Molasse, die den andern Theil des Bindmittels ausmacht, ist ; sehr fest, theils sehr grobkörnig, theils so feinkörnig, daß man die Körner mit bloßem Auge nicht unterscheidet. > Die grünen Theile, die-den Muschelsandstein so sehr j auszeichnen, fehlen ganz. Die Anzahl der Gerölle ist sehr ungleich, aber immer geringer, als in der eigentlichen Nagel- siuh, so daß gewöhnlich jedes Geröll ganz vom Bindmittel. umschlossen ist, und die andern nicht berührt; oft stehen sie mehrere Centimerer weit auseinander, ja ein großer Theil dieser Nagelfluh ist ein wahrer Sandstein mit zerstreut eingesprengten Geröllen. Die Größe der Gerölle übersteigt selten die einer großen Baumnuß, dagegen sind sie frischer und weniger verwittert,, als in der Nagelfluh, die den Alpen näher liegt; was freylich größtentheils dem Umstände beygemessen werden muß, daß in den Steinbrüchen, in welchen man die Muschelnagelfluh beobachten kann, die Verwitterung weniger verspürt wird. Unter den Geröllen findet man die ausgezeichnetsten Gebirgsarten der Thunek und Emmenthaler Nagelfluh wieder, die rothen und grünen Granite, die grünen und grauen Porphyre mit glänzendem Quarz, schwarze und grüne Hornsteine und Kieselschiefer u. s. w. Die Identität ist vollkommen. Hingegen habe ich, mit Ausnahme eines einzigen dichten rauchgrauen Kalkgerölls, dem Stockhornkalk ähnlich, nichts entschieden alpinisches und gar keine Jurakalksteine j gefunden. Die buntfarbigen Urgebirgöarten herrschen in großer Mannigfaltigkeit so sehr vor, als in irgend einem Lager der andern Nagelfluh. ES ist wohl nicht zufällig, daß die geröllreichsten Massen dieser Nagelfluh ungefähr in einer geraden Linie liegen mit den so weit nördlich vordringenden, mächtigen Nagelfluhgebirgen des Thuner-See's und der Emme, und der erst beschriebenen sonderbaren Ablagerung von Sorvilier; da ja schon die große Uebereinstimmung der Geröllarten auf einen 187 Gebirgsarten. Muschelsandstem. nähern Zusammenhang dieser Punkte hindeutet. Westlich von dieser Linie werden die Gerolle in der Muschelnagel- > fiuh immer seltener , und östlich scheint die Gebirgsart sich ganz zu verlieren. i Am nächsten den Alpen, wenn man nicht etwa die Lager ! von Utzigen und vom Dentenberg hieher zählen will, ist die ! Muschelnagelfluh bey S u r e n h o r n, am nordöstlichen Abhang des FrieniSberges anstehend, in einer Höhe von 686°-. Sie erscheint da in ihrer ganzen Eigenthümlichkeit, in dicken j Schichten, die jedoch Neigung zu häusigern Absonderungen > zeigen, mit 19° nach 4o° fallend (am nördlichen Eingang ! des Steinbruchs scheinen die Schichten weniger geneigt). Ungefähr 5 m Boden werden sie, etwa 3" hoch, von feinem Molassesand bedeckt, in welchem wieder horizontale j Trümmer von Nagelfluh erscheinen, und dieser Sand mischt , sich mit der Dammcrde. Eine der günstigsten Stellen zur nähern Untersuchung der Muschelnagelfluh, und Ausmittlung ihrer geognostischen Verhältnisse zur Molasse und zum Muschelsandstein, ist der große Mühlfteinbruch bey Schnotwyl, in der Verflächung des westlichen Bucheckbergs gegen die Ebene von Wengi und Mes- sen, 547-° über's Meer 45 ). Die Nagelfluhschicht, welche auSgebeum wird, mit häufigen Geröllen, ist bey 5°- mächtig,, und fällt mit 15 bis 20. 0 östlich, also dem Berge zu. Ihre Grundlage besteht, nach Aussage der Arbeiter, aus lockerer Molasse. Ueber der Nagelfluh, durch ein dünnes Meraellager davon getrennt, lie- gen sehr große, nördlich aufsteigende Ellipsoide, theils aus der untern Nagelfluh, aber mit mehr vorherrschendem Bind- mittel , therls aus grobem Sand bestehend, und durch dünne, zum Theil sehr harte, graue Mergellager von einander gesondert. Der längere Durchmesser dieser Ellipsoide beträgt 4S ) Als Mittel zwischen 549,3 und 543,8. 188 II. Cap. Zweyter Abschnitt. mehrere Meter, ihre größte Dicke bey i m . Die Zwischenlager laufen unter spitzen Winkeln gegen das untere Mergellager zusammen, und vereinigen sich mit demselben. In dem Sande liegen harte Knauer als platte Ellipsoide, oder abgerundete Tafeln von 1 Decim. Mächtigkeit, dem Streichen der großen Ellipsoide folgend, oft so feinkörnig und Hart, daß man sie fiir dichten Kalk halten könnte. Die ungefähr 2 m mächtige Lage dieser auffallenden Bildungen wird durch eine horizontale, sehr dünne Schicht fesier Mo- lasse oder Mergel quer durchschnitten, über derselben liegt wieder eine Reihe solcher halber Ellipsoide mit abwärts gekehrter Spitze; dann folgt, unmittelbar unter der Dammerde, lockere Molasse, oder Sand, mit dunkeln Streifen. ES mag diese räthselhafte Strucmr im Allgemeinen durch das Zusammenziehen der Masse beym Trocknen, und das Eindringen des feinern Schlamms in die Zwifchenräume erklärt werden, auf ähnliche Weife wie die analogen Bildungen in der gemeinen Molasse. Die ellipsoidischen Formen deuten auf den Streit der zwey entgegengesetzten Neigungen nach paralleler und nach kuglichter Absonderung. Steigt man von dem Bruche am Abhänge des Berges aufwärts, so findet man bey Biezwyl die gewöhnliche lockere Molasse der subjurassischen Hügel, mit horizontal liegenden, harten Knauern, und auf der obersten Höhe des Berges, mehr südlich, erreicht man das vorhin erwähnte Felöbord von Muschelsandsiein, 675 m über's Meer. Steigt man von demselben nach Balm hinunter, so stößt man an der südwestlichen Kante des Berges überall nur auf Molasse mit harten Knauern, bis man ganz in der Ebene, und tiefer als der Schnotwyler Steinbruch, die Grundlage des ganzen Hügels, den bunten Mergel anstehend findet. Diese Verhältnisse scheinen entscheidend. Die Nagelfluh von Schnotwyl, so glaubt man schließen zu sollen, liegt mitten in der Molasse als untergeordnetes Läget, oder als stock- 189 Gebirgsarten. Mnschelsandstein. förmige Bildung; sie wird von Molasse in einer Mächtigkeit von mehr als 120™ bedeckt , und durch dieselbe vom Muschel- sandstein des BucheckbergeS getrennt. — Aber gegen diese einfache Ansicht lassen sich sehr bedeutende Einwürfe machen, und das Vorkommen der Muschelnagelfluh an andern Punkten spricht eher für ihre Formationsidentität mit dem Mu- schelsandstein, als für die Trennung beyder Gesteine durch eine so mächtige Lage von Molasse. ES läßt sich auch diese Identität mit der gegenwärtigen starken Niveauverschiedenheit entweder dadurch in Einklang bringen, daß man annimmt, bey der Entstehung beyder Steinarten sey dieser Höhenunterschied schon vorhanden gewesen, und dieselben Körper , die über Balm sich auf die Höhe ablagerten, haben bey Schnotwyl erst in der Tiefe des Steinbruchs Grund gefunden; durch die leicht denkbare, ursprüngliche Verschiedenheit des Grundes, oder die, natürliche Tendenz loser Gerölle sich an den tiefsten Punkten zu sammeln, würde sich auch die abweichende Bejchaffenheit beyder Gebirgsarten erklären; oder daß man einen localen Einsturz voraussetzt, durch welchen die Schnotwyler Nagelfluh aus dem Zusammenhang mit dem Bucheckberglager sey losgerissen worden. ~ Die eine wie die andere Hypothese beruht, wie man sieht, auf der Annahme, daß die Lager von Schnotwyl nicht in den Berg selbst eindringen, sondern nur an der Aussenfläche haften, und höchstens von leichten Molassebildungen bedeckt werden, wie der Muschelsandstein selbst auch.. Nach der Configura- tion des Landes, und bey der noch geringen Ausdehnung des Steinbruchs in östlicher Richtung, lassen sich weder für, noch wider diese Annahme entscheidende Gründe aufflnden. Nicht ungünstig ist ihr die sehr unregelmäßige und zum Theil ! starke Neigung der Schichten; denn die Lagerung der Molasse-Formation in der Tiefe ist sonst allgemein ohne Spuren gewaltsamer Störungen, auf lange Strecken hin gleichförmig und weniger geneigt als an der Oberfläche. 190 II. Cap. Zweyter Abschnitt. Die Muschelnagelfluh/ mit weniger Geröllen als zu ; Schnotwyl, zeigt sich wieder an der Südseite des Dotzin- gerbergs, hier aber mit nordwestlichem Fallen? und? was noch wichtiger ist , von mächtigen Molasselagern bedeckt. Ich fand zuerst bey Dotzingen, ungefähr 20 m über der Aar , anstehende lockere Molasse mit harten Knauern der Muschelnagelfluh aufliegend, mit 4o° nach 330 ° fallend, im Ganzen aber sehr unregelmäßig; dann, bis gegenüber Dießbach, an sehr vielen Stellen die lockere Molasse mit Knauern, immer mit nordwestlichem Fallen; in einem verlassenen Steinbruch endlich lag zu unterft bey 3 m hoch Nagelfluh, über ihr bey ; 5 Deeim. mächtig feste Molasse, dann wieder 3™ hoch Nagelfluh, und auf dieser lockere Molasse bis an das obere Ende. des Bruchs, und wahrscheinlich bis auf die noch bedeutend j erhöhte obere Fläche des Hügels. ES scheint nach diesem ! die Nagelfluh hier wirklich zur Hauptmasse des Berges zu gehören, und noch sehr hoch von Molasse bedeckt zu werden. Würde sich auf der Höhe der Muschelsandftein anstehend zeigen, so bliebe wohl über die Verschiedenheit beyder Ablagerungen kein Zweifel mehr; aber die nach allen Seiten verbreitete Waldung läßt wenig Hoffnung, daß die Frage hier so direct entschteden werden könne. Ganz nahe am Jura, zwischen Brügg und Mett, wenig über die Fläche des Vieler-See'ö erhöht, ist die Mu- fchelnagelfluh durch einen Steinbruch aufgedeckt worden. ! Sie zeigt sich in mächtigen Schichten, mit senkrechten Quer- > absonderungen; auf ihr liegt ein harter, schieferiger Sandstein, wahrscheinlich noch zum Bindmittel gehörend, dann lockerer Molassesand mit dunkeln Streifen, und etwa i£ m höher , aber • etwas südlich zurückstehend, so daß wie zu Schnotwyl Zweifel über die Auflagerung erhoben werden könnten, rother Mergel. Auch unter der Nagelfluh tritt Molaffe hervor. Die Schichten fühlen hier schon die Einwirkung des Jura, die östliche und nördliche Einftnkung ist verschwun- 191 Gebirgsarten. Muschelsan-stem. den t und das allgemeine Gesetz der Schichtenneigung in der Nähe des Jura macht sich geltend: sie fallen mit 47° nach 190 °. Der Bruch ist indeß noch durch die ganze Ebene von Mett vom Jura geschieden / das starke südliche Fallen kann also nicht Folge der Ablagerung aus einer schiefen Fläche seyn; ist es vielleicht zufällig/ nur local? oder war die Na- gelsiuh bereits gebildet/ als die ursprünglich horizontalen Juraschichten ihre starke Neigung erhielten , und wurde sie mit diesen aus der Tiefe gerissen? Am Jenöberg fand ich ganz oben/ wie schon erwähnt worden/ den Muschelsandstein/ ungefähr in mittlerer Höhe über JenS den bunten Mergel/ und zwischen beyden Molasse mit harten Knauern. Am nördlichen Fuß lagen / als ich dort ; war/ mehrere große Nagelfluhblöcke / die mir zur Schnotwy- lerformation zu gehören schienen/ deren Stammort ich aber nicht entdecken konnte. Sie deuten ebenfalls auf ein vom j Muschelsandstein unabhängiges / tieferes Nagelfluhlager. ! Hingegen scheinen die Verhältnisse am andern Ende des Vieler - See'6 und weiter westlich mehr die entgegengesetzte Ansicht/ welche Nagelfluh und Sandstein als identische Bildungen betrachtet/ zu begünstigen. Die Nagelfluh bildet dort/ j wie der Sandstein im Aargau / meistens die Decke der Hügel / j die Gerölle werden seltner/ und der Stein ist eher Sandstein > zu heißen. Die grünen Theile fehlen indeß durchgehends. Man findet die Nagelfluh auf beyden Seiten des Juli- mont durch Steinbrüche aufgeschlossen. Am nördlichen Abhang/ in SS8 m Höhe/ liegt sie auf lockerer Molasse mit harten Knauern/ die tiefer mit buntem Mergel wechselt; sie wird auch von Molasse bedeckt/ doch erreicht sie beynahe schon die obere Fläche des Hügels. Die Muschelschalen sind / der Schichtung parallel/ in besondern Lagen oder Streifen angehäuft / da hingegen andere Theile des Steins / mit diesen Streifen übrigens innig zusammenhängend t beynahe leer davon sind. Die Nagelfluhschichten fallen mit ungefähr 20 ° 492 II. Cap. Zweyter Abschnitt. östlich/ die der aufliegenden Molasse sind horizontal/ oder eher südlich eingesenkt. — Am südlichen Abhang ist die Nagelfluh ohne alle Molaffebedeckung und sällt mit etwa 10 0 nördlich. In mehrern Anschürfungen sieht man unter ihr lockere Molasse und harte Knauer. Mit dieser Nagelfluh stimmt diejenige der Steinbrüche zu Brüttelen/ östlich von Ins/ vollkommen überein. Sie enthält ebenfalls weniger Gerölle / als die Schnotwyler / aber immer dieselben Granite und Porphyre/ und wie am Juli- mont wird sie unmittelbar von der Dammerde bedeckt. Jn- deß liegen die Brüche nicht auf der obersten Höhe/ und die Nagelfluh könnte tiefer in den Berg hinein wohl noch Molasselager tragen. Aber auf dem Mistelachberg / 642-" über's Meer/ ist die Nagelfluh unmittelbar unter dem Signal aufgebrochen / und dieses/ das den höchsten Punkt des Berges bezeichnet / ist wohl selbst in ihre Masse eingetrieben. Auch hier sind die Gerölle sparsam eingesprengt , mehr noch als bey JnS / aber Nagelfluh und Gerölle sind unverkennbar dieselben. Wie sonderbar — hier am Fusse des Jura Granite und Porphyre/ und an der gegenüberliegenden Seite der Alpen/ zu Guggisberg und im Freyburgischen / Jurakalk in der Nagelfluh zu finden! Noch mehr westlich gelangen wir zu den berühmten/ schon vom Graf RazoumovSki beschriebenen Steinbrüchen bey Tour de la Moliere/ bey Seyrie und Bollion. Der Stein/ der in einer Mächtigkeit von 8 bis io m der lockern Molasse dieser Gegend aufliegt/ und nach RazoumovSki noch weiter südlich bis in die Mitte der Waadt die Decke der Hügel bildet/ enthält nur sehr wenige Gerölle mehr/ und ist kaum noch Nagelfluh zu heissen; aber die Festigkeit/ den starken Kalkgehalt/ die vielen Aederchen und Blättchen von Kalkspath / die dicken Schichten mit Anlage zu dickschiefriger Absonderung/ hat er mit der Nagelfluh der östlichen Hügel gemein/ und nach seinem topographischen Vorkommen er- scheint 19 3 Gebirgsarten. Muschelsandstein. scheint er deutlich als die Fortsetzung der Nagelfluh des Mi- stelachberges. Die Schichten im Steinbruch der Möllere fallen mit is 0 nach 50 0 , ziemlich regelmäßig; auch in den übrigen Steinbrüchen herrscht nordöstliche Einsenkung. Die absolute Höhe der Tour de la Moliere wird vom Graf Ra- zoumovski gleich 347 Toiscn oder 676^ angegeben; ich fand die des Seyriesteinbruchs gleich 590 m , Oestlich von Schnomyl habe ich die Muschelnagelfluh nirgends mehr anstehend gesehen/ nur sind mir zwischen St. Urban und Brittnau an mehrern Orten größere Blöcke auf- ^ gefallen / die ich geneigt wäre dafür anzusprechen. In derselben Gegend ist indeß der Muschelsandstein auf allen Höhen anstehend/ ohne die geringste Annäherung zur Nagelfluh zu zeigen; man möchte daher beynahe hier / wie am Iens- ! berg / auf ein tieferes , für sich bestehendes , Nagelfluhlager schließen. i Nachdem wir nun sorgfältig alle Punkte untersucht ha- ! ben/ wo sich Spuren der Muschelnagelfluh zeigen/ befinden ; wir uns also in derselben Ungewißheit über das Verhältniß dieser Gebirgsart zum Muschelsandstein/ als vorher. Für die Verschiedenheit beyder sprechen die Verhältnisse am Do- zingerberg und die Nagelfluhblöcke am Jensberg und bey i Brittnau / für ihre Identität die Aehnlichkeit beyder Gebirgs- ! arte«/ und der allmählige Uebergang der einen in die andere. Es wird sich in einem der folgenden Capitel zeige«/ daß auch die Petrefaeten aus einen sehr engen Zusammenhang zwischen den beyden Ablagerungen schließen lassen. Sehr beachtenswerth ist die gewöhnlich ziemlich merkliche und gegen alle Regel sich sträubende Neigung der Nagelfluhschichten. Wir haben östliche/ westliche / nördliche und südliche Einsenkung gefunden / unter Winkeln von 20 bis 4o°; nicht selten zeigen sich Umbiegungen im gleichen Steinbruch/ wie zu Surenhorn und Schnotwyl/ oder im gleichen Hügel/ wie am Julimont. Die Sache wird noch auffallender/ wenn 13 194 II. Cap. Zweyter Abschnitt. man erwägt, daß die Grundlage oft horizontal zu liegen scheint, oder, unter weniger starken Winkeln, oft nach an- c dern Richtungen geneigt ist. So fallen am Julimont die tiefer liegenden Molaffe- und bunten Mergellager südlich, die Nagelfluhlager östlich und nördlich. Auf dem Mistelachberg ist die Nagelfluh mit ungefähr 10 ° nordöstlich eingesenkt, die Molasse und der bunte Mergel tiefer am Berg, schwach nordwestlich. Bey Surenhorn find ähnliche Verhältnisse. Man kann diese seltsame Erscheinung einigermaßen durch die Annahme erklären, daß die schwachen Einsenkungen der Grundlage erst nach der Erhärtung der Nagelfluh statt gefunden haben: jene weichern Gebirgsarten konnten durch sanfte Bie- gungen den auf große Distanzen hin wirkenden, unterirdischen Ursachen nachgeben, und, bey einem geringern Fallwinkel, die Niveauverschiedenheit durch'größere horizontale Entfernung ausgleichen; aber die dicken, fest zusammenhängenden, keiner Biegung fähigen Nagelfluhlager mußten bey einem plötzlichen Wanken ihrer Grundlage zerbersten, und, als Folge dieses gewaltsamen, und daher regellosen Zerreißens, stärkere und keinem Gesetz gehorchende Neigungen annehmen. 195 Drittes Capitel. Neuere Bildungen über der Molasse-Formaljon. Obschon eS einer folgerechten Eintheilung angemessener scheinen möchte / unmittelbar an die geognostische Untersuchung der Molaffe-Formation die Beschreibung ihrer Petrefaeten anzuknüpfen/ so glaube ich doch besser zu thu»/ die in der Ueberschrift angekündigten Gegenstände vorauszuschicken/ einerseits/ weil es auch kein geringer Uebelstand wäre/ so nahe verwandte Gegenstände/ wie die deS vorigen und dieses Capitels / größtentheils Beschreibungen sich sehr ähnlicher Ge- birgöartcn/ durch einen ganz heterogenen/ mehr zoologischen/ zu trennen , andrerseits / weil dieser letztere aus der Kenntniß -der neuern Bildungen Vortheile ziehen wird/ die er/ wenn ihm der Vorrang gestattet würde / nicht eben so erwiedern könnte. ES ist indeß nicht meine Absicht/ diesem Capitel eine so große Ausdehnung/ wie dem vorhergehnden zu geben. Die einzigen Bildungen , die der Molasse aufgesetzt erscheinen , sind die des aufgeschwemmten Landes/ und obschon zwar dem Agronomen / dem Hydrotechniker , dem Straßenbaumcifter die Kenntniß der verschiedenen Ackerkrumen/ KieSbänke/ Torflager u. s. w. von höchster Wichtigkeit seyn muß/ obschon auch für die allgemeine Phnsik sich gewiß einst aus dem Stu- dium derselben große und unerwartete Resultate ergeben werden/ über das frühere Niveau / dir Laufgeschwindigkeit und daher die Waffermasse der Ströme/ also auch über daö Quantum deS in den Gebirgen verdichteten Wassers/ über die Ver- theilung dieses Quantums auf das Jahr/ über das damit aufs engste zusammenhängende / frühere Klima u. s. w.; so kann doch die Untersuchung jener Bildungen wenigstens in geognostischer Hinsicht nur von sehr untergeordnetem Interesse 13 * 196 III. Capitel. seyn, da dieselben ihrer ganzen Natur nach Localbildungen sind, die mit jedem Landstrich und Flußgebiet abändern, und also nicht geeignet seyn können, die allgemeinen Gesetze der Lagerung, die allein Gegenstand geognostischer Forschung sind, im Geringsten aufzuklären. Ich werde mich daher vorzüglich auf dasjenige beschränken, was mit unserm Haupt- gegenstand in näherer Berührung steht, immer die mir bekannter» Gegenden um Bern vorzugsweise im Auge behal- tend. Wo sich indeß Gelegenheit dazu darbietet, will ich auch nicht unterlassen, Materialien zu einer künftigen Bear- beitung jener praetischen, und allgemein physikalischen Fragen hier niederzulegen. Die englischen Geognosten unterscheiden unter den neuern, nicht in regelmäßigen Lagern erscheinenden Bildungen diejenigen, die von jetzt nicht mehr wirkenden Ursachen herrüh- ren, von denen, deren Bildung stets noch fortschreitet, und. heissen die letztem Alluvial-Formationen, die erstem Dilu- vial- Formationen; indem sie von diesen voraussetzen, daß sie insgesammt von einer einzigen großen Katastrophe herftam- men, die im stächern Land unsere Thäler gebildet, die großen KieShügel aufgehäuft, die UrfelSblöcke viele Meilen weit fortgetragen, die ganze damalige Schöpfung von Mammuths, Mastodonten, Hyänen und Hölenbären vernichtet habe, und ebendieselbe alles überschwemmende Fluth gewesen sey, von der unS die heilige Schrift und die Sage aller Völker das Andenken aufbewahrt hat. Ich will diese Eintheilung beybehalten , ohne dem Wort Diluvium indessen den speciellen, etymologisch ihm fteylich zukommenden Sinn beyzulegen, den ihm, einer gutgemeinten Absicht zu lieb, ich glaube zuerst Herr Bück land gegeben hat. Daß alle zwischen den jüngsten regelmäßigen Lagern und dem Alluvium liegenden | Gebilde von einer einzigen momentanen Fluth herrühren, ist , eine Voraussetzung, die durch die Geognosie eben erst bewie- - sen werden sott, aber meines Wissens noch nicht erwiesen ist, Neuere Bildungen. 197 und welcher , in unserm Lande wenigstens, sehr große und kaum zu beseitigende Hindernisse im Wege stehen. Wollte man aber zwischen den Bildungen der Sündflmh und andern Ablagerungen / die nicht mehr fortdauern/ unterscheiden/ so erhielten wir drey Abtheilungen/ statt zwey/ und die erste würde immer noch auf der Hypothese beruhen/ daß sich die Spuren jener Fluch wirklich erkennen lassen; wir hätten einen Claßbegriff ohne Inhalt. — Für unsere zwey Abtheilungen/ der geschlossenen und der noch fortdauernden Bildungen/ wären freylich schicklichere Namen sehr zu wünschen; denn auch die Benennung Alluvium muß auf mehrere ihrer Gegenstände sehr gezwungen angewendet werden / und ohne vorausgeschickte Erklärung/ daß die Worte nicht nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauch zu verstehen seyen/ würde mau sich kaum einen Begriff von Alluvialtorfiagern/ Alluvialtuff u. s. w. machen können. Doch wollen wir nicht um Worte streiten. Daß es übrigens mit unserer Trennung der neuern Bildungen nicht ganz strenge genommen werden dürfe / ist wohl übe-rflüssig zu erinnern. Mehrere Arten derselben/ z. B. eben die Tuffablagerungett/ sind an einigen Stellen geschlossen/ an andern dauern sie noch fort , so auch die Kieslager; es wäre ermüdend gewesen/ dieselben unter beyden Titeln auf- zuführen/ und die Angabe von Lokalitäten hätte überdieß noch weitläufige und wenig belehrende Nachforschungen gefordert; ich habe daher in jeder Abtheilung nur diejenigen Ablagerungen aufgenommen , die mir besonderes Interesse darzubieten schienen / und ihnen den Beynamen Diluvial oder Alluvial gegeben/ je nachdem sie mehr mit einem längst verflossenen/ oder mit dem noch fortdauernden Zustand der Dinge sich in Verbindung zeigten. 198 in. Cap. Erster Abschnitt. Erster Abschnitt. Diluvial-Formationen. i. Kies- und Sandlager. Beynahe in allen unsern breiten Thälern ist die Molasse mehr oder weniger/ oft bey 4o m hoch mit einer Ablagerung von Kies / Grien geheissen/ Sand und Lehm bedeckt / welche die vielen Unebenheiten der obern Fläche der Molasse zum Theil wieder ausgeglichen hat. Gewöhnlich ist Kies und Sand ganz lose; die Gerölle des erster« sind mit Sand und Lehm gemengt/ die bey jedem nicht eben starken Schlag/ oder bey Berührung mit Wasser zerfalle»/ und nur durch die eigene Schwere und Reibung einen geringen Grad von Zusammenhalt annehmen; doch findet man zuweilen einzelne Nester und Lager/ die/ ohne sich äusserlich von den übrigen lockern Molassen zu unterscheide»/ eine Festigkeit besitzen/ die mit derjenigen mancher Nagelfluh die Vergleichung auöhält/ oder sie gar noch übertrifft; seltner ist eine solche Festigkeit der ganzen Ablagerung gemein. Die Verküttungsart der Gerölle unterscheidet sich nicht wesentlich von derjenigen der Nagelfluh. Es vermittelt sie ein sandiges Bindmiml/ das immer vielen Kalk enthält/ und daher heftig mit Säuren brauöt. ES besteht gewöhnlich aus einem grobe»/ schwärzlichen Sand/ der aber eben so viel/ oder mehr Kalkkörner als Quarzkörner enthält/ und/ auch wenn er sehr fest verküttet ist/ sehr porös erscheint / indem die kleinern Zwischenräume zwischen den platten Kalkkörnern nicht durch noch feinere Theile ausgefüllt sind. Oft auch überzieht ein weißlicher Kalkleim die Gerölle mit einem dünnen Häutche»/ das wohl als Rückstand des mit Kalk geschwängerten Wassers betrachtet werden muß/ in welchem die Geschieb- hank sich gebildet hatte. — Obschon ich diese Struktur des Diluvial-Formationen. 199 ! Bindmittels bey sehr vielen dieser neuern Conglomerare gesunden, so will ich indeß nicht behaupten, daß Cemente mit reinerm Quarzsand, von feinerm Korn und ohne leere Poren , von den Cementen wahrer Nagelfluh in nichts verschieden, ganz fehlen. — Meiftentheils ist das sandige Bindmmel in weit beträchtlicherm Verhältnisse vorhanden, als die Gerölle, und öfters bildet es eigene Nester und Lager , bald mit scharfer Trennung von den gröbern Massen, bald durch allmählige Aufnahme von Geschieben in dieselben übergehend. Die Gebirgsarten der Gerölle sind je nach der Gegend verschieden. Um Bern herum und im ganzen Aarthale behaupten die dunkeln, alpinischen Kalk- und Grauwackeamn daS Uebergewicht; beygemengt sind Alpengranit-, Alpen- gneuS - und bunte Nagelfluhgerölle. Bey JnS fand ich nur Juragerölle. Bey Kirchberg und im untern Emmethal nur bunte Nagelfluhgerölle. Eine genauere Untersuchung würde zuverlässig schätzbare Aufschlüsse über den frühern Lauf unserer Ströme und die Geschichte unserer Thalbildung gewähren. So scheinen z. B. in den Grienmassen bey Könitz und Bümplitz die alpinischen Kalk- und Sandsteine weit stärker vorzuherr- schen, als in denen des, mehr in der Richtung des AarthaleS gelegenen, Bremgartenwaldes; woraus man schließen darf, daß jene nicht von Wassern abgesetzt worden, welche mächtige Nagelfluhmassen durchfiossen hatten, vielleicht von der Sense. Die Größe der Gerölle ist, wie in der Nagelfluh, sehr verschieden, zuweilen findet man sogar einzelne große Blöcke davon umwickelt, doch erreichen diese in den Ablagerungen, die wir hier näher im Auge haben, niemals eine so bedeutende Größe, wie in den eigentlichen Schuttmassen, und ihre Kanten sind meist abgerundet. Sowohl die festen, als die ganz losen Kieö - und Sandbildungen erscheinen nicht, wie meistens die Glieder der Mo- lasse-Formation, in regelmäßigen Lagern, die. mit gleicher Mächtigkeit oft Meilen weit fortfireichen, sondern mehr in 200 III. Cap. Erster Abschnitt. ungeschichteten Massen/ die zwar auch sehr deutliche Spuren periodenweiser/ horizontaler Ablagerung zeigen/ aber so we- nig regelmäßig / daß man die Absonderungen nach kurzem An- halten bald wieder ganz verliert. Besteht die Hauptmasse aus Gerölle«/ so ist der Sand in langen Nestern, die oft das Ansehen von Lagern gewinnen, oder in großen Mulden eingelagert. Die Schichtung läßt sich dann an der großen Längen- ausdehnung dieser Nester, deren oft mehrere über einander mit Geröllen wechseln, nicht verkennen; man bemerkt sie auch an einer gewissen Streifung des Sandes selbst, die von einer regelmäßigen Lage der Sandtheile, besonders der etwas gröber« platten Kalkkörner, herzurühren scheint. — Die Lager, welche fester verküttet sind, stehen zuweilen über ein Meter weit aus den lockern, leichter zerstörbaren Massen hervor. Die Aussenfläche dieser Ablagerungen ist überhaupt gewöhnlich sehr uneben, und zeigt hervorspringende Ecken und größere Aushölungen, welche sehr verschiedene Grade des Zusammenhalts bezeichnen. Niemals findet man die gleichförmigen, ich möchte sagen glatten, Wände der wahren Nagelfluh, welche ohne alle Vertiefungen oder Unebenheiten, als die vom Hervorstehen der Gerölle herrühren, oft auf lange Strecken hin vollkommene Ebenen, oder sanfte Bauchungen bilden. Als untergeordnete Glieder dieser Bildungen sind die mehr oder weniger reinen Lehn«- und Töpferthonlager zu betrachten, von blauen und hellbräunlichen Farben, gewöhnlich unmittelbar unter der Dammerde liegend, und sich mit ihr vermengend. Sie werden an vielen Orten zu Töpferarbeiten, Ziegelbrennereyen und andern Benutzungen ausgebeutet. Eine der lehrreichsten Gegenden zur Beobachtung dieser neuen Bildungen ist die von Strätligen und der Kan- d e r b r ü ck e. Man sieht an der neuen Straße, die von dieser nach Wimmis führt, den Durchschnitt der Hügelkette, auf welcher Strätligen steht, von dem obersten Rücken bis an das Wasser entblöSt, in einer Höhe von wohl 6o m . Kalk- und Diluvial-Formationen. 201 Grauwackengerölle , wie sie noch jetzt die Kander und Simme herbringe»/ sind in der obern Hälfte des Durchschnitts/ fest verküttet durch einen grauen / sandigen Lehm , der aus der Zerstörung der Thon- und Mergelschiefer deS FrutigthaleS entstanden seyn mag. Man hat/ um die Strasse in diesen Schutt einzuschneiden , Sprengarbeit anwenden müssen. Mitten in dieser Masse bemerkt man auch größere Blöcke von Al- pengranit oder Kalk / ziemlich abgerundet und mit ihren breitem Flächen horizontal liegend; Spuren von Schichtung sind aber/ einige dunklere/ horizontale Streifen am andern Ufer ausgenommen/ keine wahrzunehmen. So bis ungefähr in die halbe Tieft/ wo dann eine deutliche / horizontale Absonderung folgt/ als ob zwischen der Entstehung der obern und untern Massen eine beträchtliche Zeit verflossen,> oder beyde unter verschiedenen Umständen wären abgesetzt worden. Die untern Massen erscheinen in langen Nestern / von ungleicher Festigkeit/ so daß die einen mehr als die andern hervorstehen; ihre Gerölle sind immer noch Kalk und Grauwacken/ aber statt durch Lehm/ sind sie durch magern Sand verküttet/ und dieser Sand bildet oft eigene Lager/ oder längere Nester/ die man isolirt unmöglich von Molasse unterscheiden könnte. Höchst auffallend bey einer so neuen Formation ist das ziemlich starke/ östliche Einfallen dieser Nester /-unter einem Winkel/ der nahezu 45° erreicht; man bemerkt dasselbe längs dem ganzen Bett der Kander und Simme bis Wimmis/ so wie auch die horizontale Trennung von der obern Masse , die indessen zwischen dem Strätlighügel und Wimmis nur noch wenige Fuß Höhe hat. — Ungefähr eine halbe Stunde nördlich von Strätligen/ findet man am rechten Ufer des alten KanderbmeS/ mitten in der obern Schuttmasse/ bey 20™ unter dem Rücken des Strätlighügels / ein horizontales/ 0/3™ mächtiges Braunkohlelager/ aus dicht zusammengepreßten/ bräunlichschwarzen Holzftncken/ Pfianzenstengeln u. s. w. bestehend , die sich in dünnen Schichten von einander ablösen 202 III. Cap. Erster Abschnitt. lassen. Scheuchzer eitirt einen Bueciniten aus diesem Lager 46 ); man hatte ihn wahrscheinlich gefunden, als die Kohle durch einen Stollen noch ausgebeutet wurde. Wie die ganz ähnliche Braunkohle von Utznach, ist das Lager in einen fei- nen, blauen Thon eingeschlossen, der eö von der gröber« Geröllmasse trennt. — An dieser bemerkt man über dem Lager horizontale schwarze und rothe Streifen, die von einem feinen, ftaubartigen Anflug herrühren, der ziemlich tief hinter die Auffenfläche eindringt; der rothe Staub ist Eisenhydrat, der schwarze färbt Borax amethystblau und ist also Mangan.— Am linken Ufer des alten Kanderbettes find die Geschiebe so fest verküttet, daß sie, wie in mancher Nagelfluh, weit eher zerspringen, als vom Bindmittel losreissen, und dieses bricht beym Zerschlagen in scharfkantige Stücke, mit ebener Bruchfläche. Die mächtigen, größere Hügel bildenden Schuttmassen von Thungschneit und Jaberg, unweit der frühern Einmündung der Kander in die Aare gelegen, sind wohl als die Fortsetzung der eben beschriebenen Ablagerung zu betrachten, und beweisen wie diese, daß die Kander und Simme, oder die Wasser des Frutig- und Siebenthales früher eine unge- heure Masse von Geschieben hervorgewälzt haben. Der Boden in der Umgegend von Bern besteht an vielen Stellen bis in eine Tiefe von 4o m nur aus Geröll- und Sandmassen. An dem Ufer der Aar, in der Nähe der Karlsruh, und am Abhang des Wylerholzes, bilden dieselben hohe und wilde Felsen, zum Theil überhangend und an Gebirgsseenen der Alpen erinnernd. Ganz unerwartet ist das Vorkommen solcher GebirgSmas- sen, deren Anlage zu horizontaler Schichtung auf eine ruhige Ablagerung in länger« Zeiträumen schließen läßt, auf Höhen oder an Abhängen, die gegenwärtig sehr hoch über dem Ni- •*'') Mus. dilur. No. 25r, b. 0 Diluvial - Formationen. 203 vean der Thalwasser liegen. So auf dem höchsten Punkt d^r Grauholzstraße/ wohl 160" über der Aare/ abwechselnde Sand- und Geröülager/ fast ausschließlich Alpenkalk enthaltend/ auch Alpengranit und einzelne Nagelfluhgerölle. Ist es immer noch die Sense/ die früher hier durchfl.oß/ oder deuten die Granite eher auf die Kander? — Noch auffallender sind ähnliche Ablagerungen von sehr altem Aussehen/ an der Mittagseite des FrieniSbergeS/ ganz nahe bey May- kirch; ihre Höhe über die Aare bey Bern beträgt i7o m / und man beherrscht von da auS das ganze Land/ daö westlich von dem Plateau des LängenbergS liegt/ bis an die SchweinS- I berge. Die Geschiebe bestehen fast ausschließlich aus Alpen- ; kalk/ Nagelfluhgerölle/ denen des BelpbergS ähnlich/ sind > selten/ in den tiefsten Lagern liegen auch größere/ meist verwitterte Blöcke von Molasse. Wo soll man das andere Ufer des Stromes suchen/ der diese Geschiebe abgesetzt hat? In dem Sande / den Geröllmassen und den Lagern dieser neuern Bildungen hätten wir also die Hauptglieder der wahren Molasse-Formation auf eine Art wiedergefunden/ die uns besorgen läßt/ es möchte wohl in vielen Fällen schwer zu entscheiden seyn/ ob man wirkliche Molasse/ Nagelfiuh und Mergel/ oder ob man Sand/ Kies und Lehm vor sich habe. Und leider ist diese Besorgniß nur zu gegründet. Sind die Steinarten wohl charakterisirt/ so wird man zwar kaum je in Verlegenheit gerathen. Die rauhe/ zerfressene Auffen- fläche / das Unregelmäßige der Schichtung / die Natur des Cements/ das Vorherrschen des Sandes / und die Gebirgs- arten der Gerölle unterscheiden die Kieslager meist sehr bestimmt von 'der Nagelfluh. Schwieriger möchte der Sand vom Molassesand , und der Lehm vom grauen Mergel zu unterscheiden sey«/ wenn man die Lagerung/ die Beschaffenheit der angrenzenden Bildungen/ nnd die äussern Formen der Gegend nicht zu Rathe ziehen kann; und in Gegenden/ wo die Molasse-Formation ihre Festigkeit und deutliche Schich- 204 III. Cap. Erster Abschnitt. l tung verliert/ die Nagelfluh nur in Nestern erscheint und viele Kalkgerölle enthält/ und wo die Beschränktheit der nackten Aufrisse die Uebersicht erschwert , kann es allerdings geschehen/ daß man sich über das Alter einer Ablagerung und ihr Verhältniß zur Molasse nicht zu entscheiden wagt- Auch war dieß Resultat der reinen Beobachtung schon nach theoretischen Gründen zu erwarten. Die Molasse-Formation ist im Wasser gebildet , oder doch vom Wasser lange Zeit bedeckt und bearbeitet worden. Ihre leicht beweglichen Sandmassen / die ohne die schützende Vegetation , in mehrern Gegenden wie die Sandhügel der afrikanischen Wüsten vom Winde fortgetragen würden/ ihre im Wasser zerfallenden Mergellager , die Gerölllager selbst , die wahrscheinlich erst durch das Austrocknen ihre jetzige Festigkeit erlangt haben/ alles mußte von den Strömungen und Stürmen vielfältig bewegt / fortgerissen und wieder neu ersetzt werden; viele Molasselager/ viele Nagelfiuhmassen sind zuverlässig aus der Zerstörung älterer Lager hervorgegangen , und , vielleicht ohne ihre frühere Beschaffenheit wesentlich zu verändern/ regene- rirt worden. Zwischen diesen Bildungen und den sogleich nach dem Zurückziehen des Meeres entstandenen ersten Ablagerungen der Flüsse kann aber kaum ein sehr bedeutender Unterschied statt finden/ denn daß die einen in salzigem Wasser/ die andern im Flußwasser hergeschwemmt worden/ kann auf die Art der Ablagerung und das Cement keinen Einfluß gehabt haben/ und an diese ersten Flußbtldungen schließen sich die noch heut entstehenden an/ ohne merkliche Unterbrechung/ als jüngere Glieder derselben Epoche. 2. GebirgSschutt und große Blöcke. In ähnlichen Localverhältnissen / wie die eben beschriebenen/ sind« man Ablagerungen/ deren ganze Beschaffenheit einen sehr verschiedenen Ursprung anzeigt. Wenn in jenen die Abwechslung von Sand mit Geröllen , die allmählige Ab- Diluvial- Formationen. 205 «ahme der Größe der Gerölle in manchen Lagern, und die gleichförmige Lage der groben Sandkörner und Geschiebe, auf eine ruhige, sehr langsam erfolgte Ablagerung schließen lassen, so tragen diese hingegen ganz den Charakter von Schuttmassen, die von wild verheerenden, aber nur momentanen Fluthen hergeschwemmt worden. Große Blöcke, sogenannte Fündlinge, oft mehrere Meter lang, und mit beynah noch frischen Kamen, kleinere Gerölle, Sand und Lehm, smd in größter Verwirrung durch einander geworfen, die kleinern Gerölle ohne Spur von Regel in dem Lehm zerstreut, oft sparsam, oft gehäuft, der Sand dem Lehm beygemengt, oder in stockförmigen Massen, die großen Blöcke theils einzeln, von einer lehmigten Sand- und Kiesmasse umschlossen, theils wie durch Titanenkraft über einander aufgethürmt, und sich gegenseitig unterstützend. Zuweilen schließen sich indeß diese Schuttmassen so enge an die regelmäßigern Kieslager an, daß man fast glauben möchte, sie seyen näher zusammen verwandt, als es anfangs geschienen. Bey dem schwankenden Charakter der Kieslager, die auch öfters größere Blöcke einschließen, und zuweilen nur schwache Spuren von Regelmäßigkeit zeigen, ist es nicht immer möglich, von jeder An- schürfung, oder Geschiebmaffe zu bestimmen, ob sie der einen oder der andern Classe von Ablagerungen angehöre, und die Scheidungslinie möchte oft nicht einmal zu erkennen seyn, wenn auch die Beobachtung weniger durch Vegetation und Schutthalden beengt wäre. Zudem muß jede größere Anschwellung der Flüsse und Bäche an der einen oder andern Stelle ihres Bettes die Regelmäßigkeit der Ablagerungen gestört haben, und von diesen localen, jährlich sich erneuernden Schuttbildungen bis zu denjenigen, die von allgemeinen Einbrüchen verwüstender Fluthen zeugen, darf man erwarten, eine Stufenfolge von Schüttwaren zu finden, deren relatives Alter, deren Zusammenhang und Ursprung unmöglich mehr näher auszumitteln seyn möchten. 206 III. Cap. Erster Abschnitt. Die riesenhafte Größe vieler Felsblöcke dieser Schuttmassen , die große Entfernung derselben von ihrem muthmaß- lichen Stammort, und die bedeutende Höhe über dem Thalgrunde , auf der wir sie oft finden, haben seit längerer Zeit die Aufmerksamkeit unserer ersten Naturforscher auf sie hingezogen. Die Ueberzeugung, daß die heutigen Gewässer auch in ihren stärksten Anschwellungen nicht im Stande seyen, solche Massen aus den hinter« Alpenthälern bis auf die höch- ften Rücken des Jura zu wälzen, drängte sich jedem auf, der das Phänomen auch nur oberflächlich beobachtete. Man ließ daher die Blöcke durch Meeresfluthen von den Alpen los- reissen, man dachte auch an Gletscher oder schiefe Ebenen, die von den Alpen sich bis an den Jura erstreckt hätten, oder man nahm EiSinseln zu Hülfe, die zur Zeit der MeereS- bedeckung von den Alpengletfchern sich losgelöst, und mit Schutt beladen nach Norden getrieben hätten; noch Andere glaubten die Blöcke durch vuleanische Kräfte von den Alpen- gipfeln in die Ferne geschleudert, oder an Ort und Stelle mitten durch die neuern Felslager aus der Tiefe hervorgestoßen. Wie immer haben indeß nur diejenigen Geologen das Problem seiner Auflösung näher gebracht, welche nicht nur ihre Einbildungskraft, sondern vorher die Natur be- fragten. Der große Saussure bemerkte zuerst, daß diese Geschiebe sich gegenüber den großen Alpenöffnungen am gehäuf- testen finden, und daß sie nur in diejenigen Jurathäler eindringen, welche gegen die Alpen nicht verschlossen sind. Hie- mit waren bereits die Alpen als ihr wahrer Stammort und mächtige Ströme als ihre Träger bezeichnet. Seine Meinung war, daß bey dem plötzlichen Rückzug des Meeres, la grande debacle, die scl-nell abfließenden Fluthen tiefe Thäler eingegraben und mit Alpenschutt ausgefüllt hätten, durch die langsamer nachfiießenden Wasser seyen dann die Voyages l. ch. 6 et 7. Diluvial - Formationen. 207 kleinem Massen dieses Schutts nach und nach abgeführt worden , die größten Blöcke aber liegen geblieben. Herr Ebel^) legte hierauf den Grund zu einer Classi- fication der Geschiebe nach den verschiedenen großen Quer- thälern/ durch die sie hervorgeschwemmt worden. Er verglich die Steinarten der Blöcke mit denen der im Hintergründe der Querthäler anstehenden Gebirge/ und suchte in der hüglichteu Schweiz und am Jura die Grenzen der Schuttströme zu bestimmen. Durch seine lebhafte Darstellung des furchtbaren Ereignisses/ von dem diese großen Geschiebe zeu- , gen/ wußte er mehr als je vorher das allgemeine Interesse für die nähere Erforschung dieses Phänomens zu erregen. Die schönste BeobachtungSreihe und die scharfsinnigsten Untersuchungen über dasselbe/ obschon nur auf den Schuttstrom des Rhonethales beschränkt/ verdanken wir indeß unstreitig Hrn. von Buch 49 ). Er zeigte/ wie gegenüber der Rhoneöffnung die Granite am Jura nicht nur am gedrängtesten/ sondern auch am höchsten liegen/ und wie sie von da aus allmählig gegen die Ebene niedersteigen/ schneller gegen Genf zu/ weil die hohen Gebirge an der Mittagseite des See's den Strom beengten/ in weiterer Krümmung gegen Neuenftadt und Viel. Nur eine plötzliche/ stoßartig wirkende Fluth kann die Blöcke so regelmäßig vertheilt haben/ und sie müssen von ihrem Stammort aus büschelförmig/ hoch über alle Abgründe weg/ fast wie geschleuderte Massen auf den Jura gefallen seyn. Den wahrscheinlichen Stammort dieser Granite fand Hr. von Buch in der Spitze von Ornex/ dem östlichsten Ausläufer des Momblanegebirgsstocks / denjenigen der vielen über die Gegend von Semsale und Romont bis über Eftavayer hinaus zerstreuten Grauwackcn in den berühmten Conglomeraten von Triem und Valorsine/ die schönen ^ Bau der Erde und Anleit. 49 ) Berliner Akad. G. 161. Nachträge und Berichtigungen in Ann. de Chiraie. T. X. 208 III. Cap. Erster Abschnitt. Gabbro's und Serpentine der Gegend von Vevay vermuthete er im Bagnethal anstehend. Durch eine annähernde Rechnung suchte er die Möglichkeit einer unmittelbaren gerad- linichten Herfluthung der Granite von der Spitze von Ornex bis auf den Chasseron zu erweisen. Der selige Esther^), der sich in den letzten Jahren seines Lebens besonders viel mit dieser, dem Gegenstände seiner praktischen Wirksamkeit einigermaßen analogen Erscheinung beschäftigte, zeigte, daß die Vertheilung der Blöcke, längs den großen Stromthälern, in jeder Hinficht den Gesetzen gemäß erfolgt sey, die sich in den Kiesablagerungen unserer Flüsse erkennen lassen, und daß eine mit Schlamm und Schutt beladene Wassermaffe, die das Rhonethal ausgefüllt hätte, und, bey plötzlicher Sprengung des Damms der vorder» Alpenkette, hervorgebrochen wäre, eine mehr als hinreichende Stromgeschwindigkeit erhalten haben würde, um die Blöcke schwebend bis an den Jura zu tragen. Wie Sauffure vermuthete er, daß das Ereigniß ein allgemeines gewesen, weil nur unter der Voraussetzung gleichzeitig durch alle Quer- thäler strömender Fluchen es erklärbar sey, daß nicht die Schuttablagerungen des einen mit denen des andern gemengt gefunden werden. So weit ist bis dahin die Erklärung dieses Phänomens gediehen. Es ist erwiesene Thatsache, haß die Blöcke aus den Alpen abstamme», und höchst wahrscheinlich, daß fie durch hohe und plötzliche Flnthen hergeschwemmt worden, aber auf sonderbare Weise drängen stch eine Menge von Schwierigkeiten hervor, sobald man dieser Erklärung weitere Folge geben, und den Quellen oder den Wirkungen jener Fluchen genauer nachforschen will. Es ist höchst auffallend, daß in den Schuttablagerungen aller Querchäler, dasjenige der Limmat allein ausgenommen, der Granit eine so ausgezeichnete Rolle spielt, während in s°) Neue Alpma i. Diluvial - Formationen 209 ictc unsern Alpen der Gneuö/ Glimmerschiefer und Kalk bey ch- weitem häufiger sind , und zu eben so großen Höhen ansteigen, ad- So lange diese besondere Auswahl des Granits/ so wie im nex Limhkessel die des Sernfterconglomerats / nicht auf irgend eine Art mit der Haupterklärung in Zusammenhang gebracht reu werden kann/ müssen wir immer fürchten eines der wichtig- nde sten Momente des Phänomens übersehen/ oder verkannt zu wi- haben. — ES verträgt sich ferner/ weder mit den Ansichten h, von Saussure / noch mit denen von Escher/ daß eben die tzen Granite/ die Bruchstücke der höchsten Spitzen/ sich in den -rer größten Massen und am weitesten und höchsten fortgeführt mtt finde«/ da hingegen die Gebirgsarten/ die tiefer anstehen/ itc/ nur in kleinern Blöcken vorkommen/ und sich kaum über das ern hüglichte Land erheben/ denn eine hoch aufgestaute und plötz- nde lich abfließende Wassermasse hätte gerade an den tiefern Stel- öcke len am kräftigsten wirken müssen. — Und wo ist denn/ muß >er- man frage«/ aller der übrige Schutt geblieben/ von dem oeil jene Massen doch nur den kleinsten Theil ausgemacht hätte«/ rer- und der unsere Thäler bis in große Höhe ganz ausgefüllt die haben soll? eine Wegräumung desselben durch die nachstießen- ingt den Gewässer/ oder durch spätere Ströme scheint beynahe eben so furchtbare Umwälzungen/ als die erste selbst voraus- lens zusetzen/ und die Kanten der großen Blöcke/ möchten unter aus dieser beständigen Reibung/ kaum sich so frisch erhalten haben, sie — Wie verträgt sich ferner die dichte/ schlammige Con- >en/ siftenz der Ströme/ die sowohl Herr von Buch als Escher von annehmen/ nm die Fallgeschwindigkeit der Granite zu ver- tere mindern/ mit der großen Horizontalgeschwindigkeit? — und mer nur unter der Voraussetzung einer eigenthümlichen/ ungewöhnlich großen Horizontalgeschwindigkeit wird es doch erklär- igen , bar/ wie diese Massen über die tiefen See'n haben wegfliegen aen/ könne«/ die am Saum der Alpen und am Jura in ihrem > in Wege lagen; da Schuttströme/ die von der Schwerkraft allein wären in Bewegung gesetzt worden/ nothwendig das leichtere 14 210 III. Cap. Erster Abschnitt. reine Wasser auS diesen Becken ausgerrieben/ und dieselben mit Schlamm und Schutt ausgefüllt haben müßten. — Alle diese Zweifel und Einwürfe stnd auch bereits von Hrn. von > Buch/-von Escher und von Hrn. Brochant erhoben worden/ und letzterer hielt es daher für rathsamer/ wieder zu der ältern Hypothese einer geneigten Ebene zurückzukehren / wel- cher indeß/ in dem engen Zusammenhange des Phänomens mit der gegenwärtigen Gestalt der großen Querthäler/ und in dem häufigen Vorkommen der Blöcke in den Niederungen/ in dem ganzen Strich Landes von Vevay bis an den Neuen- burger-See/ z. B./ leicht noch größere Schwierigkeiten ent- gegenstehen möchten. — Wir dürfen nur von erweiterten und ■ planmäßig angestellten Beobachtungen die vollständige Lösung des Problems erwarten. Die Erscheinung der Blöcke ist , zufolge allen bisherigen Untersuchungen/ an hydrodynamische Gesetze gebunden/ und verträgt also scharfe Berechnung: auö den drey Coordinaten einer beträchtlichen Anzahl von Blöcken der nämlichen GebirgS- art/ aus dem spec. Gewicht dieser Gebirgsart und aus der . Configuration des Landes muß sich einst Näherungsweise die Richtung der Fluth / die Gestalt der von den Blöcken durchlaufenen Fläche/ die Dichtigkeit des Mittels und das Ber- hältniß der vertikalen zur horizontalen Geschwindigkeit herleiten lasse«/ und erst dann wird man mit Zuverläßigkeit ! beurtheilen können / welcher Art die Kraft gewesen sey/ welche j den Strom und die Blöcke in Bewegung gesetzt hat; vieles , j das bey einer oberflächlichen Beurtheilung uns unmöglich/ ! oder unwahrscheinlich vorkommt/ Wil wir durch allgemeines Raisonnement nicht alle Folgen dieser Verwicklung von Kräften erfassen können/ wird sich dann als nothwendige Wir- kung eben dieser Kräfte darstellen / und , wie bey jeder mathe- ' malischen Behandlung von Naturerscheinungen/ werden sich aus der Analyse selbst eine Menge von Resultaten ergeben, die der Beobachtung vorgreife«/ und den fernern Forschungen Diluvial - Formationen. 211 des Geologen einen sichern Weg verzeichnen. — Die Beobachtungen, die ich auf wiederholten^ Streifereyen in der westlichen Schweiz über dieses interessante Phänomen zu sammeln Gelegenheit fand/ können indeß/ auch in Verbindung mit den schon bekannten/ den Forderungen des Geome- ters noch nicht genüge«/ und jeder Versuch einer analyti- schen Theorie/ die übrigens leicht meine Kräfte überstiegen haben dürfte/ würde, daher nur illusorische Resultate geliefert haben. Ich lege sie hier als Beyträge zu dieser umfassender» Arbeit nieder/ und erlaube mir nur diejenigen allgemeinen Folgerungen daran zu knüpfen/ die sich zunächst darbieten. Die Felsblöcke des AarthaleS. Wie im Rhonethale/ scheint auch im Aarthal der Granit bey der gewaltsamen Umwälzung/ von der die Blöcke zeugen/ mehr als keine andere Gebirgsart gelitten zu haben; keine findet sich in so grossen Massen/ keine in solcher Menge. Dieser Granit/ oder in der Landessprache/ GaiSberger- stein/ bleibt sich/ mit wenigen Ausnahmen/ in allen Blöcken auffallend gleich. Er ist körnig/ von mittlerem Kor»/ mit kaum bemerkbarer Anlage zum Flasrigen. Der gewöhnlich vorherrschende weiße Feldspath zeigt stellenweise blättrige Struktur mit Perlmutterglanz/ sondert sich aber niemals in deutlichen Prismen aus/ oft ist das blättrige Gefüge auch kaum zu erkennen. Der Quarz ,■ in etwas schwächer« Verhältniß/ ist theils in größer« körnigen Theilen ausgesondert, grau uud starkglänzend / theils matt oder schwach schimmernd, von äusserst feiner Sandfteinstructur/ wahrscheinlich innig gemengt mit Talk. Der Glimmer, in noch schwächer« Verhältniß, ziemlich weich, dunkelgrün, glänzend, in einzelnen Vlättchen, oder vielmehr kleinen Nestern, die aus feinen Fa- ^rn zu bestehen scheinen, und nur selten eine breite Glim- werstäche zeigen. Selten fehlet Talk, in sehr dünnen, hell- 14 * 212 III. Cap. Erster Abschnitt. grünen, stark schimmernden Blättchen , die dem Feldspath oder Glimmer ankleben. Die einzigen Modifieationen bestehen in etwas abgeänderten Verhältnissen der Bestandtheile. Zuweilen häuft sich/ in einem übrigens gleichförmig gemengten Granit/ der Glimmer stellenweise mehr an/ und bildet in der weißen Grundmasse größere oder kleinere dunkle Flecken. ES stimmt dieser Granit vollkommen überein mit den Graniten der Grimsel und deS GotthardS. Man findet ihn anstehend an der Grimselstraße/ oberhalb Räthrischboden/ in großen Blöcken zwischen Realp und Zumdorf, und/ ebenfalls in Blöcke«/ so dicht zusammengehäuft, als ob ein Gebirge in fich zerfallen wäre/ beyder Mayenschanze, oberhalb Wasen. Er unterscheidet fich dagegen wesentlich vom Gasterengranit/ und der Geschiebstrom ist daher wirklich der Aare von ihrer Quelle an gefolgt/ und nicht etwa aus dem Kanderthal hervorgebrochen. Daß indessen auch in diesem Thal ähnliche/ obgleich beschränktere Ereignisse statt gefunden/ beweisen die vielen Blöcke von Gasterengranit/ die man im Thale von Frutigen und Mühlenen und bis auf die Höhe von Aris , am Ausgang deS Kienthalö findet. — Im Aarthal selbst und gegen den Jura zu ist mir nie ein Gasterengranit vorgekommen. Die Spuren de§ gewaltigen Schuttstromö/ der auf un- erklärbare Art die großen Granite Lurch das Haslithal und über beyde See'n bis in die hüglichte Schweiz getragen/ zeigt fich in allen Einbiegungen der Thälseiten/ die der Fluth Ge- legenheit gaben/ einen Theil ihrer Geschiebe abzufetzen. Das wohl 1300 °- hoch liegende Gentelthal enthält eine Menge derselben , und noch bis Wyler ist der Abhang damit bedeckt. Ob fie fich auf dem Hasliberg auch finden/ ist mir unbekannt; aber auf dem Brünig/ dessen Höhe zwischen 1000-° und 1200" fällt, hat fie Hr. von Buch in großer Menge gefunden^). Auch viele der vorn im Habkerenthat liegenden weißen 5l ) Berliner Akad. S. 185 . Diluvial-Formationen. 213 Granite mögen hieher gehören. Von der Beatenbergkirche bis auf das Niederhorn habe ich keine gefunden , obfchon der Abhang sehr gleichförmig und wenig geneigt ist; die Kirche liegt aber wohl schon auf 1100 ™ Höhe. Ein sehr großer Block/ von unverkennbarem Grimselgranit/ wird gegenwärtig zu Därligen/ nahe am Seeufer verarbeitet/ und an der Seite von Lrissigen und Spietz liegen noch viele/ theils in Schutt begrabe»/ theils frey. Nicht einer ist dagegen in'§ Siebenthal eingedrungen. Am andern Seeufer steigen einzelne bis oberhalb Sigriöwyl; die meisten Blöcke/ mit denen dieser Abhang bedeckt ist/ gehören aber den nahen Ralligstöcken und ihrer Kalk-und Sandfteinformation an. Das Hügelland von Amsoldingen/ Thierachern und Gurzelen ist ganz übersäet mit großen Alpengeschieben/ obschon e6 sich kaum auf 700™ erhebt. Die Grimselgranite stnd immer noch häufig/ doch mengen fich auch viele andere Gebirgsarten bey. Darunter Ein kleinfiasriger Gneuö/ weißer Feldspath/ mit talkartigem Glimmer/ oder wirklichem Talk/ der zuweilen die Absonderungen ganz bedeckt/ und wie ein saftiger Ueberzug von Speckstein aussteht/ schmutzig grünlichgrau / irsts Braune/ ohne Glanz; stellenweise auch mehr glimmerartig und glänzend. Der Talk schließt fich so nahe an den Feldspathdaß man oft Mühe hat diesen zu erkennen. Ein kleinfiasriger Gneuö/ weißer Feldspath/ statt Glimmer Chlorit/ theils in parallelen Streifen/ theils in Nester»/ der Quarz zuweilen ausgesondert in Drusen/ als Bergkrystall. Noch andere Abänderungen von Gneus; eine derselben durch Verwitterung oft mit einer ocherroihen Kruste überzogen. Sie stimmen alle überein mit Gneusarten/ die man zwischen dem Sustenpaß und Gasteren/ theils anstehend/ theils in den Gletschergandecken findet. Ein inniges Gemeng von Kalk/ Quarz und sehr fein zertheiltem Glimmer. Mit Anlage zu krumm- und dickschie- 214 III. Cap. Erster Abschnitt. friger Absonderung/ im Bruch rauh / wie zerfressen; schwarz/ matt/ aber vom Glimmer schimmernd; zuweilen von Kalkspathadern durchzogen. Unter dem Namen Eisenstein bekannt. Auch die übrigen Kalk-und Kalkschiefer/ Grauwacken und Sandsteine unserer Alpen. Der dick - und ebenschiefrige grauschwarze Kalk von Gadmen/ Guttannen undHasli; der harte schwarze Kalk aus den Gegenden der beyden See'«/ der graue Kalk der Stockhornkette; die graue/ grob-und feinkörnige Granwacke der Niesenkette und des Siebenthals/ oft mit verwitterten bräunlichen Körnern; die bräunlichen Quarzsandsteine der Niesenspitze/ der Wandfluh/ des Faul- hornö u. s. w. Mehr nördlich scheinen aber diese Gebirgsarten sich zu söndern. Bey Geist und am Riedhubel behaupten die Granite ein entschiedenes Uebergewicht; auch werden sie daselbst gegraben und verarbeitet. In größter Menge liegendste um Riggisberg herum/ besonders mehr westlich gegen das Schwarzwasser zu/ doch nicht bis in dessen Nähe/ und jenseits demselben ist mir keiner aufgefallen. Das Schloß Riggisberg liegt auf 830 ™ Höhe/ die Kirche auf 812™. Von da geht der Strich/ über Rüggisberg/ 933™ hoch 52 ), Bütschel und Blacke»/ in nordwestlicher Richtung fort. Die übrigen Gebirgsarten herrschen dagegen mehr vor an der Oftseite des Längenbergs und auf dem Belp- berg. Die Gegend von Zimmerwald/ der östliche und nördliche Abhang des LängenbergS/ die obere Fläche und alle Abhänge des Belpbergs sind ganz bedeckt mit diesen Geschieben/ und nur fetten mengt sich ein Granit unter dieselben. Ein großer/ bey 5 ™ langer Gneusblock an der Nordseite deS Gurten muß schon frühe die Aufmerksamkeit auf sich gezogen habe»/ da eine alte Sage ihn die Teufelsbürde nennt. fc ) Diese und die zwey vorigen Angaben nach trigonom. Messungen von H. Lüthardt. Diluvial - Formationen. 215 Dem Mineralogen ist er seiner Amianthadern wegen interes- sam. — Bey Anlaß von Gartenarbeiten im Gute Elfenau , nahe bey Muri/ fand sich in einer Erhöhung eine Menge großer Geschiebe/ von Gneusarten/ Glimmerschiefer/ schwär- zem Kalkschiefer / Grauwacke u. s. w./ Granit nur in einzelnen / kleinen Bruchstücken. — Viele Unebenheiten und auch kleine Hügel unserer Gegend bestehen aus Anhäufungen großer Blöcke / die in Sand und Lehm begraben liegen/ und nur hier und da mit einer Ecke aus der Dammerde hervortreten.' Auch die langen Rücken und Gräte/ die von Süd nach Nord die obern Flächen des Belpbergs und Längenbergs durchziehen/ scheinen ausschließlich durch diese Geschiebmassen gebildet. Wie auf der linkem Seite des Aarthaleö/ wird diese Ablagerung von Gneus-/ Kalk- und Sandfteinblöcken / die an keine Höhe gebunden scheinen / und sich ohne Unterschied über GebirgSebenen / Abhänge und Thalboden ausbreiten/ auch auf der rechten Thalseite von einer Zone großer Granitmassen eingeschlossen. Der Buchhotterberg , der Kurzenberg / und der lange Rücken zwischen dem Blasen und Bantiger sind die eigentlich classischen Gegenden für die Granitblöcke/ und für die Theorie dieses Phänomens dürften sie einst eben so wichtig werde»/ als selbst der Abhang des Jura über Neuchatel und Uverdon—Leider ist die Verarbeitung dieser Granite ein Industriezweig geworden/ dessen zunehmende Ausdehnung diese Sphynxe und Pyramiden der Urgeschichte unsers Landes bald alle zu zertrümmern droht; mehrere Arbeiter sind ausschließlich mit Aufsuchung und Benutzung derselben beschäftigt/ und schon jetzt sind sie genöthigt/ ganz verödete Gegenden zu verlassen und sich in andern umzusehen. Eine der interessantesten Gruppen sindet man/ auf kurze Zeit noch/ an der Südseite der Falkenfluh/ unweit des Signals/ in 985-° Höhe. Drey Granitblöcke/ von denen jeder bey 6000 Cnbikfuß haften mag/ liegen über einander/ und in dem Raum zwischen zweyen derselben hat der Stein- 216 III. Cap. Erster Abschnitt. Hauer Buri/ der Genserich jener Wandalen , eine geräumige Schmiede errichtet/ welcher der eine Block zum Boden/ der andere zum Dache dient. Als ich dort mt, hatte man bereits das große Stück weggeführt/ aus dem die schöne Treppe am Eingang der H. Geiftkirche gehauen ist. — Welch' ein Stoß muß das gewesen seyn/ als diese Masse hier ausfiel! Die zwey Querspalten derselben sind sichtbar nur Folgen der furchtbaren Erschütterung / und fast möchte man glauben/ daß auch die Nordseite des Berges damals hinuntergestürzt/ und so die ausgedehnte Falkenfluh entstanden sey. Ein kleinerer/ noch nicht angegriffener Block/ etwa 3® lang / liegt östlich vom Signal/ auf 1025--- Höhe. Es ist/ wie Buri sagt/ der höchste in dieser Gegend. Zwischen dem Buchholterberg und den Honeggen ist ein großer Block bis in die Süd er en vorgedrungen / deren Höhe wenig von 920---/ derjenigen von Schwarzenegg/ verschieden seyn mag. Ein anderer/ zwischen dem Buchholterberg und Kurzenberg durch / wenn nicht durch die Tiefe zwischen dem Stauffenhubel und dem NaterS/ bis in die Nähe von Eggi- wyl. Aber weiter östlich/ jenseits der Emme/ weis man von keinem mehr. Am nördlichen Abhang des Kurzenbergs dringen sie nur bis Bowyl vor. Die großen Stücke/ die/ gegenüber dem Klösterli bey Bern / die Grundlagen der Halde bilden/ sind zu Oberhünigen losgehauen worden. Oestlich von Bowyl verschwinden sie auch am Abhang des Blasen/ oder Hundschüpfen. In Menge findet man sie noch oberhalb Höchstetten/ obschon eben von da bisher die meisten und größten sind weggebracht worden. Hier mußte auch der mächtige Seitenarm des Stromes anpralle»/ der durch das Spornwuhr des Buchholterbergs und Kurzenbergs beengt/ das tiefe Thal von Dießbach bis Stollen eingefressen. Erst nachdem man bis über Möfchberg hinaufgestiegen / erreicht man die schmale Avne der Granite/ und kaum 15--- höher findet man schon Diluvial-Formationen. 217 wieder keine mehr. Durch zwey/ an verschiedenen Stellen gemachte/ Beobachtungen fand ich die mittlere Höhe hier gleich 948-». Man kann die Zone der Blöcke längs dem ganzen Abhang/ oberhalb Biglen durch/ bis an das Thal von Walk- ringen verfolgen. Auch auf dem Ballenbühl hat man mehrere gefunden. In das Thal von Walkringen scheinen sie dagegen nicht tief einzudringen. Auf der andern Seite des Thales setzt die Linie/ am Abhang der Utzigerhöhe fort/ bis an das Lindenthal. Ueber Walkringen sollen sie früher sehr zahlreich gewesen/ aber jetzt fast alle auögegraben seyn. Ich fand die Höhe/ wo/ nach Buri/ der höchste gelegen/ gleich 910---. — Etwa 20--- tiefer sah ich noch einen von 10--- Länge/ lo--- Breite und 8--- Höhe/ also bey 20/000 Cubikfuß haltend / der eben zu den Bachschalen an der Marktgasse verarbeitet wurde. — Ueber Liddiwyl/ im Wald/ lagen drey große Blöcke auf einander/ wie auf der Falkenfluh/ in der Höhe von «68---. — Ueber Utzigen ein Block von 16--- Länge/ 10--- Breite/ 6--- Höhe/ auS dem das Denkmal auf der Höhe der Aargauerstraße gehauen worden/ in der Höhe von 867---. — Auch auf dem nahe liegenden Dentenberg und an den Abhängen des Bantigers findet man Blöcke, doch scheint an dem letztern Hügel die Zone nicht mehr so scharf begrenzt, und die Massen sind weniger groß. Vielleicht/ daß die größten Stücke an diesen stark bewohnten Abhängen schon in früherer Zeit benutzt worden sind. Die tiefern Gehänge sind bedeckt mit vielartigen Gneuö- und Kalkblöcken. Die Entfernung von der Falkenfluh bis Utzigen ist nicht ganz doppelt so groß, als die von dem nämlichen Punkt bis Höchstetten/ und doch sind die Blöcke bis Utzigen mehr als dreymal so tief gefallen/ als bis Höchstetten. Der von denselben zurückgelegte Weg kann demnach keine gerade, sondern nur eine nach oben convexe Linie seyn, was auch nach theo- 218 III. Cap. Erster Abschnitt. retischen Gründen zu erwarten war, da die Fallgeschwindig- keit der Blöcke als eonstam, die horizontale Geschwindigkeit aber, wegen der Reibung und der Verbreitung der Gewässer in ein größeres Becken, als verzögert betrachtet werden muß. Bringen wir die drey Punkte mit gleichen horizontalen und verticalen Abständen in eine Verticalebene, setzen wir ferner den Anfangspunkt der Coordinaten in den Punkt Falkenfluh, lassen die x gegen Norden, die y gegen die Tiefe zu wachsen, und legen durch die drey Punkte eine Parabel mit horizontaler Axe, so ist die angenäherte Form ihrer Gleichung für Metermaaß x = 309y — 1,37 y 2 . Diese Gleichung giebt für y = 5 Fuß, also nach Hrn. von Buch'S Annahme, für die Geschwindigkeit in der ersten Sekunde x — 1630 Fuß, was offenbar viel zu stark ist, und auch die mittlere Geschwindigkeit von 813 Fuß, die man erhält, wenn die Distanz von Falkenfluh bis Utzigen durch die Dauer des Falls dividirt wird, überschreitet alle Möglichkeit. Die Fallgeschwindigkeit von 5 Fuß möchte daher allerdings, wie Escher schon vermuthete, beträchtlich, und zwar noch stärker, als um die Hälfte, zu vermindern seyn. — Es ist übrigens klar, daß jene Curve der Natur nicht entsprechen kann; denn, einerseits würde der Scheitel der Parabel nicht einmal unter die Thalfläche fallen, und die Bewegung also, in Folge der starken Reibung und Verzögerung rückgängig geworden seyn, andererseits erhebt sich der obere Schenkel derselben gegen die Alpen zu so lang- sam, daß in der Gegend der Grimfel, auch alle Krümmungen des Aarthalcö mit eingerechnet, die Ordinate kaum 25o m hoch würde. Der Grund dieser unzuläßlichen Resultate liegt theils in der zu großen Höhe des Punktes Höchstetten, die man nur der schnellern Strömung in der Thalverengung von Dießbach zuschreiben kann, theils dann aber auch in unsern Voraussetzungen, und in der willkührlich angenommenen, engern Verbindung der drey Punkte/als ob die Blöcke, die Diluvial- Formationen. 219 dort liegen / alle von einem Punkte losgerissen/ und unter gleichen Umständen wären weirers geführt worden. Das zonenartige Vorkommen des Granits zu beyden Sei- ten des Thales , im Gegensatz der regellosen Verbreitung der Gneuse, Kalk-und Sandsteinarten/ stimmt vollkommen über- ein mit den von Hrn. von Buch beschriebenen Verhältnissen der Geschiebe im Rhonekessel, und diese gleichförmige Ver- theilung in zwey so verschiedenen Querthälern, deutet auf eine nicht locale , gemeinschaftliche Ursache. Wenn ich nicht irre , so hat Hr. von Buch dieselbe im specifischen Gewicht der GebirgSarren gesucht, und in der That ist dasjenige der im Aarkeffel verbreiteten dieser Annahme nicht ungünstig. Nach Hrn. Pros. Trechsel ist das specifische Gewicht deS Gra- nitS von Utzigen 2/583, des GneuseS der Fündlinge 2,641 > des Kalks von Merligen 2 , 709 , des Kalks von HaSli 2,673/ des Kalkschieferö von Golzwyl 2,665; der Granit mußte also allerdings fich am längsten in der Höhe halten. Auch andere Thatsachen stimmen gut damit zusammen. Die Zone auf der linken Thalseite, aus dem Plateau des Längenbergs, ist we- niger scharf begrenzt, als auf der rechten, weil auch die Abdachung viel schwächer ist. Der Belpberg konnte die Granite nicht aufhalten, weil seine oberste Höhe, 900 ---, noch unter die Höhe der Zone in dieser Breite fällt. Schwieriger ist es über die Menge von Graniten bey RiggiSberg, beträchtlich tiefer, als die auf der rechten Thalseite, genügende Rechenschaft zu geben. Wurde vielleicht die Kraft deS Stromes in der Gegend von Amsoldingen geschwächt durch Hügelreihcn und Rücken, die er nach und nach mit fich fortriß? oder hat die Stockhornkette die Gewalt deö aus dem Brienzerthal her gegen fie anprallenden Stromes gebrochen und zum Theil dem rechten Ufer zugeworfen? Deutet vielleicht die Richtung deö Dießbachthales, die, vom Möfchberg aus übersehen, gerade auf das Stockhorn trifft, auf dieses Anprallen? oder müssen wir mehrere Durchbrüche unterscheiden, von denen der eine. 220 III. Cap. Erster Abschnitt. weniger mächtig, die Geschiebe nur in die Gegenden von Am- soldingen und RiggiSberg zu tragen vermocht hat, so wie auch der von Gasteren nicht weiter scheint vorgedrungen zu seyn? Steht vielleicht auch die tiefe Lage der Blöcke von Därligen hiemit in einiger Verbindung, oder haben wir uns diese nur aus der Steilheit des Abendbergs zu erklären, an dessen loth- rechten Wänden die Blöcke, die stch in diesem Spornwinkel ablagerten, keinen festen Grund finden konnten? Mit dem Bantiger auf der rechten und dem Gurten auf der linken Thalseite verlieren sich die Trümmer des Aar- durchbruchs, in den Niederungen gegen den Jura zu, bis auf einzelne, zerstreute GneuS- und Kalkblöcke, über deren Abstammung noch Zweifel erhoben werden könnten, da diese Gebirgsarten in der ganzen Alpenkette sehr verbreitet, und in den verschiedenen Theilen derselben nicht besonders charak- terisirt find. Deutliche Grimftlgranite find selten, auch an dem Fricniöberg, an den die Fluch nothwendig anprallen mußte. Der Steinhauer Buri hat die ganze Gegend von Laupen mehrere Tage lang durchsucht, ohne einen einzigen größer» Granit auffinden zu können. . Herr Brochant sagt , die Blöcke im Val de Trauer S seyen von Escher und Hrn. von Buch für Grimselgranit erkannt worden, und ein Theil des AarftromS sey also biS in dieses Thal eingedrungen. So hohes Vertrauen ich in den Ausspruch jener zwey Geologen setze, so wird es mir doch schwer, zu glauben, daß der Strom, der zu Utzigen die Blöcke nur noch auf 867" zu halten vermochte, nach der starken, fächerförmigen Ausschweifung von seiner ftühern Richtung, noch Kraft gehabt habe, die Blöcke über 853™ hinauf bis in den hintersten Winkel eines Jurathales zu 53 ) Ann. de Chimie, T. X, p. 243. 54 ) Die Höhe über dem See nach Osterwald, die abs. Höhe des See'« nach Trechsel. Diluvial - Formationen. 221 treiben; auch streitet dagegen die Seltenheit der Blöcke im vorder» Theile des Val de TraverS. - Oberhalb Viel/ in ungefähr 520 m Höhe/ liegen zwey große Granite in den Reben. Der Feldfpath ist in großen/ weißen Krystallen ausgesondert/ wie niemals in den Blöcke«/ die zwischen der Grimsel und Bern liegest/ und man darf daher ebenfalls noch zweifeln / ob ste dem Aardurchbruch angehören. Unter einer Menge großer Blöcke/ welche durch die enge Spalte der Schuß bis FrainvillerS eingedrungen stnd / fand ich indeß einen Granit / den ich von Grimftlgra- nit wirklich nicht zu unterscheiden wüßte/ einen Glimmerschiefer / — sehr feines Gemeng von gelblichweißem , glänz, losem Quarz / der vorherrscht/ und dunkelgrauem Glimmer/ auf den Absonderungen dunkel braunroth angelaufen — der dem Glimmerschiefer von Guttannen / oder Mühlethal ganz ähnlich- steht / nebst andern GebirgSarten , die von den Quellen der Aar abstammen möchten. Ich getraue mir jedoch nicht zu behaupten/ daß in keiner andern Gegend der Alpen identische GebirgSarten anstehend seyen/ da selbst Hr. von Buch im Zweifel bleibt/ ob die Geschiebe von Viel/ zum Theil oder alle/ den Aarthalern oder dem Rhonethal angehören. Auch die Granite , die stch in großer Menge oberhalb Lengnau finde«/ zeigen/ so viel ich ihrer untersuchte/ deutlich begrenzte/ zollgroße Feldspathkrystalle/ oder doch größere Aussonderungen von blattrigem Feldspath und mehr Anlage zur GneuSftructur / als die Granite des Aarthales. In einer sehr mannigfaltigen Sammlung großer Geschiebe/ in den Mauern von Bettlach/ konnte ich keine charakteristische Gebirgsart auffinden; es find immer Granite mit großen/ aber undeutlich begrenzten Feldspaththeilen/ Talk- schiefer und andere Gesteine/ deren Stammort mir unbekannt ist, aber keine entschiedene Grimselgranite / und kein Alpen- kalk. Dasselbe muß ich wiederholen von der außerordent- 222 III. Cap. Erster Abschnitt. lichen Anhäufung großer Granttblöcke und anderer UrgebirgS- arten auf der Ebene von Oberdorf, und längs dem Fuß des Jura, bis über Solothurn hinaus. Obfchon ich es daher allerdings für nicht unwahrscheinlich halte, daß Aar- geschiebe bis an den Jura vorgedrungen seyen, so weiß ich doch, bis auf weitere Nachforschungen, keine entscheidende Thatsache für dieses Vorkommen anzuführen. Die Felsblöcke des Rhonethales. Die den Rhonedurchbruch vorzüglich auszeichnenden Steinarten sind: ein Granit mit Anlage zu Gneuöftruetur und oft großen Feldspathkryftallen, Gabbro mit Smaragdit, Serpentin, und das Conglomerat von Valorsine, mit Binde- mittet von Gneus. Die drey letzten GebirgSamn sind bis jetzt ausschließlich in den Gebirgen gefunden worden, deren Thäler sich gegen die Rhone ausmünden. Alle sind schon mit größter Genauigkeit, theils von Saussure, theils von Hrn. von Buch beschrieben worden 55 ). Hr. von Buch hat an den Abhängen des Jura die Zone des Montblanegranitö am Chasseron auf 1050" gefunden, an dem Berge von Boudry auf 790 ", über Neuchatel auf710", über dem Anfang des Vieler - See's nicht mehr 7oo m hoch. Die Conglomerate von Valorsine hat er in der Ebene des PaySdeVaud, über Vevay, Chatel St. De- nis, Romont, Payerne, bis St. Blaise verfolgt. Man überzeugt sich leicht, daß jene Punkte eine nach unten gekrümmte Curve bezeichnen; denn Boudry liegt ungefähr in der Mitte zwischen dem Chasseron und dem Vieler-See, und die Differenz der Höhen vom Chasseron auf Boudry beträgt 260", diejenige von Boudry an den Vieler-See aber nur 90"; vom Chasseron auf Boudry ist eö ferner ungefähr zwey- 55 ) Voyages dans les .Alpes. — In den Berl. Abh. Ueber den Gabbro. Ueber die Dcrbr. großer Alpengesch. Diluvial-Formationen. 223 mal so weit/ als von Boudry an den Chaumont/ und doch sinkt die Zone zwischen diesen letztem Punkten nur um so-", statt, wie man hätte erwarten sollen, um l30 m , Es muß die mit ihrer vollen Kraft an den Chasseron anprallende Fluth hier furchtbar gelobet, und, wie die Brandung im Sturme, ihre Wasser hoch in die Lüfte geschleudert haben, nach beyden Seiten aber bald wieder auf das nur langsam abnehmende, allgemeine Niveau des Stromes zurückgesunken seyn. Wohl dürfte man sich wundern, wenn die Gewässer, die bey Lignieres sich noch auf27o über die Ebene erhoben, sich längs dem Jura und gegen Osten zu nicht weiter verbreitet , und, wie Hr. von Buch anzunehmen scheint, durch die gerade Linie von Vevay nach St. Blaise begrenzt worden wären; eine solche Abweichung von den hichrostatischen Gesetzen ließe sich wirklich nur durch die Annahme von Escher erklären, daß die gleichzeitig aus allen Alpenthälern hervor- siürzenden Gewässer sich gegenseitig als Dämme gedient hätten. Bevor wir uns indeß um eine Erklärung bemühen, wird es gut seyn, die Thatsache selbst besser zu beleuchten. Wenn man die langsam der Ebene, wie einer Asymptote, sich nähernde Zone der Momblanegranfte, vom Chaumont auS über Lignieres verfolgt, und sich der Aehnlichkeit dieser Granite mit denen von Lengnau und Solothurn erinnert, so möchte man leicht versucht seyn, auch diese letztem noch mit jener Zone in Verbindung zu setzen, und sogar, über Solothurn hinaus, noch diejenigen an sie anzuschließen, die in der Gegend von Wietlisbach und gegen Aarburg zu liegen. Indessen hat Hr. Ebel diese Granite als dem Gonhard und Crispalt angehörend, und für identisch mit den am Rigi, am Zuger-See und um Luzern liegenden erklärt, und die starke Erniedrigung des NapfplateaU's gegen Osten zu scheint allerdings auf mächtige Fluchen, die dem heutigen Laufe der Reuß gefolgt, hinzudeuten. Auch dürfte die Annäherung der Blöcke gegen die Ebene, die bey'm ersten Ueberblick sie in eine ) 224 III. Cap. Erster Abschnitt. so enge Beziehung zu der Zone der Momblanegranite zu setzen scheint/ wohl größerntheilS die Steilheit des Jura zur Ur, fache haben, denn ich sah die Geschiebe/ von Viel bis östlich von Solothurn-, immer bis an das obere Ende der sanften Gehänge verbreitet/ die den Fuß deS Gebirges bilde»/ und zugleich mit dieser Grenze sich erheben und fallen; über Viel bis oberhalb dem weißen HauS/ kaum 6oo m hoch; über Leng- nau in bedeutender Anzahl/ noch auf 700™ Höhe/ unmittelbar bevor män die steile Höhe gegen den Grencher Stieren- berg ansteigt; bey Selzach in der Ebene selbst/ ungefähr in 450 m Höhe; oberhalb Solothurn/ auf der Ebene von Oberdorf/ bis zunächst an die Clus/ die nach dem Weiffenftein führt/ am gedrängtesten indeß in Oberdorf selbst/ 570--- hoch; an dem sanfter.verflächten Abhang von Günöberg fand ich UrfelSgeschiebe bis über 6S0 m hinauf. — Die Lage sowohl/ als die Steinart der Blöcke/ scheint demnach in dieser Gegend kein zuverläßigeö Kriterium für die Grenzen der Geschiebe des Rhone-/ Aar - und ReußdurchbruchS zu seyn. Einen starken Verdacht/ daß WalliSgebirgsarten bis in diese Gegend vorgedrungen seyen/ wenn auch die Granite selbst nicht als solche anzusprechen wären, erweckten mir indeß zwey Geschiebe/ deren Sreinart mit keiner andern/ der Grimsel oder dem Gotthard angehörenden, verwechselt werden kann, und dieser Verdacht ist seitdem durch viele andere Beobachtungen, die ich nur zum Theil anführen will, vollkommen bestätigt, und, wie mir scheint, gegen jeden Zweifel gesichert worden. Das eine jener Geschiebe ist ein Gabbro, den ich an der Straße des St. JmmerthaleS/ ganz nahe bey Pierre Pertuis gefunden, zwar nur von Fauftgröße, aber gänzlich übereinstimmend mit dem Gabbro von Vevay; das andere, ein ziemlich großer Block untcnher Günzberg, ist ein Con- glomcrat, dessen Grundmasse ein feinkörniger grauer GneuS und Diluvial - Formationen. 225 und dessen Geschiebe Quarzgerölle sind/ unverkennbar das Conglomerat von Valorsine. Auf dem Plateau zwischen der Saane und Sense/ bey Uebersdorf und Heitenried/ smd viele Granitblöcke mit großen Feldspathkrystallen verbreitet/ die man kaum vom Reußthale herleiten kann/ und/ da wir nirgends im Aarthal ähnliche gefunden/ auch nicht von der Grimsel. Mehrere sind sogar/ über die Sense/ in die Gegenden von Schwar- ztznburgmnd Riedburg gedrungen. — Unser Museum besitzt ferner eine Sammlung von Geröllen aus der Sense bey Reuen egg/ die in mehr als einer Rücksicht merkwürdig ist. Es scheinen die Gerölle aus einer Geschiebbank her- zustammen/ die seither ganz weggeführt/ oder mit andern Geschieben bedeckt worden ist; denn ungeacht wiederholten Suchens bey Laupen/ Reuenegg/ Dörishaus/ Grasburg/ konnte ich nichts AehnlicheS mehr im Flußbett auffinden. ES sagte mir indeß Hr. Pfr. Wyttenbach/ der ehrwürdige Nestor der schweizerischen Geologen , daß er selbst noch diese Gebirgöarten bey Reuenegg in großer Menge gesammelt habe; und in der That habe ich später mehrere bey UeberSdorf auf den Feldern gefunden. Ich will nur beyläufig mehrerer Am- phiboliten/ mit vorwaltender Hornblende und Neigung zur Gneusstructur erwähnen: eines Hornblendefels mit glänzen- den/ verwirrt durch einander greifenden / kurzen Fasern; eines sehr feinfasrigen Hornblendeschiesers mit gelblichweißen Flecken von Talk und Granatdodekaedern; eines sehr feinfasrigen Hornblendeschiefers ohne Talk/ aber mit weißen Glimmerblätt- cheü/ mit vielen Granatdodekaedern und eben so vielen Körnern von dnnkelgelbem Bitterspath. Obschon ich überzeugt bin / daß man diese Gebirgsartcn/ besonders die letzter»/ vergeblich unter den Geschieben des Aar - oder Reußkessels aufsuchen würde/ so find sie doch immer noch zu wenig charakteristisch , als daß sich mir Sicherheit auf ihr Vorkommen / oder Richtvorkommen eine Theorie bauen ließe. Dieß ist aber nicht der Fall mit einer 15 226 III. Cap. Erster Abschnitt. Reihe ausgezeichneter Gabbro'S, immer vollkommen identisch mit dem Gabbro der Waadt. Blaulichweißer, an der Sonne schimmernder Saussürit, smaragdgrüner Diallag, und gold, gelber oder bräunlichweißer, schimmernder, feinschuppiger Talk; auch großkörnig, in gleichem Verhältnisse gemengt, mit weniger Talk, aber desto mehr Glimmer, der mit dem Talk innig gemengt ist; auch als kleinkörniges Gemeng von Smaragdit, bräunlichweißem Talk und Hornblende, ohne sichtbaren Saussürit, daö wieder den früher erwähnten Horn- blendschiefern verwandt scheint. Ich kann endlich dieser Folge noch einen fleischrothen, mit gelb und braun gefleckten,, dichten Kalk beyfügen, die Flecken zuweilen so scharf be- grenzt, daß sie eingemengten kleinen Geröllen ähnlich sehen, mit Adern von Kalkspach, den ich fast mit dem Marmor von Röche vergleichen möchte. Auch in den Kiesgruben an der Westseite des Gurten werden Gabbro's gefunden, und selbst Hr. von Buch citirt in dem Caialog der Gebirgsarten von Neuenburg No. 198 einen Gabbrv aus der Nähe von Bern. Im Thal von L u tz i- ren, zwischen dem Grauholz und Bantiger, liegen noch viele Blöcke von Grimselgranit, auch sogenannte Eisensteine; ich fand aber am östlichen Abhang deö Grauholzes auch einen Block des vorhin beschriebenen Granatfelsens, am nordwestlichen Abhang, im Walde, Blöcke von Grimselgranit und Eisenstein, zugleich mit größer» Gabbro-und Serpentinblöcken. Eben so im Dorfe Bäriöwyl. Zugleich erscheint hier ein dunkelgrauer , starkglänzender Talkschiefer sehr häufig. In Hindelbank dieselben Gebirgsarten in allen Mauern, auch große Blöcke der nämlichen Amphiboliten, die wir zu Neuenegg gefunden. Ein Gabbro von mehrern Metern im Durchmesser lag noch vor wenig Jahren am nordwestlichen Fuß des Hoheschwand, in der Nähe von Burgdorf. Serpentine sind in dieser Gegend vorzüglich häufig. Große Blöcke, einige Absonderungen mit glänzend grünen Talkblär- Diluvial - Formationen. 227 lern bedeckt, liegen noch gegenwärtig am Fuß deö Schloß- hügelö ; ein Serpentin von 5 m Länge und 2 ™ Breite liegt auf der obern Fläche deö Leuen, am Saum des Waldes, in 690 ™ Höhe; große Trümmer findet man an allen Straße«/ als Abweiösteine/ oder Abraum der Felder. So wie man aber bey Bern und Burgdorf tiefer in die Thäler der Aar und Emme eindringt/ so verliert sich auch sogleich jede Spur dieser Steinarren. Auf der obern Fläche deö Frienisbergö undSchüp- bergs, zu Wahlendorf/ Lindachwald, Schwanden/ und besonders am nordwestlichen Abhang deö ersten Hügels / zu Dampfwyl und Landeröwyl , findet man die ausgezeichnetsten Gefchiebö dh'S NhonethalS wieder, Granite mit großen Kry- stallen, Trientconglomerat, Gabbro, Serpentin/ ebenfalls gemengt mit Amphiboliten/ Granatfels, Talkschiefer u. f. w. Zu Wterezwyl lag, als ich dort durchgieng, ein sehr großer Block von Granit mit großen Krystallen an der Straße. Vey Krauchwyl/ in einem Steinhaufen am Wald, große Blöcke von Serpentin, Gabbro, Talkschiefer, GranatfelS, und dem rothen Conglomerat der Dem de MorcleS. Vor dem Thor von Bür en große Serpentine und fein gemengte Amphiboliten. Auch auf den Bucheckberg find diese Geschiebe abgesetzt worden. Als ich von dem Muschelsandstein oberhalb Balm, dem obern Rande des südlichen Abhangs folgend, gegen Lütteröwyl zu kam, glaubte ich durch den Buchwald eine hohe Felswand zu erblicken; es war ein Fiindling, bey 15» lang, 8» hoch und 8» dick, eine Masse von nahe 3o,ooo Cubikfuß, vielleicht noch tief in den Boden gesenkt! Die Strinart, ein feinfasriger Talkschiefer, grünlichgrauer, starkglänzender Talk, in über einander liegenden dünnen Bläklchen, die fich in zusammenhängenden Lagen um gelblich- weiße, femsandige Quarztheile herumbiegen. Einen Block derselben Gebirgöart, bey 8% lang, 3» hoch, 2 » dick fand ich etwas näher bey dem Muschelsandstein. Beyde mögen 15 * 228 III. Cap. Erster Abschnitt. ungefähr in 650 m Höhe liegen. — Es scheint dieser Talkschiefer verwandt zu seyn mit demjenigen von BäriSwyl/ doch sind sie nicht identisch; denn der letztere enthält viel weniger Quarz / und auf den Absonderungen wird derselbe durch den Talk ganz bedeckt/ im erster« ist er dagegen sehr deutlich. Diese Verschiedenheit ist indeß nicht sehr wesentlich. Stam- men die Bucheckberger Talkschiefer aus dem Rhonethal , dem Reußthal, oder dem Aarthal? — Zwischen Schnotwyl und Stetigen habe ich fast ausschließlich diese Steinart gesunde»/ sie scheint in der ganzen Gegend des Bucheckbergeö eben so vorherrschend/ als die Serpentine zu Burgdorf/ die Trient- grauwacken zu Romont und Semsale/ die Granite am Jura. Die größte Geschiebmasse/ größer vielleicht alß kein Granitblock des Jura / liegt in der Nähe von Seeberg , im Steinhof. Jede Seite mißt bey I5 m / nur gegen Morgen ist sie etwas schmäler/ die Höhe bey I2 ni ; ihr Inhalt beträgt demnach über 60/000 Cubikfuß! Große Blöcke derselben Gebirgöart liegen ganz in der Nähe. Sind dieselben auch als Splitter der Hauptmasse zu betrachten/ durch die heftige Erschütterung bey'm Niederfallen davon losgesprengt? Aber woher dieses heftige Anprallen/ hier in der Ebene/ in so großer Entfernung vom Rhonethal/ wie vom Reußthal? — Die Steinart läßt uns leider in Ungewißheit über die Abstammung. ES ist ein Talkgranit: kleinkörnig in'S GneuS- artige; vorherrschend weißer Quarz/ durch Verwitterung der andern Theile bräunlich gefleckt / undurchsichtig/ auch grauer durchsichtiger Quarz/ die Undurchßchtjgkeit des erster« scheint von innig beygemengtem Talk und Fcldspath herzurühren; in sehr geringer Menge weißer blämiger Feldspath/ undeutlich begrenzt/ in größerer Menge/ doch immer noch zurückstehend gegen den Quarz/ graulichgrüner Feldspath innig mit Talk gemengt und schimmernd / ohne deutliche Strucrur. Auch feinkörnig , mit stärkerem Gehalt an Feldspath. Auch in'§ Feinflasrige/ mit ausgesonderter Hornblende/ und grös- Diluvial - Formationen. 229 fern Nestern von durchsichtigem Quarz/ der Talk den übrigen Substanzen immer ein so sandiges Ansehen ertheilend/ daß man den Feldspath und Quarz kaum zu unterscheiden vermag. Diese letztere Abänderung scheint ganz in den Talkschiefer des Bucheckberges überzugehen. Unter-den übrigen Blöcken auch ein grünlichgrauer Talkschiefer/ ohne sichtbaren Quarz , dem von BäriSwyl ähnlich. Alle diese Uebergänge scheinen den großen Blöcken deS Bucheckbergö/ des SteinhofS und der Gegend von Hindel- bank einen gemeinschaftlichen Stammort anzuweisen/ und durch die Lage dieser letzter« wird das Reußthal von der Mitbewerbung sogleich ausgeschlossen. Zwischen dem Aarthal und Rhonethal wage ich aber nicht bestimmt zu entscheiden. Talkschiefer / die jenen ziemlich ähnlich sind/ kommen auch unter den Geschieben zwischen Thun und Bern vor; man könnte ferner der Steinhofmasse einen Weg suchen durch das Thal von Walkringen / über Burgdorf und Wy- nigen / den Geschieben von Hindelbank durch das Lindenthal/ ihr Vorkommen würde sogar ein erwünschtes Licht auf die Entstehung dieser Einschnitte werfen. Auf der andern Seite liegen dieselben mitten im Gebiet des RhönedurchbruchS / zum Theil von unverkennbaren Rhonegeschieben umgebe«/ und Hr. von Buch beschreibt mehrere GneuS - und Glimmerschieferarten aus den Gegenden von Neuenburg / die mit den unsrigen beynahe übereinzustimmen scheinen. Diese Zweifel können indeß unser Hauptresultat nicht gefährden / und wir dürfen wohl , nach allen bisherigen Untersuchungen/ als zuverlässige Thatsache aufstellen/ daß die großen Geschiebe der Rhone sich über den ganzen LandeS- strich verbreitet habender zwischen dem Jura und dem westlichen Abfall der Plateaux deS Längenbergö und Napfs eingeschlossen ist. Wäre eS nur Zufall/ daß eben dieser Landesstrich sich durch seine äußern Formen so auffallend vor der übrigen 230 IH. Cap. Erster Abschnitt. niedrigen Schweiz auszeichnet? Daß die östliche Grenzlinie der Gabbro'S und Serpentine so genau zusammentrifft mit der plötzlichen Erniedrigung aller Rücken und GebirgscbeneN/ vom Molezon bis Aarburg? Daß alle Hügclzüge innert dieser Grenze gerade die Richtung nehmen/ die ihnen eine dem Jura parallel strömende Fluch gegeben hätte? Daß endlich ! die größten und ausgedehntesten Tiefen gerade da sich finden , \ wo der in seinem stärksten Toben plötzlich gehemmte Strom den Grund mehr als irgendwo aufwühlen mußte? Unver- kennbar trägt die Gegend noch die Spuren des furchtbar zerstörenden Ereignisses/ das alle ihre Hügel und Thalboden mit WalliSgebirgSarten bedeckt hat; der AuSbruch deö Rhone- thalcS hat der ganzen westlichen Schweiz ihre heutige Gestalt gegeben. ES muß dieser AuSbruch später erfolgt seyn , als der deö AarchalS/ denn die Verbreitung der Rhonegefchiebe quer j durch den Aarkessel hindurch/ ohne die geringste Andeutung eines zurückdrängenden Einflusses von Seite der Aargewässer/ ! verträgt sich nicht mit der Gleichzeitigkeit beyder Phänomene / i und wir müssen dasjenige für daö spätere halten/ dessen Wirkungen die deutlichern geblieben sind. Die Seltenheit aller Geschiebe deö HaSlithaleS/ westlich von Bern / sobald man daö engere Aarthal verläßt/ und die plötzliche Veränderung der Hügelformen/ an denen man keine Spur eines in der Richtung deö Aarthalö auö den Alpen an den Jura ! geflossenen Stromes auffinden kann , sind nur unter der Vor- ! auösetzung einer nachfolgenden/ die Gestalt des Landes von neuem abändernden/ und seine oberste Decke zerstörenden Umwälzung erklärbar. — Sogar die relative Kraft beyder Schuttströme vermögen wir angenähert zu bestimmen. Die Fluth deö Aarthaleö hat den ihr quer vorliegenden Frienis- - berg nur stark abzurunden/ aber nicht zu schleifen vermocht/ ; eben so wenig die des Rhonethals den Mont Pelerin; es darf i daher die Macht dieser Ströme auf den durchflossenen Boden Diluvial - Formationen. 231 nicht in's Unbestimmte gesteigert/ und keineswegs etwa die Bildung der großen Querthäler ihnen allein zugeschrieben werden. Aber so hoch wie am Chasseron liegen die Blöcke nirgends mehr am Jura, keine alpinischen Geschiebe find so weit wie die des Wallis von ihrem Stammort weggeführt worden/ in allen seinen Wirkungen zeigt sich der Ausbruch des Rhonethals nicht nur als das letzte/ sondern auch als das furchtbarste und ausgedehnteste Ereigniß/ das in den spätern Zeiten der Vorwelt die Schweiz betroffen. Zweyter Abschnitt. Alluvial-For Marionen. Meine Beobachtungen über diesen Theil unserer Geognosie sind zu beschränkt und von zu localem Interesse/ als daß ich diesem Abschnitt die Ausdehnung geben könnte/ zu der die Betrachtung der Diluvial-Bildungen angewachsen ist; auch möchte ich ihn gewissermaßen nur alö ein Schema zur Ein- reihung künftiger Untersuchungen betrachtet wissen. Die Formationen/ deren Bildungsproceß noch in unsern Zeiten fortdauert / lassen sich eintheilen/ einerseits in die rein mechanische«/ theils durch die Schwerkraft bewirkt/ Trümmer-und Schutthalde»/ theils durch die Gewässer/ Kies-/ Sand - und Lehmbänke der Flüsse und Bäche/ andrerseits die mehr chemische«/ theils unorganische/ durch Verwitterung entstandene Sand-und Gruslager, Ablagerungen von Kalk- tuff, theils organische, Torfmoore, Dammerde. Insofern das Wasser, als Theil der Erdrinde, mit in's Gebiet der Geognosie gezogen wird, kann man in der Classe der durch die Schwerkraft bewirkten mechanischen Bildungen auch die Quellen unterbringen, die sonst ganz isolirt stehen würden # 232 III. Cap. Zweyter Abschnitt. Von allen diesen Formationen werde ich indessen nur derjenigen besonders erwähnen/ die mit unserm Hauptgegenftand in näherer Berührung stehe«/ oder die etwas unsern Gegendeü Eigenthümliches darbieten können. i. Quellen. Die Molasse-Formation ist im Allgemeinen der Bildung der Quellen sehr günstig/ da die Nagelfluh sowohl als die Molasse daö Wasser ziemlich leicht durchzieh« lassen/.und die nicht seltenen Lager von Thon/ Mergel oder fester Molasse/ wozu besonders auch die dünnen Thon-oder Mergelhäutchen gezählt werden müssen/ die oft zwischen zwey Schichten liegen/ dasselbe der Oberfläche zuleiten/ indem ste sein tieferes Eindringen hindern. ES ist auffallend/ wie sehr viel reicher an Quellen diejenigen Thalwände stnd/ die im gleichen Sinn wie die Schichten falle«/ als die/ welche ihre Köpfe zeigm. Die Nagelflnh/ wenigstens die mit Molaffe wechselnde/ scheint vom Wasser leichter als die Molasse durchdrungen zu werden/ denn die Mehrzahl der Quellen findet man an der untern Ablösung der Nagelfluh (Belpberg , Julimont)/ selten an ihrer obern. So verhalten fich auch die der Nagelfluh ähnliche«/ nur noch loser«/ Diluvialkieslager/ und die Quellen bezeichnen daher ziemlich sicher die obere Grenze der Molasse/ wo die Vegetation keine unmittelbare Beobachtung gestattet / (z. B. am linken Aarufer von Bern bis zur Neubrück). Im KieSgrund muß daS Wasser oft durch Sodbrunnen gesucht werden. In den meisten Fällen mag dieß Abfließen der Wasser , längs der obern Ablösung der Molasseschichten / seinen Grund mehr in der starken wasserhaltenden Kraft der Sleinart , und in der hiedurch bewirkten Ueberfüllung derselben/ als in ihrem Mangel an Porosität haben. Daö Quellwasser ist in den meisten Fällen ziemlich rein. Seine gewöhnlichen Bestandtheile find/ nach den wenigen 233 Alluvial-Formationen. Analysen, die wir von Morell besitzen^)/ die im Bindmittel der Molaffe vorkommenden Substanzen/ Kalkerde/ Talkerde und Eisen / mit Kohlensäure gebunden. Die selten fehlenden salzsanren und schwefelsauren Natronsalze lassen uns mit ziemlicher Sicherheit auch diese Bestandtheile in der Molaffe vermuthen. Oft auch ist die Schwefelsäure mit dem Kalk zu GypS vereinigt. Ob wohl diese Säure/ die wir schon früher im Bittersalz/ das oft an nackten Molassefelsen auswittert/ gefunden/ dieser Steinart ursprünglich angehört/ oder nicht eher durch einen innern Proceß , die Zersetzung von Wasserkies/ in ihr erzeugt wird? — In den Quellen unserer Stadt hat Hr. Pagenstecher auch salpetersaure Salze entdeckt/ wahrscheinlich durch Zersetzung animalischer Substanzen entstanden; ob sie auch in Quellen vorkommen/ deren Lage diese Erklärung nicht zuläßt/ ist indeß noch nicht untersucht worden. Stärkere Mineralwasser und Quellen von höherer Temperatur fehlen in dieser Formation. Die Gesundbrunnen/ die innerlich und als Bäder benutzt werden/ stnd entweder schwache Eisenwasser/ wie Engistein und Thalgut/ theils schwache Schwefelwasser/ wie Bonn und die Aarzihliquelle bey Bern. Sowohl das Eisen als der Schwefelwasserstoff möchten wohl eher von Zersetzungen herrühren/ die in der Molasse selbst vorgehen/ als aus tiefern Formationen durch die Molasse aufsteigen; denn fie kommen ziemlich häufig und sowohl in der Nähe des Jura und der Alpen/ als auch mitten zwischen beyden vor/ und die Mächtigkeit der Molasse-Formation ist so groß/ daß ein Aufsteigen von Quellen tieferer Formationen längs ihren fast horizontalen Lagern/ oder gar quer durch diese hindurch/ ohnehin nicht denkbar ist. 56 ) Morell / Gesundbrunnen uud Bäder der Schweiz. Es paffen nur sechs Analysen hicher; eine siebente findet man in Hallers Schw. Bibl., Th. I. Nr. 1660. - Die frühern Arbeiten/ B. das reiche Verzeichniß von Scheuchzer/ sind in chemischer Hinsicht ganz unbrauchbar. 234 III. Cap. Zweyter Abschnitt., 2. Geschieb-/ Sand-und Lehmbänke. Unsere Flüsse/ wie die der meisten Gegenden Europa's/ stehen/ von ihrem Ausfluß aus den höhern Gebirgen an/ in Betreff ihrer Einwirkung auf das Flußbett/ in der spätern Epoche / indem sre dasselbe nicht mehr tiefer legen / sondern auf ungefähr gleichem Niveau erhalten , oder eher durch Kies und Sand wieder erhöhen. In der Nagelfluh und Molasse und in den KieSlagern der Diluvialbildungen reissen fie/ bey den Anschwellungen/ die im Frühjahr durch das Schnee- schmelzen in den' Hochgebirge«/ und im Sommer durch die starken Gewitterregen verursacht werde»/ große Stücke ihrer Ufer/ auch wohl ihres Grundes/ wenn das Gefall stark genug ist/ los/ führen sie/ vom Sand und Schlamm grau oder braun gefärbt/ fort/ bis ihr Lauf schwächer wird / und setzen sie nach und nach wieder ab. Nur in den höhern Nagelfluh, gcbirgen mag indeß hiedurch das Gefall merklich und fortdauernd vermindert werde»/ was hingegen ausser denselben vom Grunde weggerissen worden seyn mag/ wird bey folgenden Anschwellungen bald wieder ersetzt/ und verhältnißmäßig nur ein sehr kleiner Theil , wenn je etwas , von diesem Ge- schiebe wird der Schweiz auf immer entführt. Daß sich z. B. die Wirkung der Aare/ zwischen Thun und Bern / größtentheils auf diese Transmutation älterer Kieslager beschränke/ beweist die Natur ihrer Geschiebe. Es bestehen dieselben bey Bern in weit größerer Mehrzahl aus Kalk und Grauwacken / als aus farbigen Graniten und andern Ur- gebirgsarten , obschon alle Zuflüsse ausschließlich daö Nagel- fiuhgebirge durchzieh»; wenn demnach die Geschiebe in bedeutendem Verhältniß abgeführt/ und nur durch neu hinzukommende ersetzt würde«/ so müßten längst schon die Nagel- .fiuhgerölle das Uebergewicht erhalten haben. In praktischer Hinsicht ist es indeß ziemlich gleichgültig, ob die größere Masse deS Geschiebes nur von den alten Bänken der Ufer und 235 Alluvial-Formationen. des Grundes losgerissen werde, oder ob sie unmittelbar aus den Gebirgen selbst abstamme; man frägt, ob der Fluß überhaupt Geschiebe abwärts führe, gleichviel woher es ersetzt werde. AuS den Berichten der Commissionen für die Fluß- verbesserungen im Seeland geht hervor, daß unterhalb Meyen- ! ried die sogenannte stille Aar gar kein Geschiebe mehr trage ! und in Schlamm laufe, hingegen unterhalb Solothurn von der Emme wieder Kieögrund erhalte. Das Vorrücken des Geschiebes muß demnach sehr langsam vor sich gehn, da sonst seit langer Zeit die Gegend von Meyenried mit Geschiebe überfüllt, und die Aare oberhalb dem Einfluß der Emme aufgestaucht worden seyn müßte. Daß es indeß nicht ganz unmerklich sey, beweisen die Besorgnisse, welche die Einsetzung jener Aufsichtsbehörden veranlaßt haben. Diese ruhigern Verhältnisse scheinen, wenigstens in Bezug auf die großem fließenden Wasser seit dem Anfang unserer historischen Zeit, d. h. seit ungefähr 2000 Jahren, unverändert bestanden zu haben. Man findet im Grunde unserer heutigen Flüsse Pfahlwerke römischer Brücken an Stellen, wo man, der Schroffheit der Ufer wegen, am ersten glauben könnte, daß die Wasser vor nicht gar langer Zeit höher gestanden , oder einen andern Runs gehabt hätten. Z. B. unterhalb Bern, bey Bremgarten, und am Steinenbach, auch bey Wyleroltigen an der Einmündung der Saane^). Das hohe, wahrscheinlich über die römische Zeit Hinausreichende Alter mehrerer an Flüssen und See'n gelegener Orte beweist ebenfalls den zum Gleichgewicht gekommenen, stablen Zustand unserer Waffersysteme. Es wäre hier der Ort näher über die Bestandtheile des Flußsandes, namentlich über die Goldblättchen, die ihm oft beygemengt sind, einzutreten, allein es fehlen mir eigene Beobachtungen über diesen Gegenstand. Allen Angaben zufolge sind es besonders einige östliche Zuflüsse der Emme, Haller. Hclvetien unter den Römern. II. Bd. 236 III. Cap. Zweyter Abschnitt. oberhalb Lützelflüh/ ,itt denen man das Gold findet/ und es leidet wohl keinen Zweifel/ daß fie eS dem dortigen Molasse- und Nagelfiuhgebirge entreissen. Stehn vielleicht die im Em- menthal so häufigen grünen Granite damit in Verbindung/ und ifi auch hier das Gold aus der Zerstörung eines por- ; phyrarttgen Syenit - und Grünsteingebirges hervorgegangen ? ■ 3. Kalktuff. j Die Menge des in der Molasse' enthaltenen Kalks ist Ursache / daß an vielen Stellen die Wasser/ die längere Zeit 1 durch die Molasse durchgefintert find/ durch starken Fall auf , unebnem Boden/ oder durch Hinumertropfen / ihre Kohlen- ! säure fahren lasse»/ und einen durch Eisen etwas bräunlich gefärbten Kalk-und Mergeltuff absetze»/ gewöhnlich als ein ziemlich festes / zelliges und poröses Gestein/ das häufig/ besonders zu Wasserbauten/ benutzt wird/ zuweilen als erdige/ lose Tuffsandmassen/ auch als Stalaktiten und als dicker Ue- berzug anderer Körper/ z. B. Holzreiftk/ dann mit con- eemrischen Ringen und strahliger Textur/ braun und durch, scheinend. Wie überall findet man sehr oft Stücke von Holz/ Blät- rer/ MooS/ seltner Schnecken in den Tuff eingeschlossen/ oft auch nur ihre Abdrücke. Die Pflanzen und Schnecken gehören immer den noch gegenwärtig in der Gegend einheimischen Arten an. — ES find überhaupt keine Anzeigen vorhanden/ daß unser Tuff von so hohem Alter sey/ wie z. B. der im Gothaischen/ wenn nicht vielleicht die beträchtliche Dicke/ . die an mehrern Stellen (Toffen/ FultigeN/ Reichenbach) seine Ablagerungen erreicht haben/ dahin deutet. Meistens dauert die Tuffbildung noch gegenwärtig fort. 4. Torfmoore. Die hüglichte und niedere Schweiz ist reich an mehr oder weniger ausgedehnten und tiefen Mooren , in denen ein Alluvial - Formationen. 237 ziemlich gut als Brennmaterial dienender Torf/ theils Rasen- torf/ theils sehr bituminöser Pechtorf/ ausgestochen wird. Nicht ohne Erfolg hat man versucht den Torf zu verkohlen. — Im Grunde einiger dieser Moore/ z. B./ des Murren- mooses/ findet man/ in einer Tiefe von ungefähr 2 m , ganze Stämme/ oder deutlich mit der Axt abgehauene Stöcke von Eiche«/ gewöhnlich von Nordost gegen Südwest liegend. — In den Mooren von Hoftvyl kommt erdiges Eisenblau vor. Nicht selten ist Eisenocher , entweder dem Torf beygemengt und seine Asche roth färbend/ oder in Körnern und Knollen ausgesondert/ zuweilen in Aftergeftalten von Holz - und Wurzelstücken 5S ). Daher der Ocherschlamm/ den viele Torfwasser absetzen. Viele Moore möge«/ die letzten Ueberreste früherer See'« seyn / an deren Stelle fich immer noch die Wasser ansammeln/ aber nicht mehr in hinreichender Menge / um das ganze Jahr durch der Verdünstung das Gegengewicht halten zu können. In den meisten dieser Moore hat sich Torf gebildet. Mehrere sind indeß bey zunehmender Feldcultur ausgetrocknet und allmählig in fruchtbares Erdreich umgewandelt worden. ES beweist -B. der torfartige Boden vieler Mulden auf dem Längenberg/ Belpberg und im Emmenthal/ daß die Sümpfe und Moore in ftüherer Zeit dort viel häufiger noch gewesen sind / als wir sie jetzt finden. Ueber die Entstehung der großen Moore in der Gegend der drey See'n herrschen verschiedene Ansichten. Man läßt allgemein diesen ganzen Landesftrich in vorhistorischer Zeit von einem großen See bedeckt werden/ der sich von Entreroches bis in den Canton Solothurn/ und von Murren bis an den Jura erstrMe/ und aus dem nur die höhern Hügel als Inseln hervorragten. Späterhin soll dieser See dann fteyern Abstuß erhalten/ und seine Zustüsse/ besonders die Broye/ Glane und Orbe/ sollen ihn allmählig ausgefüllt 5S ) Razoum. Jorat. II. p. 196, 238 III. Cap. Zweyter Abschnitt. haben/ bis er sich zuletzt getheilt/ und ungefähr zwischen seine heutigen Grenzen zurückgezogen. Nach der ältern und allgemeinern Ansicht/ die besonders von Graf Razoumovski umsiändlich entwickelt worden isi/ hat dieses Vorrücken der Ufer ohne Unterbrechung bis auf unsere Zeit fortgedauert/ und auch jetzt noch nicht sein Ziel erreicht; die Moore/ so- wohl die untern/ zwischen dem Murren-See und Aarberg/ und zwischen Sugy und St.Blaift/ als die ober»/ bey Avenche und Orbe sind noch nicht ganz trocken gelegter/ alter See« boden/ und längs allen Seeufern findet man / ausser dem Be« reich des heutigen Wasserstandes / Kies-und Schlammboden Mit Schalen der noch jetzt in diesen See'n lebenden Muscheln. Hr. Oberst Koch schließt dagegen 59 ) aus der Zusammenstellung mehrerer Thatsachen/ von denen ich nur die wichtig, ften anführen will/ das Vorkommen einzelner Strecken römischer Straßen mit noch erhaltenem Pflaster/ und in ihrem Mutterboden eingewurzelter / angehauener Eichenstöcke/ 6 bis 6 Fuß tief unter der gegenwärtigen Oberfläche des großen Murtenmooses/ ferner das Vorkommen römischer Pfahlwerke/ die zu Fundamenten gedient haben möge»/ mehrere Fuß tief unter dem Wasserspiegel zu Nidau/ daß zwischen dem jetzigen und jenem ältesten Zustand eine Zwischenzeit eingetreten sey/ während welcher die Wasser um s bis 6 Fuß tiefer als jetzt gestanden wären; es sey in diese Periode die Zeit der römischen Herrschaft gefallen- wahrend der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung ; da sey diese Gegend die fruchtbarste in ganz Helvetien und in zahlreichen Städten und Dörfern bewohnt gewesen/ wo jetzt Moore stehen/ hätten Eichwälder sich erhoben/ und auf fest gebauten Kunststraßen sey von den Bewohnern diesseits und jenseits der heutigen Sumpfe lebhafter Verkehr getrieben worden. ' Nach"'d^ gänzlichen Zerstörung des Landes durch die germanischen Stämme/ und in den Jahrhunderten der darauf folgenden Verwilderung hätten sich die 59 ) Bericht der Schwellencommission. S. 37. Alluvial-Formationen. 239 Gewässer wieder erhöht, wahrscheinlich in Folge eines heftigen Ausbruchs der Emme, und einer Aufdämmung der Aare durch Schutt und große Granitblöcke, die noch jetzt vor der EmmeauSmündung liegen; die Gxgend von Emreroches und Payerne bis Solothnrn sey zum zweytenmale ein zusammenhängender See geworden, und habe daher bis in die spätern Zeiten der fränkischen Monarchie, der Jnselgau geheißen. Als nun die Bevölkerung wieder zugenommen, sey der Schutt- kegel der Emme durchbrochen, und den Gewässern freyer Abzug gegeben worden; aber da die Räumung nicht vollständig habe ausgeführt werden können, so sey die Gegend seitdem immer periodischen Ueberschwemmungen ausgesetzt geblieben, und der Moorboden nicht trocken gelegt worden. Durch ein Ucberftürzen der Aar, die früher in gerader Richtung nach Buren floß, links in die Zihl, ungefähr in der letzten Hälfte des i7ten Jahrhunderts, durch die Anhäufung ihrer Geschiebe in dieser Gegend, und das Aufstauchen der Zihl bey starker Aar hätten diese ungünstigen Verhältnisse von Jahrzehend zu Jahrzehend zugenommen, und bedrohten jetzt einen großen Theil der Gegend von Mau und Büren mit dem Ruin ihrer Felder und Wohnungen. — Weit entfernt, mir über diesen schwierigen, und mir nur oberflächlich bekannten Gegenstand ein Urtheil anmaßen zu wollen, erlaube ich mir in Bezug auf die äusserst stnnreichen Folgerungen von Hrn. Oberst Koch nur die Bemerkung: daß die tiefe Lage der Eichenstämme und der Straßenfundamente im großen Moose noch nicht geradezu ein Steigen des Wassers, sondern nur eine weitere Ausdehnung des Moores beweisen möchte, die ihren Grund vielleicht einzig in dem allmähligen Vordringen des südlichen Ufers an der Einmündung der Broye findet. Das Vorkommen von Baumstämmen im Grund der Moore ist ein sehr allgemeines Phänomen, das nicht immer durch ein Aufhäufen des Torfs um und über die niedergefallenen Stämme zu erklären ist; oft stehn die Wälder selbst, oder die Sandlager, 24o III. Cap. Zweyter Abschnitt. in denen ihre Wurzeln treiben/ liegen auf altem / erhärtetem Moorboden/ und wenn dieser von den Moorwassern/ die nicht immer gleichförmig die ganze Torfmasse durchziehn/ angegriffen und aufgeweicht wird/ so werden die Bäume durch Windstöße entwurzelt, und sinken durch die schlammige Masse bis auf den festen Grund ^°). Die von Razoumovöki angeführte Lage der Stämme/ in der Richtung der heftigsten Winde dieser Gegend , scheint anzudeuten , daß auch hier dieser Erklärung der Vorzug gebühre. Die Annahme einer in spätern Zeiten erfolgten Erhöhung des Wasserspiegels möchte über- dicß nicht ganz leicht zu vereinigen seyn mit dem erwiesenen Anwachsen des Landes am obern Theil deö See'S/ von der Zeit Avemicums an, das noch vom See bespült wurde/ bis auf die unfrige. Dieses Anwachsen/ wenn man es allein durch die Alluvionen der Broye und Glane erklären will/ findet schon nicht geringe Schwierigkeiten unter der Voraussetzung/ daß die Wasser sich immer auf gleichem Niveau halten; läßt man nun die Wasser sogar steige»/ so begreift man kaum mehr/ wie jene Bäche/ die längere Strecken vor ihrer Einmündung in fast ebenem Moorboden fließen/ eine solche Masse von Sand und Schlamm haben mitführen können/ daß ihre Alluvionen dem Anwachsen des See's nicht nur das Gleichgewicht gehalten / sondern es noch überwogen haben. 5 . ® st nt m c r b e. Die wasserhaltende Kraft der Molasse und die mcrgel- artige Beschaffenheit derselben befördern die Vegetation und die Bildung einer reichlichen Dammerde/ und unter^luger landwirthschaftlicher Behandlung/ durch Reinigung des Bodens von Kies - oder Nagelfluhgeschieben, Mengung der Erdarten / nicht zu sparsamem Aufführen von Dünger und zweck- ! mäßiger Bewässerung gedeihen alle Arten von Pflanzungen / die das Clima vertragen / mit bestem Erfolg. Wir finden iM Gebiete ^°) De Luc, lettrcs sur la terre. T. V. p* et 176. 2-41 Alluvial - Formationen. dieser nämlichen Formation die fetten Alpweiden des Appeu- zells und Emmenthals/ die fruchtbaren Kornfelder der Cau- tone Bern und Aargau/ und die köstlichen Reben von la Lote und la Vaud/ die schönsten Tann - und Buchwälder bekleiden die Abhänge und obern Rücken der Hügel/ und hochstämmige Eichwälder unterbrechen in größerer Nähe des Jura die Ein. förmigkeit der ausgedehnten Ebenen. ES darf aber freylich , um diese Schilderung gehörig zu würdigen/ nicht unberücksichtigt bleiben/ daß die große Mannigfaltigkeit der Gebirgs- arren der Molasse-Formation und der neuer«/ aufgeschwemmten Bildungen/ eine eben so große Abwechslung in Rückficht auf landwirthfchaftliche Benutzung hervorbringen muß/ als wenn das Gebiet wirklich in verschiedene Formationen zerfiele / und daß alle jene Culturen nur für einzelne dieser Mo- dificationen der Molasse/ oder der ihr aufgesetzten Lager und keineswegs für die ganze Ausdehnung der Formation passen. Die Nagclfluh von der festern Art/ wie sie sich in den hohem Gebirgöreihen findet/ ist der Bildung der Dammerde am wenigsten günstig. Wie auf Kalkfelsen vermögen die Wurzeln und Fasern nicht zwischen die dicht aneinander liegenden Gerölle einzudringen/ und an den stark geneigten Abhängen wird die schwache Bekleidung von fruchtbarer Erde leicht von heftigen Regengüssen weggeschwemmt. Die Grasdecke an diesen Gebirgen ist oft so dünn/ daß man an Gehängen / die aus der Ferne schöne Weiden zu tragen scheinen/ wie auf hartem Gesteine geht/ und oft nur mit großer Mühe und nicht ohne Gefahr auf-oder abwärts gelangt/ indem weder Hände noch Füße feste Anhaltöpunkte finden. In Vertiefungen bilden sich aus Mangel an Abfluß leicht Sümpfe. Auch der mit der Nagelfluh abwechselnde und oft ihr zum Bindmittel dienende Mergel befördert die Versumpfung. Auf . den meisten Alpen dieses Gebietes / z. B. auf den Vorbergen des PilatuS/ oder auf dem Schärlig/ muß man bey nasser Witterung tief im Schlamm waten. Wo indeß diese Durch- 242 III. Cap. Zweyter Abschnitt. nässung des Bodens nicht zu lange anhält/ und durch die Natur oder die Industrie für gehörigen Wafferablauf gesorgt ist/ findet man eben in diesen Gegenden den schönsten Gras- wuchs. Im Gebiet der gemeinen Molasse ruht die Dammerde der Thalboden meist nicht unmittelbar auf der Gebirgöart/ sondern auf Kies/ Sand und Lehm. Nach der mehr oder weniger günstigen Beschaffenheit dieser Grundlage ändert auch fle ihren Charakter: wo fie noch keine bedeutende Mächtigkeit erreicht hat/ mengt ste der Pflug mit den angrenzenden Geschieben/ oder mit Sand und Lehm; wo ihre Grundlage fich zu leicht vom Wasser durchzieh« läßt/ wird ste mager und dürr. Versumpfung ist nur in den tiefsten Gründen/ oder auf weit von den Abhängen entfernten Ebenen zu befürchten. Auf diesen Ebenen ist Moorboden nicht selten. An den Hügeln/ wo die aufgeschwemmten Bildungen gewöhnlich fehlen, hat sich von dem Abfall der noch stehenden/ oder früherer Wälder oft eine mächtige Dammerde gebildet. Die Buche mengt stch hier mit der Tanne/ die in der vorigen Zone allein herrschte/ oder fängt sogar an fie zu verdrängen. Doch findet man auch steilere Abhänge/ wo die Dammerde noch sehr dünne ist/ und/ der Einmischung des Molaffesandes wegen/ sehr mager. - Mehr dem Jura zu , wo lockere Molasse und Mergel vor- ! herrscht/ haben auch die neuern Schuttmassen eine lehmichtere Beschaffenheit angenommen/ und nur wo die Dammerde unmittelbar auf Molasse liegt/ ist fie oft mager und trocken/ daher auch dem Weinbau günstig. Versumpftes oder moorig- tes Land ist häufiger als in der vorigen Zone/ und der tiefern Lage wegen oft schwer zu verbessern. Die Wurzeln der ! Bäume durchdringen ungehindert sowohl die Molasse/ als den ' Mergel/ und die Abhänge find daher/ auch ohne Bekleidung von Dammerde, von dichten Wäldern beschattet. Die Buche ist hier vorherrschend, in den Ebenen findet man schöne Eichwälder. 243 Viertes Capitel. Fossile Körper der Molasse - Formation. Verschiedene Gründe haben mich bewogen den Petrefactcn der Molasse--Formation / deren Angabe man vielleicht in der Beschreibung der einzelnen Formationsglieder vermißt haben wird? ein eigenes Capitel zu widmen/ und diesen Gegenstand überhaupt als einen für sich bestehenden/ von der Geognosie im engern Sinn getrennten zu behandeln. Die Anwendung der Petrefaetenkunde auf Geognosie/ wenn man ihr die in mehrern neuen Schriften angenommene Ausdehnung giebt/ beruht auf der Voraussetzung/ daß die Steinlager/ in denen wir die Petrefacten finden/ zugleich mit diesen sich aus dem Meere abgesetzt haben/ daß also überall die nämlichen Petrefacten auch dasselbe Lager anzeigen. Für viele/ besonders ältere Formationen scheint dieß auch wirklich der Fall > und die organische Natur der Regel nach mit der unorganischen gleichmäßig vorwärts geschritten zu seyn; aber nichtS/ wie ich glaube/ berechtigt uns anzunehmen/ daß es sich immer so verhalte/ und ein flüchtiger Blick auf das/ was unter unsern Augen vorgeht/ scheint eher dem Gegentheil günstig; wenigstens dürften wir zu seltsamen Resultaten gelangen/ wenn wir z. B. alle Sandsteinlager/ in die sich in unsern Meeren die Conchylien eingraben/ hier vielleicht aufgelockerte Grauwacke/ dort Flußalluvionen/ derselben Formation beyzählen wollte»/ weil sie ähnliche fossile Körper ein- schließen. Der Schluß von der Identität der Petrefacten auf Identität der Gebirgölager/ auch wenn diese nicht die geringste oryktognostische Aehnlichkeit zeigen sollte»/ und ihr lockeres Gefüge überdieß eine spätere Einmengung von organischen Körpern sehr erleichtert haben muß / scheint mir daher aufs Gelindeste ausgesprochen/ immer sehr gewagt. 16 * 244 IV. Capitel. Für nicht besser begründet muß ich die Trennung einer aus derselben GebirgSart bestehenden Lagerfolge in mehrere Formationen, wegen Verschiedenheit der Petrefacten, halten, denn zugegeben auch/ daß z. B. Süßwasserschnecken nicht aus dem gleichen Medium abgesetzt werden konnten, als Meer- conchylien, so frügt es sich immer noch, ob die Verschieden- heit der Medien fich auch auf den Boden ausdehne, d. h., ob diesen selbst auch Product derselben, oder nur ihr Träger gewesen sey; eö frägt sich, ob nicht vielleicht die spätern Me- dien den schon gebildeten Boden nur von neuem durcheinander geworfen, und um nichts, alö um die Schalen ihrer Con- chylien vermehrt haben; es ist sogar denkbar, daß gar keines der verschiedenen Medien, die Spuren ihrer Bewohner zurückgelassen, den kleinsten Antheil an der Erzeugung dieses Bodens genommen habe. Wenn je so finden diese Bemerkungen ihre Anwendung in der Formation der Molasse, deren Zusammenhalt in vielen ihrer Glieder so gering ist, daß man mit Zuversicht anneh- men kann, daß unter Meeres - oder überhaupt unter Wasserbedeckung, jede Strömung und jede bis auf den Grund reichende Bewegung große Massen derselben umhcrwälzen, und die Beschaffenheit des Grundes sehr bedeutend verändern mußte. Hatten fich an einer Stelle die im Sand lebenden Conchylien angesetzt, und eine Zeit lang ruhig fortgepflanzt, so wurden fie bey vermehrter Unruhe der Gewässer unter eine Sandschicht begraben; auf dieser entwickelten fich neue Generationen, die später dasselbe Schicksal erlitten; eine allgemeinere Umwäl- zung veränderte vielleicht die Natur des Wassers selbst, das Meer wurde ein Süßwasser-See; oder die Fluchen fanden plötzlich einen Abfluß und es entstand trocknes Land, es keim- ten Pflanzen, und eine neue Tbierwelt erfreute fich ihres Daseyns, bis eine Rückkehr der Gewässer auch diesem Leben ein Ende machte, und seine Erzeugnisse mit Sand bedeckte. Es ist leicht möglich, daß alle diese Veränberungen den Boden 2 AS Fossile Körper. selbst/ den ste vielfach durcheinander geworfen/ weder mit neuen lagern vermehrt/ noch sonst wesentlich nach seiner ursprünglichen Beschaffenheit verwandelt haben; eS ist möglich , daß wir in ihm nicht die geringste Anzeige irgend einer Unterbrechung seines Zustandes/ von seiner ersten Entstehung an/ biS auf seine gegenwärtige Gestalt fänden/ wenn nicht die Ueberreste jener verschiedenartigen Generationen davon zeug. ten. Sollen wir nun aber dieses Sandgebirge in eben so viele unorganische Formationen zerschneiden/ als wir organische darin auffinden? Dürfen wir uns erlaube»/ darum/ weil vielleicht die organischen Formationen mit denjenigen von Italien oder Paris übereinstimmen/ anzunehmen/ daß die Gebirgsmassen/ die fie enthalten/ selbst auch gleichzeitigen Ursprungs seyen? Die wohlgegründeten Zweifel , die ein solches Verfahren erregen müßte/ werden noch vermehrt/ wenn wir das Vorkommen und die Arten der Petrefacten in der Molasse näher berücksichtigen. — Eö lassen sich diese zu dem Zweck/ den wir hier besonders im Auge habe«/ in drey Classen abtheilen. In die erste will ich die Süßwasserconchylien setzen/ dir sich gewöhnlich im Begleit der Braunkohlelagrr finden. Fast immer sind dieselben in einen besondern Kalkmergel eingeschlossen/ der augenscheinlich mit ihnen zugleich gebildet worden ist/ und also in der That als ein unorganisches Glied dieser Formation betrachtet werden muß. Aber dieser Mergel wird von Molasse bedeckt und liegt auf Molasse , er ist daher jünger als diese Gebirgsart/ und die Möglichkeit ist da/ daß auch die obere Molasse durch spätere Gewässer aus der Nähe über den alten Seeboden verbreitet worden/ und nicht durch eine Wiederholung des ursprünglichen Processes , dem die ganze Formation ihr Daseyn verdankt/ entstanden sey. Auch die topographische Lage der Mehrzahl dieser Süßwasserlager scheint auf eine sehr späte Epoche zu deute«/ der sogar die Bildung der heutigen Thal- und Hügelformen vorangegangen. Die 246 IV. Capitel. meisten finden fich in einiger Höhe über dem Ufer unserer See'n, wie zu St. Saphorin, Paudex, Poudry, Käpfnach; in den höher» und wahrscheinlich ältern Molaffe - und Nagel- fluhgebirgen/ in unserm ganzen Canton B. habe ich nie eine Spur davon auffinden können. Bey dreyen jener Stellen läßt uns die geringe Tiefe der zur Gewinnung der Steinkohle eröffneten Stollen noch ungewiß , ob fich die Lager nur an die Bergrücken anlehnen, oder ob fie unter denselben durchstreichen; bey Boudry ist vollends die geringe AüSdehnung derselben ausser Zweifel, da die Molasse selbst nur in beschränkter Mächtigkeit und Verbreitung am Jura angelagert ist. Schon Graf Razoumovski glaubte daher in den Süßwasser- lagern der Waadt und von Käpfnach nur Beweise einer frühern großern Höhe deö Genfer- und Zürcher-See'S zu finden. Aehnliche Bemerkungen treffen auch die zweyte Classe, welche die Lager von Meereonchylien umfassen mag, die im Längenberg, Belpberg, zu St. Gallen und an andern Orten mehr, der Molasse eingelagert scheinen. Die größere Menge dieser Conchylien, ich möchte beynah sagen alle, gehören den Geschlechtern an, die im Sand leben, oder an Klippen festsitzen, den Gattungen Solen, MytiluS, Ostrea u. s. w., und ihr Vorkommen beweist deutlich, daß sie an derselben Stelle gelebt und sich fortgepflanzt haben, an welcher wir fie aus- graben. Die Molasse, oder der graue Mergel, der sie einschließt, kann daher möglicherweise eben so gut irgend einer ältern Sandsteinformatton angehören, als viele mit Muschelschalen angefüllte Sandbänke und Klippen unserer heutigen Meere. Die Perrefaetenlager scheinen zwar häufig von Molasse, oder gar von Nagelfluh bedeckt; aber theils können diese obern Lager, wie über den Süßwasserbildungen, spätere Anschwemmungen und nur regenerirt sey»/ theils ist vielleicht das Mergellager wohl, das die Petrefaeten enthält, der Ge- birgsmasse eingelagert, aber die Petrefaeten können fich erst nach bereits erfolgter Ablagerung der obern Schichten in das- 2-47 Fossile Körper. selbe eingegraben habe«/ und man würde vielleicht sie allmäh- lig abnehmen und ganz verschwinden sehen, wenn man das Lager tiefer in den Berg hinein verfolgen könnte. Noch zweifelhafter sind die Ansprüche der dritten Classe, der Petrefacten deö Muschelsandsteinö. Ihre Lager sind fast immer nur von der Dammerde bedeckt und augenscheinlich das Erzcugniß des zuletzt abgefloßnen Meeres. Der Ueber- gang deö Muschelsandsteins in Molasse läßt freylich nicht zu, geognoftifch zwischen beyden Sandsteinen einen Formationsunterschied festzusetzen, deswegen dürfen wir aber nichtödefto- weniger überzeugt seyn, daß die Bildung der Molasse, so- wohl der Zeit als der Art nach, wesentlich von derjenigen des Muschelsandsteinö, oder genauer, der im Muschelsandstein eingeschlossenen Petrefacten verschieden gewesen sey. Die Steinmasse, das Unorganische ist beyden gemein, und nach allem Anschein in beyden auf gleiche Weise entstanden, und was den Muschelsandstein vor der Molasse auszeichnet, ist nur eine spätere organische Beymenguug, die ihn eben so wenig zum Rang einer eigenthümlichen Formation erhebt, als z. B. man die verwitterten äußern Schichten eines Ge- birgs von den noch frischen innern absondert. ES wird sich auS dem Folgenden ergeben, daß mehrere der hier geäußerten Besorgnisse zu weit getrieben sind, wir werden zeigen, daß das nahe Verhältniß, daS man früher zwischen den Braunkohlelagern und der gegenwärtigen Gestalt des Landes zu finden glaubte, bey einer allgemeinen Prüfung fich nicht bewährt, daß ferner die Petrefaetenlager wirklich die ganze Masse der Hügel durchdringen, und in ihrem Innern wie in ihrem AuSgehnden mit fossilen Körpern angefüllt find; aber beydes fordert einen Beweis, der nur nach einer gründlichen und weitläufige» Untersuchung, sowohl der Pe- tresacten selbst, alö der Lagerungöverhältniffe, gegeben werden kann. Die ganze Behandlung dieses Gegenstandes erhält demnach durch Berücksichtigung jener Zweifel eine eigenthüm- 248 IV. Capitel. liche Wendung / die ihn von dem Frühern gleichsam isolirt/ und es schien mir daher schicklicher/ alles denselben Betreffende in einem eigenen Capitel zusammenzufassen / als durch Ein- mengung fremdartiger und durch ihre Trennung an Evidenz verlierender Thatsachen und Beobachtungen/ den frühern/ ganz unorganischen Theil zu verwirren. So viel zur Recht, fertigung der gewählten Anordnung. Wenn sich auch wirklich ergeben sollte/ daß bis jetzt noch keine Petrefacten bekannt seyen / die man als der Molaffe ei. genthümliche betrachten könne/ so dienen uns die bereits aufgefundenen doch / um das Alter der Formation wenigstens ; von der einen Seite zu begrenzen/ indem das Gestein/ das j die Petrefacten einschließt und ihre Lager trägt/ nur gleichzeitig oder älter/ aber nicht jünger als dieselben seyn kann; den einzigen / nicht leicht täuschenden Fall ausgenommen/ wo Petrefacten! älterer Gebirge sich dem jünger» beygemengt hätten. Zu diesem Zweck wird aber eine sorgfältige Prüfung aller bisherigen Angaben fossiler Körper der Molasse-Formation um so nothwendiger , da ihnen zufolge in diesen Gebirgen die Petrefacten aller Alter/ von der Uebergangszeit an biö in'S aufgeschwemmte Land / bunt durch einander lägen / als ob die Molaffe einzig sich den bis jetzt überall bewährt gefundenen Gesetzen der organischen Formationsfolge / die Hr. Brongniarr und andere Geologen nachgewiesen haben/ entzogen hätte. Obschon man/ so lange das Alter der Molasse-Forma- ! tion noch unbestimmt ist/ nicht absprechen darf/ welche Pe- ! trefacten man in der Molasse/ nach der Analogie andrer Gebirge/ finden könne / und welche nicht; so halte ich mich doch für befugt zu behaupten/ daß alle bis jetzt zuverlässig in der Molasse aufgefundenen fossilen Körper den Formationen angehören , die jünger sind alS die Kreide. Ich dürfte/ um diesen Satz zu rechtfertige»/ mit Nebergehung aller ältern Schriftsteller / deren Angaben/ sofern 249 Fossile Körper. sie schärfere conchyliologische Bestimmungen betreffen/ wenig Vertrauen verdienen/ mich in Bezug auf die östliche Schweiz geradezu auf das Zeugniß Hrn. Schlüpfers a ), und/ in Bezug auf die westliche / auf unsere öffentlichen und Privat- sammlungen berufen/ welche kein einziges Stück enthalten/ das seine Richtigkeit verdächtigen könnte. Indessen sind selbst jene. ältern Werke demselben nicht zuwider. Lang und Scheuchzer geben/ mit Ausnahme von Wycken/ wovon unten/ nicht ein einziges Fundort älterer Petrefaeten an/ das Zweifel erregen könnte / und ihr Zeugniß über diesen Gegenstand ist gewiß nicht nur demjenigen ihrer Zeitgenossen/ sondern auch späterer Schriftsteller vorzuziehen/ im Fall diese ihnen widersprechen sollten. , Bourguet und Ber.tr and enthalten fast keine Fund- orte/ und unter den wenigen/ die sie / freylich sehr oberfläch, lich / anführen / ist ebenfalls kein widersprechendes. Mehrere Angaben/ die unsrer Behauptung entgegen sind/ finden sich in GrunerS Anzeige Schweizerischer Mineralien; da aber Grüner/ als Geschäftsmann/ nur selten die Stadt verließ / und seine Nachrichten meist der Gefälligkeit seiner Bekannten und Clienten verdankte/ denen das Interesse der Wissenschaft gewiß nicht immer sehr am Herzen lag/ so ist seinen Angaben nicht überall zu trauen. Viele Mißgriffe in der Bestimmung der Petrefaeten sind auch wohl aus der man- gelhaften Erhaltung derselben , und aus dem damaligen Zu. stände der Conchyliologie zu erklären. S. 106 werden Ammoniten aus einem Büchlein bey Lu- try angeführt/.und dabey auf Bourguet Fig. 26 L —276 verwiesen ; aber Gr. Razoumovöki/ dem diese Gegend durch einen langen Aufenthalt und fleißige Nachforschungen genau bekannt war / sagt ausdrücklich/ daß er in der ganzen Waadt nie einen einzigen Ammoniten gefunden habe 62 ), Er bemerkt sn ) Neue Alpina i, G. 270. Jorat II, p. 29. 250 IV. Capitel. zwar zugleich, daß man ihm einen Ammoniten mit der Etiquette: „gefunden bey Lausanne im December 1782 " geschenkt habe, bezweifelt aber die Richtigkeit der Angabe, weil der Ammonit denjenigen des Berner Oberlands sehr ähnlich sehe. Man kann aus der letztern Bemerkung schlief- sen, daß derselbe mit Schwefelkies impregnirt gewesen sey, und da auch Grüner die seinigen als in Marcasit verwandelt bezeichnet, da endlich erst kürzlich noch Hr. Lardy angezeigt hat, daß sich in deb festen Molasse, die am Genfer-See die gemeine Molasse unterteuft, als große Seltenheit Ammoniten finden,/ so dürfte man allerdings die Sache einer nähern Untersuchung werth halten. Hr. Lardy, mit dem ich mich mündlich über diesen Gegenstand zu unterhalten die Ehre hatte, schien indeß in seine nur beyläufige Rotitz nicht großes Vertrauen zu setzen. Es wäre nicht-unmöglich, daß die Pla- norben von Paudex die erste Veranlassung zu allen diesen Angaben gewesen wären. Auf jeden Fall aber liegt es noch utt Zweifel, ob die tiefsten Lager am Genfer-See, zwischen ClarenS und Lausanne, der Molasse oder dem Sandstein des Molezon angehören. S. 128 führt Grüner Gryphiten vom Belpberg und Läu-- genberg an. Es können damit nur die großen Austern mit bauchiger unterer Schaale gemeint seyn, vielleicht auch ein nicht seltnes Cardium. Weder Sprüngli, noch irgend ein neuerer Sammler, hat je um Bern wahre Gryphiten gefunden. i S. 125 und 126. Terebramliten bey Lenzburg, Trach- selwald, und eine andere Gattung bey Lutry, Aubonne und an andern Orten der Waadt. Vermengt mit diesen Fundorten find auch viele angegeben, die im Jura liegen. Es ist bekannt, daß früher die kleinen Cnrdien, Cardium rus- ticum und edule, häufig mit Terebratuliten und Peetuneu- liten verwechselt wurden; Lang verweist unter dem ersten 63 ) Naturw. Anzeiger 1821, No. 6 . 251 Fossile Körper. Namen auf sehr kenntliche Figuren von Cardicn, Tab. 49 / F. 4/ 5 / 6; auch Razoumovski 64 ) spricht von Terebratuli- ten oder Pectuneuliten von St. Gallen/ unter denen nur die daselbst häufigen Cardien gemeint seyn können , da Hr. Schlä- pfer ihr Vorkommen geradezu verneint. S. 141 werden, unter einer großen Menge von Fundorten aus dem Jura, auch Aarberg, Briittelen und Wycken als Fundorte von Belemniten angegeben. Da keine unsrer hiesigen Sammlungen, die doch wohl zu den reichsten an inländischen Versteinerungen, besonders der beyden erster» Orte, gehören, irgend etwas einem Belemniten ähnliches enthält, so möchte ich beynahe glauben, Grüner habe undeutliche Glassopetern dafür angesehen. Ich finde auch in keinem ältern oder neuern Schriftsteller etwas, das feine Angabe unterstützen könnte, mit Ausnahme doch von Lang, der auch den Fundort Wycken anführt, und nach ihm Scheuchzer. Vielleicht sind diese Naturforscher durch die Belemniten ähnliche Form getäuscht worden, die zuweilen die früher erwähnten grünen Körner annehmen. Am meisten hat wohl der um die Schweizerische Geognofie so sehr verdiente Name Hrn. EbelS beygetragen, diesen Gegenstand einigermaßen zu verwirren. Hr. E bel zählt, im Bau der Erde, unter den Versteinerungen der Molasse eine Menge verschwundener Geschlechter, wie Ammoniten, Belemniten u. f. w. auf, und macht besonders noch auf die colossale Größe der erstem aufmerksam. Man bemerke aber, daß er als Fundorte vorzüglich Mandach und Dentschbeuren anführt, welche von Alters her Wegen des Reichthums und der Mannigfaltigkeit ihrer Pecrefaeten, und der ausgezeichneten Größe der Ammonshörner berühmt find. Beyde Orte nun liegen tief innert dem Jura, der Sandstein, der die Petrefacten einschließt und einige Aehnlichkeit mit Mo- zeigt, gehört den Mergelbildungen der Jurakalkforma- j de la Societe de Lausanne , III, p. Ho. 252 IV. Capitel. tiott an, und alle Steinkerne von dort her, an denen die Sprünglische Sammlung auf unserm Museum besonders reich ist, bestehen aus Jurakalk. Auf einer Reise durch jene Ge- genden/ die ich vorzüglich um diesen Gegenstand in'S Reine zu bringen unternommen/ habe ich keine Spur von Molasse finden können. Daß das Vorkommen von Rummuliten im ältern Sandstein/ B. d. E./ S. 75 , ebenfalls irrig sey/ hat schon Hr. Escher bemerkt. Es ist hier offenbar eine Verwechslung mit den Aubrigsandfteinen vorgegangen. In der Anleitung werden unter dem Artikel Burgdors Ammoniten von der GiSlifluh angeführt/ ein Fundort/ der auch Hr. Brongniart irre gemacht zu haben scheint 6S ). ES exiftirt aber wohl eine Gysnaufluh, aber keine GiSlifluh bey Burgdorf/ letztere ist hingegen ein sehr bekannter Theil des Jura bey Aarau/ der seiner Versteinerungen wegen oft citirt wird. Die Aehnlichkeit der Ramen erklärt die Verwechslung hinreichend. ES find dieß alle mir bekannten Stellen, die meiner Behauptung ungünstig scheinen könnten / und ich glaube nicht/ daß nach ihrer nähern Untersuchung noch ein Zweifel an der Richtigkeit derselben übrig geblieben seyn wird; wohl verstau- den indeß / daß ich sie immer nur auf das bis jetzt Gefundene / auf zuverlässige Molassepeirefacten/ nicht aber auf Alles/ was in Zukunft noch entdeckt werden könnte, ausdehne. Man darf nicht übersehen/ daß alle unsere Fundorte wahrscheinlich dem jüngsten Theil der Formation angehören; sie liegen in beträchtlicher Entfernung von den Alpen und in den obern Lagern der Hügel; in den von der gemeinen Molasse so sehr verschiedenen Sandsteinen der Lochseite und Bäuchlen, in den Mergeln und der Nagelfiuh von Thun > vom Rigi u. s. w. ist bis jetzt noch nicht ein einziger fossiler Körper gefimden worden/ mit Ausnahme der früher schon erwähnten Pflanzen- ") Descript. des environs de Paris, nouv. cd. p. 41a. Fossile Körper. 253 abdrücke auf den Sandsteinabsonderungen r die aber leider keine nähere Bestimmung erlauben. . Nach diesen wenigen Vorerinne. ngen gehe ich nun zu der nähern Untersuchung aller bis jetzt in der Molaffe aufgefundenen fossilen Körper über/ mit besonderer Beziehung im-' wer auf die mir genauer bekannten Gegenden/ und mit Uebergehung der schon von Andern bearbeiteten Theile. In der Behandlung dieses Gegenstandes werde ich mich an keine streng logische Eintheilung binden können. In den verschiedenen Lagern/ welche Petrefacten enthalten/ kommen vegetabilische Körper mit animalischen/ Süßwassmhiere mit Aeerthieren/ Wasserbewohner mit Landbewohnern gemengt vor / scharfe Grenzen finden fich nirgends. Da indeß immerhin eine gewisse Ordnung gewählt werden muß / so will ich die Gesammtheit unserer fossilen Körper , daö geognostische Interesse mit dem naturhiftorischen verbindend / in drey Abschnitte vertheilen: die vegetabilischen Ueberreste werden uns zuerst beschäftigen/ auf sie will ich die/ zum Theil in genauster Verbindung damit stehenden/ Süßwasser--und Landthiere folgen lasse«/ und endlich die im Muschelsand- ftein und in der gemeinen Molaffe enthaltene große Menge von Meerthierüberresten/ als das Wichtigste/ zuletzt vornehmen. Erster Abschnitt. Fossile Ueberreste von Vegetabilien. ES verdienen diese Ueberreste unsere Aufmerksamkeit in desto höherm Grade/ da fie in den neuesten Schriften der statt- höfischen Naturforscher als daö wahrhaft charakteristische Merkmal der ganzen Formation aufgeführt werden , und unter den Argumenten / welche die Identität der Molasse mit dem pla- stischen Thon beweisen sollen/ im ersten Rang stehen. 254 IV. Capitel. Erster Abschnitt. In der That scheinen dieselben mehr als irgend eine Classe fossiler Körper allen Gliedern dieser Formation eigenthümlich anzugehören, da wir sie in den Sandsteinen der Bäuchlen und Lochseite, in der Nagelfluh von Thun, in der gemeinen Molasse der Gruppe von Bern, und in der lockern Molasse des Seelands finden; aber die Hoffnung, in diesen allgemein verbreiteten Ueberresten ein zur leichtern Wieder- erkennung dienliches Familienzeichen für die in jeder Rücksicht so verschiedenartigen Glieder dieser Formation gefunden zu haben, wird gleich wieder niedergeschlagen durch die Entdeckung , daß dieselben Ueberreste beyde Grenzen der Formation überschreiten, daß wir sie auch im Sandstein des Gur- nigels und der Schweinsberge und in der sogenannten Grau- wacke des Siebenthals wiedersehen, und durch alle jünger« Lager bis in die Diluvial- und Alluvialbildungen verfolgen können. — ES ist sehr zu wünschen , daß wir durch die Bemühungen der Pariser Gelehrten, welche vor Kurzem die Aufmerksamkeit und den Fleiß der Naturforscher durch Aus- schreibung einer Preisfrage auf diesen Gegenstand zu lenken gesucht haben, eine sichere Diagnose der verschiedenen Steinkohlearten , und eine genauere Kenntniß ihrer geognostischen Bedeutung erhalten; aber ich fürchte sehr, daß man nie dahin gelangen werde, charakteristische und constante Unterscheidungsmerkmale für die undeutlichen, fast immer nur in kleinen Massen vorkommenden Kohlencheile unserer verschiedenen Sandsteinformationen aufzufinden, und es mochte daher allerdings die Anwendung dieser Classe fossiler Körper auf die Bestimmung der geognostischen AltcrSfolge immer sehr beschränkt und unsicher bleiben. Gewöhnlich zeigen sich die vegetabilischen Ueberreste in der Molasse als ein feiner, staubartiger Anflug auf den Absonderungen, zuweilen von röthlich, oder gelblichbrauner, öfters von schwarzer Farbe, wie Kohlenpulver aussehend, das man sparsam auf den Stein gestreut hätte, in manchen Fossile Ueberreste von Vegetabilien. 265 Fällen, besonders in der Bäuchlengruppe, auch wie zerhackte und später verkohlte Pflanzen. Die röthliche Farbe rührt von beygemengtem Eisenoxyd her. Alle Zweifel, ob diese kohligten Theile gleichzeitiger, oder späterer Entstehung als die Formation selbst seyen, wä- ren hier ungegründet; denn man findet fie noch in den am tiefsten isss Gebirg eingeschnmenen Steinbrüchen, z. B. zu Wabern § und auf den ursprünglichen Absonderungen der dichten und festen Molasse. Oefters find dieselben nach Pflavzenformen begrenzt. — Die wenigst seltene dieser Formen, die man, wie keine an- dere, in allen Gruppen der Molasse wieder antrifft, hat Aehnlichkeit mit plattgedrückten Rohr-, Tang- oder Grasarten , die fast nur aus dünnen Häuten bestanden haben müssen, da man gegen die Mitte des- Abdrucks zu gar keine Vermehrung der Masse gewahr wird. Die Breite dieser Abdrücke beträgt von l bis 5 Centim.; ihre Länge scheint sehr beträchtlich gewesen zu seyn, denn auch bey Stücken von bedeutendem Umfang bemerkt man meistens gar keine Abnahme des Durchmessers, und nie ist es mir gelungen, das natürliche Ende aufzufinden. Auch steht man überhaupt selten Spuren einer besondern Organisation, Streifen, Ringe oder Knoten. Auf einem Stück, das ich im Canton Appenzell, zwischen Heiden und Wald, gefunden habe, find Längenstrei- fen ziemlich deutlich, ausserdem enthält dasselbe zwey erha- bene Abdrücke, welche Aehnlichkeit mit den Kolben von Aeh- ken zeigen. In. der Sammlung des Chan. Fontaine zu Frey- burg, sah ich einen überaus deutlichen Abdruck eines plattgedrückten, in der Mitte aber noch erhabenen Rohrs, mit wehrern Knoten und parallelen Längenstreifen, bey 3 De- cim. lang und 6 Centim. breit; er wurde in der Nähe der Stadt gefunden. — Sie find gerade ausgestreckt, selten ge- knickt; gewöhnlich liegen mehrere in verschiedenen Richtungen durch einander. — Besonders deutlich habe ich diese Ab- 256 , IV. Capitel. Erster Abschnitt. drücke bey Flühli, an der Mittagseite der Bauchten, im Stockernfteinbruch am Bantiger / und an der Straße von Heiden nach Wald gefunden. Als Charakter der Molasse-Formation können sie übrigens so wenig als der kohlichte Anfing gelten, denn sie zeigen sich ebenfalls in den ältern Sandsteinformationen. Eine andere Classe von Abdrücken scheint auf die Nähe von festem Boden und auf ein verhältnißmäßig sehr niederes Alter hinzudeuten; es möchte aber für sie schon mehr in Frage komme«/ ob sie mit der Formation zugleich, oder erst später gebildet worden seyen. Hr. Levade sagt in der kurze«/ erst citirten Nachricht/ die ich mir/ da das Journal/ in dem sie steht/ nicht sehr verbreitet scheint/ ganz einzuschalten erlaube: „Ein Sandstein- oder Molaffebruch/ bey la Bergere, einem Landhaus / 20 Minuten nordwestlich/ oberhalb Lausanne gelegen, bietet dem Naturforscher manches Interessante dar. Die Molasse ist voll Blätter von Bäumen, die an feuchten Orten wachsen/ als Weiden / Pappeln/ Birken, Eschen, Erlen u. s. w., sogar ganze Zweige von verschiedener Größe sind eingeschlossen und versteinert (?): Ich besitze ein Stück von 6 1 /2 Zoll Länge und 2 Zoll Breite, etwas platt gedrückt durch das Gewicht der darüber liegenden Massen, und aus einem andern Stoff bestehend, als die Molasse, dip es einschloß. Seine Farbe ist schiefergrau, und eine Spalte, die vom einen Ende bis zum andern geht, ist mit schwarzen, wie Kohle glänzenden Krystallen besetzt, deren Form sich aber nicht näher bestimmen läßt. Ungefähr 15 bis 20 Fuß unter dieser Molasse findet man ein Lager von bläulichem, feinem Mergel, der an der Luft wie Dachschiefer in dünne Blätter zerspaltet, und amorphen Schwefelkies nebst Meereonchylien einschließt, deren einige noch ihre Farben und ihren Schmelz erhalten haben, aber so dünn sind, daß sie an der Luft sogleich zerfallen. Unter diesem, kaum l Fuß dicken, Mergellager folgt wieder Fossile Ueberreste von Vegetabilien. 257 wieder Molasse / von der'Art der obern, nnd diese ruht ebenfalls auf einem dem vorigen gleichen Mergellager." „Man sieht hieraus, daß dieses Gebirge mehrere abwechselnde Zustände erlebt hat; die einen, ziemlich lang anhaltenden, scheinen die Süßwafferlager, die dicken Molasse. schichten, in deren Sand die Pflanzentheile eingeschlossen sind, gebildet zu haben, und während einer kurzen Meeresbedeckung mögen die kleinen Lager von Mergel mit Meercon- chylien niedergefallen seyn; diese regelmäßigen Abwechslungen sind indeß eine schwer zu erklärende Erscheinung." Es lohnte sich wohl der Mühe, daß uns die Waadtlän- bischen Geognosien eine etwas umständlichere Beschreibung dieses interessanten Vorkommens mittheilten. In einem kleinen Steinbruch, an der Weinhalde ober- halb Münsingen, auf den wir übrigens im dritten Abschnitt zurückkommen werden, werden Pflanzentheile und Blätter, die mit Weideblättern Aehnlichkeit haben/ in einen schwärzlichen oder bräunlichen Staub verwandelt, nicht nur zwischen Lagern mit Meerconchylien, sondern mit diesen Conchylien gemengt gefunden, so daß über die gleichzeitige Einhüllung der Pflanzen und Muscheln kein Zweifel möglich ist. Andere Blätterformen, als die von Weideblättern, habe ich in unsern Gegenden niemals, und auch diese ziemlich selten gefunden. Man wird sich erinnern, daß ich früher er- nes Vorkommens derselben Blätter in den ältern Sandsteinlagern über Ralligen erwähnt habe. Ausser jenen Wasserpflanzen und den Blättern von Bäu« wen, di^ noch jetzt in diesen Gegenden wachsen, hat man bor wenig Jahren in der Nähe von Lausanne den wohl erhaltenen Abdruck eines Blatts des Chamcerops humilis, Va r. non spinosa gefunden, einer Palmart, die in Sicilien, tw südlichen Spanien, und an den Küsten der Barbarey in Stenge wächst, aber unsern Breiten gänzlich fremd ist. Hr. ^bof. Chavannes giebt über diese höchst merkwürdige Ent- 17 258 IV. Cap. Erster Abschnitt. deckuttg nähere Nachrichten im Decemberheft des Naturw. Anzeigers von 1821. Es steht dieselbe indeß bis jetzt noch ganz vereinzelt/ und es wäre daher wohl eben so voreilig irgend eine Erklärung derselben zu versuchen/ als ste zur Basis allgemeiner Theorien zu wählen. Ich bin sogar ge- neigt die einzige/ aber sehr wichtige Folgerung/ die Hr. Cha- vannes sich erlaubt hat/ daß nämlich das Blatt vor der Molasse-Formation existirt haben müsse/ weil man es mitten in derselben — doch nur einige Fuß unter der Dammerde — gefunden habe/ aus den in der Einleitung zu diesem Capitel angeführten Gründen/ sehr in Zweifel zu ziehen. Einerseits ist soviel gewiß / daß der Blattabdruck späterer Ent- stehung ist/ als seine wenigstens 150 Meter (Höhe von Lausanne über dem See) dicke Molaffegrundlage/ und andrerseits ist es wohl eben so wahrscheinlich/ daß die Verhältniß- mäßig sehr dünne Decke von einer der nahgelegenen Erhöhungen hergeschwemmt/ als daß ste zu der Zeit/ da das Palmblatt eingehüllt worden/ ganz neu gebildet worden sey. Eben so allgemein verbreitet als der kohlenariige Staub und die Rohr - oder Gräserabdrücke findet man wahre Braunkohle / oder Ligniten , theils nesterweise , theils in Lagern von unbestimmter Ausdehnung. Da das letztere Vorkommen immer mit Süßwafferbildungen in engster Verbindung steht / so verspare ich alle nähern Details darüber auf den folgenden Abschnitt/ und beschränke mich hier ausschließlich auf die Nester von Ligniten , in oder bey denen, meines Wissens, noch nie eine Spur von animalischen Theilen irgend einer Art ist gefunden worden. Die Ligniten zeigen sich auf verschiedenen Stufen der Verkohlung: Alö fossiles Holz, mit noch deutlicher Holztextur; sehr morsch, so daß die Fibern oft bey der geringsten Erschütte- Fossile Ueberreste von Vegetabilien. 259 rung auseinander fallen; innig durchdrungen von Wasserkies und rothem Eisenoxyd ; letzteres ertheilt ihm eine dunkel braunrothe mit hell braunroth und schwarz nüancirte Farbe; im Feuer ohne Flamme nur glimmend, und weder an Um- sang noch an Form verlierend, der Rückstand ein Gemeng von Eisenoxyd und Asche. AlS bituminöses Holz; die Holztextur weniger deutlich; von vielen sehr regelmäßigen Querabsonderungen durchsetzt, die oft nur i mm auseinander stehn, und das Zerbrechliche der Masse noch vermehren (an dem Stücke, daö ich vor mir habe, ist diese Art mit der vorigen vereinigt, die Querabsonderungen werden undeutlich, so wie ste sich dem fossilen Holz nähern, und verschwinden zuletzt ganz); das Eisen ist meistens als Wasserkieö fein eingesprengt; die Farbe bräunlichschwarz, ohne Glanz; im Feuer glimmend, ohne Flamme, mit starkem, etwas mit Aroma gemischtem Schwefelgeruch; das durch und durch glühende Stück wird durch'S Anblasen anfangs geschwärzt, glimmt aber bald von innen heraus so stark oder. stärker als vorher; vor dem Löthrohr treten die WasserkieSthxilchen an die Oberfläche, zerplatzen, und hin- terlassen ein glänzendschwarzes, stark auf den Magnet einwirkendes Eisenkörnchen; der Rückstand behält die anfängliche Form, und besteht auS einem Gemeng von rothem Eisenoxyd, Magnetkies (?) und bräunlicher Asche; daS Innere der Stücke wird auch nach längerem Glühen vor dem Löthrohr nicht ganz zersetzt, wenn ihre Dicke einige Millim. beträgt. Zwischen diese und die folgende muß ich eine Mittelstufe hincinsetzen, die ich durch keinen eigenen Namen aus- ruzeichnen weiß; sie scheint sich von der vorigen vorzüglich durch einen größer« Gehalt an Bitumen, und eine schwächere Bcymengung von Eisen zu unterscheiden. Die Holztextur ist nur an wenigen Stellen noch sichtbar; die Querabsonderungen sehr deutlich, aber weniger re- ^lmäßig, und bis 3 Cemim. auseinander stehend; ausserdem 17 * 260 IV. Cap. Erster Abschnitt. andere ganz unregelmäßige Zerklüftungen, so daß die Stücke, wie die der vorigen Art, lxicht in kleine Trümmer zerfal- len; dunkel bräunlichschwar;; auf einigen gekrümmten Kluft- flächen glatt, mit Anlage zu zerflossen saftiger Textur, stark glänzend und zum Theil spiegelnd; auf den übrigen Abson- derungs- und Bruchflächen im Großen uneben, im Kleinen sehr feinkörnig, mit schwachem Pechglan; schimmernd; mit starker Flamme brennend, unter angenehm aromatischem Geruch, man steht daS Bitumen an der Oberfläche aufkochen und einen dunkelgrauen Rauch bilden; durch's Anblasen wird das Glühen sogleich vermehrt, und die Flamme bricht wieder aus; der Rückstand behält die frühere Form, und besteht aus einer leicht zerreiblichen weißen Asche; es bilden stch aber auch vor dem Löthrohr keine Eisenkügelchen. Die vierte, am häufigsten und in den größten Massen vorkommende Art stimmt ziemlich gut mit der Charakteristik der Pechkohle überein. Es ist keine Spur von Holztextur mehr sichtbar; die Kohle ist fest und bedeutend hart; dick- schiefrig abgesondert; auf den Hauptabsonderungen dickschup- pjg und vielfach zerspalten, glänzend mit starkem Pechglan;, zuweilen mit Regenbogenfarben, schwach .schimmernd, oder ganz matt; im Querbruch treten die Schieferstücke ungleich weit hervor, sie brechen einzeln sehr rein ab, wie dicke Glas- scheiden, mit ebener oder großmuschliger Bruchfläche, stark glänzend, schimmernd oder matt; pechschwarz; mit wenig Flamme brennend, der Geruch aromatisch, aber wenigerstark und angenehm, als bey der vorigen Art; im Anblasen stch wie die zweyte Art verhaltend; dunkler Rauch; es zeigen stch auch schwarze Eisenkügelchen, aber in etwas geringerer Menge; der Rückstand behält die frühere Form, ist weiß mit schwärzlichen und braunen Theilen gemengt und weniger zer- reiblich 66 )- Zuweilen zeigt sich aus den Stücken eine leichte EffloreScenz von Eisenvitriol. <6 ) Das Verhalten im Brennen unterscheidet die Steinkohlen oder 261 Fossile Ueberreste von Vegetabilien. Ausser diesen vier Arten ließen sich noch eine Menge Uebergänge anführen , die sich durch mehr oder weniger Reinheit von erdigen, oder Eisentheilen, durch größer» oder klei- nern Bimmengehalt, durch eine veränderte innere Struktur, oder andere nur gradweise Abweichungen davon unterscheiden; ich glaube indeß aus den beschriebenen Arten werde man leicht auf den allgemeinen Charakter schließen können. Alle Arten, die mir vorgekommen, sind schwerer als das Wasser. Das fossile Holz kömmt gewöhnlich nur in Splittern vor, . von der Länge eines oder weniger Deeimeter. Zuweilen knotig wie Wurzelstücke, meistens ohne Formen. Die Holzarten haben Aehnlichkeit mit denjenigen unserer inländischen Bäume, ohne daß man jedoch die Gattung näher angeben könnte. Meistens ist die Molasse, welche diese Splitter einschließt, bis auf ein Decim. weit von rothem Eisenoxyd durchdrungen, so stark, daß es schwerlich nur daö der Molassc eigenthümliche Eisen ist, das in einen höher» Oxydationögrad versetzt worden. Häusig findet fich auch der Wasserkies ziemlich rein, in derben, größer» Stücken, feinkörnig, hart, von gelblich- grauer Farbe, als äussere Rinde das Holz umgebend, oder auch im Kern desselben, seltner kryftallistrt, an dem einzigen Stück, von Oberaar, das mir vorgekommen, in Cubo-Oetae- dern von wenigen Millim. Durchmesser 67 ). — Es ist in hohem Ligniten der Molasse oder des aufgeschwemmten Landes sehr sicher von denjenigen, die im Alpenkalk oder in dem Niescnsandstein liegen, von denen der Diablerets, von Voltigen, Beatenberg, Gemmcnalp u. s. w. Diese alle fangen sogleich an sich aufzublühen, das Bitumen, das den größer«, zuweilen vielleicht den einzigen brennlichen Theil bildet, tritt kochend heraus, brennt mit schwacher Flamme, und einem geringen aromatischen Geruch und hinterläßt eine schwärzlich poröse Schlacke, die wohl den sechsfachen Raum des ungebrannten Stücks einnimmt, in stärkerer Hitze weiß wird, und zu Staub zerfällt. 67 ) Es sind die Formen, wo die Flächen 6 sich mit den Ecken berühren oder schneiden. 262 IV. Cap. Erster Abschnitt. Grade wahrscheinlich/ daß die Wafferkieft/ welche sich als so treue Begleiter der Braunkohle zeigen und sichtbar/ wenn auch auf unerklärbare Art/ dem Verwesungsproceß die Entstehung verdanken/ durch ihre Zersetzung die erste Quelle der schwachen Schwefel-und Eisenwasser werden/ die wir im Gebiete der Molasse finden^); auch den Gypsgehalt vieler Quellen möchte man fast geneigt seyn/ auf Rechnung dieser neuen Verbindungen zu setzen. Die größern Nester von Ligniten bestehen fast ausschließlich aus den drey letzten Kohlenarten. Sie sind oft von bedeutender Ausdehnung/ aber nur wenig mächtig. In der Nagelfluh biegen sie sich um die geröllreichern Theile herum und werden wohl auch ganz unterbrochen / oder doch sehr ein- geengt/ wenn die Gerölle das Bindmittel fast verdrängen; häufiger sind sie in den Nagelfluhgebirgen/ z. B. bey Steffis- bnrg und Thun/ dem Mergel untergeordnet. - Die bedeutendsten Fundorte dieser Nester mag man aus ErunerS Anzeige kennen lernen; nähere Angaben über die in unserm Canton gelegenen/ und über die früher darauf versuchten bergmännischen Arbeiten findet man in den Abhandlungen der ökonomischen Gesellschaft für 1768 69 ). Seit langer Zeit wird im Canton Bern an keiner einzigen innerhalb des Gebiets der Molasse liegenden Stelle auf Steinkohlen gearbeitet; die alten Stollen sind zusammengefallen / oder nicht mehr bebaut / und alle Vortheile / die wir jetzt zum Gewinn der Wissenschaft auö ihnen ziehen könnten/ sind verloren. Eben diese Vernachlässigung/ in einem Lande/ dgs sonst jede neue Erwerbsquelle eifrig benutzt/ und in welchem noch gegenwärtig Steinkohlen von nicht vorzüglicher Art aus wilden und entlegenen Seitenthälern des Siebenthals bis nach Bern 6S ) S> Hausmann/ in Comment. Götting. lll. und in den Flötzgcb. der Weser. S. 67. & ) Historische Nachricht von verschiedene» entdeckten Steinkohlen im Canton Bern. Abh d. O. G. J 76 S H. 263 Fossile Ueberreste von Vegetabilien. verführt werde»/ scheint indeß zu beweise»/ daß an keiner jener Stellen ein wahres Lager/ von dessen weiterm Anbau man sich einigen Nutzen hätte versprechen könne»/ gefunden worden sey. In jenem Aufsatz wird auch geradezu gesagt/ die Anbräche bey Thun und SteffiSburg seyen wegen baldigem Auökeilen der Flötze/ oder wegen Zerstreuung derselben aufgegeben worden. Als das mächtigste dieser Nester wird das von FrieniSberg/ westlich vom Kloster an einer kleinen Anhöhe/ angeführt/ der holländische Gesandte in Bern soll mehrere Jahre lang nichts anders/ als diese Steinkohlen in seinem Kamin gebrannt haben. Wenn diese Angabe richtig ist/ so darf man sich mit Recht wundern/ daß die später entstandene Actiengescllschaft/ die sich die Benutzung unserer Steinkohlen zum Zweck gesetzt hatte/ und deren Stifter eben der Verfasser jenes Aufsatzes war/ diese der Hauptstadt so nahe liegende Stelle übersah/ und lieber in den wildesten Gebirgen des Oberlandes mit bedeutenden Kosten unsichere Spuren verfolgen ließ. Die noch vorhandene Anschürfung liegt in der Nähe von Dampfwyl/ am westlichen Abhang des Frienisbergs/ aber die Kohle selbst/ oder die Stelle wo sie gelegen/ wird durch hohen Sand und Wasser verdeckt. Von Süßwassermuscheln oder Stinksteinlagern ist keine Spur vorhanden/ auch wird in keiner Schrift derselben erwähnt. ES ist mir nicht unwahrscheinlich/ daß viele/ besonders kleinere Nester von fossilem und bituminösem Holz sehr neuer Entstehung seyen / und von Wurzeln der noch jetzt in unserm Lande einheimischen Bäume herrühren. In vielen Wälder»/ z. B. am Bucheckberg/ ist mir hierüber kein Zweifel geblie. ben, indem ich Nester/ die ebenfalls die Molasse ringsherum geröthet hatte«/ und ganz das Aussehen des fossilen Holzes hatten/ bey fernerm Nachgraben für abgestorbene Theile einer ganz nahen Wurzel erkannte/ die durch die lockere Molasse/ oder durch Spalten bis tief in den Fels gedrungen war. Zwar habe ich noch keines dieser zuverlässig neuern Produkte 264 IV- Cap. Erster Abschnitt. verkohlt und mit Wasserkies verbunden gesehn; aber die all- mähligen Uebergänge zwischen ihnen und der vollkommensten Pechkohle läßt mich nicht glauben/ daß die Bildungsgeschichte der einen sehr wesentlich von derjenigen der andern abweiche. Vielleicht daß nur die größere oder geringere Masse des Holzes/ die Art desselben/ die Beschaffenheit oder Dicke der einschlies- senden Molasse/ oder ähnliche Umstände die Verschiedenheit aller unserer Ligniten hervorzubringen vermögen. Für diese Ansicht spricht auch die Beschaffenheit des fossilen Holzes/ das man in mächtigen Lagern/ die noch ganze Baumstämme einschließen/ an mehrern Srten im aufgeschwemmten Lande findet/ z. B. im alten Kandergrund bev SträtligeN/ im Hummelwald bey Gaster/ in der Nähe von Zürich 70 ) u. s. w. Ob- schon in diesen Lagern zuweilen noch die Vegetabilien und Holzarten zu erkennen sind/ aus denen sie entstanden/ so hat doch die größere Masse bereits eine Umänderung erlitten/ die ihr das Gepräge wahrer Braunkohle ertheilt/ sie ist wie diese dickschiefrig abgesondert/ bedeutend fest/ bräunlichschwarz/ brennt mit starker Flamme/ unter Entwicklung eines torf- oder holzkohleartigen/ aber zugleich mit dem Aroma der Ligniten gemengten GeruchS/ entflammt sich durchs Anblasen von neuem/ und hinterläßt einen starken/ b'räunlichweißen Rückstand. ES beweisen diese Annäherungen/ wie vorsichtig wir auch hier seyn müssen/ wenn wir nicht Glieder des aufgeschwemmten Landes mit Gliedern der Molasse-Formation/ und spätere Beymengungen dieser Formation mit ursprünglichen verwechseln wollen. Das Holz erleidet in einigen unserer Gegenden noch eine andere Umwandlung/ als die/ welche uns bis jetzt beschäftigt hat; da sie aber vermuthlich in der Dammerde , oder im aufgeschwemmten Lande vorgeht/ so gehören ihre Produkte ebenfalls nicht der Molaffe--Formation an. Wir besitzen mehrere Stücke Holz/ die an den Abhängen der Bütfchelegg bey'm 7 °) G. Ebel/ Bau der Erde/ ll. S. 69. 265 Fossile Ueberreste von Vegetabilien. Pflügen oder Ackergraben gefunden wurden: ihr äusseres An- sehn ist nicht sehr verändert/ aber man erkennt sogleich an dem bedeutend großem Gewicht/ daß man nicht gewöhnliches Holz vor sich hat/ auch bleiben die Spitzen im Feuer und in Säuren unverändert , und scheinen innig von einer steinarti- gen Substanz durchdrungen; vor dem Löthrohr entwickeln sie indeß ebenfalls/ obschon schwach/ den aromatischen Geruch der übrigen Ligniten. Eines der Stücke ist bey 3 Decim. lang/ l Decim. dick/ und sieht einem knotigen Bruchstück einer Weide ähnlich; eö hat äusserlich die hellgraue Farbe von Holz/ das lange von der Rinde entblööt gewesen/ innerlich aber ist eS dunkelgrün/ so daß man doch glauben möchte/ eö hasse einen Anfang von Carbonisation erlitten/ und sey nur von aussen durch Entweichung der Kohle gebleicht; einige Theile davon sind ziemlich morsch/ und lassen sich mit dem Messer schaben/ andere leisten größer« Widerstand und ritzen GlaS; quer durch gehen mehrere sehr scharfe Schnitte/ wie Hiebe einer Axt, ein solcher begrenzt auch das Stück an einem Ende/ man sollte wirklich glauben/ es sey hier mit einem scharfen Instrument abgehauen/ da aber alle diese Schnitte genau parallel sind/ da ferner mehrere bloß einige Centime- ter Länge haben/ und nicht die ganze Breite des Stücks ein- nehmen/ so bin ich geneigt/ sie eher für etwas den Quer- absonderungen- des bituminösen Holzes Analoges anzusehn. Zweyter Abschnitt. Süßwasserbildungen und Ueberreste von Landthieren. Auf gleiche Weift/ wie ich mehrere Lagerstätten/ die mit Reichem Recht dem vorigen Abschnitt angehörten / in diesen hinüberziehe/ wegen dem höher« Interesse/ das die animali- 266 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. schen Spuren in denselben vor den unorganistrien Steinkohle Massen behaupten, eben so werde ich auch in diesem nicht die ganze Folge der bisher in der Molasse-Formation gefundenen Süßwasser- oder Landthierüberrefte aufführen. Es bestätigt sich nämlich immer mehr, daß im Muschelsandstein, der eine so große Menge Schalen und Abdrücke von Meereonchylien und Zähne von Meerfischen einschließt, auch Knochen und Zähne von Land-oder Sumpfthieren gefunden werden, so daß diese jüngsten Lager der Molasse-Formation Anspruch auf eine Stelle sowohl in diesem, als im folgenden Abschnitt machen könnten; um aber nicht zu trennen, was die Natur selbst zusammengefügt hat, verspare'ich alles, was dieselben betrifft auf die besondere Section, die ich ihnen in dem folgenden Abschnitt eingeräumt habe. Somit bleiben uns nun zunächst zu untersuchen: l) die verschiedenen Braunkohle - und Stinksteinlager der Waadt und des westlichen Freyburgs, 2 ) die Stinksteinlager von Boudry, 3 ) die Zähne und Knochen größerer Landthiere, die man bey Aarberg gefunden, 4) die Stinksteinlager des Courtthales, 5) die Mergelknauer bey Burgdorf, 6) das Braunkohlelager von Käpfnach, 7) dasjenige von Elgg, 8) die Stinksteinschie- fer von Oeningen. In Bezug auf einen unserer Hauptzwecke bey diesen Untersuchungen, die Vergleichung unserer Gebirgslager nämlich mit denjenigen anderer legenden und die Bestimmung ihres Ranges im geognostischen System, möchte man wohl von diesem Abschnitt, mehr als von keinem andern, wichtige Resultate erwarten, da in den neuesten Zeiten, die eben so geist- vollen als sorgfältigen Arbeiten der HH. Cuvier, Brongniart, Ferussac u. a. m. über diesen Theil der Geognofie ein neues Licht verbreitet, und mehrere mit großem Aufwand von Fleiß und Kunst ausgeführte Kupferwerke die Bestimmung dieser Classe von organischen Ueberresten, dem Anschein nach, sehr erleichtert, haben. Aber so wie man wirklich an's Werk schrei- • 267 . Süßwasser - Formationen. tet/ so zeigen sich diesem Gegenstand ganz eigenthümliche, zum Theil unerwartete Schwierigkeiten. Die Süßwassermuscheln besttzen im Allgemeinen so wenig ausgezeichnete Charaktere, und die Anzahl und Mannigfaltigkeit der bekannten Arten wächst noch, mit jedem Tag beynah, so sehr an, daß eine nähere und sichere Bestimmung, nach meistens schlecht erhaltenen/ zerdrückien Exemplaren oft unmöglich, und die Unterscheidung der Formationen durch sie allein höchst problematisch wird. Hr. Brongniart selbst getraut sich nicht die drey Süß- Wasserbildungen von einander zu unterscheiden, wenn die Meerformationen, die sie in der Gegend von Paris trennen, ganz fehlen, oder nicht deutlich charakterisirt sind Mit größerer Sicherheit lassen sich in vielen Fällen die fossilen Zähne und Knochen bestimmen, aber die Anordnung der neuern Lager nach diesem Charakter hat sich auch bis jetzt nicht von allem Schwankenden frey machen können. Der Hügel von Montmartre ist beynah der einzige Punkt, wo die Geognosie mit der fossilen Zoologie gleichen Schritt gehalten, die größere Menge der fremden von Hrn. Cuvier entzifferten Knochen, die aus den Diluvialbildungen ausgenommen, stammt dagegen aus Lagern ab, deren geognostische Bestimmung noch als zweifelhaft betrachtet werden kann. Auch steht das zoologisch-geognostische System, weder in sich selbst, noch in der Meinung seiner ersten Begründer, so fest, daß man es bereits als einen zuverlässigen Führer bis in allen Detail der Aufeinanderfolge einzelner Lager gebrauchen dürfte. Die fossilen Elephanten- knochen z. B., die in Toscana in Sandlagern zugleich mit Meerconchylien und sogar unter diesen Lagern gefunden werden, kommen bey uns immer nur im aufgeschwemmten Lande vor, und diese Verschiedenheit muß um so mehr befremden, da, wie wir später sehen werden, die fossilen Conchylien der subapenninischen Hügel, größtemheils mit denen der Molasse "O Descr. de Paris. p. 53 1 268 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. übereinstimmen; es liegen ferner die Knochen der Mammuth und anderer Pachydermen an vielen Orten gemengt mir Knochen von hirschartigen Thieren, und doch betrachtet man es noch als unausgemacht, ob beyde Thierfamilien derselben Epoche angehören^); Hr. Brongniart steht in dem Vorkommen von Maftodonten zu Käpfnach einen Beweis, daß die Molasse-Formation, die sie umschließt, gleichzeitiger Entstehung sey mit dem Gyps von Montmartre^), da doch bis jetzt in diesem keine Knochen dieser Thierart, sondern viel ältere gefunden worden stnd; auch Hr. Cuvicr, obschon alles ihm dafür zu sprechen scheint, daß die Mastodonten zugleich mit den Mammuth, Rhinoeeros, und den übrigen Thierarten der Diluvialepoche gelebt haben, fuhrt doch, mit gewohnter Unpariheylichkeit, Mastodontenzähne an, die mit Fragmenten von Paläoiherien vorgekommen stnd 74 ). Erinnert man stch nun überdieß noch an die schon in der Einleitung zu diesem Capitel auseinandergesetzten, die Petrefaetenkunde der Molasse ganz besonders betreffenden Schwierigkeiten, so möchte man vielleicht gar geneigt seyn, es in Frage zu setzen, ob wir überhaupt berechtigt seyen, zwischen fremden Formationen und unserer Molasse eine Parallele zu ziehen, die nur auf Identität oder Aehnlichkeit der fossilen Körper gegründet wäre. Das Vorkommen von Süßwasser- und Landthieren in der Molasse ist sehr mannigfaltiger Art, sowohl nach der Beschaffenheit der einschließenden oder angrenzenden Steinart, als nach dem Rang derselben in der Schichrenfolge der Formation, und es ist diese Verschiedenheit einer sorgfältigen Beachtung werth. Ich werde mich daher zuvörderst bemühen das Gleichartige in eigenen Seetionen zusammenzufassen; ob nachher die Scheidewand wieder eingerissen werden darf, Beudant Yoyage III. p. 3,64. 73 ) Envir. de Paris p. 353 . ^ 4 ) Osscm. foss. I. p. 232. Süßwasser - Formationen. 26s wird sich erst aus einer genauen Kenntniß des Einzelnen und aus der gründlichen Vergleichung aller Elemente bestimmen lassen. i. Braunkohlelager. Die Pechkohle/ die bereits im vorigen Abschnitt näher beschrieben worden ist/ erscheint auch in ausgedehnten Lagern/ die Conchylien und Zähne von Landthieren einschließen , und deren Untersuchung daher in diesen Abschnitt gehört. Die Trennung wird überdieß noch gerechtfertigt durch die enge und constante Verbindung dieser Lager mit Stinksteinlagern/ eine Verbindung/ die wir bey den Braunkohlenestern nie be- merkt haben/ und die auf einen verschiedenartigen Ursprung hindeutet. Sowohl die Folge der Lager/ als die Natur der Steinarten bleibt auf große Distanzen hin sich auffallend gleich. P a u d e x. Die genaue Beschreibung/ die Graf Razoumovski von diesem Braunkohlelager mittheilt/ ist vor wenig Jahren erst durch Hrn. Brongniart bestätigt und erweitert worden. Einige historische Nachrichten findet man auch in der schon angeführten Abhandlung in den Schriften der ökonom. Gesellschaft.") Die Kohle stimmt vollkommen mit unserer vierten Art überein/ sie enthält sehr stiel Bitumen und Wasserkies. Die Bestimmung der fossilen Conchylien ist/ wenigstens nach den Stücken/ die mir zu Gebote stehn/ unmöglich. Obschon die Schalen noch erhalten sind/ so ist doch alles zerquetscht und alle feinern Charaktere sind verloren. Die Mehrzahl sind PlanorbeN/ von wenig Millimeter bis zu 1 Centim. Durch- Messer/ seltner Lymneen und Bivalven/ die nach Hrn. Brongniart zu den Anodonten gehören._ ^ 5 ) Jorat. II. p. 49 W. f. — Envir. im Feuer sich theils hellgrau, theils roth brennend , ersteres nur als Ausnahme/ mit starkem Schwefelgeruch. Zerstreute Süßwassermuscheln enthaltend. Sogenannter Stroß- berg. Auf diesem Mergel liegt das Braunkohleflötz selbst / oder vielmehr die zwey Flotze/ die durch einen bituminöfen Mergel/ bräunlichschwarz/ schiefrig/ dem vorigen ähnlich / und wohl auch von kleinen Kvhltrümmern durchdrungen/ getrennt sind. Jedes dieser drey Flötze ist bey 6 Zoll mächtig. — Die Kohle ist bedeutend fest/ glänzend schwarz/ und gehört unsrer Pechkohle an. Sie ist in / zum Theil fest an einander hängende Schichten abgesondert / oft nur von Papierdicke in großer Menge auf einander liegend/ nicht selten auch bis ein Zoll mächtig. Im Querbruch muschlig/ stark glänzend/ fast spiegelnd. Ausser den Schichtungsabsonderungen zeigen einige Stücke auch Querabsonderungen/ die sie in rhomboedri- sche Stücke mit Winkeln von 60 und t 20 " zerschneiden. Sie enthält/ wie die meisten unsrer Braunkohlen eingesprengten Wafferkies. .Unmittelbar aus dem obern Pechkohlelager/ zuweilen auch in dasselbe eindringend , liegt eine , von zwey Zoll Mäch-, tigkeit bis auf einen halben sich zusammenziehende / auch wohl ganz ausgehende Schicht eines festen/ hell bräunlichgranen Stinkmergels / ftinschiefrig abgesondert/ die Blätter sehr fest an einander hängend / ganz voll Süßwasserconchylicn/ besonders Planorbe»/ mit noch erhaltenen Schalen. Die Con- chylien sitzen oft auch an der obern Ablösung der Pechkohle fest, ES folgt nun wieder ein ähnlicher graulichschwarzer Thon/ wie der/ welcher die Kohle von der untern Molasse scheidet / aber nur in einer Mächtigkeit von 6 — 7 Zollen. Er heißt Schrammberg. Die Einmengung kohliger Theile hat nun auch ihre obere Grenze erreicht. Das folgende/ ein Fuß mächtige Lager ist 18 * 2 76 JV. Cup. Zweyter Abschnitt. ein gewöhnlicher, hell blaulichgrauer, sehr feiner Mergel, mir, nur durch ihren Glanz erkennbaren, eingesprengten Glimmerpünktchen. - Höher mischt sich diesem Mergel etwas gröberer Sand bey, so daß das folgende, sechs Fuß dicke, Mergellager von dem vorhergehenden als ein sandiger Mergel unterschieden werden kann. Und nun folgt, bis zu den S. 92 beschriebenen Kalk- lagern, nur gemeine, oder feste Molasse , theils merglicht, blaulichgrau, theils ölgrnn, in einer Mächtigkeit von 227 Fuß, in deren untern Lagern indeß, wie wir unten sehen werden, ebenfalls Süßwafferconchylien gefunden werden. Man findet in-der Pechkohle Stücke, welche die größte Aehnlichkeit mit plattgedrücktem und verkohltem feinfasrigem Holz, z. B. Buchenholz haben, sehr weich und abfärbend find/-und in jeder Rücksicht den Namen mineralische Holzkohle verdienen. Ob sie in größer« Massen vorkommen, und in welcher Verbindung mit der übrigen Kohle, ist mir un- bekannt. Hr. Escher bemerkt, daß sie zuweilen die obere Ablösung bilden 77 ). Andere Stücke werden bey der Grube und in mehrern Schriften für verkohlte Nadelholzblätter ausgegeben, man kann sich aber sogleich von der Grundlosigkeit dieser Ansicht überzeugen, wenn man dieselben aufmerksamer'betrachtet. Es find dünne Cylinder von nicht ganz i mm Dicke, und zum Theil wenigstens 5 Ccntim. Länge, vielleicht auch mehr, denn alle, die ich vor mir habe, sind am einen Ende abgebrochen; dicht in paralleler Richtung an einander liegend, theils gerade, theils mit kleinen Biegungen; vollkommen schwarz, äusserlich schwach glänzend in's Matte, im Querbruch mit starkem Glanz, wie andere Pechkohle; an einigen glaubt man an der untern Seite eine feine Längenkerbe zu bemerken; im 77 > Alpin« n, p. e. Süßwasser - Formationen. 277 Feuer zerspringend , oder mit schwacher Flamme und dem Geruch der andern Kohle brennend/ einen weißen, die Form bchaltenden Rückstand hinterlassend. An dem Stück, das ich vor mir habe, ist die Lage dieser sonderbaren Körper, die den Absonderungen der Kohle fast parallel liegen, nicht über 5 mra dick, ihr unteres Ende verliert sich in die bey i Centim. dicke Pechkohle, auf deren entgegengesetzter Absonderung man Spuren einer ähnlichen, aber noch dünnern Lage bemerkt, deren Cylinder alle wie halb zerflossen scheinen. Hr. Escher erwähnt ebenfalls dieser Nadelholzblätter, a. a. O., und meint, ste dürften wohl nicht organischen Ursprungs, sondern nur eine eigene Abänderung der Kohle seyn; Hr. Brongniart dagegen glaubt Theile von Palmen darin zu erkennen. Eine sehr ähnliche, man möchte sagen identische, Substanz führt Hr. Leonhard in seiner Orykto- gnosie alö Nadelkohle an. Leider erlaubt keines der Stücke mit Süßwassereonchy- lien, die wir hier besitzen , eine genauere Bestimmung der Arten. Die meisten Conchylicn finden sich in dem Lager, das die Kohle deckt, und gehören, wie schon bemerkt, der Gattung Planorbis an; der Durchmesser dieser Planorben übersteigt gewöhnlich nicht 2 bis 3 mm , einzelne, wahrscheinlich einer andern Art, erreichen aber auch eine Größe von 1 Centim. und mehr. Mit den Waadtländischen Planorben rügen sie, so wie auch der Stein mit dem dortigen Stink- üeinschiefer, große Aehnlichkeit. Im gleichen Lager findet wan auch, obschon seltner, Schnecken von der Form der Lymneen, und Muscheln, die der Gattung Cyrene angehören möchten; Anodonten habe ich keine bemerkt. Die größer» Turbiniten, Melania Eschen B|\, scheinen am häufigsten, ob ausschließlich ? in der das Braunkohlelager bedeckenden Molasse vorzukommen; wenigstens fassen alle, dse mir zu Gesicht kamen , weder in dem Stinkstein mit Planorben, noch in dem feinen, darüber liegenden Mergel, 278 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. sondern in wahrer blaulichgrauer Molasse. Ihre Länge be- U trägt 20 bis 25 mm , u In einem Stück Molasse, das Spuren dieser Melanien f< zeigt, befindet sich auch der Abdruck einer Muschel, die wahr- li scheinlich den Anodomen zugehört; ihre Breite beträgt 7i mm , 9 ihre Länge bey'm Schlpß 26 ""», der Vordertheil ist schna- ^ e> belförmig vom Schloß etwas weggebogen. i> Die merkwürdigsten fossilen Ueberreste, die man bis jetzt si in Käpfnach gefunden, find aber unstreitig die, welche hö- Z Hern Thierclassen angehören. Hr. Brongniart schon erwähnt 9 einiger Mastodontenzähne, und des Schädels eines dem Bi- ü ber sehr nahe stehenden Nagers, wenn nicht eines wahren h Bibers; er hatte dieselben bey Hrn. Pros. Meisner gesehen, ti der das Verdienst hat, zuerst diese Ueberreste näher angezeigt d zu haben. Seitdem find mehrere Entdeckungen gemacht wor- d den, über die Hr. Dr. Schinz in den vorigen Jahren der « Naturf. Gesellschaft Bericht abgestattet hat. Vom Mastodon angustidens fand man noch mehr Zähne. und einen ganzen Schädel, der aber leider zertrümmert ward, ausserdem vier Bruchstücke eines großen StoßzahnS, vielleicht derselben Thierart, Biberzähne und Zähne kleinerer Wiederkäuer, wahrscheinlich Hirscharten. Alles ist in eine kohleartige Sub- ^ stanz verwandelt, und mit einem dicken, schwarzen Email r überzogen.— In dem letzten, kürzlich erst erschienenen, , * Bande der Ossem. foss. werden diese Bestimmungen der zu i Käpfnach gefundenen Landthierüberreste, so wie auch die der ; zu Elgg entdeckten, von Hr. Cuvier für richtig anerkannt. Da von Seite der einsichtsvollen Oberdirmton der Grubearbeiten alle Anstalten getroffen find, daß von diesen Ueber- resten nichts verloren gehe, oder durch Verkauf an fremde Liebhaber zerstreut werde, so darf man, bey der steten Fort- i setzung des Grabens noch manche höchst wichtige Entdeckung erwarten. Mehreren Angaben zufolge geht eine bituminöse Mergel- Süßwasser - Formationen. 279 schicht, wovon die Stücke, die wir hier besitzen, dem unter und über der Käpfnacher Braunkohle liegenden, grauliche schwarzen Mergel ganz ähnlich sind, am östlichen und westlichen Abhang der AlbiSkette noch an andern Orten zu Tage. : Nach Hrn. Escher, a. a. O., liegen alle diese Stellen in j einer Höhe von 100 bis 800 Fuß über dem See, also fast j immer dem Fuß des Gebirges näher, als dem Rücken, der sich zu einer mittlern Höhe von looo bis 1500 Fuß erhebt. I Dieser Mergel enthält ebenfalls Turbiniten, wahrscheinlich ! Melaflien, und sein Dach ist derselbe Stinkstein, der zu Käpfnach die Planorben einschließt. Diese begleiten ihn auch hier, doch nicht überall, denn einige Stücke unserer Sammlung sind ganz leer davon; der Kalk ist bedeutend fest, wie dichter Kalk, im Qnerbruch hell- und dunkelbraun gebän- dert, aber nicht so feinschiefrig abgesondert, wie der Käpfnacher. Ob alle diese Stellen mit einander zusammenhängen, und, was von größerer Wichtigkeit ist, ob das Steinkohle- und Süßwasserkalklagcr wirklich unter der AlbiSkette durch, streiche, oder nur an ihre Abhänge angelagert sey, bleibt kaum noch unentschieden, wenn man sich der auffallenden Gleichheit aller Verhältnisse mit denen der Lager in Waadt und Freyburg, und der regelmäßigen Einlagerung dieser letzter» unter eben so mächtige Massen, nlS die AlbiSkette er, innert. Elgg. Die Gegend non Elgg unterscheidet sich geognostisch bedeutend von derjenigen non Käpfnach. Auf ähnliche Weise, wie in unserm Canton die große Masse der Thuner- und Emmenthalcrgebirge ein weiteres Ausbreiten der Nagelfluh gegen Norden zu, längs der Emme, veranlaßt, da hingegen mehr westlich , wo in der Nähe der Alpen die Nagelfluh fehlt, auch in größerer Entfernung von denselben nur Molasse ge- 280 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. funden wird, so dringt auch östlich vom Zürcher-See die Nagelfluh , von den hohen Gebirgen des Toggenburgs und innern Appenzell her/ weit mehr nördlich/ als an seiner Westseite und im Aargau/ in deren Hintergrund eine einzige/ durch mehrere ausgezeichnete Punkte zwar berühmte, aber doch im Vergleich mit jenen Gebirgen nicht sehr mächtige Nagelfluhkette vorhanden ist. Rundliche Hügel und Hügelzüge verflachen stch hier mit sanften Abhängen in breite und ebene Thäler, deren Vege- tationsdecke ohne Unterbrechung stch über alle Unebenheiten des Bodens ausbreitet. Wenige dieser Hügel mögen wohl eine Höhe von 120™ übersteigen. Die Gebirgsart ist vorherrschend Nagelfluh, die Lagerung horizontal, oder nur wenig vom Horizontalen abweichend. So wenigstens bey Elgg selbst. Gegen Frauenfeld zu nehmen auch Molasse und Mergel, grauer sowohl als rother, mehr überhand; an der Murg, etwa eine Viertelstunde vor Frauenfeld, findet man diese Gebirgsarten in dicken, horizontalen Schichten anstehend, und, da der Ort tiefer liegt als das Elggthal, so scheint auch hier Molaffe die Grundlage der Nagelfluh zu seyn. Das Braunkohlelager, das durch zwey große Stollen ausgebeutet wird, von denen der eine, westlichere, nach Aussage der Arbeiter, bey 150 Lachter Tieft hat, liegt in den niedrigen Hügeln, nördlich von Elgg, bey 50-° über dem Thalgrunb, und etwa doppelt so viel unter dem Gipfel der Hügel. Seine Mächtigkeit wächst bis zu zwey Fuß an. Die Kohle ist eine schwarze, im Querbruch stark glänzende, schie- frige Pechkohle, die stch im Feuer wie die von Käpfnach verhält, nur daß sie weniger von Wasserkies durchdrungen scheint. Die Stinksteinlager mit Planorben und andern Süß- wassereonchyhien fehlen hier, und, sowie dieLignitennester, wird dieses Hager theils unmittelbar von Nagelfluh einge- 281 Süßwasser - Formationen. schlösse»/ theils von einem feinen/ blaulichgrauen Mergel/ der ganz mit demjenigen übereinstimmt/ der zu Käpfnach über dem Schrammberg liegt / theils von Melasse / die oft stark mit kohligen Theilen impregnirt und schwärzlichgrau gefärbt ist. Die einzige Muschel / die ich gefunden habe/ ist so zerquetscht / daß man nicht einmal die Gattung bestimmen kann. Die Schalsubftanz ist indeß noch vollkommen erhalten/ und auch die bräunliche Farbe derselben scheint natürlich. Ihre Breite mag bey 2 Centim. betragen haben. Sie sttzt in dem feinen/ die Kohle oft begleitenden Mergel. In dem mehr citirten Bericht fiihrt Hr. Dr. Schin; einen RhinoeeroSzahn aus diesem Lager an/ den er km Rhinoceros minutus zuschreibt / dessen Ueberreste bis jetzt einzig zu Moissae , im Norden der Pyrenäen , sind gefunden worden. ES ist dieß Zusammentreffen um so merkwürdiger/ da die Beschaffenheit der Mergelformation/ die stch am nördlichen Fuß der Pyrenäen ausbreitet/ auffallend mit derjenigen unserer Molassebildungen übereinzustimmen scheint 7S ). Vor einiger Zeit sind auch Zähne von Maftodomen gefunden worden. In Süd-Baiern finden wir die Braunkohlelager mitStink- stein und Conchylien am Peiffenberg und an mehrern andern Stellen 7 ')/ in Ungarn zu Sari-Sap wieder 80 )/ immn in ganz ähnlichen Umgebungen. Unter den fossilen Conchylien/ die sich an dieser letzter» Lagerstätte/ theils in dem Mergelschiefer finden/ der mit der Kohle wechselt/ und dann stark zerquetscht stnd/ theils in einem schwärzlichen Mergel/ der 7a ) S. die ganze Beschreibung der Gegend von Moissae in den Ossem. foss. II, p. 89. Ferner d’Aubuisson, Geognosie, II, p. 489. 79 ) Von Flurl / Geb. von Baiern. 8 °) Beudant, Voyage, III, p. 255 , 282 ^ IV. Cap. Zweyter Abschnitt. das Dach des Kohlelagers bildet/ erkennt man Planorben, Lymnren und, Bivalven, die zur Gattung Cyclas oder Ilnio gehören möchten; die Planorben und Lymneen liegen mehr in dem Mergelschiefer des Kohlelagers, die Bivalve» und gethürmten Schnecken, Cerithien, Tmritellen oder Melanien, in dem obern Mergel. Wer könnte die Analogie mit den Verhältnissen zu St. Martin und Käpfnach verkennen? ES gehören unsere Braunkohlelager offenbar dem tie- fern, oder doch mittlern Theil der Molasse-Formation an, der Gruppe der gemeinen, horizontalen, oder der festen, südlich fallenden Molasse; denn in der Waadt und im Frey- burgischen liegt die ganze dicke Lagerfolge von fester und dichter Molasse und von Nagelfluh auf ihnen, die zwischen Semsale und ClarenS das Kalkgebirge umgiebi, bey Käpfnach, allem Anschein nach, die ganze AlbiSkette, in einer Mächtigkeit von mehr als 400™. Zuverläßig muß man demnach diese Lager für wesentliche Glieder der Molasse-For- mation, und ihre Thierüberreste vorzugsweise für charakteristische und das Alter der Formation bezeichnende hatten. Leider gestattet aber der gegenwärtige Zustand der fossilen Zoologie noch nicht, aus diesem Resultate großen Nutzen zu ziehn. Die einzigen, mit einiger Sicherheit bestimmbaren Ueberreste gehören dem Biber, dem Mastodonten, und einem Rhinoceros an, alles Thierarten, die sonst nur inDiluvial- bildungen vorgekommen sind; nicht nur läßt sich aber die Molaffe - Formation nach ihrem ganzen Charakter auf keine Art dem aufgeschwemmten Lande beyzählen, sondern sie enthält, wie wir bald sehen werden, in ihrem jüngern Theile ausgedehnte Lagerfolgen, die mit Meerconchylien angefüllt sind, was dem Begriff der Diluvialformation geradezu widerstreitet. Jene Thierüberreste sind daher eine offenbare Anomalie von den bisherigen Resultaten der zoologischen Erd- 283 Süßwasser - Formationen. künde, und dürfen , bis durch neue Untersuchungen diese schwierige und noch so neue Wissenschaft wieder mit ssch selbst eins geworden, keinen Schlüssen über daö Alter und die Lagerfolge der Formationen zum Grunde gelegt werden. Man hat aber, auch abgesehen von diesen einzelnen fossilen Ueberresten, die Braunkohle überhaupt als Charakter der Formation aufgestellt, diese sogar nach ihr benannt, und, weil auch im Plastischen Thon häufig Braunkohlen vorkommen, auf die Identität beyder Formationen geschlossen. So lange eS indeß noch zu-erweisen steht, daß die Braunkohle der Molasse und dem Plastischen Thon eigenthümlich angehöre, und sich nicht, wenigstens nicht in so grossen Massen, ^uch in andern Formationen, dem bunten Sandstein z. B., dem Quadersandstein, oder allen jünger» Formationen überhaupt finde, scheint uns dieses Argument nicht fest begründet. Es dürfte leicht die Bildung der Braunkohle an Lo- calumftände, die Nähe von Land< die längere Dauer der Sandsteinbildung, die Beweglichkeit der schon gebildeten Sandfteinmassen, gebunden seyn, die sich hier bey dieser For- mation, dort bey einer andern mögen vorgefunden haben, und, so wie das nämliche Glied des Tertiärgebirges in dem einen Lande als Kalk, in einem andern als Thon, in. einem dritten als Sandstein erscheint, so könnte, unter dem Zutreten jener Umstände, jede neuere Formation, welche die Gestalt von Sandstein annimmt, auch von Braunkohle begleitet seyn. — Vergleichen wir überdieß unsere Braunkohlelager etwas genauer mit denjenigen, dieHr. Brongniart unter der Aufschrift des Plastischen Thons anführt, so müssen unsere Bcdenklichkeiten noch vermehrt werden. Die Anzahl der Conchylien, die wir etwas näher haben bestimmen können, ist zwar zu gering, als daß Einwürfe von dieser Seite großes Gewicht haben könnten; doch muß es auffallen, daß von allen unsern Arten sich/ mit Ausnahme des in allen Süßwasserbildungen wiederkehrenden Plan. Prevostinus, 284 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. nicht eine einzige/ auch nur ähnliche/ in dem Plastischen Thon vorkömmt/ während ste sich bis in Ungarn verbreitet zu haben scheinen; daß ferner in jenem Caialog , dem ein sehr viel ausgedehnteres Gebiet als unsere Schweiz zur Grundlage gedient hat/ nicht eine einzige Unio oder Ano- donta angeführt wird / da doch diese Gattungen mehr als keine andern für unsere Braunkohlen charakteristisch sind. Wo aber bey der Vergleichung zweyer Formationen die Petre- säeten nicht aushelfen, wo auch die Lagerung undeutlich ist/ da ist die Steinart selbst/ ihre Beschaffenheit und die Folge ihrer Glieder/ das letzte Bestimmungsmittel; von größter Bedeutung ist es daher/ daß der Stinkkalk/ der ein so wesentliches Glied unserer Braunkohleformation/ und größten- theils das Muttergestein der Süßwasserconchylien ist/ in allen von Hrn. Brongniart angeführten Lagerstätten zu fehlen scheint/ in allen wenigstens/ die mit Sicherheit dem Plastischen Thon angehören; denn der Bastberg bey BuchSwyler/ wo ein Süßwasserkalk die Braunkohle bedeckt / möchte wohl noch einer nähern geognostischen Bestimmung ermangeln. 2. Stinksteinlager. Der Stinkstein tritt öfters auch unabhängig von der Braunkohle auf/ und unterscheidet sich von demjenigen/ der diese begleitet/ durch seine Beschaffenheit und Lage: er bildet größere Masse»/ ist dichter/ gewöhnlich heller / weniger abgesondert/ und erscheint in Abwechslung mit dem obersten Theile der Molaffe-Formation/ oder als Decke derselben/ mehr dem Jura genähert/ an seinen Abhänge»/ oder in seinen Thälern. Einzelne Schichten desselben sind eben so reich an Süßwasserconchylien/ als der Stinkkalk der Braunkohle/ ja/ wenn alle Stelle»/ die wir hieher rechnen / dieser Gruppe wirklich angehören, so übertrifft er denselben bey weitem. 285 Süßwasser - Formationen. Goumoens. Zufolge der Beschreibung von Razoumovski M ) gehört in diese Classe von Steinlagern der merglichte Stinkkalk von Goumoens u»d der Gegend von Echallens. Unter der Dammerde folgt i.) ein eisenhaltender Thonmergel, 4 Fuß dick; 2.) der Kalk, auch 4 Fuß; 3.) ein sandiger Mergel, der sich an die Molasse anschließt. Der Kalk hat große Aehnlichkeir mit demjenigen, der die Kohlenlager begleitet, und eine Abart desselben zerfällt an der Luft m Schiefer, dessen Flächen mit Steinkernen von Planorben und Bivalven bedeckt sind. Die größere Masse deö Steins isi frey von Pmefacten. Boudry. Mit der Molasse, auf welcher das Städtchen Boudry sieht, sind auch Lager von Stinkkalk verbunden. — Man sieht die Lagerfolge am fchönften in dem bey 20 m hohen Profil, das in Boudry selbst die Reuze in die Molasse-Formation eingeschnitten hat. — ES liegt ganz unten ein fast weißer, abfärbender Mergel, von Gypsäderchcn durchzogen; quf demselben lockere Molasse und grauer Mergel mit mehrern Lagern von Süßwasserkalk wechselnd, das mächtigste von 3 Deeim. Dicke. Der Kalk, von hell graulichbrauner Farbe, isi bedeutend fest und zäh, in scharfkantige Bruchstücke brechend, mit erdigem unebenem, oder hackigem, aber auch mit großmusch- Ugem, sehr feinsplittrigem Bruch, stellenweise mit Poren, theils länglicht, aber sehr dünn, wie von Würmern ringe- fressen, theils in der Form kleiner Planorben und Lymneen, von denen selten noch ein Bruchstück der Schale geblieben ist; gerieben stark bituminös riechend; unabgesondert. folgt nun ununterbrochen Molasse, lockere und feste, und grauer Mergel mit Gypsadern, bis in ungefähr zwey Drittel Höhe, dann wieder eine mächtigere Kalkschicht, die ebenfalls von Sl ) Jorat, II, p. 43. 286 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. Molasse bedeckt wird, höher noch eine Kalkschicht/ «nd end' lich f als Decke deS Ganzen , wieder Molasse. — Mit Ausnahme der leeren Abdrücke und einiger Steinkerne von Lym- ’ neen, der peregra ähnlich / konnte ich keine Petrefacten auffinden. Court. In ganz ähnlichen Verhältnissen finden wir den Süßwas- serkalk in dem Thale von Court und TavanneS wieder. In der Mitte des Thaleö/ nördlich von Sorvilier/ fällt ein Hügelzug auf durch zwey rundliche Kuppe«/ die sich auf seinem Rücken über alle Hügel des sehr unebenen Thal- bodenS erheben. ES ist die Form des Bastberges/ wie sie Hr. Hammer in dem Brief an Hr. Cuvier beschreibt. Die Höhe der östlichen Kuppe/ über dem Thalboden bey Sorvilier/ fand ich gleich 101-»/ die deS westlichen gleich ui m , Die meisten Abhänge sind überwachsen. Wenn man von Court aus ansteigt/ so findet man in mittlerer Höhe den Süßwasserkalk anstehend / in horizontalen Schichte»/ die durch den Frost senkrecht zerspalten und schie- frig sind. Der Stein soll an der Luft bald zerfallen und verwittern. — Er unterscheidet sich nicht wesentlich von demjenigen von Boudry / nur ist er mehr erdig und" bricht, llicht in scharfkantige Stücke/ wahrscheinlich nur / weil er da/ wo ich ihn angreifen konnte / länger der Atmosphäre ausgesetzt gewesen war. Seine Farbe ist heller/ bräunlich- und gclb- lichweiß / verläuft sich aber in Nüancen bis in die des Boudry- sieines. — Höher/ an dem Abhang der östlichen Kuppe ist Molassesand in horizontalen Schichten anstehend/ auf der Kuppe selbst wieder Süßwasserkalk. Es scheint demnach eine Kalkschicht der Molasse eingelagert zu sey»/ und eine zweyte sie zu bedecken. Besser noch überzeugt man sich hievon an der westlichen Kuppe. Der Gipfel wird ebenfalls durch Süßwasserkalk ge- 287 Süßwasser - Formationen. bildet. Steigt man am südlichen Abhang hinunter/ so steht man die Auflagerung des Kalks auf die Molasse mit größter i X>mUä>teit/ denn diese steigt anstehend biS fast auf die ! Spitze/ meist als Sand/ doch auch fester/ in horizontalen ! Schichten/ und nur zwey Schritte davon findet man/ etwas ! höher/ den Süßwafferkalk/ ebenfalls horizontal. Am äussern j Rande der Ebene / auf der die Kuppe steht/ über, Sorvilier/ ist an dem steilen Absturz wieder Kalk anstehend / in bedeutender Mächtigkeit; im Thalgrund selbst Molasse. Die größere Masse dieses und des obern Kalks ist ganz leer von Petrefaeten. Unter den Trümmern an den Abhängen findet man indeß zuweilen Stücke / die eine Menge von Stein- kernen enthalten / meist/ als Ueberrest der Schale/ mit einem weiße»/ mehlichten/ auch wohl mit einem ocherrothen/ glatten Ansiug überzogen; seltner uneben schiefrige Stücke / deren breite Fläche mit kleinen , besser erhaltenen Planorben , und mit einem leichten Anfing von Kohle bedeckt sind. Des Kalks / der an dem Fels südlich von Sorvilier dem ; Muschelsandstein eingelagert ist/ habe ich schon früher er- ! wähnt. Der Stein ist vollkommen identisch mit dem von Boudry/ von gleicher Farbe/ mit feinsplittrigem Bruch/ und in scharfkantige Stücke brechend/ porös durch die leeren Räume kleiner Planorben/ auf einigen Absonderungen mit äusserst kleinen Kalkspathkrystallen bedeckt. Auch mehr gegen Tavannes zu/ bey ReeonvillierS/ findet man im Thalgrund dicke Schichten von Süßwafferkalk/ die mit ungefähr 20° südlich fallen; schwarzgrau und sehr fest, mit ftinsplittrigem Bruch / an andern Stellen auch gelblichweiß/ dann sehr porös und von cylindrischen/ leeren Röhren durchzogen. Der schwärzliche enthält zuweilen Planorben und Lymneen / deren Schale ebenfalls eine schwarzbraune Farbe angenommen hat. Folgendes find die bis jetzt in diesem Thal aufgefunde- ! uen Conchylien. Alle stammen von dem zuerst beschriebenen 288 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. Hügel / theils aus dem obern/ theils aus dem untern Kalklager; es enthalten beyde dieselben Arten. 1. Uclix. Von jünger» Individuen der H. arbustorum nur durch stärker auögebogenen Mund und geringere Wölbung unterschieden/ hiedurch der H. fruticum genähert/ aber nur von vier Windungen. An kleinern Individuen bemerkt man an der letzten Windung eine schwache Schärfe. Durchm. 14"°>. Ziemlich häufig, ct. 8. 2 . Helix. Der H. cespitum ähnlich / mit fünf Windungen. Ohne Spur einer Schärfe an der letzten Windung. Durchm. I5 mm . Oft oval, oder zerquetscht, ct. 30. 3. Planorbis. Vielleicht Pl. Prevostinus Brongn. Vier sehr gerundete Windungen und die letzte bedeutend größer. Kleiner und auf beyden Seiten gleich tiefer Nabel. Durchm. i3 mm . ct. ii. Häufig auch kleinere Planorben. 4. Planorbis. Vielleicht PL cornu Brongn. Die letzte Windung sehr hoch / so daß die Dicke im Verhältniß des Durchmessers bedeutend stark ist. Höchstens vier Windungen, Durchm. 9 mm , Höhe 4 mm , — ct. 15. 5. Lymnsea. ,ES scheint dieselbe große L. / die wir bey St. Martin gefunden und mit L- fusisormis verglichen ha- ben. Die Länge von vollständigen Exemplaren mag bey 30 mm betragen haben. ct. l. 6. Lymnsea. Der L. peregra sehr ähnlich. Im Durchschnitt von n m “ Länge/ selten größer, ct. 36. In großer Menge. 7. Lymnsca. Von der Form der vorige^ aber die Windungen-sind bedeutend schiefer / und die Länge-ist im Verhältniß zur Dicke etwas beträchtlicher, ct. 25. 8. Lymnaea. Die unterste Windung bauchig aber kurz/ den jungen Individuen der L. palustris ähnlich / nur find die obern Windungen gegen die unterste beträchtlicher und höher/ fast wie bey L. elongata. Länge i£ mm . ct. 16. 9. Lyrnnaca. Ist von jungen Individuen des L. aci' 0 - nicus 289 Süßwaffer - Formationen. nious meines Vaters/ einer dem L. ovatus genäherten Art/ mit ganz abgeplatteter Spitze/ die sich im Boden-See findet/ nicht zu unterscheiden. Kaum über 5 mm lang. 10 . Paludina.. Die Form des Mundes ist deutlich zu erkennen. Gestalt und Größe sonst die der L. peregra. Von Bivalven gar keine Spuren. DaS Courtthal ist nicht das einzige im Jura/ das Süß- Wasserbildungen enthält/ und in mehreren stehen dieselben vielleicht ebenfalls mit Molaffe in Verbindung. Der Kalk des Dilllngerberges bey Bafel sieht dem von Boudry und Sorvilier täuschend gleich/ und der Sandstein/ der ihn/ nach Hrn. Merians Karte/ im Norden umschließt/ möchte wohl auch, wie der von Bottmingen/ der Molaffe--Formation angehören. Der Süßwäfferkalk von Loele unterscheidet sich durch seine Hornsteinlager und Opale; auch scheint im ganzen Thale keine Molasse vorzukommen. O e n i n g e n. Ich glaube endlich/, ungeachtet mehrerer abweichender Verhältnisse/ die eher auf Analogie mit den Braunkohlelagern deuten/ auch die berühmten Kalkschiefer von Oeningen mit dieser Gruppe vereinigen zu können. Die Steinbrüche liegen auf dem Rücken eines Hügelö/ der aus lockerer oder eher sandiger Molaffe besteht/ die hier aus dem Thurgau her über den Rhein setzt und sich bis in'S Hegau ausbreitet. Sie ist an mehrern Stellen röthlich gefärbt/ wie von buntem'Mergel. Auch die Höhe über dem Steinbruch/ der Schienerberg, ist Molasse/ und enthält nach Hrn. Brongniart Zwischenlager don Nagelfluh. An der Nordseite/ gegen Bahlingen/ kehrt dieser breite Rücken dem Hegau steile/ nackte Felsen zu/ deren nähere Untersuchung vielleicht über die Richtigkeit der 19 290 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. einen oder andern der folgenden zwey Ansichten entscheiden würde. Hr. Brongniart nämlich nimmt beschrieben worden. In dem Gemenge von buntem Mergel und lockerer Molasse, das zwischen Aarberg und Günimenen am rechten Aarufer hohe und steile Felsen bildet, findet man weder Braunkohle in Lagern, noch Stink- kalk, noch überhaupt eine perrographisch abgesonderte Formation, und ifi den großen Stücken, die auf unser Museum ^ Museum der Naturgesch. Helvet. Nr. 9 und 10. 294 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. gebracht worden sind/ werden die Knochen unmittelbar von buntem Mergel und lockerer Molaffe eingeschlossen. — Die Zähne/ die noch in dem Stück der Kinnlade festsitzen/ lagen/ nach dem oberamtlichen Berichte S6 )/ ungefähr 6 m unter der I Oberfläche des Bodens / und eben so viel einwärts im Fels/ ! die Bruchstücke von Schildkrötenschalen bey 3™ tiefer einwärtö/ die andern Knochen und die einzelne Zahnkrone in geringer Entfernung. ES wurden auch einzelne Nester von Braun- kohle gefunden. . Die drey Zähne/ die noch in der Kinnlade festsitzen , (Mus. fig. 2 ), stimmen nach Größe und Form vollkommen ! überein mit dem zweyten/ dritten und vierten Zahn des rechten Unterkiefers des Babirussa/ wovon Hr. Mciöner in seiner j Sammlung einen Schädel besitzt. Die sehr gut erhaltene/ noch gar nicht abgestumpfte Backenzahnkrone (6g. i) glaubte Hr. Meiöner einem Ana- 9 plorherium von der Größe eines Fischotters zueignen zu können. Ich finde aber weit mehr Aehnlichkeit/ die Größe abgerechnet/ mit dem Zahn 6. 0ZS. lass. pl. LXVIII. 6g. 1. der nach Hrn. Cuvier der neuen Gattung Chaeropotamus an- gehört. Wie dieser Zahn / besteht unsere Krone aus vier ganz getrennten Kegel«/ es fehlt nur der kleine Kegel zwischen den zwey vordem/ oder derselbe sitzt vielmehr ganz an der vorder« äussern Ecke/ es fehlt auch der noch kleinere Kegel zwischen den zwey hinter«/ dafür ist die scharfe Kante/ die sich vom innern-Hintern gegen den äussern zieht/ ziemlich hoch/ endlich fehlt auch die Erhöhung mitten zwischen den vier Kegel«. Die eine Seite der Krone mißt 12-»°-/ die andere ii"™. Ob sie vielleicht ebenfalls dem Babirussa angehört/ kann ich nicht entscheiden/ da wir hier keine unab- genutzten Zähne dieser Thierart besitzen. Das übrige sind theils unverkennbare Bruchstücke von Schildkrötenschalen/ theils weniger charakterisirte Fragmente 86 ) In dem Archiv der Naturf. Geftüsch. in Bern. 205 Süßwaffer - Formationen. von andern Knochen. Hr. Bourdet findet mehrere jener Schalenfragmente den Schalen der gemeinen Landschildkröte (1e8tuäo europDn) sehr ähnlich; auch einige der übrigen Knochen glaubt dieser Naturforscher mit der nämlichen, oder einer ihr analogen fossilen Art vergleichen zu sollen. Andere Bruchstücke find von ihm einer Chelonee zugesprochen worden. Unter Abraumfteinen bey Gümmenen hat Hr. Mousson ein Stück Molaffe mit eingeschlossenen Fragmenten größerer Knochen gefunden, die aber keine nähere Bestimmung zulassen. — ES wird hiedurch bestätigt, was bereits aus dem Vorkommen der Aarbergerknochen, mitten in regelmäßigen FelSlagern, gefolgert werden konnte, daß nämlich diese Ueber- reste nicht etwa später dem lockeren Gestein beygemengt wor- den seyen, sondern auf eigenen Lagern verbreitet liegen und dem Streichen derselben folgen. Vielleicht ist auch Gruners Angabe von Schildkröten- stücken und andern Knochen, die man zu Wynau an der Aar gefunden hat 87 ), hieher zu beziehen. 4. Steinkerne von Schnecken in harten Knattern. B u a ck e r. Zwischen Affoltern und Rügöau im vordem Emmethal, über den Wohnungen Buacker, fast auf dem obersten Kamm des Ausläufers, der die Schachen von Rügöau und Heimig- wyl trennt, in 8 12 « Höhe, find in einem kleinen Steinbruch wohl erhaltene Steinkerne von Landschnecken gefunden worden. Die Molasse der Gegend bildet einen Uebergang der ge- weinen in die lockere, und dicke Lager der letztem wechseln wit Lagern der erstem, hier und da steht man auch Lager, Schweiz. Mineral. S. 101 und 103 . 296 IV. Cap. Zweyter Abschnitt. 0 oder vielmehr Nester von Nagelstuh. Näher bey den Wohnungen Im-Trog/ östlich vonBuacker/ etwas höher als der Steinbruch, stnd ziemlich hohe Felsen entblöSt/ die aus einem unregelmäßigen Gemenge von Molasse und Nagelfluh besteh«/ beyde greifen nesterartig in einander. Unten im Thal/ nahe bey RügSbach/ steht man an der linken Thalseite hohe Felsen/ die vorherrschend auö Nagelfluh bestehen'/ so locker und ; mit Molasse und Sand durchmengt/ daß man lange im Zwei- j fel bleibt/ ob e6 nicht neuere Anschwemmungen seyen. Der Steinbruch ist bey 7 m hoch und bey 4 m tief ein- j ivärtö im FelS/ die Schichten fallen schwach östlich. Die 1 untern Lager bestehen aus feinkörniger/ lockerer Molasse; die obern aus kleinkörniger/ lockerer Molasse/ .tue in Sand übergeht/ und große harte Knauer einschließt. Diese Knauer sind meist von platt ellipsoidischer Form/ und folgen dem allgemeinen Streichey. Zwischen beyden Molassen/ am west- lichen Ende des Bruchs 3 m unter der Dammerde , am östlichen 7 m f liegt ein l — 3 Decim. mächtiges Lager von feinsandigem / hellgrauem Mergel/ der Gerölle mannigfaltiger GebirgS- arten/ dunkelgraue/ reinere Mergelnieren/ vielleicht thoniger Sphärosiderit/ und kleine Knollen von weißem Kalk einschließt/ der ganz das Aussehen und die Consistenz der Kreide hat/ und mit den Kalkknauern im Courtthale verglichen werden kann. Gegen das westliche Ende des Bruchs zu wird dieses Lager durch zwey ellipfoidische Mergelknauer von 3 Meter Länge und 6 Deeim. Höhe/ die der untern Molasse auf- liegen/ und zum. Theil noch davon umschlossen werden/ bis auf i Cemim. Dicke zusammengedrängt/ und die weißen Kalkknollen vereinigen sich / diese Verengung hindurch / zu einem regelmäßig anhaltenden Lager von nur 2 mm Dicken An der Ablösung gegen dieses dünne Lager wird die obere Molasse etwas ochrig. Der Mergel der Knauer ist im untern Theile derselben sehr fest/ durch Sandkörner verunreinigt/ und sich d?r untern Molasse annähernd/ in der Mitte feinkörniger und 297 Süßwasser - Formationen. mürber, und nach oben geht er in einen weichen feinen Mer- gel von graulich strohgelber Farbe über. In diesem obern Theile liegen die Steinkerne der Schnecken, mit ihrer breiten Fläche horizontal, ohne Regel zerstreut und in nicht großer Anzahl. ^Jn der Mergelschicht selbst und in der Molasse konnte ich keine auffinden. Ob auch die Knauer, welche aus. serhalb der Mergelschicht in der obern Molasse liegen, und nach ihrer Steinart jenen ganz ähnlich find, Schnecken enthalten, habe ich nicht untersuchen können. Gegen Osten zu wird die Mergelschicht ausgedehnter, die Anzahl der Gerölle nimmt zu, so daß der Mergel in Ragelfiuh übergeht, und zugleich dringt die untere Molaffe in ste ein und zertheilt die Ragelfluh in zwey Schichten, die sich bald unter der Dammerde verlieren, welche den Bruch östlich begrenzt. Alle die Steinkerne von Schnecken gehören einer einzigen Art an. Es ist eine Helix von mittlerer Größe, mit fünf Windungen, ziemlich stach, mit stark auSgebogenem Mund, ste nähert stch der H. vei-miculata, doch erreicht ste nie diese Große und die letzte Windung ist weniger bauchig; am nächsten steht ste der H. thyroida, man bemerkt aber an den Steinkernen keine Spur mehr von Streifung. Die Mehrzahl ist oval, die größten, dem Anschein nach ganz ausgewachsenen Exemplare haben einen mittlern Durchmesser von 22™\ Von der Schale ist nur ein weißer mehligter Anfing geblieben. In dem östlichen Theile der Mergelschicht bemerkt man runde Löcher, die von breiten Zonen fester ochriger Molasse umgeben find, und stchtbar von verwittertem Holze herrühren, daö noch am östlichen Ende des Bruches, in sehr mürbem Zustande, auch von ochriger Molasse umgeben', gefunden wird. Auch zwischen den beyden Ellipsoiden, und selbst mitten in diesen, findet man rostbraune Abdrücke von Pflanzen- stengeln oder Grasarten. 298 VI. Cap« Dritter Abschnitt. Dritter Abschnitt. Ueberreste von Meerthieren. Die Lager der Molasse, welche Meerpetrefaeten einschlies- sen, lassen sich/ sowohl geographisch, als nach ihrer Steinart und Lagerung, in zwey große Gruppen zusammenfassen, die man die Gruppen der subjurassischen und der subalpinischen Hügel nennen kann. In die erstere müssen wir alle Petre- factenlager des Muschelsandsteins setzen, oder vielmehr die ganze, fast nur durch die darin eingeschlossenen Muschelschalen von der Molasse verschiedene Lagerfolge, die diesen Namen trägt, macht selbst die Gruppe aus; in die andere, die mit gemeiner und fester Molasse und mit Nagelsiuh wechselnden merglichten Petrefactenlager des Längenbergs, BelpbergS, von Luzern, St. Gallen u. s. w. Beyde Gruppen sind, wie wir sogleich sehen werden, augenscheinlich, wenn nicht im Meer selbst entstanden, doch längere Zeit davon bedeckt, und die Heimath einer zahllosen Menge von Meergeschöpfen gewe- sen; der Muschelsandstein insbesondere verdankt den Überresten dieser Thiere einen beträchtlichen Theil seiner Masse; und obgleich man mitten unter diesen Ueberresten, und zwar eben in dieser letztem Gruppe, auch Zähne und Knochen von Landthieren findet, so beweist dgs isolirte, seltne Vorkommen derselben doch hinreichend, daß wir ihre jetzige Lagerstätte nicht als ihr natürliches Grab zu betrachten haben, und keineswegs folgt etwa daraus, daß die Schichten, zur Zeit da diese Knochen davon umschlossen wurden, trocknes Land oder Süßwasserboden gewesen seyen. Da die Gruppe des Muschelsandsteins in der eben bezeichneten und auch in geographischer Rücksicht den Formationen des vorigen Abschnitts näher steht, als die der subalpinischen Hügel, so will ich ihr den Vorrang geben, obwohl diese sie an Reichthum verschiedenartiger Meerproduete bedeutend übertrifft. Ueberreste von Meerthieren. 299 I. Petrefacren deö Muschelsandsteins. Die organischen fossilen Körper aus den entlegensten Theilen der Muschelsandsteinbildung sehn sich so ähnlich/ und der ausgezeichnete Charakter der Steinakt" läßt so wenig eine Verwechslung ungleichartiger Formationen befürchten, daß eS nicht nothwendig ist/ wie in dem vorigen Abschnitte, diePetre- facten in topographischer Ordnung anzuführen, und ich wähle daher die in den meisten ältern und neuern Schriften ange» nommene, eine leichtere Uebersicht gewährende Eintheilung nach dem zoologischen System. Ich werde selbst den Unterschied zwischen Muschelsandstein und Muschelnagelfluh hier ganz fallen lassen, denn in den Petrefaeten läßt sich keine AltcrSverschiedenheit beyder Steinarten erkennen, und die Fischzähne und Muscheln von Tour-la-Moliere, oder von Brüttelm finden sich, in allen ihren Arten und aus derselben Stufe der Erhaltung, auch im Sandstein des Bucheckberges und des Aargau's wieder. Sollte indeß, wider Vermuthen, aus fortgesetzten Untersuchungen eine Absonderung der Nagelfluh vom Sandstein nothwendig werden, so wird man das folgende Verzeichniß, nach den überall beygefügten Fundorten, immer wieder in zwey, jeder Gebirgöarr insbesondere gewidmete Theile zerlegen können. Die Anzahl der Thierarten, die man bis jetzt in dem Muschelsandstein aufgefunden hat, ist, wahrscheinlich nur wegen der Unachtsamkeit der Arbeiter in den Steinbrüchen, nicht sehr beträchtlich; um desto mehr muß man über die Mannigfaltigkeit der Classen erstaunen, denen die wenigen Stücke, die wir erhalten konnten, anzugehören scheinen. Ueberreste von warm - und kaltblütigen Thieren, von Land - und Wasserbewohnern, von Pachydermen, Wiederkäuern, fleischfressenden Thieren, Amphybien, Fischen, Crustaeeen und Mollusken lassen sich bereits in unsern hiesigen Sammlungen erkennen, die zum Theil erst vor wenigen Jahren sind angefangen 300 IV. Cap. Dritter Abschnitt. worden, und von den reichsten Fundorten Tagreisen weit ent> fernt liegen. WaS dürften wir nicht für Entdeckungen erwarten, wenn diese Steinbrüche von den in der Nähe wohnenden kennmißreichen Naturforschern fleißiger besucht, und die Arbeiter durch Männer, d7e im Lande bekannt und geachtet sind, aufgemuntert und rege erhalten würdenl Die Muscheln haben unter den fossilen Körpern ein sehr großes Uebergewicht, und-unter denselben sind es auch nur »wenige Arten, die den bedeutendsten Antheil der ungeheuren Menge zertrümmerter Schalen geliefert haben. Nächst ihnen sind Gloffopetern, oder Fischzähne, am häufigsten, so daß man selten einen Steinbruch verläßt, ohne mehrere gefunden zu haben. Einschalige Conchylien und Knochen oder Zähne größerer, besonders Landthierarten sind Seltenheiten. Die Substanz, sowohl derFischzähne, als der andern hat nur eine geringe, oder gar keine Veränderung erlitten, die Knochen sind gewöhnlich schwerer, als im natürlichen Zu. stände, weil sie theilweise von Eisenocher durchdrungen sind; die Muschelschalen sind öfters unverändert erhalten, zuweilen zu einer weißen Masse verwittert, nicht ganz selten in Kalk- spath verwandelt, aber wohl am häufigsten ganz verschwunden; den meisten Widerstand haben der Zerstörung die Pectiniten und Austern geleistet. Gewöhnlich sind die Knochen - und Muschelftagmeme regellos durcheinander geworfen. Niemals hat man noch in der Nähe eines Knochens die übrigen des Gerippes gefunden, nie liegen mehrere getrennte Fischzähne gleicher Art nebeneinander, die Muscheln sind meistens ausgewachsene Indivi- duen , und man findet nicht Familien von allen Altern vereinigt; auch wo eine Art, z.B. cardiumedule, ausschließlich und in zahlloser Menge die Oberfläche der Steinlager bedeckt, bleibt man im Zweifel, ob dieß wirklich ihr ursprünglicher Wohnort sey/ denn immer fehlt die junge Brm neben den größer» Schalen, und von diesen ist stets nur die eine Hälfte 301 Ueberreste von Meerthieren. da, so daß die Steinkerne nur als halbes Relief auf der Steinfläche und nicht in vollständigen/ vom Stein getrennten Formen gefunden werden. S ä u g e t h i e r e. Im Museum diluvianum werden mehrereKnochen große, rer Thierarten aus den Steinbrüchen von Mägenwyl/ Würeti- los und Poppelz angeführt/ über deren Natur indeß Scheuch- zep/ wie er in der Oryktographie bezeugt/ nicht in's Klare gekommen ist. Richt so leicht dürfte wohl die Angabe eines zu Mägenwyl gefundenen Geweihs zu bezweifeln seyn. Mus. - diluv. No. 8. In Andreä'S Briefen / Tab. 9 , ist ein Geweih von Ber- lingen abgebildet. Auch in Razoumovöki S Jorat. findet man mehrere Abbildungen größerer Knochen aus den Steinbrüchen von Tour- la-Moliere. Hr. Prof. Meiöner und Hr. Bourdet haben in diesen Kupfern und in der Sammlung des Hrn. Chan. Fontaine zu Freyburg/ die besonders reich ist an interessanten Stücken von der Moliere/ Knochenfragmeme von großen Pa- chydermen und Hyänenarten erkannt. Hr. Cuvier führt eine untere Schiveinökinulade von der Moliere an ss ). Unsere öffentliche Sammlung enthält: Mehrere Fragmente von Rippe»/ die größer« 4Z mm &veit, 32»-« dick/ mit geringer Krümmung/ vomBockfteiN/ mf30— Kleinere/ 24 mm $mt/ 18»»» dick/ von Mägenwyl/ Ib 26; die Knochensubstan; derselben ist äusserst dicht und fest, und/ waö vorzüglich wichtig ist/ der Durchschnitt der Rippe ist eine vollkommene Ellipse/ nach innen und aussen gleich gerundet. E§ ist dieß der ausgezeichnete Charakter der Manati- kippen / mit denen die größer» unserer Sammlung auch in den Dimenstonen genau übereinstimmen S9 ). Ossem. foss. V. ame part. p. 5 o^. Ebendas. T. V. ire part. p. 2Z2. 302 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Einen mit der Wurzel erhaltenen Eckzahn, 25 mm lang, der vollkommen mit denen des gemeinen Fischotters, lutra vulgaris , übereinstimmt, vom Staufberg bey Lenzburg Ib 37. Ein Knochenstück von eben daher, 1b 38, steht einem Schlüsselbein ähnlich, erlaubt aber keine nähere Bestimmung. Hr. Pros. Meisner befitzt: Ein Bruchstück eines großen Backenzahns mit abgenutzter Krone. ES trifft ganz- mit der äussersten obern Ecke rechtS des Rhinoeeroszahns in den Os3em. foss. II. pl. VI. f. 2 zusammen, so gut, daß man kaum an der Nichtigkeit dieser Vergleichung zweifeln kann. An der Wurzel ist der Zahn an dieser Ecke noch 28 *™ breit, läuft dann tonisch, sogar etwas concav, von beyden Seiten nach oben zusammen und erhält da genau die Dimensionen der angeführten Figur. Die Höhe der Krone ist 22,5 mro , die Dicke des Emails aber 2,4 mm . Als Fundort ist „ aus einem Spalt in der GySnausiuh bey Burg. dorf" angegeben, eine Etiquette, die auch schon in GrunerS Verzeichniß vorkömmt, und zwar bey Knochen, die in Feuer, stein verwandelt seyn sollen, was aber wohl vom Email ähn. licher, oder gar des nämlichen Zahns verstanden werden muß. Die Etiquette läßt es allerdings sehr im Zweifel, ob diese merkwürdigen Fragmente dem Muschelsandstein oder dem aufgeschwemmten Lande angehören; indeß wird die GySnaustuh in der Höhe von Muschelsandstern bedeckt. Den Backenzahn eines fieischfressenden Thiers. Die Aus. senseite besteht auS drey Hügeln; der erste nur niedrig, mit scharfem, um das eine Ende der innern Vertiefung herumlaufenden Rand, die beyden andern größere rechtwinklichte Spitzen mit scharfem Rand, der dritte nicht, wie gewöhn, lich, quer abgeschnitten, sondern eher etwas höher als der mittlere, und an der Seite, die diesem zugekehrt ist, noch eine ganz kleine Spitze tragend; an der innern.Seite des Zahns, gegenüber den zwey großen Spitzen, zwey stumpfe, etwas niedrigere Kegel und zwischen denselben ein sehr kleiner 303 Ueberreste von Meerthieren. Kegel. Der Zahn hatte zwey schief abstehende Wurzeln/ die > aber abgebrochen sind. Länge 18“”/ größte Breite 8 mra , Ich finde in den Ossein. foss. und auch in Hrn. Pros. MeisnerS Schädelsammlung nichts ganz übereinstimmendes; am ähn- lichsten ist der große Hundszahn Oss. foss. IV. pl. 18. No! 4 . Der Fundort ist nicht angegeben/ Hr. Meiöner glaubt/ er komme aus dem Bucheckberg; er ist in einem Stein eingeschlossen/ der mit dem Muschelsandstein des BucheckbergS/ . oder von Burgdorf vollkommen übereinstimmt. In der für die vaterländische Petrefaetenkunde bereits sehr wichtigen Sammlung von Hrn. Fr. Meyer/ Stud.Theol. befindet fich: Ein Schulterblatt von 30»™ Breite , 27 ram Länge , in der Form ungefähr mit der Abbildung Ossem. 1c>3s. V. pag. 1 . pl. IX. fig. 6 übereinstimmend/ doch nicht genug um eine Identität der Thierarten wahrscheinlich zu machen. Vom Bockstein. Ein sonderbares Knochenfragment/ daS ich mit nichts zu vergleichen weis. Fünf elliptische/ oder stumpfkantig vier- seitige Prismen von 8 mm größerem nnd S mm kleinerem Durch, meffer/ aus dichter/ dunkelbrauner Knochensubstanz bestehend/ find mit ihren breiten Flächen um eine mehr porös knöcherne/ undeutlich damit verwachsene Axe zu einem dickewCylinder/ oder stumpfkantig fiinfseirigen Priöma von 2 i m .® und is mm Durchmesser vereinigt/ an dessen Auffenfiäche die Zwischen- räume der Cylinder vier tiefe / 3"^ breite , nnd eine der un. geraden Seite gegenüberstehende ganz schmale und sehr wenig tiefe Furchen bilden. Das Stück ist an beyden Enden ab. gebrochen/ und bey 1 Deeim. lang; gegen das Ende wird es etwas dünner. AnS dem Bann bey Zofingen. Amphibien. Andreä erwähnt eines Stücks von dem Schild der ge. deinen Süßwasserschildkrött/ aus der Geßnerschen Samm. « 304 IV. Cap. Dritter Abschnitt. lung von Berlingen, und giebt eine Abbildung davon Tab. 9. fig. a. Ueber ein Stück anS der Sammlung des Hrn. Fontaine giebt Hr. Bourdet folgende Erklärung: es ist der innere Abdruck einer Emys, der den untern Theil beyder Schalen darstellt; der obere zeigt noch Spuren von drey Rippen auf jeder Seite, das Ganze hat große Aehnlichkeit, sowohl der Form als Größe nach, mit den analogen Theilen der lesmdo punctata. Von Tour-la-Moliere. In der öffentlichen und in Hrn. Meyers Sammlung befinden sich mehrere Stücke, die wohl auch Schildkröten ange- hört haben mögen, aber keine nähere Bestimmung gestatten. Sie stammen theils aus dem Bucheckberg, theils von Brittnau. Fische. Ich enthalte mich in ein näheres Verzeichniß der haust- gen und mannigfaltigen Glossopetern und Bufoniten deö Mu- schelsandfteinS einzutreten, da der thätige und kenntnißvolle Naturforscher, Hr. Bourdet, feit längerer Zeit mit einer Arbeit über diesen Gegenstand beschäftigt ist, die vielleicht noch vor der meinigen im Druck erscheinen, und von vorzüg, lich gut ausgeführten Kupfern begleitet seyn wird. Wir besttzcn in den hiesigen Sammlungen unter den Pe- trefacten des. Muschelsandsteins die meisten der in Scilla, de corp. mal'. , abgebildeten Zähne des squalus carcliai'ias und canicuia, ferner, nach Hrn. Bourdet, Zähne deösqualim LOl- Ilubicus, ferox und galeus ; auch Gaumenstücke von Rochen, theils als vierseitige, theils a!S sechsseitige Tafeln, übereinstimmend mit den Abbildungen im Joi-at. II. fig. 1 — 4 und Mein. de l’Acad. 1721 pl. 4. Die Bufoniten sind meist klein, schwärzlichbraun, platt, elliptisch, der größte, in der Sammlung von Hrn. Meyer, hält nur 8""" im größer» Durchmesser. Richt ganz selten sind Fischwirbel. Das Museum besitzt einen sehr wohl erhaltenen, vollkommen runden von 21 ™°' Durch- Ueberreste von Meerthieren. Z05 Durchmesser; die Spitzen der zwey Trichter berühren sich/ und die Seitenwände derselben sind fein concentrisch gereift. Die ganze Höhe betragt 10™™. Von Burgdorf. Crnstaceen. Im Mus. diluv. führt Scheuchzer zwey Glieder des Flußkrebses aus dem Sandstein bey Poppelz an. Schlechte Abbildungen davon kann man in der Oryktographie nachsehen. In der öffentlichen Sammlung besitzen wir den einen Theil einer Scheere, nur 11°”" lang und 4 mm breit / aber unmöglich zu verkennen. Die fein chagrinirte Schale scheint ganz unverändert. Vom Staufberg bey Lenzburg. Ib. 43 . Mollusken. Nicht selten steht man auf der Bruchfläche des Sandsteins ovale Theile von späthigem Kalk mit Perlmutterglanz, die vielleicht von Corallenarten herrühren. WürenloS. 1. In die Classe der Anneliden gehört ein Stück aus Hrn. Meyers Sammlung, das mir ganz mit Dehtaliiim striatum übereinzukommen scheint. Die Länge beträgt 27 °"°. - Es ist in Kalkspath verwandelt. Vom Bockstein. 2. In derselben Sammlung befindet sich ein Stück / das eine Anhäufung keulenförmiger Fistulanen einschließt, auch in Kalkspath verwandelt und damit ausgefüllt. Die Form stimmt vollkommen mit F. echinata Brocchi tav-XV. f. 1 übcrein , da aber das Aeussere der Schale meist von der sehr harten Steinmasse bedeckt wird/ so kann man über die Richtigkeit der Vergleichung nicht entscheiden. Die Länge der größten beträgt 18 °°°. Vom Bockstein. 3 . Eine der häufigsten Muschel»/ von der ich aber immer nur getrennte Schalen und halbe Abdrücke gefunden habe/ hat Ähnlichkeit mit Mactra solida. Das Schloß ist ungefähr in der Mitte/ nnd die Form ist dreyeckicht. Die 20 306 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Schale ist ziemlich dick, und durch das concentrische Ablösen und Abfallen des äußern Theils derselben, bilden sich auf ihr erhöhte, breite Zonen; die Zwischenräume smd oft noch stellenweise ausgefüllt. Breite der größten 42-™, Länge 39 mm . ev. 15. — Besonders häufig habe ich diese Muschel in der Nagelfluh gefunden, zu Tour la Moliere z. B. find ganze La- ger nur von ihr bedeckt, und meistens ist die Schale noch er- halten oder in Kalkspath verwandelt, immer aber so fest mit der Steinmasse verwachsen, daß es sehr selten gelingt, ein freyes Exemplar zu schlagen. Die Bruchstücke von Schalen, welche häufig das Cement der Nagelfluh bilden, scheinen größtentheils von dicftr und der folgenden Art herzurühren. — ; Sie fehlt indeß auch in der mittlern und östlichen Schweiz \ nicht, und kann daher nicht etwa dienen , die Nagelfluh vom ! Sandstein zu unterscheiden; oberhalb Britmau z. B. enthält fie der dortige Muschelsandftein in ungeheurer Menge, und bey Wycken, auf der jenseitigen Höhe, erscheint fie gemengt ; mit Cardien; an beyden Stellen findet man 'nur Steinkerne. I 4. Mit der vorigen Art gemeinschaftlich, und in eben so großer Menge findet man eine Muschel, die wahrscheinlich der Gattung Cytherea angehört. Die Form kommt überein mit der Venus Iscta Gualt. t. 88, f. V. Breite. 43™ m , Länge 30 mm . — ev. 16, 5. Cardium. Ebenfalls eine der in größter Anzahl vorkommenden , und für den Muschelsandstein charakteristischen Gattungen. Die meisten erkennt man deutlich, obschon die Schalsubstanz gewöhnlich verschwunden ist, für Card. ru- sticum und edule, oder eher edulinum Sow., einige, die länger als breit, aber von der nämlichen Größe find, dürften auch einer dritten Art angehören. — Die große Menge dieser Cardien ist mir besonders aufgefallen in der Gegend ; von Burgdorf und St. Urban, und in dem früher erwähnten Steinbruch bey Burkartöhofen in Süd - Baiern; fie find auch ! sehr häufig in den Steinbrüchen des Aargau'S. j 307 - tiefernste von Meerthieren. 6. Eine seltnere Art dieser Gattung trifft in Form und Größe mit Card. edule zusammen , statt der Nippen steht man aber nur die halbverloschnen Spuren dichtgedrängter, sehr feiner Längestreifen. Bockstein, Utzigen. 7. Ziemlich gewöhnlich stnd einzeln zerstreute Pecttniten- schalen, oder Bruchstücke von Schalen, deren Substanz keine Veränderung erlitten zu haben scheint, aber so fest am Stein ansitzt, daß eö selten gelingt, etwas Vollständiges zu erhalten. Viele scheinen vom Pecten Jacobauis herzustammen; kleinere Arten von 2 — z Centim. Durchm. mit 14 bis 16 Rippen und stachen Zwischenräumen, ziemlich stark gewölbt, wage ich nicht zu bestimmen, da eS mir nie gelungen ist, das Schloß ganz zu erhalten. 8. Auch kleine Austern, oder Bruchstücke davon, finden stch nicht selten, die Exemplare unsrer Sammlung gestatten aber auch keine nähere Bestimmung. Sie scheinen mir insgesammt verschieden von den kleinen Austern von Montmartre. Die einschaligen Conchylien, oder eigentlichen Mollusken von Lamare, gehören im Muschelsandstein beynahe zu den Seltenheiten, wenigstens in Vergleichung mit der zahllosen Menge von Bivalven. Razoumovöki vergleicht die einzigen, die er zu la Mo. liere gefunden, nach den Kupfern von Gualticri, mit Mu- rex erinaceus und Trochus striatus Lin. AuS unfern Sammlungen gehören folgende Stücke hieher: 9. Eine sehr ausgezeichnete Cazsis, ganz in Kalkfpath verwandelt, der C. crumena Enc. pl. 4o6, i' 2 ähnlich in Form und Größe, nur ist der rechte Rand der Oeffnung dicker, scharf und eben abgeschnitten, gegen den Mund zu feiner gezähnt und bauchiger, fast wie ein Dolinm. Vom Bockst ein. Meyerffche Samml. . . 10. Ein Bruchstück einer Terebra, oder eines Ceri- tlüum's, mit vollkommen ebenen Windungen und kaum be- 20 * 208 IV. Cap. Dritter Abschnitt. - merkbaren Einschnitten/ so daß die ganze Kegelfläche in der Längenrichtung gerade ist. ES sind nur zwey vollständige j Windungen/ die untere von 5™» Höhe/ und an ihrer Basis j von 10 "»° Durchm./ erhalten. Gelblichweiß calcinirt. Bock. stein. Meyer'sche Samml. ! 11. Zwey Bruchstücke/ die wahrscheinlich den Gattungen ; Voluta oder Buccinum angehören. ES sind nur die untern Windungen zum Theil erhalte»/ die der einen von 20 °»°/ die der andern von 45™° Höhe. Letztere zeigt noch deutliche Spuren von Querringen. Beydes sind Steinkerne. Vom Stauf- berg. Meyer'sche Samml. 12. Ein Bruchstück/ wahrscheinlich einer Ampullaria/ mit gewölbten Windungen und hervorstehender Spitze. Kaum über 2 Centtm. hoch. Die Schale zum Theil in Kalkspath verwandelt/ zum Theil zerstört. Vorn Bockstein/ Museum mf. 21. 1.3. Steinkern eines Conus mit zerbrochner Spitze und Basiö. Ganz Übereinstimmend Mit G. canalieulatus Broc- chi tav. V. 12/ auch mit 6. concinnus Sow. t. 302; die feinern Charaktere sind verschwunden. Die ganze Länge mag bey 23°»° betragen haben. Vom Staufberg. Meyer'sche Sammlung. Wir haben unter allen diesen Conchylien keine Süßwas. sermuschel und dagegen viele Arten gefunden , die , im Fall auch ihre Bestimmung noch alö zweifelhaft angesehen werden muß/ zuverläßig doch Gattungen angehören/ die nur im Meere leben; unsere anfängliche Behauptung/ daß der Mu- schelsaudstein den Meerformationen angehöre/ scheint demnach fest genug begründet. Indessen bemerkt Graf Razoumovöki in seiner Beschreibung des Jorat/ daß die Bivalven von la Mokiere der gewöhnlichen Mya/ oder jetzt Unio pictorum unserer Schweizer-See'n so ähnlich seyen , daß man kaum an der Identität zweifeln könne / und scheint demnach noch eine SOS Ueverreste von Meerthieren. uns unbekannt gebliebene Muschel in jenem Steinbruch gefun- den zu haben, deren Vorkommen ein zweydemiges Licht auf unsere Resultate werfen könnte. Da aber der Graf selbst auch Meereonchylien und Glossopetern von la Moliere anführt, so kann seine erstere Angabe, insofern ihr, in Erwägung deS frühern Zustandes der fossilen Conchvliologie, einiges Gewicht beyzulegen ist, höchstens eine loeale Ver. Mischung von Süßwasser- und Meermuscheln wahrscheinlich machen, was zwar merkwürdig genug, aber, in Bezug auf die ganze Formation, nicht von allgemeiner Wichtigkeit wäre. Ich vermuthe fast, daß die Unio von Razoumovski und unsere Cytherea (5) ein und dasselbe Geschöpf sey; denn auf meinen und meiner Freunde häufigen Besuchen von Tour la Moliere kann unö eine Bivalve, die sich in so großer Menge finden soll, fast unmöglich entgangen seyn. Ich lasse eS bis auf weitere Untersuchung unentschieden, ob die Widersprüche, die Andreä in der Note S. 58 zusammengestellt hat, auch zu Berlingen eine solche Vermischung anzeigen, oder ob nicht vielmehr in derselben zwey ganz verschiedene Formationen verwechselt worden seyen. Am Ende der Note macht Hr. von Beroldingen ein solches Bild von dem Berlingerstcin, daß man kaum an seiner Identität mit unserm Muschelsandstein zweifeln kann, „es ist", sagt er, >, ein Sandstein, der so voller Muscheln steckt, daß er zu Kalk »gebrannt werden kann. Die meisten darin vorkommenden »Muscheln find Chamas striatse, zuweilen Pectinttcn und »selten Schnecken, als Lull«:, 8trombi rc. rc., d>e FYa§- »menta testudinum und die Glossopetrse find eben nicht »ausserordentlich selten darin re. rc." Im Anfang hingegen sagt' Geßner: »die Versteinerungen find meistens von der »schwarzen, dickschalichten Flußmuschel und dunkeln.Fluß- »Muschel, Mya(Unio) margaritifera und pictorum, deren » nuclei und testae calcinatae häufig daselbst angetroffen wer- »den, nebst den nucleis und testis der Helix citrina,. ar- 310 IV. Cap. Dritter Abschnitt. „bustorum, lucorum, ferner verschiedene Blätter von ein- ,, heimischen Bäumen w,“ Die Angaben des gelehrten Zür- chers werden einigermaßen bestätigt durch zwey Berlinger- stcinkerne mit Ueberresten der Schale/ die unser Museum besitzt/ der eine wohl zuverläfiig von einem jungen Individuum der Unio elongata Lam. (Mya margaritifera Lin.) herrührend/ 9i mm breit/ mit starker Einbiegung des obern Randes , der andere von einer Helix mit platten Windungen / vielleicht einer unausgewachscnen Ik. arhuZwium. Die Steinart dieser Kerne ist eine sehr harte/ glimmrige/ ziemlich grobe Molasse. Ich knüpfe an diese Section noch einige Fundorte von Petrefacten/ die mehr nach ihrer topographischen Lage/ als nach der,, theils unbekannten / theils wenig charakteristischen Beschaffenheit der Steinart/ zu der Gruppe des Muschelsandsteins gehören. ^Grüner führt an/ daß zu Court im Münsterthale man einen tief in der Erde befestigten Felsen (wahrscheinlich also nicht anstehend) gefunden habe/ dessen Fuß ganz sichtbar von Pholadcn durchbohrt gewesen sey/ und in einigen Löchern hätten noch Bruchstücke/ aber keine ganzen Schalen gelegen. Ferner / von gestreiften Turbiniten sey der ganze Berg Morsn bey Court so durchwirkt/ daß ein Quadratfuß deren mehr alö hundert enthalte; und zwischen Malleray und Court seyen zwey Felsen fast ausschließlich aus granulirten Tur- biniten zusammengesetzt 90 ). Auf dem obersten Rücken des Hügels < der zwischen dem zweykuppigen Süßwasserhügel und Court liegt/ habe ich ein etwa 3 Decim. großes Geschiebe von hellbräunlichem Jurakalk gefunden/ lose auf der Grasdecke liegend/ dessen eine Seile von Pholaden ganz durchlöchert war/ und in den Löchern waren die ungemein zarten Schale»/ fast unverändert/ 9o ) Helv. in der a. Welt/ S. 55 u. 73. Naturgesch. des Schw. L./ Ueverreste von SXeevttiiew n. 3H größtenteils noch vorhanden. — Die Form der Pholaden j hat sehr große Aehnlichkeit mit kK. cylindricus Sow. | tab. 198 / so daß ich fast zweige / ob sie nicht wirklich dieser ! Art angehöre. In allen Löchern/ auch wenn sie bis auf die kleine natürliche Oessnung verschlossen waren/ fand ich nur zwey Schalen. Wie bey jener Pholade ist der Vorderrand schnabelförmig aufgebogen / und vom Schloß weg ist die innere Bekleidung über die Rates umgelitzt. Die ganze Schale ist fein in die Quere gereift/ und gegen den Vorderrand zn auch in die Länge/ so daß auf dem Vordertheil eine äusserst feine/ netzartige Textur entsteht. Sie unterscheidet sich in- ! dessen von jener Art durch ihre Kleinheit / denn die größte» Exemplare von wohl ein Hundert/ die im Block säße»./ überstiegen nicht 15""°; ferner durch einen langen/ wie ein Häck- chen mitten in die Schale eingebogenen Cardinalzahn; endlich ist der Rand von der Schnabelspitze gegen das Schloß so wie gegen den obern Rand zu einwärts gebogen. Die Felsen mit unveränderten Turbiniten zwischen Mal« leray und Court habe ich vergeblich aufgesucht/ und vermuthe fast / die Stelle in Grüner müsse von dem erst erwähn, ten Molassehügel verstanden werden / an dessen südlichen und westlichen Abhängen mir terrassenartige/ aber ganz mit GraS- wuchs bekleidete/ oder mit Ackerkrume bedeckte Absätze aufgefallen sind / denjenigen ähnlich/ die im Längenberg von den Petrefactenlagern gebildet werden. Es ist vielleicht zu Gru- nerö Zeiten der Fels an einigen Stellen noch nackt gewesen. An der nördlichen Thalseite / oberhalb Malleray, haben wir indeß in den Feldern/ wo alle Anschürfungen Molassesand Zeigen/ gebleichte/ aber sonst wohl erhaltene Cerithien gesunde«/ die vollkommen mit C. plicatum übereinstimmen/ nur daß die oberste Körnerreihe weniger hervorsteht , weßwegen die Windungen nicht ganz so thurmähnlich erscheine«/ wie an einem Exemplare von Mainz/ das sich, mit einer Etiquette von Hrn. Brongniart f in Hrn. Meisners Sammlung befindet. 312 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Dagegen sind sie von einem Cerithium aus Piemont, das dem Museum angehört, und das ich auch für C. plicatum halten muß, nicht zu unterscheiden. — Alle unsere Exemplare sind zerbrochen, die größten mögen Zollang gewesen seyn. In der Sammlung von Hrn. Ziegler und Zehender hier in Bern fand ich eine gebleichte Turritelle, mit der auf die Schale geschriebenen Aufschrift: „ab dem Berge Moron im Baslerbieth", und ich zweifle nicht, daß dieß einer der Tur- biniren vom Moronberge sey, von denen Grüner spricht. ES trifft diese sehr gut erhaltene, nur gebleichte Turritelle, die in vollkommnem Zustande bey 80°™ lang gewesen seyn mag, in jeder, Rücksicht mit T. imbricataria nberein. In diese Gruppe muß ich auch die kürzlich von Hrn. Pros. Merian beschriebenen Petrefactenlager der Molasse von B a se l und der Lettgruben von B o t t m i n g e n und B i n- ningen setzen. DaS Cer. plicatum kömmt auch hier vor, überdieß eine Menge von Austern, von denen viele sich der 0. edulis nähern, endlich Baianus miser. — Hr. Merian bemerkt auch, er habe auf der öffentlichen Sammlung in Bafel sehr wohl erhaltene Exemplare des Cerith. plicatum auö dem Bisthum Basel (wahrscheinlich von Court) gefunden, und, wofern mein Gedächtniß mich nicht täuscht, so glaube ich in der Bernouillischen Sammlung zu Basel auch eine Turritella imbric. von Court gesehen zu haben. Beydes verbürgt die Richtigkeit unserer obigen Bestimmungen und der angeführten Fundorte. — Die fossilen Conchylien von Bottmingen, so wie die von Court sind nur calcinirt, und fast so gut erhalten, als die des Grobkalks von Paris, oder die aus Italien. Ich habe diese vollkommne Erhaltung in keinen andern Lagern der Molasse , weder am Längenberg und Belpberg, noch zu St. Gallen wiedergefunden. Ueberrests von Meerthieren. 312 II. Petrefacten der subalpintschen Hüge.l. i. Zoologischer Theil. Die fossilen Körper dieser Gruppe sprechen unsere Aufmerksamkeit mehr/ alS die aller vorigen an/ weil die größere !. Mannigfaltigkeit derselben unö endlich ein zuverläßigeres Re- I sultat unserer Untersuchungen hoffen läßt. Auch habe ich mir vorgenommen/ ihuer Untersuchung den möglichsten Fleiß j zu widmen/ und glaube diesem Theile/ wenn irgend einem/ einige Haltbarkeit geben zu können/ da ich mich durch häufigen Besuch der nur zwey bis drey Stunden von uns ent- ! fermen Fundorte/ und durch die Ausdehnung/ die unsre ! öffentlichen und Privatsammlungen erreicht haben / im Besitz j bedeutender Hülfsmittel und mehrmals geprüfter Beobach- i tungen sehe. Man erwarte deßwegen nicht die Schärfe der Bestimmungen und die Genauigkeit in allen Details/ die wir in den elastischen Werken von Lamarc/ Brocchi und Brongniart finden; nicht nur würden meine Kräfte lange nicht hinreichen , mich diesen Vorbildern zu nähern / sondern die Nawr selbst hat unsrer Forschbegierde Grenzen gesetzt/ die man nie wird überschreiten können. Unsre fossilen Con- chylien/ obschon vielleicht von gleichem Alter/ als die der subapenninischen Hügel/ und jünger/ als die von Grignon und Courtagnon, besitzen doch bey weitem nicht den hohen Grad von Frische/ und die bewunderungswerthe Erhaltung der feinsten äußern und innern Theile/ die wir an diesen bemerken. Die Schalen sind nur bey wenigen Gattungen/ Pecten und Ostrea vorzüglich/ unverändert geblieben/ und auch bey diesen sitzt die Steinmasse fo fest an den innern Theilen/ daß e6 selten gelingt/ ganz freye Exemplare zu erhalten. Viele hingegen zeigen sich im Zustande eigentlicher Petrefacten/ welche/ obschon ganz auS Mergel oder Molasse bestehend/ doch die Formen der äußern Theile der Muschel 314 IV. Cap. Dritter Abschnitt. angenommen haben, nnd nicht nnr als Steinkerne, d. h. als Abdrücke der innern Theile betrachtet werden können; die Mehrzahl wird indeß gar nur in diesem letztem Zustande ge- funden, und noch/andere bilden eine Art von Uebergang, indem sie zwar auch die äußern Formen, aber sehr verwischt und kaum mehr erkennbar darstellen. Nicht selten zeigen sich noch Spuren und Bruchstücke der Schalen in weißen, meh- lichten Ansiügen, besonders in der Gegend des Schlosses der Bivalven und in den tiefern Furchen und Ringen. Diese Zerstörung der feinem und charakterisirenden Theile macht die genauere Bestimmung der Art, zuweilen auch der Gar- tung, aller Petrefacten, die sich nicht durch ihre Form schon hinreichend auszeichnen, sehr unsicher, und läßt uns bey dieser Untersuchung keinen andern, als den rein geognoftischen Zweck wählen, der keine Bestimmungen, die als Grundlagen dienen sollen, sondern nur solche fordert, die den zoologischen Charakter einer noch zweydeutigen Formation feststellen können. Ich werde in das folgende Verzeichniß alle Petrefaeten aufnehmen, die, so viel mir bekannt ist, bis jetzt in unsrer Gegend gefunden worden sind, auch wenn mir nur Bruchstücke, oder undeutliche Steinkerne zu Gebote stehen sollten; würden diese ganz Übergängen, so könnte man immer noch Formen darin vermuthen, die auf Gattungen von höherem oder geringerem geognostischem Alter hindeuteten, und die Folgerungen, die wir auö den fest bestimmten Arten ziehen können, müßten nothwendig durch diesen Zweifel sehr geschwächt werden. Neue Namen werde ich nicht einzuführen suchen, obschon mehrere Arten mir wirklich neu und noch, nicht beschrieben scheinen, es widerspräche dieß einerseits dem, die Anforderungen der Zoologie ausschließenden, beschränkter» Zweck dieser Arbeit- und andrerseits möchten neue Benennungen, die nicht von guten Abbildungen begleitet sind, schwerlich ein gesichertes Bürgerrecht in unsern zoologischen Verzeichnissen erhalten. Im Systematischen folge 315 Ueberreste von Meerthiere». ich ganz Lamare. Alle Details endlich über das Vorkommen der Petrefacten, die genauere Angabe der Fundorte, die Beschreibung der Steinart und Lagerung verspare ich auf den zweyten Theil dieser Abtheilung. Asterias. 1 . A. arauciaca. Ein einziges Exemplar. Der Stern ragt mit seiner Rückseite halb erhaben aus einer Mergeltafel hervor. Von den zwey noch ganz erhaltenen Strahlen mißt der eine so, der andre 90 in der Länge 91 ). Der Abdruck ist übrigens sehr deutlich, und die Richtigkeit der Bestimmung kaum zu bezweifeln. Vom Jmi, wahrscheinlich aus der mittlern Schicht, ü. 5. Serpula. 2. Steinkern einer Serpula, vielleicht 8. arenaria. Unregelmäßig aufsteigende und getrennte Windungen, drey an der Zahl, die obern fast anschließend, das Ende durch Stein- masse verdeckt; glatt. Durchmesser der Röhre 9, größter Durchm. der untersten Windung 32. Von Oberaar. — Meyersche Sammlung. Baianus. 3. Vielleicht B. perforatus, aber nicht mit Sicherheit !u bestimmen. In bedeutender Menge der Schale eines Beeten laticostatus, ii. 53, vom Jmi aufsitzend. Der größte hat an der Basis 9 im Durchm., und ist 5 hoch. Solen. , 4. 8 . vagina. Sehr deutliche Abdrücke, theils geschlos- j sen, theils offen. Der größte, äi. 90 , ist 96 breit und an > beyd^ Enden abgebrochen; ein anderer in Hrn. MeiSnerö Sl ) Die Maaßeinheit in diesem Theil ist überall daS Millimeter. 316 IV. Cap. Dritter Abschnitt. 'Sammlung muß noch größer gewesen seyn, die Höhe der Schalen beträgt wenigstens 26. Nicht selten, bey'm Tennli, bey Hohburg, auf Jmi u. s. w. Ein Abdruck, dp. 88, zeigt zugleich Abdrücke kleiner Serpuliten. 6 . 8 . Jegumen. Sehr deutliche Abdrücke, theils geschlossen, theils offen. Die größten 63 breit. In großer Menge beyeinander liegend bey'm Tennli. di. 22, 23, 6 . S. strigilatus. Ziemlich gut übereinstimmend, vorzüglich mit Rumph, Amb. Rar. Cab. t. 45 N. , nur weniger gerundet auf beyden Seiten, und ohne Einbiegung am obern Rand. Als Steinkerne vom Belpberg. Br. von dp. 5, 84, L. 43. * Panopcea. 7. P. Faujas. Die ausgezeichnete Form dieser Muschel läßt sie in ihren Abdrücken mit Sicherheit wieder erkennen. Die größten Individuen messen bis 130 in der Breite, 75 L. und 50 Dicke; alle stehen an ihrem vorder» Ende sehr weit offen, und haben starke, gerundete Rates; die Oberfläche ist stark gerunzelt. Die Verhältnisse der Formen stnd übrigens sehr schwankend: die einen stnd, besonders in der Nähe des Schlosses, bedeutend dicker, im Verhältniß von 55 gegen 69 L. und 124 Br., und 50 gegen 62 L. und 107 Br., andere dagegen nehmen in der Dicke ab, bis auf 4o bey 59 L. und 100 D., und 38 bey 55 L. und 103 Br. Daß diese Abweichungen nicht auf Rechnung des verschiedenen Alters zu setzen seyen, beweisen ganz junge Individuen, die wohl unbezwei- felt dieser Art angehören, und bereits so bauchig stnd, als die erst angeführten, ;. B. bp. 31, das bey 27 D., gleiche L., und nur 57 Br. hat; die flächern Individuen, z. B. di. 24, bp. 9 , scheinen auch keineswegs etwa zerdrückt oder zusammengefallen zu seyn. Vielleicht gehören die hier zusammengestellten Abdrücke mehreren Arten, z. B. Lutraria sole- noides, st», doch wüßte ich nicht eine scharfe Trennung zu # 317 Uekerreste von Meerthieren. machen. Es ist dieß eines der häufigsten und ausgezeichnetsten I Petrefaete unserer Gegend/ das in einigen Lager,,/ dicht in ! einander gedrängt/ vor allen andern Arten vorherrscht. Den ■' Normalcharakter tragen ii. 11/ 12 / om. 11 . Mya. i 8. Zwey Abdrücke in der Meyer'schen Sammlung sehen der untern Figur von M. mandibula Sow. tab. 43 ähnlich/ da aber nur der Abdruck der einen Schale da ist/ so läßt sich nicht einmal die Gattung zuverläßig bestimmen. Jmi und Aeppeacker. Anatina.. 9. Der Abbildung in Enc. t. 229 f. 3 von A. globulosa sehr ähnlich , nur etwas breiter/ und mit Spuren von feinen Querringen/ statt Längestreifen/ auch scheint sie vorn geschlossen/ oder nur sehr wenig geöffnet gewesen zu seyn. Br. 27/ L. 20 . Aus der obern Schicht von Aeppeacker. ep. 34. Lutraria. t 10. Steinkern mit starken Museulareindrücken/ zugleich auch mit Längestreifen; auf beyden Seiten / besonders auf der vorder» klaffend, oa. 34 hat 67 Br./ 59 L./ 30 D. — 2 ist etwas dicker. Die Form stimmt ganz überein mit i'UAvsa Enc. pl. 254/ f. 2 , — Aus der untern Schicht von Obcraar , auch aus der Muschelbank von Hohburg. Nicht ■ häufig. Corbula. 11 . Ein einzelner Abdruck/ der in Form und Größe sehr gut mit 0. gallica Enc. t. 230/ f. 5 übereinstimmt. Die Form ist aber zu allgemein / als daß man/ ohne das Schloß iu sehen/ dieser Aehnlichkeit ganz vertrauen dürfte. Von Hohburg. Meyer'sche Samml. 318 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Teilina. . 12 . T. virgata. Ein noch junges, aber unmöglich zu i verkennendes Individuum dieser Art; es stimmt sowohl mit ; den Abbildungen/ als mit der Dluschel selbst vortrefflich über- j ein. Steinkern von 44 Br., aus der obern Schicht von j Aeppeacker. ep. 35. I 13 . T. tumida Brocchi. Die Uebereinstimmung der Steinkerne mit der Figur in Brocchi ist so vollkommen / daß ich kaum an der Richtigkeit der Vergleichung zweifeln kann. Br. 57/ L. 48/ D. 23/ von oa. 49. Man findet diese Art/ so wie die beyden folgende» / selten mit Resten der Schale/ besonders häufig in dem untern reichen Lager bey Oberaar und am Marchbach; auch in dem untern Lager zu Aeppeacker. 14. T. Der vorigen Art sehr nahe stehend , aber mehr gerundet/ und fast gleich lang als breit/ die Dicke eher noch beträchtlicher. Da viele Steinkerne in Form und Dimensionen auffallend übereinstimmen/ so glaube ich nicht/ daß es nur Varietäten der T. tumida seyen. Die Form ist mehr' die von T. suleata Enc. t. 290 / f. 3 / aber die Falte steht fast senkrecht auf dem obern Rand. Die Dimensionen von ep. 20 sind: Br. 57 / L. 54/ D. 28 . 15. T. Unterscheidet sich von den vorigen Arten durch die mehr hem Hinterrheil genäherte Lage des Schlosses, wodurch eine Donaxform entsteht. Sie ist ähnlich der T. 1a- cunosa Enc. pl. 290/ f. .14/ der obere Rand ist ebenfalls eingebogen/ aber das Schloß liegt noch mehr seitwärts und der Vorderrand ist nicht gerundet/ sondern fast schnabelförmig. Br. 56/ L. 46/ D. 27. 16. Mehr noch nähern fich der schon eitirten Figur der T. lacunosa / in der Enc. pl. 290 / f. 14/ mehrere Individuen von der Weinhalde bey Dägertschi/ nur ist die charakteristische Einbiegung am obern Rand wenig ausgezeichnet. Ueberreste von Meerthierel^. 3.19 ! ES smd Abdrücke/ die noch deutliche Querrunzeln zeigen/ ! da die vorigen hingegen glatt sind. di. 97 hat 41 Br., 32 L. und 18 D. 17. Ein sehr häufiges Petrefact / dessen äußere Form mehr Aehnlichkeit mit den Venus / besonders Y. papiliona- cea hat / indem der Hintere Theil nur etwa halb so breit/ als der vordere ist/ scheint doch/ wegen der Schnabelform und Umbiegung deö vordern Theils/ dieser Gattung anzugehören. Abdrücke mit seinen Querringen. Das schön be- j stimmte Exemplar oa. hat 77 Br. , 60 8, und 25 D. 18. In der Form aufs Täuschendste übereinstimmend mit der Arca fluviatilis Schrot. Flußc. t. IX/ f. 2/ mit starken Falten längs dem Vorderrand/ und groben Runzeln. Das Schloß scheint indeß / so viel fich an einem Steinkern beurtheilen läßt/ nicht das einer Arca gewesen zu seyn/ und der Schnabel ist/ statt aufwärts/ eher abwärts gebogen/ Br. 28 / L. 13/ D. 9. Von der Weinhalde di. 9. Corlis. 19. Ein Petrefact / zu dem ich keine ähnliche Abbildung finde / scheint dieser Gattung am nächsten verwandt. Der Umriß ist beynahe rund/ das Schloß fast in der Mitte/ nur dem Anus etwas näher; sehr bauchig/ mit deutlichen Spuren von eoncemrischen Reifen. Die Br. von di. 86 ist 47, die L. 40. Donax. 20 . Hat sehr große Aehnlichkeit in Form und Größe mit Donaoites 8 aussuri, Ann. des Min. V. 6 / pl- VII, £ 5 , Nur ist die Vulva/ statt einwärts/ eher etwas auswärts gebogen, und der Hintertheil ist mehr gerade abgeschnitten. An di. 30, das noch einige Reste der Schale zeigt/ glaubt man auch Spuren von Längestreifen wahrzunehmen; an om. 19 find die Längeftreifen unverkennbar, und zugleich 9 320 IV. Cap. Dritter Abschnitt. fitzt über dem Vorderrand eine dünne Ausbreitung desselben, die fast an Cucullaca fibrosa Sow. t. 20 7, f. 2 erinnert. Die Br. von ep. 33 ist 66, die L. 47, die D. 30; diejenige von di. 70 ist 72 , die L. 59 , die D. 29. Cytherea. 21 . Es mögen dieser Gattung mehrere der mit den Ve- nuliten vereinigten Steinkerne angehören. Mehrere halbe Abdrücke auö dem Bütschelgraben haben Aehnlichkeit, theils mit 0. exoleta Enc. pl. 280, f. 1, theils mit C. convexa Brong. Env. ck. P. pl. VIII, f. 7, A. B. Venus. 22 . V. islandica. Sehr häufig, und vollkommen über- einstimmend mit V. aequalis Sow. t. 21. Als Steinkern mit sehr starkem Muskelabdruck am Anus. Br. von oa. 80 gleich 87, L. 80, D. 47 . In andern Steinkernen, die derselben Art anzugehören scheinen, ist die Länge etwas geringer, und der Vorderrand läuft vom Schloß weg mehr gerade, und dem obern, auch wehr gebogenen, fast parallel, so daß die Form ganz mit V. angulata Sow. t. 65 übereinstimmt. Diese Abweichung wird bey einigen, auch ausgezeichnet groß vorkommenden Individuen so bedeutend, daß ich fast geneigt wäre, ste als verschiedene Art zu trennen, besonders da dieselbe Form sich in allen Altern zeigt. Sie hat große Aehnlichkeit mit V. litterata Gualt. t. 86 F. Der Vordcr- rand erstreckt sich bey der größten, di. 45 , weit vorwärts, mehr dem obern Rand parallel, so daß das Schloß, wenn jener horizontal ist, ganz auf die Seite zu stehen kommt, und dem Anus zugekehrt ist, die Vulva ist groß und tief, und trägt ein starkes, über den Umriß hervorragendes, auch in harten Mergel verwandeltes Ligament. Br. 100 , L.78,D. 45 . Ich möchte fast glauben, daß diese letztere Art, welche, mit Ausnahme 321 Ueberreste von Meerthieren. Ausnahme deö tief eingeschnittenen Anus/ einigeAehnlichkeit mit Lamare's Gyprina Isiandiea Luv. pL 3oi , f. i hat, die wahre V. Islandica sey. Die erster« Steinkerne könnte»/ ohne daß es mehr möglich seyn dürfte/ die verschiedenen Arten zu trennen/ von Cytherea Chione/ Venus mercenaria , exalbida und andern herrühren. 23. Beynahe ganz kreisförmig, nur das starke Schloß macht eine Ausbiegung/ sonst in Manchem stch der vorigen nähernd. Mit starken Muskeleindrücken. Die Vulva groß und tief/ daö Ligament mochte auch darüber vorstehen. Br. 90 / L. 81 / D. 40. Vom Tennli. In der Meisnerschen Sammt. 24. Ebenfalls der V. angulata ähnlich / aber das Schloß liegt mehr in der Mitte, so daß der Vorderrand kürzer wird/ da hingegen der Hintertheil noch mehr stügelähnlich ausgeschweift ist/ mit stark eingebogenem Anus. Br. 86/ L. 71, D. 38. — ep. 18. 25. Der Astarte excavata Sow. t. 233 sehr ähnlich/ nur etwas schmäler, beynahe ein Quadrat, und die Vorderseite stärker abgeschnitten, di. 69. Br. 58, L. 6o, D. 34. 26. V. rustica Sow. Mit der Abbildung t. 196 vollkommen übereinstimmend, sowohl in der Form, als in der Größe, vom Tennli di. 65. Ein anderes Stück dieser Art, vom gleichen Ort, ist etwas breiter als die Figur, nämlich 76 auf 48 Länge. di. 57. 27. Der äußere Umriß stimmt gut überein mit dem der Lutraria Gurgitis Broiign. Env'. de Paris pl. IX, f. 15 A, Nur ist das Schloß etwas weniger erhöht und die Ecken weniger abgerundet, der Vorderrand ist schnabelförmig in der obern Ecke links etwas aufgestülpt. Die Schalen schlössen übrigens ganz zusammen. Br. 61 , L. 45 , D. 30. — di. 85. Zu Aeppeacker und im Tennli. 28 . Zwey vollständige Abdrücke, der eine von Hohburg V lo, der andre, von Aeppeacker, in der Meyer'schen 21 322 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Sammt, zeigen große Ähnlichkeit mit V. subrostrata Enc. pl. 267/ f. 7. Man sieht noch deutliche Querringe. 29. V. papilionacea. d’Argenv. Zoom. pl. 12 D, Enc. pl. 281 / 3. Besonders die erstere Figur paßt sehr gut auf eine der häufigsten Muscheln der Molasse , nur ist der Hintertheil um ein Geringes kürzer. Die größte di. 66 hat 7i Br. / 42 L. Häufig findet man diese Formen mit größerm Längeverhältniß / ich kann sie aber unmöglich mit Sicherheit als verschiedene Art charakterifiren. So bp 3 / das auf 66 Br. eine L. von 46 hat. Diese letztem vorzüglich treten der Tel- lina (17) so nahe/ daß man nur mit Mühe beyde Gattungen unterscheidet. Es mögen überhaupt auch unter bicfet? Form sich mehrere Arten vereinigen / die sich im Zustand von Steinkernen und Abdrücken gar nicht mehr trennen lassen / wie z. B. V. litterata/ V. maculata u. a. M. ; einige find sogar Fluß- muscheltt/ Unio ovatuä/ crassus u. a. täuschend ähnlich; und an Stellen/ wo/ wie an der Weinhalde / Blätterabdrücke sich mitten in den Perrefactenlagern finden , dürfte es eben' nicht sehr auffalle»/ auch Süßwassereonchylien beygemengt zu finden. 30. Der äußere Umriß ist dem der vorigen Art ähnlich / ! vorzüglich dem der V. papilionacca in der Enc./ die Muschel j ist aber weniger lang und bauchiger; der Anus gerundet/ die ! Altersringe deutliche / regelmäßige , feine Reifen bildend; vorn und hinten ziemlich spitz zulaufend. 61 68. Br. 53/ , L. 27/ D. 22. 31. Der Umriß bildet / die Seite des Anus ausgenommen/ der ziemlich tief eingebogen ist/ eine fehr regelmäßige Ellipse/ von gleichförmiger starker Wölbung. Das Schloß liegt in der Mitte. Die Wachsthumsringe sehr deutlich, ein 32. Br. 60 / L. 46. Abdruck der einen Schale von Obermuhleren. Ueberreste von Meerthieren. 323 Cardium. 32, C. edulinum Sow. t. 283 f. 3. Ziemlich häufig. Ich hielt es anfangs für 0. nisticum/ well die Anzahl der Rippen nie über 20 steigt/ die Abbildung und Beschreibung von Sow. paßt aber vollkommen dazu. Die Beschaffenheit der Rippen ist in diesen halb innern halb äussern Steinkernen ein trügerisches Kennzeichen. Die Steinkerne find übrigens/ wie fast alle in dieser Gruppe/ meistens ganz und von allen Altern / ein Umstand / der bey der Vergleichung dieser Petre- säeten mit denen des Muschelsandsteins nicht ausser Acht gelassen werden darf. 33 , Ein 0. aus der MeiSnerschen Sammlung/ das Aehn- lichkeit hat mit C. multicostatum Brocchi t. XIII f. 2. aber stärker gewölbt ist und eher mehr als weniger Rippen zählt. Der Schnabel des Schlosses ist etwas dem AnuS zu- gebogen/ der obere Rand sehr.gleichförmig gerundet. Steinkern der einen Schale. L. 67 / Br. 71/ D. 30. — Vom Tennli. 34, Auch nur ein Bruchstück eines Schalabdrucks. Große Uebereinstimmung zeigend mit C. hians Brocchi t. XIII. f. 6/ dasselbe Ausschweifen des HimertheilS / dieselben / weit aus einanderstehenden gebogenen Rippen/ dieselbe Größe endlich in den Dimensionen. Von Aeppeacker ex 4o. — Derselben Art möchte ich einen ganzen Steinkern beyzählen/ dessen Vordercheil/ obschon etwas beschädigt / scheint geklafft zu habe»/ der ungefähr 17 Rippen zählt/ sehr bauchig und von der Größe des vorigen ist. Er ist / wie häufig die Steinkerne der großen Eardien / schief gedrückt , so daß die eine Schale bauchiger als die andre ist/ da hingegen die Schnabelwölbung der letztem beträchtlich über die der andern hervorragt. Ebenfalls von Aeppeacker. ep 4. 36. 0. oMongwn. Ich darf fast nicht zweifeln/ daßdieso bald einschalig/ bald zweyschalig/ als äusserer Steinkern vorkommende Muschel nicht derselben Art angehöre/ die Brocchi unter diesem Namen citirt. Die Länge eines vollkommenen 21 * 324 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Steinkerns in der Meyerschen Sammlung, von Oberaar , beträgt 72 / die Breite 54, die Dicke 50. Auf der Mitte der Schalen bemerkt man Spuren flacher und gedrängter Längestreifen / an den Seiten besonders nach hinten/ Querrunzeln. Der Vordertheil ist ausgezeichnet herzförmig / der Rand gerade/ mit dem obern Rand unter einem spitzen Winkel zusammenstoßend/ wie 0. medium, die Winkelecke ist aber gerundet. Ein halber Steinkern von Aeppeackek/ ep. 32/ hat 77 Länge/ 67 Br. und 33 D. 36. Der äussere Umriß ganz mit C. apertum Enc. pl. 296 f. 5 übereinstimmend/ aber der Vordertheil scheint entweder gar nicht/ oder nur äusserst wenig geklafft zu haben. Man zählt über 50 feine Rippen. B. 50/ L. 46/ D. 29 . — di 78. bp 74. Tennli und Hohburg. 37. Abdruck einer Schale. Vollkommen übereinstimmend mit 0. semigranulatum Sow. t. 144/ wahrscheinlich die Venus cypria Brocchi tav. XIII. f. 14. Fein in die Länge gestreift. Auf der Hintern/ etwas zurückgebogenen Seite bemerkt man indeß nicht die weiter aus einander stehenden Streifen/ mit tiefern Zwifchenräumen/ sondern eher größere Menge und mehrere Undeutlichkeit derselbe». Auch die Querabsätze fehlen ganz. B. 53/ L. 53. — Vom Tennli. di 31. 38. Gleichseitig/ länger als breit, mit 16 weit aus ein- anderstehenden hohen Rippen. Der obere Rand ist abgebrochen/ so daß man die ganze Länge nicht bestimmen kann/ aber nur das Bruchstück mißt75 in die Länge/ bey64Br.—bp53. Von Hohburg. 39. Dem 0. medicnu ähnlich/ nur breiter/ und die Ecke im Vorderrand ist weniger ausgezeichnet/ und nicht am Ende der Kante, sondern mehr gegen die Mitte des obern Randes zu gelegen. Man zählt bey 21 Rippen. L. 53, B. 53. — Vom Tennli. di 77. 40. C- clodiense Ren. - Brocchi t. XIII f. 3. Vollkommen übereinstimmend / nur stärker gewölbt, was aber ficht- 325 Ueberreste von Meerthieren. bar von Zerquetschung herrührt. B. 25 , g. 17 . _ Von GirggiSberg. gg 37. Arca. 41. A. antiquata. Gualt. t. 87. B. C. Ein vollständiger Abdruck von Hohburg/ auch das Schloß ist ganz frey. Die Uebereinstimmung mit der citirten Abbildung ist sehr gut/ nur stehn die Schnabel etwas weiter aus einander.. B. 58/2. 41. Abstand der Schnabel 12 . dp 6. 42 . Der Umriß hat Aehnlichkeit mit A. aniiquaia/ nur ist der obere Rand noch mehr gebogen/ und der Vordertheil kürzer. Die Schnabel berühren fich beynah , man steht indeß einen Theil des geradlinichten Schlosses. Mit sehr vielen feinen Längerippen. B. 54/ L. 46/ D. 33. — Von Oberaar. oa 41 . 43. Ich getraue mir nicht die Gattung dieser und der folgenden ausgezeichneten und häufig in der Panopäenfchicht von Oberaar und zu Dägertschi vorkommenden Muschelart zu bestimmen. Die Aehnlichkeit der erste» Art mit Arca insu- brica Brocchi bestimmt mich/ ste hier anzuknüpfen. Man findet nur die Abdrücke einzelner Schalen/ meist mitmehlig- tem/ oder ochrigem Ueberzug und von Meerwürmern zerfressen/ selten mit vollständigem Umriß. Die Schnabel stehen stark in die Höhe/ und find stchtbar durch eine äussere Fläche getrennt gewesendas Schloß scheint eher gerad- als krumm- linicht gewesen zu seyn. Wie bey den Venericardien ist die Schnabelspitze einwärts eingebogen/ und der Vordertheil breiter fich ebenfalls nach dem Schloß zu etwas mehr aus als der hintere/ ist aber dafür gegen den obern Rand durch einen regelmäßigen Bogen sehr kurz abgeschnitten. Die Wachsthums- tinge find eng gedrängt aber sehr deutlich; vorn und hinten rieht fich vom Schloß nach dem Rande eine starke Falte/ von einer Vertiefung begleitet/ die vordere besonders ist sehr auffallend. Man findet Abdrücke beyder Schalen. Die Bauchung * 326 IV. Cap. Dritter Abschnitt. ist tm Verhältniß des bedeutenden Umfangs, den die Muschel erreicht, nicht sehr beträchtlich. Die Länge von di 75 beträgt 95/ die Breite 100 , 44. In Allem stimmt eine Anzahl anderer Abdrücke, von denen besonders Hr. Meyer einen sehr gm erhaltenen besitzt, mit den vorigen so sehr überein, daß ich sie säst nur für Abänderungen halten möchte. Der Schnabel steht vom Schloß weg noch mehr in die Höhe, so daß die Entfernung vom Schloß zur Schnabelspitze bey 20 mm beträgt. Die Schale ist fast gleichseitig, länger als breit, ziemlich bauchig; die Form erinnert an die Podopsis. Env. de Paris pl. V f. 2. Länge vorm obern Rand bis an's Ende des Schnabels 85, Breite 72, Tiefe 28. Unio. 45. In der Schicht an der Weinhalde findet man Steinkerne, zu denen ich kein Analogon unter den Meerconchylien und dagegen die größte Aehnlichkeit zwischen ihnen und der Unio in Schrot. Einl. t. VII f. 5 finde. Auch die starken Runzeln an der Oberfläche scheinen sie als Flußmuscheln zu charakterisiren. DäS größere Exemplar di 25 ist 60 breit, und 43 lang. Modiola. 46. M. elegans Sow. Ein Individuum von 33 L. in der Meyerschen Sammlung, zum Theil mit Stücken der sehr mürben Schale bedeckt, stimmt vollkommen mit der Figur in der untern Ecke links Sow. t. 9 überein. Andere, etwas kleinere Individuen haben die Falte, die quer über die ganze Schale läuft, so stark, daß sie eine ziemlich hohe und scharfe' Kante bildet. Die feinern Längeftreifen sind bey allen sehr deutlich, und die Schale zeigt zum Theil noch Perlmutterglanz. Alle von der Weinhalde bey Dägertschi. 47. M. üthophaga. Ein Steinkern in der Meiönerscheu Sammlung/ von 53 Länge. Mit den Abbildungen dieser nicht Ueberreste von Meerthieren. 327 leicht zu verwechselnden Muschel sehr gut übereinstimmend. Von der Weinhalde bey Dägertschi. Mytilus. 48. Der äussere Umriß stimmt überein mit f- is. a. Env. de Paris pl. IX'/ nur ist das Hintertheil vom Schloß an/ ohne Einbiegung des Anus/ stark abgerundet. Gerunzelt. Nicht stark klaffend/ hinten beynah geschlossen, di 6 , 7, 8. Br. 40/ L. 25/ D. 20 . Von ebendaher. Meleagrina. 49. M. margaritifera. Die ächte Perlmuschel. Der Abdruck einer Schale von 77 L./ 65 B. Die Uebereinstimmung/ besonders mit Rumpf t. 47 f. F. und Gualt. t. 84 f. E. so wie mit der nicht fossilen Muschel selbst ist so vollkommen/ daß kein Zweifel über die Identität dieser merkwürdigen und durch ihre Form so ausgezeichneten Art mit unserer fossilen übrig bleiben kann. Vom Tennli. di 74. Pecten . 50. P. medius. Ich darf die häufig vorkommenden großen Pectiniten/ meist mit noch unzerstörter Schale/ weder dem Jacobzeus/ noch dem maximus beyjählen/ da ich an keinem die charakteristischen Längestreifen bemerken kann/ und hingegen sehr feine Querstreifen an mehrern sehr deutlich find. Die 14 Strahlen der untern Schale find platt mit runden Kamen und engen Zwischenräumen/ die der obern eckigt/ schmal/ mit breiten Zwischenräumen. So an dem gut erhaltenen ii 16/ vom Jmi. — Daß mehrere Schalen jenen beyden Arten angehören/ ist mir indeß sehr wahrscheinlich, es ist möglich/ daß die Längefurchen an einigen verwischt worden seyen. 51. Ein großer Peeten von Oberaar mit zum Theil zer- ßorter Schale/ auf dessen Rippen sowohl/ als in den Zwischen- 328 IV. Cap. Dritter Abschnitt. räumen ich Längestreifen wahrzunehmen glaube/ gehört nach diesem Kennzeichen wirklich der Art P. maximus an. 52. P. lalicostatus, >— . Ostr. latissima Brocchi. Wir besitzen von diesem colossalen Pectiniten mehrere sehr gut/ mit fast unveränderter Schale, erhaltene Exemplare/ die alle am Imi sind gefunden worden. Zwey derselben besitzen noch beyde fast gleich gewölbte Schalen , die untere und die obere ist fein in die Quere gestreift/ und in den Zwischenräumen bemerkt man auch Spuren von Längestreifen. In einem Abstand von etwa 4o mm vom Schloß findet eine schwache/ mit dem obern Rand coneentrische Einbiegung statt/ eine etwas stärkere 20 °-" vom Schloß/ zwischen dieser und dem Schloß ist die Schale stark angeschwollen. Vielleicht sind diese Unebenheiten die von Brocchi angeführten Knoten. Die größte unserer Schalen ist 180 breit. Die Breite der sieben großen stachen Strahlen am obern Rand ist 18/ die der Zwischen- räme 12 . ii 51 — 53 . Man findet ihn auch in der obern Schicht am Marchbach. 53 . Etwas ungleichseitig/ bauchig. Mit 14 — 16 breiten/ stachgewölbten Strahlen und engen/ nicht tief ausgekerbten Furchen. Obschon ich kein ganzes Exemplar besitze/ so beweisen doch die einzelnen/ theils obern/ theils untern Schalen/ daß die Muschel fast gleichschalig war. Sie hat viel Aehnlichkeit mit p. rotundatus Knorr petrif. p. 2. tab. B. 1. c. %. 5 . 6 . Der größte ist 86 breit, ii 19 — 21 / 27 — 29. Vom Imi. 54. 0. dubia. Etwas ungleichseitig/ ziemlich stach/ fast gleichschalig/ mit 16 —18 Strahlen/ die sowohl als die Furchen der Länge nach gestreift sind. Br. des größten 46. Von ebendaher, ii 22 — 26 . Die ziemlich gut erhaltenen Schalen stimmen sowohl mit der Beschreibung von Brocchi/ als mit fossilen Exemplaren von Parma vollkommen überein. 329 Ueberreste von Meerthieren. Ostrea. 55. 0. edulis. Wir besitzen mehrere sehr gut erhaltene Exemplare vom Belpberg/ die sowohl mit den Abbildungen/ als mit der Muschel selbst vollkommen übereinstimmen. Die Schalen sind beynah unverändert. Die Längerunzeln ziemlich stark, ausgedrückt. Meistens von Hohburg. 56. 0. crassissima- Der 0. virginica ähnlich / 165 lang und 60 breit; die untere Schale/ von 45 Dicke/ besteht aus einer Menge von Blätter»/ die an der Oberfläche als Querrunzeln und an den Seiten wie die Blätter eines Buchs erscheinen. Die obere Schale flach, ht 21 . Von Hütligen. 57. 0. canadensis. Dieser Art gehört die Mehrzahl unserer großen Austern von Hütligen/ Dägertschi u. s. f. an. Die meisten Individuen kommen ganz überein mit der Beschreibung von Lamarc und der Abbildung der Enc. pl. 180 . Das größte Individuum / das mir vorgekommen/ ist di 17 von der Weinhalde/ ziemlich stark von der Linken zur Rechten gebogen/ und nach vorn zu sich schaufelförmig ausbreitend; die untere Schale sehr dick/ besonders in der Mitte/ die Auf- senfläche derselben mit Querabsätze»/ die das Ende der Blätter bezeichnen; der Canal lang und tief/ mit parallele»/ in der Höhe gerundeten Seitenwänden und in die Quere gekerbt; die obere Schale flach und ziemlich dick; sie bedeckt den ganzen Canal/ doch liegt sie ihm nicht auf/ sondern steht vom Schloß an ziemlich stark schief in die Höhe; es entspricht dem Canal an der obern Schale eine eben so lange / nach der Breite etwas konvexe/ nach der Länge concave/ stark in die Quere gekerbte Fläche / mit zwey Hohlkehlen zu beyden Seiten/ welche der obern Rundung der Canalwände entsprechen. Länge 200 / Breite 95/ Dicke der untern Schale 70/ Dicke der Auster/ wenn beyde Schalen auf einander liegen/ 100 . Länge des Canals 50. 58. Eine colossale Austerart habe ich in einem Tobet über ^beraar als Geschiebe gefunden; wahrscheinlich stammt sie 330 IV. Cap. Dritter Abschnitt. aus der obern Nagelfluhmasse. ES ist nur ein Steinkern in sandigem Mergel, oder sehr feinkörniger Molasse, ohne Spur von Schale, das Schloß ist abgebrochen. Die Länge des Bruchstücks beträgt WO, die größte Breite 160, die Dicke 110 . Die Form stimmt übrigens mit derjenigen der vorigen Art gut überein, so viel daran noch erkennbar ist; sie ist schaufelförmig ziemlich stark seitwärts gebogen. 59 . Mit keiner der vorigen Austerarten übereinstimmend/ Der äussere Umriß, ist oval, gegen das Schloß zu in eine Spitze von 60 ° auölaufend; der obere Rand kreisförmig gerundet; die untere Schale nicht sehr dick, aus Blättern gebildet; die obere Schale, gegen die Mitte etwas eoncav, endet stch über dem Canal in einen dreyftitigen, ebenen, der Länge nach gestreiften, schief aufstehenden Abschnitt; der Canal ist nicht sehr lang, in die Quere gekerbt, mit feinen Längeftreifen, feine Seitenwände find oben gerundet, und laufen gegen die Spitze unter einem Winkel von 4o° zusammen. L. 165, Br. 119, Dicke der untern Schale 35 , Länge des Canals 26, größte Breite desselben 21 . — Von Hütligen. ht 19 . 60 . In Form und Größe der 0 . undulata Sow. t, 238 sehr nahe kommend, nur sind die Runzeln auf der Aussenseite der untern Schale in größerer Anzahl und kaum halb so breit, auch ist diese Schale mehr eoncav, besonders zunächst unter dem Canal, wo sich eine Art Kessel befindet; die obere Schale flach und fast kreisrund. — Von Gerzenfee. gz 12 . 61. Der 0. flabellula Sow. t. 253 sehr ähnlich, wenn nicht dieser Art wirklich angehörend, die etwas beschädigten Exemplare bp 81 und mehrere in der Meyerschen Sammlung lassen keine sichere Bestimmung zu; die Schalen sind alle ziemlich breit, auch am Schloß, an einigen bemerkt man noch die Falten der untern Schale. — Tennli, Hohburg, Jmi. 62. Kleine Auster mit sehr unebener, stark in die Quere 331 Ueberreste von Meerthieren. gerunzelter oberer und unterer Schale , jene flach , diese nur wenig gewölbt , mit schief abwärts gehendem fchnabelförmi- gem Canal. L. 66/ Br. 45. Vom Tennli. di so. 63 . Oval/ von mittlerer Größe/ vorn regelmäßig gerundet/ die untere Schale/ die ich allein besitze/ platt/ aus dicht auf einander liegenden dünnen Blättern bestehend / die sich mitten in einen, vom Schloß bis an den obern Rand laufenden/ dicken Kamm erheben. Die obere Schale war/ dem noch vorhandenen Abdruck zufolge/ flach. L. 91/ Br. 69. Von Hohburg. bp 73. Natica. 64. N. canrena. Immer nur als Steinkern/ nicht ganz selten. Die Richtigkeit der Bestimmung ist kaum zu bezweifeln/ doch habe ich sie nie ganz von der Größe geftmden/ die sie sonst erreichen soll/ die größten von 30 Durchmesser, di 49 / bp 29. 65. N. glaucina. Ein Steinkern in der Meyerschen Sammlung scheint seiner Größe und der flachen Spitze wegen dieser Art anzugehören/ die unterste Windung/ von 36 Durchmesser/ ist im Verhältniß beträchtlich größer alö bey der vorigen Art. — Tennli. 66. In Form und Größe fast^gan; mit Helix arbu- stornm übereinstimmend/ aber die Windungen bilden nicht eine gerundete Kuppe / sondern stehen Treppen ähnlich eine aus der andern hervor. Durchm. der untersten 17. Von Hohburg. bp 30. Trochus. 67. T. zizyphinus. Steinkerne/ zum Theil noch mit Lappen der Schale bekleidet/ ungefähr acht feine Querringe auf den Windungen tragend/ deren Spuren man noch deutlich bemerken kann/ die Basis etwas concav/ der Mund scheint gerundet gewesen zu seyn. Richt ganz selten/ besonders im 332 IV. Cap. Drittter Abschnitt. Tennli / auch zu Aeppeacker. Höhe 21 , Durchmesser 2 7. — di 44/ 45. 68. Sehr flach/ mit bauchigen Windungen und schwachen Spuren einzelner Ringe. Höhe 9, Durchm. 23/ Höhe der untersten Windung 7. -- Weinhalde. Meyersche Samml. 69. Etwas erhabener als der vorige/ aber immer noch flach/ mit ziemlich ebenen Windungen und wenig bemerkbaren Einschnitten/ die Seite des Kegels ist etwas eonvex, der untere Rand scharf. Spuren von Ringen. Die Schale zum Theil noch erhalten. Höhe 10 / mittlerer Durchm. 24/ er ist wahrscheinlich durch Quetschung etwas elliptisch. — Ebendaher. Meyersche Sammlung. 70. Conisch zulaufend/ sehr flach / mit kaum bemerkbaren Einschnitten. Die Windungen nur sehr wenig eonvex/ fein gegittert/ die Ringe kaum sichtbar/ die Längestreifen abwechselnd feiner und gröber/ und zweymal auf jeder Windung unterbrochen , so daß sie drey Ringe etwas länglichter Wärzchen bilden. Die Axe ziemlich schief stehend. Die Grundfläche schwach elliptisch. Größter Durchmesser 16/ Höhe 5. Ebendaher, di 83. — Wahrscheinlich der Gattung Calyptraa angehörend. Turritella. 71 . T. terebra. Oft in großer Menge/ mit der folgen- . den Art sgemengt. Immer nur als Abdruck, auf dem sich indeß die feinen Reife deutlich erkennen lassen. Meistens von der Größe der Abbildung in Brocchi tav. vi, f. 8, doch findet man auch bedeutend größere, so oa 4s, dessen unterste Windung 29 Durchm. hat. ^2, Turbo triplicatus Br. Ebenfalls sehr häufig / mit deutlich ausgedrückten drey Reifen/ die Größe ist sehr verschieden/ und, wie bey allen Arten dieser Gattung/ schwer zu beurtheile«/ weil man fast immer nur verstümmelte Exemplare erhält. Mein größtes Exemplar di 33 hat gerade die 333 Ueberreste von Meerthieren. Dimensionen der Figur in Brocchi t. VI. £ 14 . Vielleicht gehören einige dieser Abdrücke auch den verwandten Arten/ vermicularis und lricarinatus an. 73. Ganz ähnlich der T. conoidea Sow. t. 51, £ 4, vielleicht Turbo marginalis Br. tav. VI/ f. 20. Man sieht keine Spur von Ringen mehr/ die Windungen ganz siach. Vom Tennli. di 51, 74. Turbo subangulatus Brocchi tav. VI. 16. Sehr gut übereinstimmend/ der mittlere Ring am deutlichsten/ ausserdem zwey oben und zwey unten. Die Länge mag 55 betragen haben. Die Schale ist/ eine seltne Erscheinung in dieser Gruppe/ in Kalkspath verwandelt. Von Hohburg. dp 80 . 75. Daß noch bedeutend größere Arten sich gefunden habe»/ beweist ein schraubenförmiger Steinkern/ von der Größe des in Sow. t. 39 abgebildeten / dessen untere Windung, die vielleicht nicht die letzte war, 30 Durchm. hat. Vom Tennli, in der MeiSnerschen Samml. Cerithium. 76. C. lima Brug. Murex scaber Brocclii tav. IX. k- 17. Mit noch erhaltener / morscher Schale und meistens zerquetscht. L. 10 . — Nur an der Weinhalde, im Mergel. üi 85. Cancellaria. 77. Hat Form und Größe von Voluta cassidea Brocchi ta ^. III. f. 13 . Man bemerkt deutliche Spuren von Länge- rippen und feinen Querringen. Die Spitze muß etwas mehr hervorgeragt und mehr Windungen gehabt haben. Steinkern r»n der Weinhalde, in der Samml. von Hrn. Mouffon. Murex. ^8, M. rugosus Park.-Sow. t. 34. Steinkerne von rbendgher. Die Querstreifen sind nicht mehr zu sehn, aber 33-4 IV. Cap. Dritter Abschnitt. die Form und die Längerippen stimmen ganz übereiN/ nur scheinen diese in der Nähe des obern Randes der Windungen etwas erhöht gewesen zu seyn/ was in jener Abbildung nicht der Fall ist. Eine gute Figur giebt Lang t. 34, f. 2 und 3. di 94"UNd 9a. 79. M. rainax Brander. Sow. t. 229 f. 2. Steinkern mit allen Windungen und dem Anfang deö Schwanzes. An der Stelle/ wo die Spitzen stunde«/ deutliche Warzen und Erhöhungen. Von der Basis der untersten Windung bis auf die Spitze 35 , Durchm. der untersten Windung 39. Vom Tennli. MeiSn. Samml. 80. Von der Form desM. striatulus, Ann. du Mus. pl. III. f. 5; man bemerkt aber an der untersten Windung/ ungefähr in der Mitte/ deutliche Spuren zweyer erhöhter Querringe/ die obern Windungen eben/ thurmähnlich. Vielleicht der Gattung Pleurotoma oder Pusus angehörend. L. 30. Steinkern von der Weinhalde / in der Sammlung von Hrn. Mousson. Buccinum. 81. B. corrugatum Brocchi t. XV. f. 16. Nur Abdruck , aber m allen noch erkennbaren Charaktere«/ der Form, den Längerippen und Querstreifen dieser Art angehörend. — Wahrscheinliche Länge der ganzen Schnecke 16. Vom Tennli. di 55. 82. Hat ganz die Form einer Pyramidella, mit stachen Windungen und wenig bemerkbaren Einschnitten. Die Windungen stehen sehr schief auf der Axe. L. der fünf Windungen 36 / Durchm. der untersten 14, — Weinhalde. 93. 83. In Form und Größe der vorigen Am ähnlich/ es sind aber etwa zwey Windungen mehr gewesen/ und dieselben waren mehr bauchig/ so daß die Einschnitte sehr deutlich sind/ auch ist die unterste Windung im Verhältniß zu den übrigen etwas höher. Wahrscheinliche L. 40/ Durchm. der untersten Windung — Von Hohburg. bp 86. Ueherreste von Meerthieren. 335 Mitra. 84. Hat viel Ähnlichkeit mit iVIut ex initi'Lelcii'iniZ ' Lroeebi tav. VIII. k. 20 / mir stehn die Windungen etwas weniger schief auf der Axe. Der Mund ist sehr beschädigt. Steinkcrn in der Meyerschen Sammlung. Unsere Sammlungen enthalten noch mehrere Bruchstücke von Steinkernen? die dieser und den vorigen Gattungen angehört haben möge»/ ich finde es aber unnöthig/ sie alle hier anzuführen/ da fich von den meisten kaum die Gattung errathen läßt. Die einschaligen Conchylien gehören/ mit Ausnahme der Turritellen/ in den Molasselagern unserer Gegenden zu den Seltenheiten. Ueberreste von Fischen. Kleine Fischzähne/ besonders von sg. canicula und cor- nubicus/ findet man in allen Petrefaetenlagern dieser Gruppe/ und oft auch in Molaffefelsen/ die weiter keine Spur von fossilen Körpern enthalten. Sie scheinen/ wie die Braunkohletrümmer/ ein constanter Begleiter dieser Gebirgsart; doch habe ich ste immer nur in der gemeinen und lockern Molasse und nie in den zunächst den Alpen liegenden Abänderungen gefunden; auch steht man ste niemals/ selbst in den Petrefaetenlagern/ in so großer Menge/ wie im Muschelsandstein / und unsere Sammlungen/ obschon wir den Längen- berg/ Belpberg und Münfingen weit öfters und fleißiger/ als die Hügel im Seeland besucht habe»/ können von jeder Stelle nur einzelne Exemplare ausweisen. Noch seltner/ und dem Anschein nach auf die Petre- facrenlager beschränkt/ find die Bufoniten und prismatischen Gaumenstücke (Myliodonten). Wir haben kleine Bufoniten/ rund/ von höchstens 5 Durchmesser/ oder elliptisch/ glatt/ schwarz oder grauschwarz / bey'm Tennli / am Sagibach / bey Obermuhleren und Aeppeacker gefunden. Ein Ganmenstück voin Tennli di 81 / ist eines der schönsten / das mir noch vor- 336 IV. Cap. Dritter Abschnitt. gekommen: die Oberfläche ist ein langes/ regelmäßiges Sechs- «. eck von 35 L./ 7 Br./ die langen Seitenflächen von 4 Höhe sind stark gefurcht/ die Basis von höchstens i Höhe steht schief, an der einen der langen Seiten einwärts/ an der andern etwas vorwärts , so daß sie an dieser einen Absatz bildet. 2. Topographischer Theil. Das Vorkommen der Petrefacten in der subalpinischen Gruppe bietet uns mehrere Eigenthümlichkeiten dar/ deren nähere Erörterung uns wichtige Aufschlüsse über die Geologie unsers Landes verspricht. Die Anbrüche der Muschellager/ die im Camon Bern auf einen Raum von ungefähr vier Bernstunden größten Durchmessers zusammengedrängt sind/ liegen im Allgemeinen in so verschiedenen Riveaup/ daß/ bey einer nur fluchtigen Ansicht/ irgend ein Zusammenhang zwischen ihnen unmöglich scheint/ und doch zeigt sich wieder in der Steinart und in den Petrefacten selbst zu große Uebereinstimmung , als daß man es geradezu aufgeben dürfte/ diesen Zusammenhang aufzusuchen. Die Vergleichung der Höhedifferenzen unter sich und mit denjenigen , die aus der Schichtenneigung der ganzen Gruppe entspringe»/ muß uns nothwendig über das Verhältniß der organischen Petrefaeten-Formation zu der Molassebildung Aufschlüsse geben/ nach denen wir uns bis jetzt/ in der Untersuchung der isolirten Süßwasserlager und des bestimmt als jüngstes Glied der Molasse erscheinenden Muschelsandfteins/ vergebens umgesehn haben. Es wird zugleich diese genauere Behandlung uns über einen Zweifel aufklären/ den ich schon in der Einleitung zu diesem Capitel berührt/ und dessen Entscheidung auf die allgemeinen Resultate unserer Forschung den größten Einfluß haben muß/ den Zweifel nämlich/ ob die Muschelbänke / die wir in verschiedenen Höhen an den Abhängen der 337 Ueberreste von Meerthieren. der Hügel finden/ dieselben wirklich durchzieh»/ und also älter seyen/ als alle hohem Lager/ oder ob wir fie nicht vielmehr als die Spuren alter Ufer zu betrachten haben / denen nur bis auf eine geringe Tiefe Petrefaeten beygemengt seyen. Eine Erscheinung/ zu der wir im Muschelsandstein nur eine schwache und dazu noch sehr zweifelhafte Analogie fin- den/ giebt jener Untersuchung noch ganz besonderes Interesse. An derselben Felswand zeigen sich oft mehrere Lager/ die Petrefaeten enthalten, über einander/ abwechselnd mit oft beträchtlich dicken Lagerfolgen von Molasse/ in der man keine Spur von organischen Ucberresten entdeckt. Diese Petrefae- tenlager unterscheiden fich zwar von einander/ theils durch die Steinart , theils durch eine verschiedene Vertheilung der Conchylien/ nicht aber durch Verschiedenheit der Conchylien selbst; eö find nämlich wohl in dem einen Lager z. B. Pa- nopäen/ in einem andern Peetiniten, in einem dritten Tur- i titelten vorherrschend, aber die andern Gattungen fehlen des- wegen selten ganz / und die nämliche Art, die in einem der obersten Lager vorherrschend war, zeigt fich oft wieder in bedeutender Menge in einem der tiefsten, während die Zwischenlager sie nur als Seltenheit/ oder gar nicht enthalten. Bey der höchst unvollkommenen Beschaffenheit unserer fossilen Conchylien kann man freylich die Identität der Arten, auch bey der größten Uebereinstimmung der Steinkerne, nie ganz verbürgen; wenn sich indeß diese Uebereinstimmung auf mehrere Formen zugleich erstreckt, so darf man doch kaum an der wirklichen Identität, wenigstens einiger derselben zweifeln. Die allmählige Verwandlung der Thierwelt mit der Höhe , die Hr. Cuvier und Brongniart in den verschiedenen Lagern des Pariftrkalkö nachgewiesen, scheint demnach der Melasse fremd zu seyn, und man möchte vielleicht auch dieser Anomalie wegen fich zu der Ansicht geneigt fühlen, die jene 'n verschiedener Höhe über einander liegenden Anbrüche nicht das Ausgehende eben so vieler, den Berg durchziehender 22 338 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Petrefaetenschichten/ sondern nur als oberflächliche/ gleichzeitige Lagerstätten betrachtet/ welche von den verschiedenen Gattungen und Arten / je nach der ihrer Individualität am beßten zusagenden Tiefe unter dem Wasserspiegel/ oder je nach der Steinart ausgewählt worden wären. Im genauesten Zusammenhang mit dieser Untersuchung' steht diejenige^ ob die Stellen/ welche die Ueberreste von Meerthieren enthalten / wirklich ihr Wohnplatz gewesen seyen/ oder ob Strömungen sie , aus unbekannter Ferne , daselbst angehäuft haben. Die Verhältnisse im Muschelsandstein schienen uns mehr der letztern Annahme günstig / in der subalpi- nischen Gruppe.möchte dagegen/ schon nachdem/ was bisher darüber angeführt worden/ leicht die erstere das Uebergewicht erhalten. Nur genaue Localkenntniß kann unö in Stand setzen/ über diese wichtigen Fragen ein bestimmtes Urtheil zu fällen/ und ich glaube daher in diesem Abschnitt wieder zu der frühern topographischen Methode zurückkehren zu sollen. Es wird dieß nähere Eintreten in alle loealen Verschiedenheiten des Bodens zugleich den Vortheil gewähren/ die allgemeinen Sätze/ die wir im vorigen Capitel über die geognostische Beschaffenheit der Molasse-Formation aufgestellt haben/ durch conerete Beyspiele erläutern und fester begründen zu können. Rechtes Aarufer zwischen Thun und Bern. £>'e r Lochender,;. Grüner '2) beschreibt diesen Fundort der großen Auster mit ziemlich viel Detail / nach ihm auch Hr. Ebel und andere Schriftsteller. An der Westseite des Lochenbergs zieht sich/ 2AS mm 93 ) n ) Helvetien in der alten Welt / S. 66 . ,j ) Mittel zwischen 240,8 und 249 / 6 . 339 Ueberreste von Meerthieren. über Belp / ein bey 2 m hohes AelSbord bis über das Dorf Hütligen hinaus. ES besteht aus einer harren Nagelfluh mit vorherrschendem/ sehr grobkörnigem/ graulichweißem Sandsteinbindmittel. Die Gerölle von Nuß - und Eyergrösse stnd wenig mannigfaltig / größtentheils Quarz - und Kieselarten / von weißen/ grauen und gelblichen Farben. Das Bindmittel bildet für stch untergeordnete/ fchiefrige Lager. Das Felsbord scheint horizontal fortzusetzen / aber die Schich- tungSabsonderungen fallen mit 10 — 25 0 unregelmäßig nach Norden / in Uebereinstimmung mit dem allgemeinen Fallen dieser Gegend. In dieser Nagelfluh stnd einzelne Bruchstücke der dicken Austern/ 0 . Luassissimu und 6 anuc!eQ 3 is / ohne stchtbare Veränderung der Schalsubstanz/ eingewachsen/ seltner auch ganze Austern; ste scheinen zu der GebirgSart im gleichen Verhältnisse zu stehe»/ wie die verkütteten Geschiebe. Etwas nördlicher soll in einem Walde ein Lettenlager zu Tage gehe«/ in welchem eine zahllose Menge ganzer/ aber äußerst mürber Austern liegen. Ich habe die Stelle nicht selbst besucht/ glaube aber in der Beschreibung/ die man mir davon macht/ die Austerbank von Grüner wieder zu erkennen. Ungeacht häufiger Besuche dieser Gegend war eS mir nie gelungen diese Stelle/von der ich erst diesen Winker Kenntniß erhielt/ aufzufinden , und ich vermuthete daher/ das Lagervon Grüner sey in Folge der seitherigen Ausdehnung des Ackerbaues überdeckt worden. Unsere Sammlungen enthalten mehrere vorzüglich schöne Auster» / meistens 0 . Canadensis/ die früher hier find auö- gegraben worden/ von andern Gattungen aber keine Spur. Bertrand 94 ) führt indessen auch Muöculiten und Tellini- ^n an. Etwa unter dem Felvbord, an seinem nördlichen ^lde/ wird durch einen kleinen Steinbruch eine ziemlich J ßeilrand, usage des Mont. 22 * 34o IV. Cap. Dritter Abschnitt. lockere Molasse emblöSt/ deren in der Tiefe mächtige/ unter der Dammerde aber schiefrige Schichten ebenfalls schwach nördlich fallen. Noch tiefer ragt aus dem Abhang ein dem obern ähnliches/ aber weniger ausgedehntes Nagelfluhlager hervor / das auch Bruchstücke von dicken Austern enthält. In der Tiefe von ungefähr 30 m unter dem obern Felöbord ist wieder Molasse anstehend/ deren Schichten horizontal scheinen. An der Ostseite deö Lochenbergö/ am Saum des Waldes über der Wolfsmatt / 228--- über Belp/ findet man die Nagelfluh von Hütligen und ihr Bindmittel in breiten Tafeln anstehend/ die mit ungefähr 10° nördlich fallen. Die Bruchstücke von Austerschalen fehlen nicht in derselben. Unmittelbar unter diesen grobkörnigen Sandsteimafeln folgt ein bey 3 m mächtiges Letten- oder Mergellager/ das eine so ungeheure Menge theils ganzer Austern/ theils einzelner Schalen/ auch 0. Canadensis meistens/ einschließt/ daß der Mergel fast verdrängt wird. Die Schalsubftanz ist so mürbe/ daß eö beynahe unmöglich ist ganze Exemplare zu erhalten; nach einiger Zeit erhält fie indeß an der freyen Luft eine sehr große Festigkeit/ wie dieß / nach Grüner / mit den Austern von Hütligen -auch der Fall war. Grüner nimmt an/ daß die Austern stch hier noch an ihrem ursprünglichen Wohnplatz befinden / und sucht dieß aus der großen Menge derselben/ aus ihrer auffallend guten Erhaltung/ aus dem/ wie auch er fand/ gänzlichen Mangel andrer Meergefchöpfe in dem Lager, und endlich aus den dieser Gattung vollkommen angemessenen Ortsverhältnissen zu beweisen. ES scheint mir in der That diese Annahme / sofern man ste nämlich auf die Austern in dem Mergellager beschränkt / kaum einem Zweifel unterworfen zu seyn. Wenn aber Grüner auf derselben Seite es wahrscheinlich findet/ daß die Austern, wie in den heutigen Meeren/ stch ihre Wohnstäue unter dem hervorragenden Felöriffe ausgewählt Ueberreste von Meerthieren. 3-ii hätten, und doch zugleich ein Durchsetzen des Lagers durch den ganzen Berg annimmt, so steht er offenbar mit fich selbst im Widerspruch, da das Nagelfluhlager auf diese Art vor der Ansiedlung der Austern in der Luft geschwebt haben müßte. Aus dem Vorkommen der Austerbank an beyden em- gegengesetzten Abhängen des Hügels läßt stch übrigens keines- wegS noch ein Durchsetzen derselben folgern, die Austern konnten fich, an dem einen Orte so gut wie an dem andern, unter dem vorhängenden, von den Fluchen unterwaschnen FelS angelagert haben; eben so wenig hängt aber auch die Annahme, daß diese Thiere wirklich hier gelebt und in vielen Generationen fich fortgepflanzt haben, in nothwendigem Zusammenhang mit der Präexisten; dieser Felsriffe, da ja, wie bekannt, die Austern eben so häufig auf Sand - und Lehmgrund , fondi fangosi 95 ) , als auf Felsen wohnen. Nicht unbemerkt darf bleiben, daß das Vorkommen von Austerschalen mitten in der Nagelfluh stch wohl eher mit einer frühern Entstehung des Aufternlagers, als mit GrunerS Hypothese vertragen möchte; aber auch dieses Argument ist nicht entscheidend, und die Verhältnisse an dieser einzelnen Stelle können überhaupt nur in Verbindung mit der Ge--> sammtheit der Petrefactenlager dieser Gegend richtig beurtheilt werden. Steinbruch an der Weinhalde. Am westlichen Abhang des Ballenbühl, oberhalb Tä- gertschi, 139™ über Belp 96 ). — Der verlassene kleine Steinbruch hat den Berg bis auf ungefähr 3 m aufgeschlossen, bey etwa 8 « Höhe. Die untersten Schichten bestehen aus schiefriger, blauer und grünlichgrauer, fester, feinkörniger Molasse, horizontal liegend; in i m Höhe vom Boden folgt eine 2 -» mächtige, Olivi, Zool. Adriat., p. 121. 9ö ) Mittel zwischen 135,5, i4o,7, 142,5. 342 IV. Cap. Dritter Abschnitt. bläuliche, dem dichten Kalk sich nähernde feste Molasseschicht; auf diese bey 4 m hoch schiefriger Mergel. Die untersten Molasseschichten enthalten nur sehr sparsam Bruchstücke dicker Austern, ganze Austern und andere Conchylien habe ich nicht bemerkt; in dem Mergel hingegen findet man eine große Menge, meistens Steinkerne, der mannigfaltigsten Gattungen. Das intressanteste Lager bildet aber gleich über diesem Mergel ein sehr feiner und weicher Mergel, 5 m mächtig, am nördlichen Ende des Bruchs sich nach unten zu ausbreitend und nördlich fallend, auf Unkosten der tiefern Schichten, die jedoch hier auch abwärts gebogen sind; die Farbe des Mergels ist hellgrau in's Bräunliche, zum Theil blau gefleckt, und auf den krumm - und kleinschiefrigen Absonderungen glänzen viele mikroskopische, weiße Glimmerpünktchen; er zerfällt leicht in unregelmäßig polyedrische Stücke, deren Flächen einen schwärzlichen Anflug tragen. In dieser Schicht liegen die meisten dicken Austern, 0. Canad. , u. a. stqmmt das früher (57) beschriebene Stück .daher, ausserdem 'aber, meist in eigenen dünnen Streifen angehäuft, und fast immer ! mit noch erhaltener, in einen feinen, mehlichten Staub ver- ! .wandelter Schale, eine große Mannigfaltigkeit andrer Gat- | tungen, die man zum Theil an den übrigen Fundorten selten oder gar nicht antrifft, z. B. Modiola elegans und litho- phaga, der Mytilus (48), die Trochus (68 — 70), die 1 Cerithien (76) Murex rugosus, die Bueciniten ( 82 ) u. a. m.; mitten in diesem Lager und zum Theil mitten in Petre- factenftreifen finden sich auch die Weideblätter ähnlichen braunen Abdrücke, so wie überhaupt Spuren von Vegetabilien. Höher folgt wieder schiefrige, dem Mergel genäherte Molasse, in der auch große Austern und Steinkerne, aber in geringerer Menge, vorkommen, in einer Mächtigkeit von i m , d. h. bis an die obere Grenze des Bruchs. An mehrern Stellen wittert, sowohl in den untern, als in den obern Schichten, Bittersalz auS, 343 Mberreste von Meerthieren. Wie schon erwähnt worden / liegen die Schichten im Bruch selbst horizontal/ und biegen sich nur am nördlichen Ende plötzlich der Tiefe zu; am südlichen Ende.bemerkt man keine Störung / aber in einem kleinern, etwas höher und südlicher liegenden Bruch findet man grobkörnige harte Molasse mit einzelnen Kieselgeröllen , und großen/ .theils ganze«/ theils zerbrochnen Auster«/ in schwach südlich fallenden Schichten. Die Auflagerung dieser Molassenagelflnh auf den Mergel/ in dem fich die großen Austern finden/ erinnert unwtllkührlich an die Verhältnisse am Lochenberg. Daß der Mergel der .Weinhalde sehr viele Muschel- und Schneckenarten/ derjenige des LochenbergS aber nur Austern enthält/ darf nicht eben befremde«/ und beweist keineswegs die Verschiedenheit beyder Lager/ da fich in unsern Meeren ähnliche Abweichungen wohl häufig finden mögen. T e „ n I i. Ganz nahe am Steinbruch der Weinhalde/ etwas nördlicher und höher/ findet man die Straße/ die von Hurselleu her gegen den Hof Tennli und nach Münfingen führt; fie ist tief in den/Abhang eingeschnitten / und steigt vom Tennli gegen Mittag ziemlich stark an. Am obern Ende dieses Hohlwegs/ wo fich derselbe mehr östlich/ Hursellen zu/ wendet/ bricht ein harter/ grobkörniger Sandstein in dicken und großen Tafeln/ baumnußgroße Gerölle von Quarz und Urgebirgö- anen/ Bruchstücke dicker Austern/ und/i.in nicht großer Menge/ theils Steinkerne/ theils Schalen von BenuS/ ^ar- dien/ Peetiniten enthaltend/ so fest mit dem Stein zusammenhängend/ daß es kamt möglich ist/ freye Exemplare zu schlagen. Die Schichten fallen ziemlich stark südlich. Etwa 6 -° tiefer/ gegen das Tennli zu, i 43 m über Belp 27), schließt die lockere/ schiefrichte Molasse an den 97 ) Mittel zw. 142 / 7 / 143 , 0 , 142 / 0 . 344 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Wänden des Hohlwegs eine große Menge Steinkerne, seltner ' noch erhaltne Schalen sehr mannigfaltiger Conchylien ein. k Sie liegen familienweise bey einander/ hier Solen vagina ; NNd legumen , dort Cai’dium eduiinum NNd andre Arten / an > einer dritten Stelle Turritellen u. s. w. / auch die verschiedenen Venusarten sind sehr häufig / und von jeder Art findet man Individuen von allen Altern. Wenn man das Lager 1 tiefer angräbt , so überzeugt man sich indeß bald / daß die lockere Beschaffenheit desselben nicht die ursprüngliche / oder i wenigstens nicht die ausschließliche sey; denn nach kurzem j Graben stößt man/ besonders nach unten zu/ auf einen sehr ! feste«/ blauen / sandigen Mergel/ in dem die Petrefacten in . größter Menge angehäuft sind; hier meistens noch mit dem mehlichten Ueberreste der verwitterten Schale/ der aber oft in der Hülle des PetrefactS fitzen bleibt/ so daß man nur den Steinkern erhält; häufig auch zerquetscht/ als ob sie in erweichtem Zustande einen starken Druck erlitten hätten. Wie zu St. Martin scheint die größte Menge der Petre- faeten/ besonders die mit noch erhaltener mehlichter Schale/ in festen Mergelknaüern/ die frey in der Molaffe liege«/ zusammengedrängt. Die zrveyschaligen Conchylien find/ wie überhaupt in der ganzen Gruppe/ sehr vorherrschend/ sowohl nach der Anzahl verschiedener Arten/ als nach der Menge der Individuen; nur die Turritellen/ 1. terebra und triplicata/ find nester- und schichtenweift/ oft in zahllosen Haufen zusammengedrängt. Nicht ganz selten/ aber nur einzeln/ findet man Trochus zizyphinus und Natica canrena. Mter den Muscheln sind Venus/ vorzüglich V. Islandioa/ papilionacea und verwandte Arten / Cardien/ 6. edulinum/ und Peeten / P. medius , besonders häufig / aber auch andere Gattungen zeigen sich in großer Menge und Mannigfaltigkeit/ und unsre ' Sammlungen haben sich von hier aus vielleicht mehr/ als von keinem andern Fundorte her/ bereichert. Ueberreste von Meerthieren. 345 In den lockern, sündigern Perrefactenlagern, sowohl hier, alS im Längenberg zu Aeppeacker, findet man nicht selten Körperformen, die vielleicht auch organischen Ursprungs sind, aber zu wenig charakterisirt, als daß an eine nähere Bestimmung zu denken wäre. Die einen sehen Knochenfragmenten, oder dicken Corallen ähnlich; es sind elliptische Cylinder von ungefähr 5 Centim. im gröstern Durchmesser, am einen Ende zuweilen mehr angeschwollen, wie Köpfe von Schenkelknochen, oder wie Corallen, die sich verästeln wollen. Die andern sind platte Cylinder von etwa 2 Centim. Durchm., sehr getrennte, etwas elliptische Windungen bildend, von denen man aber gewöhnlich nur Bruchstücke erhalten kann, am einen Ende sich geradlinicht in einem Knorpel endigend; eS, ist vielleicht eine große Serpula. — Die Steinkerne find nur wenig fester als die umschließende Molasse. — Auch in dem Muschelberg zu St. Gallen kommen diese Gestalten vor. Die Petrefacten finden sich längs dem Wege auf einer Länge von ungefähr i5 ra , und ihr Lager, wenn es nicht mehrere sind, mag bey 4 m Dicke haben. Seine Grundlage ist ein gelblichgrauer, sandiger Mergel, der gegen das Tennli zu bald von Vegetation bedeckt wird, und keine Spur von HPeirefaeten enthält. Das Fallen ist sehr regelmäßig, schwach nördlich, und das starke südliche Fallen der obern, harten Nagelfluhlager scheint demnach nur local und ähnlicher Art, wie dasjenige der Muschelnagelfluh und zum Theil deS Mu- schelsandsteinö selbst, das wir in nahe liegenden Steinbrüchen, und wohl gar im nämlichen Steinbruch eben so unregelmäßig gefunden haben. Obschon die große Auster hier zu fehlen scheint, so deutet doch einerseits die wenig verschiedene , andrerseits die Nagelfluhbedeckung auf einen sehr nahen Zusammenhang mit dem Lager der Weinhalde, und dieses scheint zwischen dem nur Austern enthaltenden Lochenberg- und dem austernleeren 346 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Tennlilager den Uebergang zu bilden. Hiemit will ich nicht eben behaupten, daß die Lager an der Weinhalde wirklich dieselben seyen, die im Hohlweg zu Tage gehen; die Höhedifferenz, obschon nur von 4™, zeigt sich als Ueberschuß gerade an der Stelle, wo man, zufolge dem nördlichen Fallen, das Lager eher tiefer erwarten sollte; auch ist die Verschiedenheit der Steinart und der charakteristischen Petrefaeten für die geringe Entfernung beyder Stellen sehr bedeutend. Wir werden aber später sehen- daß das Lager, das wir am Lochenberg aufgefunden, und im Verfolg nach den ihm eigenthümlichen dicken Austern das Austern lag er nennen wollen, oft eine sehr beträchtliche Mächtigkeit erreicht, und in vielen Fällen eher als eine Folge mehrerer Lager betrachtet werden muß; es wäre daher leicht möglich', daß wir.an den drey bisher beschriebenen Stellen diese Lagerfolge in verschiedenen Distanzen von ihrer obern und untern Grenze kennen gelernt hätten, und daß die Abweichungen zwischen denselben mehr diesen vertikalen, als den horizontalen Entfernungen beyzumessen wären. Andere Stellen, an denen sich Petrefaeten gefunden hätten, sind mir am rechten Aarufer zwischen Thun und Bern nicht bekannt, und auch weiter östlich weis, ich von keinem >5 Fundort, das dieser Gruppe angehörte, bis ganz in die Nähe der Stadt Luzern. Die Molasse- und Nagelfiuhgebirge des Emmenthals und Entlebuchs, die breiten Thunergebirge, die ihre ganzen Profile entblößenden hohen Rücken der Lochseite und Bäuchlen scheinen leer von allen Ueberresten der frühern Thierwelt. Ein Peetinit, vielleicht?. weZ1u5, ist m einem Steinbruch gefunden worden, der bey Märchligen, nahe bey Muri, ganz am Ufer der Aare liegt, und bey hohem Wasser wohl von der Aare bespült werden mag. Die Stelle ist, als einer der tiefsten Punkte unserer Gegend, sehr intressant, und das 347 Ueberreste von Meerthieren. Vorkommen der nämlichen Petrefacten, die man in 100 bis 600 Meter höhern Schichten findet, würde ein Beweis mehr seyn, daß die Molasse in ihrer ganzen Mächtigkeit, so tief diese von den Gewässern dieser Gegend durchschnitten ist, derselben organischen Bildungöepoche angehöre. Ein solcher Schluß wäre indeß, ehe wir noch über das wahre Verhältniß der Petrefacten zur Molasse-Formation im Klaren find, und besonders auf ein so Wirtes und undeutliches Factum gegründet, zu voreilig. — Meine Bemühungen, mehr und andre Petrefacten in diesem Steinbruch zu finden, find fruchtlos gewesen. Eben so auch an einer ähnlichen Stelle, ganz nahe bey Bern, in einem verlassenen Steinbruch an der Aare,, unten an der nordwestlichen Ecke des Kirchenfeldes. Man soll hier früher Fischzähne, 8g. cornubicus und canicula, gefunden haben. Alö man vor einiger Zeit wieder Steine daselbst brach, sah ich auf den Absonderungen sehr viele bituminöse und ochrige Holztheile , ganz unbestimmbar und zusammengepreßt, aber keine Spur von Conchylten, oder Fischzähnen. Nicht besser ist es mir gelungen, die Stelle am südlichen Abhang des Bantiger, bey Höh surren, zu entdecken, wo, nach Grüner 9S ), die nämlichen dicken Austern vorkommen sollen, die man zu Hütligen findet. Auch Sprüngli, in dem Catalog zu seiner, nun dem hiefigen Museum einverleibten Sammlung, erwähnt dieses Fundortes; es ist in- deß auffallend, daß seine Sammlung auch nicht ein einziges Stück von da her enthält, obschon er fiebenzehn Jahre zu Stettlen, kaum eine halbe Stunde von Hohfurren entfernt, gelebt, und eben um diese Zeit dem Studium der Petrefacten 1 mit größtem Eifer obgelegen hatte. — Im höchsten Grade > Zweifelhaft endlich ist mir das ebenfalls von Grüner angeführte Vorkommen dieser Austern an Thal, westlich vom Stockhorn. - s ) Helv. in der a. Welk, S. S 3 . 348 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Der Belpberg. Man wird sich aus dem zweyten Capitel, in dem die geognoftische Struktur dieses merkwürdigen Hügels ausführlich beschrieben worden ist, erinnern, daß die Petrefactenlager ausschließlich der bey 100°* mächtigen Einlagerung von Molasse untergeordnet sind, welche bis an die obere Kante des Bergs reicht, und daselbst von Nagelfluh bedeckt und geschützt wird. Die häufigen Felsen und Tobel lassen uns hoffen, hier zu einer weit genauern und reichern Kenntniß der fossilen Conchyliologie und der verschiedenen Lagerverhältniffe zu gelangen, als dieß an den sanften Abhängen des rechten Aarufers der Fall seyn konnte. Westseite. Wenn man an der nordwestlichen Ecke von Belp her die gewöhnliche Straße nach Hohburg ansteigt, und die mittlere Nagelfluh unter sich gelassen hat, so findet man, etwas oberhalb der Ruine des alten Schlosses Belp, I 95 m über dem Thalboden, in einer kaum zwey Decim. mächtigen Schicht, die ersten Spuren von Petrefacten. Der Stein ist sehr grobkörnig, zum Theil selbst kleine Gerölle enthaltend, von vielem blauem Schieferthon unregelmäßig durchzogen; die Peibefacten erscheinen auf den Absonderungen meist als rostfarbene Steinkerne von Cardten, mit vielen nur wenig erhabenen Streifen, oder als zertrümmerte, selten ganze Schalen von kleinen Peeten, in geringer Menge und unbestimmbar. Die Steinart sowohl, als das Vorkommen der Perrefaeten erinnert an den Muschelsandstein. Höher an der Straße, 226" über Belp "), geht eine mächtigere Schicht zu Tage, voll mannigfaltiger Petrefacten mit weißem, mehlichtem Ueberreft der Schale. Die charak-. Mittel zwischen 222/5, 220/2/ 236/9. Ich halte die letzte Höhe für fehlerhaft, erlaube mir indeß nicht, sie zu verwerfen. 349 Ueberreste von Meerthieren. teristische Muschelart ist die Panopsca/ die zugleich mit den gewöhnlichen VenuSarteN/ V. Islandica/ Cliione/ papilio- nacea und Cardien vorherrscht. Die Stelle ist nicht günstig/ das Lager hier gehörig zu untersuche»/ wir werden es aber anderwärts als eines der merkwürdigsten der ganzen Gruppe kennen lerne»/ und vorläufig will ich es durch den Namen Panopäenlager näher bezeichnen. Die Steinart ist ein sandiger/ dunkelgrauer Mergel von bedeutender Festigkeit/ demjenigen im Hohlweg bey'm Tennli nicht unähnlich. ; Etwa 6 m höher/ also bey 232 m über Belp/ streift durch den Molasseschiefer/ der das Panopäenlager bedeckt/ ein dünnes Lager/ daS ausschließlich mit Steinkernen von Turri- tellen / T. terebra und triplicata / angefüllt ist. Endlich folgt/ nur wenig Meter höher/ die obere Nagelfluh/ die hier eine Mächtigkeit von mehr als 25°- erreicht/ und/ mir Ausnahme sparsam eingesprengter Bruchstücke dicker Austern/ keine Petrefacten enthält. Etwas mehr südlich findet man einen der großen Tobel / die trichterförmig / d. h. in der Höhe einen weiten Halbkreis bildend und mit steilen / nackten Wänden gegen die Tiefe zu sich verengend/ in die Abhänge eingeschnitten sind. Alle diese Tobel find der nähern Untersuchung der Petrefaetenlager vorzüglich günstig. Wenn man von unten her 'in diesen Tobel eindringt / so erblickt man zuerst die mittlere Nagelfiuhmasse/ gegen die Höhe zu mit Molasse wechselnd/ die zuletzt/ meist schiefrig Und treppenartig / allein herrscht. Es zeichnet sich darin eine dickere/ mehr hervortretende Schicht aus/ die längs der ganzen Rundung des Tobels eine Stufe bildet / und aus harter ! Molasse besteht. So erscheinen gewöhnlich in diesen Tobeln j die Petrefaetenlager/ die / durch den animalischen Kütt und die dicht gedrängten Steinkerne fester geworden/ den zer- - störenden Kräften länger« Widerstand entgegensetzen. Ich fand indeß nur sehr zweydeutige Spuren von Muschelüber- 350 IV. Cap. Dritter Abschnitt. reften. Die Höhe, nach derjenigen der obern Schicht geschätzt, mag 212-° betragen. Zu dieser kann man nur von der Seire her durch den Wald gelangen , denn die Wände des Tobelö werden nun zu steil, als daß man höher über den nackten Fels ansteigen könnte. Wie die untere, tritt ste als eine bey i m hohe, senkrecht abgeschnittene Stufe auö der stark geneigten Tobelwand heraus, und zieht sich rings an derselben herum. Die Stein- art ist dunkelgraner, fester Mergel, die Petrefacten, familienweise gruppirt, stnd die gewöhnlichen Venusarten, Pa- nopäen, Solen , Cardien, Pecten, Austern, 0 . eclutis, letztere mit wohl erhaltener Schale, die erster» zum Theil mit einem weißen, mehlichten Anstug, die meisten, auch als Steinkerne, mit scharfem Umriß, und die Muscheln fest geschlossen. ES ist das Panopäenlager, das hier wieder zu Tage geht, dafür zeugt auch die fast identische Höhe über Belp von 224 " 100 ). ,Vor einigen Jahren hatte ich, mehrere Meter höher, auch ein Tnrritellenlager gefunden, ganz demjenigen der Hohburgstraße entsprechend, aber seitherige Einstürze scheinen -eS wieder verdeckt zu haben. Vor kurzer Zeit noch war die Petrefactenschicht dieses wilden TobelS, in der Gegend die Muschelfluh geheissen, der einzige bekannte Fundort der Belpberger Versteinerungen. Wahrscheinlich stammen alle Stücke in unsern ältern Ca- bineten, und alle, die Grüner u. a. vom Belpberg emren, ausschließlich von da her. Die Grenzen des Lagers gegen die obere und untere Molasse stnd hier, wie fast überall, nicht scharf zu bestimmen, weil der aufgelockerte Sand die Absonderungen ganz verwischt. In der Mitte sind die Steinkerne so dicht gedrängt , daß sie an Masse den dazwischen liegenden Kütt wohl übertreffen mögen, aber nach oben und unten nimmt ihre 10 °) Mittel zwischen 216,3, 223,1, 230,0, 225,7, Ueberreste von Meerthieren. 35^ Menge nicht so plötzlich ab/ daß man nach ihrem Vorkom- wen die Lagergrenze auSmitteln könnte/.und oft findet man noch einzelne sporadisch zerstreute in einer Höhe, die man erst als ganz frey davon zu betrachten geneigt war. Die obere Nagelfluhmaffe zeigt sich hier ungefähr 6 ra über der Mufchclstuh / die Steilheit der Felswand erlaubt aber keine nähere Untersuchung derselben. Brauemere Standpunkte finden sich , wenn man den nahe liegenden großen Tobel besucht , noch mehr gegen Mittag zu. Je weiter man vordringt/ desto häufiger werden in dem untern Theile der Nagelfluh Bruchstücke von Schalen und ganze Muscheln/ und die Nagelfluh zerspaltet zugleich in mehrere Schichten/ zwischen welche Nester und Trümmer harter Molaffe eindringen/ und auch wohl zu beträchtlichen Einlagerungen anwachsen. Es läßt sich dieses obere Petrefaetenlager so weit südlich verfolgen/ als das Gestein entblößt ist/ aber der Zugang ist/ wegen dem dichten Gestrüpp und dem sumpfichten Boden/ sehr beschwerlich; auch wird der Felö oft von Tuff bedeckt, den die vielen, zwischen der Nagelfluh und der Molasse durchsinternden Wasser absetzen. • Die Höhe der untern Ablösung der Nagelfluh über Belp beträgt 239™. -- Nur am südlichsten Ende des Tobels tritt das Panopäenlager wieder an den Tag. Die Nagelfluh mit eingelagerter harter Molasse folgt schon 6 m höher / ist aber, bis auf wenige dicke Austerschalen / petrefaetenleer. Unterhalb dem Panopäen- lager ist der Fels bedeckt bis ganz in die Tiefe, wo die Na- Selfluh hohe Abstürze bildet. Die Höhe des Panopäenlagers über Belp beträgt hier 247-° "»). s st > e i t e. In weit größerer Ausdehnung noch als an der Westseite/ ist der Berg an der Ostseite/ oberhalb Oberaar/ 30r ) Mittel zwischen 244 , 9 / 248,9, 352 IV. Cap. Dritter Abschnitt. aufgerissen , aber die Steilheit der Felsen, besonders der oft lothrecht abfallendes mittlern und obern Nagelfluhmasse, fetzt hier der genauern Untersuchung neue Hindernisse entgegen. Wenn man von Hohburg aus die obere Fläche des Berges schief durchschneidet, so gelangt man, in der Nähe von Hofmatt, an das nördliche Ende dieser Felsen, und findet daselbst, an der obern Kante des Abhangs, die Austernagelfluh anstehend. Sie erscheint hier al§ grobkörnige, harre. Molasse mit zerstreut eingesprengten Geröllen, stellenweise auch als Nagelfluh, an andern Stellen ohne alle Gerölle. Die Austern, theils ganz, theils als Bruchstücke, find bald in Menge, dicht gedrängt, bald fehlen sie ganz. Nicht selten mengen sich auch Pectiniten, Cardien und andere Gattungen ein, meist mit noch unveränderter Schale, aber so fest von der Molaffe umschlossen, daß eö fast unmöglich ist, ganze Exemplare zu erhalten. — Die untere Ablösung dieses bey 8-° hohen Lagers von der gemeinen, zum Theil fchiefrigen Molasse liegt 229 ™ über Belp. Das Fallen ist schwach südlich. — Bey 5 m tiefer, also in 224 ™ Höhe, steht eine bey dicke Schicht etwas Mehr aus dem Abhang hervor, und enthält ebenfalls Petrefaeten, größtentheils Venus. Sie läßt sich aber, wegen dem Ueberzug von Tuff und Moosen, und dem schwierigen Zugang, nicht genauer untersuchen. — Wieder 5 m tiefer, in 21s 0 Höhe, folgt ein bey 2-» mächtiges Lager, wohl 1 ™ weit schirmdachähnlich hervorragend, und ganz voll Steinkerne von Panopäen, Venus ( 22 — 29 ), Tellinen (13 — 15), Pectenö, Archen (43 — 44) u. f. w., und unmittelbar unter demselben,, aber nicht mit hervor- ftehend, ein kaum über 1 Deeim. dickes Lager von weichem Sandmergel, das ausschließlich dicht gedrängte Venus, besonders (22) enthält, mit noch erhaltener, aber ganz meh- lichter Schale, die sich äußerst leicht von den Steinkernen ablöst , und meist an der Steinhülse haften bleibt. Die Steinart der vorstehenden lSchicht ist ein fester Sandmergel. Ani 353 Ueberreste von Meerthieren. Am südlichen Ende der Felsen findet man vollkommen ähnliche Verhältnisse: als Decke die mächtige Nagelfluh mit Austern/ dann/ in einem Abstand von etwa 5 m / eine vortretende Schicht/ und wieder 5™ tiefer eine dicke/ schirmdach- ähnliche Schicht/ unter welcher ebenfalls das weiche Lager mit Venuliten zum Vorschein kömmt. Man kann die vorstehenden Schichten in den halbkreisförmigen/ zum Theil i5o und mehr Meter im Durchmesser haltenden Tobeln längs dem ganzen Felöabhang verfolgen. Die Höhen find aber hier/ des südlichen Fassens wegen/ geringer; die mittlere Höhe der letzten hervortretenden Schicht beträgt i79 m . — In einem der frühern Jahre harte ich/ ungefähr I 2 m unter dieser Schicht/ noch ein Venulitenlager gesehen / dem obern ganz ähnlich/ und auch nicht hervorstehend; später aber konnte ich es/ ungeachtet ich/ bis auf die Nagelfluh hinunter/ in mehrern Tobeln Schicht für Schicht untersuchte/ nicht wieder auffinden. Bequemere Standpunkte zum Sammeln gewährt der noch weiter südlich liegende,- waldige Einschnitt des March- bachs/ in dessen tiefern Schluchten wir bereits wichtige Aufschlüsse über den Wechsel der Molasse und Nagelfluh gefunden haben. Von der obern Ablösung der mittlern Nagelfluh im Bachgrund aufwärts steigend/ findet man in einer Stuft/ ! 132 » über Belp "H, die ersten Petrefaeten. Der Stein ist I harte Molasse/ und die Petrefaeten, die als Steinkerne am i dichtesten in einem Lager von ungefähr 1 Decim. zusammen- i gedrängt find / gehören den Gattungen Panopäa/ Venus / Beeten / Cardium u. a. m. an. — Ueber die ebenen Schich- i ten des Molaffeschiefers steigt man, wie über eine Treppe/ > höher/ ohne eine Spur von Versteinerungen zu erblicke»/ dis man am Ende des Tobels durch den Anblick des pittoreS- ^ Mittel zwischen 123/3, 136,9/ 128,1/ 137,1, 135,3. ' ' 23 35-4 IV. Cap. Dritter Abschnitt. ken Hintergrundes überrascht wird. Eine nackte Felswand/ ein Amphitheater von wohl 4o m Durchmesser / schließt halbkreisförmig den tiefen Grund plötzlich ab; ihr oberer Theil bildet ein 4 m weit hervortretendes Schirmdach, von dessen Rand an der Fels , aus leicht verwitterndem Molasseschiefer bestehend/ mit gleichmäßiger Abdachung sich noch bey s ra hoch ; bis an die obere Waldung erhebt. Ueber diese steile Fläche weg stürzt das Wasser auf die untern Schutthalden. — Das so stark hervortretende Lager enthält in großer Menge Pa- nopäen/ Tellinen (13 — 15), VenuS/ Pectiniten (52)/ Car- - dien/ Archen (43 — 44), dicht gedrängt in einem festen/ in harte Molasse übergehenden Mergel, und die Steinkerne lassen sich aus der Diele des Vordachs/ das man hinter dem Wasserfall durch längs dem ganzen Umkreis verfolgen kann/ ziemlich leicht ablösen. Ungefähr 5 m unter derselbe»/ an der Hintern Wand der durch das Vordach gebildeten Gallerte/ findet man eine bey 2 Deeim. mächtige Lage dicht in einander gedrängter / runder Venus/ fast ohne andere Beymengung/ mit zum Theil noch erhaltenen, aber äußerst mürben Schalen, und leicht, aber gewöhnlich nur als Steinkerne aus dem weichen Sandmergel zu lösen. Zwischen dieser Schicht und dem Schirmdach enthält die Molasse nur wenig, oder keine Petrefacien. Die Höhe des VenulitenlagerS über Belp beträgt 159™ 103 ). — Am obern Rande des Schirmdachs, also 168'" über Belp, kommen unmittelbar unter der Dammerde wieder Petresaeten znm Vorschein, meist Steinkerne von VenuS und Cardien. Das Lager selbst ist verdeckt. An jeder der drey von unS besuchten Stellen, aber in verschiedene» Höhen, hat sich demnach das ausgezeichnete, stark vortretende Lager, in dem wir, nach seiner Entfernung ! von der obern Ragelfiuh, unser Panopäenlager wieder er- ! kennen, in Begleit eines nie über i m davon abstehenden Ve- ° 3 ) Mittel zwischen 161,9,155,1, 156,5/ 164,9. . Ueberreste von Meerthieren. 355 nulitenlagerS gefunden. Zwischen der Panopäenschicht und der Nagelfluh ist noch ein Petrefactenlager eingeschoben/ in der Tiefe zeigt sich / I2 m unter den Panopäen , ein zweytes Venulitenlager/ und 2 T m unter denselben ein hartes Molasselager mit mannigfaltigen Petrefaeten/ meist denselben Arten angehörend, als die im obern Lager vorkommenden. Es scheinen indeß diese tiefern Lager nicht/ wie die obern/ längs der ganzen Ostseite des Berges anzuhalten. Auch in der Gegend von Gerzensee findet man häufige Anzeigen von Petrefaeten; aber die mehrere Cultur des sanften Abhanges läßt den nackten Fels fast nirgends hervordringen. Doch findet man 120™ über dem Dorf/ 23z-» über Belp eine mehrere Meter hohe Nagelfiuhwand/ die dicke Austern und Bruchstücke von Schalen einschließt/ und wohl ;u- verläßig der obern Nagelfiuh angehört. Wie diese Nagelfluh sich zu der unweit davon in 200-° Höhe anstehenden verhalten mag / die wir früher ebenfalls der obern Nagelstuhmasse bey- gezählt haben/ ist mir nicht deutlich geworden. — Ein Geschiebe / das über Gerzensee in einem Haufen von Feldsteinen gefunden wurde/ und ausschließlich aus dicht in einander gedrängte»/ ganzen und zerbrochenen Venusschalen/ ohne Bey- mengung von Mergel oder Molasse/ besteht/ scheint anzudeuten/ daß auch die Venulitenlager sich bis hieher erstrecken. Das/ wie eS scheint/ ununterbrochene Vorkommen der Petrefaeten um den ganzen Berg herum beweist indeß keineswegs noch/ daß die Steinlager/ in deren zu Tage gehendem Theil wir sie finden , auch im Innern des Berges damit an- gefirllt seyen/ und die wichtige Frage über das Verhältniß der Petrefaeten zur Gebirgsart ist demnach/ auch durch unsere ! nun sehr erweiterte Kenntniß/ noch nicht gelöst. Daß die ! Menge der Petrefaeten indeß bis auf eine sehr bedeutende Tiefe nicht abnehme/ ergiebt sich daraus / daß an der Muschel- ! ßuh bey Hohburg / ungeachtet fast jährlich mehr oder weniger ! siwße Massen derselben hinunterstürzen/ bis jetzt noch gar 23 * 356 IV. Cap. Dritter Abschnitt. keine Verminderung in der Anhäufung der Petrefacten be- merkt worden ist; und wenn man überdieß bedenkt/ daß die 50 und mehr Meter tiefen Tobet/ an deren Hintern Felswand wir die reichsten Lager gefunden/ doch wohl erst nach Abfluß des Meeres durch Quellwasser/ die größtentheilS jetzt noch fließen/ ausgefressen worden sind/ so möchte man wohl geneigt ! seyn/ jeden andern Beweis des Durchfetzens der Petrefacten ! durch den ganzen Berg für überflüssig zu halten. Der Längenberg. Auch daS weitläufige Hügelfyftem des Längenbergs bietet uns/ wie der Belpberg/ eine Reihe übereinander liegender Peirefaetenlager dar; aber die bedeutenden Entfernungen zwischen den Anbrüchen/ und der Mangel ausgedehnter Profile macht das Wiedererkennen der Lager an den verschiedenen Stellen hier schwieriger und zuweilen ganz unmöglich. Gegend von Guggisberg. Wenn man von Guggisbergdorf nach der Guggersbach- brücke zugeht/ so findet man , am untern Saum eines steilen WaldeS/ 465 m über Belp/ einen geschichteten/ feinsandigen Mergel / in welchem der Weg ziemlich tief eingeschnitten ist. Das Fallen der Schichten ist/ wie in diesem ganzen Gebirgs- stock / schwach südlich , und der Mergel erscheint als ein wesentliches / der höher und tiefer zu Tage gehenden Ragelfluh untergeordnetes Zwischenlager. Die Petrefacten erscheinen in diesem Mergel meist als Sternkerne/ zuweilen mit mehlichtem Ueberrest der Schale/ ! die auch anderwärts gewöhnlichen Turritellen/ T. terebra I und triplicata/ und verschiedene Arten von Cardien/ 0. clo- diense u. a./ familienweise zusammengehäuft/ find vorherrschend/ es fehlen aber auch die andern Gattungen nicht/ djc Ueberreste von Meerthieren. 357 Venus, die Sole«/ die Pecten, die bey Tägertschi und am Belpberg vorkommen , und die Identität der Arten mit denen der übrigen Fundorte ist unverkennbar. Sofern man die Petrefacten dieses Lagers nicht/ nach einer immer mehr in den Hintergrund zurück tretenden Anficht, als nur später erst in die Auffenfläche eingedrungen/ sondern als ursprüngliche Bewohner auch des innern Theiles der Schicht betrachtet, so muß wohl auch die FormationSidenti- tät dieser Schicht mit den analogen des Längenbergs und BelpbergS, und somit auch die der ihr aufgelagerten, d. h., des größten Theiles der Guggiöberger Nagelfluh, mit den jüngsten Nagelfluhmassen jener Hügel anerkannt werden. Bis jetzt ist es mir indeß nicht gelungen, in jener die in diesen so häufigen, charakteristischen Aufterschalen aufzufinden/ und auch die auffallende Verschiedenheit der Geschiebe, aus denen die Nagelfluhgebirge auf beyden Seiten des Schwarzwassers besteh«, läßt nicht zu, fie als vollkommen identische Bildungen zu betrachten. Westlicher ist mir keine Stelle bekannt, die in diese Gruppe von Petrcfaetenlagern gehörte, in der Sammlung des Hrn. Chan. Fontaine zu Freyburg befindet fich nichts analoges und auch der Graf Razoumovski erwähnt, in feinem Werk über den Jorat, keiner in der Nähe der Alpen vorkommenden fossilen Meerconchylien. B ii t sch e l g r n b e ». Die tiefste Petrefactenschicht, die mir in diesem ganzen Bezirk vorgekommen, geht in dem schon bey einer andern Gelegenheit erwähnten Graben zu Tage, der die Wasser der Bütschelegg dem Schwarzwasser zuleitet. Ungefähr in der Mitte zwischen dem Schwarzwasser und dem Fuß der Bütschelegg, wenn man, von jenem herkommend, die mächtige Nagelfluheinlagcrnng längst schon hinter fich ge- ' ^sten hat, findet man am linken Ufer unter den Trümmern, 358 IV. Cap. Dritter Abschnitt. die von der steilen Molassewand Hinuntergefallen stnd/ einzelne Stücke einer sehr festen, merglichien Molasse, welche Gerölle von der Größe einer Baumnuß, vielfarbige Granite, helle und dunkle Kiesel u. s. w. einschließt, und deutliche Abdrücke von Bivalven enthält. Die feste Molasse, die als Bindmittel der Gerölle dient, zeichnet stch aus durch die große Menge der in vielen Molassen gewöhnlichen, grünlichschwarzen Pünktchen, auch steht man in ihr kleine Nester der hellgrünen, erdigen Substanz, die für den Muschelsandftein so charakteristisch ist, und die Muschelabdrücke selbst stnd mit dunkelbraunen, zuweilen fettartig glänzenden Häutchen überzogen, die ebenfalls sehr an jene Gruppe erinnern. Ich habe immer nur Abdrücke getrennter Schalen, nie ganze Steinkerne gefunden, auch fehlt die Mannigfaltigkeit der Gattungen, welche die Petrefacten dieser Gegenden sonst auszeichttet. Einige dieser Abdrücke haben Aehnlichkeit mit .Cytherea exoleta , Enc. pl. 280 f. 1, andere stimmen ganz überein mit Cyth. convexa Brong., Env. de P. pl. VIII, f. 7 A. B., noch andere scheinen junge Individuen der lel- lina tumida. Nicht ohne Mühe entdeckte ich die Lagerstätte dieser Trum. mer in einer nur bey 2 Dectm. mächtigen Schicht, die 5 m über dem Grund des Grabens, in den horizontalen Molasseschiefer eingelagert ist, und stch ziemlich weit an der Wand des Grabens verfolgen läßt. An den hohen und nackten Felsen der Schwarzwafferau konnte ich aber keine Spur mehr davon entdecken, was indeß noch nicht ihr Ausgehn beweist, da man leicht ein so wenig mächtiges Lager verfehlen kann, an der rechten Wand des Grabens wird man durch die Vegetation j verhindert ihm nachzuspüren. Höchst auffallend ist, im Gefolge so vieler anderer Analogien, die Uebereinstimmung der Höhe dieses Lagers mit derjenigen der nächstgelegenen Bruchstelle des Muschelsandsteins: Ueverreste von Meerthieren. 359 eine freylich noch der Bestätigung bedürfende Messung gab mir für die Vertikale über Belp 177"/ also auf 2 -» genau die Hohe des Utzigersteinbruchs. Höher im Graben findet man am rechten Ufer im merg- lichten MolasseWefer sonderbare Verhärtungen / in der Form langer Cylinder/ von verschiedener Dicke/ biö zu 6 Cemim. Durchmesser/ theils gerade/ theils gebogen/ meist senkrecht stehend/ zuweilen liegend/ selten gabelförmig stch theilend. Wir werden diese Körper noch an einer andern Stelle dieses Gebiets wiederfthn/ und dort näher kennen lernen. Bütschelegg. Am westlichen Fuß der Bütschelegg/ zunächst den Häusern Banmgarten (Bungerte) ist die Molasse/ wie in der untersten Masse des Belpbergs/ in deutlich abgesonderten/1 Decim. mächtigen festen Schichten anstehend/ in horizontaler Lagerung. Auch an andern tiefen Stellen des Längenbergs findet man diese ausgezeichnete Schichtung und Festigkeit der Molasse. Eingelagert in diese feste Molasse bemerkt man ein nur wenig Decim. mächtiges Nagelfluhlager/ mit kleinen/ aber mannigfaltigen Geröllen in sehr grobkörnigem Bindmittel; es enthält einzelne Aufterschalen/ von der Größe der 0. eäuli3/ Cardien/ dem eäule ähnlich/ die in fast allen Lagern häufigen breiten Venus , und Gloffopetern. Ich fand die Höhe über Belp gleich 312---. Am südlichen Abhang findet man im Walde ein aus fester merglichrer Molasse bestehendes Lager/ das in unterbrochenen Felsen aus dem Boden hervorragt/ und eine sehr große Menge mannigfaltiger Petrefaeien/ theils als Steinkerne / theils mit dem gewöhnlichen mehlichten Ueberrest der Schale bekleidet/ einschließt/ einige Gattungen/ Pecten und Ostrea, auch mit vollständig erhaltener Schale. Man erkennt in ihnen die Pe- trefacten des Panopäenlagers/ Panopäe«/ VenuS/ Cardien/ 36o IV. Cap. Dritter Abschnitt. Turritellen/ Trochns u. s. w., die Höhe über Belp steigt hier auf Kt ¥ x m ) In größerer Ausdehnung ist/ etwas höher/ am westlichen und südlichen Abhang/ eine mächtige Nagelfluhmasse anstehend/ welche Bruchstücke großer Austern einschließt/»auch darin der obern Belpberger Nagelfluh ähnlich/ daß ihr Bindmittel oft vorherrschend wird/ und eigene geröllleere Nester und Zwischenlager bildet. Eine Messung gab mir für die Höhe über Belp 495 m / ich könnte aber nicht versichern/ daß ich gerade die untere Ablösung getroffen/ so daß vielleicht die Nagelfluh der untern Petrefaetenschicht näher steht/ als es diesen Angaben stach scheinen möchte. Das dicke Gestrüppe hindert eine genauere Untersuchung sowohl dieses als des untern Lagers. Gutenbriinnenfluh. Gegen das Belp- oder Gürbethal fällt der Gebirgszug der Bütschelegg in einer hohen und weit ausgedehnten Felswand ab/ die Gutenbrünnenfluh geheißen. Wie bereits erwähnt worden/ besteht der untere Theil derselben aus merg- lichter Molasse und blauem Mergelschiefer/ der obere aus dickern Schichten gemeiner Molasse/ durchgehends in horizontaler Lagerung. Unter den Trümmern/ über die man an die Felsen ansteigt/ findet man Bruchstücke einer festen merglichren Molasse mit Steinkernen und Schalen von Panopäen/ Venus , Perlen u. f. w./ welche das zu-Tage-gehn eines Petrefaeten- lagers beweisen/ das wohl kein anderes als das Panopäen- lager selbst ist. In den obersten Schichten des Mergels/ 26i m über Belp 105 )/ so wie auch in den untersten der aufliegenden Molaffe/ fallen ähnliche/ nur noch ausgezeichnetere eylindrische lo '0 Mittel zwischen 467/5/ 480,6. 103 ) Mittel zwischen 228,6, 262,6. Ueberreste von Meerthieren. 361 Aussonderungen auf/ als wir bereits im Bütschelgraben gefunden. Sie besteh» aus einer, wahrscheinlich durch Kalk- spach, hart verkütteten Molasse, vom Korn der aufliegenden, halten i bis 5 Centim. im Durchmesser, bey einer Länge von zuweilen i bis 1,5 Meter, und stehn meist senkrecht, nur nach unten biegen sie sich gewöhnlich in den Fels hinein. Durch concave Querabsonderungen werden ste in Stücke von meh- rern Centim. bis i Decim. Länge zertheilt, die bey einiger Erschütterung leicht aus einander fallen, 'doch stehn auch öfters längere Cylinder fast ganz lose, und vom verwitterten und abgeschwemmten Mergel befreyt. Nach oben endigen sie sich in eine etwas convex-tonische Spitze, ein einziger trug über derselben noch einen harten Knorpel, aus Sand bestehend, der durch Eisenocher fest zusammengebacken war; das untere Ende, das ich zwar, wegen der Einbiegung nach innen, nur einmal auffinden konnte, rundet sich mit einer leichten Convexität gegen den Stein aus. Gabelförmige Theilung bemerkte ich hier nicht. — Die Gleichförmigkeit dieser Struktur in den vielen Cylindern, die ich genauer untersucht habe, und daö Vorkommen derselben sowohl im Mergel, als in der Molasse deuten mit vieler Wahrscheinlichkeit auf einen organischen Ursprung, doch läßt sich weder an der Aussenfläche, noch im Innern eine Spur von regelmäßigen Streifen, oder sonstiger organischer Zeichnung entdecken. Bis auf die sehr viel beträchtlichere Länge, stimmen diese sonderbaren Körper ganz überein mit dem Petrefact, das Hr. Dr. Schlüpfer bey St. Gallen aufgefunden hat, und für den Steinkern einer Sertularia hält. T s ck u g g c n. Vom südlichen Abhang des Tschuggen und des Wassertheilers, dessen höchsten Punkt er bezeichnet, laufen mehrere kleine Querthäler gegen den Bütschelgraben zu. Im höher« Thalgrund eines derselben, am Mättenbach bey'mHofim 362 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Ried, fand ich an einer Anschürfnng/ die seitdem wohl wieder zugedeckt worden seyn mag t eine harte , grobkörnige , i zum Theil in Ragelfluh übergehende Molasse , die undeutliche j Spuren von Venussteinkernen enthielt/ eingelagert in feinkörnige gemeine Molasse. Die Höhe über Belp beträgt 289". Das nördlich Ausgehende dieses Lagers glaube ich in einer petrefactenhattendenMolasse wieder zu erkenne»/ die ander Straße ansteht/ welche von Bühl nach Bumishaus führt. Sie ist sehr hart , grobkörnig und in Schichten von 1 Deeim. Mächtigkeit deutlich abgesondert. Die unterste derselben ent- hält eine Menge Muschelabdrücke/ die alle nur einer Art an- ! zugehoren scheinen/ und viel Aehnlichkeit mit der im Muschelsandstein so häufigen Mactra haben , nur daß fie fast noch einmal so groß find. Des groben Korns der Molasse wegen find die Formen nur undeutlich erhalten; von der aufgelösten Schale ist ein weißlicher Schleim geblieben/ der die Unebenheiten des Sandsteinkorns zum Theil ausgleicht/ und nach der Form der Schale eine glatte Fläche bildet / durch die man indeß die darunter liegenden Sandkörner/ wie durch ein dünnes Häutchen/ zum Theil noch erkennen kann. — Indem Bach/ durch den wahrscheinlich der Graben / in dem man sich befindet/ ausgewaschen worden ist/ steigt man / tiefer als jene Schichte»/ über ebene Molasselager/ wie über eine Treppe/ bis zu einem halbkreisförmigen/ bey 4" hohen Fels, welcher im Kleinen den schönen Tobel des Marchbachs darstellt/ und wie dort in seinem vorstehenden Hintern Lager Petrefacten enthält. Die Lagerung scheint horizontal/ wahrscheinlich nur/ weil man keine längere Profillinie übersehn kann/ denn das Fallen dieses ganzen Gebirgöstocks ist schwach N. £>.; die etwas geringere Höhe über Belp / 278"/ spricht also eher für/ als gegen den Zusammenhang mit den Lagern bey'm Ried. Westlich von diesen beyden Lagerstätten/ an der Südseite des Tschuggen/ findet man/ etwa 30" oberhalb dem obern Rußbaum/ das Ausgehende einer harte»/ grobkörnigen 363 Ueberrefte von Meerthieren. Molasseschicht / deren Absonderungen, wie oft die des Muschel, | sandfteinS, mit undeutlichen, reliefartigen Muschelabdrücken besetzt sind. Die Höhe über Belp beträgt 373 m . ; Noch höher an diesem Abhang, 405 ra über Belp, an j -er Kante der obersten Terrasse, auf welcher der Tschuggen steht, geht ein bey 3 Decim. mächtiges Nagelstuhlager mit baumnußgroßen mannigfaltigen Geröllen zu Tage, in welchem ich sparsame Bruchstücke großer Austern gefunden habe. Die sehr beschränkte Anschürfung erlaubte mir keine nähere Beobachtung. ! Endlich findet man, 467 m über Belp, nur 6 ra unter dem Gipfel des Tschuggen, ein gegen N. hervorstehendes Lager feinkörniger , sehr harter Molasse, das Steinkerne von Venus und Cardien und Schalen von Pectiniten einschließt. Ob es noch von Nagelfluh bedeckt werde, nach Analogie aller höher» Punkte dieser Gegend, oder ob die harte Molasse allein schon hinreichend gewesen sey, diesen einzelnen Gipfel vor Zerstörung zu bewahren, läßt sich, ohne directes Nachgraben nicht ausmitteln. 2 m i. Der berühmteste und früher der reichste Fundort von j Petrefacten im Längenberg ist der südwestliche Abhang des | Jmihügels, in der östlichen Fortsetzung des Wassertheilers gelegen, auf dem der Tschuggen steht, von der Bütschelegg i durch einen gegen Osten zu ansteigenden und geschlossenen ' Graben getrennt. Die Ausbreitung des.Feldbaues hat auch hier den nackten Fels /und somit das Sammeln und die geog- noftische Untersuchung sehr beschränkt, doch sind die Lagerungsverhältnisse immer noch klarer, als an den meisten andern Stellen. Das zu unterst, 43o m über Belp, anstehende Petrefaeten- lager zieht sich, als ein bey 2 m hohes, senkrecht abgeschnittenes Felsbord, unter dem Hause durch und längs dem ganzen 364 IV. Cap. Dritter Abschnitt. westlichen Abhang bis an den Ratzeberghof. ES sind vor Kurzem erst zu dem neuen Baue dieses Hofes mehrere kleine Steinbrüche darin angelegt worden/ welche eine gründlichere Beobachtung möglich machen. Der Stein ist die eigentliche harte Molaffe / von ungewöhnlich festem Zusammenhalt/ und spaltet in sehr große/ wenige Deeim. dicke Tafeln. Die Absonderungsflächen sind bedeckt mit einer Menge einzelner Schalen von Pettiniten/ die meisten wahrscheinlich von V medius/ gut erhalten / eher härter als in dem natürlichen Zustande/ und so fest am Stein ansitzend/ daß es ohne längeres Auömeisseln/ das dazu wegen der Sprödigkeit der Stein- masse selten gelingt/ kaum möglich ist/ gute Exemplare zu erhalten. Auf einigen Absonderungsflächen sind reliefartig/ halbe Steinkerne von Cardien / oder von breiten Venusarten angehäuft/ auch Glossopetern hat man gefunden/ im Ganzen sind jedoch die Pectinitenschalen vorherrschend. Ein ganz ähnliches Felsbord/ daö sich am südlichen Abhang wohl eine halbe Stunde weit verfolgen läßt/ unterbricht die Rasendecke/ 442™ über Belp 106 ). Der Stein ist ein fester/ sandiger Mergel/ die Petrefacten sind/ wie in der Panopäenschicht/ sehr mannigfaltig / VenuS/ Panopäe»/ Pec- ten/ Cardien u. f. w. Von hier stammen die schönen Exemplare von P. laticostatus und P. medius / so wie die ausgezeichnetsten Panopäen/ die unsere Sammlung besitzt. Wenn man endlich/ in der Höhe von 453™, die obere Ebene erreicht/ auf der die beyden/ nur bey io m höhern Jmi- hügel 10?) stehn/ so.findet man an der südwestlichen Kante nackte FelötafelN/ als das Ausgehende des fester« LagerS/ durch welches der Hügel vor tieferer Abwaschung geschützt worden ist. Die sehr harte Molasse/ aus der diese FelSdecke 106 ) Mittel zwischen 432/7/ 445/6. 107 ) Die Höhe des westlichen beträgt 463--/ im Mittel von 467/7/ 459/2 / 462/8/ die Hohe des östlichen 464m, nach einer einzigen Messung; er ist aber offenbar etwas niedriger als der westliche- 365 Ueberreste von Meerthteren- besteht, ist derjenigen der untersten Schicht sehr ähnlich und wie diese in Tafeln von wenig Decim. Dicke abgesondert, ! die sich/ wahrscheinlich als Folge des länger» atmosphärischen Einflusses / leicht von einander trennen. Sie schließt sehr viel Steinkerne/ besonders von den breiten Venus- I arten ein. Die Jmihügel selbst/ wenigstens ihr oberer Theil/ der . einzig nackten Fels zeigt/ bestehN/ wie man es nach Analogie der nahen Bütschelegg erwarten durfte/ aus Nagelfluh/ die Schalen der dicken Auster einschließt/ und wohl auch ganze Austern / in größerer Menge , als weder -die Nagelfluh ! von HütligeN/ noch die des Belpbergs/ oder der Bütschelegg. Es ist nicht unwahrscheinlich/ daß diese Nagelfluh mit dem vorigen Petrefactenlager im genauesten Zusammenhang stehe/ sind wie am Belpberg/ über- der Panopäenschicht ein aus harter Molasse und Nagelfluh regellos zusammengesetztes Lager bilde / doch sieht man in dem kleinen/ an der N. O. Seite des westlichen Jmi eröffneten Steinbruch / nur gemeine Molasse/ unten in Meter dicken Lager«/ nach oben zu schiefrig/ mit schwachen! N. O. Falle»/ ohne Spur von Petrefacten. Er liegt nur bey 5°> unter der Spitze. A e p v e a ck e r. | An der Straße/ die von Aeppracker/ einem Hof westlich von Obermuhleren/ nach der nördlichen Höhe führt/ sind zwey Petrefactenlager anstehend/ welche/ so wie die vorige«/ sehr reich an mannigfaltigen Gattungen sind/ und bequeme Stellen zum Sammeln darbieten. Da die Straße ungefähr der Richtung des Meridians folgt/ so durchschneidet sie das Prosil der Schichte»/ und man kann deutlich ihren Wechsel i wir schiefriger Molasse/ und das Fallen mit 7° nach N. O. beobachten. Das untere Lager/- 376" über Belp los )/ zeichnet sich in 50S ) Mittel zwischen 367/8/ 377/3/ 382/0. 366 IV. Cap. Dritter Abschnitt. der mürben Molasse aus durch größere Festigkeit. Seine Mächtigkeit beträgt etwa i Meter. Die Menge der Steinkerne darin/ besonders der Panopäen und Pectiniten/ letztere wie gewöhnlich mit noch erhaltener Schale/ ist ausserordent- lich/ auch Venus/ Cardien/ Trochuö/ Turritellen u. s. f. ; fehlen nicht. Die Steinart ist derjenigen der mittlern Jmi- schicht sehr ähnlich. Das obere Lager/ 387-" über $Mp 109 ), das man west- ,j lich als eine aus dem Acker heraustretende Stufe ziemlich weit verfolgen kann , wird durch ein bey 2 m mächtiges Lager petrefaetenleerer Molasse in zwey Schichten getrennt. Die : Steinart derselben ist harre Molasse/ und die Perrefacten meist Steinkerne breiter Venus/ etwas seltner von Tellinen/ i T. tumida und virgata/ auch Nerita canrena/ Trochus zizyphinus, Turitella triplicata und terebra, und/ was besonders nicht zu übersetzn/ Bruchstücke von dicken Auster- schalen. ! Höher folgt wieder gemeine Molasse in Schichten von mehreren Decimeter/ bis auf die Höhe des Plateau'ö, von Nagelfiuh aber keine Spur. Obe rmub l er en. Etwas näher bey Ob er muh leren ragt aus dem Feld ] ein Schichtenkopf hervor, von beschränkter Ausdehnung, 364-° über Belp"°), der aus harter Molasse besteht, und einzelne Steinkerne von Tellinen, T. tumida, und Venus enthält. In Obermuhleren selbst kam man bey'm Graben eines Brunnens, in einer Tiefe von ungefähr io m , auf ein Petre- faetenlager, das aus wenig fester merglichter Molasse bestund, und eme sehr große Menge von Stejnkernen breiter und runder Venus nnd Tellinen (17) enthielt. Die Stelle ist be- j trächtlich weit von der Niederung entfernt, welche Ober- i lo9 ) Mittel zwischen 393 / 5 , 384 , 7 , 386,7/ 383,7. M0 ) Mittel zwischen 371/2, 336/0. 367 Ueberreste von Meerthieren. muhleren von dem Hügelzug des Tschuggen trennt/ so daß wenigstens hier die Petrefaeten nicht nur an der Aussenfläche haften/ sondern ziemlich hoch von Molasse bedeckt werden. Die Höhe fand ich gleich 331". An der Kante des Abhanges/ bey'm Hos im Maur- graben/ hat man einen kleinen Steinbruch in einer sehr harten Molasse eröffnet , die in großen Tafeln bricht und mit .6 — 7» nach N. O. fällt. Die Absonderungen des Steins / der mit der untersten Jmischicht die größte Aehnlichkeit zeigt/ stnd zum Theil bedeckt mit Abdrücken von Venus und mit einzelnen/ obern und unter»/ fest ansttzenden Peetinitenfcha- len/ in geringerem Verhältniß kommen auch andere Gattun- gen/ Cardien/ Panopäen/ TurritelleN/ Neriten, vor, seltner noch kleine Fischzähne von Sq. canicula und cornubicus, und Bufoniten. Weder die Steinkerne/ die meist nur halb und reliesartig aufsitze»/ noch die Schalen lassen sich von der Steinmasse trennen. Die Höhe über Belp beträgt 336" "H, und die Schicht scheint daher/ bey dem nördlichen Fallen derselben , im Dorf Obermuhleren ungefähr in der Höhe der vorigen fortstreichen zu müssen. Ob die große Abweichung zwischen beyden/ in Rücksicht der Steinart/ nur scheinbar und darin begründet ist/ daß die eine tief im Boden fortdauernd durchnäßt wird/ während die andere an der freyen Lust ganz austrocknen konnte/ nach der Analogie unserer Bausteine/ oder ob man im Dorf nur obere/ weichere Lager angestochen/ und nicht bis auf daö harte Lager des Maurgrabens gedrun- gen ist/ will ich nicht entscheiden. Gurt e'n. An diesem durch viele Steinbrüche und Anschürfungen aufgedeckten Hügel hat man bis jetzt nur in dem einzigen Wabernsteinbruch und in dessen Nähe Spuren von Perre- facten gestnden/ und auch da nur sehr sparsam. lw ) Mittel zwischen 336,0, 310,3/^30,3. 368 IV. Cap. Dritter Abschnitte Im Bruch selbst ausschließlich kleinere Glossopetern, nach Aussage der Arbeiter in den Lagern von gröberm Korn, die mit der, zu Bausteinen besser tauglichen feinen Molasse wechseln. Die untersten Schichten des Bruchs liegen in der Höhe von 45 m . Ueber dem Bruch findet man, im Ansteigen rechts,-7«-» über Belp, ein kleines Felsbord, das aus verwitterter, lockerer Molasse besteht, von grobem Korn, wie die Lager des Bruchs, welche Fischzähne enthalten, in seiner, obern Hälfte selbst Gerölle aufnehmend, und stellenweise in wahre Nagelfluh übergehend, höher aber wieder von feiner,' merglichter Molasse bedeckt. Die sehr undeutlichen Spuren von Cythereen, oder Venus, sehen denen über Bühl, ander Nordostseite des Tschuggen, ähnlich, auch darin, daß von den Schalen nur eine sehr dünne, weißliche Schleimhaut zurückgeblieben. Auf den Flächen der Mergelblätier deö nahe liegenden Steinbruchs hat Hr. Mousson Abdrücke gesunden, die vielleicht von Zoophyten herrühren. Die einen zeigen erhöhte Stengel von Breite, in der Mitte mit einer Kerbe, an welche abwechselnd dicht gedrängte, schiefe Blättchen ansetzen. Ich habe vollkommen gleiche Abdrücke auch von St. Gallen gesehen, wo ste für Seefedern gelten; vielleicht ist es Funiculina cylindrica Lam. Die andern haben Aehn- lichkeit mit langen Blättern, ;. B. Luv. de Par. pl. VIII, f. l V, aber die starke Erhöhung deutet auch auf einen dickern- Körper. Sie werden nach der ganzen Länge von einer starken Rippe durchzogen. Länge 64, Breite 20 . In die Classe der Sertularien scheint endlich ein erhöhter Abdruck zu gehören, der an einem cylindrischen Molasseknauer von 360°»» Länge und 75 mm Durchm. ansitzt, und mit demselben an beyden Enden abgebrochen ist. Der Abdruck hat unten 33-»-», oben 40-»-» Breite, und besteht aus federartig schief gegen die Mitte zusammenlaufenden Flocken, so dicht gedrängt, daß ste ein- J ander Ueberreffe von Meerthieren. 369 ander zum Theil bedecken. An allen ist keine Spur von organischer Substanz vorhanden. Nach dieser genauern Beschreibung aller zwischen der Sense und Emme bekannten Fundorte von Petrefacten/ bleibt uns noch die Untersuchung übrig/ ob sich wohl einige von ihnen als Punkte desselben/ nur durch die spätere Thalbildung zerrißenen Lagers betrachten lasse« / oder ob es in der That nur isolirtt/ oberflächliche Nester seyen/ die weiter in keinem Zusammenhang unter sich stehen/ und wohl eine frühere Meeresbedeckung , aber keineswegs die Bildung der Molasse in diesem Meere beweisen. Die Aehnlichkeit der Verhältnisse am Belpberg und auf dem Längenberg ist so auffallend/ daß schon Grüner/ und nach ihm alle spätern Schriftsteller/ einen frühern Zusammenhang der Lager/ die jetzt das breite Gürbethal trennt/ als ausgemachte Thatsache annahmen. ES ist indeß nur zu bekannt/ wie bald man sich vor fünfzig Jahren zufrieden gab/ und wie wenig wir den damaligen geologischen Urtheilen vertrauen dürfen; auch würde wohl Grüner selbst irre geworden seyn/ wenn ihm die starken Höheunterschiede von 300 und wehr Meter bekannt gewesen wäre«/ um desto mehr/ da er sich die Verhältnisse überhaupt nicht ganz klar gedacht zu haben scheint , und , wie wir schon anfangs am Lochenberg gesehen/ jene beyden/ aus keine Art vereinbaren Ansichten zugleich festhalten wollte. Da sich die höchsten Fundorte an den Hintern Hügeln des LängenbergS befinde» / und ihre Erhebung abnimmt/ je mehr man gegen Nordost / d. h. in der allgemeinen Richtung des Fallenö in dieser Gegend/ vorschreitet / so drängt sich von selbst die Vermuthung auf/ daß jene Höheabnahme einzig im Fallen seinen Grund haben möchte. Die Prüfung dieser Vermuthung wird rein mathematisch/ es frägt sich nämlich: ob 24 370 IV. Cap. Dritter Abschnitt. eine schiefe Ebene, die durch drey Punkte gelegt wird, auch alle andern Punkte treffe, von denen wir glauben, daß sie mit jenen demselben Lager angehören; und es bietet sich uns daher unverhofft eine Gelegenheit dar, die strengen Methoden , denen die Naturwissenschaften einzig ihre hohe Ausbildung verdanken, auch in der Geognosie anzuwenden; eine Ge- legenheit, die wir nicht abweisen wollen, wenn sie auch kei- neswegs geeignet ist/ uns glänzende Resultate, oder den Ruhm tiefer analytischer Behandlung zu versprechen. Ich habe zu diesem Zwecke die wichtigern Fundorte durch ein trigonometrisches Netz verbunden, die Winkel desselben mit einem sechszölligen Spiegelsextanten von Cary hinreichend genau gemessen, und vermittelst der barometrischen Vertikalen auf den Horizont redueirt. Nach den von Hrn. Fug. Lüthardt gütigst mir mitgetheilten Coordinaten der drey zur Camons- vermessung gehörenden Signale, Bütschelegg, Belpberg (Harzeren) und Belp , ist das Netz orientirt, und die Coordinaten aller Punkte für den Nullpunkt Belp berechnet worden. Die folgende Tafel giebt diese Coordinaten in Dekametern; x sind die Abseissen, positiv gegen West, y die Ordinären, positiv gegen Süd, z die schon angeführten Verticalen, ohne Verjüngung , in ganzen Metern. Panopäenlager am südl. Abhang Bezeichn. x -Vio y-%0 z- 1 der Bütschelegg Panopäenlager am südl. Abhang B + 337 + 636 474 des Jmi .... Panopäenlager an der Straße J + 420 + 423 442 von Aeppeacker Nördlichstes Ende der Hohburg- A + 389 + 172 376 felsen .... Südlichstes Ende der Hohburg- N — 129 + 87 226 felsen .... S - 77 + 127 247 Ueberreste von Meerthieren. Panopäenlager über Oberaar in der obern Gruppe » . 0 Steinbruch an der Weinhalde bey Tägertschi . . D Obere Ragelfinh bey Hütligen II Steinbruch im Maurgraben bey Obermuhlern . . -iVl Gipfel des Tschuggen, Petrefae. renlager .... 1 noch zu gering angenommen/ da nach der Gleichung , die wir für die Ebene finden werden/ einer Veränderung von i m in den Vertikalen/ eine von 4 m in x und y entspricht/ und ich die Einer der x und y glaube verbürgen zu können. Die Genauigkeit der z ergiebt sich aus den mitgetheilte»/ einzelnen Resultaten; am wenigsten traue ich denen von B, 3, N, S, 0/ T/ die nur auf einer oder zwey Messungen beruhen; N/ das durch drey Messungen bestimmt ist/ dürfte wohl zu hoch wen. 371 - x-Vio y-Vw z- I -237 + 229 218 — 636 + 123 139 —750 + 332 245 f 334 + 296 336 + 580 + 303 467 Coordinaten ist eher sey»/ da die Höhe der Muschelfluh/ die zwischen N und S inne liegt/ nach vier gut übereinstimmenden Messungen/ tiefer al§ die der beyden Extreme der Fluh wäre. Ich will mir indeß keine fernere Aenderung an jenen Angaben erlauben. Am ersten eignen sich zu einer Untersuchung/ wie die/ welche wir uns vorgesetzt haben / die verschiedenen Anbrüche des PanopäenlagerS; die Anbrüche der tiefern Lager sind theils in zu geringer Anzahl vorhanden/ theils zu wenig charakterisiri/ und daher leicht zu verwechseln/ die obere Austerschicht dagegen ist in ihrer Mächtigkeit und in ihrem ganzen Verhalten zu unregelmäßig/ und/ als oberstes Lager/ ru sehr loealen Störungen ausgesetzt. Die sechs Punkte/ an denen wir die Panopäenschicht beobachtet haben/ sind L/ h A/ N/ 8/ 0; den letzten müssen wir aber hier ausschließen/ da die ganze Ostseite des 24 * 372 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Belpbergs offenbar eine Störung erlitten hat. Aus den fünf übrigen könnten wir nun drey auswähle»/ und nach ihnen die Gleichung einer sie durchschneidenden Ebene bestimmen; konsequenter aber wird es sey«/ alle fünf Punkte zugleich zu gebrauchen / und , da mehr Gleichungen als Un- bekannte sind , nach der Methode der kleinsten Quadrate , die gleichsam oseulirende Ebene zu suchen/ welche sich Allen am meisten nähert. Wenden wir demnach auf die Gleichungen unsrer fiinf Punkte das von Gauß in der theoria mo- tus corp. coel. vorgetragene elegante Verfahren an/ so erhalten wir für die gesuchte Ebene die Finalgleichung 0/2327 X -h- 0/2964 y 229/6 — z welche für die Vertikalen der einzelnen Punkte folgende Werthe giebt / die so gut/ als wir es immer wünschen durften/ mit den gemeßnen übereinstimmen. Punkte berechn. * gemessn, z Diff. B 467 474 — 7 J 463 442 f 11 A 371 376 — 5 N 225 226 — 1 S 249 247 + 2 Die stärksten Differenzen fallen gerade auf die zwey Punkte/ die noch am wenigsten sicher bestimmt sind / und bey B ist der Unterschied dem der einen Messung vom Mittel gleich/ so daß/ wenn wir jener Messung den Vorzug geben wollten / derselbe ganz wegfiele; alle / ausgenommen der bey 3 , wo eine kleine/ lokale Einbiegung statt finden mag/ liegen innerhalb der Grenzen der möglichen Fehler. Der Gleichung zufolge fällt das Panopäenlager mit 2 °/ 10 ' nach 38°/ 8'/ also ganz im Sinn des unmittelbar beobachteten Streichens nach Nordest; nur mit einem geringern Fall- winkel/ was uns keineswegs befremden darf/ da der berechnete das Mittel aller einzelnen hält , die nur in ihrem Maxi- 373 Ueberreste von Merrthieren. mum und an der Oberfläche 6 bis 7 ° erreichen. Schon die Abnahme des Fallwinkels gegen die Tiefe zu/ oder im regelmäßigen Gebirge/ und das scheinbare Verschwinden desselben in den tiefsten Punkten / z. B. im Bütschelgraben / am östlichen Fuß des Bel'pbergs u. s. w. deutet daraus hin , daß die stärkere Neigung in der Höhe nur local sey. Man kann dieselbe von spätern Auswaschungen tieferer/ leicht zerstörbarer Lager durch die Quellwasser herleiten/ womit auch erklärt würde/ warum sie gewöhnlich im Sinn des allgemeinen Füllens'statt habe/ da der Quellenlauf durch dieses bestimmt wird;'wenn man nicht lieber der Anficht/ die am Ende des Abschnitts über den Mufchelfandstern ist geäußert worden/ den Vorzug geben will. In beyden Gruppen haben wir offenbar die nämliche Erscheinung vor uns. Nach der genau bestimmten Lage der Panopäenschicht können wir uns nun orientiren/ um auch andere/ höhere oder tiefere Lager aus den einzelnen Anbruchstellen derselben wieder zusammenzusetzen. Die übereinstimmende Lage mehrerer Anbrüche der Auster nagelfluh ergiebt sich von selbst/ da wir ste überall/ wo zugleich die Panopäenschicht zu Tage geht/ ungefähr in gleicher Höhe über derselben gesunden haben. So an der Bütschelegg , am Jmi , am Belpberg. Auch müssen wir jetzt das obere Lager zu Aeppeacker dahin zählen/ in welchem wir zwar Austerbruchstücke nur als Seltenheit gefunden habe«/ und von Nagelfluh keine Spur ; aber schon am Jmi zeigt fich die Schicht mehr als Molasse/ und das allmählige Wegbleiben größerer Gerölle gegen Norden zu / wodurch die Nagelfluh zuletzt steh in die Molaffe verliert/ ist uns früher bereits als allgemeine Regel aufgefallen/ und zeigt stch auch in dem Lager bey Münstgen. Berechnen wir die Höhe der Panopäenschicht für den Punkt an der Weinhalde/ so finden wir H8 ni ; die Höhe der Austerbank daselbst beträgt 139“ 1 / nur 2 i m mehr. Also 374 IV. Cap. Dritter Abschnitt. auch hier die befriedigendste Uebereinstimmung an einer Stelle, die von den nächsten Anbrächen der Aufternschicht durch das breite Aarthal getrennt wird, und mehr als zehntausend Meter von der Bütschelegg entfernt liegt. . ' - Ganz abnorm zeigt sich dagegen der Punkt Hütligen, für welchen die Gleichung z = 153, also, nach Abzug von 20 -" für den Abstand des Austern- vom Panopäenlager, im- mer noch um mehr alö 70™ zu tief giebt. ES scheint demnach unsre anfängliche Hypothese über den Zusammenhang der Lager von Hütligen und Tägertschi nicht begründet, und jenes, wie auch schon das Erscheinen mehrerer Austernagelflühlager in beträchtlichen Abständen, von einander darauf hindeuten könnte, einer andern Gruppe anzugehören; vielleicht hat auch das eonstante Streichen und Fallen des Lagers in dieser Gegend sein Ende erreicht, und das Lager hier eine Beugung erlitten, denn es versteht sich von selbst, daß wir dieselbe Regelmäßigkeit nicht in der ganzen Ausdehnung desselben erwarten dürfen. Umgekehrt liegt die Nagelfluh von Gerzenfee über ioo™ tiefer, als die aus der Gleichung berechnete Höhe- Wahrscheinlich immer noch, wie in der Nähe von Oberaar, in Folge des unregelmäßigen südlichen Fallens der Ostseite des Berges. Das unterste Lager des Imi, 12™ unter der Panopäen- schicht, findet sein Analogon in dem isolirten Schichtenkopf zwischen Aeppeacker und Obermuhlern. Die Gleichung giebt für die Höhe dieses Punktes ungefähr 3so™, also i6 m mehr als die gemessene, statt 12 ». — Am. Belpberg ist die Fortsetzung dieses untern Lagers unnöthig nachzuweisen. Die große Aehnlichkeit der Steinart des Lagers vom Maurgraben mit der des untern Jmilagers, scheint auch zwischen diesen Punkten eine Verbindung anzudeuten; aber der für Obermuhlern berechnete Werth der Panopäenschicht beträgt 395™, also 59 ™ mehr. Wahrscheinlich gehört daher ! Ueberreste von Meerthieren. 376 dieser Punkt den untern Lagern von Oberaar oder vom Sa- . gibach an. Die übrige»/ ziemlich isolirten/ und wenig deutlichen Anbrüche am Tschuggen/ im Bütschelgraben/ bey Wabern und GuggiSberg gestatten kaum eine nähere Bestimmung. Das Lager zwischen Mättenbach und Bühl ist von allen des Imi verschiede«/ indem es bey i60 m tiefer liegt/ als die für den Tschuggen berechnete Höhe der Pano- päenschicht; sogar für die untern Belxberglager , mit denen übrigens auch die große Verschiedenheit der Steinart keine Vergleichung gestattet , ist dieser Abstand zu bedeutend. Um so weniger dürfen wir versuchen , das noch über loo™ tiefer liegende Lager im Bütschelgraben mit irgend einem der andern zusammenzustellen. Dagegen trifft jene für den Tschuggen berechnete Höhe bis auf 13™ zusammen mit derjenigen der wenig u.nter dem Gipfel anstehenden Petrefactenschicht; es ist daher möglich/ daß diese hier daö Aufternlager vertritt/ das gerade auch um so viel höher liegen müßte. Ungeacht der zwey , überdies wohl zu rechtfertigenden Ausnahmen von Hütligen und Gerzenfte / scheint mir daö Endresultat unsrer Untersuchungen nicht mehr zweydeuttg. Alle Punkte/ wo wir die Panopäen vorherrschend geftrnden haben/ alle/ Mit Ausnahme von Hütligen und Gerzenfte/ in denen die- dicken Austern oder Bruchstücke derselben vorkommen/ alle endlich/ wo sich in einem Abstand von ungefähr 12 ™ von den Panopäen noch tiefer liegende Petrefaeten gezeigt habe»/ würden fast genau in gleicher Höhe liegen/ wenn die Schichten der Hügelgruppe aus ihrer geneigten Lage in die horizontale übergiengen. Was kann aber dieser reinmathematisch ausgesprochene Satz anders heissen/ al§/ das Vorkommen der Petrefaeten ist beschränkt auf eigene Lager/ und diese haben mit denen der ganzen Gruppe gleiches Fallen und Streichen. Mit dieser Thatsache verträgt sich nun die Ansicht/ daß die fossilen Muscheln nur oberflächliche Ein- 376 IV. Cap. Dritter Abschnitt. mengungen seyen, auf keine Weise; denn nimmt man an, die zerstreuten Fundorte derselben seyen Ueberrefte des ehe- . maligen horizontalen Ufers, und dieses habe erst nach Abfluß des Meeres, oder kurz vorher, mit der übrigen Gruppe eine Senkung erlitten, so setzt man diese Senkung in eine um sehr viel zu späte Zeit, da, wie wir später sehen werden, dieselbe zuverläßtg der Erosion unserer Thäler lange vorher- gegangen ist; will man aber umgekehrt die Schichtenneigung als schon vorhanden voraussetzen, so muß man annehmen, die Schalthiere seyen in ihren Ansiedlungen auf weite Entfernungen hin dem Ausgehenden der nämlichen Lager gefolgt, obschon in sehr verschiedenen Tiefen unter dem Wasserspiegel; was sich allenfalls noch begreifen ließe, wenn die Steinart dieser Lager sich vor derjenigen der übrigen auffallend auszeichnete, aber im höchsten Grade unwahrscheinlich wird, wenn man die geringe, größtenteils wohl eben durch die Beymengung der Muschelüberreste entstandene Ver- schied.enheit derselben berücksichtigt. Beyde Voraussetzungen endlich beruhen auf der Hypothese, daß die Heutige Gestalt der Thäler älter sey, als die letzte Meeresbedeckung, und diese Hypothese zeigt sich bey näherer Prüfung wo möglich noch unhaltbarer, als die beyden vorigen. — Alles vereinigt sich daher, die Ansicht, daß die Petrefacten, als ! wesentliche Bestandtheile ihrer Lager, sich im bedeckten Theile i derselben, wie im Auögehnden finden, und ihnen durch alle Hügel durch beygemengt seyen, als die einzig haltbare und der Natur entsprechende darzustellen. Es sind mir in der östlichen Schweiz nur zwey Fundorte von Petrefacten gpuauer bekannt, die der Gruppe der sub- alpinischen Hügel angehören, der eine nahe bey Luzern, j der andere in den Umgebungen von St. Gallen. In der 377 Ueberreste von Meerthieren. Langischen Sammlung zu St. Urban' sah ich indeß Steinkerne von Panopäen, und. andere für diese Gruppe charak- teristische Petrefaeten, nach ihrem ganzen Habitus von den Belpberger, oder Längenberger nicht zu unterscheiden , die, nach den Etiquetten, von Berold-ingen, Canton Zürich, und vorn Krummenfluh, EWvn Luzern, herstammen sollen. In der Sammlung von. Hrn. Pfarrer Wyttenbach befinden fich ferner mehrere Stücke , , denjenigen vom Belp- berg oder von St. Gallen, sowohl nach der Steinart, als nach den Petrefaeten, vollkommen ähnlich, deren Etiquette auf Baden, also eine Juragcgend, hinweist. ES wäre wichtig auözumitteln, jn Mch?r HesüHMg' ^ dieses Lager zu dem Muschelsandstein von Älürenlos stehe. Deutliche Beweise der östlichen Fortsetzung unserer.Pecrefactenlager fand ich auch im Bregenzerwald, und lch zweifle nicht, daß man dieselbe, mit öfterer Unterbrechung, längs-der ganzen Alpen- kette nachweisen könnte. Luzern. - - .. , Der Rothe-See bey Luzern wird östlich von einem niedrigen Hügelzug begrenzt, dessen östlicher Abfall, in der Nähe der Tabackstampfe, an mehrern Stellen den nackten Fels zeigt. Die vorherrschende Gebirgsart ist feste Molasse, mehr untergeordnet find Nagelstuh- und graste Mergellager. Das- Fallen ist steil nördlich. Die Petrefaeten kommen dicht gedrängt, theils in dünnen Lagern oder Adern vor, die ohne Trennung den mürbem Mergel durchziehen,, theils in einer sehr festen, merglichten Molasse, die als Knauer im Mergel zu liegen scheint, ganz wie in den Braunkohlegruben zu St. Martin, und wie im Tennli. Die Mehrzahl derselben find Steinkerne, die noch mit einem weißen, mehlichten Ueberrest der Schale bedeckt find. In der Sammlung von Hrn. Mousson, dem ich die erste Anzeige dieses Fundorts verdanke, fand ich folgende Arten: 378 IV. Eap. Dritter Abschnitt. 1. Teilina. Nahe zusammenstimmend mit unserer Tel- lina (17)/ nur ist der HinMthcil kürzer. Mit Lappen der Schale/ auf denen man noch Spüren rother Farben zu sehen glaubt. 2. Tellina, Auch dic-Form von Tellina (17)/ nur breiter und der Vordercheil schnabelförmig dem obern Rand zu- gebogen. Sie unterscheidet sich auch durch ihre geringe Größe. Br. 30/ s. 16 . : In größter Menge/ oft alle andern Arten verdrängend. 3. Tellina. Einigermaaßen der, T. virZata ähnlich. Das Schloß in der Mitte, der Vo'rdertheil gerundet / der Hinter- theil enger zulaufende'''man'bemerkt keine Falte. Br. 39 / L. 28. - „ ■’ 4. Donax. Stejnkern/ der D. sulcata Brocchi tav. XIII/ f. 9 ähnlich, f ' . . ; r , 5. Venericardiä. Sehr breit / der Taztraria anZnstata Sow. t. 327 ähnlich/ aber das Schloß hat ausgezeichnete Schnabel/ .wie das der Cardien, und der hintere Rand ist fiügelartig ausgeschweift. Der hintere Muskeleindruck sehr stark. Die ungefähr zwölf Strahlen ganz so breit und gewölbt/ wie in der citirten Figur/ und am obern Rand wellenförmige Einbiegungen bildend/ , 6. Cardhun, mit 16 Rippen, länger als breit/ mit zu- rückgebogenen, Rates, vorn abgeschnitten,. Die Länge der größten 24. , ;r . Pinna.; Sehr gut mit P. saccata, Schröt^Sinl. t. lX /‘f. i7, übereinstimmend. Die obere Schale ist flach, und zeigt den Abdruck von acht bis zehn Längerunzeln; die untere Schale, ziemlich gewölbt, ist zum Theil noch erhalten, schuppigem Talk ähnlich. Die- Spitze ist abgebrochen; die vollständige Länge mochte bey 85 betragen. 8. Pecten. Abdruck einer Schale mit 16 Strahlen, gleichseitig. Br. 42, L. 36. Überreste von Meerthieren. 37g 9. Natica. Mit N. canrena übereinstimmend. Ziemlich häufig. : 10, Trochus. Form und Größe von T. zizyphinus, aber ohne Ringe / und die Windungen coneav. Die Schale ist noch erhalten. Vier Windungen und oben abgestumpft, hiedurch auch dem ,T. vorticosus Brocchi t. y> f- 14 ähnlich. I 11. Turritella. Deutliche Abdrücke von 1. terehra, mit mehlichtem Ueberzug. 12. Turritella triplicata. Turbo triplic. von Brocchi. So wie die vorige und die folgende Art, in größter Menge und gewöhnlich besser erhalten als in unsern Lagern. 13,. Turritella. Kleine Turritellen mit starken Ein- j schnitten, den vorigen nahe stehend; ohne deutliche Zeichnung auf den sehr konvexen, Windungen. Mit noch erhaltener, mehlichter Schale. Oft ausschließlich herrschend. 14. Fusus. Vielleicht F. funiculosus, aber zu beschädigt, als daß auch nur die Gattuug mit Sicherheit zu bestimmen wäre. Mit vielen Längerippen. v ' ‘ ■ ■ i7.‘Pyrula. Ganz die Form von P. Kcu5. Fein gegit- »ert, die Querrmge abwechselnd feiner und gröber. Länge iss. ' . 16. Pyrula. Das feine, netzartige Gesiecht der Ober- siäche und die Abplattung der Spitze erinnert an die vorige Art, aber die -Länge ist viel geringer, kaum sogroß als der Durchmesser, und die untere Windung oben stark angeschwol- len. Der Vorderrand ist zerstört. 17. Mitra.; Der M. crenifera Enc. pl. 370, f- 3 ähnlich in Form und Größe, aber nicht näher zu bestimmen. Fein gegittme Obersiäche. 18. Voluta. Bruchstück, vielleicht von V. mitrseformis Brocchi t. XV, f. 13, matt sieht nur den mittlern Theil der Schnecke und starke Rippen mit Querstreifen. 19. Conus. Eine Mittelart zwischen C. antediluvianus and c. Noe Brocchi, von der Größe und' Form des letztern, 380 IV. Cap. Dritter Abschnitt. tav. III, f. 3, nur ist die äußerste Windung, wie im erstem, in bedeutendem Abstand vom letzten Einschnitt angesetzt. Die obern Windungen steigen treppenartig aus einander hervor, was aber wohl von der Zerstörung der äußern Schale herrühren mag; auch haben fie nicht, so wenig als die unterste, eine scharfe Kante, wie im antedil., so daß, alö die Einschnitte mit Schalsubstan; ausgefüllt waren, die Treppenform ganz verschwunden seyn mochte. St. Gallen. Wir haben schon in einem der vorigen Abschnitte Gelegenheit gehabt, auf die große Analogie zwischen den geognofti- schen Verhältnissen der Gegend von St. Gallen und denen des Belpbergs und LängenbergS aufmerksam zu machen; viel auffallender, als in der Steinart und ihrer Lagerung, tritt uns diese Aehnlichkeit in dem Vorkommen, der Beschäffenheit und den Arten der Petrefacten entgegen, so täuschend, daß z. B. am Mufchelberg in der Nähe des HagebüchS, man stch an die Straße von Aeppeacker, oder in den. Hohlweg über TÄgertschi versetzt glauben könnte. Da eine eigene Beschreibung , sowohl der geögnostischen Lage, als der einzelnen Arten der Petrefacten, von Hrn. Dr. Schlüpfer in Trogen dem ersten Bande der neuen Alpina beygerückt worden ist/ so darf ich mich füglich enthalten mehr in'6 Einzelne einzutreten, um so mehr, da diese wichtige Arbeit doch die Hauptquelle meiner Angaben seyn würde. Die absolute Höhe von.St. Gallen wird von Wahlen- berg auf 2086 Fuß , oder 67s m angesetzt; ziehen wir davon die Höhe von Belp ab, um ste auf unser gewohntes Niveau zurückzuführen, so bleiben unö i4s ra . In dieser Höhe liegen, nach Hrn. Schlüpfer, die Petrefacten der Steingrube, die Straße im Hagebuch liegt gewiß nicht 300 höher, und beyde Stellen fallen also innerhalb der Niveaugrenzen, die wir M die Petrefacienlager in unserm Canton gefunden haben. Eine 381 Ueberreste von Meerthieren. Uebereinstimmung / die wir in einer Entfernung von 4o Stunden nicht erwarten durften/ und die wohl auch zum Theil zufällig seyn mag. Die Sternart ist dieselbe merglichte Molasse/ mürbe an der Oberfläche/ ziemlich fest/ wenn man sie tiefer angreift/ und in Schichten abgesondert/ die mit petrefactenleeren abwechseln. Die wenig ausgedehnten Anschürfungen und Profile gestatten indeß nicht/ wie an unserm Belpberg/ die ganze Folge der Lager zu bestimmen. Auch die Beschaffenheit und Erhaltung der Petrefacten stimmt ganz mit derjenigen der unsrigen überein: die meisten find Steinkerne / zuweilen mit weiße»/ mehlichten Lappen und Ueberreften der Schaft/ die Pectiniten und Austern gewöhnlich mit wenig veränderter Schale. Peirefacten auö unsrer Gegend und von St. Gallen neben einander gestellt lassen fich / wenn man nicht Arten wählt/ die dem einen von beyden Bezirken eigenthümlich sind/ unmöglich unterscheiden. Auf der andern Seite sind auch mehrere Aehnlichkeiten mit Luzern nicht zu verkennen: die Turbiniten mit erhaltener Schaft/ wie sie in der St. Galler Steingrube vorkommen/ haben wir bey'm Rothen-See/ aber nicht in der Gegend von Bern gesehen; auch mehrere ausgezeichnete Arten scheinen den Lagern von St. Gallen und Luzern gemeinschaftlich und eigenthümlich. Die zweyschaligen Conchylien sind sowohl an Individuen/ als an Arten sehr vorherrschend/ doch finden sich auch/ wie bey uns / Nester , die fast nur Turbiniten enthaften. Von den 49 durch Hrn. Schlüpfer bekannt gewordenen Arten stimmen beynahe der Drittel/ und zwar gerade die charakteristischen Und in größter Menge vorkommenden / mit den unsrigen überein / wie sich aus folgender Zusammenstellung ergiebt/ welche zugleich alö Synonimik der von Hrn. Schläpfer gewählten Benennungen mit den unsrigen dienen kann. In der ersten 382 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Reihe stehen die Namen von Hrn. Schlüpfer, in der zwey. ten die synonimen unsrer hiefigen Petrefaeten. Einschalige Turbo terebra >—-— exol.etus -- laevis -- belicinus Nerita canrena — ■— glaucina ■-oblonga Bulla ficus Buccinum laevigatum -tuberculatum >— -maculatum Murex tuberculatus -cancellatus Troclius excavatus --— rotundatus -striatus Helix rotundata -cömplanata — — planorbis Conüs striatus — — acuminatus Voluta episcopalis Patella laevis —.— striata Conchylien. Turritella terebra Ob T. triplicata? Natica canrena -glaucina Pyrula ficus in Luzern Ob Tr. n. 10 von Luzern? Ob die Natica (66) ? Zweyschalige Conchylien. Pecten Jacobseus -- maximus -striatus Pinna rudis | P. medius Ob P. dubius (54)? all tot S di< du H> let bei V, V, tttt in Ueberreste von Meerthieren. 383 Mya panopaea Panopaea -- pictorum Tellina V. papil. —— oblonga Venus papilionacea. Mytilus anatinus Modiola papuana Teilina radiata —• — virgata T. virgata Pholas dactylus Arca antiquata A. antiquata Concha Chione V. Islandica ■--— laevis V. papilionacea. ——■—> striata -lithophaga Donax scortum Ostrea edulis 0. edulis Cardium cardissa —-roseum -rusticum C. edulinum -edule Ob auch das vorige? ——— oblongum Solen legumen 8. legumen Ich muß bemerken, daß die Identität der Arten nicht allein nach den systematischen Beschreibungen Hrn. Schlüpfers, sondern, wenigstens zum Theil, unmittelbar nach einer Sammlung von St. Galler Petrefacten bestimmt worden ist, die unser Museum der Güte des Hrn. Zyli verdankt. - In dieser Sammlung finde ich die Turritella tripücata, die Hr. Schlüpfer wahrscheinlich unter der Benennung T. exo- letus anführt, in großer Menge; ein anderer Steinkern, den Hr. Schlüpfer nicht beschreibt, stimmt ganz mit der ^enericardia No. 5 von Luzern überein; die zweifelhaften Venuliten, die ich unter den beyden Namen, V. Islandica Und V. papilionacea zusammengestellt habe, find ebenfalls * tt großer Anzahl in dieser Sammlung vorhanden. 384 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Bregenzer-Wald. Ehe man von Bregenz her durch den Wald nach Langen kommt/ steigt man in einen tiefen Tobel hinunter/ zu einem einzelnen Häuft/ von dem an die Straße sogleich wieder aufwärts führt. Beynahe auf der Höhe wieder/ aber < im dichtesten Walde/ fand ich links einen hohen Fels/ an ^ dessen Fuß mehrere Stücke eines blauen/ sandigen Mergels voll Steinkerne und gebleichter Schalen lagen/ die mich auffallend an die Petrefacten des Belpbergs erinnerten. Ich erkannte Bruchstücke von Cardien und Venus/ und Steinkerne einschaliger Conchylien/ die den Gattungen Natica/ Turritella und Murex angehören möchten. Ueber mürben / schiefrigen Mergel/ aus dem fußdicke/ harte Lager hervor- ! standen/ kletterte ich aufwärts/ ohne das Petrefaetenlager/ das höchst wahrscheinlich in diese Mergelfolge eingelagert ist/ auffinden zu können. Ganz oben war der Mergel durch Nagelfluh bedeckt. Also auch hier/ nahe bey So Stunden östlich vorn Belpberg / gehören die Petrefacten dem nördlichfallenden Molasse- und Nagelfluhgebirge an/ und zwar der ; obersten / noch einmal von Nagelfluh bedeckten Folge von Molaffe- und Mergellagern. Um mir keinen Zweifel über die vollkommene Identität aller Verhältnisse zu lassen/ boten fich mir/ kaum eine Viertelstunde vor Lange«/ an einem Wege/ der von der Hauptstraße zu einigen tiefer liegenden Häusern führt/ Nagelfluhfelsen dar, die eine Menge Bruchstücke der großen dicken Auster einschliessen. Ob es große Blöcke find / oder anstehendes Gestein / konnte ich nicht entscheiden / aber auf jeden Fall muß man sie der obersten Nagelfluhmasse des Gebirges beyzählen. Ueberreste von Meerthieren. 385 Z. Vergleichung der subalpinischen Petrefacten mit denjenigen des Muschelsandfteins und fremder Formationen. Nicht bald sehn sich bey einer ersien flüchtigen Ansicht zwey Formationen so unähnlich , wie die der subalpinischen und der subjurassischen Petrefaetenlager. Diese erscheinen eonftant als die oberste Decke der Hügel/ so abgeschlossen von der übrigen Molasse , daß man zweifeln kann / ob sie wirklich noch derselben angehören/ oder eine eigenthümliche Formation für sich ausmachen; jene dagegen wechseln wiederholt mit petre- faetenleerer Molaffe/ und die Lager am westlichen Fuß der Bütschelegg mögen wohl eine ^ebirgSmasse von 300™ Dicke tragen. Die Gipfel der niedrigen Hügel am Jura vermögen nie die Höhe von 200™ über Belp zu übersteigen/ und bleiben mehr als 300™ unter den obern Lagern des Längenbergs. Sogar im Streichen und Fallen herrscht vollkommener Gegensatz/ und während wir im Gebiete des Muschelsandsteins oft im nämlichen Steinbruch vergeblich nach etwas Gemeinschaftlichem suchten/ tritt uns in dem großen Bezirke vom Schwarzwasser biö jenseits der Aare die bewunderungswürdigste Regelmäßigkeit entgegen. Das Vorkommen und die Erhaltung der Petrefacten selbst ist nicht weniger abweichend/ als es die Lagerungsverhältnisse sind. Im Muschelsandstein finden wir größtentheilö zerbrochene und in größter Unordnung durch einander geworfene Schalen/ in der subalpinischen Gruppe wohl erhaltene Steinkerne und unzerstörte/ geschlossene Muscheln/ die/ familienweise geordnet/ uns ein treues Bild des heutigen ruhigen Meerbodens darstellen. — Indeß muß wohl der entscheidende Ausspruch über Identität oder Verschiedenheit Zweyer Petrefacten-Formationen weder in der Lagerung noch selbst in dem äussem Habitus der Petrefacten/ sondern einzig in dem zoologischen Charakter ihrer Geschlechter und Arten gesucht werden; 'denn offenbar können eine Menge zufälliger 25 « 386 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Mftände jene aufs mannigfaltigste modifieiren , da sich hin, gegen kaum eine wesentliche Altersverschiedenheit zwischen zwey organischen Formationen annehmen läßt/ deren Thier- artüi größtentheilS dieselben sind m ). Vergleichen wir nun beyde Gruppen aus diesem letzten Gesichtspunkte/ so finden wir zwar in der subalpinischcn allerdings eine Menge von Conchylien/ die in der subjuras- sischen nicht vorzukommen scheine«/ und in dieser dagegen Ueberrefte von Thieren höherer Ordnungen/ die in der erster» fehlen / oder wenigstens sehr selten sind; aber die Gattungen der Conchylien des Muschelsandsteins sind ganz dieselben als die der Belpberger und Längenberger PetrefacieN/ und die wenigen Arten/ die sich in jener Gruppe näher bestimmen lassen/ vor allem die charakteristischen Cardien/ Atden sich auch in der snbalpinischen Gruppe sehr häufig/ die Fischzähne/ Bufoniten und Gaumenstücke/ ebenfalls charakteristische Begleiter des Muschelsändsteinö/ haben wir/ wenn auch in weit geringerer Anzahl/ doch in zum Theil ausgezeichnet schönen Exemplaren im Längenberg/ Belpberg und zu Tägertschi wiedergefunden. Die Petrefacten der Jurahügel/ die sich an den letzter« Fundorten noch nicht gezeigt habe»/ sind/ wie wir sehn werden/ in andern Ländern mit den Petrefaeten derselben gemengt; und überdieß geht auch daraus die Gleichartigkeit beyder Perrefactensysteme hervor/ daß keines derselben mit irgend einem dritten/ anderwärts vorkommenden/ besser übereinstimmt. Die zoologische Untersuchung scheint also allerdings der Vereinigung beyder Gruppen sehr günstig. Betrachten wir nun aber die übrigen Verhältnisse etwas genauer/ so zeigen sich auch in ihnen wider Vermuthen Aehnlichkeiten/ die wir nicht als blos zufällige betrachten dürfen. Die Schalen der Conchylien sind zwar in dbr einen Gruppe meist zerbrochen/ 1W ) S. die vortrefflichen Bemerkungen über diesen Gegenstand von He». BvoNgMart IM Journ. des Wnes. 0 387 Ueverreste von Meerthieren. in der andern öfters vollständig/ aber der Zustand der Schalsubstanz ist in beyden Gruppen nahezu derselbe; die Schalen der Pectiniten und Auster»/ ste seyen zertrümmert oder noch ganz/ find fast unverändert/ die der Cardien/ Venus und der einschaligen Conchylien so viel als verschwundM, nur die Cythereen-und Mactrenschalen in der Muschelnagelsiuh machen eine Ausnahme/ der man indeß auch analoge aus der andern Gruppe entgegenstellen könnte. Die Muschellager der subalpinischen Hügel/ obschon nicht/ wie die deö Muschel- sandsteinS/ fast ausschließlich die Decke der Hügel, bildend / gehören doch auffallend genug dem obersten Theile der Formation an: die reichsten und mächtigsten/ das MWpäen- lager/ die VenuSschicht/ die untere Petrefactenschicht? das Austernlager find da gleichsam zusammengedrängte die.Mannigfaltigkeit der Arten und ihre Menge nimmt.sichtbar, zu mit der Höhe der Lager/ alö ob erst gegen das Ende der Molassebilduug das organische Leben im damaligen Meere seine volle Entwicklung erreicht hätte/ und die vereinzelten Steinkerne und Schale»/ die wir in den tiefen.Graben des LängenbergS gefunden/ erregen kaum mehr unsere Aufmerksamkeit/ nachdem wir den Reichthum der obern Theile kennen gelernt haben; die Austernschicht endlich/ die an mehrern Stellen in eine harte Molasse mit zerstreuten Geröllen übergeht/ und öfters nur Bruchstücke von Schalen einschließt/ nähert fich auch in Rücksicht der Lagerung so sehr dsm Muschelsandstein oder der Nagelfluh von Utzigen , vom Juliinont und Bully/ daß man wohl an wirkliche Cominuität denken Möchte. . - Alles scheint demnach zu beweisen / daß beyde Gruppen/ wenn auch nicht in jeder Rücksicht/ doch in allem Wesentlichen/ so vollkommen übereinstimme«/ daß man sie als gleichzeitige Bildungen desselben Meeres betrachten kann. Die Verschiedenheiten zwischen ihnen mögen von localen Eigen-, thümlichkeiten herrühren. Der Muschelsandstein entstund viel- 25 * 388 IV. Cap. Dritter Abschnitt. leicht in tieferem Meeresgrund durch Anhäufung der durch Strömungen und Flüsse hergetriebenen Conchylientrümmer, Fischüberreste und Landthierknochen; nur die Cardien und Cythereen, vielleicht auch die Pectiniten, scheinen an Ort und Stelle gelebt zu haben. Die subalpinischen Lager dagegen stnd wohl die eigentliche Wohnftätte der Muscheln gewesen, ein seichtes Ufer von schlammigem Sand, in dem die feinen Schalthiere fich längere Zeit durch vermehren konnten, ohne von Strömungen oder von der Brandung beunruhigt zu werden. Bedeutende Einstürze höherer Sandmassen, oder momentane Anschwemmungen scheinen indeß diese Ruhe doch einige- male unterbrochen, und die ganze Muschelwelt auf einmal begraben zu haben; hiedurch mag die Natur des Ufergrundes zum Theil verändert worden seyn, so daß fich nicht mehr die- > selben Akten in demselben niederließen, und so mögen denn die verschiedenen Petrefaetenlager fich gebildet haben, die uns durch die Abstürze des Belpbergs und die Tobel des LängenbergS aufgedeckt werden. Man könnte leicht versucht seyn, das gegenseitige Verhältniß beyder Gruppen noch auf andere Art zu erklären. Einige der tiefern Lager des LängenbergS, z. B. das im Büt« schelgraben und daS im Maurgraben bey Obermuhleren stehn in Mehrern Rückfichten dem Muschelsandftem so nahe, daß man sie wahrscheinlich nicht davon unterscheiden würde, wenn nicht ihre mächtige Decke von Molasse, die wieder andere Petrefaetenlager enthält, eine, wenigstens vorläufige Trennung nothwendig machte. Da nun auch die Höhe dieser tiefern Lager mit derjenigen des Muschelsandsteins ziemlich gut übereinstimmt, so könnte man dieselben wohl auch als die wirkliche Fortsetzung dieses letztem betrachten, die in der Nähe der Alpen, wie die Molaffe-Formation überhaupt, von einer spätern mächtigen Ablagerung bedeckt worden wäre, und daher nur an einzelnen tief eingeriffenen Stellen zum Vorschein käme. Dieser Anficht, die fich übrigens nur auf Ueberreste von Meerthieren. 380 die unwesentliche Aehnlichkeit der GebirgSart und des Vorkommens der Petrefacten gründet/ und nicht auf nähere Uebereinstimmung der Petrefactenarten/ widersprechen indeß die Gesetze des Fallenö/ die wir in der subalpinischen Gruppe aufgefunden haben. Die höchsten Lager des Längenbergs sinken nämlich/ in Folge der N. O. Neigung der Schichte«/ bereits zu Tägertschi auf das mittlere Niveau des nächstge- legenen Muschelsandsteins von Utzigen/ und die untern Lager des Längenbergs/ so fern sie bis in diese Gegend andauerten/ müßten daher bedeutend tiefer liegen. ES ist aber auch dieses Andauern der Lager sehr zweifelhaft/ da wir in den vollständigen Profilen des Belpbergs keine Spur mehr davon finde»/ und dasjenige des Bütschelgrabens sogar ganz in der Nähe/ in der Schwarzwasserau/ schon auszubleiben scheint. Ausserdem setzt diese Ansicht voraus / daß die Grundlage der ganzen Molaffe-Formation ungefähr horizontal liege/ und die schiefe Neigung der obern Lager nur Folge sey der durch neue Ablagerungen entstandenen schiefen Fläche. Obschon nun zwar die Abnahme des Fallwinkels mit der Tieft/ und sogar unsere eigene Ansicht über die Bildung der subalpinischen Lager dieser Voraussetzung sehr günstig sind/ und ein fächerförmiges Zusammenlaufen der Lager gegen die Ebene nothwendig zu fordern scheine«/ so läßt sich doch leicht/ theils aus dem ParalleliömuS der nördlich fallenden Schichten in ausgedehnten Profilen/ z. P. an der Jlfis/ theils aus der Größe der Neigung / z. B. am Kurzenberg/ bey Luzern u. a. £>. erweisen / daß jene Voraussetzung durchaus nicht hinreiche, ein so allgemeines Phänomen genügend zu erkläre»/ und auf jeden Fall immer mit der Annahme einer spätern Hebung oder Einsenkung der Lager verbunden werden müsse. Die Meerformation / die wir so eben als eines der jüngsten Glieder der Molassebildung kennen gelernt habe»/ scheint 390 IV. Cap. Dritter Abschnitt. keineswegs auf das Thal zwischen den Alpen und dem Jura beschränkt/ sondern im genauesten Zusammenhang zu stehen mit analogen Ablagerungen/ die über den größten Theil von Europa und wahrscheinlich über dessen Grenzen hinaus verbreitet sind. Hr. Brongniart/ dem wir vorzüglich die nähere Kenntniß dieser merkwürdigen Bildungen verdanken / ist geneigt/ wie bereits in der Einleitung angeführt worden/ dieselben in eine untere und obere Meerformation zu trennen/ von denen die erste ihren Typus im Grobkalk von PariS und in der London-clay/ die andere in dem Sandstein von Montmartre und der Mergelbildung der subapenninischen Hügel fände. Derselben Ansicht stimmen Hr. Prevost und die englischen Geognosten bey/ da hingegen Hr. Beudam diese Trennung für eine illusorische zu halten/ und über dem Plastischen Thon nur eine Meerformation anzunehmen scheint/ die/ je nach Verschiedenheit der Gegenden oder des Grundes/ hier. die Petrefacten des Pariserkalks , dort die der italienischen Hügel enthalte. ES scheint dieser Gegenstand in der That noch näherer Aufklärung zu bedürfen , da auch die HH. Brongniart und Prevost nicht immer zu entscheiden wage»/ ob eine Ablagerung der obern oder der untern Meerformation beyzuzählen sey / oder ob beyde darin vereinigt vorkommen; behutsamer und folgerechter möchte es indeß auf jeden Fall seyn/ beyde Gruppen von neuern Meerpetrefacten/ die sich denn doch durch mehrereS wesentlich von einander unterscheiden/ noch getrennt zu halten/ bis ihr gleichzeitiger Ursprung wirklich erwiesen ist. Von der Formation des PariserkalkS unterscheidet sich die Meerformation der Molasse sowohl durch ihren ganzen geognostischen und petrographischen Charakter/ als durch ihre Petrefacten. Nirgends wird sie/ wie jene/ von einer Formation bedeckt/ die man für analog mit dem Gyps von Montmartre halten könnte. Die GebirgSart ferner ist ein wahrer Sandstein/ der mit Gerölllagern, wechselt/ und wohl in sandigen Kalk-- Ueberreste von Meerthieren. 3St mergel , aber niemals in eigentlichen Kalk übergeht. Die einzige deutlicher charakterisirte Muschelart, die sich zu Parts wiederfindet, ist Solen vagina, und zwar übertreffen die Exemplare, wie die der heutigen Meere und wie die subapenninischen, die Pariser bedeutend an Größe; in der London-clay kömmt N»- diola elegans vor; von den zweifelhaft bestimmten kommen nur Ostrea flabellula zu Grignon, Murex minax und Car- dium semigranulatum in der London - tlay vor. Dagegen fehlen uns die Nummuliten, Nautilus, Orbuliten u. s. w. ganz; die Cerithien, di< im Pariserkalk in so ausgezeichneter Mannigfaltigkeit erscheinen, find auf wenige und andere Arten beschränkt, und an ihrer Stelle herrschen Turritellen vor; es zeigen fich Austern und Peetiniten von ungewöhnlicher Größe und in auffallender Menge; viele Petrefacten endlich stimmen ganz überein mit Arten, die noch in unsern heutigen Meeren leben, da die Pariser hingegen fast ohne Ausnahme untergegangenen Arten angehören. Vergleichen wir dagegen unsere Petrefactenbildungen mit denjenigen/ die der obern Meerformation beygezählt werden, so treten uns in jeder Hinficht die auffallendsten Analogien entgegen, ja es scheinen fich die Eigenthümlichkeiten weit aus einander liegender Theile der Formation bey uns auf einem kleinen Raume zusammenzudrängen. Hr. Brongniart giebt von der Beschaffenheit der sub- krpenninischenHügel folgende allgemeine Beschreibung"^): „ Die Grundlage dieser Hügel ist ein oft lockerer und sandiger Mergel, der mit Lagern eines ziemlich festen, grauen oder bläulichen Kalkmergels abwechselt, welche ausschließlich die große Menge fossiler Muscheln einschließen, deren Abbildung und Beschreibung wir Hrn. Broechi verdanken; über diesem sandigen und glimmerhaltenden Mergel zeigt fich, fast ohne Ausnahme im ganzen Gebiet der subapenninischen Hügel, eine sandige, etwas thonige Bildung, von verschiedener Mächtig- 113 ) Env. de Paris, p. 429. 392 IV. Cap. Dritter Abschnitt. kett/ von weitem an ihrer braunröthlichen Farbe erkennbar/ welche einzelne feste Sandsteinlager mit kalkigem^ Bindmittel und fast immer/ besonders in der Höhe/ eine«/ oder mehrere Bänke mit großen. Austern/ sehr ähnlich der 0. hippo- pus/ großen Peetiniten und einigen andern Muschelgattungen einschließt; noch höher folgen Gerölle von verschiedenen/ besonders Kieselgebirgsarten/ und in dieser obersten Lage/ die hin und wieder auch noch Meereonchylien enthält/ sind die Ueberreste großerSäugethiere/ Elephanten/ Rhinocerosu.s.w. gefunden worden." Einer der ausgezeichnetsten dieser Hügel ist der Monte Mario bey Rom/ von dem schon im vorigen Jahrhundert der Abbe Mazeas iU )/ und später Hr. von Buch iiS ) Beschreibungen gegeben haben. Die Petrefacten finden sich in abgesonderten parallelen Lagern/ die mit Lagern von Sandstein/ Thon und fest verkütteten Geröllen/ diese besonders am Fuß/ abwechseln. „Es sind/" sagt Hr. von Buch/ „Bucarditen/ Peetiniten/ Chamiten/ wenige Mituliten/ (meistens Bival- verV"); ihre Form nehmen Sandkörner m, die eine talkartige Masse verbindet; höher hinauf erscheinen eine Menge Ostraciten von ansehnlicher Größe/ mit wenig veränderter Schale/ sie liegen alle über einander/ und kaum sieht man noch einige jener andern Versteinerungen in ihrer Nähe oder zwischen ihnen. — Wenn man/ ausserhalb der Porta Fabriea/ den vaticanischen Berg hinaufsteigt/ so sieht man den Sand-- stein in feinkörnigen Schichten hervortrete»/ und weiter hinauf findet man ihn als grobkörniges Conglomerat , in der Gegend der Ofteria Cruciano. Weiße und rothe Quarzstücke/ graulichweiße Kalkfteingeschiebe / oft ansehnliche Stücke von blutrothem/ muschlichem JaspiS/ oft Geschiebe von Feuer- ! stein/ Kieselschiefer und schwärzlichbraunem Uebergangskalk- 114 ) Savans etrang. T. VI. 115 ) Gcognost. Beobacht. II. S. 13 u. f. ilsi ) Mazeas p. 3. 393 Ueberreste von Meerthieren. stein, stnd durch eine Kalkmaffe verbunden, die häufig schon ein blättriges Gefüge annimmt, und durchaus mit kleinen j silberweißen und schwärzlichen Glimmerblättchen gemengt ist. ! Der feinkörnige Sandstein, in welchem das Bindmittel durchaus die Oberhand hat, wird durch diese Glimmerblättchen sehr glänzend, und erhält ein thonartigeö Ansetzn, obgleich die ganze Masse heftig mit Säuren aufbraust. — Diese grob - und feinkörnigen Schichten wechseln mehreremale über einander." Wer glaubt nicht hier die Beschreibung des BelpbergS zu lesen, seiner Nagelfiuhlager, die mit feinen Sandsteinen wechseln, und fast aus gleichen Geröllarten bestehen, seiner Petre- faeten, auch fast ausschließlich Bivalven, und nur Steinkerne, seiner Austerschicht, die den Hügel, wie alle dieser Gegend bedeckt? Und nun erst die Uebereinstimmung der Perrefaeten selbst! Die Zahl der mit einiger Zuverläßigkeit bestimmbaren Arten unserer Petrefacten beläuft stch, mit Ausschluß der St. Galler, ungefähr auf 4 o, und von diesen finden wir 21, und zwar gerade die ausgezeichnetsten in Brocchi wieder, nämlich: Laien vagina -strigilatus PanopEea Eaujas Tellina tumida Venus Islandica — — Chione •— — papilionacea Cardium edulinum --hians — -Clodiense Arca antiauata Pecten laticostatus — — dubius Brocchi. id. S. candidus Mya panopsea id. id. id. V. rotundata C. edule id. id. id. Ostrea latissima — — dubia 394 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Ostrea edulis Natica canrena — — glaucina Turritella tercbra — — — triplicata — —• ■— subangulata Cerithium lima Buccinujn corrugatum Brocchi, id. Nerita canrena — — glaucina Turbo terebra —> — triplicatus — — subangulatus Murex scaber id. Die Panopaea Faujas/ Venus Islandica und papil., Card. edule , Pect. laticostatus , Natica canrena und Turritella triplicata sind die fiir unsere Molasse wahrhaft charakteristischen Arte«/ und fast alle, besonders Panop. Fauj. und Natica canr. gehören auch in Italien zu den am allgemeinsten und in größter Menge verbreiteten. Mehrere Vergleichungen habe ich überdieß weggelassen, weil sie mir einen geringern Grad von Zuverläßigkeit zu haben schienen, z.B. Card. semi- granulatum mit Venus cypria, Modiola lithophaga mit Chama coralliophaga Br., Trochus zizyphinus mit Tr. cingulatus. Unter den St. Galler Petresacten finden Wir ferner noch folgende übereinstimmender Venus litliopbaga Cardium rusticura Modiola papuana Pecten Jacobseus — — maximus Pyrula ficus Tellina virgata Voluta episcopalis. Brocchi, id. id. Mytilus modiolus Ostrea Jacobaia — — xnaxima Bulla ficus. Ueberrefie von Meerthieren. 395 Das Petrefäct, das Hr. Schlüpfer lellina virgata be- j nennt/ versichert er in Italien sehr häufig gefunden zu haben, | die Voluta episc. citirt Hr. Brocchi als von andern angeführt. Auch die übrigen Petrefacten unserer Meerformation wer« den von Brocchi größtentheils unter den subapenninischen aufgezählt, so die Asterias auranciaca, die Fistulana echi- nata, die Zähne von Lyualus eareiaarias, galeu8 und cani- cula, die Ganmenftücke von Rochen. Ein vollständigeres Zusammentreffen zwischen den fossilen Thierarten beyder Länder hätte man kaum wünschen dürfen. Freylich läßt sich nicht läugnen, daß unsere Bestimmungen, theils wegen der mangelhaften Erhaltung der Petrefacten, theils weil ich mich beynah ausschließlich an Abbildungen halten mußte, den Vorwurf von Unzuverläßigkeit nicht ganz von sich abwälzen können; das Endresultat unserer Vergleichung kann aber durch mögliche Modifieationen dieses oder jenes einzelnen Elementes nicht gefährdet werden, denn der übereinstimmenden Arten sind zu viele, und mehrere derselben sind zu gut charakterisirt, als daß man mit einigem Grund auf alle Verdacht werfen könnte. Die HH. Brongniart und Prevost haben die Formation der subapenninischen Hügel zu Niee, Avignon, Montpellier, Narbonne und im Roussillon wiedergefunden, sie scheint längs den Alpen ziemlich weit nördlich anzusteigen. Auch am nördlichen Fuß der Pyrenäen kömmt nach Hrn. d'Aubuiffon eine sandige und merglichte Formation vor, die wahrscheinlich hieher zu zählen ist. JnderLangi- schen Sammlung zu St. Urban fand ich Petrefacten, die mit den unsrigen vollkommen übereinstimmen, unsrer andern eine j Panopsea Faujas oder Lutraria solenoides, welche aus Portugal herftammen sollen. Zu Angers an der Loire und in der Tourraine findet man ebenfalls deutliche Anzeigen dieser Conchylienlager, und so gelangen wir fast ohne ; Unterbrechung bis nach Pariö, wo die obere Meerformation 396 IV. Cap. Dritter Abschnitt. zuerst in ihrem Verhältnisse zu dem übrigen Tertiärgebirge untersucht und bestimmt worden ist. So wie der Monte Mario und die italienischen Hügel dem Belpberg und seiner Gruppe/ so sind in Frankreich andere dieser Formation angehörende Hügel mehr der Gruppe des Muschelsandsteins ähnlich. Der Unterschied zwischen den Ablagerungen am Fuß der höher» Gebirge und denen in der Ebene scheint sich demnach als ein allgemeiner zu bewähren. Ein Hügel bey Avignon besteht nach Hrn. Bron- gniart m ) aus folgenden Lagern: i) ganz oben ein sehr grober/kalkiger Sandstein/ der viele Muschelabdrücke/ die gestreiften Corbulen ähnlich seh»/ und viele Glossopetern einschließt/ 2 ) ein dichterer Sandstein/ mit kleinen späthigen Knoten/ die vielleicht von Echinitenstacheln herrühren. (Die Beschreibung dieser zwey Lager paßt vollkommen auf unsern Muschelsandstein/ die Corbulen scheinen unsere Cardien zu vertreten; 3) Molasse/ derjenigen von Lausanne sehr ähnlich/ mit Blätterabdrücken und sehr reich an Glimmer; 4) eine sandige Kalkbreeeie/ die fast nur aus zerbrochenen Muschelschale»/ Madreporen und Glossopetern zu beftehn scheint/ und in der man Wirbelstücke gefunden hat/ die Cetaeeen angehört zu haben scheinen. — Beynah sollte man glauben/ daß die beyden Lager des Muschelsandsteins und der Muschelnagelfluh/ deren gegenseitiges Verhältniß wir in der Schweiz vergebens aufzuhellen gesucht haben/ hier im nämlichen Hügel deutlich getrennt vorkommen. Von den Hügeln bey Angers an der Loire steht in den Ossem. foss. lu ) folgende Beschreibung: „Der mittäglich von der Loire gelegene Theil des Dep. Maine und Loire enthält mehrere Plateaup/ die aus einem grobe»/ dem Pariser ziemlich ähnlichen Muschelkalk besteh»/ bald so dicht/ daß er als Baustein dient/ bald aus kleinen Bruchstücken ver- ll7 ) Env. de Paris, p . 11S ) Oss. foss. V. ire p ar t. p. 266. Ueverreste von Meerthieren. 397 rge etn j ere | des !lb- i ene on- ro- ge- in- ;en ^ *tt I zu | H, j ne ! tU ; nd >rt die h/ ns ich en ch it- er 'ß r- schiedenartiger / ziemlich harter/ aber grob verkütteter Meerkörper zusammengesetzt; man unterscheidet darin Fragmente von Pectiniten/ Cardien/ Reteporen/ Miüeporen/ Quarz« gerölle/ aber nichts vollkommen ganzes/ mit einem Wort/ die Steinmassen sehn ganz aus/ wie Ablagerungen/ die durch Strömungen oder durch die Fluth in einer weniger bewegten Bucht wären gebildet worden/ und nicht durch ruhiges Niederfallen in einem Meere/ worin die Thiere/ deren Ueber- reste wir hier begraben finde»/ gelebt und ihr natürliches Ende erreicht hätten." — In dieser Muschelbreecie/ deren Beschreibung so vollkommen auf unsere Muschelnagelfluh paßt/ wurde»/ wie auf dem Bockftein/ Manatiknochen gefunden. Auch die Manatirippen/ die Hrn. Cuvier von andern Gegenden in Frankreich zugesandt worden find/ scheinen aus ähnlichen Ablagerungen herzuftammen: von Bordeaux aus einem groben Kalk/ der Meerkörper enthält/ von la Rochelle aus einem Kieselkalk (kalkiger Sandstein)/ dem viele Meerconchylien/ Hayfischzähne/ Fischwirbel und andere Ichthyolithen beyge- mengt waren / von Longjumeau bey Paris aus der deutlich charakterifirten obern Meerformation/ die hier nebst Meercon- chylien ebenfalls Hayfischzähne einschließt. In England werden von den HH. Phillips und Cony- beare drey Stellen der obern Meerformation beygezählt. 119 ) Der Crag oder Kies an der Küste von Suffolk/ aus lockerem / zuweilen durch Eisenocher schwach verküttetem Sand und Kies bestehend/ und eine Menge sehr gut erhaltener Con- chylien einschließend / die größtentheils mit denjenigen der benachbarten Meere übereinstimmen. Unter den angeführten Arten treffen folgende mit subalpinischen zusammen: Vemi5 rustica Turritella terebra Cardium edulinum ~ •—■ ■— conoidea Natica canrena Murex rugosus. — — glaucina ll O Geology of Engl. and Wales, p. 10 U. f. 398 IV. Cap. Dritter Abschnitt. Ausserdem werden nicht fetten Knochen und Zähne grösserer Thierarten gefunden/ die ganz von Eisenhydrat durchdrungen sind. Der Sand und Sandstein der Haide von Bagshot, westlich von London/ und die harten Sandsteine/ Grey-wea- thers oder Druidensteine/ aus denen größtentheils die Ruinen von Stonehenge und Amesbury bestehn. Die Grey-weathers schließen zuweilen Kieselgerölle ein/ und Hr. Buckland 12 °) vergleicht ste mit unserer Nagelstuh. Die unvollkommen erhaltenen Petrefacten sollen mit denen der obern Meerformation zu Paris übereinstimmen. Die hellgrünliche Mergelbildung/ die/ auf der Insel Wight/ der untern Süßwasserformatton von Headon-Hill aufliegt. Die Muscheln sind ausserordentlich häufig / vorzüglich gut erhalte»/ und können zum Theil von frischen des angrenzenden Meeres gar nicht unterschieden werden; nur wenige davon kommen .auch in der-London-clay vor. Die kleinen rundlichen Nieren von grünem verhärtetem Mergel/ die man als Begleiter dieser Muscheln findet , erinnern an die grünen Kugeln und Linsen im Muschelsandstein des Bucheckbergs. Einzelne Lager find ganz mit Austern angefiillt. Gegen Osten zu verlassen uns die Spuren dieser Bildungen von Stauffen in Süd-Baiern weg bis in die Gegend von Wien. Ich rann in den Werken der HH. von Flurl und Weiß nichts auffinde»/ das hieher zu beziehen wäre / denn alle ihre Angaben von Versteinerungen/ von Nummultten/ Echini- ten u. s. w./ im jüngern Sandstein/ find zuverläßig von dem grünen Aubrigsandftein und dem damit verbundenen Eisen- sandstein zu versteh». Desto erwünschter müssen uns daher die sorgfältigen Untersuchungen von Hrn. Prevost über die Petrefacrenlager am Kalenberg bey Wien seyn m ), durch welche das sporadische Vorkommen der subalpinischen Meer- "0) Struct. g^ogti. d e s Alpes. Jcmrn. de Ph. T. g3. p. 20 . 12 0 Journ. de Ph. X. AI. p. 347. 399 Ueberreste von formation längs der ganzen Alpenkette ausser Zweifel gesetzt wird. Ein sandiger Mergel, der Glimmer enthält, und nach der Höhe in einen kalkigen Sandstein übergeht, worin zerstreute ! Nagelfluhgerölle vorkommen, bildet im Thale von Baden kleine Hügel, die theils frey stehn, theils sich an den Fuß der Kalkalpen anlehnen. Es ist offenbar die östliche Fortsetzung un. ! serer Molasse, die in der Tiefe, was in der Schweiz selbst so häufig der Fall ist, zu Mergel geworden ist. Die Petresacten finden fich sowohl in dem obern Theile des Mergels, als in dem darüberliegenden Sandstein, vorzüglich aber in diesem, und ! ihre Beschaffenheit ist verschieden, je nach der Steinart, die sie umschließt: die Schalen find vollkommen erhalten in dem Kalksande, besser, wie es scheint, als in keinem unserer Lager, und ganz zerstört in dem harren Sandstein, oder dem weichen I Mergel, so daß nur die Steinkerne oder äusseren Abdrücke ge- j funden werden. Vermengt mit den Conchylien kommen auch I Hayfischzähne (sq. cornubicus) und Knochen von Süuge- thieren vor, ferner Echiniten, Madreporen und Serpulen. Die Gattungen der Conchylien find dieselben, die fich bey uns finden, nur scheinen die einschaligen ziemlich vorherrschend, da fie im Gegentheil in den meisten unserer Lager von den Muscheln fast verdrängt werden; ein Unterschied, der wohl größtenrheils zufällig ist, da auch in Luzern und noch mehr in St. Gallen fich unter den einschaligen Conchylien eine weit größere Mannigfaltigkeit als in der Gruppe des Belpbergs zeigt. Indxß ist es gewiß dieser Eigenthümlichkeit zuzuschreiben, daß von den 27 Arten, die Hr. Prevost anführt, nur zwey fich in unserm Verzeichniß wiederfinden, nämlich 8olen candidus und Cardium hians, die überdieß noch unter unsere zweifelhaften gehören. Alle jene 27 Arten werden dagegen, so wie die Hälfte unserer Arten, von Brocchi unter den subapenninischen aufgezählt, 20 andere Arten stimmen über- ein mit noch unbeschriebenen Petrefaeten, die Hr. Prevost in Sammlungen sah, die ebenfalls aus Italien herstammen, so 400 IV. Cap. Dritter Abschnitt. daß/ in Erwägung der übrigen Verhältnisse/ die Identität der Wienerformation mit der italienischen und also auch mit der unsrigen nicht bezweifelt werden kann. Nach Hrn. Beudants Beobachtungen wird die Molasse auch in Ungern von petrefacienhaltenden Kalk - und Sandsteinmassen bedeckt/ deren Lagerungsverhältnisse und zum Theil auch petrographischer Charakter auffallend mit denen unsers Muschelsandsteinö übereinstimmen. Aus mehreren Gründen glaubt indeß Hr. Beudant den größten Theil derselben nicht der Formation der subapenninischen Hügel/ sondern eher dem j groben Pariserkalk beyordnen zu sollen/ den er übrigens/ wie schon erwähnt worden/ mit jener für gleichzeitigen Ursprungs hält; einige hingegen fand er in der That mehr der Wiener und der südfranzösischen Formation genähert/ und wäre ge- ; neigt/ im Fall wirklich zwey Meerformationen unterschieden werden müßten/ dieselben der obern beyzuzählen. Das relative Alter unserer Süßwasser- und Meerbildungen ist schwer zu bestimmen/ weil fast immer dieselben in bedeutender Entfernung von einander vorkommen/ und auch wenn man sie irgendwo in Berührung fände/ der Zweifel bliebe/ ob/ was für ein Süßwasserlager gilt, Regel für alle sey. _ Halten wir uns an die allgemeinen Lagerungsverhältnisse/ so sehn wir in der Waadt Süßwasserlager und bey Guggisberg Meerlager/ welche die Nagelfiuh unterteufen/ bey Käpfnach wird die Braunkohle hoch von Molassr bedeckt/ im Bütschelgraben ein Meerlager 360"hoch, bey Sorvilier haben mir ein Süßwasserlager mitten im Muschelsandstein eingeschlossen gefunden/ und der Muschclsandstein anderer Gegenden enthält Meerconchylien und Landthierknochen regellos durcheinander gemengt/ in Niederöfterreich endlich ist eine Mastodomenkinnlade in dem obersten Lager eines Hügels gefunden worden/ der wahrscheinlich aus Muschel- sandstein 401 Ueberrefte von Meerthieren. sandstein besteht 122 ). Die nämlichen Abänderungen von Mo- lasse , Mergel und Nagelfluh umgeben die Süßwasserlager wie die Meerlager. Wenn nach diesem noch von Alteröverschie- denheit die Rede seyn kann, so möchte ich/ ungeacht der großem Schwierigkeiten / in die uns diese Annahme verwickelt/ eher die Süßwasserlager/ oder genauer die Braunkohlelager für die älter»/ die Meerlager für die jünger» halten. Die tiefliegenden Lager von Käpfnach und in der westlichen Schweiz stehen in ihrer vollen Entwicklung/ und zeigen einen großen Reichthum mannigfaltiger Petrefacten; die Meerlager zu GuggiSberg und im Bütschelgraben erscheinen dagegen nur arm und unbedeutend in Vergleichung mit den Lager»/ die in der Höhe vorkommen. Man hat ferner S. 256 gesehen, daß zu Lausanne/ also im Däch der Paudexlager/ Meereon- chylien gefunden werden. Bey Aarberg kommen die Thier- überreste fast am Ufer der Aare vor, der Muschelsandstein von Surenhorn liegt dagegen 238 m über derselben. Zu Unaü bey St. Urban, wo der Muschelsandftein auf allen Höhen erscheint, soll ein Braunkohleflötz mit Süßwassermnscheln der Molasse untergeordnet seyn. Die Lager von Käpfnach und Elgg endlich werden sehr hoch von Molasse und Nagelfluh bedeckt, und, in ungefähr mittlerem Abstände von den Alpen, erscheint zu Bremgarten und gegen Baden zu, ob wohl nicht auf der Albiökme selbst auch? der Muschelsandstein als die Decke der Hügel. ■ ' r : Wir kennen indeß unter der obern Meerformation keine Süßwasserbildungen im Tertiärgebirge, als die des Gypfts von Montmartre und die des Plastischen-Thons. Mit der letzter» haben wir unsere Braunkohlelager schon früher verglichen, und eine so bedeutende Verschiedercheir gefunden, daß eine Vereinigung beyder Formationen für sehr'gezwun-. gen und willkührlich erklärt werden müßte. Fast ebär so Ossem. foss. V, ade part., ?' 498. 26 -402 IV. Cap. Dritter Abschnitt. grundlos muß eine Zusammenstellung mit dem Gyps von Montmartre erscheine«/ da von allen den charakteristischen hohem Thierarten/ den Anoplotherien/ Paläotherien u. f. w. bis jetzt noch keine Spur in der Molaffe ist entdeckt worden / und unsere Braunkohlelager/ wenn man sie den fossilen Knochen nach claffisietren will/ sich jm Gegentheil eher den Di- luvialbtldungen verwandt zeigen. Entweder müssen wir da. her zwischen die obere Meerformation und den Gyps noch eine eigene Süßwasserformation einschalte»/ die sich von derjenigen des Gypfes durch ihre Thierarten und durch die Beschaffenheit ihrer Steinlager unterscheiden würde/ oder/ was weit mehr Wahrscheinlichkeit hat/ wir müssen unsere Braun- kohlelager ebenfalls der obern Weerformation beyzählen/ und uns ihr Verhältniß zu den Lager«/ die Meerproduete enthalten/ ungefähr eben so vorstelle«/ wie dasjenige/ das auch jetzt noch zwischen angrenzendem Land - und Meerboden statt findet. Das Vorkommen von Landthierüberresten und vielleicht-Süßwassermuscheln im Muschelsandstein/ dasjenige von Blättern und Pflanzentheilen zu Tägertschi/ und die Natur der- meisten Muschelgattungen , die in den Meerlagern gesunden werden/ scheint ohnedieß auf die Nähe von Land hinzudeuten. Nicht nur'-würde endlich durch diese letztere Erklärung die-Anomalie/ -die bis jetzt die Molasse als eine Ausnahme von den allgemeinen Keseyen der-Lagerfolge erscheinen ließ/ größtemheilS gehoben / und der richtige Blick der HH. Euvier und Brongniayt auch hier wieder bewährt/ sondern wir gewännen damit auch ein neues Beleg für die Identität unserer Formation mit der subalpinischen/ die bereits in so vielen andern Mcksichten eine so auffallende Uebereinstimmung gezeigt hat. Auch in ToSeana kommen nämlich die Dilu- vialknochen öfters mit den Conchylien der letzten Meerfor- matiosi gemengt vor / werden davon bedeckt/ und können durch keine scharfen,Grenzen von ihnen geschieden werden. Leider dürfen wir aber das Alter der Molasse-Formation Ueberreste von Meerthieren. 403 selbst nicht einzig von demjenigen ihrer Petrefacrenlagcr ab- hängen lassen. Ein sehr großer Theil der Formation ist nothwendig lange vor der Bildung dieser Lager vorhanden gewesen; die Molasse bildete den Boden, auf dem die Ma- stodomen und Rhinoceros lebten/ deren Ueberreste ste ein- schließen, und die Meeresufer/ in die sich die Venus und Panopäen eingruben, gehörten ebenfalls schon dieser Formation an. Unsere frühern Zweifel über das Durchgreifen der Petrefactenlager mitten durch die Masse der Hügel/ deren Abhänge ihr Ausgehendes darbieten/ sind zwar nun vollkommen gehoben, aber an vielen Stellen muß es doch immer noch ungewiß bleiben, ob die aufgelagerte Molasse wirklich neu gebildete, oder ob sie nur regenerirte sey, und die große Aehnlichkeit neuerer Flußalluvionen mit wahrer Molasse läßt uns auf eine noch täuschendere Annäherung älterer Meer- alluvionen zu derselben schließen. Die Möglichkeit, daß die Molasse-Formation, wie andere Sandfteinbildungen auch, an eigenthümlichen Petrefacren leer sey, und nur jüngere Lager zum Theil umhülle, läßt sich immer noch nicht siegreich bestreiken. — Es muß diese Ansicht besonders in einiger Entfernung von den Alpen und in der Nähe des Jura sich hervordrängen, wo die Süßwasser- und Muschelsand- sieinlager stets in dem jüngsten Theile, oder als Decke der Molasse-Formation erscheinen, und sich fast von derselben abzusondern streben. In der subalpinischen Zone läßt sie sich dagegen nicht in ihrer vollen Ausdehnung vertheidigen. Wir haben im Canton Freqburg und zu GuggiSberg die Petrefactenlager unter die große Nagelfluhmasse einfchiessen gesehen, und die frühere Untersuchung der südlichen Grenze der Formation und der Lagerungsverhältnisse des Nagelfluhgebirges berechtigt uns, von der westlichen Nagelfluh auch auf die der mittlern und östlichen Schweiz, des Rigi, des Appenzellerlandes, des Allgaus, zu schließen. Alle diese Massen und die mit ihnen wechselnden dichten und grobkör- 26 * 404 IV. Cap. Dritter Abschnitt.' Ueberreste rc. nigen Sandsteine, oder auch nur diejenigen von Vevay bis Guggisberg, kann man unmöglich für regenerirt halten/ indem sie selbst das Hauptgebirge ausmachen, und einer der beträchtlichsten und interessantesten Theile der Formation, das ganze südlich fallende Nagelfluhgebirge, muß daher immerhin für jünger als die obere Meerformation anerkannt werden. Mit diesem Gebirge stehen aber auch die Nagelfluh- und Molasselager in enger Verbindung, welche im Längen- berg, Belpberg, zu Tägmschi, bey Luzern und St. Gallen die subalpinischen Petrefactenlager decken, und was für jene angenommen wird, kann ohne Bedenken auch auf diese ausgedehnt werden. Während die Lagerfolge in der Nähe des Jura mit dem Muschelsandstein geschlossen blieb, scheint demnach an den Alpen die Bildung der Petrefactenlager wiederholt durch neue Molasseablagerungen unterbrochen , und die ganze Formation zuletzt durch das hohe Nagelfluhgebirge bedeckt worden zu seyn. 405 Schlußbemerkungen. Nachdem wjr nun alle die mannigfaltigen Bildungen/ die das große Thal der Schweiz erfüllen, nach ihren Bestand- theilen und ihren gegenseitigen Verhältnissen kennen gelernt haben, dürfen wir erst dem lange unterdrückten Wunsche Raum geben, wo möglich in die Geschichte der Urzeit einzudringen, die Zeuge der großen Umwälzungen war, deren Trümmer wir in jenen Bildungen erblicken. Ein deutlich bezeichneter Zeitpunkt hilft uns diese vielartigen Ereignisse in zwey große Epochen söndern, die wir nothwendig alö eine frühere und spätere anerkennen müssen, der Zeitpunkt nämlich, in dem unsere großen Querthäler entstanden, und der erste Grund zu der gegenwärtigen Form des Landes gelegt ward. Was stch von dieser Gestalt ganz unabhängig zeigt, und vielmehr durch dieselbe eine Störung erlitt, das muß derselben vorangegangen seyn; was dagegen in irgend einem Bedingungsverhältniß damit erscheint, das muß als späteres Ereigniß betrachtet werden. In jene Epoche fallen vier der wichtigsten Zeitmomente in der Geschichte der Molasse, ihre Entstehung, die Einmengung von Süßwasser-, Land- und Meerthieren, die Entstehung der Nagelfluh und die Einsenkung oder Aufrichtung der Schichten; in diese die Verbreitung der großen alpinischen Blöcke, die Ablagerung des mächtigen Diluvialkieses und der Anfang der Alluvial- bildungen. Die große Dicke der meisten Perrefactenlager und die wiederholte Erscheinung derselben in verschiedenen Höhen desselben Hügels beweist, daß zwischen der Bildung der untern Mlasse und der aufgelagerten Nagelfluh ein langer Zeitraum verflossen sey, in welchem die Ablagerung von Molasse und Nastelfluh zwar sticht vollkommen unterbrochen, •406 Schlußbenierkungen. aber doch sehr geschwächt und auf geringere Massen beschränkt war. — Aus dem Vorkommen der Süßwasser- und Land- thierüberrefte mitten zwischen Meerablagerungen haben wir vorhin auf eine geringe Höhe des Meeresspiegels und auf die Nähe von Land geschlossen, sey eS, daß während jenem Zeitraum wirklich Meer und Land neben einander bestanden, was den bisherigen Beobachtungen hinreichend entspricht, oder daß durch abwechselnde Hebungen und Senkungen des Bodens der nämliche Fleck Landes bald trocken gelegt, bald wieder vom Meere bedeckt ward, wodurch ein Alterniren von Süß- waffer- und Meerlagern erklärt werden könnte, wenn je die Beobachtung von Sorvilier weitere Folge erhalten sollte. Die starken Fallwinkel in der Molasse-Formation sind nur durch gewaltsame Veränderungen der Schichtenlage zu erklären, und die Gleichförmigkeit des Fallens längs der ganzen Alpenkette, die genaue Verbindung, in der es zu der Schichtenneigung der Kalkgebirge steht, die.Spuren endlich, die wir von diesem Zusammenhang auch in der Nähe des Jura und in seinen innern Thälern bemerken, deuten aus ein sehr großartiges Phänomen, an dem ein beträchtlicher Theil der Alpenkette, wenn nicht die ganze, und alle ihre nähern Umgebungen Antheil genommen haben müßen. — Die Fallwinkel werden immer stärker, je mehr man stch den Alpen nähert, und in den Gebirgen, die an den Kalk anstoßen, ist die Störung der frühern Schichtenlage am auffallendsten. Auf allen Hügeln der niedrigen Schweiz, im Seeland, im Aargau, durch die Cantone Zürich und Thurgau bis in's südliche Deutschland sehen wir den Muschelsandstein in wenig veränderten Verhältnissen, auf ziemlich gleicher Höhe, oft ganz horizontal, oder auf horizontaler Grundlage, in der subalpi- nischen Gruppe dagegen zeigen stch zwischen verschiedenen Punkten des nämlichen Petrefaetenlagers Höhenunterschiede von 400 und mehr Meter, daS stärkere Fallen bleibt auf große Distanzen eonstam, und auch die Grundlage, obschon mit gering i sche j rroi ! gen! UNd j wer Höl forr ! Mu ! bet, ; St, ; Lag | alte ! 103 alt, Hr. 15t Ba Mo 14C wä die grö 14c stei wi, M, Di jen ! au, ' gm i las * nu Schlußbemerkungen. 407' rmgerem Winkel, nimmt daran Theil. Es ist daher wahr- , scheinlich, daß die Katastrophe die Alpen vorzugsweise be- j troffen habe, und daß die größere Höhe der gegen fie anftei- ! genden Lager durch eine Hebung über das frühere Niveau ! und nicht durch ein Versinken gegen den Jura zu erklärt ! werden müsse. ! Noch auffallendere Resultate ergeben sich, wenn wir die. Höhen unserer Petrefactenlager mit denen der obern Meerformation anderer Länder zusammenstellen. Die Lager des j Muschelsandsteins , die wir als den vormaligen Meeresgrund ! betrachten können, liegen zwischen Tour la Moliere und Staufen auf einer Höhe von 550 bis 7oo™, und die geneigten ! Lager der subalpinifchen Hügel/ die mehr Aehnlichkeit mit ! alten Ufern zeigen/ erheben stch in der Bütschelegg bis auf ! 1030™. Dagegen setzt Hr. Prevost die Höhe der auch alS ein altes Gestade erscheinenden Lager bey Wien nur auf 220 ™; Hr. Beudant diejenige der Ungerischen Lager- auf 100 bis ISO™; Hr. Phillips die des CragS auf 20 ™, und die des Bagshot-Sandes auf höchstens iso™; die absolute Höhe von Montmartre beträgt nach den HH. Cuvier und Brongniart 140 ™/ und diejenige der Lager im südlichen Frankreich ist wahrscheinlich noch bedeutend geringer; die Stadt Turin und die dortigen reichen Lager liegen in einer Höhe von 230™; die größte Höhe des Monte Mario beträgt nach Hr. von Buch. 140™, die meisten Punkte in Toöeana mögen wohl nicht höher steigen/ und nur in Romagna treffen wir zu Sän Marin» wieder auf eine Höhe von 7oo™, die Hr. Broechi als das Maximum der subapenninischen Tertiär-Formation betrachtet. Die Höhedifferenzen der Lager/ und zwar nicht nur derjenigen/ die als früherer Meeresgrund erscheinen/ sondern ! auch solcher, die durch die Gattungen, die Gruppirung und 1 gute Erhaltung ihrer Conchvlien mehr auf alte Ufer schließen j lassen, steigen demnach wenigstens auf 900™. So wenig wir > nun auch bis jetzt von der zoologischen Topographie des Mee- -408 Schlußhemerkungem res kenne»/ sollst es doch/ theils nach den Beobachtungen von Olivi / theils nach der Analogie dessen / was wir über dem Meere sehen/ höchst unwahrscheinlich / daß/ nicht nur einzelne Arten von Conchylren/ sondern eine große Menge gleicher Gattungen und Arten familienweise unter so sehr verschiedenen Verhältnissen gelebt , und ohne die geringsten Folgen für ihre Organisation/ an der einen Stelle einen um nahezu 90 Atmosphären stärker» Druck/ als an der andern ausgehalten haben; ja es läßt stch sogar die Möglichkeit bezweifeln / daß die zartschaligen/ zerbrechlichen Arten/ die man in den tiefern/ wie in den höher» Lagern findet/ unter jenem Druck hätten existiren können. Fast sollte man daher glauben/ daß jene starken Höhenunterschiede nicht sowohl eine bedeutende Abweichung des frühern zoologischen Haushalts von dem jetzigen/ als vielmehr eine sehr in'S Große gehende Veränderung des Niveaus der alten Meeresufer andeuten/ entweder/ daß wir annehmen/ das Meer selbst habe sich nach und nach von den höher« Punkten auf die tiefern zurückgezogen/ was usts aber in Bezug auf die einzige obere Meerformaiion in alle die Schwierigkeiten verwickeln würde/ die man bey dieser Hypothese findet / wenn man die Entstehung der ganzen Lagerfolge damit erklären will/ oder/ daß wir/ in Uebereinstim- mung mit unsern frühern Vermuthungen/ in dem scheinbar festen Boden den Stammsitz dieser Umwälzungen suchen / und alle Hähern Punkte mit ihrer Umgebung als aus dem heutigen Meeresgrund emporgestiegene betrachten. Drey der allerwichtigsten Thatsachen/ die Beschaffenheit und Zusammensetzung der Nagelfluh/ die Neigung der Schichten und die absolute Höhe der Pmefaetenlager vereinigen sich daher / uns zu einem Resultate zu führen , zu dem stch die neuere Geologie überhaupt immer mehr hinneigt/ und das erst kürzlich durch die wichtigen Arbeiten der HH. von Humboldt/ von Buch und von Hof eine wissenschaftliche Be- gründung erhalten hat, zu der Ansicht/ daß die Gebirgsketten - Schlußbemerkungen. 409 ! durch unterirdische Kräfte über Spalten der Erdrinde hervorgestoßen, und ganze Länder durch ein blasenartiges Anfchwel- ■ len über den Meeresgrund erhoben worden seyen. ! Wir haben mehreremale Gelegenheit gehabt, die sonder- j bare, bis in allen Detail der GebirgSstruetur sich zeigende Gleichförmigkeit unserer und der italiänischen Tertiär-Formationen zu bewundern. Festere Petrefactenlager wechseln, in den Hügeln diesseits und jenseits der Alpen, mit Molasse , und Mergel, und eine Geröllschicht mit Muschel - und Knochen- fragmenten bildet die Decke der Hügel; die höhern Thierarten, die unsere Molasse auszeichnen, die Maftodomen und Rhi- noeeros, sind auch in Piemont, in Toscana und im südlichen Frankreich die charakteristischen; unsere Meereonchy- lien stimmen mit den subapenninischen weit besser überein, als mit denjenigen des mittlern und nördlichen Frankreichs, oder als mit den deutschen; sogar die Süßwasscr- und Landschnecken finden die ihnen analogen Arten größtemheils im südlichen Frankreich und in Italien, und die wenigen bestimmbaren Pflanzenformen, die Palmen von Lausanne und Käpfnach und das Rohr von Freyburg, deuten ebenfalls auf ein mittägliches, wenn auch nicht gerade auf ein tropisches Klima. Ist vielleicht zu der Zeit, als diese Thier- und Pflanzenwelt in frischem Leben stand, die hohe Grenzmauer deS Süden und Nordens noch gar nicht, oder nicht in so colossalen, weit in die Schneeregion hinaufsteigenden Massen vorhanden gewesen? Standen einst die subapenninischen und subalpinischen Hügel in unmittelbarer Berührung? — Merkwürdig genug scheint der Untergang der frühern Organisation zusammenzutreffen mit dem Aufthürmen der hohen Nagelfluhgebirge, der Aufrichtung und dem Einstürzen unserer Gebirgsjäger und der Entstehung der großen Querthäler. Dürfen wir uns erlauben, in diesem Dunkel noch einen Schritt weiter vorzudringen, so möchte vielleicht die Nagelfluh, die von den Meerlagern bedeckt wird , und die im All- *10 Schlußbemerkungen. gemeinen durch ihre Geschiebe sich von der südlich fallenden Nagelfluh unterscheidet, auf ein ähnliches, aber älteres Phänomen hindeuten, das zum Theil auf andere Gebirgsfor- mationen eingewirkt und einen langsamern Gang genommen, daher auch nicht so gewaltsame Katastrophen hervorgebracht hätte, und die genaue Verbindung dieser ältern Nagelfluh mit der Molasse möchte endlich selbst einiges Licht auf den Ursprung der ganzen Formation werfen. 411 Tafel der absoluten Höhen. Trigonometrisch bestimmte. (T Trechsel, i- Lüthardt). Aarberg / Aare ... T 44Sjn Bantiger / Gipfel T 950 Belpberg, Harzeren T 909 Vera/ Gipfel T 1731 Bern, Aare T SIS Vieler-See T 431,4 Bütschelegg, Gipfel . L 1036 Gurnigel/ ob. . . L 1554 Gurten, Signal . L 866 Hallstädtegg, Gurnigelberge L i4is Meyenried, Aare . 1 T 427/5 SWurten» T 432,4 Napf, Signal T l4l3 Neuenburger- See T 432,2 Pfeife, Gurnigelberge L 1657 RiggiSberg, Kirche L 812 Riggisberg, Schloß . . L 830 Rüggisberg, Dorf L 933 RüggiSbergegg L 1054 Schupfen, Gurnigelberge . L 1726 Schwendelberg, bey Guggisberg L 1300 Scelisbühl, Gurnigelberge L 1753 Solothurn, Aare T 425/5 Thun, Aare . T 572 WahlenhauS, bey GuggerShorn L 1125 Zimmerwald, Kirche . . L 868 Barometrisch bestimmte. (Die erste Ziffer bezeichnet die Anzahl der Beobachtungen). Aeppeacker, unteres Petrefactenlager . . . . s § 06 m --— oberes-— . . . . 4 917 Aefchj, am Bantiger/Petrefactcn .... i 667 412 Aeschlenalp/ oberste HöhedeS BuchholterbergS . Belp, Thalboden bey'm Pfarrhaus . . . Bevilard , Hügek von Mufchelfandstein Bockstein, auf dem Bucheckberg . . . . Buacker, Steinbruch ...... Bucheckberg/Mufchelfandstem über Balm . . Bütfchelegg/ unterstes Petrefactenlager bey Bungerten -— Panopäenlager . -- Austernlager. Bütfchelgraben, Petrefactenlager . . . . Court, östlicher Süßwasserhügcl . . . . -, westlicher- -, Wasserscheide gegen St. Joseph Dentenberg, Steinbruch ...... Falkenstuh, große Granitblöcke . . . . . — — —, Block östlich vom Signal Frienisberg, oberste Höhe . . - Gerzensee, Nagelfluhlagrr ...... — -, Austernlager . . . . . Guggisberg, Petrefactenlager . . . . . GünSberg, bey Solothurn, große Blöcke . Gurten, Petrefactenlager ...... — —, Terrasse ... Gutenbrünnenfluh, Mergellager . . . - GySnaussuh, bey Burgdorf, oberste Höhe, in einem Steinbruch ....... HaSli, im Grund, an der Aare . . . . . Hohburg, mittlere Nagelfluhmasse . . . . -, unterstes Petrefactenlager an der Straße . -, Panöpöenlager an der Straße -, obere Austernagelfluh an der Straße, untere Ablösung.. -, Muschclfluh ....... -—, Panopäenlager, südliches Ende Hütligen, Austernagelfluh ...... ZenSberg , Steinbruch auf der Höhe .... Jmi, unterstes Petrefactenlager. —, Panopäenlager ....... —, obere Ebene ....... —, westliche Spitze . . 1 3 1 2 1 2 1 2 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 2 1 1 1 1 3 1 4 3 2 1 1 2 1 3 3» ) r z s z 4 5 7 2 2 7 5 5 5 4 0 3 5 0 8 5 1 7 9 0 5 6 0 4 7 5 7 0 2 3 3 413 Jmi, östliche Spitze ...... Julimont, Steinbruch an der Nordseite Lengnau, große Blöcke ..... Liddiwyl, große Blöcke. Marchbach, untere Ablösung der mittlern Nagelfluh — -, unteres Petrefactenlager . -/ Panopaenlagcr « . . . . . Mistelachberg, Signal . ... Raters, Signal . . . ... Oberaar , untere Absonderung der mittlern Nagelfluh — — / obere - » » * -- * — — / Panopä'enlager am nördlichen Ende der Fels — —, Austernlager * * - - - - — —, Panopöenlager am südlichen Ende der Felsen Oberdorf bey Solothur» . . . - . Obermuhleren , Sodbrunnen im Dorf -, Petrefactenlager im Maurgraben -/ - * - gegen Aeppeacker zu Raumsthal, Steinbruch, Gegend von B«gdorf Gchnotwyl^ Steinbruch . . . Gchwarzenegg, Kirche . . . . . Schwarz-See . . . . . . . Seyrie, Steinbruch, bey Tour ka Mokiere Sorvilier, Thalgrund . . Gtauffenhubel ....... Gurenhorn, Steinbruch . . . . . Tennli, bey Münsingen, Petrefactenlager . Tschuggen, Petrefactenlager im Ried -—, , . - - unter Bumishau -, . - - - bey'm Nußbaum -, Nagelfluhlager mit Austern . -, Gipfel . . . . . . Utzigcn, Steinbruch . » — —, große Blöcke . . . Walkringen, große Blöcke ..... Weinhalde, bey Tägertschi, Petrefactenlager Wolfsmatt, Austernlager . - . . - . i 558 . i 700 » i 868 i 567 5 662 4 690 1 642 2 1222 1 587 ; 1 645 en 1 748 ; 1 759 3 709 1 570 1 861 . 3 8 66 '2 894 1 700 3 547 1 930 • 1 1059 1 590 . 1 701 1 1157 1 686 ♦ 3 673 r 819 !§ i 808 i 903 : i 935 - i 997 i 705 i 867 . l 910 . 3 669 « 1 758 41 4 Inhalt. Erstes Capitel. Die äußern Formen der Gebirge, Hügel und Thäler . . Seite 1 Zweytes Capitel. Geognostische Beschreibung .24 Erster Abschnitt. Grenzen der Molasse-Formation 25 I. Südliche Grenze . , . . . . 25 Gruppe der Schweins- und Gurnigelberge 26 Gruppe von Ralligen .... 37 Gruppe der Bäuchlen, Lochseite und Honeggen 51 Der Rigi ' . . . . . . 60 Fortsetzung mKh Osten .... 64 II. Oeftliche und westliche Grenze . . 67 III. Nördliche Grenze .... 68 Zweyter Abschnitt. Gebirgsarten der Molaffe- Formation . . . . ,. . 71 I. SNolasse 72 Gruppe vou Schangnau «Ud Luzern . 72 Gruppe von Bern . . Gruppe des Seelandes . . . . II. Nagelfluh. Gruppe von Guggisberg . Gruppe von Thun . . . v . Gruppe der Bäuchlen und Lochi'eite. Gruppe des EmmemhalS . . . Gruppe des Belpbergs . . . Oestliche Schweiz und Süd- Barern III. Muschelsandstein . Sandstein . . Nagelfluh. 78 95 106 111 116 128 131 138 154 174 17 5 1S 5 )e- : l 24 25 25 26 37 51 60 64 67 68 71 72 72 78 95 06 11 16 28 31 38 5 4 74 76 85 itteS Capttel. Neuere Bildungen 415 Seite 195 Erster Abschnitt. Diluvial-Formationen 198 I. Kies- und Sandlager * 198 11. GebirgSschutt und große Blöcke ' . 204 Im Aarchal ... ♦ 211 Im Rhonethals . . . . 222 Zweyter Abschnitt. Alluvial-Formationen 231 I. Quellen . . ... 232 II. Geschieh-/ Sand- und Lehmbänke * 234 III. Kalktuff . ,. . . . 236 IV. Torfmoore .. . . . 236 V. Dammerde , - . . . . . - * 240 rtes Capjtcl. Fossile Körper . 243 Erster Abschnitt. Fossile Ueberreste von Vegeta- bilien . . . ... 253 Zweyter Abschnitt. Süßwafferbildungen Ueberreste von Landthieren . und 265 I. Braunkohlelager .... . 269 Paudex ....... . 269 Belmont . . ♦ 270 St. Saphorin . . . 270 Oron . . . 270 Semsale,. . . .. 270 St..Martin . ' . . '. . 271 Käpfnach ' . ,‘ i . . . 274 Elgg. 279 II. Stinksteinlager .... 284 Goumoens . . . . . . 285 Boudry . . . ' . . 285 Court. . 286 Oeningen .... * ♦ 289 III. Ueberreste größerer Thiere in Molasse 293 Aarberg . . . . . . . 293 IV. Steinkerne von Schnecken in harten Knauern 295 416 Dritter Abschnitt. Ueberreste von Meerthieren S. 298 I. Petrefacten des Mufchelfandsteins . . 299 II. Petrefacten der subalpinifchen Hügel . 313 1. Zoologischer Theil .... 313 2. Topographischer Theil . . . 336 Rechtes Aarufer zwischen Thun und Bern 338 Der Belpberg . . . . . 348 Der Längenberg . . . . . 356 Luzern . . . . . . 377 St. Gallen . . ... 380 Bregenzerwald . . . . • . 384 3. Vergleichung der subalpinifchen Petrefacten mit denjenigen des Muschelsand- ... fteins und fremder Formationen . . 385 Schlußbemerkungen . . . . . 465 Tafel der ^absoluten Höhen . . . , 411 Druckfehler. S. 60 List. 2 von oben/ statt erstern lies erstere. — 28 t— 4 — unten/— ganze — geognoüische. — 354 — — oben/ — 5m — im. k 8 9 3 3 6 8 8 6 7 0 4 i5 >5 1 Register« (V. bezeichnet die Vorrede.) Aar, ihre Geschiebe, 234. Aarberg, geogn. Verh., 100. Fossile Knochen, 2S3. A a r g a u, Hügelformen, 12. Muschelsandstein, 180. Aargaüersandstein, istMu- schclsandstein, V. 13. Aärthal, beschrieben, 15. FelS- blöcke, 211. A epp eacke r, Petref.-Lager, 365. Alire, Äussere Form, 3. A llu v ia l-Foriüationen, 231 . Alp enkette , Äussere Formen, V. 3. Entstehung, 4o6. Ammoniten, in der Molasse, 249 / 252 : ' Amphibolitcn, beyNeuenegg, 223, bey BäriSwyl, 226. AmpuUaria, 308. Amsoldingen, Gegend, 4. — Skcinarten, 116, Felsblöcke, 213. Anaplotherien, in der Molasse, 294. Anatina, 317 . Andrea, über Berlingen, 309 . Angers, obere Meerform, 396. A n 0 d 0 n t a, 278. Appenjcll, Plateau, 13, Nagelfluhgebirge , 155 , Arca, 325. AflcriaS, 315. Aubuifson, d', Alter her Molasse, V. 16. M. an den Pyrr- NÄen, 67. Angern, s. Ostrea. Äustern Iager, 346, s. Lage math.'bestimmt, 373. A vign on, obere Meerform,,396. B. Babiru ssa, fossil, 294.' Baden, Petref., 377. Bagfhot- Sand, beschrieben, 398.' Baiern, Süd-, Molasse, 67, 71, Nagelfluh, 157, Congloin. am Bolzen, 172, Muschelsandstein,' 181. Braunkohle, 28i. Meerpclrefacte», 398 , Bala» us, 312. 315. 1 Ba 1 lenbü hl, große Blöcfe, 217. Bantiger, Lage, 9 . Form, 10. Muschelsandst., 179 . Felsblöcke, 217. 220. Petref., 347. BÄriswyl, Felsblöcke, 226. Basel, Molaffe; 70. Petrefac- tcn, 312. BÄuchlcn,5. Gruppe der, J>2. Nagclfluh, 128 . 27 418 ,, Register. Belemniten, amGurnigel,3i, in der Molasse / 25i. Bclmont, Braunkohle/ 270. Belpberg / Form / 7. Nagelfluh/ 138. Felsblöcke, 2i§. Pe- trefacten, 348, mit Monte Mario verglichen/ 393. Vera, Form/ 3. io. GebirgS- art, 32. Berlin gen / Petref., 309. B e r n / Kieslager / iss. 202. Gab- bro / 226. Beroldingen, Petref./. ,377. 58 e f 111 n ’b /'' ü 6 e t $ c 11 e f, / 249., Bettlach /'^elsblöcke, 221." B end ant/ Alter der M., P. 18. über die M. in Ungern f 67/ über die obere Meerform , 4oo. ^. Biber, fossil, 278. ./, . Viel/ Fetsblocke/ 22U 254. Bittersalz/ in der M./ 94. Blase«/ Lage, 9 , geognostische Beschaffenheit/ 136. r 0 Blatter,abdrücke, überBallig gen / 4o, in der Mölasse, 33.236/ im Tuff/ 236. . ' . Blöcke/ im Habkere,nthal/ 163. bey i^ch'angnau / 169/ am Bol- gen/1/2, im Schuttgebirge/, 204/ Ursprung ders./ 208, rm Aarthgl, 211 / ihre Kahn, 218/ im Rhonethal/, 222/ am.Iura/ 222/ bey Uebersdorf/, 223.. - Blume, 4 . Bonnard, Alter der M-, V. 16. Boudry, Gyps/ 103, Stink- stein, 283. B v u«, über den Alpenkalk, V. 9. Bourdet, über sosM Schildkröten, 293, überTour laR.,30i. Bourguet, über Petref., 249. Bramegg, Molaffe, 60. Braunkohle, im Gurnigel« sandstein, 28. Zu Ralligen,39, an der Biiuchlen, 32, bey Strät- ligen, 201, Beschreibung, 238, Neuere Entstehung, 263, Bedeutung , 282 , im Courtlhal, 293. Braunkohlesandstein, für Molaffe, 95.42. Breeeie, in der Nagelfluh, 142. Bregenzerwald, Petref.,384. Brinn au, Muschelsandst., 180. Nagelfluh, 193., , Broc, Steinart, 32. : Brochant, über die großen Blöcke, 210.220. Bronginget, über den Alpen- kalk, V. 9 , über das Alter.der Mol., V, 19, über Oeningen-WO, beschreibt die suhalp. Hügel, 391, einen HÜHel,bey,Lvignon/ 396^ Brügge ^agDuh, 130. Brünig, Dranitblöcke, 212. , Brunn«r, analy.sirt die, harten Knauer, 98, die grünen.Körner , 173. .. t Brükt etc n / Nagelfluh, 192. Buacker, fossile Schnecken, 293. Buccinuine 30s. 334. - Buch, v 0 y, Aufrichten der Kalkgebirge , B. 6. Bestimmung der alpin. Kal.kform , D.7, über die Moj..Format., B. 27, über Bon- dry, 68. 103, über Conglomcrat- Bildung, 163, die Congl. von Sepev, 171, über die große» Blöcke, 207, befchr. den Monte Mario, 392. . lucheckberg, Form, 11, M»' Register. A 19 schelsandfl.,178, große Blöcke, 227. Buchholtcrberg, Form, 5, Nagelfluh, 58, Mergel, 102. Buckland, über den Alpenkalk, D. 8, über das Alter der Molasse, V. 18. Bufoniten, s. Fischüberreste. Bür en, große Blöcke, 227. Burgdorf, Muschelsandfl., 180, große Blöcke, 226. Bütschelegg, 4. Petrefacten, 359. Bütschelgraben, Petr., 357. Verhöltn. ders. zur Mol.-Form. 375, zum Muschelsandfl., 388. C. Cancellaria, 333. Card«um, 306. 323. 378. C a ssr S, 307. Cerithium, 307. 3ii. 333. ChaeropotamuS, in der Molasse, 294. C h a m b r i e r, über die Nagelfluh, V. 33, über die Riginagelfluh, 61. Charpentier, über den Alpenkalk, V. 8. Chavannes, über den Chamoe- rops, 257. Conglomerat, Gerölle in der Nagelfluh, 130, Bildung, 165, im Habkerenthal, 168, beyFru- tigen,i7o, bey Gfleig,i7i, zu Sepey, 171, am Bvlgen, 172, des Rbonethals, 222. 224. CVNUS, 308. 379 . CorbiS, 319 . Corbula, 317 . Court, Muschelsandsiein, isi, Stinkflein, 286, Braunkohle, 293, Meerpetref., 310 Crag, mit der Molasse verglichen, 397. Cruflaceen, fossile, 305. CvclaS, 272 . Cvrene, 277. Cytherea, 3oS. 320. D. Dammerde, 24o. Därligen, Granitblöcke,213. Deleroz, über die Höhe von Bern, B. 29. Dentalien, 305. Dentenberg, Muschelsandflcin, 179, große Blöcke, 217. Dillingerberg, 289. Diluvium», 196. Donax, 319. 378. Dotzingerberg, Form, 11, Nagelfluh, 190. E. Eb el, über die Nagelfluh, V. 10, 58.33, über die Mol.-Form,D.ii, über die Molasse dcSZuger-GeeS, 62, über den Tiefenbachtobel,62, über die großen Blöcke, 207, über die Petref. der Mol., 25i, Ebnat, im Längenberg, 4. Egeri, Plateau, 12. Eggiwyl, große Blöcke, 214. Einsicdlen, Plateau, 13, Steinarten, 64. Eisenblau, im Torf, 237. Eisenocher, im Torf,.237. Eisenstein, Beschr , 128. 213. Eisenwasser, in der Mol., 233, Entstehung, 262. 420 Register. Elgg, 279 . Ellipsoidische Struktur, itt der Mol./ 86, in der Nagelfluh, 187. Emme, ihr Lauf, 20 . Emmethal, seine Hügel, 7, LagerungSverhällnisse, 66. 134, Nagelfluh, i3i. Goldsand, 233. England, obere Meerform,397. Entlebuch, seine Hügel, 7. Lagerungsverhältnisse, 134. Enzi, 7. Escher von der Linth, über den Alpenkalk, D. 8, über die Nagelfluh, V. io, über die Mol. Format., V. h, über die Nagelfluh, V. 33, über die Molasse des Zuger-SeeS, 62, über denTicfen- bachtobcl, 62, über die großen Blöcke, 207. F. Falkenfluh, Umbiegen der Schichten, 68, große Blöcke, 215. Feldspatb, Gerölle in der Nagelfluh , 123 . 142. Fischotter, fossile, 302. Fischüberreüe, 301. 335. Fistulanen, fossile, 305, Flurl, von, über die Molasse in Baiern, 67. Fontaine, Chan.,Samml.,233. Fossile Körper, s. Petrefaeten. Frankreich, Molasse, 67, obere Meerformation, 395 . Freyburg- «age der Stadt, 13. Nagelfluh im Canton, 116. Frieniöberg, Form, io- Muschelnagelfluh , 117 , große Blöcke, 227 . Brglink., S63. F r u t i g e n, Conglom. der Tellrn- burg, i7o. Fündlinge, 205, FusuS, 379. G. Gabbro, in der Nagelfluh, 121, Geschiebe im Jura, 224, bey Neuenegg, 226, am Gurten, 226. Gallen, St., Nagclfluh, 166. Petrefaeten, 380. Gentelthal, Granitblöcke,212. G e 0 g n 0 si e, ihre Fortschritte in der Schweiz, V. 22. Gerölle, in der Molasse, 93. Gerzensee, Pctref., 333. Verhältniß zum Auüerlager, 374. Geweih, fossiles, 3c>i. Gibelegg, äussere Formen, 4. G neu S, in der Nagelfluh, 120. 130. 143. 152. Blöcke im Aar. thal, 213, ihr fpec. Gcw., 219. Gold, im Flußsand, 233. GoumoenS, Kalklager, 283. Granit, in der Nagelflub, 118. 119. 120. 129. 140.141. 142.143. 146. 131. 132. 1 55. Blöcke im Habkerenthal, 166.167, im Aarthal, 211, ihr spec. Gew., 219, am Jura, 221, im Steinhof, 228. Grgnitporphyr, in der Nagel- fluh, 119.131. Grauholz, Lage, 9, Äussere Form, 10, KieSlager, 203. Gra uw acke, im Habkerenthal, 167. Grob kalk, von Paris, Charakter, 93.17, Verhältniß zur Molasse, 390. Register. 421 Grümdten, Steinart, 65. Grüner, über die Petrefacten, 249. 340. Gryphiten, in der Molasse,250. Gsteig, Conglomerat, 171. GuggerSbach, Bittersalz, 94. GuggiSberg, Nagelfluh, 111. Petrefacten, 356. 375. Gümmenen, foss. Knochen, 295. Günsberg, Felsblöcke, 224. Gürbemoos, 17. Gurnigelberge, Äussere Formen, 3, Gebirgsart,30, Pro. fil/ 35, Granitblöcke, 170. Gurnigelsandflein, Charakter , 32, in fremden Ländern, 67. Gurten, äussere Form, 10. Fels- blöcke , .214. 220. 226. Petrefacten , 367. 375. Gutenbrünnenfluh, Bittersalz, 94. Petrefacten, 360. Gyps, s. Bedeutung, D.6, am Schwarzen-See, 27, im Mu- fcherenschlund, 29, amGurni- gel, 31, bey der Kan derbrück, 36, in der Molasse, 104. H. Habkerenthal, große Blöcke, i65. 212. Conglomerat, i6s. Hegau, Molasse, 71. Heiligenkreutz, Molaffe,60. Heitenried, große Blöcke,225. Helix, 272. 288. 297. Hilfern, Profil, 52. Hilterfingen, Granit, tfo. Hindelbank, Grabstein, Li. Felsblöcke, 226. Hirzli, Nagelfluh, 65. H ö ch st e t t c n, große Blöcke, 216. H o h b u r g, Petrefactenlager,348. Höheangaben, V. 28. Hohfurren, Petrefacten, 347. Holz, fossiles, s. Braunkohle, in Mooren, 237, in der Dammerde, 264. Holzkohle, mineralische, 276. Homberg, 4. Honegge», äussere Form, 4. Steinart, 57. . Hornstein, in der Nagelfluh, 113. 123. Humboldt, von, Benennung der Molaffe, V. 13, Alter der Molasse, V. 19. Hundszahn, fossiler, 302. Hürndli, äussere Form, 5, Steinart, 53. Hütligen, Austerbank, 339.374. Jaberg, Kieslager, 202. Jensberg, äussere Form, h. Steinart, 178. Jllerthal, Steinarten am Aus« gang, 65. Jmi, Petrefactenlager, 363.374. Julimont, äussere Form, iQ. Steinaxt, 191. Jura, unter der Molasse, 68. Molasse in feinen Thälern, 70. Mufchelfandst. in f. Thälern,181, große Blöcke, 222. Süßwasser- bildungen, 285. 289. K. Kalk, in der Molaffe als Lager, 92, als Knauer, 99. 296, als Geröll in der Nagelst., 111.112. «8.122. ii8, als große Blöcke, 422 Register. 214/ ihr spec. Gew. / 219/ bey Neuenegg , 226. Kalkgebirge/ Entstehung,V.6. Abtheilung / V. 17. Kalkketten/ allgem.topograph. Verhältn., 51. Kalkspath/ in der Molasse/78. 92. 94, im Muschelsand,l./176. Lander/ W früherer Lauf/17. Kanderbrücke / Gyps / 36. Kieslager/ 200. K ä p fn a ch / Kalklager,92. Braunkohle und Petrefactcn , 274. Karg/ überOeninge»/ 290. Keferstein/ benennt die Molaffe/ D. 12. Kienthal/ Sandstein/ 47. Kieslager/ Beschr./198/ auf großer Höhe/ 203. Kirchenfeld/ Petrcfacten/347. Knauer/ harte/ in Molasse/ 93. 97/ enthalten Petrefact./ 295. Koch / über das Seeland /12.238. Körner/ grüne/ im Muschelsandstein / 173. Krattigen/ Sandstein/ 47. Krauchwyl, große Blöcke/ 227. Krummenfluh/ Petref./ 377. Kurzenberg/ äussere Form/ 5. Lagerung / 53. Felsblöcke/ 216. ^ a » g / über die Petref./ 249.251. Längenberg / äussere Form/ 4. 6. Steinart/149/ große Blöcke/ 214. Petrcf./ 356. Längenthüler/ in derMol.,13. Lardy/ über Ammoniten in der Molasse / 250. Laumonit, zuRalligen, 47. Laupen, keine alpin. Blöcke/ 220. Lausanne, Petref./ 256. Lehm, 200 . Lengnau/ große Blöcke/ 221. 223. 224. Letten, 92. Levade, über fossile Pflanzen, 256. Ligniten, s. Braunkohle. Linden thal, Entstehung, 229. Linth , 21. Lochenberg, Petref., 338. Lochseite, äussere Form, 5. Steinart, 54. Locke, Süßwasserform, 289. Luc, de, über die Petrefact. der Molasse, V. 21. Lupin, von, über das Jller- thal, 66. Lutraria, 317. Lutry, Ammoniten, 249. Lutzeren, Felsblöcke, 226. Luzern, Molasse, 75. Nagelfluh , 154. Petrefacten, 377. Lymnaea, 273 . 288 . M. Maetra, 305. Manatirippen, 301. Man g an, als Anflug, 202. M a r ch b a ch, geogn. Beschr., 139. Petrefacten, 358. Märch ligen, Petrefacten, 346. Mario, Monte, beschr., 392. Marti«/ St., Braunkohle und Petrefacten, 270. Mastodonten, 273 . 28 '. Maykirch, Kieelager, 203. ^ M a z e« 6, beschr. d.M.Mario,392. SS -423 Register. Meerformation, obere /Charakter / D- 20 / ihre Verhältnisse in der Molasse, 246. 391 , ihre abs.'Höhe, 407. Meisner, über fossile Knochen/ 278. 293. 301. M e l a n i a, 277/ Meleagbina, 327. Mergel / grauer, Fundorte / 38. 33. 66/ beschrieben/ 76. 89/ mit Braunkohle, 27i, 276. - . — — bunter/ Fundorte/ 52.54.56. 62, beschr./ 76. 99. Mergelsandstein/ ist Molasse, B. 13. Merligen, Steinarten, 37. Meyer, R., über die Nagelssuh, V. 10 . ,, Mineralwasser, 233 . Miüelachberg, äussere Form, 10 . Steinart, 192 . Mitra, 335. 379 . 0 di 0 la, 326. olasse, dichte, Vorkommen, 52 . 51 67. Beschr., 73. -- — feste , Vorkommen, ,62. 65. Bescbr., 74. - — Formation, Alter, V. 16 , 282 . 402. .Benennung, V. 12 , Charakteh- P. i5, Einsheie lung, V. 11 ^.Entstehung, ,4M Lagerung, ss§9. Vegetation,?42;. Wichtigkeit, D. 25. - — gemx in e, Vorkommen, 56. 71. Beschr., 78. - — grobkörnige,Vorkommen , 53. 55 .57. 60 . Beschr,, 73. — harte, Beschr., 88. , — kleinkörnige,Beschr.. Molasse, lockere, Beschr.,95. — — - sänd, Beschr., 96. Molezon, Steinart, 32. Mokiere, Steinart, 192 . Pe- trefacten, 308. Moore, 236. Morell, Analysen von Mineralwässern, 233. Müllerenmoos, Steinart, 60 . Murex, 307. 333. Muri, große Blocke, 215. Muschelfluh, am Belpberg, 350. Muschelnagclfluh, Beschr., 185. Petrefacten, 299 . Muschelsandstein, Beschr., 174. Petref., 299 . Alter, 385. Muscherenschlund, Steinart , 29 . Mya, 308. 317. Mytilus, 327. N. Nadelkohle, 377. Nagelfluh, Alter, 403 . Beschreibung, 106 . 111 . II 6 , 128 . Entstehung, V, 32, 159: 183. Mächtigkeit, .115. ; , 127 . Name, V. 15. Nester, 136. 147 Vegetation, 24l. Verhülln, zum Kalk- gebirge, V- 10 , 161 , zur Molasse,. 135. Vorkommen, 35.52.54—69. 111—138, im Jura, 183.185. Napf, 7. . NaterS, 8. Natiea, .331. 379. • Neuenegg, Geschiebe, 225 . Nummuliten, in der Molasse, 252. 424 Register. O. Oberaar, Petref./ 351. Oberdorf, große Blöcke/ 222 . 224. Obermuhlere»/ Petref./ 366. 374. Oeninge«/ 289. Oron/ Braunkohle/ 270. Öftre«/ 307. 329. P. Pagenftecher/ Wasseranalyse/ 233. Palmüberreste/ 237 .176. ( Paludina/ 289 . Panopä«/ 316. Panopckenlagek /349. Bestimmung der Lage/ 371. Paudex/ Braunkohle/ 269 . Pechkohle/ s. Braunkohle. Pecten/ 307. 327. 378. Petrefacten/ Schwierigkeit fte zu bestimmen / V. 34/ drey Gesichtspunkte ihrer Bestimmung/ V. 33/ Bedeutung in der Geo- gstoste, 243. Petkefaetenlager, allgemeine Verhülln. in der fubalp. Gruppe/ 337, 340. 355 . Pflanzen/ fossile/ 253. Pholas/ 3io. PilatuS / Vorberge/ 60 . Pinn«/ 3/8. PlanorbiS/ 273. 288 . Plastischer Thon/ Charakter/ V. 17 / mit der Molasse verglichen/ 283. Porphyr / in der Nagelst./ 120 . 121 . 122 . 142. Portugal/ obere Meerform/ 395. Prevoü/ über die Wiener Gegend / V. 21 / 39z. Pyrenäen/ Molaffe an ihrem Fuß/ 67. 395. Quarz/ gemeiner in der Nagelfluh /143. i44.145.152/ körniger in der N./ i4o. Quelle»/ im Gebiete der Molasse/ 232. Querthäler/ i4. 405. R. Ralligen/ Steinarten undPe- trefaeten , 37. 124. Ralligstöcke/ <3teimt / 49. RämiSgum/ 9. RazoumovSki, über das See- land , 238 / über die Petrefacten der Waadt/ 249/ über la Mokiere / 308. Reuß/ ihr Lauf/ 21 . Rhein/ sein Lauf /21 / seine Ufer unterhalb Schafhausen, 103. Rheinthal/ Steinart am Ausgang / 76. Rhinoceros/ fossil/ 28 i. 302 . Rhone/ ihr Lauf/ 14. Riedburg/ große Blöcke/ 225 . Ri g g i sb e r g / Granitbl./i70.2i4. Rigi / Stewart/ 60 . >54. Rohr/ fossiles/ 255. Rüggiobcrgegg/ 4. ^ S. Saaste/ ihr Lauf/ 15. Salpeter, in der Molaffe/ 84. Sandstein / brauner/ 4o. 59. 64/ grüner/ 45. 59/ als Geröll Register. 425 in der Nagelfluh / 112.118.123. Sentis, Gteinart seiner Vor- 124.129. 130.141.144.152. berge, 65. Saphorin, St., Braunkohle, Sevey, Conglomerat, m. ■ 270. Serpentin, in der Nagelfluh, Saussure, über die Nagelfluh, 145, als Geschiebe, 226. V. 33, 131, über den grünen Serpula, 315. 345. Sandstein , 132, über die großen Scrtularia, 368. Blocke, 206. GigriSwyl, große Blöcke, 21z. Schanzn au, große Blöcke, 169. Solen, 315. Scheuchzer, über Petrefacten , Solothurn, Molasse, 70, große 249. 251. Blöcke, 222. 223. Schildkröten, 294. 303. Gorvilier, Nagelfluh, 182. Schlüpfer, Petrefacten von St. Stinksteinlager , 286. Gallen, V. 21, 242.381. Specifisches Gewicht, Be- Schnotwyl, Nagelfluh, 187. stimmung desselben, 82. Schrammberg, 275. Speer, Steinart, 65. Schüpberg, Form, 10, große- Svb ärosiderit, 38. 77. Blocke, 227. - SteffiSburg, Thonlager, 92. Schuttmassen, 204 . Steiglen, Profil, 54. Schuttströme, Kraft derlei- Steinhof, große Blöcke, 228. den, 230. Steinkohle, s. Braunkohle, Schwarzeaburg, große Blp- der Kalkgebirge, 261. cke, 225. Stinkkalk, mit Braunkohle, Schwarz-See, Steinart seiner 271.275, ohne Braunkohle', 284. Ufer, 26. 291. Schwarzwasser, seioLauf,20. Gtockenthal, 17. Schwefelwasser, in der Mo- Strätligen , KieSlager und lasse, 233, ihre Entstehung, 262. Braunkohle, 200. Schweinsberge, Gestalt, 3. Stroßberg, 275. Steinart, 27. SupalpinischePetrefacten, Schwendelberg, äussere Form, 313. Topographie, 336. Lage- 4. 10. 113. ' rung, 369. Alter, 385. Seeland, allgemeine Verhält- Subapenninischc Hügel, Nisse, 11. 238. beschrieben, 391. Seitenthäler, im Gebiet der Süderen, große Blöcke, 216. Molasse, 21. Süßwasserbildungen, V. Selzach, Molasse, 69. 19 , 245. 273. Schwierigkeit Semsale, Braunkohle, 270. ihrer Untersuchung, 266. Alter, Sense, ihr Lauf, 19. Profil, 4oo, 34. 28 426 Register, T. Tägertschi,,. Bittersalz/ 94, Petrefaeten, 34i. Talkschiefer , als Geschiebe/ 226. 227. Tellenburg, Conglom., 47, 170. T-llina, 318. 378. Temperatur, von Bern, V. 2S> Tennli, Petrefaeten, 343. Terebra, 307. Terebratul iten, in der Mo- lasse, 230. Tertiärgebirge, Formationen desselben, V. 17. Thal, an, Ketrefacten, 347. Thäler, in der Molasse, 13. Thon, als GebirgSart, 92. 99. Gallen, 94, im Diluvium, 200. Thun, Nagelfl., 116. Mergel, 126. Thuner «See, seine Ufer, i7, große Blöcke an denselben, 213. Thung schneit, KieSlager, 202. Dhurgau, Muschelsandst., 181. Tiefenbachtvbel, V.10, 62. Torf, 236. TraverS, Val de, große Blöcke, 220. Lrechfel, Höhe von Bern, V. 29, des Seelandes, 12, fpeeif. Gew. der Molasse, 82 , derFünd- linge, 219. Trigvirrlja, Zi. zz. Trochus, 307. Z3i. 379. Tschuggen, Petrefaeten, 36i. 375. Tuff, auf der Melasse , 236. Turritella, 212.332.379. U. Uebersdorf, große Blöcke, 225. Bit«», Braunkohle, 274. Ungern, Molasse, 67. Braunkohle, 281. Stinkstein, 29t, obere Meerformation, 400. Unio, 272. 326. Urgebirge, Entstehung, D.3. Urnäsch, Aagelfluh, 155, Uttinger, über das Jllerthal, 66 . Utzigen, Muschelsaudstein, 179, große Blöcke, 217. V. .Vegetabilien, foss.s. Pflanzen. Vegetation, auf der Molaffe, 47. Venericardia, 378. Venulitenlager, 352. Venus, 320. Vevaise, Sandstein, 47. VoironS, Steinart, 32. Voluta, 308 . 379 . W. Wabern, Steinbruch, 86. Pc- trefacten, 368. Wäggithal, Steinart, 64. Walkringen, große Blöcke, 217. Thalbildung, 229. Wasserkies, mit der Braunkohle , 2-9. Wein Halde, Petrefaeten, 257. 341. 373. Wien, obere Meerformat., 398. W i e r e z w y l, große Blöcke, 227. Wietlisbqch, Granite, 223. W i g h t, obere Meerformat., ss«. 427 Register. Wolfsmatt, Austern, 34». Wycken, Muschelsandstein, M. Wynau, fossile Knochen, 295 . Wyttenbach, über die Geschiebe von Neuenegg, 225 . .Z. Zoophyten, fossile^ 368. Zuger-Kee, Lagerfolge, 61 Nagelfluh, 164. 7/v/V /. EnetbachhoKe- Wölkring'e«.. Ruhigen. HoViburg. Arm. Ami. LaushülEenesel. Huhmatt. Napf. Biglen. Blasen, Schyttenzing'eit. Staheleck, Wyl ' Hurnl*erg’ Oberthal. Hüclistetlen, Röschberg: liallenbülil. Äunsittgon Höh.« SrkwuntR. Kigi. Rlatus. Schywberg'. Tliorgiit«h. ScUaaftnalt.FeuersIpni. Oemschigrat Hefttfluh.. Srhraltenfluli. TilUis. Pio t hltu r n tu rgy e ng-ti tsch llohg'aut. Garden. Wildg'ei’sten.Nrhwui/horn Wett er hörn OcrghVfmfc, Schrediboriier VWchef’börnrr. Füisteraarhorn. Eigcr. Mwicli »Sehne ehern. J ungfrau. Iltmhoden, Schwarzfluhti. Rirsb. fcibiutt«t*U*iifluh. ^pyrtofoen H agieren Stauffen SeheibengutscH Rinletrc Fluh. Baumg-artenfluh. BratwandfUlh. Soltlfkili. Wellliorn Sclionz. ßlurahora llotlilioru.Mittelgnat. Mohre. Ralhgslocke. Rellerihöchst. SuLiigg. Abeudberg Lii(gumm, R^fferseck.Räimsg-u,,,,,, Banchleu. Hyschibodenfluh * Biirmooa. Obei-lmden Acsdilenalp. ' tlofineggrn. Knubcl. Lueghubel.Stauffenfuiulivl. IIoi-ilIi. Haseheg^. Homhci-g. HoWoulen. Blume. Hilterfingcn. Hei). Schu-anrii. Sigrisn-yl. Kalifen Heutligvii. GlaaUotzHuli. Raube, * • FaDienfluli . Kiesend .Rirdem'it'luh Reust. -RuppenflulL.Grüsisberg' 4 Harzert Tagertschi, Lochenherg.. A I I »h. JZ\ 'seux-"'*• ' - k ""-.r - H.Sc\i. J. A Seit. "/-'r p ^ &ch Xv... ^ . T1 X.-^- Sthr. W Seh. Sp-.,- Hef. X - - <* &. ____ T( .. iv ’7 . ■ ■ ■ 1 ...> - n " X_ JJ 1 ' " "*,,, y\ W- » / <\ :$. ÖÜl. N '- öl. Mit. "> X "X XX X s - /-\ Sl Ä ' lliWh:* ..■'..'ki'Xv X;. -.. / SuL. .*■» - • 'CHjeihofeö Tliuner See . m, y// w 1 Piff.l. IKirchsduult am rechten Ufer der Sense. GuuaigeUcettfc G u^er-gKorrL. ftcKwendelber^ . Uallstattegig. X 3 11.1®^' 66°n UtO \ ÄusammcnfHisS der Sense. ISO Fig’-S. Rechtes UFer des Thunersees zwischen. Ra,I, g f X* e Sigiiswyl Und Merlin»cn X\ . ,y^ ^ .V-Strasse to’s JualdSnoI. W® ... AS n-100. __ HW "ao* M. tdkmeren* rabe*’" 3101 ® rrte ^' _ ü ha)Vi^ en ;* .ItnlftO --K V y'^n .90 ' / Eageng^Lben. 6»n M. JStr usse imckMei-lingen. —-——V30 Fig.3. DurchschvuU: des Jftvsthales zwischen Rarbadi und Esdiobmaft. BocUeViorn oder Hund8egg Bäudden /' / / H y s rj» l bo <) e n Fluh \ 28 h f 1^ ■ O »M5. %% nilö Bn. .300“- ■53 n IIO - 12 « Vi.g-.-4. Durchschnitt der Ost, / seile des Belpber^s. Met 370 300 ' J— -- A3 200 [U0 100 X. JtS tu- Svgmal. fVuStcrn ffa^eirhvh. Panopam Lag'er. Grosse Vecten u. Venus Unteres PetrcR li«^*er Mittlere Ma^elflnh. Untere Na^elfluh. G. Sttet/e.r <4/ Vv \ Marchlitige\\ ßrirleii- F iikrVi •'•' : '-v i*nÄpra¥*-r - • -^:-; o?st ,<,,,. "'y'Mri k r» ■ -K- ^ ' M '■'%,. ^ äML - ■??!&,. ji>''4iSr-. >,1*'-. ttf!- A^MW^MW - 1 - V'HÄfe“ ( -%8 n ..... M- I ^ «4 s ■HVultl " \ A. iiaa .iytajf von, JI OQOO füe- m ! >' r ?■ i. 3. X i. tf ^ ~H = 9